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Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
1
INL-
PRIVATES INSTITUT FÜR NACHHALTIGE LANDBEWIRTSCHAFTUNG GmbH
Reilstraße128
06114 Halle (Saale)
Umweltbericht
zur Strategischen Umweltprüfung (SUP)
für das Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum (EPLR)
im Freistaat Sachsen 2014 bis 2020
Erarbeitet im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums
für Umwelt und Landwirtschaft
Bearbeiter:
Dr. habil. Wolfgang Heyer
Tel.: (0345) 279 879 6
Fax: (0345) 279 913 2
Mail: wolfgang.heyer@landw.uni-halle.de
Halle (S.), 21.05.2014

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
2
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ........................................................................................................................ 8
1.1 Anliegen der SUP und SUP-Pflicht ..............................................................................8
1.1.1 Juristische Grundlagen der SUP ......................................................................................... 8
1.1.2 Feststellung der SUP-Pflicht ............................................................................................... 9
1.1.3 Feststellung einer grenzübergreifenden SUP-Pflicht ........................................................ 10
1.2 Kurzdarstellung des EPLR 2014-2020 ...................................................................... 11
1.3 Untersuchungsrahmen .............................................................................................. 18
1.3.1 Untersuchungsraum und Detailgrad der Untersuchungen ................................................ 18
1.3.2 Untersuchungsrahmen und Datenquellen ......................................................................... 19
1.3.3 Methodisches Vorgehen .................................................................................................... 20
1.4 Erläuterungen zum Prozess ....................................................................................... 23
1.4.1 Verfahrensschritte und Beteiligung .................................................................................... 23
1.4.2 Scoping .............................................................................................................................. 25
1.4.3 Schwerpunktmäßige Prüfung (Abschichtung) .................................................................... 26
1.4.4 Darstellung der Ergebnisse aus der Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung und ihre
Berücksichtigung bei der Programmplanung .................................................................... 27
2. Ziele des Umweltschutzes .............................................................................................31
2.1 Darstellung wesentlicher Ziele des Umweltschutzes im Freistaat Sachsen ................ 31
2.2 Berücksichtigung der Umweltziele im EPLR ............................................................... 38
3. Merkmale der derzeitigen Umwelt und des Umweltzustands bei
Nichtdurchführung des Programms .............................................................................39
4. Analyse der Umweltauswirkungen des EPLR 2014-2020 ............................................ 46
4.1 Bewertung von Umwelteffekten.................................................................................. 46
4.1.1 Bewertungssystem ............................................................................................................. 46
4.1.2 Bewertung von Maßnahmen .............................................................................................. 47
4.1.3 Referenzsysteme und Analogien für die Bewertung .......................................................... 51
4.2 Analyse von Umweltauswirkungen auf Maßnahmeebene .......................................... 55
4.2.1 Umweltneutrale Maßnahmen ............................................................................................. 56
4.2.2 Maßnahmen ohne Bindung an eine Flächennutzung ........................................................ 56
4.2.2.1 Wissenstransfer und Informationsmaßnahmen (Art. 14)..................................62
4.2.2.2 Investition in materielle Vermögenswerte (Art. 17)..........................................64
4.2.2.3 Basisdienstleistungen und Dorferneuerung in ländlichen Gebieten (Art. 20) ......70

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
3
4.2.2.4 Unterstützung der von der örtlichen Bevölkerung betriebenen Maßnahmen zur
lokalen Entwicklung (Art. 32 ff ESI-VO in Verbindung mit Art. 42 ff ELER-VO) ..71
4.2.2.5 Zusammenarbeit (Art. 35) ...........................................................................74
4.2.3 Maßnahmen mit Flächenbindung....................................................................................... 77
4.2.3.1 Investitionen für die Entwicklung von Waldgebieten und Verbesserung der
Lebensfähigkeit von Wäldern (Art. 21) ................................................................. 81
4.2.3.2 Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (Art. 28) ..................................................... 84
4.2.3.3 Ökologischer-biologischer Landbau (Art. 29) ....................................................... 94
4.2.3.4 Zahlungen für aus naturbedingten oder anderen spezifischen Gründen
benachteiligte Gebiete (Art. 32) ........................................................................... 96
4.2.4 Schutzgut „Mensch“ ........................................................................................................... 98
4.3 Analyse von Umweltauswirkungen auf Programmebene.......................................... 100
4.4 Aussagen zu potenziell erheblichen Umweltauswirkungen des EPLR-Entwurfs und
Vorschläge zu deren Vermeidung durch mögliche Programmanpassungen ............ 107
5. Hinweise auf Schwierigkeiten bei der SUP-Erarbeitung ............................................ 108
6. Vorschläge für Überwachungsmaßnahmen zur Verhinderung negativer
Umweltauswirkungen über die Laufzeit des EPLR 2014-2020 .................................. 109
7. Nichttechnische Zusammenfassung........................................................................... 111
8. Literatur ......................................................................................................................... 120
Anhang

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
4
Verzeichnis der Abbildungen
Abb. 1: Verfahrensschritte der SUP ....................................................................................24
Abb. 2: In das Scoping-Verfahren einzubeziehende Inhalte und Arbeitsschritte ..................26
Abb. 3: Bewertungsschema für die EPLR-Maßnahmen zur Abschätzung der
voraussichtlich erheblich positiven oder negativen Umweltwirkungen ..................... 48
Verzeichnis der Tabellen
Tab. 1: Übersicht der im Freistaat Sachsen im Rahmen des EPLR von 2014-2020
vorgesehenen Maßnahmen und Teilmaßnahmen und ihre Zuordnung zu den
Unionsprioritäten nach Programmangaben .............................................................14
Tab. 2: Übersicht der im Freistaat Sachsen im Rahmen der Agrarumwelt- und
Klimamaßnahmen vorgesehenen Fördergegenstände, ihre Zuordnung zu
den Unionsprioritäten und übergeordnete Zielausrichtung des
Fördergegenstands .................................................................................................17
Tab. 3: Methodische Arbeitsschritte während der SUP–Erstellung .......................................22
Tab. 4: Übersicht der investiven Maßnahmen des EPLR 2014-2020 und Angabe
möglicher bekannter Umweltwirkung (UW) aus früheren EPLR-Maßnahmen .........53
Tab. 5: Übersicht der flächenbezogenen Maßnahmen des EPLR 2014-2020 und
Angabe möglicher bekannter Umweltwirkung aus früheren EPLR-
Maßnahmen ...........................................................................................................54
Tab. 6: Übersicht der EPLR-Maßnahmen 2014-2020, die nicht flächenbezogen sind
und sowohl investiven als auch nichtinvestiven Charakter haben können, und
Angabe möglicher bekannter Umweltwirkung aus früheren EPLR-
Maßnahmen ...........................................................................................................55
Tab. 7: Maßnahmen des EPLR und ihre Zuordnung zu den Artikeln der ELER-VO, für
die Wirkungen auf Umweltschutzgüter ausgeschlossen werden können ................56
Tab. 8: Qualitative Bewertung potenzieller Wirkungen von EPLR-Maßnahmen ohne
Flächenbindung auf Umweltschutzgüter auf der Grundlage von Kriterien und
Indikatoren ..............................................................................................................58
Tab. 9: Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme „Wissenstransfer und
Informationsmaßnahmen“ auf Umweltschutzgüter ..................................................63
Tab. 10: Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme „Investition in
materielle Vermögenswerte“ (Investitionen in Anlagen, Maschinen und
Geräte, forstliche Holzabfuhrwege) auf Umweltschutzgüter ....................................67

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
5
Tab. 11: Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme „Investition in
materielle Vermögenswerte“ (Stützmauern landwirtschaftlicher Flächen und
Biotopgestaltungs- und Artenschutzvorhaben sowie Anschaffung von
Technik und Ausstattung) auf Umweltschutzgüter ..................................................68
Tab. 12: Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme
„Basisdienstleistungen und Dorferneuerung in ländlichen Gebieten“ auf
Umweltschutzgüter .................................................................................................70
Tab. 13: Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme „Unterstützung der
lokalen Entwicklung durch ESI-Fonds“ auf Umweltschutzgüter ...............................73
Tab. 14: Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme „Zusammenarbeit“
auf Umweltschutzgüter ...........................................................................................76
Tab. 15: Qualitative Bewertung potenzieller Wirkungen von EPLR-Maßnahmen mit
Flächenbindung auf Umweltschutzgüter auf der Grundlage von Kriterien und
Indikatoren ..............................................................................................................78
Tab. 16: Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme „Erstaufforstung“ auf
Umweltschutzgüter .................................................................................................82
Tab. 17: Bewertung des potenziellen Einflusses der (Teil-) Maßnahme „Investitionen
zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit und des ökologischen Werts der
Waldökosysteme“ auf Umweltschutzgüter ..............................................................83
Tab. 18: Ökologischer Wirkungshintergrund und Vergleich des Förderinhalts der
Agrarumweltmaßnahmen (EPLR 2007-2013) bzw. Agrarumwelt- und
Klimamaßnahmen (EPLR 2014-2020) und Angabe der SUP -
Wirkungsbewertung ................................................................................................86
Tab. 19: Bewertung des potenziellen Einflusses der auf abiotische
Umweltschutzgüter ausgerichteten Fördergegenstände der Agrarumwelt-
und Klimamaßnahmen (AUKM) auf Umweltschutzgüter .........................................90
Tab. 20: Bewertung des potenziellen Einflusses der auf biotische Umweltschutzgüter
ausgerichteten Fördergegenstände der Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen
(AUKM) auf Umweltschutzgüter ..............................................................................92
Tab. 21: Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme ökologischer-
biologischer Landbau auf Umweltschutzgüter .........................................................95
Tab. 22: Bewertung des potenziellen Einflusses von Zahlungen für aus
naturbedingten oder anderen spezifischen Gründen benachteiligte Gebiete
auf Umweltschutzgüter ...........................................................................................98
Tab. 23: Zusammenfassende Bewertung der aus einer Umsetzung des EPLR zu
erwartenden Umweltwirkungen ............................................................................. 100
Tab. 24: Verteilung der Mittel des EPLR 2014-2020 auf die Fördermaßnahmen
(Stand 07.02.2014) ............................................................................................... 102

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
6
Abkürzungsverzeichnis
AGZ bzw.
AZL
Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete
AUKM
Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen
BMU
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
CBD
Konvention zur Biologischen Vielfalt
CMEF
Gemeinsamer Begleitungs- und Bewertungsrahmen (gültig für die
Förderperiode 2007-2013)
DG Agri.
Generaldirektion Landwirtschaft bei der Europäischen Kommission
EFRE
Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung
EIP
Europäische Innovationspartnerschaft
ELER
Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen
Raums
ELER-VO
VERORDNUNG (EU) Nr. 1305/2013 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS
UND DES RATES vom 17. Dezember 2013 über die Förderung der
ländlichen Entwicklung durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für
die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und zur Aufhebung der
Verordnung (EG) Nr. 1698/2005
EMFF
Europäischer Meeres- und Fischereifonds
EPLR
Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum
ESF
Europäischer Sozialfonds
ESI
Europäische Struktur- und Investitionsfonds
ESI-VO
VERORDNUNG (EU) Nr. 1303/2013 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS
UND DES RATES vom 17. Dezember 2013 mit gemeinsamen
Bestimmungen über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung,
den Europäischen Sozialfonds, den Kohäsionsfonds, den Europäischen
Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums und den
Europäischen Meeres- und Fischereifonds sowie mit allgemeinen
Bestimmungen über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung,
den Europäischen Sozialfonds, den Kohäsionsfonds und den Europäischen
Meeres- und Fischereifonds und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr.
1083/2006 des Rates
EU
Europäische Union
FFH
Fauna-Flora-Habitat (Richtlinie)
GAK
Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des
Küstenschutzes
GAP
Gemeinsame Agrarpolitik
GFP
Gemeinsame Fischereipolitik der EU
gfP
Gute fachliche Praxis (in Bezug zur Landnutzung)
GVO
Gentechnisch veränderte Organismen
HNV
High Nature Value Farmland (Naturschutzfachlich wertvolle Fläche in
landwirtschaftlicher Nutzung)
IKSE
Internationale Kommission zum Schutz der Elbe
IKSO
Internationale Kommission zum Schutz der Oder

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
7
INL
Institut für Nachhaltige Landbewirtschaftung
KOM
Europäische Kommission
LAG
Lokale Aktionsgruppe
LEADER
methodischer Ansatz der Regionalentwicklung (Verbindung zwischen
Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft)
LfULG
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
LRT
(FFH-) Lebensraumtyp (nach botanischen Kriterien)
LVZ
Landwirtschaftliche Vergleichszahl
N
Stickstoff
NASTAQ
Nationaler Strategieplan Aquakultur (Deutschland)
PBSM
Pflanzenbehandlungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel
SMUL
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
SUP
Strategische Umweltprüfung
SWOT
Strengths, Weaknesses, Opportunities und Threats (Stärken, Schwächen,
Chancen und Risiken)
THG
Treibhausgase
UBA
Umweltbundesamt
UVP
Umweltverträglichkeitsprüfung
UVPG
Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung
WRRL
Wasserrahmenrichtlinie
WT
Wissens- und Technologietransfer

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
8
1
Einleitung
1.1 Anliegen der SUP und SUP-Pflicht
Mit der Durchführung einer Strategischen Umweltprüfung (SUP) ist beabsichtigt,
-
im Zuge der Ausarbeitung von bestimmen Planungen bzw. Programmen die
möglichen Umweltwirkungen ihrer Umsetzung vorausschauend zu beurteilen;
-
dadurch bereits vor der Entscheidung über konkrete Einzelprojekte die
Umweltverträglichkeit der wesentlichen Programmziele zu gewährleisten;
-
in einem transparenten Verfahren Umwelterwägungen schon im Prozess der
Ausarbeitung von Plänen bzw. Programmen vorausschauend zu berücksichtigen.
Im Kern geht es darum, dass Entwicklungspläne und Programme für bestimmte
Handlungsfelder daraufhin beurteilt und so ausgerichtet werden, dass negative
Auswirkungen auf die Umwelt minimiert und positive Effekte ggf. verstärkt werden. Die SUP
soll helfen, Beurteilungsgrundlagen im Rahmen der Ausarbeitung und Annahme
umwelterheblicher Pläne und Programme zu verbessern und so ein hohes Schutzniveau für
die Umwelt und Fortschritte auf dem Weg einer nachhaltigen Entwicklung zu gewährleisten.
1.1.1 Juristische Grundlagen der SUP
Rechtliche Grundlage für die Durchführung einer Strategischen Umweltprüfung ist die
Richtlinie 2001/42/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Juni 2001 über
die Prüfung der Umweltauswirkungen bestimmter Pläne und Programme (SUP-Richtlinie).
Pläne und Programme, für die diese Richtlinie gilt, müssen im Laufe ihrer Ausarbeitung und
vor ihrer Annahme einer SUP unterzogen werden. Diese Prüfung umfasst die Erstellung
eines Umweltberichts über die Auswirkungen auf die Umwelt (in dem die voraussichtlichen
erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt sowie vernünftige Alternativen angegeben werden
sollen) sowie die Durchführung von Konsultationen (der Öffentlichkeit, der Umweltbehörden
und – im Falle voraussichtlich erheblicher grenzüberschreitender Auswirkungen – der
anderen betroffenen Mitgliedstaaten). Die Ergebnisse des Umweltberichts und der
Konsultationen sind vor der Annahme des Plans oder Programms zu berücksichtigen.
Diese grundsätzlichen Vorgaben der EU sind für Deutschland im Gesetz über die
Umweltverträglichkeitsprüfung in der Fassung der Bekanntmachung vom 24. Februar 2010
(BGBl. I S. 94), zuletzt geändert durch Artikel 10 des Gesetzes vom 25. Juli 2013 (BGBl. I S.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
9
2749 (Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz, UVPG) konkreter gefasst. Das UVPG regelt u.
a. das Verhältnis zwischen einer SUP und der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Beide
haben unterschiedliche Zielsetzungen. Allgemein gilt, das eine SUP begleitend zur
Erstellung von umfassenden, rahmensetzenden Plänen oder Programmen durchzuführen ist,
während eine Umweltverträglichkeitsprüfung die Auswirkung von einzelnen Projekten (z. B.
Bauvorhaben) auf Umweltschutzgüter detaillierter zu prüfen hat.
1.1.2 Feststellung der SUP-Pflicht
Entsprechend den Vorgaben des UVPG (§14b) besteht eine obligatorische SUP-Pflicht,
wenn es um Projekte und Pläne geht, die
in Anlage 3 Nr. 1 der UVP-Richtlinie aufgeführt sind oder
in Anlage 3 Nr. 2 der UVP-Richtlinie aufgeführt sind und für Entscheidungen über die
Zulässigkeit von in der Anlage 1 aufgeführten Vorhaben oder von Vorhaben, die nach
Landesrecht einer Umweltverträglichkeitsprüfung oder Vorprüfung des Einzelfalls
bedürfen, einen Rahmen setzen.
Nach Anhang 3 Nr. 2.7 UVPG zählen dazu u. a. Entwicklungsprogramme für den ländlichen
Raum aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen
Raumes.
Folglich ist zu prüfen, ob mit dem EPLR Sachsen 2014-2020 ein Rahmen gesetzt wird für
Vorhaben, für die voraussichtlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist. Dazu ist
insbesondere das Maßnahmenspektrum des EPLR zu betrachten.
Gemäß Anhang 1 UVP-RL sind als UVP-pflichtige Vorhaben u. a. Projekte in folgenden
Bereichen eingestuft:
Errichtung und Betrieb von Anlagen der Tierhaltung (u. a. Geflügel, Rinder, Schweine
– Nr. 7)
Wasserwirtschaftliche Vorhaben (Nr. 13)
Flurbereinigung (Nr. 16)
Forstliche und landwirtschaftliche Vorhaben (Nr. 17).
Mit Blick auf das Maßnahmenspektrum des EPLR Sachsen 2014-2020 ist davon
auszugehen, dass mit dem EPLR Rahmensetzungen für spätere Förderentscheidungen im
Spektrum der o.g. Vorhabenbereiche vorgenommen werden. Daher ist für den
Programmentwurf eine Strategische Umweltprüfung vorzunehmen.
Schließlich sieht das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung im Freistaat Sachsen
(SächsUVPG) gemäß § 3 Abs. 1a in Verbindung mit Anlage 2 Nr. 2b ausdrücklich vor, dass

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
10
für "Programme zur Umsetzung der allgemeinen EU-Strukturfondsverordnung und der
Verordnung (EG) Nr. 1698/2005 des Rates vom 20. September 2005 über die Förderung der
Entwicklung des ländlichen Raums durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die
Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)" eine SUP durchzuführen ist. Diese Vorgabe
kann analog auf das EPLR für den Zeitraum 2014-2020 übertragen werden.
Vorstehende Hinweise verdeutlichen, dass die Verpflichtung zur Durchführung einer SUP für
das EPLR Sachsen 2014-2020 eindeutig gegeben ist. Somit entfällt das im UVPG verankerte
Screening, welches in Zweifelsfällen die Entscheidungsfindung für oder gegen die
Durchführung einer UVP bzw. SUP stützen soll.
1.1.3 Feststellung einer grenzübergreifenden SUP-Pflicht
Vorstehend
benannte
Dokumente
beinhalten
gleichfalls
Hinweise
für
ein
grenzübergreifendes Vorgehen. Es wird ausgewiesen, dass die in der EU angewandten
Systeme zur Umweltprüfung von Plänen und Programmen gewährleisten sollen, dass
ausreichende grenzübergreifende Konsultationen stattfinden, wenn die Durchführung eines
in einem Mitgliedstaat ausgearbeiteten Plans oder Programms voraussichtlich erhebliche
Umweltauswirkungen in einem anderen Mitgliedstaat haben wird.
Die Notwendigkeit einer grenzüberschreitenden SUP-Pflicht wurde im Rahmen des Scoping
geprüft. Als Ergebnis war festzustellen, dass nach vorliegenden Erfahrungswerten und
fachlichem Ermessen durch die Umsetzung von Maßnahmen des Entwicklungsprogramms
für den Ländlichen Raum des Freistaats Sachsen keine erheblichen Auswirkungen auf
Umweltschutzgüter in angrenzenden EU–Mitgliedstaaten zu erwarten sind. Daher wird eine
länderübergreifende SUP als nicht notwendig erachtet. Es wurde festgelegt, dass die
Nachbarländer über die im EPLR in Sachsen umgesetzten Maßnahmen informiert werden
und Maßnahmen mit potenziellen grenzübergreifenden Wirkungen im Rahmen des
Prüfberichtes diskutiert werden.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
11
1.2 Kurzdarstellung des EPLR 2014-2020
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU verfolgt mit Hilfe der Entwicklung des ländlichen
Raumes
drei
langfristige
strategische
Ziele,
die
zur
„Wettbewerbsfähigkeit
der
Landwirtschaft, zur ausgewogenen räumlichen Entwicklung der ländlichen Gebiete und zur
nachhaltigen Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen sowie zum Klimaschutz“ beitragen
sollen. Diese Ziele orientieren sich am Strategiepapier „Strategie Europa 2020“, welches
Schwerpunkte für die europäische Entwicklung in den Bereichen der Forschung und
Entwicklung, der Bildung und des lebenslangen Lernens, des Wirtschaftswachstums, einer
besseren gesellschaftlichen Integration sowie auf die Förderung umweltfreundlicher
Technologien legt.
Zur Konkretisierung dieser grundsätzlichen EU-Ziele sind für die Programme zur Entwicklung
ländlicher Räume (ELER) sechs Prioritäten festgelegt. Sie beinhalten die
1) Förderung von Wissenstransfer und Innovation in der Land- und Forstwirtschaft und
den ländlichen Gebieten
2) Förderung der Wettbewerbsfähigkeit aller Arten von Landwirtschaft und des
Generationswechsels in den landwirtschaftlichen Betrieben
3) Förderung der Organisation der Nahrungsmittelkette und des Risikomanagements in
der Landwirtschaft
4) Wiederherstellung, Erhaltung und Verbesserung von Ökosystemen, die von der
Land- und Forstwirtschaft abhängig sind
5) Förderung der Ressourceneffizienz und Unterstützung des Agrar-, Ernährungs- und
Forstsektors beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen und klimaresistenten
Wirtschaft
6) Förderung der sozialen Eingliederung, der Bekämpfung der Armut und der
Wirtschaftlichen Entwicklung in den ländlichen Gebieten
Mit der Auflistung zeigt sich, dass speziell Aktivitäten im Bereich der Unionsprioritäten 2, 4, 5
und 6 potenziell mit größeren Effekten auf die Umwelt verbunden sein können. In
Abhängigkeit von der Ausgestaltung des Programms könnten Maßnahmen mit Bezug zu den
Unionsprioritäten 2 und 6 u. U. die Landnutzung intensivieren oder über bauliche
Maßnahmen Eingriffe in die Umwelt erfolgen. Maßnahmen mit Bezug zu den
Unionsprioritäten 4 und 5 dürften (bei richtiger Ausgestaltung) eher Umweltentlastungen mit
sich bringen. Über Maßnahmen mit Ausrichtung auf Unionspriorität 1 sind u. U. indirekte
Effekte für die Umwelt zu erwarten.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
12
Angeführte Unionsprioritäten sind durch ELER-Vorgaben weiter untersetzt, was nachfolgend
für ausgewählte Prioritäten dargestellt ist.
-
Unionspriorität 1: Förderung von Wissenstransfer und Innovation in der Land- und
Forstwirtschaft und den ländlichen Gebieten
a) Stärkung der Wissensbasis in ländlichen Gebieten
b) Förderung der Verbindung zwischen Landwirtschaft, Produktion und Forschung
-
Unionspriorität 2: Förderung der Wettbewerbsfähigkeit aller Arten von Landwirtschaft und
des Generationswechsels in den landwirtschaftlichen Betrieben
a)
Verbesserung der Wirtschaftsleistung landwirtschaftlicher Betriebe
b)
Generationswechsel
-
Unionspriorität 3: Organisation der Nahrungsmittelkette und Risikomanagement in der
Landwirtschaft
a)
Nahrungsmittelkette und Tierschutz
b)
Risikomanagement
-
Unionspriorität 4: Wiederherstellung, Erhaltung und Verbesserung der von der
Landwirtschaft und Forstwirtschaft abhängigen Ökosysteme
a)
Wiederherstellung und Erhaltung der biologischen Vielfalt, auch in Natura-
2000-Gebieten
sowie
landwirtschaftlichen
Systemen
von
hohem
Naturschutzwert, und des Zustands der europäischen Landschaften
b)
Verbesserung der Wasserwirtschaft
c)
Verbesserung der Bodenbewirtschaftung
-
Unionspriorität 5: Förderung der Ressourceneffizienz und Unterstützung des Agrar-,
Ernährungs- und Forstsektors beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen und
klimaresistenten Wirtschaft
a)
Verbesserung der Effizienz der Wassernutzung in der Landwirtschaft
b)
Verbesserung der Effizienz der Energienutzung in der Landwirtschaft und der
Nahrungsmittelverarbeitung
c)
Erleichterung
der
Lieferung
und
Verwendung
von
erneuerbaren
Energiequellen, von Nebenerzeugnissen, Abfällen, Rückständen und anderen
Non-Food-Ausgangserzeugnissen für die Biowirtschaft
d)
Verringerung der aus der Landwirtschaft stammenden Distickstoffmonoxid-
und Methanemissionen

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
13
e)
Förderung der CO
2
-Bindung in der Land- und Forstwirtschaft
Vorstehende Inhalte verdeutlichen, dass insbesondere über die für den Freistaat
entworfenen Maßnahmen und ihre Zuordnung zu den Unionsprioritäten ein Ansatz zur
Erarbeitung der SUP möglich wird. Eine Übersicht dazu vermitteln Tab. 1 und Tab. 2.
Aus den Übersichten der Tabellen ergeben sich für die SUP folgende Informationen, die bei
der Bewertung der Maßnahmen bzw. des Gesamtprogramms berücksichtigt wurden:
-
Die vorgesehenen Maßnahmen bzw. ihre Fördergegenstände stehen in Bezug zu
allen Unionsprioritäten des ELER, jedoch werden die Unionsprioritäten nicht alle
primär programmiert. Primär nicht programmiert werden z. B. das Risikomanagement
(3b), Effizienz der Wassernutzung (5a), Generationswechsel (2b) und Informations-
und Kommunikationstechnologien (IKT; 6c).
Durch Maßnahmen werden auch Unionsprioritäten unterstützt, die einen indirekten Einfluss
auf den Erhalt von Umweltschutzgütern bzw. auf die Umsetzung von Prozessen der
Nachhaltigkeit haben können.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
14
Tab. 1:
Übersicht der im Freistaat Sachsen im Rahmen des EPLR von 2014-2020 vorgesehenen Maßnahmen und Teilmaßnahmen und
ihre Zuordnung* zu den Unionsprioritäten nach Programmangaben
Art. gem. VO
(EU)
Maßnahme
Kerninhalte der Maßnahme
Wissensbasis in ländl.
Gebieten
Verb. V. LW, Prod. u.
Forschung
Verbess. d. Leistung
lw. Betriebe
Nahrungsmittelkette,
Tierschutz
Biodiversität
Wasser
Boden
Energieeffizienz
Erneuerbare Energien
Emissionsreduktion
Kohlenstoffspeicherung
Diversifizierung
lokale Entwicklung
1A
1B
2A
3A
4A
4B
4C 5B
5C
5D
5E
6A
6B
14
Wissenstransfer und
Informationsmaßnahmen
Qualifizierung Naturschutz für
Landnutzer, Wissenstransfer,
Demonstrationsvorhaben
x
x
x
x
x
x
x
x
x
17
Investitionen in materielle Vermögenswerte Nutztierhaltung, Maschinen und
Geräte einschließlich Garten- und
Weinbau, Erschließung
forstwirtschaftlicher Flächen,
Stützmauern landwirtschaftlicher
Flächen, Biotopausgestaltungs-
und Artenschutzvorhaben
x
x
x
x
20
Basisdienstleistungen und Dorferneuerung
in ländlichen Gebieten
Naturschutzplanungen, Natur-
und Artenschutzmaßnahmen
x
21 Abs. 1 (a,
c) i. V. m. 24
Vorbeugung von Schäden und
Wiederherstellung des ursprünglichen
Zustands von Wäldern nach Waldbränden,
Naturkatastrophen und
Katastrophenereignissen
Erstaufforstung (Altverpflichtung)
Einrichtungen zur Vorbeugung
gegen Waldbrände
x
x
21 Abs. 1 (d)
i. V. m. 25
Investitionen zur Stärkung der
Widerstandsfähigkeit und des ökologischen
Werts der Waldökosysteme
Waldumbau, Waldverjüngung,
Bodenschutzkalkung,
Biotopgestaltungs- und
x
x

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
15
Art. gem. VO
(EU)
Maßnahme
Kerninhalte der Maßnahme
Wissensbasis in ländl.
Gebieten
Verb. V. LW, Prod. u.
Forschung
Verbess. d. Leistung
lw. Betriebe
Nahrungsmittelkette,
Tierschutz
Biodiversität
Wasser
Boden
Energieeffizienz
Erneuerbare Energien
Emissionsreduktion
Kohlenstoffspeicherung
Diversifizierung
lokale Entwicklung
1A
1B
2A
3A
4A
4B
4C 5B
5C
5D
5E
6A
6B
Artenschutzvorhaben
28
Agrarumwelt- und Klimamaßnahme
Übersicht in nachfolgender Tab.
29
Ökologischer/biologischer Landbau
Einführung und Beibehaltung
ökologischer Anbauverfahren
x
31 und 32 Zahlungen für aus naturbedingten oder
anderen spezifischen Gründen
benachteiligte Gebiete
Einkommensverlustausgleich
"Berggebiete" und
"Nichtberggebiete"
x
35 Abs. 1 c),
2 a), g) i)
Zusammenarbeit
Einrichtung und Tätigkeit
operationeller Gruppen,
Pilotprojekte im Rahmen EIP
„landwirtschaftliche Produktivität
und Nachhaltigkeit, gem.
Konzepte für Umweltprojekte und
gegenwärtig angewendete
ökologische Verfahren,
Waldbewirtschaftungspläne
x
x
x
x
x
35 Abs. 1 a)
(ESI-VO
Unterstützung der von der örtlichen
Bevölkerung betriebene Maßnahmen zur
lokalen Entwicklung durch die ESI-Fonds
Vorbereitende Unterstützung
x
35 Abs. 1 b)
(ESI- VO)
Durchführung der Vorhaben im
Rahmen der Strategie für lokale
Entwicklung
x

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
16
Art. gem. VO
(EU)
Maßnahme
Kerninhalte der Maßnahme
Wissensbasis in ländl.
Gebieten
Verb. V. LW, Prod. u.
Forschung
Verbess. d. Leistung
lw. Betriebe
Nahrungsmittelkette,
Tierschutz
Biodiversität
Wasser
Boden
Energieeffizienz
Erneuerbare Energien
Emissionsreduktion
Kohlenstoffspeicherung
Diversifizierung
lokale Entwicklung
1A
1B
2A
3A
4A
4B
4C 5B
5C
5D
5E
6A
6B
35 Abs. 1 c)
(ESI-VO)
i.V.m. 44 1 b)
ELER-VO
vorbereitende technische
Unterstützung für die Kooperation
x
35 Abs. 1 c)
(ESI-VO)
i.V.m. 44 Abs.
1 a)
Unterstützung für
gebietsübergreifende und
transnationale
Kooperationstätigkeiten
x
35 Abs. 1d)
und e) (ESI-
VO)
Mit der Verwaltung der
Durchführung der LEADER-
Strategie verbundene laufende
Kosten und Sensibilisierung
x
59 (ESI-VO)
i. V. m. 51
Abs. 2
Technische Hilfe
* Prioritätszuordnung schließt Fördergegenstände ein, daher ergibt sich für die Maßnahme eine Zuordnung zu mehreren Unionsprioritäten.
x – zugeordnete Unionspriorität

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
17
Tab. 2: Übersicht der im Freistaat Sachsen im Rahmen der Agrarumwelt- und
Klimamaßnahmen vorgesehenen Fördergegenstände, ihre Zuordnung zu den
Unionsprioritäten* und übergeordnete Zielausrichtung** des Fördergegenstands
Förder-
gegenstand
Inhalt des Fördergegenstandes
4A Biodiversität
4B Wasser
4C Boden
5D Emissions-
reduktion
5E Kohlenstoff-
speicherung
Zielausrichtung
10.1.1
AL.1 Grünstreifen auf Ackerland
x
xx
x
x
Boden/Wasser
10.1.2
AL.2 Streifensaat/Direktsaat
x
xx
x
x
Boden/Wasser
10.1.3
AL.3 Umweltschonende
Produktionsverfahren des
Ackerfutter- und
Leguminosenanbaus
x
xx
x
x
x
Boden/Wasser
10.1.4
AL.4 Zwischenfrüchte
x
x
xx
x
x
Boden/Wasser
10.1.5
AL.5 Naturschutzbrachen und
Blühflächen auf Ackerland
xx
x
x
x
x
Artenschutz
10.1.6
AL.6 Naturschutzgerechte
Ackerbewirtschaftung
xx
x
x
x
Artenschutz
10.1.7
AL.7 Überwinternde Stoppel
xx
x
x
x
Artenschutz
10.1.8
AL.8 Klima- und
gewässerschonende N-Düngung
xx
x
Boden/Wasser
10.1.9
GL.1 artenreiches Grünland-
ergebnisorientierte Honorierung
xx
x
x
x
x
Artenschutz
10.1.10
GL.2 Biotoppflegemahd mit
Erschwernis
xx
x
x
x
x
Artenschutz
10.1.11
GL.3 Bracheflächen und
Brachestreifen im Grünland
xx
x
x
x
x
Artenschutz
10.1.12
GL.4 Naturschutzgerechte
Hütehaltung und Beweidung
xx
x
x
x
Artenschutz
10.1.13
GL.5 spezielle
artenschutzgerechte
Grünlandnutzung
xx
x
x
x
Artenschutz
* Unionsprioritäten nach EPLR-Angaben,
** ergänzende Zuordnung der Fördergegenstände nach Zielausrichtung der Maßnahme als Grundlage
für die SUP-Erstellung,
xx – prioritäre Maßnahmewirkung nach EPLR Vorgabe,
x – nach SUP-Kriterien zu erwartende Nebenwirkungen.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
18
1.3
Untersuchungsrahmen
1.3.1 Untersuchungsraum und Detailgrad der Untersuchungen
Der Untersuchungsrahmen und die Detailliertheit der für die SUP durchzuführenden
Untersuchungen wurden im Rahmen des Scoping abgestimmt. Der Diskussion dienten
nachfolgende Inhalte als Grundlage:
Die für die Programmerstellung verantwortliche Behörde legt den Untersuchungsrahmen in
Abhängigkeit vom Konkretisierungsgrad des vorliegenden Grobkonzeptes für den Plan bzw.
das Programm fest. Zunächst gilt generell, dass der Untersuchungsrahmen für einen Plan
oder ein Programm einzelfallbezogen zu erstellen ist, d. h. es gibt keine generellen
Vorgaben. Ausschlaggebend sind die den jeweiligen Plan bzw. das Programm tangierenden
Fachgesetze und Verordnungen bzw. für die Landes- und Umweltentwicklung erarbeiteten
Strategiepläne. Eine Übersicht der wesentlichen für die SUP des EPLR 2014-2020
verwendeten Dokumente enthält Kap. 2.
Für die Abstimmung des Untersuchungsrahmens sind insbesondere die Schutzgüter
heranzuziehen. Sie sind nach Balla u. a. (2010),
-
die Menschen, einschließlich der menschlichen Gesundheit, Tiere, Pflanzen und die
biologische Vielfalt,
-
Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft, Kultur und sonstige Sachgüter sowie
-
potenzielle Wechselwirkungen zwischen den aufgeführten Schutzgütern.
Damit erstreckt sich der Untersuchungsrahmen auf alle im Programm benannten
Maßnahmen, die in Beziehung zu den genannten Schutzgütern stehen können. Im Rahmen
des durchzuführenden Scoping war weiterhin zu klären, ob Beziehungen zu anderen Plänen
oder Vorhaben bestehen, die u. U. kumulative Wirkungseffekte mit dem zu beurteilenden
Programm entfalten könnten.
Der Detailgrad der Untersuchungen ist vorab nicht in jedem Einzelfall (d. h. für jede
Maßnahme bzw. Teilmaßnahme des Programms) genau zu bestimmen, insgesamt sind
jedoch die Vorgaben des UVPG zu erfüllen. Zunächst gilt die Forderung, Eingriffe mit
„voraussichtlich erheblichen Umweltauswirkungen“ zu identifizieren. Grundlage dafür sind
Angaben, die mit vertretbarem Aufwand ermittelt werden können, einschließlich der
Berücksichtigung des gegenwärtigen Wissenstandes und Äußerungen der Öffentlichkeit.
Letztlich sollen über die SUP erlangte Erkenntnisse Entscheidungen für oder gegen die

