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SACHSEN
Die Fakten
Staatskanzlei
AUSGABE 2004

 
Grußwort
......................................................................................................................................
2
Land und Leute
Reizvolles Sachsen:
Landschaften/Flüsse und Seen/Klima ......................................................
5
Die Sachsen – ein eigenes Völkchen:
Räumliche Verteilung/Bevölkerungsstruktur/Religion ..
7
Die Sorben – viel mehr als Folklore
.....................................................................................
11
Gestern und Heute
Sachsen macht Geschichte:
Von der Frühzeit bis zur Neuzeit ...................................................
13
Tabellarischer Überblick
.........................................................................................................
17
Verfassung und Gesetzgebung
Sachsen in guter Verfassung:
Sachsen als Freistaat/Verfassung/Wappen/Flagge/Hymne ........
21
Sachsens starke Kräfte:
Landtag/Parteien/Verbände/Bürgerschaftliches Engagement ............
23
Verwaltung und Politik
Sachsen mit schlanker Verwaltung:
Ministerpräsident, Ministerien/Landesverwaltung/............
29
Haushalt /Kommunen /E-Government /Gesetzesvereinfachung
Sachsen in Europa und der Welt:
Föderalismus/Europa/Internationale Beziehungen .............
34
Recht und Sicherheit
Die Judikative – Die dritte Kraft in Sachsen:
Justizaufbau/Justizbedienstete .....................
37
Für ein sicheres Sachsen:
Polizei/Kriminalität/Justizvollzug .....................................................
38
Sachsen sind gut geschützt:
Rettungswesen/Die Flut 2002/Hochwasserschutz ......................
40
Wirtschaft und Arbeit
Sachsen mit aller Kraft voraus:
Wirtschaftsstruktur/Außenhandel/Messen/ ..........................
43
Wirtschaftsförderung/Arbeitsmarkt/Einkommen und Preise
Leben durch Sachsens Natur:
Land- und Forstwirtschaft/Tierhaltung/Weinbau/Bergbau .......
50
Infrastruktur und Kommunikation
Sachsen in Bewegung:
Verkehrswegenetze .............................................................................
55
Sachsen mit Energie:
Energiewirtschaft/Energiebörse/Trinkwasser/Abwasser .........................
58
Sachsen mit eigener Meinung:
Presse/Rundfunk/privater Rundfunk ......................................
61
Sachsens Verbindungen in die Welt:
Telefon und neue Medien .............................................
63
Bildung und Forschung
Sachsen bildet sich:
Bildung/Hochschulen und Berufsakademien/Büchereien, Archive .............
65
Sachsen denkt weiter:
Erfindungen/Forschung und Entwicklung/Technologietransfer ...............
71
Soziales und Sport
Wir Sachsen kümmern uns:
Gesundheitswesen/Familien/Behinderte/Sozialhilfe/Senioren .....
75
Sportliches Sachsen
................................................................................................................
78
Kunst und Kultur
Kultur erleben:
Burgen, Schlösser und Gärten/Architektur/Bildende Kunst/Musik und ..............
81
darstellende Kunst/Volkskunst/Feste und Festivals/Kulturförderung
Sachsen bewahrt Erinnerungen:
Museen/Gedenkstätten .......................................................
88
Typisch Sächsisches:
Mundart/Sächsische Küche ...................................................................
90
Natur und Freizeit
Natur und Umwelt in Sachsen:
Vegetation/Schutzgebiete/Umweltschutz ..............................
93
Gäste sind in Sachsen willkommen:
Tourismus/Freizeit/Erholung .........................................
96

image
 
Prof. Dr.
Georg Milbradt,
Ministerpräsident
des Freistaates
Sachsen
Der Freistaat Sachsen hat eine traditionsreiche, wechselvolle Ver-
gangenheit, eine spannende Gegenwart und viel versprechende Zu-
kunft. Die Gründung der Mark Meißen im Jahre 929 gilt als Ge-
burtsstunde Sachsens. Das zweite entscheidende historische Datum für
Sachsen und ganz Deutschland ist der Herbst 1989. Denn es waren die
sächsischen Städte Leipzig, Plauen und Dresden, in denen Hundert-
tausende von Demonstranten die friedliche Revolution auslösten und
damit den Weg für die Deutsche Einheit bereiteten.
Die Kulturschätze im Land ziehen Menschen aus Nah und Fern an.
Sachsens Herrscher, bis 1918 durchgehend das Haus Wettin, waren
zwar nicht sonderlich erfolgreich in der Kriegsführung. Dafür liebten
sie umso mehr Kunst, Kultur, Handel und Wissenschaft. Die Pretio-
sen im jüngst eröffneten neuen Grünen Gewölbe im Dresdner
Schloss, die Gemäldegalerien und die vielen historischen Kleinode
auch außerhalb der Landeshauptstadt zeugen von dem reichen und
vielfältigen kulturellen Erbe dieser Region. Dies ist nicht zuletzt
auch eine Folge der wirtschaftlichen Prosperität, die im Silberbergbau
im Erzgebirge begründet liegt. Ab dem 13. Jahrhundert blühte das
Land auf und Städte entstanden; 1409 wurde die Universität Leipzig
gegründet, 1497 erhielt Leipzig das Messeprivileg. Zahlreiche Er-
findungen stammen aus Sachsen, Künstler und Wissenschaftler von
Weltruf wirkten hier, unter anderem Johann Sebastian Bach, Bernardo
Belotto („Canaletto“), Caspar David Friedrich, Wilhelm Ostwald
oder Gotthold Ephraim Lessing.
Die Menschen in Sachsen, unter ihnen Vogtländer, Erzgebirgler, Sor-
ben und Niederschlesier, sind sich ihrer Geschichte und ihrer Tradi-
tionen bewusst. Auch weiterhin gehen die Impulse für die Gestaltung
2
Grußwort

image
des Freistaates von seinen Menschen aus, von ihrer Bodenständigkeit,
von dem sich wieder Bahn brechenden Unternehmergeist, von wirt-
schaftlichem und wissenschaftlichem Tatendrang, von Neugier auf al-
les Neue und von der großen Affinität zu technischen Entwicklungen.
Nicht umsonst gilt Sachsen als das Land der Ingenieure. Aber auch die
handwerklichen Fertigkeiten, man denke an das Meissener Porzellan,
sind weit gerühmt. Die erfolgreiche Ansiedlung großer internationa-
ler Firmen und Forschungszentren seit 1990 zeigt die Zukunft Sach-
sens. Heute spricht man vom „Silicon Saxony“, und meint den in Eu-
ropa führenden Mikroelektronik-Standort zwischen Dresden und
Freiberg, man spricht vom „Autoland Sachsen“ mit VW-, BMW-
und Porsche-Ansiedlungen oder von biosaxony, der Biotechnolo-
gieinitiative der Sächsischen Staatsregierung.
Ich lade Sie ein, lernen Sie Sachsen kennen! Besuchen Sie den Na-
tionalpark Sächsische Schweiz oder die beiden jüngsten Weltkultur-
erbestätten Dresdner Elbtal und Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau.
Vielleicht genießen Sie ein Konzert der Sächsischen Staatskapelle
Dresden oder des Leipziger Thomanerchores.
So abwechslungsreich der Freistaat – so vielfältig die Möglichkeiten.
Lassen Sie sich überraschen! Sachsen bietet mehr, als sich in dieser
Broschüre darstellen lässt.
Georg Milbradt
Sächsischer Ministerpräsident
Grußwort
3

image
 
LAND UND
LEUTE

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Reizvolles Sachsen
Lage und Fläche
Sachsen, im Osten der Bundesrepublik Deutschland gelegen, erstreckt
sich von der Leipziger Tieflandsbucht und der Niederlausitz im Norden
über das mittelsächsische Hügelland und Lausitzer Bergland bis hin zum
Kamm des Erzgebirges und den Höhen des Vogtlandes im Süden. Im
Südosten wird Sachsen durch das Elbsandsteingebirge und das Zit-
tauer Gebirge begrenzt.
Gemeinsame Grenzen hat Sachsen mit den deutschen Bundesländern
Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern sowie auf einer
Länge von 454 km mit der Tschechischen Republik und auf 123 km mit
der Republik Polen.
Die Fläche des Landes beträgt 18 414 km
2
. Der Freistaat ist damit das
viertkleinste Flächenland Deutschlands. Die am höchsten gelegene
Stadt in Sachsen ist der Kurort Oberwiesenthal im Erzgebirge mit
920 m über NN, der tiefste Punkt in Sachsen ist der Ortsteil Greudnitz
der Stadt Dommitzsch (Landkreis Torgau-Oschatz) mit 73 m über NN.
Die sächsische Landeshauptstadt ist Dresden.
Sachsens Tiefland
Dazu gehört vor allem das nordsächsische Flachland mit Höhen von et-
wa 100 m ü. NN im Norden und einem Anstieg nach Süden auf etwa
160 m über NN. Diese Landschaft wurde im Laufe der Zeit durch den
Braunkohletagebau teilweise erheblich verändert.
Die Leipziger Tieflandsbucht reicht wie eine Meeresbucht weit in das
mittelsächsische Hügelland hinein und bietet beste Bedingungen für die
Landwirtschaft. Der östliche Teil des Tieflandes wird vor allem durch
das Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet bestimmt. Nördlich davon hat
gleichfalls der Braunkohlenbergbau die Landschaft geprägt.
Sachsens Hügelland
Das sächsische Hügelland erreicht Höhen zwischen 120 bis etwa 280 m.
Es erstreckt sich vom Leipziger Land über das Mulde-Lößhügelland und
das mittelsächsische Lößhügelland bis zum Westlausitzer Hügel- und
Bergland und reicht in der östlichen Oberlausitz bis an die Grenze zur
Republik Polen.
Die zum Teil mächtige Lößschicht bietet fruchtbare Böden für die
Landwirtschaft, wofür beispielsweise die „Lommatzscher Pflege“ weit-
hin bekannt ist.
Restaurierte Görlitzer
Altstadt
Land und Leute
5

image
Sachsens Mittelgebirge
Die sächsische Mittelgebirgsschwelle umfasst das Vogtland, das Erz-
gebirge, das Elbsandsteingebirge, das Oberlausitzer Bergland und das
kleinste Mittelgebirge Deutschlands – das Zittauer Gebirge. Die höchs-
te Erhebung Sachsens ist der 1 215 m hohe Fichtelberg im Erzgebirge.
Während im Elbsandsteingebirge und im Zittauer Gebirge der Sandstein
vorherrscht, werden die Hochflächen im Erzgebirge von markanten Ba-
saltkuppen überragt. Das Erzgebirge war wegen seiner Bodenschätze ein
bedeutendes Bergbaugebiet, vor allem Silbererz und Zinnerz wurden
hier seit dem 12. Jahrhundert abgebaut.
Flüsse und Seen
Sachsen hat insgesamt 15389 km Fließgewässer. Auf einer Länge von
180 km fließt die Elbe, der bedeutendste sächsische Fluss, durch den
Freistaat. Weitere größere Flüsse sind die Vereinigte Mulde mit ihren
beiden Quellflüssen Freiberger Mulde und Zwickauer Mulde, die Lau-
sitzer Neiße, die Spree und die Weiße Elster.
Die größeren Standgewässer Sachsens sind allesamt künstlich angelegt
worden. Sie entstanden entweder durch Anstau von Fließgewässern
(Talsperren) oder durch Flutung von Tagebaurestlöchern. Derzeit ist die
Talsperre Quitzdorf in Ostsachsen das von der Wasseroberfläche her
größte sächsische Standgewässer mit 7,5 km
2
. Den größten Stauraum
besitzt die Talsperre Eibenstock mit 75 Mio. m
3
. Das höchste Absperr-
bauwerk hat ebenfalls die Talsperre Eibenstock mit einer 51,3 m hohen
Staumauer über der Talsohle. Auch die zweitgrößte Wasserbaustelle Eu-
ropas befindet sich derzeit in Sachsen. Bis zum Jahr 2006 soll der
Müglitzdamm über eine Staumauer von 220 m Länge und 40 m Höhe
verfügen und mehr als 5 Mio. m
3
Wasser fassen.
Durch Flutung der Restlöcher im Zuge der Sanierung stillgelegter
Braunkohletagebaue entstanden und entstehen in der Lausitz und im
mitteldeutschen Raum neue Seen. Der Restsee Spreetal/Bluno mit ei-
6
Land und Leute
Elbe
180 km
Zwickauer Mulde
167 km
Lausitzer Neiße
125 km
Freiberger Mulde
120 km
Weiße Elster
117 km
Spree
111 km
Vereinigte Mulde
83 km
Fließlänge
der Flüsse in Sachsen
Stand 2003
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
Winter im Erzgebirge

image
Einwohner pro km
2
Stand 30.4.2004
LK – Landkreis
krS – kreisfreie Stadt
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
Land und Leute
7
ner Wasserfläche von 12,1 km
2
wird dann die Talsperre Quitzdorf als das
Standgewässer mit der größten Wasserfläche ablösen.
Klima
Sachsen liegt in der Übergangszone zwischen maritimem westeu-
ropäischen und kontinentalem osteuropäischen Klima. Das Klima ist
wesentlich von den jeweils örtlichen geografischen Lagen abhängig. Im
Elbtal zwischen Pirna und Meißen (langjährige Jahresmitteltemperatur
in Dresden-Klotzsche: 9,2°C) gedeiht Wein, auch die Leipziger Tief-
landsbucht gilt als klimatisch begünstigt. Im Bergland hingegen, be-
sonders zum Kamm des Erzgebirges hin, überwiegt raue Witterung
mit höheren Niederschlagsmengen (langjähriges Jahresmittel Fichtel-
berg: 3,2°C). Diese klimatischen Bedingungen garantieren im Winter
nahezu schneesichere Pisten.
Noch vor ca. 24 Jahren allerdings lag das Jahresmittel der Temperatu-
ren in Dresden-Klotzsche bei 8,5°C, auf dem Fichtelberg bei 2,8°C (Jah-
resmittel der Jahre 1951 bis 1980).
Wegen des reizvollen Klimas sind in Sachsen bereits 15 Kurorte staat-
lich anerkannt, drei davon als Luftkurorte.
Die Sachsen – ein eigenes Völkchen
Räumliche Verteilung
In Sachsen leben nicht nur „Sachsen“ – vielmehr gibt es hier Vogtlän-
der, Sorben, Erzgebirgler, Meißner, Oberlausitzer, Niederschlesier und
unter 100
unter 200
unter 400
unter 1000
über 1000
LK Delitzsch
krS
Leipzig
krS
Chemnitz
krS
Plauen
LK
Leipziger
Land
LK
Mittweida
LK
Döbeln
LK
Chemnitzer
Land
LK
Muldental-
kreis
LK
Torgau-
Oschatz
LK
Riesa-Großenhain
LK
Meißen
LK
Weißeritz-
kreis
LK
Freiberg
LK
Stollberg
LK
Annaberg
LK
Mittlerer
Erzgebirgs-
kreis
LK Aue-
Schwarzen-
berg
LK
Vogtland-
kreis
LK
Kamenz
LK
Niederschl.-
Oberlausitz-
kreis
LK
Bautzen
krS
Görlitz
krS
Dresden
krS
Hoyerswerda
LK
Löbau-
LK
Zittau
Sächsische
Schweiz
krS
Zwickau
LK
Zwickauer
Land
Zauberhaftes Wetter
in der Sächsischen
Schweiz

andere mehr: Viele mit eigenen Traditionen und Mundarten und doch
alle in Sachsen zu Hause.
Der Freistaat ist mit einer durchschnittlichen Bevölkerungsdichte von
235 Einwohnern je km
2
das bevölkerungsreichste und – abgesehen
von Berlin – das am dichtesten besiedelte der neuen Bundesländer. Im
bundesdeutschen Vergleich nimmt Sachsen bei Bevölkerung und Be-
völkerungsdichte unter den Flächenländern einen mittleren Platz ein.
Sachsen hat mit dem oberen Elbtal zwischen Pirna und Meißen, der
Stadt Leipzig und dem südwestsächsischen Raum zwischen Chemnitz
und Zwickau drei Verdichtungsräume. Relativ dünn besiedelt sind hin-
gegen die im nordöstlichen Teil des Landes gelegene Lausitz, die Re-
gion zwischen Grimma, Torgau und Döbeln oder die Erzgebirgsregion.
Fast ein Viertel (22,1 %) der Bevölkerung des Landes lebte Ende 2003
in Gemeinden mit bis zu 5000 Einwohnern, ein knappes Drittel
(28,5 %) hingegen in den vier Großstädten. Diese Großstädte sind im
Jahr 2004 (Stand 30. April) die Landeshauptstadt Dresden mit 484429
Einwohnern, Leipzig mit 497857, Chemnitz mit 249496 und Zwickau
mit 99 513 Einwohnern. Die Bevölkerung der beiden Großstädte Dres-
den und Leipzig nahm in den letzten Jahren zu, die Bevölkerungszahl
von Chemnitz und Zwickau sank dagegen, so hatte beispielsweise
Zwickau im Jahr 2002 noch 100 892 Einwohner gehabt.
Ausgewählte
Bevölkerungsdaten
Stand 31.12.03
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
8
Land und Leute
Bevölkerung gesamt
4 321 437
davon Frauen
2 218 669
davon Männer
2 102 768
davon Ausländer
119 091
davon unter 21 Jahren
809 944
davon zwischen 21 und 60 Jahren
2 290 327
davon ab 60 Jahre und älter
1 221 166
davon in 361 Gemeinden unter 5 000 Einwohner
961 996
davon in 160 Gemeinden von 5 000 bis 100 000 Einwohner
2 128 356
davon in 4 Gemeinden über 100 000 Einwohner
1 231 085
Geburten gesamt
32 079
davon Mädchen
15 818
davon Jungen
16 261
Sterbefälle gesamt
50 669
Zuzüge
65 650
Fortzüge
74 648

Bevölkerungsstruktur
nach Alter und
Geschlecht
Stand 31.12.2003
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
Land und Leute
9
Bevölkerungsstruktur
Die Alterspyramide Sachsens ist – wie in den meisten neuen Bundes-
ländern – sehr unregelmäßig aufgebaut. Sehr tiefe Einschnitte gibt es bei
den heute etwa 60-Jährigen (2. Weltkrieg), den 30-Jährigen („Pillen-
knick“) und den 0 – 15-Jährigen („Wendeknick“). Der Aderlass des
2. Weltkrieges wäre noch größer gewesen, hätten sich nicht 997 798 Ver-
triebene aus Schlesien, Pommern oder dem Sudetenland in Sachsen an-
gesiedelt, dies entsprach im Jahr 1949 einem Anteil von 17,2 % der Be-
völkerung (Quelle: Bundesarchiv).
Nur 18,7 % der Sachsen sind jünger als 21 Jahre, 28,2 % der Bevölke-
rung sind 60 Jahre und älter. Das Land hat seit 1990 eine kontinuier-
100
95
90
85
80
75
70
65
60
55
50
45
40
35
30
25
20
15
10
5
0
männlich
Personen
weiblich
Alter in
Jahren
40 000 30 000 20 000 10 000
0
0
10 000 20 000 30 000 40 000

image
liche Abnahme seiner Bevölkerung zu verzeichnen. Hauptgrund dafür
war und ist die geringe Geburtenrate, die den Sterbefallüberschuss
nicht auszugleichen vermag. Im Jahr 2003 wurden auf 1 000 Einwoh-
ner Sachsens 11,7 Gestorbene, aber nur 7,4 Lebendgeborene gezählt.
Hinzu kamen Wanderungsverluste, insbesondere in die alten Bundes-
länder. Insgesamt verlor das Land durch die Überschüsse der Fortzüge
und der Gestorbenen seit Anfang 1989 knapp 14 Prozent der Einwoh-
ner. Knapp die Hälfte der erwachsenen Sachsen (46,8 %) ist verheira-
tet, mehr als ein Drittel (38,1 %) ledig, der verbleibende Teil verwitwet
(8,3 %) oder geschieden (6,9 %). Dabei wurden im Jahre 2003 in
Sachsen 14778 Ehen geschlossen und 8946 Ehen geschieden.
In Sachsen leben im Vergleich zu anderen Bundesländern wenige
Ausländer. Der Ausländeranteil betrug im Jahr 2003 nur rund 3 %. Die
größte Gruppe ausländischer Menschen stellen in Sachsen mit 11,6 %
die Vietnamesen.
Im Freistaat gab es im Jahr 2004 (Stand 30. April) 114 994 mehr Frau-
en als Männer. Dieser höhere Anteil ist auf deutlich mehr Frauen in den
Altersgruppen ab 54 Jahren zurückzuführen, bei den Jüngeren über-
wiegen dagegen die Männer.
Religion
Etwas mehr als ein Viertel der sächsischen Bevölkerung (25,2 %) gehört
einer der beiden großen christlichen Kirchen an, dabei dominiert im Mut-
terland der Reformation die protestantische Konfession.
In den Evangelischen Kirchen waren Ende 2003 in Sachsen 21,6 % der
Bevölkerung eingebunden, aufgeteilt auf mehrere Gliedkirchen: Evan-
gelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen, Evangelische Kirche der
schlesischen Oberlausitz, sächsischer Teil
1
, sowie Evangelische Kirche
Kirchenglieder
der Evangelischen und
Katholischen Kirche
Stand 31.12.2003
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
10
Land und Leute
Evangelische Kirchen
934 529
davon Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
851 210
davon Evangelische Kirche der schlesischen Oberlausitz,
sächsischer Teil
53 344
davon Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen,
sächsischer Teil
29 975
Katholische Kirche
155 719
davon Bistum Dresden-Meißen, sächsischer Teil
134 693
davon Bistum Görlitz, sächsischer Teil
14 895
davon Bistum Magdeburg, sächsischer Teil
6 131
1)
Zum 1. Januar 2004 haben sich die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg und die Evangelische Kirche
der schlesischen Oberlausitz zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz vereinigt.
Sächsischer Familien-
tag am 26. Juni 2004
in Annaberg-Buchholz

image
image
Weihe der neuen
Synagoge in Dresden
am 9. November
2001
Traditionelle
Osterreiter in der
Lausitz
Land und Leute
11
der Kirchenprovinz Sachsen, sächsischer Teil. Mit kleineren Gebieten
reichen außerdem die Evangelischen Kirchen von Berlin-Branden-
burg und Thüringen nach Sachsen hinein. Der Katholischen Kirche
gehörten 2003 in Sachsen 3,6 % der Bevölkerung an. Die Kirche glie-
dert sich in die über die Landesgrenzen hinausreichenden Bistümer
Dresden-Meißen, Görlitz und Magdeburg. Außerdem sind in Sachsen
drei schnell wachsende Jüdische Gemeinden mit 2055 Mitgliedern
(2003) ansässig.
Daneben gibt es noch Freikirchen und andere religiöse Gemeinschaften,
deren Mitgliederzahl allerdings nicht genau bekannt ist.
Die Sorben – viel mehr als Folklore
Sowohl in Sachsen als auch im benachbarten Brandenburg liegt die Hei-
mat einer nationalen Minderheit, der Sorben, einem westslawischen
Volk. Besucher der Lausitz merken dies zuerst an den zweisprachig ge-
haltenen Beschriftungen z. B. auf Wegweisern, Ortsschildern und den
Firmierungen über den Geschäften.
Ab und zu begegnet man noch Menschen in Tracht, und besonders um
die Osterzeit herum kann man die hiesigen Feste und Bräuche hautnah
erleben, so beim Osterreiten in vielen Gemeinden oder in Form von
wunderschön verzierten Ostereiern. Etwa zwei Drittel der ca. 40000
Sorben leben in der ostsächsischen Oberlausitz mit dem kulturellen
Zentrum Bautzen, wo ihre Kultur entsprechend der Landesverfassung
unter dem ausdrücklichen Schutz des Staates steht.
Die Domowina mit Sitz im Haus der Sorben in Bautzen ist die Dach-
organisation sorbischer Vereine und Verbände. Die sorbische Sprache
ist wichtigstes Merkmal sorbischer Identität. Sie wird in Teilen des Sied-
lungsgebietes der Sorben im täglichen Leben und in den Familien ge-
sprochen. Insbesondere in sorbischen Kindertageseinrichtungen, Schu-
len und sorbischen Einrichtungen sowie Vereinen werden sorbische
Sprache, Kunst und Kultur gepflegt.

image
 
GESTERN
UND
HEUTE

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Sachsen macht Geschichte
Geschichtliche Entwicklung bis zum Jahr 929
Zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert n. Chr. wandern die auf dem Ge-
biet des heutigen Freistaates Sachsen sesshaften germanischen Stämme
aus. Ungefähr seit dem Jahr 600 wird das Land von den slawischen Sor-
ben aus dem Gebiet des heutigen Polen bzw. Tschechien besiedelt.
Markgrafschaft Meißen 929 – 1423
Nach der Unterwerfung des sorbischen Stammes der Daleminzer grün-
det der deutsche König Heinrich I. im Jahr 929 die Mark Meißen. Zur
Christianisierung der heidnischen Bevölkerung entstehen 968 die Bis-
tümer Merseburg, Zeitz und Meißen. Im Jahr 1089 erhalten die Wet-
tiner die Markgrafschaft als Lehen. Die deutsche adlige und geistliche
Oberschicht im Land wird im Zuge der Ostausdehnung durch zuwan-
dernde Bauern und Bürger verstärkt.
Unter Markgraf Otto dem Reichen (1156 – 1190) kommt es zu einer
ersten wirtschaftlichen Blüte. Durch Rodungen entstehen viele neue
Dörfer, vorwiegend charakteristische Waldhufendörfer, lang gestreckt
entlang der Straße mit schmalen Streifen Ackerland hinter den Gehöf-
ten, begrenzt durch Baum- und Heckenreihen. Im Erzgebirge kommt
der Bergbau auf, wo zunächst kleinere Mengen Zinn, Kupfer und Ei-
senerz gefunden werden. Ein großer Silbererzfund in Freiberg löst
1268 das „Erste Berggeschrey“ aus, vergleichbar dem Goldrausch in
Amerika im 19. Jahrhundert. Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts grün-
den sich zahlreiche Städte.
Heinrich dem Erlauchten (1221 – 1288) gelingt eine ansehnliche Er-
weiterung des wettinischen Besitzes. Er erwirbt das Pleißenland, die
Landgrafschaft Thüringen sowie die Niederlausitz und gründet die
Mark Landsberg als neues Fürstentum. In der Folgezeit mindern Fa-
milien- und Erbstreitigkeiten die landesfürstliche Macht.
Nach dem Verlust der Mark Meißen an die Könige Adolf von Nassau
und Albrecht von Österreich gewinnt Markgraf Friedrich der Freidige
dieselbe in der Schlacht von Lucka (1307) zurück. Damit legte er
den Grundstein für den erneuten Aufstieg der Wettiner. Seinen Nach-
folgern gelingen wichtige Erwerbungen u. a. im Pleißenland, im Vogt-
land und in Thüringen. 1382 wird der wettinische Besitz zwischen
Meißen, Osterland und Thüringen geteilt. Allerdings stirbt 1407 die
Meißner und 1440 die Thüringer Linie aus, so dass die wettinischen
Lande wieder vereinigt werden können. Im Jahr 1409 erhalten die aus
Prag ausgewanderten deutschen Magister und Studenten in Leipzig
eine neue Universität.
Gestern und Heute
13
Ausschnitt aus
dem Fürstenzug am
Dresdner Stallhof

image
image
Urkunde des
Leipziger Messeprivilegs
von 1497
Emil Eugen Sachse:
Kurfürst Moritz von
Sachsen,
Kupferstich-Kabinett
Kurfürstentum Sachsen 1423 – 1485
Als Dank für den Kampf gegen die Hussiten belehnt Kaiser Sigis-
mund Markgraf Friedrich den Streitbaren 1423 mit dem erledigten
2
Herzogtum Sachsen-Wittenberg. Die Wettiner erlangen damit die Kur-
würde, gleichzeitig geht der Name „Sachsen“ auf die wettinischen
Lande über. 1464 wird Dresden Residenz des Kurfürsten.
Albertinisches Herzogtum Sachsen 1485 – 1547
Durch die Leipziger Teilung von 1485 zwischen den Brüdern Ernst
(Begründer der Ernestinischen Linie) und Albrecht dem Beherzten
(Begründer der Albertinischen Linie) wird der wettinische Besitz
dauerhaft geteilt.
Ernst erhält das mittlere und südliche Thüringen, das Vogtland, den
größten Teil des Osterlandes sowie das Herzogtum Sachsen-Witten-
berg mit der Kurwürde und Torgau bzw. Wittenberg als Residenz; Al-
brechts Gebiet umfasst die alte Mark Meißen, das östliche Pleißenland,
das Leipziger Land und das nördliche Thüringen mit Dresden als Re-
gierungssitz. Im Unterschied zum Ernestiner Friedrich dem Weisen,
der Luther schützt, stellt sich der Albertiner Georg der Bärtige gegen die
protestantische Lehre. Erst nach seinem Tod (1539) wird im albertini-
schen Landesteil die Reformation eingeführt.
Seit Mitte des 15. Jahrhunderts lassen große Erzfunde im Erzgebirge
weitere Bergbaustätten entstehen (Schneeberg, Annaberg). Im Jahr 1491
findet der Bergmann Kaspar Nitzel aus Frohnau eine ergiebige Silber-
ader und löst damit das „Große Berggeschrey“ im oberen Erzgebirge und
dadurch einen massiven Zuzug von Menschen aus. Auch Handel und
Handwerk Sachsens blühen auf. Leipzig steigt zur führenden Messe- und
Handelsstadt Mitteldeutschlands auf, nachdem Kaiser Maximilian I.
ihr 1497 das Messeprivileg und 1507 das Stapelrecht
3
erteilt hat.
Albertinisches Kurfürstentum 1547 – 1806
Herzog Moritz, der mit Kaiser Karl V. den ernestinischen Kurfürsten Jo-
hann Friedrich den Großmütigen in der Schlacht von Mühlberg (1547)
besiegt, bringt die Kurwürde und Teile des ernestinischen Landbesitzes
an die Albertiner. Kurfürst August gelingt der Erwerb der säkularisier-
ten Bistümer Merseburg, Naumburg und Meißen sowie des Vogtlandes.
Den letzten großen territorialen Zugewinn erhält Kursachsen im Dreißig-
jährigen Krieg, als im Prager Frieden (1635) die 1623 verpfändeten
14
Gestern und Heute
2)
Erledigt bedeutet unbesetzt bzw. frei, der Begriff wird verwendet, wenn der Inhaber eines Lehens
verstarb und sich kein legitimer Nachfolger fand.
3)
Das Stapelrecht beinhaltete im Mittelalter das von den Landesherren einzelnen Städten verliehene
Recht, vorüberziehende Kaufleute zu zwingen, ihre Waren für eine bestimmte Zeit in der Stadt zum
Verkauf auszustellen.

