image
image
image
Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Bebauungsplan „Wurzener Straße/Klein-
steinberger Straße“
Lindenhof Kleinsteinberg
Gemeinde Brandis
Markt 1-3
04821 Brandis
Logo
AG
Logo
AG
Bild bündig mit Linie oben für Druck im Hause (Abgabeordner)
Bild bündig mit Linie oben für Druck im Hause (Abgabeordner)

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Impressum
Seite 2
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Impressum
Herausgeber:
Gemeinde Brandis, Markt 1-3, 04821 Brandis
Redaktion, Satz und Gestaltung:
seecon Ingenieure GmbH, Spinnereistraße 7, Halle 14, 04179 Leipzig
Stand bzw. Redaktionsschluss:
25.05.2020
Bildnachweis Titelseite:
RAPIS 11/2018 (https://rapis.sachsen.de/)
Anmerkung:
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und
weiblicher Sprachformen verzichtet. Alle geschlechtsspezifischen Bezeichnungen, die in
männlicher oder weiblicher Form benutzt wurden, gelten für beide Geschlechter gleicherma-
ßen ohne jegliche Wertung oder Diskriminierungsabsicht.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Inhaltsverzeichnis
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 3
Inhaltsverzeichnis
1
Veranlassung und Zielstellung ................................................................................. 5
1.1
Ziele und Zwecke des Fachbeitrages....................................................................... 6
2
Grundlagen .............................................................................................................. 7
2.1
Methodische Grundlagen ......................................................................................... 7
2.1.1
Prüfablauf / Methoden ............................................................................................. 7
2.1.2
Definition artenschutzrechtlich relevanter Arten ....................................................... 9
2.1.3
Verbotstatbestände nach § 44 BNatSchG ............................................................... 9
2.1.4
Ausnahmen von den Verboten (§ 45 BNatSchG) ....................................................10
2.2
Planungsunterlagen, Datengrundlagen ...................................................................11
2.3
Normen, Vorschriften und Literaturangaben ...........................................................12
2.4
Relevante Gesetze, in der jeweils aktuell gültigen Fassung ....................................13
3
Beschreibung des Bauvorhabens / Untersuchungsraum.........................................14
3.1
Erläuterung des Bauvorhabens...............................................................................14
3.1.1
Räumlicher Umfang ................................................................................................14
3.1.2
Ausführung .............................................................................................................15
3.2
Untersuchungsraum ...............................................................................................15
3.2.1
Administrative Einordnung des UR .........................................................................16
3.2.2
Europäische Schutzgebiete ....................................................................................16
3.2.3
Hauptbiotoptypen ...................................................................................................17
4
Artenschutzrechtliche Prüfung ................................................................................19
4.1
Bestandsprognose und Relevanzprüfung ...............................................................19
4.1.1
Pflanzen .................................................................................................................20
4.1.2
Tiere .......................................................................................................................20
4.2
Prognose und Bewertung von Schädigungen und Störungen .................................28
4.2.1
Auftretende Wirkfaktoren ........................................................................................28
4.2.2
Betroffenheitsabschätzung der prüfrelevanten Tierarten (Feinabschichtung) ..........37
4.3
Maßnahmenplanung ...............................................................................................47
4.3.1
Maßnahmen Brutvögel ...........................................................................................48
4.3.2
Maßnahmen Säugetiere (Fledermäuse) .................................................................53
4.3.3
Maßnahmen Amphibien ..........................................................................................56
4.3.4
Maßnahmen Insekten .............................................................................................58
4.3.5
Maßnahmen Reptilien .............................................................................................60
4.4
Konflikt-/Maßnahmenübersicht ...............................................................................62
5
Zusammenfassung .................................................................................................65
5.1
Baubeginn, Bauzeiten .............................................................................................65
5.2
Vermeidungsmaßnahmen vor/mit Baubeginn .........................................................65
5.3
Einzelartenprüfung..................................................................................................66

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Inhaltsverzeichnis
Seite 4
seecon Ingenieure 25.05.2020
5.3.1
Ergebnis der Einzelartenprüfung .............................................................................67
Anlagenverzeichnis… ...........................................................................................................69
Tabellenverzeichnis ..............................................................................................................70
Abkürzungsverzeichnis.........................................................................................................71

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Veranlassung und Zielstellung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 5
1
Veranlassung und Zielstellung
Die Stadtverwaltung Brandis verzeichnet eine ungebrochene Nachfrage nach Wohnbauland.
Diese Nachfrage konnte bisher mit den zur Verfügung stehenden Wohngebäuden, die saniert
wurden, und durch neue bzw. erweiterte Baugebiete befriedigt werden. Die entsprechenden
Bestandsgebäude in Brandis sind mittlerweile weitgehend saniert. Daraus ergibt sich Hand-
lungsbedarf einerseits, andererseits sind die Bestandsgebäude des Plangebiets, von denen
einige als Kulturdenkmale festgestellt sind, überwiegend stark verfallen bzw. teilweise zusam-
mengebrochen. Der Bebauungsplan soll also zum einen die Versorgung mit Wohnraum er-
möglichen, zum anderen auf ungenutzten und für die bauliche Nutzung vorgeprägten Freiflä-
chen Baurecht schaffen. Auf dem Areal soll ein Wohngebiet mit ca. 90 Wohneinheiten entste-
hen. Dabei werden ca. 30 % der Bruttogeschossfläche im Bestand entwickelt.
Im bestehenden Flächennutzungsplan ist das Plangebiet im Süden als gemischte Baufläche,
als Grünfläche im Norden und als Wohnbaufläche für einen kleinen Teilbereich im Osten dar-
gestellt. Derzeit wird eine Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Brandis durchge-
führt. Das Plangebiet ist darin nunmehr als gemischte Baufläche und Wohnbaufläche darge-
stellt. Die zukünftig vorgesehene Nutzung als allgemeines Wohngebiet mit einem Anteil an
nichtstörendem Gewerbe entspricht dem Entwurfsstand des geänderten Flächennutzungs-
plans.
Für das Plangebiet besteht Planungsrecht nach § 34 BauGB für die im südlichen Bereich be-
findlichen Teilflächen und deren Bestandsbebauung. Das Planungserfordernis ergibt sich so-
mit zunächst durch die geplante Nutzungs- und Strukturänderung sowie Flächenerweiterung,
die auf Grundlage des bestehenden Planungsrechtes in Ihrer Gesamtheit nicht genehmigt
werden können.
Gemäß § 1 Abs. 3 BauGB haben die Gemeinden Bauleitpläne aufzustellen, sobald und soweit
es für die städtebauliche Entwicklung und Ordnung erforderlich ist. Das Planerfordernis ergibt
sich insbesondere aus den folgenden Gründen:
notwendige städtebauliche Entwicklung des Plangebietes zur Sicherung des Wohnbedarfs
Revitalisierung einer Brachfläche zu Wohnzwecken (allgemeinem Wohnen), die aufgrund
ihrer prädestinierten Lage städtebaulich eine wichtige Raumkannte innerhalb des Sied-
lungsgebietes darstellt
große Teile des Plangebiets sollen entsprechend dem zugrundeliegenden Konzept einer
neuen Nutzung zugeführt werden, deren Zulässigkeit - insbesondere nach Art und Maß der
baulichen Nutzung - aufgrund der Größe des Plangebietes und der fehlenden inneren
Erschließung nicht aus der Eigenart der näheren Umgebung ableiten lässt; die Aufstellung
eines B-Planes ist entsprechend erforderlich, um umfassendes Baurecht zu schaffen

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Veranlassung und Zielstellung
Seite 6
seecon Ingenieure 25.05.2020
in Anbetracht sowohl der Größe des Plangebiets als auch der geplanten Nutzungen mit
spezifischen Schutzansprüchen und unterschiedlichen Anforderungen an die Erschließung
ergibt sich das Planerfordernis bereits aus der Notwendigkeit der Konfliktvermeidung, um
eine geordnete städtebauliche Entwicklung mit gesunden Wohnverhältnissen zu gewähr-
leisten
Planziel ist, einen großen Teil des Plangebiets gemäß dem zugrundeliegenden Konzept einer
neuen Nutzung zuzuführen. Unter Berücksichtigung der bestehenden Rechte ist für die vorge-
sehenen Nutzungen umfassendes Baurecht zu schaffen.
1.1
Ziele und Zwecke des Fachbeitrages
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ist zu prüfen, ob geschützte Tier- und/oder
Pflanzenarten (hier: Europäische Vogelarten und Arten des Anhang IV der FFH-RL) durch das
Vorhaben betroffen sein können und ob durch Bauvorhaben die Schädigungs- oder Störungs-
verbote des § 44 BNatSchG erfüllt werden.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Grundlagen
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 7
2
Grundlagen
2.1
Methodische Grundlagen
Als methodische Grundlage werden die Arbeitshilfen für artenschutzrechtliche Bewertungen
des LfULG herangezogen.
Zu dem Vorhaben wurden Einzelartenerfassungen (Kartierungen) durchgeführt [2][3][4].
2.1.1
Prüfablauf / Methoden
Zu prüfen sind die europarechtlich geschützten Arten, d. h. die Arten nach Anhang IV der FFH-
Richtlinie und die Europäischen Vogelarten. Die Umsetzung der artenschutzfachlichen Prü-
fung gliedert sich wie folgt:
1. Relevanzprüfung
Die Relevanzprüfung erfolgt über die Artentabellen.
Ermittlung der im Vorhabensbereich aktuell vorkommenden bzw. in Einzelfällen bei Un-
sicherheiten potenziell zu erwartenden geschützten Arten auf Grundlage der Kartier-
ergebnisse [2], [3], [4].
Zusammenstellung der Arten, die möglicherweise betroffen sein könnten und in einer
Einzelartenbetrachtung näher betrachtet werden müssen
-
in Sachsen auftretende Vogelarten, Version 2.0 (Stand: 30.03.2017)
-
streng geschützte Tier- und Pflanzenarten (außer Vögel) in Sachsen, Version 2.0
(Bearbeitungsstand 12.05.2017
In der Relevanzprüfung erfolgt eine Abschichtung von Arten, deren populationsbezogene oder
individuelle Betroffenheit mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Als wesentliche An-
haltspunkte für die Relevanzprüfung werden folgende Ausschlusskriterien geprüft:
Die Art ist weit verbreitet, ökologisch breit eingenischt oder gilt als ungefährdet (z. B.
ubiquitäre, in Sachsen flächendeckend verbreitete Brutvogelarten).
Der Wirkraum liegt außerhalb des bekannten Verbreitungsgebietes der Art in Sachsen.
Hierzu Ermittlung der im Vorhabensbereich potenziell vorkommenden und zu erwartenden
geschützten Arten auf Grundlage aller öffentlich verfügbaren Artdaten aus dem iDA

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Grundlagen
Seite 8
seecon Ingenieure 25.05.2020
Datenportal des Freistaates Sachsen für die Messtischblattquadranten (MTBQ) 4641-SW
bzw. 46413, MTBQ 4641-SO bzw. 46414 [1].
Das Vorhaben beinhaltet keine Eingriffe, welche für die Art oder Artengruppe beeinträchtigt
wirken kann. (z. B. keine Eingriffe in Gewässer, keine Relevanz für Schwimmkäfer =
Grobfilter, keine Baumfällungen, keine Relevanz für xylobionte Käferarten). Oder die
tatsächlich vorzufindende Ausprägung der Habitatausstattung lässt ein Vorkommen aus-
schließen bzw. ist durch andere Faktoren ein Vorkommen im Wirkbereich ausschließbar. –
(Feinfilter)
Es verbleiben Arten, für die eine Betroffenheit unter Einbeziehung einer worst-case-Annahme
nicht sicher ausgeschlossen werden kann.
2. Konfliktanalyse
Beschreibung der artenschutzrechtlichen Schädigungs- und Störungsverbote durch das
geplante Vorhaben, unterschieden nach bau-, anlage- oder betriebsbedingten Wirkfaktoren
Beleuchtung vorhabenspezifischer Wirkungen und Wirkpfade durch Bauabläufe, -
zeiträume und Nachwirkungen
Prüfung, ob sich die Arten im Wirkbereich des Vorhabens befinden und gegenüber dem
Vorhaben empfindlich sind
3. Maßnahmenkonzept
Im Artenschutzrechtlichen Fachbeitrag wird zwischen folgenden Maßnahmen unterschieden:
artspezifische Vermeidungsmaßnahmen zum Schutz wertgebender, möglicherweise
betroffener Arten
vorgezogene bzw. vor dem Eingriff zu realisierende Ausgleichsmaßnahmen (CEF-
Maßnahmen) zur Sicherung der durchgängigen ökologischen Funktionalität
Die Belange der zuvor abgeschichteten weit verbreiteten, störungstoleranten Brutvogel-
arten in günstigem Erhaltungszustand finden in Form von Gildenbildungen Berücksichti-
gung. Die in Vorbereitung zur Einzelartenbetrachtung konzipierten Maßnahmen werden auf
Mitnahmeeffekte für die gebildeten Gilden geprüft. Stellt sich heraus, dass die geplanten
Maßnahmen nicht ausreichend ubiquitäre Brutvogelarten mit abdecken, werden zusätzliche
Maßnahmen eingeplant.
4. Einzelartenbetrachtung

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Grundlagen
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 9
Prüfung der Verbote nach § 44 Abs. 1 i. V. m. Abs. 5 BNatSchG unter Berücksichtigung der
geplanten Vermeidungs- und ggf. vorgezogener funktionserhaltender Ausgleichs (CEF)-
Maßnahmen
2.1.2
Definition artenschutzrechtlich relevanter Arten
Besonders geschützte Arten gem. § 7 Abs. 2 Nr. 13 BNatSchG:
Tier- und Pflanzenarten des Anhangs IV der Richtlinie 92/43/EWG (FFH-Richtlinie)
Europäische Vogelarten (hierzu zählen alle in Europa natürlich vorkommenden Vogelarten)
Tier- und Pflanzenarten, die in einer Rechtsverordnung nach § 54 Absatz 1 BNatSchG
aufgeführt sind
Streng geschützte Arten gem. § 7 Abs. 2 Nr. 14 BNatSchG:
Arten des Anhangs IV der Richtlinie 92/43/EWG (FFH-Richtlinie)
Arten einer Rechtsverordnung nach § 54 Absatz 2 BNatSchG
Da eine Rechtsverordnung nach § 54 Abs. 1 und 2 BNatSchG bislang nicht rechtskräftig vor-
liegt, findet sie in diesem Fachbeitrag keine Anwendung.
2.1.3
Verbotstatbestände nach § 44 BNatSchG
§ 44 BNatSchG - Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflan-
zenarten:
(1) Es ist verboten,
1. wildlebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu ver-
letzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädi-
gen oder zu zerstören,
2. wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während
der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich
zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszu-
stand der lokalen Population einer Art verschlechtert,
3. Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wildlebenden Tiere der besonders geschützten Ar-
ten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
4. wildlebende Pflanzen der besonders geschützten Arten oder ihre Entwicklungsformen aus
der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu beschädigen oder zu zerstören.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Grundlagen
Seite 10
seecon Ingenieure 25.05.2020
(5) Für nach § 15 Absatz 1 unvermeidbare Beeinträchtigungen durch Eingriffe in Natur und
Landschaft, die nach § 17 Absatz 1 oder Absatz 3 zugelassen oder von einer Behörde durch-
geführt werden, sowie für Vorhaben im Sinne des § 18 Absatz 2 Satz 1 gelten die Zugriffs-,
Besitz- und Vermarktungsverbote nach Maßgabe der Sätze 2 bis 5. Sind in Anhang IV Buch-
stabe a der Richtlinie 92/43/EWG aufgeführte Tierarten, europäische Vogelarten oder solche
Arten betroffen, die in einer Rechtsverordnung nach § 54 Absatz 1 Nummer 2 aufgeführt sind,
liegt ein Verstoß gegen
1.das Tötungs- und Verletzungsverbot nach Absatz 1 Nummer 1 nicht vor, wenn die
Beeinträchtigung durch den Eingriff oder das Vorhaben das Tötungs- und Verletzungsrisiko
für Exemplare der betroffenen Arten nicht signifikant erhöht und diese Beeinträchtigung bei
Anwendung der gebotenen, fachlich anerkannten Schutzmaßnahmen nicht vermieden
werden kann,
2.das Verbot des Nachstellens und Fangens wild lebender Tiere und der Entnahme,
Beschädigung oder Zerstörung ihrer Entwicklungsformen nach Absatz 1 Nummer 1 nicht
vor, wenn die Tiere oder ihre Entwicklungsformen im Rahmen einer erforderlichen
Maßnahme, die auf den Schutz der Tiere vor Tötung oder Verletzung oder ihrer
Entwicklungsformen vor Entnahme, Beschädigung oder Zerstörung und die Erhaltung der
ökologischen Funktion der Fortpflanzungs- oder Ruhestätten im räumlichen Zusammen-
hang gerichtet ist, beeinträchtigt werden und diese Beeinträchtigungen unvermeidbar sind,
3.das Verbot nach Absatz 1 Nummer 3 nicht vor, wenn die ökologische Funktion der von
dem Eingriff oder Vorhaben betroffenen Fortpflanzungs- und Ruhestätten im räumlichen
Zusammenhang weiterhin erfüllt wird.
Soweit erforderlich, können auch vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen festgelegt werden. Für
Standorte wildlebender Pflanzen der in Anhang IV Buchstabe b der Richtlinie 92/43/EWG auf-
geführten Arten gelten die Sätze 2 und 3 entsprechend. Sind andere besonders geschützte
Arten betroffen, liegt bei Handlungen zur Durchführung eines Eingriffs oder Vorhabens kein
Verstoß gegen die Zugriffs-, Besitz- und Vermarktungsverbote vor.
2.1.4
Ausnahmen von den Verboten (§ 45 BNatSchG)
Die Ausnahmen von den Verboten des § 44 NatSchG sind in § 45 Abs.7 BNatSchG geregelt.
(7) Die für Naturschutz und Landschaftspflege zuständigen Behörden sowie im Fall des Ver-
bringens aus dem Ausland das Bundesamt für Naturschutz können von den Verboten des §
44 im Einzelfall weitere Ausnahmen zulassen
1. zur Abwendung erheblicher land-, forst-, fischerei-, wasser- oder sonstiger erheblicher
wirtschaftlicher Schäden,
2. zum Schutz der natürlich vorkommenden Tier- und Pflanzenwelt,

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Grundlagen
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 11
3. für Zwecke der Forschung, Lehre, Bildung oder Wiederansiedlung oder diesen Zwecken
dienende Maßnahmen der Aufzucht oder künstlichen Vermehrung,
4. im Interesse der Gesundheit des Menschen, der öffentlichen Sicherheit, einschließlich der
Verteidigung und des Schutzes der Zivilbevölkerung, oder der maßgeblich günstigen Auswir-
kungen auf die Umwelt oder
5. aus anderen zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses ein-
schließlich solcher sozialer oder wirtschaftlicher Art.
Eine Ausnahme darf nur zugelassen werden, wenn zumutbare Alternativen nicht gegeben sind
und sich der Erhaltungszustand der Populationen einer Art nicht verschlechtert, soweit nicht
Artikel 16 Absatz 1 der Richtlinie 92/43/EWG weiter gehende Anforderungen enthält. Artikel
16 Absatz 3 der Richtlinie 92/43/EWG und Artikel 9 Absatz 2 der Richtlinie 2009/147/EG sind
zu beachten. Die Landesregierungen können Ausnahmen auch allgemein durch Rechtsver-
ordnung zulassen. Sie können die Ermächtigung nach Satz 4 durch Rechtsverordnung auf
andere Landesbehörden übertragen.
Im Rahmen der artenschutzrechtlichen Prüfung ist gleichermaßen zu prüfen, ob die Ausnah-
mevoraussetzungen für eine Ausnahme von den Verbotstatbeständen vorliegen.
2.2
Planungsunterlagen, Datengrundlagen
[1]
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Datenportal iDA.
[Online] verfügbar unter:
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/infosysteme/ida/.
Zugriff am: 26.09.2019
[2]
Eilers, Alexander (2019): Kleinsteinberg – umweltfachliche Leistungen Kartierung &
Potentialabschätzung, Entwicklung Lindenhof Kleinsteinberg, Ökologicon, Büro für
Ökologie und Geoinformation
[3]
Eilers, Alexander (2019): Ökologische Gebäudekontrolle Übersichtsbegehung Vögel
und Fledermäuse, Entwicklung Lindenhof Kleinsteinberg Ökologicon, Büro für Ökologie
und Geoinformation
[4]
Eilers, Alexander (2020): Ökologische Gebäude – und Baumkontrolle, Winterbegehung
Vögel und Fledermäuse, Entwicklung Lindenhof Kleinsteinberg Ökologicon, Büro für
Ökologie und Geoinformation
[5]
Landratsamt Landkreis Leipzig, Umweltamt, SG 243 Natur- und Landschaftsschutz,
Multibaseabfrage, email-Eingang 26.09.2019
[6]
Landratsamt Landkreis Leipzig (2019), Stellungnahme vom 29.11.2019

