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Newsletter Wolf Oktober/ 11
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Lausitzer Wölfe (Stand Oktober 2011)
Aktuell leben in der Lausitz neun Wolfsfamilien (Daubitzer-, Nochtener-, Milkeler-,
Daubaner-, Seenland-, Königsbrücker-, Spremberger-, Welzower- und Lieberoser
Rudel) sowie ein Wolfspaar (Zschornoer Wolfspaar). Außerdem gibt es Hinweise
auf Wolfsanwesenheit im Bereich Seese (siehe Abb.1). Inzwischen konnte im
Rahmen des Monitorings geklärt werden, dass der Tagebau Welzow-Süd und das
Gebiet um Altdöbern von denselben Wölfen genutzt werden. Es handelt sich
daher um ein Wolfsterritorium. Sechs der neun Rudel leben im sächsischen Teil
der Lausitz. Zwei Rudel (Welzower- und Lieberoser Rudel) und das Zschornoer
Wolfspaar leben im brandenburgischen Teil der Lausitz. Das Spremberger Rudel
hat sein Territorium sowohl auf brandenburgischem als auch auf sächsischem
Gebiet.
Abb. 1: Verbreitung der Wölfe in der Lausitz. Stand Oktober 2011
Das Spremberger, Königsbrücker und das Lieberoser Wolfspaar haben in diesem
Jahr zum ersten Mal Nachwuchs. In der Königsbrücker Heide wurden Ende April
2011 das erste Mal zwei Wölfe über Bilder einer automatischen Kamera
Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz
Am Erlichthof 15 . 02956 Rietschen
Tel.: 035772 46762 . Fax: - 46771
E-Mail:
kontaktbuero@wolfsregion-lausitz.de
Internet:
www.wolfsregion-lausitz.de
Aktuelles

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(„Fotofalle“) bestätigt. In den beiden anderen Gebieten wurde im letzten Jahr
bereits je ein Wolfspaar bestätigt.
Abb. 2: Durch Fotofallenaufnahmen nachgewiesen: links 5 Welpen des Spremberger Rudels,
rechts 3 Welpen in der Königsbrücker Heide.
In den Sommer- und Herbstmonaten liegt der Schwerpunkt des Wolfsmonitorings
darauf, den Reproduktionsstatus in den bekannten Wolfsterritorien abzuklären.
Das heißt, für jedes bekannte Wolfspaar oder Rudel gilt es festzustellen, ob es
Nachwuchs hat und wenn möglich die Anzahl der Welpen zu ermitteln. Diese
Monitoringarbeiten laufen noch bis in den Winter hinein. Bislang gibt es in der
Lausitz aus allen Wolfsfamilien, außer dem Welzower Rudel, Fotos oder bestätigte
Spuren von Welpen. Im Herbst letzten Jahres wurde der Rüde des Welzower
Rudels überfahren. Inzwischen konnte ein neuer Rüde bestätigt werden.
Rudel
Anzahl Welpen 2011
(Mindestangabe)
Rudel
Anzahl Welpen 2011
(Mindestangabe)
Nochten
2
Daubitz
2
Dauban
7
Milkel
6
Seenland
4
Spremberg
6
Königsbrück
3
Lieberose
4
Welzow
Noch unklar
Zschorno (Paar)
-
Totfunde:
Im Jahr 2011 gab es bisher in der Lausitz neun Totfunde von Wölfen, sechs davon
seit Mai.
Eine Wölfin wurde im Gebiet des Nochtener Rudels tot aufgefunden. Die
Untersuchung am Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW) zeigte, dass
das Tier geschossen wurde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Wolf gehört
sowohl nach nationalem als auch europäischem Recht zu den streng geschützten
Arten, somit ist weder dessen Tötung noch das Nachstellen und die Beunruhigung
dieser Art erlaubt.
Der zweite Fall ereignete sich in Brandenburg (Landkreis Spree-Neiße). Eine
Wölfin lief an der Autobahnauffahrt Roggosen bei Cottbus auf die A15 und wurde
von einem Lastwagen erfasst und getötet.
Im Juli fanden Spaziergänger die mumifizierten Überreste eines Caniden auf der
Innenkippe des Tagebau Nochten, die zum Territorium des Milkeler Rudels gehört.
