image
image
image
image
image
Zentralbewertung des
Entwicklungsprogramms
für den ländlichen Raum
2014 – 2020
im Freistaat Sachsen
Endbericht
Stand: November 2019

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
2
Im Auftrag des
Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft
Erstellt durch:
AFC Public Services GmbH
(Konsortialführung)
Dr. Volker Ebert
Dr. Margit Paustian
MSc. VWL Elisabeth Gerwing
Dottendorfer Str. 82
53129 Bonn
Tel.: 0228 / 98 57 9-45
E-Mail: Volker.Ebert@afc.net
Internet:
www.afc.net
entera
Umweltplanung & IT
Dr. Thomas Horlitz
Dipl. Ing. Susanne Jungmann
MSc. Svenja Preuß
Dipl.-Ing. Karoline Pawletko
M.Sc. Lauren Mityorn
Fischerstr. 3
30167 Hannover
Tel.: 0511 / 16 789-17
E-Mail: horlitz@entera.de
Internet:
www.entera.de
Forschungsgruppe Agrar- und
Regionalentwicklung Triesdorf (ART)
Prof. Dr. Manfred Geißendörfer
Prof. Dr. Otmar Seibert
MBA Philipp Kahl
B.A. Johannes Föhr
Steingruberstr. 4
91746 Weidenbach
09826 / 333177
E-Mail: seibert@fg-art.de
geissendoerfer@fg-art.de
Internet:
www.fg-art.de
TSS-Forstplanung
Consulting & Management
Henrik Thode
Prof. Dr. Frank Setzer
Katharina Weiser
Waldhäuser 10
01737 Kurort Hartha
Tel.: 035203 / 39235
E-Mail: Thode@tss-forstplanung.de
Internet:
www.tss-forstplanung.de/

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
3
0 Versionsangaben
Der vorliegende Bericht ist die dritte und abschließende Fassung des Zentralbewertungsbe-
richts des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum 2014 – 2020 im Freistaat Sach-
sen (EPLR); er berücksichtigt im Wesentlichen
die Leistungsbeschreibung zur Vergabe des Auftrags inklusive aller mitgeltenden Do-
kumente und Bestimmungen,
das Angebot der Bietergemeinschaft vom 15. September 2016,
das Feinkonzept zur Umsetzung der Zentralbewertung,
die einschlägigen Vorgaben der Europäischen Union zur Umsetzung der Bewertun-
gen (z. B. Gliederungsstruktur von Berichten, Guidelines),
die erweiterten jährlichen Durchführungsberichte 2017 (Berichtsjahr 2016) und 2019
(Berichtsjahr 2018),
die Vorfassungen des Zentralbewertungsberichts (2017, 2018) sowie
die im Rahmen bilateraler Gespräche zwischen dem SMUL und den Evaluatoren er-
örterten Punkte.
Der Zentralbewertungsbericht knüpft an die Ergebnisse der (erweiterten) jährlichen Durch-
führungsberichte (2017/2019) an. Anders als diese wird in der vorliegenden Bewertung indes
stärker die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen des EPLR in den Mittelpunkt der Betrach-
tung gezogen. Der Berichtszeitraum umfasst zudem den gesamten bisherigen Programmver-
lauf bis zum
Stichtag 30. Juni 2019
.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
4
Inhalt
0
Versionsangaben .............................................................................................................. 3
1
Einleitung .......................................................................................................................... 6
1.1
Hintergrund und Ziele der Bewertung ........................................................................ 6
1.2
Zentrale Inhalte .......................................................................................................... 7
2
Programmkontext ............................................................................................................ 10
2.1
Änderung des Sozioökonomischen Rahmenbedingungen ...................................... 10
2.1.1
Allgemeine sozioökonomische Einordnung des Freistaats Sachsen ............... 10
2.1.2
Sozioökonomische Einordnung des ländlichen Raums in Sachsen ................. 11
2.1.3
Situation der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft ...................................... 12
2.1.4
Infrastrukturelle Ausstattung und finanzielle Ressourcen der Kommunen ....... 16
2.1.5
Natürliche Ressourcen und Klimaschutz .......................................................... 17
2.2
Relevanz der Strategie ............................................................................................ 26
2.3
Kurzbeschreibung früherer Bewertungen im Zusammenhang mit dem Programm . 28
3
Methodik .......................................................................................................................... 28
4
Umsetzung des Programms ............................................................................................ 29
4.1
Durchführung des Programms: Akteure, institutioneller Kontext ............................. 29
4.2
Gestaltung des Programms; Prioritäten und Maßnahmen ....................................... 29
4.3
Budget für den gesamten Programmplanungszeitraum; Änderungen ..................... 30
4.4
Beanspruchte und tatsächlich ausgegebene Beträge ............................................. 31
5
Antworten auf Bewertungsfragen .................................................................................... 33
5.1
Bewertung der Maßnahmen .................................................................................... 33
5.1.1
M 01 – Wissenstransfer und Informationsmaßnahmen (Artikel 14) .................. 35
5.1.2
M 04 – Investitionen in materielle Vermögenswerte (Artikel 17) ....................... 56
5.1.3
M 07 – Basisdienstleistungen (Artikel 20) ......................................................... 97
5.1.4
M 08 – Investitionen in die Entwicklung von Waldgebieten und
Verbesserung der Lebensfähigkeit von Wäldern (Artikel 21 – 26) ................. 108
5.1.5
M 10 – Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (Artikel 28) ............................... 133
5.1.6
M 11 – Ökologischer/biologischer Landbau (Artikel 29) ................................. 181
5.1.7
M 13 – Ausgleichszulage benachteiligte Gebieten (Artikel 31) ....................... 208
5.1.8
M 16 – Zusammenarbeit (Artikel 35) .............................................................. 220
5.1.9
M 19 – LEADER (Artikel 35 ESIF-VO) ............................................................ 238
5.2
Bewertung der Schwerpunktbereiche .................................................................... 270
5.3
Sekundäreffekte ..................................................................................................... 270
5.4
Fokusthemen ......................................................................................................... 272
5.4.1
Technische Hilfe und Öffentlichkeitsarbeit ...................................................... 272
5.4.2
Verwaltungs- und Kontrollsystem ................................................................... 279
5.4.3
Querschnittsziel Chancengleichheit ................................................................ 282

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
5
5.4.4
Nachhaltige Entwicklung ................................................................................. 282
5.4.5
Beteiligung der Partner ................................................................................... 282
6
Anhang .......................................................................................................................... 283
6.1
Übersicht Unionsprioritäten und Schwerpunktbereiche ......................................... 283
6.2
Anlagen zur Öffentlichkeitsarbeit ........................................................................... 285
6.3
Ergänzende Tabellen und Abbildungen ................................................................. 294
6.4
Quellen und Literatur ............................................................................................. 305
6.5
Verzeichnisse ......................................................................................................... 315
Impressum ............................................................................................................................ 323

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
6
1 Einleitung
1.1 Hintergrund und Ziele der Bewertung
Mit den krisenhaften Ereignissen der Jahre 2015/16 („Brexit“-Votum; Migrationsbewegung
etc.) ist die Politik der Europäischen Union (EU) unter zunehmenden
Legitimationsdruck
geraten, um Ziele, Inhalte und Ergebnisse des gemeinschaftlichen Handelns deutlicher her-
auszuarbeiten. Unter den vielfältigen Aufgaben gilt dies für die Gemeinsame Agrarpolitik
(GAP) – als traditionell großen Ausgabenbereich – und die damit verbundene Förderung des
ländlichen Raumes über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des
ländlichen Raums (ELER) in besonderem Maße. Die Mittel des ELER sollen dabei in Ergän-
zung zu anderen Instrumenten der GAP und in Kohärenz mit den Struktur- und Investitions-
fonds (ESI-Fonds) des Gemeinsamen strategischen Rahmens (GSR) wirken, um zu einer
Umsetzung der Kernziele der Strategie EUROPA 2020 beizutragen.
1
Auch in der aktuellen Förderperiode (2014 – 2020) nimmt daher die
Begleitung und Bewer-
tung
der Programme zur ländlichen Entwicklung einen wichtigen Stellenwert ein. Die EU hat
hierfür einen gemeinsamen Rahmen geschaffen,
2
den die einzelnen Regionen individuell
umsetzen. Für die meisten Programme wurde die laufende Bewertung sowie die Berichtsle-
gung gemeinsam mit den erweiterten Durchführungsberichten (2017/2019) sowie der Ex-
post-Bewertung
en block
nach außen vergeben. Zu den Besonderheiten des Freistaats
Sachsens gehört die – bereits in der Förderperiode 2007 – 2013 bewährte – spezifische
Ausgestaltung des laufenden fachlichen Begleitungsprozesses als internes Projekt, das in
Ergänzung eine externe
Zentralbewertung
in den Jahren 2017 – 2019 vorsieht, die sämtli-
che Maßnahmen des EPLR sowie auch die Erstellung der erweiterten jährlichen Durchfüh-
rungsberichte 2017 und 2019 umfasst.
3
Die
Kernelemente der Bewertung
sind durch die Regularien der EU im Wesentlichen defi-
niert. Gemäß ESI-VO sind die Wirksamkeit, Effizienz und Auswirkungen der Programme zu
analysieren (Art. 54). Letztere sollen dabei vor dem Hintergrund der spezifischen Aufgaben
des ELER im Hinblick auf die Ziele der GAP und die Ziele der Unionsstrategie für intelligen-
tes, nachhaltiges und integratives Wachstum bewertet werden. Dabei sind die sozioökono-
mische und die Umweltsituation der jeweiligen ländlichen Gebiete zu berücksichtigen. Dar-
über hinaus ist zu bewerten, wie die Unterstützung aus dem ELER zu den Zielen für jede
Priorität beigetragen hat bzw. beiträgt (Art. 56 Abs. 3 ESI-VO). Die ELER-VO selbst legt fer-
ner fest, dass im Rahmen der Bewertung die Fortschritte und Verwirklichungen der Politik
zur Entwicklung des ländlichen Raums aufgezeigt sowie die Auswirkungen, die Wirksamkeit,
Effizienz und Zweckdienlichkeit der Interventionen im Rahmen dieser Politik bewertet werden
sollen (Art. 68). Zudem soll zu einer gezielter ausgerichteten Förderung der Entwicklung des
ländlichen Raums beigetragen werden.
Das gemäß EPLR-Bewertungsplan in Sachsen umzusetzende Konzept einer externen Zent-
ralbewertung für die Jahre 2017 – 2019 verfügt darüber hinaus über die Möglichkeit, die
für
1
Um die Mittel möglichst wirkungsvoll auf die Umsetzung der definierten EU-Prioritäten zu lenken, wurden im
Sinne einer verstärkten strategischen Ausrichtung neue Elemente wie der Gemeinsame Strategische Rahmen
(GSR) und die Partnerschaftsvereinbarungen (PV) in die Programmplanung eingeführt sowie elf thematische
Ziele im Einklang mit der Strategie „Europa 2020“ und ihren integrierten Leitlinien festgelegt.
2
Die Systematik des gemeinsamen Begleitungs- und Bewertungssystems gemäß Art. 67 ELER-VO ist in Art.
14 und Anhang VI der DVO (EU) 808/2014 festgelegt. Die meisten Elemente dieses Rahmens sind bereits
verabschiedet, einige befinden sich gegenwärtig noch in der Erarbeitung.
3
Grundlage ist der
Bewertungsplan
des EPLR (Kapitel 9) gem. Art. 56 der VO (EU) Nr. 1303/2013 (im Folgen-
den „ESIF-VO“) sowie gem. Art. 76 der VO (EU) Nr. 1305/2013 (im Folgenden „ELER-VO“). Darüber hinaus
ergeben sich die rechtlichen Grundlagen für die erweiterten Durchführungsberichte gem. Art. 50 der ESIF-VO,
Art. 75 der ELER-VO sowie Anhang VII der ELER-DVO 808/2014 („ELER-DVO“).

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
7
den Freistaat spezifischen Rahmenbedingungen
in besonderem Maße zu berücksichti-
gen und einzelne Aspekte näher zu betrachten – bspw. die Anforderungen des Verwaltungs-
und Kontrollsystems – und damit die Arbeit der Fondsverwaltung bei der Umsetzung des
EPLR substantiell zu erleichtern. Bewertung ist damit nicht Selbstzweck, sondern auch Bei-
trag zur Qualitätssicherung und Feinsteuerung der Programmumsetzung und letztlich auch
zur Entscheidungsfindung von Politik und Wirtschafts- und Sozialpartnern.
In der Summe ist es das
übergeordnete Ziel
des vorliegenden Zentralbewertungsberichts,
(1) die Ergebnisse der bisherigen Programmdurchführung unter Berücksichtigung der Ver-
änderungen des externen Umfelds zu erfassen und zu analysieren, (2) Fortschritte bei der
Erzielung langfristiger Wirkungen zu bewerten sowie (3) fundierte Empfehlungen für die Pro-
grammverantwortlichen zu erarbeiten, um die kontinuierliche Feinsteuerung der Förderung
zu unterstützen.
In der Ausgestaltung der Begleitung und Bewertung ist auch der Aspekt der
Kontinuität
von
Bedeutung; denn wenngleich die Ausrichtung und innere Struktur des ELER in der Förderpe-
riode 2014 – 2020 weiterentwickelt worden ist, so sind Kernelemente (v. a. auf der Ebene
einzelner Maßnahmen) doch bestehen geblieben. Auch das EPLR Sachsens ist im Rahmen
eines kontinuierlichen Lernprozesses stetig weiterentwickelt worden und entspricht in seiner
gegenwärtigen Ausgestaltung den besonderen Bedürfnissen des Programmgebiets. Auch
die Bewertung muss damit an die Ergebnisse und Erfahrungen der zurückliegenden Förder-
periode anknüpfen, die u. a. im Rahmen der Ex-post-Bewertung zusammengeführt worden
sind. Nicht zuletzt bei Förderansätzen, die auf langfristige Wirkungen, zum Beispiel im Um-
weltbereich, ausgerichtet sind, ist die Betrachtung von Interventionen und Ergebnissen über
größere Zeiträume hinweg erforderlich, um zu belastbaren Wirkungseinschätzungen zu ge-
langen.
Die Aktivitäten der Zentralbewertung sollten – anknüpfend an die Ergebnisse der 2017 und
2019 vorzulegenden erweiterten Durchführungsberichte – auch genutzt werden, um analyti-
schen und konzeptionellen Vorlauf für die
Vorbereitung der nächsten Programmperiode
zu schaffen. Der Zentralbewertungsbericht enthält daher Empfehlungen zur inhaltlichen
Fortentwicklung der Maßnahmen für die Förderperiode ab 2021.
1.2 Zentrale Inhalte
Entsprechend Art. 54 der ESI-VO sollen im Rahmen der Bewertung die Wirksamkeit, Effizi-
enz und Auswirkungen der Programme analysiert werden (siehe auch Kap. 1.1). Aus diesen
Anforderungen ergeben sich die folgenden übergeordneten Leitfragen, deren Beantwortung
zur Verbesserung der Qualität der Gestaltung und Umsetzung des EPLR beiträgt:
Relevanz
: Sind die Ziele der Interventionen auf die Bedürfnisse und spezifischen
Entwicklungsprobleme des ländlichen Raums abgestimmt?
Effektivität
: Inwieweit werden die mit der gewählten Strategie gesetzten Ziele (opera-
tionelle, spezifische, allgemeine) erreicht und welche Auswirkungen hat das Pro-
gramm auf die Prioritäten der Gemeinschaft?
Effizienz
: Entspricht das Verhältnis zwischen eingesetzten Ressourcen und erzielten
Ergebnissen dem Gebot effizienter Haushaltsführung?
Wirkungen
: Inwieweit tragen die Interventionen zu den gewünschten Änderungen im
Programmgebiet bei?
Folgende Aspekte sind im Einzelnen von besonderer Bedeutung:

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
8
Relevanz
Im Rahmen der Bewertung werden die Auswirkungen des Programms vor dem Hintergrund
der Entwicklung der Kontext- und Wirkungsindikatoren daraufhin betrachtet, ob sie relevant
im Sinne der sozioökonomischen, umweltspezifischen und regionalen Bedarfe waren. Es ist
zu prüfen, ob die ausgewiesenen Kennzahlen sowie ihre Entwicklungstrends tatsächlich wei-
terhin sozioökonomische und umweltspezifische Entwicklungsbedarfe des ländlichen Rau-
mes im Freistaat Sachsen belegen, die sich durch die Förderinterventionen des ELER ab-
mildern oder beheben lassen.
Effektivität
Die Bewertung der gewählten Programmstrategie orientiert sich streng an der Interventions-
logik des Programms (operationelle, spezifische, allgemeine Ziele bzw. Outputs, spezifische
Ergebnisse der ersten und der zweiten Hierarchiestufe). Grundlage der Bewertung sind die
im EPLR beschriebenen Interventionslogiken der Prioritäten, die neben den beabsichtigten
Wirkungsketten auch die komplementären und synergetischen Beziehungen der Outputs und
Ergebnisse aller Prioritäten abbilden. Aufgabe der Evaluation ist es, die ex-ante angenom-
menen Wirkungsketten anhand der gewonnenen Erkenntnisse zu überprüfen.
Durch die Bewertung werden die beobachteten Outputs der Maßnahmen im Verhältnis zu
ihren operationellen Zielen beurteilt. Zur Bewertung werden u. a. Ergebnisse der fachlichen
Begleitung während der Umsetzungsphase des EPLR 2014 – 2020 sowie Bewertungen aus
vorangegangenen Förderperioden und einschlägige thematische Studienergebnisse Dritter
herangezogen. Um sinnvolle Schlussfolgerungen zu ziehen und Empfehlungen abzuleiten,
müssen die Beobachtungen während der Maßnahmenumsetzung nicht nur beschrieben,
sondern in ihrer Struktur erklärt werden. Da die Ergebnisse und Wirkungen des Programms
auf den Outputs der Maßnahmen aufbauen, kommt der detaillierten Analyse der Outputs
eine Schlüsselfunktion zu. Je besser die Datenbasis zu den erzielten Outputs gelungen ist,
desto aussagekräftiger werden alle nachfolgenden Bewertungen sein.
Effizienz
Ergebnisse und Wirkungen des Programms müssen u. a. auch im Verhältnis zu den Kosten
bzw. öffentlichen Ausgaben bewertet werden. Artikel 68 der ELER-VO definiert als Ziel eines
Gemeinsamen Begleitungs- und Bewertungssystems ausdrücklich, u. a. „
die Effizienz … der
Interventionen
“ zu bewerten.
4
Nach allgemeinem Verständnis hat die Effizienzbewertung das Ziel zu prüfen, ob mit den
bereitgestellten Mitteln im Vergleich zu alternativen Verwendungen „genug“ erreicht worden
ist bzw. im Bedarfsfall für das Programmmanagement Entscheidungsgrundlagen, Schluss-
folgerungen und Empfehlungen auszuarbeiten, wie „mehr“ erreicht werden könnte. Dies ist
die anspruchsvollste und umfassendste Bewertungsaufgabe. Sie setzt nicht nur genaue
Kenntnisse der erreichten Ergebnisse/ der erreichten (Netto-)Wirkungen, die Kenntnis und
die Zurechenbarkeit aller verursachten Kosten voraus, sondern auch die Kenntnis erzielbarer
Ergebnisse alternativer Mittelverwendungen.
Das mehrdimensionale Zielsystem der ländlichen Entwicklungspolitik, die Komplexität der
ELER-Programme sowie die Vielzahl externer Einflussfaktoren lassen die ideale Erfüllung
der Aufgabe „Effizienzbewertung“ praktisch nicht zu. Angesichts des Spannungsfeldes zwi-
4
Allerdings wird weder in den vorgegebenen Bewertungsfragen des CMEF für die Programmperiode 2007 –
2013 noch in der ELER-DVO für die die Programmperiode 2014 – 2020 die Effizienz des Einsatzes öffentli-
cher Mittel thematisiert.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
9
schen der berechtigten Forderung nach Effizienzprüfung und der Unmöglichkeit der umfas-
senden Beurteilung der Effizienz des gesamten Programms sollten frühzeitig zu Beginn der
laufenden Bewertung im Rahmen der Erstellung des Feinkonzeptes gemeinsam Bewer-
tungsfragen/ Bewertungsaufgaben definiert werden, anhand derer einzelne Aspekte des Ge-
botes effizienter Haushaltsführung geprüft werden sollen.
Wirkungen
Mit der Frage, inwieweit die Interventionen zu den gewünschten Änderungen im Programm-
gebiet beigetragen haben, schließt sich der Kreis der Programmumsetzung bzw. der Bewer-
tungstätigkeit. Auf Ebene der GAP-Ziele sind die Nettowirkungen des Programms auf die
Wirkungsindikatoren zu bestimmen und in Relation zu deren (vom Programm unbeeinfluss-
ten) Entwicklungen zu bringen. Es ist gleichwohl zu beachten, dass vertiefende Wirkungszu-
sammenhänge erst mit weiterem Fortschritt der Programmumsetzung erfasst werden kön-
nen, d. h. im Wesentlichen im Rahmen der Ex-post-Bewertung.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
10
2 Programmkontext
2.1 Änderung des Sozioökonomischen Rahmenbedingungen
Die sozioökonomischen und umweltbezogenen Rahmenbedingungen bilden mit der Analyse
der Stärken, Schwächen, Entwicklungschancen und -risiken der Förderregion die Basis für
die Intervention im Rahmen des ELER. Die Entwicklungsplanung des EPLR, die dem Pro-
gramm zugrunde lag, basierte auf der sozioökonomischen Analyse, der Analyse der umwelt-
spezifischen Ausgangslage und der Analyse der Stärken, Schwächen, Chancen und Ent-
wicklungsrisiken der Förderregion. Ausgehend von den identifizierten Risiken und Entwick-
lungsmöglichkeiten sowie den relevanten Stärken und Schwächen des ländlichen Raums im
Freistaat Sachsen wurde im Rahmen der Ex-ante-Bewertung die Intervention durch den E-
LER hinreichend begründet.
Bereits im Rahmen der zurückliegenden Ex-post-Bewertung des EPLR 2007 – 2013 wurde
überprüft, ob identifizierte sozioökonomische und umweltspezifische Entwicklungsprobleme
des ländlichen Raums im Freistaat Sachsen weiterhin bestehen.
Zudem wurde durch das LfULG zu Beginn des Jahres 2019 eine aktuelle und umfas-
sende Soziökonomische Analyse erstellt, in Vorbereitung der GAP nach 2020 im
Freistaat Sachsen, auf die an dieser Stelle verwiesen wird.
5
Die folgenden Kapitel fassen ausgewählte Änderungen der sozioökonomischen Rahmenbe-
dingungen zusammen.
2.1.1
Allgemeine sozioökonomische Einordnung des Freistaats Sachsen
Nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, die ihren Höhepunkt im Jahr 2009 erreichte,
erholte sich die deutsche Wirtschaft im Folgejahr und das BIP pro Kopf übertraf 2010 das
Vorkrisen-Niveau. Zwar stieg das preisbereinigte BIP je Einwohner auch in Sachsen 2010 im
Vergleich zum Vorjahr um 3,8 %, der gesamtdeutsche Anstieg lag allerdings mit 4,3 % leicht
über diesem regionalen Wert.
6
In den Jahren 2011 bis 2018 stieg das BIP pro Kopf sowohl in
Sachsen als auch in der gesamten Bundesrepublik stets leicht an. Die Divergenz von rund
27 % zwischen dem Freistaat und Deutschland unterlag im Zeitraum von 2006 bis 2018 kon-
junkturell bedingten Schwankungen, konnte im mittelfristigen Trend aber nicht substanziell
verringert werden.
Insgesamt herrschte in den Jahren 2011 bis 2018 eine positive Stimmung am Arbeitsmarkt.
Die Arbeitslosigkeit konnte in Deutschland um 1,9 %, in Sachsen sogar um 4,6 %
7
verringert
werden. Diese Verbesserungen auf dem sächsischen Arbeitsmarkt verdeutlichen die wach-
sende Wettbewerbsfähigkeit des Freistaates und haben zu einer positiven Entwicklung der
Lebensqualität beigetragen.
Sowohl die sächsischen Männer als auch die Frauen konnten vom positiven Trend am Ar-
beitsmarkt profitieren. Insgesamt hatten im Jahr 2018 rund 1,5 % mehr Personen in Sachsen
eine Arbeit als zwei Jahre zuvor.
8
Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst von vollzeit-
5
LfULG (2019, unveröffentlicht): Ländlicher Raum Sachsen Sozio-ökonomische Analyse.
6
Vgl. Statistische Ämter der Länder (2018): Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder. Bruttoinlands-
produkt, Bruttowertschöpfung in den Ländern der Bundesrepublik Deutschlands 1991 bis 2018, Reihe 1, Län-
derergebnisse Band 1, 2019.
7
Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf, Entwicklung der Arbeitslosenquote, Deutschland und Bundesländer, 2018,
Tabelle 2.1.
8
Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf, Entwicklung der Arbeitslosenquote, Deutschland und Bundesländer, 2018,
Tabelle 2.1.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
11
beschäftigten Arbeitnehmern ist in den ostdeutschen Bundesländern, darunter auch im Frei-
staat Sachsen, geringer als in den meisten westdeutschen Vergleichsregionen.
9
Die Erwerbstätigenquote liegt in Sachsen 2017 für die zwischen 15- und 65-Jährigen bei
81,2 % und hat damit den Lissabon-Zielwert für die Erwerbsbeteiligung erreicht. Wie z. B. in
Thüringen oder Sachsen-Anhalt ist die Erwerbsbeteiligung der Frauen auch in Sachsen hoch
und liegt mit 78,9 % über dem Lissabon-Zielwert von 60 %. Auch der Lissabon Zielwert von
50 % für ältere Erwerbstätige
10
wurde in Sachsen 2017 mit 62,4 % deutlich übertroffen.
11
Bei
dieser relativ hohen Erwerbsbeteiligung begründet sich die eingangs dargestellte Divergenz
im BIP pro Kopf der Bevölkerung in weiterhin bestehenden Produktivitätslücken der sächsi-
schen Wirtschaft gegenüber dem nationalen Durchschnitt.
2.1.2
Sozioökonomische Einordnung des ländlichen Raums in Sachsen
Bevölkerung
Die Bevölkerung in Sachsen entwickelte sich bis 2018 insgesamt rückläufig; seit 2010 gingen
die Bevölkerungszahlen um 1,72 % zurück. Im Jahre 2018 verringerte sich die Bevölke-
rungsanzahl von 4.077.937 Personen im Vergleich zum Vorjahr erneut um 0,1 %.
12
Damit
spiegelt sich in Sachsen der nationale Trend wider. Trotz einer im Jahr 2015 positiven Net-
towanderung – im Vergleich zu 2014 wurde ein leichter Bevölkerungsanstieg um 0,73 % von
4.055.000 auf 4.084.851 Einwohner verzeichnet –, schrumpft die sächsische Bevölkerungs-
zahl bzw. bleibt nahezu konstant. Das liegt vor allem an der großen Differenz zwischen Ge-
burten und Sterbefällen. Für 2018 wurden in Sachsen 35.890 Geburten und 56.290 Sterbe-
fälle aufgezeichnet.
13
Hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung hat das Statistische Landesamt des Freistaats
Sachsen zwei Szenarien entwickelt. In der ersten Variante wird die voraussichtliche Bevölke-
rungsentwicklung unter besonderer Berücksichtigung der Zuwanderung aus jüngster Zeit
modellhaft quantifiziert. In der zweiten Variante sind die Annahmen aus der
13.
koordinierten
Bevölkerungsvorausberechnung
des Statistischen Bundesamtes umgesetzt. In beiden
Varianten wird langfristig bis zum Jahr 2060 ein Bevölkerungsrückgang im Freistaat
prognostiziert, wobei der Rückgang in Szenario 2 deutlicher ausfällt als in der ersten
Variante. Diese Entwicklung wird u. a. durch den zunehmenden Altersdurchschnitt der Be-
völkerung im ländlichen Raum bedingt. Zwar wird in Sachsen für den Zeitraum von 2014 bis
2030 bei den unter 20-Jährigen von einem Bevölkerungsanstieg ausgegangen, im selben
Zeitraum soll die Zahl der über 65-Jährigen jedoch ebenfalls deutlich ansteigen. Die Zahl der
Frauen und Männer im mittleren Alter (von 20 – 64 Jahren) soll zudem in beiden Szenarien
fallen.
14
Einhergehend mit den beschriebenen Veränderungen ist ein Anstieg des Durchschnittsalters
in Sachsen. Waren die Menschen im Freistaat 2018 durchschnittlich 46,8 Jahre alt,
15
wird für
9
Statista (2018): Durchschnittlicher Bruttomonatsverdienst von vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern (mit Son-
derzahlungen) in Deutschland nach Bundesländern und Geschlecht im Jahr 2018.
10
Erwerbstätige Personen im Alter von 55 bis 64 Jahren im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung derselben Al-
tersklasse.
11
Statistisches Jahrbuch Sachsen (2018): Erwerbstätigkeit und Arbeitsmarkt, S. 197-198.
12
Statistisches Bundesamt (2018): Entwicklung der Einwohnerzahl in Sachsen.
13
Vgl. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2019): Geburten und Sterbefälle.
14
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2016): Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung für
den Freistaat Sachsen 2015 bis 2030, S. 9.
15
Vgl. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2019): Bevölkerung im Freistaat Sachsen.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
12
2030 ein Anstieg auf 48,1 Jahre prognostiziert.
16
Die hohe Betroffenheit vom demografischen
Wandel in den Förderregionen wurde in der sozioökonomischen und SWOT-Analyse des
sächsischen EPLR bereits berücksichtigt. Die regionale Bevölkerungsentwicklung ist eine
entscheidende Rahmenbedingung für die Ausgestaltung und Tragfähigkeit der geförderten
langfristig zu nutzenden kommunalen Infrastrukturen und Dienstleistungseinrichtungen.
Wirtschaft und Beschäftigung im ländlichen Raum
Wie in den drei Städten Dresden, Leipzig und Chemnitz stellt im ländlichen Raum der Dienst-
leistungssektor den bedeutendsten Wirtschafts- und Beschäftigungsbereich dar. 2016 hatten
die Landkreise einen Anteil von 58 % am BIP des Freistaates. Bedeutender als in den drei
großen Städten ist der sekundäre Sektor im ländlichen Raum. Hier leisten 2016 etwa 32 %
der Beschäftigten einen Beitrag zur Bruttowertschöpfung im ländlichen Raum in Höhe von
etwa 36 %. Der primäre Sektor stellte 2016 selbst im ländlichen Raum nur noch 1,2 % der
dort erbrachten Bruttowertschöpfung und nur 2,4 % der Erwerbstätigen. Das Verhältnis von
Bruttowertschöpfungs- und Beschäftigtenanzahl kennzeichnet gleichzeitig eine erhebliche
Produktivitätsdivergenz des primären gegenüber den beiden anderen Sektoren. Langfristig
wird ein weiterer Beschäftigungsabbau in der Landwirtschaft erwartet. Dabei ist zu beachten,
dass sich der Stellenwert der Land- und Forstwirtschaft auch aus seinen Querbezügen v. a.
für den tertiären Sektor (z. B. Lohnunternehmer, Fuhrbetriebe, Ausstatter mit Betriebsmitteln
und Ausrüstung, Gutachter etc.) ergibt.
17
2.1.3
Situation der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft
Landwirtschaft
Die sächsische Landwirtschaft und ihre wirtschaftliche Entwicklung wie auch deren jeweilige
Bedeutung für den ländlichen Raum sind geprägt von einer agrarstrukturellen Vielfalt. Die
landwirtschaftlich genutzte Fläche Sachsens wird 2018 zu 41 % von Betrieben natürlicher
Personen und zu 59 % durch Betriebe juristischer Personen bewirtschaftet. In den letzten
Jahren gab es dabei nur punktuelle Änderungen. Größte Flächennutzer waren die Genos-
senschaften mit 28 %, gefolgt von GmbH und Haupterwerbsbetrieben, die jeweils knapp ein
Viertel der Fläche bewirtschafteten.
18
Der Anteil der benachteiligten Gebiete liegt bei 38,7 % (bzw. 353.085 ha LF) der landwirt-
schaftlichen Nutzfläche Sachsens, welche sich auf die Vorgebirgs- und Mittelgebirgslagen im
Süden und die Heidegebiete im Norden des Landes konzentrieren.
19
Im Vergleich zum Bun-
des- (52 % der LF) bzw. EU-Durchschnitt (54,4 % der LF) besitzt Sachsen einen geringen
Anteil an LF in benachteiligten Gebieten.
20
Bis zum Jahr 2018 wurde gemäß ELER-VO die
Neuabgrenzung der benachteiligten Gebiete auf Basis EU-einheitlicher biophysikalischer
Kriterien umgesetzt. Zuvor erfolgte die Erstellung der neuen Kulisse für Sachsen, so dass die
Einführung zum Jahr 2018 erfolgen konnte.
16
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2016): 6. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung
für den Freistaat Sachsen.
17
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (2019): Entwicklung des ländlichen
Raums in Sachsen
18
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (2019): Agrarbericht in Zahlen
19
SMUL (2018): Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum, 4. Änderung.
20
European Commission (2014): CAP Context Indicators 2014 – 2020.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
13
Wirtschaftliche Entwicklung in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei
Die Bruttowertschöpfung (BWS) der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei Sachsens
unterlag im Zeitverlauf starken Schwankungen. Dabei bilden sich natürliche Einflüsse ge-
nauso ab wie Phasen mit hohen oder niedrigen Erzeugerpreisen. Nachdem die BWS der
Landwirtschaft im Jahr 2009 mit 641 Mio. EUR ihre Talsohle erreicht hatte, konnte bis 2012
eine positive Entwicklung verzeichnet werden. Zwar konnten die Jahre 2013 und 2014 diese
zunächst nicht bestätigen, jedoch stieg die BWS bis 2018 im Vergleich zu 2012 um 4,55 %
auf 874 Mio. EUR. Sie trägt damit 3,8 % zur BWS dieses Sektors in der gesamten Bundes-
republik bei.
Die Landwirtschaft hat gleichwohl nur einen geringen Anteil an der gesamten sächsischen
Bruttowertschöpfung (0,8 % in 2018), obgleich diesbezüglich auf die Bedeutung der mit dem
Primärsektor verbundenen vor- und nachgelagerten Bereiche hinzuweisen ist. Auch deutsch-
landweit liegt dieser Wert bei lediglich 0,8 %.
21 22 23 24
Die BWS je Erwerbstätigem in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei konnte sich nur
schleppend von dem Krisenjahr 2009 erholen. So lag der Wert von 2009 fast 31 % unter
dem von 2008. Bis 2011 dauerte es, um das Niveau von 2008 wieder zu erreichen und sogar
zu übertreffen. In 2018 lag die BWS je Erwerbstätigem bei 31.443 EUR; für alle Bereiche lag
dieser Wert 2018 in Sachsen bei 54.909 EUR und in Deutschland insgesamt bei 75.111
EUR.
25 26
Im Wirtschaftsbereich Land- und Forstwirtschaft, Fischerei arbeiteten 2018 rund 27.800 Er-
werbstätige. Das entspricht 1,3 % aller Erwerbstätigen in Sachsen. Die Tendenz ist weiterhin
abnehmend. Zudem zeigt sich eine kontinuierliche Verschiebung der Altersstruktur in Rich-
tung einer Überalterung der in der Landwirtschaft Beschäftigten.
27
Ernährungswirtschaft
In der sächsischen Ernährungswirtschaft waren 2018 bei Betrieben mit mindestens zwanzig
Mitarbeitern mehr als 21.000 Personen beschäftigt. Damit ist die Zahl der Beschäftigten im
Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant geblieben. Da bei diesem Ergebnis Beschäftigte in
Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten, also das Ernährungshandwerk (Bäcker, Flei-
scher), nicht berücksichtigt werden, ist insgesamt von einem höheren Anteil auszugehen.
28
Die Anzahl der Betriebe ist im Zeitraum von 2014 bis 2018 von 364 auf 370 Unternehmen
gestiegen. Der Umsatz lag 2018 bei 6,2 Mrd. EUR und damit über dem Jahresergebnis von
2017 mit 5,9 Mrd. EUR. V. a. in der Schlachtung/Fleischverarbeitung, der Back- und Teigwa-
21
Landwirtschaft Sachsen (2019): Bruttowertschöpfung der Landwirtschaft Sachsen. Berechnungsstand August
2018/Februar 2019.
22
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (2019): Agrarbericht in Zahlen Ausgabe: 1.
Auflage, S. 13.
23
Statistisches Bundesamt (2018): Bruttoinlandsprodukt 2018 für Deutschland, S. 11.
24
VGR der Länder; Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland
2010 bis 2018. Berechnungsstand August 2018/Februar 2019.
25
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (2019): Agrarbericht in Zahlen Ausgabe: 1.
Auflage, S. 15.
26
Inlandsproduktsberechnung – Lange Reihen ab 1970.
27
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (2019): Agrarbericht in Zahlen Ausgabe: 1.
Auflage, S. 14, 26.
28
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2018): Erwerbstätigkeit und Arbeitsmarkt.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
14
renherstellung, in der Obst- und Gemüseverarbeitung sowie der Bierherstellung stieg der
Umsatz.
29 30 31
Forstwirtschaft
Die Rahmenbedingungen in der Forstwirtschaft im Freistaat Sachsen haben sich im Ver-
gleich zu den Analysen im EPLR nicht grundlegend verändert. Die im EPLR dargestellte
kleinparzellierte Eigentumsstruktur im Privatwald ist unverändert, so dass auch weiterhin
eine aussetzende Nutzung in den Forstbetrieben festzustellen ist. Der Fakt, dass über 90 %
der sich in privatem Besitz befindlichen Waldfläche zu Parzellen mit weniger als 5 ha Fläche
gehören, unterstreicht dies. Selbst bei Ausnutzung des möglichen Hiebsatzes würden diese
Betriebe ohne staatliche Förderung aufgrund des geringen wirtschaftlichen Gewinns keine
Investitionen in Wegebau oder Waldumbau durchführen können.
Die aktuelle Erschließungssituation im sächsischen Privat- und Körperschaftswald ist aber
häufig noch unzureichend und genügt vielerorts den Anforderungen der heutigen Holztrans-
porttechnik nicht. Dadurch bleiben Holznutzung und Waldumbaumaßnahmen in großen Tei-
len des Waldes hinter dem nachhaltig möglichen und gesellschaftlich wünschenswerten Po-
tential zurück. Die Förderung forstlicher Bewirtschaftungsmaßnahmen mit besonders günsti-
gen Bedingungen für kleine Waldbesitzer und gemeinschaftliche Projekte (z. B. von forstli-
chen Zusammenschlüssen) kann wesentlich dazu beitragen, diese Potentiale zu mobilisie-
ren.
Im Jahr 2014 waren 28,4 % der sächsischen Landesfläche bewaldet.
32
Damit liegt der Anteil
unter dem nationalen Durchschnitt von rund 31 %. Landes- und Privatwald haben den größ-
ten Anteil an der sächsischen Waldfläche.
33
Die hohe Nachfrage nach Waldholz hatte von
2010 bis 2017 zu einer außerordentlich guten Preisentwicklung geführt. Kleinwaldbesitzer
nutzen das eingeschlagene Holz jedoch teilweise selbst und tragen nur in geringem Maße
zum sächsischen Holzangebot bei.
34
Seit dem Herbst 2017 wurde der sächsische Wald durch die Stürme
Xavier
und
Herwart
so-
wie durch den Orkan
Friederike
im Januar 2018 massiv und folgenschwer geschädigt. Es
wird davon ausgegangen, dass ca. 2,6 Mio. Festmeter Holz in allen Eigentumsarten gewor-
fen wurden, deren Aufarbeitung die Landesforstverwaltung, die Waldbesitzer sowie die holz-
aufarbeitenden Unternehmen vor enorme Herausforderungen stellte.
35
Da Arbeitskräfte, Ma-
schinen und Transportkapazitäten begrenzt waren, konnte nicht der gesamte Schadholzan-
fall zeitnah aufgearbeitet und abtransportiert werden. In Verbindung mit dem enormen Nie-
derschlagsdefizits bei gleichzeitig hohen Temperaturen im Jahr 2018 kam es in Sachsen zu
einer bisher unbekannt starken Massenvermehrung von rindenbrütenden Borkenkäferarten,
maßgeblich von Buchdrucker und Kupferstecher.
36
Gleichzeitig sanken bei anhaltendem
Trockenstress die Vitalität und die Widerstandskraft der noch stehenden Waldbestände. Wei-
tere Sturmereignisse bis ins Frühjahr 2019 und ein ebenfalls trockener Sommer mit hohen
29
Wirtschaftsförderung Sachsen (2017): Die Sächsische Ernährungswirtschaft.
30
Wirtschaftsförderung Sachsen (2018): Die Sächsische Ernährungswirtschaft.
31
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft Sachsen (2018): Ernährungswirtschaft in
Sachsen Ausgabe: 4. Auflage.
32
Vgl. SMUL (2014): Bundeswaldinventur 3. Ergebnisse für den Freistaat Sachsen.
33
Vgl. SMUL (o. J.): Wald- und Forstwirtschaft – Daten zum Wald, 2017.
34
Vgl. SMUL (2013): 4. Forstbericht der Sächsischen Staatsregierung, Berichtszeitraum 01.01.2008 –
31.12.2012, 2014.
35
SMUL / Staatsbetrieb Sachsenforst, Herr Hempfling; Ausschuss Privat- und Körperschaftswald am
13.11.2018. Berichtsstand Oktober 2018.
36
SMUL (2018): Waldzustandsbericht 2018.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
15
Temperaturen konnten diesen Trend nicht aufhalten, so dass dies im Hügelland und in den
unteren Berglagen zu einem flächigen Absterben von Fichtenbeständen führen kann.
37
Die
sich über Monate erstreckende Dürre im Jahr 2018 führte zudem zum teilweisen Absterben
ein- und mehrjähriger Kulturen in unterschiedlichem Umfang. Der hohe Anfall an Schadholz
von 5,2 Mio. Festmeter sachsenweit ließ zudem den Holzmarkt einbrechen, während die
Kosten für die Aufarbeitung von Schad- und Käferholz aufgrund der verstreuten Lage und
der erhöhten Anforderung an die Sturmholzaufarbeitung stiegen.
38
Um private Waldbesitzer bei der Borkenkäferbekämpfung zu unterstützen, wurde die Förder-
richtlinie Wald und Forstwirtschaft (RL WuF/2014) um Maßnahmen zur Beseitigung von Bor-
kenkäferschaden mit einem Budget von mehr als 8 Mio. EUR (für 2019 und 2020) erweitert.
Gefördert werden die Aufarbeitung des Restholzes auf Schadflächen, die Entrindung von
Stämmen, die Behandlung der Holzpolter mit Insektiziden sowie der Abtransport und die La-
gerung des Holzes außerhalb des Waldes.
Vor dem Hintergrund, dass die Fichte (mit 34 % an der Waldfläche) die Hauptbaumart im
Freistaat Sachsen ist, wird die Tragweite dieser Entwicklung deutlich. Einmal mehr wird die
Notwendigkeit zum Waldumbau bzw. zur Wiederbewaldung mit standortsgerechten und kli-
mastabilen Baumarten deutlich. Aufgrund dessen wurden die finanziellen Mittel im Rahmen
des 4. Änderungsantrages aufgestockt, wodurch eine größere Fläche mit klimastabilen
Baumarten umgewandelt werden kann.
Ländlicher Tourismus
Im Freistaat Sachsen wurden in 2018 insgesamt 122.980 Gästebetten von rund 2.085 Be-
trieben
39
angeboten. Dabei nahm die durchschnittliche Auslastung der angebotenen Betten
in den letzten Jahren stets zu. Während sie 2009 noch bei 38 % lag, konnte dieser Wert bis
2018 auf 44,4 % gesteigert werden. Die Zahl der Übernachtungsgäste stieg sachsenweit von
2016 mit knapp 7,5 Mio. im Jahre 2018 auf 8,18 Mio. an. Während die Übernachtungszahl
für die Städte Chemnitz, Leipzig und Dresden bei circa 8,5 Mio. lagen, konnten 2018 in den
ländlichen Regionen (also den sechs sächsischen Reisegebieten
40
) knapp 11,5 Mio. Über-
nachtungen gezählt werden, wobei der Trend hin zu Kurzreisen geht. Vor allem kurze Städ-
tereisen scheinen sich wachsender Beliebtheit zu erfreuen, wobei auch die ländlichen Regi-
onen ihre Zahlen gleichmäßig steigern konnten.
Die wirtschaftliche Situation der Beherbergungsbetriebe im ländlichen Raum ist sehr inho-
mogen. In traditionellen Urlaubsgebieten wie dem Vogtland und der Sächsischen Schweiz -
Osterzgebirge liegt die durchschnittliche Bettenauslastung 2018 bei über 45,5 %, in anderen
Landkreisen wie Zwickau, Bautzen, Görlitz, Mittelsachsen oder Meißen insgesamt hingegen
bei unter 35 %.
41
Die sachsenweite durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag 2018 bei 2,5 Ta-
gen. Die Aufenthaltsdauer in den drei sächsischen Großstädten Dresden (2,0 Tage), Leipzig
(1,8 Tage) und Chemnitz (2,0 Tage) lag im Schnitt jeweils unter diesem Wert. In den oben
37
Staatsbetrieb Sachsenforst (2019): Soldaten im Einsatz gegen den Borkenkäfer
https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/227899,
Zugriff 17.09.2019.
38
Staatsbetrieb Sachsenforst (2019): Weitere Erleichterungen für Forst- und Holzwirtschaft
https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/227989,
Zugriff 17.09.2019.
39
In der Statistik des Statistischen Landesamtes des Freistaats Sachsen sind nur Betriebe mit über 10 Betten
berücksichtigt.
40
Reisegebiete: Oberlausitz/Niederschlesien, Sächsische Schweiz, Sächsisches Elbland, Erzgebirge, Sächsi-
sches Burgen- und Heideland sowie Vogtland.
41
Vgl. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2017): Beherbergungskennzahlen nach kreisfreien
Städten und Landkreisen.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
16
genannten ländlichen Urlaubsgebieten lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei über
2,5 Tagen.
42
Bauwirtschaft
Im Bauhauptgewerbe ist seit 2009 insgesamt ein leicht positiver Trend zu erkennen. Die kon-
junkturelle Krise in 2008 und 2009 konnte überwunden werden. Nach einem vorläufigen Hö-
hepunkt in 2016 sanken die Anzahl der Betriebe in 2017 und 2018 wieder. Die Anzahl der
tätigen Personen stieg seit 2015 kontinuierlich bis auf eine Anzahl von 59.100 im Jahr 2018.
Der Gesamtumsatz im Baugewerbe ist von 2011 zu 2012 zurückgegangen; im Jahr 2013 ist
dieser dann aber um 2,9 % gegenüber dem Vorjahr angewachsen. Zwischen 2013 und 2018
ist ein steigender Trend zu beobachten. Es bleibt eine Umsatzsteigerung in diesem Zeitraum
von 35,7 % auf 5,7 Mrd. EUR zu konstatieren. Die Steigerung bei der Anzahl der tätigen
Personen bewegt sich mit 2,4 % deutlich unter diesem Niveau. Insbesondere der Wirt-
schaftsbau konnte mit einer Steigerung des baugewerblichen Umsatzes zu diesem positiven
Ergebnis beitragen. Im Ausbaugewerbe,
43
das verstärkt im ländlichen Raum angesiedelt ist,
verlief die Umsatzentwicklung von 2013 bis 2018 ebenfalls positiv. Im Zusammenhang mit
dieser Entwicklung stieg im gleichen Zeitraum die Zahl der Beschäftigten im Ausbaugewerbe
(Betriebe mit 10 und mehr Beschäftigten) um circa 16 % an.
44
Die Preise für Bauleistungen stiegen in den zurückliegenden Jahren im Freistaat Sachsen
deutlich an. Der Neubau eines Wohngebäudes kostete 2019 rund 5,9 % mehr als im Vorjah-
reszeitraum 2018, für die Rohbauarbeiten fiel die Steigerung mit 6,5 % etwas höher aus als
bei den Ausbauarbeiten mit 5,2 %. Auffällig waren die Preissteigerungen bei Verbauarbeiten
(z. B. Baugrubensicherung) mit 10,5 %, bei Gerüstarbeiten mit 9,1 % und bei Entwässe-
rungskanalarbeiten mit 9,1 %. Die für die Instandhaltung an Wohngebäuden typischen Bau-
leistungen erhöhten sich insgesamt um 6,1 % gegenüber Mai 2018.
45
Das angestiegene Bauvolumen in Sachsen und Gesamtdeutschland liegt unter anderem
auch an den stärker angestiegenen Baupreisen. Wichtige Rohstoffe haben sich zuletzt er-
heblich verteuert und die Kapazitäten der Bauwirtschaft sind stark ausgelastet – die Produk-
tionskapazitäten in der Bauwirtschaft wurden in den letzten Jahren kaum an die gestiegene
Nachfrage angepasst.
46
2.1.4
Infrastrukturelle Ausstattung und finanzielle Ressourcen der Kommunen
Die in der SWOT genannten Stärken des ländlichen Raums sind weitgehend ökonomische,
soziale und kulturelle Bestandsfaktoren, die relativ robust gegenüber stärkeren konjunkturel-
len Schwankungen sind. Die Schwächen des ländlichen Raums werden in einer vergleichs-
weise erhöhten strukturellen Arbeitslosigkeit
47
und niedrigen Einkommenspotenzialen sowie
in einer teilweise unzureichend entwickelten bzw. nicht am Bedarf angepassten sozialen,
kulturellen und materiellen Infrastrukturausstattung gesehen. Als wichtiger Risikofaktor gilt
42
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2019): Branchenreport Tourismus im Freistaat Sachsen
2018.
43
Daten für das Ausbaugewerbe gelten für Betriebe ab 10 Beschäftigten.
44
Vgl. Statistisches Landesamt Freistaat Sachsen (2019): Branchenreport Baugewerbe im Freistaat Sachsen
1991 bis 2018.
45
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2019): Medieninformation – Weiterhin spürbare Steigerung
der Baupreise in Sachsen (99/2019).
46
DIW Berlin (2017): Strukturdaten zur Produktion und Beschäftigung im Baugewerbe.
47
European Commission, Directorate-General Regional Policy (2012): Analysis Unit C3: Country Fact Sheet
Deutschland, February 2012.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
17
weiterhin die regional sehr unterschiedliche demographische Entwicklung („Entleerung“ und
„Überalterung“). Große Probleme für die ländliche Bevölkerung ergeben sich aber auch aus
der als unzureichend empfundenen allgemeinen Versorgung und dem zu geringen Angebot
von Dienstleistungen bzw. der unzureichenden Erreichbarkeit von Dienstleistungsangebo-
ten.
48
Die Verbesserungsmöglichkeiten der infrastrukturellen Ausstattung hängen mittelfristig ent-
scheidend von der Finanzkraft der Kommunen ab. Seit dem Jahr 2002 ist eine deutliche Zu-
nahme der kommunalen Steuereinnahmen in den sächsischen Gemeinden zu beobachten.
Dieser Zuwachs wird hauptsächlich von den Einnahmen aus der Gewerbesteuer (netto) so-
wie dem Gemeindeanteil an der Einkommensteuer getragen. In den Teilbereichen beider
Steuerarten konnten die sächsischen Gemeinden ihre Einnahmen seit 2002 mehr als ver-
doppeln. Die kommunalen Steuereinnahmen im Freistaat erreichen in 2018 mit über
3,5 Mrd. EUR den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Der Anteil der Steuereinnah-
men an den gesamten kommunalen Einnahmen hat sich damit zwischen den Jahren 2002
und 2018 von 17,2 % auf 29,1 % erhöht.
49
Ob sich aus dieser Entwicklung auch in Zukunft eine ausreichende Finanzkraft der Kommu-
nen ergibt, die Kofinanzierung der Maßnahmen der ländlichen Entwicklung/LEADER zu ga-
rantieren, wird in den nächsten Jahren von den Steuereinnahmen und dem kommunalen
Finanzausgleich abhängen. Vor dem Hintergrund der Zuwanderung aus Krisenregionen und
der für die Betreuung und Unterbringung von Flüchtlingen benötigten Finanzmittel ist von
einer zusätzlichen Belastung des Haushalts auszugehen.
2.1.5
Natürliche Ressourcen und Klimaschutz
Ressourcennutzung
Rund 49 % der Landesfläche Sachsens sind landwirtschaftlich genutzte Fläche.
50
Im Jahr
2018 wurden in Sachsen 900.868 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) durch 6.480
landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaftet. Ackerland beanspruchte mit 78,2 % den weitaus
größten Anteil der LF. Weitere 21,2 % entfielen auf Dauergrünland und 0,6 % auf Dauerkul-
turen.
51
Rund 1,4 % der Landesfläche wird sogenannten Naturflächen zugeordnet.
52
Die
Verfügbarkeit von Flächen für land- und forstwirtschaftliche Nutzung wird zunehmend durch
bauliche Tätigkeiten eingeschränkt. Der Anteil der bebauten Fläche hat in den letzten Jahren
von circa 11,5 % im Jahr 2006 auf rund 12,45 % im Jahr 2013 und 13,43 % bis 2018 zuge-
48
Mediation und Marketing (2014): „Konzept zur Begegnung des demografischen Wandels im ländlichen Raum
des Landkreises Mittelsachsen bis 2020“.
49
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen (2019): Die Gemeinden und ihre Finanzen 2019.
50
Berechnung nach Statistisches Landesamt Freistaat Sachsen (2017): Statistischer Bericht – Bodennutzung im
Freistaat Sachsen – Agrarstrukturerhebung – C I 2 – j/17, S. 6 und Statistischer Bericht – Flächenerhebung
nach Art der tatsächlichen Nutzung im Freistaat Sachsen – AV I –j/14, S. 6.
51
Statistisches Landesamt Freistaat Sachsen (2019): Statistischer Bericht – Bodennutzungshaupterhebung im
Freistaat Sachsen 2018. C I 2 – j/18. Unterschiedliche Tabellen.
52
Auf EU- und Bundesebene werden unter Naturflächen Heide- und vegetationslose Flächen berücksichtigt,
während zur Halbzeitbewertung in Sachsen alternativ Flächen anderer Nutzung gemäß Art der tatsächlichen
Nutzung berücksichtigt wurden. Zum Zweck der Vergleichbarkeit und Kontinuität wurde diese Erhebung bis
2016 fortgeführt. Die neue Klassifikation der Bodenfläche des Statistischen Landesamtes des Freistaates
Sachsen führt die Kategorie der Bodenfläche nach Art der tatsächlichen Nutzung „Flächen anderer Nutzung“
nicht weiter. Daher werden im Weiteren die Kategorien „Unland, vegetationslose Fläche“ und „Heide“ weiter
verwendet. Quelle: Statistisches Landesamt (2019): Statistischer Bericht – Flächennutzung nach Art der tat-
sächlichen Nutzung im Freistaat Sachsen 2018 – A V 1- j/18.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
18
nommen.
53
Der jährliche Flächenverbrauch zeigte zuletzt einen leicht positiv zu wertenden
Trend und sank von 7,9 ha/d im Zeitraum von 2008 bis 2010 auf 4,9 ha/d im Zeitraum 2011
bis 2013.
54
Das Flächensparziel der sächsischen Staatsregierung, die Flächenneuinan-
spruchnahme auf unter 2 ha/d (BRD <30 ha/d) bis zum Jahr 2020 zu reduzieren, liegt den-
noch weit entfernt.
Eine der Hauptgefährdungen der Landwirtschaft in Sachsen ist der Verlust von Boden durch
Erosion.
55
Circa 60 % der Ackerflächen in Sachsen sind potenziell durch Wasser- und 15 %
durch Winderosion gefährdet.
56,57
Die Gefährdungslage wird durch die Folgen des Klima-
wandels (vermehrte Starkregenereignisse, längere Trockenphasen) vermutlich weiterhin an-
steigen. Die Notwendigkeit der Förderung erosionsmindernder Maßnahmen wurde in Sach-
sen bereits früh erkannt und in Form konservierender Bodenbearbeitung auch seit vielen
Jahren gefördert. Erosionsschutz ist auch noch in der Förderperiode 2014 – 2020 mit geän-
dertem Maßnahmenspektrum enthalten. Der potenzielle Bodenabtrag durch Wassererosion
betrug in Sachsen im Jahr 2000 noch circa 2,25 t/ha (BRD: 1,59 t/ha) und konnte bis 2012
auf circa 1,365 t/ha (BRD: 1,177 t/ha) reduziert werden.
58
Der auf ackerbaulich genutzten Dauertestflächen berechnete Stickstoffüberschuss auf land-
wirtschaftlich genutzten Flächen Sachsens (Differenz zwischen Stickstoff-Zufuhr und Stick-
stoffabfuhr, ohne Berücksichtigung atmosphärischer Stickstoffeinträge und Denitrifikations-
verluste; Abbildung 1) zeigte über den Zeitraum der letzten Förderperiode bis 2016 starke
Schwankungen. Von 1992 bis 2016 lag der Stickstoffüberschuss zwischen 47 und -11 kg
N/ha.
59
Ebenso wies der Restnitratgehalt der Böden erhebliche Schwankungen auf und nahm in den
letzten Jahren, nachdem der Wert zwischen 2008 bis 2010 kontinuierlich abnahm, wieder
leicht zu. Während jährliche, klimatisch bedingte Schwankungen bis zu 15 % nicht unge-
wöhnlich sind, betrug der Anstieg an Nitrat im Boden von 2007 (62 kg NO3-N/ha) bis 2014
(84 kg NO3-N/ha) etwa 35,8 % und ging 2016 fast wieder auf den Wert in 2007 zurück
(60 kg NO3-N/ha).
60
Die N-Salden werden vom jeweiligen Ertragsniveau und den Witte-
rungsbedingungen beeinflusst. In Jahren mit hohen Erträgen (z. B. 2004, 2014) liegen die
Werte entsprechend niedriger. 2003 waren die Erträge aufgrund von Trockenperioden weni-
ger ertragreich, was sich in einem hohen Stickstoffsaldo widerspiegelt.
Über die Jahre können die beiden Indikatoren „Stickstoffbilanzsaldo“ und „Restnitratgehalt“
als stagnierend eingestuft werden.
53
Quelle: Statistisches Landesamt (o.J): Bodenflächen nach Art der tatsächlichen Nutzung am 31.Dezember
1992 bis 2015 nach Nutzungsarten. Quelle: Statistisches Landesamt (2019): Flächenerhebung nach Art der
tatsächlichen Nutzung im Freistaat Sachsen, 2018 – A V 1 – j/18.
54
Vgl. SMUL (o. J.): Umweltindikator: Flächenneuinanspruchnahme.
55
Vgl. SMUL (o. J.) Umweltindikator: Erosionsminderung.
56
SMUL (2015): Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum – 8. Änderung, S. 64.
57
SMUL (2016): Germany – Rural Development Programme (Regional) – Saxony, S. 36.
58
Vgl.: Eurostat (2017): Bodenerosion durch Wasser nach NUTS-3-Regionen, letzter Datenstand 2012.
59
Vgl.: SMUL (o.J.) Umweltindikator: Stickstoffbilanz (letzte Aktualisierung: 19.09.2019).
60
Vgl.: SMUL (o. J.) Umweltindikator: Restnitrat im Boden (letzte Aktualisierung: 19.09.2019).

