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Steckbriefliche Zusammenfassung von
Projektergebnissen im Rahmen des Projekts
Vita-Min
Recherche und Kartierung
der Bergbaufolgeseen aus
Sicht der möglichen Risiken
der Beeinträchtigung
anderer Wasserflächen
2019

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Recherche und Kartierung der Bergbaufolgeseen aus Sicht der möglichen
Risiken der Beeinträchtigung anderer Wasserflächen
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Einführung, Hintergrund und Zielstellung
Braunkohlekippen sind anthropogene Formationen in der Landschaft nach der
Rückgewinnung, deren Ursprung eng mit der Existenz einer Reihe kleiner Gewäs-
ser bzw. Seen verbunden ist, die gezielt oder spontan angelegt wurden. Diese
neuen Landschaftselemente können eine wichtige Rolle bei der Stärkung des klei-
nen Wasserkreislaufs, der Fähigkeit, Wasser in der Landschaft zu halten oder bei
der Erhöhung der Lebensraum- und Artenvielfalt spielen. Andererseits können sie
bestimmte Risiken bergen, wenn sie subventioniert werden oder direkt durch den
Abfluss von flachem Grundwasser entstehen, das aus dem Kippenkörper abgeleitet
wird. Die darüber liegenden Böden, aus denen die Kippen gebildet werden, enthal-
ten häufig Rückstände von Kohlemassen, die mit der Bildung einer sogenannten
sauren Minenentwässerung (engl.
Acid Mine Drainage
AMD) verbunden sind. Ziel
der Arbeit war es daher, das Vorkommen kleiner Gewässer auf Braunkohlekippen
abzubilden, 24 ausgewählte repräsentative Wassergebiete auszuwählen und eine
detaillierte Feld- und biologische Untersuchung durchzuführen.
Abbildung 1: Digitalisierung von Wasserflächen – Prunéřov VIII, Real & Projekt Most s.r.o.,
2017

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Recherche und Kartierung der Bergbaufolgeseen aus Sicht der möglichen
Risiken der Beeinträchtigung anderer Wasserflächen
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Zunächst wurde ein engerer Interessenbereich definiert, der einzelne Stellen in-
terner und externer Braunkohlekippen umfasst. Insgesamt wurden 38 Kippen de-
finiert. Alle Wasserflächen wurden auf allen Kippen unter Berücksichtigung aktuel-
ler und historischer Kartendaten digitalisiert, so dass die Ausdehnung der Wasser-
flächen vor der Entwicklung des Bergbaus (um 1954) und heute verglichen werden
konnte.
Vor dem Bergbau gab es 184 Wasserflächen mit einer Gesamtfläche von 175,31
ha, was etwa 1% der Gesamtfläche der heutigen Kippen entspricht. Aufgrund des
Bergbaus wurden die meisten Wasserflächen beseitigt. Die heutigen Gewässer
wurden gezielt angelegt oder sind spontan entstanden und bedecken im Vergleich
zur Landschaft vor dem Bergbau mehr als die doppelte Fläche und sind auch zahl-
reicher. Andererseits sind sie stärker voneinander isoliert und haben eine geringere
relative Länge der Uferlinie (Länge der Uferlinie relativ zur Fläche der Wasserober-
fläche). Es muss betont werden, dass die R weiterhin in den Gebieten der soge-
nannten internen Kippen der derzeit aktiven Tagebaue stattfinden wird, in denen
andere Wassergebiete entstehen können. Die erhaltenen Ergebnisse sind daher
nicht endgültig.
Methodik
Auf den Braunkohlekippen wurden 24 Gewässer ausgewählt, um vier Haupttypen
von Gewässern in Abhängigkeit von Herkunft und weiteren Umständen ihrer
Entstehung zu unterscheiden (6 Gewässer jedes Typs):
A. Rückgewinnungswasserreservoirs - Dies sind Wasserflächen, die speziell im
Rahmen der Rekultivierungsarbeiten gebaut wurden. Sie können mit einem
Bodendamm und einem Entwässerungsobjekt versehen sein. Sie befinden
sich häufig auf einem Entwässerungsgraben und fließen daher durch. In
ihrer
Nähe
wird
eine
biologische
Rekultivierung
durchgeführt
(Forstwirtschaft, Landwirtschaft, andere)
B. Wasserflächen, die auf einer unbehandelten Kippenoberfläche entstehen -
dies sind Wasserflächen, die spontan in Geländevertiefungen auf Teilen der
Kippe entstehen, die einer gezielten oder versehentlich spontanen
Entwicklung überlassen wurden, was aufgrund der charakteristischen "Grat"
-Struktur der Kippenoberfläche offensichtlich ist
C. Wasserflächen, die spontan im rekultivierten Gebiet entstanden sind - dies
sind
Wasserflächen
die
spontan
in
Feldvertiefungen
in
Rückgewinnungsbeständen entstanden sind, hauptsächlich aufgrund der
Verdichtung der Kippe, die sich in ungleichmäßiger Besiedlung und
Absenkung des Geländes äußert
D. Wasserflächen am Fuße der Kippe - dies sind Wasserflächen, die sich aus
der natürlichen Ansammlung von Oberflächen- oder flachem Grundwasser