© LUPUS
© Staatsbetrieb Sachsenforst/A. Klinengenberger
/

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Genetische Analysen ergaben, dass es sich um den Kadaver eines Wolfes
handelte. Die Todesursache, sowie Alter und Geschlecht, sind unbekannt.
Mitte Oktober gab es innerhalb einer Woche drei Verkehrsunfälle mit toten Wölfen.
In zwei Fällen wurde jeweils ein junger Rüde (männlicher Wolf) auf der B156
südlich von Weißwasser von einem Auto überfahren. Damit kamen seit 2007 auf
diesem Straßenabschnitt insgesamt acht Wölfe ums Leben.
Beim dritten Fall wurde ein weiblicher Welpe des Spremberger Rudels an der
Bahnlinie in der Slamener Heide (Landkreis Bautzen) tot aufgefunden. Das Tier
wurde vermutlich vom Zug überrollt.
Aktuelle Wolfsnachweise außerhalb des Lausitzer Wolfsgebietes
In Brandenburg wurden in diesem Sommer zwei neue Wolfsrudel außerhalb der
Lausitz bestätigt: Auf dem Truppenübungsplatz Brück/Lehnin und auf dem
ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog. In beiden Gebieten wurde im letzten
Monitoringjahr bereits ein Wolfspaar bestätigt. Nun wurden in beiden Gebieten
Welpen über Fotofallenaufnahmen nachgewiesen.
Das Rudel auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow (Sachsen-Anhalt/
Brandenburg) zieht in diesem Jahr wieder Welpen auf.
Seit Januar 2011 läuft im Raum Altengrabow ein Telemetrie-Projekt des
Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit dem
Wildbiologischen Büro LUPUS und dem Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen–
Anhalt. Im März dieses Jahres wurden zwei weibliche Jungwölfe mit GPS-GSM-
Sendern ausgestattet. Die Wölfin Zora (FT6) wanderte bereits Anfang Mai mit ca.
12 Monaten in nord-westliche Richtung ab. Nachdem sie die Elbe durchquert
hatte, hielt sie sich eine Weile im Raum Lüneburg (Niedersachsen) auf. Seit Ende
Mai wurden von dem Tier keine Ortungssignale mehr empfangen. Inzwischen
muss davon ausgegangen werden, dass der Sender ausgefallen oder dem Tier
etwas zugestoßen ist. Ihre Schwester Tina (FT5) befindet sich nach wie vor im
elterlichen Territorium bzw. in dessen Umgebung. Detaillierte Informationen zu
diesem Projekt finden sich auf der Internetseite des Landesamtes für
Umweltschutz
Sachsen–Anhalt:
http://www.sachsen-
anhalt.de/index.php?id=48523
In Niedersachsen gibt es seit Anfang 2011 Nachweise eines Wolfes auf dem
Truppenübungsplatz Munster-Nord südlich von Hamburg. Die Analyse einer
genetischen Probe im Senckenberginstitut für Wildtiergenetik Gelnhausen ergab,
dass es sich um ein weibliches Tier handelt, das aus dem Altengrabower Rudel in
Sachsen-Anhalt stammt.
Mitte April 2011 wurde der Wolf, der seit 2008 wiederholt im hessischen
Reinhardswald nachgewiesen wurde, tot aufgefunden. Die Todesursache konnte
nicht mehr festgestellt werden.
In Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gibt es auch
weiterhin einige Gebiete in denen territoriale Einzelwölfe leben. Mehr
Informationen zu diesen Gebieten finden Sie im letzten Newsletter (April 2011)
oder auf unserer Internetseite
(www.wolfsregion-lausitz.de).

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Ausland: Wölfe in Polen
Ende der neunziger Jahre wurden erstmals zwei Tiere, deren Vorfahren aus der
Baltischen Wolfspopulation im Nordosten Polens nach Westpolen gewandert waren,
in der Lausitz sesshaft und zogen im Jahr 2000 erfolgreich den ersten Nachwuchs
auf. Seither gab es immer wieder Zuwanderung aus Polen über die Oder bzw. Neiße
nach Deutschland. Die Wölfe in der Lausitz gehören zur deutsch-westpolnischen
Population.
