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Erholungsvorsorge
Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 2
Sektorales Zielkonzept
„Landschaftsbezogene Erholungsvorsorge“
Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Annette Decker, Christiana Weber

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 3
Inhalt
1
Einführung ............................................................................................................................................................. 4
2
Überblick über die Ziele des sektoralen Zielkonzeptes Landschaftsbezogene Erholung .............................. 6
2.1
Allgemeine Ziele ...................................................................................................................................................... 6
2.2
Schutzgebiete und Naturerfahrungsräume .............................................................................................................. 7
2.3
Siedlungsnahe Erholungsräume ............................................................................................................................. 8
2.4
Bergbaufolgelandschaften ....................................................................................................................................... 9
2.5
Erschließung der Landschaft ................................................................................................................................... 10
3
Anforderungen an andere Landnutzungen ......................................................................................................... 10
3.1
Siedlung und Verkehr .............................................................................................................................................. 10
3.1.1
Siedlung .................................................................................................................................................................. 10
3.1.2
Verkehr .................................................................................................................................................................... 11
3.2
Handel, Gewerbe und Industrie ............................................................................................................................... 15
3.3
Rohstoffabbau ......................................................................................................................................................... 15
3.4
Landwirtschaft ......................................................................................................................................................... 15
3.5
Forstwirtschaft ......................................................................................................................................................... 16
3.6
Wasserwirtschaft und Wasserversorgung ............................................................................................................... 17
3.7
Energieversorgung .................................................................................................................................................. 17
3.8
Tourismus und Erholung ......................................................................................................................................... 17
4
Synergien mit Zielen anderer Schutz- güter ...................................................................................................... 19
4.1
Schutzgutübergreifende und querschnittsorientierte Ziele....................................................................................... 19
4.1.1
Kulturlandschaft ....................................................................................................................................................... 19
4.1.2
Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme ...................................................................................................... 19
4.1.3
Landschaftszerschneidung ...................................................................................................................................... 19
4.2
Sektorale Ziele ........................................................................................................................................................ 20
4.2.1
Arten- und Biotopschutz .......................................................................................................................................... 20
4.2.2
Boden ...................................................................................................................................................................... 20
4.2.3
Klima ....................................................................................................................................................................... 20
4.2.4
Historische Kulturlandschaft .................................................................................................................................... 20
4.2.5
Landschaftsbild ....................................................................................................................................................... 20
4.2.6
Wasser .................................................................................................................................................................... 20
5
Aufträge an Planungen ......................................................................................................................................... 21
5.1
Allgemeine Aufträge ................................................................................................................................................ 21
5.2
Aufträge an die Regionalplanung ............................................................................................................................ 24
5.2.1
Schutz und Entwicklung der Kulturlandschaft .......................................................................................................... 24
5.2.2
Erschließung der Landschaft für die landschaftsbezogene Erholung ...................................................................... 24
5.2.3
Waldmehrung und Waldschutz ................................................................................................................................ 25
5.2.4
Siedlungsnahe Erholungsräume ............................................................................................................................. 26
5.2.5
Bergbau ................................................................................................................................................................... 26
5.3
Aufträge an die nachgeordnete Landschaftsplanung .............................................................................................. 27
5.3.1
Vorschläge für die Sicherung und Entwicklung eines Freiraumsystems für die landschaftsbezogene Erholung..... 27
6
Literatur .................................................................................................................................................................. 29

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 4
1 Einführung
Die dauerhafte Sicherung des Erholungswertes von Natur und Landschaft gehört zu den Zielen des Natur-
schutzes (vgl §1 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG). Die landschaftsbezogene Erholungsvorsorge sichert, erhält und
entwickelt geeignete Landschaften und Landschaftsausstattungen für Erholungssuchende. Sie dient damit vor
allem der Regeneration der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit des Menschen in naturnahen,
störungsarmen Landschaftseinheiten vorrangig durch sanfte Erholungsformen. Hierbei sollen Grundbedürfnis-
se des Erholungssuchenden wie die körperliche Bewegung, landschaftsästhetische Erfahrungen und gesund-
heitliche Aspekte (z.B. Ruhe und Frischluft) befriedigt werden (vgl. Nohl, 2001). Durch die geringe Bindung an
Anlagen wie z.B. Freizeitparks bildet sie nur einen Teil der raumbezogenen Planungen für den Tourismus.
0 Gemäß § 59 BNatSchG dürfen die freie Landschaft auf Straßen und Wegen sowie ungenutzte Grundstücke
von Erholungssuchenden grundsätzlich betreten werden. Der Wald darf grundsätzlich betreten werden. Das
Betretungsrecht kann aber auf der Grundlage der Waldgesetze eingeschränkt werden. Gewässer und ihre
Uferzonen sind von baulichen Anlagen frei zu halten, um ihren Erholungswert zu bewahren (vgl. § 61
BNatSchG).
„Sanften“ Erholungsformen (z.B. Lauf-, Wander- und Radsport) ist aus naturschutzfachlicher Sicht der Vor-
rang zu geben, da diese im Vergleich zu intensiveren Formen (z.B. Motorsport, Abfahrtsski) die Landschaft
ihrerseits weniger beeinträchtigen. Die Landschaft kann umfassender und störungsfreier vom Erholungssu-
chenden wahrgenommen werden. Die Zugänglichkeit der Landschaft erfordert spezifische Anlagen wie z.B.
Wander- oder Radwege, Sitzgelegenheiten, Wegweiser etc. bis hin zu einem verträglichen Maß an begleiten-
den infrastrukturellen Einrichtungen wie Wanderparkplätze, Schutzhütten und Reiterhöfe. Umweltbildungsan-
gebote dienen darüber hinaus der nachhaltigen Erschließung der Landschaft durch die Öffentlichkeit.
Grundvoraussetzungen für die landschaftsbezogene Erholung ist die Eignung der Natur- und Landschaftsaus-
stattung von Räumen, insbesondere durch:
1. Erlebniswirksamkeit durch das Landschaftsbild, z.B. Biotope mit besonderer ästhetischer Wirksamkeit wie
z.B. alte Eichen- und Buchenbestände, Erlenbrüche, Moorgebiete, Seen, Weiher bis hin zu Badegewäs-
sern, naturnahe Bachtäler, Flussmäander, besondere Talformen (Kerbtäler, Schluchttäler) oder geologi-
sche Aufschlüsse
2. Strukturreichtum (z.B. abwechslungsreiche Bestands- und Alterstruktur in Wäldern oder die Landschaft
gliedernde Grün- und Gewässerstrukturen, Gehölzstrukturen in Agrarlandschaften, prägende Elemente
der landschaftlichen Eigenart wie z.B. Höhenrücken, Kuppen)
3. Kulturhistorische Besonderheiten in der Landschaft, z.B. Streuobstwiesen, alte Solitärbäume, Baumgrup-
pen, Alleen, Hohlwege, Steinwälle, Grenzwälle, Aussichtspunkte, Burgen, Ruinen
4. eine angemessene Erschließung und Zugänglichkeit (überregional bis regional bedeutsamen Wander-,
Rad- oder Reitwegen u. a. Anlagen der touristischen Infrastruktur)
5.
„Störungsarmut“ (z.B. in unzerschnittenen Waldrevieren oder zusammenhängenden Schutzgebieten, wie
Teilbereiche des Nationalparkes (NLP), Biosphärenreservat (BR), Naturparke (NP), Teile von Land-
schaftsschutzgebieten (LSG) mit besonders hochwertiger Naturausstattung
6. geringe Störwirkungen durch andere Nutzungen (z.B. Lärm oder technische Anlagen).

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 5
Hinsichtlich der Schutzwürdigkeit und Belastbarkeit von Räumen in Bezug auf die landschaftsbezogene Erho-
lung können unterschieden werden (vgl. Schemel, 1990):
Taburäume/Ruhezonen als Rückzugsräume für schutzwürdige Tierarten
Naturerholungsgebiete, die ökologisch empfindlich sind und in denen lenkende Maßnahmen eine Übernut-
zung durch Freizeitaktivitäten verhindern
Kulissenräume als attraktive, durch Erholungssuchende belastbare Bereiche
Defiziträume, durch deren landschaftliche Aufwertung das Angebot an attraktiven und belastbaren Erho-
lungsräumen verbessert werden kann.
Aus landschaftsplanerischer Sicht ergeben sich für das Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ vielfälti-
ge Wechselwirkungen und Synergien mit anderen Schutzgütern und Nutzungsanforderungen.
Lesehilfe
Da der LEP 2013 als Verordnung vorliegt, beziehen sich die Zielkonzepte des Fachbeitrags zum Landschafts-
programm auf die Ziele des LEP. Das sektorale Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ des Fachbei-
trags zum Landschaftsprogramm stellt die Ziele zu diesem Schutzgut im Zusammenhang dar und greift dabei
die Formulierungen des LEP 2013 auf.
Über den Zielen befindet sich jeweils eine
schlagwortartige Überschrift
, die die Zielaussage möglichst
knapp zusammenfasst.
Darunter folgt eine Zielaussage, die dem Festlegungsteil des LEP oder den Fachplanerischen Inhalten des
Anhangs 1 entstammt. Ist sie
fettgedruckt
, entspricht sie einer der Formulierung eines Zieles (Z); Grundsat-
zes (G) oder eines Fachlichen Zieles (FZ) des Landschaftsprogramms. Ist sie nicht fettgedruckt, ist sie einer
Begründung im Landschaftsprogramm entnommen.
Hinter einer Zielaussage ist immer die Quelle angegeben, der sie entstammt:
Z
Die Formulierung ist ein Ziel des Festlegungsteils des LEP 2013
G
Die Formulierung ist ein Grundsatz des Festlegungsteils des LEP 2013
FZ Die Formulierung ist ein Fachliches Ziel der Fachplanerischen Inhalte des Anhangs 1 des LEP 2013
B zu Z, G oder FZ
Die Formulierung entstammt einer Begründung zu einem Z, einem G oder einem FZ
Erläuterung
Die Formulierung entstammt einer Erläuterung der Fachplanerischen Inhalten des Anhangs 1
des LEP 2013
Die Bezüge der Fachlichen Ziele des Anhangs 1 zu den Festlegungen des Festlegungsteils sind ergänzend
übernommen.