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Grundlagen
Seite 12
seecon Ingenieure 25.05.2020
2.3
Normen, Vorschriften und Literaturangaben
[7]
Blanke, Ina (2010): Die Zauneidechse, Zwischen Licht und Schatten, Zeitschrift für
Feldherpetologie Beihefte, Bielefeld
[8]
Bundesamt für Naturschutz, BfN - FFH-VP-Info (2019): Projekttypen,
http://ffh-vp-
info.de/FFHVP/Page.jsp?name=projekttypen, Zugriff am 24.09.2019.
[9]
Garniel, Mierwald 2010: Arbeitshilfe Vögel und Straßenverkehr, Bonn, BMVBS 2010
[10] Institut für Landschaftspflege und Naturschutz (1998): Handlungsanleitung zur
Anwendung der Eingriffsregelung in Bremen Hannover, Anhang A.
[11] Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg -Vorpommern, (2013):
Angaben zu den in Mecklenburg-Vorpommern heimischen Vogelarten
[12] Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands, Südbeck et. al.,
Radolfzell, 2005.
[13] PAN Planungsbüro für angewandten Naturschutz GmbH, Übersicht zur Abschät-zung
von Minimalarealen von Tierpopulationen in Bayern.
[14] Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (2019), Datenportal
iDA. [Online]. verfügbar unter:
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/infosysteme/ida/.
Zugriff am 26.09.2019,
05.02.2020.
[15] Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, LfULG (2019)
Arbeitshilfen für artenschutzrechtliche Bewertungen,
http://www.umwelt.
sachsen.de/umwelt/natur/20403.htm, Abruf: 09/2019.
[16] Gellermann, M. und M. Schreiber (2007): Schutz wildlebender Pflanzen und Tiere in
staatlichen Planungsverfahren. Natur und Recht Band 7
[17] unbekannt, Fluchtdistanzen nach Flade 1994, WItt et. al. 1996, Heckenroth 1995,
Handtke mdl. jeweils zitiert in
http://www.umwelt.bremen.de/sixcms/media.php/13/HA_Anhang_Endfas_31_7_06.pdf.
[18] Gassner, E. und Winkelbrandt, A., (2010): UVP, rechtliche und fachliche Anleitung für
die Umweltverträglichkeitsprüfung, Praxis Umweltrecht
[19] Bundesamt für Naturschutz, BfN - (2020): FFH-Anhang IV Arten: https://ffh-
anhang4.bfn.de/arten-anhang-iv-ffh-richtlinie/saeugetiere-
fledermaeuse/zweifarbfledermaus-vespertilio-murinus.html
[20] Brombach, (1977), Rauchschwalben, Untersuchungen über Ortstreue,
Brutgewohnheiten, Altersverteilung, Deutscher Bund für Vogelschutz Leverkusen

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Grundlagen
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 13
[21] Seecon ingenieure (2020): Begründung zum Bebauungsplan Wurzner Straße /
Kleinsteinberger Straße, Vorentwurf
2.4
Relevante Gesetze, in der jeweils aktuell gültigen
Fassung
Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz; BNatSchG)
Sächsisches
Gesetz
über
Naturschutz
und
Landschaftspflege
(Sächsisches
Naturschutzgesetz; SächsNatSchG)
Richtlinie 92/43/EWG des Rates zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild
lebenden Tiere und Pflanzen (FFH-Richtlinie; FFH-RL)
Richtlinie 2009/147/EG, RL über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (Vogelschutz-
Richtlinie, VSchRL)
Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV)

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Beschreibung des Bauvorhabens / Untersuchungsraum
Seite 14
seecon Ingenieure 25.05.2020
3
Beschreibung des Bauvorhabens /
Untersuchungsraum
3.1
Erläuterung des Bauvorhabens
Das Plangebiet ist im Wesentlichen gegliedert in:
ein Wohngebiet,
öffentliche Verkehrs- und Wegeflächen,
eine Wasserfläche sowie
privaten Grünflächen.
Das städtebauliche Konzept sieht Doppelhäuser und Hausgruppen in Form von Hofhäusern
vor. Insgesamt sind ca. 90 Wohneinheiten im Bestand und als Neubau geplant. Im Schwer-
punkt soll es eine Wohnnutzung geben, aber auch die Möglichkeit bestehen, nichtstörenden
gewerblich bzw. freiberuflich Tätigkeiten nachzugehen.
Aufgrund seiner ortsbildprägenden Bedeutung bleibt der bestehende und in Teilen als Kultur-
denkmal festgestellte Dreiseithof in seiner Struktur erhalten.
Eine Bewahrung des Wohnhauses wäre wünschenswert, die Zumutbarkeit der Erhaltung ist
jedoch nicht mehr gegeben. [21]
3.1.1
Räumlicher Umfang
Der Geltungsbereich umfasst die Flurstücke 120/1 und 118/1 Gemarkung Kleinsteinberg und
hat eine Fläche von ca. 2,38 ha. Er wird wie folgt begrenzt:
im Norden: durch die Südgrenze des Flurstücks 144 (Nebenbahnstrecke)
im Osten: durch die Westgrenzen der Flurstücke 119/c, 119/2, 119/3, 119/4, 118/2, 137/12
(Wohnbauflächen und die Wurzener Straße)
im Süden: durch die Nordgrenzen der Flurstücke 5/1, 33/17, 33/22 (Kleinsteinberger
Straße)
im Westen: durch die Ostgrenzen der Flurstücke 33/8, 2/2, 2/1, 2/b, 1/7, 1/16, 1/9
(gemischte Bauflächen und Grünflächen)

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Beschreibung des Bauvorhabens / Untersuchungsraum
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 15
3.1.2
Ausführung
3.1.2.1 Bauzeit
Für den Artenschutz bedeutsame Eigenschaften des Vorhabens sind:
Der Baubeginn erfolgt ab August.
Es handelt sich um eine Tagesbaustelle (keine Ausleuchtung).
Die Baufeldfreimachung erfolgt ausschließlich außerhalb der gesetzlichen Gehölzschutz-
zeit.
3.2
Untersuchungsraum
Die Größe des Untersuchungsraumes (UR) beträgt ~2,5 ha. Die Abgrenzung des UR erfolgte
aufgrund nachfolgender Aspekte:
Ermittlung der Fluchtdistanzen [17] der störungsempfindlichsten Vogelart, die im
Messtischblattquadranten (MTBQ) 4641-SW bzw. 46413, MTBQ 4641-SO bzw. 46414, [1]
auftreten kann, hier sind die gebäudebrütenden Arten (Hausrotschwanz, Haussperling,
Rauchschwalbe) von Relevanz, da sie bei Abriss der Gebäude (Dreiseithof und Teilabriss
Pferdestall) ihren Brutplatz verlieren, neben Verlust des Lebensraums (Stall) Verlust der
Nahrungsflächen (Weiden und Wiesenflächen, Misthaufen)
Pufferung der Bebauungsplangrenze bezüglich der Randsiedler, insbesondere durch die
wertvollen Biotopstrukturen und Biotopverbundelemente
Anpassung des Puffers an Geländegrenzen (Gehölzflächen, bestehende Siedlungen,
Bahntrasse)

image
Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Beschreibung des Bauvorhabens / Untersuchungsraum
Seite 16
seecon Ingenieure 25.05.2020
Abb. 1:
Abgrenzung des Untersuchungsraums aus: Kleinsteinberg – umweltfachliche Leistungen Kartierung
und Potentialabschätzung, Ökologicon 2019
3.2.1
Administrative Einordnung des UR
Der UR befindet sich innerhalb folgender Verwaltungseinheiten:
Bundesland:
Freistaat Sachsen
Landkreis:
Leipzig
Gemeinde:
Brandis
Ortsteil:
Kleinsteinberg
3.2.2
Europäische Schutzgebiete
Das Baugebiet befindet sich außerhalb europäischer Schutzgebiete.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Beschreibung des Bauvorhabens / Untersuchungsraum
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 17
3.2.3
Hauptbiotoptypen
Das Areal hat eine Gesamtgröße von ca. 2,38 ha war in der Vergangenheit bereits einer bau-
lichen Nutzung unterzogen (Dreiseithof, Ställe, Nebenanlagen, Reitplatz) und ist medien- und
verkehrstechnisch erschlossen. Neben den bestehenden Gebäuden und Wegen im südlichen
Teil wird der nördliche Teil des Gebietes derzeit als Weidefläche für Pferde genutzt. Die vor-
handenen Bestandsgebäude sind unbewohnt und teilweise in einem baufälligen Zustand (vgl.
[21]).
Folgende Biotoptypen sind im UR des Artenschutzrechtlichen Fachbeitrages anzutreffen:
Tab. 1
Biotop- und Nutzungstypen nach sächsischer Biotoptypenliste
Biotopcode Bezeichnung
Mögliche Tierartengruppe
02.02.100
Gebüsch frischer Standorte
Brutvögel (Freibrüter), Amphibien in ihren Landle-
bensräumen Baumhöhlenbewohnende Fleder-
mäuse und Brutvögel, xylobionte Käfer, Reptilien
02.02.400
Einzelbaum, Baumreihe, Baum-
gruppe
Baumhöhlenbewohnende Fledermäuse, Brutvö-
gel, xylobionte Käfer
02.02.450
Höhlenreicher Einzelbaum (§)
Baumhöhlenbewohnende Fledermäuse und Brut-
vögel, xylobionte Käfer
03.04.100
Graben
Brutvögel (Freibrüter), Amphibien in ihren Wasser-
lebensräumen
06.03.220
intensiv genutzte Weide frischer
Standorte
Brutvögel (Bodenbrüter) und Reptilien
11.01.410
dörfliche Mischgebiete sowie Einzel-
und Reihenhaussiedlungen
Brutvögel (Freibrüter), Baumhöhlenbewohnende
Fledermäuse und Brutvögel
11.01.500
Dörfliche Siedlung
Brutvögel (Bodenbrüter) Baumhöhlenbewohnende
Fledermäuse und Brutvögel
§: geschützt nach §§ 30 BNatSchG i. V. m. § 21 SächsNatSchG
Die Standorte (02.01.200) im Osten schließt sich eine Einzel- und Reihenhaussiedlung
(11.01.410) an. Die sogenannte „Waldweide“, [2] Biotoptyp Laub-Mischbestand (02.01.200) ist
im Norden und Süden durch Bebauung begrenzt und wurde deshalb als Waldweide bezeich-
net, weil sie zur Pferdebeweidung genutzt wird. Sie befindet sich außerhalb des Geltungsbe-
reichs des Bebauungsplanes.
Westlich an das B-Plangebiet schließt sich ein reich strukturiertes, in Entwicklung befindliches
und mit Laubmischwald bestocktes Areal an, welches zurzeit noch als Grünland genutzt wird
(06.03.220). Kleinräumig ist hier eine Streuobstwiese (10.03.000) eingeschlossen, diese
wurde aus der BTLNK 2005 übernommen. Aktuell überwiegt der Parkcharakter dieser Fläche;

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Beschreibung des Bauvorhabens / Untersuchungsraum
Seite 18
seecon Ingenieure 25.05.2020
eine Tendenz zur Waldentwicklung ist zu erkennen. Eine Nord-Süd gerichtete Laubgebüsch-
struktur (02.01.200) bildet den Abschluss zur Bahntrasse hin.
Im Süden des B-Plangebietes setzen sich die dörflichen Mischgebiete sowie Einzel- und Rei-
henhaussiedlungen (11.01.500, 11.01.410) fort. Besondere Erwähnung sollte der aufgestaute
Grabenabschnitt (03.04.100) südlich der Pferdeweide finden. Der derzeit als Tümpel (mit un-
terschiedlichen Wasserständen) zu bezeichnende Gewässerabschnitt weist ufernahende Ge-
hölzstrukturen auf (02.01.200 - Gebüsche, mit teilweise wertgebenden Weidenarten auf fri-
schem Standort).
Im Norden bildet die Eisenbahntrasse (11.04.500) den Abschluss des B-Plangebietes.
Im B-Plangebiet verteilt finden sich einzelne höhlenreiche Bäume wie z. B. die Walnuss süd-
westlich angrenzend an den Pferdestall sowie Apfel nördlich der Kleinsteinberger Straße, so-
wie mehrere Bäume v. a. Weißdorn in der sog. „Waldweide“. Die
höhlenreichen Einzel-
bäume (02.02.450)
gelten als besonders
geschützte Biotope nach §21 SächsNatSchG.
Im Untersuchungsraum ist demnach nur ein
gesetzlich geschützter Biotoptyp
vorhanden.
Dieser ist aufgrund seiner Gefährdung entsprechend der
Roten Liste Sachsen
als Stufe 3 =
gefährdet eingestuft.
Tab. 2
Übersicht über die nach §21 SächsNatG i.V. M § 30 BNatSchG gesetzlich geschützten Biotope im
Untersuchungsraum
Biotoptyp Sachsen
Code
Bemerkung
Höhlenreicher Einzelbaum
02.02.450
Rote Liste Sachsen, Stufe 3 - gefährdet

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 19
4
Artenschutzrechtliche Prüfung
4.1
Bestandsprognose und Relevanzprüfung
Grundlage für die Prüfung sind die in Sachsen vorkommenden Arten gemäß den Artenlisten
des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG): „regelmä-
ßig in Sachsen auftretende Vogelarten“ und „streng geschützte Tier- und Pflanzenarten (au-
ßer Vögel)“. In den Tabellen sind Schutzstatus nach BNatSchG und die Kategorie der Roten
Liste Sachsen unter anderem aufgeführt. Die ausgewerteten Tabellen sind den Anlagen 8 und
9 zu entnehmen.
Auf Basis der Kartierergebnisse und darüber hinaus weiterführende Aussagen des Kartierbü-
ros werden die durch das Vorhaben möglicherweise betroffenen Arten ermittelt. Hinweise zu
potenziell vorkommenden Arten wurden anhand der öffentlich verfügbaren Artdaten aus dem
iDA Datenportal des Freistaates Sachsen im Messtischblattquadranten (MTBQ) 4641-SW
bzw. 46413, MTBQ 4641-SO bzw. 46414, [1] abgeglichen und durch eine MultibaseCS Daten-
bankabfrage des LfULG [5] ergänzt. Alle Unterlagen wurden ausgewertet, maßgeblich für die
Beeinträchtigung „streng geschützter Arten“ sind jedoch die Kartierergebnisse der Jahre 2019
und 2020. Die Erfassungsmethoden, Kartierzeiträume und Tage können den Kartierberichten
aus den Jahren 2019 und 2020 entnommen werden.[2],[3],[4].
Für die Artengruppe Fledermäuse erfolgte auf Grundlage der Abstimmungen mit der Unteren
Naturschutzbehörde Landkreis Leipzig, LRA Landkreis Leipzig, telefonische Absprache
09/2019, die Festlegung, zunächst eine Übersichtsbegehung für Fledermäuse durchzuführen
und eine Potenzialabschätzung auf Grundlage der Habitatausstattung zu treffen. Bei der Be-
gehung wurden auch die Potenziale für die gebäudebrütenden Vogelarten zusätzlich zu den
Kartierterminen für baumbrütende Vögel im gesamten Untersuchungsraum und in den Rand-
bereichen ermittelt.
In der Stellungnahme des Landratsamtes Landkreis Leipzig vom 29.11.2019 [6] wurde in
Punkt 3 darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse der Kartierungen bzw. Übersichtsbegehun-
gen zu keiner eindeutigen Aussage zur realen Nutzung der Gebäude als Brut- und Winter-
quartier führten und damit auch der tatsächliche Kompensationsbedarf nicht eindeutig ermittelt
werden konnte. Durch das Büro seecon wurde daraufhin eine weitere Kontrolle der Gebäude
angeregt. Die Begehung der Gebäude und Kellergewölbe dient als Ergänzung der Kontrolle
vom Sommer 2019 und fand Ende Februar 2020 statt.
Die potenziellen Höhlenbäume (Walnuss, Apfelbaum und mehrere Bäume in der „Wald-
weide“), welche im Jahre 2019 nicht eindeutig als solche deklariert werden konnten, wurden
Ende Februar 2020 auf Eignung bzw. Besatz mit Fledermäusen untersucht. Dafür war zum
Teil der Einsatz von Seilklettertechnik notwendig. Ebenso konnten bei der Begehung Ende

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 20
seecon Ingenieure 25.05.2020
Februar Gebäude und -teile begutachtet werden, welche bei der vorhergehenden Untersu-
chung im Sommer 2019 nicht zugänglich bzw. nicht einsehbar waren.
Die Gebäude wurden auf das Vorhandensein von Nestern und im Winterquartier befindlichen
Fledermäusen untersucht. Besondere Aufmerksamkeit galt hierbei den Dachstühlen und Ge-
wölbekellern. In keinem der Gebäude konnten Anzeichen für eine aktuelle Besiedlung/Anwe-
senheit von Fledermäusen oder Vögeln gefunden werden, so dass die Rückschlüsse aus den
vorherigen Begehungen [2][3] ihre Gültigkeit behalten. In den Dachböden und Dachstühlen
wurden Spuren einer intensiven Nutzung durch Marder einschließlich erheblicher Mengen
Marderkot (frisch) nachgewiesen werden. Die Anwesenheit von Mardern schließt eine Nutzung
durch Fledermäuse aber auch von Vögeln weitestgehend aus. Auch die Dachstühle der
Scheune und des Pferdestalles wurden gründlich durchsucht und erbrachten keine Anzeichen
aktueller Nutzung durch Vögel und oder Fledermäuse. Einzig der Gewölbekeller in Gebäude
3 (siehe [4] (dunkel, trocken und vermutlich frostfrei)) stellt ein potenzielles Fledermausquartier
dar. Aktuell gab es jedoch keine Anzeichen einer Nutzung durch Fledermäuse. Weiterhin weist
der bereits im Sommer 2019 untersuchte Gewölbekeller in Gebäude 4 ein Potenzial als Fle-
dermausquartier auf, vermutlich aufgrund des fehlenden Zuganges.
Die Abschichtung der Arten erfolgte in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde Land-
ratsamt Landkreis Leipzig.
4.1.1
Pflanzen
Durch das Büro seecon erfolgte im April 2019 eine Übersichtsbegehung zu den Biotopen im
Eingriffsbereich.
Für die in Sachsen vorkommenden Anhang-IV-Arten
Asplenium adulterinum
(Braungrüner
Strichfarn),
Botrychium matricariifolium
(Ästige Mondraute),
Coleanthus subtilis
(Scheiden-
blütgras),
Cypripedium calceolus
(Gelber Frauenschuh),
Gentianella lutescens
(Karpaten-
Fransenenzian),
Lindernia procumbens
(Liegendes Büchsenkraut),
Luronium natans
(Schwimmendes Froschkraut),
Trichomanes speciosum
(Prächtiger Dünnfarn) ist ein Vor-
kommen im Baubereich ausgeschlossen. Es liegen keine Funde oder Hinweise auf Vorkom-
men der streng geschützten Arten vor.
4.1.2
Tiere
Zur aktuellen Bestandsaufnahme im UR erfolgten 2019 und 2020 durch das Büro Ökologicon
Kartierungen und Potenzialabschätzungen zu folgenden Artengruppen (siehe auch Anlagen
5 bis 7):
Brutvögel einschließlich Nahrungsgäste (Kartierung)

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 21
Säugetiere/Fledermäuse (Potenzialabschätzung durch Gebäude- und Baumhöhlenkon-
trollen)
Amphibien (Potenzialabschätzung)
xylobionte Käfer (Potenzialabschätzung)
Insekten- Formica-Arten (Kartierung)
Reptilien (Potenzialabschätzung)
Alle weiteren Artengruppen können unberücksichtigt bleiben. Bei dem Vorhaben handelt es
sich um die Überprägung einer innerörtlichen Fläche mit angrenzendem Grünland und Ge-
hölzflächen sowie dörflicher Bebauung. Neben dem aufgestauten Graben liegen keine weite-
ren Oberflächengewässer im Untersuchungsraum. Somit ist mit Betroffenheiten fließgewäss-
ergebundener Arten wie beispielsweise Libellen oder Krebstieren nicht zu rechnen. Die vor-
handene, zu überbauende Pferdekoppel unterliegt einer intensiven Nutzung und ist deshalb
als Tagfalterhabitat nur bedingt wertvoll.
4.1.2.1 Vögel
Im Rahmen der Kartierungen mit insgesamt sechs Durchgängen 2019 konnten im UR folgende
Brutvogelarten mit dem Status Brutnachweis, Brutverdacht, Beobachtung während des Brut-
zeitraumes und Brut im UR erfasst werden: [2]
Insgesamt konnten auf dem Gelände 33 Vogelarten nachgewiesen werden. Neben 21 Brutvo-
gelarten wurden auch 13 Arten als Nahrungsgäste beobachtet. Die Brutvögel wurden dabei
noch in
Brutvögel und Randsiedler
unterteilt. Die Brutvögel hatten ihren Revierschwerpunkt
innerhalb der Projektgrenzen. Randsiedler hingegen, hatten ihren Schwerpunkt außerhalb des
Projektgebietes. [2]
Amsel, Blaumeise, Buchfink, Buntspecht, Elster, Girlitz, Grünfink, Grünspecht, Hausrot-
schwanz, Haussperling, Kohlmeise, Mönchsgrasmücke, Nachtigall, Pirol, Rauchschwalbe,
Ringeltaube, Sommergoldhähnchen, Star, Stieglitz, Wendehals, Zilpzalp.
Prüfrelevante Arten
Anhand der Kartierung sind drei Brutvogelarten von hervorgehobener artenschutz-
rechtlicher Bedeutung:
Grünspecht (
Picus viridis
), Rauchschwalbe (
Hirundo rustica
), Wendehals (
Jynx torquilla
)
Von den festgestellten Brutvogelarten sind keine Arten im Anhang I der europäischen Vogel-
schutzrichtlinie aufgeführt.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 22
seecon Ingenieure 25.05.2020
Folgende der kartierten Brutvogelarten werden in den Roten Listen von Sachsens und
Deutschlands geführt:
Tab. 3
Kartierte Brutvogelarten, die in den Roten Listens von Sachsen und Deutschland geführt werden
Artname deutsch
Rote Liste Sachsen
2013/2015
Rote Liste Deutschland besonders (bg)
bzw. streng geschützt (sg)
Grünspecht
-
sg
Haussperling
V
bg
Pirol
V
bg
Rauchschwalbe
3
bg
Wendehals
3
sg
*V = Vorwarnliste, *3 = gefährdet
Als
Nahrungsgäste
wurden 2019 erfasst:
Bluthänfling, Dorngrasmücke, Eichelhäher, Feldsperling, Fitis, Klappergrasmücke, Kleiber,
Kuckuck, Neuntöter, Rabenkrähe, Rotmilan, Singdrossel
Anhand der Kartierung sind drei registrierte Nahrungsgäste von hervorgehobener ar-
tenschutzrechtlicher Bedeutung:
Kuckuck (
Cuculus canorus
), Neuntöter (
Lanius collurio
), Rotmilan (
Milvus milvus
)
Von den festgestellten Nahrungsgästen sind folgende Arten im
Anhang I
der europäischen
Vogelschutzrichtlinie
aufgeführt:
Neuntöter (
Lanius collurio
), Rotmilan (
Milvus milvus
)
Die höfischen Gebäude- und Umgebungsstrukturen sind bedeutungsvoll für die gebäudebrü-
tenden Arten wie Rauchschwalbe, Hausrotschwanz und Haussperling, insbesondere ist hier
der Pferdestall mit Heuboden zu nennen. Mit seiner umliegenden Nutzung Weide und Mist-
haufen sowie angrenzender Gehölzstrukturen mit Altbaumbestand dient die Fläche auch dem
Nahrungserwerb ansässiger weiterer Brutvögel und Nahrungsgäste. Die streng geschützte
Rauchschwalbe als ausgesprochener Luftinsektenjäger (Luftinsekten = Aeroplankton) jagt in
niedrigen Höhen in Abhängigkeit vom aktuellen Wettergeschehen. Eine Rauchschwalbenpo-
pulation besitzt eine ausgeprägte Ortstreue und benötigt sowohl die Gebäudestrukturen sowie
auch die menschliche Bewirtschaftung (hier Pferdewirtschaft). Zum Nestbau benötigt der Ge-
bäudebrüter vorgefundene Habitate wie lehmangereicherte Pfützen und Nistmaterial, welches
er ebenfalls aus der Luft aufnimmt (Haare und Halme) und vermischt das Ganze unter Zugabe
seines sehr klebrigen Speichels um es zu einem halbkugeligen Nest zu formen (vgl. Quelle
[20]).
Der Wendehals findet in der abwechslungsreichen Struktur zwischen Weidefläche (offener
Charakter zur Nahrungssuche) und lockeren Gehölzstrukturen Laubmischwaldbestand west-
lich der Weide und „Waldweide“ optimale Lebensraumbedingungen. Zudem sind die im