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
19
Annahme des Programms untermauern oder Vorschläge für die Änderung des Programms
bei Feststellung erheblicher negativer Umweltauswirkungen unterbreiten.
Unabhängig von den gesetzlichen Vorgaben ist zu berücksichtigen, dass das
Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum Maßnahmen beinhaltet, die sehr
differenziert mit der Umwelt interagieren. Voraussichtlich finden sich Maßnahmen ohne
Umweltbezug, Maßnahmen mit indirekten Umweltwirkungen und Maßnahmen mit direkten
positiven oder evtl. negativen Umwelteffekten. Somit stellt das EPLR bei der SUP einen
gewissen Sonderfall dar, der einer Beachtung weiterer Kriterien bedarf, um detailliert genug
arbeiten zu können, ohne potenzielle Umweltauswirkungen zu verwischen, und die letztlich
die notwendigen Entscheidungsgrundlagen belastbarer gestalten sollen. Diese Kriterien sind
-
Beurteilung der Maßnahmen bzw. Teilmaßnahmen in Hinsicht auf potenzielle
Umweltwirkungen auf Grundlage des Maßnahmeziels nach den Kriterien „indifferente
Wirkung“, „positive Wirkung“ bzw. „negative Wirkung“,
-
Beurteilung der Maßnahmen bzw. Teilmaßnahmen in Hinsicht auf direkte bzw.
indirekte Umweltwirkungen unter Beachtung der gegebenen unterschiedlichen
Umweltschutzgüter,
-
Ableitung einer Hierarchie der Maßnahmewirkung unter Beachtung der direkten und
indirekten Umweltwirkungen.
Letzter Punkt ist als wesentliche Grundlage für eine zusammenfassende Beurteilung der
Umweltwirkungen des Programms und die evtl. notwendige Anpassung oder Veränderung
im Programm erfasster Maßnahmen zu sehen.
Aufgeführte Vorstellungen für die Abgrenzung des Untersuchungsrahmens und die Tiefe der
zu realisierenden Arbeiten bei der SUP-Erstellung wurden im Rahmen des Scoping-
Arbeitstreffens bestätigt. Im Einzelnen wurden Festlegungen zum fachlich methodischen
Vorgehen, zum Untersuchungsrahmen und den schwerpunktmäßig zu prüfenden Inhalten
getroffen, welche in den nachfolgenden Gliederungspunkten benannt sind.
1.3.2 Untersuchungsrahmen und Datenquellen
Der für die SUP zu beachtende Untersuchungsrahmen wurde im Verlauf des Scoping
abgestimmt, wobei insbesondere folgende Sachverhalte angesprochen und diskutiert
wurden.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
20
1) die Festlegung des zu betrachtenden Raumes und die Prüftiefe des Verfahrens,
2) einzubeziehende Schutzgüter,
3) Festlegung des Referenzsystems.
Zu 1) wurde Einvernehmen darüber hergestellt, dass mit der SUP der Raum zu betrachten
ist, auf welchen sich das EPLR bezieht. Demgemäß bezieht sich die SUP auf das
administrative Gebiet des Freistaates Sachsen.
Zur Prüftiefe der SUP wurde die Festlegung getroffen, Umweltwirkungen des EPLR im
Zusammenhang mit weiteren EU-Förderfonds zu betrachten. Speziell geht es um potenzielle
Synergien bzw. Wechselwirkungen mit Maßnahmen des EFRE (Europäischer Fonds für
Regionale Entwicklung), ESF (Europäischer Sozialfonds) und des EMFF (Europäischer
Meeres- und Fischereifonds).
Zu 2) Es wurde die Festlegung getroffen, die SUP für das EPLR auf die Umweltschutzgüter
Biodiversität (Flora und Fauna), Wasser, Klima und Luft, Boden und Landschaften zu
fokussieren. Trotz geäußerter Bedenken des SMS (Sächsisches Staatsministerium für
Soziales und Verbraucherschutz) erfolgte die Einigung, dass die menschliche Gesundheit
bzw. der Mensch kein eigenständiger Prüfgegenstand bei der durchzuführenden SUP ist. Die
menschliche Gesundheit soll aber bei Maßnahmen, die dafür potenziell von Bedeutung sind,
berücksichtigt werden und dort entsprechend angesprochen und diskutiert werden.
Zu 3) Für die Bewertung des Gesamtprogramms wird ein Referenzsystem benötigt. Dazu
sollen die im Freistaat Sachsen vorliegenden entsprechenden Dokumente und Unterlagen
auf ihre Umweltziele hin analysiert werden. Sie sollen den Maßstab darstellen, um evtl.
Umweltauswirkungen von EPLR-Maßnahmen qualitativ oder quantitativ einzuschätzen. Über
die einzubeziehenden Dokumente wurde Konsens hergestellt und sie sind im Kap. 2 im
Detail aufgeführt. Zudem wurde vereinbart, vor der Öffentlichkeitsbeteiligung im Verlauf der
Erarbeitung des EPLR über die vorläufigen Ergebnisse der SUP mit den am Scoping
beteiligten Referaten Rücksprache zu halten.
1.3.3 Methodisches Vorgehen
Die SUP-Richtlinie benennt keine spezifischen Methoden zur Prognose möglicher
Beeinträchtigungen der Umwelt. Die Europäische Kommission schlägt jedoch grundsätzlich

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
21
die Anwendung von Umweltindikatoren vor, wobei davon ausgegangen wird, dass
Umweltwirkungen im Rahmen einer SUP durch „gröbere“ Indikatoren bzw. Kriterien gefasst
werden müssen. Denn im Vergleich zu einzelnen Projekten, die einer Pflicht zur
Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) unterliegen, ist die Datenlage meist weniger konkret
(z. B. in Hinsicht auf die spätere Annahme der Maßnahme und der Relation im
Anwendungsumfang der Maßnahmen bzw. der Teilmaßnahmen).

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
22
Tab. 3: Methodische Arbeitsschritte der SUP–Erstellung
Schritt und Inhalt
Vorgehen
Begründung und
Zuordnung im SUP-Prozess
Schritt 1
Analyse der für das
Programm und seine
Maßnahmen vorliegenden
Informationen
Zusammenstellung von
Unterlagen, die mit dem
Programm in Beziehung
stehen bzw. deren Inhalte
aus Umweltsicht bedeutend
sein können (Insbesondere
Beschreibung der
Umweltsituation, begleitende
Untersuchungen,
Halbzeitbericht vorheriger
EPLR etc.)
Im Rahmen des Scoping zu
erledigen
Schritt 2
Analyse der für das
Programm und seine
Maßnahmen vorliegenden
Referenzsysteme
Erfassung von Unterlagen
und Dokumenten, die
Auskunft über
Referenzsituationen geben
können (z. B. Strategiepläne,
Bewertungen des EPLR etc.)
Im Rahmen des Scoping zu
erledigen (z. B. Festlegung
der Baseline für eine
Beurteilung der
Maßnahmewirkung)
Schritt 3
"Grobbetrachtung"
potenzieller Umweltwirkungen
von Programmmaßnahmen
Betrachtung der Maßnahmen
nach dem allgemeinen
Wissensstand
Erfassung von Maßnahmen,
die mit sehr hoher
Wahrscheinlichkeit keine
Umweltwirkungen haben.
Erstellung des
Umweltberichts
Schritt 4
Auswahl der Maßnahmen mit
potenziellen
Umweltwirkungen
Betrachtung der Maßnahmen
nach speziellem
(wissenschaftlich
belegbarem) Wissensstand
Erfassung der Haupt- und
Nebeneffekte von
Maßnahmen auf die
gesetzlich zu betrachtenden
Schutzgüter. Erstellung des
Umweltberichts
Schritt 5
Erfassung von
Wechselwirkungen zwischen
den Umweltwirkungen der
Maßnahmen
Betrachtung der Maßnahmen
nach speziellem
(wissenschaftlich
belegbarem) Wissensstand
auf maßnahmeübergreifender
Ebene
Notwendig für die
Gesamtbeurteilung des
Programms. Erstellung des
Umweltberichts
Schritt 6
Beurteilung der Erheblichkeit
potenzieller Umweltwirkungen
Abgleich der
Maßnahmewirkungen mit
Referenzsystemen bzw.
Baseline oder
Strategieplänen oder
vorliegenden Indikatoren
Grundlage der Entscheidung
für oder gegen das
Programm.
Schritt 7
Öffentlichkeitsbeteiligung
Offenlegung des
Programmentwurfs
Einbeziehung der öffentlichen
Meinung in die
Entscheidungsfindung

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
23
Die gesetzlich fixierten Hintergründe und Zielsetzungen einer SUP erlauben ebenfalls die
Anwendung verbal-fachlicher Kriterien bzw. Argumente zur Erfassung und Wertung
potenzieller Umweltwirkungen des zu beurteilenden Programms. In Bezug zu den Inhalten
der Tab. 3 ist für den Schritt 3 eher mit verbal-fachlichen Kriterien zu arbeiten, während die
weiteren Schritte eher auf tiefgründiges Wissen (Beschreibung der Effekte auf der Grundlage
von Umwelt-Indikatoren) zurückgreifen.
Vorstehende Übersicht stellte während des Scoping die Diskussionsgrundlage dar, über die
bei der SUP-Erstellung auszuführenden Schritte und inhaltlichen Sachverhalte wurde
weitgehend Einvernehmen hergestellt. Da im Ablauf der SUP-Erarbeitung voraussichtlich
weitere Details einer Klärung bedürfen, wurden während des Scoping Festlegungen zum
weiteren Vorgehen getroffen. Sie betreffen
-
im Freistaat vorhandene Datengrundlagen, die für eine Analyse der Umweltsituation
und als Referenzdaten für Wirkungsbewertungen von EPLR-Maßnahmen von
Bedeutung sind. Entsprechende Zuarbeiten der SMUL-Referate wurden vorgelegt.
Die Dokumente sind unter Kap. 2.1 bei der Darstellung der Umweltschutzziele im
Freistaat aufgeführt.
-
die weitere Einbeziehung der am Scoping beteiligten Fachkreise in Vorbereitung der
Öffentlichkeitsbeteiligung und der Bearbeitung im Rahmen der Offenlegung
eingegangenen Stellungnahmen zur SUP.
1.4 Erläuterungen zum Prozess
1.4.1 Verfahrensschritte und Beteiligung
Das UVPG gibt im § 14 die bei der Erstellung einer SUP geltende Vorgehensweise vor,
welche in der Abb. 1 verdeutlicht ist.
Somit ist eine SUP durch sieben wesentliche Schritte gekennzeichnet, welche sowohl den
technischen Ablauf der SUP als auch ihre fachlichen Inhalte betreffen. Gleichzeitig ist in der
Abb. 1 der zeitliche Ablauf der Erarbeitung der SUP aufgeführt, welcher sich aus den
Fortschritten der Programmerarbeitung und den festgelegten Zeitbedarfen aus den
Öffentlichkeitsbeteiligungen ergibt.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
24
Verfahrensschritte
zeitliche Einordnung
Abb. 1: Verfahrensschritte der SUP
Festlegung der SUP - Pflicht
(§§ 14a - 14d UVPG)
Festlegung des Untersuchungsrahmens
(Scoping) § 14f UVPG
einschließlich Umfang und
Detailierungsgrad des Umweltberichts
und Behördenbeteiligung
Erarbeitung der Inhalte des
Umweltberichts
§ 14g UVPG
Behörden und Öffentlichkeitsbeteiligung
u.U. grenzüberschreitend
§§ 14h bis 14J UVPG
Überprüfung / Überarbeitung des
Umweltberichts unter Berücksichtigung
der Stellungnahmen aus der
Öffentlichkeitsbeteiligung
§ 14 k UVPG
Bekanntgabe der Entscheidung durch
Auslegung von Plan bzw. Programm
und zusammenfassende Erklärung
§ 14l UVPG
Überwachung
§ 14m UVPG
Nov. 2012
bis Dez. 2012
Vorbereitung Jan./ März. 2013
Scoping am 22. April 2013
Materialsichtung und Berichtsstruktur
Feb./ März 2013
Fachliche Bewertung nach
Programmfortschritt Mai - Dez. 2013
Auslage Entwurf EPLR und
Umweltbericht März 2014, Frist
für Stellungnahmen: 2. Mai 2014
Ergänzung und Überarbeitung
des Umweltbericht: Mai. 2014
und Stellungnahme zu den
Anmerkungen aus der
Öffentlichkeitsbeteiligung
nach Annahme/Genehmigung des
EPLR
Stellungsnahmen zum Entwurf des
Umweltbericht Jan.. 2014, Frist
für Stellungnahmen bis Mitte Febr.
2014. Einarbeitung Ergänzungen aus
Stellungsnahmen Ende Febr. 2014
nach Anpassung und
Annahme/Genehmigung des EPLR

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
25
1.4.2 Scoping
Anlehnend an den in Abb. 1 verdeutlichten Verfahrensschritten, wurden Aussagen zur SUP-
Pflicht im Kap. 1.1.2 und 1.1.3 getroffen.
Den nächsten Schritt im Rahmen einer durchzuführenden UVP bzw. SUP stellt das
sogenannte Scoping dar. Dieser Schritt dient dazu, den Rahmen für die durchzuführenden
Arbeiten und Analysen abzustecken und über die in das Gesamtverfahren der
Programmerstellung und –umsetzung einzubeziehenden Behörden und Einrichtungen sowie
potenziell vom Programm betroffene Dritte Klarheit zu erzielen. Somit dient das Scoping in
erster Linie der Festlegung des administrativen Ablaufs und der Rahmensetzung für die
SUP. Mit anderen Worten geht es um die Wahl und Abstimmung des „besten Weges“ im
Vorab der Erstellung der SUP, weil die SUP inhaltlich als ein begleitender Prozess bei der
Erstellung des Programms zu sehen ist.
Damit umfasst das dem eigentlichen Umweltbericht vorangestellte Scoping die in der Abb. 2
dargestellten Aufgaben und Arbeitsschritte.
Im Rahmen der vorliegenden SUP wurde das Scoping durch ein Arbeitstreffen am
22.04.2013 im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft realisiert.
Gegenstand der Abstimmung waren die in Abb. 2 inhaltlich angesprochenen Fragen und die
dafür notwendige weitere Vorgehensweise bei der Erstellung der SUP.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
26
Abb. 2: In das Scoping-Verfahren einzubeziehende Inhalte und Arbeitsschritte
In das Scoping waren einbezogen
-
Vertreter der für die inhaltliche Erarbeitung des EPLR verantwortlichen Referate des
Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft,
-
Vertreter des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz
sowie
-
Vertreter des Instituts für Nachhaltige Landbewirtschaftung GmbH als für die
Erstellung der SUP verantwortliche Einrichtung.
1.4.3 Schwerpunktmäßige Prüfung (Abschichtung)
Bei der Erstellung des EPLR handelt es sich um einen mehrstufigen Planungs- und
Zulassungsprozess, d. h. für die SUP notwendige Wissensgrundlagen sind u. U. an anderer
Stelle des gesamten Planungsverfahrens bereits bearbeitet worden. Vorliegende SUP
bezieht sich ausdrücklich auf die bereits im Planungsprozess erarbeitete SWOT-Analyse
(Stärke-Schwäche-Chancen-Risiken) und gilt zugleich nur im Zusammenhang mit der
Beschreibung der über das EPLR umzusetzenden Maßnahmen. Trotz Eigenständigkeit des
Festlegung des Untersuchungsrahmens
Detailgrad des Umweltberichtes
Methodischer Ansatz der Erfassung und
Bewertung von Umwelteffekten, d.h.
Festlegung der
- zu betrachtenden Schutzgüter
- Festlegung der Ausgangslage (base
line)
- Festlegung einzubeziehender Kriterien
- Indikatoren zur Erfassung des
Umweltzustandes
- Festlegung der Referenzsysteme
Behördenbeteiligung

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
27
SUP-Verfahrens werden daher beide Bereiche nur kurz dargestellt, um die Verständlichkeit
der Ergebnisse sowie des Gesamtverfahrens für Dritte (insbesondere in Hinsicht auf die
Öffentlichkeitsbeteiligung) zu wahren.
1.4.4 Darstellung der Ergebnisse aus der Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung
und ihre Berücksichtigung bei der Programmplanung
Die Erarbeitung der SUP erfolgt, wie unter Kap. 1.4.1 aufgezeigt, in einem interaktiven
Prozess unter Einbindung behördlicher Einrichtungen und der Öffentlichkeit. Innerhalb
dieses Prozesses wurden in einem ersten Schritt die Ergebnisse des Umweltberichtes
(Entwurfsstand vom 31.01.2014) den für die EPLR Bearbeitung verantwortlichen Referaten
des SMUL zur Kenntnis gegeben.
Die Rückantworten bezogen sich insbesondere auf die im Kap. 4.4 des Umweltberichts
dargestellten Inhalte, d. h. Vorschläge zur Vermeidung potenziell negativer Auswirkungen
des Programms. Konkret gab es dazu folgende Anmerkungen:
Forstliche Infrastrukturmaßnahmen:
Es wurde angemerkt, dass es sich zum weitaus überwiegenden Teil um den Ausbau und die
Instandsetzung vorhandener Wege handelt. Der Wegeneubau im Wald stellt einen
Ausnahmenfall dar, insofern ist Flächenneuversiegelung aus fachlicher Sicht kein Problem.
Ferner werden (wie auch in der laufenden Förderperiode 2007-2013) gebundene Bauweisen
grundsätzlich von der Förderung ausgeschlossen.
Auswahl von LEADER-Projekte unter Beachtung von Umweltkriterien:
Es wird dargestellt, dass administrative Vorgaben zur Vermeidung negativer Effekte bei der
Umsetzung von LEADER-Projekten gegeben sind, d. h. Umweltkriterien finden bei der
Förderung Beachtung.
Maßnahmen der Input-Reduzierung:
Hinweise bezogen sich insbesondere auf die klima- und gewässerschonende N-Düngung.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Maßnahme durchaus praktikabel ist und den
Landwirten Spielraum für die Absenkung der N-Salden belässt. Dennoch sind die Ansprüche
an die Betriebe erheblich. Sie umfassen neben umfangreichen Probenahmen (auch im
Herbst nach Vegetationsende und Probenahme je 5 ha-Teil-/schlag und nicht je 10 ha wie
bisher), erhebliche höhere Anforderungen an die N-Düngebedarfsermittlung einschl.
Bestimmung der Biomasse bei Raps als Voraussetzung für die biomasseabhängige N-

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
28
Düngung
sowie
die
schlagspezifische
N-Bilanzierung
und
die
Teilnahme
an
Schulungsveranstaltungen. In vorlaufenden Projekten zeigte sich bei Erfüllung der
dargestellten Anforderungen z. B. eine durchschnittliche Senkung der N-Salden bei Raps um
20 kg/ha und Jahr.
Ob der mit Blick auf diese erhöhten Anforderungen relativ geringe Fördersatz auch zu einer
hohen Akzeptanz der Maßnahme führt, bleibt abzuwarten. In diesem Zusammenhang ist
auch vermerkt, dass eine Anpassung der Fördervorgaben nach den Ergebnissen der EPLR-
Zentralbewertung rechtlich schwierig ist. Der Begriff „Steigerung der N-Effizienz“ soll im
EPLR besser erläutert werden.
Zielorientierte Grünlandbewirtschaftung:
Die Maßnahme wird als durchaus praktikabel angesehen, insbesondere weil es um die
Bewahrung bereits vorhandener günstiger Umweltzustände geht. Zudem wird die
Maßnahme durch Beratung unterstützt. Auch bei dieser Maßnahme können die
Zugangsvoraussetzungen im Ergebnis der Zentralbewertung des EPLR nicht ohne Weiteres
geändert werden, da Landwirte die eingegangenen Verpflichtungen von Beginn bis zum
Ende des Verpflichtungszeitraums einhalten müssen.
Verstärkte Anwendung von Herbiziden bei Bodenschutzmaßnahmen:
Es wird darauf hingewiesen, dass dieser potenzielle Problembereich vordringlich mit einer
dauerhaft konservierenden Bodenbearbeitung im Zusammenhang steht. Dies ist eine
Altverpflichtung, die im Förderzeitraum des EPLR 2014–2020 auslaufen wird. Damit mindert
sich auch der angesprochene Problembereich, weil für die neu programmierten
Bodenschutzmaßnahmen kein Anstieg des Herbizideinsatzes zu erwarten ist.
Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung und Programmfortschritt
Aus der Öffentlichkeitsbeteiligung des Umweltberichts zur SUP gingen, nach Auslage der
Dokumente (Umweltbericht und EPLR-Entwurf Stand 7. Februar 2014) und nach Einhaltung
der vorgesehenen Fristen, keine Stellungsnahmen zum Umweltbericht bzw. zum EPLR-
Entwurf ein.
Allerdings erfolgte auf Grundlage der Ex-ante–Bewertung sowie des Fortschritts in der
Programmerarbeitung unter Beteiligung der SMUL–Fachreferate und des LfULG sowie des
aktualisierten „EU - Working paper“ bzw. auf der Grundlage informeller Gespräche mit der
KOM eine Überarbeitung des veröffentlichten EPLR Entwurfs vom 06.03.2014.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
29
Vorgenommene Änderungen betrafen in erster Linie redaktionelle Sachverhalte sowie
Ergänzungen und Aktualisierungen in der Beschreibung der Umweltsituation. Genannte
Anpassungen im EPLR tangieren inhaltlich nicht den Umweltbericht zur SUP.
Einige weitere Änderungen im Rahmen der Fortschreibung des Programms betreffen
nachfolgende Sachverhalte:
- Einen neu in den EPLR eingefügten Abschnitt, der Möglichkeiten des Wechsels von
Vorhaben während eines laufenden Verpflichtungszeitraums aufzeigt und regelt. Die
vorgenommene Ergänzung erfolgte gemäß Art. 14 der delegierten VO zur Ergänzung der
ELER-VO Nr. 1305/2013. Damit wird den Landwirten die Möglichkeit eröffnet, nach Eingang
einer Maßnahmeverpflichtung, innerhalb des eingegangenen Verpflichtungszeitraums in eine
aus Umweltsicht „höherwertige“ Maßnahme umzusteigen.
-
Eine
Konkretisierung
und
klarere
Formulierungen
von
Maßnahmezielen
und
Spezifizierungen in den Vorhabenbeschreibungen sowie ergänzende Vorgaben für die
Maßnahmeumsetzung. Beispielhaft betreffen diese Programmanpassungen Hinweise auf die
unbedingte Beachtung betriebs- und baurechtlicher Vorgaben für investive Vorhaben auch
im Rahmen der Umsetzung von LEADER-Strategien, die Anpassung der Kennartenliste für
die Teilmaßnahme einer ergebnisorientierten Honorierung für ein artenreiches Grünland (Art.
28, GL.1), spezifizierte Vorgaben für die Reduzierung des Nährstoffeinsatzes (Art. 28, AL.8),
eine deutlichere Bezugsherstellung der Maßnahme des Wissenstransfers (Art. 14) auch zum
ökologischen Landbau.
Die vorgenommenen Änderungen stehen überwiegend in einem Sachzusammenhang mit
den im Kap. 4.4 des Umweltberichts aufgezeigten Bedenken und potenzielle Defizite des
Programmentwurfes vom 06.03.2014 sowie Hinweise auf deren Vermeidung. In der nunmehr
vorliegenden EPLR–Entwurfsfassung sind die durch den Umweltbericht angeregten
Anpassungen umgesetzt.
- Hinweise über das Verhältnis von Direktzahlungen (Anwendung des Greenings) zur
Teilnahme an EPLR–Fördermaßnahmen bzw. deren Teilmaßnahmen. Letzthin betreffen
diese Aussagen eine konkrete Abgrenzung zwischen der I. und II. Säule der Agrarförderung.
Es ist Ziel eine Doppelförderung und einen erhöhten Verwaltungsaufwand zu vermeiden.
Aus der Perspektive der im Umweltbericht zu analysierenden Faktoren kann eingeschätzt
werden, dass vorstehende Aktualisierungen des EPLR–Entwurfs vor allem darauf zielen,

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
30
bessere d. h. insbesondere auch transparentere Rahmenbedingungen für die Annahme von
freiwilligen Fördermaßnahmen im ländlichen Raum zu schaffen.
In diesem Sinne ergeben sich aus den Überarbeitungen des Programms keine Änderungen
in den inhaltlichen Aussagen des Umweltberichtes und zuvor formulierte Bedenken sind
ausgeräumt. In der Gesamtschau wird die Schlussfolgerung des Kap. 4.3 unterstützt,
wonach die Analyse der Umweltauswirkungen der Maßnahmen des EPLR 2014–2020
(Arbeitsstand vom 6.03.2014 und dessen Fortschreibung) keine erheblichen negativen
Auswirkungen auf Umweltschutzgüter bei Programmumsetzung haben wird. Damit bestätigt
der Umweltbericht die Zulässigkeit der Umsetzung des EPLR für den Freistaat Sachsen
2014 – 2020.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
31
2. Ziele des Umweltschutzes
2.1 Darstellung wesentlicher Ziele des Umweltschutzes im Freistaat Sachsen
Da es eine Vielzahl grundlegender Gesetze, Programme, Richtlinien und Strategiepläne auf
EU- und nationaler Ebene sowie auf Landesebene gibt, wird für jedes Umweltschutzgut
getrennt eine Darstellung der Schutzziele gegeben. Einige Pläne, Verordnungen, Strategien
und Richtlinien betreffen mehrere Schutzgüter.
Schutzgut Boden
In der von der EU vorgelegten „Thematischen Strategie für den Bodenschutz“ aus dem Jahr
2006 sind der Schutz und die nachhaltige Nutzung des Bodens übergreifendes Ziel.
Grundaussage ist die Vermeidung einer weiteren Verschlechterung der Bodenqualität und
die Erhaltung der Bodenfunktionen sowie die Wiederherstellung von Böden, deren Qualität
sich verschlechtert hat.
Um diese Ziele zu erreichen, sind Maßnahmen auf lokaler, nationaler und europäischer
Ebene erforderlich. Darüber hinaus wird in der „Deutschen Anpassungsstrategie an den
Klimawandel“ von 2008 die Bedeutung des Bodens im Zusammenhang mit möglichen
Folgen des Klimawandels hervorgehoben. Die hier getroffenen Überlegungen ergänzen die
im Grünbuch „Anpassung an den Klimawandel in Europa – Optionen für Maßnahmen der
EU“ aus dem Jahr 2009 an. In der „Klimawandel und Landwirtschaft – Strategie zur
Anpassung der sächsischen Landwirtschaft an den Klimawandel“ aus dem Jahr 2009
werden
diese
strategischen
Ansätze
zum
Bodenschutz
mit
konkreten
Handlungsempfehlungen und Schutzmaßnahmen untersetzt.
Darüber hinaus wird die Verringerung bzw. Vermeidung von neuen Bodenversiegelungen als
unerlässlich angesehen. Die Bedeutung des Bodenschutzes und der angeführten
Handlungsoptionen sind in nachfolgenden Regelungen bzw. Gesetzesgrundlagen erfasst.
Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von
Altlasten (Bundes-Bodenschutzgesetz – BBodSchG),
Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV),
Abfallwirtschafts- und Bodenschutzgesetz (SächsABG),
Handlungsprogramm zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme im Freistaat
Sachsen,
Thematische Strategie für den Bodenschutz, KOM(2006) 231.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
32
Für die Bewertung von Umweltwirkungen des Programms kommen nach Analyse
vorstehender Materialien insbesondere folgende Sachverhalte zum Tragen:
Die Umweltwirkungen im Zusammenhang mit dem Schutzgut Boden sind grundsätzlich aus
zwei Perspektiven zu beurteilen – aus der Perspektive des Bodenerhalts und aus der
Perspektive des Erhalts der Bodenfunktionen.
Der Bodenerhalt kann zunächst über die potenzielle Abnahme des Zuwachses an
Versiegelungsflächen erfasst und weiterhin am Umfang potenzieller Maßnahmen
zum Bodenerhalt (z. B. Erosionsschutz) beurteilt werden.
Bodenfunktionen sind sehr vielgestaltig und in ihren Wirkungen schwerer zu
bewerten.
Es
besteht
jedoch
weitgehender
Konsens
darüber,
dass
Bodenfruchtbarkeit
und
die
Wiederstandsfähigkeit
der
Böden
gegenüber
Starkregenereignissen deutlich mit deren Humusgehalt im Zusammenhang steht.
Ebenfalls kann eine günstige Dynamik des Humusauf- und -abbaus dazu beitragen,
Kohlendioxid im Boden (zeitweise) zu speichern.
Schutzgut Biodiversität
In den letzten Jahren hat sich das Bewusstsein in der Gesellschaft um den Erhalt der
biologischen Vielfalt erhöht, so dass eine Vielzahl an Strategien, Programmen und
Richtlinien existieren. Grundlage bildet zumeist das internationale „Übereinkommen über die
biologische Vielfalt“ (Convention on Biological Diversity, CBD) aus dem Jahr 1992. Auf
europäischer Ebene gelten zusätzlich die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) aus dem Jahr
1992 sowie die Vogelschutzrichtlinie mit der letzten Änderung aus dem Jahr 2009.
Ziel der FFH-Richtlinie ist die Sicherung der Artenvielfalt durch die Erhaltung der natürlichen
Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen im europäischen Gebiet der
Mitgliedsstaaten. Maßnahmen, die aufgrund dieser Richtlinie getroffen werden, zielen darauf
ab, einen günstigen Erhaltungszustand der natürlichen Lebensräume und wildlebenden Tier-
und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse zu bewahren oder wiederherzustellen.
Die Maßnahmen sollen darüber hinaus den Anforderungen von Wirtschaft, Gesellschaft und
Kultur sowie den regionalen und örtlichen Besonderheiten Rechnung tragen.
Die europäische Richtlinie „über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten“ (kurz:
Vogelschutzrichtlinie) hat den Schutz sämtlicher wildlebender Vogelarten, die im
europäischen Gebiet der Mitgliedstaaten heimisch sind, zum Ziel. Sie gilt für Vögel, ihre Eier,
Nester und Lebensräume. An Hand der nachfolgenden Maßnahmen sollen die

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
33
Mitgliedstaaten für die Erhaltung und Wiederherstellung der Lebensstätten und
Lebensräume sorgen:
Einrichtung von Schutzgebieten,
Pflege und ökologisch richtige Gestaltung der Lebensräume in und außerhalb von
Schutzgebieten,
Wiederherstellung zerstörter Lebensstätten,
Neuschaffung von Lebensstätten.
Im Jahr 2011 hat die EU die „Biodiversitätsstrategie der EU für das Jahr 2020“
verabschiedet. Sie wird als integraler Bestandteil der „Europa 2020 Strategie“ angesehen.
Als Ziel der Biodiversitätsstrategie für das Jahr 2020 wird das Aufhalten des Verlustes an
biologischer Vielfalt und der Verschlechterung der Ökosystemdienstleistungen in der EU und
deren weitest mögliche Wiederherstellung bei gleichzeitiger Erhöhung des Beitrags der
Europäischen Union zur Verhinderung des Verlustes an biologischer Vielfalt weltweit,
benannt. Bis zum Jahr 2050 wird damit angestrebt, einen weiteren Verlust der biologischen
Vielfalt abzuwenden, um ihren Beitrag zum Wohlergehen der Menschen und zum
wirtschaftlichen Wohlstand, der sich an den erbrachten Dienstleistungen – das Naturkapital –
belegen lässt, zu erhalten.
Mit der „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ der Bundesrepublik Deutschland erfolgt
eine Untersetzung der strategischen Ziele der EU und es werden konkrete Zielsetzungen für
das zukünftige Handeln benannt. So sollte bspw. der Aufbau der Natura 2000-Gebiete als
Baustein des europäischen Netzes Natura 2000 bis 2010 abgeschlossen sein. In der Folge
soll dann bis 2020 ein gut funktionierendes Managementsystem für alle Großschutzgebiete
und Natura 2000-Gebiete etabliert sein.
Mit dem „Programm zur Biologischen Vielfalt im Freistaat Sachsen“ des Sächsischen
Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft aus dem Jahr 2009 wurde ein
landesspezifisches Konzept erarbeitet und der Beitrag des Freistaats zu den Zielen bis 2020
unter
den
regionalen
Besonderheiten
spezifiziert.
Des
Weiteren
sind
einzelne
Handlungsfelder für den Naturschutz, Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie Jagd näher
beschrieben und potenzielle Gefährdungen und Konfliktfelder werden aufgezeigt. Ein
weiteres Anliegen des Programms ist es, die Bedrohung der Biodiversität als
gesamtgesellschaftliches Problem wahrzunehmen. Der verantwortungsvolle Umgang mit der
Biologischen Vielfalt soll zu einem allgemeinen Thema der Öffentlichkeit gemacht werden.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
34
Weitere Regelungen bezüglich des Schutzes von „Biodiversität“ sind enthalten:
in den Grundschutzverordnungen für die Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH-Gebiete)
im Freistaat Sachsen,
im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG),
in den Grundschutzverordnungen für die Europäischen Vogelschutzgebiete im
Freistaat Sachsen,
im Sächsischen Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Sächsisches
Naturschutzgesetz – SächsNatSchG),
in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt,
im Programm zur biologischen Vielfalt im Freistaat Sachsen,
im Landesentwicklungsplan Sachsen.
Als Bewertungsgrundlage ergeben sich aus den Hinweisen zum Schutzgut Biodiversität
nachfolgende zu betrachtende Sachverhalte:
Die gesetzlichen Grundlagen und Bestimmungen sind zunächst primär darauf
gerichtet, naturschutzfachlich wichtige Lebensräume zu schützen, d. h. diese zu
erhalten oder qualitativ zu verbessern. Bewertungsansätze liegen z. B. im Umfang
und
im
erreichten
Qualitätszustand
geschützter
Lebensräume
sowie
der
Einschätzung notwendiger Grundlagen (z. B. Managementpläne).
Es gilt, die Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes, d. h. die Bedeutung von
Organismen für den Naturkreislauf, in den Bewertungen zu berücksichtigen. Hier
ergeben sich neben Wirkungen auf Organismen im Regelfall Interaktionen zu den
Schutzgütern Boden und Atmosphäre (Klima).
Die Umweltbildung als Maßnahme zur Verankerung eines Umweltbewusstseins wäre
ebenfalls als Kriterium in eine Wirkungsbewertung einzubeziehen.
Schutzgut Wasser
Ziel der europäischen Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 ist die Schaffung eines
Ordnungsrahmens
für
den
Schutz
der
Binnenoberflächengewässer,
der
Übergangsgewässer, der Küstengewässer und des Grundwassers. Konkreter Inhalt ist die
Vermeidung einer weiteren Verschlechterung sowie der Schutz und die Verbesserung des
Zustands der aquatischen Ökosysteme. Dies soll durch Maßnahmen einer schrittweisen
Reduzierung
bzw.
Einstellung von Schadstoffeinträgen durch Emissionen und
Verfrachtungen erfolgen. Darüber hinaus soll eine schrittweise Reduzierung der
Verschmutzung des Grundwassers sichergestellt und eine weitere Verschmutzung

