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Impressum
Bergbau in Sachsen, Band 15
Die Steinkohlenlagerstätte Zwickau
Titelbild:
Vertrauensschacht Zwickau an der Schneeberger Straße
(Aufnahme datiert etwa 1904 bis 1910). -
Steinkohlenbergbauverein Zwickau e.V.
Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und
Geologie (LfULG);
August-Böckstiegel-Str. 1; 01326 Dresden;
E-Mail:
lfulg@smul.sachsen.de
www.smul.sachsen.de/lfulg
Sächsisches Oberbergamt
Kirchgasse 11, D-09599 Freiberg
Autoren:
HOTH, Klaus et al.
(s. auch Autorenverzeichnis)
Redaktion:
Dr. Klaus Hoth, Richard-Beck-Str. 11, 09599 Freiberg
Dr. Peter Wolf, LfULG, Referat Rohstoffgeologie
Halsbrücker Str. 31a, 09599 Freiberg
E-Mail: abt10.lfulg@smul.sachsen.de
Redaktionsschluss:
12/ 2008
Druck:
Druck- und Verlagsgesellschaft Marienberg mbH
Industriestrasse 3, 09496 Marienberg
Auflage:
600
Bezugsbedingungen:
Diese Veröffentlichung kann vom Zentralen
Broschürenversand der Sächsischen Staatsregierung
Hammerweg 30, 01127 Dresden
Tel.: 0351 / 2103 671 oder -2103 672,
Fax: 0351 / 2103681
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keitsarbeit des Sächsischen Landesamtes für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie sowie des Sächsischen
Oberbergamtes herausgegeben. Sie darf weder von Par-
teien noch von Wahlhelfern im Wahlkampf zum Zwecke
der Wahlwerbung verwendet werden. Auch ohne zeitli-
chen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl darf die
Druckschrift nicht in einer Weise verwendet werden, die
als Parteinahme der Ämter zugunsten einzelner Gruppen
verstanden werden kann. Den Parteien ist es gestattet,
die Druckschrift zur Unterrichtung ihrer Mitglieder zu ver-
wenden.
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Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt. Alle
Rechte, auch die des Nachdrucks von Auszügen und der
fotomechanischen Wiedergabe, sind den Herausgebern
vorbehalten.
Gedruckt auf 100% Recyclingpapier
L VI-4-1/15
Artikelnummer:
ISBN 978-3-9812792-1-4

 
3
Die Steinkohlenlagerstätte Zwickau
K. Hoth, H. Brause, H. Döring, E. Kahlert, St. Schultka,
N. Volkmann, H.-J. Berger, Ch. Adam, M. Felix, M. Wünsche
Unter Mitarbeit von H.-J. Bautsch †, H. Herfurth †, M. Lapp,
J. Luckert, J.-W. Schneider, H. Schubert, M. Störr, A. Weise,
F. Witzmann, P. Wolf, M. Zeidler
Freiberg 2009

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3
Vorwort
Seit der Gründung des „Geological Survey of Saxony“
1872 war es das wesentlichste Anliegen dieses Geo-
logischen Dienstes für eine naturraumgerechte und
ökonomisch nachhaltige Landesentwicklung Sorge zu
tragen. Schon 5 Jahre nach Gründung des Dienstes
wurden zur Unterstützung der westsächsischen Stein-
kohlenindustrie „Geologische Profile durch das Koh-
lenfeld von Zwickau“ zusammengestellt und veröffent-
licht. Das Ziel der Untersuchungen war die Einschät-
zung der weiteren Ergiebigkeit und damit Nachhaltig-
keit des Vorkommens. Dabei war man sich neben der
ökonomischen Bedeutung dieser Befunde, des Ein-
flusses der Bergbau- und Hüttenproduktion auf Kultur,
gewerbliche und industrielle Produktion bewusst und
sah die genannten immateriellen Investitionen auch
als Beitrag zur Entwicklung einer tragfähigen Nachfol-
geindustrie.
Im „Kohlenfeld von Zwickau“ ist die Nutzung und da-
mit der Abbau von Steinkohle schon seit 1348 urkund-
lich belegt. Mit der Stilllegung des Martin-Hoop-
Werkes 1978 ging daher eine mehr als 600-jährige
Bergbauperiode zu Ende. Vier Mal wurde dieses
westsächsische Steinkohlenrevier einer lagerstätten-
kundlichen Analyse unterzogen. Während bei C. A.
G
UTBIER (1834/35) und bei der Revierrevision Ende
des 19. Jh. (O. E. A
RNOLD et al. 1895-1900) selbst-
verständlich die geologisch-paläontologischen Lager-
stättenverhältnisse als Grundlage einer effektiven
Produktion im Vordergrund standen, verschob sich
bei der Jubiläumsanalyse 1936 der Schwerpunkt der
Darstellung eindeutig auf bergbauliche, bergwirt-
schaftliche, bergrechtliche und soziale Fragen.
Trotz einer späteren straffen Zusammenfassung der
geologischen Verhältnisse durch P
IETZSCH (1942,
1962) blieben grundlegende geologische Probleme in
dieser klassischen intramontanen Lagerstätte unge-
klärt und zahlreiche geologische Fragen unbeantwor-
tet. Wegen dieses mangelhaften Kenntnisstandes
wurde die deutsche Seite sowohl von der Internatio-
nalen Union für Geologische Wissenschaften (1973)
als auch vom 8. Internationalen Karbonkongress
(1975) aufgefordert, durch eine Revision des Kennt-
nisstandes über das hohe Oberkarbon in der Vorerz-
gebirgssenke diesen Mangel zu beheben. Dies konn-
te auch die bis 2000 durch den Steinkohlenbergbau-
verein Zwickau e. V. gefertigte „Abschlusszusammen-
fassung über das Revier“ auf Grund fast ausschließli-
cher Bergbauorientierung nicht erreichen. Diese Mo-
nographie ist allein eine ausgezeichnete Zusammen-
fassung über die geschichtliche und rechtliche Ent-
wicklung des Bergbaus, die Geschichte der wichtigs-
ten Steinkohlenwerke, die technische Entwicklung des
Zwickauer Bergbaus, über Steinkohlenaufbereitung
und -verkokung, die Kohlen- und Werksbahnen und
die Lage der Bergarbeiter während der letzten 200
Jahre.
Mit vorliegendem Band der Schriftenreihe „Bergbau in
Sachsen“ wird nun die Abschlussdarstellung des
Steinkohlenbergbauvereins hinsichtlich der geologi-
schen, d. h. also stratigraphischen, paläontologi-
schen, kohlenpetrographischen, tektonischen und
geoentwicklungsgeschichtlichen Verhältnisse ergänzt.
Die verbliebenen Restvorräte im östlichen Teil des
Reviers könnten bei fortgeschrittenen Technologien
der Energiegewinnung (z. B. bei der Flözgasprodukti-
on oder der mikrobiellen Verflüssigung) im regionalen
Rahmen interessant werden. Zunehmendes Interesse
finden die Bergbaufolgen, seien es Veränderungen
der Oberflächenmorphologie, der Hydrogeologie oder
Rekultivierungserfahrungen und Erdwärme-Nutzungs-
möglichkeiten. Sie werden künftig ökologisch, ökono-
misch und landeskulturell zunehmende Bedeutung er-
langen.
Die 1994 begonnene neue Monographienreihe „Berg-
bau in Sachsen“, in der inzwischen 14 Bände über
zahlreiche Erz- und Energierohstoffvorkommen er-
schienen sind, hat inzwischen mit zu einer deutlichen
Belebung des wirtschaftlichen Interesses an einheimi-
schen Lagerstätten beigetragen und zum Teil bereits
zur Aufnahme von neuen Untersuchungsarbeiten ge-
führt. So ist zu hoffen, dass den Bergbaumonogra-
phien ein ähnlicher wirtschaftlicher Einfluss zukom-
men wird wie ihren Vorgängern zu Erzen, Stein- und
Braunkohlen rd. 100 Jahre zuvor. Diese hatten An-
fang des 20. Jahrhunderts zu einer erheblichen Wert-
schöpfung in Sachsen beigetragen und u. a. dessen
Wohlstand und seine führende Stellung unter den
deutschen Bundesländern begründet.
Prof. Reinhard Schmidt
Norbert Eichkorn
Präsident des Sächsischen Oberbergamtes
Präsident des Sächsischen Landesamtes
für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

 
4
Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung.............................................................................................................................................................6
Summary..................................................................................................................................................................8
1 Geologische Übersicht........................................................................................................................11
2
Die wirtschaftliche Bedeutung der Steinkohlenlagerstätte Zwickau .............................................14
2.1
Abriss ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und der Erkundung des Mülsenfeldes..................................14
2.2
Steinkohlenförderung und Restressourcen in Zwickau .........................................................................16
3
Sedimentation und Flözbildung im Oberkarbon von Zwickau........................................................18
3.1 Kenntnisstandsentwicklung....................................................................................................................18
3.2 Schichtenfolge und Beckenentwicklung.................................................................................................21
3.2.1 Untere Schedewitzer Schichten.............................................................................................................22
3.2.2 Obere Schedewitzer Schichten..............................................................................................................25
3.2.3 Marienthal-Pöhlauer Schichten..............................................................................................................27
3.2.4 Oberhohndorfer Schichten.....................................................................................................................29
3.3
Kohlenpetrographie und Flözausbildung (mit 7 Flözkarten) ..................................................................32
3.3.1 Flözcharakteristiken ...............................................................................................................................34
3.3.2 Rohstoffqualität und Inkohlungsgrad......................................................................................................41
3.4
Die „Flözprobensammlung Zwickauer Revier“ im Bergbaumuseum Oelsnitz ......................................44
3.5 Die Grobklastit-Horizonte im Zwickauer Oberkarbon ...........................................................................46
3.6
Das „Kümmelgebirge“ und Relikte des ältesten Bodens von Sachsen an der Basis des
Oberkarbons...........................................................................................................................................52
3.7 Pelitische Gesteine.................................................................................................................................55
3.7.1 Schiefertone und Schieferschluffe ........................................................................................................55
3.7.2 Kohlentonsteine......................................................................................................................................56
3.8 Karbonatgesteine...................................................................................................................................61
3.9 Basaltoide / „Melaphyr“..........................................................................................................................66
3.10
Das Profil an der Cainsdorfer Brücke.....................................................................................................68
4 Paläontologie........................................................................................................................................72
4.1
Die Makroflora der Zwickau-Formation..................................................................................................72
4.1.1 Vorbemerkungen....................................................................................................................................72
4.1.2 Ausgewählte Elemente der Flora...........................................................................................................73
4.1.3
Zur floristischen Sonderstellung des Zwickauer Karbons......................................................................84
4.1.4
Deutungsversuch der Flözbildungsbedingungen und Flözdeutung.......................................................85
4.1.5 Stratigraphische Einschätzung und Schlussfolgerungen.......................................................................88
4.2 Sporenstratigraphische Untersuchungen in der Zwickau-Formation ....................................................90
4.2.1 Vorbemerkungen....................................................................................................................................90
4.2.2 Sporenpaläontologische Gliederung der Zwickau-Formation................................................................90
4.2.3
Ergebnisse der sporenpaläontologischen Untersuchungen an Bohrungen im Mülsenfeld...................91
4.2.4
Vergleich mit den sporenstratigraphischen Verhältnissen im Saar-Lothringer Becken.........................95
4.2.5
Vergleich mit den sporenstratigraphischen Verhältnissen weiterer euramerischer
Oberkarbon-Becken ...............................................................................................................................97
4.2.6 Chronostratigraphische Einstufung der Zwickauer Sporenzonen .........................................................98
4.3
Die Makrofauna der Zwickau-Formation..............................................................................................101
5 Untergrundverhältnisse des Lagerstättenbereiches .....................................................................103
6 Tektonik...............................................................................................................................................104
6.1 Das Bruchstörungsmuster im Lagerstättenbereich..............................................................................104
6.2
Die Zeitlichkeit der bruchtektonischen Aktivitäten................................................................................107
6.2.1 Präoberkarbonische Bruchtektonik......................................................................................................107
6.2.2 Bruchtektonik während des Oberkarbons............................................................................................108
6.2.3 Bruchtektonik während des Rotliegenden ...........................................................................................110
6.2.4 Post-Rotliegend Bruchtektonik.............................................................................................................113

 
5
6.2.5
Neoide bis rezente Bruchtektonik ........................................................................................................114
6.3 Seismische Spezialmessungen zur Störungslokalisierung.................................................................114
7 Hydrologisch-hydrogeologische Verhältnisse und bergbauliche Wasserhaltung.....................119
7.1 Hydrologische Ausgangssituation........................................................................................................119
7.2 Hydrogeologische Verhältnisse...........................................................................................................120
7.3
Bergbaueinfluss auf Wasserwegsamkeit und Wasserhaltung.............................................................121
7.4 Wasserbeschaffenheit..........................................................................................................................124
8 Bergbaufolgen....................................................................................................................................127
8.1 Bergbaubedingte Deformationen (Senkungen, Erdrisse, Hebungen).................................................127
8.2
Veränderungen der geohydraulischen und hydrogeologischen Verhältnisse .....................................130
8.3
Berge- und Aufbereitungshalden .........................................................................................................132
9
Rekultivierung der Halden des Zwickauer Bergbaus.....................................................................133
9.1 Vorbemerkung......................................................................................................................................133
9.2 Haldenumfeld.......................................................................................................................................133
9.3 Haldenausbildung................................................................................................................................134
9.4 Haldensubstrate, Bodeneigenschaften und Kulturfähigkeit.................................................................137
9.5 Haldenbegrünung.................................................................................................................................140
9.6 Schlussfolgerungen..............................................................................................................................145
Autorenverzeichnis ...........................................................................................................................................148
Literatur (Auswahl)............................................................................................................................................148
Abbildungsverzeichnis .....................................................................................................................................158
Tabellenverzeichnis...........................................................................................................................................160
Verzeichnis der Tafeln im Anhang...................................................................................................................160
Beilagenverzeichnis
(Beilage 3-1 bis 8-1 auf beiliegender CD)
.......................................................................160
Anhang
Beilagen

6
Kurzfassung
Das letzte ostdeutsche Steinkohlenbergwerk „Martin
Hoop Zwickau“ ist 1978 geschlossen worden. Damit
ging der mehr als 600 Jahre währende Steinkohlen-
bergbau in Sachsen zu Ende. Die Lagerstätte Zwi-
ckau hatte einerseits wesentliche Bedeutung für die
Wirtschaftsentwicklung im ehemaligen Königreich
Sachsen, später auch in der DDR, andererseits ist sie
ein wichtiges Beispiel für eine hochoberkarbonische
Innensenke im mitteleuropäischen Variszischen Ge-
birge. Die bergbautechnischen Verhältnisse in der
Lagerstätte Zwickau sind in zwei umfangreichen Mo-
nographien ausführlich dargestellt worden: 1936 von
E
CKHARDT & MAY und 2000 von DRESSEL et al. Für die
geologischen Verhältnisse gilt das nicht in gleichem
Maße. Insbesondere in den letzten 35 Jahren der Be-
triebszeit stand weniger die Gesamtlagerstätte als ihr
Ostteil im Focus des Interesses. Daher ist die deut-
sche Seite gegen Ende der Betriebszeit international
mehrfach aufgefordert worden, den geologisch-
paläontologischen Kenntnisstand zu verbessern. Mit
vorliegender Bergbaumonographie wird der Versuch
unternommen, die bestehenden Kenntnislücken so
weit als möglich zu schließen.
Nach einer knappen Darstellung des geologischen
Rahmens der ehemaligen Lagerstätte (
Kapitel 1
)
werden ihre wirtschaftliche Entwicklung in den letzten
130 Jahren, die abschließende Erkundungsetappe im
Ostteil (Mülsenfeld) und die Bedeutung der Zwickauer
Förderung für die gesamtsächsische Steinkohlenpro-
duktion skizziert (
Kapitel 2
). Auf die Restressourcen
wird hingewiesen.
In
Kapitel 3
schließt sich nach einer Übersicht über
die geologisch-paläontologische Kenntnisstandsent-
wicklung eine Übersicht über den Werdegang dieses
hochoberkarbonen Beckens an. Innerhalb der Zwi-
ckau-Formation werden 4 Subformationen unter-
schieden (Untere Schedewitz-Subformation, Obere
Schedewitz-Subformation, Marienthal-Pöhlau-Subfor-
mation, Oberhohndorf-Subformation) und entspre-
chend den Vorgaben der Deutschen Stratigraphi-
schen Kommission nach einem einheitlichen rd. 25-
teiligen Schema ausführlich charakterisiert. Über das
Gesamtprofil hin sind 25 z. T. mehrteilige Korrelati-
onseinheiten ausgehalten und in drei beckenweiten
Korrelationsprofilen dargestellt.
13 Flöze aus der 19-teiligen Flözfolge (von Segen
Gottes-Flöz, Untere Abteilung, bis hin zu den Elligen
Flözen) werden hinsichtlich der wichtigsten Rohstoff-
parameter (Verbreitung, Kohlenmächtigkeit, Bergean-
teil, in den höheren Flözen auch Asche, Heizwert,
Schwefel, petrographischer Flözaufbau, Reflexions-
vermögen) charakterisiert und die sieben wichtigsten
von ihnen auf Flözverbreitungskarten 1 : 25 000 dar-
gestellt. Die Karten enthalten die Flözmächtigkeiten in
den Abstufungen 0,4-1 m, 1-2 m usw., 4-6 m, 6-8 m,
>8 m (max. 10 m) sowie die Kohle : Berge-Verhältnis-
se. Eventuelle Beziehungen zum koexistenten Stö-
rungsmuster werden abgeleitet.
Nach dem Inkohlungsgrad sind die Zwickauer Stein-
kohlen Gasflamm- bis Gaskohlen. Ein Einfluss hoch-
oberkarbonischer Granite im südlichen Beckenanteil
auf den Inkohlungsprozess ist nicht auszuschließen.
Die abrupte und diskordante Beendigung mehrerer
mächtiger Kohlenflöze (Kohlemaxima) zeigt an, dass
erhebliche Teile des ehemaligen Paläomoores der
hochstefanisch-unterpermischen Abtragung zum Op-
fer fielen.
Um auch zukünftig Forschungsarbeiten an Zwickauer
Flözprofilen zu ermöglichen, sind im Bergbaumuseum
Oelsnitz mehr als 1.400 Proben aus 42 Zwickauer
Flözprofilen samt deren speziellen Profildokumentati-
onen hinterlegt. Sie stammen aus den zu Ende der
Betriebszeit noch zugänglichen höheren Zwickauer
Flözen ab Rußkohlenflöz III.
Die innerhalb des Zwickauer Oberkarbons auftreten-
den Sandsteine und Konglomerate (ca. 20-40 Anteils-
prozent, rd. 15 Horizonte) werden erstmalig differen-
ziert betrachtet und entsprechend der verstreut vor-
handenen Daten auch hinsichtlich ihrer Korngrößen
und ihres Kornbestandes charakterisiert. Eine Analy-
se der Grobklastitanteile in der Fläche ermöglicht ver-
besserte Einblicke in den Ablauf der Beckenfüllung.
Diese erfolgte - entgegen bisherigen Vorstellungen -
bald vom nördlichen, bald vom südlichen Beckenrah-
men her.
Im Anschluss an die Grobklastika werden die peliti-
schen Grundgesteine der Schichtenfolge (Schieferto-
ne, tonige Schieferschluffe, feinsandige Schie-
ferschluffe; Kohlentonsteine), außerdem nichtsiderit-
sche und sideritische Karbonatgesteine sowie die im
tiefsten Teil des Oberkarbonprofils auftretenden Ba-
saltoide und ihre Tuffe kurz besprochen. Neben dem
seit langem bekannten Lehestreifen (Kaolingraupen-
Tonstein) im Lehekohlenflöz der Oberhohndorf-
Subformation wurde im tieferen Teil des Oberkarbon-
profils (?Obere Schedewitz-Subformation) ein dm-
mächtiger „Graupen“-Tonstein nachgewiesen, der zu
Dreiviertel aus Kaolinit besteht. Weitere Mineralanteile
sind Illit (detritisch aus Phylliten) und Quarz. Mit den
eingelagerten Geröllen, Schlammaggregaten und
dem fossilen Pflanzenhäcksel ist dieser Tonstein ein
polymiktes umgelagertes Schwemmsediment. Anteile
an Splitterquarz und Kaolinitpseudomorphosen nach
Feldspat sind sicher pyroklastischer Herkunft. Einige
der lakustrinen Kalksteinlagen führen Algenreste.
Den Fließschuttdecken und Bodenbildungsrelikten an
der Basis des Oberkarbons ist ein kurzes eigenes Un-
terkapitel gewidmet.
Mit einer Beschreibung des heute einzigen Tagesauf-

7
schlusses im Zwickauer Oberkarbon wird
Kapitel 3
abgeschlossen: Mittels 17 Beschreibungseinheiten
wird das 250 m lange, im Jahre 2002 durch ein Mul-
dehochwasser fast vollständig freigelegte Profil wie-
dergegeben. Es reicht vom Schichtensandstein im
Hangenden von Rußkohlenflöz I bis zum basalen Ba-
saltoid. Eine Kartenskizze ca. 1 : 1 500 unterstützt die
verbale Darstellung.
Kapitel 4
stellt die Kenntnisfortschritte über den Fos-
silinhalt der Zwickau-Formation dar. Die
Makroflora
deckt stratigraphisch nur den höheren Bereich des
Westfal D ab. Hinweise auf tieferes Westfal D oder
gar höheres Westfal C fehlen völlig. Das Vorhanden-
sein von Cantabrium kann nicht mit vollständiger Si-
cherheit ausgeschlossen werden. Interessant in die-
sem Zusammenhang ist das bisher tiefste stra-
tigraphische Auftreten der Gattung
Dicranophyllum.
Nachuntersuchungen der Bohrungen im Mülsenfeld
sowie in den Sammlungen von Zwickau, Chemnitz,
Dresden, Freiberg und Berlin zeigen, dass die von
D
ABER (1957) dargestellte klare Trennung von
Linop-
teris neuropteroides
und
Linopteris brongniartii
nicht
besteht. Die letztere Form verdrängt erstere kontinu-
ierlich, wie das auch aus anderen Steinkohlebecken
bekannt ist.
Die Vielzahl der in der Literatur beschriebenen Ende-
miten kann nicht bestätigt werden; lediglich bei zwei
(drei) Formen kann noch Endemismus vermutet wer-
den. - Die Florenentwicklung weist auf einen Zeitraum
mit katastrophalen Brandereignissen hin, was die Zu-
sammensetzung der Pflanzenemeinschaften empfind-
lich störte.
Im Gegensatz zur Makroflora zeigt die
Mikroflora
in-
nerhalb des Zwickauer Oberkarbonprofils eine deutli-
che Differenzierung. Es lassen sich vier Sporenab-
schnitte unterscheiden. Abschnitt WZ1, der den Be-
reich vom Unteren Segen Gottes-Flöz bis zum oberen
Ludwig-Flöz abdeckt, wird nach intensiven Verglei-
chen mit der Sporenführung in europäischen und
nordamerikanischen Profilen als tiefes Westfal D an-
gesehen. Für den mangels Proben kaum untersuch-
ten Profilteil unterhalb der Flözgruppe Segen Gottes
kann daher ein hohes CwC-Alter nicht sicher ausge-
schlossen werden. Die Sporeninhalte der Abschnitte
WZ 2 und WZ 3.1 sprechen für mittleres und hohes
Westfal D. Sporenabschnitt WZ 3.2 (Bereich der Elli-
gen Flöze) enthält mehrere Sporenarten, die an der
Saar und in weiteren euramerischen Profilen erst im
Stefan A bzw. Cantabrium vorkommen. Es ist daher
nicht auszuschließen, dass dieser höchste Teil des
Zwickauer Oberkarbons noch ins Hangende des
Westfal D hinaufreicht.
Die bisher bekannte spärliche
Makrofauna
setzt sich
hauptsächlich aus Insekten, Arachniden, Arthropleuri-
den und Chonchostraken zusammen. Fische fehlen
offenbar. Hervorhebenswert ist das bisher stra-
tigraphisch tiefste Vorkommen eines Dissophoriden,
der neuerdings als Haldenfund entdeckt wurde.
Die Kenntnisse über den unmittelbaren präkarboni-
schen Untergrund der Lagerstätte sind seit P
IETZSCH'
„Geologie von Sachsen“ (1962) erheblich gewachsen.
Eine Kartendarstellung 1 : 25 000 als Beilage zu
Ka-
pitel 5
zeigt den durch Nachinterpretation von rd. 30
Bohrungen und durch Untertagekartierung erreichten
Kenntnisstand. Die damit belegten Verhältnisse sind
wesentlich für die Interpretation des verdeckten
Ostendes des Vogtländischen Synklinoriums.
Kapitel 6
ist den speziellen tektonischen Verhältnis-
sen im Lagerstättenbereich gewidmet. Steilherzyni-
sche (NW-SO gerichtete) Bruchstörungen im Zuge
der überregionalen Gera-Jáchymov-Zone beherr-
schen das Bruchstörungsinventar. Die wichtigsten von
ihnen sind tabellarisch erfasst und bezüglich ihrer z.
T. beträchtlichen Abschiebungsbeträge charakteri-
siert. Sie sind der Grund, dass die Lagerstätte von ca.
+30 m NN im westlichen Stadtfeld auf über -800 m
NN im Mülsenfeld abfällt. Neben den herzynischen
Störungen sind auch erzgebirgische (SW-NO strei-
chende) Bruchstörungen vertreten. Deren Abschie-
bungsbeträge sind wesentlich geringer. N-S-Störun-
gen der überregionalen Leipzig-Regensburg Stö-
rungszone sind in den Flözrissen kaum dokumentiert.
Die Zeitlichkeit der bruchtektonischen Aktivitäten wird
ausführlich diskutiert. Neben intrawestfalischen Aktivi-
täten sind postoberkarbonische bis rezente Bewe-
gungen nachweisbar und für manche der großen Stö-
rungen ist eine präwestfalische Anlage wahrschein-
lich.
Die hydrologisch-hydrogeologischen Verhältnisse vor
und während des Bergbaus sind kurz dargestellt (
Ka-
pitel 7
). Nach allgemeinen Angaben zur hydrologi-
schen Situation (Gebietsniederschlag, Reliefgliede-
rung, Vorfluterverhältnisse, Grundwasserfließrichtung,
Grundwasserflurabstand, Abflussspenden) wird das
hydrogeologische Normalprofil des Revierbereichs
besprochen. Grundwasserleiter treten im Quartär, lo-
kal im Tertiär und im Rotliegenden vor allem in der
Mülsen-Formation auf. Im Oberkarbon finden sich kei-
ne natürlichen Grundwasserleiter; das flözführende
Gebirge ist abgesehen von seinen oberflächennahen
Ausbissbereichen in aller Regel trocken.
Mit dem Fortschreiten des Bergbaus in die Teufe
wuchs sein Einfluss auf Wasserwegsamkeit und
Wasserhaltung. Insbesondere Muldenhochwässer -
hervorgerufen durch Starkniederschläge im Erzge-
birgsbereich des Muldeneinzugsgebietes - bereiteten
mehrfach große Schwierigkeiten. Ihr Einfluss wurde
durch die z. T. erheblichen Bergsenkungen im Be-
reich des Muldetals verstärkt. Für die Zuflüsse zu den

 
8
Wasserhaltungsschächten im Revier liegen detaillier-
tere Angaben zwischen 1923 und 1954 vor.
Beim Schachtabteufen im Rotliegenden und Oberkar-
bon gab es im Allgemeinen keine besonderen Prob-
leme mit Grundwasserzuflüssen.
Hinsichtlich der chemischen Wasserbeschaffenheit
sind die Grundwässer im Känozoikum und in der Mül-
sen-Formation charakterisiert, ferner Schacht- und
Sole-Grundwässer. Bezüglich der Salzherkunft wird
ein störungsbedingter Zusammenhang mit den nord-
westsächsisch-ostthüringischen Zechsteinvorkommen
erwogen.
Kapitel 8
ist den Bergbaufolgen gewidmet. Von den
bergbaubedingten Deformationen waren vordergrün-
dig zunächst die Bergsenkungen auffällig. Sie erreich-
ten nach neueren computergestützten Untersuchun-
gen nicht selten mehr als 10 m, max. 16 m. Bedeu-
tende Bauwerksschäden sind bereits seit 1923 am
Zwickauer Dom belegt.
Nach Einstellung der Grubenwasserhaltung kam es
nach 1989/90 im Dom erneut zu Bauwerksschäden,
diesmal hervorgerufen durch Hebungen im dm-
Bereich infolge Quellung von tonig-schluffigen Ge-
steinen und hydraulischem Ausgleich.
Durch den Bergbau wurden ferner die geohydrauli-
schen und hydrogeologischen Verhältnisse insbeson-
dere des quartären Grundwasserleiters im Muldental
irreversibel gestört. Dadurch wird die Mulde ihrer ehe-
maligen Vorfluterfunktion nicht mehr gerecht, Mul-
denwasser exfiltriert in die quartären Muldeschotter.
Infolgedessen existieren im Stadtgebiet drei Problem-
bereiche, die sich durch geringe Grundwasser-Flurab-
stände und Vernässungen auszeichnen, Zwickau-
Schedewitz und Zwickau-Innenstadt, oder die durch
artesisch austretendes (Misch-)Grundwasser charak-
terisiert sind, wie Zwickau-Bockwa. Durch ständiges
Abpumpen werden in diesen Gebieten drei Grund-
wasserdepressionstrichter erzeugt.
Ein drittes Bergbaufolgen-Problemfeld sind die 59
Halden im Revier. Austretende Haldenwässer und
zeitweise aktivierte Schwelbrände kontaminieren tem-
porär Wasser, Boden und die Atmosphäre.
Im abschließenden
Kapitel 9
werden die in den fünf-
ziger Jahren arbeitsintensiven Bemühungen um die
Rekultivierung der Bergbauhalden gewürdigt. Die pro-
blematische Aufgabe der Wiedereingliederung der
Halden in das Landschaftsgefüge wurde gelöst. Für
die Entwicklung der Vegetation sind Haldenform, Hal-
denexposition, die bodenphysikalisch-chemischen Ei-
genschaften der Haldensubstrate und lokale Halden-
brände von elementarer Bedeutung. Die ungünstigen
Standortverhältnisse der Halden erforderten den An-
bau rauch- und trockenresistenter Baum- und
Straucharten. Künftige Maßnahmen sollten auf die
allmähliche Umwandlung der derzeitigen Baumbe-
stände in eine der natürlichen Waldgesellschaft des
Gebietes entsprechende Haldenbewaldung orientie-
ren. Erhöhte Schutzfunktion der Haldenwälder, Wohl-
fahrtswirkung und Holzproduktion sind das endgültige
Rekultivierungsziel.
Summary
The last East German coal mine “Martin Hopp
Zwickau” was closed in 1978, bringing an end to more
than 600 years of classical coal mining in Saxony.
The deposit was of essential importance to the eco-
nomic development of the Kingdom of Saxony, later
also for the GDR, and is at the same time an excellent
example of a High-Upper Carboniferous inferior-
depression in the central European Variscian belt.
The conditions of the mining technology in the deposit
of Zwickau have been extensively described in two
comprehensive monographs: by E
CKHARDT & MAY
(1936) and by D
RESSEL et al. (2000). In contrast there
is as yet no comprehensive monograph of the geo-
logical circumstances. In the final 35 years of the
mine’s running time, the eastern section of the mine
rather than the total deposit was the focus of interest.
Towards the end of the running time, the German in-
stitutions were repeatedly asked by the international
community to improve the level of geological and pa-
laeontological knowledge. The mining monograph
presented here is an attempt to fill in these gaps in
knowledge.
Following a short account of the former deposit geo-
logical framework
chapter 1
gives an outline of the
mine‘s economical development in the past 130
years, of the final stage of exploration in the eastern
part (Mülsenfeld) and the importance of extraction in
Zwickau to the total production of Saxon black coal
(
chapter 2
). Residual resources are outlined.
After an overview about the development of the geo-
logical-paleontological knowledge in
chapter 3
, the
process of formation of this High-Upper Carboniferous
basin is summarised. Within the Zwickau formation
there are four subformations (Lower Schedewitz sub-
formation, Upper Schedewitz subformation, Marien-
thal-Pöhlau subformation, Oberhohndorf subforma-
tion) that are extensively specified according to the
guidelines of the German Stratigraphy Commission in
a uniform scheme consisting of 25 sections. There are
25 to some extent multi-part correlation units marked
in the total profile that are described in three basin-
wide correlation profiles.
Of the 19-part seam sequence, 13 seams (from the
lower part of the Segen Gottes-Flöz to Ellige Flöze)
were described according to the most important raw
material parameters (ash, heating value, sulphur,

9
thickness of seam beds, portion of dirt beds, reflectiv-
ity) and the seven most significant are marked on
maps of seam distribution on a scale of 1 : 25 000.
The maps contain seam thickness graded 0,4-1 m, 1-
2 m etc., 4-6 m, 6-8 m, >8 m (max 10 m) as well as
the coal to dirt beds ratio. Possible relations to a coex-
istent fault pattern are pointed out.
According to the rank, the Zwickau black coal is gas-
flame to gas coal. The possible influence of High-
Upper Carboniferous granites on the coalification
process in the southern framework of the basin can-
not be ruled out. The abrupt and discordant end of
several coal maxima shows that considerable parts of
the former palaeoswamp were affected by a High
Stephanien to Lower Permian erosion.
To enable future research on seam sections in
Zwickau, there are more than 1400 samples from 42
Zwickau seam sections, including their special section
documentation, in the Oelsnitz Mining Museum. They
originate from the higher Zwickau seams from Ruß III
and above, which were still accessible at the end of
the mine’s running time.
The sandstones and conglomerates (approximately
20-40 percent of clastics, about 15 horizons) from the
Carboniferous of Zwickau are for the first time sepa-
rately examined and described according to their
granularity and component character, in compliance
with the dispersed available facts. A coarse clastic
portion analysis over the area enables a better insight
into the course of the infilling of the basin. This hap-
pened, contrary to past beliefs, at times north and at
times south of the basin framework.
Following the coarse clastics, the pelitic filling rocks of
the stratigraphic sequence (mudstone, clayish mud-
stone, fine-sandy mudstone; tufoceous coaly mud-
stone) are discussed, as well as non-sideritic and
sideritic carbonate rocks and basaltoids and their
tuffs, which appear in the lowest part of the Upper
Carboniferous profile. Besides the long-known Le-
hestreifen (kaolin granular mudstone) in Lehekohlen-
flöz of the Oberhohndorf subformation, a massive
kaolin granular mudstone of dm thickness was de-
tected in the lowest part of the Upper Carboniferous
profile (Obere Schedewitz subformation), which con-
sists three quarters of kaolinite. Further minerals are
illite (detritus from phyllites) and quartz. This mud-
stone is a polymict reassorted alluvial sediment, with
its embedded pebbles, pisoliths and fossil fragmental
plant remains. The splint quartz and kaolinitic pseu-
domorphics from feldspar are certainly of pyroclastic
origin.
Some of the lacustrine limestone layers contain algal
remnants. A short sub-chapter is dedicated to the
mollisal debris layers and the relicts of soil formation
at the base of the Upper Carboniferous.
Chapter 3
finishes with a description of the only cur-
rent outcrop in the Zwickau Upper Carboniferous, the
250 m long profile that was almost totally exposed by
the flood of the River Mulde in 2002, accounted for by
means of 17 description units. It reaches from sand-
stones of Schichtensandstein in the roof of Rußkoh-
lenflöz I to basal basaltoids. A sketched map supports
the verbal presentation.
Chapter 4
presents the progress of knowledge of fos-
sil content in the Zwickau Formation. The
macro flora
covers stratigraphically only the upper part of the
Westphalian D section. There are no indications at all
for Lower Westphalian D or even Higher Westphalian
C. Signs of the existence of Cantabrian cannot be
ruled out completely. Interestingly in this context is the
lowest stratigraphical appearance thus far of the
Di-
cranophyllum
genus.
The bore-hole samples post investigations in Mül-
senfeld, as well as in the collections of Zwickau,
Chemnitz, Dresden, Freiberg and Berlin, reveal no
evident distinction between
Linopteris neuropteroides
and
Linopteris brongniartii,
as described by D
ABER
(1957). The latter form has substituted the other con-
tinuously, as known from other coal basins. The num-
ber of endemits from the literature cannot be con-
firmed, only in two (three) forms is endemism sus-
pected. The floral development indicates a geological
span with disastrous fires, which disrupted the com-
position of the floral communities.
Unlike the macro flora, the
micro flora
inside the
Zwickau Upper Carboniferous profile is clearly differ-
entiated. There are four distinct spore stages. Stage
WZ 1, ranging from Unteres Segen Gottes Flöz to
Oberes Ludwig Flöz, is considered a lower West-
phalian D, after intensive comparisons of the spore
content with European and North American profiles.
For lack of samples, the part of the profile underneath
the seam complex Segen Gottes hasn’t hardly been
investigated. Therefore higher Westphalian C cannot
be ruled out. The spore content of the stages WZ 2
and WZ 3.1 indicates medium and high Westphalian
D.
Spore stage WZ 3.2 (Ellige Flöze area) contains sev-
eral spore species, which are also found by the Saar
and other euramenic profiles from Stefan A and Can-
tabrium respectively. Therefore, it cannot be ruled out
that this highest part of the Zwickau Upper Carbonif-
erous reaches to the hanging wall of Westphalian D.
The known
macro fauna
is scarce and consists of in-
sects, arachnids, arthropleurids and chonchostracs.
Fish are obviously absent. Worthy of note is the low-
est stratigraphical appearance of a dissophoride,
which was a recent dump discovery.