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 23
Bereich des Waldrandes westlich des B-Plangebietes kartierten Ameisenhaufen der Gattung
Formica zur Nahrungssuche des Wendehalses sehr bedeutungsvoll.
Der Grünspecht profitiert ebenfalls von der Struktur zwischen Offenlandflächen (Wiesen und
Weiden) und Gehölzbereichen und bedient sich gerne des speziellen Nahrungsangebotes in
Form der vorgefundenen Ameisenarten. Ein Brutplatz konnte im unmittelbaren Umfeld der
Ameisenhaufen nachgewiesen werden.
Neben den Kartierungen dienen die Artenlisten des Sächsischen Landesamtes für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie (LfULG): „regelmäßig in Sachsen auftretende Vogelarten“ und
„streng geschützte Tier- und Pflanzenarten (außer Vögel)“ der Einschätzung von Betroffenhei-
ten und Planungsrelevanz.
Entsprechend der Methodenempfehlung des LfULG werden die in der Tabelle hellgrün her-
vorgehobenen weitverbreiteten in günstigem Erhaltungszustand befindlichen Arten (Amsel,
Drossel, Fink und Star) abgeschichtet. (Anlage 8 und 9). Es verbleiben die in Sachsen pla-
nungsrelevanten Arten laut iDA-Abfrage (MTBQ) 4641-SW bzw. 46413, MTBQ 4641-SO bzw.
46414, Arten mit hervorgehobener Bedeutung:
Baumfalke, Baumpieper, Bekassine, Beutelmeise, Blässgans, Blässhuhn, Brandgans, Braun-
kehlchen, Dohle, Drosselrohrsänger, Eisvogel, Feldlerche, Fischadler, Flussseeschwalbe,
Gänsesäger, Gartenrotschwanz, Gelbspötter, Goldregenpfeifer, Grauammer, Graugans,
Graureiher, Grauspecht, Großer Brachvogel, Grünspecht, Habicht, Haubentaucher, Heideler-
che, Höckerschwan*, Hohltaube, Kiebitz, Knäkente, Kolbenente, Kormoran, Kornweihe, Kra-
nich, Krickente, Kuckuck, Kurzschnabelgans, Lachmöwe, Löffelente, Mäusebussard, Mehl-
schwalbe, Mittelmeermöwe, Mittelspecht, Moorente, Neuntöter, Pfeifente, Prachttaucher,
Raubwürger, Rauchschwalbe, Reiherente*, Rohrweihe, Rothalstaucher, Rotmilan, Saatgans,
Saatkrähe, Schafstelze (siehe Wiesenschafstelze), Schellente, Schlagschwirl, Schleiereule,
Schnatterente, Schwarzhalstaucher, Schwarzkehlchen, Schwarzkopfmöwe, Schwarzmilan,
Schwarzspecht, Schwarzstorch, Seeadler, Silbermöwe, Silberreiher, Singschwan, Sperber,
Sperbergrasmücke, Spießente, Steinschmätzer, Steppenmöwe, Sterntaucher, Stockente*,
Sturmmöwe, Tafelente, Teichralle (Teichhuhn), Trauerseeschwalbe, Turmfalke, Turteltaube,
Uferschwalbe, Wachtel, Waldkauz, Waldohreule, Waldwasserläufer, Wanderfalke, Wasser-
ralle, Weißstorch, Weißwangengans, Wendehals, Wespenbussard, Wiesenpieper, Wiesen-
schafstelze (Schafstelze), Wiesenweihe, Zwergmöwe, Zwergtaucher.
In Absprache mit dem Landratsamt Landkreis Leipzig (15.04.2020) dient die Brutvogelkartie-
rung durch das Büro Ökologicon in den Jahren 2019 und 2020 als Maßgabe für planungsrele-
vante Arten. Die oben genannten ergänzenden Angaben beziehen sich auf die Messtischblatt-
quadranten) 4641-SW bzw. 46413, MTBQ 4641-SO bzw. 46414 und sind für den Untersu-
chungsraum nur ergänzend und zur Vollständigkeit zu betrachten. Die Umgebungsstrukturen
des Plangebietes (ehemalige Steinbrüche jetzt Steinbruchseen und Sukzessionsgesellschaf-
ten) weisen eine hohe Biotopvielfalt und damit einen wertvollen Lebensraum für streng ge-
schützte Arten auf. Für die artenschutzrechtliche Prüfung im begrenzten B-Planbereich sind

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 24
seecon Ingenieure 25.05.2020
sie jedoch nicht von Relevanz. Sie nehmen eine bedeutende Rolle im Ausgleich der Eingriffe
im B-Plangebiet ein, da sie wertvolle Ersatzhabitate in unmittelbarer Umgebung darstellen.
4.1.2.2 Säugetiere
4.1.2.2.1 Fledermäuse
Durch die Anwesenheit von Höhlenbäumen auf dem Gelände besteht ein gewisses Potenzial
für die Nutzung durch Fledermäuse. Auch in den umliegenden Bereichen des Projektgebietes
befinden sich viele alte Bäume, in denen Höhlen ebenfalls nicht ausgeschlossen werden kön-
nen. Das Vorhandensein von Höhlen in Einzelbäumen wurde in einer zusätzlichen Kartierung
im unbelaubten Zustand im Februar 2020 bestätigt.
Zudem wurde eine Potenzialabschätzung im Zusammenhang der auf dem Gelände befindli-
chen Gebäude in zwei Kartiergängen in den Jahren 2019 und 2020 durchgeführt.
Der Untersuchungsaufwand begrenzt sich damit auf die unmittelbar mögliche Betroffenheit
von Fortpflanzungs- und Ruhestätten und der sie besiedelnden Individuen. Die Untersuchun-
gen ergaben keine Nachweise zu Fledermäusen. Durch das Kartierbüro wird aber eine zu-
künftige Besiedlung der vorgefundenen Höhlenbäume nicht ausgeschlossen. Beim derzeitigen
Zustand der Gebäude (z. T. fehlende Zugänge) und insbesondere durch die intensive Nutzung
der Dachböden der Gebäude durch Marder kann die Nutzung durch Fledermäuse ebenfalls
ausgeschlossen werden. Einzig die Gewölbekeller in Gebäude 3 und 4 (siehe [4] (dunkel, tro-
cken und vermutlich frostfrei)) stellen potenzielle Fledermausquartiere dar. Aktuell gibt es je-
doch keine Anzeichen einer Nutzung durch Fledermäuse.
Prüfrelevante Arten
Zur Erfassung des Artenspektrums wurden die öffentlich einsehbaren Erfassungsdaten im Da-
tenportal Sachsens aus den Jahren 2014 bis 2020 abgefragt. Gemäß der vorliegenden Erfas-
sungsdaten aus den vergangenen 5 Jahren ist im Messtischblattquadranten (MTBQ) 4641-
SW bzw. 46413, MTBQ 4641-SO bzw. 46414, [1]
Abendsegler (
Nyctalus noctula
), Braunes Langohr (
Plecotus auritus
), Zweifarbfledermaus
(
Vespertilio murinus
)
potenziell vorkommend.
Die potenziell vorkommenden Arten haben folgenden Schutzstatus:
Tab. 4
Schutzstatus potenziell vorkommender Arten – Fledermäuse
Artname deutsch
Rote Liste
Sachsen 2017
Anhang FFH-RL
Rote Liste Deutschland besonders
(bg) bzw. streng geschützt (sg)
Abendsegler
V
IV
sg

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 25
Braunes Langohr
V
IV
sg
Zweifarbfledermaus
3
IV
sg
*V = Vorwarnliste, *3 = gefährdet
Durch das Kartierbüro wird eine mögliche zukünftige Nutzung der Strukturen insbesondere der
Höhlen im alten Baumbestand bestätigt. Die Zweifarbfledermaus ist entgegen der anderen
beiden Fledermausarten ein charakteristischer Nutzer von Spaltenquartieren an und in Häu-
sern. Die Wochenstubenquartiere werden überwiegend in niedrigen Wohnhäusern in eher
ländlichen Regionen genutzt [19].
4.1.2.2.2 Weitere Säugetierarten
Zusätzlich zu den potenziellen Vorkommen von Fledermausarten konnten zur Erfassung des
Artenspektrums Säugetiere die öffentlich einsehbaren Erfassungsdaten im Datenportal
Sachsens aus den Jahren 2014 bis 2020 abgefragt. Gemäß der vorliegenden Erfassungsda-
ten aus den vergangenen 5 Jahren ist im Messtischblattquadranten (MTBQ) 4641-SW bzw.
46413, MTBQ 4641-SO bzw. 46414, [1] potenziell vorkommend:
Feldhamster (
Cricetus cricetus
), Fischotter (
Lutra lutra
).
Mit beiden Arten ist im Untersuchungsraum nicht zu rechnen. Für den Fischotter ist die Le-
bensraumeignung des aufgestauten Grabens als ungünstig zu betrachten aufgrund des feh-
lenden Fischbestandes und der Wasserqualität hinsichtlich verschiedener Einleitungen in den
Graben und der fehlenden Durchgängigkeit des aufgestauten Gewässers.
Das Vorkommen des Feldhamsters kann ebenfalls ausgeschlossen werden aufgrund der feh-
lenden Habitateignung das potenzielle Vorkommen bezieht sich auf die umliegenden
Ackerstrukturen im ausgewerteten Messtischblattquadranten.
4.1.2.3 Amphibien
Prüfrelevante Arten
In den MTBQ sind folgende Amphibienarten bekannt und finden geeignete Habitate vor: Rot-
bauchunke, Kreuzkröte, Wechselkröte, Laubfrosch, Springfrosch, Nördlicher Kammmolch.
Im Hinblick auf den aufgestauten Graben und die angrenzenden Landhabitate die Pferde-
weide, die umgebenden Gehölz- und Gebüschstrukturen, mit zum Teil Waldrandcharakter bie-
tet der Untersuchungsraum sowohl als Wasser- als auch als Landlebensraum ein geeignetes
und potenzielles Habitat für die genannten Arten.
Weitläufig finden die aufgeführten Arten in den Erfassungsdaten zu den Messtischblattquad-
ranten vorrangig im Bereich der Steinbruchseen Hausbruch, Spittelbruch, Kirchbruch, Tollert-
bruch und Autobahnsee Beucha hervorzuhebende Habitate. Bei den Begehungen zur

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 26
seecon Ingenieure 25.05.2020
Vogelkartierung (April bis Juni 2019) im Untersuchungsraum zum B-Plangebiet konnten keine
Fortpflanzungsaktivitäten und Wanderbewegungen von Amphibien ausgemacht werden. Da-
bei ist zu erwähnen, dass sich die Habitatqualität des aufgestauten Grabens in den letzten
Jahren aufgrund der sehr trockenen Frühjahre und Sommer und infolgedessen Wassermangel
sehr verschlechtert hat. Laut Aussage der Angestellten des Pferdehofes waren bis vor 2 Jah-
ren noch Amphibienaktivitäten nachzuweisen.
Die potenziell vorkommenden Arten haben folgenden Schutzstatus:
Tab. 5
Schutzstatus potenziell vorkommender Arten – Amphibien
Artname deutsch
Rote Liste
Sachsen 2017
Anhang FFH-RL
Rote Liste Deutschland besonders
(bg) bzw. streng geschützt (sg)
Rotbauchunke
3
II, IV
sg
Kreuzkröte
2
IV
sg
Wechselkröte
2
IV
sg
Laubfrosch
3
IV
sg
Springfrosch
V
IV
sg
Nördlicher Kamm-
molch
3
II, IV
sg
*V = Vorwarnliste, *3 = gefährdet, *2 = stark gefährdet
4.1.2.4 Xylobionte Käfer
Prüfrelevante Arten
Anhand des Kartierberichtes aus dem Jahre 2019 erbrachte die Suche nach Spuren im Baum-
bestand des Projektgebietes keine direkten Nachweise für geschützte Käfer. Die im Jahr 2020
nachgewiesenen Höhlenbäume bilden jedoch geeignete Habitate mit vorhandenen Bohrkanä-
len, Bohrmehl und Totholz in größeren Mengen. Bei den Höhlenbäumen handelt es sich um
einen Obstbaum, Walnussbaum und mehrere Bäume in der sogenannten „Waldweide“.
4.1.2.5 Insekten- Formica-Arten
Prüfrelevante Arten
An der westlichen Grenze des B-Plangebietes konnten mehrere große hügelbauende Amei-
senvölker der Gattung Formica nachgewiesen werden. Die genaue Art konnte vom Kartierer
nicht bestimmt werden. Jedoch sind alle Formica Arten (bis auf die Blutrote Raubameise, wel-
che ausgeschlossen werden konnte) durch die Bundesartenschutzverordnung und das Bun-
desnaturschutzgesetz besonders geschützt.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 27
4.1.2.6 Reptilien
Prüfrelevante Arten
Hinweise zu potenziell vorkommenden Arten wurden anhand der öffentlich verfügbaren Artda-
ten aus dem iDA Datenportal des Freistaates Sachsen im Messtischblattquadranten (MTBQ)
4641-SW bzw. 46413, MTBQ 4641-SO bzw. 46414, [1] abgeglichen und durch eine Multi-
baseCS Datenbankabfrage des LfULG [5] ergänzt. In den MTBQ und laut ida-Abfrage sind
sind folgende Reptilienarten bekannt:
Ringelnatter, Glattnatter und Zauneidechse
Die potenziell vorkommenden Arten haben folgenden Schutzstatus:
Tab. 6
Schutzstatus potenziell vorkommender Arten – Reptilien
Artname deutsch
Rote Liste Sach-
sen 2017
Anhang FFH-RL
Rote Liste Deutschland be-
sonders (bg) bzw. streng ge-
schützt (sg)
Zauneidechse
3
IV
sg
Glattnatter
2
IV
sg
Ringelnatter
V
-
bg
*V = Vorwarnliste, *3 = gefährdet, *2 = stark gefährdet
Im Kartierzeitraum der Vogelkartierung von April bis Juli 2019 wurden keine Nebenbeobach-
tungen von Zauneidechsen und Glattnattern gemacht. Bei der Tierartengruppe wurde nur eine
Potenzialabschätzung anhand der vorgefundenen Lebensräume und Artdaten durchgeführt.
Aufgrund der eingeschränkten Habitateignung im Hinblick auf grabbares Oberbodenmaterial
im Bereich der intensiv genutzten Weide, einem großen Anteil versiegelter Flächen, die nur im
Übergangsbereich zu geeigneter Vegetation als Sonnenplätze taugen, ansonsten gemieden
werden, Sandplätzen, die intensiv durch Pferdehaltung genutzt werden, erweist sich der Un-
tersuchungsraum als nicht für Zauneidechsen und Glattnattern geeignet. Zauneidechsen mö-
gen die Übergangsbereiche mit Licht und Schatten. Als einziges geeignetes Habitat dient der
nördliche Bereich des B-Plangebietes direkt angrenzend südlich an die Bahntrasse. Hier be-
steht eine potenzielle Habitateignung - deshalb werden Zauneidechse und Glattnatter in den
Einzelarttabellen aufgeführt. Die Ringelnatter nutzt sowohl die Land- als auch die Wasserle-
bensräume, wurde aber ebenso nicht angetroffen.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 28
seecon Ingenieure 25.05.2020
4.2
Prognose und Bewertung von Schädigungen und
Störungen
4.2.1
Auftretende Wirkfaktoren
Zur Abschätzung der Wirksamkeit des Vorhabentyps unterscheidet das BfN in neun Gruppen
von Wirkfaktoren die unmittelbar mit dem jeweiligen Projekt verbunden sein können [8]
direkter Flächenentzug
Veränderung der Habitatstruktur/Nutzung
Veränderung abiotischer Standortfaktoren
Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust
nichtstoffliche Einwirkungen
stoffliche Einwirkungen
Strahlung
gezielte Beeinflussung von Arten und Organismen
sonstiges
Durch das BfN werden Projekte, Pläne in Projekttypen kategorisiert. Aufgeführt werden bei-
spielsweise Straßenbau, Schienenbau, Gewässerausbau, Forstwirtschaft u.v.m. Zu diesen
Vorhabentypen werden die zutreffenden Wirkfaktoren zugeordnet.
Für den Projekttyp Gewerbe-, Industrie-, Wohn-, Ferienanlagen, Wohnbauflächen und -ge-
biete werden folgende Wirkfaktoren mit entsprechender Relevanz zugeordnet:

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 29
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Tab. 7
Für den Artenschutz mehr oder weniger zutreffende Wirkfaktoren im Projekttyp Gewerbe-, Industrie-, Wohn-, Ferienanlagen, Wohnbauflächen
und -gebiete [8]
Wirkfaktoren
Relevanz
Bau
Anlage
Betrieb
Beschreibung potenzieller Beeinträchtigungen in Zusammenhang zu
den Verbotstatbeständen des § 44 BNatSchG
1 Direkter Flächenentzug
1-1 Überbauung / Versiegelung
2
x
Überbauung / Versiegelung von Flächen durch Wohnbebauung ein-
schließlich Wege und Zufahrten, Parkplätze (Fortpflanzungsstätten
und Nahrungsräume), temporäre Überdeckung und Versiegelung im
Bereich der Baustellen, Baufelder, Materiallagerplätze, Maschinen-
abstellplätze und Bodendeponien
2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung
2-1 Direkte Veränderung von Ve-
getations- / Biotopstrukturen
2
x
x
Baufeldberäumung und Vegetationsbeseitigung bis hin zu deren To-
talverlust, bei neuentstehenden Vegetationsflächen landschaftsgärt-
nerische Maßnahmen zur Pflege von öffentlichen und privaten Grün-
flächen (Mahd, Mulchen, mögl. Herbizideinsatz)
2-2 Verlust / Änderung charakte-
ristischer Dynamik
0
x
x
Aufgabe des Weidebetriebes durch Aufgabe der Pferdewirtschaft,
Aufgabe der habitatprägenden Nutzung
2-3 Intensivierung der land-, forst-
oder fischereiwirtschaftlichen Nut-
zung
0
Keine Veränderungen zum Status Quo bzw. Wirkungen durch das
Vorhaben zu erwarten
2-4 Kurzzeitige Aufgabe habitat-
prägender Nutzung / Pflege
1
x
wegen erschwerter Zugänglichkeit z. B. aufgrund baubedingter Sper-
rungen oder Barrieren beim Bau von Wohngebieten
2-5 (Länger) andauernde Aufgabe
habitatprägender Nutzung /
Pflege
1
x
aufgrund anlagebedingter und somit dauerhafter Zerschneidungen
oder Barrieren (z.B. bei Amphibien)

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 30
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Wirkfaktoren
Relevanz
Bau
Anlage
Betrieb
Beschreibung potenzieller Beeinträchtigungen in Zusammenhang zu
den Verbotstatbeständen des § 44 BNatSchG
3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren
3-1 Veränderung des Bodens
bzw. Untergrundes
2
x
x
x
Beeinflussung der Lebensraumfunktion durch Überbauung (Abtrag,
Auftrag, Vermischung etc.) Veränderung von Bodenverhältnissen im
Sinne physikalischer Veränderungen (Bodenart / -typ, -substrat oder
-gefüge), ursprüngliche Boden wird vor dem Bau großflächig z.T. tief-
gründig abgetragen, Verlust des natürlichen Bodengefüges, be-
triebsbedingte Verdichtung durch Fahr- und Trittbelastung
3-2 Veränderung der morphologi-
schen Verhältnisse
1
x
Veränderungen an Mikrorelief, Geländeaufbau durch Abtrag, Auf-
trag, Einebnung etc.
3-3 Veränderung der hydrologi-
schen / hydrodynamischen Ver-
hältnisse
1
x
Veränderungen bzw. Wirkungen durch das Vorhaben zu erwarten
durch kleinklimatische Veränderungen anhand der Gebäudestruktu-
ren und Wegfall klimaaktiver Flächen (offene Grünlandstrukturen im
Wechsel mit Gehölzflächen)
Kleinräumige Veränderungen von (Grund-) Wasserständen, Druck-
verhältnissen, Fließrichtung, Strömungsverhältnissen oder -ge-
schwindigkeit, Veränderungen in Oberflächengewässern, im Boden-
wasser und im Grundwasser,
Anlagebedingt können Baukörper oder Baugrubenumschließungen
ggf. Aufstau, Umleitung oder Absenkung von Grundwasser, bewir-
ken, Bewässerungsbrunnen auf Privatgrundstücken mit Einzugsbe-
reich auf Grundwasserniveau,
baubedingt vorübergehende Entnahme und Absenkung von Grund-
wasser, Entwässerung im Geltungsbereich durch zentrale Regen-
wasserbehandlung und Rückhaltung (Stauraumkanal)
3-4 Veränderung der hydrochemi-
schen Verhältnisse (Beschaffen-
heit)
1
x
x
Veränderung der Gewässerbeschaffenheit durch bau- oder betriebs-
bedingte Einleitungen von Wasser mit einer anderen Beschaffenheit
in Grund-/Oberflächenwasser (Schadstoffe, Nährstoffe, Schweb-
stoffe oder Salze)
3-5 Veränderung der Temperatur-
verhältnisse
1
x
x
Veränderung des Lokalklimas durch flächenhafte Versiegelung, Bau-
substanz mit hohem Wärmespeichervermögen, Strahlungsreflexion,