In manchen Fällen wurden Teile eines Satzes grau hinterlegt. Mit einer grauen Hinterlegung ist die entspre-
chende Quelle markiert, der diese textliche Ergänzung entstammt. In dem folgenden Textbeispiel ist die Er-
gänzung „müssen“ der Begründung zum Ziel entnommen: Das gilt nicht für Vorhaben, die typischerweise in
Flussauen, Flusslandschaften oder Uferbereichen von Standgewässern ihren Standort haben (müssen). (Z
4.1.1.3, B zu Z 4.1.1.3)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 6
In Form kleiner eingerückter Tabellen wird der Text um Begriffsbestimmungen, Begründungen, Erläuterungen,
Hinweise und Kartenhinweise ergänzt.
An manchen Stellen sind Verweise eingefügt, um Doppelungen zu minimieren, das Verständnis des fortlau-
fenden Textes aber zu erhalten. Ein Beispiel:
Weiteres s. Aufträge an die Regionalplanung
2 Überblick über die Ziele des sektoralen
Zielkonzeptes Landschaftsbezogene Erho-
lung
2.1 Allgemeine Ziele
Freiraumsystem für die landschaftsbezogene Erholung entwickeln
Es ist ein ausreichendes und zusammenhängendes Freiraumsystem für die landschaftsbezogene Er-
holung zu schaffen, das Grünflächen innerhalb der Siedlungen mit siedlungsnahen Freiflächen und
nach Möglichkeit auch mit Naherholungsgebieten verbindet. Das Landschaftsbild ist prioritär in die-
sen Räumen zu entwickeln. (FZ 6 Bezug zu Z 2.2.18)
Besonders in Verdichtungsräumen ist daher darauf zu achten, dass ausreichende Flächen der Erholung die-
nen. (B zu FZ 6)
Teile dieses Freiraumverbundsystems für die landschaftsbezogene Erholung sollen durch die Landschafts-
rahmenplanung als regionale Grünzüge oder Grünzäsuren vorgeschlagen werden. (B zu FZ 6)
Begründung
Für die physische und psychische Regeneration aller Menschen müssen ausreichen-
de und gut erschlossene Flächen für die landschaftsbezogene Erholung zur Verfü-
gung stehen, die ein attraktives Landschaftsbild aufweisen und in welchen Natur er-
lebbar ist. Dies erhöht die Lebensqualität von Siedlungen und insbesondere von Ver-
dichtungsgebieten entscheidend. (B zu FZ 6)
Erläuterung
Die Qualität des Landschaftsbildes der Kulturlandschaft ist eine der wesentlichen
Grundlagen für ihre Bedeutung als Erholungslandschaft. Diese Qualität wird maßgeb-
lich von der mehr oder weniger vielfältigen Eigenart der Landschaft gebildet. Teilweise
sind in siedlungsnahen Bereichen Defizite hinsichtlich des Landschaftsbildes festzu-
stellen. (B zu FZ 6)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 7
Folgende Aspekte beziehungsweise Maßnahmen sollen berücksichtigt und umgesetzt werden (B zu FZ 6):
Wildnisgebiete und andere naturschutzfachlich bedeutsame Bereiche sowie Naturerfahrungsräume sollen
unter Berücksichtigung der jeweiligen Schutzbedürftigkeit und der Verkehrssicherungspflicht in Erholungs-
flächen integriert und gegebenenfalls durch Lenkungssysteme behutsam erschlossen werden. Dies schafft
neue Möglichkeiten für die Menschen, die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur zu erleben und hilft damit
das Naturbewusstsein in der Bevölkerung zu stärken.
Auch im Siedlungsbereich sollen naturnahe Erlebnismöglichkeiten mit dem Element Wasser erhalten oder
entwickelt werden. Dazu sollen Gewässerufer grundsätzlich öffentlich zugänglich erhalten werden. Im Rah-
men von Planungen soll darauf hingewirkt werden, auch im Bereich privater Flurstücke Gewässer für die Öf-
fentlichkeit zugänglich zu machen. Ausgewählte naturfern ausgebaute Abschnitte von Fließ- und Standge-
wässern im Siedlungsbereich und am Siedlungsrand sollen renaturiert werden und der Erholung dienen.
Bei der Entwicklung von Bergbaufolgelandschaften sollen sanfte landschaftsbezogene Erholungsnutzungen,
die in der Regel mit geringeren Umweltwirkungen verbunden sind (Wandern, Fahrradfahren, motorloser
Bootsverkehr), angemessen berücksichtigt werden. Erholungsnutzungen sind unter Einbeziehung der Be-
lange des Arten- und Biotopschutzes zu planen und zu fördern (vergleiche Kapitel 2.2.2.1). Im Interesse der
Konfliktminimierung und Besucherlenkung ist auf eine fachlich fundierte räumliche Differenzierung insbe-
sondere zwischen naturschutzfachlichen Schwerpunkten und motorgebundener Freizeitnutzung hinzuwir-
ken.
Beim Ausbau ländlicher Wege sind Belange der landschaftsbezogenen Erholung zu berücksichtigen.
Erholungsnutzung des Freiraumsystems naturverträglich gestalten
Beim Ausbau der landschaftsbezogenen Erholung sind naturverträgliche, konfliktarme und ruhige Erholungs-
formen zu favorisieren, nachhaltige Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu vermeiden und die Ei-
genart der Landschaft zu bewahren. Die Erholungsarten ohne Anlagebezug sind prioritär zu entwickeln. (Er-
läuterung zu FZ 6)
2.2 Schutzgebiete und Naturerfahrungsräume
Ökologische Schutzgebiete in Erholungsflächen integrieren
Wildnisgebiete und andere naturschutzfachlich bedeutsame Bereiche sowie Naturerfahrungsräume sollen
unter Berücksichtigung der jeweiligen Schutzbedürftigkeit und der Verkehrssicherungspflicht in Erholungsflä-
chen integriert und gegebenenfalls durch Lenkungssysteme behutsam erschlossen werden. (B zu FZ 6)
Begründung
Soweit konfliktfrei möglich, soll eine ungelenkte Naturentwicklung für die Allgemeiheit
erlebbar werden. Nirgendwo sonst ist Wissen um ökosystemare Zusammenhänge so
gut vermittelbar. Darüber hinaus können Naturentwicklungsgebiete als Orte unver-
fälschter Naturerfahrung in besonderer Weise der Erholung dienen. (B zu G 4.1.1.18)
Landesplanerisch bedeutsame großflächige Schutzgebiete erhalten und entwickeln
Die Nationalparkregion „Sächsische Schweiz“, das Biosphärenreservat „Oberlausitzer Heide- und
Teichlandschaft“/Biosferowy rezerwat „Hornjołužiska hola a haty", die Naturschutzgebiete „Königs-

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 8
brücker Heide“ und „Gohrischheide und Elbniederterrasse Zeithain“ mit ihren landesweit bedeutsa-
men Lebensräumen sind zur Bewahrung und Beförderung … der kulturlandschaftlichen Bedeutung zu
erhalten und zu entwickeln. (Z 4.1.1.7)
Begründung
Diese Gebiete erfüllen folgende Funktionen:
Nachhaltige Regionalentwicklung (Tourismus und Naturerlebnis, teilweise auch
nachhaltige Flächenbewirtschaftung und naturverträglich erzeugte regionale Güter),
Umweltbildung. (B zu 4.1.1.7)
2.3 Siedlungsnahe Erholungsräume
Lebensqualität von Grünflächen in Siedlungen verbessern
Die Lebensqualität und die natürliche biologische Vielfalt in den Städten und Dörfern soll durch Schaf-
fung und Erhaltung von naturnahen Lebensräumen und Grünflächen innerhalb des Siedlungsgefüges
aufgewertet werden. (G 2.2.2.4)
Für das Naturerleben sind auch Gewässerufer von sehr großer Bedeutung. Daher sollen die Uferzonen der
Gewässer möglichst frei von Bebauung und in ausreichender Breite naturnah entwickelt und in hinreichendem
Maße öffentlich begehbar erhalten werden. (B zu G 2.2.2.4) (B zu FZ 6)
Begründung
Während in den Dörfern davon auszugehen ist, dass dort vielerorts bereits ausrei-
chend naturnahe Lebensräume und Grünflächen vorhanden sind, die es zu erhalten
gilt, ist es in den Städten, und hier vor allem in den Mittel- und Oberzentren, zuneh-
mend wichtig, naturnahe Lebensräume und Grünflächen nicht nur im Interesse der
Verbesserung des Siedlungsklimas, sondern auch zur Förderung der biologischen
Vielfalt und zur Erhöhung der Lebensqualität und Attraktivität der Städte zu erhalten
und auszubauen (vergleiche auch Anhang A 1 „Fachplanerische Inhalte des Land-
schaftsprogramms“). Fehlendes Grün im Wohnumfeld mit Möglichkeiten der Freizeit-
gestaltung für Kinder und Jugendliche stellt einen wesentlichen Grund für die Abwan-
derung gerade junger Familien aus innerstädtischen Bereichen dar. (B zu G 2.2.2.4)
Naturschutzfachlich bedeutsamer Lebensräume und Grünflächen in Siedlungen und deren Umfeld
erhalten und entwickeln
In Dörfern und Städten sowie in ihrem Umfeld sollen naturnahe Lebensräume und Grünflächen sowie
die im Zuge der Überprägung durch menschliches Wirtschaften entstandene naturschutzfachlich be-
deutsame regionaltypische Naturausstattung erhalten und entwickelt werden. (FZ 15)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 9
Begründung
In den Dörfern ist es wichtig, einen hohen Anteil an Grün- und Freiflächen sowie des
regionaltypischen Gehölzbestandes zu erhalten und die Qualität der Grünflächen
stärker darauf auszurichten, dass die biologische Vielfalt erhalten und entwickelt wird.