10
The level of knowledge about the direct precarbonif-
erous underground of the deposit has increased sig-
nificantly since P
IETZSCH’ “Geology of Saxony” (1962).
A map of scale 1 : 25 000 (supplement to
chapter 5
)
shows the level of knowledge attained by re-
interpretation of 30 boreholes and underground map-
ping. These proven relations are essential for the in-
terpretation of the buried eastern end of the Vogtlän-
dischen Synklinorium.
Chapter 6
is dedicated to special tectonic conditions
in the deposit and its neighbourhood. Steep hercynian
(NW-SE directed) fractures along the strike of the su-
praregional Gera-Jáchymov zone dominate the tec-
tonic inventory. The most significant of them are cap-
tured in a table characterized with reference to their
partly considerable downthrown sums. They cause
the decline of the bed from approximately +30 m in
western Stadtfeld to under -800 m altitude in Mül-
senfeld. Besides hercynian oriented fractures there
are also SW-NE striking (SW-NE directed) fractures
present. Their downthrown fault sums are considera-
bly lower. N-S faults of the cross-regional Leipzig-
Regensburg fault zone are barely documented in the
seam maps.
The temporality of the fault tectonic activities is exten-
sively discussed. Besides intra-Westphalian activities,
post Upper Carboniferous to recent movements can
be proven. For some of the important faults, first for-
mation in the pre-Westphalian is likely.
The hydrologic-hydrogeological circumstances before
and during the mining period are presented in
chap-
ter 7
. After some general hydrological data (area pre-
cipitation, topographical relief, receiving stream condi-
tions, ground water flow direction, water level beneath
surface, groundwater recharge) the hydrogeological
profile of the district is outlined. Aquifers occur in the
Quaternary, locally in the Tertiary and in the Rot-
liegend especially in the Mülsen formation. In the Up-
per Carboniferous there are no (natural) aquifers. The
seam-bearing formation is dry.
The influence of mining on water migration and water
drainage grew with the progression of mining into
depth. Flood water of the Mulde River, caused by in-
tensive rainfall in the drainage area of the Mulde River
in the Erzgebirge Mountains, repeatedly created se-
vere difficulties. Their influence was multiplied by con-
siderable mining damage in the Mulde valley. There is
detailed data concerning inflow water drainage shafts
for mine pumping in the district between 1923 and
1954. In general, there were no special problems with
ground water run-in when shafting in the Rotliegend
and Upper Carboniferous.
The ground waters in the Caenozoic and in the Mül-
sen formation are characterized with reference to their
chemical composition, the same applying for shaft
and brine ground waters. Concerning the origin of
salt, a fault-bound connection with occurrences of
Zechstein in north-western Saxony and eastern Thur-
ingia is considered.
Chapter 8
addresses mining consequences. In the
first instance, mountain creep stands out from the de-
formations determined by mining. According to the la-
test computer-based investigations, the creeps often
reached more than 10 m and up to a maximum of 16
m. Important damage to buildings is documented in
the cathedral of Zwickau from 1923. After suspension
of the pit water drainage after 1989/90 there was new
damage to the cathedral building, because swelling of
clayish silty rocks and hydraulic adjustment caused
uplift between centimetres and a maximum of 145 mil-
limetres.
Furthermore, the geohydraulic and hydrogeological
conditions, especially those of quaternary aquifers in
the Mulde valley have been irreversibly changed by
mining. The River Mulde no longer fulfils its former re-
ceiving stream function because its waters exfilter into
the Quaternary gravel deposits. Consequently, there
are three problem zones in the municipal area, which
are characterized by high underground water levels
and wetness: Zwickau-Schedewitz and Zwickau-City,
or by artesian run-out of (mixed) groundwater:
Zwickau-Bockwa. Due to permanent pumping, three
ground water lowering funnels are created in these
areas.
A third post-mining problem in the area is the pre-
sence of 56 dumps. They endanger not only water
and soil through leaking dump waters but also the air
through smouldering fires.
In the final
chapter 9
the intensive efforts of the
1950s to recultivate the dumps are positively evalu-
ated. The problematic task of re-integrating the dumps
into the landscape was solved. For the development
of vegetation, the form of dump, its exposition, the
physical and chemical soil qualities of dump substrata
and local dump fires are of essential importance. The
unfavourable habitat conditions required cultivation of
trees and shrubs resistant to smoke and dryness. Fu-
ture measures should involve gradual transformation
of present tree stocks into a natural woodland society
of the region. Increased protective function of the
dump woodland, common welfare function and pro-
duction of wood are the final aims of recultivation.

image
 
11
1 Geologische Übersicht
(H. BRAUSE)
Das steinkohlenführende Oberkarbon von Zwickau,
dessen Geologie und Bergbaufolgen Hauptgegen-
stand der Betrachtung dieses Bandes sind, gehört zur
geologischen Einheit der Vorerzgebirgssenke. Diese
ist im Wesentlichen mit permokarbonischen Sedimen-
ten, teilweise auch vulkanischen Gesteinen gefüllt und
wird vom Erzgebirge, Granulitgebirge und von einer
westlich der Linie Ronneburg-Greiz-Reichenbach ge-
legenen präoberkarbonischen Hochlage umgeben. In
Abb. 1-1, einem Ausschnitt aus der „Geologischen
Übersichtskarte des Freistaates Sachsen, 1:400.000,
Karte ohne känozoische Sedimente“, überwiegen die
hellbraunen Standardfarben des die Senke charakte-
risierenden Rotliegenden. Im südlichen Stadtgebiet
von Zwickau ist ein kleines, grau gefärbtes Gebiet mit
den dort oberflächennah ausstreichenden Oberkar-
bonschichten zu erkennen. Das sind die zutage aus-
streichenden Gebiete der Zwickauer Lagerstätte bei
Bockwa, Planitz und Cainsdorf, in denen der Stein-
kohlenbergbau begann.
Weiter im NO ist belegt, dass die Herausbildung und
Füllung der Vorerzgebirgssenke nach der sudetischen
Hauptfaltung mit der Hainichen-Subgruppe bereits im
obersten Obervisé begann. Auf diese älteste Sedi-
mentfüllungsetappe der postorogenen Weitungssenke
folgte nach der sudetischen Hauptfaltung noch einmal
eine weniger intensive Einengungsphase, in der die
Schichten der Hainichen-Subgruppe mäßig stark ge-
faltet wurden. Dieser Faltungsvorgang wird allgemein
als erzgebirgische Phase bezeichnet, er ist allerdings
zeitlich nur wenig genau einzugrenzen.
Sedimente des Namurs und des Westfal A fehlen in
der Vorerzgebirgssenke. In einem relativ kleinen Teil-
gebiet bei Flöha belegen Sedimente und vulkanische
Gesteine des Westfal B/C eine weitere Füllungsetap-
pe der Senke. Dabei dominieren teilweise NW-SO-
Paläoreliefformen und Vulkanitförderspalten, die in
der altangelegten Flöha-Zone nach SO in das Gebiet
des Erzgebirgskristallins hineingreifen.
Nach einer weiteren Lücke folgen diskordant als wei-
tere Füllung der Vorerzgebirgssenke die hier zu be-
handelnden Schichten des oberen Westfals (im We-
sentlichen Westfal D), die wie ausgeführt, im Süden
Zwickaus und ferner bei Lugau in kleinen Flächenan-
teilen oberflächennah anstehen, nach NW zu aber
durch rasch mächtiger werdendes Rotliegend über-
deckt werden. Das Westfal D nimmt heute in der Vor-
erzgebirgssenke auch untertage nur relativ kleine Flä-
chen ein, da nach NW zu - an der Oberfläche nicht
sichtbar - bald die Erosionsgrenze („Abwaschung“)
durch das „Graue Konglomerat“ des Rotliegenden
folgt.
Abb. 1-1: Ausschnitt aus der Geologischen Übersichtskarte des Freistaates Sachsen 1 : 400.000, Karte ohne
känozoische Sedimente (L
EONHARDT, 1995)

12
Der präkänozoische Anschnitt, den Abb. 1-1 reprä-
sentiert, widerspiegelt eine Vielzahl sedimentärer, tek-
tonischer und geodynamischer Prozesse, die letzt-
endlich zum dargestellten Bild geführt haben. Die
Entzifferung vor allem der älteren Bewegungsabläufe
hängt vom Kenntnisstand der Kartierung, aber auch
von oft durch Autoritäten subjektiv geprägten Modell-
vorstellungen ab. Mit wachsender Detailkenntnis wur-
de nicht nur die geologische Karte diffiziler, auch die
Modellvorstellungen wurden immer weiter verbessert.
Die geotektonische Interpretation der o. g. Senkense-
dimente hängt wesentlich von solchen Modellvorstel-
lungen und der Position dieser Sedimente zur Haupt-
faltung ab, die im Raum der Vorerzgebirgssenke
zweifellos sudetisch (Grenze Unter-/Oberkarbon) ist.
Modellgemäß stellte man daher zunächst die deutlich
weniger stark gefalteten, teilweise grob konglomerati-
schen Sedimente der Hainichen Subgruppe als „Mo-
lasse“ in eine Position nach der Hauptfaltung. Daraus
folgte die Einstufung der Hainichen Subgruppe in das
tiefe Oberkarbon. Als paläobotanische Befunde die
Einstufung dieser „Molasse“ in das hohe Unterkarbon
unausweichlich machten, kreierte man zur Behebung
der begrifflichen Schwierigkeiten den Begriff „Frühmo-
lasse“ für diese Bildungen.
Die theoretische Frage nach dem Beginn der posto-
rogenen Molassesedimentation beschäftigt bis in jün-
gere Zeit zahlreiche Autoren. Die gegebenen Antwor-
ten hängen vorwiegend vom Verständnis des Ge-
birgsbildungsprozesses ab.
Die variszische Tektonogenese mit der sudetischen
Hauptfaltung ist nach heutigem Verständnis ein Teil-
prozess der Bildung der Pangäa, also des globalen
Vorgangs, bei dem sich mehrere große alte Kontinen-
talplatten (Gondwana, Laurentia, Baltica, Sibiria) ein-
ander stark annäherten und schließlich eine „Großer-
de“ bildeten, die „Pangäa“. Zwischen den großen al-
ten Tafeln lag im Gebiet des heutigen Mittel- und
Westeuropas ein relativ großer Raum mit zahlreichen
kleineren Krustenschollen und sehr komplizierten
Verhältnissen. B
RAUSE (2002) hat unter Einbeziehung
globaler Abläufe, regionaler tiefenseismischer For-
schungsergebnisse, gravimetrischer Berechnungen,
radiometrischer Altersdatierungen benachbarter Gra-
nite sowie Überlegungen zur Wanderung der Haupt-
kompressionswelle, der Paläowärmeverteilung, der
Kompressionswärmeentwicklung und der dadurch
bedingten Mobilitätsevolution der Paläolithosphäre
eine komplexe geotektonische Deutung des inhomo-
genen mittel- und westsächsischen Altbaufeldes ver-
sucht, die hier nicht Gegenstand der Betrachtung sein
kann.
Die Region um Zwickau ist ein wichtiges „Puzzleteil“
für die Entzifferung des Gesamtvorganges. Sie liegt
im Grenzraum zwischen verschiedenen Krustenbau-
einheiten.
Mit der Bildung der Pangäa-Konfiguration entstand
auf dem Globus ein Massenungleichgewicht. Es
musste in der Folge zu Ausgleichsbewegungen kom-
men. Dadurch stellte sich ein neues, angepasstes
globales Rotationssystem ein, welches neue, zum
Massenausgleich führende Driftrichtungen erlaubte.
Ablesbar ist das u. a. an sich schnell verändernden
„fossilen“ Richtungen der Polarität des erdmagneti-
schen Feldes im Permokarbon.
Für den Raum Zwickau bedeutete das, dass sich na-
hezu synchron zum Einengungshöhepunkt auch erste
Spaltenbildungen, „schnelle“ Richtungsänderungen
der regionalen Hauptdehnungen und eine „sehr ra-
sche“ Verlagerung aus einer äquatornahen Paläoposi-
tion mit tropischen Sumpfwäldern in Regionen des
Trockengürtels bei Paläopositionen um 20-30° nördli-
cher Paläobreite ergaben.
Bei vordergründiger Betrachtung des geologischen
Kartenbildes (Abb. 1-1) fällt für die Umgebung des
Raumes Zwickau die Dominanz von NW-SO-Störun-
gen auf. Sie werden, wie die ausführlichen Flözrisse
(Beilagen 3-5 bis 3-11) zeigen, im Untersuchungs-
raum von SW-NO-Elementen und von einigen S-N-
Bruchstörungslinien gekreuzt. Die NW-SO-Elemente
(Beckenachsen z. T., Bruchlinien weiter im Süden, die
Intrusionszone von Eibenstock ...) gehören zusam-
menfassend zur Gera-Jáchymov-Zone. Die SW-NO-
Elemente werden zum sog. Zentralsächsischen Li-
neament gerechnet, in dem sich auch der Hauptast
der Vorerzgebirgssenke entwickelte. Die S-N-Bruch-
zone äußerte sich bis in die historische Zeit u. a.
durch eine relative Erdbebenhäufigkeit.
Im sudetischen Höhepunkt der regionalen Hauptkom-
pression, in unserem Untersuchungsraum bereits im
oberen Obervisé, setzen Dehnungsschritte ein. Aus
den sich zeitlich nacheinander entwickelnden Sedi-
mentbeckenachsen innerhalb der Vorerzgebirgssenke
sind dabei Unterschiede der Dehnungsrichtungen, die
zu den Weitungsbecken führten, abzuleiten:
Hainichen-Subgruppe:
Dehnung nach NNW;
Flöhaer Karbon:
deutliche Dehnungselemente auch
nach NO;
Zwickauer Karbon:
Beckenhauptachse im tiefen Teil,
vor allem beurteilt nach der Verbreitung des Segen-
Gottes-Flözes und z. T. des Ludwig-Flözes, nahezu
N-S; danach Umschwenken in SW-NO-Richtung; kräf-
tige jüngere NW-SO-Brüche, daneben SW-NO-Wei-
tungsbrüche;

image
13
Rotliegendes:
Härtensdorf-Formation:
Beckenachse vorwiegend
SW-NO, also überwiegend regionale Weitung nach
NW;
Planitz-Formation:
Die Vulkanitförderspalten ent-
sprechen einer bevorzugten Spaltenöffnung nach NO;
Leukersdorf-Formation
: Zunächst Weitungsrichtung
nach NW mit Beckenlängsachse vorwiegend in SW-
NO, danach Umschwenken zu Weitung nach NO,
wahrscheinlich deutliche NW-SO-Weitungsbrüche;
Mülsen-Formation:
Weitungsbewegungen vorwie-
gend nach NO.
Abb. 1-2: Permokarbonprofil der Vorerzgebirgssenke
im Vergleich zu Kladno/Nordwestböhmen.
Die kleinen Pfeile geben schematisch die
Hauptdehnungsrichtungen der Becken an.
Die in der Vorerzgebirgssenke nicht durch Sedimente
belegten und daher nicht beurteilbaren Zeitabschnitte
vor allem des Stefans sind bei Mitbetrachtung des
NW-böhmischen Gebietes ergänzbar. Die oft die
Dehnungsrichtung wechselnden Teilschritte der Wei-
tungsbewegungen im Permokarbon, eigentlich der im
Zuge des Pangäa-Zerfalls in Wechselschritten er-
folgenden Verlagerung um ca. 20 Breitengrade nach
Norden, lassen sich in der weiteren Umgebung des
Untersuchungsraums auch an den wechselnden Vor-
zugsrichtungen der Granitaufstiegswege und der Vul-
kanit-Gangspaltengenerationen erkennen. Für die
nicht mehr direkt aus Sedimentüberdeckungen beur-
teilbare postpermische Zeit lassen sich die Richtun-
gen von Spaltenöffnungen in der Geschichte der hyd-
rothermalen Gangmineralisationen analysieren (B
RAU-
SE
2002). Unmittelbar an den Zwickauer Raum nach
SO anschließend steht dafür im Erzbergbaugebiet der
Zone Schlema-Schneeberg-Jáchymov ein umfangrei-
ches Datenmaterial zur Verfügung. Aus all dem ist zu
schlussfolgern, dass es nicht, wie früher angenom-
men, nur einen Hauptakt der das Zwickauer Karbon
betreffenden jüngeren Bruchtektonik gibt, sondern
dass wahrscheinlich Dutzende von Teilbewegungen
an der Ausgestaltung der im Zwickauer Bergbau auf-
geschlossenen Weitungsbruchzonen mitgewirkt ha-
ben.

image
14
2
Die wirtschaftliche Bedeutung der
Steinkohlenlagerstätte Zwickau
2.1
Abriss ihrer wirtschaftlichen Entwicklung
und der Erkundung des Mülsenfeldes
(H.
BRAUSE)
Die Anfänge der Steinkohlennutzung, der „brennbaren
schwarzen Steine“, liegen im Dunkel von Legenden.
Da die Steinkohlenflöze beiderseits der Mulde im Sü-
den von Zwickau an der Oberfläche ausstreichen, wa-
ren erste flache Grabungen sicher schon frühzeitig er-
folgt. Die Zwickauer Schmiedeartikel von 1348 regel-
ten jedenfalls vor über 650 Jahren etwas, was schon
im Gange war.
Die geschichtliche und technische Entwicklung des
Steinkohlenbergbaus im Zwickauer Revier („Revier“
als Synonym zum bergmännisch erschlossenen Teil
der Lagerstätte) wird sehr anschaulich und ausführlich
in dem im Jahre 2000 erschienenen Buch des Stein-
kohlenbergbauvereins beschrieben (D
RESSEL et al.
2000). Diese Ausführungen sollen hier lediglich er-
gänzt werden. Nach den in diesem Buch publizierten
Tabellen ist auch die in Abb. 2-1 wiedergegebene
Übersicht zur Gesamtfördermenge an Steinkohlen
zusammengestellt.
Abb. 2-1: Gesamtmenge der Steinkohlenförderung
im Zwickauer Revier, nach Förderetappen
Bis über das Jahr 1800 hinaus war die jährliche För-
derung gering. Der Bergbau bewegte sich dabei vom
Ausstrichbereich des Oberkarbons im Süden der
Stadt allmählich nach Norden hin zu noch nicht sehr
großen Teufen. Nach der Erfassung des Steinkohlen-
bergbauvereins gab es dabei im Süden der Stadt über
400 vorwiegend kleinere Schächte.
Kaufbriefe von 1458 und 1493 belegen, dass der Vorstand
der Zwickauer Marienkirche (Dom) einen in der Nähe der
Bockwaer Kirche gelegenen Steinbruch aufkaufte, um aus
diesem den für den Weiterbau erforderlichen Sandstein zu
gewinnen. Diese Sandsteine aus dem Hangenden des Tie-
fen Planitzer Flözes wurden im Untertagebetrieb gewonnen.
Wissenschaftliche Begleitungen des Bergbaus lassen
sich seit dem 16. Jahrhundert belegen. Der berühmte
„bergmännische Schriftsteller“ G
EORGIUS AGRICOLA
war von 1519-1522 Rektor der griechisch-lateinischen
Schule zu Zwickau. Er beschrieb 1546 frühe Auf-
schlüsse der kohleführenden Schichtenfolge.
Zu Anfang des 17. Jahrhunderts wurden für den Ab-
bau in größeren Teufen auf der westlichen Muldensei-
te umfangreichere bergtechnische Arbeiten erforder-
lich. Der Besitzer des Planitzer Rittergutes, Heinrich
von Beust, ließ 1604-1608 den 644,5 m langen Pla-
nitz-Bockwaer-Communstolln auffahren, der 1620
noch etwas verlängert wurde. Sein Mundloch befindet
sich etwa 100 m flußab von der Cainsdorfer Brücke.
Der frühe Bergbau mit seinen zahlreichen Sauerstoff
zuführenden Tagesöffnungen hatte oft mit Flözbrän-
den Probleme. Die Entstehung des letzten größeren
Flözbrandes bei Planitz ist von 1641 aus der Zeit des
30-jährigen Krieges belegt. Dieser Erdbrand hielt
mehr als 200 Jahre an; 1837 wurde über dem Ausbiss
des Erdbrandgebietes die Geithnersche Treibegärtne-
rei eingerichtet (Abb. 2-2).
Bei dem relativ geringen Umfang des Bergbaus bis
zum Ende des 18. Jahrhunderts gab es neben in-
nungsgerechten Regulativen keine größeren Erfor-
dernisse zur staatlichen bergwissenschaftlichen Be-
gleitung.
Erst nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges be-
fahl der Landesherr etwa 1764 dem Schneeberger
Bergamt eine „Local-Revision“ des Zwickauer Berg-
baus. Aus deren Ergebnis ist der bis dahin erreichte
Umfang des Bergbaus ablesbar.
Auf Vorschlag des Sächsischen Oberbergamtes ord-
nete Kurfürst Friedrich August die „geognostische
Landesuntersuchung“ Sachsens an, mit der ab 1790
Abraham Gottlob W
ERNER beauftragt wurde. Die
nachfolgenden systematischen, vom sächsischen
Staat finanzierten wissenschaftlichen Arbeiten beflü-
gelten den Aufschwung auch des Zwickauer Stein-
kohlenbergbaus.
1799 stellte der Zwickauer Domherr Christoph von
Arnim als erster Grubenbesitzer einen ausgebildeten
Bergbeamten ein.
Mit der 1834 in Zwickau erschienenen „Geognosti-
sche Beschreibung des Zwickauer Steinkohlengebir-
ges“ von A.
V. GUTBIER erfolgte die erste lagerstätten-
kundliche Analyse des Reviers.

image
image
15
Abb. 2-2: Schematischer Schnitt zur Erläuterung der Erdbrandsituation bei Planitz nach H
ERZOG (1852)
1826 war im Zwickauer Revier die erste Dampfma-
schine zur Wasserhaltung eingesetzt worden. Damit
war der technische Weg zur Förderung auch aus grö-
ßeren Teufen erschlossen. Auf der Basis der Publika-
tion von G
UTBIER starteten 1839 der Freiberger Berg-
kommissionsrat A
MANDUS KÜHN zusammen mit dem
Freiberger Professor A
UGUST BREITHAUPT und dem
Leipziger Bankhaus H
ARKORT mit dem „Zwickauer
Steinkohlenbau-Verein“ eine erste größere Aktien-
finanzierte Unternehmung zum Bergbau in größeren
Teufen. Die weitere Entwicklung verlief stürmisch.
1862 überstieg die Förderung 1 Mio. t; 1871 wurde
eine Förderquote von 2 Mio. t überschritten und 1913
das Fördermaximum erreicht. Es hatte die Zeit der
umfangreichen Kohlenförderung begonnen. Der Koh-
lenabbau und die allmählich zunehmende Kokspro-
duktion waren unabdingbare Komponenten für die
sich revolutionär entfaltende sächsische Industrie.
Abb. 2-3 enthält die bei D
RESSEL et al. (2000) ent-
nommenen Jahresförderzahlen an Steinkohle im Zwi-
ckauer Revier, dazu auch die Angaben zu den Jah-
resproduktionen an Koks.
Die besonders ab 1960 gegenläufige, positive Ent-
wicklung der Koksproduktion war ein Erfordernis des
„Kalten Krieges“. Alle eigenen Reserven der seiner-
zeitigen DDR mussten entwickelt werden. Nach der
Einstellung der Kohlenförderung dauerte die Koks-
produktion mit Fremdkohle noch bis 1992 an.
Abb. 2-3: Jahresproduktion an Koks im Vergleich zur
Steinkohlenförderung
Mit dem erschöpfungsbedingten Schließen des Stein-
kohlenwerkes „August Bebel“ 1951 richteten sich die
Hoffnungen auf größere Vorräte auf den tiefer liegen-
den Ostteil des Zwickauer Reviers. Hier waren schon
seit längerer Zeit Vermutungen hinsichtlich größerer
bauwürdiger Kohlenmengen geäußert worden. Ge-
sucht war die Verbindung zwischen dem Zwickauer
Revier und der Lagerstätte Lugau-Ölsnitz.

image
16
Bereits 1947 hatte die damalige Steinkohlenverwal-
tung die bohrtechnische Erkundung des Mülsenfeldes
begonnen. Mit der Leitung war die Geologische Lan-
desanstalt, Zweigstelle Sachsen, in Freiberg beauf-
tragt.
Die geologische Position des Oberkarbons in der
Umgebung des Mülsenfeldes (Bildmitte) skizziert Abb.
2-4.
Abb. 2-4: Übersicht zur Verbreitung, Mächtigkeit und
Tiefenlage des Oberkarbons im Raum Zwi-
ckau
Die Basis des Oberkarbons von Zwickau wird am
Südrand des Reviers in Höhenlagen oberhalb 200 m
NN in Oberflächennähe angetroffen. Sie sinkt im
nördlichen Stadtgebiet auf unter -800 m NN ab, d. h.
auf bis fast 1200 m unter Gelände. Die tiefsten Berei-
che sind deutlich auf Weitungsbereiche zwischen den
großen NW-SO-Störungen bezogen. Östlich des 1.
Pöhlauer Sprungs steigt die Karbonbasis wieder et-
was an, bevor sie weiter nach Osten zu wieder auf
Tiefen unter -800 m NN absinkt.
Die Karbonverbreitung findet nach Norden zu eine
erosive Begrenzung. Die Rotliegendschichten fallen
etwas steiler als die Karbonschichten ein und schnei-
den das Karbon und damit auch die Steinkohlen-
verbreitung an der „Abwaschungsgrenze“ ab. Das
Zwickauer Oberkarbon hat damit eine N-S-Erstre-
ckung von nur etwa 7 km im Stadtgebiet, etwas mehr
im Ostteil. Die Steinkohlenverbreitung hat eine noch
etwas geringere Flächengröße. In Abb. 2-4 ist mit
schematischer Schraffur und Abstufung die Mächtig-
keit des Zwickauer Oberkarbons eingetragen. Die Flä-
chenanteile mit Mächtigkeiten über 250 m sind klein
und auf stärkere Absenkungs- und tektonische Wei-
tungsbereiche entlang von Störungen bezogen.
Die Aussichten auf eine Lagerstättenerweiterung wa-
ren dennoch nicht schlecht.
Nach ersten Teilerfolgen bei der Mülsenfeld-Erkun-
dung wurde bereits 1953 mit dem Abteufen des
Schachtes Martin-Hoop IX begonnen. Die angetroffe-
nen Kohlenmengen waren jedoch insgesamt geringer
als erwartet. Über die erreichten geologischen Kennt-
nisfortschritte berichtete B
LÜHER (1954, 1956, 1957).
Zusammenstellungen zur Lage der Erkundungsboh-
rungen und zu deren Ergebnissen sind in D
RESSEL et
al. (2000: 20-27) publiziert. Die nachgewiesenen
Steinkohlenvorräte ermöglichten immerhin eine För-
derung bis 1978.
2.2 Steinkohlenförderung und Restressour-
cen in Zwickau
(P. W
OLF)
Bis zur Einstellung der Gewinnung von Steinkohlen in
Zwickau im Jahre 1978 kann von einer
sächsischen
Gesamtfördermenge
von etwa 410 Mio. t (v. F.) aus-
gegangen werden. Daran ist die Lagerstätte Zwickau
mit mehr als 53 % beteiligt.
Die Gesamtförderung teilt sich auf die sächsischen
Lagerstätten wie folgt auf (wobei die untergeordneten
Fördermengen aus den Klein- und Kleinstvorkommen
von insgesamt <1 Mio. t vernachlässigt wurden):
-
Lagerstätte Zwickau
: Gewinnung bis 09/1978
Gesamtförderung ca. 210 (220) Mio. t v. F.
(davon ca. 32 Mio. t nach 1945);
- Lagerstätte Lugau-Oelsnitz: Gewinnung bis
03/1971
Gesamtförderung ca. 140 Mio. t v. F.;
- Lagerstätte Freital-Döhlen: Gewinnung bis 1967;
Gesamtförderung ca. 50 Mio. t v. F.
(ab 1968 Wismutbergbau).
Diese Zusammenstellung stützt sich auf die jährliche
Statistik „Entwicklung der Förderung im sächsischen
Steinkohlenbergbau“ mit detaillierten Angaben zur
Zwickauer Lagerstätte im 1936 erschienenen Fest-
band: „75 Jahre Gemeinschaftsarbeit der Sächsi-
schen Steinkohlenbergwerke“, in dessen Teil 3
E
CKARDT & MAY (1936) ausführlich über „Die Entwick-
lung des Steinkohlenbergbaues im erzgebirgischen
Becken“ berichten.
Genannte Autoren veröffentlichten im Kap. VII, Statis-
tischer Teil, sowohl Zahlenmaterial zur Förderung der
„Frühzeit“ (bis 1859), zur Menge, zum „Wert der Er-
zeugung“ und u. a. auch jährliche Zahlenangaben
sowie ein Diagramm zur „Entwicklung der Förderung“
von 1859 bis 1934. Die darin enthaltenen Fakten und
Daten sind für die industrielle Entwicklung des west-
und gesamtsächsischen Raumes wesentlich und von
erheblicher historischer Bedeutung.
Die beigegebene
sächsische Förderstatistik
(Abb.

image
17
2-5) bezieht sich maßgeblich auf diese Quelle, deren
Primärdaten i. W. dem Jahrbuch für das Berg- und
Hüttenwesen entstammen. Für den Zeitraum nach
1936 unterstützten dankenswerterweise Herr K. H
ER-
TEL
vom Steinkohlenbergbauverein Zwickau e. V. so-
wie Herr G. M
ILDE vom Förderverein Bergbaumuseum
Oelsnitz/E. e. V. mit Datenbereitstellungen o. g. Sta-
tistik.
Durchgängig wird bei den statistischen Ausgangsda-
ten von verwertbarer Förderung (v. F.) ausgegangen.
Zu beachten ist, dass insbesondere mit zunehmender
Rationalisierung im Untertagebetrieb auch eine Ver-
änderung der Eigenschaften der Förderkohle vonstat-
ten ging. So betrug z. B. lt. „Bergbau-Handbuch“
(1994: 155) das Verhältnis von verwertbarer Förde-
rung zur Rohkohleförderung 1960 69,2 v. H. und 1990
in den aktuell produzierenden Revieren Deutschlands
52,9 v. H.; gleichzeitig stiegen der Anteil der Körnung
unter 0,5 mm und der Feuchtegehalt der Rohförder-
kohle an.
Ohne hier näher auf Einzelheiten der Entwicklung der
Steinkohlenfördermengen aus den wichtigsten säch-
sischen Lagerstätten eingehen zu können, lässt sich
folgendes feststellen: Für die erste Hälfte der „intensi-
veren“ sächsischen Gewinnungsperiode (1860 bis
zum 1. Weltkrieg) zeichnet sich eine gewisse Kontinu-
ität im Anstieg der Förderkurve der Lagerstätte Oels-
nitz bzw. das Beibehalten eines erreichten Förderni-
veaus (Lagerstätten Zwickau und Freital-Döhlen) in
Abb. 2-5 ab. Diese Entwicklung wird in der zweiten
Hälfte der „intensiven“ sächsischen Gewinnungsperi-
ode (1914-1945) von einem insgesamt wesentlich un-
ruhigeren Verlauf abgelöst (Endphase des 1. Welt-
krieges, Weltwirtschaftskrise, Arbeitskämpfe der
Weimarer Republik, kurzer Anstieg während der Zeit
des Nationalsozialismus, starker Einschnitt am Ende
des zweiten Weltkrieges). Die Nachkriegszeit ist
durch eine schwache Erholung der Förderung ge-
kennzeichnet („Nachlesebergbau“). Der kleine Ein-
schnitt 1952/53 in Zwickau hängt u. a. mit der Schlie-
ßung des Steinkohlenwerkes „August Bebel“ zusam-
men.
Während der Zeit der DDR-Planwirtschaft folgen ab
1967 mehrere zentrale Wirtschaftsbeschlüsse, die zur
Schließung der weitgehend ausgekohlten Lagerstät-
ten bis 1978 führten.
Speziell in der Zeit nach 1945 waren die sächsischen
Steinkohlenvorkommen und innerhalb dieser beson-
ders die Lagerstätten von Zwickau und Oelsnitz ne-
ben den Braunkohlen eine wesentliche (Energie-)
Grundlage für den Wiederaufbau im Osten Deutsch-
lands.
Die letzte
Revision der Restvorräte
von ehemals
über- oder untertage erkundeten Lagerstättenres-
sourcen in sämtlichen Steinkohlenvorkommen der
DDR erfolgte in den Jahren 1982 bis 1984. Diese
Aufgabe wurde in vier Arbeitsetappen realisiert und
zwar entsprechend den damals geltenden geologisch-
technischen Vorgaben und Richtwerten (wie z. B. für
Mindestmächtigkeiten, Mindestvorräte und entspre-
chende Kategorien der „Steinkohleninstruktion“ vom
20.06.1969, die u. a. die 4 Vorratsklassen A, B, C1
und C2 festlegte) sowie einer eigens für die Ermittlung
des Rest-Ressourcenpotentials Steinkohle erarbeite-
ten Methodik, welche die geologisch-ökonomische
Vergleichbarkeit der Einzelvorkommen untereinander
gewährleistete (H
OTH, WOLF 2007).
Abb. 2-5: Bedeutung der Zwickauer Steinkohlenförderung innerhalb von Sachsen