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 31
Wirkfaktoren
Relevanz
Bau
Anlage
Betrieb
Beschreibung potenzieller Beeinträchtigungen in Zusammenhang zu
den Verbotstatbeständen des § 44 BNatSchG
größere Gelände-Rauigkeit und massive Gebäudestrukturen, damit
Beeinflussung von Luftströmungen zwischen Warm- und Kaltluftge-
bieten; Schattenwirkung hoher Bauten; Ableitung des Niederschlags-
wassers in die Kanalisation; Wärme- und Partikelemissionen (Kon-
densationskerne) aus anthropogen verursachten Verbrennungspro-
zessen, Reduzierung der Abkühlung durch Beseitigung der Vegeta-
tionsdecke.
3-6 Veränderung anderer stand-
ort-, vor allem klimarelevanter
Faktoren
1
veränderte
Beschattungs-/Belichtungsverhältnisse
Verschattung
und Freistellung von Flächen, Veränderungen im Luftaustausch
4 Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust
4-1 Baubedingte Barriere- oder
Fallenwirkung / Mortalität
1
x
Individuenverluste bei Tier- und Pflanzenarten im Zuge der Baufeld-
freimachung bzw. -räumung (Vegetationsbeseitigung, Baumfällun-
gen, Bodenabtrag etc.)
Baubedingte Barriere- oder Fallenwirkungen bzw. Individuenverluste
durch Baustellen- und Baustraßenverkehr, mit Fallenwirkung für bo-
dengebundene Arten, durch Baustellenbeleuchtung oder ggf. durch
Hilfsbauwerke (Tötungs - und Kollisionsrisiko)
4-2 Anlagebedingte Barriere-
oder Fallenwirkung / Mortalität
1
x
anlagebedingte Barriere- oder Fallenwirkungen bzw. Individuenver-
luste, Tötung von Tieren (Vögel, Insekten, Amphibien) durch Kolli-
sion mit baulichen Bestandteilen Glaswände, Gullys, Schächte, Gru-
ben)
Barrierewirkung durch große bebaute Flächen, massive Gebäu-
destrukturen, veränderte standörtliche oder strukturelle Bedingun-
gen
4-3 Betriebsbedingte Barriere-
oder Fallenwirkung / Mortalität
1
x
verkehrsbedingte Barriere- oder Fallenwirkungen / Individuenver-
luste, Tötung von Tieren durch Kollision mit Fahrzeugen, Auswirkun-
gen der Haustierhaltung (Streunen von Hauskatzen und Hunden)
zusätzliche Störwirkungen

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 32
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Wirkfaktoren
Relevanz
Bau
Anlage
Betrieb
Beschreibung potenzieller Beeinträchtigungen in Zusammenhang zu
den Verbotstatbeständen des § 44 BNatSchG
5 Nichtstoffliche Einwirkungen
5-1 Akustische Reize (Schall)
2
x
x
Bau- und betriebsbedingte Verlärmung durch Maschinen und Bauar-
beiten, Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen am Gebäudebestand,
Grün- und Straßenbegleitflächen, Akustische Signale jeglicher Art
(einschl. unterschiedlicher Frequenzbereiche), Beeinträchtigung von
Tieren oder deren Habitate, Schallereignisse zeitweilig, z. T. aber in
sehr hoher Intensität auf (z. B. beim Sprengen oder Rammen). Lärm-
belastung führt zu veränderten Aktionsmustern/Raumnutzung mit
Meidung besonders stark beschallter Gebiete, Vertreibung von Indi-
viduen selbst sein, und oder Entwertung des betreffenden Raumes
als (mögliches) Habitat der jeweiligen Art, z. B. auf Grund höherer
Prädationsraten bzw. Ausfall des Fortpflanzungserfolges
5-2 Optische Reizauslöser / Be-
wegung (ohne Licht)
2
x
x
Anwesenheit des Menschen zur Freizeit- und Erholungsnutzung füh-
ren zu optischen Reizauslöser für störungsempfindliche Tiere der be-
troffenen Habitate, die Pflege und Unterhaltung auf Grün- und Stra-
ßenbegleitflächen als optische Reizauslöser
baubedingte Störreize (durch Baustellenverkehr und -betrieb)
5-3 Licht
2
x
x
Bau- und betriebsbedingte Beeinträchtigungen in Form von Licht-
quellen in Wohngebieten z. B. Beleuchtungen von Straßen, Plätzen,
(Innen-)Beleuchtungen von Gebäuden
im Zuge des Bauprozesses künstliche Beleuchtungsanlagen (zum
Teil von hoher Intensität), Ausleuchtung von Nachtbaustellen
5-4 Erschütterungen / Vibrationen
1
x
im Zuge des Bauprozesses zumindest temporär starke Erschütterun-
gen, durch schwere Maschinen bzw. entsprechende Verfahren (z.B.
Stauraumkanalarbeiten, Gebäudeabriss)
5-5 Mechanische Einwirkung
(Wellenschlag, Trift)
1
x
x
mechanische Einwirkungen durch Trittbelastungen durch Sport- und
Freizeitnutzung (Erholungsdruck), Trampelpfade oder inoffizielle
Fahrspuren, durch Baubetrieb hervorgerufene mechanische Einwir-
kungen auf Böden, Bodenfauna und Vegetation durch Befahren mit
schweren Fahrzeugen

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 33
Wirkfaktoren
Relevanz
Bau
Anlage
Betrieb
Beschreibung potenzieller Beeinträchtigungen in Zusammenhang zu
den Verbotstatbeständen des § 44 BNatSchG
6 Stoffliche Einwirkungen
6-1 Stickstoff- und Phosphatver-
bindungen / Nährstoffeintrag
1
x
Betriebsbedingter Nährstoffeintrag z. B. Stickoxide und Ammoniak
durch Straßenverkehr sowie Feuerungsanlagen ggf. anthropogene
Abfälle, hohe Düngemittelgaben im Bereich der gärtnerisch gestalte-
ten Grünflächen
6-2 Organische Verbindungen
0
Private Grünflächennutzung, Gärten
6-3 Schwermetalle
0
Keine Relevanz bekannt
6-4 Sonstige durch Verbren-
nungs- und Produktionsprozesse
entstehende Schadstoffe
0
Keine Relevanz bekannt, siehe Punkt 6.1
6-5 Salz
1
Streusalzimmissionen beim Winterdienst, Straße durchs Wohnge-
biet, Eintrag in Böden und Gewässer (aufgestauter Graben) möglich
6-6 Deposition mit strukturellen
Auswirkungen (Staub / Schwebst.
und Sedimente)
2
x
Staub / Schwebstoff- und Sedimentausbreitung durch Schaffung of-
fener, vegetationsarmer Freiflächen oder Befahren, baubedingt an
Gewässern Schwebstoff- bzw. Schlammeinträgen
6-7 olfaktorische Reize (Duft-
stoffe, auch: Anlockung)
0
Keine Relevanz bekannt
6-8 endokrin wirkende Stoffe
0
Keine Relevanz bekannt
6-9 sonstige Stoffe
0
Keine Relevanz bekannt
7 Strahlung
7-1 nichtionisierende Strahlung /
elektromagnetische felder
0
Keine Relevanz bekannt
7-2 ionisierende / radioaktive
Strahlung
0
Keine Relevanz bekannt
8 gezielte Beeinflussung von Arten und Organismen

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 34
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Wirkfaktoren
Relevanz
Bau
Anlage
Betrieb
Beschreibung potenzieller Beeinträchtigungen in Zusammenhang zu
den Verbotstatbeständen des § 44 BNatSchG
8-1 Management gebietsheimischer Arten
0
Keine Relevanz bekannt
8-2 Förderung / Ausbreitung gebietsfremder Arten
1
In bebauten Wohngebieten Förderung und Ausbreitung gebietsfrem-
der, häufig ubiquitärer Pflanzen- und Tierarten in die umgebenden
Lebensgemeinschaften, Neobiota = invasive Neophyten
8-3 Bekämpfung von Organismen (Pestizide u.a.)
1
Für den Gebrauch zum Zwecke der Grün- und Freiflächenunterhal-
tung steht eine Vielzahl an Fungiziden, Herbiziden, Insektiziden, Mol-
luskiziden, Akariziden und Rodentiziden zur Verfügung, die bei der
Anwendung in +/- geringen Mengen in die Umgebung abgegeben
werden können. Auf privaten Grünflächen werden sie im ungünstigen
Fall nicht entsprechend der Anwendungshinweise eingesetzt.
8-4 Freisetzung gentechnisch neuer bzw. veränderter
Organismen
0
Keine Relevanz bekannt
9 Sonstiges
9-1 Sonstiges
0
Keine Relevanz bekannt
Erl.: 0 = nicht relevant, 1 = gegebenenfalls relevant, 2 = regelmäßig relevant

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 35
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Im Zusammenhang mit dem Artenschutz sind ausschließlich die Auswirkungen auf die im
Wirkbereich vorkommenden geschützten Tier und Pflanzenarten maßgeblich. Hierbei lassen
sich keine Verallgemeinerungen treffen, da die Tierartengruppen unterschiedliche Empfind-
lichkeiten gegenüber den Wirkungen des Bauvorhabens aufweisen. Die Beschreibungen in
der folgenden Auflistung sind daher als beispielhaft zu betrachten.
Unterschieden werden kann in:
Baubedingte Wirkungen
Bei den baubedingten Auswirkungen handelt es sich hauptsächlich um zeitlich begrenzte
Handlungen, die mit dem laufenden Baubetrieb und der Baustelleneinrichtung (BE) in Zusam-
menhang stehen. Die Auswirkungen sind weitestgehend auf die Bauphase beschränkt. Die
Bauphase beginnt im ersten Baujahr ab August, was bei den meisten Arten zu einer Verringe-
rung des Störungs- und damit verbunden des Tötungsrisikos von Jungtieren führt. Im zweiten
Baujahr überlagert demzufolge aber auch die Bauzeit mit der Brutzeit, was für störungsemp-
findliche Tierarten zur eingeschränkten Nutzung als Fortpflanzungsstätte führen kann. Dies
betrifft sowohl die Bautätigkeiten selbst als auch die Flächen der Baustelleneinrichtung und
den zu erwartenden Schwerlastverkehr an Zubringerwegen.
Die Rodung von Gehölzen soll weitestgehend vermieden werden, die höhlenreichen Einzel-
bäume wurden in den Bebauungsplan als zu erhaltende Bäume aufgenommen, ebenso die
zum denkmalgeschützten Dreiseithof gehörende Linde und einige weitere Bäume südlich der
„Waldweide“. Sollte im Zuge der Schaffung der Baufreiheit die Rodung von Gehölzen notwen-
dig werden, kann dies den Zugriff auf geschützte Lebensstätten besonders geschützter Arten
bedeuten (Verbotstatbestand § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG) bedeuten. Laut Erläuterungsbericht
zum Bebauungsplan seecon 2020 erfolgen die Rodungen ausschließlich außerhalb der ge-
setzlichen Vogelschutzzeit.
Im Bereich der Wurzener und Kleinsteinberger Straße ist mit einem erhöhten Verkehrsaufkom-
men durch Materialtransporte zu rechnen, was mit Störwirkungen von streng geschützten Tier-
arten europäischen Brutvogelarten einhergehen kann (Verbotstatbestand § 44 Abs. 1 Nr. 2
BNatSchG) und zur Lebensraumentwertung durch Vergrämung (Verbotstatbestand § 44 Abs.
1 Nr. 3 BNatSchG).
Anlagebedingte Wirkungen
Anlagebedingte Beeinträchtigungen sind die zeitlich unbegrenzten und in das örtliche Wirkge-
füge eingreifenden Veränderungen, welche durch ein Bauwerk, eine Wohnanlage verursacht
werden. Hierzu gehören im Regelfall Versiegelungen und Überprägungen durch Nutzungsän-
derungen, Geländenivellierungen, die zur allgemeinen Lebensraumentwertung führen können.
Das betrifft allen voran die Neuerrichtung von Gebäuden und Bauwerken. Anlagen mit zer-
schneidenden Wirkungen für Wanderkorridore oder aber der Verlust von Leitstrukturen können
zu dauerhaften Störungen streng geschützter Arten führen.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 36
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Betriebsbedingte Wirkungen
Betriebsbedingte Beeinträchtigungen können durch die Nutzung und Unterhaltung der Wohn-
anlage einschließlich Befahrung von Straßen entstehen. Hierbei sind Frequentierungen durch
Anwohner*innen (einschließlich Haustiere – Hunde) Besucher und Ver- und Entsorgungsfahr-
zeuge sowie Landschaftsbauunternehmen zu Zwecken der Pflege der Grünanlagen relevant.
Tab. 8
Räumliche und zeitliche Abgrenzung der für den Bebauungsplan allgemein möglichen und relevan-
ten Wirkfaktoren
Verbotstatbestand
Art der Verwirklichung
(potenziell)
Potentiell betroffene Arten-
gruppen und Arten
§ 44 BNatSchG
Nr. 1
(1) Nr. 1 wildlebenden Tieren der beson-
ders geschützten Arten nachzustellen, sie
zu fangen, zu verletzen o. zu töten o. ihre
Entwicklungsformen aus der Natur zu ent-
nehmen, zu beschädigen o. zu zerstören.
(5) Nr. 1 das Tötungs- und Verletzungsver-
bot nach Absatz 1 Nummer 1 nicht vor,
wenn die Beeinträchtigung durch den Ein-
griff oder das Vorhaben das Tötungs- und
Verletzungsrisiko für Exemplare der be-
troffenen Arten nicht signifikant erhöht und
diese Beeinträchtigung bei Anwendung der
gebotenen, fachlich anerkannten Schutz-
maßnahmen nicht vermieden werden kann,
Baubedingte Tötung
oder Verletzung von
anwesenden Tieren in
Nestern oder Quartie-
ren bzw. auf ihren
Wanderungen durch
Überfahren, Über-
schütten. Maßgebli-
ches Stören von ver-
sorgenden Elterntieren
während der Jungen-
aufzucht.
Säugetiere
während der
Wanderung und in Ihren
Quartieren (Fledermäuse).
Gelege und Jungtiere von
Vögeln
(Freibrüter und Höh-
lenbrüter in Bäumen und
Sträuchern).
Amphibien
während der
Wanderzeiten. Fallenwirkun-
gen in bauzeitlichen Gruben.
Insekten:
Quartier von For-
mica-Arten Ameisenhügel an
der westlichen Grenze des
B-Plangebietes, xylobionte
Käfer in Höhlenbäumen
Reptilien:
(offener Bereich
südlich Bahntrasse)
Nr. 2
(1) Nr. 2: wild lebende Tiere der streng ge-
schützten Arten und der europäischen Vo-
gelarten während der Fortpflanzungs-, Auf-
zucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wan-
derungszeiten erheblich zu stören, eine er-
hebliche Störung liegt vor, wenn sich durch
die Störung der Erhaltungszustand der lo-
kalen Population einer Art verschlechtert,
Baubedingte Störung
von Tieren in Nestern
oder Quartieren. Ver-
grämung und Hinde-
rung der Fortpflanzung
durch Lebensraumzer-
schneidung und dauer-
hafte Störungen mit
Auswirkungen auf die
lokalen Populationen.
Säugetiere
während der
Wanderung und in ihren
Quartieren (Fledermäuse).
Von den Elterntieren abhän-
gige Gelege und Jungtiere
von
Vögeln
.
Insekten
: Quartier von For-
mica-Arten Ameisenhügel an
der westlichen Grenze des
B-Plangebietes, xylobionte
Käfer in Höhlenbäumen
Reptilien:
(offener Bereich
südlich Bahntrasse)

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 37
Verbotstatbestand
Art der Verwirklichung
(potenziell)
Potentiell betroffene Arten-
gruppen und Arten
Nr. 3
(1) Nr. 3: Fortpflanzungs- oder Ruhestätten
der wildlebenden Tiere der besonders ge-
schützten Arten aus der Natur zu entneh-
men, zu beschädigen o. zu zerstören
(5) Nr. 3: das Verbot nach Absatz 1 Num-
mer 3 nicht vor, wenn die ökologische
Funktion der von dem Eingriff oder Vorha-
ben betroffenen Fortpflanzungs- und Ruhe-
stätten im räumlichen Zusammenhang wei-
terhin erfüllt wird.
Inanspruchnahme von
Fortpflanzungsstätten,
Vergrämung von Tie-
ren in ihren Ruheräu-
men (baubedingte
temporäre Inanspruch-
nahme von Ruhestät-
ten) im UR
Säugetiere:
Quartiere von
Fledermäusen.
Vögel:
gehölzbewohnende
Arten in beanspruchten
Baumhöhlen und -kronen im
gesamten B-Plangebiet. Un-
ter Umständen auch Nah-
rungsflächen die in Zusam-
menhang mit Fortpflan-
zungsstätten stehen.
Insek-
ten:
Quartier von Formica-
Arten Ameisenhügel an der
westlichen Grenze des B-
Plangebietes, xylobionte Kä-
fer in Höhlenbäumen
Reptilien:
(offener Bereich
südlich Bahntrasse)
4.2.2
Betroffenheitsabschätzung der prüfrelevanten Tierarten
(Feinabschichtung)
4.2.2.1 Brutvögel einschließlich Nahrungsgäste
Alle europäischen Brutvogelarten sind gemäß Artikel 1 der Vogelschutzrichtlinie und in der
Folge durch das BNatSchG besonders geschützt. Zur Erleichterung der Prüfung können die
in Sachsen weit verbreiteten mit günstigem Erhaltungszustand bekannten sowie relativ stö-
rungstoleranten Brutvogelarten („Amsel, Drossel, Fink und Star …“) von einer Einzelartenbe-
trachtung ausgenommen (abgeschichtet) werden. Es wird davon ausgegangen, dass Schutz-
maßnahmen für wertgebende Brutvögel diese Arten mit schützen und deren Erhaltungszu-
stand ebenfalls stabil halten können. Nach Feststehen und Prüfung der erforderlichen Maß-
nahmen für prüfungsrelevante Arten erfolgt eine überschlägige Prüfung ob diese Maßnahmen
für die abgeschichteten Arten das Schutzerfordernis gleichermaßen erfüllen.
Im nächsten Schritt wird, wie folgt in der Tabelle aufgeführt die Betroffenheit der planungsre-
levanten Vogelarten abgeschätzt.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 38
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Tab. 9
Methode der Abschichtung [8]
Abschichtungskriterium
Prüfung hinsichtlich des Ver-
botes nach …
Methode
Liegen nachgewiesene Brut-
plätze bzw. Reviermittelpunkte
von Brutvogelarten mit hervor-
gehobener artenschutzrechtli-
cher Bedeutung im unmittelba-
ren Eingriffsbereich?
§ 44 (1) Nr. 1 i.V.m. § 44 (5)
BNatSchG (Tötungsverbot)
§ 44 (1) Nr. 3 i.V.m. § 44 (5)
BNatSchG (Lebensstätten-
schutz)
Grafische Überlagerung der Kar-
tierergebnisse mit der Bauplanung
(Bestandsplan M:1:1000, Maß-
nahmeplan M: 1:1000)
In welchem Abstand zum Bau-
bereich befinden sich nachge-
wiesene Brutplätze bzw. Re-
viermittelpunkte von Brutvogel-
arten mit hervorgehobener ar-
tenschutzrechtlicher Bedeu-
tung? Ab welchem Abstand
können diese Arten ihrem Brut-
geschehen nicht mehr nachge-
hen?
§ 44 (1) Nr. 2 BNatSchG
streng geschützte Brutvogel-
arten (Störungsverbot)
§ 44 (1) Nr. 3 i.V.m. § 44 (5)
BNatSchG (Lebensstätten-
schutz)
Ermitteln der Wirkdistanzen von
Vogelarten [17] Sollten die Wirk-
distanzen zu bestimmten Arten
nicht bekannt sein, wird von einer
Betroffenheit ausgegangen
(worst-case).
Bilden von Puffern um den Baube-
reich zum erleichterten Erfassen
des Abstandes zwischen Brutplät-
zen/Reviermittelpunkten/Habitaten
und Baufeld.
Für welche Brutvogelarten mit
hervorgehobener artenschutz-
rechtlicher Bedeutung und wel-
che Rastvogelarten werden
brutplatznahe Nahrungsflächen
in dem Umfang beansprucht
und beeinflusst, dass sie für die
Arten nicht mehr nutzbar sind?
§ 44 (1) Nr. 2 BNatSchG
streng geschützte Brutvogel-
arten
§ 44 (1) Nr. 3 i.V.m. § 44 (5)
BNatSchG (Lebensstätten-
schutz)
Überschlägige gutachterliche Ein-
schätzung anhand Lage von Brut-
plätzen und Nahrungsflächen so-
wie Reviergrößen von Brutvögeln
Betroffenheit Brutvögel
Bei den abgeschichteten Brutvogelarten kann von keinen nachhaltigen Beeinträchtigungen
der Individuen, deren lokalen Populationen oder der Lebensstätten ausgegangen werden. Aus
der Abschichtung ergibt sich die Notwendigkeit der Prüfung von den folgenden prüfungsrele-
vanten Brutvogelarten im UR (siehe Anlagen 9 und 10).
Brutvogelarten: Grünspecht, Rauchschwalbe, Wendehals
Von den genannten Arten besitzt die streng geschützte Art Rauchschwalbe mehrere Brut-
plätze im Bereich des Pferdestalles und des Dreiseithofes, d.h. im unmittelbaren Baufeld. Für
die Art ebenso wie für weitere Gebäudebrüter Haussperling und Hausrotschwanz stellt der
Abriss der Gebäude einen Totalverlust des Habitats dar. Insbesondere für die Rauchschwalbe
ist der Pferdestall mit seinem Heuboden und die umgebenden Strukturen Misthaufen, Weide
und verbuschte Bereiche ein optimaler über Jahrzehnte gewachsener Lebensraum. Direkte
Tötungen durch Zerstörung der Gelege können jedoch nur verursacht werden, wenn Abriss-
arbeiten in der Brutzeit vorgenommen werden.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 39
Gleiches gilt für die Höhlen- und Gebüschbrüter. Hierbei ist als besonders geschützte Art ins-
besondere der Wendehals zu nennen, der sein Brutrevier in der „Waldweide“ hat. Diese wird
von Bauarbeiten ausgenommen sein. Die Fällungen von Höhlenbäumen und Bäumen allge-
mein erfolgt gemäß § 39 BNatSchG ausschließlich außerhalb der Gehölzschutzzeit zwischen
Oktober und Februar, so dass ein Zugriff auf Nester und darin befindliche Jungvögel nicht zu
erwarten ist.
Der Grünspecht hat sein Brutrevier im benachbarten westlich des B-Plangebietes gelegenen
parkähnlichen Grundstück in höhlenreichen Bäumen, Brutplätze im unmittelbaren Baufeld sind
während der Bauzeit nicht zu erwarten damit sind auch keine direkte Tötungen zu erwarten.
Betroffenheiten ergeben sich durch mögliche Störwirkungen. Dadurch, dass die Bauzeit ins-
gesamt mit über 12 Monaten angenommen wird, wird davon ausgegangen, dass sie in die
Brutzeit, spätestens im 2.Baujahr hineinreicht. Grundsätzlich kann diesbezüglich von einem
Vergrämungseffekt ausgegangen werden, der eine Störung innerhalb der Brutzeit vermeidet,
weil die Tiere die Gebäude und umliegenden Strukturen meiden werden. Dieser Effekt führt
aber dazu, dass für einige Arten die 2019/20 erfassten Reviere und Ruheplätze über die Bau-
periode nicht nutzbar sein werden.
Die Brutzeiten unterliegen stets Spannen (witterungsabhängig) und werden daher in der Fach-
literatur regelmäßig mit mehreren Zeitangaben angegeben. Für die Konfliktermittlung bzw. die
Feinabschätzung der Betroffenheiten siehe Tabelle 6 wurde für den Brutbeginn der erste Zeit-
punkt und das Ende der Fortpflanzungszeit (selbstständige Jungen) für den letztmöglichen
Zeitpunkt angegeben. Mauserzeiten wurden nicht berücksichtigt. Die Unversehrtheit von Äst-
lingen muss über eine Maßnahme (öBB) sichergestellt werden.
Betroffenheit Nahrungsgäste
Für die Nahrungsgäste kann grundsätzlich von keinem Tötungstatbestand ausgegangen wer-
den. Die Tiere sind außerhalb der Brut- und Mauserzeiten mobil und können sich Gefährdun-
gen entziehen. Die Störung während der Fortpflanzungs-, und Mauser- und Aufzuchtzeiten mit
Auswirkungen auf die lokalen Populationen ist für Nahrungsgäste gleichermaßen nicht zutref-
fend.
Folgende streng geschützte Nahrungsgäste wurden im Jahre 2019 kartiert und ihre Betroffen-
heit nach §44 Absatz 1 BNatSchG i.V. mit Absatz 5 in Tabelle 6 abgeschätzt:
Nahrungsgäste: Kuckuck, Neuntöter, Rotmilan
Während der Bauzeit ist durch erhöhtes Verkehrsaufkommen (Schwerlast) mit einer Verlär-
mung und Entwertung des bekannten Nahrungsrevieres zu rechnen, ungestörte angrenzende
Bereiche sind vorhanden. Beispielsweise bietet das westlich an das B-Plangebiet angren-
zende Grundstück mit seiner parkartigen Gestalt mit sowohl offenen Bereichen Grünlandstruk-
turen sowie auch Gehölzstrukturen Nahrungs- und Fortpflanzungsstätten, im weiteren Umfeld
bieten die ehemaligen Steinbruchabbaugebiete ungestörte Nahrungsreviere. Der Störungstat-

