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Monatsbericht
Juli 2021
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2
Erkenntnisse des LfV zum Monat Juli 2021
A. Rechtsextremismus
I.
a) Überblick über alle dem LfV bekannten rechtsextremistischen Aktivitäten
Datum
Ort
Veranstalter
Teilnehmer-
zahl
Beschreibung
03.07.2021
Riesa
JN BUNDESVERBAND
24
„Politische Grundbegriffe -
Schulung“
für Anwärter
03.07.2021
Riesa
NPD LANDESVERBAND
SACHSEN
ca. 100
Sommerfest
05.07.2021
Zittau
PEGIDA
20
Versammlung „Freunde
von PEGIDA“, Motto:
„Wahrung unserer
Grundrechte“
17.07.2021
Torgau
OT Staupitz
Rechtsextremisten
ca. 230
Konzert, angekündigte
Bands: THEMATIK 25,
CONFIDENT OF VICTORY
und UWOCAUST UND
FREUNDE
18.07.2021
Sächsische
Schweiz
IDENTITÄRE
BEWEGUNG
mind. 2
Fluthilfe-Aktion
24.07.2021
Pirna
NPD
*
Vortragsveranstaltung mit
anschließendem
Liederabend
26.07.2021
Zittau
PEGIDA
26
Versammlung „Freunde
von PEGIDA“, Motto:
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3
„Wahrung unserer
Grundrechte“
* Kann nicht genannt werden oder ist nicht bekannt.
b) Überblick über die dem LfV bekannte Beteiligung von Rechtsextremisten an
nicht-extremistischen Veranstaltungen
Datum
Ort
Anzahl rechtsextre-
mistischer Teilneh-
mer
Nicht-extremistische Veranstaltung
01.07.2021
Waldheim
mind. 2
Kundgebung
05.07.2021
Zwönitz
mind. 10
nicht angemeldeter Aufzug
05.07.2021
Döbeln
mind. 1
Kundgebung
08.07.2021
Nossen
mind. 2
Versammlung
09.07.2021
Großenhain
mind. 1
Kundgebung
10.07.2021
Aue
mind. 5
Kundgebung
10.07.2021
Pirna
mind. 5
Grillfest / Wahlkampfveranstaltung
12.07.2021
Leipzig
mind. 1
Versammlung
12.07.2021
Zwönitz
mind. 10
nicht angemeldeter Aufzug
16.07.2021
Dresden
mind. 11
Sommertreffen einer politischen
Jugendorganisation
19.07.2021
Zwönitz
mind. 10
nicht angemeldeter Aufzug
19.07.2021
Döbeln
mind. 1
Kundgebung
24.07.2021
Bernsdorf
mind. 10
Kundgebung
26.07.2021
Chemnitz
mind. 2
Demonstration
26.07.2021
Döbeln
mind. 1
Kundgebung
26.07.2021
Zwönitz
mind. 10
nicht angemeldeter Aufzug
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4
30.07.2021
Heidenau
mind. 1
Kundgebung
Im Juli 2021 fanden zudem in verschiedenen Orten des Freistaates Sachsen weitere coronabezo-
gene Protestaktionen statt, an denen sich auch Rechtsextremisten beteiligt haben können.
II.
Relevante (herausragende) Einzelereignisse im Berichtsmonat
3. Juli 2021: Sommerfest der NPD in Riesa (Landkreis Meißen)
Das jährliche Sommerfest des NPD LANDESVERBANDES SACHSEN fand mit ca. 100 Teilnehmern in
Riesa auf dem Gelände der DEUTSCHEN STIMME VERLAGSGESELLSCHAFT MBH statt. Nach Information
der Polizei wurden keine Störungen festgestellt. Die NPD Sachsen veröffentlichte in den sozialen
Medien Bilder der Veranstaltung. Demnach traten als Redner der NPD-Landesvorsitzende Peter
SCHREIBER, dessen Stellvertreter Mario LÖFFLER und die Vorsitzende des NPD Kreisverbandes
Meißen, Ines SCHREIBER, auf. Der im Vorfeld angekündigte rechtsextremistische Liedermacher
Rene HEIZER aus Nordrhein-Westfalen trat auf. Auf dem Gelände war u. a. die GEFANGENENHILFE
mit einem Informationsstand vertreten.
