image
image
Unterrichtsmodul zur Unterstützung
der Demokratieerziehung an
sächsischen Oberschulen
:
Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen
gegen die Menschlichkeit
:

S. 1 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
1 Vorbemerkungen
Seite
2
:
2
Hinweise zur Umsetzung im Unterricht
Seite
3
:
2.1
Aufbau der Module und Einbindung in die Lehrpläne
Seite
3
:
2.2
Organisatorische Aspekte
Seite
3
:
3
Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Seite
4
:
3.1
Ziele und Inhalte
Seite
4
:
3.2
Planungsbeispiel: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Seite
5
:
3.3
Materialien
Seite
6 –12
:
Impulsvarianten zum Einstieg
Seite
13 –14
:
Arbeitsblatt: Das humanitäre Völkerrecht in Kürze – 150 Jahre Genfer Konvention
Seite
15 –16
:
Einstieg Gruppenarbeit (Bilder vom Kriegsgefangenenlager in Zeithain 1941 bis 1945)
Seite
17
:
Gruppe 1: Arbeitsbedingungen sowjetischer Kriegsgefangener
Seite
18 –27
:
Gruppe 2: Lebens- und Ernährungsbedingungen sowjetischer Kriegsgefangener
Seite
28 –36
:
Gruppe 3: Medizinische Versorgung sowjetischer Kriegsgefangener
Seite
37 – 44
:
Gruppe 4: Bestrafungen sowjetischer Kriegsgefangener
Seite
45 – 52
:
Gruppe 5: Hermann Reinecke – ein Täter
Seite
53 – 63
:
Arbeitsblatt: Zusammenfassung der Gruppenarbeit
Seite
64
:
Chronologie zur Entstehung der Menschenrechte
Seite
65
:
Arbeitsblatt: Grundgesetz und Grundrechte
Seite
66 – 67
:
Arbeitsblatt: Menschenrechtsverletzungen in der Gegenwart
Seite
68 – 69
:
Fall eines Kriegsverbrechers
Seite
70 – 72
:
Arbeitsblatt: Vorstellung einer Nichtregierungsorganisation
Seite
73
:
Reflexionsbogen
Seite
74
:
3.4
Quellenverzeichnis
Seite
75
:
3.5
Abbildungsverzeichnis
Seite
76
:
Anhang
Legende zu den Icons
Seite
77
:
WeiterführendeLinkszurUmsetzungdesjuristischenExpertengespräches
Seite
78
:
Weiterführende Links zur Themenvertiefung
Seite
79
:
Arbeitsblatt: Placemat für die Gruppenarbeit
Seite
80
:
Hinweise zu Lernortfahrten
Seite
81
:
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Seite
82 – 87
:
Abrechnung
Seite
88 – 90
:
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Unterpunkt
Inhaltsverzeichnis
:

S. 2 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
1
Schule ist ein Ort, an dem die demokratische, recht-
liche und politische Bildung intensiv gefördert werden
muss. Demokratieerziehung ist eine grundlegende
Bildungsaufgabe in unseren Schulen
1
. Das Einbrin-
gen aktueller politischer Themen im Unterricht und
das aktive Erleben einer demokratischen Schulkultur
machen für die Schülerinnen und Schüler Demokratie
nachhaltig erfahrbar.
Durch Werteerziehung, das Erfahren von Wertschät-
zung und das Reflektieren verschiedener Weltan-
schauungen und Wertesysteme entwickeln die Schü-
lerinnen und Schüler auf der Grundlage der freiheit-
lich-demokratischen Ordnung individuelle Wert- und
Normvorstellungen.
Das vorliegende pädagogische Unterstützungsmate-
rial entstand im Rahmen des „Maßnahme-Paketes für
ein starkes Sachsen“. Dieses wurde am 4. März 2016
durch die Sächsische Staatsregierung zur Förderung
der politischen Bildung und Demokratie beschlossen.
1 vgl. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 4. März 2009
Zur Umsetzung des Maßnahme-Paketes haben das
Sächsische Staatsministerium für Kultus und das
Sächsisches Staatsministerium der Justiz und für
Demokratie, Europa und Gleichstellung eine Arbeits-
gruppe unter Beteiligung der Rechtsanwaltskammer
Sachsen und unter Federführung des Landesamtes
für Schule und Bildung, Standort Radebeul eingerich-
tet. In dieser Arbeitsgruppe erstellten Fachberaterin-
nen und Fachberater der Oberschulen in Zusammen-
arbeit mit Vertreterinnen und Vertretern der Justiz und
der Anwaltschaft ein pädagogisches Unterstützungs-
material, das die Orientierung an demokratischen
Grundwerten hervorhebt und zum Verständnis rechts-
staatlicher Prinzipien und politischer Prozesse bei-
trägt. Das Unterstützungsmaterial wird in drei Modu-
len entwickelt. Neben den ersten Modulen „Umgang
mit Wahrnehmung und Wahrheit“ sowie „Menschen-
rechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit“
wird bis zum Schuljahr 2021/2022 ein weiteres Modul
entwickelt, das die Themenbereiche wehrhafte Demo-
kratie und Zivilcourage fokussiert. Die Module sind in
den Lehrplänen der Unterrichtsfächer Evangelische
Religion, Katholische Religion, Ethik, Geschichte und
Gemeinschaftskunde/Rechtskundeerziehung verortet.
Vorbemerkungen
:

S. 3 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Hinweise zur Umsetzung für den Unterricht
2
:
2.1
Aufbau der Module und
Einbindung in die Lehrpläne
:
Die Struktur der Module orientiert sich an den Pla-
nungsbeispielen zum kompetenzorientierten Unter-
richt
2
und unterstützt Lehrkräfte bei der Planung,
Durchführung und Reflexion ihres Unterrichts. Am
Ende jedes Moduls wenden die Schüler die Kenntnis-
se und Fähigkeiten in Problemsituationen an und kön-
nen so Kompetenzen im jeweiligen Lernbereich ent-
wickeln. Das Modul 1 ist den Fächern Evangelische
Religion, Katholische Religion und Ethik in der Klas-
senstufe 6, das Modul 2 dem Fach Geschichte in der
Klassenstufe 8 zugeordnet. Das Modul 3 „Wehrhafte
Demokratie“ kann im Fach Gemeinschaftskunde/
Rechtserziehung in der Klassenstufe 9 umgesetzt
werden. Die Ziele und Inhalte der Module verstehen
sich als Angebote für Lehrkräfte und können in den
genannten Fächern und Lernbereichen mit den im
Lehrplan ausgewiesenen Wochenstunden durchge-
führt werden. Der jeweils entsprechende Lehrplan mit
Zielen und Inhalten ist dabei umzusetzen. Sämtliche
Angaben im Planungsbeispiel sowie die Ausführun-
gen zu den Materialien sind als pädagogische Anre-
gung zu verstehen. Die Materialien sind zum Teil im
Rahmen eines binnendifferenzierenden Unterrichts
einzusetzen. Auf genaue Zeitvorgaben, z. B. zu Pha-
sen der Gruppenarbeit wurde aus Gründen der indivi-
duellen Klassensituation verzichtet.
2 vgl. Landesamt für Schule und Bildung (2012): Kompetenzorientierter Unterricht
2.2
Organisatorische Aspekte
:
Demokratieerziehung und die Ermöglichung demo-
kratischer Schulkultur sind wesentliche Aufgaben der
Schule. Zu Fragen der Planung, Umsetzung und
Durchführung kann Kontakt mit den zuständigen
Fachberaterinnen und Fachberatern der entsprechen-
den Fächer aufgenommen werden. Die Einbindung
von externen Kooperationspartnerinnen/Kooperations­
partnern muss langfristig geplant werden. Den Lehr-
kräften der betreffenden Klassenstufen wird empfoh-
len, die Planung im Team zu realisieren, diese zu do-
kumentieren und auszuwerten. Für die externen Ko-
operationspartnerinnen und Kooperationspartner be-
finden sich die Formulare zur Abrechnung im Anhang
und sind im Original an das Landesamt für Schule und
Bildung, Standort Radebeul zu schicken.

S. 4 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Menschenrechte und Verbrechen
3
gegen die Menschlichkeit
:
Das Modul 2 ist im Fach Geschichte dem Lernbereich
5 „Völkermord und Kriegsverbrechen“ Klassenstufe 8
zugeordnet und umfasst ca. 6 Unterrichtsstunden. Im
vorliegenden Modul werden die Schülerinnen und
Schüler mit dem Thema Völkermord und Kriegsver-
brechen in der Vergangenheit und in der Gegenwart
konfrontiert und setzen sich damit auseinander.
Am Beispiel sowjetischer Kriegsgefangener in Zeit-
hain erschließen sich die Schülerinnen und Schüler
mit Hilfe geeigneter Quellen die Lebensbedingungen
der vom Krieg betroffenen Menschen. Sie lernen die
rechtlichen Regelungen zum Schutz von Menschen in
Konflikten, wie z.B. die Genfer Konvention, kennen
und bewerten die Lebensbedingungen an diesem
Maßstab.
Anhand von aktuellen Beispielen wird den Schülerin-
nen und Schülern deutlich, dass Menschenrechtsver-
letzungen auch heute stattfinden. Sie erkennen, dass
es nicht selbstverständlich ist, in Frieden zu leben und
gewinnen die Einsicht, dass sie durch aktive Mitwir-
kung ein friedliches Zusammenleben nach der frei-
heitlichen demokratischen Grundordnung befördern.
Die Erstellung eines Handlungsproduktes am Ende
des Moduls ermöglicht den Schülerinnen und Schü-
lern sich mit ihren Vorstellungen zur Einhaltung von
Menschenrechten auf gesellschaftlicher und individu-
eller Ebene auseinanderzusetzen und sich zur Frage
zu positionieren, was sie selbst für ein friedliches Zu-
sammenleben in Einklang mit der Einhaltung der Men-
schenrechte tun können. Die Umsetzung des Moduls
kann in Zusammenarbeit mit weiteren Lehrkräften
z. B. der Fächer Deutsch, Gemeinschaftskunde, Mu-
sik oder Kunst auch als fächerverbindender Unterricht
erfolgen.
Die Umsetzung des Moduls 2 kann unter Einbindung
von Vertreterinnen und Vertretern der Justiz und der
Anwaltschaft oder Vertreterinnen und Vertretern von
Nichtregierungsorganisationen erfolgen.
Ergänzend zur Thematik ist es möglich eine Exkursion
zu einer Gedenkstätte durchzuführen, Unterstützung
hierfür bietet die Landesservicestelle Lernorte des Er-
innerns und Gedenkens (siehe Anhang).
3.1
Ziele und Inhalte
:

S. 5 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
3.2
Planungsbeispiel:
Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
:
Oberschule, Klassenstufe 8
Lehrplaneinordnung:
Geschichte, Lernbereich 5: Völkermord und Kriegsverbrechen
:
Unterrichtseinheit:
Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
:
Umfang:
6 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten
:
Personelle Ressourcen:
eine Vertreterin/einen Vertreter der Justiz und der Anwaltschaft oder
eine Vertreterin/einen Vertreter einer Nichtregierungsorganisation NGO
(optional)
:
Räumliche Voraussetzung:
1–2 Räume
:
Mediale Voraussetzung:
Beamer, PC oder digitale Endgeräte, Moderationszubehör
:
3
Menschenrechte und Verbrechen
gegen die Menschlichkeit
:

S. 6 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
:
3
Allgemeine Planungsschritte
:
1. Thema bzw. Lerninhalte aus dem Lehrplan /
aus den Lehrplänen auswählen
:
Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
:
2. Ziele für die Unterrichtseinheit
:
Kennen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit im zweiten Weltkrieg
:
Beurteilen von Bild- und Schriftquellen auf der Grundlage der Menschenrechte
:
Einblick gewinnen in Menschenrechte und Menschenrechtsschutz aus juristischer Sicht
Einblick gewinnen in Möglichkeiten juristischer Aufarbeitung
Übertragen der Kenntnisse zu Menschenrechten auf aktuelle Menschenrechtsverletzungen
Sich positionieren zu Menschenrechtsverletzungen in Vergangenheit und Gegenwart
Auswirkungen beurteilen
3.
Lernvoraussetzungen/Vorwissen
beschreiben
• Was bringt die/der Lernende bereits mit?
• Über welche Kenntnisse verfügt
die/der Lernende zum aktuellen Zeitpunkt?
• Über welche Fähigkeiten und Fertigkeiten/
Arbeitstechniken verfügt die/der Lernende
zum aktuellen Zeitpunkt?
Schülerinnen und Schüler
:
kennen Menschen- und Grundrechte (GE, Kl. 7, LB 3, Kl. 8, LB 3, GK, Kl. 7, LB 2)
sind geschult im Umgang mit Bild- und Schriftquellen
kennen das Verfahren zur Rekonstruktion von Geschichte aus Bild- und Schriftquellen
kennen Anlass und Ursachen des ersten Weltkrieges, Kriegsverbrechen und deren Auswirkungen (GE, Kl. 8, LB 1)
beherrschen die Methode der Quellenkritik
kennen die Begriffe Recht und Unrecht (ETH, RE/e, RE/k)
4. Material zur Verfügung stellen
:
(unterschiedliche mediale Darstellung
desInhaltes,z. B. Texte,Filme, Ausstellungen,
Statistiken, Bilder etc.)
Materialien für die Lehrkraft:
Bilder vom Ersten Weltkrieg
Bilder zum Beschuss von Krankenhäusern in Aleppo
Filme„SchlachtvonSolferino“und„RegelnimKrieg“überMeSax
Film „Das humanitäre Völkerrecht in Kürze – 150 Jahre Genfer Konvention“überMeSax
Arbeitsblatt 1: Das humanitäre Völkerrecht in Kürze – 150 Jahre Genfer Konfention, Lösung Arbeitsblatt 1
Bilder aus dem Kriegsgefangenenlager Zeithain
Arbeitsaufträge, Materialien zur Gruppenarbeit
Gruppe 1: Arbeitsbedingungen sowjetischer Kriegsgefangener
:
Gruppe 2: Lebens- und Ernährungsbedingungen sowjetischer Kriegsgefangener
:
Gruppe 3: Medizinische Versorgung sowjetischer Kriegsgefangener
:
Gruppe 4: Bestrafung sowjetischer Kriegsgefangener
:
Gruppe 5: Hermann Reinecke – ein Täter
:

S. 7 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Allgemeine Planungsschritte
:
Arbeitsblatt 2: Zusammenfassung der Gruppenarbeit
Arbeitsblatt 3: Grundgesetz und Grundrechte
Arbeitsblatt 4: Menschenrechtsverletzung in der Gegenwart
Informationsblatt: Fall eines Kriegsverbrechens
Arbeitsblatt 5: Vorstellung einer Nichtregierungsorganisation
Arbeitsblatt 6: Placemat für die Gruppenarbeit (s. Anhang)
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (s. Anhang, zur methodischen Verwendung geeignet)
Hinweis:DieSchreibweiseindenQuelltextenundderen
AbschriftenentsprichtderSchreibweisedesOriginaltextes
:
5. geeignete Methoden und Sozialformen
auswählen
:
• Welche Inhalte sollen erarbeitend,
welche instruktiv erschlossen werden?
• Welche kooperativen Lernformen bieten
sich an welcher Stelle an?
Unterrichtsgespräch
Auswertung eines Films mit Arbeitsblatt
Gruppenarbeit mit Präsentation
Ergebnissicherung
Partnerarbeit oder/und Einzelarbeit
Expertengespräch(optional)
6. Kooperation mit die Vertreterin / den Vertreter
der Justiz und der Anwaltschaft oder zivil­
gesellschaftlichen Organisation (optional)
:
Erwartungen an die Vertreterin / den Vertreter
der Justiz und der Anwaltschaft
DieLehrkraftsollteeineVorabsprachemitdenexternen
Ansprechpartnerinnenund­partnernüberZielsetzung,Inhalte
und AblaufdesExpertengesprächs,diemethodischeunddidaktische
AusgestaltungsowiezurindividuellenKlassen­
situation führen.
Expertengesprächzum Thema„MenschenrechteausjuristischerSicht“mitfolgender
Themenauswahl
:
historischer Abriss zur Entstehung der Idee der Menschenrechte
Menschenrechte und deren Schutz in Deutschland und in der Europäischen Union heute
Rechtssystem in Deutschland in Bezug auf Menschenrechte und Menschenrechtsschutz (z. B. Normenhierarchie,
Bindung an Recht und Gesetz, Kontrolle von Entscheidungen durch Gerichte, Funktion der Verwaltungsgerichte,
Gewaltenteilung, Zusammenwirken von nationalem Recht und Europarecht)
FallbeispielezumMenschen­undGrundrechtsschutzausderjuristischenFallpraxis(z.
B.ausdemVerwaltungsrecht,
Versammlungsrecht, Asylrecht etc.)
:
DasExpertengesprächkannunterVerwendungverschiedenerMaterialienz.
B. Arbeitsblätter,Quiz,Lückentexteetc.
erfolgen,s.weiterführendeLinkszurUmsetzungdesjuristischenExpertengesprächesaufSeite78
MöglicheMaterialienzurUnterstützungdesExpertengespräches
:
Informationsblatt Chronologie zur Entstehung der Menschenrechte
Aufgabenblatt Grundgesetz und Grundrechte
Erwartungsbild Grundgesetz und Grundrechte
Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
:
3

S. 8 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Allgemeine Planungsschritte
:
ErwartungsprofilandieVertreterinnenundVer
-
treter einer zivilgesellschaftlichen Organisation
:
Vorstellen einer Nichtregierungsorganisation (NGO) z. B. Amnesty International, Volksbund Deutsche
Kriegsgräberfürsorge e. V., s. Arbeitsblatt „Vorstellung einer Nichtregierungsorganisation“.
Aufgaben/Gründungsgedanke
Einsatzgebiete
Aktuelle Kampagnen
Finanzierung
Probleme und Grenzen
Expertengesprächzum ThemaMenschrechtsverletzungeninVergangenheitundGegenwartanhandeineskonkreten
Einzelfalles sowie zur Unterstützung der Menschenrechtsbildung.
Kontaktadressen von Nichtregierungs-
organisationen
:
Amnesty International, Bezirksteam Sachsen für die Standorte Dresden, Leipzig, Chemnitz
Ansprechpartner unter bildung@amnesty-sachsen.de oder landeslobby@amnesty-sachsen.de
:
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., Landesverband Sachsen
:
Ansprechpartner unter jugend-sachsen@volksbund.de
:
7.
Unterrichtsschritte planen
(einzelne Stunden)
:
1. Stunde
:
Impulsvarianten zum Einstieg …
Konfrontation mit Bildern (z. B. Bilder vom Ersten Weltkrieg, Bilder vom Beschuss auf Krankenhäuser in Aleppo)
Filme:„SchlachtvonSolferino“(2:28min),„RegelnimKrieg“(1:03min)überMeSax
Positionierung: „Erkläre, warum es im Krieg Regeln geben sollte.“
„Nennt Regeln, die gelten sollten.“
Antworten der Schülerinnen und Schüler in geeigneter Form sammeln.
Film: „Das humanitäre Völkerrecht in Kürze – 150 Jahre Genfer Konvention“(5:01min)überMeSax
:
Arbeitsblatt, Variante 1: Das humanitäre Völkerrecht in Kürze – 150 Jahre Genfer Konvention
:
Arbeitsblatt, Variante 2: Das humanitäre Völkerrecht in Kürze – 150 Jahre Genfer Konvention
:
Klärung unbekannter Begriffe
:
Differenzierung:
Alternative 1: passende Piktogramme zu den Filmsequenzen entwerfen, s. Lehrplan Deutsch Kl. 8, LB 4
:
Alternative 2: unbekannte Begriffe aus dem Film notieren
:
Alternative 3: schrittweise Bearbeitung von Filmsequenzen
:
Auswertung Arbeitsblatt: Kerngedanken der Genfer Konvention sowie Schülerantworten aus der Einstiegsphase hervor-
heben, in Bezug zu Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte und Allgemeiner Erklärung der Menschenrechte setzen.
Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
:
3