18
Nach einer geologischen Einschätzung aller Einzel-
vorkommen und geologisch-gewinnungstechnisch-
ökonomischen Gesamteinschätzung ausgewählter
Vorkommen nach einheitlichen Bauwürdigkeitskrite-
rien erfolgten Schlussfolgerungen für weiterführende
Untersuchungsarbeiten.
Im Ergebnis der geologisch-ökonomischen Gesamt-
einschätzung (W
OLF, HOTH, MILDE 1984) kann im Frei-
staat Sachsen
insgesamt
mit ca. 10 bis 15 Mio. t
Rand-, Rest- und Splittermengen an Steinkohle ge-
rechnet werden, die sich noch in den vollständig bzw.
weitgehend gefluteten Grubengebäuden der drei oben
genannten Lagerstätten befinden und mit traditionel-
lem Bergbau nicht mehr wirtschaftlich zu gewinnen
sind.
In der
Lagerstätte Zwickau
wurde im Verlauf o. g.
Revision aufgrund des weit fortgeschrittenen Ab-
baustandes in der Gesamtlagerstätte lediglich das bis
zuletzt produzierende
Mülsenfeld
einer detaillierten
Betrachtung unterzogen (= oberer Teil der Marienthal-
Pöhlauer und Oberhohndorfer Schichten; vgl. Stan-
dardprofil). Damit bezieht sich der im Rahmen der
Einschätzung ermittelte Umfang der vor 1978 abge-
schriebenen („Rest-) Vorräte (W
OLF, HOTH, MILDE
1984; Tab. 2) auf die im Mülsenfeld noch anstehen-
den Flöze Rußkohlenflöz I, Schichtenkohlenflöz II,
Zachkohlenflöz II sowie im 2-Elligen und 3 ½-Elligen
Flöz. Einen Eindruck von der Position und den Um-
fängen der Restmengen in den genannten Flözni-
veaus sowie in den 2003/04 ergänzten Niveaus des
Segen Gottes Flözes, des Ludwig Flözes und des
Amandus Flözes vermitteln die Flözverbreitungskar-
ten in den Beilagen 3-5 bis 3-11.
Die ermittelten Gesamtmengen an verbliebenen Rest-
ressourcen decken sich weitgehend mit den Ergeb-
nissen neuerer überschlägiger Berechnungen der
Restressourcen durch den
Steinkohlenbergbauverein
Zwickau e. V.
(frdl. Mitteilung K. H
ERTEL 1999): Einer
Restmengenermittlung von insgesamt ca. 7,6 Mio. t
(v. F.) von 1984 stehen ca. 8 Mio. t „gewinnbare“ Vor-
räte (Schätzung Steinkohlenbergbauverein) gegen-
über. In beiden Fällen wurde die (theoretisch) für „wei-
tere Untersuchungen“ betriebswirtschaftlich erforderli-
che Mindestmenge von 10 Mio. t nicht erreicht.
3
Sedimentation und Flözbildung im
Oberkarbon von Zwickau
3.1 Kenntnisstandsentwicklung
(K. HOTH)
Der heute vorliegende Kenntnisstand über den Inhalt,
den Bau und die Bildung der ehemaligen Steinkohlen-
lagerstätte Zwickau ist das Ergebnis eines langen,
Jahrhunderte währenden Erkenntnisprozesses zahl-
loser mit diesem Vorkommen aus verschiedensten
Gründen befasster Interessenten. Bergleute und spä-
ter auch Markscheider hatten einen existentiellen
praktischen Bedarf an der Klärung der vertikalen und
lateralen Ausbildung der Flöze und an ihren Lage-
rungsverhältnissen und das über Jahrhunderte hin.
Ihnen verdanken wir z. B. die grundlegenden Kennt-
nisse über die spezielle Lagerstättenstratigraphie, d.
h. über die Flözfolge im Revier (vgl. z. B. D
RESSEL et
al. 2000: 11-16). Geologieinteressierte und Geologen
haben sich besonders um die Mitte und am Ende des
19. Jahrhunderts speziell mit der Lagerstätte befasst,
bevorzugt allerdings in paläontologischer, d. h. or-
thostratigraphischer Hinsicht. Später fehlten ihnen der
Anreiz und offenbar auch die Kraft, in Begleitung des
Steinkohlenabbaus die lagerstättenkundlichen Ge-
setzmäßigkeiten im Gesamtrevier speziell zu untersu-
chen. Daraus resultieren zahlreiche Kenntnislücken,
die heute nicht mehr geschlossen werden können.
Die Steinkohlen südlich von Zwickau am Planitzer
Kohlberg östlich von Niederplanitz an der Hammer-
waldstraße und in Bockwa an der Schneeberger Stra-
ße sind bereits im 15. Jahrhundert durch Kaufverträge
und Belehnungen aktenkundig. Schon 1348 gebieten
die Schmiedeartikel im Zwickauer Stadtrechtsbuch „
daz alle smide di inderthalp der mur sitzen mit nichte
sullen smiden mit steinkoln
“. Darüber hinaus wird
vermutet, dass schon um das Jahr 1000 den hier sie-
delnden Slawen der „brennende Stein“ bekannt war
(H
OFFMANN 1979: 4).
Erste geologische Nachrichten verdanken wir A
GRI-
COLA
, der 1505 dem ungeheures Aufsehen erregen-
den ersten Brand des Zwickauer Steinkohlenflözes (=
Tiefes Planitzer Flöz) als 11-jähriger Schüler von
Glauchau aus seine „
erste Berührung mit Steinen
verdankte. Später beschreibt er (A
GRICOLA 1546: 236
= S. 98 von 1956)
auf dem berühmten Kohlenberg 2
½ Meilen
(= 3 ¾ Kilometer)
von der Stadt Zwickau
entfernt
ein Profil von einem
ausgedehnten Flöz wei-
cher Kohlen, ungefähr 3 ½ Lachter
(= 7 m)
mächtig
(=
Rußkohlenflöz), über
ein Gesteinszwischenmittel wie-
derum
zu
einem Flöz aber von harten Kohlen
, denen
sie wegen der Schwärze und des Glanzes
den Na-
men Pech
(kohle)
gegeben haben
(= Tiefes Planitzer
Flöz).
Unter diesem Flöz liegt bitumenhaltiger Galmei
unter dem sich zerstreut ... Kohlen finden
(? Ludwig
Flöz).
Da ... der Berg an manchen Stellen brennt, sind
die Kohlen, die das Feuer verzehrt
, ...
in schwarzen
Staub verwandelt
. Das beschriebene Profil weist eini-
ge Ähnlichkeiten zu dem noch heute aufgeschlosse-

19
nen Profil an der Cainsdorfer Brücke auf (vgl. Korrela-
tionsprofil I, Beil. 3-2). Noch zu A
GRICOLAs Lebzeiten
sind die Kohlenlager in Oberhohndorf (1530) und auf
Reinsdorfer Flur (1540) gefunden worden. Interessant
ist, dass seit dieser Zeit - im Gegensatz zum Bergre-
gal bei Erzlagerstätten - die Kohle jahrhundertelang
Grundeigentum geblieben ist. Der Regelung der wirt-
schaftlichen Abläufe und der Innungsgerechtigkeiten
auf den Kohlbergen dienten die sog. Kohlenordnun-
gen, von denen allein 5 in der zweiten Hälfte des 16.
Jahrhunderts belegt sind. Geologisch bemerkenswert
ist, dass am 14. Mai 1541 beim Schachtsenken auf
dem Planitzer Kohlberg zum ersten Mal eine offene
Kluft betroffen wurde, in der das Wasser stets sofort
verschwand“
(K
RAUßE in HOFFMANN 1979: 51).
Die erste bekannte rissliche Darstellung (mit Kurzer-
läuterung) stammt von 1669 und zeigt das gesamte
Grubengebäude an der Frauenbrunnenwiese am Pla-
nitzer Kohlberg, das unter den Einwirkungen des
zweiten Planitzer Grubenbrandes von 1641 stand.
Dargestellt sind sieben Strecken, davon vier vom
Brand betroffene sowie zwei verstürzte und zwei in-
takte Schächte (H
OFFMANN 1979: S. 18-20, 56, 65).
Dieser zweite Flözbrand (?Rußkohlenflöz) dauerte mit
wechselnder Intensität bis 1880 an.
Bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts waren
offenbar nur zwei (oder ? drei) Steinkohlenflöze be-
kannt.
CHARPENTIER (1778: 301 ff.) beschreibt ein viel-
leicht 20 Meter mächtiges Profil, in dem neben zwei
1,70 - max. 2,80 m
1
starken Flözen graue flöznahe
Schiefer, Thon- und Lettenlager, sandreiche Letten,
Trieb- und Feinsandsteine und gröbere Sandsteine
mit großen Quarzgeschieben auftreten. Die damalige
Tiefe der Schächte in der Planitzer Gegend wird mit
max. 30-40 m
1
angegeben. Der Sandstein, „
der an
vielen Orten die Ufer der Mulde ausmachet
“ führt ca.
0,09-0,15 m
1
mächtige „
Tageflötze
“ schlechter und
schiefriger Steinkohlen. Die gewonnenen Kohlen wa-
ren von mehrerer Güte: „
Pechkohl werden ihre guten
Kohlen genennet, ... die beste Art derselben Lehe-
kohl, ... unten bestehet der Kohlenflötz aus den zähen
Kohlen, ... Schirbelkohlen nennen sie die Kohlen, so
in breiten nicht dicken Tafeln zu brechen pflegen.“
Schichtenkohlen und Scheerenkohlen waren eben-
falls nicht reine, sondern mit Thon oder Schiefer mehr
oder weniger vermischte Kohlen. - Die stratigraphi-
sche Stellung der damals bebauten Flöze und Sand-
steine ist nicht sicher bekannt, zumal C
HARPENTIER
schreibt, dass der zweite gefährliche Brand beson-
ders das zweite Kohlenflöz betroffen hat (1778, S.
303). Er weist weiter darauf hin, dass das Gebirge
von verrückenden (Letten-)Gängen nach verschiede-
nen Richtungen durchschnitten wird, die bei Überfah-
rung durch Stolln das Wasser abgeben. - Etwa eben-
falls aus dieser Zeit mag der älteste Lageplan des
Zwickauer Bergbaus stammen, der „
Geometrische
1
Originalangaben in „Fuß“
Grundriß über die Gegend und Lage derer Steinkoh-
lenberge zu Planitz, Buckwe, Oberhohendorf und
Reinsdorf“
(E
CKARDT und MAY 1936, Einlage S. 46;
H
OFFMANN 1979: 21-22). Die ausführlichen Anmer-
kungen zu diesem Riss weisen auf eine Zeit, in der
die tiefsten Schächte bis 40 m tief waren. Die enthal-
tenen Datierungen über Grubenbrandereignisse sind
merkwürdig unklar.
Von großer Bedeutung für den Kenntnisfortschritt im
Zwickauer Steinkohlenrevier waren die Arbeiten von
C
HRISTIAN AUGUST von GUTBIER, der 1834 zunächst
eine
„Geognostische Beschreibung des Schwarzkoh-
lengebirges ...“
lieferte und 1835 eine Darstellung der
„Abdrücke und Versteinerungen
...“ folgen ließ. Die-
sem Offizier der Zwickauer Garnison, einem Geolo-
gieliebhaber, gelang nicht nur eine 60-seitige Be-
schreibung des
Flötz
gebirges (1834: 61-128), son-
dern auch eine Darstellung der
Flötz
ausstriche (1834,
Fig. 7), die Konstruktion von Schnitten und eine für
seine Zeit sehr ausführliche tabellarische Charakteris-
tik von 10
Flötzen
(vom Planitzer
Flötz
über Rußkohl
sowie Schichten- und Lehekohl bis zur oberen Pech-
kohl), und zwar westlich und östlich der Mulde, soweit
sie im Jahre 1833 durch den Abbau aufgeschlossen
waren. Ebenso sind die Zwischenmittel der
Flötze
nach Ausbildung und Mächtigkeit grob charakterisiert
(Abb. 3-1).
C. A. v. G
UTBIER war der heutige Rußliegendsand-
stein ebenso bekannt wie der konglomeratische Über-
lehe-Sandstein. - Ihm gelang mittels des Grauen
Konglomerats 1825 auch die Abtrennung des Rotlie-
genden vom Zwickauer Steinkohlengebirge, womit er
das Freiberger Oberbergamt und das Bergamt
Schneeberg überraschte, weil dadurch die Perspekti-
vität in großen Teufen im Norden wesentlich hoff-
nungsvoller wurde. 1838 wurde
GUTBIER in eine berg-
amtliche Überprüfungskommission berufen (E
CKARDT
& MAY 1936: 61).
Zwischen 1838 und 1844 regten der Freiberger Berg-
kommissionsrat A
MANDUS KÜHN und der Mineraloge
Prof.
A. BREITHAUPT eine intensive Bohrtätigkeit im
westlichen Teil des Stadtfeldes an, die zur Abgren-
zung des kohlenhöffigen Bereichs im Westen des Re-
viers und u. a. zum Nachweis des Ludwig- und des
Segen Gottes-Flözes in Niederplanitz führte (Stk
ESTAV 3/1839). In diesen Jahren wurde auch die
„Treibegärtnerei auf den Planitzer Erdbränden“ an der
Hammerwaldstraße begründet, die als „Geithnersche
Treibegärtnerei“ bis 1866 eine Sehenswürdigkeit von
europäischem Ruf war. Der mehr als 200 Jahre wäh-
rende 2. Planitzer Erdbrand erlosch zwischen 1860
und 1880.

image
20
Abb. 3-1: Entwicklung der paläobotanischen und geologischen Gliederung der Flözfolge von Zwickau
1855 legte der Dresdener Geologe Prof. H.
B. GEINITZ
in seiner Arbeit über die Versteinerungen der Stein-
kohlenformation in Sachsen u. a. eine Neubearbei-
tung über die Zwickauer Flora vor, der er 1856 eine
geognostische Darstellung der Steinkohlenformation
in Sachsen folgen ließ. Die Beschreibung bezüglich
Zwickau ist knapper gefasst als bei
GUTBIER, beson-
derer Wert wird gelegt auf die Beschreibung der Koh-
len rechts (d. h. östlich) der Mulde, auf die Fortset-
zung der Zwickauer Steinkohlenformation in das „Erz-
gebirgische Becken“ hinein, auf die Darstellung der
inzwischen neu geteuften Schächte im mittleren
Stadtfeld sowie auf eine Unterscheidung der Neben-
gesteine der Flöze: Schieferthone, Kohlensandsteine,
arkoseartige Sandsteine, Conglomerate verschiede-
ner Position. Es werden in Zwickau der 2. bis 5.
„sächsische Vegetationsgürtel“ (vgl. Abb. 3-1) unter-
schieden, wobei der zweite Gürtel dem Bereich unter
dem Rußkohlenflöz, der fünfte etwa dem Bereich der
heutigen Sporenzone WZ3 entsprach. Die Über-
sichtskarte 1 : 12.000 nach H.
KLÖTZER (1852) und B.
H
AYMANN (1855) auf Taf. I und die Schnitte auf Taf. II
sind eine wertvolle Beigabe. Auch rötliche Schieferto-
ne nahe der Sohle des Kohlengebirges waren G
EINITZ
aus dem Bereich des Bürgergewerkschaft-Schachtes
bekannt (Basis Korrelationseinheit 8a?; Beilage 3-1).
In dieser Zeit wurden auch die lagerstättenkundlich
erfolglosen Bohrungen im Bereich des Reinsdorfer
Schüttungsfächers unternommen.
Der wesentlichste Kenntnisfortschritt in der Geschich-
te des Reviers erfolgte mit der Revierrevision durch
den Verein für bergbauliche Interessen zu Zwickau
(A
RNOLD 1900a, b; ARNOLD, OTTO et al. 1895 bis
1900) und durch die Geologische Landesaufnahme
1 : 25.000 (M
IETZSCH 1877a, b; SIEGERT 1901; STER-
ZEL
1901). Zu Beginn dieser Zeit (1862-1875) stieß
der Bergbau in den Südost- und in den Nordostteil
des Stadtfeldes östlich der Oberhohndorfer Haupt-
verwerfung vor; um die Jahrhundertwende dann auch
in das Pöhlauer Feld. Damit war der größte Teil des
Reviers nun bekannt. - Im Zuge der Revierrevision
wurden durch Bergrat A
RNOLD eine sehr detaillierte
Feld- und Flözkarte i. M 1 : 8.000 mit ausführlicher Er-
läuterung vorgelegt, die grundlegende Flözkorrelation
durchgeführt, die Flözbenennungen innerhalb der jetzt
vollständig bekannten Flözfolge vereinheitlicht sowie
ein ideales Gebirgsprofil aufgestellt. Gebirgsschnitte,
eine umfangreiche Sammlung von
Flötz
profilen und
Darstellungen wichtiger Verwerfungen komplettieren
die Zusammenstellungen.
Ebenso wie in den Erläuterungen zur GK 25.000 wird
nicht nur den Flözen, ihrer Ausbildung, Mächtigkeit
und Veränderlichkeit erhöhte Aufmerksamkeit gewid-
met, sondern auch die Nebengesteine zwischen ihnen
werden nach Möglichkeit differenzierter betrachtet, als
bis dahin üblich.

21
In den Erläuterungen zur GK 25.000 sind weiter die
Flöz- und Teufenzusammenstellungen der südlichen,
mittleren und nördlichen Schächte (bis Brückenberg
IV) und die Flözausstrichkarte über das Gesamtrevier
besonders wertvoll. - Die Ansichten über die Glieder-
barkeit der Zwickauer Steinkohlenformation haben
sich während dieser Erkundungsperiode gewandelt.
Während
MIETZSCH (1877a, b) als paläontologisch-
geologische Gliederung noch eine Zone der Sigillarien
(sto1) sowie eine Zone der Farne (sto2) unterschied,
erkannte S
TERZEL (1901: 112 f.) die paläobotanische
Unhaltbarkeit dieser Zonierung (vgl. Abb. 3-1).
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren dem-
gegenüber nur noch partielle oder punktuelle Kennt-
niszuwächse zu verzeichnen (S
TUTZER 1932: Rußkoh-
lenpetrographie, 1934a: Lehestreifen, 1934b: Bog-
headkohle, 1935: Korrelation zu Lugau-Oelsnitz;
Z
ERNDT 1932: erste Mikrosporen). Von GOTHAN (1932:
11) wurde die Zwickau-Lugauer Flora im Vergleich zur
Gesamtflorenfolge des Karbons und in Übereinstim-
mung mit S
TERZEL (1901) dem jüngsten Westfal zu-
gewiesen. Alle Übersichten dieser Zeit (S
TUTZER
1936, P
IETZSCH 1951) sind lediglich Kenntnisstands-
Zusammenfassungen. Im Zuge einer Bestandsanaly-
se im deutschen Steinkohlenbergbau hat
PIETZSCH
(1942: 243-247, Anl. 24, 25) das Zwickauer Oberkar-
bon in 3 Flözgruppen gegliedert: Untere Flözgruppe
mit Segen Gottes- bis Ludwig-Flöz (heute obere
Schedewitzer Schichten), mittlere Flözgruppe mit
Amandus- bis Zachkohlenflöz (heute Marienthal-
Pöhlauer Schichten), obere Flözgruppe mit Lehekoh-
len bis 3elligem Flöz (heute Oberhohndorfer Schich-
ten).
Einen weiteren Anstoß erfuhr die Erforschung des
Zwickauer Reviers durch die Erkundungsarbeiten in
seinem östlichsten Teil, dem Mülsenfeld, in den fünf-
ziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts (20 Tief-
bohrungen bis reichlich 1200 m). Die Parallelisierung
der in den Erkundungsbohrungen angetroffenen Flöze
mit denen im Abbaufeld erwies sich als äußerst
schwierig. Der Gliederungsansatz von
BLÜHER (1954)
auf Basis von Einzelaufschlüssen und mit Hilfe des
sog. Sphärosideritschiefers, einem vermeintlichen
Korrelationshorizont in den tiefsten Teilen des Kar-
bonprofils, stellte sich als nicht geeignet heraus. Ein
zu dieser Zeit unternommener Versuch von D
ABER
(1955, 1956, 1957), detaillierter Horizontierungen mit
Linopteriden-Zonen durchzuführen, erbrachte Ergeb-
nisse, die in ihrer Konsequenz im Nachhinein so nicht
bestätigt werden können. Die Parallelisierungsversu-
che zu Oelsnitz durch B
LÜHER (1956, 1957) und DA-
BER
(siehe oben), die nach damaligem Kenntnisstand
als Lösung des Problems erschienen, wurden wie an-
dere ihrer Ergebnisse von P
IETZSCH (1962: 225-235,
240-242, 246-257) zusammenfassend dargestellt.
Anfang der achtziger Jahre zwang die Erfassung des
Rest-Ressourcenpotentials Steinkohle DDR auch in
Zwickau zu einer Analyse des Kenntnisstandes im
Gesamtrevier. Die dabei festgestellten Kenntnislücken
wurden soweit als möglich zu schließen versucht. Nur
so waren einigermaßen zuverlässige Aussagen über
evtl. noch vorhandene Steinkohlenvorräte erreichbar.
Die gewonnenen Kenntnisse liegen der folgenden
Darstellung zu Grunde. Die jetzt nach langer Anlauf-
zeit durchgeführte Korrelation innerhalb und außer-
halb des Reviers entspricht durch die enge Verbin-
dung lithostratigraphischer und paläobotanischer Un-
tersuchungen der Realität der geologischen Entwick-
lung dieser Ablagerungen am ehesten.
3.2
Schichtenfolge und Beckenentwicklung
(K. H
OTH)
Abgesehen von den historischen paläobotanischen
Gliederungsversuchen im limnischen Zwickauer Ober-
karbon hat dessen heutige lithostratigraphische
„Schichten“-Gliederung ihren Ursprung bei P
IETZSCH
(1942: 246). Sein Differenzierungskonzept in 3 Flöz-
gruppen (siehe Kap. 3.1) hat sich am Ende als das
sedimentologisch und beckengenetisch akzeptabelste
erwiesen, nachdem die paläobotanisch begründete
Korrektur dieses Schemas durch D
ABER (1957: 45)
aufgegeben werden musste und die Ausscheidung
eines „Hauptflözkomplexes“ als mittlere „Schichten-
Einheit“ durch H
OTH (1984: 9) zu sehr aus der Res-
sourcensicht, weniger nach Gesichtspunkten der Be-
ckenentwicklung erfolgte. Dieses ist, nach besserer
Kenntnis der Nebengesteinsverhältnisse, inzwischen
korrigiert.
Heute unterscheiden wir in der von S
CHNEIDER, RÖß-
LER
et al. entsprechend den Regeln der Stratigraphi-
schen Kommission Deutschlands definierten
Zwi-
ckau-Formation
(Oberkarbon-Monographie, C
OURIER
254
: 453f., 2005) folgende Untereinheiten (von oben):
Oberhohndorf-Subformation bzw. Oberhohndorfer
Schichten
(H
OTH 1984: 12; DÖRING et al. 1988:
19/20)
Marienthal-Pöhlau-Subformation bzw. Marienthal-
Pöhlauer Schichten
(S
CHNEIDER, RÖßLER et al.
2005: 455)
Schedewitz-Subformation bzw. Schedewitzer
Schichten
(D
ÖRING et al. 1988: 19/20; bei
H
OTH 1984: 9 noch Mülsener-Schichten
2
).
Mit dem Fortschreiten der Kenntnisse über die spe-
zielle lithostratigraphische Korrelation im gesamten
Revier, über die paläobotanischen Aussagemöglich-
keiten und über die Kohlenmoor- (nicht Flözabbau-)
Verbreitung auch der tieferen Flözhorizonte erwies es
sich außerdem als zweckmäßig, P
IETZSCH’ „Schichten
im Liegenden des Segen Gottes Flözes“ (1942: 246)
2
Musste aus Gründen der Namenspriorität im Rotliegenden aufgegeben
werden.

22
= „das Liegende des unteren
Flötz
zuges“ von
MIETZSCH (1877: 5-7) als
Untere Schedewitzer
Schichten
vom höheren flözführenden Hauptteil, den
Oberen Schedewitzer Schichten
abzutrennen. Die
nicht sehr glückliche Benennung dieser tiefsten
Schichteinheit muss in Kauf genommen werden, da
im Bereich ihrer mächtigsten und vollständigsten Pro-
file im Mülsenfeld keine geeignete Benennungs-
Lokalität zur Verfügung steht.
Die genannte Gliederung ist aufgestellt im Stadtfeld
und gilt auch im Pöhlauer Feld und im Mülsenfeld.
Im Bereich des Reinsdorfer Schüttungsfächers ist die
Gliederung der bis zu 240 m mächtigen psammit- und
psephitbetonten oberkarbonischen Schichtenfolge
demgegenüber sehr viel problematischer. Von den
Bohrungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sind
bisher kaum gliederungsrelevante Anhaltspunkte be-
kannt und die jüngsten Grundgebirgs-Kartierungsboh-
rungen der Wismut AG im südlichen Wurzelbereich
des Fächers: (Kb) 3213/89, (Kb) 3215A/89 und (Kb)
3216/89 haben infolge zu wenig differenzierter Kern-
aufnahme im Karbon und magerer bohrlochgeophysi-
kalischer Vermessung (lediglich Gamma) nur be-
schränkte Aussagekraft. Vor allem die im Scharungs-
bereich des Reinsdorfer Sprunges und der Pöhlauer
Sprünge zeitweilig havarierte Bohrung 3215A/89 lässt
sich kaum ausreichend gliedern und korrelieren und
gibt mit rd. 80 m grobklastitreichem Oberkarbon(?)-
Profil unterhalb der Rotfazieszone Rätsel auf. In den
beiden anderen Bohrungen sind immerhin die Rotfa-
zieszone im tiefen Teil der Profile (Korrelationseinhei-
ten ? 3b-4), das Mülsenfelder Hauptkonglomerat, das
„tiefe tonige Niveau“ (Korrelationseinheit 6) in unter-
schiedlicher Deutlichkeit, gelegentlich kohlige Zwi-
schenlagen im Bereich Amandus, der „Doppelsand-
stein“ Amandus/Planitz und der rel. sandsteinarme,
kohlige Lagen führende Bereich um die Rußkohlen-
flöze (Korrelationseinheiten 13c-15a) zu erkennen.
Das erlaubt den Schluss, dass die Profile dort offen-
bar nicht über den mittleren Teil der Marienthal-
Pöhlauer Schichten ins Hangende hinaufreichen. -
Einzelheiten über den Aufbau der Grobklastit-
Horizonte sind bisher unbekannt. Tiefe Profilteile, die
Korrelationseinheit 3 im nördlichen Mülsenfeld ent-
sprechen könnten, sind gröberklastisch als dort im
Norden, was auf eine frühe Anlage des Reinsdorfer
Schüttungsfächers deutet.
Die folgende kursorische Beschreibung des Gesamt-
profils folgt den genannten lithostratigraphischen Ein-
heiten in zeitlicher Reihenfolge.
3.2.1
Untere Schedewitzer Schichten
(Korrelationseinheiten 1-7, vgl. Beilage 3-1)
Mit einem 1-7 m mächtigen Paläoschutt,
der diskor-
dant einem spätestens unterkarbonisch konsolidierten
Basement aus im Westen des Reviers anchimeta-
morphen silurisch-devonischen Schiefern und Vulka-
niten, im Osten des Reviers aus ordovizischen Phylli-
ten auflagert, beginnt die postorogene oberkarboni-
sche Schichtenfolge von Zwickau. Dieses sog.
„Kümmelgebirge“ der Altvorderen besteht vorwiegend
aus Abtragungsprodukten von tiefgründig verwitterten
anchimetamorphen Schiefern bzw. Erzgebirgsphylli-
ten (s. Kap. 3.6), im Bereich oberdevonischer Diabase
jedoch aus deren Aufarbeitungsmaterial („Basale
Brekzie“). Im Florentin Kästner Schacht II (später Mar-
tin Hoop Schacht VIII) in Zwickau-Wilhelmshöhe fol-
gen nach E.
E. MÖCKEL (Schachtprofil 1 : 500, 1906)
auf diese Brekzie ca. 0,5 m bunte Schiefer (Korrelati-
onseinheit W1), dann ca. 19 m Tuff (Korrelationsein-
heit W2) und schließlich 23 m „Melaphyr“
(Erguss von
Vielau-Reinsdorf, = Vertretung der beckenweiteren
Korrelationseinheiten 3a und 3b (s. Beilage 3-1). Im
Profil höher hinauf (max. bis Korrelationseinheiten 8-
9), reicht der „Melaphyr“erguß von Cainsdorf. Dieser
offenbar längere Zeit freiliegende Erguss war an-
scheinend einer intensiven Verwitterung ausgesetzt,
so dass aus seiner Nachbarschaft bis mehrere Meter
mächtige „bunte bolusartige Eisenthone“ bzw. „grün-
erdeartige Zersetzungsprodukte“ beschrieben wurden
(M
IETZSCH 1877a: 6). Als sog. „Sächsische Wunder-
erde“ fanden sie als Heilmittel Verwendung. M
IETZSCH
beschreibt aus den Planitzer Schächten und einer
Strecke zwischen Himmelsfürst und Segen Gottes
Schacht auch selbständige grünerdeartige Lagen aus
den untersten Schichten des Oberkarbons (?Relikte
von Nachläufer-Effusionen). Tonige Zersetzungspro-
dukte von „Melaphyr“ sind ferner von D
ALMER (1884:
58) aus den Reinsdorfer Schächten südlich vom
Schmelzbach erwähnt worden, also aus dem Bereich
des Vielau-Reinsdorfer Ergusses.
Auf den Reinsdorfer „Melaphyr“ und dessen Zerset-
zungsprodukte folgen die Schieferschluffe, Konglome-
rate und Sandsteine, die die Unteren Schedewitzer
Schichten im Wesentlichen zusammensetzen. Die
tiefsten Korrelationseinheiten sind im äußersten Os-
ten des Reviers in den dort vollständigsten Profilen
entwickelt. Sie bildeten sich hier offenbar gleichzeitig
mit den Vulkanitergüssen weiter im Westen.
Der Boghead-Schiefer
(Korrelationseinheit 2), mit Öl-
algen der Gattungen
Pila
und
Reinschia
(S
TUTZER
1924b, H
ORST 1954),
der Mitte der fünfziger Jahre nur
vom Ostrand des Mülsenfeldes bekannt war (Brg. Al-
berthöhe 1/48 und Heinrichsort 1/50; B
LÜHER 1954:
838), wurde später auch im Mülsenfeld in den Boh-
rungen Mül 9/56 und Mül 20/59 gefunden. Er ent-
spricht lithostratigraphisch wahrscheinlich dem Niveau
des Boghead-Flözes im Lugau-Oelsnitzer Revier. In-
sofern ist
BLÜHER zu bestätigen. Sein unbenanntes
Flöz 1 hat sicherlich in den Kohlestreifen und -schmit-
zen der Korrelationseinheit 3b seine Entsprechung.
Nicht bestätigt werden kann dagegen sein Leithori-
zont Sphärosideritschiefer,
denn einerseits zeigt z. B.
Brg. Mül 20 mehrere solcher Niveaus und anderer-

23
seits kommen solche Gesteine im Stadtfeld in mehre-
ren höheren Korrelationseinheiten vor (Schacht Brü-
ckenberg III, Bahnhofsschacht; vgl. Tab. 3-7).
Weitere charakteristische Lithoeinheiten in den Unte-
ren Schedewitzer Schichten sind das bis 15 m, max.
29 m mächtige vielgliedrige Mülsenfelder Hauptkong-
lomerat (Korrelationseinheit 5), das außer im Mülsen-
feld auch im Pöhlauer Feld, im Reinsdorfer Schüt-
tungsfächer und im östlichen Teil des Stadtfeldes ver-
breitet ist (vgl. 3.5) und das 6 m-15 m mächtige Unter-
Segen-Gottes-Konglomerat (Korrelationseinheit 7), z.
T. auch Pöhlauer oder Schedewitzer Konglomerat
genannt, das offenbar im Pöhlauer Feld und im Nord-
westen des Stadtfeldes seine Hauptverbreitung hat
(vgl. Beilagen 3-2, 3-4). Für Korrelationseinheit 5 ist
nach Kap. 3.5 vor allem eine starke Klastitzufuhr aus
nördlichen Richtungen anzusetzen. Eine Schüttungs-
analyse für das Unter-Segen-Gottes-Konglomerat ist
nicht erfolgt, ein Umschlag des Sedimentationsre-
gimes lässt sich aus der Mächtigkeitsentwicklung in
den Korrelationsprofilen nicht herauslesen, so dass
die Verhältnisse im Gebiet des Reinsdorfer Schüt-
tungsfächers zu dieser Zeit im Gegensatz zu früheren
Aussagen unklar bleiben.
Die Unteren Schedewitzer Schichten sind flözfrei; ers-
te Kohlelagen (max. 25 cm) finden sich in den Korre-
lationseinheiten 3, 5 und 6. Hervorhebenswert ist
auch ein besonders an Schieferton und Schie-
ferschluff reicher Profilabschnitt zwischen den ge-
nannten Konglomeraten (= tiefstes toniges Niveau
=
Korrelationseinheit 6), der sich in einer Mächtigkeit
von 6-30, max. reichlich 40 m (?) fast über das ge-
samte Revier erstreckt. Einzelheiten zeigen die Korre-
lationsprofile 1-3 (Beilagen 3-2 bis 3-4).
Die als auffällige Erscheinung in den tiefsten Ober-
karbonschichten u. a. von P
IETZSCH (1962: 227 und
233) erwähnten rötlichen, rotbraunen oder schokola-
denfarbenen Schieferletten und Sandsteine (Rotfa-
zieszone) bilden z. B. im nördlichen Mülsenfeld eine
leicht diskordante Zone im Bereich der Korrelations-
einheiten 3b bis 5 tieferer Teil (vgl. Beilage 3-4). Wei-
ter südlich steigt die Rotfärbung in Korrelationseinheit
5 höher auf. Im Reinsdorfer Schüttungsfächer ist die
Rotfärbungszone etwa im Bereich der Korrelations-
einheiten 3b/4 angesiedelt. Im Stadtfeld sind gele-
gentlich andere Bereiche betroffen (Bürgerschacht I,
Gebiet nordöstlich Himmelsfürstschacht: Korrelati-
onseinheiten 7/8). Leider ist der Dokumentationsstand
zu ungleich, um sichere verallgemeinernde Aussagen
über diese Rotfazieszone(n) machen zu können.
Die stratigraphische Einstufung
der Unteren Schede-
witzer Schichten wird verschieden beurteilt. Die Un-
tersuchungen auf Sporen erstrecken sich mangels
Probenmaterials aus dem Stadtfeld kaum auf diesen
Abschnitt, so dass die für Zwickau allgemein getroffe-
ne Altersaussage „Westfal D“ für diese Einheit nicht
endgültig gesichert erscheint. D
ÖRING (Kap. 4.2) hält
für seine Zone WZ1, im Hangenden der Unteren
Schedewitzer Schichten gelegen, tiefes Westfal D für
wahrscheinlich. Das Spektrum der einzigen Sporen-
fundstelle in den Unteren Schedewitzer Schichten bei
Teufe 1215,7 m der Brg. Mül 18/58, das entspricht
etwa Korrelationseinheiten 3c/4 (= ca. 1160-1165 m in
Brg. Mül 9/55) lässt eine sichere Aussage nicht zu.
Granulatisporites
sp. und
Triquitrites
spp. sind stra-
tigraphisch bedeutungslos,
Florinites mediapudens
tritt im Zeitabschnitt Westfal A-D mit Schwerpunkt im
Westfal B/C auf,
Florinites ovalis
ist aus verschiede-
nen Gebieten bald im tieferen CwD, bald im Bereich
CwD bis Stefan bekannt (vgl. Kap. 4.2). - Bei der von
MIETZSCH (1877a: 12) aus dem Liegenden des Segen
Gottes
Flötzes
beschriebenen
Sphenopteris elegans
(= (?)
Sph. odiantoides
) handelt es sich nach S
CHULT-
KA
und KAHLERT (frdl. Mitteilung) mit Sicherheit um ei-
ne Fehlbestimmung, da diese Art weitgehend auf das
Namur A beschränkt ist. Makropaläobotanisch findet
sich kein Anhalt für eine Einstufung in das Westfal C
oder tiefere Westfal D. Der Nachweis einer Linopteri-
de, die der
L. weigelii
nahe steht, in der Brg. Mül
18/58 bei Teufe 1208,0 m (= Korrelationseinheit 4),
spricht eher für hohes Westfal D.
Wegen der nicht klaren Einstufung (unterschiedliche
Deutung durch Mikro- und Makropaläobotanik) wer-
den die Unteren Schedewitzer Schichten im Gegen-
satz zu den folgenden Einheiten als CwC?-D einge-
stuft.
Zusammenfassende Charakteristik der Unteren
Schedewitzer Schichten:
Tiefster flözfreier Teil des Zwickauer Oberkarbons, Korrela-
tionseinheiten 1-7 (im Sinne einer Zyklengliederung könnte
Korrelationseinheit 7 alternativ auch als Basiskonglomerat
der Oberen Schedewitzer Schichten angesehen werden).
Mögliche Symbolik:
CwC(?)-D bzw. C
2
Sch
1
Frühere Beschreibungen/Definitionen:
Ersterwähnung
:
M
IETZSCH (1877a: 5f.)
Erstdefinition
:
hier; (Schedewitzer Schichten insgesamt
D
ÖRING, HOTH, KAHLERT 1988: 19-20).
Synonyme
:
Das Liegende des unteren
Flötz
zuges (MIETZSCH 1877a:
5f.); Liegende Schichten des ältesten
Flötzes
(S
IEGERT
1901: 22-23); Schichten im Liegenden des Segen-Gottes-
Flözes (P
IETZSCH 1942: 246); Mülsener Schichten (HOTH
1984: 8-9) zum Teil (nicht mehr benutzen! Begriff präoku-
piert durch Mülsen-Formation des Oberrotliegenden!);
Schedewitz-Subformation entspricht z. T. (S
CHNEIDER, RÖß-
LER
et al. 2005).
Heutiger Stand der Definition:
Namengebung: Nach Bürgerschacht II in Zwickau-Sche-
dewitz.