ab 18. Juli 2021: Reaktionen auf die Flut- und Unwetterkatastrophe in Rheinland-
Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Sachsen
Lutz BACHMANN sagte die für den 19. Juli 2021 geplante PEGIDA-Veranstaltung ab. Auf den ent-
sprechenden Social-Media-Kanälen hieß es dazu:
„Pegida fällt aus, wir helfen“
. BACHMANN be-
gründete die Absage u.a. damit, dass man in der Hochwassersituation keine Einsatzkräfte binden
und im Gegensatz zu Vertretern etablierter Parteien tatsächlich helfen wolle.
Außerdem stellte PEGIDA bereits am 18.Juli 2021 Hilfsgüter in der Sächsischen Schweiz bereit. Für
die darauffolgenden Tage wurde weitere Unterstützung für die betroffenen sächsischen Gebiete an-
gekündigt.
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Laut eigenen Angaben in den Sozialen Medien organisierten Mitglieder der IDENTITÄREN BEWEGUNG
DRESDEN (WERRA ELBFLORENZ) am 18. Juli 2021 einen Hilfseinsatz in den Flutgebieten in der Säch-
sischen Schweiz. Dazu wurden Bilder veröffentlicht, welche die Helfer in Kleidung mit dem Aufdruck
„Werra Elbflorenz“ zeigten.
Die NPD/JN organisiert über ihre Initiative
„Jugend packt an“
eine sogenannte
„Fluthilfe `21“
. So
wurden z. B. im Laden von PC RECORDS in Chemnitz Hilfsgüter gesammelt. Außerdem rief der NPD-
Landesverband Sachsen zur Teilnahme an einer Unterstützungsaktion am 24. und 25. Juli auf. Die
bis dahin gesammelten Sach- und Geldspenden wurden zu einem Hilfstransport, bestehend aus fünf
Fahrzeugen, zusammengestellt. Den Transport in die Region Ahrtal begleiteten JN-Aktivisten, die
vor Ort betroffenen Familien halfen. Mit dabei war ein Team der DEUTSCHEN STIMME, dem
Medienkanal der NPD, der über die Aktion berichtete.
24. Juli 2021: Vortragsveranstaltung des rechtsextremistischen Vereins EUROPA
TERRA NOSTRA (ETN) im „Haus Montag“ und anschließendem Liederabend im be-
nachbarten „Klub 451“ in Pirna (Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge)
Die Vortragsveranstaltung der ETN diente nach Angaben der teilnehmenden NPD (NRW) der
Bestandsaufnahme des aus einer Stiftung hervorgegangenen Vereins sowie ersten Planungen für
weitere Aktionen in der „Nach-Corona-Ära“. Sie fand im Treffobjekt des NPD-Kreisverbandes in
Pirna statt. Auch der sich anschließende Liederabend fand auf dem Gelände statt.
Hintergrund:
Der Verein ist eine parteinahe Stiftung des rechtsextremistischen europäischen Parteien-
bündnisses
„Alliance für Peace and Freedom“
, in welchem auch die NPD mitwirkt. Der ETN
versucht, kulturrevolutionäre Metapolitik zu betreiben. Aktuell hat der ETN nach eigenen Angaben
eine Petition an die Mitglieder des Europäischen Parlaments gestartet mit der Aufforderung, den
neuen Pakt der EU für Migration und Asyl so schnell wie möglich abzulehnen. Der ETN fordert in
den sozialen Medien dazu auf, entsprechende Unterstützungsaktionen für die Kampagne
„Das
ist unser Europa – Stoppt den Migrationspakt“
zu veröffentlichen.