S. 9 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Allgemeine Planungsschritte
:
2. bis 3. Stunde
:
Überleitung: 2. Weltkrieg, Überfall auf die Sowjetunion 1941 – Unternehmen Barbarossa – sowjetische Kriegsgefangene –
Kriegsgefangenenlager Zeithain
:
Lehrervortrag zum Kriegsgefangenenlager in Zeithain: Lage, Entstehungsgeschichte, Gefangene,
(ca. 2–3 Min), Bilder Nr. 7, 8
:
Gruppenarbeit (z. B. mit Placemat): Sowjetische Kriegsgefangene im Lager Zeithain 1941–1945,
Themendifferente Gruppenarbeit mit Aufgabenstellungen, Lehrkraft legt zeitlichen Umfang für die Bearbeitung in
den Gruppen sowie zur Vorstellung der Ergebnisse fest.
Ergebnis der jeweiligen Gruppenarbeit wird im Placemat-Mittelfeld notiert.
Vorstellung der Gruppenarbeit mit Begründung der Beurteilung
:
Ergebnisse zur Gruppe 5: Täter Hermann Reinecke werden nach den Gruppenergebnissen 1– 4 präsentiert
:
Ergebnisse zum Arbeitsblatt werden im Unterrichtsgespräch notiert.
Auswertung und Positionierung im Plenum:
Die Folgen für die Kriegsgefangenen sowie die Missachtung der Genfer Konvention und des Deutschen Kriegsrechts.
4. bis 5. Stunde
:
Überleitung: ausgehend vom Nürnberger Prozess, zum Internationalen Strafgerichtshof, zu aktuellen Menschenrechts-
verletzungen in der Gegenwart
:
Variante 1: Lehrkraft ohne externe Partnerin bzw. externen Partner
:
Auswahl eines aktuellen Beispieles von Menschenrechtsverletzungen und Bewertung
:
Einstieg: Karte des
KonfliktbarometersdesHeidelbergerInstitutsfürInternationaleKonfliktforschunge.
V.oderKarte
zu KriegundGewaltkonflikten der Bundeszentrale für politische Bildung
Lage, Ursachen, Beteiligte, Art der Menschenrechtsverletzungen
Möglichkeiten und Grenzen der Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen durch die Völkergemeinschaft und
deren Auswirkungen (Mehrperspektivität)
Bezug zu Menschenrechten, Grundrechten, Grundgesetz
Handlungsmöglichkeiten um Menschenrechtsverletzung entgegen zu wirken (z. B. in der Schule, mit der Familie,
im Sportverein, in der Gesellschaft)
:
Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
:
3

S. 10 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Allgemeine Planungsschritte
:
Mögliches Beispiel Syrien
:
Einstieg: Bild eines zerstörten Krankenhauses in Aleppo
:
Arbeitsblatt Syrien – Gezielte Angriffe auf Krankenhäuser
:
SchülerinnenundSchülerlesenden
TextundpositionierensichzurMenschenrechtsverletzung
:
Auswertung Arbeitsblatt
:
Lehrervortrag und anschließendes Unterrichtsgespräch
:
Hintergrundinformation zu Syrien für die Lehrkraft (siehe Informationsblatt: Fall eines Kriegsverbrechens)
:
Zusätzliche Variante:
Internetrecherche zu einer Nichtregierungsorganisation z. B. Amnesty International mit Arbeitsblatt: Vorstellung einer
Nichtregierungsorganisation
:
Variante 2: Lehrkraft mit Vertreterin/Vertreter der Justiz und der Anwaltschaft
:
Absprache zu Zielen, Inhalten und Materialien erforderlich (s. Punkt 6)
:
Expertengesprächzum Thema„MenschenrechteausjuristischerSicht“
Mögliche Themenauswahl:
historischer Abriss zur Entstehung der Idee der Menschenrechte
Menschenrechte und deren Schutz in Deutschland und in der Europäischen Union heute
Einführung in das Rechtssystem in Deutschland in Bezug auf Menschenrechte und Menschenrechtsschutz
(z. B. Normenhierarchie, Verhältnis Grundgesetz zu einfachem Gesetz, Wirkung von Europarecht, Bindung an Recht
und Gesetz, Kontrolle von Entscheidungen durch Gerichte, Organisation von Gerichten, Rolle des Bundesverfassungs-
gerichts, Funktion der Verwaltungsgerichte, Gewaltenteilung etc.) anhand von Beispielen
FallbeispielezumMenschen­undGrundrechtsschutzausderjuristischenFallpraxis(z.
B.ausdemVerwaltungsrecht:
Versammlungsrecht, Asylrecht etc.)
MöglicheMaterialienzurUnterstützungdesExpertengesprächs:
Informationsblatt Chronologie zur Entstehung der Menschenrechte
Aufgabenblatt Grundgesetz und Grundrechte
Erwartungsbild Grundgesetz und Grundrechte
Unterrichtsgespräch mit Lehrkraft und Jurist:
Möglichkeiten und Grenzen der Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen und deren Auswirkungen
Handlungen, um Menschenrechts- bzw. Grundrechtsverletzungen entgegen zu wirken (z. B. mit der Familie,
in der Schule, im Sportverein, in der Gesellschaft)
Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
:
3

S. 11 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Allgemeine Planungsschritte
:
Variante 3: Lehrkraft mit Vertreterin/Vertreter einer Nichtregierungsorganisation
(NGO = Nongovernmental organization)
:
Absprache zu Zielen und Inhalten sowie Möglichkeiten und Grenzen der Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen
und deren Auswirkungen anhand eines konkreten Einzelfalles (s. Punkt 6).
Expertengespräch:(s. Arbeitsblatt:VorstellungeinerNichtregierungsorganisation)
:
Vorstellung der Organisation
Gründungsgedanke
und
Aufgaben
Einsatzgebiete
Aktuelle
Kampagnen
Finanzierung
Probleme und Grenzen
:
Unterrichtsgespräch mit Lehrkraft und Vertreterin/Vertreter einer NGO:
Möglichkeiten, sich für die Einhaltung der Menschenrechte einzusetzen (mit der Familie, in der Schule, im Sportverein,
in der Gesellschaft)
:
6. Stunde
:
Für alle Varianten:
Erstellung eines Handlungsproduktes
:
Absprache mit weiteren Fachkolleginnen und Fachkollegen möglich
:
Mögliche Handlungsprodukte:
Erstellung eines Flyers zu Nichtregierungsorganisationen
Anfertigung Informationstafel zu Menschenrechten
Unterstützung von Kampagnen, z. B. Schreiben von Briefen, Sammeln von Spenden
Entwerfen eines Flugblattes zu Menschenrechten
TexteneinesRapszurEinhaltungvonMenschenrechten
:
Weitere mögliche Perspektiven:
Besuch eines Verwaltungsgerichtes
ExkursionzueinemLernortdesErinnernsundGedenkens(
https://lernorte.eu) z. B. der Gedenkstätte Ehrenhain
Zeithain (siehe auch Landesservicestelle Lernorte des Erinnerns und Gedenkens, weitere Informationen im Anhang)
Einladung von durch Menschenrechtsverletzungen Betroffene
Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
:
3

S. 12 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Allgemeine Planungsschritte
:
8. Schülerinnen und Schüler Lernerfolg zeigen
und reflektieren lassen
:
• Lernstandermittelnundreflektieren
• Abgleich von Zielen und Lernstand
• Lernwegreflektierenlassen
SchülerinnenundSchülerreflektierendenLernprozessunddieerreichtenLernziele
:
LehrkraftundexterneKooperationspartnerin/externerKooperationspartnerreflektierenZielerreichungdesModuls
:
Reflexionsbogen verbleibt bei der Schülerin/dem Schüler
:
Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
:
3

image
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S. 13 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
3.3
Materialien
Impulsvarianten zum Einstieg
Bilder vom Ersten Weltkrieg
Material für
die Lehrkraft
:
Menschenrechte und Verbrechen
gegen die Menschlichkeit
Bild 2: Schützengraben
Bild 3: Menschen mit Schutzmaske bei Gasalarm
Bild 1: Ein auf dem Vormarsch gefallener Soldat
3

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S. 14 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
3
Bilder vom Beschuss auf Krankenhäuser in Aleppo
Menschenrechte und Verbrechen
gegen die Menschlichkeit
Bild 4: Ein Zimmer im zweiten Stock eines
Krankenhauses im Osten Aleppos
Bild 5: Schwere Beschädigung
des al-Bayan Krankenhauses im
Juli 2016
Bild 6: Ein Krankenhaus im Osten Aleppos nach einem
Luftangriff im April 2016, geschützt mit Sandsäcken
Material für
die Lehrkraft
:

S. 15 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Arbeitsblatt 1
Das humanitäre Völkerrecht in Kürze –
150 Jahre Genfer Konvention
:
Zusammenfassung:
Das humanitäre Völkerrecht fordert auch in Zeiten des Krieges das Beachten der
.
Die Genfer Konvention stellt international verbindliche
auf, die von den Beteiligten bewaffneter
Konflikte zum
der Soldaten und der Zivilbevölkerung respektiert werden sollen. Die Genfer Kon-
vention fordert die Einhaltung von
im Krieg.
Lösung:
1864, Grenzen, Gewalt, Folter, Regeln, nicht, Waffen, keinen, Seite, Schutz, Hilfe, Wasser, Menschenwürde,
nicht, Menschenrechte
Entstehung des Völkerrechts
:
Seit jeher greifen Menschen bei
Auseinandersetzungen zu
.
Im Laufe der Zeit haben Menschen
versucht, die Brutalität des Krieges
zu begrenzen. Dieser humanitäre
Geist führte im Jahr
zur
1. Genfer Konvention – der Geburts-
stunde des humanitären Völkerrechts.
Schutz der Zivilisten
:
Zivilisten dürfen
angegriffen
werden. Das zu tun, wäre ein Kriegs-
verbrechen.
Es müssen Vorsichtsmaßnahmen
getroffen werden, damit keinem
Zivilisten geschadet wird und
keine für ihr Überleben wichtigen
Güter zerstört werden. Zivilisten
haben das Recht, die
zu
erhalten, die sie benötigen.
Umgang mit Gefangenen
:
Das humanitäre Völkerecht verbietet
und andere Misshandlungen
von Gefangenen. Sie dürfen nicht
in kriegswichtigen Fabriken
ein
gesetzt und zu gefährlichen
Tätigkeiten herangezogen
werden. Sie müssen Nahrung
und
erhalten.
Ihnen muss die Möglichkeit
gegeben werden mit Verwandten zu
kommunizieren. Nur so können sie
ihre Würde behalten und überleben.
Regeln der Genfer
:
Die
Konvention
weltweit geltenden Regeln in der
Kriegsführung setzen
, um
die Menschen zu schützen, die nicht
kämpfen oder nicht dazu in der Lage
sind.
Umgang mit Kranken und
Verwundeten
:
Personen oder Fahrzeuge von Hilfs
-
organisationen, wie z.
B. das Rote
Kreuz dürfen unter
Umständen angegriffen werden.
Ihnen muss gestattet werden ihrer
Arbeit nachzugehen.
Kranke und Verwundete haben
das Recht, behandelt und versorgt
zu werden, egal auf welcher
sie stehen. Sie dürfen
nicht angegriffen werden.
Anpassung des humanitären
Völkerrechts
:
Das humanitäre Völkerrecht muss
ständig angepasst werden,
weil moderne
,
später vielleicht auch
voll automatische
Roboter ,
sowie neue Methoden
der Kriegsführung eventuell
zwischen Zivilisten
und Kämpfern unterscheiden.

S. 16 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Das humanitäre Völkerrecht in Kürze –
150 Jahre Genfer Konvention
:
Zusammenfassung:
Das humanitäre Völkerrecht fordert auch in Zeiten des Krieges das Beachten der ______________________.
Die Genfer Konvention stellt international verbindliche ______________auf, die von den Beteiligten bewaffneter
Konflikte zum ____________ der Soldaten und der Zivilbevölkerung respektiert werden sollen. Die Genfer Kon-
vention fordert die Einhaltung von ___________________________ im Krieg.
Lösung:
1864, Grenzen, Gewalt, Folter, Regeln, nicht, Waffen, keinen, Seite, Schutz, Hilfe, Wasser, Menschenwürde,
nicht, Menschenrechte
:
Menschenwürde
Regeln
Schutz
Menschenrechten
Schutz der Zivilisten
Zivilisten dürfen
angegriffen
werden. Das zu tun, wäre ein Kriegs-
verbrechen.
Es müssen Vorsichtsmaßnahmen
getroffen werden, damit keinem
Zivilisten geschadet wird und
keine für ihr Überleben wichtigen
Güter zerstört werden. Zivilisten
haben das Recht, die
zu
erhalten, die sie benötigen.
nicht
Hilfe
Entstehung des Völkerrechts
:
Seit jeher greifen Menschen bei
Auseinandersetzungen zu
.
Im Laufe der Zeit haben Menschen
versucht, die Brutalität des Krieges
zu begrenzen. Dieser humanitäre
Geist führte im Jahr
zur
1. Genfer Konvention – der Geburts-
stunde des humanitären Völkerrechts.
Gewalt
1864
Regeln der Genfer
Die
Konvention
weltweit geltenden Regeln in der
Kriegsführung setzen
, um
die Menschen zu schützen, die nicht
kämpfen oder nicht dazu in der Lage
sind.
Grenzen
Umgang mit Gefangenen
Das humanitäre Völkerecht verbietet
und andere Misshandlungen
von Gefangenen. Sie dürfen nicht
in kriegswichtigen Fabriken
ein
gesetzt und zu gefährlichen
Tätigkeiten herangezogen
werden. Sie müssen Nahrung
und
erhalten.
Ihnen muss die Möglichkeit
gegeben werden mit Verwandten zu
kommunizieren. Nur so können sie
ihre Würde behalten und überleben.
Folter
Wasser
Anpassung des humanitären
Völkerrechts
Das humanitäre Völkerrecht muss
ständig angepasst werden,
weil moderne
,
später vielleicht auch
voll automatische
Roboter ,
sowie neue Methoden
der Kriegsführung eventuell
zwischen Zivilisten
und Kämpfern unterscheiden.
Waffen
nicht
Umgang mit Kranken und
Verwundeten
Personen oder Fahrzeuge von Hilfs
-
organisationen, wie z.
B. das Rote
Kreuz dürfen unter
Umständen angegriffen werden.
Ihnen muss gestattet werden ihrer
Arbeit nachzugehen.
Kranke und Verwundete haben
das Recht, behandelt und versorgt
zu werden, egal auf welcher
sie stehen. Sie dürfen
nicht angegriffen werden.
keinen
Seite
Material für
die Lehrkraft
:

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S. 17 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Material für
die Lehrkraft
Einstieg Gruppenarbeit
:
Bilder vom Kriegsgefangenenlager in Zeithain 1941 bis 1945
:
Bild 7: Kriegsgefangenenlager in Zeithain
:
Bild 8: Kriegsgefangenenlager in Zeithain
:

S. 18 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Materialien für
Gruppe 1:
Arbeitsbedingungen
:
Arbeitsbedingungen
sowjetischer Kriegsgefangener
:
Aufgabenstellung
:
Erarbeitet anhand der Materialien, wie die Arbeitsbedingungen der sowjetischen Kriegsgefangenen im Lager
Zeithain waren. Beurteilt, ob diese mit den Artikeln im „Kodifizierten internationalen Deutschen Kriegsrecht“
übereinstimmten.
Präsentiert eure Ergebnisse den anderen Gruppen.
Notiert die Ergebnisse aus allen Gruppen im Arbeitsblatt: „Zusammenfassung der Gruppenarbeit“.
Arbeit in der Gruppe:
1.
Sichtet das Material und besprecht gemeinsam alle Arbeitsschritte.
2.
Wählt aus eurer Gruppe ein Mitglied aus, das ihr für besonders geeignet haltet, sich mit
dem anspruchsvollen Material „Kodifiziertes internationales Deutsches Kriegsrecht“
auseinanderzusetzen.
3.
Verteilt die weiteren bereitgestellten Materialien. Lest die Texte
und betrachtet die Bilder. Nutzt dazu die gekennzeichneten Text-
auszüge und das Glossar.
4.
Jeder notiert die Fakten bzw. Eindrücke zu den Arbeitsbedin-
gungen der sowjetischen Kriegsgefangenen in sein jeweiliges
Placemat-Feld.
5.
Tauscht euch zu euren Ergebnissen aus. Notiert zentrale Aus-
sagen aller Gruppenmitglieder im Placemat-Mittelfeld.
6.
DerExpertedesRechtsstelltnunseineNotizenvor.
7.
Beurteilt, ob die Arbeitsbedingungen der Kriegsgefangenen im
Lager Zeithain mit den Artikeln im „Kodifizierten internationalen
Deutschen Kriegsrecht“ übereinstimmten.
Vorstellung und Zusammenfassung der Ergebnisse in der Klasse
:
1.
JedeGruppe stelltihreErgebnissevorundbegründetihrUrteil.EsbeginntderExpertedesRechts.
2.
Notiert im Arbeitsblatt Zusammenfassung der Gruppenarbeit die Auswirkungen auf die Kriegsgefangenen.
Aufgaben für das Gruppenmitglied
Experte des Rechts
:
1.
Liesdie
Ausschnittedes„Kodifizierten
internationalen Deutschen Kriegsrechts“.
Nutze dazu das Glossar.
2.
Notiere, welche Aussagen zu
Arbeits­
bedingungen
getroffen werden.
3.
Höre dir die Ergebnisse der anderen
Gruppenmitglieder an.

S. 19 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Experte des Rechts
:
M 1:
Auszügeausdem„KodifizierteninternationalenDeutschenKriegsrecht“
Weitere Gruppenmitglieder
:
M 2
: AuszugausdenLagererinnerungenvon
AlexejIwanowitschSawada
:
M 3:
Aktennotiz zu Arbeitsbedingungen in der Görlitzer Waggonbau und Maschinenfabrik
:
M 4:
Auszug aus der Abschrift „ Anordnung über die Behandlung sowj. Kr. Gef.
in allen Kriegsgefangenenlagern vom 8.9.1941“
:
Zusätzliches Material
:
M 5:
Auszug aus dem Dokument zum Einsatz sowjetischer Kriegsgefangener
:
M 6:
Bilder zur Errichtung des Kriegsgefangenenlagers Zeithain
:
Arbeitsbedingungen
sowjetischer Kriegsgefangener
:
Materialien für
Gruppe 1:
Arbeitsbedingungen
:

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S. 20 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 1: Auszüge aus dem „Kodifizierten
internationalen Deutschen Kriegsrecht“
Materialien für
Gruppe 1:
Arbeitsbedingungen
:
Kodifiziertes internationales
Deutsches Kriegsrecht
in seinem Wortlaut und Geltungsbereich
gegenüber dem Ausland
1937
Zweites Kapitel
Organisation der Arbeit
Artikel 28
Der Gewahrsamsstaat übernimmt die
volle Verantwortung für Unterhalt Ver-
sorgung, Behandlung und Entlohnung
der Kriegsgefangenen, wenn sie für Rech-
nung von Privatpersonen arbeiten.
Artikel 29
Kein Kriegsgefangener darf zu Arbeiten
verwendet werden, zu denen er körperlich
nicht tauglich ist.
Artikel 30
Die tägliche Arbeit der Kriegsgefange-
nen, einschließlich des Hin- und Rück-
marsches, hat nicht übermäßig zu sein
und keinesfalls diejenige zu übersteigen,
die für die Zivilarbeiter der betreffenden
Gegend bei der gleichen Arbeit zulässig
ist. Jedem Kriegsgefangenen ist wöchent-
lich eine Ruhe von vierundzwanzig auf-
einanderfolgenden Stunden, vorzugweise
sonntags zu gewähren.
Drittes Kapitel
Verbotene Arbeit
Artikel 31
Die von den Kriegsgefangenen zu leis-
tenden Arbeiten werden in keiner unmit-
telbaren Beziehung zu den Kriegshand-
lungen stehen. Insbesondere ist ver
boten,
Gefangene zur Herstellung und zum
Trans
port von Waffen oder Munition aller
Art sowie zum Transport von Material zu
verwenden, das für kämpfende Truppen
bestimmt ist.
Drittes Kapitel
Verbotene Arbeit
Artikel 31
Im Falle der Übertretung der Bestim-
mungen des vorstehenden Absatzes sind
die Kriegsgefangenen befugt, nach der
Ausführung oder nach dem Beginn der
Ausführung des Befehles ihre Beschwer-
den durch Vermittlung der Vertrauens-
leute, über deren Obliegenheiten Arti-
kel 43 und 44 Bestimmung trifft, oder
in Ermangelung eines Vertrauensman-
nes durch Vermittlung der Vertreter der
Schutzmacht vorbringen zu lassen.
Artikel 32
Es ist verboten, Kriegsgefangene zu un-
zuträglichen oder gefährlichen Arbei-
ten zu verwenden. Jede Erschwerung der
Arbeitsbedingungen als disziplinarische
Maßnahme ist verboten.