24
Typusprofile:
Im Raum zwischen Martin-Hoop-Schacht
IVa und Bohrung Mül 20.
Lithologie:
Typusgesteine:
Konglomerate und Mittel- bis Grobsandsteine, Schie-
ferschluffe und -tone, z. T. rotbraun; Basaltoide, örtlich Bog-
head-Schiefer.
Generelle lithologische Charakteristik:
Wechsellagerung von Konglomeraten bzw. Mittel- und
Grobsandsteinen mit grauen Schieferschluffen und dunkel-
grauen Schiefertonen, nahe der Basis mit Rotfaziesbereich;
im äußersten Osten Boghead-Schiefer. Im Süden und Süd-
westen Basaltoide („Melaphyr“).
Lithologische Zusammensetzung:
Schieferschluffe 30-50 %
Konglomerate
15-45 %
Mittel- (Ms) und Grobsandsteine (Gs)
10-30 %
Schiefertone 10-20 %
Feinsandsteine (Fs)
5-20 %
Boghead-Schiefer <1 %
Steinkohle
<1 % .
Verbreitung:
Vollständige Abfolge im Mülsenfeld. Weitgehend vollständig
im Pöhlauer Feld, im Stadtfeld nur höhere Teile, dort z. T.
von Basaltoid vertreten.
Obergrenze:
Top des Unter-Segen-Gottes-Konglomerates (Korrelations-
einheit 7) bzw. Basis des Flözkomplexes Segen-Gottes
(Korrelationseinheit 8).
Bei Zyklengliederung Top von Korrelationseinheit 6.
Untergrenze
(Basis):
Erosiv auf Grundgebirge: „Kümmelgebirge“ bzw. „Basale
Brekzie“ (Paläo-Umlagerungsschutt aus aufgearbeitetem
Grundgebirgsmaterial: meist Phyllit oder anchimetamorphe
Schiefer).
Mächtigkeit
:
Stark schwankend. In Gebieten mit vollständiger Ausbildung
50-80 m, max. 90 bis 100 m; in Gebieten mit unvollständi-
gen Profilen 0-25 m, max. 50 m.
Spezielle stratigraphische Gliederung:
In den Korrelationseinheiten 1-7 (siehe Korrelationsprofil 3,
Ostteil; Beilage 3-4) sind charakteristisch:
Korrelationseinheit 7:
Unter-Segen-Gottes-Konglomerat
Korrelationseinheit 6:
tiefes toniges Niveau
Korrelationseinheit 5:
Mülsenfelder Hauptkonglomerat
Korrelationseinheit 2:
Boghead-Schiefer.
Lithologische Zusammensetzung von Einzelgliedern:
siehe Korrelationsprofile 1-3 (Beilagen 3-2 bis 3-4).
Mächtigkeit von Einzelgliedern:
Korrelationseinheit 7:
(1-) 6-15 m
Korrelationseinheit 6:
6-30 m, max. ?43 m
Korrelationseinheit 5:
(5-) 15, max. 29 m
Korrelationseinheit 2:
1-2 m.
Besondere Korrelationshorizonte:
Unter-Segen-Gottes-Konglomerat (7)
Mülsenfelder Hauptkonglomerat (5)
Örtlich im äußersten Osten Boghead-Schiefer (2).
Fazies- und Sedimentationsbedingungen:
Fluviatile deltoide Schüttungsfächer, lokal Vulkanitströme
und Pyroklastika. Schüttung des Mülsenfelder Hauptkong-
lomerats hauptsächlich von Norden.
Lithologisch-fazielle Besonderheiten:
Diskordanter Rotfaziesbereich im Mülsenfeld im Bereich der
Korrelationseinheiten 3a-5 (unterer Teil). Im Stadtfeld auch
in Korrelationseinheiten 7/8.
Magmatismus
:
Basaltoider Vulkanismus (Vielau-Reinsdorfer und Cainsdor-
fer „Melaphyr“) lokal im Bereich der Korrelationseinheiten 1-
3 bzw. 1-8, max. 9; bei Reinsdorf (Brg. Zw-L 1/1861) mehr
als 80 m mächtig; evtl. schichtförmige Nachläufer im Stadt-
feld.
Fossilführung:
Es ist nur eine geringe Anzahl horizontiert entnommener
Pflanzenfossilien überliefert. Bekannt geworden sind
Annu-
laria sphenophylloides, Calamites suckowii, Sphenophyllum
sp. und
Linopteris cf. Weigelii
. Kaum Untersuchungen auf
Sporen. Offenbar bisher keine Fauna.
Deformation und Metamorphose:
Keine Schieferung; noch Diagenese-Bereich (<200 °C).
Stratigraphisches Alter:
Liegendes der Sporenzone WZ1 (D
ÖRING et al. 1988); Ein-
stufung nicht völlig gesichert, daher Westfal C(?)-D.

25
3.2.2
Obere Schedewitzer Schichten
(Korrelationseinheiten 8-11)
Mit diesem Profilabschnitt beginnt die Flözführung
3
im
Zwickauer Oberkarbon. Sie ist zunächst auf den
Westteil des Reviers, und zwar auf das spätere west-
liche Stadtfeld beschränkt
(Segen Gottes-Flöz
= Kor-
relationseinheit 8), wobei die Mächtigkeitsmaxima
NW-SO gerichtet sind und Beziehungen zu synsedi-
mentären Bruchstörungen nahe legen. Für diese In-
terpretation spricht auch die Position des isolierten, al-
lerdings fraglichen Segen Gottes-Vorkommens ost-
südöstlich der Altgemeinde-Schächte (vgl. Flözkarte
Segen Gottes = Beilage 3-5). Der
Flözkomplex Segen
Gottes
bestand im Bereich um die Bürger-Schächte
und um Segen Gottes- und Hilfe Gottes-Schacht aus
einer unteren, einer mittleren und einer oberen Abtei-
lung, wobei Flözmächtigkeiten zwischen 1 und 2 m
festgestellt wurden. Nach Westen hin trat Flözscha-
rung ein. Eine ausführliche historische Beschreibung
des Segen Gottes-Flözes findet sich bei
SIEGERT
(1901: 23-26). Unterschiede in den Angaben zur Koh-
leführung in anderen Dokumentationen beruhen of-
fenbar auf unterschiedlichen Berechnungsweisen der
Kohle/Berge-Verhältnisse. Einzelheiten zur Flözaus-
bildung, -verbreitung und zur Kohlequalität siehe Kap.
3.3.
Im Niveau des
Ludwig-Flözes
(Korrelationseinheit 10)
hat sich die prinzipiell N-S gerichtete Flözverbreitung
innerhalb des nördlichen Stadtfeldes schon deutlich
nach Nordosten erweitert und z. T. verschoben (vgl.
Beilage 3-6), teilweise wird das Pöhlauer Feld erreicht
(Schacht Morgenstern III bzw. Martin Hoop III). Nach
wie vor lag der Schwerpunkt der Kohlebildung im spä-
teren Stadtfeld. Im Gegensatz zu Segen Gottes war
das Ludwigflöz geschlossener und mächtiger. Es be-
stand in der Regel nur aus einer bis über 3 m mächti-
gen Flözbank ohne wesentliche Bergelagen. Eine
wiederum recht ausführliche historische Beschreibung
findet sich bei S
IEGERT (1901: 27-29). Die heutigen
Gesamtkenntnisse über Ausbildung und Aufbau der
Flöze der Oberen Schedewitzer Schichten sind von
V
OLKMANN und HOTH in Kap. 3.3 und in den zugehöri-
gen Flözkarten zusammengefasst.
Drei Grobklastit-Horizonte
charakterisieren die Obe-
ren Schedewitzer Schichten, nämlich die Korrelati-
onseinheiten 9, 11a und 11c (vgl. Beil. 3-12). Der be-
kannteste von ihnen, das örtlich über 20 m mächtige
Zwickauer Hauptkonglomerat (9) wurde im Wesentli-
chen aus nordöstlicher Richtung geschüttet, worauf
auch die Granulitgerölle im nördlichen Stadtfeld wei-
sen. Im südlichen Stadtfeld machen sich Schüttungen
aus dem Gebiet des Reinsdorfer Schüttungsfächers
bemerkbar. Für die tiefsten Konglomerate insbeson-
dere in den südlichen Teilen des Stadtfeldes werden
3
Flöze ab
40 cm zusammenhängender Kohle
in den Ersterläuterungen zur GK 25 Melaphyrgerölle
angegeben.
Der Ludwig-Sandstein (11a), im unmittelbaren Lie-
genden der wenig bedeutenden oberen Abteilung des
Ludwig-Flözes (11b) positioniert, ist meist als Sand-
stein, selten als Konglomerat ausgebildet. Er nimmt
mehr als das Zwickauer Hauptkonglomerat nach Os-
ten an Mächtigkeit ab. Sein Mächtigkeitsmaximum
liegt im Gebiet um den Glückauf-Schacht. Erwäh-
nenswert ist die Nennung von Alaunschiefern in sei-
nem Geröllbestand.
Mit dem Unteramandus-Sandstein (11c) beginnt ein
Wechsel im Sedimentationsregime: Schüttungen aus
dem Gebiet des Reinsdorfer Schüttungsfächers sind
jetzt deutlich. Nur im nordwestlichen Stadtfeld muss
noch mit nördlichen Einflüssen gerechnet werden.
Das Auftreten von Granitoid-Geröllen im Mülsenfeld
weist ebenfalls auf Transport aus südlicher Richtung
hin.
Die stratigraphische Einstufung
der Oberen Schede-
witzer Schichten in das Westfal D ist gesichert. Die
palynologische Datierung spricht für tiefes Westfal D
(D
ÖRING, Kap. 4.2) während die makropaläobotani-
schen Befunde mit dem Nachweis von
Praecallipteri-
dium subdavreuxii
eindeutig hohes bis höchstes
Westfal D belegen (K
AHLERT & SCHULTKA, Kap. 4.1).
Zusammenfassende Charakteristik der Oberen
Schedewitzer Schichten :
Tiefste flözführende Einheit des Zwickauer Oberkarbons,
Korrelationseinheiten 8-11.
Im Sinne einer Zyklengliederung könnte die liegende Korre-
lationseinheit 7 als Basiskonglomerat der Oberen Schede-
witzer Schichten angesehen werden; Korrelationseinheit 11c
dann als Basiskonglomerat der Marienthal-Pöhlauer Schich-
ten.
Mögliche Symbolik:
CwD
1
bzw. C
2
Sch
2
Frühere Beschreibungen/Definitionen:
Ersterwähnung
:
M
IETZSCH (1877a: 8-10, nur sachlich, nicht
begrifflich)
Erstdefinition
:
hier; Schedewitzer Schichten insgesamt
DÖRING, HOTH, KAHLERT (1988, S. 19-20)
Synonyme
:
Unterer
Flötz
zug zum Teil (M
IETZSCH 1877a: 8f); Zone des
Segen Gottes-
Flötzes
zum Teil und Zone des Ludwig-
Flötzes
(S
IEGERT 1901: 23-30); Untere Flözgruppe (PIETZSCH
1942: 246, 1951: 53); Mülsener Schichten (H
OTH 1984: 8-9)
zum Teil (nicht mehr benutzen! Begriff präokupiert durch
Mülsen-Formation des Oberrotliegenden!); Schedewitz-
Subformation entspricht z. T. (S
CHNEIDER, RÖßLER et al.
2005).

26
Heutiger Stand der Definition:
Namengebung: Nach Zwickau-Schedewitz
Typusprofile:
Schächte im Raum Schedewitz: Bürger I,
Bürger II usw.
Lithologie:
Typusgesteine: Schieferschluffe und Schiefertone, Sand-
steine, Konglomerate, z. T. mehrteilige
Steinkohlenflöze.
Generelle lithologische Charakteristik:
Wechsellagerung von grauen Schieferschluffen und dunkel-
grauen Schiefertonen sowie Konglomeraten, im Westen des
Reviers Einlagerung von 2 Flözkomplexen.
Lithologische Zusammensetzung:
Schieferschluffe 20-50 %
Schiefertone 10-30 %
Sandsteine
10-30 %
(Fs ca. 65-50 %, Ms-Gs 35-50 %)
Konglomerate 5-25 %
Steinkohle im Westteil des Reviers
5-10 %,
max. 15 % in unvollständigen Profilen
(Segen-Gottes-Schacht);
im Osten des Reviers < 1 %).
Verbreitung:
Gesamtes Revier.
Obergrenze:
Top des Unter-Amandus-Sandsteins (Korrelationseinheit
11c) bzw. Basis des Amandus-Flözes (Korrelationseinheit
12a). Im Sinne einer Zyklengliederung könnte die Obergren-
ze am Top von Korrelationseinheit 11b liegen.
Untergrenze
(Basis):
Basis des Flözkomplexes Segen-Gottes (Korrelationseinheit
8) bzw. Top des Unter-Segen-Gottes-Konglomerats (Korre-
lationseinheit 7). Im Sinne einer Zyklengliederung könnte die
Untergrenze an Basis von Korrelationseinheit 7 liegen.
Mächtigkeit
:
45-95 m, max. 125 m (Bahnhofsschacht),
am Südrand des Reviers 10-20 m.
Spezielle stratigraphische Gliederung:
In den Korrelationseinheiten 8-11 (siehe Korrelationsprofile
1-3) sind charakteristisch:
Korrelationseinheit 11c:
Unteramandus-Sandstein
bzw.
-Konglomerat
Korrelationseinheit 11b: Ludwigflöz, obere Abt. und Be-
gleitschiefer
Korrelationseinheit 11a:
Ludwig-Sandstein
Korrelationseinheit 10: Flözkomplex Ludwig (historisch
auch „Planitzer Flötz C“)
Korrelationseinheit 9:
Zwickauer Hauptkonglomerat
Korrelationseinheit 8:
Flözkomplex Segen-Gottes und
Vertreter.
Lithologische Zusammensetzung von Einzelgliedern:
siehe Korrelationsprofile 1-3 (Beilagen 3-2 bis 3-4).
Mächtigkeit von Einzelgliedern:
Korrelationseinheit 11c:
2-6 m, max. 12-15 m
(z. B. Bürger-Schacht II)
Korrelationseinheit 11b:
1-6 m, max. 10 m
Korrelationseinheit 11a:
1-8 m, max. 13 m
(Glückauf-Schacht)
Korrelationseinheit 10:
2-11 m, max. 12 m
(Flözmächtigkeit bis 3,50 m)
Korrelationseinheit 9:
(4-) 10-20 m, max. 22 m
Korrelationseinheit 8:
stark schwankend, 5-25 m, max.
40 m (Bahnhofschacht), Flöz-
mächtigkeiten bis 2 m.
Besondere Korrelationshorizonte:
Flözkomplex Ludwig (10; nur im Stadtfeld)
Zwickauer Hauptkonglomerat (9)
Flözkomplex Segen-Gottes (8; nur im Stadtfeld).
Fazies- und Sedimentationsbedingungen:
Fluviatile deltoide Schüttungsfächer (braided river), örtlich
limnische Bildungen und Moore. Schüttung des Zwickauer
Hauptkonglomerats hauptsächlich von Norden und Nordos-
ten, des Unter-Amandus-Sandsteins aus nördlichen und
südlichen Richtungen.
Lithologisch-fazielle Besonderheiten:
Im Gebiet um den Reinhold-Schacht im Hangenden von
Flöz Ludwig, obere Abteilung horizontgebundene synsedi-
mentäre bis frühdiagenetische Siderit- und Dolomit(?)-lagen
und -bänke.
Magmatismus
:
Lokal basaltoider Vulkanismus (Cainsdorfer Melaphyr) im
Bereich der Korrelationseinheiten 8 (-9).
Fossilführung:
Über 100 horizontierte Pflanzenfunde: häufig Artikulaten,
meist Durchläufer, mehrfach Alloiopteriden als Nachläufer-
gruppe aus Westfal C und tiefem Westfal D, alle drei be-
kannten Linopteris-Arten von Zwickau und die diverse Pe-
copteridenflora als Beleg für junges Westfal D; Sporenge-
sellschaft der Sporenzone WZ 1; offenbar bisher keine Fau-
na bekannt.
Deformation und Metamorphose:
Keine Schieferung; noch Diagenese-Bereich (<200 °C).
Stratigraphisches Alter :
Nach Makroflora höheres bis höchstes CwD; nach Sporen-
inhalt tieferes Westfal D.

27
3.2.3
Marienthal - Pöhlauer Schichten
(Korrelationseinheiten 12-18)
Dieser flözreichste und damit produktivste Teil des
Zwickauer Oberkarbons zeichnet sich durch rasch er-
löschende Reliefenergie gegenüber den Schedewitzer
Schichten aus. Infolgedessen herrschen als Neben-
gesteine der Flöze oft Pelite (Schieferschluffe und -
tone) vor. Konglomerate sind absätzig und weit selte-
ner; fluviatile Feinsandsteine überwiegen gegenüber
den gröberen Varietäten. Ob die letztgenannte Aus-
sage auch für das Stadtfeld gilt, lässt sich wegen des
Mangels ausreichend aussagekräftiger Dokumentati-
onen dort nicht beurteilen. Der Profilabschnitt ist der
Hauptteil des von H
OTH (1984: 9-12) ausgeschiede-
nen „Hauptflözkomplexes“. 7-8 oft relativ mächtige
Flöze
(
Amandus
= Korrelationseinheit 12a, (?)
Tiefes
Planitzer Flöz, obere Abteilung
= 13c,
Rußkohlenflöz
III
= 14a,
Rußkohlenflöz I
=14e,
Schichtenkohlenflöz II
= 15a,
Schichtenkohlenflöz I
= 16,
Zachkohlenflöz II
=
18 tieferer Teil,
Zachkohlenflöz I
= 18 höherer Teil)
und 2-3 geringer mächtige Flözhorizonte (
Tiefes Pla-
nitzer Flöz, mittlere Abteilung
= 13a und
(?) obere Ab-
teilung
= 13c sowie
Rußkohlenflöz II
= 14c) sind über
weite Teile des Reviers verbreitet. Die Einzelmächtig-
keiten der Flöze erreichen 2,5-4 m. Bei Flözscharun-
gen (Rußkohlenflöz im Stadtfeld) steigt die Mächtig-
keit auf 6-8, max. 10 m an. Der Gesamtkohlenanteil
liegt zwischen 5 und 12, max. 18 % der Schichten-
mächtigkeit. In Teilen des Mülsenfeldes und an sei-
nem Ost- und Südostrand sind die tieferen Flöze des
Schichtenkomplexes, insbesondere
Amandus
bis
Tie-
fes Planitzer
,
obere Abteilung,
durch Kohlestreifen
und -lagen führende Schiefertone (Flözvertreter) er-
setzt.
Das im Gesamtrevier am weitesten verbreitete
Ruß-
kohlenflöz I
wurde für die Korrelationsprofile als
Hauptkorrelationsniveau
verwendet und als „Paläo-
NN“ angesetzt. Von diesem Bezugshorizont aus er-
folgte die jeweilige Konstruktion der Einzelprofile. Zur
ausreichenden Vergleichsmöglichkeit mit den Schich-
tenverzeichnissen der Bohrungen und Schächte wur-
den die Teufen und die NN-Höhen der Basis und des
Tops der jeweiligen Oberkarbonprofile mit angege-
ben. Eine generalisierte Zusammenfassung der ent-
worfenen 6 Korrelationsprofile stellt das Standardprofil
(Beilage 3-1) dar.
Einzelheiten der Flözausbildung sind nach dem jetzi-
gen Kenntnisstand von V
OLKMANN und HOTH in Kapitel
3.3 dargestellt. Dementsprechende Beschreibungen
für das Mülsenfeld finden sich bei
HERFURTH & SÜß
(1964b: 16-24). Historische Beschreibungen haupt-
sächlich aus dem Stadtfeld finden sich z. B. bei S
IE-
GERT
(1901: 30-46).
Unter den Grobklastika
der Marienthal-Pöhlauer
Schichten herrschen weitflächig verbreitete „braided
river“-Ablagerungen vor (Korrelationseinheiten 12b,
13b, 13d, 15b, 15d, 17). Feinsandsteine sind weit
häufiger als im Liegenden und Hangenden, Konglo-
merate spielen nur noch eine untergeordnete Rolle.
Die Schüttungen erfolgten vielfach aus südlichen
Richtungen mit Höhepunkt zur Bildungszeit des Ruß-
liegend- (13d) und Unteren Schichtensandsteins
(15b). Nur während der Bildung des Planitz-
Sandsteins (13b) herrschte - quasi als Rückfall in frü-
here Verhältnisse - Sedimentlieferung vom nördlichen
Beckenrahmen. Im Bereich des Reinsdorfer Schüt-
tungsfächers war zur Bildungszeit der Marienthal-
Pöhlauer Schichten die Grobklastit-Sedimentation
recht intensiv. Die Moorverbreitung wurde nach
Nordwesten, Norden und Nordosten abgedrängt und
zeichnet so distale Fächerbereiche deutlich nach. Er-
wähnenswert sind auch mehr rinnenförmige Sand-
steine wie der Rußsandstein (14b), die bei linearer
Erstreckung stark wechselnde Mächtigkeit haben und
oft deutlich diskordant ihrem Liegenden auflagern. Die
Erosion greift möglicherweise teilweise bis auf Korre-
lationseinheit 13d hinab (vgl. Korrelationsprofil 3). Bei
den Flözprofil-Aufnahmen war die erosive Basis des
Russsandsteins gelegentlich auch direkt aufgeschlos-
sen (vgl. Profile 35 und 36 im Anhang). Verstärkte
Basiserosion kann lokal auch bei andern Sandstein-
horizonten beobachtet werden.
Der Korn- und Geröllbestand
der Grobklastite in den
Marienthal-Pöhlauer Schichten (MPSch) unterschei-
det sich nur relativ geringfügig von dem der Schede-
witzer Schichten. Immerhin ist der Gehalt an Horn-
steinen und Eisenkieseln geringer, ebenso der Anteil
an gelblichgrauen Phylliten. Feldspat und Hellglimmer
sind offenbar häufiger und anscheinend auch der Ge-
halt an Glimmerschiefer, was auf ein tieferes An-
schnittsniveau im Liefergebiet weist. Alaunschiefer
waren wie in den Schedewitzer Schichten offenbar
nur auf dem Weg aus nördlichen Liefergebieten an-
geschnitten, sie werden aus dem Planitz-Sandstein
(13b) beschrieben.
Innerhalb der MPSch erreichen synsedimentäre Kalk-
steinhorizonte ihre größte Verbreitung. Auch Side-
rithorizonte als Knollenlagen und -bänke sind nicht
selten. Allerdings ist der diesbezügliche Dokumentati-
onsstand sehr unterschiedlich.
Die Gesamtmächtigkeit
der MPSch ist relativ ausge-
glichen und schwankt zwischen 75 und 115 m, nur um
den Vertrauensschacht steigt sie infolge der Mächtig-
keitszunahme im Planitz-, Schichten- und Unterza-
chensandstein bis auf knapp 150 m an.
Der Fossilinhalt
dieser Schichtenfolge ist der bestbe-
kannte im Zwickauer Karbonprofil. Neben einer sehr
reichen Makro- und Mikroflora sind mehrfach Insek-
ten, Crustaceen und Tetrapodenfährten gefunden
worden.
Stratigraphisch
gehört die Schichtenfolge weitgehend

28
zur Sporenzone WZ2 von D
ÖRING (s. Kap. 4.2) und
damit in den mittleren Teil des CwD. Nur in Korrelati-
onseinheit 18 (Niveau der Zachkohlenflöze) sind be-
reits spinose monolete Sporen ein häufiges Mikroflo-
renelement, weshalb diese Lithoeinheit bereits zur
Sporenzone WZ 3.1 gehört, die als höheres CwD gilt.
Die Makroflora weist mit hoher Diversität bei den Pe-
copteriden sowie verstärktem Auftreten von Odontop-
teriden und
Dicksonites pluckenetii
ebenfalls auf ho-
hes wenn nicht höchstes Westfal D hin.
Zusammenfassende Charakteristik der Marienthal-
Pöhlauer Schichten
Flözreichste Einheit des Zwickauer Oberkarbons im mittle-
ren Teil des Profils, Korrelationseinheiten 12-18. Im Sinne
einer Zyklengliederung könnte die liegende Korrelationsein-
heit 11c als Basiskonglomerat der Marienthal-Pöhlauer
Schichten angesehen werden.
Mögliche Symbolik:
CwD
2
bzw. C
2
-
Pöh
.
Frühere Beschreibungen/Definitionen:
Ersterwähnung: (sachlich): M
IETZSCH (1877a: 10-15); SIE-
GERT
(1901: 30-46).
Erstdefinition: S
CHNEIDER, RÖßLER et al. (2005).
Definitionsergänzungen: Hier.
Synonyme:
Unterer
Flöz
zug z. T. bis fast vollständiger mittlerer
Flötz
zug
(M
IETZSCH 1877a: 10-15); Zone des Tiefen Planitzer
Flötzes
bis Zone des Zachkohlen
flötz
es; (S
IEGERT 1901: 30-46);
Mittlere Flözgruppe (P
IETZSCH 1942: 246, 1951: 53, 1962:
231); Untere Flözgruppe zum Teil + Mittlere Flözgruppe
(D
ABER 1957: 45, DABER in PIETZSCH 1962: 249); Hauptflöz-
komplex (H
OTH 1984: 9-12); DÖRING, HOTH, KAHLERT (1988:
19-20).
Heutiger Stand der Definition:
Namengebung: Nach Hauptverbreitungsgebiet Zwickau-
Planitz, -Marienthal und -Pöhlau („Planitz“
präokupiert durch Planitz-Formation des
Oberrotliegend I).
Typusprofile: Schächte zwischen Planitz, Marienthal
und Pöhlau.
Lithologie:
Typusgesteine: Schieferschluffe und -tone, Steinkohle,
Sandsteine.
Generelle lithologische Charakteristik:
Wechsellagerung von grauen Schieferschluffen oder dun-
kelgrauen Schiefertonen mit Sandsteinen und 6 Flözen bzw.
Flözkomplexen.
Lithologische Zusammensetzung:
Schieferschluffe 15-35 %
max. 50 %
Schiefertone 5-25 %
Sandsteine
20-40 %
(Fs ca. 2/3, Ms-Gs 1/3)
Steinkohle 5-12 %
max. 18%
örtlich Siderit und Karbonatgesteine
3-7 %
Konglomerate 1-5 %.
Verbreitung:
Gesamtes Revier.
Obergrenze:
Top des Zachkohlen-Flözkomplexes (Kor-
relationseinheit 18) bzw. Basis des Über-
zachensandsteins (Korrelationseinheit 19).
Untergrenze
:
Basis des Flözkomplexes Amandus (Kor-
relationseinheit 12a) bzw. Top des Unter-
Amandus-Sandsteins (Korrelationseinheit
11c).
Im Sinne einer Zyklengliederung könnte die liegende Korre-
lationseinheit 11c als Basiskonglomerat der Marienthal-
Pöhlauer Schichten angesehen werden.
Mächtigkeit
:
75-115 m, max. 149 m
(Vertrauensschacht).
Spezielle stratigraphische Gliederung:
In Korrelationseinheiten 12-18 (siehe Korrelationsprofile 1-3;
Beilagen 3-2 bis 3-4).
Charakteristisch sind:
Korrelationseinheit 18:
Zachkohlen-Flözkomplex; örtlich
weiter gegliedert, z. B. 18b: Za-
chensandstein
Korrelationseinheit 17:
Unterzachensandstein
Korrelationseinheit 16:
Schichtenkohlen-Flözkomplex I
Korrelationseinheit 15d:
Oberer Schichtensandstein
Korrelationseinheit 15b:
Unterer Schichtensandstein
Korrelationseinheit 15a: Schichtenkohlenflöz II und Be-
gleitgesteine
Korrelationseinheit 14: Komplex der Rußkohlenflöze I-III
mit Rußsandstein (14b), geglie-
dert in 14a-e
Korrelationseinheit 13d:
Rußliegendsandstein
Korrelationseinheit 13c:
Tiefes Planitzer Flöz, obere Abtei-
lung und Begleitgesteine
Korrelationseinheit 13b:
Planitz-Sandstein
Korrelationseinheit 12b:
Amandus-Sandstein
Korrelationseinheit 12a:
Flözkomplex Amandus.
Lithologische Zusammensetzung von Einzelgliedern:
siehe Korrelationsprofile 1-3.
Mächtigkeit von Einzelgliedern:
Korrelationseinheit 18:
(7-) 10-15 (-18) m
Korrelationseinheit 17:
5-15 m, max. 18 m
(Vertrauensschacht)

29
Korrelationseinheit 16:
5-15 m
Korrelationseinheit 15d:
0-10 m, max. 15 m
Korrelationseinheit 15b:
(1,5-) 5-15 m
Korrelationseinheit 15a:
1-7 m
Korrelationseinheit 14:
(0-) 5-15 m, max. 20 m
(14b: 5- max. 20 m)
Korrelationseinheit 13d:
3-15 m, max. 20- ?25 m
Korrelationseinheit 13c:
(1-) 3-10 m, max. 13 m
Korrelationseinheit 13b:
1-10 m, max. 15 m
Korrelationseinheit 12b:
(1-) 5-12 m
Korrelationseinheit 12a:
3-10 m, max. 15 m
(Vertrauensschacht).
Besondere Korrelationshorizonte:
Zachkohlen-Flözkomplex (18)
Rußkohlenflöz I (14e; als Hauptkorrelationsniveau benutzt)
Rußliegendsandstein (13d)
Flözkomplex Amandus (12a; im äußersten Osten problema-
tisch).
Fazies- und Sedimentationsbedingungen:
Oft ausgedehnte Vermoorung infolge nachlassender Relief-
energie („Hauptflözkomplex“). An die Stelle von Konglome-
raten treten mächtige fluviatile Sandsteinhorizonte (siehe
oben). Die Marienthal-Pöhlauer-Schichten repräsentieren
eine Zeit verstärkter Schüttung von Süden her (Ausnahme
Planitz-Sandstein). Die Flözverbreitung zeichnet deutlich
distale Fächerbereiche nach, so z. B. das Rußkohlenflöz I
die NW-, N- und NO-Front des Reinsdorfer Schüttungsfä-
chers.
Lithologisch-fazielle Besonderheiten:
Im Bereich der Schichtenkohlenflöze erreichen synsedimen-
tär bis frühdiagenetisch gebildete Siderit- und Dolomithori-
zonte als Knollenlagen und Bänke die größte, oft horizont-
beständige Verbreitung (z. B. Reinhold-Schacht, Vereins-
glück-Schacht, Brg. Mülsengrund 16) Achtung! Dokumenta-
tionsstand sehr unterschiedlich.
Magmatismus
: Keiner.
Fossilführung:
Annähernd 450 horizontierte Pflanzenfossilien: sehr unter-
schiedliche Zusammensetzung der Flora über den einzelnen
Flözen, im höheren Abschnitt häufigstes Auftreten von Ly-
copsiden, zunehmende Diversität der Pecopteridenflora und
häufigeres Auftreten von Odontoperiden sowie der Linopte-
riden spricht für höheres bis sehr hohes Westfal D; Sporen-
gesellschaft der Sporenzone WZ 2 und im Zachen-Niveau
WZ 3.1; Phyllopoden, Arachnoideen, Insekten, Tetrapoden-
fährten, (?)Fischkoprolithen.
Deformation und Metamorphose:
Keine Schieferung; noch Diagenese-Bereich (<200 °C).
Stratigraphisches Alter:
Nach Sporeninhalt Westfal D; nach Makroflora höheres bis
höchstes Westfal D.
3.2.4
Oberhohndorfer Schichten
(Korrelationseinheiten 19-26)
Dieser höchste Abschnitt des Zwickauer Oberkarbon-
profils ist infolge der hochkarbonisch-unterpermischen
Abtragung auf zwei kleinere Verbreitungsgebiete be-
schränkt. Einmal treten die Oberhohndorfer Schichten
im Südostteil des Stadtfeldes im Wesentlichen östlich
der Zwickauer Mulde auf, zum anderen finden sie sich
in den zentralen Teilen des Mülsenfeldes. Es handelt
sich hier um einen maximal fünfmaligen Wechsel zwi-
schen relativ grobklastischen Schüttungen konglome-
ratischer Sandsteine bis Konglomerate einerseits und
1-2,5 m mächtigen Flözen andererseits. Im Stadtfeld
rund um Oberhohndorf fehlen Konglomerate fast völ-
lig und pelitische Gesteine überwiegen weit. Der im
Nordosten des Reviers charakteristische grobe rhyth-
mische Wechsel des Sedimentationsregimes ist hier
nur angedeutet. Dessen ungeachtet setzt die Subfor-
mation in beiden Feldesteilen mit dem Überzachen-
Sandstein ein, der im Nordosten bis reichlich 50 %
Konglomerate und Grobsandsteine enthalten kann
(Martin Hoop-Schacht IX). Darüber folgt mit dem
Le-
hekohlenflöz
bzw. seinem Vertreter (Kohlemächtigkeit
<0,40 m) das erste der fünf Flöze der Wechselfolge.
Der auffällige durch Wiedererhöhung der Reliefener-
gie hervorgerufenen Sprung im Sedimentationsregime
ab Basis Oberhohndorfer Schichten ist wahrscheinlich
auch der Grund, weshalb diese stratigraphische Ein-
heit seit P
IETZSCH (1942) über DABER (1957) bis heute
in ihren Grenzen nicht mehr verändert wurde.
Der Gesamtkohleanteil an der Schichtenfolge ist wei-
terhin hoch, er liegt bei 10 bis über 20 % und verteilt
sich auf die folgenden Flöze:
das schon genannte
Lehekohlenflöz
(Korrelations-
einheit 20), das wegen des in ihm enthaltenen
Le-
hestreifens
, einer 1-3 cm mächtigen, 1,20 m über
der Flözbasis gelegenen vulkanischen Kaolinit-
graupen-Tonsteinlage, besonders bekannt ist;
Kohlemächtigkeiten zwischen 0,50 und 2,20, max.
2,60 m;
das wesentlich geringer mächtige
Scherbenkoh-
lenflöz
(Korrelationseinheit 22) mit 0,40 bis 1,30,
max. 1,95 m Kohlenmächtigkeit, das im Mülsenfeld
oft nur in Form von Flözvertretern vorliegt;
das
Ellige Flöz, Unterbank
(Korrelationseinheit
24a), das wahrscheinlich dem dreieinhalbelligen
Flöz von Oberhohndorf entspricht, mit 0,60 bis
2,30 m, max. 3 m Kohlenmächtigkeit;
das 1,25 bis 1,30 m Kohle führende
zweiellige Flöz
des Stadtfeldes (Grenzbereich zwischen Korrelati-
onseinheiten 23 und 24a) gehört wegen der gerin-
gen Zwischenmittelmächtigkeit am ehesten zur
Unterbank der Elligen Flöze;
das
Ellige Flöz, Oberbank
(Korrelationseinheit
24c), das wahrscheinlich ein Zeitäquivalent des
dreielligen Flözes des Stadtfeldes ist, enthält dort

30
max. 1,89 m Kohle und führt im Mülsenfeld 1,50
bis max. 3,00 m Kohle.
Die
Elligen Flöze
sind i. A. besonders schwefel- und
aschearm, was mit dem Auftreten meist nur sehr fei-
ner Pelitlagen in den Flözen korrespondiert. Einzelhei-
ten der Flözausbildung sind von
VOLKMANN und HOTH
in Kap. 3.3 dargestellt. Beschreibungen aus den sech-
ziger Jahren für das Mülsenfeld finden sich bei H
ER-
FURTH
& SÜß (1964b: 24 ff., allerdings bezogen auf
den stratigraphischen Kenntnisstand Mitte der sechzi-
ger Jahre). Historische Darstellungen aus dem Raum
Oberhohndorf liegen bei D
ALMER (1884: 65-67) und
S
IEGERT (1901: 46-49) vor.
Die Grobklastite
der Oberhohndorfer Schichten (Kor-
relationseinheiten 19, 21, 23, 24b und 25; Einzelhei-
ten in Beilage 3-12 zu Kap. 3.5) lassen wegen ihrer
geringen reliktischen Verbreitung paläogeographische
Aussagen kaum noch zu. Eine Konglomeratan-
teil/Mächtigkeitsanalyse ist eingeschränkt nur noch für
Korrelationseinheit 19 (ÜberzachenSandstein) mög-
lich und ergibt für das Mülsenfeld einen Transport aus
nördlichen Richtungen (vgl. Kap. 3.5). Für die einzel-
nen Sandsteinvorkommen im südlichen Stadtfeld:
Schacht Saferts Erben und (?) südlich Oberhohndorf
(S
IEGERT 1901: 46) kommt dagegen wohl nur Sedi-
mentzufuhr aus südlichen Richtungen in Frage. Dabei
ist die Existenz von Rinnensandsteinen zu erwägen.
Die Auswertung der wenigen Daten über die höheren
Grobklastika wird dadurch erschwert, dass der ent-
sprechende Restraum von postkarbonischen Rinnen
zerschnitten ist.
Während der Bildung von Korrelationseinheit 21
(Überlehe-Konglomerat) ist für das Mülsenfeld ein
Transport aus südlichen Richtungen unwahrschein-
lich, Konglomerat- und Grobklastitführung steigen un-
stetig nach Nordosten. Im Stadtfeld sind infolge des
Fehlens ausreichend guter Schachtdokumentationen
im Raum Oberhohndorf die Verhältnisse undurchsich-
tig. Außer den bekannten mächtigen Sandsteinpake-
ten im Raum der Schächte Reinhold, Altgemeinde II
(Saferts Erben), Falk und Forst werden von
DALMER
(1884: 65) auch Sandsteine mit vielen Einlagerungen
von Konglomerat angegeben, allerdings ohne Fund-
ortbenennung. Nur im Bereich von Morgenstern-
schacht II (Martin Hoop Schacht II) sind schwache
Konglomeratbänke belegt.
Korrelationseinheit 23 (Überscherben-Sandstein) ist
nur im Nordosten des Reviers verbreitet. Im Raum
Oberhohndorf treten im Niveau zwischen Scherben-
kohlenflöz und den Elligen Flözen nach bisheriger
Kenntnis nur Pelite auf. Im Mülsenfeld scheidet eine
Sedimentlieferung aus südlicher bis östlicher Richtung
aus, am wahrscheinlichsten sind dort nach der Kong-
lomerat-/Pelitverteilung zungenförmige Fächerfronten
von Nordwesten her.
Im Bereich des Ellenkonglomerats (Korrelationsein-
heit 24b) liegen bei jetzt linearer Verteilung die höchs-
ten Grobklastit- und Konglomeratanteile im Nordos-
ten, die Horizontmächtigkeit steigt ebenfalls in diese
Richtung. Auch hier muss ein rinnenförmiges Auftre-
ten des Konglomerats erwogen werden.
Die bisher vorliegenden Daten aus dem Niveau Über-
ellen-Sandstein (Korrelationseinheit 25) schließen
Sedimentlieferung aus südlichen Richtungen aus, sie
weisen eher auf Transport aus Nordwesten hin.
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass für die
Grobklastite der Oberhohndorfer Schichten vorwie-
gend Sedimentschüttung aus nördlichen Richtungen -
leicht bevorzugt aus Nordosten - anzunehmen ist.
Transport aus südlichen Richtungen spielt nur unter-
geordnet eine Rolle; insofern ist H
OTH (1984: 12) zu
korrigieren.
Synsedimentäre Kalksteinhorizonte
treten ebenso wie
in den MPSch gelegentlich auf. Kurzbeschreibungen
liegen aus den Korrelationseinheiten 20, 21 bis 23
vor. Es handelt sich hierbei meist um Nester sowie
Bänke von Tutenmergel und um Kalzitschmitzen im
Siltstein. - Die Sideritführung ist offenbar geringer als
tiefer im Karbonprofil.
Die heute erhaltene Gesamtmächtigkeit
der Ober-
hohndorfer Schichten wird von der späteren Erosion
bestimmt und erreicht max. 40-43 m.
Im Bereich des Reinsdorfer Schüttungsfächers sind
bisher keinerlei Anhaltspunkte für die Existenz der
Korrelationseinheiten 19 bis 26 vorhanden, wenn-
gleich ihr Auftreten in seinen nördlichen Teilen nicht
ganz auszuschließen ist.
Der Fossilinhalt
der Subformation ist ähnlich mannig-
faltig wie im Liegenden. Neben einer reichen auf CwD
weisenden Makroflora und zahlreichen Sporen sind
Insekten, Crustaceen und Arthropoden nachgewie-
sen.
Stratigraphisch
wird die Subformation den Sporenzo-
nen WZ3.1 und WZ3.2 von
DÖRING (s. Kap. 4.2) zu-
geordnet. Zur Zone WZ 3.1 gehört ihr gesamter unte-
rer Teil bis hinauf zum Scherbenkohlenflöz, also die
Korrelationseinheiten 19-22. WZ 3.1 gilt als oberes
Westfal D (vgl. Kap. 4.2). - Für den höheren Teil der
Oberhohndorfer Schichten, d. h. für die Korrelations-
einheit 23-25, das ist der Bereich mit den Elligen Flö-
zen, sind die Verhältnisse komplizierter. Neben zahl-
reichen Sporen, deren Hauptverbreitung an der Saar
im höheren Westfal endet, treten mit
Punctatosporites
obliquus
,
P. rotundus
und
Microsporites radiatus
be-
reits Sporen auf, die an der Saar in größeren Anteilen
erst in der Sporenzone SL03, d. h. im tiefsten Stefan
vorkommen (siehe auch D
ÖRING et al. 1988, Tab. S.
22). Für diesen hohen Profilabschnitt des Zwickauer

