Logistikwirtschaft im Freistaat Sachsen
Analysen – Herausforderungen – Potenziale
Gesamtdokumentation der Studie

Auftraggeber:
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Referat 34 I Handel, Handwerk, Tourismus, Dienstleistungen
Wilhelm-Buck-Straße 2
01097 Dresden
Auftragnehmer:
LUB Consulting GmbH
Palaisplatz 4
01097 Dresden
www.lub-consulting.de
LogisticNetwork Consultants GmbH
Breite Str. 7
30159 Hannover
www.lnc-hannover.de
to-be-now-logistics-research-gmbh
Friedrich-Wilhelm-Raasch-Str. 22
28865 Lilienthal
www.tbnlr.de
November 2019

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3
Vorwort
Sehr geehrte Damen und Herren,
Industrie und Handel sind ohne Logistik nicht denkbar. Sie übernimmt die
Organisation und Steuerung der gesamten Lieferprozesse
vom Rohstoff-
abbau bis zur Lieferung an den Verbraucher. Spätestens, wenn die
Versorgung mit Gütern nicht optimal funktioniert und dadurch
Produktionsprozesse ins Stocken geraten oder Waren nicht verkauft werden
können, wird klar, wie wichtig die Logistik ist.
Die Querschnittsbranche Logistik wird in der amtlichen Statistik nur
teilweise abgebildet. Es ist gar nicht so einfach, die Branche in ihrer
Komplexität zu erfassen und zu begreifen. Vielleicht ist dies auch ein Grund,
warum die Logistikwirtschaft nicht immer die volle Beachtung und
Wertschätzung erfährt, die ihr gerecht wird.
Die Logistikbranche stellt mit rund 170.000 Erwerbstätigen und einem
Umsatz von 11,7 Milliarden Euro einen bedeutenden Wirtschafts- und
Wettbewerbsfaktor in Sachsen dar. Diesen hohen Stellenwert und die Bedeutung der Logistik innerhalb der
sächsischen Gesamtwirtschaft möchten wir sichtbarer machen. Deshalb haben wir eine umfangreiche Studie zur
Logistikbranche und den logistikrelevanten Standortbedingungen in Sachsen erarbeiten lassen.
Entstanden ist ein über 300 Seiten umfassendes Werk mit Zahlen, Fakten, Analysen, Karten und Praxisbeispielen. Die
Studie beweist: Die zentrale Lage sowie eine leistungsfähige Infrastruktur prädestinieren den Logistikstandort Sachsen
als Drehscheibe und Gateway zu wichtigen Märkten in Europa. Der Freistaat gehört zu den logistikaffinen Ländern in der
Bundesrepublik und ist attraktiv für weitere Ansiedlungen von logistikintensiven Industrie- und Handelsunternehmen und
logistischen Dienstleistern.
Ich bedanke mich bei den zahlreichen Unternehmen, die Einblicke in ihre Geschäftsstrukturen und -abläufe gewährt
und dadurch die Aussagekraft der Studie erheblich gesteigert haben. Ebenso danke ich den Experten, die ihr Wissen
preisgegeben und die Studieninhalte bereichert haben sowie dem Fachbeirat, der von Anfang an den
Erarbeitungsprozess der Studie konstruktiv begleitet und fachlich unterstützt hat.
Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich eine erkenntnisreiche und nutzbringende Lektüre.
Martin Dulig
Sächsischer Staatsminister für
Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

4
Inhalt
Vorwort ..................................................................................................................................................... 3
1.
Einführung .................................................................................................................................. 7
2.
Sächsische Logistikwirtschaft .................................................................................................... 9
2.1.
Auftrag und Methodik ...................................................................................................................................................................... 9
2.2.
Einführung in die sächsische Logistikwirtschaft................................................................................................................. 13
2.3.
Megatrends und Trends der Logistik ........................................................................................................................................ 15
Kurzcharakterisierung der Mega-/Trends der Logistik in Deutschland ...................................................................... 16
Risiken, Chancen, Herausforderungen und Potenziale der (Mega-)Trends für die sächsische
Logistikwirtschaft ............................................................................................................................................................................ 21
2.4.
Teilmärkte der Logistikwirtschaft .............................................................................................................................................. 25
Segmentierung der logistischen Teilmärkte .......................................................................................................................... 25
Übersicht der Teilmärkte im Freistaat Sachsen .................................................................................................................... 31
Teilmarkt 1
Massengutlogistik (Bulk, inkl. Binnenschifffahrt) ................................................................................... 32
Teilmarkt 2
Ladungsverkehre landgebunden (FTL) ......................................................................................................... 36
Teilmarkt 3
Spezielle Ladungsverkehre (mit sonstigem speziellem Equipment) ................................................ 40
Teilmarkt 4
Spezielle Ladungsverkehre für Flüssig- und Schuttgüter (Tank und Silo) .................................... 44
Teilmarkt 5
Stückgutverkehre (LTL) ....................................................................................................................................... 48
Teilmarkt 6 - Stückgut-Netzwerktransporte und Mehrwertdienstleistungen für spezielle Güter ................. 51
Teilmarkt 7
Industrielle Kontraktlogistik, Produktions- und Ersatzteilversorgungslogistik........................... 55
Teilmarkt 8
Konsumgüterdistribution und -kontraktlogistik ..................................................................................... 58
Teilmarkt 9
Terminaldienste, Lagerei-, Umschlags- und sonstige auf Terminals bezogene logistische
Mehrwertleistungen ....................................................................................................................................................................... 62
Teilmarkt 10
KEP (Kurier-, Express- und Paketdienste) ................................................................................................ 65
Teilmarkt 11
Seefracht ............................................................................................................................................................... 69
Teilmarkt 12
Luftfracht .............................................................................................................................................................. 73
Praxisbeispiele ................................................................................................................................................................................... 77
2.5.
Branchenbezogene Logistikprofile ............................................................................................................................................ 90
Übersicht zu den Logistikprofilen .............................................................................................................................................. 90
Logistikprofil Fahrzeugbau ........................................................................................................................................................... 91
Logistikprofil Elektrotechnik, Mikroelektronik ...................................................................................................................... 98
Logistikprofil Metallerzeugung und -bearbeitung .......................................................................................................... 104
Logistikprofil Maschinenbau .................................................................................................................................................... 110
Logistikprofil Ernährungsgewerbe ......................................................................................................................................... 116
Logistikprofil chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, Gummi und Kunststoff .................................... 121
Logistikprofil Handel .................................................................................................................................................................... 128
Praxisbeispiele ................................................................................................................................................................................ 134
Exkurs Krankenhauslogistik ...................................................................................................................................................... 138

5
Handlungs- und Unterstützungsbedarfe der Unternehmen in Sachsen ............................................................... 138
2.6.
Zusammenfassung und Fazit zur sächsischen Logistikwirtschaft .............................................................................143
3.
Arbeits- und Fachkräftesituation in der sächsischen Logistikwirtschaft .......................... 149
3.1.
Logistikbeschäftigungsanalyse .................................................................................................................................................149
3.2.
Bildungsinstitutionen der betrieblichen und akademischen Ausbildung ...............................................................155
Betriebliche (duale) Ausbildung .............................................................................................................................................. 155
Weiterbildung ................................................................................................................................................................................. 158
Akademische Ausbildung an Hochschulen ......................................................................................................................... 159
3.3.
Analyse logistikrelevanter Berufsgruppen ...........................................................................................................................167
Fokus Berufsausbildung ............................................................................................................................................................. 167
Entwicklung und Prognose der Logistikbeschäftigung ................................................................................................. 169
3.4.
Handlungs- und Unterstützungsbedarfe hinsichtlich Qualifikations- und Fachkräftesicherung/Impulse für
eine Logistikfachkräftestrategie ...............................................................................................................................................174
Fachkräftestrategie des Freistaats Sachsen ....................................................................................................................... 174
Impulse für eine Fachkräftestrategie Logistik ................................................................................................................... 175
3.5.
Zusammenfassung und Fazit ....................................................................................................................................................182
4.
Forschung und Transfer ......................................................................................................... 184
4.1.
Logistische Forschungsfelder und Logistikforschungsprojekte ..................................................................................184
Logistische Forschungsfelder ................................................................................................................................................... 184
Forschungseinrichtungen, Netzwerke und Innovationsplattformen ....................................................................... 187
Transferprojekte ............................................................................................................................................................................. 190
4.2.
Zusammenfassung und Fazit ....................................................................................................................................................195
5.
Digitalisierung in der Logistikwirtschaft .............................................................................. 196
5.1.
Grundlagen .......................................................................................................................................................................................196
5.2.
Praxisbeispiele zum Einsatz IT-gestützter Systeme .........................................................................................................198
5.3.
Anbieter spezieller informations- und kommunikationstechnologischer Produkte...........................................200
6.
Logistikstandort Sachsen ....................................................................................................... 207
6.1.
Güterverkehrsinfrastruktur in Sachsen .................................................................................................................................207
6.2.
Schwerlastkorridore ......................................................................................................................................................................214
6.3.
Güterverkehrsströme in Sachsen .............................................................................................................................................216
Versand und Empfang von Gütern ........................................................................................................................................ 216
Transitströme .................................................................................................................................................................................. 220
6.4.
Ansiedlungspotenziale .................................................................................................................................................................222
Standortfaktoren ........................................................................................................................................................................... 222
Ergebnisse der Standortbewertung ....................................................................................................................................... 226
6.5.
Standortübersicht nach Landkreisen und kreisfreien Städten ....................................................................................236
Kreisfreie Stadt Chemnitz .......................................................................................................................................................... 236
Erzgebirgskreis ............................................................................................................................................................................... 238
Landkreis Mittelsachsen ............................................................................................................................................................. 240

6
Vogtlandkreis .................................................................................................................................................................................. 242
Landkreis Zwickau......................................................................................................................................................................... 244
Kreisfreie Stadt Dresden ............................................................................................................................................................. 246
Landkreis Bautzen ......................................................................................................................................................................... 248
Landkreis Görlitz ............................................................................................................................................................................ 250
Landkreis Meißen .......................................................................................................................................................................... 252
Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ................................................................................................................... 254
Kreisfreie Stadt Leipzig ............................................................................................................................................................... 256
Landkreis Leipzig ........................................................................................................................................................................... 258
Landkreis Nordsachsen ............................................................................................................................................................... 260
6.6.
SWOT-Betrachtung .......................................................................................................................................................................262
Region Leipzig ................................................................................................................................................................................ 263
Region Chemnitz ........................................................................................................................................................................... 264
Region Dresden .............................................................................................................................................................................. 265
6.7.
Breitbandanbindung .....................................................................................................................................................................266
6.8.
Potenziale für Logistikinvestitionen .......................................................................................................................................267
Logistikkonzentrationen ............................................................................................................................................................. 267
Regionalökonomische Effekte durch Logistikansiedlungen ........................................................................................ 269
Handlungs- und Unterstützungsbedarf .............................................................................................................................. 270
7.
Gesamtfazit ............................................................................................................................. 272
Tabellenverzeichnis ................................................................................................................................ 273
Abbildungsverzeichnis ........................................................................................................................... 274
Literaturverzeichnis ............................................................................................................................... 278
Abkürzungsverzeichnis .......................................................................................................................... 285
Anhang
Hinweis:
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.
Im Sinne der Gleichbehandlung gelten sämtliche Personenbezeichnungen gleichwohl für alle Geschlechter.

7
1.
Einführung
Industrie und Handel sind ohne Logistik nicht denkbar. Um den Stellenwert und die Bedeutung der Logistik innerhalb
der sächsischen Gesamtwirtschaft deutlich und sichtbar zu machen, hat das Sächsische Staatsministerium für
Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) die Logistikbranche und die logistikrelevanten Standortbedingungen in
Sachsen umfassend untersuchen lassen. Um fundierte Aussagen zur Logistikwirtschaft zu erhalten, wurde eine
detaillierte Bestandsanalyse durchgeführt. Darüber hinaus standen Fragestellungen zu relevanten Entwicklungs-,
Internationalisierungs-, Investitions-, Innovations-, Digitalisierungs- und Wachstumspotenzialen im Mittelpunkt der
Untersuchungen.
Mit der Durchführung der Analysen wurde ein Beraterkonsortium bestehend aus LUB Consulting GmbH (Dresden),
LNC LogisticNetwork Consultants GmbH (Hannover) und to-be-now-logistics-research-gmbh (Lilienthal) beauftragt.
Die Bearbeitung der Studie wurde von einem Fachbeirat, bestehend aus Vertretern von Unternehmen, Hochschulen,
Verbänden, Industrie- und Handelskammern, weiteren Behörden sowie aus Fachreferaten des SMWA, begleitet.
Neben der Auswertung von Sekundärliteratur und Statistiken wurde im Rahmen der Studie eine landesweite
Unternehmensbefragung durchgeführt. Für die Befragung der Unternehmen wurde vom Beraterkonsortium unter
Mitwirkung des SMWA sowie des Fachbeirates ein Gesprächsleitfaden entwickelt. Auf dieser Grundlage konnten in
persönlichen Gesprächen mit ausgewählten Verladern und Logistikdienstleistern mit Firmensitz oder Betriebsstätten
in Sachsen umfangreiche Daten erhoben werden. Ergänzend zum eigenen regionalen Kontaktnetzwerk des
Beraterkonsortiums wurde die Ansprache der auszuwählenden Unternehmen von folgenden Institutionen aktiv
begleitet und unterstützt:
Industrie- und Handelskammern Leipzig, Chemnitz und Dresden
Netzwerk Logistik Mitteldeutschland e.V.
Landesverband des Sächsischen Verkehrsgewerbes e.V.
Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH
Die genannten Institutionen haben Unternehmen aus ihrer Mitgliederschaft bzw. ihrem Kontaktnetzwerk ausgewählt
und kontaktiert. Entsprechend der Aufgabenstellung wurden insgesamt 128 Unternehmen folgender
Wirtschaftsbereiche befragt:
B. Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden
C. Verarbeitendes Gewerbe
G. Handel (u. a. Großhandel, Einzelhandel, Versand- und Internet-Einzelhandel)
H. Verkehr und Lagerei (Güterbeförderung, Frachtumschlag, Lagerei, KEP-Dienste, Spedition)
Zusätzlich wurden 78 Expertengespräche geführt. Über dieses Gesprächsformat konnten z. B. Logistikdienstleister,
die über keinen Sitz bzw. keine Niederlassung in Sachsen verfügen, jedoch im Freistaat tätig sind, erreicht werden.
Weiterhin wurden ausgewählte Themen mit Vertretern von
Infrastrukturbetreibern
Wirtschaftsförderungsinstitutionen
Bildungs- und Forschungseinrichtungen
Transferinstitutionen
Verbänden sowie Industrie- und Handelskammern
Anbietern von IuK-Anwendungen
vertieft. Durch Verknüpfung der Ergebnisse aus der Unternehmensbefragung und der thematisch vertiefenden
Expertengespräche sind somit insgesamt über 200 Rückmeldungen von Firmen bzw. weiteren Institutionen in die
Untersuchung eingeflossen. In der nachfolgenden Abbildung ist die regionale Verteilung der Unternehmens-
befragungen und Expertengespräche dargestellt.

image
8
Abbildung 1: Regionale Verteilung der Unternehmensbefragungen und Expertengespräche
1
1
Grafik: LUB Consulting GmbH 2019