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Recherche und Kartierung der Bergbaufolgeseen aus Sicht der möglichen
Risiken der Beeinträchtigung anderer Wasserflächen
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in Geländevertiefungen an den Rändern von Kippen aufgrund von
Änderungen der ursprünglichen Abflussbedingungen ergeben, wenn die
Morphologie
des
Geländes
keinen
Gravitationsabfluss
von
Oberflächenwasser zulässt oder das Gewicht der Kippe drückt flaches
Grundwasser an die Oberfläche des Geländes. Manchmal können diese
Wasseransammlungen im Rahmen von Rekultivierungsarbeiten zu
kontrollierten Wasserflächen angepasst werden oder für solche genutzt
werden
Basierend auf dem Wissen über Deponien und in Absprache mit den zuständigen
Mitarbeitern von Bergbauunternehmen wurden 6 Gewässer aus jedem Typ
Wasserfläche ausgewählt, die Gegenstand von Feld- und biologischer
Untersuchungen waren. Außerdem wurde an diesen Gewässern eine
hydrochemische Überwachung durchgeführt. Tabelle 1 zeigt eine Liste der
gewählten Gewässer.
Tabelle 1: Liste der ausgewählten Gewässer (mit Zuordnung zu definierten Typen), die
im Rahmen der Studie untersucht wurden.
A. Rückgewinnungsreservoirs
X
Koordinate
Y
Koordinate
A.1. Hetov auf der Radovesické výsypce
777 928
988 293
A.2. Syčivka auf der Radovesické Kippe
778 846
987 074
A.3. Merkur V
817 142
998 364
A.4. Prunéřov VII
818 268
996 414
A.5. Vršany II. Im inneren Bereich der Kippe
797 525
991 884
A.6. Slatinická Kippe IV. Bereich
793 940
991 027
B. Auf unbehandelter Kippenoberfläche gebildete
Gewässer
X
Koordinate
Y
Koordinate
B.1. Radovesice Nord
777 161
986 242
B.2. Radovesice Süd
777 178
987 763
B.3. innere Kippe DJŠ 13. Abschnitt
801 288
988 432
B.4. Hornojiřetínská Kippe I. Bereich
793 653
980 342
B.5. Kopistská Kippe II. Bereich
792 481
985 046
B.6. Růžodolská Kippe bei Pluta
791 101
980 473
C. Gewässer die spontan auf rekultivierten Kippen
entstehen
X
Koordinate
Y
Koordinate
C.1. Merkur VIII
815 750
997 580
C.2. Prunéřov VIII
818 894
995 438
C.3. Kippe Obránců míru V. Bereich
796 004
985 027
C.4. Hornojiřetínská Kippe III. Bereich
793 745
980 123
C.5. vnitřní Kippe DJŠ 11. Abschnitt
800 724
987 872