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 40
seecon Ingenieure I 25.05.2020
bestand ist daher auf ein Maß der Unerheblichkeit abzusenken, eine erhebliche Beeinträchti-
gung der lokalen Population ist nicht anzunehmen.
Artenschutzrechtliche Bedeutung kommt den Ruhestätten von Nahrungsgästen zu, insofern
diese innerhalb des Wirkraumes herausgehobene Bedeutung für die Arten besitzen. Wertvolle
Bereiche stellen hier die Umgebungsstrukturen des B-Plangebietes im Westen (parkähnliches
Nachbargrundstück) und Osten („Waldweide“) dar. Der Schädigungstatbestand der Fortpflan-
zungs- und Ruhestätten ist ebenfalls auf ein Maß der Unerheblichkeit abzusenken, eine er-
hebliche Beeinträchtigung der lokalen Population durch das Bauvorhaben ist nicht anzuneh-
men.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 41
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Tab. 10
Betroffenheitsabschätzung zu Brutvogelarten und Beeinträchtigung streng geschützter Nahrungsgäste
Verbotstatbestand nach §44 Absatz 1 BNatSchG i.V. mit Absatz 5
(siehe Tabelle 4)
Artname
deutsch
Schutz
nach
BNatSchG
Brutzeit
und Wirk-
empfind-
lichkeit
Begründung einer möglichen
Betroffenheit
Nr.1 Nr.2 Nr.3 Schlussfolgerungen (Vorgriff zu vermeidende
Betroffenheit nach §44 BNatSchG Abs. 1
1. Brutvögel
Grünspecht
sg
Fortpflan-
zungszeit
Mitte April
bis Ende
Juni
Nachgewiesener Brutplatz im
Wirkbereich vorhanden, zudem
sind Ruheplätze in Form weite-
rer Höhlen im Wirkbereich zu
erwarten, das Beziehen oder
Zimmern weitere Höhlen bis
zum Baubeginn ist nicht aus-
schließbar
x
x
Tötungsverbot kann ausgeschlossen werden da
keine Höhlenbäume gefällt werden, Stö-
rungstatbestand im 1. Baujahr kann ausge-
schlossen werden, wenn Bauzeit außerhalb der
Brutsaison beginnt, ab dem 2. Baujahr, 1. Brut-
saison nach Baubeginn ist ein Störungstatbe-
stand sowie ein Schädigungsverbot der Fort-
pflanzungs- und Ruhestätten der revierbrüten-
den Brutvogelart hoch wahrscheinlich
Rauch-
schwalbe
sg
Fortpflan-
zungszeit
Anfang Mai
bis Anfang
September
Nachgewiesenes Brutrevier im
unmittelbaren Baufeld, Störung
von Ruheplätzen im Wirkbe-
reich
x
x
Tötungsverbot kann ausgeschlossen, da Bau-
beginn außerhalb der Brutsaison, Störungstat-
bestand im 1. Baujahr kann ausgeschlossen
werden, wenn Bauzeit außerhalb der Brutsaison
beginnt, ab dem 2. Baujahr, 1. Brutsaison nach
Baubeginn ist ein Störungstatbestand sowie ein
Schädigungsverbot der Fortpflanzungs- und Ru-
hestätten der koloniebrütenden Brutvogelart ge-
geben, erhebliche Beeinträchtigung der lokalen
Population ist anzunehmen
Wendehals
sg
Fortpflan-
zungszeit
Anfang Mai
bis Ende
Juli
Nachgewiesener Brutplatz im
Wirkbereich vorhanden, zudem
Störung von Ruheplätzen im
Wirkbereich
x
x
Tötungsverbot kann ausgeschlossen werden da
keine Höhlenbäume gefällt werden, Stö-
rungstatbestand im 1. Baujahr kann ausge-
schlossen werden, wenn Bauzeit außerhalb der
Brutsaison beginnt, ab dem 2. Baujahr, 1. Brut-
saison nach Baubeginn ist ein Störungstatbe-
stand sowie ein Schädigungsverbot der

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 42
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Fortpflanzungs- und Ruhestätten der revierbrü-
tenden Brutvogelart hoch wahrscheinlich
Haussperling
bg
Fortpflan-
zungszeit
Mitte März
bis Ende
August
Nachgewiesenes Brutrevier im
unmittelbaren Baufeld, Störung
von Ruheplätzen im Wirkbe-
reich
x
x
Tötungsverbot kann ausgeschlossen, da Bau-
beginn außerhalb der Brutsaison, Störungstat-
bestand im 1. Baujahr kann ausgeschlossen
werden, wenn Bauzeit außerhalb der Brutsaison
beginnt, ab dem 2. Baujahr, 1. Brutsaison nach
Baubeginn ist ein Störungstatbestand sowie ein
Schädigungsverbot der Fortpflanzungs- und Ru-
hestätten der koloniebrütenden Brutvogelart ge-
geben, erhebliche Beeinträchtigung der lokalen
Population ist anzunehmen
Hausrot-
schwanz
bg
Fortpflan-
zungszeit
Mitte April
bis Ende
August
Nachgewiesenes Brutrevier im
unmittelbaren Baufeld, Störung
von Ruheplätzen im Wirkbe-
reich
x
x
Tötungsverbot kann ausgeschlossen, da Bau-
beginn außerhalb der Brutsaison, Störungstat-
bestand im 1. Baujahr kann ausgeschlossen
werden, wenn Bauzeit außerhalb der Brutsaison
beginnt, ab dem 2. Baujahr, 1. Brutsaison nach
Baubeginn ist ein Störungstatbestand sowie ein
Schädigungsverbot der Fortpflanzungs- und Ru-
hestätten der koloniebrütenden Brutvogelart ge-
geben, erhebliche Beeinträchtigung der lokalen
Population ist anzunehmen
2. Nahrungs-
gäste
Kuckuck
bg
Fortpflan-
zungszeit-
abhängig
vom Wirts-
vogel
Kann überall wo gebrütet wird
auftreten, hier Nahrungsgast
-
-
-
Keine Betroffenheit durch Bauzeit zu erwarten,
ab 2. Baujahr Ausweich möglich, erhebliche Be-
einträchtigung der lokalen Population ist nicht
anzunehmen
Neuntöter
bg und sg
Fortpflan-
zungszeit-
Mitte Mai
bis Anfang
Juli
Als Nahrungsgast im Wirkbe-
reich des Planungsgebietes
vorhanden auch im MTBQ po-
tenziell vorkommend, durch er-
höhtes Verkehrsaufkommen
(Schwerlast) ist mit einer Ver-
lärmung und Entwertung des
-
-
-
Betroffenheit nach Nr.2 und 3 ist ab 2. Baujahr
wahrscheinlich, erhebliche Beeinträchtigung der
lokalen Population ist nicht anzunehmen

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 43
bekannten Nahrungsrevieres
zu rechnen, ungestörte an-
grenzende Räume (Habitate)
sind jedoch vorhanden
Rotmilan
bg und sg
Anfang
März bis
Ende Au-
gust
Als Nahrungsgast im Wirkbe-
reich des Planungsgebietes
vorhanden auch im MTBQ po-
tenziell vorkommend, durch er-
höhtes Verkehrsaufkommen
(Schwerlast) ist mit einer Ver-
lärmung und Entwertung des
bekannten Nahrungsrevieres
zu rechnen, ungestörte an-
grenzende Räume (Habitate)
sind jedoch vorhanden
-
-
-
Betroffenheit nach Nr.2 und 3 ist möglich, er-
hebliche Beeinträchtigung der lokalen Popula-
tion ist nicht anzunehmen
*bg=besonders geschützt, sg=streng geschützt

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 44
seecon Ingenieure I 25.05.2020
4.2.2.2 Säugetiere
4.2.2.2.1 Fledermäuse
Höhlenbäume als Fortpflanzungs- und Ruhestätte
Betroffenheiten in Form des Zugriffs auf die geschützten Fortpflanzungs- und Ruhestätten
können sich bei Fledermäusen einstellen. Auch wenn zum Zeitpunkt der Höhlenkontrollen
keine Spuren von Fledermäusen feststellbar waren, wird durch das Kartierbüro nicht ausge-
schlossen, dass Fledermäuse, unabhängig welcher Art, die Höhlenbäume vor Baubeginn be-
siedeln können. Auch wenn die bekannten Höhlenbäume nicht gefällt werden und im B-Plan
als zu erhaltend dargestellt sind, sind Betroffenheiten in Form des Störungstatbestandes aus-
zuschließen. Im Zuge dessen sind vor Baubeginn absichernde Maßnahmen an den Gehölzen
und um den Eingriffsbereich vorzunehmen und eine ökologische Bauüberwachung einzuset-
zen.
Potenziell betroffene Arten können sein laut Messtischblattquadranten (MTBQ) 4641-SW bzw.
46413, MTBQ 4641-SO bzw. 46414, [1]:
Abendsegler (
Nyctalus noctula
), (Baumhöhlenbewohner)
Braunes Langohr (
Plecotus auritus
), (Baumhöhlenbewohner)
Gebäude als Fortpflanzungs- und Ruhestätte
Die in einer zweimaligen Begehung kontrollierten Gebäuden als Ort für Wochenstuben und
Winterquartiere weisen nur bedingt geeignete Habitate auf, weil sie meist durch Zugluft und
zu viel Helligkeit geprägt sind. Zudem schließt das Vorhandensein des Marders ein Quartier
für Fledermäuse aus. Auch hier gilt jedoch wie bei der Kontrolle der Höhlenbäume vor Baube-
ginn müssen die Gebäude noch einmal untersucht werden, um einen Störungstatbestand aus-
schließen zu können.
Potenziell betroffene Arten können sein laut Messtischblattquadranten (MTBQ) 4641-SW bzw.
46413, MTBQ 4641-SO bzw. 46414, [1]:
Zweifarbfledermaus (
Vespertilio murinus
), (Spaltenbewohner an und in Gebäuden)
4.2.2.2.2 Weitere Säugetierarten
Neben den potenziell vorkommenden Fledermausarten wurden anhand des Datenportal Sach-
sens aus den Jahren 2014 bis 2020 auch Feldhamster (
Cricetus cricetus
) und Fischotter (
Lutra
lutra
) aufgeführt.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 45
Mit beiden Arten ist im Untersuchungsraum nicht zu rechnen. Für den Fischotter ist die Le-
bensraumeignung des aufgestauten Grabens als ungünstig zu betrachten aufgrund des feh-
lenden Fischbestandes und der Wasserqualität hinsichtlich verschiedener Einleitungen in den
Graben und der fehlenden Durchgängigkeit des aufgestauten Gewässers.
Das Vorkommen des Feldhamsters kann ebenfalls ausgeschlossen werden aufgrund der feh-
lenden Ackerstrukturen als Lebensstätte.
4.2.2.3 Amphibien
Eine Betroffenheit von Fortpflanzungsstätten der Rotbauchunke, Kreuzkröte, Wechselkröte,
Laubfrosch, Springfrosch, Nördlicher Kammmolch ist durch das Bauvorhaben nicht zu befürch-
ten, da der Bereich des aufgestauten Grabens nicht von Bauarbeiten berührt ist bzw. der Teil
des B-Plangebietes ausgenommen ist. Bereits in den letzten 2 Jahren konnten keine Fort-
pflanzungsaktivitäten nachgewiesen werden.
Durch den großräumigen Biotopverbund an Stillgewässern im Einzugsgebiet besteht jedoch
die Möglichkeit, dass aufgrund innerörtlicher und außerörtlicher Wanderbewegungen Amphi-
bien den Baubereich queren. Die Baustelle wird als Tagesbaustelle geführt. Da die Wande-
rungen erst mit Einbruch der Dämmerung stattfinden sind Kollisionen ausschließbar.
In den Baustellenbereichen besteht allen voran ein signifikant erhöhtes, zu vermeidendes Tö-
tungsrisiko für alle wandernden Amphibien durch Fallenwirkungen (Gruben und technische
Anlagen) und beim Queren von Baustraßen, auch beim Bau des Stauraumkanales. Im Zuge
dessen sind vor Baubeginn absichernde Maßnahmen im Baubereich vorzunehmen und eine
ökologische Bauüberwachung einzusetzen.
Potenziell betroffene Arten können sein laut Messtischblattquadranten (MTBQ) 4641-SW bzw.
46413, MTBQ 4641-SO bzw. 46414, [1]:
Rotbauchunke
Kreuzkröte
Wechselkröte
Laubfrosch
Springfrosch
Nördlicher Kammmolch

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 46
seecon Ingenieure I 25.05.2020
4.2.2.4 Insekten
4.2.2.4.1 Xylobionte Käfer
Im Projektgebiet konnten keine direkten Nachweise geschützter Käfer erbracht werden. Durch
den Erhalt der vorhandenen Höhlenbäume im B-Plangebiet sind keine Betroffenheiten bezüg-
lich des Tötungs- und Störungstatbestandes sowie einer Beeinträchtigung im Lebensstätten-
schutz zu rechnen. Wie zuvor beschrieben bezüglich der Brutvogelarten sind auch hier nur
Fällungen sofern sie nötig werden gemäß § 39 BNatSchG ausschließlich im Zeitraum zwi-
schen Oktober und Februar durchzuführen nachdem noch einmal vorhandene Bohrkanäle en-
doskopisch untersucht wurden und bei eventuellen Funden ökologische Bauüberwachung ge-
eignete Maßnahmen einsetzt.
4.2.2.4.2 Insekten- Formica-Arten
Betroffenheiten in Form des Zugriffs auf die geschützten Fortpflanzungs- und Ruhestätten
können sich bei den vorgefundenen Formica-Arten einstellen. Zunächst war die Umsiedelung
der Ameisennester hügelbauender Ameisen in geeignete Lebensräume geplant, dazu wurden
verschiedene Grundstücke in Erwägung gezogen. Die Habitatqualität konnte jedoch nicht das
Überleben der Art absichern, so dass man sich in Abstimmung mit dem Landratsamt Landkreis
Leipzig im April 2020 darauf einigte, die vorhandene Population vor Ort zu belassen und durch
geeignete Schutzmaßnahmen dauerhaft und insbesondere während der Bauzeit zu sichern.
Ein Tötungs- sowie Störungstatbestand kann damit vermieden werden. Der Eingriff auf Fort-
pflanzungs- und Ruhestätten der Gattung Formica wird durch Schutzmaßnahmen während
der Bauzeit und langfristig gesichert.
4.2.2.5 Reptilien
Potenziell betroffene Arten können sein laut Messtischblattquadranten (MTBQ) 4641-SW bzw.
46413, MTBQ 4641-SO bzw. 46414, [1]:
Glattnatter
Zauneidechse
Ringelnatter
Im B-Plangebiet ist kaum grabbares Oberbodenmaterial vorhanden die Sandflächen werden
von den Pferden als Paddock genutzt und fallen daher als geeignetes Habitat für die Zau-
neidechsen heraus. Die zum großen Teil versiegelten Flächen durch Gebäude und Wege im
B-Plangebiet dienen nur in den Übergangsbereichen zu geeigneter Vegetation als Sonnen-
plätze. Zudem besteht die Gefahr der Tötung der Zauneidechsen durch hofeigene Katzen.
Einzig der Bereich nördlich es B-Plangebietes Übergang von der intensiv genutzten Weide zur

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 47
Bahntrasse stellt ein geeignetes Habitat für Zauneidechse und Glattnatter dar. Dieser Bereich
ist von Bebauung ausgenommen und wird im B-Plan als private Grünfläche (pGF 1) ausge-
wiesen. Die Weideflächen weisen einen zu dichten Bewuchs mit nur wenigen Störstellen wie
z. B. Maulwurfshaufen auf und sind zudem je nach Witterung eher feucht und werden zum
jetzigen Zeitpunkt noch zu stark durch Weidebetrieb genutzt. Versteck- und Überwinterungs-
möglichkeiten befinden sich nur in den Randbereichen und Übergangsflächen zu den Gehölz-
strukturen im Westen und Osten, wenn jedoch die Eiablageflächen fehlen erweist sich der
Untersuchungsraum als Lebensstätte für Zauneidechsen und Glattnattern als ungeeignet. Die
Ringelnatter nutzt sowohl Land- als auch Wasserlebensräume wie im Untersuchungsraum
vorhanden, diese sind jedoch hier sehr eingeschränkt und anthropogen überprägt.
Das potenzielle Vorkommen der Arten erschließt sich wie bei den Amphibien durch die wert-
vollen Umgebungsstrukturen ehemaliger Steinbruchabbaugebiete. (Hausbruch, Spittelbruch,
Kirchbruch und Tollertbruch).
4.3
Maßnahmenplanung
Grundlagen
Im Artenschutz wird prinzipiell unterschieden zwischen artspezifischen Vermeidungsmaßnah-
men (V
AS
X), Maßnahmen zum Erhalt der kontinuierlichen ökologischen Funktion (CEF) und
artspezifischen Erhaltungsmaßnahmen (FCS). CEF werden vor dem Eingriff realisiert, damit
die Funktionalität zum Zeitpunkt des Eingriffs gewährleistet ist.
Kann das Eintreten von Zugriffs- oder Störungsverboten trotz Vermeidungs- und/oder CEF-
Maßnahmen nicht verhindert werden ist die Zulassung einer Ausnahme erforderlich und art-
spezifische Erhaltungsmaßnahmen vorzusehen. Diese FCS-Maßnahmen verfolgen das Ziel,
die Populationen der betroffenen Art in einem günstigen Erhaltungszustand zu bewahren. Sie
sind damit Bestandteil der Ausnahmenvoraussetzungen, durch sie kann der Verbotstatbe-
stand überwunden werden.
Für folgende Arten sind Maßnahmen notwendig:
Brutvögel:
Grünspecht (
Picus viridis
), Rauchschwalbe
(Hirundo rustica
) Wendehals (
Jynx torquilla
)
Säugetiere (Fledermäuse):
Abendsegler (
Nyctalus noctula
), Braunes Langohr (
Plecotus auritus
), Zweifarbfledermaus
(
Vespertilio murinus
)