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
35
vermieden werden. Die Förderung einer nachhaltigen Wassernutzung soll dabei auf der
Grundlage eines langfristigen Schutzes der vorhandenen Ressourcen beruhen.
Da die Elbe den Freistaat Sachsen durchquert und einige Flüsse in die Oder münden, sind
zusätzlich die „Vereinbarung über die internationale Kommission zum Schutz der Elbe“
(IKSE) von 1992 und der „Vertrag über die Internationale Kommission zum Schutz der Oder
gegen Verunreinigung“ (IKSO) aus dem Jahr 1996 wichtig. Für die Elbe werden dabei
folgende Ziele definiert:
die Nutzungen, vor allem die Gewinnung von Trinkwasser aus Uferfiltrat und die
landwirtschaftliche Verwendung des Wassers und der Sedimente, zu ermöglichen
ein möglichst naturnahes Ökosystem mit einer gesunden Artenvielfalt zu erreichen
die Belastung der Nordsee aus dem Elbeeinzugsgebiet nachhaltig zu verringern
Um diese Ziele zu erreichen, sind die Verbesserung des Zustands der Elbe und ihrer
Hauptnebenflüsse in physikalischer, chemischer und biologischer Hinsicht in den
Komponenten Wasser, Schwebstoffe, Sedimente und Organismen sowie die Erhöhung des
ökologischen Wertes des Elbetales vordringlich.
Die Ziele zum Schutz der Oder gegen Verunreinigungen sind identischer Art. Sie werden
ergänzt durch Zielstellungen in Bezug auf
Risikovorbeugung/ nachhaltige Verringerung von Hochwasserschäden sowie
Koordinierung der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie im Odereinzugsgebiet.
Wichtige Anhaltspunkte zur fachlichen Bewertung der EPLR-Maßnahmen in Hinsicht auf den
Wasserschutz finden sich in nachfolgenden Dokumenten:
Bericht zur Maßnahmenumsetzung WRRL in Sachsen,
Atlas der Nährstoffeinträge in sächsische Gewässer,
Energie- und Klimaprogramm Sachsen,
Nachhaltigkeitsstrategie für den Freistaat Sachsen,
Wasserhaushaltsgesetz des Bundes,
Sächsisches Wassergesetz (SächsWG),
Sächsische Wassergesetz und die Sächsische Wasserzuständigkeitsverordnung
(SächsWasserZuVO),

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
36
Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft über
den Hochwassernachrichten- und Alarmdienst im Freistaat Sachsen (HWNAV).
Bei der Bewertung des EPLR ist zu hinterfragen, ob Handlungsempfehlungen bestehen, die
in folgende Richtung wirken:
Verbesserung einer chemischen Wasserqualität,
Verbesserung des ökologischen Zustandes von Gewässern,
Vermeidung von Hochwasserereignissen bzw. der Schäden durch Hochwasser,
Potenzielle Wirkungen von EPLR-bedingten Handlungen auf die Erfüllung
multilateraler Abkommen.
Schutzgut Klima
Im Bereich des Klima wird auf globaler Ebene das 2°C-Ziel verfolgt, d. h. durch Senkung der
Treibhausgase soll die globale Durchschnittstemperatur auf 2°C über dem vorindustriellen
Niveau
begrenzt
werden.
Man
geht
davon
aus,
dass
mit
entsprechenden
Anpassungsmaßnahmen Folgen des Klimawandels aufgefangen werden können. Daher gibt
es Programme, Richtlinien, Gesetze usw., die als Ziel die Reduzierung des Ausstoßes von
Treibhausgasen haben, um die Erreichung des 2°C-Ziels abzusichern. Auf der anderen Seite
gibt es eine Vielzahl an Strategien, deren Ziel die Anpassung an den Klimawandel ist.
„Das Protokoll von Kyoto zum Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über
Klimaänderungen“ (kurz: Kyoto-Protokoll) aus dem Jahr 1992 beinhaltet die ersten
Klimaziele. Darin sind die Reduktionsziele für die sechs Treibhausgase für die einzelnen
Länder bis 2012 festgelegt. Dabei hat sich Deutschland zu einer Verringerung seiner
Treibhausgas-Emissionen um 21 %, verglichen mit dem Ausgangsniveau von 1990,
verpflichtet. Für die gesamte EU besteht eine Verpflichtung von 8 % Reduktion. Mit „Europa
2020 - Eine Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum“ hat sich
Europa über 2012 hinaus eigene THG-Emissionsziele gesetzt. Eine Verringerung der
Treibhausgasemission von 1990 um 20 % wird angestrebt.
Das Ziel der „Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ von 2008 ist es, die
Verwundbarkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels zu mindern bzw. die
Anpassungsfähigkeit natürlicher, gesellschaftlicher und ökonomischer Systeme zu erhalten
oder zu steigern und mögliche Chancen zu nutzen. Konkretisiert werden diese
Anpassungsmöglichkeiten für den Freistaat Sachsen in der „Strategie zu Anpassung der
sächsischen Landwirtschaft an den Klimawandel“ aus dem Jahr 2008. Im ersten Schritt

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
37
werden die Auswirkungen des Klimawandels auf die Sächsische Landwirtschaft abgeschätzt
und anschließend konkrete Maßnahmen in unterschiedlichen Handlungsfeldern aufgezeigt.
Vertiefende Informationen sind im
Energie- und Klimaprogramm Sachsen sowie
in der Nachhaltigkeitsstrategie für den Freistaat Sachsen
enthalten.
Für Bewertungsansätze im Rahmen einer strategischen Abschätzung entsprechender
Umweltwirkungen aus Handlungsempfehlungen des Programms ist von Bedeutung, dass
Klimawirkungen in engem Zusammenhang mit Wirkungen auf andere Schutzgüter stehen,
sowohl im Hinblick auf Anpassungsstrategien an den Klimawandel als auch im Hinblick auf
eine potenzielle Einflussnahme auf die Emission bzw. auch die Rückbindung klimarelevanter
Gase.
Schutzgut Wald
In der europäischen Forststrategie aus dem Jahr 1998 betont die EU die Bedeutung der
multifunktionalen Rolle der Wälder und der nachhaltigen Waldbewirtschaftung, die auf ihren
gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, umweltbezogenen, ökologischen und kulturellen
Funktionen für die Entwicklung der Gesellschaft und insbesondere des ländlichen Raums
beruht, und den Beitrag der Wälder und der Forstwirtschaft zu bestehenden
Gemeinschaftspolitiken. Über den EU-Forstaktionsplan von 2006 wird die europäische
Forststrategie umgesetzt. Die Hauptziele des Aktionsplans sind die Unterstützung und der
Ausbau der nachhaltigen Waldbewirtschaftung und der multifunktionellen Rolle der Wälder.
Dabei sollen nationale Programme den Rahmen für die Umsetzung internationaler
forstbezogener Verpflichtungen setzen. Daher wurde in Deutschland im Jahr 2011 die
„Waldstrategie 2020 Nachhaltige Waldbewirtschaftung – eine gesellschaftliche Chance und
Herausforderung“ vorgelegt. Die Vision dieser Strategie sind standortgerechte, vitale und
dem Klimawandel anpassungsfähige Wälder mit überwiegend heimischen Baumarten.
Das Ziel einer nachhaltigen Nutzung des Waldes erfordert die gleichgewichtige Verbindung
wirtschaftlicher
Leistungsfähigkeit
mit
ökologischer
Verantwortung
und
sozialer
Gerechtigkeit. Die Handlungsfelder der Waldstrategie sind folgende: Klimaschutz und
Klimaanpassung;
Eigentum,
Arbeit
und
Einkommen
(Wertschöpfung);
Rohstoffe,
Verwendung und Effizienz; Biodiversität und Waldnaturschutz; Waldbau; Jagd; Schutz von
Boden und Wasserhaushalt; Erholung, Gesundheit und Tourismus sowie Forschung, Bildung
und Verbraucheraufklärung.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
38
Die dargestellten Zusammenhänge ergeben sich aus der Analyse der nachfolgenden
Dokumente:
Bundeswaldgesetz,
Waldgesetz für den Freistaat Sachsen,
Waldstrategie 2020 des Bundes,
Waldstrategie 2050 für den Freistaat Sachsen,
Nationaler Biomasseaktionsplan für Deutschland.
Für die Bewertung potenzieller Umweltwirkungen im Rahmen einer SUP sind nachfolgende
Punkte hervorzuheben:
Aussagen zur gesellschaftlichen und ökologischen Bedeutung des Waldes (u. U.
Tourismus, Wald als Lebensraum);
Einschätzung von Handlungsempfehlungen des EPLR in Hinsicht auf
Anpassungsprozesse an den Klimawandel, Wirkungen auf Biodiversität und
Vermeidung der Bodenversauerung;
Einschätzung potenzieller Klimawirkungen bei Holzzuwachs bzw. in Bezug zu
Formen der Holzverwertung.
Für eine Gesamtbewertung des Programms ist inhaltlich noch bedeutend, sich über die
Wirkungshierarchien
der
angesprochenen
und
potenziell
in
Betrachtungen
einzubeziehenden Maßnahmen auf Umweltschutzgüter aus fachlichem Ermessen Klarheit zu
verschaffen. Dies muss nicht immer kohärent mit der finanziellen Unterlegung der
Maßnahmen sein und Maßnahmen können der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben oder
ethischer Ansprüche dienen. Dies hat im Rahmen des Gesamtprogramms u. U. eine höhere
Priorität und ist in Bezug zu potenziellen Umweltwirkungen abwägend zu betrachten.
2.2. Berücksichtigung der Umweltziele im EPLR
Der für den Freistaat Sachsen entworfene EPLR für die Jahre 2014-2020 orientiert sich an
den einschlägigen EU-Dokumenten, die für die Erstellung der Programminhalte obligatorisch
sind. Diese Vorgaben orientieren sich an den von der EU vorgegebenen Zielen der EU-
Strategie „Europa 2020“, die mit Hilfe verschiedener EU-Fonds umgesetzt werden sollen
(vgl. Kap. 1.3.2). Im Set der dargebotenen Förderansätze verfolgt die EU mit den
Fördervorgaben für das EPLR (vgl. Kap. 1.2) in umfangreichem Rahmen Angebote, die auf
eine Verbesserung des ökologischen Zustands der Umwelt ausgerichtet sind und sich auf
alle bereits angesprochenen Schutzgüter beziehen. Mit dem EPLR des Freistaats Sachsen

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
39
werden alle seitens der EU möglichen Förderinitiativen für den Schutz der Umwelt
aufgegriffen und hauptsächlich über Flächenmaßnahmen im Rahmen von Agrarumwelt- und
Klimamaßnahmen, Maßnahmen des Naturschutzes, Maßnahmen zur Stabilisierung von
Wald-Ökosystemen und ökologische Anbauverfahren umgesetzt. In der Tab. 2 sind diese
Ansätze konkret aufgeführt. Insgesamt ist anzumerken, dass ein großer Teil der Fördermittel
des EPLR der Verbesserung des Umweltzustandes dienen soll.
3. Merkmale der derzeitigen Umwelt und des Umweltzustands bei
Nichtdurchführung des Programms
Mit der „Sozioökonomischen Analyse inklusive Stärken-, Schwächen-, Chancen-, Risiken-
Analyse“ wurden zur Vorbereitung des Programmierungsprozesses die notwendigen
Handlungsfelder für die neuen Förderperiode des Entwicklungsprogramms für den ländlichen
Raum im Freistaat Sachsen bestimmt.
Im Folgenden werden die Kernaussagen der sozioökonomischen und SWOT-Analyse
zusammenfassend dargestellt, soweit sie den EU-Vorgaben und damit auch den Inhalten
des EPLR (Entwurfsstand 08/13) für die Förderperiode 2014-2020 entsprechen.
Als ein besonderer Schwerpunkt für die strategische Entwicklung im Freistaat Sachsen wird
die zu erwartende demographische Entwicklung angesehen. Sie stellt vor allem die
Entwicklungspolitik im Bereich der ländlichen Räume vor große Herausforderungen, denn
die Abnahme der Bevölkerung im ländlichen Raum darf nicht zu einer soziökonomischen
Verarmung dieser Gebiete führen. Daher ist es notwendig, u. a. eine nachhaltige und an den
lokalen Bedarfen orientierte Anpassung der Infrastrukturen an die sich verändernde Situation
zu unterstützen.
Neben den angesprochenen Infrastrukturen ist für das Leben im ländlichen Raum das
Vorhandensein adäquater Arbeitsplätze bedeutend. Die meisten Arbeitsplätze befinden sich
im Bereich des Tourismus, im Baugewerbe, im Handwerk, im klein- bis mittelbetrieblichen
Verarbeitungsgewerbe, im haushaltsnahen Dienstleistungsgewerbe oder in der Land- und
Forstwirtschaft. Allein im Cluster Forst und Holz sind derzeit ca. 38.000 Menschen
beschäftigt. Gerade für die Landwirtschaft konnte festgestellt werden, dass die
Kapitalausstattung pro Arbeitsplatz im Freistaat Sachsen vergleichsweise gering ist und
damit die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe entwicklungsbedürftig ist.
Unterstützungen zum Aufbau eines produktiven Kapitalstocks, aber auch von Investitionen in
hochwertige und innovative Anlagen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sind somit

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
40
gefordert. Sie sollen daneben auch der Anpassung an den Klimawandel oder der
Verbesserung der Tiergesundheit dienen und für die Einführung neuer Technologien die
entsprechende Qualifikation oder die Weiterbildung des Personals gestatten. Hinsichtlich der
Anpassung an zukünftige Erfordernisse zeigen insbesondere kleinere Betriebe Defizite (z. B.
bei der Kapitalaustattung pro Arbeitsplatz). Es besteht die Gefahr, dass es bei größeren
strukturellen Veränderungen zu einer höheren Arbeitskraftfreisetzung kommen kann.
Die notwendigen Anpassungsprozesse in den angesprochenen Bereichen stehen nicht in
direktem Zusammenhang mit den im Freistaat verfolgten Umweltzielen, können jedoch auf
indirektem Weg den Umweltzustand in negativer oder auch positiver Richtung beeinflussen,
so z. B. über die Inanspruchnahme von Flächen, die Intensivierung der Flächennutzung oder
die Reduzierung von THG-Emissionen.
Zu den Stärken und Chancen, aber auch den Schwächen und Risiken, die direkt
Umweltschutzgüter betreffen, sind folgende Punkte anzusprechen:
Im Freistaat Sachsen sind etwa 60 % der Ackerflächen durch Wasser- und 15 % durch
Winderosion gefährdet. Wassererosion wird zumeist durch Starkregenereignisse verursacht.
Der Klimawandel und damit einhergehende Extremwetterereignisse und Trockenperioden
würden die Bodenerosion durch Wind und Wasser begünstigen. Handlungsbedarf zum
Bodenschutz wurde bereits in der laufenden ELER-Förderperiode gesehen und u. a. mit der
Agrarumweltmaßnahme (Code 214) Dauerhaft konservierende Bodenbearbeitung diesem
Risiko entgegen gewirkt. Der Bodenabtragung auf so bewirtschafteten Flächen konnte
wesentlich
verringert
werden
(Jährlicher
Zwischenbericht,
2012).
Von
den
Flächenmaßnahmen geht auch meist eine erhöhte Kohlenstoffbindung im Boden aus. Um
die benannten Effekte zu stärken, sind auch weiterhin Flächenmaßnahmen vorgesehen, die
u. a. gegen Erosion wirken.
Vor einer weiteren Herausforderung steht der Freistaat Sachsen in Hinsicht auf die
Erreichung der durch die WRRL vorgegebenen Qualitätsziele, insbesondere in Bezug auf die
chemische Gewässergüte bei Grund- und Oberflächenwasser. Handlungsbedarf besteht
besonders im Bereich der Nitratgehalte, welche mit der Ausbringung von N-Düngern als
Pflanzennährstoff in Verbindung stehen.
Durch Umsetzung von AUM, speziell einer Input-Reduzierung und der Nährstoffbindung
durch Zwischenfruchtanbau, Untersaaten und der konservierenden Bodenbearbeitung in der
vorherigen Förderperiode, konnte eine positive Entwicklung beim Restnitrat- bzw.
Nährstoffgehalt landwirtschaftlich genutzter Böden erreicht werden.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
41
Durch die angeführten Maßnahmen wird sowohl die Verfrachtung der Nährstoffe mit dem
Sickerwasser als auch der Eintrag von Nährstoffen mit dem Oberflächenabfluss von
landwirtschaftlich genutzten Flächen in Oberflächengewässer verringert.
Schwächen
werden
ebenfalls
im
Bereich
des
ökologischen
Zustands
der
Oberflächengewässer aufgeführt. Nur ein geringer Anteil der Fließgewässer und
Standgewässer erreicht einen guten ökologischen Zustand nach den Vorgaben der WRRL.
Ursache sind vor allem in Defiziten in der Gewässerstruktur, wie z. B. der fehlenden
standortgerechten Uferbepflanzung an kleineren Gewässern, zu sehen. Auch in diesem
Bereich wird Handlungsbedarf gesehen.
Die Analyse der Waldsituation im Freistaat Sachsen zeigt, dass der Zustand der Wälder
deutlich besser als im EU- und Bundesdurchschnitt ist. Dennoch ist der Waldzustand als
verbesserungswürdig eingestuft. Insbesondere die Buchen- und Eichenwaldgesellschaften
weisen immer noch einen schlechten Gesundheitszustand auf (SMUL, Waldzustandsbericht
2013). Der Wald ist historisch bedingt durch gleichaltrige Reinbestände geprägt. Die
überwiegend naturferne und wenig strukturierte Waldbestockung führt zu einer erhöhten
Disposition gegenüber biotischen und abiotischen Schadfaktoren. Die Elastizität der
Waldböden gegenüber Säurestress ist gering und es besteht ein starkes bis sehr starkes
Säurebelastungsrisiko.
Eine hohe Stabilität der Wälder ist wichtig, weil zukünftig zu erwartende verstärkte
Nachfragen nach Holz von der holzbe- und verarbeitenden Industrie voraussichtlich größer
sind als das gegenwärtige Angebot an Rohholz, auch bedingt durch erhöhte Nachfragen
nach Energieholz. Gerade letzteres kann mit einem verstärkten Nährstoffentzug aus dem
Waldboden verbunden sein, was langfristig zu einer Verschlechterung der Bodengüte führt.
Gefährdungen der Umwelt bzw. Risiken für Schutzgüter ergeben sich vor allem durch eine
weiter voranschreitende Intensivierung der landwirtschaftlichen Flächennutzung bzw. eine zu
einseitige Struktur der Landnutzung. Gefahren liegen im Grünlandumbruch bzw. in der
Unternutzung des Grünlandes, einschließlich einer Nutzungsaufgabe.
Daher wird die Fortschreibung einer auf diesen Problemkreis zugeschnittenen Förderung für
den Erhalt bestehender Landnutzungsstrukturen als unabdingbar angesehen.
In Bezug zum Klimawandel wird für den Freistaat Sachsen eine Zunahme von
Wetterextremereignissen, wie Trockenperioden oder Starkregenereignisse, prognostiziert.
Insgesamt wird angenommen, dass die sächsische Landwirtschaft unterschiedlich, aber

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
42
vergleichsweise wenig verletzlich gegenüber diesen Veränderungen ist. Probleme werden
vor allem für Standorte im Nordosten von Sachsen gesehen, weil die dortigen Böden durch
eine geringere Wasserspeicherkapazität gekennzeichnet sind. Damit entstehen den
Betrieben erhöhte Ertragsrisiken, wenn die Bewirtschaftung nicht an die veränderten
Bedingungen angepasst wird. Eine zunehmende Wassernutzung ist für eine Absicherung
landwirtschaftlicher Erträge zu erwarten.
Im Rahmen der angesprochenen Analysen werden neben Handlungsoptionen zur
Anpassung der Landwirtschaft an zu erwartende Klimaveränderungen auch Optionen
vorgeschlagen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. In Sachsen ist die
Landwirtschaft mit etwa 5 % an den Treibhausgas-Emissionen beteiligt. Die Emissionsquelle
sind hauptsächlich Lachgas (Distickstoffoxid, N
2
O), welches durch N-Düngung (mineralisch
und organisch) und durch Bodenbearbeitung in Folge der Aktivierung des Bodenlebens
emittiert wird. Methan-Emissionen stammen vor allem aus der Tierhaltung und
Reduzierungspotenziale werden angesprochen, die z. B. durch die Modernisierung und
Rationalisierung der Landbewirtschaftung und Tierhaltung beeinflusst werden können.
Insgesamt wird aufgezeigt, dass Maßnahmen zur Reduzierung der THG-Emissionen sehr
vielgestaltig sein können und verschiedene, bereits weiter oben angeführte Maßnahmen zum
Boden- und Wasserschutz, gleichzeitig und meist in positiver Richtung auf die Emission von
THG wirken. Daher ist es im Interesse aller Umweltschutzgüter wichtig, landwirtschaftliche
Produktion vielgestaltig zu betreiben. Für den Freistaat wird hervorgehoben, dass eine hohe
landschaftliche Vielfalt gegeben ist, gekennzeichnet durch einen relativ hohen Grünlandanteil
in den Bergregionen im Vergleich zum Tiefland, die nach ökologischen Gesichtspunkten
bewirtschafteten Flächen und den relativ hohen Anteil an Flächen mit hohem Naturwert
(HNV-Flächen).
Der Anteil des ökologischen Landbaus ist seit 1994 stetig angestiegen, er erreicht aber
bisher nicht den deutschen Durchschnitt, weshalb weiterer Handlungsbedarf gesehen wird.
Flächen mit hohem Naturschutzwert haben ein hohes Potenzial zur Erhaltung der
Artenvielfalt. Gleichzeitig liegt nur ein geringer Teil der landwirtschaftlichen Flächen innerhalb
der Natura 2000-Gebiete. Es wird daher als notwendig erachtet, Fördermaßnahmen
anzubieten, die eine freiwillige Teilnahme der Landwirtschaft an den Zielen des Schutzes
von „Biodiversität“ ermöglichen, um eine naturschutzgerechte Bewirtschaftung des Grün-
und
Ackerlandes
sicher
zu
stellen.
Im
Moment
gibt
es
entsprechende

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
43
Agrarumweltmaßnahmen (Code 214 B), die auf das Grünland ausgerichtet sind (Bericht zur
Halbzeitbewertung des EPLR 2007-2013, 2010).
Ein weiteres Handlungsfeld liegt, bezogen auf die belebte Umwelt, in einer unzureichenden
Vernetzung der Lebensräume, was eine Wanderung bzw. die Ausbreitung von
naturschutzfachlich bedeutenden Arten behindert. Ebenfalls kann ein unzureichender bis
schlechter Erhaltungszustand vieler Tier-, Pflanzenarten und Lebensräume (FFH-
Lebensraumtypen) festgestellt werden.
Eine Chance zur Lösung dieser Herausforderung wird u. a. in einer stärkeren Beachtung des
Waldes als Lebensraum und Trittstein für Wanderungen gesehen, um auf größeren Flächen
einen effektiven Naturschutz zu erreichen.
In Bezug auf
eine naturschutzfachlich hohe Qualität der determinierten FFH-
Lebensraumtypen ist eine Kontinuität in der Flächenbewirtschaftung Voraussetzung, d. h.
Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung entsprechender Lebensräume sind nur über
lange Zeiteinheiten zu erreichen. Neben der Bewirtschaftungskontinuität sind diese Prozesse
an eine entsprechende Nutzungsweise geknüpft. Diese wird durch Managementpläne und
andere Fachplanungen des Naturschutzes beschrieben. Die Planerstellung ist somit wichtige
Grundlage für die Umsetzung derartiger Maßnahmen sowie für die Vermeidung evtl.
negativer Effekte auf die LRT durch verfehlte Bewirtschaftungskriterien.
Aus den in der „Sozioökonomische Analyse inklusive Stärken-, Schwächen-, Chancen-,
Risiken-Analyse für das Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum im Freistaat
Sachsen 2014-2020“ erfolgten Beschreibungen des Umweltzustandes lassen sich damit
folgende wichtige Umwelt-Schwerpunktbereiche zusammenfassend ableiten:
Aufwertung von Landnutzungssystemen mit Zielsetzungen der Vermeidung von
Bodenerosion bzw. des Erhalts eines guten Bodenzustandes und Vermeidung der
Freisetzung von THG auch unter dem Gesichtspunkt der Umstellung
landwirtschaftlicher Betriebe auf ökologische Anbauverfahren;
Verringerung des Flächenverbrauchs, d. h. die Versiegelung von Böden und die
Zerstörung ursprünglicher Böden sind weitgehend zu vermeiden;
Schutz der Biodiversität allgemein und insbesondere im Rahmen des Naturschutzes,
wobei Landnutzungssysteme insbesondere auf die Ansprüche geschützter Tier- und

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
44
Pflanzenarten bzw. Lebensraumtypen zuzuschneiden sind. Besonders Grünland ist in
Nutzung zu halten;
Schutz von Grund- und Oberflächengewässern, wobei insbesondere Einträge von
Gewässerschadstoffen durch die Landwirtschaft die Erreichung von Qualitätszielen
der WRRL behindern. Auch für den ökologischen Gewässerzustand werden
Verbesserungen angemahnt;
Für Wälder liegt die besondere Aufgabe in der Anpassung der Waldökosysteme an
den Klimawandel, d. h. Wälder sind in ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber
abiotischen und biotischen Schadeinflüssen zu stärken;
Erhöhung von Aktivitäten zum Klimaschutz, d. h. Verbesserung der Luftqualität und
Vermeidung von Schadstoffemissionen aus industriellen Quellen und ländlichen
Infrastrukturen;
Stärkung der CO
2
-Rückbindung durch Beachtung der in (Agrar-) Ökosystemen
vorhandenen Austauschbeziehungen zwischen Bodenhumushaushalt und der
Atmosphäre.
Für eine Einschätzung der Entwicklung der Umweltsituation im Freistaat Sachsen bei
Nichtdurchführung der im EPLR vorgesehenen Fördermaßnahmen ist zunächst das
Verständnis zu stärken, dass eine Lösung der hervorgehobenen Umweltprobleme nur durch
ein konzertiertes Vorgehen unter Berücksichtigung verschiedener Ansätze möglich wird. Die
Förderansätze des EPLR stehen neben weiteren Fördermöglichkeiten im sozialen Bereich
und der Entwicklung der Infrastruktur, ordnungsrechtlichen Regelungen sowie den Vorgaben
der guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft, geregelt über Verordnungen und Cross-
Compliance-Vorgaben.
Diese Hinweise sind voranzustellen, um zu verdeutlichen, dass ein (hypothetischer) Verzicht
auf
EPLR-Fördermaßnahmen
nicht
in
allen
Bereichen
mit
einer
drastischen
Verschlechterung des Umweltzustandes einhergehen würde.
Eine Nichtdurchführung des Programms würde sich daher insbesondere in Bereichen
negativ auswirken, in denen durch gesetzliche Vorgaben sehr hohe Umwelt-Qualitätsziele
definiert sind und deren Einhaltung starke ökonomische Einbußen für Flächenbewirtschafter
oder hohe Investitionen nach sich ziehen. Diese Aussage betrifft speziell nutzungsbezogene
FFH-Lebensraumtypen.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
45
Für die angesprochenen Bereiche würde sich ein Ausbleiben der Förderung auf jeden Fall
nachteilig auf den Umweltzustand auswirken und die ökonomische Nachhaltigkeit im
ländlichen Raum agierender Einrichtungen schmälern.
Beispielgebend sind EU-Vorgaben zum Aufbau des europaweiten Netzwerkes „Natura 2000“
und der EU-WRRL. Für die Zielsetzungen beider Vorhaben war die bisherige Förderung sehr
erfolgreich. Festzumachen ist dies an folgenden Beispielen:
Erreichung positiver Entwicklungen für FFH-Arten und Lebensraumtypen auf
Grünlandstandorten.
Wenngleich
das
Entwicklungspotenzial
nach
naturschutzfachlichen Kriterien bisher nicht ausgeschöpft ist, trug die Förderung zum
Erhalt eines Status quo und zu einer positiven Entwicklung auf den Standorten bei.
Nichtförderung hätte in größerem Maße zur Einstellung der landwirtschaftlichen
Bewirtschaftung geführt, auf die die meisten Arten und LRT angewiesen sind.
Qualitätsziele der Wasserrahmenrichtlinie (insbesondere chemische Wasserqualität)
sind sehr hoch gesteckt, auch weil sie innerhalb recht kurzer Zeitfenster erreicht
werden sollen. Die bisherigen Anstrengungen im Freistaat Sachsen einschließlich der
Fördermaßnahmen trugen dazu bei, sich der geforderten Qualitätsnorm für
landwirtschaftliche Nährstoffe (Nitratgehalte in Gewässern) deutlich anzunähern.
Wenngleich der gegenwärtige Stand noch nicht den für 2013 angestrebten Zielen
entspricht, trug die Förderung zu positiven Entwicklungen bei, die sonst ausgeblieben
wären.
Die Erreichung der Ziele zur Sicherung der biologischen Vielfalt und die Umsetzung von
Vorgaben der WRRL sowie daran geknüpfte Berichtspflichten erfordern wirksame
Werkzeuge für die Analyse der Umweltsituation sowie Planungen zur Verbesserung bei
schlechter Umweltsituation. Fördermaßnahmen sind auch auf die Erstellung dieser
notwendigen Vorleistungen ausgerichtet. Zu nennen wären beispielhaft Fachplanungen zur
Untersetzung der sächsischen Artenschutzkonzeption oder zur Ermöglichung regionaler
Biotopverbundplanungen bzw. Planung und Beratung für die Bewirtschaftung von Gewässer-
Einzugsgebieten.
Diese
Vorleistungen
für
direkte
Maßnahmen
im
Natur-
und
Gewässerschutz hätten ohne Förderung keine ökonomische Grundlage.
Der ökologische Landbau wirkt durch seine Art der Landnutzung sehr vielgestaltig und
positiv auf Umwelt-Schutzgüter. So nutzt er bewusst durch Biodiversität erzeugte
„Ökosystemdienstleistungen“, wie z. B. die biologische N-Fixierung, Regelleistungen über
Räuber-Beute-Beziehungen, den Aufbau und die Mineralisierung organischer Substanz

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
46
(Kreislaufgedanke). Dies hat zur Konsequenz, dass ökologische Anbauverfahren auf den
Einsatz chemisch-synthetischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel verzichten können. Als
Folge ergeben sich positive Rückkopplungen auf Arten (bzw. Biodiversität) und Risiken für
Böden, Gewässer, Atmosphäre werden abgemildert.
Dies ist allgemein der Grund für die positive Beurteilung ökologischer Anbauverfahren durch
die Gesellschaft. Die Förderung ökologischer Anbauverfahren hat die Nutzungsumstellung
begünstigt, wobei die gezahlten Fördersummen als finanzieller Ausgleich für zusätzliche
systembedingte Aufwendungen und zugleich für Erlösausfälle durch (meist) geringere
Ertragserwartungen im Ackerbau oder Leistungen in der Tierproduktion zu sehen sind. Nur
dieser zusätzliche finanzielle Ausgleich macht die ökologische Nachhaltigkeit des
Anbausystems auch sozial und ökonomisch nachhaltig. Ein Verzicht auf die Förderung
würde den Betrieben die ökonomische Grundlage entziehen und die Basis der allgemein
gesellschaftlich anerkannten Nachhaltigkeit ökologischer Anbauverfahren weitgehend
zerstören.
Für potenzielle negative Entwicklungen bei Nichtgewährung von Fördermaßnahmen können
auch Maßnahmen für den Wald angeführt werden, weil in Bezug zum Klima zwei Effekte
ersichtlich sind. Auf der einen Seite gilt das Ziel, den Wald gegenüber klimabedingten
Schadereignissen zu stärken und auf der anderen Seite verfügen Wälder mit stabilem
Holzzuwachs über ein erhebliches Potenzial, das Treibhausgas CO
2
zu binden. Im Sinn
eines der Nachhaltigkeit zugrunde liegenden Generationen übergreifenden Handelns
erleichtert die Förderung das Überschreiten ökonomischer Barrieren bei einer zeitnahen
Anpassung der Waldökosysteme an die genannten Herausforderungen. Bei Nichthandeln
würden sich notwendige Entwicklungen zeitlich stark verzögern und Risiken auf die Zukunft
verlagert werden.
4. Analyse der Umweltauswirkungen des EPLR 2014-2020
4.1 Bewertung von Umwelteffekten
4.1.1 Bewertungssystem
Eine Einschätzung und letztlich auch Bewertung von Programmen in Hinsicht auf ihre
potenziellen Umweltwirkungen setzt ein Referenzsystem voraus, welches als Maßstab der
Bewertung der zu erwartenden Umweltwirkungen anzusehen ist. Dabei ist zunächst
festzulegen, welche Programmebene zu bewerten ist. Für das EPLR sind im Wesentlichen
zwei Ebenen zu betrachten:

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
47
Ebene der Einzelmaßnahmen
Ebene des Gesamtprogramms
Bewertungssysteme für Einzelmaßnahmen beruhen überwiegend auf fachlich begründbaren
Ursache-Wirkung-Beziehungen,
welche
z. T.
durch
belastbare
wissenschaftliche
Untersuchungen und auf der Basis von Wirkungsindikatoren Vergleiche zulassen.
Indikatoren müssen auf die Umweltfragestellungen der SUP zugeschnitten sein. Im Fall einer
nicht Verfügbarkeit von Indikatoren können Informationen u. U. über Analogieschlüsse aus
ähnlichen Sachverhalten gezogen werden.
Auf
Ebene
des
Gesamtprogramms
versagen
eindimensionale
wissenschaftliche
Bewertungsansätze im Regelfall, weil für die Erfassung von Interaktionen und Synergien
zwischen den Maßnahmen und Prioritäten keine belastbaren Daten vorliegen.
Dies ist der Grund, maßnahmeübergreifende Bewertungen in Relation zu grundlegenden
gesetzlichen Bestimmungen bzw. politisch fixierten Vorstellungen der gesellschaftlichen
Entwicklung durchzuführen.
Mit den nachfolgenden Gliederungspunkten werden die Bewertungsgrundlagen auf den
angesprochenen Betrachtungsebenen näher erläutert.
4.1.2 Bewertung von Maßnahmen
In der Abb. 3 ist der Weg der Bewertung der EPLR-Maßnahmen in Hinsicht auf potenzielle
Umweltwirkungen visualisiert. Es wird von der Beschreibung der Maßnahme und des
Maßnahmeziels ausgegangen, welches im Rahmen der unter Kap. 3 herausgearbeiteten
Umweltdefizite bzw. Umweltentwicklungsstrategien zu betrachten war. Über diesen Abgleich
von Maßnahmezielen und strategischen Entwicklungszielen für den Umweltzustand wurden
Bewertungskriterien herausgearbeitet und, soweit möglich, durch Indikatoren untersetzt
(vergl. Tab. 8 und 15). Mit dieser Zuordnung wurde deutlich, dass den Maßnahmen des
EPLR Ursache-Wirkungs-Faktoren hinterlegt sind, die eine Gruppierung der Maßnahmen in
Maßnahmen mit bzw. ohne direkte Bindung an Flächen für die Bewertung von
Umweltbeeinflussungen ermöglichen.
Über den Arbeitsschritt der Erfassung der Ursache-Wirkung-Beziehungen können qualitative
Einschätzungen der Relevanz potenzieller Umwelteffekte vorgenommen werden. Letzthin
lässt sich daraus die Wirkung der Maßnahmen auf Umweltschutzgüter in ihrer Richtung

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
48
(negativ, positiv, neutral) bestimmen. Die im UVPG fixierte juristische definierte
„Erheblichkeit“ gegebener Umweltwirkungen ist dahingegen schwer abzuleiten.
Abb. 3: Bewertungsschema für die EPLR-Maßnahmen zur Abschätzung der
voraussichtlichen erheblichen positiven oder negativen Umweltwirkungen
Da im Rahmen der SUP zudem Vorschläge zur Veränderung oder Anpassung des EPLR zur
Verhinderung negativer Umweltwirkungen durch die Maßnahmeumsetzung gefordert sind,
erscheint eine alleinige qualitative Umweltbewertung nicht ausreichend. Für die Abschätzung
der Erheblichkeit potenzieller (negativer) Umweltwirkungen und zur Ableitung evtl.
notwendiger Programmanpassungen wurde daher in einem weiteren Schritt eine stärker
untersetzte quantitative Analyse durchgeführt.
Um diesen Schritt transparent und nachvollziehbar zu halten, wurde der Erstellung der
Matrizes und der Ableitung der Erheblichkeit von Umweltbeeinflussungen ein Fragenkatalog
hinterlegt. Diese Fragen erfassen nicht allein die ökologisch-fachlich vorhandenen
Interaktionen zwischen Fördermaßnahme und Umweltschutzgut. Sie dienen auch der
Aufdeckung evtl. vorhandener störender Rahmenbedingungen bei der Umsetzung der
Maßnahme
Schutzgüter
Beschreibung der Inhalte der Maßnahmen
Bestimmung von betroffenen Schutzgütern
durch die Maßnahmen
Wirkfaktoren
Bestimmung von Wirkfaktoren die für die Maßnahme
untersuchungswürdig gehalten werden
Ursache-Wirkungs-Matrix
Abschätzung der Umweltwirkung der
Wirkfaktoren auf die Schutzgüter
Relevanz-Matrix
Abschätzung der voraussichtlich positiven oder
negativen Umweltwirkungen der Maßnahmen
Erheblichkeit
Abschätzung der potenziellen erheblichen positiven
und negativen Umweltwirkungen der Maßnahmen

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
49
Fördervorhaben (z. B. stark einschränkende administrative Vorgaben) und verbessern die
Informationsbasis zur Einschätzung der sogenannten 0-Variante, also welche Umwelteffekte
entstehen bei Nichtdurchführung der Maßnahme oder des Fördergegenstandes (z. B.
entfaltet die Maßnahme Initialwirkungen oder sind Umweltwirkungen nur durch
Dauerförderung zu erreichen).
In der Beantwortung angeführter Sachverhalte und unter Berücksichtigung der Inhalte der
vorgeschalteten quantitativen Bewertung lassen sich Maßnahme- und Programmwirkungen
auf einheitlicher Grundlage und weitgehend objektiv einschätzen.
Die der qualitativen Bewertung unterlegten Fragen sind:
1) Welche Maßnahmen sind innerhalb des EPLR direkt auf die Lösung von
Umweltproblemen zugeschnitten und gehen von der Maßnahme Umweltwirkungen
aus?
2) Aus welchen Maßnahmen sind „Nebenwirkungen“ (evtl. auch negativer Art) zu
erwarten?
3) Sind die Maßnahmen und Prioritäten potenziell geeignet, bestehende
Umweltprobleme zu lösen?
4) Sichern die Maßnahmen und Prioritäten den Fortbestand bereits eingeleiteter
positiver Entwicklungen im Umweltbereich?
5) Wie sind Synergien der Maßnahmen in Bezug auf alle definierten Schutzziele zu
beurteilen?
6) Inwieweit ist die Programmkonzeption geeignet, die Entwicklung von Schutzgütern
nachhaltig (dauerhaft) zu beeinflussen?
7) Wie ist die finanzielle Ausstattung der Maßnahmen in Hinsicht auf potenzielle
Erreichung von Umweltwirkungen einzuschätzen?
8) Können administrative Vorgaben für Maßnahmen bzw. Prioritäten potenzielle
Umweltwirkungen beeinflussen?
Mit der ersten Frage wird geprüft, ob überhaupt eine Umweltwirkung von der Maßnahme
ausgeht. Wird dies verneint, ist eine weitere Betrachtung der Maßnahme im Rahmen der
SUP bzw. der Einschätzung des Gesamtprogramms nicht notwendig (Prozess der
Abschichtung).

