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Maßnahmenplanung EG-WRRL
Kleine Spree - Braunkohlefolgelandschaft

Untersuchung zur Wirksamkeit von belastungsspezifisch abgeleiteten
Maßnahmen auf den Zustand von Gewässern am Beispiel des
Fließgewässer-Wasserkörpers Kleine Spree – erweiterte
Grundlagenermittlung und Alternativenuntersuchung
Auftragnehmer:
FUGRO-HGN GmbH
Bertolt-Brecht-Allee 9
01309 Dresden
Bearbeiter:
Jörg Willecke und Theresa Järschel
2

Inhaltsverzeichnis
1
Veranlassung ............................................................................................................................6
2
Untersuchungsrahmen .............................................................................................................7
2.1
Untersuchungsgebiet................................................................................................................7
2.2
Datengrundlage ........................................................................................................................7
2.3
Vorgehensweise .......................................................................................................................9
3
Rahmensetzung......................................................................................................................12
4
Beschreibung des Gewässerleitbildes....................................................................................13
5
Beschreibung und Bewertung des Ist-Zustands.....................................................................18
5.1
Bewertungsgrundlagen und Rechtliche Rahmenbedingungen ..............................................18
5.2
Geplante Vorhaben im Untersuchungsgebiet.........................................................................19
5.3
Historischen Situation .............................................................................................................19
5.4
Aktuelle Situation ....................................................................................................................26
5.5
Biotoptypenkartierung.............................................................................................................27
5.6
Schutzgebiete .........................................................................................................................27
5.7
Gewässerstruktur....................................................................................................................29
5.8
Boden und Geologie...............................................................................................................29
5.9
Hydrologische / Hydraulische Situation..................................................................................30
5.10
Hydrobiologische Situation .....................................................................................................39
5.11
Hydrochemische Situation......................................................................................................46
6
Defizitanalyse..........................................................................................................................47
6.1
Morphologisches Defizit..........................................................................................................47
6.2
Gefälle und Talform ................................................................................................................48
6.3
Hydrologie/Hydraulik...............................................................................................................48
6.4
Biologie...................................................................................................................................49
6.5
Chemie....................................................................................................................................51
6.6
Übersichtstabelle Defizitanalyse.............................................................................................51
7
Festlegung von Entwicklungszielen........................................................................................55
8
Festlegung von Entwicklungsstrecken ...................................................................................57
8.1
Strahlwirkung und Trittsteine ..................................................................................................57
8.2
Entwicklungsstrecken der Kleinen Spree ...............................................................................58
9
Ableitung von Maßnahmen.....................................................................................................60
9.1
Maßnahmenableitung Teil 1 ...................................................................................................60
9.2
Restriktionen ...........................................................................................................................61
9.3
Maßnahmenplanung Teil 2.....................................................................................................63
9.4
Maßnahmenpriorisierung........................................................................................................64
10
Fazit........................................................................................................................................65
11
Literatur- und Quellenverzeichnis...........................................................................................67
3

Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Lage des Wasserkörpers Kleine Spree im Freistaat Sachsen......................................................7
Abbildung 2: Arbeitsschritte zur naturnahen Entwicklung von Fließgewässern (angelehnt an [1]) .................10
Abbildung 3: Laufform eines sandgeprägten Tieflandflusses [LUA NRW, Merkblatt 34] untersetzt....................
mit einem Ausschnitt aus dem Kartenwerk von 1884 – Kleine Spree bei Lippitsch...................13
Abbildung 4: Beispiel für die Verteilung der Substrate auf der Bachsohle und die Ausbildung der ....................
Querprofile eines sandgeprägten Tieflandflusses [LUA NRW, Merkblatt 17].............................14
Abbildung 5: Zielzustand eines Sand- und Lehmgeprägten Gewässers (Pulsnitz, Quelle: Herbst)................15
Abbildung 6: Kleine Spree bei Lippitsch um 1884............................................................................................20
Abbildung 7: Kleine Spree bei Lippitsch um 1930............................................................................................21
Abbildung 8: Beginnender Tagebau Werminghoff II bei Lohsa 1936 ..............................................................21
Abbildung 9: Silbersee und Speicher Lohsa 1996 ...........................................................................................22
Abbildung 10: Kleine Spree zwischen Lohsa und Weißkollm 1936 und 1997.................................................23
Abbildung 11: Kleine Spree zwischen Tiegling und Burg 1936 und 1997 .......................................................24
Abbildung 12: Kleine Spree zwischen Commerau und Kauppa 1936 und 1997 .............................................25
Abbildung 13: Übersicht zu Speichern und Tagebaurestseen im System Spree/ Kleine Spree......................33
Abbildung 14: Gewässermorphologische Kennlinie Kleine Spree ...................................................................47
Abbildung 15: Ganglinien des Abflusses am Verteilerwehr Spreewiese und unterhalb der Talsperre................
Bautzen an der Spree im Jahr 2009 (Tagesmittelwerte) ..........................................................49
Abbildung 16: Bewertung der biologischen Komponenten für die Kleine Spree..............................................50
Abbildung 17: Strahlwirkungsprinzip [aus DRLP, 2008]...................................................................................57
Abbildung 18: Iterationsschritte zur Festlegung der Entwicklungsstrecken.....................................................58
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Rechtliche Rahmenbedingungen ....................................................................................................18
Tabelle 2: Förder- und Flutungszeiträume der Tagebaue................................................................................22
Tabelle 3: Schutzgebiete im Bereich des Wasserkörpers Kleine Spree..........................................................27
Tabelle 4: Ausuferungsbereiche Kleine Spree bei HQ
100
.................................................................................34
Tabelle 5: Hochwasserschutzdeich an der Kleinen Spree...............................................................................35
Tabelle 6: Nicht durchgängige Querbauwerke an der Kleinen Spree..............................................................36
Tabelle 7: Probenahmestellen für das Makrozoobenthosmonitoring...............................................................40
Tabelle 8: Jahresmittelwerte der Konzentrationen ausgewählter Parameter 2006 bis 2009...........................46
Tabelle 9: Entwicklungsziel Kleine Spree je 100m-Abschnitt...........................................................................56
4

Anlagenverzeichnis
1
Übersichtskarte
Maßstab 1 : 150.000
2
Schutzgebietssituation
Maßstab 1 : 50.000
3
Hauptwerte der Pegel
4
Orientierungswerte für die Flutung der Restseen
5
Hydrologie / Hydraulik Kleine Spree
Maßstab 1: 50.000
6
Makrozoobenthosbeprobung (Dr. Müller, Hydrobiologie Berlin)
7 Wasserkörpersteckbrief
8
Bearbeitungsabschnitte und Entwicklungsstrecken
Maßstab 1: 50.000
9 Defizittabelle
10 Maßnahmenkatalog Phase 1
11
Abschnittsblätter Phase 1
12
Detailpläne für Maßnahmenumsetzung
13
Anmerkungen der LTV zu Maßnahmen
14
Flächennutzung
Maßstab 1: 10.000
15
Eigentümerkategorien
Maßstab 1: 10.000
16 Maßnahmenkatalog Phase 2
17
Abschnittsblätter Phase 2
5

1 Veranlassung
Für die Umsetzung der EG-WRRL im Freistaat Sachsen wurden im vergangenen Jahr sachsenweite
Hintergrunddokumente für die Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme der Flussgebiete Elbe
und Oder erarbeitet. Die im Maßnahmenprogramm festgelegten Maßnahmen zur Verbesserung des
ökologischen Zustandes sollen anhand von Beispielprojekten und mit Hilfe der Hintergrunddokumente
umgesetzt werden. Die Kleine Spree wurde zu diesem Zweck als Beispielgewässer für die Erstellung eines
Konzeptes im Maßstab 1:10.000 ausgewählt. Es befindet sich als Gewässer 1. Ordnung in der
Unterhaltungslast der Landestalsperrenverwaltung Sachsen.
Der Unterlauf der Kleine Spree ist über weite Strecken in seinem Wesen so stark durch den Bergbau
verändert, dass eine Identifizierung als erheblich verändertes Gewässer für diesen Abschnitt zur Diskussion
gelegt werden muss. Betrachtet man den gesamten Wasserkörper der Kleinen Spree, so ist der
Wasserkörper in der Bestandserfassung 2005 als natürlicher Wasserkörper eingeordnet, da der Oberlauf
weniger schweren morphologischen Veränderungen unterliegt.
Der Braunkohlentagebau beeinflusst das Wasserregime in der Region. Die Belastung wirkst sich auf die
Gewässermorphologie z.B. durch Verlegungsmaßnahmen, die Hydrochemie und den Grund-
/Wasserhaushalt aus. Die Kleine Spree wurde sowohl zur Entwässerung der Tagebaue genutzt als auch das
Wasser zur Flutung der Restlöcher verwendet. Das Auftreten von Eisenocker aufgrund der bergbaulichen
Nutzung ist als Hauptbelastung neben der morphologischen Veränderung im Unterlauf zu betrachten.
Weitere stoffliche Belastungen ergeben sich durch die Landwirtschaft und Fischerei sowie durch
Hauskläranlagen. Die Umweltwirkungen sind meist direkt an die Funktionen des morphologischen Gefüges
des Fließgewässers und die biologischen Qualitätskomponenten Fische, Makrozoobenthos und
Makrophyten gekoppelt.
Ziel der Bearbeitung ist es, im Rahmen einer erweiterten Grundlagenermittlung ein landschaftsplanerisches
und wasserbauliches Maßnahmenkonzept zu entwickeln, dass die Entwicklung der Kleinen Spree hin zu
einem guten ökologischen Zustand ermöglicht, der den Anforderungen der EG-WRRL gerecht wird.
Die Aufgabenstellung der beauftragten Leistung beinhaltet:
Beschreibung und Darstellung der historischen Situation,
Beschreibung und Darstellung der aktuellen Ausgangssituation,
Landschaftsplanerische Aufgaben,
Hydrologische/ hydraulische Betrachtungen,
Hydrobiologische Betrachtungen,
Hydrochemische Betrachtungen,
Leitbildformulierung und Defizitanalyse,
Maßnahmenplanung einschließlich Abstimmungen zur Maßnahmenplanung.
6

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2 Untersuchungsrahmen
2.1 Untersuchungsgebiet
Als Pilotgewässer für die o. g. Untersuchung wurde die Kleine Spree ausgewählt. Dabei werden, neben dem
40 km langen Gewässerlauf, auch die angrenzenden Auengebiete auf einer Breite von ca. 100 m rechts und
links des Flusses betrachtet.
Abbildung 1: Lage des Wasserkörpers Kleine Spree im Freistaat Sachsen
Eine Übersicht über das Bearbeitungsgebiet gibt Anlage 1.
2.2 Datengrundlage
Für die Bearbeitung der Aufgabenstellung wurden folgende Unterlagen verwendet:
Übergabe von digitalen Daten für den Untersuchungsraum durch das LfULG:
-
WRRL- relevantes und in 100 Meter-Abschnitte untergliedertes Fließgewässernetz
-
Ergebnisse der Strukturkartierung nach dem LAWA Vor-Ort-Verfahren in Form einer Access
Datenbank
-
Ergebnisse der Auswertung der Strukturkartierung und der darauf aufbauenden, überblickshaften
Maßnahmenplanung (Steckbrief Strukturqualität kleine Spree, Werkvertrag LfULG)
-
Ergebnisse der biologischen und chemischen Erhebungen des WRRL Monitoring
-
Ergebnisse der regionalen Typisierung der Fließgewässer Sachsens, als Hintergrundinformation für
die Ausprägung von abiotischen Faktoren und der PNV
-
Daten der Mengenhydrologie für relevante Pegel
7

-
Ergebnisse der CIR Biotoptypenkartierung (2005)
-
Daten der Querbauwerksdatenbank und der Erhebung von Querbauwerken im Rahmen der LAWA
Vor-Ort-Kartierung
-
Erhebungen zu Einleitern (nur bei der Begehung sichtbare), die als Ergebnis der Strukturkartierung
vorliegen
-
Daten des Grundstückskatasters
-
Abgrenzungen der gesetzlich festgelegten Überschwemmungsgebiete
-
Topographische Karte 1: 10.000
-
Topographische Karte 1: 25.000
-
Messtischblatt 1: 25.000 von 1936
-
Meilenblatt von 1825
Übergabe von Daten für den Untersuchungsraum durch die LTV
-
Ergebnisse der HWSK
-
Übergabe des aktuellen Unterhaltungskonzeptes für die Kleine Spree
-
Bauwerke an der Kleinen Spree
Zusätzlich zu den vom Auftraggeber übergebenen Daten und den durch die Landestalsperrenverwaltung zur
Verfügung gestellten Unterlagen wurden weiterhin bei folgenden Quellen Informationen recherchiert:
-
Biosphärenreservatsverwaltung Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft
Die Biosphärenreservatsverwaltung unterstützte die FUGRO-HGN GmbH mit Vor-Ort-Kenntnissen
zu Querbauwerken und historischen Gewässerverläufen. Ein Verzeichnis der im Biosphärenreservat
befindlichen Querbauwerke (nicht aktuell) und geplanten Maßnahmen zur Verbesserung der
Durchgängigkeit konnten eingesehen werden.
-
LfULG, Referat Fischerei
Das Referat Fischerei des LfULG unterstützte die FUGRO-HGN GmbH mit Kenntnissen zum
Vorkommen und Lebensraumanforderungen der Fische im Umfeld der Kleinen Spree. Hier wurden
entsprechende Befischungsdaten und Literatur zur Verfügung gestellt
-
Regionaler Planungsverband
Im Internetauftritt (
http://www.rpv-oberlausitz-niederschlesien.de/regionalplanung.html
) des
Regionalen Planungsverbandes Oberlausitz-Niederschlesien kann in den Regionalplan Einsicht
genommen werden. Besonders die Karten zu Raumnutzung, Integriertem Entwicklungskonzept,
Landschaftspflege, ökologisches Verbundsystem und Übersicht über die Braunkohlenpläne wurden
herangezogen.
-
Wasserbuch (
http://www.wasserbuch.sachsen.de/start_map.asp
)
8

Das digitale Wasserbuch bietet mit einer Kartenanwendung eine Übersicht über wasserrechtliche
Bescheide (Entnahmen, Einleitungen, Altlasten, Bauwerke etc.). Zu jedem Bescheid gibt es ein
Datenblatt mit den wesentlichen Informationen.
-
Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV)
Auf der Internetseite der LBMV
(
http://www.lmbv.de/pages/layoutohneboxen.php?idpage=72
)
gibt es
eine Übersicht über den Flutungszustand der Tagebaurestseen. Ausleitungs- und Entnahmemengen
wurden tabellarisch für das Projekt zur Verfügung gestellt. Hier sind keine Durchflusswerte sondern
nur Volumina benannt.
-
LfULG, Referat 44: Beiträge zu den Bewirtschaftungsplänen und Maßnahmenprogrammen nach
WRRL für die sächsischen Fließgewässer
Seit 22.12.2009 sind die Bewirtschaftungspläne und Maßnahmeprogramme für die
Flussgebietsgemeinschaften verbindlich. Aus den sächsischen Beiträgen zu diesen Plänen und
Programmen geht zum einen die Bewertung des Zustandes der Oberflächenwasserkörper hervor
sowie die zur Erreichung des guten Zustands erforderlichen Maßnahmen. Die Maßnahmen beziehen
sich auf den Wasserkörper. Eine genaue Verortung ist nicht möglich.
2.3 Vorgehensweise
Die kleine Spree soll gemäß EG-WRRL den guten Zustand erreichen. Einen Überblick zur Vorgehensweise
mit den einzelnen Arbeitsschritten zur naturnahen Entwicklung von Fließgewässern ist in
Abbildung 2
dargestellt.
Rahmensetzung
Zu Beginn des Projektes wird der Rahmen für die Planung gesetzt, dies geschieht in einem Auftaktgespräch
bei dem die vorhandenen Unterlagen gesichtet werden. Sofern nötig werden Daten neu erhoben. Die
Methode der Untersuchung wird festgelegt, ebenso wie der Untersuchungsraum. Die Rahmensetzung dient
als Leitfaden für das weitere Vorgehen. Eine Gewässerbegehung bildet die Basis für die Festlegung evtl.
Untersuchungsstellen und die Vorbereitung zur späteren Abschnittsbildung.
Ermittlung des Leitbildes
Es wird das Gewässerleitbild anhand der Fließgewässertypisierung überprüft. Dieses Leitbild stellt den
heutigen potentiell natürlichen Gewässerzustand dar, ohne dass sozioökonomische Restriktionen
berücksichtigt werden. Das Leitbild entspricht aus rein naturwissenschaftlicher Sicht dem maximal möglichen
Sanierungsziel.
Beschreibung und Bewertung des Ist-Zustands
In diesem Bearbeitungsschritt wird der aktuelle Gewässerzustand (Ist-Zustand) auf Grundlage der
recherchierten bzw. übergebenen Daten (siehe Kap. 2.2) ausführlich beschrieben. Dazu werden
insbesondere die im Rahmen der Umsetzung der WRRL erhobenen Daten zu Gewässerstruktur, Biologie
und Chemie berücksichtigt. Weiterhin wird auch die historische Entwicklung des Gewässers anhand von
Kartenmaterial oder Chroniken untersucht.
9