31
Oberkarbons könnte auf der Basis der palynologi-
schen Untersuchungen stefanisches Alter in Erwä-
gung gezogen werden. Die Makroflora hingegen zeigt
keinen Hinweis auf Stefan, selbst Cantabrium lässt
sich nicht schlüssig nachweisen.
Zusammenfassende Charakteristik der Oberhohn-
dorfer Schichten
Höchste flözführende Einheit des Zwickauer Oberkarbons
,
(Korrelationseinheiten 19-25).
Mögliche Symbolik:
CwD-(?)CsA bzw. C
2
Ohf
.
Frühere Beschreibungen/Definitionen:
Ersterwähnung (sachlich):
M
IETZSCH (1877a: 15-16).
Erstdefinition: H
OTH (1984: 12-13).
Definitionsergänzungen
:
D
ÖRING, HOTH, KAHLERT (1988,
S. 19/20, 22); Hier.
Synonyme
:
Mittlerer z. T. und Oberer
Flötz
zug (M
IETZSCH 1877a: 15f.);
Zone des
Lehekohlenflötzes
bis Zone der drei hangenden
Flötze
; (S
IEGERT 1901: 46-49); Obere Flözgruppe (PIETZSCH
1942: 246; 1951: 53; 1962: 231; D
ABER 1957: 45).
Heutiger Stand der Definition:
Namengebung: Nach dem ersten bekannten Verbrei-
tungsgebiet dieser Einheit um Zwickau-
Oberhohndorf.
Typusprofile:
Bohrungen und Schächte im Bereich Mül-
sen St. Niclas, Schächte im Bereich Ober-
hohndorf (Dokumentationen allerdings
bisher nicht aufgefunden).
Lithologie:
Typusgesteine: Konglomerate, konglomeratische Sand-
steine, Steinkohle.
Generelle lithologische Charakteristik:
Rhythmische Wechsellagerung von Konglomeraten bzw.
konglomeratischen Sandsteinen mit Steinkohle und ihren
Begleitschiefern.
Lithologische Zusammensetzung:
Konglomerate 10-25 %
Feinsandsteine
10-25 %
Schiefertone 10-25 %
Schieferschluffe 10-20 %
Steinkohle 10-20 %
Mittel- bis Grobsandsteine
7-12 % .
Verbreitung:
Infolge der prä- und intrarotliegenden Erosion nur Restvor-
kommen bei Oberhohndorf (vgl. S
IEGERT 1901: 44 und 46 f.)
und Mülsen St. Niclas.
Obergrenze:
Rotliegend-Erosionsfläche (Basis Graues
Konglomerat).
Untergrenze
: Basis des Überzachensandsteins (Korre-
lationseinheit 19) bzw. Top des Zachen-
Flözkomplexes (Korrelationseinheit 18).
Mächtigkeit
: 30-43 m (oft durch prä- und intra-
Rotliegend-Erosion reduziert).
Spezielle stratigraphische Gliederung:
Korrelationseinheit 25: Überellen-Sandstein (nur Umge-
bung Martin-Hoop-Schacht IX und
Brg. Mül 8).
Korrelationseinheit 24: Ellige Flöze (24a und 24c) mit El-
len-Konglomerat (24b)
Korrelationseinheit 23: Überscherben-Sandstein
Korrelationseinheit 22: Scherbenkohlenflöz und Begleitge-
steine
Korrelationseinheit 21: Überlehe-Konglomerat
Korrelationseinheit 20: Lehekohlenflöz und Begleitgesteine
Korrelationseinheit 19: Überzachen-Sandstein.
Lithologische Zusammensetzung von Einzelgliedern:
(siehe Korrelationsprofile 1-3, Beilagen 3-2 bis 3-4)
Mächtigkeit von Einzelgliedern:
Korrelationseinheit 25:
4-6 m
Korrelationseinheit 24:
10-23 m
(Ellenkonglomerat
2-10 m)
Korrelationseinheit 23:
2-5 m
Korrelationseinheit 22:
(1-) 4-5 m
Korrelationseinheit 21:
3-6 m
(südwestl. Oberhohndorf
18-25 m)
Korrelationseinheit 20:
2-5 m
max. ?8 m
Korrelationseinheit 19:
2-5 m
(bei Schacht Saferts Erben
max. 14 m).
Besondere Korrelationshorizonte:
Ellige Flöze, Unter- und Oberbank (24a und 24c)
Überlehe-Konglomerat (21)
Lehekohlenflöz (20)
Überzachen-Sandstein (19).
Fazies- und Sedimentationsbedingungen:
Vier- bis fünfmaliger Wechsel zwischen grobklastischen
Schüttungen (Konglomerate bis oft gröbere Sandsteine vor
allem vom nördlichen Beckenrand) und Vermoorungen vor
den vorrückenden und zurückweichenden Fächerfronten.
Lithologisch-fazielle Besonderheiten:
Mehrfach karbonatische Horizonte (in Korrelationseinheiten
20 bis 23) meist als Tutenmergelnester und -bänke (vgl.
Tab. 3-7).

32
Magmatismus
:
Im Lehekohlenflöz tritt nahe dessen unterer Grenze ein i. A.
1-3 cm, max. 10 cm mächtiger hell gesprenkelter Kaoli-
nitgraupen-Tonstein auf (S
IEGERT 1901: 13, PIETZSCH 1962:
234, R
ÖßLER et al. 1967: 19ff.), der als Anzeichen einer
kurzzeitigen Tufferuption gilt.
Fossilführung:
Etwa 280 horizontierte Pflanzenfossilien: ähnliches Bild wie
im Bereich der Schedewitzer Schichten, Pecopteridendiver-
sität nachweisbar höher, verstärktes Auftreten von
Praecal-
lipteridium subdavreuxii
; Sporengesellschaft der Sporenzo-
ne WZ 3.1 und WZ 3.2 (Bereich der Elligen Flöze); Phyllo-
poden, Isopoden, (?)Bohrgänge von Insekten.
Deformation und Metamorphose:
Keine Schieferung; noch Diagenese-Bereich (<200 °C).
Stratigraphisches Alter:
Nach Sporeninhalt hohes Westfal D (-?)Stefan A);
nach Makroflora hohes bis höchstes Westfal D.
3.3 Kohlenpetrographie und Flözausbildung
(N.
VOLKMANN, K. HOTH)
Synsedimentär wirkende Veränderungen von Sen-
kungsgeschwindigkeit und Beckengeometrie bewirk-
ten, dass das bis zu 340 m mächtige Westfal D der
ehemals im Abbau stehenden Zwickauer Steinkohlen-
lagerstätte sehr inhomogen ausgebildet ist. Der tiefste
Teil der Abfolge (Untere Schedewitzer Schichten) ist
flözfrei und rund 100 m mächtig. Er besteht vorwie-
gend aus Schiefertonen und Grobklastika. Flözfüh-
rendes Oberkarbon beschränkt sich ausschließlich
auf die 150-240 m mächtigen höheren Teile der
Ab-
folge (Obere Schedewitzer bis Oberhohndorfer
Schichten). Meist in Schiefertone eingebettet, sind
hier bis zu 330 Kohlenlagen ausgebildet (vgl. D
RES-
SEL
et al. 2000: 10). Wie nachstehend ersichtlich,
werden diese zu mehr als 15 Flözen (Mindestmäch-
tigkeit 0,40 m), geordnet in drei Gruppen, zusammen-
gefasst. Die Bezeichnungen der Flöze sind dabei his-
torisch gewachsen (M
ÜLLER 1877, ARNOLD 1900: 24-
28). Eine heute noch gebräuchliche Flözgruppen
-
Gliederung geht auf P
IETZSCH (1942) zurück und um-
fasst vom Hangenden zum Liegenden die unten auf-
geführten Einheiten. Im Gegensatz zum Stadtfeld sind
im Mülsenfeld die gesamten Schedewitzer Schichten
und meist auch die tieferen Teile der Marienthal-
Pöhlauer Schichten flözfrei, wodurch sich dort die An-
teile des „Flözleeren“ deutlich erhöhen.
Obere Flözgruppe
mit
-
Dreielligem Flöz (entspricht Elligem Flöz, Ober-
bank),
-
Dreieinhalbelligem Flöz (entspricht Elligem Flöz,
Unterbank),
-
(Zweielligem Flöz),
-
Scherbenkohlenflöz und
-
Lehekohlenflöz;
Mittlere Flözgruppe
(= i. W. Hauptflözkomplex; H
OTH
1984), bestehend aus
-
Zachkohlenflöz (2-teilig),
-
Schichtenkohlenflöz (2-teilig),
-
Rußkohlenflöz (I-III) und
-
Tiefem Planitzer Flöz, sowie die
Untere Flözgruppe
mit
-
Ludwigflöz und
-
Segen-Gottes-Flöz (3-teilig).
Einige der Flöze sind durch Mitteleinlagerungen in
mehrere Bänke gespalten. Liegen Zwischenmittel-
Mächtigkeiten von mehreren Metern vor, werden die-
se Flözbereiche oft als selbstständige Abteilungen
und Flöze (z. B. untere Abteilung des Tiefen Planitzer
Flözes = Amandusflöz) ausgehalten.
Hinsichtlich des kohlenpetrographischen Aufbaus
existieren in der Literatur zum Zwickauer Steinkoh-
lenbergbau zwei dominante, bergmännisch geprägte
Begriffe: Rußkohle und Glanzkohle.
„Rußkohle“
be-
zieht sich eindeutig auf stark abfärbende Partien fos-
siler Holzkohle (makropetrographisch
Fusain
), weit-
gehend entstanden in Phasen intensiver Moorbrände.
Der Begriff
„Glanzkohle“
ist hingegen als sehr grobe
Verallgemeinerung im Gebrauch. Er umfasst sowohl
die eigentliche Glanzkohle, den makropetrographisch
erkennbaren Lithotyp (= Streifenart)
Vitrain
der inter-
nationalen petrographischen Nomenklatur (ICCP
1963, 1971, 1975, 1993), als auch die Mattkohle
(makropetrographisch
Durain
) sowie die oft feinlamel-
liert erscheinende Mixtur zwischen Vitrain und Durain,
den in der Regel schwach seidenglänzenden
Clarain
(makropetrographisch Halbglanzkohle).
Aus petrographischer Sicht sind sämtliche Flöze als
fein- bis grobstreifige Glanzstreifenkohlen mit unter-
schiedlich hohen Rußkohlen-Beimengungen charak-
terisierbar (H
ARTLIEB 1964). Selbst das Rußkohlenflöz
ist bei namengebend hohen Fusain-Gehalten im SO,
im NW seines Verbreitungsgebietes arm an fossiler
Holzkohle.
Auf Besonderheiten im mikroskopischen Feinbau der
Kohlen wird, soweit Analysendaten verfügbar sind, bei
der Besprechung der Flöze eingegangen. Nachste-
hende Übersicht informiert über die zum Verständnis
dieser Aussagen notwendige kohlenpetrographische
Nomenklatur (vgl. Tab. 3-1).
Als Macerale (S
TOPES 1935; Endsilbe ...
init
) werden
die kleinsten mikroskopisch homogenen Grundbe-

 
33
standteile der Kohlen bezeichnet. Mikrolithotypen
(ICCP 1963, 1971; Endsilbe ...„it“) stellen typische
Maceral-Vergesellschaftungen (= Maceral-„Paragene-
sen“) mit einer Mindest-Streifenbreite von 50 μm dar.
Ihre Abgrenzung erfolgt weitgehend nach technologi-
schen Gesichtspunkten. Detaillierte Beschreibungen
der Mikrokomponenten sind u. a. zu entnehmen:
ICCP 1963, 1971, 1975, 1993, S
TACH 1982, TEICH-
MÜLLER
et al. 1998, VOLKMANN 1991.
Für die Zwickauer Steinkohlen gilt folgende grundle-
gende mikropetrographische Charakteristik:
Analog zur makroskopischen Dominanz von Glanz-
streifenkohlen bestehen die Flöze vor allem aus Kom-
ponenten der Maceralgruppe Vitrinit (vgl. Tab. 3-1,
Tafeln 3-1 bis 3-3 im Anhang). In der Regel handelt
es sich dabei um völlig texturlosen Collinit (Tafel 3-1,
Fig. 1; Tafel 3-2, Fig. 11, 12). Gewebeelemente zei-
gender Telinit (Tafel 3-1, Fig. 2) ist hingegen selten;
eine mineralische Verunreinigung des Vitrinits außer-
halb der Versteinungsbereiche untypisch. Gelegent-
lich findet sich im geschlossenen Flöz Pyrit im Vitrit
(Tafel 3-1, Fig. 6). Der Mikrolithotyp Clarit (Tafel 3-1,
Fig. 3, 4, 5; Tafel 3-2, Fig. 9, 10), vorwiegend beste-
hend aus Maceralen der Vitrinit- und Liptinit-Gruppe,
ist hingegen oft durch Ton und Eisensulfide verunrei-
nigt. Bis auf autochthone Algenkörper (= Alginit; Tafel
3-2, Fig. 10) erscheinen die meist in Form von Mikro-
sporen (= Sporinit; Tafel 3-2, Fig. 10) vorliegenden
übrigen Liptinite eingeweht. Oft finden sich Anzeichen
mechanischer Zerstörung, ggf. infolge mehrfacher
Umlagerung.
Im Gegensatz zum Clarit des benachbarten Oelsnit-
zer Reviers mit dickwandigen sog. Crassi-Sporen,
sind für die Zwickauer Teilsenke dünnwandige Mikro-
sporen typisch (= Tenuiclarit; H
ARTLIEB 1964). Auffal-
lend selten treten Kutikulen auf (= Kutikulen-Clarit; Ta-
fel 3-3, Fig. 13). Die Aussagen zum Clarit treffen auch
auf Liptinit-Beimengungen im Mikrolithotyp Durit zu:
Megasporen (Tafel 3-2, Fig. 9) sind selten, die Menge
und Beschaffenheit der Mikrosporen (Tafel 3-3, Fig.
14, 15) ist sehr heterogen, wobei ausschließlich dünn-
wandige Tenui-Sporen unterschiedlicher Erhaltung
vorliegen.
Die Maceralgruppe Inertinit ist vor allem durch Fusit-
Fragmente (Tafel 3-2, Fig. 7,8; Tafel 3-2, Fig. 11), das
ebenfalls thermische Natur-Produkt Mikrinit, sowie
Sclerotinit repräsentiert. Flözspezifische Besonderhei-
ten existieren kaum. Faziell bedingt sind Menge, For-
menvielfalt und Destruktionsgrad der Inertinite äu-
ßerst variabel.
Tab. 3-1: Mikrokomponenten der Steinkohlen; nach ICCP 1963
Maceralgruppen und Macerale
(Mikro-Gefügebestandteile)
Maceralgruppe
Vitrinit
Maceralgruppe
Liptinit
Maceralgruppe
Inertinit
Telenit
pflanzliche Gewebe
mit erkennbaren Zell-
strukturen
Vitrodetrinit
feiner Detritus; Ge-
webefragmente
Collinit
amorphe, ehem.
Holzsubstanz
Sporinit
Cutinit
Resinit
Alginit
Liptodetrinit
figurierte und de-
struierte Phytobi-
tumina unter-
schiedlichster Zu-
ordnung
Fusinit
Semifusinit
Sclerotinit
Macrinit/Micrinit
Inertodetrinit
thermische bzw. mikro-
bielle Inkohlungsprodukte
humoser und bituminöser
Ausgangssubstanzen; fi-
guriert oder als Detritus;
sowie Pilzdauersporen
Mikrolithotypen
am Aufbau beteiligte Maceralgruppen
monomaceralisch:
Vitrit
Liptit
Fusit
Vitrinit
Liptinit
Inertinit
(außer Mikrinit)
bimaceralisch:
Clarit
Dur
it
Vitrinertit
Vitrinit + Liptinit
Inertinit + Liptinit
Vitrinit + Inertinit
trimaceralisch
:
Duroclarit
Clarodurit
Vitrinit + Liptinit + Inertinit
Inertinit + Liptinit + Vitrinit
In ihrer flächenhaften Verbreitung zeigen die Flöze
größte Verschiedenheit (vgl. Beilagen 3-5 bis 3-11).
Primäre Ursache dafür ist zunächst die Veränderlich-
keit des oberkarbonen Vermoorungsgebietes. Begin-
nend mit der ältesten Flözbildung im Westteil der La-
gerstätte (Stadtfeld), werden nachfolgend die zentra-
len, südlichen und östlichen Bereiche, bis hin zum
sog. Übergangsgebiet im Mülsenfeld, einbezogen
(H
ARTLIEB 1964, HORST 1956, BLÜHER 1954, 1956,
HOTH 1984). Natürliches Ausstreichen des Oberkar-

34
bons - eine weitere, wesentlich die Flözverbreitung
beeinflussende Größe - ist nur auf einem schmalen
Streifen im Südwesten und Süden der Lagerstätte, im
Raum Niedercainsdorf-Bockwa, im Zentrum von Vie-
lau, südwestlich und westlich von Friedrichsgrün und
nördlich des Schlosses Wildenfels vorhanden (S
IE-
GERT
1901, HOTH 1984). Tagesausstriche existieren in
einem relativ begrenzten Abschnitt zwischen Bockwa
und Cainsdorf.
Von besonderer Bedeutung sind die Einflüsse durch
die erosive Abwaschung, sowie das Versteinen und
Vertauben der Flöze. Diese Phänomene kontrollieren
nicht nur wesentlich die Verbreitungsgrenzen, sie sind
auch im Hinblick auf die Qualitätsentwicklung der
Kohlen (Aschengehalt, Berge-Anteil) von Interesse.
Die Abwaschung der Flöze begann bereits im ausge-
henden Oberkarbon durch ein mit seiner Hauptstrom-
richtung dem Streichen der Vorerzgebirgischen Senke
folgenden Flusssystem. Es erfasste das gesamte Zwi-
ckauer Teilbecken und stellt für nahezu alle Flöze die
nördliche, oft auch die westliche Begrenzung dar
(Ausnahme: Primäre Endschaft Rußkohlenflöz I, süd-
westlich des Friedrich-Nickolay-Schachtes; H
OTH
1984). Das durchschnittlich mit 2-10° (im zentralen
Lagerstättenteil max. 20-30°) nach Norden einfallende
flözführende Karbon wird diskordant vom Unterrotlie-
genden überdeckt. Dabei sind insbesondere die jün-
geren Kohlenbildungen großflächig von der fluviatilen
Erosion betroffen (vgl. Beilagen 3-10 und 3-11).
Ein Vertauben liegt bei Mächtigkeitsrückgang der Flö-
ze unter die Bauwürdigkeitsgrenze vor. Ursache ist
eine syngenetisch zur Vermoorung bestehende er-
höhte Sedimentzufuhr in das Becken. Ebenso wie
beim Versteinen - der verstärkten Beimengung tonig-
schluffiger Komponenten in die Kohlengrundmasse -
sind insbesondere die Randbereiche der Flözverbrei-
tung betroffen.
3.3.1 Flözcharakteristiken
Das
Segen-Gottes-Flöz,
besser die Flözgruppe Se-
gen-Gottes (erste Charakteristik bei S
IEGERT 1901:
21-27 und P
IETZSCH 1962: 233), stellt die älteste bau-
würdige Kohlenbildung im ehem. Zwickauer Revier
dar. Sie ist nur im Westteil des Beckens als geschlos-
senes Flöz entwickelt und erreicht hier eine Mächtig-
keit von bis zu 4 m bei maximal 0,5 m Bergeanteil
(D
RESSEL et al., 2000: 11). In östliche und südöstliche
Richtung schieben sich Zwischenmittel ein, die das
Flöz in drei Bänke (= Abteilungen) spalten. Im We-
sentlichen bleibt die Flözgruppe auf das Stadtfeld
südwestlich der Oberhohndorfer Hauptverwerfung be-
schränkt (vgl. Beilage 3-5).
Die
untere Abteilung
ist im Zeitraum zwischen 1890
und 1945 in einem ca. 2.000 m x 500 m bis 700 m
großen NW-SO gestreckten Bereich bebaut worden.
Dieser erstreckte sich aus dem Gebiet nordwestlich
der Schächte Segen- und Hilfe-Gottes bis in die Nähe
des Vereinsglück-Schachtes (Rechteck-Signatur in
Beilage 3-5). Dadurch wird ein Gebiet geschlossener
Flözverbreitung abgegrenzt. Die Kohlemächtigkeiten
(auf Beilage 3-5 nicht dargestellt!) liegen allgemein
zwischen 140 und 190 cm. Maxima von 250-280 cm
werden vor allem im Nordwesten und Norden erreicht.
„Kohlelöcher“ oder Bereiche extremer Mächtigkeits-
zunahme („Kohleknoten“) sind nicht zu erkennen. Der
Bergegehalt ist oft hoch und beträgt nicht selten 30
bis 40 % der Flözmächtigkeit. Signifikant für den in-
ternen Flözaufbau ist ein hoher Rußkohlen-Anteil
(H
ARTLIEB 1964).
Für Areale außerhalb des Abbaugebietes existieren
kaum spezielle Angaben zur unteren Abteilung, so
dass detaillierte Aussagen im Hinblick auf die Flöz-
entwicklung nur sehr eingeschränkt möglich sind:
Nach Osten zerschlägt sich das Flöz. Existierte im
Bürgerschacht I noch eine Kohlenmächtigkeit von 76
cm mit 29 cm Bergen, so fanden sich im Brücken-
berg-Schacht III (= Karl-Marx-Schacht III) nur noch 12
cm Kohle (Korrelationsprofil 3; Beilage 3-4). Diese
Entwicklung wird durch ähnliche Ergebnisse aus den
Tiefbauschächten bestätigt (vgl. S
IEGERT 1901: 83).
In Richtung Norden (Korrelationsprofil 1; Beilage 3-2)
fällt die Kohlenmächtigkeit rasch unter 150 cm (Bür-
gerschacht II). Selbst mit Hilfe der überlieferten Fahr-
journale aus der Zeit 1871-73 sind die Verhältnisse im
Bereich des Bahnhofschachtes nur schwer rekon-
struierbar. S
IEGERT (1901: 26) beschreibt das Flöz
hier als stark zerschlagen. Nach den vorhandenen
Flöz-Übersichtsrissen 1 : 5.000 ist es in diesem Be-
reich auch nicht bebaut worden.
In Richtung Süden nimmt die Kohlenmächtigkeit
ebenfalls deutlich ab: Betrug sie nach Streckenauf-
nahmen im Raum des Glückauf-Schachtes noch 149
cm mit 97 cm Bergen, so ist das Flöz 75 m nordwest-
lich des Vereinsglück-Schachtes bereits in mindes-
tens zwei Bänke gespalten. Weiter südlich fehlen
sämtliche Spuren. Im Westen wird das Flöz von der
permokarbonen Abwaschungsgrenze gekappt.
Der bebaute Teil der
mittleren Abteilung
des Segen-
Gottes-Flözes (in Beilage 3-5 nicht dargestellt) hat ei-
ne ähnliche Verbreitung wie die untere Abteilung (ca.
1.900 x 500 bis 1.000 m). Der Nordwest-Teil ist aller-
dings deutlich breiter und reicht bis an die Bürger-
schächte. Die Kohlemächtigkeiten liegen - bei Berge-
anteilen von 30-45 % im Flöz - zwischen 160-230 cm.
Maximal werden 275 cm erreicht. Auch hier sind die
Kenntnisse zur Flözentwicklung außerhalb des be-
bauten Areals außerordentlich gering: In Richtung Os-
ten bewegen sich die Mächtigkeitsangaben im Be-
reich des Bürgerschachtes I zwischen 155/8 cm und
31/130 cm (Kohle/Berge). In den ehemaligen Tief-

35
bauschächten und im Brückenbergschacht III liegen
nur noch ca. 30 cm Kohle vor. Nach Norden sinkt die
Kohlemächtigkeit rasch unter 1 m. Für den Bürger-
schacht II werden bei erheblichem Bergeanteil ledig-
lich 66 cm Kohle angegeben und aus dem Bahnhof-
schacht sind nur noch Kohlelagen bekannt. Im Wes-
ten bildet wiederum die Abwaschung die Flözverbrei-
tungsgrenze. In Richtung Süden sind nur gelegentlich
geringmächtige Wechsellagerungen von Kohle mit
Schiefertonen belegt.
Die
obere Abteilung
erreicht mit bis zu ≥ 3 m Mäch-
tigkeit auch die größte flächenhafte Ausdehnung bis
in den Bereich der Zwickauer Mulde.
Erstmals deutet sich hier eine Tendenz zur Ausbrei-
tung der Vermoorung nach Osten an (Beilage 3-5).
Die Kohlemächtigkeit bewegt sich zwischen 100 und
190 cm, maximal werden 200 bis 300 cm erreicht. Der
Berge-Anteil liegt bei durchschnittlich 20-30 %, im
Maximum sind bis zu 40 % der Flözmächtigkeit ex-
trem mineralstoffreich. Die Verhältnisse im Außenbe-
reich sind aus Beilage 3-5 ersichtlich: Abgesehen von
einem kleinen Gebiet im Bereich des Eichertfeld-,
Berg- und Krückel-Schachtes ist eine bevorzugte NW-
SO-Ausdehnung der Kohleverbreitung kaum mehr zu
erkennen. Hier, wie auch für das am Segen-Gottes-
Schacht gelegene Kohle-Maximum (>200 cm reine
Kohle), kann ein Zusammenhang des Senkungsab-
laufes mit herzynischen und eggischen Störungen
nicht ausgeschlossen werden.
An der Verbreitung des
Ludwigflözes
(Charakteristik
bei S
IEGERT 1901: 27-29 und PIETZSCH 1942: 247) ist
außer einer Ausdehnung der Vermoorung nach Sü-
den (Planitz-Cainsdorf) auch die Ausdehnung der
Verbreitung nach Osten erkennbar. Mitteleinschaltun-
gen gliedern es in zwei, örtlich in drei Abteilungen. Die
bergbaulich nur wenig bedeutsame 0,8 m mächtige
obere Abteilung
keilt nach Westen zu aus (D
RESSEL
et al. 2000: 11).
Mittlere und untere Abteilung
bilden das Hauptflöz.
Sie sind durch ein nur geringmächtiges Schieferton-
Mittel voneinander getrennt. Die Verbreitung des Flö-
zes reicht schon nennenswert über die Oberhohndor-
fer Hauptverwerfung hinaus, besitzt am Brückenberg-
(Karl-Marx-) Schacht I immer noch eine Kohlemäch-
tigkeit von 70 cm und hat am Morgenstern- (Martin-
Hoop-) Schacht III ein unklares Verbreitungsgebiet
höherer Mächtigkeit (vgl. Beilage 3-6). Auch die zwei
Mächtigkeitsmaxima des in der Regel 120 bis 250 cm
Kohle führenden Ludwigflözes - gemeint sind das
300- bis ca. 400-cm-Maximum ostnordöstlich des Hil-
fe-Gottes-Schachtes sowie das 300- bis 392-cm-
Maximum nordöstlich des Himmelsfürst-Schachtes -
sind WSW-ONO gerichtet. Im Süden des Verbrei-
tungsgebietes, südlich der Linie Himmelsfürst-Fortu-
na-Reinhold, verdeutlicht der amoebenförmige Verlauf
der 100-cm-Mächtigkeitslinie eine sich verringernde
Senkungsaktivität. Hier deuten die lokalen Kohlenma-
xima am Alten Alexander- und Altgemeindeschacht V
noch auf Abhängigkeiten vom herzynischen Stö-
rungsmuster hin.
Der Bergeanteil im Ludwigflöz liegt zwischen 5 und 30
%. Im Bereich des zwischen den Bürgerschächten ge-
legenen nördlichen Mächtigkeitsmaximums, sind hin-
gegen mit 3-10 % Bergen mineralstoffreiche Flözpar-
tien deutlich weniger vertreten (Beilage 3-6). Hinsicht-
lich des petrographischen Flözaufbaus sind lediglich
sehr alte Quellen verfügbar. Angaben von S
TUTZER
(1936), nachinterpretiert durch H
ARTLIEB (1964), zei-
gen die Existenz einer Streifenkohle, bestehend etwa
zu gleichen Teilen aus Fusain und Vitrain. P
IETZSCH
(1962: 233) gibt das Überwiegen von Rußkohle an.
Mit dem
Tiefen Planitzer Flöz
(Übersichten bei S
IE-
GERT
1901: 30-35; HERFURTH & SÜß 1964b: 15-16,
PIETZSCH 1962: 233) wird die Basis der wegen ihrer
hohen Kohlemächtigkeiten ehem. wirtschaftlich sehr
bedeutenden Mittleren Flözgruppe erreicht. Das in
drei, über ihr gesamtes Verbreitungsgebiet in selbst-
ständige Abteilungen gespaltene Flözpaket des Tie-
fen Planitzer Flözes, hat gegenüber den Kohlenbil-
dungen der Unteren Flözgruppe eine deutlich erwei-
terte Flächenerstreckung.
Die als
Amandusflöz
bezeichnete
untere Abteilung
rahmt den präexistenten Reinsdorfer Schüttungsfä-
cher bereits deutlich ein. Nach Westen und Norden
wird es von der permokarbonen Abwaschung be-
grenzt. Es ist das erste Flöz, das in weiten Teilen der
Zwickauer Lagerstätte bauwürdig vorliegt und erreicht
im südlichen, westlichen und zentralen Teil Flözmäch-
tigkeiten von 2 bis 5,4 m, mit bis zu 495 cm bergefrei-
er Reinkohle. Der Bergbau ist bei Kohlemächtigkeiten
von 120 bis 150 cm bis an den 1. Pöhlauer Sprung
nach Osten ins Pöhlauer Feld vorgestoßen. Mit gerin-
gerer Mächtigkeit reicht die Flözbildung weiter nach
Osten an das Mülsenfeld heran. Dennoch hat das
Amandusflöz von allen Zwickauer Flözen seine größte
Mächtigkeit im Stadtfeld. Das nach Nordosten durch
zunehmende Bergelagen zerlappte Kohlemaximum
größer 300 cm erstreckt sich von den Schächten
Himmelsfürst und Wetter IX im Südwesten nach
Nordosten bis kurz hinter den Reinsdorfer Sprung. In-
nerhalb desselben treten amoebenförmige Maxima
größer 400 cm Kohle um den Neuen Alexander, den
Brückenberg- (Karl-Marx-) Schacht III und nördlich
Brückenberg-Schacht II auf. Im Bereich des Altge-
meinde-Schachtes III liegt möglicherweise ein lokaler
störungsbedingter „Kohleknoten“ mit einer Mächtigkeit
von bis zu 7 m vor (in Beilage 3-7 nicht darstellbar).
Beziehungen zwischen dem tektonischen Störungs-
muster und der Flözentwicklung lassen sich ansons-
ten nicht sicher belegen. Der Bergeanteil des Aman-
dusflözes liegt im Allgemeinen zwischen 5 und 30 %,
innerhalb des Mächtigkeitsmaximums >300 cm zwi-

36
schen 4 und 15 %; steigt jedoch in Richtung Nordos-
ten und in den Randgebieten am Südostrand bis auf
30 bis 40 % an. Hier versteint das Flöz zunehmend
und wächst zu einer bis zu 20 m mächtigen kohlefüh-
renden Folge an, in der lediglich eine 0,7 bis 0,9 m
mächtige Bank bauwürdig bleibt. (D
RESSEL et al.
2000: 12). Im SW streicht das Flöz mit großer Mäch-
tigkeit zu Tage aus. Über die Verhältnisse im südli-
chen Außensaum informiert Beilage 3-7.
Die
mittlere Abteilung
des Tiefen Planitzer Flözes
war nur im Zentrum und nordwestlichen Teil der ehe-
maligen Lagerstätte bauwürdig vertreten und endet
bereits westlich des Reinsdorfer Sprunges (H
OTH
1984: 10). Im Stadtfeld, beiderseits der Zwickauer
Mulde, erreicht es Mächtigkeiten von 60 bis 300 cm -
maximal sind bis zu 15 % Berge beteiligt.
Die
obere Abteilung
bleibt im Wesentlichen auf den
süd- und nordwestlichen Teil der ehemaligen Lager-
stätte begrenzt und hat gelegentlich noch kohlige
Äquivalente im Pöhlauer Revierabschnitt und im Mül-
senfeld (H
OTH 1984). Das Flöz erreicht eine Mächtig-
keit zwischen 1 bis 4,1 m (bei maximal 3,8 m Kohle),
vertaubt in östliche Richtung und streicht im Süden
(Cainsdorf) zu Tage aus. Im Norden und Westen be-
grenzt die permokarbone Erosion die Flözführung.
Petrographisch bestehen die durch H
ARTLIEB (1964)
untersuchten Bereiche von Amandusflöz sowie mittle-
rer und oberer Abteilung des Tiefen Planitzer Flözes
vorwiegend aus den Mikrolithotypen Vitrit und Duroc-
larit. Letzterer besitzt 10 bis 25 rel.-% beigemengte
Inertinite, insbesondere Fusinit und Sclerotinit. Wäh-
rend im Amandusflöz Vitrit und Duroclarit etwa
gleichwertig (~43 %) am Flözaufbau beteiligt sind,
dominiert in den Kohlen der mittleren Abteilung der
Duroclarit. Die obere Abteilung ist der mittleren ähn-
lich, weist mit höheren Sclerotinit-Gehalten allerdings
eine Tendenz zu verstärkter Inertinit-Führung auf.
Der im Hangenden folgende Komplex der
Rußkoh-
lenflöze
(Charakteristik bei S
IEGERT 1901: 35-41;
HERFURTH & SÜß 1964b: 16-20) ist ebenfalls dreifach
gegliedert.
Lediglich im Südwestteil der Lagerstätte (Stadtfeld:
Cainsdorf, Oberhohndorf) tritt er als ungespaltenes
Flöz mit 5 bis 15 m Mächtigkeit (4 bis 10 m reine Koh-
le) auf. Im Bereich Cainsdorf streicht er an der Zwi-
ckauer Mulde zu Tage aus. Nach Norden und Osten -
hier ist eine Maximalmächtigkeit des Komplexes von
15 bis 20 m bekannt - gliedert sich das Flöz in mehre-
re Bänke. Vom Hangenden zum Liegenden werden
sie als Rußkohlenflöz I, II und III (
kurz:
Ruß I, II, III)
bezeichnet. Charakteristisch für den Gesamtkomplex
ist eine, insbesondere nach NW und NO gerichtete,
extreme Aschengehaltszunahme. Unbauwürdigkeit
durch „Versteinen“ tritt hier bereits vor dem Erreichen
der Permokarbon-Abwaschung ein.
Mit dem
Rußkohlenflöz I
hat die Paläomoor-Verbrei-
tung im Zwickauer Revier ihre größte Ost-West-Aus-
dehnung erreicht (s. Beilage 3-8)
4
. Deutlich sind Zu-
sammenhänge zwischen fluviatiler Sedimentation und
oberkarboner Flözbildung erkennbar: Zwickauer und
Mülsenfelder Vermoorungsbereich hängen über den
Pöhlauer Revierabschnitt eng zusammen; im östlich
gelegenen Mülsenfeld umschließt die Vermoorung
den fluviatilen Reinsdorfer Schüttungsfächer nun auch
an seiner Nordostflanke. Diese paläogeographische
Differenzierung hat offensichtlich auch Einfluss auf die
interne fazielle Ausbildung des Paläomoores. Aus
Sporomorphenuntersuchungen rekonstruierte H
ORST
(1954: 849) für das Rußkohlenflöz einen Wechsel von
einer dominierenden Lepidophyten-Flora, insbesonde-
re vertreten durch
Sigillaria
im Süden und Südwesten,
zu den besonders im Norden und Osten vorherr-
schenden, höhere Wasserstände bevorzugenden
Torfbildnern
Filiciales
und
Equisitales
. Im nordöstli-
chen Lagerstättenteil vereinigt sich das Flöz mit dem
es überlagernden Schichtenkohlenflöz II zum sog.
„Flözpaket“
(vgl. Beilage 3-4).
Da die permokarbone Flözabwaschung nicht nur im
Westen die Flözverbreitung kontrolliert, sondern be-
sonders auch den Nordosten betrifft, ist eine primär
möglicherweise vorhandene Verbindung mit dem
Oelsnitzer Revier nicht belegbar. In den heute noch
erhaltenen Arealen ist das Flöz bei einer Mächtigkeit
von 1 bis 3 m geschlossen verbreitet. Mit einer Koh-
lenmächtigkeit von 4 bis 10 m hebt sich im westlichen
Stadtfeld, südwestlich der Oberhohndorfer Hauptver-
werfung, ein im Westen etwas zerlappter „Kohlekno-
ten“ heraus. Den Einfluss des +
herzynischen und
eines (?) erzgebirgischen Störungsmusters auf dieses
dennoch flächenmäßig recht geschlossene Kohlema-
ximum zeigt Beilage 3-8 augenfällig. Ein ähnliches,
jedoch deutlich kleineres Maximum existiert im Be-
reich der Schächte Ventilator und Alter Himmelfahrt.
Das durch die Permokarbon-Erosion stark gekappte
300->400-cm-Maximum im Mülsenfeld ist hingegen
amoebenförmig zerlappt. Im östlichen Stadtfeld sowie
im westlichen Teil des Pöhlauer Feldes folgt die
Mächtigkeitsstrukturierung vielfach ausschließlich
dem ± herzynischen Teil des Störungsmusters.
Der Bergeanteil im Rußkohlenflöz I liegt im Allgemei-
nen zwischen 10 und 30 %, beträgt im Stadtfeld-
Mächtigkeitsmaximum zwischen 2 und 10 % und ist
am südöstlichen Rand der Flözverbreitung mit 15 bis
40 %, max. 50 %, deutlich höher. Aus allgemein roh-
stofflicher Sicht geben H
OTH & WOLF (1984) für den
Pöhlauer Revierabschnitt und aus der Erkundung des
Mülsenfeldes eine Reihe orientierender
Aschenge-
4
Die
Karten der Kohlenführung,
Rußkohlenflöz I bis Ellige Flöze
(Beilage 3-8 bis 3-11) wurden 1984 erstellt; die Karten für Segen-
Gottes-Flöz, Obere Abt. bis Amandus-Flöz (Beilage 3-5 bis 3-7) da-
gegen erst 2001.