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
50
Sind potenzielle Umweltwirkungen (positiv oder negativ) zu erwarten, wird zunächst
analysiert, welches Schutzgut primär betroffen ist und für welche Schutzgüter Nebeneffekte
zu erwarten sind (Frage 2).
Die zweite Zeile der Matrix bewertet, ob die jeweilige Maßnahme einen erheblichen Beitrag
zur Abstellung von Umweltdefiziten leisten kann. Weiterhin wird die Abhängigkeit potenzieller
Umweltwirkungen vom Fortbestand bisheriger Maßnahmeumsetzungen betrachtet (Zeile 3
der Ursache-Wirkungs-Matrix). Ebenfalls wird in der Ursache-Wirkungs-Matrix betrachtet,
inwieweit durch die Maßnahme bzw. Maßnahmekomplexe vom primären Maßnahmeziel
Synergieeffekte auf andere Schutzgüter zu erwarten sind (Zeile 4).
Frage sechs beurteilt, inwieweit der Förderansatz darauf gerichtet ist, die Entwicklung von
Schutzgütern nachhaltig (dauerhaft) zu beeinflussen – z. B. dadurch, dass mit der Förderung
Initialwirkungen erzeugt oder Voraussetzungen für das Erreichen von Umweltwirkungen oder
für die Umsetzung weiterer Fördermaßnahmen bzw. die Einhaltung von Umweltstandards
geschaffen werden.
Die weiteren Zeilen der Bewertungsmatrix beurteilen den Einfluss der finanziellen
Maßnahmeausstattung sowie administrativer (z. B. Gebietskulisse) bzw. auch gesetzlicher
Vorgaben (z. B. des Baurechts). Diese Betrachtung ist wichtig, weil durch entsprechende
Ausstattungen und Regelungen Fehlwirkungen auf Umweltschutzgüter vermieden werden
oder potenziell zu erwartende positive Umweltwirkungen auch ausbleiben können.
Eine zusammenfassende quantitative Bewertung der zu erwartenden Umweltwirkungen bzw.
des administrativen Rahmens der Förderung ergibt sich aus den beiden letzten Zeilen der
Ursache-Wirkung-Matrix (als Mittelwert der zugeordneten Fragen, vergl. z. B. Tab. 9).
Mit dem Hintergrund der jeweiligen Fragestellung wurde zur Beurteilung der Stärke des
Einflusses zu jedem Schutzgut ein Punktraster durchlaufen, welches wie folgt quantifiziert ist:

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
51
0 Punkte:
Die Maßnahme ist gegenüber dem Schutzgut umweltneutral,
1 Punkt bzw. –1 Punkt:
Die Maßnahme hat einen merklichen positiven bzw. negativen indirekten Effekt auf das
Schutzgut,
2 Punkte bzw. –2 Punkte:
Die Maßnahme hat einen merklichen positiven bzw. negativen direkten Effekt auf das
Schutzgut und es kann von merklichen Wirkungen ausgegangen werden,
3 Punkte bzw. –3 Punkte:
Die Maßnahme ist direkt auf die Lösung von Schutzgut bezogenen Problemen
zugeschnitten bzw. wirkt für das Schutzgut Problem verstärkend, es bestehen erhebliche
Wirkungen in Bezug zum jeweiligen Schutzgut.
Der Vorteil der beschriebenen Vorgehensweise liegt letztlich auch in der Möglichkeit der
Aggregation der Bewertungsnoten auf Ebene aller EPLR-Maßnahmen (Beurteilung des
Programms) und stellt auch eine geeignete Basis potenzielle positive Umweltwirkungen
gegenüber eher negativen Effekten abzuwägen.
Abschließend wird in Kap. 4.2 für jeden Maßnahmenkomplex verbal eingeschätzt, welche
Auswirkungen eine drastische Reduzierung bzw. Beendigung der Fördermaßnahmen auf die
jeweiligen Schutzgüter voraussichtlich haben würde ("0-Variante").
4.1.3 Referenzsysteme und Analogien für die Bewertung
Da einige Maßnahmen der ELER-Verordnung für 2014-2020 der laufenden Förderperiode
entnommen
sind,
hat
eine
Abschätzung
der
Umweltwirkungen
bereits
in
der
vorangegangenen SUP für die Förderperiode 2007-2013 stattgefunden. Im Bericht zur
Halbzeitbewertung des EPLR 2007-2013 und den jährlichen Zwischenberichten zu
Maßnahmewirkungen sind bisherige (Wirkungs-) Ergebnisse des Programms dargestellt. Die
Darstellungen beruhen auf Indikatoren, die im Rahmen der Begleitung des Förderprogramms
2007-2013 bearbeitet wurden. Auf diese Indikatoren kann auch im Rahmen der zu
erstellenden SUP sehr weitgehend zurückgegriffen werden. Verwendete Unterlagen sind im
Literaturverzeichnis aufgeführt.
Für die Maßnahmen, die bereits in der aktuellen Förderperiode angewandt werden (vgl. auch
Tab. 4 bis Tab. 6) liegt demnach bereits eine gute Datengrundlage vor, Umweltwirkungen
können hier anhand von Analogieschlüssen einfacher abgeschätzt werden bzw. Ergebnisse

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
52
bisheriger Auswertungen sind vorhanden. Für ggf. neue Fördermaßnahmen des EPLR, für
die bisher noch keine Erfahrungen vorliegen, sind sowohl die negativen als auch positiven
Einflüsse auf die Umwelt mit höherem Aufwand festzustellen. Zur Abschätzung evtl. zu
erwartenden Umweltwirkungen wurden auch Literaturbefunde herangezogen.
Mit
den
nachfolgenden
Übersichten
wird
verdeutlicht,
für
welche
Maßnahmen
Umweltinformationen aus der bisherigen Umsetzung des EPLR vorliegen und für welche
Maßnahmen Umweltwirkungen neu zu erfassen oder einzuschätzen sind. Dabei lag den
Tab. 4 bis 6 die im EPLR – Entwurf vom 6.03.2014 enthaltene Maßnahmezuordnung
zugrunde.
Aus den Vorlagen kann an dieser Stelle generalisierend aufgezeigt werden, dass von den
Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen die höchsten Effekte auf Umweltschutzgüter zu
erwarten sind und eine relativ gute Indikatoren-Basis besteht, die u. U. auch genauere
qualitative Aussagen ermöglichen. In Bezug auf investive Maßnahmen ist die methodische
Basis für die Analyse von Umweltwirkungen eher eingeschränkt, weil entsprechende
Indikatoren nicht zur Verfügung stehen bzw. Umweltbezüge sich weniger deutlich
abzeichnen.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
53
Tab. 4: Übersicht der investiven Maßnahmen des EPLR 2014-2020 und Angabe möglicher bekannter Umweltwirkung (UW) aus früheren
EPLR-Maßnahmen
ELER
Art.
Maßnahme
Im EPLR 2014-2020 angebotene Maßnahmen bzw. Fördergegenstände
ELPR*
2007-13
UW
17
Investition in materielle
Vermögenswerte
a) die Gesamtleistung des landwirtschaftlichen Betriebs verbessern
- Nutztierhaltung
- pflanzliche Erzeugung
x
x
x
x
b) Verarbeitung, Vermarktung und/oder Entwicklung von unter Anhang I des EG - Vertrags fallende
landwirtschaftliche Urerzeugnisse
- Verarbeitung und Vermarktung Anhang I (LW)
x
x
c)
Infrastrukturen in Verbindung mit der Entwicklung und Anpassung der Landwirtschaft betreffen, einschließlich
der Erschließung von land- und forstwirtschaftlichen Flächen, Flurbereinigung und Bodenverbesserung,
Energieversorgung und Wasserwirtschaft
-
Erschließung forstwirtschaftlicher Flächen (Holzabfuhrwege)
-
Stützmauern landwirtschaftlicher Flächen
x
x
x
x
d) nicht-produktive Investitionen im Zusammenhang mit der Verwirklichung von Agrar- und
Forstumweltverpflichtungen einschließlich des Erhalts der biologischen Vielfalt bei Arten und Lebensräumen
sowie der Steigerung des Freizeitwertes eines Natura 2000-Gebietes oder eines sonstigen, im Programm
festzulegenden Systems mit hohem Naturwert
-
Biotopgestaltungs- und Artenschutzmaßnahmen sowie Anschaffung von Technik und Ausstattung
x
x
21
Abs. 1
(c)
i. V. m.
24
Investitionen in die
Entwicklung von
Waldgebieten und
Verbesserung der
Lebensfähigkeit von
Wäldern
- Vorbeugung von Schäden und die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands von Wäldern nach
Waldbränden, Naturkatastrophen und Katastrophenereignissen, einschließlich des Auftretens von Schädlingen
und Krankheiten sowie Gefahren im Zusammenhang mit dem Klima
- Einrichtung und Verbesserung von Anlagen zur Überwachung des Auftretens von Waldbränden
* im EPLR 2007 – 2013 analoge oder ähnliche Fördergegenstände,
Legende: UW – Umweltwirkung; x - bekannte Umweltwirkung

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
54
Tab. 5: Übersicht der flächenbezogenen Maßnahmen des EPLR 2014-2020 und Angabe möglicher bekannter Umweltwirkung aus
früheren EPLR-Maßnahmen
* im EPLR 2007 – 2013 analoge oder ähnliche Fördergegenstände,
Legende: UW – Umweltwirkung; x - bekannte Umweltwirkung, u - ungewiss
ELER
Art.
Maßnahme
Im EPLR 2014-2020 angebotene Maßnahmen oder Fördergegenstände
ELPR*
2007-13
UW
21 Abs.
1 (a)
i. V. m.
23
Unterstützung der
Erstaufforstung
Altverpflichtung Erstaufforstung
x
x
21
Abs. 1 (
d)
i. V. m.
25
Investitionen zur
Stärkung der
Widerstandsfähigkeit
und des ökologischen
Werts der
Waldökosysteme
-
Waldumbau außerhalb von Schutzgebieten
-
Verjüngung natürlicher, gebietsheimischer Waldgesellschaften in Schutzgebieten
-
Bodenschutzkalkung
-
Biotopgestaltungs- und Artenschutzvorhaben im Wald
x
x
28
Agrarumwelt- und
Klimamaßnahme
-
Ackerland
x
x
-
Grünland
x
x
-
Altverpflichtungen
x
x
29
Ökologischer/ biologischer Landbau
x
31/32
Zahlungen für aus naturbedingten oder anderen spezifischen Gründen benachteiligte Gebiete
x
u

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
55
Tab. 6: Übersicht der EPLR-Maßnahmen 2014-2020, die nicht flächenbezogen sind und sowohl investiven als auch nichtinvestiven
Charakter haben können, und Angabe möglicher bekannter Umweltwirkung aus früheren EPLR-Maßnahmen
* im EPLR 2007 – 2013 analoge oder ähnliche Fördergegenstände,
Legende:
UW – Umweltwirkung; x - bekannte Umweltwirkung, x/? - Wirkungen nicht eindeutig bekannt, u - ungewiss4.2 Analyse von Umweltauswirkungen auf Maßnahmeebene
ELER
Art.
Maßnahme
Im EPLR 2014-2020 angebotene Maßnahmen bzw. Fördergegenstände
ELPR*
2007-13
UW
14
Wissenstransfer und
Informationsmaßnahmen
-
Förderung der Berufsausbildung und des Erwerbs von Qualifikationen
-
Förderung von Demonstrationen und Informationsmaßnahmen
x
u
20
Basisdienstleistungen und
Dorferneuerung in
ländlichen Gebieten
a) Ausarbeitung und Aktualisierung von Plänen für die Entwicklung der Gemeinden und Dörfer in ländlichen Gebieten
und ihrer Basisdienstleistungen sowie von Plänen zum Schutz und zur Bewirtschaftung von Natura 2000-Gebieten
und sonstigen Gebieten mit hohem Naturschutzwert
-
Naturschutzplanungen
b) Studien / Investitionen im Zusammenhang mit der Erhaltung, Wiederherstellung und Verbesserung des Kultur- und
Naturerbes von Dörfern, ländlichen Landschaften und Gebieten mit hohem Naturwert, einschließlich der
dazugehörigen sozio-ökonomischen Aspekte sowie Maßnahmen zur Förderung des Umweltbewusstseins
-
Studien und Dokumentation von Artvorkommen sowie naturschutzbezogene Öffentlichkeits- und
Bildungsarbeit
x
x
x/?
35
Zusammenarbeit
- Einrichtung und Tätigkeit operationeller Gruppen der EIP „Landwirtschaftliche Produktivität und
Nachhaltigkeit“(EIP)
-
Pilotprojekte im Rahmen EIP
-
Gemeinsame Konzepte für Umweltprojekte und gegenwärtig angewendete ökologische Verfahren
-
Ausarbeitung von Waldbewirtschaftungsplänen
x
x
x
35
(ESI-
VO)
LEADER Unterstützung der
lokalen Entwicklung durch
die ESI-Fonds
grundsätzlich offen; Maßnahme ist der Unionspriorität 6 b primär zugeordnet
-
Vorbereitende Unterstützung
-
Unterstützung LAG (Vorbereitung Vorhaben, Kooperation)
-
Durchführung von Vorhaben im Rahmen der Strategie für lokale Entwicklung
-
Unterstützung für laufende Kosten
u
u
Art.
59
(ESI-
VO) i.
V. m.
51
Abs.
Technische Hilfe
Technische Hilfe (Finanzmittel zur Erstellung und Umsetzung des Programms)
x

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
56
4.2.1 Umweltneutrale Maßnahmen
Die in der Tab. 7 aufgeführte Maßnahme ergibt sich aus der ESI-VO. Zahlungen im Bereich
der Technischen Hilfe Art. 59 (ESI-VO) i. V. m. Art. 51 Abs. 2 (ELER-VO) dienen der
Programmentwicklung, -umsetzung sowie der fachlichen Begleitung der aufgelegten EPLR-
Maßnahmen, d. h. der Analyse der Maßnahmeumsetzung sowie der erreichten Wirkungen
auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene. Damit ist die Maßnahme wichtige
Grundlage für die Einschätzung der Wirksamkeit von mit dem EPLR verbundenen
Umweltwirkungen. Die Maßnahme selbst ist jedoch nicht umweltrelevant. Sie ist nicht auf die
Lösung von Umweltproblemen ausgerichtet und erzeugt selbst keine Effekte auf
Umweltschutzgüter.
Tab. 7:
Maßnahmen des EPLR und ihre Zuordnung zu den Artikeln der ELER-VO, für
die Wirkungen auf Umweltschutzgüter ausgeschlossen werden können
Maßnahme und
Maßnahmesektor
Maßnahmebeschreibung
Art. 59 (ESI-VO) i.
V. m. Art. 51 Abs. 2
(ELER-VO)
Technische Hilfe, Unterstützung für die Vorbereitung und Umsetzung
der Programme
Dargestellte Gründe führen zu der Schlussfolgerung, dass auf Grund der Förderansätze die
aufgeführte Maßnahme als umweltneutral anzusehen ist.
4.2.2 Maßnahmen ohne Bindung an eine Flächennutzung
An dieser Stelle werden Maßnahmen des EPLR (Entwurfsstand 6.03.2014) untersucht, die in
ihrer Ausrichtung Bildungs- und Planungscharakter haben und auf eine Verbesserung der
Zusammenarbeit von Akteuren im ländlichen Raum ausgerichtet sind. Diese Maßnahmen
haben einen eher indirekten Einfluss auf Umweltschutzgüter. Dazu zählen der
Wissenstransfer und Information, Basisdienstleistungen im ländlichen Raum und die
Förderung der Zusammenarbeit.
Hinzu kommen potenzielle Wirkungen auf Umweltschutzgüter durch Stützung materieller
Investitionen (einschließlich des Naturschutzes) und Maßnahmen auf Grundlage der ESI-VO
im LEADER-Bereich. Bei Umsetzung dieser Maßnahmen sind sofortige Wirkungen im
Umweltbereich abzusehen.
Allgemein stehen damit alle Maßnahmen mit Umweltfragen im Zusammenhang und durch
den aufgeführten Maßnahmekomplex sollen das Umweltbewusstsein gestärkt, Lösungen für

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
57
bestehende Umweltdefizite erarbeitet und gezielt Projekte auch im Umweltbereich bearbeitet
werden.
In Tab. 8 ist eine übergreifende Einschätzung potenzieller Umweltwirkungen, die aus der
Umsetzung der Maßnahmen und Fördergegenstände denkbar wären, dargestellt. Sie
ergeben sich aus einer im Anhang I detailliert durchgeführten Analyse auf Grundlage der
Fördergegenstände. Die aufgezeigten Beurteilungskriterien leiten sich aus den Inhalten des
Kap. 2.1 ab. Soweit möglich, wurden den Beurteilungskriterien entsprechende Indikatoren
zugeordnet. Insgesamt wurden 19 Kriterien erfasst und mit Indikatoren unterlegt.
Aus dieser Übersichtseinschätzung potenzieller Umweltwirkungen des Maßnahmekomplexes
ergeben sich für acht Indikatoren keine Umweltwirkungen, d. h. die beabsichtigten
Maßnahmen und Fördergegenstände beeinflussen das betrachtete Schutzgut bzw. den
herangezogenen Indikator nicht. Für 15 Indikatoren lassen sich Umweltwirkungen ableiten.
Sie lassen positive Effekte der Förderung für das Klima und speziell den Naturschutz
erwarten. Für einige Kriterien (4 Indikatoren) lassen sich belastbare Aussagen nicht treffen
oder potenzielle Wirkungen sind als neutral zu bewerten. Positive Umweltwirkungen sind
nach fachlichem Verständnis überwiegend anzunehmen; ob diese eintreten, hängt jedoch
von den bestehenden Rahmenbedingungen und letztlich von der Umsetzung der Ergebnisse
aus den Planungen, Projektarbeiten und der Art durchgeführter Investitionen ab.
Aus den in der Tab. 9 vermittelten Informationen sind potenzielle negative Effekte der
Fördervorhaben für Schutzgüter nicht abzuleiten.
Da diese Einschätzung allein auf einer fachlichen Betrachtung der zwischen dem
Maßnahmekomplex und der Umwelt bestehenden bzw. nicht existierenden (ökologischen)
Interaktionen beruhen, ist auf die dargestellte qualitative Wirkungseinschätzung im
Folgenden eine detailliertere quantitative Wirkungseinschätzung aufgesattelt.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
58
Tab. 8:
Qualitative Bewertung potenzieller Wirkungen von EPLR-Maßnahmen ohne Flächenbindung auf Umweltschutzgüter auf der
Grundlage von Kriterien und Indikatoren
Schutzgut
Zuordnung der Kriterien /
Indikatoren zur Anlage I
zu beurteilendes Kriterium
SUP- Indikator
Anmerkung/ Hintergrund
Wirkung des
Maßnahmekomplexes
Biodiversität
Naturschutz
1
Qualität Lebensräume bzw.
FFH-LRT
HNV- und
Feldvogelindikator
Wirkung durch
naturschutzbezogene
Investitionen und
informationsbezogene
Naturschutzmaßnahmen
+
2
Naturnähe des
Lebensraums
Hauptwirkung durch
naturschutzbezogene
Investitionen
+
3
Arten von gemeinschaftlichem
Interesse (FFH-Arten) oder
der Roten Liste
Tagfalter, Heuschrecken,
Laufkäfer etc.
Hauptwirkung durch
naturschutzbezogene
Investitionen und
informationsbezogene
Naturschutzmaßnahmen
+
4
Vernetzung Lebensräume
Lineare
Landschaftsstrukturen
Hauptwirkung durch
naturschutzbezogene
Investitionen
+
5
Wiederherstellung
Lebensräume
Fläche (ha) oder Anzahl
wie vorstehend
+
6
Neuschaffung von
Lebensstätten
Fläche (ha) oder Anzahl
Hauptwirkung durch
naturschutzbezogene
Investitionen
+
7
Erhaltung landw.
Flächennutzung
Fläche (ha)
Wirkung durch
naturschutzbezogene
Investitionen (Technik und
Ausstattung) möglich
+

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
59
Schutzgut
Zuordnung der Kriterien /
Indikatoren zur Anlage I
zu beurteilendes Kriterium
SUP- Indikator
Anmerkung/ Hintergrund
Wirkung des
Maßnahmekomplexes
Funktionale
Biodiversität
8
Nutzung ökologischer
"Gratisleistungen"
Fläche (ha)
Hauptwirkung durch
naturschutzbezogene
Investitionen und
informationsbezogene
Naturschutzmaßnahmen
+
Wasser
9
chemische Wasserqualität
Entwicklung Nitratgehalt
(mg/l),
Bezieht sich auf das Grund-
und Oberflächenwasser.
Maßnahmen können Einfluss
auf punktuelle Stoffeinträge
haben
+
10
Entwicklung Messstellen
mit
Grenzwertüberschreitungen
(Anzahl)
Effekt ist über Reduktion
punktueller Einträge
unwahrscheinlich
0
11
ökologische Durchlässigkeit
von Fließgewässern
kein Effekt über Maßnahmen
des EPLR
0
12
Vertragserfüllung
Effekt ist über Reduktion
punktueller Einträge
unwahrscheinlich
0
Klima
13
Emissionsreduktion
Energieeinsatz je Erzeugnis
Investitionen in neue
Technik, Verfahren der
Landnutzung oder der
Tierhaltung vermindern
Energieeinsatz
+
14
Nährstoffsaldo (kg N/ha)
Keine Wirkung durch
Maßnahmekomplex
0

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
60
Schutzgut
Zuordnung der Kriterien /
Indikatoren zur Anlage I
zu beurteilendes Kriterium
SUP- Indikator
Anmerkung/ Hintergrund
Wirkung des
Maßnahmekomplexes
15
Klimaanpassung
Hauptwirkung durch
Investitionen nach Art.21,
naturschutzbezogene
Investitionen und im Fall der
Umsetzung entsprechender
LEADER-Vorhaben
Wirkungen möglich
WT Vorhaben
Kohlenstoffspeicherung
+
16
Energieeffizienz
Im Fall der Umsetzung
entsprechender Investitionen
Wirkungen möglich
(insbesondere Art. 17
Investitionen in der
Nutztierhaltung und der
planzlichen Produktion, Art.
35 im Rahmen EIP und
LEADER)
+
17
Fläche mit
Waldumbaumaßnahmen
(ha)
Keine Wirkung durch
Maßnahmekomplex
0
Boden
18
Kohlenstoffrückbindung
Humusreproduktion (%)
Direkte Wirkung durch
Maßnahmekomplex
unwahrscheinlich
0
19
Fläche (ha) mit GL-
Förderung bzw.
Flächenumnutzung
Direkte Wirkung durch
Maßnahmekomplex
unwahrscheinlich
0
20
Anpassung der Landwirtschaft
an den Klimawandel
Flächen (ha) mit Schutz
vor Wind- und
Wassererosion
Auf den indizierten
Sachverhalt keine Wirkung,
da Demonstrationsvorhaben
nicht flächenwirksam sind
0
21
Bodenversiegelung
Fläche (ha)
kaum negative Wirkung des
Maßnahmekomplexes zu
erwarten
x

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
61
Schutzgut
Zuordnung der Kriterien /
Indikatoren zur Anlage I
zu beurteilendes Kriterium
SUP- Indikator
Anmerkung/ Hintergrund
Wirkung des
Maßnahmekomplexes
22
Wasserspeichervermögen der
Böden
Keine Wirkung durch
Maßnahmekomplex
0
23
Schutz vor Wind- und
Wassererosion
Fläche (ha)
Keine Wirkung durch
Maßnahmekomplex
0
Landschaft,
Kultur- und
Sachgüter
24
Anzahl der Pläne nach Art
20 Abs. 1 a),
Vorhaben nach Art. 20 Abs.
1 f)
Hauptwirkung durch
naturschutzbezogene
Investitionen
+
Schutzgut
übergreifend
25
Vermeidung von Katastrophen
Keine Wirkung durch
Maßnahmekomplex
x
26
Umweltbildung / Kooperation
Anzahl Aktivitäten
Maßnahmekomplex wirkt auf
indirektem Weg übergreifend
auf alle Schutzgüter
+
Legende:
+ Wirkung in positive Richtung belegbar, x keine Angaben für belastbare Wirkungsaussagen, 0 - ohne Wirkungsbezug

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
62
4.2.2.1 Wissenstransfer und Informationsmaßnahmen (Art. 14)
Nach den im EPLR beschriebenen Zielsetzungen und Zugangsvoraussetzungen soll die
Maßnahme zwei Bereiche unterstützen. Zunächst wird Wissens- und Technologietransfer für
landwirtschaftliche Betriebe gefördert. Dies soll durch Demonstrationsvorhaben gewährleistet
werden, die eine Reduzierung umweltbelastender Einflüsse aus der Land- und
Ernährungswirtschaft zum Schwerpunkt haben, so z. B. den Schutz des Bodens vor Erosion
oder die Verminderung der Emission von THG einschließlich der Vermittlung von
Informationen zur ökologischen/biologischen Landwirtschaft.
Der zweite Förderbereich umfasst die Naturschutzqualifizierung von Landnutzern. Die
Umsetzung dieser Maßnahme erfolgt im Rahmen von Bildungsprojekten. Zugang zur
Förderung haben Flächennutzer aus der Landwirtschaft sowie der Forstwirtschaft und die
Ernährungswirtschaft.
Auf Grund des zuerst angesprochenen Maßnahmezieles ist davon auszugehen, dass
negative Umweltauswirkungen nicht entstehen, da die Demonstrationsvorhaben inhaltlich
primär auf eine Lösung bestehender Umweltdefizite im Schnittbereich zwischen einer
landwirtschaftlichen Landnutzung und der Umwelt ausgerichtet sind. Sie erfassen dabei
mehrere Schutzgüter, d. h. Boden, Wasser und Klima.
Schwerpunkt des zweiten Maßnahmebereichs sind Bildungsinhalte zum Naturschutz.
Weshalb davon ausgegangen werden kann, dass das Schutzgut Biodiversität im besonderen
Fokus steht, der Informationstransfer aber auch andere Schutzgüter betrifft, weil auf den
Naturschutz ausgerichtete Bildungsaktivitäten ebenfalls positive Effekte auf andere
Umweltschutzgüter einschließen.
Der Wissenstransfer hat insbesondere Landnutzer zur Zielgruppe. Die Maßnahme bedient
sich zur Umsetzung jedoch Dritter (Schulungsanbieter unterschiedlicher Organisationsform).
Die Aktivität dieser Einrichtungen im ländlichen Raum wird ermöglicht. Aus einer neuen
Studie aus Irland (Power u. a., 2013) ist zu entnehmen, dass der Bildungsgrad und die
Einstellung der Landwirte tatsächlich mit Biodiversität (aus Naturschutzsicht) im positiven
Zusammenhang stehen.
Somit ist dieser Ansatz ein wichtiger Beitrag für die zukünftigen Vermeidung bzw.
Abschwächung negativer Umwelteffekte, die bei einer auf wirtschaftliche Belange
ausgerichteten Landnutzung (überwiegend unwissentlich) entstehen können.
Demonstrationsvorhaben sind ein allgemein gültiger und methodisch häufig benutzter Ansatz
um neuere wissenschaftlich-technische Erkenntnisse in der Landbewirtschaftung bzw. im

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
63
Umweltschutz in einem größeren Rahmen praktisch wirksam zu machen. Allgemein gültig
meint in diesem Zusammenhang, dass unterschiedliche Sachverhalte im Rahmen von
Demonstrationsvorhaben bereits dargestellt wurden und ihre Wirkung für die Verbreitung
neuer Erkenntnisse in der Praxis belegt ist. Als ausgewählte Beispiele sind zu nennen: Freier
u. a. (2011) für Fragen des Pflanzenschutzmitteleinsatzes, Werner u. a. (2002) für die
Umsetzung
von
Naturschutzmaßnahmen
unter
Beibehaltung
einer
intensiven
Flächenbewirtschaftung oder die im Freistaat durchgeführten Feldtage zur Demonstration
der praktischen Anwendung von Mähdruschsaaten in Kooperation verschiedener staatlicher
und privater Einrichtungen.
Beide Maßnahmeinhalte sind somit besonders darauf ausgerichtet, bestehende positive
Entwicklungen im Umweltbereich zu stärken und neue Ansätze insbesondere in der
Anhebung einer guten fachlichen Praxis (gfP) der Landnutzung zu initiieren. Synergien für
alle angesprochenen Schutzgüter sind zu erwarten. Als Vorteil des Maßnahmeansatzes ist
zu sehen, dass eine nachfolgende praktische Umsetzung erworbenen Wissens in
bestimmten Fällen keine weitere finanzielle Unterstützung voraussetzt.
Tab. 9:
Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme „Wissenstransfer und
Informationsmaßnahmen“ auf Umweltschutzgüter
Kriterium
potenziell betroffene Schutzgüter
(Fragen nach Kap.
4.1.2)
Biodiversität,
Flora, Fauna
Wasser
Klima,
Luft
Boden
Land-
schaft
Kultur-,
Sachgüter
Frage 2
3
3
3
3
1
0
Frage 3
3
2
2
2
0
0
Frage 4
2
1
1
1
0
0
Frage 5
3
2
2
2
0
0
Frage 6
3
2
2
2
0
0
Frage 7
1
1
1
1
0
0
Frage 8
3
1
1
1
0
0
Beurteilung
potenzieller
Umweltwirkungen
2,8
2
2
2
0,2
0
Beurteilung
Abhängigkeit von der
administrativen
Umsetzung
2
1
1
1
0
0
Aus den dargestellten Ursache-Wirkungszusammenhängen und bereits vorliegenden
Erfahrungen bei der Umsetzung von Demonstrationsvorhaben ergibt sich die in der Tab. 9
dargestellte Matrix. Von den Demonstrationsvorhaben profitiert speziell die abiotische
Umwelt (Wasser, Klima, Boden). Die naturschutzfachlichen Ziele der Maßnahmen/ Vorhaben
unterstützen die Entwicklung von Biodiversität. Gegenüber den Schutzgütern „Landschaft“

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
64
und „Kultur- und Sachgütern“ ist die Maßnahmeumsetzung neutral. Sie sind nicht direkter
Gegenstand des Wissenstransfers (u. U. einige Ausnahmen in Bezug zur Landschaft) und
von Demonstrationsvorhaben.
In Bezug auf eine Abhängigkeit der zu erwartenden Umweltwirkungen von administrativen
Vorgaben ist anzumerken, dass die Maßnahme im Wesentlichen über eine Projektförderung
laufen soll und für die Naturschutzbildung Gebietskulissen vorgesehen sind. Die finanzielle
Ausstattung ist nicht sehr hoch, dürfte aber aufgrund des weitgehend nicht-investiven
Charakters der Maßnahme ausreichend sein. Zugleich gelten Auswahlkriterien für die
eingereichten Projekte. Die Wirkung dieser Faktoren kann nicht genau vorher gesagt
werden, aber der Maßnahmeumfang kann aus den dargelegten Gründen eingeschränkt
werden. Letzteres würde den Umwelteffekt der Maßnahme zwar schmälern, jedoch keine
negativen Entwicklungen bei Umweltschutzgütern hervorrufen.
Somit ist ausgeschlossen, dass die Anwendung der Maßnahme und die betrachteten
Maßnahmeinhalte erhebliche negative Umweltwirkungen nach sich ziehen.
Ein Verzicht auf die Maßnahme (sogenannte 0-Variante) würde keine negativen
Umwelteffekte nach sich ziehen. Es würde aber eine wesentliche Basis für die Initiierung
nachhaltiger Entwicklungsprozesse entfallen, denn diese bedürfen in erster Linie des
Umdenkens im Umgang mit natürlichen Ressourcen.
4.2.2.2 Investition in materielle Vermögenswerte (Art. 17)
Die Maßnahme wird mit der Notwendigkeit der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
landwirtschaftlicher Betriebe, der Ernährungswirtschaft und des Waldbaus begründet. Es
geht darum, die Erfolgskennziffer als wesentliche Kennzahl einer nachhaltigen
ökonomischen Basis der Betriebe zu verbessern. Da eine derartige Zielsetzung auf sehr
unterschiedlichen Wegen, z. B. auch die Intensivierung der Produktion bzw. Landnutzung
erreicht werden kann, sind die Förderinhalte der Maßnahme die entscheidende Grundlage
für die Abschätzung potenzieller Wirkungen auf die Umwelt. Aus Umweltsicht und nach
Vorgaben des EPLR sind die Maßnahmen wie folgt untergliedert:
1) Unterstützung für Investitionen in landwirtschaftliche Betriebe (Nutztierhaltung
und pflanzliche Erzeugung)
2) Unterstützung für Investitionen in die Verarbeitung/ Vermarktung von
landwirtschaftlichen Produkten