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Markgraftümer Ober- und Niederlausitz an Sachsen fallen. Durch den
Dreißigjährigen Krieg wird Sachsen allerdings stark verwüstet und ver-
liert nach dem Westfälischen Frieden (1648) im Reich zunehmend an Be-
deutung. 1656 werden die drei Seitenlinien Zeitz, Merseburg und
Weißenfels als selbstständige Fürstentümer von Kursachsen abgetrennt,
fallen aber bis 1746 durch Aussterben wieder an die Hauptlinie zurück.
Unter Kurfürst Friedrich August I. („August dem Starken“) erhält
Kursachsen wieder ein wachsendes politisches Gewicht. Dieser tritt
zum Katholizismus über und wird 1697 zum König von Polen gekrönt.
Damit regierte ein katholischer Kurfürst über die zumeist protestan-
tische Bevölkerung. Die sächsisch-polnische Union wird auch unter
seinem Sohn und Nachfolger Friedrich August II. (als polnischer Kö-
nig: August III.) fortgesetzt. Der Sammelleidenschaft Augusts des
Starken und seiner Nachkommen verdankt die sächsische Hauptstadt
Dresden zahlreiche prächtige Bauten und Schätze sowie ihren Ruf
als „Elbflorenz“.
Im Jahr 1710 wird die Meissener Porzellan-Manufaktur von August
dem Starken gegründet, der von nun an Porzellan als Staatsgaben an
diplomatisch wichtige Häuser verschenkt.
Den Siebenjährigen Krieg verliert Sachsen 1763 und verzichtet in der
Folge auf die polnische Krone. Die Kriegsfolgen im Lande werden
rasch überwunden, das Manufakturwesen, vor allem das Textilge-
werbe in Chemnitz und Umgebung, blüht auf. Leipzig entwickelt sich
im 18. Jahrhundert zum Zentrum des deutschen Buchhandels und
Verlagswesens.
Königreich Sachsen 1806/15 – 1918
Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon schließt Sachsen mit
Frankreich den Frieden von Posen (1806), tritt dem Rheinbund bei und
wird mit dem Königstitel belohnt. Während der Kontinentalsperre
entstehen zahlreiche mechanische Spinnereien, womit die Industriali-
sierung einsetzt. Der bis zuletzt am Bündnis mit Napoleon festhaltende
König Friedrich August I. wird nach der Leipziger Völkerschlacht
(1813) von den gegnerischen Verbündeten gefangen genommen und
zur Abtretung von mehr als der Hälfte seines Landes an Preußen ge-
zwungen. Die östliche Oberlausitz wird der Provinz Schlesien ein-
gegliedert, die Niederlausitz der Provinz Brandenburg, die übrigen
Gebiete der Provinz Sachsen. Andere kursächsische Landesteile fal-
len an Sachsen-Weimar.
Nach revolutionären Unruhen im September 1830 erhält Sachsen 1831
eine Verfassung. Reformen erneuern während der konstitutionellen
Monarchie die Staatsverwaltung, das Städte- und Agrarwesen sowie die
Heinrich Paul Groskurt:
Medaille mit Porträt
Augusts des Starken,
Münzkabinett, Dresden
Gestern und Heute
15
Historische Ansicht
von Meißen

image
Industriemuseum
Chemnitz
Volksschulen. Durch Eisenbahnbau und den Einsatz von Dampfma-
schinen schreitet die Industrialisierung weiter voran.
In der Märzrevolution 1848 gibt der König den demokratischen For-
derungen zunächst nach, lässt aber den Dresdner Maiaufstand von
1849 mit preußischer Hilfe blutig niederschlagen. Nach der Niederla-
ge im Krieg von 1866 muss Sachsen dem Norddeutschen Bund beitre-
ten und geht 1871 im deutschen Kaiserreich auf, dessen föderale Struk-
tur allerdings noch eine gewisse Selbstständigkeit gewährleistet.
Im 19. Jahrhundert entwickelt sich Sachsen zum ausgeprägten
Industriestaat. Es ist das am dichtesten besiedelte Land Europas. Mit
der Gründung des allgemeinen deutschen Arbeitervereins durch
Ferdinand Lassalle 1863 in Leipzig wird es zur Wiege der deutschen
Arbeiterbewegung.
Freistaat Sachsen 1918 – 1945; Land Sachsen 1945 – 1989
In der Novemberrevolution 1918 dankt König Friedrich August III. ab.
Sachsen wird Freistaat und erhält 1920 eine demokratische Verfassung.
Im sächsischen Landtag ist die SPD die führende Kraft und stellt un-
ter schwierigen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen bis
1929 den Ministerpräsidenten. 1929 – 1933 regieren Kabinette kon-
servativer Parteien.
Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wird Sach-
sen „mit dem Reich gleichgeschaltet“, das heißt als eigenständiger Frei-
staat aufgelöst und einem Reichsstatthalter unterstellt. Die parlamenta-
rische Demokratie wird abgeschafft. Im 2.Weltkrieg erleidet auch Sach-
sen schwere Verluste an Menschenleben und Kulturgütern. Besonderes
Symbol des Krieges ist die Vernichtung Dresdens mit der Frauenkirche
zwischen dem 13. und 15. Februar 1945.
Nach 1945 untersteht Sachsen, dem durch die neue Grenzziehung an
Oder und Neiße die 1815 abgetrennten Gebiete um Görlitz und
Hoyerswerda angegliedert werden, der Kontrolle der sowjetischen
Besatzungsmacht.
1949 wird Sachsen Land der DDR. Zur Stärkung zentralistischer Struk-
turen werden 1952 die DDR-Länder aufgelöst. Sachsen wird in die Be-
zirke Chemnitz (ab 1953: Karl-Marx-Stadt), Dresden und Leipzig geteilt,
kleinere Gebiete kommen an die Bezirke Cottbus und Gera. Görlitz
und Niesky waren sächsische Zentren des Volksaufstandes vom 17. Ju-
ni 1953, welcher auch hier blutig niedergeschlagen wird. Anfang der 80er
Jahre gehen mit der Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“, dem Sozialen
Friedensdienst und dem Dresdner Friedensforum wichtige Impulse für
die Friedensbewegung und die sich bildende Opposition in der DDR von
Sachsen aus.
16
Gestern und Heute

image
 
Freistaat Sachsen ab 1990
Die friedliche Revolution von 1989, die von Leipzig, Plauen und Dres-
den auf die gesamte DDR übergreift (Montagsdemonstrationen), been-
det die Herrschaft der SED. Der Freistaat Sachsen wird am 3.10.1990
wieder gegründet, er geht aus den Bezirken Leipzig (ohne die Kreise Al-
tenburg und Schmölln), Chemnitz und Dresden sowie aus den einst
zum Bezirk Cottbus gehörenden Kreisen Hoyerswerda und Weißwasser
hervor. Mit dem Beitritt der DDR zum Grundgesetz wird Sachsen Land
der Bundesrepublik. Prof. Dr. Kurt Biedenkopf wird am 27.10.1990
vom Landtag zum ersten sächsischen Ministerpräsidenten nach der
„Wende“ gewählt. 1992 erhält das Land eine neue Verfassung.
Tabellarischer Überblick
Erster sächsischer
Ministerpräsident nach
der deutschen Wieder-
vereinigung, Prof. Dr.
Kurt Biedenkopf
Gestern und Heute
17
Deutsche Vorzeit 1000 v. Chr. bis 900 n. Chr.
Zeit
Entwicklung in Deutschland
Zeit
Entwicklung in Sachsen
5 Jh. v. Chr.
Beginn germanischer Einwanderung
um 600
Slawische Besiedlung setzt ein
800
Krönung Karls I. des Großen
zum Kaiser des Heiligen
römischen Reiches
Mittelalter 900 bis 1500
919
Erste Erwähnung des
929
Gründung der Mark Meißen durch
„Reiches der Deutschen“
den deutschen König Heinrich I.
962
Otto I. der Große lässt sich zum
römischen Kaiser krönen
1089
Die Mark Meißen fällt an Haus Wettin
um 1160
Leipzig erhält Stadtrecht
1168
Beginn des Silberbergbaus
bei Freiberg
um 1170
Entstehung der Stadt Chemnitz
1206
Erste urkundliche Erwähnung
Dresdens
1307
Schlacht bei Lucka
1347 – 1351 Die Große Pest wütet in Europa
1348
Gründung der ersten deutschen
Universität in Prag
1409
Gründung der Universität Leipzig
1423
Übergang der sächsischen Kurwürde
auf den Markgrafen von Meißen
um 1440
Erfindung des Buchdruckes
durch Gutenberg
1485
Leipziger Teilung
1495
Reichstag zu Worms – Verkündung
des allgemeinen Landfriedens
durch Kaiser Maximilian
1497
Kaiserliches Messeprivileg für Leipzig

18
Gestern und Heute
Frühe Neuzeit 1500-1800
Zeit
Entwicklung in Deutschland
Zeit
Entwicklung in Sachsen
1517
Thesenanschlag Martin Luthers an
die Schlosskirche zu Wittenberg
1522
Luthers Bibelübersetzung erscheint –
1525
Schlacht bei Frankenhausen – das
bildet die Grundlage für die
Bauernheer unter Thomas Müntzer
deutsche Hochsprache
wird vernichtend geschlagen
1539
Beginn der Reformation im
albertinischen Sachsen
1547
Schlacht bei Mühlberg; Übergang
der Kurwürde auf das albertinische
Sachsen
1618
Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges 1635
Prager Frieden und Übergang der
Ober- und Niederlausitz an
Kursachsen
1648
Westfälischer Friede
1697
Kurfürst Friedrich August I.
(„der Starke“) tritt zum Katholizismus
über und erwirbt die polnische
Königskrone
1710
Gründung der Meissener Porzellan-
Manufaktur durch August den Starken
1756 - 1763 Siebenjähriger Krieg (Preußen und
1763
Hubertusburger Frieden; Sachsen
England gegen Österreich, Frankreich,
verzichtet 1765 als Kriegsfolge auf
Schweden und Russland)
die polnische Krone
1769
James Watt erfindet die Dampfma-
schine – Beginn der Industrialisierung
1789
Französische Revolution
Neuzeit ab 1800
1806
Gründung des Rheinbundes,
1806
Sachsen wird Königreich und
Kaiser Franz II. legt Krone nieder
Mitglied des Rheinbundes
1813
Leipziger Völkerschlacht – Sieg der
1814
Vollendung der Befreiungskriege
Verbündeten (Österreich, Preußen,
gegen Napoleon
Russland und Schweden) im Be-
1814/15
Wiener Kongress – Schaffung des
freiungskrieg gegen Napoleon
deutschen Bundes
1815
Sächsische Teilung
1831
Sachsen wird konstitutionelle
Monarchie
1835
Die erste deutsche Eisenbahn fährt
1839
Eröffnung der ersten Fernbahn
zwischen Nürnberg und Fürth
zwischen Leipzig und Dresden
mit der in Sachsen gebauten
Lokomotive Saxonia
1849
Verabschiedung einer
1849
Ablehnung der Reichsverfassung
Reichsverfassung
durch Friedrich August II., Dresdner
Maiaufstand (Richard Wagner und
Gottfried Semper emigrieren)
1850
Auflösung des Landtages, Wieder-
herstellung der alten Ordnung

Gestern und Heute
19
Zeit
Entwicklung in Deutschland
Zeit
Entwicklung in Sachsen
1862
Fürst Otto von Bismarck wird
preußischer Ministerpräsident
1863
Gründung des Allgemeinen Deut-
schen Arbeitervereins in Leipzig
1866
Gründung des Norddeutschen Bundes 1866
Beitritt Sachsens zum Norddeutschen
Bund
1870/71
Deutsch-französischer Krieg
1871
Sachsen wird Teilstaat des neu
gegründeten Deutschen Reiches
1883 - 1889 Einführung der Sozialgesetze
durch Bismarck
1914 - 1918 Erster Weltkrieg
1918/19
Novemberrevolution und Ende der
Monarchie; Sachsen wird Freistaat
1919
Versailler Vertrag
1922/23
Wirtschaftskrise, große Inflation
1933
Machtergreifung Hitlers
1933
Gleichschaltung des Freistaates
Sachsen mit dem Reich
1938
Reichspogromnacht
1939 - 1945 Zweiter Weltkrieg
1943
Schwerster Bombenangriff auf
Leipzig
1945
Schwerste Bombardierung von
Chemnitz und Dresden
1945
Potsdamer Konferenz
1945
Sachsen wird Teil der sowjetischen
Besatzungszone
1949
Sachsen wird Teil der Deutschen
Demokratischen Republik
1952
Auflösung des Landes Sachsen;
Bildung der drei Bezirke Chemnitz
(ab 1953: Karl-Marx-Stadt),
Dresden und Leipzig
1953
Aufstand vom 17. Juni gegen Norm-
1953
Görlitz und Niesky sind Zentren des
erhöhungen und für freie Wahlen
Volksaufstandes
1961
Bau der Mauer in Berlin
1968
„Prager Frühling“
1989
Beginn der friedlichen Revolution
Oktober 1989 Leipzig, Plauen und Dresden sind
Zentren der Demonstrationen
Entwicklung nach der Wiedervereinigung
Zeit
Entwicklung in Deutschland
Zeit
Entwicklung in Sachsen
3.10.1990
Beitritt der fünf neuen Bundesländer
3.10.1990
Neugründung des Freistaates
zur Bundesrepublik Deutschland
Sachsen
1992
Verabschiedung einer neuen
sächsischen Verfassung
2002
Eine Flutkatastrophe trifft Sachsen
1. Mai 2004
Feier der EU-Erweiterung in Zittau

image
 
VERFASSUNG
UND
GESETZGEBUNG

image
Sachsen in guter Verfassung
Sachsen als Freistaat
Als im November 1918 das monarchische Regierungssystem zu-
sammenbrach, wurde die „Republik Sachsen“ ausgerufen (10. Nov.
1918); der König dankte ab (13. Nov.). Die neu gewählte sächsische
Volkskammer nahm am 28. Feb. 1919 das „Vorläufige Grundgesetz
für den Freistaat Sachsen“ an und behielt diese Bezeichnung auch
in der endgültigen Verfassung bei. Sachsen ist damit der älteste
Freistaat in Deutschland.
„Freistaat“ ist eine sinngemäße deutsche Entsprechung des franzö-
sischen Wortes „republique“. Damit wird betont, dass das Land
nicht von einem Souverän, sondern von freien Bürgern regiert wird.
Es entsprach dem Zeitgeist, Fremdworte einzudeutschen. Der Begriff
„Freistaat“ anstelle „Republik“ setzte sich daher durch.
Diese Bezeichnung „Freistaat“ und vor allem die ihr zugrunde lie-
gende Regierungsform der parlamentarischen Demokratie blieben
bis zum Wirksamwerden des Gesetzes über die Gleichschaltung
der Länder mit dem Reich vom 31. März 1933 erhalten.
Bei Wiedereinführung der Länderstruktur 1990 auf dem Gebiet
der DDR sollte an die demokratische Tradition angeknüpft werden.
Privilegien oder rechtliche Besonderheiten hat der „Freistaat“ ge-
genüber dem Land jedoch keine, wohl aber sehr viel ältere staat-
liche Traditionen.
Sächsischer
Landtag in Dresden
Prinzip der
Gewaltenteilung
Verfassung und Gesetzgebung
21
SÄCHSISCHE VERFASSUNG
Landesrechnungshof
Landes-
parlament
Gesetzgebung
des Landes
und der Kommunen
Landes-
regierung
Landesverwaltung
Kreisverwaltung
Gemeindeverwaltung
Verfassungs-
gerichtshof
Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus
Artikel 3, Absatz I, Satz 1, Sächsische Verfassung
LEGISLATIVE
EXEKUTIVE
J UDI KATIVE
Gerichte
Staatsanwalt-
schaft

Wappen
des Sächsischen
Landtages
Sächsische
Landesflagge
Verfassung
Bei der Ausarbeitung der Verfassung des Freistaates Sachsen konnte
sich der federführende Verfassungs- und Rechtsausschuss des Landta-
ges auf verschiedene Verfassungsentwürfe stützen, die schon 1990 im
Gefolge der Bürgerbewegung entwickelt worden waren (Gohrischer
Entwurf, Entwurf Leipziger Hochschullehrer). Die Verfassung des
Freistaates wurde schließlich am 26.5.1992 vom Sächsischen Landtag
beschlossen und trat am 6.6.1992 in Kraft.
Wappen
Der Schild des sächsischen Wappens wird neun Mal von Schwarz
und Gold geteilt. Ein von links oben nach rechts unten verlaufender
Rautenkranz in Grün überdeckt den Schild. In ihrer Formgebung ent-
sprechen die Rauten Schmuckformen des vormals in Hochblüte
stehenden Architekturstils der Gotik.
Der 1918 gegründete Freistaat Sachsen übernahm das alte über-
lieferte sächsische Wappen mit Balkenschild und Rautenkranz.
Diese heraldische Tradition führte ab 1990 auch das Bundesland
Sachsen fort. Während die Verwaltung des Freistaates das Wappen
in seiner schlichten, geraden Form nutzt, verwendet der Landtag
die barocke Version. Die Landesdienstflagge führt das gerade
Wappen.
Flagge
Die sächsische Fahne ist historisch gesehen recht jung. Ausgangspunkt
ihrer Farbgebung war eine Verfügung Friedrich Augusts I. vom 22. Mai
1815 an Generalleutnant von Lecoq, welcher hiermit das Kommando
über die am Rhein stehenden sächsischen Truppen übernehmen sollte.
Punkt 7 dieser Verfügung legte fest, dass die bislang nur weiße Ko-
karde
4
der sächsischen Truppe mit einem breiten grünen Rand zu um-
geben sei, um Verwechslungen mit anderen Kontingenten auszu-
schließen. Die Kunde von dieser Festlegung eilte dem König bei sei-
ner Rückkehr in die Heimat nach dem für Sachsen wenig glorreichen
Friedensschluss voraus: Dresden stand bereits im weiß-grünen Fah-
nenschmuck. Herbeigeeilte Leipziger Studenten hatten sich mit
weiß-grünen Schleifen an den Revers geschmückt, Soldaten trugen
weiß-grüne Kokarden
4
und die Beamten weiß-grüne Kordons
5
an
ihren Hüten. Die frischen Farben symbolisierten den Neuanfang
nach den für Sachsen verlustreichen Befreiungskriegen.
22
Verfassung und Gesetzgebung
Wappen
des Freistaates
Sachsen
4)
Abzeichen, Hoheitszeichen an Uniformen
5)
Ordensband

image
Der Freistaat Sachsen übernahm nach seiner Gründung 1918 die weiß-
grüne Flagge vom untergegangenen Königreich. Seither musste die
Flagge zweimal staatlichem Totalitarismus weichen: Die National-
sozialisten ersetzten sie durch die Hakenkreuzfahne, und nach der
Auflösung des Landes Sachsen und der Einrichtung dreier Bezirke als
Verwaltungseinheiten in der DDR wurde sie nach nur kurzer Nach-
kriegs-Renaissance gegen die Fahne der DDR ausgetauscht. Ihre Tra-
dition setzt die Sachsenflagge seit 1990 wieder fort.
Hymne
Eine offizielle sächsische Hymne gibt es nicht. Als entsprechende
Wünsche nach 1990 an Parlament und Staatsregierung herangetragen
wurden, wollte man es genauer wissen. Das Ergebnis einer Umfrage
des EMNID-Institutes von 1995 war eindeutig: Lediglich 27 % der
Sachsen wünschten für den Freistaat eine Hymne, 72 % der (reprä-
sentativ) Befragten sprachen sich dagegen aus. Eine beliebte inoffi-
zielle „Hymne“ ist „Sing, mei Sachse, sing“ von Jürgen Hart, hymni-
schen Charakter hat das überlieferte Lied „Gott sei mit Dir, mein
Sachsenland“ (Hallbauer/Otto).
Sachsens starke Kräfte
Landtag (Legislative)
Unmittelbar nach dem Beitritt der DDR zum Grundgesetz am
3.10.1990 wurde Sachsen Bundesland der Bundesrepublik Deutsch-
land. Schon am 14.10.1990 fanden in Sachsen wieder Landtagswah-
len statt. Zu den Wahlen am 11.9.1994 wurde die Legislaturperiode
von vier auf fünf Jahre verlängert, weitere Wahlen gab es daher am
19.9.1999 bzw. am 19.9.2004.
Oberste Volksvertretung ist der Sächsische Landtag als Parlament. Die
Verfassung bezeichnet den Landtag als „Stätte der politischen Wil-
lensbildung“, ihm obliegt sowohl die gesetzgebende wie auch die
Kontrolle der vollziehenden Gewalt. Der auf fünf Jahre gewählte
Landtag kann sich auf Beschluss von zwei Dritteln seiner Mitglieder
selbst auflösen.
Die Gesetzgebung des Landtages wird durch ein dreistufiges Verfahren
der Volksgesetzgebung ergänzt. Mit dem Volksantrag (40000 Stimmen)
wird das direktdemokratische Verfahren in Gang gesetzt. Lehnt der
Landtag den Antrag ab, kann durch 450000 Stimmberechtigte ein
Volksbegehren mit anschließendem Volksentscheid herbeigeführt wer-
den, bei dem die einfache Mehrheit entscheidet.
Plenarsaal im
Sächsischen Landtag
Verfassung und Gesetzgebung
23

Parteien
Die bestimmende Rolle der CDU in Sachsen geht nicht auf historische
Wurzeln oder eine Verankerung in bestimmten Milieus zurück. War es
zunächst der ehemalige Bundesvorsitzende und Bundeskanzler Hel-
mut Kohl (CDU), der der Partei als wichtigster Befürworter der Ver-
einigung Deutschlands Popularität verschaffte, so übernahm diese
Rolle später der erste Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU).
Hinzu kommt eine von der DDR-Blockpartei 1990 übernommene,
weitgehend funktionstüchtige und flächendeckende Organisations-
struktur. Trotz starken Mitgliederrückganges in den Jahren seit der
Der vom Landtag gewählte Ministerpräsident und die Staatsminister bil-
den die Staatsregierung als oberste exekutive Gewalt des Landes. Nur
indem der Landtag einen neuen Ministerpräsidenten wählt, kann die Re-
gierung gestürzt werden (konstruktives Misstrauensvotum).
In der 4. Wahlperiode (2004 – 2009) hat das Parlament 124 Abgeord-
nete. Landtagspräsident ist Erich Iltgen, 1. Vizepräsidentin Regina
Schulz, 2. Vizepräsidentin Andrea Dombois und 3. Vizepräsident
Gunther Hatzsch
6
.
24
Verfassung und Gesetzgebung
Sitzverteilung im
Sächsischen Landtag
nach den Wahlen
vom 19.9.2004
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
CDU
SPD
PDS
NPD
FDP
Bündnis 90/
Die Grünen
55
13
31
12
7
6
6)
Weitere Informationen findet man unter
www.landtag.sachsen.de

Verfassung und Gesetzgebung
25
Wahlergebnisse der
sächsischen
Landtagswahlen
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
100 %
80 %
60 %
40 %
20 %
0 %
Sonstige
NPD
FDP
Bündnis 90/
Grüne
PDS
SPD
CDU
Wahl am
14.10.1990
Wahlbeteil.
72,7 %
Wahl am
11.09.1994
Wahlbeteil.
58,4 %
Wahl am
19.09.1999
Wahlbeteil.
61,1 %
Wahl am
19.09.2004
Wahlbeteil.
59,6 %
54,4
58,1
56,9
41,1
19,1
16,6
10,7
9,8
10,2
16,5
22,2
23,6
5,6
5,3
5,4
4,1
3,0
2,6
6,5
5,1
5,9
9,2
1,7
5,3
1,1
Wende (1990: 37200 Mitglieder; 31.12.2003: 15407) konnte die
Partei bei den Landtagswahlen 1994 und 1999 nicht nur alle Direkt-
mandate, sondern in 50 bzw. 49 der 60 Wahlkreise auch die absolute
Mehrheit gewinnen. Mit der Wahl 2004 verlor sie erstmals die abso-
lute Mehrheit und ging eine Koalition mit der SPD ein.
Die SPD gründete erst im Mai 1990 einen Landesverband und muss-
te ihre Organisationsstruktur in Sachsen völlig neu aufbauen. Die
Zahl ihrer Mitglieder entwickelt sich seit Jahren nur unwesentlich
und lag Ende 2003 bei 4759. Auch ihr fehlen entsprechend entwickelte
Milieus. Die historischen Wurzeln mit starken sozialdemokratischen
Traditionen in der Weimarer Republik sowie in der unmittelbaren
Nachkriegszeit in Sachsen bleiben offenbar ohne Wirkung. Die SPD,
bei der Landtagswahl 1994 noch knapp vor der PDS zweitstärkste
politische Kraft, verlor mit der Landtagswahl 1999 die Oppositions-
führung im Landtag an die SED-Nachfolgepartei. 2004 musste sie
erneut das schlechteste SPD-Wahlergebnis im Vergleich aller Bun-
desländer verkraften.
Die PDS ist in Sachsen die mitgliederstärkste Partei (Jahresende 2003:
15969), hat allerdings seit 1990 bei damals 72000 Mitgliedern große
Verluste hinnehmen müssen. Die sächsische PDS ging im August 1990
aus dem Zusammenschluss dreier ehemaliger Bezirksorganisationen der
SED hervor. Sie konnte ihr Wahlergebnis in der Landtagswahl 2004 ge-
genüber 1999 um 1,4 Prozent verbessern und verfügt im Landtag nun
über mehr als doppelt so viel Mandate wie die SPD.

26
Verfassung und Gesetzgebung
Im Jahr 1990 traten die Sächsischen Grünen, Demokratie Jetzt und
Neues Forum bei den Landtagswahlen lediglich als Listenverbin-
dung an. Sie erreichten damals 10 Mandate. BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN wurde in Sachsen aus diesen drei Organisationen dann
erst im September 1991 gegründet und schloss sich im Frühjahr
1992 der Bundesorganisation an. Bei den Landtagswahlen 1994
trugen Abspaltungen innerhalb der Bürgerrechts- und Umweltbe-
wegung wesentlich dazu bei, dass die Bündnisgrünen den Einzug ins
Landesparlament knapp verfehlten. Auch 1999 reichte es nicht für
einen Einzug in den Sächsischen Landtag. Im Jahr 2004 gelang mit
5,1 Prozent der Sprung in den Landtag. Die Mitgliederzahl von
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN verharrt in Sachsen schon über meh-
rere Jahre bei etwa 900 (Ende 2003: 875).
Die FDP in Sachsen entstand 1990 aus dem Zusammenschluss
des Bundes Freier Demokraten (der vereinten Block-LDPD und
-NDPD), der Anfang 1990 gegründeten Ost-FDP und der Neuen
Forumspartei. In dieser Konstellation schaffte die Partei 1990
den Einzug in den Landtag, was ihr bei den folgenden Landtags-
wahlen allerdings deutlich misslang. 2004 zog sie mit 5,9 Prozent
der Stimmen wieder in den Landtag ein. Mit 2652 Mitgliedern im
Jahr 2003 hatte die FDP nach den Grünen und der NPD die dritt-
kleinste Basis.
Die NPD gelangte 2004 erstmals in den sächsischen Landtag. Sie
war in Sachsen im Jahr 2003 mit 921 Mitgliedern die zweitkleins-
te Partei. 1990 in Sachsen gegründet hat die Partei nach anfängli-
chem Zulauf seit 1998 wieder fast die Hälfte ihrer Mitglieder ver-
loren. Die NPD lehnt nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes
die parlamentarische Demokratie ab, wurde jedoch demokratisch
gewählt. Die NPD steht weiterhin unter der Beobachtung des
sächsischen Verfassungsschutzes.
Verbände / Gewerkschaften:
Die Strukturen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Sach-
sen stützen sich wesentlich auf die sechs Kreisverbände im Freistaat.
Deren Aufbau mit der zugehörigen Struktur der Einzelgewerkschaf-
ten war gegen Ende 1991 abgeschlossen. In den letzten Jahren hat der
DGB starke Mitgliederverluste hinnehmen müssen. Hatte er 1991
noch etwa 1,34 Millionen Mitglieder im Freistaat, so sind es zum Jah-
resende 2003 nur noch 236197 gewesen. Ver.di als größte Gewerk-
schaft in Sachsen hatte Ende 2003 noch 141786 Mitglieder.