Das Untersuchungsgebiet wird hinsichtlich der ökologischen Funktionen beschrieben und nach der
Empfindlichkeit, dem Schutzstatus und der Lage in Schutzgebieten bewertet.
Rahmensetzung
Ermittlung des Leitbildes
Beschreibung und Bewertung des Ist-
Zustands
Defizitanalyse
Fachgespräche zur Vorabstimmung der
Maßnahmen
Festlegung von Entwicklungszielen
Ableitung von Verbesserungs-
maßnahmen
Erstellung Entwicklungskonzept
Monitoring
Abbildung 2: Arbeitsschritte zur naturnahen Entwicklung von Fließgewässern (angelehnt an [1])
Defizitanalyse
Das Defizit des Gewässerzustandes ergibt sich aus der Differenz zwischen Ist-Zustand und Gewässerleitbild
sowie den damit verbunden Mindestanforderungen, um den guten Zustand zu erreichen. Der Bewertung des
Defizits sind damit die gewässertypspezifischen Mindestanforderungen der einzelnen WRRL-Komponenten
zu Grunde gelegt.
Tabellarisch mit der Kilometrierung als Ordnungsprinzip wird das Defizit im Detail für jeden 100 m Abschnitt
dargestellt. Folgende Inhalte werden wiedergegeben:
-
ausgewählte Einzelparameter der Strukturkartierung, auch rechts und links der kleinen Spree
-
Talform
-
Perlodesauswertung für das Makrozoobenthos
-
Vor-Ort Messung chemischer Werte (fortlaufend monatlich)
-
Vor-Ort Messung physiko - chemischer Werte (fortlaufend monatlich)
10

Die chemischen, physiko-chemischen und biologischen Grenzwerte leiten sich aus der „LAWA-
Musterverordnung zur Umsetzung der Anhänge II und V der Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen
der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik“ bzw. dem Arbeitspapier II Rahmenpapier Monitoring Teil B
Bewertungsgrundlagen und Methodenbeschreibungen 2007 ab.
Festlegung von Entwicklungszielen für Bearbeitungsabschnitte
Vor dem Hintergrund der historischen Daten, der selbsterhobenen Informationen, und unter
Berücksichtigung der Aspekte und Daten zur Typisierung nach LAWA werden Entwicklungsziele für die
langfristige Entwicklung aufgestellt. Dies erfolgt nachdem die Arbeitsabschnitte festgelegt wurden.
Arbeitsabschnitte sind in ihrer landschaftlichen Ausprägung homogen, sind anhand biologischer und
chemischer Erhebungen beschreibbar und haben vergleichbare Defizite. Außerdem werden die
Arbeitsabschnitte vor dem Hintergrund der späteren schrittweisen Umsetzung so abgegrenzt, dass
Maßnahmenpakete Los oder Blockweise vergeben werden können.
Das Entwicklungsziel berücksichtigt relevante Wirkungen aus den benachbarten Wasserkörpern, die für die
Zielerreichung wichtig sind. Die niedrigeren Ziele der umliegenden erheblich veränderten Wasserkörper und
deren Wirkung auf den Oberlauf des Gewässersystems.
Das Strahlquellenprinzip wird verfolgt. Dabei ist es nicht erforderlich den gesamten Gewässerlauf in eine
guten oder sehr guten Zustand zu überführen (was dem Leitbild entspräche), sondern es genügen längere
und kürzere gute Fließgewässerbereiche, die als Strahlquelle und Trittsteine bezeichnet werden.
Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen
Die Ableitung von Maßnahmen erfolgt in abgestuften Arbeitschritten:
a) Morphologische Ableitung anhand der morphologischen Kennlinie und dem Vergleich des Ist-Zustandes
mit dem Entwicklungsziels. Entsprechenden Maßnahmen zur Verbesserung des Gewässerzustandes, d.h.
zur Erreichung der Entwicklungsziele werden für den Bearbeitungsabschnitt abgeleitet.
b) Bearbeitung der Kennlinie und prognostische Anhebung in den Zielkorridor (35 % - 60 %).
c) Auswahl der Trittsteine und Strahlquellen
d) Plausibilisierung der Trittsteine und Strahlquellen anhand der biologischen Bewertung des ökologischen
Zustands im Bearbeitungsabschnitt.
e) Ausstattung der Trittsteine und Strahlquellen mit Maßnahmen anhand der Defizitanalyse (morphologische
und biologische Anforderungen)
(Umsetzung Maßnahmen und Monitoring)
Folgeschritte nicht im Projektrahmen.
11

3 Rahmensetzung
Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich entlang der Kleinen Spree vom Verteilerwehr in Spreewiese bis zur
Mündung in die Spree bei Spreewitz. Dabei werden nicht nur das Gewässer selbst sondern auch die
Nebengewässer (insbes. Lomschanke) und ein ca. 100m breiter Streifen rechts und links des Gewässers in
die Betrachtung einbezogen.
Die Datenrecherche stützt sich im Wesentlichen auf die in Kapitel 2.2 genannten Unterlagen, die vom
Auftraggeber und der Landestalsperrenverwaltung übergeben wurden. Die GIS-Daten werden in einem GIS-
Projekt gesichtet und auf Verwendbarkeit geprüft. In einer Vor-Ort-Begehung werden punktuell die Daten auf
Plausibilität geprüft. Insbesondere Querbauwerke und Hochwasserschutzbauwerke sind von Interesse.
Durch die Vor-Ort-Begutachtung lässt sich zudem ein Eindruck vom Zustand des Gewässers und der
angrenzenden Flächennutzung gewinnen.
Gemäß Leistungsbeschreibung werden entlang des Gewässers geeignete Punkte für ein chemisches
Monitoring festgelegt. Diese Messstellen werden gleichzeitig auch für die Erfassung des Makrozoobenthos
genutzt. Eine Durchflussmessung ist nicht vorgesehen, da der Zufluss in die Kleine Spree vollständig über
das Verteilerwehr in Spreewiese gesteuert wird. Lediglich die Lomschanke bei Milkel stellt einen
ungesteuerten Zufluss dar.
Die Festlegung der Probestellen orientiert sich an der Belastungssituation. So soll gewährleistet werden,
dass die Messstelle möglichst für einen Gewässerabschnitt mit nahezu gleichbleibender Belastung
repräsentativ ist. Dazu wurde die Kleine Spree im Vorfeld der Begehung durch eine Analyse der
Strukturdaten in zehn Abschnitte unterteilt. Die Abschnitte wurden am Gewässer geprüft um ggf. eine
Verfeinerung der Abschnittseinteilung vorzunehmen, falls eine Änderung der Belastung (chemisch,
hydraulisch, morphologisch) auftritt. Im Ergebnis der Begehung wurden die zehn Abschnitte beibehalten
(siehe Anlage 1), aber zwei zusätzliche Probestellen bestimmt, die eine besondere Situation (evtl.
Potentialbereiche für gewässertypische Fauna) am Gewässer darstellen.
Die Beprobung des Makrozoobenthos soll zum Ziel haben, den Zustand der biologischen Komponenten im
Verlauf der Spree zu erfassen und auch das Wiederbesiedlungspotential nach struktureller Verbesserung
einschätzen zu können. Die chemischen Parameter werden erfasst um einzuschätzen, ob es entlang der
Kleinen Spree Punktquellen für Belastungen gibt, die sich nicht in der bereits vorhandenen WRRL-
Messstelle widerspiegeln.
Die anschließend abzuleitenden Verbesserungsmaßnahmen sollen sich an den Belastungsquellen der
Kleinen Spree orientieren. Dabei werden die Gewässerabschnitte mit homogener Belastungssituation
gemeinsam betrachtet.
12

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4
Beschreibung des Gewässerleitbildes
Die Kleine Spree wurde dem LAWA-Typ 15 „Sand- und Lehmgeprägte Tieflandflüsse“ zugeordnet. Dieser
Gewässertyp ist häufig in den Regionen der Sander und Grundmoränen anzutreffen. Die Laufform reicht von
gestreckt bis mäandrierend (Bezugslänge gem. Kartierung 100 m). Die Auen sind mehrere hundert Meter
breit mit einer Vielzahl von Rinnensystemen, Niedermooren und Altgewässern.
Morphologie
Abbildung 3 zeigt beispielhaft die typische Laufform der sand- und lehmgeprägten Tieflandflüsse.
Abbildung 3: Laufform eines sandgeprägten Tieflandflusses [LUA NRW, Merkblatt 34] untersetzt mit einem
Ausschnitt aus dem Kartenwerk von 1884 – Kleine Spree bei Lippitsch
Die dominierenden Sohlensubstrate sind Sand und Lehm mit abschnittsweise nennenswerten Anteilen von
Kies und Ton. Die Substratdiversität wird als gering bis mäßig eingeschätzt. Sekundärsubstrate wie Totholz,
Wasserpflanzen und Falllaub bilden wichtige Habitatstrukturen.
Abbildung 4 zeigt beispielhaft die
Substratverteilung.
13

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Abbildung 4: Beispiel für die Verteilung der Substrate auf der Bachsohle und die Ausbildung
der Querprofile eines sandgeprägten Tieflandflusses [LUA NRW, Merkblatt 17]
Im Querprofil bilden sich ausgeprägte Prall- und Gleitufer. Im Längsprofil wechseln sandige Schnellen mit
tiefen Stillen. Tiefenvarianz und Strömungsdiversität sind mäßig bis groß durch zahlreiche Sohl- und
Uferstrukturen (Kolke, Uferbänke, Uferabbrüche, Prallbäume). Das Strömungsbild ist durch geringe
Fließgeschwindigkeiten mit häufigen Kehrströmungen gekennzeichnet.
Abbildung 5 vermittelt einen Eindruck von einem weitestgehend gewässertypischen Zustand eines
sandgeprägten Tieflandflusses mit offener sandiger Sohle, Totholzstrukturen und mäßiger
Strömungsdiversität und Tiefenvarianz.
14

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Abbildung 5: Zielzustand eines Sand- und Lehmgeprägten Gewässers (Pulsnitz, Quelle: Herbst)
15

Hydrologie
Die Fließgewässer des Typs 15 führen ständig Wasser mit mäßigen bis großen Abflussschwankungen und
ausgeprägten Extremabflüssen bei Einzelereignissen.
Typisch für die Sandgeprägten Tieflandflüsse sind mittlere bis große Abflussschwankungen im Jahresverlauf
(Schwankungskoeffizient: SK
Max
= 1,4 bis 2,4 bzw. SK
Jahr
= 2,2 bis 6,2, MNQ = 0,2*MQ; MHQ = 10*MQ) und
eine hohe zeitliche und örtliche Variabilität der hydraulischen Kräfte.
Biologie
Folgende Arten der Flora und Fauna sind gewässertypisch:
Makrozoobenthos (nach POTTGIESER & SOMMERHÄUSER)
-
Ephemera danica
-
Isoptena serricornis
-
Unio pictorum
-
Gomphus vulgatissimus
-
Taenioperyx nebulosa
-
Heptagenia flava
-
Köcherfliegen der Gattung Lype
-
Leptophlebia cincta,
-
Leptophlebia submarginata
-
Brachycercus harisella
-
Unio crassus
-
Viviparus viviparus
-
Haliplus fluviatilis
-
Brychius elevatus
Fischfauna (nach POTTGIESER & SOMMERHÄUSER) : epirhithral bis metapotamal
Lehmige Flüsse weisen eine artenärmere Fischzönose auf, in der Forellen und andere Fischarten mit hohem
Sauerstoffbedarf in den Hintergrund treten:
Charakteristische Arten sind Barbe, Aal, Bachforelle, Schmerle, Dreistachliger Stichling, Gründling, Hasel,
Groppe
Makrophyten (nach POTTGIESER & SOMMERHÄUSER):
Großleichkräuter (Potamogeton lucens, Potamogeton perfoliatus, Potamogeton alpinus, Potamogeton
gramineus)
Einfacher Igelkolben
Strömungsberuhigte Bereiche mit Arten der Schwimmblatt- und Wasserschweber-Gesellschaften
Saumartige Bestände von Arten der Groß- und Bachröhrichte bzw. Seggenriede
Charakteristische Gütezeiger:
-
Callitriche hamulata
16

-
Chara aspera
-
Equisetum fluviatile
-
Isolepis fluitane
-
Scapania undulata
-
Shagnum
-
Berula erecta
-
Veronica beccabunga
-
Menta acquatica
Phytobenthos (nach POTTGIESER & SOMMERHÄUSER)
-
Chamasiphon subglobosus,
-
Merismopedia glauca
-
Phormidium corium
-
Phormidium incrustatum
-
Audouinella
-
Audouinella chalybaea
-
Audouinella hermannii
-
Audouinella pygmaea
-
Thorea sp.
-
Gongrosira incrustans
-
Tetraspora gelatinosa
-
Diatomeen:
-
Achnanthes minutissima,
-
Amphora pediculus
-
Cocconeis neothumensis
-
Cymbella microcephala
-
Denticula tenuis
-
Fragilaria brevistriata
-
Fragilaria pinnata
Physiko-chemische Parameter
- Wassertemperatur: breite Temperaturspanne, abhängig vom Grad der Beschattung durch
Ufergehölze (im Sommer 18 °C bis 24 °C)
-
Gesamthärte: 1,5 bis 2,5 mmol/l
-
Elektr. Leitfähigkeit: 400 bis 700 μS/cm
-
Chlorid: unter 25 mg/l
-
Gesamt-Phosphat: unter 150 μg/l
-
Nitrat: unter 7 mg/l
-
BSB5: unter 2 mg/l
-
Ammonium: unter 0,05 mg/l
17

5
Beschreibung und Bewertung des Ist-Zustands
5.1
Bewertungsgrundlagen und Rechtliche Rahmenbedingungen
Die rechtlichen Rahmenbedingungen, die bei der Umsetzung der Maßnahmen an der Kleinen Spree zu
berücksichtigen sind, werden in Tabelle 1 zusammengefasst.
Tabelle 1: Rechtliche Rahmenbedingungen
Ebene
Wasser/Umwelt
Europa Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG)
Hochwasserrisikomanagementrichtlinie (2007/60/EG)
Deutschland Wasserhaushaltsgesetz (WHG)
Sachsen Sächsisches Wassergesetz (SächsWG)
Sächsisches Naturschutzgesetz (SächsNatSchG)
Sächsische Wasserrahmenrichtlinieverordnung (SächsWRRLVO)
Erlasse des SMUL:
09.09.2009: Umsetzung der EG Wasserrahmenrichtlinie in Bezug auf vom
Alt- und Braunkohlenbergbau beeinflusste Oberflächenwasserkörper
22.12.2009: Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie in
Sachsen; Belastungstyp „Abflussregulierung und morphologische
Veränderungen an Oberflächenwasserkörpern“ und thematisch damit
verbundene konzeptionelle Maßnahmen
Als konkrete lokale Ziele müssen berücksichtigt werden:
Regionalplan des Regionalen Planungsverbandes Oberlausitz-Niederschlesien:
In der Raumnutzungskarte sind überwiegend Flächen für Vorranggebiete bzw. Vorbehaltgebiete des Arten-
und Biotopschutzes ausgewiesen. Im südlichen Abschnitt sind außerdem Flächen für
Überschwemmungsbereiche bzw. deren Rückgewinnung ausgewiesen. Im Entwicklungskonzept zum
Regionalplan wird für die gesamte Kleine Spree die Sanierung des Gewässers empfohlen. Auf den Kippen
des Braunkohlenbergbaus sollen natürliche Bodeneigenschaften hergestellt werden. Im Bereich Speicher
Dreiweibern und Lohsa II wird zur Entwicklung von Arten und Biotopen die Erhaltung großflächig
unzerschnittener störungsarmer Räume empfohlen. Es werden keine Vorrang- oder Vorbehaltsgebiete für
Bergbau ausgewiesen. Die Kleine Spree befindet sich auf der Hälfte der Fließlänge im
Braunkohlenplangebiet „Oberlausitz-Niederschlesien“. Dabei wird sie von den Geltungsbereichen der
Sanierungsrahmenpläne für die Tagebaue Lohsa, Scheibe, Burghammer und Spreetal berührt.
18