Die Orientierung an der charakteristischen Eigenart der jeweiligen Siedlung steigert
zugleich die Attraktivität der Kommunen und die Lebensqualität für die in ihnen leben-
den Menschen. (B zu FZ 15)
In das Konzept sind die Potenziale von Brachflächen einzubeziehen … , sei es durch Renaturierung, durch
Eigenentwicklung (ungelenkte Sukzession) oder durch Verknüpfung von Nutzungen wie Erholung oder Klein-
gartenanlagen mit naturschutzfachlichen Aspekten. Dabei ist vor der Durchführung von Renaturierungsmaß-
nahmen immer sorgfältig zu prüfen, ob die Fläche aufgrund der Ausstattung und des Entwicklungspotenzials
nicht besser für die Eigenentwicklung geeignet ist. Es ist aufzuzeigen, wie Aspekte des Arten- und Bio-
topschutzes in Anlage, Pflege und Nutzung innerörtlicher Freiraumanlagen einzubeziehen sind. (B zu FZ 15)
Brachen rekultivieren und renaturieren
Nicht revitalisierbare Brachen sollen rekultiviert und renaturiert werden. (Z 2.2.1.7)
Für diese Flächen kommen auch unter dem Aspekt von Klimaschutz- und Klimaanpassungsstrategien insbe-
sondere land- oder forstwirtschaftliche Nutzungen, naturschutzfachliche Nutzungen (naturnahe Freiflächen,
Verbesserung des Landschaftsbildes) und Erholungsnutzungen in Betracht. (B zu Z. 2.2.1.7)
Begriffsbestimmung
Brachen sind brachliegende und brachfallende Bauflächen, insbesondere Gewerbe-,
Industrie-, Militär- und Verkehrsbrachen sowie nicht mehr nutzbare Anlagen der
Landwirtschaft (… ) (vgl. Z 2.2.1.7, eigene Ergänzung)
2.4 Bergbaufolgelandschaften
Sanfte Erholungsnutzungen angemessen berücksichtigen
Die touristische Entwicklung in den Bergbaufolgelandschaften soll (...) auf Nachhaltigkeit ausgerichtet
werden. (G 2.3.3.3)
Weiteres s. Anforderungen an die Landnutzung (Tourismus und Erholung)
Bei der Entwicklung von Bergbaufolgelandschaften sollen sanfte landschaftsbezogene Erholungsnutzungen,
die in der Regel mit geringeren Umweltwirkungen verbunden sind (Wandern, Fahrradfahren, motorloser
Bootsverkehr), angemessen berücksichtigt werden. Erholungsnutzungen sind unter Einbeziehung der Belange
des Arten- und Biotopschutzes zu planen und zu fördern. Im Interesse der Konfliktminimierung und Besucher-
lenkung ist auf eine fachlich fundierte räumliche Differenzierung insbesondere zwischen naturschutzfachlichen
Schwerpunkten und motorgebundener Freizeitnutzung hinzuwirken. (B zu FZ 6)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 10
2.5 Erschließung der Landschaft
Touristisches Wegenetz entwickeln
Das touristische Wegenetz (unter anderem Wander-, Rad- und Reitwege sowie Skiwanderwege/Loipen
und Wasserstraßen) soll qualitativ verbessert und in seiner Nutzbarkeit gesichert werden. Investitio-
nen sollen vorrangig dem Lückenschluss, aber auch der kontinuierlichen Weiterentwicklung im beste-
henden Netz dienen. (G 2.3.3.10)
Weiteres s. Aufträge an die Planung (Allgemeine Aufträge)
3 Anforderungen an andere Landnutzun-
gen
3.1 Siedlung und Verkehr
3.1.1
Siedlung
Zersiedelung vermeiden
Eine Zersiedelung der Landschaft ist zu vermeiden. (Z 2.2.1.9)
Begriffsbestimmung
Unter der Zersiedelung der Landschaft versteht man ein ungeregeltes Wachstum von
Siedlungen in den unbebauten Raum hinein. Eine Zersiedelung der Landschaft ist
gegeben, wenn die Freiraumfunktion durch bauliche Tätigkeit in einer nach Situierung,
Intensität (Umfang und Maßstab) oder Art über Gebühr gestört (zum Beispiel Land-
schaftsbild) oder belastet (zum Beispiel Naturhaushalt) wird (B Z 2.2.1.9).
Begründung
Eine zunehmende Zersiedelung vereinheitlicht das Landschaftsbild, überprägt histori-
sche Strukturen und häufig die Erlebbarkeit ihrer Zusammenhänge. Verbindungen
zwischen Lebensräumen können unterbrochen werden, die Verbundfunktionen der
Landschaft verschlechtern sich. Darüber hinaus können Kaltluftstaus gefördert und
Frischluftbahnen unterbrochen werden. Mit wachsender Siedlungsgröße erwärmt sich
das Siedlungsklima. (B zu FZ 3)
Zunehmende Zersiedelung führt zu monotonen Siedlungsstrukturen und hätte negati-
ve Auswirkungen auf das Orts- und Landschaftsbild, auf den Luftaustausch, das
Kleinklima und die Erholungsnutzung (B zu Z 2.2.1.9).

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 11
Lebensqualität in Städten und Dörfern erhöhen
Die Lebensqualität und die natürliche biologische Vielfalt in den Städten und Dörfern soll durch Schaf-
fung und Erhaltung von naturnahen Lebensräumen und Grünflächen innerhalb des Siedlungsgefüges
aufgewertet werden. (G 2.2.2.4)
Begründung
Vor allem in den Mittel- und Oberzentren ist es zunehmend wichtig, naturnahe Le-
bensräume und Grünflächen … zur Erhöhung der Lebensqualität und Attraktivität der
Städte zu erhalten und auszubauen (vergleiche auch Anhang A 1 „Fachplanerische
Inhalte des Landschaftsprogramms“). Fehlendes Grün im Wohnumfeld mit Möglich-
keiten der Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendliche stellt einen wesentlichen
Grund für die Abwanderung gerade junger Familien aus innerstädtischen Bereichen
dar. (B zu 2.2.2.4)
Touristische Siedlungsanlagen naturverträglich planen
Camping- und Caravaningplätze sowie Ferienhaus- und Ferienwohnungsanlagen sollen naturverträg-
lich geplant und in Größe, Kapazität und Qualität auf die Leistungsfähigkeit der vorhandenen Infra-
struktur abgestimmt und möglichst an bebaute Ortslagen angebunden werden. (G 2.3.3.5)
Bei der Planung sind naturschutzfachlich besonders wertvolle Bereiche von einer Bebauung möglichst freizu-
halten.
Für touristische Einrichtungen wie zum Beispiel Ferienwohnungen soll bevorzugt ungenutzte Bausubstanz,
wie landschaftstypische und architektonisch wertvolle oder denkmalgeschützte Gebäude oder Gebäudekom-
plexe (alte Bauernhäuser, Gutshöfe, kleine Landschlösser, alte Mühlen), saniert werden. Weiterhin sollen
neue Ferienanlagen prioritär auf Brachflächen in und im Anschluss an Siedlungen geplant werden. (B zu FZ 6)
3.1.2
Verkehr
Unzerschnittene verkehrsarme Räume erhalten
Die unzerschnittenen verkehrsarmen Räume (UZVR) sollen in ihrer Bedeutung für … die landschafts-
bezogene Erholung erhalten und vor Zerschneidung bewahrt werden. In angrenzenden Bereichen sol-
len nicht mehr benötigte, zerschneidend wirkende Elemente zurückgebaut werden. (G 4.1.1.1.)
Begründung
Unzerschnittene verkehrsarme Räume dienen dem Natur- und Landschaftserleben
des Menschen und steigern durch die geringe Lärmbelastung und die guten lufthygie-
nischen Bedingungen die Erholungsqualität. Sie sind eine endliche Ressource (B zu
G 4.1.1.1.)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 12
Ausnahmen
Für die festgelegten „Unzerschnittenen verkehrsarmen Räume mit einer besonders
hohen Wertigkeit für die landschaftsbezogene Erholung“ ist eine Zerschneidung durch
Straßen mit einem prognostizierten Verkehrsaufkommen von mehr als 1 000 Kfz pro
Tag,
zweigleisige Bahnstrecken und eingleisig elektrifizierte,
Flughäfen,
großflächigen Siedlungsneubau im Außenbereich
nur dann zulässig, wenn es sich um ein überregional bedeutsames Vorhaben handelt
und eine raumverträgliche Variante außerhalb der unzerschnittenen verkehrsarmen
Räume nicht realisierbar ist. (Z 4.1.1.2)
Hinweis
Die festgelegten „UZVR mit besonders hoher Wertigkeit für die landschaftsbezogene
Erholung“ erfüllen mindestens eines der folgenden Kriterien:
UZVR-Größe > 100 km²,
UZVR mit Nationalpark-, Naturpark- oder Biosphärenreservatanteil,
FFH-Anteil oder SPA-Anteil > 20 Prozent,
NSG-Anteil > 8 Prozent,
LSG-Anteil > 70 Prozent,
UZVR sind bezüglich der Erholungseignung beziehungsweise des Landschaftsbil-
des mit hoch oder sehr hoch bewertet. (B zu G 4.1.1.1 und Z 4.1.1.2)
Karte
Unzerschnittene verkehrsarme Räume (Landesentwicklungsplan 2013, Anlage III,
Karte 5)
http://www.landesentwicklung.sachsen.de/download/Landesentwicklung/karte05-
uzvr.pdf
Neubau lärmintensiver Verkehrswege vermeiden
In Gebieten, die überwiegend zu Wohn- oder Erholungszwecken genutzt werden, in ruhigen Gebieten
nach § 47d Abs. 2 BImSchG oder in Gebieten, in denen besonders lärmempfindliche Schutzgüter der
Biodiversität vorkommen, soll ein Neubau von lärmintensiven Verkehrswegen grundsätzlich unter-
bleiben. (FZ 39)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 13
Begründung
Lärm als Belastungsfaktor hat eine hohe gesundheitliche Relevanz. Laut Sondergut-
achten des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen (Deutscher Bundestag,
Drucksache 14/2300) liegt der kritische Wert für erhebliche Belästigung bei Mitte-
lungspegeln von 65 dB(A) (außen, tagsüber). Dieser Wert sollte aus Gründen des
vorbeugenden Gesundheitsschutzes vor Wohngebäuden nicht überschritten werden.