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31. Juli 2021: Beteiligung von Rechtsextremisten an Protesten in Zwönitz (Erzgebirgs-
kreis) anlässlich der Demonstration
„Schicht im Schacht – faschistische Normalität
durchbrechen“
Im Umfeld der Demonstration
„Schicht im Schacht – faschistische Normalität durchbrechen“
brach-
ten mehrere Kleingruppen, augenscheinlich der rechten Klientel, durch lautstarke Äußerungen ihre
Abneigung gegen diese Veranstaltung zum Ausdruck. Die Gruppen (insgesamt ca. 70 - 80 Perso-
nen) versuchten an mehreren Stellen, auf die Aufzugstrecke zu gelangen und die Versammlung zu
stören. Sie wurden dabei durch Einsatzkräfte der Polizei abgedrängt. Zudem wurden aus diesem
Personenkreis Gegenstände (eine Eierpackung sowie eine Glasflasche) auf Polizisten geworfen. Es
wurden ein Tatverdächtiger festgenommen sowie verschiedene Strafverfahren eingeleitet. Im Ver-
lauf der Demonstration kam es zu einem weiteren Versuch der Störer, über einen Friedhof an die
Versammlungsteilnehmer zu gelangen. Dieses Vorhaben wurde durch die Polizei unterbunden.
Während des Versammlungsgeschehens wurde auf dem regionalen Telegram-Kanal „Freie Erzge-
birger“ der Partei FREIE SACHSEN ein Live-Ticker veröffentlicht. Zudem wurde der Rechtsextremist
Michael BRÜCK am Versammlungsort mit einem Presseausweis festgestellt. Mit hoher Wahrschein-
lichkeit veröffentlichte BRÜCK die entsprechenden Einträge auf diesem Telegram-Kanal. Im Rah-
men ihrer Einsatzmaßnahmen wurden im Internet in der Kommentarspalte des Chatverlaufes der
FREIEN SACHSEN Einträge mit strafrechtlichem Inhalt von der Polizei gesichert. Es wurde eine An-
zeige wegen der öffentlichen Aufforderung zur Begehung von Straftaten erstattet.
III.
Fazit, Ausblick, Konsequenzen
Das alljährliche Sommerfest des NPD-Landesverbandes war aufgrund der Teilnahme von Familien
mit Kindern und diverser Musikdarbietungen vordergründig sozial geprägt. Gleichwohl wurden durch
Parteifunktionäre auch politisch intendierte Reden gehalten. Die Teilnehmerzahl bewegte sich mit
bis zu 100 Personen in der Spitze auf Vorjahresniveau.
Die Hilfsaktionen der Extremisten in den von der Flut betroffenen Gebieten kommen vordergründig
zwar der betroffenen Bevölkerung zugute. Häufig
bezwecken die Akteure mit diesen
„Hilfsangeboten“ allerdings, das Krisenmanagment der Verwaltung und das Verhalten der Politiker
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zu diskreditieren und daraus im Wahlkampf Vorteile in der Wählergunst zu erlangen bzw. sich einem
breiteren, nicht-extremistischen Bevölkerungskreis bekannt zu machen.
Die Vortragsveranstaltung des rechtsextremistischen Vereins EUROPA TERRA NOSTRA (ETN) sowie
die sich anschließende Musikveranstaltung waren die ersten wieder bekannt gewordenen Aktivitäten
des NPD Kreisverbandes in Pirna nach Beginn der Corona-Pandemie und zeigten, insbesondere
aufgrund der überregionalen Beteiligung, dass der Kreisverband in Pirna eine zentrale Rolle
innerhalb der sächsischen NPD einnimmt.
Wie auch bei vorangegangenen Veranstaltungen in Zwönitz zeichnete die rechtsextremistische
Partei FREIE SACHSEN für die Mobilisierung bzw. Information zu den Protesten verantwortlich. Mit
den in Echtzeit veröffentlichten Informationen zum Ablauf der Demonstration und bspw. ihrer
aktuellen Standorte per Live-Ticker. unterstützte die Partei FREIE SACHSEN maßgeblich die
Protestaktivitäten. Es ist davon auszugehen, dass diese Partei die montags stattfindenden Anti-
Corona-Protestspaziergänge auch weiterhin als Plattform für die bestmögliche gesellschaftliche
Einsickerung ihrer verfassungsfeindlichen, rechtsextremistischen Ziele ausnutzen wird. Die Proteste
gegen die Demonstration am 31. Juli 2021 wertete die Partei FREIE SACHSEN für sich als Erfolg. Vor
dem Hintergrund der mit Hilfe des Live-Tickers koordinierten Kleingruppentaktik wird auch aus
nachrichtendienstlicher Sicht von einer erfolgreichen extremistischen Beeinflussung der Proteste
ausgegangen.