9
2.
Sächsische Logistikwirtschaft
2.1. Auftrag und Methodik
Die sächsische Logistikwirtschaft und ihre Bedeutung für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Freistaat
Sachsen wird im Folgenden beschrieben und analysiert, insbesondere unter Berücksichtigung von Entwicklungs-,
Internationalisierungs-, Investitions-, Innovations-, Digitalisierungs- und Wachstumspotenzialen sowie Handlungs-
und Unterstützungsbedarfen.
Im Einzelnen wird ein Überblick über die Bedeutung der sächsischen Logistikwirtschaft anhand relevanter Kenn-
zahlen gegeben (Kapitel 2.2). Die
Gesamtanzahl der Logistikdienstleistungsunternehmen
und deren Umsatz
wurden auf Basis der Dienstleistungsstatistik des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen ermittelt. Da in
der amtlichen Statistik jedoch keine Segmentierung nach Teilmärkten und keine Betriebsgrößenklassen-
differenzierung innerhalb der Teilmärkte vorgenommen wird, wird diesbezüglich auf die Firmendatenbank Sachsen,
bereitgestellt durch die Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH
2
, zurückgegriffen. Dabei erfolgte eine Konzentration
auf den Wirtschaftsabschnitt H (Verkehr und Lagerei). Aus diesem Wirtschaftsabschnitt wurden die Betriebe
ausgewählt, die den Abteilungen 49 (Landverkehr und Transport in Rohrfernleitungen (Personen- und
Güterbeförderung), 50 (Schifffahrt), 51 (Luftfahrt), 52 (Lagerei sowie Erbringung von sonstigen Dienstleistungen für
den Verkehr) und 53 (Post-, Kurier- und Expressdienste) zugeordnet sind. Alle Betriebe, die Abteilung 49 zugeordnet
sind und ausschließlich Personenbeförderung betreiben, wurden aus dem Datensatz exkludiert. Des Weiteren
beinhaltet der Datensatz Betriebe, die sich keinem der genannten Wirtschaftszweige zugeordnet haben, jedoch
ebenfalls Logistikdienstleistungen anbieten und somit auch berücksichtigt werden. Ergänzend wurden 18
Logistikdienstleister, die im Rahmen der Studie zur Logistikwirtschaft Sachsen befragt wurden, dem Datensatz
hinzugefügt. Da es sich bei den verwendeten Daten überwiegend um externe Daten der Firmendatenbank Sachsen
handelt, kann eine Unvollständigkeit der Daten nicht ausgeschlossen werden. Die Betriebsgrößenklassen der
Logistikdienstleister können auf Grundlage der Firmendatenbank in den Größenordnungen < 10, 10
100, 100
500 und > 500 abgebildet werden. Die Firmendatenbank Sachsen führt keine Daten zum Hauptsitz der Unternehmen,
auch wenn in ihr sowohl Betriebe mit Hauptsitz des Unternehmens in Sachsen als auch Betriebe mit Hauptsitz des
Unternehmens außerhalb Sachsens erfasst sind. Aus diesem Grund werden die Daten der Unternehmensbefragung
hinzugezogen, um die prozentuale Verteilung von Betrieben mit Unternehmenshauptsitz in Sachsen und
Unternehmenshauptsitz außerhalb von Sachsen näherungsweise darzustellen. Zusätzlich werden die
Beschäftigtengrößenklassen für alle sächsischen Dienstleistungsunternehmen des Wirtschaftsabschnittes H auf
Basis der amtlichen Dienstleistungsstatistik des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen dargestellt.
Der
Anteil der verladenden Betriebe mit selbst erbrachter Logistikdienstleistung an der Gesamtzahl der
verladenden Betriebe
wird auf Grundlage der Unternehmensbefragung von sächsischen Verladern dargestellt. Im
Rahmen der Studie wurden zudem der
Umsatz und die Bruttowertschöpfung der Logistikwirtschaft im Freistaat
Sachsen
näherungsweise bestimmt. Eine Problemstellung für die Erhebung von Logistikumsätzen ist die oftmals
unzureichende Standardisierung von Logistik-Kostenanteilen in der Wirtschaft. Deswegen kann das
Aufwandsvolumen der Logistik nicht aus vorhandenen Statistiken übernommen werden, sondern bedarf einer
eigenständigen Berechnung und Abschätzung anhand von verlässlichen Kennzahlen und Expertenwissen.
Als Grundlage für die Berechnung des Umsatzvolumens war es erforderlich Daten heranzuziehen, die eine Kennzahl
zur Ermessung der Logistikaffinität der Unternehmen Sachsens ausweisen und als valide einzustufen sind. Diese
Kriterien treffen auf die Beschäftigungsstatistik zur Logistikwirtschaft zu. Die Beschäftigungsstatistik der
Logistikwirtschaft bildet einen wesentlichen Teil der vorliegenden Studie und eine logistikrelevante Kenngröße.
Zudem sind die Daten geprüft und präzise aufgeführt. Daher wurden die Erhebungen zur Anzahl der
Logistikbeschäftigten und zu den Lohnentgelten der jeweiligen logistikrelevanten Berufsgruppen der Bundesagentur
für Arbeit
3
als Ausgangspunkt für eine Schätzung des Logistikvolumens im Freistaat Sachsen genutzt. Die Analyse
wurde nach dem Vorbild des Schätzweges zur Vermessung
der Logistikwirtschaft in der Studie „TOP 100 der
2
Vgl. Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH 2019a
3
Vgl. Definition der logistikrelevanten Berufe nach der Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010) der Bundesagentur für Arbeit

10
Logistik“ des
Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen (Arbeitsgruppe für Supply Chain Services)
durchgeführt.
4
Die angewandte Methodik ist für die Vermessung des Volumens der Logistikwirtschaft in Deutschland etabliert. Im
Folgenden werden die wesentlichen Schritte zur Schätzung des Logistikvolumens im Freistaat Sachsen dargestellt:
1.
Zunächst wird die Anzahl der direkt in der Logistik in Vollzeit tätigen sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten (SvB) im Freistaat Sachsen im Jahr 2018 um die Anzahl derer ergänzt, die nicht
sozialversicherungspflichtig sind und in der Logistik arbeiten. Diese errechnete Kenngröße wird wiederum
um die indirekt Logistik-Erwerbstätigen ergänzt, zu denen vor allem administrative Tätigkeiten zählen. Dabei
wird jeweils ein Faktor von 1,15 angewendet.
2.
Im zweiten Schritt werden die Entgelte- und Gehaltssummen der in der Logistik in Vollzeit tätigen SvB
(Datenbasis 2017) ebenfalls auf die insgesamt Erwerbstätigen in der Logistik im Freistaat Sachsen
hochgerechnet. Die Jahresgehälter der verschiedenen Berufsgruppen in der Logistik weisen als
Gesamtsumme eine Schätzung der Bruttolohn- und Gehaltskostensumme der Logistikbeschäftigten im
Freistaat Sachsen aus.
3.
Im dritten Schritt wird die Bruttolohn- und Gehaltskostensumme um den Produktionswert und den Wert
der vergebenen Dienstleistungen in der Logistik ergänzt. Dies basiert auf der Annahme, dass die
Gehaltskostensummen auf Seiten der Logistikdienstleister rund 45 % an der Bruttowertschöpfung
ausmachen, auf Seiten der logistikrelevanten Erwerbstätigen in der Industrie rund 60 %.
4.
Zusätzlich werden die errechneten Werte um die eingekauften Vorleistungen aus anderen
Wirtschaftszweigen ergänzt, um den Gesamt-Umsatzwert der Logistikwirtschaft zu bestimmen. Hierfür wird
ebenfalls ein Hochrechnungsfaktor angewendet. Dieser Faktor bildet das Verhältnis der logistischen
Wertschöpfung am gesamten Produktionswert ab.
Die in Schritt drei und vier aufgeführten Hochrechnungsfaktoren hat das Fraunhofer IIS anhand der in der
Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung gefassten Werte für Deutschland ermittelt. Da diese Werte für den Freistaat
Sachsen nicht vorliegen, wurden die Faktoren als Wert übernommen.
Die
aktuellen Megatrends und Trends der Logistik mit Relevanz für die sächsische Logistikwirtschaft
sind ein
weiterer Bestandteil der Studie (Kapitel 2.3). Relevante Megatrends der Logistik wurden gemeinsam mit dem
Fachbeirat diskutiert und auf Grundlage aktueller Studien recherchiert und definiert. Die Relevanz für die sächsische
Logistikwirtschaft wird auf Basis der durchgeführten Unternehmensbefragung im Freistaat Sachsen bemessen.
Befragte Unternehmen bewerteten die Relevanz der unterschiedlichen Trends für ihr Geschäft und gaben an, welche
Anpassungsstrategien sie bereits implementiert haben.
Die
Digitalisierung
in der sächsischen Logistikwirtschaft hat einen besonderen Stellenwert in der Studie (Kapitel 2.4).
Es werden fünf Praxisbeispiele im Freistaat Sachsen beschrieben, die IT-gestützte Systeme, Prozesse und Anwen-
dungen einsetzen. Zudem werden wichtige Anbieter spezieller informations- und kommunikationstechnologischer
Produkte und Lösungen für die Logistikwirtschaft in Sachsen vorgestellt.
Die dargestellten
Teilmärkte der sächsischen Logistikwirtschaft
(Kapitel 2.5) gehen auf eine Segmentierung der
Logistikteilmärkte in Deutschland nach Schwemmer
5
zurück. Diese Unterteilung ist die derzeit einzig existierende
detaillierte Segmentierung
für den Logistikdienstleistungsmarkt. Jährlich wird in den „TOP 100 der Logistik“ die
Umsatzstärke der 13 Teilmärkte in Deutschland dargestellt. Ausgehend von der Definition der Marktbereiche und-
segmente nach Schwemmer wurden die Teilmärkte der Logistikwirtschaft für den Freistaat Sachsen untersucht.
Dabei wurden zwei Teilmärkte aufgrund regionaler Spezifika zusammengelegt, sodass in der vorliegenden Studie
insgesamt zwölf Teilmärkte beschrieben werden.
Die Basis für die Datenerhebung für die logistischen Teilmärkte im Freistaat Sachsen bildet die Unternehmens-
befragung, da andere Statistiken zu den Teilmärkten nicht vorhanden sind. Die befragten Verlader gaben in der
Befragung an, wie viel Prozent ihrer Transportmenge sie in den jeweiligen Teilmärkten transportieren und wie hoch
der Anteil der Fremdvergabe an Logistikdienstleister im jeweiligen Teilmarkt ist. Die befragten Logistikdienstleister
konnten sich einem oder mehreren Teilmärkten zuordnen, sodass die angegebenen Daten spezifisch für die
4
Vgl. Schwemmer 2018, S. 38ff.
5
Vgl. Schwemmer 2018, S. 67ff.

11
Teilmärkte analysiert wurden. Alle Ergebnisse wurden in den Vergleich zu der gesamtdeutschen Statistik der
Logistikteilmärkte gesetzt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Sachsen zu Deutschland herauszustellen.
Die einzelnen
Umsatzanteile der Teilmärkte am Gesamtumsatz der Logistikwirtschaft im Freistaat Sachsen
konnten nicht durch die Befragung ermittelt werden. Um dennoch einen Vergleichswert zu der Ausprägung der
Teilmärkte in Deutschland darzustellen, wurde der Anteil der betrachteten Teilmärkte am Gesamtumsatz der
Logistikwirtschaft im Freistaat Sachsen im Vergleich zu den Anteilen in ganz Deutschland geschätzt. Für diese
Schätzung wurde vor allem auf das Logistikwissen des Konsortiums zurückgegriffen. So wurden regionale
Besonderheiten der sächsischen Logistikwirtschaft herausgestellt und die darauf beruhenden Unterschiede des
Umsatzes in den Teilmärkten zum Bundesdurchschnitt analysiert. Im zweiten Schritt wurde die Abweichung vom
Bundesdurchschnitt für den jeweiligen Teilmarkt geschätzt. Wo keine signifikanten Unterschiede zu finden waren,
wurde der Anteil des Teilmarktes am Gesamtumsatz der Logistikbranche auf den Bundesdurchschnitt gesetzt.
Die
Anteile der an Logistikdienstleistungsbetriebe fremd vergebenen und von den verladenden Betrieben eigen
erbrachten Logistikdienstleistungen
konnten in den Teilmärkten als prozentualer Anteil des Outsourcings auf
Grundlage der Befragung beschrieben werden. Von den befragten Verladern konnten 70 % Angaben zu ihrem
jährlichen Umsatz machen. Rund 77 % der Verlader gaben an, welche Mengen sie in den jeweiligen Teilmärkten
transportieren. Von diesen 77 % machte rund die Hälfte der Unternehmen Angaben zum Anteil der Fremdvergabe
in den Teilmärkten.
Die
Anzahl der Logistikdienstleistungsbetriebe in den Teilmärkten
wurde auf Grundlage der Firmendatenbank
Sachsen, bereitgestellt durch die Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH, näherungsweise bestimmt. Dafür wurde eine
Stichprobe aus 200 Logistikdienstleistungsbetrieben der Unternehmensdatenbank gebildet. Dabei handelt es sich um
eine geschichtete Zufallsstichprobe, bei der die Unternehmen nach Betriebsgrößenklasse geschichtet und
proportional zur Grundgesamtheit (Datengrundlage) in die Stichprobe gewählt werden. Hierfür wurde die
Grundgesamtheit in die Betriebsgrößenklassen < 10, 10
100, 100
500 und > 500 eingeteilt. Alle Betriebe, für die
keine Informationen zur Betriebsgröße vorlagen, wurden exkludiert. Um die Proportionen der Grundgesamtheit
bezüglich der Betriebsgrößenklasse in der Stichprobe widerzuspiegeln, setzt sich die Stichprobe aus 85 Betrieben mit
weniger als zehn Mitarbeitern, 102 Betrieben mit 10 bis 100 Mitarbeitern, 11 Betrieben mit 100 bis 500 Mitarbeitern
und 2 Betrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern zusammen. Die 200 Betriebe der Stichprobe wurden anhand der
erbrachten Leistungen und Tätigkeitsfelder den unterschiedlichen Teilmärkten zugeordnet, wobei die Informationen
über Leistungen und Tätigkeitsfelder der Firmendatenbank sowie den jeweiligen Unternehmenswebsites entnommen
wurden. Ein Betrieb kann je nach Tätigkeitspektrum auch in mehreren Teilmärkten agieren, so dass die Summe aller
in den Teilmärkten genannten Zahlen der aktiven Logistikdienstleister deutlich höher ist als die tatsächliche Anzahl
der Logistikdienstleistungsbetriebe in Sachsen. Die
Verteilung der Logistikdienstleistungsbetriebe nach
Betriebsgrößenklassen
in den jeweiligen Teilmärkten konnte ebenfalls über die gewählte Stichprobe näherungs-
weise ermittelt werden.
Für die weiteren erhobenen Kennzahlen in den Teilmärkten,
der Anteil der Logistikdienstleistungsbetriebe mit
Hauptsitz der Unternehmen im Freistaat Sachsen und mit Hauptsitz der Unternehmen außerhalb des
Freistaates Sachsen
und
die Nachfragebranchen
der logistischen Teilmärkte, dient die Befragung als Daten-
grundlage. Die
hauptsächlich transportierten Güter in den Teilmärkten
werden anhand der
Segmentierungskriterien nach Schwemmer
6
dargelegt.
Um weitere Erkenntnisse und Ansatzpunkte für Handlungsoptionen in den Teilmärkten herauszustellen, wurden
Entwicklungs- und Wachstumspotenziale hinsichtlich der vier zentralen Elemente des wirtschaftspolitischen Kurses
des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
AIDA
Arbeit, Innovation,
Digitalisierung, Außenwirtschaft
dargestellt. Dabei lag ein besonderer Fokus auf den Logistikinnovationsaktivitäten,
der
Entwicklung
neuer
Geschäftsmodelle,
Logistikinvestitionsaktivitäten,
Digitalisierungsaktivitäten
und
Internationalisierungsaktivitäten. Diese Themen wurden in der Unternehmensbefragung ausführlich behandelt. Die
Ergebnisse wurden durch jeweils mehrere Fragen zu den einzelnen Themen sichergestellt.
Die Indikatoren für die Bestimmung
der im Freistaat Sachsen ansässigen fünf größten Logistikdienstleister
(differenziert nach Hauptsitz des Unternehmens im Freistaat Sachsen und außerhalb
) je Teilmarkt bzw. von
6
Vgl. Schwemmer 2018, S. 67ff.