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 48
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Amphibien:
Rotbauchunke (
Bombina bombina
), Kreuzkröte (
Bufo calamita
), Wechselkröte (
Bufo viridis
),
Laubfrosch (
Hyla arborea
), Springfrosch (
Rana dalmatina
), Nördlicher Kammmolch (
Triturus
cristatus
)
Insekten:
Xylobionte Käfer allgemein, Ameisen der Gattung
Formica
Reptilien:
Zauneidechse (
Lacerta agilis
), Glattnatter (
Coronella austriaca
), Ringelnatter (
Natrix natrix
)
4.3.1
Maßnahmen Brutvögel
Im Ergebnis der Betroffenheitsabschätzung zu Brutvogelarten und zur Beeinträchtigung streng
geschützter Nahrungsgäste aus Tab. 6 sind folgende Maßnahmen vorgesehen, um die Ver-
botstatbestände nach § 44 BNatSchG auszuschließen. Es werden ausschließlich Brutvogel-
arten betrachtet. Anhand der Tabelle wird deutlich, dass für die Nahrungsgäste aufgrund der
Kleinräumigkeit des B-Plangebietes und der ausreichend vorhandenen ungestörten Rest-
räume im B-Plangebietsumfeld keine Schädigungen zu erwarten sind. Für die aufgelisteten
Brutvogelarten im direkten Baufeld und im Wirkraum des Untersuchungsgebietes werden
Schädigungen von Fortpflanzungs- und Ruhestätten und den damit einhergehenden Verbots-
tatbeständen des § 44 BNatSchG geprüft.
Tötungsrisiko (durch Entfall von Niststellen für Höhlen- und Gebäudebrüter)
Ein Eintreten des Tötungsverbotes adulter Tiere kann aufgrund der Mobilität der Art ausge-
schlossen werden, dies gilt jedoch nicht für die Jungvögel. Mit den Baumaßnahmen kann es
durch Gehölzrückschnitt, Gehölzfällungen und den Abbruch bzw. der Sanierung von Gebäu-
den zum Entfall von Niststätten kommen. Weiterhin kann es durch starke Störwirkungen zur
Aufgabe von nicht direkt betroffenen Gelegen kommen.
Tab. 11
Tötungsrisiken Brutvögel
Artname, deutsch
Maßnahme
Grünspecht
(
Picus
viridis
),
V
AS
1-1 Fällzeitenbeschränkung
Alle Gehölzfällungen und -rodungen sowie Freistellungen des Baufeldes erfol-
gen ausschließlich außerhalb der Brutzeit, zwischen dem 01. Oktober und dem
28. Februar. Vor den Fällungen sind Baumhöhlen auf Besatz zu kontrollieren.
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit
auf aktuellen Besatz durch eine Fachperson (ökologische Baubegleitung,

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 49
Artname, deutsch
Maßnahme
eventuell mehrfach pro Brutperiode, Einleiten von erforderlichen Schutzmaß-
nahmen zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG.
Rauchschwalbe
(Hi-
rundo rustica
)
V
AS
1-2 Gebäudeabrisszeitbeschränkung
Abriss und Sanierung von Gebäuden nicht zwischen 1. März und 30. Septem-
ber durchführen, infolge des Teilabrisses der Gebäude bzw. Erhalt und Umbau
Pferdestall siehe FCS-Maßnahme ist darauf zu achten, dass die Baugerüste
vor Beginn der Brutzeit vogelsicher abgehangen werden
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit
auf aktuellen Besatz durch eine Fachperson (ökologische Baubegleitung, even-
tuell mehrfach pro Brutperiode, Einleiten von erforderlichen Schutzmaßnahmen
zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG.
Wendehals
(
Jynx
torquilla
)
V
AS
1-1 Fällzeitenbeschränkung
Alle Gehölzfällungen und -rodungen sowie Freistellungen des Baufeldes erfol-
gen ausschließlich außerhalb der Brutzeit, zwischen dem 01. Oktober und dem
28. Februar. Vor den Fällungen sind Baumhöhlen auf Besatz zu kontrollieren.
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit
auf aktuellen Besatz durch eine Fachperson (ökologische Baubegleitung, even-
tuell mehrfach pro Brutperiode, Einleiten von erforderlichen Schutzmaßnahmen
zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG.
Störungsrisiko (für Höhlen- und Gebäudebrüter)
Es ist davon auszugehen, dass es mit Umsetzung des B-Plans zu erhöhten Störbelastungen
aufgrund von bau-, anlagen- und betriebsbedingte Wirkfaktoren kommt (siehe Tab.3).
Tab. 12
Störungsrisiken Brutvögel
Artname, deutsch
Maßnahme
Grünspecht
(
Picus
viridis
),
V
AS
1-1 Fällzeitenbeschränkung
Alle Gehölzfällungen und -rodungen sowie Freistellungen des Baufeldes erfol-
gen ausschließlich außerhalb der Brutzeit, zwischen dem 01. Oktober und dem
28. Februar. Vor den Fällungen sind Baumhöhlen auf Besatz zu kontrollieren.
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit
auf aktuellen Besatz durch eine Fachperson (ökologische Baubegleitung, even-
tuell mehrfach pro Brutperiode, Einleiten von erforderlichen Schutzmaßnahmen
zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG.
Rauchschwalbe
(Hi-
rundo rustica
)
V
AS
1-2 Gebäudeabrisszeitbeschränkung
Abriss und Sanierung von Gebäuden nicht zwischen 1. März und 30. Septem-
ber durchführen, infolge des Teilabrisses der Gebäude bzw. Erhalt und Umbau
Pferdestall siehe FCS-Maßnahme ist darauf zu achten, dass die Baugerüste
vor Beginn der Brutzeit vogelsicher abgehangen werden
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 50
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Artname, deutsch
Maßnahme
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit
auf aktuellen Besatz durch eine Fachperson (ökologische Baubegleitung, even-
tuell mehrfach pro Brutperiode, Einleiten von erforderlichen Schutzmaßnahmen
zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG.
Wendehals
(
Jynx
torquilla
)
V
AS
1-1 Fällzeitenbeschränkung
Alle Gehölzfällungen und -rodungen sowie Freistellungen des Baufeldes erfol-
gen ausschließlich außerhalb der Brutzeit, zwischen dem 01. Oktober und dem
28. Februar. Vor den Fällungen sind Baumhöhlen auf Besatz zu kontrollieren.
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit
auf aktuellen Besatz durch eine Fachperson (ökologische Baubegleitung, even-
tuell mehrfach pro Brutperiode, Einleiten von erforderlichen Schutzmaßnahmen
zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG.
Schädigungsverbot von Fortpflanzungs- und Ruhestätten
Eine Entnahme, Beschädigung oder Zerstörung von Fortpflanzungs- oder Ruhestätten von im
UG nachgewiesenen Brutvogelarten und eine damit einhergehende Auslösung des Ver-
botstatbestands nach § 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG könnte für die Vogelarten relevant sein, die
ihren Nistplatz jährlich wieder aufsuchen und in ihrer Revierwahl nicht variabel sind (z. B.
Rauchschwalbe).
Die teilweise Entwertung des Geltungsbereiches als Bruthabitat streng
geschützter Arten stellt einen Verbotstatbestand nach § 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG dar.
Tab. 13
Schädigungsverbote Brutvögel
Artname, deutsch
Maßnahme
Grünspecht
(
Picus
viridis
),
V
AS
1-4 Erhalt von Höhlenbäumen (Walnuss, Apfel, Bäume der „Waldweide“
siehe Bestandsplan)
als Festsetzung im B-Plan (nach § 21 SächsNatSchG geschützter Biotoptyp),
bedeutet geeignete Maßnahmen zu treffen, den Großbaumbestand zu schüt-
zen, keine Bebauung im Kronentraufbereich - wenn planerisch nicht vermeidbar
– durch bauliche Sicherungsmaßnahmen (Bretterschalung, Wurzelraumschutz,
Handarbeit im Wurzelbereich etc.) oder auch Wurzelbrücken mit Baumsub-
stratauffüllung
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit
auf aktuellen Besatz durch eine Fachperson (ökologische Baubegleitung, even-
tuell mehrfach pro Brutperiode, Einleiten von erforderlichen Schutzmaßnahmen
zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG.
Rauchschwalbe
(Hi-
rundo rustica
)
V
AS
1-2 Gebäudeabrisszeitbeschränkung
Abriss und Sanierung von Gebäuden nicht zwischen 1. März und 30. Septem-
ber, außerhalb der Brutzeit durchführen, infolge des Teilabrisses der Gebäude
bzw. Erhalt und Umbau Pferdestall siehe FCS-Maßnahme ist darauf zu achten,
dass die Baugerüste vor Beginn der Brutzeit vogelsicher abgehangen werden

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 51
Artname, deutsch
Maßnahme
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit
auf aktuellen Besatz durch eine Fachperson (ökologische Baubegleitung, even-
tuell mehrfach pro Brutperiode, Einleiten von erforderlichen Schutzmaßnahmen
zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG.
Wendehals
(
Jynx
torquilla
)
V
AS
1-4 Erhalt von Höhlenbäumen (Walnuss, Apfel, Bäume der „Waldweide“
siehe Bestandsplan
als Festsetzung im B-Plan (nach § 21 SächsNatSchG geschützter Biotoptyp),
bedeutet geeignete Maßnahmen zu treffen, den Großbaumbestand zu schüt-
zen, keine Bebauung im Kronentraufbereich - wenn planerisch nicht vermeidbar
– durch bauliche Sicherungsmaßnahmen (Bretterschalung, Wurzelraumschutz,
Handarbeit im Wurzelbereich etc.) oder auch Wurzelbrücken mit Baumsub-
stratauffüllung
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit
auf aktuellen Besatz durch eine Fachperson (ökologische Baubegleitung, even-
tuell mehrfach pro Brutperiode, Einleiten von erforderlichen Schutzmaßnahmen
zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG.
Zusammenfassung Verbotstatbestände nach §44 Abs. 1 i.V. m. Abs. 5
BNatSchG für Gebäudebrüter
Werden Verbotstatbestände nach § 44 Abs. 1 i. V. m. Abs. 5 BNatSchG bezüglich der gemein-
schaftsrechtlich geschützten Arten erfüllt, müssen für eine Projektzulassung die Ausnahmevo-
raussetzungen des § 45 Abs. 7 BNatSchG erfüllt sein. Es muss u.a. gem. § 45 Abs. 7
BNatSchG nachgewiesen werden, dass keine Verschlechterung des günstigen Erhaltungszu-
standes der Population einer Art zu erwarten ist bzw. bei derzeitig schlechtem Erhaltungszu-
stand eine Verbesserung nicht behindert wird.
Besondere Aufmerksamkeit kommt angesichts des Vorhabencharakters den Gebäudebrütern
zu.
Es besteht eine Betroffenheit der nachgewiesenen gebäudebrütenden Arten allen voran der
streng geschützten Rauchschwalbenpopulation sowie weiteren direkt vom Abriss der Fort-
pflanzungs- und Ruhestätten betroffenen Arten wie Haussperling und Hausrotschwanz. Damit
wird ein Verbotstatbestand gemäß § 44 BNatSchG ausgelöst.
Da trotz artspezifischer Vermeidungsmaßnahmen die Verbotstatbestände nach § 44 Abs. 1
BNatSchG einschlägig werden, ist eine Ausnahmegenehmigung bzw. eine artenschutzrecht-
liche Befreiung von den Verbotstatbeständen nach § 44 BNatSchG im Zuge der Realisierung
des Bebauungsplanes erforderlich
.
Neben den genannten Vermeidungsmaßnahmen V
AS
1-2 Gebäudeabrisszeitbeschränkung,
Umbau außerhalb der Brutzeit, V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld, wird
insbesondere die FCS-Maßnahme im Geltungsbereich des B-Planes (Bereich der zukünftigen

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 52
seecon Ingenieure I 25.05.2020
privaten Grünfläche Nr. 2) in Form des Teilerhalts und Umbaus des vorhandenen Gebäudes
Pferdestall auf dem Flurstück 120/1, Gemarkung Kleinsteinberg zur Kompensation der Ein-
griffe in Gebäudebrüterhabitate im Zuge des Bebauungsplanes „Wurzener / Kleinsteinberger
Straße“- Lindenhof dienen. Neben der nachgewiesenen streng geschützten Rauchschwalben-
population dient die Umsetzung der FCS Maßnahme dem Erhalt weiterer Gebäudebrüterha-
bitate für Haussperling und Hausrotschwanz. In Abstimmung mit dem Landratsamt Landkreis
Leipzig im April 2020 (siehe Gesprächsnotiz 24.04.2020 im Anhang) sind folgende planungs-
relevante Grundsätze bei der Realisierung der Umbaumaßnahmen zum Zwecke des Fortbe-
standes des Gebäudebrüterhabitates zwingend erforderlich. Die flächenkonkrete Ausgestal-
tung der Maßnahmenfläche ist nicht mehr Teil dieser Aufgabenstellung.
Grundsätzlich sollte die Umsetzung der Maßnahme erfolgsversprechend sein, d.h. bei der Um-
setzung der Maßnahme muss den Ansprüchen der Arten bestmöglich gerecht werden, dies
bezieht sich sowohl auf die Ausprägung der Nisthilfen als auch der Ausgestaltung der Umge-
bungsstrukturen zur Nahrungssuche Aufnahme von Nistmaterial etc. Hintergrund der Planung
der FCS-Maßnahme im Geltungsbereich des Bebauungsplanes war die Grundflächenverfüg-
barkeit und die Eigenschaft der Arten der Ortstreue, sie kehren jedes Jahr zu ihren Brutstätten
zurück. Zudem beherbergt der zu erhaltende und umzubauende Gebäudeteil des Pferdestal-
les zum jetzigen Zeitpunkt die nachgewiesenen Brutstätten 6 Nester, die Ausrichtung des Ge-
bäudes bleibt erhalten, ebenso Teile der umgebenden Strukturen z. B. aufgestauter Graben.
Im Folgenden werden die Grundsätze der FCS-Maßnahmeplanung zusammenfassend aufge-
listet:
Umbau Pferdestall einschließlich Abriss südlicher Teil auf Flurstück 120/1 siehe Grenze
pGF 2 im Winterhalbjahr bzw. nicht zwischen dem 1. März und dem 30. September,
außerhalb der Vogelbrutzeit
Umbaumaßnahmen in enger Abstimmung zwischen Ausführungsplaner und dem
Landratsamt Landkreis Leipzig sowie unter Beteiligung einer ökologischen Bauüber-
wachung
Anlage von Lehmkuhlen zur Bereitstellung von Nistmaterial, event. angeschlossen an
Dachentwässerung wegen Zufuhr von Wasser
Ein- und Durchflugsmöglichkeiten im umgebauten Pferdestall für die Rauchschwalbe
Dachüberstand am Gebäude
nach Fertigstellung des umgebauten Gebäudes Anbringen von Nistkästen für Haussperling
im Verhältnis 1:2, entspricht einer Anzahl von ca. 20 Nistkästen bei nachgewiesenen 8-15
Niststandorten [2], unter beachtung der zukünftigen Gebäudegröße eventuell reduzierbar,
Anbringung außen am Gebäude
nach Fertigstellung des umgebauten Gebäudes Anbringen von Nistkästen für Hausrot-
schwanz im Verhältnis 1:2, entspricht einer Anzahl von 12 Nistkästen bei nachgewiesenen
6 Niststandorten [2], Anbringung außen am Gebäude

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 53
nach Fertigstellung des umgebauten Gebäudes Anbringen von Nistkästen für Rauch-
schwalbe im Verhältnis 1:2, entspricht einer Anzahl von 12 Nistkästen bei nachgewiesenen
6 Niststandorten [2], Anbringung innerhalb des Gebäudes
Gebäudebrütermonitoring insbesondere Rauchschwalbe über einen Zeitraum von 1 bis 2
Jahren nach Fertigstellung Umbau des Gebäudes und Anbringen der Nisthilfen z. B. Rauch-
schwalbennest der Firma Schwegler Nr.10 B
In der Gemarkung Kleinsteinberg besteht ein großes Potenzial an Fortpflanzungs- und Ruhe-
stätten für gebäudebrütende Arten aufgrund der dörflichen Strukturen und über viele Jahre
entstandene Pferdewirtschaft einschließlich Stallgebäuden und Umgebungsstrukturen (Mist-
haufen, Grünlandstrukturen entsprechend großzügig vorhandenes Insektenangebot). Dies
kann langfristig zusätzlich zur geplanten Maßnahme der Sicherung des Bestandes der Rauch-
schwalbenpopulation zugutekommen. Auch während der Bauzeit, sollte diese länger als 12
Monate dauern und es damit zur Überlagerung von Bau- und Brutzeiten kommt, bieten dies
vorhandenen Strukturen ungestörte Räume im unmittelbaren Umfeld.
4.3.2
Maßnahmen Säugetiere (Fledermäuse)
Die Prüfung der festgestellten bzw. im Untersuchungsraum (Geltungsbereich B-Plan) potenzi-
ell vorkommenden Fledermausarten erfolgt in den Einzelarttabellen. Bei den gebäudebewoh-
nenden Fledermäusen ergeben sich Betroffenheiten allen voran durch Zugriffe auf ihre Quar-
tiere im Zuge der Abriss- und Sanierungsmaßnahmen. Für die baumhöhlenbewohnenden Fle-
dermausarten ergeben sich Risiken bzw. Verbotstatbestände bei Gehölzfällung.
Tötungsrisiko (durch Abriss der Quartiere und Verlust von Baumhöhlen)
Mögliche Betroffenheit bzw. zum Verbotstatbestand nach § 44 BNatSchG (1) könnte es durch
Einmauern, Verspachteln bei Sanierungsarbeiten, Verschütten im Zuge von Abrissarbeiten
kommen. Ebenso besteht ein Tötungsrisiko durch Fällung von Höhlenbäumen.
Tab. 14
Tötungsrisiken Säugetiere
Artname, deutsch
Maßnahme
Abendsegler
(
Nyctalus noctula
)
V
AS
1-4 Erhalt von Höhlenbäumen (Walnuss, Apfel, Bäume der „Waldweide“
siehe Bestandsplan
als Festsetzung im B-Plan (nach § 21 SächsNatSchG geschützter Biotoptyp),
bedeutet geeignete Maßnahmen zu treffen, den Großbaumbestand zu schüt-
zen, keine Bebauung im Kronentraufbereich - wenn planerisch nicht vermeidbar
– durch bauliche Sicherungsmaßnahmen (Bretterschalung, Wurzelraumschutz,
Handarbeit im Wurzelbereich etc.) oder auch Wurzelbrücken mit Baumsub-
stratauffüllung

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 54
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Artname, deutsch
Maßnahme
V
AS
1-3 Ökologische Baubegleitung
Hier: ökologische Fällbegleitung, Baumkontrollen, sollten Gehölzfällungen und
-rodungen sowie Freistellungen des Baufeldes doch nötig sein, erfolgen diese
ausschließlich außerhalb der Brutzeit, zwischen dem 01. Oktober und dem 28.
Februar, so dass Betroffenheiten im Sommer baumhöhlenbewohnender Tiere
ausgeschlossen werden können. Zum Ausschluss einer Betroffenheit von Tie-
ren, welche in Baumhöhlen überwintern, wird eine Fällbegleitung installiert, wel-
che unmittelbar vor den Fällungen alle Höhlenbäume auf Besatz hin überprüft.
Anschließend werden die Höhlen bei Nichtbesatz verschlossen. Werden be-
setzte Quartiere vorgefunden sind Folgemaßnahmen mit der UNB LK Leipzig
abzustimmen. Besetzte Quartiere werden mit Hilfe von künstlichen Quartierhil-
fen in einem Verhältnis von 1:3 ersetzt.
Braunes
Langohr
(
Plecotus auritus
)
V
AS
1-4 Erhalt von Höhlenbäumen (Walnuss, Apfel, Bäume der „Waldweide“
siehe Bestandsplan
als Festsetzung im B-Plan (nach § 21 SächsNatSchG geschützter Biotoptyp),
bedeutet geeignete Maßnahmen zu treffen, den Großbaumbestand zu schüt-
zen, keine Bebauung im Kronentraufbereich - wenn planerisch nicht vermeidbar
– durch bauliche Sicherungsmaßnahmen (Bretterschalung, Wurzelraumschutz,
Handarbeit im Wurzelbereich etc.) oder auch Wurzelbrücken mit Baumsub-
stratauffüllung
V
AS
1-3 Ökologische Baubegleitung
Hier: ökologische Fällbegleitung- Baumkontrollen, sollten Gehölzfällungen und
-rodungen sowie Freistellungen des Baufeldes doch nötig sein, erfolgen diese
ausschließlich außerhalb der Brutzeit, zwischen dem 01. Oktober und dem 28.
Februar, so dass Betroffenheiten im Sommer baumhöhlenbewohnender Tiere
ausgeschlossen werden können. Zum Ausschluss einer Betroffenheit von Tie-
ren, welche in Baumhöhlen überwintern, wird eine Fällbegleitung installiert, wel-
che unmittelbar vor den Fällungen alle Höhlenbäume auf Besatz hin überprüft.
Anschließend werden die Höhlen bei Nichtbesatz verschlossen. Werden be-
setzte Quartiere vorgefunden sind Folgemaßnahmen mit der UNB LK Leipzig
abzustimmen. Besetzte Quartiere werden mit Hilfe von künstlichen Quartierhil-
fen in einem Verhältnis von 1:3 ersetzt.
Zweifarbfledermaus
(
Vespertilio murinus
)
V
AS
1-3 Ökologische Baubegleitung
Hier: Gebäudeuntersuchung Fledermäuse. Vor Abrissmaßnahmen und Sanie-
rungen intensive Untersuchung der Quartierpotenziale (v.a. Gewölbekeller des
Dreiseithofes), auf Spuren von Besiedlungen und anschließend auf Besatz
durch ggf. Ausflugbeobachtungen, detektorgestützte Aus- und Einflugbeobach-
tungen zwischen Mai und Oktober, bei Baubeginn in der Winterruhe (Dezember
bis Februar) alle frostfreien Keller und Schächte auf Vorkommen untersuchen.
Im Falle von Funden sind Folgemaßnahmen mit der unteren Naturschutzbe-
hörde abzustimmen. Für ggf. beseitigte genutzte Quartiere ist ein dauerhafter
Ausgleich in Form von Kastenquartieren in einem Verhältnis 1:3 an und in be-
nachbarte, geeignete Gebäude anzubringen