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B. Linksextremismus
Überblick über die dem LfV bekannte Beteiligung von Linksextremisten an
nicht-extremistischen Veranstaltungen
Datum
Ort
Anzahl linksextre-
mistischer Teilneh-
mer
Nicht-extremistische Veranstaltung
03.07.2021
Dresden
ca. 30
Demonstration
05.07.2021
Leipzig
unbekannte Anzahl an
Linksextremisten
Protestveranstaltung
10.07.2021
Dresden
ca. 20
Demonstration
12.07.2021
Leipzig
unbekannte Anzahl an
Linksextremisten
Protestveranstaltung
14.07.2021
Leipzig
unbekannte Anzahl an
Linksextremisten
Demonstration
17.07.2021
Leipzig
unbekannte Anzahl an
Linksextremisten
Kundgebung
17.-
18.07.2021
Leipzig
unbekannte Anzahl an
Linksextremisten
Anarchistische Buchmesse
26.07.2021
Leipzig
unbekannte Anzahl an
Linksextremisten
Protestveranstaltung
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II.
Relevante (herausragende) Einzelereignisse im Berichtsmonat
Beteiligung von Linksextremisten an Demonstrationen in Dresden im Themenfeld An-
tirepression
Am 3. Juli 2021 beteiligten sich rund 120 Personen, darunter etwa 30 Linksextremisten, an der De-
monstration
„Freiheit für Lina - Feuer und Flamme der Repression“
in der Innenstadt von Dresden.
Unbekannte Teilnehmer der Versammlung zündeten dabei Nebeltöpfe. Weitere Störungen wurden
nicht bekannt.
Die linksextremistische UNDOGMATISCHE RADIKALE ANTIFA (URA DRESDEN) berichtete auf ihrem
Twitter-Account live von dem Aufzug. Die für Linksextremisten mobilisierungsrelevante nicht-extre-
mistische Gruppe „Hope“ sowie der neue Twitter-Account „Antifaschistisches Kollektiv Dresden“ be-
richteten ebenfalls über die Veranstaltung.
1
Die vom ERMITTLUNGSAUSSCHUSS DRESDEN (EA Dres-
den, ehemals ROTE HILFE ORTSGRUPPE DRESDEN) auf besagter
„Repressionsdemonstration“
gehal-
tene Rede wurde im Nachgang auf dessen Internetseite veröffentlicht.
2
Inhaltlich bezog sich die
Rede vor allem auf die von der linksextremistischen Szene als „Schnüffelparagraphen“ bezeichnete
Strafrechtsnorm §129 StGB.
3
Darin stellte der EA das Dresdner
„129er-Verfahren von 2009-2017“
gegen die
„antifa Sportgruppe“
auf eine Ebene mit dem aktuellen Verfahren gegen die
„Gruppe um
Lina“
und verwies zudem auf eine
„Broschüre zum Sonderrechtssystem der §§129 StGB“
der ROTEN
HILFE aus dem Jahr 2013. Mit der Forderung nach
„Freiheit für Lina“
wurden auch solidarische Grüße
an „Cem“ (Berlin) gerichtet, dem vorgeworfen werde, früher Teil einer
„militanten und klandestinen
Struktur der Revolutionären Aktionszellen (RAZ)“
gewesen zu sein.
Mit der Versammlung solidarisierte man sich mit der seit dem 5. November 2020 in der JVA Chem-
nitz inhaftierten 26-jährigen Leipzigerin Lina E. Die Generalbundesanwaltschaft ermittelt gegen sie
und weitere Beschuldigte wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung gemäß § 129 StGB.
Innerhalb der linksextremistischen Szene ist seit der Verhaftung eine starke Solidarisierung festzu-
stellen. Das Gerichtsverfahren gegen Lina E. und weitere Personen wird vor dem Oberlandesgericht
1
twitter.com/antifa_dresden (Stand: 5. Juli 2021) bzw. twitter.com/hopedresden (Stand: 5. Juli 2021) und
twitter.com/kollektiv_dd (Stand: 5. Juli 2021)
2
https://ea-dresden.site/redebeitrag-bei-antirepressionsdemo-am-samstag/ (Stand 6. Juli 2021)
3
§129 StGB: Bildung krimineller Vereinigungen; §129a StGB: Bildung terroristischer Vereinigungen; §129
StGB: Kriminelle und terroristische Vereinigungen im Ausland.
