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Ethanolgetreide und Schlempeverfütterung
Schriftenreihe der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft
Heft 7/2008
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

Abschlussbericht des Mehrländerprojektes
Erzeugung von Ethanolgetreide und Schlempeverfütterung
Laufzeit: 2004 - 2007

Inhaltsverzeichnis
Fütterungsversuche zum Einsatz von Trockenschlempe aus der Bioetha-
nolherstellung bei Geflügel
Dr. Gerhard Richter, Jürgen Bargholz, Dr. Horst Hartung, Dr. Christine Chu-
daske, Dr. Thomas Müller-Dittmann, Dr. Winfried Arnhold
1
Versuche zum Einsatz von Roggenpress- und Weizentrockenschlempe
aus der Bioethanolherstellung in der Milchviehfütterung
Silke Dunkel, Dr. Thomas Engelhard, Dr. Hans-Joachim Alert
10
Einsatz von getrockneter Weizenschlempe in der Fresseraufzucht
Dr. Wolfgang Preißinger, Dr. Hubert Spiekers, Anton Obermaier
18
Fütterung
von Getreideschlempe in der intensiven Lämmermast
Dr. Jörg Martin
30
Getrocknete Weizenschlempe in der Schweinefütterung
Dr. Hans-Joachim Alert
37
Untersuchungen zur Lagerung und Konservierung von Roggenpress-
schlempe aus der Bioethanolherstellung
Dr. Olaf Steinhöfel
44
Verhalten von Fusarientoxinen bei der Ethanolerzeugung aus belastetem
Getreide
Gudrun Hanschmann, Doris Krieg
49
Arten- und Sortenempfehlungen für die Erzeugung von Bioethanol für die
Bundesländer Thüringen, Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt
Dr. Martin Farack, Evelin Schreiber, Christian Guddat, Ines Schwabe, Dr. Gert
Barthelmes, Martin Sacher, Marion Böhme, Dr. Gerhard Hartmann
57
Düngung zu Ethanolgetreide - Ergebnisse aus Untersuchungen in Bran-
denburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen
Dr. Michael Grunert, Dr. Lothar Adam, Dr. Lothar Boese, Hubert Heß
70
Substitutionswert und Preiswürdigkeit von Schlempefuttermitteln
Dr. Jürgen Müller
85
Analytisch-methodische Untersuchungen zur Qualitätssicherung von
Getreide und Schlempe in der Bioethanolherstellung (Laboranalytik)
Dr. Matthias Leiterer, Jürgen Bargholz, Dr. Dierk Martin, Doris Krieg
97

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
1
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Fütterungsversuche zum Einsatz von Trockenschlempe aus der Bioethanolherstellung bei
Geflügel
Dr. Gerhard Richter, Jürgen Bargholz, Dr. Horst Hartung (Thüringer Landesanstalt für Landwirt-
schaft), Dr. Christine Chudaske (Südzucker AG), Dr. Thomas Müller-Dittmann (KAWO-
Mineralfutterwerk) und Dr. Winfried Arnhold (BASU-Mineralfutterwerk)
Einleitung
In modernen Anlagen zur Bioethanolherstellung aus Getreide oder anderen kohlenhydratreichen
Pflanzen fällt als Nebenprodukt die Schlempe an. Über die Einsatzwürdigkeit der Trockenschlempe
aus der Bioethanolherstellung mit dem Handelsnamen „ProtiGrain“ bei Ferkeln und Mastschweinen
wurde bereits berichtet (
RICHTER et al. 2007). Für Geflügel ist die Schlempe infolge des hohen Nicht-
Stärke-Polysaccharid (NSP)-Anteiles und der relativ geringen Aminosäuren-Verdaulichkeit keine
typische Futterkomponente (
DONG et al. 1987; SPIEHS et al. 2002). Über Inhaltsstoffe der Schlempe
und deren Variabilität berichten
CROMWELL et al. (1993), BELYEA et al. (1998), BATAL und DALLE (2003)
sowie
ZIGGERS (2004). Die Eiweißqualität der Schlempe ist stark von dem Rohstoff sowie den Pro-
zess- und Trocknungstemperaturen abhängig (DONG et al. 1987; CHUDASKE 2005). ALENIER und COMBS
(1981) sowie
CANTOR und JOHNSON (1983) untersuchten die Präferenz von Trockenschlempe im Ver-
gleich zu verschiedenen Futtermitteln.
Das Ziel der Fütterungsversuche bei Geflügel mit Trockenschlempen aus der Bioethanolherstellung
verschiedener Herkunft war die Prüfung von Einsatzwürdigkeit und dem Einfluss auf die Leistungen,
Eiqualität und die Gesundheit der Tiere.
Material und Methode
In praxisrelevanten Rationen kam in den Versuchen 1, 3 und 5 die schwedische Trockenschlempe
(DDGS - Distiller’s dried grains with solubles) und in den Versuchen 2, 4, 6 und 7 die deutsche Tro-
ckenschlempe mit dem Handelsnamen „ProtiGrain“ zum Einsatz. Beiden lag der Rohstoff Weizen
zugrunde. Die Darstellung der Nährstoffgehalte erfolgte von
RICHTER et al. (2007). Die Rationen wa-
ren rechnerisch isokalorisch und isonitrogen zusammengesetzt. Alle Mischfutter wurden analysiert
und es bestanden keine wesentlichen Unterschiede. Die Versuchsanordnung ist in Tabelle 1 darge-
legt. Aufgrund des hohen Anteils von Nicht-Stärke-Kohlenhydraten in der Schlempe erhielten die
Rationen mit 15 % Trockenschlempe in den Versuchen 1 bis 4 ein NSP-hydrolysierendes Enzym
supplementiert. In den Versuchen 1 und 3 wurden 150 g ZY 68 (1000 FXU Endo-1,4 β-Xylanase)
sowie in den Versuchen 2 und 4 500 g Kemzyme W Dry (α-Amylase, β-Glucanase, Cellulase, Pro-
tease, Xylanase) jeweils pro t Mischfutter zugesetzt.
Die Wägung der Küken erfolgte am 1. und 56. Lebenstag, die der Junghennen am 126. Tag, die der
Legehennen am 140. und 448. Tag sowie die der Broiler am 1., 14. und 33. Lebenstag. Alle Tiere wurden
ad libitum gefüttert und die Rückwaage der Futterreste erfolgte an den Wägeterminen, bei den Legehen-
nen vierwöchentlich. Gehalten wurden die Küken und Junghennen (710 cm²/Tier) sowie Legehennen
(667 cm²/Henne) in Käfigen und die Broiler am Boden auf Hobelspäneeinstreu (695 cm²/Broiler). Bei den
Legehennen sind an drei Tagen/Woche die Einzeleimasse und täglich die Eizahl erfasst worden. Für die

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
2
Schriftenreihe, Heft 7/2008
kontinuierliche Bestimmung der äußeren und inneren Eiqualitätsmerkmale im Versuchsverlauf waren die
Deformation, Bruchfestigkeit und Dichte der Eischale, die Eiklarhöhe, die Haugh-Einheiten, der Blutfle-
cken-Anteil und bei braunen Hennen die Eischalenfarbe die erfassten Parameter. Des Weiteren degus-
tierten ungeschulte Konsumenten Eier (n = 180; 1 = sehr guter Geschmack, 5 = untypischer, schlechter
Geschmack). Bei den Legehennen erfolgte am Versuchsende eine Bonitierung des Federkleides mit den
Noten von 1 (voll befiedert) bis 4 (nackte Stellen). Die Junghennen ohne und mit 15 % Trockenschlempe-
Anteil der Gruppen 1 und 4 in den Versuchen 1 und 2 wurden bei gleicher Haltung und Fütterung in der
Legeperiode in den Versuchen 3 und 4 weiter geprüft (18 Untergruppen á 3 Hennen).
Zur biostatistischen Auswertung der Ergebnisse kam die Varianzanalyse und zur Prüfung der Mittel-
wertdifferenzen der Tukey-Test zur Anwendung (
WEBER 1986). Weil die Wiederholungsversuche in
den jeweiligen Nutzungsrichtungen unter gleichen Bedingungen durchgeführt wurden, sind die Er-
gebnisse tabellarisch zusammengefasst.
Tabelle 1:
Versuchsanordnung
Ver-
Anzahl
suchs-
Nr.
Nutzungs-
richtung
Grup-
pen
Wieder-
holungen
Tiere/
Wieder-
holung
Geno-
typ
Alter,
Tage
Trockenschlempe
Staffelung (%)
1
Küken
6
12
7
LSL
1 - 56
5, 10, 15
1)
, 20
2
Küken
6
12
7
LB
1 - 56
5, 10, 15
1)
, 20
1 Junghennen 6 12 7 LSL 57 - 126 5, 10, 15
1)
, 20
2 Junghennen 6 12 7 LB 57 - 126 5, 10, 15
1)
, 20
3 Legehennen 5 18 3 LSL 140 - 448 5, 10, 15
1)
4 Legehennen 7 18 3 LB 140 - 448 5, 10, 15
1)
, 20, 25
5 Broiler 5 12 23
Cobb
500
1 - 33
5, 10, 15, 20
6 Broiler 5 12 23
Cobb
500
1 - 33
5, 10, 15, 20
7 Broiler 4 12 23
Cobb
500
1 - 33
5, 10, 15
1)
plus NSP-hydrolysierendes Enzym
Ergebnisse und Diskussion
U
Küken und Junghennen
Die Verfütterung von Küken- und Junghennenfutter mit 0, 5, 10, 15 oder 20 % Trockenschlempe
verschiedener Herkunft nahm im Mittel der beiden Versuche keinen Einfluss auf den Futterverzehr
der Tiere. Analog dem Futterverzehr erreichten die Küken im Alter von acht Wochen in den Gruppen
mit unterschiedlichem Trockenschlempe-Anteil gleiche Körpermassen, im Mittel 653 g/Tier. Auch bei
CANTOR und JOHNSON (1983) nahmen 5 % Trockenschlempe-Anteil keinen negativen Einfluss auf die
Körpermasse der Küken. Im Mittel der beiden Versuche bestanden keine nennenswerten Unterschie-

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
3
Schriftenreihe, Heft 7/2008
de in der durchschnittlichen Lebendmasse der Junghennen von 1 437 g, wenn 5, 10, 15 oder 20 %
Trockenschlempe im Mischfutter enthalten waren (Tab. 2). In der Futterverwertung der tro-
ckenschlempehaltigen Küken- und Junghennenrationen konnten keine signifikanten Unterschiede
nachgewiesen werden. Die Tierabgangsrate sowohl in der Küken- als auch Junghennenperiode war
unabhängig von der Fütterung und im Mittel mit 0,6 % sehr niedrig. Es bestanden keine signifikanten
Unterschiede im Trockensubstanzgehalt der Exkremente, obwohl tendenziell eine positive Beziehung
besteht. Die Enzymergänzung der Rationen mit 15 % Trockenschlempe führte im Vergleich zur glei-
chen Ration ohne Enzymzusatz in der Aufzucht zu 2,5 % höherer Körpermasse (p < 0,05) bei 1,8 %
günstigerer Futterverwertung.
Tabelle 2:
Leistungen von Küken und Junghennen in Abhängigkeit vom Anteil Tro-
ckenschlempe im Futter (Mittel der Versuche 1 und 2)
Trockenschlempe-Anteil (%)
Parameter
0
5
10
15
15
1)
20
Körpermasse (g/Tier)
8 Wochen
0
654 654 658 649* 662* 656
s
54 59 58 54 60 56
18 Wochen
0
1 432
1 439
1 448
1 429*
1 465*
1 435
s
188 163 178 182 194 177
Futteraufwand (kg/kg Zunahme)
0 - 8 Wochen
0
3,16 3,18 3,17 3,17 3,12 3,16
s
0,20 0,20 0,17 0,15 0,23 0,20
9 - 18 Wochen
0
6,67 6,66 6,59 6,56 6,47 6,64
s
0,90 0,98 0,80 0,93 0,91 0,88
0 - 18 Wochen
0
5,12 5,13 5,08 5,09 5,00 5,10
s
0,36 0,42 0,37 0,38 0,45 0,41
Tierabgänge (%)
0
0,6 0,6 0,6 0 0,6 1,2
s
2,9 2,9 2,9 2,9 5,8
Exkrement-TS (%)
0
23,4 22,8 24,5 23,6 25,3 24,7
s
2,7 3,5 2,6 2,7 2,5 1,5
* signifikanter Unterschied p < 0,05 zwischen den beiden Gruppen
1)
Enzymsupplementation
Die Jungtiere ohne und mit 15 % Trockenschlempe im Aufzuchtfutter wurden bei gleicher Fütterung
und Haltung in der Legeperiode weiterverfolgt. Es gab keine signifikanten Unterschiede in den zoo-
technischen Leistungen zwischen den unterschiedlich ernährten Jungtieren des Versuchs 1 in der
Legeperiode. Im Versuch 2 lag die Einzeleimasse der Hennen mit ProtiGrain in der Aufzuchtperiode
1,9 g niedriger als in der Kontrollvariante (p < 0,05). Das ist partiell auf die 60 g geringere Körper-
masse der eingestallten Hennen zurückzuführen. Im Mittel der beiden Versuche erreichten die Hen-

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
4
Schriftenreihe, Heft 7/2008
nen mit 15 % ProtiGrain im Aufzuchtfutter signifikant geringere Einzeleimasse (Tab. 3). Andererseits
lag die Tierabgangsrate in den „Schlempe-Gruppen“ äußerst niedrig.
Tabelle 3:
Leistungen von Hennen bei unterschiedlicher Aufzuchternährung (Mittel der
Versuche 3 und 4)
Kontrollgruppen
ohne Schlempe
15 % Schlempe
Parameter
in der Aufzucht
s
s
Futterverzehr (g/Henne und Tag)
120,8
4,5
120,7
4,1
Alter bei 50 % Legeleistung (Tage)
142,1
6,6
139,9
5,9
Legeleistung (%) 91,7 2,5 91,8 3,2
Einzeleimasse (g)
64,2
2,1
62,9*
2,0
Futteraufwand (kg/kg Eimasse) 2,05 0,07 2,09 0,1
Körpermassezunahme (g) 300 93 310 149
Bonitierung Federkleid 2,1 0,9 2,2 1,2
Tierabgänge (%)
4,8
14,1
1,0
5,6
* signifikanter Unterschied zu den Kontrollgruppen, p < 0,05
U
Legehennen
Ein Trockenschlempe-Anteil im Futter bis zu 25 % und die Enzym-Supplementation nahmen im Mittel
der Versuche keinen signifikanten Einfluss auf den Futterverzehr, die Eiproduktion und den Futter-
aufwand (Tab. 4). In der Tendenz lagen Einzeleimasse und Futterverwertung in den Schlempe-
Gruppen in Übereinstimmung mit
DAMME und PEGANOVA (2006) niedriger als in den Kontrollgruppen.
Auch JENSEN et al. (1974) sowie LILBURN und JENSEN (1984) bzw. ASKBRANT und THOMKE (1986) fütter-
ten bis 10 bzw. 30 % Trockenschlempe ohne nachhaltige Folgen für die Eiproduktion. Die Körper-
massezunahme war in den Versuchsgruppen höher als bei den Kontrolltieren, in den Gruppen mit 10,
20, 25 und 15 % Trockenschlempe plus Enzym signifikant. Auch
DAMME und PEGANOVA (2006) ermit-
telten höhere Zunahmen bei Schlempeeinsatz. Die Tierabgangsrate, die Bonitierung des Federklei-
des, die Degustation und der Blutflecken-Anteil der Eier blieben von der Fütterung unbeeinflusst. Die
Bruchfestigkeit der Eier und die Haugh-Einheiten waren nicht gerichtet verändert.
JENSEN et al. (1978)
sowie
LILBURN und JENSEN (1984) ermittelten eine Zunahme der Haugh-Einheiten bei Schlempeein-
satz.

Tabelle 4:
Leistungen von Legehennen in Abhängigkeit vom Anteil Trockenschlempe im Futter (Mittel der Versuche 3 und 4)
Trockenschlempe-Anteil (%)
Parameter
0
5
10
15
15
1)
20
2)
25
2)
0
s
0
s
0
s
0
s
0
s
0
s
0
s
Leistungen
Futterverzehr (g/Henne und Tag) 120,8 4,5 121,0 4,0 120,5 3,9 120,1 5,0 120,1 4,5 121,0 1,7 120,9 2,1
Legeleistung (%)
91,7 2,5 91,2 4,0 92,2 3,4 90,2 5,0 91,8 2,7 90,4 4,9 90,2 4,0
Einzeleimasse (g)
64,2 2,1 63,7 2,8 63,6 2,1 63,5 2,3 63,2 2,1 63,9 2,0 64,2 1,7
Futteraufwand (kg/kg Eimasse) 2,05 0,07 2,08 0,11 2,06 0,11 2,10 0,15 2,07 0,12 2,09 0,15 2,09 9,3
Körpermassezunahme (g) 300 93 346 118 396* 92 358 0,11 455* 131 459* 105 409* 118
Bonitierung Federkleid
2,1 0,9 2,2 1,0 2,0 0,8 2,1 0,7 2,2 0,7 2,1 0,8 1,7 0,7
Tierabgänge (%)
4,6 14,1 2,8 9,3 1,9 7,7 2,8 9,3 1,9 7,7 5,6 12,8 3,7 10,8
Exkrement-TS²
)
(%) 23,8 3,2 - - - - 22,8 2,5 23,2 1,9
Eiqualität
Deformation der Eischale (μm) 54,3 13,9 55,7 12,9 56,0 10,4 57,2* 10,6 56,3 11,4 53,7 10,0 56,5 10,6
Bruchfestigkeit (N)
46,2 9,1 47,4 8,4 45,9 7,9 46,4 8,4 47,5 9,9 50,4 8,5 47,8 9,5
Haugh-Einheiten 76,7 11,5 77,4 10,6 79,4 7,3 76,0 12,4 75,4 13,1 76,5 11,7 75,8 16,6
Degustation der Eier
2,0 0,6 1,8 0,7 1,9 0,8 1,8 1,1 - - 2,2 0,8
1)
Enzym-Supplementation
2)
nur Versuch 4
* signifikant zu den = O-Gruppen

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
6
Schriftenreihe, Heft 7/2008
U
Broilermast
Der Futterverzehr der Masthähnchen war im Mittel der Versuche bei 5 und 10 % Trockenschlempe
im Futter mit den Kontrollgruppen vergleichbar und bei 15 und 20 % Schlempe-Anteil um 2,1 bzw.
4,4 % vermindert (Tab. 5). Die Körpermassezunahme verringerte sich in den drei Versuchen mit
wenig Ausnahmen sowohl in den ersten zwei Wochen als auch in den folgenden drei Mastwochen
mit zunehmendem Schlempe-Anteil (Abb. 1). Die Mastendmasse der Broiler lag im Versuch 5 bei
20 % Schlempe-Anteil, im Versuch 6 bei 15 und 20 % und im Versuch 7 bei 10 und 15 % Schlem-
pe-Anteil im Mischfutter signifikant niedriger als in den Kontrollgruppen ohne Schlempe. Nur bei 5
% Schlempe im Futter erreichten die Broiler annähernd (99,6 %) die gleiche Lebendmasse, wie die
Broiler mit Futter ohne Schlempe.
Im Mittel der drei Versuche benötigten die Broiler bei 5 oder 10 % Schlempe-Anteil 1,8 % und bei
15 oder 20 % Schlempe im Futter jeweils 3,8 % mehr Mischfutter zur Bildung von Körpermasse.
Auf die Tierabgänge infolge Mortalität und Selektion hat die Schlempefütterung keinen klaren Ein-
fluss. Tendenziell stiegen die Verluste bei höherem Schlempe-Anteil etwas an (Tab. 5).
Abbildung 1: Körpermasse der Broiler am Versuchsende in Abhängigkeit vom Tro-
ckenschlempe-Anteil im Futter (Mittel der drei Versuche)
1953
1995
1987
1842*
1884*
1700
1800
1900
2000
0
5
10
15
20
% Trockenschlempe
g/
T
i
er

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
7
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 5:
Mastleistung von Broilern in Abhängigkeit vom Anteil Trockenschlempe im
Mischfutter (Mittel der Versuche 5 bis 7)
Schlempe-Anteil (%)
Parameter
0
5
10
15
20
1)
Futterverzehr (g/Tier und Periode)
0
586 592 600** 599** 586
1. - 14. Tag
s
17 14 28 21 21
0
2 533
2 566
2 513
2 456**
2 396**
15. - 33. Tag
s
144 175 145 104 156
0
3 119
3 158
3 113
3 055
2 982**
1. - 33. Tag
s
144 178 148 110 166
Futteraufwand (kg/kg Zunahme)
0
1,28 1,32* 1,37* 1,35* 1,35*
1. - 14. Tag
s
0,05 0,08 0,08 0,08 0,08
0
1,70 1,72 1,71 1,75* 1,76*
15. - 33. Tag
s
0,07 0,08 0,05 0,12 0,06
0
1,60 1,63 1,63* 1,66* 1,66*
1. - 33. Tag
s
0,05 0,06 0,05 0,04 0,05
Tierabgänge (%)
3,8 3,0 4,2 4,2 5,6
Kloakenverklebungen (%) 3,6 7,0 10,3 9,3 6,8
Einstreubewertung 2,5 2,6 3,1 3,4 3,2
* signifikant zu den Kontrollgruppen, p < 0,05
** p < 0,001
1)
nur Versuch 5 und 6
CHIDOTHE et al. (2002 a, b) ermittelten bei 10 und 20 % Schlempeeinsatz Leistungsminderungen in
der Broilermast. Mit Enzymzusatz konnten die Leistungen in diesen Versuchen verbessert werden,
erreichten aber nicht das Niveau der Kontrollgruppen. Auch C
OUCH und ABBOT (1974) ermittelten in
der Broilerelterntieraufzucht geringere Körpermassezunahme mit Futter bis 20 % Schlempe-Anteil.
Bei Puten konnten N
OLL et al. (2004) mit einer nach verdaulichen Aminosäuren optimierten Ration
die gleichen Mastleistungen wie in der Kontrollgruppe erzielen.
Im Versuch 5 mit DDGS bestanden keine Unterschiede sowohl im Parameter Kloakenverklebung
als auch Einstreuqualität. Dagegen waren diese Parameter in den Versuchen 6 und 7 mit zuneh-
mendem ProtiGrain-Anteil stark verschlechtert. Eine Signifikanz ergab sich aufgrund fehlender
Normalverteilung beim Anteil der Tiere mit Kloakenverklebungen nicht. Die Einstreuqualität ist aber
bei 10 % und mehr Schlempe im Futter signifikant schlechter geworden. Das Einstreu-Exkrement-
Gemisch war schmieriger, klebriger und damit fester. Die Ursache hierfür lag mutmaßlich im zu-
nehmenden Natrium- und teilweise Chlorgehalt im Futter, verursacht hauptsächlich durch den

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
8
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Schlempe-Anteil. Inwieweit die Schlempe infolge des NSP-Anteiles mit zur Veränderung der Ex-
krementkonsistenz beigetragen hat, ist nicht zu klären.
Zusammenfassung
In zwei Versuchen mit LSL- bzw. LB-Küken und Junghennen wurden 5, 10, 15 und 20 % Tro-
ckenschlempe auf Weizenbasis im Mischfutter getestet. Bis 20 % Trockenschlempe veränderten
die Aufzuchtleistungen und den Trockensubstanzgehalt der Exkremente nicht. Der Zusatz der
Enzyme ZY 68 zur Ration mit 15 % Trockenschlempe verbesserte die zootechnischen Leistungen
geringfügig und der von Kemzyme W die Körpermasse und Futterverwertung signifikant. Die Leis-
tungen der Hennen in der Legeperiode waren infolge der unterschiedlichen Aufzuchternährung
ohne oder mit 15 % Trockenschlempe nicht beeinflusst, außer einer signifikant geringeren Ein-
zeleimasse in den Schlempe-Gruppen. Bei den extensiv wachsenden Küken und Junghennen ist
der Einsatz von 20 % Trockenschlempe auf Weizenbasis möglich.
In drei Versuchen mit Cobb-Broilern wurden zwei Trockenschlempen verschiedener Herkunft aus
Weizen mit 0, 5, 10, 15 bzw. 20 % Anteil im Starter- und Mastfutter eingesetzt. Die Mastleistungen
waren mit zunehmendem Schlempe-Anteil verringert. Aufgrund der Ergebnisse können gegenwär-
tig in der intensiven Broilermast maximal 5 % Trockenschlempe aus Weizen in der geprüften Quali-
tät empfohlen werden.
In zwei Legehennenversuchen mit Schlempe-Anteilen bis 25 % waren die Futterökonomie, die
Eiproduktion und Eiqualität nicht signifikant beeinflusst. Tendenziell nahm bei > 15 % Schlempe-
Anteil die produzierte Eimasse und die Futterverwertung ab. Die Supplementation der NSP-
hydrolysierenden Enzyme zur Ration mit 15 % Schlempe verbesserte die Eiproduktion um 1,4 bei
1,2 % besserer Futterverwertung und 97 g höherer Körpermassezunahme. Im Legehennenfutter
sind 15 % Trockenschlempe einsetzbar.
Literatur
A
LENIER, J. C.; COMBS, JR., G. F. (1981): Effects of feed palatability of ingredrients believed to contain
unidentified growth factors for poultry. Poulry Sci. 60, 215 - 224.
A
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wheat determined with laying hens. J. Anim. Physiol. A. Anim. Nutr. 56, 185 - 191
B
ATAL, A.; DALE, N. (2003): Mineral composition of distiller’s dried grains with solubles. J. Appl. Poult.
Res. 12, 400 - 403
B
ELYEA, R.; ECKHOFF, S.; WALLIG, M.; TUMBLESON, M. (1998): Variability in the nutritional quality of distillers
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C
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Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
10
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Versuche zum Einsatz von Roggenpress- und Weizentrockenschlempe aus der Bioethanolher-
stellung in der Milchviehfütterung
Silke Dunkel (Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft), Dr. Thomas Engelhard (Landesanstalt
für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen-Anhalt), Dr. Hans-Joachim Alert (Sächsische
Landesanstalt für Landwirtschaft)
Einleitung
Die bei der Bioethanolherstellung anfallenden Schlempeprodukte aus Weizen, Weizen/Gerste oder
Roggen bieten sich als heimisches Eiweißfuttermittel für die Fütterung von Rindern an. In den
nachfolgend dargestellten Versuchen mit Milchkühen wurde Roggenpressschlempe und getrockne-
te Weizenschlempe geprüft. Die Versuche mit Roggenpressschlempe fanden in Sachsen-Anhalt
(Iden) und Sachsen (Köllitsch) statt, in Thüringen wurde die getrocknete Weizenschlempe einge-
setzt. In Iden war die wesentliche Fragestellung, wie sich die Roggenpressschlempe im Vergleich
zu anderen energiereichen Saftfuttermitteln (Biertreber, Pressschnitzel) auf die Futteraufnahme und
Milchleistung auswirkt. In Köllitsch wurden in der Futterration Quetschgerste und Rapsextraktions-
schrot vollständig durch Roggenpressschlempe ersetzt und Messungen zur Futteraufnahme, der
Milchleistung, der Lebendmasseentwicklung sowie der Verdaulichkeit vorgenommen. In Thüringen
erfolgte der Einsatz von Weizentrockenschlempe in einem Gruppenfütterungsversuch unter Praxis-
bedingungen. Die getrocknete Weizenschlempe wurde aus Schweden importiert. Das Ziel dieses
Fütterungsversuches war die Untersuchung des Einflusses der Weizentrockenschlempe auf die
Futteraufnahme und Milchleistung sowie die Sammlung erster Erfahrungen beim Einsatz von Wei-
zentrockenschlempe in der Milchkuhfütterung.
Einsatz von Roggenpressschlempe in Rationen für Milchkühe
U
Material und Methode
In einem Einzelfütterungsversuch in Iden mit Hochleistungskühen wurden zwei unterschiedliche
Mischrationen an jeweils 36 Tiere verabreicht. In der Versuchsration waren 16 % Rog-
genpressschlempe in der Trockenmasse enthalten. In der TMR der Kontrollgruppe waren dafür 8 %
Biertreber- und 8 % Pressschnitzelsilage eingemischt. Darüber hinaus waren die Rationen iden-
tisch zusammengesetzt. Um die Fütterungseffekte unabhängig vom individuellen Tiereinfluss beur-
teilen zu können, kam es im Versuchsablauf zu einem Variantentausch. Die Kühe, die zuerst Rog-
genpressschlempe bekamen, erhielten Biertrebersilage und umgekehrt (Tab. 1).
In Sachsen erfolgte der Einsatz von Roggenpressschlempe in zwei Gruppenfütterungsversuchen
mit 22 bis 28 Milchkühen je Gruppe. In der ersten Versuchsration wurden 2,6 kg Gerste trocken-
masseäquivalent durch Roggenpressschlempe (10 % in der TMR Trockenmasse) ersetzt. Im zwei-
ten Köllitscher Versuch wurden neben Quetschgerste auch Rapsextraktionsschrot und Weizenkleie
vollständig und Sojaextraktionsschrot zu 50 % ersetzt (Tab. 1).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
11
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 1:
Rationszusammensetzung in den Versuchen mit Roggenpressschlempe (Rati-
onsanteile in % der Trockenmasse)
Kuhgruppe A
Kuhgruppe B
Fütterungsversuch Iden*
Versuchsabschnitt I
Versuchsabschnitt I
I (42 d)
II (28 d)
I (42 d)
II (28 d)
Roggenpressschlempe 16 - - 16
Pressschnitzel - 8 8 -
Biertreber - 8 8 -
Fütterungsversuch
Köllitsch** (Vers. I, 120 d)
Ration „Schlempe“
Ration „Getreide“
Roggenpressschlempe 10 -
Gerste - 10
Fütterungsversuch
Köllitsch** (Vers. II, 120 d)
Roggenpressschlempe 21 -
Gerste + Weizenkleie
-
13 + 4
Soja- + Rapsextraktionsschrot
2 + 0
4 + 2
*
in beiden Rationen gleiche Anteile Maissilage, Grassilage, Stroh, Gerste, CCM und Extraktionsschrot
** in beiden Rationen gleiche Anteile Maissilage, Grassilage, Heu, MLF 18/4, Melasse
Die Gehaltswerte der in den Versuchen in Iden und Köllitsch eingesetzten Roggenpressschlempe
sind in Tabelle 2 enthalten.
Tabelle 2:
Mittlere Gehaltswerte von Roggenpressschlempe
Roggenpressschlempe
Analysenwert
Iden
Köllitsch
Vers. I
Vers. II
Trockenmasse (g/kg FM)
329
319
335
Rohprotein (g/ kg TM)
153
183
225
Rohfaser (g/kg TM)
136
154
150
Stärke (g/kg TM)
54
Zucker (g/kg TM)
45
MJ NEL/kg TM
(7,3*)
(6,4**)
(6,7**)
nXP (g/kg TM)
(182)
* MBE
** Schätzgröße nach Futtermittelanalysendaten
U