S. 21 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 2: Auszug aus den Lagererinnerungen
von Alexej Iwanowitsch Sawada
:
Auszug aus einem Brief
… Meine Leiden begannen am ersten Tag des Zweiten Weltkriegs, der auf dem Territorium der Sowjetunion
begann, wo ich in Litauen in der Roten Armee diente.
Ich werde diesen furchtbaren Kriegsabschnitt nicht beschreiben, denn schon in den ersten Tagen des Krieges
wurde ich schwer verwundet und kam in nazistische Gefangenschaft. Nachdem ich in die Gefangenschaft ge-
kommen war, gelang es mir zu fliehen und in meine Heimatstadt Tschernobyl in der Ukraine zurückzukehren,
wo ich am 12. März 1942 erneut gefangen genommen und nach Dresden - Freital in Deutschland gebracht wur-
de, wo ich als Ostarbeiter im Sächsischen Gussstahlwerk Döhlen AG Freital in der Galvanisiererei arbeitete.
Dort wurden in speziellen Behältern mit Schwefelsäure Geschosshülsen gereinigt. Man musste 12 – 14 Stunden
ohne Pause für 600 g Ersatzbrot, 30 g Margarine und einen Napf Spinatsuppe arbeiten.
Während der Arbeit dort erkrankte ich an Lungenentzündung und wurde in ein Lazarett für Ostarbeiter in Dresden
Poisental gebracht.
Dank Doktor Richter und seiner Frau Elsa blieb ich am Leben und ich konnte, nach einem entsprechenden
Examen,alsLagerarztinderSanitätsbaracke3inFreitalarbeiten.
Als jedoch ein neuer SS-Kommandant das Lager übernahm, wurde ich erneut in die Galvanisiererei zur Arbeit
geschickt …
Ukraine, Charkow, Februar 2008
:
Dieser Auszug stammt aus einem Brief an KONTAKTE-KOHTAKTbI e.
V.
Der Verein unterstützt Kontakte zwischen Menschen aus den Ländern
der ehemaligen Sowjetunion.
Materialien für
Gruppe 1:
Arbeitsbedingungen
:

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S. 22 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 3: Aktennotiz zu Arbeitsbedingungen
in der Görlitzer Waggonbau und
Maschinenfabrik
:
Aktennotiz „Arbeitsverweigerung der Kriegsgefangenen
wegen Hunger Kost 02.08.42“
Materialien für
Gruppe 1:
Arbeitsbedingungen
:
Quelle: SächsStA-D (Sächsisches Staatsarchiv), 11693 Waggon-
und Maschinenbau AG Görlitz, Nr. 283, Blattnummer 21

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S. 23 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 4: „Anordnung über die Behandlung
sowj. Kr.Gef. in allen Kriegsgefange­
nenlagern vom 8.9.1941“ Auszug
:
Anordnung des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW)
Materialien für
Gruppe 1:
Arbeitsbedingungen
:
Quelle: BArch (Bundesarchiv), Akte NS 6/336

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S. 24 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 5: Auszug aus dem Dokument zum
Einsatz sowjetischer Kriegsgefangener
:
Materialien für
Gruppe 1:
Arbeitsbedingungen
:
Quelle: BArch (Bundesarchiv), Akte RW 19/5705 fol. 2

S. 25 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 5: Dokument zum Einsatz
sowjetischer Kriegsgefangener
:
Der Führer hat daher befohlen:
„1.) Die Zuführung der sowjet.Kr.Gef.in die Rüstungs- und Kriegswirtschaft ist für die Aufrechterhaltung
der Rüstungskapazität und für die Leistungsfähigkeit unserer Kriegswirtschaft nunmehr entschei-
dendes Problem geworden.
2.)
Es kommt darauf an, daß alle an der Bereitstellung der sowjet.Kr.Gef.als einsatzfähige Arbeiter be-
teiligten Dienststellen und Behörden ihr Äußerstes daransetzen, die Einsatzfähigkeit der Kr.Gef. zu
erweitern und vor allem zu beschleunigen. Vorbedingung hierzu sind insbesondere eine ausreichen-
de Ernährung und die Beseitigung der Fleckfiebergefahr. Alle hierfür verantwortlichen Dienststellen
müssen sich in höchstem Maße ihrer Verantwortlichkeit und der Notwendigkeit bewußt sein, mög-
lichst viele Kr. Gef. der Heimat zuzuführen, damit sie der Dienststelle „Arbeitseinsatz des Beauftrag-
ten für den Vierjahresplan“ zur Verfügung gestellt werden können.
Abschrift eines Auszugs
Anlage zu Va 5135/45. Abschrift.
2
D e r C h e f
F.H.Qu., den 24.Dezember 1941.
des Oberkommandos der Wehrmacht
WFSt. (1) Nr. 00 3150 / 41
AWA Kriegsgef. Nr. 8770/41.
Durch die Notwendigkeit, aus der Kriegswirtschaft eine erhebliche Zahl bisher dort als unabkömmlich
beschäftigter Soldaten für die Front freizumachen, hat der Arbeitseinsatz von Kr. Gef. noch erheblich an
Bedeutung gewonnen.
3.)
Die Zuführung aller geeigneten Kr.Gef. an die Rüstungsindustrie ist damit vordringlichste Aufgabe gewor-
den. Alle übrigen Ansprüche, soweit sie nicht unmittelbar der fechtenden Truppe zugute kommen, müssen
daher zurückgestellt werden.
4.) Aus dieser Grundlage sind die schon befohlenen und geplanten Aufstellungen aus sowjet.Kr.Gef. des
Heeres, des Ersatzheeres, des RdL u.Obdl, der Kriegsmarine und der Waffen-SS zu überprüfen, insbe-
sondere im Hinblick auf die Kopfstärke. Das OKW setzt im Einvernehmen mit dem Beauftragten für den
Vierjahresplan (Arbeitseinsatz)
und dem
Materialien für
Gruppe 1:
Arbeitsbedingungen
:
Quelle: BArch (Bundesarchiv), Akte RW 19/5705 fol. 2

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S. 26 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 6: Bilder zur Errichtung des
Kriegsgefangenenlagers Zeithain
:
Kriegsgefangenenlager Zeithain
:
Bild 9: Errichtung des Kriegsgefangenenlagers Zeithain
:
Bild 10: Errichtung des Kriegsgefangenenlagers Zeithain
:
Materialien für
Gruppe 1:
Arbeitsbedingungen
:

S. 27 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Arbeitsbedingungen
sowjetischer Kriegsgefangener
:
A. O.
:
AufsichtführenderOffizier
:
AWA
:
Allgemeines Wehrmachtamt, Teil des Oberkommandos der Wehrmacht
:
Fleckfieber
:
Infektionskrankheit, die durch Läuse, Milben, Flöhe, Zecken
übertragen wird
:
galvanisieren
:
Veredlung von Metall durch Elektrolyse
:
Gewahrsamsstaat
:
ein kriegsführendes Land, welches Kriegsgefangene festhielt
:
F. H. Qu.
:
Führerhauptquartier, eine Bezeichnung für eine Befehlsstelle Adolf Hitlers
als Oberbefehlshaber der Wehrmacht
Kr. Gef.
:
Kriegsgefangene
:
ObdL
:
Oberbefehlshaber der Luftwaffe
:
OKW
:
Oberkommando der Wehrmacht, höchste militärische Kommandobehörde
(1938– 45)
:
RdL
:
Reichsverband der Deutschen Luftfahrtindustrie
:
SD
:
Sicherheitsdienst, dieser sowie die Sicherheitspolizei waren hauptver-
antwortlich für die Verfolgung politischer Gegner und die Planung und
Durchführung des Holocausts.
sowj. Kr. Gef.
:
sowjetische Kriegsgefangene
:
WFSt
:
Wehrmachtführungsstab, Teil des OKW
Materialien für
Gruppe 1:
Arbeitsbedingungen
:

S. 28 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Materialien für
Gruppe 2:
Lebens- und
Ernährungsbedingungen
:
Lebens­ und Ernährungsbedingungen
sowjetischer Kriegsgefangener
:
Aufgabenstellung
:
Erarbeitet anhand der Materialien, wie die Lebens- und Ernährungsbedingungen der sowjetischen Kriegsgefan-
genen im Lager Zeithain waren. Beurteilt, ob diese mit den Artikeln im „Kodifizierten internationalen Deutschen
Kriegsrecht“ übereinstimmten.
Präsentiert eure Ergebnisse den anderen Gruppen.
Notiert die Ergebnisse aus allen Gruppen im Arbeitsblatt: „Zusammenfassung der Gruppenarbeit“.
Arbeit in der Gruppe:
1.
Sichtet das Material und besprecht gemeinsam alle Arbeitsschritte.
2.
Wählt aus eurer Gruppe ein Mitglied aus, das ihr für besonders geeignet haltet, sich mit
dem anspruchsvollen Material „Kodifiziertes internationales Deutsches Kriegsrecht“
auseinanderzusetzen.
3.
Verteilt die weiteren bereitgestellten Materialien. Lest die Texte
und betrachtet die Bilder. Nutzt dazu die gekennzeichneten Text-
auszüge und das Glossar.
4.
Jeder notiert die Fakten bzw. Eindrücke zu den Lebens- und
Ernährungsbedingungen der sowjetischen Kriegsgefangenen in
sein jeweiliges Placemat-Feld.
5.
Tauscht euch zu euren Ergebnissen aus. Notiert zentrale Aus-
sagen aller Gruppenmitglieder im Placemat-Mittelfeld.
6.
DerExpertedesRechtsstelltnunseineNotizenvor.
7.
Beurteilt, ob die Lebens- und Ernährungsbedingungen der
Kriegs
gefangenen im Lager Zeithain mit den Artikeln im „Kodi
-
fizierten internationalen Deutschen Kriegsrecht“ übereinstimmten.
Vorstellung und Zusammenfassung der Ergebnisse in der Klasse
:
1.
JedeGruppe stelltihreErgebnissevorundbegründetihrUrteil.EsbeginntderExpertedesRechts.
2.
Notiert im Arbeitsblatt Zusammenfassung der Gruppenarbeit die Auswirkungen auf die Kriegsgefangenen.
Aufgaben für das Gruppenmitglied
Experte des Rechts
1.
Liesdie
Ausschnittedes„Kodifizierten
internationalen Deutschen Kriegsrechts“.
Nutze dazu das Glossar.
2.
Notiere, welche Aussagen zu
Lebens­
und Ernährungsbedingungen
getroffen
werden.
3.
Höre dir die Ergebnisse der anderen
Gruppenmitglieder an.

S. 29 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Lebens­ und Ernährungsbedingungen
sowjetischer Kriegsgefangener
:
Experte des Rechts
M 1:
Auszügeausdem„KodifizierteninternationalenDeutschenKriegsrecht“
Weitere Gruppenmitglieder
M 2
: Erinnerungsbericht von Pimenova
:
M 3:
Auszug aus dem Verhör von Paul Konitzer, 1946
:
M 4:
AusdemErinnerungsberichtdesWachoffiziersOttoK.
Zusätzliches Material
:
M 5:
Bilder aus dem Kriegsgefangenenlager Zeithain
:
M 6:
Verpflegungssätzevon1943
:
Materialien für
Gruppe 2:
Lebens- und
Ernährungsbedingungen
:

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S. 30 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Kodifiziertes internationales
Deutsches Kriegsrecht
in seinem Wortlaut und Geltungsbereich
gegenüber dem Ausland
1937
M 1: Auszüge aus dem
„Kodifizierten internationalen
Deutschen Kriegsrecht“
Materialien für
Gruppe 2:
Lebens- und
Ernährungsbedingungen
:
Zweiter Abschnitt
Kriegsgefangenenlager
Artikel 9
Die Kriegsgefangenen können in Städ-
ten, Festungen oder an anderen Orten
untergebracht werden, mit der Verpflich-
tung, sich nicht über eine bestimmte
Grenze hinaus zu entfernen. Sie können
gleichfalls in eingezäunten Lagern unter-
gebracht werden; dagegen ist ihre Ein-
schließung oder Beschränkung auf einen
bestimmten Raum nur statthaft als uner-
lässliche Sicherungs- oder Gesundheits-
maßnahme und nur vorübergehend wäh-
rend der Dauer der Umstände, welche die
Maßnahme nötig machen.
Kriegsgefangene, die in ungesunden
Gegenden oder in Gegenden, deren Klima
für die aus gemäßigten Zonen kommenden
Personen schädlich ist, gefangen genom-
men worden sind, sind sobald als möglich
in ein günstigeres Klima zu bringen.
Die Kriegsführenden haben die Zusam-
menlegung von Gefangenen verschiede-
ner Rassen und Nationalitäten in ein Lager
möglichst zu vermeiden.
Kein Kriegsgefangener darf jemals in
ein Gelände zurückgebracht werden, wo
er dem Feuer des Kampfgebietes ausge-
setzt sein würde, oder dazu verwendet
werden, durch seine Anwesenheit be-
stimmte Punkte oder Gegenden vor Be-
schießung zu schützen.
Artikel 37
Den Kriegsgefangenen ist zu gestatten,
Einzelpakete mit Lebensmitteln und an-
deren zu ihrem Unterhalt oder ihrer Be-
kleidung bestimmten Gegenständen zu
empfangen. Die Pakete sind den Empfän-
gern gegen Empfangsschein auszuhän-
digen.
Zweites Kapitel
Ernährung und Bekleidung
der Kriegsgefangenen
Artikel 11
Die Verpflegung der Kriegsgefangenen
hat in Menge und Güte derjenigen der Er-
satztruppen gleichwertig zu sein. Die Ge-
fangenen erhalten außerdem die Hilfs-
mittel, um sich die zu ihrer Verfügung
stehenden Zusatznahrungsmittel selbst
zuzubereiten. Trinkwasser ist ihnen in ge-
nügender Menge zu liefern. Der Tabakge-
nuss ist erlaubt. Kriegsgefangenen kön-
nen in den Küchen verwendet werden.
Alle kollektiven Disziplinarmaßregeln hin-
sichtlich der Ernährung sind verboten.
Artikel 12
Kleidung, Wäsche und Schuhwerk sind
den Kriegsgefangenen durch den Ge-
wahrsamsstaat zu liefern. Ersatz und
Ausbesserung dieser Sachen müssen
ordnungsgemäß gewährleistet sein. Au-
ßerdem müssen die arbeitenden Kriegs-
gefangenen stets einen Arbeitsanzug er-
halten, wenn die Art der Arbeit dies nötig
macht.
In allen Lagern sind Verkaufsräume ein-
zurichten, in denen sich die Gefangenen
Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände
zu ortsüblichen Preisen kaufen können.
Die durch die Verkaufsräume für die
Lagerverwaltung erzielten Überschüsse
sind zugunsten der Gefangenen zu ver-
wenden.

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S. 31 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 2: Erinnerungsbericht
von Pimenova
:
Frau Pimenova war Kriegsgefangene und arbeitete als Ärztin
im Lazarett des Kriegsgefangenenlagers in Zeithain.
Materialien für
Gruppe 2:
Lebens- und
Ernährungsbedingungen
:
Der Erinnerungsbericht wurde durch die Gedenkstätte
Ehrenhain-Zeithain zur Verfügung gestellt.

S. 32 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 3: Auszug aus dem Verhör
Paul Konitzer von 1946
:
.
Frage:
Der Untersuchung ist bekannt, dass viele sowjetische Kriegsgefangene nicht nur infolge
der Ruhr- und Typhusepidemien starben, sondern auch an Auszehrung und Krankheiten, die
durch die unerträglichen Lebensumstände in diesem Lager hervorgerufen worden waren. Berich-
ten Sie über diese Bedingungen!
Antwort:
Zu Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion erließ das Oberkommando der deut-
schen Streitkräfte den Befehl, den sowjetischen Kriegsgefangenen schlechtere Bedingungen als
Kriegsgefangenen aus anderen Ländern zu gewähren.
Dieser Befehl wurde damit begründet, dass die Kriegshandlungen gegen die UdSSR nicht auf
regulärem Wege aufgenommen worden waren, sondern ohne Kriegserklärung. Deshalb könne
man sowjetische Kriegsgefangene auch nicht als reguläre Kriegsgefangene betrachten und
denen anderer Länder gleichstellen. Darüber hinaus wurde darauf hingewiesen, dass die Sowjet-
union die internationalen Vereinbarungen über den Umgang mit Kriegsgefangenen nicht unter-
zeichnet hätte, so dass sich die in diesen Konventionen vereinbarten Regeln nicht auf ihre Kriegs-
gefangenen erstreckten. Dieser verbrecherische Befehl von Hitlers Oberkommando bildete in der
Folgezeit die Grundlage für den Umgang mit sowjetischen Kriegsgefangenen. Demnach wurden
für sowjetische Kriegsgefangene die niedrigsten Verpflegungsnormen festgesetzt und sie erhiel-
ten die qualitativ schlechtesten Nahrungsmittel. Das für sie bestimmte Brot zum Beispiel wurde
unter Beimengung von Roten Rüben, Rübenlaub und Strohmehl gebacken. Von diesem Brot
häuften sich Durchfallerkrankungen, was mir die Lagerärzte von Zeithain bestätigten.
Im Vergleich zu anderen Lagern des Wehrkreises IV waren die sowjetischen Kriegsgefangenen in
Zeithain den denkbar schlechtesten Bedingungen ausgesetzt. Bis weit in den Herbst 1941 hinein
mussten sie unter freiem Himmel auf dem mit Stacheldraht umzäunten Lagerplatz kampieren, im
Winter kamen sie dann in halbfertige Baracken.
Die Ernährung war, wie ich bereits gesagt habe, sehr schlecht, sowohl im Hinblick auf die Ratio-
nen als auch auf die Qualität der Lebensmittel. Die hygienischen Verhältnisse im Lager waren bis
zum Frühjahr 1942 ausgesprochen unzulänglich. Das alles führte zu Auszehrung und Krank-
heiten unter den sowjetischen Kriegsgefangenen, die bereits in sehr erschöpftem Zustand oder
gar krank ins Lager kamen, da sie zusammengepfercht in engen Waggons ohne Nahrung und
medizinische Betreuung transportiert wurden.
Paul Konitzer war beratender Hygienearzt im Kriegsgefangenenlager
in Zeithain
Materialien für
Gruppe 2:
Lebens- und
Ernährungsbedingungen
:
Das Verhörprotokoll kann im Buch „Zeithain – Gedenkbuch
sowjetischer Kriegsgefangener“ (2005) der Stiftung
Sächsische Gedenkstätten nachgelesen werden.

S. 33 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 4: Aus dem Erinnerungsbericht
des Wachoffiziers Otto K.
.
„[…] Mein Dienst bestand anfangs in Kontrollfahrten durch das Gefangenenlager mit Hptm. U.
zusammen oder allein, im Wachdienst, in der Mannschaftsausbildung, Stellvertretung des Kom-
panieführers, später als Leiter von Unteroffizierslehrgängen. Die nächtlichen Kontrollen der sämt-
lichen Wachposten rings um das Gefangenenlager am Stacheldrahtzaun mit den maschinenge-
wehrbesetzten Wachtürmen entlang und mitten durch die endlosen Barackenstraßen hatte etwas
ebenso Schauerliches wie auch Romantisches an sich, besonders in kalten, mondbeglänzten
Winternächten. Aus den ungeheizten Baracken drangen gruselerregende Geräusche heraus,
ähnlich dem Grollen eines unterirdischen Vulkans oder dem hungrigen Knurren unbändiger Raub-
tiere. Kein Wunder: diese verhungernden und erfrierenden ‘‘Untermenschen‘‘ kämpften gegen
den Erfrierungstod durch dauernde Bewegung, dabei aber dem Tod durch Entkräftung umso
mehr in die Hände arbeitend, da sie am Tage bei einer Suppe aus verfaulenden Kohlrüben mit
5 g Fett – an dem sich zudem die Wachmannschaften bereicherten – schwer arbeiten mussten!
Und zu diesem infernalischen Elend von Hunderttausenden unschuldigen und unglücklichen
Menschen leuchteten Mond und Sterne hell und kalt in ungerührter Pracht dieser Winternächte
herab auf einen nachdenklichen kleinen Leutnant der ‘‘großdeutschen‘‘ Wehrmacht, […]
Jeden Tag sah ich die endlos langen Kolonnen ihre Lasten schleppen, sah zusammenbrechende
und beiseite Gestoßene, […] Ich sah einzelne an den Abfallhaufen der Lagerküchen stinkende
Speisereste aufklauben und gierig verzehren.“
Otto K. war Wachoffizier im Kriegsgefangenenlager in Zeithain und
als Angehöriger des Wachdienstes zum Ordnungsdienst eingeteilt.
Materialien für
Gruppe 2:
Lebens- und
Ernährungsbedingungen
:
Der Erinnerungsbericht wurde durch die Gedenkstätte
Ehrenhain-Zeithain zur Verfügung gestellt.