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10
Dresden stattfinden. Vor dem Hintergrund der herausgehobenen Bedeutung dieser Veranstaltung-
war die Teilnehmerzahl überraschend gering.
Am 10. Juli 2021 nahmen ca. 55 Personen an einer Demonstration unter dem Motto
„Freiheit für Ella
– Klimaschutz ist kein Verbrechen“
teil. Eine Beteiligung von Linksextremisten ist indiziert, da die
Teilnehmer zumeist einheitlich schwarze Kleidung trugen und eine Fahne der „Antifaschistischen
Aktion“ mitführten. Zudem wiesen die als Abgrenzung dienenden Transparente beispielsweise mit
den Aufschriften
„Feuer und Flamme der Repression“
einen deutlichen linksextremistischen Duktus
auf.
Die linksextremistische UNDOGMATISCHE RADIKALE ANTIFA (URA DRESDEN) hatte auf ihrem Twitter-
Account zur Veranstaltung aufgerufen. Der neue Twitter-Account „Autonome Aktion Dresden“ be-
richtete live von der Aktion.
4
Anlass für die Demonstration war gemäß einem Medienbericht die im Juni erfolgte Verurteilung der
„Aktivistin Ella […] wegen einer Baumbesetzungsaktion im Danneröder Forst“
.
5
Aktivitäten von Linksextremisten im Zusammenhang mit Hausbesetzungen in Dres-
den
Vom 26. bis 28. Juli 2021 besetzten mehrere Personen ein leerstehendes Gebäude in der Jäger-
straße („zehnA“) und brachten diverse Transparente (u.a.
„Dieser Staat ist kriminell § 129“
) an der
Fassade an. Etwa 20 Personen hielten sich vor dem Objekt auf, um sich mit den Besetzern zu soli-
darisieren.
Die Besetzungsaktivitäten waren im Vorfeld durch unbekannte Autoren über twitter als
„Feministi-
sche Besetzungstage“
vom 26. Juli bis zum 1. August 2021 angekündigt worden. Mit den Besetzern
solidarisierten sich u. a. die linksextremistische UNDOGMATISCHE RADIKALE ANTIFA (URA DRESDEN)
sowie Personen der Kampagnen „#leipzigbesetzen“ und „#besetzen“ aus Berlin sowie die Rote Flora
aus Hamburg.
4
twitter.com/antifa_dresden (Stand: 12. Juli 2021) bzw. twitter.com/autonome_dd (Stand: 12. Juli 2021)
5
www.addn.me
(Stand: 12. Juli 2021)
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Im Unterschied zu Hausbesetzungsaktivitäten in Leipzig (vgl. Monatsbericht Juni 2021) war die Zahl
der Unterstützer insgesamt gering, und es fanden keine militant verlaufenen „Tag X“-Spontande-
monstrationen nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen statt. Dennoch konnte die Dresdner
Hausbesetzerszene ein Achtungszeichen setzen, das auch überregional Beachtung fand. Diese Ak-
tionen zeigten, dass Mietpreissteigerungen und soziale Verdrängungsprozesse insbesondere für
jüngere Szeneangehörige die maßgeblichen Themen ihres politischen Handelns sind.
Beteiligung von Linksextremisten an einer Demonstration in Zwönitz (Erzgebirgskreis)
Am 31. Juli 2021 beteiligten sich 265 Personen an der Versammlung unter dem Motto:
„Schicht im
Schacht – faschistische Normalität durchbrechen“
in Zwönitz.
Dazu zählten AUTONOME und Anarchisten aus Leipzig, Dresden und aus der Region Chemnitz/Erz-
gebirge, die jeweils in organisierten Bussen anreisten. Dem Aufruf des nicht-extremistischen Veran-
stalters waren die linksextremistischen Gruppierungen UNDOGMATISCHE RADIKALE ANTIFA (URA
DRESDEN) und die FREIE ARBEITERINNEN- UND ARBEITER-UNION (FAU) gefolgt. Die Teilnehmer trugen
Transparente und Fahnen mit teils linksextremistischen Aufschriften und Symboliken mit sich, zum
Beispiel
„Linke Freiräume verteidigen! Gegen staatliche Repressionen und rechten Terror! Kein
Viertel für Nazis – URA –Dresden.org“
sowie Fahnen der „Antifaschistischen Aktion“ und der anar-
chosyndikalistischen FAU.