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
12
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Ergebnisse
Die Futteraufnahme und die Milchleistung in den Versuchen von Iden und Köllitsch sind in Tabelle
3 dargestellt. In den beiden Varianten des Fütterungsversuches in Iden (Tab. 1) realisierten die
Kühe der Ration „Schlempe“ etwas höhere Werte in der Futteraufnahme und verwiesen damit auf
eine gute Akzeptanz der frischen Roggenpressschlempe (Tab. 3). Die Leistungen der Kühe unter-
schieden sich ebenfalls nicht in einem statistisch abzusichernden Umfang (Tab. 3). Die durch-
schnittlichen Milchmengen und Milcheiweißgehalte lagen nahe beieinander. Etwas deutlichere
Differenzen im Milchfettgehalt können durch eine unterschiedliche genetische Veranlagung der
Versuchskühe erklärt werden. Aber auch eine senkende Wirkung der Fütterung von Rog-
genpressschlempe auf den Fettgehalt ist nicht auszuschließen, wie es sich in den beiden Köllit-
scher Versuchen andeutet (Tab. 3) Aus den Wägungen der Versuchstiere in allen Versuchen erga-
ben sich im kontrollierten Zeitraum keine gerichteten Veränderungen.
Im ersten Köllitscher Fütterungsversuch wurde die Pressschlempe sechs Wochen vor Versuchsbe-
ginn in einem Siloschlauch eingelagert. Bei der täglichen Entnahme der Pressschlempesilage aus
dem Schlauch mussten in den Sommermonaten teilweise bis zu 20 % der entnommenen Frisch-
masse wegen augenscheinlichem Schimmelbefall verworfen werden. In diesem Versuch zeigte
sich in der Roggenpressschlempegruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe eine signifikant verringer-
te Futteraufnahme (Tab. 3).
Die durchschnittlich um 0,6 kg höhere Milchleistung je Kuh und Tag in der Ration „Getreide“ im
Vergleich zur Roggenpressschlempe korrespondierte mit der um 1,3 kg höheren Futteraufnahme
bei der quetschgerstehaltigen Futterration. Der höhere Rohproteingehalt der Roggenpressschlem-
pe im Vergleich zur Gerste führte zu einem leichten Anstieg des Milchharnstoffgehaltes. Im zweiten
Köllitscher Versuch wurde die Roggenpressschlempe unmittelbar vor Versuchsbeginn in einem
Siloschlauch eingelagert und sofort mit der Verfütterung begonnen. Bei der täglichen Entnahme
wurde die Anschnittsfläche mit Propionsäure benetzt, wodurch die Schimmelbildung verhindert und
der Frischezustand der Pressschlempe erhalten werden konnte.
Obwohl der Versuch TMR (TM) zu 21 % aus dieser Roggenpressschlempe bestand, wurden von
dieser im Vergleich zur Kontrollration 0,6 kg Trockenmasse je Kuh und Tag mehr aufgenommen.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
13
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 3:
Ergebnisse der Fütterungsversuche in Iden und Köllitsch
Kuhgruppe A (n = 35)
Kuhgruppe B (n = 35)
Fütterungsversuch Iden
Versuchsabschnitt I
Versuchsabschnitt II
I (42 d)
II (28 d)
I (42 d)
II (28 d)
TM-Aufnahme (kg/d) 23,9 23,1 23,5 23,7
Milchmenge (kg/d) 42,1 40,6 42,5 39,9
Milcheiweißgehalt (%) 3,23 3,37 3,24 3,36
Milchfettgehalt (%) 3,89 3,83 3,97 3,94
Fütterungsversuche
Ration „Schlempe“
Ration „Getreide“
Köllitsch
Vers. I (120 d)
Vers. II (120 d)
Vers. I (120 d)
Vers. II (120 d)
TM-Aufnahme (kg/d) 20,4* 21,1 21,7 20,5
Milchmenge (kg/d) 31,0 30,1 31,6 29,8
Milchfettgehalt (%) 4,53 3,86 4,69 3,98
Milcheiweißgehalt (%) 3,69 3,50 3,68 3,57
Milchharnstoffgehalt
(mg/l)
279 222 247 180
*
p < 0,05 signifikant verringert gegenüber der Kontrollgruppe
Zur Bestimmung des energetischen Futterwertes von Roggenpressschlempe wurden mehrere
Verdaulichkeitsmessungen an Hammeln durchgeführt (Tab. 4, Differenzversuche mit unterschiedli-
chen Anteilen an Roggenpressschlempe).
Tabelle 4:
Verdaulichkeiten und Energiegehalte der Roggenpressschlempe (Differenzver-
suche an Hammeln)
Verdaulichkeiten (%)
MJ ME
MJ NEL
Einrichtung
n
OM
XL
XF
OR
je kg TM
je kg TM
Köllitsch (ALERT)
Schlempe: Heu
1. 50 % : 50 %
3
55,4
76
49
56
9,2
5,29
2. 50 % : 50 %
3
61,9
87
57
63
9,5
5,45
Paulinenaue (PRIEBE)
Schlempe: Heu
50 % : 50 %
4
56,1
29
39
45
8,9
5,06
Dummerstorf (LOSAND)
Schlempe: Grassilage
1. 45 % : 55 %
2. 30 % : 70 %
3. 15 % : 85 %
6
6
6
53,1
53,3
60,9
18
60
89
50
46
68
51
48
48
8,2
8,6
10,0
4,58
4,85
5,81

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
14
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 4 zeigt, dass für Roggenpressschlempe im Hammelversuch relativ geringe Energiegehalte
ermittelt wurden (max. 5,8 MJ NEL/kg TM). Aus Energieschätzgleichungen unter Einbeziehung der
Futtermittelanalysen wurden für die in Köllitsch geprüften Pressschlempen höhere Werte abgeleitet
(6,4 bis 6,7 MJ NEL/kg TM).
Zusammenfassung
Die Fütterungsversuche unter den Prüfbedingungen in Iden und Köllitsch zeigten, dass der Einsatz
von Roggenpressschlempe aus der Bioethanolherstellung in Rationen für Hochleistungskühe mög-
lich ist, ohne dass Milchleistung und -inhaltsstoffe signifikant beeinflusst werden. In der TMR der
hochleistenden Kühe können gleichzeitig 8 % Biertreber und 8 % Pressschnitzel trockenmasse-
äquivalent durch 16 % frische Roggenpressschlempe ersetzt werden. Gleiches gilt für den trocke-
masseäquivalenten Austausch von 10 % Quetschgerste gegen 10 % Roggenpressschlempesilage.
Durch den Einsatz von 21 % Roggenpressschlempe (propionsäurekonserviert) in der TMR (TM)
konnten folgende Komponenten ersetzt werden:
Rapsextraktionsschrot
zu 100 %
Quetschgerste
zu 100 %
Weizenkleie
zu 100 %
Sojaextraktionsschrot
zu 50 %
Die in Differenzversuchen mit Hammeln ermittelten niedrigen Verdaulichkeiten der Rog-
genpressschlempe stehen im Widerspruch zu den Ergebnissen der Fütterungsversuche mit Milch-
kühen. Weitere Untersuchungen zur Klärung des Futterwertes von Pressschlempe sind deshalb
erforderlich.
Einsatz von Weizentrockenschlempe in Rationen für Milchkühe
U
Material und Methode
In einem Gruppenfütterungsversuch unter Praxisbedingungen wurde in Thüringen Weizentro-
ckenschlempe in einer Totalen Mischration (TMR) verabreicht. In der Versuchsgruppe wurden 2 kg
Weizentrockenschlempe im Austausch gegen 1,7 kg Eiweiß- und 0,4 kg Energieträger eingemischt
(Tab. 5). Der Anteil an Maissilage, Grassilage, Heu, geschütztem Fett und Mineralfutter waren in
den Rationen gleich.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
15
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 5:
Austauschmenge der Protein- und Energieträger im Versuch mit Weizentro-
ckenschlempe (kg/Kuh und Tag)
Fütterungsversuch Thüringen
Ration „Weizentrocken-
schlempe“
Kontrollgruppe Ration „be-
triebsübliche TMR“
Weizentrockenschlempe 2,0 -
Sojaextraktionsschrot
Rapsextraktionsschrot, geschützt
Rapskuchen
3,6 5,3
Getreide
Maiskörnerschrot
Melasse
6,9 7,3
Die im Versuch eingesetzte getrocknete Getreideschlempe wurde aus Schweden importiert. Die
Herstellerfirma produziert dort Getreideschlempe auf der Basis von Weizen/Gerste/Triticale. Im
Versuchszeitraum wurde nach Herstellerangaben nur Weizen als Rohstoff verarbeitet. In Tabelle 6
sind die mittleren Rohnährstoffgehalte der getrockneten Weizenschlempe dargestellt.
Tabelle 6:
Mittlere Rohnährstoffgehalte der getrockneten Weizenschlempe aus Schweden
Rohnährstoff
Weizentrockenschlempe
Trockenmasse (g/kg FM)
909
Rohprotein (g/kg TM)
345
Rohfaser (g/kg TM)
72
Stärke (g/kg TM)
28
MJ NEL/kg TM
(7,7)*
nXP (g/kg TM)
(286)*
* Schätzwert aus Herstellerangabe, Literatur als Grundlage für die Rationsberechnung
U
Ergebnisse
Die Ergebnisse zur Futteraufnahme und Milchleistung sind vergleichend für die Kontroll- und Ver-
suchsgruppe in Tabelle 7 dargestellt.
Die Milchmenge und die -zusammensetzung werden hauptsächlich durch die aufgenommene
Nährstoffmenge der Milchkuh beeinflusst. Weitere wesentliche Einflussgrößen sind neben dem
genetischen Leistungsvermögen der Kuh auch der Verlauf der Laktation. Beim Vergleich des Ein-
satzes von getrockneter Weizenschlempe zur Kontrolle ergab sich zwischen den beiden Gruppen
eine statistisch gesicherte Differenz von 1,2 kg Milch/Kuh/Tag (p < 0,01). Dieser Unterschied könn-
te sich unter anderem dadurch erklären, dass bei Versuchsbeginn zwischen den beiden Gruppen
eine Differenz in der Milchmenge von 0,5 kg/Kuh/Tag vorhanden war. Andererseits könnte aber
auch die höhere Energieaufnahme in der Kontrollgruppe (7,1 MJ NEL/kg T) im Vergleich zur Ver-

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
16
Schriftenreihe, Heft 7/2008
suchsgruppe (7,0 MJ NEL/kg T) ein weiterer Effekt dafür sein, dass die Milchleistung in der Kon-
trollgruppe anstieg. Bei den Milchinhaltsstoffen Eiweiß und Fett konnte durch den Einsatz von ge-
trockneter Weizenschlempe kein Unterschied festgestellt werden (Tab. 7).
Tabelle 7:
Ergebnis des Fütterungsversuches in Thüringen
Versuchsgruppe
n = 126
Kontrollgruppe
n = 123
TM-Aufnahme (kg/d)
24,1
24,1
Milchmenge (kg/d)
35,8
37,0
energiekorrigiert 36,7 38,4
Milcheiweißgehalt (%)
3,51
3,53
Milchfettgehalt (%)
4,1
4,2
Zusammenfassung
Die Trockenmasseaufnahme wurde unter den geprüften Praxisbedingungen durch den Einsatz von
getrockneter Weizenschlempe aus Schweden nicht beeinflusst und weist auf eine gute Akzeptanz
des Prüffutters in der Totalen Mischration hin.
Durch den Einsatz der geprüften getrockneten Weizenschlempe konnten andere Eiweißfuttermittel
in der Futterration für Milchkühe unter den Versuchsvoraussetzungen anteilmäßig ersetzt werden.
Unter den Bedingungen des Praxisexperimentes ergab sich zwar eine statistisch gesicherte höhere
Milchleistung in der Kontrollgruppe, die allerdings aufgrund der Differenz in der Milchleistung zu
Versuchsbeginn zwischen den Gruppen und der realisierten höheren Energieaufnahme der Kon-
trollgruppe im Vergleich zur Versuchsgruppe den Schluss zulässt, dass die getrocknete Wei-
zenschlempe keinen Einfluss auf die Milchleistung ausübt.
Der Einsatz von getrockneter Weizenschlempe brachte unter den gewählten Bedingungen des
Praxisexperimentes keinen signifikanten Einfluss auf den Milcheiweiß- und Milchfettgehalt.
Durch die Verfütterung der geprüften getrockneten Weizenschlempe bei nährstoffäquivalenter
Berücksichtigung des Futterwertes der Gesamtration bleibt die Fruchtbarkeit und Gesundheit un-
verändert.
Literatur
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Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
17
Schriftenreihe, Heft 7/2008
S
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Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
18
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Einsatz von getrockneter Weizenschlempe in der Fresseraufzucht
Dr. Wolfgang Preißinger, Dr. Hubert Spiekers, Anton Obermaier (Bayerische Landesanstalt für
Landwirtschaft)
Vorversuch
U
Zur Akzeptanz getrockneter Weizenschlempe bei Kälbern
In einem 14-tägigen Vorversuch mit 15 weiblichen, frisch abgesetzten Kälbern (Alter > 12 Wochen)
wurde die Akzeptanz von getrockneter Weizenschlempe durch junge Rinder geprüft. Der Versuch
wurde auf der Versuchsstation Grub der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) im
September 2004 durchgeführt. Pro Tier und Tag wurden 1 kg Kraftfutter, das jeweils zur Hälfte aus
getrockneter Weizenschlempe (Herkunft Schweden) und Getreide bestand, eingesetzt. Die Wei-
zenschlempe wurde pelletiert, das Getreide geschrotet vorgelegt. Im Getreideanteil war ein vitami-
nisiertes Mineralfutter enthalten. Die Kraftfuttermischung wurde gruppenweise zugeteilt. Alle Tiere
hatten 24 Stunden Zugang zum Futter. Während des gesamten Versuchszeitraumes wurde das
Kraftfutter vollständig verzehrt.
Fütterungsversuche
Folgende Versuchsfragen sollten beantwortet werden:
Kann getrocknete Weizenschlempe als alleiniger Rohproteinträger in der Fresseraufzucht
eingesetzt werden?
Welche Leistungen lassen sich in der Fresseraufzucht bei Einsatz von getrockneter Wei-
zenschlempe im Vergleich zu Raps- und/oder Sojaextraktionsschrot erzielen?
Zur Beantwortung der Fragen wurden in der Zeit von Oktober 2004 bis Januar 2006 drei Fütte-
rungsversuche mit Fressern auf der Versuchsstation Karolinenfeld der Abteilung Versuchsbetriebe
der LfL durchgeführt:
Versuch 1 (V1): 21.10.2004 bis 05.01.2005
Versuch 2 (V2): 30.09.2005 bis 11.01.2006
Versuch 3 (V3): 25.02.2005 bis 01.06.2005
Material und Methode
U
Tiere
Pro Versuch wurden 42 männliche Fleckviehkälber über den Zuchtverband Miesbach zugekauft.
Die Zuteilung der Tiere auf die Gruppen erfolgte nach Lebendmasse, Alter und Abstammung. Bei
Versuchsbeginn waren die Kälber im Mittel 85 kg (V1, V3) bzw. 77 kg (V2) schwer und 31 (V1), 32
(V2) bzw. 36 (V3) Tage alt.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
19
Schriftenreihe, Heft 7/2008
U
Futtermittel
Versuchsfuttermittel waren jeweils zwei Kraftfutter, die sich in ihrem Rohproteinträger unterschieden
(Tab. 1). Verglichen wurden Mischungen mit getrockneter Weizenschlempe und Rapsextraktionsschrot
(V1, V2) bzw. Raps- und Sojaextraktionsschrot (V3). Nachfolgend werden die Bezeichnungen
„Schlempe“, „Raps“ und „Soja“ für die Futtergruppen mit Kraftfutter auf Basis von getrockneter
Weizenschlempe, Rapsextraktionsschrot und Sojaextraktionsschrot verwendet.
Tabelle 1:
Zusammensetzung der Kraftfutter (Angaben in %)
Versuch:
V1, V2
V3
Komponente:
„Schlempe“
„Raps“
„Soja“
„Raps“
Weizenschlempe, getrocknet
34
--
--
--
Rapsextraktionsschrot -- 34 -- 34
Sojaextraktionsschrot -- -- 28 --
Gerste 26* 29 26
Weizen 25* 27 25
Trockenschnitzel* 10* 11 10
Mineralfutter 4 4
Rapsöl 1 1
* Verzicht auf Trockenschnitzel in V2 während der Tränkeperiode, dafür Erhöhung des Weizen- und Gerstenan-
teils um je 5 %
Die Kraftfutter wurden mit Abrufautomaten der Fa. Förster (Volumendosierung) vorgelegt. In V1
und V2 wurden gleiche Soll-Abrufmengen für die beiden Mischungen eingestellt. Aufgrund des
höheren Rohproteingehaltes war in V3 die Kraftfuttergabe in der Gruppe „Soja“ begrenzt. Es wur-
den 5 % weniger zugeteilt als in der Gruppe „Raps“. In den ersten acht (V1, V3) bzw. sechs (V2)
Versuchswochen wurde ein praxisüblicher Milchaustauscher über Tränke-Automaten (Fa. Förster)
tierindividuell zugeteilt. Maissilage, Heu und Tränkewasser wurden über den gesamten Versuchs-
zeitraum zur freien Aufnahme angeboten.
Futteruntersuchungen
Die Schätzung des Gehaltes an nXP sowie der Proteinabbaubarkeit in vitro wurde mit dem erwei-
terten Hohenheimer Futterwerttest (HFT) (S
TEINGAß et al. 2001) an der Universität Hohenheim
sowie im Futtermittellabor der Abteilung Qualitätssicherung und Untersuchungswesen in Grub
durchgeführt. Dort wurden auch die Futteranalysen (VDLUFA Methodenbuch) vorgenommen. Zur
Bestimmung des Energiegehaltes der Kraftfuttermittel wurden Verdaulichkeitsmessungen an je vier
Hammeln nach den Vorgaben der GfE (1991) im Differenzversuch durchgeführt. Weitergehende
Untersuchungen zur Ermittlung des Futterwertes, insbesondere zum Proteinwert sind im Tagungs-
band des 117. VDLUFA-Kongresses in Bonn (S
PIEKERS et al. 2005) dargestellt.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
20
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Ermittlung der Messgrößen
Die Aufnahme an Heu und Maissilage wurde aus Ein- und Rückwaage multipliziert und mit den
jeweiligen TM-Gehalten ermittelt. Die abgerufenen Mengen an Kraftfutter und Milchaustauscher-
tränke wurden an den Abruf- bzw. Tränkeautomaten registriert. In festgelegten Abständen wurde
die Trockenmasse der Grob- und Kraftfuttermittel ermittelt und daraus Sammelproben für die Roh-
nährstoffanalyse erstellt.
Die Bestimmung der Lebendmasse der Tiere erfolgte wöchentlich, daraus wurden die täglichen
Zunahmen errechnet. V1 dauerte aufgrund der nur begrenzt zur Verfügung stehenden Menge an
getrockneter Weizenschlempe 76 Tage. V2 bzw. V3 wurden über 103 bzw. 96 Tage bis zum Errei-
chen von etwa 200 kg Lebendmasse durchgeführt.
Statistische Auswertung
Die statistische Auswertung erfolgte mit dem Programmpaket SAS (Varianzanalyse, Mittelwerts-
vergleich).
Ergebnisse und Diskussion
U
Rohnährstoff- und Energiegehalte der Futtermittel
Die Ergebnisse der Futteruntersuchungen sind in den Tabellen 2 bis 4 zusammengestellt. In V1
wiesen die Kraftfutter mit 209 bzw. 212 g/kg TM nahezu gleiche Rohproteingehalte auf. Für die
Mischung mit Rapsextraktionsschrot wurden knapp 20 g/kg TM mehr an nutzbarem Rohprotein
ermittelt. Mit 13,4 gegenüber 12,8 MJ/kg TM ergab sich im Verdauungsexperiment für das Kraftfut-
ter mit Schlempe ein höherer Energiegehalt.
Tabelle 2:
Rohnährstoff- und Energiegehalte der in V1 eingesetzten Futtermittel
Kraftfutter mit:
MAT
Heu
Mais-
silage
„Schlempe“
„Raps“
TM (g/kg) 963 864 360
912
±
5 908
±
5
Rohasche (g/kg TM)
92 43 29
72
±
7 74
±
2
Rohprotein (g/kg TM)
211 132 83
209
±
6 212
±
6
Rohfett (g/kg TM) 191 16 36
47
±
4 50
±
2
Rohfaser (g/kg TM) 0 326 190
59
±
2 76
±
2
Energie*
(MJ ME/kg TM)
(16,4)#
9,4
11,1
13,4
±
0,15
12,8
±
0,05
nXP**
(g/kg TM)
-
127
135
182**
201**
*
ermittelt aus Verdauungsversuch mit Hammeln
**
ermittelt aus erweitertem HFT, Passagerate 6 %/h
#
kalkulierter Wert im Milchaustauscher (MAT) für weitere Berechnungen
In V2 wiesen die Kraftfutter mit 195 bzw. 193 g/kg TM nahezu identische Rohproteingehalte auf.
Eine Bestimmung des nXP-Gehaltes mittels modifiziertem HFT wurde in V2 nicht durchgeführt. Mit

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
21
Schriftenreihe, Heft 7/2008
12,5 und 12,6 MJ ME/kg TM ergaben sich im Verdauungsexperiment vergleichbare Energiegehalte
für beide Kraftfutter.
Tabelle 3:
Rohnährstoff- und Energiegehalte der in V2 eingesetzten Futtermittel
Kraftfutter mit:
MAT
Heu
Mais-
silage
„Schlempe“
„Raps“
TM (g/kg) 962 861 357
931
±
7 923
±
11
Rohasche (g/kg TM)
88 50 31
67
±
3 74
±
6
Rohprotein (g/kg TM)
215 125 82
195
±
9 193
±
14
Rohfett (g/kg TM) 195 17 37
41
±
2 33
±
6
Rohfaser (g/kg TM) 4 308 206
59
±
2 84
±
4
Energie* (MJ ME/kg TM) (16,5)# 5,7 10,9
12,6*
±
0,03 12,5*
±
0,10
*
ermittelt aus Verdauungsversuch mit Hammeln
#
kalkulierter Wert im Milchaustauscher (MAT) für weitere Berechnungen
Die während der Tränkeperiode von V2 eingesetzten Kraftfutter ohne Zusatz von Trockenschnitzeln
wiesen mit 901 für die Schlempemischung und 891 g/kg für die Rapsmischung etwas niedrigere
TM-Gehalte auf als die Kraftfutter in Tabelle 3. Die Energiegehalte beider Kraftfutter waren exakt
um 0,1 MJ ME/kg TM erhöht. Die Rohasche- und Rohfettgehalte wiesen mit 60 bzw. 77 und 44
bzw. 40 g/kg TM für die Schlempe- und Rapsmischung ähnliche hohe Gehalte auf als die später
eingesetzten Kraftfutter (Tab. 3). Die Rohfasergehalte waren durch den Wegfall der Trockenschnit-
zel etwas vermindert (47 bzw. 74 g/kg TM für die Mischungen mit Rapsextraktionsschrot und Wei-
zenschlempe). Mit 184 g (Schlempemischung) gegenüber 199 g (Rapsmischung) ergaben sich
beim Rohproteingehalt etwas größere Unterschiede als in der darauffolgenden Versuchsperiode.
In V3 wiesen die Kraftfutter mit 206 g/kg TM (Rapsmischung) und 232 g/kg TM (Sojamischung)
unterschiedliche Rohproteingehalte auf. Für die Mischung mit Rapsextraktionsschrot wurden
17 g/kg TM mehr an nutzbarem Rohprotein ermittelt. Mit 12,7 gegenüber 12,3 MJ/kg TM ergab sich
im Verdauungsexperiment für das Kraftfutter mit Raps ein höherer Energiegehalt.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
22
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 4:
Rohnährstoff- und Energiegehalte der in V3 eingesetzten Futtermittel
Kraftfutter mit:
MAT
Heu
Mais-
silage
„Raps“
„Soja“
TM (g/kg) 964 860 361 918 908
Rohasche (g/kg TM) 92 52 31 84 75
Rohprotein (g/kg TM)
214 133 79 206 232
Rohfett (g/kg TM) 191 18 38 47 35
Rohfaser (g/kg TM) 0 322 158 81 61
Energie* (MJ ME/kg TM) (16,4)# 9,4 11,5 12,7 12,3
nXP**
(g/kg TM)
-
127
138
201**
184**
*
ermittelt aus Verdauungsversuch mit Hammeln
**
ermittelt aus erweitertem HFT, Passagerate 6 %/h
#
kalkulierter Wert im Milchaustauscher (MAT) für weitere Berechnungen
In den Versuchen stimmten die Rohnährstoffgehalte der eingesetzten Kälberkraftfutter weitgehend
überein. In V3 wurden in der Mischung mit Sojaextraktionsschrot etwas höhere Gehalte an Rohpro-
tein eingestellt, um die Relationen zwischen Energie und Rohprotein gleich zu halten. Die Unter-
schiede im Energiegehalt der Futtermischungen waren aufgrund der Streuung der Hammel nicht
signifikant.
In Tabelle 5 finden sich die Ergebnisse der parallel durchgeführten Verdauungsversuche mit den
geprüften Kraftfuttermischungen. Das Kraftfutter mit getrockneter Schlempe von V1 wies bei allen
überprüften Rohnährstoffen die höchsten Verdaulichkeitskoeffizienten auf. In V2 wurde nur bei der
Rohfaser ein höherer Verdaulichkeitskoeffizient für das Futter mit getrockneter Schlempe gefunden.
Mit Ausnahme des Kraftfutters auf Basis von getrockneter Weizenschlempe in V2 ergaben sich mit
4 bzw. 5 % hohe Standardabweichungen bei der Verdaulichkeit der organischen Substanz.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
23
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 5:
An Hammeln ermittelte Verdaulichkeitskoeffizienten (%) der geprüften Kraftfut-
ter
Versuch:
V1
V2
V3
Kraftfutter mit:
„Schlempe“
„Raps“
„Schlempe“
„Raps“
„Soja“
Organische Sub-
stanz
89
±
5
85
±
4
84
±
3
85
±
4
83
±
4
Rohprotein
83
±
2
79
±
3
69
±
6
76
±
8
76
±
6
Rohfett
98
±
2
98
±
1
97
±
3
97
±
3
93
±
4
Rohfaser
75
±
29
48
±
23
65
±
16
35
±
21
34
±
19
NfE
92
±
4
91
±
3
90
±
2
92
±
3
90
±
3
Org. Rest
90
±
3
88
±
2
85
±
2
88
±
3
85
±
3
Die Ergebnisse zeigen wiederum die Problematik in der Abschätzung der Rohfaserverdaulichkeit.
Für die weiteren Berechnungen wurden die aufgeführten ME-Werte aus den Verdaulichkeiten der
Tabelle 5 und den vorliegenden Rohnährstoffgehalten (Tab. 2 bis 4) in Ansatz gebracht.
U
Mineralstoffe und Aminosäuren
Aus Tabelle 6 gehen die Mineralstoff- und Aminosäurengehalte der untersuchten Weizenschlempe
hervor. Die Daten zeigen, dass die Weizenschlempe reich an Phosphor und Kalium ist. Niedrig sind
die Gehalte an Kalzium und Natrium. Bei den Aminosäuren ist der geringe Gehalt an Lysin zu be-
achten.
Tabelle 6:
Mineralstoff- und Aminosäurengehalte der getesteten Schlempe (V1)
Inhaltsstoff
g/kg TM
Inhaltsstoff
g/kg TM
Kalzium 1,4 Lysin 6,8
Phosphor 10,8 Methionin 6,1
Kalium 13,4 Cystin 6,9
Natrium 1,3 Threonin 11,7
Magnesium 3,6 Tryptophan 3,7
Kupfer 14,5*
Zink 74,6*
* mg/kg TM
In Tabelle 7 sind die kalkulierten Aminosäurengehalte der Testfutter angegeben. Mit Ausnahme der
Schlempe, für die in V1 eine Analyse vorlag (Tab. 6), wurden für die Futterkomponenten Tabellen-
werte herangezogen.

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24
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 7:
Kalkulierte Aminosäuregehalte (g/kg TM) der getesteten Kraftfuttermittel
Mischung mit
Aminosäure
„Schlempe“*
„Raps“
„Soja“
Lysin (g/kg TM) 4,0 8,7 9,9
Methionin (g/kg TM) 3,0 3,6 3,0
Cystin (g/kg TM) 3,6 4,5 3,4
Threonin (g/kg TM) 5,9 7,6 7,5
Tryptophan (g/kg TM) 1,9 2,4 2,5
* Getrocknete Weizenschlempe, Herkunft Schweden (V1)
Futteraufnahme und Leistung
Tabelle 8 zeigt die Ergebnisse der Versuche im Überblick. Getrocknete Weizenschlempe,
Rapsextraktions- oder Sojaextraktionsschrot als Eiweißträger im Kälberkraftfutter beeinflussten die
Futteraufnahme nur wenig. In den Gruppen wurden mit jeweils 2,4 kg (V1), 2,9 und 3,0 (V2) sowie
jeweils 2,8 kg (V3) nahezu identische TM-Aufnahmen ermittelt.
In V1 lagen die Tageszunahmen beim Einsatz der „Schlempe“ um etwa 30 g niedriger als in der
„Raps“-Gruppe. Wurde V2 nach einer Laufzeit von 76 Tagen, was der Versuchsdauer von V1 ent-
spricht, ausgewertet, so waren die Tageszunahmen in der „Schlempe“-Gruppe um 50 g gegenüber
der „Raps“-Gruppe vermindert. Nach der Versuchsdauer von 103 Tagen lag die Differenz bei 70 g.
In beiden Versuchen ließen sich die Unterschiede statistisch nicht absichern.
In V3 mit Raps- und Sojaextraktionsschrot als Eiweißlieferant lagen die täglichen Zunahmen mit
1 044 und 1 054 g (nach 76 Tagen) bzw. 1 181 und 1 168 g (nach 96 Tagen) eng beieinander und
unterschieden sich nicht signifikant.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
25
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 8:
Ergebnisse der Versuche (21 Tiere je Gruppe) im Überblick
Versuch:
V1
V2
V3
Versuchsdauer (Tage):
76
103
96
Dauer Tränkeperiode (Wochen):
8
6
8
Mischung mit:
„Schlem-
pe“
„Raps“
„Schlem-
pe“
„Raps“
„Raps“
„Soja“
Alter Versuchsbeginn (Tage)
31
31
32
32
36
36
±
5
±
4
±
5
±
6
±
7
±
5
LM Einstallung (kg)
85
85
77
77
85
85
±
5
±
5
±
4
±
4
±
4
±
4
LM nach 76 Versuchstagen (kg)
162
164
153
157
163
164
±
12
±
12
±
11
±
12
±
9
±
12
Tageszunahmen bis Tag 76 (g)
1 008
1 039
1 003
1 053
1 044
1 054
±
137
±
129
±
139
±
143
±
96
±
133
LM Versuchsende (kg)
s. o
s. o
191
198
198
197
±
11
±
13
±
10
±
15
Tageszunahmen (g)
s. o
s. o
1 108
1 179
1 181
1 168
±
125
±
116
±
87
±
133
Aufnahme MAT (g TM/Tag)*
617
618
615
637
636
591
±
17
±
20
±
40
±
9
±
15
±
140
Kraftfutteraufnahme (kg TM/Tag) 1,24 1,28 1,73 1,71 1,36 1,27
±
0,08
±
0,09
±
0,08
±
0,08
±
0,04
±
0,11
TM-Aufnahme (kg/Tag)
2,4 2,4 2,9 3,0 2,8 2,8
ME-Aufnahme (MJ/Tag)
31,0 30,3 35,5 36,2 34,6 34,2
XP-Aufnahme (g/Tag)
412
423
469
476
451
473
ME-Aufnahme/kg Zuwachs (MJ) 29,8 28,4 30,8 29,5 28,9 28,6
XP-Aufnahme/kg Zuwachs (g)
399
397
407
389
380
397
* je Tränketag
Bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p = 0,05 zeigten sich keine signifikanten Unterschiede.
Bei der TM-Aufnahme und dem Aufwand an ME und nXP sind keine Streuungen angegeben, weil
der Verzehr an Grobfutter nur für die Gruppe erfasst wurde. Innerhalb der Versuche zeigen sich
gleiche Aufnahmen und Verbrauche an ME und Rohprotein. Im Weiteren erfolgt eine weitere Diffe-
renzierung zwischen der Tränkeperiode und den Perioden nach dem Absetzen der Tränke.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
26
Schriftenreihe, Heft 7/2008
U
Tränkephase
Die Tränke wurde bei etwa 134 kg (V1), 110 kg (V2) und 129 kg (V3) Lebendmasse abgesetzt. In
V2 wurde die Tränkeperiode auf max. sechs Wochen begrenzt, in den beiden anderen Versuchen
wurde über acht Wochen MAT verabreicht. Die Futteraufnahme während der Tränkeperiode unter-
schied sich in den Versuchen nur geringfügig (siehe Tab. 9). Mit jeweils 1,7 (V1), 1,4 (V2) und
1,6 kg (V3) ergaben sich keine Unterschiede in der TM-Aufnahme zwischen den Gruppen. Die
täglichen Zunahmen beliefen sich auf 872 und 906 g (V1), 790 und 818 g (V2) sowie 817 und 824 g
(V3). Die Energie- und Rohproteinaufnahmen je kg Zuwachs waren während dieser Periode mit
Werten zwischen 26 und 27 MJ ME bzw. 366 und 371 g Rohprotein in den Versuchsgruppen von
V1 und V3 nahezu identisch. In V2 wurden mit 23 bis 24 MJ ME bzw. 320 bis 322 g Rohprotein
bedingt durch die verkürzte Tränkeperiode niedrigere Werte ermittelt.
Tabelle 9:
Gemessene Parameter während der Tränkeperiode
Versuch:
V 1
V 2
V 3
Mischung mit:
„Schlem-
pe“
„Raps“
„Schlem-
pe“
„Raps“
„Raps“
„Soja“
Dauer (Wochen):
8
6
8
LM Einstallung (kg)
85
85
77
77
85
85
±
5
±
5
±
4
±
4
±
4
±
4
LM Abschnittsende (kg) 133 135 109 110 129 129
±
9
±
11
±
9
±
9
±
7
±
9
Zunahmen (g) 872 906 790 818 817 824
±
131
±
149
±
205
±
171
±
99
±
132
Aufnahme MAT (g TM/Tag) 617 618 615 637 636 591
±
17
±
20
±
40
±
9
±
15
±
140
Kraftfutteraufnahme (g TM/Tag) 773 819 602 531 658 590
±
105
±
121
±
205
±
204
±
58
±
149
TM-Aufnahme (kg/Tag)
1,71 1,71 1,38 1,36 1,64 1,62
ME-Aufnahme (MJ/Tag)
23,6 23,4 19,3 19,1 22,4 21,6
XP-Aufnahme (g/Tag) 321 331 254 262 303 305
ME-Aufnahme/kg Zuwachs (MJ) 27,1 25,8 24,4 23,4 27,4 26,3
XP-Aufnahme/kg Zuwachs (g) 368 366 322 320 371 370
keine statistischen Differenzen, p = 0,05

