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BERICHT ZUR HALBZEITBEWERTUNG
des
ENTWICKLUNGSPROGRAMMS FÜR DEN LÄNDLICHEN RAUM
im Freistaat Sachsen
2007 bis 2013
Oktober 2010

Im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft
Erstellt durch:
AFC Management Consulting AG
Dr. Otto Strecker
Dr. Christoph Kliebisch
Dr. Gerald Oerkermann
Veronika Hannus
B
ONN
E
VAL
Dr. Susanne Stegmann
Dietmar Welz
entera
Dr. Thomas Horlitz
Manfred Bathke
Martin Roger
Katja Rudow
Mareike Thies
TSS Forstplanung
Dr. Frank Setzer
Katharina Weiser

Alle die in diesem Text in männlicher Form verwendeten
Personen-, Berufs- oder Funktionsbezeichnungen schließen
ausdrücklich Frauen mit ein.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
IV
INHALTSVERZEICHNIS
1
ZUSAMMENFASSUNG..............................................................................................................................1
2EINLEITUNG............................................................................................................................................10
3
PROGRAMMKONTEXT...........................................................................................................................13
3.1
Ä
NDERUNG DER SOZIOÖKONOMISCHEN
R
AHMENBEDINGUNGEN UND
A
KTUALISIERUNG DER
S
TÄRKEN
-
S
CHWÄCHEN
-C
HANCEN
-R
ISIKO
-A
NALYSE
(SWOT).............................................................................13
3.2
B
EURTEILUNG DER
R
ELEVANZ DER GEWÄHLTEN
S
TRATEGIE
.................................................................27
3.3
B
ESCHREIBUNG DES
B
EWERTUNGSPROZESSES
: Z
USAMMENFASSUNG DER
A
UFGABENBEREICHE
,
DES
Z
WECKS UND
U
MFANGS DER
B
EWERTUNG
....................................................................................30
3.4
B
ESCHREIBUNG FRÜHERER
B
EWERTUNGEN IM
Z
USAMMENHANG MIT DEM
P
ROGRAMM
...........................32
4
METHODIK...............................................................................................................................................33
5
UMSETZUNG DES PROGRAMMS .........................................................................................................36
5.1
D
URCHFÜHRUNG DES
P
ROGRAMMS
: A
KTEURE UND INSTITUTIONELLER
K
ONTEXT
...................................36
5.2
G
ESTALTUNG DES
P
ROGRAMMS
: B
ESCHREIBUNG VON
P
RIORITÄTEN UND
M
AßNAHMEN
.........................37
5.3
B
UDGET FÜR DEN
P
ROGRAMMPLANUNGSZEITRAUM UND DESSEN
Ä
NDERUNGEN
....................................42
5.4
F
INANZIELLER
U
MSETZUNGSSTAND DES
EPLR 2007
BIS
2009 .............................................................44
6
BEWERTUNG DER MAßNAHMEN .........................................................................................................47
6.1
M
ODERNISIERUNG LANDWIRTSCHAFTLICHER
B
ETRIEBE
(C
ODE
121) .....................................................48
6.1.1 Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand...........................................................48
6.1.2 Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen ....................................................51
6.1.3 Schlussfolgerungen und Empfehlungen .......................................................................................58
6.2
Z
USAMMENARBEIT BEI DER
E
NTWICKLUNG NEUER
P
RODUKTE
, V
ERFAHREN UND
T
ECHNOLOGIEN
(C
ODE
124)........................................................................................................................................59
6.2.1 Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand...........................................................59
6.2.2
Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen ................................................60
6.2.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen ...................................................................................60
6.3
I
NFRASTRUKTUR IM
Z
USAMMENHANG MIT DER
E
NTWICKLUNG UND
A
NPASSUNG DER
L
AND
-
UND
F
ORSTWIRTSCHAFT
(C
ODE
125) .........................................................................................................61
6.3.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand.......................................................61
6.3.2
Beantwortung der maßnahmenspezifischen Bewertungsfragen ..............................................62
6.3.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen ...................................................................................63
6.4
T
EILNAHME DER
L
ANDWIRTE AN
L
EBENSMITTELQUALITÄTSREGELUNGEN
(C
ODE
132)............................64
6.4.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand.......................................................64
6.4.2
Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen ................................................65
6.4.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen ...................................................................................66
6.5
U
NTERSTÜTZUNG VON
E
RZEUGERGEMEINSCHAFTEN BEI
I
NFORMATIONS
-
UND
A
BSATZFÖRDERUNGSMAßNAHMEN
(C
ODE
133)....................................................................................67
6.5.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand.......................................................67
6.5.2
Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen ................................................67
6.5.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen ...................................................................................67
6.6
A
USGLEICHSZAHLUNGEN FÜR NATURBEDINGTE
N
ACHTEILE ZUGUNSTEN VON
L
ANDWIRTEN IN
B
ERGGEBIETEN
(C
ODE
211)................................................................................................................68
6.6.1 Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand...........................................................68
6.6.2 Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen ....................................................68
6.6.3 Schlussfolgerungen und Empfehlungen .......................................................................................69
6.7
A
USGLEICHSZAHLUNGEN FÜR NATURBEDINGTE
N
ACHTEILE ZUGUNSTEN VON
L
ANDWIRTEN IN
BENACHTEILIGTEN
G
EBIETEN AUßERHALB VON
B
ERGGEBIETEN
(C
ODE
212)..........................................69
6.7.1 Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand...........................................................69
6.7.2 Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen ....................................................69
6.7.3 Schlussfolgerungen und Empfehlungen .......................................................................................71

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
V
6.8
Z
USAMMENFASSENDE
B
EWERTUNG DER
A
USGLEICHSZAHLUNGEN
(C
ODE
211
UND
C
ODE
212) .............71
6.8.1 Umsetzungsstand .........................................................................................................................71
6.8.2 Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen ....................................................71
6.8.3 Schlussfolgerungen und Empfehlungen .......................................................................................72
6.9
A
GRARUMWELTMAßNAHMEN
(C
ODE
214).............................................................................................73
6.9.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand.......................................................73
6.9.2
Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen ................................................75
6.9.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen ...................................................................................91
6.10
E
RSTAUFFORSTUNG LANDWIRTSCHAFTLICHER
F
LÄCHEN
(C
ODE
221) ...................................................97
6.10.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand.......................................................97
6.10.2
Beantwortung der maßnahmenspezifischen Bewertungsfragen ..............................................98
6.10.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen .................................................................................100
6.11
E
RSTAUFFORSTUNG NICHT
-
LANDWIRTSCHAFTLICHER
F
LÄCHEN
(C
ODE
223) .......................................100
6.11.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand.....................................................100
6.11.2
Beantwortung der maßnahmenspezifischen Bewertungsfragen ............................................101
6.11.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen .................................................................................102
6.12
B
EIHILFE FÜR NICHTPRODUKTIVE
I
NVESTITIONEN IM
W
ALD
(C
ODE
227)...............................................103
6.12.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand.....................................................103
6.12.2
Beantwortung der maßnahmenspezifischen Bewertungsfragen ............................................104
6.12.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen .................................................................................105
6.13
D
IVERSIFIZIERUNG HIN ZU NICHTLANDWIRTSCHAFTLICHEN
T
ÄTIGKEITEN
(C
ODE
311)...........................106
6.13.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand.....................................................106
6.13.2
Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen ..............................................107
6.13.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen .................................................................................109
6.14
F
ÖRDERUNG DES
F
REMDENVERKEHRS
(C
ODE
313) ...........................................................................109
6.14.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand.....................................................109
6.14.2
Beantwortung der maßnahmenspezifischen Bewertungsfragen ............................................112
6.14.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen .................................................................................115
6.15
D
IENSTLEISTUNGSEINRICHTUNGEN
(C
ODE
321) .................................................................................117
6.15.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand.....................................................117
6.15.2
Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen ..............................................119
6.15.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen .................................................................................121
6.16
D
ORFERNEUERUNG
(C
ODE
322)........................................................................................................122
6.16.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand.....................................................122
6.16.2
Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen ..............................................124
6.16.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen .................................................................................126
6.17
E
RHALT UND
V
ERBESSERUNG DES NATÜRLICHEN UND KULTURELLEN
E
RBES
(C
ODE
323) ....................127
6.17.1
Erhalt und Verbesserung des natürlichen Erbes: Umsetzungsstand der Maßnahme ............127
6.17.2
Beantwortung der maßnahmenspezifischen Bewertungsfragen zum Erhalt und zur
Verbesserung des natürlichen Erbes......................................................................................127
6.17.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen zum Erhalt und zur Verbesserung des
natürlichen Erbes....................................................................................................................128
6.17.4
Erhalt und Verbesserung des kulturellen Erbes: Umsetzungsstand der Maßnahme .............130
6.17.5
Beantwortung der maßnahmenspezifischen Bewertungsfragen zum Erhalt und zur
Verbesserung des kulturellen Erbes.......................................................................................131
6.17.6
Schlussfolgerungen und Empfehlungen für den Bereich Kulturelles Erbe .............................132
6.18
K
OMPETENZENTWICKLUNG
(M
AßNAHME
341).....................................................................................132
6.18.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand.....................................................132
6.18.2
Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen ..............................................134
6.18.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen .................................................................................135
6.19
U
MSETZUNG VON LOKALEN
E
NTWICKLUNGSSTRATEGIEN
(LEADER) (C
ODE
41)..................................136
6.19.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand.....................................................136
6.19.2
Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen ..............................................137
6.19.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen .................................................................................139
6.20
U
MSETZUNG VON
P
ROJEKTEN DER
Z
USAMMENARBEIT
(C
ODE
421).....................................................140

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
VI
6.21
A
RBEIT DER LOKALEN
A
KTIONSGRUPPE
(C
ODE
431) ..........................................................................140
6.21.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme..........................................................................................140
6.21.2
Beantwortung der maßnahmenspezifischen Bewertungsfragen ............................................141
6.21.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen .................................................................................142
6.22
G
ESAMTBEWERTUNG VON
ILE
UND
LEADER, B
EWERTUNG DER
W
IRKUNGEN DER
I
NTEGRIERTEN
L
ÄNDLICHEN
E
NTWICKLUNG
..............................................................................................................143
6.22.1
Beantwortung der spezifischen Bewertungsfragen des SMUL...............................................144
6.22.2
Schlussfolgerungen und Empfehlungen .................................................................................153
7
BEANTWORTUNG DER HORIZONTALEN BEWERTUNGSFRAGEN UND BEWERTUNG DES
GESAMTPROGRAMMS ........................................................................................................................154
7.1
B
EANTWORTUNG DER HORIZONTALEN
B
EWERTUNGSFRAGEN
.............................................................154
7.1.1
Dimension: Wirtschaft und Gesellschaft .................................................................................154
7.1.2
Dimension: Umwelt .................................................................................................................173
7.1.3
Dimension: Politik („Good Governance“) ................................................................................184
7.2
E
RGEBNISSE DER ERGÄNZENDEN VERTIEFENDEN
B
ETRACHTUNGEN
....................................................194
7.2.1
Querschnittsziel Gleichstellung von Männern und Frauen .....................................................194
7.2.2
Überprüfung des Verwaltungs- und Kontrollsystems..............................................................198
7.2.3
Überprüfung der Strategischen Umweltprüfung (SUP)...........................................................206
7.2.4
Evaluierung der fachlichen Begleitung der flächenbezogenen Agrarumweltmaßnahmen
in Schwerpunkt 2 ....................................................................................................................210
7.2.5
Evaluierung der Technischen Hilfe .........................................................................................213
8
SCHLUSSFOLGERUNGEN UND EMPFEHLUNGEN ..........................................................................219

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
VII
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1:
Entwicklung der Divergenz des pro Kopf BIP Sachsens zum nationalen
Durchschnitt 2006 bis 2009 in EURO
13
Abbildung 2:
Entwicklung der Divergenz der Arbeitslosen- quoten Sachsens zum
nationalen Durch- schnitt 2005 bis 2009 (Angaben in %)
14
Abbildung 3:
Veränderung der Arbeitslosenquoten nach Geschlecht in Sachsen
(Angaben in %)
14
Abbildung 4:
Erwerbstätigenquote in Sachsen 2009 nach Altersklassen und Geschlecht
(Angaben in %)
15
Abbildung 5:
Entwicklung der Divergenz der Produktivität Sachsens zum nationalen
Durchschnitt 1991 bis 2009 – Bruttowertschöpfung pro Erwerbstätigem
(„Produktivitätslücke“)
15
Abbildung 6:
Wanderungssalden nach Kreisen 2008 - Salden aus Zu- und Fortzügen pro
1.000 EW (Angaben in %)
16
Abbildung 7:
Sektorale Wirtschafts- und Beschäftigtenstruktur nach Raumkategorien in
Sachsen 2008
17
Abbildung 8:
Räumliche Verteilung der Betriebsformen in Sachsen
18
Abbildung 9:
Entwicklung von Gästeankünften und Übernachtungen im Freistaat
Sachsen ab 2000
20
Abbildung 10: Evaluierungsdesign zur Halbzeitbewertung des EPLR 2010
31
Abbildung 11: Vorgehensweise und Aufbau der Halbzeitbewertung des EPLR
33
Abbildung 12: Prozentuale Verteilung der geförderten Betriebe 2007 bis 2009 nach
Hauptproduktionsrichtung (n = 238)
50
Abbildung 13: Entwicklung der Arbeitsproduktivität geförderter gegen nicht geförderter
Betriebe (EURO/AK)
51
Abbildung 14: Mit-Ohne-Vergleich des nachhaltigen Arbeitsein- kommens (EURO/AK)
(Stichprobe: Bewilligungen 2008)
52
Abbildung 15: Wachstumshemmnisse aus Sicht der befragten Betriebsleiter im Freistaat
Sachsen (n = 79)
53
Abbildung 16: Umsatzentwicklung geförderter vs. nicht geförderter Betriebe 2006/07 bis
2008/09
55
Abbildung 17: Dimensionen der Nachhaltigkeit
56
Abbildung 18: Förderflächen mit Agrarumweltmaßnahmen und Zielbezug
74
Abbildung 19: Themen Bewertungsfrage 2
78
Abbildung 20: Förderflächen 2008 und 2009 - Maßnahmebereich B
80
Abbildung 21: Anteil der Förderflächen mit und Ausgaben für „dark green“ und „light
green“-Maßnahmen
89
Abbildung 22: Wachstumsraten des Eigenkapitals geförderter Betriebe im Frei- staat
Sachsen (Bewilligungen der Maßnahme 121 im Jahr 2008, n = 35)
155
Abbildung 23: Bevölkerungsdruck (2008) und Gesamtinvestitions- volumen in bewilligten
Vorhaben aller ILEK
160
Abbildung 24: Entwicklung der Bruttowertschöpfung in geförderten versus nicht ge-
förderten Betrieben (EURO/Betrieb)
170

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
VIII
Abbildung 25: Veränderung der Produktionsstruktur aus Sicht der Zuwendungsempfänger
(n =25)
171
Abbildung 26: Ausgaben bis 2009 für Maßnahmen mit Beitrag zum Schutz und zur
Förderung natürlicher Ressourcen in ländlichen Räumen (Biodiversität, trad.
Agrarlandschaften, Wasser, Klima)
178
Abbildung 27: Strategische Leitlinien der Gemeinschaft für den Schwerpunkt 2
179
Abbildung 28: Beurteilung des Abstimmungsprozesses im BGA durch vier Wirtschafts- und
Sozialpartner
185
Abbildung 29: Abhängigkeit der investierten Eigenmittel vom durch Einzel- betriebliche
Investitionsförderung veränderten internen Zins
189
TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 1:
Einnahmen und Ausgaben der Gemeinden bis 5.000 Einwohner in
Mio. EURO
21
Tabelle 2:
ELER-Mittelverteilung im EPLR-Sachsen
38
Tabelle 3:
Programmänderungen des EPLR Sachsens 2007 bis 2009
40
Tabelle 4:
Anteilige Verteilung der zusätzlichen Mittel im Rahmen der dritten
Programmänderung
40
Tabelle 5:
Indikative Mittelverteilung des EPLR im Freistaat Sachsen
42
Tabelle 6:
Finanzieller Umsetzungsstand des EPLR 2007 bis 2009
44
Tabelle 7:
Darstellung des Mittelabruf bei der KOM gegenüber der indikativen
Finanzplanung des EPLR 2007 bis 2010 – Einhaltung der „n+2“-Regel
45
Tabelle 8:
Ziele und angenommene Wirkungen der Fördergegenstände
76
Tabelle 9:
Förderfläche mit Beitrag zur Biodiversität
78
Tabelle 10:
Beiträge der AUM zur Verbesserung der Umwelt
90
Tabelle 11:
Auswertung der Fördervorhaben zu Angaben bezüglich Arbeitsplatzeffekten
durch die Förderung des Landtourismus
113
Tabelle 12:
Verteilung der Anzahl bewilligter Vorhaben und des Gesamt-
investitionsvolumens
119
Tabelle 13:
Regionale Verteilung der Vorhaben und des Investitionsvolumens
121
Tabelle 14:
Verteilung der Anzahl bewilligter Vorhaben und des
Gesamtinvestitionsvolumens
123
Tabelle 15:
Regionale Verteilung der Vorhaben und des Investitionsvolumens
126
Tabelle 16:
Indikatorenübersicht zu den Ergebnissen der Förderung durch die
Maßnahme 323 – kulturelles Erbe
130
Tabelle 17:
Bewilligte Vorhaben und Gesamtinvestitionsvolumen nach
Fördergegenständen des EPLR
130
Tabelle 18:
INDIKATORENÜBERSICHT zur Maßnahme 431
133
Tabelle 19:
Mitglieder und Struktur der Koordinierungskreise der ILE Gebiete
134
Tabelle 20:
Verteilung der in Maßnahme 413 geförderten Vorhaben nach
Maßnahmebereichen
137

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
IX
Tabelle 21:
Mitglieder und Struktur der Koordinierungskreise in den LEADER-Gebieten
141
Tabelle 22:
Verteilung der Vorhaben und Gesamtinvestitionen nach Förderbereichen
143
Tabelle 23:
Mitglieder und Struktur der Koordinierungskreise
144
Tabelle 24:
Indikatoren zu Maßnahmen der Steuerung und Verbesserung des
Umsetzungsprozesses
144
Tabelle 25
Anzahl geschaffener, gesicherter und induzierter Arbeitsplätze durch die
Umsetzung der ILEK
152
Tabelle 26:
Beitrag des Kapitalstocks zum Wachstum im ländlichen Raum Sachsens
159
Tabelle 27:
Nettowirkung des EPLR 2007 bis 2009 auf Wachstum und
Arbeitsproduktivität im ländlichen Raum
159
Tabelle 28:
Synergetische Beiträge einzelner Maßnahmen auf die Wirkungsbereiche
anderer Schwerpunkte
165
Tabelle 29:
Ermittlung des Hebeleffektes der einzelbetrieblichen Investitionsförderung
durch geschätzte Mit-Ohne-Vergleiche eines repräsentativen
Durchschnittsbetriebs
189
Tabelle 30:
Programmdesign hinsichtlich von Multiplikatoreffekten
192
Tabelle 31:
Aktivitäten und Mittelverwendung aus der TH in 2007 bis 2009
214
Tabelle 32:
Vergleich ausgewählter Projektbereiche bezüglich Fördersummen und Zahl
der Einzelanträge im Rahmen der TH 2007 bis 2009
216

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
1
1
ZUSAMMENFASSUNG
Mit Verabschiedung der Verordnung zur „Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch
den Europäischen Landwirtschaftsfonds (ELER)“ (VO (EG) Nr. 1698/2005) wurde am 20.09.2005
der Rechtsrahmen für die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums als zweite Säule der
Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für den Zeitraum 2007 bis 2013 festgelegt. Im Freistaat Sach-
sen ist die ELER-VO umgesetzt im „Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum (EPLR)“,
dessen 3. Änderungsfassung im Dezember 2009 von der Europäischen Kommission genehmigt
wurde.
Verbunden mit dieser Politik für den ländlichen Raum sind die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
der Land- und Forstwirtschaft sowie der Ausbau der ländlichen Gebiete zur Sicherung und Schaf-
fung von Arbeitsplätzen bei gleichzeitiger Berücksichtigung von Umweltaspekten.
Für den Förderzeitraum 2007 – 2013 sieht die ELER-VO einen kontinuierlichen Begleitungs- und
Bewertungsprozess vor, der im Jahr 2010 die Form einer Halbzeitbewertung erhält. Im Rahmen
der Halbzeitbewertung des EPLR erfolgt die erste umfassende Bewertung der Einzelmaßnahmen
und des Gesamtprogramms im Hinblick auf Effizienz und Wirksamkeit der Programmumsetzung.
Änderung der sozioökonomischen Rahmenbedingungen
Mit einem durchschnittlichen Bruttoinlandsprodukt (BIP in KKS) je Einwohner von weniger als
75 % des EU-25-Durchschnitts im Referenzzeitraum 2000-2002 wurden die Regierungsbezirke
Dresden und Chemnitz von der EU als Konvergenzregionen, der Bezirk Leipzig als „Phasing-out-
Region“ eingestuft. Im „Basisjahr“ 2006 betrug das BIP je Einwohner in Dresden 88 %, in Chem-
nitz 82 % und in Leipzig 89 % des EU-27 Durchschnitts.
Sachsen hatte in der Zeit bis etwa Mitte 2008 vom konjunkturellen Aufschwung nur unterdurch-
schnittlich profitiert. In der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 konnte Sachsen einen Rückgang der
Divergenz im BIP pro Kopf zum nationalen Durchschnitt verzeichnen. Die Auswirkungen des all-
gemeinen Produktions- und Absatzeinbruchs auf dem Arbeitsmarkt wurden unter anderem durch
die Nutzung des konjunkturpolitischen Instruments der Kurzarbeit bisher erfolgreich aufgefangen.
Die sächsischen Frauen, die schon vom wirtschaftlichen Aufschwung bis Mitte 2008 überdurch-
schnittlich profitiert hatten, konnten selbst im Krisenjahr 2009 einen Rückgang ihrer Arbeitslosen-
quote um 1,1 Prozentpunkte verzeichnen. Trotzdem stehen die hohen Arbeitslosenzahlen 14,4 %
(2009) weiterhin für einen deutlichen Abstand in der Lebensqualität.
Die Erwerbstätigenquote liegt in Sachsen 2009 für die zwischen 15- und 65-Jährigen erstmals bei
70 % und hat damit den Lissabon-Zielwert für die Erwerbsbeteiligung erreicht. Wie in den anderen
neuen Bundesländern ist die Erwerbsbeteiligung der Frauen auch in Sachsen traditionell hoch und
liegt mit 67,4 % über dem Lissabon-Zielwert von 65 %. Auch der Lissabon Zielwert von 50 % für
ältere Erwerbstätige wurde in Sachsen 2009 deutlich überschritten.
Bei dieser relativ hohen Erwerbsbeteiligung begründet sich die dargestellte Divergenz im BIP pro
Kopf der Bevölkerung in weiterhin bestehenden Produktivitätslücken der sächsischen Wirtschaft,
die sich trotz erheblicher Investitionen und Investitionsförderungen der deutschen Ziel 1 Gebiete
seit Mitte der 90er Jahre kaum verändern.
Die Bevölkerung in Sachsen entwickelt sich konstant rückläufig. Dies ist zum einen auf ein anhal-
tendes Geburtendefizit zurück zu führen, zum anderen aber verzeichnet Sachsen dramatische
Nettowanderungsverluste insbesondere in seinen ländlichen Gebieten. Begleitet wird dieser Pro-
zess von einer zunehmenden Überalterung der verbleibenden Bevölkerung. Die regionale Bevöl-
kerungsentwicklung ist eine entscheidende Rahmenbedingung für die Ausgestaltung und Tragfä-
higkeit der geförderten langfristig zu nutzenden kommunalen Infrastrukturen und Dienstleistungs-
einrichtungen. Dies gilt z.B. auch für den Schulhausbau: Trotz der Nettowanderungsverluste wird
die seit 1994 leicht angestiegene Geburtenrate wieder zu ansteigenden Schülerzahlen führen.
Im ländlichen Raum stellt der Dienstleistungssektor den bedeutendsten Wirtschafts- und Beschäf-
tigungsbereich dar. Bedeutender als in den drei großen Städten ist der sekundäre Sektor in

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
2
ländlichen Gebieten. Der primäre Sektor stellt in 2008 selbst im ländlichen Raum nur noch 1,6 %
der dort erbrachten Bruttowertschöpfung und nur 3,3 % der Erwerbstätigen im ländlichen Raum
sind in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft beschäftigt. Das Verhältnis von Bruttowert-
schöpfungs- und Beschäftigtenanzahl kennzeichnet gleichzeitig eine erhebliche Produktivitätsdi-
vergenz des primären gegenüber den beiden anderen Sektoren. Eine vergleichsweise geringe
Kapitalintensität und eine kontinuierliche Verschiebung der Altersstruktur in Richtung Überalterung
im primären Sektor mögen wichtige Gründe hierfür sein. Langfristig wird diese Divergenz zu weite-
rem Beschäftigungsabbau in der Landwirtschaft führen. Die Bruttowertschöpfung (BWS) der Land-
und Forstwirtschaft sowie der Fischerei Sachsens entwickelte sich in den vergangenen drei Jahren
kontinuierlich negativ und liegt unter dem bundesweiten Durchschnitt.
Die Rahmenbedingungen in der Forstwirtschaft im Freistaat Sachsen haben sich im Vergleich zu
den Analysen im EPLR nicht grundlegend verändert. Die kleinparzellierte Eigentumsstruktur im
Privatwald führt auch weiterhin zu einer aussetzenden Nutzung in den Forstbetrieben. Selbst bei
Ausnutzung des möglichen Hiebsatzes würden diese Betriebe ohne staatliche Förderung aufgrund
des geringen wirtschaftlichen Gewinns keine Investitionen in Wegebau oder Waldumbau durch-
führen können. Die aktuelle Erschließungssituation im sächsischen Privat- und Körperschaftswald
ist aber häufig noch unzureichend und genügt vielerorts den Anforderungen der heutigen Holz-
transporttechnik nicht.
Die wirtschaftliche Situation der Beherbergungsbetriebe im ländlichen Raum ist sehr inhomogen.
In traditionellen Urlaubsgebieten wie dem Vogtland und der sächsischen Schweiz liegt die durch-
schnittliche Bettenauslastung über 43 %, in den Landkreisen Zwickau, Bautzen oder Meißen hin-
gegen unter 30 %. Der Trend zu Kurzreisen spiegelt sich in der steigenden Ankunftszahl gegen-
über nahezu gleichbleibenden Übernachtungszahlen wider.
Trotz des anhaltenden strukturellen Rückbaus der Baukapazitäten spielt die Bauwirtschaft vor al-
lem im ländlichen Raum Sachsens eine beschäftigungspolitisch wichtige Rolle. Mit 9,6 % findet
fast jeder 10. Erwerbstätige in ländlichen Gebieten seine Beschäftigung in der Bauwirtschaft. In
den drei großen Städten sind es nur 5,3 % der Erwerbstätigen, die in der Bauwirtschaft arbeiten.
Die Schwächen des ländlichen Raums werden in fehlenden Beschäftigungs- und Ausbildungs-
möglichkeiten und niedrigen Einkommenspotenzialen sowie in einer teilweise unzureichend entwi-
ckelten bzw. nicht am Bedarf angepassten sozialen, kulturellen und materiellen Infrastrukturaus-
stattung gesehen. Große Probleme für die ländliche Bevölkerung ergeben sich aber auch aus der
unzureichenden Erreichbarkeit öffentlicher Dienstleistungsstrukturen. Die Verbesserungsmöglich-
keiten der infrastrukturellen Ausstattung hängen mittelfristig nicht nur von einer angestrebten wirt-
schaftlichen Tragfähigkeit, sondern entscheidend auch von der Finanzkraft der Kommunen ab.
Was die Umweltsituation und die Entwicklung der Landbewirtschaftung im Freistaat Sachsen an-
belangt, sind für keinen dieser Bereiche weitreichende Veränderungen gegenüber der Darstellung
der dem EPLR zugrunde liegenden SWOT-Analyse festzustellen. Auch unter Berücksichtigung
einer aktualisierten Datenbasis werden die in der SWOT-Analyse dargestellten Trendentwicklun-
gen sowie die daraus abgeleiteten Stärken und Schwächen weitestgehend bestätigt.
Überblick zum finanziellen Umsetzungsstand
Bis Ende 2009 wurden 17 % der für Schwerpunkt 1 vorgesehenen Mittel, 30 % der für Schwer-
punkt 2 vorgesehenen Mittel, 10 % der für Schwerpunkt 3 vorgesehenen Mittel und 12 % der für
Schwerpunkt 4 vorgesehenen Mittel verausgabt.
Insgesamt liegt der Auszahlungsstand des Programms von 19 % der Fördermittel bis Ende 2009
deutlich hinter dem erwarteten Mittelabfluss von 43 % zurück. Der Grund hierfür ist in einem teil-
weise verspäteten Programmbeginn zu finden. Gemessen an dem Stand der Bewilligungen ist der
Umsetzungsstand des EPLR jedoch sehr viel positiver zu werten. Eine detaillierte Beurteilung zum
Umsetzungsstand ist allerdings nur über eine Einzelbewertung der Maßnahmen möglich.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
3
Beurteilung der Relevanz der gewählten Strategie
Die Schwerpunkte der Förderstrategie im Freistaat Sachsen liegen in der Förderung von Investiti-
onen innerhalb und außerhalb der Land- und Forstwirtschaft, der Umsetzung integrierter und ü-
bergreifender Entwicklungsstrategien im ländlichen Raum sowie freiwilliger Agrarumweltmaßnah-
men. Die Grundlage dieser Strategie bilden die zentralen Ziele des nationalen Strategieplans auf
der einen und die sozioökonomische Analyse der Ausgangssituation des EPLR auf der anderen
Seite.
Eine Strategieänderung in der ELER - Förderung erfolgte auf Veranlassung der EU-Kommission
durch die Anpassung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) im Rahmen des Health Check Ende
2008
sowie
durch
eine
zweckgebundene
Mittelaufstockung
im
Rahmen
des
EU-
Konjunkturprogramms. Rund 71 Mio. EURO stehen dabei als EU-ELER- und Landesmittel für
Maßnahmen der „Neuen Herausforderungen“ zur Verfügung. Die Zweckbindung der durch den
Health Check und das Konjunkturprogramm zusätzlich zur Verfügung stehenden Mittel führt
zwangsläufig zu einer – wenn auch geringen – Akzentverschiebungen bei den finanziellen
Schwerpunktsetzungen innerhalb des Programms.
Was die Kohärenz zu den Gemeinschaftsprioritäten anbelangt, sind Defizite in der Strategie und in
der bisherigen Umsetzung des EPLR feststellbar. So ist es im Schwerpunkt 1 mit seiner klassi-
schen Investitionsförderung bislang noch nicht gelungen, die in der Gemeinschaftsstrategie fest-
gelegten Ziele wie die Förderung von Innovationen umzusetzen. Maßnahmen wie „Teilnahme von
Landwirten an Lebensmittelqualitätsregelungen“ (Maßnahme 132) und „Informations- und Absatz-
förderungsmaßnahmen“ (Maßnahme 133) sowie „Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Er-
zeugnisse, Verfahren und Techniken in Land-, Ernährungs- und Forstwirtschaft“ (Maßnahme 124)
– grundsätzlich geeignet für die Verbesserung von Innovationen und Produktqualitäten in der
Landwirtschaft – konnten bisher nicht erfolgreich implementiert werden. Im Schwerpunkt 2 sind
ausschließlich im Forstbereich strukturell wirksame Maßnahmen geplant und umgesetzt. Über
20 % der bis Ende 2009 insgesamt verausgabten öffentlichen Mittel des Programms sind reine
Transferleistungen im Rahmen der Ausgleichszulage. Dies ist jedoch als ein grundsätzliches Defi-
zit der ELER-Förderung zu betrachten und nicht als Spezifikum der gewählten Strategie in Sach-
sen. Die potenziell hoch wirksamen dauerhaften Beiträge der Maßnahme 323 „Ländliches Erbe“
konnten zudem bisher mangels Umsetzungsstand nicht erreicht werden. Nicht produktive Investiti-
onen zur dauerhaften Verbesserung der Umweltsituation in landwirtschaftlichen Betrieben (Maß-
nahme 216) sind nicht programmiert. Der Herausforderung, die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit
der ländlichen Wirtschaft durch Förderung der Diversifizierung und durch Fokussierung auf
Wachstum und Beschäftigung im ländlichen Raum zu verbessern, wird im Wesentlichen und er-
folgreich mit den Maßnahmen der Schwerpunkte 3 und 4 begegnet.
Akzeptanz und Wirkungen der Maßnahmen des EPLR
Zur Bewertung der Maßnahmen, Schwerpunkte und des Gesamtprogramms wurden zunächst die
Vorhaben untersucht, für die bis Ende 2009 Auszahlungen getätigt wurden. Für weitere Erklärun-
gen, Prognosen und Gesamteinschätzungen der voraussichtlichen Weiterentwicklung wurden
auch Bewilligungsdaten heran gezogen, soweit diese verfügbar waren. Auch Antragsdaten wurden
soweit aussagerelevant herangezogen, um projektspezifische Informationen zu verwerten. Die
Einzelbewertungen bilden die Grundlage für die Einschätzung der Wirkungsbeiträge der einzelnen
Schwerpunkte.
Die Beiträge zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft im
Schwerpunkt 1
konzentrieren sich aufgrund des derzeitigen Standes der Programmumsetzung
auf die Maßnahmen 121 und 125. Durch mangelnde Akzeptanz der Förderangebote liegen bis
zum Zeitpunkt der Halbzeitbewertung keine Anträge zur Förderung für die weiteren Einzelmaß-
nahmen des Schwerpunktes 1 vor. Davon betroffen sind die Maßnahmen 124, 132 und 133.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
4
Mit der Maßnahme
Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe (Maßnahme 121)
wurden im
Zeitraum 2007 bis 2009 insgesamt 257 Vorhaben von 238 Unternehmen gefördert. Im Mittelpunkt
der Förderung stehen dabei Investitionen in Gebäude, die über mehrere Jahre durchgeführt wer-
den. Für diese Förderfälle entstanden in diesem Zeitraum öffentliche Ausgaben in Höhe von
41,6 Mio. EURO, durch die ein Investitionsvolumen von rund 150 Mio. EURO generiert wird. Im
Hinblick auf den Mittelabfluss ergibt sich hierdurch ein Umsetzungsstand von 24 %. Bezogen auf
die anvisierte Gesamtzahl der Förderfälle beträgt der Umsetzungsstand nunmehr rund 12 %.
Mit Blick auf die regionale Verteilung der Förderung zeigt sich, dass ein nicht unerheblicher Anteil
auf benachteiligte Gebiete des Freistaates Sachsen entfällt. So finden 37 % der bis Ende 2009
geförderten Investitionen in benachteiligten Gebieten statt. Vor dem Hintergrund, dass gerade in
benachteiligten Gebieten ein stärkerer Rückgang der Betriebszahlen (-5,21 % zwischen 2007 und
2009) zu verzeichnen ist, dürfte der relativ hohe Anteil der Förderung in benachteiligten Regionen
einen wichtigen Beitrag leisten, diesen Trend abzumildern.
Für die Förderung der
Infrastruktur im Zusammenhang mit der Entwicklung und Anpassung
der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft (Maßnahme 125)
wurden in den Jahren 2007 bis
2009 insgesamt 1.155.770 EURO ausgezahlt, hierdurch ergibt sich ein Umsetzungsstand der
Maßnahme von rund 23 %. In den Jahren 2007 bis 2009 wurden 38 Erschließungsvorhaben mit
einem förderfähigen Investitionsvolumen von 1.586.098 EURO gefördert. Hierdurch konnten
41.488 lfm neue Wege gebaut bzw. grundhaft instandgesetzt werden. Insgesamt kann eine zu-
friedenstellende Zielerreichung im Verhältnis zur Laufzeit des Programms festgestellt werden, da
der zögerliche Beginn im Jahr 2007 durch eine rege Inanspruchnahme in den Folgejahren kom-
pensiert wird. Die Erreichung des Ergebnisindikators „Geförderte Wegelänge“ ist sogar trotz der
anfangs verhaltenen Maßnahmenakzeptanz überdurchschnittlich, so dass die Zielerreichung zum
Ende der Programmlaufzeit möglich ist.
Die für das EPLR im Freistaat Sachsen gewählten Einzelmaßnahmen im
Schwerpunkt 2
haben
Wirkungsbeiträge zur Verbesserung der Umwelt und der Landschaft zum Ziel.
Die Maßnahme
Ausgleichszahlungen für naturbedingte Nachteile zugunsten von Landwirten
in Berggebieten (Maßnahme 211)
leistet einen Beitrag zur Erhaltung und Sicherung des Ein-
kommens landwirtschaftlicher Betriebe in benachteiligten Gebieten. In den Jahren 2007 bis 2009
erhielten jeweils zwischen 27 und 31 Betriebe im Berggebiet Ausgleichzulage. Der geplante Ziel-
wert gemäß EPLR (25 Betriebe) wurde damit zu jedem Zeitpunkt der Förderung übertroffen. Die
Flächenförderung entwickelte sich mit jährlich ca. 1.100 ha relativ konstant und erfüllt damit den
angestrebten Zielwert von 1.100 ha zu 100 %.
Neben der Maßnahme 211 soll ebenfalls durch die Umsetzung der Maßnahme
Zahlungen für na-
turbedingte Nachteile in anderen Gebieten mit Benachteiligung (Maßnahme 212)
ein Aus-
gleich für landwirtschaftliche Betriebe in von Natur aus benachteiligten Gebieten außerhalb von
Berggebieten geleistet werden. Für die Maßnahmenumsetzung werden die im EPLR definierten
Outputziele für die anvisierten Förderfälle erreicht. Die geförderten Flächen liegen in den ver-
schiedenen Jahren der Förderung bei jeweils ca. 240.000 ha, so dass bzgl. der geförderten Fläche
ein Zielerreichungsgrad der Maßnahmenumsetzung von 93 % zu konstatieren ist.
Die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete zeichnet sich in Sachsen durch eine sehr hohe
Akzeptanz unter den Betrieben in den benachteiligten Gebieten aus. Zwischen 2007 und 2009 ü-
berstieg die Anzahl der geförderten Betriebe die zu Programmbeginn festgelegten Ziele. Auch im
Hinblick auf die mit der Förderung erreichten Flächen liegt der Zielerreichungsgrad sehr hoch. Be-
züglich der Umsetzung der Maßnahme bestehen offensichtlich keine Probleme.
Entsprechend ihrer hohen Bedeutung weisen die
Agrarumweltmaßnahmen (Maßnahme 214)
das größte Budget im Schwerpunkt 2 auf. Mit rund 231 Mio. EURO sind 18 % des Gesamtpla-
fonds an öffentlichen Mitteln und mehr als die Hälfte der Mittel im Schwerpunkt 2 für die Maßnah-
me 214 vorgesehen. Insgesamt zeigen sich für die Agrarumweltmaßnahmen ein hoher Umset-
zungstand und umfangreiche positive Umweltwirkungen insbesondere für die Schutzgüter Arten
und Biotope, Boden, Wasser und Klima. In diesem Zusammenhang geht von vielen

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
5
Fördergegenständen eine Mehrfachwirkung aus. Der Umsetzungsstand ist allerdings für die ein-
zelnen Fördergegenstände sehr unterschiedlich ausgeprägt, insbesondere aufgrund geringer Re-
sonanz auf einige Förderangebote. Im Bereich der stoffeintragsminimierenden Maßnahmen ist die
Inanspruchnahme der Fördergegenstände mit höchster Wirksamkeit zur Verringerung von Stick-
stoffausträgen (Zwischenfruchtanbau, Untersaaten) noch zögerlich und das angestrebte Ziel, ent-
sprechend noch nicht erreicht. Die Wirkung bezüglich der Minderung von Erosion und Phosphat-
einträgen in Gewässer ist aufgrund der sehr guten Akzeptanz der flächenmäßig mit Abstand größ-
ten Maßnahme dauerhaft konservierende Bodenbearbeitung dagegen bereits sehr hoch. Im Be-
reich der extensiven Grünlandwirtschaft und der meisten Naturschutzmaßnahmen ist der Umset-
zungsstand gut. Bei einzelnen Naturschutzmaßnahmen liegen die Gründe für noch nicht erreichte
Wirkungen zum Teil in Akzeptanzschwierigkeiten, etwa aufgrund allgemeiner Marktentwicklungen,
zum Teil jedoch auch in einer geringen Wirkungsintensität.
Die
Erstaufforstung landwirtschaftlicher Flächen (Maßnahme 221)
zielt ab auf den Schutz der
Landesfläche vor Hochwasser und Bodenerosion, die Erhöhung der Waldfläche von 27,87 % auf
30 % der Landesfläche sowie die Erhöhung der CO
2
-Bindung und eine Verbesserung der Land-
schaftsstruktur. In den Jahren 2007 bis 2009 wurden 4.729.878 EURO ausgezahlt, hiervon entfal-
len 4.518.489 EURO auf Altverpflichtungen der vorangegangenen Förderperiode. Im Berichtszeit-
raum wurden 211.389 EURO für Erstaufforstungsprojekte ausgezahlt. Im Hinblick auf die zu Pro-
grammbeginn anvisierten Ausgaben in Höhe von 25.075.000 EURO für die gesamte Förderperio-
de 2007 bis 2013 ergibt sich damit ein Ausschöpfungsgrad der Maßnahme von rund 19 %, der bei
Annahme einer jährlich gleichmäßigen Verteilung als unterdurchschnittlich bezeichnet werden
muss. Gründe für den geringen Umsetzungsstand liegen insbesondere in der geringen Attraktivität
der Maßnahme im Vergleich zur landwirtschaftlichen Nutzung.
Die Maßnahme
Erstaufforstung nichtlandwirtschaftlicher Flächen (Maßnahme 223)
dient der
Verbesserung der Attraktivität des ländlichen Raumes durch die gezielte Aufforstung von Indust-
rie- und Militärflächen (Konversionsflächen). Der Mittelabfluss im Zeitraum 2007 bis 2009 zeigt ei-
nen geringen Umsetzungsstand von 1,7 %. Es wurden bislang in 2 Projekten 4,9 ha Fläche aufge-
forstet, dies entspricht einem Zielerreichungsgrad von 3,5 %. Eine signifikante Erhöhung der Ziel-
erreichung im Jahr 2010 ist aufgrund der bewilligten, jedoch noch nicht ausgezahlten Anträge,
nicht zu erwarten. Insgesamt muss somit konstatiert werden, dass die Zielerreichung im Vergleich
zur Laufzeit des Programms nicht zufriedenstellend ist.
Durch die
Beihilfe für nichtproduktive Investitionen im Wald (Maßnahme 227)
sollen die Ver-
besserung des Waldbodens, der Aufbau standortgerechter und an Klimaänderungen angepasste
Laub- und Mischbestände sowie eine Erhöhung der Biodiversität und Strukturvielfalt in Wäldern
erreicht werden. Bezogen auf den Mittelabfluss (Ziel: 49.923.864 EURO) ergibt sich für die Maß-
nahme ein Zielerreichungsgrad von rund 11 %. Die Ursachen für diesen unterdurchschnittlichen
Umsetzungsstand liegen im verspäteten Maßnahmenbeginn im Jahr 2008 sowie in der geringen
Akzeptanz einzelner Maßnahmebereiche seitens der Waldbesitzer. Trotz des bisherigen Verlaufs
der Förderung und der Bewilligungen ist eine Ausschöpfungsquote von 100 % bis Ende der För-
derperiode erreichbar, da die Probleme bei der Waldkalkung im Staatsbetrieb Sachsenforst gelöst
wurden und damit in den kommenden Jahren verstärkte Waldkalkungsmaßnahmen durchgeführt
werden könnten. Zudem können auch ungeplante Störungen (z.B. Sturmereignisse) ebenfalls ei-
nen Anstieg der Nachfrage nach Fördermitteln bewirken.
Maßnahmen des
Schwerpunktes 3
des Programms sind auf die Erhöhung der Lebensqualität im
ländlichen Raum und Diversifizierung der ländlichen Wirtschaft gerichtet.
Die Umsetzung der Maßnahme
Diversifizierung hin zu nichtlandwirtschaftlicher Tätigkeit
(Maßnahme 311)
zeigt zum Zeitpunkt der Halbzeitbewertung kein zufriedenstellendes Bild. So
bleibt der Umsetzungsstand der Maßnahme sowohl gemessen an der Anzahl geförderter Vorha-
ben (2,4 % Zielerreichung) als auch gemessen an den förderfähigen Investitionsvolumina (8,1 %
Zielerreichung) deutlich hinter den Erwartungen zurück. Angesichts der geringen Anzahl an Zu-
wendungsempfängern können zentrale Ziele der Maßnahme – insbesondere eine Abfederung des