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
65
3) Unterstützung für Investitionen in land- und forstwirtschaftliche Infrastruktur
4) Unterstützung für nicht-produktive Investitionen zum Schutz der Umwelt/ Erhalt
einer kulturhistorisch geprägten Landschaft
Im Bereich der Investition in landwirtschaftliche Betriebe geht es um bauliche Anlagen und
Ausrüstungen mit positiven Effekten hinsichtlich der Verringerung von Emissionen und der
Anpassung an wasserrechtliche und düngerrechtliche Anforderungen in der Tier- und
Pflanzenproduktion sowie bei der Unterstützung des Wein-, Gemüse-, Obst- und Gartenbaus
bzgl. der Umsetzung technischer Innovationen z. B. in Hinsicht auf die Effizienz der Wasser-
und Energienutzung.
Die Unterstützung der Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Urprodukte nach
Anhang I dürfte nur indirekt auf Umweltschutzgüter rückwirken, indem u. U. der Anbau
landwirtschaftlicher Kulturarten oder die Haltung von Tieren zum Zwecke der
Eigenverarbeitung der Produkte interessanter für Betriebe wird. Der Förderansatz ist in
Bezug zur Umwelt jedoch eher neutral zu sehen.
Investitionen in die land- und forstwirtschaftliche Infrastruktur berühren im Forstbereich den
Neu- und Ausbau oder die grundhafte Instandsetzung forstlicher Holzabfuhrwege und in der
Landwirtschaft die Anlage und Sanierung von Stützmauern auf landwirtschaftlichen Flächen,
einschließlich der Weinbergsmauern.
Investitionen zum Schutz der Umwelt erfassen Biotopgestaltungs- und Artenschutzvorhaben
sowie die Anschaffung von Technik und Ausstattung zum Erhalt naturschutzfachlich
bedeutender Lebensräume.
Vorstehende Förderinhalte setzen z. T. bauliche Aktivitäten voraus, so z. B. Stallbauten oder
Infrastrukturmaßnahmen im Forstbereich (forstliche Holzabfuhrwege, Holzlagerplätze und
Konservierungsanlagen).
Diese Inhalte sind potenziell mit stärkeren und u. U. negativ wirkenden Eingriffen in die
Umwelt verbunden. Um derartige Auswirkungen zu minimieren, sind im EPLR
Zugangsvoraussetzungen formuliert, welche die Einhaltung baurechtlicher Vorgaben
voraussetzen. Diese beinhalten z. B. auch artenschutzrechtliche Fachbeiträge oder über das
Naturschutzrecht begründete Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Aus den angestrebten
Umwelteffekten der Fördermaßnahmen und ihre Einordnung in baurechtliche Vorgaben ist

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
66
zu erwarten, dass erhebliche negative Auswirkungen auf Umweltschutzgüter im Bereich der
Landwirtschaft sowie des Gartenbaus und bei Sonderkulturen ausbleiben.
Die Förderung forstlicher Holzabfuhrwege ist als Infrastrukturmaßnahme aus ökonomischer
Sicht notwendig und bildet die Basis, nachwachsende Holzressourcen besser zu nutzen.
Eine damit einhergehende Flächenversiegelung ist für das Schutzgut Boden negativ zu
beurteilen. Allerdings trägt die Maßnahme auch dazu bei, Bodenbelastungen an anderen
Stellen einzuschränken. Im EPLR ist für die Anlage forstlicher Wege und Holzlagerplätze
ergänzt worden, dass Wegebefestigungen mit gebundenen Decken grundsätzlich von der
Förderung ausgeschlossen sind, wenn es der entsprechende Standort zulässt (vgl. auch
Kap. 1.4.4).
Wie oben dargestellt, umfasst das Angebotsspektrum ebenfalls förderfähige Kosten für
Biotop- und Artenschutzmaßnahmen und die Anschaffung dafür notwendiger Ausrüstungen.
Dieser Förderansatz sichert den Erhalt von Lebensräumen und Arten – insbesondere auch
durch einen 100 %igen Fördersatz.
Aus den dargestellten Förderinhalten lassen sich mögliche Einflüsse der Förderung auf
Umweltschutzgüter, wie in der Tab. 10 erfasst, bewerten.
Bei der Bewertung wurden die unterschiedlichen Fördersätze berücksichtigt, die bei
Investiven Maßnahmen im Regelfall 25 % betragen und im Fall von Naturschutzinvestitionen
100 % betragen können.
Die Maßnahmen haben in ihrer Gesamtheit einen fördernden Effekt auf alle dargestellten
Schutzgüter. Wirkungen positiver Art auf die belebte Umwelt sowie die Landschaft und
Kultursachgüter sind einbezogen.
Zudem sind die Förderinhalte geeignet, Umweltprobleme, die sich aus nicht effizienter
Wassernutzung bzw. Wasserverschmutzung und der Emission von Treibhausgasen
ergeben, auf regionaler Ebene zu lösen. Teilweise trägt die Förderung zur Sicherung eines
bereits erreichten positiven Umweltzustandes bei, wobei sich Synergien auf alle Schutzgüter
erstrecken.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
67
Tab. 10: Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme „Investition in
materielle Vermögenswerte“ (Investitionen in Anlagen, Maschinen und
Geräte, forstliche Holzabfuhrwege) auf Umweltschutzgüter
Kriterium
potenziell betroffene Schutzgüter
(Fragen nach Kap.
4.1.2)
Biodiversität,
Flora, Fauna
Wasser
Klima,
Luft
Boden
Land-
schaft
Kultur-,
Sachgüter
Frage 2
1
2
2
1
1
1
Frage 3
1
1
2
1
1
1
Frage 4
1
1
2
2
2
2
Frage 5
1
1
1
1
2
2
Frage 6
2
2
2
1
2
2
Frage 7
1
2
2
2
1
1
Frage 8
2
2
2
2
1
1
Beurteilung
potenzieller
Umweltwirkungen
1,2
1,4
1,8
1,2
1,6
1,6
Beurteilung
Abhängigkeit von der
administrativen
Umsetzung
1,5
2
2
2
1
1
Neben der vorstehend abgeschätzten Umweltwirkung der investiven Fördermaßnahmen ist
das
Förderangebot
auch
auf
den
Erhalt
bzw.
die
Anlage
von
Stützmauern
landwirtschaftlicher Flächen, insbesondere Weinbergsmauern, und auf Biotopgestaltungs-
und Artenschutzvorhaben sowie Anschaffung
von Technik
und Ausstattung
im
Zusammenhang mit naturschutzgerechten Bewirtschaftungs- oder Pflegemaßnahmen
ausgerichtet. Für diese Vorhaben gibt es sichere Belege in Hinsicht auf die Beeinflussung
von Umweltschutzgütern (Tab. 11).
Sie beziehen sich auf die Biodiversität sowie die Landschaft bzw. den Weinbau als
kulturhistorisches Gut. Bei der Wirkungseinschätzung auf Biodiversität wird davon
ausgegangen, dass Weinbau nur unter klimatischen Gunstlagen möglich ist, d. h. die
Weinbaugebiete unterscheiden sich klimatisch vom Umland. Wärmeliebenden Tier- und
Pflanzenarten wird so ein geeigneter Lebensraum geboten bzw. erhalten und durch
Versteck- und Rückzugsräume aufgewertet.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
68
Tab. 11: Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme „Investition in
materielle Vermögenswerte“ (Stützmauern landwirtschaftlicher Flächen und
Biotopgestaltungs- und Artenschutzvorhaben sowie Anschaffung von
Technik und Ausstattung) auf Umweltschutzgüter
Kriterium
potenziell betroffene Schutzgüter
(Fragen nach Kap.
4.1.2)
Biodiversität,
Flora, Fauna
Wasser
Klima,
Luft
Boden
Land-
schaft
Kultur-,
Sachgüter
Frage 2
3
0
0
2
3
3
Frage 3
3
0
0
2
2
2
Frage 4
2
0
0
2
2
2
Frage 5
2
0
0
1
2
2
Frage 6
3
0
0
1
2
2
Frage 7
2
0
0
2
1
1
Frage 8
2
0
0
2
1
1
Beurteilung
potenzieller
Umweltwirkungen
2,6
0
0
1,6
2,2
2,2
Beurteilung
Abhängigkeit von der
administrativen
Umsetzung
2
0
0
2
1
1
Piorr u. Reutter (2002) beschreiben die ökologische Bedeutung linearer Strukturen in der
Agrarlandschaft. Neben anderen linearen Strukturen werden dabei u. a. auch
Weinbergmauern hervorgehoben. Mit Bruchsteinmauern terrassierten Steillagen sind ein
besonderes Kleinod des Weinbaus in Sachsen und sie prägen die Weinbaulandschaft an
den steilen Elbhängen. Die Terrassierung der Hänge schützt dabei auch vor Bodenverlusten.
Gleiches
gilt
für
Stützmauern
als
Trockenmauern
anderer
landwirtschaftlicher
Nutzungsformen. Gegenüber den Schutzgütern Wasser und Klima verhält sich diese
Maßnahme weitestgehend neutral.
Mit den Inhalten aller Förderansätze können Initialwirkungen verbunden sein, denn die
ökonomische Basis z. B. bei der Produktion von Sonder- und Dauerkulturen wird verbessert
(LfULG, 2013), was ebenfalls auf Betriebe und Verbände bei der Anschaffung von Technik
und Ausstattung für die Pflege und den Erhalt von HNV-Flächen zutrifft. Das kann z. B. die
Anschaffung von Zäunen für die Flächenbeweidung oder der Biotoppflege angepasste
Mähtechnik (Balkenmäher) sein.
Nur im Kontext mit den zu erbringenden Investitonen als Vorleistung, sind die angeführten
Wirkungen auf Schutzgüter auch zu erreichen,

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
69
Aus den benannten Gründen sind von der
Maßnahme ausgehende negative
Umweltwirkungen weitestgehend auszuschließen. Die Fördervorhaben zeigen eher deutlich
auf eine Verbesserung von Umweltleistungen. Sie ergeben sich aus
der Vermeidung von Emissionen,
der Förderung des Anbaus von Sonder- und Dauerkulturen (Diversifizierung der
Flächennutzung),
der Stärkung regionaler Produktionspotenziale aus einer diversifizierten
Flächennutzung,
den alternativen Ansätzen zum Schutz von Obstkulturen,
dem effizienteren Umgang mit Wasserressourcen und
einer direkten Einflussnahme auf den Erhalt von HNV-Flächen.
Diese Einschätzung wird ebenfalls durch die Halbzeitbewertung der Förderperiode 2006-
2013 getragen. Die damaligen Codes 121 und 311 (Diversifizierung) waren auf die
Förderung von landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Produktion bzw. ihrer Diversifizierung
ausgerichtet. Für beide wurden positive Umwelteffekte ausgewiesen.
Der Wegebau war
im EPLR 2007-2013 im Code 125 verankert. Als Ergebnis der
Halbzeitbewertung wurde eine Verbesserung der Erreichbarkeit des Waldes und in Folge ein
erhöhter Waldeinschlag und Durchforstung der Bestände aufgezeigt. Mit der Durchforstung
waren höhere Wachstumszuwächse der verbleibenden Bäume gegeben.
Im Rahmen der angesprochenen Codes wurden allerdings keine direkten Untersuchungen
zu Umweltschutzgütern durchgeführt, jedoch wurden positive Effekte auf die Nachhaltigkeit
der Landnutzung angeführt.
Bei Förderinhalten mit Bezug zum Naturschutz, d. h. die Aufwertung von Lebensräumen,
ergeben sich z. T. Hinweise aus dem Code 323 aus dem EPLR 2007-2013. Es wurden
verschiedenen
Fallstudien
durchgeführt,
die
insbesondere
die
Entwicklung
von
Lebensräumen
für
geschützte
Arten
betrafen,
so
z. B.
die
Entwicklung
von
Amphibienlebensräumen und zum Schutz von Fledermäusen. Die Ergebnisse der Studien
zur Wirksamkeit der Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen für Lebensräume dürften auf den
Fördergegenstand des EPLR 2014-2020 übertragbar sein.
Insgesamt zeigen sich also Differenzierungen bei potenziellen Umweltwirkungen, die sich
aus den verschiedenen Förderinhalten ergeben.
Ein Verzicht auf die Umsetzung des angesprochenen Maßnahmekomplexes würde
wahrscheinlich für den Erhalt von Lebensräumen in Weinbergsregionen und weiterer

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
70
naturschutzfachlich wertvoller Lebensräume negative Folgen haben. Dies würde sehr stark
zu Lasten der Biodiversität als Schutzgut gehen. Für die anderen Förderinhalte gilt, dass
positive Wirkungen für die Umwelt (insbesondere Wasser, Klima) nur zeitlich verzögert
erreicht werden.
4.2.2.3 Basisdienstleistungen und Dorferneuerung in ländlichen Gebieten (Art. 20)
Bei der Umsetzung dieser Maßnahme geht es im Einzelnen um Fachplanungen für
Naturschutz und Landschaftspflege als wichtige Grundlage für die Wiederherstellung von
Artenvorkommen bzw. Lebensräumen, die Dokumentation von Artenvorkommen sowie
Erhöhung der Akzeptanz für den Naturschutz durch Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit.
Tab. 12: Bewertung
des
potenziellen
Einflusses
der
Maßnahme
„Basisdienstleistungen und
Dorferneuerung
in ländlichen Gebieten“
auf Umweltschutzgüter
Kriterium
potenziell betroffene Schutzgüter
(Fragen nach Kap.
4.1.2)
Biodiversität
, Flora,
Fauna
Wasser
Klima,
Luft
Boden
Land-
schaft
Kultur-,
Sachgüter
Frage 2
3
1
1
1
2
3
Frage 3
3
0
0
0
2
3
Frage 4
2
0
0
0
2
2
Frage 5
2
1
1
1
2
3
Frage 6
3
1
1
1
2
2
Frage 7
2
1
1
1
1
1
Frage 8
2
0
0
0
0
0
Beurteilung
potenzieller
Umweltwirkungen
2,6
0,6
0,6
0,6
2
2,6
Beurteilung
Abhängigkeit von der
administrativen
Umsetzung
2
0,5
0,5
0,5
0,5
0,5
Aus Umweltsicht beeinflussen die Förderinhalte insbesondere die belebte Umwelt
(Biodiversität) als Schutzgut, denn sowohl Planungen zur Flächenbewirtschaftung oder zum
Artenerhalt als auch die aktive Umsetzung praktischer Maßnahmen im Rahmen der
Dokumentation von Artenvorkommen können gefördert werden. Damit dient der
Förderansatz direkt der Lösung bestehender Probleme im Arten- und Lebensraumschutz.
Erfahrungsgemäß wirken sich diese Schutzmaßnahmen auf andere Umweltgüter ebenfalls
positiv aus und Bildungsmaßnahmen können weitere Aktivitäten zum Naturschutz initiieren.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
71
Auf Grundlage vorstehend beschriebener Zusammenhänge ergibt sich die in Tab.12
verdeutlichte Einschätzung potenzieller positiver Wirkungen auf die Umwelt.
Diese Einschätzung wird durch die Fördervorgaben unterstützt, welche für die Umsetzung
von Maßnahmen im Naturschutzbereich eine bis zu 100 %ige Förderung vorsehen.
Alle für die Maßnahme geplanten Finanzmittel fließen in Vorhaben des Naturschutzes. Im
Zusammenspiel der aufgeführten Fakten sind erhebliche negative Auswirkungen dieser
Fördermaßnahme auf Umweltschutzgüter ausgeschlossen.
Bei Aussetzung der Fördermaßnahme (0-Variante) sind negative Umweltauswirkungen mit
Bezug zu schützenswerten Lebensräumen und Arten zu erwarten, weil Planungen, die
Grundlagen für Maßnahmen zur Sicherung der Lebensräume oder ihre Bewirtschaftung
liefern, ausbleiben würden.
4.2.2.4 Unterstützung der von der örtlichen Bevölkerung betriebenen Maßnahmen zur
lokalen Entwicklung (Art. 32 ff ESI-VO in Verbindung mit Art. 42 ff ELER-VO)
Im EPLR sollen im Rahmen der Art. 32 ff ESI-VO in Verbindung mit Art. 42 ff ELER-VO von
der örtlichen Bevölkerung betriebene Maßnahmen zur lokalen Entwicklung über die
LEADER-Maßnahmen auf Basis von LEADER-Strategien umgesetzt werden. Über LEADER
soll die Entwicklung ländlicher Räume unterstützt werden, indem über bottom-up-Ansätze
und über einen hohen Grad zivilgesellschaftlicher Beteiligung, lokale Akteure für
Entwicklungsprozesse verstärkt gewonnen und herangezogen werden. Über den EPLR soll
der LEADER-Prozess im Wesentlichen durch vier nichtinvestive Aktionsbereiche getragen
werden, welche den prozessualen Rahmen für die Umsetzung von LEADER-Strategien
bilden. Es ist eine finanzielle Unterstützung durch die Übernahme laufender Kosten und
Kosten für die vorbereitende Unterstützung, den Betrieb der LAG’n und Kooperationen
vorgesehen. Direkte Umweltwirkungen sind aus diesen vorbereitenden Arbeiten nicht
abzuleiten.
In Bezug zum dritten Aktionsbereich, der Durchführung der Vorhaben im Rahmen der
LEADER-Strategie, sind negative Umweltwirkungen nach fachlichem Ermessen nicht zu
erwarten. Diese Aussage wird gestützt aus Erfahrungen aus der vorherigen Förderperiode
2007-2013.
Im Zeitraum 2007-2009 erfolgten LEADER-Aktivitäten auf ca. einem Drittel der Fläche des
ländlichen Raumes im Freistaat und es wurden Vorhaben im Schnittpunkt mit EFRE, ESF
sowie GAK-Landesprogrammen umgesetzt. Ein erheblicher Teil der im LEADER-Rahmen

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
72
umgesetzten Fördermittel (17 % mit Stand Halbzeitbewertung 2010) floss in Projekte zur
Erhaltung von Kulturgütern und kulturelle Maßnahmen. Es finden sich keine kritischen
Hinweise auf evtl. Umwelteffekte im Rahmen der Umsetzung von LEADER-Projekten.
Allerdings beinhaltete der EU-Fragenkatalog im LEADER-Bereich zum Termin der
Halbzeitbewertung 2010 auch keine definitiven Fragen zur Umwelt. Da der LEADER-Ansatz
zudem als lokaler bottom-up-Prozess zur Umsetzung von Entwicklungsprozessen im
ländlichen Raum zu sehen ist, sind genaue Projektinhalte prognostisch auch nicht
einzuschätzen. Prinzipiell geht es jedoch um die Umsetzung lokaler Entwicklungsstrategien
(vergl. 2.2.2), d. h. Projektinhalte sollten auf die Lösung bestehender lokaler Schwachstellen
ausgerichtet sein.
Der Handlungsrahmen ist mit diesem Ansatz potenziell sehr weit gefasst und
Umweltwirkungen sind im Einzelnen nicht im Vorab genau zu identifizieren, da er sich aus
den LEADER-Strategien ergibt. Allerdings werden über den ELER und den EPLR
Richtungen für die Entwicklung lokaler Projekte vorgegeben, indem diese primär der
Unionspriorität 6 b) zugeordnet wurden. In Bezug auf die Einschätzung evtl. Umwelteffekte
kann zusammenfassend gesagt werden, dass einzelne Förderinhalte immaterielle
Leistungen (z. B. informelle Planungen und Zusammenarbeit im LEADER-Bereich)
beinhalten,
für
welche
Umweltwirkungen
auszuschließen
sind.
Andere
investive
Förderansätze können auch bauliche Investitionen zum Inhalt haben. Sie können sich u. a.
auf Baumaßnahmen zur Instandhaltung (Erneuerung) und Umnutzung bestehender
Einrichtungen beziehen. Sie sind mit wärmetechnischen Modernisierungen verknüpft und
vermindern den Energiebedarf der Gebäude. Weitere Inhalte können den Abbruch baulicher
Anlagen und die Flächenentsiegelung betreffen. Gerade letzteres ist aus Bodenschutzsicht
sehr positiv zu werten, kann den Bodenverbrauch im Freistaat Sachsen aber sicherlich nur
marginal beeinflussen. Dennoch konnten auf Basis der Integrierten Ländlichen
Entwicklungskonzepte in der Förderperiode 2007-2013 bis Ende 2013 ca. 106 ha
Neubauland durch die Umsetzung von Vorhaben im Bereich der Um- und Wiedernutzung
vorhandener Bausubstanz eingespart werden.
Außerdem bezieht sich der Handlungsrahmen der Maßnahme auch auf die Förderung von
Investitionen in materielle Vermögenswerte bei Existenzgründung zur Diversifizierung bei
Nicht-Anhang-1-Produkten. Potenziell sind negative Umweltwirkungen über diesen
Förderbereich z. B. durch Flächenverbrauch denkbar. Sie dürften jedoch gering sein, weil es
sich jeweils um lokal begrenzte und an Ortslagen gebundene Bereiche und nicht um
Bauvorhaben im Umland handeln dürfte. Auf der anderen Seite werden Umweltwirkungen
durch das Bau- und Umweltrecht gegebenenfalls mit dem Erfordernis der Beibringung
artenschutzrechtlicher Fachbeiträge und Umweltverträglichkeitsprüfungen gering gehalten.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
73
Auch wenn den LAG in 2014-2020 keine inhaltlichen Vorgaben gemacht werden, kann
davon ausgegangen werden, dass das zu erwartende Projektespektrum und damit seine
Umweltauswirkungen im Rahmen der Umsetzung von LEADER-Strategien in etwa dem der
Förderperiode 2007-2013 im Bereich Integrierter Ländlicher Entwicklung und LEADER
entsprechen dürften. Dabei ist von einer Konzentration der Projekte auf die Innenentwicklung
der Orte im ländlichen Raum auszugehen. Bei Bauprojekten wird es sich in der Regel um
Bauen im Bestand bzw. bei Infrastrukturen um Bauen auf bestehenden Trassen handeln. Im
Rahmen der Auswahlkriterien für die LEADER-Strategien ist die Berücksichtigung
ökologischer Aspekte enthalten, so dass Strategien mit negativen Umweltauswirkungen nicht
ausgewählt werden dürften.
Tab. 13: Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme „Unterstützung der
lokalen Entwicklung durch ESI-Fonds“ auf Umweltschutzgüter
Kriterium
potenziell betroffene Schutzgüter
(Fragen nach Kap.
4.1.2)
Biodiversität,
Flora, Fauna
Wasser
Klima,
Luft
Boden
Land-
schaft
Kultur-,
Sachgüter
Frage 2
1
2
3
1
1
3
Frage 3
1
1
3
2
1
3
Frage 4
1
1
1
1
1
1
Frage 5
1
1
3
2
1
3
Frage 6
2
3
3
2
2
3
Frage 7
3
3
3
3
3
3
Frage 8
1
1
1
1
1
1
Beurteilung
potenzieller
Umweltwirkungen
1,2
1,6
2,6
1,6
1,2
2,6
Beurteilung
Abhängigkeit von der
administrativen
Umsetzung
2
2
2
2
2
2
Die dargestellte Sachlage führt in Abwägung aufgeführter Wirkungsprozesse und
-zusammenhänge zu den Angaben in der Tab. 13. Besonders profitieren die Schutzgüter
„Klima, Luft“ und der Erhalt von Kultur- und Sachgütern. Zudem ist zu erwarten, dass der
Förderansatz merkliche Initialwirkungen als Grundlage weiterer Entwicklungen im ländlichen
Raum erzeugt. Dies sollte erwartet werden, weil die Maßnahme finanziell gut ausgestattet
ist. Durch den Projektansatz der Fördermaßnahme und dem gegebenen breiten
Handlungsraum sind einschränkende administrative Vorgaben kaum gegeben.
In der Zusammenfassung aller Überlegungen zu den Handlungsoptionen der Maßnahme
kann, trotz der nicht vorhersehbaren Inhalte zukünftiger Projekte, mit einiger Sicherheit
davon ausgegangen werden, dass erhebliche negative Auswirkungen in Umsetzung der

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
74
Maßnahme nicht zu erwarten sind. Die Aussage ist jedoch mit Unsicherheiten verbunden,
denn hypothetisch besteht die Möglichkeit von Umweltbeeinträchtigungen, die jedoch bei
Projektbewilligungen im Einzelfall anzusprechen und zu lösen sind.
Um bei investiven Vorhaben negative Umweltauswirkungen auszuschließen (Art. 45 Abs. 1
ELER-VO), werden umweltrelevante betriebs- und baurechtliche Belange berücksichtigt. Der
Begünstigte muss hierfür spätestens zur Stellung eines Auszahlungsantrages die für die
Durchführung des Vorhabens notwendigen öffentlich-rechtlichen Genehmigungen vorlegen.
Die Bewilligungsbehörde kann diese auch zu einem früheren Zeitpunkt des Verfahrens
anfordern. Sofern die Vorlage öffentlich-rechtlicher Genehmigungen ein Förderkriterium
darstellt, müssen die betreffenden Genehmigungen bereits vor der Vorhabenauswahl
vorliegen. Auch für investive Vorhaben im Bereich LEADER gelten diese allgemeinen
Regelungen.
Umwelteffekte im Fall einer Aussetzung der Maßnahme sind schwer zu fassen. Zielrichtung
der Maßnahme ist jedoch nachhaltige Entwicklungsprozesse in den Regionen zu initiieren.
Dieser Effekt würde bei Nichtförderung ausbleiben.
4.2.2.5 Zusammenarbeit (Art. 35)
Die Maßnahme umfasst Aktivitäten im Bereich des Naturschutzes sowie der Land- und
Forstwirtschaft. Grundziel ist die Initiierung, Unterstützung und die Durchführung
gemeinsamer Projekte innerhalb und auch zwischen den aufgeführten Bereichen.
Inhaltlich enthält die Maßnahme Fördervorhaben in den Bereichen:
Einrichtung und Betrieb operationeller Gruppen (OG) der EIP "Produktivität und
Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft" einschließlich der Durchführung von
Pilotprojekten.
gemeinsame Konzepte für Umweltprojekte und gegenwärtig angewendete
ökologische Verfahren.
die Ausarbeitung von Waldbewirtschaftungsplänen.
Der aus Umweltsicht wesentliche Kern der Maßnahme liegt in der Verfolgung von Zielen der
Nachhaltigkeit, so z. B. in
ressourceneffizienten und klimafreundlichen und im Wesentlichen mit natürlichen
Ressourcen arbeitenden Produktionssystemen in der Land- und Forstwirtschaft und
schrittweiser Übergang zu agrarökologischen Produktionssystemen,

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
75
der Verbesserung von Prozessen zur Bewahrung der Umwelt und zur Eindämmung
des Klimawandels,
der nachhaltigen Versorgung mit Lebensmitteln, Futtermitteln und Biomaterialien.
Dabei kommt es darauf an, problemorientierte Lösungen, die sektorübergreifende sowie
integrierte Ansätze der Nachhaltigkeit verfolgen, zu stärken und Verbindungen zwischen
bereits existierenden innovationsbezogenen Initiativen herzustellen. Es geht um einen
Brückenschlag zwischen Spitzenforschung und –technologie sowie den Landwirten,
Waldbewirtschaftern, ländlichen Gemeinden, Unternehmen, NGO’s und Beratungsdiensten.
In Umsetzung der Maßnahmeinhalte werden positive Effekte im Umweltbereich, speziell der
biologischen Vielfalt erwartet und die Intention der Förderung berührt gleichfalls alle anderen
Umweltschutzgüter. Es ergeben sich Analogieschlüsse zur Förderung biologisch-
ökologischer Anbauverfahren.
Weitere Beispiele für den Einfluss einer kooperativen Zusammenarbeit im ländlichen Raum
auf belebte Umweltschutzgüter sind die Veröffentlichungen von Prüter u. Kaiser (2002) sowie
Brendle (2002). Beide behandeln z. B. die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen im
ländlichen Raum unter Beachtung der Aufgabenverteilung zwischen verschiedenen
Einrichtungen, speziell den Naturschutzverbänden und der Landwirtschaft.
Mit diesen Erfahrungen ist die Maßnahme ebenfalls geeignet, für bestehende
Umweltprobleme Lösungen zu generieren und bereits erreichte Verbesserungen im Schutz
von Natur- und Landschaft sowie des Klima- und Ressourcenschutzes zu sichern. In
Umsetzung der Maßnahmen ist von Synergieeffekten auf die in Tab. 14 genannten
Schutzgüter auszugehen und der Förderzweck, die Bildung von Netzwerken und die
fachübergreifende Zusammenarbeit sowie die Unterstützung von Pilotprojekten, dürften
Initiativen mit Blick auf Umwelt-Fragestellungen stärken.
Im Bereich der Landwirtschaft wäre es hypothetisch möglich, Netzwerkaktivitäten zu stärken
oder zu fördern, die mit negativen Umwelteffekten verbunden sind. Die EIP ist jedoch auf die
Umsetzung von Innovationen ausgerichtet. Da die Innovationen grundsätzlich u. a. auf die
Nachhaltigkeit der Landnutzungssysteme zielen, sind keine negativen Umweltauswirkungen
zu erwarten.
Die für den Forst vorgesehenen Förderinhalte dienen insbesondere dem Schutz der
Ressource „Holz“, d. h. sie dienen der Erarbeitung besitzübergreifender Grundsätze für die
nachhaltige Waldbewirtschaftung unter Einschluss verschiedener Flächeneigentümer.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
76
Tab. 14: Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme „Zusammenarbeit“
auf Umweltschutzgüter
Kriterium
potenziell betroffene Schutzgüter
(Fragen nach Kap.
4.1.2)
Biodiversität,
Flora, Fauna
Wasser
Klima,
Luft
Boden
Land-
schaft
Kultur-,
Sachgüter
Frage 2
3
1
2
2
3
3
Frage 3
3
2
2
2
0
0
Frage 4
1
1
1
1
1
2
Frage 5
3
2
1
2
3
1
Frage 6
3
3
3
3
1
1
Frage 7
1
1
1
1
1
1
Frage 8
2
4
4
4
2
2
Beurteilung
potenzieller
Umweltwirkungen
2,6
1,8
1,8
2
1,6
1,4
Beurteilung
Abhängigkeit von der
administrativen
Umsetzung
1,5
2,5
2,5
2,5
1,5
1,5
Andererseits sind die Bewirtschaftungspläne Grundlage für
eine zwischen den
Waldeigentümern fachlich abgestimmte nachhaltige und multifunktionale Bewirtschaftung
des Waldes. Dies trägt zur Gesunderhaltung der Bestände bei und verhindert eine regionale
Übernutzung der Holzbestände. Insofern sind positive Umweltleistungen ebenfalls gegeben,
welche sich auf alle Schutzgüter erstrecken. In Abwägung der beiden potenziellen
Wirkungsrichtungen kann eingeschätzt werden, dass sich dieses Handlungsfeld innerhalb
der diskutierten Maßnahme „Zusammenarbeit“ als umweltneutral darstellt.
In Bezug zur Nichtförderung sind negative Umweltwirkungen bei Aussetzung der Maßnahme
nicht direkt zu erwarten. Kooperationen mit der dargestellten Zielorientierung ermöglichen
jedoch abgestimmte Aktionen unter gemeinschaftlicher Beachtung der Umweltschutzgüter,
was die Effizienz eingesetzter Mittel verbessert und das Verständnis zwischen den
unterschiedlichen Akteuren im ländlichen Raum stärkt. Ebenso ist zu bedenken, dass die
Förderung
angestrebter
Aktivitäten
eine
Basis
für
zukünftig
nachhaltigere
Produktionssysteme ist.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
77
4.2.3 Maßnahmen mit Flächenbindung
Unter diesem Gliederungspunkt werden Maßnahmen untersucht, deren Umsetzung direkt
auf land- bzw. forstwirtschaftlichen Flächen erfolgt. Die Anwendung derartiger Maßnahmen
stellt somit in jedem Fall eine Einwirkung auf die Umwelt dar. Das Maßnahmenangebot im
EPLR ist jedoch mit der Zielsetzung verbunden, auf bestehende Umweltdefizite positiv
einzuwirken und zu deren Verbesserung beizutragen. Daher sind erhebliche negative
Wirkungen nur bei einer kompletten Fehlsteuerung der Maßnahmen zu erwarten. Unter
bestimmten Umständen sind umweltschädliche Effekte jedoch auch nicht vollständig
auszuschließen.
Eine
allgemeinere
Einschätzung
potenzieller
Effekte
der
hier
eingeordneten
Fördermaßnahmen
findet
sich
in
der
Tab.
15.
Sie
informiert
über
die
zur
Wirkungseinschätzung herangezogenen Kriterien und für die Ziele der SUP nutzbaren
Indikatoren. Bei dieser quantitativen Bewertung ergibt sich für 22 der 27 verwendeten
Indikatoren ein positiver Umwelteffekt, wenn die Maßnahmen in ihrer Gesamtheit umgesetzt
werden. Wirkungen auf den HNV- und Feldvogelindikator (als EU-Pflichtindikatoren) sind
wahrscheinlich, aber nicht einzelnen Fördermaßnahmen zuzuweisen. Hinsichtlich vier
Indikatoren sind keine Maßnahmewirkungen zu erwarten, weil entsprechend notwendige
Effekte nicht über EPLR-Maßnahmen mit Flächenbezug bedient werden. Als Beispiel trifft
dies auf die ökologische Durchlässigkeit der Fließgewässer oder den Indikator
Energieeffizienz
zu.
Für
einige
zur
Beurteilung
herangezogene
Kriterien
sind
Wirkungsauskünfte nicht möglich. Das betrifft in erster Linie Kultur- und Sachgüter.
Tab. 15 vermittelt, dass nach fachlicher Einschätzung den Förderansätzen zu Grunde
liegende Ursache-Wirkung-Beziehungen mit hoher Wahrscheinlichkeit keine negativen
Entwicklungen bei Umweltschutzgütern hervorrufen.
Im Rahmen der SUP und zur Ableitung evtl. Empfehlungen für das EPLR spielen jedoch
auch weitere Sachverhalte eine Rolle. Diese werden in der nach Tab. 15 folgenden
detaillierten Einschätzung der Maßnahmen dargestellt.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
78
Tab. 15: Qualitative Bewertung potenzieller Wirkungen von EPLR-Maßnahmen mit Flächenbindung auf Umweltschutzgüter auf der
Grundlage von Kriterien und Indikatoren
Schutzgut
Zuordnung der Kriterien /
Indikatoren zur Anlage I
zu beurteilendes Kriterium
SUP - Indikator
Anmerkung/ Hintergrund
Wirkung des
Maßnahmekomplexes
Biodiversität
Naturschutz
1
Qualität Lebensräume bzw.
FFH-LRT
HNV- und
Feldvogelindikator
Die Indikatoren gelten EU - weit, sind für die
Einschätzung von EPLR - Wirkungen eher
weniger geeignet, weil Vögel sehr mobil sind
und Daten zum HNV - Indikator noch keine
Zeitreihe erfassen. Daher sind
Entwicklungstendenzen bisher zwar nicht
abzuleiten, nach den Maßnahmeinhalten
des EPLR sollten Wirkungen aber
vorhanden sein
+
2
Naturnähe des
Lebensraums
Verbesserung
+
3
Arten von gemeinschaftlichem
Interesse (FFH-Arten) oder der
Roten Liste
Tagfalter, Heuschrecken,
Laufkäfer etc.
Es liegen umfangreiche
Untersuchungsdaten vor, die Effekte der
Förderung eindeutig belegen
+
4
Vernetzung Lebensräume
Lineare
Landschaftsstrukturen
Werden durch Flächenmaßnahmen gestärkt
(z. B. Einsaatstreifen), erfüllen die aus
Naturschutzsicht notwendigen Funktionen
+
5
Wiederherstellung
Lebensräume
Fläche (ha) oder Anzahl
+
6
Neuschaffung von
Lebensstätten
Fläche (ha) oder Anzahl
Schaffung Strukturen (GL, AL 5)
+
7
Erhaltung landw.
Flächennutzung
Fläche (ha)
benachteiligte Gebiete, Biotoppflegemahd
mit Erschwernis
+
Funktionale
Biodiversität
8
Nutzung ökologischer
"Gratisleistungen"
Fläche (ha)
Alternative Landbauverfahren
(Nahrungsnetze, biologische Aktivität,
biologische Pflanzenschutzverfahren)
+