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
27
Schriftenreihe, Heft 7/2008
U
Nach Absetzen des MAT
Aus Tabelle 10 sind die gemessenen Daten für die erste Phase nach dem Absetzen der Tränke
ersichtlich. Innerhalb der Versuche zeigten sich auch für diesen Abschnitt gleiche Futteraufnahmen.
In V1 bei nur 3-wöchiger Abschnittsdauer und in V3 mit Raps- und Sojaextraktionsschrot bei 6-
wöchiger Abschnittsdauer wurden Differenzen zwischen den Versuchsgruppen von 25 (V1) bzw.
39 g (V3) bei den Tageszunahmen festgestellt. Bei einer Abschnittsdauer von neun Wochen lagen
in V2 in der Gruppe mit „Schlempe“ die Tageszunahmen um exakt 100 g niedriger als in der Grup-
pe mit „Raps“. Dieser Unterschied ließ sich statistisch absichern.
Tabelle 10:
Gemessene Parameter nach Absetzen der Tränke bis Versuchsende
Versuch:
V1
V2
V3
Mischung mit:
„Schlem-
pe“
„Raps“
„Schlem-
pe“
„Raps“
„Raps“
„Soja“
Dauer (Wochen):
3
9
6
LM Abschnittsbeginn (kg) 133 135 109 110 129 129
±
9
±
11
±
9
±
9
±
7
±
9
LM Abschnittsende (kg) 162 164 191 198 198 197
±
12
±
12
±
13
±
12
±10
±
15
Zunahmen (g)
1 365
1 390
1 319
b
1
419
a
1 650
1 611
±
285
±
172
±
112
±
121
±
122
±
189
Kraftfutteraufnahme (kg TM/Tag) 2,46 2,46 2,51 2,49 2,27 2,15
±
0,05
±
0,04
±
0,02
±
0,01
±
0,07
±
0,08
TM-Aufnahme (kg/Tag)
4,11 4,07 3,88 4,03 4,26 4,36
ME-Aufnahme (MJ/Tag)
50,6 49,0 46,3 47,6 50,8 51,0
XP-Aufnahme (g/Tag) 655 669 612 618 647 697
ME-Aufnahme/kg Zuwachs (MJ) 37,0 35,2 35,1 33,6 30,8 31,6
XP-Aufnahme/kg Zuwachs (g) 480 482 464 436 392 432
Zahlen mit unterschiedlichen Hochbuchstaben unterscheiden sich signifikant, p = 0,05
Zur besseren Vergleichbarkeit wurden auch für V2 und V3 die Daten bis ca. 160 kg Lebendmasse
ausgewertet. Diese sind in Tabelle 11 zusammengefasst.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
28
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 11:
Gemessene Parameter nach Absetzen der Tränke bis ca. 160 kg Lebendmasse
Versuch:
V1
V2
V3
Mischung mit:
„Schlem-
pe“
„Raps“
„Schlem-
pe“
„Raps“
„Raps“
„Soja“
LM Abschnittsbeginn (kg)
133
135
109
110
129
129
±
9
±
11
±
9
±
9
±
7
±
9
LM Abschnittsende (kg)
162
164
153
157
163
164
±
12
±
12
±
11
±
12
±
9
±
12
Zunahmen (g)
1 365
1 390
1 253
1 328
1 630
1 646
±
285
±
172
±
113
±
151
±
156
±
198
Kraftfutteraufnahme (kg TM/Tag) 2,46 2,46 2,36 2,34 1,89 1,86
±
0,05
±
0,04
±
0,19
±
0,17
±
0,08
±
0,11
TM-Aufnahme (kg/Tag)
4,11 4,07 3,41 3,46 3,61 3,74
ME-Aufnahme (MJ/Tag)
50,6 49,0 40,8 41,2 43,0 43,7
XP-Aufnahme (g/Tag) 655 669 557 554 544 600
ME-Aufnahme/kg Zuwachs (MJ) 37,0 35,2 32,6 31,0 26,4 26,4
XP-Aufnahme/kg Zuwachs (g)
480
482
444
417
334
364
Diskussion/Ausblick
Die in den dargestellten Versuchen geprüften Chargen Weizenschlempe schwedischer und deut-
scher Herkunft ließen sich mit Erfolg in der Kälber- und Fresseraufzucht bis zu 160 kg Lebendmas-
se einsetzen. Bei vergleichsweise hohen Anteilen in den Kraftfuttermischungen bestanden keine
Probleme in der Akzeptanz und die Aufwendungen an Energie und Rohprotein entsprachen in etwa
der Kontrollgruppe mit Rapsextraktionsschrot. Für diese konnte wiederum eine Vergleichbarkeit mit
Sojaextraktionsschrot in V3 festgestellt werden. Im Lebendmassebereich bis 160 kg wurden ver-
gleichbare Leistungen zu Raps- und Sojaextraktionsschrot festgestellt. Der Energiegehalt der ge-
trockneten Weizenschlempe entsprach dem von Rapsextraktionsschrot. Der Anteil des UDP lag
nicht niedriger als bei Rapsextraktionsschrot (S
PIEKERS et al. 2006).
Bei einer längeren Versuchsdauer bis zum Erreichen einer für die Fresservermarktung gewünsch-
ten Lebendmasse von etwa 200 kg Lebendmasse wurden in der Gruppe mit Weizenschlempe aus
deutscher Produktion Leistungseinbußen von ca. 70 g bei den Tageszunahmen verzeichnet.
Diese Ergebnisse sind vor dem Hintergrund der stark unterschiedlichen Gehalte an Aminosäuren,
insbesondere an Lysin, bei hohen Einsatzmengen zu diskutieren. Offensichtlich war der vergleichswei-
se niedrige Gehalt an Lysin in der Getreideschlempe während der Tränkeperiode weniger limitierend
als in der darauffolgenden Versuchsphase.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
29
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Der Einsatz von getrockneter Weizenschlempe bei Mastrindern bietet sich an, wegen der beobach-
teten Minderleistungen bei Fressern empfehlen sich Versuche zur Ableitung der maximal mögli-
chen Einsatzmengen.
Literatur
GfE (Ausschuss für Bedarfsnormen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie; 1991): Leitlinien
zur Bestimmung der Verdaulichkeit von Rohnährstoffen an Wiederkäuern. J. Anim. Physi-
ol. Anim. Nutr. 65, S. 229 - 234
S
PIEKERS, H.; SÜDEKUM, K.-H.; PREIßINGER, W., CHUDASKE, CHR. (2005): Futterwert und Einsatz von
Getreideschlempe bei Wiederkäuern. VDLUFA-Schriftenreihe Bd. 61/2006, S. 143 - 151
S
PIEKERS, H.; GRUBER, L.; PREIßINGER, W.; URDL, M. (2006): Bewertung und Einsatz von Getrei-
deschlempen beim Wiederkäuer. In: 5. Boku-Symposium Tierernährung, S. 25 - 34
S
TEINGAß, H.; NIBBE, D.; SÜDEKUM, K.-H.; LEBZIEN, P., SPIEKERS, H. (2001): Schätzung des nXP-
Gehaltes mit Hilfe des modifizierten Hohenheimer Futterwerttests und dessen Anwendung
von Raps- und Sojaextraktionsschroten. 113. VDLUFA- Kongress, Berlin, Kurzfassungen
der Vorträge, 114

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
30
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Fütterung von Getreideschlempe in der intensiven Lämmermast
Dr. Jörg Martin (Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-
Vorpommern)
Bei der Bioethanolherstellung fällt zunehmend Getreideschlempe als „Koppelprodukt“ in großen
Mengen an, die sowohl als Pressschlempe als auch in getrockneter Form (lose bzw. pelletiert)
gehandelt wird. Um Landwirten Empfehlungen für eine möglichst wirtschaftliche Verwertung der
anfallenden und angebotenen Getreideschlempe geben zu können, wurden im Rahmen der län-
derübergreifenden Zusammenarbeit „Erzeugung von Ethanolgetreide und Schlempeverfütterung“
vielfältige, projektbezogene Untersuchungen zum Schlempeeinsatz in der Tierernährung durchge-
führt.
Getreideschlempe - eine Alternative als Proteinträger in der Fütterung?
Aus der Sicht der Tierernährung ist Getreideschlempe (insbesondere Trockenschlempe) infolge
ihres Rohproteingehaltes von hohem Interesse (Tab. 1).
Tabelle 1:
Vergleich des Futterwertes von Getreideschlempe mit pflanzlichen Eiweißträ-
gern
1)
Gehalt je kg Trockenmasse
Roh-
protein
RNB
2)
nXP
3)
Rohfett
Roh-
faser
umsetzb.
Energie
Futtermittel
g
MJ ME
Sojaextraktionsschrot 507 34,6 291 21 36 13,6
Rapsextraktionsschrot 396 24,6 242 27 134 11,9
Rapskuchen 368 23,3 222 112 130 13,6
Trockenschlempe → DDGS
4)
361
18,6
245
59
87
12,0
Pressschlempe → Roggen
5)
207
-
-
68
145
9,1
Blaue Lupinen
344 19,8 220 108 165 14,2
Erbsen 256 11,2 186 18 70 13,4
1)
Analysenergebnisse der LFA MV kalkulatorische Parameter
2)
ruminale
N-Bilanz → kennzeichnet N-Versorgungsgrad im Pansen
3)
am Dünndarm nutzbares Rohprotein
4)
DRIED DISTILLERS GRAIN WITH SOLUBLES → getrocknete Getreideschlempe mit löslichen Bestandtei-
len
5)
Analysendaten aus Köllitsch, Paulinenaue und Dummerstorf (nach ALERT, LOSAND und PRIEBE, 2007)
Dabei liegt der Rohproteingehalt der Trockenschlempe (DDGS) etwa im Bereich der Produkte aus
der Rapsverarbeitung (Rapsextraktionsschrot bzw. -kuchen) und damit über dem von Körnerlegu-
minosen (Erbsen bzw. Lupinen). Dagegen weist Pressschlempe (Roggen) deutlich geringere Roh-
proteingehalte als die Körnerleguminosen auf. Allerdings kann der Rohproteingehalt der Getrei-

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
31
Schriftenreihe, Heft 7/2008
deschlempen in Abhängigkeit von der Getreideart und -sorte (Weizen, Triticale, Gerste, Roggen,
Mais), den Bodenverhältnissen, der Düngung, den klimatischen Einflüssen während des Wachs-
tums und der Reifung deutlich schwanken. Deshalb ist eine Futtermittelanalyse vor dem Einsatz zu
empfehlen, um eine ausgewogene Nährstoffzusammensetzung der Ration bzw. des Mischfutters
zu sichern.
Diese Empfehlung wird durch die hohe Variationsbreite der Ergebnisse der Rohnährstoffanalysen
und der Verdaulichkeitskoeffizienten der Rohnährstoffe gestützt, die in den am Mehrländerprojekt
beteiligten Einrichtungen ermittelt wurden (Tab. 2).
Tabelle 2: Ermittelte Variationsbreite der Rohnährstoffgehalte und der Verdaulichkeiten
der Rohnährstoffe von Getreideschlempen
Parameter
Trockenschlempe
1)
Pressschlempe
2)
Rohnährstoffgehalt
Rohprotein
g/kg T
361 … 390
183 … 230
Rohfett
g/kg T
51 … 62
59 … 78
Rohfaser
g/kg T
64 … 86
132 … 154
Rohasche
g/kg T
43 … 61
22 … 30
Energie
MJ ME/kg T
12,2
8,2 … 10,0
MJ NEL/kg T
7,4
4,6 … 5,8
Verdaulichkeit
Anzahl Untersuchungen
n
8
6
Organische Masse
%
72,2 … 82,4
53,1 … 61,9
Rohprotein
%
70,2 … 75,4
-
Rohfett
%
80,5 … 94,7
18,0 … 89,0
Rohfaser % 30,8 … 87,7 39,0 … 68,0
NfE
%
75,0 … 91,2
-
Organischer Rest
%
74,5 … 82,0
45,0 … 63,0
1)
Weizen und Weizen/Gerste (nach LOSAND, SPIEKERS und URDL, 2007)
2)
Roggen (nach ALERT, LOSAND und PRIEBE, 2007)
Zu
U
achten
U
ist außerdem auf die
U
Mineralstoffversorgung
U
(insbesondere bei höheren Schlempe-
Anteilen im Mischfutter), weil Getreideschlempe ein extrem ungünstiges Calcium-Phosphor-
Verhältnis (etwa 1:7!) aufweist.
Was bringt der Schlempeeinsatz in der intensiven Lämmermast?
Um das vom Markt geforderte fettarme Lamm mit gut entwickelter Bemuskelung der wertvollen
Teilstücke (Kotelett, Lende, Keule) zu erzeugen, muss die hohe Wachstumsintensität bei günstiger
Futterverwertung junger Masttiere optimal genutzt werden. Entscheidende Voraussetzung dafür ist

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
32
Schriftenreihe, Heft 7/2008
eine leistungsgerechte Ernährung über energie- und proteinreiche Futterrationen, weil wachsende
Tiere höhere Ansprüche an die Futterqualität als Alttiere stellen. Deshalb ist den Problemen der
Fütterung, d. h. der Versorgung der Tiere mit Energie, Nähr-, Mineral- und Wirkstoffen, der Futter-
struktur und möglichen Schadstoffen im Futter (Toxine, Antinutritiva) sowie den Futterkosten eine
hohe Aufmerksamkeit zu widmen.
Weil zunehmend Getreideschlempe sowohl als Pressschlempe als auch in getrockneter Form (lose
bzw. pelletiert) gehandelt wird und damit als Proteinquelle auch für die Lämmermast zur Verfügung
steht, erfolgten unter den standardisierten Bedingungen der Mastprüfanstalt Laage (männliche
Lämmer der Rasse Schwarzköpfiges Fleischschaf; Gruppenhaltung auf Tiefstreu → Misch- und
Grobfutter zur freien Aufnahme) Untersuchungen zur Nutzung von Getreideschlempe im („hofeige-
nen“) Lämmermischfutter. Tabelle 3 enthält einen Überblick über die Zusammensetzung der einge-
setzten Futtermischungen, die so aufeinander abgestimmt wurden, dass nahezu
U
gleiche
U
Energie-
und Rohproteingehalte gesichert werden konnten.
Tabelle 3:
Zusammensetzung und Futterwert der eingesetzten Futtermischungen (Anga-
ben je kg Originalsubstanz)
Eiweißträger im Mischfutter
SES
DDGS
DDGS
SES
Sojaextraktionsschrot … SES % 20 12
Getreideschlempe
… DDGS
1)
%
13
29
Gerste % 25 25 25
Hafer % 18 18 13
Triticale % 30 25 26
Mineralstoffe (Ca-reich)
%
3
3
2
Futterkalk % 2 2 3
Öl (zur „Staubbindung“)
%
2
2
2
Futterwert
Energiekonzentration
MJ ME
11,1
11,0
11,0
Rohprotein
g
160
161
162
Ruminale N-Bilanz
g
1,6
1,7
1,7
am Dünndarm nutzbares Rohprotein
g
150
151
151
1)
DRIED DISTILLERS GRAIN WITH SOLUBLES → getrocknete Getreideschlempe mit löslichen Bestandtei-
len
Fleischleistung von Lämmern bei Schlempeeinsatz im Mischfutter
In Tabelle 4 wurden die Untersuchungsergebnisse zum Schlempeeinsatz im Lämmermischfutter
zusammengefasst. Die Ergebnisse demonstrieren das erreichte Niveau der Mast, das die Aus-
schöpfung des individuellen Wachstumsvermögens der Tiere weitgehend gewährleistete.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
33
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Dabei wiesen die Tiere aller Gruppen, als Voraussetzung für eine hohe tägliche Zunahme, einen
hohen Futterverzehr und damit eine hohe Energie- und Nährstoffaufnahme auf. Tendenziell war
jedoch eine leichte Verringerung der Futteraufnahme mit steigendem Schlempe-Anteil im Mischfut-
ter zu beobachten.
In der Wachstumsintensität und der Futterverwertung zeigte sich dagegen die differenzierte Wir-
kung des angebotenen Mischfutters. Das höchste Leistungsniveau in der Mast (Zunahme, Futter-
verwertung) wurde für die Tiere der SES-Gruppe ermittelt. Dagegen führte die Nutzung von Getrei-
deschlempe im Mischfutter zu einer verminderten Wachstumsintensität und Futterverwertung. Die
Schlachtkörper wiesen unabhängig von der verabreichten Ration die für junge Lämmer bekannte
gute Qualität auf. Bei der Wertung der Ergebnisse ist allerdings zu berücksichtigen, dass eine ge-
wichtsabhängige Schlachtung (bei ca. 43 kg) mit Korrektur auf ein einheitliches Mastendgewicht
erfolgte.
Auf folgende Faktoren muss dabei besonders hingewiesen werden:
Bei relativ ausgeglichenen Schlachtgewichten spiegeln sich in den Nettozunahmen das
Schlachtalter und damit der erreichte Reifegrad sowie die differenzierten Schlachtausbeuten
zwischen den Gruppen wider.
Im Nierentalg-Anteil zeigt sich die bei Lämmern sehr deutlich ausgeprägte Altersabhängigkeit
dieses Merkmals, die durch die differenzierte Energie- und Nährstoffverwertung verstärkt wird.
Die Nutzung von Schlempe als Mischfutterkomponente führt tendenziell infolge ungünstigerer
Konformation (Bemuskelung → Fleischigkeitsklasse, Muskeldicke) und Verfettung (Nierentalg,
Fettdicke → Auflagefett) zu einer verringerten Schlachtkörperqualität.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
34
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 4:
Ergebnisse zur Gewichtsentwicklung und Futterverwertung sowie zu
Schlachtertrag und -körperqualität der Mastlämmer
Eiweißträger im Mischfutter
SES
DDGS
DDGS
SES
Anzahl
10
10
10
Alter Mastende
Tage
103,8
108,8
111,4
Masttage
Tage
48,2
53,0
56,0
Gewichtsentwicklung und Futterverwertung
Futteraufnahme Kraftfutter kg 1,27 1,26 1,26
je Masttag
Heu
kg
0,16
0,16
0,15
Energie MJ ME 15,5 15,3 15,2
Rohprotein g 224 224 223
Rohfaser g 113 118 115
Lebendgewicht Mastbeginn kg 22,2 22,1 21,8
28. Masttag kg 34,3 33,5 32,7
Mastende kg 43,0 43,0 43,0
tägliche Zunahme
Einstallung - Mastbeginn
g
233
207
198
Mastbeginn - 28. Masttag
g
435
406
389
29. Masttag - Mastende
g
442
389
382
Mastbeginn - Mastende g 439 398 383
Futteraufwand Mischfutter kg 2,91 3,17 3,28
je kg Zuwachs
Energie
MJ ME
35,4
38,4
39,7
Rohprotein g 511 561 583
Schlachtertrag und -körperqualität
Schlachtausbeute
% 49,33 48,59 48,16
Schlachtgewicht (warm)
kg
20,5
20,1
19,9
Nettozunahme g 198 185 180
g 195 242 264
Nierenfett
% 0,95 1,20 1,32
Bemuskelung Note 7,1 6,8 6,6
Muskeldicke (Ultraschall)
mm
28,5
27,7
27,3
Fleischigkeitsklasse
→ E = 1 … P = 5
Note
2,7
2,9
3,0
Fettdicke (Ultraschall)
mm
6,3
7,1
7,9

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
35
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Ökonomische Bewertung des Einsatzes von Getreideschlempe
Die Kalkulation zu wirtschaftlichen Aspekten der Lämmermast bei Einsatz von Getreideschlempe als
Mischfutterkomponente weist selbst unter der Voraussetzung eines ähnlichen Energie- und Nähr-
stoffgehaltes auf wirtschaftliche Nachteile gegenüber der Nutzung von Sojaextraktionsschrot als allei-
nige Eiweißquelle im Mischfutter hin (Tab. 5). Verursacht wird dies durch eine verringerte Wachstums-
intensität bei ungünstigerer Futterverwertung und damit durch eine verlängerte Mastdauer zum Errei-
chen marktüblicher Endgewichte.
Tabelle 5:
Wirtschaftliche Aspekte des Schlempe-Einsatzes in der Lämmermast (Angaben
in €)
Eiweißträger im Mischfutter
SES
DDGS
DDGS
SES
Mastdauer
Tage
48,2
53,0
56,0
Mischfutterverbrauch
kg
61,4
66,9
70,3
Mischfutterpreis
€ je kg
0,14
0,14
0,14
Marktleistung
1)
77,78
76,38 75,73
Kosten (ohne Tiereinsatz) 34,43 37,54 39,11
dav. Mischfutter 8,59 9,44 9,59
Heu 0,84 0,92 0,96
Lohn 9,57 10,36 10,55
sonstige
2)
15,43
16,95 17,91
Marge
3)
43,35
38,84
36,62
1)
3,80 € je kg Schlachtgewicht
2)
u. a. Einstreu, Tierarzt, Wasser und Energie, Gebühren, Abschreibungen
3)
Erlösbeitrag zur Kostendeckung Mutterschafhaltung, entspricht Marktleistung abzüglich Kosten
Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Aus den vorliegenden Untersuchungsergebnissen zur Nutzung von Getreideschlempe (DDGS) in
der Mastlammerzeugung können folgende Schlussfolgerungen und Empfehlungen abgeleitet wer-
den:
1. Die Nutzung von Getreideschlempe aus der Bioethanolherstellung (DDGS) als Proteinquelle
kommt unter der Voraussetzung der Nutzung von Getreide aus inländischer Erzeugung der Er-
füllung der Forderung nach enger Flächenbindung der Produktion und Ablösung von Futterim-
porten entgegen.
Zu
U
beachten
U
ist dabei:
relativ günstigerer Preis als Sojaextraktionsschrot, aber
deutlich erhöhter Rohfett- und Rohfasergehalt sowie
extrem ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis (etwa 1:7!).
Der Futterwert ist vergleichbar mit Produkten aus der Rapsverarbeitung (Konkurrenz?, zumal
Getreideschlempen in größeren Mengen anfallen).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
36
Schriftenreihe, Heft 7/2008
2. Der Energie- und Nährstoffgehalt von Getreideschlempe kann in Abhängigkeit von der Getrei-
deart und -sorte (Weizen, Triticale, Gerste, Roggen, Mais), den Bodenverhältnissen, der Dün-
gung, den klimatischen Einflüssen während des Wachstums und der Reifung deutlich schwan-
ken. Deshalb ist vor dem Einsatz eine Futtermittelanalyse zu empfehlen, um eine ausgewogene
Nährstoffzusammensetzung der Ration bzw. des Mischfutters zu sichern.
3. Folgende Empfehlungen sollten insbesondere beim Einsatz in „hofeigenen Futtermischungen“
für Mastlämmer bei der Rationsplanung und -bilanzierung beachtet werden:
Getreideschlempe (DDGS) möglichst mit anderen Eiweißträgern kombinieren
-
ausgewogenere Nährstoffzusammensetzung des Mischfutters,
-
Sicherung einer hohen Verwertbarkeit der Energie und Nährstoffe,
-
mögliche Wirkung verzehrsmindernder Futterbestandteile minimieren,
-
Getreideschlempe dabei gut mit Sojaextraktionsschrot kombinierbar
-
bei hohem Sojaextraktionsschrotpreis relativ
U
preisgünstige
U
Alternative;
Mineralstoffversorgung bei Einsatz in „hofeigenen“ Futtermischungen beachten!
-
durch Beimischen von calciumreichen, phosphorarmen Mineralfutter und Futter-
kalk „weites“ Calcium-Phosphor-Verhältnis (etwa 3 : 1) sichern.
4. Durch den Einsatz von Getreideschlempe aus der Bioethanolherstellung ist infolge
ungünstigerer Futterverwertung bei verringerter Wachstumsintensität und
damit verlängerter Mastdauer zum Erreichen marktüblicher Endgewichte
keine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der Lammfleischerzeugung zu erwarten. Dies ist nur
möglich, wenn höhere Erlöse je kg Gewicht (lebend oder geschlachtet) z. B. über Teilnahme
an Vermarktungsprogrammen erzielt werden können.

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37
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Getrocknete Weizenschlempe in der Schweinefütterung
Dr. Hans-Joachim Alert (Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft)
Getreideschlempe ist von altersher ein Futtermittel, das in der Rinder- und Schweinefütterung,
zumeist flüssig und in unmittelbarer Umgebung der produzierenden Brennereien, eingesetzt wurde.
Durch die neuesten Entwicklungen im Bereich der Biokraftstoffe und den damit verbundenen För-
derungen ist die Erzeugung von Bioethanol in stetigem Wachstum begriffen. Es entstehen deutsch-
landweit große Ethanolfabriken, die zurzeit einen Gesamtoutput von ca. 500 000 t Getreideschlem-
pe aufweisen. Weitere Anlagen sind geplant und werden zum Teil schon realisiert. Längerfristige
Prognosen besagen, dass bis zum Jahr 2020 in der EU über 20 Mio. t Bioethanol benötigt werden,
um das rückläufige Angebot der fossilen Energieträger auszugleichen. Die dabei anfallende
Schlempe wird zum Teil als getrocknetes Produkt angeboten und eignet sich zur Einmischung in
das Schweinefutter. Gegenüber den früher angebotenen Schlempen hat sich die Produktionstech-
nik heute deutlich verändert, so dass bzgl. der Inhaltsstoffe andere Produkte zu erwarten sind. Um
der Landwirtschaft Empfehlungen zum Einsatz geben zu können ist es notwendig, Untersuchungen
mit diesen neuen Produkten durchzuführen.
Die Zusammensetzung der Schlempe ist immer vom Ausgangsmaterial abhängig, im vorliegenden
Fall vom Getreide (Weizen bzw. Gemisch aus 85 % Weizen und 15 % Gerste). Getrocknete Wei-
zenschlempe enthält nur noch geringe Stärke- und Zuckeranteile, aber die übrigen Bestandteile
des Getreides sind in der Schlempe konzentrierter als im Ausgangsprodukt. Für die Rationsbe-
rechnung können die in Tabelle 1 aufgezeigten Mittelwerte verwendet werden. Diese ergaben sich
aus den vorliegenden Untersuchungen im Rahmen des Mehrländerprojektes. Die Weizentro-
ckenschlempe wird in der Regel mit einem Trockenmassegehalt (TM) zwischen 94 und 96 % aus-
geliefert. Das Rohprotein ist der wertgebende Bestandteil der Getreideschlempe. Ihr mittlerer Ge-
halt von 37 % Rohprotein in der TM gestattet eine Einordnung als Eiweißfuttermittel. Allerdings ist
insbesondere der geringe Lysingehalt der Trockenschlempe in der Rationsberechnung zu berück-
sichtigen. Auffällig ist auch der produktionsbedingt hohe Natriumgehalt in der Trockenschlempe.
Im Rahmen des Mehrländerprojektes wurden Untersuchungen zur Verdaulichkeit und zur Bestim-
mung optimaler Einsatzmengen in der Ferkel- und Mastschweinefütterung durchgeführt.
Im Folgenden werden die wesentlichsten Ergebnisse vorgestellt.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
38
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 1:
Mittlere Inhaltsstoffe der getrockneten Weizenschlempe
DLG (1991)
Vorschlag Mehrländerprojekt
Trockenmasse
%
94,4
94
Inhaltsstoffe je kg Trockenmasse
Rohasche
g
49
58
Rohprotein g 380 370
Rohfaser g 83 75
Rohfett g 56 67
Stärke g 18 27
Zucker g 24 35
Ca g 2,1 1,3
P g 4,2 8,9
Na g - 8,8
K g - 11,2
Lysin g 8,6 7,7 (5,5)
Met+Cys g 8,3 12,6 (8,8)
Thr g 10,9 11,1 (9,1)
Trp g - 3,5
ME MJ 11,3 12,1
( ) = praecaecal verdaulich
Verdaulichkeiten der getrockneten Weizenschlempe
Die Nährstoffverdaulichkeiten der Weizenschlempe wurden in der Bayerischen Landesanstalt für
Landwirtschaft und der Universität Rostock ermittelt. Die Werte sind in Tabelle 2 enthalten. Mit
einer Gesamtverdaulichkeit der organischen Substanz von 68 % liegt die Weizentrockenschlempe
deutlich unter der des Weizens mit 90 %. Hierbei spiegelt sich der Entzug der Stärke im Laufe des
Produktionsprozesses wider. Gegenüber älteren Angaben zur Verdaulichkeit konnte aber eine
deutlich höhere Verdaulichkeit des Rohproteins (72 %) ermittelt werden. Aus diesen Werten er-
rechnet sich ein Energiegehalt von 12,1 MJ umsetzbare Energie. Auch hier zeigt sich ein höherer
Wert im Vergleich zu den Angaben in der DLG-Tabelle von 1991. Für das Schwein sind besonders
die Verdaulichkeiten der essenziellen Aminosäuren bedeutungsvoll. Hohe Rohproteingehalte brin-
gen keinen Nutzen, wenn die essenziellen Aminosäuren nur in kleinen Mengen vorliegen und eine
geringe praecaecale Verdaulichkeit aufweisen. Deshalb beziehen sich die neuen Bedarfsempfeh-
lungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie auf die praecaecal verdaulichen Aminosäuren.
Die in ersten Untersuchungen gefundenen sehr geringen Lysinverdaulichkeiten zeigten sich bei der
Bestimmung der praecaecalen Verdaulichkeit weniger stark. Die Lysinverdaulichkeit von 69 %
(Weizen ca. 89 %) lässt gegenüber dem Ausgangsprodukt Weizen einen Behandlungseffekt erken-