12
bedeutenden Akteuren in der Marktstruktur sind jeweils der Umsatz der Unternehmen und die Mitarbeiterzahl (in
Sachsen). Teilweise waren für den Umsatz der Unternehmen im Freistaat Sachsen keine Daten vorhanden. In diesen
Fällen wurden die Werte basierend auf dem gesamten Umsatz des Unternehmens (national/weltweit) und der
Mitarbeiterzahl in Sachsen näherungsweise bestimmt. Diese Werte sind mit einem Sternchen gekennzeichnet.
Die Ausführungen zu den jeweiligen
Logistikprofilen der sächsischen Wirtschaftszweige des verarbeitenden
Gewerbes und für die Teilbereiche des Handels im Freistaat Sachsen
(Kapitel 2.6) geben einen detaillierten
Einblick in die Entwicklung der betrachteten Wirtschaftsbereiche. Hierfür wurden statistische Daten mit den
Ergebnissen der durchgeführten Unternehmensbefragung kombiniert, um fundierte Aussagen zu erhalten. Die
jährlichen statistischen Berichte des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen berücksichtigen Betriebe mit
20 und mehr tätigen Personen. Es wurden die verfügbaren Berichte aus den Jahren 2012 bis 2017 für die Studie
berücksichtigt, um einen Überblick zur Entwicklung des Wirtschaftszweiges (Umsatz, Anzahl der Beschäftigten,
Anzahl der Betriebe differenziert nach Größenklassen, Anteil der Betriebe am gesamten verarbeitenden Gewerbe und
Bergbau in Sachsen) zu geben. Darüber hinaus wurden auch Daten für das Jahr 2018 aus der Industriestatistik und
zusätzlich die aktuellsten Zahlen zur Umsatzhöhe, der Betriebsanzahl und der Beschäftigtenanzahl des statistischen
Berichts für das Berichtsjahr 2018 verwendet. Input-Output-Verflechtungen für die jeweiligen Logistikprofile wurden
nicht dargestellt, da eine eingehende Input-Output-Analyse von einzelnen Wirtschaftszweigen nur auf Grundlage
einer Input-Output-Tabelle möglich ist,
die derzeit lediglich auf gesamtdeutscher Basis veröffentlicht wird: „Für die
Anwendung der Input-Output-Analyse auf Regionen bzw. ein Bundesland ist eine Regionalisierung der vom
Statistischen Bundesamt für Deutschland insgesamt veröffentlichten Input-Output-Tabellen
notwendig.“
7
Alternativ
wurde jedoch der Exportanteil für die betrachteten Wirtschaftszweige dargestellt.
Für die weiteren erhobenen Kennzahlen:
die aktuelle Nachfrage nach spezifischen Logistikdienstleistungen (Teilmärkte),
die für Logistikaktivitäten aufgebrachten Umsätze,
die Inanspruchnahme von Logistikdienstleistungsbetrieben aus Sachsen, anderen Bundesländern, dem
Ausland (differenziert),
die auf die Zukunft ausgerichteten Anforderungen und Erwartungen der verladenden Betriebe an die
Logistikdienstleister und der Logistikdienstleistungsbetriebe an die Verlader
dient die Befragung als Datengrundlage. Die für Logistikaktivitäten aufgebrachten Umsätze wurden auf Grundlage
der Befragung als durchschnittlicher anteiliger Umsatzaufwand für die außerbetriebliche Logistik ermittelt.
Zusätzlich wurde für die jeweiligen Branchen der Anteil der durchschnittlichen Logistikkosten an den Gesamtkosten
recherchiert und in die Ausführungen miteinbezogen (gesamtdeutsche Ebene).
Die Indikatoren für die Bestimmung
der im Freistaat Sachsen ansässigen fünf größten Logistikdienstleister und
Verlader (differenziert nach Hauptsitz des Unternehmens im Freistaat Sachsen und außerhalb)
je Logistikprofil
bzw. von bedeutenden Akteuren in der Marktstruktur sind jeweils der Umsatz der Unternehmen und die
Mitarbeiterzahl (in Sachsen). Teilweise waren für den Umsatz der Unternehmen im Freistaat Sachsen keine Daten
vorhanden. In diesen Fällen wurden die Werte basierend auf dem gesamten Umsatz des Unternehmens
(national/weltweit) und der Mitarbeiterzahl in Sachsen näherungsweise bestimmt. Diese Werte sind mit einem
Sternchen gekennzeichnet.
Die
Handlungs- und Unterstützungsbedarfe
in den betrachteten Wirtschaftsbereichen wurden zusammengefasst
und differenziert nach Betriebsgrößenklassen dargestellt. Auf Grundlage dieser Differenzierung werden die Bedarfe
unterschiedlich großer Unternehmen deutlich, die Ergebnisse pro Branche unterscheiden sich hingegen kaum. Auf
branchenspezifische Besonderheiten in der jeweiligen Betriebsgrößenklasse wird in der Beschreibung verwiesen.
Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass die Aussagen der Unternehmen in der Befragung immer beeinflusst sind durch
den individuellen Wissensstand des Interviewten, so konnten befragte Unternehmen zu einigen erbetenen
Kennzahlen belastbare Angaben machen, zu anderen weniger. Hierdurch ist zu erklären, dass bei einigen der
dargestellten Diagramme zu den Teilmärkten und Logistikprofilen die Angabe für die Teilnehmeranzahl (n) sehr
niedrig ist, da nur sehr wenige quantitative Antworten auf die entsprechenden Fragestellungen erzielt werden
konnten. Eine Problemstellung ist insbesondere, dass die Logistik-Kostenanteile in der Unternehmenspraxis oft nicht
ausreichend standardisiert sind (auch nicht innerhalb der Unternehmen) und sich dadurch die Erhebung von validen
7
Vgl. Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie 2013, S. 7

13
und vergleichbaren Kennzahlen schwierig gestaltet. Deswegen wurden die erhobenen Kennzahlen für den Freistaat
Sachsen, soweit möglich, auch immer in den Vergleich zur nationalen Ebene gesetzt, um ein umfassenderes Bild zu
erhalten.
2.2. Einführung in die sächsische Logistikwirtschaft
Die Logistik ist eine wichtige
Säule der Mobilitätswirtschaft. „Logistik
umfasst die Aktivitäten des Transportierens
(„Transfer von Objekten im Raum“), des Umordnens, Umschlagens, der Kommissionierung
(„Veränderung der
Ordnungen von Objekten“) und des Lagerns („Transfer von Objekten in der Zeit“) von Gütern und Materialien in der
gesamten Wirtschaft in Industrie, Handel und Dienstleistungsbereich: TUL-Logistik. Hinzu kommen die für die
rationelle Abwicklung der TUL-Aktivitäten notwendigen indirekten Aktivitäten wie die mit TUL unmittelbar
verbundenen (administrativen) Auftragsabwicklungs- und Dispositionsaktivitäten, die unternehmensübergreifenden
Planungs-, Steuerungs- und Dispositionsaufgaben,
die heute oft auch als „Supply Chain Management“ bezeichnet
werden. Bei der Bemessung der Kosten und Wertschöpfung dieser Aktivitäten werden auch die Kapitalkosten,
Abschreibungskosten und sonstigen Aufwendungen für die Beständehaltung in den Supply Chains einbezogen,
deren Kontrolle und Reduzierung ein wesentliches Ziel modernen Logistikmanagements ist.
8
Das Volumen des
Logistikmarktes „umfasst
ausdrücklich sowohl die einschlägigen Leistungen, die mit verladereigenen Mitteln
(Werkverkehr, Eigenläger) erbracht werden, wie auch die fremdvergebenen Leistungen, die von den
Logistikdienstleistern erbracht
werden.“
9
Logistikdienstleister sind Unternehmen, die ausgewählte bzw. alle
physischen und organisatorischen Prozesse sowie Informationsflüsse der Logistik von und für Industrie-, Handels-
und Dienstleistungsunternehmen konzipieren, ausführen und vermarkten.
Der Logistikmarkt in Deutschland wächst. Im Jahr 2016 konnte im Vergleich zum Vorjahr bereits ein Wachstum von
2,4 % verzeichnet werden. Im Jahr 2017 wurde ein Anstieg der Wachstumsrate auf 3,1 % festgestellt, der
deutlichste Anstieg seit 2011.
10
Das Logistikwirtschaftsvolumen in Deutschland im Jahr 2018 beträgt geschätzte
274 Mrd. EUR.
11
Die Logistikbranche nimmt damit eine bedeutende Stellung in der Wirtschaft ein. Deutschland ist
innerhalb Europas einer der Top-Logistikstandorte und hat einen Anteil von 25 % des europäischen Marktvolumens
der Logistikbranche.
12
Die Wirtschaftskraft des Freistaates Sachsen, gemessen am Bruttoinlandsprodukt und verfügbarem Einkommen je
Einwohner, ist im Ländervergleich im Jahr 2017 an zwölfter Stelle platziert. Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands
betrug im Jahr 2018 rund 3.390 Mrd. EUR
13
, im Freistaat Sachsen im gleichen Jahr rund 126 Mrd. EUR.
14
Dies
entspricht einem Anteil von 3,7 %. Der Anteil des produzierenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung (in
jeweiligen Preisen) liegt in Sachsen bei 32 % und für den Dienstleistungssektor bei 67 % im Jahr 2018.
15
Diese
Werte entsprechen fast dem Bundesdurchschnitt. Das verfügbare Einkommen je Einwohner im Jahr 2017 ist in
Sachsen um fast 12 % geringer als im Bundesdurchschnitt.
16
Die Wirtschaft in Sachsen wächst überdurchschnittlich stark und die sächsischen Standorte international agierender
Unternehmen wie Volkswagen, BMW, Porsche, GLOBALFOUNDRIES, Infineon und Bombardier Transportation sowie
zahlreiche mittelständische Betriebe sind Mittel- und Ausgangspunkt vielfältiger und anspruchsvoller Liefer- und
Absatzketten.
17
Insbesondere die geografische Lage Sachsens bietet einen Standortvorteil und Potenzial für eine
europaweite Distribution von Gütern. Im Rahmen der Studie wurde der Umsatz der Logistikwirtschaft im Freistaat
Sachsen auf rund 11,7 Mrd. EUR im Jahr 2018 geschätzt. Grundlage für die Schätzung bildeten die
8
Vgl. Schwemmer 2018, S. 25f.
9
Vgl. Schwemmer 2018, S. 29
10
Vgl. Schwemmer 2018, S. VII
11
Vgl. Bundesvereinigung Logistik 2018
12
Vgl. Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung 2018, S. 8
13
Vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis) 2019
14
Vgl. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen 2019
15
Vgl. Statistische Ämter der Länder 2019, S. 2
16
Vgl. Statistische Ämter der Länder 2019, S. 4
17
Vgl. Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH 2019b

14
Beschäftigtenzahlen der Logistikwirtschaft im Freistaat Sachsen (vgl. Kap. 2.1).
18
Damit ist die Logistikbranche neben
anderen Wirtschaftsbereichen im Freistaat Sachsen ein bedeutender Wirtschafts- und Wettbewerbsfaktor.
Der Logistikumsatz von 11,7 Mrd. EUR (Schätzwert) im Freistaat Sachsen entspricht einem Anteil von 4,3 % am
geschätzten Gesamtumsatz der Logistik in Deutschland im Jahr 2018. Um den Anteil der Fremdvergabe an
Logistikdienstleister durch die verladende Wirtschaft im Freistaat Sachsen zu bemessen und einen Vergleich zur
Bundesebene ziehen zu können, wurden die geschätzten Umsatzwerte des Logistikdienstleistungsmarktes den
Umsatzwerten der Wirtschaft im Bereich Logistik gegenübergestellt.
19
Geschätzte 67 % des Logistik-
wirtschaftsvolumens in Sachsen waren im Jahr 2018 an Logistikdienstleister fremdvergeben. Folglich wurden rund
33 % des Logistikwirtschaftsvolumens durch Industrie, Handel und sonstige Wirtschaft selbst erbracht. Diese Zahlen
zeigen eine höhere Quote an Outsourcing-Aktivitäten der Logistikwirtschaft in Sachsen im Vergleich zum
Bundesdurchschnitt. So wurde im Jahr 2017 in Deutschland der durch Verlader eigenerbrachte Anteil des
Logistikwirtschaftsvolumens mit rund 49 % und der Anteil des an Logistikdienstleister fremdvergebenen
Logistikwirtschaftsvolumens mit rund 51 % beziffert.
20
Die durchgeführte Unternehmensbefragung im Freistaat Sachsen zeigt, dass der Anteil der Fremdvergabe im
Wirtschaftsbereich des Verarbeitenden Gewerbes höher ist als im Wirtschaftsbereich des Handels. Insgesamt 48 %
der befragten verladenden Betriebe erbringen Logistikleistungen selbst. Bei mehr als der Hälfte der Verlader (52 %)
liegt die Fremdvergabe von Logistikleistungen bei 100 %. Teilweise erbringen die verladenden Betriebe
Logistikleistungen selbst und lagern hiervon nur einen gewissen Teil an Logistikdienstleister aus. Im Verarbeitenden
Gewerbe werden durchschnittlich 81 % der Logistikleistungen an Dienstleister vergeben. Bei den befragten
Handelsunternehmen lag die durchschnittliche Outsourcing-Quote hingegen bei nur 34 %. Alle befragten
Handelsunternehmen erbringen Logistikleistungen selbst und vergeben nur einen Teil der Leistungen an
Logistikdienstleister.
Der hohe Outsourcing-Anteil von verladenden Betrieben an Logistikdienstleister spiegelt sich auch in der hohen
Anzahl an ansässigen Logistikdienstleistungsunternehmen im Freistaat Sachsen wider.
Von den insgesamt 4.781 Dienstleistungsunternehmen des Wirtschaftsabschnitts H: Verkehr und Lagerei mit Sitz in
Sachsen
21
waren im Berichtsjahr 2017 rund 3.240 den logistischen Dienstleistungen zuzurechnen.
22
Unternehmen,
die Personenbeförderung durchführen und somit nicht zur Logistikwirtschaft zählen, sind hier herausgenommen.
Diese rund 3.240 sächsischen Logistikdienstleister erwirtschafteten im Jahr 2017 6,9 Mrd. EUR. Allerdings waren in
Sachsen auch Logistikdienstleister mit Sitz in anderen Bundesländern wirtschaftlich aktiv. Berechnet man deren in
Sachsen erwirtschafteten Umsatz ein und den Umsatz sächsischer Logistikdienstleistungsunternehmen in anderen
Bundesländern heraus, so ergibt sich ein tatsächlich auf dem Territorium des Freistaates Sachsen erwirtschafteter
Umsatz von Logistikdienstleistern in Höhe von 9,6 Mrd. EUR (2017).
23
Der Umsatz aller 4.781 sächsischen Dienstleistungsunternehmen des Wirtschaftsabschnitts H betrug im Berichtsjahr
2017 8,4 Mrd. EUR. Der auf dem Gebiet des Freistaates erwirtschaftete Umsatz (ohne Berücksichtigung des
Unternehmenssitzes) belief sich auf 11,63 Mrd. EUR (2017).
24
Abbildung 2 zeigt die Beschäftigtengrößenklassen aller Dienstleistungsunternehmen im Wirtschaftsabschnitt H:
Verkehr und Lagerei einschließlich Personenbeförderung, da die amtliche Statistik hier keine nur auf die
Logistikdienstleistungsunternehmen bezogenen Zahlen ausweist. Es wird deutlich, dass ein Großteil der
Unternehmen zu den KMU zählt. Rund 72 % der Unternehmen beschäftigen bis zu 10 Mitarbeiter und weitere 23 %
18
Schätzung anhand der Beschäftigtenzahlen und der Entgelte- und Gehaltssummen, Ergänzung der Summe um Produktionswerte und
vergebene Dienstleistungen als auch
um eingekaufte Vorleistungen (Berechnung nach der in der Studie „TOP 100 der
Logistik“
verwendeten Methodik des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen)
19
Die Umsatzwerte setzen sich zusammen aus den Brutto-Lohn-& Gehaltskostensummen der Erwerbstätigen in der Logistik in Wirtschaft
oder Dienstleistung, ergänzt um die jeweilige Bruttowertschöpfung
und den Umsatzwert (Berechnung nach der in der Studie „TOP 100
der
Logistik“ verwendeten Methodik des Fraunhofer Instituts für Integrierte
Schaltungen)
20
Vgl. Schwemmer 2018, S. 46
21
Vgl. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen 2018a (Dienstleistungsstatistik Sachsen, Berichtsjahr 2017)
22
Güterbeförderung im Eisenbahnverkehr (WZ08 492), Güterbeförderung im Straßenverkehr, Umzugstransporte (WZ 08 494), Transport in
Rohrfernleitungen (WZ08 495), Güterbeförderung in der Binnenschifffahrt (WZ08 504), Güterbeförderung in der Luftfahrt und
Raumtransport (WZ08 512), Lagerei (WZ08 521), Sonstige Dienstleistungen für den Verkehr (WZ08 522), Sonstige Post-, Kurier- und
Expressdienste (WZ08 532)
23
Auswertung des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen auf der Basis der Dienstleistungsstatistik Sachsen, Berichtsjahr 2017
24
Vgl. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen 2018a (Dienstleistungsstatistik Sachsen, Berichtsjahr 2017)