Während von den Versammlungsteilnehmern keine Gewalt ausging, mussten Polizeikräfte mehrere
Versuche von ca. 70 bis 80 Personen der rechten Klientel unterbinden, in Kleingruppentaktik die
Versammlung zu beeinflussen und zu stören. Wiederholt kam es zu verbalen Auseinandersetzungen
zwischen „rechten“ Personengruppen und Versammlungsteilnehmern.
Die Versammlung war in der sächsischen linksextremistischen Szene allgemein bekannt und wurde
als sog.
„Antifaschistische Demonstration“
beworben. Die Organisatoren reagierten damit auf die
sog. „Corona-Spaziergänge“ in Zwönitz, die nach deren Ansichten für Rechtsextremisten anschluss-
fähig sind und bereits zur
„faschistischen Kontinuität“
geworden seien. Aufgrund etlicher Parallelver-
anstaltungen im Bundesgebiet war für Zwönitz bereits frühzeitig eine verhaltene linksextremistische
Mobilisierung feststellbar.
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Der Veranstalter zeigte sich im Nachgang des Ereignisses dennoch zufrieden:
„Dieser Lethargie
konnten wir ein, wenn auch kurzweiliges, aber kämpferisches Zeichen entgegensetzen. In den zahl-
reichen Redebeiträgen wurde die rechte Kontinuität des Erzgebirges thematisiert.“
III.
Fazit, Ausblick, Konsequenzen
Das Niveau öffentlicher Aktionen von bzw. unter Beteiligung von sächsischen Linksextremisten ging
im Juli im Vergleich zum Vormonat zurück. Regionale Schwerpunkte öffentlicher Aktivitäten waren
Leipzig und Dresden. Inhaltlich griffen Linksextremisten vor allem die Themenfelder Antirepression,
Antifaschismus und Antigentrifizierung auf.
Erneut fanden zahlreiche Proteste gegen sogenannte „Querdenker“-Veranstaltungen statt. Diese
sind zu einem festen Aktionsfeld für sächsische Linksextremisten geworden. So lange die als politi-
scher Gegner wahrgenommene „Querdenker“-Bewegung mit Versammlungen und Kundgebungen
in der Öffentlichkeit präsent ist, werden auch entsprechende Gegenproteste unter Beteiligung von
Linksextremisten anhalten. Daran haben auch zunehmende Lockerungen im Alltag nichts geändert.
Die Hausbesetzungen in Dresden können im Zusammenhang mit dem Aufruf für
„Feministische Be-
setzungstage“
gesehen werden. Sie verliefen im Gegensatz zu vergangenen Hausbesetzungsakti-
vitäten in Leipzig jedoch friedlich und ohne militante Auseinandersetzungen im Zuge von „Tag X“-
Demonstrationen. Damit zeigte sich die Bedeutung des Themenfeldes Gentrifizierung auch für die
AUTONOME SZENE in Dresden.
Die antifaschistische Demonstration am 31. Juli 2021 in Zwönitz fand mit 265 Personen nur verhal-
tenen Zuspruch. Es wird eingeschätzt, dass Parallelveranstaltungen und die ungünstigen Anreise-
bedingungen zu dieser eher geringen Teilnahme beigetragen haben. In der Gesamtschau der öf-
fentlichen Ereignisse lässt sich aktuell eine generelle Mobilisierungsschwäche für Demonstrationen
innerhalb der AUTONOMEN SZENE beobachten. Obwohl der politische Gegner seine Präsenz ange-
kündigt hatte und die Stärkung ländlicher Strukturen
(„Antifa ist Landarbeit“
) zu den Zielen der AU-
TONOMEN SZENE zählt, blieb die Teilnehmerzahl niedrig.
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C. Islamismus / Islamistischer Terrorismus
Kein Beitrag
D. Sicherheitsgefährdende und extremistische Bestrebungen von
Gruppierungen mit Auslandsbezug (ohne Islamismus)
I.