image
image
Unternehmerverbände
Die berufsständische Organisation folgt in Sachsen der Gliederung
der Regierungsbezirke Dresden, Leipzig und Chemnitz. Demgemäß gibt
es drei Industrie- und Handelskammern sowie drei Handwerkskammern.
Der Wahrnehmung gemeinsamer sozialer und wirtschaftlicher Interes-
sen der Arbeitgeber im Lande widmet sich die Vereinigung der Ar-
beitgeberverbände in Sachsen e.V. (VAS). Die Vereinigung wurde im
August 1990 gegründet und ist Mitglied der Bundesvereinigung der
Deutschen Arbeitgeberverbände.
Bürgerschaftliches Engagement
Unsere Gesellschaft profitiert von Solidarität, Bürgersinn und Zivil-
courage. Große Teile der kulturellen, sozialen, kirchlichen oder sport-
lichen Aufgaben übernehmen ehrenamtliche Helfer oder Vereine. In
Sachsen wirken 27989 eingetragene Vereine (Stand 30.6.2004) in
den verschiedensten Bereichen. Ob nun Freiwillige Feuerwehr oder
THW, Mieterbund oder Lohnsteuerhilfe, freiwillige Helfer in Kin-
dertagesstätten, Heimen und Krankenhäusern, in Sportvereinen oder
Hilfsprojekten, in kirchlichen Einrichtungen, bei Kulturprojekten bis
hin zu musikalischen, künstlerischen oder geschichtlichen Betäti-
gungsfeldern – überall engagieren sich Ehrenamtliche finanziell,
ideell oder durch körperliche Tatkraft. Sie bilden ein wichtiges Fun-
dament des gesellschaftlichen Lebens in Sachsen. Der Freistaat un-
terstützt daher das ehrenamtliche Engagement durch Ehrungen, die
Gewährung von Zuwendungen oder Aufwandsentschädigungen.
Die Staatsregierung vergibt einmal im Jahr den „Joker im Ehren-
amt“ an besonders verdienstvolle Mitbürger. Außerdem wird seit
1995 die Annen-Medaille jährlich an bis zu 20 sächsische Bürger
verliehen, die sich durch langjährige uneigennützige Dienste am
Nächsten und für die Gesellschaft verdient gemacht haben.
Darüber hinaus vergibt der Freistaat Sachsen den von Kurt Biedenkopf
gestifteten Sächsischen Verdienstorden. Verliehen wird er an Frauen
und Männer mit besonderem Verdienst um den Freistaat Sachsen, für
Leistungen auf wirtschaftlichem, sportlichem, gesellschaftlichem,
geisteswissenschaftlichem oder naturwissenschaftlich-technischem
Gebiet oder für herausragende ehrenamtliche Tätigkeit. Die Zahl
der Ordensträger ist insgesamt auf 500 Personen beschränkt. Jeder
kann gegenüber der Staatskanzlei Bürgerinnen und Bürger für die-
se Auszeichnung vorschlagen. Über die Verleihung entscheidet der
Ministerpräsident.
Viele Vereine betreuen
Menschen mit geisti-
gen und körperlichen
Behinderungen
Verfassung und Gesetzgebung
27
Annen-Medaille

image
 
VERWALTUNG
UND
POLITIK

image
Die Sächsische
Staatskanzlei, Blick
vom neuen Ministerial-
gebäude
Verwaltung und Politik
29
Sachsen mit schlanker Verwaltung
Ministerpräsident, Ministerien
An der Spitze der Verwaltung des Freistaates stehen die Staatskanz-
lei und acht Ministerien als oberste Landesbehörden. Das Ressort-
prinzip beinhaltet, dass jedes Mitglied der Staatsregierung seinen
Geschäftsbereich selbstständig und eigenverantwortlich leitet. Der
Ministerpräsident hat die Richtlinienkompetenz inne und trägt damit
die Verantwortung für die grundsätzliche Richtung der Politik.
Zum Aufgabenbereich des Ministerpräsidenten gehört die Festlegung
der Anzahl der Ministerien, die Berufung und Entlassung der Minister,
Staatssekretäre, Beamten und Richter. Er vertritt den Freistaat nach
außen und übt das Begnadigungsrecht aus.
Die Sächsische Staatskanzlei leistet ihm dafür direkte Zuarbeit. Ge-
genüber den Ministerien übernimmt sie als oberste Landesbehörde die
Funktion einer Stabsstelle.
Der Chef der Staatskanzlei leitet die Vorkonferenz der Staatssekretäre,
welche die Kabinettssitzungen vorbereiten. Er unterstützt den Minis-
terpräsidenten bei der Bestimmung der Richtlinien der Politik und prüft
beschlossene Gesetze auf ihre Verfassungsmäßigkeit, bevor der Minis-
terpräsident diese gegenzeichnet. Der Regierungssprecher vertritt die Po-
litik der Staatsregierung gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit.
Landesverwaltung
Die sächsische Verwaltung ist (überwiegend) dreistufig aufgebaut. Sie
besteht aus der Staatsregierung (Staatskanzlei und Staatsministerien als
oberste Landesbehörden), der „Mittelinstanz“ (drei Regierungspräsidien
sowie andere obere Landesbehörden) und der „Unterstufe“ (kreisfreie
Städte und Landratsämter hinsichtlich der Erfüllung staatlicher Auf-
gaben sowie staatliche untere Sonderbehörden). Im Zuge der Verwal-
tungsvereinfachung gibt es inzwischen auch Ressorts mit zweistufigem
Verwaltungsunterbau, zum Beispiel die sächsische Polizei.
Landeshaushalt
Im Haushaltsplan des Freistaates Sachsen waren für das Jahr 2004
Ausgaben in Höhe von insgesamt rund 15,5 Mrd. Euro (ohne Ausgaben
für die Beseitigung der Hochwasserschäden) veranschlagt. Im Ver-
gleich zu den westdeutschen Flächenländern sind die Pro-Kopf-Aus-
gaben des Freistaates (ohne die Ausgaben für die Beseitigung der
Schäden des Hochwassers von 2002) um rund 29 % höher, um insbe-
sondere den großen Rückstand bei der öffentlichen Infrastruktur lang-
fristig aufholen zu können. Der Schuldenstand zum 31.12.2003 belief

Regierungsbezirke
in Sachsen
sich auf 11,3 Mrd. Euro, was einer Verschuldung von 2617 Euro je
Einwohner entspricht. Die Pro-Kopf-Verschuldung der neuen Länder
ohne Sachsen betrug per 31.12.2003 im Durchschnitt 6011 Euro. Da-
mit weist der Freistaat im Vergleich mit den anderen neuen Ländern die
geringste Pro-Kopf-Verschuldung aus. Die jährliche Nettoneuver-
schuldung wird seit 1994 kontinuierlich zurückgeführt. Eine Ausnah-
me bildeten lediglich die Jahre 2002/2003. Hier nahm der Freistaat we-
sentlich weniger Steuern ein als erwartet, was nicht vollständig durch
eine restriktive Haushaltsführung und entsprechende Ausgabenbe-
grenzungen aufgefangen werden konnte.
Im Jahr 2004 lag die geplante Neuverschuldung (Nettokreditaufnahme)
bei 384,3 Mio. Euro. Somit wurden 2,5 % des Haushalts über Kredite
finanziert. Die sächsische Steuerdeckungsquote ergab im Haushaltsplan
2004 (ohne Hochwasser) 50,5 %, während sie in den alten Flächen-
ländern im Durchschnitt ca. 71,4 % beträgt. Die Finanzen des Frei-
staates sind damit in hohem Maße von Zuweisungen aus dem Finanz-
ausgleich sowie des Bundes und der Europäischen Union abhängig
(2004 ohne Zuweisungen für die Beseitigung der Hochwasserschä-
den: 6,68 Mrd. Euro).
Rund ein Drittel der gesamten Ausgaben (ohne Hochwasser) wurde für
Personal (28,4 %) und Zinsen (4,2 %) veranschlagt. Für Investitionen
standen (ohne die Ausgaben für die Beseitigung der Hochwasser-
schäden) 3,58 Mrd. Euro zur Verfügung. Der hohe Anteil der Investi-
tionsausgaben (Investitionsquote: 23,1 %) charakterisiert den sächsi-
schen Etat im Vergleich zu den alten Ländern (Durchschnitt: 10,1 %)
wie auch zu den übrigen neuen Ländern (Durchschnitt neue Länder oh-
30
Verwaltung und Politik
Regierungsbezirk Dresden
Regierungsbezirk Leipzig
Regierungsbezirk Chemnitz
Leipzig
Chemnitz
Dresden

image
ne Sachsen: 20,9 %). Das zeigt, wie sehr sich der Freistaat Sachsen auf
den Aufbau des Landes konzentriert.
Die von der Sächsischen Staatsregierung beschlossene mittelfristige Fi-
nanzplanung für die Jahre 2003 bis 2007 verfolgt weiterhin konse-
quent die in den jährlichen Haushaltsplänen verbindlich verankerte
Linie hoher Investitionsausgaben.
Kommunalverfassung
Im Bemühen um eine effiziente Verwaltung ist die Zahl der Kreise
durch eine Kreisgebietsreform bereits von ehemals 48 auf 22 Kreise
und sieben kreisfreie Städte (Dresden, Chemnitz, Leipzig, Görlitz,
Plauen, Zwickau, Hoyerswerda) verringert worden. Dem folgte die Ge-
meindegebietsreform, mit der sich die Zahl von ehemals 1626 säch-
sischen Gemeinden durch Zusammenschlüsse und Eingemeindungen
auf gegenwärtig 513 Gemeinden verkleinerte (Stand: 30.06.2004).
Kreisangehörige Gemeinden können auf Antrag zu Großen Kreis-
städten ernannt werden, wenn sie mehr als 20000 Einwohner haben
oder ehemals Kreisstädte waren. Große Kreisstädte übernehmen neben
ihren „normalen“ Aufgaben auch einen Teil der Aufgaben des Land-
ratsamtes für ihren Bereich.
Die Gemeindeordnung für den Freistaat Sachsen ist am 18.03.2003 neu
bekannt gemacht worden. Demnach ist der für fünf Jahre gewählte
Gemeinderat das politische Hauptorgan der Gemeinde und entscheidet
Verwaltung und Politik
31
Art der Aufgabe
Pflichtaufgaben
nach Weisung
(weisungsgebunden)
Pflichtaufgaben
ohne Weisung
(weisungsfrei)
Freiwillige
Aufgaben
Ob
Ob die Aufgabe
erfüllt wird, ist
durch Gesetz
bestimmt
Ob die Aufgabe
erfüllt werden
muss, entscheidet
das Gesetz
Ob die Aufgabe
erfüllt wird, kann
die Kommune
entscheiden
Wie
Wie die Aufgabe
erfüllt wird, ist
durch Gesetz
bestimmt
Wie die Aufgabe
erfüllt werden
muss, kann die
Kommune selbst
entscheiden
Wie die Aufgabe
erfüllt wird, kann
die Kommune
selbst entschei-
den
Beispiele
Meldewesen nach
dem Meldegesetz,
Schutz der öffentli-
chen Sicherheit und
Ordnung nach dem
Polizeigesetz
Einrichtung öffent-
licher Schulen nach
Schulgesetz, Unter-
haltung einer Feuer-
wehr nach Brand-
schutzgesetz
Kulturelle und soziale
Angelegenheiten,
Erholungs- und
Sportanlagen, Ver-
einsförderung
Aufgaben der
Kommunen nach
Sächsischer Gemein-
deordnung
Altes Chemnitzer
Rathaus

image
image
in allen wichtigen Gemeindeangelegenheiten. Der von den Bürgern auf
sieben Jahre direkt gewählte Bürgermeister – zugleich Vorsitzender des
Gemeinderates – erledigt in eigener Verantwortung die Geschäfte der
laufenden Verwaltung, die vom Gemeinderat übertragenen sowie die
Weisungsaufgaben. Direktdemokratische Verfahren (Einwohnerantrag,
Bürgerbegehren und Bürgerentscheid) ergänzen auf Gemeindeebene die
politische Willensbildung. In der Landkreisordnung sind entsprechen-
de Regelungen auch für die Kreisebene getroffen.
Die Gemeinden haben die Möglichkeit, ihre Aufgaben in Zusammen-
arbeit mit anderen Kommunen zu erledigen, dafür können sie Verwal-
tungsgemeinschaften, Verwaltungsverbände oder Zweckverbände
gründen sowie Zweckvereinbarungen treffen.
E-Government
Unter E-Government (= elektronische Verwaltung) ist allgemein das
Verwalten und Regieren mit Hilfe moderner Kommunikationstech-
nologien (v.a. Internet) zu verstehen. Vorteil ist, dass die Verwaltung
den Bürgern und Unternehmen Dienstleistungen wie Information
und Datenaustausch online anbieten kann, was Zeit und Geld auf bei-
den Seiten spart und die Nutzerfreundlichkeit wesentlich erhöht.
Freistaat und Kommunen arbeiten eng zusammen, um vorhandene
Mittel effizient einzusetzen.
Der E-Government-Fahrplan der Sächsischen Staatsregierung um-
fasst über 130 Projekte im staatlichen Teil, im kommunalen Teil
sind ca. 70 Projekte eingeplant. Dieser Fahrplan legt den zeitlichen
Ablauf der Realisierung der Projekte fest, wobei ein Teil bereits
realisiert wurde, andere gerade in Arbeit sind und ein Teil sich
noch in Planung befindet.
Die Sächsische Staatsregierung, der Städte- und Gemeindetag und
der Landkreistag haben 2004 die Initiative „Sachsen interaktiv“ ge-
startet. Diese beinhaltet einerseits den gemeinsamen Aufbau eines
Landesportals, zum anderen den Aufbau einer gemeinsamen In-
frastruktur.
Bereits jetzt besitzt der Freistaat Sachsen mit dem InfoHighway
der Landesregierung ein Datennetz, mit dem alle Mitarbeiter der
sächsischen Landesverwaltung Daten austauschen können als säßen
sie in einem einzigen Gebäude. Das InfoHighway-Netz besteht aus
Glasfaserstrecken von über 840 km Länge und kann im Kernring
2,5 Gbit/s übertragen.
Das Kommunale Datennetz (KDN) sichert den Datenaustausch zwi-
schen den Kommunen untereinander sowie zwischen den Kommunen
und dem Freistaat Sachsen. Mitte 2004 waren alle kreisfreien Städte,
32
Verwaltung und Politik

image
ELSTER:
Das Programm
für die elektronische
Steuererklärung
Verwaltung und Politik
33
alle Landratsämter und ca. 50 % der kreisangehörigen Kommunen
Sachsens – insgesamt 245 Lokationen – über das KDN miteinander
verbunden. Der Backbone (Hauptdatenleitung) bietet in allen 3 Ringen
Bandbreiten von mindestens 34 MBit/s. Jede Kommune kann im KDN
auch als Anbieter elektronischer Dienste auftreten. Durch den Übergang
zum TESTA-Netz
7
des Bundes ist für InfoHighway und KDN der
Datenaustausch mit der Bundesverwaltung sichergestellt.
Der Nutzen für den Bürger ist eindeutig: die Kommunen bieten immer
mehr Möglichkeiten an, Verwaltungsgänge elektronisch zu erledigen.
Leipzig (mit seinem Ratsinformationssystem) und der Städteverbund
Limbach-Oberfrohna/Aue/Glauchau (mit dem elektronischen Ge-
werberegister) sind Media@Komm-Transfer-Gemeinden
8
. Beispiele
für elektronische Dienstleistungen sind E-Mail-, Buchungs- oder der
Formularservice zum Herunterladen von notwendigen Formblättern,
Stellen- und Kooperationsbörsen. Seit 1995 gibt es in Sachsen das
elektronische Grundbuch.
Gesetzesvereinfachung
Bereits seit 1991 gibt es einen Normprüfungsausschuss der Staatsre-
gierung, der nicht nur die Gestaltung und rechtliche Zulässigkeit, son-
dern auch die Notwendigkeit von Gesetzen und Verordnungen über-
prüft. Daneben wurde 1997 eine gesonderte Erforderlichkeitsprüfung
eingeführt. Demnach müssen alle Ressorts vor der Erarbeitung einer
Vorschrift darlegen, dass das angestrebte Ziel nicht auf andere oder ein-
fachere Weise als durch ein Gesetz erreicht werden kann. Der Freistaat
hat daher mit 801 Gesetzen und Rechtsverordnungen weniger Rechts-
normen als die meisten anderen Bundesländer.
7)
Das TESTA-Netz (Trans-European Services for Telematics between Administrations) ist ein bundesweites
Datennetz zur Kommunikation zwischen Verwaltungsnetzen. Hieran sind alle Landes- und Bundesbehörden,
wie z. B. die obersten Behörden des Bundes, die unteren Bundesbehörden (Kraftfahrzeugbundesamt,
Statistisches Bundesamt, Deutscher Wetterdienst u. w.), Juris und der Bund der Sozialversicherer und
darüber hinaus Kommunalverbände angeschlossen.
8)
Durch die Verknüpfung besonders viel versprechender kommunaler und regionaler Initiativen zu einem
länderübergreifenden E-Government-Netzwerk sollen der Transfer von Best-Practice-Verfahren und
Know-How erleichtert, Standards weiterentwickelt und Selbstorganisationsprozesse für die weiterführende
Ausbreitung in die Fläche angestoßen werden. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft
intensiviert werden, damit das große Wachstums- und Beschäftigungspotenzial von E-Government
genutzt werden kann.

Sachsen in Europa und der Welt
Föderalismus
Der Freistaat Sachsen ist eines von 16 deutschen Ländern. Der Bun-
desrat – geregelt in Artikel 50 des Grundgesetzes – ist eines der
fünf ständigen Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland
neben Bundespräsident, Bundestag, Bundesregierung und Bundes-
verfassungsgericht. Er ist als Vertretung der Länder das föderative
Bundesorgan und entscheidet über die Politik des Bundes mit und ist
somit ein Bindeglied zwischen Bund und Ländern. Sachsen wird
im Bundesrat durch vier Mitglieder vertreten. Im Jahr 2003 wurden
von Sachsen neun Bundesratsinitiativen in den Bundesrat einge-
bracht, bei 17 Länderinitiativen war Sachsen Mitantragsteller. Als
Außenstelle der Staatskanzlei unterhält der Freistaat eine ständige
Vertretung in Berlin.
Sachsen in Europa
Der Freistaat ist mit der Wiedervereinigung zugleich Teil der Europä-
ischen Union geworden. Mit dem Beitritt zur Bundesrepublik Deutsch-
land wurden die Regelungen zum Binnenmarkt und den anderen EU-Po-
litiken auf Sachsen ausgedehnt.
Seitdem hat „Brüssel“ für Sachsen eine erhebliche Bedeutung. Ein
Beispiel ist die Strukturpolitik der EU, die seit 1991 in Sachsen Maß-
nahmen zur wirtschaftlichen Entwicklung, zur Anhebung des Beschäf-
tigungsniveaus sowie zur ländlichen Entwicklung unterstützt. In der
gegenwärtigen Strukturfondsperiode 2000-2006 erhält der Freistaat
als Ziel-1-Gebiet rund 5,1 Mrd. Euro EU-Mittel, dies entspricht in etwa
einem Drittel des gesamten Staatshaushaltes des Freistaates. Sie vertei-
len sich auf den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE)
mit 3,3 Mrd. Euro, den Europäischen Sozialfonds (ESF) mit 1,1 Mrd.
Euro sowie den Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die
Landwirtschaft (EAGFL-A) mit 0,7 Mrd. Euro. Zusammen mit den
Kofinanzierungsmitteln des Landes, des Bundes sowie privater Mittel
steht insgesamt ein Finanzvolumen von ca. 10 Mrd. Euro zur Verfügung,
die im Rahmen des Operationellen Programms zur Strukturfondsförde-
rung des Freistaates 2000-2006
9
umgesetzt werden. Hauptziele des Pro-
gramms sind die Förderung eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums so-
wie die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen.
Daneben erhält Sachsen Unterstützung im Rahmen von vier Gemein-
schaftsinitiativen. Bei den Gemeinschaftsinitiativen handelt es sich
um INTERREG III A (Förderung grenzüberschreitender Projekte),
Der Freistaat Sachsen
liegt in der
Mitte Europas
34
Verwaltung und Politik
Freistaat
Sachsen
9)
http://www.sachsen.de/de/wu/smwa/download/op_sachsen.pdf

image
image
Der Staatspräsident
von Paraguay, Oscar
Nicanor Duarte Frutos,
besucht Sachsen im
Oktober 2004
Binationales Friedrich-
Schiller-Gymnasium
Pirna, Ausbildung
deutscher und tsche-
chischer Schüler
Verwaltung und Politik
35
LEADER+ (Entwicklung des ländlichen Raums), EQUAL (Beschäf-
tigungspolitik) und URBAN II (Wiederbelebung von Stadtvierteln).
Die Interessen Sachsens in der EU werden in vielen Fällen über den
Mitgliedsstaat, d. h. von der Bundesregierung wahrgenommen. Die
Sächsische Staatsregierung wirkt nach Art. 23 GG über den Bundesrat
an der Willensbildung in Angelegenheiten der EU mit. Schwerpunkt-
themen sächsischer Europapolitik sind derzeit die EU-Strukturpolitik
sowie die Reform der EU. Den Kontakt zu den EU-Institutionen
unterhält das Sachsen-Verbindungsbüro in Brüssel, eine Außenstel-
le der Staatskanzlei.
Internationale Beziehungen
Der Freistaat Sachsen pflegt seit 1990 weit gefächerte internationale
Kooperationen mit derzeit rund 30 Staaten. Die breite Palette der in-
ternationalen Beziehungen umfasst Regionalpartnerschaften, die Zu-
sammenarbeit bei konkreten Projekten oder in themenspezifischen
Netzwerken insbesondere im Wirtschafts-, Kultus- und Wissen-
schaftsbereich.
Ein Schwerpunkt der internationalen Aktivitäten Sachsens liegt in der
Unterstützung der neuen EU-Mitgliedsländer. Dies spiegelt sich u.a. in
der großen Zahl an Twinningprojekten (Behördenpartnerschaften mit
mittel- und osteuropäischen Staaten) wider, an denen der Freistaat
Sachsen bereits beteiligt war.
Von besonderem sächsischen Interesse ist die grenzüberschreitende
Zusammenarbeit mit den unmittelbaren Nachbarländern. Die Basis
hierfür bilden die Partnerschaftsvereinbarungen des Freistaates Sachsen
mit der Tschechischen Republik und der Wojewodschaft Niederschle-
sien (Polen). Die regelmäßig zusammenkommenden bilateralen Ar-
beitsgruppen und intensive Kontakte auf Fachebene erfüllen die Part-
nerschaftsvereinbarungen mit Leben.
Sachsens internationale Beziehungen beschränken sich nicht nur auf den
mittel- und osteuropäischen Raum. Der Freistaat unterhält und ent-
wickelt auch weitere Partnerschaften, u. a. mit der kanadischen Provinz
Alberta sowie Beziehungen zu chinesischen Provinzen.
Um bereits Kinder durch unkonventionellen Umgang mit Sprachen
und anderen Nationalitäten aufwachsen zu lassen, gibt es gerade im
grenznahen Raum viele Projekte wie zweisprachige oder binationale
Kindergärten und Schulen. Die internationalen Schulen in Leipzig und
Dresden ermöglichen das gemeinsame Lernen von Kindern verschie-
denster Nationalitäten.

image
 
RECHT
UND
SICHERHEIT

image
Bundesverwaltungs-
gericht in Leipzig
Recht und Sicherheit
37
Die Judikative – die dritte Kraft in Sachsen
Justizaufbau
Die Rechtspflege in Sachsen wird zum einen durch die ordentliche Ge-
richtsbarkeit mit 30 Amtsgerichten, sechs Landgerichten und dem Ober-
landesgericht Dresden ausgeübt. Zum anderen gibt es die Fachge-
richtsbarkeiten mit je drei Verwaltungs- und Sozialgerichten sowie fünf
Arbeitsgerichten, dem Oberverwaltungsgericht, dem Sächsischen Lan-
desarbeitsgericht, dem Sächsischen Landessozialgericht und dem Säch-
sischen Finanzgericht. Die Zuständigkeit für sämtliche Gerichtsbarkei-
ten liegt beim Sächsischen Staatsministerium der Justiz. Sechs Staats-
anwaltschaften und die Generalstaatsanwaltschaft ermitteln in Straf-
sachen. 2003 haben die sächsischen Gerichte und Staatsanwaltschaften
über 500000 Verfahren abgeschlossen.
Als erstes neues Bundesland richtete Sachsen 1993 eine Verfassungs-
gerichtsbarkeit ein. Mit dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat
eines der sechs Bundesgerichte seinen Sitz in Sachsen.
Sächsischer
Verfassungsgerichtshof
Leipzig
ORDENTLICHE-
GERICHTSBARKEIT
ARBEITS-
GERICHTSBARKEIT
FINANZ-
GERICHTSBARKEIT
SOZIAL-
GERICHTSBARKEIT
VERW ALTUNGS-
GERICHTSBARKEIT
STAA TSANW ALT-
SCHAFTEN
Landgerichte
Leipzig
Zwickau
Chemnitz
Dresden
Bautzen
Görlitz
Amtsgerichte
in Kreisen und
kreisfreien
Städten
Ober-
landesgericht
Dresden
Arbeitsgerichte
Leipzig
Zwickau
Chemnitz
Dresden
Bautzen
Landes-
arbeitsgericht
Chemnitz
Finanzgericht
Leipzig
Sozialgerichte
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Landes-
sozialgericht
Chemnitz
Verwaltungs-
gerichte
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Ober-
verwaltungs-
gericht
Bautzen
Staatsanwalt-
schaften
Leipzig
Zwickau
Chemnitz
Dresden
Bautzen
Görlitz
General-
staatsanwalt-
schaft
Dresden
Justizbedienstete
Zum 1. Januar 2004 waren in der sächsischen Justiz neben den Mit-
arbeitern des Justizministeriums 8145 Bedienstete beschäftigt, davon
1018 Richter, 327 Staatsanwälte, 1083 Rechtspfleger, 2742 Ge-
schäftsstellen- und Schreibkräfte, 2163 Justizvollzugsbedienstete,

image
Motorradstaffel
der sächsischen Polizei
38
Recht und Sicherheit
180 Sozialarbeiter, 223 Gerichtsvollzieher, 11 Wirtschaftsfachkräfte
sowie 398 Wachtmeister und sonstige Bedienstete. Hinzu kamen
7 262 Schöffen und ehrenamtliche Richter. Freiberuflich waren außer-
dem 168 Notare und 4025 Rechtsanwälte zugelassen. Im Jahr 2004
bildete die Justiz 961 Rechtsreferendare aus.
Für ein sicheres Sachsen
Polizeiorganisation
Die sächsische Polizei arbeitet seit dem 1.1.2005 mit einem zweistufi-
gen Verwaltungsaufbau (sieben Polizeidirektionen auf der Ebene der
Landkreise bzw. kreisfreien Städte sowie das Landespolizeipräsidium
im Sächsischen Staatsministerium des Innern). Das Landeskriminalamt,
das Präsidium der Bereitschaftspolizei (mit drei Abteilungen sowie
dem Aus- und Fortbildungsinstitut der Polizei), die Landespolizeidi-
rektion Zentrale Dienste (mit dem IuK-Systemzentrum und speziellen
Fachdiensten wie der Wasserschutzpolizei, der Polizeihubschrau-
berstaffel und der Polizeireiterstaffel) sowie die Fachhochschule für Po-
lizei in Rothenburg sind darüber hinaus mit einer landesweiten Zu-
ständigkeit ausgestattet. Den Polizeidirektionen sind 79 Polizeireviere,
fünf Autobahnpolizeireviere sowie 89 Polizeiposten nachgeordnet.
Polizeibedienstete
Im Jahr 2004 waren bei der sächsischen Polizei 12288 Polizeivoll-
zugsbeamte, 380 Verwaltungsbeamte, 1719 Angestellte und 598 Ar-
beiter beschäftigt. Bei der Bereitschaftspolizei sind drei Polizeifach-
schulen zur Ausbildung des mittleren Polizeivollzugsdienstes einge-
richtet, diese können jährlich 225 Vollzugsbeamte für den mittleren
Dienst ausbilden. Darüber hinaus bietet die Fachhochschule für Polizei
die Möglichkeit einer Aufstiegsausbildung für den gehobenen Poli-
zeivollzugsdienst mit einer jährlichen Ausbildungskapazität für 150
Beamte (Stand: 31.08.2004).
Kriminalitätsentwicklung
Die registrierte Kriminalität ist nach einem Rückgang von 4,3 Prozent
im Jahr 2002 mit einem Plus von 4,8 Prozent wieder auf das Niveau
von 2001 angestiegen.
Die Gesamtaufklärungsquote konnte erneut von 57,1 Prozent im Jahr
2002 auf nunmehr 59,2 Prozent im Jahr 2003 gesteigert werden. Da-
mit liegt Sachsen deutlich sowohl über dem Bundesdurchschnitt von
53,1 Prozent als auch über dem Schnitt der neuen Länder von 57,6 Pro-

Recht und Sicherheit
39
zent. Insgesamt wurden 209003 Straftaten aufgeklärt. Die Polizei-
dienststellen ermittelten insgesamt 134331 Tatverdächtige. Unter ih-
nen befanden sich 6854 Kinder (5,1 %, im Jahr 2002 waren es 6,1 %)
und 18489 Jugendliche (das entspricht 13,8 %, im Jahr 2002 lag
diese Zahl bei 14,4 %).
Im Jahr 2003 wurden in der polizeilichen Kriminalstatistik in Sach-
sen 352866 Straftaten, demnach 16234 Delikte mehr als im Vorjahr
erfasst. Damit entfielen auf jeweils 100000 Einwohner 8114 Fälle
(2002: 7678). Im Vergleich der Länder liegt Sachsen damit deutlich
unter dem Durchschnitt der neuen Länder mit einer Belastung von
8673 Straftaten je 100000 Einwohner, jedoch über dem Bundes-
durchschnitt von 7963.
Die statistisch ausgewiesene höhere Kriminalität ist auch Ausdruck der
konsequenteren Verfolgung von „Schwarzfahrern“ im öffentlichen
Personennahverkehr. Ohne diese hätte sich die registrierte Kriminalität
nur um etwa 1,8 Prozent erhöht. Zu den positiven Seiten der Krimi-
nalitätsentwicklung des Jahres 2003 gehört die weitere Zurückdrän-
gung des Diebstahls unter erschwerenden Umständen um 4,4 Pro-
zent. Mit 72 Straftaten von Mord und Totschlag hat Sachsen deutlich
die niedrigste Belastung im gesamten Bundesgebiet (1,7 Fälle je
100000 Einwohner, Bund: 3,1).
Rauschgift-, Computer- und Umweltkriminalität stiegen dagegen um
mehr als 10 Prozent gegenüber 2003 an. Der Zuwachs der Straßen-
kriminalität lag bei 6,9 Prozent. Die Zahl der Gewaltdelikte stieg um
2,8 Prozent. Der Anstieg der Wirtschaftskriminalität fiel dagegen mit
1,3 Prozent moderat aus.
Der gemeldete finanzielle Schaden betrug insgesamt 422 Mio. Euro.
Von dieser Summe entstanden 254 Mio. Euro durch Wirtschaftskri-
minalität, 88 Mio. Euro durch Diebstahl und 48 Mio. Euro durch Be-
trug außerhalb des Wirtschaftssektors. Im Jahr 2002 hatte der regis-
trierte Gesamtschaden noch bei 500 Mio. Euro gelegen.
Justizvollzug
Der Freistaat Sachsen verfügt über 10 Justizvollzugsanstalten und ein
Gefängniskrankenhaus. Im Jahr 2003 saßen durchschnittlich 4221 Ge-
fangene ein. Wie schon in den Vorjahren gab es auch im Jahr 2003 kei-
ne Ausbrüche; 4 Gefangene, die aus Vollzugslockerungen nicht zurück-
kehrten, wurden wieder ergriffen. Die durchschnittlichen Haftkosten pro
Gefangenem und Tag betrugen im letzten Jahr 70,78 Euro (ohne Bau-
kosten) und waren damit im bundesweiten Vergleich die drittniedrigsten.
Die 37 Eigenbetriebe des Justizvollzugs bieten eine breite Palette von
Produkten und Dienstleistungen an.