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
6
einzelbetrieblichen Ausstiegs aus der Milchproduktion – nicht erreicht werden. Auch die Beschäfti-
gungswirkung ist marginal.
Für die
Förderung des Fremdenverkehrs (Maßnahme 313)
liegt der Umsetzungsstand der
Maßnahme bei 22,8 % bezogen auf das angestrebte förderfähige Investitionsvolumen und kann
insgesamt als durchaus zufriedenstellend bezeichnet werden. Im Teilbereich A (Tourismusdienst-
leistungen und Marketingmaßnahmen) entspricht die Maßnahmenakzeptanz nicht den ursprüngli-
chen Erwartungen. Die Förderung im Maßnahmebereich B (kleine Infrastrukturmaßnahmen zur
Förderung des Landtourismus) wird demgegenüber derzeit recht gut angenommen. Während sich
zunächst eine stärkere Zurückhaltung der Kommunen auf Grund der schwierigen wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen in den Jahren 2008 und 2009 abzeichnete, lässt die Evaluation der Maß-
nahmebereiche auf eine insgesamt sehr positive weitere Entwicklung schließen. Der Maßnahme-
bereich B sollte daher dennoch in bestehender Form beibehalten werden. Ein ähnliches Bild
zeichnet sich für die Investitionsförderung in bauliche Vorhaben (Maßnahmebereich C) ab. Hier
wurden die gesteckten Ziele bezüglich der Anzahl geförderter Betten in ländlichen Beherber-
gungsbetrieben bereits zu über 50 % erreicht.
Die Maßnahme
Dienstleistungseinrichtungen (Maßnahme 321)
ist Bestandteil der im EPLR
festgelegten strategischen Neuausrichtung der
Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE)
und
wird damit fast vollständig im Rahmen der 35 Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepte (I-
LEK) umgesetzt. Die ILEK wurden unter Nutzung der LEADER – Methode mit weitgehender Betei-
ligung der Zivilgesellschaft geplant und decken fast die gesamte Fläche des ländlichen Raums im
Freistaat Sachsen ab. Bisher wurden 12 Regionen, die eine ILEK erarbeitet haben als LEADER –
Gebiete anerkannt. Für die Vorhaben der im EPLR beschriebenen Maßnahmebereiche: allgemei-
ne Dienstleistungseinrichtungen zur Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung und Ausbau
von Gemeindeverbindungsstraßen wurde als Zuwendungsvoraussetzung festgelegt, dass sie der
Zielsetzung des jeweiligen ILEK entsprechen müssen und somit Bestandteile des ILEK sind. In
den wenigen sog. Basisgebieten, die nicht über ein ILEK verfügen, müssen die Vorhaben Teil ei-
nes örtlichen Entwicklungskonzeptes (bzw. der entsprechenden Vorplanung) sein. Im Zeitraum
von 2007 bis Ende 2009 wurden 183 der bisher insgesamt 513 bewilligten Vorhaben finanziell mit
öffentlichen Mitteln gefördert. Die bis Ende 2009 ausgezahlten Fördermittel unterstützen ein Ge-
samtinvestitionsvolumen von rund 21 Mio. EURO. Bezogen auf die Bewilligungen wurde bisher ein
Investitionsvolumen von über 78 Mio. EURO mobilisiert. Insgesamt entspricht dies einem Umset-
zungsstand von fast 40 % bezogen auf die Zielwerte für die gesamte Förderperiode.
Besonders positiv wird der relativ große Anteil von fast 18 % der Vorhaben zur Verbesserung der
Kinderbetreuung (Kindergärten, Horte und Spielplätze) sowie zur Verbesserung der Angebote für
Jugendliche bewertet. Diese Vorhaben erhöhen vor allem die Lebensqualität junger Familien und
werden oft komplementär zu der im Rahmen der Dorferneuerung unterstützten Verbesserung des
Wohnraums genutzt. Ein großer Teil der Vorhaben dient der Modernisierung und zur Funktionsan-
reicherung von nichtgewerblichen Grundversorgungseinrichtungen, die multifunktionale Aufgaben
erfüllen. Sie ermöglichen eine Zusammenlegung von Dienstleistungs- und Versorgungsangeboten,
die auch bei dem erwarteten Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum tragfähig sein können
und ein Mindestmaß an notwendiger Grundversorgung sicherstellen. Ohne diese Förderung würde
die Lebensqualität der ländlichen Gebiete weiter absinken. Förderungen von Investitionen in die
Sanierung oder Umnutzung bestehender Gebäudesubstanz werden überwiegend von kleinen Ge-
werbetreibenden in Anspruch genommen. Sie dienen gleichermaßen der Erhöhung der Attraktivi-
tät und Lebensqualität in den Regionen, schaffen wohnortnahe Einkommens- und Beschäfti-
gungsmöglichkeiten und verhindern das weitere Abwandern von kleinen Unternehmen, Handwer-
kern oder sozialen Dienstleistungsanbietern (medizinische Versorgung, Altenbetreuung). Mit den
Vorhaben wurde in 155 neue und 347 bestehende Arbeitsplätze investiert. Der Beschäftigungsef-
fekt ist insgesamt höher als ursprünglich erwartet. Dieses Ergebnis kann als ein Mehrwert der I-
LEK angesehen werden. Bei der Identifizierung und Auswahl von Vorhaben wird insbesondere auf
die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen geachtet. Von den über 500 Vorhaben wurden
fast 80 % von privaten Antragstellern initiiert, was auf einen hohen Mobilisierungsgrad der Zivilbe-
völkerung schließen lässt.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
7
Aus der sozioökonomischen Betrachtung im Kapitel 3.1 sowie den bisherigen Ergebnissen der
Maßnahme 321 wird im Rahmen der Halbzeitbewertung die Empfehlung abgeleitet, eine Schul-
haussanierung als Fördergegenstand im EPLR bzw. der ILE – Richtlinie aufzunehmen. Die Förde-
rung sollte sich dabei an der Schulnetzplanung des Landes orientieren und bezogen auf das
Nachhaltigkeitsziel auch eine energetische Gebäudesanierung beinhalten.
Die Maßnahme
Dorferneuerung und -entwicklung (Maßnahme 322)
wird wie die vorgenannte
Maßnahme im Rahmen der ILEK umgesetzt. Im EPLR wird die Maßnahme in 3 Bereiche unterteilt:
Gebäudeentwicklung für private und gewerbliche Zwecke, verkehrliche Infrastruktur und sied-
lungsökologische Maßnahmen. Im Zeitraum bis Ende 2009 wurden 450 der bisher insgesamt
1.498 bewilligten Vorhaben finanziell mit öffentlichen Fördermitteln unterstützt. Die bis Ende 2009
ausgezahlten Mittel fördern ein Investitionsvolumen von rund 70 Mio. EURO. Durch die bewilligten
Vorhaben wurde ein Finanzvolumen von über 245 Mio. EURO mobilisiert und damit befinden sich
über 75 % der angestrebten Investitionen bereits in der Realisierung. Bei der Durchführung der
Maßnahme ergeben sich eindeutig zwei Schwerpunkte: physische Infrastruktur mit fast 60 % des
Investitionsvolumens und die Förderung von Wohnraumverbesserungen mit rund 30 % der Investi-
tionen und Vorhaben.
Die Verbesserung des Wohnraums ist in starkem Maße darauf ausgerichtet, junge Familien im
ländlichen Raum zu halten oder eine Rückwanderung in diese Gebiete zu erleichtern. Investitionen
in eigenen Wohnraum haben eine hohe Bindungswirkung im ländlichen Raum gerade für jüngere
Familien. Da nicht garantiert werden kann, dass der Versorgung mit verbessertem Wohnraum in
gleichem Umfang attraktive Arbeitsplätze in Wohnortnähe gegenüber stehen, ist eine angemesse-
ne Verkehrsinfrastruktur, die alltägliches Pendeln zum Arbeitsplatz erlaubt, auch eine Vorausset-
zung für den Erfolg der Wohnungsförderung und der langfristigen Aufrechterhaltung der genann-
ten Bindungswirkung. Dazu trägt die Verbesserung der innerörtlichen Verkehrsinfrastruktur, die im
Rahmen dieser Maßnahme gefördert wird, genauso bei, wie der durch die Maßnahme 321 unter-
stützte Ausbau von Verbindungsstraßen (rund 45 km). Auf Ebene der ILEK werden die verschie-
denen Vorhaben maßnahmenübergreifend geplant und umgesetzt. Die ILEK erzeugen dadurch
hohe Synergieeffekte zwischen den Fördergegenständen der verschiedenen Maßnahmebereiche.
Die
Erhaltung und Verbesserung des ländlichen Erbes (Code 323)
ist in der Betrachtung ana-
log zur Darstellung im EPLR in die Bereiche Natürliches Erbe und Kulturerbe zu unterteilen.
Nach dem Umfang der eingeplanten Finanzmittel wäre die Fördermaßnahme „323-Natürliches Er-
be“ eine wesentliche Säule des Naturschutzes in Sachsen und das entscheidende Finanzierungs-
instrument für die Umsetzung von Natura 2000. Die Maßnahme ist bisher jedoch nur sehr zöger-
lich angelaufen. Der Auszahlungsstand liegt mit 5 % Zielerreichung gegenüber den zu Programm-
beginn definierten Output-Zielen noch sehr niedrig. Für 2009 ist demgegenüber eine deutliche Zu-
nahme der erteilten Bewilligungen festzustellen. Hier dominieren insbesondere die Maßnahmen
zur Biotopgestaltung sowie die Naturschutzberatung für Landnutzer.
Die Erhaltung des „Kulturerbes“ zeigt bei Berücksichtigung der erteilten Bewilligungen einen er-
wartungsgemäßen Umsetzungsstand von etwa 50 %. Tatsächlich werden allerdings viel mehr
Vorhaben, die auch wesentlich zur Erhaltung von Kulturgütern beitragen oder dem Denkmalschutz
dienen, im Rahmen der Dorfentwicklung und der Unterstützung von Gemeinschaftseinrichtungen
(Maßnahmen 321 und 322) gefördert. Die Vorhaben zur Förderung des Kulturerbes sind integraler
Bestandteil der ILEK und werden komplementär zu den anderen Maßnahmen der integrierten
ländlichen Entwicklung durchgeführt. Sie tragen im Verbund mit anderen Vorhaben insbesondere
zu einer Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum bei und fördern die Attraktivität der
Regionen durch kulturelle Angebote.
Die Maßnahme
Kompetenzentwicklung (Maßnahme 341)
und der
Schwerpunkt 4 – LEADER
werden im Rahmen der strategischen Neuausrichtung der integrierten ländlichen Entwicklung im
EPLR nach einem einheitlichen Konzept durchgeführt. Deshalb werden alle Maßnahmen, die den
Kapazitätsaufbau sowie den Planungs- und Durchführungsprozess dieser integrierten Entwicklung
unterstützten, auch gemeinsam bewertet.
Mit der Erarbeitung der ILEK wurde bereits vor der aktuellen Förderperiode begonnen. Die Regio-
nen haben sich selbst gebildet und die Gebietsabgrenzung ist nicht an die Verwaltungs- bzw.
Kreisgrenzen gebunden worden. Zunächst wurden unter Anwendung der LEADER – Methode 35

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
8
ILEK erarbeitet. Mit Beginn der Förderperiode leitete die Verwaltungsbehörde einen Bewertungs-
prozess ein, der zur Anerkennung aller Konzepte als grundsätzlich förderwürdig und zu einer
Auswahl von 12 LEADER – Gebieten führte. Die integrierte ländliche Entwicklung wird seit dieser
Zeit in 12 LEADER – Gebieten und 23 ILE – Gebieten durchgeführt. Bei der Erarbeitung der ILEK
wurde auf die Erfahrungen der vergangenen LEADER+ - Periode zurückgegriffen. Bereits zu Be-
ginn des Prozesses fand eine große Mobilisierung der Zivilgesellschaft statt. Über 10.000 Akteure
haben sich insgesamt an den öffentlichen Veranstaltungen zur Festlegung der spezifischen Ziele
und Handlungsfelder sowie der Identifizierung von Vorhaben beteiligt. Die Aktivitäten zur Beteili-
gung der Zivilgesellschaft wurden seit Beginn der Umsetzung der ILEK fortgeführt. Bis Ende 2009
wurden insgesamt 753 größere Veranstaltungen zur Öffentlichkeitsarbeit in den Regionen durch-
geführt.
Wie die LEADER - Gebiete folgen aber auch fast alle ILE – Gebiete weiterhin der LEADER – Me-
thode. Die 12 Leader- und 23 ILE - Gebiete sind in den Förderinhalten im Wesentlichen gleichge-
stellt. Auch die ILE – Gebiete sind mögliche Partner für gebietsübergreifende und transnationale
Kooperationen. Die Umsetzung der Konzepte wird mit hoher Beteiligung zivilgesellschaftlicher Ak-
teure begleitet und von Koordinierungskreisen gesteuert. Durchschnittlich beträgt der Anteil der
Wirtschaft- und Sozialpartner in den Koordinierungskreisen, die unter anderem für die Einschät-
zung der Förderwürdigkeit von Vorhaben zuständig sind, über 50 %. Für die Unterstützung der
Durchführung ist in fast allen Regionen ein qualifiziertes Regionalmanagement eingesetzt. Lan-
desweit sind in den Koordinierungskreisen 711 Mitglieder (davon 584 stimmberechtigt) tätig, die
als Multiplikatoren und Ansprechpartner den partizipativen Entwicklungsprozess unterstützen und
weiterhin lokale Akteure mobilisieren können. Insgesamt hat damit ein flächendeckender Kapazi-
tätsaufbau zur Durchführung der integrierten ländlichen Entwicklung stattgefunden.
Die frühzeitige detaillierte Ausarbeitung der ILEK ermöglichte auch eine Durchführungsplanung
und eine Budgetierung der ILEK. Im Anerkennungsverfahren wurde für alle ILEK eine regionale
Budgetorientierung gewährt, die sicherstellt, dass den einzelnen ILEK die entsprechenden För-
dermittel zur Umsetzung ihrer Vorhaben zur Verfügung stehen. Weiterhin wurden alle ILEK vor
ihrer Anerkennung durch die Verwaltungsbehörde in den entsprechenden parlamentarischen Gre-
mien der Gemeinden und Kreise bestätigt. Insofern sind die kommunalen Kofinanzierungen der
Vorhaben demokratisch legitimiert. In der Summe über alle ILEK sind bisher rund 2.500 ILE –
Vorhaben initiiert und bewilligt worden. Damit wurde ein Gesamtinvestitionsvolumen von etwa
377 Mio. EURO mobilisiert. Dies entspricht annähernd 60 % der über die Budgetorientierungen
geplanten Investitionen. Insgesamt sollen durch diese Investitionen 422 neue Arbeitsplätze ge-
schaffen und 933 Arbeitsplätze gesichert werden. Die über die ILEK eingeleitete Neuausrichtung
der integrierten ländlichen Entwicklung trägt somit wirksam zur Verbesserung ökonomischer, sozi-
aler und gesellschaftspolitisch wichtiger Infrastrukturen bei. Insgesamt wird ein wichtiger Beitrag
zur Erhöhung der Lebensqualität und Attraktivität im ländlichen Raum geleistet.
Etwa 8 % der Vorhaben und Gesamtinvestitionen aller ILEK werden durch die
Maßnahme 41:
Umsetzung von lokalen Entwicklungsstrategien
gefördert. Die Halbzeitbewertung konnte fest-
stellen, dass diese speziellen "LEADER – Vorhaben" eine signifikant höhere Beschäftigungs- und
Einkommenswirksamkeit haben als thematisch vergleichbare Vorhaben des Schwerpunktes 3. Die
lokalen Aktionsgruppen der LEADER – Gebiete nutzen hier nachweislich die Möglichkeit über den
Schwerpunkt LEADER besonders innovative und komplexe Vorhaben durchzuführen, die oftmals
maßnahmenübergreifend sind und verschiedene Fördergegenstände synergetisch integrieren. Da
solche typischen "LEADER – Vorhaben" nur in anerkannten LEADER – Gebieten und nicht in den
ILE – Gebieten bewilligt werden können, wird vorgeschlagen, zu überprüfen, welche ILE – Gebie-
te, die die Voraussetzungen für LEADER erfüllen und durch ihre bisherigen Aktivitäten nachgewie-
sen haben, als LEADER – Gebiete anerkannt werden können. Aus Sicht der Bewerter handelt es
sich dabei um eine Gruppe von etwa 10 – 12 ILE – Gebiete. Insgesamt könnte durch eine flä-
chenmäßig erweiterte Nutzung des Schwerpunktes 4 die Gesamtwirkung des EPLR gesteigert
werden. Zusätzlich wird vorgeschlagen, ausgewählten Aktionsgruppen ein erweitertes Budgetie-
rungsverfahren zu ermöglichen und für begrenzte Teilkomponenten eines ILEK ein "partielles Re-
gionalbudget" zu Verfügung zu stellen. Auf Grundlage einer detaillierten Planung einer ILEK -
Komponente und eines festgelegten Eigenanteils der jeweiligen Region könnte eine Budget- und
Durchführungsbewilligung erfolgen. Die Einzelbewilligungen der zu dieser ILEK - Komponente

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
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gehörenden Vorhaben werden dann in Eigenverantwortung der Regionalbudgetverantwortlichen
veranlasst. Auch hierdurch wird eine verbesserte Nutzungsmöglichkeit der integrierten Ansätze,
eine vereinfachte ressortübergreifende Förderung und damit ein größerer Wirkungsbeitrag der I-
LEK gesehen. Insgesamt würden durch diese ergänzenden Maßnahmen der bisherige Erfolg der
neu ausgerichteten integrierten ländlichen Entwicklung und die erhebliche Mobilisierung von loka-
len Akteuren sowie die zusätzliche Erschießung endogener Entwicklungspotenziale langfristig ge-
sichert.
Wirkungen des Gesamtprogramms
Wirtschaftliche Leistung, Beschäftigung und Produktivität werden durch das EPLR im Wesentli-
chen über die zusätzlichen Investitionen im Programm, also den Aufbau des produktiven Kapital-
stocks im ländlichen Raum beeinflusst. Der Wachstumsbeitrag der Kapitalstockerhöhung im länd-
lichen Raum Sachsens lag in den letzten Jahren zwischen etwa 423 und 471 Mio. EURO zusätzli-
chem Bruttoinlandsprodukt und Jahr. Über das EPLR wurden bis Ende 2009 rund 101 Mio. EURO
öffentliche Mittel in den produktiven Kapitalstock und die Infrastruktur investiert. Hinzu kommen
etwa 46 Mio. EURO Eigenmittel aus der Landwirtschaft, die ohne Förderung nicht investiert wor-
den wären. In der Summe hat damit das EPLR netto mit etwa 147 Mio. EURO zur Kapitalstocker-
höhung im ländlichen Raum beigetragen, was einem Anteil am Kapitalstockwachstum von 2,36 %
entspricht. Ohne das EPLR wäre der Rückgang des BIP im ländlichen Raum in 2009 aller Voraus-
sicht nach um 11,1 Mio. EURO höher ausgefallen. Zur Abschätzung der Nettowirkung des EPLR
auf die Beschäftigung im ländlichen Raum, kann die Kapitalstockausstattung je Erwerbstätigem
herangezogen werden. Diese lag im ländlichen Raum Sachsens im Jahr 2009 bei 239.507 EURO.
Mit insgesamt 147 Mio. EURO zusätzlichen Investitionen konnten demzufolge etwa 614 Arbeits-
plätze ausgestattet werden.
Umfangreiche positive Umweltwirkungen des Programms für die Schutzgüter Arten und Biotope,
Boden, Wasser und Klima gehen insbesondere von den Agrarumweltmaßnahmen aus. Hierbei ist
für viele Fördergegenstände eine Mehrfachwirkung zu konstatieren. Auf Programmebene leisten
die Fördergegenstände der Agrarumweltmaßnahmen aufgrund ihrer Wirkungsintensität und ihres
vergleichsweise sehr hohen Umsetzungsumfangs die höchsten Beiträge zum Schutz und zur Ver-
besserung der Umweltschutzgüter. Dabei ist jedoch auch festzustellen, dass der Umsetzungs-
stand der einzelnen Fördergegenstände sehr unterschiedlich ausgeprägt ist.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
10
2
EINLEITUNG
Der Rat der Europäischen Union hat am 20.09.2005 die Verordnung zur „Förderung der Entwick-
lung des ländlichen Raums durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds (ELER)“ (VO (EG) Nr.
1698/2005)
1
verabschiedet, welche den Rechtsrahmen für die Förderung der Entwicklung des
ländlichen Raums als zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für den Zeitraum 2007
bis 2013 festlegt. Die Politik für ländliche Räume flankiert die Reformen der ersten Säule der GAP
und leistet gleichzeitig einen Beitrag zur Umsetzung der überarbeiteten Lissabon-Strategie für
Wachstum und Beschäftigung sowie der Nachhaltigkeitsziele von Göteborg. Über die Stärkung
der Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft und den Ausbau der ländlichen Räume
zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen bei gleichzeitiger Berücksichtigung von Umwelt-
aspekten wird damit eine nachhaltige Entwicklung forciert.
Die EU-Politik zur Entwicklung des ländlichen Raums verfolgt drei übergeordnete Ziele:
Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft,
Verbesserung der Umwelt und Schutz der Landschaft sowie
Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum und Diversifizierung der ländlichen
Wirtschaft.
Für den Förderzeitraum 2007 - 2013 sieht die ELER-VO gemeinsam mit den dazugehörigen
Durchführungsbestimmungen
2
einen 3-stufigen Programmplanungsprozess vor. Die Strategischen
Leitlinien der Gemeinschaft für die Entwicklung des ländlichen Raums
3
legen auf Gemeinschafts-
ebene die Prioritäten und Ziele für die Entwicklung des ländlichen Raums fest und zeigen die we-
sentlichen Herausforderungen und Handlungsansätze auf. Der Nationale Strategieplan für die
Entwicklung der ländlichen Räume
4
bildet den Bezugsrahmen für die Programmplanung auf Ebe-
ne der Bundesrepublik Deutschland Seine Umsetzung erfolgt über die Programme zur ländlichen
Entwicklung auf Ebene der Bundesländer.
Mit dem dreistufigen Planungssystem ist mit der ELER-VO auch das System der laufenden Be-
wertung der Programme zur Entwicklung der ländlichen Räume neu eingeführt worden. An die
Stelle der voneinander getrennten Bewertungen: Ex-ante-, (aktualisierte) Halbzeit- und Ex-post-
Bewertung, tritt in der neuen Förderperiode ein kontinuierlicher Begleitungs- und Bewertungspro-
zess mit jährlichen Berichterstattungspflichten. Im Jahr 2010 hat die laufende Bewertung die Form
einer Halbzeitbewertung, über die ein getrennter Bericht erstellt wird. Diese vorliegende Halbzeit-
bewertung enthält die erste umfassende Bewertung der Einzelmaßnahmen und des Gesamtpro-
gramms im Hinblick auf Effizienz und Wirksamkeit der Programmumsetzung.
Das Ziel der Halbzeitbewertung ist durch Artikel 86 der ELER-VO sowie durch die Ausführungen
im Handbuch für den gemeinsamen Begleitungs- und Bewertungsrahmen (CMEF
5
)
6
beschrieben.
1
VO (EG) Nr. 1698/2005 des Rates vom 20. September 2005 über die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den
Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) („ELER-VO“). In: Abl. L 277 vom
21.10.2005, S.1. Verordnung geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 1463/2006 (Abl. Nr. L 277 vom 09.10.2006, S.1)
2
VO (EG) Nr. 1974/2006 der Kommission vom 15. Dezember 2006 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr.
1698/2005 des Rates über die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für
die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) in: Abl. Nr. L 368 vom 23.12.2006 („ELER-DVO“), zuletzt geändert durch Verord-
nung (EG) Nr. 482/2009 der Kommission vom 8. Juni 2009. In: Abl. Nr. L 145 vom 17 10.6.2009
3
Strategische Leitlinien der Gemeinschaft für die Entwicklung des ländlichen Raums; 2006/144/EG: Beschluss des Rates vom 20.
Februar 2006. In: Abl. L 55 vom 25.2.2006
4
Nationaler Strategieplan für die Entwicklung der ländlichen Räume bis 2013, unter:
http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Laendliche-Raeume/KonzepteStrategien/natStrategieplan.html
Stand: 20.07.2010
5
CMEF – Common Monitoring and Evaluation Framework: Europäische Kommission, Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche
Entwicklung, Handbuch für den Gemeinsamen Begleitungs- und Bewertungsrahmen, Leitfaden, September 2006
6
CMEF wurde inzwischen um weitere Leitfaden ergänzt: Leitfaden für die Halbzeitbewertung der Programme zur Entwicklung des
ländlichen Raums (07/2009) und Leitfaden zur Anwendung des Wirkungsindikators des hohen Naturschutzwertes: Anhänge
(11/2008). Beide in:
http://ec.europa.eu/agriculture/rurdev/eval/index
_de.htm

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
11
Danach soll die Halbzeitbewertung innerhalb der laufenden Bewertung vor allem die Verwaltungs-
behörde und den Begleitausschuss besser als bisher in die Lage versetzen:
a. anhand von Ergebnisindikatoren und gegebenenfalls Wirkungsindikatoren den Fortschritt des
Programms gemessen an dessen Zielen zu überprüfen,
b. die Qualität der Programme und ihre Durchführung zu verbessern und
c. Vorschläge für eine wesentliche Änderung der Programme zu prüfen.
Der vorliegende Halbzeitbewertungsbericht richtet sich folglich nicht nur an die Verwaltungsbehör-
de und die KOM, sondern dient auch als Informationsgrundlage für den Begleitausschuss als
Partner der Verwaltungsbehörde und als Vertretung der Öffentlichkeit.
Struktur des Berichts
Die Struktur des Halbzeitbewertungsberichtes entspricht den Vorgaben des CMEF sowie den
Empfehlungen der KOM aus den Unterlagen des Helpdesks
7
. Diesen Unterlagen entsprechend
kann man den Bewertungsbericht in drei Bereiche unterteilen: einen einführenden Berichtsteil, der
von Seite 1 bis 46 die Rahmenbedingungen des Programms und seiner Umsetzung erörtert, der
Bewertung der einzelnen Maßnahmen in 22 Unterkapiteln von Seite 47 bis Seite 153 sowie der
Beantwortung der horizontalen Bewertungsfragen und der Darstellung zusätzlicher übergreifender
Untersuchungen ab Seite 154.
Der Bericht beginnt mit einer 9-seitigen
Zusammenfassung
der wichtigsten Ergebnisse der Be-
wertung. Nach der vorliegenden Einleitung wird in Kapitel drei der
Bewertungskontext
beschrie-
ben. Die Situation im ländlichen Raum des Freistaats 2006 wurde im Rahmen der sozioökonomi-
schen Analyse zu Programmbeginn beschrieben. Da vergleichbare Daten aus der Datenbank von
Eurostat erst mit einiger zeitlicher Verzögerung veröffentlicht werden, konnte 2009 / 2010 erst eine
komplette Zusammenstellung der Basisindikatoren für 2006 erfolgen. In Form einer bedarfsbezo-
genen Aktualisierung der - dem Programm zu Grunde liegenden - sozioökonomischen Analyse
wird der Wirkungsrahmen der Intervention nun erneut geprüft. Hierzu werden Änderungen in den
wichtigsten ziel- und kontextbezogenen Basisindikatoren, welche den sozialen, wirtschaftlichen
und umweltspezifischen Bedarf, der Anlass für die Unterstützung ist und dem durch das Pro-
gramm begegnet werden soll, beschrieben. Da jedoch auch Mitte 2010 nur wenige aktuelle Werte
auf EU-Datenbasis vorliegen, erfolgt die beschriebene Aktualisierung der sozioökonomischen
Analyse auf Basis von regionalen oder deutschlandweit verfügbaren Daten. Anhaltspunkte für
möglicherweise nötige Budgetanpassungen fließen direkt in die anschließende Beurteilung der
Relevanz der gewählten Strategie zur Entwicklung des ländlichen Raumes ein. Dem folgen eine
kurze Darstellung des Bewertungsprozesses insgesamt sowie ein Rückblick auf die Ergebnisse
vorangegangener Bewertungen.
Das anschließende
Methodenkapitel
gibt einen einführenden Überblick über den Ablauf der Be-
wertung und die angewandten Methoden insgesamt, konzentriert sich dann jedoch auf die Vorge-
hensweise zur Quantifizierung der vorgegebenen sieben Wirkungsindikatoren, die zur Beantwor-
tung der pogrammspezifischen und der horizontalen Bewertungsfragen herangezogen werden.
Im
Kapitel fünf
erfolgt eine kurze Darstellung der beteiligten Akteure und des institutionellen
Rahmens zur Programmdurchführung. Die anschließende Betrachtung der Programm- und Maß-
nahmenstruktur unter Berücksichtigung der erfolgten Bedarfsanalyse erfolgt anhand der Budget-
struktur für den gesamten Programmplanungszeitraum. Ein zusammenfassender Überblick über
die bisher beanspruchten und tatsächlich ausgegebenen finanziellen Mittel macht den finanziellen
Umsetzungsstand des Gesamtprogramms von 2007 bis Ende 2009 deutlich.
Die Kapitel sechs und sieben bilden den Hauptteil der eigentlichen Bewertung. Die Analyse und
Bewertung
auf
Ebene
der
einzelnen
Maßnahmen
sowie
die
Beantwortung
der
7
European Evaluation Network for Rural Development (2010): Explanatory Notes to the Common evaluation questions & recom-
mendations on Mid-term evaluation reporting

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
12
maßnahmespezifischen Bewertungsfragen erfolgt in
Kapitel sechs
. Um das Kapitel „lesbar“ zu
halten, wird hier jeweils kurz die einzelne Maßnahme anhand des Umsetzungsstandes dargestellt.
Die bewertenden Antworten auf die vorgegebenen maßnahmenspezifischen Fragen bilden an-
schließend die Grundlage für die darauffolgenden Schlussfolgerungen und Empfehlungen. Die
Bewertungsgrundlagen mit den Interventionslogiken, verwendeten Methoden, verwendeten Indika-
toren, Erhebungsinstrumenten etc. befinden sich im Anhang. Das Kapitel gliedert sich in 21 Unter-
kapitel für jeweils einzelne Maßnahmen und ein abschließendes Kapitel zur Gesamtbewertung von
ILE und LEADER.
Das
Kapitel sieben
beginnt mit der Darstellung der Bewertungsergebnisse des Gesamtpro-
gramms. Die Bewertung erfolgt anhand der vorgegebenen horizontalen Bewertungsfragen, die in
drei Themenkomplexe gegliedert wurden: Wirtschaft und Gesellschaft, Umwelt sowie Politik
(„Good Governance“). Hierbei werden die Ergebnisse der maßnahmenbezogenen Betrachtungen
auf Ebene des Gesamtprogramms aggregiert und in ihren Nettowirkungen in Relation zu den an-
gestrebten Zielen betrachtet. Im zweiten Teil des Kapitels sieben werden einzelne Aspekte der
Programmumsetzung nochmals vertieft analysiert. Darunter das Querschnittsziel Gleichstellung
von Männern und Frauen, Teilbereiche des administrativen Vollzugs der Programmumsetzung im
Rahmen des Verwaltungs- und Kontrollsystems, die Überprüfung der strategischen Umweltprü-
fung sowie die fachliche Begleitung der flächenbezogenen Agrarumweltmaßnahmen und die Pro-
grammunterstützung durch die Technische Hilfe.
Der Kernbericht schließt mit einer Zusammenstellung der wichtigsten Schlussfolgerungen und
Empfehlungen im letzten Kapitel.
Berichtsumfang
Maßgabe für den vorliegenden Bericht war ein maximaler Umfang von rund 230 Seiten. Daher fin-
den sich zahlreiche Unterlagen im Anhang des Berichtes. Der Anhang ist analog zum Berichtsdo-
kument gegliedert und jeweils in den einzelnen Anhangsdokumenten einzeln nummeriert. Insbe-
sondere Tabellen, Auswertungen und Übersichten zu den Analysen der einzelnen Maßnahmen
und deren Bewertung finden sich im Anhang. Hintergrundmaterial für die Bewertung, ggf. verwen-
dete Artikel, Detailauswertungen, verwendete Fragebögen etc. sind zudem in einem Materialband
enthalten, welcher dem Bericht als CD-Rom beiliegt.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
13
3
PROGRAMMKONTEXT
3.1 Änderung der sozioökonomischen Rahmenbedingungen und Aktualisie-
rung der Stärken-Schwächen-Chancen-Risiko-Analyse (SWOT)
Die sozioökonomischen und umweltbezogenen Rahmenbedingungen bilden mit der Analyse der
Stärken, Schwächen, Entwicklungschancen und -risiken der Förderregion die Basis für die Inter-
vention im Rahmen des ELER. Ausgehend von den identifizierten Risiken und Entwicklungsmög-
lichkeiten sowie den relevanten Stärken und Schwächen des Freistaats Sachsen wurde, gestützt
durch die Ex-ante-Bewertung, im Rahmen des EPLR (vgl. Kapitel 3, EPLR
8
) die Intervention durch
das Programm hinreichend begründet.
Im Rahmen der Halbzeitbewertung wurde überprüft, ob bei der Programmierung identifizierte so-
zioökonomische und umweltspezifische Entwicklungsprobleme des ländlichen Raums im Freistaat
Sachsen weiterhin in der vor Programmbeginn festgestellten Form bestehen. Nachfolgend wird
daher auf Besonderheiten und Veränderungen in Zusammenhang mit der sozioökonomischen Si-
tuation in Freistaat Sachsen eingegangen. Die vertiefte Betrachtung der Veränderungen in den
sozioökonomischen Rahmenbedingungen erfolgte durch eine Gegenüberstellung der Indikator-
werte der SWOT-Analyse des EPLR, der aktualisierten Basisindikatoren für 2006 (vgl. hierzu An-
hang 3.1.1) zu den Mitte 2010 verfügbaren statistischen Werten.
Allgemeine sozioökonomische Einordnung des Freistaats Sachsen
Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise führte in Deutschland zu einem Rückgang des preisbe-
reinigten Bruttoinlandsprodukts 2009 um 5 % gegenüber dem Vorjahr.
9
Im gleichen Zeitraum sank
das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt in Sachsen um 3,8 %. Bedingt durch den gleichzeitig hö-
heren Bevölkerungsrückgang in Sachsen im Vergleich zum nationalen Durchschnitt ging das
preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner hier um 3,1 % (Deutschland 4,7 %) zurück.
Abbildung 1: Entwicklung der Divergenz des pro Kopf BIP
Sachsens zum nationalen Durchschnitt 2006
bis 2009 in EURO
So konnte Sachsen in der Fi-
nanz- und Wirtschaftskrise ei-
nen Rückgang der Divergenz
zum nationalen Durchschnitt bei
diesem wichtigen Wohlstands-
indikator verzeichnen, hatte al-
lerdings auch in der Zeit des
konjunkturellen
Aufschwungs
bis etwa Mitte 2008 nur unter-
durchschnittlich profitiert (vgl.
Abbildung 1).
Quelle: Statistische
Ämter
der
Länder,
Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der
Länder. Bruttoinlandsprodukt, Bruttowert-
schöpfung in den Ländern und Ost-West-
Großraumregionen Deutschlands 1991 bis
2009, Reihe 1, Band 1. Eigene Berechnun-
gen und Darstellung
8
SMUL (2009): EPLR Sachsen 2007-2013, 3. Änderung, genehmigte Fassung vom 15.12.2009
9
Vgl. Statistische Ämter der Länder, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder. Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung in
den Ländern und Ost-West-Großraumregionen Deutschlands 1991 bis 2009, Reihe 1, Band 1
5 000
10 000
15 000
20 000
25 000
30 000
35 000
BIP pro Kopf in €
2 000
3 000
4 000
5 000
6 000
7 000
8 000
9 000
10 000
11 000
12 000
Divergenz in €
Sachsen
21 029
22 037
22 572
22 228
Deutschland
28 229
29 518
30 392
29 406
Divergenz Sachsen
7 200
7 481
7 820
7 178
2006
2007
2008
2009

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
14
Abbildung 2: Entwicklung der Divergenz der Arbeitslosen-
quoten Sachsens zum nationalen Durch-
schnitt 2005 bis 2009 (Angaben in %)
Der deutsche Arbeitsmarkt konnte
mit Hilfe arbeitsmarktpolitischer Un-
terstützung relativ stabil gehalten
werden. Aus Abbildung 2 wird
ersichtlich, dass in Deutschland die
Arbeitslosenquote von 7,8 % (2008)
auf 8,2 % (2009) stieg. Auch in
Sachsen wurden die Auswirkungen
des allgemeinen Produktions- und
Absatzeinbruchs
auf
dem
Arbeitsmarkt
u.a.
durch
die
Nutzung des konjunkturpolitischen
Instruments der Kurzarbeit bisher
erfolgreich aufgefangen.
10
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt in Zahlen, Arbeitslosen-
quoten / Jahreszahlen 2009 und Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB),
Geschlechterspezifische Entwicklungen am sächsischen Arbeitsmarkt.
In: IAB regional 2/2010. Eigene Berechnungen und Darstellung
So ist es gelungen, die Zunahme der Arbeitslosenquote von 14,3 % (2008) auf 14,4 % (2009) auf
0,1 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr zu begrenzen. Im Resultat konnte die Divergenz Sach-
sens gegenüber Deutschland auch in 2009 weiter abgebaut werden, trotzdem stehen die hohen
Arbeitslosenzahlen weiterhin für einen deutlichen Abstand in der Lebensqualität.
Abbildung 3: Veränderung der Arbeitslosenquoten nach
Geschlecht in Sachsen (Angaben in %)
Die sächsischen Frauen, die
schon vom wirtschaftlichen Auf-
schwung bis Mitte 2008 über-
durchschnittlich profitiert hatten,
konnten selbst im Krisenjahr
2009 einen Rückgang ihrer Ar-
beitslosenquote um 1,1 Prozent-
punkte
verzeichnen
(vgl.
Abbildung 3).
Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufs-
forschung (IAB), Geschlechterspezifische
Entwicklungen am sächsischen Arbeits-
markt.
In:
IAB
regional
2/2010
Die Erwerbstätigenquote liegt in Sachsen 2009 für die zwischen 15- und 65-Jährigen erstmals bei
70 % und hat damit den Lissabon-Zielwert für die Erwerbsbeteiligung erreicht. Wie in den anderen
neuen Bundesländern ist die Erwerbsbeteiligung der Frauen auch in Sachsen traditionell hoch und
liegt mit 67,4 % über dem Lissabon-Zielwert von 65 %. Auch der Lissabon Zielwert von 50 % für
ältere Erwerbstätige
11
wurde in Sachsen 2009 deutlich überschritten
12
(vgl. Abbildung 4).
10
Die Zahl der Kurzarbeiter ist von durchschnittlich 6,7 Tsd. im Jahr 2008 auf ca. 47 Tsd. im Sept. 2009 angestiegen.
11
Erwerbstätige Personen im Alter von 55 bis 64 Jahren im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung derselben Altersklasse.
0,1
1,1
-1,1
-2,1
-1,7
-2,5
- 2,0
- 0,6
-4 ,0
-3 ,6
-3 ,0
-2 ,0
-1 ,0
0 ,0
1 ,0
2 ,0
Gesamt
Männer
Frauen
2009-2008
2008-2007
2009-2007
0
5
10
15
20
25
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
DE
11,7
10,8
9,8
7,8
8,2
Sachsen
20
18,9
16,4
14,3
14,4
Divergenz
8,3
8,1
6,6
6,5
6,2
2005
2006
2007
2008
2009