Relevante (herausragende) Einzelereignisse im Berichtsmonat
Demonstration zum Jahrestag der
„Revolution in Rojava“
Am 18 Juli 2021 versammelten sich in Dresden rund 350 Demonstranten unter dem Motto
„Jahres-
tag der Revolution: Frieden, Selbstbestimmung, Frauenbefreiung und eine ökologische Gesellschaft
- Freiheit für Öcalan“
. Sie folgten damit einem Aufruf der extremistischen Organisationen UTA FRAU-
ENRAT, JXK DRESDEN - STUDIERENDE FRAUEN AUS KURDISTAN, DRESDNER VEREIN DEUTSCH KURDI-
SCHER BEGEGNUNGEN E. V. und KURDISCHE JUGEND DRESDEN sowie UNDOGMATISCHE RADIKALE AN-
TIFA (URA DRESDEN) und SYNDIKAT DRESDEN DER FREIEN ARBEITERINNEN- UND ARBEITER-UNION und
weiterer nicht-extremistischer Organisationen. Der Aufzug führte vom Altmarkt zum Alaunplatz und
war zu Beginn durch das Skandieren von „PKK“-Rufen in Verbindung mit dem Zeigen von Flaggen
mit dem Abbild Abdullah ÖCALANS und einer Vielzahl weiterer Fahnen mit Bezug zur ARBEITER-
PARTEI KURDISTANS (PKK) geprägt, so z. B. der TJK-E (KURDISCHE FRAUENBEWEGUNG IN EUROPA)
und der VOLKSVERTEIDIGUNGSEINHEITEN YPJ und YPG.
Nach Einschreiten der Polizei unterblieben die Sprechchöre im Weiteren. Es gab Redebeiträge der
JXK und des UTA FRAUENRAT. In einem Redebeitrag wurde Kritik an der
„vollen Gewalt des Staates“
geübt und darauf hingewiesen, dass der
„Vordenker dieser Revolution, Abdullah Öcalan seit über
20 Jahren in Isolationshaft gehalten wird“
. Damit zeige sich der Staat von seiner
„gewalttätigsten,
von seiner männlichsten Seite“
. In einer „Aktionskarte“, welche die Demonstrationsroute durch Dres-
den auswies, waren auch ein Büro der „Alternative für Deutschland“ (AfD), eine Dienststelle der
Dresdner Polizei, die Sächsische Staatskanzlei und das Sächsische Staatministerium des Innern
markiert. Die Polizei registrierte Verstöße gegen das VereinsG durch das Skandieren von „PKK“-
Rufen sowie gegen das Versammlungsgesetz (SächsVersG) wegen einzelner Vermummungen. Im
Vorfeld der Demonstration wurden auf Twitter Hinweise und Verhaltensregeln für Personen, die
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„…Bullen -Stress bei der Anreise haben oder Festnahmen beobachten“
, veröffentlicht. Verlinkt wurde
hierzu u. a. die ROTE HILFE.
II.
Fazit, Ausblick, Konsequenzen
Anlässlich des neunten Jahrtestages der
„Revolution in Rojava“
fanden vom 17. bis 19. Juli
im Rahmen bundesweiter Aktionstage Demonstrationen und Solidaritätsaktionen in Dres-
den, Hannover und Frankfurt statt. Ziel der Veranstaltungen war es, auf die anhaltenden
militärischen Auseinandersetzungen in Südkurdistan und das Schicksal des inhaftierten
Kurdenführers Abdullah ÖCALAN aufmerksam zu machen. Der überregionalen Mobilisie-
rung sollen auch Teilnehmer aus Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Berlin ge-
folgt sein. Deutsche Linksextremisten unterstützten im Rahmen ihrer Kurdistan-Solidarität
durch Mitorganisation, Mobilisierung und Teilnahme.
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Herausgeber:
Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Sachsen
Neuländer Straße 60
01129 Dresden
Tel.: (0351) 8 58 50
E-Mail: verfassungsschutz@lfv.smi.sachsen.de
Internet:
www.verfassungsschutz.sachsen.de
Redaktion:
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Redaktionsschluss:
12. August 2021
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