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Finanzamt Pirna: Neue archäologische
Erkenntnisse zum Liebenauschen Vorwerk
Spuren führen bis in das Mittelalter

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31.01.2014 - Finanzamt Pirna: Neue archäologische
Erkenntnisse zum Liebenauschen Vorwerk
Die flächig freigelegte Rollsteinpflasterung stammt aus der Barockzeit. (© Landesamt für Archäologie)
Spuren führen bis in das Mittelalter
Im Zuge der bauvorbereitenden Arbeiten für das Finanzamt Pirna finden seit August
2013 archäologische Grabungen auf dem Areal des Liebenauschen Vorwerks statt.
Ende März sollen die archäologischen Untersuchungen abgeschlossen sein, um mit
den Neubauten des Finanzamtes beginnen zu können. Der Staatsbetrieb Sächsisches
Immobilien- und Baumanagement (SIB) hat die Entwurfsplanung für das Vorhaben
abschlossen. Derzeit laufen die Genehmigungsverfahren, nach deren Abschluss mit
den Neubauten begonnen werden kann.

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Ziel der Untersuchungen des Landesamtes für Archäologie (LfA) ist es, neben der
genauen Dokumentation archäologischer Funde und Befunde, auch Antworten auf
bisher noch ungeklärte Fragen zur Baugeschichte zu finden. Diese betreffen
insbesondere den genauen Zeitpunkt seiner Errichtung, die ursprüngliche Form des
Vierseitenhofes sowie seine Umbauten im Laufe der Geschichte. Im Mittelpunkt der
Forschungen stehen die Veränderungen der Bausubstanz unter Herrn Oberstleutnant
Johann Siegmund von Liebenau, der als Amtshauptmann zu Pirna und erfolgreicher
Verteidiger der Festung Sonnenstein gegen Schweden im Jahre 1639 bekannt
geworden ist.
Zu Beginn der Grabungen wurden die Spuren der Binnenstruktur des Vorwerks
großflächig freigelegt. Dabei wurden die Grundmauern der Scheune mit einem großen
Raum und darin befindlichen zwei Backöfen der damaligen „Feldbäckerei“ entdeckt. Im
Hofbereich des ehemaligen Vorwerks wurden barockzeitliches Kopfsteinpflaster, Reste
des Taubenschlaggebäudes sowie die Fundamenten des Wagenschuppens aus dem
19. Jahrhundert dokumentiert.
Die gut erhaltene Arbeitsgrube eines
der Backöfen der "Feldbäckerei".
(© Landesamt für Archäologie)

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Im weiteren Verlauf wurde die Bebauung auf dem Anfang des 19. Jahrhunderts
abgetrennten nördlichen Teil des Grundstücks, auf dem sich das Waisenhaus befindet,
erforscht. Dabei wurden die Mauerreste der Lederfabrik von Christian Gottlieb Wolf
entdeckt, die 1814 zusammen mit dem Wohnhaus des Fabrikanten durch die
neugegründete Waisenversorgungsanstalt gekauft wurde. Darüber hinaus wurden ein
Stallgebäude samt großem Kellergewölbe sowie verschiedene zum Waisenhaus
gehörige Anbauten ausgegraben und ihre Bauphasen untersucht.
Nach den Abbrüchen der beiden Seitenflügel des Waisenhauses konzentrieren sich
derzeit die archäologischen Untersuchungen auf den Kreuzungsbereich Schandauer
Straße / Clara-Zetkin-Straße. Im Zentrum der Untersuchungen stehen die
Fundamentstrukturen der sogenannten „Drescherhäuser“, die urkundlich schon zu
Liebenauschen Zeiten zum Vorwerk gehört haben sollen. Die Untersuchungen haben
bestätigt, dass der ehemalige Nordflügel des Waisenhauses auf den Ruinen eines im
Jahre 1846 abgebrannten Hauses errichtet war. Durch diese Entdeckung gibt es
zugleich eine Sinndeutung des schräg zur Straße angebauten Giebels des
Hauptgebäudes.
Die Funde belegen, dass der Straßenverlauf im Kreuzungsbereich der damaligen
Waisenhausstraße (heute Clara-Zetkin-Starße) und der damaligen Sandstraße (heute
Schandauer Straße) ein anderer war als heute.
Die bisherigen Ergebnisse der Ausgrabungen weisen darauf hin, dass das gesamte
Areal bereits im Mittelalter und in der frühen Neuzeit bewirtschaftet und bebaut war. Da
aus dieser Periode kaum oder keine schriftlichen Überlieferungen existieren, sind die
aus den Ausgrabungen gewonnenen Erkenntnisse von besonderer Bedeutung. Hier
betreten die Archäologen ein unbekanntes Terrain, da es nur wenige vergleichbare
Grabungen gibt, bei denen die Bebauung einer historischen Vorstadt und die einer
vorherigen landwirtschaftlichen Nutzung aufeinander treffen. Die Nutzung aus
vorliebenauscher Zeit belegen zahlreiche Keramikfragmente und Spuren von
Baumaterial, die in meterdicken, aufplanierten Schichten unterhalb des Bauhorizontes
des Liebenauschen Vorwerks entdeckt wurden. Einzelne Fundstücke werden dem 11.
Jahrhundert, der slawischen Zeit, zugeordnet. Von einer standhaften Bewirtschaftung
des Geländes ist mindestens seit dem späten Mittelalter auszugehen. Aus dieser Zeit

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stammt sehr wahrscheinlich ein bis vor kurzem noch unbekannter und vollständig
erhaltener Keller. Dieser Überrest der Vorbauten überstand die Errichtung des
Vorwerks im 16. Jahrhundert, dessen Zerstörung während des dreißigjährigen Krieges
sowie umfangsreiche Umbauten, die der Oberstleutnant von Liebenau und andere
Besitzer des Vierseitenhofes bis in das 19. Jahrhundert hinein vorgenommen hatten.
Auch vom Einbau zweier Kraftstofftanks für eine Tankstelle im Hof in den 30er Jahren
des letzten Jahrhunderts, blieb der Keller verschont.
Kontakt:
Landesamt für Archäologie Sachsen
Zur Wetterwarte 7, 01109 Dresden
Telefon: +49 351 8926603
Telefax: +49 351 8926999
E-Mail: info@lfa.sachsen.de
www.archaeologie.sachsen.de
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