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
15
70
55,5
72,6
59,3
67,4
52
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
15 - 25
25 - 55
55 - 65
65 und mehr
15 - 65
15 und mehr
Altersklassen
Erw erbstätigenquote
insgesamt
männlich
weiblich
Abbildung 4: Erwerbstätigenquote in Sachsen 2009 nach
Altersklassen und Geschlecht (Angaben in %)
Bei dieser relativ hohen Erwerbs-
beteiligung begründet sich die ein-
gangs dargestellte Divergenz im BIP
pro Kopf der Bevölkerung, in weiterhin
bestehenden Produktivitätslücken der
sächsischen Wirtschaft gegenüber
dem nationalen Durchschnitt. Bisher
ist in der ökonomischen Literatur noch
keine endgültig haltbare Erklärung für
den seit der Mitte der 90er Jahre fest
zu stellenden Konvergenzstillstand
trotz erheblicher Investitionen und In-
vestitionsförderungen der deutschen
Ziel
1
Gebiete
gefunden
(vgl.
Abbildung 5).
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Ergebnisse des
Mikrozensus 2010. Eigene Darstellung
Abbildung 5: Entwicklung der Divergenz der Produktivität Sachsens zum nationalen
Durchschnitt 1991 bis 2009 – Bruttowertschöpfung
13
pro Erwerbstätigem
(„Produktivitätslücke“)
Quelle: Statistische Ämter der Länder, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder. Reihe 1 Länderergebnisse, Band 1, 2010.
Eigene Berechnungen und eigene Darstellung
12
In der deutschen nationalen Strategie für nachhaltige Entwicklung („Perspektiven für Deutschland“) hat sich Deutschland noch
ehrgeizigere Ziele gesetzt: Im Jahr 2010 soll bei der Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren eine Erwerbstätigenquote von 73 %
und im Jahr 2020 von 75 % erreicht werden. Die nationalen Ziele für die 55- bis 64-Jährigen wurden auf 55 % im Jahr 2010 und
57 % im Jahr 2020 festgelegt.
13
Bruttowertschöpfung ist die Summe aller produzierten Waren und Dienstleistungen im Berichtszeitraum (Produktionswert) zuzüg-
lich produktbezogener Subventionen, abzüglich der bei der Produktion verbrauchten Güter (Vorleistungen) und Produktsteuern.
Sachsen
10
20
30
40
50
60
BWS pro Erw.tät.
In 1000 €
5
10
15
20
25
Divergenz
in 1000 €
Sachsen
14
20
25
29
31
32
33
33
34
34
36
38
39
40
40
42
43
43
42
Deutschland
36
39
40
42
44
45
46
46
47
47
48
49
50
51
52
53
54
55
53
Divergenz
21
18
14
13
12
12
12
13
12
12
12
11
11
10
11
11
11
12
10
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
16
Bautzen
Nordsachsen
Erzgebirgskreis
Mittelsachsen
Görlitz
Meißen
Vogtlandkreis
Leipzig
Zw ickau
Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge
Freistaat Sachsen
Chemnitz, Stadt
Dresden, Stadt
Leipzig, Stadt
-15
-10
-5
0
5
10
15
Sozioökonomische Einordnung des ländlichen Raums in Sachsen
Bevölkerung
Die Bevölkerung in Sachsen entwickelt sich konstant rückläufig. Im Vergleich zur Bundesrepublik,
in der die Einwohnerzahl in den Jahren 2000 bis 2008 um 0,4 % sank, musste Sachsen im glei-
chen Zeitraum einen Rückgang von 5,3 % hinnehmen.
14
Dies ist zum einen auf ein anhaltendes
Geburtendefizit zurück zu führen, zum anderen aber verzeichnet Sachsen dramatische Nettowan-
derungsverluste insbesondere in seinen ländlichen Gebieten. Mehr als jeder andere Indikator
kennzeichnen die Wanderungssalden als Ausdruck der „Abstimmung mit den Füßen“ vorhandene
Disparitäten in der Lebensqualität (vgl. Abbildung 6).
Abbildung 6: Wanderungssalden nach Kreisen 2008 -
Salden aus Zu- und Fortzügen pro 1.000 EW (Angaben in %)
Der prognostizierte weiter
anhaltende Bevölkerungs-
rückgang bis zum Jahr
2020 weist für die im
EPLR festgelegten ILE –
und LEADER – Regionen
große regionale Unter-
schiede auf und liegt ins-
gesamt auf einem sehr
hohen Niveau zwischen
ca. 10 % und 20 %. Er ist
mit einer zunehmenden
Alterung der Bevölkerung
im
ländlichen
Raum
verbunden. In Sachsen ist
im Zeitraum von 2000 –
2008 die Zahl der weib-
lichen und männlichen Ju-
Quelle:
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, 2010
gendlichen unter 15 Jahre
Eigene Berechnungen und eigene Darstellung.
um ca. 18 % gesunken,
die Zahl der Frauen und
Männer im Alter von 15 – 64 Jahren um 11 % resp. 12 %. Gleichzeitig stieg die Zahl der Frauen
und Männer im Alter von 65 Jahren und älter um 15 % (w) bzw. 37 % (m). Diese hohe Betroffen-
heit vom demografischen Wandel in den Förderegionen ist in der sozioökonomischen und SWOT
– Analyse des sächsischen EPLR bereits berücksichtigt. Die regionale Bevölkerungsentwicklung
ist eine entscheidende Rahmenbedingung für die Ausgestaltung und Tragfähigkeit der geförderten
langfristig zu nutzenden kommunalen Infrastrukturen und Dienstleistungseinrichtungen. Dies gilt
z.B. auch für den Schulhausbau: Trotz der Nettowanderungsverluste wird die seit 1994 wieder
leicht angestiegene Geburtenrate zu ansteigenden Schülerzahlen führen. Nach der Bevölkerungs-
prognose des Statistischen Bundesamtes
15
wird die Bevölkerung im Alter bis 20 Jahren in Sach-
sen von 598.000 in 2010 auf 625.000 in 2020 steigen. Nach der vorliegenden Schülerprognose
16
ist der Tiefstand der Schülerzahlen im Jahr 2009/10 erreicht. Bis voraussichtlich zum Schuljahr
2016/17 wird von einem Anstieg der Schülerzahlen ausgegangen. Ob die Schülerzahlen auch da-
nach noch weiter ansteigen, hängt entscheidend davon ab, ob sich auch in Zukunft der Trend zum
Gymnasium, in dem zwei Jahrgangsstufen mehr Schüler unterrichtet werden fortsetzt.
14
Statistisches Bundesamt, DESTATIS, Genesis-Datenbank, Februar 2010 und eigene Berechnungen
15
Statistisches Bundesamt, Ergebnisse der zwölften koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des statistischen Bundesamtes,
2010, Variante 1-W1
16
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Bildung in Sachsen, Sonderheft 8/2008. S. 22-23

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
17
Wirtschaft und Beschäftigung im ländlichen Raum
Wie in den drei Städten Dresden, Leipzig und Chemnitz stellt im ländlichen Raum der Dienstleis-
tungssektor den bedeutendsten Wirtschafts- und Beschäftigungsbereich dar. 64 % der Erwerbstä-
tigen der Landkreise erwirtschaften 65 % der Bruttowertschöpfung im ländlichen Raum. Bedeu-
tender als in den drei großen Städten ist der sekundäre Sektor im ländlichen Raum. Hier leisten
etwa 33 % der Beschäftigten einen Beitrag zur Bruttowertschöpfung im ländlichen Raum in Höhe
von etwa 34 %. Der primäre Sektor stellt selbst im ländlichen Raum nur noch 1,6 % der dort er-
brachten Bruttowertschöpfung und nur 3,3 % der Erwerbstätigen im ländlichen Raum sind in der
Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft beschäftigt. (vgl. Abbildung 7). Das Verhältnis von Brutto-
wertschöpfungs- und Beschäftigtenanzahl kennzeichnet gleichzeitig eine erhebliche Produktivi-
tätsdivergenz des primären gegenüber den beiden anderen Sektoren. Langfristig wird diese Di-
vergenz zu weiterem Beschäftigungsabbau in der Landwirtschaft führen.
Abbildung 7: Sektorale Wirtschafts- und Beschäftigtenstruktur nach Raumkategorien in
Sachsen 2008
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Bruttow ertschöpfung
primärer Sektor Mio. €
42
825
Bruttow ertschöpfung
sekundärer Sektor
Mio. €
7 906
17 720
Bruttow ertschöpfung
tertiärer Sektor Mio. €
24 421
34 252
3 Städte
ländlicher Raum
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Erw erbstätige primärer
Sektor 1000 Personen
2,7
39,3
Erw erbstätige
sekundärer Sektor 1000
Personen
128,9
396,5
Erwerbstätige tertiärer
Sektor 1000 Personen
613,6
772,6
3 Städte
ländlicher Raum
Quelle: Statistische Ämter der Länder, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder. Reihe 2 Kreisergebnisse Band 1.
Stuttgart 2010. Eigene Berechnungen und eigene Darstellung
Situation der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft
Landwirtschaft
Die sächsische Landwirtschaft und ihre wirtschaftliche Entwicklung wie auch deren jeweilige Be-
deutung für den ländlichen Raum sind geprägt von den teilweise extremen Unterschieden in der
Betriebsgröße. So werden etwa 60 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche von nur 9 % der Betriebe
bewirtschaftet. Dem gegenüber stehen 6 % der Fläche, die von 58 % der landwirtschaftlichen Un-
ternehmen bewirtschaftet und die im Nebenerwerb geführt werden. Die übrige Fläche wird von
Haupterwerbslandwirten oder Personengesellschaften bewirtschaftet, die 33 % der Unternehmen
ausmachen.
Diese strukturellen Unterschiede können in Bezug auf die jeweils betroffene Gebietskulisse fol-
gender Maßen differenziert werden. Die
nördliche und nord-östliche Region
Sachsens mit mitt-
leren bis schlechten Standortbedingungen wird von mittel großen bis kleinen vorwiegend Verbund-
und Ackerbaubetrieben bewirtschaftet (durchschnittliche Betriebsgrößen um 150 ha). Das
Gebiet
im Westen und der Mitte
Sachsens weist bei guten bis sehr guten Böden große Unternehmens-
strukturen (durchschnittlich um die 200 ha), hauptsächlich des Ackerbaus auf. Die
Region ent-

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Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
18
lang und parallel zur südlichen Grenze
des Freistaates, das von benachteiligten Randlagen
(Mittelgebirgslagen) mit schlechteren Standortbedingungen gekennzeichnet ist wird vorrangig von
Milchviehhaltung und Futterbau in kleineren Betriebsstrukturen (Regionen mit durchschnittlichen
Betriebsgrößen bis 100 ha bzw. bis 125 ha) geprägt (vgl. Abbildung 8).
Damit lassen sich zum einen die große Bedeutung der dramatischen Entwicklung des Milcherzeu-
gerpreises in den Jahren 2008 und 2009 für einen großen Teil der Landwirte, wie auch der große
Einfluss der weltweiten Getreidepreise auf die sächsische Landwirtschaft sehr gut nachvollziehen.
Abbildung 8: Räumliche Verteilung der Betriebsformen in Sachsen
Die Reaktion von Seiten der EU-Mitgliedstaaten auf die Situation am Milchmarkt durch Maßnah-
men zur Liberalisierung des Milchmarktes (vgl. Kapitel 5.2) sowie durch das „Maßnahmenpro-
gramm zur Bewältigung der Krise in der Landwirtschaft“ der Bundesregierung zeigen aktuell je-
doch noch keine nachweisbare Wirkung.
Wirtschaftliche Entwicklung in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei
Die Bruttowertschöpfung (BWS) der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei Sachsens ent-
wickelte sich in den vergangenen drei Jahren auf Grund der beschriebenen Rahmenfaktoren kon-
tinuierlich negativ. Das Jahr 2007 konnte mit einer BWS von 1.025 Mio. EURO
17
zwischenzeitlich
auch ohne die produktbezogenen Subventionen an die guten Ergebnisse vor 2004 anknüpfen. In
2009 sank die BWS jedoch mit 729 Mio. EURO auf den niedrigsten Wert seit 1992 ab. Sie trägt
damit 4 % zur BWS dieses Sektors der gesamten Bundesrepublik bei. Die geringe wirtschaftliche
Bedeutung der sächsischen Landwirtschaft zeigt sich deutlich am Anteil der Bruttowertschöpfung
der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei an der BWS des Freistaats Sachsen insgesamt von nur
rund 1 % in 2007.
17
Statistische Ämter der Länder, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder. Reihe 1, Band 1, 2010

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
19
Die Arbeitsproduktivität folgte diesem Trend und sank von 20.661 EURO in 2008 auf
17.548 EURO je Erwerbstätigem in 2009 ab. Sie liegt damit auch unter dem bundesweiten Durch-
schnitt der Landwirtschaft von 20.843 EURO je Erwerbstätigem
17
.
Im Wirtschaftsbereich Land- und Forstwirtschaft, Fischerei arbeitet 2007 rund 41.900 Erwerbstäti-
ge, das entspricht 2,2 % aller Erwerbstätigen in Sachsen. Die Tendenz ist hierbei weiterhin ab-
nehmend. Zudem zeigen sich eine kontinuierliche Verschiebung der Altersstruktur in Richtung der
Überalterung der in der Landwirtschaft Beschäftigten.
Ernährungswirtschaft
In Sachsen sind mindestens 87.700 Personen – etwa 4,5 % der sächsischen Beschäftigten in den
Bereichen Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft beschäftigt. Das sind fast dreimal so viele Be-
schäftigte wie im sächsischen Fahrzeugbau (~30.100 Beschäftigte) bzw. mehr als die Gesamtan-
zahl an Beschäftigten in der Metallerzeugung und -bearbeitung und im Maschinenbau (~81.800
Beschäftigte). Damit steht jeder 20. Arbeitsplatz direkt oder indirekt mit dem Agrarsektor in Ver-
bindung. In Deutschland ist im Durchschnitt nur jeder 27. Arbeitsplatz mit dem Agrarsektor ver-
bunden.
Das Ernährungsgewerbe war 2007 mit 351 Betrieben der drittgrößte Bereich (12,4 %) innerhalb
des verarbeitenden Gewerbes in Sachsen. Die Ernährungswirtschaft Sachsen ist stark von mittel-
ständischen Unternehmen und Handwerksbetrieben geprägt. Die wichtigsten Bereiche sind Milch-
verarbeitung, Speiseeisherstellung, Backwarenherstellung sowie Obst- und Gemüseverarbeitung.
Die sächsische Ernährungswirtschaft erreichte 2008 einen Umsatz von 8,09 Mrd. EURO. Trotz der
schwierigen Bedingungen durch die Finanz- und Wirtschaftskrise wurde damit das Vorjahresni-
veau um 7,7 % deutlich überschritten.
18
Die Exportquote der Ernährungswirtschaft erreichte 2008 einen Anteil von 6,6 % (Vorjahr 7,5 %)
und erzielte damit einen Exportumsatz von 534 Mio. EURO. Den größten Anteil daran hatte der
Wirtschaftszweig der Milchverarbeitung. Auch wenn der Umsatz durch Export im Zeitraum 2000
bis 2007 um 226 % stieg, nimmt Sachsen mit seiner geringen Exportquote im bundesweiten Ver-
gleich aller Bundesländer den letzten Platz ein.
Forstwirtschaft
Die Rahmenbedingungen in der Forstwirtschaft im Freistaat Sachsen haben sich im Vergleich zu
den Analysen im EPLR nicht grundlegend verändert. Die im Kapitel 3.1.2.2 des EPLR dargestellte
kleinparzellierte Eigentumsstruktur im Privatwald ist unverändert, so dass auch weiterhin eine aus-
setzende Nutzung in den Forstbetrieben festzustellen ist. Selbst bei Ausnutzung des möglichen
Hiebsatzes würden diese Betriebe ohne staatliche Förderung aufgrund des geringen wirtschaftli-
chen Gewinns keine Investitionen in Wegebau oder Waldumbau durchführen können. Die aktuelle
Erschließungssituation im sächsischen Privat- und Körperschaftswald ist aber häufig noch unzu-
reichend und genügt vielerorts den Anforderungen der heutigen Holztransporttechnik nicht. Da-
durch ist die nachhaltige Nutzung großer Waldgebiete gefährdet. Das sich noch ergebende Nut-
zungspotenzial im Privatwald kann demnach nur infolge von Forstförderungen mobilisiert werden.
Seit 2006 ist eine stärkere Nachfrage nach Rohholz für die energetische Holznutzung zu verzeich-
nen, zudem sind für einige Leitsortimente des Sägeholzes bis 2008 Preissteigerungen aufgrund
eines massiven Nachfrageanstiegs zu beobachten. Mit Ausbruch der weltweiten Wirtschaftskrise
sank die Nachfrage drastisch, wobei nunmehr wieder mit anziehender Konjunktur eine Belebung
am Holzmarkt eingetreten ist. Insgesamt bestätigt sich der Trend des realen Holzpreisverfalls seit
1950
19
.
18
SMUL (2009): Sächsischer Agrarbericht 2008, S. 91
19
Vgl. EPLR Sachsen 2007 – 2013, 3. Änderung vom 30.06.2009, genehmigte Fassung vom 15.12.2009, Kap. 3.1.2.1

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Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
20
Ländlicher Tourismus
Im Freistaat Sachsen wurden in 2008 etwa 115.000 Gästebetten
20
von rund 2.100 Betrieben
21
an-
geboten. Der Sachverhalt, dass sich in den vergangenen Jahren die Anzahl an Beherbergungsbe-
trieben etwas verringerte, während die Zahl der Gästebetten leicht wächst, spiegelt die Tendenz
hin zu größeren Betrieben wieder. Die Zahl der Übernachtungsgäste stieg sachsenweit auf knapp
6,0 Mio. Ankünfte in 2008. Während die Übernachtungszahl für die Städte Chemnitz, Leipzig und
Dresden bei ca. 5,5 Mio. liegt, konnten in 2008 in den ländlichen Regionen (also den sechs säch-
sischen Reisegebieten
22
) rund 10,2 Mio. Übernachtungen gezählt werden (vgl. Abbildung 9).
Sächsische Betriebe konnten in 2008 im Durchschnitt eine Bettenauslastung von über 38 % reali-
sieren, wobei die Aufenthaltsdauer der Reisenden dem allgemeinen Trend hin zu immer kürzeren
Reisen folgend von 3,1 Tagen in 1992 auf 2,7 Tage in 2008 weiterhin abnimmt.
Die wirtschaftliche Situation der Beherbergungsbetriebe im ländlichen Raum ist sehr inhomogen.
In traditionellen Urlaubsgebieten wie dem Vogtland und der sächsischen Schweiz liegt die Durch-
schnittliche Bettenauslastung über 43 %
23
, in Landkreisen wie Zwickau, Bautzen oder Meißen hin-
gegen unter 30 %.
Abbildung 9: Entwicklung von Gästeankünften und Übernachtungen
im Freistaat Sachsen ab 2000
0,0
2,0
4,0
6,0
8,0
10,0
12,0
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
Übernachtungen in Mio.
1,7
1,9
2,1
2,3
2,5
2,7
2,9
3,1
3,3
Ankünfte in Mio.
Übernachtungen Städte
Übernachtungen Ländliche Region
Ankünfte Städte
Ankünfte Ländliche Region
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Beherbergungskennzahlen nach kreisfreien Städten und Landkreisen 2008.
Eigene
Berechnungen
und
eigene
Darstellung
Der Trend zu Kurzreisen spiegelt sich in der steigenden Ankunftszahl gegenüber nahezu gleich-
bleibenden Übernachtungszahlen wider. Wesentlich stärker davon betroffen sind die Städte.
Sachsenweit konnte in 2008 die längste durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Vogtlandkreis mit
durchschnittlich 4,8 Tagen und in der Sächsischen Schweiz / Osterzgebirge mit 4,0 Tagen ver-
zeichnet werden.
Bauwirtschaft
Nachdem der mittelfristig anhaltende strukturelle Rückbau von Baukapazitäten von der konjunktu-
rellen Entwicklung in 2006 vorübergehend abgeschwächt wurde, nahmen die Anzahl der Betriebe,
der Umsatz und die Zahl der Erwerbstätigen bis 2009 weiter ab. Die konjunkturelle Krise in 2009
20
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2010): Beherbergungsstatistik 2008 (mit Vorsorge- und Rehabilitationskliniken)
21
In der Statistik des Statistischen Landesamtes des Freistaats Sachsen berücksichtigt sind nur Betriebe mit über 8 Betten.
22
Reisegebiete: Oberlausitz/Niederschlesien, Sächsische Schweiz, Sächsisches Elbland, Erzgebirge, Sächsisches Burgen- und Hei-
deland sowie Vogtland
23
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Beherbergungskennzahlen nach kreisfreien Städten und Landkreisen 2008

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
21
fand dabei keine Entsprechung: Die Umsätze im Wohnungsbau in 2009 sind nicht wesentlich stär-
ker gesunken als in den Jahren zuvor. Der Wirtschaftsbau musste zwar Umsatzrückgänge hin-
nehmen, die jedoch durch gestiegene Umsätze im öffentlichen und Straßenbau teilweise kompen-
siert wurden. Im vor allem im ländlichen Raum stärker angesiedelten Ausbaugewerbe ist die Um-
satzentwicklung 2009 sogar positiv verlaufen.
24
Die beiden stärksten Wirtschaftszweige waren da-
bei "Elektroinstallation“ sowie „Gas-, Wasser-, Heizungs- sowie Lüftungs- und Klimaanlageninstal-
lation“. Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung stieg im gleichen Zeitraum die Zahl der Be-
schäftigten im Ausbaugewerbe (Betriebe mit 10 und mehr Beschäftigten) um 2 % an.
Trotz des anhaltenden strukturellen Rückbaus der Baukapazitäten spielt die Bauwirtschaft vor al-
lem im ländlichen Raum Sachsens eine beschäftigungspolitisch wichtige Rolle. Mit 9,6 % findet
fast jeder 10. Erwerbstätige im ländlichen Raum seine Beschäftigung in der Bauwirtschaft. In den
drei großen Städten sind es nur 5,3 % der Erwerbstätigen, die in der Bauwirtschaft arbeiten.
25
Infrastrukturelle Ausstattung und finanzielle Ressourcen der Kommunen
Die in der SWOT genannten Stärken des ländlichen Raums sind weitgehend ökonomische, sozia-
le und kulturelle Bestandsfaktoren, die sich auch durch stärkere konjunkturelle Schwankungen
kaum ändern. Die Schwächen des ländlichen Raums werden in einer latent hohen Arbeitslosigkeit
und niedrigen Einkommenspotenzialen sowie in einer teilweise unzureichend entwickelten bzw.
nicht am Bedarf angepassten sozialen, kulturellen und materiellen Infrastrukturausstattung gese-
hen. Als wichtiger Risikofaktor gilt weiterhin die regional sehr unterschiedliche demographische
Entwicklung (Entleerung und Überalterung). In der sozioökonomischen Analyse werden als
Hauptursachen für den wanderungsbedingten Anteil des Bevölkerungsrückgangs im ländlichen
Raum die fehlenden Beschäftigungsmöglichkeiten und Ausbildungsplätze genannt. Große Prob-
leme für die ländliche Bevölkerung ergeben sich aber auch aus der als unzureichend empfunde-
nen allgemeinen Versorgung und dem zu geringen Angebot von Dienstleistungen bzw. der unzu-
reichenden Erreichbarkeit von Dienstleistungsangeboten.
26
Tabelle 1: Einnahmen und Ausgaben der Gemeinden bis
5.000 Einwohner in Mio. EURO
2007
2008
2009
Bereinigte Einnahmen
950
980
1.012
Bereinigte Ausgaben
879
897
992
davon
Ausgaben der laufenden Rechnung
652
681
738
Ausgaben der Kapitalrechnung
227
216
254
davon Sachinvestitionen
214
205
248
darunter Baumaßnahmen
191
177
219
Finanzierungssaldo
71
83
20
Quelle:
Statistisches
Landesamt
des
Freistaates
Sachsen,
Statistische
Berichte,
Reihe
L
II
2,
Einnahmen
und
Ausgaben
der
öffentl.
Kommunalhaushalte
des
Freistaates
Sachsen,
versch.
Jgg.
Die Verbesserungsmöglichkeiten der infrastrukturellen Ausstattung hängen mittelfristig entschei-
dend von der Finanzkraft der Kommunen ab. Während die Einnahmen der kreisangehörigen Ge-
meinden insgesamt von 2008 auf 2009 um mehr als 5 % gefallen sind
27
, konnten die kleinen Ge-
24
Vgl. Statistisches Landesamt Freistaat Sachsen, Branchenreport Baugewerbe im Freistaat Sachsen 1990 bis 2009, Sonderheft
2/2010
25
Werte aus 2008 aus: Statistische Ämter der Länder, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder, Bruttoinlandsprodukt
Bruttowertschöpfung in den kreisfreien Städten und Landkreisen Deutschlands. August 2009 und eigene Berechnung
26
vgl. auch: Thomas Freitag, Christian Rößler und Angela Kunz, Daseinsvorsorge aus Bürgersicht - Bewertung der Lebensverhältnis-
se und Daseinsvorsorge vor dem Hintergrund der infrastrukturellen Ausstattung sächsischer Dörfer, Schriftenreihe des Landesam-
tes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie des Freistaates Sachsen, Heft 31/2009, S. 5 ff
27
Vgl. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Statistische Berichte, Reihe L II 2, Einnahmen und Ausgaben der öffentli-
chen Kommunalhaushalte des Freistaates Sachsen, vJ 4-09, S.8

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
22
meinden unter 5.000 Einwohnern, die zur Gebietskulisse für die örtlich gebundene Förderung der
ländlichen Entwicklung (Schwerpunkt 3 und 4 des EPLR) gehören
28
, höhere Steuereinnahmen
verzeichnen (vgl. Tabelle 1) und sogar trotz steigender Investitionsausgaben ihr Finanzierungsde-
fizit abbauen. Ob sich aus dieser Entwicklung auch in Zukunft eine ausreichende Finanzkraft der
Kommunen ergibt, die Kofinanzierung der Maßnahmen des Schwerpunktes 3 zu garantieren, wird
in den nächsten Jahren von den Steuereinnahmen und dem kommunalen Finanzausgleich abhän-
gen. Die im Jahr 2010 sich wieder belebende Konjunktur wird wieder zu erhöhten Steuereinnah-
men führen; die Höhe der Mehreinnahmen bleibt abzuwarten. Am 15.06.2010 hat das sächsische
Kabinett beschlossen in den Jahren 2011 und 2012 die Finanzausgleichsmasse für die Kommu-
nen gegenüber der ursprünglichen mittelfristigen Finanzplanung 2009 bis 2013 zu erhöhen, um
die Finanzkraft der Kommunen zu stabilisieren.
29
Auch hier muss die endgültige parlamentarische
Enscheidung über den Haushalt noch abgewartet werde. Der Kabinettsbeschluss kann aber als
Ausdruck des politischen Willens der Landesregierung angesehen werden, den Kommunen eine
ausreichende Finanzkraft zu ermöglichen.
Fazit:
Die in der SWOT genannten Stärken des ländlichen Raums sind weitgehend ökonomische,
soziale und kulturelle Bestandsfaktoren, die sich durch die konjunkturellen Schwankungen kaum
geändert haben. Hohe Arbeitslosigkeit und niedrige Einkommenspotenziale sowie teilweise unzu-
reichend entwickelte soziale, kulturelle und materielle Infrastrukturausstattung bleiben die Schwä-
chen des ländlichen Raums. Die Verbesserungsmöglichkeiten der infrastrukturellen Ausstattung
wurden in der Krise 2009 als gefährdet angesehen, da eine sinkende Finanzkraft der Kommunen
befürchtet wurde. Eine angemessene Ausgestaltung des kommunalen Finanzausgleichs und die
in 2010 wieder anziehende Konjunktur könnten kleineren Kommunen ausreichenden Finanzspiel-
raum bieten, um die Maßnahmen des Schwerpunktes 3 des EPLR umzusetzen.
Insgesamt muss die sächsische Landwirtschaft sich weiter verschärfenden Rahmenbedingungen
als zu Programmbeginn stellen. Die Liberalisierung des Milchmarktes mit den damit verbundenen
Preisschwankungen ist weiterhin eine der wichtigsten Herausforderung. Im Bereich der Forstwirt-
schaft haben sich die Rahmenbedingungen im Vergleich zu den Analysen im EPLR nicht grundle-
gend verändert. Der ländliche Tourismus entwickelt sich positiv und stellt auch weiterhin eine zu-
kunftsfähige Möglichkeit zur Einkommensdiversifizierung im ländlichen Raum dar.
Trotz anhaltenden strukturellen Rückbaus der Baukapazitäten spielt die Bauwirtschaft im ländli-
chen Raum Sachsens mit 9,6 % der dort Erwerbstätigen beschäftigungspolitisch immer noch eine
wichtige Rolle. Die Beschäftigung des vor allem im ländlichen Raum angesiedelten Ausbaugewer-
bes konnte in 2009 gegenüber dem Vorjahr sogar um 2 % erhöht werden.
Umwelt und Landbewirtschaftung
Biodiversität
Seit 2003 ist der Anteil der Natura 2000 Gebiete an der Landesfläche von 9,16 % weiter auf
15,9 % gestiegen. Derzeit gibt es in Sachsen 270 FFH-Gebiete und 77 SPA-Gebiete mit insge-
samt 292.775,9 ha, die 96 % der Naturschutzgebiete beinhalten.
30
Die Entwicklung unterstreicht
zum einen die wertvolle Natur- und Lebensraumausstattung des Landes und zum anderen die in
der SWOT dargestellte Bedeutung des europäischen Schutzgebietsnetzes und die damit verbun-
denen Chancen. Auswirkungen auf die Biodiversität sind in größerem Umfang allerdings erst
durch die Umsetzung der Managementpläne zu erwarten. Mit der Ausweitung des Natura 2000-
Netzes hat sich die Förderkulisse der Agrarumweltmaßnahmen 214.B.2 und B.3 vergrößert, die
sich vor allem auf Grünland- bzw. Ackerflächen in geschützten Gebieten bezieht.
Da bereits etwa ein Drittel des Landeswaldes Schutzgebiet ist, trägt dieser zu einem Großteil der
Sicherung des Naturhaushaltes und Verwirklichung der Ziele des Biotop- und Artenschutz bei
31
.
28
Vgl. EPLR Sachsen 2007 – 2013, 3. Änderung vom 30.06.2009, genehmigte Fassung vom 15.12.2009, S.4
29
Vgl. Sächsisches Staatsministerium der Finanzen, Pressemitteilung vom 15.06.2010
30
SMUL (2009): Sächsischer Agrarbericht 2008; SMUL (2010): Sächsischer Agrarbericht 2009
31
SMUL (2008): Forstbericht 2008, S. 95

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
23
Die wertvolle Natur- und Landschaftsausstattung innerhalb des Schutzgebietssystems führte in
den letzten Jahren zu einem positiven Trend für im Wald lebende gefährdete Arten, die auf struk-
tur- und artenreiche Laubwälder angewiesen sind.
Der Bestand der Feldvögel hat dagegen in den letzten Jahren stark abgenommen. Vorläufige Er-
gebnisse der sächsischen Brutvogelkartierung von 2004-2007 zeigen, dass der Bestand der Feld-
vogelarten im Vergleich zu den Bestandsdaten 1993-1996 auf nur noch 69 % zurückgegangen ist.
Dabei sind von den 19 der laut CMEF Guidance note G angegebenen Brutvogelarten für Sachsen
drei nicht relevant, für vier Arten ist kein Trend erkennbar, zwölf Arten sind im Rückgang begriffen.
Eine endgültige Auswertung soll im Jahr 2010 vorliegen.
32
Mit der Aufhebung der Stilllegungspflicht seit 2008 hat der Umfang stillgelegter Flächen in Sach-
sen stark abgenommen
30
. Damit gehen auch positive Effekte verloren, welche die Flächenstillle-
gung teilweise für die biologische Vielfalt haben kann. Auf über der Hälfte der (ehemaligen) Stillle-
gungsflächen wurden allerdings nachwachsende Rohstoffe angebaut
33
. Diese Flächen sind für
den Artenschutz von geringer Bedeutung.. Aus der Erzeugung genommene Acker- und Grünland-
flächen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand (glöZ-Flächen), von denen
eine besondere Bedeutung für die Biologische Vielfalt erwartet werden kann, haben hingegen zu-
genommen
34
.
Wasserqualität und -quantität
Im Zuge der WRRL wurde für alle Grund- und Oberflächensysteme ein neues Messstellensystem
eingeführt
35
. Dies ermöglicht eine komplexere Bewertung der Gewässerökosysteme sowie eine
sichere Beurteilung der Wirkung von Maßnahmen der Landwirtschaft.
36
Die Messstellendichte be-
trägt damit eine Messstelle pro 110 km
2
.
37
Insgesamt hat sich die Belastung der sächsischen Grund- und Fließgewässer durch Stickstoff und
Phosphor wenig geändert. Jahrelange Stickstoffüberschüsse auf landwirtschaftlichen Flächen bis
Anfang der neunziger Jahre wirken aufgrund der langen Verweildauer im Boden noch immer nach.
Ein langsamer Rückgang der Belastung und eine kontinuierliche Verbesserung der Wasserqualität
bei der Oberflächengewässern zeichnet sich jedoch ab
38
, die unter anderem auf verminderte
Stoffeinträge aus der Landwirtschaft zurückgeführt werden können.
Gegenwärtig sind 17 der 70 Grundwasserkörper durch zu hohe
Nitrat
gehalte infolge landwirt-
schaftlicher Flächennutzung gekennzeichnet. Hauptursache ist die Ausbringung stickstoffhaltiger
Düngemittel. Im Durchschnitt liegt die mittlere Nitratkonzentration der Grundwasserkörper
39
in
Sachsen bei 36 mg/l
40
.
Der Anteil der Messstellen, an denen ein über den Grenzwerten nach Trinkwasserverordnung und
Nitratrichtlinie liegender Nitratgehalt im
Grundwasser
festgestellt wurde, zeigt von 1996 bis 2009
insgesamt eine rückläufige Tendenz, wobei die Abnahme in den letzten Jahren immer geringer
32
SMUL (2009): Bericht mit den Ergebnissen der laufenden Bewertung zum EPLR im Freistaat Sachsen, Berichtsjahr 2008
33
Mit knapp 31.000 ha wurden im Jahr 2004 ungefähr 60 % der Stilllegungsflächen für den Anbau nachwachsender Rohstoffe ge-
nutzt (EPLR Sachsen 2007 – 2013, 3. Änderung vom 30.06.2009, genehmigte Fassung vom 15.12.2009, S. 20)
34
Bei Ackerland ist der Umfang der glöz-Flächen um 3.220 ha auf 3.930 ha gestiegen, bei Gründland-Flächen um 321 ha auf 477 ha
(EPLR Sachsen 2007 – 2013, 3. Änderung vom 30.06.2009, genehmigte Fassung vom 15.12.2009, S. 53)
35
SMUL (2009): Europäische Wasserrahmenrichtlinie. Neue Impulse für Sachsen „Bericht über die sächsischen Beiträge zu den
Bewirtschaftungsplänen der Flussgebietseinheiten Elbe und Oder“, S. 6
36
SMUL (2007): Umweltbericht 2007. S. 63
37
SMUL (2009): Umweltindikator Nitrat im Grundwasser.
www.umwelt.sachsen.de/umwelt/4728.asp?id=4978&headline=Schutzgut:
Wasser, Stand: 21.07.2010
38
SMUL (2010): Umweltstatus: Schutzgut Wasser – Gewässergüte; Nitrat im Grundwasser .
www.umwelt.sachsen.de/umwelt/4978.asp,
Stand: 18.02.2010
39
Drei der 70 Grundwasserkörper sind bei der Berechnung der mittleren Nitratkonzentrationen aufgrund fehlender Messwerte nicht
berücksichtigt.
40
SMUL (2009): Europäische Wasserrahmenrichtlinie. Neue Impulse für Sachsen „Bericht über die sächsischen Beiträge zu den
Bewirtschaftungsplänen der Flussgebietseinheiten Elbe und Oder“, Seite 133

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
24
wird: 2009 lag der Anteil der Messstellen mit Nitratkonzentrationen über 25 mg/l
41
bei 29,1 % ge-
genüber 31,2 % 2007. 14 % der Messstellen waren 2009 mit mehr als 50 mg/l
42
belastet, während
es 2007 noch 15,1 % waren. Infolge der langen zeitlichen Verzögerung von der Stickstoffausbrin-
gung bis zum Nachweis im Grundwasser ist die Entwicklung flächendeckend noch nicht ausrei-
chend bestimmbar.
43
Bei den
Oberflächengewässern
ist die Entwicklung eindeutiger. Hier setzt sich der rückläufige
Trend der Nitratbelastung vom Zeitraum 1999/2000 bis 2005/2006 weiter fort. Im Vergleich zum
Zeitraum 1999/2000 ist die jährliche Summe aller Stickstoffeinträge in die Oberflächengewässer
im Freistaat Sachsen von 45.535 t/a auf 37.694 t/a im Zeitraum 2005/2006 zurückgegangen. Die-
se signifikante Abnahme von 17 % ist sowohl auf Maßnahmen zur Verringerung von Stoffeinträ-
gen in der landwirtschaftlichen Flächenbewirtschaftung als auch auf abwassertechnische Sanie-
rungsmaßnahmen im Siedlungsbereich zurückzuführen.
44
Dennoch sind 47 % (309 von 651) aller sächsischen Oberflächengewässer mit Nitratkonzentratio-
nen über 25 mg/l und knapp 5 % (32 von 651) mit über 50 mg/l belastet und überschreiten damit
die Umweltqualitätsnorm nach WRRL.
45
Trotz positiver Entwicklungen stellt die Nitratproblematik
in Grund- und Oberflächenwasserkörpern damit weiterhin eine wichtige Herausforderung dar.
Der Eintrag von
Phosphor
in Gewässer ist in den vergangen Jahren zurückgegangen. Im Zeit-
raum 1999/2000 wurden 1.242 t Phosphor, im Zeitraum 2005/2006 1.117 t Phosphor in die säch-
sischen Gewässer emittiert.
46
Trotz leichter Verbesserung um 1,2 kg/ha von 2007 (-8,5 kg/ha) bis
2008 auf (-7,3 kg/ha) liegt die Phosphorbilanz in den letzten Jahren im negativen Bereich
47
. Erosi-
onsbedingte Phosphorverluste (neben der Abfuhr mit der Ernte der wesentliche Austragsweg für
Phosphat) sind deshalb weiterhin zu minimieren.
Zur
Pestizidbelastung
liegt kein landesweiter Gesamtwert vor, weil Überschreitungen von
Grenzwerten lokal und ereignisbezogen erfolgen und die Entwicklung infolge der langen zeitlichen
Verzögerung von der Pflanzenschutzmittel-Ausbringung bis zum Nachweis im Grundwasser flä-
chendeckend noch nicht ausreichend bestimmbar ist. Der Anteil der Messstellen an Grundwasser-
körpern mit Überschreitung der Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel nach Trinkwasserverord-
nung
48
zeigt jedoch einen abnehmenden Trend seit 2001. 2009 überschritten noch 3,5 % der
172 Messstellen den Grenzwert von > 0,1 ug/l
49
. Eine über dem Grenzwert nach WRRL-
Umweltqualitätsnorm
50
liegende Pestizidkonzentration wurde bei keinem der Grundwasserkörper
in Sachsen gemessen.
51
Der Anteil der Oberflächengewässer mit Überschreitung von einzelstoff-
oder stoffsummenbezogenen WRRL-Umweltqualitätsnormen für Pestizide lag in den Jahren
2006–2008 bei 6,6 % (43 von 651)
51
.
41
Besorgniswert der Richtlinie zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen nach Nit-
ratrichtlinie 91/676 EWG
42
Grenzwert der Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001) sowie Qualitätsnorm des Anhanges V der Richtlinie 2000/60 EG des europä-
ischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemein-
schaft im Bereich der Wasserpolitik; Richtlinie 2008/105/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008
über Umweltqualitätsnormen im Bereich der Wasserpolitik und zur Änderung und anschließenden Aufhebung der Richtlinien des
Rates 82/176/EWG, 83/513/EWG, 84/156/EWG, 84/491/EWG und 86/280/EWG sowie zur Änderung der Richtlinie 2000/60/EG
43
SMUL (2009): Umweltindikator Nitrat im Grundwasser.
www.umwelt.sachsen.de/umwelt/4728.asp?id=4978&headline=Schutzgut:
Wasser, Stand: 21.07.2010
44
LfULG (2009): Atlas der Nährstoffeinträge in sächsische Gewässer, S. 74
45
SMUL (2009): Europäische Wasserrahmenrichtlinie. Neue Impulse für Sachsen „Bericht über die sächsischen Beiträge zu den
Bewirtschaftungsplänen der Flussgebietseinheiten Elbe und Oder“, S.78
46
LfULG (2009): Atlas der Nährstoffeinträge in sächsische Gewässer, S. 72
47
LfULG (2010): Bericht zur laufenden Bewertung EPLR. – Teil Agrarumweltmaßnahmen AUM – Berichtsjahr 2009. Anhang 3
48
Grenzwert der Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001): Maximaler Einzelsubstanzwert des dominanten Wirkstoffs > 0,1 mg/l
49
SMUL (2009): Indikator Pflanzenschutzmittel im Grundwasser.
www.umwelt.sachsen.de/umwelt/4716.asp?id=4829&headline=Wir-
kung:%20Land-%20und%20Forstwirtschaft%20auf%20Wasser, Stand 22.07.2010
50
Grenzwert für Pestizidkonzentration in Grundwasserkörpern nach WRRL-Umweltqualitätsnorm: 0,5 μg/l
51
SMUL (2009): Europäische Wasserrahmenrichtlinie. Neue Impulse für Sachsen „Bericht über die sächsischen Beiträge zu den
Bewirtschaftungsplänen der Flussgebietseinheiten Elbe und Oder“

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
25
Insgesamt erreichten im Zeitraum von 2006 - 2008 49 % der Grundwasserkörper (34 von 70) und
5 % der Oberflächenwasserkörper in Sachsen (33 von 651) den guten Zustand nach WRRL
51.
Bodenqualität und ökologischer Landbau
In Bezug auf die Belastung der Böden im Freistaat Sachsen sind keine wesentlichen Änderungen
feststellbar bzw. keine aktuelleren Daten verfügbar.
Der Anteil bebauter Flächen hat sich weiterhin ausgedehnt. 2008 umfassten Siedlungs- und Ver-
kehrsflächen 12,17 % der Landesfläche.
52
Die Zunahme der Flächenneuinanspruchnahme hat
sich zwar von 2002 bis 2004 zwischenzeitlich auf 4,3 ha pro Tag verringert, ist aber seitdem wie-
der angestiegen und liegt 2008 bei 6,9 ha pro Tag. Vom Nachhaltigkeitsziel der Bundesregierung
(30 ha pro Tag ab 2020, das entspricht für Sachsen 1,55 ha pro Tag) sind die Zahlen weit entfernt.
Im Wesentlichen sind bedeutsame Böden des Naturhaushalts betroffen, die in ihrer Funktionalität
beeinträchtigt bzw. vernichtet werden, unter anderem wird die Grundwasserneubildung vermindert
und die Hochwassergefahr erhöht.
53
Der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen an der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Frei-
staat Sachsen hat seit 2003 von 2,2 % (20.340 ha) bis 2008 auf 3,2 % (27.855 ha)
30
weiter lang-
sam zugenommen. Von dem im Konzept Ökologischer Landbau im Freistaat Sachsen definierten
Zielwert von 10 % in 2009 ist der Ökolandbau damit allerdings noch weit entfernt. (Seit 2007 wird
Ökolandbau in Sachsen nicht mehr im Rahmen des EPLR, sondern ausschließlich aus GAK-
Mitteln gefördert).
Luftverschmutzung und Klima
Die Luftbelastung durch Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft folgt mit 17 kt/a weiter
dem seit den 1990er Jahren zu verzeichnenden rückläufigen Trend, der auf gesunkene Viehbe-
stände und Investitionen in immissionsverringernden Lager- und Ausbringverfahren für organische
Dünger zurückzuführen ist.
54
Die Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft sind in den letzten 10 Jahren nur unbedeu-
tend zurückgegangen und lagen 2006 bei 2,03 Mio. t gegenüber 2,08 Mio. t CO
2
-Äquivalenten im
Jahr 2003.
55
Landwirtschaftliche Betriebe in benachteiligten Gebieten
Seit der letzten Veröffentlichung der benachteiligten Gebiete 1997 ist keine Neuabgrenzung der
von der EU notifizierten Gebietskulisse erfolgt, der Anteil der benachteiligten Gebiete liegt damit
unverändert bei 38,7 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche Sachsens. 0,2 % der landwirt-
schaftlichen Fläche sind benachteiligte Gebiete in Berggebieten. Nach der angestrebten Neuab-
grenzung der Gebietskulisse sind eventuell größere Änderungen möglich. Im Jahr 2003 hat der
Europäische Rechnungshof gegenüber der EU-Kommission darauf hingewirkt, die Kriterien für die
Abgrenzung benachteiligter Gebiete auf EU-Ebene zu vereinheitlichen, dies gilt insbesondere für
die benachteiligten Gebiete außerhalb der Berggebiete. Zunächst hatte die Kommission ange-
strebt, die Neuabgrenzung der benachteiligten Gebiete bis 2010 umzusetzen. Nach einer längeren
Diskussion der vorgeschlagenen Abgrenzungskriterien auf EU-Ebene hat Deutschland geprüft, in
wie weit sich die einheitlichen Kriterien auf Länderebene umsetzen lassen. Eine Stellungnahme
der KOM wird nach Prüfung aller Mitgliedstaaten erwartet. Mit einer Neuabgrenzung der benach-
52
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2009): Flächenerhebung nach Art der tats. Nutzung: Bodenfläche, Nutzungsart.
www.statistik.sachsen.de/genonline/online/online?operation=statistikenVerzeichnis
>Flächennutzung > Code-Auswahl 33111-014Z.
Stand: 20.01.2010
53
SMUL (2007): Umweltbericht 2007
54
SMUL (2010): Umweltindikator Luft – Ammoniak Emission (nach Daten des LfULG)
www.umwelt.sachsen.de/umwelt/4596.asp?id=4822&headline=Land-%20und%20Forstwirtschaft.
Stand 19.01.2010
55
SMUL (2010): Umweltindikator Land- und Forstwirtschaft – Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft (nach Daten des LfULG).
www.umwelt.sachsen.de/umwelt/4770.asp?id=4822&headline=Land-
und Forstwirtschaft. Stand 26.07.2010. Einen vergleichbaren
Trend, aber abweichende Daten, die um fast 1 Mio. t CO2-Äquivalente höher liegen, nennt für Sachsen der Nationale Emissionsbe-
richt (NIR) 2010 für 2008. vgl. Haenel, H.-D. u.a. (2010): Berechnungen der Emissionen aus der deutschen Landwirtschaft. vTI-
Landbauforschung, Sonderheft 334, Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald
und Fischerei