37
halts- und Gesamtschwefelwerte an. Danach ist der
Mineralstoff-Anteil (
A
d
) von Rußkohlenflöz I im Pöh-
laer Revierabschnitt westlich des Pöhlaer Sprunges
mit Gehalten von bis zu 17,2 % am höchsten, wäh-
rend er im östlich gelegenen Mülsenfeld auf moderate
2 bis 6 %, in Ausnahmen 10 bis 16 % zurückgeht. Ei-
ne vergleichbare Aussage lässt sich hinsichtlich des
Gesamtschwefels (
S
t
d
) treffen. Im Pöhlauer Feld ist
der Schwefelanteil in der Kohle mit 3 bis 5 % im Ma-
ximum doppelt so hoch wie im Erkundungsgebiet des
Mülsengrundes (0,4 bis 2,5 %).
Das im Liegenden befindliche
Rußkohlenflöz II
zeigt
eine nahezu identische Verbreitung. Rußkohlenflöz I
und z. T. II zählten im östlichen Grubenbereich zu den
wirtschaftlich bedeutendsten Flözen, obwohl letzteres
selten mehr als 1 m Mächtigkeit erreichte. (D
RESSEL
et al.
2000: 12). Im Mülsenfeld sind Rußkohlenflöz II
und das tiefere
Rußkohlenflöz III
oft stark aufgesplit-
tert und wurden schon 1984 keiner ökonomischen Be-
trachtung mehr für wert gehalten (H
OTH 1984: 10). Al-
lerdings wurde Rußkohlenflöz III in einzelnen Abbau-
en des Mülsenfeldes (Abbaue 745, 746, 753) noch
1976/77 bebaut.
Rußkohlenflöz II und Rußkohlenflöz III sind durch den
0,5 bis 1 m, örtlich >16 m Mächtigkeit erreichenden
Rußsandstein getrennt. Das Flöz Rußkohlenflöz III
war i. w. nur im Pöhlauer Feld der ehem. Lagerstätte
mit bauwürdiger Mächtigkeit (150-180 cm Kohle) aus-
gebildet. Nur in der Bohrung Mül 8 traten noch einmal
max. 242 cm Kohle in zwei Bänken mit einem Berge-
anteil von max. 45 % auf.
Die namengebende Spezifik der Rußkohlenflöze, ein
stark erhöhter Fusit-Anteil in den Streifenarten, ist für
ihre Gesamtverbreitung nicht typisch. Faziell bedingt
zeigt sich die petrologische Zusammensetzung der
Kohlen sehr differenziert (H
ORST 1954, 1956, BLÜHER
1956). Im SW der Lagerstätte ist der Fusit- (= Ruß-
kohlen-) Anteil unvergleichlich hoch und beträgt bis zu
45 % der Gesamtkohle (P
IETZSCH 1942, STUTZER
1929a, b, 1932, HARTLIEB 1964). In den Flözen errei-
chen einzelne Fusit-Horizonte bis zu <30 cm Mächtig-
keit (V
OIGT 1957). Der Fusit zeigt in der Regel gut er-
haltene Holzgewebe-Textur und wird im Abbau meist
senkrecht zur Faserrichtung angeschnitten vorgefun-
den (= Faserkohle). Genetisch kann Fusit auf Biode-
gradation verholzter Gewebe zurückgehen, meist
handelt es sich jedoch um ein thermisches Produkt
aus Brandereignissen im Moorstadium (T
EICHMÜLLER
1962).
Für viele Autoren ist das Problem extremer Fusitmächtigkeit
mit der Zersetzungs- oder Waldbrandtheorie allein nicht er-
klärbar. M
ÁLAN (in HARTLIEB 1964) und DABER (1992) votier-
ten bei der Zwickauer Russkohle für einen zusammenge-
schwemmten Brandfusit, hergeleitet u. a. von Bränden an
den bewaldeten Hängen der Umgebung. S
TUTZER (1929a)
sieht eine Entstehung aus „Heukohle“, (brand-)verkohlten
Resten krautiger Pflanzen, als möglich an. Eine interessante
Version geht auf R
EIBISCH (1934) zurück. Danach wären die
lokal hohen Fusit-Mächtigkeiten im Rußkohlenflöz auf
Schollenbewegungen im Zuge syngenetischer Tektonik zu-
rückzuführen, bei der gehobene Bereiche stärker durch
langandauernde Brandereignisse beeinflusst werden - aller-
dings fehlt weltweit bislang der Direktnachweis einer tekto-
gen initiierten Fusitanreicherung.
Vielmehr ist aus Rezentbeobachtungen bekannt, dass
Moorbrände bei 1000-1300 °C Oberflächentemperatur in-
nerhalb eines Sommers im Torfkörper eine Tiefenerstre-
ckung von mehreren Metern erreichen können (B
ANNIKOV et
al. 2003, Z
AIDELMAN et al. 2001). Eine hohe Fusitmächtigkeit
bedarf somit nicht zwingend einer sehr komplexen geneti-
schen Erklärung.
Mit dem bereits erwähnten Fusit-Rückgang im Nord-
westen und Osten der Flözverbreitung nimmt die Koh-
le zunehmend den Charakter einer Vitrit-Durit-domi-
nierten Streifenkohle an. Beispielhaft für Rußkohlen-
flöz I dokumentieren dies Angaben von H
ARTLIEB
(1964), VOIGT (1957) und HOTH (1984): Existieren im
Stadtfeld noch 30-45 % Fusit, sind es im Pöhlauer
Revierabschnitt lediglich 6-8 %. Für das östlich gele-
gene Mülsenfeld werden maximal 2,5 % Fusit ange-
geben.
Mit dem Rückgang an Fusit einher geht ein weiteres,
lediglich auf mikroskopischem Wege sichtbares Phä-
nomen: Das Auftreten von Fein-Mikriniten (H
ARTLIEB
1964; vgl. Tab. 3-1), die als hoch reflektierende Säu-
me den Sporinit umgeben. Genetisch handelt es sich
hierbei - vergleichbar technisch hergestelltem Schwel-
teer - um teerpechähnliche Produkte, hervorgegangen
aus den lipoiden Stoffen der Sporinite. Als eine der
möglichen Ursachen wäre die mit der natürliche In-
kohlung organischer Substanz einhergehende zu-
nehmende Instabilität der Liptinite zu diskutieren, in
deren Folge hocharomatisch strukturierte Bitumen-
Produkte entstehen (T
EICHMÜLLER 1974). Notwendig
hierfür ist allerdings ein Rang nahe dem 2. Inkoh-
lungssprung, dem Ende des Stabilitätsbereiches der
Bitumina. Da der für Zwickauer Flöze bestimmte In-
kohlungsgrad - wie später gezeigt - deutlich unterhalb
dieser Marke liegt, kommt für die Mikrinit-Genese nur
ein thermisches Ereignis an der Oberfläche des Pa-
läomoores in Betracht: Bei den Mikriniten des Ruß-
kohlenflözes dürfte es sich mit hoher Wahrscheinlich-
keit um Produkte eines durch Torfbrand initiierten,
maximal 450 bis ~500 °C erreichenden, natürlichen
Pyrolyseprozesses handeln (D
ELLATTRE & MELLIAUX
1966, TEICHMÜLLER 1974, VOLKMANN 1991, 2000,
B
ÖHLMANN & VOLKMANN 2001). Wenngleich für die Fu-
sit-Genese wesentlich höhere Temperaturen (> 1000
°C; S
COTT & BAKER 1953) in Betracht zu ziehen sind,
stützt die Existenz der mikroskopisch sehr markanten
Fein-Mikrinite die Deutung der Rußkohle als Brandfu-
sit.
Problematisch hinsichtlich der Zuordnung der ver-
schiedenen Flözbänke in den einzelnen Revierteilen

38
sind die Verhältnisse im nächst höheren Flözkomplex,
nämlich in den
Schichtenkohlenflözen
.
Hier ist die Korrelation zwischen Stadtfeld (Schichten-
kohlenflöz) und den östlichen Teilen der Lagerstätte
(Schichtenkohlenflöz I und II) dadurch problematisch,
dass im Bereich des Pöhlauer Feldes die höchsten
Teile dieses Komplexes (Korrelationseinheiten 15c-
16) im Bereich einer tiefen permokarbonischen Erosi-
onsrinne abgetragen sind, was die Korrelationssi-
cherheit wesentlich mindert. Die Wiedergabe der
Flözmächtigkeit in Beilage 3-9 folgt der Darstellung
der Gruppenmarkscheiderei Zwickau auf den Flöz-
übersichtsrissen „Schichtenkohlenflöz II 1 : 5 000“ und
damit der dort angewandten Korrelation. Diese paral-
lelisiert das oft zweiteilige Schichtenkohlenflöz des
Stadtfeldes mit dem Schichtenkohlenflöz II des Pöh-
lauer und des Mülsenfeldes. Das ist insofern ver-
ständlich, als beide in ihren Bereichen das Hauptflöz
des Komplexes sind. Allerdings muss bei dieser Kor-
relation das ungewöhnlich starke Anschwellen des
Zwischenmittels zwischen Rußkohlenflöz I und
Schichtenkohlenflöz II auf über 30 m (D
RESSEL et al.
2000: 12) in Kauf genommen werden.
Auf die Problematik dieser Zusammenfassung weist
aber schon das Standardprofil hin (Beilage 3-1). Dass
diese Korrelation der Gruppenmarkscheiderei kei-
neswegs richtig sein muss, zeigen einige Schachtdo-
kumentationen westlich des Pöhlauer Feldes (vgl.
Korrelationsprofile 1 und 3 = Beilagen 3-2 und 3-4),
denn im Vereinsglückschacht und im Vertrauens-
schacht sind in Korrelationseinheit 15a mögliche
Äquivalente des Schichtenkohlenflözes II der östli-
chen Revierteile dokumentiert („Neukohlenflöz“ bei
G
EINITZ und „Schichtenkohlenflöz II“?). Unter Berück-
sichtigung der Nebengesteinsverhältnisse hat daher
die in den Korrelationsprofilen dargestellte Korrelati-
on, die das Schichtenkohlenflöz des Stadtfeldes mit
dem Schichtenkohlenflöz I des Mülsenfeldes korre-
liert, die größere Wahrscheinlichkeit.
Bei dieser Interpretationssituation ist es zweckmäßig,
das Schichtenkohlenflöz des Stadtfeldes und die
Schichtenkohlenflöze I und II der östlichen Revierteile
getrennt zu charakterisieren.
Das
Schichtenkohlenflöz im Stadtfeld
hat im All-
gemeinen eine Kohlemächtigkeit von 1 bis 3 m. Ein
größeres 300 bis max. 435 cm-Maximum erstreckt
sich mit zerlappter Verbreitung von den Altgemeinde
Schächten über Reinhold- und Forstschacht bis an
den Brückenberg-Sprung. Ein kleineres, ebenfalls
SW-NO gerichtetes 300-375 cm-Kohlemaximum liegt
zwischen Schwanenteich und Brückenberg-(Karl-
Marx-) Schacht I. Dieses wird von der Permokarbon-
Erosion abrupt gekappt - offensichtlich reichte das Pa-
läomoor hier deutlich weiter nach Nordwesten.
Der Bergeanteil im Schichtenkohlenflöz liegt allge-
mein in der Größenordnung von 15 bis 35 % der
Flözmächtigkeit; im Bereich des Zentrums des Mäch-
tigkeitsmaximums um den Forstschacht ist er mit 10
bis 20 % etwas geringer und wie oft am Südrand dort
deutlich höher (30 bis 40 %). In den südlichen, nördli-
chen und östlichen Randbereichen des Stadtfeldes ist
das Flöz in zwei Bänke geteilt, während im Verbrei-
tungszentrum nur geringmächtige Bergelagen auftre-
ten.
Die Bezeichnung einer bis 2 m mächtigen Unterbank
im südöstlichen Teil des Stadtfeldes (vgl. Beilage 3-9)
als „
Schichtenkohlenflöz III
“ (D
RESSEL et al. 2000:
13) trägt nicht zur Klarstellung der Verhältnisse bei.
Dieses „Flöz“ versteint nach Osten rasch.
Das Äquivalent des Stadtfelder Schichtenkohlenflözes
im Mülsenfeld =
Schichtenkohlenflöz I
hatte dort mit
0,9 m durchschnittlicher Kohlemächtigkeit (63 bis 80,
max. 103-132 cm) keine nennenswerte wirtschaftliche
Bedeutung. Das Flöz teilt sich nach Osten in zwei
Bänke (Beilage 3-4) und wird bald von Brandschiefern
vertreten. Nach Süden endet die Kohleführung eher
abrupt (Beilage 3-3).
Das
Schichtenkohlenflöz II
ist das Hauptflöz des
hier diskutierten Komplexes in den östlichen Revier-
teilen. Es hat etwa die gleiche Ausdehnung wie das
Rußkohlenflöz I in diesem Bereich, insofern gelten al-
le diesbezüglichen generellen Aussagen auch hier.
Schichtenkohlenflöz II folgt Rußkohlenflöz I oft unmit-
telbar im Hangenden, dadurch bilden beide Flöze das
sog.
Flözpaket
. Die Kohlemächtigkeit von Schichten-
kohlenflöz II liegt zwischen 1,3 und 2,4 m. Im östli-
chen Pöhlauer und nördlichen Mülsenfeld belegt die
200 cm-Linie eine bevorzugt erzgebirgisch ausgerich-
tete Paläovermoorung. Dabei können Beziehungen
zwischen Moorbildung und syngenetischen Störungen
vermutet werden. Im östlichen Mülsenfeld können sol-
che auch zu syngenetischen herzynisch gerichteten
Störungen bestehen. Für eine allgemeine Kontrolle
der Flözentwicklung im Gesamtrevier durch das Stö-
rungsmuster existieren allerdings keine Anhaltspunk-
te.
Die Bergegehalte im Schichtenkohlenflöz II des Mül-
senfeldes liegen in der Größenordnung von 2 bis
25 %, wobei die geringsten Bergegehalte (2-7 %) na-
he der Abwaschungsgrenze auftreten, was auf eine
ursprünglich weitere Erstreckung dieses Maximums
nach Norden weist. Die Verhältnisse am südlichen
Außensaum des Flözes lassen sich Beilage 3-9 ent-
nehmen.
H
OTH & WOLF (1984) geben aus Bohrungen im östli-
chen Mülsenfeld für das Schichtenkohlenflöz II
Aschengehalte (
A
d
) in Höhe von ca. 4 bis 24 % an
(Brg. Mül 2 bis Mül 20) und Gesamtschwefelwerte
(
S
t
d
) zwischen 0,7 und 3,2 %. Im Pöhlauer Revierab-
schnitt westlich des 1. Pöhlauer Sprunges liegen die

39
A
d
bei 9 % bei einem S
td
von 2,5 %.
Die Größenordnungen der Asche- und Gesamtschwe-
felwerte liegen für die Kohlen in den Abbauen des
Mülsenfeldes bei A
d
von 9,4 bis 11 % und bei S
td
zwi-
schen 1,2 und ca. 4 %; in Abbauen im Pöhlauer Feld
westlich des 1. Pöhlauer Sprunges bei ca. 19 % A
d
und bis zu 5 % S
t
d
. Bohrungen aus der Erkundung
des Mülsenfeldes weisen einen moderaten A
d
des
Flözes zwischen 5,1 % (Brg. Mül 9) und 8,8 % (Mül 7)
bei Gesamtschwefelgehalten von 1,2 bis ca. 2,4 %
auf (H
OTH & WOLF 1984).
Petrologisch bestehen die Flöze im Schichtenkohlen-
flöz-Komplex vorwiegend aus Streifenkohle mit Domi-
nanz des Vitrits (Glanzstreifenkohle). Clarit, Duroclarit
erreichen meist ca. 30 %, in Ausnahmefällen (Mülsen-
feld) sind bis zu 75 % möglich. Hingegen sind Durit
und Clarodurit mit <20 % im gesamten Verbreitungs-
gebiet unterrepräsentiert. Letzterer zeigt im Vergleich
zum Rußkohlenflöz eine deutlich geringere Inertinit-
beimengung. Die Kohlen sind fusitarm (<10 %). Ledig-
lich im Mülsenfeld können lokal bis zu 30 % Fusit hin-
zutreten (Angaben nach V
OIGT 1957, HARTLIEB 1964,
HOTH 1984).
Durch den Unterzachensandstein und Schiefertone ist
das Schichtenkohlenflöz vom überlagernden
Zach-
kohlenflöz
getrennt (Charakteristiken bei S
IEGERT
1901: 44-46; HERFURTH & SÜSS 1964: 23/24, PIETZSCH
1962: 233/234 und HOTH 1984: 11/12). Es handelt
sich hierbei um die jüngste Kohlenbildung der mit dem
Tiefen Planitzer Flöz beginnenden mittleren Flözgrup-
pe. Das Flöz tritt in zwei Bänken auf, wovon die durch
M
IETZSCH (1877a: 10) als
Neukohlenflöz
bezeichnete
Unterbank (=
Zachkohlenflöz II
) die größere wirt-
schaftliche Bedeutung besaß. Seine Hauptverbreitung
liegt vor allem im südlichen und südwestlichen Lager-
stättenbereich, wesentlich kontrolliert durch die Per-
mokarbon-Erosion. Dabei konzentriert sich die fluviati-
le Abwaschung vor allem auf den Norden und Wes-
ten. Im Pöhlauer Revierteil, beiderseits des Schachtes
Martin Hoop V, ist das Flöz mit <1 m Kohle in Nord-
Süd-Richtung auf lediglich 100 bis 200 m erhalten.
Dies hat zur Folge, dass westlicher und östlicher Re-
vierteil nahezu vollständig voneinander getrennt sind.
Größere Erosionsreste existieren vor allem im Stadt-
feld. Im Mülsenfeld sind hingegen nur geringere Flöz-
flächen erhalten. Die primäre Flözverbreitung war of-
fenbar recht geschlossen und hatte eine Mächtigkeit
von 1 bis >3 m. Auf die Existenz syngenetischer steil-
herzynisch verlaufender Störungen weisen evtl. gleich
gerichtete Bereiche erhöhter Kohle-Mächtigkeit (200
bis max. 355 cm) im östlichen Stadtfeld hin. Sie sind
ebenso amöbenförmig ausgebildet wie andere klein-
flächige Maxima, die unregelmäßig verstreut auftreten
(vgl. Beilage 3-10).
Der Bergeanteil des Zachkohlenflözes II liegt im
Stadtfeld zwischen 5 und 25, max. 35 %, ist im Pöh-
lauer Revierabschnitt etwas niedriger (5 bis 25 %) und
beträgt am Südostrand des Verbreitungsgebietes zwi-
schen 20 und 45 %.
Das
Zachkohlenflöz I
(im nördlichen Stadtfeld die
Oberbank) ist deutlich geringer mächtig und unter-
schreitet meist die 1 m-Marke.
Im Mülsenfeld enthält
das Flöz - sofern nicht weitgehend ausgeräumt - 50
bis 75 cm, maximal 85 cm Kohle (H
OTH 1984). Wirt-
schaftliche Bedeutung besaß es hier nicht. Im Stadt-
feld wurden max. 105 cm Kohle erreicht.
Hinsichtlich des petrographischen Aufbaus sind keine
exakten Analysendaten verfügbar. Offensichtlich wei-
chen die Kohlen der Zachkohlenflöze jedoch deutlich
vom Habitus einer vitritbetonten Glanzstreifenkohle
ab. Nach groben Anteilsschätzungen (H
OTH 1984;
Tab. S. 15/16) und der Bemusterung von Archivpro-
benmaterial sind Duroclarit, Clarodurit und Durit do-
minant. Der Vitrit-Gehalt bleibt gegenüber den Durch-
schnittswerten des unterlagernden Schichtkohlenflö-
zes nahezu unverändert, jedoch fehlt Clarit fast völlig
(H
ARTLIEB 1964). Damit dürften meist Mattstreifenkoh-
len am Flözaufbau beteiligt sein. Teilweise wird auch
Fusit als reichlich vorhanden benannt. Allerdings ist
zu beachten, dass die Menge fossiler Holzkohle bei
untertägiger Stoßbemusterung i. d. R. überschätzt
wird (S
TUTZER 1929b, 1932). Auch ist ein Reichtum an
Fusit mit vorhandenem Sammlungsmaterial nicht be-
legbar.
Bezüglich des Aschen- (A
d
) und Gesamt-Schwefelge-
haltes (S
t
d
) geben HOTH & WOLF (1984) Orientie-
rungswerte an. Danach erreicht das Zachkohlenflöz I
in Bohrungen der Mülsenfeld-Erkundung A
d
-Werte
von 3,7 bis 10,6 % bei einem S
t
d
-Gehalt von maximal
1,15 %. Im gleichen Bereich liegt Zachkohlenflöz II bei
einem A
d
von 7,7 bis maximal 40 % und Gesamt-
schwefelwerten von ~0,8 bis <3 %.
Als älteste Bildung der
oberen Flözgruppe
folgt das
Lehekohlenflöz
(kurze Flözcharakteristiken bei S
IE-
GERT
(1901: 46-47), PIETZSCH (1962: 234), HERFURTH
& SÜSS (1964b: 24-26). Auffällig ist eine hellbraun-
graue, nur wenige Zentimeter mächtige tonige Lage,
der von S
TUTZER 1934 benannte Lehestreifen. Seine
ursprüngliche Deutung als vulkanische Aschenlage
führte zu Überlegungen hinsichtlich der Parallelisie-
rung des Neuflözes 3 aus dem Lugau-Oelsnitzer Re-
vier mit dem Zwickauer Lehekohlenflöz (S
TUTZER
1935). HOEHNE (1948) und SCHÜLLER (1951) glaubten
jedoch auf Grund relativ allgemeiner Betrachtungen
die rein limnische Genese dieser Strate (sog. „Grau-
pentonstein“ ohne weitaushaltende Horizontbestän-
digkeit) bewiesen zu haben. R
ÖSLER et al. (1967: 140)
sprachen sich dagegen für den vulkanogenen Ur-
sprung des Edukts aus.
Die Flözverbreitung ist allseits durch die fluviatile Per-

40
mokarbon-Abwaschung beeinflusst (= sog. erstes In-
selflöz der Oberen Flözgruppe). Bei einer flächenhaft
schon sehr eingeschränkten Verbreitung erreicht es
im Südteil zwischen Zwickauer Mulde und Reinsdorf
bauwürdige Mächtigkeiten von 127 bis 260 cm bei 90
bis 187 cm reiner Kohle und im Mülsenfeld 110 bis
260 cm bei einem Kohleanteil bis 155 cm. Der Berge-
anteil liegt aber oft bei 30 bis 35 %. Da das an Pelitla-
gen reiche Flöz, wie die meisten Kohlen der oberen
Flözgruppe, bereits in der Frühzeit des Zwickauer
Steinkohlenbergbaus bebaut wurde, liegen detaillierte
Angaben zur Petrographie nicht vor. Nach alten Auf-
zeichnungen (A
RNOLD 1900, MÜLLER 1877) und vor-
handenem Archivmaterial dürfte es sich hauptsächlich
um eine Glanzstreifenkohle („Pechkohle“) gehandelt
haben. H
ARTLIEB (1964) betont den im Gegensatz
zum Zachkohlenflöz sehr hohen Clarodurit-Anteil und
beschreibt das Lehekohlenflöz makroskopisch als
„...
typische Glanzstreifenkohle mit viel Pyrit..
.“.
Eine orientierende Zusammenstellung allgemein roh-
stoffqualitätsrelevanter Parameter (H
OTH & WOLF
1984) gibt für das Lehekohlenflöz im Mülsenfeld einen
durchschnittlichen Aschengehalt (A
d
) von 5,5 bis 7 %
bei einem S
t
d
zwischen 1,4 und 2,6 % an. Im Pöhlauer
Revierabschnitt steigt A
d
auf <15 %, der S
td
- Gehalt
auf etwa 3,5 %.
Als weitere „Flözinsel“ der Oberen Flözgruppe folgt
das
Scherbenkohlenflöz
(kurze Charakteristiken bei
S
IEGERT (1901: 48), und für das Mülsenfeld bei HER-
FURTH
& SÜSS (1964b: 26-27). Seine bauwürdige
Verbreitung bleibt im Wesentlichen auf die Ortslage
Oberhohndorf beschränkt.
Hier war es 0,9 bis 1,5 m,
max. 3 m mächtig, wobei der Kohleanteil 70 bis 130,
max. 195 cm betrug. Das Flöz enthält relativ zahlreich
eingeschaltete Schieferton-Zwischenlagen, die einen
hohen Aschenanteil der Förderkohle bewirkten. Nach
S
IEGERT
(1901: 48) lag der Bergeanteil zwischen 10
und 35 %.
Petrologisch handelt es sich um eine Glanzstreifen-
kohle mit den Hauptkomponenten Vitrit und Duroclarit.
Nach H
ARTLIEB (1964) ist für den Duroclarit eine vor-
wiegend aus Sclerotinit bestehende verstärkte Beimi-
schung von Inertiniten (10 bis 25 %) sowie ein unge-
wöhnlich hoher Anteil des in Zwickauer Steinkohlen
meist akzessorischen Cutinits charakteristisch. Im
Mülsenfeld weisen Erkundungsbohrungen das Flöz
mit deutlich geringerer Mächtigkeit aus (40 bis max.
190 cm mit Bergeanteilen von 0 bis 35 %). Zum petro-
logischen Aufbau in diesem Feldesteil existieren keine
Angaben. Hinsichtlich der allgemeinen Qualitätspa-
rameter Asche und Gesamtschwefel
bewegen sich
die Werte zwischen 3,9 und 7,2 % A
d
bzw. sehr mode-
raten 0,4 bis 1,03 % S
t
d
(HOTH & WOLF 1984).
Als
jüngste Flözbildung des Zwickauer Steinkohlenre-
viers folgt im Hangenden das Niveau der
Elligen Flö-
ze
. Bis auf den sog. „Inselbereich“ sind diese Flöze
bereits im Permokarbon abgetragen worden. Im Han-
genden liegt diskordant das „Graue Konglomerat“ des
Unterrotliegenden auf. Beilage 3-11 gibt einen Über-
blick über die erosions- und abbaubedingt nur noch
kleinflächige Restverbreitung von
Elligem Flöz Un-
terbank
(= (?)
Zweielliges und Dreieinhalb-Elliges
Flöz
) und
Elligem Flöz Oberbank
(=
Dreielliges
Flöz
). Im Bereich der Schächte Jung Wolfgang, Fried-
rich Ebert und Beschert Glück des südöstlichen Stadt-
feldes war das von der Erosion verschont gebliebene
Verbreitungsgebiet weniger als 1 km² groß. Hier ging
der Bergbau bedingt durch die geringe Teufenlage
bereits in der Frühzeit seiner Entwicklung intensiv um.
Im Mülsenfeld sind etwa 2 km² von der Erosion ver-
schont geblieben. Aussagen zur ursprünglichen Flöz-
verbreitung sind daher kaum möglich.
Im Mülsenfeld sind Beziehungen zwischen eggischen
Störungen parallel zum 2. Mülsener Sprung und den
NNW-SSO gestreckten Maxima von Elligem Flöz Un-
terbank und Elligem Flöz Oberbank wahrscheinlich.
Oberbank und Unterbank bzw. ihre Äquivalente im
Stadtfeld werden durch ein 2 bis max. 12 m bzw. 3 bis
7 m mächtiges Zwischenmittel getrennt. Das
Zweielli-
ge Flöz
ist dagegen nur 0,46 bis max. 2 m vom
3 ½-
Elligen Flöz
entfernt (S
IEGERT 1901: 49), also quasi
eine Basisbank des letzteren.
Die Kohlemächtigkeiten der Unterbank und ihrer Äqui-
valente im Stadtfeld liegen zwischen 1 bis 2,30 m.
Maximal werden 3,00 m bei einem Bergeanteil von 5
bis 20 %, max. 35 % im Flöz erreicht. Die Kohlemäch-
tigkeit der Oberbank und ihrer Äquivalente bewegt
sich in der Regel zwischen 1,50 und 2,45 m und er-
reicht bei einem Bergeanteil von 5 bis 20 %, max.
30 %, im Höchstfall 2,99 m.
Für das
Zweiellige Flöz
liegen kaum Daten vor. Wie in
Beilage 3-11 ausgewiesen, erreichte die Kohlemäch-
tigkeit 120 bis 130 cm (zwei Freiberger Bergellen er-
geben 115 cm). S
IEGERT (1901: 49) gibt bei einem
Bergeanteil um 10 % maximal 129 cm Kohle im bis
144 cm mächtigen Flöz an.
Hinsichtlich der petrographischen Beschaffenheit der
Flöze sind keine detaillierten Analysendaten verfüg-
bar. H
ARTLIEB (1964) beschreibt sie nach Bemuste-
rungsergebnissen aus Bohrungen des östlichen Mül-
senfeldes (sog. Zwischengebiet), analog zu den Koh-
len der übrigen Flöze der Oberen Flözgruppe, als
Streifen- und insbesondere Glanzstreifenkohlen. Mik-
roskopisch dominieren Vitrit und Duroclarit, letzterer
mit wechselnden Inertinit-Gehalten. Analog zu den
Verhältnissen im Scherbenkohlenflöz setzt sich der
Inertinit vor allem aus Sclerotinit mit hoher Formen-
vielfalt zusammen. Ferner gesellen sich im Liptinitan-
teil des Duroclarits zu den für Zwickau charakteristi-
schen dünnwandigen Tenui-Sporen die sog. Crassi-
Sporen, die für das benachbarte Oelsnitzer Revier als
typisch angesehen werden (H
ARTLIEB 1964, ZERNDT

41
1932,
HORST 1956).
Die Rohstoffparameter Asche und Gesamtschwefel
erreichen in den Elligen Flözen des Mülsenfeldes -
aus dem Stadtfeld sind keine detaillierten Angaben
verfügbar - nachstehende Größenordnungen: Die
Oberbank des Elligen Flözes besitzt in Erkundungs-
bohrungen und ehem. im Abbau stehenden Teilen ei-
nen Aschengehalt (A
d
) zwischen 4 und etwa 11 %.
Der S
t
d
beläuft sich auf Werte zwischen 1,3 und 2,3
%. Im gleichen Lagerstättenbereich liegen die Orien-
tierungswerte für das Ellige Flöz-Unterbank bei 2,5
und etwa 9 % A
d
bzw. 0,4 und maximal 2 % S
td
(An-
gaben nach H
OTH & WOLF 1984).
3.3.2
Rohstoffqualität und Inkohlungsgrad
Einige
allgemeingültige Aussagen zur Rohstoff-
qualität
im vor etwa 50 Jahren erkundeten Teil des
Mülsenfeldes gibt B
LÜHER (1956). Danach variieren
die wasserfreien (wf.)
Aschenwerte
in den Flözen
naturgemäß in Abhängigkeit von der Distanz des Pro-
benahmeortes zur Versteinungsgrenze: „...
Im güns-
tigsten Fall sind ... Werte mit weniger als 3 % Asche
ermittelt worden. Vorherrschend bewegen sich die
Aschengehalte aber zwischen rund 5 und 10 %. In
ungünstigen Fällen können die Gehalte
(auf)
bis zu 22
% ansteigen ...“
; B
LÜHER (1956: 65).
Im Hinblick auf die zu erwartende
Koksqualität
wur-
den - bedingt durch die im Mülsenfeld generell gerin-
geren Fusinit-Gehalte - günstigere Verhältnisse als im
Zwickauer Kernrevier prognostiziert. Allerdings waren
die möglichen Verbesserungen aus heutiger Sicht le-
diglich gradueller Natur, da die Güte eines hüttenfähi-
gen Steinkohlen-Hochtemperaturkokses noch durch
eine Reihe weiterer Faktoren bestimmt wird: Neben
verfahrens- und anlagenspezifischen Einflüssen sind
es vor allem petrographische Kennwerte wie Vitri-
nitreichtum bei deutlich geringeren Anteilen an Liptini-
ten und vor allem Inertiniten sowie niedrige Aschen-
gehalte, insbesondere aber ein Inkohlungsgrad der
eingesetzten Flözkohlen im bzw. nahe dem Fettkoh-
lenstadium (M
ACKOWSKY 1982), die die Hochtempera-
tur-Formbeständigkeit und damit Güte metallurgischer
Kokse positiv beeinflussen. Nach S
ÜSS (1963) han-
delte es sich bei den damals im Abbau stehenden
Flözen um hochflüchtige mittelmäßig backende Gas-
flammkohlen bis Gaskohlen, die ein lediglich mittel-
mäßiges Verkokungsverhalten aufwiesen.
Der
Inkohlungsgrad
(Rang) erbohrter Flöze des Mül-
sengrundes wird aus der Bestimmung der Flüchtigen
Bestandteile (33 bis 40 %; wasser- und aschenfreie
Basis,
daf
), analog zu den tieferen Flözen bereits be-
bauter Lagerstättenteile, als Gas- bis Gasflammkohle,
und damit unterhalb des Fettkohlenstadiums befind-
lich, angegeben (B
LÜHER 1956: 64).
Hinsichtlich Heizwert oder Verbrennungswärme der
Flözkohlen liegen nach Sichtung verfügbarer Archiva-
lien keine aussagefähigen Angaben für ehemals in
Betrieb befindliche Abbaue vor. Auch hier muss auf
Untersuchungsergebnisse aus der Mülsenfeld-Erkun-
dung zurückgegriffen werden (S
Üß, BLÜHER, MEYER
1957, B
LÜHER 1959, BLÜHER 1960). Danach liegt der
kalorische Inhalt der Flöze (oberer Heizwert H
O
; neu:
H
S
) im Intervall von 29,4 ... 33,8 MJ/kg (vgl. Abb. 3-2)
und entspricht damit der für Gasflamm- und Gaskoh-
len bekannten Größenordnung.
Die Kenntnis des Inkohlungsgrades der Flöze ist nicht
allein von grundlegendem geologisch-lagerstättenge-
netischen Interesse sondern besitzt einen wirtschaftli-
chen Hintergrund. Basierend darauf, dass der Gehalt
an organisch gebundenem Kohlenstoff (C
org;
auch:
Total Organic Carbon, TOC) mit zunehmendem Rang
steigt, während die Flüchtigen Bestandteile (V
daf
;
auch:
Volatile Matter, V. M.) abnehmen, erscheinen
chemische Analysen der Flözkohlen prinzipiell geeig-
net, den Grad der Inkohlung widerzuspiegeln. Aller-
dings sind diese Bestimmungen dabei stets an einem
Maceral, per Definition dem Vitrinit (ICCP 1963, 1971,
1975, 1993; vgl. Tab. 3-1), auszuführen. Eine Analytik
der Gesamtkohle wäre, bedingt durch die Heterogeni-
tät ihrer maceralen Zusammensetzung, großen Tole-
ranzen unterworfen.
Bereits 1923 publizierte O. S
TUTZER Daten, die auf ei-
ne von S
TEIN (1857) durchgeführte Probenahme und
chemische Analyse zurückgehen. Allerdings handelt
es sich hierbei um Durchschnittswerte der Gesamt-
kohle. Die Angaben wären aus heutiger Sicht für die
Rang-Bestimmung kaum geeignet. Der Versuch, de-
taillierte Inkohlungsaussagen zu Zwickauer Flözen
durch Bestimmung des Kohlenstoffgehaltes zu treffen,
geht auch auf H
UNGER (1955a) zurück. Nach seiner
Darstellung korrelieren Teufenlage der Flöze und
Kohlenstoffgehalt zueinander recht gut, so dass eine
„... klare Zunahme des Inkohlungsgrades nach der
Teufe zu erkennen
(ist)
und zwar ergibt sich pro 100
m Teufenzunahme eine Erhöhung des Kohlenstoffge-
haltes um ca. 0,4 %. ...“;
(H
UNGER 1955a: 10). Aller-
dings zeigen die verwendeten Primärdaten für Schich-
tenkohlenflöz und Tiefes Planitzer Flöz (die Kohlen
der Oberen Flözgruppe waren zum Zeitpunkt der Ar-
beiten bereits weitestgehend abgebaut oder im Mül-
senfeld noch nicht zugänglich), dass der analysierte
C-Gehalt auch flözintern großen Toleranzen unter-
liegt. Wiederum sind naturgemäß heterogen zusam-
mengesetzte Flöz-Schlitzproben Basis der Untersu-
chungen. Nach heutigen Maßstäben wäre die Mög-
lichkeit einer detaillierten Inkohlungsaussage damit
nur sehr eingeschränkt gegeben. In Anlehnung an
P
IETZSCH, der die Kohlen des Erzgebirgischen Be-
ckens generell in das Gasflammkohlen-Stadium stellt
(in P
IETZSCH 1962: 229: entsprechend dem Anteil der
Flüchtigen Bestandteile der Gesamtkohle), bestimmt
H
UNGER für die unter seiner Leitung untersuchten
Flözteile mit einem Gehalt von 80 bis 85 % Kohlen-