image
Zerstörerische Weißeritz:
Glashütte, Erzgebirge
40
Recht und Sicherheit
Sachsen sind gut geschützt
Rettungswesen
Über den Notruf 112 erreicht man eine der 20 sächsischen Leitstellen
für den Rettungsdienst und für die Feuerwehr. Der Leitstellendispo-
nent (Leitstellenmitarbeiter) entscheidet je nach Notfall, welche Ein-
satzkräfte alarmiert werden. 107 Rettungswachen sind sachsenweit
rund um die Uhr besetzt. Der Leitstellendisponent kann auch die
Feuerwehr zur Brandbekämpfung oder zur technischen Hilfeleistung
an den Unglücksort senden. Sieben Berufsfeuerwehren und 535 Frei-
willige Feuerwehren leisten in 2056 Feuerwachen und Feuerwehr-
häusern ihren Dienst.
August 2002 – Die Flut
Die Tage vom 12. bis 18. August 2002 werden die Menschen in Sach-
sen wohl nie vergessen. Starke Regenfälle im Erzgebirge ließen erst die
eigentlich ruhigen Flüsschen wie Weißeritz, Zwickauer und Freiberger
Mulde, Triebisch und Müglitz zu reißenden Wassern anschwellen, be-
vor ab 13. August die Elbe langsam, aber stetig aus ihrem Flussbett in
umliegende Felder, Wiesen, Dörfer und Städte strömte und Straßen,
Brücken, Schienen und Häuser zerstörte. Zuvor hatte die Elbe bereits
in der Tschechischen Republik große Verwüstungen hinterlassen. Am
17. August maß man in Dresden den Höchststand der Elbe von 9,40 m,
normal ist ein Pegelstand von 1,26 m. In Sachsen waren 16 Kreise und
vier kreisfreie Städte direkt von der Flut betroffen. In Grimma, Wee-
senstein, Döbeln, Glashütte und vielen anderen Orten lagen Zentren der
Zerstörung, zahlreiche Häuser wurden fortgespült, viele beschädigte
Häuser mussten gänzlich abgerissen werden.
Der Welle des Wassers folgte eine ebenso unerwartete Welle der
Hilfsbereitschaft und Spenden, die den Menschen in den betroffenen
Gebieten Kraft für den Wiederaufbau gab. Dank der vielen unei-
gennützigen Mitbürger und Helfer aus dem In- und Ausland – von
Bundeswehr, THW und DRK, um nur wenige zu nennen – konnten
unter anderem in Dresden die wertvollen Kunstgegenstände aus
Gemäldegalerie und Albertinum gerettet werden. Mit Sandsäcken
bauten die unermüdlichen Helfer zuerst Dämme, später halfen sie bei
der Beräumung der riesigen Müllberge. Sachsen ist all jenen sehr
dankbar, die durch den Einsatz ihrer körperlichen oder finanziellen
Kräfte den Wiederaufbau ermöglicht haben, der zwei Jahre nach der
Flut weitgehend abgeschlossen werden konnte. 157 000 Menschen
wurden dafür mit dem sächsischen Fluthelferorden geehrt.

image
Recht und Sicherheit
41
Schäden in Sachsen
Gesamtschaden
über 8,5 Mrd. Euro
Menschen
21 Tote, 110 Verletzte
Aufbauhilfe in Sachsen
Finanzbedarf nach Abzug der Eigen- bzw. Drittmittel
5,75 Mrd. Euro
Bereitgestellte staatliche Mittel
4,41 Mrd. Euro
(aus dem Aufbauhilfefonds)
Mittel aus dem EU-Solidaritätsfonds
0,25 Mrd. Euro
Spendengelder für Sachsen
ca. 340 Mio. Euro
zuzüglich Sachspenden in unbekannter Höhe
Zahl der Helfer
über 100 000 erfasste
Helfer
allein 30 000
Feuerwehrleute
Wiederaufbau (Stand 2 Jahre danach)
Beantragte Maßnahmen
103 718
davon förderfähige Maßnahmen
92 000
Schadensbilanz und
Aufbauhilfen
Stand August 2004
Nach der Flut:
Überall riesige Schutt-
berge wie in der
Seidelbaststraße in
Dresden-Laubegast
Mehr als 100 000 Maßnahmen wurden für den Wiederaufbau beantragt,
wovon 82 % der Maßnahmen auf den gewerblichen oder privaten Be-
reich entfallen, 16 % der Maßnahmen sind solche der kommunalen oder
staatlichen Infrastruktur und zwei Prozent sind sonstige Aufwendungen
(z.B. für Katastrophenbeseitigung).
Katastrophen- und Hochwasserschutz
Nach der Flut im August 2002 wurden zahlreiche Hochwasserschutz-
maßnahmen ausgeführt. Am 6.8.2004 waren in Sachsen bereits 358
Überschwemmungsgebiete mit einer Fläche von rund 51000 Hektar
ausgewiesen, vor der Flut waren es lediglich 23 Gebiete gewesen.
Einmalig in Deutschland ist die Ausweisung von Hochwasserentste-
hungsgebieten, in denen nur unter Auflagen an die Wasserrückhaltung
großflächige Bodenversiegelungen möglich sind. Dazu kommt die
komplette Neugestaltung des Hochwasserwarndienstes, dessen Mel-
dungen nun aus einer Hand per Fax und E-Mail bis auf Landkreis-
ebene, per SMS, Fax und E-Mail bis auf Gemeindeebene gehen. Zu-
sätzlich wurden bis Ende 2004 flächendeckend 47 Hochwasser-
schutzkonzepte erarbeitet. All diese Maßnahmen sollen helfen, in Zu-
kunft so große Schäden wie aus dem Jahr 2002 möglichst zu
vermeiden.

image
 
WIRTSCHAFT
UND
ARBEIT

image
image
Sachsen mit aller Kraft voraus
Wirtschaftsstruktur
Ausgehend vom erzgebirgischen Silberbergbau gehörte Sachsen be-
reits im Mittelalter zu den wirtschaftlich weit entwickelten Gebieten
Deutschlands. Diese Tendenz hat sich über Industrialisierung und
die zwei Weltkriege halten können. In der DDR erbrachten die drei
sächsischen Bezirke 40 % der DDR-Industrieproduktion.
Die ab 1990 eingeleitete Umstellung auf die Marktwirtschaft führte je-
doch zum weitgehenden Zusammenbruch der traditionellen, in der
DDR über lange Zeiträume konservierten wirtschaftlichen Strukturen
und zum Wegfall vieler unrentabler Arbeitsplätze. Mittlerweile kann
Sachsen wieder an die industrielle Tradition des Landes anknüpfen
und entwickelt sich zu einem wettbewerbsfähigen Industriestandort.
In Sachsen gibt es heute fünf unterscheidbare Wirtschaftsräume mit
drei urbanen Kernen, die als Motoren wirtschaftlicher Bewegung
fungieren. Zwischen Dresden und Freiberg sind besonders die Mi-
kroelektronik und die Elektrotechnik beheimatet („Silicon Saxony“),
mit Firmen wie AMD, Infineon und Deutsche Solar AG oder Frei-
berger Compound Materials. Der Wirtschaftsraum Nordwestsachsen
umgibt die Handelsmetropole Leipzig, die sich als Standort für Me-
dien und Finanzdienstleistungen entwickelt, und im mittelsächsi-
schen Ballungsraum um Chemnitz und Zwickau ist traditionell der
Maschinen- und Fahrzeugbau Sachsens konzentriert. Um diese Zen-
tren bilden sich zunehmend regionale Netzwerke heraus. Solche Ent-
wicklungen sind beispielsweise im Bereich der Mikroelektronik mit
Unternehmen in Dresden/Freiberg, im Fahrzeug- und Maschinenbau
mit Chemnitz/Zwickau oder mit dem Medienstandort Leipzig zu ver-
zeichnen. Die Räume Ostsachsen und Erzgebirge/Oberes Vogtland, in
der DDR eher monostrukturell und wenig verzweigt entwickelt, haben
bis in die Gegenwart deutlich größere Probleme, den wirtschaftlichen
Wandel und die Herausbildung eines modernen wirtschaftlichen Pro-
fils zu bewerkstelligen. Die Wirtschaftskraft ist hier noch unter-
durchschnittlich.
Der Mittelstand, in der DDR fast völlig verschwunden, ist mittlerweile
wieder ein wichtiger Bestandteil der sächsischen Wirtschaft. Diese
wird überwiegend von kleinbetrieblichen Unternehmensstrukturen
geprägt. Mehr als zwei Drittel (rund 68 %) der 120850 Betriebe und
staatlichen Einrichtungen (mit sozialversicherungspflichtig Beschäf-
tigten) hatten 2003 bis zu 5 Mitarbeiter, 21 % beschäftigten 6 bis 19
Mitarbeiter und in weniger als 2 % der Betriebe waren 100 und mehr
Personen tätig. Insgesamt haben rund 96 % aller Betriebe weniger als
Die neue 300-mm-
Waferfertigung der
Siltronic AG in Freiberg
Wirtschaft und Arbeit
43
Fahrzeugmontage
im Volkswagenwerk
Zwickau / Mosel

image
50 (sozialversicherungspflichtig) Beschäftigte. Die Zahl der Selbst-
ständigen ist 2003 weiter gewachsen. Mit 186500 Personen waren
10,3 % aller Erwerbstätigen selbstständig. Seit 1991 hat sich die
Selbstständigenquote mehr als verdoppelt, sie ist die höchste in den
neuen Ländern.
Wirtschaftskraft
Das im Freistaat Sachsen erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt
(BIP)
10
erhöhte sich von 1991 bis 2003 jahresdurchschnittlich real
um 3,6 %. Seit 1996 hat das Tempo der wirtschaftlichen Entwick-
lung in Sachsen und den anderen neuen Ländern nachgelassen.
2003 erreichte das BIP im Freistaat Sachsen einen Wert von 77,0
Mrd. Euro (2002 waren es 75,2 Mrd.). Gegenüber dem Vorjahr
wurde ein reales Wachstum von 1,2 % erzielt. Mit seinem BIP trug
Sachsen 2003 zum BIP der neuen Länder (ohne Berlin) 32,4 % und
zum gesamtdeutschen BIP 3,6 % bei.
Je Einwohner stieg das reale BIP im Freistaat Sachsen im Zeitraum
1991 bis 2003 jahresdurchschnittlich um 4,3 % (neue Länder ohne
Berlin: 4,3 %). 2003 erreichte das BIP je Einwohner in Sachsen einen
Wert von 17774 Euro. Damit verzeichnet der Freistaat Sachsen den
höchsten Wert unter den neuen Ländern.
Je Erwerbstätigen wurde 2003 ein Bruttoinlandsprodukt in Höhe von
40337 Euro erwirtschaftet. Trotz einer weiteren Verbesserung der
Arbeitsproduktivität erreichte die Wirtschaftsleistung je Erwerbstäti-
gen damit bislang ca. 69 % des westdeutschen Produktivitätsniveaus
11
(ohne Berlin).
Dennoch ist der wirtschaftliche Umstrukturierungsprozess in Sach-
sen auf gutem Wege. Von 1990 bis Ende 2003 lag der Saldo aus
Gewerbean- und -abmeldungen bei über 251000. Er war auch in
jüngster Zeit positiv. Nach gewaltigem, subventionsinitiiertem Bau-
boom Anfang der neunziger Jahre sind inzwischen verarbeitendes Ge-
werbe und unternehmensnahe Dienstleistungen zu den dynamischsten
Wirtschaftsbereichen geworden: Mit rund 44 % der gesamten Brut-
towertschöpfung liegt ihr Anteil höher als in allen anderen neuen
Ländern.
44
Wirtschaft und Arbeit
10)
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gibt diejenigen neu zur Verfügung stehenden Güter- und Dienstleistungen
an, die im Inland innerhalb eines Jahres von In- und Ausländern hergestellt wurden. Das BIP ist ein Maß für
die wirtschaftliche Leistung eines Landes.
11)
Die Arbeitsproduktivität zeigt an, wie groß der produktive Beitrag eines jeden Beschäftigten ist. Ein An-
stieg der Arbeitsproduktivität bedeutet, dass sich die Wertschöpfung in Bezug auf den Arbeitseinsatz erhöht
hat bzw. das angestrebte Produktionsergebnis mit einer geringeren Menge von Arbeitsstunden erreicht wur-
de. Einfluss auf die Arbeitsproduktivität haben vor allem technischer Fortschritt und Arbeitsintensität.
Automobilzulieferer
Cloyes Europe GmbH,
Oberseifersdorf/Zittau

image
Industrie
Motor der wirtschaftlichen Dynamik im Freistaat Sachsen ist die Indus-
trie (verarbeitendes Gewerbe). Zwischen 1993 und 2003 hat die Brut-
towertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes in Sachsen und den neu-
en Ländern (ohne Berlin) jahresdurchschnittlich real rund 7,6 % zuge-
nommen, in den alten Ländern (ohne Berlin) dagegen nur 0,4 %. Der
Umsatzzuwachs im verarbeitenden Gewerbe betrug im Jahr 2003 ge-
genüber dem Vorjahr 6,1 %.
Die bedeutendsten industriellen Wirtschaftszweige in Sachsen gemessen
an der Beschäftigtenzahl waren im Jahr 2003 mit rund 36000 bzw.
34000 Beschäftigten die Metallerzeugung und -bearbeitung/Herstel-
lung von Metallerzeugnissen und der Maschinenbau. Außerdem hat
sich der Fahrzeugbau in den letzten Jahren überdurchschnittlich ent-
wickelt. Er hat einen Beschäftigtenanteil von etwa 12 % (rund 26 300
Personen) und erwirtschaftet mit gut 20 % einen großen Teil des Ge-
samtumsatzes des verarbeitenden Gewerbes. Neben diesen traditio-
nellen Branchen gewinnen neue zukunftsweisende Industriezweige
der Hochtechnologie zunehmend an Gewicht. Die Herstellung von
„Spitzentechnik“ hat in Sachsen mittlerweile sogar ein ebenso hohes
Gewicht wie in Gesamtdeutschland. Investitionen in Schlüsseltechno-
logien wie Mikroelektronik, biologische Forschung und Technologie,
Informations-, Fertigungs-, Energie-, Umwelt- und Medizintechnik
werden an allen sächsischen Standorten gefördert.
In Sachsen arbeiten hochspezialisierte, teils traditionsreiche Manufak-
turen wie die Uhrenbetriebe in Glashütte, die Porzellan-Manufaktur
Meissen und die Gläserne VW-Manufaktur in Dresden.
Anteil der
Wirtschaftsbereiche
an der Bruttowert-
schöpfung in Prozent
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
Wirtschaft und Arbeit
45
100 %
80 %
60 %
40 %
20 %
0 %
Öffentliche und private
Dienstleister
1991
1995
1999
2002
Finanzierung, Vermietung und
Unternehmensdienstleister
Handel, Gastgewerbe
und Verkehr
Baugewerbe
Verarbeitendes
Gewerbe
Energie- und Wasserversorgung,
Bergbau
Land- und Forstwirtschaft,
Fischerei
2,2
9,2
18,7
11,1
15,1
21,4
22,3
1,5
4,1
12,5
16,7
15,8
22,2
27,3
1,4
3,4
15,5
11,3
15,6
25,8
27,1
1,8
3,6
17,7
7,5
16,7
25,8
27,1
Meissen
®
– Marken

image
image
Die Mädler-Passage im
Zentrum Leipzigs
Dienstleistungen und Handel
Insgesamt wird der strukturelle Wandel in Sachsen von einem starken
Trend zum Dienstleistungsbereich bestimmt. Besonders Bereiche wie
Banken, Versicherungen und das Gastgewerbe konnten sich gut ent-
wickeln, während in einzelnen Bereichen der unternehmensnahen
Dienstleistungen noch ein stärkerer Nachholbedarf besteht. In wissens-
basierten Segmenten der Unternehmensdienstleistungen gab es hingegen
eine positive Entwicklung, diese leisten einen wichtigen Beitrag zum
Wirtschaftswachstum und beschäftigen hochqualifizierte Arbeitskräfte.
Der tertiäre Sektor insgesamt beschäftigte 2003 in Sachsen mit 68,7 %
der Erwerbstätigen bereits über 1,3 Millionen Menschen. Insbesondere
im Gesundheitswesen, im Kredit- und Versicherungsgewerbe, im Gast-
gewerbe, in der Hauswirtschaft, in der öffentlichen Verwaltung sowie in
Erziehung und Unterricht sind größtenteils Frauen beschäftigt, ihr An-
teil liegt bei über 60 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im
Dienstleistungsbereich.
Im Jahr 2003 waren im Handel und KFZ-Gewerbe 182458 Menschen
beschäftigt, das sind rund 13 % der sozialversicherungspflichtig Be-
schäftigten in Sachsen. Die Verkaufsfläche des Einzelhandels hat sich
von 1997 bis 2001 um 10,4 % vergrößert, wobei der IHK-Kammerbe-
zirk Dresden die größte Zunahme verzeichnete. Bezogen auf die Ein-
wohnerzahl lag Sachsen mit 1,59 m
2
Verkaufsfläche je Einwohner im
Jahr 2002 deutlich über dem Durchschnitt der alten Bundesländer, Spit-
zenreiter war auch hier der IHK-Kammerbezirk Dresden (1,67 m
2
pro
Einwohner). Der Anteil des großflächigen Einzelhandels (ab 700 m
2
Ver-
kaufsfläche) lag 2001 bei ca. 64 % der Gesamtverkaufsfläche, 36 % der
Flächen entfallen somit auf kleinteilige Einzelhandelsbetriebe.
Handwerk
Am 30. Juni 2004 gab es im Freistaat 52023 registrierte Handwerks-
betriebe, davon 40000 meistergeführte Betriebe mit durchschnittlich
sieben Beschäftigten (einschl. Inhaber). Die meisten Unternehmen ent-
fallen auf den Regierungsbezirk Chemnitz mit 21584 Betrieben, gefolgt
vom Regierungsbezirk Dresden mit 19222 und vom Regierungsbezirk
Leipzig mit 11217 Betrieben. Damit sind in Sachsen rund ein Drittel al-
ler Handwerksbetriebe der ostdeutschen Bundesländer (ohne Berlin) an-
sässig – zum Vergleich: Anfang 1990 hatte es im Territorium des heu-
tigen Landes Sachsen ca. 31000 Handwerksbetriebe gegeben.
Im sächsischen Handwerk sind derzeit rund 300000 Menschen be-
schäftigt, 1989/90 waren im Handwerk der damaligen DDR-Bezirke
Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), Dresden und Leipzig – heute Sachsen –
cirka 95000 Beschäftigte einschließlich Inhaber tätig. Fast jeder
46
Wirtschaft und Arbeit
Ein Reifendreher
drechselt Rohlinge
für Holztiere

image
fünfte sächsische Beschäftigte arbeitet im Handwerk. Diese Zahlen
dokumentieren die Bedeutung des Handwerks für die Fortentwicklung
des Freistaats Sachsen.
Mit 12 Betrieben pro 1000 Einwohner liegt die Handwerksdichte in
Sachsen deutlich über dem bundesdeutschen Mittel von 10,5 (Stand
30.6.2004). Die zahlenmäßig stärksten Gewerbegruppen im Vollhand-
werk bilden die Elektro- und Metallgewerbe mit 16763 Betrieben so-
wie die Bau- und Ausbaugewerbe mit 9674 Handwerksfirmen (Stand:
31.3.2004).
Eine Besonderheit im Freistaat ist die Vielfalt des Kunsthandwerkes. Po-
samentenmacher aus Annaberg, Lebkuchenbäcker aus Pulsnitz, Uhr-
macher aus Glashütte, Holzspielzeugmacher aus dem Erzgebirge sowie
Musikinstrumentenbauer aus dem Vogtland sind nur eine kleine Aus-
wahl. Viele alte Handwerkstechniken haben sich die Sachsen auch
wieder neu erarbeitet, herausgefordert durch Vorhaben wie den Wie-
deraufbau der Semperoper (1985 vollendet) oder den Wiederaufbau der
Frauenkirche (äußere Vollendung 2004). Sehr begehrt im Freistaat
sind z. B. Restauratoren, die die vielfach vorhandenen Kunstschätze be-
wahren helfen.
Außenhandel
Seit 1991 ist die Außenhandelstätigkeit Sachsens stetig gewachsen. Die
Ausfuhren haben sich im Gesamtzeitraum 1991 bis 2003 fast versechs-
facht. 2003 belief sich die Summe der Einfuhren auf 8,9 Mrd. Euro, das
waren rund 7 % mehr als im Vorjahr. Ein Plus von 8,5 % konnte im Ex-
port verzeichnet werden, hier wurden 2003 Waren im Wert von
15,1 Mrd. Euro ausgeführt.
Höchste Präzision
bei der Uhrenfertigung
in Glashütte
Wirtschaft und Arbeit
47
Außenhandel Sachsens
1991 – 2003
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
20
15
10
5
0
Mrd. Euro
Export
Import
1991
1993
1995
1997
1999
2001
2003
vorl.

image
Neue Leipziger Messe
Überdurchschnittliche Exportzuwächse wurden nach Malaysia, China
und in die USA verzeichnet. Der Anteil der Länder Amerikas bzw. Asi-
ens ist jedoch mit 21 % bzw. 16 % im Vergleich zum Exportvolumen
nach Europa immer noch gering. Dies hatte 2003 einen Anteil von rund
62 % an den gesamten sächsischen Ausfuhren.
Sachsen ist aufgrund seiner traditionellen Osthandelsbeziehungen Dreh-
scheibe zwischen Ost- und Westeuropa. In der Regionalstruktur des
sächsischen Außenhandels haben sich seit 1991 deutliche Veränderun-
gen ergeben. Der Anteil der Exporte in die Länder der ehemaligen
Sowjetunion und die mittel- und osteuropäischen (MOE-) Staaten re-
duzierte sich seit 1991 erheblich. Dennoch bleibt Osteuropa ein wichtiges
Absatzgebiet. Mit einem Anteil von 18,8 % waren die USA 2003 größ-
ter Exportpartner Sachsens, es folgten Großbritannien (6,7 %) und Ita-
lien und Frankreich mit jeweils 6,2 %. Den Hauptanteil der Aus- und
Einfuhr Sachsens stellten im Jahr 2003 Kraftfahrzeuge, elektrotechnische
Erzeugnisse und Papier- und Druckmaschinen dar. Einen hohen Anteil
an der Einfuhr hatten Kraftstoffe, Schmieröle und Erdgas.
Messen
Kaiser Maximilian I. verlieh der Stadt Leipzig bereits 1497 das kai-
serliche Privileg für Reichsmessen, einen vergleichbaren Markt durfte
es im Umkreis von 225 km nicht mehr geben. Im Laufe der Jahrhun-
derte wurde Leipzig zu einem sehr bedeutenden Ost-West-Handelsplatz.
Hier wurde 1895 die erste Mustermesse und 1918 die erste Technische
Messe ausgerichtet. Im Jahr 1896 öffnete das erste Messehaus „Städ-
tisches Kaufhaus“. Die Leipziger Messe – auch als Mutter aller Messen
bezeichnet – wurde damit zum Welthandelsplatz. Das neue Messe-
gelände öffnete 1996 seine Pforten, besonders erfolgreiche Veranstal-
tungen sind z.B. die Leipziger Buchmesse, die AutoMobilInternational
und die Games Convention. Auch Dresden und Chemnitz etablierten
sich erfolgreich als Messestandorte mit hauptsächlich regionaler Aus-
richtung.
Wirtschaftsförderung und -entwicklung
Seit 1991 unterstützt die landeseigene Gesellschaft Wirtschaftsför-
derung Sachsen (WFS) in- und ausländische Investoren bei der An-
bahnung und Realisierung von Vorhaben, sächsische Kommunen bei
der Ansiedlung von Unternehmen und sächsische Firmen bei der Er-
schließung und dem Aufbau neuer Märkte und Kooperationen. Die
kommunalen Wirtschaftsförderungsämter ergänzen durch ihre ge-
nauen Ortskenntnisse die Tätigkeiten der WFS. Die Stiftung Innova-
tion und Arbeit Sachsen sowie die Sächsische Aufbaubank arbeiten
48
Wirtschaft und Arbeit

eng mit den Wirtschaftsförderern zusammen. Gefördert werden Wirt-
schaft und Technologie, Außenwirtschaft, Arbeitsmarkt, Existenz-
gründungen (v.a. Existenzgründercoaching) und der Mittelstand. Hil-
fen zur Konsolidierung werden ebenso wie Beteiligungen und Bürg-
schaften angeboten. Kooperationen (z.B. Netzwerkedatenbank) und
Verbundinitiativen (z.B. die Verbundinitiative Maschinenbau) werden
unterstützt. Eine Fördermitteldatenbank hilft bei der Suche nach För-
dermitteln verschiedenster Programme.
Arbeitsmarkt
Der Übergang von einer unproduktiven Beschäftigungsgesellschaft
zu marktwirtschaftlichen Strukturen, verbunden mit entsprechen-
den wirtschaftlichen Umstrukturierungsprozessen, hat seit 1990 tie-
fe Spuren in der Beschäftigungsstruktur des Freistaates Sachsen
hinterlassen. Die Zahl der Erwerbstätigen reduzierte sich von 1989
bis 1993 um etwa ein Drittel. Nach einem leichten Anstieg bis 1996
stagniert die Zahl der Erwerbstätigen mit leichten jährlichen Schwan-
kungen. Dabei haben sich die Gewichte zwischen den Wirtschafts-
zweigen deutlich verschoben. Dem starken Anstieg der Arbeitslo-
sigkeit in all ihren Erscheinungsformen (Gesamtarbeitslosigkeit) im
Jahr 1992 folgte bis 1997 ein kräftiger Rückgang. Wie die Erwerbs-
tätigkeit stagniert sie seitdem.
Bis 1994 stieg die Arbeitslosenquote (Arbeitslose in Prozent der ab-
hängigen zivilen Erwerbspersonen) in Sachsen auf 15,7 %. Nach einem
leichten Rückgang 1995 setzte sich der Anstieg bis 1998 auf 18,6 %
Erwerbstätige im
Freistaat Sachsen nach
Wirtschaftsbereichen
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
Wirtschaft und Arbeit
49
Der von der WFS
Sachsen geförderte
Messestand zur ELMIA
2003 in Schweden
700
600
500
400
300
200
100
0
62,2
60,8
56,3
48,5
406,6
363,9
352,9
352,9
287,7
334,6
284,4
196,3
423,7
446,9
452,6
453,8
176,4
226,2
260,3
281,4
538,6
565,2
577,6
577
1993
Land- und
Forstwirtschaft,
Fischerei
Produzierendes
Gewerbe
Baugewerbe
Handel,
Gastgewerbe,
Verkehr
Kredit- und Vers.-
Gew., Grundst.-
und Wohnungsw.,
Vermietung,
Dienstl. f. Untern.
Öffentliche
und private
Dienstleist.
1996
1999
2003
vorl.
1000 Personen

image
fort. Nach erneut leicht rückläufiger Entwicklung in den Jahren
1999/2000 stieg die Arbeitslosenquote wieder an und lag im Jahres-
durchschnitt 2003 bei 19,4%.
Allerdings kann die Arbeitslosenquote die tatsächliche Entwicklung nur
unvollkommen abbilden. Zur Einschätzung der Situation auf dem Ar-
beitsmarkt müssen Kurzarbeit, arbeitsmarktpolitische Maßnahmen so-
wie die Regelungen für ältere Arbeitnehmer, die insbesondere in den
Jahren bis 1996 von Bedeutung waren, einbezogen werden. Im Jah-
resdurchschnitt 2003 waren in Sachsen insgesamt 495000 Personen von
Gesamtarbeitslosigkeit
12
betroffen. Gemessen an den abhängigen zivi-
len Erwerbspersonen lag die Quote der Gesamtarbeitslosigkeit mit
23,8 % unter dem vergleichbaren Vorjahreswert.
Das Niveau der Gesamtarbeitslosigkeit in Sachsen ist regional un-
terschiedlich. Im Jahresdurchschnitt 2003 wies die Agentur für Arbeit
(AA) Dresden mit 19,0 % die niedrigste und die AA Bautzen mit
27,8 % die höchste Quote der Gesamtarbeitslosigkeit aus.
Die Zahl der Erwerbspersonen (am Wohnort) lag im Mai 2003 in
Sachsen bei rund 2252700. Die Erwerbsneigung – Erwerbspersonen
gemessen an der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter – lag bei fast
77,0 %. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (am
Arbeitsort) in Sachsen lag im Juni 2003 bei 1395025 Personen.
Einkommen und Preise
Die durchschnittlichen Bruttolöhne und -gehälter der Arbeitnehmer al-
ler Wirtschaftsbereiche lagen im Jahr 2003 in Sachsen bei 21474 Euro.
Die Arbeitnehmer im Freistaat Sachsen erzielten damit rund 78 % des
durchschnittlichen Verdienstes der Arbeitnehmer in den alten Ländern
(ohne Berlin) – 1991 waren es noch 50 %.
Im Dezember 2003 erreichte der Preisindex für die Lebenshaltung al-
ler privaten Haushalte in Sachsen einen Wert von 104,1 (2000 = 100)
und war damit um 1,0 % höher als im Dezember 2002.
Leben durch Sachsens Natur
Landwirtschaft
Im Jahre 2003 wurde Sachsens Territorium auf 913500 ha landwirt-
schaftlich genutzt, das sind rund 50 % der Landesfläche. Der weitaus
größte Teil dieser Flächen liegt in der Lausitz, in Mittelsachsen und in
50
Wirtschaft und Arbeit
12)
Landesarbeitsamt Sachsen; Arbeitslose, Kurzarbeit (Vollzeitäquivalent), Arbeitsbeschaffungs- und Struk-
turanpassungsmaßnahmen, Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung, Altersübergangsgeld, § 428 SGB
III – 58jährige und ältere Arbeitslose, die der Arbeitsvermittlung nicht mehr zur Verfügung stehen und nicht
als Arbeitslose registriert sind (eigene Berechnung des Wirtschaftsministeriums)

der Leipziger Tieflandsbucht. Die natürlichen Gegebenheiten lassen ei-
ne vielfältige Nutzung zu. Angebaut werden vor allem Getreide und
Raps, aber auch Ackerfutter (2003: 13,5 % der Ackerfläche). Mit
durchschnittlichen Erträgen von bis zu 66 dt/ha wurden z.B. im Jahr
2001 etwa 2,7 Mio. Tonnen Getreide geerntet. Eine lange Tradition ha-
ben in Sachsen auch der Obstanbau (im Elbtal und südöstlich von
Leipzig) sowie der Weinbau (im Elbtal Raum Meißen – Dresden).
278 Agrarbetriebe wirtschafteten 2003 auf 20342 ha nach den
Grundsätzen des ökologischen Landbaus. Insgesamt arbeiten gemäß
sächsischem Agrarbericht 6564 Unternehmen im Bereich der Land-
wirtschaft. Sie bieten Erwerbsmöglichkeiten für ca. 44 013 Personen.
In das Programm „Umweltgerechte Landwirtschaft im Freistaat Sach-
sen (UL)“, für das seit seiner Einführung im Jahr 1994 bis ein-
schließlich 2003 fast 540 Mio. Euro Fördermittel zur Verfügung ge-
stellt wurden, sind gegenwärtig 515726 ha Ackerflächen (71,1 %
der gesamten bewirtschafteten Ackerfläche), 131396 ha Grünland
(72,5 %), 4581 ha Obstfläche (94,5 %), 231 ha Rebland (56,9 %) und
8394 ha Teichfläche (99,8 %) eingebunden. Ziel des Programms ist,
die landwirtschaftliche und gartenbauliche Erzeugung durch geeig-
nete, kontrollierbare Produktionsverfahren so zu gestalten, dass die
Bodenfunktion erhalten und das Grund- und Oberflächenwasser nicht
belastet wird. Allein im Jahr 2002 wurde die Nitratstickstoffbelastung
des Bodens um ca. 7500 t verringert. Durch die Anwendung erosi-
onsmindernder Anbauverfahren wurden bis zu 400000 t Boden vor
der Abschwemmung bewahrt.
Tierhaltung und Teichwirtschaft
Rund zwei Drittel der Gesamterlöse der sächsischen Landwirtschaft
stammen aus der Tierhaltung. In Sachsens Ställen stehen vor allem Rin-
der; daneben auch Schweine, Schafe und Legehennen. Außerdem gibt
es in Sachsen ca. 30000 Bienenvölker.
Die Rinderwirtschaft ist Erwerbsquelle für ca. 13000 Beschäftigte
und dient auch der Pflege der Kulturlandschaft. Die Milcherzeugung
Wirtschaft und Arbeit
51
Anzahl der Tiere in der
Landwirtschaft
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
1990
2003
Rinder
1 109 200
512 000
darunter Milchkühe
404 800
204 000
Schweine
1 493 800
640 000
darunter Sauen
137 000
82 000
Schafe
274 200
143 000
Legehennen
3,4 Mio.

