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Archäologie an der Bahntrasse Weißig-Böhla
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Auf Schienen in die Vergangenheit
Archäologische Ausgrabungen
LANDESAMT
für Archäologie
.
Sachsen
LANDESMUSEUM
für Vorgeschichte
.
Dresden

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Archäologie an der Bahntrasse Weißig-Böhla
Das Projekt
VDE Nr. 9 ist die Abkür-
zung für das Verkehrspro-
jekt Deutsche Einheit Num-
mer 9 und bezeichnet den
Ausbau der Eisenbahn-
strecke von Leipzig nach
Dresden. Auf etwa 115
Kilometern werden neben
mehr oder weniger um-
fangreichen Ausbauarbei-
ten einige Streckenab-
schnitte begradigt, andere
neu gebaut. Die Baumaß-
nahme, die seit 1995 vom
Landesamt für Archäolo-
gie Sachsen betreut wird,
erfolgt etappenweise in
mehreren Teilstücken.
Der vorgestellte Strecken-
neubau liegt südwestlich
von Großenhain, zwischen
den Orten Weißig und Böhla,
wo die Bahnlinie auf einer Länge von reichlich sieben Kilometern begradigt wer-
den soll. Bei dem kleinen Örtchen Weißig wird sie aus der bestehenden
Verbindungsstrecke Leipzig–Dresden ausgekoppelt und nach einer Bogen-
aufweitung bei Böhla in die Strecke Berlin Dresden eingebunden.
Die naturräumliche Einordnung
Die Trasse zwischen Weißig und Böhla verläuft durch die Großenhainer
Pflege und liegt südlich der Stadt Großenhain und des Tales der großen
Röder. Sie führt durch eine von einzelnen Kuppen und Hochflächen ge-
prägte, sanft gewellte Landschaft, die von Sandlöß, lehmigem Treib-
sand und Decksand bedeckt ist. Charakteristische Böden sind hier
Braunerden und Podsol-Braunerden. Die in weiten Teilen angetroffe-
nen eher armen Sand- und Sand-/Kiesböden waren nur sehr vereinzelt
von Lehmböden durchsetzt, beispielsweise bei Kottewitz.
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Auf Schienen in die Vergangenheit
© Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte, Dresden. Alle Rechte vorbehalten.
Arbeiter beim Freilegen eines Befundes.
Trassenverlauf der neuen Bahnstrecke südlich von Grossenhain mit eingetragenen Grabungsflächen.

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Der erste Grabungsabschnitt
Die Arbeit des Sächsischen Landesamtes für Archäologie begann im
März 2002 mit Voruntersuchungen. Die zukünftige Trasse führt
durch eine vorwiegend ländliche Gegend, die – von einigen neu ent-
standenen Gewerbegebieten abgesehen – in den vergangenen
Jahren nicht von großer Bautätigkeit und Großprojekten berührt
worden ist. Der Neubau der Bahnstrecke mit seinem enormen
Flächenbedarf war da eine Ausnahme. Neben der aufgrund von
Dammschüttungen bis zu 60 m breiten Trasse wurde eine 1,7 ha
große Fläche für die Entnahme von Dammmaterial benötigt. Großer
Flächenbedarf entstand weiterhin durch die Lagerplätze für
Mutterboden, für Baustelleneinrichtungen und Baustraßen, wo aus
Gründen des Bodenschutzes der Mutterboden ebenfalls abgescho-
ben werden musste.
Archäologische Denkmäler sind meist direkt unter dem Pflughori-
zont zu erkennen und werden nur durch eine dünne Schicht Mutter-
boden geschützt. Auch bei Bodeneingriffen, wo nur der Mutter-
boden abgeschoben wird, werden sie deshalb zerstört oder der Zer-
störung preis gegeben. Durch wissenschaftliche Grabungen können
die Denkmäler dokumentiert und so der Nachwelt erhalten werden.
Etwa ein Viertel der von den Baumaßnahmen beanspruchten Fläche
(etwa 10,5 ha) wurde im ersten Grabungsabschnitt untersucht.
Dabei konnten sieben Fundstellen lokalisiert werden, die anschlie-
ßend von Juli bis November 2002 gegraben wurden. Auf den fol-
genden Seiten werden die Ergebnisse der einzelnen Ausgrabungen
vorgestellt.