15
bis zu 49 Mitarbeiter. 4 % der Unternehmen haben bis zu 249 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und 1 %
der Unternehmen beschäftigt 250 oder mehr Mitarbeiter. Charakteristisch für Sachsen ist vor allem die Ansässigkeit
vieler kleinerer Speditionsbetriebe, die diverse Transportleistungen übernehmen.
Abbildung 2: Logistikdienstleistungsbetriebe differenziert nach
Betriebsgrößenklassen (Beschäftigte)
Abbildung 3: Logistikdienstleistungsbetriebe differenziert nach
Hauptsitz des Unternehmens im Freistaat Sachsen und außerhalb
Von allen in der Unternehmensbefragung befragten Logistikdienstleistern haben rund 60 % ihren Hauptsitz im
Freistaat Sachsen und rund 40 % außerhalb von Sachsen (siehe Abbildung 3). Die Hauptsitze außerhalb Sachsens
befinden sich in ganz Deutschland, vor allem in Hamburg, Niedersachsen, Brandenburg, Bremen, Bayern und
Rheinland-Pfalz. Dies verdeutlicht die Vernetzung Sachsens mit diversen Bundesländern.
2.3. Megatrends und Trends der Logistik
Neue Trends und Entwicklungen beeinflussen die Wirtschaftszweige in sämtlichen Bereichen. Auch die Logistik der
nächsten Jahre wird durch eine Vielzahl verschiedener Entwicklungen beeinflusst, die das Potenzial besitzen, die
Branche stark zu prägen und nachhaltig zu verändern. Studien der Bundesvereinigung Logistik
25
, der Deutschen Post
Group
26
, des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen
27
und der Bulwiengesa AG
28
belegen, dass sogenannte
Megatrends neue Marktpotenziale eröffnen und damit die Entwicklungen von Anpassungsstrategien in
Unternehmen fördern.
Im Folgenden (Kapitel 2.3.1) werden relevante aktuelle Megatrends und Trends der Logistik in Deutschland auf
Grundlage der genannten Studien zusammenfassend dargestellt. Anschließend (Kapitel 2.3.2) wird die Relevanz
dieser logistischen Megatrends für den Freistaat Sachsen auf Grundlage der Befragungsergebnisse beschrieben und
Chancen, aber auch Herausforderungen für die sächsische Logistikwirtschaft werden abgeleitet. Die Relevanz der
genannten und beschriebenen Megatrends in der Logistik wurde in den Befragungen von sächsischen Unternehmen
überprüft und evaluiert. Die Nennung und Bezeichnung der jeweiligen Trends wurde in der Vorbereitungsphase
dieser Studie mit dem Fachbeirat abgestimmt.
25
Vgl. Bundesvereinigung Logistik 2017
26
Vgl. DHL Customer Solutions & Innovation 2018/19
27
Vgl. Schwemmer 2018
28
Vgl. Bulwiengesa AG 2015
0 bis 9
Beschäftigte
3.433
(72%)
10 bis 49
Beschäftigte
1.088
(23%)
50 bis 249
Beschäftigte
211
(4%)
250 oder mehr
Beschäftigte
48
(1%)
n = 4.781
Dienstleistungsstatistik Sachsen; Berichtsjahr 2017
Hauptsitz in
Sachsen
60%
Hauptsitz
außerhalb
40%
n = 48
Unternehmensbefragung (Eigene Erhebung)

image
16
Kurzcharakterisierung der Mega-/Trends der Logistik in Deutschland
Maßgeblich in der Betrachtung sind endogene technologische Trends, die Logistikunternehmen in der internen
Ausrichtung prägen und exogene soziale und geschäftliche Trends, auf die Logistikakteure keinen direkten Einfluss
haben, die aber wesentlich für eine erfolgreiche Ausrichtung von Unternehmen sind. So unterscheidet der Logistics
Trend Radar 2018/19 nach sozialen / geschäftlichen Trends und nach technologischen Trends. Die Studie der BVL
differenziert nach exogenen Trends (Entwicklungen von außen) und endogenen Trends (interne Entwicklungen). Im
Folgenden wird diese Differenzierung für eine bessere Übersichtlichkeit übernommen. Tabelle 1 zeigt eine Übersicht
der betrachteten logistischen Megatrends und spezifiziert kurz die allgemeine Relevanz der Trends und die Potenziale
für die Logistikbranche.
Tabelle 1: (Mega-) Trends der Logistik (eigene Darstellung)
#
(Mega-) Trend der Logistik
Relevanz und Potenziale für die Logistik
Technologiebasierte (endogene)
Trends
I
3D-Druck
Kundenspezifische Anpassung / Individualisierung
von Produkten
II
Autonomes/Automatisiertes
Fahren
Kostenreduktion, Erhöhung der Sicherheit und
Effizienz von Prozessen
III
Robotik
Steigende Produktivität im Sinne der Interaktion
von Mensch und Maschine
IV
Digitalisierung von
Geschäftsprozessen
Einsatz von neuen softwaregetriebenen
Technologien in Logistikprozessen für eine
steigende Vernetzung und Produktivität
Soziale und geschäftliche (exogene) Trends
V
Informationsgesellschaft
Neue Vertriebswege und Absatzkanäle für die
Logistikbranche, z. B. durch Online-Plattformen
VI
Diversifizierung
Spezifische, kleinteiligere und kundenindividuellere
Logistikdienstleistungen
VII
Verknüpfung von Produktion
und Dienstleistung
Verzahnung von Industrie und
Dienstleistungssektor, breites Angebot an
Zusatzleistungen
VIII
Nachhaltigkeit
Grüne Logistik-Lösungen mit dem Ziel der
Reduktion von CO
2
-Emissionen in der Logistik
IX
Demografie
Veränderung der Konsum- und Distributionsmuster
X
Neue Risiken
Anpassung an Risiken und Gestaltung der Resilienz
des Liefernetzwerkes

17
I
3D-Druck
Der Druck von individuellen Bauteilen (z. B. Flugzeugteile) bis hin zu speziellen kleinformatigen Produkten (bspw. für
medizinische Anwendungen) ist mit der 3D-Druck-Technologie möglich. Die Technologie bietet das Potenzial für
lokalisierte Fertigungs- und Lieferprozesse, die weniger Abfall produzieren. In Verbindung mit herkömmlichen
Produktionsstrategien kann der 3D-Druck eine gesteigerte kundenspezifische Anpassung ermöglichen und ist daher
vor allem für die Ersatzteilproduktion relevant. Die Auswirkung des 3D-Drucks auf Produktionstechnologien in
Unternehmen wird zufolge des DHL-Trend Radars 2018/19 als hoch eingeschätzt, die Technologie wird in mehr als
fünf Jahren relevant für die Masse der Unternehmen werden.
29
Der Trend bietet das Potenzial den Herausforderungen einer sich immer weiter individualisierenden Gesellschaft zu
begegnen, die von Unternehmensseite aus von einer hohen Endkundenorientierung geprägt ist. Das bedeutet, dass
neue Technologien des 3D-Drucks ein hohes Innovationspotenzial hinsichtlich von On-Demand-Modellen für die
Logistikbranche besitzen. Der globale Umsatz der 3D-Druck Industrie wird für das Jahr 2020 auf rund 22 Milliarden
US-Dollar geschätzt.
30
37 %
der befragten deutschen Unternehmen haben einer Umfrage
zufolge bereits Erfahrungen mit 3D-Druck gemacht.
31
II
Autonomes/Automatisiertes Fahren
Der Einsatz von autonomen Fahrzeugen nimmt mit dem Fortschritt in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz
zu. In der Logistikbranche werden autonome Fahrzeuge künftig nicht nur in Lagern und Produktionshallen eingesetzt,
sondern auch vermehrt im öffentlichen Raum. Beispiele hierfür sind autonom fahrende Lastkraftwagen und Letzte-
Meile Roboter (u. a. Drohnen). Wie auch die 3D-Druck-Technologie wird der Trend laut des DHL-Trend Radars in den
nächsten 5 Jahren relevant werden.
32
Der Trend hat das Potenzial, nicht nur Kosten zu reduzieren, sondern auch die
Sicherheit und Effizienz von Logistikprozessen zu erhöhen. Die größten Herausforderungen für eine flächendeckende
Umsetzung bestehen darin, vor allem die Akzeptanz auf Seiten der Bevölkerung und der Regierung zu erhöhen sowie
potenzielle Software-Sicherheitslücken zu schließen.
33
Zufolge einer Umfrage sind 17 % der befragten Bevölkerung
in Deutschland sogar gegen die Entwicklung von autonomen Fahrzeugen.
34
Ebenso stellen rechtliche
Fragestellungen (bspw. in Haftungsfragen beim Einsatz von autonomen Fahrzeugen im öffentlichen Raum) eine
besondere Herausforderung dar.
50 Mio.
autonome Fahrzeuge werden laut einer
Prognose im Jahr 2035 weltweit produziert werden.
35
III
Robotik
Der Einsatz von Robotern im Zuge der Automatisierung von Arbeitsabläufen nimmt seit Jahren zu. Mit steigender
Automatisierung können Logistikprozesse flexibler und schneller durchgeführt werden. Dabei werden Roboter
sowohl voll automatisiert als auch in Interaktion mit dem Menschen eingesetzt. Ein wichtiger Anwendungsbereich
ist laut dem DHL Trend Radar 2018/19 vor allem die Lagerhaltung, in der Roboter Kommissionierungs-, Verpackungs-
und Sortiertätigkeiten übernehmen und Arbeiter in relevanten Prozessen unterstützen. Weitere Anwendungsbereiche
sind die Entladung von Anhängern und Containern und die lokale Belieferung von Kunden mit Waren.
36
So setzte
29
Vgl. DHL Customer Solutions & Innovation 2018/19, S. 18
30
Vgl. Statista GmbH 2018a
31
Vgl. Statista Research Department 2016a
32
Vgl. DHL Customer Solutions & Innovation 2018/19, S. 19
33
Vgl. DHL Customer Solutions & Innovation 2018/19, S. 47
34
Vgl. Statista GmbH 2017
35
Vgl. Statista GmbH 2017
36
Vgl. DHL Customer Solutions & Innovation 2018/19, S. 46

18
der Logistikdienstleister Deutsche Post bereits Zustellroboter bei der Belieferung von Privathaushalten ein (sog.
PostBOTs).
37
Der Trend bringt vor allem Vorteile hinsichtlich der Produktivität sowie der Gesundheit und Sicherheit für
Beschäftigte in der operativen Logistik. Herausforderungen beim Einsatz von Robotik sind, ähnlich wie beim Trend
des autonomen Fahrens, rechtliche und ethische Fragestellungen.
38
3,8 Mrd. EUR
erwirtschaftete die Robotikbranche im Jahr
2017 in Deutschland.
39
IV
Digitalisierung der Geschäftsprozesse
Der Einsatz von neuen softwaregetriebenen Technologien entlang von logistischen Wertschöpfungsketten nimmt zu.
Neue Informations-, Kommunikations- und Datenverarbeitungssysteme ermöglichen eine Vernetzung von Daten
über die Wertschöpfungsstufen hinweg. Die Bedeutung von definierten digitalen Schnittstellen und einheitlichen
Systemen nimmt bei der Kooperation von Verladern und Logistikdienstleistern zu.
40
Neue datengetriebene Lösungen werden vermehrt in Logistikprozessen eingesetzt, da sie das Potenzial einer
Effizienzsteigerung bieten. Neben dem „Internet of Things“ (IoT) und dem Einsatz von „Cloud Computing“ stellt auch
die Blockchain-Technologie eine wichtige Entwicklung für die Logistikbranche dar.
IoT-Technologien vernetzen Objekte mit dem Internet und ermöglichen die Speicherung von Informationen. Dies
führt zu selbst- und ereignisgesteuerten Logistikprozessen.
41
Laut dem DHL Trend Radar 2018/19 ist die Relevanz
von IoT-Technologien hoch, jedoch haben bis heute nur einige Applikationen eine breite Verwendung in der Logistik
gefunden. Das gleiche gilt für die Technologie der Blockchain, die zufolge des DHL Trend Radars vor allem in mehr
als fünf Jahren für die Logistikbranche relevant sein wird. Die Technologie erfährt noch keine breite Anwendung und
befindet sich in einer Entwicklungsphase. Eine Blockchain ist eine dezentrale Datenbank, die Daten miteinander
verknüpft und in Blöcken speichert. Diese werden wiederum miteinander zu einer Kette verbunden, sodass jeder
Nutzer der Blockchain Zugang zu allen Informationen hat und diese nachvollziehen kann. Durch Verschlüsselungen
gelten Blockchains als vor Manipulation und unbefugten Zugriffen sicher und werden aus diesem Grund
insbesondere für die Abbildung logistischer Transaktionen als sehr geeignet angesehen. Die Technologie eröffnet z. B.
die Möglichkeit durch Track-and-Trace Lösungen die Transparenz von globalen Logistikprozessen nachhaltig zu
erhöhen. Im vergangenen Jahr beschäftigte sich u. a. ein Pilotprojekt mit der Abbildung des Palettenscheins mittels
Blockchain. Federführend war hier GS1 Germany. Weitere 35 Beteiligte kamen aus Industrie, Handel und
Dienstleistung. Nach einem Testlauf wurden als Ergebnis Handlungsempfehlungen abgeleitet.
42
Das in Sachsen ansässige Blockchain-Kompetenzzentrum in Mittweida nimmt aktiv Anteil an der Entwicklung dieses
Trends und hat verschiedene Forschungsprojekte und Arbeitsgruppen initiiert. So arbeiten Institutsmitglieder u. a. in
Arbeitsgruppen zum „Internet of Things“ und zu
Blockchain-basierten Supply-Chains und ERP-Systemen. Mit dem
Einsatz von neuen Technologien werden auch die Herausforderungen zunehmen. So wird sich mit der Zunahme von
Daten- und Auswertungsmöglichkeiten auf allen Ebenen logistischer Prozesse auch die Angriffsfläche für
Cyberattacken erhöhen.
56 %
der weltweit befragten bedeutenden Logistikunternehmen planen
einer Umfrage zufolge für das Jahr 2019 in Logistik-Software zu
investieren.
43
37
Vgl. Logistik Watchblog 2018
38
Vgl. DHL Customer Solutions & Innovation 2018/19, S. 46
39
Vgl. Statista GmbH 2018b
40
Vgl. Bundesvereinigung Logistik 2017, S. 21
41
Vgl. DHL Customer Solutions & Innovation 2018/19, S. 43
42
Vgl. GS1 Germany 2019
43
Vgl. Statista GmbH 2019

