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Dokumentation
© DKJS
Die digitale Fachtagung „Ganztag – gemeinsam zukunftsorientiert“ wurde
organisiert vom Bundesnetzwerk Ganztag – einem bundesweiten Netzwerk aus
unterschiedlichen Akteur:innen, wie zum Beispiel den regionalen
Serviceagenturen, die Ganztagsschulen in ihrer Qualitätsentwicklung begleiten.
Kooperationspartnerin der Veranstaltung war die Deutsche Kinder- und
Jugendstiftung (DKJS).

2
Inhaltsübersicht
Bericht über die dreitägige Veranstaltung
Ganztagstrialog rund um Ganztagsschule und Pandemie
................................................................. 3
Über das Bundesnetzwerk Ganztag
................................................................................................... 5
Praxisbeispiele
.................................................................................................................................... 6
PB 01: Digitale Bildung den ganzen Tag – ein Medienkonzept für die Ganztagsschule
................... 6
PB 02: Ganztägige Mobilität – ein Schulkonzept
............................................................................... 6
PB 03: Folgen der Pandemie begegnen – Schüler:innen als Lehrkräfte
........................................... 7
PB 04: SegeLzeit (selbstgesteuerte Lernzeit) - individuelle Förderung in heterogenen
Lerngruppen
........................................................................................................................................ 8
PB 05: Neue Wege in der Pandemie – Erfahrungen und Entwicklungschancen einer
Ganztagsschule
................................................................................................................................... 9
PB 06: Organisation von Lernen und Fördern – nutzbare Erfahrungen aus der Corona-
Pandemie
.......................................................................................................................................... 10
PB 07: Chancen und Gestaltung einer inklusiven Bildungseinrichtung in Kooperation mit dem
Kinderwerk Baronsky – Das Kind im Fokus
...................................................................................... 11
PB 08: Gestaltung und Umsetzung eines Schul-Podcasts
................................................................ 12
PB 09: Der Pakt für den Nachmittag in der Pandemie – Erfahrungen von Ganztagsgrundschulen
12
PB 10: Zusammenhalt in der Pandemie – Kooperation von Grundschule und Hort
...................... 13
PB 11: Draußenpädagogik in der Pandemie – Wald trifft Schule
................................................... 14
PB 12: „Ich – Du – Wir“ - Fürsorge im Ganztag
................................................................................ 14
PB 13: Schultheater „Jetzt erst recht!“ - Über die Möglichkeiten und Wirkungen kreativer Arbeit
in Zeiten voller Unsicherheit an einem Musikgymnasium
.............................................................. 15

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3
Bericht über die dreitägige Veranstaltung:
Ganztagstrialog rund um Ganztagsschule und Pandemie
Welche Möglichkeiten bieten Ganztagsschulen, um die Folgen der Pandemie aufzufangen? Vielfältige
Antworten auf diese Frage bot die digitale Fachtagung „Ganztag – gemeinsam zukunftsorientiert“
vom 14. bis 16. September 2021. Beim sogenannten Ganztagstrialog kamen insgesamt rund 300
Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Steuerung zusammen. Die Veranstaltung war ein
Angebot des Bundesnetzwerks Ganztag und der DKJS.
Poetischer Auftakt
Einen berührenden Auftakt machte Jesko Habert von den Kiezpoeten. Unter dem Titel
„Weltraumtierärzte“ reimte er in sieben Minuten das Schulleben von Josef und Jerome – und zeigte
damit zwei Bildungsbiografien, die von sozialer Herkunft geprägt sind. Der rhythmisierte Einstieg in
die Veranstaltung verdeutlichte den Auftrag von Ganztagsschulen – auch und gerade in Zeiten der
Pandemie: Mehr individuelle Förderung und Bildungsgerechtigkeit zu ermöglichen.
Die Perspektive der Wissenschaft
Am ersten Veranstaltungstag gab es drei Impulsvorträge von Wissenschaftler:innen zu den
Auswirkungen der Pandemie auf Kinder und Jugendliche sowie den Potenzialen im Ganztag. Prof. Kai
Maaz, Direktor des DIPF – Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation stellte
heraus, worauf es ankommt: Basiskompetenzen und Selbstlernkompetenzen zu stärken, individuell
zu fördern, außerunterrichtliche Bereiche besser nutzbar zu machen und Räume für Selbstentfaltung
zu schaffen. Aus seiner Sicht braucht es ein klares Bekenntnis zum Abbau von Bildungsarmut und zur
Reduktion von Bildungsungleichheiten – und eine Fortbildungsoffensive für die Gesamtheit des
Personals.
Einen Professionalisierungsschub forderte auch Prof. Marianne Schüpbach von der Freien Universität
Berlin. Gute Kooperation multiprofessioneller Teams an Ganztagsschulen ist eine große
Herausforderung – und ein wichtiger Schlüssel für gute Qualität! Um das professionelle Handeln aller
Beteiligten zu stärken, müsse künftig an der gemeinsamen Aus- und Weiterbildung angesetzt
werden.
Prof. Karina Weichold von der Universität Jena betonte, dass der Fokus nun nicht nur auf
Lerndefiziten, sondern auch auf den psychosozialen Folgen der Pandemie liegen sollte. Gerade
Ganztagsschulen können diese Folgen in den
Blick nehmen und Lebenskompetenzen
fördern, damit Kinder und Jugendliche mit
Herausforderungen und Unsicherheiten
umgehen können.
Der Blick in die Praxis
Von der Wissenschaft in die Praxis: Am zweiten
Veranstaltungstag zeigten Ganztagsschulen aus
ganz Deutschland, welche Lösungen sie in der
Pandemie gefunden haben, um Kinder und
Jugendliche zu erreichen und zu unterstützen.