Drei kleine Fundstellen bei Kottewitz, Priestewitz und
Strießen
Auf den Fundstellen KWX-01, PR-32 und STI-01 (die Kürzel bezie-
hen sich auf die jeweilige Gemarkung) konnten nur wenige archäo-
logische Befunde gegraben werden. Die Fundstelle STI-01 bestand
aus einer Ansammlung von wenigen Gruben, die zu einem einzel-
nen Haus, vermutlich einem Einzelgehöft gehörten. Die wenigen
Scherben, die auf diesen Fundstellen gefunden wurden, lassen keine
relative Datierung zu. Mit einiger Wahrscheinlichkeit kann davon
ausgegangen werden, dass es sich um vorgeschichtliche Siedlungen
gehandelt hat.
Obwohl nur wenige archäologische Befunde als Indiz für die Hinter-
lassenschaft des Menschen dokumentiert werden konnten, sind sie
ein Teil im Puzzle der Besiedlungsabläufe einer Landschaft. Da nur
der Bereich des Trassenverlaufs untersucht werden konnte, ist nicht
auszuschließen, dass die klein erscheinenden Fundstellen eine grö-
ßere Ausdehnung jenseits des untersuchten Gebiets haben.
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Archäologie an der Bahntrasse Weißig-Böhla
Streifen für Streifen. In einem ersten Grabungsabschnitt wurde der Oberboden in ca. 4 m breiten Streifen maschinell abgetragen.
Trassenverlauf mit eingezeichneten Fundstellen.

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Zwei größere Fundstellen bei Lenz und Kottewitz
Südlich der Verbindungsstraße Stauda – Lenz, etwa auf hal-
ber Höhe zwischen den beiden Ortschaften, lag die Gra-
bungsfläche LNZ-02 in unmittelbarer Nähe der Tierkörper-
beseitigungsanlage (TBA) Lenz. Hier wurden 46 Befunde
angetroffen, die sich in Gruben, Pfostengruben und ein klei-
nes Gräbchen unterteilten. Das meiste Fundmaterial konnte
in den Gruben geborgen werden und datiert die Siedlungs-
reste in die Römische Kaiserzeit.
Die Keramik zeigte ein breites Spektrum und war überwie-
gend dunkelbraun bis schwarz. Neben der alltäglichen gro-
ben Gebrauchskeramik konnten sehr sorgfältig geglättete,
dünnwandige Gefäßteile geborgen werden. Eine flache,
wohl einst schwarz polierte Schale war mit einem Band klei-
ner linsenförmiger Einstiche verziert. In einigen Befunden
wurden große Stücke von gebranntem Lehm, mit dem die
Flechtwände der Hütten verkleidet waren, gefunden. Die
Fragmente wiesen Abdrücke und Glättungsspuren auf und
zeigten, dass der Lehm vor dem Brennen mit organischem
Material – wohl Stroh – vermischt worden war. Knochen konn-
ten nur in sehr geringen Resten geborgen werden.
Aufgefundene Schlackebrocken zeugen von Eisenverarbei-
tung. In einer mehrschichtigen Siedlungsgrube wurden eine
Keramikperle und eine wohl ebenfalls als Schmuck benutzte
Keramikscheibe entdeckt.
Die Fundstelle LNZ-02 befand sich in siedlungsgünstiger Lage
unweit des Bierlichtbaches, der sich hier mit einem von
Kottewitz kommenden Bach vereinigt. Das Gebiet zwischen
und an den Bachläufen ist versumpft und teilweise von Schilf
bestanden. Ebenfalls im Einzugsgebiet des Baches etwa 2 km
vom kleinen Ort Kottewitz entfernt, lag die Fundstelle KWX-
02 direkt an der Bahnlinie.
Bei den Befunden handelte es sich hauptsächlich um Gruben
und Pfostengruben. Sechs gut erhaltene Pfostengruben
lagen etwas abseits und bildeten einen regelmäßigen, ein-
schiffigen Hausgrundriss. Der Großteil der Pfostengruben
konzentrierte sich im südöstlichen Bereich der Grabungsflä-
che und obwohl einige Pfosten nachweisbare Reihen bilde-
ten, waren Grundrisse hier schwer auszumachen. In zwei Fäl-
len hatte sich eine Standspur des Holzpfostens erhalten.
