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Staatskanzlei
Freistaat
Sachsen

Grußwort .............................................................................................................................2
Land und Leute
Reizvolles Sachsen:
Landschaften/Flüsse und Seen/Klima ...............................................................
5
Die Sachsen – ein eigenes Völkchen:
Räumliche Verteilung/Bevölkerungsstruktur/Religion ..............
7
Die Sorben – viel mehr als Folklore ................................................................................ 13
Gestern und Heute
Sachsen macht Geschichte:
Von der Frühzeit bis zur Neuzeit .........................................................
15
Tabellarischer Überblick ....................................................................................................19
Verfassung und Gesetzgebung
Sachsen in guter Verfassung:
Sachsen als Freistaat/Verfassung/Wappen/Flagge/Hymne .............
23
Sachsens starke Kräfte:
Landtag/Parteien/Verbände/Bürgerschaftliches Engagement ...................
25
Verwaltung und Politik
Sachsen mit schlanker Verwaltung:
Ministerpräsident, Ministerien/Landesverwaltung/
Haushalt/Kommunen/E-Government/Gesetzesvereinfachung ..............................................................
31
Sachsen in Europa und der Welt:
Föderalismus/Europa/Internationale Beziehungen ....................
37
Recht und Sicherheit
Die Judikative – Die dritte Kraft in Sachsen:
Justizaufbau/Justizbedienstete ...........................
41
Für ein sicheres Sachsen:
Polizei/Kriminalität/Justizvollzug .............................................................
42
Sachsen sind gut geschützt:
Rettungswesen/Die Flut 2002/Hochwasserschutz ............................
43
Wirtschaft und Arbeit
Sachsen mit aller Kraft voraus:
Wirtschaftsstruktur/Außenhandel/Messen/
Wirtschaftsförderung/Arbeitsmarkt/Einkommen und Preise ..................................................................
47
Leben durch Sachsens Natur:
Land- und Forstwirtschaft/Tierhaltung/Weinbau/Bergbau ..............
54
Infrastruktur und Kommunikation
Sachsen in Bewegung:
Verkehrswegenetze ....................................................................................
59
Sachsens Städte ..................................................................................................................62
Sachsen mit Energie:
Energiewirtschaft/Energiebörse/Trinkwasser/Abwasser .................................
63
Sachsen mit eigener Meinung:
Presse/Rundfunk/privater Rundfunk .............................................
66
Sachsens Verbindungen in die Welt:
Telefon und Neue Medien ...................................................
69
Bildung und Forschung
Sachsen bildet sich:
Bildung/Hochschulen und Berufsakademien/Büchereien, Archive ...................
71
Sachsen denkt weiter:
Erfindungen/Forschung und Entwicklung/Technologietransfer .....................
76
Soziales und Sport
Wir Sachsen kümmern uns:
Weltoffenes Sachsen/Gesundheitswesen/Familien/
Behinderte/Sozialhilfe/Senioren ............................................................................................................
81
Sportliches Sachsen
.......................................................................................................................
86
Kunst und Kultur
Kultur erleben:
Burgen, Schlösser und Gärten/Architektur/bildende Kunst/Musik und
darstellende Kunst/Volkskunst/Feste und Festivals/Kulturförderung .....................................................
89
Sachsen bewahrt Erinnerungen:
Museen/Gedenkstätten .............................................................
96
Typisch Sächsisches:
Mundart/Sächsische Küche ..........................................................................
98
Natur und Freizeit
Natur und Umwelt in Sachsen:
Vegetation/Schutzgebiete/Umweltschutz ..................................
101
Gäste sind in Sachsen willkommen:
Tourismus/Freizeit/Erholung ..............................................
104

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2
Grußwort
Woran denken Sie, wenn vom Freistaat
Sachsen die Rede ist? Sicherlich an die
Elbe und das Erzgebirge, die Frauenkir-
che und den Thomanerchor, an schnelle
Autos und Computerchips, an bedeuten-
de Erfindungen und die friedliche Revo-
lution, mit der die Sachsen den Weg zur
Deutschen Einheit gebahnt haben.
Damit liegen Sie ganz richtig. Land-
schaftliche und architektonische Schön-
heit, wirtschaftliche Kraft, innovatives
Denken, kulturelle Spitzenleistungen
und politischer Mut haben hier seit mehr
als tausend Jahren Tradition. Es ist eine höchst vitale Tradition, die den
Freistaat bis heute zu einer guten Heimat für alle Bürger macht.
Und nicht nur das: Schlösser und Burgen, Museen und Orchester, Opern
und Festivals machen den Freistaat Sachsen zu einem beliebten Reiseziel
für Touristen. Mit den Seenlandschaften um Leipzig und in der Lausitz
kommen neue Attraktionen hinzu: Das Binnenland Sachsen ist und wird
auch Segelrevier.
Investoren schätzen Sachsen, weil es hier findige Ingenieure und geschickte
Facharbeiter gibt, die weltweit gefragte Produkte herstellen. In Dresden
wurde einst die Kaffeefiltertüte erfunden, heute wird dort elektronisches
Papier hergestellt. Zu August des Starken Zeiten gab es erste Experimente
mit Brenngläsern. Heute ist Sachsen ein Land der Photovoltaik und liefert
Innovationen, die Solarzellen immer effizienter machen.
Auch Spitzenforscher aus aller Welt zieht es hierher – an die vielen For-
schungsinstitute, in denen an den Technologien von morgen gearbeitet
wird: an neuartigen Werkstoffen, langlebigen Akkus und neuen Therapien
gegen Krebs oder Alzheimer. Die Wege zur Industrie, die aus Innovationen
neue Produkte macht, sind kurz. Das kulturelle Umfeld in den großen
Städten Dresden, Leipzig und Chemnitz ist lebendig und anregend, die
Bedingungen für Familien sind ideal.
Der Freistaat Sachsen liegt im Herzen Europas. Nach dem Fall der Mauer
sind viele alte Verbindungen zu den Nachbarregionen Niederschlesien und
Böhmen wiederbelebt worden. Diese Euroregion im Dreiländereck von
Deutschland, Polen und Tschechien war einst die wohlhabendste in ganz
Ministerpräsident
Stanislaw Tillich

Grußwort
3
Europa. Wir arbeiten mit vielfältigen grenzüberschreitenden Projekten
daran, dass die Region wieder so prosperiert wie einst.
Sachsen ist ein Bildungsland. Bildung fängt bei uns schon in den Kinder-
gärten an. Unsere Schulen zählen zu den besten in Deutschland. Unsere
Hochschulen qualifizieren jedes Jahr u. a. rund 3000 Ingenieure für das
Berufsleben.
Die harmonische Verbindung von guter Bildung, Fleiß, Erfindungsreich-
tum, Weltoffenheit und einem Sinn für Schönheit beflügelt unser Land.
Nirgendwo in Deutschland wächst die Industrie so rasant wie im Freistaat
Sachsen. Das Wachstum schafft Arbeitsplätze und Optimismus. Wir Sach-
sen können zuversichtlich nach vorn blicken. Gerade der jungen Generation
bieten sich die besten Chancen. Kaum eine Generation vor ihr hatte so gute
Möglichkeiten, das ihr anvertraute historische Erbe zu mehren.
Sachsen ist nicht zuletzt der Freistaat der Freiheit. Die Sachsen haben
1989 mit ihren Demonstrationen in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Plauen
und Zwickau die SED in die Knie gezwungen und die Mauer zum Ein-
sturz gebracht. Dieser mutige Einsatz für Freiheit und Demokratie hat
die Wiedervereinigung erst möglich gemacht – und zugleich das erneute
Aufblühen unseres Landes.
Ich lade Sie ein, unser Land besser kennen zu lernen. Besuchen Sie
uns, denn Sachsen ist mehr als das, was auf den folgenden Seiten Platz
findet. Erleben Sie, wie sich alte Traditionen und frische Ideen zu einer
charmanten Mischung verbinden. Ich bin mir sicher: Sachsen wird auch
Sie inspirieren.
Stanislaw Tillich

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4
Land und Leute
LAND UND
LEUTE

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Land und Leute
5
Reizvolles Sachsen
Lage und Fläche
Sachsen, im Osten der Bundesrepublik Deutschland gelegen, erstreckt
sich von der Leipziger Tiefl andsbucht und der Niederlausitz im Nor-
den über das mittelsächsische Hügelland und Lausitzer Bergland bis
hin zum Kamm des Erzgebirges und den Höhen des Vogtlandes im
Süden. Im Südosten wird Sachsen durch das Elbsandsteingebirge und
das Zittauer Gebirge begrenzt.
Gemeinsame Grenzen hat Sachsen mit den deutschen Bundesländern
Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern sowie auf einer
Länge von 454 km mit der Tschechischen Republik und auf 123 km
mit der Republik Polen.
Die Fläche des Landes beträgt 18 415 km². Der Freistaat ist damit das
viertkleinste Flächenland Deutschlands. Die am höchsten gelegene Stadt
in Sachsen ist der Kurort Oberwiesenthal im Erzgebirge mit 920 m über
NN, der tiefste Punkt in Sachsen ist der Ortsteil Greudnitz der Stadt
Dommitzsch (Landkreis Torgau-Oschatz) mit 73 m über NN.
Die sächsische Landeshauptstadt ist Dresden.
Sachsens Tiefland
Dazu gehört vor allem das nordsächsische Flachland mit Höhen von
etwa 100 m über NN im Norden und einem Anstieg nach Süden auf
etwa 160 m über NN. Diese Landschaft wurde im Laufe der Zeit durch
den Braunkohletagebau teilweise erheblich verändert.
Die Leipziger Tiefl andsbucht reicht wie eine Meeresbucht weit in das
mittelsächsische Hügelland hinein und bietet beste Bedingungen für die
Landwirtschaft. Der östliche Teil des Tieflandes wird vor allem durch
das Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet bestimmt. Nördlich davon
hat gleichfalls der Braunkohlenbergbau die Landschaft geprägt.
Sachsens Hügelland
Das sächsische Hügelland erreicht Höhen zwischen 120 bis etwa
280 m. Es erstreckt sich vom Leipziger Land über das Mulde-
Lößhügelland und das mittelsächsische Lößhügelland bis zum
Westlausitzer Hügel- und Bergland und reicht in der östlichen Ober-
lausitz bis an die Grenze zur Republik Polen.
Die zum Teil mächtige Lößschicht bietet fruchtbare Böden für die
Landwirtschaft, wofür beispielsweise die „Lommatzscher Pfl ege“
weithin bekannt ist.
Restaurierte Görlitzer
Altstadt
Lommatzscher Pflege

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6
Land und Leute
Sachsens Mittelgebirge
Die sächsische Mittelgebirgsschwelle umfasst das Vogtland, das Erz-
gebirge, das Elbsandsteingebirge, das Oberlausitzer Bergland und
das kleinste Mittelgebirge Deutschlands – das Zittauer Gebirge. Die
höchste Erhebung Sachsens ist der 1 215 m hohe Fichtelberg im Erz-
gebirge. Während im Elbsandsteingebirge und im Zittauer Gebirge
Sandstein vorherrscht, werden die Hochfl ächen im Erzgebirge von
markanten Basaltkuppen überragt. Das Erzgebirge war wegen seiner
Bodenschätze ein bedeutendes Bergbaugebiet, vor allem Silbererz
und Zinnerz wurden hier seit dem 12. Jahrhundert abgebaut.
Flüsse und Seen
Sachsen hat insgesamt 15 389 km Fließgewässer. Auf einer Länge von
180 km fl ießt die Elbe, der bedeutendste sächsische Fluss, durch den
Freistaat. Weitere größere Flüsse sind die Vereinigte Mulde mit ihren
beiden Quellfl üssen Freiberger Mulde und Zwickauer Mulde, die Lau-
sitzer Neiße, die Spree und die Weiße Elster.
Die größeren Standgewässer Sachsens sind allesamt künstlich angelegt
worden. Sie entstanden entweder durch Anstau von Flüssen (Tal-
sperren) oder durch Flutung von Tagebaurestlöchern. Derzeit ist die
Talsperre Quitzdorf in Ostsachsen der von der Wasseroberfläche her
größte sächsische See mit 7,5 km². Über den größten Stauraum verfügt
mit 75 Mio. m³ die Talsperre Eibenstock, die mit einer 51,3 m hohen
Staumauer auch das höchste Absperrbauwerk besitzt. Der Bärwalder
See in der Lausitz, ein ehemaliger Braunkohletagebau, wird nach Ab-
schluss der Flutung 2010 mit ca. 13 km² der größte Sachsens sein. Der
ebenfalls in Ostsachsen gelegene Berzdorfer See wird mit 387 Mio. m³
das größte Volumen umfassen.
Winter im Erzgebirge
Fließlänge
der Flüsse in Sachsen
Stand 2003
Daten:
Statistisches Landesamt
Elbe 180 km
Zwickauer Mulde
167 km
Lausitzer Neiße
125 km
Freiberger Mulde
120 km
Weiße Elster
117 km
Spree 111 km
Vereinigte Mulde
83 km

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Land und Leute
7
Durch die Flutung der Tagebaurestlöcher erhalten die über Jahrzehnte
geschundenen Bergbaufolgelandschaften neue Perspektiven, besonders
für die touristische Entwicklung der Regionen.
Klima
Sachsen liegt in der Übergangszone zwischen maritimem westeuro-
päischen und kontinentalem osteuropäischen Klima. Das Klima ist
wesentlich von den jeweils örtlichen geografischen Lagen abhängig. Im
Elbtal zwischen Pirna und Meißen (langjährige Jahresmitteltemperatur
1971–2000 in Dresden-Klotzsche: 9,2°C) gedeiht Wein. Auch die Leipzi-
ger Tieflandsbucht gilt als klimatisch begünstigt. Im Bergland hingegen,
besonders zum Kamm des Erzgebirges hin, überwiegt raue Witterung mit
höheren Niederschlagsmengen (langjähriges Jahresmittel 1971–2000 auf
dem Fichtelberg: 3,2°C). Diese klimatischen Bedingungen garantieren
im Winter nahezu schneesichere Pisten. Das Jahresmittel der Temperatu-
ren 1951 – 1980 lag allerdings in Dresden-Klotzsche noch bei 8,5°C und
auf dem Fichtelberg noch bei 2,8°C.
Von den 15 staatlich anerkannten Kurorten Sachsens sind drei wegen
ihres günstigen Klimas als Luftkurorte eingestuft.
Die Sachsen – ein eigenes Völkchen
Räumliche Verteilung
In Sachsen leben nicht nur „Sachsen“ – vielmehr gibt es hier Vogt-
länder, Sorben, Erzgebirgler, Meißner, Oberlausitzer, Niederschlesier
und andere mehr: Sie pfl egen eigene Traditionen und Mundarten.
Der Freistaat ist mit seinen 4 220 200 Einwohnern und einer Bevöl-
kerungsdichte von 229 Einwohnern je km² das bevölkerungsreichste
und – abgesehen von Berlin – das am dichtesten besiedelte der neuen
Bundesländer. Im bundesdeutschen Vergleich nimmt Sachsen bei Be-
völkerung und Bevölkerungsdichte unter den Flächenländern einen
mittleren Platz ein. Sachsen hat mit dem oberen Elbtal zwischen Pirna
und Meißen, der Stadt Leipzig und dem südwestsächsischen Raum
zwischen Chemnitz und Zwickau drei Verdichtungsräume. Relativ
dünn besiedelt sind hingegen die im nordöstlichen Teil des Landes
gelegene Lausitz, die Region zwischen Grimma, Torgau und Döbeln
oder das Erzgebirge.
Zauberhaftes Wetter
in der Sächsischen
Schweiz

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8
Land und Leute
Fast ein Drittel (30 %) der Bevölkerung des Landes lebte am 31. De-
zember 2007 in den drei Großstädten Dresden (507 513 Einwohner),
Leipzig (510 512) und Chemnitz (244 951). Nur in Dresden und Leip-
zig nahm in den letzten Jahren die Bevölkerung geringfügig zu. In allen
Kreisen und kreisfreien Städten ist hingegen ein kontinuierlicher Be-
völkerungsrückgang zu verzeichnen.
Mehr als zwei Drittel aller sächsischen Gemeinden haben weniger als
5 000 Einwohner.
Bevölkerungsdichte
der Landkreise und
kreisfreien Städte
Stand 31.03.2008
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen

Land und Leute
9
Bevölkerungsstruktur
Die Alterspyramide Sachsens ist – wie in den meisten neuen Bundes-
ländern – sehr unregelmäßig aufgebaut. Sehr tiefe Einschnitte gibt es
bei den heute über 60-Jährigen (2. Weltkrieg), den 35-Jährigen („Pil-
lenknick“) und den 0- bis 15-Jährigen („Wendeknick“). Der Aderlass
des 2. Weltkrieges wäre noch größer gewesen, hätten sich nicht 997 798
Vertriebene aus Schlesien, Pommern und dem Sudetenland in Sachsen
angesiedelt. Dies entsprach im Jahr 1949 einem Anteil von 17,2 % der
Bevölkerung (Quelle: Bundesarchiv).
2006 war knapp die Hälfte der erwachsenen Sachsen (45,7 %) ver-
heiratet, mehr als ein Drittel (38,7 %) ledig, der verbleibende Teil
verwitwet (8,3 %) oder geschieden (7,3 %).
In Sachsen leben im Vergleich zu anderen Bundesländern wenige Aus-
länder, der Anteil betrug im Jahr 2007 nur knapp 3 %. Die größte Gruppe
ausländischer Menschen stellen mit knapp 11 % die Vietnamesen.
Bevölkerung gesamt
4 220 200
davon Frauen
2 159 396
davon Männer
2 060 804
davon Ausländer
117 449
davon unter 18 Jahren
13,0 %
davon zwischen 18 und unter 65 Jahren
63,4 %
davon 65 Jahre und älter
23,6 %
davon Mädchen
16 434
davon Jungen
17 424
Zuzüge 2004
61 299
Fortzüge 2004
72 446
Geburten 2007 gesamt
33 858
Sterbefälle 2004 gesamt
49 069
Ausgewählte
Bevölkerungsdaten
Stand 2007
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen

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10
Land und Leute
Bevölkerungsstruktur
des Freistaates
Sachsen 1990, 2007
und 2020
1)
nach Alter und
Geschlecht
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
1990
2006
2020
50
40
30
20
10
0
0
10
20
30
40
50
männlich
weiblich
Tausend Personen
1) ² Regionalisierte Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen
bis 2020, Variante 3
Alter in Jahren
100
95
90
85
80
75
70
65
60
55
50
45
40
35
30
25
20
15
10
5
0

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Land und Leute
11
Demografischer Wandel
Die Bevölkerungsentwicklung ist in Sachsen, wie auch in Deutschland
insgesamt und in vielen industrialisierten Ländern, rückläufi g. Leb-
ten am 1. Januar 1990 noch rund 4,91 Mio. Menschen im Freistaat,
waren es Ende 2007 nur noch rund 4,22 Mio. Einwohner. Dieser Be-
völkerungsrückgang von 13 % resultiert zu etwa drei Fünfteln aus der
geringen Geburtenrate. Hinzu kamen Wanderungsverluste, insbesonde-
re durch Fortzüge in die alten Bundesländer. Bis zum Jahr 2020 wird in
der 4. Regionalisierten Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sach-
sen ein weiterer Rückgang auf 3,87 Mio. Einwohner prognostiziert.
Dieser Rückgang geht mit einem Alterungsprozess einher. Schon jetzt
weist Sachsen mit 45,4 Jahren den zweithöchsten Altersdurchschnitt
aller Bundesländer auf. Dieser wird bis 2020 auf rund 49 Jahre steigen.
Dann wird jeder dritte Sachse über 65 Jahre alt sein.
Die Lebenserwartung wird in Sachsen von 2007 bis 2020 bei den
Frauen von 82,5 auf 84,6 Jahre und bei den Männern von 76,4 auf
79,6 Jahre ansteigen. Sie übersteigt schon heute bei den Frauen, bis
2020 auch bei den Männern, das durchschnittliche Niveau aller Bun-
desländer. Der Abstand zwischen der Lebenserwartung von Männern
und Frauen wird sich weiter verringern.
Die Auswirkungen des demografi schen Wandels werden in fast allen
Lebensbereichen spürbar sein. Für den Freistaat stellt sich vor allem
das Problem, angesichts sinkender Einnahmen von ca. 25 % bis zum
Jahr 2020, für die Bürger trotzdem eine angemessene Infrastruktur
bereitzustellen. Zur Schaffung neuer effi zienter Strukturen bereitet
die Sächsische Staatsregierung unter Mitwirkung von Experten aus
Wissenschaft und Wirtschaft Strategien zur Bewältigung des de-
mografi schen Wandels vor. Als erster wichtiger Schritt konnte zum
1. August 2008 eine umfassende Verwaltungsreform umgesetzt wer-
den, die für mehr Effi zienz sorgen wird. In zwei unterschiedlichen
Regionen (Westerzgebirge und Oberlausitz-Niederschlesien) wurden
Modellvorhaben initiiert, in denen Strategien zur aktiven Bewälti-
gung des demografi schen Wandels entwickelt werden. Des Weiteren
werden lokale Kommunikationsprozesse und Projekte über das Lan-
desprogramm „Demografi e“ gefördert
(www.sab.de/Infrastrukturen).
Sächsischer
Familientag am
17. Juni 2006 in Görlitz

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12
Land und Leute
Religion
Etwa ein Viertel der sächsischen Bevölkerung (24,8%) gehört einer der
beiden großen christlichen Kirchen an, dabei dominiert im Mutterland
der Reformation die protestantische Konfession. In den evangelischen
Kirchen in Sachsen waren Ende 2006 ca. 21,2 % der Bevölkerung ein-
gebunden. Neben der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens
liegen Teile der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische
Oberlausitz und der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM)
Kirchenamt Magdeburg in Sachsen.
Der Katholischen Kirche gehörten 2006 in Sachsen 3,6 % der Bevölke-
rung an. Sie gliedert sich in die über die Landesgrenzen hinausreichenden
Bistümer Dresden-Meißen, Görlitz und Magdeburg. Außerdem gibt es in
Sachsen drei schnell wachsende Jüdische Gemeinden mit 2 580 Mitglie-
dern. Daneben existieren noch mehrere Freikirchen und andere religiöse
Gemeinschaften.
Kirchenglieder
der Evangelischen und
Katholischen Kirche
Stand 31.12.2004
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
Evangelische Kirchen
899 207
davon Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens
823 487
davon Evangelische Kirche Berlin Brandenburg-schlesische
Oberlausitz, sächsischer Teil
45 857
davon Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen,
sächsischer Teil
28 175
Katholische Kirche
153 948
davon Bistum Dresden-Meißen, sächsischer Teil
133 595
davon Bistum Görlitz, sächsischer Teil
14 375
davon Bistum Magdeburg, sächsischer Teil
5 978
davon Evangelische Kirche Thüringen,
sächsischer Teil
1 688
Die neue Synagoge
in Chemnitz

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Land und Leute
13
Traditionelle Osterreiter
in der Lausitz
Die Sorben – viel mehr als Folklore
Sowohl in Sachsen als auch im benachbarten Brandenburg liegt die
Heimat einer nationalen Minderheit, der Sorben, einem westslawischen
Volk. Besucher der Lausitz merken dies zuerst an den zweisprachig
gehaltenen Beschriftungen z. B. auf Wegweisern, Ortsschildern und
den Firmierungen über den Geschäften.
Ab und zu begegnet man noch Menschen in Tracht, und beson-
ders um die Osterzeit kann man die hiesigen Feste und Bräuche
hautnah erleben, so beim Osterreiten in vielen Gemeinden oder in
Form von wunderschön verzierten Ostereiern. Etwa zwei Drittel der
ca. 60 000 Sorben leben in der ostsächsischen Oberlausitz mit dem
kulturellen Zentrum Bautzen, wo ihre Kultur entsprechend der Lan-
desverfassung unter dem ausdrücklichen Schutz des Staates steht. Das
kirchliche Leben hat für das sorbische Volk eine zentrale Bedeutung,
wobei je nach Region die katholische oder evangelische Konfession
dominiert.
Die Domowina mit Sitz im Haus der Sorben in Bautzen ist die Dach-
organisation sorbischer Vereine und Verbände. Die sorbische Sprache
ist wichtigstes Merkmal sorbischer Identität. Sie wird in Teilen des
Siedlungsgebietes der Sorben im täglichen Leben und in den Familien
gesprochen. Insbesondere in sorbischen Kindergärten, Schulen und an-
deren sorbischen Einrichtungen sowie Vereinen werden die sorbische
Sprache, Kunst und Kultur gepflegt.

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14
Gestern und Heute
GESTERN
UND
HEUTE
2008

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Gestern und Heute
15
Ausschnitt aus
dem Fürstenzug am
Dresdner Stallhof
Sachsen macht Geschichte
Geschichtliche Entwicklung bis zum Jahr 929
Zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert n. Chr. wandern die auf dem Gebiet
des heutigen Freistaates Sachsen sesshaften germanischen Stämme aus.
Ungefähr seit dem Jahr 600 wird das Land von den slawischen Sorben
aus dem Gebiet des heutigen Polen bzw. Tschechien besiedelt.
Markgrafschaft Meißen 929–1423
Nach der Unterwerfung des sorbischen Stammes der Daleminzer gründet
der deutsche König Heinrich I. im Jahr 929 die Mark Meißen. Zur Chris-
tianisierung der heidnischen Bevölkerung entstehen 968 die Bistümer
Merseburg, Zeitz und Meißen. Im Jahr 1089 erhalten die Wettiner die
Markgrafschaft als Lehen. Die deutsche adlige und geistliche Oberschicht
im Land wird im Zuge der Ostausdehnung durch zuwandernde Bauern
und Bürger verstärkt.
Unter Markgraf Otto dem Reichen (1156–1190) kommt es zu einer ersten
wirtschaftlichen Blüte. Durch Rodungen entstehen viele neue Dörfer,
vorwiegend charakteristische Waldhufendörfer, die sich entlang der
Straße erstrecken, mit schmalen Streifen Ackerland hinter den Gehöften,
begrenzt durch Baum- und Heckenreihen. Im Erzgebirge kommt der
Bergbau auf, wo zunächst kleinere Mengen Zinn, Kupfer und Eisenerz
gefunden werden. Ein großer Silbererzfund in Freiberg löst 1268 das
„Erste Berggeschrey“ aus, vergleichbar dem Goldrausch in Amerika im
19. Jahrhundert. Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts werden zahlreiche
Städte gegründet.
Der Wettiner Heinrich der Erlauchte (1221–1288) erwirbt das Pleißen-
land, die Landgrafschaft Thüringen sowie die Niederlausitz und gründet
die Mark Landsberg als neues Fürstentum. Nach dem Verlust der Mark
Meißen an die Könige Adolf von Nassau und Albrecht von Österreich
gewinnt Markgraf Friedrich der Freidige dieselbe in der Schlacht von
Lucka (1307) zurück. Damit legte er den Grundstein für den erneuten
Aufstieg der Wettiner. Seinen Nachfolgern gelingen wichtige Erwer-
bungen u. a. im Pleißenland, im Vogtland und in Thüringen. 1382 wird
der wettinische Besitz zwischen Meißen, Osterland und Thüringen ge-
teilt. Allerdings stirbt 1407 die Meißner und 1440 die Thüringer Linie
aus, so dass die wettinischen Lande wieder vereinigt werden können.
Im Jahr 1409 erhalten die aus Prag ausgewanderten deutschen Magister
und Studenten in Leipzig eine neue Universität.

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16
Gestern und Heute
Urkunde des
Leipziger Messeprivilegs
von 1497
Emil Eugen Sachse:
Kurfürst Moritz von
Sachsen,
Kupferstich-Kabinett
Dresden
Kurfürstentum Sachsen 1423–1485
Als Dank für den Kampf gegen die Hussiten belehnt Kaiser Sigismund
Markgraf Friedrich den Streitbaren 1423 mit dem erledigten
2)
Herzog-
tum Sachsen-Wittenberg. Die Wettiner erlangen damit die Kurwürde,
gleichzeitig geht der Name „Sachsen“ auf die wettinischen Lande über.
1464 wird Dresden Residenz des Kurfürsten.
Albertinisches Herzogtum Sachsen 1485–1547
Durch die Leipziger Teilung von 1485 zwischen den Brüdern Ernst (Be-
gründer der Ernestinischen Linie) und Albrecht dem Beherzten (Begründer
der Albertinischen Linie) wird der wettinische Besitz dauerhaft geteilt.
Ernst erhält das mittlere und südliche Thüringen, das Vogtland, den größten
Teil des Osterlandes sowie das Herzogtum Sachsen-Wittenberg mit der Kur-
würde und Torgau bzw. Wittenberg als Residenz; Albrechts Gebiet umfasst
die alte Mark Meißen, das östliche Pleißenland, das Leipziger Land und das
nördliche Thüringen mit Dresden als Regierungssitz. Im Unterschied zum
Ernestiner Friedrich dem Weisen, der Luther schützt, stellt sich der Albertiner
Georg der Bärtige gegen die protestantische Lehre. Erst nach seinem Tod
(1539) wird im albertinischen Landesteil die Reformation eingeführt.
Seit Mitte des 15. Jahrhunderts lassen große Erzfunde im Erzgebirge
weitere Bergbaustätten entstehen (Schneeberg, Annaberg). Im Jahr 1491
findet der Bergmann Kaspar Nitzel aus Frohnau eine ergiebige Silberader
und löst damit das „Große Berggeschrey“ im oberen Erzgebirge und
dadurch einen massiven Zuzug von Menschen aus. Auch Handel und
Handwerk Sachsens blühen auf. Leipzig steigt zur führenden Messe- und
Handelsstadt Mitteldeutschlands auf, nachdem Kaiser Maximilian I. ihr
1497 das Messeprivileg und 1507 das Stapelrecht
3)
erteilt hat.
Albertinisches Kurfürstentum 1547–1806
Herzog Moritz, der mit Kaiser Karl V. den ernestinischen Kurfürsten
Johann Friedrich den Großmütigen in der Schlacht von Mühlberg (1547)
besiegt, bringt die Kurwürde und Teile des ernestinischen Landbesitzes
an die Albertiner. Kurfürst August erwirbt die säkularisierten Bistümer
Merseburg, Naumburg und Meißen sowie das Vogtland.
Den letzten großen territorialen Zugewinn erhält Kursachsen im Drei-
ßigjährigen Krieg, als im Prager Frieden (1635) die 1623 verpfändeten
Markgraftümer Ober- und Niederlausitz an Sachsen fallen. Durch den
2) Erledigt bedeutet unbesetzt bzw. frei, der Begriff wird verwendet, wenn der Inhaber eines Lehens verstarb
und sich kein legitimer Nachfolger fand.
3) Das Stapelrecht beinhaltete im Mittelalter das von den Landesherren einzelnen Städten verliehene Recht,
vorüberziehende Kaufleute zu zwingen, ihre Waren für eine bestimmte Zeit in der Stadt zum Verkauf auszu -
stellen.