In Polen wurde der Wolf bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts gezielt gejagt. Mit
der Einführung einer Schonzeit in den 1970er Jahren begannen die Bestände sich
allmählich zu erholen. 1998 wurde der Wolf in ganz Polen unter Schutz gestellt.
Heute leben etwa 750 Tiere in ganz Polen. Die größte Anzahl davon lebt im Osten
und Südosten des Landes. Der Schwerpunkt liegt hierbei in den großen Wäldern im
Nordosten Polens sowie im Bereich der Karpaten und deren Ausläufer (Bieszczady,
Tatra und Beskiden) im Südosten und Süden Polens. Zentralpolen ist nach wie vor
relativ wolfsfrei.
Abb. 3: Verbreitungsgebiet der Wölfe in Polen, Stand Frühjahr 2011. Z steht für das Zschornoer
Wolfspaar, DZ für das Daubitzer Rudel. In Westpolen, westlich des Flusses Vistula (Weichsel) sind die
einzelnen Territorien eingezeichnet. In Ost und Südpolen sind die von Wölfen besiedelten Gebiete
umrandet und schraffiert. Überarbeitung der Karte: Wildbiologisches Büro LUPUS
Info

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Im Westen Polens zeigt das Wolfsmonitoring, das durch den IFAW (Internationaler
Tierschutz-Fonds) und die Naturschutzstiftung EuroNatur finanziert und von der
polnischen Naturschutzorganisation Association for Nature Wolf (AfN Wolf)
durchgeführt wird, dass die Wolfsbestände dort langsam wieder wachsen. Zurzeit
gibt es 13 Rudel sowie 3 Wolfspaare, 5 territoriale Einzeltiere und ein Gebiet mit
Wolfshinweisen in dem die Situation unklar ist. Drei der Rudel und zwei Paare haben
ihre Territorien auf der polnischen Seite der Lausitz auf Höhe des Lausitzer
Wolfsgebietes. Das Daubitzer Rudel und das Zschornoer Wolfspaar leben so
grenznah, dass sie sich vermutlich sowohl auf deutscher als auch polnischer Seite
aufhalten. Daher sind sie auf der polnischen Karte mit abgebildet (Abb. 3). Damit gibt
es in der deutsch-westpolnischen Wolfspopulation derzeit insgesamt 25 Rudel, 11
auf deutscher Seite, 13 auf polnischer und ein vermutlich grenzüberschreitendes
Rudel (Daubitzer Rudel).
Für die deutsch-westpolnische Wolfspopulation ist es wichtig, dass ein Austausch mit
anderen Wolfspopulationen wie z.B. den ostpolnischen gegeben ist, damit Inzucht
vermieden werden kann. Dies wird jedoch durch zunehmenden Verkehr und
Straßenbau erschwert und gefährdet. Wölfe haben, wie viele Säugetiere, in der
Regel eine starke Inzuchthemmung und vermeiden es, sich mit ihren Eltern oder
Geschwistern zu verpaaren. Sie bevorzugen sogar solche Individuen als Partner, die
sich genetisch von ihnen unterscheiden.
Eine Studie von Nowak et al. (2011) von 474 Losungen ergab, dass die Nahrung der
westpolnischen Wölfe hauptsächlich aus freilebenden Huftieren, wie Rehen,
Rothirschen und Wildschweinen besteht. Das Reh macht mit 42,8% der Biomasse
den größten Anteil aus, gefolgt von Wildschwein mit 22.6% und Rothirsch mit 22,2%.
Der Rest ergibt sich aus Damhirsch, Hase, Biber und Kleinsäugern. Damit sind die
Nahrungspräferenzen der Wölfe in Westpolen denen in der Lausitz sehr ähnlich.
Auch hier ist das Reh die Hauptbeute, anders als in Ostpolen, wo Wölfe
hauptsächlich Rothirsche erbeuten. In der polnischen Studie wurden keine Überreste
von Schafen in den Losungen gefunden, was damit erklärt wird, dass Schafhaltung in
Westpolen relativ selten ist. Allerdings wurden in 1% der Wolfslosungen Hunde oder
Katzen nachgewiesen. In etwa 2000 durch das Senckenberg Museum für
Naturkunde in Görlitz analysierten Losungen aus dem Lausitzer Wolfsgebiet wurden
bisher in 0.8% der Biomasse Reste von Nutztieren (Schafe oder Ziegen)
nachgewiesen, jedoch keine Hunde oder Katzen.
