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Bearbeiter:
Dr. Wolfgang Karalus
Abteilung/Referat:
Landwirtschaft/Pflanzenbau
E-Mail:
Wolfgang.Karalus@smul.sachsen.de
Telefon:
035242 631-7205
Redaktionsschluss:
30.01.2017
Internet:
www.smul.sachsen.de/lfulg
Sortenempfehlungen 2017
Kartoffeln – Reifegruppe mittelfrüh
Hinweise zur Fruchtart
In Sachsen wurden 2016 auf ca. 6.300 ha Kartoffeln angebaut. Damit blieb die Anbaufläche
im Vergleich zum Vorjahr weitgehend konstant, wie auch in Deutschland insgesamt. Bun-
desweit standen Kartoffeln 2016 auf ca. 236 Tha. Bei den Verwertungsrichtungen haben in
Sachsen Speisekartoffeln mit ca. 86 % der Kartoffelanbaufläche die größte Bedeutung. Da-
neben spielen Pflanzkartoffeln mit ca. 12 % eine wichtige Rolle. Stärkekartoffeln nehmen nur
noch einen Anteil von ca. 2 % ein (Quelle: Agrarförderung).
Der Anbau von Kartoffeln war 2016 durch teilweise späte Pflanztermine bis weit in den Mai,
ein frühes Auftreten der Krautfäule, eine lokal sehr differenzierte Wasserversorgung sowie
schwierige Erntebedingungen durch die Trockenheit im September und die Nässe im Okto-
ber geprägt. Auf einigen Betrieben zog sich die Ernte bis weit in den November hinein. In
Sachsen wurde 2016 ein Knollenertrag von 416 dt/ha ermittelt (Quelle: Statistisches Landes-
amt). Damit wurde im Vergleich zum langjährigen Mittel ein leichter Mehrertrag von 3 % er-
zielt. Die Erzeugerpreise liegen bei 17 - 19 EUR/dt und damit unter dem Niveau des Vorjah-
res.
Landessortenversuche 2016
Für die in Deutschland durchgeführten Landessortenversuche (LSV) mit Speisekartoffeln der
mittelfrühen Reifegruppe wurde 2016 ein gemeinsames Kernsortiment mit den Sorten Alli-
ans, Annalena, Lilly, Lucilla, Montana, Regina, Madeira, Swing und Peela vereinbart. Die
Ergebnisse dieser Sorten sollen zukünftig vom Bundessortenamt für die Beschreibende Sor-
tenliste genutzt werden. Bei der Zulassung von Kartoffelsorten werden nur noch wenige Ei-
genschaften erfasst, so dass Daten aus den LSV für eine umfassende Beschreibung der
Sorten verwendet werden sollen.
Die Ernte der mittelfrühen Sorten in den Landessortenversuchen (LSV) fand zwischen dem
5. September und 5. Oktober statt. Auf den Lö-/V-Standorten ergab sich in Relation zum Vor-
jahr ein Mehrertrag von 8 %. Im Vergleich zum ertragsstarken Jahr 2014 fiel der Knollentrag
aber um 18 % geringer aus. Der Anteil an Untergrößen war mit durchschnittlich 3 % ver-
gleichsweise niedrig. Auch der Anteil an Übergrößen lag mit 15 % auf niedrigem Niveau.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Sortierung der Ernteknollen 2016 geändert wurde, bei
den runden bis rundovalen Sorten in 35 – 65 mm und bei den langovalen bis langen Sorten
in 30 – 60 mm. In den Jahren zuvor betrug die Bandbreite jeweils nur 25 mm. Auf den D-
Standorten wurde mit im Mittel 348 dt/ha das bereits niedrige Ertragsergebnis des Vorjahres
nochmals um 15 % unterschritten.
Die Stärkegehalte bewegten sich auf den Lö-/V-Standorten mit 16,5 % im Mittel über die Sor-
ten im hohen Bereich. Dabei ist eine deutliche Sortendifferenzierung zu beachten, die Span-
ne reichte bei den Sorten von 14,4 bis 20,4 %. Knollenfäulen traten insgesamt nur in gerin-
gem Umfang in Erscheinung. Auf den D-Standorten kam es zu einem stärkeren Auftreten
von Kartoffelschorf.