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Gestern und Heute
17
Heinrich Paul Groskurt:
Medaille mit Porträt
Augusts des Starken,
Münzkabinett, Dresden
Historische Ansicht
von Meißen
Dreißigjährigen Krieg wird Sachsen allerdings stark verwüstet und ver-
liert nach dem Westfälischen Frieden (1648) im Reich zunehmend an
Bedeutung. 1656 werden die drei Seitenlinien Zeitz, Merseburg und Wei-
ßenfels als selbstständige Fürstentümer von Kursachsen abgetrennt, fallen
aber bis 1746 durch Aussterben wieder an die Hauptlinie zurück.
Unter Kurfürst Friedrich August I. („August dem Starken“) erhält
Kursachsen wieder ein wachsendes politisches Gewicht. Dieser tritt zum
Katholizismus über und wird 1697 zum König von Polen gekrönt. Damit
regiert ein katholischer Kurfürst über die zumeist protestantische Bevöl-
kerung. Die sächsisch-polnische Union wird auch unter seinem Sohn
und Nachfolger Friedrich August II. (als polnischer König: August III.)
fortgesetzt. August dem Starken und seinen Nachkommen verdankt die
sächsische Hauptstadt Dresden zahlreiche prächtige Bauten und Schätze
sowie ihren Ruf als „Elbfl orenz“. Unter seiner Herrschaft wird im Jahr
1710 die Meissener Porzellan-Manufaktur gegründet.
Den Siebenjährigen Krieg verliert Sachsen 1763 und verzichtet in der
Folge auf die polnische Krone. Die Kriegsfolgen im Lande werden rasch
überwunden, das Manufakturwesen, vor allem das Textilgewerbe in
Chemnitz und Umgebung, blüht auf. Leipzig entwickelt sich im 18. Jahr-
hundert zum Zentrum des deutschen Buchhandels und Verlagswesens.
Königreich Sachsen 1806/15–1918
Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon schließt Sachsen mit
Frankreich den Frieden von Posen (1806), tritt dem Rheinbund bei und
wird mit dem Königstitel belohnt. Während der Kontinentalsperre ent-
stehen zahlreiche mechanische Spinnereien, womit die Industrialisierung
einsetzt. Der bis zuletzt am Bündnis mit Napoleon festhaltende König
Friedrich August I. wird nach der Leipziger Völkerschlacht (1813) von
den gegnerischen Verbündeten gefangen genommen und zur Abtretung
von mehr als der Hälfte seines Landes an Preußen gezwungen. Die östliche
Oberlausitz wird der Provinz Schlesien eingegliedert, die Niederlausitz der
Provinz Brandenburg, die übrigen Gebiete der Provinz Sachsen. Andere
kursächsische Landesteile fallen an Sachsen-Weimar.
Nach revolutionären Unruhen im September 1830 erhält Sachsen 1831
eine Verfassung. Reformen erneuern während der konstitutionellen
Monarchie die Staatsverwaltung, das Städte- und Agrarwesen sowie die
Volksschulen. Durch Eisenbahnbau und den Einsatz von Dampfmaschi-
nen schreitet die Industrialisierung weiter voran. In der Märzrevolution
1848 gibt der König den demokratischen Forderungen zunächst nach,
lässt aber den Dresdner Maiaufstand von 1849 mit preußischer Hilfe
blutig niederschlagen. Nach der Niederlage im Krieg von 1866 muss

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18
Gestern und Heute
Eine noch
funktionstüchtige
Dampfmaschine im
Industriemuseum
Chemnitz
Sachsen dem Norddeutschen Bund beitreten und geht 1871 im deutschen
Kaiserreich auf, dessen föderale Struktur allerdings noch eine gewisse
Selbstständigkeit gewährleistet.
Im 19. Jahrhundert entwickelt sich Sachsen zum ausgeprägten Industrie-
staat. Es ist das am dichtesten besiedelte Land Europas. Mit der Gründung
des allgemeinen deutschen Arbeitervereins durch Ferdinand Lassalle 1863
in Leipzig wird es zur Wiege der deutschen Arbeiterbewegung.
Freistaat Sachsen 1918–1945; Land Sachsen 1945–1989
In der Novemberrevolution 1918 dankt König Friedrich August III. ab.
Sachsen wird Freistaat und erhält 1920 eine demokratische Verfassung.
Im sächsischen Landtag ist die SPD die führende Kraft und stellt unter
schwierigen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen bis 1929
den Ministerpräsidenten. 1929–1933 regieren Kabinette konservativer
Parteien.
Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wird Sach-
sen als eigenständiger Freistaat aufgelöst und einem Reichsstatthalter
unterstellt. Die parlamentarische Demokratie wird abgeschafft. Im
2. Weltkrieg erleidet auch Sachsen schwere Verluste an Menschenleben
und Kulturgütern. Besonderer Ausdruck der Schrecken des Krieges ist die
Zerstörung Dresdens mit der Frauenkirche (13.–15. Februar 1945).
Ab 1945 untersteht Sachsen, dem durch die neue Grenzziehung
an Oder und Neiße die 1815 abgetrennten Gebiete um Görlitz und
Hoyerswerda angegliedert werden, der Kontrolle der sowjetischen
Besatzungsmacht.
1949 wird Sachsen Land der DDR. Zur Stärkung zentralistischer
Strukturen werden 1952 die DDR-Länder aufgelöst. Sachsen wird in
die Bezirke Chemnitz (ab 1953: Karl-Marx-Stadt), Dresden und Leipzig
geteilt, kleinere Gebiete kommen an die Bezirke Cottbus und Gera.
Görlitz und Niesky waren sächsische Zentren des Volksaufstandes vom
17. Juni 1953, welcher auch hier blutig niedergeschlagen wird. Anfang
der 80er Jahre gehen mit der Aktion „Schwerter zu Pfl ugscharen“, dem
Sozialen Friedensdienst und dem Dresdner Friedensforum wichtige
Impulse für die Friedensbewegung und die sich bildende Opposition
in der DDR von Sachsen aus.
Freistaat Sachsen ab 1990
Die friedliche Revolution von 1989, die von Leipzig, Plauen und Dresden
auf die gesamte DDR übergreift (Montagsdemonstrationen), beendet die
Herrschaft der SED. Der Freistaat Sachsen wird am 3. Oktober 1990 wieder
gegründet, er geht aus den Bezirken Leipzig (ohne die Kreise Altenburg

image
Gestern und Heute
19
und Schmölln), Chemnitz und Dresden sowie aus den einst zum Bezirk
Cottbus gehörenden Kreisen Hoyerswerda und Weißwasser hervor. Mit
dem Beitritt der DDR zum Grundgesetz wird Sachsen Land der Bundesre-
publik. Prof. Dr. Kurt Biedenkopf wird am 27. Oktober 1990 vom Landtag
zum ersten sächsischen Ministerpräsidenten nach der „Wende“ gewählt.
1992 erhält das Land eine neue Verfassung. Seit dem 24. Mai 2008 ist
Stanislaw Tillich Ministerpräsident des Freistaates Sachsen.
Tabellarischer Überblick
Mittelalter 900 bis 1500
Deutsche Vorzeit 1000 v. Chr. bis 900 n. Chr.
Zeit
Entwicklung in Deutschland
Zeit
Entwicklung in Sachsen
5 Jh. v. Chr.
Beginn germanischer Einwanderung
um 600
Slawische Besiedlung setzt ein
800
Krönung Karls I. des Großen
zum Kaiser des Heiligen
römischen Reiches
919
Erste Erwähnung des
929
Gründung der Mark Meißen durch
„Reiches der Deutschen“
den deutschen König Heinrich I.
962
Otto I. der Große lässt sich zum
römischen Kaiser krönen
1089
Die Mark Meißen fällt ans Haus Wettin
um 1160
Leipzig erhält Stadtrecht
1168 Beginn des Silberbergbaus
bei Freiberg
um 1170
Entstehung der Stadt Chemnitz
1206 Erste urkundliche Erwähnung
Dresdens
1307 Schlacht bei Lucka
1347–1351
Die Große Pest wütet in Europa
1348
Gründung der ersten deutschen
Universität in Prag
1409
Gründung der Universität Leipzig
1423
Übergang der sächsischen Kurwürde
auf den Markgrafen von Meißen
um 1440
Er ndung des Buchdruckes
durch Gutenberg 1485 Leipziger Teilung
1495
Reichstag zu Worms – Verkündung
des allgemeinen Landfriedens
durch Kaiser Maximilian
1497
Kaiserliches Messeprivileg für Leipzig
Ministerpräsident
Stanislaw Tillich

20
Gestern und Heute
1517
Thesenanschlag Martin Luthers an
die Schlosskirche zu Wittenberg
1522
Luthers Bibelübersetzung erscheint –
1525
Schlacht bei Frankenhausen – das
sie bildet die Grundlage für die
Bauernheer unter Thomas Müntzer
deutsche Hochsprache
wird vernichtend geschlagen
1539
Beginn der Reformation im
albertinischen Sachsen
1547
Schlacht bei Mühlberg; Übergang
der Kurwürde auf das albertinische
Sachsen
1618
Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges 1635
Prager Frieden und Übergang der
Ober- und Niederlausitz an
Kursachsen
1648
Westfälischer Friede
1697
Kurfürst Friedrich August I.
(„der Starke“) tritt zum Katholizismus
über und erwirbt die polnische
Königskrone
1710
Gründung der Meissener Porzellan-
Manufaktur durch August den Starken
1756–1763
Siebenjähriger Krieg (Preußen und
1763
Hubertusburger Frieden; Sachsen
England gegen Österreich, Frankreich,
verzichtet 1765 als Kriegsfolge auf
Schweden und Russland)
die polnische Krone
1769
James Watt er ndet die Dampfma-
schine – Beginn der Industrialisierung
1789 Französische Revolution
Zeit
Entwicklung in Deutschland
Zeit
Entwicklung in Sachsen
Neuzeit ab 1800
1806
Gründung des Rheinbundes, Kaiser
1806
Sachsen wird Königreich und
Franz II. legt Krone nieder
Mitglied des Rheinbundes
1814
Vollendung der Befreiungskriege
1813
Leipziger Völkerschlacht – Sieg der
gegen Napoleon
Verbündeten (Österreich, Preußen,
Russland und Schweden) im
1814/15
Wiener Kongress – Schaffung des
Befreiungskrieg gegen Napoleon
deutschen Bundes 1815 Sächsische Teilung
1831 Sachsen wird konstitutionelle
Monarchie
1835
Die erste deutsche Eisenbahn fährt
1839
Eröffnung der ersten Fernbahn
zwischen Nürnberg und Fürth
zwischen Leipzig und Dresden
mit der in Sachsen gebauten
Lokomotive Saxonia
1849
Verabschiedung einer
1849
Ablehnung der Reichsverfassung
Reichsverfassung
durch Friedrich August II., Dresdner
Maiaufstand (Richard Wagner und
Gottfried Semper emigrieren)
1850
Au ösung des Landtages, Wieder-
herstellung der alten Ordnung
Frühe Neuzeit 1500 – 1800

Gestern und Heute
21
Zeit
Entwicklung in Deutschland
Zeit
Entwicklung in Sachsen
Entwicklung nach der Wiedervereinigung
1862
Fürst Otto von Bismarck wird
preußischer Ministerpräsident
1863
Gründung des Allgemeinen Deut-
schen Arbeitervereins in Leipzig
1866 Gründung des Norddeutschen Bundes 1866 Beitritt Sachsens zum
Norddeutschen Bund
1870/71
Deutsch-französischer Krieg
1871
Sachsen wird Teilstaat des neu
gegründeten Deutschen Reiches
1883–1889 Einführung der Sozialgesetze
durch Bismarck
1914–1918
Erster Weltkrieg
1918/19
Novemberrevolution und Ende der
Monarchie; Sachsen wird Freistaat
1919 Versailler Vertrag
1922/23 Wirtschaftskrise, große In ation
1933
Machtergreifung Hitlers
1933
Gleichschaltung des Freistaates
Sachsen mit dem Reich
1938 Reichspogromnacht
1939–1945
Zweiter Weltkrieg
1943
Schwerster Bombenangriff auf
Leipzig
1945
Schwerste Bombardierung von
Chemnitz und Dresden
1945
Potsdamer Konferenz
1945
Sachsen wird Teil der sowjetischen
Besatzungszone
1949
Sachsen wird Teil der Deutschen
Demokratischen Republik
1952
Au ösung des Landes Sachsen;
Bildung der drei Bezirke Chemnitz
(ab 1953: Karl-Marx-Stadt),
Dresden und Leipzig
1953
Aufstand vom 17. Juni gegen Norm-
1953
Görlitz und Niesky sind Zentren
erhöhungen und für freie Wahlen
des Volksaufstandes
1961
Bau der Mauer in Berlin
1968 „Prager Frühling“
1989
Beginn der friedlichen Revolution
Oktober 1989
Leipzig, Plauen und Dresden sind
Zentren der Demonstrationen
3.10.1990
Beitritt der fünf neuen Bundesländer
3.10.1990
Neugründung des
zur Bundesrepublik Deutschland
Freistaates Sachsen
1992
Verabschiedung einer neuen
sächsischen Verfassung
2002
Eine Flutkatastrophe trifft Sachsen
1. Mai 2004
Feier der EU-Erweiterung in Zittau

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22
Verfassung und Gesetzgebung
VERFASSUNG
UND
GESETZGEBUNG

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Verfassung und Gesetzgebung
23
Sächsischer
Landtag in Dresden
Prinzip der
Gewaltenteilung
Sachsen in guter Verfassung
Sachsen als Freistaat
Als im November 1918 das monarchische Regierungssystem zu-
sammengebrochen war, wurde die „Republik Sachsen“ ausgerufen
(10. November 1918) und wenig später dankte der König ab (13. Novem-
ber). Die neu gewählte sächsische Volkskammer nahm am 28. Februar
1919 das „Vorläufige Grundgesetz für den Freistaat Sachsen“ an und
behielt diese Bezeichnung auch in der endgültigen Verfassung bei.
Sachsen ist damit der älteste Freistaat in Deutschland.
„Freistaat“ ist eine sinngemäße deutsche Entsprechung des französischen
Wortes „republique“. Damit wird betont, dass das Land nicht von einem
Souverän, sondern von freien Bürgern regiert wird. Es entsprach dem
Zeitgeist, Fremdworte einzudeutschen. Der Begriff „Freistaat“ anstelle
„Republik“ setzte sich daher durch.
Diese Bezeichnung „Freistaat“ und vor allem die ihr zugrunde liegende
Regierungsform der parlamentarischen Demokratie blieben bis zum
Wirksamwerden des Gesetzes über die Gleichschaltung der Länder mit
dem Reich vom 31. März 1933 erhalten.
Bei der Wiedereinführung der Länderstruktur 1990 auf dem Gebiet der
DDR sollte an die demokratische Tradition angeknüpft werden. Privile-
gien oder rechtliche Besonderheiten hat der „Freistaat“ gegenüber dem
Land jedoch keine, wohl aber sehr viel ältere staatliche Traditionen.

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image
24
Verfassung und Gesetzgebung
Wappen
des Freistaates
Sachsen
Wappen
des Sächsischen
Landtages
Sächsische
Landesflagge
Verfassung
Bei der Ausarbeitung der Verfassung des Freistaates Sachsen konnte sich
der federführende Verfassungs- und Rechtsausschuss des Landtages auf
verschiedene Verfassungsentwürfe stützen, die schon 1990 im Gefolge
der Bürgerbewegung entwickelt worden waren (Gohrischer Entwurf, Ent-
wurf Leipziger Hochschullehrer). Die Verfassung des Freistaates wurde
schließlich am 26. Mai 1992 vom Sächsischen Landtag beschlossen und
trat am 6. Juni 1992 in Kraft.
Wappen
Der Schild des sächsischen Wappens wird neun Mal von Schwarz und
Gold geteilt. Ein von links oben nach rechts unten verlaufender Rauten-
kranz in Grün überdeckt den Schild. In ihrer Formgebung entsprechen
die Rauten Schmuckformen des vormals in Hochblüte stehenden Archi-
tekturstils der Gotik.
Der 1918 gegründete Freistaat Sachsen übernahm das alte überlieferte
sächsische Wappen mit Balkenschild und Rautenkranz. Diese heraldische
Tradition führte ab 1990 auch das Bundesland Sachsen fort. Während
die Verwaltung des Freistaates das Wappen in seiner schlichten, geraden
Form nutzt, verwendet der Landtag die barocke Version. Die Landes-
dienstfl agge führt das gerade Wappen.
Flagge
Die sächsische Fahne ist historisch gesehen recht jung. Ausgangs-
punkt ihrer Farbgebung war eine Verfügung Friedrich Augusts I. vom
22. Mai 1815 an Generalleutnant von Lecoq, welcher hiermit das Kom-
mando über die am Rhein stehenden sächsischen Truppen übernehmen
sollte. Punkt 7 dieser Verfügung legte fest, dass die bislang nur weiße
Kokarde
4)
der sächsischen Truppe mit einem breiten grünen Rand zu um-
geben sei, um Verwechslungen mit anderen Kontingenten auszuschließen.
Die Kunde von dieser Festlegung eilte dem König bei seiner Rückkehr
in die Heimat nach dem für Sachsen wenig glorreichen Friedensschluss
voraus: Dresden stand bereits im weiß-grünen Fahnenschmuck. Her-
beigeeilte Leipziger Studenten hatten sich mit weiß-grünen Schleifen
an den Revers geschmückt, Soldaten trugen weiß-grüne Kokarden
4)
und
die Beamten weiß-grüne Kordons
5)
an ihren Hüten. Die frischen Farben
symbolisierten den Neuanfang nach den für Sachsen verlustreichen
Befreiungskriegen.
4)
Abzeichen, Hoheitszeichen an Uniformen
5)
Ordensband

image
Verfassung und Gesetzgebung
25
Plenarsaal im
Sächsischen Landtag
Der Freistaat Sachsen übernahm nach seiner Gründung 1918 die
weiß-grüne Flagge vom untergegangenen Königreich. Seither musste
die Flagge zweimal staatlichem Totalitarismus weichen: Die Natio-
nalsozialisten ersetzten sie durch die Hakenkreuzfahne, und nach der
Aufl ösung des Landes Sachsen und der Einrichtung dreier Bezirke als
Verwaltungseinheiten in der DDR wurde sie nach nur kurzer Nachkriegs-
Renaissance gegen die Fahne der DDR ausgetauscht. Ihre Tradition setzt
die Sachsenfl agge seit 1990 wieder fort.
Hymne
Eine offi zielle sächsische Hymne gibt es nicht. Als entsprechende
Wünsche nach 1990 an Parlament und Staatsregierung herangetragen
wurden, wollte man es genauer wissen. Das Ergebnis einer Umfrage des
EMNID-Institutes von 1995 war eindeutig: Lediglich 27 % der Sachsen
wünschten für den Freistaat eine Hymne, 72 % der (repräsentativ) Be-
fragten sprachen sich dagegen aus.
Sachsens starke Kräfte
Landtag (Legislative)
Unmittelbar nach dem Beitritt der DDR zum Grundgesetz am 3. Okto-
ber 1990 wurde Sachsen Bundesland der Bundesrepublik Deutschland.
Schon am 14. Oktober 1990 fanden in Sachsen wieder Landtagswahlen
statt. Zu den Wahlen am 11. September 1994 wurde die Legislaturperi-
ode von vier auf fünf Jahre verlängert, weitere Wahlen gab es daher am
19. September 1999 bzw. am 19. September 2004.
Oberste Volksvertretung ist der Sächsische Landtag als Parlament. Die
Verfassung bezeichnet den Landtag als „Stätte der politischen Willens-
bildung“. Ihm obliegt sowohl die gesetzgebende wie auch die Kontrolle
der vollziehenden Gewalt. Der auf fünf Jahre gewählte Landtag kann sich
auf Beschluss von zwei Dritteln seiner Mitglieder selbst auflösen.
Die Gesetzgebung des Landtages wird durch ein dreistufiges Verfahren
der Volksgesetzgebung ergänzt. Mit dem Volksantrag (40 000 Stim-
men) wird das direktdemokratische Verfahren in Gang gesetzt. Lehnt
der Landtag den Antrag ab, kann durch 450 000 Stimmberechtigte ein
Volksbegehren mit anschließendem Volksentscheid herbeigeführt werden,
bei dem die einfache Mehrheit entscheidet.
Der vom Landtag gewählte Ministerpräsident und die Staatsminister
bilden die Staatsregierung als oberste exekutive Gewalt des Landes. Nur
indem der Landtag einen neuen Ministerpräsidenten wählt, kann die

image
26
Verfassung und Gesetzgebung
Sitzverteilung im
Sächsischen Landtag
nach den Wahlen
vom 19.9.2004
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
Regierung gestürzt werden (konstruktives Misstrauensvotum).
In der 4. Wahlperiode (2004–2009) hat das Parlament 124 Abgeordnete.
Landtagspräsident ist Erich Iltgen, 1. Vizepräsidentin Regina Schulz, 2. Vi-
zepräsidentin Andrea Dombois und 3. Vizepräsident Gunther Hatzsch
6)
.
Parteien
Die bestimmende Rolle der CDU in Sachsen geht nicht auf historische
Wurzeln oder eine Verankerung in bestimmten Milieus zurück. War es
zunächst der ehemalige Bundesvorsitzende und Bundeskanzler Helmut
Kohl (CDU), der der Partei als wichtigster Befürworter der Vereinigung
Deutschlands Popularität verschaffte, so übernahm diese Rolle später der
erste Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU). Hinzu kommt eine von
der DDR-Blockpartei 1990 übernommene, weitgehend funktionstüchtige
und fl ächendeckende Organisationsstruktur.
Trotz Mitgliederrückgangs in den Jahren seit der Wende konnte die Partei
bei den Landtagswahlen 1994 und 1999 nicht nur alle Direktmandate,
sondern in 50 bzw. 49 der 60 Wahlkreise auch die absolute Mehrheit
gewinnen. Mit der Wahl 2004 verlor sie erstmals die absolute Mehrheit
und ging eine Koalition mit der SPD ein.
6)
Weitere Informationen unter
www.landtag.sachsen.de

Verfassung und Gesetzgebung
27
Wahlergebnisse der
sächsischen
Landtagswahlen
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
Die SPD gründete erst im Mai 1990 einen Landesverband und musste ihre
Organisationsstruktur in Sachsen völlig neu aufbauen. Bei der Landtags-
wahl 1994 noch knapp vor der PDS zweitstärkste politische Kraft, verlor
die SPD mit der Landtagswahl 1999 die Oppositionsführung im Landtag
an die SED-Nachfolgepartei. 2004 musste sie erneut das schlechteste
SPD-Wahlergebnis im Vergleich aller Bundesländer verkraften.
Die Linke.PDS (aktuell: DIE LINKE.) ging im August 1990 aus dem
Zusammenschluss dreier ehemaliger Bezirksorganisationen der SED
hervor. Sie konnte ihr Wahlergebnis in der Landtagswahl 2004 gegenüber
1999 um 1,4 Prozent verbessern und verfügt im Landtag nun über mehr
als doppelt so viel Mandate wie die SPD.
Im Jahr 1990 traten die sächsischen Grünen, Demokratie Jetzt und Neues
Forum bei den Landtagswahlen lediglich als Listenverbindung an. Sie er-
reichten damals zehn Mandate. Die Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
wurde in Sachsen aus diesen drei Organisationen dann erst im September
1991 gegründet und schloss sich im Frühjahr 1992 der Bundesorganisa-
tion an. Bei den Landtagswahlen 1994 trugen Abspaltungen innerhalb
der Bürgerrechts- und Umweltbewegung wesentlich dazu bei, dass die
Bündnisgrünen den Einzug ins Landesparlament knapp verfehlten. Auch
1999 reichte es nicht für einen Einzug in den Sächsischen Landtag. Im
Jahr 2004 gelang mit 5,1 Prozent der Sprung in den Landtag.

28
Verfassung und Gesetzgebung
Die FDP in Sachsen entstand 1990 aus dem Zusammenschluss des
Bundes Freier Demokraten (der vereinten Block-LDPD und -NDPD),
der Anfang 1990 gegründeten Ost-FDP und der Neuen Forumspartei. In
dieser Konstellation schaffte die Partei 1990 den Einzug in den Landtag,
was ihr bei den folgenden Landtagswahlen allerdings deutlich misslang.
2004 zog sie mit 5,9 Prozent der Stimmen wieder in den Landtag ein.
Die NPD, 1990 in Sachsen gegründet, gelangte 2004 erstmals in den
Sächsischen Landtag. Sie lehnt nach Erkenntnissen des Verfassungs-
schutzes die parlamentarische Demokratie ab, wurde jedoch demokratisch
gewählt. Sie steht weiterhin unter der Beobachtung des sächsischen
Verfassungsschutzes.
Der Bund der Gewerkschaften
Zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) im Freistaat Sachsen gehören
acht Einzelgewerkschaften mit rund 300 000 Mitgliedern. Die größte
Mitgliedsgewerkschaft ist die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mit über
100 000 Mitgliedern. Gewerkschaften setzen sich für ein sozial gerechtes
Miteinander ein. Die Tarifautonomie ist eine wesentliche Grundlage
der sozialen Demokratie und besitzt Verfassungsrang. Gewerkschaften
kämpfen in Verhandlungen mit den Arbeitgebern um verbesserte Ar-
beitsbedingungen, bessere Löhne und Gehälter, verbindliche Regelungen
zur Arbeitszeit, zu Jahressonderzahlungen sowie zum Kündigungs- und
Rationalisierungsschutz. Arbeits- und Sozialrechtsschutz, Berufsfortbil-
dungen und auch Studienförderungen sind nur ein Ausschnitt aus den
gewerkschaftlichen Aufgaben.
Unternehmerverbände (Stand August 2006)
Die berufsständische Organisation folgt in Sachsen der Gliederung der
Regierungsbezirke Dresden, Leipzig und Chemnitz. Demgemäß gibt
es drei Industrie- und Handelskammern sowie drei Handwerkskam-
mern. Der Wahrnehmung der Interessen der Arbeitgeber in Sachsen
widmet sich die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft e. V. (VSW),
gegründet 1998 als Spitzenorganisation der sächsischen Arbeitgeber-
und Wirtschaftsverbände. Der VSW arbeitet als Landesvertretung
der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände e. V. (BDA)
und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e. V. (BDI). Der
Unternehmerverband Sachsen e. V. vertritt seit 1990 branchenüber-
greifend die Interessen seiner Mitglieder, vor allem kleine und mittlere
Unternehmen.

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image
Verfassung und Gesetzgebung
29
Verein Sonnenstrahl e. V.
Dresden – Förderkreis für
krebskranke Kinder und
Jugendliche
Annen-Medaille
Bürgerschaftliches Engagement
Unsere Gesellschaft profi tiert von Solidarität, Bürgersinn und Zivil-
courage. Große Teile der kulturellen, sozialen, kirchlichen, sportlichen
oder öffentlichen Aufgaben übernehmen ehrenamtliche Helfer oder
Vereine. Ob Freiwillige Feuerwehr, private Hilfsorganisationen (Ar-
beiter-Samariter-Bund, Deutsches Rotes Kreuz, Deutsche Lebens-Ret-
tungs-Gesellschaft, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst) oder
Technisches Hilfswerk, Mieterbund oder Lohnsteuerhilfe, ob freiwillige
Helfer in Kindergärten, Heimen oder Krankenhäusern, in Sportvereinen
oder Hilfsprojekten, in kirchlichen Einrichtungen, bei Kulturprojekten
bis hin zu musikalischen, künstlerischen oder geschichtlichen Betäti-
gungsfeldern – überall engagieren sich Ehrenamtliche finanziell, ideell
oder durch körperliche Tatkraft. Sie bilden ein wichtiges Fundament des
gesellschaftlichen Lebens in Sachsen. Der Freistaat unterstützt daher das
ehrenamtliche Engagement durch Ehrungen, gewährt Zuwendungen oder
Aufwandsentschädigungen.
Die Staatsregierung vergibt unter anderem einmal im Jahr den „Joker
im Ehrenamt“ an besonders verdienstvolle Mitbürger. Außerdem wird
seit 1995 die Annen-Medaille jährlich an bis zu 20 sächsische Bürger
verliehen, die sich durch langjährige uneigennützige Dienste am Nächsten
und für die Gesellschaft verdient gemacht haben.
Darüber hinaus vergibt der Freistaat Sachsen den von Kurt Biedenkopf
gestifteten Sächsischen Verdienstorden. Verliehen wird er an Frauen und
Männer mit besonderem Verdienst um den Freistaat Sachsen, für Leis-
tungen auf wirtschaftlichem, sportlichem, gesellschaftlichem, geistes-
wissenschaftlichem oder naturwissenschaftlich-technischem Gebiet oder
für herausragende ehrenamtliche Tätigkeit. Die Zahl der Ordensträger
ist insgesamt auf 500 Personen beschränkt. Jeder kann gegenüber der
Staatskanzlei Bürgerinnen und Bürger für diese Auszeichnung vorschla-
gen. Über die Verleihung entscheidet der Ministerpräsident.