image
AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
19
Abbildung 1: Jährlicher Stickstoffüberschuss Sachsens in den Jahren 1992 – 2016
Quelle: SMUL (o.J.) Umweltindikator: Stickstoffbilanz
Positive Einflüsse auf stoffliche Belastungen und Bodenerosion auf landwirtschaftlich genutz-
ten Flächen werden von der ökologischen Landwirtschaft erwartet. Der Ökolandbau ist in
Sachsen in langsamem, aber kontinuierlichem Wachstum begriffen. Von 2008 bis 2018 stieg
der Flächenumfang von 27.850 ha, bzw. rund. 3 % der LF,
61
auf 61.900 ha, bzw. 6,9 % der
LF an.
62
Im Jahr 2015 umfassten Gebiete mit extensiver Weidehaltung 3,3 %
63
der LF, 2018
waren es 4,2 % LF.
64
Die unterdurchschnittliche Bewaldung (s. o. „Forstwirtschaft“) ist neben der aktuellen Flä-
chenkonkurrenz auch bedingt durch historische Rodungen der fruchtbaren sächsischen Bö-
den. Der Waldanteil ist im Zeitraum von 2007 bis 2012 mit einer durchschnittlichen Zunahme
von 0,2 % von 518.325 ha auf 524.627 ha angestiegen.
65
Zwischen 2013 und 2017 hat sich
die Waldfläche auf 523.693 ha verkleinert.
66
Der sächsische Holzzuwachs aller Baumarten
liegt bei der dritten Bundeswaldinventur mit 0,04 m
3
/ha pro Jahr über dem deutschen Durch-
schnitt von 10,85 m
3
/ha pro Jahr.
67
Der Holzvorrat in den sächsischen Wäldern betrug 2012
mehr als 129 Mio. m³.
68
Zum Großteil ist der Wald bzw. die Waldfläche in Privatbesitz
(45,6 %). Nur etwa 10,1 % der Waldfläche sind Körperschafts- und Kirchenwald.
69
Gemäß
der letzten Bundeswaldinventur (BWI
3
) dominierten 2012 die Nadelwaldtypen mit einem An-
61
SMUL (2016): Sächsischer Agrarbericht – 2015, S. 85.
62
SMUL (2019): Sächsischer Agrarbericht – 2019, S. 101.
Verhältnis extensiver Weideflächen der Fördergegenstände G4 (10.400 ha) und G5 (19.582 ha) zur gesamten
LF. Quelle: SMUL (2015): Agrarbericht in Zahlen - Berichtsjahr 2014, S. 54.
64
12.645 ha in GL.4 und 25.200 ha in GL.5 (vgl. Kap. 5.1.5).
65
SMUL (2013): 4. Forstbericht der Sächsischen Staatsregierung, S. 8.
66
SMUL (2018): 5. Forstbericht der Sächsischen Staatsregierung, S. 11.
67
Vgl.: Thünen Institut: 3. Bundeswaldinventur. Zuwachs des Vorrates [m³/ha*a] nach Land und Baumarten-
gruppe (rechnerischer Reinbestand).
68
Vgl.: Thünen Institut: 3. Bundeswaldinventur. Vorrat [1000 m³] nach Land und Eigentumsart.
69
Vgl.: SMUL (2018): 5. Forstbericht der Sächsischen Staatsregierung; S. 13 Summe Privatwald (44,5 %) und
BVVG (1,1 %).