Zielsetzungen des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft
Als übergeordneter Schutzzweck des Biosphärenreservates ist die Erhaltung, Pflege und Entwicklung einer
großräumigen traditionsreichen Kulturlandschaft mit reicher Naturausstattung festgelegt. Im §3 (2) unter
Nr. 6 der Verordnung [SMUL 2005] ist konkret die Erhaltung, Pflege und Entwicklung natürlicher und
naturnaher Ökosysteme aufgeführt.
FFH- Gebietsfestsetzungen und Vogelschutzgebietsfestsetzungen (siehe auch Kapitel 5.6)
Einen Überblick über die Schutzgebiete im Bereich der Kleinen Spree gibt Anlage 2. Das
Biosphärenreservat ist gleichzeitig auch SPA-Gebiet. Entlang der Kleinen Spree zwischen Spreewiese und
Lohsa erstrecken sich in der Kernzone des Biosphärenreservats zudem das FFH- und Naturschutzgebiet
Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.
Für das SPA-Gebiet Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft liegen verbindliche Erhaltungs- und
Entwicklungsziele vor.
Für das FFH-Gebiet wurde der Biosphärenreservatsplan Teil 1 entsprechend Artikel 6 (3) der Richtlinie
92/43/EWG geprüft und zum verbindlichen Erhaltungsziel bestimmt.
5.2
Geplante Vorhaben im Untersuchungsgebiet
Im Bearbeitungsgebiet werden aktuell folgende Planungen durchgeführt:
-
Umsetzung der HWSK-Maßnahmen am Verteilerwehr Spreewiese
-
Herstellen der Durchgängigkeit am Teilungswehr Weißkollm
-
Ausbau der Kleinen Spree zwischen Burghammer und Mündung in die Spree
-
Wasserüberleitung Scheibesee und Spreetal-Nordost
Außerdem erfolgt parallel eine „Untersuchung zu Auswirkungen der Umstellung von konventionellen
Gewässerunterhaltungspflegemaßnahmen auf ökologisch orientierte eigendynamische
Gewässerentwicklung“ im Auftrag des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.
Bei dieser Untersuchung sollen auch Gewässerabschnitte der Kleinen Spree in die Betrachtung einbezogen
werden.
5.3 Historischen Situation
Zur Einschätzung der geschichtlichen Entwicklung des Gewässers wurden folgende Kartengrundlagen
verwendet:
-
Sächsische Meilenblätter von 1825
-
Messtischblätter 1 : 25.000 von 1884 und 1936
-
Topographische Karten 1 : 25.000 zwischen 1996 und 2002
19

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Die Besiedlung der Gebiete zwischen Kleiner und Großer Spree beginnt Mitte des 12. Jahrhunderts. Die
Siedlungen beschränken sich dabei auf hochwasserfreie Erhebungen in der Landschaft. Die Menschen
betrieben Landwirtschaft, Viehzucht und die ersten Teiche werden angelegt.
Eine intensive landwirtschaftliche Nutzung der Niederungen und Aus- und Umbau der Teichanlagen
beginnen im 18. Jahrhundert.
Die Teiche entlang der südlichen Hälfte der Kleinen Spree sind in den Meilenblättern von 1825 bereits
dargestellt. Die meisten Teiche sind heute noch vorhanden und werden bewirtschaftet. Die Kleine Spree
diente schon 1825 zur Bespannung der Teichanlagen und zum Betrieb der Mühlen wurden Mühlgräben
angelegt. Laufbegradigungen und Flussverlagerungen als massive Eingriffe in die Gewässermorphologie
waren jedoch noch die Ausnahme. Die Kleine Spree ist kaum begradigt und zeigt einen stark
mäandrierenden Lauf mit Altarmabschnürungen. Abbildung 3 zeigt die Kleine Spree bei Lippitsch um 1884.
Abbildung 6: Kleine Spree bei Lippitsch um 1884
Bis 1921 ändert sich das Bild kaum. Aber bereits 10 Jahre (siehe Abbildung 6) später zeigt sich eine
deutliche Änderung im Gewässerverlauf. Die Kleine Spree wurde begradigt (insbesondere unterhalb Milkel
und bei Göbeln) um das Wasser besser abführen zu können und die angrenzenden Auenwiesen nutzen zu
können. Wehre und Sohlschwellen wurden errichtet und die ufernahen Gehölze wurden beseitigt. Die Teiche
werden weiterhin zur Fischzucht genutzt.
20

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Abbildung 7: Kleine Spree bei Lippitsch um 1930
Die gravierendste Veränderung in der Landschaft der Kleinen Spree stellen die Braunkohlentagebaue dar. In
den Karten von 1936 sind die Grube Brigitta nördlich von Burgneudorf, der Tagebau Werminghoff I (heute
Knappensee) und die Anfänge der Grube Werminghoff II Ostfeld (heute Silbersee) verzeichnet.
Abbildung 8: Beginnender Tagebau Werminghoff II bei Lohsa 1936
21

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Abbildung 9: Silbersee und Speicher Lohsa 1996
Im Bereich der heutigen Tagebaurestseen Lohsa, Dreiweibern, Scheibe und Bernsteinsee befand sich 1936
eine Heidelandschaft mit Kiefernwald. Die sandigen Böden waren für landwirtschaftliche Tätigkeit schlecht
geeignet. Nur die gewässernahen Auenbereiche wurden bewirtschaftet.
Nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Förder- und Flutungszeiträume der Tagebaue im
Einzugsgebiet der Kleinen Spree.
Tabelle 2: Förder- und Flutungszeiträume der Tagebaue
Tagebau
Aufschlussbaggerung
Rohkohleförderung
Flutungszeitraum
Werminghoff II
1933
1938 – 1960
1960 – 1973
Lohsa II
1950
1952 – 1984
1997 – 2014
Burghammer
1959
1963 – 1973
1997 – 2009
Dreiweibern
1981
1984 – 1989
1996 – 2002
Scheibe
1984
1985 – 1996
2002 – 2012
Durch die in Tabelle 2 aufgeführten Tagebaue wurden 6.600 ha Fläche, überwiegend Heidelandschaft, in
Anspruch genommen. Acht Ortschaften wurden ganz oder teilweise devastiert, wovon mindestens 420
Menschen betroffen waren. Die Kleine Spree wurde auf zwei Abschnitten verlegt (siehe Abbildung 10 und
11). Die Nachfolgenden Abbildungen zeigen die Kleine Spree vor und nach Aufschluss des Tagebaus
Dreiweibern. In diesem Bereich findet sich die erste der beiden Verlegestrecken.
22

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Abbildung 10: Kleine Spree zwischen Lohsa und Weißkollm 1936 und 1997
Auch im Bereich des Tagebaus Scheibe (siehe
Abbildung 11) wurde die Kleine Spree verlegt. Um ein
Versickern des Wassers in den Untergrund zu verhindern wurde diese Verlegestrecke mit Folie gedichtet
und mit Wasserbausteinen gesichert.
23

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Abbildung 11: Kleine Spree zwischen Tiegling und Burg 1936 und 1997
24

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In den 1970er Jahren beginnt zudem der zweite Ausbauschritt zwischen Spreewiese und Lohsa. Die Kleine
Spree wird fast vollständig in ein technogenes Gerinne mit definiertem Trapezprofil ausgebaut. Die Sohl und
Ufersicherung erfolgt mit Steinschotter. Künstliche Flutmulden bei Kauppa und Milkel werden zum
Hochwasserschutz und Entlastung des eigentlichen Gewässers in der Ortschaft hergestellt (siehe Abbildung
12).
Abbildung 12: Kleine Spree zwischen Commerau und Kauppa 1936 und 1997
25

Der Ausbau sollte der verstärkten Wasserversorgung für das Kraftwerk Boxberg dienen. Zu diesem Zweck
wurde auch das Verteilerwehr in Spreewiese erneuert.
Die Gewässerteilung in Spreewiese ist bereits auf den Karten von 1825 erkennbar. Es konnte nicht ermittelt
werden, seit wann das Wehrbauwerk existiert. In der heutigen Form existiert es erst seit den 1970er Jahren.
5.4 Aktuelle Situation
Die Kleine Spree ist ein 40 km langes Nebengewässer der Spree. Sie beginnt am Verteilerwehr in
Spreewiese wo sie aus der Hauptspree geregelt ausgeleitet wird und fließt Richtung Nordwesten. Sie quert
dabei die Ortschaften Commerau, Lippitsch und Hermsdorf. Bei Steinitz nimmt der Gewässerverlauf eine
nördliche Richtung. Die Orte Lohsa, Weißkollm, Burg, Burghammer und Burgneudorf werden durchflossen.
In Speewitz mündet die Kleine Spree wieder in die Spree. Etwas 7,5 % der Lauflänge befinden sich in
Ortslagen. Regional bedeutsame Verkehrsverbindungen (Kreisstraßen) befinden sich zwischen Lohsa und
Weißkollm und zwischen Burg und Burghammer, jedoch nicht im unmittelbaren Gewässerumfeld.
Hochwasserschutzanlagen in Form von Deichen befinden sich zwischen Burg und Burgneudorf, zwischen
Lohsa und Weißkollm entlang der Verlegestrecke, in Weißkollm, Kauppa und Göbeln (siehe Tabelle 5).
Großräumig betrachtet, kann die Kleine Spree in zwei Abschnitte unterteilt werden, die in ihrer
dominierenden Belastungsquelle sehr verschieden sind. Der südliche Abschnitt ist durch die angrenzenden
Teichwirtschaften gekennzeichnet, die überwiegend der Karpfenzucht dienen. Das Wasser der Kleinen
Spree wird u.a. zur Wasserversorgung der Teiche mit Frischwasser im Sommer genutzt.
Größere seitliche Zuflüsse erfolgen durch die Lomschanke, die ein Einzugsgebiet von 37,8 km² entwässert.
Die Lomschanke mündet in der Ortslage Milkel erst in einen Mühlgraben, der wiederum in die Kleine Spree
mündet. Weiterhin fließen der Kleinen Spree im Oberlauf eine Reihe kleinerer Gräben zu, deren Verlauf
anthropogen gestaltet ist. Neben Entwässerung flacher Auen erfolgt über das Grabennetz der Zufluss zu
zahlreichen Fischteichen. Die Zuleitungsgräben zu den Fischteichen werden z. T. durch Entnahmen aus der
Kleinen Spree gespeist. Der größte dieser Gräben ist der Grenzteichgraben.
Unterhalb Lohsa, nach ca. der Hälfte der Fließlänge, ändert sich die Belastungssituation. Die Landschaft und
das Gewässer werden von Braunkohlenbergbau bzw. dessen Sanierung geprägt. Die Kleine Spree wird
durch Seitendeiche an einem Zufluss in die Tagebaurestseen gehindert. Abschnittsweise wurde die Kleine
Spree umgeleitet, um dem Braunkohlentagebau Platz zu machen. Direkt zur Spree entwässert nur ein
schmales gewässerparalleles Resteinzugsgebiet.
Das Wasser der Kleinen Spree wird zur Flutung bzw. zum Verdunstungsausgleich in die Tagebaurestseen
(Lohsa 1 und Lohsa 2, Dreiweibern, Bersteinsee) genutzt. Laut Angaben der LMBV wurden 2010 folgende
Ausleitungsmengen verzeichnet:
Dreiweibern:
3,6 Mio. m³
ca. 115 l/s
Bernsteinsee: 4,5 Mio. m³
ca. 140 l/s
Lohsa II:
4,6 Mio. m³
ca. 146 l/s
Zum Vergleich: MQ der Kleinen Spree (2004 bis 2009) am Verteilerwehr Spreewiese ca. 1000 l/s und
Lomschanke bei Milkel ca. 80 l/s
Eine Überleitung in den Scheibesee erfolgte 2010 nicht.
Eine Einleitung vom Bernsteinsee erfolgt momentan mit ca. 300 l/s. Unterhalb Burghammer kommt es zum
diffusen Zutritt von mit Eisen und Sulfat belastetem Grundwasser, was zu einer Verockerung der
26

Gewässerabschnitte führt. Die Verockerung hat besonders eine Wirkung auf die Biologie, dadurch dass der
Ockerschlamm die Habitate des Makrozoobenthos (Interstitialräume der Sohle und Oberfläche von
Hartsubstraten und Makrophyten) belegt.
Die Belastungen der Kleinen Spree sind überwiegend morphologische und hydraulische. Der chemische
Zustand wird mit Gut bewertet. Die Erfüllung wasserwirtschaftlicher Vorgaben steht bei der
Gewässerbewirtschaftung im Vordergrund.
Zur Gewährleistung der hydraulischen Leistungsfähigkeit werden an der Kleinen Spree Sohlberäumungen
(Entschlammung oberhalb der Wehranlagen), Entkrautung, Grasmaat, Gehölzpflege und Uferinstandsetzung
durchgeführt. Der größte Teil des Flusslaufes zwischen Spreewiese und Lohsa und seiner Uferbereiche
wurde mit der Verordnung des SMUL über die Festsetzung des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide-
und Teichlandschaft vom 18.12.1997 mit der Schutzzone II belegt. Dies entspricht dem Status eines
Naturschutzgebietes. Damit sind durch die Gewässerunterhaltung die Belange von Natur und Landschaft im
Sinne des Allgemeinwohles betroffen. Vorschriften über den Umfang und die Vornahmen der
Unterhaltungsmaßnahmen sind im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde zu erlassen (§ 69 (3)
SächsWG). Die Gewässerunterhaltung soll zu den Zeitpunkten und mit den Methoden erfolgen, dass eine
Beeinträchtigung minimiert wird.
5.5 Biotoptypenkartierung
Die aktuelle Situation wird durch Bilderdokumentationen der Begehungen und eine Konkretisierung der
vorliegenden Biotoptypenkartierung (CIR-Befliegungsdaten) weiter beschrieben. Für einen Bereich 100 m
links und rechts der kleinen Spree wurde im Rahmen einer Vor-Ort- Begehung bisher nicht erfasste Biotope
erfasst und in eine Biotoptypenkarte eingearbeitet. Die Karte dient zur Plausibilisierung der später
festzulegenden Maßnahmen. Die Ergebnisse der Biotopkartierung sind Bestandteil der digitalen Unterlage.
5.6 Schutzgebiete
Im Oberflächenwasserkörper der Kleinen Spree müssen folgende Schutzgebiete berücksichtigt werden:
Tabelle 3: Schutzgebiete im Bereich des Wasserkörpers Kleine Spree
Schutzgebiet
Bezeichnung
Landschaftsschutzgebiet Speicherbecken Lohsa
Kleine Spree bei Weißkollm
Spreelandschaft Schwarze Pumpe
Flora-Fauna-Habitat
Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft
Fledermausquartier Lohsa Kirche
Spannteich Knappenrode
Naturschutzgebiet
Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft
Spannteich Knappenrode
SPA-Gebiet Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft
Spannteich Knappenrode
Bergbaufolgelandschaft bei Hoyerswerda
Biosphärenreservat
Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft
Trinkwasserschutzgebiet Wasserwerk Sdier Ostfassung
27

Die Schutzgebietssituation ist in Anlage 2 dargestellt.
Der BIOSPHÄRENRESERVATSPLAN - TEIL 1 (1996) beinhaltet für die Kleine-Spree-Niederung folgendes
Entwicklungsziel:
Gewässerentwicklung
Renaturierung des Ausbauzustandes, naturnähere Gestaltung der Morphologie
Verbesserung der Gewässerdynamik
landschaftsökologische Optimierung des Abflussregimes
Schaffung durchlässiger Gewässerstrukturen für die Fauna (Durchgängigkeit)
Erhalt und Entwicklung der reichen Wasser- und Röhrichtvegetation im Wechsel mit differierenden
Abschnitten
Verringerung der Abwasserbelastung/Verbesserung der Gewässergüte
Entwicklung der Aue und der gesamten Niederung
Vergrößerung der Retentionsräume
Anhebung des Grundwasserstandes
hoher Wiesen- und Grünlandanteil mit extensiven Bewirtschaftungsformen
Regeneration auentypischer Strukturen mit Ansiedlung von gewässerbegleitenden Gehölzen, Vernetzung
mit vorhandenen Flurgehölzen
Bewahrung der harmonischen Einbindung der Siedlungen in die Niederung
randliche naturnahe Aufforstung, Reduzierung des Schalenwildes
Artenschutz
Leitarten: Fischotter, Weißstorch, Gebänderte Prachtlibelle
Nach Aussage von PAUL, 2000 ist die hohe Bedeutung der Kleinen Spree für den Naturhaushalt auch in der
Sicherung und Entwicklung raumbedeutsamer gewässerabhängiger Landschaftsteile der Kulturlandschaft
begründet. Eingeschlossen sind hierbei die Teichlandschaft und die zu flutenden Tagebaue in der
Entwicklungszone des Biosphärenreservates. Die Entwicklung der Kleinen Spree muss außerdem im
Rahmen der Kulturlandschaft folgende Ziele unterstützen:
-
Sicherung der hydrologischen Bedingungen für die Teichlandschaft
- Wiederherstellung des Wasserhaushaltes in den Bergbaufolgelandschaften der Entwicklungszone
einschl. Flutung der Tagebaue
Die beiden letztgenannten Ziele überschneiden sich mit den wasserwirtschaftlichen Aufgaben (siehe Kap.
5.9) zur Wasserbereitstellung. Sie bilden jedoch für die Gewässerentwicklung, insbesondere für die
Renaturierung der Kleinen Spree, limitierende Faktoren.
28