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30
Verwaltung und Politik
VERWALTUNG
UND
POLITIK

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Verwaltung und Politik
31
Die Sächsische
Staatskanzlei, Blick
vom neuen Ministerial-
gebäude
Sachsen mit schlanker Verwaltung
Ministerpräsident, Ministerien
An der Spitze der Verwaltung des Freistaates stehen die Staatskanzlei
und acht Ministerien als oberste Landesbehörden. Das Ressortprinzip
beinhaltet, dass jedes Mitglied der Staatsregierung seinen Geschäftsbe-
reich eigenverantwortlich leitet. Der Ministerpräsident hat die Richtlini-
enkompetenz und trägt damit die Verantwortung für die grundsätzliche
Richtung der Politik.
Zum Aufgabenbereich des Ministerpräsidenten gehören die Festlegung
der Anzahl der Ministerien, die Berufung und Entlassung der Minister,
Staatssekretäre, Beamten und Richter. Er vertritt den Freistaat nach außen
und übt das Begnadigungsrecht aus.
Die Sächsische Staatskanzlei leistet ihm dafür direkte Zuarbeit. Gegen-
über den Ministerien übernimmt sie als oberste Landesbehörde die
Funktion einer Stabsstelle.
Der Chef der Staatskanzlei leitet die Vorkonferenz der Staatssekretäre,
welche die Kabinettssitzungen vorbereiten. Er unterstützt den Minister-
präsidenten bei der Bestimmung der Richtlinien der Politik und prüft
beschlossene Gesetze auf ihre Verfassungsmäßigkeit, bevor der Minister-
präsident diese gegenzeichnet. Der Regierungssprecher vertritt die Politik
der Staatsregierung gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit.
Landesverwaltung
Die sächsische Verwaltung ist (überwiegend) dreistufig aufgebaut. Sie
besteht aus der Staatsregierung (Staatskanzlei und Staatsministerien),
der „Mittelinstanz“ (drei Landesdirektionen sowie andere obere Lan-
desbehörden) und der „Unterstufe“ (kreisfreie Städte und Landratsämter
hinsichtlich der Erfüllung staatlicher Aufgaben sowie staatliche untere
Sonderbehörden). Im Zuge der Verwaltungsvereinfachung gibt es inzwi-
schen auch Bereiche mit zweistufigem Verwaltungsunterbau, wie zum
Beispiel die sächsische Polizei.
Landeshaushalt
Im Haushaltsplan des Freistaates Sachsen sind für das Jahr 2009 Ausga-
ben in Höhe von insgesamt rund 16,6 Mrd. Euro veranschlagt. Im Ver-
gleich zu den westdeutschen Flächenländern sind die Pro-Kopf-Ausgaben
des Freistaates rund 24 % höher, um insbesondere den großen Rückstand
bei der öffentlichen Infrastruktur langfristig aufholen zu können.
Der Schuldenstand belief sich zum Ende des Jahres 2008 auf 12,0 Mrd. Eu-
ro, was einer Verschuldung von 2 849 Euro je Einwohner entspricht. Die

32
Verwaltung und Politik
Übersichtskarte zum
Kreisgebietsneu-
gliederungsgesetz
ab 01.08.2008
Pro-Kopf-Verschuldung der neuen Länder ohne Sachsen betrug zum
31. Dezember 2008 im Durchschnitt 7.011 Euro. Damit weist der Freistaat
im Vergleich mit den anderen neuen Ländern die geringste Pro-Kopf-
Verschuldung aus. Die jährliche Nettoneuverschuldung wird seit 1994
kontinuierlich zurückgeführt. Eine Ausnahme bildeten lediglich die Jahre
2002/2003. Hier nahm der Freistaat wesentlich weniger Steuern ein als
erwartet, was nicht vollständig durch eine restriktive Haushaltsführung und
entsprechende Ausgabenbegrenzungen aufgefangen werden konnte.
Seit dem Jahr 2006 konnte auf die Aufnahme weiterer Kredite verzichtet
werden. Damit ist das weitere Anwachsen der Kreditmarktschulden des
Freistaates Sachsen gestoppt. Die sächsische Steuerdeckungsquote ergibt
im Haushaltsplan 2009 53,8 %, während sie in den alten Flächenländern
im Durchschnitt ca. 80 % beträgt. Die Finanzen des Freistaates sind damit
in hohem Maße von Zuweisungen aus dem Finanzausgleich sowie des
Bundes und der Europäischen Union abhängig (2009: 6,2 Mrd. Euro).
Rund ein Drittel der gesamten Ausgaben wurde für Personal (24,9 %) und
Zinsen (3,1 %) veranschlagt. Für Investitionen stehen 3,46 Mrd. Euro zur
Verfügung. Der hohe Anteil der Investitionsausgaben (lnvestitionsquote:
21,0 %) charakterisiert den sächsischen Etat im Vergleich zu den alten
Ländern (Durchschnitt: rd. 10,0 %) wie auch zu den übrigen neuen Ländern
(Durchschnitt neue Länder ohne Sachsen: 16,6 %). Das zeigt, wie sehr sich
der Freistaat Sachsen auf den Aufbau des Landes konzentriert.

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Verwaltung und Politik
33
Die von der Sächsischen Staatsregierung beschlossene mittelfristige Fi-
nanzplanung für die Jahre 2008 bis 2012 verfolgt weiterhin konsequent
die in den jährlichen Haushaltsplänen verbindlich verankerte Linie hoher
Investitionsausgaben.
Soll 2009
Freistaat Sachsen
Bund
Bereinigte Ausgaben je Einwohner*)
3 910 Euro
3 624 Euro
Kreditmarktverschuldung je Einwohner**
2 849 Euro
11 756 Euro
*) Quellen: Sachsen: HH-Plan 2009; Bund: Nachtrag zum HH-Plan 2009;
**) Sachsen: Ist 2008 (mit Auslaufperiode) zzgl. Nettokreditaufnahme lt. HH-Plan 2009; Bund: Schuldenstand
am Kreditmarkt zum 31.12.2008 nach der Schuldenstatistik des Bundes (SFK 4) zzgl. Nettokreditaufnahme
lt. Nachtrags-HH 2009; Einwohnerstand: 30.06.2008; eigene Berechnungen.
Kommunalverfassung
Nach der ersten Kreisgebietsreform 1994/1995 reduzierte eine weitere
Gebietsneugliederung im Jahr 2008 die noch 22 Landkreise auf zehn
und die sieben kreisfreien Städte auf drei (Dresden, Chemnitz, Leipzig).
Durch die vorausgegangene Gemeindegebietsreform im Jahr 1999 und
weitere Zusammenschlüsse und Eingemeindungen wurde bereits die
Zahl von 1 626 sächsischen Gemeinden im Jahr 1990 auf gegenwärtig
494 Gemeinden verkleinert. Kreisangehörige Gemeinden können auf
Antrag zu Großen Kreisstädten ernannt werden, wenn sie mehr als
17 500 Einwohner haben. Große Kreisstädte übernehmen neben ihren
Neues Rathaus Leipzig
Vergleich der Pro-
Kopf-Ausgaben und
-verschuldung des
Freistaates mit den
jeweiligen Zahlen des
Bundes
Aufgaben der
Kommunen nach
Sächsischer Gemein-
deordnung
Art der Aufgabe
Ob
Wie
Beispiele
Pflichtaufgaben
Dass die Aufgabe
Wie die Aufgabe
Meldewesen nach
nach Weisung
erfüllt wird, ist
erfüllt wird, ist
dem Meldegesetz,
(weisungsgebunden)
durch Gesetz
durch Gesetz
Schutz der öffentlichen
bestimmt
bestimmt
Sicherheit und Ordnung
nach dem Polizeigesetz
Pflichtaufgaben
Dass die Aufgabe
Wie die Aufgabe
Aufgabe der Daseins-
ohne Weisung
erfüllt wird, ist
erfüllt werden
vorsorge, wie Einrich-
(weisungsfrei)
durch Gesetz
muss, kann die
tung öffentlicher Schulen
bestimmt
Kommune selbst
nach Schulgesetz,
entscheiden
Unterhaltung einer
Feuerwehr nach Brand-
schutzgesetz
Freiwillige
Ob die Aufgabe
Wie die Aufgabe
Kulturelle und soziale
Aufgaben
erfüllt wird, kann
erfüllt wird, kann
Angelegenheiten, Er-
die Kommune
die Kommune
holungs- und Sportan-
selbst entscheiden
selbst entscheiden lagen, Vereinsförderung

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34
Verwaltung und Politik
„normalen“ Aufgaben zusätzliche Aufgaben des Landkreises für ihren
Bereich.
Die Gemeindeordnung für den Freistaat Sachsen ist zuletzt mit Wir-
kung vom 1. August 2008 ergänzt worden. Der für fünf Jahre gewählte
Gemeinderat ist demnach das politische Hauptorgan der Gemeinde und
entscheidet in allen wichtigen Gemeindeangelegenheiten.
Der von den Bürgern auf sieben Jahre direkt gewählte Bürgermeis-
ter – zugleich Vorsitzender des Gemeinderates – erledigt in eigener
Verantwortung die Geschäfte der laufenden Verwaltung, die vom Gemein-
derat übertragenen sowie die Weisungsaufgaben. Direktdemokratische
Verfahren (Einwohnerantrag, Bürgerbegehren und Bürgerentscheid)
ergänzen die politische Willensbildung. In der Landkreisordnung vom
19. Juli 1993, welche ebenfalls zum 1. August 2008 novelliert wurde,
sind entsprechende Regelungen auch für die Kreisebene getroffen.
Die Gemeinden haben die Möglichkeit, ihre Aufgaben in Zusammenar-
beit mit anderen Kommunen zu erledigen. Dafür können sie Verwaltungs-
gemeinschaften, Verwaltungsverbände oder Zweckverbände gründen
sowie Zweckvereinbarungen treffen.
E-Government
Als E-Government wird die Durchführung von Verwaltungsleistun-
gen – individuelle Dienstleistungen genauso wie komplexe Entschei-
dungsprozesse – und Angebote zur Unterstützung der demokratischen
Kultur unserer Gesellschaft verstanden, wenn sie wesentlich über elek-
tronische Informations- und Kommunikationstechnologien (v. a. über
das Internet) erfolgt.
E-Government ist kein Selbstzweck. Es ermöglicht der Verwaltung,
den Bürgern und Unternehmen Dienstleistungen 24 Stunden am Tag
an sieben Tagen der Woche online anzubieten, was Zeit und Geld auf
beiden Seiten spart.
E-Government macht die enge Zusammenarbeit aller Verwaltungs-
ebenen notwendig. Dies fi ndet in der gemeinsamen Initiative „sachsen
interaktiv 2.0“ des Freistaates und der kommunalen Seite seinen Nie-
derschlag. In diesem Rahmen stellt die Staatsregierung die zentrale
E-Government-Plattform mit den Komponenten Amt24, Formular-
service, Content Management System, Elektronische Signatur und
Verschlüsselung, Bezahlplattform und dem Geoportal zur Verfügung.
Mit ihrer Hilfe können alle Landes- und Kommunalbehörden Bürgern
und Unternehmen einen leicht nutzbaren Zugang zu elektronischen
Dienstleistungen anbieten und dabei auf die Schaffung und Unterhal-
tung redundanter verzichten.

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Verwaltung und Politik
35
Die in den Jahren 2003 bzw. 2004 beschlossenen E-Government-Fahrpläne
der sächsischen Landes- und Kommunalverwaltungen werden kontinuier-
lich weiter umgesetzt. Von den darin geplanten ca. 200 E-Government-
Verfahren wurden bis 2007 bereits 92 realisiert.
So können Bürger und Unternehmen zum Beispiel wesentliche landes-
rechtliche Vorschriften des Freistaates Sachsen via Internet einsehen oder
sich jederzeit online über relevante Hochwassernachrichten (Hochwas-
serwarnungen und -entwarnungen, Hochwasser-Eilbenachrichtigungen,
Hochwasserstandmeldungen) aus dem Landeshochwasserzentrum
informieren.
Der Freistaat Sachsen verfügt über ein sehr modernes und leistungsfähiges
Sächsisches Verwaltungsnetz (SVN). In diesem hochverfügbaren und red-
undanten Multiservicenetz werden erstmals die Sprach- und Datenverbin-
dungen der Mitarbeiter der sächsischen Landesverwaltung komplett über
das IP-Protokoll übertragen. Dabei können sie Daten austauschen, als säßen
sie in einem Haus. Das Sächsische Verwaltungsnetz ist durchgehend mit der
Ethernettechnologie aufgebaut und beinhaltet zur Vernetzung der großen
Rechenzentren in der Landeshauptstadt Dresden ergänzend einen Stadtring
mit hoher Bandbreite. Für eine effektive Koordinierung im Bereich der
Schulverwaltungen werden diese ebenfalls an das SVN angeschlossen.
Insgesamt werden ca. 2 500 Standorte in das SVN integriert.
Zudem werden die Mitarbeiter des SVN zukünftig mit der modernen
IP-Telefonie inklusive weiterer Zusatzdienste, wie beispielsweise einem
Videokonferenzdienst, ausgestattet.
Zentrale E-Government-
Plattform des
Freistaates Sachsen

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36
Verwaltung und Politik
Im Freistaat Sachsen ist es erstmalig gelungen, die Voraussetzungen zum
Anschluss aller Kommunen zu schaffen. Dabei wird den Kommunen ein
bedarfsgerechter Anschluss zur Verfügung gestellt. Außerdem werden
die Zentralen Dienste und der Internetzugang der Landesverwaltung
gemeinsam mit den Kommunen aufgebaut. Die Integration der E-Go-
vernment-Plattform in die Plattform der Zentralen Dienste bietet kurze
Wege für die behördenübergreifende Kommunikation. Damit sind die
besten Voraussetzungen für eine effektive übergreifende Kommunikation
zwischen der Landesverwaltung und den Kommunen geschaffen.
Somit verfügen die Landesverwaltung des Freistaates Sachsen und
die Kommunen über eine hochmoderne und zukunftsweisende Netz-
plattform. Das fl exible Netzdesign ist darauf ausgerichtet, neben dem
heutigen Anschluss an das TESTA-Netz auch einen schnellen Anschluss
an die neue DOI-Infrastruktur des Bundes zu gewährleisten. Damit ist
ein problemloser Datenaustausch mit der Bundesverwaltung und den
anderen europäischen Ländern möglich.
Amt 24
Unter
http://amt24.sachsen.de
wird E-Government für die Bürger des
Freistaates sichtbar. Amt24 ist Sachsens Service-Portal für Bürgerinnen
und Bürger und für Unternehmen. Amt24 ist der zentrale Zugang zur
sächsischen Verwaltung. Über die Beschreibungen von Verwaltungs-
verfahren erhalten Nutzer die Kontaktdaten und die Online-Formulare
der für sie zuständigen Behörde und können so schon heute viele Be-
hördenanliegen vom heimischen PC aus abwickeln. Amt24 ist nach so
genannten Lebenslagen gegliedert, alltägliche Lebenssituationen, in
denen sich jeder einmal befindet. Die aktuell 25 Lebenslagen von Amt24
– Informationstexte und detaillierte Beschreibungen von Verfahren und
Dienstleistungen der Verwaltung – insgesamt derzeit etwa 1 200 Texte.
Daneben enthält das Service-Portal rund 4 300 Datensätze sächsischer
Behörden und bietet Zugang zu mehr als 1 200 Online-Formularen.
Amt24 ist ein Projekt des Freistaates und seiner Kommunen – ein Projekt
mit Zukunft!
Gesetzesvereinfachung
Bei der Erarbeitung neuer Gesetze und Rechtsverordnungen werden
durch die Staatsregierung u. a. die Notwendigkeit und Praktikabilität der
geplanten Regelung sowie die Möglichkeit der Rechts- und Verwaltungs-
vereinfachung überprüft. Die Zahl der Verwaltungsvorschriften konnte
bereits mehr als halbiert werden. Im Rahmen der Aktion „Paragraphen-
Pranger“ wurde das Landesrecht bereits an verschiedenen Stellen spürbar
Amt24
ELSTER
Das Programm
für die elektronische
Steuererklärung

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Verwaltung und Politik
37
verschlankt. Im Baurecht wurde beispielsweise der Abstand, den Häuser
von der Grundstücksgrenze einhalten müssen, verringert und die Geneh-
migungspflicht für Antennen abgeschafft. Vereinfachungen erfolgten auch
bei der Einholung von Baugenehmigungen, bei Ummeldungen in Folge
eines Wohnortwechsels und bei der Erteilung von Fischereischeinen.
Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie im Internet unter
www.paragraphen-pranger.de.
Sachsen in Europa und der Welt
Föderalismus
Der Freistaat Sachsen ist eines von 16 deutschen Bundesländern. Diesen
steht grundsätzlich die Ausübung staatlicher Befugnisse und die Erfüllung
der staatlichen Aufgaben zu. Damit bestimmte Befugnisse und Aufgaben
im gesamten Bundesgebiet einheitlich vollzogen werden, ordnet das
Grundgesetz in verschiedenen Bereichen dem Bund die Gesetzgebungs-
kompetenz zu. Die Länder wirken in diesen Fällen im Bundesrat an der
Gesetzgebung des Bundes mit.
Der Bundesrat hat als Bindeglied der Länder zum Bund und seit einigen
Jahren auch verstärkt zur Europäischen Union eine herausgehobene
Stellung. Diese wird durch seine Verankerung im Grundgesetz als Ver-
fassungsorgan deutlich.
Seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland hat sich die Zahl der
Gesetze, denen die Länder zustimmen müssen, stetig vergrößert. Daher
wurde mit der im Jahr 2006 beschlossenen Föderalismusreform I eine
Entflechtung von Bundes- und Landeszuständigkeiten vorgenommen und
die Zahl der im Bundesrat zustimmungsbedürftigen Gesetze verringert.
Die Föderalismusreform wird in Stufe II fortgesetzt. Schwerpunkt der Fö-
deralismusreform II ist die Modernisierung der Bund-Länder-Finanzbe-
ziehungen. Hierzu wurde eine Kommission eingesetzt, in die Bundestag
und Bundesrat jeweils 16 Mitglieder entsenden. Vier Mitglieder, die der
Bundestag entsendet, gehören der Bundesregierung an. Die Föderalis-
muskommission II wurde am 8. März 2007 konstituiert.
Sachsen in Europa
Der Freistaat Sachsen liegt im Herzen Europas und mittlerweile auch mitten
in der Europäischen Union. Aus den letzten Erweiterungsrunden resultieren
für unsere Menschen und für unsere Betriebe erhebliche Chancen, aber
auch manche Risiken. So zählen unsere unmittelbaren Nachbarn Polen und
die Tschechische Republik zu unseren wichtigsten Wirtschaftpartnern.
Der Freistaat Sachsen
liegt in der
Mitte Europas
Der Freistaat Sachsen
liegt in der
Mitte Europas

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38
Verwaltung und Politik
Eine Folge der Erweiterung ist auch, dass die Mittel der europäischen
Strukturfonds, von denen Sachsen bislang in großem Umfang profitieren
konnte, nun verstärkt in den neuen und strukturschwächeren Mitgliedstaa-
ten zum Einsatz kommen. Dennoch stehen für den Zeitraum 2007 – 2013
ca. 4,4 Mrd. Euro zur Verfügung, die sich wie folgt verteilen:
3,1 Milliarden Euro
für
– die Spitzenforschung an den sächsischen Universitäten,
– die Unterstützung von klein- und mittelständischen
Unternehmen sowie
– den Ausbau der Infrastruktur,
870 Millionen Euro
für
– die zukunftsfähige Aus- und Weiterbildung sowie
– die Förderung von Beschäftigung und Unternehmergeist
und
927 Millionen Euro
für die Förderung des ländlichen Raumes.
Hauptziele der Förderung sind die Unterstützung eines nachhaltigen Wirt-
schaftswachstums sowie die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen.
Dabei soll einerseits verstärkt darauf hingewirkt werden, dass junge
Menschen die Berufsfähigkeit erreichen. Andererseits soll den Folge-
problemen, die aufgrund der demographischen Entwicklung im Freistaat
erwartet werden, schon frühzeitig Rechnung getragen werden.
Die Interessen Sachsens in der EU werden in vielen Fällen über den
Mitgliedstaat, d. h. von der Bundesregierung, wahrgenommen. Die
Sächsische Staatsregierung wirkt nach Art. 23 GG über den Bundesrat
an der Willensbildung in Angelegenheiten der EU mit. Schwerpunktthe-
men sächsischer Europapolitik sind derzeit die EU-Strukturpolitik sowie
die Reform der EU. Den Kontakt zu den EU-lnstitutionen unterhält das
Sachsen Verbindungsbüro Brüssel, eine Außenstelle der Staatskanzlei.
Internationale Beziehungen
Der Freistaat Sachsen pfl egt seit 1990 weit gefächerte internationale
Beziehungen mit rund 30 Staaten. Die unterschiedlichen Formen reichen
von Regionalpartnerschaften mit der Wojewodschaft Niederschlesien
(Polen), der Tschechischen Republik, der Slowakei, der Bretagne (Frank-
reich), Alberta (Kanada) und Hubei (China) bis zur Zusammenarbeit in
einzelnen Projekten (z. B. Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, binationale
Schulen) oder in themenspezifischen Netzwerken.
Von besonderem sächsischen Interesse ist die grenzüberschreitende
Zusammenarbeit mit Polen und Tschechien. Regelmäßig tagende Ar-
Ministerpräsident
Stanislaw Tillich mit dem
polnischen Außenminister
Rados ł aw Sikorski in
Warschau
Ministerpräsident
Stanislaw Tillich mit dem
polnischen Außenminister
Rados ł aw Sikorski in
Warschau
Binationales
Friedrich-Schiller-
Gymnasium in Pirna,
Ausbildung tschechischer
und deutscher Schüler
Binationales
Friedrich-Schiller-
Gymnasium in Pirna,
Ausbildung tschechischer
und deutscher Schüler

Verwaltung und Politik
39
beitsgruppen und intensive Kontakte auf Fachebene helfen, die bilate-
ralen Partnerschaftsvereinbarungen mit Leben zu erfüllen und auch die
trinationalen Beziehungen zwischen Sachsen, Niederschlesien und den
angrenzenden tschechischen Bezirken zu intensivieren.
Neben den bestehenden Partnerschaften baut Sachsen seine Beziehungen
im mittel- und osteuropäischen Raum (darunter zu Ungarn und Russland),
nach Übersee (USA, Québec) sowie zu Wachstumsregionen im fernöst-
lichen Raum (z. B. zu China, Indien und Japan) aus.
Höhepunkte internationaler Begegnungen im Jahr 2009 sind u. a. Reisen von
Mitgliedern der Staatsregierung in die Russische Föderation, eine Präsenta-
tion zum Tag der Deutschen Einheit in Prag sowie das 10-jährige Jubiläum
der Regionalpartnerschaft mit der Wojewodschaft Niederschlesien.

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40
Recht und Sicherheit
RECHT
UND
SICHERHEIT

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Recht und Sicherheit
41
Bundesverwaltungs-
gericht in Leipzig
Die Judikative – die dritte Kraft in Sachsen
Justizaufbau
Die Rechtspfl ege in Sachsen wird zum einen durch die ordentliche
Gerichtsbarkeit mit 30 Amtsgerichten, sechs Landgerichten und dem
Oberlandesgericht Dresden ausgeübt. Zum anderen gibt es die Fach-
gerichtsbarkeiten mit je drei Verwaltungs- und Sozialgerichten sowie
fünf Arbeitsgerichten, dem Sächsischen Oberverwaltungsgericht, dem
Sächsischen Landesarbeitsgericht, dem Sächsischen Landessozialgericht
und dem Sächsischen Finanzgericht. Die Zuständigkeit für sämtliche
Gerichtsbarkeiten liegt beim Sächsischen Staatsministerium der Justiz.
Sechs Staatsanwaltschaften und die Generalstaatsanwaltschaft ermitteln
in Strafsachen. Im Jahr 2007 haben die sächsischen Gerichte und Staats-
anwaltschaften nahezu 435 000 Verfahren abgeschlossen.
Als erstes neues Bundesland richtete Sachsen 1993 eine Verfassungs-
gerichtsbarkeit ein. Mit dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat
eines der sechs Bundesgerichte seinen Sitz in Sachsen.

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42
Recht und Sicherheit
Polizei in Sachsen
Justizbedienstete
Zum 1. Januar 2008 waren in der sächsischen Justiz 7 785 Bedienstete
beschäftigt, davon 996 Richter, 326 Staatsanwälte, 943 Rechtspfleger,
2 646 Geschäftsstellen- und Schreibkräfte, 1 910 Justizvollzugsbedienstete,
176 Sozialarbeiter, 216 Gerichtsvollzieher, 11 Wirtschaftsfachkräfte sowie
385 Wachtmeister und 176 sonstige Bedienstete.
Hinzu kamen 5 011 Schöffen und ehrenamtliche Richter. Freiberuflich
waren außerdem 153 Notare und 4 532 Rechtsanwälte zugelassen. Zum
1. Januar 2008 bildete die Justiz 619 Rechtsreferendare aus.
Justizvollzug
Der Freistaat Sachsen verfügt über zehn Justizvollzugsanstalten, davon
eine mit Krankenhaus. Im Jahr 2007 saßen durchschnittlich 3 974 Ge-
fangene ein. Die durchschnittlichen Haftkosten pro Gefangenem und
Tag betrugen im letzten Jahr 76,28 Euro (ohne Baukosten). Die 39 Ei-
genbetriebe des Justizvollzugs bieten eine breite Palette von Produkten
und Dienstleistungen an
(www.gitterladen.de).
Für ein sicheres Sachsen
Polizeiorganisation
Die sächsische Polizei arbeitet mit einem zweistufigen Verwaltungsaufbau
(sieben Polizeidirektionen auf der Ebene der Landkreise bzw. kreisfreien
Städte). Den Polizeidirektionen sind 72 Polizeireviere, fünf Autobahnpoli-
zeireviere sowie 85 Polizeiposten nachgeordnet (Stand: 01.01.2009). Neben
den sieben Polizeidirektionen sind dem Sächsischen Staatsministerium des
Innern als zentrale Dienststellen und Einrichtungen das Landeskriminalamt,
die Landespolizeidirektion Zentrale Dienste, das Präsidium der Bereitschafts-
polizei mit dem Aus- und Fortbildungsinstitut der sächsischen Polizei sowie
die Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) nachgeordnet.
Polizeibedienstete
Zum 1. Januar 2008 waren bei der sächsischen Polizei 11 988 Polizeivoll-
zugsbeamte, 343 Verwaltungsbeamte, 1 662 Angestellte und 542 Arbeiter
beschäftigt. Die Ausbildung zum mittleren Polizeivollzugsdienst erfolgt
in den Polizeifachschulen Chemnitz und Leipzig, die organisatorisch
dem Aus- und Fortbildungsinstitut der sächsischen Polizei nachgeord-
net sind. Darüber hinaus bietet die Hochschule der Sächsischen Polizei
(FH) die Möglichkeit einer Aufstiegsausbildung für den gehobenen
Polizeivollzugsdienst.

Recht und Sicherheit
43
Kriminalitätsentwicklung
Die Anzahl der Straftaten im Freistaat Sachsen ist in den vergangenen
Jahren bis 2007 gesunken.
Auf 100 000 Einwohner kamen 2007 je 7 250 Straftaten. Damit liegt
die Kriminalitätsbelastung in den letzten zwei Jahren auf dem nied-
rigsten Niveau seit 1993. Es wurden 179 930 Straftaten aufgeklärt. Bei
Gewaltdelikten konnten vier von fünf Straftaten aufgeklärt werden.
Die Polizei ermittelte 115 559 Tatverdächtige. Unter ihnen befanden
sich 3 809 Kinder (3,3 %) und 11 762 Jugendliche (10,2 %). Der ge-
meldete fi nanzielle Schaden betrug im Jahr 2007 insgesamt 418 Mio.
Euro. Allein durch Wirtschaftskriminalität entstand ein Schaden von
278 Mio. Euro.
Sachsen sind gut geschützt
Brandschutz/Rettungswesen
Über den Notruf 112 erreicht man die sächsischen Leitstellen für den
Rettungsdienst und für die Feuerwehr. Der Leitstellendisponent (Leit-
stellenmitarbeiter) entscheidet je nach Notfall, welche Einsatzkräfte
alarmiert werden. 100 Rettungswachen mit 63 Außenstellen stehen
sachsenweit zur Verfügung. Darüber hinaus wird der bodengebundene
Rettungsdienst durch vier Luftrettungsstationen ergänzt und unterstützt.
Der Leitstellendisponent kann auch die Feuerwehr zur Brandbekämp-
fung oder zur technischen Hilfeleistung an den Unglücksort senden.
Sieben Berufsfeuerwehren und 500 Gemeindefeuerwehren mit mehr
als 1 500 Ortsfeuerwehren sichern flächendeckend den Brandschutz im
Freistaat. Die Berufsfeuerwehren verrichten ihren Dienst in 15 Feuer-
wachen. Die Technik und Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehren ist
in fast 2 000 Feuerwehrhäusern untergebracht.
Jahr
Straftaten
Aufklärungsquote in %
2002 336 632 57,1
2003 352 866 59,2
2004 335 763 57,9
2005 318 166 58,6
2006 307 841 59,7
2007 308 106 58,4

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44
Recht und Sicherheit
Überall Schuttberge
wie in der Grimmaer
Innenstadt
Katastrophenschutz
Der Katastrophenschutz ist Aufgabe der Länder. Er umfasst die Vor-
bereitung der Bekämpfung von Katastrophen, die Bekämpfung von
Katastrophen und die Mitwirkung an der vorläufigen Beseitigung von
Schäden. Er ist im Freistaat dreistufig aufgebaut.
Im Katastrophenschutz wirken u. a. alle Behörden des Freistaates, die
Landkreise und Gemeinden sowie die privaten Hilfsorganisationen
(Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, Deut-
sches Rotes Kreuz, Johanniter Unfallhilfe und Malteser Hilfsdienst)
mit. Bei Bedarf leisten auch Bundeswehr und Technisches Hilfswerk
Katastrophenhilfe.
Für die Hilfeleistung im Katastrophenschutz steht eine Vielzahl von Ein-
heiten und Einrichtungen zur Verfügung. In den Einheiten werden vom
Wehrdienst freigestellte und ehrenamtliche Helfer eingesetzt. Insgesamt
verfügt der Freistaat Sachsen derzeit über 6 514 Helferinnen und Helfer.
Flutkatastrophe 2002
Im August 2002 traf Sachsen ein außergewöhnliches Hochwasserereignis.
Starke Regenfälle im Erzgebirge ließen zunächst die normalerweise ru-
higen Flüsse wie Weißeritz, Zwickauer und Freiberger Mulde, Triebisch
und Müglitz zu reißenden Wassern anschwellen. Dann stieg die Elbe und
zerstörte in ganz Sachsen Straßen, Brücken, Schienen und Gebäude. Am
17. August maß man in Dresden den Höchststand der Elbe von 9,40 m,
normal ist ein Pegelstand von 1,26 m. In Sachsen waren 16 Kreise und vier
kreisfreie Städte direkt von der Flut betroffen, die 21 Tote und 110 Verletzte
forderte und einen Gesamtschaden von 8,6 Mrd. Euro verursachte.
Der Welle des Wassers folgte eine großartige Welle der Hilfsbereitschaft,
die den Menschen in den betroffenen Gebieten Kraft für den Wiederauf-
bau gab. Dank der vielen uneigennützigen Mitbürger und Helfer aus dem
In- und Ausland – von Bundeswehr, THW und DRK, um nur wenige zu
nennen – konnten unter anderem in Dresden die wertvollen Kunstgegen-
stände aus der Gemäldegalerie und dem Albertinum gerettet werden. Mit
Sandsäcken bauten die unermüdlichen Helfer zuerst Dämme, und wirkten
später bei der Beräumung der riesigen Mengen von Schwemmgut mit.
Sachsen ist all jenen sehr dankbar, die durch den Einsatz ihrer körperli-
chen oder fi nanziellen Kräfte den Wiederaufbau ermöglicht haben, der
zwei Jahre nach der Flut weitgehend abgeschlossen werden konnte.

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Recht und Sicherheit
45
Hochwasser-
rückhaltebecken
Lauenstein
Hochwasserschutz
In Sachsen sind insgesamt 291 Überschwemmungsgebiete mit einer Fläche
von rund 51 000 Hektar ausgewiesen. Vor dem Hochwasser des Jahres 2002
hatte es nur 23 ausgewiesene Überschwemmungsgebiete gegeben.
Einmalig in Deutschland ist die Ausweisung von Hochwasserent-
stehungsgebieten mit dem Ziel der Erhaltung und Verbesserung der
Wasserrückhaltung. Bis 2008 wurden die Hochwasserentstehungsgebiete
Geising/Altenberg und Schwarzwasser Teil Breitenbrunn ausgewiesen.
Die Hochwasserrückhalteräume sind in Sachsens Talsperren seit 2002 um
26 Mio. m³ auf 150 Mio. m³ erweitert worden. Das Hochwasserrückhal-
tebecken Lauenstein mit mehr als 5 Mio. m³ Fassungsvermögen wurde
im Jahr 2006 fertig gestellt. Die Meldungen des Hochwasserwarndienstes
reichen nach dessen kompletter Neugestaltung nun per Fax und E-Mail
bis auf Landkreisebene sowie per SMS, Fax und E-Mail bis auf Gemein-
deebene. Zur nachhaltigen Schadensbeseitigung und zum vorbeugenden
Hochwasserschutz wurden bis März 2005 fl ächendeckend 47 Hoch-
wasserschutzkonzepte erarbeitet. Sie enthalten ca. 1 600 Vorschläge für
Hochwasserschutzmaßnahmen an Fließgewässern. Das Investitionspro-
gramm zum Hochwasserschutz weist für die Jahre 2005–2010 insgesamt
172 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 310 Mio. Euro auf. Bis
Ende 2007 wurden präventive Hochwasserschutzmaßnahmen im Umfang
von 250 Mio. Euro umgesetzt. Neben den Hochwasserschutzkonzepten
wurden den Gemeinden und Landkreisen insgesamt 548 neu erstellte
Gefahrenkarten übergeben, die die Gefahrenabwehr erleichtern. Sie
können bei weiteren Planungen in den Gemeinden berücksichtigt werden
und sind der Öffentlichkeit jederzeit zugänglich.
Im Bereich des kommunalen Hochwasserschutzes fördert der Freistaat
Sachsen
Kommunale Hochwasserschutzkonzepte und -maßnahmen,
Schulungen der Wasserwehren und
die Wasserwehrausstattung bedürftiger Gemeinden.
Nicht zuletzt wird im Freistaat Sachsen der Wasserrückhalt in der Fläche
durch gezielte Bodenbewirtschaftung, Waldmehrung und -umbau sowie
durch Gewässerrenaturierungen erhöht.