Zusatzinformation:
In Polen wird bereits bei einem territorialen Wolfspaar ohne Nachwuchs von einem Rudel
gesprochen. Da wir in Deutschland erst von einem Rudel sprechen, wenn zwei territoriale Wölfe
auch erfolgreich Nachkommen zeugen, und sonst von einem Wolfspaar die Rede ist, haben wir
diese Einteilung auch für die Erklärung der Westpolnischen Wolfsvorkommen verwendet.

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Ein Wolfsrudel und seine Dynamik
Wölfe zeigen als hochentwickelte Säugetiere eine große individuelle und regionale
Bandbreite sozialen Verhaltens. Der „Durchschnittswolf“ lebt in einer Kleinfamilie
bestehend aus Eltern und Welpen. Zum Teil leben auch noch Jährlinge oder ältere
Nachkommen mit in der Familie. Die meisten Jungtiere wandern im Alter von 10 - 22
Monaten aus ihrem Elternrudel ab und begeben sich auf die Suche nach einem
Paarungspartner und einem eigenen Territorium. Gelegentlich bleiben einzelne Tiere
auch bis ins Alter von 3-4 Jahren bei den Eltern, bevor sie sich ihr eigenes Revier
suchen und eine eigene Familie gründen.
Meist bekommen Wölfe im Alter von 2-4 Jahren das erste Mal Welpen, wobei die
Überlebenswahrscheinlichkeit für die Jungtiere mit dem Alter und somit der
Erfahrung der Elterntiere steigt. Die Elterntiere bleiben in der Regel über Jahre
hinweg zusammen und verteidigen ihr Territorium gegen fremde Wölfe.
Die Größe einer Wolfsfamilie (Rudel) schwankt im Jahresverlauf und ist davon
abhängig wie viele Welpen in einem Jahr geboren werden, wie viele davon
überleben und wie viele der Jungtiere aus den Vorjahren noch im Rudel leben. In
Mitteleuropa geht man von einer Rudelgröße von ca. 5-10 Tieren aus. In
Nordamerika besteht ein Rudel meist aus 3 bis 11 Tieren. Dies ist der Normalfall.
Manchmal kommt es aber auch in Wolfsfamilien zu speziellen Situationen, die von
der Regel abweichende Konstellationen ergeben.
Mehrere Würfe in einem Rudel
Jeder Wolf ist ein potentieller Rudelgründer. Er wandert aus dem Elternrudel ab,
schließt sich mit einem andersgeschlechtlichen Wolf zusammen und gründet eine
eigene Familie in einem eigenen Territorium.
Meist leben Wölfe in einer Einehe, aus der die beschriebene Kleinfamilie resultiert.
Wenn es die Situation erlaubt und genügend Nahrung vorhanden ist, kommt es
jedoch gelegentlich vor, dass zwei fortpflanzungsfähige Weibchen in einem Rudel
leben. Hierbei handelt es sich dann meist um nahverwandte Tiere, z.B. Mutter und
Begriffserklärung:
Welpe
junge Wölfe in ihrem ersten Lebensjahr
Jährling
Wölfe im zweiten Lebensjahr. Sie leben meist noch eine Weile im elterlichen
Gebiet, wandern jedoch häufig im Laufe des Jahres ab und suchen sich ein eigenes
Revier
Wolfspaar
von einem Wolfspaar spricht man wenn eine Fähe (weiblicher Wolf) und ein Rüde
in einem Revier zusammenleben, es jedoch noch keine Reproduktion gab
Wolfsrudel
ein Rudel ist eine Wolfsfamilie, i.d.R. bestehend aus dem Wolfspaar (den
Elterntieren) und ihren Welpen und weiteren Jungtieren aus den Vorjahren
Territorium
auch Revier genannt, das Gebiet welches von einem Wolf, einem Wolfspaar oder
Wolfsrudel bewohnt, markiert und verteidigt wird. In Mitteleuropa ist ein solches
Revier ca. 150 – 350 km² groß, wobei die Größe u.a. von der Beutetierdichte
abhängig ist.