Dies entspricht auch den Landesentwicklungsplan Empfehlungen der WHO. Oberhalb
eines Geräuschpegels von 65 dB(A) steigt nach medizinischen Erkenntnissen bei
dauerhafter Exposition das Herzinfarktrisiko signifikant an. Bei Mittelungspegeln über
55 dB(A) während der Nacht ist ein ungestörter Nachtschlaf nicht mehr gewährleistet
und es drohen ebenfalls gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Langzeiteinwirkun-
gen. So steigt beispielsweise das Bluthochdruckrisiko. (B zu FZ 39)
SPN/ÖPNV-Anbindung verbessern
Die Erreichbarkeit bestehender Tourismus- und Naherholungsgebiete durch Einrichtungen des
ÖPNV/SPNV ist durch die Aufgabenträger zu gewährleisten und zu verbessern. Die ÖPNV/SPNV-
Angebote sind mit der Entwicklung neuer Tourismusangebote abzustimmen. (Z 2.3.3.13)
Begründung
Attraktive SPNV/ÖPNV-Anbindungen sind bei der Entwicklung neuer Tourismus- be-
ziehungsweise Freizeitangebote zu integrieren. Sie sollen gleichermaßen sowohl
dazu beitragen, die Erreichbarkeit der Reiseziele in den Tourismusregionen zu ge-
währleisten und damit die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu erhöhen, als auch
die vom motorisierten Individualverkehr ausgehenden Belastungen zu reduzieren. (B
zu Z 2.3.3.13)
Radverkehrsnetz entwickeln
Die Entwicklung eines landesweiten zusammenhängenden Radverkehrsnetzes soll auf Grundlage der
Radverkehrskonzeption für den Freistaat Sachsen unterstützt werden. Dabei sollen die Anforderungen
des … Radtourismus berücksichtigt werden. (G 3.8.1)
Begründung
Der Fahrrad- und Fußgängerverkehr sind wichtige Bestandteile einer nachhaltigen
Mobilität. In den letzten Jahren nehmen sowohl der Alltagsradverkehr als auch der
touristische Radverkehr einen steigenden Anteil am Verkehrsgeschehen ein. Das
Fahrrad ist damit wichtiger Teil eines integrierten Verkehrssystems. Die Nutzung des
Fahrrads ist preisgünstig, fördert die Gesundheit und trägt zur Reduzierung von Fein-
staub- und Schadstoffbelastungen bei. Bestehende Hemmnisse für eine stärkere
Fahrradnutzung sind daher systematisch abzubauen. (B zu 3.8.1)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 14
Vorhandene Straßen und Wege für den Radverkehr nutzen
In die Radverkehrsnetze sind geeignete vorhandene forst- und landwirtschaftliche Wege und öffentli-
che Straßen mit geringer Verkehrsstärke einzubeziehen. (Z 3.8.2)
Bei entsprechender Eignung können auch stillgelegte und von Bahnbetriebszwecken freigestellte Eisenbahn-
strecken (§ 23 AEG) mit einbezogen werden (siehe auch Grundsatz 3.4.2). Im Sinne einer Netzergänzung
sollen die Radwege für den Alltagsverkehr mit den touristisch orientierten Hauptradrouten abgestimmt werden.
(B zu G 3.8.2)
Radverkehr an den ÖPNV anbinden
Zur Förderung des Radverkehrs sollen Fahrradabstellanlagen an öffentlichen Einrichtungen – ein-
schließlich der Stationen und Haltestellen des ÖPNV – eingerichtet werden. Die Mitnahmemöglichkei-
ten von Fahrrädern in Verkehrsmitteln des ÖPNV und der Eisenbahn sollen verbessert werden. (G
3.8.5)
Begründung
Neben den Radwegenetzen sind für die Fahrradnutzung die vorhandenen Abstell-
möglichkeiten von großer Bedeutung. Dies betrifft vor allem Schulen und sonstige
Bildungseinrichtungen, Sport- und Freizeitstätten, Einzelhandelseinrichtungen sowie
Eisenbahnstationen, insbesondere S-Bahn-Stationen und geeignete Haltestellen des
übrigen ÖPNV. Ebenso steigert die Mitnahmemöglichkeit von Fahrrädern in den Ver-
kehrsmitteln des ÖPNV und der Eisenbahn die Attraktivität der Fahrradbenutzung. (B
zu 3.8.5)
Radfernwege entwickeln
Die Radfernwege
D 10 – Elberadweg,
Mulderadweg,
Spreeradweg,
D 12 - Oder-Neiße-Radweg,
Zschopautalradweg,
Radfernweg Sächsische Mittelgebirge,
Sächsische Städteroute,
Elsterradweg,
Froschradweg,
D 4 - Mittellandroute

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 15
sind zu erhalten, zu entwickeln beziehungsweise auszubauen. (Z 3.8.7)
Naherholungsgebiete an den ÖPNV/SPNV anbinden
Die Erreichbarkeit bestehender Tourismus- und Naherholungsgebiete durch Einrichtungen des
ÖPNV/SPNV ist durch die Aufgabenträger zu gewährleisten und zu verbessern. Die ÖPNV/SPNV-
Angebote sind mit der Entwicklung neuer Tourismusangebote abzustimmen. (Z 2.3.3.13)
Begründung
Sie sollen gleichermaßen sowohl dazu beitragen, die Erreichbarkeit der Reiseziele in
den Tourismusregionen zu gewährleisten und damit die Nutzung öffentlicher Ver-
kehrsmittel zu erhöhen, als auch die vom motorisierten Individualverkehr ausgehen-
den Belastungen zu reduzieren. (B zu Z 2.3.3.13)
3.2 Handel, Gewerbe und Industrie
keine Festlegungen
3.3 Rohstoffabbau
Bergbaufolgenutzung nachhaltig gestalten
Die touristische Entwicklung in den Bergbaufolgelandschaften soll (...) auf Nachhaltigkeit ausgerichtet
werden. (G 2.3.3.3)
Weiteres s. Aufträge an die Regionalplanung
Bergbaufolgelandschaften teilweise in die Erholungsnutzung einbinden
In den Regionalplänen sollen im Bereich der Bergbaufolgelandschaften Gewässer oder Teile von Ge-
wässern, an denen eine Neuerschließung beziehungsweise Erweiterung für die Erholungs- oder
Sportnutzung grundsätzlich möglich ist, sowie Flächen, auf denen diese Nutzung wegen unzulässiger
Beeinträchtigungen unterbleiben soll, ausgewiesen werden. Eine freie Zugänglichkeit zu Gewässern
soll gesichert werden. (G 2.3.3.12)
Weiteres s. Aufträge an die Regionalplanung
3.4 Landwirtschaft
Belange der landschaftsbezogenen Erholung bei der Festlegung von VRG Landwirtschaft berücksich-
tigen
Weiteres s. Aufträge an die Regionalplanung

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 16
3.5 Forstwirtschaft
Waldmehrung auch zur Erholungsvorsorge
Der Waldanteil im Freistaat Sachsen ist auf 30 Prozent zu erhöhen. … Zur Unterstützung dieser Zie l-
stellung sind in den Regionalplänen Vorrang- und Vorbehaltsgebiete Waldmehrung festzulegen. (Z
4.2.2.1)
Begründung
Mit dem Waldmehrungsziel wird die räumliche Voraussetzung für die Funktion des
Waldes als natürlicher Speicher für Kohlenstoff sowie die Funktionsfähigkeit des Bo-
dens, des Wasserhaushaltes, der Tier- und Pflanzenwelt sowie des Klimas und der
menschlichen Gesundheit gesichert. …
Die Planungsregion Leipzig-Westsachsen hat landesweit den geringsten Waldanteil.
…. Mit der Waldmehrung in der Region soll auch … den zahlreichen positiven Wech-
selwirkungen … für die Naherholung, die Lebensqualität und damit auch für die regio-
nale und überregionale Standortattraktivität Rechnung getragen werden. (B zu Z
4.2.2.1)
Weiteres s. Aufträge an die Regionalplanung
Großflächig naturnahe Waldkomplexe erhalten und entwickeln
Die großflächig naturnahen Waldkomplexe von landesweiter Bedeutung in Karte A 1.5 sind zu erhalten, vor
Beeinträchtigungen zu schützen und naturnah zu entwickeln. Angrenzende Wälder sollen nach Möglichkeit
ebenfalls naturnah entwickelt oder umgebaut werden, um die Fläche der naturnahen Waldkomplexe langfristig
zu erhöhen. (FZ 13)
Begründung
Zusammenhängende, größere naturnahe Waldflächen bedürfen aufgrund ihrer gro-
ßen Bedeutung für den Schutz als Anschauungs- und Studienobjekte für natürliche
Waldgesellschaften, für die naturgebundene Erholung … eines besonderen Schutzes
und einer behutsamen naturnahen Entwicklung. (B zu FZ 13).