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
20
teil von 67,8 % (BRD 59 %) der Waldfläche.
70
Gegenüber der vorangegangenen BWI
2
aus
dem Jahr 2002 bedeutet dies eine Flächenzunahme der Laubbaumtypen um rund 1,7 %
(BRD 3,5 %).
71
Insgesamt sind 66,2 % der bewaldeten Fläche mit Mischbeständen bewach-
sen.
72
Der Gesundheitszustand des Waldes bewegt sich seit Beginn der Förderperiode 2007 –
2013 mit gewissen Schwankungen auf demselben Niveau mit deutlicher Verschlechterung
in 2018. Demnach weisen 2018 in Sachsen 26 % der Waldbäume, ohne Berücksichtigung
regionaler und baumartenspezifischer Unterschiede, eine deutliche Beeinflussung des Kro-
nenzustandes (Schadstufe 2 bis 4) auf.
73
Die Schädigungsanteile sind dabei im Vergleich
zum Bundes- (2017: 23 %)
74
und EU-Durchschnitt (2014: 23,9 %)
75
ähnlich. Der Anteil der
deutlich geschädigten Laubbäume lag 2015 bei 22 %
76
(2016: 23 %
77
; 2017: 24%
78
) der der
Nadelbäume bei 16 %
79
(2016: 14 %
80
; 2017: 14%
81
). Im Jahr 2018 hat sich der Kronenzu-
stand im Vergleich zu den Vorjahren massiv verschlechtert. Über alle Baumarten hinweg ist
der Anteil an Bäumen mit deutlichen Schäden um zehn Prozentpunkte auf 26 % angestie-
gen. Der Anteil an Bäumen ohne erkennbare Beeinflussung des Kronenzustandes ist gleich-
zeitig um zwölf Prozentpunkte auf 31 % zurückgegangen. Damit wird der niedrigste Wert seit
1991 erreicht. Maßgeblich verantwortlich für diesen Zustand sind mehrere extreme Witte-
rungsereignisse.
82
Die ungünstigen Witterungsbedingungen für den Wald – Sturmereignisse
und lange sommerliche Dürrephasen – haben die Bestände 2019 weiter geschwächt, ver-
schärft durch einen starken Borkenkäferbefall. Im August 2019 waren die Schadholzmengen
(stehendes Schadholz) bereits wesentlich größer als zum gleichen Zeitpunkt 2018.
83
Viele Waldböden in Sachsen weisen noch immer ein deutlich saures Milieu auf, wobei sich
im Auflagenhumus ein signifikant steigender Trend des pH-Wertes abzeichnet.
84
Die Elastizi-
tät der Waldböden gegenüber Säurestress ist gering und in vielen Gebieten liegt der pH-
Wert unter 4,2. Etwa 90 % aller Waldböden weisen im Hauptwurzelbereich zwischen 10 und
60 cm Tiefe nur niedrige und mittlere effektive Kationenaustauschkapazitäten auf. Das Säu-
70
Der Anteil der Laubbäume und der Anteil der Nadelbäume zusammen ergeben 100 %: Vgl.: Thünen Institut:
3. Bundeswaldinventur. Waldfläche [ha] nach Land und Baumartengruppe.
71
Vgl.: Zweite Bundeswaldinventur: Waldfläche [ha] nach Land und Baumartengruppe.
72
Vgl.: Thünen Institut: Dritte Bundeswaldinventur: Waldfläche [ha] nach Land und Beimischung.
73
SMUL (2019): Waldzustandsbericht 2018, S. 28 ff.
74
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2018): Ergebnisse der Waldzustandserhebung
2017, S. 4.
75
MCPFE (2015): State of Europe’s Forests 2015, S. 98 ff.
76
SMUL (2015): Waldzustandsbericht 2015, S. 59.
77
SMUL (2016): Waldzustandsbericht 2016, S. 41.
78
SMUL (2017): Waldzustandsbericht 2017, S. 29.
79
SMUL (2015): Waldzustandsbericht 2015, S. 59.
80
SMUL (2016): Waldzustandsbericht 2016, S.41.
81
SMUL (2017): Waldzustandsbericht 2017, S.29.
82
SMUL (2019): Waldzustandsbericht 2018, S. 4, und S. 28 ff.
83
SMUL (2019): Borkenkäfer – Aktuelle Situation 2019, Stand 35./ 36. KW
https://www.wald.sachsen.de/aktuelle-situation-2019-8563.html
84
Heintze, F. und Andreae, H. (2011): Die Zweite Bundesweite Bodenzustandserhebung (BZE II) in Sachsen –
erste Ergebnisse zur zeitlichen Veränderung des chemischen Bodenzustandes zwischen 1992/93 und
2006/08. In: Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften der Albrecht-Ludwigs-Universität Freiburg und
Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) Freiburg (Hrsg.): Bodenzustandser-
fassung, aktuelle Gefährdungen und Trends, S. 33 – 41.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
21
rebelastungsrisiko ist damit in den Wäldern des Freistaates insgesamt sehr hoch.
85
Der An-
teil der Wasserschutzgebiete unter Wald beträgt 43,2 %.
86
Im Jahr 2015 erreichten in Sachsen 3 % der Fließgewässer-Wasserkörper den guten ökolo-
gischen Zustand und 43 % der Standgewässer-Wasserkörper hatten ein gutes ökologisches
Potenzial.
87
In der zusammenfassenden Zustandsbewertung
88
erreichten 2015 fast 50 %
(2009 ca. 49 %) der Grundwasserkörper (GWK) und 0 %
89
(2009 ca. 5 %) der Oberflächen-
wasserkörper (OWK) den guten ökologischen Zustand.
Im gesamten Bundesgebiet weisen die Oberflächengewässer erhöhte Quecksilberwerte in
Biota auf, sodass keiner der Oberflächenwasserkörper (OWK) den „guten chemischen Zu-
stand“ und somit auch nicht den „guten Gesamtzustand“ erreicht. Die häufigsten Belas-
tungsquellen für Fließgewässer sind Beeinträchtigungen der Hydromorphologie,
90
Belastung
durch Nährstoffe und organische Verbindungen, sowie regional stark unterschiedlich mit
Schadstoffen.
91
Nährstoffe und organische Belastungen treten dabei insbesondere in Gebie-
ten mit einem hohen Anteil an Tiefland auf, während Schadstoffbelastungen insbesondere in
den Mittelgebirgslagen als Folge des Altbergbaus zu erkennen sind. Belastungen der
Grundwasserkörper treten v. a. durch Nitrat, Schadstoffe, sowie in drei von zehn Teilbearbei-
tungsgebieten durch Wasserentnahme auf. Der Anteil bewässerter LF an der gesamten LF
beträgt allerdings nur 0,4 %.
92
Der flächenmäßig größte Anteil an diffusen Belastungen von
Wasserkörpern wurde dennoch durch die Landwirtschaft verursacht.
93
Bei der Nitratbelas-
tung sowohl der Grundwasserkörper (GWK),
94
als auch der OWK
95
ist von 2008 bis 2012
eine leichte Zunahme des Anteils der Messstellen, die die Grenzwerte überschreiten, zu be-
obachten. Ab 2013 bis 2016 stagniert der Anteil der Messstellen, die den Grenzwert im GWK
überschreiten, bei ca. 32 bis 33 %.
96
Die flächenbezogene Phosphorbilanz lag im arithmeti-
schen Mittel der Jahre 2007 – 2014 bei -8,9 kg P/ha (bzw. -13,7 kg P/ha im Jahr 2014). Stoff-
liche Belastungen der Wasserkörper durch Pflanzenschutzmittel (PSM) sind in erster Linie
ein Problem von OWK. Im Zeitraum von 2009 bis 2014 wurden die Grenzwerte an 14 % der
85
SMUL 2015: Germany – Rural Development Programme (Regional) – Saxony, S. 39.
86
SMUL (2013): 4. Forstbericht der Sächsischen Staatsregierung – Berichtszeitraum 1. Januar 2008 bis
31. Dezember 2012, S. 41.
87
LfULG (2015): Daten und Fakten – Zustand Oberflächenwasserkörper 2015 (WRRL).
88
Ermittlung der Anzahl sächsischer Grundwasserkörper, die gemäß den Bewertungsfestlegungen nach EU-
WRRL den guten mengenmäßigen und gleichzeitig den guten chemischen Zustand erreichen (= „guter Zu-
stand“); Ermittlung der Anzahl sächsischer Oberflächenwasserkörper bei Fließ- und Stand-Gewässern, die
gemäß den Bewertungsfestlegungen nach EU- WRRL den guten ökologischen Zustand bzw. das gute ökolo-
gische Potential und gleichzeitig den guten chemischen Zustand erreichen (= „guter Zustand“). SMUL (2015):
Bericht zur Bewertung EPLR 2007-2013, Anhang 2 (Indikatorblätter), S. 7.
89
Da flächendeckend in allen Oberflächenwasserkörpern in Sachsen – sowie in Deutschland insgesamt – eine
Überschreitung der Umweltqualitätsnorm (UQN) des prioritären Stoffes Quecksilber in Biota – nach RL
2013/39/EU als ubiquitär identifiziert – zu verzeichnen ist, erreicht dementsprechend kein Wasserkörper einen
„guten chemischen Zustand“ und somit auch keinen „guten Gesamtzustand“. Ebenda.
90
Abflussregulierung und morphologische Veränderungen als signifikante Belastung für FWK: 552 FWK werden
signifikant durch Gewässerausbau bezüglich des Lebensraumangebotes für Pflanzen und Tiere sowie der
ökologischen Funktionen des Gewässers belastet. 300 FWK werden signifikant durch Querbauwerke bezüg-
lich der fehlenden Durchgängigkeit für die Fische belastet. 175 FWK werden signifikant durch Abflussregulie-
rungen bezüglich der Veränderung des natürlichen Abflussregimes bzw. der natürlichen Abflussdynamik be-
lastet. Quelle: LfULG (2015): Sächsische Beiträge zu den Maßnahmenprogrammen Elbe und Oder, S. 24.
91
Ebenda, S. 10 ff.
92
LfULG (2014): Bewässerung in Sachsen - Schriftreihe, Heft 17/2014, S. 14.
93
LfULG (2013): Informationsblatt 6 – Die Wasserrahmenrichtlinie-Neue Impulse für Sachsen.
94
Vgl.: SMUL (o. J.): Umweltindikator: Nitrat im Grundwasser.
95
SMUL (2015): Bericht zur Bewertung EPLR 2007-2013, Anhang 2 (Indikatorblätter), S. 13.
96
Vgl.: SMUL (o. J.): Umweltindikator: Nitrat im Grundwasser.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
22
Messstellen überschritten.
97
Bei GWK schwanken die Ergebnisse im Zeitraum von 2006 bis
2013 zwischen 2 % und 5 %, ohne erkennbaren Trend.
98
Aufgrund von PSM-Belastung ist
jedoch kein GWK in einen schlechten chemischen Zustand eingestuft.
99
Wie in der SWOT-Analyse des EPLR 2014 – 2020 bereits vermerkt, bestehen v. a. Defizite
in der Gewässerstruktur. Neben dem chemischen und ökologischen Zustand der Fließge-
wässer nach WRRL hat auch die Gestaltung der Gewässerufer, die nicht durch die WRRL
erfasst werden, eine wichtige ökologische Funktion.
100
Eine standortgerechte Ufervegetation
bietet Lebensraum für zahlreiche Arten und festigt die Uferböschungen. Dies ist auch im Zu-
sammenhang mit Hochwasserereignissen von Bedeutung. In Sachsen besteht nach Schät-
zungen des LfULG an diesen Gewässern noch erheblicher Bedarf an standortgerechter
Uferbepflanzung.
101
Klimaschutz
Die ermittelten Treibhausgasemissionen Sachsens 2015 betrugen 52,1 Mio. t CO
2
Äq
.
wovon
rund 92 % auf den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zurückgingen. Der Umfang der THG-
Emissionen aus der Landwirtschaft lag 2015 bei 2,34 Mio. t CO
2
Äq
.
bzw. 5 % der THG-
Emissionen Sachsens
102
. Der Umfang des THG-Ausstoßes aus der Landwirtschaft erreichte
2012 (2,33 Mio. t CO
2
Äq
.
) einen Tiefstand und stieg in den darauffolgenden Jahren wieder
an.
103
Der letzte FuE-Bericht zu THG-Emissionen der sächsischen Landwirtschaft kam zu
dem Ergebnis, dass die größten Einflussfaktoren Lachgas (N
2
O) aus Stickstoffeinträgen in
Böden und Methan (CH
4
) aus der Viehhaltung (insb. Rinder) sind. Die bisherigen Klima-
schutzleistungen der Landwirtschaft ergaben sich demnach aus Erhalt und Etablierung von
Grünland, Stickstoffminderung gem. WRRL, emissionsarmer Ausbringung von Wirtschafts-
dünger, Leistungssteigerung bei Nutztierrassen, verbesserter Fütterung und verbesserter
Lagerung von Wirtschaftsdünger. Für den Zeitraum bis 2020 wird mit Minderungspotential
hauptsächlich durch Verbesserung der Energieeffizienz (z. B. Dieseleinsparung, Senkung
des Strom- und Wärmeverbrauchs, Versorgung mit regenerativen Energieträgern) und durch
Grünlandmaßnahmen (Erhöhung des Leguminosenanteils im Futterbau, Verzicht auf Mine-
raldünger) gerechnet.
104
Die Substitution konventioneller Energieträger durch nachwachsende Rohstoffe hat in
Deutschland und in Sachsen in den letzten Jahren stetig und markant zugenommen. Die
Anbaufläche von Energiepflanzen betrug in Deutschland 2018 rund 2,4 Mio. ha,
105
bzw. circa
15 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands. Energiepflanzen beanspruchen da-
mit den größten Teil der landwirtschaftlichen Anbaufläche für nachwachsende Rohstoffe.
106
97
SMUL (2015): Bericht zur Bewertung EPLR 2007-2013, Anhang 2 (Indikatorblätter), S. 15.
98
Vgl.: SMUL (o. J.): Umweltindikator: Pflanzenschutzmittel im Grundwasser,
99
SMUL (2016): Schriftliche Mitteilung.
100
SMUL (2015): Germany – Rural Development Programme (Regional) – Saxony, S. 36.
101
Ebenda.
102
Statistische Ämter des Bundes und der Länder: Gase. Unterschiedliche Tabellen. Internetseite zuletzt aufge-
rufen am 19.09.2019.
https://www.statistikportal.de/de/ugrdl/ergebnisse/gase#alle-ergebnisse.
103
LfULG: Emissionsberichte und -karten.
104
Vgl.: LfULG (2014): Daten und Fakten – Treibhausgas-Ausstoß der sächsischen Landwirtschaft und seine
Minderungspotentiale (Ergebnisse des FuE-Projekts).
105
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR, 2019): Anbau und Verwendung nachwachsender Rohstoffe in
Deutschland. Tbellen.
106
Ebd.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
23
In Sachsen liegt der Anbauumfang von Energiepflanzen 2014 bei rund 125.000 ha, bzw.
circa 14 % der LF des Landes.
107
Positiven Einfluss auf die Minderung von THG hatte zudem die erwähnte Zunahme der
Waldfläche der letzten Jahre.
108
Schutz der Biodiversität
Sachsens Kulturlandschaft ist historisch bedingt von intensiver Landnutzung geprägt.
109
Dar-
über hinaus ist die Landschaft Sachsens durch die Siedlungs-, Industrie- sowie Gewerbe-
entwicklung und den damit einhergehenden Ausbau der Infrastruktur geformt. Weiterhin ha-
ben Bergbaufolgelandschaften der Braunkohlegewinnung einen großen Flächenanteil inne.
In jüngerer Zeit ist zunehmend der Einfluss des Klimawandels auf empfindliche Biotope zu
beobachten.
110
Der Umfang von Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (HNV-Flächen) ist in den ver-
gangenen Jahren auf Bundesebene (2009: 13,1 %, 2013: 11,6 %, 2017: 11,4 %) deutlich
zurückgegangen. In Sachsen (2009: 12,5 %, 2013: 8,8 %, 2017: 8,7 %) kam es von 2009-
2013 zu einer deutlichen Abnahme. Ab 2013 bis 2017 sinkt der Anteil der HNV-Flächen nur
gering um 0,7 %.
111
Am drastischsten ist die Abnahme von HNV-Flächen bei Ackerland und
Brachen mit relativen Rückgängen von 87 % respektive 73 % zwischen den Jahren 2009
und 2013. Dadurch verschiebt sich das Verhältnis von HNV-Grünland zu HNV-Acker von
rund 2:1 in 2009 weiter drastisch in Richtung Grünland mit einem Verhältnis von zuletzt rund
16:1 im Jahr 2017. Der Anteil an Landschaftselementen blieb über diesen Untersuchungs-
zeitraum in etwa konstant bei 2,4 bzw. 2,3 %.
112
Gemäß der Roten Liste der Biotoptypen in Sachsen sind insgesamt circa 56 % der vorkom-
menden Biotoptypen als gefährdet eingestuft und weitere 2 % werden auf der Vorwarnliste
geführt. Von den im Ganzen 168 gefährdeten Biotoptypen sind 34 von vollständiger Vernich-
tung bedroht, 64 stark gefährdet, 68 gefährdet, ein weiterer ist extrem selten und damit po-
tenziell gefährdet und ein Biotoptyp (Buchenwald trockenwarmer Standorte) ist nach derzei-
tigem Kenntnisstand vollständig vernichtet. Besonders Biotoptypen der Heiden und Magerra-
sen sind bedroht. Alle Typen dieser Gruppe sind als gefährdet eingestuft und insgesamt
50 % wurden der höchsten Gefährdungskategorie (vom Aussterben bedroht) zugeordnet.
Relativ hoch ist auch der Anteil der gefährdeten Biotoptypen bei Mooren und Sümpfen
(85 %) sowie bei Fels-, Gesteins- und Rohbodenbiotopen (81 %). Die wichtigsten Gefähr-
dungsfaktoren sind Eutrophierung, Änderungen der Nutzung (z. B. Intensivierung, Aufgabe),
Ablagerung von Abfall, Entwässerung, Gewässerausbau, Gewässerverunreinigung, Beein-
trächtigung durch Freizeitaktivitäten, Immissionsbelastung, Abbau/Aufschüttung und Bau-
maßnahmen. Aus der Gruppe Ackerland, Gartenbau und Sonderkulturen sind außerdem der
Biotoptyp extensiv genutzter wildkrautreicher Acker, und seine Untertypen Sandacker, Ba-
senarmer und -reicher Löß- und Lehmacker von vollständiger Vernichtung bedroht.
113
Im Zeitraum 2007 – 2012 wurden in Sachsen 95 FFH-Arten und -Artengruppen im Sinne der
FFH-Zustandsbeschreibung bewertet. Bei 24 Arten (25 %) (gesamtes Bundesgebiet: 28 %)
wurde der Erhaltungszustand als günstig eingestuft. 58 Arten (61 %) (ges. Bundesgebiet: 63
107
Vgl. LfULG (2015): Daten und Fakten – Energiepflanzenanbau in Sachsen.
108
Vgl.: SMUL (o. J.): Umweltindikator: Waldflächenentwicklung.
109
SMUL (2015): Germany – Rural Development Programme (Regional) – Saxony, S. 33 ff.
110
LfULG (2010): Biotoptypen – Rote Liste Sachsens, S. 14.
111
10. Bund-Länder-Treffen der Verantwortlichen für den HNV-Indikator, 01/2018: Kartierungsergebnisse 2017.
112
SMUL (2015): Bericht zur Bewertung EPLR 2007-2013, Anhang 2 (Indikatorblätter), S. 4 ff.
113
LfULG (2010): Biotoptypen – Rote Liste Sachsens, S. 33 f.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
24
%) befinden sich in ungünstigem bis schlechtem Erhaltungszustand.
114
Im Zeitraum der vor-
hergehenden Untersuchung, zwischen 2001 – 2006 wurden 131 FFH-Arten bewertet, wovon
36 Arten (27 %) einen günstigen Erhaltungszustand erreichten.
115
Die 252 regelmäßig in Sachsen vorkommenden Vogelarten sind ausnahmslos gemäß
BNatSchG besonders und z. T. auch streng geschützt.
116
Hieraus wurden 182 Vogelarten mit
hervorgehobener artenschutzrechtlicher Bedeutung definiert.
117
Bei 60 dieser Arten wird der
Erhaltungszustand als ungünstig-schlecht bzw. ungünstig-unzureichend bewertet.
118
Für 33
dieser Vogelarten wurden Äcker und Sonderkulturen als bevorzugter Habitatkomplextyp
(Vorkommen im Habitatkomplex und/oder Hauptreproduktionsstätte der Art) ermittelt. 26 Ar-
ten kommen auf Grünland oder Grünanlagen vor und 16 auf Heiden und Magerrasen, wobei
es bei insgesamt 8 Arten zu Überschneidungen dieser bevorzugten Habitate kommt. Weitere
13 Arten haben ihr Hauptvorkommen in Wäldern. Für 51 der 66 nach Anhang I der Vogel-
schutzrichtlinie geschützten Arten wurden Brutnachweise erbracht.
119
Für diese Vogelarten,
12 weitere vom Aussterben bedrohte oder stark gefährdete Brutvogelarten sowie für eine
Reihe weiterer Gastvogelarten wurden europäische Vogelschutzgebiete gemeldet und durch
Grundschutzverordnungen rechtlich gesichert.
120,121
Der Feldvogelindikator, bezogen auf die
sächsische Brutvogelkartierung (BVK), hat sich aufgrund der langen Erfassungszyklen im
Verlauf der Förderperiode nicht verändert und beträgt 69 % (Referenzwert: BVK ´93 –
´96 = 100 %).
122
Deutschlandweit lag der Anteil von Naturschutzgebieten und Nationalparken an der Landes-
fläche zum Stand 2016 bei 3,9 % (1.402.802 ha) respektive 0,6 % (214.588 ha).
123,124
In
Sachsen liegt 2017 der gemeinsame Anteil mit 3,5 % leicht unter dem Bundesdurch-
schnitt.
125
Weiterhin beinhaltet das Schutzgebietssystem in Sachsen Landschaftsschutzge-
114
SMUL (2014): Bericht nach Artikel 17 FFH- Richtlinie 2007-2012: Erhaltungszustand der Arten im Freistaat
Sachsen mit Vorkommensschätzungen und Bewertungen im Vergleich zur Bewertung in Deutschland. Ver-
fügbar unter
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/download/Erhaltungszustand_der_FFH-
Arten_in_Sachsen_2007-2012.pdf (zuletzt aufgerufen am 17.10.2018).
115
Für den Bericht 2007 – 2012 wurden erstmals Daten eines systematischen und bundeseinheitlichen Monito-
rings einbezogen. Aus diesem Grund sind die aktuellen Anteile zum Erhaltungszustand in Sachsen in den
Stufen günstig - unzureichend - schlecht nicht direkt mit denen des Berichtes von 2001 – 2006 vergleichbar.
Quelle: SMUL (2011): Berichtspflichten nach Artikel 17 FFH-Richtlinie 2001-2006: Erhaltungszustand der Ar-
ten im Freistaat Sachsen mit Schätzungen der Vorkommen und Bewertungen. Verfügbar unter
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/download/Berichtspflicht_Bewertung_SN_Arten_2001-2006.pdf
(zu-
letzt aufgerufen am 22.11.2017).
116
LfULG (o. J.): Arbeitshilfen Artenschutz – Regelmäßig in Sachsen auftretende Vogelarten, Version 2.0
117
Enthalten sind Arten die folgenden Gruppen zuzuordnen sind: Brutvogelarten RL Sachsen (außer ausgestor-
bene), Arten des Fachkonzepts zur Auswahl von Europäischen Vogelschutzgebieten, streng geschützte, un-
gefährdete Brutvögel, Wasservogelarten, regelmäßig auftretende Gastvögel, häufige Brutvogelarten der Vor-
warnlisten mit deutlichem Bestandsrückgang. Vgl.: LfULG (o. J.): Legende zur Tabelle „Regelmäßige in Sach-
sen auftretende Vogelarten“, Version 2.0
118
In 11 Fällen gab es begründete Abweichung von der ansonsten schematischen Einschätzung anhand des RL-
Status. Vgl.: LfULG (o. J.): Arbeitshilfen Artenschutz – Regelmäßig in Sachsen auftretende Vogelarten; und
LfULG (o. J.): Legende zur Tabelle „Regelmäßige in Sachsen auftretende Vogelarten“, Version 2.0
119
Vgl.: LfULG (o. J.): Arbeitshilfen Artenschutz – Regelmäßig in Sachsen auftretende Vogelarten Version 2.0,
Brutbestand in Deutschland.
120
Vgl.: LfULG (o. J.): Arbeitshilfen Artenschutz – Regelmäßig in Sachsen auftretende Vogelarten Version 2.0,
Triggerart.
121
Vgl.: LfULG (o. J.): Natur – Rechtliche Sicherung.
122
SMUL (2015): Bericht zur Bewertung EPLR 2007-2013, Anhang 2 (Indikatorblätter), S. 2.
123
Vgl.: Bundesamt für Naturschutz (BfN) (o.J.): Gebietsschutz/ Großschutzgebiete – Naturschutzgebiete.
124
Vgl.: Bundesamt für Naturschutz (BfN) (o.J.): Gebietsschutz/ Großschutzgebiete – Nationalparke
125
Vgl.: SMUL (o. J.): Umweltindikator: Naturschutzgebiete/Nationalparke.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
25
biete auf 30,6 % der Landesfläche, wohingegen der Anteil der Landschaftsschutzgebiete in
Deutschland mit 26,1 % etwas niedriger liegt (Stand 31.12.2017).
126
Die Natura 2000-Gebiete umfassen 15,9 %
127
der Landesfläche und entsprechen damit etwa
dem deutschlandweiten Anteil (15,5 %, Stand 2017),
128
liegen aber deutlich unter dem Anteil
der ausgewiesenen Flächen in Europa (18 %, Stand 2017).
129
Die insgesamt 347 Natu-
ra 2000-Gebiete mit einem Umfang von 292.777 ha verteilen sich in Sachsen auf 270 FFH-
Gebiete mit 168.665 ha und 77 Vogelschutzgebiete mit 248.961 ha, wobei sich die beiden
Kategorien großflächig überlappen (auf rund 124.849 ha).
130
Der Anteil der gesamten Waldflächen in Natura 2000 Gebieten in Sachsen liegt mit 30 %
131
über dem Bundesdurchschnitt (25,6 %) und dem EU-Durchschnitt (23,4 %).
132
Rund
100.000 ha der als FFH-Gebiet ausgewiesenen Areale und circa 130.000 ha der Fläche der
SPA-Gebiete sind Waldfläche. Durch Überlagerung umfasst die Gesamtgebietskulisse eine
Waldfläche von circa 150.000 ha.
133
Der Anteil der Natura 2000-Fläche an der Landwirt-
schaftsfläche Sachsens betrug 2011 durchschnittlich 11,1 % mit deutlichen regionalen Un-
terschieden.
134
Insgesamt kommen in Sachsen 47 der deutschlandweit 92 Lebensraumtypen (LRT) des An-
hangs I der FFH-Richtlinie vor. Von diesen befinden sich 15 LRT bzw. 32 % in einem günsti-
gen Erhaltungszustand (Stand 2013). Bei weiteren 23 LRT (49 %) wurde der Erhaltungszu-
stand als unzureichend und bei 11 LRT (23 %) als schlecht eingestuft. Zu 3 LRT ließ sich der
Erhaltungszustand nicht ermitteln. In der vorangegangenen Untersuchungsperiode wurde
noch der Erhaltungszustand von 27 LRT als günstig eingeschätzt. Allerdings ist zu beachten,
dass sich aufgrund der geänderten Methodik der beiden Untersuchungszeiträume die Er-
gebnisse nicht direkt miteinander vergleichen lassen.
135
126
Vgl.: Bundesamt für Naturschutz (BfN) (o.J.): Gebietsschutz/ Großschutzgebiete – Landschaftsschutzgebiete,
https://www.bfn.de/themen/gebietsschutz-grossschutzgebiete/landschaftsschutzgebiete.html,
Abruf
15.10.2019
127
Vgl.: SMUL: Natura 2000.
128
Vgl.: Bundesamt für Naturschutz (BfN) (o.J.): Natura 2000– Zum Stand der Umsetzung von Natura 2000 in
Deutschland.
129
Vgl.: Ebenda.
130
Vgl.: SMUL (o. J.): Natura 2000 – ein Überblick.
131
Vgl.: SMUL (o. J.): Natura 2000.
132
European Commission 2017: CAP Context Indicators 2014 – 2020 34. Nature 2000 areas 2016 update, S. 3.
133
Vgl.: SMUL (o. J.): Natura 2000.
134
Vgl.: EPLR Sachsen, Kap. 4.1.6, Kontextindikator 34.
135
Vgl.: SMUL (o. J.): FFH-Bericht 2007 – 2012.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
26
2.2 Relevanz der Strategie
Das EPLR im Freistaat Sachsen ist eingebettet in den übergeordneten
Förderkontext der
EU
, die neben der GAP weitere Instrumente zur Verwirklichung der Kernziele der Strategie
EUROPA 2020 etabliert hat. Neben dem in der ESIF-VO grundgelegten Gemeinsamen stra-
tegischen Rahmen (GSR) bildet die Partnerschaftsvereinbarung (PV) zwischen der KOM und
der Bundesrepublik Deutschland eine wesentliche Rahmenbedingung der regionalen För-
derpolitik.
Im
Freistaat Sachsen
sind die einzelnen Instrumente gemäß der PV schwerpunktmäßig
aufeinander abgestimmt: Während über den EFRE vorrangig wirtschafts- und regionalpoliti-
sche Zielsetzungen adressiert werden,
136
dient der ESF der Entwicklung der Humanressour-
cen und sozialen Aspekten.
137
Der ELER soll neben der Unterstützung der wirtschaftlichen
und sozialen Entwicklung des ländlichen Raums (thematische Ziele 3 und 9) auch vorrangig
für die Förderung der nachhaltigen Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und der Kli-
maschutzpolitik eingesetzt werden.
138
Das über den ELER unterstützte EPLR verfolgt zur Umsetzung der Ziele – aufbauend auf
den Ergebnissen der sozioökonomischen und Umweltanalyse sowie der SWOT-Analyse –
eine
Strategie
, die primär auf folgende Hauptanliegen ausgerichtet ist:
1.
Unterstützung der Entwicklung des ländlichen Raums unter Beachtung der spezifi-
schen und lokalen Bedürfnisse insbesondere mit Blick auf die Herausforderungen
des demografischen Wandels durch verstärkte Entscheidungskompetenz und Ver-
antwortung auf lokaler Ebene.
2.
Unterstützung der Land- und Forstwirtschaft und anderer Landbewirtschafter im Kon-
text mit umwelt- und klimafreundlicher sowie naturschutzgerechter Bewirtschaftung,
um so einen wesentlichen Beitrag sowohl zu Umweltzielen als auch zur Wiederher-
stellung und Sicherung der Biologischen Vielfalt zu leisten.
3.
Unterstützung der Land- und Forstwirtschaft bei der Umstellung zu energieeffizienten,
emissionsarmen Bewirtschaftungsweisen und der Implementierung von Innovationen,
um so die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern.
Das EPLR im Freistaat Sachsen 2014 – 2020 verfolgt damit eine komplexe Strategie zur
Entwicklung des Agrarsektors und der ländlichen Gebiete sowie zur Verbesserung der Um-
weltsituation im Programmgebiet, die auf drei Ebenen – Maßnahmen, Unionsprioritäten/
Schwerpunktbereiche gemäß Art. 5 ELER-VO sowie Programmebene – wirken sollen. Die
Relevanz der Strategie wurde im Wesentlichen im Rahmen der Ex-ante-Bewertung bestätigt.
Zum Zeitpunkt der Annahme des sächsischen EPLR waren alle geltenden prioritätsbezoge-
nen und allgemeinen Ex-ante-Konditionalitäten erfüllt (vgl. EPLR, Kap. 6.2).
Die im EPLR zugrunde gelegte und durch die KOM am 12. Dezember 2014 genehmigte
Strategie ist in ihrer Ausrichtung unvermindert gültig.
Änderungen
erfolgten bis zum gegen-
wärtigen Zeitpunkt in Details wie der bedarfsorientierten Umschichtung von Mitteln sowie der
Anpassung und Ergänzung von Fördergegenständen und -verfahren (siehe hierzu im Über-
blick Tabelle 1). Hierdurch hat sich die relative Bedeutung (Anteil am Gesamtbudget) der
Unionsprioritäten (UP) 4 und 5 erhöht, die der UP 2 hingegen verringert. Die UP 3 wird auf-
grund der unzureichenden Nachfrage im Bereich Wissenstransfer seit der 4. Änderung nicht
mehr bedient.
136
Analog den thematischen Zielen 1, 3, 4 der ESIF-VO.
137
Analog den thematischen Zielen 8, 9 und 10 der ESIF-VO.
138
Analog den thematischen Zielen 4, 5 und 6 der ESIF-VO.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
27
Tabelle 1: Übersicht Änderungen des EPLR für den Freistaat Sachsen
EPLR vom
Finanzielle
Umschichtungen
Veränderung von Fördergegenständen / -
verfahren
14.12.2015
(1. Änderung)
Aufnahme der von der 1. in
die 2. Säule umgeschichteten
Direktzahlungsmittel i. H. v. 62
Mio. EUR in den Finanzie-
rungsplan
Verfahrensvereinfachungen bei Maßnahmen des
Wissenstransfers und der Europäischen Innovati-
onspartnerschaften
Möglichkeit der Zahlung von Ausgleichszulage für
benachteiligte Flächen sächsischer Landwirte au-
ßerhalb Sachsens
Reduzierung bzw. Anpassung der für die sächsi-
schen Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen rele-
vanten Baseline-Vorgaben
23.11.2016
(2. Änderung)
Mittelumschichtung von M 4
zu M 10 und M 11
Verfahrensvereinfachung bei Wissenstransfer- und
Informationsmaßnahmen
Einschränkung von Flächen zu- und -abgängen bei
Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen
Erhöhte Einführungsprämie für den ökologischen /
biologischen Landbau
Neuabgrenzung benachteiligter Gebiete und Prä-
mienanpassung für Ausgleichszulage
12.01.2018
(3. Änderung)
Mittelumschichtung von
M 4 zu M 11
innerhalb M 1 (Aufstockung
Naturschutzqualifizierung),
innerhalb M 4 (von Investitio-
nen in die Landwirtschaft zu
Stützmauern landwirtschaftli-
cher Flächen),
innerhalb M 7 (Mittelerhöhung
für Studien zur Dokumentation
von Artvorkommen)
Erhöhung des Fördersatzes bei Investitionen zur
Erhöhung der umweltgerechten Lagerkapazität für
Gülle, Festmist, Jauche und Silosickersaft von 25
% auf 35 % in Maßnahme 4 (Investitionen in die
Landwirtschaft)
Einführung eines neuen Fördergegenstandes „Digi-
talisierung von Geschäftsprozessen“ bei M 4
Einführung eines neuen standardisierten Einheits-
kostensatzes für „Entbuschung von Biotop- und
Lebensraumflächen“ in M 4 (Biotopgestaltungs-
und Artenschutzvorhaben sowie Anschaffung von
Technik und Ausstattung)
Weitere Anpassungen von Verpflichtungen bei
Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (M 10)
Vereinfachung des LEADER-Verfahrens einschl.
beihilferechtlicher Behandlung von Förderfällen
Erhöhung des Fördersatzes für das LEADER-
Management von 80 % auf 95 %
11.12.2018
(4. Änderung)
Mittelumschichtung von
Wissenstransfer (M01) zu
Naturschutzmaßnahmen (M07
und M08)
Ausgleichszulage (M13) zu
Ökologischem / biologischem
Landbau (M11)
der investiven Landwirt-
schaftsförderung (M04) sowie
von EIP (M16) und von Wald-
brandüberwachungsanlagen
(M08) zu Wald- und Forst-
maßnahmen (M04, M08 und
M16)
Anpassungen am Leistungsrahmen und Indikator-
plan (resultierend aus Finanzplanänderungen und
strategischer Änderung)
Vereinfachungen im Wissenstransfer und bei EIP
Einführung vereinfachter Kostenoptionen bei LEA-
DER, Wissenstransfer und EIP
Konkretisierung von Förderbedingungen bei inves-
tiver Landwirtschaftsförderung, Forstförderung und
im Naturschutz
Anpassung der Baseline für Agrarumwelt- und
Klimamaßnahmen in Folge der geänderten Dünge-
verordnung
Anhebung der Prämie für Naturschutzgerechte
Hütehaltung oder Beweidung mit Schafen und/oder
Ziegen
Aktualisierung Anlage 4 „Verwaltungs- und Kon-
trollstruktur…“

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
28
2.3 Kurzbeschreibung früherer Bewertungen im Zusammenhang mit dem
Programm
Das EPLR im Freistaat Sachsen wird durch den etablierten kontinuierlichen Begleitungs- und
Evaluationsprozess mit jährlichen Berichterstattungspflichten einer regelmäßigen Bewertung
unterzogen, die im Rahmen der Zentralbewertung mitberücksichtigt werden. Wesentliche
Informationen hierzu sind im Rahmen der erweiterten jährlichen Durchführungsberichte 2017
sowie 2019
139
dargelegt (siehe dort insbesondere Kap. 2).
Zentrales Element des Bewertungsplans ist im Freistaat Sachsen die beim Sächsischen
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) etablierte fachliche Begleitung.
Diese umfasst alle im EPLR 2014 – 2020 umzusetzenden Artikel bzw. Maßnahmen und be-
inhaltet z. B. die Erarbeitung bzw. Durchführung gezielter Analysen, Studien oder Interviews
zu konkreten Vorhaben und deren administrativer Umsetzung. Sie kann auch relevante For-
schungsergebnisse von Dritten einschließen. Die Ergebnisse der fachlichen Begleitung flie-
ßen in die jährlichen Durchführungsberichte sowie in die Zentralbewertung mit ein.
Darüber hinaus lassen sich bedarfsweise auch Bewertungsergebnisse weiter zurückliegen-
der Förderperioden aufgreifen. Hierzu gehört insbesondere die Ex-post-Bewertung des vo-
rangegangenen Programms. Alle Bewertungen enthalten Schlussfolgerungen und Empfeh-
lungen, die in den vorliegenden Bericht einfließen.
3 Methodik
Im Rahmen der Zentralbewertung wird eine Vielzahl von Erhebungsinstrumenten sowie Ana-
lyse- und Bewertungsmethoden angewandt. Generell erfolgt die Anwendung von Methoden
unter Einhaltung einschlägiger Qualitätsstandards (evalsed, DeGEval). Weitere leitende
Prinzipien für die Auswahl von Methoden sind die methodischen Empfehlungen und Verein-
barungen innerhalb des europäischen Bewertungsnetzwerkes sowie die methodischen Vor-
gehensweisen in anderen Bundesländern. Zudem sind methodische Leitfäden der KOM und
des Evaluation Helpdesk zu beachten.
140
Die Grundsätze und Details der für die Zentralbewertung eingesetzten Methoden (Einord-
nung in den Bewertungskontext der Gemeinschaft, Bewertungsdesign und -ablauf, Erhe-
bungs- und Erfassungsmethoden, Bewertungsmethoden, Methodik zur Ermittlung der Da-
tenerfordernisse) sind eingehend im Rahmen des Feinkonzepts (Januar 2017) beschrieben
(siehe dort v. a. Kap. 3).
Auf die entsprechenden Ausführungen wird an dieser Stelle verwiesen.
139
https://www.smul.sachsen.de/foerderung/6245.htm.
140
Die Methodenpapiere der KOM haben stärker bindenden Charakter als in der Programmperiode 2007 – 2013,
um eine bessere Vergleichbarkeit der Begleitungs- und Bewertungsergebnisse zu gewährleisten. In der Folge
werden die Freiheitsgrade bei der Methodenwahl voraussichtlich eingeschränkt.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
29
4 Umsetzung des Programms
4.1 Durchführung des Programms: Akteure, institutioneller Kontext
Die Zuständigkeiten der Verwaltungs- und Kontrollstruktur wurden im EPLR geregelt (siehe
dort Kapitel 15.1.2). Als zuständige Verwaltungsbehörde nimmt das Sächsische Staatsminis-
terium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), Referat 23, eine zentrale Stellung bei der
ordnungsgemäßen Durchführung und Verwaltung des Programms ein. Sie ist für die Effizi-
enz, Wirksamkeit und Ordnungsmäßigkeit der Verwaltung und Durchführung des EPLR
2014 – 2020 verantwortlich und erfüllt insbesondere die Aufgaben gemäß Art. 66 ELER-VO.
Auch die Aufgaben der Zahlstelle (ZS) werden im SMUL wahrgenommen (Referat ZA –
Steuerung, Koordinierung der EU-Zahlstelle DE 19). Diese zeichnet verantwortlich für die
Koordination der Umsetzung der ELER-Maßnahmen durch die betroffenen Fachreferate
bzw. Fachgebiete sowie die steuernde Begleitung durch Verfahrensbestimmungen, Verfah-
rensregelungen, Dienstanweisungen. Die Zahlstelle ist damit hauptverantwortlich für das
wirksame Verwaltungs- und Kontrollsystem; Kernfunktionen sind Bewilligung und Kontrolle,
Auszahlung und Verbuchung sowie laufende Überwachung.
Für alle im Rahmen des EPLR 2014 – 2020 vorgesehenen Maßnahmen wurden IT-gestützte
Verwaltungs- und Kontrollverfahren etabliert, die gewährleisten, dass die Förderkriterien und
andere Verpflichtungen gem. DVO (EU) Nr. 808/2014 und HZ-VO sowie die Vorgaben zur
Auswahl der Vorhaben gem. Art. 49 ELER-VO eingehalten werden. Die Zahlungsanordnun-
gen für die Finanzmittel der EU und die Verbuchung erfolgen ausschließlich in der ZA.
Für die Umsetzung des Verwaltungs- und Kontrollsystems des EPLR 2014 – 2020 in den
zuständigen Stellen stehen im Freistaat Sachsen ausreichende personelle Ressourcen und
ausreichend technische und administrative Kapazitäten zur Verfügung. Erforderlichenfalls
wird die Technische Hilfe des EPLR 2014 – 2020 in Anspruch genommen, um die Umset-
zung personell oder durch Dienstleistungen Dritter sicherzustellen.
Der institutionelle Kontext zur Durchführung des Programms in Sachsen ist damit auch in der
aktuellen Förderperiode weitgehend von Kontinuität geprägt. In Anlage 4 zum EPLR sind die
für die verwaltungsmäßige Durchführung der einzelnen Maßnahmen zuständigen Abwick-
lungsstellen, dezentralen Dienste bzw. beauftragten Einrichtungen Sachsens dargestellt.
4.2 Gestaltung des Programms; Prioritäten und Maßnahmen
Zur Umsetzung der in Kap. 2.2 genannten Kernziele wurden im EPLR (unter Außerachtlas-
sung der Unionspriorität 1) ursprünglich insgesamt
elf Schwerpunktbereiche
(SPB) der
Unionspriorität (UP)
141
gem. Art. 5 ELER-VO primär programmiert.
142
Für die ausgewählten
SPB werden in der laufenden Förderperiode
Maßnahmen
angeboten, die hauptsächlich auf
die Ziele des jeweiligen SPB gerichtet sind und primäre Wirkungen zu diesen Zielen erwar-
ten lassen. Die übrigen SPB der UP sind für die Umsetzung des sächsischen EPLR nicht
prioritär.
143
Die Ziele dieser SPB werden gleichwohl über Vorhaben, die anderen UP zuge-
ordnet werden oder durch Maßnahmen anderer ESI-Fonds, unterstützt. Eine Besonderheit
bilden die Vorhaben im Bereich Wissenstransfer und Informationsmaßnahmen und EIP AG-
RI, die zwar strategisch den UP 1a) und 1b) beigeordnet werden müssen, in der Umsetzung
jedoch den jeweiligen fachlichen SPB der UP zuzuordnen sind.
141
Zu den Prioritäten und Schwerpunktbereichen der EU siehe im Detail Kap. 6.1 im Anhang.
142
2A, 4A, 4B, 4C, 5B, 5C, 5D, 5E, 6A, 6B. SPB 3A wird seit der 4. Änd. (2018) nicht mehr bedient.
143
2B, 3B, 5A, und 6C.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
30
4.3 Budget für den gesamten Programmplanungszeitraum; Änderungen
Für das EPLR wurden im Freistaat Sachsen für die Förderperiode 2014 – 2020 öffentliche
Mittel in Höhe von insgesamt 1,1 Mrd. EUR budgetiert;
144
davon sollen rund 879 Mio. EUR
durch Mittel des ELER bereitgestellt werden.
Für die Verwirklichung der Hauptanliegen wurden im EPLR – unter Außerachtlassung der
UP 1 – elf SPB der UP gem. Art. 5 ELER-VO primär programmiert (siehe Kap. 4.2). Vor dem
Hintergrund der Ergebnisse der SWOT-Analyse, der definierten Zielvorgaben und Erfahrun-
gen aus der vorangegangenen Förderperiode wurden die größten Anteile des Budgets (rund
40,2 %) für die UP 6 (vornehmlich LEADER) sowie UP 4 (38,9 %) eingeplant, gefolgt von
UP 2 (15,6 %), UP 5 (2,75 %) und UP 3 (< 1 %).
Im Rahmen der 2., 3. und 4. Änderung des EPLR wurden Mittelumschichtungen vorgenom-
men, die den sich wandelnden Bedarfen entsprechen sollen (siehe im Detail Kapitel 2.2 /
Tabelle 1). Hierdurch wird die relative Bedeutung der UP 4 (40,45 %) und 5 (2,97 %) erhöht,
die der UP 2 (13,75 %) hingegen verringert. Die UP 3 wird aufgrund der mangelhaften Nach-
frage im Bereich Wissenstransfer nicht mehr (primär) bedient.
Eine Übersicht der indikativen Mittelverteilung sowie der bis 30.06.2019 geleisteten kumulier-
ten Zahlungen zeigt Tabelle 2:
Tabelle 2: Mittelverteilung im EPLR-Sachsen nach Maßnahmen und Prioritäten/ Schwerpunkt-
bereichen (öffentliche Ausgaben in EUR)
145
Quelle: Indikativer Finanzplan des EPLR 2014 – 2020 (Stand 4. Änderung) sowie ** Monitoringdaten, Stand
30.06.2019; geringfügige Abweichungen aufgrund von Rundungsdifferenzen.
144
Inkl. Technische Hilfe.
145
Tabelle ist ebenfalls in Anhang 6.3 abgedruckt (Querformat).
2
3
2A
3A
4A
4B
4C
5A
5B
5C
5D
5E
6A
6B
M01
1.750.000
-
562.500
237.500
87.500
9.937.500
M04
147.997.908
8.231.931
4.227.564
201.057.403
M07
12.569.136
M08
24.351.699
36.422.385
M10
205.834.748
M11
67.494.000
M13
112.600.000
M16
7.000.000
340.000
9.840.000
M19
455.427.522
455.427.522
M20 (TH)
28.468.891
Summe
156.747.908
-
-
562.500
8.571.931
237.500
24.439.199
4.227.564
455.427.522
1.139.651.585
Anteil am
EPLR gesamt
13,75%
0,00%
100,00%
Zahlung
M01-M19
51.654.080,47
-
-
78.457,65
1.860.557,63
-
7.438.427,93
365.670,25
84.737.516,49
439.440.606,10
zzgl. TH
8.419.291,94
Zahlung EPLR
gesamt
447.859.898,04
Umsetzung
32,95%
-
0,0%
13,9%
21,7%
0,0%
30,4%
8,6%
18,6%
38,56%
IST (30.06.2019)
293.305.895,68
63,63%
6
460.968.569
40,45%
2,97%
Gesamt
40,33%
SOLL
(gem. IFP, Stand 4. Änderung)
7.300.000
40.600.000
12.569.136
12.070.686
205.834.748
67.494.000
112.600.000
2.500.000
Maßnahme
4
5

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
31
4.4 Beanspruchte und tatsächlich ausgegebene Beträge
Eine Übersicht über die finanzielle Umsetzung der Maßnahmen im Programmumsetzungs-
zeitraum 2014 – 2017 zeigen Tabelle 2 sowie Tabelle 4. Gemessen an den bislang erfolgten
öffentlichen Ausgaben stellt sich der Umsetzungsstand für das gesamte Programm mit rund
39 % zufriedenstellend dar.
In der Betrachtung der einzelnen UP bzw. SPB sind insbesondere die UP 4 mit 63,6 % (be-
rechnete Durchführungsquote), 2 (32,9 %) und 5 (28 %) gut fortgeschritten, während die UP
6 (19 %) noch Rückstände aufweist.
Die Inanspruchnahme der Mittel erfolgte daher bislang, d. h. in der Startphase der Förderpe-
riode, ungleichgewichtig. In der Investitionsförderung sowie der Ausgleichszulage für be-
nachteiligte Gebiete ist Kontinuität zur vorangehenden Förderperiode festzustellen, da beide
Maßnahmen auf der Grundlage von Übergangsverordnungen weitergeführt werden konn-
ten.
146
Nur für diese beiden Maßnahmen sind für die Jahre 2014/2015 Zahlungen i. H. v.
18,1 Mio. EUR (LuE) bzw. 30,8 Mio. EUR (AZL/AU) erfolgt. Seit dem Berichtsjahr 2016 er-
folgten für die meisten Maßnahmen Auszahlungen; wesentliche Ausnahme bildet der nicht-
naturschutzbezogene Bereich Wissenstransfer (Art. 14, LWB), für den erst im Jahr 2017
Zahlungen zu verzeichnen sind.
Auf die einzelnen Maßnahmen bezogen sind die Umsetzungsstände der Maßnahmen M 04,
M 10, M 11 sowie M 13 deutlich vorangeschritten. Die Maßnahmen M 01, M 07, M 16 sowie
M 19 liegen hingegen noch zurück (vgl. Tabelle 3).
Tabelle 3: Umsetzungsstand im EPLR-Sachsen nach Maßnahmen (öffentl. Ausgaben in EUR)
Quelle: Indikativer Finanzplan des EPLR 2014 – 2020 (Stand 4. Änderung) sowie Monitoringdaten, Stand
30.06.2019.
146
Siehe auch jährlicher Durchführungsbericht 2014/2015.
Zahlung
Zielerreichung
M01
9.937.500
2.023.029
20,36%
M04
201.057.403
66.095.548
32,87%
M07
12.569.136
3.294.324
26,21%
M08
36.422.385
12.782.369
35,09%
M10
205.834.748
143.875.730
69,90%
M11
67.494.000
49.768.070
73,74%
M13
112.600.000
76.252.608
67,72%
M16
9.840.000
611.412
6,21%
M19
455.427.522
84.737.516
18,61%
M20 (TH)
28.468.891
8.419.292
29,57%
Summe
1.139.651.585
447.859.898
39,30%
Anteil am
EPLR gesamt
100,00%
Gesamt
IST (30.06.2019)
SOLL
(gem. IFP, Stand 4. Änderung)
Maßnahme

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
32
Tabelle 4: Öffentliche Ausgaben EPLR Sachsen (bis 30.06.2019)
Quelle: ELER-Datenbank und AGRI-FÖRDER III Ausgabenübersicht SMUL im Kontext Monitoring
Gesamt
Zahlung
Zahlung
Zahlung
NEE-GAK-Mittel
Zahlung
NEE-GAK-Mittel
Zahlung
NEE-GAK-Mittel
Zahlung
(
MIT
GAK bei
1,4,8,16)
01
Art. 14
NEE
4abc
299.532,36 €
643.697,13 €
469.372,07 €
257.779,51 €
1.670.381,07 €
01
LWB (WT)
2a
84.774,71 €
90.375,75 €
78.761,18 €
253.911,64 €
01
LWB (WT)
3a
-
-
-
01
LWB (WT)
4abc
20.278,63 €
20.278,63 €
01
LWB (WT)
5b
78.457,65 €
- €
78.457,65 €
01
LWB (WT)
5d
-
-
-
01
LWB (WT)
5e
-
-
-
04
Art. 17
LWA/LuE
2a
18.157.996,60 €
9.711.638,12 €
9.046.418,30 €
11.456.458,81 €
2.529.170,71 €
50.901.682,54 €
04
LWA
6a
133.093,51 €
3.224,50 €
204.518,74 €
24.833,50 €
365.670,25 €
04
NEE
4abc
896.534,75 €
2.738.725,82 €
2.830.094,03 €
2.965.994,76 €
2.151.102,14 €
1.326.773,65 €
171.338,45 €
13.080.563,60 €
04
WFE (WuF2014)
5c
74.008,25 €
656.780,65 €
893.775,02 €
123.067,67 €
1.747.631,59 €
07
Art. 20
NEE
4abc
719.149,66 €
967.799,28 €
1.316.124,35 €
291.250,78 €
3.294.324,07 €
08
Art. 21
NEE
4abc
77.195,61 €
24.504,01 €
166.473,77 €
175.551,72 €
33.788,88 €
117.806,78 €
595.320,77 €
08
WFE (WuF2014)
4abc
30.317,27 €
568.650,02 €
655.116,88 €
33.132,43 €
1.287.216,60 €
08
WFE (WuF2014)
5e
80.568,38 €
724.006,07 €
1.368.458,87 €
291.895,57 €
2.464.928,89 €
08
WFW (WK)
5e
1.847.072,15 €
1.392.703,82 €
1.733.723,07 €
- €
4.973.499,04 €
08
OW und F93
4abc
1.201.777,65 €
1.091.879,63 €
815.510,15 €
352.236,66 €
3.461.404,09 €
10
Art. 28
AUK
4abc
25.632.592,61 €
37.525.114,92 €
38.332.714,86 €
39.059.656,77 €
140.550.079,16 €
10
UM/UME/UMHE
4abc
2.109.036,32 €
586.864,69 €
148.052,64 €
43.961,12 €
2.887.914,77 €
10
LU
4abc
124.320,94 €
123.893,99 €
99.642,40 €
89.878,36 €
437.735,69 €
11
Art. 29
OEBL
4abc
8.541.740,68 €
10.386.427,58 €
14.900.000,44 €
15.939.901,03 €
49.768.069,73 €
13
Art. 31/32
AZL/AU
4abc
30.881.120,76 € 14.685.970,71 €
14.748.272,99 €
15.914.973,52 €
22.269,52 €
76.252.607,50 €
16
Art. 35
LWC (EIP)
2a
85.844,14 €
100.558,40 €
259.758,18 €
52.325,57 €
498.486,29 €
16
NEE
4abc
-
-
-
16
WFE (WuF2014)
5c
72.672,93 €
22.789,09 €
17.464,02 €
112.926,04 €
19
Art. 42 - 44
LDR (LEADER)
6b
4.161.042,96 €
17.636.959,68 €
38.028.139,33 €
24.911.374,52 €
84.737.516,49 €
20
Techn. Hilfe
THE
th
1.204.426,82 €
3.582.809,40 €
2.838.889,69 €
793.166,03 €
8.419.291,94 €
ZUSATZ
(01|04||08|16)
NEE - GAK-Mittel
4abc
2.996.567,80 €
2.184.891,02 €
171.338,45 €
Gesamtsumme
49.039.117,36 € 71.615.862,89 € 105.703.306,32 €
134.953.289,01 €
86.548.322,46 €
447.859.898,04 €
Gesammtsumme
ohne GAK
49.039.117,36 € 71.615.862,89 € 102.706.738,52 €
2.996.567,80 € 132.768.397,99 € 2.184.891,02 € 86.376.984,01 €
171.338,45 €
2016
ELER-Code
Massnahme
Richtlinie
Fachschwerpunkt
2014/2015
2017
2018
30.06.2019