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S. 34 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 5: Bilder aus dem
Kriegsgefangenenlager Zeithain
:
Kriegsgefangenenlager Zeithain
Bild 11: Kriegsgefangene im Lager Zeithain
:
Bild 12: Kriegsgefangene im Lager Zeithain
:
Bild 13: Kriegsgefangene und Soldaten im Lager Zeithain
:
Materialien für
Gruppe 2:
Lebens- und
Ernährungsbedingungen
:

S. 35 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Lebensmittel
:
Wöchentliche Ration für
sowjetische Kriegsgefangene
:
Tägliche Ration für
sowjetische Kriegsgefangene
:
Fleisch
:
200 g
ramm:
Fett
:
130 g
ramm:
Getreidenährmittel
:
81 g
ramm:
Teigwaren
:
44 g
ramm:
Kartoffelstärkeerzeugnisse
:
25 g
ramm:
Zucker
:
110 g
ramm:
Brot
:
2600 g
ramm:
Tee-Ersatz
:
14 g
ramm:
Kartoffeln
:
5000 g
ramm:
Käse
:
Quark
:
Kaffee-Ersatz und Zusatzmittel
:
Marmelade
:
M 6: Verpflegung im
Zweiten Weltkrieg
:
Tabelle1:VerpflegungfürsowjetischeKriegsgefangene(1943)
:
Zeitpunkt
:
Brot
:
Fleisch
:
Fett
:
September 1939
:
2400 g
ramm:
500 g
ramm:
270 g
ramm:
April 1942
:
2000 g
ramm:
300 g
ramm:
206 g
ramm:
Juni 1943
:
2325 g
ramm:
250 g
ramm:
218 g
ramm:
Oktober 1944
:
2225 g
ramm:
250 g
ramm:
218 g
ramm:
März 1945
:
1778 g
ramm:
222 g
ramm:
109 g
ramm:
Tabelle 2: Wöchentliche Rationen der Zivilbevölkerung (Kategorie „Normalverbraucher“,
z. B. Angestellte)
:
Berechne die tägliche Ration und notiere die Angaben in die entsprechenden Felder.
Materialien für
Gruppe 2:
Lebens- und
Ernährungsbedingungen
:

S. 36 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Lebens­ und Ernährungsbedingungen
sowjetischer Kriegsgefangener
:
Epidemie
auch Seuche genannt, ist die zeitliche und örtliche starke Häufung
einer Krankheit
:
Hptm.
Hauptmann,einOffiziersdienstgrad
:
infernalisch
höllisch,teuflisch
:
regulär
üblich
:
Ruhr
Infektionskrankheit, die durch Bakterien hervorgerufen wird,
gekennzeichnet durch hohes Fieber, unbehandelt kann die Krankheit
zum Tode führen
:
Typhus
schwere Infektionskrankheit, die durch verseuchtes Trinkwasser und
Nahrungsmittel übertragen wird
:
„Untermenschen“
Begriff aus dem Sprachgebrauch der Nationalsozialisten. In der Ideologie
des Nationalsozialismus wurden den so bezeichneten Menschen das Recht
auf das Menschsein abgesprochen.
UdSSR
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (1922–1991)
:
Wehrkreis
bestimmtes militärisches Gebiet
:
Materialien für
Gruppe 2:
Lebens- und
Ernährungsbedingungen
:

S. 37 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Materialien für
Gruppe 3:
medizinische Versorgung
:
Aufgabenstellung
:
Erarbeitet anhand der Materialien, wie die medizinische Versorgung der sowjetischen Kriegsgefangenen im
Lager Zeithain war. Beurteilt, ob diese mit den Artikeln im „Kodifizierten internationalen Deutschen Kriegsrecht“
übereinstimmte.
Präsentiert eure Ergebnisse den anderen Gruppen.
Notiert die Ergebnisse aus allen Gruppen im Arbeitsblatt: „Zusammenfassung der Gruppenarbeit“.
Arbeit in der Gruppe:
1.
Sichtet das Material und besprecht gemeinsam alle Arbeitsschritte.
2.
Wählt aus eurer Gruppe ein Mitglied aus, das ihr für besonders geeignet haltet, sich mit
dem anspruchsvollen Material „Kodifiziertes internationales Deutsches Kriegsrecht“
auseinanderzusetzen.
3.
Verteilt die weiteren bereitgestellten Materialien. Lest die Texte
und betrachtet die Bilder. Nutzt dazu das Glossar.
4.
Jeder notiert die Fakten zu der medizinischen Versorgung der
sowjetischen Kriegsgefangenen aus den Texten in sein jeweili-
ges Placemat-Feld.
5.
Tauscht euch zu euren Ergebnissen aus. Notiert zentrale Aus-
sagen aller Gruppenmitglieder im Placemat-Mittelfeld.
6.
DerExpertedesRechtsstelltnunseineNotizenvor.
7.
Beurteilt, ob die medizinische Versorgung der Kriegsgefange-
nen im Lager Zeithain mit den Artikeln im „Kodifizierten inter-
nationalen Deutschen Kriegsrecht“ übereinstimmte.
Vorstellung und Zusammenfassung der Ergebnisse in der Klasse
:
1.
JedeGruppe stelltihreErgebnissevorundbegründetihrUrteil.EsbeginntderExpertedesRechts.
2.
Notiert im Arbeitsblatt Zusammenfassung der Gruppenarbeit die Auswirkungen auf die Kriegsgefangenen.
Aufgaben für das Gruppenmitglied
Experte des Rechts
:
1.
Liesdie
Ausschnittedes„Kodifizierten
internationalen Deutschen Kriegsrechts“.
Nutze dazu das Glossar.
2.
Notiere, welche Aussagen zu
der medizi­
nischen Versorgung
getroffen werden.
3.
Höre dir die Ergebnisse der anderen
Gruppenmitglieder an.
Medizinische Versorgung
sowjetischer Kriegsgefangener
:

S. 38 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Medizinische Versorgung
sowjetischer Kriegsgefangener
:
Experte des Rechts
:
M 1:
Auszügeausdem„KodifizierteninternationalenDeutschenKriegsrecht“
Weitere Gruppenmitglieder
:
M 2
: Bericht von Schwester Zeme über die medizinische Versorgung
:
M 3:
Auszug aus einem Brief von Anna Jakowlewitsch Markson vom 08.04.1944
aus dem Lager 304 in Zeithain
:
Zusätzliches Material
:
M 4:
KurzbiografieSchwesterZeme
:
M 5:
Kurzbiografie AnnaJakowlewitschMarkson
:
Materialien für
Gruppe 3:
medizinische Versorgung
:

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S. 39 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Kodifiziertes internationales
Deutsches Kriegsrecht
in seinem Wortlaut und Geltungsbereich
gegenüber dem Ausland
1937
M 1: Auszüge aus dem
„Kodifizierten internationalen
Deutschen Kriegsrecht“
Materialien für
Gruppe 3:
medizinische Versorgung
:
Erstes Kapitel
Einrichtung der Lager
Artikel 10
Die Kriegsgefangenen sind in Häusern
oder Bracken unterzubringen, die jede
mögliche Gewähr für Reinlichkeit und
Zuträglichkeit bieten.
Dittes Kapitel
Gesundheitspflege in den Lagern
Artikel 18
Die Kriegsführenden sind verpflichtet,
alle nötigen Hygienemaßnahmen zu tref-
fen, um die Reinlichkeit und Zuträg-
lichkeit der Lager zu gewährleisten und
Massenerkrankungen vorzubeugen. Den
Kriegsgefangenen haben tags und nachts
Bedürfnisanstalten zur Verfügung zu
stehen, die den Vorschriften der Gesund-
heitspflege entsprechen und dauernd sau-
ber zu halten sind.
Außerdem und unbeschadet der Benut-
zung der Bäder und Brausen, mit denen
die Lager soweit als möglich zu versehen
sind, ist den Kriegsgefangenen zur Rein-
haltung ihres Körpers eine ausreichende
Menge Wasser zur Verfügung zu stellen.
Die Kriegsgefangenen müssen Gelegen-
heit zu körperlichen Übungen und zum
Aufenthalt in frischer Luft erhalten.
Artikel 14
Jedes Lager hat eine Krankenstube, in
der den Kriegsgefangenen jede Art Pfle-
ge zuteilwird, deren sie bedürfen. Erfor-
derlichenfalls sind Absonderungsräume
zur Aufnahme Kranker mit ansteckenden
Krankheiten bereitzuhalten. Die Kosten
der Behandlung, einschließlich derjenigen
für die vorläufigen künstlichen Ersatzglie-
der, fallen dem Gewahrsamsstaat zur Last.
Die Kriegführenden sind verpflichtet, je-
dem behandelten Gefangenen auf Verlan-
gen eine amtliche Bescheinigung auszu-
händigen, auf der Art und Dauer seiner
Krankheit sowie die empfangene Behand-
lung verzeichnet ist.
Den Kriegführenden steht frei, durch
besondere Vereinbarungen sich gegensei-
tig zu ermächtigen, Ärzte und Kranken-
wärter zur Pflege ihrer kriegsgefangenen
Landsleute in den Lagern zurückzube-
halten.
Schwer erkrankte oder solche Gefan-
gene, deren Zustand einen erheblichen
chirurgischen Eingriff nötig macht, müs-
sen auf Kosten des Gewahrsamsstaates in
jedem Militärlazarett oder Zivilkranken-
haus Aufnahme finden, das zu ihrer Be-
handlung geeignet erscheint.
Artikel 15
Ärztliche Untersuchungen der Kriegs-
gefangenen sind mindestens einmal mo-
natlich einzurichten. Sie dienen dazu, den
allgemeinen Gesundheits- und Reinlich-
keitszustand zu prüfen sowie anstecken-
de Krankheiten, namentlich Tuberkulo-
se und Geschlechtskrankheiten, ausfindig
zu machen.
Die Räume müssen vollständig vor
Feuchtigkeit geschützt, genügend geheizt
und beleuchtet sein. Gegen Feuergefahr
müssen alle Vorsichtsmaßnahmen getrof-
fen werden.
Für die Beschaffenheit der Schlafräume
(Gesamtfläche; Mindestluftraum; Einrich-
tung und Gerät der Schlafstellen) gelten
dieselben Bestimmungen wie für die Er-
satztruppen des Gewahrsamsstaates.

S. 40 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 2: Bericht von Schwester Zeme
über die medizinische Versorgung
:
Bericht von Schwester Zeme
:
Frau Zeme war Kriegsgefangene und arbeitete als Krankenschwester im Lazarett des Kriegs-
gefangenenlagers in Zeithain.
Schwester Zeme gibt folgendes Zeugnis ab: „Sowohl in unserem als auch im russischen Lager
war der Operationssaal die übliche Baracke, ohne Stockbetten, dafür in der Mitte ein gewöhn-
licher Tisch, auf den der Patient gelegt wurde. Auf einem Pfosten befand sich zum Hände waschen
eine Büchse mit kaltem Wasser, die ein Soldat per Seilzug herunterließ, wenn eine Wäsche nötig
war. Das war nicht besonders hygienisch, aber es ging nicht anders. Für alles Nötige fand sich ein
Notbehelf; auch mir ist das passiert: Da es an Zangen fehlte, um mir die Zähne zu ziehen, wurden
gewöhnliche Zangen zum Nägel-Ausziehen ohne jedes Betäubungsmittel verwendet. Die Opera-
tion im russischen Lager am 8. April wurde von Prof. Pontrandolfi, assistiert von Dr. Curia, vorge-
nommen. Als Zuständige für das Hinreichen der Geräte habe ich mit den wenigen und wenig
wirkungs vollen Instrumenten ziemliche Kunststücke vollbracht; außerdem mußte ich noch die
Knochensplitter aufsammeln und mit Papierkompressen, die ständig kaputt gingen, das Blut tam-
ponieren. Am Ende habe ich einen langen Seufzer der Erleichterung ausgestoßen, ich war völlig
erschöpft, aber habe abgewartet, bis der Operierte wieder zu sich kam, bevor ich in unser Lager
zurückging.“
Materialien für
Gruppe 3:
medizinische Versorgung
:
Der Erinnerungsbericht wurde durch die Gedenkstätte
Ehrenhain-Zeithain zur Verfügung gestellt.

S. 41 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 3: Auszug aus dem Brief
von Anna Jakowlewitsch Markson
:
Auszug aus einem Brief
:
Frau Markson war Kriegsgefangene und arbeitete als Ärztin im Lazarett des Kriegs-
gefangenenlagers in Zeithain.
Liebe Kinder,
ich erhielt euren Brief und die Broschüre über das Lager 304 in Zeithain. Vielen Dank dafür.
Ich befand mich vom 17.10.41 bis zum März 1945 als Gefangene im Lager 304 in Zeithain.
Im März wurden alle weiblichen sowj. Kriegsgefangenen nach Hoyerswerda evakuiert, wo uns
frühere Kriegsgefangene des Lagers 304 in der Nacht vom 21.4. bis zum 22.4.1945 befreiten.
Im Lager 304 ertrug ich alle Qualen der Gefangenschaft, Erniedrigungen, Beleidigungen und des
Hungers. Aber den Mut habe ich nie sinken lassen. Die ganze Zeit arbeitete ich als Arzt – zuerst
als Chirurg, dann als Therapeut und von 1943 bis zum März 1945 als Röntgenologe (Meine
Spezialausbildung ist Röntgenologie und in die sowjetische Armee wurde ich als Röntgenologe
berufen).
Es war schwer, die Hungerkranken zu heilen, denen vor Hunger das Gesicht angeschwollen war.
Es gab ja keine Medizin in den Baracken. Für 75 Menschen gab man 20 Tabletten und 5 Ampullen
Glukose aus. Uns Ärzten blieb ein Mittel – das Wort: das heißt, „seine“ Kranken moralisch zu un-
terstützen und sie im Lazarett zu behalten, damit sie nicht in den Schächten und Betrieben von
Hitlerdeutschland arbeiten mussten …
Auszug wurde übersetzt von der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
:
Materialien für
Gruppe 3:
medizinische Versorgung
:
Der Erinnerungsbericht wurde durch die Gedenkstätte
Ehrenhain-Zeithain zur Verfügung gestellt.

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S. 42 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 4: Kurzbiografie Schwester Zeme
:
Maria Vittoria Zeme, 1916 – 2005
:
Maria Vittoria Zeme wurde am 29. August 1916 am Lago Mag-
giore ge boren. Ende der 1930er Jahre erlangte sie ihr Diplom
als freiwillige Schwester des Italienischen Roten Kreuzes
und wurde von April 1941 bis Mai 1943 im Lazarett Baveno
am Lago Maggiore eingesetzt. Im Mai 1943 wurde sie in das
Feldlazarett nach Athen versetzt, wo sie im September in
deutsche Kriegsgefangenschaft geriet.
Ende Oktober 1943 wurde Schwester Zeme zusammen mit
anderen italienischen Militärinternierten in das Kriegsgefan-
genen-Reservelazarett nach Zeithain transportiert, wo sie am
5. November 1943 ankam. Schwester Zeme hatte sich frei -
willig in die Internierung begeben, aus Sorge um die italieni-
schen Gefangenen.
Während der Gefangenschaft im Kriegsgefangenen-Reservelazarett Zeithain führte sie regel-
mäßig Tagebuch in einem kleinen Taschenkalender. Sie schilderte darin die Monate der Gefan-
genschaft mit allen Entbehrungen, dem Hunger und dem Leid, das sie umgab. Das Tagebuch gibt
dabei zum einen Einblick in ihre seelische Verfassung, berichtet aber auch von der Hilfsbereit-
schaft und dem freundschaftlichen Umgang der italienischen Gefangenen untereinander, trotz
des trostlosen Lageralltages.
Ihr angeschlagener Gesundheitszustand machte Anfang Juni 1944 die Repatriierung nach Italien
nötig. Zusammen mit anderen italienischen Rotkreuzschwestern verließ sie am 3. Juni 1944 per
Bahntransport das Lager in Zeithain und überquerte drei Tage später den Brenner nach Italien.
Aufgrund der in Zeithain erlittenen gesundheitlichen Schäden musste Schwester Zeme die fol-
genden zwei Jahre in einem Krankenhaus verbringen und wurde vom Italienischen Roten Kreuz
aufgrund ihrer Gesundheitsschäden als „Dienstinvalidin“ anerkannt. Sie erhielt zahlreiche Aus-
zeichnungen für ihren Einsatz und ihre Aufopferung für hilfsbedürftige Menschen.
Maria Vittoria Zeme verstarb am 26.03.2005.
Bild 14: Maria Vittoria Zeme
:
Materialien für
Gruppe 3:
medizinische Versorgung
:

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S. 43 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 5: Kurzbiografie
Anna Jakowlewitsch Markson
:
Bild 15: Anna Jakowlewitsch Markson
:
Frau Anna Jakowlewitsch Markson geriet als Ärztin der Roten Armee in deutsche Gefangen-
schaft. Sie befand sich vom 17.10.41 bis März 1945 in Zeithain und arbeitete als Chirurgin und
Röntgenärztin. Sie war Mitglied der kommunistischen Widerstandsorganisation und leitete die
Gruppe der Frauen.
Im Auftrag der Widerstandsorganisation verhinderte sie die „Aussonderung“ und Ermordung von
Juden, Politoffizieren und Mitgliedern der Widerstandsorganisation, indem sie ihnen durch das
Vertauschen der Personalkarten gegen die von bereits verstorbenen Mitgefangenen eine neue
Identität verschaffte. In der von ihr geführten Krankenbaracke wurde das Radio versteckt, mit dem
täglich Radio Moskau abgehört wurde. Anna Markson arbeitete nach dem Krieg als Ärztin in
Tjotkino, im Regierungsbezirk Kursk in Zentralrussland.
Anna Jakowlewitsch Markson, Ärztin
:
Materialien für
Gruppe 3:
medizinische Versorgung
:

S. 44 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Medizinische Versorgung
sowjetischer Kriegsgefangener
Bedürfnisanstalt
:
Räumlichkeiten, die zum Toilettengang und zur Körperhygiene dienen
:
Gewahrsamsstaat
:
ein kriegsführendes Land, welches Kriegsgefangene festhielt
:
Inspektorin
:
Bezeichnung für eine Person mit Aufsichts- und Kontrollfunktion
:
Internierung
:
in Haft nehmen
:
Repatriierung
:
Rückholung Kriegsgefangener ins Herkunftsland
:
Röntgenologe
:
Arzt, der auf die Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen spezialisiert ist
:
tamponieren
:
mit einem Watte- oder Mullbausch abtupfen oder zustopfen
:
Materialien für
Gruppe 3:
medizinische Versorgung
:

S. 45 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Materialien für
Gruppe 4:
Bestrafung
:
Bestrafungen sowjetischer
Kriegsgefangener
:
Aufgabenstellung
:
Erarbeitet anhand der Materialien, wie die Behandlung und Bestrafung der sowjetischen Kriegsgefangenen im
Lager Zeithain erfolgte. Beurteilt, ob diese mit den Artikeln im „Kodifizierten internationalen Deutschen Kriegs-
recht“ übereinstimmte.
Präsentiert eure Ergebnisse den anderen Gruppen.
Notiert die Ergebnisse aus allen Gruppen im Arbeitsblatt: „Zusammenfassung der Gruppenarbeit“.
Arbeit in der Gruppe:
1.
Sichtet das Material und besprecht gemeinsam alle Arbeitsschritte.
2.
Wählt aus eurer Gruppe ein Mitglied aus, das ihr für besonders geeignet haltet, sich mit
dem anspruchsvollen Material „Kodifiziertes internationales Deutsches Kriegsrecht“
auseinanderzusetzen.
3.
Verteilt die weiteren bereitgestellten Materialien. Lest die Texte
und betrachtet die Bilder. Nutzt dazu die gekennzeichneten Text-
auszüge und das Glossar.
4.
Jeder notiert die Fakten zu Bestrafungen der sowjetischen
Kriegsgefangenen in sein jeweiliges Placemat-Feld.
5.
Tauscht euch zu euren Ergebnissen aus. Notiert zentrale Aus-
sagen aller Gruppenmitglieder im Placemat-Mittelfeld.
6.
DerExpertedesRechtsstelltnunseineNotizenvor.
7.
Beurteilt, ob die Bestrafungen der Kriegs gefangenen im Lager
Zeithain mit den Artikeln im „Kodifizierten internationalen Deut-
schen Kriegsrecht“ übereinstimmten.
Vorstellung und Zusammenfassung der Ergebnisse in der Klasse
:
1.
JedeGruppe stelltihreErgebnissevorundbegründetihrUrteil.EsbeginntderExpertedesRechts.
2.
Notiert im Arbeitsblatt Zusammenfassung der Gruppenarbeit die Auswirkungen auf die Kriegsgefangenen.
Aufgaben für das Gruppenmitglied
Experte des Rechts
::
1.
Liesdie
Ausschnittedes„Kodifizierten
internationalen Deutschen Kriegsrechts“.
Nutze dazu das Glossar.
2.
Notiere, welche Aussagen zu
Bestrafungen
getroffen werden.
3.
Höre dir die Ergebnisse der anderen
Gruppenmitglieder an.