© DKJS

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So stellte beispielsweise die Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen aus dem Saarland ihr Projekt
„Wald trifft Schule“ vor, das Draußenpädagogik in der Pandemie ermöglicht hat. Das Georgius-
Agricola-Gymnasium Glauchau aus Sachsen bot Einblicke, wie Schüler:innen in die Durchführung von
Ganztagsangeboten zur individuellen Förderung einbezogen werden. Sie erhalten Schulungen und
werden als Lehrkräfte bezeichnet – und unterstützen nun dabei, pandemiebedingte Lernbedarfe
anzugehen. Andere Schulen zeigten unter anderem, wie mit Theater und eigenen Podcast-
Produktionen ein kreatives Miteinander entstanden ist.
Gemeinsam Richtung Zukunft!
Am dritten Tag ging es insbesondere um die Zusammenarbeit der Institutionen in und nach der
Pandemie. Prof. Falk Radisch von der Universität Rostock machte deutlich, dass in der Breite ein
großer Bedarf an Unterstützung, Diagnostik, Koordination und Absprache erwächst. „Wir brauchen
jetzt einen Plan, wie wir es in fünf Jahren haben wollen.“
Prof. Ludger Pesch vom Pestalozzi-Fröbel-Haus machte sich dafür stark, dass bei der Ausgestaltung
der Ganztagsangebote und der Kooperation von Schule und Jugendhilfe immer die Bedarfe der
Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt stehen müssen. Wenn Schule auch ein Lebensort sein soll,
dann sollten die Angebote so gestaltet sein, dass sich Kinder und Erwachsene dort wohlfühlen und
miteinander leben, arbeiten und lernen können.
Insgesamt hat die Fachtagung gezeigt: Ganztagsangebote sind keine „Kompensationsmaschinen“.
Doch gute Ganztagsschulen mit multiprofessionellen Teams, klaren Strukturen und außerschulischen
Kooperationen sind Lebens- und Lernorte, an denen Kinder und Jugendliche individuell und
zukunftsorientiert gefördert werden können. Die Schülerin Anna-Lena brachte es auf den Punkt:
„Ganztagsschule ist ein wichtiger Ort – man ist miteinander, tauscht sich aus und erwirbt
Kompetenzen fürs Leben. Wenn man den ganzen Tag miteinander verbringt, entsteht eine
unglaubliche Energie!“
„Deutlich wurde aber auch, dass Ganztagsschule keine Verlängerung des Unterrichts sein darf“,
resümiert Annekathrin Schmidt von der DKJS. „Und es braucht gerade vor dem Hintergrund des
kommenden Rechtsanspruchs einen intensiveren Dialog zwischen Praxis, Wissenschaft, Verwaltung
und Politik. Mit dem Ganztagstrialog haben wir einen Anfang gemacht.“

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Einen weiteren, sehr lesenswerten
Bericht über die Veranstaltung
, finden Sie online unter:
https://www.ganztagsschulen.org/de/48093.php
Autor: Stefan Lüke,
www.ganztagsschulen.org
Zudem weisen wir an dieser Stelle auf das
Positionspapier der
Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS)
hin, auf das im
Rahmen der Fachtagung mehrfach Bezug genommen wurde:
Ganztagsschule und Pandemie: Die Potenziale des guten
Ganztags. Ein Positionspapier der Deutschen Kinder- und
Jugendstiftung. Berlin 2021. Online verfügbar unter:
https://www.dkjs.de/uploads/tx_lfnews/media/210818_DKJS-
Positionspapier_Ganztagsschule_u_Pandemie.pdf
Über das Bundesnetzwerk Ganztag
Sie kennen das Bundesnetzwerk Ganztag noch nicht? Hier geht’s zum Erklärvideo:
https://youtu.be/z9O1kbPYPJE

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Praxisbeispiele
PB 01: Digitale Bildung den ganzen Tag – ein Medienkonzept für die Ganztagsschule
Grundschule Heidenberger Teich, Schleswig-Holstein
Schulform:
Grundschule, gebundener Ganztag
Bereits für Kinder im Grundschulalter haben digitale Medien einen hohen Stellenwert. Das Tablet-
Spiel, das virtuelle Haustier als Smartphone-App oder die Lieblingsmusik auf YouTube – die
Lebenswelt der Kinder ist mehr und mehr digital geprägt. An dieser Stelle setzt die Kieler Grundschule
am Heidenberger Teich an. Die Schüler:innen sollen raus aus einer reinen Konsumentenrolle und
stattdessen Kompetenzen für den reflektierten und kreativen Einsatz von PC, Tablet und Co.
ausbilden und diese in ihre Lernprozesse einbinden. Dafür braucht es motivierte und hierfür
ausgebildete Lehrkräfte, eine leistungsfähige Technikausstattung in der Schule, aber vor allem ein
zielführendes Medienkonzept für den ganzen Tag.
Die Schule verfügt über eine gute technische Ausrüstung. Hier gibt es keine Kreidetafeln mehr –
stattdessen funktionierende PC-Arbeitsplätze in jeder Klasse, iPads und eine eigenständige IT-
Administration. Genutzte Medien und Apps sind handelsüblich und die landesweiten Vorgaben
werden beachtet, je nach den Bedürfnissen der Schüler:innen.
Welche Faktoren tragen zum Gelingen bei? Ein wesentlicher Punkt ist das Fortbildungskonzept für
alle Kolleg:innen. Bei den Fortbildungen werden Theorie und Praxis miteinander verzahnt. Die
Workshops werden durch ein Medienteam der Schule für alle Kolleg:innen, auch die pädagogischen
Mitarbeiter:innen, angeboten. Mittlerweile können diese auch von anderen Schulen gebucht werden.