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
39
Schriftenreihe, Heft 7/2008
nen (Hitze bei Trocknung und Pelletierung). In Tabelle 2 sind die praecaecalen Verdaulichkeiten
der für das Schwein wichtigsten essenziellen Aminosäuren dargestellt.
Tabelle 2:
Nährstoffverdaulichkeiten der Weizenschlempe (%)
Rohnährstoffe
DLG (1991)
Mehrländerprojekt
Trockenmasse
Org. Substanz
Rohprotein
Rohfett
Rohfaser
NfE
-
68,3
66
84
41
66
67
68
72
85
30
71
Praecaecale Verdaulichkeiten:
Rohprotein
Lysin
Methionin
Cystin
Threonin
72
69
67
70
82
Quelle: LINDERMAYER, HACKL, PRIEPKE
Ergebnisse von Fütterungsversuchen in der Ferkelaufzucht
In der Ferkelaufzucht werden besonders hohe Ansprüche an die eingesetzten Futtermittel gestellt.
Hier gilt es, einen hohen Energiegehalt und optimale Verdaulichkeiten zu gewährleisten. Dies kann
mit hohen Einsatzmengen von getrockneter Getreideschlempe bei angestrebtem hohem Leis-
tungsniveau nicht gewährleistet werden. Wie Tabelle 3 zeigt, in der Versuche aus Iden, Köllitsch
und Jena zusammengefasst sind, führten schon Trockenschlempemengen von 3 bis 5 % zu deut-
lich verringerten Lebendmassezunahmen, vor allem in den ersten drei Wochen der Aufzucht. Bei
geringerem Leistungsniveau ist das Nährstoffangebot auch für kleinere Ferkel ausreichend. 10 %
Trockenschlempe in den letzten drei Aufzuchtwochen scheinen bei mittlerem Leistungsniveau
keine Leistungsdepressionen zu verursachen.
Insgesamt gesehen ist die getrocknete Getreideschlempe in der Ferkelaufzucht nur bedingt geeig-
net. Der Einsatz sollte, wenn überhaupt, in der zweiten Aufzuchtphase auf maximal 10 % begrenzt
werden. Ökonomische Vorteile sind dadurch zurzeit kaum erreichbar.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
40
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 3:
Versuchsergebnisse Ferkelfütterung
Weizenschlempe-Anteil (%)
0
3
5
8
10
Ver-
such
Parameter
x
s
x
s
x
s
x
s
x
s
Iden
Pi x
DE/DL
Futterverzehr
(kg/Tier u.
Tag)
Körpermas-
sezunahme
(g/T. u. T.)
756
480
a
78
674
440
bd
80
736
448
bc
84
691
417
d
84
- -
n =
260
Futterauf-
wand (kg/kg
Zunahme)
1,57 1,53 1,64 1,66
28. -
70. d
Mortalität (%)
1,5
1,5
0
1,5
Köl-
litsch
Pi x
DE/DL
Futterverzehr
(kg/Tier u.
Tag)
Körpermas-
sezunahme
(g/T. u. T.)
1053
518
79
- - - - - -
1007
505
98
n =
116
Futterauf-
wand (kg/kg
Zunahme)
2,03 0,03
1,99 0,02
48. -
70. d
Mortalität (%)
0
0
Jena 1
PiHa x
C23
Futterverzehr
(kg/Tier u.
Tag)
Körpermas-
sezunahme
(g/T. u. T.)
576
a
445
a
48
81
- -
527
ab
408
a
50
58
- -
485
b
346
b
50
64
n = 48
Futterauf-
wand (kg/kg
Zunahme)
1,29
ab
0,13
1,27
a
0,07
1,40
b
0,08
28. -
70. d
Mortalität (%) 5,6 13,6
5,6 13,6
0
Jena 2
PiHa x
C23
Futterverzehr
(kg/Tier u.
Tag)
Körpermas-
sezunahme
(g/T. und T.)
515
a
364
18
54
- -
487
b
353
12
75
- -
481
b
361
31
65
n = 48
Futterauf-
wand (kg/kg
Zunahme)
1,42
a
0,07
1,38
ab
0,15
1,33
b
0,04
28. -
70. d
Mortalität (%) 0
0
5,6 13,6
unterschiedliche Indices charakterisieren statistisch signifikante Unterschiede
Quelle: W
EBER, ALERT, RICHTER
Ergebnisse in der Mastschweinefütterung
Die Ergebnisse aus den in Tabelle 4 dargestellten Versuchen (Ruhlsdorf, Köllitsch, Jena), zeigen
deutlich, dass bei Einsatzmengen bis 15 % die Lebendmassezunahmen und der Magerfleisch-
Anteil nicht gemindert werden. Erst bei noch höheren Mischungsanteilen gehen die Futteraufnahme

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
41
Schriftenreihe, Heft 7/2008
und die Zunahmen deutlich zurück. Die Auswirkungen auf den Futteraufwand waren in den Versu-
chen nicht einheitlich, die geringe Verdaulichkeit der Schlempe lässt aber eine etwas schlechtere
Futterverwertung erwarten.
Durch den Einsatz von 15 % Weizenschlempe können die Rationen um etwa 0,80 €/dt günstiger
hergestellt werden (H
AGEMANN, Ruhlsdorf). Hierbei wurden Marktpreise für die getrocknete Wei-
zenschlempe, die sich in der Größenordnung an die Preise von Rapsextraktionsschrot anlehnen,
angesetzt (zzt. ca. 12 €). Diese Vorteile werden allerdings durch den schlechteren Futteraufwand
wieder aufgehoben, so dass auch in der Mastschweinefütterung bei den momentanen Produktprei-
sen keine deutlichen finanziellen Vorteile für den Einsatz von getrockneter Weizenschlempe zu
erwarten sind. Nach Berechnungen von L
INDERMAYER (Grub) kann Trockenschlempe erst bei einem
Preis von ca. 8,60 € je dt in der Schweinemast gewinnbringend eingesetzt werden. Für den Einsatz
bei tragenden Sauen wäre auch ein Preis von über 9 € akzeptabel.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
42
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 4:
Versuchsergebnisse Mastschweinefütterung
ProtiGrain-Anteil (%)
Versuch
Parameter
0
10
15
Ruhlsdorf Futterverzehr (kg/Tier u. Tag)
2,17
ab
2,13
a
2,29
b
Masttagszunahme (g/Tier) 791 784 787
Futteraufwand (kg/kg Zunahme) 2,75
a
2,72
a
2,91
b
Pi x
DE/DL/LC
Nicht ausgewertete Tiere (%)
20
1)
0
2,9
Magerfleisch-Anteil (%) 57,5
ab
58,3
a
56,5
b
0
15
25
Versuch
Parameter
x
s
x
s
x
s
Köllitsch
Futterverzehr (kg/Tier u. Tag)
2,35
a
0,3 2,26
ab
0,4
2,18
b
0,2
Masttagszunahme (g/Tier) 834
a
106 827
ab
82
745
b
64
Pi x DE/DL Futteraufwand (kg/kg Zunahme) 2,81 0,4 2,72 0,3 2,93 0,3
Mortalität (%) 0 0 0
Magerfleisch-Anteil (%) 55,7 2,8 55,2 3,7 55,7 2,6
0
10
20
Versuch
Parameter
x
s
x
s
x
s
Jena 1
Futterverzehr (kg/Tier u. Tag)
2,90 0,16 2,84 0,19 2,86 0,18
Masttagszunahme (g/Tier) 932 104 905 77 939 73
PiHa x C23 Futteraufwand (kg/kg Zunahme) 3,11 0,28 3,14 0,25 3,05 0,27
Mortalität (%) 6,7 25,8 0 0
Magerfleisch-Anteil (%) 54,7 2,9 55,0 2,4 54,7 2,9
Trockensubstanz des Kotes (%, n = 7) 24,6 1,6 25,9 2,0 25,4 1,6
Jena 2
Futterverzehr (kg/Tier u. Tag)
2,80 0,13 2,66 0,24 2,69 0,14
Masttagszunahme (g/Tier) 981
a
63 938
ab
104
919
b
74
PiHa x C23 Futteraufwand (kg/kg Zunahme) 2,86 0,16 2,84 0,20 2,92 0,22
Mortalität (%) 0 6,2 0
Magerfleisch-Anteil (%) 56,8 3,6 56,1 3,9 57,2 3,9
Trockensubstanz des Kotes (%, n = 7) 27,1 1,1 27,9 2,6 28,0 5,7
unterschiedliche Hochbuchstaben bezeichnen signifikante Unterschiede
1)
Schwanzbeißer
Quelle: H
AGEMANN, ALERT, RICHTER

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
43
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Zusammenfassung
Es hat sich gezeigt, dass sich heutige Weizenschlempen von den früher erzeugten sowohl in den
Inhaltsstoffen, als auch den Verdaulichkeiten unterscheiden. Bei der Aufnahme in Schweinerationen
ist die verminderte Verdaulichkeit des Eiweißes zu berücksichtigen. Es wird daher notwendig, die
Tabellenwerte zu aktualisieren. Der Einsatz getrockneter Weizenschlempe in der Ferkelaufzucht sollte
sich auf den zweiten Abschnitt begrenzen. In der Schweinemast können Mischungsanteile bis zu
15 % eingesetzt werden, ohne dass negative Auswirkungen auf die biologischen Kennzahlen zu
erwarten sind. Der ökonomische Einsatz der Trockenschlempe ist stark von ihrem Preis abhängig.
Leider wurden noch keine Versuche zum Einsatz in der Sauenhaltung durchgeführt. Hier wäre ein
Einsatz in der tragenden Phase denkbar, weil der Rohfasergehalt bei 7,5 % liegt. Aber auch hier ist,
wie bei der Weizenkleie, auf Mykotoxine zu achten, weil diese durch den Produktionsprozess nach-
weislich nicht abgebaut werden und sich gegenüber dem Ausgangsprodukt noch weiter anreichern
können.
Wir haben es bei der getrockneten Weizenschlempe mit einem bekannten Futtermittel neuer Quali-
tät zu tun, das, wie in den USA (Maisschlempe) schon seit längerem üblich, in erster Linie in der
Rinderhaltung und nur in geringen Anteilen bei Schweinen (USA ca. 10 %) eingesetzt werden wird.
Die detaillierten Untersuchungsberichte finden Sie jeweils auf den Internetseiten der Mehrländer-
projektteilnehmer.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
44
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Untersuchungen zur Lagerung und Konservierung von Roggenpressschlempe aus der Bio-
ethanolherstellung
Dr. Olaf Steinhöfel (Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft)
Einleitung
Seit Beginn des Jahres sind im Osten Deutschlandes die ersten drei Großanlagen ans Netz ge-
gangen. Während die Bioethanolanlagen in Zörbig (Sachsen-Anhalt) und Schwedt (Brandenburg)
vorrangig Roggen vergären, nutzen die Zeitzer (Sachsen-Anhalt) Weizen. Als Nebenprodukt ent-
stehen Roggen- bzw. Weizenschlempen. Bisher gelangten die eher regional bedeutsamen
Schlempen immer frisch und somit flüssig und heiß in den Trog. Der frische Gärrückstand hat einen
Trockenmassegehalt von ca. 8 %, ist energie- und je nach Produktionsverfahren und Getreideart
mehr oder weniger proteinreich. Aufgrund des hohen Wassergehaltes, der hohen Auslieferungs-
temperaturen (> 50°C) und der hohen Enzymlöslichkeit der Zellwandbestandteile und Hefereste
sind frische Schlempen leicht verderblich. Deshalb werden die Schlempen als Trocken- (88 bis
90 % T) und als Pressschlempe (35 bis 40 % T) angeboten. Für Pressschlempen wird es langfristig
nur dann einen Markt geben, wenn diese lagerstabil bzw. siliert werden können und damit über
längere Fütterungszeiten in gleich bleibender Qualität zur Verfügung stehen. Bisher liegen aber
keine Erfahrungen zur Lagerung, Konservierung bzw. Silierung frischer Getreideschlempen vor.
Auch zum Einsatz von hiesigen Pressschlempen aus Roggen existieren keine aktuellen Erfahrun-
gen.
Material und Methoden
U
Lagerversuch
Je 2 kg frische Pressschlempe wurde ohne und mit Zusatz von Konservierungsmitteln (0,15 bis
0,9 %) über 10 Tage bei 15 bis 20 °C in Bilanznetzen aerob gelagert. In die Netze mit einer Ma-
schenweite von < 1 mm waren Temperaturlogger eingelegt. Neben der Temperaturveränderung ist
täglich der mikrobielle Zustand untersucht worden. Außerdem wurden Futterwert- und die Tro-
ckenmasseverluste erfasst.
U
Großsilierversuch
Je 25 t einer unbehandelten und einer mit 0,9 % Konservierungsmittel behandelten (wirksame
Substanzen: Propionsäure und Natriumbenzoat) Roggenpressschlempe wurden mittels AG BAG
Schlauchsilierverfahren in Folienschläuche einsiliert. In jeweils drei Horizonten und drei Positionen
waren Bilanznetze mit Temperaturloggern einsiliert worden. Die Silierdauer betrug 120 Tage.
U
Laborsilierversuch
In 15 l großen Schläuchen wurde Getreideschlempe mit und ohne Zusatz verschiedener chemi-
scher (0,15 bis 0,45 %) bzw. biologischer Siliermitteln einsiliert. Jede Variante wurde über 14 bzw.
60 Tage einsiliert.
U
Aerobe Stabilität
Alle ausgelagerten frischen, konservierten bzw. silierten Schlempen wurden auf ihre aerobe Stabili-
tät nach H
ONIG (1990) untersucht.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
45
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Ergebnisse
U
Lagerung
Frische Pressschlempe aus der Ethanolanlage ist nahezu steril. Der Bakterien- und Hefebesatz
steigt aber innerhalb von wenigen Stunden auf verderbnisanzeigende Konzentrationen an. Eine
längerfristige Lagerung von frischer Schlempe ist deshalb nahezu ausgeschlossen. Aerob stabil
sind die abgepressten Gärrückstände maximal für ein bis fünf Tage bei mittleren Außentemperatu-
ren von 15 bis 20 °C. Die Schwankungsbreite steht dabei in Beziehung zum mikrobiellen Befund, d.
h. die Ausgangskontamination der gelieferten Pressschlempe wirkt sich sensibel auf dessen Halt-
barkeit aus.
Nach zwei bis drei Tagen kommt es in der Regel zu einem massiven Bakterien und Hefebefall
(Pichia membranifaciens, Issatchenkia, orientalis/occidentalis). Nach vier bis sechs Tagen ist eine
deutliche Verschimmlung (Penicillium-Monokultur) nachweisbar. Der tägliche Trockenmasseverlust
beträgt 2,5 %. Dieser Verlust steht in Beziehung zu einem signifikanten Rückgang der Zucker- und
ELOS-Konzentration und einem deutlichen Anstieg des pH-Wertes. Frische Pressschlempe sollte
nur zum Einsatz kommen, wenn dieser innerhalb von 48 Stunden verfüttert wird.
Durch den Zusatz von Konservierungsmitteln kann die Haltbarkeit der Getreidepressschlempe deutlich
gesteigert werden. Getestet wurden bisher Mittel, deren wirksame Substanzen ein Gemisch aus Propion-
säure und Natriumbenzoat waren. Während bis zu einer Aufwandmenge von 0,3 % noch keine signifikan-
te Verbesserung der aeroben Stabilität im Vergleich zur Variante ohne Zusatz gemessen wird, gilt bei
einer Dosierung von 0,60 bzw. 0,75 % die konservierte frische Pressschlempe bereits ca. fünf bis acht
Tage sowohl mikrobiell als thermisch als stabil. Bei Aufwandmengen von 0,9 % Konservierungsmittel
bleibt das Futtermittel über zehn Tage unverändert und die Trockenmasseverluste betragen weniger als
0,5 %. Hefen und Schimmelpilze werden nur noch in Spuren nachgewiesen.
U
Silierung
Die Siliereignung der gegenwärtig am Markt gehandelten Getreideschlempen ist relativ gut. Sie
enthalten noch ausreichend Zucker (8 bis 12 %). Der Gehalt an puffernden Substanzen ist auf-
grund des moderaten Rohproteingehaltes von 18 bis 20 % nicht hoch (Tab. 1). Die Tabelle zeigt die
große Streuung der Futterwertparameter. Hierfür sind in erster Linie verfahrenstechnische Beson-
derheiten und unterschiedlicher Rohstoffqualitäten verantwortlich. Bei einer effizienteren Vergärung
von Zucker und Stärke und bei einer stärkeren Rückführung der löslichen Proteine aus dem Press-
wasser in das Futtermittel, muss die Silierbarkeit neu bewertet werden.
Verderbnisanzeigende Keime in der frischen Schlempe waren nicht nachweisbar. Durch das Ab-
pressen der Rückstände auf über 35 % Trockenmasse wird die Konservierungseignung verbessert.
Ein Zusatz von verschiedenen Siliermitteln auf der Basis von Propionsäure, Natriumbenzoat, Natri-
umpropionat, homo- oder heterofermentativen Milchsäurekulturen bzw. deren Kombinationen und
verschiedenen Konzentrationen erwies sich in ersten Untersuchungen für den Konservierungser-
folg bzw. das Verlustgeschehen bei der Silierung als nicht notwendig.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
46
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 1:
Futterwert von frischer und silierter Roggenpressschlempe
Roggenpressschlempe
Futterwert
ME
Frisch (n = 24)
Siliert (n = 48)
x
s
Min
Max
x
s
Min
Max
Trockenmasse
g/kg
FM
372
45 239 448
316
20 291 372
Rohasche g/kg T
33
2 28 37
30
2 27 36
Rohprotein g/kg T
168
17 150 197
179
8 155 191
Rohfaser g/kg T
148
10 123 164
141
8 130 168
Rohfett g/kg T
70
3 63 74
70
3 65 77
ELOS g/kg T
732
30 690 797
757
18 705 786
Stärke g/kg T
44
14 12 68
30
8 14 50
Zucker g/kg T
93
33 40 136
80
33 19 128
NDF g/kg T
598
43 539 731
593
20 542 627
ADF g/kg T
180
16 146 200
157
14 138 199
Ca g/kg T
0,74
0,13 0,54 0,96
0,9
0,09 0,66 1,09
P g/kg T
3,72
0,45 3,02 4,43
4,01
0,21 3,4 4,39
Na g/kg T
0,75
0,13 0,51 0,9
0,66
0,09 0,52 0,93
Mg g/kg T
1,36
1,74 0,93 9,54
0,97
0,05 0,87 1,1
K g/kg T
4,72
0,33 4,28 5,22
4,75
0,25 4,37 5,69
UDP 5
1)
% des
RP
43
4 33 55
42
5 31 57
1)
Kalkulation
nach SHANNAK et al. (2000)
Alle Silagen, auch die ohne Siliermittelzusätze, waren buttersäurefrei und wiesen nur Spuren von
Essigsäure bzw. Ammoniak auf. Die pH-Werte lagen ausnahmslos unter 3,8. Die mikrobiologische
Untersuchung konnte keine Hefe- bzw. Schimmelpilze über der Nachweisgrenze finden. In der
Tabelle 2 sind die Befunde für die Silagen aus AG BAG Folienschläuchen exemplarisch dargestellt.
Sensorisch unterschieden sich die Silagen kaum von der frischen Schlempe.

image
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
47
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Siliergut
Silage-Minischlauch Silage-AGBAG
Tage aerob stabil
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10 11 12
Tabelle 2:
Kennzahlen zum Siliererfolg von Roggenpressschlempesilagen in Folien-
schläuchen
Position
TM
ES
BS
im
Schlauch
Behandlung
g/kg
pH-
Wert
% der T
NH
3
-N
des N
DLG-
Punkte
Kons.
erfolg
unten
319
337
3,63
3,71
0,35
0,38
0,00
0,00
0,98
0,96
100
100
sehr
gut
oben
ohne
346
337
3,74
3,75
0,45
0,89
0,00
0,10
1,04
0,96
100
100
sehr
gut
unten
352
362
3,77
3,77
0,55
0,5
0,04
0,01
1,43
1,17
100
100
sehr
gut
oben
mit
372
369
3,78
3,78
0,31
0,35
0,01
0,02
1,45
1,31
100
100
sehr
gut
Die aerobe Stabilität der erzeugten Silagen aus Roggenpressschlempe beträgt über sieben Tage.
Durch den Zusatz von chemischen oder biologischen Siliermitteln kann die Stabilität der Silagen an
der Luft um weitere zwei bis vier Tage verlängert werden (Abb.).
Abbildung 1:
Übersicht zur aeroben Haltbarkeit von Pressschlempe und deren Konservate
Kontrolle
0,15 % Konservierungsmittel 1
0,30 % Konservierungsmittel 1
0,45 % Konservierungsmittel 1
0,60 % Konservierungsmittel 1
0,75 % Konservierungsmittel 1
0,90 % Konservierungsmittel 1
0,15 % Konservierungsmittel 2
0,30 % Konservierungsmittel 2
0,45 % Konservierungsmittel 2
heterofermentative MSB
homofermentative MSB
Mischung homo + hetero

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
48
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Fazit
Die Pressschlempe aus der Bioethanolherstellung ist ein wenig haltbares Futtermittel. Nach zwei
Tagen ist mit einem massiven Verderb des Gärrückstandes zu rechnen. Durch die Konservierung
mit chemischen Mitteln kann das Produkt haltbar gemacht werden. Man kann davon ausgehen,
dass die Konservierungsmittel, welche für die Getreidekonservierung angeboten werden, auch für
Schlempekonservierung geeignet sind. Für eine kostengünstigere und längerfristige Haltbarma-
chung bietet sich die Silierung an. Die gegenwärtig am Markt verfügbare Roggenpressschlempe
zeigt eine außerordentlich gute Silierbarkeit. Der Zusatz von Siliermitteln ist nur notwendig, wenn
die Haltbarkeit der Silage länger als eine Woche sein soll. Die dabei auftretenden Konservierungs-
verluste bzw. Futterwertveränderungen sind vernachlässigbar.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
49
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Verhalten von Fusarientoxinen bei der Ethanolerzeugung aus belastetem Getreide
Gudrun Hanschmann, Doris Krieg (Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft)
Bioethanol wird seit längerem in Amerika und neuerdings auch in Europa großtechnisch hergestellt.
Wenn auch das Haupterzeugnis Ethanol darstellt, fällt doch zu etwa 50 % als Gärrückstand
Schlempe an, die als Futtermittel vermarktet werden kann. Seit etwa drei Jahren gibt es auch in
Deutschland großtechnische Anlagen, die aus Getreide Ethanol herstellen. In diesen wird vor allem
Roggen, Weizen und Triticale verarbeitet. Die dabei anfallende Schlempe wird in zwei unterschied-
lichen Zuständen auf den Markt gebracht:
als Feuchtschlempe mit einer Trockenmasse (TM) von ca. 35 % und
als Trockenschlempe mit ca. 95 % TM.
Der Futterwert der Schlempe wird vor allem durch die Hauptinhaltsstoffe bestimmt. Er könnte aber
nachhaltig negativ beeinflusst werden, wenn unerwünschte Stoffe wie z. B. Mykotoxine in der
Schlempe enthalten sind.
Mykotoxine können in das Ausgangsgetreide vor allem über Fusarienpilze, die ubiquitär am Boden
oder auf ungenügend eingearbeiteten Pflanzenrückständen auf dem Feld vorhanden sind, in das
aufwachsende Getreide vordringen und dort unter bestimmten Bedingungen Mykotoxine bilden. Die
am häufigsten vorkommenden Mykotoxine sind das Deoxynivalenol (DON) und das Zearalenon
(ZEA). Zur Vermeidung des Pilzbefalls gibt es eine ganze Reihe von Strategien, die der Landwirt
anwenden kann, dennoch bleibt die Witterung, vor allem zum Zeitpunkt der Blüte ein wesentlicher,
nicht zu beeinflussender Faktor, der über hohe oder niedrige Mykotoxingehalte im Erntegut ent-
scheidet. Wenn Grenzwerte (1) überschritten sind, darf das Getreide weder in der Nahrungsmittel-
noch in der Futtermittelproduktion eingesetzt werden.
Im Rahmen dieser Arbeit sollte deshalb geprüft werden,
wo die Mykotoxine, speziell DON und ZEA, beim Vergärungsprozess verbleiben;
ob die bei der Vergärung anfallende Schlempe als Futtermittel geeignet ist (niedriger
DON-Gehalt) oder
durch Silierung der Schlempe eine Verminderung des DON-Gehaltes erreicht werden
kann.
Literatur zu diesem Problem existiert praktisch nicht, lediglich auf der Internetseite der Minnesota
Universität, die sehr viele Untersuchungen mit den Gärrückständen von Mais durchgeführt hat, wird
berichtet, dass beim Maischen und Brennen kein Abbau der Mykotoxine erfolgt und es aufgrund
des Masseverlustes in der Schlempe zu einer Anreicherung der Mykotoxine auf das Dreifache
kommt (2).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
50
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Zur Klärung dieser Fragen wurde folgendermaßen vorgegangen:
1. Anpassung der Mykotoxinanalytik an die Matrizes Wasser, Schlempe und silierte Schlem-
pe
2. Vergärung von Getreide (hier Triticale) mit definiertem DON- und ZEA-Gehalt und Kontrol-
le des DON und ZEA in allen Verfahrensstufen
3.
Silierversuch mit Schlempe und Verfolgung des DON- und ZEA-Gehaltes
Anpassung der Mykotoxinanalytik an die Matrizes Wasser, Schlempe, konservierte Schlem-
pe
Zur Bestimmung von Mykotoxinen werden in unserem Labor für die Matrizes Getreide und Misch-
futtermittel validierte VDLUFA-Methoden (3, 4) eingesetzt. Für wässrige Systeme und Silagen sind
diese Verfahren bisher nicht getestet.
Zur Testung wurde Bierwürze ausgewählt, ein beim Bierbrauen anfallender wässriger Extrakt mit
ca. 8 % TS, der den bei der Bioethanolproduktion anfallenden Extrakten ähnelt. Die Wiederfin-
dungsversuche wurden in folgender Form durchgeführt: Zu je 100 ml Bierwürze wurden drei ver-
schiedene Konzentrationen an DON dosiert: 100, 500 und 1 000 μg/l, vermischt, filtriert und ohne
weitere Aufarbeitung 1 ml davon über die Immunoaffinitätssäule gegeben, und entsprechend
VDLUFA-Methode (Nr. 16.12.1) weiterverarbeitet.
Tabelle 1:
DON-Wiederfindung nach VDLUFA-Methode aus Bierwürze
Sollkonzentration (μg/l)
Istkonzentration (μg/l)
Wiederfindung (%)
Bierwürze Blindwert
< 100
Bierwürze + 100
120
120
Bierwürze + 500
582
116
Bierwürze + 1 000
1085
108
Die Ergebnisse zeigen, dass die DON-Bestimmung in dieser Matrix erfolgreich ist.
Weil mit hohen Gehalten zu rechnen war, konnte auf einen Anreicherungsschritt verzichtet werden.
Zusatzversuche mit DON und ZEA zu Schlempe und konservierter Schlempe zeigten Wiederfin-
dungen zwischen 80 und 100 %, so dass unsere Verfahren dort ohne Änderungen angewandt
werden konnten.
Vergärung von Triticale mit definiertem DON- und ZEA-Gehalt und Kontrolle des DON und
ZEA in allen Verfahrensstufen
U
Durchführung des Brauversuches
Ein Brauversuch im Pilotmaßstab an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin e.V. sollte
die anstehenden Fragen klären.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
51
Schriftenreihe, Heft 7/2008
In einem Vorversuch zur Optimierung der Gärbedingungen wurden an der Versuchs- und Lehran-
stalt die Alkoholergiebigkeit, der Stärke- und der Wassergehalt in dem von der Sächsischen Lan-
desanstalt für Landwirtschaft zur Verfügung gestellten Triticalekorn ermittelt.
Zum Einsatz kamen 33 kg Triticale mit einem DON-Gehalt von 3 200 μg/kg Frischmasse (FM) und
einem ZEA-Gehalt von 35 μg/kg FM. Das Getreide wurde im Sudhaus der Studienbrauerei unter
Zusatz von Enzymen gemaischt, mittels Hefen vergoren und anschließend der Ethanol abdestilliert.
Der Rückstand der Brennblase wurde portionsweise auf einen TM-Gehalt von 25 % abgeschleudert
und noch warm in Silierschläuche verbracht. Bei jedem Schritt des Brauversuches erfolgte eine
Probenahme, so dass zur Verfolgung der Mykotoxingehalte sieben Proben in Doppelbestimmung
analysiert wurden. Tabelle 2 zeigt die Mengenbilanz, die durch Wägung bzw. Schätzung ermittelt
wurde.
Tabelle 2:
Mengenbilanz des Brauversuches
Bezeichnung
Zugabe
kg
Verlust
kg
Bilanz
kg
Prozessschritt
Bemerkung
Triticale 33 0 33 Maischen gemessen
Wasser 94 0 127 Maischen gemessen
Enzyme 1 0 128 Maischen gemessen
Sudhausverluste 0 8 120 Süßmaische geschätzt
Probe Süßmaische
0
5
115
Süßmaische
gemessen
Hefezugabe 7 0 122 Gärung gemessen
CO
2
0 9 113 Gärung berechnet
Probe Sauermaische
0
7
106
Sauermaische
gemessen
Destillat 0 25 81 Destillation gemessen
Verdampfung 0 3 78 Destillation geschätzt
Probe Rückstand
0
5
73
Dest.-rückstand
gemessen
Filtrationsverluste 0 5 68 Filtration geschätzt
Filtrat
0
50
18
Filtration
gemessen
Probe Schlempe
0
2
16
Schlempe
gemessen
Schlempe 0 16 0 Silierung gemessen
Die Alkoholergiebigkeit aus dem Vorversuch konnte erreicht und damit die technologisch einwand-
freie Versuchsdurchführung bestätigt werden.
Abbildung 1 zeigt den Verlauf des Versuches und die Probeentnahmestellen in einem Fließbild.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
52
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Abbildung 1:
Fließschema des Brauversuches
U
Ergebnisse und Auswertung
Von den gezogenen Proben wurden die Trockenmassen und die DON- und ZEA-Gehalte bestimmt.
Die Messwerte und die daraus berechneten Gehalte sind in Tabelle 3 zusammengestellt.
Tabelle 3:
Trockenmasse, DON- und ZEA-Gehalte in den einzelnen Verfahrensstufen
Trocken-
masse
DON-Gehalt
DON-Gehalt
ZEA-Gehalt
ZEA-
Gehalt
Frischmasse
TS
Frischmasse
TS
Versuchsschritte
kg
μg/kg
μg/kg
μg/kg
μg/kg
gemahlenes Getreide
29,1
3 200
3 636
38
43
Süßmaische
26,4
779
3 534
39
47
Sauermaische 9,2 118 13 733 94 106
Rückstand Destillation
9,2
1 638
13 880
123
132
Filtrat 3,9 1 229 15 740 30 34
Schlempe
4,1
1 900
7 879
151
160
konservierte Schlempe
4
1 244
5 228
30
122
Zur Überprüfung des Mykotoxinverbleibs im Verlauf des Brauversuches wurde eine Bilanz erstellt.
In Tabelle 4 sind die absoluten Mengen an DON und ZEA, die in Form von 33 kg Triticale in den
gemahlenes
Getreide
Süßmaische
Gärtank
Destillation
Rückstand
Ethanol
Schlempe
Filtrat
Wasser
Enzyme
Hefen
Probe
Probe (5 l)
Probe (5 l)
Probe (5 l)
Probe (1 kg)
Probe (2 l)
29,1 kg
94 l
1 kg
26 kg
7 kg
9 kg
CO
2
9 kg
9 kg
10 l
4 kg
3,9 kg
Bioethanolversuch - Mykotoxinbilanzierung
Eingesetzte Mengen bezogen auf absolute TS