5.7 Gewässerstruktur
Die Gewässerstruktur der Kleinen Spree wurde 2006/2007 im LAWA-vor-Ort-Verfahren [2] kartiert. Die
Abschnittslänge beträgt dabei 100 m. Je Abschnitt werden 25 Parameter erfasst, die die
Gewässermorphologie kennzeichnen. Die Zusammenfassung und Auswertung der Kartierungsergebnisse
erfolgte bereits in einer Voruntersuchung (siehe dazu Anlage 7; FUGRO-HGN, 2009). Nachfolgend werden
noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.
-
Der Gewässerlauf ist gerade bis schwach geschwungen
-
Die Gewässersohle der Kleinen Spree ist auf ca. der Hälfte der Fließlänge (19,3 km , das entspricht
48,4 %) mit Schotter der Größe 32/65 verbaut.
-
Die Ufer sind links zu ca. 70 % bzw. rechts zu ca. 80 % verbaut (siehe Anlage 7 und 9).
Linkes Ufer Rechtes Ufer
Schotter (32/65)
13,0 %
10,5 %
Böschungsrasen
19,0 %
22,3 %
Schotter mit
Böschungsrasen
38,6% 47,0 %
-
Der Uferbewuchs ist auf 97 %der gesamten Länge als bodenständig (Wald, Galerie, Einzelgehölze,
Gebüsch, Krautflur, Hochstauden, Wiese, Rasen, Röhricht) erfasst worden. Er bietet aber auf 2/3
der Gewässerlänge kaum Beschattung für das Gewässer (Gebüsch, Einzelgehölz, Krautflur,
Hochstauden, Wiese, Rasen, Röhricht).
-
Die Durchgängigkeit ist für Fische durch Wehranlagen mit Abstürzen über 30 cm und ohne
Fischwanderhilfe erheblich beeinträchtigt (siehe Tabelle 6, sowie Anlage 5 und 7).
-
Die Indexbewertung nach LAWA gibt für die Kleine Spree einen Bewertungsindex von 4 –
unbefriedigend – an (siehe Anlage 11 bzw. 17).
Gewässerstrukturen wie Längs- und Querbänke, Lauf-, Ufer- und Sohlstrukturen, die zu einer Variation der
Gewässertiefe und -breite führen und damit auch eine Diversität im Strömungsbild bewirken, fehlen fast
vollständig.
Gewässerrandstreifen im Sinne eines Schutzstreifens sind kaum vorhanden. Die Umfeldnutzung setzt sich
überwiegend aus Gründland, Acker und nicht bodenständigem Wald zusammen.
5.8 Boden und Geologie
Das Untersuchungsgebiet befindet sich im Bereich des Magdeburger Urstromtals. Das Urstromtal bildete zur
Zeit der Saalevereisung den Hauptabflussweg von Schmelzwasser. Die Geologie im Einzugsgebiet der
Kleinen Spree wird geprägt von pleistozänen und geringmächtigen holozänen Ablagerungen. Die
bestimmenden Landschaftsformen sind Grundmoränen, Endmoränen, Sanderflächen und Urstromtäler. Das
Gelände ist überwiegend flach. Entlang der Talsohle der Kleinen Spree sind fluviatile Sande und Kiese
abgelagert. Nördlich von Lohsa sind auch ausgedehnte Dünenfelder anzutreffen. Auf dem südlichen
Gewässerabschnitt bis Lohsa überwiegen Auelehm und Flachmoortorf. Die Tagebaurestseen und Kippen
sind vollständig anthropogen überprägt.
29

5.9
Hydrologische / Hydraulische Situation
Das Abflussverhalten der Kleinen Spree wird wesentlich durch wasserwirtschaftliche Eingriffe bestimmt. Die
wasserwirtschaftliche Anforderungen an die Kleine Spree sind vielgestaltig. Das Verteilerwehr in
Spreewiese, wo die Kleine Spree von der Hauptspree abzweigt, ist bedeutsam für die Wasserführung. Der
Zufluss zur Kleinen Spree wird ganzjährig durch das Wehr geregelt, wobei die Bedürfnisse der
Teichwirtschaft und der Bergbaurestseen berücksichtigt werden.
Die Wasserbereitstellung und Wehrsteuerung richtet sich dabei nach folgenden Prioritäten:
1. Gewährleistung des ökologischen Mindestwasserabflusses (gemäß Angaben in PAUL: 150 l/s
Unterhalb des Zulaufs zum Speicher Lohsa I)
2. Wasserbereitstellung für die Trinkwasserfassungen (Ausgleich für Versickerung)
3. Wasserbereitstellung für die Teichbewässerung (8 Teichgruppen und 3 Einzelteiche)
4. Wasserbereitstellung für die Flutung der Tagebaurestseen
Die Wehrsteuerung erfolgt durch die Landestalsperrenverwaltung Sachsen in Abstimmung mit der
Flutungszentrale in Senftenberg. Diese optimiert die Abgaberegel wöchentlich entsprechend den
wasserwirtschaftlichen Anforderungen und dem Dargebot.
Die Hauptwerte der Abflüsse für die Pegel an der Kleinen Spree, der Lomschanke und der Spree unterhalb
der Talsperre Bautzen werden in Anlage 3 dargestellt. Am Verteilerwehr Spreewiese beträgt der mittlere
Durchflusswert in die Kleine Spree zwischen 2004 und 2009 ca. 1,0 m³/s (Datenquelle LTV).
Zur Bereitstellung der erforderlichen Wassermengen wird mit der Stellungnahme des Regierungspräsidiums
Dresden von 2000 folgende, jahreszeitlich gestaffelte Vorgabe an den schadlosen Abfluss der kleinen Spree
im Plangebiet verbindlich festgelegt:
1. Oktober bis 30. April
3,5 m³/s
1. Mai bis 31. Mai
3,0 m³/s
1. Juni bis 30. September
2,5 m³/s
In den Sommermonaten, wenn die Verkrautung am stärksten ist, sinkt die hydraulische Leistungsfähigkeit
des Gewässers, weshalb hier die Vorgabe geringer ist.
Der ökologische Mindestwasserabfluss für die Kleine Spree wird in PAUL mit 150l/s unterhalb des Zulaufs
zum Speicher Lohsa I angegeben. In den Planungsunterlagen zum Teilungswehr Weißkollm wird die
ökologische Mindestwassermenge mit 200l/s angegeben.
Die Kleine Spree ist nahezu vollständig zu einem technogenen Gerinne mit steuerbarem Abfluss degradiert.
Die aktuelle Gewässermorphologie weicht wesentlich von der potentiell natürlichen Morphologie ab.
Hinsichtlich der Gewässerentwicklung können gemäß PAUL drei Ausbauzustände unterschieden werden:
a) Ausbaustrecken als hydraulisches Hauptgerinne
b) Ausbaustrecken im Nebenschluss zum hydraulischen Hauptgerinne (Flutmulden)
c) Gewässerstrecken als hydraulisches Hauptgerinne mit geringerem Ausbaugrad
30

Wasserrechtlich gesicherte Ausbauzustände gem. § 69 (2) SächsWG liegen gemäß PAUL in den
Ausbaustrecken und in den Flutmulden vor. Ferner müssen in allen übrigen Strecken (insbesondere in den
Strecken parallel zu den Flutmulden Kauppa und Milkel) die Wasserstände und Ausbauparameter so
gehalten werden, dass Bestandsschutz genießende Nutzungen nicht gefährdet werden.
Als „künstliche Verzweigungen“ innerhalb der Kleinen Spree wurden die Flutmulden bei Kauppa und Milkel
hergestellt. Wassermengen, die oberhalb definierter Durchflüsse (ca. 1 m³/s) liegen, werden aus dem
Hauptlauf der Kleinen Spree in die Flutmulden ausgeleitet. Durch seitlich einmündende Gräben und durch
den Grundwassereinfluss sind die Flutmulden in ihrer gesamten Länge ständig wasserführend. Weitere
Verzweigungen sind am Brutteich bei Lippitsch und in Hermsdorf gegeben. Der Hammergraben oberhalb
von Lohsa verläuft parallel zur Kleinen Spree. Er diente ursprünglich zur Füllung der südlich von Lohsa
gelegenen Leinweberteiche. Heute ist der Graben nahezu verlandet.
Innerhalb der Kleinen Spree bildet die Lomschanke bei Milkel den wichtigsten Zulauf. Entlang der
Lomschanke befinden sich ebenfalls mehrere Teichgruppen, die aus der Lomschanke mit Wasser versorgt
werden. Die Durchgängigkeit ist wie bei der Kleinen Spree durch Wehre und Sohlabstürze beeinträchtigt. Ein
erstes Wehr befindet sich 1,3 km oberhalb der Mündung bei der Teichgruppe Milkel.
Mehrere kleine Zuläufe fließen beidseitig der Kleinen Spree zu, nachdem sie zur Be- und Entwässerung von
Teichwirtschaften genutzt wurden. Die Flussniederung der Kleinen Spree wird von einem ausgedehnten
Grabensystem durchzogen. Dabei sind als Hauptgruppen die Gräben zur Teichbe- und -entwässerung sowie
die Gräben zur Dränung landwirtschaftlicher Flächen zu unterscheiden. Im Nebenschluss der Kleinen Spree
befinden sich mehrere Teichgruppen, welche über ein System von Ein- und Auslaufwehren,
Einleitungsgerinnen, sowie Verbindungs- und Auslaufgräben hydraulisch in Verbindung stehen. Einige
Gräben kreuzen die Kleine Spree. Sie werden verrohrt unter der Gewässersohle hindurch geführt. Die
offenen Entwässerungsgräben werden vielfach durch Rohrdränagen beaufschlagt. Die Kleine Spree steht
zwischen Lohsa und Spreewiese im Einzelnen mit folgenden Fließgewässern im Zusammenhang
(Seitenangaben verstehen sich in Fließrichtung):
km 22,6: Hammergraben (Ausleitung bei Friedersdorf, linksseitig)
km 25,0: Teichzuleiter Teichgruppe Kolbitz (Ausleitung bei Kolbitz, rechtsseitig)
km 28,0: Schafteichgraben (Einleitung bei Hermsdorf, linksseitig)
km 30,8: Umfluter Lomschanke (Einleitung in Lippitsch, rechtsseitig)
Milkeler Grenzgraben (Einleitung in die Flutmulde Milkel, linksseitig)
km 31,4: Lomschanke (Einleitung in Milkel, linksseitig)
km 34,0: Teichableiter Gerstenteiche (Einleitung in Jetscheba, rechtsseitig)
km 35,1: Särchener Wasser (Dubin/Rosdora) (Einleitung bei Kauppa, linksseitig)
km 37,6: Mönauer Graben (Ausleitung bei Göbeln, rechtsseitig)
km 37,8: Göbelner Graben (Ausleitung in Göbeln, rechtsseitig)
31

Die Ein- und Ausleitungsmengen aus diesen Gräben sind nicht dokumentiert. Das größte Nebengewässer ist
die Lomschanke, deren hydrologische Hauptzahlen am Pegel in Milkel in Anlage 3 aufgelistet sind
Oberhalb von Lohsa befindet sich die Ausleitung zum Speicher Lohsa I/Silbersee. Im weiteren Verlauf (sind
die zu flutenden Tagebaue Dreiweibern, Scheibe und Spreetal Nordost an die Kleine Spree angeschlossen
sowie der Bernsteinsee. Die Kleine Spree wird außerdem künftig die Flutung des Tagebaus Lohsa II über
den Speicher Dreiweibern bedienen. Von dort soll das Wasser über den Speicher Burghammer wieder der
Kleinen Spree zugeführt werden.
Abbildung 13 zeigt schematisch das System der Tagebaurestseen und die Abflusskapazitäten der Zu- und
Ableitungen. Anlage 5 zeigt das Gewässersystem mit den Aus-, Zu- und Überleitern in Kartendarstellung.
Anlage 4 zeigt die Orientierungswerte der für die Flutung, Überleitung und Ausleitung der Tagebaurestseen
und Speicher angesetzten Volumenströme im Wasserbilanzmodell WBalMo, welches auch für die Steuerung
am Wehr Spreewiese verwendet wird.
Der Speicher Lohsa I wird bereits heute zur Wasserbereitstellung und Niedrigwasseraufhöhung genutzt.
Zudem dient der See der Naherholung.
Der Speicher Dreiweibern ist seit 2002 vollständig geflutet. Die Speicherlamelle liegt zwischen 116 m NHN
und 118 m NHN. Die Einleitung von der Kleinen Spree dient momentan nur dem Ausgleich der
Wasserverluste durch Verdunstung und Grundwasserabstrom. Ab 2015 ist eine Überleitung vom Wasser
aus dem Speicher Dreiweibern in den Speicher Lohsa II geplant. Der Großteil der Flutungswassermenge
stammt aber weiterhin aus der Hauptspree. Ab 2015 soll weiterhin Wasser aus dem Speicher Lohsa II in den
Speicher Burghammer übergeleitet werden. Es erfolgt aktuell eine Wasserausleitung aus dem Speicher
Burghammer in die Kleine Spree von ca. 300l/s.
Die Aus- und Überleitung für die Tagebaurestseen Scheibe und Spreetal NO befindet sich noch in der
Genehmigung. Problematisch sind die sehr hohen Sulfatkonzentrationen und niedrigen pH-Werte im
Scheibesee. Das Wasser kann nicht unbehandelt in die Kleine Spree eingeleitet werden. Nach ersten
Untersuchungen ist eine Initialneutralisierung des Scheibesees zu teuer und damit eine Direkteinleitung in
die Kleine Spree nicht die Vorzugslösung.
32

image
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HWSK
Silbersee
Abbildung 13: Übersicht zu Speichern und Tagebaurestseen im System Spree/ Kleine Spree (aus [4])
Die Speicher an der Kleinen Spree sollen langfristig
-
zur Niedrigwasseraufhöhung und Abflussregulierung (unter anderem für den Spreewald),
-
zur wasserwirtschaftlichen Versorgungssicherheit für Berlin,
-
für Freizeit und Naherholung,
-
zur Fischerei und
-
als landschaftsgestaltende Elemente dienen.
33

Die Untersuchungen in IWB, 2008 prognostizieren für die Kleine Spree unterhalb der Einleitung
Burghammer langfristig einen Sulfatgehalt von 200 bis 400 mg/l. Die pH-Werte liegen im neutralen Bereich.
Die hydraulische Leistungsfähigkeit des Gewässerbetts und der Brücken wurde im HWSK, 2004
modelltechnisch ermittelt. Bis auf wenige Abschnitte im Bereich der Ortslagen beträgt die Leistungsfähigkeit
mehr als HQ
100
. Ausuferungsbereiche sind in Anlage 5 dargestellt und Tabelle 4 fasst diese zusammen.
Tabelle 4: Ausuferungsbereiche Kleine Spree bei HQ
100
Leistungsfähigkeit
Abfluss
Betroffene Nutzungen
Betroffene
Bebauung
Gewässerstationierung
Km 16,0 bis 16,2
< HQ
5
< 3,9 m³/s
Grünland südlich von
Weißkollm, Altlauf Kleine
Spree
Keine
Km 21,0 bis 21,8
HQ
5
bis HQ
10
6,3 bis
7,5 m³/s
Ackerflächen, Grünland westl.
Litschen zwischen Kleiner
Spree und Hammergraben
Keine
Km 27,1 bis 27,5
HQ
20
bis HQ
50
8,5 bis
10,4 m³/s
Grünland, Wald nördl.
Hermsdorf zwischen
Mühlgraben und Kleiner Spree
keine
Km 31,9 bis 33,5
HQ
10
bis HQ
20
2,2 bis
2,5 m³/s
Grünland, Wald, Teich bei
Wessel
Schloss Milkel,
Wessel
Da kaum bebaute Flächen durch Hochwasser bis HQ
100
gefährdet sind, werden im HWSK nur wenige
Hochwasserschutzmaßnahmen an der Kleinen Spree vorgeschlagen.
-
KS-M050
Neubau einer Verwallung bei Lippitsch (Alte Schanze)
-
KS-M060
Anpassung Betriebsvorschrift Wehrssteuerung Flutmulde Milkel
-
KS-M070
Anpassung Betriebsvorschrift Wehrssteuerung Flutmulde Kauppa
-
KS-M080 und KS-M090 Neubau Deich am Verteilerwehr Spreewiese (Verhindern eines
Umströmens der Wehranlage Richtung Kleine Spree)
Nach Angaben der LTV wird eine Anpassung der Betriebsvorschriften für die Wehre nicht weiter verfolgt. Die
Maßnahmen M080 und M090 sind bereits in der Planung. Die Maßnahme M050 hat nur geringe Priorität.
Hochwasserschutzdeiche existieren an folgenden Orten:
34