Karte
A 1.5 Großflächig naturnahe Waldkomplexe (Landesentwicklungsplan 2013, Anhang A
1 Fachplanerische Inhalte des Landschaftsprogramms)
(http://www.landesentwicklung.sachsen.de/download/Landesentwicklung/a5_waldkompl
exe.pdf
)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 17
3.6 Wasserwirtschaft und Wasserversorgung
Belange der landschaftsbezogenen Erholung bei der Festlegung von Bereichen der Landschaft mit
besonderen Nutzungsanforderungen“ berücksichtigen
Weiteres s. Aufträge an die Regionalplanung
3.7 Energieversorgung
Bei Planung und Bau von Windenergieanlagen Kriterien der Erholungsvorsorge einbeziehen
Weiteres s. Aufträge an die nachgeordnete Landschaftsplanung
3.8 Tourismus und Erholung
Landschaftsbezogene Erholung in Tourismusregionen ausbauen
Urlaub im ländlichen Raum, naturverträgliche Erholungsnutzungen, Wasser- und Aktivtourismus sol-
len in den dafür geeigneten Regionen als attraktive Angebote des Tourismus ausgebaut und weiter
entwickelt werden. (G 2.3.3.7)
Im Interesse der Nachhaltigkeit dieser Attraktivitätssteigerung ist auf den Erhalt der naturräumlichen Eigenhei-
ten, des gebietsspezifischen Arteninventars, von unzerschnittenen naturnahen Gebieten und auf einen funkti-
onsfähigen Biotopverbund besonderer Wert zu legen. In den sächsischen Tourismusregionen dienen die Na-
turparke Dübener Heide, Erzgebirge-Vogtland, Zittauer Gebirge und Muldenland (in Gründung) dabei in be-
sonderem Maße einer naturbetonten und naturverträglichen Erholung. (B zu G.2.3.3.7)
Ferien- und Umweltbildungseinrichtungen und -programme, insbesondere für Kinder und Jugendliche, wie
Naturerlebnisangebote sollen erhalten und entwickelt werden. Das touristische Angebot einer Region soll
durch Naturerlebnisbereiche (Lehrpfade, Beobachtungstürme und so weiter), Umweltbildungsprogramme für
Familien, Kinder und Jugendliche sowie geeignete Unterkünfte für Kinder- und Jugendgruppen sinnvoll er-
gänzt werden. (Erläuterung zu FZ 6)
Erholungsmöglichkeiten in Bergbaufolgelandschaften abwägen
Die Bergbaufolgelandschaften „Lausitzer Seenland“ (Łužiska jězorina), „Leipziger Neuseenland“ so-
wie weitere Tagebaufolgeseen sollen im Hinblick auf die touristische, einschließlich tagestouristische,
Nutzung entwickelt und soweit möglich mit angrenzenden Tourismusregionen vernetzt werden. Die
touristische Entwicklung in den Bergbaufolgelandschaften soll (...) auf Nachhaltigkeit ausgerichtet
werden. (G 2.3.3.3)
Die Seenlandschaften bieten Raum für Trendsportarten, denen im dicht besiedelten Bundesgebiet sonst nicht
nachgegangen werden kann. Aus Gründen des Lärmschutzes ebenso wie zum Schutz der naturverbundenen
beziehungsweise Erholung suchenden Touristen und zum Schutz von Natur und Landschaft sind entspre-
chende Bereiche auszuwählen. (B zu G 2.3.3.3)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 18
Naturverträgliche Wegevernetzung
Die als Vorrang- und Vorbehaltsgebiete Kulturlandschaftsschutz festgelegten Bereiche der Kultur-
landschaft sollen naturverträglich in das Wander-, Rad- und Reitwegenetz eingebunden werden. Dazu
sollen bei dem für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung beziehungsweise die Gewässerunterhal-
tung erforderlichen Ausbau ländlicher Wege auch Belange der landschaftsbezogenen Erholung be-
rücksichtigt werden. (G 4.1.1.13)
Lückenschluss des bestehenden touristischen Wegenetzes
Investitionen sollen vorrangig dem Lückenschluss, aber auch der kontinuierlichen Weiterentwicklung
im bestehenden Netz dienen. (G 2.3.3.10)
Für den Lückenschluss des touristischen Wegenetzes sollen möglichst bestehende Wege genutzt werden und
er soll in natur- und landschaftsverträglicher Weise erfolgen. Insbesondere sollen störungsempfindliche Tierar-
ten und Gebiete nicht beeinträchtigt werden. (B und Erläuterung zu FZ 6)
Touristische Nutzungsanlagen abseits ökologisch hochwertiger Gebiete
Weiteres s. Aufträge an Planungen (allgemeinde Aufträge)
Nutzung geeigneter vorhandener touristischer Infrastruktur
Für touristische Einrichtungen wie zum Beispiel Ferienwohnungen soll bevorzugt ungenutzte Bausubstanz,
wie landschaftstypische und architektonisch wertvolle oder denkmalgeschützte Gebäude oder Gebäudekom-
plexe (alte Bauernhäuser, Gutshöfe, kleine Landschlösser, alte Mühlen), saniert werden. Weiterhin sollen
neue Ferienanlagen prioritär auf Brachflächen in und im Anschluss an Siedlungen geplant werden. (B zu FZ 6)
Anpassung des Tourismus an den Klimawandel
In den Mittelgebirgen als traditionelle Tourismus- und Naherholungsgebiete sollen unter Beachtung
des fortschreitenden Klimawandels Anpassungsprozesse eingeleitet werden, die eine nachhaltige
Entwicklung der Gebiete auch unter Berücksichtigung von grenzüberschreitenden Tourismusangebo-
ten sicherstellen. (G 2.3.3.9)
Der Aufbau von Ganzjahres- und winterunabhängigen Aktivangeboten steht dabei im Vordergrund. (B zu G
2.3.3.9)
Erläuterung
Die höheren Lagen der sächsischen Mittelgebirge haben seit jeher eine besondere
Bedeutung im Wintersport. Sie sind für die Einwohner der dicht besiedelten Verdich-
tungsräume beziehungsweise der Großstädte auch mit dem ÖPNV gut erreichbar und
haben unter anderem eine besondere Naherholungsfunktion. (B zu G 2.3.3.9)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 19
4 Synergien mit Zielen anderer Schutz-
güter
4.1 Schutzgutübergreifende und querschnittsorientierte Ziele
4.1.1
Kulturlandschaft
Die Sicherung und Entwicklung der Kulturlandschaft z.B. durch die Festlegung von Vorrang- und Vorbehalts-
gebieten Kulturlandschaftsschutz dient auch ihrer Funktion als Erholungslandschaft. Kulturlandschaften sind
der Lebensraum, in denen sich Menschen erholen, sich kulturell betätigen, Natur erleben und historische
Landnutzungen kennen lernen. Aus diesem Grunde sollten nicht nur die regional unterschiedliche Eigenarten
und Schönheit der Kulturlandschaft geschützt und erhalten sondern auch in umweltverträglichem Maße der
Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. (B zu FZ 1)
Bei raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen, die Auswirkungen auf das Landschaftsbild haben kön-
nen, sollen die für die Ausweisung des jeweiligen Vorrang- bzw. Vorbehaltsgebietes Kulturlandschaftsschutz
zu Grunde gelegten Kriterien zur Beurteilung der Erheblichkeit der Beeinträchtigung des Gebietes, herange-
zogen werden. (B zu Z 4.1.1.12)
Besonders bedeutsame Bereiche der Kulturlandschaft müssen geschützt und im Hinblick auf die landschafts-
bezogene Erholung besonders behutsam entwickelt werden (Leitbilder für die Kulturlandschaftsentwicklung,
vgl. B zu Z 4.1.11). Weniger bedeutsame Bereiche sollten so entwickelt werden, dass ihre historische Entwick-
lung ablesbar bleibt, die Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes sowie die Erlebbarkeit von Natur und
Landschaft und insbesondere naturnahe Bereiche gefördert werden. (vgl. B zu FZ 1)
4.1.2
Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme
Eine Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme dient grundsätzlich der Bewahrung der Landschaft für die
Erholung und insbesondere der für die landschaftsbezogene Erholung förderlichen zusammenhängenden
oder im Verbund wirkenden Flächen inklusive ihrer Ausstattungsmerkmale (z.B. natürliche und kulturhistori-
sche Eigenart der Landschaft, ästhetische Schönheit des Landschaftsbildes, geringe Lärmbelastung, lufthygi-
enische Bedingungen).
4.1.3
Landschaftszerschneidung
Möglichst große unzerschnittene verkehrsarme Räume, in denen zusammenhängende naturnähere Bereiche
erlebbar sind, bilden ein wertvolles Potenzial für die Erholungsvorsorge. In diesen Landschaften haben sich
häufig naturnahe oder strukturreiche Bereiche erhalten. Teile solcher Gebiete unterliegen auch dem Prozess-
schutz und bieten eine besondere und heute selten gewordene Möglichkeit der Naturerfahrung (vgl. FZ 1).
Unzerschnittene verkehrsarme Räume dienen aber nicht nur dem Natur- und Landschaftserleben des Men-
schen sondern begünstigen durch ihre geringe Lärmbelastung und die guten lufthygienischen Bedingungen
die menschliche Erholung (B zu G 4.1.1.1 und Z 4.1.1.2).

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 20
4.2 Sektorale Ziele
4.2.1
Arten- und Biotopschutz
Synergien für die Ziele der landschaftsbezogenen Erholung mit denen des Arten und Biotopschutzes beste-
hen v. a. dann, wenn Schutzgebiete für Arten und Biotope mit ihrer Struktur und Ausstattung gleichermaßen
attraktiv für Erholungssuchende sind (z.B. naturschutzfachlich bedeutsame dörfliche Freiraumbereiche mit
gehölzbestandenen Bachauen, Weiden, Wiesen oder Hecken oder auch großflächigere Naturschutzgebiete).