image
Weinberg Schloss
Wackerbarth,
Radebeul
ist derzeit eine der wichtigsten Einnahmequellen der sächsischen Tier-
halter; sie dürfen jährlich 1,6 Mio. t Milch produzieren.
Sachsens Pferdezucht ist u. a. bekannt für die elegante Pferderasse
„Schweres Warmblut“. Zahlreiche neu entstandene Reiterhöfe (ca.
150) sind auch Anziehungspunkt für Touristen geworden. Die jährliche
Hengstparade in Moritzburg ist ein Höhepunkt für Pferdeliebhaber aus
der ganzen Welt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche vereinsorgani-
sierte Pferdezucht- und Pferdesportveranstaltungen.
Die Teichbewirtschaftung hat in Sachsen eine lange Tradition. Sachsens
Teichwirte vermarkten ca. 2900 t Fisch pro Jahr, davon allein 2600 t
Speisekarpfen.
Forstwirtschaft
2002 betrug die Gesamtwaldfläche im Freistaat Sachsen 516 572 ha –
das entspricht 28,1% der Landesfläche. Mittelfristig soll der Wald-
flächenanteil im Land vor allem durch Aufforstung von Bergbaufol-
gelandschaften, Hochwasserentstehungsgebieten und in Gebieten mit
geringem Waldanteil auf 30 % wachsen. Von der gesamten Waldfläche
sind 38 % Eigentum des Freistaates Sachsen, 7 % gehören dem Bund
und weitere 7 % sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Der
Anteil des Privatwaldes beträgt 45 %, davon sind 7 % als Treuhandwald
ausgewiesen. Kirchenwald ist zu 2 % und Sondervermögen des Bundes
(Wald der LMBV
13
) zu 1 % vertreten. Sachsens Wald wird von ca.
70000 einzelnen Forstbetrieben bewirtschaftet.
Weinbau
Die erste urkundliche Erwähnung des Weinbaues in Sachsen geht bereits
in das Jahr 1161 zurück. Im 15. Jahrhundert standen auf etwas mehr als
4000 ha Reben. Die Einschleppung der Reblaus 1887 beschleunigte den
bereits laufenden Niedergang des Weinbaus enorm. In der Folge wur-
den viele Hänge bebaut oder als Obstland genutzt.
Mit der Einführung reblausresistenter Pfropfreben kam es in den zwan-
ziger und dreißiger Jahren zu einer allmählichen Erholung, die sich nach
dem 2. Weltkrieg fortsetzte. Weitere Impulse gingen von den Hob-
bywinzern aus, die etwa ab 1970 einige besonders markante Lagen im
Elbtal wieder aufrebten.
In den letzten Jahren ist die Rebfläche besonders stark gewachsen,
von 320 ha im Jahr 1990 auf heute 428 ha. Prägend sind dabei die jahr-
hundertealten Steil- und Terrassenlagen, die der Weinbaukulturland-
schaft des Elbtales ihren besonderen Reiz verleihen.
52
Wirtschaft und Arbeit
13)
Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH

image
In Sachsen dominiert der Weißwein. Die verbreitetsten Sorten waren
2004 Müller-Thurgau (85 ha), Riesling (66 ha), Weißburgunder (52 ha);
der Goldriesling (12 ha) wird nur hier angebaut. Spätburgunder ist
mit 29 ha die am meisten angebaute Rotweinsorte. Die jährliche Wein-
produktion liegt in der Regel zwischen 15000 und 20000 hl bei einem
sehr geringen Anteil von Tafelwein. Die zahlreichen Weinfeste im
Herbst, mit denen die neue Ernte traditionell gefeiert wird, sind für
Einheimische und Touristen gleichermaßen Anziehungspunkte. Am
bekanntesten sind die Feste in Meißen und Altkötzschenbroda.
Ländliche Entwicklung
Sachsen unterstützt eine ganzheitliche Entwicklung ländlicher Räu-
me und damit auch die Verbesserung der Rahmenbedingungen der
Landwirtschaft, vor allem durch Umnutzung von landwirtschaftlicher
Bausubstanz. Die Entwicklung von Regionen aufgrund von Initiativen
durch die „Basis“ selbst gewinnt zunehmend an Bedeutung. Im Zeit-
raum 1991 – 2003 wurden hierzu rund 2 290 Mio. Euro an Fördermit-
teln bewilligt, darunter rund 124 Mio. Euro für Hochwasserschäden,
wodurch ein Investitionsvolumen von rund 10 Mrd. Euro realisiert
wurde. Darüber hinaus wurde in rund 4 400 Verfahren nach Landwirt-
schaftsanpassungsgesetz die erforderliche Zusammenführung des Ei-
gentums von Boden und Gebäude erreicht. Daneben werden durch die
Förderung des Agrarmarketings die Rahmenbedingungen der Land- und
Forstwirtschaft verbessert.
Bergbau
Sachsens wirtschaftlicher Reichtum beruht nicht zuletzt auf den rei-
chen Bodenschätzen. Der Bergbau des Erzgebirges ist nur noch in
Schaubergwerken als touristische Attraktion zu erleben. Anders hin-
gegen der Abbau oberflächennaher Rohstoffe (Tagebau). Die Braun-
kohleindustrie hat in Sachsen seit der Wiedervereinigung 10 Mrd. Eu-
ro investiert. 2002 wurden von der mitteldeutschen Braunkohlenge-
sellschaft mbH (MIBRAG) und der Lausitzer Braunkohle AG (LAU-
BAG) zusammen rund 30 Mio. Tonnen Braunkohle gefördert, die in
den Kraftwerken Boxberg und Lippendorf verstromt werden.
Im Steine- und Erdenbergbau wurden seit 1990 rund 5 Mrd. Euro in-
vestiert, 286 Betriebe förderten 2002 rund 31 Mio. Tonnen Fest-
und Lockergesteine.
Wirtschaft und Arbeit
53
Abraumbagger im
Tagebau Nochten

image
 
INFRASTRUKTUR
UND
KOMMUNIKATION

image
Sachsen in Bewegung
Straße
Mit 737 m überörtlicher Straße pro km
2
hat Sachsen eine über dem Bun-
desdurchschnitt liegende Straßendichte. In den Ausbau des sächsi-
schen Straßennetzes wurden seit 1991 rund 12,7 Mrd. Euro investiert.
Dabei war und ist die Komplettierung des sächsischen Autobahnnetzes
von besonderer verkehrspolitischer Dringlichkeit. Der teilweise sechs-
streifige Ausbau der A 4 und der Ausbau der A 72 zwischen Plauen und
Chemnitz sind so gut wie abgeschlossen, die Neubauvorhaben A 17
Dresden – Bundesgrenze D/CZ, A 38 Südumfahrung Leipzig und die
neue A 72 Chemnitz – Leipzig befinden sich im Bau.
Zum 01.01.2004 waren im Freistaat 2,66 Mio. Kraftfahrzeuge zuge-
lassen, darunter 2,28 Mio. PKW und mehr als 181 000 LKW.
Insgesamt gab es im Jahr 2003 auf Sachsens Straßen 127 752 Straßen-
verkehrsunfälle, darunter waren 17290 Unfälle mit Personenschaden zu
verzeichnen, 22208 Menschen wurden verletzt und 352 getötet.
Straßenkilometer
in Sachsen
Stand 1.1.2004
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
Infrastruktur und Kommunikation
55
Öffentlicher Personennahverkehr
Der Freistaat ist durch das Streckennetz von Eisenbahnen, Straßen-
bahnen, Regional- und Stadtbussen sehr gut erschlossen. Die Planung,
Organisation und Ausgestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs
ist Aufgabe der Landkreise und der kreisfreien Städte. Im Rahmen der
Regionalisierung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) im Jahr
1996 hatte der Freistaat Sachsen zwischenzeitlich treuhänderisch die-
se Aufgabe übernommen. Die sächsische Staatsregierung beschloss
darum im Jahr 1997 die Einstellung des Schienenverkehrs auf 400 km
Streckenlänge und die Umstellung von Schienen- auf Busverkehr.
Ende 1998 haben dann fünf kommunale ÖPNV-Zweckverbände die
Aufgabenverantwortung für den SPNV übernommen: der Mitteldeut-
sche Verkehrsverbund, der Zweckverband Öffentlicher Personennah-
verkehr Vogtland, der Verkehrsverbund Mittelsachsen Chemnitz/Zwi-
ckau, der Verkehrsverbund Oberelbe und der Zweckverband Ver-
Überörtliche Straßen gesamt
13 547 km
davon Bundesautobahnen
456 km
davon Bundesstraßen
2 421 km
davon Staatsstraßen
4 742 km
davon Kreisstraßen
5 928 km
Die Autobahn A14
bei Leipzig unterquert
die Rollbahn des
Flughafens

image
image
kehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien. Diese organisieren den ge-
samten ÖPNV seitdem „in einer Hand vor Ort“. Im Jahr 2003 benutz-
ten ca. 432 Mio. Personen Busse und Straßenbahnen. Dabei wurden
über 4 Mrd. Personenkilometer zurückgelegt. 2003 waren im öffentli-
chen Straßenpersonenverkehr insgesamt 307 Unternehmen mit über
9700 Beschäftigten tätig.
Im westsächsisch-vogtländischen Raum wurde das grenzüberschrei-
tende ÖPNV-System „EgroNet“ realisiert und im Juni 2000 als Expo-
2000-Projekt in Betrieb genommen. Es integriert Eisenbahn und Bus-
linien in einem gemeinsamen Nahverkehrssystem, 17 Landkreise und
kreisfreie Städte sowie 62 Verkehrsunternehmen aus Sachsen, Bayern,
Thüringen und Tschechien arbeiten im EgroNet-Verbund zusammen.
Eisenbahn
Das sächsische Eisenbahnnetz mit rund 2700 km Länge und knapp
600 Verkehrsstationen (Bahnhöfe und Haltepunkte) ist eines der dich-
testen Netze in Europa. Zu den IC/EC- bzw. InterRegio-Linien ist der
Freistaat mit Fahrplan 2003/04 über die ICE-Linien Berlin – Leipzig –
München und Dresden – Leipzig – Frankfurt/M. an das Hochge-
schwindigkeitsnetz der DB AG angeschlossen.
Seit der Wiedervereinigung 1990 sind in das sächsische Bahnnetz über
3,3 Mrd. Euro investiert worden (Bundesmittel, DB-AG-Eigenmittel,
Fördermittel des Freistaates). Schwerpunkte des Netzausbaus sind die
Sachsenmagistrale Dresden/Leipzig – Hof, das Verkehrsprojekt Deutsche
Einheit Nr. 9 Leipzig – Dresden und die Abschnitte Leipzig/Halle – Lan-
desgrenze Sachsen (– Berlin) des VDE-Projektes 8.3 sowie Leipzig
Hbf. – Flughafen, Leipzig/Halle – Gröbers des VDE-Projektes 8.2.
Weitere Investitionen in das Fern- und Ballungsnetz sowie Regionalnetz
der DB Netz AG sind in den kommenden Jahren notwendig, um in
Sachsen weiterhin ein leistungsfähiges Eisenbahnnetz bereitzustellen.
Bis 2006 wird im Rahmen der Mittelstandsoffensive der DB durch
die DB-RegioNetz Erzgebirgsbahn, durch den Zweckverband Ver-
kehrsverbund Mittelsachsen und durch das Sächsische Wirtschaftsmi-
nisterium das Modell „RegioNetz Erzgebirgsbahn“ umgesetzt. Außerdem
wird im Regionalnetz die Strecke Bischofswerda – Zittau in den nächs-
ten Jahren ausgebaut. Hierzu schließen die DB Netz AG, der Zweck-
verband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien und der Frei-
staat eine Vereinbarung ab.
Als Attraktion unterhält man in Sachsen noch sieben Kleinbahnstrecken,
als Museumsbahnen die Preßnitztalbahn, die Museumsbahn Schönhei-
de und die Döllnitzbahn und im regulären Verkehr den „Lößnitzdackel“
zwischen Radebeul und Radeburg, die „Bimmelbahn“ Zittau – Zittauer
Nahverkehrszug der
Vogtlandbahn
Bahnhof Leipzig – der
größte Kopfbahnhof
der Welt
56
Infrastruktur und Kommunikation

image
image
Neu ausgebauter
Verkehrsflughafen
Dresden
Infrastruktur und Kommunikation
57
Die Schmalspurbahn
Zittau- Jonsdorf/Oybin
Gebirge, die Fichtelbergbahn und die Weißeritztalbahn. Diese älteste
deutsche Kleinbahnstrecke, durch die Flut der Weißeritz 2002 fast
komplett zerstört, wird in den nächsten Jahren wieder aufgebaut.
Güterverkehr
Sachsen strebt die Entwicklung eines kombinierten Güterverkehrs der
verschiedenen Verkehrsträger an. In diesem Konzept spielen die Gü-
terverkehrszentren in Leipzig, Glauchau und Dresden eine besondere
Rolle. Die Sächsische Staatsregierung unterstützte die Entwicklung
der Standorte mit über 70 Mio. Euro. In Leipzig siedelten sich bisher
102 Unternehmen mit ca. 2500 Arbeitsplätzen an, in Glauchau/Zwickau
70 Unternehmen mit ca. 2300 Arbeitsplätzen und in Dresden sieben Un-
ternehmen mit ca. 420 Arbeitsplätzen. Diese Daten unterstreichen ne-
ben der verkehrspolitischen auch die wirtschaftspolitische Bedeutung
der Güterverkehrszentren für den Freistaat.
Luftverkehr
Die Staatsregierung hat den Ausbau der Verkehrsflughäfen Leipzig/Hal-
le und Dresden zwischen 1991 und 2003 mit insgesamt 1,4 Mrd. Euro
gefördert. In Leipzig/Halle entstanden eine neue Start- und Landebahn
und ein neues Terminal mit einer Kapazität von 4,5 Mio. Passagieren pro
Jahr. Der Konzern Deutsche Post World Net will den Flughafen bis
2008 zum europäischen Hauptumschlagplatz seiner Logistiktochter
DHL ausbauen. Das neue Terminal in Dresden hat eine Kapazität von 3,5
Mio. Passagieren. Die Verkehrsflughäfen haben die Erlaubnis für einen
24-stündigen Betrieb und sind sehr gut an Straße und Schiene ange-
bunden. Damit können alle Einwohner des Freistaates innerhalb von 90
Minuten einen Verkehrsflughafen erreichen. Von Leipzig/Halle und
Dresden sind zahlreiche deutsche und europäische Ziele direkt erreich-
bar. Vom Airport Leipzig/Halle kann man auch interkontinentale Ziele
anfliegen. Leipzig/Halle zählte im Jahr 2003 knapp 2 Mio. Passagiere,
Dresden knapp 1,6 Mio. Daneben gibt es in Sachsen vier regionale und
neun lokale Verkehrslandeplätze sowie zehn Sonderlandeplätze.
Binnenschifffahrt
Sachsen ist über die Bundeswasserstraße Elbe an die norddeutschen
Seehäfen sowie die mittel- und osteuropäischen Staaten und damit an
den internationalen Handel angebunden. Zur Entwicklung der Bin-
nenschifffahrt sanierte der Freistaat die Häfen in Torgau, Riesa und
Dresden und investierte dafür seit 1995 mehr als 60 Mio. Euro. In den
Häfen siedelten sich 47 Unternehmen an. Diese investierten ca. 55 Mio.
Euro und schufen über 400 Arbeitsplätze. Die Sächsische Binnenhäfen

image
image
Oberelbe GmbH ist Betreiberin der Häfen, ihre Kerngeschäfte um-
fassen den Güterumschlag, Speditionsdienstleistungen und die Im-
mobilienentwicklung. Im Jahr 2002 erwarb die Sächsische Binnenhä-
fen Oberelbe GmbH die tschechischen Häfen in Dečín (Tetschen)
und Lovosice (Lobositz). Damit bietet die Gesellschaft nun wettbe-
werbsfähige Transportdienstleistungen für die tschechische und die
sächsische Wirtschaft aus einer Hand an.
Besonders stolz ist Sachsen auf die größte und älteste Raddampferflot-
te der Welt, die in Dresden ihre Heimat hat. Die „Sächsische Dampf-
schiffahrt“ verfügt über neun historische Raddampfer, zwischen 75 und
125 Jahre alt. Zwei elegante Salonschiffe und zwei kleine Motorschif-
fe komplettieren die Flotte. Auf dem ca. 101 km langen Fahrtgebiet zwi-
schen Diesbar-Seußlitz und Dečín mit 17 Anlegestellen werden – bei nor-
malen Wasserständen – jedes Jahr etwa 700 000 Passagiere befördert.
Sachsen mit Energie
Energiewirtschaft
Sachsens Energiewirtschaft ist modern und leistungsfähig, Voraus-
setzung für eine sichere, preisgünstige und umweltverträgliche Ener-
gieversorgung. Seit 1990 sind mehr als 11 Mrd. Euro in den Neu- und
Ausbau von Anlagen investiert worden. Mit 15000 direkten Arbeits-
plätzen und durch eine erhebliche Nachfrage nach Gütern und Dienst-
leistungen in den Regionen ist die Energiewirtschaft ein bedeutender
Wirtschaftsfaktor im Freistaat.
Die leitungsgebundene Strom- und Gasversorgung wird durch den
Braunkohlebergbau-, Kraftwerks- und Übertragungsnetzbetreiber Vat-
tenfall Europe AG, die Verbundnetz Gas AG sowie insgesamt sechs Re-
gionalversorgungsunternehmen und 39 Stadtwerke abgesichert. Diese
Unternehmen betreiben moderne Versorgungsnetze mit insgesamt
82000 km Stromleitungen, 29000 km Erdgasleitungen und 1800 km
Fernwärmeleitungen. Der Anteil der Fernwärmeversorgung liegt mehr
als doppelt so hoch wie im gesamtdeutschen Durchschnitt. Sieben Tank-
lager mit einem Gesamtvolumen von 636000 m
3
sichern die Mine-
ralölversorgung in Sachsen ab. Die mittelständische Mineralöl- und
Flüssiggaswirtschaft umfasst ca. 300 Unternehmen. Zahlreiche weitere
Unternehmen sind als Energiedienstleister u. a. im Energiehandel tätig.
Energiemix
Der bedeutendste Energieträger im Freistaat ist die Braunkohle, rund
85 % des in Sachsen erzeugten Stroms (34800 GWh im Jahr) werden
Das Braunkohlen-
kraftwerk Boxberg
der Vattenfall
Europe AG & Co. KG
58
Infrastruktur und Kommunikation
Der Riesaer Hafen –
im Containerbereich auf
Wachstum eingestellt

image
image
Montagearbeiten im
Solarpark Espenhain
Grundinstandsetzungs-
arbeiten am Überland-
leitungsnetz durch ABB
Infrastruktur und Kommunikation
59
daraus gewonnen. Mit den Braunkohle-Grundlastkraftwerken Box-
berg und Lippendorf (Leistung: 3800 MW, hoher Wirkungsgrad von
ca. 40 %) entstand in Sachsen der weltweit modernste Braunkohle-
Kraftwerkspark. Mehr als 5 Mrd. Euro sind in die Modernisierung und
den Neubau von Kraftwerken und den dazugehörigen Tagebauen
Nochten im Lausitzer Revier und Vereinigtes Schleenhain im Mittel-
deutschen Revier investiert worden. Sachsen exportiert mehr als ein
Drittel des erzeugten Stroms (11500 GWh im Jahr 2002). Neben der
Braunkohle (41 %) haben Mineralöl (36 %), Erdgas (20 %) und er-
neuerbare Energien (2 %) einen festen Platz im sächsischen Energie-
mix. Beim Mineralöl entfallen mehr als zwei Drittel auf den Ver-
kehrsbereich, aus Erdgas wird überwiegend Wärme gewonnen.
Die Nutzung erneuerbarer Energien ist, ausgehend von einem Stand na-
he Null, stark angestiegen. Ihr Anteil am Stromverbrauch (18800 GWh
im Jahr 2002) liegt mittlerweile bei etwa 7 % und am Wärmeverbrauch
bei 2 %. Rund 65 % der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien er-
folgt aus Windkraft, 20 % aus Biomasse und 15 % aus Wasserkraft. Der
Anteil der Fotovoltaik lag 2003 noch unter 0,1 %, allerdings konnte im
September 2004 der „Solarpark Leipziger Land“ bei Espenhain ans
Netz gehen. Das aus 33500 Solarmodulen bestehende Kraftwerk hat
nach Herstellerangaben eine Leistung von 5 Megawatt in der Spitze und
ist damit das zurzeit weltweit größte Solarkraftwerk.
Energiebörse, Energiemesse, Energieprogramm Sachsen
Leipzig ist der Sitz der einzigen deutschen Energiebörse. Die in Konti-
nentaleuropa führende European Energy Exchange AG
(www.eex.de)
hat
120 Marktteilnehmer aus 15 Ländern und ein Handelsvolumen von ca.
10 % des gesamtdeutschen Stromverbrauchs. Die in Leipzig stattfin-
dende Energiefachmesse enertec
(www.enertec-leipzig.de)
hat sich als
Handelsplattform für Energietechnologien und -dienstleistungen mit
Schwerpunkt Osteuropa etabliert.
Das im Jahr 2004 aktualisierte ENERGIEPROGRAMM SACHSEN
14
definiert die energiepolitischen Leitlinien und Handlungsschwerpunkte
der Sächsischen Staatsregierung für die kommenden Jahre. Schwer-
punkte sind die weitere effiziente Braunkohlenutzung, die Stärkung
des Wettbewerbs am Energiemarkt, eine hohe Energieeffizienz bei der
Energieanwendung in Industrie, Gewerbe, Haushalt und Verkehr sowie
Forschung und Entwicklung im Energiebereich.
14)
Das ENERGIEPROGRAMM SACHSEN und die jährlichen Energieberichte sind unter
www.smwa.sachsen.de
(➔ Wirtschaft
Energie
Sächsische Energiepolitik) veröffentlicht.

image
Trinkwasserversorgung
Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel. Die kommunale Pflicht-
aufgabe zur Trinkwasserversorgung der Bevölkerung, gewerblicher
und sonstiger Einrichtungen hat deshalb höchste Priorität. 95 Träger
gewährleisten in Sachsen die Versorgung mit Trinkwasser. Diese
Wasserversorger unterteilen sich in 45 Zweckverbände bzw. Städte, 18
Gemeinden in Teilzweckverbänden und 32 Einzelgemeinden. Im
Freistaat gibt es zudem drei selbstständige Fernwasserversorgungs-
unternehmen, die den öffentlichen Wasserversorgern Trinkwasser
bereitstellen. Die öffentliche Wasserversorgung ist also durch einen
Verbund zwischen örtlicher Wasserversorgung und überregionaler
bzw. Fernwasserversorgung geprägt. Das sächsische Trinkwasser
kommt zu 68 % aus dem Grundwasser und 42 % aus dem Ober-
flächenwasser (besonders Trinkwassertalsperren)
15
.
Abwasserentsorgung
Die Pflicht zur Entsorgung des Abwassers (Schmutzwasser und Nie-
derschlagswasser) liegt bei den Gemeinden, in deren Gebiet das Ab-
wasser anfällt. Die Anforderungen regeln sowohl europäische Richt-
linien als auch Landes- und Bundesrecht.
Im Freistaat Sachsen waren Ende 2004 insgesamt 804 kommunale
Kläranlagen mit einer Kapazität ab 50 Einwohnerwerte
16
(EW) in
Betrieb. Insgesamt 102 Abwasserzweckverbände, 119 Gemeinden
und 52 Gemeinden in Teilzweckverbänden waren 2001 mit der Be-
seitigung des Abwassers betraut. Rund 85 % der heute vorhandenen
Anlagen wurden seit 1991 neu errichtet, saniert oder erweitert. 96 %
der Anlagen behandeln das Abwasser mechanisch-biologisch, in nur
noch 4% der Anlagen findet eine rein mechanische Reinigung statt.
Der Anschlussgrad an öffentliche Abwasserbehandlungsanlagen be-
trug 2001 in Verdichtungsgebieten über 2000 EW 89 %, im Freistaat
insgesamt 77 %.
Für über 10 % der sächsischen Bevölkerung insbesondere im ländlichen
Raum werden Kleinkläranlagen bis nach 2005 oder dauerhaft Teil der
kommunalen Abwasserbeseitigung sein. Bis zum Jahr 2015 sollen alle
Anlagen dem Stand der Technik entsprechend ausgerüstet sein
17
.
Trinkwassertalsperre
Klingenberg
60
Infrastruktur und Kommunikation
15)
„Grundsatzplan 2002 – Öffentliche Wasserversorgung Freistaat Sachsen“
16)
Dies ist eine gebräuchliche Messzahl in der Wasserwirtschaft, um die Verschmutzung des Wassers ab-
zuschätzen. Der Einwohnerwert ergibt sich aus der Summe aus Einwohnerzahl und Einwohnergleichwert.
Letzteres ist wiederum ein Wert, der sich aus dem Vergleich von gewerblichem Schmutzwasser mit häusli-
chem Schmutzwasser ergibt.
17)
„Statusbericht Abwasser 2002 – Stand und Perspektiven der kommunalen
Abwasserbeseitigung im Freistaat Sachsen“

image
Infrastruktur und Kommunikation
61
Sachsen mit eigener Meinung
Tageszeitungen
Der sächsische Zeitungsmarkt wurde in seinen Grundzügen nach
1989 durch den Treuhandverkauf der ehemaligen SED-Bezirkszei-
tungen an große westdeutsche Medienkonzerne geprägt. Kleinere
Zeitungen haben sich am Markt oft nicht halten können: Zwischen
1991 und 1995 sind fünf von ehemals neun Zeitungen mit eigener
überregionaler Berichterstattung verloren gegangen, neue sind nicht
hinzugekommen. Die verbleibende sächsische Zeitungslandschaft
stellt sich wie folgt dar (Quelle: IVW 2004): In Chemnitz und Um-
gebung erscheint die auflagenstärkste deutsche Regionalzeitung, die
Freie Presse (Auflage: 363 000), in Dresden und Umgebung die Säch-
sische Zeitung (305000). Die Dresdener Neuesten Nachrichten, die
Torgauer Zeitung und die Muldentalzeitung übernehmen den überre-
gionalen Teil weitgehend von der Leipziger Volkszeitung (Auflage ins-
gesamt: 283000). In Bautzen erscheint die einzige Tageszeitung in
sorbischer Sprache Serbske Nowiny (Auflage knapp 2000). Der in
Plauen erscheinende Vogtland-Anzeiger (Auflage 10000) bezieht
seinen Mantel von der bayerischen Frankenpost. Die in Dresden und
Chemnitz erscheinende Straßenverkaufszeitung Morgenpost zählt zu
den wenigen fortbestehenden Erweiterungen der sächsischen Titel-
landschaft. Sie bezieht ihren Mantel vom Berliner Kurier und kon-
kurriert mit der BILD-Zeitung, die ihren deutschlandweit einheitlichen
Mantel in Sachsen in den großen Städten ebenfalls mit lokalen Nach-
richten auffüllt. In 22 der 29 sächsischen Kreise und kreisfreien Städ-
te erscheint nur eine Tageszeitung.
Rundfunk
Die Versorgung mit öffentlich-rechtlichem Rundfunk für Sachsen ist
durch die gemeinsam mit Sachsen-Anhalt und Thüringen gegründete
Dreiländeranstalt Mitteldeutscher Rundfunk (MDR, Intendant: Dr. Udo
Reiter) gesichert. Sitz des MDR ist Leipzig, Sendestart war am 1.1. 1992.
Der MDR produziert ein eigenes Fernsehprogramm (MDR-Fernsehen,
seit 1.7.1995 rund um die Uhr), das terrestrisch, über Kabel und Satel-
lit empfangen werden kann, und ist außerdem einer der größten Pro-
grammzulieferer des Ersten Fernsehprogramms der ARD geworden
(2003: 11,5 % Sendezeit, damit fünftgrößte ARD-Anstalt). In Sachsen
verfügt der MDR über ein Landesfunkhaus (Dresden) und vier Regio-
nalstudios. Im Freistaat werden fünf MDR-Hörfunkprogramme ver-
breitet: MDR 1 Radio Sachsen, MDR Figaro, JUMP, MDR info (derzeit
auch noch über MW, landesweite UKW-Versorgung ist fast abge-
MDR-Sendezentrale
in Leipzig

image
schlossen) und MDR SPUTNIK (über Satellit, früher DT 64). Zusätzlich
kann seit 2003 das Programm MDR Klassik ausschließlich über Digital
Radio (DAB) empfangen werden.
Fernsehen und Hörfunk werden ebenfalls als Teil der Hochschulaus-
bildung betrieben. Das Schulfernsehen der Hochschule für Technik und
Wirtschaft Mittweida (Novum-TV) speist auch in Kabelanlagen ein.
Die Universität Leipzig bietet das Lokalhörfunkprogramm „Radio
Mephisto“ an.
Private Rundfunkveranstalter
Die Zulassung und die Aufsicht privater Rundfunkveranstalter unterliegt
in Sachsen der Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien
(SLM) mit Sitz in Leipzig.
Landesweit zu empfangende private Hörfunkvollprogramme sind Radio
PSR, Hitradio RTL sowie R.SA. Daneben gibt es weitere Veranstalter mit
jeweils nur regionalen oder lokalen Radiovollprogrammen.
Im Dezember 2003 sendeten im Freistaat 76 Veranstalter Fernsehpro-
gramme in Kabelanlagen. Sechs Veranstalter strahlten ihre Fernseh-
sendungen terrestrisch ab. Seit dem 30.12.1999 wird in Sachsen digita-
ler Hörfunk im Regelbetrieb veranstaltet, landesweit sind derzeit sechs
Programme zu empfangen. Im Mai 2005 soll in Sachsen digitales ter-
restrisches Fernsehen (DVB-T) eingeführt werden.
Territoriale Aspekte
In Leipzig liegt – anknüpfend an die sächsischen Traditionen im
Druck- und Buchgewerbe sowie im Rundfunkbereich – der Schwer-
punkt medienwirtschaftlicher Entwicklung in Sachsen. Im Jahr
2002 waren in Leipzig reichlich 33000 Personen bei Medienunter-
nehmen beschäftigt, dies sind etwa 13,5 % der Beschäftigten in
der Stadt. Der Umsatzanteil der Medienwirtschaft an der Gesamt-
wirtschaft der Stadt lag sogar bei fast 21 %. Starken Anteil an die-
ser Entwicklung hat die Errichtung der Media City Leipzig, eines
Büro- und Studiokomplexes in unmittelbarer Nähe zum MDR. Leip-
zig ist auch Sitz der Mitteldeutschen Medienförderung GmbH
(MDM), einer 1998 von den Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt,
Thüringen sowie dem MDR und dem ZDF gegründeten Institution
zur wirtschaftlichen Förderung von Film-, Fernseh- und Multime-
diaprojekten. Die MDM ist mit einem Fördervolumen von über
12 Mio. Euro derzeit die viertgrößte Filmförderung Deutschlands.
Mit dem alljährlich im April/Mai stattfindenden Medientreffpunkt
Mitteldeutschland hat sich ein bundesweit wahrgenommenes Me-
dienforum in Leipzig etabliert.
62
Infrastruktur und Kommunikation

image
Sachsens Verbindungen in die Welt
Der Digitalisierungsgrad der Telekommunikation liegt in Sachsen bei
100 %, die Mobilfunkerreichbarkeit deckte im Jahr 2002 schon
98 % des Freistaates ab. In Sachsen gab es 2004 mehr als 2,63
Mio. Mobiltelefone. Rund 48 % der Menschen
18
des Freistaates
verfügen über einen Internetzugang, in rund 570000 Haushalten
war 2004 bereits ein ISDN-Anschluss installiert. Im Jahr 2003 wa-
ren in Sachsen 210035 Domänen (second level) der Top-Level-
Domain „.de“ registriert. Dies entspricht einem Wert von rund 48
Domänen pro 1000 Einwohner und ist damit der höchste Wert unter
den ostdeutschen Flächenländern.
Der Freistaat Sachsen prämiert im Wettbewerb „digisax“ internet-
basierte Dienste und Websites, die die spezifischen Möglichkeiten
des Internets hervorragend nutzen und damit für andere Unterneh-
men Vorbild sind. Das Internetportal „saxxess.com“ informiert über
aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Information, Kommuni-
kation und Medien aus Sachsen.
Mehr als 350 Professoren forschten im Jahr 2003 an sächsischen
Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien auf allen
Gebieten der Informationstechnologie, mehr als 20 000 Studie-
rende bereiten sich auf Berufe in der IT-Branche und der Mikro-
elektronik vor.
Internetseite
www.sachsen.de
Infrastruktur und Kommunikation
63
18)
Die Zahl bezieht sich auf die deutschsprachige Bevölkerung über 14 Jahre mit Telefonanschluss im Haushalt.