Tabelle 5: Hochwasserschutzdeich an der Kleinen Spree
Lage
Fluss-km
von
Fluss-km
bis
Deichlänge
Bezeichnung
[m]
GWRA Burgneudorf bis Mündung Große Spree
rechts
2,30
1,60
500
links 2,40 1,60 600
Sohlabsturz Burg bis Abschlag GWRA Burgneudorf rechts 7,60 5,60 2000
links 5,40 3,80 1800
Brücke Geißlitzer Straße bis Bahnbrücke Tiegling
links
14,85
13,18
1700
rechts 14,95 13,18 1800
Straßenbrücke Weißkollm bis Zweiteilungswehr Weißkollm links
16,58
15,95
500
rechts 16,58 16,00 450
Bahnbrücke Lohsa bis Brücke Weißkollm
links
17,00
16,58
400
rechts 17,50 16,58 900
Deich Kauppa
rechts 35,70 35,50 150
Deich Göbeln
rechts 37,90 37,70 230
Deich Straßenbrücke Spreewiese
links
39,60
39,40
200
Deich Spreewieser Wehr
rechts 39,70 39,60 100
(Angaben gemäß Mitteilung LTV)
Meist schützen die Deiche die Flächen im Vorland über ein HQ
100
hinaus. Nur bei Weißkollm kommt es trotz
der Deiche im Bereich des Altlaufs zur Überschwemmung der Grünlandflächen. Die Leistungsfähigkeit der
Kleinen Spree entspricht auf diesem Abschnitt ca. einem HQ
5
(ca. 2,0 m³/s).
Informationen zu Querbauwerken wurden aus verschiedenen Quellen recherchiert.
-
Querbauwerksdatenbank des Freistaats Sachsen (18 Querbauwerke)
-
Ergebnisse der Gewässerstrukturgütekartierung, Stand 03/2008 (18, davon 11 wie
Querbauwerksdatenbank)
-
Erfassung der Landestalsperrenverwaltung, Stand 03/2010 (24, davon 16 wie
Querbauwerksdatenbank)
-
Unterlagen der Biosphärenreservatsverwaltung (13 Querbauwerke im Bereich des
Biosphärenreservats, davon 9 wie Querbauwerksdatenbank)
Nicht durchgängige Querbauwerke sind in nachfolgender Tabelle zusammengestellt. Anlage 5 zeigt die Lage
aller Querbauwerke:
35

image
image
Tabelle 6: Nicht durchgängige Querbauwerke an der Kleinen Spree
Fluss-km
Art des
Querbauwerks
Bezeichnung
1,727 Sohlabsturz an der Biologischen Messstelle
8,019 Sohlabsturz Absturz Burg
36

image
image
image
Fluss-km
Art des
Querbauwerks
Bezeichnung
15,219
Wehr
Seitenwehr (Weißkollm an der Mühle)
15,950
Wehr
Teilungswehr Weißkollm (neues Spreefließ)
16,466 Sohlabsturz Zulaufanlage Dreiweibern
37

image
image
image
Fluss-km
Art des
Querbauwerks
Bezeichnung
17,358 Sohlabsturz Absturz Lohsa obh. Ablaufbauwerk Speicher Lohsa (Silbersee)
33,152 Wehr Klappenwehr Flutmulde Milkel
34,96 Wehr Schlossmühle Kauppa
38

image
image
Fluss-km
Art des
Querbauwerks
Bezeichnung
36,05 Wehr Klappenwehr Flutmulde Kauppa
39,89 Wehr Verteilerwehr Spreewiese
5.10 Hydrobiologische Situation
Zur Bewertung der hydrobiologischen Situation (Makrozoobenthos) wurde in der Rahmensetzung (Kap. 3)
zusätzlicher Erhebungsbedarf ermittelt. Es wurden zur detaillierten Beurteilung des ökologischen Zustands
12 Probestellen entlang der kleinen Spree ermittelt. Eine Übersicht gibt folgende Tabelle 7. Eine detaillierte
Beschreibung zur Methodik der Probenahme und zu den Ergebnissen ist in Anlage 6 enthalten.
39

image
image
Tabelle 7: Probenahmestellen für das Makrozoobenthosmonitoring
Nr.
Ortslage
Bemerkung
Bearbeitungs
-abschnitt
Spreewiese,
Straße nach Klix
Ca. 300 m unterhalb Spreeabzweig. Geradliniges und unbeschattetes Profil. Geringe
Tiefen- und Breitenvarianz. Sanddominierte trittfeste Sohle. F=0,3 m/s,
Strömung
laminar, kein Sohlverbau, Ufer mit Steinschüttung
1
10
2 Göbeln, Ortskern
Unterhalb Wehr (Staubeeinflussung oberhalb) im Bereich und unterhalb Sohlgleite.
Leicht kurviges und leicht beschattetes Profil. Sandig-schlammige Sohle, im Bereich
der Sohlgleite Technolithal. F=0,3 m/s, Strömung turbulent-laminar. Breitere
randliche Schwaden-Röhrichte. Hohe Tiefenvarianz, kein Sohlverbau, Ufer mit
Steinschüttung
10
40

image
image
Nr.
Ortslage
Bemerkung
Bearbeitungs
-abschnitt
Kauppa
Seitengewässer. Kurviges und stark beschattetes Profil. Tiefgründig schlammige
Sohle mit Detritusbänken. Geringe Tiefen- und Breitenvarianz. Beidseitig verwallt.
F=0,1 m/s, Strömung laminar, kein Ufer und Sohlverbau
3
9
4 Milkel, Ortskern
Seitengewässer. Unterhalb und im Bereich der Sohlgleite (Staubeeinflussung
oberhalb). Kurviges und leicht beschattetes Profil. Überwiegend mäßig trittfeste
schlammige Sohle, im Bereich der Sohlgleite Technolithal. F=<0,1 m/s, Strömung
laminar, im Bereich der Sohlgleite turbulent.
8
41

image
image
Nr.
Ortslage
Bemerkung
Bearbeitungs
-abschnitt
Lippitsch
Im Bereich und unterhalb Sohlgleite. Geradliniges und unbeschattetes, extrem
steiles Profil. Sohle sandig-schlammig. F=0,2 m/s, Strömung turbulent. Sohle und
Ufer mit Steinschüttung
5
8
6 Litschen
Leicht kurviges und unbeschattetes Profil. Geringe Tiefen- und Breitenvarianz. Sohle
sandig-schlammig. F=0,2 m/s,
Strömung laminar. Sohle und Ufer mit Steinschüttung
7
42

image
image
Nr.
Ortslage
Bemerkung
Bearbeitungs
-abschnitt
Lohsa
Geradliniges und leicht beschattetes Profil. Geringe Tiefen- und Breitenvarianz.
Sanddominierte trittfeste Sohle. F=0,4 m/s,
Strömung laminar. Größere randliche
Röhrichzonen. Sohle unverbaut, Ufer mit Böschungsrasen
7
6
Oberhalb
Weißkollm
8
Unterhalb Wehr. Leicht kurviges und stark beschattetes Profil. Geringe Tiefen- und
Breitenvarianz. Schlammdominierte Sohle. F=0,1 m/s, Strömung laminar. Sohle und
Ufer unverbaut
5
43

image
image
Nr.
Ortslage
Bemerkung
Bearbeitungs
-abschnitt
Unterhalb
Weißkollm
Geradliniges und leicht beschattetes, extrem steiles Profil. Geringe Tiefen- und
Breitenvarianz. Bindige trittfeste Sohle. F=0,3m/s,
Strömung laminar. Sohle
unverbaut, Ufer mit Böschungsrasen
9
4
10 Tiegling
Geradliniges und leicht beschattetes Profil. Geringe Tiefen- und Breitenvarianz.
Oberhalb der Probestelle mit Betonformteilen technisch ausgebautes Trapezprofil.
Sanddominierte trittfeste Sohle. F=0,3 m/s, Strömung laminar. Randliche
Röhrichtzonen. Sohle und Ufer mit Steinschüttung
3
44

image
image
Nr.
Ortslage
Bemerkung
Bearbeitungs
-abschnitt
Burghammer,
Ortskern
Im Bereich der Sohlgleite. Leicht kurviges und stark beschattetes Profil. Technolithal-
dominierte Sohle. F=0,5 m/s,
Strömung turbulent und reißend. Sohle und Ufer
unverbaut
11
2
Leicht kurviges und stark beschattetes Profil. Sandig-schlammige Sohle, unterhalb
des Wehres technolithal-dominiert. Relativ schmales und tiefes Profil. Hohe
Tiefenvarianz. Schmale Binsenröhrichte. Starke Eisenockerausfällung. F=0,4 m/s,
Strömung laminar, unterhalb des Wehres turbulent. Sohle und Ufer unverbaut
12 Burgneudorf
1
Die Probestellen Nr. 1,5,6,7,8,9,10 und 12 wurden hinsichtlich ihrer Repräsentativität für
Gewässerabschnitte, nach den Ergebnissen der Strukturgütekartierung und einer Vor-Ort Begehung
ausgewählt. Hinzu kommen vier Probestellen (Nr. 2,3,4,11) mit augenscheinlich hohem faunistischen
Potenzial in Hinblick auf rheophile Arten, die zur Prognose über evtl. Entwicklungsmöglichkeiten und
denkbarer „Strahlursprünge“ bzw. „Trittsteine“ dienen könnten.
45

Im Ergebnis der Untersuchungen konnte ein signifikantes Auftreten der Stillgewässer- und
Schlammbesiedler nachgewiesen werden. Besonders in Rückstaubereichen von Wehren führt die geringe
Fließgeschwindigkeit zu einer Verschlammung der Sohle und damit zu nicht gewässertypischer Besiedlung.
Die Details der Probenahme, die Auswertung und Bewertung können in Anlage 6 nachvollzogen werden.
Das Makrozoobenthos wurde mit Stand Ende 2008 (Bewirtschaftungsplan) als ungenügend bewertet. Die
Bewertung der Makrophyten stellt einen mäßig Zustand fest. Die Komponente Fische wurde mit mäßig
bewertet, da die Leitfischarten wie Barbe und Hasel fehlen.
5.11 Hydrochemische Situation
Die Messstelle zur Erfassung der chemischen Parameter befindet sich ca. 200 m oberhalb der Mündung in
die Spree. An dieser Messstelle werden mehrmals jährlich die physiko-chemischen Werte sowie die
Konzentrationen zahlreicher Schadstoffe, Metalle, Pestizide und Industriechemikalien zur Bewertung des
chemischen Zustandes nach WRRL erfasst. Mit Stand der Daten von Ende 2008 (Bewirtschaftungsplan)
wird der chemische Zustand der Kleinen Spree und auch der Lomschanke mit „gut“ bewertet.
In nachfolgender Tabelle werden für einige ausgewählte Schwermetalle und physiko-chemische Parameter
die erfassten Konzentrationen angegeben. Alle anderen Werte sind unauffällig und im Bereich der Norm.
Tabelle 8: Jahresmittelwerte der Konzentrationen ausgewählter Parameter 2006 bis 2010
Parameter
2006 [6/12] 2007 [12]
2008 [6/12] 2009 [12]
2010 [12]
WRRL-relevant
Eisen gel. [mg/l]
2,85
5,43
9,62
10,51
9,78
nein
Nickel gel. [μg/l]
6,68
9,44
14,82
15,74
14,37
ja
Aluminium gel. [μg/l]
11,57
32,92
34,67
69,91
66,25
nein
Zink gel. [μg/l]
8,88
14,78
25,00
31,94
17,88
ja
Arsen gel. [μg/l]
<0,5
0,6
1,02
2,34
2,37
ja
Mangan gel. [μg/l]
225
303
437
550
700
nein
pH-Wert [-]
6,68
6,53
6,44
6,6
6,9
ja
Sulfat [μg/l]
137,8
155,8
170
190
287
nein
Nitrat [mg/l]
4,55
4,04
4,92
7,01
8,62
nein
Gesamt-P [mg/l]
0,048
0,044
0,042
0,076
0,091
nein
Werte in [ ] geben die Anzahl der Messwerte im Jahr an, Metalle wurden 2006 und 2008 nur sechs mal gemessen
Alle Parameter in Tabelle 7 zeigen zwischen 2006 und 2009 einen Anstieg der Konzentrationen. Ursache
dafür ist der weiter ansteigende Grundwasserspiegel und damit verstärkt Zutritt von belastetem
Grundwasser in die Kleine Spree. 2010 stagniert diese Entwicklung etwas, da die Grundwasserstände
nahezu die endgültige Höhe erreicht haben.
Im Rahmen der hier durchgeführten Untersuchung werden zudem 2010 monatlich die chemischen
Parameter an den für die biologische Bewertung herangezogenen Probestellen erfasst.
Auffällig sind für die beiden Messstellen unterhalb Burghammer die Parameter für Sulfat, Aluminium, Eisen,
Nickel und Zink. Hier ist die Belastung mit bergbaulich beeinträchtigtem Grundwasser zu erkennen. Der pH-
Wert ist im Gewässerverlauf weitestgehend konstant. Die beiden genannten Messstellen weißen hier einen
46

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Wert von geringfügig unter 7 auf. Die bergbauliche Beeinflussung der Wasserqualität ist
jahreszeitenunabhängig. Hier sind zwischen einzelnen Monaten zum Teil erhebliche Schwankungen beim
Gehalt an gelösten Schwermetallen zu verzeichnen. Der Gehalt wird im Wesentlichen durch die Menge an
zutretendem Grundwasser und den Verdünnungseffekt in der Kleinen Spree bestimmt.
Für die Kleine Spree zeigt sich aber im gesamten Gewässerverlauf eine Belastung mit Phosphor und
Ammonium-Stickstoff. Diese Pflanzennährstoffe führen im Sommer neben der mangelnden Beschattung zu
einem übermäßigen Pflanzenaufwuchs im Gewässer. Deutlich lässt sich an den Messstellen im Oberlauf der
typische Jahresgang (mit einem Minimum im Spätsommer) für die Pflanzennährstoffe erkennen. Im Sommer
ist der Krautwuchs am stärksten, so dass hier die Aufnahme von Pflanzennährstoffen in die Biomasse am
stärksten ist.
6 Defizitanalyse
6.1 Morphologisches Defizit
Bei der Auswertung des Ist-Zustandes (siehe Kapitel 5) lassen sich deutliche Abweichungen zum
Gewässerleitbild (siehe Kapitel 4) erkennen. In einer Untersuchung im Auftrag des LfULG (FUGRO-HGN,
2009) wurde das morphologische Defizit für alle wasserrahmenrichtlinienrelevanten Fließgewässer in
Sachsen ausgewertet und in Form eines Gewässersteckbriefs zusammengestellt. Der Steckbrief für den
Wasserkörper der Kleinen Spree kann in Anlage 7 eingesehen werden. Die Vorgehensweise bei der
Ermittlung des Defizits kann in FUGRO-HGN, 2009 nachgelesen werden.
Die in dieser Untersuchung aufgestellte gewässermorphologische Kennlinie stellt sich wie folgt dar:
Abbildung 14: Gewässermorphologische Kennlinie Kleine Spree
47

Deutlich liegt der Verlauf der roten Kennlinie unter dem Zielkorridor von 35% bis 60% (Abschnitte ohne
Defizit). Dabei sind Siedlungsrestriktionen (siehe oberste Linie – rosa Abschnitte) auf nur etwa 8 % der
Gewässerlänge anzutreffen. Der Bewuchs ist überwiegend bodenständig (zweite Linie von oben – grüne
Abschnitte), bietet aber keine Beschattung für das Gewässer (hellgrüne Abschnitte).
Ufer und Sohle sind auf langen Gewässerstrecken, besonders in den Verlegestrecken zwischen Tiegling und
Burg und zwischen Lohsa und Weißkollm durch Steinschüttungen gesichert. Im bergbaulich geprägten
nördlichen Teil der Kleinen Spree sind einige Gewässerabschnitte zusätzlich mit einer Foliendichtung
versehen um ein Versickern des Wassers in das Grundwasser zu verhindern.
Die Durchgängigkeit für Fische wird durch zahlreiche Querbauwerke (siehe Anlage 5) verhindert. Eine
Zusammenstellung der nicht fischdurchgängigen Querbauwerke findet sich in Kapitel 5.9.
6.2
Gefälle und Talform
Die aktuelle Laufform unterscheidet sich deutlich von der dem Gewässertyp entsprechenden Laufform.
Typisch für sandgeprägte Tieflandflüsse wäre ein geschwungen bis mäandrierender Lauf (siehe auch
Ausschnitte aus historischen Karten in Kapitel 5.3). Aktuell ist die vorherrschende Laufform gerade bis
gestreckt.
Laut Gewässertypisierung (LUA NRW, 2001) sollte das Talbodengefälle (Gefälle entlang des Tal- bzw. des
Auenverlaufs) 0,2 bis 1,0 ‰ betragen. Durch die Erschließung der Tagebaue Lohsa I, Dreiweibern, Scheibe
und Burghammer wurde das Tal der Kleinen Spree zerschnitten bzw. vollständig beseitigt. Auf diesen
Verlegestrecken (auf der nördlichen Hälfte der Kleinen Spree) wurde ein künstliches Gewässerbett zwischen
den entstehenden Tagebaurestseen geschaffen. Das Sohlgefälle (Gefälle entlang der Lauflänge) entspricht
auf diesen Abschnitten dem Talbodengefälle. Auf den Verlegestrecken beträgt das Gefälle geringfügig mehr
als 1,0 ‰.
Der gewässertypische geschwungene bis mäandrierende Lauf würde eine Verringerung des Sohlgefälles
gegenüber dem Talbodengefälle bewirken. Die Lauflänge nimmt gegenüber der Tallänge zu.
Im aktuellen Zustand beträgt das Verhältnis von Lauflänge zu Tallänge eins zu eins. Dies bewirkt eine
Zunahme des Gefälles und damit der Fließgeschwindigkeiten.
Dennoch sind lange Abschnitte der Kleinen Spree von Verschlammung betroffen, da die zahlreichen
Wehranlagen und Sohlstufen, die nach Begradigung zur Gefälleregulierung eingebaut wurden, ein
ungehindertes Abfließen des Wassers verhindern. Hinzu kommt, dass die Kleine Spree unter starker
Verkrautung leidet, was die Fließgeschwindigkeit weiter reduziert.
6.3 Hydrologie/Hydraulik
Die ständige Wasserführung in der Kleinen Spree entspricht zwar dem Gewässertyp, aber der
Abflussschwankungsbereich ist stark eingeschränkt.
Typisch für die Sandgeprägten Tieflandflüsse sind mittlere bis große Abflussschwankungen im Jahresverlauf
(SK
Max
= 1,4 bis 2,4 bzw. SK
Jahr
= 2,2 bis 6,2, MNQ = 0,2*MQ; MHQ = 10*MQ) und eine hohe zeitliche und
örtliche Variabilität der hydraulischen Kräfte.
Im aktuellen Zustand sind folgende Kennwerte der Abflussschwankung zu beobachten:
48