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 55
Störungsrisiko (für Höhlen- und Gebäudebewohner)
Eine potenzielle Nutzung des Gebietes als Jagdhabitat durch Gehölz bewohnende Fleder-
mausarten ist möglich. Insbesondere anhand des Vorkommens von wertvollen Nahrungsha-
bitaten, Insektenlebensräumen durch die Pferdewirtschaft, Gehölzstrukturen etc. Durch Ein-
haltung einer nächtlichen Bauruhe können jedoch Störungen der nächtlichen Aktivitäten der
potenziell vorkommenden Fledermausarten vermieden werden. Vom Vorhaben unberührte
Jagdhabitate, wie Gehölzbereiche und strukturierte Grünflächen, sind in der näheren Umge-
bung vorhanden und für die Fledermäuse gut erreichbar.
Der Störungstatbestand nach § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG wird für baumbewohnende Fle-
dermausarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wan-
derungszeiten ausgeschlossen.
Tab. 15
Störungsrisiken Säugetiere
Artname, deutsch
Maßnahme
Abendsegler
(
Nyctalus noctula
)
V
AS
1-5 Einrichtung von Tabuzonen
sollten erneute Begutachtungen Kenntnisse zur Nutzung von Quartierstruktu-
ren an Bäumen erbringen, sind um diese betroffenen Bereiche während der
Nutzung Tabuzonen einzurichten
Braunes
Langohr
(
Plecotus auritus
)
V
AS
1-5 Einrichtung von Tabuzonen
sollten erneute Begutachtungen Kenntnisse zur Nutzung von Quartierstruktu-
ren an Bäumen erbringen, sind um diese betroffenen Bereiche während der
Nutzung Tabuzonen einzurichten
Zweifarbfledermaus
(
Vespertilio murinus
)
V
AS
1-6 Nächtliche Bauruhe,
Störungen der nächtlichen Jagdaktivitäten durch Ausschluss von Bauarbeiten
in der Dämmerung und des Nachts vermeiden, Verzicht auf nächtliche Aus-
leuchtung der Baustelle
Schädigungsverbot von Fortpflanzungs- und Ruhestätten
Der Verbotstatbestand nach § 44 Abs. 1 Nr. 3, die Entnahme, Beschädigung oder Zerstörung
von Fortpflanzungs- oder Ruhestätten kann bisher bei den baumbewohnenden Fledermaus-
arten ausgeschlossen werden, da bei Kontrollen bisher keine Anhaltspunkte für eine Besiede-
lung gefunden worden sind. Weitere geeignete Quartiergehölze bleiben zudem im Geltungs-
bereich erhalten. Sollten bei einer wiederholten Kontrollbegehung durch eine ökologische Bau-
begleitung (vgl. Tötungsverbot) Quartierstrukturen gefunden werden, sind diese zu ersetzen.
Das Schädigungsverbot von Fortpflanzungs- und Ruhestätten nach § 44 Abs. 1 Nr. 3
BNatSchG wird für baumbewohnende Fledermausarten nicht einschlägig. Unwägbarkeiten
werden durch Gebäude- und Baumkontrollen mit Baufortschritt abgesichert.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 56
seecon Ingenieure I 25.05.2020
4.3.3
Maßnahmen Amphibien
Die Prüfung der im Untersuchungsraum (Geltungsbereich B-Plan) potenziell vorkommenden
Amphibienarten erfolgt in den Einzelarttabellen. Eine Betroffenheit von Fortpflanzungsstätten
und Ruhestätten sowie die Störung dieser ist bei Rotbauchunke, Kreuzkröte, Wechselkröte,
Laubfrosch, Springfrosch, Nördlicher Kammmolch durch das Bauvorhaben nicht zu befürch-
ten, da der Bereich des aufgestauten Grabens nicht von Bauarbeiten berührt ist bzw. der Teil
des B-Plangebietes ausgenommen ist. Bereits in den letzten 2 Jahren konnten keine Fort-
pflanzungsaktivitäten nachgewiesen werden.
Durch den großräumigen Biotopverbund an Stillgewässern im Einzugsgebiet besteht jedoch
die Möglichkeit, dass aufgrund innerörtlicher und außerörtlicher Wanderbewegungen Amphi-
bien den Baubereich queren. Die Baustelle wird als Tagesbaustelle geführt. Da die Wande-
rungen erst mit Einbruch der Dämmerung stattfinden sind Kollisionen ausschließbar. Das Auf-
stellen eines Amphibienschutzzaunes kann damit entfallen. Durch Aufstellen eines Amphibi-
enschutzzaunes um den Bereich des potenziellen Vorkommens (aufgestauter Graben) wird
jedoch eine Wanderung der Amphibien aus der potenziellen Lebensstätte in den Baubereich
vermieden.
In den Baustellenbereichen besteht ein signifikant erhöhtes und zu vermeidendes Tötungsri-
siko für alle wandernden Amphibien durch Fallenwirkungen (Gruben und technische Anlagen)
sowie beim Queren von Baustraßen, auch beim Bau des Stauraum-/ bzw. Regenwasserkana-
les. Im Zuge dessen sind vor Baubeginn absichernde Maßnahmen im Baubereich vorzuneh-
men und eine ökologische Bauüberwachung einzusetzen.
Tötungsrisiko (bei Wanderungsbewegungen)
Tab. 16
Tötungsrisiken Amphibien
Artname, deutsch
Maßnahme
Rotbauchunke
(
Bombina bombina
)
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung
regelmäßige Kontrolle der Baustelle während der Hauptwanderzeit März/April
auf Fallen (Gruben), spontane Tier- und Laichansammlungen, Gewährleistung
der uneingeschränkten Passierbarkeit für wandernde Tiere, Einleiten von erfor-
derlichen Schutzmaßnahmen zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44
BNatSchG
V
AS
1-7 Aufstellen eines Amphibienschutzzaunes
Der Erhalt des vorhandenen aufgestauten Grabenabschnittes als Fortpflan-
zungs- und Ruhestätte wird im B-Plan festgesetzt und mit einem Schutzstreifen
von mindestens 5 Metern in die private Grünfläche 2 integriert. Während der
Bauzeit ist der gesamte Bereich durch Aufstellen eines Amphibienschutzaunes
zur Vermeidung des Einwanderns aus dem Gewässer in den Baubereich zu
sichern

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 57
Artname, deutsch
Maßnahme
Kreuzkröte
(
Bufo
calamita)
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung
regelmäßige Kontrolle der Baustelle während der Hauptwanderzeit März/April
auf Fallen (Gruben), spontane Tier- und Laichansammlungen, Gewährleistung
der uneingeschränkten Passierbarkeit für wandernde Tiere, Einleiten von erfor-
derlichen Schutzmaßnahmen zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44
BNatSchG
V
AS
1-7 Aufstellen eines Amphibienschutzzaunes
Der Erhalt des vorhandenen aufgestauten Grabenabschnittes als Fortpflan-
zungs- und Ruhestätte wird im B-Plan festgesetzt und mit einem Schutzstreifen
von mindestens 5 Metern in die private Grünfläche 2 integriert. Während der
Bauzeit ist der gesamte Bereich durch Aufstellen eines Amphibienschutzaunes
zur Vermeidung des Einwanderns aus dem Gewässer in den Baubereich zu
sichern
Wechselkröte (
Bufo
viridis
)
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung
regelmäßige Kontrolle der Baustelle während der Hauptwanderzeit März/April
auf Fallen (Gruben), spontane Tier- und Laichansammlungen, Gewährleistung
der uneingeschränkten Passierbarkeit für wandernde Tiere, Einleiten von erfor-
derlichen Schutzmaßnahmen zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44
BNatSchG
V
AS
1-7 Aufstellen eines Amphibienschutzzaunes
Der Erhalt des vorhandenen aufgestauten Grabenabschnittes als Fortpflan-
zungs- und Ruhestätte wird im B-Plan festgesetzt und mit einem Schutzstreifen
von mindestens 5 Metern in die private Grünfläche 2 integriert. Während der
Bauzeit ist der gesamte Bereich durch Aufstellen eines Amphibienschutzaunes
zur Vermeidung des Einwanderns aus dem Gewässer in den Baubereich zu
sichern
Laubfrosch (
Hyla ar-
borea
)
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung
regelmäßige Kontrolle der Baustelle während der Hauptwanderzeit März/April
auf Fallen (Gruben), spontane Tier- und Laichansammlungen, Gewährleistung
der uneingeschränkten Passierbarkeit für wandernde Tiere, Einleiten von erfor-
derlichen Schutzmaßnahmen zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44
BNatSchG
V
AS
1-7 Aufstellen eines Amphibienschutzzaunes
Der Erhalt des vorhandenen aufgestauten Grabenabschnittes als Fortpflan-
zungs- und Ruhestätte wird im B-Plan festgesetzt und mit einem Schutzstreifen
von mindestens 5 Metern in die private Grünfläche 2 integriert. Während der
Bauzeit ist der gesamte Bereich durch Aufstellen eines Amphibienschutzaunes
zur Vermeidung des Einwanderns aus dem Gewässer in den Baubereich zu
sichern
Springfrosch (
Rana
dalmatina
)
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung
regelmäßige Kontrolle der Baustelle während der Hauptwanderzeit März/April
auf Fallen (Gruben), spontane Tier- und Laichansammlungen, Gewährleistung
der uneingeschränkten Passierbarkeit für wandernde Tiere, Einleiten von erfor-
derlichen Schutzmaßnahmen zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44
BNatSchG

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 58
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Artname, deutsch
Maßnahme
V
AS
1-7 Aufstellen eines Amphibienschutzzaunes
Der Erhalt des vorhandenen aufgestauten Grabenabschnittes als Fortpflan-
zungs- und Ruhestätte wird im B-Plan festgesetzt und mit einem Schutzstreifen
von mindestens 5 Metern in die private Grünfläche 2 integriert. Während der
Bauzeit ist der gesamte Bereich durch Aufstellen eines Amphibienschutzaunes
zur Vermeidung des Einwanderns aus dem Gewässer in den Baubereich zu
sichern
Nördlicher
Kamm-
molch
(
Triturus
cristatus
)
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung
regelmäßige Kontrolle der Baustelle während der Hauptwanderzeit März/April
auf Fallen (Gruben), spontane Tier- und Laichansammlungen, Gewährleistung
der uneingeschränkten Passierbarkeit für wandernde Tiere, Einleiten von erfor-
derlichen Schutzmaßnahmen zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44
BNatSchG
V
AS
1-7 Aufstellen eines Amphibienschutzzaunes
Der Erhalt des vorhandenen aufgestauten Grabenabschnittes als Fortpflan-
zungs- und Ruhestätte wird im B-Plan festgesetzt und mit einem Schutzstreifen
von mindestens 5 Metern in die private Grünfläche 2 integriert. Während der
Bauzeit ist der gesamte Bereich durch Aufstellen eines Amphibienschutzaunes
zur Vermeidung des Einwanderns aus dem Gewässer in den Baubereich zu
sichern
Um die Lebensraumqualität der potenziell vorkommenden Arten nach Festsetzung des Berei-
ches als private Grünfläche noch zu verbessern wäre nach Aussage des Kartierers eine Auf-
wertung des Grabenabschnittes durch Vermindern der Verschattung z. B. durch Herausnahme
einzelner nicht standorttypischer Gehölze denkbar, dabei sind die gesetzlichen Gehölzschutz-
zeiten vom 01.Oktober bis 28. Februar einzuhalten. Die flächenkonkrete Ausgestaltung der
Maßnahmenfläche ist nicht mehr Teil dieser Aufgabenstellung.
4.3.4
Maßnahmen Insekten
4.3.4.1 Xylobionte Käfer
Im Projektgebiet konnten keine direkten Nachweise geschützter Käfer erbracht werden. Durch
den Erhalt der vorhandenen Höhlenbäume im B-Plangebiet sind keine Betroffenheiten bezüg-
lich des Tötungs- und Störungstatbestandes sowie einer Beeinträchtigung im Lebensstätten-
schutz zu rechnen. Wie bezüglich der Brutvogelarten sind auch hier nur Fällungen, sofern sie
nötig werden, gemäß § 39 BNatSchG ausschließlich im Zeitraum zwischen Oktober und Feb-
ruar durchzuführen nachdem noch einmal vorhandene Bohrkanäle endoskopisch untersucht
wurden und bei eventuellen Funden ökologische Bauüberwachung geeignete Maßnahmen
einsetzt.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 59
Tötungsrisiko/Störungstatbestand/Verlust von Fortpflanzungs- und Ruhestät-
ten
Tab. 17
Tötungsrisiken Insekten - Xylobionte Käfer
Artname, deutsch
Maßnahme
Xylobionte Käfer, Ar-
ten unbestimmt all-
gemein
V
AS
1-1 Fällzeitenbeschränkung
Alle Gehölzfällungen und -rodungen sowie Freistellungen des Baufeldes erfol-
gen ausschließlich außerhalb der Brutzeit, zwischen dem 01. Oktober und dem
28. Februar. Vor den Fällungen sind Baumhöhlen und Bohrkanäle endosko-
pisch auf Besatz von geschützten Käfern zu kontrollieren.
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit
auf aktuellen Besatz durch eine Fachperson (ökologische Baubegleitung, Ein-
leiten von erforderlichen Schutzmaßnahmen zum Vermeiden der Verbotstatbe-
stände des § 44 BNatSchG.
4.3.4.2 Insekten- Formica-Arten
Betroffenheiten in Form des Zugriffs auf die geschützten Fortpflanzungs- und Ruhestätten
können sich bei den vorgefundenen Formica-Arten einstellen. Zunächst war die Umsiedelung
der Ameisennester hügelbauender Ameisen in geeignete Lebensräume geplant, dazu wurden
verschiedene Grundstücke in Erwägung gezogen. Die Habitatqualität konnte jedoch nicht das
Überleben der Art absichern, sodass man sich in Abstimmung mit dem Landratsamt Landkreis
Leipzig im April 2020 darauf einigte, die vorhandene Population vor Ort zu belassen und durch
geeignete Schutzmaßnahmen dauerhaft und insbesondere während der Bauzeit zu sichern.
Ein Tötungs- sowie Störungstatbestand kann damit vermieden werden. Die Fortpflanzungs-
und Ruhestätten bleiben ebenfalls erhalten.
Tötungsrisiko /Störungstatbestand/ Verlust von Fortpflanzungs- und Ruhestät-
ten
Tab. 18
Tötungsrisiken Insekten . Formica-Arten
Artname, deutsch
Maßnahme
Ameisen der Gat-
tung
Formica
V
AS
1-8 Aufstellen eines dauerhaften ortsfesten Schutzzaunes
Um den Zugriff während der Bauzeit sowie in Rahmen der betriebsbedingten
und anlagebedingten Wirkungen den Erhalt der Art der Gattung Formica zu si-
chern, ist jeweils pro Ameisenhügel vor Baubeginn ein ortfester Zaun zur dau-
erhaften Sicherung der Ameisenhaufen aufzustellen dieser ist deutlich zu mar-
kieren und auszuweisen. Die flächenkonkrete Ausgestaltung der Maßnahme ist
nicht mehr Teil dieser Aufgabenstellung und muss planerisch in einer zusätzli-
chen Unterlage erstellt werden einschließlich Lageplan der vorhandenen

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 60
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Artname, deutsch
Maßnahme
Ameisenhügel und in enger Abstimmung mit der uNB des Landratsamtes Land-
kreis Leipzig.
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit
auf aktuellen Besatz durch eine Fachperson (ökologische Baubegleitung, Ein-
leiten von erforderlichen Schutzmaßnahmen zum Vermeiden der Verbotstatbe-
stände des § 44 BNatSchG.
4.3.5
Maßnahmen Reptilien
Nachfolgend erfolgt die Prüfung von Zauneidechse und Glattnatter als artenschutzrechtlich
relevante Reptilienarten auf Einzelartniveau. Der Geltungsbereich des B-Plangebietes ist nach
Aussage des Kartierers für die aufgeführten Arten als Lebensraum von untergeordneter Be-
deutung. Einzig der Bereich nördlich des B-Plangebietes Übergang von der intensiv genutzten
Weide zur Bahntrasse stellt ein geeignetes Habitat für Zauneidechse und Glattnatter dar. Es
wurden keine Exemplare nachgewiesen. Dieser Bereich ist von Bebauung ausgenommen und
wird im B-Plan als private Grünfläche ausgewiesen. Das potenzielle Vorkommen der Arten
erschließt sich wie bei den Amphibien durch die wertvollen Umgebungsstrukturen (siehe
MTBQ) ehemalige Steinbruchabbaugebiete (Hausbruch, Spittelbruch, Kirchbruch und Tollert-
bruch).
Um Verbotstatbestände nach § 44 BNatSchG gänzlich auszuschließen werden im Rahmen
des Artenschutzrechtlichen Fachbeitrages Vermeidungsmaßnahmen beschrieben, die dem
Tötungs-, Störungs- und dem Risiko der Schädigung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten
entgegenwirken.
Tötungsrisiko /Störungstatbestand/ Verlust von Fortpflanzungs- und Ruhestät-
ten
Tab. 19
Tötungsrisiken Reptilien
Artname, deutsch
Maßnahme
Zauneidechse
(
La-
certa agilis
)
V
AS
1-5 Einrichtung von Tabuzonen
Bau- Tabuflächen im Bereich südlich der Bahnlinie, Festsetzung im B-Plan als
Private Grünfläche pGF 1, Ausweisung als Bautabuzone und Absperrung mit
Bauzaun entsprechend der Ansprüche der Art
V
AS
1-3 ökologische Bauüberwachung
Sollten im Rahmen der Aufnahme des Baubetriebes im unmittelbaren Baufeld
Einzeltiere der Art Zauneidechse gefunden werden, sind die Bauarbeiten mit
sofortiger Wirkung einzustellen und die zuständige Behörde UNB LK Leipzig
einzuschalten und Maßnahmen einzuleiten, die den Schutz der Population

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 61
Artname, deutsch
Maßnahme
dienen (Abfang, Umsetzung in zuvor strukturell verbesserte und eingezäunte
Bereiche).
V
AS
1-9 Vergrämungsmahd am Böschungsfuss der Bahnlinie
Der nördliche B-Planabschnitt bis zur Bahntrasse, ein ca. 15 m breiter Streifen,
ist 2 Monate vor Baubeginn aller 2 Wochen mit einem Bodenabstand von 10
cm zu mähen. Der erste Langschnitt wird im Bereich der zukünftigen privaten
Grünfläche linear abgelegt, diese Arbeiten sind im Bauzeitenmanagement ein-
zuplanen. Mahdgut und Ablagerungen wie Totholz und Steine sind händisch in
Nachbarbereiche zu bewegen
Glattnatter
(
Coronella austriaca
)
V
AS
1-5 Einrichtung von Tabuzonen
Bau- Tabuflächen im Bereich südlich der Bahnlinie, Festsetzung im B-Plan als
Private Grünfläche pGF 1, Ausweisung als Bautabuzone und Absperrung mit
Bauzaun entsprechend der Ansprüche der Art
V
AS
1-3 ökologische Bauüberwachung
Sollten im Rahmen der Aufnahme des Baubetriebes im unmittelbaren Baufeld
Einzeltiere der Art Zauneidechse gefunden werden, sind die Bauarbeiten mit
sofortiger Wirkung einzustellen und die zuständige Behörde UNB LK Leipzig
einzuschalten und Maßnahmen einzuleiten, die den Schutz der Population die-
nen (Abfang, Umsetzung in zuvor strukturell verbesserte und eingezäunte Be-
reiche).
V
AS
1-9 Vergrämungsmahd am Böschungsfuss der Bahnlinie
Der nördliche B-Planabschnitt bis zur Bahntrasse, ein ca. 15 m breiter Streifen,
ist 2 Monate vor Baubeginn aller 2 Wochen mit einem Bodenabstand von 10
cm zu mähen. Der erste Langschnitt wird im Bereich der zukünftigen privaten
Grünfläche linear abgelegt, diese Arbeiten sind im Bauzeitenmanagement ein-
zuplanen. Mahdgut und Ablagerungen wie Totholz und Steine sind händisch in
Nachbarbereiche zu bewegen
Nach Erfüllung der Vermeidungsmaßnahmen ist mit keinem Verbotstatbestand nach § 44
BNatSchG mit einhergehender Tötung und Störung zu rechnen.
Ebenfalls wird der Verlust von Fortpflanzungs- und Ruhestätten nach § 44 Abs. 1 Nr. 3
BNatSchG vermieden durch Ausweisung bzw. Festsetzung einer privaten Grünfläche im Be-
reich südlich angrenzend an die Bahntrasse.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 62
seecon Ingenieure I 25.05.2020
4.4
Konflikt-/Maßnahmenübersicht
Tab. 20
Konflikt- und Maßnahmenübersicht Vögel
K
AS
1 Tötungsrisiko Vögel (Gehölzbrüter, Gebäudebrüter)
bei Gehölzfällung Gebäudeabriss während der Brutzeit.
V
AS
1-1 Fällzeitenbeschränkung
Alle Gehölzfällungen und -rodungen erfolgen ausschließlich außerhalb der Brutzeit, zwischen dem 01.
Oktober und dem 28. Februar.
V
AS
1-2 Gebäudeabrisszeitenbeschränkung
Abriss und Sanierung von Gebäuden nicht zwischen 1. März und 30. September, bei Teilabriss und
Umbau Pferdestall FCS- Maßnahme Baugerüste vor Beginn der Brutzeit vogelsicher abhängen
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit auf aktuellen Besatz
durch Fachperson (eventuell mehrfach pro Brutperiode), Einleiten von erforderlichen Schutzmaßnah-
men zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG
K
AS
2 Störungsrisiko Vögel (Gehölzbrüter, Gebäudebrüter)
bei Gehölzfällung Gebäudeabriss während der Brutzeit.
V
AS
1-1 Fällzeitenbeschränkung
Alle Gehölzfällungen und -rodungen erfolgen ausschließlich außerhalb der Brutzeit, zwischen dem 01.
Oktober und dem 28. Februar.
V
AS
1-2 Gebäudeabrisszeitenbeschränkung
Abriss und Sanierung von Gebäuden nicht zwischen 1. März und 30. September, bei Teilabriss und
Umbau Pferdestall FCS- Maßnahme Baugerüste vor Beginn der Brutzeit vogelsicher abhängen
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit auf aktuellen Besatz
durch Fachperson (eventuell mehrfach pro Brutperiode), Einleiten von erforderlichen Schutzmaßnah-
men zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG
K
AS
3 Schädigungsverbot von Fortpflanzungs- und Ruhestätten Vögel (Gehölzbrüter, Gebäudebrüter)
bei Gehölzfällung Gebäudeabriss während der Brutzeit.
V
AS
1-2 Gebäudeabrisszeitenbeschränkung
Abriss und Sanierung von Gebäuden nicht zwischen 1. März und 30. September, bei Teilabriss und
Umbau Pferdestall FCS- Maßnahme Baugerüste vor Beginn der Brutzeit vogelsicher abhängen
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit auf aktuellen Besatz
durch Fachperson (eventuell mehrfach pro Brutperiode), Einleiten von erforderlichen Schutzmaßnah-
men zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG
V
AS
1-4 Erhalt von Höhlenbäumen (Walnuss, Apfel, Bäume der „Waldweide“ als Festsetzung im B-Plan
(nach § 21 SächsNatSchG geschützt)