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
26
teiligten Gebiete ist innerhalb der Programmlaufzeit (2007 – 2013) nicht mehr zu rechnen. Wie
sich die Neuabgrenzung auf die bisherige Kulisse auswirken wird, ist derzeit ebenfalls noch unklar.
Nutzung der Bioenergie
Bis zum Wegfall der Stilllegungspflicht 2008 wurden auf über 60 % der stillgelegten Flächen -
41.000 ha - nachwachsende Rohstoffe angebaut.
56
Außerhalb der Stilllegungsflächen wurden E-
nergiepflanzen (mit Energiepflanzenprämie) 2006 auf 17.470 ha angebaut, 2007 auf 23.897 ha.
Vor dem Hintergrund der Kürzung der Energiepflanzenprämie (letztmalige Zahlung 2009) und der
Steuererhöhung auf Biokraftstoffe ist der Energiepflanzenanbau 2008 auf 8.312 ha zurückgegan-
gen
57
. (Diese Zahl umfasst allerdings nicht die Anbaufläche ohne Energiepflanzenprämie, die seit
dem Wegfall der Stilllegungspflicht nicht mehr detailliert erfasst werden kann. Der tatsächliche
Wert für 2008 liegt deshalb Schätzungen zu Folge weit höher
58
.)
Der Biogassektor in Sachsen hat sich im Rahmen des EEG (siehe oben, Situation der Land-,
Forst- und Ernährungswirtschaft) weiter ausgeweitet. Ende 2008 waren in Sachsen 140 Biogasan-
lagen mit einer installierten elektrischen Leistung von insgesamt ca. 54 MW in Betrieb
57
.
Waldfläche und Waldzustand
Die angestrebte Waldflächenmehrung im Freistaat Sachsen verlief in den letzten Jahren weiterhin
positiv. Aktuell sind 28,2 % der Landesfläche Sachsens mit Wald bestockt.
59
Der Holzzuwachs in
Sachsens Wäldern beträgt 4,4 Mio. m
3
pro Jahr, welcher im Wesentlichen aus dem hohen Anteil
von Beständen, die sich in einem zuwachsstarken Alter befinden, resultiert.
60
Die Situation im Freistaat Sachsen wurde maßgeblich durch die Orkane „Kyrill“ und „Lancelot“ vom
Januar 2007 beeinträchtigt. Aus den Sturmereignissen resultierten ca. 1,82 Mio. m³ Wurf- und
Bruchholz über alle Waldbesitzarten. Der Landeswald war mit einer Menge von 1,15 Mio. m³ Wurf-
und Bruchholz am stärksten betroffen, wodurch dort auf ca. 1.300 ha Kahlflächen entstanden. Mit
insgesamt 1,78 Mio. m³ Schadholz wurden landesweit hauptsächlich Nadelbaumbestände, vorran-
gig Fichtenbestände, geschädigt.
60
Der aktuelle Waldzustandsbericht (2009) stellt fest, dass der
Zustand der sächsischen Wälder sich im Vergleich zum Vorjahr nicht wesentlich verändert hat.
Während die Kiefer im Vergleich zum Vorjahr eine verbesserte Kronenvitalität aufweist, wurde bei
den Baumarten Fichte, Eiche und Buche eine Verschlechterung des Kronenzustandes festgestellt.
Insgesamt weisen die erfassten Probebäume eine mittlere Kronenverlichtung von 17,4 % auf. Ent-
sprechend den Kombinationsschadstufen werden rund 18 % der Waldfläche im Freistaat Sachsen
als deutlich geschädigt (Schadstufen 2–4), 40 % als schwach geschädigt (Schadstufe 1) und rund
42 % ohne erkennbare Schadmerkmale (Schadstufe 0) eingestuft
61
. Ursache hierfür sind haupt-
sächlich Witterungseinflüsse sowie die historische, anthropogene Beeinflussung der Waldökosys-
teme.
In Sachsen nahm die Durchschnittstemperatur innerhalb der letzten 50 Jahre um 1°C zu, während
gleichzeitig eine Häufung von starken saisonalen Abweichungen langjähriger Mittelwerte zu beo-
bachten ist.
60
Die Trockenheit im Jahr 2003 sowie das Sturmereignis Kyrill im Jahre 2007 deuten
auf diese Entwicklung hin.
Fazit:
Insgesamt zeigen sowohl die Umweltsituation wie auch die Entwicklung der Landbewirt-
schaftung im Freistaat Sachsen kaum Veränderungen gegenüber der Darstellung der dem EPLR
zugrunde liegenden SWOT-Analyse. Wo aktuellere Werte vorliegen, bestätigen diese weitestge-
hend die in der SWOT dargestellten Trendentwicklungen und die daraus abgeleiteten Stärken und
Schwächen.
56
SMUL (2008): Energie für die Zukunft. Sachsens Potenzial an nachwachsenden Rohstoffen/Biomasse
57
SMUL (2009): Sächsischer Agrarbericht 2008
58
LFULG (2009)
59
Vgl.
SMUL
(2008):
Forstbericht
2008,
Kap
2.1.1;
und EPLR Sachsen 2007 – 2013, 3. Änderung vom 30.06.2009, genehmigte Fassung vom 15.12.2009, Kap. 3.1.3.7
60
SMUL (2008): Forstbericht 2008, S.19, S. 68, S.119
61
SMUL (2009): Waldzustandbericht 2009, S. 9

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
27
3.2 Beurteilung der Relevanz der gewählten Strategie
Für den Förderzeitraum 2007 – 2013 gibt die von der Europäischen Union im Jahr 2005 verab-
schiedete ELER-VO (VO (EG) Nr. 1698/2005) einen rechtlichen und politisch-strategischen Rah-
men für die Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums vor, der sich kohärent in das Sys-
tem der übergeordneten europäischen Entwicklungsziele, Strategien und Leitlinien einfügt. Die
innerhalb dieses europäischen Rahmens formulierte Nationale Strategie
62
bildet einen weiteren
Bezugsrahmen für die Programme zur ländlichen Entwicklung auf Ebene der Bundesländer. Die
ELER-VO gibt über die Festlegung von Schwerpunkten mit spezifischen Zielen und durch einen
Katalog möglicher Maßnahmen das Spektrum an Handlungsfeldern für die Ausgestaltung des
spezifischen Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum vor. Dabei werden auch Mindest-
anforderungen für die Aufteilung der Mittel auf die vier Entwicklungsschwerpunkte vorgegeben.
Die Relevanz dieser strategischen Rahmenvorgaben für die Erreichung der Ziele des Entwick-
lungsprogramms wird allgemein unterstellt und auch zum Zeitpunkt der Programmierung nicht ge-
prüft. Dies gilt auch für die Programmanpassungen, die durch den Health Check und das EU-
Konjunkturprogramm ausgelöst wurden (vgl. Kapitel 5.2).
In dem vorgegebenen strategischen Rahmen setzt das sächsische Entwicklungsprogramm für den
ländlichen Raum spezifische quantifizierte Ziele und definiert spezifische Förderschwerpunkte auf
Ebene der für das Programm ausgewählten Maßnahmen. Hierbei wird thematisch sowie regional
differenziert für jede Maßnahme im Einzelnen die Relevanz der geplanten Interventionen heraus-
gearbeitet. Für jeden Fördergegenstand bzw. jeden Maßnahmebereich werden über (zusätzliche)
Ergebnisindikatoren und die Beschreibung der Wirkungsbeiträge die angestrebten Ziele definiert,
die sich direkt den einzelnen aus der sozioökonomischen Analyse abgeleiteten Handlungserfor-
dernissen zuordnen lassen. Insofern wird im EPLR sowohl bei der Beschreibung der gewählten
Strategie (EPLR, Kapitel 3.2) als auch bei der Darstellung der einzelnen Maßnahmen (EPLR, Ka-
pitel 5) die Relevanz der gewählten Strategie nachgewiesen. Dieser Sachverhalt wurde bereits von
der Ex-ante Evaluierung bestätigt (vgl. Kapitel 3.3).
Auf Basis der zentralen Ziele des nationalen Strategieplans sowie der sozioökonomischen Analyse
der Ausgangssituation hat der Freistaat Sachsen sich die nachstehenden zentralen Ziele für eine
integrierte Entwicklung des ländlichen Raumes gesteckt.
Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe sicherstellen und Wertschöpfung in den Betrieben erhöhen
Regionale Wertschöpfungsketten schaffen
Infrastrukturelle Rahmenbedingungen verbessern
nachhaltige kommunale Strategien umsetzen
Krisensituationen durch Risikovorsorge vorbeugen und bewältigen
Integrierte Ländliche Entwicklung
Kulturlandschaft schützen
guten Gewässerzustand nachhaltig erreichen und sichern
Schutz und Wiederherstellung der natürlichen Bodenfunktionen
Immissions-/Klimaschutz
nachhaltige Sicherung der natürlichen, biologischen Vielfalt
Erhalt der Multifunktionalität des Waldes
62
BMELV (2006): Nationaler Strategieplan der Bundesrepublik Deutschland für die Entwicklung ländlicher Räume 2007 – 2013

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
28
Bei der Verfolgung dieser Ziele kommen in Anlehnung an die Nationale Strategie
der
Förderung von Investitionen innerhalb und außerhalb der
Land- und Forstwirtschaft,
der Umsetzung integrierter und übergreifender Entwicklungsstrategien
sowie
freiwilligen Agrarumweltmaßnahmen
besondere Bedeutungen zu.
Vor dem Hintergrund der in Kapitel 3.1 dargestellten sozioökonomischen Rahmenbedingungen gilt
es zu bewerten, inwieweit durch die 2005/2006 festgelegte Förderstrategie die oben genannten
Ziele der Förderung des ländlichen Raumes erreicht werden können.
Ein zentraler Aspekt bei der Formulierung der Strategie des EPLR war es zu berücksichtigen,
dass die verschiedenen ländlichen Regionen des Freistaats Sachsen über eine sehr unterschiedli-
che Ausstattung ökonomischer sowie natürlicher Ressourcen verfügen. Die damit verbundene He-
terogenität von Voraussetzungen und Strukturen hat daher bei der Strategiebildung eine zentrale
Rolle gespielt. Weiterhin wurde erwartet, dass „die ländlichen Regionen Sachsens in den nächsten
Jahren auf Grund sich verändernder Rahmenbedingungen (Globalisierung, hohe Arbeitslosigkeit,
niedriges Wirtschaftswachstum, etc.) vor besonderen Herausforderungen stehen werden“ (EPLR,
2007). Hinzu kommt, dass sich der demographische Wandel im ländlichen Raum des Freistaats
Sachsen sehr unterschiedlich gestaltet und die einzelnen Gemeinden des ländlichen Raums in
sehr differenzierter Form von den negativen Auswirkungen des Bevölkerungsrückgangs betroffen
sind. Da mit dem EPLR angestrebt wird, eine an den lokalen Zielen und Bedürfnissen der Men-
schen orientierte nachhaltige Entwicklung einzuleiten, die alle Landesteile angemessen am gesell-
schaftlichen Fortschritt teilhaben lässt (Ziel: Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen), war es fol-
gerichtig, einen strategischen Schwerpunkt bei der Förderung einer flächendeckenden, kleinräu-
migen und partizipativen Integrierten Ländlichen Entwicklung zu setzen. Insgesamt wurden für die
Entwicklung des ländlichen Raums daher 35 Integrierte Ländliche Entwicklungskonzepte (ILEK)
von zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteuren in den Regionen selbst erarbeitet.
Die besondere Bedeutung des ILEK als strategisches Instrument des EPLR liegt vor allem darin,
dass es:
Maßnahmen übergreifend, d.h. umfassend ist, da es die meisten Maßnahmen des Schwer-
punktes 3 und alle Maßnahmen des Schwerpunktes 4 verbindlich und viele Interventionsbe-
reiche der Maßnahmen der Schwerpunkte 1 und 2 fakultativ integriert;
einzelne Interventionsbereiche, EU-Förderprogramme wie EFRE und ESF sowie landesspezi-
fische Maßnahmen in einem integrierten Konzept synergetisch verbindet,
eine Abstimmung mit anderen Entwicklungskonzepten, die im ländlichen Raum wirken, er-
möglicht bzw. eine Konsolidierung von Förderkonzepten im ländlichen Raum eröffnet und
damit alle der oben genannten 12 EPLR spezifischen Ziele – wenn auch mit unterschiedlicher
Intensität - unterstützt.
Die Strategie eines Programms ergibt sich aus den Zielsetzungen des Programms und den Priori-
täten bei der Umsetzung dieser Ziele. Die Prioritäten bei der Umsetzung finden ihren Niederschlag
in der finanziellen Ausstattung der Maßnahmen und Schwerpunkte. Neben der Gewährleistung
einer thematischen Strategierelevanz der geplanten Interventionen (Interventionslogiken bzw.
„Wirkungsschemata“) wird aus Maßnahmen und Schwerpunkten erst dann eine Strategie, wenn
den Interventionsbereichen finanzielle Gewichtungen beigemessen werden, welche die Dringlich-
keiten der sozioökonomisch abgeleiteten Handlungserfordernisse, das Ausmaß der zu lösenden
Probleme und die potenziellen Wirkungs- bzw. Zielbeiträge der geplanten Intervention berücksich-
tigen. Betrachtet man die geplante Mittelaufteilung auf die einzelnen Schwerpunkte, so lässt sich
abschätzen, dass etwa 44 % der Mittel über die ILEK umgesetzt werden sollen. Der Schwer-
punkt 1 ist mit 21 % der Gesamtmittel gewichtet und Schwerpunkt 2 macht rund ein Drittel der Ge-
samtförderung aus (vgl. Kapitel 5.2).

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
29
Unter Berücksichtigung der in Kapitel 3.1 dargestellten, seit Beginn der Förderperiode eingetrete-
nen Veränderungen der sozioökonomischen Rahmenbedingungen gilt es zu bewerten, ob die
oben genannten Ziele (vgl. S. 27) der strukturellen Förderung des ländlichen Raumes durch die
ursprünglich festgelegte Förderstrategie weiterhin erreicht werden können. Bei einer Bewertung
der Relevanz der gewählten Strategie muss berücksichtigt werden, dass sowohl die programm-
durchführende Behörde als auch die Europäische Gemeinschaft seit Beginn der Programmdurch-
führung bereits Änderungen an der ursprünglich festgelegten Strategie vorgenommen haben, um
auf wesentliche Veränderungen beispielsweise in der Land- und Forstwirtschaft oder im gesamt-
wirtschaftlichen Kontext zu reagieren. Eine Strategieänderung in der ELER - Förderung erfolgte
auf Veranlassung der EU KOM durch die Anpassung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU im
Rahmen des Health Check Ende 2008 sowie durch eine zweckgebundene Mittelaufstockung im
Rahmen des EU-Konjunkturprogrammes (vgl. Kapitel 5.2).
Insgesamt stehen rd. 71 Mio. EURO (EU ELER- und Landesmittel) für Maßnahmen der „Neuen
Herausforderungen“ zur Verfügung. Die Maßnahme „Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe“
(Maßnahme 121) ist mit insgesamt rund 21 Mio. EURO (EU ELER- und Landesmittel) deutlich auf-
gestockt worden mit dem Ziel der Abfederung der Umstrukturierung im Milchsektor. Die primär
den neuen Herausforderungen Wasserwirtschaft und Anpassung an den Klimawandel zur Ab-
schwächung seiner Folgen sowie der Biologischen Vielfalt zuzuordnenden Agrarumweltmaßnah-
men im Schwerpunkt 2, die um rund 35 Mio. EURO (EU ELER- und Landesmittel) aufgestockt
wurden, sollen gleichzeitig „für die Milchbetriebe verstärkend“ wirken (EPLR 2009). Die Zweckbin-
dung der durch den Health Check und das EU-Konjunkturprogramm zusätzlich zur Verfügung ste-
henden Mittel führt zwangsläufig zu einer – wenn auch geringen – Akzentverschiebungen bei den
finanziellen Schwerpunktsetzungen innerhalb des Programms. Eine dezidierte Beschreibung der
Programmanpassungen auf Ebene der einzelnen Maßnahmen wird im Kapitel 5.2 des Berichts
gegeben.
Hinsichtlich der Kohärenz zu den Gemeinschaftsprioritäten sind in der Strategie wie vor allem
auch in der bisherigen Umsetzung des EPLR in Sachsen Defizite erkennbar. Im Schwerpunkt 1
dominiert die klassische Investitionsförderung, in deren Rahmen es bisher nicht überzeugend ge-
lungen ist, die in der Gemeinschaftsstrategie festgelegten Ziele wie Förderung von Innovation um-
zusetzen. Die strategisch programmierten Maßnahmen „Teilnahme von Landwirten an Lebensmit-
telqualitätsregelungen“ (132) und „Informations- und Absatzförderungsmaßnahmen“ (133) sowie
„Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Erzeugnisse, Verfahren und Techniken in Land- Er-
nährungs- und Forstwirtschaft“ (124), die geeignet wären, Innovationen und Produktqualitäten der
Landwirtschaft zu verbessern, konnten bisher nicht erfolgreich implementiert werden. Im Schwer-
punkt 2 sind ausschließlich im Forstbereich strukturell wirksame Maßnahmen geplant und umge-
setzt. Über 20 % der bis Ende 2009 insgesamt verausgabten öffentlichen Mittel des Programms
sind reine Transferleistungen im Rahmen der Ausgleichszulage. Agrarumweltmaßnahmen (bislang
30 % der insgesamt im Programm bisher verausgabten Mittel) tragen zu den politischen Prioritä-
ten von Göteborg bei, wirken zum Teil jedoch nur so lange, wie die Zahlungen fließen und führen
nicht zu nachhaltig veränderten Strukturen. Dies ist jedoch als ein grundsätzliches Defizit der E-
LER-Förderung zu betrachten und nicht als Spezifikum der gewählten Strategie in Sachsen. Die
potenziell hoch wirksamen dauerhaften Beiträge der Maßnahme „Ländliches Erbe“ (323) konnten
bisher mangels Umsetzungsstand nicht erreicht werden. Nicht produktive Investitionen zur dauer-
haften Verbesserung der Umweltsituation in landwirtschaftlichen Betrieben (216) sind nicht pro-
grammiert. Der Herausforderung, die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit der ländlichen Wirtschaft
durch Förderung der Diversifizierung und durch Fokussierung auf Wachstum und Beschäftigung
im ländlichen Raum zu verbessern, wird im Wesentlichen und erfolgreich mit den Maßnahmen der
Schwerpunkte 3 und 4 begegnet.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
30
3.3 Beschreibung des Bewertungsprozesses: Zusammenfassung der Aufga-
benbereiche, des Zwecks und Umfangs der Bewertung
An die Stelle der voneinander getrennten Bewertungen: Ex-ante-, (aktualisierte) Halbzeit- und Ex-
post-Bewertung, tritt in der Förderperiode 2007 bis 2013 ein kontinuierlicher Begleitungs- und Be-
wertungsprozess mit jährlichen Berichterstattungspflichten. Dabei werden die Ergebnisse und Wir-
kungen der Fördermaßnahmen auf Basis von gemeinsamen, d.h. EU-weit einheitlichen und zu-
sätzlichen programmspezifisch festgelegten Indikatoren ermittelt
5
. Um eine gewisse einheitliche
Qualität der Halbzeitbewertungen und Aggregierbarkeit der Indikatoren in den Mitgliedsstaaten
sicher zu stellen, hat die Generaldirektion Landwirtschaft mit dem Handbuch für den gemeinsa-
men Begleitungs- und Bewertungsrahmen (CMEF) basierend auf Artikel 80 ELER-VO ein sehr
ambitioniertes Ziel- und Indikatorensystem sowie eine Fülle von maßnahmenbezogenen und pro-
grammbezogenen, sog. „horizontalen“ Bewertungsfragen formuliert, welche im Rahmen der Halb-
zeitbewertung beantwortet werden müssen. Zudem hat Sachsen weitere programmspezifische
Indikatoren und Bewertungsfragen festgelegt. Im CMEF sind ferner auch implizit oder explizit Me-
thoden und Zuständigkeiten für die Erhebung und Erfassung der Indikatoren
63
und (indirekt) Me-
thoden zur Beantwortung der Bewertungsfragen
64
vorgegeben. Ergänzt wird das Regelungswerk
des CMEF von zwei Arbeitspapieren des Europäischen „Helpdesks“ zur Messung von Wirkungen
ländlicher Entwicklungsprogramme
65
.
Das System der laufenden Bewertung integriert auf Programmebene die Ex-ante-Bewertung, die
Halbzeitbewertung, die Ex-post-Bewertung sowie jede andere zur Verbesserung der Programm-
abwicklung und -auswirkung als zweckdienlich betrachtete Bewertungsmaßnahme in ein Bewer-
tungskontinuum.
Diese laufende Bewertung wird begleitet von thematischen Studien und Synthesebewertungen auf
Gemeinschaftsebene sowie von Aktivitäten des Europäischen Netzwerks für ländliche Entwick-
lung, das ein Forum für Erfahrungsaustausch und Unterstützung beim Kapazitätsaufbau im Hin-
blick auf die Bewertung in den Mitgliedstaaten bietet. Der Informationsaustausch über bewährte
Praktiken und die Verbreitung von Bewertungsergebnissen können einen wesentlichen Beitrag zur
Wirksamkeit der Programme zur Förderung der ländlichen Entwicklung leisten.
Die Regionen der EU implementieren das System der laufenden Bewertung sehr unterschiedlich.
Für die meisten Programme wurde die laufende Bewertung sowie die Berichtslegung gemeinsam
mit der Halbzeit- und/ oder der Ex-post-Bewertung nach außen vergeben
66
. Sachsen hingegen
organisiert seine laufende Bewertung als so genanntes inhäusiges Projekt. Die Ex-ante-, Halbzeit-
und Ex-post-Bewertungen wurden bzw. werden von externen Evaluatoren durchgeführt. Die Ex-
ante Bewertung ist ein die Programmierung begleitender Prozess, der mit Genehmigung des
EPLR abgeschlossen wurde (vgl. Kapitel 3.4).
Die Berichte über die laufende Bewertung 2007 und 2008 legte die Verwaltungsbehörde entspre-
chend Artikel 86 der ELER VO
1
dem Begleitausschuss vor. Zusammenfassungen dieser Berichte
wurden gemäß Artikel 86 ELER-VO in den jährlichen Zwischenbericht (gemäß Artikel 82 der E-
LER-VO) aufgenommen. Die Berichterstellung zur laufenden Bewertung der Programmjahre 2007
und 2008 erfolgte durch die Verwaltungsbehörde auf der Grundlage des Begleitungssystems und
spezieller fachspezifischer Begleitmaßnahmen insbesondere zu den flächenbezogenen Agrarum-
weltmaßnahmen (AUM) im Schwerpunkt 2, durchgeführt durch das LfULG. Die Verwaltungsbe-
hörde hat die Anregung der Kommission aufgenommen und die laufende Bewertung auf andere
63
Vgl. Anhang 3 des CMEF: Hinweise für Indikatoren
64
Vgl. CMEF, Hinweis B: Leitlinien für die Bewertung: „Die Antwort auf jede Bewertungsfrage soll die gemeinsamen und die pro-
grammspezifischen Indikatoren widerspiegeln“
65
European Evaluation Network for Rural Development: Approaches for assessing the impacts of the rural development programmes
in the context of multiple intervening factors Working Paper, October 2009; European Evaluation Network for Rural Development
und Europäische Kommission: Guidelines on the Midterm Evaluation of the Rural Development Programmes. EC, 2009
European Evaluation Network for Rural Development und Europäische Kommission: LEITFADEN Die Anwendung des “High Nature
Value (HNV)“ – Wirkungsindikators. Europäische Gemeinschaft, 2009
66
Protokoll der 2. Sitzung des Expertenausschusses zur Evaluation der ländlichen Entwicklungsprogramme, Brüssel, 23. Juni 2009

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Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
31
Teile des Programms ausgeweitet. Nur durch eine umfassende Berichterstattung über die Bewer-
tungsergebnisse des Programms kann die laufende Bewertung ihre Hauptaufgabe erfüllen, näm-
lich den Begleitausschuss in die Lage zu versetzen,
anhand von Ergebnisindikatoren und gegebenenfalls Wirkungsindikatoren den Fortschritt des
Programms gemessen an dessen Zielen zu überprüfen,
die Qualität der Programme und ihre Durchführung zu verbessern und
Vorschläge für eine wesentliche Änderung der Programme zu prüfen.
Mit der vorliegenden Halbzeitbewertung wird erstmals der Grad der Inanspruchnahme der Mittel,
die Wirksamkeit und Effizienz der Programmplanung des ELER sowie die sozioökonomischen
Auswirkungen der Fondstätigkeit und die Auswirkungen auf die Prioritäten der Gemeinschaft un-
tersucht. Es werden die Faktoren ermittelt, die zum Erfolg bzw. Scheitern der Programmumset-
zung, auch in Bezug auf die Nachhaltigkeit, beigetragen haben, und bewährte Verfahrensweisen
ermittelt.
67
Dazu soll die Halbzeitbewertung die Ergebnisse und Wirkungen der Maßnahmen und
des Gesamtprogramms nachvollziehbar und verständlich analysieren und diese in Hinblick auf Re-
levanz, Effektivität, Effizienz und Nachhaltigkeit bewerten.
Abbildung 10: Evaluierungsdesign zur Halbzeitbewertung des EPLR 2010
Quelle: Eigene Darstellung
Abbildung 10 stellt den Bewertungsprozess in Zusammenhang mit der Berücksichtigung externer
Einflussfaktoren und deren Wechselwirkungen dar. Die angewandten Methoden zur Messung und
Bewertung der Ergebnisse und Wirkungen sind in Kapitel 4 bzw. in den Kapiteln zur Maßnahmen-
bewertung im Einzelnen erläutert.
Die von der Kommission vorgegebene Terminierung der Halbzeitbewertung auf das Jahr 2010,
das heißt die Messung des Programm-Outputs bis Ende 2009 ist jedoch für eine umfassende
Messung von Wirkungen in vielen Bereichen zu früh. Daher muss bei der Quantifizierung der Wir-
kungen oftmals auch eine Betrachtung der bereits bewilligten Maßnahmen vorgenommen und auf
Schätzungen zurückgegriffen werden (vgl. Kapitel 4 und 6).
67
VO (EG) Nr. 1698/2005 des Rates vom 20. September 2005, Art. 86
Sozioökonomische Rahmenbedingungen in Sachsen
Relevanz der Strategie
Bedarf
Beantwortung der gemeinsamen
und programmspezifische
Bewertungsfragen im Rahmen
der Halbzeitbewertung
Beantwortung der gemeinsamen
und programmspezifische
Bewertungsfragen im Rahmen
der Halbzeitbewertung
Definition der Ziele
anhand der
sozioökonomischen Analyse und
der Stärken- & Schwächen-,
Chancen- & Risiko-Analyse
Definition der Ziele
anhand der
sozioökonomischen Analyse und
der Stärken- & Schwächen-,
Chancen- & Risiko-Analyse
Nutzen/Nachhaltigkeit
Fördermittel
INPUT
Fördermittel
INPUT
Ergebnisse
Outputs bis 2009
Allgemeine Ziele
Spezifische Ziele
Operationelle Ziele
Zielhierarchie
Indikatorenhierarchie
EPLR Sachsen
Effektivität/Effizienz
Ausgewogenheit
Zieladäquanz
Beurteilung
Schlussfolgerungen
und Empfehlungen
Schlussfolgerungen
und Empfehlungen
Wirkungen

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
32
3.4 Beschreibung früherer Bewertungen im Zusammenhang mit dem Pro-
gramm
Mehrere Maßnahmen, die seit der laufenden Förderperiode 2007 – 2013 über den neuen Europäi-
schen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) gefördert werden,
wurden vormals über den Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft
(EAGFL) kofinanziert.
Über die Abteilung Ausrichtung wurden Einzelbetriebliche Investitionen, Verarbeitung und Ver-
marktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, naturnahe Waldbewirtschaftung, Dorfentwicklung,
Landtourismus und ökologische Landschaftsgestaltung gefördert. Das entsprechende Umset-
zungsprogramm in Sachsen war als „Schwerpunkt 5“ in das operationelle Programm zur Struktur-
fondsförderung des Freistaats Sachsen 2000 – 2006 eingebettet.
Im Rahmen des „Entwicklungsplans für den ländlichen Raum im Zeitraum 2000 bis 2006“ (EPLR)
wurde die Förderung des Vorruhestands, die Ausgleichszulage (AZ) für benachteiligte Gebiete,
das Programm „Umweltgerechte Landwirtschaft (UL)“ und die Aufforstung landwirtschaftlicher Flä-
chen gefördert und durch die Abteilung Garantie kofinanziert.
Beide Programme wurden jeweils auch einer Halbzeit- und einer aktualisierten Halbzeitbewertung
unterzogen. Für den Entwicklungsplan liegt darüber hinaus eine Ex-post-Bewertung vor.
Die LEADER+ Initiative wurde vor der aktuellen Förderperiode über das „Operationelle Programm
zur Umsetzung der Gemeinschaftsinitiative LEADER+ im Freistaat Sachsen 2000 – 2006“ geför-
dert. Auch dieses Programm wurde einer Ex-post-, einer Halbzeit- und einer aktualisierten Halb-
zeit-Bewertung unterzogen.
Alle Bewertungen enthalten Schlussfolgerungen und Empfehlungen, die sich auch auf die aktuelle
Förderperiode beziehen. Viele relevante Empfehlungen werden im Kapitel 3.4.2. „Schlussfolge-
rungen für die weitere Förderstrategie“ des aktuellen EPLR bereits zusammengefasst. In den
Maßnahmebeschreibungen des EPLR werden in den jeweiligen Abschnitten zum "...Rückblick auf
vorausgegangene Förderperiode 2000 – 2006" die maßnahmenspezifisch Ergebnisse bisheriger
Förderungen und soweit relevant die Ergebnisse der Evaluierungen dargestellt und diskutiert. Es
wird dabei auch dargestellt, in welcher Form die Erfahrungen und Empfehlungen sowohl in der
Konzeption der Maßnahme als auch in der quantitativen Ausgestaltung berücksichtigt wurden.
Wie in der ELER-VO (EG) Nr. 1698/2005 Artikel 84 und 85 vorgesehen, wurde im Rahmen der
Ausarbeitung des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum eine Ex-ante-Bewertung
durchgeführt. Die wichtigsten Ergebnisse der Ex-ante-Evaluierung sind im EPLR in Kapitel 4.2 zu-
sammengefasst. Der Bewertungsbericht selbst ist in der Anlage 25 zum EPLR dem Programm
beigefügt.
Wesentliche Ergebnisse und Empfehlungen der vorliegenden Ex-ante-Bewertung wurden im
Rahmen der Programmierung einbezogen und umgesetzt, so etwa in der Neukalkulation der För-
dersätze für die Maßnahmen 214 und 221 oder auch im Bereich des Querschnittsziels Gender
Mainstreaming.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
33
4
METHODIK
In dem gemeinsamen Begleitungs- und Bewertungsrahmen des CMEF ist das Evaluierungsdesign
nur noch bedingt wählbar. Es soll indikatorengestützt und bottom-up entlang sorgfältig identifizier-
ter Ziel- und Indikatorenhierarchien (Interventionslogiken) erfolgen. Outputindikatoren kennzeich-
nen dabei die operationellen Ziele und informieren über den Umsetzungserfolg (Akzeptanz), Er-
gebnisindikatoren kennzeichnen die spezifischen Ziele und informieren über den direkten Maß-
nahmenerfolg (vgl. Abbildung 10 zum Evaluierungsdesign Kapitel 3.3).
Diese Ergebnisindikatoren werden im Rahmen des Begleitsystems als Bruttowerte erfasst. Zur
Evaluation sollen zudem Doppelzählungen und Verdrängungseffekte, Mitnahme-, Multiplikator-
und Synergieeffekte berücksichtigt werden. Die Wirkungsindikatoren kennzeichnen die allgemei-
nen Ziele und informieren in aggregierter Form über die Nettowirkungen des Programms. Dies
stellt eine große Herausforderung dar, da die gemeinsamen Wirkungsindikatoren so quantifiziert
werden sollen, dass Doppelzählungen, Mitnahme-, Multiplikator- und Verdrängungseffekte aus
den Bruttoeffekten herausgerechnet und allein die Veränderungen gegenüber einer hypotheti-
schen Situation ohne ELER-Intervention dargestellt werden.
In Abbildung 11 werden daher kurz und relativ allgemein die Vorgehensweise und die angewende-
ten Methoden erläutert. Eine genauere Darstellung findet sich lediglich zur Berechnung der netto
Wirkungsbeiträge der Maßnahmen am Ende dieses Kapitels.
Abbildung 11: Vorgehensweise und Aufbau der Halbzeitbewertung des EPLR
Ableitung von Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen
Bewertung des administrativen Vollzugs
Beantwortung der horizontalen Bewertungsfragen
Beantwortung der maßnahmenbezogen Bewertungsfragen
Überprüfung der Interventionslogiken und der Indikatoren
Bewertung der Maßnahmenumsetzung
Ergebnisse früherer Bewertungen
Relevanz und Kohärenz der Strategie
Änderungen in der sozioökonomischen Analyse/Gültigkeit der SWOT
Quelle: Eigene Darstellung
Die Vorgehensweise zur Halbzeitbewertung deckt sich in weiten Teilen mit dem Aufbau des vor-
liegenden Bewertungsberichts. Dabei erfolgte die Halbzeitbewertung in Übereinstimmung mit den
Vorgaben des CMEF in vier Phasen:
Strukturieren, Beobachten, Analysieren und Beurteilen
In der
Strukturierungsphase
der Halbzeitbewertung wurden die anstehenden Bewertungs-
aufgaben klar und systematisch strukturiert. Im Konsens mit der Verwaltungsbehörde wurden die
Bewertungsinhalte, die Bewertungsaktivitäten und die zu erwartenden Bewertungsergebnisse
festgelegt. Hierzu hat die Arbeitsgemeinschaft der Evaluierer bereits zum 20.11.2009 dem SMUL
ein Inhaltsverzeichnis mit Untersetzungen sowie am 29.01.2010 einen ersten Zwischenbericht
vorgelegt. Diese Dokumente zeigen klar wie die Bewertung schrittweise abläuft und welche

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
34
Ergebnisse sukzessive zu erwarten sind. Nur wenn die Bewertungsaufgaben von allen Beteiligten
eindeutig und übereinstimmend verstanden werden, ist eine effiziente und effektive Bewertungs-
arbeit möglich.
Den Ausgangspunkt der Strukturierungsphase bildete die jeweils maßnahmenspezifische Prüfung
der Interventionslogiken, die im EPLR für den Freistaat Sachsen definiert worden sind. Dabei
stand insbesondere die Frage im Vordergrund, inwiefern das bereits definierte Indikatorensystem
für die Halbzeitbewertung hinreichend erscheint. Aus forschungsökonomischen Gründen baut,
soweit es möglich und sinnvoll ist, die Bewertung auf dem bestehende Indikatorensystem – basie-
rend auf den Vorgaben des CMEF sowie den spezifisch für den Freistaat Sachsen definierten In-
dikatoren – auf. Es wurde nach der Vorlage des untersetzten Inhaltsverzeichnisses mit der Verwal-
tungsbehörde vereinbart, zunächst auf vorhandene Daten und Abfrageschemata aus der Monito-
ring-Datenbank sowie den Förderdaten „Agriförder“ zurückzugreifen. Für die Maßnahmenbewer-
tung werden in der Regel Auszahlungsdaten verwendet. Nur in den Maßnahmen, in welchen die
Datenbasis zu gering erscheint, sollten ebenso Bewilligungsdaten verwendet werden.
Für die Bewertung der Maßnahmen ist die Definition weiterer Indikatoren und eine hiermit verbun-
dene weitere Datenerhebung nur individuell in den Fällen erfolgt, in denen die bereits festgelegten
Indikatoren im Hinblick auf die Halbzeitbewertung nicht hinreichend erschienen. Eine detaillierte
Beschreibung der Indikatorensysteme und eines ggf. identifizierten zusätzlichen Datenbedarfs fin-
det sich in den Unterkapiteln des Kapitels 6 des vorliegenden Berichts.
Im Rahmen der Strukturierungsphase wurden zudem die Beurteilungskriterien und Zielvorgaben
als Grundlagen zur Beantwortung der Bewertungsfragen erarbeitet. Dabei spiegeln in Überein-
stimmung mit dem CMEF „die Antwort auf jede Bewertungsfrage die gemeinsamen und pro-
grammspezifischen Indikatoren wider. Gegebenenfalls sind weitere Informationen über die Wir-
kungen der betreffenden Maßnahmen heranzuziehen“.
68
Die
Beobachtungsphase
umfasste die „Sammlung“ aller verfügbaren relevanten Informationen
und Daten. Als zentrale Datenquelle zur Erfüllung der Datenerfordernisse der Halbzeitbewertung
wurde das Monitoringsystem hinzugezogen. Dieses beinhaltet die erforderlichen Informationen zur
Messung von Input, Output, Ergebnissen und Wirkungen des durch das CMEF und das EPLR für
den Freistaat Sachsen definierten Indikatorensystems. Darüber hinaus wurden schwerpunkt- und
maßnahmenspezifisch weitere Datenerfordernisse durch die jeweils maßnahmenverantwortlichen
Evaluatoren definiert. In enger Abstimmung mit der Verwaltungsbehörde sowie den jeweils zu-
ständigen Fachreferaten wurde hierzu geprüft, inwiefern der jeweils zusätzliche Datenbedarf durch
bereits verfügbare Informationen gedeckt werden konnte oder separat erhoben werden musste.
In der Beobachtungsphase wurden die Validität und die Verwendung der herangezogenen quanti-
tativen und qualitativen Daten spezifiziert, um die Aussagekraft und die Grenzen der Validität spä-
terer Analyse- und Bewertungsergebnisse beurteilen und darstellen zu können. Voraussetzung für
die zusätzlichen Datenbedarfe und die Informationsbeschaffung ist die Erarbeitung der Grundla-
gen, die für die quantitative und die qualitative Analyse benötigt werden: Interviewanleitungen,
Fragebogen, Datenbankabfragen, Ersuchen um Karten, Leitlinien für Fallstudien und andere In-
strumente für die Datenerhebung. Die zusätzlichen Unterlagen und erarbeiteten Materialien sind
dem Materialband, der dem Bericht als CD-ROM beiliegt zu entnehmen.
In der
Analysephase
wurden alle in der Beobachtungsphase gewonnenen quantitativen und quali-
tativen Informationen zur Bewertung der Effekte und Wirkungen der einzelnen Maßnahmen und
des Gesamtprogramms in Bezug auf die Ziele und Zielvorgaben des Programms analysiert. Um
die Fortschritte beurteilen zu können, musste die Ausgangssituation herangezogen werden, die in
der Darstellung der sozioökonomischen Situation beschrieben und zu Beginn der Halbzeitbewer-
tung aktualisiert wird (vgl. Kapitel 3.1).
Die Analyse folgte zunächst einem bottom-up-Ansatz, d.h. zunächst maßnahmenspezifisch, muss-
te jedoch bereits auf Ebene der Ergebnisindikatoren auf Schwerpunktebene maßnahmenübergrei-
fend
erfolgen.
Dies
stellt
besondere
Anforderungen
an
die
Aggregierbarkeit
der
68
Vgl. CMEF, Hinweis B – Leitlinien für die Bewertung, S. 12.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
35
maßnahmenspezifischen Indikatoren. Die gewonnenen Daten und Informationen wurden statis-
tisch ausgewertet und entlang der Bewertungsfragen auf verschiedenen Ebenen verdichtet.
Direkte maßnahmenspezifische Ergebnisse wurden größtenteils durch die Anwendung einfacher
indikatorbasierter Verfahren statistisch ausgewertet und analysiert. Indirekte Maßnahmenwirkun-
gen oder programmspezifische Wirkungen erforderten Schätzverfahren, da die Wirkung einer ein-
zelnen Intervention durch eine Vielzahl anderer Faktoren beeinflusst wird und die statistischen In-
formationen zur Quantifizierung der vollständigen Wirkungskette einer Interventionslogik nicht aus
den Informationen des Programm-Monitorings alleine generiert werden können. Die Kausalität
zwischen festgestellten Veränderungen und eingesetzter Förderung kann auf der Wirkungsebene
nur begrenzt, mit unsicheren Annahmen oder mit sehr großem analytischem Arbeitsaufwand
quantifiziert werden. Von daher war es notwendig, quantitative Methoden durch qualitative Analy-
sen zu untermauern oder aus Kosten – Nutzen Erwägungen teilweise durch qualitative Untersu-
chungen zu substituieren. So wurde zur Interpretation und Validierung der Bewertungsergebnis-
sen, aber auch zur Schließung von analytischen Lücken auf das Wissen von Experten aus der
Verwaltung, Wirtschafts- und Sozialpartner, Bewilligungsstellen, Regionalmanager und Lokale Ak-
teure zurückgegriffen, deren Einschätzungen im Rahmen von Interviews und Experten-Workshops
aufgearbeitet wurden. Des Weiteren wurden auch programmfremde Studien und Analysen heran-
gezogen.
Im Rahmen der
Beurteilungsphase
wurden schließlich alle Bewertungsfragen beantwortet und
Schlussfolgerungen aus den Analysen anhand der in der Strukturierungsphase festgelegten Beur-
teilungskriterien gezogen. Im Hinblick auf die Halbzeitbewertung liefert das CMEF hierzu ein ambi-
tioniertes Ziel- und Indikatorensystem sowie eine Fülle von maßnahmenbezogenen und pro-
grammbezogenen, sog. „horizontalen“ Bewertungsfragen. Das hierdurch festgelegte System der
Bewertung strebt auf diese Weise die Vergleichbarkeit und Aggregierbarkeit der Programme auf
EU-Ebene an. Ergänzend wurden im EPLR für den Freistaat Sachsen weitere programmspezifi-
sche Indikatoren und Bewertungsfragen identifiziert, um hierdurch die für Sachsen spezifischen
Anforderungen und Bedarfe hinreichend zu berücksichtigen.
Die Schlussfolgerungen und Empfehlungen im Rahmen der Beurteilungsphase der Bewertung be-
ziehen sich auf den jeweiligen Wirkungsbeitrag einzelner Maßnahmen bzw. die
Wirkungen von
Einzelmaßnahmen sowie des Programms
insgesamt. Sie halten sich genau an die Ergebnisse
der quantitativen und qualitativen Bewertung. Die Beurteilungsergebnisse, sowie die beabsichtig-
ten Schlussfolgerungen und Empfehlungen wurden vor Berichtslegung mit den Fachreferenten,
der Verwaltungsbehörde, der Lenkungsgruppe und dem Begleitausschuss diskutiert und auf ihre
Umsetzbarkeit hin überprüft. Die Grenzen der Validität der Ergebnisse und der sich daraus erge-
benden Beurteilung sind stets mit dargestellt.
Für die Beantwortung der gemeinsamen Bewertungsfragen werden die gemeinsamen und die
programmspezifischen Indikatoren sowie alle anderen relevanten Informationen über die Wirkun-
gen der betreffenden Maßnahmen herangezogen. Außerdem wurde bei der Bewertung berück-
sichtigt, in welchem Kontext die jeweilige Maßnahme angewandt wird. Daher gehört in die Beurtei-
lungsphase auch eine erneute Auseinandersetzung der erfolgten Überprüfung der Stärken-und-
Schwächen-Analyse der Potenzialfaktoren. Die Bezugnahme auf die Basisindikatoren dient zum
einen dazu, die Ursachen für besonders gute Programmergebnisse zu erkennen, um diese dann
befördern zu können (Best-practice), zum anderen sollen die Faktoren ermittelt werden, die bei
Teilen des Programms oder einzelnen Maßnahmen die erwarteten Wirkungen verhindern
(Schwachstellenanalyse / Frühwarnsystem).
Im Hinblick auf die Verwendung der Wirkungsindikatoren zur Beantwortung der horizontalen Be-
wertungsfragen stellen sich die folgenden methodischen Herausforderungen:
Da die Halbzeitbewertung für den Großteil der geförderten Maßnahmen zu früh liegt, um bereits
Wirkungen messen zu können, bedarf es des Einsatzes von Methoden zur Abschätzung voraus-
sichtlicher Wirkungen. Neben der Schätzung der Bruttowirkungen, die durch das Programm indu-
ziert werden, ist zudem der Schluss auf die hiermit verbundenen Nettobeiträge anzustellen. Dies
erfordert die Bereinigung der Bruttowirkungen um etwaige Doppelzählungen, Mitnahmeeffekte,
Verdrängungs- und Multiplikatoreffekte (vgl. Kapitel 7.1.1).