Darüber hinaus leisten Naturentwicklungsgebiete einen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und
zum Prozessschutz. Sie dienen als Orte „unverfälschter Naturerfahrung“ in besonderer Weise der Erholung
(B zu G 4.1.1.18). In ihnen kann die ungelenkte Naturentwicklung für die Allgemeinheit erlebbar werden. Dies
schafft neue Möglichkeiten für die Menschen, die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur zu erleben und hilft
damit das Naturbewusstsein in der Bevölkerung zu stärken. (vgl. B zu FZ 6).
4.2.2
Boden
Seltene Böden oder Böden mit hoher landschafts- oder kulturgeschichtlicher Bedeutung wie z.B. Bodenbil-
dungen des Periglazials (z.B. Eiskeilpseudomorphose) oder Böden mit besonderer Nutzungsgeschichte (z.B.
Plaggenesche) sind als Böden mit besonderer Funktionalität zu sichern. (Z 4.1.1.3) Dadurch bleibt die Sicht-
und Erlebbarkeit dieser Aspekte der natürlichen und kulturhistorischen Entwicklungen in Landschaften erhal-
ten.
4.2.3
Klima
Maßnahmen sowohl des Klimaschutzes als auch zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels dienen dem
Schutz und der Verbesserung der landschaftsbezogenen Erholung aus gesundheitlicher Sicht, insbesondere
durch Verringerung der Wärme- und Schadstoffbelastung (vgl. Fachliche Inhalte des Landschaftsprogramms,
Kapitel 5, betrifft Räume nach G.4.1.1.1 s. B zu G 4.1.1.1 sowie Z 4.1.4.1 und G 4.1.4.2).
4.2.4
Historische Kulturlandschaft
Historische Kulturlandschaftselemente prägen in ihren regional unterschiedlichen Ausformungen die Eigenart
der sächsischen Landschaften. Als Relikte sind sie Beispiele für überkommene Landnutzungsformen mit de-
ren Hilfe sich auch die Entwicklung der Landschaften zeigen lässt. Durch den Schutz einzelner Elemente
oder zusammenhängender Bereiche der historischen Kulturlandschaft, wie z. B. Steinrücken und Heckenland-
schaften oder komplexer Freiraumstrukturen in Dörfern steigt die Attraktivität des Landschaftsbildes für den
Besucher und damit auch der Erholungswert. (vgl. fachplanerische Inhalte des Landschaftsprogramms FZ 1,
FZ 4, FZ 6).
4.2.5
Landschaftsbild
Attraktive Landschaftsbilder sind eine wesentliche Grundlage für die Bedeutung der Kulturlandschaft als Erho-
lungslandschaft. Kulturlandschaften, die hinsichtlich ihres Landschaftsbildes als besonders schön, naturnah
oder abwechslungsreich wahrgenommen werden (z.B. zusammenhängende naturnah strukturierte Wälder mit
hoher Erlebniswirksamkeit), bieten ein großes Potenzial für die landschaftsbezogene (vgl. FZ 1).
4.2.6
Wasser
Still- und Fließgewässer mit ihren Ufer- bzw. Auenbereichen prägen das Bild von Landschaften in entschei-
dender Weise mit und besitzen Wert für das Erleben von Wasser und Aktivitäten an und im Wasser durch den
Erholungssuchenden. Außerdem besitzen künstliche Gewässer wie z. B. Fischteiche, Talsperren und Berg-
baufolgeseen Potenzial für Erholungsnutzungen, und müssen ihrerseits in ihrer kulturlandschaftlichen Eigen-
art vor zu intensiver Nutzung geschützt werden (z.B. FZ 6). Ökologisch funktionsfähige Auenabschnitte haben

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 21
aufgrund ihrer ästhetischen Wirkung besonderen Wert für das Lebensumfeld in Siedlungsbereichen. Daher
sollten die Uferzonen von Gewässern möglichst frei von Bebauung und in ausreichender Breite naturnah ent-
wickelt sowie öffentlich begehbar gehalten werden (vgl. B zu G 2.2.2.4).
5 Aufträge an Planungen
5.1 Allgemeine Aufträge
Einbindung Vorrang- und Vorbehaltsgebiete Kulturlandschaftsschutz in das Wegenetz
Die als Vorrang- und Vorbehaltsgebiete Kulturlandschaftsschutz festgelegten Bereiche der Kultur-
landschaft sollen naturverträglich in das Wander-, Rad- und Reitwegenetz eingebunden werden. Dazu
sollen bei dem für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung beziehungsweise die Gewässerunterhal-
tung erforderlichen Ausbau ländlicher Wege auch Belange der landschaftsbezogenen Erholung be-
rücksichtigt werden. (G 4.1.13)
Regional und überregional abgestimmte Entwicklung der Bergbaufolgelandschaften
Die Bergbaufolgelandschaften „Lausitzer Seenland“ (Łužiska jězorina), „Leipziger Neuseenland“ so-
wie weitere Tagebaufolgeseen sollen im Hinblick auf die touristische, einschließlich tagestouristische,
Nutzung unter Berücksichtigung weiterer Raumansprüche entwickelt und soweit möglich mit angren-
zenden Tourismusregionen vernetzt werden. Die touristische Entwicklung in den Bergbaufolgeland-
schaften soll regional, bei Ausdehnung über Ländergrenzen hinweg auch überregional, abgestimmt
und auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. (G 2.3.3.3)
Begründung
Die Seenlandschaften bieten Raum für Trendsportarten, denen im dicht besiedelten
Bundesgebiet sonst nicht nachgegangen werden kann. (B zu G 2.3.3.3)
Aus Gründen des Lärmschutzes ebenso wie zum Schutz der naturverbundenen beziehungsweise Erholung
suchenden Touristen und zum Schutz von Natur und Landschaft sind entsprechende Bereiche auszuwählen.
(B zu G 2.3.3.3)
Sicherung der Grünflächen, der naturnahen Lebensräume und der regionaltypischen Naturausstattung
von den Trägern der Bauleitplanung
In Dörfern und Städten sowie in ihrem Umfeld sollen naturnahe Lebensräume und Grünflächen sowie
die im Zuge der Überprägung durch menschliches Wirtschaften entstandene naturschutzfachlich be-
deutsame regionaltypische Naturausstattung erhalten und entwickelt werden. Diese Flächen sollen bei
der Siedlungsentwicklung von den Trägern der Bauleitplanung berücksichtigt und gesichert werden.
(FZ 15)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 22
Regionale Grünzüge und Grünzäsuren von Bebauung frei halten
Regionale Grünzüge und Grünzäsuren sind von Bebauung im Sinne einer Besiedlung und von ande-
ren funktionswidrigen Nutzungen freizuhalten. (Z 2.2.1.8, FZ 6)
Weiteres s. Aufträge an die Regionalplanung
Touristische Nutzungsanlagen abseits ökologisch hochwertiger Gebiete
Großflächige Freizeiteinrichtungen und Sportanlagen sowie Flächen für Großveranstaltungen und
überregionale Höhepunkte mit erheblicher überörtlicher Raumbedeutsamkeit sollen abseits ökolo-
gisch hochwertiger Gebiete auf Standorte mit schon bestehenden oder geplanten intensiven Nutzun-
gen konzentriert werden, regional abgestimmt und mit dem ÖPNV erreichbar sein. (G 2.3.3.11)
Begründung
Großflächige Freizeit- und Sporteinrichtungen sowie eine Flächeninanspruchnahme
für Großveranstaltungen und überregionale Höhepunkte greifen in den Naturhaushalt
und das Landschaftsbild ein und haben nachhaltige Auswirkungen auf die Umgebung.
Die Ansiedlung beziehungsweise Durchführung von Veranstaltungen soll deshalb
nach Möglichkeit in Gebieten erfolgen, die dafür geeignet und belastbar sind. Dies
sind Natur schonend in der Regel Standorte an Verkehrsachsen. Da solche Vorhaben
mit intensiver Flächennutzung und umfangreichen Eingriffen in das Landschaftsbild,
aber auch der Notwendigkeit hoher Beherbergungskapazitäten sowie einem starken
Ausbau der Infrastruktur verbunden sind, wirkt eine Konzentration auf bereits touris-
tisch genutzte Gebiete oder auf Brachen einer Zersiedlung der Landschaft entgegen
und ermöglicht die Nutzung bereits vorhandener Infrastruktur. (B zu G 2.3.3.11)
Dies schließt nicht aus, dass in begründeten Einzelfällen neue Standorte erschlossen werden können. … (B
zu G 2.3.3.11)
Touristische Siedlungsanlagen naturverträglich planen
Camping- und Caravaningplätze sowie Ferienhaus- und Ferienwohnungsanlagen sollen naturverträg-
lich geplant und in Größe, Kapazität und Qualität auf die Leistungsfähigkeit der vorhandenen Infra-
struktur abgestimmt und möglichst an bebaute Ortslagen angebunden werden. (G 2.3.3.5)
Bei der Planung sind naturschutzfachlich besonders wertvolle Bereiche von einer Bebauung möglichst freizu-
halten.
Für touristische Einrichtungen wie zum Beispiel Ferienwohnungen soll bevorzugt ungenutzte Bausubstanz,
wie landschaftstypische und architektonisch wertvolle oder denkmalgeschützte Gebäude oder Gebäudekom-
plexe (alte Bauernhäuser, Gutshöfe, kleine Landschlösser, alte Mühlen), saniert werden. Weiterhin sollen
neue Ferienanlagen prioritär auf Brachflächen in und im Anschluss an Siedlungen geplant werden. (B zu FZ 6)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 23
Weiterentwicklung des touristischen Wegenetzes
Das touristische Wegenetz (unter anderem Wander-, Rad- und Reitwege sowie Skiwanderwege/Loipen
und Wasserstraßen) soll qualitativ verbessert und in seiner Nutzbarkeit gesichert werden. Investitio-
nen sollen vorrangig dem Lückenschluss, aber auch der kontinuierlichen Weiterentwicklung im beste-
henden Netz dienen. Bei der Weiterentwicklung des touristischen Wegenetzes sollen die länder- und
grenzübergreifenden Aspekte hinsichtlich der Wegegestaltung berücksichtigt werden. (G 2.3.3.10)
Begründung
Das Netz der touristischen Wege bildet eine wesentliche Komponente für die Entwick-
lung des Aktivtourismus in Sachsen. Daher ist die Qualität des bestehenden Netzes
zu sichern, um die Attraktivität auf diesem Gebiet langfristig zu erhalten.