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
53
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Braubottich eingebracht wurden und ihre Gehalte in den einzelnen Fraktionen, bezogen auf absolu-
te TS, berechnet.
Tabelle 4:
Bilanz der DON- und ZEA-Gehalte
Trocken-
masse
DON (absolute
Mengen)
Differenz
ZEA (abso-
lute Men-
gen)
Differenz
Versuchsschritte
kg
μg
%
μg
%
gemahlenes Getreide
29,1
105 600
0
1 254
0
Süßmaische 26,4 93 437 -12 1 244 1
Sauermaische 9,2 126 321 20 977 22
Rückstand Destillation
9,2
127 756
21
1 212
-4
Filtrat, gesamt
3,9
61 465
132
Schlempe nach Schleudern
4,1
34 188
689
Summe Filtrat und Schlempe 8,0
95 653
-9
821
-35
Verhältnis des Mykotoxinge-
haltes von Schlempe zum
Filtrat
ca. 1:2
ca. 5:1
An Hand der Ergebnisse ist ersichtlich, dass DON eine weitgehend ausgeglichene Bilanz hat, es
wird während des Brau- und Destillationsvorganges nicht abgebaut. Schwankungen, die bis zu
20 % betragen, resultieren aus Probenahmefehlern, der Messunsicherheit der Analysenverfahren
und dem Hochrechnen kleiner analysierter Mengen auf die eingesetzte Gesamtmenge. Eine Diffe-
renz von 35 % zum Ausgangsgehalt bei Zearalenon lässt sich mit derartigen Schwankungen nicht
mehr erklären. Zearalenon verschwindet teilweise nach der Destillation. Ob es dabei zu einem
Abbau bzw. Metabolisierung kommt, konnte im Rahmen dieser Arbeit nicht geklärt werden. Beide
Toxine unterscheiden sich auch in ihrer Wasserlöslichkeit, wie man am Verhältnis von Schlempe zu
Filtrat sehen kann. Es löst sich etwa doppelt soviel DON im Filtrat wie in der Schlempe, während
nur etwa ein Fünftel des noch vorhandenen ZEA´s im Filtrat zu finden ist, vier Fünftel bleiben in der
Schlempe zurück. Diese Zahlen beziehen sich auf eine Trockenmasse der Schlempe von ca. 24 %.
Bei der großtechnischen Pressschlempeherstellung unter kontinuierlichen Bedingungen wird bis
auf ca. 35 % TM abgepresst, allerdings wird ein Viertel des Filtrates bis zu 7-mal in den Braukreis-
lauf zurückgeführt, um einen Teil des löslichen Proteins, welches beim Abpressen in das Filtrat
übergeht, zurück zu gewinnen. Dadurch besteht die Gefahr, dass auch wieder das stark wasserlös-
liche DON in den Kreislauf eingeschleust wird. Legt man obige Zahlen (25 % TM in der Schlempe,
Filtrat 7-mal in den Kreislauf zurück) zugrunde und geht von einem gleich bleibend hohem DON-
Gehalt des Ausgangsgetreides von 2 000 μg/kg (niedrigster Orientierungswert in der Rinderfütte-
rung; worst case) aus, so ergäbe sich ein maximal möglicher zusätzlicher Anstieg des DON-
Gehaltes in der Schlempe von 17 %.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
54
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Bezogen auf die Trockenmasse von 25 % ergab sich in unserem Versuch ein Anstieg des DON-
Gehaltes auf das 2,2-Fache und des ZEA-Gehaltes in der Schlempe auf das 3,7-Fache des Aus-
gangstoxingehaltes. Abbildungen 2 und 3 veranschaulichen noch einmal die Zunahmen der Toxine
in den Schlempen.
Für DON und ZEA in Futtermitteln gibt es bisher noch keine Grenzwerte. Grundlage der Beurtei-
lung einer Belastung sind im Moment die Orientierungswerte des Bundesministeriums für Verbrau-
cherschutz (5) sowie Richtwerte der EU (6). Diese beziehen sich auf die gesamte Ration bei einem
Trockenmassegehalt von 88 %. Schlempe wird in der Praxis hauptsächlich in der Rinderfütterung
eingesetzt und dort zu bis zu 15 % der Ration beigemischt.
Abbildung 2:
Anstieg des DON-Gehaltes in der Schlempe (TS)
0
1000
2000
3000
4000
5000
6000
7000
8000
μg/kg DON
Ausgangsgetreide Schlempe

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
55
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Legt man die niedrigsten Orientierungswerte für Rinder (2 mg/kg DON, 0,25 mg/kg ZEA) zugrunde und
postuliert eine Verdreifachung des Mykotoxingehaltes in der Schlempe, könnte der Gehalt des Aus-
gangsgetreides 4,4 mg/kg FM DON und 0,5 mg/kg FM ZEA betragen. Voraussetzung wäre, dass die
restliche Ration mykotoxinfrei ist.
Unter Berücksichtigung eines möglichen weiteren Eintrags von Mykotoxinen in die Ration durch
belastetes Getreide oder Mais sowie in den Gärprozess durch kontaminiertes Filtrat sollten die
Mykotoxingehalte im Ausgangsgetreide für die Bioethanolherstellung die gesetzlichen Grenzwerte
der EU für Lebensmittel (1) von 1,25 mg/kg DON und 0,1 mg/kg für ZEA nicht überschreiten.
Silierversuch mit Schlempe und Verfolgung des DON- und ZEA-Gehaltes
Die beim Destillieren zurückbleibende Dünnschlempe wurde abgelassen, im noch warmen Zustand
abgeschleudert und sofort ohne weitere Konservierungsstoffe in Silierschläuche verbracht und
luftdicht verschlossen. Ohne Konservierung oder Silierung zeigt die frische Schlempe bereits nach
einem Tag Verderbniserscheinungen (7). Nach 3-monatiger Silierung wurden die Silierschläuche
geöffnet und die silierte Schlempe auf Futterinhaltsstoffe und Mykotoxine untersucht. Die Gärquali-
tät, der Futterwert und der mikrobiologische Zustand wurden als sehr gut eingeschätzt.
Die Mykotoxingehalte (Tab. 2) betragen zwischen 70 und 80 % der unsilierten Schlempen. Diese
etwas niedrigeren Befunde gegenüber der Ausgangsschlempen lassen sich nicht als Zeichen des
Mykotoxinabbaus deuten, weil sie im Fehlerbereich des eingesetzten Analysenverfahrens liegen.
Die Silierung von frischer mykotoxinbelasteter Pressschlempe unter den beschriebenen Bedingun-
gen ist daher ebenso kein Mittel zur Reduzierung der Mykotoxingehalte.
Abbildung 3:
Anstieg des ZEA-Gehaltes in der Schlempe (TS)
0
50
100
150
μg/kg ZEA
Ausgangsgetreide Schlempe

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56
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Zusammenfassung
In einem Gärversuch mit 33 kg Triticale, die 3 200 μg/kg DON und 38 μg/kg ZEA enthielten, wurde
der Verbleib beider Mykotoxine untersucht.
Die Bilanzierung der absoluten Mykotoxingehalte ergab, dass kein Deoxynivalenol im Prozess
verloren ging. Vom Zearalenon dagegen konnten nach dem Brennen nur noch etwa 65 % der Aus-
gangsmenge gefunden werden. Aufgrund der Masseverluste bei der Bioethanolherstellung (aus
33 kg Getreide entstehen 8 kg Schlempe) kommt es zu einer Anreicherung des Mykotoxingehaltes
um den Faktor 2 bis 4.
Weil DON gut wasserlöslich ist, verliert die Schlempe beim Abfiltrieren/Abpressen einen Teil des
DON´s. Dieses Filtrat wird aber in kontinuierlichen Anlagen im Kreislauf gefahren und stellt so eine
ständige Quelle für den DON-Eintrag in den Gärprozess dar.
Pressschlempe wird hauptsächlich in der Rinderfütterung eingesetzt und zu etwa 15 % der Ration
beigemischt.
Unter Berücksichtigung eines möglichen Eintrags von Mykotoxinen über weitere Bestandtei-
le der Ration und durch kontaminiertes Filtrat in den Gärprozess sollten die Mykotoxingehal-
te im Ausgangsgetreide die gesetzlichen Grenzwerte der EU von 1,25 mg/kg DON und 0,1
mg/kg für ZEA nicht überschreiten.
Bei der zur Haltbarmachung eingesetzten Konservierung der Schlempe in Silierschläuchen fand
ebenfalls kein Mykotoxinabbau statt.
Literatur
(1) Verordnung (EG) Nr. 856/2005 der Kommission vom 6. Juni 2005 zur Änderung der Verordnung
(EG) Nr. 466/2001 in Bezug auf Fusarientoxine (Abl. Nr. L143/3; 07.06.2005)
(2)
HU
http://www.ddgs.umn.edu/feeding-swine/exampleswinediets-revised.pdf
U
(3) VDLUFA-Methodenbuch Bd. III „Die chemische Untersuchung von Futtermitteln“, Kap. 16.12.1
(4) VDLUFA-Methodenbuch Bd. III „Die chemische Untersuchung von Futtermitteln“, Kap. 16.9.2
(5) Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BML), Orientierungswerte zur
Mykotoxinbelastung von Futtermitteln mit Deoxynivalenol und Zearalenon im Rahmen des
§ 3 des deutschen Futtermittelgesetzes; 30.06.2000 (Quelle: VDM 27/00, S. 2 - 3)
(6) EMPFEHLUNG DER KOMMISSION vom 17. August 2006 betreffend das Vorhandensein von
Deoxynivalenol, Zearalenon, Ochratoxin A, T-2- und HT-2-Toxin sowie von Fumonisinen in
zur Verfütterung an Tiere bestimmten Erzeugnissen [Text von Bedeutung für den EWR
(2006/576/EG)]
(7) S
TEINHÖFEL, O., ENGELHARD, TH.: Pressschlempe: Interessantes Futtermittel und lagerfähig, Z.
dlz-Agrarmagazin, 1 (2006), S. 108 - 111

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Schriftenreihe, Heft 7/2008
Arten- und Sortenempfehlungen für die Erzeugung von Bioethanol für die Bundesländer Thürin-
gen, Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt
Dr. Martin Farack, Evelin Schreiber, Christian Guddat, Ines Schwabe (Thüringer Landesanstalt für
Landwirtschaft), Dr. Gert Barthelmes (Landesamt für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flur-
neuordnung Brandenburg), Martin Sacher, Marion Böhme (Sächsische Landesanstalt für Landwirt-
schaft), Dr. Gerhard Hartmann (Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen-
Anhalt)
Einleitung
Ethanol ist weltweit der bedeutendste Biokraftstoff. In Deutschland hatte Bioethanol als Kraftstoff bis
2004 keine Bedeutung. Erst durch die 2003 beginnende politische Förderung seitens der EU und der
BRD, erlangte Bioethanol als Kraftstoff auch in Deutschland wirtschaftliches Interesse. Das Biokraft-
stoffquotengesetz vom 26.10.2006 verpflichtete die deutsche Mineralölwirtschaft zum Beimischen von
Bioethanol in Ottokraftstoffe. So liegt die Mindestzumischungsquote für Bioethanol zum Vergaser-
kraftstoff im Jahr 2007 bei 1,2 cal %
A
= 1,85 vol. % und wird bis 2010 auf 3,6 cal %
A
= 5,55 vol. %
ansteigen.
An den Standorten Zeitz, Zörbig und Schwedt entstanden in den Jahren 2004 und 2005 drei Bio-
ethanolanlagen mit einer jährlichen Gesamtproduktionskapazität von 590 000 m³ Ethanol. Bei voller
Auslastung verarbeiten diese Anlagen jährlich 1,6 Mio. t Getreide. Entscheidend bleiben jedoch die
Absatzmöglichkeiten inländischen Bioethanols in der Mineralölwirtschaft unter den Bedingungen
der deutschen Steuergesetzgebung sowie des globalen Wettbewerbs.
In einem seit 2004 laufenden Mehrländerprojekt „Bioethanolerzeugung und Schlempeverwertung“
der Landesanstalten für Landwirtschaft Bayern (BY), Brandenburg (BB), Mecklenburg-Vorpommern
(MV), Sachsen (SN), Sachsen-Anhalt (ST) und Thüringen (TH) wird in Zusammenarbeit mit der
„Südzucker-Bioethanol GmbH“ in Zeitz, der „Mitteldeutschen BioEnergie GmbH & Co KG“ Zörbig
sowie der „Nordbrandenburger BioEnergie GmbH & Co. KG“ Schwedt umfassendes Beratungswis-
sen zur Ethanolproduktion aus dem Rohstoff Getreide erarbeitet.
Bioethanol kann theoretisch aus allen kohlenhydrat-, aber auch lignocellulosehaltigen pflanzlichen
Produkten gewonnen werden. Aus technologischen, ökonomischen und logistischen Gründen kon-
zentriert sich die Nachfrage gegenwärtig auf die Getreidearten Weizen, Triticale und Roggen.
Der Rohstoffeinsatz der bestehenden Großanlagen orientiert sich vorrangig an markt- und regionalspe-
zifischen Gegebenheiten. So verarbeitet die „Südzucker-Bioethanol GmbH“ in Zeitz vorrangig Weizen,
die „Mitteldeutsche BioEnergie GmbH & Co KG“ Zörbig sowie die „Nordbrandenburger BioEnergie
GmbH & Co. KG“ Schwedt hauptsächlich Roggen und Triticale. Weil die Getreidearten preislich und im
Hinblick auf die Stärke- bzw. Ethanolausbeuten miteinander konkurrieren, dürfte die relative Vorzüg-
lichkeit von Roggen, Triticale und Weizen je nach Marktlage Schwankungen unterliegen.
Die bisherigen Vermarktungsschwerpunkte für Weizen auf besseren Böden waren in den ostdeut-
schen Bundesländern Qualitäts- und Eliteweizen. Auf den leichteren Standorten in Brandenburg,

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
58
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Sachsen und Sachsen-Anhalt wird Roggen dagegen als Brot- und Futtergetreide und Triticale aus-
schließlich als Futtergetreide angebaut.
Die derzeitigen Produktions- und Anbauverfahren für Nahrungs- und Futtergetreide müssen auf die
neue Verwertungsrichtung „Bioethanolproduktion“ ausgerichtet werden.
Von entscheidender Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit der Ethanolherstellung aus Getreide ist u. a.
die Ethanolausbeute (l Ethanol/kg Getreide). Weil es für die Bestimmung der Ethanolausbeute zurzeit
noch keine standardisierte Schnellmethode gibt, dient der Stärkegehalt momentan als Orientierungs-
wert. Der gegenwärtige Erkenntnisstand zur Maximierung der Ethanolausbeute beruht auf der positiven
Korrelation des Stärkegehaltes und der negativen Korrelation des Rohproteingehaltes zur Ethanolaus-
beute. Weitere Einflussfaktoren auf die Ethanolausbeute müssen noch erforscht werden.
Bei großtechnischer Bioethanolherstellung mit Fremdenzymen fordert die verarbeitende Industrie
zumeist ein mittleres Fallzahlniveau, in kleineren Brennereien (kein Einsatz von Fremdenzymen) ist
zwar Auswuchs unerwünscht, wird aber ein niedriges Fallzahlniveau (das heißt die hohe autoamy-
lolytische Aktivität) begrüßt.
Weitere Qualitätsansprüche der Verarbeiter sind gegenwärtig eine gute Kornausbildung, messbar
an hoher Tausendkornmasse und hohem Hektolitergewicht, und ein geringer Rohproteingehalt. In
Kontrakten werden für Stärke- und Rohproteingehalt sowie Hektolitergewicht Basiswerte festgelegt,
unter- bzw. oberhalb derer es zu Ab- bzw. Zuschlägen vom Grundpreis kommt. Wegen der Verwer-
tung des Koppelproduktes Schlempe als Eiweißfuttermittel ist es von großer Wichtigkeit, die Belas-
tung mit Schadstoffen (z. B. Mutterkorn und Fusarientoxine wie DON und ZEA) im Rohstoff gering
zu halten.
Methodik
Grundlage der folgenden Arten- und Sortenempfehlungen für die Bioethanolproduktion aus Getrei-
de ist die Auswertung der Landessortenversuche (LSV) von Winterweizen, Wintertriticale und Win-
terroggen, deren Anbau ertragsorientiert sowie mit einer ortsüblich, optimal an die Nahrungs- und
Futterproduktion angepasster Bestandesführung erfolgte. Die Bewertung und Empfehlung umfasste
den Zeitraum von 2004 bis 2006 und wurde durch die entsprechenden Fruchtartenverantwortlichen
der Bundesländer durchgeführt. An der Zusammenstellung der Ergebnisse waren die Bundesländer
SN, ST, BB und TH beteiligt. Im Rahmen des Mehrländerprojektes erfolgten zusätzliche Spezial-
versuche zum Winterweizen, in welchen spezielle Winterweizensorten für ihre Eignung zur Bio-
ethanolproduktion im Zeitraum von 2005 bis 2007 an insgesamt fünf Versuchsstandorten geprüft
wurden. Diese Ergebnisse gingen ebenfalls in die Sortenempfehlung für Winterweizen ein.
Artenvergleich
Neben der Sorteneignung ermöglichen die LSV auch einen indirekten Vergleich der Getreidearten
hinsichtlich Stärkegehalt und -ertrag (Tab. 1).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
59
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 1: Stärkegehalte der Getreidearten in den Landessortenversuchen 2004, 2005,
2006 (Relative Leistung im Mittel der Sorten, Winterweizen = 100)
Stärkegehalt
1)
Anbaugebiet
Getreideart
2004
2005
2006
Mittel
Winterweizen
100 (3)
100 (2)
100(7)
100
D-Standorte
Wintertriticale
102 (5)
96 (5)
100(5)
99
Winterroggen 101(3) 91 (7) 92(6) 95
Winterweizen
100 (1)
100 (4)
100(5)
100
Lö-Standorte
Wintertriticale
102 (4)
99 (5)
100(5)
100
Winterroggen
92 (2)
92 (3)
93 (4)
92
Winterweizen 100 (4) 100(4) 100(6) 100
V-Standorte
Wintertriticale 101(4) 100(5) 105(4) 102
Winterroggen 91(1) 92 (3) 95(4) 93
Mittel der Standorte
(Winterweizen)
65,8 %
68,1 %
65,2 %
66,4 %
1)
relativ zu Winterweizen
( ) Anzahl der Prüforte
Winterweizen und Wintertriticale unterscheiden sich im Stärkegehalt nur unwesentlich, während
Winterroggen in allen Anbaugebieten zwischen 92 bis 95 % Stärke im Vergleich zum Weizen er-
reichte.
Sortenempfehlungen 2007
Nach der Ernte 2006 liegen dreijährige Ergebnisse vor, so dass daraus fundierte Aussagen abzulei-
ten sind. Neben den bereits angeführten Qualitätsanforderungen müssen die Sorten vor allem über
ein hohes Ertragsvermögen verfügen. Weil der Stärkeertrag in hohem Maße durch den Kornertrag
bestimmt wird, sind bei der Sortenwahl Krankheitsresistenz, Winter- und Standfestigkeit zu berück-
sichtigen.
Deshalb wurden mit Ausnahme weniger Winterweizen nur Sorten in den Empfehlungen berücksich-
tigt, für die bereits eine besondere Eignung in der traditionellen Verwertung festgestellt wurde.
U
Winterweizen
Besondere Eignung besitzen nach derzeitigem Kenntnisstand vorrangig ertragsstarke und rohpro-
teinschwache, aber stärkereiche Sorten der Qualitätsgruppen B und C. Alternativ kommen rohpro-
teinarme A-Weizenpartien in Betracht. Um die Anforderungen im Stärkegehalt zu erfüllen, ist auf
eine N-Spätgabe zu verzichten.
Neben der Nutzung der Ergebnisse aus den LSV (Tab. 2 und 3) wurden darüber hinaus in Spezial-
versuchen zur Bioethanolproduktion weitere Sorten geprüft. Außer den auch in den LSV vorhande-

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
60
Schriftenreihe, Heft 7/2008
nen Sorten Hermann und Cubus liegen hieraus zweijährige Ergebnisse für Hybnos 1 (C), Skalmeje
(C), Champion (B) und Ephoros (B/EU) sowie aktuell einjährige Ergebnisse für den Futterweizen
Glasgow (EU), die Brotweizen Attlass (EU), Elegant, Hattrick (EU), Inspiration und den Qualitäts-
weizen SW Tataros (EU) vor. Zweijährig erreichte die Hybridsorte Hybnos 1 die höchsten Stärkeerträ-
ge, einjährig hoben sich vor allem Glasgow und Inspiration hervor (Tab. 4). Bei einjährig geprüften
Sorten ist jedoch hinsichtlich einer Empfehlung mindestens ein weiteres Jahr abzuwarten.
Sortenempfehlung für die Bioethanolerzeugung
Akratos, Anthus, Boomer, Buteo, Cubus, Dekan, Ephoros, Hermann, Hybred, Hybnos 1, Skalmeje
U
C-Weizensorten
Hermann (C) erreicht bei mittleren Stärkegehalten insbesondere auf D- und V-Standorten hohe
Stärkeerträge. Die Sorte weist überwiegend gute Anbau- und Resistenzeigenschaften auf, auch
gegenüber Ährenfusarium (BSA-Note 3). Zu beachten ist die nur mittlere Winterfestigkeit.
Hybnos 1 (C) ist eine ertragsstarke Hybridsorte mit mittleren bis hohen Stärkegehalten. Bei nur
mittlerer Winterfestigkeit besteht für alle Blattkrankheiten mindestens mittlere, für Gelbrost stärkere
Anfälligkeit. Neben der Standfestigkeit liegt auch die Resistenz gegenüber Ährenfusarium noch im
günstigen Bereich (BSA-Note 4).
Skalmeje (C) zeichnet sich durch eine gute bis mittlere Ährenfusariumresistenz (BSA-Note 4) aus.
Bei überdurchschnittlichen Stärkegehalten liegen die Stärkeerträge im mittleren Bereich. Die Sorte
zeigt eine gute Standfestigkeit, geringe bis mittlere Neigung zu Auswinterung, aber höhere Braun-
rostanfälligkeit.
U
B-Weizensorten
Anthus (B) erzielt hohe Stärkeerträge bei überdurchschnittlichen Stärkegehalten und besitzt gute
bis ausreichende Anbau- und Resistenzeigenschaften, die in mittlerer bis guter Winterfestigkeit,
geringerer Standfestigkeit sowie geringer bis mittlerer Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium (BSA-
Note 4) bestehen.
Buteo (B) erweist sich mehrjährig als ertragsstarke und stabile Sorte mit hohen Stärkegehalten in
allen Anbaugebieten. Eine mittlere Winterfestigkeit und Pflanzenlänge sowie die mäßige Standfes-
tigkeit kennzeichnen die Sorte. Die Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium ist gering bis mittel (BSA-
Note 4), bei den Blattkrankheiten ist auf Septoria zu achten.
Dekan (B) überzeugt mehrjährig mit mittleren Stärkeerträgen, guter Standfestigkeit und ausgewo-
genen Resistenzeigenschaften, auch gegenüber Ährenfusarium (BSA-Note 4). Lediglich für Braun-
rostbefall ist Dekan stark anfällig. Hinsichtlich der Verwendung für die Bioethanolproduktion sind die
überdurchschnittlichen Stärkegehalte positiv zu bewerten. Aufgrund der geringeren Winterfestigkeit
ist der Flächenanteil jedoch zu begrenzen und der Anbau auf weniger gefährdeten Standorten zu
bevorzugen.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
61
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Ephoros (B/EU) bringt hohe Stärkeerträge und -gehalte, ist längerstrohig, ausreichend winterfest,
mäßig standfest und recht gesund. Eine offizielle Einstufung der Anfälligkeit gegenüber Ährenfusa-
rium liegt in der Beschreibenden Sortenliste nicht vor. Der Anbau ist vorrangig auf D-Standorten zu
empfehlen.
Hybred (B) erzielt hohe Stärkeerträge in allen Anbaugebieten und überzeugt mit ebenfalls hohen
Stärkegehalten. Aufgrund ihrer Robustheit eignet sich die Sorte auch für den Anbau auf Grenzbö-
den der D- und V-Standorte. Bei mittlerer bis guter Winter- und Standfestigkeit liegen die Resis-
tenzeigenschaften bis auf die starke Septoriaanfälligkeit überwiegend im mittleren bis guten Be-
reich (Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium BSA-Note 4).
U
A-Weizensorten
Akratos (A) ähnelt in Typ und Eigenschaften den älteren Sorten Batis und Pegassos, die Stärkeer-
träge liegen jedoch auf höherem Niveau, insbesondere auf den D-Standorten. Günstig sind auch
die überdurchschnittlichen Stärkegehalte. Die längere Sorte besitzt eine mäßige Stand- und Winter-
festigkeit sowie eine überwiegend mittlere bis gute Gesundheit (Anfälligkeit gegenüber Ährenfusa-
rium BSA-Note 4). Anbaueignung zeichnet sich eher für Grenz- und Übergangsstandorte ab.
Boomer (A) gehört ebenfalls zu den Sorten mit hohen Stärkeerträgen und -gehalten. Er ist kurz und
standfest und hat eine mittlere Winterfestigkeit. Von den Blattkrankheiten können Mehltau und
Septoria stärker schädigen, aber auch gegenüber Ährenfusarium besteht mittlere Anfälligkeit (BSA-
Note 5).
Cubus (A) erzielt bereits mehrjährig auf allen Standorten hohe Stärkeerträge bei überdurchschnittli-
chen Stärkegehalten. Die Sorte besitzt eine mittlere bis gute Winterfestigkeit. Trotz des kurzen
Halms ist die Absicherung der Standfestigkeit zu empfehlen. Cubus zeigt eine gute Resistenz ge-
genüber Mehltau und Ährenfusarium (BSA-Note 4), ist aber stark anfällig für Braunrost und Septo-
ria.

Tabelle 2:
Relativer Stärkeertrag in den LSV Winterweizen 2004 bis 2006, mit Fungizid behandelte Stufe, unterteilt nach Anbaugebieten der
Ostdeutschen Bundesländern
Stärkeertrag relativ
D-Standorte
Lö-Ackerebene
Lö-Übergangslagen
V-Standorte
2004
2005
2006
2004
2005
2006
2004
2005
2006
2004
2005
2006
Sorte
Qual.Gr.
n = 1
n = 2
n = 7
n = 1
n = 4
n = 5
n = 5
n = 4
n = 5
n = 4
n = 4
n = 6
Hermann C - 107 103 97 105 101 98 104 104 104 110 108
Anthus B - - 106 - 105 104 - 103 103 - 104 101
Buteo B - 107 104 106 103 101 104 103 104 104 104 107
Dekan B - - - 102 102 103 105 99 102 100 99 98
Hybred B 108 109 105 104 107 106 105 106 106 107 108 105
Akratos A - 103 105 - 105 101 - 104 103 - 106 106
Boomer A - - 105 - 104 105 - - 105 - 104 103
Cubus A 102 107 110 107 103 107 102 101 103 102 100 105
Bezugsbasis
(dt/ha)
54,7 52,8 32,8 66,7 65 54,2 64,6 63,8 51,2 59,8 49,3 41,2

Tabelle 3:
Für die Bioethanolproduktion relevante Eigenschaften in den LSV Winterweizen 2004 bis 2006, mit Fungizid behandelte Stufe, unter-
teilt nach Anbaugebieten der Ostdeutschen Bundesländern
Stärkegehalt in % (100 % TM)
D-Standorte
Lö-Ackerebene
Lö-Übergangslagen
V-Standorte
2004
2005
2006
2004
2005
2006
2004
2005
2006
2004
2005
2006
Sorte
Qual.-
Gr.
BSA-Note
1)
Anfälligkeit
für Ähren-
fusarium
HLG
2)
n = 3
n = 2
n = 7
n = 1
n = 4
n = 5
n = 5
n = 4
n = 5
n = 4
n = 4
n = 6
Hermann C 3 - - - 69,2 64,5 67 70,2 67,7 65,3 67,2 64,8 67,1 68,9 64,9
Anthus B 4 + - - 66,3 - 71,5 69,4 - 68,4 66 - 69 65,6
Buteo B 4 0 - 69,7 65 68,1 70,4 68,3 67,6 68,1 65 67,6 68 65,6
Dekan B 4 0 - - - 68,3 70 68,6 67,6 67,3 65,8 68,6 67,7 64,9
Hybred B 4 0 62,6 69,4 65,7 66,4 70,3 68,8 66,4 67,3 65,7 68,2 67,9 65
Akratos A 4 0/+ - 69,7 65,6 - 70,6 68,5 - 68,2 66,2 - 68,9 66,2
Boomer A 5 0 - - 66,5 - 70,9 68,6 - - 66,2 - 68,7 65,5
Cubus A 4 + 63,5 69,4 66,2 68,3 70,1 68,6 67,4 67,8 65,9 68,3 68 65,6
Bezugs-
basis
62,6 68,4 64,8 66,9 69,6 67,6 66,3 67,1 64,8 67,7 67,6 64,7
1)
Bedeutung der in Noten ausgedrückten Ausprägungen:
3 = gering
4 = gering bis mittel
5 = mittel
2)
Erläuterung der Einschätzung aus den Thüringer Landessortenversuchen:
+ = überdurchschnittlich
0 = mittel
- = unterdurchschnittlich

Tabelle 4:
.....
Ergebnisse der Spezialsortenversuche „Winterweizen für die Ethanolproduktion“ von 2005 und 2006
(Mittel der Löss- und Verwitterungsstandorten (n = 5), mit Fungizidbehandlung; Mittel der N-Düngungsstufen)
Hektoliterge-
wicht (kg)
Rohprotein
%
Kornertrag
relativ
Stärkegehalt
%
Stärkeertrag
Sorte
Qualität
relativ
Anfälligkeit für
Ährenfusarium
2005
2006
2005
2006
2005
2006
Mittel
2005
2006
Mittel
2005
2006
Mittel
Hermann (B) C
3 74,1 74,6 11,2 11,7 101 100 100 69,3 67,8 68,5 101 99 100
Hybnos 1 (B) C
4 77,1 76,7 11,3 11,9 103 101 102 69,6 68,1 68,9 103 101 102
Skalmeje (B) C 4 78,0 77,9 11,2 12,2 99 100 99 70,2 69,1 69,6 100 101 101
Champion (B) B
4 79,3 80,0 11,5 12,5 96 97 97 69,4 67,7 68,6 96 97 96
Ephoros (B) (B)/ EU * 77,9 78,4 11,4 12,2 102 99 101 69,8 68,0 68,9 103 99 101
Cubus (B) A 4 78,4 79,1 11,6 12,5 98 103 100 69,2 67,9 68,5 97 103 100
Contur (B)/ EU * 76,4 - 10,9 - 97 - - 70,3 - - 98 - -
Pikeur
(C) / EU
*
76,0
-
11,3
-
99
-
-
68,7
-
-
98
-
-
Samurai
(C) / EU
*
73,1
-
11,3
-
99
-
-
68,8
-
-
98
-
-
Ellvis A 5 76,9 - 12,0 - 97 - - 68,5 - - 95 - -
Türkis A 4 77,6 - 12,3 - 96 - - 68,6 - - 94 - -
Alitis A 4 78,7 - 11,5 - 98 - - 69,4 - - 98 - -
Glasgow (C) / EU * - 75,7 - 11,2 - 107 - - 68,9 - - 109 -
Inspiration B 6 - 77,1 - 11,6 - 110 - - 69,0 - - 111 -
Elegant B 5 - 77,1 - 12,7 - 97 - - 65,9 - - 94 -
Attlass (B)/ EU * - 78,0 - 12,8 - 101 - - 67,2 - - 100 -
Hattrick (B)/ EU * - 74,5 - 12,2 - 102 - - 67,6 - - 101 -
SW Tataros (A)/ EU * - 77,7 - 12,6 - 102 - - 66,4 - - 99 -
Mittel (B)
77,5 77,8 11,4 12,2 99,4 88,9 94,2 69,6 68,1 68,8 59,5 52,2 55,9
Stufenmittel
77,0 77,2 11,5 12,2 98,3 90,4 94,3 69,3 67,8 68,8 58,6 52,8 55,7
1)
Bedeutung der in Noten ausgedrückten Ausprägungen:
3 = gering
4 = gering bis mittel
5 = mittel
*
EU-Sorten sind in der Beschreibenden Sortenliste in der Anfälligkeit für Ährenfusarium nicht beschrieben

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
65
Schriftenreihe, Heft 7/2008
U
Wintertriticale
Sortenempfehlung für die Bioethanolerzeugung
Benetto, SW Talentro, Vitalis
mit Einschränkung Tremplin, Trimester, Versus
Unter Berücksichtigung der in der Einleitung genannten Anforderungen und in den Tabellen 5 und 6
dargestellten Ergebnisse wird von den geprüften Sorten für die Bioethanolherstellung auf allen Stand-
ortgruppen der ertragsstarke und -stabile, winter- und standfeste SW Talentro empfohlen. Er erreicht
mittlere bis leicht überdurchschnittliche Stärkegehalte und besitzt eine gute Kornausbildung. Aller-
dings war seine Neigung zur DON-Bildung in Versuchsjahren/-orten unterschiedlich. Auch der zu-
meist ausreichend stand- und winterfeste, langstrohigere Benetto erreichte auf V- und Löss-
Standorten hohe Stärkeerträge bei mittlerem Stärkegehalt. Vorzug der Sorte ist die geringere Neigung
zur DON-Bildung, womit sie sich für den Anbau bei nichtwendender Bodenbearbeitung bzw. nach
Maisvorfrucht empfiehlt. Auf D-Standorten ist die kleinkörnige Sorte aber nicht zu favorisieren, weil sie
hier einen höheren RP-Gehalt und nur unterdurchschnittliche Stärkegehalte und -erträge erreicht.
Ertragsstärkste Sorte auf D-Standorten ist der langstrohige, winterfeste Vitalis. Auch auf Löss- und V-
Standorten kann sein Anbau empfohlen werden, wenn es gelingt, mit Halmstabilisatoren die Stand-
festigkeit zu sichern bzw. wenig Lagergefahr besteht. Er erreicht das höchste HLG im geprüften Sor-
timent. Seine Auswuchsfestigkeit, besonders in lagernden Beständen, ist aber sehr gering und die
Neigung zur DON-Bildung in den einzelnen Jahren bzw. Orten unterschiedlich.
Nach einem bzw. zwei Prüfjahren deutet sich, aufgrund höherer Stärke- (2 % über dem Versuchsmit-
tel), niedriger RP-Gehalte (knapp 1 % unter dem Versuchsmittel) sowie eines sehr hohen Stärkeertra-
ges an, dass die winterfesten, standfesten, kurzstrohigen Sorten Dinaro, Grenado (geringeres Hektoli-
tergewicht) und Inpetto (späterreifend, stärker braunrostanfällig) für die Bioethanolgetreideproduktion
sehr interessant werden könnten. Bezüglich der Einschätzung von Ertragsstabilität und Neigung zur
DON-Bildung müssen bei den Sorten aber weitere Prüfjahre abgewartet werden.
Nur ergänzend ist der Anbau des fallzahlstabileren Trimester auf D-Standorten und Versus sowie
Tremplin (geringere Neigung zur DON-Bildung) auf Löss-Standorten zu erwägen. Die Sorten errei-
chen auf den genannten Standortgruppen zwar meist hohe Stärkeerträge und geringe RP-Gehalte,
jedoch schmälern weniger günstige Eigenschaften ihren Wert. Alle drei besitzen nur eine mittlere
bis geringere (Tremplin) Winterfestigkeit und Trimester/Versus erreichten in den Versuchen stets
höhere DON-Werte. Bei Versus ist zudem der vergleichsweise geringe Stärkegehalt, sein niedrige-
res Hektolitergewicht (3 bis 4 kg unter Sortimentsmittel) sowie die sehr starke Mehltauanfälligkeit,
bei Trimester die stärkere Lagerneigung, das geringere Hektolitergewicht und die stärkere Anfällig-
keit für Mutterkorn und bei Tremplin die starke Lager- und Mehltauanfälligkeit zu beachten.
Tritikon zeichnet sich zwar durch die geringste Neigung zur DON-Bildung und hohe Stärkegehalte
aus, aber die Stärkeerträge schwanken erheblich und die Sorte ist zudem die rohproteinreichste im

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
66
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Prüfsortiment. Auch Magnat zeigte zwischen den Versuchsjahren erhebliche Unterschiede im Stär-
keertrag, 2005 den niedrigsten Stärkegehalt und ist zudem stark auswuchs- und septoriagefährdet.
Bei beiden Sorten wird von einer ausdrücklichen Empfehlung abgesehen.
Ungeeignet für die Ethanolproduktion scheinen der mittlerweile ertragsschwache, krankheitsanfälli-
ge Lamberto, der aufgrund geringer Winterfestigkeit für Ostdeutschland wenig geeignete Agrano
und die stärkeärmste Sorte im Prüfsortiment Kitaro (2006 nicht mehr geprüft).