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46
Wirtschaft und Arbeit
WIRTSCHAFT
UND
ARBEIT

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Wirtschaft und Arbeit
47
Sachsen mit aller Kraft voraus
Wirtschaftsstruktur
Der Freistaat Sachsen ist ein Land mit großer und lang zurück reichender
industriell-gewerblicher Tradition. Aufbauend auf einer jahrhunderte
alten Textilindustrie und einer auf den bergbaulichen Lagerstätten basie-
renden Schwerindustrie setzte hier bereits um 1830 auf breiter Front die
industrielle Revolution ein. Nicht zuletzt – aber nicht alleine – durch das
in der Manufaktur in Meißen hergestellte Porzellan wurden sächsische
Erzeugnisse weltbekannt. Im Zuge der technischen Entwicklung traten
neben die traditionelle Textilindustrie neue Branchen, vor allem der
Maschinenbau und die Elektrotechnik. An der fortschreitenden Industria-
lisierung Deutschlands im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren
sächsische Unternehmen stets an vorderster Front mit beteiligt.
Die überragende Bedeutung des industriellen Sektors blieb auch nach
dem zweiten Weltkrieg bestehen. In der DDR erbrachten die drei säch-
sischen Bezirke 40 % der DDR-Industrieproduktion.
Die ab 1990 eingeleitete Umstellung auf die Marktwirtschaft führte
jedoch zum weitgehenden Zusammenbruch der traditionellen, in der
DDR über lange Zeiträume konservierten wirtschaftlichen Strukturen
und zum Wegfall vieler unrentabler Arbeitsplätze. Mittlerweile kann
Sachsen wieder an die industrielle Tradition des Landes anknüpfen und
entwickelt sich zu einem wettbewerbsfähigen Industriestandort.
In Sachsen gibt es heute fünf unterscheidbare Wirtschaftsräume mit drei
urbanen Kernen, die als Motoren wirtschaftlicher Bewegung fungieren.
Zwischen Dresden und Freiberg sind besonders die Mikroelektronik und
die Elektrotechnik beheimatet („Silicon Saxony“), mit Firmen wie AMD,
Infineon und Deutsche Solar AG oder Freiberger Compound Materials. Der
Wirtschaftsraum Nordwestsachsen umgibt die Handelsmetropole Leipzig,
die sich als Standort für Medien und Finanzdienstleistungen entwickelt,
und im mittelsächsischen Ballungsraum um Chemnitz und Zwickau ist
traditionell der Maschinen- und Fahrzeugbau Sachsens konzentriert. Um
diese Zentren bilden sich zunehmend regionale Netzwerke heraus. Solche
Entwicklungen sind beispielsweise im Bereich der Mikroelektronik mit
Unternehmen in Dresden/Freiberg, im Fahrzeug- und Maschinenbau mit
Chemnitz/Zwickau oder mit dem Medienstandort Leipzig zu verzeichnen.
Ostsachsen, das Erzgebirge und das Oberes Vogtland, in der DDR eher
monostrukturell, haben bis in die Gegenwart deutlich größere Probleme,
den wirtschaftlichen Wandel und die Herausbildung eines modernen
wirtschaftlichen Profils zu bewerkstelligen.
Die neue 300-mm-
Waferfertigung der
Siltronic AG in Freiberg
Fahrzeugmontage
im Volkswagenwerk
Zwickau/Mosel

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48
Wirtschaft und Arbeit
Der Mittelstand ist ein wichtiger Bestandteil der sächsischen Wirtschaft.
Diese wird überwiegend von kleinbetrieblichen Unternehmensstrukturen
geprägt. Mehr als zwei Drittel (rund 68 %) der 114 459 Betriebe und
staatlichen Einrichtungen (mit sozialversicherungspfl ichtig Beschäf-
tigten) hatten 2007 bis zu fünf Mitarbeiter, 21 % beschäftigten sechs
bis 19 Mitarbeiter und in weniger als 2 % der Betriebe waren 100 und
mehr Personen tätig. Insgesamt haben rund 96 % aller Betriebe weniger
als 50 (sozialversicherungspfl ichtig) Beschäftigte. Das eigenständige
Unternehmertum wächst stetig. Der Anteil der Selbstständigen an den
Erwerbstätigen hat sich seit 1991 (4,6 %) in Sachsen auf inzwischen
11,5 % im Jahr 2007 erhöht. Die Selbstständigenquote ist die höchste
in den neuen Flächenländern.
Selbstständige
einschließlich
mithelfender
Familienangehöriger in
Prozent der gesamten
Erwerbstätigen*
Quelle:
Statistisches Bundesamt
– Mikrozensus
*
)
Bis 2004 Neue Länder mit Berlin-Ost und Alte Länder mit Berlin-West, ab 2005 Neue und Alte Länder ohne
Berlin. Vergleich mit den Vorjahren deshalb nur eingeschränkt möglich.

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Wirtschaft und Arbeit
49
Wirtschaftskraft
Im Zeitraum 2000–2007 nahm die Wirtschaftsleistung preisbereinigt im
Freistaat Sachsen um 13,4 % zu. Sachsen ist damit nach Bayern (14,5 %)
am zweitstärksten unter allen Bundesländern gewachsen. 2007 erreichte
der Freistaat ein Wirtschaftswachstum von 2,4 % und lag damit leicht unter
dem bundesdeutschen Wachstum von 2,5 %. Sachsen trug mit seinem
Bruttoinlandsprodukt (BIP)
8)
in Höhe von 92,4 Mrd. Euro (in jeweiligen
Preisen) 2007 zum BIP der neuen Länder (ohne Berlin) 33,2 % und zum
gesamtdeutschen BIP 3,8 % bei.
Trotz einer weiteren Verbesserung der Arbeitsproduktivität erreichte
die Wirtschaftsleistung je Erwerbstätigen bislang nur ca. 75 % des west-
deutschen Produktivitätsniveaus
9)
(ohne Berlin).
Dennoch ist der wirtschaftliche Umstrukturierungsprozess in Sachsen auf
gutem Wege. Von 1990 bis Ende 2007 lag der Saldo aus Gewerbean- und
-abmeldungen bei über 290 000. Dieser Trend hält an. Nach dem gewal-
tigen, durch Subventionen begünstigten Bauboom Anfang der 1990er
Jahre gehören inzwischen verarbeitendes Gewerbe und unternehmensnahe
Dienstleistungen zu den dynamischsten Wirtschaftsbereichen. Mit rund
48 % der gesamten Bruttowertschöpfung liegt ihr Anteil höher als in allen
anderen neuen Ländern.
Industrie
Motor der wirtschaftlichen Dynamik im Freistaat Sachsen ist die Industrie
(verarbeitendes Gewerbe). Zwischen 2000 und 2007 hat die Bruttowert-
schöpfung des verarbeitenden Gewerbes in Sachsen preisbereinigt um rund
70 % zugenommen. In den neuen Ländern (ohne Berlin) lag der Zuwachs
in diesem Zeitraum bei rund 54 % und in den alten Ländern (ohne Berlin)
nur bei rund 16 %. In den Betrieben des verarbeitenden Gewerbes mit 20
und mehr Beschäftigten betrug der Umsatzzuwachs im Jahr 2007 gegen-
über dem Vorjahr 11,9 %.
Die bedeutendsten industriellen Wirtschaftszweige in Sachsen, gemes-
sen an der Beschäftigtenzahl, waren im Jahr 2007 mit rund 43 000 bzw.
38 500 Beschäftigten die Metallerzeugung und -bearbeitung/Herstel-
lung von Metallerzeugnissen, der Maschinenbau und die Herstellung
von Büromaschinen; Elektrotechnik, Feinmechanik, Optik (36 000
8)
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gibt diejenige neu zur Verfügung stehende Gütermenge an, die im Inland
innerhalb eines Jahres von In- und Ausländern hergestellt wurde. Das BIP ist ein Maß für die wirtschaftliche
Leistung eines Landes.
9)
Die Arbeitsproduktivität zeigt an, wie groß der produktive Beitrag eines jeden Beschäftigten ist. Ein Anstieg
der Arbeitsproduktivität bedeutet, dass sich die Wertschöpfung in Bezug auf den Arbeitseinsatz erhöht hat
bzw. das angestrebte Produktionsergebnis mit einer geringeren Menge von Arbeitsstunden erreicht wurde.
Einfluss auf die Arbeitsproduktivität haben vor allem technischer Fortschritt und Arbeitsintensität.
Meissen® – Marken
Automobilzulieferer
Cloyes Europe GmbH,
Oberseifersdorf/Zittau

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50
Wirtschaft und Arbeit
Beschäftigte). Der Fahrzeugbau hat sich in den letzten Jahren überdurch-
schnittlich entwickelt. Er hat einen Beschäftigtenanteil von etwa 13 %
(rund 30 000 Personen) und erwirtschaftet mit 14,1 Mrd. Euro knapp
25 % des Gesamtumsatzes des verarbeitenden Gewerbes.
Neben diesen traditionellen Branchen gewinnen neue zukunftsweisen-
de Industriezweige der Hochtechnologie zunehmend an Gewicht. Die
Herstellung von „Spitzentechnik“ hat in Sachsen mittlerweile sogar
ein ebenso hohes Gewicht wie in Gesamtdeutschland. Investitionen in
Schlüsseltechnologien wie Mikroelektronik, biologische Forschung und
Technologie oder neue Werkstoffe werden zusätzlich gefördert durch die
gezielte Vernetzung aller Akteure. So werden Netzwerke wie „Silicon
Saxony“ und die Sächsischen Verbundinitiativen zu Markenzeichen einer
leistungsstarken Industrieregion.
In Sachsen arbeiten traditionsreiche Manufakturen wie die Uhrenbetriebe in
Glashütte und die Porzellan-Manufaktur Meissen, aber ebenso neue wie die
Gläserne Manufaktur von VW in Dresden, die den Phaeton produziert.
Dienstleistungen und Handel
Der Strukturwandel in Sachsen vollzieht sich mit einem Trend zu
Dienstleistungen. Besonders Banken, Versicherungen und das Gast-
gewerbe konnten sich gut entwickeln, während in einzelnen Bereichen
der unternehmensnahen Dienstleistungen noch ein Nachholbedarf be-
steht. Bei Unternehmensdienstleistungen, die auf Wissen basieren, wie
z. B. Beratungsdienste oder Datenverarbeitung, gab es hingegen eine
positive Entwicklung. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Wirt-
schaftswachstum und beschäftigen hochqualifizierte Arbeitskräfte. Der
Dienstleistungssektor insgesamt beschäftigte 2007 in Sachsen mit rund
71 % der Erwerbstätigen bereits über 1,4 Mio. Menschen. Insbesondere
im Gesundheitswesen, im Kredit- und Versicherungsgewerbe, im Gast-
gewerbe, in der Hauswirtschaft, in der öffentlichen Verwaltung sowie in
Erziehung und Unterricht sind größtenteils Frauen beschäftigt, ihr Anteil
liegt bei über 60 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im
Dienstleistungsbereich.
Ende 2007 waren im Handel und KFZ-Gewerbe 176 300 Personen
beschäftigt, das sind rund 13 % der sozialversicherungspfl ichtig Be-
schäftigten in Sachsen. Die Verkaufsfläche des Einzelhandels hat sich
von 2001 bis 2006 leicht rückläufi g entwickelt. Bezogen auf die Ein-
wohnerzahl lag Sachsen mit 1,62 m² Verkaufsfläche je Einwohner im
Jahr 2006 über dem Bundesdurchschnitt. Der Anteil des großflächigen
Einzelhandels (ab 800 m² Verkaufsfläche) lag 2006 bei ca. 59,5 % der
Gesamtverkaufsfläche.
Die Mädler-Passage
im Zentrum Leipzigs
Die Gläserne
Manufaktur von VW
in Dresden

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Wirtschaft und Arbeit
51
Handwerk
Am 31. Dezember 2008 gab es im Freistaat 58 192 registrierte Handwerks-
betriebe, davon 37 589 meistergeführte Betriebe. Die meisten Unternehmen
befinden sich im Regierungsbezirk Chemnitz mit 24 397 Betrieben, gefolgt
vom Regierungsbezirk Dresden mit 22 049 und vom Regierungsbezirk
Leipzig mit 11 746 Betrieben. Damit sind in Sachsen rund ein Drittel aller
Handwerksbetriebe der ostdeutschen Bundesländer (ohne Berlin) ansässig.
Zum Vergleich: Anfang 1990 hatte es in Sachsen ca. 31 000 Handwerks-
betriebe gegeben.
Im sächsischen Handwerk sind derzeit rund 330 000 Menschen beschäftigt.
1989/90 waren im Handwerk der damaligen DDR-Bezirke Karl-Marx-
Stadt (Chemnitz), Dresden und Leipzig – heute Sachsen – ca. 95 000 Be-
schäftigte einschließlich Inhaber tätig.
Fast jeder fünfte sächsische Beschäftigte arbeitet im Handwerk. Mit circa
14 Betrieben pro 1 000 Einwohner liegt die Handwerksdichte in Sachsen
deutlich über dem bundesdeutschen Mittel von 11,6. Die zahlenmäßig stärks-
ten Gewerbegruppen bilden die Elektro- und Metallgewerbe mit 18 211 Be-
trieben sowie die Bau- und Ausbaugewerbe mit 18 221 Handwerksfirmen.
Eine Besonderheit im Freistaat ist die Vielfalt des Kunsthandwerkes.
Posamentenmacher aus Annaberg, Lebkuchenbäcker aus Pulsnitz,
Uhrmacher aus Glashütte, Holzspielzeugmacher aus dem Erzgebirge
sowie Musikinstrumentenbauer aus dem Vogtland gehören dazu. Viele
alte Handwerkstechniken haben sich die Sachsen wieder neu erarbeitet,
herausgefordert durch Vorhaben wie den Wiederaufbau der Semperoper
(1985 vollendet), den Wiederaufbau der Frauenkirche (vollendet 2005)
oder des Grünen Gewölbes (vollendet 2006).
Außenhandel
Seit 1991 ist das Außenhandelsvolumen Sachsens überdurchschnittlich
gewachsen. Die Ausfuhren haben sich von 1991 bis 2007 verneunfacht.
Auch die Einfuhren entwickeln sich weiter positiv. Im Jahr 2007 wurden
Waren im Wert von rund 14,8 Mrd. Euro in den Freistaat importiert.
Exportiert wird traditionell in die Mittel- und Osteuropäischen Länder
(MOE), Westeuropa sowie die Vereinigten Staaten von Amerika. Mit fast
1,8 Mrd. Euro waren die USA 2007 Sachsens größter Exportpartner, es
folgten Malaysia und Italien.
Der Exportanteil nach Amerika bzw. Asien ist jedoch gegenüber Europa
vergleichsweise gering. Mehr als zwei Drittel der sächsischen Ausfuhren
(rund 15,7 Mrd. Euro) gingen in europäische Staaten. Bei den Importen
bleibt die Tschechische Republik mit einem Anteil von fast einem Fünftel
Spitzenreiter, gefolgt von der Russischen Föderation und Polen.
Höchste Präzision
bei der Uhrenfertigung
in Glashütte
Ein Reifendreher
drechselt Rohlinge
für Holztiere

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52
Wirtschaft und Arbeit
Messen
Kaiser Maximilian I. verlieh der Stadt Leipzig bereits 1497 das kaiser-
liche Privileg für Reichsmessen, einen vergleichbaren Markt durfte es im
Umkreis von 225 km nicht mehr geben. Im Laufe der Jahrhunderte wurde
Leipzig zu einem sehr bedeutenden Ost-West-Handelsplatz. Hier wurde
1895 die erste Mustermesse und 1918 die erste Technische Messe ausge-
richtet. Im Jahr 1896 öffnete das erste Messehaus „Städtisches Kaufhaus“.
Die Leipziger Messe – auch als Mutter aller Messen bezeichnet – wurde
damit zum Welthandelsplatz. Das neue Messegelände öffnete 1996 seine
Pforten, besonders erfolgreich sind z. B. die Leipziger Buchmesse und die
Auto Mobil International. Auch Dresden und Chemnitz etablierten sich er-
folgreich als Messestandorte mit hauptsächlich regionaler Ausrichtung.
Wirtschaftsförderung und -entwicklung
Seit 1991 unterstützt die landeseigene Gesellschaft Wirtschaftsförderung
Sachsen (WFS) in- und ausländische Investoren, sächsische Kommunen
und sächsische Firmen. Dabei arbeitet die WFS eng mit kommunalen
Wirtschaftsförderern zusammen.
Zu Fragen der Förderung steht den Unternehmen die Sächsische Auf-
baubank hilfreich zur Seite.
Gefördert werden Wirtschaft und Technologie, Außenwirtschaft, Ar-
beitsmarkt, Existenzgründungen (v. a. Existenzgründercoaching) und der
Mittelstand. Hilfen zur Konsolidierung werden ebenso angeboten wie
Beteiligungen und Bürgschaften. Produktions- und Innovationskooperati-
onen werden finanziell unterstützt und erhalten zusätzlich Anstöße durch
staatlich geförderte Netzwerke. Eine Fördermitteldatenbank
(http://www.
foerderfibel.sachsen.de) hilft bei der Suche nach Fördermitteln verschie-
denster Programme.
Neue Leipziger Messe
Der von der WFS
betreute Messestand
zur CeBIT 2005
Außenhandel Sachsens
1998–2007
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen

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Wirtschaft und Arbeit
53
Arbeitsmarkt
Der Übergang von der oftmals unproduktiven Beschäftigungsgesellschaft
der DDR zu marktwirtschaftlichen Strukturen, verbunden mit entspre-
chenden wirtschaftlichen Umstrukturierungen, hat seit 1990 tiefe Spuren
in der Beschäftigungsstruktur des Freistaates Sachsen hinterlassen. Die
Zahl der Erwerbstätigen reduzierte sich von 1989 bis 1993 um etwa ein
Drittel. Nach einem leichten Anstieg bis 1995 stagniert diese Zahl mit
leichten jährlichen Schwankungen. In den Jahren ab 2001 ist, mit Aus-
nahme des Jahres 2004, wieder ein stärkerer Rückgang zu verzeichnen, so
dass im Jahresdurchschnitt 2005 die bisher niedrigste Erwerbstätigenzahl
in Sachsen zu verzeichnen war. In den Jahren 2006 und 2007 stieg die
Zahl der Erwerbstätigen jedoch wieder an und lag im Jahresdurchschnitt
2007 bei 1,945 Millionen. Dabei haben sich die Gewichte zwischen den
Wirtschaftszweigen deutlich verschoben.
Gleichzeitig war ein starker Anstieg der offenen Arbeitslosigkeit zu ver-
zeichnen. Bis 1994 stieg die Arbeitslosenquote (Arbeitslose in Prozent der
abhängigen zivilen Erwerbspersonen) in Sachsen auf 15,7 % an. Nach einem
leichten Rückgang 1995 setzte sich der Anstieg bis 1998 auf 18,8 % fort.
Nach einer erneut rückläufigen Entwicklung bis zum Jahr 2000 stieg diese
Quote auf 20 % im Jahresdurchschnitt 2005. In den beiden Folgejahren
ging die Arbeitslosenquote deutlich zurück und lag im Jahresdurchschnitt
2007 bei 16,4 %.
Allerdings kann die Arbeitslosenquote die tatsächliche Entwicklung nur
unvollkommen abbilden. Zur Beschreibung der Situation auf dem Arbeits-
markt müssen Kurzarbeit, arbeitsmarktpolitische Maßnahmen sowie die
Regelungen für ältere Arbeitnehmer, die insbesondere in den Jahren bis
Erwerbstätige im
Freistaat Sachsen nach
Wirtschaftsbereichen
Quelle: Statistisches
Landesamt Sachsen,
Arbeitskreis „Erwerbs-
tätigenrechnung
des Bundes und der
Länder“, Ergebnisse
der 2. Schnellrechnung
(Stand März 2008)
Angaben im Jahresdurchschnitt am Arbeitsort

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54
Wirtschaft und Arbeit
1996 von Bedeutung waren, einbezogen werden. Im Jahresdurchschnitt 2007
waren in Sachsen insgesamt rund 409 700 Personen von Arbeitslosigkeit
10)
betroffen. Gemessen an den abhängigen zivilen Erwerbspersonen lag die
Quote der Unterbeschäftigung mit 20,8 % deutlich unter dem vergleich-
baren Vorjahreswert. Dabei ist das Niveau der Unterbeschäftigung regional
differenziert.
Einkommen und Preise
Die durchschnittlichen Bruttolöhne und -gehälter der Arbeitnehmer aller
Wirtschaftsbereiche lagen im Jahr 2007 in Sachsen bei 21 891 Euro.
Die Arbeitnehmer im Freistaat Sachsen erzielten damit rund 81 % des
durchschnittlichen Verdienstes der Arbeitnehmer in Deutschland – 1991
waren es noch 57 %.
Im Februar 2008 erreichte der Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten
Haushalte in Sachsen einen Wert von 106,8 (2005 = 100)
11)
und war damit
um 2,8 % höher als im Februar 2007.
Leben durch Sachsens Natur
Landwirtschaft
Im Jahr 2007 wurde Sachsens Territorium auf 917 510 ha landwirt-
schaftlich genutzt, das sind rund 50 % der Landesfl äche. Der weitaus
größte Teil dieser Flächen liegt in der Lausitz, in Mittelsachsen und in
der Leipziger Tieflandsbucht.
Die natürlichen Gegebenheiten lassen eine vielfältige Nutzung zu. An-
gebaut werden vor allem Getreide und Raps, aber auch Ackerfutter. Mit
durchschnittlichen Erträgen von bis zu 61,4 dt/ha wurden z. B. im Jahr 2007
etwa 2,3 Mio. Tonnen Getreide geerntet. Eine lange Tradition haben in
Sachsen auch der Obstanbau (bei Dresden und südöstlich von Leipzig)
sowie der Weinbau (im Elbtal Raum Meißen – Dresden). 339 Agrarbetriebe
wirtschafteten 2007 auf 28 274 ha nach den Grundsätzen des ökologischen
Landbaus. Insgesamt arbeiten 7 021 Unternehmen im Bereich der Land-
wirtschaft. Sie beschäftigen ca. 42 000 Personen.
Im sächsischen Agrarumweltprogramm werden Leistungen honoriert,
die Landwirte und Landbewirtschafter durch den Schutz der natürli-
chen Lebensgrundlagen Boden, Wasser, Luft sowie Flora und Fauna
10)
Arbeitslose, Kurzarbeit, Arbeitsbeschaffungs- und Strukturanpassungsmaßnahmen, Qualifi
zierung, Beschäf-
tigung schaffende Infrastrukturmaßnahmen, Arbeit für Langzeitarbeitslose, Arbeitsgelegenheiten, spezielle
Maßnahmen für Jüngere, Freie Förderung, § 428 SGB III
11)
Das entspricht einer Preissteigerung eines repräsentativen Warenkorbs (750 Güter) um 6,8 Prozentpunkte
innerhalb der letzten drei Jahre.

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Wirtschaft und Arbeit
55
für die Allgemeinheit erbringen. Dafür werden bis zum Jahr 2013 rund
210 Mio. EUR zur Verfügung gestellt.
Im Jahr 2007 wurden 150 868 ha Ackerland über Zwischenfruchtanbau,
Untersaaten, Mulchsaaten etc. stoffeintragsminimierend bewirtschaftet.
Damit wurde ein Beitrag zur Verringerung der Nitratstickstoffbelastung
und der Bodenabschwemmung geleistet. Weiterhin wurden von 185 460 ha
Grünland in Sachsen rund 43 % extensiv/ökologisch und ca. 11 % natur-
schutzkonform bewirtschaftet.
Ökologische Anbauverfahren wurden auf 22 177 ha im Rahmen des
Agrarumweltprogramms gefördert.
Umweltallianz Sachsen
Im Freistaat Sachsen wurde 1998 zwischen der Sächsischen Staatsregierung
und der sächsischen Wirtschaft die vertragliche Vereinbarung zur Umweltalli-
anz Sachsen Umwelt und Wirtschaft unterzeichnet. Damit wurde ein neuer
Weg für eine Stärkung der regionalen Wirtschaft bei gleichzeitiger Entlastung
der Umwelt eingeschlagen. Die freiwillige Vereinbarung der Umweltallianz
Wirtschaft wurde im Juli 2003 für weitere fünf Jahre verlängert und wird im
November 2008 erneut für weitere fünf Jahre fortgeschrieben.
Handwerksbetriebe, Dienstleister, Krankenhäuser, Verkehrsbetriebe,
Verbände, industrielle Großunternehmen der chemischen Industrie,
der Mikroelektronik oder Ernährungswirtschaft: Diese Unternehmen
leisten freiwillig über das gesetzliche Maß hinaus einen Beitrag zum
Umweltschutz.
Die Umweltallianz Land- und Forstwirtschaft wurde 1999 als freiwillige
Vereinbarung zwischen dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft und 14 Verbänden der sächsischen Land-, Forst- und
Fischereiwirtschaft unterzeichnet. Am 15. Dezember 2005 wurde auch
hier eine Fortschreibung um weitere fünf Jahre vereinbart.
Die 400 Teilnehmer haben sich u. a. zu umweltgerechtem Ackerbau,
Forst- und Teichwirtschaft verpflichtet.
Tierhaltung und Teichwirtschaft
Rund zwei Drittel der Gesamterlöse der sächsischen Landwirtschaft stam-
men aus der Tierhaltung. In Sachsens Ställen stehen rund 485 000 Rinder,
622 000 Schweine, 127 000 Schafe und 3 232 800 Legehennen. Außerdem
gibt es in Sachsen ca. 27 700 Bienenvölker.
Die Rinderhaltung ist Erwerbsquelle für ca. 13 000 Beschäftigte und dient
auch der Pflege der Kulturlandschaft. Die Milcherzeugung ist derzeit eine
der wichtigsten Einnahmequellen der sächsischen Tierhalter; sie dürfen
jährlich knapp 1,6 Mio. t Milch produzieren.