Die gute Zusammenarbeit aller Pädagog:innen in der Ganztagsschule zeichnet die Schule aus.
Als gebundene Ganztagsschule finden die Kurse über den Tag verteilt statt und sind Teil des
Lern- und Lebensortes Schule.
Einen detaillierten Bericht über das Fortbildungskonzept der Schule am Heidenberger Teich finden Sie
hier:
https://www.bildung.digital/artikel/interne-fortbildungen-die-theorie-und-praxis-verzahnen
Das Medienkonzept der Schule finden Sie hier:
http://schuleamheidenbergerteich.de/downloads/Medienkonzept_5.1_%28September2021%29.pdf
Auf der Website lassen sich auch die besuchten Netzwerke und andere
Kooperationspartner:innen finden.
PB 02: Ganztägige Mobilität – ein Schulkonzept
Gesamtschule IGS Flötenteich (Oldenburg), Niedersachsen
Schulform:
Integrierte Gesamtschule, gebundener Ganztag
Anne Meyer (Ganztagskoordinatorin), Berend Meyer (Lehrer, Fachberater Mobilität) und Emily
Wöbken (Schülerin in Jg. 13) aus der Integrierten Gesamtschule IGS Flötenteich in Oldenburg stellten
ihr schuleigenes Mobilitätskonzept vor.
Das niedersächsische Curriculum Mobilität
(https://www.nibis.de/mobilitaet_8255),
das Mobilität als
ganzheitlichen nachhaltigen Ansatz begreift, wird in der Schule handlungsorientiert im Stunden- und
Themenplan umgesetzt. Von Antriebstechnik über ökologisch vertretbare Transportmittel und -wege,
Schülerlotsenausbildung, kreativer bewegter Pausen- und Freizeitgestaltung, regionalem Einkauf bis

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hin zu nachhaltigen Urlaubsreisen reicht das Themenspektrum, welches in der Schule fächer- und
professionsübergreifend umgesetzt wird. Dieses bestehende Konzept wirkt in Pandemiezeiten positiv
unterstützend für alle Beteiligten.
Durch die Erlassgrundlagen in Niedersachsen (Ganztagsschulerlass, BNE-Erlass,
Demokratiebildungserlass, Erlass für die soziale Arbeit in schulischer Verantwortung) und das
Curriculum Mobilität hat die IGS Flötenteich in einem Zeitraum von mehreren Jahren ein ganztägiges,
in sich verzahntes Konzept zur nachhaltigen Mobilität entwickelt.
Einen Einblick vermittelt dieser Film:
https://www.igs-floetenteich.de/alle-news/mobilitaet-an-der-
ganztagsschule-ein-best-practice-beispiel-an-der-igs-floetenteich/
Dieses Konzept griff auch in der Corona-Pandemie: Die Bewegung, z. B. in der so genannten „Zeit für
Vieles“ oder in den „Bewegten Pausen“ wurde nach draußen verlegt. Die über 50 AGs / ZfV fanden in
den Kohorten statt – und der Kontakt zu den Schulen im globalen Süden wurde online intensiviert.
Die Kinder und Jugendlichen sind durch die Pandemie vermehrt mit dem Fahrrad statt mit dem ÖPNV
zur Schule gekommen. Die Kontakte in den Stadtteil, zu Vereinen und Unterstützer:innen konnten
weitergeführt werden – teilweise online über die „Corona-Zeitzeugen-Seite“
(
https://www.wir-
virus.de/
).
Ein nachhaltiger mobiler Ganztag mit Zukunft – auch oder gerade in Coronazeiten!
PB 03: Folgen der Pandemie begegnen – Schüler:innen als Lehrkräfte
Georgius-Agricola-Gymnasium Glauchau, Sachsen
Schulform
: Grundschule, offener Ganztag
Im Georgius-Agricola-Gymnasium Glauchau sind seit mehreren Jahren Schüler:innen der
Klassenstufen 9 bis 12 in die Durchführung von Ganztagsangeboten zur individuellen Förderung
involviert. Die als Lehrkräfte bezeichneten Schüler:innen unterstützen damit die Lehrer:innen vor Ort
und ermöglichen in diesem Jahr besonders die Bearbeitung pandemiebedingter Bedarfe einerseits
und die Verzahnung von Unterricht und Angeboten andererseits. Um sich als Schüler:innen-Lehrkraft
zu qualifizieren, ist neben dem Nachweis entsprechender eigener Fachkenntnisse die Teilnahme an
Schulungen zu Themen wie Gesprächsführung, Methodik, Didaktik und LRS erforderlich.

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Grit Wiegner (Lehrerin und Projektleiterin) erläuterte zusammen mit einer Schüler:in-Lehrkraft das
Konzept und die Umsetzung. Seit 2007 hat das Georgius-Agricola-Gymnasium Glauchau mit der
Schülerfirma „SHS statt SOS“ ein weiteres Standbein zur individuellen Unterstützung von
Schüler:innen vor Ort etablieren können. Mit viel Engagement aller an Schule beteiligten
Akteur:innen tragen die Angebote Früchte, sowohl auf Seiten der Lernenden als auch der Lehrenden
sowie der organisierenden Schüler:innen, so die Projektverantwortliche Frau Wiegner.
Wie werden Schüler:innen zu Lehrkräften? Schüler:innen der Klassenstufen 9 bis 12 können sich,
insofern diese über gute bis sehr gute Schulleistungen verfügen, Engagement und Interesse als
„Lehrkraft“ mitbringen mithilfe eines Formulars (Angabe Unterrichtsfach, Zeit der Durchführung,
Vermerk eigene Fachlehrer:innen) bewerben. Nach Durchlaufen einer zweitägigen Kompaktschulung
inklusive Übernachtung erhalten diese didaktisches Knowhow, um Lernprozesse kompetent begleiten
zu können. In der Regel kann die Schule dadurch ca. 20 Kleingruppenangebote (max. 5 Schüler:innen),
schwerpunktmäßig für die Fächer Mathematik, Englisch und Französisch, anbieten.