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
36
5
UMSETZUNG DES PROGRAMMS
5.1 Durchführung des Programms: Akteure und institutioneller Kontext
Zuständige
Verwaltungsbehörde zur Umsetzung des EPLR im Freistaat Sachsen
ist das
Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), Referat 23. Gemäß der VO
(EG) Nr. 1698/2005 obliegen der Verwaltungsbehörde die folgenden Verantwortlichkeiten:
ordnungsgemäße Durchführung und Verwaltung des Programms,
Festlegung der Auswahlkriterien,
Auswahl der Vorhaben,
Finanzmanagement,
Bewertung und Monitoring,
Leitung des Begleitausschusses und
Festlegung von Programmänderungen.
Die zuständige
Zahlstelle zur Umsetzung des EPLR
ist das Sächsische Staatsministerium für
Umwelt und Landwirtschaft, Referat 25 (EU-Zahlstelle). Gemäß der VO (EG) Nr. 1698/2005 oblie-
gen der Zahlstelle die folgenden Verantwortungsbereiche:
Durchführung der in den Gemeinschaftsvorschriften vorgesehenen Kontrollen (Verwaltungs-
und Vor-Ort-Kontrollen) sowie für nationale Rechtsvorschriften, die der Umsetzung dieser
Gemeinschaftsvorschriften dienen,
Zahlungsvorgänge und Buchungsverfahren in Bezug auf den Rechnungsabschluss,
Zahlstellenorganisation, einschließlich der zulässigen Übertragung ihrer Funktionen wie z.B.
der Bewilligungsfunktion und des technischen Prüfdienstes und Überwachung der ordnungs-
gemäßen gemeinschaftskonformen Durchführung der übertragenen Aufgaben,
Dienstanweisung (Verfahrensbestimmung) für den Eingang, die Erfassung und die Bearbei-
tung der Anträge,
Informationsfluss der in das Verfahren einbezogenen Stellen im Bereich der Zahlstelle,
Gewährleistung der Sicherheit der Daten- und Informationssysteme,
Festlegung von Aufbewahrungsfristen für Belege und Unterlagen sowie Gewährleistung deren
langfristiger Integrität, Gültigkeit und Lesbarkeit,
Interner Revisionsdienst der Zahlstelle,
Einrichtung und Führung des Debitorenbuchs, einschließlich der Unregelmäßigkeitsmeldun-
gen und der Wiedereinziehung der zu Unrecht gezahlten Beträge,
Zuverlässigkeitserklärung,
Rechnungsabschluss (Erstellung und Übermittlung an die KOM).
Die Bewilligungs- und Kontrollfunktionen der Zahlstelle werden gemäß Artikel 6 Absatz 1 der VO
(EG) Nr. 1290/2005 an andere Einrichtungen übertragen. Die mit der Abwicklung beauftragten
Behörden, dezentralen Dienste / beauftragten Einrichtungen für die Durchführung der genannten
Zahlstellenfunktionen sind im EPLR für den Freistaat Sachsen dezidiert für alle Maßnahmen des
Programms aufgeführt. Die entsprechende Übersicht über die hieraus resultierende Verwaltungs-
und Kontrollstruktur ist im EPLR in Kapitel 11.2 dargestellt.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
37
Zuständige Behörde
für die Durchführung des Programms ist der Sächsische Staatsminister für
Umwelt und Landwirtschaft.
Die zuständige Behörde ist unabhängig von der Zahlstelle und zuständig für die Zulassung
der Zahlstelle durch formbedürftigen Rechtsakt, für die ständige Aufsicht über die Zahlstelle,
die Unterrichtung über die Ergebnisse dieser Aufsicht alle drei Jahre an die EU-Kommission
sowie die Benennung der „Bescheinigenden Stelle“ (Art. 1 Abs. 2 bis 4 sowie Art. 2 und 5 Abs.
1 Satz 1 der Verordnung (EG) Nr. 885/2006).
Die zuständige Behörde bedient sich zur Erfüllung dieser Aufgaben des Referates Innenrevi-
sion im SMUL.
Die von der zuständigen Behörde benannte „
Bescheinigende Stelle“
(BS) ist im Sächsischen
Staatsministerium für Finanzen angesiedelt. Die BS ist zuständig für die Bescheinigung der Rich-
tigkeit, Vollständigkeit und Genauigkeit der Rechnungen der Zahlstelle.
Mit Wirkung zum 1.8.2008 wurde im Freistaat Sachsen eine umfassende
Kreisgebietsreform
umgesetzt. In Rahmen dieser wurden sowohl der Gebietszuschnitt von Verwaltungseinheiten in
der Fläche wie auch die Zuständigkeiten für eine Vielzahl hoheitlicher Aufgaben neu strukturiert.
Die bis dato 22 Landkreise wurden auf nun mehr zehn und die sieben kreisfreien Städte auf die
drei: Leipzig, Dresden und Chemnitz reduziert.
Die neuen
Landkreise und Kreisfreien Städte
übernahmen ab diesem Zeitpunkt Aufgabenteile
der ehemaligen Staatlichen Ämter für Landwirtschaft (AfL), des Staatsbetriebs Sachsenforst
(SBS), aus dem Bereich der Umweltverwaltung und vollständig die Aufgaben der ehemaligen
Staatlichen Ämter für Ländliche Entwicklung (ALE). Antragsannahme, -prüfung sowie Bewilligung
für alle Maßnahmen aus den Schwerpunkten 3 und 4 erfolgt mit Ausnahme der Maßnahmen 311
Diversifizierung, 321 Teil B Siedlungswasserwirtschaft sowie Maßnahme 323 Teil Natürliches Erbe
ab August 2008 in den Landratsämtern (LRA) bzw. den Stadtverwaltungen der Kreisfreien Städte
(KfSt).
Zum 1. 8. 2008 wurden zudem nahezu alle Aufgaben der Sächsischen Landesanstalt für Landwirt-
schaft (LfL), des Landesamtes für Umwelt und Geologie (LfUG), der Abteilung Landwirtschaft des
Regierungspräsidiums Chemnitz und der Staatlichen Ämter für Landwirtschaft sowie die Koordi-
nierung der Ländlichen Entwicklung im
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
(LfULG)
zusammengeführt. Dieses ist mit seinen zehn Außenstellen für die Umsetzung der Maß-
nahmen aus den Schwerpunkten 1 und 2 mit Ausnahme der Maßnahmen mit forstwirtschaftlichem
Bezug (125 und 227) zuständig. Zudem erfolgt von hieraus, die zentrale Koordination von Vor-Ort-
Kontrollen (VOK) für den Großteil der Maßnahmen aus Schwerpunkt 3 und 4.
Für die Risikoauswahl (RIA) zur VOK bleibt die Zahlstelle auch weiterhin zuständig. Die Bindungs-
zweck-Prüfung und die Buchprüfung gem. Art. 30 VO (EG) Nr. 1975/2006 sollen künftig an exter-
ne Dienstleister vergeben werden. Für die Cross-Compliance-Prüfung im Schwerpunkt 2 ist als
zuständige Fachbehörde ebenso das LfULG verantwortlich.
Die genauen Zuständigkeiten der Verwaltungs- und Kontrollstruktur sind im EPLR in Kapitel 11.2
ausführlich dargestellt. Nähere Erläuterungen zu einzelnen Aspekten der Programmumsetzung
durch die Verwaltungsbehörde sind zudem im Kapitel 7.2.2 „Überprüfung des Verwaltungs- und
Kontrollsystems“ des vorliegenden Berichts zu finden.
5.2 Gestaltung des Programms: Beschreibung von Prioritäten und Maßnahmen
Ausgehend von den strategischen Leitlinien, der Nationalen Strategie und der sozioökonomischen
Analyse wurden für die sächsische Entwicklungsstrategie Ziele für die vier Schwerpunkte des Pro-
gramms festgelegt.
69
Eine zentrale Entscheidung für die Umsetzung der Entwicklungsstrategie ist
die Mittelaufteilung auf die einzelnen Schwerpunkte und die hiermit verbundenen Maßnahmen.
69
Vgl. EPLR Sachsen 2007 – 2013, 3. Änderung vom 30.06.2009, genehmigte Fassung vom 15.12.2009, Kap. 3.2.1

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
38
Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der SWOT-Analyse, der definierten Zielvorgaben und Erfah-
rungen aus der vorangegangenen Förderperiode ist die Mittelaufteilung vorgesehen wie in Tabelle
2.
Tabelle 2: ELER-Mittelverteilung im EPLR-Sachsen
EPLR 2007-2013*
Verteilung der ELER-Mittel**
Schwerpunkt 1
22,3 %
Schwerpunkt 2
32,7 %
Schwerpunkt 3
38,7 %
Schwerpunkt 4
4,7 %
*
gemäß EPLR Sachsen 2007-2013, 3. Änderung, genehmigte Fassung vom 15.12.2009,Kap. 6.2
** ELER-Mittel ohne Landesmittel, nicht angegeben: Schwerpunkt 5 Technischen Hilfe
als umsetzungsunterstützender Förderbereich mit 2 % Anteil
Im
Schwerpunkt 1
begründet sich die Maßnahmenauswahl insbesondere aus den Anforderungen
eines zunehmenden Wettbewerbsdrucks, der durch Globalisierung, GAP-Reformen und strukturel-
le Änderungen im Agrar- und Forstsektor verursacht wird. Ein besonderer Fokus wird dabei auf die
einzelbetriebliche Investitionsförderung (Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe, Maßnahme
121) gelegt. Sie greift unmittelbar die Ziele der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Agrarsek-
tors aus der Nationalen Strategie und den Strategischen Leitlinien auf, indem hierdurch eine Ver-
besserung der Produktivität sowie Umstrukturierung und Weiterentwicklung des Sachkapitals an-
gestrebt wird. Die Maßnahme wird dabei vor dem Hintergrund des Health Checks und des EU-
Konjunkturprogramms mit dem Ziel verstärkt, die Wettbewerbsfähigkeit der sächsischen Landwirt-
schaftbetriebe – insbesondere der tierhaltenden Betriebe – zu sichern und den Ausstieg aus der
Milchquote zu flankieren.
Resultierend aus der in der SWOT-Analyse festgestellten Chance für Synergien von Unternehmen
der Land- und Ernährungswirtschaft wurde die Maßnahme 124 „Zusammenarbeit bei der Entwick-
lung neuer Produkte, Verfahren und Technologien“ ebenfalls zur Steigerung der Wettbewerbsfä-
higkeit in das Programm aufgenommen. Im Einklang mit den Zielen der Nationalen Strategie dient
die Maßnahme der Wettbewerbsfähigkeit durch die „Verbesserung des Innovationspotenzials“ und
“Verbesserung der Absatzmöglichkeiten“, die mit Entwicklung und Einführung neuer Produkte und
Technologien verbunden sind.
Unterstützt werden die genannten Zielsetzungen für die Ernährungswirtschaft durch die Maßnah-
men 132 „Teilnahme der Landwirte an Lebensmittelqualitätsregelungen“ und 133 „Informations-
und Absatzförderungsmaßnahmen“. Den Empfehlungen der SWOT-Analyse folgend sollen durch
diese Maßnahmen die Chancen des Wertschöpfungspotenzials für Qualitätsprodukte, Spezialitä-
ten und geschützte Marken genutzt werden. Alle Maßnahmen für die Ernährungswirtschaft sollen
zudem der Etablierung regionaler Strukturen, Erhöhung der regionalen Wertschöpfung wie auch
der regionalen Absatzförderung dienen.
Der Bereich der Forstwirtschaft wird im Schwerpunkt 1 der forstwirtschaftliche Wege- und Brü-
ckenbau gefördert. Die Maßnahme 125 fördert die Wirtschaftlichkeit des Forstsektors über eine
wesentliche Kostenreduktion für die betroffenen Forstbetriebe auf Grund reduzierter Rückekosten.
Im
Schwerpunkt 2
„Verbesserung der Umwelt und der Landschaft“ bilden insbesondere die zu-
nehmenden gesellschaftlichen Anforderungen an Umwelt und Landschaft, Natur-, Verbraucher-
und Tierschutz sowie die umweltpolitischen Erfordernisse den Ausgangspunkt der Maßnahmen-
auswahl. Ausgehend von der in der SWOT-Analyse festgestellten Schwäche des relativ hohen
Anteils landwirtschaftlicher Flächen mit natürlichen Nachteilen dient die „Ausgleichszulage“ (Maß-
nahmen 211 und 212) im Schwerpunkt 2 einer umwelt- und naturverträglichen Bewirtschaftung
von Flächen und der Sicherung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum durch den Einkommens-
ausgleich in den für die Landbewirtschaftung natürlich benachteiligten Gebieten.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
39
Auf die in der SWOT-Analyse festgestellte hohe Erosionsgefährdung der Böden, die negativen
Tendenzen im Bereich Artenvielfalt sowie die teilweise unwahrscheinliche Erreichung eines guten
Zustands von Grund- und Oberflächenwasserkörpern, wird ein besonderer Fokus im Rahmen der
Agrarumweltmaßnahmen (214) gelegt. Durch Minderung der stofflichen Bodenbelastung und Bo-
denerosion und eine gleichzeitige Erhöhung der biologischen Vielfalt soll die Maßnahme in beson-
derer Weise zur Verbesserung der Umweltsituation beitragen. Zudem tragen die Agrarumwelt-
maßnahmen zur Bewirtschaftung und zum Erhalt der Kulturlandschaft wie auch zur Förderung des
Tourismus im Schwerpunkt 3 des EPLR bei. Weitere Aspekte sind die Sicherung von Arbeitsplät-
zen im ländlichen Raum und der Erhalt des natürlichen, landschaftlichen Erbes und der Hochwas-
serschutz, welche durch die Agrarumweltmaßnahmen ebenso unterstützt werden.
Durch die Aufforstung landwirtschaftlicher (Maßnahme 221) und nicht-landwirtschaftlicher (Maß-
nahme 223) Flächen soll der in der SWOT-Analyse herausgestellten Schwäche der relativen
Waldarmut im Freistaat Sachsen entgegengewirkt werden.
Die „Beihilfen für nichtproduktive Investitionen im Wald“ (Maßnahme 227) verfolgen ebenfalls
Umweltziele, so z. B. Erhöhung der Artenvielfalt, Biotop- und Artenschutz sowie Verbesserung der
Boden- und Wasserqualität. Zudem unterstützt die Maßnahme die Umwandlung von Monokulturen
hin zu artenreichen, naturnahen und ökologisch stabilen Wäldern.
Die Entwicklungsprobleme des ländlichen Raumes im Freistaat Sachsen unter anderem in Bezug
auf die Beschäftigtensituation und die Bevölkerungssituation stellt einen entscheidenden Aus-
gangspunkt der Maßnahmenauswahl im
Schwerpunkt 3
dar. So soll die Maßnahme 311 „Diversi-
fizierung“ der Erschließung zusätzlicher Einkommenspotenziale und der Schaffung respektive Si-
cherung von Arbeitsplätzen dienen.
Potenziale des Landtourismus im Freistaat Sachsen sollen durch die Maßnahme 313 „Förderung
des Fremdenverkehrs“ verstärkt genutzt und ausgebaut werden. Synergien bilden für diese Maß-
nahme dabei sämtliche andere Maßnahmen des Schwerpunkts 3, darüber hinaus auch die Förde-
rung des Umweltschutzes und der Erhalt der Kulturlandschaft sowie in besonderem Maße die Si-
cherung des kulturellen Erbes, indem diese Maßnahmen eine gute Basis für die touristische Nut-
zung des ländlichen Raumes bieten.
Die Maßnahmen 321 „Dienstleistungseinrichtungen zur Grundversorgung“ und 322 „Dorferneue-
rung“ dienen unter anderem den Kernaktionen „Neubelebung der Dörfer“, „Modernisierung der ört-
lichen Infrastruktur“ sowie der Unterstützung von beschäftigungswirksamen Maßnahmen. Die
Maßnahmen berücksichtigen dabei die Stärken und Chancen, die im Rahmen der SWOT-Analyse
identifiziert wurden, so z.B. die vergleichsweise gute Ausstattung mit sozialen Infrastruktur- und
Versorgungseinrichtungen in Orten über 5.000 Einwohnern oder den hohen Anteil leer stehender
Gebäude, die zur Umnutzung zur Verfügung stehen.
Der nachhaltig-integrativen Entwicklung des ländlichen Raumes dient die Maßnahme 323 „Erhal-
tung und Verbesserung des ländlichen Erbes“, indem sie zahlreiche Aspekte des Natur- und Kul-
turerbes integriert und zugleich zahlreiche weitere Maßnahmen des EPLR im Freistaat Sachsen
stützt, so z.B. den Umweltschutz, den Landtourismus oder die Dorfentwicklung und -erneuerung.
Die im Rahmen der SWOT-Analyse identifizierten Schwächen und Risiken der demographischen
Entwicklung und des rückläufigen Arbeitsmarktes bilden eine wesentliche Grundlage für die Wahl
der Maßnahme 341 „Kompetenzentwicklung, Förderveranstaltungen und Durchführung“. Dem An-
satz der Integrierten ländlichen Entwicklung entsprechend sollen hierzu die in zahlreichen Dörfern
bereits vorhandenen Entwicklungskonzepte eine wichtige Basis sowie eine breite Akzeptanz zur
Umsetzung der Maßnahme bilden.
Der LEADER-Ansatz des
Schwerpunktes 4
soll über integrierte Ansätze ein stärker vernetztes
Handeln in den Regionen fördern, die Synergieeffekte entfalten und zur Effizienz der Förderung
beitragen. Ein wesentlicher Ansatz der LEADER-Maßnahmen bezieht sich dabei auf den Schwer-
punkt 3.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
40
Tabelle 3:
Programmänderungen des EPLR Sachsens 2007 bis 2009
Inhalte der Änderung
Genehmigung / Entschei-
dung der EU-KOM
1. Änderung
Abgrenzung Ländlicher Raum, Indikatoren
Genehmigung
vom 29.06.2009
2. Änderung
Abgrenzung zu Programmen der 1. Säule
Genehmigung
vom 03.08.2009
3. Änderung
Health-Check, EU-Konjunkturprogramm,
sonstige Änderungen
Genehmigung vom
03.12.2009 und 15.12.2009
Die letzte und umfassendste
Änderung des EPLR
sieht eine Konzentration der zusätzlichen Mittel
aus Health Check und EU-Konjunkturprogramm sowie ungenutzter Restmittel auf die Herausfor-
derungen Klimawandel, Wasserwirtschaft, Biodiversität, erneuerbare Energien sowie die Beglei-
tung des Milchquotenausstiegs vor (vgl. Tabelle 3). Maßnahmen gemäß Artikel 16a, Absatz 1,
Buchstabe f) der Verordnung 1698/2005 ergänzt durch VO EG 74/2009: “Innovationen mit Bezug
zu den genannten Herausforderungen“ sowie die Breitband-Internet-Maßnahmen aus dem EU-
Konjunkturprogramm sollen im Rahmen dieser Schwerpunktsetzung nicht finanziert werden.
Tabelle 4:
Anteilige Verteilung der zusätzlichen Mittel im Rahmen
der dritten Programmänderung
EPLR 2007 - 2013*
Anteilige Verteilung der zusätzlichen Mittel** gem.
Art. 69 Abs. 5a der VO (EG) Nr. 1698/2005
Schwerpunkt 1
36,5 %
Schwerpunkt 2
44,2 %
Schwerpunkt 3
19,3 %
*
gemäß des EPLR 2007-2013, 3. Änderung vom 30.06.2009, genehmigte Fassung vom 15.12.2009, Kap. 6.2
** nur EU ELER-Anteil der Mittel aus HC, KP und ungenutzte Restmittel
Änderungen im Schwerpunkt 1
a) Änderungen im Rahmen des Health Check/EU-KP
Im Rahmen des Health Checks sowie des EU-Konjunkturprogramms wird im Schwerpunkt 1 die
Maßnahme 121 „Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe“ zur Unterstützung der Umstruktu-
rierung des Milchsektors verstärkt. Dabei wird insbesondere das Ziel verfolgt, die Wettbewerbsfä-
higkeit der sächsischen Landwirtschaftbetriebe – insbesondere Tier haltende Betriebe – zu sichern
und den Ausstieg aus der Milchquote zu unterstützen.
Zudem wurden im Hinblick auf die Förderung HC- und EU-KP-Mittel ergänzende Zielwerte für
Output- und Ergebnisindikatoren definiert. Eine Übersicht liefert die Darstellung zur Maßnahme
121 in Kapitel 6.1 des Berichts.
b) Sonstige Änderungen
Anpassungen in Maßnahme 121
A2: Förderung baulicher Investitionen zur Bereitstellung von Beregnungswasser
A4: Aufnahme der Nachrüstung von Schutzeinrichtungen, baulichen Investitionen zur Tröpf-
chenbewässerung einschließlich Bereitstellung von Beregnungswasser als zusätzlicher För-
dergegenstand
Für Junglandwirte wurde eine um 10 % erhöhte Förderquote eingeführt.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
41
Änderungen im Schwerpunkt 2
a) Änderungen im Rahmen des Health Check/EU-KP
Anpassungen in Maßnahme 214
Den Herausforderungen Klimawandel, Wasserwirtschaft und biologische Vielfalt nach Art. 16a
Abs. 1 der VO (EG) Nr. 1698/2008 wird insbesondere durch die finanzielle Aufstockung sowie die
Einführung neuer Fördergegenstände im Maßnahmebereich 214 begegnet. Aufstockungen bezie-
hen sich sowohl auf Prämienerhöhungen als auch auf die Erweiterung der Förderkulissen ab 2010
für Maßnahme 214 A (Erweiterung bisheriger Kulisse „WRRL/Hochwasserschutz“ um den Aspekt
„Klimawandel“; damit Einbeziehung des gesamten Ackerlandes) sowie für 214 B. Insgesamt kön-
nen durch die Zunahme der nach dem Agrarumweltprogramm bewirtschafteten Flächen größere
Umwelteffekte erzielt werden.
Im Hinblick auf die HC- und EU-KP-Mittel wurden ergänzende Zielwerte für Output- und Ergebnis-
indikatoren definiert. Eine Übersicht liefert die Darstellung zur Maßnahme 214 im Anhang 6.9.
b) Sonstige Änderungen
Die Förderung benachteiligter Gebiete und Berggebiete (Maßnahmen 211 und 212) sind nicht in
der „Indikativen Liste der Arten von Vorhaben und der potenziellen Wirkungen für die Prioritäten
nach Artikel 16a“
70
enthalten. Da jedoch gerade die benachteiligten Gebiete stark von Milchwirt-
schaft geprägt sind, soll die Erhöhung der Prämien und zugleich des Zieles für den Ergebnisindi-
kator „Einkommensentwicklung landwirtschaftlicher Betriebe“ von 10 % auf 15 % eine erhebliche
Unterstützung der Milchwirtschaft bewirken. Die zusätzlichen Mittel in Höhe von rd. 15 Mio. EURO
wurden aus nicht abgeflossenen Mitteln der Agrarumweltmaßnahmen umgeschichtet.
Änderungen im Schwerpunkt 3
Auch die Änderungen im Schwerpunkt 3 reflektieren im Fokus die Unterstützung bei den neuen
Herausforderungen. Änderungen fokussieren dabei die Maßnahmen 311 und 321.
a) Änderungen im Rahmen des Health Check/EU-KP
Neuer Fördergegenstände in Maßnahme 321
Um den neuen Herausforderungen Klimawandel, Wasserwirtschaft und biologischer Vielfalt
besser begegnen zu können, wird im Rahmen der Maßnahme 321 die „Förderung von Anla-
gen für erneuerbare Energie aus Biomasse und anderen erneuerbaren Quellen insbesondere
aus der land- und forstwirtschaftlichen Produktion“ (A 8) als neuer Fördergegenstand aufge-
nommen.
Zudem wurden im Hinblick auf die HC- und EU-KP-Mittel ergänzende Zielwerte für Output-
und Ergebnisindikatoren definiert. Eine Übersicht liefert die Darstellung zum Maßnahme 321
in Kapitel 6.15 des Berichts.
b) Sonstige Änderungen
Anpassungen in den Maßnahmen 311 und 321
Zur Unterstützung des Ausstiegs aus der Milchwirtschaft wird mit Maßnahme 311 „Diversifizie-
rung“ der Zuschusssatz zum Milchausstieg erhöht. Hiermit wird eine Unterstützung betriebli-
cher Alternativen angesichts des steigenden Ausstiegsdrucks für Milcherzeuger geschaffen.
Erhöhung der Fördersätze für Kommunen im Rahmen der Maßnahme 321 auf 75 %.
Erweiterung der Gebietskulisse der Maßnahme 321 auf Ortschaften mit 5.000 Einwohnern.
70
VO (EG) Nr. 74/2009 des Rates vom 19. Januar 2009 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1698/2005 über die Förderung der
Entwicklung des ländlichen Raums durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (E-
LER), Anhang II. Abl. L 30/107.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
42
5.3 Budget für den Programmplanungszeitraum und dessen Änderungen
In Tabelle 5 ist die
Indikative Finanzplanung*
inkl. der Änderungen im Rahmen des Health
Check, des EU-Konjunkturprogramms sowie durch Restmittel dargestellt.
Tabelle 5:
Indikative Mittelverteilung des EPLR im Freistaat Sachsen
ELER-Mittel
EU-Anteil*
Öffentl. Ausga-
ben gesamt*
Investitionsvo-
lumen gesamt*
Schwerpunkte / Maßnahmen
EURO
EURO
EURO
Schwerpunkt 1
113
Vorruhestand (Altverpflichtungen)
10.792.342
14.389.789
14.389.789
121
Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe
199.483.054
260.223.061
669.868.651
davon Health Check
13.804.244
15.338.049
34.084.553
davon EU-Konjunkturprogramm
4.795.791
5.328.657
11.841.459
davon ungenutzte Restmittel
7.294.515
8.105.017
21.106.814
davon Korrektur Modulation
- 6.999.496
-9.332.661
-24.303.806
124
Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Produk-
te, Verfahren und Technologien
1.800.000
2.400.000
3.000.000
125
Infrastruktur im Zusammenhang mit der Entwick-
lung und Anpassung der Land- und Forstwirtschaft
3.750.000
5.000.000
6.250.000
132
Teilnahme der Landwirte an Lebensmittelqualitäts-
regelungen
450.000
600.000
750.000
133
Informations- und Absatzförderungsmaßnahmen
2.250.000
3.000.000
4.285.714
Summe Schwerpunkt 1
218.525.396
285.612.850
698.544.155
Schwerpunkt 2
211
Zahlungen für naturbedingte Nachteile in Bergge-
bieten
1.200.000
1.500.000
655.815.134
212
Zahlungen für naturbedingte Nachteile in anderen
Gebieten mit Benachteiligung
88.000.000
110.000.000
110.000.000
214
Zahlungen für Agrarumweltmaßnahmen
188.106.000
230.771.944
230.771.944
davon Health Check
31.396.000
34.884.444
34.884.444
221
Erstaufforstung landwirtschaftlicher
Flächen
20.060.000
25.075.000
35.821.527
223
Erstaufforstung nicht-landwirtschaftlicher Flächen
584.000
730.000
1.042.857
227
Beihilfen für nichtproduktive Investitionen
39.939.091
49.923.864
58.690.909
Summe Schwerpunkt 2
337.889.091
418.000.808
437.827.238

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
43
Schwerpunkte / Maßnahmen
ELER-Mittel
EU-Anteil*
Öffentl. Ausga-
ben gesamt*
Investitions-
volumen
gesamt*
EURO
EURO
EURO
Schwerpunkt 3
311
Diversifizierung hin zu nichtlandwirtschaftlichen
Tätigkeiten
5.625.000
7.500.000
25.000.000
313
Förderung des Fremdenverkehrs
8.925.000
11.900.000
19.200.000
321
Dienstleistungseinrichtungen zur
Grundversorgung
109.609.578
143.091.531
231.253.866
davon Health Check
13.745.578
15.272.864
22.350.533
322
Dorferneuerung und –entwicklung
191.193.171
254.924.228
320469026
323
Erhaltung und Verbesserung des
ländlichen Erbes
50.175.000
66.900.000
73.426.427
341
Kompetenzentwicklung, Sensibilisierung bei Ausar-
beitung und Umsetzung einer lokalen Entwick-
lungsstrategie
75.000.000
10.000.000
13.666.666
Summe Schwerpunkt 3
373.027.749
494.315.759
683.015.985
Schwerpunkt 4
411
Wettbewerbsfähigkeit
1.894.579
2.368.224
4.736.447
413
Lebensqualität /Diversifizierung
35.996.996
44.996.245
56.245.306
421
Transnationale und gebietsübergreifende Zusam-
menarbeit
2.000.000
2.500.000
3.125.000
431
Betreiben der LAG, Kompetenzentwicklung und
Sensibilisierung
5.760.925
7.201.156
9.001.445
Summe Schwerpunkt 4
45.652.500
57.065.625
73.108.198
Technische Hilfe
15.750.000
21.000.000
21.000.000
Gesamtsumme
990.844.736
1.275.995.042
1.913.495.577
*
gemäß Indikative Finanzplanung zum EPLR Sachsen 2007-2013, 3. Änderung, genehmigte Fassung vom 15.12.2009
Beurteilung des Budgets im Hinblick auf die Bedarfe und Prioritäten
Im Hinblick auf die im Rahmen der SWOT ermittelten Bedarfe sowie der politisch gesetzten Priori-
täten, stellt die Tabelle in Anhang 5.3 die jeweils anteilige Verteilung der geplanten Mittel auf die
Förderschwerpunkte und Maßnahmen dar.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
44
5.4 Finanzieller Umsetzungsstand des EPLR 2007 bis 2009
Tabelle 6:
Finanzieller Umsetzungsstand des EPLR 2007 bis 2009
kumulierte°°
vorgesehene°
Anteil bis
Schwerpunkte / Maßnahmen
Zahlungen 2007 - 2009
2009
Schwerpunkt 1
EURO
EURO
113
Vorruhestand (Altverpflichtungen)*
5.679.285
14.389.789
39 %
121
Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe
41.605.965
260.223.061
16 %
124
Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Produkte, Ver-
fahren und Technologien
0
2.400.000
0 %
125
Verbesserung und Ausbau der Infrastruktur im Zusammen-
hang mit der Entwicklung und Anpassung der Land- und
Forstwirtschaft
1.155.770
5.000.000
23 %
132
Teilnahme an Lebensmittelqualitätsregelungen
0
600.000
0 %
133
Informations- und Absatzförderungsmaßnahmen
0
3.000.000
0 %
Summe** Schwerpunkt 1
48.441.020
285.612.850
17 %
Schwerpunkt 2
211
Zahlungen für naturbedingte Nachteile in Berggebieten
517.032
1.500.00
34 %
212
Zahlungen für naturbedingte Nachteile in anderen Gebieten
mit Benachteiligung
43.441.281
110.000.000
39 %
214
Zahlungen für Agrarumweltmaßnahmen**
73.096.738
230.771.944
32 %
221
Erstaufforstung landwirtschaftlicher Flächen**
4.729.878
25.075.000
19 %
223
Erstaufforstung nicht-landwirtschaftlicher Flächen
12.633
730.000
2 %
227
Beihilfen für nichtproduktive Investitionen
5.334.509
49.923.864
11 %
Summe** Schwerpunkt 2
127.132.071
418.000.808
30 %
Schwerpunkt 3
311
Diversifizierung hin zu nichtlandwirtschaftlichen Tätigkeiten
488.788
7.500.000
7 %
313
Förderung des Fremdenverkehrs
1.534.938
11.900.000
13 %
321
Dienstleistungseinrichtungen zur Grundversorgung
9.364.703
143.091.531
7 %
322
Dorferneuerung und –entwicklung
36.585.428
254.924.228
14 %
323
Erhaltung und Verbesserung des
ländlichen Erbes
696.953
66.900.000
1 %
341
Kompetenzentwicklung, Sensibilisierung bei Ausarbeitung
und Umsetzung einer lokalen Entwicklungsstrategie
1.554.536
10.000.000
16 %
Summe Schwerpunkt 3
50.225.346
494.315.759
10 %
Schwerpunkt 4
411
Wettbewerbsfähigkeit
116.143
2.368.224
5 %
413
Lebensqualität /Diversifizierung
5.494.068
44.996.245
12 %
421
Transnationale und gebietsübergreifende Zusammenarbeit
0
2.500.000
0 %
431
Betreiben der LAG, Kompetenzentwicklung und Sensibili-
sierung
1.244.698
7.201.156
17 %
Summe Schwerpunkt 4
6.854.909
57.065.625
12 %
Gesamtsumme***
232.653.346
1.254.995.042
19 %
°
Öffentliche Ausgaben gesamt (Summe der EU- und Landesmittel) gemäß Indikative Finanzpl. EPLR 2007-2013, 3. Änderung, Fassung vom 15.12.2009
°°
EPLR 2007-2013 Finanztabelle für den jährlichen Zwischenbericht
Öffentliche Ausgaben gesamt (Summe der EU- und Landesmittel)
*
Zu 100 % Ausgaben für Übergangsmaßnahmen gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1320/2006
**
darin enthalten: Ausgaben für Übergangsmaßnahmen gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1320/2006
*** Gesamtsumme der Schwerpunkte 1 bis 4 ** ohne Technische Hilfe

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
45
Die Verordnung (EG) Nr. 1266/1999 regelt in Artikel 31 Absatz 2 die Vorgaben für die Mittelbin-
dung und –verwendung gemäß der so genannten „n+2“-Regel wie folgt: „Der Teil eines gebunde-
nen Betrags, für den am Ende des zweiten Jahres nach dem Jahr der Mittelbindung oder für die
betreffenden Beträge gegebenenfalls nach dem Zeitpunkt eines späteren für die Genehmigung
einer Maßnahme oder einer Operation erforderlichen Beschlusses der Kommission keine Voraus-
zahlung erfolgt ist … wird von der Kommission automatisch freigegeben; die Beteiligung der
Fonds an dieser Intervention wird entsprechend gekürzt.“
Betrachtet man die erfolgte Auszahlung der für das EPLR vorgesehenen EU-Mittel aus dem ELER
für die Jahre 2007 bis 2009, so ergibt sich ein Wert von 130.412.128 EURO. Die indikative Fi-
nanzplanung (IFP) sieht eine Mittelverwendung von 134.500.196 EURO für 2007 vor. Da jedoch
für die ersten beiden Programmjahre des EPLR ein EU-Vorschuss von jeweils 3,5 % des Gesamt-
budgets von der Zielsumme der IFP abgezogen werden kann, ergibt sich gemäß der „n+2“-Regel
bis 2009 eine Mehrauszahlung von 28.305.306 EURO (vgl. Tabelle 7).
Tabelle 7:
Darstellung des Mittelabruf bei der KOM gegenüber der indikativen Finanz-
planung des EPLR 2007 bis 2010 – Einhaltung der „n+2“-Regel
2007
2008
2009
2010
**
Indikative
Finanzplanung
134.500.196
134.885.307
132.220.778
130.969.294
EU Vorschuss
(jew. 3,5 % vom Gesamtbudget)
(-) 32.438.284
(-) 32.438.283
Gesamte Kumulierte Auszahlun-
gen Mittelabruf bei der KOM jew.
bis Ende des Haushaltsjahrs*
(-) 12.546 661
(-) 56.798.731
(-) 130.412.128
(-) 214.668.027
Abgleich nach „n+2“-Regel je-
weils zum Jahr n
28.305.306
10.159.091
* die „n+2“-Regel wird jeweils für das EU-Haushaltsjahr angewandt, welches vom 15.10. eines jeden Jahres bis zum 14.10. des
jeweiligen Folgejahres geht. Vorliegende Daten geben jedoch im Rahmen der indikativen Finanzplanung wie auch der Auszahlungen
lediglich Aufschluss über ganze Kalenderjahre.
** für das Jahr 2010 sind Auszahlungsbeträge
lediglich bis Ende Juni 2010
berücksichtigt
Quelle: Auswertung von Unterlagen der Zahlstelle zur „n+2“ – Regel
Auch für das Jahr 2008 kann bereits mit dem Auszahlungsstand bis zum 30.06.2010 die Einhal-
tung der „n+2“-Regel prognostiziert werden. Für den Zeitraum bis 15.10.2011 hingegen gilt es auf
einen gesamten Auszahlungsstand von rund 336,73 Mio. EURO zu kommen um „n+2“ auch für
2009 einhalten zu können.
Schlussfolgerungen aus dem Mittelabfluss 2007 – 2009 für das Gesamtprogramm
Mit einem Auszahlungsstand von rund 19 % der Fördermittel bis Ende 2009 liegt das Programm
deutlich hinter dem unterstellten 43 %igen Mittelabfluss nach drei Jahren Programmlaufzeit zu-
rück. Einen solchen Umsetzungsstand zu erwarten, wäre jedoch auf Grund des in vielen Berei-
chen verspäteten Programmbeginns zu Mitte 2007 – in einigen Maßnahmebereichen erst Ende
2007 – nicht realistisch. Die Maßnahme 121 beispielsweise, für die 91 % der finanziellen Mittel in-
nerhalb des Schwerpunkt 1 vorgesehen sind, weist bis Ende 2009 einen noch unzureichenden Mit-
telabfluss bezogen auf die im EPLR definierten Zielsetzungen auf. Demgegenüber ist der Stand
der Bewilligungen jedoch deutlich weiter fortgeschritten. Bis Ende 2009 weist die Maßnahme 121
einen durchaus zufriedenstellenden Stand der Bewilligungen auf, der erwarten lässt, dass die an-
visierten Ziele im Hinblick auf den Mittelabfluss bis zum Ende der Förderperiode erreicht werden
können (vgl. Kapitel 6.1).

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
46
Die Fördermaßnahmen im forstlichen Bereich machen rund 18,8 % des gesamten Budgets inner-
halb des Schwerpunkts 2 aus. Der geringe Auszahlungsstand bei Maßnahme 227 ist mit dem ver-
späteten Maßnahmenbeginn im Jahr 2008 sowie einem niedrigen Umsetzungsgrad der Waldkal-
kungsmaßnahmen in 2008 und einer verhaltenen Akzeptanz der Waldbesitzer für den Maßnah-
mebereich „Investive Maßnahmen“ zu erklären. Die Maßnahmen 221 und 223 werden ebenfalls
kaum in Anspruch genommen, was hauptsächlich auf die geringe Attraktivität der Maßnahmen aus
Sicht der Grundeigentümer zurückzuführen ist. Der Umsetzungsstand im Bereich der Ausgleichs-
zulagen ist mit 34 % bzw. 39 % erfreulich hoch. Rund 55 % der budgetierten Fördermittel inner-
halb des Schwerpunkts 2 sind für die Agrarumweltmaßnahmen vorgesehen auch hier sind bereits
32 % der Fördermittel ausgezahlt.
Auf Grund des Förderansatzes im Schwerpunkt 3 über Integrierte Ländliche Entwicklungskonzep-
te mit einer breiten öffentlichen Beteiligung während der Konzepterarbeitung und Schwerpunktset-
zung, konnten die Einzelmaßnahmen in größerem Umfang vor Abschluss der Konzepterarbeitung
und Arbeitsbeginn der Regionalmanagements nicht früher beantragt und umgesetzt werden. Glei-
ches gilt für den Schwerpunkt 4 LEADER. Zudem geben die dargestellten Werte lediglich über
den Umsetzungsstand in Bezug auf bereits angezahlte Maßnahmen Auskunft. Ein anderes Bild
ergibt sich wenn man alle bereits bewilligten Maßnahmen sowie Anzahl und Inhalt der zur Bewilli-
gung vorliegenden Projektanträge betrachtet (vgl. Maßnahmenkapitel 6.14ff).
Für die Maßnahme 323 ist trotz des in 2009 angestiegenen Bewilligungsstandes die Mittelbindung
gemessen an den ursprünglichen Output-Zielen noch sehr gering. Der Auszahlungsstand ist mit
bisher nur knapp 0,24 Mio. EURO sehr gering.
Als Gründe für geringe Umsetzungsstände kommen zunächst die späte Genehmigung des EPLR
durch die Kommission und die dadurch bedingte späte Bekanntgabe der Förderbedingungen in
Frage. Hinzu kommen Finanzierungsprobleme potenzieller Antragsteller (Vorfinanzierung, Mehr-
wertsteuer) sowie auch Anlaufschwierigkeiten in der verwaltungstechnischen Umsetzung. Diese
waren teilweise dadurch bedingt, dass die Phase der Neu-Etablierung von EU-Fördermaßnahmen
mit der Umstrukturierung der Zuständigkeiten und der Neuorganisation des LfULG zusammenfiel
(vgl. Kapitel 5.1). Hinzu kommt eine sehr differenziert auf die Problemlage eingehende Maßnah-
menprogrammierung und dadurch die Einführung neuer Maßnahmen, für deren Umsetzung wenig
Verwaltungserfahrung hinsichtlich der Anpassung an EU-Förderregularien vorlag.
Eine detaillierte Bewertung der Maßnahmen wie auch detaillierte Aussagen zum Umsetzungsstand
finden sich in den nachfolgenden Kapiteln zur Maßnahmenbewertung. Insgesamt sollte auch wei-
terhin eine kritische Beobachtung der Entwicklung des Mittelabflusses erfolgen. In den meisten
relevanten Bereichen wurde bereits auf teilweise geringe Umsetzungsstände bzw. auf die jeweilige
Akzeptanz der Fördermaßnahmen reagiert, so dass sich in vielen Bereichen sehr positive Trends
zeigen (vgl. Kapitel 6 zur Maßnahmebewertung).