image
 
BILDUNG
UND
FORSCHUNG

image
Sachsen bildet sich
Aufbau des Bildungssystems
Die Landesverfassung beauftragt den Freistaat Sachsen, die Jugend
unter anderem „zu sozialem Handeln und zu freiheitlich-demokrati-
scher Haltung“ zu erziehen. Mit dem Schulgesetz vom 3. Juli 1991
wurde in Sachsen ein zweistufig gegliedertes, durchlässiges Schul-
system eingeführt, um Schüler mit unterschiedlichen Voraussetzungen
und Begabungen auf dem individuell günstigsten Weg für das Leben
in Gesellschaft und Beruf auszubilden.
Allgemein bildende Schulen gliedern sich in Grundschule (1. – 4.
Klassenstufe), Mittelschule mit eingeschlossenem Haupt- und Real-
schulzweig (5.– 9. bzw. 10. Klassenstufe) und Gymnasium (5.– 12.
Klassenstufe). Die Vollzeitschulpflicht dauert neun Schuljahre, die Be-
rufsschulpflicht in der Regel drei Schuljahre.
Nach dem Besuch der Grundschule entscheiden die Eltern gemäß
einer Bildungsempfehlung der Grundschule über den Besuch der
Bildung und Forschung
65
GRUNDSCHULE
4 Jahre
MITTELSCHULE
6 Jahre
GYMNASIUM
8 Jahre
Hauptschulabschluss (HA)
Qualifizierender Hauptschulabschluss (QHA)
BFS
Berufsfachschule
2-3 Jahre
Abitur
allgemeine Hochschulreife
FACHHOCHSCHULE
UNIVERSITÄT
HOCHSCHULE
FACHHOCHSCHULE
BERUFSAKADEMIE
Berufsschule
Duale Berufsausbildung in Betrieb
und Berufsschule
3-3,5 Jahre
Förderschule
4 Jahre
Berufsbildende
Förderschulen
oder weiter wie nach
der Mittelschule
Förderschule
6-8 Jahre
RA
HA
MITTELSCHULE
5 Jahre
Berufsabschluss (BA)
Berufsabschluss (BA)
BFS
Berufsfachschule
2-3 Jahre
Berufsabschluss (BA)
FOS
Fachoberschule
2 Jahre
Fachhochschulreife
Realschulabschluss (RA)
BGy
Berufliches
Gymnasium
3 Jahre
Abitur
allg. Hochschulreife
Fachhochschulreife
FOS
1 Jahr
Fachhochschulreife
FOS
1 Jahr
Fachhochschulreife
FOS
1 Jahr
Klassenstufen
Klassenstufen 5 und 6 mit orientierender Funktion
5 und 6 mit
orientierender
Funktion
Klassenstufen 5 und 6 mit
orientierender Funktion
DAS SÄCHSISCHE SCHULSYSTEM
(Schwerpunkt allgemein bildende Schulen)
Das Sächsische
Schulsystem
Die neue Grundschule
in Thalheim

Mittelschule oder des Gymnasiums. In den Klassenstufen 5 und 6
wird in beiden Schularten im Wesentlichen nach einheitlichen
Lehrplänen unterrichtet, so dass die Bildungsentscheidung noch-
mals überprüft werden kann.
Mit erfolgreichem Realschulabschluss am Ende der Klasse 10 der Mit-
telschule und Erfüllung bestimmter Leistungsvoraussetzungen kann in
die 10. Klasse eines allgemein bildenden oder in die 11. Klasse eines
beruflichen Gymnasiums gewechselt werden.
Das Gymnasium vermittelt eine umfassende Bildung als Voraus-
setzung für ein Hochschulstudium oder eine sonstige qualifizierte
Berufsausbildung. Das als Nachweis der Hochschulreife für ganz
66
Bildung und Forschung
Anzahl der Schulen
Schüler
Lehrer
Grundschulen
öffentlich
825
95 636
9 682
freie Träger
40
3587
242
Mittelschulen
öffentlich
518
153 734
12 300
freie Träger
10
1873
139
Gymnasien
öffentlich
154
105887
8 389
freie Träger
10
4 359
334
Förderschulen
öffentlich
164
21 380
3 351
freie Träger
16
866
219
Berufsbildende Schulen
öffentlich
101 Berufsschulzentren
131 718
5 429
9 medizinische
Berufsfachschulen
8 Fachschulen für
Landwirtschaft
freie Träger
177 Berufsschulzentren
37 648
1 755
15 medizinische
Fachschulen
Zweiter Bildungsweg
öffentlich
7
2 343
124
freie Träger
1
36
2
Freie Waldorfschulen
3
1 136
102
Übersicht über
Schulen, Schüler und
hauptberufliche
Lehrer in Sachsen
(Schuljahr 2003/2004)
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen

image
Deutschland gültige Abitur wird in Sachsen nach 12 Jahren abge-
legt, an beruflichen Gymnasien nach 13 Jahren.
Das Spektrum berufsbildender Schulen umfasst fünf Schularten.
Berufsschule und Berufsfachschule vermitteln verschiedene Be-
rufsabschlüsse und bereiten in speziellen einjährigen Bildungs-
gängen auf eine berufliche Ausbildung oder Tätigkeit vor.
Fachoberschule und berufliches Gymnasium bauen auf dem Real-
schulabschluss auf; der Abschluss qualifiziert für ein Studium.
Die Fachschule ist eine Einrichtung zur beruflichen Weiterbil-
dung. Organisatorisch sind die öffentlichen berufsbildenden Schu-
len in beruflichen Schulzentren zusammengefasst. Damit wird ein
bedarfsgerechtes flächendeckendes Bildungsangebot gesichert. In
der Berufsausbildung gibt es neben den öffentlichen Schulen auch
viele Schulen in freier Trägerschaft, die die sächsische Schul-
landschaft bereichern.
Durch den starken Geburtenrückgang nach 1989 verringerte sich die
Zahl der sächsischen Schüler inzwischen auf die Hälfte. Mittlerweile
wirkt sich das auf alle Schularten aus, daher müssen die Schulstand-
orte bedarfsgerecht reduziert werden
19
.
Spezialschulen
Sachsen kümmert sich um alle Schüler, ob sie nun besondere Be-
gabungen haben oder mit einem Handicap leben.
Schüler, die wegen der Beeinträchtigung einer oder mehrerer
Funktionen trotz besonderer Hilfen nicht oder nicht hinreichend an
den allgemein bildenden Schulen integriert werden können und
deshalb einer sonderpädagogischen Förderung bedürfen, besu-
chen die allgemein bildenden Förderschulen.
Daneben gibt es spezielle Schulen für Blinde und Sehbehinderte,
Schulen für Hörgeschädigte, Schulen für geistig Behinderte, Schu-
len für Körperbehinderte, Schulen zur Lernförderung, Sprach-
heilschulen, Schulen für Erziehungshilfe sowie Klinik- und Kran-
kenhausschulen und berufsbildende Förderschulen. Die Aufnahme
an eine Förderschule erfolgt auf der Grundlage eines förder-
pädagogischen Gutachtens. An den allgemein bildenden und den
berufsbildenden Förderschulen können – ausgenommen die Schu-
len für geistig Behinderte und Schulen zur Lernförderung – die Ab-
schlüsse der Mittelschule oder die einer beruflichen Ausbildung er-
worben werden.
Deutscher Architektur-
preis 1997:
Samuel-von-Pufendorf-
Gymnasium in Flöha
Bildung und Forschung
67
19)
Alles über Sachsens Bildungssystem unter
www.sachsen-macht-schule.de

image
image
Berufliches Schul-
zentrum für Technik
„August Horch“ in
Zwickau
Historischer und ge-
planter neuer Campus
der Universität Leipzig
Gymnasien mit vertiefter mathematisch-naturwissenschaftlicher,
musischer, sportlicher oder sprachlicher Ausbildung stehen für
spezielle Begabungen zur Verfügung. 2001 wurde das Landes-
gymnasium St. Afra zu Meißen als Gymnasium für Hochbegabte
eröffnet.
In Sachsen lebt das Volk der Sorben mit eigener Sprache und ei-
gener Kultur. In den sorbischen Schulen, in denen je nach Wunsch
der Eltern oder Neigung der Schüler das Sorbische Unterrichts-
sprache ist, wird dieses wichtige Kulturgut für die jetzigen und
kommenden Generationen lebendig erhalten.
Weil Sachsen Menschen aus aller Welt und ihren Kindern Heimat
sein will, gibt es internationale Schulen in Dresden und Leipzig.
Die Dresden International School nimmt Kinder ab drei Jahren auf
und führt sie bis zum Abitur – mit Unterricht in englischer Sprache.
In der Leipzig International School wird bei Bedarf ebenfalls bis
Klasse 12 gelernt. Weil die Lehrpläne auf dem International Bacca-
laureate Program basieren, berechtigen die Abschlüsse auch welt-
weit zum Studium.
Erwachsenenbildung, Weiterbildung
Berufstätige können in zwei- oder dreijährigen Kursen außerhalb
der Arbeitszeit auf dem zweiten Bildungsweg an Abendmittel-
schulen einen Haupt- oder Realschulabschluss nachholen. Das
Abendgymnasium führt Erwachsene im drei- oder vierjährigen
Unterricht zum Abitur, ebenso die Kollegs über drei oder vier
Jahre im Vollzeitunterricht. Ergänzend bieten 30 Volkshochschu-
len und weitere Einrichtungen freier Träger allen Bürgern ein
breit gefächertes Fortbildungsprogramm an.
Universitäten, Hochschulen und Berufsakademie
Die sächsischen Hochschulen stehen für eine hochqualifizierte Aus-
bildung, deren Absolventen nicht nur in Sachsen sehr begehrt sind.
Aus ehemals 22 staatlichen Hochschulen sind im Rahmen der Um-
strukturierung nach dem Ende des DDR-Hochschulsystems vier
Universitäten, ein universitäres Hochschulinstitut, fünf Kunsthoch-
schulen und fünf Fachhochschulen hervorgegangen.
Mit den staatlichen Hochschulen wurde eine Vereinbarung über die
Entwicklung bis 2010 geschlossen, die den Universitäten, Fach-
und Kunsthochschulen Planungssicherheit über viele Jahre bietet.
Die Leipziger Universität, 1409 gegründet, ist traditionell auf Natur-
und Geisteswissenschaften ausgerichtet. Hier studierten schon
68
Bildung und Forschung

Goethe, Lessing und Nietzsche. Die TU Dresden hat ihr Fächer-
spektrum nach 1989 durch Eingliederung der ehemaligen Medizi-
nischen Akademie „Carl Gustav Carus“ und der Hochschule für
Verkehrswesen sowie die Neugründung verschiedener Fakultäten er-
heblich erweitert. 2003 war sie die Universität mit der höchsten
Studentenzahl in Sachsen. Deutlich kleiner sind die TU in Chemnitz,
die TU Bergakademie Freiberg (älteste montanwissenschaftliche
Universität der Welt) sowie das Internationale Hochschulinstitut
Zittau, eine universitäre Einrichtung in der Euroregion Neiße für
Zahl der Studierenden
im Wintersemester
2003/2004
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
Bildung und Forschung
69
Einrichtung
Studenten
Universitäten und Hochschulen Technische Universität Dresden
31 155
Universität Leipzig
28 398
Technische Universität Chemnitz
9 757
TU Bergakademie Freiberg
4 181
Internationales Hochschulinstitut Zittau
281
Hochschule für Bildende Künste
499
Hochsch. für Grafik und Buchkunst Leipzig
505
Hochschule für Musik und Theater Leipzig
864
Dresdner Hochschule für Musik
607
Hochschule für Tanz
172
Fachhochschulen
Dresden
5 013
Leipzig
5 625
Mittweida
4 451
Zittau/Görlitz
3 459
Zwickau
4 382
FHSV Meißen
733
Berufsakademie Bautzen 469
(Staatliche Studienakademien)
Breitenbrunn
667
Dresden
1 086
Glauchau
1 110
Leipzig
408
Riesa
579
Plauen
185

image
Palucca Schule –
Hochschule für Tanz,
Dresden
Studierende, die ihr Grundstudium an polnischen, tschechischen
oder deutschen Hochschulen bereits abgeschlossen haben.
Fachhochschulen sind in Dresden, Leipzig, Mittweida, Zittau/Gör-
litz sowie Zwickau angesiedelt. Diese sind aus ehemaligen Spezi-
al- und Ingenieurhochschulen hervorgegangen und in Forschung
und Lehre stark praxisorientiert. Sie haben ihre Tätigkeit mit dem
Wintersemester 1992/93 aufgenommen.
Darüber hinaus besteht im tertiären Bildungssektor Sachsens das
praxisintegrierte Studienangebot der Berufsakademie Sachsen,
deren sechs staatliche Studienakademien sich in Bautzen, Brei-
tenbrunn, Dresden, Glauchau, Leipzig, Riesa und Plauen (Mo-
dellversuch) befinden.
Die Hochschule für Bildende Künste Dresden geht auf die 1764 ge-
gründete Kursächsische Kunstakademie zurück und hat gemeinsam
mit der im gleichen Jahr entstandenen Leipziger „Zeichnungs-,
Mahlerey- und Architectur-Akademie“, der heutigen Hochschule
für Grafik und Buchkunst, unter den sächsischen Kunsthochschu-
len die längste Tradition.
Die Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Men-
delssohn Bartholdy“, mit 864 Studenten Sachsens größte Kunst-
hochschule, geht auf das 1843 von ihrem Namensgeber ins Leben
gerufene erste deutsche Konservatorium zurück, während die
Dresdner Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in der
Tradition einer seit 1856 in der Elbestadt wirkenden musikali-
schen „Bildungs- und Erziehungsstätte“ steht. Die ebenfalls in
Dresden beheimatete Palucca Schule – Hochschule für Tanz ist aus
der von Gret Palucca 1925 gegründeten Schule für Tanz hervor-
gegangen.
Insgesamt gibt es in Sachsen gegenwärtig 25 Hochschulen mit
103003 Studierenden (Wintersemester 2003/04). Neben den 15
staatlichen Hochschulen im Geschäftsbereich des Sächsischen
Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst bestehen zwei im
Geschäftsbereich des Sächsischen Staatsministeriums des Innern
und acht in privater Trägerschaft.
Bibliotheken und Archive
Das über viele Jahrhunderte erworbene Wissen wird in sächsi-
schen Büchereien und Archiven bewahrt und weitergegeben. Die
umfangreichste der 930 sächsischen Bibliotheken ist die Deut-
sche Bücherei in Leipzig, hier werden sämtliche in Deutschland er-
schienenen Veröffentlichungen gesammelt.
70
Bildung und Forschung

image
Im Jahr 2003 lag die Zahl der Entleihungen insgesamt bei rund
20,9 Millionen, das sind in etwa 4,8 Entleihungen pro Einwohner.
Der Freistaat betreibt als „kollektives Gedächtnis von Verwaltung
und Gesellschaft“ vier staatliche Archive (Hauptstaatsarchiv Dres-
den, Staatsarchive Leipzig und Chemnitz, Bergarchiv Freiberg).
Weitere Archive gibt es im Sächsischen Landtag, im Archivver-
bund Bautzen, in den sächsischen Hochschulen (6 Archive) und in
den Landkreisen (23 Kreisarchive). Daneben gibt es Archive bei
bestimmten juristischen Personen des öffentlichen Rechts.
Sachsen denkt weiter
Erfindungen
Sächsischer Kopfarbeit entstammen unzählige Erfindungen, nur
wenige können an dieser Stelle aufgezählt werden: So baute man
in Sachsen die erste deutsche Dampflok ebenso wie die erste
Kleinbild-Spiegelreflexkamera. Alltagsdinge wie Zahnpastatube,
BH, Teebeutel, Bierdeckel oder Kaffeefilter erfand man hier. Die
erste Tageszeitung der Welt konnte man am 1. Juli 1650 in Leipzig
lesen. Bereits 1894 gab es in Sachsen den Vorläufer von Roll-
schuh und Inline-Skates, den „Fahrschuh“. Die erste Gasanstalt auf
dem europäischen Festland brachte 1815 Halsbrücke bei Freiberg
via Gaslaternen zum Leuchten und das erste Fernheizwerk
Deutschlands heizte schon 1900 den Dresdnern ein. Auch der ers-
te FCKW- und FKW-freie Kühlschrank aus Sachsen ließ die Um-
welt aufatmen und wurde 1993 mit dem deutschen Umweltpreis
ausgezeichnet.
Forschung und Entwicklung
Zentren der sächsischen Forschung sind die Hochschulen des Lan-
des. Neben ihrer Grundfinanzierung erhalten sie im Rahmen von
Projektförderungen des sächsischen Wissenschaftsministeriums
Mittel zur Realisierung von Forschungsprojekten auf dem Gebiet
der Grundlagenforschung und innovativen Forschung. Die säch-
Anzahl der Bibliotheken
in Sachsen
Stand Ende 2003
Bildung und Forschung
71
Hauptberuflich geführte Bibliotheken
231
Nebenberuflich geführte Bibliotheken
365
Fahrbibliotheken
8
Schulbibliotheken
326
Erste Kleinbildspiegel-
reflexkamera der
Welt mit perforiertem
Kinefilm in der Patrone
1936 aus Dresden

image
sischen Hochschulen partizipieren aber auch mit wachsendem Er-
folg an externen Fördermaßnahmen. Ihre Drittmitteleinnahmen
betrugen 2003 insgesamt rund 212 Mio. Euro. Außerdem finanziert
die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) an sächsischen
Hochschulen gegenwärtig 16 Sonderforschungsbereiche und 18
Graduiertenkollegs sowie elf Forschergruppen an sächsischen Uni-
versitäten und Forschungseinrichtungen. Mehr als 50 außeruni-
versitäre Forschungseinrichtungen mit etwa 2 780 grundfinan-
zierten Stellen erhielten eine Förderung durch den Freistaat Sach-
sen, die der Bund mit weiteren Mitteln ergänzt hat.
Zu den Forschungseinrichtungen zählen unter anderem je drei vor
allem in der Grundlagenforschung tätige Max-Planck-Institute in
Leipzig und Dresden, das Umweltforschungszentrum Leipzig-
Halle GmbH, das sich besonders komplexen Aufgaben im Be-
reich von Umwelt- und Gesundheitsforschung widmet, zehn Ein-
richtungen der Fraunhofer-Gesellschaft als Zentren des Techno-
logietransfers aus der Forschung in die Wirtschaft sowie sieben
Forschungsinstitute der Wissenschaftsgemeinschaft „Gottfried
Wilhelm Leibniz“ und elf Landeseinrichtungen.
Sachsen hat in den vergangenen zehn Jahren auch die geisteswis-
senschaftliche Forschung im außeruniversitären Bereich ausge-
baut und verfügt heute über sieben außeruniversitäre Forschungs-
einrichtungen, darunter die Sächsische Akademie der Wissen-
schaften zu Leipzig, das Institut für Sächsische Geschichte und
Volkskunde in Dresden, das Simon-Dubnow-Institut für jüdische
Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig, das Sorbische
Institut Bautzen, das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismus-
forschung an der TU Dresden und das Tanzarchiv Leipzig. Wei-
terhin besteht in Leipzig das Geisteswissenschaftliche Zentrum für
Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas, das seine Grundfinan-
zierung vom Freistaat Sachsen und eine ergänzende Projektfinan-
zierung von der DFG erhält.
Technologietransfer
Zur Unterstützung des Technologietransfers von den Universitäten,
Hochschulen und Einrichtungen der Forschung und Entwicklung in
die kleinen und mittleren Unternehmen steht im Freistaat Sachsen
ein Netzwerk von 42 Technologiezentren für Technologiebera-
tung, Technologievermittlung und technologieorientierte Exis-
tenzgründungsbetreuung zur Verfügung.
Zu diesem Netzwerk gehören zwei Patentinformationszentren, vier
Technologieberatungszentren (Technologieagenturen), 15 Tech-
72
Bildung und Forschung
Empfangshalle im
Max-Planck-Institut für
Molekulare Zellbiologie
und Genetik, Dresden

nologietransferzentren und 21 Technologie- und Gründerzentren.
Das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit fördert
die Tätigkeit dieser Einrichtungen über bedarfs- und ergebnisori-
entierte Projekte, die eine Aktivierung, Beschleunigung oder Ver-
besserung des Technologietransfers und des Gründungsgesche-
hens zum Ziel haben.
Wechselwirkung
zwischen den
Bildungseinrichtungen,
Transferzentren und
Wirtschafts-
unternehmen
Bildung und Forschung
73
Technologie-
transfer-
zentren
Wirtschafts-
unternehmen
Institute
Universitäten
IMPULSE
FINANZIERUNG
INFORMATIONEN
ENTWICKLUNGEN
LÖSUNGEN
KOOPERATION

image
 
SOZIALES
UND
SPORT

image
Wir Sachsen kümmern uns
Gesundheitswesen
Der Freistaat sichert die vertragsärztliche Versorgung durch ein flächen-
deckendes Netz von Arztpraxen; vielerorts bieten Ärztehäuser diverse
Leistungen unter einem Dach an.
Die stationäre Versorgung der Bevölkerung hat sich seit 1991 wesentlich
verbessert, der medizintechnische Standard ist auf dem Niveau der Alt-
bundesländer, auch bei medizinischen Großgeräten. Der bauliche Zu-
stand der Krankenhäuser hat durch Teil- und Totalersatzbauten sowie Be-
standsanierungen ein hohes, bedarfsgerechtes Niveau.
Im Jahr 2004 gab es in Sachsen 84 Plankrankenhäuser, zwei Univer-
sitätskliniken und ein Bundeswehrkrankenhaus. Die Universitätsklini-
ken sichern sowohl die medizinische Ausbildung als auch die For-
schung auf hohem Niveau. Für Krankenhausinvestitionen wurden be-
trächtliche Mittel bereitgestellt: von 1991 – 2001 ca. 3,3 Mrd. Euro, im
Zeitraum 2002 – 2004 ca. 0,7 Mrd. Euro.
Die Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen Sachsens verfügten
2003 über eine Bettenkapazität von 9 044 Betten. Im gleichen Jahr gab
es im Freistaat 940 öffentliche Apotheken, das entspricht einer Ver-
sorgungsdichte von einer Apotheke je 4597 Einwohner.
Soziales und Sport
75
Medizinische
Versorgung in Sachsen
Stand 31.12.2003
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
Die neuen Erweite-
rungsgebäude am
Kreiskrankenhaus
Zittau
Berufstätige Ärzte
21
14 707
niedergelassen
20
6 147
in Krankenhäusern
21
7 451
in sonstigen Bereichen
1 109
Berufstätige Zahnärzte
22
3 776
Krankenhausbetten (1.7.2004)
28 708
Schwestern, Pfleger und Hilfskräfte
19 470
in Krankenhäusern (31.12. 2002)
Kindertagesstätten und Jugendhilfe
Ab Vollendung des 3. Lebensjahres des Kindes besteht ein Rechtsan-
spruch auf einen Kindergartenplatz. Die sächsischen Kindereinrich-
tungen haben zumeist zwischen 6 und 17 Uhr geöffnet, viele auch
länger, um flexibel auf den Bedarf berufstätiger Eltern zu reagieren. Al-
le Kindertagesstätten bieten eine warme Mittagsmahlzeit an. Das Säch-
sische Kindertagesstättengesetz schreibt eine Betreuung durch pädago-
20)
einschl. angestellte Ärzte
21)
einschl. Ärzte im Praktikum
22)
einschl. Zahnärzte in Universitätskliniken und Assistenzzahnärzte

image
Kindertagesstätten in
Sachsen 2004
76
Soziales und Sport
gische Fachkräfte (staatlich anerkannte Erzieher/innen) und weitere
geeignete Mitarbeiter vor. Diese erfüllen auf der Grundlage eines
pädagogischen Konzeptes einen Bildungs- und Erziehungsauftrag.
Der Betreuungsschlüssel für das pädagogische Fachpersonal sieht in
der Krippe eine Fachkraft für sechs Kinder vor, im Kindergarten ei-
ne Fachkraft für 13 Kinder und im Hort 0,9 Fachkraft für 20 Kinder
(bei neun Stunden Betreuungszeit in Krippe und Kindergarten und
sechs Stunden im Hort). Im Freistaat gab es am 1.4.2004 insgesamt
2619 Kindertagesstätten.
Zum gleichen Stichtag besuchten in Sachsen 194831 Kinder eine der
Kindertageseinrichtungen, darunter 3687 behinderte Kinder. Tages-
mütter und -väter betreuten zu diesem Zeitpunkt 1022 Kinder. Der
Betreuungsgrad durch Kindertageseinrichtungen beträgt bei Kindern im
Krippenalter 38,4 %, bei Kindern im Kindergartenalter 101,9 %
23
und
im Hortalter 57,4 %. Der Landeshaushalt stellte im Jahr 2004 Zu-
schüsse in Höhe von 242,7 Mio. Euro für die Kindertagesstätten zur
Verfügung. Für die Förderung von Angeboten und Leistungen der Ju-
gendhilfe (ohne Kindertagesstätten) wurden im Haushaltsplan des Frei-
staates 2004 ca. 27,3 Mio. Euro veranschlagt. Weitere Mittel aus dem
Europäischen Sozialfonds kamen ebenfalls zum Einsatz.
Landeserziehungsgeld
Sachsen gewährt ein Landeserziehungsgeld im Anschluss an das Bun-
deserziehungsgeld. Dieses wird für Kinder, die ab 2001 geboren oder in
Obhut genommen worden sind, 9 Monate lang gezahlt und beträgt in
der Regel 205 Euro. Das Landeserziehungsgeld ist vom Einkommen ab-
hängig. Eltern erhalten unter bestimmten Maßgaben auch 307 Euro – für
dritte oder weitere Kinder oder wenn sie Schüler, Auszubildende oder
Studenten sind.
Unterstützung für Menschen mit Behinderungen
Im Freistaat besteht ein vielfältiges und differenziertes Angebot an of-
fenen, teiloffenen und auch stationären Angeboten für Menschen
Kinderkrippen
23
Kindergärten
103
Horte
523
kombinierte Einrichtungen
1 943
Private Kindertageseinrichtungen
27
23)
Diese Zahl über 100 % erklärt sich durch Schulrückstellungen von Kindern, die schon im Hortalter sind,
jedoch noch den Kindergarten besuchen.
Familienzentrum
Altkötzschenbroda

image
Das Betreuungsteam
des Nachtcafés in
der Dresdner Versöh-
nungskirche
Soziales und Sport
77
mit Behinderungen. Ziel ist die gleichberechtigte und möglichst
selbstständige Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Die meisten
Angebote der Behindertenhilfe gibt es in städtischen Gebieten, im
ländlichen Raum sind die Wahlmöglichkeiten eingeschränkt. Ange-
bote von öffentlichen, kirchlichen und freien Trägern betreffen z. B.
Selbsthilfegruppen, Beratung, Beschäftigung und Qualifizierung,
aber auch betreutes Wohnen. Viele Angebote sind integrativ gestal-
tet (Kindergarten, Schule usw.).
Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt, Integrationsprojekte und Werk-
stätten für Behinderte sowie Schulungsangebote ermöglichen eine
weitgehende gesellschaftliche Teilhabe, vor allem, wenn die notwen-
dige Mobilität sichergestellt werden kann. Zuwendungen für Ange-
bote, Dienste und Einrichtungen entsprechend den Bedürfnissen von
Menschen mit Behinderungen gleichen Nachteile aus; darüber hinaus
werden Aktivitäten der Selbsthilfe behinderter Menschen unterstützt
und individuelle Nachteilsausgleiche gewährt. Oberstes Ziel ist die
Schaffung eines möglichst barrierefreien Umfeldes, ob im öffentlichen
Personennahverkehr, in öffentlichen Gebäuden oder beim Zugang
zu öffentlichen Informationsmedien.
Freistaat und Stiftungen fördern entsprechende Maßnahmen. Sechs so-
zialpädiatrische Zentren, 44 Frühförder- und Beratungsstellen, zwei
Berufsförderungswerke, drei Berufsbildungswerke, 58 Werkstätten
für behinderte Menschen, 153 Wohnstätten für Menschen mit Behin-
derung werden ebenfalls vom sächsischen Sozialministerium gefördert;
darüber hinaus gibt es noch Beratungsstellen, ambulante Dienste für
Menschen mit Behinderungen und viele weitere Angebote.
Sozialhilfe
Im Jahr 2003 betrugen die Nettoausgaben für Sozialhilfe im Freistaat
Sachsen 685 Mio. Euro, das entspricht 158 Euro je Einwohner.
Am Jahresende 2003 bezogen insgesamt 133698 Bürgerinnen und
Bürger Hilfe zum Lebensunterhalt, sowohl in als auch außerhalb von
Einrichtungen. Überdurchschnittlich groß ist die Zahl der Kinder und
Jugendlichen unter 18 Jahren als Empfänger von laufender Hilfe zum
Lebensunterhalt (51065). Im Vergleich zum Jahr 2002 erhöhte sich da-
mit die Zahl der Personen, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen
Mitteln sicherstellen können, um rund 6800 Personen. Auch die Zahl
der Bürger, die auf Hilfe in besonderen Lebenslagen angewiesen waren,
stieg. Sie erhöhte sich von 62 332 Personen im Jahr 2002 auf 66303
Personen im Jahr 2003.