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
79
Schutzgut
Zuordnung der Kriterien /
Indikatoren zur Anlage I
zu beurteilendes Kriterium
SUP - Indikator
Anmerkung/ Hintergrund
Wirkung des
Maßnahmekomplexes
Wasser
9
chemische Wasserqualität
Entwicklung Nitratgehalt
(mg/l),
Bezieht sich auf das Grund- und
Oberflächenwasser. Maßnahmen nehmen
durch "Extensivierung" Einfluss auf diffuse
Stoffeinträge.
+
10
Entwicklung Messstellen
mit Grenzwertüberschrei-
tungen (Anzahl)
+
11
ökologische Durchlässigkeit
von Fließgewässern
kein Effekt über Flächenmaßnahmen des
EPLR
0
12
Vertragserfüllung
hängt von vorstehenden Sachverhalten ab
und Betrifft Verträge zur Reinhaltung von
Oder und Elbe
+
Klima
13
Emissionsreduktion
Kraftstoffeinsparung (l/ha)
Die Anwendung von Verfahren der
Direktsaat vermindern den Kraftstoffeinsatz
bei der Bodenbearbeitung, z. T. fallen ganze
Bearbeitungsgänge weg
+
14
Nährstoffsaldo (kg N/ha)
Die Emission von Lachgas (N
2
O) hängt vom
Nährstoffstatus der Flächen ab. Ein
geringerer N-Saldo durch weniger
Düngereinsatz oder höheren
Nährstoffentzug beeinflusst die THG-
Emission
+
15
Klimaanpassung
wie Bodenschutz
in Bezug auf Landwirtschaftsflächen
entstehen die Effekte über den
Bodenschutz.
+
16
Energieeffizienz
sehr geringer Einfluss über
Flächenmaßnahmen
0
17
Fläche mit
Waldumbaumaßnahmen
(ha)
In Bezug zum Forst ist der Fortschritt im
Waldumbau von Bedeutung
+

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
80
Schutzgut
Zuordnung der Kriterien /
Indikatoren zur Anlage I
zu beurteilendes Kriterium
SUP - Indikator
Anmerkung/ Hintergrund
Wirkung des
Maßnahmekomplexes
Boden
18
Kohlenstoffrückbindung
Humusreproduktion (%),
Holzzuwachs
Humusaufbau im Boden bindet Kohlenstoff
und damit CO
2.
Besonders wertvoll sind
Flächen deren Humusstatus längere Zeit
erhalten bleibt (Grünland, Forst) oder durch
Umnutzung (AL zu GL oder Aufforstung)
stark gefördert wird
+
19
Fläche (ha) mit GL-
Förderung bzw.
Flächenumnutzung
+
20
Anpassung der Landwirtschaft
an den Klimawandel
Flächen (ha) mit Schutz
vor Wind- und
Wassererosion
Die Wahrscheinlichkeit eines starken
Bodenabtrags durch Unwetterereignisse
wird abgeschwächt
+
21
Bodenversiegelung
Fläche (ha)
für flächengebundene Maßnahmen nicht
zutreffend
0
22
Wasserspeichervermögen der
Böden
Hochwasserschutz
+
23
Schutz vor Wind- und
Wassererosion
Fläche (ha)
+
24
Schutz vor Bodenversauerung
Fläche (ha)
Bodenschutzkalkung im Forstbereich
+
Landschaft,
Kultur- und
Sachgüter
25
Kein Indikator mit
Umweltbezug
Es liegen keine konkreten
Zielbeschreibungen oder Angaben zu
Defiziten vor. Die Unionsprioritäten gemäß
ELER-VO beziehen sich nur indirekt auf
diese Schutzgüter
x
Schutzgut
übergreifend
26
Vermeidung von Katastrophen
Anzahl Geräte für
Waldüberwachung
Diese Zielsetzung steht mit allen anderen
Schutzgütern im Zusammenhang, trifft im
speziellen Fall nur den Schutz von
Waldökosystemen vor Feuer.
+
27
Umweltbildung
Anzahl Maßnahmen
Im Rahmen der Flächenmaßnahmen
unberücksichtigt
0
Legende: + Wirkung in positive Richtung belegbar, x keine Angaben für belastbare Wirkungsaussagen, 0 - ohne Wirkungsbezug

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
81
Zur Verbesserung der Übersichtlichkeit der Einschätzung potenzieller Umweltwirkungen
werden, unabhängig von der im EPLR gegebenen Zuordnung nach den ELER-Artikeln
(Stand des EPLR – Entwurfs vom 6.03.2014), zunächst Maßnahmen für den Forst, für
landwirtschaftlich genutzten Flächen (beide einschließlich Altverpflichtungen) und schließlich
Maßnahmen zur Förderung ökologischer Anbauverfahren und benachteiligter Gebiete
betrachtet.
4.2.3.1 Investitionen für die Entwicklung von Waldgebieten und Verbesserung der
Lebensfähigkeit von Wäldern (Art. 21)
Die Maßnahme erfasst Altverpflichtungen aus dem EPLR 2007-2013 (Code 221) und zwei
neu aufgelegte Maßnahmebereiche für den EPLR-Zeitraum 2014-2020.
Das Maßnahmeziel der Erstaufforstung als Altverpflichtung war der Schutz von
Landesflächen vor Hochwasser und Bodenerosion, die Anhebung der Waldfläche mit
Rückwirkung auf Treibhausgase (CO
2
) und die Einflussnahme auf die Landschaftsstruktur.
Zur Steuerung der Maßnahme auf die vorstehend benannten Bereiche wurde eine
Gebietskulisse vorgegeben. Der mit der Maßnahme erreichte Flächenumfang ist nicht sehr
hoch, erfolgte jedoch zu einem erheblichen Teil in Hochwasser gefährdeten Gebieten und
die positive Wirkung auf Boden, Wasser und Landschaft wurde bestätigt (Bericht zur
Halbzeitbewertung, 2010). Da die Erstaufforstung zu einem Ökosystemwechsel auf der
Förderfläche führt, ergeben sich Veränderungen im Lebensraumangebot für Arten. Dies
wurde teils kritisch gesehen, wenn Erstaufforstungen auf naturschutzfachlich wertvollen
Standorten erfolgen. Über die administrative Umsetzung der Maßnahme wird dieser Fakt
unterbunden, weil im Rahmen der behördlichen Genehmigung des Erstaufforstungsantrages
vielfältige Umweltgesichtspunkte geprüft werden, so dass die Umwandlung von sensiblen,
naturschutzfachlich wertvollen Biotopen ausgeschlossen ist. Aus den vorgenannten Gründen
ergeben sich für die SUP die in der Tab. 16 dargestellten Bewertungen zu den Schutzgütern
und in Hinsicht auf die Abhängigkeit der Wirkungserfolge von administrativen Vorgaben.
Wichtig ist die Weiterführung von Altverpflichtungen besonders aus dem Blickwinkel des
Erhalts bereits erreichter Umweltleistungen.
Aus den Erfahrungen aus der Umsetzung der Maßnahme in der Förderperiode 2007-2013 ist
zu konstatieren, dass erhebliche negative Wirkungen auf Umweltschutzgüter nicht
nachweisbar waren, was auch für auslaufende Altverpflichtungen in der neuen Förderperiode
gilt.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
82
Tab. 16: Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme „Erstaufforstung“ auf
Umweltschutzgüter
Kriterium
potenziell betroffene Schutzgüter
(Fragen nach Kap.
4.1.2)
Biodiversität,
Flora, Fauna
Wasser
Klima,
Luft
Boden
Land-
schaft
Kultur-,
Sachgüter
Frage 2
2
2
3
2
3
0
Frage 3
2
2
1
1
1
0
Frage 4
3
3
3
3
3
0
Frage 5
2
1
1
1
1
0
Frage 6
1
1
1
1
1
0
Frage 7
2
1
1
1
1
0
Frage 8
3
3
1
1
0
0
Beurteilung
potenzieller
Umweltwirkungen
2
1,8
1,8
1,6
1,8
0
Beurteilung
Abhängigkeit von der
administrativen
Umsetzung
2,5
2
1
1
0,5
0
Die neue Förderung nach Art. 21 der ELER-VO wird durch zwei Maßnahmen getragen.
1) Vorbeugung von Schäden und Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands von
Wäldern nach Waldbränden, Naturkatastrophen und Katastrophenereignissen (Art. 21
Abs. 1 (c) und
2) Investitionen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit und des ökologischen Werts der
Waldökosysteme (Art. 21 Abs. 1 (d).
Der
erste
Förderbereich
folgt
dem
Ziel,
Schädigungen
des
Waldes
durch
Katastrophenereignisse einzuschränken. Dafür soll die Ausstattung mit automatischen
Waldbrandwarnsystemen gefördert werden. Zwar sind Katastrophenereignisse für einige
naturschutzfachlich interessante Arten (insbesondere Xylobionten) wichtig, da sich in der
Folge der Ereignisse Bedingungen im Lebensraum Wald ändern. Diese gehen aber zu
Lasten anderer Arten, so dass aufgrund der Wirkungen auf andere Schutzgüter und unter
dem Aspekt einer späteren Holznutzung Förderinhalte zur Vermeidung von Katastrophen
nicht negativ gesehen werden können. Direkte negative Wirkungen durch Umsetzung des
Vorhabens auf Umweltschutzgüter entstehen somit nicht.
Der
zweite
Förderbereich
bezieht
sich
auf
eine
Stärkung
der
ökologischen
Widerstandsfähigkeit der Wälder durch Reaktion auf die Strukturarmut (überwiegend

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
83
Nadelbäume), Stoffeinträge mit Bezug zum Bodenzustand (Versauerung) und Klimawandel
sowie Biotopgestaltungs- und Artenschutzmaßnahmen im Wald. In Bezug zum Klimawandel
wird die Funktion des Waldes als Kohlenstoffsenke hervorgehoben.
Für die jeweiligen Zielsetzungen sind Teilmaßnahmen definiert, so der standortgerechte
Waldumbau außerhalb von Schutzgebieten sowie die Verjüngung von Waldgesellschaften im
Bereich ausgewiesener Schutzgebiete. Weitere Aspekte sind die Bodenschutzkalkung und
Biotopgestaltungs- und Artenschutzvorhaben.
Mit den Inhalten der Teilmaßnahme wird hauptsächlich auf die Förderung stabiler und
klimatoleranter Waldbestände fokussiert, wobei aus Umweltsicht insbesondere positive
Effekte auf die Biodiversität, das Klima, den Boden und die Landschaft zu erwarten sind.
Effekte auf die belebte Umwelt ergeben sich hauptsächlich durch den Waldumbau und
gezielte Biotop- und Artenschutzvorhaben.
Die aufgeführten Teilmaßnahmen wirken sich ebenfalls auf abiotische Schutzgüter aus. Eine
Bodenschutzkalkung verbessert physikalische und chemische Bodeneigenschaften, was
wiederum die Baumgesundheit positiv beeinflusst. Initialwirkungen in Richtung auf eine
Verbesserung der Umweltsituation sind wenig zu erwarten.
Tab. 17: Bewertung des potenziellen Einflusses der (Teil-) Maßnahme „Investitionen
zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit und des ökologischen Werts der
Waldökosysteme“ auf Umweltschutzgüter
Kriterium
potenziell betroffene Schutzgüter
(Fragen nach Kap.
4.1.2)
Biodiversität,
Flora, Fauna
Wasser
Klima,
Luft
Boden
Land-
schaft
Kultur-,
Sachgüter
Frage 2
3
2
2
3
2
2
Frage 3
3
1
1
2
2
2
Frage 4
2
1
1
1
1
1
Frage 5
2
1
2
2
2
1
Frage 6
1
1
1
1
2
1
Frage 7
2
0
0
0
2
1
Frage 8
2
1
1
1
2
2
Beurteilung
potenzieller
Umweltwirkungen
2,2
1,2
1,4
1,8
1,8
1,4
Beurteilung
Abhängigkeit von der
administrativen
Umsetzung
2
0,5
0,5
0,5
2
1,5
Für beide Umweltmaßnahmen gilt, dass administrative Vorgaben in der Umsetzung der
Förderung insbesondere die belebte Umwelt beeinflussen können, z. B. durch Festlegung

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
84
der Baumarten (Waldumbau) und den Zuschnitt der Förderinhalte auf Gebietskulissen. Die
Vorgaben des EPLR verhindern jedoch negative Auswirkungen im Bereich des Waldumbaus
und sie sind so ausgerichtet, dass für diesen Prozess notwendige wissenschaftliche
Erkenntnisse (z. B. Michiels, 2010; Hockenjos, 2010 sowie Schirkonyer u. Rothe, 2010)
berücksichtigt sind.
Aus den beschriebenen Wirkungsrichtungen beider Teilmaßnahmen können mit hoher
Sicherheit erhebliche negative Effekte für die Umwelt in Folge der Etablierung der
Fördermaßnahme ausgeschlossen werden, was ebenfalls aus Einschätzungen der
Halbzeitbewertung des EPLR 2007-2013 hervorgeht.
Eine
Aussetzung
der
Förderung
würde
insbesondere
auf
Biotop-
und
Artenschutzmaßnahmen negativ wirken, denn sie sind für den Erhalt des Waldes und aus
ökonomischer Sicht für die Waldbesitzer nicht prioritär.
4.2.3.2 Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (Art. 28)
Die im EPLR 2014-2020 vorgesehenen Maßnahmen im Bereich der Agrarumwelt und des
Klimaschutzes folgen im Wesentlichen den Förderintentionen der voran gegangenen
Förderperiode
(AUM,
Code
214),
weshalb
sich
potenzielle
Auswirkungen
auf
Umweltschutzgüter unter Beachtung der zu Grunde liegenden ökologischen Ursache-
Wirkung-Beziehungen
nicht
unterscheiden.
Der
ökologische
Hintergrund
der
Maßnahmenwirkung in der Umwelt ist zum einen die Verringerung landwirtschaftlicher Inputs
auf bewirtschafteten Flächen mit zusätzlicher Auswirkung auf angrenzende (Natur-) Flächen.
Dabei geht es insbesondere um Pflanzennährstoffe (Stickstoff und Phosphor) und
Pflanzenschutzmittelwirkstoffe. Dieser Ansatz wirkt einer Eutrophierung terrestrischer und
aquatischer Lebensräume entgegen und schützt zugleich das Grundwasser.
Der zweite Handlungsbereich orientiert auf den Wechsel bzw. die Anpassung
landwirtschaftlicher
Störungsprofile
an
die
Lebensbedingungen
naturschutzfachlich
wertvoller Pflanzen- und Tierarten sowie der Lebensräume.
In der Tab. 18 sind die Fördermaßnahmen der EPLR-Förderperioden 2007-2013 und 2014-
2020 nach ihrem ökologischen Wirkungsansatz und den Förderinhalten vergleichend
dargestellt, die Bewertung der Altverpflichtungen ist analog zu den Bewertungen für die
Maßnahmen des EPLR 2014-2020.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
85
Für die Altverpflichtungen liegen aus der fachlichen Begleitung des EPLR 2007-2013
Ergebnisse vor, welche die Erreichung der mit den Maßnahmen verbundenen Förderziele
sehr detailliert belegen (LfULG, 2009, 2010 und 2011).
In der Zusammenfassung dieser Ergebnisse zeigte sich z. B. die erhebliche Wirkung Input
reduzierender Maßnahmen, weil der Umfang der geförderten Flächen auf dem Acker- und
Grünland groß war und für die Einzelmaßnahmen Wirkungsbelege erbracht wurden. So
wurden mit Fördermaßnahmen auf dem Ackerland deutliche Reduzierungen des Nitrat -
austrags (808 t NO
3
-N/Jahr in Bezug zur A.1. und A.2 Förderfläche, Stand 2001), des
Bodenabtrags durch Erosion (471.380 t Boden/Jahr in Bezug zur Förderfläche A.3) erreicht
und die Maßnahmen auf dem Grünland erhöhten den naturschutzfachlichen Wert der
Pflanzengesellschaften.
Fördermaßnahmen auf dem Grünland hatten ebenfalls eine erhebliche Bedeutung für das
Natura 2000 Schutzgebietssystem. Es ergeben sich mit diesen Beispielen Belege für Effekte
auf die unbelebte (Klima, Wasser, Boden) und die belebte Umwelt (Biodiversität). Nach
Einschätzung aus der Begleitung der Maßnahmen wurde die Nachhaltigkeit der
Agrarsysteme, als übergreifende Wertung zu allen Schutzgütern, verbessert. Letztlich ist
hinzuzufügen, dass sich aus der Begleitung der Maßnahmen in der Förderperiode 2007-
2013 keine Hinweise auf erhebliche negative Auswirkungen der Agrarumweltförderung
ergaben. Diese Aussage ist im Wesentlichen auch für die neu aufgelegten AUKM zu
übernehmen.
Die im EPLR 2014-2020 ausgewiesenen neuen Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen bieten
ebenfalls ein sehr komplexes und vielschichtiges Handlungsangebot an die Landwirtschaft.
Sie untergliedern sich zwar in Förderbereiche für das Acker- bzw. Grünland, den
Fördergegenständen
sind
aus
Umweltsicht
jedoch
im
Wesentlichen
gleichartige
Wirkungsansätze hinterlegt. Zunächst Fördervorhaben, die primär auf eine Verbesserung
des Zustandes im abiotischen Umweltbereich (Boden, Wasser) ausgerichtet sind, und
zweitens Förderansätze mit definitiver Ausrichtung auf Verbesserungen für die belebte
Umwelt (Biodiversität, Landschaft).
Der Schutz der abiotischen Umwelt erfolgt durch Förderansätze, denen regelnde Eingriffe in
den Nährstoffhaushalt der Agrarökosysteme zu Grunde liegen oder die eine Abgrenzung
landwirtschaftlich genutzter Flächen zu eher naturnahen terrestrischen oder aquatischen
Lebensräumen in der Agrarlandschaft vorsehen.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
86
Tab. 18: Ökologischer Wirkungshintergrund und Vergleich des Förderinhalts der Agrarumweltmaßnahmen (EPLR 2007-2013) bzw.
Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (EPLR 2014-2020) und Angabe der SUP-Wirkungsbewertung
Schlüssel EPLR 2007-2013
Schlüssel EPLR 2014-2020
Beurteilung
Umweltwirkung
entspricht
Wirkungsschwerpunkt abiotische Umwelt (stoffeintragsmindernde Maßnahmen Ackerland)
A.5 Anlage von Grünstreifen auf Ackerland
AL.1 Grünstreifen auf Ackerland
xx
A.3 Mulchsaaten / Erosionsschutz
AL.2 Streifensaat/Direktsaat
xx
A.6 Anwendung bodenschonender
Produktionsverfahren des Ackerfutterbaus
AL.3 Umweltschonende Produktionsverfahren des Ackerfutter-
und Leguminosenanbaus
xx
A.1/A.2 Zwischenfrüchte/ Untersaaten
AL.4 Zwischenfrüchte
xx
Alle A Maßnahmen Wirkungsübergreifend
AL.8 Klima- und gewässerschonende N-Düngung
x
B.3.1 Einschränkung PSM
Umsetzung im Rahmen EIP potenziell möglich
keine Analogie
Wirkungsschwerpunkt biotische Umwelt (Artenschutz auf dem Ackerland)
B.1 Extensives Grünland, B2 zeitlich begrenzter
Düngerverzicht
GL.1 artenreiches Grünland-ergebnisorientierte Honorierung
xx
B.3.4 Anlage Brachflächen/-streifen
AL.5 Naturschutzbrachen und Blühflächen auf Ackerland
xx
B.3.1 Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung AL.6 Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung
x
B.3.2 Überwinternde Stoppel
AL.7 Überwinternde Stoppel
xx
Wirkungsschwerpunkt biotische Umwelt (Artenschutz auf dem Grünland)
B.2 Naturschutzgerechte GL - Bewirtschaftung
GL.5 spezielle artenschutzgerechte Grünlandnutzung
x
B.2.3 Düngeverzicht-Aushagerung**
GL.2 Biotoppflegemahd mit Erschwernis
x
B.2.7 Brachflächen/-streifen im Grünland
GL.3 Bracheflächen und Brachestreifen im Grünland
xx
B.2.6 Hutung mit Schafen
GL.4 naturschutzgerechte Hütehaltung und Beweidung
xx
** Wurde aus Landesmittel finanziert, kommt fachlich (Wirkungshintergrund) der GL.2 nahe,
xx – enger fachlicher Bezug zwischen den Maßnahmen, x – fachlicher Bezug zwischen den Maßnahmen

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
87
Beides umfasst die Reduktion des Nährstoffeinsatzes und eine Verhinderung des
Bodenabtrags durch Förderung der Bedeckung oder die Anlage pflanzlicher Sperrstreifen.
Für die Einschätzung potenzieller Umweltauswirkungen der Maßnahme ist daher zu
berücksichtigen, dass Haupteffekte zunächst aus den benannten Ursache-Wirkung-
Beziehungen entstehen und Nebeneffekte auf alle Umweltschutzgüter über die in
Ökosystemen bestehenden Interaktionen und Abhängigkeiten zu erwarten sind.
In der Tab. 19 ist aus den genannten Wirkfaktoren und ihren Interaktionen mit der Umwelt
die Relevanz des Fördereingriffs dargestellt. Sie verdeutlicht eine hauptsächliche Wirkung
des Maßnahmeinhalts auf den Boden als Umwelt-Schutzgut. Stärkere begleitende Effekte
sind für die chemische Wasserqualität zu erwarten und gleichfalls für das Klima und die
belebte Umwelt abzuleiten. Diese Einschätzungen sind durch umfassende Untersuchungen
und Studien belegt.
Darin konnte eine Anreicherung des Bodens mit organischem Material aufgezeigt werden.
Dieses Material fördert die Aktivität des Bodenlebens, mit positiver Rückkopplung auf die
Regenwurmpopulation und einer Veränderung der Carabidengesellschaft zugunsten
naturschutzfachlich wertvoller Großlaufkäfer. Dieser Effekt vollzieht sich über das
Nahrungsnetz, d. h. organische Substanz verwertende Destruenten (Organismen der
Bodenmikro- und Makrofauna) vollbringen nicht nur Mineralisierungsleistungen als
Grundlage für das Pflanzenwachstum, sondern sind gleichzeitig auch Nahrungsgrundlage für
Organismen höherer Trophieebenen.
Effekte auf das Schutzgut Wasser entstehen aus mehreren Gründen. Biologisch aktive
Böden nehmen auf Grund eines höheren Porenvolumens (Regenwurmaktivität) mehr
Niederschlagswasser auf, d. h. die Menge des abfließenden Regenwassers verringert sich.
Effekte des diskutierten Maßnahmespektrums ergeben sich somit speziell auch für
Oberflächengewässer, die vor dem Eintrag erodierten Bodenmaterials (einschließlich
Nährstoffe und PBSM-Wirkstoffe) geschützt werden (Werner u. Michael, 1999). Effekte für
das (Grund- und Oberflächen-) Wasser ergeben sich aus der Optimierung der
Nährstoffflüsse. Dies soll durch N-Konservierung über Winter (v. a. Zwischenfruchtanbau,
bodenschonender Ackerfutterbau, Grün- und Blühstreifen etc.) sowie verbesserte
Entscheidungsgrundlagen zur Erhöhung der Effizienz der Stickstoffdüngung innerhalb einer
festgelegten Gebietskulisse erreicht werden.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
88
Das angesprochene Handlungsziel erbringt auch Leistungen für den Klimaschutz, einerseits
durch eine anzunehmende Verminderung des Einsatzes von Mineraldüngern (hoher
Energieeinsatz bei der Produktion chemisch-synthetischer Stickstoffdünger), reduzierten
Kraftstoffbedarf bei konservierenden Verfahren der Bodenbearbeitung und weiterhin durch
verringerte N-Emissionen aus den Böden (Heyer u. a. 2010; Hülsbergen und Schmid 2010).
Nach (groben) Einschätzungen vermindert sich die Lachgasemission aus landwirtschaftlich
genutzten Böden um etwa 12-13 g/ha und Jahr bei Reduzierung des N-Einsatzes um 1 kg.
Die Effekte der Maßnahmen zum Bodenschutz und ihre Rückkopplungen auf andere
Schutzgüter wurden durch die Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL, seit 2008
LfULG) sehr intensiv untersucht (z. B. LfL, 2000; LfL, 2003; LfL, 2005 sowie Autorenkollektiv,
2007 u. Schmidt, 1992). Von den angeführten Effekten ist auch bei Weiterführung der
Förderinhalte auszugehen (LfULG, 2011).
Insgesamt trägt das Angebot zur Lösung bestehender Umweltprobleme zum Schutz des
Bodens
vor
Erosion
bei.
Bereits
erreichte
Verbesserungen
im
Bodenschutz
(Erosionsvermeidung) und Wasserschutz werden weiterhin unterstützt.
Wirkungen auf das Landschaftsbild oder den Erhalt von Kultur- und Sachgütern sind durch
die gewählten Förderansätze nicht zu erwarten.
Das
Förderspektrum
unterstützt
die
Anwendung
und
Umsetzung
fortschrittlicher
Anbauverfahren. Insofern gehen von der Förderung Initialwirkungen für eine stärkere
Anwendung boden- und wasserschonender Verfahren in der praktischen Landwirtschaft aus.
Es ist anzunehmen, dass die Fördermaßnahmen zum Bodenschutz zukünftig einen
wesentlichen Inhalt der gfP ausmachen und landwirtschaftlicher Standard werden. Die
gegenwärtige Förderung unterstützt diesen Anpassungs- und Entwicklungsprozess.
Somit sind die Maßnahmen auf Grundlage ihrer Förderansätze prinzipiell als positiv in ihrer
Wirkung auf Umweltschutzgüter einzuschätzen.
Ob die angestrebten Wirkungen eintreten, hängt ebenfalls von der Ausgestaltung der
aufgezeigten Förderansätze ab. Dabei ist zu bedenken, dass
die Umsetzung bodenschonender Anbauverfahren mit einer Erhöhung des Einsatzes
von Herbiziden verbunden sein kann, was ein negatives Bild in der Öffentlichkeit
vermittelt und auch aus fachlicher Sicht wegen der angewendeten Wirkstoffe und
eingesetzten Wirkstoffmenge zu bedenken ist.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
89
Angesprochene potenziell negative Auswirkungen können prinzipiell durch administrative
Regelungen bzw. die Ausgestaltung der Richtlinien zur Maßnahmeumsetzung vermieden
werden.
Der Förderansatz zur N-Reduzierung ist für die Betriebe praktikabel. Es geht um
Vorkehrungen zur Steigerung der N-Effizienz sowie die Vermeidung von N-Verlusten aus der
durchwurzelten Bodenzone.
Es wird eine hohe Akzeptanz innerhalb der vorgesehenen Gebietskulisse erwartet, was
zunächst die wichtigste Voraussetzung für die Erreichung von Umweltwirkungen wäre. Es
kann davon ausgegangen werden, dass die umfangreichen administrativen Vorgaben zu
einer Erhöhung der Effizienz der N-Düngung führen werden, d. h. dass das Verhältnis von N-
Pflanzenentzug zu N-Düngeraufwand erhöht werden kann. Genaue Messwerte (Boden,
Wirtschaftsdünger) anstatt pauschaler Richtwerte in Verbindung mit Verfahren der
operativen sowie modellgestützten N-Düngebedarfsermittlung erlauben eine exaktere
Anpassung der N-Düngung an den N-Pflanzenbedarf und damit die Vermeidung einer
potenziell umweltbelastenden Überdüngung als lediglich die Einhaltung der vergleichsweise
pauschalen Anforderungen nach Düngeverordnung.
Aufgrund der bestehenden Unterschiede zwischen den Betrieben hinsichtlich der bislang
praktizierten N-Düngebedarfsermittlung sowie künftiger Witterungsverläufe (v. a. Häufigkeit
von Extremereignissen) ist jedoch eine Abschätzung der künftig zu erreichenden
tatsächlichen Absenkung der N-Salden schwierig. Die Ergebnisse werden wahrscheinlich
sehr betriebsindividuell sein.
Bei den angesprochenen Sachverhalten ist nicht von negativen Umwelteffekten auszugehen,
aber beim Ausmaß der dadurch erreichbaren N-Austragsminderungen bestehen
Unsicherheiten. In Abwägung des Diskutierten wäre vorzuschlagen, diesen Maßnahmen im
Rahmen der fachlichen Begleitung entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken.
Aus dem Für und Wider der vorstehenden Diskussion ist zu erkennen, dass potenziell
negative Wirkungen der Förderangebote zwar möglich sind, bei Beachtung der vorstehenden
Sachverhalte aber vermieden werden können und in Abwägung mit belegbaren positiven
Umwelteffekten erhebliche negative Umweltwirkungen auszuschließen sind. Auch bei
weiterer Sichtung der Literatur waren keine Hinweise auf erhebliche negative Umwelteffekte
durch die eingangs benannten Förderansätze zu finden.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
90
Tab. 19: Bewertung
des
potenziellen
Einflusses
der
auf
abiotische
Umweltschutzgüter ausgerichteten Fördergegenstände der Agrarumwelt-
und Klimamaßnahme (AUKM) auf Umweltschutzgüter
Kriterium
potenziell betroffene Schutzgüter
(Fragen nach Kap.
4.1.2)
Biodiversität,
Flora, Fauna
Wasser
Klima,
Luft
Boden
Land-
schaft
Kultur-,
Sachgüter
Frage 2
2
3
2
3
1
0
Frage 3
1
2
1
3
1
0
Frage 4
2
2
2
3
0
0
Frage 5
2
2
2
2
0
0
Frage 6
0
2
2
2
0
0
Frage 7
2
2
2
2
0
0
Frage 8
2
3
3
3
0
0
Beurteilung
potenzieller
Umweltwirkungen
1,4
2,2
1,8
2,6
0,4
0
Beurteilung
Abhängigkeit von der
administrativen
Umsetzung
2
2,5
2,5
2,5
0
0
In der Tab. 20 aufgeführte Förderansätze sind auf eine Verbesserung des Zustands der
belebten Umwelt (Schutzgut Biodiversität) ausgerichtet.
Einfluss auf belebte Schutzgüter wird durch Förderansätze genommen (vgl. Tab. 20), die in
erster Linie die Lebensraumqualität des Agrarraums für Tier- und Pflanzenarten verbessern.
Dahinter verbirgt sich der Erhalt von Lebensräumen, die durch Unter- oder Übernutzung
gefährdet sind, die Einhaltung artangepasster Nutzungsregimes oder auch die Aufwertung
des Lebensraumes durch Störungsreduktion oder -anpassung und Verbesserung des
Nahrungsangebotes. Letzthin stehen naturschutzfachliche Ziele im Vordergrund, weshalb
meist auch der Nährstoff- und PSM-Einsatz beschränkt ist.
Einbezogen sind das Acker- und Grünland. Für den Acker kommen überwiegend
Förderansätze zur Störungsreduktion und der Verbesserung des Nahrungsangebots zum
Tragen. Für Grünland steht der Nutzungserhalt im Vordergrund.
Wirkungen dieser Faktoren auf die Biodiversität im Agrarraum sind vielfach beschrieben,
u. a. bei Schmid (1992), Reinicke u. a. (2008), Heyer u. Christen (2005) und Dziewiaty
(2014), und für unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten dokumentiert.
Wegen der Inhalte benannter Förderansätze und der ökologischen Wirkungswege sind
neben einer strukturellen Aufwertung agrarischer Lebensräume erhebliche begleitende