S. 46 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Bestrafungen sowjetischer
Kriegsgefangener
:
Experte des Rechts
:
M 1:
Auszügeausdem„KodifizierteninternationalenDeutschenKriegsrecht“
Weitere Gruppenmitglieder
:
M 2
: Auszug aus der Aussage von Georg Krämer
:
M 3:
Auszugausder AussagevonMax Treu
:
M 4:
Auszug aus der Aussage von Willy Kliebisch
:
Zusätzliches Material
:
M 5:
Auszug aus der Abschrift „Anordnung über die Behandlung sowj. Kr.Gef.
in allen Kriegsgefangenenlagern vom 08.09.1941“
Materialien für
Gruppe 4:
Bestrafung
:

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S. 47 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Kodifiziertes internationales
Deutsches Kriegsrecht
in seinem Wortlaut und Geltungsbereich
gegenüber dem Ausland
1937
M 1: Auszüge aus dem „Kodifizierten
internationalen Deutschen Kriegsrecht“
Materialien für
Gruppe 4:
Bestrafung
:
2. Disziplinarstrafen
Artikel 54
Der Arrest ist die strengste Disziplinar-
strafe, die über einen Kriegsgefangenen
verhängt werden kann.
Die Dauer einer und derselben Strafe
darf dreißig Tage nicht überschreiten.
Diese Höchststrafe von dreißig Tagen
darf auch dann nicht überschritten wer-
den, wenn ein Kriegsgefangener sich
gleichzeitig wegen mehrerer Handlun-
gen disziplinarisch zu verantworten hat,
gleichgültig, ob diese Handlungen in ei-
nem Zusammenhang stehen oder nicht.
Wenn im Lauf oder nach der Verbü-
ßung einer Arreststrafe erneut eine Dis-
ziplinarstrafe über einem Kriegsgefan-
genen verhängt wird, hat zwischen jeder
Vollstreckung ein Zeitraum von drei Ta-
gen zu liegen, sobald eine der Arreststra-
fen zehn Tage oder mehr beträgt.
Artikel 56
In keinem Fall dürfen Kriegsgefangene
zur Verbüßung von Disziplinarstrafen
in Strafanstalten (Gefängnisse, Kerker,
Zuchthäuser usw.) verbracht werden.
Die Räume, in denen Disziplinarstrafen
verbüßt werden, müssen gesundheitlich
einwandfrei sein.
Den die Strafe verbüßenden Gefangenen
muss ermöglicht werden, sich sauber zu
halten.
Die Gefangenen erhalten täglich Gele-
genheit, sich zu bewegen und mindestens
zwei Stunden im Freien aufzuhalten.
Artikel 50
Entwichene Kriegsgefangene, die wieder
ergriffen werden, bevor sie ihr Heer errei-
chen oder das von dem Heer, das sie gefan-
gen genommen hat, besetzte Gebiet ver-
lassen konnten, dürfen nur disziplinarisch
bestraft werden.
Kriegsgefangene, die wieder gefangen
genommen werden, nachdem sie ihr Heer
erreich oder das von dem Heer, das sie ge-
fangen genommen hat, besetzte Gebiet ver-
lassen hatten, dürfen wegen der früheren
Flucht nicht bestraft werden.
Artikel 2
Die Kriegsgefangenen unterstehen der
Gewalt der feindlichen Macht, aber nicht
der Gewalt der Personen oder Truppen-
teile, die sie gefangen genommen haben.
Sie müssen jederzeit mit Menschlichkeit
behandelt und insbesondere gegen Ge-
walttätigkeiten, Beleidigungen und öf-
fentliche Neugier geschützt werden. Ver-
geltungsmaßnahmen an ihnen auszuüben
ist verboten.
Artikel 3
Die Kriegsgefangenen haben Anspruch
auf Achtung ihrer Person und ihrer Ehre.
Frauen sind mit aller ihrem Geschlecht
geschuldeten Rücksicht zu behandeln.
Die Gefangenen behalten ihre volle bür-
gerliche Rechtsfähigkeit.
Artikel 46
Die Kriegsgefangenen dürfen durch
die Militärbehörden und die Gerichte
des Gewahrsamsstaats nicht mit anderen
Strafen belegt werden als mit den
jenigen,
die für die gleichen Vergehen gegenüber
den Militärpersonen des Heeres des Ge-
wahrsamsstaats vorgesehen sind. Kriegs-
gefangene Offiziere, Unteroffiziere oder
Mannschaften sind bei Verbüßung einer
Disziplinarstrafe keiner ungünstigeren
Behandlung zu unterwerfen, als sie bei
gleichem Dienstgrad hinsichtlich der-
selben Strafen in dem Heer des Gewahr-
samsstaates vorgesehen sind. Verboten
sind körperliche Strafen jeder Art, jede
Einsperrung in nicht vom Tageslicht er-
hellte Räume und überhaupt jede Art von
Grausamkeit.
Ebenso sind Kollektivstrafen für Ver-
gehen einzelner untersagt.

S. 48 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 2: Auszug aus der Aussage
von Georg Krämer
:
Dadurch, dass das Lager überfüllt war, herrschten dort chaotische Zustände. Von den Gefangenen starben
sehr viele an Unterernährung und später an Fleckfieber. Meiner Schätzung nach waren es anfangs 20 Tote
pro Tag, dieses steigerte sich über 60 bis auf ca. 200 Tote täglich. Die Toten wurden alle in Massengräbern
untergebracht. Wenn mir in diesem Zusammenhang die Lichtbilder aus der Hülle 95 vorgelegt werden, so
erkenne ich auf dem einen Bild, auf welchen sich drei Offiziere befinden, im Hintergrund neben der Baracke
zwei der von mir erwähnten Massengräber. Auf einem anderen Bild, welches nebeneinanderliegende tote
Gefangene zeigt, nehme ich an, dass es sich ebenfalls um eine Aufnahme aus Zeithain handelt. Ich kann
mich noch entsinnen, als im Herbst 1941 der starke Frost einsetzte, dass die Toten in dem Wäldchen liegen-
blieben, bis ein Massengrab ausgehoben werden konnte. Ich weiß auch, dass verschiedene Kameraden,
obwohldiesverbotenwar,innerhalbdesLagersfotografierten.
Ich möchte noch erwähnen, dass es während meines Aufenthaltes in Zeithain noch keine Loren zum
Abtransport der Toten gab. Da ich zu dem Kommando gehörte, weiß ich nur, dass uns für den Abtransport
lediglich ein alter LKW zur Verfügung stand.
Ich weiß auch noch, dass während meiner Zeit Misshandlungen durch das Aufsichtspersonal an der Tages-
ordnung war. Ich weiß von Schlägen mit Schemelbeinen usw. Weiter entsinne ich mich, dass unter der Lei-
tung des Feldwebels Willy Gabler in einer Ecke des Lagers ein Stacheldrahtkäfig errichtet wurde, in welchem
Gefangene, die sich kleinerer Vergehen zuschulden kommenlassen hatten, selbst bei strengem Frost völlig
entkleidet untergebracht wurden. Ich war auch noch zugegen, als ein Oberstleutnant in das Lager kam und
die Gefangenen in dem Stacheldrahtkäfig sah, dieser unheimlich Krach schlug und jeden Soldaten, der sich
an Misshandlungen von Gefangenen beteiligte, strengste Strafen androhte. Danach hörten diese dann auf.
Aus eigenem Erleben ist mir über Erschießungen im Lager nichts bekannt geworden.
Aussage von Georg Krämer
:
Georg Krämer war ein Soldat der Wachmannschaft im Kriegsgefangenenlager in Zeithain.
In der Wohnung aufgesucht, erscheint der Landwirt Georg Krämer, geb. 21.9.1897 in Bergen (Donau), Zell Nr.36,
Landkreis Neuburg / Donau, mit dem Gegenstand der Vernehmung vertraut gemacht, sagt er zur Sache folgen-
des aus:
„Mir ist eröffnet worden, dass ich in dem Verfahren der STA. Göttingen Justizsache 751/66 gegen Uhlenhaupt
als Zeuge vernommen werden soll.“
Über mein Zeugnisverweigerungsrecht bin ich belehrt worden. Mir wurde auch gesagt, dass ich solche Fragen,
die mich oder meine Angehörigen belasten könnten, nicht beantworten brauch. Mit dem Beschuldigten bin ich
nicht verwandt oder verschwägert.
Ich will aussagen.
Von Anfang September bis 1.12.1941 war ich im Stalag 304, Zweiglager IV in Zeithain. Am 1.12.1941 erkrankte
ich an Fleckfieber und kam ins Lazarett nach Radebeul bei Dresden. Nach meiner Genesung kam ich nicht wie-
derindasLagerzurück,sondernzumeinerStammeinheitnachBrüx.
Im Lager Zeithain war ich innerhalb des Russenlagers zum Ordnungsdienst eingesetzt. Mit der Bewachung
hatte ich nichts zu tun. Unsere Hauptaufgabe bestand darin, dass wir für die allgemeine Ordnung im Lager
verantwortlich waren, die Essensausgabe überwachten, die Zählapelle durchführten und die verstorbenen Ge-
fangenen abtransportierten.
Materialien für
Gruppe 4:
Bestrafung
:
NLA Hannover (Niedersächsisches Landesarchiv,
Abteilung Hannover) Nds. 721 Göttingen Acc. 103/87 Nr. 14

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S. 49 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 3: Auszug aus der Aussage
von Max Treu
:
Max Treu war als Dolmetscher im Kriegsgefangenenlager
in Zeithain eingesetzt
:
Materialien für
Gruppe 4:
Bestrafung
:
NLA Hannover (Niedersächsisches Landesarchiv,
Abteilung Hannover) Nds. 721 Göttingen Acc. 103/87 Nr. 14

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S. 50 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 4: Auszug aus der Aussage
von Willy Kliebisch
:
Willy Kliebisch war ein Soldat der Wachmannschaft
des Kriegsgefangenenlagers in Zeithain
:
Materialien für
Gruppe 4:
Bestrafung
:
NLA Hannover (Niedersächsisches Landesarchiv,
Abteilung Hannover) Nds. 721 Göttingen Acc. 103/87 Nr. 14

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S. 51 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 5: „Anordnung über die Behandlung
sowj. Kr.Gef. in allen Kriegsgefange­
nenlagern vom 8.9.1941“ Auszug
:
Anordnung des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW)
:
Materialien für
Gruppe 4:
Bestrafung
:
Quelle: BArch (Bundesarchiv), Akte NS 6/336

S. 52 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Bestrafungen
sowjetischer Kriegsgefangener
:
Arrest
:
Beschlagnahme oder Haft
:
Bolschewismus
:
eine politische Ausrichtung des Kommunismus in der ehemaligen UdSSR
(1922 –1991, auch als Sowjetunion bezeichnet)
:
Bolschewist
:
Der Begriff „Bolschewist“ wurde propagandistisch als stark abwertende
Bezeichnung für alle dem Kommunismus nahestehenden Menschen
verwendet
:
bürgerliche
Rechtsfähigkeit
derBürgerist TrägervonRechtenundPflichten
:
Exekution
:
Vollstreckung eines Urteils, Hinrichtung
:
Fleckfieber
:
Infektionskrankheit, die durch Läuse, Milben, Flöhe, Zecken übertragen wird
:
Gewahrsamsstaat
:
ein kriegsführendes Land, welches Kriegsgefangene festhielt
:
Kr.­gf
.
:
Kriegsgefangene
:
Lore
:
offener Eisenbahngüterwagen, Feldbahnwagen
:
STA
:
Staatsanwaltschaft
:
Stalag
:
Stammlager, eine Bezeichnung im 1. und 2. Weltkrieg für größere
Kriegsgefangenenlager, in denen die Kriegsgefangenen registriert und
auf Arbeitskommandos verteilt wurden
:
sowj. Kr. Gef.
:
sowjetische Kriegsgefangene
:
Tortur
:
Folter, Qual
:
Uffz
.
:
Unteroffizier
:
Materialien für
Gruppe 4:
Bestrafung
:

S. 53 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Aufgabenstellung
:
Erarbeitet anhand der Materialien, welche Funktion Hermann Reinecke im NS-Staat hatte. Positioniert Euch zu
den Taten von Hermann Reinecke im Hinblick auf die rechtlichen Bestimmungen.
Präsentiert eure Ergebnisse den anderen Gruppen.
Notiert die Ergebnisse aus allen Gruppen im Arbeitsblatt: „Zusammenfassung der Gruppenarbeit“.
Arbeit in der Gruppe:
1.
Sichtet das Material und besprecht gemeinsam alle Arbeitsschritte.
2.
Wählt aus eurer Gruppe zwei Mitglieder aus, die ihr für besonders geeignet haltet, sich
mit den anspruchsvollen Materialien „Prozess Oberkommando der Wehrmacht“ und
„Auszug aus dem Statut für den intern. Militärgerichtshof“ auseinanderzusetzen.
3.
Verteilt die weiteren bereitgestellten Materialien. Lest die Texte
und betrachtet die Bilder. Nutzt dazu das Glossar.
4.
Jeder notiert die Fakten zum Täter Hermann Reinecke und den
von ihm befohlenen Umgang mit den sowjetischen Kriegsgefan-
genen in sein jeweiliges Placemat-Feld.
5.
Tauscht euch zu euren Ergebnissen aus. Notiert zentrale Aus-
sagen aller Gruppenmitglieder im Placemat-Mittelfeld.
6.
DieExperten desRechtsstellennunihreNotizenvor.
7.
Positioniert Euch zu den Taten von Hermann Reinecke im
Hinblick auf die rechtlichen Bestimmungen.
Vorstellung und Zusammenfassung der Ergebnisse in der Klasse
:
1.
JedeGruppe stelltihreErgebnissevorundbegründetihrUrteil.EsbeginntderExpertedesRechts.
2.
Notiert im Arbeitsblatt Zusammenfassung der Gruppenarbeit die Auswirkungen auf die Kriegsgefangenen.
Aufgaben für das Gruppenmitglied
Experten des Rechts
:
1.
Lestdie
Texte„ProzessOberkommando
der Wehrmacht“ und „Auszug aus dem
Statut für den intern. Militärgerichtshof“.
Nutzt dazu das Glossar.
2.
Notiert Aussagen zu den Anklagen und
zum Prozess.
3.
Hört die Ergebnisse der anderen
Gruppenmitglieder an.
Hermann Reinecke – ein Täter
:
Materialien für
Gruppe 5:
Hermann Reinecke
:

S. 54 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Experte des Rechts
:
M 1:
Prozess Oberkommando der Wehrmacht, Fall 12 der Nürnberger Prozesse
:
M 2:
Auszug aus dem Statut für den Internationalen Militärgerichtshof vom 8. August 1945
:
Weitere Gruppenmitglieder
:
M 3
: Militärischer Werdegang von Hermann Reinecke
:
M 4:
Auszug aus den „Anordnungen für die Behandlung sowjetischer Kr. Gef.
in allen Kriegsgefangenenlagern“
Zusätzliches Material
:
M 5:
Bilder zu den Lebensbedingungen im Kriegsgefangenenlager Zeithain
:
M 6:
Haftkarteikarte von Hermann Reinecke
:
Hermann Reinecke – ein Täter
:
Materialien für
Gruppe 5:
Hermann Reinecke
:

S. 55 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 1: Prozess Oberkommando
der Wehrmacht,
Fall 12 der Nürnberger Prozesse
:
Die Anklage richtet sich gegen Verantwortliche des Deutschen Reiches
in der Zeit des Nationalsozialismus
:
Die Anklageschrift vom 28. November 1947 umfasste
:
1. Verbrechen gegen den Frieden und die Verletzung internationaler Verträge
:
2. Kriegsverbrechen durch Verantwortung für Tötung, schlechte Behandlung und andere Verbrechen gegen
Kriegsgefangene
:
3. Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch Ausführung oder Anordnung von Tötungen, Folter, Deportation,
Geiselnahme, Verschleppung zur Zwangsarbeit
:
4. gemeinsame Planung und Verschwörung zur Begehung solcher Taten.
Chefankläger war der amerikanische Brigadegeneral Telford Taylor.
Der Prozess
:
Im Mittelpunkt des Prozesses standen Kriegsver-
brechen und Verbrechen gegen die Menschlich-
keit, insbesondere die verbrecherischen Befehle
der Wehrmachtführung, ihre Weitergabe und Be-
folgung, die zu einer Vielzahl von ungeheuerlichen
Kriegsverbrechen geführt hatte. Einen Schwer-
punkt bildete der Kommissarbefehl von 1941, der
zur Ermordung politischer Kommissare der Roten
Armee führte, einen weiteren der Kommando-
befehl von 1942, bei dessen Befolgung Kriegs-
gefangene der alliierten Streitkräfte ermordet wur-
den, die an den Küsten im Westen und in Griechen-
land als Mitglieder von Kommandounternehmen
gekämpft hatten. Weitere Verhandlungsthemen
waren die millionenfachen Verbrechen gegen
Kriegsgefangene, hauptsächlich Soldaten der Ro-
ten Armee, und die verbrecherischen Maßnahmen
der Wehrmacht gegen Zivilisten in den besetzten
Gebieten, die in großer Zahl umgebracht oder in
die Zwangsarbeit verschleppt wurden.
Angeklagte und Urteile
:
Die Verurteilungen erfolgten wegen der Ausarbei-
tung von verbrecherischen Befehlen wie dem
Kommissarbefehl und dem Kommandobefehl, we-
gen Verbrechen an Kriegsgefangenen und Zivilis-
ten, wegen der Deportation von Zivilisten aus den
besetzten Ländern zur Zwangsarbeit sowie wegen
der Ermordung von Juden im Osten oder der Be-
teiligung daran.
Materialien für
Gruppe 5:
Hermann Reinecke
:

S. 56 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Liste der Angeklagten
:
Liste der Angeklagten im Prozess Oberkommando der Wehrmacht,
Fall 12 der Nürnberger Prozesse
:
Nr.
:
Dienstgrad
:
Name
:
Funktion
:
Geburts­
jahr
Strafmaß
1948
verbüßte
Strafe
1
:
Generaloberst Johannes
Blaskowitz
:
Oberbefehlshaber der Heeresgruppen
G und H
:
1883
:
Der Strafe entgangen
durch
Suizid am 5. Februar
1948
:
2
:
Generaloberst Karl-Adolf
Hollidt
:
Oberbefehlshaber der 6. Armee
:
1891
:
5 Jahre
Haft
:
1949
entlassen
:
3
:
Generaloberst Hermann
Hoth
Oberbefehlshaber der 4. Panzerarmee
1885
:
15 Jahre
Haft
1954
entlassen
4
:
Generalfeld-
marschall
Georg von
Küchler
Oberbefehlshaber der Heeresgruppe
Nord
1881
:
20 Jahre
Haft
1953
entlassen
5
:
Generalfeld-
marschall
Wilhelm
Ritter von
Leeb
Oberbefehlshaber der Heeresgruppe
Nord
1876
:
3 Jahre
Haft
verbüßt
6
:
Generalober-
stabsrichter
Rudolf
Lehmann
Chef der Rechtsabteilung des OKW
1890
:
7 Jahre
Haft
1950
entlassen
7
:
Generalfeld­
marschall
Hermann
Reinecke
Chef des NS­Führungsstabes
im OKW, Leiter des Allgemeinen
Wehrmachtamtes
1888
:
lebens­
längliche
Haft
1954
entlassen
8
:
Generaloberst Georg-Hans
Reihardt
Oberbefehlshaber der Heeresgruppe
Mitte
1887
::
15 Jahre
Haft
1952
entlassen
9
:
General der
Infanterie
Karl von
Roques
Befehlshaber des Rückwärtigen
Heeresgebietes der Heeresgruppen
Süd und A
1880
::
20 Jahre
Haft
1949
verstorben
10
:
Generaloberst Hans von
Salmuth
Oberbefehlshaber der 15. Armee
1888
:
20 Jahre
Haft
1953
entlassen
11
:
General-
admiral
:
Otto
Schniewind
Flottenchef und Chef des Marine-
gruppenkommandos Nord
1887
:
Freispruch
12
:
Generalfeld-
marschall
:
Hugo
Sperrle
OberbefehlshaberderLuftflotte3
1885
:
Freispruch
13
:
General der
Artillerie
:
Walter
Warlimont
Stellvertretender Chef des
Wehrmachtführungsstabes
1894
:
lebens-
längliche
Haft
1954
entlassen
14
:
General der
Infanterie
:
Otto Wöhler Oberbefehlshaber der Heeresgruppe
Süd
1894
:
8 Jahre
Haft
1951
entlassen
Materialien für
Gruppe 5:
Hermann Reinecke
:

S. 57 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 2: Auszug aus dem Statut für
den Internationalen Militärgerichtshof
vom 8. August 1945
:
II. Zuständigkeit und allgemeine Grundsätze
:
Artikel 6
:
Der durch das in Artikel 1 genannte Abkommen eingesetzte Gerichtshof zur Aburteilung der
Hauptkriegsver
brecher der europäischen Achse angehörenden Staaten hat das Recht, alle
Personen abzuurteilen, die im
Interesse der europäischen Achse angehörenden Staaten als
Einzelpersonen oder als Mitglieder einer
Organisation oder Gruppe eines der folgenden Ver
-
brechen begangen haben:
Die folgenden Handlungen, oder jede einzelne von ihnen, stellen Verbrechen dar, für deren Ab-
urteilung der Gerichtshof zuständig ist. Der Täter solcher Verbrechen ist persönlich verantwortlich:
(a) Verbrechen gegen den Frieden: Nämlich
Planen, Vorbereitung und Einleitung oder Durchführung eines Angriffskrieges oder eines Krieges
unter Verletzung internationaler Verträge, Abkommen oder Zusicherungen oder Beteiligungen an
einem gemeinsamen Plan oder an einer Verschwörung zur Ausführung einer der vorgenannten
Handlungen;
(b) Kriegsverbrechen: Nämlich
Verletzung der Kriegsgesetze oder -gebräuche.
Solche Verletzungen umfassen, ohne jedoch darauf beschränkt zu sein, Mord, Misshandlungen
oder Depor tation zur Sklavenarbeit oder für irgendeinen anderen Zweck, von Angehörigen der
Zivilbevölkerung von oder in besetzte Gebieten, Mord oder Misshandlungen von Kriegsgefange-
nen oder Personen auf hoher See, Töten von Geiseln, Plünderung öffentlichen oder privaten
Eigentums, die mutwillige Zerstörung von Städten, Märkten oder Dörfern oder jede durch militäri-
sche Notwendigkeit nicht gerechtfertigte Verwüstung …
Materialien für
Gruppe 5:
Hermann Reinecke
:

S. 58 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 3: Militärischer Werdegang
von Hermann Reinecke
:
HERMANN REINECKE
wurde 1888 in Wittenberg geboren. Als Sohn eines Oberstleutnants ver-
folgte er nach der Schule eine Karriere beim Militär.
Schon im Juli 1934 galt Hermann Reinecke als zuverlässiger Nationalsozialist. Reinecke wurde
bereits in dieser Frühphase des sogenannten Dritten Reichs ehrenamtlicher Richter am neuge-
schaffenen Volksgerichtshof, der für die Aburteilung politischer Straftaten im Nationalsozialismus
zuständig war.
Partei- und Führungstreu steigt er ins Oberkommando der Wehrmacht (OKW) auf und übernimmt
ab 1939 das Amt „Allgemeine Wehrmachtsamt“. Dort war er unter anderem für das Kriegsgefan-
genenwesen verantwortlich.
Im März 1941 rief er die Kommandeure der Kriegsgefangenen in den Wehrkreisen zusammen,
um sie im Hinblick auf den bevorstehenden Russlandfeldzug zu instruieren. Reinecke erteilte
Mitte 1941 einen Befehl zur Einrichtung neuer Lager im Reich, in denen ohne Beachtung der
Haager Landkriegsordnung sowjetische Kriegsgefangene „scharf zu behandeln“ und, wenn nicht
anders möglich, unter freiem Himmel unterzubringen seien. Bei einer weiteren Besprechung am
4. September 1941 in Warschau, wurden dort die Grundsätze für die schlechte Behandlung und
Versorgung von sowjetischen Kriegsgefangenen von Reinecke verkündet.
In dem vom 8. September 1941 datierten Befehl „Anordnungen für die Behandlung sowjetischer
Kr. Gef. in allen Kriegsgefangenenlagern“ von Hermann Reinecke heißt es, die sowjetischen Ge-
fangenen hätten „jeden Anspruch auf Behandlung als ehrenhafter Soldat [...] verloren“.
Am 17. Juli 1941 erließ Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamtes den Einsatz-
befehl Nr. 8 im Einvernehmen mit Hermann Reinecke, dem Chef des Allgemeinen Wehrmachts-
amtes, und dem Chef der Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht Oberst Breyer zur Umsetzung
des Kommissarbefehls. Es folgte am 27. Juli ein Einsatzbefehl Nr. 9, der das Reichsgebiet einbe-
zog. In jedem Kriegsgefangenenlager und Durchgangslager sollten die „in politisch, krimineller
oder sonstiger Hinsicht untragbare[n] Elemente“ durch ein Kommando von SS- und SD-Mitarbei-
tern herausgefiltert werden. Ausfindig gemacht werden sollten Funktionäre der Komintern, maß-
gebende Parteifunktionäre, Volkskommissare, alle ehemaligen Politkommissare der Roten Ar-
mee, Intelligenzler, Juden und fanatische Kommunisten sowie „unheilbar Kranke“. Diese sollten
vorübergehend in einem abgetrennten Block untergebracht und später zur Tötung abtransportiert
werden. (Siehe dazu Ausstellung in der Lagerbaracke „Aussonderung“)
Vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal wurde Reinecke, wegen Kriegsverbrechen und
Verbrechen gegen die Menschlichkeit am 27. Oktober 1948 zu lebenslanger Haft verurteilt. Er
musste sich verantworten für die Verletzung des Völkerrechts durch die Misshandlung und Ermor-
dung insbesondere sowjetischer Soldaten, zumal er die meisten Entscheidungen im Kriegsgefan-
genenwesen an sich gezogen hatte. Seine Haftstrafe verbüßte er bis 1954 in der Justizvollzugs-
anstalt Landsberg. Danach lebte er bis zu seinem Tod 1973 in Hamburg.
Materialien für
Gruppe 5:
Hermann Reinecke
:

image
S. 59 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 4: Auszug aus den „Anordnungen für
die Behandlung sowjetischer Kr. Gef.
in allen Kriegsgefangenenlagern“
Anordnung erteilt von Hermann Reinecke, Chef des Allgemeinen Wehrmachtsamtes
im Oberkommando der Wehrmacht (OKW)
:
Materialien für
Gruppe 5:
Hermann Reinecke
:
Textquelle:BArch(Bundesarchiv),
AkteNS6/336

image
image
image
S. 60 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 5: Bilder zu den Lebensbedingungen
im Kriegsgefangenenlager Zeithain
:
Kriegsgefangenenlager Zeithain
:
Bild 16: Kriegsgefangene im Lager Zeithain
:
Bild 17: Im Lager Zeithain
:
Bild 18: Kriegsgefangene und Soldaten im Lager Zeithain
:
Materialien für
Gruppe 5:
Hermann Reinecke
:

image
S. 61 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
M 6: Haftkarteikarte
von Hermann Reinecke
:
Bild 19: Haftkarteikarte Hermann Reineckes, angelegt 1945
:
Materialien für
Gruppe 5:
Hermann Reinecke
:

S. 62 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Glossar
:
Bolschewismus
:
eine politische Ausrichtung des Kommunismus in der ehemaligen UdSSR
(1922–1991, auch als Sowjetunion bezeichnet)
Bolschewist
:
der Begriff „Bolschewist“ wurde propagandistisch als stark abwertende
Bezeichnung für alle dem Kommunismus nahestehenden Menschen
verwendet
:
europäische Achse
:
Bezeichnung für das Militärbündnis zwischen dem Deutschen Reich und
Italien
:
Komintern
:
Kommunistische Internationale, internationaler Zusammenschluss kommu
-
nistischer Parteien
:
Kommandeur
:
Bezeichnung für eine militärische Führungsposition, der einen militärischen
Verband befehligt
:
Kommandobefehl
:
Mit dem Kommandobefehl erging am 18. Oktober 1942 die Weisung
Adolf Hitlers, Angehörige alliierter Kommandotrupps unverzüglich zu töten
oder dem Sicherheitsdienst des Reichsführers zu übergeben.
Kommandobefehl
:
stellte einen Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung und das Genfer
Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen von 1929 dar[2]
und wurde im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vom
Ankläger als Beweisstück für verübte Kriegsverbrechen angeführt.
Kommissarbefehl
:
Richtlinie der Nationalsozialisten für die Behandlung politischer Kommis
-
sare. Der Kommissarbefehl enthielt die Anweisung, Politkommissare der
Roten Armee nicht als Kriegsgefangene zu behandeln, sondern sie ohne
Verhandlung zu erschießen.
M. G. s
:
Maschinengewehre
:
Militärtribunal
:
ein Gericht aus Militärrichtern, urteilt über die Angehörigen des Militärs
:
Nachfolgeprozesse
:
Prozesse, die nach dem Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg geführt
wurden
:
OKW
:
Oberkommando der Wehrmacht
:
politisch
Unerwünschte“
unerwünscht waren alle Menschen, die nicht der Ideologie des
Nationalsozialismus folgten
:
Sabotage
:
absichtliche Störung eines wirtschaftlichen oder militärischen Ablaufs zur
Erreichung eines bestimmten Zieles
:
sowjet. Kr. Gef.
sowjetische Kriegsgefangene
:
Sicherheitspolizei
und SD
:
Die Sicherheitspolizei und der Sicherheitsdienst (SD) waren haupt verant-
wortlich für die Verfolgung politischer Gegner und die Planung und Durch-
führung des Holocausts.
Materialien für
Gruppe 5:
Hermann Reinecke
:

S. 63 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
SS
:
Schutzstaffel, war eine nationalistische Organisation und diente der NSDAP
(Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) und Adolf Hitler als Herr-
schafts- und Unterdrückungsinstrument, war für die Konzentrations- und
Vernichtungslagern sowie die Planung und die Durchführung des Holo-
causts (Völkermord an Juden) und anderer Völkermorde verantwortlich
:
SS­Kommandant
:
Lagerkommandant, war die oberste befehlende Dienststellung innerhalb
eines Konzentrationslagers der SS
:
Statut
:
Ein völkerrechtlicher Vertrag, der die Gründung und die Aufgaben einer
internationalen Organisation oder eines internationalen Gerichts festschreibt
Hiermit ist die Verfassung des Internationalen Militärgerichtshofes vom
08. August 1945 gemeint.
Materialien für
Gruppe 5:
Hermann Reinecke
:
Glossar
:

S. 64 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Zusammenfassung der Gruppenarbeit
:
Arbeitsblatt 2
:
ImKriegsgefangenenlagerZeithainwurdendieGenferKonventionunddasKodifizierteinternationaleDeutscheKriegsrecht
,
weil
Bestrafung
:
Sowjetische Kriegsgefangene im Lager Zeithain 1941 bis 1945
:
Medizinische Versorgung
:
Arbeitsbedingungen
:
Lebens­ und Ernährungsbedingungen
:
Täter Reinecke
:
Anklage wegen

S. 65 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Chronologie zur Entstehung der Menschenrechte
:
Informationsblatt
:
*dienachfolgende Aufstellungistnurexemplarischunderhebtkeinen
AnspruchaufVollständigkeit
Internationale Ebene
Europäische Ebene
Deutschland
1789: Erklärung der Men­
schen­ und Bürgerrechte
Frankreich
1776: Virginia Bill of Rights
1776: Amerikanische Unab­
hängigkeitserklärung
1864: Genfer
Konvention
1948: Allgemeine Erklärung
der Menschenrechte der UN
8. Mai 1945: offizielles Ende
des Zweiten Weltkrieges
1989: UN­Kinderrechts­
konvention
1979: UN­Frauenrechts­
konvention
1959: Gründung Europäischer
Gerichtshof für Menschenrechte
1950: Europäische
Menschenrechtskonvention
von Deutschland 1952 ratifiziert, in Deutschland
verbindlich (Rang eines Bundesgesetzes)
23. Mai 1949: Grundgesetz
gilt auch für Deutschland,
von Deutschland 1965
ratifiziert
von Deutschland unterzeichnet,
1990 ratifiziert und umgesetzt
27. Mai 1992: Sächsische Verfassung
1961: Europäische
Sozialcharta
1984: UN­Antifolter­
konvention
1966: Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und
kulturelle Rechte (Sozialpakt oder Pakt I)
1966: Internationaler Pakt über bürgerliche und politische
Rechte (Bürgerrechtspakt oder Pakt II)
2006: UN­Behinderten­
rechtskonvention
2000: Europäische
Grundrechtecharta
26. November 1987: Europäisches
Übereinkommen zur Verhütung von Folter
und unmenschlicher oder erniedrigender
Behandlung oder Strafe

S. 66 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Das Grundgesetz ist die
der Bundesrepublik Deutschland. Es regelt im
ersten Teil die
und in weiteren Teilen den Aufbau und die
des Staates. Die Grundrechte sind eingeteilt in
und
.
Jedermann-Grundrechte sind Rechte, die jedem
in der Bundesrepublik
Deutschland zustehen, unabhängig davon, ob er deutscher Staatsangehöriger ist oder nicht.
Beispiele sind die
des Menschen, das Recht auf
und körperliche
Unversehrtheit, das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, die
vor dem
Gesetz, die
und Gewissensfreiheit sowie die
.
Sie sind im Grundgesetz an der Formulierung wie „Jeder hat …“ erkennbar. Deutschen-Grund-
rechte sind die Rechte, die nur
zustehen, zum Beispiel das Recht sich zu
, das Recht, Gesellschaften und Vereine zu bilden, das Recht
,
Arbeitsplatz und
frei zu wählen. Sie sind an Formulierungen wie „Alle Deut-
schen haben …“ erkennbar. Im Grundgesetz sind auch die
der Grundrechte fest-
gelegt. Die Grundrechte schützen jeden einzelnen Menschen gegen Angriffe und Übergriffe der
. Sie schützen damit die Ordnung der Gemeinschaft aller Menschen in einem
Staat. Die Grundrechte binden die
, voll ziehende Gewalt und
.
Im Grundgesetz ist ebenfalls geregelt, dass ein Mensch, der durch die öffentliche Gewalt in
seinen Rechten
ist, die Möglichkeit hat, die Entscheidung eines
über seinen Fall herbeizuführen.
verletzt – Verfassung – Gerichts – Grundrechte – Rechtsprechung – Organisation –
Gesetzgebung – Jedermann­Grundrechte – Staatsgewalt – Schranken –
Deutschen­Grundrechte – Ausbildungsstätte – Menschen – Beruf – Würde –
versammeln – Leben – Deutschen – Meinungsfreiheit – Gleichheit – Glaubensfreiheit
Grundgesetz und Grundrechte
:
Arbeitsblatt 3
:

S. 67 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Material für
Lösung zum Arbeitsblatt
:
die Lehrkraft
:
Das Grundgesetz ist die
Verfassung
der Bundesrepublik Deutschland. Es regelt im ersten Teil die
Grundrechte und in weiteren Teilen den Aufbau und die Organisation des Staates. Die
Grundrechte sind eingeteilt in
Jedermann-Grundrechte und Deutschen-Grundrechte . Jedermann-
Grundrechte sind Rechte, die jedem Menschen in der Bundesrepublik Deutschland zustehen,
unabhängig davon, ob er deutscher Staatsangehöriger ist oder nicht. Beispiele sind die
Würde des
Menschen, das Recht auf
Leben
und körperliche Unversehrtheit, das Recht auf freie Entfaltung der
Persönlichkeit, die
Gleichheit
vor dem Gesetz, die
Glaubensfreiheit
und Gewissensfreiheit
sowie die
Meinungsfreiheit
. Sie sind im Grundgesetz an der Formulierung wie „Jeder hat …“ erkennbar.
Deutschen-Grundrechte sind die Rechte, die nur
Deutschen
zustehen, zum Beispiel das Recht
sich zu
versammeln , das Recht, Gesellschaften und Vereine zu bilden, das Recht
Beruf ,
Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Sie sind an Formulierungen wie „Alle Deutschen haben …“
erkennbar. Im Grundgesetz sind auch die Schranken der Grundrechte festgelegt. Die Grundrechte schützen
jeden einzelnen Menschen gegen Angriffe und Übergriffe der Staatsgewalt . Sie schützen damit die Ord-
nung der Gemeinschaft aller Menschen in einem Staat. Die Grundrechte binden die Gesetzgebung , voll-
ziehende Gewalt und Rechtsprechung . Im Grundgesetz ist ebenfalls geregelt, dass ein Mensch, der durch die
öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt ist, die Möglichkeit hat, die Entscheidung eines
Gerichts über seinen Fall herbeizuführen.

image
S. 68 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Arbeitsblatt 4
:
Syrien – Angriffe auf Krankenhäuser
:
Bild 20: Geografische Lage Syriens
Arbeitsauftrag
:
1.
Liesden Text.
2.
Markiereim TextdasVorgehendersyrischenStreitkräfte.
Sachverhalt:
Am 3. März 2015 meldet Amnesty International, dass im syrischen Bürgerkrieg die syrischen Streitkräfte des
Amtsinhabers Assad in den vergangenen drei Monaten gezielt Krankenhäuser in Aleppo angegriffen haben.
Aleppo war bei Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges 2012 die zweitgrößte Stadt Syriens mit ca. 2,5 Mio. Ein-
wohnern. Mit den Angriffen sollte den Bodentruppen Assads der Vormarsch auf Nord-Aleppo ermöglicht und die
zuvor von Aufständischen gehaltene Stadt zurückerobert bzw. besetzt werden. Bei mindestens sechs gezielten
Angriffen auf Krankenhäuser und Feldlazarette wurden mindestens 4 Personen getötet und 44 weitere Men-
schen verletzt. Amnesty International wertete die Angriffe als Teil einer umfassenden Strategie gezielter Bombar-
dements von Gesundheitseinrichtungen in ganz Syrien.
3.
Vergleiche das Vorgehen der syrischen Streitkräfte mit den Inhalten der Genfer Konvention (siehe Arbeits-
blatt: Das humanitäre Völkerrecht in Kürze).
4.
Bewerte das Vorgehen Assads im Hinblick auf die Einhaltung der Menschenrechte.
Menschenrechtsverletzungen
in der Gegenwart
:
SYRIEN

S. 69 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Amnesty International
:
internationale Organisation, die sich weltweit für Menschenrechte einsetzt
:
Amtsinhaber
:
Inhaber eines öffentlichen Amtes
:
Strategie
:
zielorientiertes ganzheitliches Vorgehen
:
Menschenrechtsverletzungen
in der Gegenwart
Arbeitsblatt 4
:

S. 70 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Material für
die Lehrkraft
:
Fall eines Kriegsverbrechens
:
I. Sachverhalt:
Am 3. März 2015 meldet Amnesty International, dass im syrischen Bürgerkrieg die syrischen Streitkräfte des
Amtsinhabers Assad in den vergangenen drei Monaten gezielt Krankenhäuser in Aleppo angegriffen haben.
Aleppo war bei Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges 2012 die zweitgrößte Stadt Syriens mit ca. 2,5 Mio. Ein-
wohnern. Mit den Angriffen sollte den Bodentruppen Assads der Vormarsch auf Nord-Aleppo ermöglicht und die
zuvor von Aufständischen gehaltene Stadt zurückerobert bzw. besetzt werden. Bei mindestens sechs gezielten
Angriffen auf Krankenhäuser und Feldlazarette wurden mindestens 4 Personen getötet und 44 weitere Men-
schen verletzt. Amnesty International wertete die Angriffe als Teil einer umfassenden Strategie gezielter Bom-
bardements von Gesundheitseinrichtungen in ganz Syrien.
I I. Juristische Einordnung:
Hier ist zwischen der völkerrechtlichen Verantwortlichkeit des Staates Syriens einerseits und der persönlichen
Strafbarkeit des Befehlshabers Assad andererseits zu unterscheiden:
• Die Rechte und
Pflichten der Staaten im Krieg
regelt das
humanitäre Völkerrecht
(= Kriegsvölkerrecht).
• Die
persönliche Verantwortlichkeit des Einzelnen für Kriegsverbrechen
oder Verbrechen gegen die
Menschlichkeit und die strafrechtliche Verfolgung für solche Verbrechen betrifft hingegen das Völkerstraf-
recht.
1. Humanitäres Völkerrecht
:
Bedeutung: Völkerrechtliche Regeln, die bei Führung eines Krieges von den Konfliktparteien beachtet werden
müssen (lat.: „ius in bello“ – Recht im Krieg).
Wichtigste geschriebene Rechtsquellen:
• Vier Genfer Konventionen von 1949
– GeltennurfürinternationalebewaffneteKonflikte(nicht:Bürgerkrieg)
Ausnahme: Absolute Verbote im humanitären Völkerrecht, jeweils in Art. 3 aller vier Konventionen
– Die vier Konventionen bezwecken die Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der bewaff-
neten Kräfte im Felde und auf See (Genfer Konventionen I und II) und regeln die Behandlung der Kriegs-
gefangenen (Genfer Konvention III) sowie den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten (Genfer Konven-
tion IV).
• Drei Zusatzprotokolle zu den Genfer Konventionen
– Hierbei ist insbesondere das Zweite Zusatzprotokoll von 1977 von Bedeutung, das den Schutz der Opfer
nichtinternationalerbewaffneterKonflikte(=Bürgerkriege)regelt.
• Völkerrechtliche Verträge über verbotene Mittel und Methoden der Kriegsführung, z. B. Übereinkommen über
das Verbot chemischer Waffen von 1993, Konvention zum Verbot von Anti-Personen-Minen von 1997
Ungeschriebene Rechtsquelle: Völkergewohnheitsrecht (Viele der Regeln der Genfer Konventionen von 1949
sind mittlerweile Völkergewohnheitsrecht, d.h. die Staaten müssen diese Regeln unabhängig davon beachten,
ob sie selbst die Genfer Konvention ratifiziert haben oder nicht. Für die Regelungen der Zusatzprotokolle gilt
dies nicht in gleicher Weise.)