Thema

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Tochter. Gibt es in dem Rudel, z.B. nach dem Tod des Vaters, einen Stiefvater, kann
dieser sich sowohl mit der Mutter als auch mit der geschlechtsreifen Tochter
verpaaren.
Auch kann es vorkommen, dass eine jungerwachsene Wölfin, die noch im elterlichen
Rudel lebt, sich zur Paarungszeit mit einem fremden Wolf verpaart und zur
Welpenaufzucht wieder „nach Hause“ zurückkehrt. Das Rudel zieht dann die Würfe
beider Wölfinnen auf. Eine weitere besondere Konstellation ist die Aufnahme eines
„Adoptivwolfes“ in ein Rudel, die ebenfalls zu Mehrfachwürfen führen kann (siehe
unten).
In seltenen Fällen kann es sein, dass sich mehr als zwei Wölfe zusammenschließen
und ein Rudel gründen. Aus dem Yellowstone National Park (USA) gibt es z.B.
Berichte, dass zwei Fähen mit einem oder zwei Rüden ein Rudel gründeten, wobei
es dann auch zwei Würfe in dem jeweiligen Rudel gab.
Die
hier
beschriebenen
Situationen
können
nur
unter
sehr
guten
Nahrungsbedingungen entstehen und sind vor allem aus Nordamerikanischen
Nationalparks bekannt (Superior National Forest, Denali und Yellowstone National
Park). Jedoch leben auch dort die meisten Wölfe in ganz normalen Kleinfamilien. Der
Ersatz eines Elternteils durch Stiefvater / Stiefmutter ist jedoch auch aus Europa
bekannt. Kommt dies häufig vor, z.B. durch erhöhte Mortalität der Altwölfe, kann dies
das Auftreten von Mehrfachwürfen begünstigen.
Fremde Wölfe in einem Rudel
Vor allem aus Nordamerika gibt es Berichte, bei denen fremde Wölfe in ein Rudel
aufgenommen
wurden.
In
solchen
Situationen
wurden
zum
Teil
auch
Mehrfachverpaarungen verzeichnet.
Adoption
In der Regel verteidigen Wolfsrudel ihr Territorium vehement gegen fremde Wölfe.
Gelegentlich kommt es jedoch vor, dass ein fremder Wolf von einem Rudel
„adoptiert“ wird. Oft sind es 1-3 jährige Rüden, die vor allem im Zeitraum Februar –
Mai in das Rudel aufgenommen werden. Diese „Stiefsöhne“ versuchen in der Regel
ein junges Weibchen aus dem Rudel zu lösen und mit ihr ein eigenes Territorium zu
etablieren. Sie laufen also nur vorübergehend mit der Adoptivfamilie mit.
Gelegentlich bleiben sie jedoch auch für eine längere Zeit im Rudel. Wenn die
Situation es erlaubt, kann es dann vorkommen, dass der adoptierte Wolf die Rolle
eines der Elternwölfe übernimmt, z.B. wenn dieser stirbt.
Aneignen eines Rudels
Ein Wolf kann auch aktiv ein Rudel übernehmen, indem er in Konkurrenz mit einem
der Elterntiere tritt und dieses herausfordert. Dies geschieht selten, da das Risiko
verletzt oder sogar getötet zu werden, hoch ist.
In der Lausitz wurde der besenderte Rüde „Rolf“ (MT4), das Vatertier des Milkeler
Rudels, im Januar 2011 auf der B169 zwischen Senftenberg und Sedlitz (Landkreis
OSL, Süd-Brandenburg), ca. 30 km westlich seines Territoriums, überfahren. Es ist
ungewöhnlich, dass sich ein Wolf so weit außerhalb seines Reviers aufhält, zumal in
der
Ranzzeit
(Paarungszeit,
Januar-März).
Wenig
später
wurde
auf
Fotofallenaufnahmen ein neuer Rüde im Milkeler Revier nachgewiesen. Vermutlich
wurde „Rolf“ von diesem, vermutlich stärkeren, Rüden verdrängt. Zum Zeitpunkt
seines Todes war MT4 ziemlich mager und wies Anzeichen von Räude auf.