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
91
Effekte auf den Boden und das Wasser zu erwarten. Sie gehen in die positive Richtung und
sind auch mit Effekten auf klimarelevante Gase (insbesondere N
2
O (Lachgas)) verbunden,
da der Einsatz landwirtschaftlicher Betriebsmittel verringert wird.
Durch die dargestellten Zusammenhänge ist ebenfalls davon auszugehen, dass die
angesprochenen Förderinhalte eine wichtige Voraussetzung bieten, Defizite im Bereich der
Biodiversität im Agrarraum auszugleichen. Der Ansatz zielt auf Ackerstandorten
insbesondere auf einen verbesserten „Grundzustand“ der Biodiversität, also den Erhalt
landwirtschaftlich bedeutender und an Biodiversität gebundener Naturfunktionen. Dies sind
z. B.
Funktionen
der
Bestäubung
von
(Kultur-)
Pflanzen,
der
Systemregelung
(Nahrungsnetze z. B. im Bereich der Schädlings-Nützlings-Interaktionen) und der Umsetzung
organischer Substanz (z. B. Mineralisierung durch Belebung des Bodenlebens). Auf
ausgewählte FFH-Arten (z. B. Feldhamster) oder Vogelarten entfaltet der benannte
Förderinhalt positive Effekte.
Die Handlungsfelder für das Grünland umfassen insbesondere den Bereich des
Artenschutzes durch eine ergebnisorientierte Nutzung des Grünlandes bzw. eine spezielle
artenschutzgerechte Grünlandnutzung. Weitere Angebote haben, strategisch gesehen, den
Erhalt der Nutzung des Grünlandes als Lebensraum zum Ziel.
Der
Erhalt
naturschutzfachlich
wertvoller
Lebensraumtypen
(LRT)
ist
mit
einer
Extensivierung der Grünlandnutzung verbunden.
Durch Umsetzung der Förderinhalte sind zugleich Wirkungen in verschiedenen
Umweltbereichen zu erwarten, denn Extensivierung schließt Wirkungen auf das Wasser und
das Klima (CO
2
-Speicherung) ein. Auch Nebeneffekte auf den Boden sind durch den Erhalt
der Bodenbedeckung zu erwarten. Lokal spezifische LRT sind zudem landschaftsprägend.
Bei Anerkennung geschützter Tier- und Pflanzenarten als Kulturgut ergibt sich die in der Tab.
20 verdeutlichte Bewertung der Wirkungseffekte der Förderinhalte auf Schutzgüter.
Der Tab. 20 sind auch Förderansätze hinterlegt, welche insbesondere die Nutzung des
Grünlands unter naturschutzfachlichen Aspekten unterstützen sollen. Verbunden sind damit
gleichzeitig Vorteile für die Umwelt insgesamt, einschließlich der Möglichkeit, Landschaften
in ihrer Ausprägung als Kultur- und Sachgut zu erhalten. Letzteres wird insbesondere durch
Möglichkeiten der Unterstützung der Weidehaltung und Hutung mit unterschiedlichen
Tierarten sowie gestaffelter Ausgleichszahlungen nach Erschwernis bei der Landnutzung
(z. B. Unterstützung der Hangmahd in Abhängigkeit vom Neigungsgrad der Fläche) erreicht.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
92
Diese deutliche Untersetzung der Angebote für das Grünland ist aus fachlichen Aspekten der
naturschutzfachlich orientierten Zielsetzung korrekt, wie Erfahrungen und Untersuchungen
belegen (z. B. Albrecht u. a. 2007; Riehl u. Hofmann, 2009).
Tab. 20: Bewertung des potenziellen Einflusses der auf biotische Umweltschutzgüter
ausgerichteten Fördergegenstände der Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen
(AUKM) auf Umweltschutzgüter
Kriterium
potenziell betroffene Schutzgüter
(Fragen nach Kap.
4.1.2)
Biodiversität,
Flora, Fauna
Wasser
Klima,
Luft
Boden
Land-
schaft
Kultur-,
Sachgüter
Frage 2
3
2
2
2
3
3
Frage 3
3
2
2
2
3
3
Frage 4
3
2
2
2
3
3
Frage 5
3
1
1
1
3
3
Frage 6
1
1
1
1
0
0
Frage 7
2
2
2
2
2
2
Frage 8
5
1
1
1
3
3
Beurteilung
potenzieller
Umweltwirkungen
2,6
1,6
1,6
1,6
2,4
2,4
Beurteilung
Abhängigkeit von der
administrativen
Umsetzung
3,5
1,5
1,5
1,5
2,5
2,5
Zudem unterstützt der Förderansatz bereits erreichte positive Entwicklungen für Grünland-
Lebensraumtypen aus vorhergehenden Förderperioden. Initialwirkungen für eine spätere
Weiterführung der Flächenbewirtschaftung ohne finanzielle Ausgleichsleistungen sind eher
nicht zu erwarten.
Die Maßnahmegruppe setzt vorausgehende Förderansätze weiterhin fort und bereits
erreichte Ergebnisse bleiben erhalten. Es bestehen Synergieeffekte zwischen fast allen
Schutzgütern.
Von den Maßnahmeinhalten gehen keine erheblichen negativen Wirkungen auf Schutzgüter
aus, u. U. können die aufgeführten positiven Wirkungen jedoch ausbleiben oder sehr gering
sein, wenn die Maßnahmeakzeptanz nicht gewährleistet ist. Dies hängt in erster Linie von
den administrativen Vorgaben für die Maßnahmeumsetzung ab.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
93
In diesem Zusammenhang ist interessant, dass für Fördergegenstände der AUKM auf dem
Grünland u. a.
ergebnisorientierte Förderansätze vorgesehen sind.
Sie erlauben
wahrscheinlich eine höhere Flexibilität der Flächennutzung durch den Landwirt, benötigen
aber auch Erfahrungen bei der praktischen Erfassung von Kennarten (4, 6 bzw. 8
Pflanzenarten des Grünlands lt. Kennartenliste).
Der Einfluss dieser administrativen Vorgaben auf die Akzeptanz der Fördergegenstände
dürfte mit Sicht auf „Biodiversität“ als Schutzgut recht hoch sein. Zum einen, weil die
praktische Erfassung von Kennarten Aufwand erfordert und zweitens, weil die An- bzw.
Abwesenheit von Arten neben der Bewirtschaftung auch von Jahreseinflüssen geprägt ist.
So bestehen aus Sicht des Landwirts höhere Risiken bei der Annahme des Förderangebots.
Nach gegenwärtigem Wissensstand ist schwer einzuschätzen, welche Entwicklung
zielorientierte Förderansätze nehmen, und folglich abzuwägen, inwieweit mit dem
Förderangebot verbundene Risiken die Akzeptanz und damit das Förderziel beeinträchtigen.
Der Gutachter schlägt für den angeführten Sachverhalt vor, im Rahmen der fachlichen
Begleitung des Programms zielorientierten Förderansätzen besondere Aufmerksamkeit zu
schenken.
Trotz vorstehender Einschätzung ist nicht zu erwarten, dass von dem betrachteten
Förderansatz erhebliche negative Auswirkungen auf Umweltschutzgüter ausgehen. Für die
freiwillige Umsetzung von Umweltzielsetzungen durch die Landwirtschaft ist jedoch zunächst
die Akzeptanz der Maßnahme entscheidend. Nur dann werden sich positive Wirkungen
entfalten.
In der Übersicht aller angesprochenen AUKM-Fördergegenstände sind erhebliche negative
Umweltwirkungen durch eine Umsetzung der Förderung ausgeschlossen. Diese Aussage ist
auch über Analogieschlüsse aus den Ergebnissen der Halbzeitbewertung der Förderperiode
2007-2013 bestätigt, z. B. in Bezug zu Natura 2000-Lebensraumtypen und in Hinsicht auf die
Anwendung landwirtschaftlicher Betriebsmittel (Pflanzennährstoffe und PBSM). Allerdings ist
ebenfalls vermerkt, dass die Förderung in ihrer Gesamtheit in Bezug zu ausgewählten Arten
(Vögel der Agrarlandschaft als Indikator) keine Umkehr negativer Entwicklungen einleiten
konnte.
Aufgeführte positive Wirkungen der AUKM können jedoch geschmälert werden, wenn die
Förderansätze in ihrer Wirkungskomplexität eingeschränkt werden. Anzuführen wären z. B.
die Einschränkung der Differenzierung der Ausgleichzahlungen nach Erschwernisgrad oder
eine alleinige Ausrichtung der AUKM auf die belebte Umwelt.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
94
Eine Aussetzung der Maßnahmen wäre mit nachteiligen Auswirkungen auf alle Schutzgüter
verbunden und hätte insbesondere für das Schutzgut „Boden“, wegen der aufgezeigten
Beziehungen aber auch auf die Wasserqualität, negative Auswirkungen.
4.2.3.3 Ökologischer-biologischer Landbau (Art. 29)
Die Besonderheit ökologischer bzw. biologischer Anbauverfahren besteht darin, dass für die
landwirtschaftliche Produktion in verstärktem Maß auf Naturleistungen zurückgegriffen wird.
Beispielhaft genannt werden kann die Bereitstellung des Pflanzennährstoffs Stickstoff über
die biologische Stickstofffixierung (Leguminosen) sowie die Mineralisierung der organischen
Bodensubstanz (Humus) zu Pflanzen verfügbaren Nährstoffen. Entscheidend ist, dass alle
Natur- bzw. ökologischen Gratisleistungen von der belebten Umwelt erbracht werden. Damit
ist Biodiversität die entscheidende Grundlage für den Erfolg ökologisch orientierter
Anbausysteme.
Ökologische Anbausysteme fördern somit Biodiversität durch deren Nutzung, weshalb
insbesondere das Bodenleben (Mikroorganismen, Regenwürmer etc.), Arthropoden (Asseln,
Tausendfüßer, Springschwänze etc.) als Destruenten und Insektenarten (z. B. im Rahmen
von Schädlings-Nützlings-Interaktionen) eine Förderung erfahren. Gleichzeitig wird damit in
der Agrarlandschaft eine gute Basis für funktionierende Nahrungsnetze gelegt. Davon
profitieren weitere Arten.
Die
aufgeführte
Grundlage
ökologischen
Wirtschaftens,
einschließlich
der
damit
verbundenen weiter gestellten Fruchtfolgen, schließt positive Rückkopplungen auf andere
Umweltschutzgüter ein. Ökologische Anbauverfahren sind gesellschaftlich als nachhaltige
Landnutzungssysteme akzeptiert.
Der Ansatz zur Förderung ökologischer Anbauverfahren berücksichtigt die Einführung und
Beibehaltung der ökologischen Produktionsweise sowie deren Besonderheiten in der Acker-
und
Grünlandnutzung
sowie
dem
Anbau
von
Gemüse,
Obst-,
Dauer-
und
Baumschulkulturen.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
95
Tab. 21: Bewertung des potenziellen Einflusses der Maßnahme ökologischer-
biologischer Landbau auf Umweltschutzgüter
Kriterium
potenziell betroffene Schutzgüter
(Fragen nach Kap.
4.1.2)
Biodiversität,
Flora, Fauna
Wasser
Klima,
Luft
Boden
Land-
schaft
Kultur-,
Sachgüter
Frage 2
3
2
2
3
2
1
Frage 3
2
3
2
3
2
2
Frage 4
3
2
2
2
2
1
Frage 5
3
3
3
3
3
1
Frage 6
1
1
1
1
1
1
Frage 7
3
3
3
3
3
3
Frage 8
3
3
3
3
2
1
Beurteilung
potenzieller
Umweltwirkungen
2,4
2,2
2
2,4
2
1,2
Beurteilung
Abhängigkeit von der
administrativen
Umsetzung
3
3
3
3
2,5
2
Bei
der
Einschätzung
potenzieller
Umweltwirkungen
ökologischer/
biologischer
Anbausysteme wurden die o.g. fachlichen Hintergründe des ökologischen Landbaus
berücksichtigt, die im Einzelnen in ihrer Auswirkung auf Umweltschutzgüter in verschiedenen
wissenschaftlichen Publikationen dargelegt sind. Zu nennen sind u. a. „Die Entwicklung von
Fauna, Flora und Boden nach Umstellung auf den ökologischen Landbau“ (Hülsbergen und
Diepenbrock, 2000) sowie die KTBL-Schriften „Bewertung ökologischer Betriebssysteme“
(KTBL, 2007) und „Klimawandel und Ökolandbau“ (KTBL, 2008). Auf Grundlage dieser
fachlichen Bewertungen wird deutlich, dass ökologische Anbauverfahren zunächst auf die
Schutzgüter Biodiversität, Wasser, Klima und Boden einen fördernden Einfluss nehmen. In
Bezug auf das Schutzgut Biodiversität ist erklärend beizufügen, dass Biodiversität nicht
eingeschränkt auf Zielsetzungen des Naturschutzes gesehen wird, sondern sich die
Beurteilung im dargestellten Fall speziell auf Arten bezieht, die durch ihre funktionalen
Leistungen (Abbau organischer Substanz, Stickstoffbindung, Regelleistungen) die Basis für
nachhaltige Landnutzungssysteme und einen biologisch aktiven Boden bilden. Durch ihre
Leistungen kann in ökologischen Anbausystemen auf den Einsatz chemisch-synthetischer
Dünger und Pflanzenschutzmittel verzichtet werden, was ebenfalls Risiken für die
Gewässerqualität und das Klima mindert. Wirkungen in Bezug auf das Landschaftsbild und
Kultur- bzw. Sachgüter ergeben sich aus der notwendigen weiteren Stellung der Fruchtarten
in der Fruchtfolge und Anhebung der Fruchtartendiversität (Leguminosen) sowie einer (im

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
96
Vergleich zum konventionellen Landbau) stärkeren Nutzung alter bzw. alternativer
Pflanzenarten, -sorten sowie Tierrassen.
Mit einer Förderung ökologischer Produktionssysteme sind daher belegbare positive
Auswirkungen auf Schutzgüter verbunden und erhebliche negative Auswirkungen auf
Umweltschutzgüter können ausgeschlossen werden.
Tab. 21 weist ebenfalls auf eine Abhängigkeit der zu erwartenden Umweltleistungen
ökologischer Anbauverfahren von den administrativen Vorgaben hin. Mit Prämien für die
Einführung ökologischer Anbauverfahren werden Anreize für Betriebsumstellungen gesetzt
und die Beibehaltung des ökologischen Anbaus für verschiedene Produktionszweige wird
finanziell unterstützt: Die Vorgaben sichern damit die ökonomische Basis der als ökologisch
nachhaltig zu sehenden biologischen Anbauverfahren. Ohne finanzielle Anreize und die
Sicherung der ökologischen Bewirtschaftung wären die dargelegten Umwelteffekte nicht in
ihrer Deutlichkeit zu erreichen.
Die Förderung ermöglicht damit, ein gesellschaftlich als ökologisch nachhaltig anerkanntes
Anbausystem auch ökonomisch und sozial nachhaltig zu gestalten. Ein Ausbleiben der
Förderung würde den meisten Betrieben die ökonomische Basis entziehen.
4.2.3.4 Zahlungen für aus naturbedingten oder anderen spezifischen Gründen benachteiligte
Gebiete (Art. 31/32)
Ausgleichszahlungen für benachteiligte Gebiete haben primär ökonomische Ziele, d. h. eine
Landbewirtschaftung auf marginalen Standorten soll erhalten bleiben. Die Fördermaßnahme
definiert dieses Ziel für Berggebiete und andere als Berggebiete, die aus erheblichen
natürlichen Gründen in ihrer landwirtschaftlichen Produktion benachteiligt sind.
Diese zunächst ökonomische Zielsetzung hat ökologische Relevanz in Bezug auf
verschiedene Sachverhalte. Zum einen soll eine landwirtschaftliche Nutzung der Flächen
(insbesondere extensives Grünland) aufrechterhalten werden. Nach Informationen aus dem
Bericht zur Halbzeitbewertung des EPLR 2007 bis 2013 bestätigte sich dieser Effekt für das
Grünland. Aus Umweltsicht ist dieser Fakt sehr wichtig, weil naturschutzfachliche Probleme
im Rahmen des Artenerhalts auf dem Grünland zu einem wesentlichen Teil aus einer
Unternutzung der Standorte entstehen (z. B. Verbuschung). Nutzungserhalt des Grünlands
ist somit positiv mit dem Erhalt von Biodiversität assoziiert.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
97
Weitere Informationen zeigen, dass sich marginale Standorte mit landwirtschaftlicher
Landnutzung in breiterem Grad mit naturschutzfachlich wertvollen Flächen überschneiden.
Unter Zugrundelegung von Gemarkungsgrenzen beträgt ihr Anteil im Sächsischen Bergland
und Mittelgebirge ca. 10 - 20 % der Fläche im Vergleich zu einem Anteil < 1 % in
sächsischen Lössgebieten (LfUG,
2006). Aus diesen Zusammenhängen ist
zu
schlussfolgern, dass eine Ausgleichszahlung für benachteiligte Gebiete über die
ökonomische Stärkung der Betriebe auf den Biodiversitätserhalt zurück wirkt und damit
ebenfalls einen Effekt für das Landschaftsbild und die Kulturgüter beisteuert.
Ein weiterer Aspekt der Fördermaßnahme bezieht sich auf das Ackerland. Zahlungen für
Ackerflächen sind derzeit auf Standorte (Felder) mit weniger „intensiven“ landwirtschaftlichen
Fruchtarten begrenzt (keine Zahlungen für Weizen, Mais, Zuckerrüben sowie weitere
Intensiv- und Dauerkulturen). Darin begründet sich neben strukturellen Unterschieden
(Schlaggrößen, Grünlandanteil, Fruchtartendiversität) eine geringere Intensität der
landwirtschaftlichen Flächennutzung. Nach Untersuchungen von Deimer u. a. (2009)
reduzierte sich der N-Saldo um ca. 30 % und die PSM-freie Fläche betrug in AGZ-Bereichen
ca. 39 % zu ca. 2,2 % außerhalb des AGZ-Gebietes. In der Zusammenfassung aller
Faktoren war das „biologische Potenzial“ (Heyer u. Christen, 2007) der AGZ-Flächen
wesentlich günstiger einzuschätzen. Die aufgeführten Sachverhalte widerspiegeln sich in
den Wirkungsbewertungen der Tab. 22. Für Klimaeffekte werden potenzielle Einflüsse als
sehr gering angesehen, daher erfolgt hier eine neutrale Bewertung.
Mit Umsetzung von Artikel 31 und 32 der Verordnung (EU) Nr. 1305/2013 kann sich ein
Ausschluss von der Förderung nur auf verschiedene Arten der Landbewirtschaftung
beziehen und nicht z. B. bestimmte Kulturpflanzen betreffen. Mit Schreiben vom 20.03.2014
hat die KOM gegenüber dem BMEL mitgeteilt, dass in Deutschland „keine neuen Gebiete in
den Zahlungen berücksichtigt werden müssen, bis die Neuabgrenzung in Kraft tritt.“
Übergangsweise sollten somit Intensivkulturen - wie bisher – von der AZL ausgeschlossen
werden.
Spätestens im Jahr 2018 müssen zudem neue Kriterien für die Abgrenzung anderer Gebiete
als Berggebiete, die aus erheblichen naturbedingten Gründen benachteiligt sind,
angewendet werden.
Die dargestellten Sachzusammenhänge machen deutlich, dass eine Unterstützung
landwirtschaftlicher
Betriebe
in
benachteiligten
Regionen
ökologisch
vorteilhafte
Entwicklungen nach sich zieht und u. U. auftretende negative Umweltwirkungen durch
administrative Regelungen weitgehend unterbunden werden. Daher sind aus der Umsetzung

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
98
der Maßnahme einschließlich ihrer Teilmaßnahmen keine erheblichen negativen Folgen für
Umweltschutzgüter zu erwarten, wie Tab. 22 insgesamt ausweist.
Tab. 22: Bewertung
des
potenziellen
Einflusses
von
Zahlungen
für
aus
naturbedingten oder anderen spezifischen Gründen benachteiligte Gebiete
auf Umweltschutzgüter
Kriterium
potenziell betroffene Schutzgüter
(Fragen nach Kap.
4.1.2)
Biodiversität,
Flora, Fauna
Wasser
Klima,
Luft
Boden
Land-
schaft
Kultur-,
Sachgüter
Frage 2
2
1
0
1
2
2
Frage 3
3
1
1
1
2
2
Frage 4
2
1
1
1
2
2
Frage 5
2
1
1
1
2
2
Frage 6
2
2
2
2
1
1
Frage 7
2
2
2
2
2
2
Frage 8
3
1
1
1
2
2
Beurteilung
potenzieller
Umweltwirkungen
2,2
1,2
1
1,2
1,8
1,8
Beurteilung
Abhängigkeit von der
administrativen
Umsetzung
2,5
1,5
1,5
1,5
2
2
Entwicklungen der Landnutzung bei Aussetzen der Förderung sind nicht eindeutig
einzuschätzen. Zumindest würden sich die Betriebe strukturell anpassen, was letztlich mit
einer Intensivierung einher geht und die Betriebe zu einem verstärkten Kostendenken zwingt.
Eine voranschreitende Unternutzung des Grünlandes wäre möglich.
4.2.4 Schutzgut „Mensch“
Im Scoping wurde angemerkt, auch verbale Wirkungsaussagen zum Schutzgut „Mensch“
aufzunehmen.
Nach Analyse des vorliegenden Programms ist abzusehen, dass die vorgesehenen
Maßnahmen den Menschen in verschiedener Hinsicht betreffen. Dies ist klar, weil mit
Umsetzung des EPLR die übergreifende Zielsetzung „Verbesserung der Lebensqualität
ländlicher Räume“ verbunden ist. Allerdings ist es schwierig, derartig übergreifende Effekte
zu belegen.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
99
Aus dem vorliegenden EPLR ergibt sich in Bezug zum Menschen jedoch ein sehr
wesentlicher Effekt. Er liegt in der potenziellen Auswirkung des EPLR auf die menschliche
Gesundheit, wozu mehrere Maßnahmen des EPLR beitragen bzw. potentiell beitragen.
Beiträge zur menschlichen Gesundheit sind zu erwarten von der Förderung ökologischer
Anbauverfahren, der deutlichen Ausrichtung des Programms auf den Erhalt natürlicher
Lebensgrundlagen (insbesondere naturschutzbezogene Förderangebote), die verstärkte
Ausrichtung des EPLR auf die Eigeninitiative der lokalen Bevölkerung im Rahmen von
LEADER bei der entsprechend der Ausrichtung der jeweiligen LEADER-Strategien u. a.
Aspekten der Grundversorgung der Bevölkerung mit medizinischen Dienstleistungen,
ehrenamtlichen Initiativen im Bereich Gesundheit und bei der Durchführung von Bau- und
Sanierungsarbeiten bei Gebäuden der Raumgesundheit Rechnung getragen werden dürfte.
Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Produkten hat in den letzten Jahren erheblich
zugenommen. Der Bioanteil am gesamten Lebensmittelumsatz erhöhte sich 2013 auf 3,9 %
(BÖLW, 2013). Hintergrund sind Bewusstseinsveränderungen beim Verbraucher, der
verstärkt auf gesunde und frische Produkte zurückgreift und Umweltwirkungen der
Produktionsverfahren hinterfragt (Vogtmann, 1985; BÖLW, 2012). Die Förderung des
ökologischen Landbaus unterstützt ein derartiges Verbraucherverhalten und schafft
Wahlfreiheit in Bezug auf unterschiedliche Verbraucher- und Lebensmodelle.
Im Regelfall ist die gleiche Bevölkerungsgruppe auch den Fragen des Naturerhalts und des
Naturschutzes gegenüber sehr aufgeschlossen und betrachtet diese Punkte als wichtigen
Lebensinhalt und Grundlage für die Stärkung der natürlichen Lebensgrundlagen.
Ein wesentliches Kennzeichen des vorliegenden EPLR ist seine deutliche Ausrichtung auf
die Förderung im Rahmen von LEADER. In diesen Bereich fließen ca. 40 % der für das
EPLR vorgesehenen Finanzmittel. Auf regionaler Ebene wird die Ausbildung von Initiativen
in eigener Verantwortung gefördert. Weitere wesentliche Kennzeichen der bottom-up-
Ansätze ist eine stärkere Identifikation mit der zu leistenden Arbeit und Förderung der
Kooperation zwischen Menschen mit verschiedenen (Lebens-) Ansichten. Letzthin haben
diese Faktoren auch Auswirkungen auf die Lebensqualität und Gesundheit der Menschen im
ländlichen Raum.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
100
4.3 Analyse von Umweltauswirkungen auf Programmebene
Für eine Gesamtbewertung des EPLR aus Sicht einer SUP sind folgende Sachverhalte von
Bedeutung, die als Fragen formuliert werden können. Bei ihrer Beantwortung sind Inhalte der
Tab. 23 hilfreich, welche die Bewertungen der umweltwirksamen Maßnahmen bzw.
Teilmaßnahmen für das Gesamtprogramm entsprechend den Vorgaben aus Kap. 4.1
zusammenfasst.
1) Ergeben sich im Zusammenspiel der Einzelmaßnahmen u. U. gegenläufige Effekte, die zu
negativen Umweltwirkungen führen könnten?
2) Ergeben sich aus der Mittelverteilung evtl. Kollisionen, die zu negativen Effekten führen
können?
3) Welchen Beitrag erbringen die Fördermaßnahmen des EPLR zur Lösung bestehender
Umweltdefizite?
4) Ergeben sich aus dem Zusammenspiel des EPLR mit anderen Förderplänen oder
gesetzlichen Grundlagen negative Umweltwirkungen?
Tab. 23: Zusammenfassende Bewertung der aus einer Umsetzung des EPLR zu
erwartenden Umweltwirkungen
Kriterium
potenziell betroffene Schutzgüter
(Fragen nach Kap.
4.1.2)
Biodiversität,
Flora, Fauna
Wasser
Klima,
Luft
Boden
Land-
schaft
Kultur-,
Sachgüter
Frage 2
2,5
1,8
1,8
2,1
2,0
1,9
Frage 3
2,4
1,5
1,4
1,8
1,4
1,3
Frage 4
2,0
1,2
1,3
1,5
1,5
1,5
Frage 5
2,3
1,4
1,5
1,6
1,6
1,6
Frage 6
1,8
1,6
1,6
1,5
1,1
1,1
Frage 7
1,8
1,5
1,5
1,6
1,3
1,3
Frage 8
2,5
1,6
1,5
1,6
1,1
1,1
Beurteilung
potenzieller
Umweltwirkungen
2,2
1,5
1,5
1,7
1,5
1,5
Beurteilung
Abhängigkeit von der
administrativen
Umsetzung
2,2
1,5
1,5
1,6
1,2
1,2
Für den ersten Punkt ist festzustellen, dass sich aus der Begleitung des EPLR 2007-2013
kaum Hinweise auf negative Umwelteffekte aus dem Zusammenspiel der Fördermaßnahmen
ergeben. Das liegt vor allem daran, und das gilt auch für das EPLR 2014-2020, dass

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
101
insbesondere die Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen in ihrer Wirkungsrichtung auf
Schutzgüter untereinander abgestimmt sind. Daher gibt es bei den Maßnahmen teils
merklich positive Synergieeffekte auf die verschiedenen Schutzgüter. Hier insbesondere im
Zusammenspiel von Maßnahmen mit der Zielrichtung Biodiversität auf die Schutzgüter
Wasser, Klima und Boden. Wegen dieser Synergieeffekte und der komplexen
Wirkungsausrichtung der AUKM ergibt sich, dass die Inhalte des EPLR 2014-2020 recht
ausgewogen auf Schutzgüter der abiotischen Umwelt Einfluss nehmen (Tab. 23). Nach
fachlicher Einschätzung der Umweltwirkungen ist von merklichen Effekten auszugehen, die
durch Nebenwirkungen der Maßnahmen und teils auf direktem Weg entstehen. Das
Landschaftsbild und die Kultur- bzw. Sachgüter sind bei den vorgesehenen Maßnahmen eng
mit der Förderung von Biodiversität verknüpft. In Einschätzung des insgesamt gegebenen
Förderkontextes dürfte die belebte Umwelt in Folge einer Programmumsetzung deutlich
profitieren.
Die Tab. 23 macht jedoch auch auf Abhängigkeiten der zu erwartenden biotischen
Wirkungen von den administrativen Rahmenbedingungen aufmerksam.
Hinweise auf erhebliche gegenläufige bzw. widersprüchliche Effekte von Maßnahmen auf
Schutzgüter liegen bisher nur für die Erstaufforstung vor. Hier bestand ursprünglich die
Gefahr der Aufforstung naturschutzfachlich wertvoller Flächen. Dieses Risiko wurde durch
administrative Regelungen beseitigt. Für den aktuellen EPLR 2014-2020 ist die
Erstaufforstung untergeordnet, weil lediglich Altverpflichtungen bedient werden.
In Bezug auf die im Bereich LEADER vorgesehenen Maßnahmen und die Umsetzung von
Vorhaben in diesem Bereich ist aufgrund des offenen Charakters in Bezug auf die
Umsetzung der LEADER-Strategien eine Einschätzung der exakten „Wirkungsverteilung“ auf
Schutzgüter unmöglich. Im Rahmen der Auswahlkriterien für die LEADER-Strategien ist
jedoch die Berücksichtigung ökologischer Aspekte enthalten. Für investive Vorhaben die im
Rahmen des EPLR gefördert werden, sind umweltrelevante betriebs- und baurechtliche
Belange zu beachten.
Zum zweiten Punkt verdeutlicht Tab. 24 einige wichtige Sachverhalte. Sie zeigt die
Verteilung der für den EPLR vorgesehenen Finanzmittel auf die geförderten Maßnahmen.
Danach fließen ca. 33 % der Mittel in Flächenmaßnahmen zur Verbesserung der Umwelt-
und Klimasituation und zum Erhalt der Flächenbewirtschaftung in der Land- und
Forstwirtschaft und ca. 2,9 % der Finanzmittel dienen der Erstellung von Fachplanungen zu
Umwelt- und Naturschutz. Eine erhebliche Mittelbereitstellung erfolgt für LEADER-
Maßnahmen. Nahezu 40 % der Mittel entfallen auf diesen Bereich. Mit ca. 21,6 % des

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
102
Mittelvolumens sollen investive Maßnahmen unterstützt werden. Damit fließen insgesamt ca.
64 % der Mittel in Maßnahmebereiche, die in Hinsicht auf Umweltauswirkungen nicht exakt
einzelnen Wirkungsbereichen zuzuordnen sind. Aus der Mittelverteilung ergeben sich damit
keine Kollisionen für die Erreichung von Umweltzielen, aber sie unterstreicht bereits an
anderen Stellen (Kap. 4.4 und Kap. 5) herausgearbeitete Vorschläge, die zur Vermeidung
negativer Umweltwirkungen zu beachten wären.
Zum Punkt drei kann auf Inhalte der Tab. 23 verwiesen werden. Zeile 3 beinhaltet die
Einschätzung,
ob
die
EPLR-Fördermaßnahmen
direkt
zur
Lösung
bestehender
Umweltdefizite beitragen. Die Bewertung liegt, je nach Schutzgut zwischen 1,3 und 2,4, d. h.
die Maßnahmen haben einen merklichen positiven Effekt und tendieren zu deutlich positiven
Wirkungen auf das Schutzgut. Am deutlichsten in Bezug zur Biodiversität.
Tab. 24: Verteilung der Mittel des EPLR 2014-2020 auf die Fördermaßnahmen (Stand
07.02.2014)
Artikel
nach ELER
VO
Code /
Fördergegen-
stand
Art der Intervention
Anteil an den
Öffentlichen
Ausgaben (%)
14
1.1 und 1.2
Wissenstransfer und
Informationsmaßnahmen
1,3
17
4.1, 4.2, 4.3
und 4.4
Investitionen in materielle
Vermögenswerte
21,6
20
7.1. und 7.6
Basisdienstleistungen und
Dorferneuerung in ländlichen Gebieten
0,7
21
8.2., 8.5., und
8.6
Investitionen in die Entwicklung von
Waldgebieten und Verbesserung der
Lebensfähigkeit von Wäldern
2,9
28
10.1
Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen
16,2
29
11.2
Ökologischer/biologischer Landbau
3,7
31/32
13.1 und 13.2
Zahlungen für aus naturbedingten oder
anderen spezifischen Gründen
benachteiligte Gebiete
10,3
35
16.1, 16.2,
16.5 und 16.8
Zusammenarbeit
0,9
Art. 32ff
ESI-VO i.V.
mit Art. 42 ff
ELER-VO
19.1, 19.3,
19.4, 19.5 und
19.7
Unterstützung der lokalen Entwicklung
durch die ESI-Fonds
40,0
Art. 59 ESI-
VO i. V. mit
Art. 51 Abs.
2 ELER-VO
TA / 20.1
Technische Hilfe der Mitgliedstaaten
2,5
EPLR Gesamt
100,0
Eine Lösung von Umweltdefiziten bedarf Initialmaßnahmen. Diese stehen mit der Schaffung
fachlicher Voraussetzungen (z. B. Planerarbeitung) oder notwendigen Investitionen zum

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
103
Schutz der Umwelt im Zusammenhang. Die Tab. 23 zeigt mit den Daten zu Frage 6, dass bei
Umsetzung des Programms merkliche Effekte entstehen, die die Basis für weitere positive
Entwicklungen im Umweltbereich darstellen.
In Bezug zu den unter Kap. 3 dargestellten Umweltdefiziten im Freistaat Sachsen und den
potenziellen Ansätzen, diese zu reduzieren, ergeben sich nachfolgende Einschätzungen.
Schutzgut Boden: Ein Bodenerhalt in Bezug auf die Vermeidung einer Umnutzung mit
einhergehender Bodenversiegelung kann aus den Fördervorhaben nicht abgeleitet werden.
Bodenerhalt
unter
dem
Aspekt
der
Erosionsvermeidung,
einer
Förderung
der
bodenbiologischen Funktionen und des Humuserhalts als wesentliche Faktoren einer
nachhaltigen Flächennutzung werden sehr erheblich positiv über die EPLR-Maßnahmen
beeinflusst.
Schutzgut Biodiversität: Die Maßnahmen sind in erheblichem Umfang darauf zugeschnitten,
naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume durch Erhalt der Bewirtschaftung oder durch eine
gezielte Bewirtschaftung zu verbessern. Die dazu im EPLR gegebenen fachlichen Ansätze
sind weit gefächert und es ist möglich, mit höherer Eigenverantwortung zielorientiert für den
Erhalt von Lebensräumen zu arbeiten. Weiterhin werden Plan-, Koordinierungs- und
Bildungsarbeiten im Bereich des Schutzgutes „Biodiversität“ unterstützt. Damit trägt das
EPLR erheblich zur Lösung bestehender Defizite im Naturschutz bei.
Schutzgut Wasser: Alle Flächenmaßnahmen des EPLR sind mit einer Senkung des Inputs
landwirtschaftlicher Betriebsmittel verbunden, bzw. diese ergeben sich aus der Umsetzung
naturschutzfachlich unterlegter Landnutzungen. Begleituntersuchungen belegen diese
Wirkungen für die einzelnen Maßnahmen. Nachweisliche Wirkungen für die chemische
Grundwasserqualität sind jedoch erst mit Zeitverzug zu erwarten oder erfordern eine noch
deutlichere Umsteuerung der Landnutzung. Diese Leistung kann nicht allein über das EPLR
erbracht werden. Maßnahmen des EPLR begünstigen jedoch den Wissenstransfer in Bezug
auf das angesprochene Defizit.
Für Oberflächengewässer ist eine Verbesserung der chemischen Wasserqualität hingegen,
z. B. für die Elbe, nachweislich. Zur Verbesserung des ökologischen Zustands der Gewässer
und zur Vermeidung von Hochwasser leisten die Maßnahmen einen geringen Beitrag.
Schutzgut Klima: Die Maßnahmen des EPLR tragen zum Klimaschutz bei. Dies aus zwei
Richtungen, der Vermeidung von Emissionen klimarelevanter Gase und der Bindung von
Kohlenstoff in den Böden. Emissionsverminderungen entstehen durch investive Maßnahmen