19
V
Informationsgesellschaft
Das Käuferverhalten der Kunden ändert sich im Industrie-, aber auch im Privatkundensegment und hat Einfluss auf
die Logistikbranche. Durch die Entwicklung von innovativen Technologien und digitalen Informations- sowie
Kommunikationsstrukturen und -abläufen werden Konsumverhalten und Anforderungen der Kunden geprägt. Durch
Online-Portale und -Plattformen können Informationen über verschiedene Produkte und Dienstleistungen
zunehmend schneller verglichen werden. Vor diesem Hintergrund nehmen die Anforderungen nach Transparenz,
Verfügbarkeit, Komfort und Schnelligkeit zu.
44
Dieser Trend beeinflusst die Vertriebswege der Logistik und das
gewünschte Produktspektrum verschiebt sich.
45
Dieses veränderte Konsumverhalten steigert zudem die Vernetzung
mit dem Endkunden, wodurch das Potenzial einer Effizienzsteigerung und Optimierung von Logistikprozessen
möglich wird. Zustellprozesse werden verbessert und die Nachbestellung von knapp werdenden Gütern erfolgt
automatisch. Eine wesentliche Herausforderung besteht darin, die Integration verschiedener Plattformen zu
ermöglichen und Datenschutzrichtlinien zu berücksichtigen.
16 %
aller Befragten im Zuge einer Studie der Stiftung für Zukunftsfragen sind der
Meinung, dass der Begriff der Informationsgesellschaft die gesellschaftliche
Situation in Deutschland am besten beurteilt.
46
VI
Diversifizierung
Die Logistikbranche ist zunehmend komplexer aufgestellt. Der Zuwachs an spezifischen Kundenanforderungen an
die verladende Wirtschaft setzt eine hohe Güter- und Warenvielfalt voraus. Es findet eine Diversifizierung von
Logistikdienstleistungen statt, um kleine Liefermengen und kurze Lieferzeiten zu ermöglichen.
47
Dies bedingt
kleinteiligere und kundenindividuellere Logistikdienstleistungen. Laut der Bundesvereinigung Logistik stehen
Unternehmen vor allem vor der Herausforderung, bestehende Produktions- und Logistiksysteme zu flexibilisieren,
indem Strukturen und Lieferkonzepte angepasst werden.
48
Im Zeitalter der Globalisierung werden auch die Arbeitnehmer diverser. Verschiedene kulturelle Hintergründe und
Nationalitäten führen zu einer heterogeneren Belegschaft in der Logistik, die den Unternehmen entscheidende
Vorteile für die Sprachkompetenz und den Aufbau von internationalen Netzwerken bringen kann. Gleichzeitig
müssen Unternehmen sich auf die verschiedenen Bedürfnisse der Mitarbeiter einstellen.
49 %
der Befragten stimmen laut einer Befragung der Aussage zu, dass die
Globalisierung eine Chance für das Wirtschaftswachstum darstellt.
49
VII
Verknüpfung von Produktion und Dienstleistung
Das Angebot an Logistikdienstleistungen wächst deutschlandweit und beinhaltet neue sog.
„Value-Added-Services“,
wie beispielswiese Reparatur- und Beratungsleistungen. Der Kundennutzen nimmt so durch noch besser geplante
und optimierte Logistiksysteme zu. Logistikdienstleister bieten für ihre Kunden nicht mehr einzelne Services an,
sondern ganze Lösungspakete.
50
So werden die Industrie und der Dienstleistungssektor in der Logistik immer stärker verzahnt und die Kundenbindung
steigt. Dies geht auch mit einem zunehmenden Outsourcing von Logistikprozessen an Dienstleister einher.
496 Mrd. EUR
betrug die Bruttowertschöpfung des Dienstleistungssektors im Bereich
Handel, Gastgewerbe und Verkehr in Deutschland im Jahr 2018.
51
44
Vgl. Schwemmer 2018, S. 5
45
Vgl. Bundesvereinigung Logistik 2017, S. 20
46
Vgl. BAT Stiftung für Zukunftsfragen 2009
47
Vgl. Bundesvereinigung Logistik 2017, S. 20
48
Vgl. Bundesvereinigung Logistik 2017, S. 20
49
Vgl. Statista Research Department 2016b
50
Vgl. Schwemmer 2018, S. 5
51
Vgl. Statistisches Bundesamt 2019

20
VIII
Nachhaltigkeit
Im Kontext des steigenden Interesses der Öffentlichkeit an umweltbewusstem Handeln und den damit verbundenen
Verhaltensweisen wird es auch für die Logistikbranche (insbesondere für Logistikdienstleister) immer bedeutender,
die Umsetzung von „Grünen
Logistik“-Lösungen voranzutreiben. Dieser Trend steht auch in Verbindung mit
zunehmend strengeren Umweltrichtlinien, die insbesondere die urbane Logistik betreffen. Logistikdienstleister
erproben vermehrt die Auslieferung von Paketen auf der letzten Meile mithilfe von umweltfreundlichen Technologien,
wie z. B. den Einsatz von Nutzfahrzeugen mit Elektroantrieb. Ebenso rückt der Bezug von Energie aus erneuerbaren
Energiequellen immer stärker in den Fokus. Herausforderungen bei der Umstellung auf umweltfreundliche
Logistikkonzepte sind unter anderem die hohen Kosten (bspw. für Ladeinfrastrukturen), die begrenzte Anzahl an
Herstellern und die Anpassung der Infrastruktur.
Im Vergleich ist die Anzahl der Neuzulassungen von elektronischen Nutzfahrzeugen trotzdem noch gering. Den
Großteil der Neuzulassungen machen Kleintransporter, wie der Streetscooter von DHL aus. Bei LKW mit einer
höheren Nutzlast ist der Elektroantrieb kaum vertreten.
52
2,7 %
der Neuzulassungen in Deutschland für LKW mit geringer Nutzlast (bis 999 kg) sind
Elektroautos (z.
B. sog.
„Streetscooter“). Dies ist vergleichbar mit dem Anteil von
Elektroautos an Neuzulassungen für PKW.
53
IX
Demografie
Ein weiterer für die Logistikbranche prägender Trend ist der demografische Wandel. Dieser bezeichnet die Alterung
und Schrumpfung der Gesellschaft in Deutschland. Damit einher gehen das Wachstum von Städten und
urbanisierten Räumen und die gleichzeitig weiter voranschreitende Entvölkerung vieler ländlicher Räume. Für die
Logistikbranche bedeutet diese Entwicklung eine Änderung der Konsum- und Distributionsmuster in Deutschland.
Infolge dessen wächst die Bedeutung der Kundenorientierung in der Logistik. So stellt
die sog. „Grey Power
Logistics“ eine neue
Marktnische für die Logistikbranche dar. Hierbei handelt es sich um Logistik für eine alternde
Gesellschaft. Es werden bspw. neue Dienstleistungen (z. B. Heimlieferung von Medikamenten) notwendig, um die aus
dem demografischen Wandel resultierenden Herausforderungen zu meistern.
54
Insbesondere für das
Dienstleistungssegment bietet der Trend das Potenzial, neue Geschäftsmodelle und Angebote zu entwickeln.
Zusätzlich verstärkt der demografische Wandel auch den Fachkräftemangel in der Logistikbranche. Stellen können
nicht mehr neu besetzt werden und Vakanzzeiten verlängern sich damit zunehmend. Insbesondere der Fahrermangel
ist in den letzten Jahren bereits spürbar. Damit erhält die Suche nach Logistikfachkräften in Unternehmen Priorität.
118.000 Tsd.
Menschen betrug die negative Differenz zwischen geborenen
und gestorbenen Menschen in Deutschland im Jahr 2016.
55
X
Neue Risiken
Ein erfolgreiches Risikomanagement nimmt für die Logistik aufgrund ihrer internationalen Ausrichtung/Vernetzung
und insbesondere vor dem Hintergrund sich ändernder politischer Rahmenbedingungen und Risiken wie
Terrorgefahr, Cyberattacken und Naturkatastrophen an Bedeutung zu. So können sich Erdbeben auf die Versorgung
von Zulieferern auswirken und Tsunamis den Seeverkehr beeinträchtigen. Es gilt die Unterbrechung von
Wertschöpfungsketten zu verhindern. Durch die Internationalisierung von Güterströmen haben Extremereignisse oft
Auswirkungen auf ganze Logistiknetzwerke. Vor diesem Hintergrund besteht auch die Notwendigkeit, globale
Sicherheitsstandards zu definieren. Ein Beispiel hierfür ist der ISPS-Code (International Ship and Port Facility Security
Code), der als Maßnahme für die Gewährleistung der Gefahrenabwehr und Sicherheit im Schiffverkehr und von
Hafenanlagen eingeführt wurde und ein verbindlicher Ansatz ist.
56
Eine zunehmende Auseinandersetzung von
52
Vgl. Kraftfahrtbundesamt 2018
53
Vgl. Kraftfahrtbundesamt 2018
54
Vgl. DHL Customer Solutions & Innovation 2018/19, S. 27
55
Vgl. Statista GmbH 2018c
56
Vgl. Transport Information Service 2019

image
21
Unternehmen mit Volatilität gehört ebenso zu einem erfolgreichen Risikomanagement.
57
So beschäftigt sich z. B. das
Forschungsprojekt KlimaLogis in Osnabrück mit der Entwicklung von Klimaanpassungsmaßnahmen für die
Logistikbranche.
58
Staatliche und zwischenstaatliche Gesetze und Vereinbarungen, ebenso wie Sanktionen, können
ebenfalls die Mengenvolatilität von Güterströmen beeinflussen.
11,3 Mrd. EUR
betrug der wirtschaftliche Schaden infolge des
Hochwassers 2013 in Deutschland.
59
Risiken, Chancen, Herausforderungen und Potenziale der (Mega-)Trends für
die sächsische Logistikwirtschaft
Die sächsische Logistikwirtschaft ist geprägt durch einen Großteil an kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die
Logistikdienstleistungen für die ansässige Industrie anbieten. Im Rahmen der Befragung wurden sowohl die
Logistikdienstleister als auch die verladenden Unternehmen zu den oben vorgestellten Trends befragt. Die
Unternehmen bewerteten die Trends hinsichtlich der Relevanz für ihren Geschäftsbereich in den nächsten fünf
Jahren und benannten Anpassungsstrategien des Unternehmens für den jeweiligen Trend. Alle dargestellten
(Mega-)Trends der Logistik wurden durch die in der Studie befragten Unternehmen als relevant für die
Logistikwirtschaft im Freistaat Sachsen eingeschätzt. Trotzdem zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den
einzelnen Trends. Zudem wird eine starke Diskrepanz zwischen der gefühlten Beeinflussung der Unternehmen durch
logistische Trends und deren tatsächliche Anpassung an diese Veränderungen sichtbar. Die Ergebnisse werden im
Folgenden gegenübergestellt.
Über 80 % der befragten Unternehmen im Freistaat Sachsen bestätigen, dass vor allem der Trend der Digitalisierung
der Geschäftsprozesse ihr Unternehmen in den kommenden fünf Jahren stark oder sehr stark beeinflussen wird.
Demgegenüber ist die Relevanz von weiteren Technologien in der Logistik von geringerer Bedeutung für sächsische
Unternehmen. 35 % der Befragten schätzen, dass der Trend des Autonomen Fahrens ihr Unternehmen in den
nächsten fünf Jahren stark beeinflussen wird, 24 % halten den Trend der Robotik für stark relevant und nur 10 %
der Befragten sehen die Technologie des 3D-Drucks als stark relevant für ihr Unternehmen an (siehe Abbildung 4).
Abbildung 4: Relevanz endogener Technologie-Trends für die sächsische Logistikwirtschaft
57
Vgl. Schwemmer 2018, S. 7
58
Vgl. Hochschule Osnabrück 2019
59
Vgl. Centre for Research on the Epidemiology of Disasters 2016
2%
9%
8%
49%
8%
15%
27%
34%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
3D-Druck
Robotik
Autonomes Fahren
Digitalisierung
sehr stark
stark
n=98
Quelle: Eigene Erhebung

22
Die Relevanz der vorherrschenden exogenen gesellschaftlichen Trends in der Logistik wird von den befragten
Unternehmen als sehr hoch eingeschätzt. Annähernd die Hälfte aller befragten Akteure bestätigen, dass die exogenen
Trends ihr Unternehmen in den kommenden fünf Jahren stark oder sehr stark beeinflussen werden. Nur die Relevanz
des Trends der Diversifizierung nimmt gegenüber den anderen stark ab, lediglich 30 % der Befragten sehen ihr
Unternehmen künftig durch diese Entwicklung beeinflusst.
Abbildung 5: Relevanz exogener Trends für die sächsische Logistikwirtschaft
Weiterhin zeigt sich, dass zusätzlich zu den dargestellten (Mega-)Trends der Logistik die gesetzlichen
Rahmenbedingungen für Unternehmen in Sachsen künftig eine große Rolle spielen. Unter anderem sind
Gesetzgebungen für Arbeitszeiten relevant und auch Umweltrestriktionen, wie z. B. das Dieselfahrverbot, wirken sich
auf die künftige Entwicklung der Unternehmen aus. Diese Sicht korrespondiert mit der Aussage der Akteure, dass ihr
Unternehmen in den nächsten fünf Jahren stark durch den Trend der Nachhaltigkeit beeinflusst wird. Insgesamt
zeigt sich eine starke Diskrepanz zwischen dem Bewusstsein für die Relevanz der Trends der befragten Unternehmen
im Logistikmarkt und der Entwicklung von Anpassungsstrategien an diese, wie die folgenden Zahlen belegen:
Nur 6 % der Befragten, die der Ansicht sind, dass der Trend der Digitalisierung ihr Unternehmen künftig sehr stark
oder stark beeinflussen wird, haben bereits Anpassungsstrategien entwickelt. Diese Tendenz setzt sich für die
anderen Trends fort. Nur 1 % der Befragten, die ihr Unternehmen künftig durch den Trend der Nachhaltigkeit
beeinflusst sehen, hat sich bereits angepasst, die gleiche Anzahl gilt für den Trend der Demografie. Die Anpassung
an neue Risiken betreibt ebenfalls ein sehr geringer Anteil, ebenso wie an die 3D-Druck-Technologie. Der Anteil der
befragten Unternehmen, die diesen Trend für relevant halten und Anpassungsstrategien entwickelt haben, ist für die
3D-Druck-Technologie am höchsten. Allerdings ist die Gesamtanzahl der Unternehmen, die diesen Trend überhaupt
für relevant halten im Vergleich zu den anderen Trends am niedrigsten; lediglich 10 der befragten Unternehmen
sehen sich durch den 3D-Druck in den nächsten fünf Jahren beeinflusst.
Auf Grundlage der dargestellten Ergebnisse der Befragung zeigt Abbildung 6 die aus den (Mega-)Trends der Logistik
resultierenden Risiken, Chancen, Herausforderungen und Potenziale für die sächsische Logistikwirtschaft. Die
Potenziale und Herausforderungen werden durch unternehmensinterne Ressourcen beeinflusst, die Chancen und
Risiken hingegen ergeben sich aus dem externen Umfeld des Logistikmarktes. Die Einschätzungen in den jeweiligen
7%
17%
22%
26%
27%
34%
23%
32%
32%
21%
50%
40%
0%
20%
40%
60%
80%
100%
Diversifizierung
Verknüpfung von Produktion und
Dienstleistung
Informationsgesellschaft
Neue Risiken
Nachhaltigkeit
Demografie
sehr stark
stark
n=98
Quelle: Eigene Erhebung
Anteil der befragten Unternehmen, die diesen Trend für relevant halten und
Anpassungsstrategien entwickelt haben
6 %
1 %
3 %
2 %
10 %
Digitalisierung
Nachhaltigkeit
Demografie
Neue Risiken
3D-Druck

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23
Feldern basieren auf den vorangegangenen Ausführungen. Anschließend wird die Entwicklung der logistischen
Trends in Deutschland der Relevanzeinschätzung und Anpassung der sächsischen Unternehmen gegenübergestellt.
Abbildung 6: Potenziale, Herausforderungen, Risiken und Chancen durch die (Mega-)Trends
Ein vorhandenes Potenzial, für das sächsische Unternehmen im Logistikmarkt Ressourcen besitzen, ist die
Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Als Anpassung an den Trend der Digitalisierung werden vermehrt
Informationsflüsse digitalisiert und neue Softwarelösungen eingeführt. Ein großer Vorteil liegt auch in der
Automatisierung von relevanten Logistikprozessen. Damit wird der Marktanschluss vor allem hinsichtlich von
Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerung sichergestellt. Andererseits bedeutet die Digitalisierung von
Unternehmensprozessen hohe Kosten für eine Erstinvestition, die insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen
(KMU) schwierig aufzubringen sind. Ein weiterer kostenintensiver Posten ist das hierfür benötigte Personal. Dies
stellt eine entscheidende Herausforderung dar. Weiterhin zeigt sich, dass in Trend-Technologien wie das Autonome
Fahren, die Robotik und der 3D-Druck wenig investiert wird. Diese Technologien sind zwar nicht relevant für alle
Unternehmen, besitzen jedoch eine sehr große Bedeutung für den allgemeinen Logistikmarkt in den nächsten Jahren.
Während der Trend der Robotik in den nächsten fünf Jahren besonders relevant sein wird, werden die Auswirkungen
der Technologien des Autonomen Fahrens und des 3D-Drucks erst nach einer längeren Zeitspanne deutlich spürbar
werden (relevant in über fünf Jahren)
60
. Folglich stehen Unternehmen der sächsischen Logistikwirtschaft aktuell vor
allem vor der Herausforderung, in den nächsten Jahren die Robotik gewinnbringend in ihre Geschäftsmodelle und
Unternehmensabläufe zu integrieren. Um den Anschluss der Logistikunternehmen an den bundesweiten Markt zu
60
Vgl. DHL Customer Solutions & Innovation 2018/19
Effizienzsteigerung durch
Digitalisierung/Automatisierung von Prozessen
Weiterbildungsstrategien für
Logistikfachkräfte ausbauen und
transferieren
Potenziale
Hohe Investitionskosten für Trend-
Technologien der KMU
Wettbewerbsfähigkeit durch
Investitionen in die Robotik erhalten
Herausforderungen
Nachhaltige Tourenoptimierung
(bspw. Paarigkeit, Last Mile Logistic)
Wettbewerbsvorteile durch
Endkundenorientierung sichern
Chancen
Anpassung an die Individualisierung der
Kundenanforderungen
Politische Unsicherheiten
Risiken
Fehlen neuer Geschäftsmodelle
beeinflusst durch interne Ressourcen
beeinflusst durch externe Faktoren