2
Sortenempfehlungen
Kochtyp Lö-/V-Standorte
D-Standorte
f
Allians, Regina, Annalena, Ramona, Montana
1
Annalena, Montana
1
vf
Wendy
2
, Lilly
3
Lilly
3
m
Talent, Lucilla
1,3
Talent
2
Kochtyp: f = festkochend, vf = vorwiegend festkochend, m = mehligkochend
1
vorläufige Empfehlung,
2
Sorte nicht mehr im aktuellen Prüfsortiment
3
Sorte beim Kochtyp im Übergangsbereichs zwischen vorwiegend festkochend und mehligkochend
Erträge (mehrjährig) sowie ausgewählte Merkmale (2016) von mittelfrühen Kartoffel-
sorten auf Lö-/V-Standorten
Marktwareertrag
(relativ)
Speisegrößenertrag
(relativ)
Über-
größen
(%)
Unter-
größen
(%)
Stärke-
gehalt
(%)
2014
2015
2016
2014
2015
2016
Almonda
104
112
110
112
104
95
25,1
1,7
17,3
Annalena
107
101
106
85
94
101
19,7
1,1
14,9
Filou
85
92
94
79
77
88
19,5
2,7
19,7
Lilly
108
106
110
113
115
116
12,2
2,4
15,1
Ramona
95
96
95
117
113
104
8,1
4,0
14,4
Regina
100
95
90
107
111
101
6,4
5,8
14,7
Talent
100
98
94
87
86
95
15,8
1,2
19,9
Allians
101
102
111
110
9,6
1,5
14,9
Lucilla
96
102
95
101
16,8
2,2
17,2
Montana
107
108
95
101
20,9
2,5
14,5
Loreen
120
80
41,6
1,1
15,3
Madeira
99
105
10,7
3,3
14,5
Nautilus
92
60
45,2
0,6
20,4
Otolia
100
88
23,7
1,0
17,2
Peela
107
118
7,6
3,3
16,8
Salinero
98
81
29,0
1,8
17,2
Samson
93
95
12,3
4,0
14,6
Swing
95
98
13,9
2,6
18,3
BB (dt/ha; %)
657
492
536
436
372
445
15,3
2,7
16,6
Anzahl Orte
5
6
6
5
6
6
6
6
5
BB (Bezugsbasis) = Mittel der dreijährig geprüften Sorten
Marktwareertrag = Gesamtertrag abzüglich Untergrößen; Speisegrößenertrag = Gesamtertrag abzüg-
lich Unter- und Übergrößen
Orte: Lö-/V-Standorte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

3
Hinweise zu den Sorten
Festkochende Sorten
Regina
erreichte unterdurchschnittliche Marktwareerträge und mittlere bis hohe Speisegrö-
ßenerträge. Bei der Sortierung ist die Sorte durch einen überdurchschnittlichen Anteil an
Untergrößen und niedrigen Anteil an Übergrößen gekennzeichnet. Die rundovalen Knollen
weisen eine geringe Augentiefe und eine intensive gelbe Fleischfarbe sowie im gekochten
Zustand eine feine Struktur und feste Konsistenz auf. Die Neigung zu Schwarzfleckigkeit ist
gering.
Annalena
brachte auf den Lö-/V-Standorten mittlere bis hohe Marktwareerträge und bedingt
durch den vergleichsweise hohen Anteil an Übergrößen meist unterdurchschnittliche Speise-
größenerträge. Auf den D-Standorten schnitt die Sorte insgesamt etwas schwächer ab. Bei
der Qualität kam Annalena durchweg auf gute Einstufungen. Dabei ist die sehr geringe Nei-
gung zu Schwarzfleckigkeit hervorzuheben. Die Knollen sind langoval und haben eine hell-
gelbe Fleischfarbe.
Allians
wurde als Verrechnungssorte wieder in das Prüfsortiment aufgenommen und zeigte
sich 2015 und 2016 auf den Lö-/V-Standorten wieder als ertragsstarke Sorte, insbesondere
beim Speisegrößenertrag. Die Knollen sind durch eine glatte Schale und geringe Augentiefe
gekennzeichnet. Auch bei Geschmack, Kochdunklung und Schwarzfleckigkeit konnte Allians
überzeugen. In einigen Fällen minderten Zwiewuchs und Wachstumsrisse die äußere Quali-
tät. Aufgrund der ausgeprägt langovalen Knollenform sollte auf eine schonende Ernte und
Aufbereitung geachtet werden.
Almonda
zeigte sich dreijährig mit hohen Marktwareerträgen. Bei der Sortierung ergab sich
in den Prüfjahren kein einheitliches Bild, so dass auch die Speisegrößenerträge schwankten.
Positiv zu vermerken ist die sehr geringe Neigung zu Kochdunklung. Dagegen weist Almon-
da mit einer mittleren bis stärkeren Neigung zu Schwarzfleckigkeit einen Schwachpunkt auf.