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
33
5 Antworten auf Bewertungsfragen
5.1 Bewertung der Maßnahmen
Der Fokus der Zentralbewertung liegt auf der Ebene der einzelnen
(Teil-)Maßnahmen
; Be-
wertungen auf dieser Ebene richten sich auf maßnahmenspezifische Erkenntnisziele. Es ist
vorgesehen, für jede durchgeführte Maßnahme des EPLR in einer einheitlichen Gliede-
rungsstruktur, ausgehend von der spezifischen Interventionslogik jeder Maßnahme jede Be-
wertungsfrage zu beantworten und die Herleitung dieser Antworten transparent und ver-
ständlich darzulegen.
Maßnahmenspezifische Bewertungen analysieren im Sinne eines Frühwarnsystems den
Vollzug der Förderung und die Fortschritte bei der Erreichung quantifizierter Ziele. Die Ana-
lysen liefern Erkenntnisse für die Feinsteuerung des Programms. Darüber hinaus werden
Relevanz, Effektivität und Effizienz der Maßnahmen beurteilt, um Schlussfolgerungen für die
grundsätzliche Ausrichtung des EPLR abzuleiten. Alle maßnahmenspezifischen Bewertun-
gen umfassen in diesem Sinne regelmäßig eine Analyse von
Relevanz / Förderbedarf im jeweiligen Handlungsfeld
Akzeptanz des Förderangebots
Ergebnissen / Zielerreichung
Wirkungen
Effizienz
Jede maßnahmenspezifische Analyse setzt an der im Programm explizit oder implizit unter-
stellten
Interventionslogik
an, die für jede Maßnahme den Wirkungszusammenhang vom
geplanten Mitteleinsatz (Inputindikatoren) über die operationalen Ziele (Outputindikatoren),
die spezifischen Ziele (Ergebnisindikatoren) auf die Schwerpunktziele (Wirkungsindikatoren)
beschreibt. Kernfrage ist, inwiefern sich die unterstellte Interventionslogik in der Umsetzung
bestätigt hat. Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung sind darüber hinaus auch die Ein-
flüsse veränderter
Kontextbedingungen
sowie die Wirkungen weiterer Landes-, Bundes-,
EU-Politiken und -förderungen auf das Zielsystem des EPLR Sachsens zu berücksichtigten.
Die Beschreibung und
Analyse des Umsetzungsstandes
der Maßnahmen auf der Ebene
der Inputs und Outputs soll im Wesentlichen durch Gegenüberstellung der anvisierten Ziele
und der bis zum Stand 30.06.2019 realisierten Ist-Werte (Soll-Ist-Vergleich) erfolgen. Für die
Analyse werden alle gemeinsamen und programmspezifischen Outputindikatoren herange-
zogen. Ziel der Untersuchung des Umsetzungsstandes anhand der Outputindikatoren ist es,
die Ausprägungen der Ergebnis- und Wirkungsindikatoren erklären und beurteilen zu kön-
nen, denn die anvisierten Ziele auf Ergebnis- und Wirkungsebene basieren auf einem ge-
planten (geschätzten) Umfang und einer geplanten (geschätzten) Struktur der Maßnah-
menumsetzung. Bei bis zum Förderperiodenende zu erwartenden Abweichungen des erziel-
ten Outputs von den gesetzten Zielen muss eine Ursachenanalyse Auskunft über die Gründe
geben (Akzeptanzanalyse, administrative Durchführung). Auch Rahmenbedingungen, die
außerhalb des Wirkungsspektrums von Maßnahme oder Programm liegen – wie beispiels-
weise die Dürreperiode 2018 und damit verbundene konjunktureller Rahmenbedingungen –
können nachfragegesteuerte Maßnahmen wie die z. B. einzelbetriebliche Förderung stärker
beeinflussen als die Attraktivität der Förderbedingungen. Möglicherweise ist auch die Ziel-
quantifizierung zu überprüfen.
Die Analyse von Inputs und Outputs bildet die wesentliche Grundlage für die
Analyse der
Ergebnisse
, also die Erreichung der spezifischen Ziele der Maßnahme. Ziel der Analyse der
quantitativen und strukturellen Ausprägungen der Ergebnisindikatoren ist die Erklärung und

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
34
Herleitung der erzielten
Wirkungen
der Maßnahme auf die übergeordneten Schwerpunktzie-
le (Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, Verbesserung der Umwelt und Verbesserung
der Lebensqualität). Auf der Ebene der Ergebnisse müssen auch in stärkerem Maße qualita-
tive Informationen mit ausgewertet werden. Eine besondere methodische Herausforderung
stellt in diesem Zusammenhang die Berechnung bzw. Schätzung der
Nettowirkungen
der
Einzelmaßnahmen auf die anvisierten Programmziele dar. Die auf Maßnahmenebene aus-
gewiesenen Ergebnisse sind zunächst „Bruttowerte“ und müssen um Doppelzählungen und
Mitnahmeeffekte sowie auf Programmebene um Verdrängungs- und Multiplikatoreffekte be-
reinigt werden.
Während eine Analyse und Bewertung der
Effektivität
der Programmumsetzung zunächst
isoliert auf Ebene der Inputs einerseits sowie auf Ebene der Outputs, Ergebnisse und Wir-
kungen andererseits erfolgen kann, ist des Weiteren zu untersuchen, mit welchem Mittelein-
satz auf der Inputseite die Ziele auf der Outputseite erreicht wurden. Zur Bewertung der
Maßnahmeneffizienz
werden die jeweiligen Ausschluss- und Auswahlkriterien auf ihre Ziel-
relevanz geprüft.
Neben der Analyse und Bewertung
quantitativer Ergebnisse
auf Basis der gemeinsamen
und programmspezifischen Indikatoren sind die Ergebnisse
qualitativer Analysen
all jener
Effekte zu berücksichtigen, die sich allein mit Indikatoren nicht beschreiben und beurteilen
lassen. Auf diese Weise können Aussagen zur Zieladäquanz der Maßnahmen des EPLR
bezogen auf die beabsichtigten und ggf. die nicht beabsichtigten Maßnahmenergebnisse und
Wirkungen getroffen werden. Ein signifikantes Abweichen von den Zielwerten kann Hand-
lungsbedarf begründen, der in Form von Schlussfolgerungen dargestellt und diskutiert wird
und ggf. in Handlungsempfehlungen mündet.
Zur Beschreibung und Erörterung der genannten Punkte werden die einzelnen Maßnahmen
in Kap. 5.1 nach folgender Struktur erfasst:
A) Einordnung der Intervention in den Programmkontext
B) Bewertungsfragen, Beurteilungskriterien und Indikatoren (Tabelle)
C) Beantwortung der Bewertungsfragen
D) Beurteilung, Schlussfolgerungen, Empfehlungen

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
35
5.1.1 M 01 – Wissenstransfer und Informationsmaßnahmen (Artikel 14)
Tabelle 5: Finanzielle Übersicht M 01 „Wissenstransfer und Informationsmaßnahmen“ im Pro-
grammkontext
TEILMAßNAHME /
FÖRDERGEGENSTAND [SPB]
Öffentliche Ausgaben gesamt
[1.000 EUR]
Anteil geplante
Ausgaben an …
geplante
Ausgaben
gem. IFP*
kumulierte
Ausgaben
2014 – 2019**
Priorität
EPLR
gesamt
M 1.1 Qualifizierung Naturschutz für Land-
nutzer [4A]
7.050
1.670
1,53%
0,62%
M 1.2.1 Wissenstransfer zur Verbesserung
der Wirtschaftsleistung aller landwirtschaftli-
chen Betriebe [2A]
1.750
254
1,12%
0,15%
M 1.2.2 Wissenstransfer zur Steigerung der
Wettbewerbsfähigkeit der Primärerzeuger
und -verarbeiter [3A]
0
0
0,00%
0,00%
M 1.2.3 Wissenstransfer zur Verbesserung
der Wasserwirtschaft inkl. des Umgangs mit
Düngemitteln und Schädlingsbekämpfungs-
mitteln [4B]
150
20
0,03%
0,01%
M 1.2.4 Wissenstransfer zur Verhinderung
der Bodenerosion und Verbesserung der
Bodenbewirtschaftung [4C]
100
0
0,02%
0,01%
M 1.2.5 Wissenstransfer zur Effizienzsteige-
rung bei der Energienutzung in der Landwirt-
schaft und der Nahrungsmittelverarbeitung
[5B]
562,5
78
1,66%
0,05%
M 1.2.6 Wissenstransfer zur Verringerung der
aus der Landwirtschaft stammenden Treib-
hausgas- und Ammoniakemissionen [5D]
237,5
0
0,70%
0,02%
M 1.2.7 Wissenstransfer zur Förderung der
Kohlenstoffspeicherung und -bindung in der
Forstwirtschaft [5E]
87,5
0
0,26%
0,01%
Summe
9.937,5
2.021
0,87%
Quelle: eigene Zusammenstellung auf Grundlage * Indikativer Finanzplan des EPLR 2014 – 2020 (Stand 4. Ände-
rung) sowie ** Monitoringdaten, Stand 30.06.2019.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
36
5.1.1.1 M 1.1 – Qualifizierung Naturschutz für Landnutzer
A) Einordnung der Intervention in den Programmkontext
Die Teilmaßnahme ‚Qualifizierung Naturschutz für Landnutzer’ ist ein kostenloses Angebot
an Landnutzer für mehr Naturschutz in der Landwirtschaft. Hier vermitteln qualifizierte aus-
gewählte Experten aus Landschaftspflegeverbänden und Planungsbüros wie Naturschutz in
landwirtschaftlichen Betrieben integriert werden kann. Die Naturschutzqualifizierer erläutern
Landnutzern unter anderem welche wertvollen Arten und Biotope auf ihren Flächen vorkom-
men und in welchen Schutzgebieten sie arbeiten (u. a. Natura 2000). Mit dieser Teilnahme
wird Wissen über ökologische Zusammenhänge, naturschutzkonforme Bewirtschaftungswei-
sen und die biologische Vielfalt vermittelt. Die Teilmaßnahme ist primär dem SPB 4A zuge-
ordnet. Zusätzliche Effekte können in den SPB 4B und C sowie in dem SPB 1A erreicht wer-
den.
Die Teilmaßnahme wird über die Förderrichtlinie Natürliches Erbe (RL NE/2014) umgesetzt,
welche die Zuwendungsbestimmungen für die Förderung von Maßnahmen zur Sicherung der
natürlichen biologischen Vielfalt und des natürlichen ländlichen Erbes in Sachsen regelt.
B) Bewertungsfragen, Beurteilungskriterien und Indikatoren
Bewertungsfragen
Beurteilungskriterien
Indikatoren
Bewertungsfragen für M 1.1: Qualifizierung Naturschutz für Landnutzer
Wurde die Teilmaßnah-
me erfolgreich umge-
setzt?
Die Umsetzungsziele wurden
erreicht
O.1: Gesamtbetrag der öffentlichen
Ausgaben
O.3: Zahl der unterstützten Vorha-
ben
Inwieweit wurden der
Kenntnisstand und die
Akzeptanz von Landnut-
zern bzgl. Naturschutz-
themen verbessert?
Eine hohe Anzahl Landnut-
zer-Innen wurde hinsichtlich
Naturschutzthemen bera-
ten/fortgebildet
Anzahl der LandnutzerInnen, die
teilgenommen haben
Anzahl der Beratungen zur Beantra-
gung von Finanzierungsmitteln
Anzahl der erstellten „Betriebspläne
Natur“
Geeignete Finanzierungswe-
ge zum Schutz der biologi-
schen Vielfalt wurden identi-
fiziert und vermittelt
Gesetzte Schwerpunkte der jährli-
chen Flächenberatungen
Ergebnisse der Befragung der Na-
turschutzqualifizierer
Ergebnisse der „Maßnahmenüber-
greifenden Akzeptanzuntersuchung“
C) Beantwortung der Bewertungsfragen
Beurteilungskriterium: Die Umsetzungsziele wurden erreicht
Die Maßnahme ist seit Beginn der Förderperiode von zunächst 2,0 Mio. EUR auf rund 7,0
Mio. EUR öffentliche Mittel erheblich aufgestockt worden. Bis zum 30.06.2019 lagen 22 Vor-
haben vor, für die bereits Auszahlungen in Höhe von 1,7 Mio. EUR erfolgt sind. Bewilligun-
gen liegen bisher für insgesamt 44 Vorhaben in Höhe von rd. 6,1 Mio. EUR vor. Mit zwei Auf-
rufen konnten sämtliche Qualifizierungsgebiete mit Naturschutzqualifizierern besetzt werden,
womit die Grundvoraussetzungen für den Wissenstransfer zu Naturschutzthemen geschaffen

image
AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
37
wurden. Der Förderzeitraum für die in diesen Aufrufen bewilligten Vorhaben lief bis Mai
2019. Im Dezember 2018 erfolgte ein erneuter Aufruf für den Fördergegenstand C.1, auch
hier konnten alle 22 Qualifizierungsgebiete besetzt werden. Die Vorhaben können bis Mai
2023 umgesetzt werden.
Bewertungsfrage: Inwieweit wurden der Kenntnisstand und die Akzeptanz von Land-
nutzern bzgl. Naturschutzthemen verbessert?
Beurteilungskriterium: Eine hohe Anzahl LandnutzerInnen wurde hinsichtlich Natur-
schutzthemen beraten/fortgebildet
Insgesamt wurden im dritten Qualifizierungsjahr 770 Landnutzer zu allgemeinen Natur-
schutzfördermaßnahmen auf Einzelflächen und auf gesamtbetrieblicher Ebene beraten und
informiert (Leistung 2a und 3a; für Beschreibung der Leistungen s. Tabelle 87 in Kap. 6.3 im
Anhang). Dies bedeutet noch einmal einen leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr von
knapp 13 %.
147
Abbildung 2: Abgerechnete Leistungen in den ersten drei Qualifizierungsjahren (QJ 2015/16,
QJ 2016/17 und QJ 2017/2018)
Quelle: geändert nach LfULG 2019
147
LfULG (2019): Bericht mit den Ergebnissen zur fachlichen Begleitung des sächsischen EPLR 2014 – 2020;
Berichtsjahr 2018 unveröffentlicht, S. 32 – 37.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
38
Flächen- bzw. schutzgutkonkrete Beratungen wurden im Qualifizierungsjahr (QJ) 2017/2018
für 948 Schläge (Leistungen 2b und 3b) durchgeführt. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr
einen leichten Rückgang (QJ 2016/17: 1.094), welcher in weniger durchgeführten einzelflä-
chenbezogenen Beratungen vor der Beantragung von Fördermitteln (2b) begründet liegt. Ab
dem Jahr 2017 ist in der Richtlinie AUK/2015 nur noch eine sehr begrenzte Antragsstellung
möglich. Da die Naturschutzqualifizierung u.a. eine flankierende Maßnahme zu den Agra-
rumweltmaßnahmen ist, begründet sich darin der Rückgang der schlagkonkreten Beratun-
gen.
Die Beratungen zu investiven Maßnahmen mit Standardkostensätzen (Leistung 2c und 3c)
sind im dritten Qualifizierungsjahr weiter deutlich auf 170 Projekte angestiegen (im ersten
Qualifizierungsjahren waren es 10 und im zweiten 63 Projekte). Die zuvor zurückhaltende
Umsetzung ist auch darauf zurückzuführen, dass die investiven Maßnahmen im ersten Qua-
lifizierungsjahr nur im Rahmen der gesamtbetrieblichen Qualifizierung (Leistung 3c) beraten
werden konnten. Im zweiten Qualifizierungsjahr wurde diese Leistung auch in der einzelflä-
chenbezogenen Qualifizierung (Leistung 2c) unter der Voraussetzung freigegeben, dass die
beratene
Maßnahme
Bestandteil
einer
Fachplanung
wie
der
Natura
2000-
Managementplanung ist.
Für den Leistungsblock 4 (Einzelflächenbezogene Leistungen nach der Beantragung von
Fördermitteln durch den Landnutzer) wurden im dritten Qualifizierungsjahr insgesamt 2.007
Schläge abgerechnet. Mit 1.316 Schlägen macht die Maßnahmenbegleitung nach der Bean-
tragung von Fördermitteln (Leistung 4b) im dritten Qualifizierungsjahr einen Schwerpunkt der
Bearbeitung aus.
Betriebsplan Natur
Der Betriebsplan Natur als gesamtbetriebliche Naturschutzberatung (Leistung 3) wird nach
einer erfolgreichen Pilotphase in sechs Betrieben in der vorangegangenen Förderperiode
über die RL NE/2014 (Maßnahme C1, Naturschutzqualifizierung für Landnutzer) gefördert.
Die erste Bewerbungsrunde zur Teilnahme am Betriebsplan Natur fand für landwirtschaftli-
che Betriebe im Zeitraum von Januar bis Dezember 2016 statt. Bereits mit dem ersten Be-
werbungsverfahren war der Rücklauf so gut, dass das Bewerbungsverfahren zunächst be-
endet wurde.
Teilnahmevoraussetzungen waren:
mindestens ein Schlag in der Förderkulisse Grünland mit der Maßnahme GL.2 bis
GL.5 oder in einem Natura 2000-Gebiet und
Bewirtschaftung von mindestens 20 Schlägen (Nutzungscode: AL, GL, UN) oder 100
ha Betriebsfläche.
Insgesamt wurden 36 Betriebe für die Teilnahme am Betriebsplan Natur ausgewählt, die sich
relativ gleichmäßig über den gesamten Freistaat Sachsen verteilen. Die durchschnittliche
Flächengröße beträgt rund 850 ha, wobei der Median bei 371 ha liegt. Die Fläche der mit
dem Betriebsplan Natur geförderten Betriebe beträgt insgesamt rund 30.000 ha.
148
Der
Großteil der Gesamtfläche aller Betriebe wird ackerbaulich genutzt (78 %), 20 % der Fläche
sind Grünland. Anfang 2019 lagen bereits 20 fertiggestellte Betriebspläne Natur vor.
149
148
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft: Ergebnisse zum Betriebsplan Natur. Internet-
seite, zuletzt aufgerufen a, 22.08.3019.
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/48017.htm.
149
LfULG (unveröffentlicht, 2019): Bericht mit den Ergebnissen zur fachlichen Begleitung des sächsischen EPLR
2014 – 2020; Berichtsjahr 2018, S. 32 – 37.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
39
Mit dem Betriebsplan Natur erhält der Landwirt ein anschauliches Kartenwerk mit textlichen
Beschreibungen und schlagkonkreten Vorschlägen für eine ökologische Aufwertung des Be-
triebs, welche in einem gemeinsamen Abstimmungsprozess mit dem Naturschutzqualifizierer
entwickelt werden. Dem Betrieb wird neben Informationen über Finanzierungsmöglichkeiten
der Maßnahmen, hier insbesondere über die Naturschutzförderung, zusätzlich Hilfestellung
bei der naturschutzfachlich optimalen Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen und der Öf-
fentlichkeitsarbeit für den Betrieb angeboten.
150
Die zu erbringende Beratungsleistung für die
Betriebspläne Natur ist recht umfangreich, was sich auch in den geleisteten Stunden der
Naturschutz-Qualifizierer widerspiegelt (vgl. Abbildung 2).
Ergebnisse der Akzeptanzuntersuchung
Im Rahmen der Maßnahmenübergreifenden Akzeptanzuntersuchung des EPLR Sachsen
2014 – 2020 des Instituts für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung (isw) wurde eine um-
fangreiche Befragung von 1.147 Betrieben (=Rücklauf) zur RL AUK/2015, ÖBL/2015 und RL
NE/2014 (C.1) durchgeführt. Die Ergebnisse lassen nähere Rückschlüsse zu, welche Betrie-
be aus welchen Gründen die C.1-Beratung in Anspruch genommen haben.
151
Sieben Prozent der befragten Betriebe haben an der Naturschutzberatung bereits in der vor-
herigen Förderperiode teilgenommen, 16 Prozent in der laufenden Förderperiode. Vier Pro-
zent gaben an, in beiden Förderperioden eine Naturschutzberatung erhalten zu haben. Ins-
gesamt haben rund 19 % der befragten Betriebe an Naturschutzberatungen teilgenommen,
was noch einmal bestätigt, dass das Angebot bereits gut angenommen wird. Es besteht je-
doch ein zusätzliches Potenzial, welches bisher nicht im ausreichenden Maß ausgeschöpft
wird: Die Befragungsergebnisse zeigen, dass Betriebsleiter, die Umweltzielen eine sehr hohe
Bedeutung für die Führung des Betriebs beimessen, auch eine hohe Affinität für die Umset-
zung von AUK bzw. ÖBL haben und sich eher für die Inanspruchnahme von Naturschutzbe-
ratungen entscheiden.
Daraus kann geschlussfolgert werden: Wenn es gelingt, die Sensibilität von Betriebsleitern in
Bezug auf Umweltschutzziele zu steigern, dann ist mit einer stärkeren Inanspruchnahme der
einschlägigen Fördervorhaben zu rechnen. Ob jedoch naturschutzfachlich interessierte
Landwirte die Beratung eher in Anspruch nehmen oder ob Betriebe infolge der Beratung für
naturschutzfachliche Zusammenhänge und Ziele stärker sensibilisiert und interessiert wer-
den, ist aus diesem Zusammenhang nicht klar ersichtlich. Grundsätzlich sollte jedoch Wert
darauf gelegt werden, auch diejenigen zu erreichen, die Umweltzielen bisher weniger Bedeu-
tung beimessen. Es ist denkbar, dass diese Gruppe eine diesbezüglich geringere Eigeninitia-
tive aufweist, weil die persönliche Betroffenheit und somit die Motivation geringer ist, als bei
Personen, die aus Überzeugung handeln.
Die Abfrage nach Gründen für die Nicht-Teilnahme an dem Angebot der Naturschutzbera-
tung hat zudem ergeben, dass ein grundsätzliches Interesse bei dem Großteil der Befragten
besteht. Lediglich jeder sechste Betrieb gab an, nicht teilgenommen zu haben, weil das An-
gebot für die befragte Person nicht interessant sei. Dagegen gaben rund 45 % der Betriebe,
die keine Beratung in Anspruch genommen haben, an, keine Kenntnis von dem Angebot
gehabt zu haben und rund 50 % gaben als Grund für die Nichtteilnahme an, keine entspre-
chende Anfrage erhalten zu haben. Zukünftig ist es demnach notwendig, dass Angebot of-
fensiver zu bewerben.
152
150
SMUL (2018): Förderportal. Betriebsplan Natur. URL:
https://www.smul.sachsen.de/foerderung/5699.htm.
151
Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung (isw) (2018): Maßnahmenübergreifende Akzeptanzunter-
suchung EPLR 2014 – 2020. Endbericht.
152
Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung (isw) (2018): Maßnahmenübergreifende Akzeptanzunter-
suchung EPLR 2014 – 2020. Endbericht. S, 139, 146.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
40
Beurteilungskriterium: Geeignete Finanzierungswege zum Schutz der biologischen
Vielfalt wurden identifiziert und vermittelt
Beratungsschwerpunkte
Nachfolgend sind die Beratungsinhalte aufgeführt und verdeutlichen die Vielfalt des inhaltli-
chen Spektrums der Naturschutzberatung. Betriebe, die die Beratung in Anspruch genom-
men haben, wurden in erster Linie zu Vorschlägen für Naturschutzfördervorhaben der Richt-
linie AUK/2015 auf konkreten Betriebsflächen informiert bzw. beraten. Dies gaben insgesamt
rd. 60 % der beratenen Betriebe im Zuge der Akzeptanzuntersuchung an. Neben Vorschlä-
gen zur Beteiligung an AUK-Vorhaben spielten Beratung und Information zu wertvollen Arten
und Biotopen im jeweiligen Betrieb, zur praktischen Umsetzung von Naturschutzvorhaben
sowie zur Antragstellung von Fördermaßnahmen eine bedeutende Rolle (vgl. Tabelle 6).
Tabelle 6: Beratungsinhalte und Beteiligung unter den Befragten der Akzeptanzuntersuchung
Beratungsinhalte
Alle Be-
triebe
Alle Betrie-
be mit Be-
teiligung RL
AUK, ÖBL
Alle Betrie-
be ohne
Beteiligung
RL AUK,
ÖBL
zu Vorschlägen für Naturschutzfördervorhaben der Richtlinie
AUK/2015 auf konkreten Betriebsflächen
59,3%
65,3%
33,3%
zu wertvollen Arten und Biotopen in meinem Betrieb
47,8%
50,5%
36,4%
zur praktischen Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen
45,4%
42,6%
57,6%
zur Antragstellung von Fördermaßnahmen
40,3%
42,6%
30,3%
zu Möglichkeiten der ökologischen Aufwertung meines Be-
triebes (z.B. naturschutzgerechte Bewirtschaftung, Hecken-
anlage)
35,8%
37,1%
30,3%
zu Möglichkeiten der Finanzierung von Naturschutzmaßnah-
men
31,3%
33,7%
21,2%
zu Vorschlägen für Naturschutzfördermaßnahmen der Richt-
linie NE/2014
21,3%
21,3%
21,2%
zu Naturschutzauflagen auf Betriebsflächen konkret
20,2%
19,3%
24,2%
zur Lage der Flächen meines Betriebs in Schutzgebieten
(Natura 2000, Naturschutzgebiet etc.)
19,7%
19,3%
21,2%
zu Vorschlägen für weitere Naturschutzmaßnahmen (z.B.
über Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, Maßnahmen ohne
besondere Finanzierung)
19,0%
17,8%
24,2%
Quelle: eigene Darstellung auf Grundlage der Ergebnisse der isw-Akzeptanzuntersuchung EPLR SN 2014–2020
Betriebe, die an anspruchsvollen naturschutzorientierten Maßnahmen teilnehmen, benötigen
oft auch mehr Beratung und sind daher mehr an der Naturschutzberatung interessiert. Das
zeigt das Ranking der Beratungsdichte, das dem Endbericht zur Akzeptanzbefragung zu
entnehmen ist.
153
Tabelle 7 zeigt die AUK-Vorhaben mit überdurchschnittlichen Beratungsquoten. Auf Rang 1
steht Staffelmahd; die Quote von 66,6 % erscheint jedoch bei einer Teilnehmerzahl von 3
sehr schlecht abgesichert. Auf den Plätzen 2 bis 6 stehen einige anspruchsvolle natur- und
153
Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung (isw) (2018): Maßnahmenübergreifende Akzeptanzunter-
suchung EPLR 2014 – 2020. Datensatz.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
41
artenschutzgerechte Maßnahmen im Acker wie im Grünland. Auf Platz 7 folgt der umwelt-
schonende Anbau von Körnerleguminosen.
Bei der Beratungsquote liegt die ergebnisorientierte Honorierung auf dem 10. Rang, obwohl
sich Teilnehmer und Nichtteilnehmer über das hohe Risiko von Fehlern und Rückforderun-
gen einig waren.
154
Auch wenn die Beratungsquote mit 36,4 % nicht weit über dem Durch-
schnitt von 31 % liegt, bildet das Vorhaben GL.1 Artenreiches Grünland einen klaren
Schwerpunkt in der Beratung, sowohl vor der Antragstellung als auch bei der Umsetzung des
Vorhabens.
Bei den offenen Antworten auf die Frage „
4.5. Hat die Naturschutzberatung Ihnen bisher
nicht bekannte, neue Erkenntnisse vermittelt?
“ finden sich sehr häufig Begriffe wie Arten-
kenntnis und Artenbestimmung, teilweise auch direkt mit Bezug zum Grünland.
Unter den zehn AUK-Vorhaben mit den höchsten Beratungsquoten unter den Teilnehmern
der Akzeptanzbefragung befinden sich drei der insgesamt fünf festgelegten Beratungs-
schwerpunkte für die einzelflächenbezogene Beratung für das Jahr 2017 (mit einem * verse-
hen, siehe Tabelle 7).
Tabelle 7: Umgesetzte Vorhaben der befragten Betriebe und die Inanspruchnahme von C.1-
Qualifizierung
Rang
AUK-Vorhaben
TN, be-
fragt
davon
begleitet
Quote
1
GL.5e Staffelmahd
3
2
66,6%
2
AL.6a*
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung für
wildkrautreiche Äcker
17
10
58,8%
3
AL.6b*
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung für
Vögel der Feldflur
24
13
54,2%
4
GL.4b Naturschutzgerechte Beweidung mit Rindern oder
Pferden
43
20
46,5%
5
GL.3
Brachflächen und Brachestreifen im Grünland
13
6
46,2%
6
AL.1
Grünstreifen auf Ackerland
23
10
43,5%
7
AL.3
Umweltschonende Produktionsverfahren des An-
baus von Körnerleguminosen
12
5
41,7%
8
GL.5c Spezielle artenschutzgerechte Grünlandnutzung
mit mind. einer Nutzung pro Jahr
73
30
41,1%
9
AL.7
Überwinternde Stoppel
26
10
38,5%
10
GL.1*
Artenreiches Grünland - Ergebnisorientierte Hono-
rierung
195
71
36,4%
* gesetzte Schwerpunkte der Beratungsleistungen 2017 (SMUL; LfULG)
Zufriedenheit und Erkenntnisgewinn
Alle folgenden Ergebnisse sind dem Abschlussbericht der Maßnahmenübergreifenden Ak-
zeptanzuntersuchung EPLR SN 2014 – 2020 (isw Institut für Strukturpolitik und Wirtschafts-
förderung gGmbH; Juni 2018) entnommen.
Die Bewirtschafter schätzen ihre Zufriedenheit mit der Naturschutzberatung in der Regel als
hoch ein. 84 % der beratenen Landnutzer sind damit „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“. Bei
154
Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung (isw) (2018): Maßnahmenübergreifende Akzeptanzunter-
suchung EPLR 2014 – 2020. Endbericht. S. 100.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
42
Landnutzern, die Vorhaben der RL AUK/2015 bzw. ÖBL/2015 umsetzen, fällt die Zufrieden-
heit noch höher aus (86 %), bei Bewirtschaftern ohne Teilnahme niedriger (73 %).
Neben der Beurteilung der Zufriedenheit, wurde auch ermittelt, inwieweit die Naturschutzbe-
ratung neue Erkenntnisse gebracht hat. Dabei korreliert die Zufriedenheit stark mit dem Er-
kenntnisgewinn der befragten Betriebe: Betriebe, die mit der Beratung „sehr zufrieden“ oder
„zufrieden“ waren, berichteten zu 71 % auch über neugewonnene Erkenntnisse. Auch bei
Betrieben des ökologischen Anbaus war der Anteil an Betrieben mit Erkenntnisgewinn über-
durchschnittlich hoch (75 %). Unter Berücksichtigung aller befragten Betriebe, gab knapp die
Hälfte an (48 %), einen Erkenntnisgewinn erzielt zu haben. Die folgende Tabelle 8 zeigt, wie
die beratenen Betriebe, die neue Erkenntnisse aus der Beratung mitnehmen konnten, ihren
Erkenntnisgewinn zu den einzelnen Themen einschätzen.
Tabelle 8: Anteil der Betriebe mit Erkenntnisgewinn aus der Naturschutzberatung
Beratungsschwerpunkt
Anteil der beratenen
Betriebe mit neuen
Erkenntnissen
zu Vorschlägen für weitere Naturschutzmaßnahmen (z. B. über Aus-
gleichs- und Ersatzmaßnahmen, Maßnahmen ohne besondere Finanzie-
rung)
72%
zur praktischen Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen
67%
zu Vorschlägen für Naturschutzfördermaßnahmen der Richtlinie NE/2014
63%
zur Antragstellung von Fördermaßnahmen
63%
zu Naturschutzauflagen auf Betriebsflächen konkret
62%
zu wertvollen Arten und Biotopen in meinem Betrieb
59%
zu Möglichkeiten der Finanzierung von Naturschutzmaßnahmen
56%
zu Vorschlägen für Naturschutzfördermaßnahmen der Richtlinie AUK/2015 auf
konkreten Betriebsflächen
55%
zu Möglichkeiten der ökologischen Aufwertung meines Betriebes (z. B. natur-
schutzgerechte Bewirtschaftung, Heckenanlage)
53%
zur Lage der Flächen meines Betriebs in Schutzgebieten (Natura 2000, Natur-
schutzgebiet etc.)
49%
Quelle: eigene Darstellung auf Grundlage der Ergebnisse der isw Akzeptanzuntersuchung EPLR SN 2014 – 2020
Bemerkenswert ist der hohe Anteil an Betrieben mit Erkenntnisgewinn bei der Antragstellung
von Fördermaßnahmen. Unter diesen Betrieben hatten rund zwei Drittel
155
bereits in der För-
derperiode 2017 – 2013 und 2014 – 2020 an AUKM bzw. der Ökolandbau-Maßnahme teil-
genommen. Hier zeigt sich, dass auch Betriebe, die in der Antragstellung für Fördermaß-
nahmen routinierter sind, dennoch diesbezüglich Unterstützung bedürfen. Der größte Er-
kenntnisgewinn wurde zu Naturschutzmaßnahmen außerhalb der ELER-Finanzierung gese-
hen. Das ist nur in der gesamtbetrieblichen Beratung (Leistung 3) Inhalt der Naturschutzbe-
ratung.
Nichtteilnahme an der Beratung
Von allen Befragten haben 79 % nicht an der Naturschutzberatung teilgenommen. Es nah-
men 82 % der beratenen Unternehmen an AUK-Vorhaben teil, während es bei den nicht be-
155
Eigene Berechnung nach Daten der isw-Befragung.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
43
ratenen Unternehmen mit 51 % deutlich weniger waren
156
. Gründe für die Nichtteilnahme an
der C.1-Beratung waren bei fast der Hälfte der Befragten (45 %) die Unkenntnis über das
Beratungsangebot. Außerdem gaben viele Bewirtschafter (49 %) an, dass sie nicht daran
teilgenommen haben, weil sie nicht aktiv darauf angesprochen wurden. Nur 17 % äußerten,
dass sie das Angebot nicht interessiere.
157
Daraus ergibt sich ein erhebliches Potential wei-
tere Landnutzer auf die Naturschutzqualifizierung für Landnutzer aufmerksam zu machen
und so das Anliegen der C.1-Beratung an weitere Betriebe zu vermitteln. Mit einer qualifizier-
ten Beratung, unter anderem im Hinblick auf die Inanspruchnahme einer Förderung, können
Hemmnisse, wie sie von Nicht-Teilnehmern an den AUK-Vorhaben bzw. dem Ökolandbau in
der Befragung genannt wurden (z. B. fehlende Erfahrung, Fehler bei der Durchführung und
entsprechendes Risiko von Sanktionen, Vorhaben sind nicht bekannt), gemindert werden.
Die Unterschiede zwischen beratenen und nicht beratenen Betriebe bezogen auf die Be-
triebsform und Betriebsgröße sowie zwischen Neben- und Haupterwerbsbetrieben sind nur
gering (siehe Tabelle 9). Bei den nicht beratenen Betrieben sind Ackerbaubetriebe ungefähr
so häufig wie Futterbaubetriebe, während bei den beratenen Betrieben der Anteil der Futter-
baubetriebe deutlich höher ist als der der Ackerbaubetriebe. Auffällig ist, dass Betriebe unter
50 ha 58 % der beratenen Betriebe ausmachen. Aber auch bei den nicht beratenen Betrie-
ben ist ihr Anteil sehr hoch (siehe Tabelle 9).
Tabelle 9: Vergleich der Merkmale von Betrieben mit und ohne Beratung
Merkmal
Betriebe
mit
Bera-
tung
Betriebe
ohne
Be-
ratung
Betriebsausrichtung
konventionelle Bewirtschaftung
88%
88%
ökologische Bewirtschaftung
12%
12%
100%
100%
Haupt- vs. Nebenerwerbsbetriebe
Haupterwerbsbetriebe
46%
45%
Nebenerwerbsbetriebe
53%
55%
100%
100%
Betriebsform
Ackerbau
25%
30%
Futterbau
34%
29%
Verbundbetriebe
16%
18%
Sonstiges
24%
33%
100%
100%
Betriebsgröße (Fläche)
unter 50 ha
58%
63%
50 bis 500 ha
28%
28%
über 500 ha
13%
8%
100%
100%
Quelle: eigene Darstellung auf Grundlage der Ergebnisse der ISW Akzeptanzuntersuchung EPLR SN 2014 –
2020
Als Gründe für eine nicht Inanspruchnahme der Naturschutzberatung gaben knapp die Hälfte
der Betriebe an, dass ihnen das Angebot nicht bekannt sei sowie dass die Betriebe bisher
nicht aktiv darauf angesprochen worden sind. Wobei kleinere Betriebe deutlich häufiger als
große Betriebe angaben, dass ihnen das Angebot der Beratung nicht bekannt sei. Etwa ein
156
Eigene Berechnung nach Daten der isw-Befragung.
157
Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung (isw) (2018): Maßnahmenübergreifende Akzeptanzunter-
suchung EPLR 2014 – 2020. Endbericht, S. 144.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
44
Viertel der Betriebe befürchtet, die Nutzung des Beratungsangebots sei mit hohem Aufwand
verbunden. Besonders häufig wurde dieses Argument bei den großen Betrieben genannt.
158
Ermittlung der Umsetzung und Wirksamkeit vom „Betriebsplan Natur“ (gesamtbetrieb-
liche Leistung)
Im Rahmen der Fallstudie „Betriebsplan Natur“ sollte ermittelt werden, in welcher Art, Quali-
tät und welchem Umfang die von den Naturschutzqualifizierern empfohlenen Maßnahmen im
Betriebsplan Natur umgesetzt wurden. Außerdem sollten Erkenntnisse zur Wirksamkeit und
zum Umsetzungsstand des Betriebsplans als gesamtbetriebliches Instrument für den Natur-
schutz sowie der im Betriebsplan vorgeschlagenen Maßnahmen gewonnen werden. Auch
der weitere Beratungsbedarf wurde analysiert. Die Fallstudie fand in den 6 Betrieben, welche
am Pilotprojekt teilgenommen haben, statt. Zusätzlich sollte die Studie dazu dienen, eine
Methode für den Betriebs-Check zu entwickeln und zu erproben. Der Betriebs-Check stellt
eine der Leistungen im Fördergegenstand C.1 dar. Als ein Ergebnis der Fallstudie steht
nunmehr eine Handlungsanleitung für den Betriebs-Check zur Verfügung. Diese stellt an-
schaulich und detailliert dar, wie die einzelnen Schritte der Vorbereitung, Durchführung,
Auswertung, Abstimmung und Anpassung erfolgen sollen.
Die Ergebnisse der Fallstudie wurden im „Bericht mit den Ergebnissen zur fachlichen Beglei-
tung des sächsischen EPLR 2014 – 2020, Berichtsjahr 2018“ des LfULG zusammengefasst.
Alle folgenden Informationen sind dem Bericht der fachlichen Begleitung entnommen.
Die Maßnahmenumsetzung und die mündlichen Einschätzungen der Betriebsleiter weisen
auf eine nachhaltige Identifikation der Betriebe mit dem Betriebsplan Natur hin. In allen Be-
trieben ist der Betriebsplan griffbereit und inzwischen um eigene Aufzeichnungen bzw. weite-
re Materialien ergänzt. Er wird als Handwerkzeug für die Betriebsplanung gesehen und hat
die Erwartungen der Betriebe im Wesentlichen erfüllt. Die in dem Plan vereinbarten Maß-
nahmen sind auch im Nachhinein für die Betriebsleiter nachvollziehbar.
Die Beratung im Rahmen der Erstellung des Betriebsplans Natur brachte für alle Betriebe
neue Erkenntnisse, die zu einer besseren Wahrnehmung der Belange von Arten und Le-
bensräumen führten. Der Betriebsplan Natur wird als erfolgreiches Instrument des Natur-
schutzes angesehen. Hinweise zu Finanzierungs- bzw. Fördermöglichkeiten (auch über die
AUK/2015 hinaus wie beispielsweise zu Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen) wurden als
sehr hilfreich angesehen. Ein großer Nutzen für die Betriebe wird auch im verbesserten ei-
genen Auftreten gegenüber und in der Zusammenarbeit mit dem Naturschutz gesehen. Al-
lerdings war das Interesse der Mitarbeiter am Naturschutz begrenzt, sodass für die Umset-
zung im Regelverfahren Winterschulungen für die Mitarbeiter vorgeschlagen wurden.
Alle Betriebe der Fallstudie setzten insgesamt mehr als die Hälfte der geplanten Maßnahmen
aus dem Pilotprojekt Betriebsplan Natur bisher um. Zur Einschätzung der Wirksamkeit des
Instruments „Betriebsplan Natur“ wurde der Umsetzungsstand der empfohlenen Maßnahmen
bei den Pilotbetrieben analysiert. Bei allen folgenden Betrachtungen ist die sehr geringe
Stichprobengröße zu berücksichtigen (6 Betriebe, darunter das Lehr- und Versuchsgut Köl-
litsch/ LVG). Die Ergebnisse können daher nur erste Hinweise zur Wirksamkeit des Instru-
ments „Betriebsplans Natur“ geben.
Der Umsetzungsstand der insgesamt 97 Maßnahmenvorschläge ist in Abbildung 3 darge-
stellt.
158
Ebd., S. 146.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
45
Abbildung 3:
Umsetzungsstand der in den Pilot-Betriebsplänen geplanten Maßnahmen nach
landwirtschaftlichen Betriebsbereichen und Schutzgütern
Quelle: Büchner & Scholz - Büro für ökologische Studien, Naturschutzstrategien und Landschaftsplanung (ARGE)
(April 2019): Betriebsplan Natur - Ermittlung der Umsetzung und fachlichen Wirksamkeit, Erarbeitung eines Be-
triebschecks als Grundlage für die Bewertung.
Die meisten der vollständig umgesetzten Vorschläge konnten auf Hofflächen verwirklicht
werden. Auf Grünland wurde fast die Hälfte der empfohlenen Maßnahmen bereits umgesetzt
und rund ein Fünftel teilweise verwirklicht. Auf Ackerland ergibt sich ein ähnliches Bild. So-
wohl auf Ackerland als auch auf Grünland fand bei rund einem Fünftel der Vorschläge bisher
keine Umsetzung statt. Am wenigsten konnten Maßnahmen an Strukturelementen umgesetzt
werden. Diese zögerliche Umsetzung ist vor allem auf die Eigentumsverhältnisse sowie auf
die Probleme der Förderung von Landschaftsstrukturelementen vor Einführung der GAK-
Förderung in der RL NE/2014 zurückzuführen.
Die meisten vorgeschlagenen Maßnahmen (Anzahl 81, davon 32 bisher vollständig und 15
teilweise umgesetzt) dienen dem Artenschutz. Bezüglich des Landschaftsbildes konnten von
45 Maßnahmen 18 vollständig und 8 teilweise realisiert werden. Bei den Biotopen sind 15
von 26 und für den Biotopverbund 22 von 35 Maßnahmen ganz oder teilweise umgesetzt.
Maßnahmen für bestimmte Lebensraumtypen (FFH-LRT) bzw. geschützte Biotope waren
ausschließlich auf Grünland vorgesehen, da im Acker keine FFH-LRT vorkommen und ge-
schützte Biotope (wildkrautreiche Äcker) in Sachsen selten sind und daher auf den beplanten
0
5
10
15
20
25
Grünland
Acker
Strukturelemente
Hofstelle
Sonstiges
Anzahl
umgesetzt
teilweise umgesetzt
in Planung
nicht umgesetzt
nicht bewertet
nach
landwirt-
schaftlichen
Betriebs-
flächen
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
Biotope
Arten
Boden
Gewässer
Landschaftsbild Biotopverbund
Anzahl
umgesetzt
teilweise umgesetzt
in Planung
nicht umgesetzt
nicht bewertet
nach
Schutzgütern
(Mehrfach-
nennungen)
Sonstiges betrifft im Wesentlichen Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit im LVG sowie im Einzelfall Artenschutzmaßnahmen
außerhalb der Hofstelle, die sich keiner Nutzfläche zuordnen lassen (z.B. das Aufstellen eines Mastes mit Horstunterlage für
den Weißstorch).