24
gewährleisten, sollte das Optimierungspotenzial von Automatisierungsprozessen für die Logistik verdeutlicht werden,
z. B. in Form von Best-Practice-Ansätzen.
Ein weiteres Potenzial, das sich in der Befragung der Logistikakteure zeigt, ist das große Problembewusstsein für die
Folgen des Demografischen Wandels. Dies gilt insbesondere hinsichtlich des künftigen Bedarfs an qualifizierten
Fachkräften. Hauptsächlich wird in die unternehmensinterne Weiter- und Ausbildung von Fachkräften investiert, um
möglichen (oder bereits bestehenden) Personalengpässen entgegen zu wirken. Durch Wissenstransfer zwischen den
Unternehmen können Weiterbildungsstrategien auf ganze Marktbereiche übertragen werden. Dennoch sollte dies
nicht die einzige Strategie sein, um dem demografischen Wandel zu begegnen. Künftig wird es immer wichtiger,
neue (internationale) Mitarbeiter für sächsische Unternehmen zu gewinnen, um Vakanzzeiten zu verhindern. Hier
fehlen aktuell sichtbare Strategien und Umgangsweisen. Zukünftig werden auch unternehmensübergreifende
Initiativen und Strategien zur Fachkräftegewinnung für die Logistikbranche in Sachsen wichtiger werden.
Die Befragung zeigt, dass sich Unternehmen zunehmend an gesetzliche Umweltrestriktionen anpassen. Folglich
entwickeln sie verstärkt „Grüne
Logistik“-Lösungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dies stellt eine Chance für die
Logistikwirtschaft dar, Prozesse nachhaltiger zu gestalten. Weiterhin werden die Optimierung von Transporten (bspw.
Paarigkeit) und das Recycling von Produkten wichtiger. Besonderes Innovationspotenzial bietet hier die Einführung
von neuen Geschäftsmodellen auf der letzten Meile, wie zum Beispiel Mikro-Depots, oder die Nutzung alternativer
Antriebe für die Zulieferer-Logistik. Diese Entwicklung in der Logistikwirtschaft könnte z. B. durch einen
Wissenstransfer künftig weiter forciert werden.
Der Anstieg des Online-Handels bietet Chancen für Logistikunternehmen, sich auf Logistikprozesse wie bspw. die
„Same-Day-Delivery“
zu
spezialisieren und damit den Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Unternehmen
auszubauen. Ebenso eine Chance für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit bietet die Verknüpfung von Produktion
und Dienstleistung. Konkrete Anpassungsstrategien wurden laut der Befragung zwar nicht entwickelt, der hohe
Outsourcing-Anteil der verladenden Industrie an Logistikdienstleister im Freistaat Sachsen zeigt allerdings, dass viele
Unternehmen diesem Trend in der Praxis bereits entsprechen. Durch Konzepte
wie die
„Just-in-time-
Produktion“ werden die individualisierten Leistungen von Dienstleistern im Logistikmarkt immer wichtiger. Dem
gegenüber steht das Risiko, dass sächsische Logistikunternehmen den immer weiter zunehmenden individuellen
Kundenanforderungen, z. B. durch ein Fehlen der notwendigen Technologien, nicht mehr gerecht werden können
und gegenüber anderen Logistikunternehmen zurückfallen.
Politische Unsicherheiten beeinflussen auch die Aktivitäten der sächsischen Logistikunternehmen. Die Untersuchung
hat gezeigt, dass die Unternehmen ihre Internationalisierungsstrategien daran ausrichten und somit nicht
unabhängig von politischen Rahmenbedingungen gestalten. Das birgt die Gefahr, dass Investitionen durch die
Logistikwirtschaft in internationale Märkte, die von politischen Sanktionen und Unsicherheiten betroffen sind,
zukünftig gehemmt werden. Die befragten Unternehmen sehen sich beeinflusst durch die Sanktionen in Russland
und durch politische Unsicherheiten, wie zum Beispiel in den USA oder im Iran. Der Einfluss des Freistaates Sachsen
auf diese Entwicklungen ist begrenzt, es gilt aber mögliche Risiken und ihre Auswirkungen mit größtmöglicher
Transparenz an die ansässige Wirtschaft zu kommunizieren.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die befragten Unternehmen sich vor allem durch die Trends der
Digitalisierung, der Nachhaltigkeit und der demografischen Entwicklung in den nächsten fünf Jahren beeinflusst
sehen (zu je über 70 %). Die sozialen und geschäftlichen Trends werden gegenüber den technologischen Trends als
relevanter eingeschätzt, eine Ausnahme bildet hierbei die Digitalisierung. Dieser Trend wird mit Abstand als am
relevantesten angesehen. Die hohe Relevanz dieser drei genannten Trends liegt darin begründet, dass deren
Auswirkungen bereits spürbar sind und viele Unternehmen direkt betreffen. Die Umsetzung digitaler Lösungsansätze,
die Anpassung an immer stärkere Umweltrestriktionen und der Fachkräftemangel sind Themen, mit denen sich jedes
Unternehmen derzeit auseinandersetzt. Die technologischen Trends (3D-Druck und Autonomes Fahren) werden als
weniger relevant angesehen, da sie größtenteils erst in mehr als fünf Jahren in der Wirtschaft spürbar verankert sein
werden
61
und sich die Technologien oftmals noch in der Erprobungsphase befinden.
Im Allgemeinen zeigt sich eine starke Diskrepanz zwischen der Einschätzung der Relevanz der Trends und der
Entwicklung von Anpassungsstrategien auf Unternehmensseite. Während viele der Trends von über 50 % der
Befragten als relevant eingestuft werden, existieren nur begrenzt Anpassungsstrategien in den Unternehmen. Als
Grund hierfür ist zu vermuten, dass das Potenzial für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, das in den Trends
61
Vgl. DHL Customer Solutions & Innovation 2018/19, S. 15

image
25
steckt, insbesondere bei KMU nur bedingt gesehen wird. Abhilfe könnten
sog. „Use Cases“ von neuen
Technologien
in Unternehmen schaffen, ebenso wie das Zusammenbringen von Start-ups und Industrieunternehmen,
insbesondere KMU. Diesbezüglich besitzen der Smart Systems Hub Dresden und der Smart Infrastructure Hub Leipzig
ein sehr hohes Innovationspotenzial.
2.4. Teilmärkte der Logistikwirtschaft
Segmentierung der logistischen Teilmärkte
Die dargestellten Teilmärkte der sächsischen Logistikwirtschaft gehen auf eine Segmentierung der Logistikteilmärkte
in Deutschland nach Schwemmer
62
zurück. Jährlich wird in den „TOP
100 der
Logistik“ die Umsatzstärke der 13
Teilmärkte in Deutschland dargestellt. Ausgehend von der Definition der Marktbereiche und -segmente nach
Schwemmer wurden die Teilmärkte der Logistikwirtschaft für den Freistaat Sachsen untersucht. Die dargestellten
Teilmärkte sind nach Hauptumschlaggüter, Transportmittel und Sendungsgewicht segmentiert. In Tabelle 2 werden
die Segmentierungskriterien der Marktbereiche und -segmente zusammenfassend dargestellt. Zusätzlich werden im
Folgenden die Charakteristika der einzelnen Teilmärkte beschrieben.
Bezeichnend für den einzigen Teilmarkt des Marktbereichs
„Bulk“-Logistik, die
Massengutlogistik inklusive der
Binnenschifffahrt,
ist der Transport durch Ganzzugverkehre oder Binnenschiffe von hohen Volumina, die mehr als
eine LKW- bzw. Waggonladung umfassen. Des Weiteren zählen Baustellenverkehre und Pipeline-Versorgungen zu
diesem Marktbereich. Die transportierten Güter umfassen Kohle, Steine, Erdöl und Erdgas, land- und
forstwirtschaftliche Produkte wie Getreide, Zuckerrüben, Holz oder Futtermittel, Recycling-Güter sowie Bau-
Erdbewegungen. Entsprechend bestimmen die Branchen Energie, Bau sowie Land und Forst die Nachfrage. Aufgrund
der individuellen Anforderungen der Transportgüter besteht ein hoher Spezialisierungsgrad der Logistikdienstleister.
Als erster von fünf Teilmärkten des Marktbereichs „Landverkehre“ umfassen
die allgemeinen, landgebundenen
Ladungsverkehre
den Transport von abgepackten, nicht stapelbaren Gütern mit einem Gewicht von über 2,5 Tonnen
der Metallindustrie, Bauindustrie sowie dem Ernährungsgewerbe mit nicht-spezialisierten Standard-Bahnwaggons,
LKW mit Standard-Planenaufbau, Kastenaufbau oder Standard-Containern und Wechselbrücken. Hauptnachfrager
sind die Branchen Metall/Maschinen und Lebensmittel. Hier bestimmen unterschiedliche Geschäftsmodelle die
Marktstruktur: depotgebundene Ladungsverkehre, Trampverkehr,
„Contract Hire“ bzw. „Dedicated Truckload“,
„Advanced Truckload Firms“ sowie der kombinierte Verkehr.
Während große Anbieter dabei auf ihre umfassenden
Netzwerkkenntnisse und -zugänge zurückgreifen können, bringen kleine Frachtführer ihre regionalen bzw. lokalen
Ortskenntnisse ein und versuchen sich auf diese Weise sowie durch ihre höhere Flexibilität am Markt erfolgreich zu
positionieren. Mehr als die Hälfte der Betriebe bietet außerdem Lösungen im Bereich der Kontraktlogistik an (siehe
Teilmarkt 8).
Im Vergleich zu der Marktsegmente-Systematik nach Schwemmer werden die Teilmärkte spezielle Ladungsverkehre,
Krandienste für schwere Güter und Ladungsverkehre mit sonstigem speziellem Equipment hier nicht getrennt,
sondern zusammenfassend dargestellt, da die betreffenden sächsischen Unternehmen häufig in beiden der
genannten Teilmärkte tätig sind. Der heterogene Teilmarkt der
speziellen Ladungsverkehre, Schwertransporte und
Ladungsverkehre mit sonstigem speziellen Equipment
wird bestimmt durch komplexe Projektgeschäfte, in deren
Rahmen Bauteile aus Kraftwerken, Windkraftanlagen oder Fabriken, Fahrzeuge, Module, Stoffe und Maschinen für
die Bauwirtschaft oder Module des Anlagen- bzw. Maschinenbaus mit Hilfe spezieller Fahrzeuge wie Tiefladern,
schweren Zugmaschinen oder Mobilkränen transportiert werden. Die Sendungsgewichte liegen dabei jeweils über
2,5 Tonnen. Weiterhin gehören die Fertigautomobillogistik, die Jumbo-Sperrgutlogistik, Entsorgungstransporte sowie
der Transport von Fertig-Beton, Langmaterialien, Vieh, Stahl-Coils, Papierrollen und Flachglas zum Portfolio. Hinzu
kommen oftmals Mehrwertdienstleistungen wie die Abwicklung von Projektgeschäften oder das Einholen von
Genehmigungen für Transporte mit Übermaßen sowie die Organisation von Transporten mit polizeilicher Begleitung.
Die mit Abstand meisten Aufträge kommen hier aus dem Bereich Metall bzw. Maschinen. Ein weiterer großer
Nachfrager ist die Baubranche.
62
Vgl. Schwemmer 2018, S. 67ff.

26
Der dritte Teilmarkt der Landverkehre, die
speziellen Ladungsverkehre für Flüssig- und Schüttgüter
, umfasst den
Transport flüssiger, gas- und staubförmiger Gefahrgüter oder von Gütern mit besonderen hygienischen
Anforderungen wie verarbeitete Mineralölprodukte, Chemieprodukte, Zement, Getreide sowie flüssige oder
rieselfähige Lebensmittel mit Tank-, Silo- oder anderen Behälterkonstruktionen. Der Nachfragemarkt setzt sich aus
den Branchen Mineralöl, Chemie und Lebensmitteln zusammen. Die Ladungsvolumina betragen meist über 2,5
Tonnen. Zunehmende Mehrwertleistungen der Logistikdienstleister sind im Rahmen der Transporte bspw. das
Durchführen von Tankreinigungen sowie die Bereitstellung von Pump- und Messeinrichtungen oder das Handling
von Gefahrengut.
Ebenfalls den Landverkehren zuzuordnen ist das Marktsegment der
allgemeinen Stückgutverkehre
mit
standardisierten Transportprozessen von individuell etikettierten, abgepackten und stapelbaren Gütern mit einem
Gewicht von bis zu 2.500 kg aus der Ernährungsindustrie sowie der Chemie- und Zulieferindustrie, die keine
besonderen Anforderungen haben. Der Prozess
beginnt mit der regionalen Abholung, dem sogenannten
„Pick-Up“,
es folgen Sortierungsprozesse im Abgangsdepot sowie eventuelle Zwischenumschläge in Hubs. Auf den gebündelten
Fernverkehrstransport und die Sortierung im Empfangslager folgt letztlich die regionale Endauslieferung bzw.
„Delivery“. Als größte Nachfragerbranchen treten
Metall-/Maschinenbauindustrie sowie Lebensmittel- und
Baubranche auf.
Im heterogenen Teilmarkt der
speziellen Stückgutverkehre, bzw. Stückgut-Netzwerktransporte und Mehrwert-
dienstleistungen für spezielle Güter,
werden projektorientierte Transport- und Logistikgeschäfte in den Bereichen
High-Tech-Logistik, Messe- und Event-Logistik, Umzugs- und Neumöbellogistik sowie Transporte von hängenden
Kleidern und Geldtransporte durchgeführt. Die Fahrzeuge sind dabei vorwiegend mit gepolsterten bzw. geschützten
Innenräumen ausgestattet. Hauptumschlagsgüter sind entsprechend unverpackte oder sehr leicht verpackte
Computer- und Telekommunikationsgeräte, medizinische Geräte, Messe- und Eventrequisiten, Ausstellungsobjekte,
Einrichtungsgegenstände oder hängende Kleider. Als Nachfrager treten hier Kleinbetriebe, der öffentliche Sektor
sowie die Branchen Elektronik, Wohnen und Freizeit auf. Mehrwertdienstleistungen bestehen dabei aus dem Befüllen
von Selbstbedienungsanlagen (z. B. mit Geld) und der kontinuierlichen Aktualisierung der Software sowie aus
handwerklichen und planerischen Leistungen. Die abweichenden Anforderungen der ungleichen Güter bedingen eine
hohe Spezialisierung der Anbieter in diesem Marktsegment.
Der Marktbereich der Kontraktlogistik, d. h. der handlingbedürftigen Industrie- und Konsumgüterlogistik, umfasst
zunächst den Teilbereich der
Konsumgüterdistribution und -kontraktlogistik inklusive temperaturgeführter
Transporte („Consumer Contract
Logistics“).
Hierbei geht es um die Distribution von Konsumgütern von
Produktions- bzw. Zentrallagern an Lagerstandorte, Ladengeschäfte, gastronomische Betriebe sowie private
Haushalte. Kartonierte und palettisierte Stapelware mit erhöhten Hygiene- und Sauberkeitsanforderungen werden
mit Bezug auf die EAN-Codes transportiert. Das umschließt alle Güter des täglichen Gebrauchs bzw. des
Einzelhandels wie Lebensmittel, Getränke und Non-Food, Bücher, CDs, Bekleidung, Unterhaltungselektronik,
elektrische Haushaltsgeräte oder Baumarktbedarf. Auch ein breites Spektrum an Mehrwertdienstleistungen
kennzeichnet diesen Marktbereich, ein Beispiel hierfür ist die partielle Kontrolle der Produktionschargen auf
Mindesthaltbarkeitsdaten. Entsprechend divers zeigen sich auch die Nachfragerbranchen: Neben dem mit Abstand
größten Nachfrager, der Lebensmittelbranche, treten auch die Branchen Chemie, Land und Forst, Bau, Bekleidung,
Elektronik, Mineralöl, Metall/Maschinen, Holz/Glas/Kunststoff sowie Wohnen und Freizeit als Kunden auf.
Als industrielle
Kontraktlogistik bzw. Produktions-
und Ersatzteilversorgungslogistik
(„Industrial Contract
Logistics“)
des Marktbereichs der Kontraktlogistik gelten Transporte von Stückgütern und (Teil-)Ladungen im
Materialeingang, von unverpackten industriellen Erzeugnissen und Ersatzteilen im Fertigprodukte-Ausgang sowie
B2B-Abwicklungen verarbeitender Industrien. Beispiel hierfür sind die Just-in-time- oder On-demand-Lieferungen,
die durch Value-Added-Leistungen wie Montage- und Konfektionieraufgaben ergänzt werden. Besonders
konzernnahe Dienstleister weisen einen hohen Spezialisierungsgrad auf, andere Anbieter präsentieren sich
unterdessen breit aufgestellt. Charakteristische Nachfragebranchen dieses Marktsegments stammen aus dem
Automobil-, Metall- und Maschinen-, Holz/Glas/Kunststoff-, Chemie- und Lebensmittelbereich.
Im Marktbereich der Standortlogistik beschreibt das Marktsegment der
Terminaldienste und der Lagerei-,
Umschlags- oder sonstigen auf Terminals bezogenen Mehrwertdienstleistungen
(„Terminal Operations“)
die
standortgebundenen Logistikprozesse, Terminalaktivitäten und offenen Lagerhausbetreiber, die nahezu alle Güter
inklusive der Im- und Exportgüter umfassen. Weiterhin gehören der Betrieb von Tankfarmen, Siloanlagen und Klein-