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
47
6
BEWERTUNG DER MAßNAHMEN
Ausgehend von der Interventionslogik jeder Maßnahme werden in den nachfolgenden Kapiteln die
durch die EU definierten spezifischen Bewertungsfragen beantwortet. Die Herleitung dieser Ant-
worten folgt einer einheitlichen Gliederung und wird transparent und nachvollziehbar (Datengrund-
lage, Beurteilungskriterien, Vorgehensweise, Grenzen der Belastbarkeit etc.) dargelegt. Auf Grund
der geforderten Kürze des Berichts befinden sich der Großteil der erarbeiteten Ergebnisse und
Unterlagen wie beispielsweise Detailauswertungen zu Zielerreichung und Umsetzungsstand der
Maßnahmen im Anhang. Der Anhang ist analog zu den Kapiteln des Berichtsteils nummeriert.
Sehr umfassende Maßnahmen wie etwa die Förderung von landwirtschaftlichen Investitionen (Ka-
pitel 6.1) oder die Agrarumweltmaßnahmen (Kapitel 6.9) sind als Langtextversionen im Anhang
und in gekürzter Fassung im Berichtsteil enthalten. Darüber hinaus gehende relevante Hinter-
grunddokumente zur Bewertung wie die eingesetzten Fragebögen und dazugehörigen Detailaus-
wertungen sind dem Endbericht als CD-ROM beigefügt.
Kapitelstruktur
Im Rahmen der maßnahmespezifischen Kapitel erfolgt jeweils eine kurze Darstellung der Maß-
nahme sowie Aussagen zur Relevanz und Nutzung der vorgegebenen Indikatoren bzw. darüber
hinaus gehender Untersuchungen.
Einleitend werden unter „
Stand der Maßnahmendurchführung
“ die folgenden Aspekte analog
zur Leistungsbeschreibung des SMUL untersucht:
Wie ist der Grad der Inanspruchnahme der Mittel?
Wie gestalten sich der Umsetzungsstand, die Ergebnisse und Wirkungen der Maßnahmen
des EPLR in Bezug auf die vorab definierten maßnahmespezifischen Ziele und Zielvorgaben?
Wie ist die Wirksamkeit, Effizienz und Effektivität der umgesetzten Maßnahmen?
Wie gestaltet sich die Umsetzung der Maßnahmen unter regionalen Gesichtspunkten?
Die kurze Beschreibung und Analyse des Umsetzungsstandes der Maßnahmen auf der Ebene der
Inputs und Outputs erfolgt im Wesentlichen durch Gegenüberstellung der anvisierten Ziele und der
bis Ende 2009 realisierten Ist-Werte (Soll-Ist-Vergleich). Für die Analyse werden alle gemeinsa-
men und programmspezifischen Outputindikatoren herangezogen. Ein wichtiges Ziel der Untersu-
chung des Umsetzungsstandes anhand der Outputindikatoren ist es, die Ausprägungen der Er-
gebnis- und Wirkungsindikatoren gemäß der unterstellten Interventionslogik zu erklären und zu
beurteilen. Die Abweichung des erzielten Outputs von den gesetzten Zielen wird in einer Ursa-
chenanalyse geklärt. Zusätzliche Auskunft über die Gründe geben qualitativen Auswertungen von
Interviews sowie beispielsweise eine Akzeptanzanalyse oder Recherchen zur administrativen
Durchführung (vgl. hierzu auch Kapitel 7.2.2). Hierzu können auch externe Rahmenbedingungen,
die außerhalb des Wirkungsspektrums von Maßnahme oder Programm liegen einen Erklärungs-
beitrag liefern, ebenso wie eine mögliche Überprüfung der Zielquantifizierung.
Vorliegende und verwendete Datengrundlage
Zur Beschreibung und Einschätzung des Umsetzungsstandes der Maßnahmen werden zunächst
die Auszahlungsdaten 2009 entsprechend der Monitoringtabellen betrachtet. Zusätzlich müssen
für ein aktuelles und realistisches Bild des tatsächlichen Umsetzungsstandes je nach Maßnahme
weitere Informationen berücksichtigt werden.
Im Bereich des
Schwerpunkt 1
finden neben den Monitoringdaten insbesondere für die Maßnah-
me 121 ergänzend die Daten der Investitionskonzepte der Antragsteller sowie Auswertungen aus
den Auflagenbuchführungen der Zuwendungsempfänger Verwendung. Zur Ableitung eines Mit-
Ohne-Vergleichs konnten zudem anonymisierte Daten des Testbetriebsnetzes verwendet werden.
Diese werden zur Bildung von Vergleichsgruppen gegenüber den geförderten Betrieben herange-
zogen. Hierbei handelt es sich um Betriebe, die seit 2003 keine Förderung erhielten. Auf diese
Weise wird für diese Vergleichsgruppe das Problem zeitverzögerter Wirkungen vermieden, die
sich aus Förderungen vorangehenden Förderperioden ergeben können. Ergänzend wurde für die

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
48
Bewertung der Maßnahme 121 eine Betriebsleiterbefragung der geförderten Betriebe durchge-
führt.
Für den
Schwerpunkt 2
erweist sich als sinnvoll vor allem die
Antragsdaten 2009
zu betrachten.
Diese spiegeln die in 2009 umgesetzten Maßnahmen wieder. Damit können Ergebnisse und Wir-
kungen anhand des aktuelleren Teilnahmestandes sehr viel besser eingeschätzt werden. Zudem
liegen projekt- und flächenbezogene Informationen hier nur für die Antragsdaten vor. Ein Abgleich
der Antragszahlen mit den Auszahlungsdaten im folgenden Jahr zeigt keine erheblichen Abwei-
chungen - z.B. durch zurückgezogene Anträge. Beispielsweise zeigt der Vergleich der 2008 bean-
tragten Förderflächen für Agrarumweltmaßnahmen mit den 2009 ausgezahlten Förderflächen ma-
ximale Abweichungen von etwa 3 %.
Erhebliche Unterschiede zeigen sich bei der Betrachtung des Umsetzungsstandes in den
Schwerpunkten 3 und 4.
Hier lagen zum Jahresende 2009 rund doppelt so viele bewilligte Anträ-
ge vor, wie bereits Vorhaben teilausgezahlt (=Wert Monitoringtabellen) waren. Zusätzlich lagen in
etwa der gleichen Höhe nochmals bislang unbewilligte Anträge vor. Um also zu einer realen Ab-
schätzung und Bewertung des Halbzeitstandes der Programmumsetzung zu gelangen und auch
dem teilweise sehr späten, Programmbeginn gerecht zu werden, müssen diese Werte ebenso be-
rücksichtigt werden. Hier wurden für die Auswertungen Einzelfalllisten der bereits angezahlten so-
wie der bewilligten und für Trend aussagen ebenso der beantragten Vorhaben verwendet. Durch
diese Einzelfallauswertung haben sich Abweichungen gegenüber der Monitoringtabellen ergeben.
6.1 Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe (Code 121)
6.1.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand
Die Maßnahme „Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe“ dient wesentlich der Verbesserung
der Produktivität/Rentabilität in der Landwirtschaft durch Umstrukturierung und Weiterentwicklung
des Sachkapitals.
71
Eine besondere Bedeutung kommt im Freistaat Sachsen der Unterstützung
einer „wettbewerbsfähigen, nachhaltigen, umweltschonenden, tiergerechten und multifunktionalen
Landwirtschaft“
72
durch die Förderung investiver Maßnahmen zu. Schwerpunkte der geförderten
Produktionsrichtungen erstrecken sich dabei besonders auf arbeitsintensive Zweige wie die tieri-
sche Erzeugung sowie den Gartenbau.
Darstellung und Bewertung der Inanspruchnahme der finanziellen Mittel
Analyse der Auszahlungsdaten
Auszahlungen in der Maßnahmen 121 erfolgten erstmals im Jahr 2008.
Im Zeitraum 2007 bis 2009 sind 257 Vorhaben
73
von 238 Unternehmen gefördert worden. Hierbei
handelt es sich überwiegend um Baumaßnahmen, die über mehrere Jahre durchgeführt werden.
Für diese Förderfälle entstanden in dem Zeitraum öffentliche Ausgaben in Höhe von
41,6 Mio. EURO, durch die ein förderfähiges Investitionsvolumen von rund 150 Mio. EURO gene-
riert wird.
74
Bezogen auf das anvisierte förderfähige Investitionsvolumen der Maßnahme von 627
Mio. EURO ergibt sich hierdurch ein Umsetzungsstand von 24 %, bezogen auf die anvisierte Ge-
samtzahl der Förderfälle beträgt der Umsetzungsstand hingegen rund 12 %.
71
Nationaler Strategieplan für die Entwicklung der ländlichen Räume bis 2013, S. 35. unter:
http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Laendliche-Raeume/KonzepteStrategien/natStrategieplan.html
Stand: 20.07.2010
72
Förderrichtlinie Land- und Ernährungswirtschaft - RL LuE/2007.
73
Ein einzelnes Investitionsvorhaben der geförderten Betriebe wird definiert über den jeweiligen Fördergegenstand der Maßnahme.
So kann ein einzelner Betrieb verschiedene Vorhaben beantragen, z.B. im Bereich Gartenbau vs. Bereich Nutztierhaltung. Ein ein-
zelnes Investitionsvorhaben kann seinerseits mehrere Einzelinvestitionen beinhalten. So kann sich ein einzelnes Vorhaben im Be-
reich der Nutztierhaltung z.B. auf die Einzelinvestitionen der Errichtung eines Stalls zur Nutztierhaltung sowie den hierzu komple-
mentären Kauf von Technik für die Innenwirtschaft erstrecken.
74
Vgl. Monitoringdaten: Tabelle O.121(1) (Outputindikatoren CMEF)

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
49
Eine Analyse der Auszahlungen zeigt zudem, dass ein Großteil der bis Ende 2009 durchgeführten
Projekte in den folgenden Bereichen stattgefunden hat:
74
Geflügelhaltung (40,22 % der bis Ende 2009 privat investierten Mittel)
Mischbetriebe (18,07 % der bis Ende 2009 privat investierten Mittel)
Milchviehhaltung (15,73 % der bis Ende 2009 privat investierten Mittel)
Während im Bereich der Milchviehhaltung eine große Anzahl Einzelbetriebe gefördert wurde (57
Einzelbetriebe, davon 5 ökologischer Landbau, 52 konventioneller Landbau), verteilt sich das In-
vestitionsvolumen der Geflügelhaltung auf große Betriebe (11 Einzelbetriebe, davon 2 ökologi-
scher Landbau, 9 konventioneller Landbau). Der überwiegende Teil aller bis Ende 2009 angezahl-
ten Projekte entfällt auf Investitionen in Gebäude (73 % aller geförderten Investitionen).
Analyse der Bewilligungsdaten
Ausgehend von den bis Ende 2009 bewilligten Vorhaben lässt sich der folgende Trend feststellen:
Bis Ende 2009 wurden Anträge von 326 unterschiedlichen Betrieben bewilligt, dies entspricht
einem Umsetzungsstand von 21,9 %.
Es werden 380 unterschiedliche Investitionsvorhaben
75
(Investitionen nach Fördergegenstän-
den) durchgeführt. Diese untergliedern sich ihrerseits in 892 Einzelinvestitionen.
Das bis Ende 2009 bewilligte Investitionsvolumen beträgt 321 Mio. EURO, damit ergibt sich
ein Umsetzungsstand von 51,2 %.
Insofern kann der Umsetzungsstand bezogen auf das bewilligte Investitionsvolumen zum Zeit-
punkt der Halbzeitbewertung durchaus als zielführend betrachtet werden. Unter der Annahme ei-
ner ähnlichen Entwicklung für den weiteren Verlauf der Förderperiode ist davon auszugehen, dass
die zuvor im EPLR definierten Ziele bzgl. des Umsetzungsstandes für die Anzahl der Vorhaben
und geförderten Investitionsvolumina erreicht werden können. Ein anderes Bild zeichnet sich hin-
gegen für die Zielsetzung ‚Gesamtzahl geförderter Unternehmen’ sowie ‚Anzahl bewilligter Vorha-
ben’ ab. Hier erscheint vor dem Hintergrund des Umsetzungsstandes fraglich, ob die anvisierte
Gesamtzahl an Zuwendungsempfängern und Vorhaben bis Ende der Förderperiode erreicht wer-
den kann. Im Hinblick auf die zu erwartende Wirkung der Förderung kann dieser Aspekt insbe-
sondere bezüglich der regionalen Verteilung geförderter Investitionen sowie der zu erwartenden
Multiplikatorwirkung bedeutsam sein.
Darstellung und Bewertung der Outputs, Ergebnisse und Wirkungen
Analyse der Auszahlungsdaten
Bisher erfüllt die Maßnahme die vorab definierte Zielsetzung, insbesondere Investitionen in ar-
beitsintensiven Bereichen – vornehmlich der Tierproduktion – anzustoßen. So stellt insbesondere
die Milchviehhaltung mit 92 Fördervorhaben (36 % aller Vorhaben) einen klaren Schwerpunkt dar
(vgl. Abbildung 12).
76
Die einzelbetriebliche Förderung soll die Milchvieh haltenden Betriebe insbe-
sondere bei den Herausforderungen der bevorstehenden Konsolidierung in ihrem Sektor unter-
stützen.
Insgesamt entfallen 207 der bislang teilausgezahlten Fördervorhaben zielkonform auf den Bereich
der Tierproduktion, hierunter auf 99 Mischbetriebe (Ackerbau und Viehhaltung). Daraus ergibt sich
ein Anteil von 87 % der Förderfälle, die auf Investitionen in der arbeitsintensiven Tierproduktion
entfallen. Das angezahlte Investitionsvolumen im Bereich der Tierproduktion liegt bis Ende 2009
bei rund 123 Mio. EURO (81,7 % des teilausgezahlten förderfähigen Investitionsvolumens).
77
75
Quelle: Vorhaben-ID der Investitionskonzepte
76
Vgl. Monitoringdaten: Tabelle O.121(1) (Outputindikatoren CMEF)
77
Die Ergebnisse der durchgeführten Betriebsleiterbefragung bestätigen den hohen Anteil geförderter Betriebe in diesem Bereich.
Hier sind 35,4 % der befragten Unternehmen den Milchvieh- und Rinderzuchtbetrieben zuzuordnen.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
50
Abbildung 12: Prozentuale Verteilung der geförderten Betriebe 2007 bis 2009 nach Haupt-
produktionsrichtung (n = 238)
Quelle: Zusätzliche Outputindikatoren der ELER-Monitoringdaten für den Freistaat Sachsen 2007 – 2009
Neben der Tierhaltung stellt die Förderung des Gartenbaus einen Schwerpunkt der Modernisie-
rung landwirtschaftlicher Betriebe im Freistaat Sachsen dar. Der Umsetzungsstand der Maßnahme
zeigt jedoch, dass bislang nur wenige Förderfälle im Bereich Gartenbau vorliegen (8% aller För-
derfälle entfallen auf den Bereich Gartenbau).
78
Entsprechend spiegelt die Förderung die zu Pro-
grammbeginn gewählte Schwerpunktsetzung in diesem Bereich bislang nicht klar wider. Gleich-
wohl muss bei dieser Betrachtung auch berücksichtigt werden, dass der Gartenbau in Sachsen
insgesamt nur rund 1% aller landwirtschaftlichen Betriebe ausmacht.
Betrachtet man die Fördergegenstände, so zeigt sich ein deutlicher Fokus bei der Förderung von
Investitionen im Bereich Maschinen (33 % aller angezahlten Fördervorhaben) und Gebäude
(63 %). Dieses Ergebnis entspricht den Erwartungen, da gerade Gebäude und Maschinen den
größten Anteil unter den im EPLR festgeschriebenen Fördergegenständen ausmachen.
79
Mit Blick
auf die Bewilligungen machen die Gebäudeinvestitionen ebenfalls den größten Anteil aus. So sind
54 % der bis Ende 2009 bewilligten Vorhaben den Investitionen in Gebäude zur Rinderhaltung zu-
zurechnen, 18 % aller bewilligten Vorhaben entfallen auf den Milchviehstallbau.
Analyse der Bewilligungsdaten
Betrachtet man perspektivisch die bis Ende 2009 bewilligten Vorhaben, so zeichnet sich ein ver-
gleichbares Bild ab, indem 691 von 871 bewilligten Einzelinvestitionen (79 %) dem Bereich der
Nutztierhaltung zuzurechnen sind, verbunden mit einem Investitionsvolumen in Höhe von
276 Mio. EURO.
Es entfällt ein deutlicher Schwerpunkt der bewilligten Vorhaben in Maßnahme 121 auf die Förde-
rung im Bereich der Nutztierhaltung (78 %), die übrigen Fördergegenstände bewegen sich dem-
gegenüber in marginalen Größenordnungen. Vor dem Hintergrund der im EPLR festgeschriebe-
nen Vielfalt der Maßnahmenbereiche stellt sich somit die Frage der Zielgenauigkeit der gewählten
Schwerpunkte im Hinblick auf die tatsächlich bestehenden Bedarfe. So kann die geringe Nachfra-
ge im Bereich regenerativer Energien und Energiepflanzen teilweise auf die bereits in der vergan-
genen Periode erfolgte Förderung in diesem Bereich zurückgeführt werden.
80
Auffällig ist insbe-
sondere die geringe Nachfrage im Bereich der innovativen Spezialtechnik.
81
78
Quelle: Monitoringtabellen O.121 (1)
79
EPLR Sachsen 2007 – 2013, 3. Änderung vom 30.06.2009, genehmigte Fassung vom 15.12.2009, S. 197
80
Experten-Auskunft des Fachreferat 31 des SMUL, am 22.07.2010.
81
Während der gemäß EPLR definierte Maßnahmenbereich A: Innovative, umweltschonende Spezialtechnik neben innovativen Vor-
haben auch konventionelle Technikanschaffungen beinhaltet (Umsetzungsstand der zusätzlichen Outputindikatoren 2007 – 2009:
9%
8%
36%
4%
38%
3%
0%
0%
2%
Pflanzenproduktion
Gartenbau
Weinbau
Dauerkulturen
Milchkuhhaltung
Tierproduktion (außer Milchkuhhaltung)
Schweinehaltung
Geflügelhaltung
Gemischtbetriebe (Pflanzen- und
Tierproduktion)
Andere

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
51
6.1.2
Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen
Bewertungsfrage 1: Inwieweit haben geförderte Investitionen zu einer besseren Nutzung
der Produktionsfaktoren in landwirtschaftlichen Betrieben beigetragen?
Eine verbesserte Nutzung der Produktionsfaktoren zeigt sich insbesondere durch einen Anstieg
ihrer Produktivität. Die Betrachtung der Arbeitsproduktivität (Bruttowertschöpfung/Arbeitskraft =
BWS/AK) für den Förderzeitraum zeigt Abbildung 13.
Obgleich das Ausgangsniveau zwischen geförderten und nicht geförderten Betrieben differiert, so
zeigt der Trend der geförderten Betriebe gleichwohl einen leicht höheren Anstieg der Arbeitspro-
duktivität gegenüber nicht geförderten Betrieben (+36,8 % im Vergleich der Wirtschaftsjahre
2006/07 gegenüber 2008/09; Nicht Geförderte: +32,1 % im gleichen Betrachtungszeitraums). Die
Differenz ist jedoch nicht so signifikant, dass sie bereits als Wirkung der Förderung zu interpretie-
ren sein dürfte. Im Hinblick auf die Erfassung der Wirkung der Förderung auf die Arbeitsproduktivi-
tät ist davon auszugehen, dass die öffentlich eingesetzten Mittel in Sachsen eine Hebelwirkung
induzieren und dazu führen, dass mehr Eigenmittel investiert werden als in einer Situation ohne
Beihilfe.
82
Abschätzungen der Evaluatoren zufolge führt ein Prozent zusätzlicher Kapitalausstat-
tung durch die Förderung zu einer Steigerung der Arbeitsproduktivität um 0,72 %.
83
Abbildung 13: Entwicklung der Arbeitsproduktivität geförderter gegen nicht
geförderter Betriebe (EURO/AK)
19.772
32.548
26.128
37.141
50.832
0
10.000
20.000
30.000
40.000
50.000
60.000
2006/07
2007/08
2008/09
AP (€/AK) Ohne
Förderung
AP (€/AK) Mit
Förderung
Linear (AP (€/AK)
Mit Förderung)
Quelle: Eigene Darstellung auf Basis der Buchführungsergebnisse und Investitionskonzepte der
Zuwendungsempfänger
30 Betriebe), zeigen die Daten der Investitionskonzepte, dass bis Ende 2009 tatsächlich nur ein Fördervorhaben bewilligt wurde,
dass tatsächlich dem Bereich innovativer Spezialtechnik zuordenbar ist.
82
Vgl. hierzu auch die Beantwortung der Horizontalen Bewertungsfrage 18 des Berichts.
83
Quelle: Abschätzung der Evaluatoren auf Basis von Daten des Testbetriebsnetzes des Bundesministeriums.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
52
Abbildung 14: Mit-Ohne-Vergleich des nachhaltigen Arbeitsein-
kommens (EURO/AK) (Stichprobe: Bewilligungen 2008)
0
10.000
20.000
30.000
40.000
50.000
60.000
70.000
80.000
2006/07
2007/08
2008/09*
Ordentliches Ergebnis
plus
Personalaufwand(€/AK)
keine Förderung
Ordentliches Ergebnis
plus
Personalaufwand(€/AK)
Förderung
Ordentliches Ergebnis
plus
Personalaufwand(€/AK)
keine Förderung
Ordentliches Ergebnis
plus
Personalaufwand(€/AK)
Förderung
Ordentliches Ergebnis
plus
Personalaufwand(€/AK)
keine Förderung
Ordentliches Ergebnis
plus
Personalaufwand(€/AK)
Förderung
Ordentliches Ergebnis
plus
Personalaufwand(€/AK)
keine Förderung
Ordentliches Ergebnis
plus
Personalaufwand(€/AK)
Förderung
Linear (Ordentliches
Ergebnis plus
Personalaufwand(€/AK)
Förderung)
Quelle: Eigene Darstellung auf Basis der Buchführungsergebnisse und Investitionskonzepte
der Zuwendungsempfänger
Ein ähnliches Bild zeigt die Betrachtung der Entwicklung des nachhaltigen Arbeitseinkommens je
AK. Diese kann im Rahmen der Bewertung als ein weiteres Produktivitätsmaß hinzugezogen wer-
den (vgl. Abbildung 14).
Die Ergebnisse spiegeln den allgemeinen Trend wider, dass das nachhaltige Arbeitseinkommen je
Erwerbstätigen (Indikator: Ordentliches Ergebnis plus Personalaufwand je AK) in Sachsen in den
vergangenen Jahren einem Rückgang unterliegt, mit einem weiteren prognostizierten Rückgang
für das Wirtschaftsjahr 2009/10.
84
Die Entwicklung des Arbeitseinkommens je AK zeigt sowohl für
geförderte wie für nicht geförderte Betriebe, dass ein Rückgang im Betrachtungszeitraum 2006/07
bis 2008/09 zu verzeichnen ist. Erwartungsgemäß ist noch keine signifikante Wirkung zur Kom-
pensation dieser Entwicklung ersichtlich. Wirkungen der Investitionen sind frühestens zwei Jahre
nach deren Abschluss zu erwarten. Zudem zeigt sich für die zur Verfügung stehenden Stichpro-
ben, dass die Ergebnisse bzgl. des Ausgangsniveaus deutlich differieren. Betrachtet man in Ab-
grenzung zu diesem Ergebnis die Stichprobe der Bewilligungen des Jahres 2007, so ist eine ver-
gleichbare Ausgangsbasis der Betriebe mit und ohne Förderung zu konstatieren. Auch hier zeigt
sich, dass noch keine signifikanten Wirkungsbeiträge der Maßnahme feststellbar sind (siehe Lang-
fassung der Maßnahmenbewertung im Anhang 6.1 dieses Berichts).
Zur Bewertung der Nutzung des Produktionsfaktors ‚Arbeit’ können qualitative Ergebnisse der
durchgeführten Betriebsleiterbefragung verwendet werden. So zeigt die durchgeführte Betriebs-
leiterbefragung die folgenden Ergebnisse zur Bewertung der Nutzung der Produktionsfaktoren
aufgrund der durchgeführten Investition:
74,7 % der Befragten geben an, dass die Investition zu einer Verbesserung der Arbeitspro-
duktivität im geförderten Betrieb geführt habe, davon in 30,4 % der Fälle sogar zu einer deutli-
chen Verbesserung.
Die generellen Arbeitsbedingungen wurden in 72,2 % der Förderfälle verbessert, davon wird
in 38 % der Förderfälle eine deutliche Verbesserung seitens der Betriebsleiter festgestellt.
84
Quelle: Publikation Buchführungsergebnisse 2009/10, SMUL

image
Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
53
Energieeinsparungen aufgrund der getätigten Investitionen werden von 45,5 % der Befragten
als Wirkung genannt. In 13,9 % der Förderfälle werden deutliche Energieeinsparungen fest-
gestellt.
Für eine deutliche Mehrzahl der geförderten Betriebe lässt sich somit eine Verbesserung des Ein-
satzes des Produktionsfaktors ‚Arbeit’ feststellen. Sowohl die Ergebnisse der durchgeführten Be-
fragung als auch die deutlichen Einkommenszuwächse je AK lassen diesen Schluss zu. Dabei
dürfte auch die in 72 % der Fälle erfolgte Verbesserung der Arbeitsbedingungen einen positiven
Effekt auf die Arbeitsproduktivität haben. Die Bildung von Kapital erhöht die Produktivität der übri-
gen Produktionsfaktoren und führt damit zu höheren Erträgen, die wiederum zur weiteren Kapital-
bildung beitragen, aber auch die Voraussetzung einer besseren Entlohnung des Produktionsfak-
tors Arbeit sind.
Im Hinblick auf die Untersuchung einer möglichen Verbesserung der Nutzung des Produktionsfak-
tors „Kapital“ können die Ergebnisse der durchgeführten Betriebsleiterbefragung Verwendung fin-
den. Die Agrarinvestitionsförderung bewirkt eine Verbilligung des Kapitals, so dass hierdurch eine
relative Verbesserung des Kapitals im Verhältnis zu anderen Produktionsfaktoren bewirkt wird. Zur
Beantwortung der Frage, inwiefern diese Verbilligung des Kapitals aus Sicht der Zuwendungsemp-
fänger notwendig erscheint, wurden die Betriebsleiter nach möglichen Wachstumshemmnissen in
ihren Betrieben befragt (vgl. Abbildung15). Dabei gaben über 50 % der Befragten an, dass fehlen-
de liquide Eigenmittel Hemmnisse für Wachstumsinvestitionen im eigenen Betrieb mit sich bräch-
ten. Entsprechend wird der Schluss gezogen, dass durch die Verbilligung des Kapitals in über
50 % der Fälle eine bessere Nutzung – im Hinblick auf das erforderliche Wachstum des Betriebs –
herbeigeführt werden kann.
85
Abbildung 15: Wachstumshemmnisse aus Sicht der befragten Betriebsleiter im
Freistaat Sachsen (n = 79)
Quelle: Eigene Darstellung auf Basis der Buchführungsergebnisse und Investitionskonzepte der
Zuwendungsempfänger
85
Zur Generalisierbarkeit der Aussagen muss einschränkend festgestellt werden, dass sich die Befragung auf große Investitionen
über 50 Tsd. EURO beschränkte. Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass die Förderung geeignet ist, einigen wichtigen Aspek-
ten, die Hemmnisse für Wachstumsinvestitionen darstellen, entgegenzuwirken. Hierzu zählen neben der Kapitelverfügbarkeit u.a.
die Erfüllung von Bauauflagen oder Tierschutzstandards. Für andere der genannten Hemmnisse – so z.B. ungünstiger Flächenzu-
schnitt – stellt die einzelbetriebliche Förderung hingegen kein geeignetes Mittel dar.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
54
Bewertungsfrage 2: Inwieweit haben geförderte Investitionen insbesondere zur Einführung
von neuen Technologien und Innovation beigetragen?
Für den Zeitraum 2007 bis 2009 der laufenden Förderperiode werden bislang 8 Unternehmen ge-
fördert, die mit der Investition eine Neuausrichtung der Produktion nach einem neuen Verfahren
zum Gegenstand haben. Keines der geförderten Unternehmen hat die Einführung eines neuen
Produktes zum Ziel. Der Aspekt der Prozessinnovation ist entsprechend als einzig bedeutsamer
Beitrag der Maßnahmenförderung zur Einführung von neuen Technologien und/oder Innovationen
zu sehen. Dieses Ergebnis verwundert nicht, als es insbesondere Investitionen in bauliche Verän-
derungen und Technik sind, die mit der Maßnahme gefördert werden.
86
Diese finden, wenn sie
innovativen Charakter haben, ihren Niederschlag insbesondere in der Modernisierung der Produk-
tionsprozesse und -abläufe. Prozessinnovationen können dabei ihrerseits wiederum eine gute
Grundlage für darauf aufbauende Produktinnovationen bilden.
87
Die Konzepte sind demnach nicht
vollständig unabhängig voneinander zu betrachten.
Bezogen auf die Zielsetzung gemäß EPLR im Freistaat Sachsen, 100 Unternehmen im Laufe der
Förderperiode zu fördern, die neue Produkte und/oder Verfahren einführen, beträgt der Umset-
zungsstand 8 %. Vor diesem Hintergrund erscheint es kritisch, ob das anvisierte Ziel von 100 ge-
förderten Unternehmen im Rahmen der Förderperiode erreicht werden kann. Setzt man die Sum-
me der Förderfälle, die die Einführung neuer Produkte und/oder Verfahren verfolgen, ins Verhält-
nis zu den insgesamt bislang geförderten 238 Betrieben, so entspricht dies einem Anteil von 3,4 %
aller Zuwendungsempfänger.
Bewertungsfrage 3: Inwieweit haben geförderte Investitionen den Marktzugang und den
Marktanteil landwirtschaftlicher Betriebe verbessert?
Für deutsche Betriebe ist grundsätzlich von einem bestehenden Marktzugang auszugehen. Der
Marktzugang von Anbieterseite bezeichnet die Freiheit, auf einem Markt als Anbieter teilzunehmen
und Produkte abzusetzen. Eine Verbesserung des Marktzugangs kann entsprechend als eine Re-
duktion möglicher Markteintrittsbarrieren verstanden werden. Strukturelle Markteintrittsbarrieren,
die durch die einzelbetriebliche Förderung abgemildert werden können, betreffen dabei z.B. gerin-
ge Betriebsgrößen, erforderliche Investitionen, hohe Qualitätsanforderungen etc. Neben dem ge-
tätigten Investitionsvolumen, das zur Reduktion möglicher struktureller Markteintrittsbarrieren bei-
trägt, ist insbesondere die Entwicklung des Umsatzes im geförderten Bereich ein geeigneter Indi-
kator zur Beantwortung der Bewertungsfrage.
88
Der Marktanteil eines Unternehmens kann definiert werden als dessen Umsatz im Verhältnis zum
Gesamtumsatz des Marktes bzw. der Branche, auf den es sich bezieht. Insofern kann die Steige-
rung der betrieblichen Umsätze der geförderten Betriebe als ein geeigneter Indikator zur Beurtei-
lung der Verbesserung des Marktanteils angesehen werden, unter der Annahme, dass die Ge-
samtumsätze der Branche sich in dem gleichen Betrachtungszeitraum nicht proportional mit er-
höht haben. Für die im Zeitraum ab 2007 über ELER geförderten Betriebe im Freistaat Sachsen
lassen sich im Vergleich zu nicht geförderten Betrieben (Stichprobe: Betriebe, die seit 2003 keine
Förderung erhielten, n = 42) die folgenden Angaben machen.
86
Die Begriffe ‚Technologie’ und ‚Technik’ werden im allgemeinen Sprachgebrauch synonym verwendet. Da anzunehmen ist, dass
mit der Förderung die Entwicklung von Techniken und Produktionsverfahren verfolgt werden soll, sind die Begriffe Technik und
Technologie ebenfalls für die Zwecke der Evaluation bedeutungsgleich zu verwenden.
87
Vgl. Lay, G. (1997): Prozessinnovationen als Schlüssel zu innovativen Produkten, Fraunhofer ISI
88
Die Wahl dieses Indikators begründet sich daraus, dass der Marktanteil eines Unternehmens/Betriebs definiert ist als sein Umsatz
im Verhältnis zum Gesamtumsatz des relevanten Marktes.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
55
Abbildung 16: Umsatzentwicklung geförderter vs. nicht geförderter Betriebe
2006/07 bis 2008/09
754
1.899
1.600
1.290
1.602
822
697
1.675
1.412
1.112
0
200
400
600
800
1.000
1.200
1.400
1.600
1.800
2.000
2006/07
2007/08
2008/09
Umsatzerlöse (€/ha LF) keine Förderung
dar. Tierproduktion keine Förderung
Umsatzerlöse (€/ha LF) Förderung
dar. Tierproduktion Förderung
Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von Auswertungen der Buchführungsergebnisse, LfULG
Die Auswertung eines Mit-Ohne-Vergleichs zeigt, dass Unternehmen, die eine Förderung durch
ELER-Mittel erhielten, deutliche Steigerungen ihrer Umsatzerlöse aufweisen (vgl. Abbildung 16).
Dabei ist insbesondere für die Gesamtzahl der Betriebe interessant, dass sich die Umsätze im
Wirtschaftsjahr 2007/08 auf einem vergleichbaren Niveau bewegen, von dem ausgehend die Um-
sätze geförderter Betriebe einen sprunghaften Anstieg gegenüber nicht geförderten aufweisen.
89
Da die bisherige Förderung in Sachsen zu einem überwiegenden Teil im Bereich der Tierprodukti-
on stattfindet, wird dieser Bereich gesondert betrachtet. Im Vergleich zu dieser Entwicklung zeigt
sich, dass die Bruttowertschöpfung im ldw. Bereich nach einem deutlichen Anstieg zwischen 2006
und 2007 insbesondere in den Jahren 2007 bis 2009 einem schrittweisen Rückgang unterliegt.
90
Vor diesem Hintergrund erscheint es plausibel, dass die Förderung einen Beitrag zur Verbesse-
rung des Marktanteils leistet. Eine genaue Quantifizierung verbietet sich jedoch vor dem Hinter-
grund der folgenden Grenzen der Aussagekraft der Daten:
Wie zu Beginn des Abschnitts bereits ausgeführt, kann zum Zeitpunkt der Halbzeitbewertung
keine seriöse Angabe zu Wirkungen der Investitionen abgeleitet werden. Da ökonomische
Wirkungen der Investitionen zeitverzögert auftreten, bedarf es hierzu eines längeren Zeit-
raums und der Abbildung entsprechender Zeitreihen, die eine Wirkungsbeurteilung zulassen.
89
Es ist zu betonen, dass die erreichten wirtschaftlichen Ergebnisse stark von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des jeweili-
gen Jahres geprägt sind. So waren wesentliche Ursachen für die positive Einkommensentwicklung im Jahr 2007/08 die außeror-
dentlich stark gestiegenen Preise für Getreide und Ölfrüchte sowie die deutlich höheren Milchpreise. Diese sehr günstigen Markt-
bedingungen konnten die sächsischen Betriebe mit guten Erträgen in der Ernte 2007 und einer hohen Milchleistung für sich nutzen.
Im Wirtschaftsjahr 2008/09 zogen Preiseinbrüche bei Getreide und Milch und vor allem gestiegene Aufwendungen eine Ver-
schlechterung der wirtschaftlichen Situation nach sich. Vgl. Fachauskunft LfULG, Referat 22 agrar- und umweltpolitische Analysen,
am 28.05.10.
Da jedoch im Rahmen eines Mit-Ohne-Vergleichs derartige externe Effekte auf Vergleichs- und Kontrollgruppe gleichermaßen ein-
wirken, sind sie im Hinblick auf die Abschätzung einer Nettowirkung hinreichend berücksichtigt. Vgl. hierzu auch European Evalua-
tion Network for Rural Development: Approaches for assessing the impacts of the rural development programmes in the context of
multiple intervening factors, Brüssel 2009/2010
90
SMUL (2010): Sächsischer Agrarbericht in Zahlen 2009.