Frau Wiegner und Herr Baier (ehemalige Lehrkraft) berichteten im Workshop von den zahlreichen
positiven Erfahrungen, Vorteilen und Erträgen auf Seiten aller Beteiligten. Besonders hervorzuheben
sei das gute Verhältnis der Lehrkräfte zu den Lehrer:innen der Schule infolge des regelmäßigen
Austauschs über Unterrichtsinhalte und Methoden der Förderung. Herr Baier bestätigte, dass seine
Tätigkeit ihm half, eigene pädagogische, soziale und rhetorische Fähigkeiten weiterzuentwickeln und
sich mit seinem zukünftigen Berufswunsch bereits während der eigenen Schulzeit praktisch
auseinanderzusetzen.
Die Corona-Pandemie brachte das Projekt leider ins Stocken. Schüler:innen bewarben sich kaum noch
als Lehrkräfte, auch die Nachfrage ebbte ab. Digitale Wege scheiterten nicht nur aufgrund fehlender
zeitlicher Ressourcen der Verantwortlichen, sondern auch aufgrund fehlender technischer
Möglichkeiten und Infrastrukturen. Herrn Baiers Eindruck nach waren auch die Schüler:innen und
verfügbaren Lehrkräfte in Zeiten des Lockdowns wenig motiviert, die zusätzlichen
Unterstützungsangebote online umzusetzen. Denn man hätte sowieso schon deutlich mehr und
eigentlich auch zu viel Zeit vor dem Bildschirm bei der Erledigung eigener Aufgaben verbringen
müssen.
Nichtsdestotrotz wurde deutlich, dass sich neben den zahlreichen Vorteilen und Erträgen für alle
Beteiligte, ein solches, gewachsenes Unterstützungssystem in besonderer Weise zukünftig für die
Bearbeitung pandemiebedingter fachbezogener Defizite eignet: Durch die Zusammenarbeit der
Lehrkräfte und Lehrer:innen wird die Verzahnung von Unterricht und Angebot gesichert. Die Kosten
sind für alle Teilnehmenden vergleichsweise gering. Man benötigt keine weiteren externen
Angebotsleiter:innen.
PB 04: SegeLzeit (selbstgesteuerte Lernzeit) - individuelle Förderung in heterogenen
Lerngruppen
Ganztagsgrundschule Saarbrücken-Scheidt, Saarland
Schulform:
Grundschule, gebundener Ganztag
Im Mittelpunkt des Austausches in diesem Praxisbeispiel stand die Frage: Wie konnte es in der Zeit
der Pandemie so gut gelingen, alle Schüler:innen auch innerhalb des Distanzunterrichts individuell zu
fördern und zu fordern?
Individuelle Förderung ist Maßgabe und Ziel der inklusiven Schule. Während der Pandemie
organisierten sich Schulen in den letzten Monaten auf verschiedenste Weisen, um die Entfernung zu
den Schüler:innen im Distanzunterricht zu überwinden und trotz widriger Umstände individuell zu

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fördern. Trotz vielfältigster Konzepte gelang es nicht immer, alle Schüler:innen zu erreichen, wie die
neuesten Untersuchungen zu Lernrückständen zeigen.
Warum Schulleiterin Jessica Krebs dazu eine sehr positive Bilanz ziehen kann und wie ihre
Schüler:innen die Pandemie gut gerüstet überstanden, wurde in diesem Praxisbeispiel anschaulich
und detailliert beschrieben. Im Anschluss waren die Teilnehmenden eingeladen, sich über ihre
eigenen Erfahrungen auszutauschen. Dabei sollte das Augenmerk auf dem liegen, was als
Gelingensbedingung erkannt wurde und was für eine zukunftsorientierte Schulentwicklung daraus
gelernt werden kann. Wie kann bzw. muss Schule sich weiterentwickeln, um alle Schüler:innen – auch
in herausfordernden Zeiten – erfolgreich individuell zu fördern und zu bilden? Welche grundlegenden
Strukturen der schülerorientierten Lernorganisation haben sich bewährt?
Das bereits praxiserprobte Konzept ‚Individuelles Lernen mit System‘ (Maike Grunefeld und Silke
Schmolke, 2011) haben wir unter Einbezug von Montessori- und anderen Freiarbeitsmaterialien an die
Gegebenheiten unserer Schule angepasst
.“ Schulleiterin Jessica Krebs hat das inklusive Lernkonzept
ihrer Schule mit Elementen der Montessori-Pädagogik ergänzt: An die Arbeit in selbstorganisierter
Lernzeit (SegeL-Zeit) – mit Lerntagebuch und in innerer und äußerer Lerngruppendifferenzierung –
waren die Kinder ihrer Schule bereits vor den Veränderungen durch die Corona-Pandemie gewohnt.
Diese den Schüler:innen bekannten Lernwerkzeuge waren für Jessica Krebs der Schlüssel für die
geglückte pandemiebedingte Heimarbeitszeit. Anschaulich berichtete die Schulleiterin gemeinsam
mit Ina Hossfeld (Klassenlehrerin an der Gebundenen Ganztagsgrundschule Saarbrücken-Scheidt) und
Nicole Geißler (Referat Förderschule, sonderpädagogische Unterstützung in Regelschulen und
Förderschulen des Ministeriums für Bildung) davon, wie ihr gemeinsames Inklusionskonzept bereits
vor der Pandemie wirksam wurde. Praxisnah wurde deutlich, wie die Schüler:innen ihre
Gewohnheiten der SegeL-Zeit aus dem Setting des Präsenzunterrichts problemlos in die
Heimarbeitszeit übertragen konnten. Filmisch anschaulich dokumentiert konnten die
Teilnehmer:innen des Praxisbeispiels verfolgen, wie die Kinder an den Schatzkarten arbeiten, mit
denen sie entsprechend ihres individuellen Lernstandes passgenau gefördert und gefordert werden –
eine binnendifferenzierte Förderung, die das individuelle Lernen in der Heimarbeit verlässlich
weiterbrachte. Auch pandemiebedingte Lernrückstände wurden seitdem schnell aufgearbeitet.