S. 71 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Fall eines Kriegsverbrechens
:
Rechtsfolgen bei Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht für den Staat:
• Begrenzte Mittel der Durchsetzung (wie auch sonst im Völkerrecht)
• Prinzip der Gegenseitigkeit: Verstößt Staat A gegen humanitäres Völkerrecht, ist der andere an dem Konflikt
beteiligte Staat B dazu berechtigt, das humanitäre Völkerrecht in gewissen Grenzen dem Staat A gegenüber
nicht zu beachten.
• AllgemeineRegelnbeiVölkerrechtsverstößen:PflichtzumSchadensersatz
:
2. Völkerstrafrecht
:
Bedeutung: Völkerrechtliche Regeln, die die Bestrafung einzelner Personen für besonders schwere Verfehlun-
gen wie Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorsehen.
Geschichte: Durch internationale Gerichte wurden Einzelpersonen für Kriegsverbrechen erstmals durch die Tri-
bunale von Nürnberg und Tokio nach dem 2. Weltkrieg strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. 1993 und 1994
folgten die von den Vereinten Nationen eingesetzten Tribunale für das ehemalige Jugoslawien und Ruanda.
1999 unterzeichneten 120 Staaten das sog. Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs. Hiermit wur-
de der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag, Niederlande, errichtet, der im Jahr 2003 seine Arbeit auf-
nahm. Derzeit gibt es 123 Vertragsstaaten. Vertragsstaaten sind u.a. nicht: USA, Russland und China. Deutsch-
land ist hingegen Vertragsstaat und hat das Römische Statut im deutschen Völkerstrafgesetzbuch umgesetzt.
Das Römische Statut regelt im Einzelnen, welche Verbrechen von dem Internationalen Strafgerichtshof verfolgt
und bestraft werden können und regelt die Arbeitsweise des Internationalen Strafgerichtshof. Der Internationale
Strafgerichtshof hat eigene Ermittler (vergleichbar mit nationalen Staatsanwaltschaften), eigene Richter (ver-
gleichbar mit nationalen Strafgerichten) sowie eigene Gefängnisse (bzw. die Erlaubnis, niederländische Gefäng-
nisse mitzubenutzen).
Wichtigste Voraussetzungen für die Zuständigkeit des Internationalen Strafgerichtshof:
• Verfolgt werden dürfen nur Straftaten, die in Staaten begangen wurden, die das Römische Statut ratifiziert
haben.
– Ausnahme: Sicherheitsrat der Vereinten Nationen weist dem Internationalen Strafgerichtshof eine Sache
zu (Bsp.: Darfur).
– BEACHTE: Im Sicherheitsrat haben 5 Staaten (USA, China, Russland, Frankreich, Großbritannien) jeweils
ein Veto-Recht, d.h. sie können den Sicherheitsrat blockieren.
• Der betroffene Staat ist selbst nicht in der Lage, die Einzelperson strafrechtlich wirksam zu belangen (z. B.
weil infolge des Konflikts die innerstaatliche Ordnung zusammengebrochen ist oder weil kein Verfolgungs­
wille besteht).
Der Internationale Strafgerichtshof kann vier Straftaten verfolgen und bestrafen:
• das Verbrechen des Völkermords,
• Verbrechen gegen die Menschlichkeit
• Kriegsverbrechen,
• das Verbrechen der Aggression.
Als Strafen können ausgesprochen werden: lebenslange oder zeitlich begrenzte Freiheitsstrafe oder Geldstrafe
(NICHT: Todesstrafe).
Material für
die Lehrkraft
:

S. 72 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Fall eines Kriegsverbrechens
:
3. Anwendung auf den Sachverhalt
::
a) Hat Syrien gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen? Ja:
• Jeweils Art. 3 der vier Genfer Konventionen:
„Im Falle eines bewaffneten Konflikts, der keinen internationalen Charakter aufweist […], [sind] wenigstens
die folgenden Bestimmungen anzuwenden:
1. Personen, die nicht direkt an den Feindseligkeiten teilnehmen, einschließlich […] der Personen, die infolge
Krankheit, Verwundung, Gefangennahme oder irgendeiner anderen Ursache außer Kampf gesetzt wurden,
sollen unter allen Umständen mit Menschlichkeit behandelt werden, ohne jede Benachteiligung aus Gründen
der Rasse, der Farbe, der Religion oder des Glaubens, des Geschlechts, der Geburt oder des Vermögens
oder aus irgendeinem ähnlichen Grunde.
Zu diesem Zwecke sind und bleiben in Bezug auf die oben erwähnten Personen jederzeit und jedenorts ver-
boten:
a. Angriffe auf Leib und Leben, namentlich Mord jeglicher Art, Verstümmelung, grausame Behandlung und
Folterung;
b. die Gefangennahme von Geiseln;
c. Beeinträchtigung der persönlichen Würde, namentlich erniedrigende und entwürdigende Behandlung;
d. Verurteilungen und Hinrichtungen ohne vorhergehendes Urteil eines ordnungsmäßig bestellten Gerichtes,
das die von den zivilisierten Völkern als unerlässlich anerkannten Rechtsgarantien bietet.
2. DieVerwundetenundKrankensollengeborgenundgepflegtwerden.[…]“
Die Bombardierung von Krankenhäusern stellt einen Angriff auf Leib und Leben von Zivilisten und ggf. auch
verwundeten Soldaten dar. Art. 3 ist verletzt.
• Im Übrigen wäre nur das Zweite Zusatzprotokoll zu den Genfer Konventionen für Bügerkrieg einschlägig.
Syrien hat das Zweite Zusatzprotokoll zu den Genfer Konventionen aber nicht unterzeichnet und ratifiziert.
b) Vorausgesetzt, die Berichte von Amnesty International treffen zu und der syrische Präsident Assad hat
den Befehl zu den Angriffen auf Krankenhäuser gegeben, kann Herr Assad persönlich durch den Interna-
tionalen Strafgerichtshof bestraft werden? Derzeit nein:
• Ein Kriegsverbrechen dürfte vorliegen. Unter den Begriff des Kriegsverbrechen fallen bei nicht internatio-
nalen bewaffneten Konflikten insbesondere „schwere Verstöße gegen den gemeinsamen Artikel 3 der vier
Genfer Abkommen“ (siehe oben), vgl. Art. 8 Abs. 2 Buchstabe c des Römischen Statuts. Wie bereits fest-
gestellt, ist Art. 3 der Genfer Konventionen verletzt.
• Allerdings ist Syrien nicht Vertragsstaat des Römischen Statuts. Der Internationale Gerichtshof ist daher
nicht zuständig.
Möglich wäre, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen den Internationalen Strafgerichtshof mit der Ver-
folgung von Völkerstraftaten in Syrien beauftragt. Da Russland aber bisher das Assad-Regime unterstützt hat
und als Veto-Macht eine entsprechende Entscheidung des Sicherheitsrats verhindern kann, erscheint dies zwei-
felhaft.
Material für
die Lehrkraft
:

S. 73 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Vorstellung einer Nichtregierungsorganisation
:
Arbeitsblatt 5
:
Einsatz der Nichtregierungsorganisationen zur Durchsetzung der Menschenrechte
:
Eine Nichtregierungsorganisation (NGO) ist eine private, unabhängige, nicht gewinnorientierte Organisation, die einen sozialen oder gesellschafts-politischen Zweck verfolgt.
Abkürzung: NGO = Non-governmental Organization
:
:
:
:
:
:
:
Name der NGO
:

S. 74 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Reflexionsbogen
:
Schreibe kurz deine Gedanken auf.
Das möchte ich außerdem noch sagen:
Ich habe zum Thema Menschenrechte
gelernt …
Ich fand an diesem Unterricht gut …
Und ich habe außerdem gelernt …
Mir hat folgendes nicht gefallen …

S. 75 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Quellenverzeichnis
:
Seite 13; Bilder 1, 2, 3
Mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt vom
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
(www.volksbund.de).
Bildsignaturen: Nr. 11 (ein auf dem Vormarsch gefallener
Russe) Nr. 13 (englischer Schützengraben) Nr. 24 (Menschen
mit Schutzmasken bei Gasalarm)
Seite 14; Bilder 4, 5, 6
Mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt von
Médecins Sans Frontières (Ärzte ohne Grenzen).
Bildsignaturen: MSF 180961, Aufnahme vom 23.11.2016,
Copyright: Karam Almasri | MSF 172531,
Copyright: Hospitals of Aleppo/MSF | MSF 179354, Aufnahme
vom 28.4.2016, Copyright: Karam Almasri
Seite 17, Bilder 7, 8
Mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt durch die
Gedenkstätte Ehrenhain-Zeithain. Bildsignaturen: 3110; 3112
Seiten20,30,39,47,Gesetzestextezitiertaus:
„KodifiziertesinternationalesDeutschesKriegsrechtinseinem
Wortlaut und Geltungsbereich gegenüber dem Ausland“;
zusammengestellt von Ernst Lodemann, erschienen im Verlag
vonGeorgStilke/Berlin,1936;
Textgrundlage:„Genfer
Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und
Kranken der Heere im Felde“ vom 27. Juli 1929
Seite21; AuszugausdenLagererinnerungenvon
Alexej
Iwanowitsch Zavada (Briefeingang 25.02.2008) Mit freundlicher
Genehmigung des KONTAKTE-KONTAKTbI e.V., Verein für
Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion, Berlin.
Seite 22; Auszug des Sächsischen Staatsarchivs zu WUMAG
Görlitz; SächsStA-D, 11693 Waggon- und Maschinenbau AG
Görlitz, Nr. 283 (alt 1512) (Bildchronik III), Blattnummer 21;
„Arbeitsverweigerung der Kriegsgefangenen wegen hunger Kost“
02.08.1942; Reproduktion des Sächsischen Staatsarchives
Seite 23; „Anordnung über die Behandlung sowj. Kr.Gef. in
allen Kriegsgefangenenlagern vom 8.9.1941 Seite 19“ Auszug;
BArch NS 6/336
Seite 24 und 25; Auszug aus dem Dokument zum Einsatz
sowjetischer Kriegsgefangener; BArch, RW 19/5705 fol. 2
Seite 26; Bilder 9, 10
Mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt durch die
Gedenkstätte Ehrenhain-Zeithain. Bildsignaturen: 2846; 3108
Seite 31; Erinnerungsbericht von Frau Pimenova
Mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt durch die
Gedenkstätte Ehrenhain-Zeithain.
Seite 32; Auszug aus dem Verhör Paul Konitzer von 1946
zitiert aus: Zeithain – Gedenkbuch sowjetischer Kriegsgefange-
ner (ISBN 9783934382152), Stiftung Sächsische Gedenkstätten,
2005
Seite33;ErinnerungsberichtdesWachoffiziersOttoK.
Mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt durch die
Gedenkstätte Ehrenhain-Zeithain.
Seite 34; Bilder 11, 12, 13
Mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt durch die
Gedenkstätte Ehrenhain-Zeithain. Bildsignaturen: 0007, 2245,
3132
Seite35; Tabelle1:VerpflegungfürsowjetischeKriegsgefangene
von 1943
Nach: Osterloh, J. (1997): Ein ganz normales Lager. Köln:
Kiepenheuer. S. 65
Seite 35; Tabelle 2: Wöchentliche Rationen der Zivilbevölke-
rung (Kategorie „Normalverbraucher“, z. B. Angestellte)
https://de.wikipedia.org/wiki/Lebensmittelmarke (aufgerufen am
10.10.2021)
Seite40,42;BerichtvonSchwesterZemeundKurzbiografie
Mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt durch die
Gedenkstätte Ehrenhain-Zeithain.
Seite 41, 43; Auszug aus dem Brief von Anna Jakowlewitsch
MarksonundKurzbiografie
Mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt durch die
Gedenkstätte Ehrenhain-Zeithain.
Seite 48; Auszug aus der Aussage von Georg Krämer; NLA
Hannover Nds. 721 Göttingen Acc. 103/87 Nr. 14*
Seite49; Auszugausder AussagevonMax Treu;NLA
Hannover Nds. 721 Göttingen Acc. 103/87 Nr. 14*
Seite 50; Auszug aus der Aussage von Willy Kliebisch; NLA
Hannover Nds. 721 Göttingen Acc. 103/87 Nr. 14 (* Das
Archivgut ist Eigentum des Niedersächsischen Landesarchiv.
Ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Niedersächsi-
schen Landesarchivs darf diese Abbildung nicht außerhalb
des Moduls 2 gespeichert, reproduziert, archiviert, dupliziert,
kopiert, verändert oder auf andere Weise genutzt werden.)
Seite 51, 59; Auszug aus der Abschrift „Anordnung über die
Behandlung sowj, Kr.Gef. in allen Kriegsgefangenenlagern vom
08.09.1941 Seite 15“; BArch NS 6/336
Seite55; TextM1:ProzessOberkommandoderWehrmacht,
Fall 12 der Nürnberger Prozesse sowie
Seite 56; Tabelle: Liste der Angeklagten im Prozess Oberkom-
mando der Wehrmacht, Fall 12 der Nürnberger Prozesse
http://www.wikiwand.com/de/Prozess_Oberkommando_der_
Wehrmacht (aufgerufen am 10.10.2021).
Seite 60; Bilder 16, 17, 18
Mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt durch die
Gedenkstätte Ehrenhain-Zeithain. Bildsignaturen: 2245, 2249,
3132
Bilder Seite 61; Bild 19: Haftkartei von Hermann Reinecke; BArch
N 356
Seite68;Syrien– AngriffeaufKrankenhäuser,Geografische
Lage Syriens
Urheber: TUBS; Veröffentlicht in Wikipedia: https://commons.
wikimedia.org/wiki/File:Syria,_administrative_divisions_-_de_-_
colored.svg unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnen-
nung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen: 3.0 nicht
portiert“ lizenziert
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode.
(aufgerufen am 19.01.2022, Änderungen vorgenommen)
Seite80; Abbildung Anhang:Karteund AuflistungderLernorte
in Sachsen
Mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt von der
Landesservicestelle Lernorte des Erinnerns und Gedenkens.
Angepasst von BLAO gestaltungsraum.
Landesamt für Schule und Bildung (Hrsg.) (2012): Kompetenz-
orientierter Unterricht. Ein Leitfaden für die Primarstufe und
Sekundarstufe I
Beschluss der Kultusministerkonferenz (2009): Stärkung der
Demokratieerziehung.
http://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/
veroeffentlichungen_beschluesse/2009/2009_03_06-Staer-
kung_Demokratieerziehung.pdf vom 21.1.2022

S. 76 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Abbildungsverzeichnis
:
Bild 1:
Ein auf dem Vormarsch gefallener Soldat
Seite
13
:
Bild 2:
Schützengraben
Seite
13
:
Bild 3:
Menschen mit Schutzmaske bei Gasalarm
Seite
13
:
Bild 4:
Ein Zimmer im zweiten Stock eines Krankenhauses im Osten Aleppos
Seite
14
:
Bild 5:
Schwere Beschädigung des al-Bayan Krankenhauses im Juli 2016
Seite
14
:
Bild 6:
Ein Krankenhaus im Osten Aleppos nach einem Luftangriff im April 2016,
geschützt mit Sandsäcken
Seite
14
:
Bild 7:
Kriegsgefangenenlager in Zeithain
Seite
17
:
Bild 8:
Kriegsgefangenenlager in Zeithain
Seite
17
:
Bild 9:
Errichtung des Kriegsgefangenenlagers Zeithain
Seite
26
:
Bild 10: Errichtung des Kriegsgefangenenlagers Zeithain
Seite
26
:
Bild 11: Kriegsgefangene im Lager Zeithain
Seite
34
:
Bild 12: Kriegsgefangene im Lager Zeithain
Seite
34
:
Bild 13: Kriegsgefangene und Soldaten im Lager Zeithain
Seite
34
:
Bild 14: Maria Vittoria Zeme
Seite
42
:
Bild 15: Anna Jakowlewitsch Markson
Seite
43
:
Bild 16: Kriegsgefangene im Lager Zeithain
Seite
60
:
Bild 17: Im Lager Zeithain
Seite
60
:
Bild 18: Kriegsgefangene und Soldaten im Lager Zeithain
Seite
60
:
Bild 19: Haftkarteikarte Hermann Reineckes, angelegt 1945
Seite
61
:
Bild20:
GeografischeLageSyriens
Seite
68
:
Bild 21: Lernorte des Erinnerns und Gedenkens
Seite
81
:

S. 77 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Legende zu den Icons
:
Abbildung
Lösung
Links
Material
Information
Aufgaben lösen
Glossar
Thema Recht
das möchte ich sagen
Gruppenarbeit
Aufgaben/Materialien

S. 78 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Weiterführende Links
zur Umsetzung des juristischen
Expertengespräches
:
• Methodische Anregungen für das Thema Grundrechte
http://www.bpb.de/publikationen/NX0S4G,0,0,Arbeitsbl%E4tter.html
https://edu.real­euro.de/wp­content/uploads/2016/02/Lückentext­Grundrechte.pdf
• Weitere Vorschläge zu einem Unterrichtseinstieg zu Menschenrechten und zur
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
https://www.amnesty.de/amnesty-material/menschenrechtsbildung
• Vorschläge zum Einstieg in den Unterricht im Thema Asyl/Flucht
https://www.amnesty.de/amnesty-material/menschenrechtsbildung
• Statistische Informationen zu den Themenbereichen Asyl, Migration und Integration
http://www.bamf.de/DE/Infothek/Statistiken/statistiken-node.html
• Informationen zum Asylverfahren in einfacher Sprache
http://www.bamf.de/DE/Fluechtlingsschutz/AblaufAsylv/ablauf-des-asylverfahrens-node.html