42
stoff (daf), das geringfügig höher inkohlte Gaskohlen-
Stadium.
Erste mikroskop-photometrische Messungen des
Re-
flexionsvermögens des Vitrinits
- ein heute in der
Routine angewandtes Verfahren zur Rangbestim-
mung von Kohlen und dispers in Sedimenten verteil-
ten organischen Komponenten (ICCP 1963) - gehen
für Zwickauer Steinkohlen auf R
OHLEDER (1968) zu-
rück. Darauf aufbauend untersuchte E. K
ÜNSTNER zu
Beginn der 70er Jahre recht detailliert die Inkohlungs-
verhältnisse der seinerzeit zugänglichen Flöze
(K
ÜNSTNER 1970, 1974). Aus dieser Zeit (ROHLEDER
1968, K
ÜNSTNER 1970) existiert ein vergleichsweise
umfangreicher Datenfundus zur mittleren Vitrinit-
Reflexion (Rm). Er umfasst den Bereich von den Elli-
gen Flözen im Hangenden bis zum Tiefen Planitzer
Flöz und dokumentiert bei einer stratigraphischen
Teufendifferenz von ca. 240 m in einem Ost-West ge-
richteten Profil die Verhältnisse zwischen den ehem.
Schächten Martin Hoop IX und III.
28,0
29,0
30,0
31,0
32,0
33,0
34,0
35,0
H
O
[MJ/kg]
Elliges Flöz; Oberbank
Elliges Flöz; Unterbank
Scherbenkohlenflöz
Lehekohlenflöz
Zachkohlenflöz I
Zachkohlenflöz II
Schichtenkohlenflöz I
Schichtenkohlenflöz II
Rußkohlenflöz I
Rußkohlenflöz II
Rußkohlenflöz III
obere Abteilung des Tiefen Planitzer
Flözes
mittlere Abteilung des Tiefen Planitzer
Flözes
untere Abteilung des Tiefen Planitzer
Flözes (= Amandusflöz)
Ludwigflöz
Segen Gottes Flöz
keine Angaben
keine Angaben
Abb. 3-2: Verbrennungswärme (H
O
) der in den Bohrungen Mülsengrund VII bis XII und XIX angetroffenen Flö-
ze
(SÜß, BLÜHER, MEYER 1957, BLÜHER 1959, BLÜHER 1960).
Zusammenfassend sind diese Ergebnisse in nachste-
hender Graphik dargestellt (Abb. 3-3). Aus den Mess-
werten ergibt sich eine generelle Zunahme des Refle-
xionsvermögens um 0,079 % Rm pro 100 m bei be-
kannter Positionierung im Stadium der Gasflamm-
und Gaskohlen. Damit gehören die Flöze im stra-
tigraphischen Hangenden des Rußkohlenniveaus zu
den Gasflammkohlen. Beginnend mit Rußkohlenflöz
III sind die tieferen Flöze als Gaskohlen einzustufen.
Aufschlussbedingt liegen für Kohlen unterhalb des tie-
fen Planitzer Flözes keine Reflexionsdaten vor. Für
die Gruppe der Elligen Flöze wurden in genanntem
zusammengesetztem Profil Reflexionswerte von
0,625 bis 0,706 % (jeweils als Mittelwert aus 100 Ein-
zelmessungen) und für das Lehekohlenflöz zwischen
0,727 bis 0,780 % registriert. Die Rußkohlenflöze lie-
gen zwischen 0,732 bis 0,841 % Rm, die mittlere
Vitrinitreflexion des Tiefen Planitzer Flözes erreicht
eine Größenordnung von 0,909 % Rm (Angaben nach
R
OHLEDER 1968, KÜNSTNER 1970).
Allerdings existieren zum Tiefen Planitzer Flöz im Da-
tenfundus der TU Bergakademie Freiberg, Bereich
Brennstoffgeologie, aus dem Zwickauer Karl-Marx-
Werk (Sohle 701, 582 m Teufe; Probe 308 mit Rm =
0,74 % und = 0,75 %; Mittelwerte aus jeweils 100 Ein-
zelmessungen; Analysenzeitraum August 1972) An-
gaben, die sich in o. g. Wertespektrum nicht unmittel-
bar einordnen.

image
43
Abb. 3-3:
Teufenabhängige Veränderung des
mittleren Reflexionsvermögens (Rm)
des Vitrinits; nach K
ÜNSTNER (1970).
Apparative Randbedingungen (rekonstruiert):
Leitz
-Forschungsmikroskop Ortholux
pol
; Auf-
licht-Hellfeld, polierte Anschliffe, Oelimmersion;
Objektiv-Vergrößerung 32fach; Photomultiplier-
Messeinrichtung Fa. Knott Elektronik München;
Durchmesser des Messfeldes ca. 20 μm, Refle-
xionsmessung bei einer Wellenlänge von 546
nm.
KÜNSTNER (1970) weist auf die mit zunehmender Teu-
fe naturgemäß ansteigende Inkohlung sowie mit der
Existenz des sog. „Inkohlungsknicks“ (vgl. Abb. 3-3),
auf Veränderungen des Reifegradienten hin. Danach
zeichnen sich die tieferen Flöze, bis einschließlich
Rußkohlenflöz II, durch eine geringere teufenabhän-
gige Inkohlungszunahme gegenüber den im Hangen-
den des Rußkohlenflözes befindlichen Kohlen (Ruß-
kohlenflöz II bis Ellige Flöze) aus. Nach K
ÜNSTNER ist
diese Veränderung mit tektonischen Auf- und Ab-
schiebungen nicht erklärbar. Die Parallelität dieses
Gradientenwechsels innerhalb der Rußkohlenflöze mit
der paläobotanisch festgestellten Veränderung in den
Linopteriden-Spezies (D
ABER 1957a: 45) führte sei-
nerzeit auch dazu, einen möglichen Einfluss der
Pflanzenfazies auf das Inkohlungsgeschehen nicht
auszuschließen.
Aus heutiger Sicht zeigt sich das Bild etwas modifi-
zierter: Zunächst erscheint die Toleranz der Reflexi-
onswerte innerhalb eines Flözes mit nahezu konstan-
ter Teufenlage problematisch. Repräsentanz der Wer-
te vorausgesetzt, ist ein Gradientenwechsel aus-
schließlich mit mehrphasigen und unterschiedlich in-
tensiven thermischen Ereignissen - wahrscheinlich
aus dem Bereich der westerzgebirgisch-vogtländi-
schen Granite herkommend - zu erklären. Nach Abla-
gerung des Rußkohlenflözes I haben Tiefes Planitzer
Flöz und Rußkohlenflöz III bzw. II wahrscheinlich be-
reits ihren rezent anzutreffenden Inkohlungsgrad er-
reicht. Eine zweite weniger intensive thermische Pha-
se erfasst später die jüngeren Flözbildungen im Han-
genden von Rußkohlenflöz I und führt hier zu einem
hohen teufenabhängigen Inkohlungsgradienten bei
dennoch geringerem Absolutniveau der geothermi-
schen Veränderung, die den Reifegrad der tieferen
Flöze nicht weiter erhöht.
Abgeleitet aus geologischen Beobachtungen existiert
hinsichtlich der zeitlichen Einordnung der Inkohlung in
der Literatur die Meinung, dass der Prozess mit dem
Ende des Oberkarbons bereits weitestgehend abge-
schlossen war. Wichtigstes Indiz dafür ist nach
P
IETZSCH (1962: 257) die Existenz kantiger Steinkoh-
len-Bruchstücke in den basalen Rotliegendschichten,
dem bis zu 45 m mächtigen „Grauen Konglomerat“.
Ihre Vitrinit-Reflexion liegt nach Untersuchungen von
K
ÜNSTNER (1970) zwischen 0,605 bis 0,655 % Rm
und damit im Inkohlungsbereich der Elligen Flöze. Na-
türlich sind die eingelagerten Kohlen-Fragmente ero-
siven Eintrags. Ihr kantiger Habitus beweist jedoch le-
diglich, dass die materialliefernden, von der Erosion
erfassten Flözteile, bereits die Plastizitätsgrenze er-
reicht haben. Dies ist bereits mit dem Braunkohlen-

44
Stadium gegeben (vgl. H
UNGER 1955b). Als Indiz für
einen zum Zeitpunkt der Klasten-Resedimentation be-
reits existierenden definierten Inkohlungsgrad ist die-
se Beobachtung damit wenig geeignet. Ein post-
oberkarboner Inkohlungsfortschritt ist nicht auszu-
schließen.
Nach paläobotanischen Untersuchungen (G
OTHAN
1932, DABER 1955, 1957a, DYBOVÁ & JACHOVICZ 1957;
vgl. K
ÜNSTNER 1970 und Kap. 4.1) sind die Zwickauer
Oberkarbon-Ablagerungen dem Westfal D zuzuord-
nen. P
IETZSCH (1962: 259) geht davon aus, dass vor
Beginn der diskordanten Rotliegendüberdeckung le-
diglich eine Schrägstellung der Karbon-Schichten in-
folge Aufdringens der benachbarten westsächsisch-
vogtländischen Granite erfolgte. D
ABER (1992) unter-
stützt diese Meinung und stellt sie in den nahe liegen-
den Kontext zur erzgebirgischen Phase der variszi-
schen Orogenese.
Die Aussagen zum Zeitraum der Intrusion sind sehr
widersprüchlich. Anhand von Untersuchungen der
Spurenelement-Verteilungen in den Zwickauer Kohlen
positionieren L
EUTWEIN & RÖSLER (1956) die Bildung
der Kirchberg-Eibenstocker Granitkörper als ein prä-
bzw. syngenetisch zur Flözbildung erfolgtes Ereignis.
Hinweise zur Mehrphasigkeit der Intrusionen sind ge-
geben. Beobachtungen W
ATZNAUER´s (in LEUTWEIN &
RÖSLER 1956) sprechen für ein post-oberkarbones
thermisches Ereignis hoher Intensität, sind die Schie-
fertone der Flöz-Zwischenmittel im granitnäheren Be-
reich doch deutlich härter. Ferner enthalten sie quer
zur Schichtung stehende Biotit-Aggregate, was für ei-
ne kontaktmetamorphe Blastese spricht. Unter der
Annahme, dass es sich hierbei um ein Ereignis mit
regionaler Bedeutung handelt, dürfte die damit ein-
hergehende Wärmeeinwirkung sämtliche früheren
thermischen Phänomene überprägt haben. Im Ergeb-
nis dessen wäre von einer steten Rang-Zunahme bei
Annäherung an den Pluton und einem über das ge-
samte Profil gleich bleibenden Inkohlungsgradienten
auszugehen - Angaben hierzu sind jedoch nicht ver-
fügbar. Auch hätte der in Abb. 3-3 gezeigte Inkoh-
lungsverlauf von den Elligen Flözen bis zum Tiefen
Planitzer Flöz dann im besten Falle lokale Bedeutung.
Ebenso wenig eindeutig ist die Frage der Zeitdauer
des thermischen Einflusses zu beantworten. Unter
Annahme der von P
IETZSCH (1962: 259) favorisierten
Bedingung des Erreichens der rezent festgestellten
Inkohlung im Oberkarbon stände zwischen dem flöz-
führenden Westfal D und dem höheren Stefan, der
Zeit der beginnenden fluviatilen Abwaschung, ein äu-
ßerst gering bemessener Zeitraum von 5, maximal 10
Millionen (
heute max. 3-4
Mio.) Jahren zur Verfügung
(K
ÜNSTNER 1970), wobei zu beachten ist, dass die re-
lativ geringe Dauer der Einwirkung innerhalb gewisser
Grenzen durch erhöhte Gebirgstemperatur ausgegli-
chen werden kann.
Eine eindeutige Aussage zu thermischer Geschichte
und Inkohlungsverlauf des flözführenden Zwickauer
Oberkarbons ist aus den vorhandenen Daten nicht
möglich. Hierzu bedarf es der Bearbeitung eines voll-
ständigen Profils der gesamten Abfolge und einer dar-
auf aufbauenden Rekonstruktion der Verhältnisse mit-
tels moderner Methoden der Modellierung sedimentä-
rer Becken.
3.4 Die „Flözproben-Sammlung Zwickauer
Revier“ im Bergbaumuseum Oelsnitz
(K. H
OTH, E. KAHLERT, H. DÖRING und H.
H
ERFURTH †)
Als im Oktober 1973 durch einen Grubenbrand im
Mülsenfeld des Zwickauer Reviers östlich des Martin-
Hoop-Schachtes IX etwa 10 % des noch in Förderung
befindlichen Grubenfeldes aufgegeben werden muss-
ten und damit auch erhebliche Einbußen an Steinkoh-
len-Fördermöglichkeiten eintraten, wurde im Juni
1974 durch Regierungsbeschluss das Ende der
Steinkohlenförderung im Martin-Hoop-Werk Zwickau,
dem letzten Steinkohlenwerk der DDR, vorgezogen
und auf Ende 1977 festgelegt. Allein für das werksei-
gene Kraftwerk war eine Restmengengewinnung auch
noch danach für kurze Zeit möglich.
Etwa zur gleichen Zeit (September 1975) diskutierte
man auf dem 8. Internationalen Karbonkongress in
Moskau den weltweit unzureichenden Kenntnisstand
im hohen Oberkarbon und bestätigte nachdrücklich
die Notwendigkeit von verbessernden Forschungsar-
beiten in solchen Bereichen.
Bereits auf dem Symposium für Karbonstratigraphie
1973 in Ostrava wurde von der Internationalen Union
für Geologische Wissenschaften (IUGS) die Bitte an
die DDR-Teilnehmer des Zentralen Geologischen In-
stituts (ZGI) gerichtet, die bislang ungenügenden
Kenntnisse über die limnischen intramontanen Be-
cken in Deutschland durch eine Revision des hohen
Oberkarbons in der Vorerzgebirgischen Senke ent-
scheidend zu verbessern. Für das Hohe Westfal der
variszischen Innensenken sollte und wollte die DDR
einen Beitrag leisten. Die auslaufende Steinkohlenla-
gerstätte Zwickau war das einzige diesbezüglich mög-
liche Objekt, um u. U. zur Lösung des Problems bei-
zutragen.
Anlässlich der letzten Exkursion der Gesellschaft für
Geologische Wissenschaften, Berlin, ins Mülsenfeld
des Zwickauer Steinkohlenreviers im Herbst 1974
wurde der dort erreichte geologisch-paläontologische
Erforschungsgrad eruiert und für unzureichend befun-
den. Trotz einer großen Anzahl von Schacht- und
Bohraufschlüssen hatten in den letzten 4-7 Jahrzehn-
ten immer nur Fragen der unmittelbaren Vorratsvor-
sorge oder des östlichen Teils des Reviers im Vorder-
grund des Interesses gestanden, nicht Bau und Bil-
dung der Gesamtlagerstätte.

45
In Anbetracht der geringen noch zur Verfügung ste-
henden Zeit bis zur Schließung der Grube wurde auf
der vom damaligen Leiter des Betriebsteils Freiberg
des VEB Geologische Forschung und Erkundung Hal-
le, Dr. H. Richter, am 23.02.1976 anberaumten An-
laufberatung zur geologischen Endauswertung des
Zwickauer Steinkohlenreviers von den zwei erstge-
nannten Autoren dieses Teilkapitels ein Arbeitspro-
gramm konzipiert. Ausgehend von dem allgemein ak-
zeptierten Grundsatz: „650 Jahre Steinkohlenbergbau
dürfen nicht ohne eine ausreichende geologische
Schlussdokumentation beendet werden“, wurde von
vornherein
eine für die geologische Öffentlichkeit zu-
gängliche Endauswertung
ins Auge gefasst. Das war
in damaliger Zeit bemerkenswert. Die notwendige
Veröffentlichungsgenehmigung erfolgte im Juni 1980.
Es war klar, dass dieses Endziel nur durch langfristige
und enge Zusammenarbeit mehrerer Kooperations-
partner zu erreichen sein würde. Dank dem Entge-
genkommen des Martin-Hoop-Werkes und seines Lei-
ters, Dipl.-Ing. G. Süß, waren Grubenbefahrung und
Probenahme außerhalb der üblichen Förderzeiten
möglich. Zu einem späteren Zeitpunkt (1978) folgte
eine weitere Initiative, die dringend notwendigen Aus-
wertungs- und Untersuchungsarbeiten mittels einer
sog. Neuerervereinbarung (zum Datenbestand) vo-
ranzutreiben.
Als erste Arbeitsetappe wurde die Beprobung der
noch zugänglichen Flöze und die Dokumentation und
Beprobung des Tagesaufschlusses an der Zwickauer
Mulde oberhalb der Cainsdorfer Brücke vorgesehen
und dafür eine interinstitutionelle Arbeitsgemeinschaft
gebildet. Beteiligt waren Mitarbeiter des ZGI Berlin -
Hauptabteilung Bernau -, des Steinkohlenwerks Mar-
tin-Hoop in Zwickau, des GFE BT Freiberg und des
Zentralinstitutes für Physik der Erde der AdW in Pots-
dam. Die koordinierte Probenahme-Aktion sollte zu-
nächst einen Fundus schaffen für eventuell notwendi-
ge Untersuchungen aller Art in der ferneren Perspek-
tive, sollte aber auch die damals aktuellen Untersu-
chungsmöglichkeiten der Mikropaläobotanik, der Koh-
lenpetrographie, der Makropaläobotanik und der Li-
thologie berücksichtigen.
Gleichlaufend war eine sporenpaläontologische Bear-
beitung des Zwickauer Profils als Grundlage für die
Klärung der stratigraphischen Verhältnisse zu begin-
nen und weiter eine Übersicht über die noch vorhan-
denen Proben- und Dokumentenbestände an den ver-
schiedenen Standorten zu erarbeiten, was auch ge-
schah. Dagegen stellte sich schon gegen Ende der
ersten Arbeitsetappe heraus, dass die sporenpaläon-
tologische Bearbeitung trotz wesentlich gekürzten
Umfangs viel länger dauern würde, als ursprünglich
geplant. So mussten schon aus diesem Grund die
Nachfolgearbeiten weit in die Zukunft geschoben
werden.
Im Weiteren werden einige Bemerkungen zur Entste-
hung der im Anhang dokumentierten Profile der Flöz-
probensammlung gemacht: Die Probenahme erfolgte
grundsätzlich freiwillig und unentgeltlich an Wochen-
enden. Außer den Autoren waren daran beteiligt E.-A.
KOCH, H.-J. PAECH, K. RUDOLPH, M. PLOBNER, W. KITT-
LER
, W. STACKEBRANDT, B. RUGENSTEIN, H. FRÖHLICH,
M. MENNING, J. SCHNEIDER, W. ALEXOWSKY, P. HOTH
und G. BRAUSE, also Geologen, Bergleute, Mark-
scheider und Praktikanten (Reihung nach Häufigkeit
der Teilnahme). Der erste Probenahme-Einsatz fand
am 24./25.04.1976 statt (Zachkohlenflöz im 5. Re-
vier), der letzte dieser Einsätze erfolgte am
17.06.1978 (Rußkohlenflöz ebenfalls im 5. Revier). In
den 15 beprobten Abbauen wurde stets eine ausrei-
chend mächtige, möglichst durchgehende und hinrei-
chend charakteristische Schiefertonlage graphisch
dokumentiert „Z-Tonstein“ bis „L-Tonstein“ im Profil 2
bis 47 und über diese die einzelnen Flözprofile im je-
weiligen Abbau miteinander korreliert. Der Transport
der rund 1450 horizontierten Proben aus 47 Flözprofi-
len (vorwiegend „Tonstein“, Schluffstein und Steinkoh-
le) erfolgte vom Abbau in den Rucksäcken der Ar-
beitsgemeinschaftsmitglieder. Auf diese Weise liegen
in der Flözproben-Sammlung des Bergbaumuseums
Oelsnitz Proben folgender Flöze als Bearbeitungsre-
serve vor (vgl. Profiltafeln 3-4 bis 3-12 im Anhang):
Elliges Flöz, Oberbank
(Korrelationseinheit 24 c):
8 Flözprofile
Elliges Flöz, Unterbank
(Korrelationseinheit 24 a):
4 Flözprofile
Zachkohlenflöz
(Korrelationseinheit 18):
7 Flözprofile
Schichtenkohlenflöz II
(Korrelationseinheit 15 a):
9 Flözprofile
Rußkohlenflöz I
(Korrelationseinheit 14 e):
6 Flözprofile
Rußkohlenflöz III
(Korrelationseinheit 14 a):
8 Flözprofile.
In dieser Aufstellung enthalten sind die Flözprofile 1-
16, 18-41 und 46-47. Die Profile 17 (Ausbildung sehr
ähnlich den Profilen 14-16 und 18) und 42-45 sind in
der Sammlung nicht vorhanden, weil sie auf dem Weg
von Zwickau ins Zwischenlager im Zentralen Geologi-
schen Probenarchiv (ZGPA) Bernau (Lagerung dort
1976/78 bis 1988) und „zurück“ ins Bergbaumuseum
Oelsnitz (Januar 1989) verschollen sind. An Profil 17
ist in Bernau eine mikropaläontologische Beprobung
durchgeführt worden. Die Dokumentationen zu diesen
Profilen befinden sich in den Akten „Schlussdokumen-
tation Zwickauer Revier“ im Archiv des Sächsischen
Geologischen Dienstes des Landesamts für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie. Nicht mehr möglich war
eine Probenahme einerseits im Scherben-, Lehe- und
Schichtenkohlenflöz I, da im Probenahme-Zeitraum
keine Abbaue mehr existierten, andererseits nicht
mehr in den weit im Westen der Lagerstätte auftre-
tenden Flözen Segen-Gottes, Ludwig und Amandus,
die schon spätestens 1951 bzw. 1970 abgeworfen

46
worden waren.
Abgeschlossen wurde die Probenahme am 3.09.1978
im Tagesaufschluss an der Cainsdorfer Brücke, nach-
dem dieses damals 600 m lange Profil durch E. A.
K
OCH (und H.-J. PAECH) dokumentiert worden war.
Die dort entnommenen 116 Proben sind am
25.10.1989 noch im ehemaligen ZGPA Bernau vor-
handen gewesen. Ihr Verbleib danach ist unbekannt.
Vermutlich sind sie in die Verantwortung der Bundes-
anstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hanno-
ver, Außenstelle Berlin, gefallen. Ihre Zusammenfüh-
rung mit dem Proben-Hauptbestand im Bergbaumu-
seum Oelsnitz wäre sicherlich zweckmäßig, zumal sie
ein Profil vom Unteren Schichtensandstein (Korrelati-
onseinheit 15b) bis in den Bereich des Zwickauer
Hauptkonglomerats (Korrelationseinheit 9) belegen,
der heute nicht mehr in dieser Vollständigkeit aufge-
schlossen ist.
Im Sommer 2003 und 2004 sind auf der Grundlage
der Dokumentation von S
CHNEIDER und ZEIDLER im
Profil an der Cainsdorfer Brücke Nachbeprobungen
durchgeführt worden (Kennzeichnung dieser 2 bis 3
Proben-Sätzen mit „N“ ,z. B. „65 N“). Deren Proben
sind ebenfalls im Bergbaumuseum Oelsnitz und im
Geologischen Dienst in Freiberg eingelagert worden.
Wir geben die unter einigen Mühen geschaffene Flöz-
probensammlung Zwickauer Revier in die Hände un-
serer wissenschaftlichen Nachfolger, um sie im Be-
darfsfall in die Lage zu versetzen, ergänzende oder
auch revidierende Untersuchungen in den höheren
Teilen des Zwickauer Oberkarbon-Profils durchführen
zu können.
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass im
Kernarchiv des Geologischen Dienstes Freiberg 16
Kernkisten der Wismut-Bohrung 3216/89 und Kern-
reste der Wismut-Bohrungen 3215 A/89 und 3213 aus
dem Bereich des Reinsdorfer Schüttungsfächers vor-
handen sind. Sie enthalten lediglich Steinkohlen-
schmitzen.
3.5
Die Grobklastit-Horizonte im Zwickauer
Oberkarbon
(K. H
OTH)
Am Aufbau der flözführenden Schichten des Zwi-
ckauer Oberkarbons sind überwiegend Schiefertone
beteiligt (S
TUTZER 1936: 26-28; DRESSEL et al. 2000:
10). Das hat zu einer Unterbewertung der Grobklasti-
ka geführt (s. Beilage 3-12).
Ein Blick insbesondere auf die Korrelationsprofile 1
und 3 zeigt jedoch, dass auch Sandsteine und Kong-
lomerate in bedeutendem Maße am Aufbau der
Schichtenfolge beteiligt sind, in manchen Revierteilen
überwiegen sie sogar (Anteil 20-40 %, maximal 50
%). Im Reinsdorfer Schüttungsfächer sind sie die
weitaus vorherrschenden Gesteine.
Als „flözfernere Fazies“ galt den Grobklastit-Horizon-
ten natürlich das Interesse der Bergleute kaum. Die
bald tonigen, bald kieseligen, gelegentlich auch kar-
bonatischen, oft Hellglimmer und Kaolin/Feldspat füh-
renden Fein- bis Grobsandsteine wurden daher meist
als mehr oder weniger unregelmäßige Einlagerungen
in der Schichtenfolge angesehen, die auch in den
letzten Jahren des Grubenbetriebes noch in Zwi-
schenmittelkarten mit den übrigen Nebengesteinen
zusammengefasst wurden. Erste die Grobklastite dif-
ferenzierende graphische Darstellungen tauchen in
der Literatur um 1900 in den randlich dargestellten
Schachtprofilen zur Geologischen Specialkarte Secti-
on Zwickau-Werdau (Nr. 111) auf.
Allerdings sind schon früheren Bearbeitern einzelne
offenbar charakteristische Grobklastika aufgefallen.
So erwähnt G
UTBIER (1834: 70) aus dem Bereich
Oberhohndorf einen Sandstein oberhalb des
Lehe-
kohlenflötzes
, der sich sehr dem Konglomerat nähert
und bis fast an die Decke des
Lehekohls
reicht. Es ist
dies die Korrelationseinheit 21, der heutige Überlehe-
Sandstein bzw. das Überlehe-Konglomerat des Mül-
senfeldes. Ihm war weiter der Komplex des Schich-
tensandsteins (Korrelationseinheiten 15 b-d) bekannt,
den er als 20 Ellen-Sandstein im Hangenden des
Rußkohlenflözes (ebenda) oder auch als Sandstein
zwischen Rußkohlenflöz und Schichtenkohlenflöz er-
wähnt (ebenda, S. 75). Außerdem weist er auf einen
fast in Konglomerat übergehenden Sandstein zwi-
schen Zach und Schichten hin (wahrscheinlich Korre-
lationseinheit 17 Unterzachensandstein).
G
EINITZ (1856: 14, 15, 21 und Taf. II-IV) nennt aus
dem Bereich Niedercainsdorf-Schedewitz
graue und
rote Conglomerate im Liegenden des Segen Gottes
Flötzes
(die heutige Korrelationseinheit 7 = Unter-
Segen-Gottes-Konglomerat) bzw. arkoseartige Sand-
steine in dieser Position und ein ähnliches
Conglome-
rat im Grunde der Königin-Marienhütte
, das wohl am
ehesten Korrelationseinheit 9 (= Zwickauer Haupt-
konglomerat) im Profil an der Cainsdorfer Brücke ent-
sprechen dürfte. In dieses Niveau gehören auch sein
konglomeratischer Sandstein unter dem Ludwigflöz
des Segen Gottes-Schachtes und unter der mittleren
Abteilung des tiefen Planitzer Flözes seiner Nomen-
klatur, d. h. dem Ludwigflöz, im Kohlenwerk von Kraft
& Lücke am linken Ufer der Mulde reichlich 100 m
südwestlich der ehemaligen Königin-Marienhütte.
Weiter nennt er mächtige Kohlensandsteine zwischen
tiefem Planitzer Flötz
und
Rußkohlenflötz
, die 10 bis
13 m mächtig sind und auch konglomeratisch werden
können. Es handelt sich um Sandsteine im Bereich
der Korrelationseinheiten 12b-14b. Auch hier erwähnt
er „Conglomeratmassen“.
Grobkörnige arcoseartige
Sandsteine und untergeordnete Conglomeratschich-
ten
kommen seiner Beschreibung nach im Bereich
Oberhohndorf zwischen Schichten- und Zachenflöz
vor (Korrelationseinheit 17). Dieser Befund stimmt mit
G
UTBIERs Beobachtungen überein.