image
Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
56
Die Vergleichbarkeit der dargelegten Stichproben ist begrenzt, da zum einen zwar Vergleichs-
gruppen auf Basis der Hauptproduktionsrichtung (Tierproduktion) gebildet werden konnten,
die Verteilung der Betriebsgrößen in beiden Gruppen jedoch variieren kann.
Zudem ist die Stichprobe der geförderten Betriebe deutlich niedriger als die der nicht geförder-
ten (Geförderte: n=7; Nicht Geförderte: n=42). Entsprechend können systematische Unter-
schiede zwischen den einzelnen geförderten Betrieben deutlich stärker ins Gewicht fallen als
bei den nicht geförderten Betrieben.
Hier wäre die Stichprobe der Bewilligungen des Jahres 2008 aussagekräftiger, es wurden 91
Betriebe bewilligt. Da jedoch für diese Betriebe nur ein Jahresabschluss nach Förderung vor-
liegt (Wirtschaftsjahr 2008/09) und unklar ist, inwiefern die Investitionen bis zu diesem Zeit-
punkt abgeschlossen sind, wird von einer näheren Betrachtung dieser Förderfälle zur Beant-
wortung der Bewertungsfrage Abstand genommen.
Bewertungsfrage 4: Inwieweit haben geförderte Investitionen zu dauerhafter und nachhalti-
ger Aktivität von landwirtschaftlichen Betrieben beigetragen?
Zur Beantwortung der Bewertungsfrage 4 kann zunächst eine nähere Spezifizierung des Begriffs
der Nachhaltigkeit vorgenommen werden. Diese lässt sich näher charakterisieren über die folgen-
den Dimensionen (vgl. Abbildung 17).
Abbildung 17: Dimensionen der Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit stellt ein generelles Ziel der Förderrichtlinie Land- und Ernährungswirtschaft - RL
LuE/2007 dar. Dabei zielt die Richtlinie neben ökonomischen Aspekten, die durch die Förderung
verbessert werden sollen, insbesondere auch auf ökologische Faktoren ab. Diese finden ihren
Niederschlag z.T. in den Fördergegenständen, so z.B. in der Förderung umweltschonender Spezi-
altechnik oder baulicher Anlagen zur Vermeidung von Grundwasserbelastungen.
91
Zur Beurteilung der Zielerreichung ‚Nachhaltiger Aktivität landwirtschaftlicher Betriebe’ wird zu-
nächst der Indikator ‚Anzahl geförderter Junglandwirte’ vorgeschlagen. Die nachhaltige, langfristi-
ge Aktivität kann besonders durch die Förderung von Junglandwirten erzielt werden, hiermit kann
ggf. ein zusätzlicher Anreiz zu Betriebsübernahmen verbunden sein. Da die spezielle Junglandwir-
teförderung Ende 2009 in das EPLR für Maßnahme 121 aufgenommen wurde, sind Ergebnisse
erst zu einem späteren Zeitpunkt zu erwarten. Im Hinblick auf die Demographie zeigt der Umset-
zungsstand der bis Ende 2009 geförderten Betriebe, dass bis zu diesem Zeitpunkt 21 natürliche
Personen unter 40 Jahren gefördert wurden (29 % aller geförderten natürlichen Personen).
92
91
Vgl. Förderrichtlinie Land- und Ernährungswirtschaft - RL LuE/2007.
92
Hierzu ist anzumerken, dass die spezielle Junglandwirteförderung im Freistaat Sachsen erst Ende 2009 eingeführt wurde.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
57
Nachhaltigkeit der Aktivitäten landwirtschaftlicher Betriebe spiegelt sich auch in der Anzahl ge-
schaffener respektive gesicherter Arbeitsplätze wider. Nach Angaben der Zuwendungsempfänger
werden durch die bisherige Förderung 2.146 Arbeitsplätze geschaffen respektive gesichert. Diese
Angaben sind jedoch kritisch zu betrachten, da die getätigten Investitionen auch zu einer Substitu-
tion des Faktors ‚Arbeit’ durch den Faktor ‚Kapital’ führen können. Die Wirkung der getätigten In-
vestitionen auf die Schaffung von Arbeitsplätzen hängt insofern u.a. davon ab, welcher Effekt im
Rahmen der geförderten Projekte überwiegen wird.
Neben dem dargestellten Fokus der Nachhaltigkeit auf die ökonomische Perspektive spielen auch
ökologische und soziale Faktoren für den Nachhaltigkeitsgedanken eine bedeutsame Rolle.
93
So
werden neben ökonomischen Wirkungen auch Umweltwirkungen durch die einzelbetriebliche För-
derung unter Code 121 entfaltet, die unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit bedeutsam sind.
94
Zu-
dem zeigen die Ziele der Zuwendungsempfänger, dass die Verfolgung besserer Arbeitsbedingun-
gen für 39,2 % der befragten Betriebsleiter und Tierschutzstandards für 26,6 % der Befragten das
Hauptziel der Förderung darstellt.
95
Bewertungsfrage 5: Inwieweit haben geförderte Investitionen zur Verbesserung der Wett-
bewerbsfähigkeit im Agrarsektor beigetragen?
Die Umstrukturierung und Weiterentwicklung des Sachkapitals ist eine zentrale Zielsetzung der
Maßnahme 121 und kann als ein bedeutsamer Faktor zur Anpassung der Unternehmen an verän-
derte Wettbewerbsbedingungen gesehen werden. Die Ergebnisse der durchgeführten Betriebs-
leiterbefragung zeigen hierzu folgendes Bild:
Bei 35 % der Befragten haben sich die Produktionsbereiche als Folge der geförderten Investi-
tionen verändert, 62 % der Unternehmen tätigten Investitionen mit dem Ziel der Optimierung
einzelner Bereiche der bestehenden Produktion.
Eine Ausdehnung der Produktionsbereiche hat durch die Förderung insbesondere in den Be-
reichen der Milchvieh- und Geflügelhaltung stattgefunden (jeweils 20 % der geförderten Be-
triebe). Neu aufgenommen wurde in erster Linie der Bereich der Energieproduktion bei 16 %
der befragten Zuwendungsempfänger.
Eine Einschränkung der Produktion hat lediglich im kleineren Umfang im Geflügelbereich
stattgefunden (4 % der Förderfälle).
Vor dem Hintergrund einer Bruttoanlageinvestition in der Landwirtschaft Sachsens in Höhe von
393 Mio. EURO
96
leistet die bisherige Förderung (Zeitraum 2007 bis 2009) durch die Maßnahme
121 einen Nettobeitrag zur Erhöhung des Kapitalstocks in Höhe von 128,6 Mio. EURO.
97
Im Frei-
staat Sachsen ist mit einer Steigerung der Bruttowertschöpfung pro AK durch die Förderung in
Höhe von 0,2721 EURO bei 1 EURO zusätzlicher Kapitalausstattung pro AK zu rechnen.
98
Im Hin-
blick auf die Erfassung der Wirkung der Förderung auf die Arbeitsproduktivität ist davon auszuge-
hen, dass die öffentlich eingesetzten Mittel in Sachsen eine Hebelwirkung induzieren und dazu
führen, dass mehr Eigenmittel investiert werden als in einer Situation ohne Beihilfe.
99
Abschätzun-
gen der Evaluatoren zufolge führt ein Prozent zusätzlicher Kapitalausstattung durch die Förderung
zu einer Steigerung der Arbeitsproduktivität um 0,72 %.
100
93
So lässt sich der Begriff der Nachhaltigkeit anhand der drei Dimensionen ‚Ökonomie’, Ökologie’ und ‚Soziales’ beschreiben.
94
Siehe hierzu die Beantwortung der horizontalen Bewertungsfragen 2 und 14 in Kapitel 7.1 dieses Berichts.
95
Vgl. durchgeführte Betriebsleiterbefragung.
96
Vgl. VGR der Länder, Zahlen für 2007.
97
Siehe hierzu auch Horizontale Bewertungsfrage 18 in Kapitel 7.1 dieses Berichts.
98
Quelle: Berechnungen der Evaluatoren auf Basis von Daten des Testbetriebsnetzes des BMELV.
99
Vgl. hierzu auch die Beantwortung der Horizontalen Bewertungsfrage 18 des Berichts.
100
Quelle: Abschätzung der Evaluatoren auf Basis von Daten des Testbetriebsnetzes des Bundesministeriums.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
58
6.1.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Die Bewertungen des Kapitels zusammenfassend, können nachfolgend Schlussfolgerungen und
Handlungsempfehlungen für die zukünftige Förderung der Maßnahme 121 „Modernisierung land-
wirtschaftlicher Betriebe“ abgeleitet werden.
Der Umsetzungsstand der Maßnahme als auch die Inanspruchnahme im Hinblick auf die im
EPLR definierten Zielsetzungen kann mit Blick auf den Mittelabfluss als zielführend bezeich-
net werden. So zeigt das Volumen der induzierten Investitionen bezogen auf die Hauptzielset-
zungen der Maßname und die mit der Förderung verbundene regionale Verteilung ein vorwie-
gend positives Bild, auch bezogen auf die Ergebnisse der Maßnahmendurchführung.
101
Ins-
gesamt ist davon auszugehen, dass im Durchschnitt ca. 20 % aller im landwirtschaftlichen
Sektor im Freistaat Sachsen getätigten Investitionen
102
auf die ELER-geförderten Investitionen
unter Maßname 121 entfallen.
Der Umsetzungsstand bezogen auf die Anzahl der Zuwendungsempfänger und geförderten
Vorhaben zeigt demgegenüber jedoch, dass die hierzu ursprünglich anvisierten Zielsetzungen
voraussichtlich nicht erreicht werden. Vor dem Hintergrund der durchaus zufriedenstellenden
Inanspruchnahme der finanziellen Mittel ist hierzu zu prüfen, ob die Zahl der anvisierten Zu-
wendungsempfänger ggf. zu hoch angesetzt worden war. Dabei fällt insbesondere auf, dass
für eine Vielzahl der Fördergegenstände der Maßnahme 121 eine geringe Akzeptanz zu kons-
tatieren ist – z.B. für die Vermarktung von Anhang I-Erzeugnissen, Energiepflanzen etc. Hier
empfiehlt sich zu prüfen, inwiefern die Vielzahl der definierten Fördergegenstände die tatsäch-
lich bestehenden Bedarfe seitens der landwirtschaftlichen Betriebe in Sachsen trifft.
Obgleich sich die Förderung zieladäquat für die arbeitsintensive Nutztierhaltung darstellt, so
fällt gleichfalls auf, dass sich die Förderung bislang einseitig auf diesen Fördertatbestand kon-
zentriert, zuungunsten der zahlreichen weiteren Fördergegenstände der Maßnahme. Dieser
Aspekt zeigt sich insbesondere für die Förderung innovativer Spezialtechnik, hier liegt bislang
nur ein Förderfall vor. Entsprechend wird empfohlen zu prüfen, inwiefern eine Reduktion der
Fördergegenstände im Bereich Technik durch Zusammenführung erreicht werden kann. Hier
wäre eine Zusammenführung der Fördergegenstände „Innovative Spezialtechnik“, „Technik
Flüssigdung“ und „Spezialmaschinen“ denkbar. Die Reduktion der Fördergegenstände dürfte
die Komplexität der Förderung reduzieren und die Effizienz der Abwicklung steigern.
Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich zu prüfen, inwiefern die Förderung durch die Maß-
nahme 121 eine ausreichende Anreizwirkung induzieren kann für die im EPLR festgeschrie-
bene Vielfalt an Fördergegenständen.
Als besonderer Schwerpunkt der einzelbetrieblichen Förderung wird gemäß EPLR neben der
Förderung im Bereich der Nutztierhaltung besonders die Förderung von Gartenbaubetrieben
betont. Gleichwohl zeigt sich, dass dieser Förderschwerpunkt mit 5 % Anteil an allen bis Ende
2009 bewilligten Fördervorhaben einen eher unbedeutenden Anteil ausmacht. Auch wenn der
Gartenbau in Sachsen insgesamt nur rund 1 % aller landwirtschaftlich ausgerichteten Betriebe
ausmacht,
103
empfiehlt es sich zu prüfen, inwiefern die Förderung des Gartenbaus vor diesem
Hintergrund und der zumeist rentabilitätsschwachen Strukturen in dieser Form als ein beson-
derer Förderschwerpunkt der einzelbetrieblichen Förderung hervorgehoben werden sollte.
104
Die Betriebsleiterbefragung ergab, dass ein hoher Anteil der geförderten Betriebe die ‚Ver-
besserung der Arbeitsbedingungen’ als eines der wichtigsten Nebenziele ihrer geförderten In-
vestitionen ansehen. Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen geht in der Regel mit Pro-
duktivitätssteigerungen einher und hat damit mittelbaren Einfluss auf die ökonomischen
101
Vgl. gemeinsame (CMEF) und spezifische Ergebnisindikatoren für die Förderung im Freistaat Sachsen.
102
Vergleichszahlen sind der VGR des Bundes und der Länder zu entnehmen. Hiernach betragen die Investitionsvolumina in neue
Anlagen, Ausrüstungen und neue Bauten in der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischereiwirtschaft in 2007 rund 787 Mio. EURO.
103
Vgl. Sächsischer Agrarbericht 2008, hrsg. v. SMUL, Dresden 2009
104
Vgl. Ex-Post Bewertung 2000 – 2006 (vTI) sowie Expertenauskunft Fachreferat.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
59
Zielsetzungen. Im Hinblick auf die zukünftige Ausgestaltung des Programms kann überlegt
werden, inwiefern die Verbesserung der Arbeitsbedingungen als ein weiteres (Teil-)Ziel der
Maßnahme explizit in die Maßnahmendefinition aufgenommen werden sollte.
105
Die Datenauswertungen der Investitionskonzepte sowie deren Zusammenführung mit den
Buchführungsdaten der geförderten Betriebe vermittelten den Eindruck z.T. bestehender In-
konsistenzen und fehlender Daten. Dieser Umstand erschwerte die Verarbeitung der Daten
z.T. erheblich, überdies konnte nur ein Teil der Daten für die Auswertungen genutzt werden.
Es wird empfohlen, die Kontrollen auf Vollständigkeit und Richtigkeit respektive Plausibilität
der Daten zukünftig weiter zu verstärken.
6.2 Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Produkte, Verfahren und Tech-
nologien (Code 124)
6.2.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand
Die Maßnahmen 124 fördert in Rahmen der Richtlinie LuE (Landwirtschaft und Ernährung)
106
, Teil
B Zusammenschlüsse für Innovationsprojekte aus Primärerzeugern, verarbeitender Industrie und /
oder dritter Partner mit bis zu 80 % der Projekt- und Personalkosten.
Im Hinblick auf eine Bewertung der Maßnahme 124 wird das dargelegte Indikatorensystem
107
ba-
sierend auf den Vorgaben des CMEF als grundsätzlich gute Ausgangsbasis für die weitere Bewer-
tung angesehen.
Stand der Maßnahmendurchführung
Bislang wurden in den Jahren 2007 bis 2009 noch keine Anträge in den entsprechenden Bewilli-
gungsstellen vorgelegt, so dass für die aktuelle Förderperiode keine Bewilligungen und Auszah-
lungen zu verzeichnen sind. Es zeichnet sich jedoch ab, dass zwei Projekte in 2010 zur Bewilli-
gung vorgelegt werden sollen.
Da es in der Maßnahme 124 bis dato noch keinen Förderfall gegeben hat, gilt es vor allem zu prü-
fen, worin die Ursache für die starke Abweichung der Anzahl tatsächlicher Förderfälle von der An-
zahl ursprünglich geplanter Förderfälle liegt. In diesem Zusammenhang ist sowohl die Strategie
des EPLR als auch die SWOT-Analyse zu berücksichtigen. Hier finden sich jedoch keine Hinweise
darauf, dass der Bedarf nicht (mehr) im angenommenen Umfang bestehen würde. Gründe für die
geringe Akzeptanz könnten zudem in der Ausgestaltung der Maßnahme beispielsweise bezüglich
der Förderhöhe oder der Fördervoraussetzungen sowie in der Konkurrenz durch Förderprogram-
me aus anderen Bereichen oder in der mangelnden Kommunikation und Bekanntmachung der
Maßnahme liegen.
Auf mögliche Hemmnisse in der Maßnahmenausgestaltung wurde vom SMUL insofern reagiert,
als dass die Fördervoraussetzung zur Beteiligung am Innovationsprojekt „mindestens ein landwirt-
schaftliches Unternehmen“ geändert wurde. Diese Vorgabe wurde erweitert auf „mindestens ein
landwirtschaftliches oder ein verarbeitendes Unternehmen“, so dass die Anforderungen bezüglich
der Zusammensetzung der Kooperationspartner wesentlich gelockert sind.
Da die Förderung von Forschung- und Entwicklung als ein zentraler Baustein in der Förderpolitik
der EU-Kommission gesehen wird, ist diese Maßnahme nicht die einzige Förderung in diesem
Themenfeld. Anderen Maßnahmen wie beispielsweise der SMWA-Mittelstandsförderung zur
Markteinführung innovativer Produkte oder der Förderung einzelbetrieblicher F&E-Projekte kom-
men für Unternehmen der Ernährungswirtschaft ebenfalls in Frage. Ein genauer Vergleich der
verschiedenen Förderinstrumente zur Innovationsförderung zeigt jedoch, dass die unterschiedli-
105
Vgl. EPLR Sachsen 2007 – 2013, 3. Änderung vom 30.06.2009, genehmigte Fassung vom 15.12.2009, S. 195
106
Richtlinie des SMUL zur Förderung der Land- und Ernährungswirtschaft im Rahmen des Entwicklungsprogramms für den ländli-
chen Raum im Freistaat Sachsen (Förderrichtlinie Land- und Ernährungswirtschaft – RL LuE/2007), SächsAbl Jg. 2007 Bl.-Nr. 45,
S. 1495
Gkv-Nr.: 5563-V07.6 , Fassung gültig ab: 22.01.2010
107
Vgl. Indikatorenübersicht zu Code 124 im Anhang 6.2

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
60
chen Förderungen nicht in Konkurrenz zueinander stehen, da Zielgruppen oder Inhalte der Förde-
rung grundsätzlich von einander abweichen.
Einer der wesentlichen Gründe für die mangelnde Akzeptanz der Maßnahme dürfte in ihrer gerin-
gen Bekanntheit liegen. Die Auswertungen einer aktuellen Befragung
108
von 26 % der sächsischen
Lebensmittelproduzenten
109
mit mehr als 20 Mitarbeitern zur Kenntnis und Nutzung verschiedener
Fördermaßnahmen in 2010 ergab folgendes Bild: 21 % der Befragten meinten die SMUL-
Förderrichtlinie (LuE, Teil B) zu kennen und 5 % gaben an, die Förderung bereits genutzt zu ha-
ben. Dies ist augenscheinlich falsch und vermutlich auf die unübersichtliche Förderlandschaft in
der F&E-Förderung zurück zu führen. Es hat demzufolge den Anschein, dass die bisher genutzten
Wege der Maßnahmenbekanntmachung nicht in hinreichendem Maße geeignet waren, die Förde-
rung klar und die damit verbundenen Anreize der Zielgruppe deutlich zu kommunizieren.
Da als Zielgruppe für diese Förderung Unternehmen der Ernährungsindustrie, Landwirte und „Drit-
te“ aus dem Bereich Forschung und Wissenschaft gesehen werden, empfiehlt sich eine differen-
ziertere Eingrenzung der möglichen Zusammenschlüsse von Antragstellern als Zielgruppe der
Maßnahmenkommunikation. Hier gilt es über geeignete Kommunikationsinstrumente und –maß-
nahmen, die 6.896 Betriebsleiter aus der Primärerzeugung
110
, die 350 Unternehmen
111
und Hand-
werksbetriebe der Ernährungswirtschaft und die möglichen Beteiligten aus Forschung und Wis-
senschaft anzusprechen. Dabei kann es sich unter Umständen nachteilig auswirken, dass der
Freistaat Sachsen über keinen eigenen Hochschulstandort für Agrar- oder und Ernährungswis-
senschaften als möglichen „Treiber“ oder Kooperationspartner solcher Innovationsprojekte verfügt.
6.2.2 Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen
Die maßnahmenspezifischen Bewertungsfragen beziehen sich zum einen auf die Unterstützung
des Marktzugangs und des Marktanteils von land- und forstwirtschaftlichen Primärerzeugnissen
und zum anderen auf die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von Land-, Forst- und Ernäh-
rungswirtschaft.
Es kann grundsätzlich von einem positiven Beitrag der Maßnahme im Hinblick auf die Förderung
des Marktzuganges und des Marktanteiles von Primärerzeugnissen durch die vertikale Kooperati-
on in Produktionsketten ausgegangen werden.
112
Da jedoch bisher kein Projekt zur Entwicklung
neuer Verfahren, Technologien und Produkte beantragt und umgesetzt wurde, liegt bisher auch
kein Wirkungsbeitrag zu den Entwicklungszielen vor. Gleiches gilt für die Beantwortung der zwei-
ten Bewertungsfrage, bezüglich der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von Land-, Forst-
und Ernährungswirtschaft.
6.2.3 Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Um für die kommenden Jahre die Projektförderung in diesem Bereich zu Gunsten der sächsischen
Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft realisieren zu können, wird empfohlen, die Kommunikation
der Förderrichtlinie gezielter auf die Zielgruppe auszurichten. Hierbei sollte eine Ansprache der
Unternehmen durch Verbände und Vereinigungen auch im Rahmen von Fachveranstaltungen und
-messen in Erwägung gezogen werden. Zudem sollten alle möglichen Partner in der Wertschöp-
fungskette als Förderer gemeinsamer Innovationsprojekte berücksichtigt werden, von großen
landwirtschaftlichen Unternehmen bis hin zu möglichen Abnehmern solcher Produkte oder Tech-
nologie-Herstellern.
108
Ergebnisse aus der Befragung von AFC Management Consulting AG im Rahmen einer Branchenstudie des SMUL zur Ernäh-
rungswirtschaft in Sachsen, August 2010
109
Unternehmen aus den sechs Leitbranchen der sächsischen Ernährungswirtschaft
110
SMUL (2010): Agrarbericht in Zahlen 2009, S. 6
111
In den Statistiken des Statistischen Landesamtes des Freistaats Sachsen werden in der Ernährungswirtschaft Unternehmen mit
über 20 Mitarbeitern erfasst.
112
Vgl. Hanf, J.H.; Dautzenberger, K. (2009): Vertikale Kooperationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft – Herausforderungen für
das Management, in Berichte über Landwirtschaft Band 86, BMELV 2009

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
61
Als zweiter Ansatzpunkt wird die Zusammenarbeit im wissenschaftlichen Bereich gesehen. Uni-
versitäten und Forschungseinrichtungen sind häufig stark an Kooperationsprojekten mit Unter-
nehmen interessiert, um die theoretischen Erkenntnisse in die Praxis zu transferieren. Aus diesem
Umfeld könnten zum einen Projektanten für die Fördermaßnahmen kommen, zum anderen sind
diese Einrichtungen oft selbst auf der Suche nach kooperationsbereiten Unternehmen. Eine sol-
che Zusammenführung von Wissenschaft und Praxis wie auch die Vernetzung von Lebensmittel-
produzenten untereinander könnte mittel- und längerfristig über ein Clustermanagement etabliert
werden, wie es beispielsweise in NRW oder Bayern existiert. Alternativ könnte die Maßnahmenbe-
kanntheit in kleinerem Rahmen über wiederkehrende Fachveranstaltungen, wie beispielsweise
einen Innovationskongress mit Vorstellung von Innovationen aus verschiedenen Branchen der Er-
nährungswirtschaft gefördert werden.
6.3 Infrastruktur im Zusammenhang mit der Entwicklung und Anpassung der
Land- und Forstwirtschaft (Code 125)
6.3.1 Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand
Die Maßnahme 125 zielt gemäß den Ausführungen im EPLR
113
auf die Erschließung des Waldes
als Grundlage für eine nachhaltige und ökonomisch orientierte Waldbewirtschaftung sowie auf die
Erreichung von Mehrfachwirkungen für Erholung, Präventionsmaßnahmen sowie die Bewältigung
von Schadereignissen. Die durchschnittliche Waldwegedichte beträgt im Freistaat Sachsen
24 lfm/ha
114
. Sie liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt und soll deshalb erhöht werden.
Fördervoraussetzung ist u.a. eine nach den Grundsätzen des forstlichen Wegebaus anerkannte
Regelbauweise.
Stand der Maßnahmendurchführung
Darstellung und Bewertung der Inanspruchnahme der finanziellen Mittel
Für die Maßnahme 125 wurden in den Jahren 2007 bis 2009 1.155.770 EURO ausgezahlt.
115
Ge-
plant wurden für den Zeitraum 2007 bis 2013 Auszahlungen in Höhe von 5.000.000 EURO.
116
So-
mit ergibt sich ein Ausschöpfungsgrad von rund 23 %, der maßgeblich durch den zögerlichen Be-
ginn der Maßnahme im Jahr 2007 zu erklären ist (kein Antrag). In den Jahren 2008 (2 Anträge)
und 2009 (36 Anträge) hat es jedoch einen steten Anstieg der Nachfrage gegeben, der auch im
Jahr 2010 weiter anhält.
117
Darstellung und Bewertung der maßnahmespezifischen Outputs, Ergebnisse
In den Jahren 2007 bis 2009 wurden 38 Erschließungsvorhaben mit einem förderfähigen Investiti-
onsvolumen von 1.586.098 EURO gefördert. Insgesamt wurden 41.488 lfm neue Wege gebaut,
ausgebaut oder grundhaft instandgesetzt (Anhang 6.3.1). Hinsichtlich der Wegelänge entspricht
dies einer Zielerreichung von 46 %. Die Zielerreichung bei der Anzahl der Erschließungsvorhaben
beträgt 38 %. Die Höhe der öffentlichen Ausgaben (ELER und Land) betragen 1.155.770 EURO.
Pro Vorhaben betragen die Ausgaben damit durchschnittlich 30.415 EURO.
Insgesamt kann konstatiert werden, dass die Zielerreichung im Vergleich zur Laufzeit des Pro-
gramms zufriedenstellend ist, da der zögerliche Beginn im Jahr 2007 durch eine rege Inanspruch-
nahme in den Folgejahren kompensiert wird. Die Erreichung des Ergebnisindikators „Geförderte
Wegelänge“ ist sogar trotz des Jahres 2007 überdurchschnittlich, so dass eine Zielerreichung zum
Ende der Programmlaufzeit möglich ist. Die Befragung der Zuwendungsempfänger hat jedoch ei-
ne Unzufriedenheit mit dem Ablauf der Förderung und den Förderbedingungen ergeben (Anhang
113
Vgl. EPLR Sachsen 2007 - 2013, 3.Änderung, genehmigte Fassung vom 15.12.2009, Kap. 5.3.1.2.5
114
Vgl. EPLR Sachsen 2007 - 2013, 3.Änderung, genehmigte Fassung vom 15.12.2009, Kap. 3.1.2.2
115
SMUL: Jährlicher Zwischenbericht Finanztabellen 2007-2013
116
SMUL: IFP_Zwischenstände_20091130.xls, EPLR Sachsen 2007 - 2013, 3.Änderung, genehmigte Fassung vom 15.12.2009
117
Mündliche Mitteilung der Bewilligungsstelle, 23.07.2010

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
62
6.3.2). Möglicherweise wird dadurch eine über die im EPLR formulierte Zielstellung hinausgehen-
de Zielerreichung verhindert. Gleichwohl sind die Förderbedingungen im Vergleich zu anderen
Bundesländern im Freistaat Sachsen weniger restriktiv.
6.3.2 Beantwortung der maßnahmenspezifischen Bewertungsfragen
Bewertungsfrage 1: Inwieweit hat die Regelung durch die Verbesserung von Infrastrukturen
zur Umstrukturierung und Entwicklung des physischen Potenzials beigetragen?
Das physische Potenzial im Wald wird durch das stehende Holzvorratsvermögen und dem sich
daraus ergebenden Holzzuwachs gebildet. Der Holzvorrat wird überwiegend positiv durch folgende
Aspekte beeinflusst:
Aufschluss als Voraussetzung der Waldnutzung überhaupt
Erstmalige und in den Folgejahren regelmäßige Waldnutzung durch Waldbesitzer
Der Waldaufschluss an sich ist eine Voraussetzung für die Waldnutzung, da ein sachgerecht ge-
plantes Erschließungsnetz die dauerhafte räumliche Gliederung der Waldfläche sowie alle Arbei-
ten der Planung, Ausführung und Kontrolle von Wirtschaftsmaßnahmen erleichtert. Ordnungsge-
mäß gebaute Waldwege ermöglichen den Einsatz moderner Forsttechnik für boden- und be-
standsschonende Durchforstungen und Zielstärkennutzungen bzw. die Holzrückung. Dadurch wer-
den nicht nur Ressourcen geschont, sondern auch Voraussetzungen für die Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit der Forstbetriebe gelegt.
118
Im Freistaat Sachsen gibt es rund 12.107 km ganzjährig befahrbare Waldwege.
119
Bei einem Vier-
tel davon, also rund 3.026 km, ist die Fahrbahnbreite unter drei Meter, so dass diese Fahrwege
nicht für den Holztransport geeignet sind. Hinzu kommen 2.099 km Fahrwege, die erhebliche
Schäden aufweisen. Somit können nur 6.982 km als uneingeschränkt benutzbar bezeichnet wer-
den. Die bisher geförderten 41,5 km Wegeneu- oder -ausbau bzw. Wegeinstandsetzung leisten
insofern nur einen geringen Anteil an der strukturellen Verbesserung der Walderschließung. Da
allerdings die Wegebaumaßnahmen nicht gleichmäßig verteilt im Freistaat Sachsen, sondern
schwerpunktmäßig in einzelnen Forstbetrieben stattgefunden haben, ist lokal mit einer Verbesse-
rung der Erschließungswirkung zu rechnen. Die durchschnittliche Wegebaulänge beträgt pro ge-
fördertem Vorhaben 1,09 km, was zeigt, dass für einen Forstbetrieb eine deutliche Verbesserung
der Erschließungssituation eintritt. Werden die Annahme des SMUL für eine Erschließungswirkung
von 500 m²/lfm Wegeneubau bzw. –instandsetzung unterstellt
120
, wurde durch die geförderten
41.488 lfm eine Fläche von 2.074 ha erschlossen. Dabei wird unterstellt, dass jeweils links und
rechts des Weges eine Erschließungstiefe von 250 m erreicht wird. Eine Analyse der Förderdaten
für 2009 hat ergeben, dass bei den Projekten durchschnittlich eine Erschließung von 710 m²/ha
erreicht wird.
121
Die Erschließungsfläche beträgt in diesem Fall 2.945 ha.
Zur Evaluierung des Nutzens des Wegebaus für die erstmalige Waldnutzung wurden die Zuwen-
dungsempfänger befragt. 70 % der Antwortenden gaben an, dass durch den Wegebau eine Nut-
zung überhaupt erst möglich wurde (Anhang 6.3.3). Die Befragung ergab weiterhin, dass in den
Forstbetrieben durchschnittlich rund 140 m³ Holz zusätzlich eingeschlagen wurden. Hinzu kommt,
dass die Befragten im Durchschnitt 3,2 Waldbesitzer kennen, die durch den geförderten Wegebau
erstmals Holz genutzt haben.
Fazit:
Der geförderte Wegebau führt in den Forstbetrieben zu einer strukturellen Verbesserung
der Erschließung als Voraussetzung für eine geregelte Forstwirtschaft. Dadurch wird die Holznut-
zung mit Durchforstungen gesteigert, die zu einer Veränderung des Holzvorrats führt. Gepflegte
118
Dietz, Peter; Knigge, Wolfgang, Löffler, Hans (1984): Walderschließung, Hamburg
119
Landesforstpräsidum Sachsen (2005): Der Wald in Sachsen. Ergebnisse der zweiten Bundeswaldinventur für den Freistaat Sach-
sen, S. 83
120
SMUL (2009)
121
Eigene Berechnungen auf Grundlage der Daten in der Datei „EVA_O125_2009“ sowie den Monitoringdaten

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
63
Waldbestände weisen höhere Zuwächse auf, so dass Bäume schneller einen Zieldurchmesser
erreichen und genutzt werden können.
Bewertungsfrage 2: Inwieweit hat die Regelung durch die Verbesserung von Infrastrukturen
zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit land- und forstwirtschaftlicher Betriebe beigetra-
gen?
Die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Forstbetriebe durch die Intervention wird maß-
geblich durch folgende Faktoren hervorgerufen:
Senkung der Einschlags- und Rückekosten durch den effizienten Einsatz moderner Forst-
technik
Erhöhung der Einschlagsmenge pro Hektar und dadurch Verbesserung der Ertragssituation
im Forstbetrieb
Die Senkung der Einschlags- und Rückekosten ergibt sich dadurch, dass Harvester, Forwarder
und Rücketraktoren näher an die zu durchforstenden Waldbestände herangeführt werden können
und damit eine zeitaufwendige und schwere manuelle Holzernte und Holzrückung entfällt. Durch
eine höhere Stundenleistung ergeben sich Kostenvorteile von bis zu 10 EURO/m³, die die Wert-
schöpfung im Forstbetrieb positiv beeinflussen
122
. Hinzu kommen Einsparungen durch Senkung
der Rückekosten, die bis zu 7,07 EURO/m³ (durchschnittlich 6,5 EURO/m³) betragen können
123
.
Das SMUL geht in seinen Annahmen von einer Senkung der Rückekosten
124
von 1 EURO/m³ und
von einem durchschnittlichen Einschlag von 3,5 m³/ha*a aus. Dadurch würde sich eine durch-
schnittliche Kostensenkung von rund 7.261 EURO/a ergeben. Unter Annahme der oben genann-
ten Einsparungen von 6,5 EURO/m³, einem Einschlag von 3,5 m³/ha*a und einer erschlossenen
Waldfläche von 2.945 ha ergibt sich gar eine Einsparung von rund 67.000 EURO/a für den Privat-
wald im Freistaat Sachsen.
Die Analyse der Bewilligungszahlen ergibt, dass die geförderten Wegebauprojekte überwiegend in
regelmäßig wirtschaftenden Forstbetrieben und in 11 kommunale Forstbetriebe stattgefunden ha-
ben. In diesen Betrieben ist der durchschnittliche Hiebssatz
125
4,5 m³/ha*a bzw. 5,5 m³/ha*a, so
dass die Wertschöpfungen in diesen Betrieben höher sind als im unregelmäßig wirtschaftenden
Kleinprivatwald mit geringeren Hiebssätzen sind.
Durch die Reduzierung der Gestehungskosten steigt die Attraktivität zur Teilhabe am Holzmarkt
für die Waldbesitzer. Bei exogen vorgegebenem Holzpreis steigt der Stückerlös pro Kubikmeter,
so dass die Forstbetriebe ihren Nachhalthiebssatz mittelfristig ausschöpfen werden. Damit steigen
das Betriebseinkommen und damit der Betriebsgewinn. Dieser kann für weitere Rationalisierungen
(z.B. weitere Wegebaumaßnahmen und verbesserten Technikeinsatz) verwendet werden. Inwie-
weit dies jedoch eintritt, hängt von zahlreichen Faktoren, z.B. von der Entwicklung des Holzmark-
tes, ab. Insofern ist eine verlässliche Schätzung der langfristigen Steigerung der Wertschöpfung in
den Forstbetrieben nicht möglich, da Überlagerungseffekte eintreten können.
6.3.3 Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Die Förderung des forstlichen Wegebaus hat für die Wettbewerbsfähigkeit der Forstbetriebe
im Freistaat Sachsen eine herausragende Bedeutung. Ein angepasstes und auf die Bedürf-
nisse der modernen Forsttechnik ausgerichtetes Erschließungsnetz bildet die Grundlage für
die wirtschaftliche Entwicklung der Forstbetriebe. Die Zielerreichung zeigt, dass die im EPLR
angestrebten Ziele realistisch und bis zum Ende der Programmlaufzeit erreichbar sind und
ggf. übertroffen werden können. Eine Fortführung der Maßnahme ist deshalb empfehlens-
wert.
122
Landesanstalt für Wald und Forsten Bayern (2005). LWF Bericht Nr. 36.
123
Vgl. Halbzeitbewertung der Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen 2007 - 2013. Unveröffentlicht.
124
Vgl. Annex in den Monitoringdaten für die Ergebnisindikatoren
125
Sachsenforst (2010): Testbetriebsnetz des BMELV.
http://www.smul.sachsen.de/wald/1743.htm

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
64
Die Analysen haben gezeigt, dass die Wegebaumaßnahmen vor allem in größeren Privat-
forstbetrieben und kommunalen Forstbetrieben stattfinden. Lediglich ein Projekt wurde von
einer Waldbesitzervereinigung durchgeführt. Diese Forstbetriebe weisen in der Regel einen
höheren Hiebssatz auf als Forstbetriebe im kleinparzellierten Privatwald. Insofern ist in die-
sen Betrieben auch die Wertschöpfung höher als im Kleinstprivatwald, in dem teilweise gar
keine Holznutzung stattfindet. Da eine Ursache für den geringen Hiebssatz die mangelhafte
Erschließung ist, sollte eine stärke Fokussierung der finanziellen Mittel auf den Kleinprivat-
wald erfolgen. Nach Meinung der Privatwaldbesitzer stellt das Regelbauverfahren eine Hür-
de dar, die zahlreiche Waldbesitzer von der Beantragung einer Förderung abhält (Anhang
6.3.2). Ein Abweichen von dieser Bedingung ist aus Sicht des Evaluators aber nicht sinnvoll,
da anderenfalls die Dauerhaftigkeit der geförderten Projekte nicht gewährleistet ist und die
Gefahr besteht, dass die Interventionen nur kurzzeitig positive Wirkungen auf die Wettbe-
werbsfähigkeit der Forstbetriebe entfalten.
Empfehlungen:
Differenzierung des Förderanteils für den forstlichen Wegebau in Abhängigkeit von der
Leistungsfähigkeit der Forstbetriebe (z.B. zw. 60 % und 90 %), um die finanziellen Mittel
auf den ertragsschwachen Kleinprivatwald konzentrieren zu können.
Verkürzung des Zeitraums von der Beantragung bis zur Bewilligung sowie von der Fer-
tigstellung bis zur Auszahlung.
6.4 Teilnahme der Landwirte an Lebensmittelqualitätsregelungen (Code 132)
6.4.1 Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand
Die Maßnahme 132 fördert im Rahmen der Richtlinie LuE (Landwirtschaft und Ernährung)
126
, Teil
B die Teilnahme von Landwirten und Unternehmen der Verarbeitung und Vermarktung
127
an Le-
bensmittelqualitätsregelungen der EU wie geschützte geografische Angaben oder Ursprungsbe-
zeichnungen sowie garantiert traditionelle Spezialitäten bzw. Erzeugnisse und Lebensmittel, die
nach Gesichtspunkten des ökologische Landbaus produziert werden. Gefördert werden dabei pro
Unternehmen für einen Zeitraum von maximal fünf Jahren Aufwendungen für den Beitritt, jährliche
Beiträge sowie Kontrollen mit bis zu 3.000 EURO jährlich.
Im Hinblick auf eine mögliche Bewertung der Maßnahme 132 kann das dargelegte Indikatorensys-
tem
128
basierend auf den Vorgaben des CMEF als grundsätzlich guter Ausgangspunkt für die wei-
tere Bewertung angesehen werden.
Stand der Maßnahmendurchführung
Bislang wurde für die Maßnahme 132 kein Antrag in der entsprechenden Bewilligungsstelle vorge-
legt. Damit sind auch keine Auszahlungen bzw. Bewilligungen erfolgt.
Da es in der Maßnahme 132 bis dato noch keinen Förderfall gegeben hat, gilt es vor allem zu prü-
fen, worin die Ursache für die starke Abweichung der Anzahl tatsächlicher Förderfälle von der An-
zahl ursprünglich geplanter Förderfälle liegt. Als Gründe werden daher die Interventionslogik in
Zusammenhang mit der Ausgestaltung der Maßnahme bezüglich der Fördermittelempfänger, die
Kommunikation und Bekanntmachung der Maßnahme sowie die Schaffung und Nutzung mögli-
cher Synergien zur Tourismusförderung vertieft betrachtet.
126
Richtlinie des SMUL zur Förderung der Land- und Ernährungswirtschaft im Rahmen des Entwicklungsprogramms für den ländli-
chen Raum im Freistaat Sachsen (Förderrichtlinie Land- und Ernährungswirtschaft – RL LuE/2007), SächsAbl Jg. 2007 Bl.-Nr. 45,
S. 1495
Gkv-Nr.: 5563-V07.6 , Fassung gültig ab: 22.01.2010
127
Von in Anhang I des EG-Vertrages genannten Erzeugnissen sowie Unternehmen aus dem Fischereisektor im Rahmen der
De-
minimis
-Regelung
128
Vgl. Indikatorenübersicht zu Code 132 im Anhang 6.4

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
65
Deutschlandweit gibt es derzeit 97 bei der EU angemeldete Produkte mit geschützter geografi-
scher Angabe oder Ursprungsbezeichnung sowie garantiert traditionelle Spezialitäten, von denen
rund 24 % den reinen Primärerzeugnissen zuzuordnen sind. Bei diesen handelt es sich überwie-
gend um Erzeugnisse aus dem Obst und Gemüsebereich. Die übrigen 76 % sind weiterverarbeite-
te Produkte
129
. Sachsen steht mit bisher fünf nach VO 510/2006 geschützten Produkten hinter den
übrigen Bundesländern zurück.
Ein relevanter Wettbewerbsvorteil durch den Geoschutz der EU besteht zum einen für Unterneh-
men, die bereits überregional bekannte Spezialitäten produzieren und sich gegen potenzielle
Wettbewerber aus anderen Regionen abgrenzen möchten, zum Anderen auch für Zusammen-
schlüsse von Landwirten zur gemeinsamen Vermarktung regionaltypischer Primärprodukte. Für
eine mögliche Maßnahmenumsetzung sollte daher berücksichtigt werden, dass für einige Pro-
duktbereiche die nötigen Zusammenschlüsse in Form von Absatz- oder Verarbeitungsgemein-
schaften gerade für neue Primärerzeugnisse nur vereinzelt bestehen oder sogar ganz fehlen. Im
Jahr 2006 waren 49 Gemeinschaften
130
sächsischer Erzeuger vor allem aus den Produktbereichen
Getreide (12), Milch (4) und Fleisch (4) eingetragen.
Das Anmeldeverfahren von Produkten zum Schutz geographischer Herkunftsangaben ist in der
Regel langwierig und wird bei nicht immer klaren Nutzenerwartungen häufig als sehr Zeit- und
Ressourcenintensiv beurteilt. Diese allgemein verbreitete kritische Sichtweise stellt eine nicht un-
erhebliche Eintrittsbarriere für potenzielle Antragsteller dar.
Eine Beantragung von Fördermitteln aus der Maßnahme 132 kann erst erfolgen, wenn die Pro-
duktzertifizierung (Geoschutz und Ökozertifizierung) nach der EU-Qualitätsdefinition erfolgt ist.
Hieraus resultiert eine starke Eingrenzung des Antragstellerkreises. Mit erfolgter Eintragung des
Dresdner Stollens
131
wird sich diese Situation jedoch etwas verändern.
Für die Entwicklung von Geoschutz-Konzepten und den Aufbau geeigneter Vermarktungsstruktu-
ren besteht derzeit über den ELER die Möglichkeit im Rahmen der Maßnahmen 341 bzw. 411/413
umgesetzt über die ILE-Richtlinie gefördert zu werden. Im Grundsatz ist auch eine Förderung über
die Richtlinien Marktstrukturverbesserung
132
und Absatzförderung
133
je nach Kreis der Zuwen-
dungsempfänger möglich.
Untersucht man verschiedene Konzepte in Zusammenhang mit Qualitätsregelungen, regionalen
Marken oder landesspezifischen Gütezeichen, so zeigt sich, dass der wirtschaftliche Erfolg dieser
Zeichen meist stark von der Konzeption des Qualitätszeichens mit Zertifizierung, Transparenz und
Nachvollziehbarkeit für die Verbraucher, Kommunikation und Vermarktung der Produkte abhängt.
Zusätzlich ist die Bekanntheit der Maßnahmen unter Lebensmittelherstellern in Analogie der Maß-
nahme 124 als sehr gering einzuschätzen (vgl. Kapitel 6.2). Untersuchungen zur Bekanntheit die-
ses Maßnahmenteils unter der Zielgruppe Landwirte liegen keine vor.
6.4.2 Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen
Die Bewertungsfragen für die Maßnahme 132 beziehen sich auf die Verbesserung der Qualität
und die Transparenz des Produktionsprozesses für Verbraucher, auf den Marktzugang und den
Marktanteil und/oder den Wert von Produkten für geförderte Landwirte sowie auf die resultierende
Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit im Agrarsektor.
129
Eigene Auswertung Website der EU-KOM, DOOR-Datenbank, Stand 12.07.2010
130
Erzeugergemeinschaften nach dem Marktstrukturgesetz (EZG), Erzeugerorganisationen nach EG-Recht (EO) und Erzeugerzu-
sammenschlüsse (EZZ)
131
Bezeichnungsschutz ist beantragt für die Bezeichnungen: Dresdner Stollen, Dresdner Christstollen und Dresdner Weihnachtsstol-
len
132
Richtlinie des SMUL zur Förderung der Marktstrukturverbesserung und von Zusammenschlüssen (Förderrichtlinie Marktstruktur-
verbesserung – RL MSV/2007) SächsABl.
Jg. 2007
Bl.-Nr. 45
S. 1487
Gkv-Nr.: 5563-V07.5, Fassung gültig ab: 01.01.2010
133
Richtlinie des SMUL zur Absatzförderung der sächsischen Land- und Ernährungswirtschaft (Förderrichtlinie Absatzförderung – RL
AbsLE/2008), SächsAbl. Jg. 2008 Bl.-Nr. 8 S. 309
Gkv-Nr.: 5563-V08.3, Fassung gültig ab: 01.01.2009

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
66
In der Fachliteratur
134
sind die möglichen positiven Wirkungen der Nutzung von Lebensmittelquali-
tätsregelungen sowie die dafür zu Grunde liegenden Bedingungen hinreichend beschrieben. Eine
darüber hinausgehende Bewertung der Maßnahme kann auf Grund der nicht erfolgten Umsetzung
jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgenommen werden.
6.4.3 Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Lediglich fünf sächsische Produkte sind derzeit bei der EU mit geographischen Herkunftsangaben
oder Ursprungsbezeichnungen geschützt bzw. liegen für das Antragsverfahren bei der EU-
Kommission vor. Gefördert werden könnten daher nur Unternehmen oder Landwirte, die sich an
den bestehenden Konzepten beteiligen, sowie Landwirte, die nach EU VO 2092/1991 und
VO 807/2007 zum Ökologischen Landbau produzieren. Eine stärkere Unterstützung von neuen
gemeinsamen Verarbeitungseinrichtungen oder Absatzorganisationen für weitere (neue) Quali-
tätsprodukte ist daher empfehlenswert. In den Bereichen Fisch und Fleisch werden bereits Aktivi-
täten zur Antragstellung nach VO 510/2006 aufgenommen (z.B. Biokarpfen, Leipziger Gose)
135
.
Die in Sachsen zu Grunde liegenden regionalen Strukturen in der Landwirtschaft zeigen durchaus
Potenzial für einen weiteren Ausbau der Vermarktung von regionalen Qualitätsprodukten mit ge-
schützten geografischen Angaben oder Ursprungsbezeichnungen sowie garantiert traditionellen
Spezialitäten wie auch aus dem Bereich des ökologischen Landbaus.
Daher sollten verstärkt Aktivitäten zur Marktstrukturverbesserung in diesem Zusammenhang ge-
fördert werden. Auf diese Weise kann eine solide Basis durch Unterstützung von Investitionen und
Organisationskosten von Zusammenschlüssen von Erzeugern und / oder Verarbeitern geschaffen
werden. Die Erstellung von Vermarktungskonzepten, die mit allen Beteiligten vom Erzeuger bis
zum Vermarkter erarbeitet werden müssen, ist aktuell ebenso in keiner Maßnahme des EPLR als
förderfähig vorgesehen.
Derartige Förderangebote sind derzeit Bestandteil der landesfinanzierten RL Marktstrukturverbes-
serung. Auch Vermarktungskonzeptionen sind über diese Richtlinie förderfähig. Es wird daher eine
bessere Vernetzung der einzelnen Fördertatbestände der unterschiedlichen Richtlinien empfohlen.
Eine Zusammenlegung der Förderinhalte der Maßnahmen 132 und 133 (jetzt über die Richtlinie
LuE umgesetzt) mit der Richtlinie Marktstrukturverbesserung
132
erscheint daher sinnvoll. Damit
können die Informationen zu Fördermöglichkeiten an interessierte Gruppen oder Unternehmen
gemeinsam transportiert werden.
Die Etablierung regionaler Wertschöpfungsketten in Verbindung mit typischen regionalen Produk-
ten sollte zudem über Synergien zwischen Tourismus und Land- bzw. Ernährungswirtschaft ver-
stärkt ausgebaut werden. Die Umsetzung der Maßnahme 132 (sowie möglicherweise 133) auf re-
gionaler Ebene im Rahmen oder in Verbindung mit der ILE-Richtlinie erscheint daher als sinnvoll.
Angesichts der begrenzten potentiellen Antragsteller wird eine Förderung von „Vorleistungen“, wie
grundlegende Potenzialabschätzungen, Machbarkeitsstudien sowie beim Anmeldeverfahren von
Produkten bei der EU oder beim Aufbau von Vermarktungsstrukturen über die ILE-Richtlinie als
hilfreich angesehen
135
. Hier sollte den regionalen Spezialitäten mehr Aufmerksamkeit zugewandt
werden. Ebenso kann die Kommunikation der Gesamtheit der Maßnahmen über das ILE Regio-
nalmanagement als Möglichkeit zur Entwicklung von regionalen Produkten zusätzlich zur Be-
kanntheit und Transparenz der Förderrichtlinie beitragen.
134
Vgl. Profeta, A.; Balling, R. (2008): Horizontale und vertikale Kooperation von Produzenten geschützter Herkunftsangaben : die
Verordnung (EG) Nr. 510/06 als Klammer für ein kooperatives Marketing. - In: Berichte über Landwirtschaft, ISSN 0005-9080, Bd.
86, 2, S.346-356 oder Becker, T.: Zur Bedeutung geschützter Herkunftsangaben, Arbeitsbericht 12 Hohenheimer Agrarökonomi-
sche Arbeitsberichte, 2005. sowie Thiedig, F.: Spezialitäten mit geographischer Herkunftsangabe, Verlag Peter Lang, Frank-
furt/Main, 2004
135
Quelle: SMUL, Ref. 32, August 2010