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
46
Flächen nicht vorkamen. Die Umsetzung der geplanten Maßnahmen erfolgte i.d.R. über die
Förderung nach RL AUK/2015. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um die Fortführung
von AUK-Vorhaben, so dass eine Kontinuität der naturschutzfachlichen Leistungen im Grün-
land erlangt werden konnte. Am häufigsten standen die Biotoptypen Magere Frischwiesen
(GMM) bzw. der FFH-LRT 6510 Flachland-Mähwiese sowie einzelne Nasswiesen (GFS) mit
Übergängen zu Sümpfen im Fokus.
Die Finanzierung der vollständig und teilweise umgesetzten Maßnahmen (ohne des Lehr-
und Versuchsgut Köllitsch) erfolgte zu rund zwei Dritteln ohne Förderung und zu rund einem
Viertel über die Richtlinie AUK/2015 (Abbildung 4).
Abbildung 4: Finanzierungsinstrumente umgesetzter und teilweise umgesetzter Maßnahmen in
den Pilotbetrieben (Anzahl ohne Lehr- und Versuchsgut Köllitsch)
Quelle: Büchner & Scholz - Büro für ökologische Studien, Naturschutzstrategien und Landschaftsplanung (ARGE)
(April 2019): Betriebsplan Natur - Ermittlung der Umsetzung und fachlichen Wirksamkeit, Erarbeitung eines Be-
triebschecks als Grundlage für die Bewertung.
Für 23 noch offene Maßnahmen (nicht in Abbildung 4 dargestellt) wären in 2 Fällen eine
Förderung nach der RL AUK/2015 und in 7 Fällen eine Förderung nach der RL NE/2014
möglich. Als Ausgleich und Ersatz sind 3 Maßnahmen geplant. Anders als bei den 20 Maß-
nahmen, die von den Betrieben ohne Förderung umgesetzt wurden (vgl. Abbildung 4), ver-
blieben 11 Maßnahmen, die die teilnehmenden Betriebe bisher nicht auf eigene Kosten
durchführen konnten und für die keine externe Finanzierung gefunden wurde (vgl. auch Ta-
belle 53).
Der Betriebsplan Natur ist ein Instrument mit besonderer Beratungstiefe, deutlicher Detail-
liertheit und betriebsindividueller Betrachtung. Um dieses hohe Niveau zu halten, muss ein
regelmäßiger und vertrauensvoller Kontakt zwischen Landwirt und Berater gesichert sein.
Deutlich wird aus den Recherchen vergleichbarer Beratungsangebote, dass der vorgesehe-
ne Betriebscheck vor allem auf Kommunikation mit den Landwirten setzen muss, um die na-
turschutzfachlichen Ziele immer wieder in den Fokus zu rücken. Eine emotionale Bindung
der Landnutzer an Arten oder Lebensräume ist ein Schlüssel für den erfolgreichen Schutz.
D) Beurteilung, Schlussfolgerungen, Empfehlungen
Die flankierenden Maßnahme „Qualifizierung Naturschutz für Landnutzer“ trägt zu einer effi-
zienteren und zielgenaueren Umsetzung von Agrarumweltmaßnahmen und damit für eine
häufigere Umsetzung einer naturschutzkonformen Bewirtschaftung bei. Das inhaltliche
Spektrum der Beratungen ist vielfältig und ein geeignetes Instrumentarium, den Landnutzern
weiteres Wissen zum Naturschutz zu vermitteln. Die Akzeptanzanalyse hat gezeigt, dass
auch Betriebe, die routiniert im Umgang mit der Flächenförderung sind, das Angebot für die
20
8
2
1
1
1
keine
Agrarförderung (AUK)
A-/E-Maßnahme
LANU
Greening/ ÖVF
Ökokonto
Anzahl Maßnahmen

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
47
Naturschutzberatung in Anspruch nehmen. Mehr als die Hälfte der Betriebe, die in der vorhe-
rigen Förderperiode an der Naturschutzberatung teilgenommen haben, nahmen in dieser
Förderperiode erneut daran teil. Es zeigt sich, dass es einer kontinuierlichen Naturschutzbe-
ratung durch Fachexperten bedarf, um Naturschutzthemen an die Landbewirtschafter heran-
zutragen und Naturschutzziele zu erreichen.
Die Analyse der Betriebe ohne Naturschutzberatung ergab keine bedeutenden Unterschiede
der Betriebsform im Vergleich zu den beratenen Betrieben. Einziger Unterschied zeigte sich
bei der Betriebsgröße. Im Hinblick auf mögliche Betriebs- und Flächennutzungsaufgaben
sollte insbesondere bei kleinen Betrieben das Angebot der Naturschutzberatung verstärkt
beworben werden.
Zum 3. Aufruf für C.1 im Oktober 2018 wurde eine neue Leistung aufgenommen, die
schwerpunktmäßig der Beratung zur Umsetzung von Natura 2000-Maßnahmen dient, was in
Hinblick auf die anstehende Umsetzung der FFH-Managementpläne aus Sicht der Evalua-
toren sehr sinnvoll ist. Die im Rahmen der FFH-Managementplanung vorgesehene Abstim-
mung mit den Landnutzern reichte in den meisten Fällen nicht aus, um die Umsetzung der
Maßnahmenvorschläge zu gewährleisten.
Die erstmalig im größeren Umfang angebotenen „Betriebspläne Natur“ werden gut ange-
nommen. Die inhaltlich umfangreiche und langfristige Ausrichtung der Betriebspläne mit Lö-
sungsansätzen auch für anspruchsvolle Maßnahmen des Naturschutzes und der damit ver-
bundene Erkenntnisgewinn der jeweiligen Betriebsinhaber verspricht eine positive Wirkung
auch über die Förderperiode hinaus, was den vergleichsweise hohen Beratungsaufwand
rechtfertigt.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
48
5.1.1.2 M 1.2 – Förderung für Demonstrationstätigkeiten und Informationsmaßnahmen
A) Einordnung der Intervention in den Programmkontext
Im EPLR 2014 – 2020 des Freistaates Sachsen sind als übergeordnete Ziele für den Wis-
senstransfer Umwelt(-schutz), Eindämmung des Klimawandels und Anpassung an seine
Auswirkungen sowie Innovation angegeben. Die thematisch vielfältigen Ziele verdeutlichen
den horizontalen Charakter der Maßnahme für die nachhaltige Entwicklung des ländlichen
Raumes. Die erhöhte Fähigkeit zum Erwerb und Austausch von Wissen und Informationen
soll den Menschen in der sächsischen Land-, Ernährungs- oder Forstwirtschaft dazu dienen,
den gewachsenen ökonomischen, technologischen und umweltrelevanten Ansprüchen an
ihre Tätigkeit gerecht zu werden.
Die Maßnahme M 01 „Wissenstransfer und Informationsmaßnahmen“ dient daher innerhalb
des EPLR der Unterstützung des Erwerbs von Qualifikationen im Bereich Naturschutz, Wett-
bewerbsfähigkeit und der Ressourceneffizienz sowie Demonstrationstätigkeiten und Informa-
tionsmaßnahmen im Bereich Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft. Das erworbene Wis-
sen soll zu einer nachhaltigen ländlichen Wirtschaft beitragen.
Während die naturschutzbezogene Fortbildung der Akteure (siehe oben, M 1.1 sowie unten,
M 1.2.3 – 7) im Freistaat Sachsen bereits seit mehreren Jahren etabliert ist, bildeten die För-
dergegenstände
M 1.2.1 Wissenstransfer zur Verbesserung der Wirtschaftsleistung aller landwirt-
schaftlichen Betriebe [2A] sowie
M 1.2.2 Wissenstransfer zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Primärerzeu-
ger und -verarbeiter [3A]
ein Novum innerhalb der Förderstrategie. Zweck der Unterstützung ist die Förderung ziel-
gruppenspezifischer Vorhaben des Wissenstransfers einschließlich Demonstrationsvorhaben
für Personen, die in der sächsischen Land-, Ernährungs- oder Forstwirtschaft tätig sind und
für Landbewirtschafter.
159
Die Vorhaben des Fördergegenstandes M 1.2.1 sollen primär dem
SPB 2A dienen, der mit rund 156,7 Mio. EUR den drittgrößten Anteil am Gesamtbudget des
EPLR umfasst (13,7 %). Mit kumulierten öffentlichen Ausgaben in Höhe von insgesamt
1,75 Mio. EUR ist der Fördergegenstand eher komplementärer Natur innerhalb des SPB
(1,1 %) und des EPLR.
Die Vorhaben des genannten Fördergegenstandes M 1.2.2 sollten primär dem SPB 3A die-
nen. Aufgrund mangelnder Nachfrage wurde der Fördergegenstand im Zuge der 4. Ände-
rung aus dem EPLR gestrichen und die Mittel i H. v. 0,5 Mio. EUR zu Naturschutzmaßnah-
men (Code M 7.6 und Code M 8.5) umgeschichtet werden; der SPB 3A wird damit insgesamt
nicht mehr adressiert.
Die bereits seit mehreren Jahren etablierten Vorhaben zum umweltbezogenen Wissens-
transfer (M 1.2.3 – 7) legen den Fokus auf die Vermittlung von Informationen zu einer um-
weltschonenden Landbewirtschaftung in den Bereichen: Wasserwirtschaft und der Stoffaus-
tragsminimierung, der Bodenbewirtschaftung, der Effizienzsteigerung bei der Energienutzung
in der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelverarbeitung sowie dem Wissen über Produkti-
onsweisen zur Minderung der Treibhausgas- und Ammoniakemissionen. In der Forstwirt-
schaft soll zudem der Wissenstransfer zur Förderung der Kohlenstoffspeicherung unterstützt
werden. Die Vorhaben sind primär folgenden fünf SPB zugeordnet:
159
SMUL (o. J.): Förderrichtlinie Landwirtschaft, Innovation, Wissenstransfer vom 15. Dezember 2014
(SächsABl.SDr. 2015 S. S 74), die zuletzt durch die Richtlinie vom 16. April 2019 (SächsABl. S. 684) geändert
worden ist, zuletzt enthalten in der Verwaltungsvorschrift vom 7. Dezember 2017 (SächsABl. SDr. S. S 433).

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
49
M 1.2.3 Wissenstransfer zur Verbesserung der Wasserwirtschaft inkl. des Umgangs
mit Düngemitteln und Schädlingsbekämpfungsmitteln [4B]
M 1.2.4 Wissenstransfer zur Verhinderung der Bodenerosion und Verbesserung der
Bodenbewirtschaftung [4C]
M 1.2.5 Wissenstransfer zur Effizienzsteigerung bei der Energienutzung in der Land-
wirtschaft und der Nahrungsmittelverarbeitung [5B]
M 1.2.6 Wissenstransfer zur Verringerung der aus der Landwirtschaft stammenden
Treibhausgas- und Ammoniakemissionen [5D]
M 1.2.7 Wissenstransfer zur Förderung der Kohlenstoffspeicherung und -bindung in
der Forstwirtschaft [5E]
B) Bewertungsfragen, Beurteilungskriterien und Indikatoren
Bewertungsfragen
Beurteilungskriterien
Indikatoren
Bewertungsfragen für M 1.2. – Förderung für Demonstrationstätigkeiten und Informationsmaßnahmen
Inwieweit wurde der Kennt-
nisstand in der Land-,
Forst- und Ernährungswirt-
schaft zu den maßnahmen-
spezifischen Themen ver-
bessert?
Die Teilmaßnahme wurde er-
folgreich umgesetzt. Die Umset-
zungsziele werden erreicht.
O.1: Gesamtbetrag der öffent-
lichen Ausgaben
O.3: Zahl der unterstützten
Vorhaben
Prozentsatz der Ausgaben für
die Maßnahme 1.2 a–g in Be-
zug auf die Gesamtausgaben
für das Programm zur Ent-
wicklung des ländlichen
Raums
Der Kenntnisstand der vorha-
benspezifischen Zielgruppe ist
erhöht worden.
Zahl der Schulungstage
Anzahl der TeilnehmerInnen
an Schulungsmaßnahmen
C) Beantwortung der Bewertungsfragen
Beurteilungskriterium: Die Teilmaßnahme wurde erfolgreich umgesetzt. Die Umset-
zungsziele werden erreicht.
Die über die Richtlinie LIW/2014 Teil WT geförderten Teilmaßnahmen verzeichneten (anders
als in der Teilmaßnahme M 1.1 – Qualifizierung Naturschutz für Landnutzer) als einziger
Förderbereich des EPLR bis einschließlich 2016 keine Zahlungen; erst im Jahr 2017 wurden
Mittel für Vorhaben i H. v. 84.770 EUR ausgezahlt (für SPB 2A). Im Jahr 2018 erfolgten auch
Zahlungen für Vorhaben des SPB 5B (78.457 EUR), im ersten Halbjahr 2019 wurden auch
Mittel i H. v. 20.278 EUR für Vorhaben unter der UP 4 ausgezahlt.
Mit Zahlungen von insgesamt 352.647 EUR (Stichtag 30.06.2019) weist die Teilmaßnahme
damit bedeutende Umsetzungsschwierigkeiten auf, die einen erfolgreichen Mittelabfluss frag-
lich erscheinen lassen. Aus diesem Grund wurden im Rahmen des 4. Änderungsantrages
Mittelumschichtungen in folgender Größenordnung umgesetzt:

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
50
Tabelle 10: Finanzielle Ausstattung der Maßnahme M 1.2 Förderung für Demonstrationstätig-
keiten und Informationsmaßnahmen
M
1.2.x
Fördergegenstand
SPB
Öffentliche Ausgaben [Mio. EUR]
bisher
Änderung
Neu
1
Verbesserung der Wirtschaftsleistung aller
landwirtschaftlichen Betriebe
2A
3,0
-1,25
1,75
2
Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Pri-
märerzeuger und -verarbeiter
3A
0,5
-0,5
-
3
Verbesserung der Wasserwirtschaft inkl. des
Umgangs mit Düngemitteln und Schädlingsbe-
kämpfungsmitteln
4B
0,65
-0,5
0,15
4
Verhinderung der Bodenerosion und Verbes-
serung der Bodenbewirtschaftung
4C
0,5
-0,4
0,1
5
Effizienzsteigerung bei der Energienutzung in
der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelver-
arbeitung
5B
1,5
-0,9375
0,5625
6
Verringerung der aus der Landwirtschaft
stammenden Treibhausgas- und Ammoni-
akemissionen
5D
0,8
-0,5625
0,2375
7
Förderung der Kohlenstoffspeicherung und -
bindung in der Forstwirtschaft
5E
0,5
-0,4125
0,0875
Summe
7,45
-4,5625
2,8875
Quelle: Indikativer Finanzplan des EPLR 2014 – 2020 (Stand 4. Änderung)
In der Startphase der Förderperiode (2015) wurde ein erster Aufruf zur Einreichung von För-
deranträgen veröffentlich, der insgesamt 15 Themen umfasste. Inhalte und Methoden wur-
den durch das LfULG erarbeitet und durch das SMUL veröffentlicht. Das Verfahren sah vor,
dass die Antragsteller zum jeweiligen Thema in einen Wettbewerb treten, bei denen der Kos-
tengünstigste eine Bewilligung erhält.
Für 10 Themen wurden insgesamt 13 Anträge gestellt (vgl. Tabelle 11); für die Module M 3,
4, 7, 9 und 15 erfolgten keine Anträge. Dem SPB 2A waren 5 Anträge zuzuordnen, für SPB
3A wurden 2 Anträge eingereicht.
Tabelle 11: Beantragte Projekte 1. Aufruf (2015)
Modul
Thema
SPB
Beantragte Mittel [EUR]
Brutto
Zuwendung
1
WRRL Nitrataustragsminderung
4B
811.470,33
681.908,28
4B
1.132.158,38
951.393,40
4B
790.682,42
710.788,42
2
WRRL Phosphat-, Nitrataustragsminderung
4B
868.645,34
755.718,12
5
Kartoffelanbau im Ökobetrieb
2A
37.023,00
37.023,00
6
regionale Vermarktung
3A
20.160,00
12.096,00
8
Rinderhaltung im Ökobetrieb
2A
41.435,00
34.819,33
10
Energieeffizienz im Gartenbau
5B
246.062,45
223.454,15

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
51
Modul
Thema
SPB
Beantragte Mittel [EUR]
Brutto
Zuwendung
11
Steillagenweinbau
formloser Antrag, abgelehnt
12
Kommunikation moderner Nutztierhaltung
2A
63.710,00
63.710,00
13
Optimierung der landw. Produktion
2A
274.866,52
192.000,00
2A
67.776,96
54.221,57
14
Kundenorientierung Fördermöglichkeiten
3A
42.564,27
22.320,00
Summe
4.396.554,67
3.739.452,26
Quelle: LfULG; SMUL
Eine Bewilligung der beantragten Vorhaben erfolgte nicht; Anträge wurden dabei z. T. auch
zurückgezogen. Als ursächlich wurden durch das zuständige Förderreferat folgende Punkte
identifiziert:
Durch die Förderung auf der Grundlage tatsächlich entstandener, direkt zuordenbarer
Ausgaben waren allgemeine Betriebsausgaben (Kopierer, Telefon oder Heizung etc.)
für den Antragsteller dem Vorhaben nicht direkt zuzuordnen und somit auch nicht ab-
rechenbar und mussten demzufolge als nicht förderfähige Eigenleistung erbracht
werden.
Die ELER-spezifische Vorgabe der notwendigen Vorfinanzierung von Ausgaben stell-
te ein Hemmnis für einige Antragsteller dar.
Durch die Harmonisierungsbestrebungen bei der Dienstanweisung ELER investiv war
diese zum ersten Aufruf nicht fertig und wurde wie auch die technische Umsetzung
im IT-Programm AGRI-FÖRDER III schrittweise eingeführt. Die Nichtanwendung der
sächsischen Haushaltsordnung im ELER-Verfahren und fehlende Erfahrungen bei
den beiden neuen Fördermaßnahmen führten bei den Bearbeitern in der Bewilli-
gungsbehörde zu zusätzlichen Unsicherheiten. Andererseits konnten durch die
schrittweise Erstellung der Dienstanweisung auch Problemlösungen und Wege zur
Beseitigung von Hindernissen sofort in die Vorgaben einfließen.
Aufgrund personeller Schwierigkeiten im LfULG hatte die Aktivierung der Antragstel-
ler durch Beratung und Kommunikation praktisch nicht stattgefunden.
Im März 2016 wurden durch das SMUL zwei weitere Aufrufe mit Themenvorgabe zur Einrei-
chung von Geboten in Form von Förderanträgen veröffentlicht. Dabei wurden neun bzw. drei
thematische Module aufgerufen, die fünf der sieben UP bedienten. Für fünf der 12 Module
gingen Anträge von vier Antragstellern (Trägern von Wissenstransferleistungen) ein. Alle
Antragsteller stellten Antrag auf 100 % Förderung aufgrund eines herausgehobenen öffentli-
chen Interesses des Vorhabens. Vier der fünf Anträge wurden im Dezember 2016 bewilligt.
Mit den vier bewilligten Vorhaben werden drei UP (2A, 4B, 5B) abgedeckt (vgl. Tabelle 12).
Tabelle 12: Beantragte / bewilligte Projekte 2. Aufruf (2016)
Thema
SPB
Laufzeit
Zuwendung [EUR]
Anpassung des Weinbaus an den Klimawandel
4B
2017 – 2018
20.278,63
Rinderhaltung im Öko-Betrieb
2A
2017 – 2019
68.302,51
Verbesserung der Wirtschaftsleistung aller land-
wirtschaftlichen Betriebe
2A
2017 – 2018
185.609,13
Energieeffizienz im Gartenbau
5B
2017 – 2019
198.903,99

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
52
Thema
SPB
Laufzeit
Zuwendung [EUR]
Betriebsentwicklung, insbesondere Risiko- und
Liquiditätsmanagement
2A
abgelehnt
Quelle: LfULG; SMUL.
Die im Vergleich zum ersten Aufruf verbesserte Bewilligungsquote resultiert aus Anpassun-
gen im Verfahren:
Die Abrechnung bestimmter Kosten (Gemeinkosten) erfolgt über eine Pauschale von
15 % der projektbezogenen direkten Personalkosten.
Antragsteller können ein Zwischenfinanzierungsdarlehen bei der SAB beantragen,
um die Ausgaben bis zur Erstattung vorzufinanzieren, sofern sie ein eingetragener
gemeinnütziger Verein sind.
Die Honorarkosten für Gastreferenten wurden angehoben.
Verbesserte Informationsangebote (Internet, Schulungsveranstaltung, „Hinweise zur
Antragstellung“).
Personelle Verstärkung für die Fördermaßnahme Wissenstransfer im LfULG durch
die Besetzung einer TH-Stelle ab Mitte 2016.
In der Dienstanweisung ELER investiv wurden nicht zwingend erforderliche Vorga-
ben, die die Ausübung von Ermessen einschränken oder vermeiden und/oder den
Prüfaufwand erhöhen, gestrichen.
Für folgende Module gingen im Rahmen des 2. und 3. Aufrufs keine Anträge ein:
Tierwohlorientierte und leistungssteigernde Rinderhaltung (SPB 2A)
Kommunikation moderner Nutztierhaltung als Instrument nachhaltigen Unterneh-
mensmanagements (SPB 2A)
Energieeffizienz in der Landwirtschaft (SPB 5B)
Kommunikation des Beitrags der Bienenwirtschaft zur Verbesserung der Biodiversität
als Instrument nachhaltigen Unternehmensmanagements (SPB 2A)
Stärkung der regionalen Vermarktung von Erzeugnissen der sächsischen Land- und
Ernährungswirtschaft sowie des Ernährungshandwerks (SPB 3A)
Verbesserung der überregionalen Wettbewerbsfähigkeit des sächsischen Ernäh-
rungshandwerks und der sächsischen KMU der Ernährungswirtschaft durch Mitarbei-
terqualifizierung zu Kundenorientierung und Unternehmenspräsentation (SPB 3A)
Informationen zu Fördermöglichkeiten und Initiierung von Netzwerkaktivitäten zur Er-
höhung der Wertschöpfung landwirtschaftlicher Erzeugnisse (SPB 3A)
Im April 2017 wurde ein 4. Aufruf durch das SMUL veröffentlicht. Insgesamt wurden dazu
drei Vorhaben entwickelt (vgl. Tabelle 13), wovon eines vor der Bewilligungsphase und eines
danach zurückgezogen wurde. Das im Dezember 2017 bewilligte Vorhaben ist dem SPB 2A
zuzuordnen. Der gewährte Zuwendungsbetrag beträgt insgesamt 13.743 EUR, wodurch das
zur Verfügung gestellte Budget des Aufrufs i H. v. 2,2 Mio. EUR lediglich zu 0,6 % ausge-
schöpft wurde.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
53
Tabelle 13: Beantragte / bewilligte Projekte 4. Aufruf (2017)
Thema
SPB
Laufzeit
Zuwendung [EUR]
Verbesserung der Wirtschaftsleistung sächsischer
Weinwirtschaftsbetriebe
2A
2018 – 2019
13.743
Wirtschaftlichkeit-Vermarktung grüner Produkte
2A
zurückgezogen
Grundfutter- und Weidenutzung in Sachsen
2A
zurückgezogen
Quelle: LfULG; SMUL.
Für die weiteren Module mit Bezug zu den SPB 3A, 4B, 4C, 5B, 5D und 5E sind mit dem
vierten Aufruf keine Anträge eingegangen. Mit der 4. Änderung zum EPLR wurde die Förde-
rung im SPB 3A eingestellt.
Identifizierte Schwachstellen und Probleme des Förderverfahrens sind nachfolgend aufgelis-
tet:
Sehr detaillierte Antragstellung (z. B. namentliche Nennung der Referenten muss
zum Zeitpunkt der Bewilligung gewährleistet sein, Qualifikationsnachweise der Refe-
renten)
Sehr lange Bearbeitungszeit der Auszahlungsanträge in Verbindung mit hohem Risi-
ko bzgl. der Kürzungen der Fördersumme
Vorfinanzierung von mindestens einem Jahr
Förderung für Referenten unattraktiv (hoher Verwaltungsaufwand, geringes Honorar)
Regelfördersatz 80 %, 100 %-Förderung aufgrund allgemeinen öffentlichen Interes-
ses ist nicht mehr möglich, (wenn im Aufruf festgelegt, dann 100 % Förderung aus
laufenden oder abgeschlossenen Vorhaben der EIP AGRI möglich)
Sehr hoher Verwaltungsaufwand im Auszahlungsverfahren
Im Vergleich zu den vorhergehenden Aufrufen wurden erneut Vereinfachungen beim bisheri-
gen Verfahren zur Auswahl der Vorhaben umgesetzt.
Mit dem neuen Aufruf wurde das bisher geltende Bieterverfahren, wonach die Bewil-
ligungsbehörde auf Grundlage festgelegter Themen (Module), Auswahlkriterien und
Schwellenwerte (ähnlich zu öffentlichen Ausschreibungen im Sinne des Vergabe-
rechts) eine Vorhabenauswahl trifft, durch ein herkömmliches, aufrufbezogenes An-
tragsverfahren ersetzt.
Die im Aufruf genannten Module und Fördersätze beziehen sich inhaltlich nun nur
noch auf die sieben Teilmaßnahmen M 1.2.1 bis 7 des EPLR bzw. den in der RL
LIW/2014 formulierten Zielen 2.1.1 bis 2.1.7. Dadurch soll den Antragstellern mehr
Spielraum für eigene Ideen und Methoden eingeräumt werden.
Auf Vorgaben, die die Verwaltungskontrolle aufwändig und fehleranfällig machen, wie
z. B. Mindestteilnehmerzahlen oder detaillierte Anforderungen zu Qualifikationen
wurde verzichtet.
Anfang 2018 erfolgte ein weiterer (5.) Aufruf mit einem Gesamtbudget i H. v. 900.000 EUR,
in dessen Rahmen zwei Projekte beantragt und schließlich bewilligt wurden. Beide Projekte,
die eine Gesamtzuwendung i H. v. 107.800 EUR erhalten, adressieren erneut den SPB 2A
(vgl. Tabelle 14). Zusätzlich erfolgten im Jahresverlauf 2018 mehrere fachliche Begleitaktivi-
täten zur Steigerung des Bekanntheitsgrades sowie zur Analyse des Förderprogramms.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
54
Tabelle 14: Beantragte / bewilligte Projekte 5. Aufruf (2018)
Thema
SPB
Laufzeit
Zuwendung [EUR]
Verbesserung der Wirtschaftsleistung landwirt-
schaftlicher Betriebe
2A
2018 – 2019
55.917,02
Fahrsicherheitstraining für Traktoristen
2A
2018
50.978,54
Quelle: LfULG; SMUL.
Anfang August 2019 wurde ein weiterer (6.) Aufruf mit einem Gesamtvolumen von 0,85 Mio.
EUR sowie 6 thematischen Modulen veröffentlicht. Insgesamt wurden damit seit 2015 in den
ersten 5 Aufrufen 23 Vorhaben für Demonstrationstätigkeiten und Informationsmaßnahmen
(M 1.2) beantragt und 7 bewilligt. Die Mittelausschöpfung variiert zwischen 0 % (1. und 3.
Aufruf) und 27 % (2. Aufruf); eine Übersicht bietet Tabelle 15.
Es ist in diesem Zusammenhang zu beachten, dass die 7 bewilligten Projekte von 5 unter-
schiedlichen Antragstellern umgesetzt werden, da zwei Träger jeweils mehrfach beteiligt
sind. Ein weiterer Anbieter entstammt aus Thüringen.
Tabelle 15: Übersicht Aufrufe M 1.2 – Wissenstransfer (2015 – 2019)
1. Aufruf
2. Aufruf
3. Aufruf
4. Aufruf
5. Aufruf
6. Aufruf
Veröffentlichung
27.02.2015
08.03.2016
23.03.2016
21.04.2017
12.01.2018
09.08.2019
Stichtag
30.04.2015
31.08.2016
31.08.2016
15.08.2017
06.04.2018
30.11.2019
Module
15
9
3
7
7
6
Budget (EUR)
3.071.400
2.050.000
500.000
2.200.000
900.000
850.000
Beantragte
Projekte
13
5
0
3
2
Zurückgezogene
Projekte
0
0
1
1
0
Beantragte Mittel
(EUR)
4.400.000
720.000
0
95.309,96
169.002,84
Bewilligte
Projekte
0
4
0
1
2
Zuwendungen
(EUR)
0
473.094,26
0
13.743,00
106.895,56
Mittelausschöp-
fung
0 %
23,1 %
0 %
0,6 %
11,9 %
Bewilligungsquote
0 %
80 %
0 %
33 %
100 %
Quelle: LfULG; SMUL.
Aufgrund der skizzierten Probleme einer mangelhaften Inanspruchnahme bzw. Rückgang
der Antragszahlen in Verbindung mit einem geringen Mittelabfluss sowie einem hohen Ver-
waltungsaufwand des Förderangebotes wurde die Richtlinie LIW/2014 überarbeitet mit dem
Ziel, administrative Hürden im Förderverfahren weiter abzubauen. Im Ergebnis wurden ver-
einfachte Kostenoptionen in Form von Standardeinheitskosten für Personal eingeführt. Durch
den reduzierten Verwaltungsaufwand sollen auch kleinere Anbieter von Wissenstransfer mit
geringeren Personalkapazitäten animiert werden, Anträge zu stellen. Die Ausgaben sollen
zukünftig projektbezogen z. B. durch das Erreichen der Ziele und nicht durch Einzelbelege
nachgewiesen werden. Im Rahmen des aktuell gestarteten 6. Aufrufs wird das Verfahren
über Standardeinheitskosten erstmals angeboten.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
55
Beurteilungskriterium: Der Kenntnisstand der Zielgruppe ist erhöht worden.
Inhaltlich decken die Vorhaben sowohl Themen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit
landwirtschaftlicher Unternehmen als auch Themen zum Umwelt- und Klimaschutz, wie öko-
logische Rinderhaltung, Energieeffizienz im Gartenbau sowie Anpassung des Weinbaus an
den Klimawandel, ab. Im Rahmen der fachlichen Begleitung wurden bislang durchgeführte
Veranstaltungen durch das LfULG beurteilt. Hierzu wurden schriftliche Evaluierungen der
Veranstaltungen durch die Teilnehmer durchgeführt, um Zufriedenheit und zu erfassen.
Im Rahmen der Befragungen wurden Organisation, Inhalte und Durchführung der angebote-
nen Formate durch die Zielgruppe insgesamt positiv bewertet. Der Wissenszuwachs wird
von den Teilnehmern überwiegend hoch eingeschätzt und wird teilweise im betrieblichen
Alltag Anwendung finden. Das Angebot der Veranstaltungen wird größtenteils gern in An-
spruch genommen. Das erlernte Wissen können die Teilnehmer auf ihren Betrieben umset-
zen, Berufskollegen informieren und dadurch einen Beitrag für eine nachhaltige, ressourcen-
schonende und wettbewerbsfähige Landwirtschaft leisten.
160
Weitere Analysen zu diesem Beurteilungskriterium sind nach Abschluss der Veran-
staltungen im Rahmen der Ex-post-Bewertung, möglich.
D) Beurteilung, Schlussfolgerungen, Empfehlungen
Die Teilmaßnahme Förderung für Demonstrationstätigkeiten und Informationsmaßnahmen
(M 1.2) zeichnet sich durch einen unzureichenden Mittelabfluss aus. Dieser wird insbesonde-
re im Vergleich mit der Teilmaßnahme M 1.1 deutlich, die eine ungleich höhere Nachfrage
erfährt. Während in letzterer TMN die Verfahren der Beantragung und Abwicklung förderpe-
riodenübergreifend etabliert und erprobt sind, bestehen in ersterer aufgrund der Neuartigkeit
der Fördergegenstände zum Teil erhebliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung fort, die sich
in einer nur eingeschränkten Nachfrage in den jeweiligen Aufrufen wiederspiegeln.
Aufgrund dessen erfuhren die Verfahren zur Beantragung und Auswahl seit 2015 bedeuten-
de Änderungen, um die Inanspruchnahme zu erhöhen (größere Freiheit in der Gestaltung
und der Themenauswahl etc.). Als ein wesentlicher Schritt ist die zuletzt erfolgte Änderung
der Richtlinie zu bewerten, mit der Verwaltungsvereinfachungen in das Förderverfahren ein-
geführt wurden. Die Wirkungen dieser Maßnahme werden sich erst im Rahmen des gerade
erfolgten 6. Aufrufs näher abschätzen lassen. Ob mit den erfolgten und weiteren Modifikatio-
nen des Förderverfahrens jedoch eine nennenswerte Steigerung der Nachfrage insgesamt
bis zum Ende der Förderperiode erreicht werden kann, erscheint indes fraglich.
Die im Rahmen der 4. Änderung durchgeführten Mittelumschichtungen waren daher
sinnvoll; weitere Reduzierungen der Einzelansätze innerhalb der M 1.2 sollten weiter-
hin mit Blick auf das Ende der Förderperiode geprüft werden.
Inhaltlich decken die Vorhaben sowohl Themen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit
landwirtschaftlicher Unternehmen als auch Themen zum Umwelt- und Klimaschutz, wie öko-
logische Rinderhaltung, Energieeffizienz im Gartenbau sowie Anpassung des Weinbaus an
den Klimawandel, ab. Die Zielgruppe selbst bewertet die stattgefundenen Veranstaltungen
positiv. Um die Ergebnisse und Wirkungen der durchgeführten Veranstaltungen (z. B. Wis-
senszuwachs, Umsetzung des Gelernten im Arbeitsalltag etc.) zukünftig näher zu bemessen,
besteht Bedarf an qualitativen Daten aus der Zielgruppe zur Bewertung der (nachhaltigen)
Wirksamkeit der Vorhaben des Wissenstransfers.
Die administrativen Kapazitäten im Rahmen der fachlichen Begleitung sollten hierzu
sichergestellt sein.
160
LfULG (2019): Bericht mit den Ergebnissen zur fachli. Begleitung des sächsischen EPLR 2014 – 2020.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
56
5.1.2 M 04 – Investitionen in materielle Vermögenswerte (Artikel 17)
Unter der Maßnahme M 04 werden gemäß EPLR Investitionen in materielle Vermögenswer-
te in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft sowie im Bereich Naturschutz unterstützt.
Tabelle 16: Finanzielle Übersicht M 04 „Investitionen in materielle Vermögenswerte“ im Pro-
grammkontext
TEILMAßNAHME /
FÖRDERGEGENSTAND [SPB]
Öffentliche Ausgaben ge-
samt [1.000 EUR]
Anteil geplante
Ausgaben an …
geplante
kumulierte
Ausgaben
Ausgaben
Priorität
EPLR gesamt
gem. IFP*
2014 – 2019**
M 4.1.1 Investitionen im Bereich der
Nutztierhaltung gemäß Investitionen
in landwirtschaftlichen Betrieben [2A]
147.998
50.902
94,42%
12,99%
M 4.1.2 Investitionen zur pflanzlichen
Erzeugung [2A]
M 4.2 Investitionen für die Verarbei-
tung und Vermarktung von landwirt-
schaftlichen Produkten [6A]
4.227
366
0,92%
0,37%
M 4.3.1 Erschließung forstwirtschaft-
licher Flächen [5C]
8.232
1.748
24,35%
0,72%
M 4.3.2 Stützmauern landwirtschaftli-
cher Flächen [4A]
40.600
13.081
8,81%
3,56%
M 4.4 Biotopgestaltungs- und Arten-
schutzvorhaben [4A]
Summe
201.057
66.096
17,64%
Quelle: eigene Zusammenstellung auf Grundlage * Indikativer Finanzplan des EPLR 2014 – 2020 (Stand 4. Ände-
rung) sowie ** Monitoringdaten, Stand 30.06.2019. In Summenwert geringe Rundungsdifferenz.
5.1.2.1 M 4.1 – Unterstützung für Investitionen in landwirtschaftliche Betriebe
A) Einordnung der Intervention in den Programmkontext
Die Teilmaßnahme „Unterstützung für Investitionen in landwirtschaftliche Betriebe“ dient in
der laufenden Förderperiode wesentlich der Verbesserung der Produktivität bzw. Rentabilität
in der Landwirtschaft durch Umstrukturierung und Weiterentwicklung des vorhandenen
Sachkapitals. Ziel ist es, die Entwicklung der Betriebe hin zu wettbewerbsfähigen, tiergerech-
ten und umweltschonenden Unternehmen zu unterstützen, um sie den geänderten gesell-
schaftlichen Anforderungen anzupassen. Schwerpunkte der geförderten Produktionsrichtun-
gen erstrecken sich dabei besonders auf arbeitsintensive Zweige wie die tierische Erzeu-
gung sowie den Gartenbau.
161
Die Vorhaben im Rahmen der Teilmaßnahme sollen primär dem SPB 2A dienen, der mit
rund 156,7 Mio. EUR den drittgrößten Anteil am Gesamtbudget des EPLR umfasst
161
SMUL (o. J.): Förderrichtlinie Landwirtschaft, Innovation, Wissenstransfer vom 15. Dezember 2014
(SächsABl. SDr. 2015 S. S 74), die zuletzt durch die Richtlinie vom 16. April 2019 (SächsABl. S. 684) geän-
dert worden ist, zuletzt enthalten in der Verwaltungsvorschrift vom 7. Dezember 2017 (SächsABl. SDr. S. S
433).