27
und Kleinstlagern dazu. Subsegmente des Teilmarkts sind dabei die See-, Binnen- und Flughafenterminals.
Entsprechend der divergenten Güterstruktur stammen die Kundengruppen aus verschiedenen Branchen wie
Mineralöl, Energie, Lebensmittel, Chemie, Land und Forst, Automobil, Bau, Holz/Glas/Kunststoff sowie Metall und
Maschinen.
Der Marktbereich und gleichzeitig Teilmarkt der Paket-, echten Kurier- sowie spezialisierten Expressdienste
kurz
KEP
mit den Subsegmenten der Standardpaketdienste, Expressdienste und Kurierdienste beinhaltet den Transport
geringgewichtiger Sendungen aus dem Versandhandelssortiment sowie den Bereichen Ersatzteile und
Verbrauchsgüter der Produktion bis zu 32 kg. Nachfrager sind Kleinbetriebe und der öffentliche Sektor, weiterer
Bedarf nach Leistungen des KEP-Segments besteht unter anderem in der Lebensmittelbranche. Auftraggeber sind
vor allem Versandhändler und Direktvertriebsunternehmen (B2B und B2C). Weiterhin fallen auch Sendungen von
Privatpersonen an andere Privatpersonen (C2C) und Retoursendungen (C2B) in diesen Teilmarkt.
In den Marktbereich der internationalen Transport- und Logistiksysteme
(„International Forwarding“) fällt zunächst
der Teilmarkt der
Seefracht („Ocean
Freight“),
zu dem die Container- und Bulk-Schifffahrt sowie Reederei- und
internationale Seehafenspeditionsdienstleistungen gehören. In (möglichst) vollausgelasteten Frachträumen werden
Container mit hohen Sendungsvolumina transportiert. Hauptumschlagsgüter kommen aus der verarbeitenden
Industrie sowie der Land- und Forstwirtschaft. Als Hauptauftraggeber treten hier die exportierenden Branchen wie
Chemie, Holz/Glas/Kunststoff und Lebensmittel auf. Weitere Nachfrager sind Kleinbetriebe und der öffentliche Sektor.
Das zweite Marktsegment der internationalen Transport- und Logistiksysteme ist die
Luftfracht („Air
Freight“).
Im
Gegensatz zur Seefracht werden durch begrenzte Aufnahmefähigkeiten der Flugzeuge in diesem Teilmarkt nur
geringe Volumina transportiert. Neben den klassischen Frachtflugzeugen bzw. Cargo-Maschinen werden Sendungen
unter anderem auch als
„Belly-Freight“
mit Linienflügen verschickt. Ein großes
Kundensegment kommt aus den
Branchen Elektronik, Metall und Maschinen sowie Chemie, da diese Branchen oftmals auf zeitkritische Sendungen
angewiesen sind (bspw. in der Produktions- und Ersatzteilversorgung). Aber auch der Transport von leicht
verderblichen Lebensmitteln oder Blumen hat sich für die Luftfracht zu einem bedeutenden Marktbereich entwickelt.
Charakteristisch für die Luftfracht ist das Bilden von Allianzen und Partnern, da die meisten Spediteure ohne eigene
Assets am Markt agieren.

28
Tabelle 2: Beschreibung der Marktsegmente
63
Marktbereich
Teilmarkt
Hauptumschlagsgüter
Transport(mittel)
Sendungsgewichte in
Tonnen
„Bulk"-Logistik
Massengutlogistik (Bulk, inkl.
Binnenschifffahrt)
Kohle, Steine, Erden, Erdöl und Erdgas, in
Massen geerntete land- und
forstwirtschaftliche Produkte, Recycling-
Güter, Bau-Erdbewegungen
Ganzzugverkehre, Binnenschifffahrt,
Pipelineversorgung, Baustellenverkehre
hohe Volumen (in
Mengen größer als eine
LKW-/Waggonladung)
Landverkehre -
Ladungsverkehre
Allgemeine Ladungsverkehre
landgebunden (FTL)
abgepackte, stapelbare Güter
nicht-spezialisierte Standard-Bahnwaggons,
LKW mit Standard-Planenaufbau,
Kastenaufbau oder Standard-Containern und
Wechselbrücken
> 2,5 Tonnen
Spezielle Ladungsverkehre,
Krandienste für schwere Güter
(Schwertransporte, Heavy Lift),
Ladungsverkehre mit sonstigem
speziellem Equipment (other
specific FTL)
Teile aus Kraftwerken, Windkraftanlagen
oder Fabriken, Fahrzeuge, Module für die
Bauwirtschaft sowie des Anlagen - oder
Maschinenbaus
spezielle Fahrzeuge: Tiefladefahrzeuge,
schwere Zugmaschinen, Mobilkräne und
Fertigautomobillogistik, "Jumbo"-
Sperrgutlogistik, Entsorgungstransporte,
Transport von Fertig-Beton, Langmaterialien,
Vieh, Stahl-Coils
> 2,5 Tonnen
Spezielle Ladungsverkehre für
Flüssig- und Schüttgüter (Tank
& Silo)
flüssige, gas- und staubförmige
Gefahrgüter oder Güter mit besonderen
hygienischen Anforderungen
Tank-, Silo- und andere
Behälterkonstruktionen
> 2,5 Tonnen
63
Vgl. Schwemmer, 2018, S. 73 ff.

29
Marktbereich
Teilmarkt
Hauptumschlagsgüter
Transport(mittel)
Sendungsgewichte in Tonnen
Landverkehre -
Stückgutverkehre
Allgemeine Stückgutverkehre
(LTL)
individuell etikettierte, abgepackte,
stapelbare Güter, die keine besonderen
Anforderungen haben
regionale Abholung (Pick-up) - Sortierung in
Abgangsdepot - (Zwischenumschläge in
Hubs -) gebündelte Fernverkehrstransporte -
Sortierung im Empfangsdepot - regionale
Endauslieferung (Delivery)
32 kg - 2,5 Tonnen
Spezielle Stückgutverkehre -
Stückgut-
Netzwerktransporte und
Mehrwertdienstleistungen
für spezielle Güter (High-
Tech, Events, Neumöbel, etc.)
- (Dedicated Networks)
unverpackte bzw. sehr leicht verpackte
Computer- und
Telekommunikationsgeräte,
medizinische Geräte, Messe- und
Eventsrequisiten, Ausstellungsobjekte,
Einrichtungsgegenstände, hängende
Kleider
projektorientierte Transport- und
Logistikgeschäfte: High-Tech-Logistik,
Messe- und Event-Logistik, Umzugs- und
Neumöbellogistik, Transport hängender
Kleider, Geldtransporte hauptsächlich in
Transportern mit gepolsterten und
geschützten Innenräumen
32 kg - 2,5 Tonnen
Kontraktlogistik -
Handlingbedürftige
Industrie- und
Konsumgüterlogistik
Industrielle Kontraktlogistik,
Produktions- und
Ersatzteilversorgungslogistik
(Industrial Contract
Logistics)
Stückgüter und (Teil-)Ladungsgüter im
Materialeingang, unverpackte
industrielle Erzeugnisse und Ersatzteile
im Fertigprodukte-Ausgang
Just-in-time und On-demand
divers
Konsumgüterdistribution
und -kontraktlogistik
inklusive
temperaturgeführter
Transporte (Consumer
Contract Logistics)
kartonierte und palettisierte Stapelware
mit erhöhten Hygiene- und
Sauberkeitsanforderungen
Distribution von Produktion/Zentrallagern an
Lagerstandorte, Ladengeschäfte,
Gastronomie, private Haushalte unter Bezug
auf EAN (teilweise Kontrolle der
Produktionschargen auf MHD)
divers

30
Marktbereich
Teilmarkt
Hauptumschlagsgüter
Transport(mittel)
Sendungsgewichte in Tonnen
Standortlogistik
Terminaldienste, Lagerei-,
Umschlags- und sonstige
auf Terminals bezogene
logistische
Mehrwertleistungen
(Terminal Operations)
nahezu alle Güter, Im- und Export-
Güter, Tankfarmen, Siloanlagen, Klein-
und Kleinstlager von Büros und
Gewerbeimmobilien
standortgebundene Logistikprozesse,
Terminalaktivitäten, offene
Lagerhausbetreiber
divers
KEP
KEP - Paket, echte Kurier-
und spezialisierte
Expressdienste (Courier,
Express, Parcels)
Versandhandelssortiment, Ersatzteile,
Verbrauchsgüter der Produktion
divers
< 32 kg
International
Forwarding -
Transport- und
Logistiksysteme
international
Seefracht (Ocean Freight)
Güter aus der verarbeitenden Industrie,
Land- und Forstwirtschaft
(hauptsächlich Export-Güter)
Container- und Bulkschifffahrt, Reederei-
und internationale
Seehafenspeditionsdienstleistungen
hohe Volumen (Container)
Luftfracht (Air Freight)
Güter aus zeitkritischen Sendungen
(Produktionsversorgung,
Ersatzteilversorgung, verderbliche
Waren: Lebensmittel, Blumen)
Cargo-Maschinen und Belly-Fracht
geringe Volumen

image
31
Übersicht der Teilmärkte im Freistaat Sachsen
Die Umsatzanteile der jeweiligen Teilmärkte am Logistik-Gesamtumsatz im Freistaat Sachsen sind unterschiedlich
hoch. In Deutschland sind laut den TOP 100 der Logistik im Jahr 2017 die „industrielle Kontraktlogistik“ und die
„Konsumgüterdistribution und -kontraktlogistik“ am umsatzstärksten. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt wird
der Umsatzanteil des Teilmarktes
der „industriellen Kontraktlogistik“ und der „Luftfracht“ am Gesamtumsatz der
Logistik im Freistaat Sachsen höher geschätzt. Insbesondere die ansässige Automobilindustrie und der DHL Hub am
Flughafen Leipzig/Halle sind der Grund für eine überdurchschnittliche Repräsentanz der beiden Teilmärkte. Aufgrund
dieser regionalen Spezifika kann davon ausgegangen werden, dass sowohl in der industriellen Kontraktlogistik als
auch in der Luftfracht im Freistaat Sachsen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt prozentual mehr Umsatz
erwirtschaftet wird. Auch der Anteil des Teilmarktes der
„Paket, echte Kurier- und
spezialisierte Expressdienste“ (KEP)
am Logistikgesamtumsatz in Sachsen ist aufgrund des vergleichsweise hohen regionalen KEP-Sendungsvolumens
im Vergleich zu Deutschland leicht erhöht. Einer Studie des Bundesverbands Paket & Express Logistik zufolge betrug
die Anzahl der KEP-Sendungen in Sachsen im Jahr 2016 130 Mio.
64
Abbildung 7 zeigt die Verteilung der logistischen
Teilmärkte im Freistaat Sachsen gemessen am anteiligen Umsatz.
Abbildung 7: Verteilung der logistischen Teilmärkte im Freistaat Sachsen (Anteil am Gesamtumsatz der Logistik; Schätzwerte)
64
Vgl. Bundesverband Paket & Express Logistik BIEK 2018, S. 2
Massengutlogistik
(Bulk) inkl.
Binnenschiffahrt
4,0%
Ladungsverkehre
landgebunden (FTL)
9,7%
Spezielle
Ladungsverkehre (mit
sonst. spez.
Equipment),
Krandienste für
schwere Güter
4,9%
Spezielle
Ladungsverkehre für
Flüssig- und
Schuttgüter
3,1%
Stückgutverkehre
(LTL)
4,3%
Stückgut-
Netzwerktransporte &
Mehrwertdienstleistungen
für spezielle Güter
3,0%
Konsumgüterdistribution
und -kontraktlogistik
11,2%
Industrielle
Kontraktlogistik
31,0%
Terminaldienste,
Lagerei
8,6%
KEP
8,1%
Seefracht
5,1%
Luftfracht
7,0%
Quelle: In Anlehnung an die Marktsegmente-Systematik von Schwemmer, eigene Erhebungen

image
32
Tabelle 3 stellt die ermittelten Anteile der Marktsegmente am Gesamtumsatz der Logistik im Freistaat Sachsen im
direkten Vergleich zu den Anteilen der Teilmärkte am Gesamtumsatz der Logistik in Deutschland dar.
Tabelle 3: Anteile der Teilmärkte am Gesamtumsatz im Freistaat Sachsen im Vergleich zu Deutschland (Schätzwerte)
Teilmarkt 1
Massengutlogistik (Bulk, inkl. Binnenschifffahrt)
Umsatzstärke
Der Teilmarkt der Massengutlogistik,
auch
„Bulk“-Logistik genannt, der die Binnenschifffahrt inkludiert, hat auf
bundesdeutscher Ebene einen Anteil von rund 6 % am Gesamtumsatz der Logistik. Auf Ebene des Freistaates
Sachsen ist der Anteil am gesamten Logistikumsatz mit 4 % etwas niedriger angesetzt. Der Anteil der Fremdvergabe
von Logistikaktivitäten im Teilmarkt Massengutlogistik ist relativ hoch. Auf nationaler Ebene beträgt die Outsourcing-
Quote rund 55 %
65
, in der Befragung der Unternehmen in Sachsen wurden teilweise signifikant höhere Werte
angegeben (100 %). Typische Güter für den Transport im Teilmarkt sind land- und forstwirtschaftliche Produkte, wie
z. B. Futtermittel sowie Kohle, Steine und Erden.
66
Charakterisierung und Geographie
Insgesamt wird die Anzahl der Betriebe, die im Teilmarkt Massengutlogistik im Freistaat Sachsen Leistungen anbieten,
auf 974 Betriebe geschätzt.
67
Logistikdienstleister, die sich in der Befragung diesem Teilmarkt zugeordnet haben, sind
in 60 % der Fälle auch im Teilmarkt der allgemeinen Ladungsverkehre tätig und üben zu 50 % Logistikaktivitäten
im Bereich Schwerlastlogistik oder Lagerhaltung aus. Speditionsunternehmen, Hafengruppen sowie bahnaffine
Logistikunternehmen zählen zu den wichtigen Akteuren im Teilmarkt „Massengutlogistik“ im
Freistaat Sachsen.
65
Vgl. Schwemmer 2018, S. 73
66
Vgl. Schwemmer 2018, S. 73
67
Datengrundlage für die Schätzung ist die Firmendatenbank der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (Stichprobe)
Anteile der Teilmärkte am Gesamtumsatz im Freistaat Sachsen im Vergleich zu Deutschland
#
Teilmarkt
Anteil am Logistikumsatz
in Deutschland
Anteil am Logistikumsatz
im Freistaat Sachsen
1
Massengutlogistik (Bulk) inkl. Binnenschifffahrt
6,4 %
4,0 %
2
Ladungsverkehre landgebunden (FTL)
10,8 %
9,7 %
3
Spezielle Ladungsverkehre (mit sonst. spez.
Equipment), Krandienste für schwere Güter
4,9 %
4,9 %
4
Spezielle Ladungsverkehre für Flüssig- und
Schuttgüter
3,1 %
3,1 %
5
Stückgutverkehre (LTL)
4,3 %
4,3 %
6
Stückgut-Netzwerktransporte &
Mehrwertdienstleistungen für spezielle Güter
3,6 %
3,0 %
7
Industrielle Kontraktlogistik
29,0 %
31,0 %
8
Konsumgüterdistribution und
-kontraktlogistik
11,2 %
11,2 %
9
Terminaldienste, Lagerei
9,8 %
8,6 %
10
KEP
7,3 %
8,1 %
11
Seefracht
5,6 %
5,1 %
12
Luftfracht
4,0 %
7,0 %