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56
Wirtschaft und Arbeit
Sachsens Pferdezucht ist u. a. bekannt für die elegante Pferderasse
„Schweres Warmblut“. Ca. 150 neu entstandene Reiterhöfe sind auch
Anziehungspunkt für Touristen geworden. Die jährliche Hengstparade in
Moritzburg ist ein Höhepunkt für Pferdeliebhaber aus der ganzen Welt.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche vereinsorganisierte Pferdezucht- und
Pferdesportveranstaltungen.
Die Teichbewirtschaftung hat in Sachsen Tradition. Sachsens Teich-
wirte vermarkteten 2007 ca. 2 900 t Fisch pro Jahr, davon allein 2 000 t
Speisekarpfen.
Forstwirtschaft
Anfang 2008 betrug die Waldfläche im Freistaat Sachsen 518 325 ha
– das entspricht 28,2 % der Landesfläche. Dieser Anteil soll durch Auf-
forstung von Bergbaufolgelandschaften, Hochwasserentstehungsgebieten
und in Gebieten mit geringem Waldanteil auf 30 % wachsen. Von der
gesamten Waldfl äche sind 39 % Eigentum des Freistaates Sachsen,
5 % gehören dem Bund und weitere 8 % sind Körperschaftswald. Der
Anteil des Privatwaldes beträgt 45 %. Kirchenwald ist zu 2 % und Wald
mit Sonderstatus (z. B. Treuhandrestwald) zu 1 % vertreten. Sachsens
Wald wird von ca. 85 000 einzelnen Forstbetrieben bewirtschaftet. Im
Cluster „Forst & Holz“ sind mehr als 25 000 Personen in Betrieben mit
20 und mehr Mitarbeitern beschäftigt. Mit fast 80 % überwiegen in den
sächsischen Wäldern Nadelbäume, vor allem Fichten und Kiefern. In
den Waldverjüngungen überwiegen dagegen die Laubbäume. Der Ge-
samtholzvorrat beträgt 126 Mio. m³. Der jährliche Holzzuwachs liegt bei
rund 9 m³/ha, wovon bislang lediglich gut die Hälfte geerntet wird. Jede
Waldfläche erfüllt im Durchschnitt zwei bis drei besondere Schutz- und
Erholungsfunktionen (v. a. im Naturschutz). Insbesondere im Hinblick
auf den Klimawandel werden die Wälder weiter verstärkt in stabile und
leistungsfähige Mischbestände umgebaut. Die privaten und körperschaft-
lichen Waldbesitzer werden dabei mit Fördermitteln unterstützt.
Weinbau
Die erste urkundliche Erwähnung des Weinbaus in Sachsen geht bereits
auf das Jahr 1161 zurück. Im 15. Jahrhundert standen schon Reben auf
etwas mehr als 4 000 ha. Die Einschleppung der Reblaus 1887 beschleu-
nigte aber den bereits laufenden Niedergang des Weinbaus enorm. In
der Folge wurden viele Hänge bebaut oder als Obstland genutzt.
Mit der Einführung reblausresistenter Pfropfreben kam es in den 1920er
und 1930er Jahren zu einer allmählichen Erholung, die sich nach dem
2. Weltkrieg fortsetzte. Weitere Impulse gingen von den Hobbywin-
Hochmechanisierte
Holzernte mit Harvester

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Wirtschaft und Arbeit
57
zern aus, die etwa ab 1970 einige besonders markante Lagen im Elbtal
wieder aufrebten.
In den letzten Jahren ist die Rebfl äche besonders stark gewachsen, von
320 ha im Jahr 1990 auf heute 510 ha. Prägend sind dabei die jahrhun-
dertealten Steil- und Terrassenlagen, die der Weinbaukulturlandschaft
des Elbtals ihren besonderen Reiz verleihen.
In Sachsen dominiert der Weißwein. Die verbreitetsten Sorten waren 2007
Müller-Thurgau (80 ha), Riesling (62 ha) und Weißburgunder (51 ha).
Der Goldriesling (12 ha) wird nur in Sachsen angebaut. Spätburgunder
ist mit 34 ha die am meisten angebaute Rotweinsorte. Die jährliche
Weinproduktion liegt in der Regel zwischen 15 000 und 20 000 hl bei
einem sehr geringen Anteil von Tafelwein. Die zahlreichen Weinfeste
im Herbst, mit denen die neue Ernte traditionell gefeiert wird, sind für
Einheimische und Touristen gleichermaßen Anziehungspunkte. Am
bekanntesten sind die Feste in Meißen und Altkötzschenbroda.
Ländliche Entwicklung
Sachsen unterstützt die ganzheitliche Entwicklung ländlicher Räume und
damit auch die Verbesserung der Rahmenbedingungen der Landwirtschaft,
vor allem durch Umnutzung von landwirtschaftlicher Bausubstanz. Die
Entwicklung von Regionen aufgrund von Initiativen durch die „Basis“
selbst gewinnt zunehmend an Bedeutung. Im Zeitraum 1991 – 2007 wurden
hierzu rund 2,7 Mrd. Euro an Fördermitteln bewilligt, einschließlich der
Hochwasserschadensbeseitigung, wodurch ein Investitionsvolumen von
rund 12,3 Mrd. Euro realisiert wurde.
Bergbau
Sachsens wirtschaftlicher Reichtum beruht nicht zuletzt auf den reichen
Bodenschätzen. Der Bergbau des Erzgebirges ist nur noch in Schauberg-
werken als touristische Attraktion zu erleben. Anders verhält es sich beim
Abbau oberflächennaher Rohstoffe (Tagebau). Die Braunkohleindustrie hat
in Sachsen seit der Wiedervereinigung 10 Mrd. Euro investiert. 2002 wur-
den von der mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG) und
der Lausitzer Braunkohle AG (LAUBAG) zusammen rund 30 Mio. Tonnen
Braunkohle gefördert, die in den Kraftwerken Boxberg und Lippendorf
verstromt werden. Im Steine- und Erdenbergbau wurden seit 1990 rund
5 Mrd. Euro investiert. 286 Betriebe förderten 2002 rund 31 Mio. Tonnen
Fest- und Lockergesteine. So wurde der Sandstein für den Wiederaufbau
der Dresdner Frauenkirche bei Pirna gebrochen.
Belvedere und
Weinberg Schloss
Wackerbarth,
Radebeul

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58
Infrastruktur und Kommunikation
INFRASTRUKTUR
UND
KOMMUNIKATION

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Infrastruktur und Kommunikation
59
Die Autobahn A 14
bei Leipzig unterquert
die Rollbahn des
Flughafens
Straßenkilometer in
Sachsen
Stand 1.1.2008
Daten:
Statistisches Landesamt
Sachsen
Sachsen in Bewegung
Straße
Mit 740 m überörtlicher Straße pro km² hat Sachsen eine über dem Bun-
desdurchschnitt liegende Straßendichte. In den Ausbau des sächsischen
Straßennetzes wurden seit 1991 rund 14,9 Mrd. Euro investiert. Bis zum
Jahresende 2008 sind dafür ca. 15,6 Mrd. Euro eingeplant. Dabei war und
ist die Komplettierung des Autobahnnetzes in Sachsen von besonderer
verkehrspolitischer Dringlichkeit. Die A 38 Südumfahrung Leipzig sowie
die A 17 Dresden – Bundesgrenze D/CZ sind vollendet, der teilweise
sechsstreifige Ausbau der A 4 und der Ausbau der A 72 zwischen Plauen
und Chemnitz sind so gut wie abgeschlossen. Die neue A 72 Chemnitz
– Leipzig befindet sich im Bau.
Zum 1. Januar 2008 waren im Freistaat 2,40 Mio. Kraftfahrzeuge zugelassen,
darunter 2,05 Mio. PKW und mehr als 159 000 LKW. Insgesamt gab es im
Jahr 2005 auf Sachsens Straßen 124 146 Straßenverkehrsunfälle, darunter
waren 15 922 Unfälle mit Personenschaden zu verzeichnen, 20 259 Men-
schen wurden verletzt und 292 getötet.
Anzahl der Straßengrenzübergänge
Überörtliche Straßen gesamt
13 584 km
davon Bundesautobahnen
513 km
davon Bundesstraßen
2 417 km
davon Staatsstraßen
4 764 km
davon Kreisstraßen
5 872 km

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60
Infrastruktur und Kommunikation
Öffentlicher Personennahverkehr
Der Freistaat ist durch das Streckennetz von Eisenbahnen, Straßenbahnen,
Regional- und Stadtbussen sehr gut erschlossen. Die Planung, Organisation
und Ausgestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs ist Aufgabe der
Landkreise und kreisfreien Städte. Diese haben sich zu Zweckverbänden
zusammengeschlossen und bilden die Verkehrsverbünde Mittelsachsen,
Oberelbe, Vogtland, Oberlausitz/Niederschlesien und den Mitteldeutschen
Verkehrsverbund. Sie organisieren den gesamten Bus- und Bahnverkehr „in
einer Hand vor Ort“. Jährlich benutzen mehr als 400 Mio. Personen Busse
und Straßenbahnen, es waren insgesamt 309 Unternehmen mit mehr als
9 500 Beschäftigten tätig.
Eisenbahn
Sachsen ist ein Eisenbahnland: Mit rund 2 500 km Streckenlänge und
knapp 600 Verkehrsstationen (Bahnhöfe und Haltepunkte) verfügt Sach-
sen über eines der dichtesten Eisenbahnnetze Europas.
Der Eisenbahnverkehr Sachsens umfasst vier Bereiche:
ICE/IC-Verkehre auf Hochgeschwindigkeitsstrecken bis zu
250 km/h
Regionalverkehre auf überwiegend ausgebauten Regionalnetz-
strecken mit bis zu 160 km/h (Vogtland-, Erzgebirgs-, Mittelsach-
sen- und Ostsachsennetz)
S-Bahn-Systeme in Dresden und Leipzig sowie das artverwandte
Chemnitzer Modell (Stadt-/Umlandverkehr)
touristisch geprägte Eisenbahnverkehre auf den Schmalspur-
bahnen.
Sachsen wird gegenwärtig von 72 Nahverkehrs- und neun Fernverkehrs-
linien erschlossen. Seit der Wiedervereinigung 1990 sind ca. 5,5 Mrd. Euro
in das sächsische Bahnnetz investiert worden.
Wichtigstes Vorhaben im Eisenbahninfrastrukturbereich ist zurzeit der
City-Tunnel Leipzig, dessen Inbetriebnahme Ende 2011 das S- und Regi-
onalbahnsystem im mitteldeutschen Raum revolutionieren wird.
Beim weiteren Ausbau des Schienenhauptnetzes werden besondere Schwer-
punkte auf den Strecken Sachsen-Franken-Magistrale (u. a. Elektrifizierung
Reichenbach–Hof), Dresden – Leipzig, Hoyerswerda – Horka – Grenze
Deutschland/Polen, Dresden – Berlin und Dresden – Görlitz gesetzt. Für
die Verbindung Dresden – Prag soll langfristig eine Hochgeschwindigkeits-
strecke realisiert werden.
Nahverkehrszug der
Vogtlandbahn
Nahverkehrszug der
Vogtlandbahn
Bahnhof Leipzig – der
größte Kopfbahnhof
der Welt
Bahnhof Leipzig – der
größte Kopfbahnhof
der Welt
Die Schmalspurbahn
Zittau-Jonsdorf/Oybin
Die Schmalspurbahn
Zittau-Jonsdorf/Oybin

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Infrastruktur und Kommunikation
61
Seit der Bahnreform im Jahr 1993 haben sich im Freistaat Sachsen mehr
als 30 nichtbundeseigene Eisenbahnen im Personen- und Güterverkehr
etabliert, die den Wettbewerb auf der Schiene beleben.
Güterverkehr
Sachsen förderte die Entwicklung der Güterverkehrszentren in Leipzig,
Glauchau und Dresden mit mehr als 104 Mio. Euro. Deren wirtschaftspo-
litische Bedeutung zeigt sich in folgenden Daten: In Leipzig siedelten sich
bisher 100 Unternehmen mit ca. 3 500 Arbeitsplätzen an, im Güterverkehrs-
zentrum Südwestsachsen 70 Unternehmen mit ca. 2 300 Arbeitsplätzen
und in Dresden neun Unternehmen mit ca. 450 Arbeitsplätzen.
Luftverkehr
In die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden wurden seit 1991 über
2 Mrd. Euro investiert. So entstand in Leipzig/Halle eine zweite inter-
kontinentalfähige Start- und Landebahn. Das neue Terminal hat eine
Kapazität von 4,5 Mio. Passagieren pro Jahr. Das Unternehmen DHL
betreibt ab 2008 den Europa-Hub für Luftfrachtexpress am Flughafen
Leipzig/Halle und schafft 3 500 neue Arbeitsplätze.
Die Dresdner Start- und Landebahn wurde saniert und verlängert, das
Terminal mit einer Kapazität von 3,5 Mio. Passagieren wurde 2003 fertig
gestellt. Beide Verkehrsflughäfen sind sehr gut an Straße und Schiene
angebunden. Damit können alle Einwohner des Freistaates innerhalb von
90 Minuten einen Verkehrsflughafen erreichen. Leipzig/Halle zählte im
Jahr 2007 über 2,7 Mio. Passagiere, Dresden ca. 1,85 Mio. Außerdem
gibt es in Sachsen drei regionale und neun lokale Verkehrslandeplätze
sowie zehn Sonderlandeplätze. Das Frachtaufkommen betrug im Flug-
hafen Leipzig/Halle im Jahr 2007 über 100 000 t.
Binnenschifffahrt
Sachsen ist über die Elbe an die norddeutschen Seehäfen sowie die mit-
tel- und osteuropäischen Staaten und damit an den internationalen Handel
angebunden. Zur Entwicklung der Binnenschifffahrt sanierte der Freistaat
die Häfen in Torgau, Riesa und Dresden und investierte dafür seit 1995 mehr
als 68 Mio. Euro. In den Häfen siedelten sich 70 Unternehmen an. Diese
investierten nochmals ca. 70 Mio. Euro und schufen über 520 Arbeitsplätze.
Die Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH ist Betreiberin der Häfen.
Im Jahr 2002 erwarb sie die tschechischen Häfen in Děčin (Tetschen) und
Lovosice (Lobositz) sowie 2004 Anteile am Roßlauer Hafen. Damit bietet
die Gesellschaft nun wettbewerbsfähige Transportdienstleistungen für die
tschechische und sächsische Wirtschaft aus einer Hand an.
Neu ausgebauter
Verkehrsflughafen
Dresden
Neu ausgebauter
Verkehrsflughafen
Dresden
Raddampferflotte

62
Infrastruktur und Kommunikation
Besonders stolz ist Sachsen auf die größte und älteste Raddampferflotte
der Welt, die in Dresden ihre Heimat hat. Die „Sächsische Dampf-
schiffahrt“ verfügt über neun historische Raddampfer, zwischen 75 und
125 Jahre alt. Zwei moderne Salonschiffe und zwei kleine Motorschiffe
komplettieren die Flotte. Auf dem ca. 101 km langen Fahrtgebiet zwi-
schen Diesbar-Seußlitz und Děčin (Tetschen) mit 16 Anlegestellen wer-
den – bei normalen Wasserständen – jedes Jahr etwa 760 000 Passagiere
befördert.
Sachsens Städte
Die demografische Entwicklung in Sachsen ist vorgezeichnet: Mit raschem
Tempo werden die Menschen in unserer Gesellschaft älter und weniger. Im
Mittelpunkt der Stadtentwicklung steht die Sicherung der Zukunftsfähig-
keit unserer Städte. Innenstädte sollen wieder das Zentrum des Wohnens,
Arbeitens und der Kultur werden.
Der Stadtumbauprozess ist in vollem Gange. Wo weniger Menschen
leben, werden weniger Wohnungen benötigt. Durch den gezielten
Stadtumbau auf der Grundlage von städtebaulichen Entwicklungskon-
zepten sollen die Wohnungsbestände an den Bedarf angepasst werden.
Bis Ende 2007 konnten in Sachsen bereits rund 85 000 leer stehende
Wohnungen rückgebaut werden. Bis 2015 sollen es aus heutiger Sicht
250 000 sein. Damit kann ein weiterer Anstieg des Wohnungsleerstandes
auf Grund des Bevölkerungsrückgangs aufgehalten werden.
Viele Innenstädte wurden aufgewertet. Attraktive Wohnungen sind
entstanden. Gebäude aus unterschiedlichen Epochen der Baugeschichte
stehen wieder gleichberechtigt nebeneinander.
Der Umbau und die Sanierung der sächsischen Städte und Gemeinden
sind auch weiterhin notwendig und werden vom Freistaat Sachsen mit
der Städtebauförderung und der Wohnraumförderung gezielt begleitet und
unterstützt. Die Zuwendungen im Rahmen des EU-Förderprogramms zur
Stadtentwicklung sollen zusätzlich benachteiligte Stadtgebiete in ihrer
Entwicklung nachhaltig fördern und so die Entwicklung der Gesamtstadt
voranbringen. Mit diesen Förderinstrumenten sollen städtebauliche
Missstände und Mängel behoben oder dauerhaft gemildert und dadurch
Wohnquartiere deutlich aufgewertet werden.
Das Sächsische Staatsministerium des Innern hat seit 2008 gezielt
Förderprogramme für den Erwerb von innerstädtischem Eigentum, die
energetische Sanierung und das Mehrgenerationenwohnen ins Leben
gerufen, um die Innenstädte zum Wohnen und Leben noch attraktiver zu

Infrastruktur und Kommunikation
63
machen. Darüber hinaus wurden die Förderverfahren deutlich entschlackt
und die sanierenden Kommunen nachhaltig gestärkt. Im Mittelpunkt der
Stadtentwicklung steht eine bevorzugte Förderung der Stadtbezirke aus
der Zeit vor 1949 mit ihrem attraktiven Baubestand. Eigentümer, die
ihre Häuser selbst bewohnen, aber auch potentielle Eigentümer, die die
Chance des sächsischen Wohnungsmarktes nutzen wollen, großzügige
Haus- und Wohnungszuschnitte zu sanieren, werden durch die Förder-
möglichkeiten unmittelbar angesprochen und ermutigt, sich stärker an
der Entwicklung ihrer Stadt zu beteiligen. Die-se Zielgruppe ist mit Blick
auf den absehbaren „Wettbewerb um Köpfe“ interessant und lädt die
Kommunen dazu ein, ihre Städtebauförderung auch unter Einbeziehung
örtlicher Unternehmen auszugestalten. Gemeinbedarfs- und Folgeein-
richtungen erfahren in der neuen Verwaltungsvorschrift eine besondere
Schwerpunktsetzung. Schulen, Kindergärten und Horte, die in der Zeit
vor 1949, d. h. innenstadt- und zentrumsnah errichtet wurden, können
wie bislang (nachrangig zur Fachförderung) mit bis zu 100 % der förder-
fähigen Kosten gefördert werden. Ziel ist es, mit diesem „Förderpaket“
Zuzug in die Innenstädte und die innenstadtnahen Lagen aus der Zeit
vor 1949 zu stimulieren und damit den Kommunen mittelfristig dabei
zu helfen, die zu bewirtschaftenden Radien (z. B. Versorgungsnetze) zu
reduzieren.
Fazit: In Sachsen lohnt es sich, in der Innenstadt zu leben!
Sachsen mit Energie
Energiewirtschaft Sachsens
Die bedarfsgerechte und Ressourcen schonende Bereitstellung von
Energie ist eine der Grundvoraussetzungen für die weitere Entwicklung
der Energiewirtschaft. Sachsen besitzt eine jahrhundertealte Tradition
als Energieland und ist seit der Umstrukturierung im Jahr 1990 heute
ein starker Energiestandort. Wichtige Standortfaktoren sind in Sachsen
gegeben, um die Energiewende im 21. Jahrhundert im Einklang von Öko-
nomie, Ökologie, Versorgungssicherheit und den sozialen Bedürfnissen
der Menschen zu schaffen.
In Sachsen gibt es gut ausgebildete und kreative Menschen, innovative
und miteinander vernetzte Wirtschafts- und Forschungslandschaften und
große Braunkohlevorkommen, die subventionsfrei genutzt werden können.
Folglich bestimmt auch die Braunkohle mit 41,3 % am gesamten Primär-
energieverbrauch (Energieverbrauch vor Umwandlungseinsatz) den Ener-
gieträgereinsatz. Im Wesentlichen wird die Braunkohle zur Verstromung

64
Infrastruktur und Kommunikation
genutzt. Da die Erzeugung von Strom im Land den Verbrauch von mehr als
ein Drittel übersteigt, ist der Freistaat Sachsen ein Stromexportland. Dabei
geht es auch um die Sicherheit der Energieversorgung, denn die Abhängig-
keit von den Energieimporten bei Öl und Gas sollte so gering wie möglich
gehalten werden.
Primärenergieverbrauch
(ursprüngliche Energieträger, also vor
Umwandlungseinsatz)
Abweichungen durch Rundungen
Endenergieverbrauch
(umgewandelte Energieträger, Einsatz beim
Verbraucher – Industrie, Haushalte und Kleinverbraucher, Verkehr)
Abweichungen durch Rundungen
PEV
1990
2005
1990
2005
in Petajoule
in %
Braunkohle
788,6
260,7
85,3
41,3
Steinkohle
21,6
4,3
2,3
0,7
Mineralöl
103,1
236,8
11,1
37,5
Gase
49,3
144,8
5,3
22,9
Stromaustauschsaldo
- 39,3
- 38,2
- 4,2
- 6,0
Sonstige
1,0
23,1
0,1
3,6
Gesamt
924,3
631,5
100,0
100,0
EEV
1990
2005
1990
2005
in Petajoule
in %
Braunkohle
252,6
2,8
46,4
0,8
Steinkohle
10,7
1,8
2,0
0,5
Mineralöl
96,7
130,0
17,8
37,7
Gase
51,8
100,0
9,6
29,0
Strom
75,3
73,1
13,8
21,2
Fernwärme
53,5
30,7
9,8
8,9
Sonstige
3,5
6,3
0,6
1,9
Gesamt
544,1
344,7
100,0
100,0

image
image
Infrastruktur und Kommunikation
65
Neben einer effizienten Kohlenutzung setzt Sachsen auf die Erhöhung
der Energieeffizienz sowie die Nutzung der erneuerbaren Energien als
wesentliche Bestandteile einer nachhaltigen Energieversorgung. In beiden
Bereichen hat Sachsen schon viel erreicht. So ist die Energieintensität der
Volkswirtschaft in den vergangenen 17 Jahren um rund 17 % zurückgegan-
gen und damit mehr als der Durchschnitt in den neuen Bundesländern.
Positiv ist die Bilanz auch bei der Entwicklung der erneuerbaren Energien.
In Sachsen werden zunehmend erneuerbare Energien genutzt und mit
ihnen innovative Technologien entwickelt und Anlagen produziert. Ein
leistungsstarker Industriezweig ist in Sachsen im Aufwind. Im Jahr 2006
hatten die erneuerbaren Energien nach vorläufigen Angaben der amtlichen
Statistik einen Anteil von ca. 10 % am gesamten Stromverbrauch in Sach-
sen. Im Jahr 2008 waren insgesamt 5 443 Personen mit einem Umsatz von
ca. 1,5 Mrd. Euro in dieser Branche beschäftigt und deren Dynamik wird
in den kommenden Jahren weiter anhalten, wie die Grafik zeigt.
Trinkwasserversorgung
Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel. Deshalb ist die Trinkwasser-
versorgung auch eine kommunale Pflichtaufgabe. 79 Träger gewährleisten
in Sachsen die Versorgung mit Trinkwasser, darunter 33 Zweckverbände, elf
Gemeinden in einem Teilzweckverband und 35 Einzelkommunen. Im Frei-
staat gibt es zudem drei selbstständige Fernwasserversorgungsunternehmen,
die den Aufgabenträgern der öffentlichen Wasserversorgung Trinkwasser
Quelle: 2002-03
Sächs. Akademie,
SMWA, 2004-05 LfUG-
EEZ, 2006-10 VEE

image
image
66
Infrastruktur und Kommunikation
bereitstellen. Die öffentliche Wasserversorgung ist also durch einen Verbund
zwischen regionaler Wasserversorgung und Fernwasserversorgung geprägt.
Das sächsische Trinkwasser kommt zu 58 % aus dem Grundwasser und 42 %
aus den Trinkwassertalsperren
14)
.
Abwasserentsorgung
Die Pflicht zur Entsorgung des Abwassers (Schmutzwasser und Nieder-
schlagswasser) liegt bei den Gemeinden, in deren Gebiet das Abwasser
anfällt, die damit europäische Richtlinien sowie Landes- und Bundesrecht
umsetzen.
Im Freistaat Sachsen waren Ende 2006 insgesamt 768 kommunale Kläran-
lagen mit einer Kapazität ab 50 Einwohnerwerten
15)
(EW) in Betrieb. Insge-
samt 90 Abwasserzweckverbände (darunter zehn Teilzweckverbände) und
150 Gemeinden (darunter 46 Gemeinden in Teilzweckverbänden) erfüllten
2006 die Aufgaben der Abwasserbeseitigung. 641 der heute vorhandenen
768 Abwasserbehandlungsanlagen wurden seit 1991 neu errichtet, saniert
oder erweitert. 96 % der Anlagen behandeln das Abwasser mechanisch-
biologisch, in nur 4% der Anlagen findet eine rein mechanische Reinigung
statt. Der Anschlussgrad an öffentliche Abwasserbehandlungsanlagen
betrug 2006 in Verdichtungsgebieten über 2 000 EW 95%, im Freistaat
insgesamt 83 %.
16)
Für über 10 % der sächsischen Bevölkerung insbesondere im ländlichen
Raum werden Kleinkläranlagen dauerhaft Teil der kommunalen Abwas-
serbeseitigung sein. Bis zum Jahr 2015 sollen alle Anlagen dem Stand der
Technik entsprechend ausgerüstet sein. Um dieses Ziel zu erreichen und auch
die demografische Entwicklung im ländlichen Raum zu berücksichtigen,
fördert der Freistaat Sachsen seit 2007 Klein- und Gruppenkläranlagen.
Sachsen mit eigener Meinung
Tageszeitungen
Der sächsische Zeitungsmarkt ist von Strukturen der Presselandschaft nach
1945 bis heute geprägt. Die ehemaligen SED-Bezirkszeitungen wurden
nach 1989 an große Medienkonzerne in den alten Bundesländern verkauft.
Kleinere Zeitungen haben sich am Markt kaum halten können.
Trinkwassertalsperre
Carlsfeld
Trinkwassertalsperre
Carlsfeld
14)
Stand
2006
15)
Dies ist eine gebräuchliche Messzahl in der Wasserwirtschaft, um die Verschmutzung des Abwassers
abzuschätzen. Der Einwohnerwert ergibt sich aus der Summe aus Einwohnerzahl und Einwohnergleich-
wert. Letzterer ist wiederum ein Wert, der sich aus dem Vergleich von gewerblichem Schmutzwasser mit
häuslichem Schmutzwasser ergibt.
16)
Die Erhöhung des Anteils mechanischer Kläranlagen im Vergleich zum Statusbericht 2002 resultiert aus
einer vervollständigten Datenerfassung bei kleinen Kläranlagen.

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Infrastruktur und Kommunikation
67
In Chemnitz und Umgebung erscheint die aufl agenstärkste deutsche
Regionalzeitung, die Freie Presse (Auflage: 307 643). Die Sächsische
Zeitung erscheint in Dresden und Umgebung (Auflage: 280 320). Die
Dresdner Neuesten Nachrichten, die Torgauer Zeitung und die Mul-
dentalzeitung übernehmen den überregionalen Teil von der Leipziger
Volkszeitung (Aufl age insgesamt 237 857). Die einzige Tageszeitung
in sorbischer Sprache, Serbske Nowiny, mit einer Auflage von knapp
2 000 Exemplaren erscheint in Bautzen. Der in Plauen erscheinende
Vogtland-Anzeiger (Aufl age 8 307) bezieht seinen Mantel von der
bayerischen Frankenpost. Die in Dresden und Chemnitz erscheinende
Staßenverkaufszeitung Morgenpost ist die einzige Erweiterung des
sächsischen Zeitungsmarktes nach 1989, die sich etablieren konnte. Sie
bezieht ihren Mantel vom Berliner Kurier und konkurriert mit der BILD-
Zeitung, die ihren deutschlandweit einheitlichen Mantel in den großen
Städten ebenfalls mit lokalen Nachrichten auffüllt.
Quelle der Auflagenzahlen: IVW 2008.
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat seit seiner Gründung im Jahr
1991 seinen Sitz in Leipzig. Prof. Dr. Udo Reiter ist seit der Gründung
Intendant der Dreiländeranstalt. Für die Länder Sachsen, Sachsen-An-
halt und Thüringen werden ein „drittes“ Fernsehprogramm und fünf
Hörfunkprogramme produziert. Seit 1997 ist das MDR FERNSEHEN
das erfolgreichste Dritte Programm der ARD (8,9 Prozent Marktanteil
im eigenen Sendegebiet). Für das ARD Gemeinschaftsprogramm „das
Erste“ liefert der MDR als Mitglied der ARD 11,05 % (2007) des
Programms zu. Über regionale Ereignisse und Besonderheiten der drei
mitteldeutschen Länder wird durch Beiträge der Landesfunkhäuser in
regionalen Fenstern (Ländermagazin für Sachsen: „Sachsenspiegel“)
berichtet. In Sachsen bestehen neben dem Landesfunkhaus in Dresden
vier weitere Regionalstudios.
Seit Juli 2007 ist MDR FERNSEHEN in Mitteldeutschland terrestrisch
fl ächendeckend digital via DVB-T sowie digital und analog über Satellit
und im Kabel zu empfangen.
Der MDR verbreitet in Sachsen die fünf Hörfunkprogramme MDR 1
Radio Sachsen, MDR Figaro, Jump, MDR Info und MDR Sputnik über
UKW und Satellit. Gemeinsam mit den nationalen Radioprogrammen
Deutschlandfunk und DeutschlandRadioKultur kann auch das Programm
MDR Klassik in digitaler Technik über Antenne empfangen werden.
MDR-Sendezentrale
in Leipzig
MDR-Sendezentrale
in Leipzig

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68
Infrastruktur und Kommunikation
Privater Rundfunk
In Sachsen gibt es ein vielfältiges Angebot an kommerziellen und nicht-
kommerziellen privaten Hörfunk- und Fernsehangeboten. Die Zulassung
der privaten Rundfunkveranstalter obliegt der Sächsischen Landesanstalt
für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) mit Sitz in Leipzig.
Sie ist als eine von 14 Landesmedienanstalten in Deutschland für die
Schaffung von Rahmenbedingungen zur Entwicklung und Förderung
des privatwirtschaftlichen Rundfunks zuständig. Zu den Aufgaben
der SLM zählen neben der Zulassung auch die Beaufsichtigung und
Beratung privater Rundfunkveranstalter in Sachsen. Dies umfasst die
Lizenzentscheidung, die Vergabe von Frequenzen und Kanälen sowie
die laufende Programmaufsicht.
Zur Meinungsvielfalt in Sachsen tragen die landesweit zu empfangenden
privaten Hörfunkprogramme Radio PSR, Hitradio RTL und R.SA. sowie
regionale Fernsehangebote wie Leipzig, Chemnitz und Dresden TV, regionale
Hörfunkangebote und eine Vielzahl lokaler Fernseh- und Hörfunkangebote
bei. Aktuell kann Sachsen hier auf 22 lokale und regionale Hörfunkveran-
stalter verweisen, die ihre Programme in verschiedenen Regionen des Frei-
staates über UKW ausstrahlen. Dazu kommen ca. 60 Fernsehveranstalter,
die die unterschiedlichsten Verbreitungswege nutzen, um ihre Programme
den Zuschauern zugänglich zu machen.
Bisher einmalig in Deutschland ist ein Projekt der SLM, das es regionalen
und lokalen Hörfunk- und Fernsehveranstaltern ermöglicht, ihre Programme
in digitaler Technik auch für mobilen terrestrischen Empfang auszustrahlen.
Hier können im Stadtgebiet von Leipzig seit März 2008 zwei Radio- und
vier TV-Programme empfangen werden.
Medienstandort Leipzig
Die Leipziger Medienbranche ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige
in der Region. Die Zahl der Unternehmen liegt bei ca. 2 100 (2007). Die
Unternehmen der Medienwirtschaft beschäftigen in Leipzig ca. 33 700 Mit-
arbeiter (2007). Dabei konnten die meisten Unternehmen in den letzten
Jahren ihre Ergebnisse stets verbessern.
Zentrum der Medienwirtschaft in Leipzig ist die Media-City, ein Büro-
und Studiokomplex in unmittelbarer Nachbarschaft des MDR, in dem
nicht nur Serien wie „In aller Freundschaft“ und „Polizeiruf 110“, sondern
auch internationale Spielfi lme produziert werden. Die Media-City ist
darüber hinaus Sitz von über 50 Unternehmen der Medienbranche.
In Leipzig findet seit 1998 jährlich der Medientreffpunkt Mitteldeutsch-
land statt, ein wichtiges crossmediales Begegnungsforum für Experten
und Entscheidungsträger aus der gesamten Kommunikationsbranche mit
SLM
Sächsische
Landesanstalt
für privaten Rundfunk
und neue Medien
SLM
Sächsische
Landesanstalt
für privaten Rundfunk
und neue Medien

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Infrastruktur und Kommunikation
69
jährlich wechselndem Themenschwerpunkt. Der Medientreffpunkt Mittel-
deutschland ist nach den Medienveranstaltungen in München und Köln der
bundesweit wichtigste Medienkongress.
Leipzig ist auch Sitz der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM),
einer 1998 von den drei mitteldeutschen Ländern gegründeten GmbH zur
wirtschaftlichen Förderung von Film-, Fernseh- und Multimediaprojekten.
Weitere Gesellschafter sind MDR und ZDF. Die MDM unterstützt pro
Jahr durchschnittlich 100 Projekte audiovisueller Produktionen mit einem
Fördervolumen von ca. 12,5 Mio. Euro jährlich. Die eingesetzten Förder-
mittel fließen dabei als sogenannte Regionaleffekte in die Gesellschaf-
terländer zurück. Die MDM ist die viertgrößte regionale Filmförderung
Deutschlands.
Sachsens Verbindungen in die Welt
Im Freistaat ist eine leistungsfähige Telekommunikationsinfrastruktur
verfügbar. Dass in Sachsen die meisten .de-Domains pro Kopf in den
neuen Ländern (ohne Berlin) registriert sind, zeigt, dass Sachsen immer
für Rekorde gut ist.
Darüber und über vieles mehr informiert das Internetportal
„www.saxxess.
com“ – ein besonderer Service für die Bereiche Information, Kommunika-
tion und Medien. Mehr als 350 Professoren forschen und unterrichten an
13 sächsischen Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien in
Fächern mit engem Bezug zur Informations-, Kommunikations- und Medi-
enwirtschaft (IKM). Mehr als 20 000 Studierende bereiten sich auf Berufe
in der IT-Branche und der Mikroelektronik vor. An sächsischen Berufsfach-
schulen lernen fast 5 000 Auszubildende in IKM-relevanten Berufsfeldern.
Mit guter Infrastruktur und mit viel Know-how unterhält Sachsen so beste
Verbindungen in die Welt.
Internetseite
www.sachsen.de
Internetseite
www.sachsen.de