SK...Schwankungskoeffizient
SK
Max
= 0,65; SK
Jahr
= 2,0
MNQ = 0,5*MQ; MHQ = 2,2*MQ
Abbildung 15 zeigt beispielhaft für das Jahr 2009 die Ganglinie der Zuflussmenge zur kleinen Spree am
Verteilerwehr Spreewiese und in der Spree unterhalb der Talsperre Bautzen.
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
8,0
9,0
01.01.09
31.01.09
02.03.09
01.04.09
01.05.09
31.05.09
30.06.09
30.07.09
29.08.09
28.09.09
28.10.09
27.11.09
27.12.09
Durchfluss [m³/s]
Abgabemenge Kl. Spree [m³/s]
Abgabemenge UP Bautzen [m³/s]
Abbildung 15: Ganglinien des Abflusses am Verteilerwehr Spreewiese und unterhalb der Talsperre Bautzen
an der Spree im Jahr 2009 (Tagesmittelwerte)
Besonders auffällig und problematisch für die Gewässerentwicklung ist der geringe Schwankungsbereich im
Hochwasserregime. Durch das Verteilerwehr Spreewiese wird der gesamte Zufluss zur Kleinen Spree
entsprechend den wasserwirtschaftlichen Anforderungen der Wassernutzer gesteuert. Es gibt kein
natürliches Hochwasserregime mehr. Damit entfällt auch ein großer Teil der Selbstregulierung und
eigendynamischer Entwicklung am Gewässer. Die strukturbildenden Kräfte sind nicht vorhanden. Die
strukturbildenden „Baustoffe“ (Sedimente, Totholz) sind durch mangelnde Ausuferungsfähigkeit und Verbau
nicht mehr zugänglich.
6.4 Biologie
Die Biologische Bewertung basiert auf den Komponenten Fische, Makrozoobenthos und
Makrophyten/Phytobenthos. Nachfolgende Abbildung zeigt die Bewertung der Komponenten im Rahmen der
Berichterstattung an die EU mit Stand 2008 (1. Bewirtschaftungsplan):
49

image
Abbildung 16: Bewertung der biologischen Komponenten für die Kleine Spree
Makrozoobenthos und Fische reagieren überwiegend auf hydromorphologische Veränderungen
(Strukturarmut, eingeschränkte Durchgängigkeit, veränderte Abflussdynamik, Verockerung) im Gewässer
wohingegen Makrophyten eher eine Belastung mit Pflanzennährstoffen und fehlende Beschattung anzeigen.
Die Gewässertypische Begleitvegetation fehlt an vielen Abschnitten entweder völlig und ist einer Grünland-
oder Ackernutzung gewichen bzw. auf den Verlegestrecken wurde zum Teil aus wasserwirtschaftlichen
Gesichtspunkten auf die Ufervegetation verzichtet.
Fische sind besonders hinsichtlich der Durchgängigkeit und der Gewässerstruktur sensibel, da chemische
Belastungen im überwiegenden Teil der Kleinen Spree nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die
Leitfischart Barbe und Hasel sind in der Kleinen Spree nicht mehr anzutreffen. Es wurden generell Defizite
bei den anadromen und potamodromen Arten (Wanderfische) und dabei überwiegend bei den Langdistanz-
und Mitteldistanzwanderfischen nachgewiesen. Dieses Defizit hat seine Ursache nicht allein in der Kleinen
Spree. Unterhalb der Mündung der Kleinen Spree befindet sich die Talsperre Spremberg und oberhalb der
Kleinen Spree die Talsperre bei Bautzen. Diese beiden Querbauwerke stellen unüberwindbare
Wanderhindernisse dar, so dass sich selbst bei guter Gewässerstruktur in der Kleinen Spree besonders die
Langdistanzwanderfische nicht einstellen würden.
Das Makrozoobenthos stellt die am schlechtesten bewertete Komponente dar. Das Makrozoobenthos
reagiert auf strukturelle Defizite im Gewässer. Das Modul Saprobie des Bewertungsverfahrens nach
PERLODES (siehe auch Anlage 6) zeigt im gesamten Gewässerverlauf einen guten Zustand. Die
allgemeine Degradation hingegen wird durch ein überproportionalen Vorkommen der Stillgewässer- (Litoral-)
und Schlamm- (Pelal-) Besiedler dominiert, was eine allgemein schlechtere Bewertung zur Folge hat. Die
WRRL-Messstelle zur Erfassung des Makrozoobenthos befindet sich ca. 1 km oberhalb der Mündung in
einem Bereich der bereits stark durch diffus zutretendes bergbaulich belastetes Grundwasser geprägt ist.
Die einsetzende Verockerung führt zu einer „Versiegelung“ der Oberflächenstrukturen im Gewässer“ sodass
sich dort kaum eine gewässertypische Makrozoobenthosfauna etablieren kann. Somit wird hier das
Makrozoobenthos als „unbefriedigend“ bewertet, obwohl sich dieses Bild entlang der Kleinen Spree, wie die
Beprobung im Rahmen des Projekts gezeigt hat, nicht durchweg bestätigt. Hier ist unter Umständen die
Verlegung der Messstelle auf einen Abschnitt mit repräsentativerem Charakter zu prüfen.
50

image
6.5 Chemie
Die Bewertung des chemischen Zustandes der Wasserkörper erfolgt durch einen Vergleich der Stoff-
konzentrationen im Gewässer mit ökotoxikologisch abgeleiteten Umweltqualitätsnormen und
Orientierungswerte. Geprüft werden eine Liste von 33 prioritären Schadstoffen bzw. Schadstoffgruppe
gemäß Anhang X WRRL sowie weitere acht Schadstoffe gemäß Anhang IX der WRRL. Die Stoffliste und die
maßgebenden Umweltqualitätsnormen werden mit der Richtlinie 2008/105/EG des Europäischen
Parlaments und des Rates über Umweltqualitätsnormen im Bereich der Wasserpolitik und zur Änderung der
Richtlinien 82/176/EWG, 83/513/EWG, 84/156/EWG, 84/491/EWG, 86/280/EWG und 2000/60/EG
vorgegeben. Des Weiteren ist Nitrat (Anforderung aus der Nitrat-Richtlinie) zur Einstufung des chemischen
Zustandes zu bewerten.
Nach Auswertung der bis Ende 2008 vorliegenden Messwerte ist für die nach WRRL und nach
Tochterrichtlinie 2008/105/EG relevanten Stoffe der gute chemische Zustand in der Kleinen Spree erreicht.
Für die relevanten Stoffe werden die Umweltqualitätsnormen und Orientierungswerte eingehalten.
6.6 Übersichtstabelle Defizitanalyse
Die Kleine Spree weist ein mehr oder weniger homogenes Belastungsbild auf. Die wasserwirtschaftlichen
Belastungen und Anforderungen sind für das gesamte Gewässer gültig. Nach Abschluss der Planungen der
LMBV wird die Kleine Spree durch Ausleitungen aus dem Bernsteinsee zukünftig hydraulisch stärker
belastet als bisher. Zudem unterscheidet sich die chemische Belastung in diesem Abschnitt durch die
bergbaulich beeinträchtigten Grundwässer ebenfalls vom Rest der Kleinen Spree.
Um einen überschaubaren Planungsmaßstab zu erhalten, wurde die Kleine Spree entsprechend ihren
Belastungsquellen in Bearbeitungsabschnitte unterteilt.
Folgende Abschnitte werden bei der Defizitanalyse und Maßnahmenplanung betrachtet:
Nummer Name
Fluss-km
Beschreibung
1
Spreewitz - Burgneudorf
0,0 bis 3,8
Überwiegend unverbaute
Sohle und Ufer
Überwiegend beschattet,
zum Teil mit bodenständigem
Auwald
Verbraunung durch diffusen
Grundwasserzutritt aus den
Halden, Kippen des Braun-
kohlenbergbaus und ehemals
entwässerten gewachsenen
Grundwasserleitern
51

image
image
image
Nummer Name
Fluss-km
Beschreibung
2
Burgneudorf - Burg
3,8 bis 7,8
Überwiegend eingedeicht,
eine Uferseite mit
Böschungsrasen, die andere
mit bodenständiger Galerie
Einseitig beschattet
3
Verlegestrecke Scheibesee
7,8 bis 13,2
Technogenes Gerinne
(Doppeltrapez)
Sohle und beide Ufer mit
Schotter verbaut,
Foliendichtung des
Mittelwasserprofils gegen
Versickerung
einseitige Galerie mit Erlen
4 Tiegling-Weißkollm
13,2 bis 14,9 Beide Ufer Böschungsrasen
ohne Schotter, kein
Sohlverbau, kaum
Beschattung durch lockere
Galerie
Überwiegend angrenzende
Landwirtschaftliche Flächen
Keine Querbauwerke
52

image
image
image
Nummer Name
Fluss-km
Beschreibung
5 Weißkollm (Siedlung)
14,9 bis 16,0 Unverbaute Sohle und Ufer
Querbauwerke mit
Rückstaueffekt
Beschattung vorhanden
Siedlungsbereich (dörfliche
Struktur)
6 Verlegestrecke Dreiweibern
16,0 bis 19,3 Technogenes Gerinne
(Doppeltrapez)
Kein Sohlverbau, aber
Böschungsrasen
Keine Beschattung
7
Lohsa – Kolbitz
19,3 bis 24,8
Ufersicherung mit Schotter
Querbauwerke
Einleiter Teichgruppe Kolbitz
Keine Beschattung
Überwiegend angrenzende
Landwirtschaftliche Flächen,
teilweise Siedlungsbereiche
53

image
image
image
Nummer Name
Fluss-km
Beschreibung
8
Kolbitz - Kauppa
24,8 bis 34,6
Ufersicherung mit Schotter
Sohle mit Steinschüttung
Querbauwerke mit
Rückstaueffekt
Mdg. Lomschanke
Fehlende Beschattung
Angrenzende
Landwirtschaftliche Flächen
9 Altlauf Kauppa
34,6 bis 35,7 Parallel zur Flutmulde
Kauppa
Schlossmühlenwehr mit
Rückstaueffekt
Beschattung durch Auwald
Kein Verbau
10 Commerau - Spreewiese
35,7 bis 39,9
Ufersicherung mit
Steinschüttung
Verteilerwehr Spreewiese
Einseitig Beschattung durch
Galerie
Angrenzende
Landwirtschaftliche Flächen
Die Bearbeitungsabschnitte und die zugehörigen Messstellen für Chemie und MZB werden in Anlage 8
dargestellt.
54

Die Übersichttabelle Defizitanalyse mit dem Ergebnis der Defizitanalyse für die 100 m Abschnitte befindet
sich in Anlage 9. Hier ist eine Trennung nach den Bearbeitungsabschnitten erfolgt.
Alle Abschnitte weisen ein morphologisches Defizit auf, wobei meist alle Wertstrukturparameter defizitär
sind. Bei der Bewertung des Makrozoobenthos mit PERLODES/ASTERICS zeigt das Modul Saprobie für
alle Messstellen einen guten Zustand. Der Wert korreliert eng mit dem Gesamtphosphor, was den Schluss
zulässt, dass die Kleine Spree ein phosphorlimitiertes Gewässer ist. D.h. das Pflanzenwachstum im
Gewässer wird eher durch die Verfügbarkeit des Phosphors begrenzt, als durch die Verfügbarkeit des
Stickstoffs.
Das Modul allgemeine Degradation liefert für die Abschnitte 2, 4 und 10 einen guten oder sehr guten
Zustand. Dies entspricht einer Gewässerlänge von ca. 9,5 km (25%). An weiteren vier Messstellen in den
Abschnitten 1, 3, 6 und 8 wird ein mäßiger Zustand erreicht. Das entspricht ca. 17 km (45 %).
Es konnte keine direkte Verbindung zwischen den Ergebnissen der chemischen Erhebungen und dem
Makrozoobenthosmonitoring hergestellt werden. In allen Abschnitten werden die Umweltqualitätsnormen
und Orientierungswerte gemäß Tochterrichtlinie eingehalten. Die Normen für Eisen und Sulfat werden nur an
den beiden Messstellen oberhalb der Mündung überschritten, was dem Zustrom von belastetem
Grundwasser aus dem Tagebaugebiet zuzuschreiben ist. Der Zustand in der Chemie (Eisenbelastung,
Verockerung) führt bei der Makrozoobenthosbeprobung an der betreffenden Messstelle zu so geringen
Abundanzen, dass keine gesicherte Bewertung möglich ist. Hier sind auch morphologische Ursachen für die
gute oder schlechte Bewertung verantwortlich. Besonders bedeutsam sind Rückstau durch Wehranlagen,
welcher die ohnehin schon schlechte Strömungsdiversität gänzlich unterbindet und die mangelnde
Beschattung durch Uferbewuchs. In Abschnitten mit starker Strömung in Verbindung mit Hartsubstraten und
Beschattung werden rheophile Arten begünstigt, was wiederum zu einer positiven Bewertung führt.
Abschnitte mit sehr geringen Strömungsgeschwindigkeiten oder Rückstau durch Wehre und/oder fehlender
Beschattung weißen eine unbefriedigende bis schlechte Bewertung auf. Pelal- und Litoral-Besiedler treten in
den Vordergrund.
Die Chemischen Parameter und die Makrozoobenthoserhebung werden in den Abschnittsblättern Anlage 11
für jeden Abschnitt zusammengefasst.
7
Festlegung von Entwicklungszielen
Die Festlegung von Entwicklungszielen basiert auf dem Gewässertyp. Es sollen keine gewässeruntypischen
Strukturen geschaffen werden, die sich einerseits nur mit viel Aufwand halten lassen und andererseits zur
Ausbildung einer nicht gewässertypischen Artenstruktur führen.
Restriktive Randbedingungen für das Entwicklungsziel sind zum einen die wasserwirtschaftlichen Ansprüche
an die Kleine Spree und zum anderen auch die Strukturen und Belastungen in angrenzenden
Wasserkörpern. Beispielsweise können Querbauwerke in angrenzenden Wasserkörpern das Vorkommen
von gewässertypischen Wanderfischarten erheblich beeinträchtigen, obwohl im betrachteten Wasserkörper
der Kleinen Spree die Durchgängigkeit vollständig hergestellt wurde.
55

Im Einzelnen werden folgende Entwicklungsziele für folgende Parameter festgesetzt:
Tabelle 9: Entwicklungsziel Kleine Spree je 100 m-Abschnitt
Parameter
Anforderung für die Kleine Spree
Quelle für Entwicklungsziel
Morphologie
Besondere Laufstrukturen
mindestens zwei
Strömungsdiversität groß
Tiefenvarianz
mäßig
Substratdiversität groß
Besondere Sohlenstrukturen
mindestens zwei
Besondere Uferstrukturen
mindestens zwei
Entwicklungsziel gemäß
gewässertypabhängigen Zielwerten
aus (FUGRO-HGN, 2009)
Makrozoobenthos
Saprobienindex < 2,3
EPT-Taxa
Mind. 45 %
Litoral-Besiedler
Höchstens 12 %
Pelal-Besiedler
Höchstens 12 %
Artenanzahl Trichoptera
Mindestens 8
gewässertypische Grenzen für die
Bewertung des guten Zustands
innerhalb PERLODES
Fische
Habitate für Äsche, Barbe,
Döbel, Nase
Unterstände und Laichhabitate
Alle Arten
Durchgängigkeit
Gewässertypisches Leitbild nach
POTTGIESSER & SOMMERHÄUSER
Chemie
O2-Gehalt
> 6 mg/l
TOC
< 7 mg/l
BSB5
< 6 mg/l
Chlorid
< 200 mg/l
PH-Wert
6,5 bis 8,5
Gesamtphosphor
< 0,1 mg/l
Ortho-Phosphat-P
< 0,07 mg/l
NH4-N
< 0,3 mg/l
LAWA Arbeitspapier Monitoring
Nitrat
< 50 mg/l
Trinkwassergrenzwert
Eisen
< 3 mg/l
Bewertungsgrundsätze Ausleitkriterien
Sulfat
< 240 mg/l
Trinkwassergrenzwert
Ziel ist es eine gewässertypische Struktur mit Totholzelementen und kleinräumigen Strukturen an Ufer und
Sohle zu schaffen, um eine Diversität im Strömungsbild und in der Substratzusammensetzung zu erreichen.
Von besonderer Bedeutung für das gewässertypische Makrozoobenthos ist eine lagestabile, langsam
überströmte und detritusreiche Sandsohle. Lange Staubereiche oberhalb von Querbauwerken müssen
beseitigt oder verringert werden. Der Wechsel zwischen sanddominierten und kiesdominierten Abschnitten
56

image
erfolgt in einer sog. Pool-Riffel-Sequenz, wobei die kiesigen Abschnitte kürzer sein können und auch
größere Abstände zueinander aufweisen.
Augenmerk ist auch auf die Entwicklung eines gewässerbegleitenden Bewuchses gerichtet, der für
Beschattung sorgt. Gewässertypisch sind hier Stieleichen und Hainbuchen, aber auch Erlen und Eschen auf
nassen Abschnitten sowie stellenweise Weidenwälder- und Gebüsche. Groß-Laichkraut und Igelkolben sind
an unbeschatteten Stellen des Gewässers anzutreffen.
Durch die Beschattung wird die Verkrautung im Gewässer und die Krautvegetation im Uferbereich
(Röhrichte, Seggenrieder) reduziert, was dazu führt, dass die wasserwirtschaftlichen Aufgaben zur
Wasserdurchleitung besser erfüllt werden und die Fließgeschwindigkeit zunimmt. Außerdem wird Zunahme
der Wassertemperatur im Sommer vermindert, was gleichzeitig zu geringeren Stoffumsätzen und weniger
Sauerstoffzehrung führt.
8
Festlegung von Entwicklungsstrecken
8.1
Strahlwirkung und Trittsteine
Die Festlegung von Entwicklungsstrecken entlang der Kleinen Spree orientiert sich am
Strahlwirkungsprinzip. Dieser theoretische Ansatz geht davon aus, dass ökologisch gute (und auch
schlechte) Gewässerabschnitte eine Strahlwirkung besitzen. Diese Wirkung ist vom Gewässertyp abhängig
und für jede biologische Komponente verschieden. Im Umkehrschluss bedeutet dass, dass es zur
Erreichung des guten ökologischen Zustands nicht erforderlich ist, alle Gewässerabschnitte so durch
Maßnahmen zu verbessern, dass jeder für sich das Ziel erreicht, sondern dass die guten Abschnitte so über
das Gewässer verteilt werden, dass die Strahlwirkung das gesamte Gewässer umfasst.
Abbildung 17 stellt den Sachverhalt grafisch dar.
Abbildung 17: Strahlwirkungsprinzip [aus DRLP, 2008]
Die Strahlwirkung ist das Ergebnis der aktiven oder passiven Migration von Tieren und Pflanzen. Sie geht
von Gewässerabschnitten mit sehr gutem oder gutem Zustand aus.
In DRLP, 2008 werden für den Gewässertyp 15 folgende Größenordnungen empfohlen:
57