Tabelle 5:
Eignung von Wintertriticalesorten für die Bioethanolerzeugung; Ergebnisse der LSV 2004 bis 2006; Ostdeutsche Bundesländer, mit
Fungizid behandelte Stufe
Stärkegehalt (%) bei 100 % TM
(mit Fungizid behandelte Stufe)
Relativer Stärkeertrag dt/ha (mit Fungizid behandelte Stufe)
D-Standorte
Löss-Standorte
V-Standort
Diluvial-Standorte
Löss-Standorte
Verwitterungs-
Standorte
BB, ST, SN
ST, SN, TH
ST, SN, TH
BB, ST, SN
ST, SN, TH
ST, SN, TH
2004
2005
2006
2004
2005
2006
2004
2005
2006
2004
2005
2006
2004
2005
2006
2004
2005
2006
Sorte
Wider-
stands-
fähigkeit
gegen
DON-
Bildung
1)
Hekto-
literge-
wicht*
n = 5
n = 5
n = 5
n = 4
n = 5
n = 5
n = 4
n = 5
n = 4
n = 5 n = 5
n = 5
n = 4
n = 5
n = 5
n = 4
n = 5
n = 4
Lamberto 0 0/+ 64,5 64,8 64,8 67,6 67,5 66,4 68,5 67,9 67,1 97 89 87 95 93 102 97 88 93
SW Ta-
lentro
0 0/+ 64,5 67,0 66,3 68,2 68,5 67,5 68,1 68,3 68,6 103 100 113 101 100 111 98 109 109
Benetto 0/+ 0 63,1 64,5 63,7 68,2 67,2 66,1 67,9 67,7 67,5 99 93 99 102 100 106 106 106 102
Trimester 0/- - 64,2 66,1 65,4 67,9 68,5 66,5 68,2 68,1 67,2 103 108 101 97 103 98 100 97 104
Tritikon 0/+ 0 65,0 66,1 - 68,0 68,0 67,0 68,3 68,7 68,4 98 104 - 99 101 95 101 100 94
Versus 0/- - 63,2 64,7 62,4 67,4 66,9 64,4 67,8 65,2 66,5 93 102 89 106 103 88 100 94 98
Vitalis 0 + 64,2 66,8 66,5 - - - 68,5 68,0 68,9 106 108 111 - - - 98 105 100
Magnat
1)
0
- 64,5 65,0 - 65,6 65,9 - 64,8 66,5 - 97 121 - 99 105 - 98 103
Tremplin 0/+ 0/+ - 65,7 65,3 - 67,6 67,6 - 68,0 68,1 - 102 97 - 102 107 - 100 101
Agrano
1)
0
- - 64,8 - - 66,8 - - - - - 97 - - 97 - - -
Dinaro
1)
0/- - -
66,5 - - 69,1 - - 69,2 - - 119 - - 115 - - 109
Grenado 0
2)
0
- - 67,3 - - 68,4 - - 69,2 - - 127 - - 116 - - 111
Inpetto 0 0/+ 65,0 - 66,5 68,1 - 68,2 68,8 - 69,1 103 - 120 99 - 117 102 - 113
Mittel (B)
64,0 65,6 64,9 67,9 67,8 66,3 68,2 67,7 67,7 45,1 40,5 31,4 61,1 59,5 49,7 54,9 47,1 46,1
1)
keine ausreichende Datengrundlage zur Einschätzung vorhanden
2)
vorläufige Einschätzung nach einem Prüfjahr
*
Einschätzung aus Thüringer Landessortenversuchen und Spezialversuchen zur DON-Bildung bei Wintertriticale:
+ = überdurchschnittlich
0 = mittel
- = unterdurchschnittlich bezogen auf das Prüfsortimentsmittel

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
68
Schriftenreihe, Heft 7/2008
U
Winterroggen
Der Stärkegehalt des Roggenkorns liegt niedriger als der von Weizen und Triticale. In den Landes-
sortenprüfungen der Anbaugebiete D-Süd-Standorte und V-Standorte wurden im Mittel des Prüfsor-
timents Stärkegehalte von ca. 62 % (100 % TS) erzielt (Tab. 6). Dabei lagen Stärkegehalt und -
ertrag im Jahr 2006 deutlich unter den Werten der beiden Vorjahre. Es bestätigt sich, dass im Sor-
timent Winterroggen zurzeit nur relativ geringe Sortenunterschiede im Stärkegehalt bestehen. Mög-
lichst hohe Stärkegehalte sind allerdings auch beim Roggen besonders dann von Interesse, wenn
der Anbauvertrag Preiszuschläge für über einem Basiswert liegende Gehalte vorsieht.
Tabelle 6:
Eignung der Winterroggensorten für die Bioethanolerzeugung
Ergebnisse der LSV 2004 bis 2006; mit Fungizid behandelte Stufe
Stärkegehalt
2)
Stärkeertrag - relativ
% i. TS
D-Standorte
V-Standorte
2004
2005 2006 2004 2005 2006 2004 2005 2006
Sorte
Sor-
tentyp
Wider-
stands-
fähigkeit
gegen-
über
Mutter-
korn
1)
HLG
2)
n = 4 n = 11n = 10 n = 3 n = 7 n = 5 n = 1 n = 3 n = 3
Avanti H 0/- 0 62,4 62,6 60,7 108 105 104 109 104 106
Askari H + 0 61,6 61,7 59,2 107 102 101 100 106 96
Picasso H 0/+ 0/- 63 62 60,9 101 108 105 102 103 106
Fernando H 0/+ 0/- 62,1 62 60,3 106 104 106 107 101 -
Rasant H - 0 64,7 63,7 62,1 116 104 111 101 112 113
Fugato H 0 0/- - 62,4 60,4 - 103 101 - 109 104
Festus H 0 0/+ - 61 61,1 - 102 - - 100 105
Visello H + (+) - - 61,2 - - 115 - - 114
Amato H - 0 - 63,4 61,4 - 107 106 - 108 113
Recrut P 0/+ 0 61,8 62,5 61,1 90 91 92 87 91 88
Conduct P (0) - - 60 - - 95 - - -
Matador P 0/- 0/+ 62,8 62,4 60,1 91 98 90 - - -
Boresto P 0/+ 0 63,1 62,6 59,9 92 90 88 - - -
Carotrumpf S (0) - - 60 - - 94 - - 90
Caroass S - 0/+ 62,5 62,2 60 97 92 96 95 96 91
Mittel bzw. BB (dt/ha)
62,6 62,3 60,6 48,9 41 32,3 49 46 37,8
1)
nach Ergebnissen von BBA (künstliche Infektion) und TLL; sortenreiner Anbau
2)
Einschätzung auf Basis der Ergebnisse 2005/2006 aus den Anbaugebieten D-Süd- und V-Standorte
( ) Einschätzung nach Ergebnissen 2006, H = Hybridsorte, P = Populationssorte, S = Synthetische Sorte

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
69
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Sortenempfehlung für die Bioethanolerzeugung
Hybridsorten: Picasso, Askari, Fernando
Rasant, Amato (gute Stärkegehalte,
höheres Mutterkornrisiko)
aussichtsreich nach einjähriger Prüfung:
Visello
Populationssorten (nur D-Standorte):
Recrut, Matador, Boresto
Synthetische Sorten: Caroass
Im Prüfzeitraum erzielte die großkörnige Sorte Rasant die besten Stärkegehalte, die das Sorti-
mentsmittel um ca. 1,5 bis 2 % übertrafen. In Verbindung mit guten Kornerträgen führte das zu
hohen Stärkeerträgen auf den D-Süd-Standorten (2004, 2006) und V-Standorten (2005, 2006). In
beiden Prüfjahren zeigte Amato gute Stärkeerträge und erreichte im Jahr 2005 ein mit Rasant ver-
gleichbares Stärkegehaltsniveau. Die neue Hybridsorte Visello überzeugte 2006 aufgrund hoher
Kornerträge auch mit den tendenziell besten Stärkeerträgen des Prüfsortiments.
Bei der Sortenwahl für Bioethanolroggen ist das unterschiedliche Anfälligkeitsrisiko der Sorten für
Mutterkorn zu berücksichtigen (Tab. 5). Wegen der Weiterverarbeitung der bei der Ethanolherstel-
lung anfallenden Schlempe zu einem Eiweißfuttermittel gilt der Grenzwert von 0,1 % Mutterkorn in
der Partie. Von den Hybridsorten lassen Visello und Askari, aber auch Picasso und Fernando ein
geringeres Anfälligkeitsrisiko als Rasant und Amato erwarten.
Schlussfolgerungen
Nach Auslaufen des Forschungsthemas „Erzeugung von Ethanolgetreide und Schlempeverfütte-
rung“ im Jahr 2007 wird empfohlen, die Sortenempfehlungen für die Erzeugung von Bioethanol für
die Bundesländer SN, ST, BB und TH im Rahmen der Bearbeitung der Landessortenversuche
weiterzuführen.
Für die Fruchtarten WW, WR und WT sind zukünftig die für den Gebrauchswert Nahrungs- und
Futtergetreide angelegten Landessortenversuche zu nutzen. Wegen abweichender Düngestrate-
gien bei Winterweizen für die Ethanolerzeugung sollte weiterhin ein Spezialsortenversuch mit stär-
kebetonter und rohproteinreduzierender Düngung mit einigen ausgewählten Sorten, nach Möglich-
keit an fünf Standorten (Lö-, V-Anbaugebiete) angelegt werden. Die Notwendigkeit ist nach dreijäh-
riger Laufzeit nochmals zu überprüfen.
Nach Erarbeitung weiterer wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie Schnellbestimmungsmethoden für die
Ethanolausbeute sind diese in die Sortenbewertung einzubeziehen. Die Sortenempfehlungen für die
Verwendungsrichtung „Ethanolgetreideproduktion“ sollten durch die Fruchtartenkoordinatoren der län-
derübergreifenden Sortenprüfung der Bundesländer TH, SN, ST und BB erarbeitet und im Mai des Fol-
gejahres publiziert werden.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
70
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Düngung zu Ethanolgetreide - Ergebnisse aus Untersuchungen in Brandenburg, Sachsen-
Anhalt, Sachsen und Thüringen
Dr. Michael Grunert (Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft), Dr. Lothar Adam (Landesamt
für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung Brandenburg), Dr. Lothar Boese (Lan-
desanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen-Anhalt), Hubert Heß (Thüringer
Landesanstalt für Landwirtschaft)
Hintergrund
Ethanol ist weltweit der bedeutendste Biokraftstoff. In Deutschland erlangte Bioethanol als Kraftstoff
erst mit dem Mineralölsteuergesetz vom 27.10.2003 Bedeutung. Im Biokraftstoffquotengesetz vom
18.12.2006 wurde festgelegt, welche Mindestmengen an Biokraftstoffen einzusetzen sind. Die für
das Jahr 2015 geforderte Einzelquote für Ottokraftstoff von 3,6 % (energetisch) und die Quote von
8 % für den Gesamtkraftstoffmarkt entsprechen einem Ethanolbedarf von 1,3 bzw. 2,9 Mio. m³/a.
Wird diese Menge aus einheimischem Getreide erzeugt, so ergibt sich ein Getreidebedarf von 3,1
bzw. 6,8 Mio. t/a. Die erforderliche Anbaufläche von 0,5 bzw. 1,1 Mio. ha sowie der starke Ausbau
der Herstellungskapazitäten von Ethanol aus Getreide in Deutschland rechtfertigen die Gestaltung
von speziell auf die Erzeugung von Ethanolgetreide ausgerichteten Anbauverfahren.
Neben der Sortenauswahl spielen u. a. die Artenwahl und die Optimierung der Stickstoffdüngung
eine Rolle. Demgegenüber ist davon auszugehen, dass beim Pflanzenschutz dieselben Anforde-
rungen wie beim in Mittel- und Nordostdeutschland umfassend praktizierten Qualitätsgetreideanbau
gelten. Auch bei der Bodenbearbeitung, der Aussaatzeit und -menge sind von Abweichungen von
etablierten Anbauverfahren keine gravierenden Vorteile zu erwarten.
Zielstellung
Aufgrund des geringen Kenntnisstands über die Anforderungen der angepassten Stickstoffdüngung
von Ethanolgetreide, aber auch geringer Kenntnisse über die regionale Artenvorzüglichkeit von
Weizen gegenüber Triticale bzw. Roggen wurde im Jahr 2004 ein entsprechendes Versuchskon-
zept entworfen. Die Zielstellung bestand darin, fundierte mehrjährige Ergebnisse von mehreren
Versuchsstandorten in Mittel- und Nordostdeutschland zu erhalten und auf dieser Grundlage Emp-
fehlungen zur optimierten Gestaltung der Anbauverfahren geben zu können.
Untersuchungsprogramm, Themenstellungen, Untersuchungen
Zu diesem Zweck wurde ein Parzellenversuch mit einer abgestuften N-Düngung, je Standort zwei
Getreidearten und zwei Sorten konzipiert (siehe Tab. 1).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
71
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 1:
Abstufung der Prüffaktoren in den Parzellenversuchen
U
a) Stickstoffdüngung:
Stufe
1. N-Gabe
2. N-Gabe
3. N-Gabe
N-Gesamt
1
BEFU/SBA - 30 kg/ha N
60 kg/ha N
0
nach BEFU/SBA - 30 kg/ha N
2
BEFU/SBA
60 kg/ha N
0
nach BEFU/SBA
3
BEFU/SBA - 30 kg/ha N
90 kg/ha N
0
nach BEFU/SBA
4
BEFU/SBA
90 kg/ha N
0
nach BEFU/SBA + 30 kg/ha N
U
b) Getreidearten und -sorten:
D-Standorte
V- und Lö-Standorte
Stufe
Winterroggen
Triticale
Winterweizen
Triticale
1
Recrut
SW Talentro
Cubus (A-Weizen)
SW Talentro
2 Rasant Grenado Herrmann (C-Weizen) Grenado
Der Parzellenversuch mit 4-facher Wiederholung wurde für die Erntejahre 2005, 2006 und 2007 in
Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen angelegt. Die Standorte und eine kurze
Kennzeichnung können Tabelle 2 entnommen werden. Am Standort Güterfelde wurden nur drei
Düngungsstufen geprüft.
Tabelle 2:
Kennzeichnung der Versuchsstandorte
langjähriges Mittel
Höhen-
lage
Temperatur
Nieder-
schlag
Ort (Bundesland)
Stand-
orttyp
Acker-
zahl
m
°C
mm
geprüfte Winterge-
treidearten
Güterfelde (BB) D 3/4 28 - 38 49 8,9 545 Roggen, Triticale
Gadegast
(ST)
D 4
33 - 40
93
8,7
574
Roggen
Baruth (SN) D3 32 165 8,6 626 Roggen, Triticale
Bernburg
(ST)
Lö 1
96 - 98
80
8,9
483
Weizen, Triticale
Roda
(SN)
Lö 4
68
224
8,6
711
Weizen, Triticale
Burkersdorf
(TH)
V 5
36
440
7,0
642
Weizen, Triticale
Kirchengel
(TH)
Lö 1
60 - 65
305
7,8
568
Weizen, Triticale
Die Höhe der tatsächlichen N-Düngung und des N
min
zu Vegetationsbeginn kann den Abbildungen
1 und 2 entnommen werden. Dabei wird deutlich, dass durchaus Unterschiede zwischen den
Standorten zu verzeichnen waren.

image
image
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
72
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Abbildung 1: Höhe der tatsächlichen N-Düngung und des N
min
zu Vegetationsbeginn zu Win-
terweizen (kg N/ha)
Abbildung 2: Höhe der tatsächlichen N-Düngung und des N
min
zu Vegetationsbeginn zu Win-
terroggen (kg N/ha)

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
73
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Folgende Bonituren und Analysen wurden durchgeführt:
Termine: Aussaat, Aufgang, Ernte
Bestandesdichte zu Vegetationsbeginn, Ährenanzahl vor Ernte
Unkraut-, Krankheit-, Schädlingsbonituren, Beschreibung Wachstums- und Witterungsverlauf
Kornertrag, Feuchte zur Ernte
Analyse der Körner: TS, TKG, Rohprotein-, Stärkegehalt nur an einigen Proben: Vollkorn-
Anteil, Hektolitergewicht, Ethanolausbeute, DON-Gehalt
Bodenproben (N
min
): zur Aussaat (3 Tiefen), zu Vegetationsbeginn (3 Tiefen), nach Ernte
(2 Tiefen)
Ein grundlegendes Problem besteht nach wie vor darin, dass erhebliche Unklarheiten über künftig
anzusetzende Kriterien für die Qualität und die Bezahlung von Ethanolgetreide bestehen. Die Etha-
nolausbeute als Kriterium für die aus der gelieferten Ware erzeugbaren Ethanolmenge ist noch
nicht einfach und schnell bestimmbar. Von den Verarbeitern werden derzeit u. a. Stärke- oder Pro-
teingehalt, Belastung mit Mycotoxinen, Hektolitergewicht und Fallzahl genannt. Hinzu kommen
weitere Kriterien wie z. B. Kornfeuchte, Besatz, Schmacht- und Bruchkorn-Anteil. Je nach Verarbei-
ter kommen derzeit unterschiedliche Kriterien mit abweichenden Grenzwerten zur Anwendung.
Dies ist keine gute Voraussetzung für eine gezielte Optimierung der Anbauverfahren. Als Kriterien
bei der Vorstellung und Wertung der Ergebnisse werden daher Kornertrag, Stärkegehalt und -
ertrag, Proteingehalt und TKG herangezogen.
Ergebnisse und Wertung
U
Witterung und generelle Einschätzung der Auswertbarkeit
Die bisher ausgewerteten Erntejahre 2005 und 2006 waren durch einen sehr unterschiedlichen
Witterungsverlauf gekennzeichnet. In Abbildung 3 wird dies am Beispiel der Versuchsstation Baruth
deutlich. Insbesondere das Jahr 2005/06 war hier durch sehr geringe Niederschläge besonders im
Sommer und weit überdurchschnittliche Temperaturen gekennzeichnet.
Aufgrund dessen waren z. T. gegenläufige Tendenzen bei einzelnen Versuchsmerkmalen zu ver-
zeichnen. Des Weiteren traten erhebliche Standortunterschiede auch zwischen den einzelnen Lö-
Standorten bzw. D-Standorten auf. Durch eine gemeinsame Auswertung der Jahre werden daher
teilweise Unterschiede ausgeglichen. Mit Vorliegen der Ergebnisse des abschließenden dritten
Versuchsjahrs 2006/07 werden die Daten gemeinsam verrechnet, so dass fundierte Aussagen
erwartet werden können. Im Folgenden werden ausgewählte Ergebnisse für die jeweiligen Standor-
te zusammengefasst dargestellt (D, Lö, V-Standorte).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
74
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Abbildung 3:
Niederschlag und Durchschnittstemperatur während der Versuchsjahre
2004/05 und 2005/06 im Versuchsfeld Baruth
In Güterfelde wurde im Jahre 2004/05 die gesamte Stickstoffgabe zur Roggensorte „Rasant“ und
zur Triticalesorte „Grenado“ erst zum Schossen verabreicht.
Am Standort Kirchengel wurde die Versuchsanlage im Jahr 2004/05 so stark durch Mäusefraß
geschädigt, dass keine Auswertung möglich war.
U
Weizen
Im entscheidenden Kriterium Stärkeertrag zeigten sich deutliche Jahres- und Sortenunterschiede.
Dabei sind die Tendenzen auf den einzelnen Prüfstandorten durchaus unterschiedlich (Abb. 4).
Tendenziell zeigte die Sorte „Cubus“ bessere Ergebnisse. Während in Roda die mit der N-Düngung
steigenden Erträge die sinkenden Stärkegehalte überlagerten, ist an den anderen Standorten kein
positiver Effekt der N-Düngung auf den Stärkeertrag feststellbar. Demgegenüber ist der erwartete
Anstieg des Rohproteingehaltes an allen Standorten klar erkennbar (Abb. 5). Dies, sowie die insge-
samt hohen Werte, ist in Anbetracht der Prämierung niedriger RP-Gehalte durch Cropenergies in
Zeitz finanziell von erheblicher Bedeutung. Die durch die abgestufte N-Düngung bedingten Diffe-
renzen im RP-Gehalt erreichten je Standort und Jahr im Mittel der Sorten maximal 1,7 % (Bern-
burg, 2006). Die entsprechenden Differenzen im Stärkegehalt sind insbesondere an den Standor-
ten Roda und Kirchengel gering und erreichen maximal 1,73 % (Burkersdorf, 2006).
Insgesamt erscheint eine angemessene 1. und eine etwas höhere 2. Stickstoffgabe (3. Stufe) et-
was besser als eine hohe 1. N-Gabe. Die weiter erhöhte 1. N-Gabe (Stufe 4) erzielt keine positiven
Effekte. Insgesamt ist die Relation zwischen steigendem Stärkeertrag und der jeweiligen abgestuf-
ten Vergütung nach Stärke- oder Proteingehalt zu berücksichtigen.
0
20
40
60
80
100
120
140
September
Oktober
November
Dezember
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
Niederschlag mm
-5
0
5
10
15
20
25
30
Temperatur ° C
Niederschlag langjähr.Mittel
2004/05
2005/06
Temperatur langjähr.Mittel
2004/05
2005/06
Temperatur (°C)
Niederschlag (mm)

image
image
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
75
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Abbildung 4:
Stärkeertrag von Weizen (dt/ha) in Abhängigkeit von N-Düngung und Sorte
30
35
40
45
50
55
60
65
70
75
Stufe
1
Stufe
2
Stufe
3
Stufe
4
Stufe
1
Stufe
2
Stufe
3
Stufe
4
Stufe
1
Stufe
2
Stufe
3
Stufe
4
Stufe
1
Stufe
2
Stufe
3
Stufe
4
Cubus
Hermann
Roda
Kirchengel
Bernburg
Burkersdorf
Mäusefraß 2005
Stärkeertrag dt/ha
2005
2006
N-Stufen
Abbildung 5: Rohproteingehalt von Weizen (% in TM) in Abhängigkeit von N-Düngung und
Sorte
5
7
9
11
13
15
Stufe
1
Stufe
2
Stufe
3
Stufe
4
Stufe
1
Stufe
2
Stufe
3
Stufe
4
Stufe
1
Stufe
2
Stufe
3
Stufe
4
Stufe
1
Stufe
2
Stufe
3
Stufe
4
N-Stufen
Rohproteingehalt % TM
Cubus
Hermann
Roda
Kirchengel
Bernburg
Burkersdorf
2005
2006
Rohproteingehalt (% TM)
N-Stufen

image
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
76
Schriftenreihe, Heft 7/2008
U
Triticale
Triticale erzielte auf den Lö-Standorten 2005 höhere Stärkeerträge als 2006, verbunden mit meist
deutlich geringeren Proteingehalten (Abb. 6 und 7). Die Wirkung der abgestuften N-Düngung war
jedoch in den Jahren, Standorten sowie den Sorten durchaus unterschiedlich. Während in Bern-
burg und Kirchengel „SW Talentro“ tendenziell besser abschnitt, konnte er in Roda nur 2005 mehr
überzeugen, 2006 jedoch „Grenado“. Für den Standort Roda könnte insgesamt eine höhere 1. N-
Gabe günstiger sein, die erhöhte 2. N-Gabe bringt keinen Vorteil. In Bernburg wird hingegen mit
der höchsten N-Düngung auch der größte Stärkeertrag erreicht.
Abbildung 6:
Stärkeertrag von Triticale (dt/ha) auf Lö-Standorten in Abhängigkeit von N-
Düngung und Sorte
30
40
50
60
70
80
90
Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4
N- Stufen
Stärkeertrag dt/ha
SW Talentro
Grenado
Roda
Kirchengel
Bernburg
Mäusefraß 2005
2005
2006
Stärkeertrag (dt/ha)
N-Stufen

image
image
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
77
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Auf den D-Standorten schlagen sich die ungünstigeren Bedingungen des Jahres 2006 in er-
heblichen Stärkemindererträgen gegenüber 2005 nieder (Abb. 8) - bei deutlich höheren Roh-
proteingehalten. Die Reaktion auf die abgestufte N-Düngung ist uneinheitlich. Ingesamt erzielt „SW
Talentro“ höhere Stärkeerträge (außer 2006 in Güterfelde).
Am V-Standort Burkersdorf ist keine klare Tendenz bezüglich der Sorte erkennbar. Die geringste
geprüfte N-Düngung scheint hier jedoch ausreichend. Dies könnte bei Berücksichtigung der Bezah-
lung nach Rohprotein-/Stärkegehalt nach den vorliegenden vorläufigen Ergebnissen eventuell auch
für die D-Standorte zutreffen.
U
Roggen
Beim Roggen zeigte sich über alle Standorte und Jahre die Sorte „Rasant“ klar „Recrut“ überlegen.
Dies beruht auf höheren Stärkegehalten, vor allem aber dem höheren Kornertrag (Abb. 9 und 10).
Für die abgestufte N-Düngung konnte keine einheitliche Wirkung beobachtet werden. Während in
Baruth tendenziell die 2. und 4. Stufe bessere Ergebnisse erzielen, trifft dies in Gadegast eher für
die 1. und 3. Stufe zu. In Güterfelde werden mit steigender N-Düngung auch steigende Stärkeer-
träge erzielt. Die durch die abgestufte N-Düngung bedingten Unterschiede im Stärkegehalt sind
gering (Abb. 10). Die Unterschiede Proteingehalte erreichen im Mittel der Sorten Werte um 1, in
Baruth um 1,35 %.
Abbildung 7:
Rohproteingehalt von Triticale (% in TM) auf Lö-Standorten in Abhängigkeit
von N-Düngung und Sorte
5
7
9
11
13
15
17
19
Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4
N- Stufen
Rohproteingehalt % TM
SW Talentro
Grenado
Roda
Kirchengel
Bernburg
2005
2006
N-Stufen
Rohproteingehalt (%

image
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
78
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Abbildung 8:
Stärkeertrag von Triticale (dt/ha) auf V- und D-Standorten in Abhängigkeit
von N-Düngung und Sorte
20
25
30
35
40
45
50
55
60
Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3
N- Stufen
Stärkeertrag dt/ha
Recrut
Rasant
Baruth
Gadegast
Güterfelde
2005
2006
N-Stufen
Stärkeertrag (dt/ha)
Abbildung 9:
Stärkeertrag von Roggen (dt/ha) in Abhängigkeit von N-Düngung und Sorte
20
25
30
35
40
45
50
55
60
65
70
Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3
N- Stufen
Stärkeertrag dt/ha TM
SW Talentro
Grenado
Burkersdorf
Baruth
Güterfelde
2005
2006
N-Stufen
Stärkeertrag (dt/ha TM)

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
79
Schriftenreihe, Heft 7/2008
40
45
50
55
60
65
70
75
80
Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3
N- Stufen
Stärkegehalt %
Recrut
Rasant
Baruth
Gadegast
Güterfelde
2005
2006
N-Stufen
Stärkegehalt (%)
Abbildung 10: Stärkegehalt von Roggen (% in TM) in Abhängigkeit von N-Düngung und
Sorte
Artenvergleiche
Von entscheidender Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit der Ethanolherstellung aus Getreide ist
u. a. die Ethanolausbeute (l Ethanol/kg Getreide). Hier schneiden nach
ROSENBERGER (2005) Wei-
zen und Triticale annähernd gleich ab, während Roggen deutlich abfällt. Dies ist auf den geringeren
Stärke-Anteil und die roggenspezifischen Inhaltsstoffe zurückzuführen.
Bei den vorliegenden Untersuchungen erzielte Roggen in Güterfelde in beiden Jahren höhere Stär-
keerträge als Triticale. In Baruth war er 2006 ebenbürtig, 2005 dem Triticale unterlegen (Tab. 3).
Während im Rohproteingehalt ähnliche Werte erreicht werden (Roggen 11,5 %, Triticale 11,8 %)
liegt der Stärkegehalt von Triticale weit über dem von Roggen (66,3 bzw. 61,5 %). Dies kann bei
der Vergütung ein erheblicher Vorteil sein.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
80
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 3:
Stärkeertrag von Roggen und Triticale im Mittel der jeweils zwei geprüften
Sorten an den Standorten Baruth und Güterfelde (dt/ha)
Baruth
Güterfelde
Roggen
Triticale
Roggen
Triticale
2005
2006
2005
2006
2005
2006
2005
2006
Stufe 1 41,7 26,4 45,8 27,3 39,8 35,9 38,6 30,3
Stufe 2 45,1 25,7 50,5 26,8 40,2 37,1 38,9 30,2
Stufe 3 41,2 25,9 46,5 26,1 41,9 37,2 39,8 30,9
Stufe 4 45,2 26,20 49,1 26,2
Mittel 43,3 26,1 48,0 26,6 40,6 36,7 39,1 30,5
Gegenüber Weizen erweist sich Triticale an allen Standorten im Stärkeertrag als ebenbürtige (Ro-
da) oder bessere Alternative (Burkersdorf, Bernburg, Tab. 4).
Tabelle 4:
Stärkeertrag von Weizen und Triticale im Mittel der jeweils zwei geprüften Sor-
ten und der Jahre 2005 und 2006 (dt/ha)
Roda
Bernburg
Burkersdorf
Weizen
Triticale
Weizen
Triticale
Weizen
Triticale
Stufe 1 65,2 66,1 55,2 56,6 44,8 49,1
Stufe 2 66,8 68,4 54,0 57,4 45,5 49,6
Stufe 3 68,6 66,4 54,3 58,5 45,4 48,5
Stufe 4 68,6 67,3 53,2 59,5 44,7 48,7
Mittel 67,3 67,0 54,2 58,0 45,1 49,0