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Recherche und Kartierung der Bergbaufolgeseen aus Sicht der möglichen
Risiken der Beeinträchtigung anderer Wasserflächen
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C.6. Růžodolská Kippe Z und JV Böschungen
791 931
980 418
D. Wasserflächen am Fuß von Kippen
X
Koordinate
Y
Koordinate
D.1. Kippe Obránců míru (IV. Bereich)
794 286
983 969
D.2. Kippe Pokrok (VIII. Bereich)
786 216
978 991
D.3. Radovesická Kippe (Štěpánov)
775 448
988 428
D.4. Hornojiřetínská Kippe
795 682
981 773
D.5. Kopistská Kippe
792 156
985 405
D.6. Růžodolská Kippe
790 109
982 258
An ausgewählten Gewässern wurden Feld- und biologische Untersuchungen
durchgeführt. Im Rahmen der Felduntersuchung wurden für jeden Gewässer
folgende Merkmale ermittelt: Wasserfläche, maximale Tiefe, Uferlinienlänge,
Uferbreite, Sonneneinstrahlung, Wasserbedeckung, dominante Arten aquatischer
Vegetation, Faktoren, die das Gewässers oder seinen biologischen Wert bedrohen,
Methode der Rekultivierung um den Wasserkörper, vorherrschende Art des
Lebensraums um den Wasserkörper und andere beschreibende Merkmale
(Ursprungsumstände, Vorhandensein von Zu- und Abflüssen, geschätztes Jahr der
Wasserbildung, Höhe und Entfernung des nächsten Gewässers). Dies sind
Umweltfaktoren, die möglicherweise für das Vorhandensein oder die Häufigkeit
von Arten verantwortlich sind, die mit der aquatischen Umwelt in Verbindung
stehen, insbesondere Amphibien.
Im Rahmen der biologischen Untersuchung wurden nur Arten mit direktem Bezug
zum aquatischen Lebensraum überwacht und erfasst, d.h. Arten, für die die Was-
seroberfläche als Nahrungslebensraum, Fortpflanzungslebensraum (Nistplatz) o-
der Schutzraum etc. sind und außerdem zu den folgenden ausgewählten taxono-
mischen Gruppen gehören: Gefäßpflanzen, Wasserpflanzen, Weichtiere, Libellen,
Taucher, Amphibien, Reptilien und Vögel.
Ergebnisse und Diskussion
Zusammenfassend ist das biologische Potenzial von den Gewässern, die im
Zusammenhang mit der Gewinnung von Braumkohle (entweder spontan oder im
Rahmen der Rückgewinnung) entstehen, signifikant, wobei sich die Qualität der
einzelnen Lebensräume erheblich unterscheidet. Unter den überwachten
Gewässern überwogen zwar, im Vergleich zu ähnlichen Lebensräumen in der
umgebenden Landschaft (typischerweise Teiche), Gewässer von eher
durchschnittlicher Bedeutung. Doch erweisen sich einige der betrachteten
Gewässer jedoch aus Sicht mehrerer überwachter Taxa als äußerst bedeutsam.
Dies veranschaulicht die folgende Tabelle 2, in der die Anzahl der nachgewiesenen
Arten in einzelnen Orten (Spalten) nach den überwachten Taxa (Zeilen) angegeben