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70
Bildung und Forschung
BILDUNG
UND
FORSCHUNG

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Bildung und Forschung
71
Das sächsische
Schulsystem
Sachsen bildet sich
Chancen für alle – das sächsische Schulsystem
Die sächsische Schullandschaft ist fast so vielfältig wie die individuellen
Bildungsbedürfnisse. Unter dem Motto „Jeder zählt!“ gibt das sächsische
Schulsystem jedem eine Chance auf bestmögliche Förderung. Die sächsi-
schen Schulen führen auf ganz verschiedenen Wegen zum Erfolg, wobei
jeder erreichte Abschluss einen Anschluss an eine weiterführende Schule
oder andere Ausbildung möglich macht. Vielfalt, Durchlässigkeit und
Anschlussfähigkeit sind zentrale Merkmale des sächsischen Schulsystems.
Sachsens Schüler haben beim aktuellen PISA-Test im innerdeutschen
Vergleich hervorragend abgeschnitten. Sie belegten sowohl beim Schwer-
punkt Naturwissenschaft als auch in den Teilbereichen Mathematik und
Lesekompetenz den ersten Platz vor Bayern und Thüringen.
Allgemein bildende Schulen gliedern sich in Grundschule (1.–4. Klassen-
stufe), Mittelschule mit Haupt- und Realschulbildungsgang (5.–9. bzw.
10. Klassenstufe) und Gymnasium (5.–12. Klassen- bzw. Jahrgangsstufe).
Mittelschule Dresden/
Leuben
Mittelschule Dresden/
Leuben

72
Bildung und Forschung
Weitere allgemein bildende Schulen sind die Förderschulen. Die Vollzeit-
schulpflicht dauert neun Schuljahre, die Berufsschulpflicht in der Regel
drei Schuljahre. In der vierten Klasse der Grundschule erhalten alle Kinder
eine Bildungsempfehlung für die Mittelschule oder das Gymnasium.
Die Mittelschule vermittelt eine allgemeine und berufsvorbereitende
Bildung. Sie bietet viele Möglichkeiten für die individuelle Leistungsför-
derung sowie die Entwicklung spezifischer Interessen der Schülerinnen
und Schüler. Damit wird eine gute Basis für die weiterführende berufliche
Ausbildung gelegt. Mit erfolgreichem Realschulabschluss am Ende der
Klasse 10 der Mittelschule und Erfüllung bestimmter Leistungsvoraus-
setzungen kann in die 10. Klasse eines allgemein bildenden oder in die
11. Klasse eines berufl ichen Gymnasiums oder einer Fachoberschule
gewechselt werden.
Das Gymnasium führt nach acht Jahren zum Abitur und ermöglicht
ein Hochschulstudium. Das als Nachweis der Hochschulreife für ganz
Deutschland gültige Abitur wird in Sachsen nach zwölf Jahren abgelegt,
an berufl ichen Gymnasien nach 13 Jahren (siehe Übersicht).
Übersicht über
Schulen, Schüler und
hauptberufliche
Lehrer in Sachsen
(Schuljahr 2008/2009)
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
Anzahl der Schulen
Schüler
Lehrer
Grundschulen
öffentlich
775
112 697
8 397
freie Träger
67
7 382
522
Mittelschulen
öffentlich
290
75 911
9 221
freie Träger
43
4 629
353
Gymnasien
öffentlich
119
74 161
7 774
freie Träger
24
6 655
555
Förderschulen
öffentlich
140
17 885
3 014
freie Träger
19
990
245
Berufsbildende Schulen
öffentlich
98
111 148
5 155
freie Träger
196
37 826
1 891
Zweiter Bildungsweg
öffentlich
9
2 671 200
freie Träger
1
50 4
Freie Waldorfschulen
3
1 300
105

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Bildung und Forschung
73
Das Spektrum berufsbildender Schulen umfasst fünf Schularten. Berufs-
schule und Berufsfachschule vermitteln verschiedene Berufsabschlüsse
und bereiten in speziellen einjährigen Bildungsgängen auf eine berufliche
Ausbildung oder Tätigkeit vor.
Fachoberschule und berufliches Gymnasium bauen auf dem Realschul-
abschluss auf; der Abschluss qualifiziert für ein Studium.
Die Fachschule ist eine Einrichtung zur berufl ichen Weiterbildung.
Organisatorisch sind die öffentlichen berufsbildenden Schulen in beruf-
lichen Schulzentren zusammengefasst. Damit wird ein bedarfsgerechtes
fl ächendeckendes Bildungsangebot gesichert. In der Berufsausbildung
gibt es neben den öffentlichen Schulen auch viele Schulen in freier Trä-
gerschaft, die die sächsische Schullandschaft bereichern.
Förderschulen
Schüler, die wegen der Beeinträchtigung einer oder mehrerer Funktionen
trotz besonderer Hilfen nicht an den allgemein bildenden Schulen inte-
griert werden können und deshalb einer sonderpädagogischen Förderung
bedürfen, besuchen die allgemein bildenden Förderschulen.
Förderschultypen sind Schulen für Blinde und Sehbehinderte, Schulen
für Hörgeschädigte, Schulen für geistig Behinderte, Schulen für Körper-
behinderte, Schulen zur Lernförderung, Sprachheilschulen, Schulen für
Erziehungshilfe sowie Klinik- und Krankenhausschulen. An den allge-
mein bildenden Förderschulen können – ausgenommen die Schulen zur
Lernförderung und die Schulen für geistig Behinderte – die Abschlüsse
der Mittelschule erworben werden.
Begabtenförderung
Als begabt werden in Sachsen Schülerinnen und Schüler bezeichnet, die
in einem speziellen Gebiet überdurchschnittliche Leistungen erzielen. Das
können zum Beispiel ein besonders ausgeprägtes Sprachenverständnis oder
auch herausragende sportliche Leistungen sein. Der Begabtenförderung
dienen im Grundschulbereich in erster Linie diejenigen Schulen, die be-
sonders begabte Schüler integrativ durch individualisierte Lernangebote
fördern. Danach bieten derzeit 22 sächsische Gymnasien mit vertiefter
mathematisch-naturwissenschaftlicher, musischer, sportlicher oder sprach-
licher Ausbildung eine Förderung von besonders begabten Schülern an.
2001 wurde zudem das Landesgymnasium St. Afra zu Meißen zur Förde-
rung von hoch- bzw. mehrfachbegabten Schülern eröffnet.
Eine weitere besondere, weil Grenzen überschreitende Form der vertieften
Ausbildung stellen binational-bilinguale Bildungsgänge an Gymnasien in
Pirna und Görlitz dar. An diesen werden deutsche und tschechische bzw.
Internat des
Landesgymnasiums
St. Afra zu Meißen
Internat des
Landesgymnasiums
St. Afra zu Meißen

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74
Bildung und Forschung
polnische Schüler ab Klassenstufe 7 in einer Klasse gemeinsam unterrichtet.
Die Beratungsstelle zur Begabtenförderung in Meißen unterstützt seit
Februar 2008 interessierte Schüler, Eltern, Lehrer und Schulen.
Erwachsenenbildung und Weiterbildung
Berufstätige können in zwei- oder dreijährigen Kursen auf dem zweiten
Bildungsweg an Abendmittelschulen einen Haupt- oder Realschulab-
schluss nachholen. Das Abendgymnasium führt Erwachsene im drei- oder
vierjährigen Unterricht zum Abitur, ebenso die Kollegs über drei oder
vier Jahre im Vollzeitunterricht.
Ergänzend bieten 38 anerkannte Weiterbildungseinrichtungen (Volks-
hochschulen und weitere freie Einrichtungen) für alle Bürger (Kinder,
Jugendliche, Erwachsene, Senioren) ein breit gefächertes Weiterbildungs-
programm an. Weitere Informationen sind unter
www.sachsen-macht-
schule.de/schule/1661.htm abrufbar.
Hochschulen und Berufsakademie
Die sächsischen Hochschulen stehen für eine hochqualifizierte Ausbildung.
Aus ehemals 22 staatlichen Hochschulen sind im Zuge der Umstrukturierung
nach dem Ende der DDR vier Universitäten, ein universitäres Hochschulin-
stitut, fünf Kunsthochschulen und fünf Fachhochschulen hervorgegangen.
Die Leipziger Universität, 1409 gegründet, ist traditionell auf Natur-
und Geisteswissenschaften ausgerichtet. Hier studierten schon Goethe,
Lessing und Nietzsche.
Die TU Dresden hat ihr Fächerspektrum nach 1989 durch Eingliederung der
ehemaligen Medizinischen Akademie „Carl Gustav Carus“ und der Hoch-
schule für Verkehrswesen sowie die Neugründung verschiedener Fakultäten
erheblich erweitert. Sie ist die Universität mit der höchsten Studentenzahl
in Sachsen. Deutlich kleiner sind die TU Chemnitz, die TU Bergakademie
Freiberg (älteste montanwissenschaftliche Universität der Welt) sowie das
Internationale Hochschulinstitut Zittau, eine universitäre Einrichtung in der
Euroregion Neiße für Studierende, die ihr Grundstudium an polnischen,
tschechischen oder deutschen Hochschulen bereits abgeschlossen haben. Die
Fachhochschulen sind aus ehemaligen Spezial- und Ingenieurhochschulen
hervorgegangen und in Forschung und Lehre stark praxisorientiert. Sie haben
ihre Tätigkeit mit dem Wintersemester 1992/93 aufgenommen.
Im tertiären Bildungssektor Sachsens besteht das praxisintegrierte Stu-
dienangebot der Berufsakademie Sachsen mit ihren sechs staatlichen
Studienakademien.
Außerdem gibt es in Sachsen acht Spezial-Hochschulen in privater oder
freier Trägerschaft, so die Handelshochschule Leipzig oder die Hochschu-
Berufliches Schul-
zentrum für Technik
„August Horch“ in
Zwickau
Berufliches Schul-
zentrum für Technik
„August Horch“ in
Zwickau
Historischer und ge-
planter neuer Campus
der Universität Leipzig
Historischer und ge-
planter neuer Campus
der Universität Leipzig

Bildung und Forschung
75
Daten:
Statistisches
Landesamt Sachsen
Einrichtung Studenten
Universitäten und Hochschulen
Technische Universität Dresden
33 050
Universität Leipzig
26 978
Technische Universität Chemnitz
10 536
TU Bergakademie Freiberg
4 595
Internationales Hochschulinstitut Zittau
230
Hochschule für Bildende Künste Dresden
579
Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
584
Hochschule für Musik und Theater Leipzig
813
Hochschule für Musik Dresden
606
Palucca Schule Dresden
149
Fachhochschulen HTW Dresden 5 193
HTWK Leipzig
6 180
Hochschule Mittweida
5 566
Hochschule Zittau/Görlitz
3 670
Westsächsische Hochschule Zwickau
4 698
Berufsakademie
Bautzen
623
(Staatliche Studienakademien) Breitenbrunn
646
Dresden 1 162
Glauchau 1 224
Leipzig 515
Riesa 556
Plauen 262
Sonstige Hochschulen
4 142
Zahl der Studierenden
an Hochschulen
in Sachsen im
Wintersemester
2007/2008
le für Kirchenmusik Dresden, sowie eine Verwaltungsfachhochschule und
eine Polizeihochschule im Geschäftsbereich des Innenministeriums.
Insgesamt gibt es in Sachsen gegenwärtig 25 Hochschulen mit 107 569
Studierenden (Wintersemester 2007/08).
Die Hochschule für Bildende Künste Dresden geht auf die 1764 gegrün-
dete Kursächsische Kunstakademie zurück und hat gemeinsam mit der
im gleichen Jahr entstandenen Leipziger „Zeichnungs-, Mahlerey- und
Architectur-Akademie“, der heutigen Hochschule für Grafik und Buch-
kunst, unter den sächsischen Kunsthochschulen die längste Tradition.
Die Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn
Bartholdy“, mit 822 Studenten Sachsens größte Kunsthochschule, geht
auf das 1843 von ihrem Namensgeber ins Leben gerufene erste deutsche
Konservatorium zurück. Die Dresdner Hochschule für Musik „Carl Maria

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76
Bildung und Forschung
von Weber“ steht hingegen in der Tradition einer seit 1856 in der Elbestadt
wirkenden musikalischen „Bildungs- und Erziehungsstätte“. Die ebenfalls
in Dresden beheimatete Palucca Schule – Hochschule für Tanz ist aus der
von Gret Palucca 1925 gegründeten Schule für Tanz hervorgegangen.
Bibliotheken und Archive
Das über Jahrhunderte erworbene Wissen wird in sächsischen Biblio-
theken und Archiven bewahrt und weitergegeben.
Die Bibliotheken gehören ebenso unverzichtbar wie Theater, Orchester
und Museen zur kulturellen Infrastruktur des Freistaates Sachsen. Ihre
Rolle als Informations- und Kommunikationszentren steigt zunehmend
mit der Entwicklung der modernen Mediengesellschaft.
Die bedeutendste der sächsischen Bibliotheken ist die Sächsische Landes-
bibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden mit einem Bestand
von über neun Mio. Medien. In der Buchstadt Leipzig befindet sich einer
von drei Standorten der Deutschen Nationalbibliothek sowie die älteste
Blindenbücherei Deutschlands, die Deutsche Zentralbücherei für Blinde. Im
Jahr 2006 wurden in den sächsischen Bibliotheken insgesamt rund 38,4 Mio.
Medien entliehen, das sind rund neun Entleihungen pro Einwohner.
Der Freistaat betreibt als „kollektives Gedächtnis von Verwaltung und Gesell-
schaft“ das Sächsische Staatsarchiv mit den Abteilungen Staatsarchiv Chem-
nitz, Hauptstaatsarchiv Dresden, Bergarchiv Freiberg, Staatsarchiv Leipzig.
Weitere Archive gibt es im Sächsischen Landtag, in den sächsischen Hoch-
schulen sowie in den sächsischen Landkreisen, Städten und Gemeinden.
Sachsen denkt weiter
Erfi ndungen
Sächsischer Kopfarbeit entstammen unzählige Erfindungen, nur wenige
können an dieser Stelle aufgezählt werden: In Sachsen baute man die erste
deutsche Dampflok ebenso wie die erste Kleinbildspiegelreflexkamera.
Alltagsdinge wie Zahnpastatube, BH, Teebeutel, Bierdeckel oder Kaf-
feefilter erfand man hier. Die erste Tageszeitung der Welt konnte man am
1. Juli 1650 in Leipzig lesen. Bereits 1894 gab es in Sachsen den Vorläufer
von Rollschuhen und Inline-Skates, den „Fahrschuh“. Die erste Gasanstalt
auf dem europäischen Festland brachte 1815 Halsbrücke bei Freiberg
via Gaslaternen zum Leuchten und das erste Fernheizwerk Deutschlands
heizte schon 1900 den Dresdnern ein. Auch der erste FCKW- und FKW-
freie Kühlschrank aus Sachsen ließ die Umwelt aufatmen und wurde 1993
mit dem deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. Zwischen 1997 und 2002
Palucca Schule –
Hochschule für Tanz,
Dresden
Palucca Schule –
Hochschule für Tanz,
Dresden

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Bildung und Forschung
77
verzeichnete der Regierungsbezirk Dresden den höchsten Zuwachs an
High-Tech-Patentanmeldungen innerhalb der EU.
Im Jahr 2007 haben Patentanmelder mit Sitz in Sachsen 923 Patentan-
meldungen beim Deutschen Patent- und Markenamt eingereicht. Das
sind rund 14 % mehr als im Vorjahr. Davon kamen 111 Anmeldungen
von Sächsischen Hochschulen.
Forschung und Entwicklung
Zentren der wissenschaftlichen Forschung sind in Sachsen die Hochschu-
len und die sogenannten außeruniversitären Forschungseinrichtungen. In
den letzten Jahren konnten die Hochschulen, also die Universitäten und
Fachhochschulen, ihre Forschungskapazitäten kräftig ausbauen und klar
profilieren. Sie verfügen damit nicht nur über beste Voraussetzungen für die
Spitzenforschung, sondern können auch einen Innovationsbeitrag für die
kleinen und mittleren Unternehmen in Sachsen leisten, die selbst noch nicht
über ausreichende Forschungs- und Entwicklungskapazitäten verfügen.
Ein Indikator für die Leistungsfähigkeit von Hochschulen ist die Höhe
der eingeworbenen Drittmittel. Den sächsischen Hochschulen ist es in
den letzten Jahren gelungen, verstärkt öffentliche und private Gelder
einzuwerben. Besonders hervorzuheben sind die Erfolge bei der Deut-
schen Forschungsgemeinschaft (DFG). Sie förderte 2007 an sächsischen
Hochschulen u. a. 16 Sonderforschungsbereiche, 15 Graduiertenkollegs
sowie zehn Forschergruppen.
Besonderes Gewicht haben die außeruniversitären Forschungsein-
richtungen. Mit 14 Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft, einem
Helmholtz-Zentrum, sechs Max-Planck-Instituten und sieben zur
Leibniz-Gemeinschaft gehörenden Instituten bietet Sachsen heute ein
außeruniversitäres Forschungsspektrum, das wissenschaftlich und wirt-
schaftlich spannend ist.
Sachsen hat in den vergangenen Jahren auch die außeruniversitäre geis-
teswissenschaftliche Forschung stark ausgebaut und verfügt inzwischen
über sieben renommierte Forschungseinrichtungen, darunter die Sächsische
Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, das Institut für Sächsische
Geschichte und Volkskunde in Dresden, das Simon-Dubnow-Institut für
jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig, das Sorbische
Institut Bautzen und das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusfor-
schung an der TU Dresden. Weiterhin besteht in Leipzig das Geisteswis-
senschaftliche Zentrum für die Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas.
Seit 2005 werden diese Aktivitäten um das von der Fraunhofer-Gesellschaft
getragene Mittel- und Osteuropazentrum für Wissenschaft, Wirtschaft und
Kultur in Leipzig ergänzt.
Erste Kleinbildspiegel-
reflexkamera der
Welt mit perforiertem
Kinefilm in der Patrone
1936 aus Dresden
Erste Kleinbildspiegel-
reflexkamera der
Welt mit perforiertem
Kinefilm in der Patrone
1936 aus Dresden

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78
Bildung und Forschung
Empfangshalle im
Max-Planck-Institut für
Molekulare Zellbiologie
und Genetik, Dresden
Insgesamt verfügt Sachsen über eine traditionelle und zugleich junge
Forschungslandschaft. Zu seinen traditionellen Stärken gehören die
Ingenieur- und Materialwissenschaften. Nicht umsonst gilt Sachsen als
Land der Ingenieure. Zu den noch jungen, aber nicht weniger international
sichtbaren Stärken gehört die Biotechnologie. Dresden und Leipzig haben
sich zu Zentren der Biotechnologie entwickelt mit beachtlichen Erfolgen,
z. B. auf dem Gebiet der regenerativen Therapien. Von deutschlandweit
sechs Forschungszentren fördert die DFG seit 2007 das Zentrum für
Regenerative Therapien in Dresden (CRTD).
Gerade am Beispiel Biotechnologie in Sachsen wird deutlich, dass eine
wissenschaftliche Disziplin sich besonders gut entwickelt, wenn sie re-
gional eingebettet ist in ein sich gegenseitig ergänzendes universitäres,
außeruniversitäres und wirtschaftliches Umfeld. Auch in der Mikroelekt-
ronik sind Forschung und Wirtschaft eng verzahnt. Nicht umsonst spricht
man von der Region Dresden-Freiberg als „Silicon Saxony“.
Die wirtschaftliche Notwendigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse
möglichst schnell in marktgängige innovative Produkte und Dienstleis-
tungen umzusetzen, darf aber nicht dazu führen, Grundlagenforschung
weniger wichtig zu nehmen. Beides ist heute unverzichtbar: Grundla-
genforschung und ihre rasche wirtschaftliche Nutzung. Sachsen setzt
auf beides gleichermaßen.
Technologietransfer
Der Freistaat Sachsen unterstützt den Technologietransfer, um die In-
novationskraft der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) weiter
zu stärken und eine bessere Verwertung von Forschungs- und Entwick-
lungs- (FuE) Ergebnissen für diese KMU zu erreichen. Denn Sachsen
verfügt über eine hervorragende universitäre und außeruniversitäre
Forschungslandschaft. Dort entsteht jeden Tag wertvolles Know-how.
Das Potenzial der Forschungslandschaft können die Unternehmen nut-
zen, um innovative Produkte und Verfahren einzuführen und damit ihre
Rendite zu steigern.
Ziel der Technologietransferförderung des Sächsischen Staatsmini-
steriums für Wirtschaft und Arbeit ist es, den KMU den Zugang zu
neuen Technologien zu erleichtern. Technologietransfer ist die plan-
volle Übertragung technologischen Wissens von Technologiegebern zu
Technologienehmern zur Vorbereitung und Realisierung von Produkt-
und Verfahrensinnovationen. Technologiegeber können Universitäten,
Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie FuE
betreibende Unternehmen sein. Der Technologietransfer kann direkt zum
Technologienehmer (KMU) oder mit Unterstützung von Technologiemitt-

Bildung und Forschung
79
lern, wie Technologiezentren oder Beratungsunternehmen, erfolgen.
Technologienehmer erhalten Unterstützung beim Technologieerwerb und
bei der Inanspruchnahme externer Beratungsleistungen.
Zur Verbreitung neuer Technologien tragen auch Kooperationsbeziehun-
gen und Netzwerke in besonderem Maße bei. Rund vier Fünftel der FuE
betreibenden Unternehmen arbeiten im Rahmen ihrer Forschungsaktivi-
täten mit anderen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrich-
tungen zusammen. Mehr als ein Drittel der in FuE aktiven Unternehmen
ist in Netzwerke eingebunden.

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80
Soziales und Sport
SOZIALES
UND
SPORT

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Soziales und Sport
81
Wir Sachsen kümmern uns
Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz
Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit sind nichts, was „von oben“
verordnet werden kann. Die Bürgerinnen und Bürger selbst müssen To-
leranz und Weltoffenheit leben und für ihre Demokratie einstehen. Um
Vereine, Verbände, Kommunen und Initiativen zu unterstützen, die sich
gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit
engagieren oder der Entstehung dieser Phänomene präventiv begegnen,
die sich gleichzeitig der Unterstützung von lokalen, demokratischen
Strukturen verschrieben haben und Eigeninitiative, Zivilcourage,
bürgerschaftliches Engagement und Mitbestimmung fördern, hat der
Freistaat Sachsen im Jahr 2005 das mit jährlich zwei Mio. Euro dotierte
Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen“ aufgelegt. Rund 80 Projekte
konnten bislang pro Jahr durch das Programm gefördert werden. Die
Aktionen, die durch das Landesprogramm unterstützt wurden, erreichten
rund 60 000 Sächsinnen und Sachsen. Viele kleine Netzwerkstellen und
mobile Beratungsteams helfen vor Ort mit, dass sich die Zivilgesellschaft
entwickelt, dass Bürgerinnen und Bürger sich vor Ort für ihr Gemein-
wesen einbringen und sich auf kommunaler Ebene in örtlichen Vereinen
und Gremien engagieren.
Förderanträge können jederzeit bei der Sächsischen Staatskanzlei, Ar-
chivstraße 1, 01095 Dresden, eingereicht werden. Über die Mittelvergabe
entscheidet ein neun Mitglieder umfassender Beirat.
Gesundheitswesen
Im Freistaat gibt es ein flächendeckendes Netz von Arztpraxen; vielerorts
bieten Ärztehäuser diverse Leistungen unter einem Dach an.
Im Jahr 2004 gab es in Sachsen 82 Krankenhäuser, zwei Universitätskli-
niken und ein Bundeswehrkrankenhaus. Die Universitätskliniken bilden
nicht nur junge Ärzte aus, sondern forschen auch auf hohem Niveau.
Durch umfangreiche Investitionen nach der Wiedervereinigung haben
sächsische Krankenhäuser inzwischen den baulichen und medizintech-
nischen Standard des Westens erreicht.
Die neuen Erweiterungs-
gebäude am Kreiskran-
kenhaus Zittau
Die neuen Erweiterungs-
gebäude am Kreiskran-
kenhaus Zittau

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82
Soziales und Sport
Kindertagesstätten und Jugendhilfe
Im Jahr 2008 besuchten im Freistaat Sachsen 235 737 Kinder eine Kin-
dertageseinrichtung:
von den unter 1-Jährigen besuchten
3,0 % die Krippe,
von den 1- bis 3-Jährigen besuchten
48,6 % die Krippe,
von den 3- bis 6-Jährigen besuchten
94,4 % den Kindergarten,
von den 6-bis 11-Jährigen besuchten
72,5% den Hort.
Davon wurden 4 128 behinderte Kinder mit Anspruch auf Eingliederungs-
hilfe in integrativen Kindertageseinrichtungen betreut.
Eltern haben einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für ihre 3-
bis 6-jährigen Kinder. Im übrigen Altersbereich haben die Kommunen für
eine „bedarfsgerechte Versorgung“ Sorge zu tragen.
In der Kindertagespflege wurden 3 893 Kinder – davon 3 520 Kinder unter
drei Jahren – von 1 089 Tagesmüttern und 34 Tagesvätern betreut.
21 826 pädagogische Fachkräfte waren in den Kindertageseinrichtungen be-
schäftigt. 88,3 % von ihnen haben einen Fachschulabschluss als Staatlich an-
erkannte Erzieher/in und 3,8 % verfügen über einen Hochschulabschluss.
Die Personalschlüssel betragen:
Krippe:
eine pädagogische Fachkraft für sechs Kinder,
Kindergarten:
eine pädagogische Fachkraft für 13 Kinder,
Hort:
0,9 pädagogische Fachkraft für 20 Kinder,
zuzüglich eines Leitungsanteils von 10 %.
Von den insgesamt 2 679 Kindertageseinrichtungen befanden sich 52 % in
freier Trägerschaft und 48 % in Trägerschaft der Städte und Gemeinden.
Die Gesamtausgaben des Freistaates für Kindertagesbetreuung betrugen im
Jahr 2008 367,2 Mio. Euro.
Der Freistaat fördert die Gemeinden je aufgenommenem Kind mit einer
einheitlichen Pauschale in Höhe von 1 800 Euro pro Jahr, berechnet auf eine
tägliche neunstündige Betreuungszeit.
Für jedes Integrationskind, für das in einer Einrichtung Eingliederungshilfe
gewährt wird, wird ein zusätzlicher Landeszuschuss in Höhe von 1 800 Euro
gezahlt.
Für jedes aufgenommene Kind im Schulvorbereitungsjahr wird zusätzlich
eine jährliche Pauschale von 223 Euro gezahlt.
Es erfolgt eine zusätzliche Landesförderung für sorbische und zweisprachige
Gruppen im sorbischen Siedlungsgebiet.
Fasching im
Kindergarten Klotzsche
Fasching im
Kindergarten Klotzsche

Soziales und Sport
83
An der Errichtung, Sanierung und Modernisierung von Kindertageseinrich-
tungen beteiligte sich das Land im Jahr 2008 mit 29,4 Mio. Euro.
Aus dem Bundesprogramm Kinderbetreuungsfinanzierung flossen im Jahr
2008 zusätzlich für Investitionen 13,8 Mio. Euro. Weitere Mittel aus dem
Europäischen Sozialfonds kamen ebenfalls zum Einsatz.
Die durchschnittlichen Betriebskosten betrugen 2007 für einen
Krippenplatz:
750 Euro/Monat,
Kindergartenplatz:
351 Euro/Monat,
Hortplatz:
205 Euro/Monat.
Die landesdurchschnittlichen Elternbeiträge im Jahr 2007 beliefen sich für
einen
Krippenplatz (9 Stunden pro Tag):
159 Euro/Monat,
Kindergartenplatz (9 Stunden pro Tag):
94 Euro/Monat,
Hortplatz (6 Stunden pro Tag):
55 Euro/Monat.
Für einkommensschwache Familien trägt das Jugendamt den Elternbeitrag
ganz oder teilweise (ca. 1/4 der Elternbeiträge).
Für die Förderung von Angeboten und Leistungen der Kinder- und Jugend-
hilfe (ohne Kindertageseinrichtungen) wurden im Jahr 2008 insgesamt
24,3 Mio. Euro Landesmittel ausgereicht.
Hilfe für Eltern
Sachsen gewährt Eltern, die ihr Kind in den ersten Jahren nach der
Geburt selbst betreuen möchten, im zweiten oder dritten Lebensjahr ein
Landeserziehungsgeld. Es kann je nach Kinderzahl und Bezugszeitpunkt
bis zu zwölf Monate bezogen werden. Das Landeserziehungsgeld beträgt
monatlich für das erste Kind 200 Euro, für das zweite Kind 250 Euro und
ab dem dritten Kind 300 Euro. Werden bestimmte Einkommensgrenzen
überschritten, wird ein gemindertes Landeserziehungsgeld gewährt.
Bei Fragen und Problemen stehen Eltern und werdenden Eltern kosten-
los fast 80 Erziehungsberatungsstellen, mehr als 70 Schwangerenbera-
tungsstellen und 23 Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen sowie
verschiedene Sorgentelefone zur Verfügung.
Familien mit geringen Einkommen können pro Person und pro Tag bis zu
7,50 Euro Ferienförderung erhalten, damit ein gemeinsamer Familienur-
laub möglich ist.

84
Soziales und Sport
Unterstützung für Menschen mit Behinderungen
In Sachsen leben mehr als 500 000 Menschen mit Behinderungen, ca.
300 000 von ihnen haben einen Grad der Behinderung von mindestens
50 % und gelten damit als schwerbehindert.
Im Freistaat besteht ein vielfältiges und differenziertes Angebot an
offenen, teiloffenen und auch stationären Einrichtungen für Menschen
mit Behinderungen. Ziel ist die gleichberechtigte und selbstbestimmte
Teilhabe der Betroffenen am Leben in der Gesellschaft. Angebote von
freien, kirchlichen und öffentlichen Trägern betreffen z. B. Beratung,
Beschäftigung und Qualifi zierung, aber auch betreutes Wohnen. Ein
unverzichtbarer Bestandteil der Unterstützung für behinderte Menschen
ist die Arbeit der vielen verschiedenen Selbsthilfegruppen und -verbände.
Viele Angebote sind integrativ gestaltet (Kindergarten, Schule usw.).
Um Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben zu er-
möglichen, ist die konsequente Beachtung des Grundsatzes der Barrie-
refreiheit erforderlich. Das betrifft nicht nur den Verzicht auf Schwellen
und Stufen, sondern umfasst z. B. auch die Nutzbarkeit von Bussen und
Bahnen, die Gestaltung von Internetseiten und amtlichen Formularen
sowie den Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern. Der Freistaat
Sachsen hat mit dem Sächsischen Integrationsgesetz für seine Behörden
eine entsprechende Rechtsgrundlage geschaffen.
Die Beschäftigung behinderter Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
wird durch vielfältige Maßnahmen unterstützt. Wichtig sind hierbei auch die
verschiedenen Integrationsprojekte. Ist wegen Art und Schwere der Behinde-
rung eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht möglich,
stehen den Betroffenen die Werkstätten für behinderte Menschen offen.
In Sachsen gibt es sechs sozialpädiatrische Zentren, 46 Frühförder- und
Beratungsstellen, zwei Berufsförderungswerke, drei Berufsbildungswerke,
59 Werkstätten und 149 Wohnstätten für Menschen mit Behinderungen.
Darüber hinaus bestehen Beratungsstellen, ambulante Dienste für Men-
schen mit Behinderungen und viele weitere Angebote.