PB 05: Neue Wege in der Pandemie – Erfahrungen und Entwicklungschancen einer
Ganztagsschule
Erika-Mann-Grundschule, Berlin
Schulform:
Grundschule, offener Ganztag
Die theaterbetonte Grundschule im Berliner Stadtteil Wedding will eine Schule für alle sein! Schule als
Lern-, Lebens- und Beziehungsort zu gestalten, selbstbestimmtes Lernen zu ermöglichen und die
kreative Kompetenz zu fördern sind die Schwerpunktthemen. Wie gelingt das
kindgerecht rhythmisiert an einer offenen Ganztagsschule? Und wie gelingt es Pädagog:innen auch in
Pandemiezeiten, Kontakt zu den Schüler:innen aufzubauen und welche ganz neuen Wegen haben sie
eingeschlagen?
Mike Menke, eFöB-Koordinator, gab einen Einblick in das Schulprofil, die Erfahrungen in der
Pandemie und die weiteren Entwicklungsvorhaben.
An der Erika-Mann-Grundschule lernen knapp 600 Schüler:innen, von denen fast 90 % am offenen
Ganztag von 13:30 bis 16:00 Uhr teilnehmen. Während der Pandemie war es nicht möglich, diese
Angebote durchzuführen. Mike Menke berichtete praxisnah, wie sehr die Schüler:innen vor allem
unter der Einschränkung der sozialen Kontakte gelitten haben. Davon ausgehend wurden
verschiedene Strategien entwickelt, um die Beziehungsebene aufrechtzuerhalten. So wurde z. B.
jedes Kind einmal wöchentlich angerufen, es gab ein „offenes Ohr“ für Eltern und an die Kinder

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wurde regelmäßig ein persönlicher Brief geschrieben. Eine Erzieherin hatte die Idee,
Geburtstagskinder zu besuchen: Mit einem großen „Happy Birthday“-Plakat in der Hand sang sie vor
dem Haus ein Geburtstagslied, während das Geburtstagskind aus dem Fenster schaute. Danach gab
es noch ein kleines Geschenk und vielleicht ein Treppenhausgespräch. Sie berichtete von
berührenden Momenten, wenn die Kinder strahlten – an einem Geburtstag, der so ganz anders war
als alle anderen vorher.
Außerdem entstand in der gemeinsamen Arbeit in der Zeit der Notbetreuung die CD „Die Räubers“,
die unter
https://www.youtube.com/watch?v=NGMhFolanH4
gehört werden kann.
Neben verschiedenen Online-Arbeitsgemeinschaften wurde sogar ein Anti-Gewalttraining online
durchgeführt.
Auf die Frage „Was retten wir aus der Krise?“ antwortete der leitende Koordinator der ergänzenden
Förderung und Betreuung (eFöB), dass sie im multiprofessionellen Kollegium die Angst vor digitalen
Medien verloren haben, ihr (altes) Konzept neu wertschätzen und Kreativität zur Weiterentwicklung
und Umsetzung neuer Ideen freigesetzt wurde. Ganz besonders sei aber die Intensivierung der
multiprofessionellen Zusammenarbeit hervorzuheben.
Beeindruckt vom persönlichen Einsatz und Engagement der Mitarbeitenden gaben die
Teilnehmer:innen des Praxisbeispiels folgende Rückmeldungen, die Mike Menke mit in sein Team
zurücknahm:
PB 06: Organisation von Lernen und Fördern – nutzbare Erfahrungen aus der
Corona-Pandemie
Eldenburg-Gymnasium Lübz, Mecklenburg-Vorpommern
Schulform:
Gymnasium, gebundener Ganztag
Jede:r Schüler:in hat das Recht auf Bildung. Pandemiebedingt mussten die Schulen in den letzten
Monaten verschiedene, oft außergewöhnliche Wege zur Organisation ihrer täglichen Arbeit finden
und beschreiten. Das Praxisbeispiel beschäftigte sich daher zunächst mit der Frage, wie das
Eldenburg-Gymnasium Lübz es geschafft hat, Lernen und Fördern unter den äußerst
herausfordernden Bedingungen zu organisieren. Schulleiter Torsten Schwarz berichtete unterstützt
von Schüler:innen, welche Wege seine Schule gegangen ist und welche Erkenntnisse und Lehren
sie für die weitere Schul- und Unterrichtsentwicklung gezogen haben. Außerdem waren die
Teilnehmenden eingeladen, sich über ihre eigenen Erfahrungen auszutauschen. Dabei lag der Fokus

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auf dem, was als gelungen eingeschätzt wird, und auf der Gestaltung der Zukunft: Wie kann bzw.
muss Schule sich weiterentwickeln, um die Schüler:innen – auch in herausfordernden Zeiten –
erfolgreich zu bilden und auf die Zukunft vorzubereiten?
Im Mittelpunkt des Austausches mit dem Eldenburg-Gymnasium Lübz (Mecklenburg-Vorpommern)
https://www.eldenburg-gymnasium.de
stand die Frage: Wie ist es in der Zeit der Pandemie gelungen,
Kontakt zu unseren Schüler:innen zu halten und wie unterstützen wir sie weiter?