Die Ausgrabung der Fundstelle KWX-02 erbrachte nur weni-
ge Funde, größtenteils gebrannten Lehm und keramisches
Material. Bei der Keramik handelte es sich um grobe, nur
sehr fragmentarisch erhaltene, vorgeschichtliche Siedlungs-
keramik.
Die flache Keramik-
scheibe wies eine
Durchbohrung auf
und wurde wohl als
Schmuck getragen.
Auch sie datiert in
die Römische Kaiser-
zeit
Die längliche Keramik-
perle aus der Rö-
mischen Kaiserzeit (ca.
0–400 n. Chr.) war mit
Einstichen umlaufend
verziert.
Ausgrabungsfläche LNZ-02 bei Lenz.
Fläche nach dem Oberbodenabtrag. Deutlich zeichnen sich die dunklen
Verfärbungen der Befunde ab.
Profil einer Grube aus der Keramik und Hüttenlehm geborgen werden
konnte.
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Die große Fundstelle bei Priestewitz
Nordöstlich von Priestewitz wurde in einem sanft zum etwa 600
m entfernten Hopfenbach abfallenden Areal die Fundstelle PR-
33 entdeckt. Hier konnten reichlich 200 Befunde dokumentiert
werden, die zu einer mittelalterlichen Dorfwüstung gehörten. Im
Nordwesten wurde die Siedlung von einem bis zu 2,5 m breiten
Graben begrenzt. Er verlief mit dem natürlichen Gefälle des
Gebietes und konnte auf etwa 50 m verfolgt werden. Bei den
einzelnen bänderartigen Verfüllschichten handelte es sich um
Ablagerungen, die auch in einer natürlichen Erosionsrinne vor-
kommen. Vermutlich wurde ein natürlicher Ablauf verbreitert
und abgetieft, so dass er eine Schutzfunktion für die Siedlung
übernahm.
Die Befunde setzten sich aus mehreren großen Gruben und
Grubenkomplexen zusammen, sowie aus zahlreichen Pfosten-
gruben und den Resten kleiner Gräbchen. Bei vier großen, fla-
chen Gruben handelte es sich wohl um die Reste von Gruben-
häusern. Anders als ebenerdige Pfostenbauten wurden sie in
den Erdboden eingetieft, ihr Dach reichte wahrscheinlich bis zum
Boden. An einer anderen Stelle hatten sich die Reste einer mit
Feldsteinen gesetzten Mauer erhalten.
Die Ausgrabung brachte eine Vielzahl von Funden zutage. Den
mit Abstand größten Anteil bildete das keramische Material.
Geborgen werden konnten außerdem Fragmente gebrannten
Lehms und Knochen, die sich nur als sehr kleine Bruchstücke er-
halten hatten. Bei den Metallfunden ist die Hälfte eines Bronze-
rings hervorzuheben. Geborgene Eisenfragmente waren meist
so stark korrodiert, dass ihre Form nicht mehr bestimmt werden
konnte. Dazu gehörten auch zwei große Eisennägel, die einen
eckigen Querschnitt aufwiesen.
Die Keramik war hart gebrannt und wurde auf der Töpferscheibe
gefertigt. An zwei Gefäßböden hatten sich Bodenzeichen in
Form eines Radkreuzes erhalten. Einen Sonderfund stellte ein
kleiner Spinnwirtel dar, der aus einem Grubenhaus stammte. Er
war aus weißem Ton und mit regelmäßigen Rillen verziert.
Spinnwirtel wurden als Gewicht beim Spinnen benutzt, indem
man sie auf ein Stäbchen steckte und dies frei hängend am zu
spinnenden Wollknäuel drehen ließ, um den Faden einzudrehen.
Die Funde belegen eine Datierung des mittelalterlichen Dorfes
ins hohe bis späte Mittelalter. Eine Ausnahme bildet eine endne-
olithische Pfeilspitze, die in einer Grube in geringer Tiefe gefun-
den wurde und zur Zeit des Dorfes schon 4000 Jahre alt war. Es
ist ungewiss, wie sie in die Verfüllschicht einer mittelalterlichen
Grube gelangte. Wurde sie als etwas besonderes und altes er-
kannt und deshalb aufgehoben?
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Im hellen Sandboden waren die Befunde besonders gut zu erkennen.
Ein kleiner Spinnwirtel aus weißem Ton.
Hochmittelalter (11./12. Jh. n. Chr.)