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Das Übernehmen eines Rudels kann auch ruhiger ablaufen. Zum Beispiel gab es
eine Beobachtung im Superior National Forest in USA, wo sich eine dreijährige
Tochter mit ihrem Stiefvater verpaarte, nachdem die Mutter aus unbekannten
Gründen das Rudel verlassen hatte (Mech und Hertel 1983 aus Mech und Boitani
2003). In einem anderen Fall auf Ellesmere Island, in Kanada, hat sich eine
dreijährige Fähe ebenfalls mit ihrem Stiefvater verpaart, die Mutter blieb nach wie vor
im Rudel und half bei der Aufzucht der Nachkommen ihrer Tochter mit (Mech 1995).
Todesfall
Stirbt eines der Elterntiere wird dessen Platz meist durch einen zugewanderten Wolf
ersetzt. Dies kann jedoch mehrere Monate dauern. Der Verlust kann auch dazu
führen, dass sich das Rudel auflöst und das Territorium von benachbarten Rudeln
übernommen wird.
Wenn das Muttertier des Rudels stirbt, hängt die Überlebenswahrscheinlichkeit der
Welpen von ihrem Alter ab. Sind sie schon entwöhnt und nehmen feste Nahrung zu
sich, können sich die übrigen Rudelmitglieder um sie kümmern. Helfen neben dem
Vater auch noch ältere Geschwister bei der Welpenaufzucht, stehen die Chancen
gut, dass zumindest ein Teil der Jungen überlebt.
Die meisten der oben genannten Berichte kommen aus Nordamerika, aber auch in
Europa gibt es nachweislich Situationen wo ein Rüde sich mit zwei Fähen verpaart,
ein Elterntier durch einen neuen Wolf ersetzt wurde, ein Rudel sich in zwei Rudel
aufteilte oder neues Paar das Revier eines anderen Rudels übernahm. Dies sind
jedoch meist Ausnahmen, die auf spezielle Situationen zurück zu führen sind. In der
Regel besteht ein Wolfsrudel aus der beschriebenen Kleinfamilie, bestehend aus den
Elterntieren, den Welpen und den Jungtieren der beiden Vorjahre.
Für mehr Informationen empfiehlt sich das unten aufgeführte Buch von Mech und
Boitani (2003), sowie weitere Literatur in der unten angeführten Liste.
Literatur:
Brainerd S., H. Andrén, E. Bangs, E. Bradley, J. Fontaine, W. Hall, Y. Iliopoulos, M. Jimenez, E.
Jowiak, O. Liberg, C. Mack, T. Meier, C. Niemeyer, H. Pedersen, H. Sand, R. Schultz, D. Smith, P.
Wabakken, A. Wydeven, 2008, The Effects of Breeder Loss on Wolves. Journal of Wildlife
Management Vol. 72(1), Seite 89-98
Jedrzejewski W., K. Schmidt, B. Jedrzejewska, J. Theuerkauf, R. Kowalczyk und K. ZUB, 2004. The
process of a wolf pack splitting in Bialowieza Primeval Forest, Poland. Acta Theriologica Vol 49, Seite
275-280
Mech D, 1995. A ten – year history of the demography and productivity of an arctic wolf pack. Arctic
Vol. 48, Seite 329-332
Mech D., L. Adams, T. Meier, J. Burch und B. Dale, 1998. The wolves of Denali. University of
Minnesota, Minneapolis, USA
Mech D. und L. Boitani, 2003. Wolves: Behavior, Ecology and Conservation. The University of
Chicago Press, Chicago, Illinois, USA
Mech D. und H. Hertel. 1983. An eight year demography of a Minnesota wolf pack. Acta Zool. Fenn.
Vol 174, Seite 249-250 aus Mech D., L. Boitani, 2003. Wolves: Behavior, Ecology and Conservation.
Kapitel 1, The University of Chicago Press, Chicago, Illinois, USA

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Newsletter Wolf Oktober/ 11
9
Mech D. und M. E. Nelson, 1990. Non-Familiy wolf,
Canis lupus
, Packs, The Canadian Field-Naturalist
Vol. 104, Seite 482-483
Randi E. 2011. Genetics and conservation of wolves
Canis lupus
in Europe. Mammal Review Vol.
41(2), Seite 99-111
Yellowstone Wolf Project. Annual reports.