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 63
Tab. 21
Konflikt- und Maßnahmenübersicht Fledermäuse
K
AS
4 Tötungsrisiko Fledermäuse (Wochenstuben und Überwinterungsquartiere)
bei Gehölzfällung und Gebäudeabriss
V
AS
1-4 Erhalt von Höhlenbäumen (Walnuss, Apfel, Bäume der „Waldweide“ als Festsetzung im B-Plan
(nach § 21 SächsNatSchG geschützt)
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung
Hier: ökologische Fällbegleitung- Baumkontrollen, Gehölzfällungen und -rodungen sowie Freistellun-
gen des Baufeldes zwischen dem 01. Oktober und dem 28. Februar (baumhöhlenbewohnende Tiere),
ökologische Fällbegleitung (Kontrolle auf Besatz der Baumhöhlen, Höhlen bei Nichtbesatz verschlie-
ßen, bei Besatz Folgemaßnahmen mit der Landratsamt Landkreis Leipzig abstimmen, besetzte Quar-
tiere mit Hilfe von künstlichen Quartierhilfen in einem Verhältnis von 1:3 ersetzen, Gebäudeuntersu-
chung: vor Abriss und Sanierungen intensive Untersuchung der Quartierpotenziale (v.a. Gewölbekeller
des Dreiseithofes), zwischen Mai und Oktober, bei Baubeginn in der Winterruhe (Dezember bis Feb-
ruar) (Keller, Schächte), bei Funden Folgemaßnahmen mit Landratsamt Landkreis Leipzig abstimmen,
für ggf. beseitigte genutzte Quartiere dauerhaften Ausgleich (Kastenquartiere) im Verhältnis 1:3
K
AS
5 Störungsrisiko/ Schädigungsverbot von Fortpflanzungs- und Ruhestätten Fledermäuse (Wochen-
stuben und Überwinterungsquartiere) bei Gehölzfällung und Gebäudeabriss
V
AS
1-5 Einrichtung von Tabuzonen, bei Nutzung von Quartierstrukturen an Bäumen
V
AS
1-6 Nächtliche Bauruhe, Störungen der nächtlichen Jagdaktivitäten durch Ausschluss von Bauar-
beiten in der Dämmerung und des Nachts, Verzicht auf nächtliche Ausleuchtung der Baustelle
Tab. 22
Konflikt- und Maßnahmenübersicht Amphibien
K
AS
6 Tötungsrisiko Amphibien (bei Wanderbewegungen)
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung
regelmäßige Kontrolle der Baustelle während Hauptwanderzeit März/April auf Fallen (Gruben), spon-
tane Tier- und Laichansammlungen, Gewährleistung der uneingeschränkten Passierbarkeit für wan-
dernde Tiere, Einleiten von erforderlichen Schutzmaßnahmen zum Vermeiden der Verbotstatbestände
des § 44 BNatSchG
V
AS
1-7 Aufstellen eines Amphibienschutzzaunes
Während der Bauzeit den im B-Plan festgesetzten Bereich private Grünfläche bzw. 5 m Schutzstreifen
um aufgestauten Graben mit Amphibienschutzzaun sichern
Tab. 23
Konflikt- und Maßnahmenübersicht Insekten (xylobionte Käfer, Ameisen der Gattung Formica)
K
AS
7 Tötungsrisiko/ Störungsrisiko/ Schädigungsverbot von Fortpflanzungs- und Ruhestätten Insekten
V
AS
1-1 Fällzeitenbeschränkung
Gehölzfällungen und -rodungen sowie Freistellungen des Baufeldes erfolgen ausschließlich außerhalb
der Brutzeit, zwischen dem 01. Oktober und dem 28. Februar, vor Fällungen Baumhöhlen und Bohrka-
näle endoskopisch auf Besatz von geschützten Käfern kontrollieren.
V
AS
1-3 ökologische Baubegleitung – Kontrolle Baufeld

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Artenschutzrechtliche Prüfung
Seite 64
seecon Ingenieure I 25.05.2020
K
AS
7 Tötungsrisiko/ Störungsrisiko/ Schädigungsverbot von Fortpflanzungs- und Ruhestätten Insekten
Kontrolle der Baubereiche vor Baubeginn und permanent während der Bauzeit auf aktuellen Besatz
durch eine Fachperson (ökologische Baubegleitung, Einleiten von erforderlichen Schutzmaßnahmen
zum Vermeiden der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG.
V
AS
1-8 Aufstellen eines dauerhaften ortsfesten Schutzzaunes
Vermeidung von Zugriff auf Ameisenhügel während der Bauzeit sowie anlage- und betriebsbedingt, pro
Ameisenhügel vor Baubeginn ein ortfester Zaun zur dauerhaften Sicherung aufstellen, deutlich markie-
ren und ausweisen, Planung und Ausführung einschließlich Lageplan in enger Abstimmung mit Land-
ratsamt Landkreis Leipzig.
Tab. 24
Konflikt- und Maßnahmenübersicht Reptilien
K
AS
8 Tötungsrisiko/ Störungsrisiko/ Schädigungsverbot von Fortpflanzungs- und Ruhestätten Reptilien
V
AS
1-5 Einrichtung von Tabuzonen
Bau- Tabuflächen im Bereich südlich der Bahnlinie, B-Plan = Private Grünfläche pGF 1, Ausweisung
als Bautabuzone und Absperrung mit Bauzaun entsprechend der Ansprüche der Art
V
AS
1-3 ökologische Bauüberwachung
Bei Funden im unmittelbaren Baufeld Bauarbeiten einstellen und die zuständige Behörde UNB LK
Leipzig einschalten, Maßnahmen einleiten (Abfang, Umsetzung in zuvor strukturell verbesserte und
eingezäunte Bereiche).
V
AS
1-9 Vergrämungsmahd am Böschungsfuß der Bahnlinie
nördlicher B-Planabschnitt bis zur Bahntrasse (ca. 15 m breiter Streifen) 2 Monate vor Baubeginn aller
2 Wochen mit Bodenabstand von 10 cm mähen, ersten Langschnitt, Totholz und Steine auf der pGF1
linear ablegen, Arbeiten im Bauzeitenmanagement einplanen

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Zusammenfassung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 65
5
Zusammenfassung
Angesichts der zu erwartenden möglichen Beeinträchtigungen von Individuen und deren Le-
bensräumen sind zum Ausschluss der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG folgende Maß-
nahmen (Vermeidung Artenschutz VAS) vorgesehen:
5.1
Baubeginn, Bauzeiten
Gebäudeabriss erfolgt ausschließlich in der Zeit vom 1. September bis 30. März (außerhalb
Hauptbrutzeit).
Beginn der Sanierung von Gebäuden möglichst ausschließlich in der Zeit zwischen von
1. Oktober und 31. März, bei einem Hineinreichen in die Brutzeit müssen vor dem
30. Februar Gerüste vogelsicher abgehängt sein.
5.2
Vermeidungsmaßnahmen vor/mit Baubeginn
Gehölze
Einhalten der gesetzlichen Fällzeiten zwischen Oktober und März
Kontrolle von ggf. zu fällenden Höhlenbäumen auf Brutvogel- und Fledermausbesatz,
Überprüfen auf Nachbruten und Nestlingen durch die öBB vor Fällung. Höhlen bei
Nichtbesatz verschliessen, bei Besatz Folgemaßnahmen mit der Landratsamt Landkreis
Leipzig abstimmen, besetzte Quartiere mit Hilfe von künstlichen Quartierhilfen in einem
Verhältnis von 1:3 ersetzen
Gebäude
Kontrollen vor Abriss/Sanierung von Gebäuden auf Besatz mit Brutvögeln sowie Besatz
und Spuren von Fledermäusen (Sommer-/Winterquartiere v.a. Gewölbekeller des
Dreiseithofes) durch Fachpersonal, bei Bedarf Ausflugskontrollen (bspw. vor Spätsommer-
und Herbstabriss) Verschluss von potenziellen Quartieren und Nistplätzen nach Kontrollen
zwischen Mai und Oktober, bei Baubeginn in der Winterruhe (Dezember bis Februar)
(Keller, Schächte), bei Funden Folgemaßnahmen mit Landratsamt Landkreis Leipzig
abstimmen, für ggf. beseitigte genutzte Quartiere dauerhaften Ausgleich (Kastenquartiere)
im Verhältnis 1:3

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Zusammenfassung
Seite 66
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Gerüststellung und vogelsicheres Abhängen von Gerüsten an Sanierungsobjekten vor
Beginn der Brutzeit (1.März). Kontrolle der Sicherung durch die öBB nach Bauruhezeiten
(Wochenende, Feiertage)
Bauruhe während der Dämmerung und des Nachts. Verzicht auf nächtliche Ausleuchtung
der Baustelle.
Laichgewässer/Amphibienhabitate
Ökologische Baubegleitung regelmäßige Kontrolle der Baustelle während Hauptwanderzeit
März/April auf Fallen (Gruben), spontane Tier- und Laichansammlungen, Gewährleistung
der uneingeschränkten Passierbarkeit für wandernde Tiere, Einleiten von erforderlichen
Schutzmaßnahmen
Ruderalfluren/Reptilienhabitate
Einrichtung von Bau- Tabuflächen, Absperrung mit Zaun entsprechend der Artansprüche
Ökologische Baubegleitung (ÖBB)
Vergrämungsmahd und Umlagerung von Totholz und Steinen
Ameisenhügel
Aufstellen von dauerhaften ortsfesten Schutzzäunen um die Haufen zur Abgrenzung vom
Baubetrieb, genaue Ausführung in enger Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde
des Landkreis Leipzig
Ökologische Baubegleitung (ÖBB)
5.3
Einzelartenprüfung
Die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung der festzustellenden prüfungsrelevanten Arten er-
folgt in den Einzelartentabellen im Anhang. Im Ergebnis der Einzelartenprüfung wird offenkun-
dig, dass die Betroffenheit von Brutvögeln, insbesondere Gebäudebrütern im B-Plangebiet
nicht ausschließbar ist. Infolgedessen ist eine Ausnahmeprüfung durchzuführen.

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Zusammenfassung
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 67
5.3.1
Ergebnis der Einzelartenprüfung
Der Verlust von Nistplätzen der folgenden gebäudebrütenden Arten im Geltungsbereich stellt
eine Beschädigung der Fortpflanzungs- und Ruhestätte der jeweiligen Population dar und da-
mit ein Eintreten des Verbotstatbestandes entsprechend § 44 Abs.3 BNatSchG.
Werden Verbotstatbestände nach § 44 Abs. 1 i. V. m. Abs. 5 BNatSchG bezüglich der gemein-
schaftsrechtlich geschützten Arten erfüllt, müssen für eine Projektzulassung die Ausnahmevo-
raussetzungen des § 45 Abs. 7 BNatSchG erfüllt sein. Es muss u.a. gem. § 45 Abs. 7
BNatSchG nachgewiesen werden, dass keine Verschlechterung des günstigen Erhaltungszu-
standes der Population einer Art zu erwarten ist bzw. bei derzeitig schlechtem Erhaltungszu-
stand eine Verbesserung nicht behindert wird.
Neben den Vermeidungsmaßnahmen V
AS
1-1 bis V
AS
1-4, wird insbesondere die FCS-Maß-
nahme im Geltungsbereich des B-Planes (Bereich der zukünftigen privaten Grünfläche Nr. 2)
in Form des Teilerhalts und Umbaus des vorhandenen Gebäudes Pferdestall auf dem Flur-
stück 120/1, Gemarkung Kleinsteinberg zur Kompensation der Eingriffe in Gebäudebrüterha-
bitate im Zuge des Bebauungsplanes „Wurzener / Kleinsteinberger Straße“- Lindenhof dienen.
Neben der nachgewiesenen streng geschützten Rauchschwalbenpopulation dient die Umset-
zung der FCS Maßnahme dem Erhalt weiterer Gebäudebrüterhabitate für Haussperling und
Hausrotschwanz (siehe Kapitel 4.3.1) Die Durchführung des Umbaues des Pferdestalles muss
nach Teilabriss des südlichen Teiles des Gebäudes vor der nächsten Brutperiode sowie ggf.
vor Baubeginn erfolgen. Der Erhalt des Teilhabitates bietet den ortstreuen Rauchschwalben
weiterhin Fortpflanzungs- und Ruhestätte. Weitere Details zu Maßnahmen zur Ausgestaltung
werden in Kapitel 4.3.1 aufgelistet.
Diese FCS-Maßnahme verfolgt das Ziel, die Populationen der betroffenen Art in einem güns-
tigen Erhaltungszustand zu bewahren. Sie ist damit Bestandteil der Ausnahmenvoraussetzun-
gen, durch sie kann der Verbotstatbestand überwunden werden.
Im Folgenden sind zusammenfassend alle Brutvogelarten aufgelistet, für welche Verbotstat-
bestände nach § 44 Abs. 1 i. V. m. Abs. 5 BNatSchG bezüglich der gemeinschaftsrechtlich
geschützten Arten erfüllt werden.
Tab. 25
Verbotstatbestände für Brutvögel
Artname
deutsch
Verbotstatbestand
nach §44 Absatz 1
BNatSchG i.V. mit
Absatz 5, Nr.1 erfüllt
Verbotstatbestand
nach §44 Absatz 1
BNatSchG i.V. mit Ab-
satz 5, Nr.2, 3 erfüllt
Erforderlichkeit
einer Ausnahme-
prüfung
Kompensation
des Eingriffes
durch Maßnahme
Grünspecht
nein
ja
nein
V
AS
1-1 bis V
AS
1-4,
Rauch-
schwalbe
nein
ja
ja
V
AS
1-1 bis V
AS
1-4,
FCS-Maßnahme
Wendehals
nein
ja
nein
V
AS
1-1 bis V
AS
1-4,

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Zusammenfassung
Seite 68
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Haussperling
nein
ja
nein
V
AS
1-1 bis V
AS
1-4,
FCS-Maßnahme
Hausrot-
schwanz
nein
ja
nein
V
AS
1-1 bis V
AS
1-4,
FCS-Maßnahme

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Anlagenverzeichnis…
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 69
Anlagenverzeichnis
Anlage 1:
Einzelarttabellen Brutvögel
Anlage 2:
Einzelarttabellen Fledermäuse
Anlage 3:
Einzelarttabellen Amphibien
Anlage 4:
Einzelarttabellen Reptilien
Anlage 5:
Eilers, Alexander (2019): Kleinsteinberg – umweltfachliche Leistungen Kartierung
& Potentialabschätzung, Entwicklung Lindenhof Kleinsteinberg, Ökologicon, Büro
für Ökologie und Geoinformation
Anlage 6:
Eilers, Alexander (2019): Ökologische Gebäudekontrolle Übersichtsbegehung
Vögel und Fledermäuse, Entwicklung Lindenhof Kleinsteinberg Ökologicon, Büro
für Ökologie und Geoinformation
Anlage 7:
Eilers, Alexander (2020): Ökologische Gebäude – und Baumkontrolle, Winterbe-
gehung Vögel und Fledermäuse, Entwicklung Lindenhof Kleinsteinberg Ökolo-
gicon, Büro für Ökologie und Geoinformation
Anlage 8:
Tabelle: In Sachsen auftretende Vogelarten, Version 2.0 (Stand: 30.03.2017), an
Projekt angepasst, Quelle:
https://www.natur.sachsen.de/download/Tabelle_In-
Sachsen-auftretende-Vogelarten__2.0.pdf
Anlage 9:
Tabelle: Streng geschützte Tier- und Pflanzenarten (außer Vögel) in Sachsen,
Version 2.0 (Bearbeitungsstand 12.05.2017), an Projekt angepasst, Quelle:
https://www.natur.sachsen.de/download/Tabelle_Streng-geschuetzte-Arten_aus-
ser-Voegel.pdf
Anlage 10: Bestands- und Konfliktplan zum Artenschutzrechtlichen Fachbeitrag, M:1:1000
Anlage 11: Maßnahmenplan zum Artenschutzrechtlichen Fachbeitrag, M:1:1000

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Tabellenverzeichnis
Seite 70
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Tabellenverzeichnis
Tab. 1
Biotop- und Nutzungstypen nach sächsischer Biotoptypenliste ................. 17
Tab. 2
Übersicht über die nach §21 SächsNatG i.V. M § 30 BNatSchG gesetzlich
geschützten Biotope im Untersuchungsraum ............................................ 18
Tab. 3
Kartierte Brutvogelarten, die in den Roten Listens von Sachsen und
Deutschland geführt werden...................................................................... 22
Tab. 4
Schutzstatus potenziell vorkommender Arten – Fledermäuse ................... 24
Tab. 5
Schutzstatus potenziell vorkommender Arten – Amphibien ....................... 26
Tab. 6
Schutzstatus potenziell vorkommender Arten – Reptilien .......................... 27
Tab. 7
Für den Artenschutz mehr oder weniger zutreffende Wirkfaktoren im
Projekttyp Gewerbe-, Industrie-, Wohn-, Ferienanlagen, Wohnbauflächen
und -gebiete [7] ......................................................................................... 29
Tab. 8
Räumliche und zeitliche Abgrenzung der für den Bebauungsplan allgemein
möglichen und relevanten Wirkfaktoren .................................................... 36
Tab. 9
Methode der Abschichtung [7] ................................................................... 38
Tab. 10
Betroffenheitsabschätzung zu Brutvogelarten und Beeinträchtigung streng
geschützter Nahrungsgäste....................................................................... 41
Tab. 11
Tötungsrisiken Brutvögel ........................................................................... 48
Tab. 12
Störungsrisiken Brutvögel ......................................................................... 49
Tab. 13
Schädigungsverbote Brutvögel .................................................................. 50
Tab. 14
Tötungsrisiken Säugetiere ......................................................................... 53
Tab. 15
Störungsrisiken Säugetiere ....................................................................... 55
Tab. 16
Tötungsrisiken Amphibien ......................................................................... 56
Tab. 17
Tötungsrisiken Insekten - Xylobionte Käfer ............................................... 59
Tab. 18
Tötungsrisiken Insekten . Formica-Arten ................................................... 59
Tab. 19
Tötungsrisiken Reptilien ............................................................................ 60
Tab. 20
Konflikt- und Maßnahmenübersicht Vögel ................................................. 62
Tab. 21
Konflikt- und Maßnahmenübersicht Fledermäuse ..................................... 63
Tab. 22
Konflikt- und Maßnahmenübersicht Amphibien ......................................... 63
Tab. 23
Konflikt- und Maßnahmenübersicht Insekten (xylobionte Käfer, Ameisen
der Gattung Formica) ................................................................................ 63
Tab. 24
Konflikt- und Maßnahmenübersicht Reptilien ............................................ 64
Tab. 25
Verbotstatbestände für Brutvögel .............................................................. 67

Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag Bebauungsplan „Wurzener Straße/Kleinsteinberger
Straße“ I Lindenhof Kleinsteinberg
Abkürzungsverzeichnis
seecon Ingenieure I 25.05.2020
Seite 71
Abkürzungsverzeichnis
(alphabetisch geordnet)
ASB
Artenschutzrechtlicher Fachbreitag
BArtSchV
Bundesartenschutzverordnung
BE
Baustelleneinrichtung
BfN
Bundesamt für Naturschutz
BNatSchG
Bundesnaturschutzgesetz
bg
besonders geschützt
CEF
continued ecological functionality (Maßnahmen für die dauerhafte ökologi-
sche Funktion)
FCS
favorable conservation status (Maßnahmen zur Sicherung des Erhaltungszu-
standes)
FFH
Fauna-Flora-Habitat
FFH-RL
Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie
LfULG
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Freistaat Sachsen
LSG
Landschaftsschutzgebiete
NSG
Naturschutzgebiete
ÖBB
Ökologische Baubegleitung
pGF
private Grünfläche
RL D
Rote Liste Deutschland
RL SN
Rote Liste Sachsen
SächsNatSchG Sächsisches Naturschutzgesetz
sg
streng geschützt
SMUL
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
UNB
Untere Naturschutzbehörde
UR
Untersuchungsraum
V
Vermeidungsmaßnahme
VSchRL
Vogelschutzrichtlinie
WHG
Wasserhaushaltsgesetz
WRRL
Wasserrahmenrichtlinie