-
Strahlursprung
2,5 km bis 3,0 km
-
Strahlweg Makrozoobenthos
3,5 km
- Strahlweg Makrophyten 4,0 km
- Strahlweg Fischfauna 12,5 km
Der Strahlweg kann verlängert werden, indem Trittsteine mit mindestens guter Habitatausstattung und ca.
30% der Länge des Strahlursprungs aufweisen.
Die o. g. Werte resultieren aus der Auswertung von bisher umgesetzten Gewässerentwicklungsprojekten.
Dennoch muss gesagt werden, dass die Wirkung sehr von den Eigenheiten des jeweiligen Gewässers und
vom Wiederbesiedlungspotential abhängig ist.
8.2
Entwicklungsstrecken der Kleinen Spree
Die Festlegung der Lage von Trittsteinen und Strahlquellen entlang der Kleinen Spree ist ein iterativer
Prozess, bei dem die Defizite eine wesentliche Rolle spielen.
Da die Kleine Spree keinen Abschnitt ohne morphologisches Defizit aufweißt (siehe morphologische
Kennlinie) orientiert sich die Größe und der Abstand der Trittsteine/Strahlquellen im Wesentlichen an den in
[DRLP 2008] für verschiedene biologische Komponenten empfohlenen gewässertypspezifischen Werten.
Werden die Morphologischen Defizite im Detail betrachtet, bieten sich Trittsteine/Strahlquellen überall da an,
wo die Defizite in der Morphologie gering sind. D.h. mit geringem Aufwand kann an diesen Stellen ein guter
oder sehr guter morphologischer Zustand erreicht werden. Die Bereiche mit den besten
Gesamtbewertungen für die Morphologie sind die Arbeitsabschnitte 1, 5 und 9 (siehe Anlage 8).
In diesen Abschnitten sind Sohle- und Ufer nicht verbaut und der Uferbewuchs bietet meist Beschattung.
Die Lage in Abschnitt 5 wird wegen der Siedlungsrestriktionen in diesem Bereich als eher ungünstig
eingestuft und der Trittstein/Strahlquell wird so verschoben, dass die empfohlenen Abstände zu anderen
guten Bereichen erhalten bleiben. In diesem ersten Iterationsschritt wurden neun Trittsteine und vier
Strahlquellbereiche ermittelt (siehe Abbildung 18).
: Strahlquell
: Trittstein
58

image
image
bbildung 18: Iterationsschritte zur Festlegung der Entwicklungsstrecken
Diese Bereiche werden anschließend mit den Ergebnissen der chemischen Bewertung verglichen. Bereiche
A
(links: 1. Schritt, rechts: Endfassung)
mit hoher chemischer oder physiko-chemischer Belastung, die sich nicht im gleichen Zeitraum wie die
Morphologie verbessern lässt, werden vorerst nicht weiter betrachtet. Das betrifft insbesondere den
Abschnitt 1, auf dem durch den Braunkohlenbergbau belastetes Grundwasser dem Gewässer diffus
zuströmt. Die Eisenbelastungen und Sulfatkonzentrationen sind hoch und zeigen in den vergangenen 5
Jahren auch eine steigende Tendenz (siehe Tab. 8). Eisenhydroxid fällt als rötlichbrauner Schlamm auf der
Gewässersohle aus und beeinträchtigt dadurch die Mirkohabitate für Makrozoobenthos. Diese Situation wird
sich durch den Grundwasserwiederanstieg voraussichtlich in den nächsten 50 Jahren nicht wesentlich
verbessern. Der Aufwand für eine morphologische Verbesserung sollte sich somit auf andere
Gewässerabschnitte konzentrieren, auf denen die Erfolgschancen für das Erreichen des guten ökologischen
Zustands größer sind. Der Trittstein, der im Arbeitsabschnitt 1 vorgesehen ist, wird auf Grund der
anhaltenden Belastung durch die Folgen des Braunkohlentagebaus zeitlich zurückgestellt.
59

Die verbliebenen Trittsteine/Strahlquellen werden nun noch mit den Ergebnissen aus dem Monitoring für das
Makrozoobenthos verglichen. Das Modul Saprobie des Bewertungsverfahrens nach PERLODES/ASTERICS
liefert für alle Probestellen entlang der Kleinen Spree einen guten Zustand und gibt somit keinen eindeutigen
Hinweis auf eine günstige Lage von Trittsteinen/Strahlquellen. Beim Modul allgemeine Degradation (Typ 15)
ergibt sich für die Arbeitsabschnitte 2, 4 und 10 ein sehr guter oder guter Zustand. In diesen Abschnitten
sollten sich unbedingt Strahlquellen oder wenigstens Trittsteine befinden. In den Abschnitten 5, 7 und 9 ist
die Bewertung der allgemeinen Degradation unbefriedigend bis schlecht. Hier sollte auf Trittsteine oder
Strahlquellen verzichtet werden bzw. hier ist der Aufwand zur Erreichung des guten Zustandes
vergleichsweise groß.
Letztlich erfolgt für die Abschnitte noch ein Abgleich mit bestehenden Planungen insbesondere des
Biosphärenreservats. Hier liegt für die Trittsteine bei Milkel und Hermsdorf und für den Strahlquell zwischen
Hermsdorf und Kolbitz eine Übereinstimmung der Planungsabschnitte vor, so dass sich hier bei der
Maßnahmenumsetzung Synergieeffekte nutzen lassen.
Im Ergebnis dieser iterativen Betrachtungen werden die in Anlage 8 dargestellten Bereiche für Trittsteine
und Strahlquellen ermittelt.
9
Ableitung von Maßnahmen
Die Maßnahmenableitung erfolgt zunächst vor dem Hintergrund des festgelegten Entwicklungsziels für die
Bearbeitungsabschnitte. Um die Zielerreichung zu ermöglichen werden Verbesserungs- und
Erhaltungsmaßnahmen definiert.
9.1
Maßnahmenableitung Teil 1
Für die Trittsteine/Strahlquellen werden im Maßnahmenkatalog in Anlage 10 die Maßnahmen zur
Zielerreichung beschrieben. Es handelt sich dabei um Maßnahmen zur Verbesserung der
Gewässermorphologie, da hier die Hauptbelastungsquelle liegt. Chemische Defizite gibt es nicht
(ausgenommen Abschnitt 1).
Der Katalog beinhalten im Wesentlichen Maßnahmen folgender Kategorien (Bewirtschaftungsplan):
- 69: Maßnahmen zur Herstellung der linearen Durchgängigkeit an sonstigen wasserbaulichen
Anlagen
- 70: Maßnahmen zum Initiieren/ Zulassen einer eigendynamischen Gewässerentwicklung inkl.
Begleitender Maßnahmen
- 71: Maßnahmen zur Vitalisierung des Gewässers (u. a. Sohle, Varianz, Substrat) innerhalb des
vorhandenen Profils
- 72: Maßnahmen zur Habitatverbesserung im Gewässer durch Laufveränderung, Ufer- und
Sohlgestaltung inkl. Begleitender Maßnahmen
-
73: Maßnahmen zur Verbesserung von Habitaten im Uferbereich (z. B. Gehölzentwicklung)
60

Die Einzelmaßnahmen werden entsprechend den Entwicklungszielen auf die Abschnitte der
Entwicklungsstrecken verteilt.
Anlage 11 beinhaltet die in den jeweiligen Gewässerabschnitten durchzuführenden Maßnahmen ohne
Berücksichtigung von Restriktionen.
9.2 Restriktionen
Aktuelle Restriktionen werden in einem zweiten Schritt den Bearbeitungsbereichen zugeordnet und benannt,
jedoch erfolgt keine Reduzierung der Maßnahmen. Evtl. ist eine Verschiebung der Maßnahme in einen
Restriktionsarmen Bereich zu beschreiben.
Folgende Restriktionen sind bekannt:
Bei der Umsetzung von Entwicklungsmaßnahmen sind die abiotischen bzw. ökologischen Randbedingungen
zu berücksichtigen. Dazu gehören:
Grundwasserveränderungen:
Durch den Bergbau wurden der Wasserhaushalt und insbesondere das
Grundwasserregime maßgeblich beeinflusst. Für den Abbau der Braunkohle im Tagebau musste der
Grundwasserstand unter die Flözsohle abgesenkt werden. Das anfallende Wasser wurde entweder in den
oberirdischen Fließgewässern abgeleitet oder zur Flutung bereits stillgelegter Tagebaue genutzt. Nach
Abschluss des Abbaus wurde auch die Absenkung des Grundwassers eingestellt. Es kommt zu
großräumigem Wiederanstieg. Die Sohle der Kleinen Spree steht nun abschnittsweise wieder im Kontakt mit
dem Grundwasser. Prognoserechnungen [Stammblätter der GUB] ergeben, dass es auch in Zukunft
Gewässerabschnitte an der Kleinen Spree geben wird die deutlich über dem Grundwasserspiegel liegen.
Ein weiteres Problem des Grundwasserwiederanstiegs sind die herausgelösten Stoffe der Pyrit- und
Markasitverwitterung aus den Kippen und Halden der Tagebaue sowie dem entwässerten gewachsenen
Grundwasserleiter. Das in die Oberflächengewässer zutretende Grundwasser ist sauer, sulfatreich und
eisenhaltig. Die typischen rotbraunen Ausfällungen an der Gewässersohle (hier besonders zwischen
Burghammer und Mündung in die Spree) stammen von Eisen(III)hydroxid.
Die Prognose des Grundwasserwiederanstiegs zeigt einen Kontakt mit dem Grundwasser auf der Strecke
zwischen Burghammer und Mündung in die Spree. Auf diesen Abschnitt der Kleinen Spree wird sich in
Zukunft die Verbraunung durch diffus zutretendes Grundwasser erstrecken.
Reliefveränderungen:
Durch den Tagebau wurde insbesondere zwischen Lohsa und Spreewitz die
Landschaft und auch der Gewässerverlauf der Kleinen Spree erheblich verändert (siehe dazu auch Kapitel
zur historischen Entwicklung). Das entfernen der Kohle aus dem Untergrund hinterlässt Hohlformen, die
nach Beendigung des Tagebaus als Restlöcher verbleiben und durch wieder ansteigendes Grundwasser
und/oder eingeleitetes Oberflächenwasser geflutet werden. Weiterhin sind Halden und Kippen in der sonst
sehr flachen Landschaft als deutliche Geländeformen zu erkennen.
Besonders einschneidend für die Gewässerentwicklung ist die Verlegung der Kleinen Spree an den Rand
der Tagebaue Dreiweibern, Scheibe und Burghammer. Die künstlich geschaffenen Gewässerabschnitte sind
zum Teil mit Folie gedichtet, damit das Wasser nicht in den Untergrund versickert. Eine natürliche Dichtung
fehlt. Zudem erfolgt die Sicherung gegen Erosion mit Schotterschüttungen. Das Gewässer ist von seiner Aue
abgeschnitten bzw. die Aue existiert nicht mehr.
61

Abflussveränderungen:
Durch das Verteilerwehr in Spreewiese wird der Zufluss zur Kleinen Spree
vollständig reguliert. Hochwasserereignisse werden über die Spree abgeleitet. Die Festlegung der
Wassermenge wird durch eine modelltechnische Optimierung zwischen Dargebot und Bedarf bestimmt und
ist nahezu unabhängig von Zeit und Einzugsgebiet. Entlang der Kleinen Spree erfolgt die Wasserentnahme
zur Teichbefüllung und Ausgleich für Verdunstungs- und Versickerungsverluste an den Teichen und zur
Flutung der Tagebaurestlöcher.
In der Zukunft prognostizieren die Klimamodelle eine Abnahme des Wasserdargebots für die Region
Ostsachsen (auch Oberlauf der Spree) was zu einer weiteren Verringerung und Vergleichmäßigung des
Abflusses in der Kleinen Spree führt. Die Anforderungen an die Wasserversorgung bleiben aber nahezu
konstant. Die Flutung der Tagebaurestseen ist weitestgehend abgeschlossen, sodass der Wasserbedarf
überwiegend aus Speisung der Fischteiche und Ausgleich der Verdunstungsverluste aus den Seen und
Sicherung der Wasserversorgung für Berlin und den Spreewald durch Zwischenspeicherung und Steuerung
der Wasserqualität durch Rückleitung resultiert.
Geschiebedefizit:
Die Talsperren Sohland und Bautzen im Oberlauf der Spree beeinträchtigen den
Sedimenttransport erheblich. Fast alle Kornfraktionen werden in den Talsperren zurückgehalten. Nur ein Teil
der anfallenden Frachten werden intervallartig ins Unterwasser geleitet. Der Geschiebetransport in die
Kleine Spree wird auch durch das Wehr Spreewiese beeinträchtigt. Lediglich feinere Kornfraktionen oder
organische Schwebstoffe werden in die Kleine Spree transportiert. Geröll und Kiesfraktionen fehlen. Diese
tragen aber auf natürliche Weise zur Erosionssicherung der Sohle bei und erhöhen die Substratvielfalt. Die
Sohle der Kleinen Spree wurde durch Schotterung künstlich gegen Tiefenerosion gesichert. In den
Rückstaubereichen oberhalb der Wehre und Sohlschwellen lagern sich mitgeführte feinpartikuläre Substrate
(überwiegend organisch bzw. Ton und Feinsand) ab und führen zu einem Verschlammen der
gewässertypischen Sandsohle. Die Lomschanke als einziger bedeutender Zufluss zur Kleinen Spree trägt
überwiegend Sand und Kies ein.
Wasserqualität:
Wie bereits im Abschnitt zu Grundwasserveränderungen erläutert, werden aus den
bergbaulich geprägten Bereichen überwiegend sulfat- und eisenhaltige Wässer zugetragen. Zu einer
Direkteinleitung aus den Restseen kommt es im Bereich Burghammer. Dabei sind gewisse Gütekriterien
einzuhalten (< 3 mg/l Eisen, 450 mg/l Sulfat an der MST Wilhelmstal / Spree). Beim Entleeren der
Fischteiche im Herbst werden zudem organische Schwebstoffe eingeleitet, die bei Abbau in der Kleinen
Spree zu Sauerstoffzehrung führen können.
Landwirtschaft:
Die an das Gewässer angrenzenden Flächen werden zu einem überwiegenden Teil landwirtschaftlich
(Ackerkulturen bzw. Grünland) genutzt. Durch die ständig hohen Wasserstände gehalten durch
Wehranlagen und Abstürze sind die Grundwasserflurabstände für diese Nutzungen entsprechend optimal.
Teichwirtschaften grenzen nicht unmittelbar an das Gewässer an, sind aber über Aus- und Überleiter mit
diesem direkt verbunden. Ein deutliches Absenken des Wasserspiegels hätte für alle land- bzw.
fischereiwirtschaftlichen Nutzungen negative Auswirkungen. Die Nutzungen im Gewässerumfeld der
Trittsteine / Strahlquellen zeigt Anlage 14.
62