Die Knollen haben eine ovale Form.
Relative Erträge (mehrjährig) und ausgewählte Merkmale (2016) von mittelfrühen Kar-
toffelsorten auf D-Standorten
Marktwareertrag
Speisegrößenertrag
Über-
größen
(%)
Unter-
größen
(%)
Stärke-
gehalt
(%)
2014
2015
2016
2014
2015
2016
Annalena
94
82
107
89
84
97
19,1
2,3
13,7
Lilly
106
118
93
111
116
103
8,9
8,9
13,6
Allians
69
100
74
105
11,4
3,4
14,6
Lucilla
92
87
88
87
14,4
11,3
16,2
Montana
110
102
96
91
22,1
7,1
12,9
Regina
100
89
102
98
8,6
14,5
13,7
Madeira
82
94
5,8
14,9
14,7
Peela
95
101
11,1
10,1
14,7
Salinero
96
80
29,2
3,1
14,7
Swing
96
95
15,8
2,6
16,8
BB (dt/ha; %)
635
391
332
477
362
266
14,0
5,6
13,6
Anzahl Orte
2
2
2
2
2
2
2
2
2
BB (Bezugsbasis) = Mittel der dreijährig geprüften Sorten
Orte: D-Standorte in Sachsen-Anhalt

4
Ramona
kam zwar in den drei Prüfjahren nur auf unterdurchschnittliche Marktwareerträge,
nahm jedoch aufgrund des sehr geringen Anteils an Übergrößen bei den Speisegrößenerträ-
gen eine gute bis sehr gute Position ein. Besonderheiten sind die rote Schalenfarbe sowie
die im gekochten Zustand tiefgelbe Fleischfarbe und feste Konsistenz. Es muss mit einer
stärkeren Neigung zu Kochdunklung gerechnet werden. Die Knollen sind rundoval. Die
Keimfreudigkeit liegt im mittleren Bereich.
Montana
präsentierte sich zweijährig mit hohen Marktwareerträgen. Dabei erwies sich das
Erntegut als recht großfallend und die Speisegrößenerträge lagen im knapp mittleren Be-
reich. Montana ist durch einen vergleichsweise niedrigen Stärkegehalt gekennzeichnet. Die
ovalen Knollen sind optisch ansprechend, haben eine hellgelbe Fleischfarbe und neigen we-
nig zu Schwarzfleckigkeit.
Samson
zeigte sich im ersten Prüfjahr mit unterdurchschnittlichen Erträgen. Die Knollen sind
rotschalig und haben eine ovale Form sowie gelbe Fleischfarbe.
Knollen- und Qualitätsmerkmale von Kartoffelsorten
Koch-
typ
Form-
schön-
heit
Au-
gen-
tiefe
Fleisch-
farbe
(gekocht)
Schorf
Ge-
schmack
Koch-
dunk-
lung
Schwarz-
fleckig-
keit
Almonda
A-B
+/0
+/0
gelb
+/0
+
+/++
0/-
Annalena
A-B
+
+
hellgelb
+
+
+
+/++
Ramona
A-B
+
+
tiefgelb
+/0
+/0
0
+
Regina
A-B
+
+
gelb
+/0
+
+
+
Allians
A-B
+
+
gelb
+/0
+
+
+/++
Montana
A-B
+
+
hellgelb
+
+/0
+
+
Samson
A-B
(+)
(+)
gelb
(+)
(+)
(0)
(+/0)
Lilly
B
+
+/0
gelb
+
+
+
0
Loreen
B
(+/0)
(0)
hellgelb
(+/0)
(+)
(+)
(+/0)
Madeira
B
(+)
(+)
hellgelb
(+/0)
(+/0)
(+/++)
(+)
Otolia
B
(+/++)
(+/0)
hellgelb
(+)
(+)
(+)
(+/0)
Peela
B
(+)
(+/0)
hellgelb
(+)
(+)
(+)
(0)
Salinero
B
(+)
(+/0)
gelb
(+/0)
(+)
(+)
(-)
Swing
B
(+)
(+)
gelb
(+)
(+)
(+/0)
(--)
Wendy
B
+/0
+/0
hellgelb
+/0
+
+/0
+/0
Talent
B-C
+/0
+
hellgelb
+/0
+/++
+
0/-
Filou
B-C
+/0
0
hellgelb
+/0
+
+
-
Lucilla
B-C
+
+/0
hellgelb
+/0
+
+
+/0
Nautilus
B-C
(+)
(+/++)
hellgelb
(+/0)
(+)
(+)
(-)
Kochtyp:
A - B = festkochend;
B = vorwiegend festkochend; B - C = mehligkochend
Augentiefe:
++ = sehr flach, + = flach, 0 = mittel
Geschmack:
++ = sehr gut, + = gut, 0 = ausreichend
Anfälligkeit für Schorf, Neigung zu Kochdunklung und Schwarzfleckigkeit:
++ = sehr gering, + = gering, 0 = mittel, - = stark, -- = sehr stark
( ) = vorläufige Einschätzung nach einjähriger Prüfung

5
Vorwiegend festkochende Sorten