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
104
(was schwer allgemeingültig einzuschätzen ist) und die Umsetzung neuer Verfahren der
Landnutzung und Reduktion des Einsatzes von Betriebsmitteln. Alle genannten Ansätze
senken den Energieeinsatz im Produktionsverfahren und wirken somit positiv auf den
Ausstoß klimarelevanter Gase. Über den Humusaufbau wird die Rückbindung von
Kohlenstoff im Boden gefördert. Diese Effekte sind nachweislich wirksam, lösen
klimarelevante Defizite jedoch nur zu einem geringen Teil, weil die Landwirtschaft nur zu ca.
6 % für den CO
2
Ausstoß (bei globaler Betrachtung) verantwortlich ist.
Schutzgut Wald: Die über das EPLR umgesetzten Maßnahmen haben einen positiven
Einfluss auf ökologische Funktionen des Waldes und verhindern durch vorbeugenden
Brandschutz auch den Verlust solcher Funktionen. Anpassungen an Klimaveränderungen
werden unterstützt, gleichfalls wird der Lebensraum Wald unter Naturschutzaspekten
aufgewertet.
Aus dem Zusammenspiel des EPLR mit anderen Förderplänen oder gesetzlichen
Grundlagen zum Umweltschutz ergeben sich keine negativen Effekte für die Umwelt.
Bezogen auf größere regionale Einheiten bzw. das Gebiet des Freistaates Sachsen sind
Synergieeffekte in Hinsicht auf positive Entwicklungen im Umweltbereich bzw. für den
Menschen als Schutzgut zu erwarten.
Bei den Maßnahmeinhalten des EFRE geht es um die Förderung anwendungsorientierter
Forschung,
die
Umsetzung
von
Schlüsseltechnologien
(insbesondere
auch
im
Energiebereich), die Förderung von Bestrebungen zur Verringerung der CO
2
-Emissionen in
allen Branchen der Wirtschaft und im öffentlichen Nahverkehr, den Hochwasserschutz sowie
eine
Minderung
der
Flächenneuinanspruchnahme
durch
Erhöhung
des
Flächennutzungspotenzials im Rahmen der Stadtentwicklung und für Belange des
Umweltschutzes. Hier sind aus langfristiger Sicht erhebliche negative Umweltwirkungen nicht
zu erwarten. Mögliche negative Effekte sind temporärer Art und meist reversibel bzw.
umzusetzende Baumaßnahmen sind selbst SUP-pflichtig, wodurch potenziell und örtlich
begrenzte negative Umweltauswirkungen der vorstehenden Förderinhalte vermieden werden
können.
Synergiewirkungen aus der Umsetzung des EFRE und EPLR zeigen sich besonders für die
Bereiche einer effizienten Energienutzung mit Rückkopplung auf die Atmosphäre als
Schutzgut. Die Programme sind in thematischen Überschneidungsbereichen arbeitsteilig auf
den ländlichen Raum (EPLR) bzw. den städtischen oder industriell geprägten Raum (EFRE)
ausgerichtet.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
105
Das Gebiet der Lausitz im Freistaat Sachsen ist kulturhistorisch und landschaftlich durch die
Teichwirtschaft geprägt. Innerhalb Deutschlands ist es das drittgrößte Gebiet der
Karpfenproduktion (NASTAQ, 2014). Um die auch ökologisch wertvollen Kulturlandschaften
langfristig zu erhalten, müssen die Teiche bewirtschaftet und einer Verlandung
entgegengewirkt werden, was ohne öffentliche Förderung nicht gewährleistet werden kann.
Die Förderung der Aquakultur in Übereinstimmung mit den Zielen des NASTAQ und der GFP
wird über den EMFF gewährleistet. Für den Freistaat als Binnenbereich sind aus
Umweltsicht folgende Aspekte hervorzuheben: Umweltschutzmaßnahmen, speziell auch der
Schutz und die Entwicklung der Wasserfauna und –flora sowie Projekte zur
Bestandserhöhung bzw. Wiedereinbürgerung von Aal, Lachs und Stör sowie zur
Verbesserung der ökologischen Gewässergüte nach Vorgaben der WRRL. Für
entsprechende Vorhaben können finanzielle Mittel bereitgestellt werden. Eine Verbindung zu
Förderzielen des EPLR besteht insoweit, dass durch seine Fördermaßnahmen (auch in
Rückschau
auf
vorherige
Förderperioden)
die
Teichwirtschaft
(bei
extensiven
Haltungsformen) profitiert, indem flächenbezogenene Fördermaßnahmen insgesamt zu einer
verbesserten
chemischen
Wasserqualität
beitragen
können.
Letzteres
ist
eine
Voraussetzung zur Wiederansiedlung ausgestorbener Fischarten. Damit ergeben sich über
den EPLR gleichzeitig unterstützende Effekte für die GFP, d. h. die Unterstützung der
Entwicklung und Umsetzung der Integrierten Meerespolitik der EU (Schutz der Nord- und
Ostsee, Schutz der Wattenmeere und Schutz der Fischbestände).
Der ESF orientiert seine Maßnahmen auf den Erhalt von Arbeitsplätzen in Unternehmen mit
zukunftsweisenden
Technologien.
Insbesondere
geht
es
um
Anpassungs-
und
Bildungsmaßnahmen. Auf Grund seiner Förderausrichtung wurde der ESF als nicht SUP-
pflichtig angesehen. Synergien oder negative Rückkopplungen aus dem Bereich der ESF-
Förderung auf Maßnahmen des EPLR sind in Bezug auf die Umwelt nicht zu erwarten.
In Abwägung der über die SUP für die EPLR-Maßnahmen erlangten Ergebnisse mit
vorstehend (Kap. 2) aufgeführten gesetzlichen Grundlagen und Verordnungen ist gleichfalls
festzustellen, dass die Maßnahmen den Zielrichtungen gesetzlicher Vorgaben zum Schutz
der Umwelt nicht entgegenstehen. Besonders hervorzuheben ist der Beitrag des EPLR für
den Ausbau notwendiger Grundlagen (Planerarbeitung, Managementprogramme) zur
Umsetzung eines gesetzlich verankerten Lebensraum- und Artenschutzes, z. B. über die
FFH-Richtlinie der EU.
Im Zusammenspiel aller vorstehend aufgeführten Sachverhalte zeigt sich sehr deutlich die
arbeitsteilige Ausrichtung der Fördervorhaben des Freistaats Sachsen in Richtung auf eine

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
106
Unterstützung von nachhaltigen Entwicklungsprozessen auf ökonomischer, ökologischer und
sozialer Ebene. Daraus leitet sich ab, dass ein Ausfall der EPLR-Fördermaßnahmen diesen
Prozess empfindlich stören würde, weil dem Ganzen ein erheblicher Teil der ökologischen
Basis entzogen würde.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
107
4.4 Aussagen zu potenziell erheblichen Umweltauswirkungen des EPLR-
Entwurfs und Vorschläge zu deren Vermeidung durch mögliche
Programmanpassungen
Aus den vorstehenden Erläuterungen und Analysen des EPLR mit Arbeitsstand vom
6.03.2014 geht hervor, dass erhebliche negative Umweltwirkungen durch die Umsetzung der
EPLR-Fördervorhaben mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht zu erwarten sind, jedoch
u. U. die beabsichtigten positiven Umweltwirkungen der Maßnahmen eingeschränkt sein
können. Daher werden nachfolgend einige Aspekte aufgeführt, die in diesem
Zusammenhang bei der Fortschreibung des EPLR Beachtung finden sollten.
Bei investiven Maßnahmen im Bereich des Forstwesens sollten bei forstlichen
Infrastrukturvorhaben
generell
wasserdurchlässige,
ungebundene
Bauweisen
angestrebt werden,
Im Rahmen LEADER können eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Strategien zur
Entwicklung ländlicher Räume gefördert werden und die SUP zeigte, dass eine
prognostische Einschätzung potenzieller Umweltwirkungen allein nach den EPLR-
Inhalten nicht exakt zuzuordnen ist. Erhebliche negative Umweltauswirkungen sind
aber zu vermeiden, wenn die beabsichtigten Initiativen bzw. Projekte auf evtl.
Umweltwirkungen vor ihrer Umsetzung untersucht werden. Die Empfehlung, die
entsprechenden Regelungen als administrative Vorgabe oder Auswahlkriterien
festzulegen, wurde inzwischen berücksichtigt.
Bei
Maßnahmen
der
Input-Reduzierung,
insbesondere
der
Klima-
und
gewässerschonenden
N-Düngung,
ist
nicht
von
negativen
Umwelteffekten
auszugehen, aber das Ausmaß der positiven Wirkungen ist aufgrund nicht
vorhersagbarer
Witterungseffekte
(v. a.
Extremereignisse)
und
bestehender
Unterschiede zwischen den Betrieben nicht exakt im Voraus abschätzbar. In
Abwägung des Diskutierten wird vorgeschlagen, diesen Maßnahmen im Rahmen der
fachlichen Begleitung entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken.
In Bezug zu einer zielorientierten Grünlandbewirtschaftung nach Zielarten wird
vorgeschlagen,
der
fachlichen
Begleitung
des
Programms
besondere
Aufmerksamkeit zu schenken.
Für Bodenschutzmaßnahmen sollte eine sehr einseitige Anwendung herbizider
Wirkstoffe vermieden werden.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
108
5. Hinweise auf Schwierigkeiten bei der SUP-Erarbeitung
Die fachliche Überprüfung potenzieller Umwelteffekte durch Umsetzung des EPLR für den
Freistaat Sachsen machte im Wesentlichen keine Schwierigkeiten. Dies begründet sich
durch die EU-Vorgaben für die Ausgestaltung der Förderpläne, wodurch erhebliche negative
Umweltauswirkungen bereits unwahrscheinlich werden. Für die flächengebundenen
Agrarumwelt-
und
Klimamaßnahmen
(AUKM)
werden
auch
über
die
GAK-
Rahmenregelungen (z. B. im Bereich der AGZ) erhebliche negative Folgen von
Fördermaßnahmen auf nationaler Ebene vermieden.
Bei Letzterem ist für den Freistaat Sachsen noch die umfassende wissenschaftlich-fachliche
Begleitung der AUKM sehr positiv hervorzuheben. Letzthin liegen aus der Begleitung der
Fördermaßnahmen Wirkungsbelege seit Mitte der 90er Jahre vor. Unter Beachtung der
Zeitschiene 1994 bis 2013 folgen die Wirkungsansätze bei den AUM/ AUKM und anderen
Flächenmaßnahmen gleichartigen Intentionen (Input-Reduzierung, Bodenschutz durch
Mulchauflagen und Pflanzenbewuchs, auf Naturschutzziele abgestimmte Profile der
Flächenbewirtschaftung und der Erhalt landwirtschaftlicher Flächennutzung). Für die
Bearbeitung der SUP bildeten diese Kenntnisse eine wichtige Grundlage. Es war zu
erkennen, dass zwischen den benannten Förderintentionen zwar Unterschiede in der Stärke
der beabsichtigten Umweltwirkungen bestanden, Belege für deutliche negative Wirkungen in
Umsetzung der Förderansätze ergaben sich nicht.
Bei Betrachtung der angesprochenen Fördermaßnahmen über die Zeit waren jedoch die mit
jeder neuen Förderperiode verbundenen Brüche für die SUP-Erarbeitung hinderlich.
Vorstehende Förderintentionen blieben zwar erhalten, die Maßnahmen mussten im Zuge der
Anpassungen an die Rechtstexte administrativ jedoch auf andere Codes transferiert werden
und es gab Änderungen bei der Maßnahmeumsetzung. Letzthin trifft dies auch für die
Maßnahmen des zu beurteilenden EPLR zu. Unter Beachtung der Tatsache, dass eine
Verbesserung von Umweltzuständen gerade im Bereich Biodiversität einer erheblichen
Zeitspanne bedürfen, ist die beschriebene Situation unbefriedigend.
Anzusprechen ist auch die Situation in Bezug auf nicht flächengebundene Maßnahmen
(insbesondere Investitionen). Für diesen Bereich ergibt sich aus der Begleitung und
Evaluation bisheriger EPLR keine hinreichende Grundlage für Fragestellungen der SUP. Das
Handbuch für den CMEF beinhaltet verschiedene Leitlinien und Leitfäden zu gemeinsamen
Indikatoren der Begleitung und Bewertung, spart Umweltfragestellungen in diesem Bereich
jedoch aus.
Im Rahmen der vorliegenden SUP beruhen die Aussagen daher allein auf einer Betrachtung
sachlogischer Zusammenhänge zwischen der Tätigung von Investitionen und potenziellen
Umweltwirkungen. Die Maßnahmen können so vielgestaltig sein, dass eine exakte

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
109
Zuordnung von Umweltwirkungen schwierig ist. Die Vorgaben im Bereich LEADER und EIP
sowie
gesetzliche
Bestimmungen
im
Baurecht
setzen
aber
auch
bei
diesen
Fördermaßnahmen einen Rahmen, so dass erhebliche negative Umweltauswirkungen durch
Umsetzung des EPLR nicht tendenziell gefördert werden. Denkbare negative Auswirkungen
sind dann Einzeleffekte.
6. Vorschläge für Überwachungsmaßnahmen zur Verhinderung
negativer Umweltauswirkungen über die Laufzeit des EPLR
2014-2020
Mit Beginn der Förderperiode 2007-2013 wurde die Fachbegleitung der Maßnahmen des
EPLR neu organisiert, indem eine Arbeitsaufteilung zwischen den Referaten des LfULG in
Bezug zu den Maßnahmebereichen und Aufgabenstellung festgelegt wurde. Koordinierend
wirkt das Referat 72. Insgesamt sind 6 Referate des LfULG in die fachliche Begleitung
einbezogen.
Die
Aufgabenverteilung
im
Rahmen
der
fachlichen
Begleitung
erfasst
die
Maßnahmebereiche
A Stoffeintragsmindernde Bewirtschaftung
B.1 und B.2 Extensive und naturschutzgerechte Grünlandnutzung und Pflege
B.3 Naturschutzgerechte Bewirtschaftung und Gestaltung von Ackerflächen
Untersuchungen
und
Erhebungen
zur
fachlichen
Begleitung
der
aufgeführten
Maßnahmebereiche erfolgen auf der Grundlage unterschiedlicher Herangehensweisen und
Betrachtungsebenen. Diese sind:
ein Netz von Indikator- bzw. Konsultationsbetrieben für den Ackerbau bzw. Grünland
und den Naturschutz,
Dauertest- und Dauermonitoringflächen in Bezug zu Pflanzennährstoffen und die
Grünlandvegetation,
Exaktuntersuchungen auf Versuchsstationen und in Streulage,
Fallstudien insbesondere zu Fragen der Wirkung von Naturschutzmaßnahmen,
Modelluntersuchungen bzw. Berechnungen z. B. zu Nährstoffsalden und auf das
Wasser bezogene Indikatoren,
Wirkungseinschätzung alternativer Pflanzenschutzmaßnahmen (Biotechnik).

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
110
Mit der Organisation und inhaltlichen Basis wurde im Freistaat Sachsen die fachliche
Begleitung des EPLR auf einem sehr hohen Niveau durchgeführt, welches auch für die neue
Förderperiode qualitativ gehalten werden soll. Es hat bisher auf jeden Fall dazu beigetragen,
negative Umwelteffekte durch Fördermaßnahmen zu vermeiden und bestehende
Maßnahmen effektiver zu machen. Als ergänzend für die anstehende Förderperiode sind
lediglich die nachfolgenden Anmerkungen zu sehen, die sich teils aus den Inhalten des Kap.
4.3 ergeben.
Der ökologische Landbau ist in die fachliche Begleitung einzubeziehen. Dies dürfte
nur ein formaler Akt sein, da das LfULG Untersuchungen und Versuche zum
ökologischen Landbau unterhält.
Neue Fördermaßnahmen beinhalten verstärkt den Klimaschutz, was in der
Begleitung jetzt stärker zu berücksichtigen ist.
Unter dem Punkt 4.3 wurde insbesondere auf Fragen der administrativen Umsetzung
(z. B. Grünlandförderung nach Zielarten, Gebietskulissen) hingewiesen. Die Wirkung
der Maßnahmen in Abhängigkeit administrativer Vorgaben sollte neben den direkten
fachlichen Bewertungen eine stärkere Berücksichtigung finden. Sie sind als
Steuerelement sehr wichtig.
In der Förderperiode 2007-2013 erfolgt die laufende Bewertung für alle EPLR-
Maßnahmen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt bei den Agrarumweltmaßnahmen.
Für das EPLR 2014-2020 wird die fachliche Begleitung für alle Förderbereiche des
EPLR durchgeführt. Aufgaben der Überwachung wären darin integriert.
Trotz der angefügten und wünschenswerten Ergänzungen ist im Freistaat Sachsen
insgesamt von einer sehr gut organisierten und fachlich wertvollen Begleitung des EPLR
auszugehen. Damit ist die Voraussetzung gegeben, u. U. auftretende erhebliche negative
Umweltwirkungen bei der Umsetzung des EPLR frühzeitig festzustellen und entsprechend
gegenzusteuern.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
111
7. Nichttechnische Zusammenfassung
SUP-Ziel und Scoping
Die vorliegende SUP hat zum Ziel, Handlungsauswirkungen auf die Umwelt, welche im
Rahmen der Umsetzung von Projekten und Plänen entstehen können, einzuschätzen und zu
verhindern, dass sich Förderinitiativen gegen strategische Umweltziele der EU auswirken.
Juristische Grundlage für die Durchführung von Umweltprüfungen ist die vom Europäischen
Parlament und dem Rat der Europäischen Union am 27. Juni 2001 erlassene Richtlinie
2001/42/EG über die Prüfung der Umweltauswirkungen bestimmter Pläne und Programme.
Sie bestimmt den Ablauf des SUP-Verfahrens und regelt die formal einzuhaltenden Schritte
und Inhalte des zu erstellenden Umweltberichts.
Nach den vorstehenden gesetzlichen Regelungen ergibt sich für das zu beurteilende
Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen 2014-2020 (EPLR)
eine SUP-Pflicht, weil
das zu beurteilende Programm rahmensetzend für die spätere Umsetzung von
Vorhaben ist,
Maßnahmen des Programms im Einzelfall Inhalte der in den Anhängen I und II des
UVPG genannten Projekte berühren,
Maßnahmen vorgesehen sind, die im Rahmen der Bestimmungen zum Erhalt
natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (FFH–
Richtlinie) in ihrer Eignung zu prüfen sind.
Die Notwendigkeit einer grenzübergreifenden SUP-Pflicht wurde im Rahmen des Scoping
geprüft. Als Ergebnis war festzustellen, dass nach vorliegenden Erfahrungswerten und
fachlichem Ermessen durch die Umsetzung von Maßnahmen des Entwicklungsprogramms
für den Ländlichen Raum des Freistaats Sachsen keine erheblichen Auswirkungen auf
Umweltschutzgüter in angrenzenden EU–Mitgliedstaaten zu erwarten sind. Daher wurde
eine länderübergreifende SUP nicht für notwendig erachtet. Unabhängig davon erfolgte
jedoch die Information der Nachbarstaaten Polen und Tschechien über die im EPLR
geplanten Maßnahmen sowie den Entwurf des Umweltberichts zur SUP.
Arbeitsschritte
Die Erarbeitung der SUP erfolgte programmbegleitend in folgenden Schritten:

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
112
1
Festlegung der SUP-Pflicht
Nov. / Dez. 2012
2
Festlegung des Untersuchungsrahmens einschließlich
Umfang und Detailgrad des Umweltberichts und
Behördenbeteiligung
Vorbereitung Jan. / März 2013,
Scoping am 22. April 2013
3
Erarbeitung der Inhalte des Umweltberichts und fachliche
Bewertung der EPLR - Vorhaben
Materialsichtung und
Berichtsstruktur Feb. – März
2013,
fachliche Bewertung nach
Programmfortschritt Mai – Dez.
2013
4
Behörden und Öffentlichkeitsbeteiligung
Stellungnahmen zum Entwurf
des Umweltberichts Jan. / Febr.
2014,
Auslage EPLR und
Umweltbericht März 2014,
Frist für Stellungnahmen 2. Mai
2014
5
Überprüfung / Überarbeitung des Umweltberichts unter
Berücksichtigung der Stellungnahmen aus der
Öffentlichkeitsbeteiligung
Ergänzung und Überarbeitung
des EPLR und Umweltbericht:
Mai 2014
6
Bekanntgabe der Entscheidung durch Auslegung von Plan
bzw. Programm und zusammenfassende Erklärung
Nach Annahme / Genehmigung
des EPLR
7
Überwachung
Nach Annahme / Genehmigung
des EPLR
Festlegung der SUP-Pflicht
Im Rahmen des Scoping-Verfahrens wurden zugleich Festlegungen zu den in die SUP
einzubeziehenden Umweltschutzgüter, den Untersuchungsrahmen, den Detailgrad der
Umweltprüfung sowie den methodischen Ansatz und Referenzsysteme zur Beurteilung
potenzieller Umweltwirkungen getroffen.
Als genauer zu betrachtende Umweltschutzgüter wurden die biologische Vielfalt
(Biodiversität), der Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft sowie Kultur- und sonstige
Sachgüter festgelegt. In Bezug auf den Menschen (Aspekte der Gesundheit und des
Wohlbefindens) wurde eine maßnahmeübergreifende Beurteilung potenzieller Wirkungen als
ausreichend angesehen.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
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Methodisches Vorgehen
Die Methodik der Beurteilung potenzieller Umweltauswirkungen fußt auf mehreren Schritten:
der Analyse der mit dem Programm umzusetzenden Maßnahmen,
der Grobbetrachtung potenzieller Maßnahmewirkungen (qualitative Einschätzung) auf
Basis ausgewählter Indikatoren,
einer detaillierten Betrachtung von Maßnahmewirkungen (Einschätzung auf
Grundlage eines quantitativen Bewertungsansatzes) auf Grundlage bekannter
Maßnahme-Umwelt-Interaktionen einschließlich der Berücksichtigung von Synergien
und Wechselwirkungen zwischen den Schutzgütern.
EPLR Inhalte
Das Förderangebot des EPLR (Entwurfsstand 6.03.2014) umfasst 10 artikelspezifische
Maßnahmen
gemäß
ELER-VO
einschließlich
der
Weiterführung
bestehender
Altverpflichtungen im Bereich der Agrarumweltmaßnahmen sowie der Erstaufforstung. Auf
Grundlage der Maßnahmeziele und -inhalte ist davon auszugehen, dass lediglich die unter
der ESI-VO vorgesehene Maßnahme der „Technischen Hilfe“ als umweltneutral anzusehen
ist. Aus der Umsetzung der anderen Maßnahmen sind potenzielle Umweltwirkungen zu
erwarten, auch weil die EPLR-Maßnahmen auf die Erreichung direkter und indirekter
Umweltwirkungen ausgerichtet sind.
Aus fachlichen Gründen (zu verwendendes Indikatoren-Set und potenzielle Wirkungswege)
wurden die Maßnahmen zur SUP-Durchführung in Maßnahmen ohne bzw. mit
Flächenbindung wie folgt untergliedert.
Maßnahmen ohne Flächenbindung:
Wissenstransfer und Informationsmaßnahmen (Art. 14 ELER-VO)
Investitionen in materielle Vermögenswerte (Art. 17 ELER-VO)
Basisdienstleistungen und Dorferneuerung in ländlichen Gebieten (Art. 20 ELER-VO)
Unterstützung der lokalen Entwicklung (Art. 32 ff. ESI-VO)
Zusammenarbeit (Art. 35 ELER-VO)
Maßnahmen mit Flächenbindung:
Investitionen für die Entwicklung von Waldgebieten und Verbesserung der
Lebensfähigkeit von Wäldern (Art. 21 ELER-VO)
Agrarumwelt und Klimamaßnahmen (Art. 28 ELER-VO)
Ökologisch-biologischer Landbau (Art. 29 ELER-VO)
Zahlungen für aus naturbedingten oder anderen spezifischen Gründen benachteiligte
Gebiete (Art. 31/32 ELER-VO)

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
114
Den aufgeführten Maßnahmen sind Teilmaßnahmen und Fördergegenstände hinterlegt.
Umweltsituation im Freistaat Sachsen
Eine weitere Grundlage der Bewertung stellt die Kurzbeschreibung der Umweltsituation im
Freistaat Sachsen dar. Sie basiert auf den im EPLR enthaltenen Darstellungen, ergänzt
durch gesetzliche Grundlagen und Informationen. Sie bilden im Wesentlichen den für eine
Beurteilung von Maßnahme- bzw. Programmwirkungen heranzuziehenden Referenzrahmen.
Für die SUP-Erstellung besonders wichtige Aspekte beziehen sich auf bestehende
Umweltdefizite und strategische Lösungsansätze zu deren Abminderung bzw. Vermeidung.
Sie sind gleichzeitig die Basis für die Auswahl der für die SUP herangezogenen Indikatoren.
Schutzgut Boden
Der Schutz und die nachhaltige Nutzung des Bodens ist übergreifendes strategisches Ziel.
Grundanliegen ist die Vermeidung einer weiteren Verschlechterung der Bodenqualität und
die Erhaltung der Bodenfunktionen sowie die Wiederherstellung von Böden, deren Qualität
sich verschlechtert hat. Zudem besteht im Freistaat Sachsen ein Handlungsprogramm zur
Reduzierung der Flächeninanspruchnahme.
Für die SUP wichtige Aspekte sind:
Der Bodenerhalt kann über die potenzielle Verminderung des Zuwachses an
Versiegelungsflächen und weiterhin am Umfang potenzieller Maßnahmen zum
Bodenerhalt (z. B. Erosionsschutz) erfasst und beurteilt werden
Bodenfunktionen sind sehr vielgestaltig und in ihren Wirkungen komplex. Es besteht
jedoch Konsens darüber, dass Bodenfruchtbarkeit und die Wiederstandfähigkeit der
Böden gegenüber Starkregenereignissen mit deren Humusgehalt in Zusammenhang
stehen.
Humusauf- und Abbau kann zur (zeitweiligen) Speicherung von Kohlendioxid im
Boden beitragen (Klimawirkung)
Schutzgut Biodiversität
Sicherung der Artenvielfalt durch die Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der
wildlebenden Tiere und Pflanzen und die Bewahrung oder Wiederherstellung eines
günstigen Erhaltungszustandes der natürlichen Lebensräume ist das wichtigste Ziel.
Integraler Bestandteil dieser Strategie ist das Aufhalten des Verlustes an biologischer Vielfalt
und der Verschlechterung von Ökosystemdienstleistungen.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
115
Handlungsoptionen zur Zielumsetzung sind:
Einrichtung von Schutzgebieten
Pflege und ökologisch richtige Gestaltung der Lebensräume in und außerhalb von
Schutzgebieten
Wiederherstellung zerstörter Lebensstätten
Neuschaffung von Lebensstätten.
Als Bewertungsgrundlage ergeben sich aus den Hinweisen zum Schutzgut Biodiversität
nachfolgende Fakten:
Gesetzliche Grundlagen und Bestimmungen sind zunächst auf den
Lebensraumschutz ausgerichtet. Bewertungsansätze liegen z. B. im Umfang und im
erreichten Qualitätszustand geschützter Lebensräume. Zudem bedarf es
grundlegender Voraussetzungen, z. B. Managementpläne.
Es gilt die Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes, d. h. die Bedeutung von
Organismen für den Naturkreislauf in Bewertungen zu berücksichtigen. Es ergeben
sich Interaktionen zu den Schutzgütern Boden und Atmosphäre (Klima).
Die Umweltbildung als Maßnahme zur Verankerung eines Umweltbewusstseins ist in
Wirkungsbewertungen einzubeziehen.
Schutzgut: Wasser
Konkreter Inhalt ist auf Grundlage der WRRL die Vermeidung einer weiteren
Verschlechterung sowie der Schutz und die Verbesserung des Zustands der aquatischen
Ökosysteme sowie die Vermeidung von Hochwasserschäden. Weiterhin besteht ein
Zusammenhang zur Erfüllung internationaler Vereinbarungen (z. B. Vereinbarungen zum
Schutz der Elbe)
Handlungsoptionen sind:
Verbesserung des chemischen und ökologischen Zustands der Gewässer
Vermeidung von Hochwasserereignissen bzw. der Schäden durch Hochwasser.
Schutzgut Klima
Im Bereich des Klimas wird auf globaler Ebene das 2°C-Ziel verfolgt, d. h. durch
Reduzierung der Treibhausgasemissionen soll die globale Durchschnittstemperatur auf 2°C

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
116
über
dem
vorindustriellen
Niveau
begrenzt
werden.
Eine
Verringerung
der
Treibhausgasemission von 1990 um 20 % wird angestrebt.
Handlungsoptionen sind:
die Anpassungsfähigkeit natürlicher, gesellschaftlicher und ökonomischer Systeme
zu erhalten
die Emission von THG zu reduzieren
Synergiewirkungen der Maßnahmen zu beachten, weil Klimawirkungen in engem
Zusammenhang mit Wirkungen auf andere Schutzgüter stehen.
Zum Schutzgut Landschaft sowie Kultur- und Sachgüter ergaben sich keine Informationen
aus der Beschreibung des Umweltzustandes.
Vorstehende Informationen wurden zur Ableitung von operationellen Zielen und den SUP-
Zielen zuzuordnenden Indikatoren genutzt.
Das Indikatoren-Set umfasst 26 Beurteilungskriterien. Diese konnten für die Schutzgüter
Biodiversität, Wasser, Boden und Klima mit Indikatoren untersetzt werden. Für die
Schutzgüter Landschaft sowie Kultur- und Sachgüter ergaben sich keine belastbaren
Indikatoren.
Ergebnisse der Umweltbewertung
Die SUP ergab auf Grundlage der herangezogenen Kriterien und Indikatoren für die
flächenwirksamen EPLR-Maßnahmen folgendes Bild:
Biodiversität: Die Maßnahmen wirken sich in positiver Weise auf das Schutzgut aus, wobei
sowohl Effekte für Naturschutzziele (Arten- und Lebensraumerhalt) als auch für den
Naturhaushalt (Biodiversität als funktionale Grundlage für Naturabläufe) zu erwarten sind.
Wasser: Die Maßnahmen wirken sich durch Reduktion des Nährstoffeinsatzes bzw. die
Erhöhung der Nährstoffeffizienz und die Vermeidung der Verfrachtung von Nährstoffen
(Bodenschutz) vorteilhaft auf die chemische Gewässergüte aus. Auf die ökologische
Gewässergüte haben die Maßnahmen keinen Einfluss. Insgesamt stützen die Maßnahmen
die Erfüllung internationaler Verpflichtungen (z. B. IKSE).

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
117
Klima: Wirkungen werden aus zwei Richtungen sichtbar. Die Maßnahmen verringern die
Emission von Treibhausgasen (CO
2
und N
2
O) und unterstützen die Anpassung von
Landnutzungssystemen (einschließlich Forst) an sich verändernde Witterungsbedingungen.
Boden: Für die Wirkungsbeurteilung wurden sechs Indikatoren herangezogen. Davon stehen
fünf in positivem Zusammenhang mit den Fördermaßnahmen. Die Bodenversiegelung wird
von dem Maßnahmebereich nicht berührt.
Fragen in Bezug zu den Maßnahmewirkungen auf die Landschaft sowie Kultur- und
Sachgüter ließen sich nicht beantworten.
Für die nicht flächenbezogenen Maßnahmen ließ sich feststellen:
Biodiversität: Die Indikatoren zeigen einen deutlichen positiven Effekt. Für einzelne
Indikatoren (z. B. HNV- und Feldvogelindikator) sind Wirkungen indirekter. Wirkungen auf
andere Kriterien (z. B. Schaffung Lebensraum) sind möglich, jedoch ungewiss.
Wasser: Positive Wirkungen sind nicht zu erwarten bzw. sie sind sehr ungewiss.
Klima: Es ergeben sich eher positive Wirkungen bei Maßnahmeumsetzung, z. T. besteht
Unsicherheit über potenzielle Wirkungseffekte.
Boden: Die Maßnahmen sind hinsichtlich ihrer Wirkung auf den Boden eher neutral.
Aus den Anliegen zur Förderung der Kooperation sowie der Umweltbildung sind
übergreifende Wirkungen auf alle Schutzgüter abzuleiten.
Aus den Bewertungen waren keine negativen Umwelteffekte festzustellen.
Um die Wirkung der EPLR-Maßnahmen auf die Umwelt tiefergehend zu analysieren, wurde
in
einem
zweiten
Bewertungsschritt
eine
quantitative
Analyse
potenzieller
Maßnahmewirkungen durchgeführt. Sie beruht auf einer dreistufigen Bewertungsskala und
erweitert die Analyse um weitere Kriterien. Diese sind z. B.
Synergiewirkungen der Maßnahmen auf die Schutzgüter,
Eignung der Maßnahme zur Lösung bestehender Umweltdefizite,

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
118
die Sicherung bestehender Umweltfortschritte,
die Erzeugung von Initialwirkungen für die Verbesserung des Umweltzustandes sowie
die Abhängigkeit der Umweltwirkungen von der finanziellen Ausstattung und
administrativer Vorgaben.
Auch unter diesem Bewertungsansatz ergaben sich keine Hinweise auf potenziell erhebliche
negative Auswirkungen der geplanten EPLR-Fördermaßnahmen auf Umweltschutzgüter.
Vorschläge zur Programmanpassung und Überwachung
Jedoch ließen sich aus der quantitativen Analyse der vorgesehenen EPLR-Maßnahmen
Aspekte ermitteln, die für eine erfolgreiche Umsetzung des Programms unter
Umweltschutzzielen von Bedeutung sind. Diese sind – knapp zusammengefasst:
die strikte Beachtung umweltgesetzlicher Bestimmungen bei baulichen Investitionen
die Beachtung von Umweltkriterien bei der Erarbeitung und Umsetzung von Projekten im
Rahmen von bottom-up-Förderansätzen
Hinweise auf eine notwendige intensive Begleitung von Förderansätzen, für die bisher
weniger Erfahrungen in ihrer Umsetzung vorliegen (Förderung nach Zielartenkonzept,
Verbesserung der N-Effizienz)
Vermeidung u. U. förderbedingter Mehraufwendungen von chemisch-synthetischen
PBSM.
In Bezug zu den geplanten Überwachungsmaßnahmen und die fachliche Begleitung der
EPLR-Maßnahmen war festzustellen, dass der Freistaat Sachsen, aufbauend auf den
Erfahrungen aus vorangegangenen Förderperioden, ein ausreichend sicheres und alle
Fördermaßnahmen umfassendes Konzept verfolgt. Potenziell auftretende negative
Umweltwirkungen sind durch Begleitmaßnahmen zu erkennen und können abgestellt
werden.
Schwierigkeiten bei der SUP-Erarbeitung
Schwierigkeiten bei der SUP Erarbeitung lagen im Wesentlichen in der Nicht-Verfügbarkeit
von Informationen über Umweltwirkungen von Förderansätzen mit eher indirekten
Umweltwirkungen und in der Einschätzung von bottom-up-basierter Förderung. Bei
Letzterem lassen sich Inhalte zukünftiger Projekte nicht konkret vorhersehen. Es wird davon
ausgegangen, dass das dabei zu erwartende Projektspektrum in etwa dem der
Förderperiode 2007-2013 im Bereich Integrierter Ländlicher Entwicklung und LEADER
entsprechen dürfte. Dabei ist von einer Konzentration der Projekte auf die Innenentwicklung

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
119
der Orte im ländlichen Raum auszugehen. Bei Bauprojekten wird es sich in der Regel um
Bauen im Bestand bzw. Infrastrukturvorhaben auf bestehenden Trassen handeln.
Öffentlichkeitsbeteiligung und Fortschreibung des EPLR sowie Zulässigkeit der
Programmumsetzung
Aus der Öffentlichkeitsbeteiligung des Umweltberichts zur SUP gingen, nach Auslage der
Dokumente (Umweltbericht und EPLR-Entwurf Stand 7. Februar 2014) und nach Einhaltung
der vorgesehenen Fristen, keine Stellungsnahmen zum Umweltbericht bzw. zum EPLR-
Entwurf ein.
Allerdings erfolgte auf Grundlage der Ex-ante–Bewertung sowie des Fortschritts in der
Programmerarbeitung unter Beteiligung der SMUL–Fachreferate und des LfULG sowie des
aktualisierten „EU - Working paper“ bzw. auf der Grundlage informeller Gespräche mit der
KOM eine Überarbeitung des veröffentlichten EPLR Entwurfs vom 06.03.2014.
Vorgenommene Änderungen betrafen in erster Linie redaktionelle Sachverhalte sowie
Ergänzungen und Aktualisierungen in der Beschreibung der Umweltsituation. Genannte
Anpassungen im EPLR tangieren inhaltlich nicht den Umweltbericht zur SUP.
Einige weitere Änderungen im Rahmen der Fortschreibung des Programms betreffen
nachfolgende Sachverhalte:
-
Einen neu in den EPLR eingefügten Abschnitt, der Möglichkeiten des Wechsels von
Vorhaben während eines laufenden Verpflichtungszeitraums aufzeigt und regelt.
-
Eine Konkretisierung und klarere Formulierungen von Maßnahmezielen und
Spezifizierungen in den Vorhabenbeschreibungen sowie ergänzende Vorgaben für
die Maßnahmeumsetzung
-
Hinweise über das Verhältnis von Direktzahlungen (Anwendung des Greenings) zur
Teilnahme an EPLR – Fördermaßnahmen bzw. deren Teilmaßnahmen.
Aus der Perspektive der im Umweltbericht zu analysierenden Faktoren kann eingeschätzt
werden, dass vorstehende Aktualisierungen des EPLR – Entwurfs vor allem darauf zielen,
bessere d.h. insbesondere auch transparentere Rahmenbedingungen für die Annahme von
Fördermaßnahmen im ländlichen Raum zu schaffen.
In diesem Sinne ergeben sich aus den Überarbeitungen des Programms keine Änderungen
in den inhaltlichen Aussagen des Umweltberichtes und bisher formulierte Bedenken sind
ausgeräumt. Der Umweltbericht bestätigt die Zulässigkeit der Umsetzung des EPLR.

Strategische Umweltprüfung für das EPLR Sachsen 2014-2020
120
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