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
57
(13,75 %).
162
Mit kumulierten öffentlichen Ausgaben in Höhe von insgesamt 147,9 Mio. EUR
füllt die Teilmaßnahme den SPB nahezu vollständig allein aus (94,4 %); der Anteil am Ge-
samtbudget des EPLR beträgt aktuell rund 13 %. Gemessen an den anvisierten Zahlungen
nimmt die Teilmaßnahme M 4.1 – als drittgrößter Einzelposten – damit einen übergeordne-
ten Stellenwert im Programmkontext ein.
Methodik und Datenverfügbarkeit
Für die quantitative Bewertung der Teilmaßnahme werden laufend die Monitoring-Daten des
Programms ausgewertet. Im Soll-Ist-Vergleich werden die bei der Programmplanung ange-
nommenen Zielwerte von Indikatoren mit den im Verlauf der Programmdurchführung beo-
bachteten (realisierten) Werten verglichen. Der Indikator R1 wird aus der Betriebsdatenbank
abgeleitet (Indikator O.4 kumulativ, gemeldete Daten nach Abschluss der Vorhaben); das
Verhältnis (%) berechnet sich aus der Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Ba-
sisjahr des EPLR (Eurostat: FSS).
Zur Einschätzung der ökonomischen Effekte hinsichtlich Leistung und Effizienz der Investiti-
onsförderung nimmt die Entwicklung betriebswirtschaftlicher Kennziffern in den geförderten
Unternehmen einen zentralen Stellenwert ein. Ziel ist es, dass der Zuwachs wirtschaftlicher
Leistungsfähigkeit in den geförderten Betrieben im Vergleich höher ausfällt als in nicht geför-
derten bzw. als im Durchschnitt aller Betriebe. Da die Wirkungen erst mit zeitlichem Abstand
zu messen sind, wurden für den vorliegenden Bericht die Entwicklungen einer Stichprobe der
Zuwendungsempfänger (N=50) in Relation zu den Betrieben des Testbetriebsnetzes Sach-
sen im Zeitraum 2014 – 2017 geprüft. Die hierzu erforderlichen Daten entstammen den Jah-
resabschlüssen im Rahmen der fünfjährigen Auflagenbuchführung. Für buchführungspflichti-
ge Begünstigte werden die zur Berechnung der Ergebnisindikatoren und Kennziffern erfor-
derlichen Daten/Kenngrößen (im Investitionskonzept-IK) erfasst und stehen für Auswertun-
gen zur Verfügung. Für kleinere Betriebe mit „vereinfachter Buchführung“ werden keine zu-
sätzlichen Daten/Kenngrößen erfasst.
Bei der Berechnung des Indikators R2 („
Veränderung des landwirtschaftlichen Outputs je
Jahresarbeitseinheit in den geförderten Projekten
“) bzw. generell hinsichtlich der wirkungs-
spezifischen Betrachtung ist zu beachten, dass die Anzahl der geförderten Betriebe mit ab-
geschlossenen Vorhaben und ausreichender Informationsgrundlage (IK, Buchführung) noch
gering ausfallen muss und die Skalierbarkeit der Ergebnisse mit entsprechenden Unschärfen
behaftet ist. Die Validität der wirkungsbezogenen Aussagen nimmt daher mit Anwachsen der
Stichprobe und damit im Rahmen der Ex-post-Bewertung zu.
B) Bewertungsfragen, Beurteilungskriterien und Indikatoren
Bewertungsfragen
Beurteilungskriterien
Indikatoren
Bewertungsfragen für M 4.1: Investitionen in landwirtschaftlichen Betrieben
Wie und in welchem
Ausmaß hat die Teil-
maßnahme dazu bei-
getragen, die Wirt-
schaftsleistung, Be-
4.1-A: Die Teilmaßnahme wird
erfolgreich umgesetzt. Die
Umsetzungsziele werden er-
reicht.
O.1: Gesamtbetrag der öffentlichen
Ausgaben
O.3: Zahl der unterstützten Vorha-
ben
162
Im Rahmen der 4. Änderung erfolgte eine Umschichtung von 4,3 Mio. EUR von der investiven Landwirt-
schaftsförderung (Code 4.1) und 1,1 Mio. EUR von EIP (Code 16.1) zu Wald- und Forstmaßnahmen (Codes
4.3, 8.5 und 16.8).

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
58
Bewertungsfragen
Beurteilungskriterien
Indikatoren
triebsumstrukturierung
und -modernisierung
der geförderten land-
wirtschaftlichen Be-
triebe, insbesondere
durch Erhöhung der
Marktbeteiligung und
der landwirtschaftli-
chen Diversifizierung
zu verbessern?
(Zielerreichungsgrade)
4.1-B: Die Förderung erreicht
einen signifikanten Anteil
landwirtschaftlicher Betriebe,
so dass die Förderung relevant
für den Sektor ist.
O.4: Zahl der unterstützten Betriebe
R1/T4: Prozentsatz der landwirt-
schaftlichen Betriebe, die im Rah-
men von Programmen zur Entwick-
lung des ländlichen Raums bei In-
vestitionen in die Umstrukturierung
oder Modernisierung unterstützt
werden
4.1-C: Sachkapital in den ge-
förderten Betrieben wurde
umstrukturiert
Gesamtinvestitionsvolumen nach
Betriebszweig, in den investiert wird
(laut Investitionskonzept)
4.1-D: Landwirtschaftlicher
Output je Jahresarbeitseinheit
in den unterstützten Betrieben
hat sich erhöht.
R2: Veränderungen in der landwirt-
schaftlichen Erzeugung bei unter-
stützten Betrieben pro landwirt-
schaftlicher Arbeitseinheit [für 2016
noch nicht quantifizierbar]
Entwicklung der Finanz- und Er-
tragskraft in geförderten Unterneh-
men (Bruttowertschöpfung, Arbeits-
produktivität (BWS je AK), Eigenka-
pitalveränderung etc.)
Zusätzliche Kapazitäten Tierhaltung
nach Arten (Tierplätze); zusätzlich
bewirtschaftete Fläche
4.1-D: Der Marktzugang der
geförderten Betriebe hat sich
verbessert
Umsatzsteigerungen in den geför-
derten ldw. Betrieben
4.1-E: Die Maßnahme hat zur
Verbesserung des Tierwohls
beigetragen
Investitionsvolumen mit Erfüllung
besonderer Anforderungen im Be-
reich Tierschutz
4.1-F: In den geförderten Be-
trieben werden neue Produkti-
onsverfahren (auch Tierhal-
tungsverfahren) /neue Techno-
logie z. B. Melkroboter einge-
führt
Gesamtinvestitionsvolumen, das der
Einführung neuer Verfahren dient
(Querschnittsziel Innovation)
C) Beantwortung der Bewertungsfragen
Beurteilungskriterium: Die Umsetzungsziele werden erreicht.
In 2014 erfolgte die Umsetzung der Investitionsförderung (Art. 26 VO (EG) Nr. 1698/2005
(Code 121)) noch gemäß Übergangs-VO; die Mittel waren im EPLR 2007 – 2013 mit den
letzten Bindungen 2013 ausgeschöpft, die Finanzierung erfolgte daher aus dem EPLR

image
AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
59
2014 – 2020. Die Übergangsauszahlung für die Richtlinie Land- und Ernährungswirtschaft
(Code 121) erfolgte in 2015.
Im Zeitraum 2014 bis Mitte 2019 wurden in der Investitionsförderung (M 4.1) insgesamt 194
Vorhaben durch landwirtschaftliche Betriebe durchgeführt. Hierfür entstanden (ausgezahlte)
öffentliche Ausgaben in Höhe von rund 50,90 Mio. EUR, mit dem ein förderfähiges Investiti-
onsvolumen von rund 179,6 Mio. EUR unterstützt wurde. Bezogen auf das anvisierte Volu-
men öffentlicher Ausgaben der Teilmaßnahme von 147,99 Mio. EUR ist ein Umsetzungs-
stand von 34,4 %, bezogen auf die anvisierte Gesamtzahl der Betriebe (595) ein Umset-
zungsstand von 32,6 % erreicht.
Der Umsetzungsstand der Teilmaßnahme M 4.1 stellt sich damit zum gegenwärtigen Zeit-
punkt zufriedenstellend dar. Im Juni 2019 wurde ein weiterer Aufruf mit Laufzeit bis Mitte
Oktober gestartet. Eine Übersicht der seit 2015 erfolgten Aufrufe (Budget, beantragte und
abschließend bewilligte Mittel) zeigt Abbildung 5.
Abbildung 5: Inanspruchnahme Aufrufe LIW Investiv (2015 – 2019)
Quelle: SMUL, Ref. 31
Beurteilungskriterium: Die Förderung erreicht einen signifikanten Anteil landwirt-
schaftlicher Betriebe, so dass die Förderung relevant für den Sektor ist.
Insgesamt erreicht die Investitionsförderung (M 4.1) bislang einen geringen Anteil i H. v.
3,08 % (=R1/T4) der landwirtschaftlichen Betriebe Sachsens. Vor dem Hintergrund der ver-
gleichsweise hohen Anzahl an Nebenerwerbsbetrieben in Sachsen (2013: 2.800) ist dies
immanent.
Die Größe der jeweiligen Vorhaben der Teilmaßnahme M 4.1 lag im Durchschnitt bei rund
0,86 Mio. EUR je Vorhaben und damit überproportional hoch, insbesondere in der Startpha-
se (durchschn. 1,3 Mio. EUR je Vorhaben). Dies korreliert mit der Feststellung, dass zahlrei-
che Betriebe mit einer vergleichsweise großen Ausstattung an landwirtschaftlicher Nutzflä-

image
AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
60
che an der Förderung teilnahmen. Hinsichtlich der Rechtsform der Antragsteller wurden bis-
lang mehr juristische (70 %) als natürliche (30 %) Personen gefördert; in ersteren wurden
rund 87 % der öffentlichen Mittel gebunden.
Die geförderten Investitionen erfolgten insbesondere in Betrieben der Milchviehhaltung (36 %
der investierten öffentlichen Mittel) sowie in Verbundbetrieben Pflanzenbau / Tierhaltung
(37 % der investierten öffentlichen Mittel der Begünstigten). Der ökologische Landbau mach-
te mit rund 4 % der investierten öffentlichen Mittel nur einen geringen Anteil im Gesamtför-
derkontext aus. Der Mitteleinsatz konzentrierte sich in den Vorhaben der Richtlinie LIW
überwiegend (88 %) auf Investitionen in Gebäude und bauliche Anlagen.
Im Vergleich mit der Grundgesamtheit der im Freistaat Sachsen ansässigen landwirtschaftli-
chen Betriebe ist in der bisherigen Förderung die Tierhaltung überproportional berücksichtigt.
Gleiches trifft auf den Gartenbau zu. Die Teilmaßnahme M 4.1 erfüllt damit die definierte
Zielsetzung, insbesondere Investitionen in arbeitsintensiven Bereichen – vornehmlich der
Tierhaltung – anzustoßen.
In der regionalen Betrachtung zeigt sich (zum gegenwärtigen Stand der Förderung) eine
weitgehend ausgewogene Verteilung der Investitionen (vgl. Abbildung 6).
Abbildung 6: Regionale Verteilung Investitionsförderung (2016)
Quelle: Auflagenbuchführung (2016), eigene Darstellung

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
61
Beurteilungskriterium: Betriebe wurden modernisiert / umstrukturiert
Die Umstrukturierung und Weiterentwicklung des Sachkapitals ist eine zentrale Zielsetzung
der Investitionsförderung und kann als ein bedeutsamer Faktor zur Anpassung der Unter-
nehmen an veränderte Wettbewerbsbedingungen gesehen werden. Der Schwerpunkt der
Förderung lag überwiegend auf dem Fördergegenstand „Gebäude“ (und deren Ausrüstungs-
bestandteile). Der Zuwachs an Sachanlagen (Gebäude, bauliche Anlagen) lag bei der Stich-
probe der geförderten Betriebe im Zeitraum 2014 – 2017 bei über 30 %. Die Maßnah-
menumsetzung spiegelt bislang damit die vorab definierte Zielsetzung wider, Sachkapital
v. a. durch bauliche und langlebige Investitionen in arbeitsintensiven Bereichen weiterzuent-
wickeln.
Im Rahmen des 3. Änderungsantrags zum EPLR wurde in die Richtlinie LIW/2014 die „Digi-
talisierung von Geschäftsprozessen“ als Fördergegenstand eingeführt. Ziel ist, dass die
Landwirte im Zuge der Modernisierung die wirtschaftlichen Vorteile der fortschreitenden In-
formationsgewinnung und -verarbeitung möglichst breit nutzen. Zugleich soll die Unterstüt-
zung dazu dienen, dass die erhöhten Anforderungen insbesondere an die Informationssi-
cherheit besser bewältigt werden können. Der Freistaat Sachsen unterstützt landwirtschaftli-
che Betriebe, die Investitionen in die Digitalisierung vornehmen wollen, mit einem Fördersatz
von 40 %.
Die Einführung dieses Fördergegenstandes ist geeignet, die Modernisierung der Be-
triebe auf einem wichtigen Feld zu unterstützen. Die Annahme und Umsetzung des
noch neuen Förderangebots ist im weiteren Verlauf der Förderperiode zu untersu-
chen.
Beurteilungskriterium: Landwirtschaftlicher Output je Jahresarbeitseinheit in den un-
terstützten Betrieben hat sich erhöht.
Die Bewertung der Entwicklung der Wirtschaftsleistung der geförderten Betriebe muss ein-
geordnet in den gesamtwirtschaftlichen Kontext erfolgen. Mit der Trockenheit zur Ernte 2018
setzte sich insbesondere für die Acker- und Futterbaubetriebe eine Phase unterdurchschnitt-
licher Ernten fort, entsprechend gering fiel auch die Rendite aus. Im Dürrejahr 2018 wurden
noch geringere Erträge als 2016 erreicht, im Jahr 2017 kamen die Auswirkungen der Milch-
preiskrise hinzu. Die Liquiditätslage der Betriebe bleibt mit Blick auf die vergangenen drei
schlechten Erntejahre angespannt, was sich insgesamt negativ auf die Investitionstätigkeit
ausgewirkt hat.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung ist im Zeitraum seit Beginn der Förderperiode die
landwirtschaftliche Erzeugung je Jahresarbeitseinheit bei den Betrieben des Testbetriebs-
netzes rückläufig (durchschnittlich - 6.869 EUR/AK), während bei einer Stichprobe der Zu-
wendungsempfänger (n=47) ein Zuwachs von 14.103 EUR/AK (=R2) verzeichnet wird. Be-
zogen auf die Gesamtwirkung des Programms lässt sich diesbezüglich ein Zuwachs von
(netto) 4,1 Mio. EUR skalieren. Bei der Berechnung des Indikators R2 („
Veränderung des
landwirtschaftlichen Outputs je Jahresarbeitseinheit in den geförderten Projekten
“) bzw. ge-
nerell hinsichtlich der wirkungsspezifischen Betrachtung ist zu beachten, dass die Anzahl der
geförderten Betriebe mit abgeschlossenen Vorhaben und ausreichender Informationsgrund-
lage (IK, Buchführung) noch gering ausfallen muss. Die Skalierbarkeit der Ergebnisse ist mit
entsprechend deutlichen Unschärfen behaftet; die Validität der wirkungsbezogenen Aussa-
gen nimmt daher erst mit Anwachsen der Stichprobe und damit im Rahmen der Ex-post-
Bewertung zu.
Positive Effekte der Förderung lassen sich hinsichtlich der erzeugten Bruttowertschöpfung
konstatieren. Während im genannten Zeitraum dieser Wirkungsindikator für Leistung (bezo-
gen auf die landwirtschaftliche Nutzfläche) bei den Betrieben der Vergleichsgruppe um
durchschnittlich 8,2 % zurückging, konnten die geförderten Betriebe einer Stichprobe diesen

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
62
Wert steigern (+4,8%). Bezogen auf die Gesamtwirkung des Programms lässt sich diesbe-
züglich ein Zuwachs (netto) 13,2 Mio. EUR pro Jahr abschätzen.
Neben der Entwicklung der Bruttowertschöpfung ist als Wirkungsindikator für Leistung und
Effizienz des landwirtschaftlichen Sektors die zusätzliche Arbeitsproduktivität gemessen an
der Bruttowertschöpfung je Vollzeitarbeitskraft (BWS/AK) anzusetzen. Diese Kennziffer ist
seit Beginn der Förderperiode bei den landwirtschaftlichen Betrieben des Testbetriebsnetzes
Sachsens durchschnittlich um rund 5,2 % bzw. 2.446 EUR/AK zurückgegangen. Die geför-
derten Betriebe der Stichprobe weisen dem hingegen einen Zuwachs von durchschnittlich
rund 7,2 % bzw. 2.529 EUR/AK auf.
Beurteilungskriterium: Der Marktzugang der geförderten Betriebe hat sich verbessert.
Eine mögliche Verbesserung des Marktanteils wird über die Entwicklung des Umsatzes der
geförderten Betriebe im Verhältnis zur Umsatzentwicklung des Durchschnitts aller Betriebe in
Sachsen bemessen. Im Zeitraum seit Beginn der Förderperiode (2014 – 2017) zeigte sich
eine negative Umsatzentwicklung bei den landwirtschaftlichen Betrieben in Sachsen insge-
samt (– 5,4 %, bezogen auf die LF) sowie bei der Stichprobe geförderter Unternehmen (–
3,6 %). Diese Entwicklung verwundert nicht, da sie wesentlich durch die wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen der jeweiligen Jahre geprägt ist (s.o.).
Beurteilungskriterium: Die Maßnahme hat zur Verbesserung des Tierwohls beigetra-
gen.
Von den bis Mitte 2019 bewilligten Zuschüssen fließen knapp 87 % in die Tierhaltung. Inves-
titionen in Gebäude und Anlagen zur Nutztierhaltung werden nur unterstützt, wenn die geför-
derte Anlage „Bauliche Anforderungen an eine besonders tiergerechte Haltung, Teil A (Ba-
sisförderung) oder Teil B (Premiumförderung)“ erfüllt und somit über die gesetzlichen Min-
destanforderungen zum Tierschutz hinausgeht.
Für die Umsetzung der zusätzlichen Anforderungen nach Teil B der Anlage (Premiumförde-
rung) wird ein erhöhter Fördersatz gewährt; von den im Rahmen der Richtlinie LIW/2014
(investiv) bewilligten Zuschüssen für Tierhaltungsvorhaben werden rund 59 % gemäß der
Anforderungen für besonders artgerechte Haltung (Premiumförderung) gewährt. Durch die
Verknüpfung der entsprechenden Maßnahmen mit Nebenzielen des Tierschutzes und der
Tierhygiene ist festzustellen, dass die Investitionsförderung einen Beitrag zur Weiterentwick-
lung des Tierwohls leistet.
Beurteilungskriterium: In den geförderten Betrieben werden neue Produktionsverfah-
ren (auch Tierhaltungsverfahren) / neue Technologie z. B. Melkroboter eingeführt.
Durch die dezidierte Schwerpunktsetzung auf den Bereich Gebäude nimmt die Einführung
neuer Verfahren und Technologien bislang einen nachgeordneten Stellenwert im Rahmen
der Investitionsförderung ein. In den letzten zwei Jahren des Beobachtungszeitraumes wur-
de die Förderung neuer Technologie zunehmend nachgefragt. Spaltenreiniger, Futtervertei-
ler und Brunsterkennungserkennung werden beispielsweise fast durchgängig in den geför-
derten Betrieben eingesetzt. In den mittelgroßen Betrieben werden vorrangig AMS gefördert.
D) Beurteilung, Schlussfolgerungen, Empfehlungen
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stellt sich die Umsetzung der Investitionsförderung im Rah-
men der Teilmaßnahme M 4.1 überwiegend positiv dar. Zielsetzungsgemäß wird vorwiegend
in bauliche und langlebige Sachanlagen investiert. Die Verbesserung der Umwelt und des

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
63
Tierschutzes wird entsprechend den zu Programmbeginn definierten Zielsetzungen der
Maßnahme mit verfolgt.
Die Analyse der herangezogenen (noch geringen) Stichprobe von geförderten Betrieben
lässt insgesamt eine positive Auswirkung der Förderung auf die Betriebe vermuten. Die be-
triebserfolgsrelevanten Kennziffern (landwirtschaftliche Erzeugung je Jahresarbeitseinheit,
Umsatzerlöse, Bruttowertschöpfung etc.) dieser Unternehmen haben sich im Vergleich (d. h.:
im Zeitraum der laufenden Förderperiode) besser entwickelt als der Durchschnitt der Betrie-
be des Testbetriebsnetzes Sachsens, in dem sowohl geförderte als auch nicht geförderte
Unternehmen erfasst sind. Auch hinsichtlich der Arbeitsproduktivität lässt sich eine positive
Entwicklung und damit insgesamt ein Rationalisierungseffekt durch die Förderung feststellen.
Die Investitionsförderung selbst ist im Freistaat Sachsen förderperioden-übergreifend etab-
liert und erfährt traditionell Akzeptanz. Die im Rahmen der Zentralbewertung durchgeführte
Teilstudie zum Verwaltungs- und Kontrollsystem (siehe Kap. 5.4.2) zeigt vergleichsweise
hohe Zustimmungsraten bei den geförderten Betrieben. Dies betrifft sowohl das Förderin-
strument insgesamt – 94 % der befragten Begünstigten würde erneut einen Förderantrag
stellen – als auch die darin verankerten Teilziele.
Es ist in diesem Kontext darauf hinzuweisen, dass die Stichprobe der Befragung im Teil II
der VKS-Studie ausschließlich Begünstigte mit (erfolgreich) umgesetzten Projekten umfasst,
wodurch die Zustimmungsraten tendenziell höher ausfallen dürften. Die Investitionsförderung
ist beispielsweise bei den – überwiegend – größeren Betrieben seit Längerem erprobt und
bekannt, die Antragsteller mit den Regularien dementsprechend vertraut.
Die
Nicht
-Inanspruchnahme des Förderangebots (z. B. aufgrund nicht passender Förderkon-
ditionen) wurde 2018 im Rahmen einer weiteren Studie erfasst.
163
Aus den Ergebnissen geht
hervor, dass dem überwiegenden Teil der Landwirte die Möglichkeit bekannt ist, einen An-
trag auf Investitionsförderung zu stellen. Fast jeder zweite der Befragten sieht dennoch von
einer Antragsstellung ab. Gründe sind aus Sicht der Antragssteller unter anderem die zu
komplexe Richtlinie, ein zu hoher bürokratischer Aufwand bei der Antragstellung und die zu
langen Bearbeitungszeiträume. Außerdem gibt es momentan Finanzierungsalternativen, die
für die Befragungsteilnehmer günstiger sind. Eine Inanspruchnahme würde aus Sicht der
Befragungsteilnehmer unter anderem gefördert durch die Reduktion der Komplexität der
Richtlinie, geringere Bearbeitungszeiten, eine Erweiterung der Fördergegenstände in der
Richtlinie sowie Unterstützungsangebote durch praxisnahe Berater aus dem LfULG.
Die in der Vergangenheit unternommenen Maßnahmen zur Erhöhung der Akzeptanz
/ Inanspruchnahme der Investitionsförderung (Vereinfachung des Antrags- und Bewil-
ligungsverfahrens unter Beachtung der zwingend umzusetzenden EU- und nationalen
Vorgaben etc.) sollten daher konsequent weitergeführt und regelmäßig auf ihre Wirk-
samkeit untersucht werden. Bei Rückgang der Nachfrage sollten weitere Maßnahmen
zur Akzeptanzverbesserung geprüft werden.
163
CONOSCOPE (unveröffentlicht, 2018): Akzeptanzanalyse im Rahmen der Fachbegleitung des EPLR 2014 –
2020, Förderbereich Investitionen in landwirtschaftliche Betriebe (RL LIW/2014).

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
64
5.1.2.2 M 4.2 – Unterstützung für Investitionen in die Verarbeitung und Vermarktung von
landwirtschaftlichen Erzeugnissen
A) Einordnung der Intervention in den Programmkontext
Die Teilmaßnahme „Investitionen für die Verarbeitung und Vermarktung von landwirtschaftli-
chen Produkten“ soll in der laufenden Förderperiode im Freistaat Sachsen dazu beitragen,
die Wettbewerbsfähigkeit landwirtschaftlicher Erzeugnisse und damit die gesamte Landwirt-
schaft zu stärken. Wertschöpfung und Einkommenspotenziale der landwirtschaftlichen Be-
triebe (insbesondere bei besonderen Produktionsausrichtungen) sollen erhöht und gleichzei-
tig deren Marktposition oder Anbaudiversifizierung erhalten werden. Weitere Nebenziele sind
die Stärkung regionaler Kreisläufe und mittelbar positive Umweltauswirkungen, z. B. durch
eine Verbesserung der Stromversorgung und Klimatechnik im Bereich Verarbeitung und La-
gerung.
164
Die Vorhaben im Rahmen der Unterstützung von Investitionen für die Verarbeitung und Ver-
marktung dienen primär dem SPB 6A, der nur einen geringen Anteil am Gesamtbudget des
EPLR umfasst (< 1,0 %). Mit kumulierten öffentlichen Ausgaben in Höhe von insgesamt
4,2 Mio. EUR füllt die Teilmaßnahme den SPB vollständig aus. Gemessen an den anvisier-
ten Zahlungen nimmt die Teilmaßnahme M 4.2 einen nachgeordneten Stellenwert im Pro-
grammkontext ein.
Methodik und Datenverfügbarkeit
Die Investitionsförderung ist als Instrument im Freistaat Sachsen förderperioden-
übergreifend etabliert und erfährt traditionell Akzeptanz (siehe auch M 4.1). So besteht auch
die Möglichkeit, auf bestehende sekundäre Daten zurückzugreifen und sie zu nutzen, um
Kausalitäten der identifizierten Beiträge der unterstützten Maßnahmen zu überprüfen.
Die Bewertung ist darüber hinaus eingebettet in die fachliche Begleitung des Freistaats
Sachsen, die für die Maßnahme M 04 federführend durch das LfULG (Ref. 22) umgesetzt
wird. Für die quantitative Bewertung der Teilmaßnahme des Schwerpunktebereichs 6A wer-
den zunächst die Monitoring-Daten des Programms ausgewertet. Im Soll-Ist-Vergleich wer-
den die bei der Programmplanung angenommenen Zielwerte (und ihre Weiterentwicklung)
von Indikatoren mit den im Verlauf der Programmdurchführung beobachteten (realisierten)
Werte verglichen.
Die Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung der geförderten Betriebe findet anhand der Jah-
resabschlüsse im Rahmen der fünfjährigen Auflagenbuchführung, die durch das LfULG er-
fasst und aufbereitet wird, statt. Des Weiteren werden Daten aus der Antragstellung und der
Bewilligung im Rahmen des Fördervollzuges ausgewertet.
164
SMUL (o. J.): Förderrichtlinie Landwirtschaft, Innovation, Wissenstransfer vom 15. Dezember 2014
(SächsABl.SDr. 2015 S. S 74), die zuletzt durch die Richtlinie vom 15. Mai 2018 (SächsABl. S. 721) geändert
worden ist, zuletzt enthalten in der Verwaltungsvorschrift vom 7. Dezember 2017 (SächsABl.SDr. S. S 433).

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
65
B) Bewertungsfragen, Beurteilungskriterien und Indikatoren
Bewertungsfragen
Beurteilungskriterien
Indikatoren
Bewertungsfragen für M 4.2: Investitionen für die Verarbeitung und Vermarktung von land-
wirtschaftlichen Produkten
In welchem Umfang wurde
durch die Teilmaßnahme
die Diversifizierung, Grün-
dung und Entwicklung von
kleinen Unternehmen und
die Schaffung von Arbeits-
plätzen unterstützt?
4.2-A: Die Umsetzungsziele
werden erreicht
O.1: Gesamtbetrag der öffent-
lichen Ausgaben
O.3: Zahl der unterstützten
Vorhaben
4.2-B: Es wurden zusätzliche
Produktions- und Dienstleis-
tungskapazitäten geschaffen
und / oder neue Unternehmen
gegründet.
O.2: Gesamtinvestitionen
4.2-C: Die zusätzlichen Produk-
te und Dienstleistungen wurden
erfolgreich an den Markt ge-
bracht
Zusätzliche Umsätze in den
geförderten Betrieben
4.2-D: Es wurden neue Beschäf-
tigungsmöglichkeiten geschaf-
fen und mehr Einkommen in den
geförderten Unternehmen er-
zielt.
R21=T20: In unterstützten
Projekten geschaffene Ar-
beitsplätze
Zusätzliche nicht landwirt-
schaftliche Bruttowertschöp-
fung in geförderten Unter-
nehmen
Zusätzliche Bruttowertschöp-
fung + Personalaufwand
4.2-E: Zusätzliche Produktions-
und Dienstleistungskapazitäten
wurden verstetigt
Umsatzerlöse und Beschäfti-
gung aus nicht-
landwirtschaftlicher Produkti-
on zwei Jahre nach Ab-
schluss der Investition
C) Beantwortung der Bewertungsfragen
Beurteilungskriterium: Die Umsetzungsziele werden erreicht
Bis zum Stichtag 30.06.2019 wurden bislang 15 Vorhaben zur Förderung der Verarbeitung
und Vermarktung (M 4.2) unterstützt. Hierfür sind öffentliche Mittel i. H. v. 365.670 EUR so-
wie ein Gesamtinvestitionsvolumen i H. v. 1,71 Mio. EUR eingesetzt worden. Das durch-
schnittliche förderfähige Investitionsvolumen lag damit bei rund 114.000 EUR je Vorhaben,
wobei das größte Einzelvorhaben rund 745.800 EUR, das kleinste 10.400 EUR umfasste.
Gemessen sowohl an der geplanten Zahl (70) der Begünstigten, denen eine Unterstützung
bei Investitionen im Rahmen der Teilmaßnahme M 4.2 zuteilwerden soll, als auch an den
geplanten öffentlichen und privaten Investitionen i H. v. 10 Mio. EUR ist festzustellen, dass
bislang weniger und vornehmlich kleinere Projektvorhaben umgesetzt worden sind als prog-
nostiziert; der Umsetzungsstand bezüglich der Mittelbindung beträgt derzeit lediglich 8,6 %,
so dass fraglich erscheint, ob die Maßnahme bis zum Ende der Förderperiode vollständig
umgesetzt werden kann.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
66
Beurteilungskriterium: Es wurden zusätzliche Produktions- und Dienstleistungskapa-
zitäten geschaffen und / oder neue Unternehmen gegründet.
Unter den Begünstigten befinden sich sowohl juristische (10) als auch natürliche Personen
(5). Eine Analyse der Antragsdaten der Fördermittelempfänger lässt eine nähere Klassifizie-
rung der Einzelvorhaben zu. Die bislang investierten öffentlichen Mittel wurden zum einen
(35 %) für bauliche Maßnahmen (Umdeckung Kalthaus, betriebliche Zufahrtswege, Neubau
einer Vermarktungshalle etc.) eingesetzt; überwiegend (65 %) aber wurden technische Anla-
gen / Fahrzeuge (automatische Sortiermaschine, Honigschleuder, Kühlfahrzeuge, Verkaufs-
automat etc.) gefördert. Allen Vorhaben ist ein Fokus auf den Bereich Direktvermark-
tung/Einzelhandel gemein (z. B. flexible Milchabholung durch den Endverbraucher), so dass
davon auszugehen ist, dass durch die Förderung bestehende Produktions- und Dienstleis-
tungskapazitäten ausgeweitet und/oder neue geschaffen wurden.
Zur Einschätzung der ökonomischen Effekte hinsichtlich Leistung und Effizienz der Investiti-
onsförderung nimmt die Entwicklung betriebswirtschaftlicher Kennziffern in den geförderten
Unternehmen einen zentralen Stellenwert ein. Ziel ist es, dass der Zuwachs wirtschaftlicher
Leistungsfähigkeit in den geförderten Betrieben im Vergleich höher ausfällt als in nicht geför-
derten bzw. als im Durchschnitt aller Betriebe.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lässt sich anhand der vorliegenden Buchführungsergebnisse
eine Stichprobe von 4 Unternehmen auswerten. Diese konnten im Zeitraum 2016 – 2018 ihre
Umsatzerlöse (bezogen auf die landwirtschaftliche Fläche) um durchschnittlich 32 % stei-
gern, wenngleich die Zuwächse vornehmlich dem Bereich Tierproduktion zuzurechnen sind.
Der für den SPB 6A stärker relevante Betriebsteil „Nebenbetr., Handel, Dienstleistungen“
weist demgegenüber eine geringe Steigerung i H. v. 1 % auf, so dass ein positiver Effekt der
Förderung (noch) nicht belegbar ist. Hierbei ist zu beachten, dass die Anzahl der geförderten
Betriebe mit abgeschlossenen Vorhaben und ausreichender Informationsgrundlage (Buch-
führung) noch gering ausfallen muss (Stichprobe N=4) und die Skalierbarkeit der Ergebnisse
mit entsprechenden Unschärfen behaftet ist. Die Validität der wirkungsbezogenen Aussagen
nimmt daher mit Anwachsen der Stichprobe und damit im Rahmen der Ex-post-Bewertung
zu.
Beurteilungskriterium: Die zusätzlichen Produkte und Dienstleistungen wurden erfolg-
reich an den Markt gebracht.
Über den Erfolg der zusätzlichen Produkte und Dienstleistungen kann zum gegenwärti-
gen Zeitpunkt noch keine Aussage getroffen werden.
Beurteilungskriterium: Es wurden neue Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen und
mehr Einkommen in den geförderten Unternehmen erzielt.
Mit der Teilmaßnahme M 4.2 ist die Zielsetzung verknüpft, durch zusätzliche Einkommens-
quellen aus selbständiger Tätigkeit die Wirtschaftskraft des ländlichen Raumes zu erhalten
und zur Schaffung von Arbeitsplätzen bzw. deren Erhalt beizutragen. Im Rahmen des Moni-
torings wurden bislang insgesamt 7 neu geschaffene Bruttoarbeitsplätze dokumentiert
(= T20), davon 5 für Frauen. Seit der Berichtslegung 2017 hat sich dieser Wert nicht erhöht.
In der Detailauswertung der Monitoring-Daten ist gleichwohl auffällig, dass die genannten
Arbeitsplätze sämtlich in einem einzelnen Projekt (Neubau einer Vermarktungshalle, Umnut-
zung eines vorhandenen Schauers) verzeichnet sind. Dies bedeutet, dass in 92 % der geför-
derten Vorhaben keine neuen Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen worden sind.
Bei der Betrachtung der Einkommensentwicklung (erfasst als Ordentliches Ergebnis zzgl.
Personalaufwand je Arbeitskraft) ist Zeitraum 2016 – 2018 in der erfassten Stichprobe insge-

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
67
samt ein Zuwachs i H. v. 29 % bzw. 2.900 EUR/ha LF zu verzeichnen. Hierbei ist zu beach-
ten, dass die Anzahl der geförderten Betriebe mit abgeschlossenen Vorhaben und ausrei-
chender Informationsgrundlage (Buchführung) noch gering ausfallen muss (Stichprobe n=4)
und die Skalierbarkeit der Ergebnisse mit entsprechenden Unschärfen behaftet ist. Die Vali-
dität der wirkungsbezogenen Aussagen nimmt daher mit Anwachsen der Stichprobe und
damit im Rahmen der Ex-post-Bewertung zu.
Gesamtwirtschaftlich ist vor dem Hintergrund, dass in Sachsen zu Beginn der Förderperiode
(2015) insgesamt 28.900 Personen im land- und forstwirtschaftlichen Bereich beschäftigt
waren, der durch die Förderung induzierte Arbeitsplatzeffekt von derzeit 7 geschaffenen Ar-
beitsplätzen zur Sicherung von Beschäftigungsmöglichkeiten bislang eher als marginal zu
bewerten. Auf der einzelbetrieblichen Ebene der Begünstigten kann angenommen werden,
dass in den geförderten Projekten bei kleineren Betrieben Beschäftigungsmöglichkeiten im
Bereich Direktvermarktung gesichert worden sind. Darüber hinaus sind sekundäre Beschäf-
tigungs- und Einkommenseffekte für den Bau, die Wartung, Reparatur und Instandsetzung
der spezifischen Vorhaben zu erwarten.
Beurteilungskriterium: Zusätzliche Produktions- und Dienstleistungskapazitäten wur-
den verstetigt.
Über den langfristigen Erfolg der zusätzlichen Produkte kann zum gegenwärtigen Zeit-
punkt noch keine Aussage getroffen werden.
D) Beurteilung, Schlussfolgerungen, Empfehlungen
Der Umsetzungsstand der Teilmaßnahme M 4.2 (als singulärer primärer Wirkungsbeitrag
zum SPB 6A) ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit Blick auf die Zahl der Begünstigten als
auch auf die Mittelbindung noch rückständig, so dass gegenwärtig fraglich erscheint, ob die
Teilmaßnahme bis zum Ende der Förderperiode vollständig umgesetzt werden kann. Maß-
nahmen zur Erhöhung der Akzeptanz / Inanspruchnahme der Investitionsförderung (Bewer-
bung des Förderangebots, Vereinfachung des Antrags- und Bewilligungsverfahrens unter
Beachtung der zwingend umzusetzenden EU- und nationalen Vorgaben etc.) sind gleichwohl
bereits umgesetzt worden.
Die Förderung der Verarbeitung und Vermarktung (M 4.2) ist in der Mehrheit der EPLR
(Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-
Holstein, Thüringen) prioritär dem SPB 3A „Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Pri-
märerzeuger durch bessere Integration des Primärsektors in die Nahrungsmittelkette“ zuge-
ordnet. Davon abweichend werden mit dieser Teilmaßnahme auch der SPB 2A „Verbesse-
rung der ökonomischen Leistung, Umstrukturierung und Modernisierung der geförderten Be-
triebe, insbesondere durch verbesserten Marktzugang und landwirtschaftliche Diversifizie-
rung“ (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz), der SPB 5A „Verbesserte Effizienz der Was-
sernutzung“ (Rheinland-Pfalz) oder SPB 5B „Steigerung der Energieeffizienz“ (Bayern, Nie-
dersachsen/ Bremen) adressiert. Der Freistaat Sachsen weicht von der überwiegend auf den
Aspekt der Effizienzsteigerung ausgerichteten Programmierung ab und legt den Fokus auf
die „Diversifizierung, Schaffung und Entwicklung von Kleinunternehmen und Schaffung von
Arbeitsplätzen“ (SPB 6A).
Mit Hinblick auf die Bewertungsfrage
165
liefert die Teilmaßnahme M 4.2 vor dem Hintergrund
der Investitionen in die Bereiche Direktvermarktung / Einzelhandel in Sachsen tendenziell
einen Wirkungsbeitrag zur Diversifizierung und zur Stärkung regionaler Kreisläufe. Weniger
165
In welchem Umfang wurde durch die Maßnahme die Diversifizierung, Gründung und Entwicklung von kleinen
Unternehmen und die Schaffung von Arbeitsplätzen unterstützt?