Lilly
zeichnet sich durch ein hohes bis sehr hohes Ertragsvermögen aus. Von den mehrjäh-
rig geprüften Sorten erzielte sie auf den Lö-/V-Standorten die höchsten Speisegrößenerträge
und zeigte sich dabei über die Prüfjahre als sehr ertragsstabil. Die Sortierung ist insgesamt
ausgeglichen. Innerhalb der Reifegruppe zählt Lilly zu den späteren Sorte bei der Abreife
des Krautes. Die gelbfleischigen Knollen mit rundovaler Form neigen wenig zu Kochdunk-
lung, können aber in mittlerem Umfang Schwarzfleckigkeit aufweisen. Abweichend von der
Einstufung des Bundessortenamtes beim Kochtyp wird Lilly vom Züchter als mehlig kochen-
de Sorte geführt. Bei den Merkmalen Mehligkeit, Struktur und Konsistenz der gekochten
Knollen wurden aber meist nicht die Einstufungen für eine typische mehlige Sorte erreicht.
Loreen
,
Madeira
,
Otolia
,
Peela, Salinero
und
Swing
standen im ersten Prüfjahr. Loreen
erzielte sehr hohe Marktwareerträge, fiel aber aufgrund des sehr hohen Anteils an Übergrö-
ßen beim Speisegrößenertrag rapide ab. Peela präsentierte sich mit einer ansprechenden
Ertragsleistung, insbesondere beim Speisegrößenertrag. Otolia, Madeira, Salinero und
Swing erreichten insgesamt mittlere Marktwareerträge. Swing wird vom Züchter als mehlig-
kochend beschrieben, in der Beschreibenden Sortenliste ist sie als vorwiegend festkochend
eingestuft. Bei der im Rahmen der LSV durchgeführten Speisewertprüfung ergab sich eine
deutlich geringere Mehligkeit im Vergleich zu Talent.
Wendy
zeigte sich in den Prüfjahren mit insgesamt mittleren Marktwareerträgen und unter-
durchschnittlichen Speisegrößenerträgen. Die rundovalen Ernteknollen mit hellgelber
Fleischfarbe sind meist recht großfallend. Bei der Qualität liegen die Einstufungen im guten
bis mittleren Bereich. Wendy zeichnet sich durch eine sehr geringe Keimfreudigkeit aus, so
dass die Sorte für lange Lagerzeiten besonders geeignet ist.
Mehligkochende Sorten
Talent
zeigte sich in den Prüfjahren meist mit knapp mittleren Marktwareerträgen und deut-
lich unterdurchschnittlichen Speisegrößenerträgen. In den letzten Prüfjahren war das Ernte-
gut recht großfallend. Hervorzuheben sind die guten bis sehr guten Bewertungen im Ge-
schmack. Trotz des hohen Stärkegehaltes und der ausgeprägten Mehligkeit ist die Neigung
zu Schwarzfleckigkeit befriedigend. Talent ist keimruhig und eignet sich daher für eine länge-
re Lagerung.
Filou
erwies sich dreijährig als recht ertragsschwache Kartoffelsorte, insbesondere bei den
Speisegrößenerträgen. Die Sorte kann etwas stärker durch Alternaria befallen werden. Der
Kochtyp ist eindeutig mehligkochend, jedoch ist bei der Qualität keine Verbesserung im Ver-
gleich zu Talent festzustellen. Schwachpunkt ist die starke Neigung zu Schwarzfleckigkeit.
Die Keimfreudigkeit ist gering.
Lucilla
brachte zweijährig knapp mittlere Erträge bei insgesamt ausgeglichener Sortierung.
Stärkegehalt und Grad der Mehligkeit lagen deutlich unterhalb von Talent, so dass Lucilla bei
den Kocheigenschaften im Übergansbereich zwischen vorwiegend festkochend und mehlig-
kochend einzuordnen ist. Die rundovalen Knollen sind formschön und weisen eine hellgelbe
Fleischfarbe auf.