„Wir wollen keine Schülerin und keinen Schüler verlieren“, betonte Schulleiter Torsten Schwarz.
Zusammen mit der Schülerin Jette berichtete er davon, dass pandemiebedingt natürlich auch ihre
Schule in den letzten Monaten verschiedene, oft außergewöhnliche Wege zur Organisation ihrer
täglichen Arbeit finden und beschreiten musste. Da das Kollegium aber bereits vorher stets fest im
Blick hatte, was ihre Schüler:innen brauchen und was ihnen hilft, erfolgreich zu lernen, setzten sie es
intensiv weiter fort. Natürlich standen bzgl. der Wege und Methoden jetzt ganz andere Dinge im
Fokus, aber oberster Grundsatz blieb, möglichst keine:n Schüler:in zu verlieren. Entscheidende
Schwerpunkte der Arbeit, aber eben mit anderen Mitteln, waren auch weiterhin:
Beziehungen zu gestalten,
Lernprozesse zu unterstützen,
lernfördernde Strukturen zu schaffen,
zu wissen, was wie ankommt,
das Miteinander zu fördern und
Schülerpartizipation zu ermöglichen.
Es sollte trotz der widrigen Umstände so viel Normalität wie möglich für die Jugendlichen geben, um
auch in Pandemiezeiten gelingendes Lernen zu ermöglichen. Daher wurden unter anderem
mit Guten-Morgen-Videos verlässliche Strukturen für den Start in den Tag geschaffen,
gezielte Förder- und Unterstützungsangebote unterbreitet,
technische Supports durch Kolleg:innen eingerichtet,
nach wie vor regelmäßig Feedback gegeben und eingeholt.
Selbst Möglichkeiten, die Unterricht ergänzenden Angebote zu realisieren, wurden gefunden. Bei all
dem war die Haltungsarbeit das entscheidende. Torsten Schwarz und sein Kollegium waren sich einig.
Sie wollten, dass es gelingt, und sagten sich: Machen! Es wurde sehr deutlich, Unterricht – auf Distanz
oder in Präsenz – steht und fällt mit der Expertise und Haltung der Lehrer:innen. Lehrende sind
Lernende und umgekehrt, Lernen ist Dialog und Interaktion ist Kommunikation. Lernen ist Beziehung,
ist Austausch und Rückmeldung.
Teachers make the difference.
PB 07: Chancen und Gestaltung einer inklusiven Bildungseinrichtung in Kooperation
mit dem Kinderwerk Baronsky – Das Kind im Fokus
Gottfried-Kinkel-Grundschule Bonn, Nordrhein-Westfalen
Schulform:
Primarstufe, offener Ganztag
Hier können Sie sich die ZOOM-Aufzeichnung des Vortrags von Schulleiter Christian Eberhard
anschauen:
https://isa-muenster-
de.zoom.us/rec/share/MF3ZU5RMivoPHUd_eEftpyh3bOgIz5HXWzzzbk7XTbNf2Nx1_turKjg6bV7NZiCC
.nBZc1FzJTZ9UP5zk

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Kenncode: w3%zeqC$
PB 08: Gestaltung und Umsetzung eines Schul-Podcasts
Oberschule Kurt-Schumacher-Allee, Bremen
Schulform:
Oberschule, gebundener Ganztag
Miteinander ins Gespräch kommen und im Gespräch bleiben: Ein Podcast eignet sich gut, um das
vielfältige Schulleben an Bremer Schulen hörbar zu machen und den Meinungen, Wünschen und
Ansichten der Schüler:innen eine Plattform zu geben.
Am Beispiel des Schul-Podcasts der Oberschule an der Kurt-Schumacher-Allee („Die mündliche Note“)
wurde gezeigt, wie ein Schul-Podcast konzipiert, gestaltet und technisch umgesetzt werden kann.
Dabei stand auch die Frage zur Diskussion, wie Schüler:innen zukünftig noch stärker in den Planungs-
und Erstellungsprozess mit eingebunden werden können.
Der Podcast ist online verfügbar unter:
https://ksa-bremen.de/ksa-podcast/
Bislang sind fünf Folgen erschienen. Das Thema der ersten Ausgabe lautete „Was geht, wenn nichts
mehr geht? Künstlerische Fächer im Corona-(Schul-)Jahr.“
PB 09: Der Pakt für den Nachmittag in der Pandemie – Erfahrungen von
Ganztagsgrundschulen
Grundschule Hupfeldschule Kassel und Grundschule Kirchgarten Babenhausen, Hessen
Schulform:
Grundschule, offener Ganztag
Mit dem Pakt für den Nachmittag bietet das Land Hessen ein Bildungs- und Betreuungsangebot an
Grundschulen an, das in Zusammenarbeit zwischen Schule und Angebotsträger konzipiert und
weiterentwickelt wird. Durch die Zusammenarbeit der Professionen entsteht eine veränderte
Schulkultur. Die Hupfeldschule in Kassel und die Schule im Kirchgarten in Babenhausen arbeiten beide

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im Pakt für den Nachmittag. Die Schulleiterinnen Ute Waffenschmidt und Silke Schulz-Mandl stellten
im Rahmen der Veranstaltung ihre Konzepte vor und berichteten aus der Praxis.
PB 10: Zusammenhalt in der Pandemie – Kooperation von Grundschule und Hort
16. Grundschule “Josephine“, Dresden, Sachsen
Schulform:
Grundschule, offener Ganztag
Die Ganztagsgrundschule „Josephine“ in Dresden und ihr Hort arbeiten seit vielen Jahren eng
zusammen. Die Entwicklung jedes Kindes zu einer kompetenten und selbstbewussten Persönlichkeit
wird von beiden Bildungsinstitutionen gleichermaßen verfolgt. Durch diese etablierte
Zusammenarbeit konnte auch in den herausfordernden Zeiten der Pandemie viel aufgefangen
werden.