S. 79 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Weiterführende Links
zur Themenvertiefung
:
• Demokratieerziehung in Sachsens Schulen
www.demokratiemodule.sachsen.de
• Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“,
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
http://www.weltoffenes.sachsen.de
• Landesservicestelle Lernorte des Erinnerns und Gedenkens
http://lernorte.eu
• Ein Schulbesuch bei Gericht
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/11160
• Film„DashumanitäreVölkerrechtinKürze–150JahreGenferKonvention“aufMeSax
https://www.lernsax.de/wws/877922.php?p=search%3Ffunc%3Drecord%26src%3Donline%26record%3D
SACHSEN-4956815%26standort%3D31&sid=91290341925832751454444514452440Sc7b63a75
• Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
https://www.stsg.de/cms/zeithain/startseite
• Publikation Tagebuch von Maria Vittoria Zeme
https://www.stsg.de/cms/und-entzuende-einen-funken-hoffnung
• Menschenrechtsbildung (KMK, Oktober 2018)
https://www.kmk.org/themen/allgemeinbildende-schulen/weitere-unterrichtsinhalte/
menschenrechtsbildung.html
• Stärkung der Demokratieerziehung (KMK, 2009)
http://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2009/2009_03_06­Staerkung_
Demokratieerziehung.pdf
• Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. Arbeit für den Frieden
https://www.volksbund.de/home.html
• Menschenrechtsbildung – Amnesty International
https://www.amnesty.de/amnesty-material/menschenrechtsbildung
• Menschenrechtsbildung, Deutsche UNESCO-Kommission
https://www.unesco.de/bildung/menschenrechtsbildung
• Methodische Anregungen für das Thema Grundrechte
http://www.bpb.de/publikationen/NX0S4G,0,0,Arbeitsbl%E4tter.html
• Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e. V.
http://degede.de/157.0.html
• KonfliktbarometerdesHeidelbergerInstitutsfürInternationaleKonfliktforschunge.
V.
https://hiik.de/konfliktbarometer/
• ThemenmodulKriegundGewaltkonfliktederBundeszentralefürpolitischeBildung
https://sicherheitspolitik.bpb.de/m1
• Unterrichtsmaterialien des Schweizerischen Roten Kreuzes
https://schulen.redcross.ch/
• Weitere Informationen zur Behandlung Kriegsgefangener in der Waggon- und Maschinenbau AG Görlitz
im Sächsischen Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden: SächsStA-D; 11693; Relevante Akten für das
Modul 2: Nr. 16 (alt 1015), Nr. 28 (alt 1027), Nr. 232 (alt 1302) und Nr. 283 (alt 1512)

S. 80 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Placemat für die Gruppenarbeit
:
Arbeitsblatt 6
Gruppenergebnis

image
S. 81 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Hinweise zu Lernortfahrten
:
Auszug aus der Übersichtskarte und Liste der Lernorte des Erinnerns und Gedenkens in Sachsen unter Beibehaltung der Originalnummerierung.
Abgebildet und aufgeführt sind nur Lernorte, die den Nationalsozialismus, den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg thematisieren. Die vollständige
KartefindenSieinderLernort­BroschürederLandesservicestelleLernortedesErinnernsundGedenkens(
https://lernorte.eu/sachsen).
Bild 21: Lernorte des Erinnerns
und Gedenkens
2 Altes Rathaus, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
:
3 Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau
:
4 Ehemaliges Konzentrationslager Sachsenburg
:
5 Erich-Zeigner-Haus
:
6 Gedenkstätte Bautzen
:
8 Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
:
9 Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
:
11 Gedenkstätte Großschweidnitz
:
12 Gedenkstätte Münchner Platz Dresden
:
14 Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein
:
15 Gedenkstätte Stalag VIII A
:
16 Johannisfriedhof Dresden
:
17 Kriegsgräberstätte Himmelfahrtsgasse Freiberg
18 Kriegsgräberstätte Limbach-Oberfrohna, Hohensteiner Str.
19 Ausstellungs- und Dokumentationszentrum zum
Kriegsgefangenenlager Elsterhorst
:
20 Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis
:
22 Militärhistorisches Museum der Bundeswehr
:
23 Museum Bautzen
:
25 Schlesisches Museum zu Görlitz
:
26 Schulmuseum – Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig
:
27 Schulmuseum Dresden
:
28
Sowjetischer Ehrenhain Annaberg-Buchholz
:
29 Städtischer Friedhof Görlitz
:
30 Stadtmuseum Dresden
:
33 Stadtrundgang „Döbeln im Nationalsozialismus“
:
37 Südfriedhof Leipzig
:
38 Umweltbibliothek Großhennersdorf
:
41 Ehemaliges Konzentrationslager Burg Hohnstein
:
42 Erinnerungsort Flößberg (Lagergelände des ehemaligen
KZ-Außenlagers Flößberg)
:
43 Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin
:
44
Grenzwege bei Altenberg
:
45 Kulturhistorisches Museum/Kaisertrutz
:
46 DenkRaum Sophienkirche
:
Die Landesservicestelle Lernorte des Erinnerns und Gedenkens bietet umfassende Beratung, Unterstützung
und Begleitung bei den Vorhaben sächsischer Schulgruppen, Lernorte des 20. Jahrhunderts zu entdecken.
Weitere Informationen, auch zu dem Kostenerstattungsverfahren, finden Sie auf der Internetseite der Landes-
servicestelle
(http://lernorte.eu/index.htm).
Kontakt:
Landesservicestelle Lernorte des Erinnerns und Gedenkens
E-Mail: info@lernorte.eu
Material für
die Lehrkraft
:

S. 82 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Am 10. Dezember 1948 hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen die 30 Artikel der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte verabschiedet.
Artikel 1:
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde
und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft
und Gewissen begabt und sollen einander im
Geist der Brüderlichkeit begegnen.
Artikel 2:
Jeder hat das Recht, überall als rechtsfähig
anerkannt zu werden
Artikel 3:
Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und
Sicherheit der Person.
Artikel 4:
Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigen-
schaft gehalten werden; Sklaverei und
Sklavenhandel sind in allen ihren Formen
verboten.
Material für
die Lehrkraft
:

S. 83 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Artikel 5:
Niemand darf der Folter oder grausamer,
unmenschlicher oder erniedrigender
Behandlung oder Strafe unterworfen
werden.
Artikel 6:
Jeder hat das Recht, überall als rechtsfähig
anerkannt zu werden.
Artikel 7:
Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich
und haben ohne Unterschied Anspruch auf
gleichen Schutz durch das Gesetz.
Alle haben Anspruch auf gleichen Schutz
gegen jede Diskriminierung, die gegen diese
Erklärung verstößt, und gegen jede Auf-
hetzung zu einer derartigen Diskriminierung.
Artikel 8:
Jeder hat Anspruch auf einen wirksamen
Rechtsbehelf bei den zuständigen inner
-
staatlichen Gerichten gegen Handlungen,
durch die seine ihm nach der Verfassung
oder nach dem Gesetz zustehenden
Grundrechte verletzt werden.
Artikel 9:
Niemand darf willkürlich festgenommen,
in Haft gehalten oder des Landes verwiesen
werden.
Artikel 10:
Jeder hat bei der Feststellung seiner Rechte
undPflichtensowiebeieinergegenihn
erhobenen strafrechtlichen Beschuldigung in
voller Gleichheit Anspruch auf ein gerechtes
und öffentliches Verfahren vor einem unab-
hängigen und unparteiischen Gericht.
Material für
die Lehrkraft
:

S. 84 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Artikel 11:
1.
Jeder, der wegen einer strafbaren Hand-
lung beschuldigt wird, hat das Recht, als
unschuldig zu gelten, solange seine Schuld
nicht in einem öffentlichen Verfahren, in
dem er alle für seine Verteidigung notwen-
digen Garantien gehabt hat, gemäß dem
Gesetz nachgewiesen ist.
2.
Niemand darf wegen einer Handlung oder
Unterlassung verurteilt werden, die zur Zeit
ihrer Begehung nach innerstaatlichem oder
internationalem Recht nicht strafbar war.
Ebenso darf keine schwerere Strafe als
die zum Zeitpunkt der Begehung der
strafbaren Handlung angedrohte Strafe
verhängt werden.
Artikel 12:
Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein
Privatleben, seine Familie, seine Wohnung
und seinen Schriftverkehr oder Beeinträch-
tigungen seiner Ehre und seines Rufes
ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf
rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe
oder Beeinträchtigungen.
Artikel 13:
1.
Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines
Staates frei zu bewegen und seinen
Aufenthaltsort frei zu wählen.
2.
Jeder hat das Recht, jedes Land, ein-
schließlich seines eigenen, zu verlassen
und in sein Land zurückzukehren.
Artikel 14:
1.
Jeder hat das Recht, in anderen Ländern
vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu
genießen.
2.
Dieses Recht kann nicht in Anspruch
genommen werden im Falle einer Straf-
verfolgung, die tatsächlich auf Grund von
Verbrechen nichtpolitischer Art oder auf
Grund von Handlungen erfolgt, die gegen
die Ziele und Grundsätze der Vereinten
Nationen verstoßen.
Artikel 15:
1.
Jeder hat das Recht auf eine Staats-
angehörigkeit.
2.
Niemandem darf seine Staats-
angehörigkeit willkürlich entzogen
noch das Recht versagt werden, seine
Staatsangehörigkeit zu wechseln.
Artikel 16:
1.
Heiratsfähige Frauen und Männer haben
ohne Beschränkung auf Grund der Rasse
,
der Staatsangehörigkeit oder der Religion
das Recht zu heiraten und eine Familie zu
gründen. Sie haben bei der Eheschließung,
währendderEheundbeideren
Auflösung
gleiche Rechte.
2.
Eine Ehe darf nur bei freier und uneinge-
schränkter Willenseinigung der künftigen
Ehegatten geschlossen werden.
3.
Die Familie ist die natürliche Grundeinheit
der Gesellschaft und hat Anspruch auf
Schutz durch Gesellschaft und Staat.
Material für
die Lehrkraft
:

S. 85 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Artikel 17:
1.
Jeder hat das Recht, sowohl allein als
auch in Gemeinschaft mit anderen
Eigentum innezuhaben.
2.
Niemand darf willkürlich seines
Eigentums beraubt werden.
Artikel 18:
Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewis-
sens- und Religionsfreiheit; dieses Recht
schließt die Freiheit ein, seine Religion oder
Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit,
seine Religion oder Weltanschauung allein
oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich
oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottes-
dienst und Kulthandlungen zu bekennen.
Artikel 19:
Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit
und freie Meinungsäußerung; dieses Recht
schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehin-
dert anzuhängen sowie über Medien jeder
Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Infor-
mationen und Gedankengut zu suchen,
zu empfangen und zu verbreiten.
Artikel 20:
1.
Alle Menschen haben das Recht, sich
friedlich zu versammeln und zu
Vereinigungen zusammenzuschließen.
2.
Niemand darf gezwungen werden, einer
Vereinigung anzugehören.
Artikel 21:
1.
Jeder hat das Recht, an der Gestaltung
der öffentlichen Angelegenheiten seines
Landes unmittelbar oder durch frei
gewählte Vertreter mitzuwirken.
2.
Jeder hat das Recht auf gleichen Zugang
zu öffentlichen Ämtern in seinem Lande.
3.
Der Wille des Volkes bildet die Grundlage
für die Autorität der öffentlichen Gewalt;
dieser Wille muss durch regelmäßige,
unverfälschte, allgemeine und gleiche
Wahlen mit geheimer Stimmabgabe oder
in einem gleichwertigen freien Wahl-
verfahren zum Ausdruck kommen.
Artikel 22:
Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das
Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch
darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen
und internationale Zusammenarbeit sowie
unter Berücksichtigung der Organisation und
der Mittel jedes Staates in den Genuss der
wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen
Rechte zu gelangen, die für seine Würde und
die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit
unentbehrlich sind.
Material für
die Lehrkraft
:

S. 86 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
:
Artikel 23:
1.
Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie
Berufswahl, auf gerechte und befriedigen-
de Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz
vor Arbeitslosigkeit.
2.
Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht
auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
3.
Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf
gerechte und befriedigende Entlohnung,
die ihm und seiner Familie eine der
menschlichen Würde entsprechende
Existenzsichert,gegebenenfallsergänzt
durch andere soziale Schutzmaßnahmen.
4.
Jeder hat das Recht, zum Schutz seiner
Interessen Gewerkschaften zu bilden und
solchen beizutreten.
Artikel 24:
Jeder hat das Recht auf Erholung und
Freizeit und insbesondere auf eine
vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und
regelmäßigen bezahlten Urlaub.
Artikel 25:
1.
Jeder hat das Recht auf einen Lebensstan-
dard, der seine und seiner Familie Gesund-
heit und Wohl gewährleistet, einschließlich
Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche
Versorgung und notwendige soziale
Leistungen gewährleistet sowie das Recht
auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit,
Krankheit, Invalidität oder Verwitwung,
im
Alter sowie bei anderweitigem Verlust
seiner Unterhaltsmittel durch unverschul-
dete Umstände.
2.
Mütter und Kinder haben Anspruch auf
besondere Fürsorge und Unterstützung.
Alle Kinder, eheliche wie außereheliche,
genießen den gleichen sozialen Schutz.
Artikel 26:
1.
Jeder hat das Recht auf Bildung. Die
Bildung ist unentgeltlich, zum mindesten
der Grundschulunterricht und die grundle-
gende Bildung. Der Grundschulunterricht
ist obligatorisch. Fach- und Berufsschul-
unterricht müssen allgemein verfügbar
gemacht werden, und der Hochschulunter-
richt muss allen gleichermaßen entspre-
chend ihren Fähigkeiten offenstehen.
2.
Die Bildung muss auf die volle Entfaltung
der menschlichen Persönlichkeit und auf
die Stärkung der Achtung vor den Men-
schenrechten und Grundfreiheiten gerichtet
sein. Sie muss zu Verständnis, Toleranz
und Freundschaft zwischen allen Nationen
und allen rassischen oder religiösen
Gruppen beitragen und der Tätigkeit der
Vereinten Nationen für die Wahrung des
Friedens förderlich sein.
3.
Die Eltern haben ein vorrangiges Recht,
die Art der Bildung zu wählen, die ihren
Kindern zuteilwerden soll.
Material für
die Lehrkraft
:

S. 87 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Hinweis: Der Begriff „Rasse“ ist irreführend, es gibt keine verschiedenen „Menschenrassen“. Seine Verwendung birgt die Gefahr, Menschen
anhand von (vermeintlichen) äußeren Merkmalen zu kategorisieren.
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Artikel 27:
1.
Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben
der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich
an den Künsten zu erfreuen und am
wissenschaftlichen Fortschritt und dessen
Errungenschaften teilzuhaben.
2.
Jeder hat das Recht auf Schutz der
geistigen und materiellen Interessen, die
ihm als Urheber von Werken der Wissen-
schaft, Literatur oder Kunst erwachsen.
Artikel 28:
Jeder hat Anspruch auf eine soziale und
internationale Ordnung, in der die in dieser
Erklärung verkündeten Rechte und
Freiheiten voll verwirklicht werden können.
Artikel 29:
1.
JederhatPflichtengegenüberderGemein­
schaft, in der allein die freie und volle
Entfaltung seiner Persönlichkeit möglich ist.
2.
Jeder ist bei der Ausübung seiner Rechte
und Freiheiten nur den Beschränkungen
unterworfen, die das Gesetz ausschließlich
zu dem Zweck vorsieht, die Anerkennung
und Achtung der Rechte und Freiheiten
anderer zu sichern und den gerechten
Anforderungen der Moral, der öffentlichen
Ordnung und des allgemeinen Wohles in
einer demokratischen Gesellschaft zu
genügen.
3.
Diese Rechte und Freiheiten dürfen in
keinem Fall im Widerspruch zu den Zielen
und Grundsätzen der Vereinten Nationen
ausgeübt werden.
Artikel 30:
Keine Bestimmung dieser Erklärung darf
dahin ausgelegt werden, dass sie für einen
Staat, eine Gruppe oder eine Person irgend-
ein Recht begründet, eine Tätigkeit auszu-
üben oder eine Handlung zu begehen,
welche die Beseitigung der in dieser
Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten
zum Ziel hat.
Material für
die Lehrkraft
:

S. 88 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
– Teilnahmebestätigung –
Im Rahmen der Umsetzung eines Moduls zu Projekt „Demokratieerziehung an sächsischen Oberschulen“
wurde in der
(Name der Schule und Bezeichnung der Klasse)
am
(Datum)
eine Veranstaltung zum Thema Modul 2 „Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ durchgeführt.
An der Durchführung dieser Veranstaltung hat auf Anfrage der Schule
Frau/Herr
(ggf. Titel, Vorname, Name)
(Adresse)
(Dienst-/Amtsbezeichnung)
(Dienststelle oder Rechtsanwaltskanzlei)
im Umfang von insgesamt
Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten vereinbarungsgemäß mitgewirkt.
Datum, Unterschrift
Datum, Unterschrift
Auftraggeber
Schulleitung/Schulstempel
Kooperationspartnerin/Kooperationspartner
Abrechnung Seite 1/3
Abrechnung
:

S. 89 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Abrechnung
:
An das Landesamt für Schule und Bildung
Standort Radebeul
Demokratieerziehung an sächsischen Oberschulen
Postfach 10 08 15
01078 Dresden
Für die Mitwirkung bei „Demokratieerziehung an sächsischen Oberschulen“ wird die Auszahlung
der Aufwandsentschädigung nebst Fahrtkosten wie folgt beantragt.
Grau unterlegte Beträge sind vom Landesamt für Schule und Bildung auszufüllen.
1. Aufwandsentschädigung
Anzahl der geleisteten Unterrichtsstunden (zu je 45 Minuten):
Vergütungssatz je Unterrichtsstunde:
31,25 €
Gesamtbetrag 1:
2. Fahrtkosten
2.1 Fahrtkosten bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel unter Berücksichtigung möglicher Ermäßigungen
(Originalbelege sind beizufügen)
Hinreise:
Verkehrsmittel:
Kosten für Fahrkarte(n):
Rückreise:
Verkehrsmittel:
Kosten für Fahrkarte(n):
Gesamtbetrag 2.1:
2.2 Fahrtkosten bei Benutzung eines privaten PKW
Hinreise:
Strecke: von
nach
Länge:
km
Rückreise:
Strecke: von
nach
Länge:
km
Abrechnung Seite 2/3

S. 90 • Modul 2: Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Abrechnung
:
Die Nutzung des privaten PKW war aus den folgenden Gründen erforderlich:
Das Reiseziel konnte mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht/nicht rechtzeitig erreicht werden oder
die Rückreise konnte nicht zeitgerecht durchgeführt werden.
Es trat ein erheblicher Arbeitszeitgewinn ein.
In der Dienststätte mussten dringende Dienstgeschäfte erledigt werden.
Es waren umfangreiche Akten, Gegenstände mit größerem Gewicht oder sperrige Gegenstände
mitzuführen.
Es wurden folgende weitere Teilnehmer der Veranstaltung mitgenommen:
Name(n):
Mitgenommene Strecke:
km
Sonstige Gründe (bitte angeben):
Wegstreckenentschädigung (Anzahl km x 0,17 € / 0,30 €)
Erstattung für mitgenommene Personen (Anzahl km x 0,02 € pro Person)
Gesamtbetrag 2.2:
Gesamtbetrag Vergütung (Summe 1 + 2.1 oder 2.2)
Ich bitte um Auszahlung des Gesamtbetrages auf folgendes Konto:
Kontoinhaber:
IBAN:
DE
BIC:
(nur bei Konten außerhalb Deutschlands)
Bank:
Ich versichere die Richtigkeit und Vollständigkeit der vorstehenden Angaben.
Datum, Unterschrift
Abrechnung Seite 3/3

image
Impressum
Herausgeber und Redaktion
Landesamt für Schule und Bildung
Reichenhainer Straße 29a
09126 Chemnitz
Telefon: +49 371 5366-0
E-Mail: poststelle@lasub.smk.sachsen.de
www.lasub.smk.sachsen.de
Gestaltung und Satz:
www.kleinundhalm.de
Digitalfassung
Redaktionsschluss:
März 2022
Titelgrafik:
Magele-picture – Fotolia.com