47
Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert sind im
Zuge der Geologischen Landesaufnahme (S
IEGERT
1901) und im Zusammenhang mit der Revierrevision
der Steinkohlenindustrie (A
RNOLD 1900a, b) die
Kenntnisse über die Grobklastika weiter verbessert
worden. So war inzwischen bekannt, dass die Kong-
lomerate in den oberen Niveaus der Zwickauer Stein-
kohlenformation (des Stadtfeldes) seltener sind als in
den unteren und dass auch ihre Mächtigkeit nach un-
ten zunimmt. Weiter beschreiben sowohl S
IEGERT
(1901: 14, 27) als auch ARNOLD (1900b: 23), dass das
Konglomerat unter dem Ludwigflöz (d. h. das Zwi-
ckauer Hauptkonglomerat = Korrelationseinheit 9) ein
über das ganze Revier verbreiteter Horizont ist, in
dem im Tiefbauschacht I und später im Bürgerschacht
II mehr oder weniger frische z. T. granatreiche Granu-
litgerölle beobachtet wurden.
In den folgenden Jahrzehnten hat es keinerlei Kennt-
nisfortschritt bezüglich der Sandstein- und Konglome-
ratverteilung mehr gegeben. Bei D
ABER (1957, Anl. 1)
ist die Geröllführung nicht vollständig erfasst und eine
Korrelierung der Grobklastite nicht erfolgt, weil sie
nicht Ziel der Analyse war. P
IETZSCHs (1962: 227-228)
Ausführungen zu den Grobklastika im Zwickauer
Oberkarbon zeigen deutlich den bis dahin immer noch
unzureichenden Kenntnisstand. So gewinnt man z. B.
den Eindruck, dass die Granulitgerölle in zahlreichen
Konglomeraten der Flöz-Zwischenmittel auftreten,
während sie in Wirklichkeit nur aus dem Zwickauer
Hauptkonglomerat des nördlichen Stadtfeldes be-
schrieben sind.
Die 1983 im Zuge der Restressourcenermittlung auch
im Zwickauer Revier auf 6 Profilen begonnene Korre-
lation der Gesamtschichtenfolge führte schließlich
zum heute vorliegenden Kenntnisstand. Er ist in Beil.
3-12 dargestellt. Es lassen sich rd. 20 Sandstein/
Konglomerathorizonte unterscheiden, die bezüglich
Ausbildung, Mächtigkeit, maximaler Korngröße und
Geröllbestand charakterisiert sind. Die Angaben stüt-
zen sich außer auf die Korrelationsprofile auf die
Schichtenverzeichnisse der Mülsenbohrungen und die
darin enthaltenen Angaben der Kollegen, die die Boh-
rungen dokumentiert haben, sowie auf die Literatur,
soweit darin enthaltene Angaben horizontbezogen zu
interpretieren waren. Außerdem ist die Verbreitung
der Horizonte angegeben und der Bereich, in dem der
Horizont definiert wurde. Die
Bezeichnungen der
Grobklastithorizonte
mussten mit geringen Aus-
nahmen, die sich auf die Hauptverbreitung der jewei-
ligen Einheit beziehen, z. B. Zwickauer Hauptkonglo-
merat oder Mülsenfelder Hauptkonglomerat, auf die
Flöze und auf die Lage zu ihnen bezogen werden. Es
entsteht dadurch eine z. T. etwas ungewöhnliche
Nomenklatur. Begriffe wie Ellen-Konglomerat, Za-
chensandstein, Rußsandstein und Ludwigsandstein
weisen dabei auf enge räumliche Beziehungen zu den
betreffenden Flözen hin, während Überellen-Sand-
stein oder Unter-Segen-Gottes-Konglomerat allein die
Position des Grobklastithorizonts benennen. Die Be-
zeichnung der Einheiten ging wenn möglich vom
Stadtfeld aus.
Während die meisten Grobklastika offenbar braided
river-Bildungen sind, handelt es sich bei einzelnen
von ihnen um Rinnensandsteine. Das gilt z. B. für den
Rußsandstein (Korrelationseinheit 14b), der beson-
ders auf Korrelationsprofil 3 seinen erosiven Charak-
ter zeigt. Bei den Flözaufnahmen im Mülsenfeld konn-
te an seiner Basis eine Erosionsdiskordanz belegt
werden (Flözprofile 35 und 36).
Über
die Zufuhr
des in den Grobklastiten festgeleg-
ten
Materials
herrschen recht unterschiedliche, nur
im Einzelfall gut begründete Vorstellungen. Wenn
P
IETZSCH (1962: 228) für die Konglomerate mit Granu-
litgeröllführung eine Materialzufuhr vom nördlichen
Beckenrand, d. h. vom Granulitgebirge (von Nordos-
ten!) her ableitet, geht er wahrscheinlich nicht fehl, nur
gilt diese Aussage nur für das Zwickauer Hauptkong-
lomerat. Für das phyllitgeröllreiche Grundkonglomerat
des östlich anschließenden Oelsnitzer Reviers rech-
net derselbe Autor (ebenda, S. 235) mit Materialzu-
fuhr von Süden her, während B
LÜHER (1955: 102-104)
für die Sandsteine und Konglomerate zwischen
Grund- und Vertrauenflöz Sedimentzufuhr vom nördli-
chen Beckenrand ableitet.
Um verlässlichere und differenziertere
Aussagen zu
möglichen Liefergebieten und Schüttungsricht-
rungen
treffen zu können, wurde für das Zwickauer
Revier eine Art „paläogeographische Analyse“ für Ein-
zelhorizonte versucht. Erste Voraussetzung dafür ist
bei dem ohnehin schon stark eingeschränkten
Oberkarbonausstrich eine möglichst weite Verbreitung
der Horizonte. Damit scheiden verschiedene Niveaus
von vornherein für eine solche Analyse aus.
Klassische Methoden der Konglomerat- und Geröll-
analyse (Maximalkorngrößenbestimmung, Bestim-
mung der Labil- und Stabilkomponentenanteile etc.)
können nicht angewandt werden, da der Probenfun-
dus und die Datenlage dafür nicht ausreichen. So
blieb nur die Suche nach einer in diesem Falle noch
gängigen Methode. Um vergleichbare Daten für die
verschiedenen Aufschlusspunkte in einem Klastithori-
zont zu erhalten, muss die schlechteste Datenlage als
Bezugsniveau, als kleinster gemeinsamer Nenner,
angesetzt werden.
Im Stadtfeld und im Pöhlauer Feld sind die Schacht-
dokumentationen verschiedenster Steiger (kaum Geo-
logen) aus 120 Jahren Bergbaugeschichte (1839-
1959) die beste - weil einzige zeitgenössische - Quel-
le über die Ansprache der Nebengesteine. Die Berg-
leute haben in ihren Schachtteufjournalen oder in da-
nach gefertigten graphischen Darstellungen Schiefer-
tone, Sandsteine (meist fein- oder mittelkörnig), z. T.
grobkörnige Sandsteine, konglomeratische Sandstei-

image
48
ne und Konglomerate mit wechselnder Genauigkeit
unterschieden. Die Grenzen zwischen den drei letzt-
genannten Typen sind unscharf. So ergab sich nur die
Möglichkeit unter Berücksichtigung der Horizontmäch-
tigkeit in den Korrelationsprofilen eine Anteilsdifferen-
zierung in den drei petrographischen Klassen: 1.
Grobsandsteine + Konglomerate (in Folge vereinfa-
chend als Konglomerate bezeichnet), 2. Sandsteine
und 3. Pelite zu versuchen. Die Horizontmächtigkeit
wurde als Kreisscheibe dargestellt (logarithmischer
Maßstab!), die Klassenanteile als Kreissegmente.
Grobe Punkte kennzeichnen die petrographische
Klasse 1, feine Punkte die Sandsteine, die Pelitanteile
wurden mit waagerechter Strichlierung dargestellt.
Es ergab sich das folgende Bild der Zusammenset-
zung und der Schüttungsrichtungen der Grobklastite
des Zwickauer Oberkarbons (vgl. Abb. 3-4 bis 3-11):
In den
Unteren Schedewitzer Schichten
ist das
Mülsenfelder Hauptkonglomerat
(Korrelationsein-
heit 5) für eine Konglomeratanteil-/Mächtigkeitsanaly-
se einigermaßen geeignet (Abb. 3-4). Im Mülsenfeld
weisen die im Allgemeinen nach Norden steigenden
Grobklastitanteile und auch die Konglomerathäufung
in Richtung NO und NW auf eine Schüttung aus die-
sen Richtungen hin. Die im Mülsenfeld erwähnten
Gneisgerölle sollten jedenfalls nicht aus dem Erzge-
birge stammen. Im Stadtfeld sind die Verhältnisse
mangels ausreichender Tiefenaufschlüsse unklar.
Sowohl Schüttung aus nördlicher als auch aus südli-
cher Richtung ist denkbar.
Sollte die von B
ERGER im Bereich des Vielauer Wal-
des postulierte SO-NW verlaufende prä-permokar-
bone „Vielauer Rinne“: (Kb) Vio 2071/70 - (Kb) Zw
2110/70 - (Kb) Zw 2074/70 auch einen oberkarbonen
Füllungsanteil enthalten, so kämen dafür in der Boh-
rung 2110 nur das rund 45 m mächtige graugrüne,
selten schwärzlichgraue Mittel- bis Grobkonglomerat
an der Basis der klastischen Folge infrage. Nach Po-
sition, Mächtigkeit und Geröllgrößen entspräche es
am ehesten dem Mülsenfelder Hauptkonglomerat
(Korrelationseinheit 5). Diese Einstufung würde mit
der hohen Mächtigkeit des Konglomerates im Schacht
Martin Hoop VIII (rund 30 m) korrespondieren. Süd-
westlich davon wäre der Grobklastit-Anteil mit rund 90
% noch deutlich höher. Das belegte für das südliche
Stadtfeld Klastitzufuhr aus südlicher Richtung.
Abb. 3-4:
Mülsenfelder Hauptkonglomerat
(Korrelationseinheit 5)
Zusammensetzung und abgeleite-
te Schüttungsrichtungen
Von den
Grobklastiten der Oberen Schedewitzer
Schichten
wurden nach der Verbreitung die Korrela-
tionseinheiten 9 und 11c für die Konglomeratanteil-/
Mächtigkeitsanalyse ausgewählt.
Das
Zwickauer Hauptkonglomerat
(9), der bisher
am besten bekannte Grobklastithorizont des Zwi-
ckauer Oberkarbons, zeigt in Abb. 3-5 im Mülsenfeld
bei wechselnden Mächtigkeiten deutliche Grobklastit-
vormacht im NO und zugleich Zunahme des Konglo-
meratanteils in dieser Richtung, was auf die Zufuhr
des Materials aus Nordosten weist. Im Stadtfeld sind
die Verhältnisse weniger eindeutig. Im Bereich des

image
image
49
nördlichen Stadtfeldes (Gebiet um die Schächte Bür-
ger I und II, Vertrauen, Tiefbauschächte, Brückenberg
III und II) und im westlichen Pöhlauer Feld (Gebiet um
Schacht Morgenstern III) lassen die Grobklastit- und
Konglomeratanteile eine Zufuhr aus NO zu; das Er-
gebnis vom Brückenbergschacht I stützt diese Aussa-
ge allerdings nicht. Immerhin ist möglich, dass das
Schachtprofil durch den Brückenbergsprung stärker
gestört ist als bisher bekannt. Für das südliche Stadt-
feld ist zusätzlich eine Zufuhr aus dem Gebiet des
„Reinsdorfer Schüttungsfächers“ anzunehmen.
Abb. 3-5:
Zwickauer Hauptkonglomerat
(Korrelationseinheit 9)
Zusammensetzung und abgeleite-
te Schüttungsrichtungen
Abb. 3-6:
Unteramandus-Sandstein
(Korrelationseinheit 11c)
Zusammensetzung und abgeleite-
te Schüttungsrichtungen, Recht-
ecke entsprechen Profilen ohne
entsprechende Grobklastite in
diesem Niveau
Die Granulitgerölle sind bisher nur aus dem nördli-
chen Stadtfeld bekannt. Eine Herleitung aus dem
Granulitgebirge liegt nahe.
Beim
Unteramandus-Sandstein
(11c) ist die später
weit verbreitete Pelitfazies im Pöhlauer Feld schon
schwach zu erkennen; im Mülsenfeld häufen sich die
Konglomerate im Süden und die Mächtigkeit nimmt
unstetig nach NO ab (Abb. 3-6), was für Schüttung
aus südlicher Richtung spricht. Im nördlichen Stadt-
feld ist der Konglomeratanteil hoch und im NW die
Mächtigkeit der Grobklastite extrem. Beides spricht für
Zufuhr aus nördlichen Richtungen. Für den Südosten
des Stadtfeldes kann eine Schüttung aus dem Gebiet
des „Reinsdorfer Schüttungsfächers“ nicht sicher aus-
geschlossen werden.
Für die
Grobklastite in den Marienthal-Pöhlauer

image
image
50
Schichten
sind die Aussagemöglichkeiten ebenfalls
gut. Auf Grund ihrer weiten Verbreitung wurden die
Korrelationseinheiten 12b, 13b, 13d und 15b für die
Konglomeratanteil-/Mächtigkeitsanalyse ausgewählt.
Für Korrelationseinheit 12b
(Amandus-Sandstein)
zeigt Abb. 3-7 zwei durch die Pelitfazies im Pöhlauer
Feld deutlich getrennte Grobklastitverbreitungsgebie-
te. Im Stadtfeld stoßen mächtige sandige Schüttun-
gen von Norden her gegen die Kohlenmoorfazies im
Süden vor. Geringe Schüttungen sind auch von SO
möglich. Im Mülsenfeld weisen die im Süden höheren
Konglomeratanteile auf Zufuhr aus südlicher Richtung
hin.
Die Verhältnisse im
Planitz-Sandstein
(13b) sind
demgegenüber einheitlicher. Bei relativ ausgegliche-
nen Mächtigkeitsverhältnissen im Stadtfeld und deut-
licher Mächtigkeitsabnahme in Richtung Süden im
Mülsenfeld sowie Häufung der Konglomeratführung in
den nördlichen Revierteilen liegt eine Zufuhr aus
nördlichen Richtungen nahe (vgl. Abb. 3-8). Damit
war das Sedimentationsregime der Unteren Schede-
witzer Schichten kurzzeitig wiederhergestellt. Die im
Mülsenfeld als Gerölle auftretenden Glimmerschiefer
stammen damit aus dem Schiefermantel des Granu-
litgebirges. Außerdem sollten nordöstlich des Mülsen-
feldes silurische(?) Alaunschiefer der Abtragung zu-
gänglich gewesen sein.
Abb. 3-7:
Amandus-Sandstein
(Korrelationseinheit 12c)
Zusammensetzung und abgelei-
tete Schüttungsrichtungen,
Rechtecke entsprechen Profilen
ohne entsprechende Grobklasti-
te in diesem Niveau
Abb. 3-8:
Planitz-Sandstein
(Korrelationseinheit 13b)
Zusammensetzung und abgelei-
tete Schüttungsrichtungen,
Rechtecke entsprechen Profilen
ohne entsprechende Grobklasti-
te in diesem Niveau

image
image
51
Abb. 3-9:
Ruß-Liegendsandstein
(Korrelationseinheit 13d)
Zusammensetzung und abgelei-
tete Schüttungsrichtungen,
Rechtecke entsprechen Profilen
ohne entsprechende Grobklasti-
te in diesem Niveau
Beim
Rußliegendsandstein
(13d) sind die Verhält-
nisse komplizierter (vgl. Abb. 3-9). Im Mülsenfeld
nimmt der Konglomeratanteil von Süden nach Norden
ab, was für Schüttung aus südlicher Richtung spricht.
Auch im Pöhlauer Feld und im südöstlichen Stadtfeld
zeigt sich diese Tendenz. Im nördlichen Stadtfeld
sprechen der hohe Sandsteinanteil und eine gewisse
Konglomeratführung in diesem Raum für eine Schüt-
tung aus nördlicher Richtung.
Abbildung 3-10 zeigt für den
Unteren Schichten-
sandstein
(15b) eine starke Sandsteinkonzentration
und hohe Mächtigkeiten im mittleren Stadtfeld, wobei
Konglomerate in seinem südöstlichen Teil auftreten.
Das spricht für Schüttung aus südöstlicher Richtung
aus dem Kern des „Reinsdorfer Schüttungsfächers“.
Im Mülsenfeld nimmt der Konglomeratanteil nach NO
ab und der Pelitanteil zu (im Bereich der Bohrung Mül
16 ist die Korrelation unsicher). Auch im Mülsenfeld
ist eine Schüttung aus dem Kern des „Reinsdorfer
Schüttungsfächers“ wahrscheinlich.
Zur Zeit der Korrelationseinheiten 14 bis 16, d. h.
während des Optimums der Pelitsedimentation, des
Maximums der Kalkstein- und Dolomitverbreitung, der
weitesten Kohlenmoorausdehnung und des höchsten
Wasserstandes, wurde die Zwickauer Senke direkt
nach NW entwässert. Zu den meisten anderen Zeiten,
zwischen Mülsenfelder Hauptkonglomerat und den
Grobklastika der Oberhohndorfer Schichten war das
oft nur auf Umwegen möglich.
Abb. 3-10:
Unterer Schichtensandstein
(Korrelationseinheit 15b)
Zusammensetzung und abgeleitete
Schüttungsrichtungen, Rechtecke ent-
sprechen Profilen ohne entsprechende
Grobklastite in diesem Niveau

image
52
Abb. 3-11:
Überzachen-Sandstein
(Korrelationseinheit 19)
Zusammensetzung und abgeleitete
Schüttungsrichtungen, Rechtecke ent-
sprechen Profilen ohne entsprechende
Grobklastite in diesem Niveau
Da die
Grobklastithorizonte der Oberhohndorfer
Schichten
meist nur noch als gering verbreitete Ero-
sionsreste im Mülsenfeld vorliegen, kommt nur der
Überzachen-Sandstein (Korrelationseinheit 19) für ei-
ne Konglomeratanteil-/Mächtigkeitsanalyse in Frage.
Zu den „hangenden Schichten“ der höheren Flöze
sind lediglich über die Angaben S
IEGERTs (1901: 46,
48, 49) in Verbindung mit den Korrelationsprofilen 2
und 3 grobe Vorstellungen möglich (vgl. Kap. 3.2).
Für den
Überzachen-Sandstein
(19) ergibt Abb. 3-11
eine Häufung der Sandsteine und Konglomerate im
westlichen Mülsenfeld (Transport aus (?)nördlichen
Richtungen), während in den zentraleren Teilen des
Reviers Pelite eine bedeutende Rolle spielen. Hoher
Sandsteinanteil und große Mächtigkeit im Schacht
S
AFERTs Erben legen für den SW-Teil des Reviers ei-
nen Klastitstrom von SW nahe. Das wäre in Überein-
stimmung mit S
IEGERT (1901: 48) auch für Korrelati-
onseinheit 21 zu erwägen.
Im Niveau des Überscherben-Sandsteins (23) und
des Ellen-Konglomerats (24b) des Mülsenfeldes fin-
den sich im Raum Oberhohndorf lediglich Pelite, wäh-
rend im Mülsenfeld auch Konglomerate vorhanden
sind. Das trifft auch für das Überlehe-Konglomerat
(21) zu, wobei dort im Osten des Stadtfeldes (Mor-
genstern II) schon schwache Konglomeratbänke auf-
treten (S
IEGERT 1901: 48). Das spricht mindestens für
den Zentral- und Ostteil des Reviers für eine Schüt-
tung aus nordöstlicher Richtung. Diese Aussage
könnte u. U. verifiziert werden, wenn ausreichend
aussagekräftige Profile der alten Oberhohndorfer
Schächte aufgefunden werden könnten.
Die „paläogeographische Analyse“ zusammenfassend
lässt sich feststellen, dass die Zufuhr des Klastitmate-
rials in wechselndem Umfang sowohl vom nördlichen
als auch vom südlichen Beckenrand erfolgte. Schüt-
tungen aus nördlichen Richtungen sind vor allem für
die Zeiten der Korrelationseinheiten 5, 9, (11c), 13b,
(19) und (21)-24 anzusetzen, wogegen während der
Korrelationseinheiten 11c, 12b, 13d und 15b Zufuhr
aus dem Erzgebirgsraum vorherrschte. Damit sind die
Marienthal-Pöhlauer Schichten eine Zeit verstärkter
Sedimentzufuhr von Süden her, der Reinsdorfer
Schüttungsfächer hat in dieser Zeit die Konfiguration
der Kohlenmoore weitgehend bestimmt. Die konglo-
meratreicheren Schedewitzer und Oberhohndorfer
Schichten waren Zeiten starker Klastitzufuhr vom
nördlichen Beckenrand.
Die spezielleren Verhältnisse im Reinsdorfer Schüt-
tungsfächer können wegen der zu wenig differenzier-
ten Dokumentationen in den Bohrungen Stk Zw-L
1/1861“, (Kb) 3213/89, 3215A/89 und 3216/89 nicht
geklärt werden.
3.6
Das „Kümmelgebirge“ und Relikte des äl-
testen Bodens von Sachsen an der Basis
des Oberkarbons
(M.
STÖRR, K. HOTH)
Die an der Basis des Zwickauer Oberkarbons auf Re-
likten des ältesten Bodens Sachsens liegende al-
lochthone Verwitterungsdecke wird in der Literatur
und in Aufschlussdokumentationen mit den verschie-
densten Begriffen bezeichnet: Brekziöser Verwitte-
rungs- bzw. Phyllitschutt, Schutt- oder Phyllitbrekzie,
Verwitterungsbrekzie oder brekziöses Fanglomerat
sind einige dieser Begriffe. S
TUTZER (1934b: 579) hat
diese Verwitterungskruste entsprechend bergmänni-
schem Gebrauch im benachbarten Oelsnitzer Stein-
kohlenrevier „Kümmelgebirge“ genannt. Aus den Be-
schreibungen des „Kümmelgebirges“ in rd. 15 Boh-
rungen des Mülsenfeldes (B
LÜHER et al.) geht hervor,
dass 2 Varietäten dieses Verwitterungsgesteins un-
terschieden werden können:

image
53
Das typische „Kümmelgebirge“
ist petrographisch eine
tonige Feinbrekzie,
(genetisch eine feinbrekziöse
Schlammbildung), die in einer tonigen, gelegentlich
„talkigen“, selten feinsandigen bräunlichgrauen bis
dunkelgrauen Matrix wechselnd zahlreiche reis- bis
erbsenkorngroße (5-8 mm), eckige bis kantengerun-
dete Bröckchen von oft zersetztem grünlichem, bräun-
lichgrauem oder hellgrauem, z. T. aber auch rotbrau-
nem oder violettem Phyllit enthält. Das Gestein hat
dadurch teilweise ein charakteristisch grünscheckiges
Aussehen. Weniger häufige Milchquarzbröckchen
sind ein weiterer Bestandteil. Die allgemeine Bröck-
chengröße nimmt gewöhnlich nach der Teufe zu,
übersteigt aber kaum 10 mm. Die Mächtigkeit dieser
„Kümmelgebirgs“-Varietät liegt zwischen 0,25 und 2
m. Gelegentlich sind offenbar sandige Schiefertonla-
gen diesen tonigen Brekzien eingelagert.
Zur Teufe hin geht die tonige Brekzie in das grobe
„Kümmelgebirge“, eine phyllitreiche Grobbrekzie (ge-
netisch ein grobbrekziöser Gehängeschutt) über, de-
ren Phyllit- und weniger Milch- und Fettquarzbrocken
Größen zwischen 1 und 6, max. 10 cm erreichen. Die
eckigen bis kaum gerundeten, oft auch flachen Bro-
cken haben häufig regellose Lagerung. Auch hier sind
die Phyllitbrocken oft gebleicht und verwittert, so dass
bräunlichgraue, gelblichgrüne und grünlichgraue
Farbtöne vorherrschen. Graugrüne Phyllitbrocken
sind frischer. Rotbraune Varietäten gehen z. T. mit
Quarzreichtum einher. Die Matrix dieser Schutte ist oft
tonig-schluffig, teilweise tritt grießig-grusiges Phyllit-
zerreibsel auf, z. T. sind sehr hohe Sphärosideritge-
halte charakteristisch. Hellbräunliche bis schmutzig-
braune und dunkel- bis schwarzgraue Färbung wird
angegeben, gelegentlich auch eine schwache Pyrit-
führung oder das Auftreten feinsandiger Schieferton-
Linsen. Die Mächtigkeit dieser Paläo-Gehängeschutte
liegt zwischen 1,6 und 7,6 m, nahe der Erosionsgren-
ze deutlich darunter. Die Angabe von mehr als 16 m
„Phyllitbrekzie“ in Bohrung Alberthöhe 1/48 ist sicher-
lich eine Fehlinterpretation von Kernschlag und Bohr-
klein. In Bohrung Mül 20/59 sollen diese Schutte in
den Untergrund eingreifen. Verbreitung und Mächtig-
keit beider „Kümmelgebirgs“-Typen zeigt Abb. 3-12
.
Mitte der siebziger Jahre waren das „Kümmelgebirge“
und sein Liegendes im Bereich ostsüdöstlich des
Schachtes Martin Hoop IX (im Querschlag 404, vgl.
Abb. 3-12) unterhalb der Unteren Schedewitzer
Schichten noch aufgeschlossen und es konnte das
folgende Profil aufgenommen werden (L
UCKERT 1977,
STÖRR 1983):
5. >2 m Silt- und Tonsteine, mittel- bis dunkelgrau;
Untere Schedewitzer Schichten (CwC?-CwD)
4. 0,1-0,9 m Brekzie („Kümmelgebirge“; intrakarbo-
nisch
3. 2-3 m Phyllit, mürbe, blassgrau gebleicht
2. max. 10 m Phyllit, mürbe, rötlich bis rot, verwittert
1. >10 m Phyllit, grünlichgrau, wenig verwittert, fest,
Ordovizium, (?) mittelpaläozoisch, metamorph.
Abb. 3-12: Verbreitung des „Kümmelgebirges“ im Mülsenfeld

54
Tab. 3-2: Chemische Zusammensetzung (Masse-%) eines Verwitterungsprofils und der oberkarbonischen
Deckschichten von Zwickau (Bereich Martin Hoop-Schacht IX)
Phyllit
grünlich
(Z1)
Phyllit
rot
(Z 2)
Phyllit
gebleicht
(Z 4)
Phyllit
gebleicht
(Z 9)
Brekzie
(Kümmelge-
birge (Z 15)
Siltstein
(Z 9c)
Fe
2
O
3
4,98 5,93 6,20 4,47 14,01 6,65
TiO
2
0,32 0,43 0,40 0,36 3,90 1,20
CaO 0,27 0,13 0,26 0,16 0,32 0,14
MgO 1,44 0,46 0,68 0,51 0,95 1,39
K
2
O 3,26 3,98 5,32 4,67 3,34 2,65
Na
2
O 0,58 0,96 1,14 0,82 0,71 0,30
Dto., Spurenelementgehalte (mg/kg)
V 100 90 100 110 140 180
Mo <2 <2 <2 <2 <2 10
Ni 37 20 20 24 140 330
Co 7 15 20 7 40 >100
Sr 90 100 120 950 100 140
Mn 480 250 900 450 2300 750
Cu 80 130 >200 85 70 >200
Ba 300 550 650 650 550 700
B <90 <90 <90 <90 <90 <90
Be 4 3 <3 <3 <3 6
Zr 180 180 140 110 320 190
Pb <50 <50 <50 <50 <20 <50
Dabei stellen die Einheiten 3 und 2 Relikte einer „prä-
kümmelgebirgischen“ Verwitterungskruste dar.
Der grünlichgraue weitgehend unverwitterte Phyllit
(Probe Z 1 in Tab. 3-2) enthält den für die erzgebirgi-
schen, besonders ordovizischen Phyllite typischen
Mineralbestand: vorwiegend Hellglimmer (Muskowit),
eisenhaltigen Chlorit, Quarz, untergeordnet Feldspat
und manchmal wenig Kaolinit.
Das unmittelbare Liegende des „Kümmelgebirges“
wird von verwitterten, mürben, vorwiegend roten (Pro-
be Z 2) und im obersten Teil gebleichten (Proben Z 4
und Z 9) Phylliten gebildet. Diese im Aufschluss ca.
12 m mächtige Verwitterungskruste ist dadurch cha-
rakterisiert, dass die instabilen Phasen Chlorit und
Feldspat weitgehend zu Kaolinit als Verwitterungs-
neubildung umgewandelt wurden, wie es für intensive
chemische Verwitterung charakteristisch ist. Die ver-
witterungsresistenten Hellglimmer und der Quarz sind
in den Proben als Verwitterungsreste erhalten geblie-
ben. Das bei der Verwitterung aus den abgebauten
Mineralen freiwerdende Eisen wurde vornehmlich als
Hämatit fixiert und bedingt die Rotfärbung der Verwit-
terungskruste, hierbei ist bei den untersuchten Proben
nur eine schwache Anreicherung des Fe
2
O
3
-Gehalts
von ca. 5 auf ca. 6 % merklich (Tab. 3-2). Diese kaoli-
nitische Verwitterung ohne Eisenabfuhr ist charakte-
ristisch für die unteren Teile von Lateritprofilen, wie
sie von H
ARRASSOWITZ (1926) als siallitische Verwitte-
rung beschrieben wurde und wie sie für warm-feuchte
Gebiete typisch ist. Eine stärkere Desilifizierung und
Bildung von Aluminium-Oxid-Hydraten als Ausdruck
einer allitischen Verwitterung ist offenbar nicht erfolgt,
auch weil in den Abtragungsprodukten der Verwitte-
rungskruste Al-Minerale nicht festgestellt wurden,
während Kaolinit weit verbreitet ist. Mangels chemi-
scher Vollanalysen lässt sich der Grad der Desilifizie-
rung nicht berechnen.
Die gebleichten obersten 2 bis 3 m des Verwitte-
rungsprofils sind hell- bis dunkelgrau. Stellenweise
sind konkretionäre Sideritausscheidungen vorwiegend
in den Korngrößen von einigen Zehntelmillimetern bis
einigen Millimetern vorhanden, wodurch der relativ
hohe Eisengehalt in Probe Z 4 bedingt ist. Auffällig ist
eine deutlich erhöhte Strontiumführung im höheren
Teil dieser gebleichten Phyllite (Probe Z 5). Die Blei-
chung in diesen obersten 2-3 Metern der Verwitte-
rungskruste könnte in Zusammenhang mit den vaga-
bundierenden sauren oberkarbonischen Moorwässern
stehen, die zur Mobilisierung des Eisens aus den
obersten Bereichen der Verwitterungskruste führten.
Dieses Eisen wurde dann sowohl in den mürben Phyl-
liten selbst als auch in der Brekzie als Siderit ausge-
fällt und als braune Körner im „Kümmelgebirge“ ein-
gelagert.
Die auf den verwitterten Phylliten aufliegenden karbo-
nischen Sedimente, sowohl die Brekzie (4., s. o.) als
auch die Ton- und Siltsteine (5., s. o.), enthalten
wechselnde Anteile Kaolinit und Chlorit neben Hell-
glimmer und Quarz. In den Brekzien treten, wie be-
reits erwähnt, grünliche und unverwitterte neben rötli-

 
55
chen oder gebleichten kaolinisierten Phyllitbrocken
auf. Es sind also sowohl kaolinisierte, als auch nicht
kaolinisierte Bereiche im Einzugsgebiet des oberkar-
bonischen Sedimentationsraumes erodiert und umge-
lagert worden. Dies bedeutet, dass die lateritisch-
kaolinitische Verwitterung vor der Ablagerung der
Brekzie stattgefunden hat und wahrscheinlich einen
verhältnismäßig langen Zeitraum dokumentiert.
Bemerkenswert in der Brekzie sind der hohe Fe
2
O
3
-
und TiO
2
-Gehalt sowie die deutlich erhöhten Werte für
Mn und Zr.
3.7 Pelitische Gesteine
3.7.1
Schiefertone und Schieferschluffe
(K.
HOTH, M. STÖRR)
0bwohl pelitische Gesteine wesentlichen Anteil am
Aufbau des Zwickauer Oberkarbonprofils haben, sie
sind mit 35-60 %, max. 70 % am Aufbau der Einzel-
profile beteiligt, sind sie im Lauf der Erkundungs- und
Abbaugeschichte nicht speziell untersucht worden.
Daher ging der Kenntnisstand bisher kaum über den
um die Wende des 19./20. Jahrhunderts erreichten
Fortschritt (S
IEGERT 1901: 12/13) hinaus. Auch die
Bohrungsdokumentationen der fünfziger Jahre im
Mülsenfeld brachten diesbezüglich keine wesentliche
Änderung, da notgedrungen zu viele Bearbeiter un-
terschiedlicher Professionalität eingesetzt werden
mussten. Bei der Nachaufnahme der reduzierten
Kernbestände der Mülsengrundbohrungen 3, 4, 7, 8,
11, 18, 19, 20 und Heinrichsort 1 in den siebziger Jah-
ren ist versucht worden, diesen Mangel ein wenig
auszugleichen. Daraus resultierte eine Pelit-„Klassifi-
kation“, die es erlaubte, auch die Dokumentationsan-
sprachen der Altvorderen einzubeziehen und auf den
Korrelationsprofilen vereinheitlicht darzustellen. Einige
röntgenographische Untersuchungen (M.
STÖRR, Tab.
3-3) an Probematerial aus nachdokumentierten Boh-
rungen sind erst in jüngster Zeit durchgeführt worden.
Die in Rede stehenden Pelite enthalten wechselnde
Anteile von Kaolinit und Chlorit neben Quarz und Hell-
glimmer. Die Feldspatgehalte liegen generell zwi-
schen 3 und 10 %, durchschnittlich 5,5 und 6,5 %,
während die Sideritführung erheblichen Schwankun-
gen unterliegt. Hinzu kommen gelegentlich noch Kar-
bonate, die Kalzit und Dolomit als Zementmaterial
umfassen.
Diese diagenetisch verfestigten Ton- und Schluff-
gesteine, die nicht geschiefert sind, spalten gelegent-
lich nach der Schichtungsebene, quellen unter dem
Einfluss der Atmosphärilien und zerfallen zu blättri-
gem Grus. - Innerhalb der pelitischen Gesteinsgruppe
lassen sich die eigentlichen Schiefertone (besser Ton-
steine) und die Schieferschluffe (besser Grobschluff-
oder Siltsteine) unterscheiden. Letztere sind deutlich
häufiger als die Schiefertone. Wenngleich Übergänge
zwischen Schiefertonen und -schluffen häufig auftre-
ten, gibt es andererseits auch typische Wechsellage-
rungsverbände zwischen ihnen (vgl. Korrelationsprofi-
le 2 und 3).
Tab. 3-3: Mineralbestand (röntgenographisch ermittelt) einiger pelitischer Gesteinsproben aus Bohrungen des
Zwickauer Oberkarbons (Mülsenfeld)
Brg. Teufe Gestein Quarz Feldsp. Glim. Chlor. Kaol. Calz. Dol. Sid. Unbe-
kannt
20/59 1003,85 Tonst. siltig 20 3 12 15 36 - - 14
20/59 1067,2 Tonst. (siltig) 18 8 12 39 9 - - 16
20/59 1112,65 Tonst. siltig 15 9 14 42 8 - - 9 +?
20/59 1150,0 Tonst. siltig 26 3 10 - 7 - - 54
20/59 1191,55 Tonst. siltig 19 9 10 16 8 - - 38
8/55
964,35 Tonst. (siltig), rötl.
29
5
28
26
12
-
-
-
Arithmetisches Mittel
21,2 6,2 14,3 23,0 13,3
21,8
20/59 975,95 Siltst. tonig 25 3 10 - 18 9 - 35
20/59 1024,7 Tonst. siltig 21 4 16 15 21 1 2 16 +?
20/59 1039,0 Tonst. siltig 34 4 23 22 6 2 - 9
19/58
1090,0
Siltst. tonig (fs)
41
11
27
-
21
-
-
-
Arithmetisches Mittel
30,3 5,5 19,0 9,3 16,5 3,0 0.5 15,0
20/59 969,7 Siltst. feinsandig 31 2 16 - 25 - - 26
8/55
1063,2
Siltst. feinsandig
18
6
26
12
22
-
-
16
8/55
1065,65 dto., rötl. braun
29
6
21
19
22
-
-
3
(+)
8/55
1074,2
Siltst. feinsandig
13
12
24
12
28
-
-
-
+
Arithmetisches Mittel
22,8 6,5 21,8 10,8 24,3
11,3

56
Die oft mehr oder weniger siltigen
Schiefertone
(silti-
gen Tonsteine) mit Siltgehalten von 15-25 % sind vor-
herrschend dunkelgraue bis z. T. mittelgraue, weniger
grünlichgraue oder selten bräunlichgraue Gesteine
mit überwiegend ebenem, weniger schwachwelligem
Schichtungsgefüge (oft Mikroschichtung). Auch ho-
mogene Bereiche kommen vor. Linsig-flasrige Schich-
tungsbilder sind selten. Gelegentlich sind die ss-
Gefüge durch Wurzelböden oder selten auch Grab-
gänge zerstört. Die Schiefertone führen z. T. Kohle-
schmitzen, -streifen und -schlieren, gelegentlich auch
Tongallen oder gekröseartige Siltlagen. Pyrit ist sel-
ten. Sideritführung in Form von Körnern, Schlieren
und Konkretionen ist verbreitet, mehrfach tritt auch
Sphärosiderit auf. Verteilungs-Gesetzmäßigkeiten wie
sie diesbezüglich B
LÜHER (1954: 839 f.) angibt, sind
nicht zu erkennen. Sphärosideritschiefer sind zumin-
dest in den Unteren und Oberen Schedewitzer
Schichten verbreitet, also im Bereich der Korrelati-
onseinheiten 3 bis 11.
Demgegenüber sind die
tonigen Schieferschluffe
(tonige Siltsteinen) dunkel- bis mittelgraue, z. T. grün-
graue Gesteine, deren Siltgehalte schätzungsweise
zwischen 60 und 75 % liegen. Bei stark tonigen Typen
übersteigen die Tongehalte 30 %. In den tiefen Profil-
teilen treten im Mülsenfeld auch bräunliche und rot-
braune Varietäten auf (vgl. Korrelationsprofil 3). Welli-
ge Schichtungsgefüge sind häufiger als ebene. Linsig-
flasrige Schichtungsbilder sind weniger selten als bei
den Schiefertonen. Auch diese Gesteine führen z. T.
Kohleschlieren oder -butzen, gelegentlich treten klei-
ne Quarzgeröllchen oder einzelne Zeilen eckiger
Quarzkörner auf. Siderit findet sich etwas weniger
häufig als bei den Schiefertonen; er tritt in Form von
Körnern, Schlieren, Konkretionen und Knollen, aber
auch lagen- oder bankweise als Toneisen- oder Koh-
leneisenstein auf, manchmal auch in Verknüpfung mit
Karbonaten. Nach röntgenographischer Analyse lie-
gen der Quarz-, Glimmer- und Kaolingehalt höher als
bei den Schiefertonen, der Chloritgehalt ist deutlich
geringer, hier ist auch eine gewisse Kalzit- und Dolo-
mitführung hervorzuheben.
Den Übergang zu den Psammiten vermitteln
fein-
sandige Schieferschluffe
(feinsandige Siltsteine),
deren Feinsandgehalte 15-30 %, maximal 40 % errei-
chen. Die Gesteine sind vorherrschend mittelgrau,
z. T. grüngrau oder auch dunkelgrau. Bräunlichgraue
und rötliche Typen finden sich in gleicher Verbreitung
wie bei den tonigen Schieferschluffen. Wellige und
linsig-flasrige Schichtungstypen herrschen vor, ebene
Schichtung tritt zurück. Wurzelböden zerstören gele-
gentlich die ss-Gefüge. Kohlige Schmitzen sind selte-
ner, dafür Tonschmitzen häufiger. Gelegentlich wurde
schwache Kalzitführung beobachtet (die röntge-
nographisch untersuchten Proben sind dolomit- und
kalzitfrei), sehr vereinzelt treten auch kleine Gipsnes-
ter auf. Hellglimmerführung ist häufiger als bei den to-
nigen Schieferschluffen. Zuweilen lassen sich kleine
Geröllchen von Quarz, Kieselschiefer, Phyllit oder
Sandstein beobachten. Auch Zeilen eckiger Quarz-
körner kommen vor. Selten treten auch Grobsand-
stein-Linsen oder konglomeratische Schlieren auf. Die
Sideritführung beschränkt sich gewöhnlich auf Siderit-
körnchen oder -schlieren und ist relativ gering. - Die
röntgenographische Analyse bestätigt die Aussagen
für Hellglimmer und Siderit und weist einen erhöhten
Kaolinitgehalt nach. Merkwürdig sind die geringen
Quarzgehalte der 4 Proben (Tab. 3-3, unten).
Zusammenfassend ist bezüglich des Sedimentati-
onsmilieus festzustellen, dass während der gesamten
Sedimentationszeit stärkeres und weniger stark lateri-
tisch-kaolinitisch verwittertes Material erodiert und in
das Sedimentationsbecken transportiert wurde.
3.7.2
Kohlentonsteine
(J. L
UCKERT und H.-J. BAUTSCH †
)
Kohlentonsteine sind in Kohlenrevieren der Erde weit
verbreitet (B
URGER 1985). Auf Grund ihrer praktischen
Bedeutung für die Parallelisierung der Kohlenflöze
und den Abbau der Kohlenlagerstätten (B
URGER
1982, 1992) waren sie seit mehreren Jahrzehnten
Gegenstand intensiver Untersuchungen. Eine beson-
dere Rolle spielten dabei die Untersuchungen zur Klä-
rung der Herkunft des Sedimentmaterials und der
Genese. Die im umfangreichen Schrifttum oft etwas
einseitig in verschiedenen Richtungen geführten Deu-
tungen (entweder mechanisch-organogen-sedimentär
oder vulkanogen-sedimentär) führten zur allgemeinen
Einsicht, dass Kohlentonsteine in ihrer jetzigen Form
Umwandlungsprodukte eines primären Stoffbestan-
des infolge intensiver chemischer Verwitterung sind.
Dieser Stoffbestand leitet sich zum überwiegenden
Teil aus pyroklastischem Material her. Als Tonsteine