Pfeilspitze aus Silex. Ende 3. Jt. v. Chr.
Ausgrabungsarbeiten am Graben.
Archäologie an der Bahntrasse Weißig-Böhla
Plan der Fundstelle PR-33.
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Eine weitere große Fundstelle bei Zschauitz (ZST-01)
An der Bundesstraße B101 – etwa auf halber Höhe zwi-
schen dem Gewerbegebiet Großenhain-Zschieschen und
Priestewitz – lag die Fundstelle ZST-01 in der Nähe eines
kleinen Grabens. Der Ort Zschauitz befindet sich etwa
1,5 km westlich. Die hier aufgedeckte Fundstelle war mit
ca. 250 Befunden die Größte des gesamten Projektes.
Anhand der zahlreichen Funde kann sie der Lausitzer
Kultur der mittleren bis jüngeren Bronzezeit zugeordnet
werden. Die Siedlung wurde darüber hinaus wohl noch
in der Jüngstbronzezeit bzw. in der frühen Eisenzeit
genutzt (1500–900 v. Chr.).
Den Großteil der Befunde machten die Gruben aus.
Daneben konnten Pfostengruben, Brandstellen und ein-
zelne kleine Gräbchen nachgewiesen werden. Der anste-
hende Boden der Fundstelle bestand größtenteils aus
einem Sand-Kies-Gemisch mit punktuell auftretendem
Steinschutt und Steingrus und war von einzelnen Lehm-
linsen durchsetzt. Viele Befunde waren in Lehmlinsen ein-
getieft worden, da diese weicher und deshalb leichter zu
bearbeiten waren. In einigen Teilen der Fläche stieß man
in geringer Tiefe auf Felsbrocken und massiven Fels.
Das Zentrum der Fundstelle bildete eine Befundkonzen-
tration, die sich über eine Fläche von 22 mal 6 m er-
streckte. Sie bestand aus einer Vielzahl von großen und
kleinen Gruben, die teilweise miteinander verbunden
waren. Ein Befund enthielt ein zerborstenes Gefäß, das
ursprünglich wohl mit einem kleinen Mahlstein abge-
deckt worden war. Bei einem anderen Befund, einer
regelmäßig runden Grube, waren schon beim Flächen-
abzug große Keramikfragmente aufgefallen, die zu
einem dort abgestellten Gefäß gehörten. Der Boden und
einige Randteile fehlten, andere Teile waren zerdrückt
und lagen unter den um das Gefäß herum angeordneten
Feldsteinen.
Etwas außerhalb der Befundkonzentration lag eine
Grube, aus dem die meisten Funde stammten. Nur etwa
30 cm tief unter der Ackeroberfläche hatten sich ein
kompaktes Scherbenpflaster und zahlreiche große
Fragmente gebrannten Lehms erhalten. Die Keramik war
ca. 2 cm dick und stammte wohl von einem sehr großen
Vorratsgefäß. Mit einem weiteren Befund konnte eine
Herdgrube nachgewiesen werden, die eine kompakte
Lage durch Hitzewirkung teilweise geplatzter und ver-
brannter Steine enthielt.
Archäologie an der Bahntrasse Weißig-Böhla
Das Miniatur-/Ziergefäß (1500–900 v. Chr.) ist nur wenige Zentimeter groß.
Zerdrücktes Gefäß, um das ein Steinkranz gelegt wurde.
Die Steinlage gehörte zu einer Herdgrube.
Oft stieß man in nur geringer Tiefe auf den gewachsenen
Felsen. Die Befunde wurden bis zu dieser Tiefe eingegraben.

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Archäologie an der Bahntrasse Weißig-Böhla
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Auf Schienen in die Vergangenheit
© Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte, Dresden. Alle Rechte vorbehalten.
Fundstelle ZST-01
Die Ausgrabung brachte eine Vielzahl ver-
schiedener Funde zutage. Neben sehr viel
Keramik und gebranntem Lehm fanden sich
Metallgegenstände, von denen das Bruch-
stück einer Bronzenadel und ein dünnes
Bronzeblättchen hervorzuheben sind.
Letzteres wird von einem größeren Gegen-
stand, beispielsweise einem Messer stam-
men. Die Knochenfunde beschränkten sich
auf kleine Fragmente aus wenigen Befun-
den. Das Auffinden von teilweise größeren
Schlackebrocken lässt auf Metallverarbei-
tung schließen.