Eigentumsverhältnisse/Flächenverfügbarkeit:
Das Gewässerflurstück selbst befindet sich, bis auf wenige Ausnahmen, im Eigentum des Freistaates
Sachsen. Die Breite reicht dabei von 5 m im Bereich des Biosphärenreservats bis hin zu über 40 m im
Bereich der Verlegestrecken.
Die an das Gewässerflurstück angrenzenden Flächen befinden sich zu 90 % in privatem oder
Genossenschaftseigentum. Raumgreifende Maßnahmen wie Laufgestaltung, Laufgabelung und Aufweitung
greifen somit häufig in Privateigentum ein. Eine Übersicht über die Eigentumsverhältnisse im Bereich der
Trittsteine/ Strahlquellen zeigt Anlage 15.
Hochwasserschutz:
Die Hochwasserschutzeinrichtungen an der Kleinen Spree bestehen aus den in
Tabelle 5 gelisteten Deichen und den beiden Flutmulden bei Kauppa und Milkel. Aus den Gesprächen mit
der Landestalsperrenverwaltung wird insbesondere die Erhaltung der Funktionsfähigkeit der Flutmulden als
vorrangig betrachtet. Die Deiche schützen in Göbeln, Weißkollm, Burghammer und Burgneudorf vor
Überschwemmung. Durch diese Schutzmaßnahmen und die vollständige Steuerung der Zuflüsse am Wehr
Spreewiese sind keine Gebäude von Hochwasser betroffen. Die gewässernahen Grünland- und
Ackerflächen werden zum Teil häufiger überschwemmt, wenn durch die Verkrautung im Sommer die
Abflussleistung der Kleinen Spree drastisch sinkt.
Bebauung/ Infrastruktur:
Die Kleine Spree verläuft nur zu ca. 7,5 % durch Ortslagen. Die längsten Abschnitte befinden sich dabei in
Spreewiese, Kauppa, Milkel, Lippitsch, Hermsdorf, Litschen, Lohsa und Weißkollm. Die Ortslagen
Burgneudorf und Burghammer werden durch Deiche vom Gewässer getrennt.
Entlang der Kleinen Spree stellen einige Eisenbahn- und Straßenbrücken Zwangspunkte dar, wobei die
Verbindungen regionale Bedeutung haben.
9.3
Maßnahmenplanung Teil 2
Der erste Maßnahmenentwurf wurde im Oktober 2010 den beteiligten Behörden
(Landestalsperrenverwaltung, Untere Wasserbehörde, Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie,
Biosphärenreservatsverwaltung, Landesdirektion Dresden) vorgestellt. Im Ergebnis dieser Präsentation
hatten die Behörden die Möglichkeit zu den geplanten Maßnahmen und zum Maßnahmenumfang Stellung
zu nehmen.
Eine umfangreiche Einschätzung der Maßnahmen auch hinsichtlich der Umsetzbarkeit unter den o.g.
Restriktionen der wasserwirtschaftlichen Anforderungen erfolgte durch die Landestalsperrenverwaltung als
Verantwortlicher für die Gewässerunterhaltung.
Die Hinweise und Einwände, welche von der LTV aufgeführt wurden, sind in Anlage 13 tabellarisch
zusammengefasst. Der Grundton der Einwände besteht in der befürchteten Verschlechterung bei der
Erfüllung der wasserwirtschaftlichen Aufgaben und Erschwerung der Unterhaltung.
Da von keiner weiteren Stelle Hinweise zur Maßnahmenplanung erfolgten, wurde der Maßnahmenentwurf
entsprechend den Anhaltspunkten der LTV überarbeitet.
Im Wesentlichen sind folgende Punkte überarbeitet worden:
63

- Die Maßnahmen Uferanriss, Böschung abflachen, Sohlanhebung entfallen, da sie mit den
wasserwirtschaftlichen Ansprüchen an die Kleine Spree kollidieren
- Die Maßnahmen Sukzession, extensive Gewässerunterhaltung, Eisenhydroxid entfernen entfallen,
da sie an der Kleinen Spree bereits im maximal möglichen Umfang praktiziert werden.
- Die Maßnahmen Foliendichtung und Ockerteiche herstellen entfallen, da sie sich als zu teuer und
unpraktikabel für den Gewässertyp herausgestellt haben.
-
Die Maßnahmen Kiesbank und Laichbett werden unter dem Begriff Kiesbank zusammengefasst, da
für diesen Gewässertyp die Kiesbänke an sich eine Besonderheit darstellen und damit in jedem Fall
als Laichbett ausgebildet sein sollen, insbesondere im Tosbereich unterhalb von Rampen und im
Bereich von Gleiten (umgebauten Wehranlagen) wo die Fließgeschwindigkeiten etwas höher sind
-
Einengungen entfallen für den Oberlauf, da sie mit den wasserwirtschaftlichen Anforderungen (siehe
Kap. 5.9: Schadlose Abflusskapazität) kollidieren.
- Die Maßnahme „Sohlverbau entfernen“ beinhaltet nun, dass einseitig die Böschungsfußsicherung
beseitigt wird (betrifft Abschnitte mit Laufgestaltung bzw. Aufweitung)
- Statt Inselbuhnen wird nun die Maßnahme Laufgabelung eingeführt, bei der ein Zweig die
wasserwirtschaftlichen Anforderungen erfüllen muss und auch entsprechend unterhalten wird und
der andere Zweig ist schwächer durchströmt und bietet Raum für ökologische Entwicklung.
Rückstaubereiche sollten auf ein Mindestmaß reduziert werden, da diese Makrozoobenthostypen in
der Kleinen Spree bereits überrepräsentiert sind.
-
Die Maßnahme „Aufweitung“ wird nun so geändert, dass es sich dabei um einseitige Aufweitungen
handelt, die überwiegend so eingesetzt werden, dass bestehende Radien im Gewässerverlauf
verstärkt werden, d.h. die Aufweitung wird auf der Prallhangseite durch eine Erdbaumaßnahme
durchgeführt und dieser Bereich wird zudem stärker unterhalten um die hydraulische
Leistungsfähigkeit zu gewährleisten. Die Gleithangseite bleibt der ökologischen
Gewässerentwicklung vorbehalten.
-
Der Trittstein Spreewitz wird auf den Abschnitt km 2,3 bis 3,1 verschoben, da in diesem Bereich das
Gewässerflurstück mehr Platz bietet.
Der angepasste Maßnahmenkatalog ist in Anlage 16 zusammengestellt. Die Verortung der Maßnahmen
kann in Anlage 17 eingesehen werden.
9.4 Maßnahmenpriorisierung
Die zeitliche Abfolge bei der Umsetzung der Maßnahmen hängt im Wesentlichen von der Entwicklung der
wasserwirtschaftlichen Ansprüche an das Gewässer Kleine Spree ab. Die im Jahr 2000 vom damaligen
Regierungspräsidium Dresden angestrebten schadlos abzuführenden Wassermengen (siehe Kapitel 5.9)
sind nach wie vor gültig. Besonders oberhalb Lohsa besitzt das Gewässer nicht genügend Profilreserven um
trotz häufig auftretender Verkrautung diese Abflüsse schadlos abzuführen. Schadlos bedeutet in diesem
Fall, dass auch die angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzungen nicht überschwemmt werden dürfen, da
andernfalls durch die Landestalsperrenverwaltung Ausgleichszahlungen an die Landwirte geleistet werden
müssen.
64

Deshalb sind alle Maßnahmen die zu einer Vergrößerung der Profilreserven führen, zuerst umzusetzen.
Dazu zählen Aufweitungen, Laufgabelungen und Laufgestaltungen mit Neuprofilierung des
Gewässerquerschnitts. Der Nachteil dieser Maßnahmen besteht im vergleichsweise hohen Flächenbedarf.
Hier müssen zeitnah entsprechende Kontakte mit den Eigentümern und Flächennutzern hergestellt werden.
Bei der Planung konkreter Maßnahmen ist eine frühzeitige Einbeziehung der Eigentümer unerlässlich für
eine unproblematische Plangenehmigung. Hier ist zu prüfen ob den Eigentümern Austauschflächen zur
Verfügung gestellt werden können, oder ob ein Flächenankauf bzw. eine Art Pachtverhältnis für den
Gewässerrandstreifen möglich ist. Es ist außerdem zu Prüfen, ob die Entwicklungsmaßnahmen am
Gewässer als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für andere Bauvorhaben (Straßenbau, Bebauungspläne)
umgesetzt werden können.
Weiterhin sollten in der ersten Phase der Maßnahmenumsetzung auch Beschattungsmaßnahmen umgesetzt
werden. Entsprechende Pflanzschemata sind bereits bei PAUL, 2000 aufgezeigt. Die Beschattung des
Gewässers führt zur Abnahme der Verkrautung und damit ebenfalls zur Erhöhung der Profilreserven.
Weiterhin sind die Maßnahmen zur Herstellung der Durchgängigkeit voranzutreiben. Dabei ist nicht nur auf
die Durchgängigkeit für Fische zu achten, sondern auch auf einen regelbaren Sedimenttransport, so dass es
oberhalb der Rampen und Gleiten weniger zur Verschlammung der Gewässersohle kommt.
Rückstaubereiche werden sich kaum verringern lassen, da die Aufrechterhaltung bestimmter Wasserstände
für die angebundenen Teichwirtschaften notwenig ist. Im Bereich der Rampen und Gleiten können für
kieslaichende Fische Ersatzhabitate geschaffen werden, da hier die Fließgeschwindigkeiten höher sind.
Unterhalb Lohsa, in dem bergbaulich beeinflussten Gewässerabschnitt, sollten besonders in den
Verlegestrecken bei Dreiweibern und Scheibe Maßnahmen zur Erhöhung der Strukturvielfalt im Gewässer
umgesetzt werden. Buhnen, Raubäume, Wurzelstöcke etc. erhöhen die Diversität innerhalb des Gewässers
ohne, dass in den Gewässerlauf eingegriffen werden muss. Besonders im Bereich der mit Folie gedichteten
Verlegestrecke bei Scheibe können diese Maßnahmen zur Aufwertung und Erhöhung der Habitatvielfalt
beitragen.
Diese Maßnahmen sind oberhalb Lohsa erst in der zweiten Phase umsetzbar, d.h. Buhnen, Raubäume und
Wurzelstöcke können dann in Aufweitungen und Laufgabelungen zur Strukturierung der Ufer eingesetzt
werden.
10 Fazit
Die Belastungen und Defizite der Kleinen Spree sind im wesentlichen hydromorphologischer Art.
Eine chemische Belastung ist nicht nachgewiesen worden, obwohl die Gehalte an Pflanzennährstoffen
untypisch hoch sind. Hier sind allgemeine Maßnahmen zur Reduzierung von Phosphor (Phosphorfällung in
Kläranlagen, Anschluss der Wohngebäude an die Kläranlagen) und zur Reduzierung des diffusen Eintrags
von Stickstoff auf der Landwirtschaft (Reduzierung der Bodenerosion durch Gewässerrandstreifen und
Nichtbeweidung gewässernaher Flächen) voranzutreiben.
Weiterhin sind im Unterlauf durch diffus zutretendes bergbaulich belastetes Grundwasser erhöhte Gehalte
an Eisen und Sulfat zu verzeichnen. Die Ablagerung von Eisenhydroxid im Gewässer zeigt diese Bereiche
im Gewässer deutlich an.
65

Die Makrozoobenthosbeprobung zeigte, dass das Potential für einen guten Zustand in der Kleinen Spree
vorhanden ist. Wenn die entsprechenden Habitate geschaffen werden, kann der gute Zustand hinsichtlich
des Makrozoobenthos erreicht werden. Die momentane Lage der amtliche Messstelle ca. 1,6 km oberhalb
der Mündung ist auf darauf zu prüfen, ob sie für den gesamten Wasserkörper repräsentativ ist. Hier ist die
Verbraunungssituation durch den stillgelegten Braunkohlenbergbau am stärksten. Die Artenzahlen des
Makrozoobenthos sind gering und die Zusammensetzung der Arten ist gewässeruntypisch.
Für Fische ist die Erreichung des guten Zustands nur mit einer Reduzierung der Entwicklungsziele möglich.
Das Ausbleiben der Leitfischarten liegt nicht allein in den Defiziten der Kleinen Spree begründet sonder vor
Allem in der unterbundenen Durchgängigkeit der Spree an sich (bspw. Talsperre Bautzen, Talsperre
Spremberg), was die Langdistanzwanderfische von ihren Laichplätzen im Oberlauf der Spree abschneidet.
Bei der biologischen Komponente Makrophyten / Phytobenthos ist das Erreichen des guten Zustandes durch
eine typgerechte Beschattung des Gewässers und die Schaffung von Gewässerrandstreifen mit
gewässertypischem Bewuchs aus Stieleichen und Hainbuchen untersetzt mit Erlen, Eschen und Weiden.
Durch die Beschattung nimmt der Krautaufwuchs im Gewässer und am Ufer ab, ebenso die übermäßig
anzutreffende Röhrichtvegetation, die eher typisch für Stillgewässer ist.
Die hydraulischen Anforderungen an die Kleine Spree sind bei allen Maßnahmen im Oberlauf (oberhalb
Lohsa) als Randbedingung zu beachten. Dennoch sollten die Steuermöglichkeiten am Wehr Spreewiese
auch für ökologische Zwecke genutzt werden. Die Beibehaltung bzw. Verstärkung sog. Spültage sollte als
Unterstützende Maßnahme zur Gewässerentwicklung weiter verfolgt werden.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Kleine Spree durch die Maßnahmenumsetzung den guten
ökologischen Zustand trotz der bergbaulichen Belastung erreichen kann. Dieses Ziel ist jedoch mit teilweise
erheblichen Anstrengungen und nur durch Zusammenarbeit aller Beteiligten (Landestalsperrenverwaltung
als Gewässerunterhalter, Biosphärenreservat und Flächeneigentümer und Flächennutzer) möglich.
66

11 Literatur- und Quellenverzeichnis
LUA NRW, Merkblatt 17: Leitbilder für kleine bis mittelgroße Fließgewässer in Nordrhein-Westfalen,
Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen, 1999
LUA NRW, Merkblatt 34: Leitbilder für die mittelgroßen bis großen Fließgewässer in Nordrhein-Westfalen,
Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen, 2001
POTTGIESSER & SOMMERHÄUSER: Erste Überarbeitung der Steckbriefe der deutschen
Fließgewässertypen, 2006
FUGRO-HGN GmbH: Ableitung von Handlungsschwerpunkten sowie Auswahl effizienter Maßnahmen und
Maßnahmenkombinationen zur Verbesserung von Gewässerlängsstrukturen in Verbindung mit Maßnahmen
und Maßnahmeschwerpunkten des Durchgängigkeitsprogramms (Querbauwerke) mit Beachtung der
Mindestwasserführung, 2009
PAUL: Landschaftsökologischer Planungsbeitrag zur Gewässerentwicklung der Kleinen Spree, im Auftrag
der Landestalsperrenverwaltung Sachsen (Fortschreibung seit 1998)
LAWA (Länderarbeitsgemeinschaft Wasser): Rahmenkonzept Monitoring (RaKon Monitoring) Teil B -
Arbeitspapier I - Gewässertypen / Referenzbedingungen / Klassengrenzen
LAWA (Länderarbeitsgemeinschaft Wasser): Rahmenkonzept Monitoring (RaKon Monitoring) Teil B -
Arbeitspapier II - Hintergrund- und Orientierungswerte für physikalisch-chemische Komponenten, 2007
LAWA (Länderarbeitsgemeinschaft Wasser): Musterverordnung zur Umsetzung der Anhänge II und V der
Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung
eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik
DRLP (Deutscher Rat für Landespflege): Heft Nr. 81: Kompensation von Strukturdefiziten in Fließgewässern
durch Strahlwirkung, Januar 2008
SMUL (Sächsisches Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft): Verordnung über die Festsetzung des
Biosphärenreservats „Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“ und der Schutzzonen I und II dieses
Biosphärenreservats als Naturschutzgebiet; Stand Januar 2005
67

Telefon: + 49 351 2612-0
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18.10.2011
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Verteilerhinweis
Diese Informationsschrift wird von der Sächsischen Staatsregierung im Rahmen ihrer
verfassungsmäßigen Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit herausgegeben.
Sie darf weder von Parteien noch von deren Kandidaten oder Helfern im Zeitraum
von sechs Monaten vor einer Wahl zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet
werden. Dies gilt für alle Wahlen.
Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an Infor-
mationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben
parteipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist auch die Weitergabe
an Dritte zur Verwendung bei der Wahlwerbung. Auch ohne zeitlichen Bezug zu einer
bevorstehenden Wahl darf die vorliegende Druckschrift nicht so verwendet werden,
dass dies als Parteinahme des Herausgebers zugunsten einzelner politischer
Gruppen verstanden werden könnte.
Diese Beschränkungen gelten unabhängig vom Vertriebsweg, also unabhängig
davon, auf welchem Wege und in welcher Anzahl diese Informationsschrift dem
Empfänger zugegangen ist. Erlaubt ist jedoch den Parteien, diese Informationsschrift
zur Unterrichtung ihrer Mitglieder zu verwenden.
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden
Herausgeber:
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