In begründeten Einzelfällen wird neben einer qualitativen Weiterentwicklung des
Wegenetzes der Bedarf zur Optimierung im Lückenschluss innerhalb des bestehen-
den Netzes gesehen. (B zu G 2.3.3.10)
Einbindung bereits vorhandener Wege und Straßen für das touristische Wegenetz
In die Radverkehrsnetze sind geeignete vorhandene forst- und landwirtschaftliche Wege und öffentli-
che Straßen mit geringer Verkehrsstärke einzubeziehen. (G 3.8.2)
Begründung
Der Fahrrad- und Fußgängerverkehr sind wichtige Bestandteile einer nachhaltigen
Mobilität. In den letzten Jahren nehmen sowohl der Alltagsradverkehr als auch der
touristische Radverkehr einen steigenden Anteil am Verkehrsgeschehen ein. Das
Fahrrad ist damit wichtiger Teil eines integrierten Verkehrssystems. (B zu G .3.8.2)
Die Radverkehrskonzeption 2005 bildet die Grundlage zur Förderung des Radverkehrs im Rahmen einer inte-
grierten Verkehrspolitik und soll fortgeschrieben werden. Generell ist die jeweils aktuelle Fassung der Radver-
kehrskonzeption zur Entwicklung des landesweiten zusammenhängenden Radverkehrsnetzes zu Grunde zu
legen. Radfernwege, Regionale Hauptradrouten und sonstige Strecken des SachsenNetz Rad sollen durch
die Regionalplanung in geeigneter Form durch Festlegungen gesichert werden. Ergänzend können hierbei die
Radverkehrskonzeptionen der Landkreise berücksichtigt werden. (B zu G 3.8.2)
Erreichbarkeit von Tourismus- und Naherholungsgebieten verbessern
Die Erreichbarkeit bestehender Tourismus- und Naherholungsgebiete durch Einrichtungen des
ÖPNV/SPNV ist durch die Aufgabenträger zu gewährleisten und zu verbessern. Die ÖPNV/SPNV-
Angebote sind mit der Entwicklung neuer Tourismusangebote abzustimmen. (G 2.3.3.13)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 24
Begründung
Attraktive SPNV/ÖPNV-Anbindungen sind bei der Entwicklung neuer Tourismus- be-
ziehungsweise Freizeitangebote zu integrieren. Sie sollen gleichermaßen sowohl
dazu beitragen, die Erreichbarkeit der Reiseziele in den Tourismusregionen zu ge-
währleisten und damit die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu erhöhen, als auch
die vom motorisierten Individualverkehr ausgehenden Belastungen zu reduzieren. (B
zu G 2.3.3.13)
5.2 Aufträge an die Regionalplanung
5.2.1
Schutz und Entwicklung der Kulturlandschaft
Leitbilder Kulturlandschaftsschutz auch im Hinblick auf den Erholungswert der Landschaft entwickeln
Die Leitbilder für die Kulturlandschaftsentwicklung sind im Rahmen der Regionalplanung für die ein-
zelnen Landschaftseinheiten der sächsischen Kulturlandschaft gemäß Karte 6 aufzustellen. (Z
4.1.1.11)
Begründung
Nach § 9 BNatSchG besteht die Verpflichtung, die Erfordernisse und Maßnahmen zur
Umsetzung des Zieles „Erhaltung und Entwicklung von Vielfalt, Eigenart und Schön-
heit sowie des Erholungswertes von Natur und Landschaft“ zu entwickeln und festzu-
legen. Ein Mittel hierzu ist die Vorgabe von Leitbildern für die Kulturlandschaftsent-
wicklung. (B zu Z 4.1.11)
Karte
Karte 6 „Landschaftsgliederung“
(http://www.landesentwicklung.sachsen.de/download/Landesentwicklung/karte06-
landschaft.pdf
)
Unter Berücksichtigung der verschiedenen Nutzungsanforderungen, insbesondere des Tourismus, der Naher-
holung, der Energie-, Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, sowie der Auswirkungen des demografischen
Wandels beinhalten die Leitbilder die Aspekte:
Erholungswert der Landschaft. (B zu 4.1.1.11)
5.2.2
Erschließung der Landschaft für die landschaftsbezogene Erholung
Radrouten raumordnerisch sichern
In den Regionalplänen sollen die Radfernwege und regionalen Hauptradrouten unter Berücksichtigung
der Radverkehrskonzeption für den Freistaat Sachsen in geeigneter Form raumordnerisch gesichert
werden. (G 3.8.1)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 25
Die Radverkehrskonzeption 2005 bildet die Grundlage zur Förderung des Radverkehrs im Rahmen einer inte-
grierten Verkehrspolitik und soll fortgeschrieben werden. Generell ist die jeweils aktuelle Fassung der Radver-
kehrskonzeption zur Entwicklung des landesweiten zusammenhängenden Radverkehrsnetzes zu Grunde zu
legen. Radfernwege, Regionale Hauptradrouten und sonstige Strecken des SachsenNetz Rad sollen durch
die Regionalplanung in geeigneter Form durch Festlegungen gesichert werden. Ergänzend können hierbei die
Radverkehrskonzeptionen der Landkreise berücksichtigt werden.
(B zu G 3.8.1)
5.2.3
Waldmehrung und Waldschutz
Den Wald auch zur Erholungsvorsorge mehren
Der Waldanteil im Freistaat Sachsen ist auf 30 Prozent zu erhöhen. Zur Unterstützung dieser Zielstel-
lung sind in den Regionalplänen Vorrang- und Vorbehaltsgebiete Waldmehrung festzulegen. (Z 4.2.2.1)
Die räumliche Konkretisierung der regionalen Waldmehrungsziele durch die Ausweisung von Vorrang- und
Vorbehaltsgebieten Waldmehrung in den Regionalplänen soll auf der Grundlage u. a. folgender Kriterien er-
folgen (B zu 4.2.2.1):
Umwandlung von Bereichen, die in der Naherholungszone von Siedlungsbereichen mit hoher Einwohner-
dichte liegen und die derzeit eine geringe lokalklimatische Entlastungswirkung aufweisen, in Bereiche mit lo-
kalklimatischer Ausgleichswirkung gegenüber sommerlicher Hitzebelastung.
Vorrang- und Vorbehaltsgebiete zum Schutz des vorhandenen Waldes auch aus Gründen der Erho-
lungsvorsorge festlegen
In den Regionalplänen sind Vorrang- und Vorbehaltsgebiete zum Schutz des vorhandenen Waldes
festzulegen (Z 4.2.2.2).
Insbesondere soll die raumordnerische Sicherung bestehender Wälder deren besonderer Bedeutung bei
gleichzeitiger Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion Rechnung tragen. Dies bedeutet nicht, dass alle Funktio-
nen gleichmäßig stark ausgeprägt sein müssen. Beispielsweise erfüllen Totalreservate und Naturwaldzellen
keine Nutzfunktion. (B 4.2.2.2)
Hinweis
Waldflächen sind nach dem Sächsischen Waldgesetz in ihrem Bestand geschützt.
Ihre Umwandlung zugunsten einer anderen Nutzung bedarf der Genehmigung. Eine
raumordnerische Sicherung darüber hinaus ist sinnvoll, wenn:
Wälder vor dem Hintergrund der Kriterien nach Ziel 4.2.2.1 (Waldmehrung) beson-
ders bedeutsam sind,
Wälder in ihren Funktionen, wie sie sich aus der Waldfunktionenkartierung ergeben,
eine besondere Bedeutung haben. (B zu Z. 4.2.2.2)
Zur Gebietsfestlegung sind auch neue Datengrundlagen, die insbesondere mit der Waldbiotopkartierung und
der FFH-Managementplanung beziehungsweise dem FFH-Grobmonitoring sowie der Bundeswaldinventur
entstehen, angemessen zu berücksichtigen (B zu FZ 13).

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 26
5.2.4
Siedlungsnahe Erholungsräume
Regionale Grünzüge auch zur Stärkung der Erholungsfunktion festlegen
In den Regionalplänen sind siedlungsnahe, zusammenhängende Bereiche des Freiraumes mit unter-
schiedlichen ökologischen Funktionen oder naturnahen Erholungsmöglichkeiten als Regionale Grün-
züge festzulegen.
Z
ur Verhinderung des Zusammenwachsens dicht beieinander liegender Siedlungs-
gebiete, insbesondere im Zuge von Achsen, sind Grünzäsuren festzulegen. Regionale Grünzüge und
Grünzäsuren sind von Bebauung im Sinne einer Besiedlung und von anderen funktionswidrigen Nut-
zungen freizuhalten. (Z 2.2.1.8, FZ 6)
Begründung
Regionale Grünzüge und Grünzäsuren sind … nicht nur ein Instrument zur Gliederung
der Siedlungsstruktur, sondern sind insbesondere auch als Instrument zur Freiraum-
struktur (im Sinne von § 8 Abs. 5 Nr. 2 ROG) mit Sicherungs- und Koordinierungs-
funktion anzusehen.