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
68
im Fokus steht in der investiven Förderung die Gründung kleiner Unternehmen. Die Schaf-
fung von Arbeitsplätzen kann derzeit nicht in nennenswertem Umfang belegt werden.
5.1.2.3 M 4.3.1 – Erschließung forstwirtschaftlicher Flächen
A) Einordnung der Intervention in den Programmkontext
Der Fördergegenstand M 4.3.1 „Erschließung forstwirtschaftlicher Flächen“ dient vorrangig
dem Neu- und Ausbau, aber auch einer grundhaften Instandsetzung schwerlastfähiger Wege
im Privat- und Körperschaftswald des Freistaates Sachsen. Ein intaktes und den Anforde-
rungen einer modernen Forsttechnik entsprechendes Waldwegenetz ist eine Grundvoraus-
setzung für eine ordnungsgemäße und nachhaltige Waldbewirtschaftung. Mit diesem För-
dergegenstand wird im Freistaat Sachsen einer wettbewerbsfähigen und multifunktionalen
Forstwirtschaft eine hohe Bedeutung beigemessen, da sie maßgeblich zu einer Verbesse-
rung der Rentabilität der Rohholzerzeugung und mithin zu einer Anpassung des forstlichen
Sachkapitals an die technische Entwicklung beiträgt. Auch kann der Wald seine multifunktio-
nale Wirkung nur auf der Basis einer angepassten Erschließung leisten.
Mit einer Ausstattung von 8,23 Mio. EUR besitzt der Fördergegenstand einen Umfang von
24,35 % des für UP 5 vorgesehenen Budgets. Auch in der RL WuF/2014 handelt es sich mit
einem Anteil von 38,42 % um einen Fördergegenstand von bedeutendem Umfang. Innerhalb
des 4. Änderungsantrages wurden die Mittel für diesen Fördergegenstand noch einmal auf-
gestockt, was den hohen Stellenwert der Walderschließung in der Forstwirtschaft an sich
bekräftigt. Der Fördergegenstand wurde bereits in zurückliegenden Förderperioden angebo-
ten. Die M 4.3.1 wird somit prioritär dem SPB 5C zugeordnet; darüber hinaus sind sekundäre
Effekte in den SPB 2A zu erwarten.
B) Bewertungsfragen, Beurteilungskriterien und Indikatoren
Bewertungsfragen
Beurteilungskriterien
Indikatoren
Bewertungsfragen für M 4.3.1 Erschließung forstwirtschaftlicher Flächen
Wie und inwieweit hat der
Fördergegenstand zur Ver-
besserung der Wettbe-
werbsfähigkeit / Wirtschaft-
lichkeit der Begünstigten
beigetragen?
Der Fördergegenstand wurde
erfolgreich umgesetzt. Die Um-
setzungsziele wurden erreicht.
Anzahl geförderter Vorhaben
Anzahl geförderter Forstbe-
triebe
förderfähiges Investitionsvo-
lumen
geförderte Waldwege (km)
und Brücken (Stück) (getrennt
nach Wege- und Brückenbau
und Holzlagerplätzen und -
konservierungsanlagen)
Es wurden Infrastrukturen (We-
ge und Brücken) zur Erhöhung
der Holznutzung geschaffen
neu erschlossene Waldfläche
in ha
Die Holzernte- und Rückekosten
wurden gesenkt.
Erhöhung der Bruttowert-
schöpfung durch Verringe-
rung der Holzernte- und
Rückekosten
Welche Forstbetriebe machten
Waldbesitzer nach Größen-

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
69
Bewertungsfragen
Beurteilungskriterien
Indikatoren
von der Fördermöglichkeit Ge-
brauch?
klassen
Rechtsform der Begünstigten
(Auswertung aus Antragsda-
ten)
Welche anderen Effekte
einschließlich solcher auf
andere Schwerpunkte sind
mit der Umsetzung des
Fördergegenstands ver-
bunden?
Die Förderung von Wegebau-
maßnahmen führt zur Erhöhung
der Wertschöpfung / Arbeitspo-
tentiale im Cluster Forst und
Holz
Nutzungsmenge mit Faktoren
/ m³ Holz aus Cluster-Studien
hochrechnen
Minderung THG-Emissionen
durch erhöhte Holznutzung
(Substitution, THG-Bindung)
Erschlossene Holzmenge laut
Antragsunterlagen
Verbesserung der Erschließung
für Waldschutz, z. B. im Kata-
strophen- / Kalamitätsfall
Erschlossene Waldfläche laut
Antragsunterlagen
Die Maßnahme mindert Boden-
schäden und Schäden an
Rückewegen / -gassen durch
Verkürzung der Rückeentfer-
nung
Auswertung der Rückeentfer-
nungen laut Antragsunterla-
gen (Vorhabensbeschrei-
bung)
C) Beantwortung der Bewertungsfragen
Beurteilungskriterium: Der Fördergegenstand wurde erfolgreich umgesetzt, die Um-
setzungsziele wurden erreicht.
Zum Stichtag 30.06.2019 wurden 46 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von 2,14 Mio.
EUR und einer Wegelänge von insgesamt 48.745 Metern endfestgesetzt. Dabei kamen 1,75
Mio. EUR öffentliche Mittel zum Einsatz. In einem Fall wurde ein Holzlager (Trockenlager)
gefördert, ansonsten handelt es sich um Neu- und Ausbauten bzw. um Instandsetzungen
von Hauptabfuhrwegen. Brücken, sowie Holzkonservierungsanlagen wurden bisher nicht
gefördert. Damit sind von den im EPLR geplanten Ausgaben in Höhe 8,23 Mio. EUR bisher
21 % abgeflossen. Im Vergleich dazu wurden in der Vorperiode 2007 – 2014 in 200 Er-
schließungsvorhaben 196.646 lfm Wege neu gebaut, ausgebaut oder grundhaft instand ge-
setzt.
Beurteilungskriterium: Schaffung von Infrastrukturen zur Holzernte, Senkung Holzern-
te- und Rückekosten, Struktur der begünstigten Forstbetriebe
Mit Hilfe des bewilligten Wegebaus wurden insgesamt 2.670 ha Wald erschlossen, wobei
dieser Wert auf eine hohe Effizienz der eingesetzten Mittel hinweist. Der größte Anteil der
Förderung mit 22 % der eingesetzten öffentlichen Mittel wurde durch einen nach
§ 18 BWaldG anerkannten Forstlichen Zusammenschluss abgerufen (Forstbetriebsgemein-
schaft – FBG). Dies entspricht zudem 35,1 % der Anträge. Durch die Bewilligung dieser 11
Anträge wurden allein insgesamt 9.552 lfm Waldwege neu gebaut, ausgebaut und grundhaft
instandgesetzt. Die höchste Anzahl der Anträge wurde hingegen von natürlichen Personen
incl. GbR (45,5 %) gestellt.

image
AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
70
Tabelle 17: Zusammenfassung der Rechtsformen der Antragsteller nach Anzahl der Anträge
(Walderschließung M 4.3.1)
Quelle: Eigene Darstellung auf Grundlage von SMUL: Fachdaten der Festgesetzten Projekte
Aussagen zur Verringerung der Rückeentfernung bzw. zur Erhöhung der Bruttowertschöp-
fung können zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht getroffen werden. Erst in den folgen-
den Aufrufen wurden die entsprechenden Daten im Zuge der Antragstellung mit erhoben.
Indes kann objektiv von einer Verringerung der Holzernte- und Rückekosten ausgegangen
werden, da auf der Basis der neuen Wegeerschließung deutlich kostengünstigere Technik
zum Einsatz kommen kann. Bisherige Analysen haben ergeben, dass durch den forstlichen
Wegeneubau eine durchschnittliche Kostenreduktion von 4,18 EUR/m³ und beim grundhaf-
ten Wegeausbau von bis zu 3,46 EUR/m³ für die Holzernte- und Rückekosten erreicht wer-
den kann.
166
Dieser Umstand sollte auch einen positiven Effekt auf die Bruttowertschöpfung
der Betriebe haben.
Bewertungsfrage: Welche anderen Effekte einschließlich solcher auf andere Schwer-
punkte sind mit der Umsetzung des Fördergegenstands verbunden?
Entsprechend den Angaben der Begünstigten wird eine Holzmenge von 88.110 m³ durch die
Wegebauvorhaben mittelfristig erschlossen. Setzt man den Schlüssel von 1,23 Beschäftigten
pro 1.000 m³ Holzeinschlag im Bereich der Forstwirtschaft
167
zugrunde, sind damit ca. 110
Arbeitsplätze neu geschaffen worden. Der Wegebau dient damit auch direkt dem Erhalt von
Arbeitsplätzen im ländlichen Raum.
Eine Erschließung von 2.670 ha Wald mit einem Lkw-fähigen Wegenetz ermöglicht auf die-
sen Flächen das effektive Ergreifen von Gegenmaßnahmen im Kalamitäts- und Katastro-
phenfall, trägt aber auch zu einem besseren Monitoring gefährdeter Flächen und zu einer
besseren Überwachung der allgemeinen Waldschutzsituation bei.
Auch für die Erholungsnutzung der Bevölkerung ist die Erschließung des Waldes mit einem
Wegenetz die Basis.
166
AFC et al (2016): Ex-post-Bewertung des EPLR im Freistaat Sachsen (2007 – 2013).
167
Dr. Georg Becher (2013): Cluster Statistik Forst und Holz; Thünen Working Paper 48; Thünen – Institut für
Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie, Hamburg.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
71
Beurteilungskriterium: Der Fördergegenstand mindert Bodenschäden und Schäden an
Rückewegen / -gassen durch Verkürzung der Rückeentfernung.
Eine Verkürzung der Rückeentfernung wird erst in den kommenden Aufrufen erhoben. Die
Beantwortung der Bewertungsfrage ist damit auf direktem Weg nicht möglich. Grundsätzlich
kann jedoch bei einer verbesserten Erschließung auch von einer deutlichen Verkürzung der
Rückewege im Gelände ausgegangen werden. Insbesondere das vielfache Befahren von
unbefestigten Maschinenwegen wird verringert, so dass sich auch die Schäden an Boden
und Bestand reduzieren.
D) Beurteilung, Schlussfolgerungen, Empfehlungen
Die Förderung der Erschließung forstlicher Flächen muss als wichtiger Fördergegenstand
angesehen werden, die multifunktionale Leistungsfähigkeit der Wälder zu erhalten bzw. zu
sichern.
168
Dabei besteht insbesondere im kleinparzellierten Privatwald eine besondere Prob-
lemlage. So sind in den Regionen mit kleinteiliger Eigentumsstruktur regelmäßig mehrere
Waldbesitzer in ein Wegebauvorhaben einzubinden, um ein Projekt erfolgreich zu realisie-
ren. Der Aufwand an Abstimmung und Planung ist hier besonders hoch.
Die bisherige Inanspruchnahme entspricht den Erwartungen der Verwaltungsbehörde. Über
das bisher ausgereichte Volumen hinaus liegen weitere Anträge vor, die eine hohe Inan-
spruchnahme erwarten lassen. Dies gilt umso mehr, da das Wegenetz durch die Bewälti-
gung der enormen Kalamitätsanfälle außerordentlichen Belastungen ausgesetzt ist. Diese
Belastungen werden zusätzlichen Instandhaltungsbedarf nach sich ziehen, der sich jedoch
zum Stichtag noch nicht in dem Fördergeschehen widerspiegelt.
Die für die Förderung notwendige Vorfinanzierung der Baukosten stellt für die Forstbetriebe
regelmäßig eine erhebliche Aufgabe dar. Dies gilt insbesondere für die kleineren Waldbesit-
zer. Die bestehenden forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse können dazu beitragen, die
Lasten der Vorfinanzierung zu mindern.
168
Dazu auch: SMUL (2013): Waldstrategie 2050 für den Freistaat Sachsen. S. 29.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
72
5.1.2.4 M 4.3.2 – Stützmauern landwirtschaftlicher Flächen
A) Einordnung der Intervention in den Programmkontext
Trockenmauern stellen insbesondere in den Weinbaugebieten im oberen Elbtal Sachsens
ein prägendes Element der historisch gewachsenen Kulturlandschaft dar. Sie sind Ersatzle-
bensraum für Arten der Felswände und Lockergesteinsflächen. Die Anlage und Sanierung
von Stützmauern landwirtschaftlicher Flächen ist aufgrund dessen primär unter dem SPB 4A
programmiert worden. Zudem bewahren die Trockenmauern die landwirtschaftlichen Flächen
vor Erosion und tragen zur Sicherung und Verbesserung der Nutzbarkeit von landwirtschaft-
lichen Flächen bei, wodurch sekundäre Effekte in den SPB 4C sowie 2A zu erwarten sind.
In der vorangegangenen Förderperiode war der Fördergegenstand A.6 „Stützmauern land-
wirtschaftlicher Flächen/Weinbergmauern“ Bestandteil der Maßnahme „Erhalt und Verbesse-
rung des natürlichen und kulturellen Erbes“ (Code 323). Mit rund 15,1 % der insgesamt für
die Umsetzung der RL NE/2014 im Rahmen des ELER vorgesehenen öffentlichen Mittel
(66.420.000 EUR) gehört der Fördergegenstand M 4.3.2 nach Umfang der eingeplanten Fi-
nanzmittel zu den finanzstärkeren Fördergegenständen der Richtlinie.
B) Bewertungsfragen, Beurteilungskriterien und Indikatoren
Bewertungsfragen
Beurteilungskriterien
Indikatoren
Bewertungsfragen für M 4.3.2 – Stützmauern landwirtschaftlicher Flächen
Wurde der Fördergegen-
stand erfolgreich umge-
setzt?
Die Umsetzungsziele wurden
erreicht
O.1: Gesamtbetrag der öffent-
lichen Ausgaben
O.3: Zahl der unterstützten
Vorhaben
Inwiefern haben die durch-
geführten Vorhaben zur
Verbesserung der biologi-
schen Vielfalt beigetragen?
Voraussetzungen für die An-
siedlung von Tier- und Pflan-
zenarten der Felswände und der
Lockergesteinsflächen wurden
geschaffen
Ergebnisse Fallstudien (Habi-
tatfunktion)
Geförderte Tier- und Pflan-
zenarten (literaturgestützt)
Inwieweit wurde zum Erhalt
des kulturhistorischen
Landschaftsbildes beige-
tragen?
Weinbergmauern als kulturland-
schaftsprägende Elemente sind
erhalten und damit das Land-
schaftsbild und die Erholungs-
eignung erhalten bzw. verbes-
sert worden
Ergebnisse Fallstudien (regi-
onaltypisch, einsehbar, Be-
deutung für Erholung und
Landschaftsbild)
C) Beantwortung der Bewertungsfragen
Beurteilungskriterium: Die Umsetzungsziele wurden erreicht
Seit Beginn der Förderperiode wurde der Fördergegenstand A.6 um 4,0 Mio. EUR auf
10,0 Mio. EUR öffentliche Mittel aufgestockt. Bis Ende Juni 2019 wurden bereits 2,7 Mio.
EUR öffentliche Mittel für 39 abgeschlossene Vorhaben verausgabt. Bewilligungen liegen in
Höhe von 6,8 Mio. EUR
169
vor (Stand 15.05.2019). Somit sind bereits mehr als zwei Drittel
der vorgesehenen Mittel gebunden.
169
SMUL (2019)
https://www.smul.sachsen.de/foerderung/3528.htm#article5772,
Hinweise zur Bearbeitung vor-
liegender Förderanträge.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
73
Beurteilungskriterium: Voraussetzungen für die Ansiedlung von Tier- und Pflanzenar-
ten der Felswände und der Lockergesteinsflächen wurden geschaffen
Die vielfältigen landschaftsökologischen Wirkungen von Trockenmauern sind ausführlich von
MORANDELL MEIßNER et al. (2009)
170
beschrieben worden. So sind Trockenmauern Ersatzle-
bensräume für Arten der Felswände und der Lockergesteinsflächen und werden von Spezia-
listen besiedelt. Tierökologisch sind Mauern als Sonn- und Versteckplätze u. a. für Reptilien
wie die Zauneidechse (
Lacerta agilis
), die Blindschleiche (
Anguis fragilis
) und die Schlingnat-
ter (
Coronella austriaca
) bedeutend. Wildbienen, Ameisen und verschiedene Wespenarten
finden Nistmöglichkeiten in bodengefüllten Mauerspalten. Durch eine Nutzungsextensivie-
rung nimmt die Zahl der Tier- und Pflanzenarten signifikant zu (ebd.).
Die Habitatfunktion hängt u. a. stark von der Fugenstruktur der Mauer ab. Unter den fachli-
chen Hinweisen wird näher ausgeführt, dass Weinbergsmauern mit einem hohen Fugenan-
teil mit verschieden weiten Fugen als naturschutzfachlich besondere hochwertig gelten. Brei-
te Fugen und große Hohlräume, wirken sich günstig auf die Habitatfunktion aus. Zudem wird
ein zunehmendes Alter der Mauer als werterhöhend im Hinblick auf die Habitatqualitäten
angesehen, sodass eine abschnittsweise Sanierung, wie sie in der Weinbauregion im Elbtal
angewendet wird, einem Neubau vorzuziehen ist. Die Ausführung als unverfugte Natur-
steinmauer sowie die Verwendung ortstypischer Materialien sind Fördervoraussetzung.
Im September 2018 wurde eine Fallstudienerhebung von sechs Stützmauern in Cossebaude
und der Weinberglandschaft Radebeul durchgeführt. Im Zuge dessen wurden neben der
Funktion für das Landschaftsbild (vgl. Tabelle 19), auch Kriterien für die Habitatfunktion ab-
geprüft (vgl. Tabelle 18). Weitere Untersuchungen werden voraussichtlich noch in dieser
Förderperiode vom LfULG durchgeführt.
Sämtliche aufgesuchten Stützmauern befinden sich auf Flächen, die vollständig oder zum
überwiegenden Teil bewirtschaftet werden. In der näheren Umgebung der Stützmauern sind
Strukturen (weitere Trockenmauern, Steinriegel o. ä.) vorhanden, die eine Wiederbesiede-
lung der Flächen nach der Sanierung begünstigen sowie einer Insellage der Populationen
vorbeugen. Auch die abschnittsweise Sanierung ist vor diesem Hintergrund sinnvoll. In der
Hälfte der Fälle ist die Umgebung als naturnah einzustufen. Die vorhandenen und sanierten
Mauern bestehen aus Zyklopenmauerwerk. Z. T. sollte bei der Sanierung auf eine stärkere
Verzahnung von alten und neuen Materialien geachtet werden. Dies kommt der Fugenstruk-
tur und somit der Habitatfunktion zugute und dämpft zudem Farbkontraste, was sich positiv
auf das Landschaftsbild auswirkt (vgl. Abbildung 7). In den meisten Fällen reicht die Bewirt-
schaftung bis nahe an Mauerkrone und Mauerfuß heran, was sich negativ auf den Arten-
reichtum in diesen Bereichen auswirkt (vgl. Tabelle 18).
Tabelle 18: Ergebnisse der Bewertung hinsichtlich einer optimalen Ausprägung für die Habitat-
funktion
Leitbild Habitatfunktion
Lfd. Nummer der untersuchten
Stützmauer
1
2
3
4
5
6
der Weinberg wird nicht mehr bewirtschaftet und befindet sich
zu Beginn der Sukzession (Ruderalstadium od. Grasstadium)
x
(x)
x
x
x
x
Die Fugenstruktur ist vielfältig (alt und neu verzahnt)
✓ ✓
(✓)
x
(✓) (✓)
Mauern bestehen zu 90 % aus Zyklopenmauerwerk
Mauerkrone ist standortgerecht bewachsen, am Mauerfuß ist
(x)
x
x
x
x
x
170
Morandell Meißner, A.; Lorz, C. und Jäger, W. (2009): Ein landschaftsökologisches Bewertungsverfahren für
Trockenmauern in Weinbergen Sachsens. Natur und Landschaft 84, H. 12, S. 553 – 559.

image
AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
74
Leitbild Habitatfunktion
mehr als 50 cm tief artenreiche Vegetation vorhanden
die Umgebung des Weinbergs ist naturnah (extensive Land-
wirtschaft, Brache, Wald, Gebüsch, Gewässer)
x x x
✓ ✓ ✓
In der Umgebung sind Trockenmauern, Felsstandorte, Stein-
riegel oder Geröll vorhanden
✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓
✓:
trifft zu
x: trifft nicht zu
( ): trifft eher bzw. trifft eher nicht zu
Quelle: eigene Darstellung und Erhebung frei nach dem Bewertungsverfahren von Meißner et al. (2009)
Abbildung 7: Gelungene Verzahnung von sanierten Abschnitten mit dem Altbestand
Quelle: entera
Beurteilungskriterium: Weinbergmauern als kulturlandschaftsprägende Elemente sind
erhalten und damit das Landschaftsbild und die Erholungseignung erhalten bzw. ver-
bessert worden
Neben der ökologischen Funktion haben die Trockenmauern in Sachsen eine Bedeutung für
das Landschaftsbild und als Dokumente der historischen Kulturlandschaft. Im sächsischen
Elbtal stellen die Weinbergmauern seit vier Jahrhunderten die Grundlage für die Nutzbarkeit
von Steil- und Hanglagen dar. Mit deren Erhalt wird das endogene Potenzial der Region un-
terstützt und somit langfristig Einkommen und Beschäftigung in der Region – insbesondere
im (Wander-)Tourismus – gesichert.
171
Aufgrund der schwierigen geomorphologischen Be-
dingungen (Steillage) und des entsprechend hohen Instandhaltungsaufwands sind diese
Mauern teilweise vernachlässigt oder zerstört worden.
171
AFC, BonnEval, Entera, TSS-Forstplanung (2010): Halbzeitbewertung des EPLR im Freistaat Sachsen 2007 –
2013.

image
image
AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
75
Die Fallstudienerhebung (September 2018) von sechs Stützmauern in Cossebaude und der
Weinberglandschaft Radebeul unterstreicht die Bedeutung für das historische Landschafts-
bild in der Weinbauregion im sächsischen Elbtal. Für sämtliche der untersuchten Anlagen
kann eine hohe Bedeutung für das Landschaftsbild bescheinigt werden. Fünf der sechs
Stützmauern sind schon von weitem sichtbar und prägen das Landschaftsbild somit maß-
geblich. In vier Fällen bildeten die Stützmauern mit historisch bedeutsamen Gebäuden ein
Ensemble, was neben der Zugänglichkeit und der Lage am Elberadweg zusätzlich zur touris-
tischen Bedeutsamkeit der Mauern beiträgt.
Tabelle 19: Ergebnisse der Bewertung hinsichtlich einer optimalen Ausprägung für die hist.
Kulturlandschaft
Leitbild Landschaftsgestalt und Dokumentation der historischen Kulturlandschaft
Lfd. Nummer der untersuchten
Stützmauer
1
2
3
4
5
6
die Mauern sind zu über 90% intakt
die Mauern bestehen zu über 90% aus Zyklopenmauerwerk
die Mauer ist in Ausmaß und Anordnung das ganze Jahr über
erkennbar
✓ ✓ ✓ ✓
(✓)
die Mauer befindet sich an historisch bedeutsamen, optisch
attraktiven oder bekannten Gebäuden
x
x
der Weinberg befindet sich direkt an der Elbe
x
die Steillage ist von Weitem sichtbar (Zug, Hauptverkehrsstra-
ße, Elbe, Elberadweg)
x
der Weinberg ist öffentlich zugänglich oder von öffentlichen
Wegen, Treppen einsehbar
(✓)
x
(✓ )
Orts- und Flurnamen in der Nähe verweisen auf Weinbau oder
den Weinberg
✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓
✓:
trifft zu
x: trifft nicht zu
( ): trifft eher bzw. trifft eher nicht zu
Quelle: eigene Darstellung und Erhebung frei nach dem Bewertungsverfahren von Meißner et al. (2009)
Die folgende Abbildung zeigt den Zustand der Stützmauern vor und nach einer Sanierungs-
maßnahme. Die Nutzbarkeit des Hanges war vor der Sanierung stark eingeschränkt. Große
Teile der historischen Mauern waren zusammengefallen und zugewachsen. Sie wurden teil-
weise saniert.
Abbildung 8: Stützmauern unterhalb des Spitzhauses in Radebeul 2006 (links) und 2018
(rechts)
Quelle: Morandell, Meißner et al. 2009 (linkes Bild) und entera (rechtes Bild)

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
76
D) Beurteilung, Schlussfolgerungen, Empfehlungen
Der Zustand der Mauern vor der Sanierung sowie die hohe Nachfrage nach dem Förderan-
gebot zeigen den großen Bedarf für diese Maßnahme auf. Die Bedeutung für das Land-
schaftsbild im Elbtal ist als hoch einzustufen.
Auch die Bedeutung der Mauern als Lebensraum für Arten der Lockergesteinsflächen kann
grundsätzlich bestätigt werden, ist aber aufgrund der größtenteils konventionellen Bewirt-
schaftung häufig bis nah an den Mauerfuß heran nicht optimal. Die Art der Bewirtschaftung
wird bei den anstehenden Untersuchungen des LfULG noch einmal Gegenstand der Be-
trachtung sein.
Der Fördergegenstand ist mit einem erheblichen Finanzbudget ausgestattet, nicht zuletzt
durch die im Zuge der Programmänderungen zusätzlich zugewiesenen Mittel, u. a. aus der
RL LIW.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
77
5.1.2.5 M 4.4 – Biotopgestaltungs- und Artenschutzvorhaben sowie Anschaffung von Tech-
nik und Ausstattung
A) Einordnung der Intervention in den Programmkontext
Die Unterstützung für nicht-produktive Investitionen umfasst Biotopgestaltungs- und Arten-
schutzvorhaben (A.1 und A.2 gemäß RL NE/2014) sowie die Anschaffung von Technik und
Ausstattung (A.3). Die angebotenen Vorhaben sollen einen aktiven Beitrag zur Wiederher-
stellung, Erhaltung und Verbesserung der biologischen Vielfalt leisten, indem Biotopgestal-
tungsvorhaben umgesetzt und Lebensstätten geschützter oder gefährdeter Arten gesichert,
wiederhergestellt oder entwickelt werden. Die Vorhaben dienen somit primär dem SPB 4A.
Zu erwartende Sekundäreffekte beziehen sich auf die SPB 4B und 4C sowie auf den SPB
5E. Durch die bei Biotop- und Artenschutzvorhaben verbundenen Änderungen in der Flä-
chennutzung profitieren die Schutzgüter Wasser und Boden. Die Renaturierung und Revitali-
sierung von Feuchtgebieten und Mooren erhöht die Kohlenstoffspeicherung dieser Flächen.
Mit 30.600.000 EUR und damit knapp der Hälfte (46 %) des Gesamtbudgets der für die RL
NE/2014 eingeplanten öffentlichen Mittel im Rahmen des ELER von 66.420.000 EUR und
knapp 6,5 % des Budgets der UP 4 stellt die Teilmaßnahme M 4.4 finanziell betrachtet eine
wesentliche Säule zum Schutz der biologischen Vielfalt dar.
B) Bewertungsfragen, Beurteilungskriterien und Indikatoren
Bewertungsfragen
Beurteilungskriterien
Indikatoren
Bewertungsfragen für M 4.4: Biotopgestaltungs- und Artenschutzvorhaben
Wurde die Teilmaßnahme
erfolgreich umgesetzt?
Die Umsetzungsziele wurden
erreicht
O.1 und O.3 jeweils unterteilt
in
Biotopgestaltungsvorhaben
Artenschutzvorhaben
Technik und Ausstattung
In welchem Umfang hat die
Teilmaßnahme die Wiederher-
stellung, Erhaltung und Ver-
besserung der biologischen
Vielfalt unterstützt?
Die Vorhaben unterstützen
Arten von gemeinschaftli-
chem Interesse (FFH-Arten)
und der Roten Liste Sach-
sens
Ergebnisse der Begleitfor-
schung
Anzahl der am häufigsten
genannten Zielarten in den
Anträgen (stark gefähr-
det/gefährdet)
Die Vorhaben dienen dem
Erhalt und der Wiederherstel-
lung von Biotop- und Lebens-
raumtypen (FFH-LRT)
(FFH-Lebensraumtypen und
Biotoptypen, die durch bewil-
ligte oder abgeschlossene
Vorhaben gefördert werden /
wurden)
vgl. Bewertungsfrage zu
Natura 2000
Der Biotopverbund ist ge-
stärkt worden
Kartographische Darstellung
und Auswertung
Inwieweit hat die Teilmaßnah-
me zur nachhaltigen Bewirt-
schaftung und Entwicklung von
Natura 2000-Gebieten und
anderen Gebieten mit hohem
Naturwert beigetragen?
FFH-Gebiete und andere
Gebiete mit hohem Naturwert
sind unterstützt worden
Anzahl der Vorhaben in FFH-
Gebieten und anderen Gebie-
ten mit hohem Naturwert (Na-
turschutzgebiete, Flächenna-
turdenkmäler)
FFH-Lebensraumtypen, die
durch bewilligte oder abge-