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Recherche und Kartierung der Bergbaufolgeseen aus Sicht der möglichen
Risiken der Beeinträchtigung anderer Wasserflächen
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ist. Bei Vögeln handelt es sich nur um Arten, die in direktem Zusammenhang mit
der Wasseroberfläche stehen (Brut, Nahrung). Rote Bereiche sind ohne (große)
biologische Bedeutung für das gegebene Taxon.
Tabelle 2: Übersicht über die Zahl der nachgewiesenen Art an oder in den ausgewählten,
betrachteten Gewässern
Taxon
A1
A2
A3
A4
A5
A6
B1
B2
B3
B4
B5
B6
C1
C2
C3
C4
C5
C6
D1
D2
D3
D4
D5
D6
C. rostliny
3
6
5
4
3
6
7
5
6
5
1
5
2
6
2
0
3
1
1
4
1
0
4
1
4
4
3
9
4
3
1
8
4
7
2
7
2
8
5
8
5
0
3
9
8
2
2
Vážky
8 6
1
4
1
7
1
1
9
1
1
1
3
1
1
1
3
1
2
9
1
3
1
9
6
1
0
1
7
1
0
8
1
6
7
1
3
1
1
2
Vodní
měkkýši
1 4 1 2 3 0 4 6 5 0 0 6 0 4 4 0 3 4 4 5 0 3 3 2
Vodní
brouci
2 0 3 2 1 0 5 5 1 0 2 0 0 0 1 1 2 1 5 5 0 1 5 3
Obojživeln
íci
3 4 2 2 3 0 4 6 3 1 5 2 4 1 3 0 4 2 1 3 3 3 6 6
Ptáci
7 5 8 7
1
4 7 6 8
1
6 2 0 3
1
6
1
1
2
0 1
1
6 2 8 6 6 1 1 4
Das mit Abstand biologisch wertvollste Wassergebiet ist das Gewässer B2. Neben
Gefäßpflanzen ist es in Bezug auf alle untersuchten Taxa ein deutlich überdurch-
schnittlicher Lebensraum. Andere Gewässer, wie A4, A5, B1, C5, D2 oder D5, sind
hinsichtlich des Auftretens von mindestens zwei Taxa von Bedeutung. Im Kontrast
dazu werden einige Wasserflächen für mehrere Taxa als äußerst ungeeignet ein-
gestuft, z. B. A6, B4, C4. Dies sind meistens Wassergebiete von regelmäßiger
Form, relativ hohe Wassertiefe, mit steileren Ufern und dichtem Küstengebiet, das
nur in einem schmalen Streifen entlang der Küste konzentriert ist. Einige Gewässer
wie B5 und D5 sind nur für einige Taxa geeignet, während sie für andere unter-
durchschnittliche Lebensräume sind. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es
für einige Taxa eine gewisse Überlappung hinsichtlich der Eignung oder Ungeeig-
netheit der Wasseroberfläche gibt. Bei Wirbellosen und Amphibien ist dies häufig
der Fall, während die Überlappung mit Vögeln oder Wasserpflanzen minimal ist.

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Recherche und Kartierung der Bergbaufolgeseen aus Sicht der möglichen
Risiken der Beeinträchtigung anderer Wasserflächen
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Zusammenfassung und Ausblick
Wie die statistische Analyse der erhaltenen Daten zeigte, gibt es keinen signifikan-
ten Unterschied im biologischen Wert einzelner Gewässer hinsichtlich ihrer Her-
kunft. Die Ergebnisse legen vielmehr nahe, dass einige Merkmale der Gewässer
selbst von Bedeutung sind. Insgesamt kann festgestellt werden, dass im Rahmen
der Rekultivierung Teile der Kippen der natürlichen Sukzession überlassen werden
sollten. Es hat sich herausgestellt, dass sich dabei spontan verschiedene Arten von
Lebensräumen bilden, darunter Gewässer verschiedener Formen und Größen. Die
geschaffenen Gewässer sollten nach Möglichkeit einen unregelmäßigen Uferumriss
aufweisen, der von kleineren abgegrenzten Ruhebereichen begleitet wird, sowie
flache Uferhänge als Voraussetzung für die spätere Entwicklung der Ufergebiete.
In diesen Gewässern sollten weder Fische noch (halb-)Wildenten gezielt eingesetzt
oder gezüchtet werden.
Abbildung 2: Beispiel einer Wasserfläche, die spontan im rekultivierten Gebiet entstanden
ist –Prunéřov VIII, Real & Projekt Most s.r.o., 2017

Impressum
Herausgabe:
Dieser Steckbrief wurde im Rahmen des Projekts Vita-Min erstellt.
Das Projekt Vita-Min wurde aus Mitteln des europäischen Fonds
für regionale Entwicklung im Kooperationsprogramms SN-CZ
2014-2020 finanziert. Die Projektpartner sind das sächsische Lan-
desamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Leadpartner),
die Stadtverwaltung Oelsnitz/Erzgeb. und die Verwaltungsbe-
hörde des Bezirks Ústecký kraj.
Für Fragen und weitere Informationen zu diesem Teilprojekt kon-
taktieren Sie:
Ansprechpartner:
Bezirk Ústecký kraj
Ansprechpartner: Lukáš Vostrý
Telefon: 0420/ 475657688
E-Mail: vostry.l@kr-ustecky.cz
Bearbeitung:
Die Ergebnisse dieses Teilprojekts wurden im Rahmen des
Vertrags für die Region Ústí nad Labem von der Firma Real &
Projekt Most s.r.o.
Titelfoto:
Real & Projekt Most s.r.o., (2018): Blick auf das Wassergebiet
Prunéřov VIII
Redaktionsschluss:
12.06.2019
Další informace najdete na
www.vitamin-projekt.eu