image
Sachsens
erfolgreiche Sportler
der Olympischen
Spiele und der
Paralympics 2004
in Athen beim
Empfang in der
Staatskanzlei
78
Soziales und Sport
Unterstützung für Senioren
Ziel der sächsischen Seniorenpolitik ist, die Integration und gesell-
schaftliche Teilhabe älterer und alter Menschen zu ermöglichen und zu
sichern. Bei den Hilfs- und Betreuungsangeboten für Senioren sind im
Wesentlichen vier Bereiche zu unterscheiden: die offene Seniorenarbeit,
ambulante, teilstationäre und stationäre Hilfe in kommunaler, freige-
meinnütziger oder privater Trägerschaft. Die offenen Angebote sind
vielfältig, von Seniorentreffen und Begegnungsstätten über Wander-
gemeinschaften bis hin zu Selbsthilfegruppen und betreutem Wohnen.
Ein dichtes Netz von derzeit rund 880 ambulanten Pflegediensten
einschließlich Sozialstationen sowie von weiteren Angeboten wie z.B.
„Essen auf Rädern“ ermöglicht älteren Menschen eine Versorgung und
Betreuung in der vertrauten häuslichen Umgebung. Die teilstationären
Angebote unterteilen sich in Tages- oder Nachtpflege, die vor allem
pflegende Angehörige entlasten sollen. Derzeit gibt es circa 1 400 Plät-
ze. Darüber hinaus gab es im Jahr 2004 in Sachsen 499 Alten- und Pfle-
geheime, die insgesamt über 36 154 stationäre Plätze verfügten. Hinzu
kamen noch circa 1600 Plätze in Kurzzeitpflegeeinrichtungen. Für
die Sterbebegleitung gibt es in Sachsen inzwischen 31 ambulante Hos-
pizdienste, davon 18 vom Freistaat geförderte, sowie drei stationäre
Hospize mit über 50 Plätzen.
Sportliches Sachsen
Sachsen hat als Sportland eine lange Tradition, so wurde 1899 in
Leipzig der Deutsche Fußballverband gegründet.
Olympiateilnehmer aus dem Freistaat haben seit 1992 bereits 44
Olympiamedaillen, davon 16 Gold-, 13 Silber- und 15 Bronzeme-
daillen sowie 44 Paralympic-Medaillen in den Sportarten Fechten,
Gewichtheben, Judo, Kanurennsport, Leichtathletik, Radsport, Ru-
dern, Schwimmen und Wasserspringen sowie Bob, Eiskunstlauf,
Eisschnelllauf, Nordische Kombination, Rodeln, Skilanglauf und
Skispringen errungen. Allein bei den Olympischen Sommerspielen
2004 gewannen 36 sächsische Sportler 10 Medaillen (darunter zwei
Goldmedaillen), bei den Paralympics gewannen 15 Teilnehmer aus
dem Freistaat 10 Medaillen (darunter ebenfalls zwei Goldmedaillen).
Damit war Sachsen im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl eines
der erfolgreichsten Bundesländer bei diesen Spielen. Die Aktion
„Jugend trainiert für Olympia“ findet in Sachsen wohl auch des-
halb großen Zuspruch.
Doch Sachsen bietet neben Spitzensport auch viel für den Breitensport.
Die Idee des Nachtskatens in Dresden, wofür sogar die Autofahrer von

image
Soziales und Sport
79
den Straßen verbannt werden, wurde in viele andere Städte exportiert,
es gibt zahlreiche Marathons, die Radtour „Sachsen fährt ab“ und
vieles mehr.
Auch der Schulsport wird groß geschrieben – sächsische Schüler ha-
ben darum drei Sportstunden pro Woche. Dies bietet Raum für wahl-
obligatorische Neigungskurse, Kooperation mit Vereinen und die
Beschäftigung mit neuen Sportarten. Die Vielfalt des Behinderten-
sports wiederum spannt sich vom Rehabilitationssport über den
Breitensport bis zum Leistungssport.
Nicht alltägliche Sportarten werden ebenfalls im Freistaat betrieben:
Seit 1991 sind die Dresdner Drachenboot-Sportler im Verein „Am
Blauen Wunder“ zu Hause. Bereits 1995 beteiligte sich das erfolg-
reiche junge Team an der Drachenboot-WM in China. In Otten-
dorf-Okrilla trainieren seit 1963 junge Akrobaten. Mittlerweile ste-
hen sie bei nationalen und internationalen Meisterschaften auf dem
Siegertreppchen. Jedes Jahr ist der Akrobatenclub Ausrichter des
„Internationalen Traditionsturniers in der Sportakrobatik“. Riesa
etabliert sich als deutsche Sportstadt und Ausrichter der Sumo-
Weltmeisterschaften.
Für den Wintersport stehen im (fast) schneesicheren Erzgebirge und
Zittauer Gebirge Skiwanderern 1000 km gespurte Loipen zur Verfü-
gung. Abfahrtsläufer können über 100 Schlepplifte nutzen. Neben
Langläufern und alpinen Skifahrern tummeln sich Snowboarder, Bi-
athleten und Skispringer in den sächsischen Wintersportgegenden.
Im Landessportbund Sachsen e.V. sind mehr als 4 000 Vereine mit un-
gefähr 520000 Mitgliedern zusammengeschlossen. Mehr als 80000
Ehrenamtliche engagieren sich hier, die dabei jährlich etwa 15 Mio.
unentgeltliche Arbeitsstunden leisten.
Die Sportstättenerhebung (2003) weist für den Freistaat Sachsen 1 953
Sporthallen, 1218 Großspielfelder und 1400 Kleinspielfelder aus.
Weiterhin sind in der Sportstättenstatistik 113 öffentliche Schwimm-
hallen einschließlich Lehrschwimmbecken erfasst. Darüber hinaus gibt
es neun Bäder in Kureinrichtungen und derzeit 278 Freibäder.
Trotz erheblicher Investitionen in den vergangenen Jahren gibt es
nach wie vor hohen Sanierungsbedarf an vorhandenen Sportstätten,
vor allem bei Sporthallen und Hallenbädern besteht noch Nachhol-
bedarf. Der Freistaat Sachsen hat den Trägern der Sportstätten in
den Haushaltsjahren 2000 bis 2003 deshalb sowohl aus Landesmitteln
als auch aus Bundesmitteln und über Förderprogramme der EU Zu-
wendungen von ca. 98,0 Mio Euro zur Verfügung gestellt.
In Sportvereinen
leisten viele ehren-
amtliche Trainer
Nachwuchsarbeit

image
 
KUNST
UND
KULTUR

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image
image
Kultur erleben
Burgen, Schlösser und Gärten
Mit den ca. 1000 Herrenhäusern, Schlössern, Burgen und Gärten aus al-
len Epochen ist der Freistaat Sachsen eine der reichsten und vielfältig-
sten Kulturlandschaften Europas. Rund 70 dieser Anlagen stehen im Ei-
gentum des Freistaates. Von den künstlerisch bedeutendsten Ensem-
bles sind 19 seit 2003 im Staatsbetrieb „Staatliche Schlösser, Burgen und
Gärten Sachsen“ vereinigt. Dieser Betrieb ist ein deutschlandweit ein-
maliges Modell, in dem Kultur, Wirtschaftlichkeit und Denkmalerhaltung
erfolgreich verknüpft werden. Vier weitere historisch wertvolle Schlös-
ser – die Festung Königstein, Schloss Augustusburg mit der Burg Schar-
fenstein sowie dem Schloss Lichtenwalde – werden seit 2000 als wirt-
schaftlich weitgehend selbstständige Betriebsgesellschaften geführt.
Weltbekannt sind der Dresdner Zwinger mit der Sempergalerie, die
Brühlsche Terrasse, Schloss und Park Pillnitz sowie der Große Garten
in Dresden. Diese wie auch der Barockgarten in Großsedlitz sind
glanzvolle Zeugen sächsisch-kurfürstlicher Hofhaltung aus der Zeit des
Barock. Im Sommer 2004 wurden darum sowohl das sich zwischen den
Schlössern von Pillnitz und Übigau erstreckende Dresdner Elbtal als
auch der beiderseits der Neiße, auf deutscher und polnischer Seite lie-
gende Muskauer Park/Park Mużakowski in die Liste des Weltkul-
turerbes der UNESCO eingetragen.
Schloss Moritzburg, nördlich von Dresden inmitten einer weitläufi-
gen Kultur- und Teichlandschaft gelegen, geht auf einen unter Kur-
fürst Moritz im 16. Jahrhundert errichteten Bau zurück. Die heutige
Gestalt wird aber durch Umbauten des späten 17. und frühen 18.
Jahrhunderts geprägt. Berühmt ist es für seinen großen Bestand an
Ledertapeten, das Federzimmer und die umfangreiche Sammlung
historischer Geweihe.
Einen besonderen Platz in der sächsischen Geschichte nimmt als „Wie-
ge Sachsens“ die Albrechtsburg in Meißen ein. Ab 1471 errichtet, ist sie
ein herausragendes Beispiel für den Wandel von der spätmittelalterlichen
Burg zum Schlossbau. Besonders beeindrucken der Große Wendelstein
und die reichen Zellengewölbe.
Schloss Augustusburg, zur Zeit der Renaissance unter Kurfürst Au-
gust I. als prachtvolles Jagdschloss auf einem Felssporn über der
Zschopau errichtet, zeugt vom Reichtum Sachsens in seiner wirtschaft-
lichen Blütezeit des Silberbergbaus im Erzgebirge. Im Verbund mit der
Burg Scharfenstein und Schloss Lichtenwalde sind „Die Sehenswerten
Drei“ mit ihren interessanten musealen Sammlungen eine touristische
Attraktion in dieser Region.
Kunst und Kultur
81
Schloss und
Parkanlage Pillnitz
Schloss
Augustusburg
Die Albrechtsburg
in Meißen

image
image
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Festung Königstein
Der ehemalige Wohnsitz des späteren Königs Johann von Sachsen –
Schloss Weesenstein – liegt am Fuße des Osterzgebirges im lieblichen
Müglitztal. Es zeichnet sich durch seine außergewöhnliche Architek-
tur und sein authentisches Mobiliar aus. Burg Kriebstein über dem
Zschopautal, Burg Gnandstein im Kohrener Land und die Burgruine
Stolpen lassen die weit ins Mittelalter zurückreichende Tradition säch-
sischer Adelsgeschlechter erahnen. Schloss Rammenau in der Ober-
lausitz ist ein Beispiel für die Lebensweise des sächsischen Landadels.
Die Festung Königstein in der Sächsischen Schweiz nimmt durch ih-
re herausragende Lage 240 m hoch über dem Elbtal und durch ihre ehe-
malige militärische Bedeutung einen besonderen Platz innerhalb der
sächsischen Schlösserlandschaft ein. Sie ist mit einer Größe von
9,5 Hektar Deutschlands größte Festungsanlage. Sie galt als unein-
nehmbar und blickt auf eine 400-jährige Baugeschichte zurück
24
.
Architektur
Der wirtschaftliche und kulturelle Reichtum der Vergangenheit lässt
sich an vielen historischen Stadtkernen mit ihren häufig aus Gotik und
Renaissance datierenden Bürgerhäusern erleben. Besonders reizvoll
sind die Altstädte von Bautzen, Freiberg, Görlitz (mit über 3600
Einzeldenkmalen), Grimma, Meißen, Pirna und Torgau.
Die ab dem Ende des 15. Jahrhunderts errichteten großen spätgotischen
Hallenkirchen in Annaberg, Bautzen, Chemnitz, Freiberg, Görlitz,
Leipzig, Pirna, Schneeberg und Zwickau mit ihren reich gegliederten
Gewölben und dem Streben nach Vereinheitlichung der Raumwir-
kung waren Folgen des wirtschaftlichen Aufschwunges. Sie prägen bis
heute nicht nur die Stadtbilder entscheidend, sondern verfügen zumeist
auch über eine künstlerisch bedeutende Ausstattung.
Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges entstand auf der
Grundlage eines erneuten Wirtschaftsaufschwungs eine eigenständige,
von italienischen und französischen Anregungen inspirierte Barock-
architektur, die nicht nur die höfischen Anlagen Augusts des Starken,
sondern ebenso Bauten des ländlichen Adels und der städtischen Bür-
gerschaft prägte. Hier verdienen die Frauenkirche und die von Gaeta-
no Chiaveri erbaute katholische Hofkirche besondere Erwähnung.
Das Romanushaus in Leipzig ist ein markantes Beispiel eines ba-
rocken bürgerlichen Stadtpalais.
Vielfältig sind auch die Zeugnisse ländlicher Bauweise. Besonders her-
vorzuheben sind die Umgebindehäuser, die sich vor allem in der Ober-
lausitz erhalten haben.
82
Kunst und Kultur
1000-jähriges Bautzen
24)
Schriftenreihe und Jahrbücher der „Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen“,
dazu ein jährlicher Veranstaltungskalender. Näheres unter
www.schloesser.sachsen.de.
Umgebindehaus
in Niederoderwitz,
Oberlausitz

image
image
Beispiele für den um 1800 herrschenden Klassizismus sind u. a. die
Umgestaltung der Nikolaikirche Leipzig, das Landhaus in Dresden
oder das Neue Palais von Schloss Pillnitz.
Mit Gottfried Sempers Gemäldegalerie und seinem ersten und zweiten
Hoftheater ist in Dresden die Rückbesinnung auf die italienische Re-
naissance verbunden. Die Industrialisierung Sachsens im 19. Jahr-
hundert brachte vor allem Bauten für die Eisenbahn und die Industrie
hervor. Monumentale Bauwerke des Historismus sind das ehemalige
Reichsgericht, heute Sitz des Bundesverwaltungsgerichts, sowie das
Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig.
Mit der Reformarchitektur der Gartenstadt Hellerau in Dresden und
dem dazugehörigen Festspielhaus wurden neue Wege zur Überwindung
des Historismus beschritten. Bekannte Beispiele der klassischen Mo-
derne sind unter anderem das Haus Schminke in Löbau und die Villa
Rabe in Zwenkau sowie Erich Mendelsohns Kaufhaus Schocken in
Chemnitz
25
.
Bildende Kunst
Kunst genießt in Sachsen seit jeher einen besonderen Stellenwert, vor al-
lem Dresden zieht seit Jahrhunderten Künstler und Kunstliebhaber aus
allen Himmelsrichtungen an.
Die glanzvolle Tradition geht auf die sächsischen Kurfürsten und Könige
zurück, die begeisterte Kunstsammler waren und im Laufe der Jahr-
hunderte unermessliche Kunstschätze erwarben. Den Grundstein legte
Kurfürst August 1560 mit der Gründung der kurfürstlichen Kunstkam-
mer, die bereits im 17. Jahrhundert zu den berühmtesten Sehenswür-
digkeiten Europas gehörte. Die Sammlung wuchs so rasch, dass schon
im 18. Jahrhundert Spezialmuseen gegründet wurden. Unter anderem
entstand 1722 unter August dem Starken die Dresdner Gemäldegalerie.
Mit Werken von Tizian, Correggio, Rubens, Rembrandt und Vermeer
zählt sie zu den weltweit führenden Sammlungen.
Die Begeisterung für Kunst schloss auch die Förderung der Künstler ein.
So wurde 1680 die Zeichen- und Malschule, Vorläufer der Sächsischen
Kunstakademie, von Kurfürst Johann Georg III. gestiftet. Zu großer
Blüte gelangte sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Romantiker
Caspar David Friedrich und Ludwig Richter in Dresden wirkten.
Die modernen Strömungen am Anfang des 20. Jahrhunderts fielen in
Sachsen auf fruchtbaren Boden. Vor allem private Kunsthandlungen
engagierten sich und machten Dresden zu einem wesentlichen Im-
pulsgeber für die europäische Kunst.
Kunst und Kultur
83
Villa Esche, Chemnitz,
Architekt: Henry
van de Velde
25)
Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Sachsen I (Regierungsbezirk Dresden),
München/Berlin 1996; Sachsen II (Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz), München/Berlin 1998.
Jean-Étienne Liotard:
Das Schokoladen-
mädchen, Gemälde-
galerie „Alte Meister“,
Dresden

image
Thomanerchor
Leipzig
In diese Zeit fällt die Gründung der Künstlervereinigungen „Die
Brücke“ 1905 und „Dresdner Sezession“ 1919. Sächsische Künstler
von Weltrang sind heute Gerhard Richter und Neo Rauch.
Neben großen Neueröffnungen von Museen der Staatlichen Kunst-
sammlungen Dresden und des Museums der Bildenden Künste Leip-
zig sorgt vor allem eine lebendige Galerien- und Hochschulszene
mit reger Ausstellungstätigkeit für immer neue Impulse.
Musik und darstellende Kunst
Sachsen ist ein Musiktheaterland mit langer Tradition: Das Dresdner
Schloss, dessen Wiederherstellung zurzeit im Gange ist, war 1662
Geburtsort der Oper im deutschen Raum (Heinrich Schütz: Daphne).
Heute steht der Sächsischen Staatsoper Dresden mit der 1985 wieder
errichteten Semperoper eines der schönsten Opernhäuser der Welt zur
Verfügung. Theater in Trägerschaft des Landes sind außerdem das
Staatsschauspiel Dresden sowie die in Radebeul ansässigen Landes-
bühnen Sachsen, die als Reisetheater ein vielfältiges Angebot im säch-
sischen Raum bieten und im Sommer unter anderem die Felsenbühne
Rathen in der Sächsischen Schweiz bespielen. Doch nicht nur in den
Zentren Leipzig, Dresden, Chemnitz oder Zwickau, sondern auch in
kleineren Orten wie Annaberg, Bautzen, Freiberg, Görlitz, Plauen
und Zittau gründete man in den vergangenen zwei Jahrhunderten bür-
gerliche Theater. Gegenwärtig gibt es im Freistaat 15 öffentliche
Theater und zehn diesen Theatern zugehörige Orchester.
Sachsen verfügt zudem über 16 große Kultur- und Opernorchester in
Landes-, kommunaler und freier Trägerschaft. Am bekanntesten sind
das Gewandhausorchester zu Leipzig und die Sächsische Staatskapelle
Dresden sowie die Dresdner Philharmonie. Außerdem haben Chor
und Orchester des Mitteldeutschen Rundfunks in Leipzig ihren Sitz.
Zum ältesten Bestand der europäischen Musikkultur gehören die vor
fast 800 Jahren gegründeten sächsischen Knabenchöre – der Dresdner
Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig.
Volkskunst und Kunsthandwerk
Kunsthandwerker in Sachsen bewahren und bereichern mit viel Liebe,
fundiertem Können und Enthusiasmus altüberlieferte Handwerks-
techniken. Markante Beispiele für weit über Sachsens Grenzen hinaus
bekannte Produkte sind: Porzellan aus Meißen und Freital, Plauener
Spitze, Musikinstrumente aus dem Vogtland, Annaberger Posamenten,
Eibenstocker Stickereien, Sebnitzer Kunstblumen, Waldenburger Töp-
ferwaren, Blaudrucke und Damaste aus der Lausitz, Weihnachtssterne
aus Herrnhut, vielfältiges Holzspielzeug aus Seiffen und Umgebung,
84
Kunst und Kultur

image
image
Zöblitzer Serpentindrechselarbeiten, erzgebirgischer Weihnachts-
schmuck, Glaskunst und Korbflechtereien.
Das Goldschmiedehandwerk brachte zu Zeiten Augusts des Starken
Johann Melchior Dinglinger zur Perfektion. Die Ergebnisse seiner
Handwerkskunst kann man in Sachsens reichster Schatzkammer – im
Grünen Gewölbe in Dresden – betrachten.
Schnitzen, Drechseln, Holzbastelarbeiten, das Klöppeln von Spitzen,
der Scherenschnitt oder die kunstvolle Verzierung von Ostereiern im
sorbischen Gebiet sind heute der Inbegriff der Volkskunst, doch das
Betätigungsspektrum umfasst auch verschiedene klassische Handar-
beitstechniken, die Kerzenmacherei, das Filzen und noch vieles mehr.
Feste und Festivals
Volks- und Heimatfeste mit teils langen Traditionen sind in Sachsen
ebenso zu Hause wie zahlreiche Veranstaltungen der Jugend- und
Szenekultur – alles in allem eine bunte Mischung, die sich den ver-
schiedensten Genres und Epochen widmet. Nur eine kleine Auswahl
kann hier erwähnt werden:
Bei den Sorben wird am 25. Januar Vogelhochzeit gefeiert, hier be-
danken sich die Vögel bei den Jüngsten mit Naschereien für das Füt-
tern im Winter. Beim Osterreiten verkünden festlich geschmückte
sorbische Reiter in feierlichen Prozessionen am frühen Ostersonntag
die Botschaft von der Auferstehung Christi. Das internationale Knei-
penfestival „Honky Tonk“ lockt im Mai tausende Besucher nach
Leipzig, während in Dresden beim internationalen Dixielandfestival
der Jazz den Ton angibt. Pfingsten ist Termin für Europas größtes Wa-
ve-Gotik-Treffen der Gothic- und Neoromantikszene in Leipzig, im
Juni zieht das internationale Trabantfahrertreffen viele Liebhaber des
Oldtimers nach Zwickau und im August bei Europas größtem Splash-
Festival kommen tausende von Anhängern des Hip-Hop und Reggae
in Chemnitz auf ihre Kosten.
Als „Vogtländisches Familienfest“ feiern die Einwohner von Plauen im
Juni ihr Spitzenfest. Der „Tag der Sachsen“ ist jedoch das größte
Volks- und Heimatfest im Freistaat. Jedes Jahr ist am ersten Septem-
berwochenende ein anderer sächsischer Ort Treffpunkt für die Verei-
ne und Verbände. Heimatliches Brauchtum und Traditionen werden ge-
zeigt, umrahmt von einem bunten Programm, vielen kulinarischen
Angeboten und einem Festumzug.
Im Juni zum Bergstadtfest und am 2. Advent zieht die historische
Bergparade der Berg- und Hüttenknappschaft durch Freiberg.
Um den Winter zu erhellen und auf das Weihnachtsfest einzustimmen,
feiern die Schneeberger am 2. Adventszeit das Lichtelfest.
Kunst und Kultur
85
In traditioneller sorbi-
scher Wachstechnik
angefertigte Ostereier
Jährliches Wave-Gotik-
Treffen in Leipzig

image
Weihnachtsmarkt
in Schneeberg,
Erzgebirge
Zahlreiche traditionelle Weihnachtsmärkte – darunter der älteste
Weihnachtsmarkt Deutschlands, der Dresdner Striezelmarkt (1434
erstmalig erwähnt) – bieten weihnachtliches Flair zur Einstimmung
auf das Fest.
Ob nun Stadtfeste, Flottenparade der Dampfschiffe oder Dampflok-
fest, ob Burgfeste, Brückenfeste oder Weltstars in Leipzig, es ist im-
mer etwas los im Freistaat. Zu den bekannten Ereignissen des säch-
sischen Kulturlebens zählen weiterhin:
– Internationale Gottfried-Silbermann-Tage und Gottfried-Silbermann-
Wettbewerb (Orgel, Zentrum ist der Freiberger Dom)
–Dresdner Musikfestspiele (Klassik und zeitgenössische E-Musik)
–Dresdner Tage für zeitgenössische Musik (Musik der Gegenwart)
– Chemnitzer Begegnungen (Schwerpunkt: Musik und darstellende
Kunst, Profilierung zur Thematik „Kunst, Industrie und Wissenschaft“)
– Zwickauer Musiktage (zu Ehren Robert Schumanns)
– Bachfest Leipzig (jährlich) und Internationaler Bach-Wettbewerb
(im Zweijahresrhythmus)
– euro scene leipzig (avantgardistisches Festival professioneller freier
Theatergruppen aus Europa)
– Festival Mitte Europa (grenzüberschreitendes sächsisch-tschechisch-
bayerisches Festival mit Schwerpunkt Musik)
–Dreiklang (Musik- und Theaterveranstaltungen im Dreiländereck
Deutschland, Polen, Tschechien zur Beförderung des kulturellen
Austausches in der Oberlausitz, Böhmen und Niederschlesien)
– Filmfest Dresden – Internationales Festival für Animations- und Kurzfilm
– Internationales Leipziger Dokumentar- und Animationsfilmfestival
– Filmnächte am Elbufer (Großprojektionen und Konzerte in Dresden)
– Chemnitzer Kinderfilmschau „Schlingel“ (Internationales Kinderfilmfestival)
– Sächsische Literaturtage (aller zwei Jahre in einem anderen Kulturraum)
– Leipziger Literarischer Herbst
– Kamenzer Lessing-Tage
–Dresdner Lyriktage
– Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung
– Internationales Folklorefestival in Crostwitz
Kulturförderung
Sachsen als Kulturland ist über Jahrhunderte gewachsen. Weit über sei-
ne Grenzen hinaus sind die Staatlichen Kunstsammlungen bekannt
durch ihre einzigartige Vielfalt und Komplexität der Exponate.
Für Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Carl Maria von Weber,
Richard Wagner, Felix Mendelssohn-Bartholdy war Sachsen Heimat,
86
Kunst und Kultur

image
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berühmte Orchester spielten und spielen die Meister. Die Leipziger
Thomaner und der Dresdner Kreuzchor pflegen seit 800 Jahren ihr
musikalisches Erbe auf Weltniveau.
Wegweisende Impulse in der darstellenden Kunst gingen ebenfalls
von Sachsen aus. Caroline Neuber (1697 – 1760) reformierte das
deutsche Theaterwesen, Gret Palucca begründete in den 20er Jahren
des 20. Jahrhunderts den modernen Ausdruckstanz.
Ab 1990 wurden in Sachsen zentralistische Strukturen in der Kul-
turlandschaft durch pluralistische ersetzt; gleichzeitig wollte man die
reiche kulturelle Substanz weitgehend erhalten. Der Sächsische
Landtag beschloss zur Stärkung der regionalen Ebene im Dezember
1993 das Gesetz über die Kulturräume in Sachsen. Demnach fi-
nanziert das Land gemeinsam mit acht ländlichen Kulturräumen
(aus den dortigen Landkreisen und kreisfreien Städten) sowie drei
urbanen Kulturräumen (Chemnitz, Dresden und Leipzig) die För-
derung kultureller kommunaler Einrichtungen und Maßnahmen in
den Regionen. Die Kulturräume erhalten dafür vom Freistaat ca. 75
Millionen Euro jährlich.
Sachsen fördert staatliche Einrichtungen wie Museen, Theater und Or-
chester (ca. 80,9 Mio. Euro jährlich), daneben aber auch das freie
künstlerische Schaffen von Komponisten, bildenden Künstlern, Fil-
memachern, Schriftstellern und die soziokulturellen Aktivitäten en-
gagierter Vereine. Nur auf der breiten Basis ehrenamtlicher Arbeit der
zahlreichen Vereine und verschiedener Stiftungen (z. B. Kulturstiftung
Sachsen) kann vielfältiges kulturelles Leben in den Regionen entste-
hen und erhalten werden.
Die Sorben pflegen Kunst und Kultur durch eine Vielzahl Ensembles,
Chöre und Vereine. Wichtige kulturelle Einrichtungen sind unter an-
derem das Sorbische Nationalensemble, der Domowina-Verlag Baut-
zen, das Sorbische Museum auf der Ortenburg in Bautzen, das
Deutsch-sorbische Volkstheater in Bautzen und das WITAJ-Sprach-
zentrum. Darüber hinaus sind die sorbische Sprache und Kultur in ei-
genen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern sowie in sorbischspra-
chigen Rundfunk- und Fernsehsendungen präsent. Die Staatsregierung
fördert diese Einrichtungen, Vereine und Projekte gemeinsam mit
dem Bund und dem Land Brandenburg über die Stiftung für das sor-
bische Volk mit jährlich 16 Mio. Euro.
Mit insgesamt rund 98 Euro pro Einwohner bzw. 2,4 % des Staats-
haushaltes ist der Freistaat das Flächenland mit den höchsten Kultur-
ausgaben in Deutschland.
Kunst und Kultur
87
Opernhaus Chemnitz
Weltkulturerbestätte
Landschaftspark
Bad Muskau, angelegt
durch Fürst Pückler

image
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Sachsen bewahrt Erinnerungen
Museen
Im Freistaat Sachsen gibt es inzwischen mehr als 470 Museen und
Schauanlagen. Die einstigen kurfürstlich-königlichen Sammlungen in
Dresden – Einrichtungen mit einer über 400-jährigen Tradition – haben
Weltbedeutung. Genannt seien die zu den Staatlichen Kunstsammlungen
gehörenden Gemäldegalerien Alte und Neue Meister, die Skulpturen-
sammlung, das Grüne Gewölbe als Schatzkammer der sächsischen
Fürsten, die Porzellansammlung mit einer einmaligen Fülle ostasiatischer
und Meissener Porzellane und die Rüstkammer, eine der herausra-
gendsten Sammlungen von Waffen, Harnischen, Kostümen und kunst-
handwerklichen Gegenständen.
Internationalen Rang besitzen die Kunstmuseen der Stadt Leipzig: das
Museum für bildende Künste und das Museum für Kunsthandwerk;
aber auch die Kunstsammlungen Chemnitz. Unter den stadtgeschicht-
lichen Museen sind diejenigen in Bautzen, Chemnitz, Dresden, Freiberg,
Görlitz, Leipzig, Plauen und Zittau hervorzuheben.
Spezialisierte Sammlungen sind unter anderem in Dresden das Militär-
historische Museum, das Landesmuseum für Vorgeschichte, das Deut-
sche Hygienemuseum und das Verkehrsmuseum, die Musikinstrumen-
ten-Museen in Leipzig und Markneukirchen oder das Deutsche Buch-
und Schriftmuseum der Deutschen Bücherei in Leipzig.
Eine Besonderheit für den Freistaat Sachsen stellen die technischen
Schauanlagen dar, darunter die des Montanwesens in Freiberg oder in Al-
tenberg-Zinnwald im Erzgebirge, das Bergbaumuseum in Oelsnitz/Erz-
gebirge, das sächsische Industriemuseum in Chemnitz, das Kalkwerk
Lengefeld, die Brikettfabrik Knappenrode bei Hoyerswerda, der
Frohnauer Hammer bei Annaberg und die Saigerhütte Grünthal bei Ol-
bernhau. Handwerkliche und technische Erzeugnisse präsentieren das
Spitzenmuseum in Plauen, die Motorradausstellung auf Schloss Augus-
tusburg, die Schauhalle der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen
und die Automobilausstellung in Zwickau. In den Technischen Samm-
lungen der Stadt Dresden werden u. a. zahlreiche Exponate zur sächsi-
schen Filmtechnik gezeigt, vom Deutschen Institut für Animationsfilm
(DIAF) wird dort eine Dauerausstellung zum Trickfilm der DEFA prä-
sentiert. DIAF bewahrt außerdem über 2 000 Kopien sächsischer Film-
produktionen und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich.
Eine Reihe von Museen widmet sich volkskundlichen Themen, so das
Sächsische Museum für Volkskunst in Dresden mit der Puppentheater-
sammlung, das Museum für bergmännische Volkskunst in Schneeberg
oder das erzgebirgische Spielzeugmuseum in Seiffen. In Leipzig und
88
Kunst und Kultur
Der älteste Horch im
August Horch Museum
Zwickau
Deutsches Damast-
und Frottiermuseum
Großschönau