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
78
Bewertungsfragen
Beurteilungskriterien
Indikatoren
schlossene Vorhaben geför-
dert werden / wurden
Welche Förderinhalte/-
differenzierungen/-auflagen
oder Rahmenbedingungen
können die Umweltwirksamkeit
der Teilmaßnahme verbes-
sern?
Die Ausgestaltung der Teil-
maßnahme sowie deren
Rahmenbedingungen fördern
die Umweltwirksamkeit der
Maßnahme
Vorhabenauswahlkriterien
Administrative Vorgaben
Art und Anzahl der Antragstel-
ler-Innen
C) Beantwortung der Bewertungsfragen
Beurteilungskriterium: Die Umsetzungsziele wurden erreicht
Tabelle 20
:
Umsetzungsstand der M 4.4 anhand der abgeschlossenen Fördervorhaben und der
verausgabten öffentlichen Mittel
Zielwert
2023*
2014/
2015**
Kumuliert
2016**
Kumuliert
2017**
Kumuliert
2018
Zieler-
reichung
in %
O.1: Öffentliche
Ausgaben insge-
samt (Mio. EUR o.
Top-ups)
30,6
0
0,6
4,6
10,4
34,0
O.3: Zahl der un-
terstützten Vorha-
ben
1.282
0
42
221
453
35,3
Quelle: eigene Zusammenstellung auf Grundlage *des Indikativen Finanzplans des EPLR 2014 – 2020 (Stand: 4.
Änderung) sowie **der Monitoringdaten Stand: 30.06.2019
Der Auszahlungsstand für bereits abgeschlossene Vorhaben hat sich mit rund 34,0 % Zieler-
reichung und 10,4 Mio. EUR öffentlicher Mittel gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.
Den anfänglichen Problemen mit dem neuen Antragsverfahren konnte mittlerweile begegnet
werden und der Stand der bewilligten öffentlichen Mittel von insgesamt 16,7 Mio. EUR
172
nach dem vierten Aufruf zeigt, dass die Maßnahme insgesamt gut angenommen wird.
173
Tabelle 21 zeigt eine Auflistung der Fördergegenstände inklusive der bis Juli 2019 bewillig-
ten Teilvorhaben (TVH). Mit insgesamt 653 bewilligten Teilvorhaben (bereinigt um die Nach-
bewilligungsanträge) dominieren die Teilvorhaben zur Biotopgestaltung (A.1). Mit gut 30 %
des Mittelvolumens des Fördergegenstandes Biotopgestaltung macht der Unterfördergegen-
stand „Anlage von Hecken, Feldgehölzen und Ufergehölzen nach standardisierten Einheits-
kosten (SEK)“ dabei den mit Abstand größten Anteil aus. Die Unterfördergegenstände nach
SEK, die zum größten Teil Gehölzmaßnahmen beinhalten, werden stark nachgefragt und
nehmen insgesamt die Hälfte (50,5 %) der bewilligten Mittel in A.1 ein. Im Vergleich zum
Jahr 2017 hat sich der Anteil der Vorhaben zur Gehölzanlage bzw. -sanierung verringert.
Das ist zurückzuführen auf den Anstieg der bewilligten Fördermittel der meisten anderen
172
https://www.smul.sachsen.de/foerderung/3528.htm#article5772
(Stand 15.05.2019).
173
SMUL: Gesamtbericht mit den Ergebnissen zur fachlichen Begleitung des sächsischen EPLR 2014 – 2020,
Berichtsjahr 2018 unveröffentlicht, Anhang Naturschutz.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
79
Unterfördergegenstände des Fördergegenstands „Anlage und Sanierung von Landschafts-
strukturelementen und Lebensstätten geschützter oder gefährdeter Arten“ (Fördergegen-
stand F der RL NE/2014; GAK-kofinanziert). Seit Mai 2017 können Vorhaben der Anlage
und Sanierung von Gehölzen und seit Mai 2019 verschiedene Artenschutzmaßnahmen in
einem vereinfachten Verfahren über den Fördergegenstand F gefördert werden.
Die Unterfördergegenstände „Biotopsanierung durch Mahd nach SEK“ und „Entbuschung
von Biotop- und Habitatflächen nach SEK“ wurden bisher nur in geringem Umfang nachge-
fragt. Allerdings nahmen im Vergleich zum Jahr 2017 die Zahl der Vorhaben und Höhe der
bewilligten Mittel für den Unterfördergegenstand „Biotopsanierung durch Mahd nach SEK“
deutlich zu. Der Unterfördergegenstand „Entbuschung von Biotop- und Habitatflächen nach
SEK“ kann erst seit 2018 beantragt werden, sodass diese Maßnahme bisher nur in geringem
Umfang bewilligt werden konnte.
174
Durch verstärkte Beratungsangebote der Bewilligungs-
behörde sowie von Naturschutzqualifizierern, soll auf diese Fördergegenstände weiter auf-
merksam gemacht und potenzielle Antragsteller angesprochen werden.
Für Vorhaben des Artenschutzes (A.2) sind bisher rund 29 % der öffentlichen Mittel des ins-
gesamt für die Teilmaßnahme 4.4 bewilligten Budgets zugesprochen worden. Den größten
Anteil weisen deutlich die „sonstigen Artenschutzmaßnahmen“ (2,4 Mio. EUR
175
) vor den
bestandsstützenden Maßnahmen (1,8 Mio. EUR bewilligte Mittel) auf. Rund 19 % der bewil-
ligten Mittel entfallen auf den Unterfördergegenstand „Technik und Ausstattung“ (A.3). Mit 62
von 126 bewilligten Anträgen (exklusive der Nachbewilligungsanträge) und 46 % der öffentli-
chen Mittel des Unterfördergegenstandes „Technik und Ausstattung“ (A.3) wurde bisher vor-
rangig die Anschaffung von Mähtechnik gefördert (1,4 Mio. EUR) (vgl. Tabelle 21).
Tabelle 21
:
Anzahl und Höhe anerkannter Zuwendungen bewilligter Teilvorhaben auf Ebene der
Unterfördergegenstände (Stand: Juli 2019)
Fördergegenstände
Anzahl
TVH
176
Höhe aner-
kannter Zu-
wendungen
in EUR
Höhe anerkann-
ter Zuwendun-
gen in % je För-
dergegenstand
A.1 Biotopgestaltung
653
9.556.000
100%
Kopfbaumschnitt nach standardisierten Ein-
heitskosten (SEK)
46
164.500
1,72%
Gehölzsanierung Hecken, Feld-, Ufergehölze
nach SEK
51
663.300
6,94%
Gehölzsanierung Streuobstbestän-
de/Obstbaumreihen nach SEK
114
374.400
3,92%
Sonstige Maßnahmen der Gehölzsanierung
3
48.100
0,50%
Ergänzende Technik / Ausstattung zur Gehölz-
sanierung
27
27.100
0,28%
Anlage von Hecken, Feldgehölzen und Uferge-
hölzen nach SEK
83
2.920.000
30,56%
Pflanzung Streuobstbestände/Obstbaumreihen
nach SEK
165
481.600
5,04%
Pflanzung Einzelbäume, Baumgruppen, Baum-
reihen nach SEK
7
14.800
0,15%
Ergänzende Technik / Ausstattung zur Anlage
von Gehölzen
6
2.100
0,02%
174
SMUL: Gesamtbericht mit den Ergebnissen zur fachlichen Begleitung des sächsischen EPLR 2014 – 2020,
Berichtsjahr 2018 unveröffentlicht, Anhang Naturschutz
175
Alle Auszahlungen dieses Absatzes beziehen sich auf bewilligte Mittel
176
Anzahl um Nachbewilligungen bereinigt.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
80
Fördergegenstände
Anzahl
TVH
176
Höhe aner-
kannter Zu-
wendungen
in EUR
Höhe anerkann-
ter Zuwendun-
gen in % je För-
dergegenstand
Biotopsanierung durch Mahd nach SEK
45
117.000
1,22%
Neophytenbekämpfung
9
271.000
2,84%
Trockenmauersanierung / Trockenmaueranla-
ge
13
1.085.200
11,36%
Sonstige Biotopgestaltung im Offenland
31
414.000
4,33%
Ergänzende Technik / Ausstattung zur Biotop-
gestaltung im Offenland
7
83.700
0,88%
Sanierung Stillgewässer
28
2.250.000
23,55%
Sonstige Biotopgestaltung an Fließgewässern
2
68.800
0,72%
Anlage Stillgewässer
1
13.400
0,14%
Entbuschung Biotop- und Habitatflächen nach
SEK
177
11
225.000
2,35%
Ergänzende Technik/ Ausstattung zur Biotop-
gestaltung in Stillgewässern
1
700
0,01%
Ergänzende Technik / Ausstattung zur Renatu-
rierung von Feuchtgebieten
1
4.300
0,04%
Fließgewässersanierung
1
69.800
0,73%
Moorrevitalisierung
1
257.100
2,69%
A.2 Artenschutz
100
4.875.300
100%
Sanierung / Errichtung von Niststätten / Nisthil-
fen
14
282.600
7,0%
Bestandsunterstützende Maßnahmen mit Ex-
Situ Erhaltung
16
1.815.600
29,7%
Wiederansiedlung von Arten
7
166.000
3,7%
Erwerb von Amphibienschutzzäunen
17
185.600
4,6%
Sonstige Artenschutzmaßnahmen
35
2.407.500
54,8%
Ergänzende Technik / Ausstattung zur Umset-
zung von Artenschutzvorhaben
10
12.900
0,1%
Flächenerwerb
1
4.100
0,1%
A.3 Technik und Ausstattung
126
3.116.000
100%
Mähtechnik
62
1.436.700
46,11%
Beräumungstechnik
20
358.900
11,52%
Transporttechnik
26
817.800
26,25%
Schadensprävention Biber
1
900
0,03%
Schadensprävention sonstige geschützte Arten
2
8.900
0,95%
Ausrüstung für Beweidung
1
29.500
0,29%
Sonstige Ausstattung und Ausrüstung
14
463.300
14,87%
177
2018 neu hinzugekommen.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
81
Beurteilungskriterium: Die Vorhaben unterstützen Arten von gemeinschaftlichem Inte-
resse (FFH-Arten) und der Roten Liste Sachsens
In der Tabelle 22 sind die neun am häufigsten genannten Zielarten für die Fördergegenstän-
de A.1 Biotopgestaltung und A.2 Artenschutz inkl. ihrer Bewertungsstufe gemäß Vorhaben-
auswahlkriterien (VAK) aufgeführt. In den Anträgen können Zielarten (sowie Ziel-LRT und
Ziel-Biotoptypen) benannt werden, welche nach einem fünfstufigen Bewertungssystem mit
85 (Stufe 1) bis 0 Punkten (Stufe 5) – von insgesamt 107 möglichen Punkten – je nach
Schutzstatus und Gefährdungsgrad
178
gewertet werden. Mit Ausnahme des Neuntöters, wel-
cher im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie aufgeführt ist, und des Grasfrosches, welcher im
Anhang V gelistet ist, sind sämtliche der am häufigsten in den Anträgen der TVH genannten
Arten im Anhang IV der FFH-Richtlinie (davon drei in Anhang II) aufgeführt und werden ent-
sprechend den Bewertungsstufen 1 und 2 der VAK zugeordnet. Zudem befinden sich, abge-
sehen vom Neuntöter, der Erdkröte und des Grasfrosches, alle in Tabelle 22 aufgeführten
Arten auf der Roten Liste Sachsens. Es werden drei stark gefährdete Arten sowie eine ge-
fährdete Art in den Anträgen der TVH benannt, die übrigen drei Arten werden in der Vor-
warnliste geführt. Ferner werden mit dem Eremit (81 Nennungen in TVH) und der Kleinen
Hufeisennase (44 Nennungen in TVH) zwei Arten laut VAK mit vordringlichem Handlungsbe-
darf in Sachsen unter den häufigsten genannten Zielarten aufgeführt.
Tabelle 22: Die am häufigsten genannten Zielarten für die Fördergegenstände A.1 und A.2
(Mehrfachnennungen möglich, Bewilligungsstand: 07/2019)
In den Vorhabenauswahlkriterien (Stand 09.04.2019) werden unter anderem Arten benannt,
für die in Sachsen ein vordringlicher Handlungsbedarf besteht.
Insgesamt werden ca. 56 % der vordringlich zu fördernden Arten mindestens einmal in den
bewilligten Anträgen genannt (Stand 07/2019). Die Auswertung hinsichtlich der genannten
Arten verdeutlicht, dass weiterhin insbesondere Insektenarten mit vordringlichem Hand-
lungsbedarf mit nur 4 von 10 Arten stark unterrepräsentiert sind. Das Sichelmoos und die
Flussperlmuschel sind bisher noch gar nicht über die genannten Fördergegenstände geför-
dert worden, da ihre Habitate über andere Instrumente verbessert werden. Für viele dieser
178
SMUL (2019): Vorhabenauswahlkriterien im Rahmen des „Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum“
gemäß Art. 49 ELER-VO. Förderperiode 2014-2020. Stand: 09.04.2019.
Art
Bewertungsstufe
Anzahl TVH
Großes Mausohr
(Myotis myotis)
2
95
Eremit
(Osmoderma eremita)
1*
81
Neuntöter
(Lanius collurio)
3
63
Braunes Langohr
(Plecotus auritus)
2
62
Grasfrosch
(Rana temporaria)
2
54
Erdkröte
(Bufo bufo)
2
53
Kleine Hufeisennase
(Rhinolophus hipposideros)
1*
44
Fransenfledermaus (
Myotis nattereri
)
2
43
Mopsfledermaus
(Barbastella barbastellus)
1
42
Zwergfledermaus i.e.S
(Pipistrellus pipistrellus)
2
42
* Art mit vordringlichem Handlungsbedarf im Freistaat Sachsen (SMUL (2017): Vorhabenauswahlkriterien För-
derperiode 2014 – 2020 Tabelle 14, Stand: 04.09.2019)
Quelle: Fachdaten
Gesamtbericht mit den Ergebnissen zur fachlichen Begleitung des sächsischen EPLR 2014 – 2020 Berichts-
jahr 2018 unveröffentlicht, Anhang Naturschutz.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
82
Arten werden die notwendigen Hilfsmaßnahmen über andere Instrument namentlich AUK-
Flächenmaßnahmen (z.B. Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling) oder über Instrumente
außerhalb des EPLR umgesetzt, zum Beispiel durch das Bundesprogramm „Biologische
Vielfalt“ (Flussperlmuschel, Abbiss-Scheckenfalter) oder aus Landesmitteln (z.B. Eschen-
Scheckenfalter).
Auch bei den anderen Artengruppen besteht weiterhin noch großer Handlungsbedarf. Allein
aus der Artengruppe der Vögel konnten über 81 % der Arten gefördert werden (vgl. Tabelle
23). Konkret wurden somit 13 (2017 waren es sieben) von 16 genannten Vogelarten mit vor-
dringlichem Handlungsbedarf in den Anträgen genannt (vgl. Abbildung 9). Für Bodenbrüter
wie Kiebitz, Rebhuhn und Wachtelkönig findet neben der Förderung über RL NE (21 TVH
der Biotopgestaltung sowie vier TVH des Artenschutzes mit Zielart „Rebhuhn“, zwei TVH der
Biotopgestaltung mit Zielart “Wachtelkönig“) eine Förderung über die Flächenmaßnahmen
AL.5a, AL.7 und GL.3 statt (vgl. Kap. 5.1.5).
Tabelle 23: Über M 4.4 (A.1, A.2) geförderte Arten mit vordringlichem Handlungsbedarf im Frei-
staat Sachsen (Bewilligungsstand: 07/2019)
Gruppe
Anzahl der
Arten nach
Kategorie ge-
mäß VAK*
Davon mind.
einmal in
Anträgen
genannt
(12/2017)
Anteil der in
Anträgen ge-
nannten Arten
in %
Davon mind.
einmal in An-
trägen ge-
nannt
(07/2019)
Anteil der in
Anträgen
genannten
Arten in %
Insekten
10 (21%)
2
20,0 %
4
40,0%
Pflanzen
17 (30%)
7
41,2 %
8
58,8%
Sichelmoos &
Fluss-
perlmuschel
2 (3%)
0
0,0 %
0
0,0%
Vögel
16 (27%)
7
50,0 %
13
81,3%
Weitere**
12 (21%)
7
58,3 %
7
58,3%
Gesamt
57 (100%)
23
41,8 %
32
56,14%
* SMUL (2019): Vorhabenauswahlkriterien Förderperiode 2014 – 2020 Tabelle 16: Arten und Lebensraumtypen
mit vordringlichem Handlungsbedarf im Freistaat Sachsen (Stand: 09.04.2016)
** Rotbauchunke, Kreuz-, Wechselkröte, Wolf, Biber, Feldhamster, Nordfledermaus, Würfelnatter, Graues Lang-
ohr, Kleine Hufeisennase, Lachs, Äsche
Im Rahmen des Fördergegenstandes „Technik und Ausstattung“ (A.3) wurden erstmalig die
Flussperlmuschel mit vordringlichem Handlungsbedarf laut VAK sowie zwei weitere Pflan-
zenarten zusätzlich zu den zu A.1 und A.2 bereits in den Anträgen genannten Arten geför-
dert. Eine detaillierte Auflistung der geförderten Arten mit vordringlichem Handlungsbedarf
unterteilt nach Gruppen befindet sich in Abbildung 66 (siehe Kap. 6.3 im Anhang).

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
83
Abbildung 9: Über M 4.4. (A.1, A.2) geförderte Arten mit vordringlichem Handlungsbedarf im
Freistaat Sachsen im Vergleich 2017 und 2019 nach Gruppen
Es lässt sich feststellen, dass die weniger ‚sichtbaren‘ Arten wie Insekten bisher kaum (nur
im Fördergegenstand A.3) bis gar nicht (A.1, A.2) gefördert wurden. Hier besteht weiterhin
erhöhter Handlungsbedarf.
Beurteilungskriterium: Die Vorhaben dienen dem Erhalt und der Wiederherstellung
von Biotop- und Lebensraumtypen (FFH-LRT)
Im Rahmen der Fördergegenstände A.1 – A.3 wurden insgesamt 103 Biotoptypen (Mehr-
fachnennungen möglich) in den Anträgen genannt. Die Tabelle 24 stellt die 17 am häufigsten
genannten Biotoptypen heraus. Es lässt sich feststellen, dass der Biotoptyp „Streuobstwie-
sen“ mit 292 Nennungen mit Abstand am häufigsten gefördert wurde, gefolgt von den Bio-
toptypen „Feldhecke“ und „Nasswiese“, die beide keine inhaltliche Überschneidung zu LRT
aufweisen. Unter den LRT kommt die Förderung überwiegend Grünland-LRT (6510 und
6520) zu Gute. Ebenso werden die Biotoptypen „Borstgrasrasen frischer bis trockener sowie
feuchter Standorte“ und „Pfeifengras-Wiese basenarmer Standorte“, die laut der Roten Liste
Sachsens von vollständiger Vernichtung bedroht sind (Stufe 1), verhältnismäßig häufig ge-
fördert. Die Bewertungsstufe gibt Aufschluss über den Gefährdungsgrad des Biotoptyps laut
der Roten Liste Sachsens
Durch verstärkte Beratungsangebote der Bewilligungsbehörde sowie von Naturschutzqualifi-
zierern soll auf diese Fördergegenstände weiter aufmerksam gemacht und potenzielle An-
tragsteller angesprochen werden.
Tabelle 24: Am häufigsten genannten Biotoptypen A.1 – A.3
Biotoptyp
FFH-LRT
Anzahl
TVH
Bewertungsstufe
(RL Sachsen)
Streuobstwiese
(6510)
292
Stufe 3
Feldhecke
118
Stufe 3
Nasswiese
115
Stufe 2
Bergwiese
6520
107
Stufe 2
Obstbaumreihe und -allee
84
Stufe 3
Magere Frischwiese
6510
74
Stufe 2
Kopfbaum und Kopfbaumreihe
54
Stufe 2
Kleinseggenried
51
Stufe 2
2
10
12
17
16
0
4
7
8
13
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
Sichelmoos & Flussperlmuschel
Insekten
weitere Tierarten
Pflanzen
Vögel
in Anträgen genannt 12/2017
in Anträgen genannt 07/2019
Anzahl gemäß VAK

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
84
Biotoptyp
FFH-LRT
Anzahl
TVH
Bewertungsstufe
(RL Sachsen)
Binsen-Waldsimsen-Schachtelhalmsumpf
49
Stufe 3
Hochstaudenflur sumpfiger Standorte
6430
43
Stufe 3
Borstgrasrasen
Borstgrasrasen frischer bis trockener Standorte
Borstgrasrasen feuchter Standorte
6230
40
9
6
Stufe 1
Sonstiges artenreiches Feuchtgrünland
31
Stufe 3
Sonstige extensiv genutzte Frischwiese
(6510)
30
Stufe 3
Pfeifengraswiese basenarmer Standorte
Pfeifengraswiese
6410
25
13
Stufe 1
Steinrücken
24
Stufe 2
Seggen- u. binsenreiche Feuchtweiden u. Flutra-
sen
23
Stufe 3
Moorstadium mit Dominanz von Wollgräsern
7120,
7140
20
Stufe 2
Für die Auswertung zu FFH-LRT vgl. Bewertungsfrage zu Natura 2000.
Beurteilungskriterium: Der Biotopverbund ist gestärkt worden
Seit 2015 liegen die „Kernflächen eines großräumig übergreifenden Biotopverbundes“ für
Sachsen vor. Mit dem Fachvorschlag werden räumlich näher bestimmte Handlungsbereiche
für Maßnahmen zur Erreichung der Ziele des Biotopverbundes auf Landesebene definiert.
Ferner werden Verbindungsflächen definiert, die den genetischen Austausch zwischen den
Populationen von Tieren und Pflanzen der Kernbereiche sowie Wanderungs-, Ausbreitungs-
und Wiederbesiedelungsprozesse gewährleisten bzw. erleichtern sollen.
179
Der Biotopver-
bund dient der Erhaltung der Arten, die auf Grund ihrer Gefährdung und Biotopspezifität
ausgewählt wurden oder in besonderer Weise auf die Wiederherstellung von räumlichen und
funktionalen Beziehungen in der Landschaft angewiesen sind und deshalb ergänzend zur
Lebensraumausstattung als Indikatoren für eine vorhandene Lebensraumqualitätsprüfung
herangezogen werden können (Biotopverbundrelevanz). Das LfULG hat diesbezüglich eine
Liste der 276 Zielarten des landesweiten Biotopverbundes in Sachsen erstellt (Stand 2012).
Über die Vorhabenauswahlkriterien soll eine Lenkung auf Vorhaben des Biotop- und Arten-
schutzes, welche innerhalb eines Kernbereichs des landesweiten Biotopverbundes liegen,
erreicht werden.
180
Die Kernflächen des Biotopverbundes belaufen sich auf 69.916,5 ha.
181
Die Umsetzung gelingt bisher nur in geringem Umfang. Die über den Fördergegenstand A.3
geförderte „Technik und Ausstattung“ kommt bisher mit mehr als der Hälfte der Flächen im
Biotopverbund zugute. 39 % der Artenschutzvorhaben (A.2) und rund 14 % der Vorhaben
zur Biotopgestaltung (A.1) werden in den Kernflächen umgesetzt. Insgesamt werden rund
23 % der TVH der M 4.4 innerhalb der Kernflächen des Biotopverbundes gefördert. Im Ver-
gleich zu 2017 ist hier eine deutliche Steigerung um rund 18 Prozentpunkte zu verzeichnen.
Dennoch wird weiterhin deutlich, dass mehr als drei Viertel aller TVH außerhalb der Kernflä-
179
LfULG (2011): Pilotprojekt Biotopverbund Mittlere Mulde.
180
SMUL (2019): Vorhabenauswahlkriterien im Rahmen des „Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum“
gemäß Art. 49 ELER-VO. Förderperiode 2014 – 2020. Stand: 09.04.2019.
181
Zur Einordnung der Ergebnisse ist anzuführen, dass die Kernflächen (69.915 ha) insgesamt rund 4 % der
Landesfläche des Freistaates ausmachen. Der Anteil an der Gesamtfläche des Offenlandes beträgt rund 7 %.
(Statistisches Landesamt Sachsen (2016): Flächennutzung. Bodenfläche nach Art der tatsächlichen Nutzung
2016. URL:
https://www.statistik.sachsen.de/html/506.htm)

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
85
chen des Biotopverbundes gefördert werden und explizit TVH, die über den Fördergegen-
stand „Biotopgestaltung“ bewilligt werden, deutlich unterrepräsentiert sind.
Unter Einbeziehung der Vorhaben, die auf Verbindungsflächen des Biotopverbundes reali-
siert werden, erhöht sich der Anteil der TVH innerhalb des Biotopverbundes auf rund 35 %
(vgl. Tabelle 25). Die Kernflächen- und Verbindungsflächen des Biotopverbunds zusammen
genommen umfassen eine Fläche von 633.725,2 ha (63,4 % des Offenlandes bzw. 36 % der
Landesfläche des Freistaates Sachsen). Eine Stärkung des Biotopverbundes durch die För-
dergegenstände A.1, A.2 und A.3 ist demnach nicht gesichert, obgleich Vorhaben, die auch
für den Biotopverbund geeignet sind, laut VAK bevorzugt bewilligt werden. Gleichwohl die-
nen die Fördergegenstände in erster Linie dem Biotop/LRT- und Artenschutz und sind nicht
primär für die Stärkung Biotopverbund vorgesehen.
Es gilt zu bedenken, dass schwerpunktmäßig 22,8 % der TVH auf der verhältnismäßig klei-
nen Fläche des Kernbereiches des Biotopverbundes gefördert werden. Unter der Annahme,
dass die Förderung der Verbindungsflächen eine Stärkung der Kernflächen begünstigt, wir-
ken 35 % aller TVH zur Förderung des gesamten Biotopverbundes verhältnismäßig wenig,
zumal sich die Biotopverbundfläche unter Einbezug der Verbindungsflächen um das Neunfa-
che erhöht. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass hier eine rein quantitative Aussage – oh-
ne dabei die tatsächlich geförderte Hektarfläche zu berücksichtigen
182
– getroffen wird. Um
den Bedarf des Biotopverbundes sowie eine erfolgreiche Maßnahmendurchführung zu be-
werten, wäre eine qualitative Analyse erforderlich, um den tatsächlichen Bedarf des Bio-
topverbundes zu ermitteln und folglich eine Bewertung zur Biotopverbundstärkung durchzu-
führen.
Tabelle 25
:
Anteil der M 4.4 zugehörigen Teilvorhaben inner- und außerhalb der Kernflächen
des Biotopverbundes (Bewilligungsstand: 07/2019)
Förderge-
genstand
Anteil TVH innerhalb der Kern-
flächen des Biotopverbundes
Anteil TVH außerhalb der Kern-
flächen des Biotopverbundes
Anteil TVH außerhalb des
Biotopverbundes
A.1
14,24 %
85,76 %
71,67 %
A.2
39,00 %
61,00 %
50,00 %
A.3
53,97 %
46,03 %
41,27 %
Gesamt
22,75 %
77,25 %
64,85 %
Quelle: SMUL (2019): Fachdaten der bewilligten Vorhaben der RL NE/2014 (Stand: 07/2019)
Für Sachsen sind Zielarten des landesweiten Biotopverbundes definiert worden (Stand De-
zember 2012).
183
Es werden nur rund 44 % (55 von 126) der Zielarten des landesweiten Bio-
topverbundes in den Anträgen mindestens einmal genannt (Mehrfachnennungen möglich).
Die drei am häufigsten genannten Arten aus den Förderdaten zum Biotopverbund (A.1 bis
A.3) (vgl. Tabelle 26) sind ebenfalls Zielarten des landesweiten Biotopverbundes. Insgesamt
sind unter den ersten 18 am häufigsten genannten Arten die Zielarten des landesweiten Bio-
topverbundes mit sieben Arten vertreten (vgl. Tabelle 26, gelb unterlegt). Demnach werden
die jeweiligen geförderten Zielarten zwar verhältnismäßig häufig in den Anträgen zu Vorha-
ben im Biotopverbund genannt, der Umfang von 44 % genannter Zielarten ist dennoch wei-
terhin gering.
182
Siehe Flächenauswertung auf 3 Seiten weiter.
183
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/35186.htm.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
86
Tabelle 26: Anzahl der genannten Arten in Anträgen A.1 – A.3 im Biotopverbund
Art
Anzahl TVH
Bewertungsstufe
Arnika
57
2
Breitblättriges Knabenkraut
50
1
Großes Mausohr
30
2
Feuer-Lilie
26
1
Neuntöter
25
2
Wachtelkönig
22
1
Braunkehlchen
21
1
Eremit
20
1
Kreuzotter
19
2
Grüne Hohlzunge
18
1
Sumpf-Läusekraut
18
1
Österreichische Flockenblume
17
2
Weichhaariger Pippau
17
2
Mücken-Händelwurz
17
1
Grasfrosch
17
2
Schwarzstorch
16
2
Grünliche Waldhyazinthe
16
1
Zwergfledermaus
14
2
Gelb unterlegt: Zielarten des landesweiten Biotopverbundes
Laut Bundesnaturschutzgesetz BNatSchG § 20 soll der Biotopverbund mindestens 10 % der
Landesfläche umfassen. Seit 2015 wurde der Biotopverbund im Freistaat Sachsen bisher
nicht weiterentwickelt, obwohl das Artensterben heimischer Tier- und Pflanzenarten aufgrund
zunehmender Straßenschneisen und neu erschlossener Baugebiete weiter voranschreitet.
Mit dem derzeitigen Schutzgebietssystem können nur etwa 30 % bis 40 % der heimischen
Arten in Deutschland in überlebensfähigen Populationen erhalten werden.
184
Die Fraktion
Bündnis 90/ Grüne in Sachsen streicht heraus, dass insbesondere durch Wanderkorridore
für spezifische Arten, Trittsteinbiotope zwischen mehreren Schutzgebieten, sowie Wildtier-
korridore unter oder über Autobahnen und Bundesstraßen das Biotopverbundnetz flächen-
mäßig wachsen könne. Kernlebensräume könnten so vernetzt werden und fehlende Linien
und Knoten im Biotopverbund ergänzt werden.
185
Demnach könnte der Förderung der Ver-
bindungsflächen des Biotopverbundes eine ähnlich hohe Bedeutung wie der Förderung in
den Kernflächen zukommen.
Umsetzungsschwerpunkte der durchgeführten TVH in den Kernbereichen des Biotopver-
bunds sind die Gehölzmaßnahmen (Sanierung und Anlage), gefolgt von „Sonstiger Biotop-
gestaltung“, Anschaffung von Mähtechnik bzw. Artenschutzmaßnahmen (vgl. Abbildung 10).
184
Bundesamt für Naturschutz:
https://www.bfn.de/themen/biotop-und-landschaftsschutz/biotopverbund.html,
abgerufen am 06.08.2019.
185
https://www.bundesumweltportal.de/sachsen/16-sachsen/un-dekade-fuer-biologische-vielfalt-gruene-sachsen-
braucht-ein-biotopverbundnetz-das-diesen-namen-auch-verdient-guenther-wir-haben-keine-weitere-zeit-zu-
verlieren-um-das-dramatische-artensterben-endlich-aufzuhalten.html, abgerufen am 06.08.2019.

image
image
AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
87
Abbildung 10: Anzahl der TVH innerhalb der Biotopverbund-Kernflächen (Stand: 07/2019)
Quelle: eigene Darstellung auf Grundlage von SMUL: Finanzdaten der bewilligten Vorhaben der RL NE/2014,
Stand 07/2019
Die Flächenauswertung
186
für die TVH des Fördergegenstands A.1 zeigt eine ähnliche Ver-
teilung, wie die Verteilung nach Anzahl der bewilligten TVH. Die Gesamtfläche der TVH in
den Kerngebieten beträgt rund 326 ha (ohne Doppelungen rund 322 ha). Die Förderfläche,
der über „Sonstige Biotopgestaltung“ geförderten Vorhaben, ist gegenüber 2017 deutlich
erweitert worden, aufgrund des TVH „Revitalisierung der Wöllnauer Senke Zentrum“ (Moor-
revitalisierung). Das erwähnte TVH umfasst 227 ha (85 %) der Fläche der sonstigen Biotop-
gestaltungsmaßnahmen (vgl. Abbildung 11).
Abbildung 11: Flächen der TVH innerhalb der Biotopverbund-Kernflächen (A.1, Stand: 01/2019)
Quelle: eigene Darstellung auf Grundlage von LfULG: Geodaten der bewilligten Vorhaben der RL NE/2014
186
Auf Grundlage der Geodaten bewilligter Vorhaben, die Geodaten abgeschlossener Vorhaben standen nicht
zur Verfügung.

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
88
Auch wenn viele der Biotopgestaltung und dem Artenschutz zukommenden Maßnahmen
häufig nicht auf den gesicherten Kernflächen erfolgten, ist davon auszugehen, dass die Ent-
wicklung von Flächen, die eine räumliche Nähe zu den Kern- und Verbindungsflächen auf-
weisen gleichwohl einen funktional wertvollen Beitrag für den Biotopverbund leistet. Dies trifft
vor allem für Teilvorhaben in FFH-Gebieten zu, deren Fläche nur teilweise als Biotopver-
bundfläche ausgewiesen ist. Den folgenden Karten ist die Verteilung der bewilligten Teilvor-
haben in den Kernflächen des Biotopverbundes und der bewilligten TVH insgesamt zu ent-
nehmen. Bei den Vorhaben in den Kernbereichen ist eine leichte Häufung entlang der Elbe
und im Süden Sachsens auszumachen. Im Vergleich zu 2017 sind im Süden Sachsens und
im Osten im Lausitzer Neiße-Gebiet Vorhaben hinzugekommen. Die Lage der insgesamt
bewilligten TVH verdeutlicht den räumlichen Bezug weiterer Vorhaben zum Kernbereich des
Biotopverbundes. Abbildung 11 zeigt deutlich, dass insbesondere im Gebiet der sächsischen
Schweiz deutlich mehr Vorhaben in Kern- und Verbindungsflächen des Biotopverbundes
gefördert werden. In den Landkreisen Leipzig, Meißen und Bautzen, die Flächen des Bio-
topverbundes aufweisen, werden verhältnismäßig weniger Vorhaben in Kerngebieten des
Biotopverbundes gefördert.
Die Gesamtfläche der bewilligten TVH betrug ohne Doppelungen im Januar 2019
4506,4 ha,
187
2458,5 ha (55 %) kamen dabei Kerngebietsflächen, weitere 1661,1 ha Verbin-
dungsflächen des Biotopverbundes zu Gute. Im Rahmen der Flächenauswertung wurden
demnach über 90 % der bewilligten TVH-Fläche im Biotopverbund gefördert (Stand
01/2019). Das aktuell flächenmäßig mit Abstand größte Vorhaben liegt im Biotopverbund und
dient der Reduktion der Prädation von Wasservögeln durch Mink, Waschbär und Marder-
hund im Teichgebiet Niederspree. Es wird bereits auf einer Fläche von 69 % (2841,1 ha) der
bewilligten TVH-Fläche im Biotopverbund (Kern- und Verbindungsflächen) umgesetzt. In
Relation zur gesamten Biotopverbundfläche von 633.725,2 ha, (davon 69.916,5 ha Kernflä-
chen) ist der Anteil der TVH-Fläche sehr gering (3,5 % in Kernflächen und 0,7 % im gesam-
ten Biotopverbund). Demnach dienen die bewilligten TVH-Flächen zwar zum größten Teil
dem Biotopverbund und weisen größere Flächen auf als TVH, die außerhalb des Biotopver-
bunds liegen, tragen in ihrer Gesamtflächengröße aber nur in einem sehr geringen Teil zum
Biotopverbund bei. Zu beachten ist, dass endfestgesetzte Vorhaben nicht mitberechnet wur-
den.
187
LfLUG: Geodaten (Stand 01/2019), ausgenommen sind Geodaten zu endfestgesetzten Vorhaben.

image
image
AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
89
Abbildung 12: Bewilligte TVH der M 4.4 in den Kernflächen des Biotopverbundes (Stand:
01/2019)
Abbildung 13: Lage bewilligter TVH der M 4.4 (Stand: 01/2019)

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
90
Bewertungsfrage: Inwieweit hat die Teilmaßnahme zur nachhaltigen Bewirtschaftung
und Entwicklung von Natura 2000-Gebieten und anderen Gebieten mit hohem Natur-
wert beigetragen?
Beurteilungskriterium: FFH-Gebiete und andere Gebiete mit hohem Naturwert sind
unterstützt worden
Sachsen hat 270 FFH-Gebiete (mit 168.657 ha und 9,2 % der Landesfläche) und 77 Europä-
ische Vogelschutzgebiete (mit 248.965 ha und 13,5 % der Landesfläche) als Teile des euro-
paweiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000 ausgewählt. Die sich überlagernde Fläche (Ver-
einigungsmenge) der FFH-Gebiete und Vogelschutzgebiete beträgt insgesamt 292.776 ha
(15,9 % der Landesfläche). Die flächenmäßige Überlagerung der Naturschutzgebiete (NSG)
mit Natura 2000-Gebieten beträgt 98,5 %.
188
Unter Gebiete mit besonders hochwertigen
Schutzkategorien fallen NSG (213 Gebiete, Stand: 2009) und Flächennaturdenkmäler (FND)
(2613 Gebiete, Stand 2018) im Freistaat Sachsen, die zum Teil bereits in FFH-Gebiete lie-
gen. Flächennaturdenkmaler zeichnen sich im Vergleich zu Naturschutzgebieten durch eine
kleinere Flächenausdehnung sowie ihren Schwerpunkt im Lössgefilde aus. Mit gut einem
Viertel (213 TVH) der 879 TVH (bereinigt um Nachbewilligungen) werden Gebiete besonders
hochwertiger Schutzkategorien wie Kernflächen des Biotopverbundes (siehe Auswertung
zum Biotopverbund), Naturschutzgebiete, Nationalparke und Flächennaturdenkmaler geför-
dert.
Knapp ein Drittel (30,5 %) der bewilligten Teilvorhaben wird in FFH-Gebieten umgesetzt (vgl.
Abbildung 15). Mit 44 % der Vorhaben bilden die Biotopgestaltungsvorhaben (A.1) den
Schwerpunkt in diesen Gebieten.
Abbildung 14: Verteilung der TVH in FFH-Gebieten nach Fördergegenstand (Bewilligungs-
stand: 07/19)
Quelle: eigene Darstellung auf Grundlage von LfULG: Fachdaten NE-ELER-Fachbegleitung (Stand: Juli 2019)
Für Fördergegenstand A.1 liegen absolut betrachtet die meisten Bewilligungen innerhalb von
FFH-Gebieten vor (Abbildung 14). Anteilig an den insgesamt bewilligten Vorhaben in A.1
liegen jedoch nur rd. 19 % in einem FFH-Gebiet (vgl. Abbildung 15). Ferner finden ein Groß-
teil der angeschafften Technik und Ausstattung (A.3) (90 %) sowie mehr als die Hälfte der
Artenschutzvorhaben (A.2) Anwendung in FFH-Gebieten. Insgesamt ist über ein Drittel der
188
Klenke, F. (2011): Nationalpark und Naturschutzgebiete in Sachsen – Aktivitäten und Tendenzen.
44%
18%
38%
A.1
A.2
A.3

image
AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
91
bewilligten TVH für die Fördergenstände A.1 bis A.3 für FFH-Gebiete relevant und drückt aus
inwieweit die RL NE das Schutzgebietssystem Natura 2000 unterstützt.
Abbildung 15: Anteil der TVH inner- und außerhalb von FFH-Gebieten je bewilligter TVH
(Bewilligungsstand: 07/2019)
Quelle: eigene Darstellung auf Grundlage von LfULG: Fachdaten NE-ELER-Fachbegleitung (Stand: Juli 2019)
Ein differenzierteres Bild vermittelt die Auswertung der bewilligten Vorhaben auf Ebene der
FFH-Lebensraumtypen. In Tabelle 27 sind die Lebensraumtypen aufgelistet, für die über die
M 4.4 bis Mitte 2019 bereits TVH bewilligt wurden. Insgesamt wurden für 195 TVH mindes-
tens ein LRT als Zielfläche in den bewilligten Anträgen (M 4.4) angegeben. Die Förderung
kommt 351 LRT-Flächen zugute, wobei über ein TVH mehrere LRT-Flächen gefördert wer-
den können
189
(vgl. Tabelle 27). Ferner wurden Bergmähwiesen, Artenreiche Borstgrasrasen
und Flachland-Mähwiesen mit Abstand am häufigsten als Ziel-LRT genannt und profitieren
insbesondere durch die Anschaffung von Technik und Ausstattung.
Für zahlreiche LRT gelingt es bisher nicht im ausreichenden Maße, Förderungen mit Maß-
nahme M 4.4 zu erzielen. Vor allem für die laut FFH-Bericht 2013 stark gefährdeten LRT
sumpfiger und mooriger Standorte sowie für den Binnendünenstandort (LRT 2330) sind bis-
her noch kaum Vorhaben beantragt/bewilligt worden. Verschiedene Gründe gibt es für die
niedrige Inanspruchnahme. Der LRT hat in Sachsen nur wenige Vorkommen, die Pflege
sumpfiger und mooriger Standorte ist schwierig, die Vorhaben sind komplex und aufwändig.
Diese nutzungsunabhängigen LRT werden auch nicht über die Flächenmaßnahmen erreicht.
Es zeigt sich, dass nutzungsabhängige LRT, vor allem die FFH-Lebensraumtypen „Magere
Flachlandmähwiese“ (LRT 6510) und „Berg-Mähwiese“ (LRT 6520) von der angepassten
Bewirtschaftung durch AUKM profitieren. Weitere Grünlandmaßnahmen kamen in kleinerem
Umfang u. a. Trockenen Heiden, Kalk-Trockenrasen, Steppen-Trockenrasen sowie Pfeifen-
graswiesen zugute (vgl. Kap. 5.1.5).
189
LfULG: Fachdaten NE-ELER-Fachbegleitung AGRI-FÖRDER III. (Stand: Juli 2019).

AFC – ART – Entera
TSS-Forstplanung
Zentralbewertung des EPLR
im Freistaat Sachsen 2014 – 2020
92
Tabelle 27
:
Übersicht der FFH-Lebensraumtypen, die durch bewilligte oder abgeschlossene
Vorhaben der M 4.4 im Offenland gefördert werden/wurden
FFH-Lebensraumtypen
LRT-
Code
Priorität*
Vorhaben, bei denen der LRT als Ziel be-
nannt wurde (Mehrfachnennungen mgl.)
A.1-A.3 Ge-
samt
A.1
A.2
A.3
Binnendünen mit offenen
Grasflächen*
2330
2
-
-
-
-
Eutrophe Stillgewässer
3150
-
8
3
4
1
Dystrophe Stillgewässer
3160
-
1
-
1
-
Fließgewässer mit Unterwas-
servegetation
3260
-
2
2
-
-
Feuchte Heiden*
4010
1
0
-
-
-
Trockene Heiden
4030
-
12
7
-
5
Wacholder-Heiden*
5130
2
0
-
-
-
Basophile Pionierrasen*
6110
2
1
-
-
1
Schwermetallrasen
6130
-
2
2
Kalk-Trockenrasen*
6210
2
13
2
3
8
Artenreiche Borstgrasrasen*
6230
2
56
18
1
37
Steppen-Trockenrasen*
6240
2
0
-
-
-
Pfeifengraswiesen*
6410
1
33
3
5
25
Brenndolden-Auenwiesen*
6440
1
1
-
-
1
Feuchte Hochstaudenfluren
6430
-
14
2
-
12
Flachland-Mähwiesen
6510
-
53
26
-
27
Berg-Mähwiesen
6520
-
65
30
8
27
Lebende Hochmoore*
7110
2
0
-
-
-
Regenerierbare Hochmoore*
7120
1
16
-
-
16
Übergangs- und Schwingra-
senmoore*
7140
2
22
1
-
21
Kalkreiche Sümpfe*
7210
1
1
1
-
-
Kalktuff-Quellen*
7220
2
0
-
-
-
Kalkreiche Niedermoore*
7230
1
5
3
-
2
Kalkfelsen mit Felsspalten-
vegetation
8210
-
1
1
-
-
Hainsimsen-Buchenwälder
9110
-
1
-
-
1
Labkraut-Eichen-
Hainbuchenwälder