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
81
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 5: Durchschnittswerte von Korn- und Stärkeertrag, Rohprotein- und Stärkegehalt in
den geprüften N-Düngungsstufen als Mittel über Sorten, Jahre und Standorte
N-Düngung
Kornertrag
Rohprotein
Stärke
Stärkeertrag
dt/ha
% in TM
1)
% in TM
2)
dt/ha
Roggen
Stufe 1 69,5 10,9 62,3 37,3
D-Standorte
Stufe 2
70,5
11,4
61,6
37,5
Stufe 3
70,3
11,6
61,7
37,5
Stufe 4
71,0
12,2
60,3
37,0
Durchschnitt 70,3 11,5 61,5 37,3
Triticale
Stufe 1 60,5 11,4 67,9 35,5
D-Standorte
Stufe 2
63,6
12,1
66,5
36,6
Stufe 3
63,6
12,3
66,2
35,8
Stufe 4
67,2
11,4
64,5
37,7
Durchschnitt 63,7 11,8 66,3 36,4
Triticale
Stufe 1 94,0 11,1 68,7 55,7
Lö- und V-
Stufe 2
96,4
11,4
68,4
56,7
Standorte
Stufe 3
96,0
11,8
68,0
56,1
Stufe 4
97,0
12,1
67,8
56,5
Durchschnitt 95,8 11,6 68,2 56,2
Weizen
Stufe 1 89,3 11,3 69,1 52,0
Lö- und V-
Stufe 2
90,6
11,7
68,7
52,4
Standorte
Stufe 3
91,5
12,1
68,6
52,9
Stufe 4
90,9
12,5
68,2
52,2
Durchschnitt 90,6 11,9 68,7 52,4
1)
bei Verarbeitung bei Cropenergies: von 11 bis 9 % Protein Vergütungszuschlag für sinkende Proteingehalte
2)
bei Verarbeitung bei VERBIO: ab 55 % Stärke bei 85 % TS Bonuszahlung für steigende Stärkegehalte
Eine Korrelation von Stärkegehalt und Ethanolergiebigkeit war leider kaum nachweisbar (Abb. 11).
Dabei zeigten sich zusätzlich extrem unterschiedliche Werte bei den geprüften Sorten. Zu berück-
sichtigen ist hier allerdings die geringe Probenanzahl.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
82
Schriftenreihe, Heft 7/2008
64,0
65,0
66,0
67,0
68,0
69,0
70,0
Staerke%
41,5
41,0
40,5
40,0
39,5
39,0
38,5
Alk_lrA_100kgOS
R-Quadrat linear = 0,59
68,0
70,0
Staerke%
39,75
39,5
39,25
39,0
38,75
38,5
Alk_lrA_100kgOS
R-Quadrat linear = 0,004
Abbildung 11: Korrelation von Stärkegehalt und Ethanolergiebigkeit bei WIntertriticale an
den Standorten Roda und Baruth im Jahr 2005 bei den Sorten „Talentro“
(oben) und „Grenado“ (unten) (jeweils 16 Werte je Sorte)
Schlussfolgerungen
Aus den Ergebnissen der bisher zweijährigen Untersuchungen können erste Schlussfolgerungen
für die N-Düngung und die Artenwahl beim Anbau von Ethanolgetreide gezogen werden. Diese
sind jedoch vorläufig und vor Übertragung auf weitere Standorte zu überprüfen.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
83
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Folgende N-Düngungsstrategie wird vorgeschlagen, wobei Standortunterschiede zu beachten sind:
Um die Zielstellung einer hohen Ethanolausbeute durch niedrige Rohprotein- und hohe Stär-
kegehalte zu erreichen, ist auf eine N-Spätdüngung zu verzichten.
Im Herbst und Frühjahr sollte keine organische Düngung verabreicht werden.
Weizen, evtl. auch Triticale sollten auf besseren Standorten eine verhaltene, nicht zu hohe 1. N-
Gabe zu Vegetationsbeginn unter Beachtung von N
min
und Bestandessituation erhalten; die
Schossergabe sollte in optimaler Höhe (Nutzung Nitrat-Schnelltest oder N-Tester) möglichst bis
EC 31/32, in Regionen mit langsamer Abreife und in Höhenlagen auch bis spätestens EC 37-39
verabreicht werden.
Roggen und Triticale sollten auf leichten Standorten die 1. N-Gabe in optimaler Höhe erhalten,
dem folgt eine leicht reduzierte 2. N-Gabe bis EC 31/32 (zu Roggen evtl. auch bis EC 37-39).
Auf leichten Standorten ist nach den bisherigen Ergebnissen dieser Versuchsreihe im Stärkeertrag
kein eindeutiger Vorteil von Roggen oder Triticale feststellbar. Ergebnisse aus mehrjährigen und
mehrortigen Anbauversuchen im Land Brandenburg bestätigten jedoch eine Überlegenheit des
Roggens. Der Stärkegehalt ist bei Triticale jedoch wesentlich höher. Der Anteil der „vergärbaren
Substanz“ wurde nur in wenigen Proben bestimmt, so dass noch keine Schlussfolgerungen möglich
sind.
Gegenüber Weizen erweist sich Triticale an allen Standorten im Stärkeertrag als ebenbürtige oder
bessere Alternative. Im Proteingehalt liegt Triticale auf den Lö- und V-Standorten leicht unter Wei-
zen, im Stärkegehalt auf gleichem Niveau.
Die Aussagen zur Vorzüglichkeit der Arten haben vorläufigen Charakter. Es sind weitere Untersu-
chungen nötig. Hinweise hierzu geben u. a.
ADAM et al. (2007).
Weitere Hinweise:
Um Bestandesunterschiede insbesondere auf heterogenen Schlägen zu berücksichtigen und
Voraussetzungen für qualitativ einheitliche Partien zu gewährleisten, ist eine sensorgestützte
oder GPS-gesteuerter Ausbringung anzustreben.
Es ist auf eine ausreichend hohe Makro- und Mikronährstoffversorgung zu achten.
Beim Pflanzenschutz sind nach bisherigem Kenntnisstand im Anbau von Ethanolgetreide keine
Abstriche gegenüber dem Qualitätsgetreideanbau möglich.
Erweiterung der Ergebnisbasis durch Einbeziehung weiterer regionaler Ergebnisse. Dabei sind
standortangepasste Varianten ausreichend zu berücksichtigen.
Weiterer Handlungsbedarf, offene Fragen
Ein Problem stellt die noch ungenügende Kenntnis der Grundlagen für hohe Ethanolausbeuten dar.
Gegenwärtig erfolgt die Orientierung an Stärke- oder Proteingehalt, die aber nur ungenügend mit den
Ethanolausbeuten korrelieren. Hier sind dringend grundlegende Untersuchungen gefordert, um die
Anforderungen der Verarbeitung an schnell, exakt und preiswert zu bestimmenden Qualitätsparame-

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
84
Schriftenreihe, Heft 7/2008
tern festzumachen. Vorteilhaft und anzustreben wären hier einheitliche Kriterien der verschiedenen
Verarbeiter.
Auf dieser Grundlage kann eine weitere Optimierung der Anbauverfahren erfolgen. Handlungsbe-
darf besteht u. a. bei der Aufklärung der offensichtlichen Wechselwirkungen zwischen Sorte,
Standort und Jahreswitterung auf die Ethanolausbeute. Noch nicht abschließend geklärt ist die
Einsatzstrategie für stabilisierte N-Dünger beim Ethanolgetreideanbau.
Literatur
ADAM, L.; FAHLENBERG, E., BARTHELMES, G. (2007): Aktuelle Strategien für den Bioethanolgetreideanbau, S.
3 - 13, 25. Fachtagung Acker- und Pflanzenbau, Bioethanolgetreide, 30.05.2007, Güterfelde
ALBERT, E. (2006): Bedarfsgerechte Düngung von Getreide zur Bioethanolherstellung sowie Wahl der
Getreideart, Fachtagung Getreide zur Ethanolproduktion, Sächsische Landesanstalt für Land-
wirtschaft, 02.02.2006, Nossen
NOLTE, B. (2006): Weizen für die Ethanolproduktion der Südzucker Bioethanol GmbH Zeitz, Fachtagung
Getreide zur Ethanolproduktion, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, 02.02.2006,
Nossen
ROSENBERGER, A. (2005): Identification of Top- performing Cereal Cultivars for Grain- to- ethanol Operations
SENN, T. (2006): Persönliche Mitteilungen, Detmold, 25.04.06
VETTER, A.; FARACK, M.; GRUNERT, M.; WEBER, M. (2005): Empfehlungen zum Anbau von Winterweizen zur
Herstellung von Bioethanol und zur Verwertung der anfallenden Nebenprodukte. (Infoblatt)
ZIEHE, M. (2006): Marktentwicklung und Qualitätsanforderung für Getreide zur Bioethanolherstellung am
Standort Zörbig - Was ist zu erwarten? Fachtagung Getreide zur Ethanolproduktion, Sächsi-
sche Landesanstalt für Landwirtschaft, 02.02.2006, Nossen

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
85
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Substitutionswert und Preiswürdigkeit von Schlempefuttermitteln
Dr. Jürgen Müller (Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft)
Zielstellung
Anhaltspunkte für die Preiswürdigkeit von Schlempefuttermitteln sollen rechnerisch ermittelte Aus-
tauschverhältnisse zum Ersatz typischer Vergleichsfuttermittel liefern.
Methode
Die Gehaltswerte an Energie und Rohnährstoffen in den Referenzfuttermitteln und im Substitut bilden
die Ausgangsgrößen in einem linearen Gleichungssystem. In Abhängigkeit von der Anzahl an Refe-
renzfuttermitteln (= Anzahl linearer Gleichungen m) und der Anzahl gebrauchswertbestimmender Pa-
rameter (= Anzahl der Gleichungsvariablen n) wird ein adäquates Austauschverhältnis ermittelt. Ist die
Anzahl der Variablen und die Anzahl der Gleichungen identisch (m = n), kann das Gleichungssystem
eindeutig aufgelöst werden. Ist diese Bedingung nicht erfüllt, so sind mehrere, d. h. keine eindeutigen
Lösungen möglich.
In (m - 1 bzw. n - 1) aufeinander folgenden Rechenschritten wird jeweils eine der Gleichungen nach
einer Variablen aufgelöst und dieser Term in die verbleibenden Gleichungen eingesetzt. Aus den
futterwertgleichen Austauschmengen und den jeweiligen Preisen der Referenzfuttermittel ergibt
sich der Grenzpreis für das Substitut.
Substitutionswert von Trockenschlempe in Rationen für Milchkühe
Futterweizen und Sojaextraktionsschrot sind typische Kraftfutterkomponenten in Leistungsrationen
für Milchkühe. Sie haben einen eigenen Handelswert (Preis) und können deshalb als Referenz zur
Grenzpreisermittlung genutzt werden. Bei Berücksichtigung von Nettoenergie-Laktation (NEL) und
nutzbarem Rohprotein (nXP) als gebrauchswertbestimmende Parameter ist ein adäquater Aus-
tausch der Vergleichsfuttermittel durch Trockenschlempe rechnerisch zu ermitteln (Tab. 1).
Unter den angegebenen Bedingungen führt der Ersatz von 0,0008 kg TM Winterweizen und 0,8567 kg
TM Sojaextraktionsschrot in der Ration durch 1,0 kg TM Trockenschlempe zu keiner Veränderung im
Gehalt an Energie und nutzbarem Rohprotein (=
isokalorische und isonitrogene Futterration
). Wird
danach die Preiswürdigkeit der Trockenschlempe beurteilt, dann erreicht diese einen Wert von 19,61
€/dt TM bzw. 18,53 €/dt FM.
Der rechnerische Lösungsansatz ergibt allerdings im Falle der Trockenmasseaufnahme, den Ge-
haltswerten an Rohfett, Rohfaser, Rohasche und der ruminalen N-Bilanz keine identische Substitu-
tion (Kontrollrechnung in Tab. 2)! Bezogen auf die Referenzfuttermischung Winterweizen und Soja-
extraktionsschrot (= 0,8575 kg TM) erhöht sich mit dem Ersatz durch Trockenschlempe (= 1,0000
kg TM) die erforderliche Trockenmasseaufnahme um etwa 17 % (infolge niedriger Energiekonzent-
ration in der Trockenschlempe). Der Rohfettgehalt liegt 54,1 g über dem Wert der Referenzfutter-

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
86
Schriftenreihe, Heft 7/2008
mittel, die zu ersetzen sind (= 519 %). Weiterhin sind in der Trockenschlempe der Rohfasergehalt
um 17,6 g höher (= 131 %), der Rohaschegehalt in etwa gleich hoch (= 101 %) und die ruminale N-
Bilanz um 9,4 g niedriger (= 66 %).
Tabelle 1:
Gebrauchswertermittlung von Trockenschlempe in Rationen für Milchkühe
(Austauschmethode nach K
ÖHNE)
1)
Referenzfutter
Substitut
Position
Winter-
weizen
Sojaextr.-
schrot
Trocken-
schlempe
[1]
[2]
[3]
[4]
01
Preis in €/dt Frischmasse (FM); Preisbasis 08/2007
19,00
26,00
x,xx
02
Trockenmasse in g/kg FM
880
880
945
03
Preis in €/dt Trockenmasse (TM)
16,72
22,88
x,xx
natürliche Gehaltswerte an Energie und Rohnähr-
stoffen:
04
Nettoenergie-Laktation NEL in MJ/kg TM
8,51
8,63
7,40
05
nutzbares Rohprotein nXP in g/kg TM
172
308
264
06
Rohfett XL in g/kg TM
20
15
67
07
Rohfaser XF in g/kg TM
29
67
75
08
Rohasche XA in g/kg TM
19
67
58
09
ruminale N-Bilanz RNB in g/kg TM
-5,0
32,0
18,0
nach rechnerischer Eliminierung Energiewert Wei-
zen:
2)
10
nutzbares Rohprotein nXP* in g/kg TM
0,0
133,6
114,4
11
Rohfett XL* in g/kg TM
0,0
-5,3
49,6
12
Rohfaser XF* in g/kg TM
0,0
37,6
49,8
13
Rohasche XA* in g/kg TM
0,0
47,7
41,5
14
ruminale N-Bilanz RNB* in g/kg TM
0,0
37,1
22,3
15
0,0008
0,8567
16
Austauschverhältnis der Futtermittelmengen in kg TM
0,8575
1,0000
17
Gebrauchswert (Substitutions- bzw. Tauschwert) in €/dt TM
19,61
18
Gebrauchswert (Substitutions- bzw. Tauschwert) in €/dt FM
18,53
1)
Futterwertangaben Referenzfutter: DLG-Futterwerttabellen Wiederkäuer
Futterwertangaben Substitut:
HU
http://www.cropenergies.com/de/ProtiGrain/Produkt
UH
(Produktbeschreibung)
U
2)
Rechenweg
am Beispiel
U
(Zeile 10, Spalte 3): 133,6 g nXP* je kg TM Sojaextr.-schrot nach Eliminierung Energiewert Weizen
= 308 g nXP je kg TM Sojaextr.-schrot - 8,63 MJ NEL je kg TM Sojaextr.-schrot / 8,51 MJ NEL je kg TM Win-
terweizen x 172 g nXP je kg TM Winterweizen
(Zeile 10, Spalte 4): 14,4 g nXP* je kg TM Trockenschlempe nach Eliminierung Energiewert Weizen
= 264 g nXP je kg TM Trockenschlempe - 7,40 MJ NEL je kg TM Trockenschlempe / 8,51 MJ NEL je kg TM
Winterweizen x 172 g nXP je kg TM Winterweizen

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
87
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 2:
Kontrollrechnung für den rechnerisch ermittelten Austausch von Winterweizen
und Sojaextraktionsschrot durch Trockenschlempe in Rationen für Milchkühe
nach Tabelle 1
Referenzfutter
Substitut
Differenz
1)
Position
Winter-
weizen
Sojaextr.-
schrot
Trocken-
schlempe
[4] - ([2] +
[3])
[1]
[2]
[3]
[4]
[5]
01
Austauschverhältnis der Futtermittel-
mengen
in kg TM (Übertrag Tabelle 1 Z15)
0,0008
0,8567
1,000
0,142
02
NEL in MJ (Z01 x Tabelle 1 Z04)
0,01
7,39
7,40
0,0
03
nutzbares Rohprotein in g (Z01 x Tabelle
1 Z05)
0,1
263,9
264,0
0,0
04
Rohfett in g (Z01 x Tabelle 1 Z06)
0,0
12,9
67,0
54,1
05
Rohfaser in g (Z01 x Tabelle 1 Z07)
0,0
57,4
75,0
17,6
06
Rohasche in g (Z01 x Tabelle 1 Z08)
0,1
57,4
58,0
0,5
07
ruminale N-Bilanz in g (Z01 x Tabelle 1
Z09)
0,0
27,4
18,0
-9,4
1)
Differenz zwischen der Summe aller gebrauchswertbestimmenden Parameter im Referenzfutter und im Substitut
Inwieweit sich die festgestellten Abweichungen von einem adäquaten Austauschverhältnis bei
einigen der Rohnährstoffen (Tab. 2, Zeilen 04 bis 07) in einer Tagesration von mehr als 20 kg TM je
Kuh wieder relativieren, ist von dem betroffenen Anteil an der Ration abhängig.
Aus fachlicher Sicht der Tierernährung sind die im beschriebenen Gleichungssystem nach K
ÖHNE
benutzten Parameter - für jeden Anwendungsfall neu (!) - einer kritischen Wertung zu unterziehen.
Sowohl das Spektrum an Energie- und Nährstoffgehalten als auch die Rang- und Reihenfolge,
nach denen bei der Rationsgestaltung bilanziert wird, sind sehr sorgfältig zu prüfen.
Weil die Referenzfuttermittel mehr oder weniger starken Preisschwankungen unterliegen, ändert sich in
Abhängigkeit davon auch der Grenzpreis für Trockenschlempe (Tab. 3).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
88
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 3:
Grenzpreise für Trockenschlempe in €/dt FM (94,5 % TM; 7,40 MJ NEL, 264 g nXP
je kg TM) in Abhängigkeit von den Preisen der Referenzfuttermittel
(adäquate Substitution von MJ NEL, nXP in Rationen für Milchkühe)
1)
Sojaextraktionsschrotpreis (€/dt FM)
(88,0 % TM; 8,63 MJ NEL, 308 g nXP je kg TM)
22,00
23,00
24,00
25,00
26,00
27,00
28,00
14,00
15,68
16,40
17,11
17,82
18,53
19,24
19,96
15,00
15,68
16,40
17,11
17,82
18,53
19,25
19,96
16,00
15,68
16,40
17,11
17,82
18,53
19,25
19,96
17,00
15,68
16,40
17,11
17,82
18,53
19,25
19,96
18,00
15,69
16,40
17,11
17,82
18,53
19,25
19,96
19,00
15,69
16,40
17,11
17,82
18,53
19,25
19,96
Futterweizenpreis (€/dt FM)
(88,0 % TM; 8,51 MJ NEL, 172 g nXP
je kg TM)
20,00
15,69
16,40
17,11
17,82
18,54
19,25
19,96
U
1)
Hinweis:
Die angegebenen Tauschwerte für die Trockenschlempe gelten nur in Bezug auf die angegebenen Referenzfut-
termittel mit ihren spezifischen Gehaltswerten. Das Austauschverhältnis sichert in Milchviehrationen den adä-
quaten Ersatz von Energie (MJ NEL) und nutzbarem Rohprotein (nXP). Andere Nährstoffe sind nicht ausbilan-
ziert! In Extremfällen können diese allerdings limitierend wirken und müssten bei der Ermittlung des Substitu-
tionsverhältnisses vorrangig berücksichtigt werden.
Aus den Datenreihen der Tabelle 3 ist ersichtlich, dass wegen des niedrigen Austauschanteils der
Winterweizenpreis bei der Grenzpreisermittlung fast keinen Einfluss hat. In der Regressionsglei-
chung ist lediglich der Koeffizient für den Sojaextraktionsschrotpreis (= 0,7124) von Bedeutung:
Trockenschlempepreis (€/dt FM) =
Futterweizenpreis (€/dt FM) x 0,0006 + Sojaex.-schrotpreis (€/dt FM) x 0,7124 - 4,2-13
Näherungsweise kann deshalb der Grenzpreis für Trockenschlempe in Rationen für Milchkühe
direkt über den Preis für Sojaextraktionsschrot bestimmt werden.
Einen futterwirtschaftlichen Vorteil bietet danach der Einsatz von Trockenschlempe in Rationen für
Milchkühe, wenn der Preis dafür unter 71 % des Marktpreises für Sojaextraktionsschrot liegt.
Substitutionswert von Trockenschlempe in Rationen für Jung- und Mastrinder
Die Substitutionswertermittlung von Trockenschlempe in Rationen für Jung- und Mastrinder erfolgt
ebenfalls mit Hilfe von Futterweizen und Sojaextraktionsschrot als Vergleichsfuttermittel. Allerdings
orientieren sich die Fütterungsnormen für Aufzucht- und Mastrinder und die energetische Futterbe-
wertung an anderen Bezugsgrößen. Das Austauschverhältnis der Futtermittel in Rationen für Jung-

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
89
Schriftenreihe, Heft 7/2008
und Mastrinder ist so zu wählen, dass dabei die Umsetzbare Energie (ME) und Rohprotein (XP) als
wertbestimmende Parameter unverändert bleiben (Tab. 4).
Bei Ersatz von 0,2305 kg TM Winterweizen und 0,6631 kg TM Sojaextraktionsschrot in Rationen für
Jung- und Mastrinder durch 1,0 kg TM Trockenschlempe bleibt der Gehalt an Energie und Rohpro-
tein unverändert. Daraus ergibt sich ein rechnerischer Tauschwert für die Trockenschlempe von
19,03 €/dt TM bzw. 17,98 €/dt FM. Das Substitutionsverhältnis für die Parameter Trockenmasse-
aufnahme, Rohfett-, Rohfaser-, Rohaschegehalt und ruminale N-Bilanz ist allerdings nicht ausge-
glichen (Kontrollrechnung in Tab. 5)!
Tabelle 4:
Gebrauchswertermittlung von Trockenschlempe in Rationen für Jung- und
Mastrinder (Austauschmethode nach KÖHNE)
1)
Referenzfutter
Substitut
Position
Winter-
weizen
Sojaextr.-
schrot
Trocken-
schlempe
[1]
[2]
[3]
[4]
01
Preis in €/dt Frischmasse (FM); Preisbasis 08/2007
19,00
26,00
x,xx
02
Trockenmasse in g/kg FM
880
880
945
03
Preis in €/dt Trockenmasse (TM)
16,72
22,88
x,xx
natürliche Gehaltswerte an Energie und Rohnähr-
stoffen:
04
Umsetzbare Energie ME in MJ/kg TM
13,37
13,75
12,20
05
Rohprotein XP in g/kg TM
138
510
370
06
Rohfett XL in g/kg TM
20
15
67
07
Rohfaser XF in g/kg TM
29
67
75
08
Rohasche XA in g/kg TM
19
67
58
09
ruminale N-Bilanz RNB in g/kg TM
-5,0
32,0
18,0
nach rechnerischer Eliminierung Energiewert Wei-
zen:
2)
10
Rohprotein XP* in g/kg TM
0,0
368,1
244,1
11
Rohfett XL* in g/kg TM
0,0
-5,6
48,8
12
Rohfaser XF* in g/kg TM
0,0
37,2
48,5
13
Rohasche XA* in g/kg TM
0,0
47,5
40,7
14
ruminale N-Bilanz RNB* in g/kg TM
0,0
37,1
22,6
15
0,2305
0,6631
16
Austauschverhältnis der Futtermittelmengen in kg TM
0,8936
1,0000
17
Gebrauchswert (Substitutions- bzw. Tauschwert) in €/dt
TM
19,03
18
Gebrauchswert (Substitutions- bzw. Tauschwert) in €/dt
FM
17,98
1)
Futterwertangaben Referenzfutter: DLG-Futterwerttabellen Wiederkäuer
Futterwertangaben Substitut:
HU
http://www.cropenergies.com/de/ProtiGrain/Produkt
UH
(Produktbeschreibung)
U
2)
Rechenweg
am Beispiel
U
(Zeile 10, Spalte 3): 368,1 g XP* je kg TM Sojaextr.-schrot nach Eliminierung Energiewert Weizen = 510 g XP je kg
TM Sojaextr.-schrot - 13,75 MJ ME je kg TM Sojaextr.-schrot / 13,37 MJ ME je kg TM Winterweizen x 138 g XP je kg
TM Winterweizen
(Zeile 10, Spalte 4): 244,1 g XP* je kg TM Trockenschlempe nach Eliminierung Energiewert Weizen = 370 g XP je kg
TM Trockenschlempe - 12,20 MJ ME je kg TM Trockenschlempe / 13,37 MJ ME je kg TM Winterweizen x 138 g XP je
kg TM Winterweizen

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
90
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 5:
Kontrollrechnung für den rechnerisch ermittelten Austausch von Winterweizen
und Sojaextraktionsschrot durch Trockenschlempe in Rationen für Jung- und
Mastrinder nach Tabelle 4
Referenzfutter
Substitut
Differenz
1)
Position
Winter-
weizen
Sojaextr.-
schrot
Trocken-
schlempe
[4] - ([2] + [3])
[1]
[2]
[3]
[4]
[5]
01
Austauschverhältnis der Futtermittel-
mengen
in kg TM (Übertrag Tabelle 4 Z15)
0,2305
0,6631
1,000
0,1064
02
ME in MJ (Z01 x Tabelle 4 Z04)
3,08
9,12
12,20
0,0
03
Rohprotein in g (Z01 x Tabelle 4 Z05)
31,8
338,2
370,0
0,0
04
Rohfett in g (Z01 x Tabelle 4 Z06)
4,6
9,9
67,0
52,5
05
Rohfaser in g (Z01 x Tabelle 4 Z07)
6,7
44,4
75,0
23,9
06
Rohasche in g (Z01 x Tabelle 4 Z08)
4,4
44,4
58,0
9,2
07
ruminale N-Bilanz in g (Z01 x Tabelle 4
Z09)
-1,2
21,2
18,0
-2,0
1)
Differenz zwischen der Summe aller gebrauchswertbestimmenden Parameter im Referenzfutter und im Substitut
Welche möglichen Konsequenzen die Abweichungen von einem ausbilanzierten Austauschverhält-
nis bei den Rohnährstoffen nach Tabelle 4, Zeilen 04 bis 07 haben, kann fachlich nur die Tierernäh-
rungslehre beurteilen. Die Grenzpreisveränderungen in Abhängigkeit von den jeweiligen Preisen
der Referenzfuttermittel sind entsprechend dem Austauschverhältnis der Trockenschlempe in Ra-
tionen für Aufzucht- und Mastrinder in Tabelle 6 angegeben.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
91
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 6:
Grenzpreis für Trockenschlempe in €/dt FM (94,5 % TM; 12,20 MJ ME, 370 g XP
je kg TM) in Abhängigkeit von den Preisen der Referenzfuttermittel
(adäquate Substitution von MJ ME, XP in Rationen für Jung- und Mastrinder)
1)
Sojaextraktionsschrotpreis (€/dt FM)
(88,0 % TM; 13,75 MJ ME, 510 g XP je kg TM)
22,00
23,00
24,00
25,00
26,00
27,00
28,00
14,00
14,82
15,37
15,92
16,47
17,02
17,57
18,12
15,00
15,01
15,56
16,11
16,66
17,21
17,76
18,32
16,00
15,20
15,75
16,30
16,85
17,40
17,96
18,51
17,00
15,39
15,94
16,49
17,05
17,60
18,15
18,70
18,00
15,58
16,13
16,69
17,24
17,79
18,34
18,89
19,00
15,77
16,33
16,88
17,43
17,98
18,53
19,08
Futterweizenpreis (€/dt FM)
(88,0 % TM; 13,37 MJ ME, 138 g XP
je kg TM)
20,00
15,97
16,52
17,07
17,62
18,17
18,72
19,27
U
1)
Hinweis:
Die angegebenen Tauschwerte für die Trockenschlempe gelten nur in Bezug auf die angegebenen Referenzfut-
termittel mit ihren spezifischen Gehaltswerten. Das Austauschverhältnis sichert in Rationen für Jung- und Mast-
rinder den adäquaten Ersatz von Energie (MJ ME) und Rohprotein (XP). Andere Nährstoffe sind nicht ausbilan-
ziert! In Extremfällen können diese allerdings limitierend wirken und müssten bei der Ermittlung des Substitu-
tionsverhältnisses vorrangig berücksichtigt werden.
Im Vergleich zum Grenzpreis für Trockenschlempe in Rationen für Milchkühe liegt der Grenzpreis in
Rationen für Jung- und Mastrinder um 0,56 €/dt FM niedriger. Ursache dafür ist der niedrigere Anteil an
austauschbarem Sojaextraktionsschrot und der dafür höhere Anteil an austauschbaren Futterweizen.
In der Regressionsgleichung ist das auch an den Koeffizienten für die Preise der Vergleichsfuttermittel
zu erkennen:
Trockenschlempepreis (€/dt FM) =
Futterweizenpreis (€/dt FM) x 0,1917 + Sojaex.-schrotpreis (€/dt FM) x 0,5514 + 2,97-14
Substitutionswert von Trockenschlempe in Rationen für Schweine
Die Substitutionswertermittlung von Trockenschlempe in Rationen für (Mast-)Schweine basiert wieder-
um auf den Vergleichsfuttermitteln Futterweizen und Sojaextraktionsschrot, wegen der besonderen
Bedeutung limitierender Aminosäuren wird allerdings zusätzlich auch noch L-Lysin Monohydrochlorid
herangezogen. Das Austauschverhältnis der Futtermittel ist unter der Maßgabe zu ermitteln, dass
Umsetzbare Energie (ME), Rohprotein (XP) und Lysin als wertbestimmende Parameter konstant blei-
ben (Tab. 7).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
92
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 7:
Gebrauchswertermittlung von Trockenschlempe in Rationen für (Mast-)
Schweine (Austauschmethode nach K
ÖHNE)
1)
Referenzfutter
Substitut
Position
Winter-
weizen
Sojaextr.-
schrot
L-Lysin
HCl
Trocken-
schlempe
[1]
[2]
[3]
[4]
[5]
01
Preis in €/dt Frischmasse (FM); Preisbasis
08/2007
19,00
26,00
300,00
x,xx
02
Trockenmasse in g/kg FM
880
880
985
945
03
Preis in €/dt Trockenmasse (TM)
16,72
22,88
295,50
x,xx
natürliche Gehaltswerte an Energie und Roh-
nährstoffen:
04
Umsetzbare Energie ME in MJ/kg TM
15,67
14,82
16,63
11,26
05
Rohprotein XP in g/kg TM
138
513
792
370
06
Lysin in g/kg TM
3,9
30,3
780
0,8
nach rechnerischer Eliminierung Energie-
wert Weizen:
2)
07
Rohprotein XP* in g/kg TM
0,00
382,49
645,55
270,84
08
Lysin* in g/kg TM
0,00
26,61
775,86
-2,00
nach rechnerischer Eliminierung Energie-
wert Weizen
und Rohproteinwert Sojaextr.-schrot:
3)
09
Lysin** in g/kg TM
-
0,00
730,95
-20,84
10
0,0336
0,7562
-0,0285
11
Austauschverhältnis der Futtermittelmengen in
kg TM
0,7613
1,0000
12
Gebrauchswert (Substitutions- bzw. Tauschwert) in
€/dt TM
9,44
13
Gebrauchswert (Substitutions- bzw. Tauschwert) in
€/dt FM
8,92
1)
Futterwertangaben Referenzfutter: DLG-Futterwerttabellen Schweine
Futterwertangaben Substitut:
HU
http://www.cropenergies.com/de/ProtiGrain/Produkt
UH
(Produktbeschreibung)
U
2)
Rechenweg
U
(Zeile 07, Spalte 3): 382,49 g XP* je kg TM Sojaextr.-schrot nach Eliminierung Energiewert Weizen = 513 g XP je kg
TM Sojaextr.-schrot - 14,82 MJ ME je kg TM Sojaextr.-schrot / 15,67 MJ ME je kg TM Winterweizen x 138 g XP je kg
TM Winterweizen