Ein Großteil der Keramik war dünnwandig
und mit einem Überzug aus sehr fein ge-
schlämmtem Ton versehen. Sie wies geglät-
tete Oberflächen auf und war teilweise ver-
ziert. An den Scherben eines ockerfarbenen,
leicht bauchigen Gefäßes hafteten noch
Rückstände von Ruß und verkohlte Essens-
reste. Geborgen werden konnten auch
Gefäßteile mit sogenannter Buckelverzie-
rung, beispielsweise an einem niedrigen
schalenartigen Gefäß und einer schwarzen
Kegelhalsterrine. Eine große Schale, ein
Miniatur- oder Ziergefäß und das kleine
Fragment eines Siebgefäßes rundeten das
Formenspektrum ab.
Viele der Funde gaben Aufschluss über das
Leben in der Siedlung. Das Getreide wurde
mittels Mahlsteine, der aus Läufer- und Rei-
bestein bestand, gemahlen. Neben zwei
Bruchstücken von großen tönernen Webge-
wichten wurden vier kleinere, kegel- bis qua-
derförmige Exemplare gefunden. Sie dienten
zum Beschweren der Fäden am Webstuhl
und zeugen von Wollverarbeitung.
Ausgrabungsfläche ZST-01 an der B 101.
Die Gewichte dienten zum Beschweren der Fäden beim Weben und
stammen aus der Zeit um 1000 v. Chr..
Getreide wurde mittels Läufer- und Reibestein gemahlen.
Die Funde datieren um 1000 v. Chr.
Plan der Fundstelle ZST-01.

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© Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte, Dresden. Alle Rechte vorbehalten.
Archäologie im Rahmen großer Bauprojekte
Archäologie ist eine zeitaufwendige Arbeit. Jedes
Bodendenkmal muss genauestens vermessen, beschrie-
ben, gezeichnet und fotografiert werden. Obwohl die
moderne Technik auch auf diesen Gebieten Einzug
gehalten hat, ist die Hauptaufgabe – das Ausgraben –
noch immer Handarbeit. Der Archäologe steht vor dem
Problem einerseits die Bauarbeiten nicht zu behindern,
was einen enormen Zeit- und Kostenaufwand bedeuten
würde, andererseits obliegt ihm die Verantwortung das
zu sichern und damit zu bewahren, was durch die
Bauarbeiten zerstört werden würde.
Das vorgestellte Projekt ist ein Beispiel dafür, dass eine
gute Zusammenarbeit zwischen der Denkmalbehörde
und dem Bauträger stattfinden kann. Aufgrund fehlen-
der Bautätigkeit hatten in der Gegend um Großenhain
bisher kaum archäologische Grabungen stattgefunden.
Die Kenntnis archäologischer Fundstellen war dement-
sprechend gering und ungenau. Durch die vorbildliche
Lösung mit der Voruntersuchung durch das Landesamt
für Archäologie einige Monate vor dem eigentlichen
Bauprojekt zu beginnen, konnte ausgeschlossen wer-
den, dass es während der Bauphase zu Schwierigkeiten
und Verzögerungen kam.
Ein besonderer Dank für die allzeit gute Zusammenarbeit
und die Organisation des Gesamtprojekts sei an dieser
Stelle Frau Eubling von der DB Projekt Verkehrsbau
GmbH, Projektzentrum Dresden, ausgesprochen. Dank
gilt auch der Baufirma STR Radebeul (Herr Teichmann,
Herr Sauerbrey und Herr Volkmann), die den archäolo-
giegerechten Oberbodenabtrag durchführte und die
Baustelleneinrichtung sowie die technischen Geräte
bereit stellte. Der Erfolg einer Ausgrabung hängt ent-
scheidend von den Mitarbeitern ab, ihnen allen sei für
ihren Einsatz und ihr Engagement gedankt.
S. Kretschmer
H. Stäuble
© Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte
Zur Wetterwarte 7
01109 Dresden
Telefon:
0351 / 89 26 603
Email:
Presse@archsax.smwk.sachsen.de
Fax:
0351 / 89 26 666
Internet:
www.archsax.sachsen.de
Vervielfältigungen nach vorheriger Absprache mit dem LfA
Archäologie an der Bahntrasse Weißig-Böhla
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