Im Workshop wurde zunächst durch Herrn Lehmann (Fachstelle GTA) die Struktur des sächsischen
Ganztags vorgestellt. Die historisch gewachsenen Angebote wie Hortbetreuung, Mittagessen und das
Angebot von Arbeitsgemeinschaften prägen die flächendeckende Ausgestaltung des Ganztags an den
sächsischen Grundschulen. Die Einzelschule besitzt hinsichtlich der Ausgestaltung (z.B.
Organisationsform) sowie der Verwendung der Fördermittel große Eigenverantwortung. Im
Primarbereich ist jedoch eine Kooperationsvereinbarung zwischen Grundschule und Hort zwingend
vorgeschrieben. In der Stadt Dresden gibt es für alle städtischen Einrichtungen auch einen
verbindlichen Qualitätsrahmen (mit acht Handlungsfeldern), der bei der Erstellung der
Kooperationsvereinbarung berücksichtigt werden muss.
Frau Hertzschuch (16. Grundschule „Josephine“) und Frau Weise (Hort der 16. Grundschule) stellten
anhand der Tagesstruktur die gemeinsame Arbeit an der „Josephine“ als ganztägigen Bildungs- und
Lebensort vor. Nach dem Frühhort übernimmt die Grundschule die Zeit bis 11:40 Uhr verbindlich, in
welcher der Hort auch nicht als „Reserve“ zu Verfügung steht. Die Betreuung der 45-minütigen
Mittagspause wiederum liegt in alleiniger Verantwortung des Hortes. Am Nachmittag finden
vielfältige Ganztagsangebote und Hortbetreuung gleichzeitig statt. Fast alle Grundschulkinder
besuchen an der Josephine auch den Hort.
In gemeinsam besetzten Arbeits- und Steuergruppen werden Monats- und Jahrespläne erstellt. Diese
enge Zusammenarbeit erleichterte auch während der Pandemiezeit die interne und externe
Kommunikation. Da beide Institutionen im gleichen Gebäude arbeiten war immer eine enge
Abstimmung, z. B. hinsichtlich des Hygienekonzepts, notwendig. Ebenso fanden und finden
gemeinsame Elternabende statt. Elternbriefe beinhalten Informationen beider Einrichtungen. Durch
die Pandemie gab es an der „Josephine“ auch hinsichtlich von Demokratiebildung bei den Kindern
neue Ansätze, da Themen wie Kinderrechte und Beteiligung einen neuen Stellenwert erhielten.
Die beiden Referentinnen stellten weiterhin ihre Arbeit als Fachberaterinnen für die Zusammenarbeit
von Grundschule und Hort in Dresden und Umgebung vor – ausgehend von einem Projekt der
Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS): Gemeinsam bildet. Grundschule und Hort im Dialog.
Auch hier spielt der Aspekt der Kommunikation in der Pandemie eine zentrale Rolle. Die
Notwendigkeit des Austauschs hat an einigen Standorten die Zusammenarbeit vorangebracht.

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PB 11: Draußenpädagogik in der Pandemie – Wald trifft Schule
Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen, Saarland
Schulform:
Gemeinschaftsschule, gebundener Ganztag
„Outdoor-Klassenzimmer, Basislager, sinnhaftes Erfahren von Natur und Ökosystem…“: Im Rahmen
des Projektes „Wald trifft Schule“ hat die GGS Neunkirchen vor drei Jahren mit Saarforst und
Landkreis das Projekt „Wald trifft Schule“ initiiert. Die Idee, Unterricht für Waldklassen zusammen
mit Expert:innen wie Wildnispädagog:innen, Imker:innen und Künstler:innen im Wald zu realisieren,
begeistert seitdem alle Beteiligten. Neben dem „Wald als Übungsfeld“ für Bildung für nachhaltige
Entwicklung (BNE) hat die Draußenpädagogik der GGS Neunkirchen vielfältige Chancen zum Umgang
mit der Pandemie geboten. Im Rahmen des Praxisbeispiels stellte der Schulleiter zusammen mit
Schüler:innen sowie der Schülervertretung das Konzept „Wald trifft Schule“ vor und zeigte
Möglichkeiten auf, wie Schulen sich auf den Weg machen und alternative Formen des
Ganztagsunterrichts in der Natur realisieren können.
Die Draußenpädagogik der GGS Neunkirchen wurde anschaulich und spannend durch Schüler:innen
und Schulleiter dargestellt – eigene Erfahrungen, ergänzt durch Fotos und Filme (siehe Youtube/
ggsnk), zeigten die vielfältigen Ressourcen des durchdachten Waldcurriculums auf, um verstärkt in
Zeiten der Pandemie geschlossene Klassenzimmer zu öffnen. Die Vermittlung unterrichtlicher Inhalte
und ihre Übertragung auf den außerschulischen Lernort Wald, die Entstehung einer Schulkultur des
„Lernens mit allen Sinnen“ und des „greifbaren Lernens“ sowie die Verknüpfung mit
fächerübergreifenden und außerschulischen Inhalten wie Kunst, Kochen, Waldbau und Forstschutz
und auch Öffentlichkeitsarbeit und umweltfreundlicher Mobilität machten den besonderen
Stellenwert dieser konkreten Draußen-Ideen und den Mehrwert, den die Teilnehmer:innen dieses
Praxisbeispiels mit nach Hause nehmen durften, aus.