image
Dresden präsentieren beide staatlichen Völkerkundemuseen ihre reichen
Sammlungsbestände außereuropäischer Kunst und Gebrauchskultur.
Sächsische Literatur-Museen befinden sich unter anderem in Kamenz
(das Lessing-Museum), in Dresden (das Erich-Kästner-Museum), in
Hainichen (das Gellert-Museum) oder die Karl-May-Museen in Ho-
henstein-Ernstthal (Geburtshaus) und in Radebeul
26
.
Gedenkstätten
Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten ist der Erinnerung an die Opfer
der nationalsozialistischen Diktatur, der sowjetischen Besatzungsmacht
und des SED-Regimes gleichermaßen verpflichtet. In den Gedenk-
stätten werden die Ziele der Stiftung durch Ausstellungen, Bildungs-
angebote, Publikationen und Veranstaltungen verwirklicht.
Die Gedenkstätte Bautzen erinnert an die Opfer beider Bautzener Haft-
anstalten, der ehemaligen Landesgefangenenanstalt Bautzen I („Gelbes
Elend“), nationalsozialistisches Zuchthaus, sowjetisches Speziallager
und eine der gefürchteten Strafvollzugseinrichtungen der DDR, so-
wie der Haftanstalt Bautzen II, die von 1956 bis 1989 Gefängnis für
„Staatsverbrecher“ mit besonderen Zugriffsrechten des Ministeriums für
Staatssicherheit (MfS) war. Die Gedenkstätte Münchner Platz Dresden
ist Gedenkort für die Opfer der Justizverbrechen des NS-Staates sowie
der sowjetischen Militärjustiz und der DDR-Strafjustiz. Das ehemali-
ge Landgericht war während des „Dritten Reiches“ Gerichtsort und Hin-
richtungsstätte der NS-Justiz, die hier etwa 1300 Todesurteile voll-
strecken ließ. In der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein wird der in den
Jahren 1940/41 im Rahmen der nationalsozialistischen „Vernichtung le-
bensunwerten Lebens“ in einer Gaskammer ermordeten 15000 vor-
wiegend geistig behinderten Menschen gedacht. Das Dokumentati-
ons- und Informationszentrum (DIZ) Torgau erinnert an die Opfer der
nationalsozialistischen Wehrmachtjustiz im Zweiten Weltkrieg. Die
Torgauer Militärgefängnisse und Kasernen wurden auch unter sowje-
tischer Besatzung und in der DDR für politische Haft genutzt. Die
Gedenkstätte Ehrenhain in Zeithain bei Riesa bezeugt das Mas-
sensterben zehntausender vor allem sowjetischer Kriegsgefangener in
den Jahren 1941 bis 1945 im Kriegsgefangenenlager Zeithain.
In der Förderkonzeption der Stiftung sind außerdem Orte der Erinne-
rung an die alltägliche Repression des Ministeriums für Staatssicherheit
enthalten: die ehemalige U-Haftanstalt der Bezirksverwaltung des MfS
Dresden in der Bautzener Straße und das Museum in der „Runden
Ecke“ in Leipzig (ehemalige Bezirksverwaltung des MfS Leipzig).
Kunst und Kultur
89
Gedenkstätte Bautzen,
Außenansicht BZ II
26)
Weitere Informationen zu Museen findet man im Museumsführer Sachsen.

image
Die Stiftung unterhält eine Dokumentationsstelle Widerstands- und
Repressionsgeschichte in der NS-Zeit und der SBZ/DDR und praktiziert
die Förderung bzw. immaterielle Unterstützung kleinerer Projekte der
Gedenkstättenarbeit.
Typisch Sächsisches
Dialekt/Mundarten
Vielerorts gelingt Laien eine Zuordnung unterschiedlichster Landes- und
Regionalsprachen. Auch der Sachse wird an seiner Mundart erkannt –
oftmals begleitet von beißendem, einst hausgemachtem Spott „Bliem-
chendichtung“. Ungeachtet dialektaler Unterschiede (21 Dialekte) und
einer Mundartenvielfalt nimmt dieser Hohn vorrangig die charakteris-
tische Intonation und Lautung aufs Korn.
Und doch war eine historische Sprachform – die durch Sprachgelehr-
te im 14.– 18. Jahrhundert viel gerühmte Meißnische, obersächsische
Kanzleisprache als Schreibsprache – eine wesentliche Grundlage der
späteren hochdeutschen Schrift- und Standardsprache, an der auch Lu-
thers Bibelübersetzung ihren Anteil trägt.
Will man das Sächsische beschreiben, so fällt zuerst die „Verweichli-
chung“ der Laute auf, so ersetzt ein „B“ jedes „P“ (Babba statt Papa),
ein „D“ jedes „T“ (Diere statt Türe). Zudem werden Endungen ver-
schluckt (ni statt nicht, mei statt mein) sowie Vokale verändert und ge-
dehnt (glooben statt glauben). Auch gibt es Wörter, die nur die Einge-
weihten verstehen, wie „Huddelei“ für „Ärger haben“ oder „Dämmse“
für große Hitze.
Das Sächsisch fungiert als landschaftlich gefärbte Umgangssprache
(Regiolekt). Insbesondere die Mundarten
27
aktivieren bewusst eine eng
mit der musikalischen Volkskultur verbundene Mundartpflege, die sich
bis heute im Kulturalltag erhalten hat.
Unbedingt zu erwähnen für den Sprachraum Sachsen ist das Sorbische
– unterteilt in Ober- und Niedersorbisch – als eigenständige, sich stark
vom Germanischen unterscheidende slawische Sprache. In Ostsachsen
ist nicht nur auf den Ortstafeln (z.B. Bautzen – Budyšin) die Zwei-
sprachigkeit (sorbisch und deutsch) der dort lebenden Sorben zu er-
kennen. Vor etwa 1 400 Jahren wurde in fast allen Regionen des heuti-
gen Sachsen slawisch gesprochen, in der Lausitz ist das Sorbische
heute noch eine eigenständige lebende Sprache.
90
Kunst und Kultur
27)
z. B. das Ost- und Westerzgebirgische, das Vogtländische in seinen sich voneinander abgrenzenden
Untermundarten oder das Oberlausitzische mit seinem typisch rollenden "R" sowie anderen Merkmalen
Schriftstellerin
und Mundartdichterin
Lene Voigt,
1891 – 1962

image
Sächsische Küche
Die sächsische Küche bietet viel Abwechslung mit landschaftsty-
pischen Besonderheiten. Die Kartoffel wurde im 18. Jahrhundert
Volksnahrungsmittel. Gekocht, gebraten, frittiert, als Brei, Knödel,
Suppe oder Pommes frites bereichern Kartoffelgerichte in unzähli-
gen Varianten die Speisezettel. Grüne Klöße oder der „Bambes“
(Kartoffelpuffer) im Vogtland zu Fleischgerichten gehören besonders
an sächsischen Festtagen auf den Tisch. Das „Leipziger Allerlei“ als
Original ist eine köstliche Gemüsebeigabe bestehend aus Morcheln,
Spargel, Erbsen, Karotten, Kohlrabi, Krebsen, Blumenkohl und
Semmelklößchen. Zur Verfeinerung der Speisen greift man gern
auf einheimische Kräuter zurück.
Ein Meißner Wein kann bei Tisch für Wohlbefinden sorgen. Als
Stimmungsmacher für gesellige Runden sind die vielen würzigen
sächsischen Biere sowie Kräuterliköre als Verdauungshilfen sehr be-
liebt. Radeberger Bier, das erste nach Pilsner Brauart in Deutschland,
beglückte ab 1905 sogar den sächsischen Königshof.
Fischwirtschaft hat in Sachsen eine lange Tradition. In den rund um
Schloss Moritzburg über die Jahrhunderte (ab 1480) angelegten
Teichen werden nach wie vor Karpfen, aber auch Schleien, Aale und
Hechte gezüchtet. Das jährliche Abfischen der Teiche im Herbst wird
als großes Volksfest gefeiert.
Da Kulinarisches immer im Zusammenhang mit dem Lebensstil, den
Tischsitten und Essgewohnheiten steht, reiht sich die sächsische
Küche in die Kategorie „sächsische Gemütlichkeit“. Die Sachsen lie-
ben darum ihr Schälchen „Heeßen“ (heißen Kaffee), dazu die tra-
ditionell guten vielzähligen Kuchen. Das Weihnachtsgebäck Stollen
ist sehr beliebt und als „Dresdner Christstollen
®
“ weltberühmt,
ebenso wie auch die würzigen Pulsnitzer Pfefferkuchen.
Eine weitere Dresdner Spezialität ist die Dresdner Eierschecke, in
Leipzig liebt man „Lerchen“, ein Marzipangebäck.
Kunst und Kultur
91
Der Fasskeller im
berühmten Auerbachs
Keller in Leipzig

image
 
NATUR
UND
FREIZEIT

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Natur und Umwelt in Sachsen
Vegetation und Fauna
Die ursprüngliche Vegetation ist im Laufe der Besiedlung von den
Menschen weitgehend beseitigt worden. Der „Miriquidi“, der ur-
sprüngliche Dunkelwald der Slawen im Erzgebirge, ist nur noch in ei-
nigen Naturschutzgebieten annähernd erhalten. An wenigen Stellen fin-
det man einen naturnahen, artenreichen Laubwald, vor allem in den
Hang- und Auenbereichen der Tieflandflüsse. Flachland und Hügel-
land haben nur noch geringe Waldanteile. Die größten zusammenhän-
genden Wälder sind in den Mittelgebirgen und in der Lausitz zu finden,
häufig geprägt von Fichten und Kiefern, die bedingt durch die einstigen
Verhältnisse gepflanzt werden mussten. Erkennbar sind aber auch die ers-
ten Erfolge des Waldumbaus zu Laubmischwäldern mit Tanne. Weite
Teile des Landes sind urban oder landwirtschaftlich genutzte Kul-
turräume. An wenigen Stellen kann sich die Tierwelt weitgehend natür-
lich entwickeln, z. B. im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und
Teichlandschaft. Seit 1998 gibt es wieder Wölfe in Sachsen, sie leben in
der Oberlausitz an der polnischen Grenze. Auch der Luchs, die größte
heimische Wildkatze, schleicht durch Sachsens Wälder; vor allem in der
sächsischen Schweiz kann man mit viel Glück seine Spuren entdecken.
Das Wiederansiedlungsprogramm für den Elbelachs verzeichnet die
ersten Rückkehrer dieser ehemals in Sachsen ausgestorbenen Fischart.
Schutzgebiete
Zahlreiche Schutzgebiete dienen der Erhaltung der natürlichen Le-
bensräume von Pflanzen und Tieren in Sachsen. Der Nationalpark
Sächsische Schweiz (93,5 km
2
), das Biosphärenreservat Oberlausitzer
Heide- und Teichlandschaft (300 km
2
) und die Naturparks „Dübener
Heide“ und „Erzgebirge/Vogtland“ (zus. 1855 km
2
) unterliegen be-
sonders strengen Anforderungen für eine Nutzung durch den Men-
schen. Weiterhin sind 173 Landschaftsschutzgebiete mit einer Aus-
dehnung von ca. 5 322 km
2
und 214 Naturschutzgebiete mit einer Aus-
dehnung von ca. 490 km
2
ausgewiesen.
Gewässerschutz
Die sächsischen Flüsse und Bäche sind seit der Wende spürbar sauberer
geworden. Alle drei Jahre werden die Gewässergütekarten aktualisiert.
Dafür werden Ergebnisse von 625 Messstellen auf über 4000 km Was-
serstrecken berücksichtigt, welche die Wasserbeschaffenheit messen.
Gegenwärtig befinden sich mehr als zwei Drittel der klassifizierten Ge-
wässerstrecke in der Güteklasse II oder besser. Im Jahr 1997 erreichte
Natur und Freizeit
93
Die Mischwaldkultur
kommt dem ursprüng-
lichen Dunkelwald zur
Zeit der Slawen nahe

image
Gute Luft am
Schneckenstein
im Erzgebirge
erst knapp die Hälfte der Fließgewässerstrecke (45,7 %) die Güteklas-
se II (mäßig belastet) oder besser, während 1994 noch etwas weniger als
ein Drittel (31,7 %) diese Bewertung erhalten konnte. Nur im Teilein-
zugsgebiet von Vereinigter Mulde und Weißer Elster finden sich noch
kleine Gewässerabschnitte (< 1 %) mit Güteklasse IV (übermäßig ver-
schmutzt). Nach nur zehn Jahren ist damit das Grundsatzziel, Fließge-
wässer mit einer Beschaffenheit schlechter als Güteklasse II schritt-
weise zu sanieren, größtenteils erreicht. In den meisten Gewässern
nahm aufgrunddessen auch die Artenvielfalt deutlich zu.
Bereits seit 1997 haben die großen sächsischen Flüsse (Lausitzer Neiße,
Spree, Schwarze Elster, Elbe, Mulden, Weiße Elster) die schlechtesten
Güteklassen (sehr stark und übermäßig verschmutzt) überwunden. Be-
sonders positiv entwickelte sich die Elbe. In ihrem sächsischen Ab-
schnitt weist sie erstmalig wieder durchgehend die Güteklasse II auf.
Luftqualität
Die Luftqualität in Sachsen hat sich seit Mitte der neunziger Jahre
insgesamt verbessert. So sank die Belastung durch Schwefeldioxid
von 1995 bis 2003 im Erzgebirge um ca. 83 %, in den vier Großstädten
sogar um 87 %. Geringer war allerdings der Rückgang bei den Stick-
stoffoxiden, die vor allem im Straßenverkehr entstehen (in den Groß-
städten nur um ca. 10 %). An einigen verkehrsbelasteten Messstationen
in Ballungsgebieten wird der Grenzwert für Feinstaub, der ab 1.1.05
gilt, überschritten.
Die energiebedingten Kohlendioxid-Emissionen sind in Sachsen von
91,5 Mio. Tonnen im Jahr 1990 auf 48,8 Mio. Tonnen im Jahr 2001
zurückgegangen. Das entspricht einer Verringerung um 47 %. Um ca.
24,3 Mio. Tonnen wurden die Emissionen im Bereich der Energieer-
zeugung/Energieumwandlung reduziert. So wurden durch die Erneue-
rung der Braunkohlekraftwerke die Kohlendioxid-Emissionen je Kilo-
wattstunde Braunkohlestrom um 20 % gesenkt. Der Ausstoß von
Schwefeldioxid bei der Braunkohleverstromung ging um 98 % und der
von Stickoxid um 76,1 % zurück, die Staubemissionen reduzierten
sich sogar um 99,6 %.
Waldzustand
Der Waldzustandsbericht 2004 weist im Landesdurchschnitt 17 % der
Waldfläche als deutlich und 49 % als leicht geschädigt aus. Dabei ist die
Eiche die am stärksten betroffene Baumart Sachsens mit einem Anteil
von 53 %, gefolgt von der Buche mit 50 % und Fichte mit 14 %. Die
Kiefer ist gegenüber den genannten Baumarten am geringsten betroffen.
34 % der sächsischen Waldfläche sind ohne erkennbare Schäden.
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Natur und Freizeit

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Bodenzustand
Die Landesfläche Sachsens lässt sich in Anlehnung an die naturräumli-
che Gliederung in sechs Bodenregionen unterteilen, die nach geologi-
schen, morphologischen und klimatischen Kriterien abgegrenzt werden.
Der Zustand der Böden hängt außer von den naturgegebenen Bedin-
gungen vor allem von ihrer Nutzung ab. Die sandigen, von Natur aus
zumeist sauren Böden der Altmoränenlandschaften neigen zur Aus-
trocknung und sind für landwirtschaftliche Zwecke nur bedingt ge-
eignet. Die ertragreichen Böden der Lößlandschaften sind sehr anfällig
gegenüber Wassererosion und bedürfen besonderer Vorsorgemaßnah-
men. In den Bergbauregionen und Flussgebieten Sachsens sind die
Böden vielfach durch den historischen Bergbau, die Erzverhüttung
und den Deichbau geprägt. Im Erzgebirge ist es erforderlich, der durch
luftgetragene Säureeinträge verstärkten Bodenversauerung durch die
Kombination verschiedener Maßnahmen zu begegnen.
Bodenschutzziele sind die sparsame Inanspruchnahme der Böden, der
Schutz natürlicher Bodenfunktionen und die Erhaltung der Leistungs-
fähigkeit der Böden sowie die Rekultivierung bzw. Renaturierung be-
anspruchter Böden.
Renaturierung
Der Jahrhunderte dauernde Bergbau, vor allem aber der Tagebau, hat in
sächsischen Landschaften seine Spuren hinterlassen. Für die Sanie-
rung der Braunkohlefördergebiete wurden vom Freistaat von 1990 bis
2002 insgesamt 2,5 Mrd. Euro aufgewendet, davon 198 Mio. allein im
Jahr 2002. Tätigkeitsschwerpunkte liegen heute darin, die ehemaligen
Tagebauflächen wieder nutzbar zu machen, nachdem in den vergange-
nen Jahren die Abraummassen verdichtet, Großgeräte demontiert und
verschrottet sowie Anlagen und Gebäude abgebrochen wurden. Im
Südraum Leipzig entstand auf diese Weise beispielsweise der Cospu-
dener See, in der Oberlausitz unter anderem der Olbersdorfer See.
Für die Sanierung des Uranerzbergbaus wurden seit Beginn der Arbeiten
rund 4 Mrd. Euro ausgegeben. Unter anderem in den beiden Sanie-
rungsbereichen Schlema/Alberoda und Königstein werden die Uran-
bergwerke geflutet, die Schächte und oberflächennahen Grubenbauten
verwahrt und alte Betriebsanlagen abgebrochen. Ehemalige Betriebs-
flächen werden so wieder nutzbar gemacht.
Als weitere Problembereiche gelten Gefahrenstellen des Altbergbaus.
Für die Sicherung bzw. Sanierung dieser Gefahrenstellen wurden 2002
rund 8,7 Mio. Euro verwendet, an insgesamt 143 Gefahrenstellen wur-
den Sicherungs- und Sanierungsarbeiten durchgeführt.
Bagger als technisches
Denkmal im
Renaturierungsgebiet
„Berzdorfer See“
bei Görlitz
Natur und Freizeit
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Die „Kulturinsel
Einsiedel“ in
Niederschlesien
Saurierpark Kleinwelka
Abfallaufkommen
Das Restabfallaufkommen von Haushalten und Kleingewerbe verrin-
gerte sich im Zeitraum 1993 – 2003 in Sachsen um 63 %, während die
Menge an gesammelten Altstoffen (Papier, Glas und Leichtver-
packungen) um 42 % zunahm. Acht kommunale Abfallzweckverbände,
die kreisfreie Stadt Hoyerswerda sowie der Landkreis Delitzsch be-
treiben die fachgerechte Abfallentsorgung.
Gäste sind in Sachsen willkommen
Tourismus
Das gestiegene Angebot an Freizeitattraktivitäten sowie die Entwicklung
spezifischer touristischer Angebote für ausgewählte Gästekreise (Fami-
lienurlaub, Aktivurlaub) wird von Touristen gern angenommen. Zur in-
tensiveren Vermarktung Sachsens im In- und Ausland wurde 1999 die
Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH gegründet.
Im Jahr 2003 gab es rund 14,2 Mio. Übernachtungen (bei ca. 5,1 Mio.
Ankünften) in den 2 144 sächsischen Beherbergungsstätten mit 111 535
verfügbaren Betten. Im Jahresdurchschnitt ergab sich damit eine Bet-
tenauslastung von 36,5 %. Im Beherbergungs- und Gaststättengewerbe
des Freistaats arbeiteten zum Stichtag 30.6.2003 rund 39000 sozial-
versicherungspflichtig Beschäftigte, davon 67 % Frauen.
Freizeitangebote
Sachsen ist ein attraktives Land für Freizeit und Tourismus. Mehr als
15 000 km Wanderwege wurden in den vergangenen Jahren ausgebes-
sert und neu beschildert. Ein großes Radwegenetz (darunter der Elbe-
radweg und der Muldentalradwanderweg), ein Reitwegenetz und vie-
le Kilometer Wasserwege stehen den Bewegungshungrigen zur Verfü-
gung. Ob Klettern, Wandern, Wildwasser- oder Schlauchbootfahren,
Reiten, Mountainbiking oder Radeln, Sommerrodeln und im Winter Ski-
langlauf, Abfahrt, Winterwandern und Rodeln sind nur ein Teil der
Bewegungsmöglichkeiten im Freistaat.
Daneben locken zahlreiche Vergnügungs- und Erlebnisparks wie die
Kulturinsel Einsiedel, der Vergnügungspark Belantis bei Leipzig, der
Saurierpark mit Labyrinth in Kleinwelka, der Märchen- und Erleb-
nispark in Plohn bei Lengenfeld im Vogtland sowie der Miniaturpark
„Klein-Erzgebirge“ in Oederan.
Exotische und heimische Tierarten kann man in den zahlreichen
Zoos und Wildgehegen wie in Leipzig, Dresden, Görlitz oder Chemnitz
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Natur und Freizeit

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beobachten, farbenfrohe Schmetterlinge leben im Schmetterlingshaus
in Jonsdorf im Zittauer Gebirge.
Vital- und Wellnessurlauber können in Sachsen u. a. Moorheilbäder neh-
men oder eine der zahlreichen Heilquellen genießen. Im „Bäderwinkel“
des Vogtlandes mit den Sächsischen Staatsbädern Bad Brambach (mit
dem weltweit stärksten Radonbad) und Bad Elster hat die Anwendung
der heilsamen Wasser eine lange Tradition. In 15 staatlich anerkannten
Kurorten und 112 staatlich anerkannten Erholungsorten kann man Ru-
he und Entspannung finden.
Erholungsgebiete
Das Erzgebirge lockt besonders zur Weihnachtszeit Touristen in die
Zentren der Spielzeugherstellung und Volkskunst. Die Schnitz- und
Drechselkunst, aber auch die Klöppelei verschaffte der Region um
Seiffen den weltweiten Ruf als Hochburg des Kunsthandwerkes. Die
Region bietet im Winter annähernd schneesichere Wintersportmög-
lichkeiten, im Sommer ausgedehnte Wanderwege durch Berge, Felder
und Wälder.
Das benachbarte Vogtland ist besonders durch seine Spitzenherstellung
um Plauen und den Instrumentenbau im „Musikwinkel“ bekannt. Tou-
ristische Attraktionen dieses Gebietes sind die vielfältigen Winter-
sportmöglichkeiten, die sächsischen Staatsbäder, die Talsperren sowie
die Göltzschtalbrücke, die größte Ziegelbrücke der Welt.
Das Sächsische Elbland mit dem nördlichsten Weinbaugebiet Deutsch-
lands bei Dresden besitzt neben dem hochgeschätzten Rebensaft auch ei-
ne abwechslungsreiche, hügelige Landschaft. Kulturell bietet das Gebiet
eine große Vielfalt an Museen, Schlössern und historischen Bauten.
Das Tal der Burgen lockt mit behaglichen Orten und naturbelasse-
nen Gegenden, den Erlebnisbädern und dem urbanen Zentrum Leip-
zig besonders Wanderer, sportbegeisterte Familien und Kulturin-
teressierte an.
An kulturlandschaftlichen und regionalen Besonderheiten der Ober-
lausitz/Niederschlesien sind die Vielzahl gepflegter Umgebindehäuser,
die Töpferei, Damastweberei und der Blaudruck hervorzuheben. Die
Seen mit schön gelegenen Wald- und Naturbädern sind ein Marken-
zeichen dieses Feriengebietes.
Der Nationalpark Sächsische Schweiz – Sachsens bekanntestes Frem-
denverkehrsgebiet – ist eine durch den Lauf der Elbe geteilte Sandstein-
Gebirgsregion. In dieser einzigartigen Landschaft – die Grenzen nach
Böhmen überschreitend – finden Wanderer, Bergsteiger und Kletterer
hervorragende Möglichkeiten aktiver Erholung.
Seiffen, Zentrum
der erzgebirgischen
Schnitzkunst
Göltzschtalbrücke im
Vogtland, die größte
Ziegelbrücke der Welt
Natur und Freizeit
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Adressen
Die sächsische Staatskanzlei
und die sächsischen Staatsministerien
Sächsische Staatskanzlei
Vertretung des Freistaates Sachsen
beim Bund
Vertretung des Freistaates Sachsen bei
der Europäischen Union
Sachsen-Verbindungsbüro Brüssel
Sächsisches Staatsministerium
des Innern
Sächsisches Staatsministerium
der Justiz
Sächsisches Staatsministerium
der Finanzen
Sächsisches Staatsministerium
für Kultus
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Sächsisches Staatsministerium
für Wirtschaft und Arbeit
Sächsisches Staatsministerium
für Soziales
Archivstraße 1, 01097 Dresden
Telefon 0351/564-0, Fax 0351/564-1199
Brüderstraße 11/12, 10178 Berlin
Telefon 030/20606-0, Fax 030/20606-555
Av. d’Auderghem 67
B-1040 Bruxelles
Telefon +32 2 235.87.21, Fax: +32 2 235.87.22
Wilhelm-Buck-Straße 2, 01097 Dresden
Telefon 0351/564-0, Fax 0351/564-3199
www.smi.sachsen.de
Hospitalstraße 7, 01097 Dresden
Telefon 0351/564-0, Fax 0351/564-1599
www.justiz.sachsen.de
Carolaplatz 1, 01097 Dresden
Telefon 0351/564-0, Fax 0351/564-4029
www.smf.sachsen.de
Carolaplatz 1, 01097 Dresden
Telefon 0351/564-0, Fax 0351/564-2887
www.sachsen-macht-schule.de
Wigardstraße 17, 01097 Dresden
Telefon 0351/564-0, Fax 0351/564-6406000
www.smwk.sachsen.de
Wilhelm-Buck-Str. 2, 01097 Dresden
Telefon 0351/564-0, Fax 0351/564-8189
www.smwa.sachsen.de
Albertstr. 10, 01097 Dresden
Telefon 0351/564-0, Fax 0351/564-5850
www.sms.sachsen.de

Adressen
99
Sächsisches Staatsministerium
für Umwelt und Landwirtschaft
Archivstraße 1, 01097 Dresden
Telefon 0351/564-0, Fax 0351/564-2209
www.smul.sachsen.de
Regierungspräsidium Dresden
Regierungspräsidium Leipzig
Regierungspräsidium Chemnitz
Stauffenbergallee 2, 01099 Dresden
Telefon 0351/825-0, Fax 0351/825-9999
www.rp-dresden.de
Braustraße 2, 04107 Leipzig
Telefon 0341/977-0, Fax 0341/9771199
www.rpl.sachsen.de
Altchemnitzer Str. 41, 09120 Chemnitz
Telefon 0371/532-0, Fax 0371/532-1929
www.rpc.sachsen.de
Regierungspräsidien
Statistisches Landesamt Kamenz
Macherstraße 63, 01917 Kamenz
Telefon 03578/33-0, Fax 03578/33-1921
www.statistik.sachsen.de
Sachsen in Zahlen
Der Freistaat Sachsen
Presseinformationen
der Staatsregierung
Newsletter der Staatsregierung
Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH
Tourismus Marketing Gesellschaft
Sachsen mbH
www.sachsen.de
www.medienservice.sachsen.de
www.newsletter.sachsen.de
www.wfs.sachsen.de
www.sachsen-tourismus.de
Sachsen im Internet

100
Bildquellen
ABB Utilities GmbH – 59
Auerbachs Keller Leipzig – 91
August Horch Museum Zwickau – 88
Bonß, Ronald – 35
Staatsbetrieb Staatliche Burgen, Schlösser und
Gärten Sachsen – 15, 81
Butz, Cornelie – 37
Cloyes Europe GmbH – 44
Dahl, Ulf – 83
Deutsches Damast- und Frottiermuseum – 88
Dresdner Verkehrsbetriebe AG – 54
Dresden Werbung und Tourismus GmbH –
12, 13, 29, 81, 92
Dittrich, Sylvio – 7, 82
Döring, Sven – 21
Erick van Egeraat, Rotterdam – 68
Flughafen Dresden GmbH, Weimer – 57
Fuhrmann, Alexander – 38
Gedenkstätte Bautzen – 89
Grafik-Studio – 82, 85, 95, 96
Hanke, Gabriele – 6, 11, 31, 52, 82, 86, 87,
94, 97
Hertel, Mirko – 65
Kamusella, Alfred – 40
KL-photography – 56
Landeshauptstadt Dresden – 46
Lene-Voigt-Gesellschaft – 90
L&P – 21, 23, 32, 37, 49, 50, 64
Mädler-Passage Leipzig – 46
Max-Planck-Institut (MPI-CBG) Dresden – 72
mdr / Hopf – 62
Leipziger Messe GmbH – 48
Müller-Naumann, Stefan – 67
Nomos, Glashütte – 47
Oesen, Jörg – 11, 41, 42, 60, 70, 74, 76,
77, 79
PUNCTUM Fotografie – 55
Porzellan-Manufaktur Meissen – 45
Röhlig, Steffen, Dr. – 4
SBO GmbH – 58
Sächsische Staatskanzlei – 2, 10, 17, 27, 29,
35, 75, 78
Shell Solar GmbH – 59
Siltronic AG – 43
Stadt Leipzig, Wirtschaftsförderung – 84
Stadt Leipzig, Stadtarchiv – 14
Stadt Leipzig, Universitätsarchiv – 68
Stadtverwaltung Zwickau, Hochbauamt – 68