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Soziales und Sport
85
Arbeitslosengeld II (Hartz IV)
Im April 2008 erhielten im Freistaat Sachsen 545 753 Personen Arbeits-
losengeld II, rund 77 % dieser Hilfebedürftigen waren erwerbsfähig,
ca. 23 % nicht erwerbsfähig. 119 152 Kinder unter 15 Jahren gehören
ebenfalls zu den Empfängern der finanziellen Hilfe.
Renten
Zum 31.12.2007 wurden an Bürgerinnen und Bürger des Freistaates Sach-
sen 1 565 934 Renten gezahlt, davon 1 105 196 Renten wegen Alters,
105 512 Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, 353 328 Renten
an Hinterbliebene im Todesfall und 1 898 Renten nach dem Renten-
überleitungsgesetz.
Die durchschnittliche Höhe der Renten wegen Alters betrug bei Männern
1.059,18 Euro, bei Frauen 676,54 Euro. Bei Renten wegen verminderter
Erwerbsfähigkeit für Männer belief sich die durchschnittliche Höhe auf
653,24 Euro, für Frauen auf 660,67 Euro.
Teilhabe von Seniorinnen und Senioren
Ältere Mitmenschen in die Gesellschaft zu integrieren und ihnen die aktive
Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, ist der Kern der
sächsischen Seniorenpolitik. Die Angebote für Seniorinnen und Senioren
lassen sich unterteilen in den Bereich der offenen Seniorenarbeit mit An-
geboten wie Seniorentreffen, Begegnungsstätten, Wandergemeinschaften,
Selbsthilfegruppen und betreutem Wohnen und den Bereich der Altenhilfe
und Altenpflege. Die Altenpflege umfasst widerum unterschiedliche Be-
reiche, die von dem Grundsatz „ambulant vor stationär“ getragen werden.
Ziel der Staatsregierung ist es, so lange wie möglich das Wohnen in der
eigenen Häuslichkeit zu sichern, auch bei Hilfe- und Unterstützungsbedarf
sowie bei Pflegebedürftigkeit. Für ältere Menschen mit Hilfe- und Pflege-
bedarf steht im Freistaat Sachsen dank umfangreicher Förderung seitens
der Kommunen, des Landes und des Bundes ein flächendeckendes Netz
an ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten in kommunaler,
freigemeinnütziger oder privater Trägerschaft zur Verfügung.
Die Dresdner Tafel gibt
Lebensmittelspenden für
Bedürftige aus

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86
Soziales und Sport
Sportliches Sachsen
Die Förderung des Sports ist ein in der Sächsischen Verfassung festge-
schriebenes Staatsziel. In Artikel 11 heißt es: „Die Teilnahme […] am
Sport ist dem gesamten Volk zu ermöglichen“. Vom Erreichen dieses
Ziels profitiert die gesamte Gesellschaft: Kinder und Jugendliche können
die Freude an der Bewegung erleben, und auch Arbeitgeber schätzen
gesunde, motivierte und teamfähige Arbeitskräfte – Junge und Ältere
bewahren sich gemeinsam Lebenssinn und Lebensfreude.
Schulsport ist oft die erste Chance, Kinder für die regelmäßige Bewegung zu
begeistern. Sachsen ist eines der wenigen Bundesländer, das drei Unterrichts-
stunden Sport pro Woche (bis Klasse 7) festgeschrieben hat. Darüber hinaus
nutzen jährlich über 150 000 Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, an
schulsportlichen Wettkämpfen – insbesondere dem Bundeswettbewerb der
Schulen „Jugend trainiert für Olympia“ – teilzunehmen.
Ob man sich ausprobieren will oder sich bereits für eine bestimmte Sportart
entschieden hat: In den beim Landessportbund Sachsen e. V. registrierten
Vereinen findet sicherlich jeder eine passende Sportart. Der Landessportbund
Sachsen e. V. ist mit 553 265 Mitgliedern in 4 395 Sportvereinen die größte
Bürgerorganisation im Freistaat Sachsen. 85 000 Ehrenamtliche engagieren
sich u. a. als Übungsleiter, Trainer, Kampfrichter oder in den Vorständen der
Vereine und Verbände. Unter dem Dach des Landessportbundes Sachsen e. V.
ist sowohl der Breiten- als auch der Leistungssport organisiert.
Für die erfolgreiche Förderung besonderer sportlicher Talente bestehen
in Sachsen beste Voraussetzungen. In den sportbetonten Schulen (sechs
Gymnasien mit jeweils einer kooperierenden Mittelschule) wird die
Ausbildung und die Organisation der schulischen Abläufe gezielt auf
die Talentförderung abgestimmt. Die Olympiastützpunkte Leipzig und
Chemnitz/Dresden garantieren die Leistungsentwicklung von Athletinnen
und Athleten für den Bundeskader.
Die Bilanz des Spitzensports im Freistaat Sachsen kann sich sehen las-
sen: Sächsische Sportlerinnen und Sportler wie Katarina Witt, Michael
Ballack, Lars Riedel, Ricco Groß, Jens Weißflog und Sylke Otto gehörten
in ihren Sportarten zur Weltklasse. Die Olympischen Sommerspiele 2008
in Peking rückten 22 sächsische Athleten ins internationale Rampenlicht.
In Zahlen ausgedrückt haben seit 1896 340 sächsische Sportlerinnen und
Sportler bei Olympischen Spielen und Paralympics insgesamt 514 Me-
daillen in 33 Sommer- und Wintersportarten erkämpft.
Voraussetzung für Breiten-, Nachwuchsleistungs- und Spitzensport ist
eine bedarfsgerechte und nachhaltige Sportstätteninfrastruktur.
Sachsens
erfolgreiche Sportler
der Olympischen
Spiele und der
Paralymics in
Peking 2008
beim Empfang in der
Staatskanzlei

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Soziales und Sport
87
Drachenbootrennen in
Dresden
Für den Neubau und die Sanierung von Sportstätten bewilligte der Frei-
staat Sachsen in den vergangenen zehn Jahren Fördermittel (Landes-,
Bundes- und EU-Mittel) in Höhe von rund 202 Mio. Euro.
Neben dem organisierten Sport bietet der Freistaat Sachsen auch zahl-
reiche Möglichkeiten zur individuellen sportlichen Betätigung. Kilo-
meterlange Rad- und Skatewege sind sowohl in der Lausitz als auch im
Leipziger Neuseenland entstanden. Für den Wintersport stehen im Erzge-
birge, im Zittauer Gebirge und im Vogtland mehr als 1 000 km gespurte
Loipen zur Verfügung – außerdem können begeisterte Abfahrtsläufer
über 100 Schlepplifte nutzen.
Ob in der Schule, im Verein, mit Freunden oder der Familie – im Freistaat
Sachsen bestehen beste Voraussetzungen für den Sport.
Sportland Sachsen –
www.sachsen-macht-schule.de/sport

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88
Kunst und Kultur
KUNST
UND
KULTUR

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Kunst und Kultur
89
Kultur erleben
Burgen, Schlösser und Gärten
Mit seinen Schlössern, Burgen und Gärten aller Epochen ist Sachsen
eine der reichsten und vielfältigsten Kulturlandschaften Europas. Rund
70 dieser Anlagen gehören dem Freistaat. Aus 19 der kulturhistorisch
bedeutsamsten Objekte gründete sich 2003 der Staatsbetrieb „Staatliche
Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen“. Vier weitere historisch wertvolle
Schlösser werden seit 2000 als wirtschaftlich weitgehend selbstständige
Betriebsgesellschaften geführt.
Weltbekannte Anlagen in Dresden sind der Zwinger mit der Semperga-
lerie, die Brühlsche Terrasse, Schloss und Park Pillnitz sowie der Große
Garten. Sie sind glanzvolle Zeugen sächsisch-kurfürstlicher Hofhaltung
aus der Zeit des Barock und Rokoko.
Schloss Moritzburg liegt nördlich von Dresden inmitten einer weitläu-
figen Kultur- und Teichlandschaft. Es wurde unter Kurfürst Moritz im 16.
Jahrhundert erbaut und ist berühmt für die kostbaren Ledertapeten, das
einzigartige Federzimmer und die historische Geweihsammlung sowie
seine Fasanerie mit Rokokoschloss.
Einen besonderen Platz nimmt als „Wiege Sachsens“ die Albrechtsburg
in Meißen ein. Ab 1471 errichtet, steht sie für den Wandel von der spät-
mittelalterlichen Burg zum Schlossbau. In dieser Region befinden sich
weiterhin das Schloss Nossen und der Klosterpark Altzella. Auf den Re-
sten eines ehemaligen Zisterzienserklosters entstand im Zeitgeschmack
der Romantik ein Ruinenpark.
Schloss Augustusburg, unter Kurfürst August I. als Renaissanceschloss
im Zschopautal errichtet, zeugt vom Reichtum Sachsens während der
Blütezeit des Silberbergbaus. Im Verbund mit Burg Scharfenstein und
Schloss Lichtenwalde bilden „Die Sehenswerten Drei“ eine touristische
Attraktion in der Region.
Als ehemaliger Wohnsitz König Johanns zeichnet sich Schloss Weesen-
stein im Müglitztal durch seine außergewöhnliche Architektur, authen-
tisches Mobiliar sowie eine wertvolle Bibliothek aus. Burg Kriebstein
im Zschopautal, Burg Gnandstein im Kohrener Land und die Burgruine
Stolpen lassen die bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition sächsi-
scher Adelsgeschlechter erahnen. Die Ursprünge von Schloss Rochlitz,
Schloss Colditz und Burg Mildenstein im Muldental reichen zum Teil
bis in die Stauferzeit zurück.
Das Barockschloss Rammenau ist ein Beispiel für Tradition und Lebens-
weise des sächsischen Landadels. Es ist bekannt für seine klassizistischen
Räume, besonders den Spiegelsaal.
Schloss Weesenstein
Schloss Moritzburg
Burg Gnandstein

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90
Kunst und Kultur
Die Festung Königstein hat durch ihre exponierte Lage und ihre einstige
militärische Bedeutung einen besonderen Rang unter Sachsens Schlös-
sern. Mit 9,5 ha ist sie Deutschlands fl ächengrößte Festungsanlage
22)
.
Architektur
Der wirtschaftliche und kulturelle Reichtum der Vergangenheit lässt sich
an vielen historischen Stadtkernen ablesen. Besonders reizvoll sind die
Altstädte von Bautzen, Freiberg, Görlitz (mit über 3 600 Einzeldenkma-
len), Grimma, Meißen, Pirna und Torgau.
Die ab dem Ende des 15. Jahrhunderts errichteten großen spätgotischen
Hallenkirchen, z. B. in Annaberg, Schwarzenberg oder Görlitz, mit ihren
reich gegliederten Gewölben und dem Streben nach Vereinheitlichung
der Raumwirkung waren Folgen des wirtschaftlichen Aufschwungs. Sie
verfügen über eine künstlerisch bedeutende Ausstattung.
Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges entstand auf der
Grundlage eines erneuten Wirtschaftsaufschwungs eine eigenständige,
von italienischen und französischen Anregungen inspirierte Barockarchi-
tektur. Hier verdienen die Frauenkirche und die katholische Hofkirche
Schloss Lichtenwalde
1000-jähriges Bautzen
Umgebindehaus
in Niederoderwitz,
Oberlausitz
22)
Schriftenreihe und Jahrbücher der „Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen“, dazu ein jährlicher
Veranstaltungskalender. Näheres unter
www.schloesser.sachsen.de.

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Kunst und Kultur
91
Villa Esche, Chemnitz,
Architekt: Henry
van de Velde
Jean-Étienne Liotard:
Das Schokoladen -
mädchen, Gemälde -
galerie „Alte Meister“,
Dresden
in Dresden besondere Erwähnung. Das Romanushaus in Leipzig ist ein
markantes Beispiel eines barocken bürgerlichen Stadtpalais.
Vielfältig sind auch die Zeugnisse ländlicher Bauweise. Besonders
hervorzuheben sind die Umgebindehäuser, die sich vor allem in der
Oberlausitz erhalten haben. Beispiele für den um 1800 herrschenden
Klassizismus sind u. a. die Umgestaltung der Nikolaikirche in Leipzig,
das Landhaus in Dresden oder das Neue Palais von Schloss Pillnitz.
Mit Gottfried Sempers Gemäldegalerie und seinem ersten und zweiten
Hoftheater ist in Dresden die Rückbesinnung auf die italienische Renais-
sance verbunden. Die Industrialisierung Sachsens im 19. Jahrhundert
brachte vor allem Bauten für die Eisenbahn und die Industrie hervor. Ein
beeindruckendes Bauwerk des Historismus ist das ehemalige Reichsge-
richt in Leipzig, heute Sitz des Bundesverwaltungsgerichts. Ein anderes
monumentales Bauwerk ist das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig.
Mit der Reformarchitektur der Gartenstadt Hellerau in Dresden und dem
dazugehörigen Festspielhaus wurden neue Wege zur Überwindung des
Historismus beschritten. Bekannte Beispiele der klassischen Moderne
sind unter anderem die Villa Rabe in Zwenkau sowie Erich Mendelsohns
Kaufhaus Schocken in Chemnitz
23)
.
Bildende Kunst
Kunst genießt in Sachsen seit jeher einen besonderen Stellenwert. Die
glanzvolle Tradition geht auf die sächsischen Kurfürsten und Könige
zurück, die im Laufe der Jahrhunderte unermessliche Kunstschätze er-
warben. Den Grundstein legte Kurfürst August 1560 mit der Gründung
der kurfürstlichen Kunstkammer. Die Sammlung wuchs so rasch, dass
schon im 18. Jahrhundert verschiedene Spezialmuseen gegründet wurden.
Unter anderem entstand 1722 unter August dem Starken die Dresdner
Gemäldegalerie. Mit Werken von Tizian, Correggio, Rubens, Rembrandt
und Vermeer zählt sie zu den weltweit führenden Sammlungen.
Die Begeisterung für die Kunst schloss auch die Förderung der Künstler
ein. So wurde 1680 die Zeichen- und Malschule, Vorläufer der Sächsi-
schen Kunstakademie, von Kurfürst Johann Georg III. gestiftet. Zu großer
Blüte gelangte sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Romantiker
Caspar David Friedrich und Ludwig Richter in Dresden wirkten.
Auch die modernen Strömungen am Anfang des 20. Jahrhunderts fielen in
Sachsen auf fruchtbaren Boden. Vor allem private Kunsthandlungen enga-
gierten sich und machten Dresden zu einem wesentlichen Impulsgeber für
23)
Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Sachsen I (Regierungsbezirk Dresden), München/
Berlin 1996; Sachsen II (Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz), München/Berlin 1998.

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92
Kunst und Kultur
Thomanerchor
Leipzig
die europäische Kunst. In diese Zeit fällt die Gründung der Künstlerverei-
nigungen „Die Brücke“ 1905 und „Dresdner Sezession“ 1919. Sächsische
Künstler von Weltrang sind heute Gerhard Richter und Neo Rauch.
Neben großen Ausstellungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden,
des Museums der Bildenden Künste Leipzig und der Kunstsammlungen
Chemnitz gibt vor allem eine lebendige Galerien- und Hochschulszene
immer neue Impulse.
Musik und darstellende Kunst
Sachsen ist ein Musiktheaterland mit langer Tradition: Das Dresdner Schloss,
dessen Wiederherstellung zurzeit im Gange ist, war 1662 Geburtsort der Oper
im deutschen Raum (Heinrich Schütz: Daphne). Heute steht der Sächsischen
Staatsoper Dresden mit der 1985 wieder errichteten Semperoper eines der
schönsten Opernhäuser der Welt zur Verfügung. Theater in Trägerschaft des
Landes sind außerdem das Staatsschauspiel Dresden sowie die in Radebeul
ansässigen Landesbühnen Sachsen, die als Reisetheater ein vielfältiges
Angebot im sächsischen Raum bieten und im Sommer unter anderem die
Felsenbühne Rathen in der Sächsischen Schweiz bespielen. Das Deutsch-
Sorbische Volkstheater Bautzen spielt Stücke sowohl in deutscher als auch
in sorbischer Sprache und ist damit das einzige professionelle bikulturelle
Theater Deutschlands. Doch nicht nur in den Zentren Leipzig, Dresden
oder Chemnitz, sondern auch in kleineren Orten wie Annaberg, Görlitz und
Zittau gründete man in den vergangenen zwei Jahrhunderten bürgerliche
Theater. Gegenwärtig gibt es im Freistaat 15 öffentliche Theater und zehn
zugehörige Orchester.
Sachsen verfügt zudem über sieben große Kulturorchester in Landes-, kom-
munaler und freier Trägerschaft. Am bekanntesten sind das Gewandhausor-
chester zu Leipzig, die Sächsische Staatskapelle Dresden sowie die Dresdner
Philharmonie. Außerdem hat das Sinfonieorchester des Mitteldeutschen
Rundfunks in Leipzig seinen Sitz. Zum ältesten Bestand der europäischen
Musikkultur gehören die vor 800 Jahren gegründeten Knabenchöre – der
Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig.
Volkskunst und Kunsthandwerk
Kunsthandwerker in Sachsen bewahren und bereichern mit viel Liebe,
Können und Enthusiasmus altüberlieferte Handwerkstechniken. Markante
Beispiele für weit über Sachsens Grenzen hinaus bekannte Produkte sind:
Porzellan aus Meißen und Freital, Plauener Spitze, Musikinstrumente aus
dem Vogtland, Annaberger Posamenten, Eibenstocker Stickereien, Sebnitzer
Kunstblumen, Waldenburger Töpferwaren, Blaudrucke und Damaste aus
der Lausitz, Weihnachtssterne aus Herrnhut, vielfältiges Holzspielzeug aus

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Kunst und Kultur
93
In traditioneller sorbi-
scher Wachstechnik
angefertigte Ostereier
Jährliches Wave-Gotik-
Treffen in Leipzig
Seiffen und Umgebung, Zöblitzer Serpentindrechselarbeiten, erzgebirgischer
Weihnachtsschmuck, Glaskunst und Korbflechtereien.
Das Goldschmiedehandwerk brachte Johann Melchior Dinglinger zu Zeiten
Augusts des Starken zur Perfektion. Seine Stücke kann man in Sachsens
reichster Schatzkammer – im Grünen Gewölbe in Dresden – betrachten.
Schnitzen, Drechseln, Holzbastelarbeiten, das Klöppeln von Spitzen, der
Scherenschnitt oder die kunstvolle Verzierung von Ostereiern im sorbischen
Gebiet sind heute der Inbegriff der Volkskunst, doch das Spektrum umfasst
auch andere Techniken wie die Kerzenmacherei und das Filzen.
Feste und Festivals
Traditionelle Volks- und Heimatfeste sind in Sachsen ebenso zu Hause
wie zahlreiche Veranstaltungen der Jugend- und Szenekultur – eine bunte
Mischung, die sich verschiedenen Genres und Epochen widmet. Nur eine
kleine Auswahl kann hier erwähnt werden:
Bei den Sorben wird am 25. Januar Vogelhochzeit gefeiert, wobei sich die
Vögel bei den Jüngsten mit Naschereien für das Füttern im Winter bedanken.
Beim Osterreiten verkünden festlich geschmückte sorbische Reiter in feier-
lichen Prozessionen am Ostersonntag die Botschaft von der Auferstehung
Christi. Das internationale Kneipenfestival „Honky Tonk“ lockt im Mai
tausende Besucher nach Leipzig, während in Dresden beim internationalen
Dixielandfestival der Jazz den Ton angibt. Pfingsten ist Termin für Europas
größtes Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, im Juni zieht das internationale
Trabantfahrertreffen Gäste nach Zwickau und im August kommen Tausende
von Anhängern des Hip-Hop und Reggae in Chemnitz auf ihre Kosten beim
splash!- Festival, der größten Veranstaltung dieser Art in Europa.
Als „Vogtländisches Familienfest“ feiern die Einwohner von Plauen im
Juni ihr Spitzenfest. Das größte Volks- und Heimatfest im Freistaat ist
der „Tag der Sachsen“. Jedes erste Septemberwochenende im Jahr ist ein
anderer sächsischer Ort Treffpunkt für Vereine und Verbände. Heimatliches
Brauchtum und Traditionen werden gezeigt, umrahmt von einem bunten
Programm, vielen kulinarischen Angeboten und einem Festumzug.
Im Juni zum Bergstadtfest und am zweiten Advent zieht eine historische
Bergparade durch Freiberg. Um auf das Weihnachtsfest einzustimmen,
feiern die Schneeberger am zweiten Advent das Lichtelfest. Zahlreiche
traditionelle Weihnachtsmärkte – darunter der älteste Weihnachtsmarkt
Deutschlands, der Dresdner Striezelmarkt (erstmalig erwähnt 1434) – bie-
ten weihnachtliches Flair zur Einstimmung auf das Fest.
Ob Stadtfeste, Flottenparade der Dampfschiffe, Dampflokfest, Burgfeste,
Brückenfeste oder Weltstars in Leipzig, es ist immer etwas los im Freistaat.
Dresdner Striezelmarkt

94
Kunst und Kultur
Zu den bekannten Ereignissen des sächsischen Kulturlebens zählen
weiterhin:
Internationale Gottfried-Silbermann-Tage und Gottfried-Silbermann-
Wettbewerb (Orgel, im Zentrum steht der Freiberger Dom)
Dresdner Musikfestspiele (Klassik und zeitgenössische E-Musik)
Dresdner Tage für zeitgenössische Musik (Musik der Gegenwart)
Chemnitzer Begegnungen (Schwerpunkt: Musik und
darstellende Kunst)
Zwickauer Musiktage (zu Ehren Robert Schumanns)
Bachfest Leipzig (jährlich) und Internationaler Bach-Wettbewerb
(im Zweijahresrhythmus)
euro scene leipzig (avantgardistisches Festival professioneller freier
Theatergruppen aus Europa)
Festival Mitte Europa (grenzüberschreitendes Festival mit
Schwerpunkt Musik)
Filmfest Dresden – Internationales Festival für Animations- und Kurzfilm
Internationales Leipziger Dokumentar- und Animationsfilmfestival
Filmnächte am Elbufer (Großprojektionen und Konzerte in Dresden)
Chemnitzer Kinderfilmschau „Schlingel“ (Internationales
Kinderfilmfestival)
Sächsische Literaturtage (alle zwei Jahre in einem anderen Kulturraum)
– Leipziger Literarischer Herbst
– Kamenzer Lessing-Tage
– Dresdner Lyriktage
Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung
Internationales Folklorefestival in Crostwitz
– Sächsische Amateurtheatertage
Kulturförderung
Sachsen ist als Kulturland über Jahrhunderte gewachsen. Weit über
seine Grenzen hinaus sind die Staatlichen Kunstsammlungen bekannt
durch ihre einzigartige Vielfalt und Komplexität der Exponate. Sachsen
war die Heimat für Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Carl
Maria von Weber, Richard Wagner, Felix Mendelssohn-Bartholdy, und
berühmte Orchester spielten und spielen die Meister noch immer.
Wegweisende Impulse in der darstellenden Kunst gingen ebenfalls
von Sachsen aus. Caroline Neuber (1697–1760) reformierte das deut-
sche Theaterwesen, Gret Palucca begründete in den 20er Jahren des
20. Jahrhunderts den modernen Ausdruckstanz.

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Kunst und Kultur
95
Opernhaus Chemnitz
Welterbestätte
Landschaftspark
Bad Muskau, angelegt
durch Fürst Pückler
Ab 1990 wurden in Sachsen zentralistische Strukturen in der Kultur-
landschaft durch pluralistische ersetzt; gleichzeitig wollte man die
reiche kulturelle Substanz weitgehend erhalten. Der Sächsische Landtag
beschloss zur Stärkung der regionalen Ebene im Dezember 1993 das
Gesetz über die Kulturräume in Sachsen, zunächst befristet, ab Juni
2008 unbefristet gültig. Danach fi nanziert das Land gemeinsam mit
fünf ländlichen sowie drei urbanen Kulturräumen (Chemnitz, Dresden,
Leipzig) die Förderung kultureller kommunaler Einrichtungen und Maß-
nahmen in den Regionen. Die Kulturräume erhalten dafür vom Freistaat
ca. 86,7 Mio. Euro jährlich.
Sachsen finanziert staatliche Einrichtungen wie Museen, Theater und
Orchester mit ca. 82,5 Mio. Euro jährlich, fördert daneben aber auch die
Arbeit nichtstaatlicher Museen und das freie künstlerische Schaffen von
Komponisten und Musikern, darstellenden und bildenden Künstlern, Fil-
memachern, Schriftstellern und die soziokulturellen Aktivitäten engagierter
Vereine. Nur auf der breiten Basis ehrenamtlicher Arbeit der zahlreichen
Vereine und verschiedener Stiftungen kann vielfältiges kulturelles Leben
in den Regionen entstehen und erhalten werden. Für die Förderung im
Rahmen der sogenannten Allgemeinen Kunst- und Kulturförderung werden
jährlich ca. 6,4 Mio. Euro zur Verfügung gestellt, davon ca. 2,4 Mio. Euro
durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.
Die Musikschulen in Sachsen als Basis für das Musikleben des Landes
werden jährlich mit 5 Mio. Euro unterstützt.
Die Sorben pflegen Kunst und Kultur durch eine Vielzahl von Ensembles,
Chören und Vereinen. Wichtige kulturelle Einrichtungen sind unter an-
derem das Sorbische Nationalensemble, der Domowina-Verlag Bautzen,
das Sorbische Museum auf der Ortenburg in Bautzen und das WITAJ-
Sprachzentrum. Darüber hinaus sind die sorbische Sprache und Kultur in
eigenen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern sowie in sorbischsprachigen
Rundfunk- und Fernsehsendungen präsent. Die Staatsregierung fördert
diese Einrichtungen, Vereine und Projekte gemeinsam mit dem Bund und
dem Land Brandenburg mit jährlich 15,6 Mio. Euro.
Mit insgesamt rund 98 Euro pro Einwohner bzw. 2,4 % des Staats-
haushaltes ist der Freistaat das Flächenland mit den höchsten Kultur-
ausgaben in Deutschland.

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96
Kunst und Kultur
Der älteste Horch im
August Horch Museum
Zwickau
Deutsches Damast-
und Frottiermuseum
Großschönau
Sachsen bewahrt Erinnerungen
Museen
Im Freistaat Sachsen gibt es mehr als 470 Museen und Schauanlagen.
Die einstigen kurfürstlich-königlichen Sammlungen in Dresden haben
Weltgeltung. Genannt seien die zu den Staatlichen Kunstsammlungen
gehörenden Gemäldegalerien Alte und Neue Meister, die Skulpturen-
sammlung, das Grüne Gewölbe, die Porzellansammlung und die Rüst-
kammer, eine der herausragendsten Sammlungen von Waffen, Harnischen
und Kostümen.
Internationalen Rang besitzen auch die Kunstmuseen der Stadt Leipzig
und die Kunstsammlungen Chemnitz. Unter den stadtgeschichtlichen
Museen sind diejenigen in Bautzen, Dresden, Freiberg, Leipzig und
Zittau hervorzuheben.
Spezialisierte Sammlungen sind unter anderem in Dresden das Militär-
historische Museum, das Deutsche Hygiene-Museum, das Verkehrsmu-
seum, die Musikinstrumenten-Museen in Leipzig und Markneukirchen
und das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Bücherei
in Leipzig.
Eine Besonderheit für den Freistaat Sachsen stellen die technischen
Schauanlagen dar, darunter die des Montanwesens in Freiberg oder in
Altenberg-Zinnwald, das Bergbaumuseum in Oelsnitz/Erzgebirge, das
Industriemuseum in Chemnitz, das Kalkwerk Lengefeld, der Frohnauer
Hammer bei Annaberg und die Saigerhütte Grünthal. Handwerkliche
und technische Erzeugnisse präsentieren das Spitzenmuseum in Plauen,
die Motorradausstellung auf Schloss Augustusburg, die Schauhalle der
Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen und die Automobilausstel-
lung in Zwickau. In den Technischen Sammlungen der Stadt Dresden
werden u. a. zahlreiche Exponate zur sächsischen Filmtechnik gezeigt.
Das Deutsche Institut für Animationsfilm (DIAF) bewahrt hier außerdem
über 2 000 Kopien sächsischer Filmproduktionen und macht sie der
Öffentlichkeit zugänglich.
Bedeutende Sammlungen besitzen die Naturkundemuseen in Görlitz,
Dresden, Chemnitz, Leipzig und Waldenburg. Sie erbringen gleichfalls
auf dem Gebiet der Forschung beachtenswerte Ergebnisse. Eine Reihe
von Museen widmet sich außerdem volkskundlichen Themen, so z. B.
das erzgebirgische Spielzeugmuseum in Seiffen. In Leipzig, Dresden
und Herrnhut präsentieren die staatlichen Völkerkundemuseen ihre
reichen Sammlungsbestände außereuropäischer Kunst und Gebrauchs-
kultur.

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Kunst und Kultur
97
Gedenkstätte Bautzen,
Außenansicht BZ II
Sächsische Literatur-Museen befinden sich unter anderem in Kamenz
(Lessing-Museum), in Dresden (Erich-Kästner-Museum), in Hainichen
(Gellert-Museum) sowie in Hohenstein-Ernstthal und in Radebeul (Karl-
May-Museum).
Gedenkstätten
Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten ist der Erinnerung an die Opfer
der nationalsozialistischen Diktatur, der stalinistischen Diktatur in der
SBZ und des SED-Regimes verpflichtet. Die Gedenkstätten organisieren
Ausstellungen, Veranstaltungen, machen Bildungsangebote und geben
Publikationen heraus.
Die Gedenkstätte Bautzen erinnert an die Opfer der beiden Bautzener Haft-
anstalten, der Strafvollzugsanstalt Bautzen I („Gelbes Elend“), nacheinander
nationalsozialistisches Zuchthaus, sowjetisches Speziallager und gefürchtete
Strafvollzugseinrichtung der DDR, sowie der Haftanstalt Bautzen II, die von
1956 bis 1989 Gefängnis für sogenannte „Staatsverbrecher“ mit besonderen
Zugriffsrechten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) war.
Die Gedenkstätte Münchner Platz in Dresden erinnert an die Opfer
der Justizverbrechen des NS-Staates einerseits sowie der sowjetischen
Militärjustiz und der DDR-Strafjustiz andererseits. Das ehemalige
Landgericht war während des „Dritten Reiches“ Gerichtsort und Hin-
richtungsstätte der NS-Justiz.
In der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein wird der in den Jahren 1940/41 im
Rahmen der nationalsozialistischen „Vernichtung lebensunwerten Lebens“
ermordeten 15 000 vorwiegend geistig behinderten Menschen gedacht.
Das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau erinnert an
die Opfer der nationalsozialistischen Wehrmachtjustiz sowie der beiden
sowjetischen Speziallager und des DDR-Strafvollzugs. Die Torgauer Mi-
litärgefängnisse und Kasernen wurden auch unter sowjetischer Besatzung
und in der DDR für die politische Haft genutzt.
Die Gedenkstätte Ehrenhain bei Riesa bezeugt das Massensterben vor
allem sowjetischer Kriegsgefangener in den Jahren 1941 bis 1945 infolge
unmenschlicher Unterbringungsbedingungen im Lager Zeithain.
In der Förderung der Stiftung Sächsische Gedenkstätten sind außerdem
Orte der Erinnerung an die alltägliche Repression des Ministeriums für
Staatssicherheit: die ehemalige U-Haftanstalt der Bezirksverwaltung des
MfS Dresden und das Museum in der „Runden Ecke“ in Leipzig (ehemalige
Bezirksverwaltung des MfS Leipzig). Die Stiftung unterhält eine Doku-
mentationsstelle „Widerstands- und Repressionsgeschichte in der NS-Zeit
und der SBZ/DDR“, die auch bundesweite und internationale Projekte
durchführt, und unterstützt kleinere Projekte der Gedenkstättenarbeit.