Zahlreiche weitere Informationen finden Sie unter folgendem Link:
https://padlet.com/ggsnkteam/waldtrifftschule
PB 12: „Ich – Du – Wir“ - Fürsorge im Ganztag
Ein Praxisimpuls des ISB Bayern
Sabine Silberhorn, Stefanie Pistor und Katrin Weigert vom Staatsinstitut für Schulqualität und
Bildungsforschung (ISB) in München stellten in diesem Workshop drei Schwerpunkte der Fürsorge für
alle am Ganztag Beteiligten vor:
Der Input „Achtsam im Ganztag“ informierte über die Grundlagen der Achtsamkeit, um in stressigen
Situationen des ganztägigen Alltags innezuhalten.
In „Entspannung im Ganztag“ wurden ausgewählte Übungen und Rituale aus den Bereichen Yoga,
Meditation und Entspannung vorgestellt. Integriert in den ganztägigen Schulalltag, werden
Erwachsenen und Kindern Anregungen gegeben, sich auf sich selbst zu besinnen, sich selbst und ihre
Körper bewusster zu spüren, Nähe zuzulassen und den Körper auf allen Ebenen zu entspannen und
Stress abzubauen.
Die „Impulse für soziales Lernen im Ganztag“ beziehen alle am Ganztag Beteiligten ein. Der Mangel an
sozialen Beziehungen und das Überangebot an kognitiven Inhalten in eng getakteten Online-Sessions
haben während des Distanzunterrichts zu emotionalem und psychischem Stress geführt. Ein speziell
für den Ganztag entwickeltes Kartenset „Impulse für soziales Lernen im Ganztag“ gibt der komplexen
Aufgabe des sozialen Lernens aktuellen Nachdruck.

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Das Spiele- und Kartenset „Impulse für soziales Lernen im Ganztag“ können Sie hier herunterladen:
https://www.ganztag.isb.bayern.de/fileadmin/user_upload/ganztag/ISB_Impulse_fuer_soziales_Lern
en_im_Ganztag_interaktiv.pdf
PB 13: Schultheater „Jetzt erst recht!“ - Über die Möglichkeiten und Wirkungen
kreativer Arbeit in Zeiten voller Unsicherheit an einem Musikgymnasium
Goethe-Gymnasium Demmin, Mecklenburg-Vorpommern
Schulform:
Gymnasium, offener Ganztag
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie führten mitunter zu umfangreichen Einschränkungen bis hin
zu Schulschließungen. An die Umsetzung kreativer Formate im Rahmen der Ganztagsschule, wie z. B.
Theater, denkt dabei zunächst niemand, denn die Sicherstellung des Unterrichts hat höchste Priorität.
Der Verlauf des pandemischen Geschehens zeigte aber auch, welche psychischen, sozialen und
emotionalen Folgen die Maßnahmen für die Schüler:innen hatte und hat. Das Theater als kreative
Form körperlichen und emotionalen Ausdrucks kann eine überaus hilfreiche Möglichkeit sein,
entsprechende Auswirkungen für einen Moment aufzufangen und einen Ausgleich zum neu
entstandenen Alltagstrott zu bieten.
In diesem Praxisbeispiel ging es um die verschiedenen theatralen Formen und Ergebnisse, die die
Theater-AG des Goethe-Gymnasiums Demmin (Musikgymnasium) in der Zeit von April 2020 bis Juni
2021 entwickelt hat. Hier wurde deutlich, dass den kreativen Ganztagsangeboten gerade in Zeiten
voller Unsicherheit eine besondere Bedeutung zukommt.
Das Goethe-Gymnasium Demmin,
www.goethegymnasium-demmin.de
,
vertreten durch den
Schulsozialarbeiter Martin Koch und die Schülerinnen Celina und Ronja, präsentierten ihre
Erfahrungen. Wie sind sie dabei vorgegangen und welche Bedeutung hatte das Theater insbesondere
in den Lockdowns für die teilnehmenden Schüler:innen?
Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass die Schüler:innen mit verschiedenen Einschränkungen
konfrontiert wurden. So musste auch die Theater-AG neue Wege gehen. Von April 2020 bis Oktober
2020 produzierten sie ihr Theaterstück als Hörspiel. Von August 2020 bis Juni 2021 entwarfen sie ein
neues Theaterstück. Dabei merkten die Schüler:innen schnell, was Wort, Emotionen und Stimme
ausdrücken können, wenn man sich nicht mehr von Angesicht zu Angesicht sieht.
Hat die Theater-AG vorher schon Teamkompetenzen und soziales Miteinander gefördert, dann war
sie jetzt ein Zufluchtsort (O-Ton Ronja) und hat die Schüler:innen trotz Abstand enger
zusammenwachsen lassen (O-Ton Celina). Die Bereitstellung technischer Tools führte dazu, dass die
Theatergruppe einen großen Entwicklungsschub verzeichnen konnte, ein Ausgleich zum Schul- und
Privatleben war und die Schüler:innen in dieser speziellen Situation in eine andere Rolle schlüpfen
ließ. Da der Schulsozialarbeiter Martin Koch diese AG leitet, konnte er die Schüler:innen in ihrer
speziellen Situation auffangen. Die Arbeit im Ganztag wird hier auf alle Schultern verteilt.
Das Fazit der Schüler:innen aus dieser Zeit: Erstmal anfangen! Solche Angebote können helfen, um
nicht auch geistig noch eingesperrt zu sein. Man kann sich auch in Videokonferenzen einbringen und
Emotionen deutlich machen.
Eine nachhaltige Erkenntnis war, dass sie soziale Kontakte halten konnten, gezielte Abwechslung im
Alltag hatten und sich aufeinander gefreut haben. Sie haben ihr Theaterspiel verfeinert, ihr Timing
und die Einsätze präzisiert und hatten gute Stimmung nach jeder Probe. „Improvisation kann alles!“,
sagte Ronja.