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
93
Schriftenreihe, Heft 7/2008
(Zeile 07, Spalte 4): 645,55 g XP* je kg TM L-Lysin HCl nach Eliminierung Energiewert Weizen = 792 g XP je kg
TM L-Lysin HCl - 16,63MJ ME je kg TM L-Lysin HCl / 15,67 MJ ME je kg TM Winterweizen x 138 g XP je kg TM Win-
terweizen
(Zeile 07, Spalte 5): 270,84 g XP* je kg TM Trockenschlempe nach Eliminierung Energiewert Weizen = 370 g XP je kg
TM Trockenschlempe - 11,26MJ ME je kg TM Trockenschlempe / 15,67 MJ ME je kg TM Winterweizen x 138 g XP je
kg TM Winterweizen
(Zeile 08, Spalten 3 bis 5 analog)
U
3)
Rechenweg
U
(Zeile 09, Spalte 4): 730,95 g Lysin** je kg TM L-Lysin HCl nach Eliminierung Energiewert Weizen und Rohpro-
teinwert Sojaextr.-schrot = 775,86 g Lysin* je kg TM L-Lysin HCl - 645,55 g XP* je kg TM L-Lysin HCl / 382,49 g
XP* je je kg TM Sojaextr.-schrot x 26,61 g Lxsin* je kg TM Sojaextr.-schrot
(Zeile 09, Spalte 5): -20,84 g Lysin** je kg TM Trockenschlempe nach Eliminierung Energiewert Weizen und
Rohproteinwert Sojaextr.-schrot = -2,00 g Lysin* je kg TM Trockenschlempe - 270,84 g XP* je kg TM Tro-
ckenschlempe / 382,49 g XP* je kg TM Sojaextr.-schrot x 26,61 g Lysin* je kg TM Sojaextr.-schrot
Mit 1,0 kg TM Trockenschlempe können unter Zugabe von 0,0285 kg TM L-Lysin Monohydrochlorid
in Rationen für (Mast-)Schweine 0,0336 kg TM Winterweizen und 0,7562 kg TM Sojaextraktions-
schrot ersetzt werden. Unter Verwendung der in Tabelle 7 Zeile 01 angegebenen Preise für die
Referenzfuttermittel errechnet sich ein monetärer Tauschwert für die Trockenschlempe von 9,44
€/dt TM bzw. 8,92 €/dt FM. Dieses Austauschverhältnis sichert die unveränderte Bereitstellung von
Energie, Rohprotein und Lysin (Kontrollrechnung in Tab. 8).
Tabelle 8:
Kontrollrechnung für den rechnerisch ermittelten Austausch von Winterwei-
zen, Sojaextraktionsschrot und L-Lysin Monohydrochlorid durch Tro-
ckenschlempe in Rationen für (Mast-)Schweine nach Tabelle 7
Referenzfutter
Substitut
Differenz
1)
Position
Winter-
weizen
Sojaextr.-
schrot
L-Lysin
HCl
Trocken-
schlempe
[5] - ([2] +
[3] + [4])
[1]
[2]
[3]
[4]
[5]
[6]
01
Austauschverhältnis der Futter-
mittelmengen in kg TM (Übertrag
Tabelle 7 Z10)
0,0336
0,7562
-0,0285
1,000
0,2387
02 ME in MJ (Z01 x Tabelle 7 Z04)
0,53
11,21
-0,47
11,26
0,0
03
Rohprotein in g (Z01 x Tabelle 7
Z05)
4,64
387,9
-22,57
370,0
0,0
04 Lysin in g (Z01 x Tabelle 7 Z06)
0,1
22,9
-22,2
0,8
0,0
1)
Differenz zwischen der Summe gebrauchswertbestimmenden Parameter im Referenzfutter und im Substitut
Eine wertadäquate Substitution der Futtermittel hinsichtlich anderer Parameter (Trockenmasse,
Rohfett-, Rohfaser-, Rohasche u. a. m.) ist damit allerdings nicht zu gewährleisten.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
94
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Die Grenzpreise für die Trockenschlempe in Rationen für (Mast-)Schweine variieren in Abhängig-
keit von den jeweiligen Preisen der Referenzfuttermittel (Tab. 9). Mit höheren Preisen für Sojaex-
traktionsschrot und Futterweizen steigt auch der Grenzpreis für Trockenschlempe in Rationen für
(Mast-)Schweine, wobei sich die Preisveränderungen für Sojaextraktionsschrot deutlicher nieder-
schlagen. Um die Lysinversorgung auf dem gleichen Niveau beizubehalten, ist der Einsatz von
Trockenschlempe an die Aufwertung durch synthetisches L-Lysin Monohydrochlorid gekoppelt.
Steigt der Preis dafür an, reduziert sich der monetäre Spielraum für den Einsatz der Tro-
ckenschlempe. Der Grenzpreis sinkt also in diesem Fall. Die Koeffizienten der Regressionsglei-
chung machen dieses Wechselverhältnis anschaulich:
Trockenschlempepreis (€/dt FM) =
Futterweizenpreis (€/dt FM) x 0,0280 + Sojaex.-schrotpreis (€/dt FM) x 0,6289
+ L-Lysin Monohydrochloridpreis (€/dt FM) x -0,0265 + 1,08-12

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
95
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 9:
Grenzpreis für Trockenschlempe in €/dt FM (94,5 % TM; 11,26 MJ ME, 370 g XP,
0,8 g Lysin je kg TM) in Abhängigkeit von den Preisen der Referenzfuttermittel
(adäquate Substitution von MJ ME, XP, Lysin in Rationen für (Mast-Schweine)
1)
*)
Sojaextraktionsschrotpreis (€/dt FM)
(88,0 % TM; 14,82 MJ ME, 513 g XP, 30,3 g Lysin je kg TM)
22,00
23,00
24,00
25,00
26,00
27,00
28,00
14,00
6,27
4,94
3,61
2,28
6,89
5,57
4,24
2,91
7,52
6,20
4,87
3,54
8,15
6,82
5,50
4,17
8,78
7,45
6,13
4,80
9,41
8,08
6,76
5,43
10,04
8,71
7,38
6,06
15,00
6,29
4,97
3,64
2,31
6,92
5,60
4,27
2,94
7,55
6,22
4,90
3,57
8,18
6,85
5,53
4,20
8,81
7,48
6,15
4,83
9,44
8,11
6,78
5,46
10,07
8,74
7,41
6,09
16,00
6,32
4,99
3,67
2,34
6,95
5,62
4,30
2,97
7,58
6,25
4,92
3,60
8,21
6,88
5,55
4,23
8,84
7,51
6,18
4,86
9,47
8,14
6,81
5,48
10,09
8,77
7,44
6,11
17,00
6,35
5,02
3,70
2,37
6,98
5,65
4,32
3,00
7,61
6,28
4,95
3,63
8,24
6,91
5,58
4,25
8,86
7,54
6,21
4,88
9,49
8,17
6,84
5,51
10,12
8,80
7,47
6,14
18,00
6,38
5,05
3,72
2,40
7,01
5,68
4,35
3,03
7,63
6,31
4,98
3,65
8,26
6,94
5,61
4,28
8,89
7,57
6,24
4,91
9,52
8,19
6,87
5,54
10,15
8,82
7,50
6,17
19,00
6,40
5,08
3,75
2,42
7,03
5,71
4,38
3,05
7,66
6,34
5,01
3,68
8,29
6,96
5,64
4,31
8,92
7,59
6,27
4,94
9,55
8,22
6,90
5,57
10,18
8,85
7,52
6,20
Futterweizenpreis (€/dt FM)
(88,0 % TM; 15,67 MJ ME, 138 g XP, 3,9 g Lysin je kg TM)
20,00
6,43
5,11
3,78
2,45
7,06
5,73
4,41
3,08
7,69
6,36
5,04
3,71
8,32
6,99
5,67
4,34
8,95
7,62
6,29
4,97
9,58
8,25
6,92
5,60
10,21
8,88
7,55
6,23
*
)
300 350
400 450
L-Lysin Monohydrochloridpreis (€/dt FM)
(98,5 % TM; 16,63 MJ ME, 792 g XP, 780 g Lysin je
kg TM)
U
1)
Hinweis:
U
Die angegebenen Tauschwerte für die Trockenschlempe gelten nur in Bezug auf die angegebenen
Referenzfuttermittel mit ihren spezifischen Gehaltswerten. Das Austauschverhältnis sichert in Rationen für
(Mast-)Schweine den adäquaten Ersatz von Energie (MJ ME), Rohprotein (XP) und Lysin. Andere Nährstoffe
sind nicht ausbilanziert! In Extremfällen können diese allerdings limitierend wirken und müssten bei der Ermitt-
lung des Substitutionsverhältnisses vorrangig berücksichtigt werden.
Substitutionswert von Pressschlempe
Bis zum Redaktionsschluss lagen noch keine endgültig bestätigten Futterwertangaben für die
Pressschlempe (n) vor. Somit fehlen auch die Berechnungsgrundlagen zur Substitutionswertermittlung
in Rationen für Milchkühe, Jung- und Mastrinder sowie Schweine. Die angegebenen Berechnungsme-
thoden können jedoch analog dafür genutzt werden.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
96
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Zusammenfassung
1. Die Preiswürdigkeit von Schlempefuttermitteln lässt sich nach dem Wert herkömmlicher Futter-
mittel beurteilen, die in Rationen für Milchkühe, Jung- und Mastrinder sowie für Schweine er-
setzt werden können.
2. Werden Winterweizen, Sojaextraktionsschrot und synthetisches Lysin mit ihren jeweiligen Be-
zugspreisen (Basis 08/2007) als Vergleichsfuttermittel herangezogen und die wertgleichen Aus-
tauschverhältnisse nach bedarfsspezifischen Kennwerten ermittelt, dann ergeben sich monetä-
re Grenzpreise von 18,00 bis 18,50 €/dt für den Einsatz der Trockenschlempe in Rationen für
Rinder und etwa 9,00 €/dt in Rationen für (Mast-)Schweine. Aus fachlicher Sicht der Tierernäh-
rung sind die Parameter und deren Rangfolge, nach denen die Austauschverhältnisse zu bilan-
zieren sind, entsprechend den konkreten Einsatzbedingungen zu werten!
gebrauchswertbestimmende Parameter
zur rechnerischen Ausbilanzierung des Futtermittel-
tauschs in Rationen für ...
Milchkühe
Jung- und
Mastrinder
(Mast-)Schweine
Vergleichsfutter-
mittel
Preis
€/dt FM
(08/2007)
TM (%)
NEL
(MJ/kg TM)
nutzbares
Rohprotein
(g/kg TM)
ME
(MJ/kg TM)
Rohprotein
(g/kg TM)
ME
(MJ/kg TM)
Rohprotein
(g/kg TM)
Lysin
(g/kg TM)
Winterweizen 19,00 88,0 8,51 172 13,37 138 15,67 138 3,9
Sojaextraktions-
schrot
26,00 88,0 8,63 308 13,75 510 14,82 513 30,3
L-Lysin 300,00 98,5 - - - - 16,63 792 780
Austauschfutter-
mittel
Tauschwert
€/dt FM
18,53
94,5 7,40 264
17,98
94,5 12,20 370
Trockenschlempe
8,92
94,5
11,26 370 0,8
3. Überlegungen zur Preiswürdigkeit von Austauschfuttermitteln sollten stets bis hin zu vorlagefer-
tigen Rationen reichen. Also neben dem eigentlichen Warenwert der Futtermittel sind auch Be-
schaffung, Aufbereitung, Konservierung, Lagerung und technologische Handhabung zu berück-
sichtigen.
4. Der Tauschwert alternativ einsetzbarer Futtermittel gilt nur für ein spezifisches Bedingungs- und
Preisgefüge. Verallgemeinernd gilt jedoch: Übersteigt der tatsächliche Preis den Tauschwert, ist
es wirtschaftlich nachteilig, solche Futtermittel zu verwenden, wenn nicht andere Gründe wie
Verfügbarkeit, Fütterungstechnik, Akzeptanz durch die Tiere usw. dafür sprechen.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
97
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Analytisch-methodische Untersuchungen zur Qualitätssicherung von Getreide und Schlem-
pe in der Bioethanolherstellung (Laboranalytik)
Dr. Matthias Leiterer, Jürgen Bargholz (Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft), Dr. Dierk Martin
(Südzucker AG), Doris Krieg (Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft)
Aufgabenstellung
Zielstellung des Teilprojektes „Analytisch-methodische Untersuchungen zur Qualitätssicherung von
Getreide und Schlempe in der Bioethanolherstellung“ war die Erarbeitung von Voraussetzungen für
eine möglichst einheitliche Analyse und Bewertung ausgewählter Qualitätsparameter für Ethanolge-
treide und Schlempe. Im Rahmen dieser Aufgabenstellung wurden nachfolgende analytische
Schwerpunkte bearbeitet:
Abstimmung eines einheitlichen Referenzverfahrens für die Analyse des Gesamtstärkegehal-
tes in Weizen, Triticale und Roggen als Grundlage für die Entwicklung von Kalibrationen für die
NIRS (Nahinfrarotspektrometrie);
Erarbeitung und Validierung einer NIRS-Kalibration für die quantitative Analyse der „vergärba-
ren Stärke“ (Ethanolausbeute) in Weizen und Triticale und
Durchführung von Vergleichsuntersuchungen in unterschiedlichen Laboratorien zur Ermittlung
von statistischen Kenngrößen zur Genauigkeit (Wiederholbarkeit, Vergleichbarkeit) der Analy-
sendaten für die Bewertung der Qualität und Futtertauglichkeit der Schlempe.
Zusätzlich sollte durch die Zusammenarbeit eine Vertiefung des analytischen Erfahrungsaustau-
sches zwischen den am Mehrländerprojekt beteiligten Laboratorien angestrebt werden.
Ergebnisse
U
Analyse des Stärkegehaltes in Weizen, Triticale und Roggen
Als einheitliche Referenzmethode für die Gesamtstärkebestimmung wurde die VDLUFA-Methode nach
EWERS ausgewählt (VDLUFA-MB Bd. III, 7.2.1., 1. Erg. 1983). Das Prinzip dieser Methode basiert auf
einer polarimetrischen Bestimmung nach salzsaurer Hydrolyse. Auf der Basis dieses Referenzverfah-
rens werden im Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten
VDLUFA jährlich neu angepasste NIRS-Kalibrationen für die Analyse von Back- und Futterweizen, Brau-
und Futtergerste, Triticale sowie Roggen bundesweit kommerziell angeboten (VDLUFA, 2003). Auch die
bei der Cropenergies AG in Zeitz zur Getreideeingangskontrolle angewandte NIR-spektoskopische
Bestimmung des Stärkegehaltes basiert auf der VDLUFA-Methode nach EWERS. Unter Verwendung
der VDLUFA-Methode als Referenzverfahren wurden an der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft
(TLL) und an der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zusätzlich NIRS-
Kalibrationsdatensätze für die Analyse des Gesamtstärkegehaltes in Weizen, Triticale und Roggen (nur
LfL) aufgebaut und validiert. Exemplarisch sind hier die Ergebnisse der TLL für Weizen und Triticale
dargestellt. Die Datensätze basieren auf insgesamt 255 Proben aus den Erntejahren 2003 bis 2006 für
Weizen bzw. 97 Proben aus 2003 bis 2006 für Triticale (Abb. 1 und 2). Die experimentell ermittelten
Standardfehler der NIRS-Kalibration SEP
CAL
der beiden Kalibrationsdatensätze belegen die Eignung
und Güte der entwickelten Kalibrationen (Tab. 1).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
98
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Die Fehler der Validierungsproben 2006 SEP
VAL-IST
liegen signifikant unterhalb des maximal zuläs-
sigen Fehlers der Validierung SEP
VAL-Obergrenze.
Beide NIRS-Kalibrationen werden anhand von ca. 20 ausgewählten Ernteproben jährlich aktuali-
siert und angepasst. Dabei kommt als Referenzverfahren die VDLUFA-Methode zum Einsatz
(VDLUFA-MB Bd. III, 7.2.1., 1. Erg. 1983).
y = 0,9999 x
R
2
= 0,9151
60
62
64
66
68
70
72
60
62
64
66
68
70
72
Stärke n. EWERS (Referenzmethode) in %/TS
Stärke n. EWERS (NIRS) in
%/TS
Abbildung 2: NIRS-Kalibrationsdatensatz für die Gesamtstärkebestimmung nach EWERS
für Triticale, 97 Proben der Erntejahre 2003 bis 2006
y= 0,9999x
R
2
= 0,9269
50
55
60
65
70
75
50
55
60
65
70
75
Stärke n. Ewers (Referenzmethode) in %T
S
S tärke n. E wers (NIRS ) in %
TS
Abbildung 1: NIRS-Kalibrationsdatensatz für die Gesamtstärkebestimmung nach EWERS
für Weizen, 255 Proben der Erntejahre 2003 bis 2006

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
99
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Tabelle 1:
Ergebnis der Validierung der NIRS-Kalibrationen zur Bestimmung der Gesamt-
stärke nach EWERS in Weizen und Triticale, Ernteproben 2003 bis 2006
Arbeitsbereich
SEP
CAL
SEP
VAL-Obergrenze
Getreideart
Probenzahl
SEP
VAL-IST
% der TS
Weizen
255
53 - 73
0,79
1,04
0,90
Triticale
97
61 - 71
0,60
0,81
0,79
Entwicklung und Validierung einer NIRS-Kalibration für die Bestimmung der „vergärbaren
Stärke“ bzw. „Ethanolausbeute“ in Weizen und Triticale
In Zusammenarbeit der TLL und der Südzucker AG erfolgte die Entwicklung einer NIRS-Kalibration für
den neuen Qualitätsparameter „vergärbaren Stärke“ bzw. „Ethanolausbeute“ in Weizen und Triticale.
Referenzverfahren und damit Basis für die NIRS-Kalibration bildet dabei die Bestimmung der vergärba-
ren Substanz nach enzymatischem Abbau über die Analyse der Einzelzucker Glucose und Maltose mit
HPLC (Abb. 3).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
100
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Aufbau einer NIRS-Methode zur Bestimmung der Stärke nach
EWERS u. der „vergärbaren Stärke“
Hydrolytischer Säure-
aufschluss
Polarimetrisches
Verfahren
Bestimmung nach EWERS
[VDLUFA Methodenbuch
Bd. III Pkt. 7.2.1. (1976)]
Bestimmung der vergärbaren Substanz
nach enzymatischem Abbau über Ana-
lyse der Einzelzucker (Südzucker AG)
Enzymatischer Abbau
Aufnahme
der NIR-
Spektren
Aufnahme
der NIT-
Spektren
Chromatographische
Bestimmung der
Glucose und Maltose
Zusammenführung der Ergebnisse zur NIRS- und NIT-
Kalibrationserstellung
Fortführung der Untersuchungen im Folgejahr...n
zu stabilen Kalibrationen
Abbildung 3:
Schematische Darstellung des Untersuchungsablaufes zur Entwicklung der
NIRS-Kalibrationen für den Parameter „vergärbare Stärke“ in Weizen und
Triticale
Die entwickelten NIRS-Kalibrationen (Stand 5/2007) beruhen auf zwei Referenzdatensätzen im
Umfang von 200 Weizen- bzw. 74 Triticaleproben der Erntejahre 2003 bis 2005 (Beispiel Weizen -
Abb. 4). Die Testberechnungen mit Proben aus der Ernte 2006 zeigen, dass die Kalibrationen noch
nicht ausreichend stabil sind und mit ausgewählten Proben aus 2006 erweitert werden müssen
(Tab. 2).
Deshalb wurden aus den Ernteproben 2006 weitere 49 Weizen- bzw. 22 Triticaleproben mit dem
Schwerpunkt der Stärkegehalte im Bereich von 60 bis 65 % TS (Weizen) bzw. > 70 % (Triticale)
gezielt ausgewählt, um die Datenbasis für die entsprechenden Konzentrationsbereiche und damit
die Kenngrößen der NIRS-Kalibration weiter zu verbessern. Die Auswertung dieser Ergebnisse
erfolgt bis zur Analyse der Ernteproben 2007. Frühere Vergleichsuntersuchungen zwischen den
Ergebnissen der Gesamtstärkebestimmung nach EWERS (VDLUFA-MB Bd. III, 7.2.1., 1. Erg.
1983) und den Ergebnissen einer auf der Basis der CTB-Methode (Destillation des Ethanols nach
Druckaufschluss, enzymatischer Spaltung und Vergärung) erstellten NIRS-Kalibration ergaben für
Weizen statistisch gesicherte Unterschiede von 1 bis 2 % (B
ARGHOLZ et al. 2004).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
101
Schriftenreihe, Heft 7/2008
y = 0,9998x
R
2
= 0,8804
50
55
60
65
70
75
50
55
60
65
70
75
vergärbare Stärke HPLC in % TS
vergärb. Stärke NIRS in % TS
Abbildung 4:
NIRS-Kalibrationsdatensatz für den Parameter „vergärbare Stärke“ in Wei-
zen nach der HPLC-Methode, 200 Proben der Erntejahre 2003 bis 2005
Tabelle 2:
Ergebnisse der Validierung der NIRS-Kalibrationen zur Bestimmung der ver-
gärbaren Substanz in Weizen und Triticale, Stand 05/2007, Ernteproben 2003
bis 2005
Arbeitsbereich
SEP
CAL
SEP
VAL-Obergrenze
Getreideart
Probenzahl
SEP
VAL-Ist
*
% der TS
Weizen
200
53 - 73
1,0
1,32
1,08
Triticale
74
63,8 - 71,1
0,85
1,14
1,03
* Validierung mit Ernteproben 2005
SEP
CAL
- Standardfehler der NIRS-Kalibration
SEP
VAL-Obergrenze
- maximal zulässiger Fehler der Validierung
SEP
VAL-IST
- Fehler eines Validierungsprobensatzes
Ermittlung von Kenngrößen zur Genauigkeit (Wiederholbarkeit, Vergleichbarkeit) der Analy-
sendaten für die Bewertung der Qualität und Futtertauglichkeit der Schlempe
Die Wiederholpräzision eines Analysenverfahrens, d. h. die Reproduzierbarkeit der mit diesem
Verfahren ermittelten Analysenergebnisse über einen eng begrenzten Zeitraum wird durch die
Wiederholstandardabweichung s
r
bzw. den Wiederholvariationskoeffizient v
r
charakterisiert. Die
Ermittlung dieser Kenngrößen basiert dabei auf einer Mehrfachanalyse unter Wiederholbedingun-
gen (gleiches Labor, gleiches Analysengerät, gleiche Person, gleiche Chemikaliencharge, kurzer
Untersuchungszeitraum, gleiche Kalibration) für den gesamten Analysengang ohne Probenahme.

image
image
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
102
Schriftenreihe, Heft 7/2008
Die Interlaborpräzision eines Analysenverfahrens charakterisiert die Reproduzierbarkeit der mit
diesem Verfahren ermittelten Analysenergebnisse in unterschiedlichen Laboratorien unter Ver-
gleichsbedingungen (unterschiedliche Analysengeräte, unterschiedliche Laborbedingungen, Che-
mikalien und Hilfsmittel, ggf. modifizierte Verfahren, unterschiedliche Personen). Als Kenngrößen
für die ausschließlich aus Ringversuchen ableitbare Interlaborpräzision können die Vergleichsstan-
dardabweichung s
R
, der Vergleichsvariationskoeffizient v
R
, die im Rahmen der Futtermittelanalytik
des VDLUFA angewendeten Analysenspielräume (VDLUFA-MB Bd. III, Anhang, 4. Erg. 1997)
sowie die erweiterte Messunsicherheit (EURACHEM/CITAC Leitfaden 2/2004) dienen.
Im Rahmen der von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft ausgerichteten 12. Futter-
mittelringanalyse Sachsen/Thüringen 2005 (K
RIEG 2006) sowie 13. Futtermittelringanalyse Sach-
sen/Thüringen 2006 (KRIEG 2007) wurden
die Weizenschlempe ProtiGrain der Südzucker AG Zeitz
(Abb. 5) sowie eine Roggenpressschlempe der Mitteldeutschen BioEnergie GmbH & Co KG Zörbig
(Abb. 5) hinsichtlich der Analytik der wichtigsten Parameter zur Charakterisierung der Qualität und
Futtertauglichkeit untersucht (Tab. 3 und 4).
Abbildung 5: Ringversuchsproben Weizenschlempe ProtiGrain der Südzucker AG Zeitz
(links) und Roggenpressschlempe der MBE Zörbig (rechts)
An den beiden Ringversuchen 2005 und 2006 beteiligten sich 18 bzw. 19 Laboratorien aus Sach-
sen und Thüringen sowie 9 bzw. 11 aus weiteren Bundesländern. Sowohl die Wiederholvariations-
koeffizienten als auch die Mehrzahl der ermittelten Vergleichsvariationskoeffizienten lagen in einem
akzeptablen Bereich und belegen damit die gute Präzision der angewendeten Analysenverfahren
für die Charakterisierung der meisten Futterqualitätsparameter. Für die Rohnährstoffparameter
Zucker, Stärke (Weizenschlempe und Roggenpressschlempe) und für die Gasbildung mittels Ho-
henheimer Futterwerttest, HFT (Roggenpressschlempe) waren die Vergleichsvariationskoeffizien-
ten jedoch zum Teil deutlich größer als 10 %. Die Ursachen für die Probleme bei der Bestimmung
der Kohlenhydrate könnten zum einen in den im Vergleich zu anderen Futtermitteln niedrigen Zu-
cker- und Stärkekonzentrationen sowie zum anderen in methodisch bedingten Abweichungen

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
103
Schriftenreihe, Heft 7/2008
durch fehlende Matrixanpassungen liegen. Auch bei der Analyse der unerwünschten Stoffe traten
teilweise erhöhte V
R
-Werte auf. Möglicherweise ist dies ebenfalls auf fehlende Erfahrungen und
Schwierigkeiten bei der Analyse der durch die Abreicherung der Kohlenhydrate anteilig stärker
fetthaltigen Matrices in einzelnen Laboratorien zurückzuführen. Diese Vermutung wird zusätzlich
durch die größere Anzahl von Ausreißerwerten für die beiden o. g. Probenmatrices im Vergleich zu
weiteren in den gleichen Ringversuchen geprüften Futtermitteln gestützt (K
RIEG 2006, 2007).
Tabelle 3:
Statistische Ringversuchskenndaten der Rohnährstoffparameter für die Probe
Weizenschlempe (K
RIEG 2006)
TS
RA
RP
Rfa
Rfe
Stär-
ke
Zucker
ELOS
HFT
g/kg
g/kg TM
ml/200 mg
MW 927,51 54,71 392,04 71,49 61,01 21,56 28,74 825,03 40,51
SR 3,82 1,64 8,22 5,33 4,42 7,02 5,15 27,94 4,78
VR (%) 0,41 3,00 2,10 7,46 7,24 32,55 17,91 3,39 11, 80
N (max =
31)
29 27 28 25 24 20 22 11 8
Tabelle 4:
Statistische Ringversuchskenndaten der Rohnährstoffparameter für die Probe
Roggenschlempe (K
RIEG 2007)
TS
RA
RP
Rfa
Rfe
Stär-
ke
Zucker
ELOS
HFT
g/kg
g/kg TM
ml/200 mg
MW 941,52 21,26 223,17 135,24 71,07 47,21 14,21 721,24 35,38
SR 3,66 0,86 4,89 13,57 6,03 17,13 4,64 81,24 1,78
VR (%)
0,39
4,04
2,19
10,04
8,48
36,30
32,66
11,26
5,03
N (max =
34)
31 28 29 26 27 22 22 12 8
Zusammenfassung und Ausblick
Die im Rahmen des Mehrländerprojektes „Erzeugung von Ethanolgetreide und Schlem-
peverfütterung“ durchgeführten analytisch-methodischen Untersuchungen konzentrierten sich auf
zwei Schwerpunkte. Dies sind die Entwicklung und Validierung von schnellen und kostengünstigen
Verfahren zur Analyse der für die Effizienz der Bioethanolherstellung wichtigen Parameter „Gesamt-
stärke“ und „vergärbare Stärke“ in den Ernteprodukten mittels Nahinfrarotspektrometrie NIRS sowie
die Ermittlung der Präzision, insbesondere der Vergleichspräzision zwischen unterschiedlichen Labo-

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
104
Schriftenreihe, Heft 7/2008
ratorien, für die analytischen Parameter zur Charakterisierung der Qualität und Futtertauglichkeit der
Gärrückstände zur Verwendung als Futtermittel.
Für die Analyse des Parameters „vergärbare Stärke“ in Weizen und Triticale wurden zwei NIRS-
Kalibrationsdatensätze aufgebaut und validiert. Sie basieren auf der Referenzanalyse der Einzelzu-
cker mit HPLC nach enzymatischem Aufschluss. Die für eine schnelle und kostengünstige Charak-
terisierung der Ethanolausbeute aus den Ernteprodukten Weizen und Triticale erstellten NIRS-
Kalibrationen müssen für eine weitere Anwendung mit ca. 20 ausgewählten Ernteproben pro Ka-
libration jährlich angepasst werden. Der Einsatz dieser Kalibrationen wäre dann für die Ableitung
der Sortenempfehlungen aus den jährlichen Landessortenversuchen für die unterschiedlichen
Anbauregionen gut geeignet. Eine perspektivische Anwendung des Parameters „vergärbare Stär-
ke“ zur Qualitätsbewertung der Rohstoffe für die Bioethanolproduktion im Hinblick auf deren finan-
zielle Bewertung ist denkbar, bedarf aber einer weiteren Prüfung insbesondere durch die Bioetha-
nolhersteller.
In zwei Futtermittelringversuchen unter Beteiligung von 27 bzw. 30 Laboratorien wurden die Kenn-
größen für die Wiederhol- und Vergleichspräzision der wichtigsten Analysenparameter zur Charak-
terisierung der neuen Futtermittel am Beispiel der Weizenschlempe ProtiGrain der Südzucker AG
Zeitz sowie einer Roggenpressschlempe der Mitteldeutsche BioEnergie GmbH & Co KG Zörbig
ermittelt. Während die Mehrzahl der Qualitätsparameter mit einer guten Präzision analysiert werden
konnten, wurden für die Rohnährstoffparameter Zucker, Stärke und für die Gasbildung mittels Ho-
henheimer Futterwerttest (nur Roggenpressschlempe) erhöhte Vergleichsvariationskoeffizienten
ermittelt.
Hinsichtlich einer Verbesserung der analytischen Präzision und Vergleichbarkeit der Rohnährstoff-
parameter in den aus der Bioethanolproduktion anfallenden Futtermitteln sollte eine weitere analy-
tisch-methodische Bearbeitung, z. B. im Rahmen der Fachgruppe Futtermittel des VDLUFA geprüft
werden.
Literatur
BARGFELD, J.; HORNEMANN, J.; WARSITZKA, CH. (2004): Vergleichende methodische Untersuchungen
zur Bestimmung von Stärke in Weizen und Triticale unter dem Gesichtspunkt der Bioetha-
nolproduktion.
HU
http://www.tll.de/ainfo/ai_idx.htm
UH
, TLL (2004), 12 S.
VDLUFA; TILLMANN, P. (2003): Arbeitsanleitung für NIRS-Untersuchungen an Getreide (Weizen, Gers-
te, Triticale, Roggen) und Erbsen im Rahmen des Qualitätssicherungssystem NIRS/NIT.
HU
http://www.vdlufa.de/nirs/qual.html
UH
, Kassel (2003), 10 S.
KRIEG, D. (2006): Auswertung der gemeinsamen Ringanalyse Futtermittel Sachsen/Thüringen 2005.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft (2006), 150 S.
KRIEG, D. (2007): Auswertung der gemeinsamen Ringanalyse Futtermittel Sachsen/Thüringen 2006.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft (2007), 154 S.

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März 2008