Daher können den Regionalen Grünzügen und Grünzäsuren folgende Funktionen
zukommen:
Stärkung der Erholungsfunktion. (B zu Z 2.2.1.8)
Sowohl Regionale Grünzüge als auch Grünzäsuren sollen durch die Regionalplanung so festgelegt werden,
dass einer Zersiedelung der Landschaft maßgeblich entgegengewirkt wird. Insbesondere ist durch die Festle-
gung von Regionalen Grünzügen und Grünzäsuren in den Regionalplänen das Zusammenwachsen von Sied-
lungen zu verhindern. (B zu Z 2.2.1.8)
Die Regionalplanung kann im Zusammenhang mit der Festlegung von Grünzügen und Grünzäsuren konkreti-
sieren, welche Anlagen als funktionswidrige Nutzungen anzusehen sind. (B zu Z 2.2.1.8)
Begriffsbestimmung
Unter funktionswidrigen Nutzungen sind großvolumige bauliche Anlagen oder Anla-
gen mit einer umfangreichen Versiegelung zu verstehen, die geeignet sind, den regi-
onalen Grünzug oder die Grünzäsur in ihrer Funktion zu beeinträchtigen. Dazu gehö-
ren
unter
anderem
auch
großflächige
Freizeitanlagen
und
Photovoltaik-
Freiflächenanlagen. (B zu Z 2.2.1.8)
5.2.5
Bergbau
Für die touristische Erschließung geeignete sowie ungeeignete Gebiete in Bergbaufolgelandschaften
ausweisen
In den Regionalplänen sollen im Bereich der Bergbaufolgelandschaften Gewässer oder Teile von Ge-
wässern, an denen eine Neuerschließung beziehungsweise Erweiterung für die Erholungs- oder
Sportnutzung grundsätzlich möglich ist, sowie Flächen, auf denen diese Nutzung wegen unzulässiger

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 27
Beeinträchtigungen unterbleiben soll, ausgewiesen werden. Eine freie Zugänglichkeit zu Gewässern
soll gesichert werden. (G 2.3.3.12)
Begründung
Grundsätzlich trägt die touristische Erschließung der bereits vorhandenen bezie-
hungsweise entstehenden Seen in den Bergbaufolgelandschaften zur räumlich breite-
ren Verteilung der Nutzung von Wasserflächen bei. Die Ausweisung von Gewässern
beziehungsweise Gewässeranteilen für Erholungs- oder Sportnutzung im Rahmen der
Regionalplanung, kann dabei der Überlastung bisher genutzter Gewässer entgegen-
wirken. Bei Planung und Ausweisung der konkreten Gewässernutzung soll berück-
sichtigt werden, dass Uferbereiche öffentlich zugänglich gehalten werden, soweit dies
mit fachlichen Belangen vereinbar ist. (B zu G 2.3.3.12)
Belange der landschaftsbezogenen Erholung bei der Festlegung von VRG Rohstoffabbau berücksich-
tigen
Bei den Festlegungen, vor allem bei den Vorranggebieten für den Rohstoffabbau, sind durch die Regionalpla-
nung insbesondere folgende Belange zu berücksichtigen (B zu Z 4.2.3.2):
Belange von Tourismus und Erholung,
(...)
5.3 Aufträge an die nachgeordnete Landschaftsplanung
5.3.1
Vorschläge für die Sicherung und Entwicklung eines Freiraumsystems für die landschaftsbe-
zogene Erholung
Freiraumsystem darstellen und entwickeln
Es ist ein ausreichendes und zusammenhängendes Freiraumsystem für die landschaftsbezogene Er-
holung zu schaffen, das Grünflächen innerhalb der Siedlungen mit siedlungsnahen Freiflächen und
nach Möglichkeit auch mit Naherholungsgebieten verbindet. Dieses Freiraumsystem ist in der Land-
schaftsrahmenplanung textlich und kartografisch darzustellen. (FZ 6, Bezug zu Z 1.5.4, Z 2.2.1.8, G
2.3.3.3)
Teile dieses Freiraumverbundsystems für die landschaftsbezogene Erholung sollen durch die Landschafts-
rahmenplanung als regionale Grünzüge oder Grünzäsuren vorgeschlagen werden.

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 28
Begründung
Für die physische und psychische Regeneration aller Menschen müssen ausreichen-
de und gut erschlossene Flächen für die landschaftsbezogene Erholung zur Verfü-
gung stehen, die ein attraktives Landschaftsbild aufweisen und in welchen Natur er-
lebbar ist. Dies erhöht die Lebensqualität von Siedlungen und insbesondere von Ver-
dichtungsgebieten entscheidend. Besonders in Verdichtungsräumen ist daher darauf
zu achten, dass ausreichende Flächen der Erholung dienen. (B zu FZ 6)
Darstellung naturnaher Waldkomplexe
Die Landschaftsrahmenplanung soll bei Vorliegen neuer Datengrundlagen die Abgrenzung großflächig
naturnaher Waldkomplexe aktualisieren und weitere naturnahe Waldkomplexe von regionaler Bedeu-
tung festlegen und kartografisch darstellen (FZ 13).
Begründung
Zusammenhängende, größere naturnahe Waldflächen sind in Sachsen nur noch sel-
ten zu finden. Solche Flächen bedürfen aufgrund ihrer großen Bedeutung für die na-
turgebundene Erholung eines besonderen Schutzes und einer behutsamen naturna-
hen Entwicklung. (B zu FZ 13)
Karte
A 1.5 Großflächig naturnahe Waldkomplexe (Landesentwicklungsplan 2013, Anhang A
1 Fachplanerische Inhalte des Landschaftsprogramms)
(http://www.landesentwicklung.sachsen.de/download/Landesentwicklung/a5_waldkompl
exe.pdf
)
Brachen als Flächen für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen
Nicht revitalisierbare Brachen sollen rekultiviert und renaturiert werden. (Z 2.21.7)
Hinsichtlich … naturverträglicher Erholungsnutzungen soll geprüft werden, ob diese Flächen auch für Aus-
gleichs- und Ersatzmaßnahmen genutzt werden können. (B zu Z. 2.2.1.7)
Berücksichtigung von Erholungsgebieten und Aussichtspunkten bei der Planung von Windenergiean-
lagen
Im Zuge der Landschaftsrahmenplanung sind für die Planung von Standorten für Windenergieanlagen
unter dem Aspekt des Kulturlandschaftsschutzes auch die folgenden Kriterien zu berücksichtigen:
Lage im Sichtfeld von wichtigen Aussichtspunkten
Lage in landesweit und regional bedeutsamen Erholungsgebieten. (FZ 2)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Sektorales Zielkonzept „Landschaftsbezogene Erholung“ | 29
Um die Empfindlichkeit und die Schutzbedürftigkeit zu beschreiben, sind vor allem die nachfolgend aufgeführ-
ten Kriterien heranzuziehen:
Bereiche, die stark von historischen Kulturlandschaftselementtypen geprägt sind, können sehr empfindlich
gegenüber der Errichtung von Windenergieanlagen sein, da hier die Erlebbarkeit der Elemente selbst wie
auch ihre strukturellen Zusammenhänge beeinträchtigt werden können.
Das Umfeld insbesondere kleiner historischer Siedlungsstrukturen (gut erhaltene historische Strukturen von
Dörfern, wie Rundlinge, Angerdörfer, Platzdörfer) und einzelner historischer Anlagen nicht industriellen Ur-
sprungs (zum Beispiel Festung Königstein, Schlösser und Burgen allgemein) ist in der Regel empfindlich
gegenüber der Errichtung von Windenergieanlagen. Es ist für die Errichtung von Windenergieanlagen aus
landschaftsplanerischer Sicht in der Regel nicht geeignet.
Landschaftsbildräume von sehr hoher Schönheit sind in der Regel sehr empfindlich gegenüber der Errich-
tung von Windenergieanlagen.
Die Ausblicke besonders wichtiger Aussichtspunkte sollten nicht durch Windenergieanlagen verstellt wer-
den.
Landesweit und regional bedeutsame Erholungsgebiete sollen nicht von Windenergieanlagen erheblich
beeinträchtigt werden.
Windenergieanlagen lassen sich am besten in Landschaften integrieren, die eine mehr oder weniger starke
technogene Vorprägung aufweisen. In besonders naturnahen Landschaftsbereichen (vergleiche Kapitel
2.2.2.1, Erläuterung) sind Windenergieanlagen aus landschaftsplanerischer Sicht in der Regel nicht geeig-
net.
Im Wald ist neben den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege auch die Erfüllung der Wald-
funktionen zu berücksichtigen. Zur Vermeidung erheblicher Beeinträchtigungen ist unter anderem auch den
häufig schwierigen Standortverhältnissen und der geringen Erschließung Rechnung zu tragen. (B zu FZ 2)
6 Literatur
GESETZ ÜBER NATURSCHUTZ UND LANDSCHAFTSPFLEGE (BUNDESNATURSCHUTZGESETZ – BNATSCHG) vom 29. Juli
2009 (BGBl. I S. 2542), zuletzt geändert durch Artikel 4 Abs. 100 des Gesetzes vom 7. August 2013
(BGBl. I S. 3154)
LANDESENTWICKLUNGSPLAN 2013 -
http://www.landesentwicklung.sachsen.de/11117.htm
NOHL, W. (2001): Landschaftsplanung. Ästhetische und rekreative Aspekte. Berlin, Hannover.
SCHEMEL, H.-J. (1990): Die Beanspruchung der Landschaft durch Freizeitnutzung - Bewertungsansätze in:
Schriftenreihe des Deutschen Rates für Landespflege, H. 57

Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)
Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden
Telefon: + 49 351 2612-0
Telefax: + 49 351 2612-1099
E-Mail: lfulg@smul.sachsen.de
www.smul.sachsen.de/lfulg
Autor:
Annette Decker
Referat 61 – Landschaftsökologie, Flächennaturschutz
Halsbrücker Straße 31a, 09599 Freiberg
Telefon: + 49 3731 294-2101
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E-Mail:
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Redaktion:
Annette Decker
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Titelbild
:
Wandern im Fichtelberggebiet, Erzgebirgskamm; Annette Decker
Redaktionsschluss:
09.09.2014
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