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98
Kunst und Kultur
Schriftstellerin
und Mundartdichterin
Lene Voigt
(1891–1962)
Der Fasskeller im
berühmten „Auerbachs
Keller“ in Leipzig
Typisch Sächsisches
Dialekt/Mundarten
Vielerorts gelingt Laien eine Zuordnung unterschiedlichster Landes- und
Regionalsprachen. Auch der Sachse wird an seiner Mundart erkannt – oft-
mals begleitet von beißendem, einst hausgemachtem Spott „Bliemchen-
dichtung“.
Und doch war eine historische Sprachform – die durch Sprachgelehrte
im 14.–18. Jahrhundert viel gerühmte Meißnische, obersächsische
Kanzleisprache als Schreibsprache – eine wesentliche Grundlage der
späteren hochdeutschen Schrift- und Standardsprache, an der auch Lu-
thers Bibelübersetzung ihren Anteil trägt.
Will man das Sächsische beschreiben, so fällt zuerst die „Verweichlichung“
der Laute auf, so ersetzt ein „B“ jedes „P“ (Babba statt Papa), ein „D“
jedes „T“ (Diere statt Türe). Zudem werden Endungen verschluckt (ni
statt nicht, mei statt mein) sowie Vokale verändert und gedehnt (glooben
statt glauben). Auch gibt es Wörter, die nur Eingeweihte verstehen, wie
„Huddelei“ für „Ärger haben“ oder „Dämmse“ für große Hitze.
Sächsisch fungiert als landschaftlich gefärbte Umgangssprache (Regio-
lekt). Insbesondere die Mundarten
24)
aktivieren bewusst eine eng mit der
musikalischen Volkskultur verbundene Mundartpflege, die sich bis heute
im Kulturalltag erhalten hat.
Für den Sprachraum Sachsen unbedingt zu erwähnen ist das Sorbische – un-
terteilt in Ober- und Niedersorbisch – als eigenständige slawische Sprache.
In Ostsachsen ist nicht nur auf den Ortstafeln (z. B. Bautzen – Budyšin)
die Zweisprachigkeit (sorbisch und deutsch) der dort lebenden Sorben zu
erkennen. Vor etwa 1 400 Jahren wurde in fast allen Regionen des heutigen
Sachsen slawisch gesprochen, in der Lausitz ist das Sorbische noch heute
eine eigenständige, lebende Sprache.
Sächsische Küche
Die sächsische Küche bietet viel Abwechslung mit landschaftstypischen
Besonderheiten. Die Kartoffel wurde im 18. Jahrhundert zum Volksnahrungs-
mittel. Gekocht, gebraten, frittiert, als Brei, Knödel, Suppe oder Pommes
frites bereichern Kartoffelgerichte in unzähligen Varianten die Speisezettel.
Grüne Klöße oder der „Bambes“ (Kartoffelpuffer) im Vogtland zu Fleisch-
gerichten gehören besonders an sächsischen Festtagen auf den Tisch. Das
„Leipziger Allerlei“ als Original ist eine köstliche Gemüsebeigabe. Zur Ver-
feinerung der Speisen greift man gern auf einheimische Kräuter zurück.
24)
z. B. das Ost- und Westerzgebirgische, das Vogtländische in seinen sich voneinander abgrenzenden Unter-
mundarten oder das Oberlausitzische mit seinem typisch rollenden „R“ sowie anderen Merkmalen

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Kunst und Kultur
99
Sächsischer Karpfen
Ein Elbtal-Wein ergänzt manche gute Mahlzeit. Im kleinsten Weinbau-
gebiet Deutschlands zwischen Meißen und Dresden werden überwie-
gend Weißweine, Riesling, Müller-Thurgau, Burgunder und Bacchus
angebaut. Eine regionale Spezialität ist der Goldriesling. Das Weingut
Schloss Proschwitz gehört zu den Qualitätsweingütern mit VDP-Sie-
gel, und auch Schloss Wackerbarth und kleine Winzerbetriebe heimsen
zahlreiche Preise ein.
Als Stimmungsmacher für gesellige Runden sind die vielen würzigen
sächsischen Biere, als Verdauungshilfen heimische Kräuterliköre sehr
beliebt. Radeberger Bier, das erste nach Pilsner Brauart in Deutschland,
beglückte ab 1905 sogar den sächsischen Königshof.
Fischwirtschaft hat in Sachsen eine lange Tradition. In den rund um
Schloss Moritzburg über die Jahrhunderte (ab 1480) angelegten Teichen
werden nach wie vor Karpfen, aber auch Schleien, Aale und Hechte
gezüchtet. Weitere große Teichgebiete gibt es in der Lausitz sowie im
Raum Wermsdorf. Das jährliche Abfischen der Teiche im Herbst wird
als großes Volksfest gefeiert.
Da Kulinarisches immer im Zusammenhang mit dem Lebensstil, den
Tischsitten und Essgewohnheiten steht, reiht sich die sächsische Küche
in die Kategorie „sächsische Gemütlichkeit“. Die Sachsen lieben darum
ihr Schälchen „Heeßen“ (heißen Kaffee), dazu ein Stück Dresdner Eier-
schecke oder „Lerchen“, das von Leipzigern geliebte Marzipangebäck.
Das Weihnachtsbackwerk Stollen ist sehr beliebt und als „Dresdner
Christstollen®“ weltberühmt, ebenso wie auch die würzigen Pulsnitzer
Pfefferkuchen.

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100
Natur und Freizeit
NATUR
UND
FREIZEIT

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Natur und Freizeit
101
Die Mischwaldkultur
kommt dem ur sprüng -
lichen Dunkelwald zur
Zeit der Slawen nahe
Natur und Umwelt in Sachsen
Vegetation und Fauna
Die ursprüngliche Vegetation ist im Laufe der Besiedlung von den Men-
schen weitgehend beseitigt worden. Der „Miriquidi“, der ursprüngliche
Dunkelwald der Slawen im Erzgebirge, ist nur noch rudimentär erhalten.
Vereinzelt fi ndet man einen naturnahen, artenreichen Laubwald, vor
allem in den Hang- und Auenbereichen der Tieflandflüsse. Flachland und
Hügelland sind nur noch gering bewaldet. Die größten zusammenhän-
genden Wälder sind in den Mittelgebirgen und in der Lausitz zu finden,
häufig geprägt von Fichten und Kiefern, die – bedingt durch die einstigen
Verhältnisse – gepflanzt werden mussten. Erste Erfolge des Waldumbaus
zu Laubmischwäldern mit Tanne sind aber erkennbar.
Weite Teile des Landes sind urban oder landwirtschaftlich genutzte
Kulturlandschaften, die Lebensraum für viele Tierarten bieten. Bei-
spielsweise ist im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teich-
landschaft eine der vitalsten Fischotterpopulationen Mitteleuropas zu
Hause. Den Anblick des gewaltigen Seeadlers kann der Besucher hier
täglich erleben.
Im Nationalpark Sächsische Schweiz entwickelt sich die Natur weitge-
hend ohne Zutun des Menschen. Das Wiederansiedlungsprogramm für
den Elbelachs in den tief eingeschnittenen Gewässern der Sächsischen
Schweiz verzeichnete bereits viele Rückkehrer dieser ehemals in Sachsen
ausgestorbenen Fischart.
Seit 1998 gibt es auch wieder freilebende Wölfe in Sachsen.
Schutzgebiete
Zahlreiche Schutzgebiete dienen der Erhaltung der natürlichen Lebens-
räume von Pfl anzen und Tieren sowie attraktiver Landschaften und
der naturnahen Erholung. Von besonderer Bedeutung sind dabei der
Nationalpark Sächsische Schweiz (93,5 km²), das Biosphärenreservat
Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft (300 km²) sowie die Natur-
parke „Dübener Heide“, „Erzgebirge/Vogtland“ und „Zittauer Gebierge“
(zus. 1 988 km²). Weiterhin sind 175 Landschaftsschutzgebiete mit einer
Ausdehnung von ca. 5 410 km² und 214 Naturschutzgebiete mit einer
Ausdehnung von ca. 504 km² ausgewiesen.

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102
Natur und Freizeit
Gute Luft in der
Sächsischen Schweiz
Luftqualität
Die Luftqualität in Sachsen hat sich von 1995 bis 2008 insgesamt verbes-
sert. Durch die konsequente Modernisierung von Großfeuerungsanlagen
und durch die Umrüstung auf neue Energieträger (Erdgas und Heizöl)
in den Haushalten nahm die Schwefeldioxidbelastung seit 1995 um
etwa 80 % ab. Auch bei Kohlenmonoxid, Benzol, Grobstaub und Blei
reduzierte sich die Belastung der Außenluft deutlich. An stark befahre-
nen Straßen in großen Städten ist die Belastung durch Stickstoffdioxid
und Feinstaub (PM 10) höher als in den ländlichen Gebieten. Vereinzelt
werden die Grenzwerte für Feinstaub und der ab 2010 einzuhaltende für
Stickstoff überschritten. Um die Luftqualität in den Städten zu verbessern,
wurden für Leipzig, Dresden, Chemnitz und Görlitz Luftreinhaltepläne
aufgestellt.
Großschutzgebiete
Schadstoff Gesamtemissionen Gesamtemissionen Gesamtemissionen
1995/t 2005/t 2006/t
Schwefeldioxid
691 000
30 000
31 000
Staub
25 000
12 000
12 000
Stickstoffoxide
128 000
74 000
68 000

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Natur und Freizeit
103
Waldzustand
Der Waldzustandsbericht 2007 weist im Landesdurchschnitt 20 % der
Waldfläche als deutlich und 45 % als schwach geschädigt aus. Dabei ist
die Eiche die am stärksten betroffene Baumart Sachsens mit einem Anteil
von 42 %, gefolgt von der Buche mit 37 % und Fichte mit 18 %. Die
Kiefer ist gegenüber den genannten Baumarten am geringsten betroffen.
35 % der sächsischen Waldfläche hat keine erkennbaren Schäden.
Bodenzustand
Der Zustand der Böden hängt vor allem von ihrer Entstehung und
Nutzung ab. Die sandigen, von Natur aus zumeist sauren Böden der
Altmoränenlandschaften neigen zur Austrocknung und sind für landwirt-
schaftliche Zwecke nur bedingt geeignet. Die ertragreichen Lößböden
sind sehr anfällig gegenüber Wassererosion und bedürfen besonderer
Vorsorgemaßnahmen. In den Bergbauregionen und Flussgebieten Sach-
sens sind die Böden vielfach durch den historischen Bergbau, die Erz-
verhüttung und den Deichbau geprägt. In den Wäldern des Erzgebirges
ist es erforderlich, die Bodenversauerung durch Bodenschutzkalkungen
auszugleichen. Jährlich werden rund 15 000 ha gekalkt.
Bodenschutzziele sind die sparsame Inanspruchnahme, der Schutz natür-
licher Funktionen, die Erhaltung der Leistungsfähigkeit sowie die Rekulti-
vierung bzw. Renaturierung beanspruchter Böden. Für die Erkundung und
Sanierung ökologischer Altlasten (alte Industriestandorte, Altablagerungen)
wurden seit 1990 etwa 450 Mio. Euro öffentliche Mittel eingesetzt.
Renaturierung
Der Jahrhunderte dauernde Bergbau, vor allem aber der Tagebau, hat in
sächsischen Landschaften seine Spuren hinterlassen. Tätigkeitsschwer-
punkte liegen heute darin, die ehemaligen Tagebauflächen wieder nutzbar
zu machen, nachdem in den vergangenen Jahren die Abraummassen ver-
dichtet, Großgeräte demontiert und verschrottet sowie Anlagen und Gebäude
abgebrochen wurden. Im Südraum Leipzig entstand auf diese Weise der
Cospudener See, in der Oberlausitz unter anderem der Olbersdorfer See.
Ebenso wurde das Naturschutzgroßprojekt Lausitzer Seenland initiiert, um
einen typischen Ausschnitt der Bergbaufolgelandschaften in der Lausitz
großflächig und langfristig zu sichern und naturgemäß zu entwickeln.
Für die Sanierung des Uranerzbergbaus in Sachsen wurden seit Beginn
der Arbeiten 1990 rund zwei Mrd. Euro ausgegeben. Unter anderem
werden in den Sanierungsbetrieben der Wismut GmbH die Schächte,
oberfl ächennahe Grundbauten, Halden und industrielle Absetzanlagen
verwahrt und alte Betriebsanlagen abgebrochen. Die Gruben in Schlema/
Bagger als tech-
nisches Denkmal im
Renaturierungsgebiet
„Berzdorfer See“
bei Görlitz

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104
Natur und Freizeit
Dresdner Frauenkirche
Alberoda und Königstein werden geflutet. So werden ehemalige Halden
und Betriebsflächen einer weiteren forstwirtschaftlichen, landwirtschaft-
lichen oder gewerblichen Nutzung zugeführt.
Für die Sicherung bzw. Sanierung von 143 Gefahrenstellen des Altberg-
baus wurden seit 2002 rund 8,7 Mio. Euro verwendet.
Abfallaufkommen
Seit Juni 2005 werden im Freistaat Sachsen unbehandelte Siedlungsab-
fälle in mechanisch-biologischen, mechanisch-physikalischen Anlagen
oder Müllverbrennungsanlagen behandelt, bevor die Reste auf Deponien
abgelagert oder verwertet werden. Im Freistaat Sachsen werden derzeit
fünf Anlagen zur Abfallbehandlung betrieben. Von den 1989 noch ca.
1500 Deponien werden ab 2009 und langfristig nur noch drei für Sied-
lungsabfall betrieben.
Gäste sind in Sachsen willkommen
Tourismus
Sachsen genießt als Urlaubsland weiterhin ungebrochenes Interesse:
5 984 778 Gästeankünfte und 16 051 667 Übernachtungen wurden im
Beherbergungsgewerbe ab neun Betten und auf Campingplätzen im
Jahr 2007 gezählt. Das ist nach dem absoluten Rekordjahr 2006 ein leichter
Rückgang von 2,4 Prozent bei den Gästeankünften und von 2,0 Prozent bei
den Übernachtungen. Demgegenüber haben vor allem die Campingplätze
und auch die Reha- und Vorsorgekliniken in Sachsen ihre Vorjahresergeb-
nisse noch einmal steigern können. Mit dem Zuwachs von 6,3 Prozent
Übernachtungen auf den sächsischen Campingplätzen liegt Sachsen sogar
über dem bundesdeutschen Durchschnitt von drei Prozent. Sachsen ist
und bleibt das Kulturreiseziel Nummer 1 in Deutschland. Kein anderes
Bundesland wartet mit einer solchen Fülle an Konzerthäusern und Bühnen,
Museen und herausragender Architektur auf. Daher führt fast jede vierte
Kulturreise in der Bundesrepublik nach Sachsen. Kulturelle Highlights
und außergewöhnliche Markenzeichen machen eine Reise in das „Land
von Welt“ so einzigartig. Sachsen als Reiseland mit einem unverwechsel-
baren Image am deutschen und internationalen Markt zu positionieren ist
Aufgabe der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH (TMGS).
In den 2 077 sächsischen Beherbergungsbetrieben mit einer Kapazität von
neun und mehr Betten standen den Gästen 111 410 Betten zur Verfügung.
Die durchschnittliche Auslastung der angebotenen Gästebetten bewegte
sich 2007 mit 39,7 Prozent auf dem Vorjahresniveau.

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Natur und Freizeit
105
Freizeitangebote
Wer die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, unter anderem mit dem
Historischen Grünen Gewölbe und der Gemäldegalerie der Alten und
Neuen Meister nicht gesehen hat, kennt Sachsen nicht. Chemnitz trumpft
mit dem Museum Gunzenhauser, einer der größten Privatsammlungen von
Kunst des 20. Jahrhunderts in Deutschland, auf. Zu den etwa 2 500 Werken
des Galeristen Alfred Gunzenhauser gehören u. a. 200 Bilder von Otto Dix
sowie Arbeiten z. B. von Conrad Felixmüller, Ernst Ludwig Kirchner, Erich
Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Edvard Munch und Lyonel Feininger. In
Leipzig verbinden Kulturtouristen gern ein Konzert des Thomanerchors mit
einem Besuch im Bildermuseum in einem der modernsten und spektaku-
lärsten Museumsneubauten des 21. Jahrhunderts mitten in der Altstadt.
Es sind aber auch die reichen Handwerkstraditionen, denen Sachsen seinen
Weltruf verdankt. So entstehen im Erzgebirge in vielen Werkstätten hand-
werklich gefertigte, einzigartige Weihnachtserzeugnisse, die als Erzgebirgi-
sche Holzkunst® international bekannt sind. Seit 1677 hat der traditionelle
Musikinstrumentenbau im Vogtland im südwestlichen Zipfel Sachsens seine
Heimat. Viele Künstler weltbekannter und berühmter Orchester spielen auf
den meisterlich von Hand gefertigten Streich- und Blechblasinstrumenten.
Das Vogtland hütet noch einen anderen Schatz: die Plauener Spitze® – zart,
fein und äußerst filigran. In der über 1000-jährigen Stadt Meißen an der Elbe
wird seit fast 300 Jahren das berühmte Meissner Porzellan gefertigt, das erste
in Europa hergestellte Porzellan.
Bekannt sind auch sächsischer Wein und Sekt aus dem sonnigen Elbtal.
Weltweit berühmt sind die in Sachsen gefertigten Markenuhren, allen
voran Glashütte Original und Lange & Söhne aus Glashütte nahe der Lan-
deshauptstadt Dresden, die in meisterlicher Präzisionsarbeit entstehen.
Seit 105 Jahren werden in Sachsen Automobile gebaut. Heute sind es vor
allem die bekannten Modelle 3er BMW, Volkswagen Phaeton und Por-
sche Cayenne, die die Herzen von Liebhabern erstklassiger Automobile
höher schlagen lassen. Lebensart, Erfindergeist, kultureller Reichtum
und Luxusartikel prägen die sächsische Geschichte seit der Zeit des
Kurfürsten August des Starken, der im Barock am sächsischen Hof die
rauschendsten Feste feierte, bis heute.
Ein großes Radwegenetz (darunter der Elberadweg und der Muldentalrad-
wanderweg), ein Reitwegenetz und viele Kilometer Wasserwege stehen
den Bewegungshungrigen zur Verfügung. Ob Wandern, Wildwasser- oder
Schlauchbootfahren, Reiten, Mountainbiking, Radeln, Sommerrodeln oder
Klettern – der Sport, den einst sächsische Studenten entwickelten – und im
Winter Skilanglauf, Abfahrt, Winterwandern und Rodeln: Sachsen bietet
ideale Voraussetzungen für diese Sportarten. Daneben locken zahlreiche
Völkerschlachtdenkmal
in Leipzig

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106
Natur und Freizeit
Vergnügungs- und Erlebnisparks wie die Kulturinsel Einsiedel in der Nähe
von Görlitz, der Vergnügungspark Belantis bei Leipzig, der Saurierpark
mit Labyrinth in Kleinwelka, der Märchen- und Erlebnispark in Plohn
bei Lengenfeld im Vogtland sowie der Miniaturpark „Klein-Erzgebirge“
in Oederan.
Exotische und heimische Tierarten kann man in den zahlreichen Zoos und
Wildgehegen wie in Dresden, Görlitz, Chemnitz oder Leipzig mit dem
Pongoland, der weltgrößten Anlage mit allen vier Menschenaffenarten,
beobachten. Farbenfrohe Schmetterlinge leben im Schmetterlingshaus in
Jonsdorf im Zittauer Gebirge.
Vital- und Wellnessurlauber können in Sachsen u. a. Moorheilbäder neh-
men oder eine der zahlreichen Heilquellen genießen. Im „Bäderwinkel“
des Vogtlandes mit den Sächsischen Staatsbädern Bad Brambach (mit
dem weltweit stärksten Radonbad) und Bad Elster hat die Anwendung
der heilsamen Wasser eine lange Tradition.
Erholungsgebiete
Das Erzgebirge lockt besonders zur Weihnachtszeit Touristen in die
Zentren der Spielzeugherstellung und Volkskunst. Die Schnitz- und
Drechselkunst, aber auch die Klöppelei verschaffte der Region um Seif-
fen den Ruf als Hochburg des Kunsthandwerks. Die Region bietet im
Winter annähernd schneesichere Wintersportmöglichkeiten, im Sommer
ausgedehnte Wanderwege durch Berge, Felder und Wälder.
Das benachbarte Vogtland ist besonders durch seine Spitzenherstellung
um Plauen und den Instrumentenbau im „Musikwinkel“ bekannt. Tou-
ristische Attraktionen dieses Gebietes sind die vielfältigen Wintersport-
möglichkeiten, die Vogtland Arena mit der modernen Sprungschanze, die
sächsischen Staatsbäder, die Talsperren sowie die Göltzschtalbrücke, die
größte Ziegelbrücke der Welt.
Das Sächsische Elbland mit dem nördlichsten Weinbaugebiet Deutsch-
lands bei Dresden besitzt neben dem hochgeschätzten Rebensaft auch
eine abwechslungsreiche, hügelige Landschaft. Kulturell weist das
Gebiet eine große Vielfalt an Museen, Schlössern und historischen
Bauten auf.
Die Bastei, eine der
Touristenattraktionen im
Elbsandsteingebirge

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Natur und Freizeit
107
Göltzschtalbrücke im
Vogtland, die größte
Ziegelbrücke der Welt
Das Tal der Burgen lockt mit behaglichen Orten und naturbelassenen
Gegenden, den Erlebnisbädern und dem urbanen Zentrum Leipzig.
Sowohl rund um Leipzig als auch in der Oberlausitz sind die nach
der Rekultivierung und Revitalisierung der Braunkohleabbaufl ächen
entstehenden weitläufi gen Seengebiete schon heute beliebte Anzie-
hungspunkte für Freunde des aktiven Natur- und Wasserurlaubs. In der
Oberlausitz/Niederschlesien sind die typischen Umgebindehäuser, die
Töpferei, Damastweberei, der Blaudruck und schön gelegene Wald- und
Naturbäder hervorzuheben.
Der Nationalpark Sächsische Schweiz als Kern des Elbsandsteinge-
birges bietet Wanderern, Bergsteigern und Kletterern hervorragende
Möglichkeiten aktiver Erholung. Die sächsischen Großschutzgebiete,
das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft und
die beiden Naturparks Erzgebirge-Vogtland und Dübener Heide laden
die Besucher zu intensiven Naturerlebnissen auf gut markierten Wander-,
Rad- und Reitwegen ein.

108
Adressen
Sächsische Staatskanzlei
Archivstraße 1, 01097 Dresden
Tel. (0351) 564-0, Fax (0351) 564-1199
www.sachsen.de
Vertretung des Freistaates Sachsen
Brüderstraße 11/12, 10178 Berlin
beim Bund
Tel. (030) 20606-0, Fax (030) 20606-555
Vertretung des Freistaates Sachsen
Avenue d’Auderghem 67
bei der Europäischen Union
B-1040 Brüssel
Sachsen-Verbindungsbüro Brüssel
Tel.: 02-235.87.15 - Fax: 02-235.87.22
Sächsisches Staatsministerium
Wilhelm-Buck-Straße 2-4, 01097 Dresden
des Innern
Tel. (0351) 564-0, Fax: (0351) 564 3199
www.smi.sachsen.de
Sächsisches Staatsministerium
Hospitalstraße 7, 01097 Dresden
der Justiz
Tel. (0351) 564-0, Fax (0351) 564 1599
www.justiz.sachsen.de
Sächsisches Staatsministerium
Carolaplatz 1, 01097 Dresden
der Finanzen
Tel. (0351) 564-0, Fax (0351) 564-4029
www.smf.sachsen.de
Sächsisches Staatsministerium
Carolaplatz 1, 01097 Dresden
für Kultus
Tel. (0351) 564-0, Fax 564-2887
www.sachsen-macht-schule.de/smk/
Sächsisches Staatsministerium
Wigardstraße 17, 01097 Dresden
für Wissenschaft und Kunst
Tel. (0351) 564-0, Fax (0351) 564 64 6000
www.smwk.sachsen.de
Sächsisches Staatsministerium
Wilhelm-Buck-Str. 2, 01097 Dresden
für Wirtschaft und Arbeit
Tel. (0351) 564-0, Fax. (0351) 564-8068
www.smwa.sachsen.de
Sächsisches Staatsministerium
Albertstraße 10, 01097 Dresden
für Soziales
Tel. (0351) 564-0, Fax: (0351) 564 5850
www.sms.sachsen.de
Sächsisches Staatsministerium
Archivstraße 1, 01097 Dresden
für Umwelt und Landwirtschaft
Tel. (0351) 564-0, Fax (0351) 564 2209
www.smul.sachsen.de
Die Sächsische Staatskanzlei
und die Sächsischen Staatsministerien

Adressen
109
Landesdirektionen
Landesdirektion Dresden
Stauffenbergallee 2, 01099 Dresden
Tel. (0351) 825-0, Fax. (0351) 825-9999
www.ldd.sachsen.de
Landesdirektion Leipzig
Braustraße 2, 04107 Leipzig
Tel. (0341) 977-0, Fax. (0341) 977 1199
www.ldl.sachsen.de
Landesdirektion Chemnitz
Altchemnitzer Str. 41, 09120 Chemnitz
Tel. (0371) 532-0, Fax (0371) 532-1929
www.ldc.sachsen.de
Sachsen in Zahlen
Statistisches Landesamt
Macherstraße 63, 010917 Kamenz
des Freistaates Sachsen
Tel. (03578) 33-0, Fax (03578) 33 1422
Sachsen im Internet
Der Freistaat Sachsen
www.sachsen.de
Presseinformationen der Staatsregierung
www.medienservice.sachsen.de
Newsletter der Staatsregierung
www.newsletter.sachsen.de
Sächsisches Landesrecht
www.recht.sachsen.de
Das online-Bürgerbüro/Lebenslagenportal
www.amt24.sachsen.de
Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH
www.wfs.sachsen.de
Sächsischer Landtag
www.landtag.sachsen.de
Schlösserland Landtag
www.schloesser.sachsen.de
Tourismus Marketing Gesellschaft
www.sachsen-tourismus.de
Sachsen mbH
Sächsischer Bildungsserver
www.sachsen-macht-schule.de

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Bildquellen
AMD/ Sven Döring – 46
Auerbachs Keller Leipzig – 98
August Horch Museum Zwickau – 96
bauch agentur für Medien & Kommunikation – 42
Berufsbildungswerk Sachsen gGmbH –80
Besser, Gerlinde – 71, 82
Bildarchiv MGO - 13
Büschel – 45
Butz, Cornelie – 41
Cloyes Europe GmbH – 49
Dahl, Ulf – 91
Deutsches Damast- und Frottiermuseum – 96
Dresdner Tafel e. V. – 85
Dresdner Verkehrsbetriebe AG – 58
Dresden Werbung und Tourismus GmbH –
14, 15, 17, 31, 88, 89, 100
DWT/ Sylvio Dittrich – 93
Dittrich, Sylvio – 7, 82, 90, 104
Dopplebr – 40
Döring, Sven – 23
dresden-bilder.de/ Thomas Uhlig – 5, 90
Ebert, Wolfgang – 18
Erick van Egeraat, Rotterdam – 74
Flughafen Dresden GmbH, Weimer – 61
Friedrich-Schiller Gynmasium – 38
Gedenkstätte Bautzen – 97
Grafik-Studio – 90, 93, 103
Jüdische Gemeinde Chemnitz – 12
Landeshauptstadt Dresden – 50, 51
Landestalsperrenverwaltung – 66
Landestalsperrenverwaltung, Luftbild-Service
Lange, Jörg , Die Bildmanufaktur – 2, 19
Leipziger Messe GmbH – 16, 52
Lene-Voigt-Gesellschaft – 98
Lohse – 107
LTS – 105
L&P – 22, 25, 34, 41, 54, 70
Mädler-Passage Leipzig – 50
Max-Planck-Institut (MPI-CBG) Dresden – 78
mdr / Hopf – 67
momentphoto.de/Bonß, Ronald – 86
Nomos, Glashütte – 51
Opitz, Michael – 76
Photo Pippig – 44
PixelQuelle.de – 6, 33, 54, 60, 95, 102
PUNCTUM Fotografie – 59
Porzellan-Manufaktur Meissen – 49
Richter – 106
Ritschel, Matthias – 38
Röhlig, Steffen, Dr. – 4
Sächsische Dampfschifffahrts GmbH & Co.KG – 61
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft – 5
Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk
und neue Medien – 68
Sächsische Staatskanzlei – 29, 30, 31, 32, 35, 36,
37, 48, 81
Sächsisches Staatsministerium des Innern – 8, 10
Sächsisches Staatsministerium für Soziales – 11
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und
Landwirtschaft – 54, 55, 56, 99, 101
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und
Arbeit – 52, 107
SAXONIA Werbeagentur, Christine Pohl – 87
Schloss Wackerbarth – 57
Siltronic AG – 47
Sonnenstrahl e. V., Dresden – 29
Staatliche Kunstsammlungen Dresden – 16,17, 91
Staatsbetrieb Sachsenforst – 56
Staatsbetrieb Staatliche Schlösser, Burgen und
Gärten Sachsen – 17, 89, 90
Stadt Leipzig, Wirtschaftsförderung – 92
Stadt Leipzig, Stadtarchiv – 16
Stadt Leipzig, Universitätsarchiv – 74
Stadtverwaltung Zwickau, Hochbauamt – 68
Technische Sammlungen Dresden – 77
Treffen & Festspielgesellschaft für
Mitteldeutschland mbH – 93
Tröbner, Eric – 73
Tourist-Information Oybin – 60
Universität Leipzig, Universitätsarchiv – 74
Vogtlandbahn GmbH – 60
Volkswagen AG – 47, 50

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Herausgeber:
Sächsische Staatskanzlei, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Verantwortlich:
Regierungssprecher Peter Zimmermann
Projektleitung: Kristina Sakalaschwili
Redaktion:
Dorota Wielgusz, Claudia Wagner, Kati Simmank
in Zusammenarbeit mit den Staatsministerien
Redaktionsschluss: Mai 2009
Herstellung:
SV SAXONIA VERLAG GmbH, SAXONIA Werbeagentur, Dresden
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