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
67
6.5 Unterstützung von Erzeugergemeinschaften bei Informations- und Absatz-
förderungsmaßnahmen (Code 133)
6.5.1 Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand
Die Maßnahme 133 wird analog zu den Maßnahmen 124 und 132 über die Richtlinie LuE (Land-
wirtschaft und Ernährung), Teil B umgesetzt. Im Rahmen der Maßnahme 133 werden Informati-
ons- und Absatzfördermaßnahmen für Qualitätsprodukte insbesondere für die Teilnahme an Mes-
sen und Ausstellungen, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung sowie Verkaufsförderaktionen mit bis
zu 70 % der förderfähigen Aufwendungen unterstützt.
Im Hinblick auf eine mögliche Bewertung der Maßnahme 133 bildet das dargelegte Indikatoren-
system
136
basierend auf den Vorgaben des CMEF grundsätzlich eine gute Basis für die weitere
Bewertung. Zur vergleichenden Beurteilung der Wirksamkeit unterschiedlicher Maßnahmen der
Absatzförderung sollten jedoch auch die verschiedenen Informations- und Absatzförderungsmaß-
nahmen als Indikator erfasst und ausgewertet werden.
Stand der Maßnahmendurchführung
Auch für die Maßnahme 133 wurde - wie auch für die übrigen Maßnahmen für die Ernährungswirt-
schaft aus dieser Richtlinie - in den Jahren 2007 bis 2009 noch kein Antrag in zur Bewilligung vor-
gelegt. Damit sind auch keine Auszahlungen bzw. Bewilligungen erfolgt.
Da es auch in dieser Maßnahme zur Förderung der Ernährungswirtschaft noch keinen Förderfall
gegeben hat, wurde geprüft, worin die Ursache für die starke Abweichung der Anzahl tatsächlicher
Förderfälle von der Anzahl angestrebter Förderfälle liegt. Der im Rahmen der Strategie des EPLR
durch die SWOT-Analyse ermittelte Bedarf zur Förderung, sowie die durch die Interventionslogik
angestrebten positiven Wirkungen bestehen aus Sicht der Evaluatoren weiterhin.
6.5.2 Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen
Zur Bewertung der Maßnahmenwirkung sind drei maßnahmenspezifische Bewertungsfragen vor-
gesehen. In der ersten Frage soll der Maßnahmenbeitrag zur Erhöhung des Marktanteils von qua-
litativ hochwertigen Produkten ermittelt werden. Da jedoch keine Umsetzung erfolgte, liegt bisher
auch kein Wirkungsbeitrag zu den Entwicklungszielen vor. Dem entsprechend können auch zu
den weiteren Bewertungsfragen (die Unterstützung der Maßnahme zur verstärkten Wahrnehmung
qualitativ hochwertiger Produkte durch die Verbraucher sowie daraus resultierende Verbesserung
der Wettbewerbsfähigkeit im Agrarsektor) keine Aussagen gemacht werden.
6.5.3 Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Speziell für diese Maßnahme sind die Fördervoraussetzungen für Erzeuger- und Absatzgemein-
schaft der nach der Richtlinie LuE förderfähigen Erzeugnisse, mit geschützten geografischen An-
gaben oder Ursprungsbezeichnungen oder garantiert traditionellen Spezialitäten bzw. Erzeugnisse
und Lebensmittel aus ökologischem Landbau, kritisch zu betrachten. Bisher erfüllen neben den
Ökoprodukten lediglich fünf sächsische Produkte die Fördervoraussetzungen. Damit ist der Kreis
möglicher Antragsteller sehr eingeschränkt. Von den beiden sächsischen Organisationen für öko-
logische Lebensmittel wird eine (die GÄA-Sachsen) als „Branchenverband“ eingestuft und damit
grundsätzlich von der Förderung ausgeschlossen. Hier wird eine entsprechende Anpassung der
Richtlinie bzw. der Richtlinienauslegung insbesondere im Hinblick auf eine zweifelsfreie Begriffs-
definition der Erzeuger- und Absatzgemeinschaften empfohlen.
Warum jedoch auch im Biobereich seitens der Öko-Bauernhöfe Sachsen GmbH (ÖBS) keine För-
deranträge gestellt wurden, konnte auch durch Rückfrage beim potenziellen Förderantragsteller
nicht ermittelt werden.
136
Vgl. Indikatorenübersicht zu Code 133 im Anhang 6.5

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
68
Wie bereits unter Maßnahme 124 und 132 beschrieben, wird hier das wesentliche Defizit in der
sehr geringen Bekanntheit der gesamten Maßnahmen der Richtlinie LuE in der Ernährungswirt-
schaft gesehen. Eine engere Zusammenarbeit mit den ILE Regionalmanagements sollte zur Maß-
nahmenbekanntmachung auch hier erwogen werden.
6.6 Ausgleichszahlungen für naturbedingte Nachteile zugunsten von Landwirten
in Berggebieten (Code 211)
6.6.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand
Berggebiete sind Gebiete mit erschwerten natürlichen Produktionsbedingungen für die Landwirt-
schaft (Höhenlage, Hangneigung, etc.), die sich in höheren Kosten und geringeren Erträgen wi-
derspiegeln. Um die Landwirtschaft in den Berggebieten zu erhalten, wird landwirtschaftlichen Be-
trieben in Berggebieten eine Ausgleichszahlung zur Kompensation der Kostennachteile gewährt.
Die Zahlung der Prämie erfolgt differenziert nach der Nutzungsart (Grünlandnutzung und Acker-
nutzung mit Ackerfutterpflanzen, Ackernutzung) je ha im Fördergebiet liegender Fläche und muss
jährlich beantragt werden.
Die Umsetzung der Maßnahme 211 läuft gut. In den Jahren 2007 bis 2009 wurden jeweils ca. 30
Betriebe und 1.100 ha Fläche gefördert. Die Ausgaben für die Ausgleichszulage in Berggebieten
stiegen stetig von ca. 143.000 Euro im Jahr 2007 auf ca. 210.000 Euro im Jahr 2009.
6.6.2
Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen
Hinsichtlich der Bewertungsfragen liegt für die Ausgleichszulage eine Besonderheit im EPLR 2007
bis 2013 vor. Da die benachteiligten Gebiete neu abgegrenzt werden sollen, gilt bis zur erfolgten
Neuabgrenzung weiterhin die VO (EG) Nr. 1257/1999 und damit auch die Bewertungsfragen der
Förderperiode 2000 – 2006. Detaillierte Angaben zur angewandten Methodik und herangezogenen
Datenquellen können im Anhang
137
nachgelesen werden.
Bewertungsfrage 1: In welchem Umfang hat die Ausgleichszulage beigetragen zum: Aus-
gleich für natürliche Nachteile in benachteiligten Gebieten, die sich in hohen Produktions-
kosten und geringem Produktionspotenzial niederschlagen?
Aufgrund der geringen Fallzahl im Berggebiet Sachsens kann diese Bewertungsfrage zum Zeit-
punkt der Halbzeitbewertung für die Maßnahme 211 nicht beantwortet werden. Für spätere Unter-
suchungen sollte geprüft werden, ob eine Befragung der geförderten Betriebe im Berggebiet dies-
bezüglich sinnvoll erscheint. Aussagen zur Einkommenswirkung der Ausgleichzulage in den sons-
tigen benachteiligten Gebieten können dem Kapitel 6.7.2. entnommen werden.
Bewertungsfrage 2: In welchem Umfang haben die Ausgleichszahlungen zur dauerhaften
Nutzung landwirtschaftlicher Flächen beigetragen?
Die Analysen haben ergeben, dass es offenbar insgesamt einen Trend zur Flächenaufgabe im
Berggebiet gibt. Ob ohne Ausgleichszulage die Flächenaufgabe noch größer wäre, lässt sich mit
den vorliegenden Daten nicht ermitteln. Der Umfang der Flächen mit Ausgleichszulageförderung
bleibt hingegen im betrachteten Zeitraum im Berggebiet konstant.
Bewertungsfrage 3: In welchem Umfang haben die Ausgleichszahlungen zur Erhaltung ei-
ner lebensfähigen Gesellschaftsstruktur im ländlichen Raum beigetragen?
In zahlreichen Studien zu dem Thema wurde festgestellt, dass ein wesentlicher Beitrag der Aus-
gleichszulage in der Erhaltung von landwirtschaftlichen Arbeitsplätzen in den benachteiligten
137
Langversion des Kapitels 6.6 im Anhang 6.6

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
69
Gebieten besteht
138
. Stellvertretend für die Arbeitsplätze, für die aufgrund der Datenlage keine
Entwicklung abgebildet werden kann, wird die Entwicklung der Betriebszahl analysiert. Für das
Berggebiet liegen keine gesonderten Auswertungen vor, die Analysen lassen aber vermuten, dass
der Rückgang der Betriebe dort nicht stärker ist als in den sonstigen benachteiligten Gebieten.
Bewertungsfrage 4: In welchem Umfang hat die Regelung zum Schutz der Umwelt beige-
tragen, durch Erhaltung und Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft, die den Belan-
gen des Umweltschutzes in den benachteiligten Gebieten Rechnung trägt?
Für die Beantwortung dieser Bewertungsfrage muss auf das Kapitel 6.7.2. verwiesen werden, da
keine gesonderten Daten für das Berggebiet ermittelt werden konnten.
6.6.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Schlussfolgerungen und Empfehlungen werden in Kapitel 6.8.3 gemeinsam mit den Empfehlungen
für Maßnahme 212 dargestellt.
6.7 Ausgleichszahlungen für naturbedingte Nachteile zugunsten von Landwirten
in benachteiligten Gebieten außerhalb von Berggebieten (Code 212)
6.7.1
Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand
Benachteiligte Gebiete außerhalb der Berggebiete sind durch schlechte natürliche Produktions-
voraussetzungen, vor allem ein geringes Ertragspotential der Böden, gekennzeichnet. Die
schlechten Produktionsbedingungen können sich in höheren Kosten und geringeren Erträgen nie-
derschlagen und zu einer verstärkten Aufgabe der Landwirtschaft führen. Um die Landwirtschaft in
den benachteiligten Gebieten aufrecht zu erhalten und die Kostenunterschiede zur den nicht be-
nachteiligten Gebieten auszugleichen wird Landwirten für jeden Hektar bewirtschafteter Fläche
eine Ausgleichszulage gewährt. Die Prämie wird dabei nach Futterverwertung (Grünland / Acker-
futter) und sonstiges Ackerland und Erschwernis (LVZ-Staffelung) differenziert. Die Förderung ist
jährlich zu beantragen.
Für die Maßnahme 212 werden in den Jahren 2007 bis 2009 jeweils ca. 2.450 Betriebe gefördert.
Das Output-Ziel für geförderte Betriebe wird somit erreicht. Die geförderten Flächen liegen jeweils
bei ca. 240.000 ha. Der Zielerreichungsgrad liegt damit bei 93 % und ist sehr hoch.
139
6.7.2
Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen
Anmerkungen zur Herkunft der Bewertungsfragen und Aussagen zu Daten und Datenquellen kön-
nen unter 6.6.2. nachgelesen werden.
Bewertungsfrage 1: In welchem Umfang hat die Ausgleichszulage beigetragen zum: Aus-
gleich für natürliche Nachteile in benachteiligten Gebieten, die sich in hohen Produktions-
kosten und geringem Produktionspotenzial niederschlagen?
Bevor die nach der VO 1257/99 geforderten Indikatoren abgebildet werden, soll der entsprechen-
de im ELER genannte Ergebnisindikator „Einkommensentwicklung in landwirtschaftlichen Betrie-
ben benachteiligter Gebiete gesamt (Anteil am ordentliches Ergebnis (+ Personalaufwand))“ be-
trachtet werden. Die Auswertung der Testbetriebe zeigt, dass der Anteil der Ausgleichszulage am
Einkommen der Betriebe im benachteiligten Gebiet im Wirtschaftsjahr 2007/2008 bei 6,8 % liegt.
Im Wirtschaftsjahr 2008/2009 beträgt der Anteil 8,6 %. Der angestrebte Zielwert von 15 % wird
138
Vgl. u. a.: Plankl, R.; Pohl, C. (2009): Ex-Post-Bewertung der Ausgleichszulage in benachteiligten Gebieten (2000 – 2006) – Sach-
sen, Institut für Ländliche Räume, Johann Heinrich von Thünen-Institut, Braunschweig UND Rudow, K. (2009): Wirkungen der För-
derung in benachteiligten Gebieten am Beispiel der Ausgleichszulage in: Rolle der Landwirtschaft in benachteiligten Regionen, Ta-
gungsband der 19. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Agrarökonomie, Innsbruck
139
Langversion des Kapitels 6.7 im Anhang 6.7

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
70
somit nicht erreicht. Für das WJ 2009/2010 liegen noch keine Daten vor, insofern kann nicht ermit-
telt werden, wie sich die Prämienerhöhung aus dem Jahr 2009 auf die Ergebnisse auswirkt.
Indikatoren nach der VO 1257/99:
Die VO 1257/99 sieht zwei Indikatoren für die Ermittlung der Wirkung der Ausgleichszulage auf
das Einkommen der Betriebe in den benachteiligten Gebieten vor, wobei sich der erste (a) auf den
Durchschnitt der Betriebe in den benachteiligten Gebieten bezieht und zweite (b) eine Analyse je-
des einzelnen Betriebs vornimmt.
a) Beitrag der Ausgleichszulage zur Kompensation der Einkommensnachteile bzw. –verluste
(Durchschnittsbetrachtung)
Die Kompensationswirkung der Ausgleichszulage ist für den Durchschnitt der Betriebe recht ge-
ring. Sie schwankt zwischen den Wirtschaftjahren 07/08 und 08/09 je nach Berechnungsgrundlage
zwischen 34 % und 13 %. Nähere Ausführungen, u.a. zu den Berechnungen, können dem Anhang
entnommen werden.
b) Beitrag der Ausgleichszulage zur Kompensation der Einkommensnachteile bzw. –verluste
(Einzelbetrachtung der Betriebe)
Nach der Durchschnittsbetrachtung unter a) wird im Folgenden für jeden einzelnen untersuchten
Betrieb in den benachteiligten Gebieten ermittelt, in wie weit seine Einkommensnachteile gegen-
über dem Durchschnitt der Betriebe im nicht benachteiligten Gebiet durch die Ausgleichszulage
ausgeglichen werden. Anschließend werden die Betriebe entsprechend ihrer Kompensation grup-
piert. Die Auswertungen zeigen, dass jeweils bei mindestens zwei Drittel der Betriebe der Ein-
kommensausgleich durch die Ausgleichszulage nur bis zu 50 % beträgt. Dies bestätigt auch die
relativ geringe durchschnittliche Kompensation, die unter a) ermittelt wurde. Insgesamt kann man
also feststellen, dass der Beitrag der Ausgleichszulage zum Ausgleich der Produktionsnachteile
gegenüber den nicht benachteiligten Gebieten für den Großteil der Betriebe eher gering ist.
Bewertungsfrage 2: In welchem Umfang haben die Ausgleichszahlungen zur dauerhaften
Nutzung landwirtschaftlicher Flächen beigetragen?
Die Auswertungen zeigen, dass der Rückgang der LF in den benachteiligten Gebieten stärker
ausgeprägt ist als in den nicht benachteiligten Gebieten. Besonders von dem Flächenrückgang
betroffen ist das Grünland. Genauere Darstellungen für die Gründe finden sich im Anhang. Aller-
dings muss im Zusammenhang mit der Flächenentwicklung auch angemerkt werden, dass der
Umfang der bewirtschafteten Flächen die mit Ausgleichszulage gefördert werden, konstant geblie-
ben ist, d.h. die Ausgleichszulage wirkt auf den Flächen, auf denen zu angewendet wird, erfolg-
reich gegen die Bewirtschaftungsaufgabe.
Bewertungsfrage 3: In welchem Umfang haben die Ausgleichszahlungen zur Erhaltung ei-
ner lebensfähigen Gesellschaftsstruktur im ländlichen Raum beigetragen?
Wie bereits erwähnt, liegt ein wesentlicher Beitrag der Ausgleichszulage in der Erhaltung von
landwirtschaftlichen Arbeitsplätzen in den benachteiligten Gebieten. Eine Analyse der Anzahl der
landwirtschaftlichen Betriebe als potenzielle Arbeitsgeber in den benachteiligten Gebieten zeigt,
dass der Rückgang der Betriebe zwischen 2007 und 2009 in den benachteiligten Gebieten stärker
ausgeprägt als in den nicht benachteiligten Gebieten. Neben der Gelegenheit, überhaupt einen
Erwerb in der Landwirtschaft zu finden, spielt auch die Frage der Höhe der Einkommensmöglich-
keiten in diesem Sektor eine Rolle. Am Beispiel der Testbetriebe zeigt sich, dass der Personal-
aufwand
140
in den benachteiligten Gebieten geringer ist als in den nicht benachteiligten Gebieten.
Insgesamt besteht eine Einkommenslücke zum außerlandwirtschaftlichen Sektor.
Die genaue Wirkung der Ausgleichszulage auf die lebensfähige Gesellschaftsstruktur kann auf-
grund der Datenverfügbarkeit zum Zeitpunkt der Halbzeitbewertung nicht ermittelt werden. Fest
steht jedoch, dass die Zahlung einen Beitrag zum Ausgleich der Einkommensunterschiede
140
Der Personalaufwand entspricht dem Arbeitgeberbrutto, d.h. die Bruttogehälter der Angestellten sind entsprechend den Arbeitge-
beranteilen zur Sozialversicherung geringer.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
71
zwischen benachteiligten und nicht benachteiligten Gebieten beiträgt. Ohne die Ausgleichszulage
wäre vermutlich der Rückstand der in der Landwirtschaft bestehenden Einkommensmöglichkeiten
im benachteiligten Gebiet noch größer.
Bewertungsfrage 4: In welchem Umfang hat die Regelung zum Schutz der Umwelt beige-
tragen, durch Erhaltung und Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft, die den Belan-
gen des Umweltschutzes in den benachteiligten Gebieten Rechnung trägt?
Indikatoren nach der VO 1257/99:
Die Analyse zeigt, dass gemäß Definition
141
in den benachteiligten Gebieten umweltfreundlicher
gewirtschaftet wird als in den nicht benachteiligten Gebieten. Ein deutlicher Einfluss der Aus-
gleichszulage lässt sich hieraus jedoch nicht ableiten.
Programmindikator: Förderflächen, die dazu beitragen, Marginalisierung zu verhindern.
Gemäß der Interventionslogik besteht ein Beitrag der Ausgleichszulage darin, in den benachteilig-
ten Gebieten Flächen in der Bewirtschaftung zu halten, die ohne die Förderung brach fallen wür-
den. Mit den vorliegenden Daten lässt sich nicht konkret ermitteln, welche Flächen ohne die För-
derung aufgegeben werden würden. Die Ausgleichszulage trägt jedoch dazu bei, die Einkom-
mensunterschiede zwischen den benachteiligten und den nicht benachteiligten Gebieten aus-
zugleichen und somit die flächendeckende Bewirtschaftung auf den geförderten Flächen zu erhal-
ten. Da für Flächen, die aus der Produktion genommen wurden und auf denen nur Mindestpflege-
maßnahmen entsprechend der Cross Compliance Vorschriften stattfinden keine Ausgleichszulage
gewährt wird, ist auch gewährleistet, dass auf den mit Ausgleichszulage geförderten Flächen wei-
terhin eine landwirtschaftliche Bewirtschaftung stattfindet und somit einer Marginalisierung dieser
Flächen entgegen gewirkt wird.
6.7.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Schlussfolgerungen und Empfehlungen werden in Kapitel 6.8.3 gemeinsam mit den Empfehlungen
für Maßnahme 212 dargestellt.
6.8 Zusammenfassende Bewertung der Ausgleichszahlungen
(Code 211 und Code 212)
6.8.1
Umsetzungsstand
In den Jahren 2007 bis 2009 wurden jährlich zwischen 2.463 Betrieben im Jahr 2007 und
2.572 Betriebe im Jahr 2009 mit Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete gefördert. Die geför-
derten Flächen liegen jährlich bei ca. 240.000 ha.
142
6.8.2
Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen
An dieser Stelle werden noch einmal kurz die Ergebnisse für die Beantwortung der einzelnen Be-
wertungsfragen für beide Gebietskategorien zusammen dargestellt.
Bewertungsfrage 1: In welchem Umfang hat die Ausgleichszulage beigetragen zum: Aus-
gleich für natürliche Nachteile in benachteiligten Gebieten, die sich in hohen Produktions-
kosten und geringem Produktionspotenzial niederschlagen?
141
„Umweltfreundliche Wirtschaftsweise“ wird in diesem Zusammenhang als Anwendung von Agrarumweltmaßnahmen definiert. Vgl.
dazu auch Langversion des Kapitels 6.7 Bewertungsfrage 4 im Anhang
142
Langversion des Kapitels 6.8 im Anhang 6.8

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
72
Die Analysen haben ergeben, dass Einkommensunterschiede zwischen den benachteiligten und
den nicht benachteiligten Gebieten bestehen. Die Ausgleichszulage gleicht diese Einkommensun-
terschiede teilweise aus. Für viele Betriebe ist der Ausgleich jedoch sehr gering.
Bewertungsfrage 2: In welchem Umfang haben die Ausgleichszahlungen zur dauerhaften
Nutzung landwirtschaftlicher Flächen beigetragen?
Die Untersuchungen der Flächenentwicklung haben gezeigt, dass sich zwischen 2007 und 2009 in
den benachteiligten Gebieten die landwirtschaftlich genutzte Fläche reduziert hat, während sie in
den Gebieten außerhalb der benachteiligten Gebiete eher konstant geblieben ist. Insbesondere
Grünlandflächen waren von dem Flächenrückgang betroffen. Gründe hierfür werden im Anhang
beschrieben. Gleichzeitig bleibt der Umfang der geförderten Flächen in den untersuchten Jahren
konstant. Dies gilt auch für Grünland.
Bewertungsfrage 3: In welchem Umfang haben die Ausgleichszahlungen zur Erhaltung ei-
ner lebensfähigen Gesellschaftsstruktur im ländlichen Raum beigetragen?
Die Analysen zu dieser Bewertungsfrage beziehen sich vor allem auf die Entwicklung der landwirt-
schaftlichen Betriebe und Einkommensmöglichkeiten in der Landwirtschaft. Es hat sich gezeigt,
dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in den benachteiligten Gebieten stärker zurückge-
gangen ist als in den nicht benachteiligten Gebieten. Die Auswertungen zeigen weiterhin, dass die
Einkommensmöglichkeiten in der Landwirtschaft hinter den Einkommensmöglichkeiten außerhalb
zurück bleiben. Dies betrifft insbesondere die benachteiligten Gebiete.
Bewertungsfrage 4: In welchem Umfang hat die Regelung zum Schutz der Umwelt beige-
tragen, durch Erhaltung und Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft, die den Belan-
gen des Umweltschutzes in den benachteiligten Gebieten Rechnung trägt?
Die Auswertung der Indikatoren nach der VO 1257/99 hat gezeigt, dass der Anteil der umwelt-
freundlich bewirtschafteten LF in den benachteiligten Gebieten höher ist als in den nicht benach-
teiligten Gebieten. Außerdem tragen alle Förderflächen dazu bei, Marginalisierung in den benach-
teiligten Gebieten zu verhindern.
6.8.3
Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete zeichnet sich in Sachsen durch eine sehr hohe
Akzeptanz unter den Betrieben in den benachteiligten Gebieten aus. Die Analyse der Wirkung der
Ausgleichszulage hat ergeben, dass die Förderung in den untersuchten Jahren (WJ 2007/08 und
2008/09) dazu beiträgt, die Einkommensdifferenzen zwischen benachteiligten und nicht benachtei-
ligten Gebieten auszugleichen. Für den Großteil der Betriebe ist dieser Ausgleich jedoch eher ge-
ring. Die Auswertungen haben auch gezeigt, dass zwischen 2007 und 2009 der Rückgang der LF
und der landwirtschaftlichen Betriebe in den benachteiligten Gebieten etwas stärker ist als in den
nicht benachteiligten Vergleichsgebieten, der Umfang der landwirtschaftlich genutzten Flächen mit
Ausgleichszulageförderung hingegen bleibt relativ konstant. Zwar hängt die Kompensationswir-
kung der Ausgleichszulage auch immer von den jährlich variierenden klimatischen Produktionsbe-
dingungen und Preisschwankungen ab, vor dem Hintergrund der Ergebnisse aus 2007 bis 2009
erschien die Erhöhung der Fördersätze im Jahr 2009 eine gute Option zur Verbesserung der Ziel-
erreichung zu sein. Ob die Erhöhung ausreichend war, um den verstärkten Rückgang der LF und
der Betriebe in den benachteiligten Gebieten abzumildern, müssen Untersuchungen zu einem
späteren Zeitpunkt zeigen.
Des Weiteren ist der vergleichsweise deutliche Rückgang von Dauergrünland auffällig. Insofern ist
zu überlegen, ob nicht explizit die Fördersätze für Grünland unabhängig von den Fördersätzen für
Ackerflächen angehoben werden.
Die Tatsache, dass alle geförderten Flächen auch zu dem Ziel der Verhinderung der Marginalisie-
rung in den benachteiligten Gebieten beitragen, spricht ebenfalls dafür, die Maßnahme auf jeden
Fall beizubehalten.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
73
6.9 Agrarumweltmaßnahmen (Code 214)
6.9.1 Kurzbeschreibung der Maßnahme und Umsetzungsstand
Die Agrarumweltmaßnahmen sind gegliedert in die
Maßnahmebereiche A
(stoffeintragsminimie-
rende Maßnahmen) und
B
(Extensive Gründlandbewirtschaftung, naturschutzgerechte Gründ-
landbewirtschaftung und Pflege/naturschutzgerechte Bewirtschaftung und Gestaltung von Acker-
flächen), die sich im Hinblick auf Zielsetzung bzw. Zielschutzgüter, finanzielle Ausstattung, Förder-
sätze, Gebietskulisse und weitere Zuwendungsvoraussetzungen wesentlich unterscheiden. Die
Fördergegenstände im Maßnahmebereich A zielen auf die Verminderung von Erosion und Stoff-
einträgen in Grund- und Oberflächenwasserkörper und damit primär auf die Verbesserung der
Schutzgüter Boden und Wasser. Mit der dritten Programmänderung steht – verbunden mit Flä-
chenausweitungen, Erweiterung der Förderkulisse und zwei neuen Fördergegenständen – ver-
stärkt auch der Klimaschutz im Fokus dieses Maßnahmebereiches. Bei Fördergegenständen
Maßnahmebereich B zur naturschutzgerechten Grünlandbewirtschaftung und Pflege (B.2) sowie
zur naturschutzgerechten Bewirtschaftung und Gestaltung von Ackerflächen (B.3) steht der Erhalt
der Biologischen Vielfalt im Vordergrund. Im Rahmen des Health Check wird ab 2010 auch hier
ein neuer Fördergegenstand eingeführt, der dem Gewässerschutz dienen soll.
Viele Maßnahmen - vor allem im Maßnahmebereich der stoffeintragsminimierenden Maßnahmen -
wurden
in vergleichbarer Form bereits mit dem Programm „Umweltgerechte Landwirtschaft
(UL)“
des vorangegangenen Förderzeitraums gefördert. Änderungen bestehen in der Einführung
von Gebietskulissen (die z.T. ab 2010 wieder erweitert wurden) und weiterer Zuwendungsvoraus-
setzungen sowie bei den Förderprämien. Neu bzw. in weit differenzierterer Form als im Programm
UL (bzw. im Teilprogramm NAK) werden Maßnahmen zur naturschutzgerechten Bewirtschaftung
und Gestaltung von Ackerflächen (B.3) angeboten.
Das für Agrarumweltmaßnahmen vorgesehene
Budget
zeigt deren Bedeutung im EPLR: Mit etwa
230,8 Mio. EURO sind 18 % des Gesamtplafonds an öffentlichen Mitteln und mehr als die Hälfte
der Mittel im Schwerpunkt 2 für die Maßnahme 214 vorgesehen.
143
Stand der Maßnahmendurchführung
144
Darstellung und Bewertung der Inanspruchnahme der finanziellen Mittel
Nachdem 2008 erste Fördermittel in Höhe von 5,13 Mio. EURO ausschließlich für neue Maßnah-
men im Bereich214 B gezahlt wurden, betragen die Ausgaben bis Ende 2009 15,38 Mio. EURO.
Davon entfallen 11,35 Mio. EURO auf Maßnahmen im Maßnahmebereich B und 4,02 Mio. EURO
auf stoffeintragsminimierende Maßnahmen (A), für die erstmals 2009 Fördermittel ausgezahlt
wurden. Bis einschließlich 2008 waren potenzielle Förderflächen durch fünfjährige Altverpflichtun-
gen aus dem vorherigen Agrarumweltprogramm UL nach Richtlinie 73/2000 noch gebunden. Für
Altverpflichtungen wurden noch 57,76 Mio. EURO verausgabt. Insgesamt sind damit bereits 32 %
des vorgesehenen Budgets ausgeschöpft.
Darstellung und Bewertung des Maßnahmespezifischen Outputs und der Ergebnisse
Durch das Anlaufen der A-Maßnahmen (s.o.) hat sich die Förderfläche 2008 auf insgesamt ca.
116.000 ha
145
(Bruttofläche) erheblich vergrößert und 2009 auf insgesamt ca. 193.000 ha
146
weiter
143
Ausführliche Langversion des Kapitels 6.9 im Anhang zu 6.9
144
Zur Beschreibung und Einschätzung des Umsetzungsstandes und der Wirkung der Agrarumweltmaßnahmen werden im Folgenden
nicht nur Antragsdaten 2008 bzw. Auszahlungsdaten 2009 (Förderflächen, die 2008 beantragt und entsprechend bewirtschaftet
wurden und für die 2009 Auszahlungen erfolgten), sondern auch Antragsdaten 2009 (Flächen die 2009 beantragt und entsprechend
bewirtschaftet wurden) betrachtet. Flächenbezogene Daten liegen
nur
für Antragsdaten vor, die darüber hinaus den aktuellsten
Stand der Teilnahme zeigen (Der Vergleich der 2008 beantragten Förderflächen mit den Förderflächen, für die 2009 tatsächlich
Auszahlungen erfolgten, zeigt, dass keine gravierenden Abweichungen - z.B. durch zurückgezogene Anträge – vorliegen; die Ab-
weichung liegt im Durchschnitt bei nur 1% und maximal bei 7% für einzelne Fördergegenstände mit geringem Flächenumfang
(siehe Anhang).

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
74
ausgedehnt. Das Flächenziel ist damit 2008 zu 54 % und 2009 zu 91 % erfüllt. Die Zielerrei-
chungsgrade für die einzelnen Fördergegenstände sind jedoch sehr unterschiedlich. Bei einigen
Maßnahmen entspricht die Teilnahme bereits den Erwartungen oder übertrifft diese sogar
147
, an-
dere Maßnahmen konnten erst in geringem Umfang umgesetzt werden (vgl. Abbildung 18).
Den größten Flächenanteil hat die Maßnahme A.3 (konservierende Bodenbearbeitung), für die das
Flächenziel bereits bei weitem übertroffen wurde. Für die nach A.3 im Hinblick auf das Flächenziel
an zweiter Stelle stehende Maßnahme A.1 (Zwischenfruchtanbau) bleibt der Zielerfüllungsgrad
von nur 38 % bisher hinter den Erwartungen zurück. Die flächenmäßig kleine Maßnahme A.4 (Bio-
technische Maßnahmen im Obst-/Weinbau) liegt bereits weit über dem Ziel, während die Maß-
nahme A.2 (Untersaaten) bisher nur in sehr geringem Umfang (6 % Zielerfüllung) in Anspruch ge-
nommen wurde.
Einen Zuwachs zeigen die 2009 gestellten Anträge auch für den Maßnahmebereich B, nachdem
die Teilnahme hier in den ersten beiden Programmjahren sehr zögerlich angelaufen war. Bei
Maßnahmen zur extensiven Grünlandbewirtschaftung (B.1) liegt der Zielerreichungsgrad bei 82 %.
Die Maßnahmen zur Förderung naturschutzgerechter Gründlandbewirtschaftung und Pflege (B.2)
und naturschutzgerechter Bewirtschaftung und Gestaltung von Ackerflächen (B.3) sind auf 67 %
bzw. 54 % der jeweils angestrebten Fläche umgesetzt.
Abbildung 18: Förderflächen mit Agrarumweltmaßnahmen und Zielbezug
40.000
3.000
70.000
300
34.000
36.400
4.500
166
155
15.071
178
122.356
821
27.874
24.402
2.435
ha
20.000 ha
40.000 ha
60.000 ha
80.000 ha
100.000 ha
120.000 ha
140.000 ha
A.1
A.2
A.3
A.4
B.1
B.2
B.3
Antragstellung 2008
(Flächen, für die 2009 Auszahlungen erfolgten)
Antragstellung 2009
(Flächen, die 2009 beantragt wurden)
Ziel
Quelle: Eigene Darstellung (Datenquelle: SID, Lichtenwalde; ELER-Basisdatenbank / Datenbank AUM)
145
Der Wert wurde aus 2008 beantragten Förderflächen, für die 2009 Auszahlungen erfolgten (ELER-Basisdatenbank des SID, Lich-
tenwalde) berechnet und weicht von dem in der Monitoringtabelle (O.214) angegebenen Wert ab. Hier sind nur Förderflächen be-
rücksichtigt, für die im Jahr 2009 Auszahlungen erfolgten (Flächen, die bereits 2008 gefördert wurden, sind weiterhin enthalten, weil
der Verpflichtungszeitraum mindestens fünf Jahre beträgt und Auszahlungen jährlich erfolgen).
146
Antragstellung 2009 (Förderflächen, die 2009 beantragt wurden); Datenquelle: SID, Lichtenwalde: Datenbank AUM
147
Dies gilt insbesondere für Maßnahme A.3. Die flächenmäßige Zielüberschreitung ist hier u.a. durch die vorsichtig eingeschätzte der
Bereitschaft zur dauerhaften Anwendung der Maßnahme begründet.
A.1 Ansaat von Zwischenfrüchten
B.1
Extensive Grünlandwirtschaft
A.2 Untersaaten
B.2
Naturschutzgerechte Grünlandbewirt-
schaftung und Pflege
A.3 Dauerhaft konservierende Bodenbearbeitung/Direktsaat
im Frühjahr/Herbst
A.4 Biotechnische Maßnahme (im Obst- und Weinbau)
B.3
Naturschutzgerechte Bewirtschaftung
und Gestaltung von Ackerflächen

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
75
6.9.2 Beantwortung der maßnahmespezifischen Bewertungsfragen
Zur Beantwortung der maßnahmespezifischen Fragen werden in erster Linie Ergebnisse aus dem
Bericht zur fachlichen Begleitung
148
herangezogen: Neben ausführlichen Ergebnissen für ge-
meinsame und programmspezifische Indikatoren auf Basis von Geländerhebungen und Modellie-
rungen enthält der Bericht auch Hinweise zum Einfluss der Maßnahmen auf den landwirtschaftli-
chen Ertrag. Die vorliegenden Ergebnisse für Indikatoren beziehen sich auf Förderflächen im Jahr
2008. Soweit fachlich vertretbar, werden diese auf die Antragsflächen des Jahres 2009 hochge-
rechnet, um eine Einschätzung der Wirkungen des weitaus höheren Flächenumfangs bis zum En-
de des Jahres 2009 zu ermöglichen (zur fachlichen Begleitung siehe auch Kapitel 7.2.4).
Daneben werden
Literaturauswertungen
herangezogen, wo Indikatoren nicht quantifiziert wer-
den können oder um die Ergebnisse aus der fachlichen Begleitung in bestimmten Bereichen zu
ergänzen (die fachliche Begleitung fokussiert in ihren Untersuchungen jeweils nur den Förderge-
genstand mit entsprechender primärer Zielsetzung bzw. der potenziell höchsten Wirkungsintensi-
tät auf einen einzelnen Indikator
149
).
Zuordnung der Ziel- bzw. Wirkungsbeiträge der Fördergegenstände
Zur Beantwortung der Bewertungsfragen werden in erster Linie die Fördergegenstände betrachtet,
für die im EPLR entsprechende Wirkungen und Ziele dargelegt sind. Von vielen Fördergegenstän-
den gehen darüber hinaus weitere (Sekundär-)Wirkungen aus
149,150
(vgl. Tabelle 8). Aus der Zu-
ordnung der angestrebten und zu erwartenden Wirkungsbeiträge der einzelnen Fördergegenstän-
de zu den Schutzgütern bzw. maßnahmenspezifischen Bewertungsfragen ergibt sich, welche För-
dergegenstände zur Beantwortung jeweils analysiert werden und in welcher Form die Einschät-
zung erfolgt. Während primäre Ziele durch Indikatoren auf Basis der Ergebnisse der fachlichen
Begleitung in gewissem Umfang quantifiziert werden können, müssen sekundäre oder lageabhän-
gige Wirkungen qualitativ oder mit Hilfe von Analogieschlüssen eingeschätzt werden.
Im Anhang 6.9 sind die Antworten zu den Teilen der Bewertungsfragen weiter ausgeführt. Dort
finden sich auch Übersichten zu den Indikatoren, den Wirkungsbeiträgen der Fördergegenstände
sowie für jeden Fördergegenstand ein Blatt zur Akzeptanz, Wirkung sowie mit Empfehlungen zur
Verbesserung der Wirkung.
148
LfULG (2010): Bericht zur laufenden Bewertung EPLR - Teil Agrarumweltmaßnahmen AuW – Berichtsjahr 2009
149
z.B. konzentrieren sich die Untersuchungen zur Verminderung von Stickstoffausträgen auf den Fördergegenstand A.1; Wirkungen
gehen darüber hinaus aber auch von A.2, A.3 und Maßnahmen im Bereich 214 B aus
150
Quantifizierte Ziele und damit die Möglichkeit, Zielerreichungsgrade festzustellen, sieht das EPLR in der Regel nur für die primären
Ziele der Fördergegenstände vor. Auch die Fachliche Begleitung konzentriert sich darauf. Da jedoch auf Programmebene ohnehin
die Gesamtheit der Umweltwirkungen einzuschätzen ist, erscheint eine weitgehende Erfassung sekundärer oder „Neben“wirkungen
bereits auf der Ebene der Agrarumweltmaßnahmen sinnvoll.

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
76
Eigene Darstellung
Tabelle 8: Ziele und angenommene Wirkungen der Fördergegenstände
Wasser
Klima
Boden
Bio-
Land-
Fördergegenstände
Eros.-
schutz
HW-
Verm.
diver-
sität
schaft
A.1
Ansaat Zwischenfrüchte
v
v
v
v
x
A.2
Untersaaten
v
v
v
v
A.3
dauerhaft konser-
A.3.1
im Herbst
v
v
v
v
vier. Bodenbear-
beit. / Direktsaat
A.3.2
im Frühjahr
v
v
v
v
A.4
Biotechn. Maßnahmen im Obstbau und Weinbau
v
v
v
x
A.5 HC: Anlage von Grünstreifen im Ackerland
v
v
v
v
o
x
A.6 HC: bodenschonender Ackerfutterbau
v
v
v
v
B.1
Extensive Grün-
B.1.1
Extensive Weide
v
v
v
o
landewirtschaf-
tung
B.1.2
Extensive Wiese
v
v
v
o
B.2
B.2.1 Wiesennutzung
mit Dün-
gungsverzicht vor 1. Nutz.
x
x
x
v
x
B.2.2
- Düngungsverzicht
x
x
x
v
x
B.2.3
- Düngungsverzicht
- Aushagerung
x
x
x
v
x
B.2.4
- Düngungsverzicht
- Nutzungspause
x
x
x
v
x
B.2.5 Beweidung
mit
später Erstnutzung
x
v
x
B.2.6
- Hutung mit Scha-
fen/Ziegen
x
v
x
Naturschutzge-
rechte Grünland-
bewirtschaftung
und Pflege
B.2.7
Brachflächen/-streifen im
Grünland
x
v
x
B.3
B.3.1
Einschränkung PSM, Vor-
gaben Kulturen
x
x
v
x
B.3.2
Überwinternde
Stoppel
x
x
x
v
x
B.3.3
Bearbeitungspause im
Frühjahr
x
v
Naturschutzge-
rechte
Bewirtschaftung
und Gestaltung
von Ackerflächen
B.3.4
Anlage Brachflächen/-
streifen (a,b,c,
d=HC
)
x
x
x
v
x
B.4 HC: Umwandlung von Acker in Dauergrünland
v
v
v
v
v
x
v
Ziel in Maßnahmenbeschreibung enthalten; Fördergegenstand geht in Ergebnisindikator (R6) oder
(für Ziel Hochwasserschutz) in spezifischen Ergebnisindikator ("Geschätzte Erhöhung des Wasserrückhaltes") ein.
v
Ziel in Maßnahmenbeschreibung enthalten, aber Fördergegenstand geht nicht in Ergebnisindikator (R6) ein.
HC
neue Health Check-Maßnahme
weitere mögliche (Sekundär-)Wirkungen
x
Wirkung zu vermuten - ggf. lageabhängig -> qualitative Einschätzung, ggf. Quantifizierung mit Analogieschlüssen
geringfügige oder langfristige Wirkung zu vermuten -> qualitative Einschätzung
o
Ziel in Maßnahmenbeschreibung genannt, aber es gibt keinen Indikator -> qualitative Einschätzung

Bericht zur Halbzeitbewertung des
EPLR im Freistaat Sachsen 2007 - 2013
77
Bewertungsfrage 1: Inwieweit haben Agrarumweltmaßnahmen zum Erhalt oder zur Förde-
rung nachhaltiger Agrarsysteme beigetragen?
„Nachhaltige Agrarsysteme“ werden im Folgenden verstanden als Konzentrationsbereiche von
Bewirtschaftungsformen, die sich aufgrund ihrer strukturell-betrieblichen Merkmale oder funktiona-
len Beziehungen von anderen Agrarsystemen dadurch unterscheiden, dass sie Umwelt und Land-
schaft deutlich weniger nachhaltig durch Nährstoffeintrag, Biodiversitätsverlust oder andere Ein-
wirkungen belasten. Zur Beantwortung der Bewertungsfrage lässt sich
kein CMEF-Indikator
di-
rekt heranziehen.
Aus diesem Blickwinkel ist die dauerhaft konservierende Bodenbearbeitung (
A.3
) als nachhaltiges
Agrarsystem anzusehen. Sie führt nach einer Umstellungsphase zu einer pfluglosen Bewirtschaf-
tung mit einem spezifischen Pflanzenschutz-Management und eigenen Geräten, z.B. für die Di-
rektsaat. Über die Stabilisierung der Aggregate im Oberboden wird die Erosion nachhaltig verrin-
gert. 438 Betriebe (6 % der sächsischen landwirtschaftlichen Betriebe) mit über 120.000 ha (17 %
der sächsischen Ackerfläche, Anträge 2009) sind in die Förderung eingebunden. In einigen Berei-
chen des mittelsächsischen Lössgebiets auf ertragreichen Böden im Norden und Westen von
Chemnitz wird diese pfluglose Bewirtschaftungsform auf großen Teilen der Ackerfläche ange-
wandt. Wie unter Frage 4 dargelegt, gibt es Hinweise darauf, dass nicht nur die „einfache“ konser-
vierende Bodenbearbeitung aus der vorangegangenen Förderperiode auch ohne Förderung fort-
gesetzt wird, sondern auch die „dauerhafte“ vermutlich nicht wieder aufgegeben würde. Damit hät-
te die Förderung zur Einführung eines nachhaltigen Agrarsystems beigetragen.
Die Förderung der extensiven Grünlandwirtschaft (
B.1
) erfasst mit der gesamtbetrieblichen Be-
schränkung von Viehbesatz und Wirtschaftsdüngeranfall Betriebe in einem relativ nachhaltigen
Agrarsystem. Auch wenn grundsätzlich die Möglichkeit besteht Wirtschaftsdünger zuzukaufen,
bleibt der Stickstoffkreislauf auf den Flächen dieser Betriebe weitgehend geschlossen. Die Förde-
rung erfasst 593 bzw. 9 % aller Betriebe (Anträge 2009). Die Hütehaltung (
B.2.6
) wird zwar nur
von fünf Betrieben auf insgesamt 2.400 ha gefördert, bildet aber in den Heidelandschaften ein re-
lativ abgeschlossenes und gerade im Hinblick auf Stoffeintrag und Erhaltung der Biodiversität ein
sehr nachhaltiges Agrarsystem.
Die bio-technischen Maßnahmen im Obstbau (
A.4
), die mit einer erheblichen Verringerung des
Pflanzenschutzmitteleinsatzes verbunden sind, haben bereits einen sehr hohen Zuspruch. Von
einer Fortführung der Anwendung der biotechnischen Maßnahmen nach Ende der Förderperiode
und damit einer nachhaltigen Etablierung dieser Wirtschaftsweise mit geringem Pflanzenschutz-
mittelniveau ist auszugehen (u.a. vor dem Hintergrund der aktuellen Marktentwicklung; siehe auch
6.9.3 unten sowie Anhang zu 6.9.3 und Maßnahmenblatt zu A.4). Insofern ist auch dies ein Zei-
chen für Impulse aus der AUM-Förderung zu nachhaltigen Agrarsystemen im sächsischen Obst-
bau.
Ein nachhaltiges Agrarsystem bildet auch die Wiesennutzung ohne Düngung (14.000 ha in
B.2.2
und
B.2.4
) mit einer räumlichen Konzentration in den nordsächsischen Auen von Mulde und Elbe