33
Die Befragung zeigt, dass ein Großteil der Betriebe im Teilmarkt zur Beschäftigtengrößenklasse der KMU zählt
(80 %). Auf Grundlage der Stichprobe aus der Firmendatenbank Sachsen zeigt sich die Verteilung der Beschäftigten-
größenklassen im Teilmarkt wie in Abbildung 8 dargestellt. Der Anteil der Betriebe mit bis zu 100 Beschäftigten
überwiegt mit 85 %. Lediglich 15 % der Betriebe im Teilmarkt haben zwischen 100 und 500 Beschäftigten und kein
Betrieb mit mehr als 500 Beschäftigten wurde diesem Teilmarkt zugeordnet.
Abbildung 8: Verteilung der Beschäftigtengrößenklasse der Logistikdienstleister im Teilmarkt Massengutlogistik
Die Logistikdienstleister im Teilmarkt Massengutlogistik sind zum Großteil in Dresden und Leipzig ansässig. Die Hälfte
der Logistikdienstleister des Teilmarktes hat den Unternehmenshauptsitz im Freistaat Sachsen, die anderen 50 %
haben einen Betrieb in Sachsen, der Hauptsitz ist im übrigen Bundesgebiet angesiedelt (siehe Abbildung 9). Die
Hauptsitze der im Teilmarkt agierenden Unternehmen sind u. a. in Bayern und in Hamburg.
Abbildung 9: Verteilung der Unternehmenshauptsitze der Logistikdienstleister im Teilmarkt Massengutlogistik
Nachfragebranchen
Die Nachfragebranchen von Logistikdienstleistern im Teilmarkt der Massengutlogistik sind divers aufgestellt (siehe
Abbildung 10). Die überwiegende Anzahl der Nachfrager kommt laut der durchgeführten Befragung aus den
Wirtschaftsbereichen des Fahrzeugbaus (17 %), der chemischen Erzeugnisse (17 %) und dem Handel (17 %).
Weitere 14 % der Nachfrager sind aus dem Bereich Maschinenbau.
weniger als 10 Beschäftigte
34%
10 bis 100 Beschäftigte
51%
100 bis 500
Beschäftigte
15%
n = 41
Quelle: Eigene Erhebung; Eigene Berechnung nach Firmendatenbank Sachsen (2019)
Hauptsitz in Sachsen
50%
Hauptsitz außerhalb
50%
n=10
Quelle: Eigene Erhebung

34
Abbildung 10: Verteilung der Nachfragebranchen der Logistikdienstleister im Teilmarkt Massengutlogistik
Bedeutende Akteure in der Marktstruktur
Sofern nicht anders angegeben, wurden die Unternehmensdaten aus der Befragung, der Unternehmensdatenbank
Sachsen sowie den jeweiligen Unternehmens-Webseiten herangezogen, um bedeutende Unternehmen
(Logistikdienstleister) für den Teilmarkt darzustellen. Die Beschäftigtenzahlen und die Umsatzhöhe beziehen sich,
sofern nicht anders vermerkt, jeweils auf den Freistaat Sachsen. Es wurden die zum Zeitpunkt der Studie aktuellsten
Daten der Unternehmen (2017/18) berücksichtigt.
Tabelle 4: Bedeutende LDL im Teilmarkt Massengutlogistik
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
im Freistaat
Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
DB Cargo AG
Mainz
Burgstädt, Dresden,
Grimma, Leipzig,
Lichtenau, Ottendorf-
Okrilla, Radeburg
28.257
(national)
4.209
(national)
VTG AG
Hamburg
Chemnitz
12
4
HaBeMa Futtermittel
GmbH & Co. KG
Hamburg
Heidenau
16
56
ITL Eisenbahngesellschaft
mbH
Dresden
Dresden
252
99
SBO Sächsische
Binnenhäfen Oberelbe
GmbH
Dresden
Torgau, Dresden, Riesa
107
17,5
Entwicklungs- und Wachstumspotenziale
Im Marktsegment bzw. Teilmarkt der Massengutlogistik sehen sich Anbieter zyklisch mit wiederkehrenden
Herausforderungen
konfrontiert.
Die
marktkonforme
Spezialisierungsorientierung
bedingt
umfassendes
Transportequipment, das kaum weitere Einsatzmöglichkeiten bietet. Die Folge sind Überkapazitäten und Preisdruck.
Die Binnenschifffahrt ist zudem stark abhängig von klimatischen Schwankungen. Bei Niedrigwasser durch
Fahrzeugbau
17%
Elektrotechnik,
Mikroelektronik
6%
Metallerzeugung und
–bearbeitung
8%
Maschinenbau
14%
Ernährungsgewerbe
11%
chemische
Erzeugnisse
17%
pharmazeutische
Erzeugnisse
3%
Gummi und Kunststoff
8%
Handel
17%
n=10
(Mehrfachnennungen möglich)
Quelle: Eigene Erhebung

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image
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35
Dürreperioden können tiefliegende Häfen unter Umständen über einen längeren Zeitraum nicht angesteuert werden.
Wachstumshemmend auf den Teilmarkt wirkt eine Abnahme der transportierten Mengen. Grund hierfür ist ein
Wandel der Güterstruktur in Deutschland. Dienstleistungen und Güter neuer Industrien steigen, traditionelle
Großindustriegüter nehmen hingegen ab. Einen positiven Effekt erzielen dagegen die ansteigenden Investitionen des
Bundes in die Verkehrsinfrastruktur, die in 2019 um 0,7 Mrd. EUR gegenüber 2018 auf 14,8 Mrd. EUR gestiegen
sind. Ein kontinuierlicher Ausbau von Schienen-, Straßen- und Wasserwegen bietet alternative Entwicklungs-
potenziale für die Massengutlogistik. Der immer stärker gewichtete Aspekt der Nachhaltigkeit dominiert außerdem
zunehmend die Logistikbranche.
Im Kontext des 2016 verabschiedeten „Klimaschutzplan 2050“ des Bundeskabinetts
entstand der Masterplan Schiene, der eine Verlagerung von Transportvolumen auf den emissionsärmeren
Verkehrsträger Schiene vorsieht und den damit verbundenen intensiven Ausbau des Streckennetzes forciert.
68 69 70
Langfristig wird das Voranschreiten der Digitalisierung des Sektors, so z. B. die Vernetzung und Automatisierung,
eine tragende Rolle zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich spielen. Diese Tendenz
wird durch die Befragung im Freistaat Sachsen bestätigt. 78 % der befragten Logistikdienstleister, die im Teilmarkt
agieren, geben an, dass die Digitalisierung eine hohe Bedeutung für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit hat.
Insgesamt lassen sich anhand der Befragung von Logistikakteuren im Teilmarkt Entwicklungstendenzen für
verschiedene, bedeutende Bereiche ablesen und mit den bundesweiten Trends verknüpfen (siehe Abbildung 11).
Abbildung 11: Entwicklungstendenzen des Teilmarktes Massengutlogistik im Freistaat Sachsen
Für 29 % der befragten Logistikdienstleister haben neue Geschäftsmodelle aktuell und zukünftig eine hohe
Bedeutung. Laut Befragung wird die Bedeutung künftig nicht signifikant zunehmen, aber auf einem hohen Niveau
bleiben. Dennoch zeigt die Befragung, dass der Teilmarkt der Massengutlogistik im Freistaat Sachsen vergleichsweise
eher wenig innovationsaffin ist (siehe Abbildung 11). Nur rund 30 % der Logistikdienstleister haben bereits ein
digitales Supply-Chain-Management, Systeme zur eindeutigen automatischen Produkterkennung oder neue
Liefermethoden eingeführt. Künftig sind weitaus weniger Innovationsaktivitäten geplant. 60 % der Logistik-
dienstleister geben als Grund für die Einführung von Innovationen die Erschließung neuer Marktchancen und sogar
75 % die Verbesserung der Unternehmensperformance an. Insgesamt führen lediglich 33 % der geplanten
Logistikinnovationen zu neuen Geschäftsmodellen. Als Informationsquellen für die Ideenlieferung für neue oder zur
68
Vgl. Bundesministerium für Finanzen 2018
69
Vgl. Schwemmer 2018, S. 76
70
Vgl. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur 2017
zukünftig
gleichbleibende Bedeutung
zukünftig
weniger Innovationen geplant
zukünftig
weniger Aktivitäten geplant
zukünftig
gleich viele Investitionen geplant
Internationalisierung
hohe Aktivität
Investitionen
eher hohe Aktivität
Bedeutung der Bereiche für den Teilmarkt
Neue Geschäftsmodelle
hohe Bedeutung
Einführung von Innovationen
eher geringe Aktivität
starke Veränderung
(< als -10% | > als 10%)
moderate Veränderung ( > als -10% | < als 10%)
Stagnation (-5% bis 5%)

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36
Umsetzung laufender Innovationsprojekte dienen mehrheitlich die Fachpresse und das Netzwerk Logistik
Mitteldeutschland e.V.
Vorherrschend bei den Hemmnissen für die Aufnahme und Durchführung von Innovationsaktivitäten sind vor allem
die Kosten (67 % der Unternehmen bewerten dieses Hemmnis als stark) sowie Schwierigkeiten im Zugang zu
Fördermitteln für Innovationsaktivitäten (56 % bewerten dieses Hemmnis als stark). Ebenso stellt der Mangel an
geeignetem Fachpersonal ein Problem dar (33 % bewerten dieses Hemmnis als stark). Eher geringe Bedeutung als
wesentliches Hemmnis haben hingegen die Unsicherheit über die Nachfrage nach Innovationsideen und ein zu
starker Absatzmarkt. Unterstützung wünschen sich Unternehmen im Teilmarkt bei der Ausbildung und Sourcing von
Fachkräften und der Breitbandanbindung/dem Ausbau des Highspeed-Internets (je 44 % bewerten diese Faktoren
als sehr wichtig). 78% der Befragten messen einer Gründungsförderung keine Relevanz bei. Für 78 % der Befragten
hat eine Gründungsförderung keine Relevanz. Eine Innovationsfinanzierung und Förderung hingegen wird als
wichtiger durch die befragten Unternehmen eingestuft.
Im Bereich der Internationalisierung sind Logistikdienstleister des Teilmarktes aktiv. Insbesondere grenzüber-
schreitende Lieferungen stellen ein Kerncharakteristikum des Teilmarktes dar. Lieferungen gehen zu einem Großteil
nach Tschechien. 78 % der Logistikdienstleister des Teilmarkts beauftragen zudem ausländische Auftragnehmer.
Laut Befragung ist künftig mit einer Abnahme der Internationalisierungsaktivitäten zu rechnen. Mögliche Gründe
könnten unzureichende personelle Kapazitäten, Unsicherheiten bei der Anwendung des internationalen Vertrags-
rechts, die Anpassung der Standards an die Marktanforderungen und der fehlende Zugang zu Ausschreibungen oder
Absatzmöglichkeiten sein. Diese Faktoren werden von den befragten Unternehmen als besonders hemmend für
Internationalisierungsbemühungen eingestuft. Unterstützung wird vor allem bei Unternehmerreisen und
Delegationsreisen ins Ausland benötigt.
Logistikdienstleister des Teilmarktes investieren bevorzugt in EDV-Software/Hardware (80 % der befragten
Logistikdienstleister) sowie in Flurförderfahrzeuge und Fahrzeuge für den Fernverkehr sowie in Zertifizierungs-
aktivitäten. Hemmend auf Investitionsaktivitäten im Teilmarkt wirken sich der Fachkräftemangel (für 50 % sehr
bedeutend) und Infrastrukturmängel (für 38 % sehr bedeutend) aus. Weniger bedeutend hingegen sind
Unternehmenssteuern und das Fehlen geeigneter (Expansions-) Flächen.
Teilmarkt 2
Ladungsverkehre landgebunden (FTL)
Umsatzstärke
Der erste von vier Teilmärkten des Marktbereichs
„Landverkehre
Ladungsverkehre“
umfasst landgebundene
Ladungsverkehre. Der Teilmarkt hat einen Anteil von 11 % am gesamten Logistikumsatz in Deutschland, in Sachsen
wird der Anteil auf rund 10 % geschätzt. Durchschnittlich werden 79 % der transportierten Güter an
Logistikdienstleister fremdvergeben. Laut dem Fraunhofer IIS beträgt der Anteil der Fremdvergabe im betrachteten
Teilmarkt auf nationaler Ebene rund 65 %. Damit bestätigt die Befragung den hohen Outsourcing-Anteil des
Teilmarktes auch im Freistaat Sachsen. Dabei sind die transportierten Mengen im Vergleich zu anderen Teilmärkten
relativ hoch. Die vorwiegend transportierten Güter im Teilmarkt sind abgepackte, stapelbare Güter.
71
Charakterisierung und Geographie
Rund 2.330 (Schätzwert) Logistikdienstleister bieten im Freistaat Sachsen Leistungen im Teilmarkt der
landgebundenen Ladungsverkehre an.
72
Dies ist die höchste Anzahl an Logistikdienstleistern im Vergleich zu anderen
Teilmärkten. 62 % der befragten im Teilmarkt tätigen Logistikdienstleister bieten auch Leistungen im Bereich
Lagerhaltung und Terminaldienste an, 57 % ordnen sich ebenfalls dem Teilmarkt der Ladungsverkehre mit speziellem
Equipment und Schwerlastlogistik zu und 45 % sind auch im Teilmarkt Stückgut- und Teilladungsverkehre aktiv.
71
Vgl. Schwemmer 2018, S. 68
72
Datengrundlage für die Schätzung ist die Firmendatenbank der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (Stichprobe)

37
Etwa 41 % der Betriebe in diesem Teilmarkt haben weniger als 10 Beschäftigte und weitere 51 % haben zwischen
10 und 100 Beschäftigte. Damit ist der Großteil der Betriebe in diesem Teilmarkt den KMU zuzuordnen. Diese Tendenz
wird auch durch die Befragung bestätigt, rund 80 % der befragten Unternehmen im Teilmarkt sind KMU. Lediglich
6 % der Betriebe in diesem Teilmarkt haben zwischen 100 und 500 Beschäftigte und nur 2 % befinden sich in der
Beschäftigtengrößenklasse mit mehr als 500 Beschäftigten.
Abbildung 12: Verteilung der Beschäftigtengrößenklassen der Logistikdienstleister im Teilmarkt Ladungsverkehre landgebunden
Die befragten Logistikdienstleister sind hauptsächlich im Freistaat Sachsen ansässig (67 %) (siehe Abbildung 13).
33 % der Unternehmen haben ihren Hauptsitz im übrigen Bundesgebiet, u. a. in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg
und Bayern.
Abbildung 13: Verteilung der Unternehmenshauptsitze der Logistikdienstleister im Teilmarkt Ladungsverkehre landgebunden
weniger als 10 Beschäftigte
41%
10 bis 100 Beschäftigte
51%
100 bis 500 Beschäftigte
6%
mehr als 500 Beschäftigte
2%
n = 98
Quelle: Eigene Erhebung; Eigene Berechnung nach Firmendatenbank Sachsen (2019)
Hauptsitz in Sachsen
67%
Hauptsitz außerhalb
33%
n=21
Quelle: Eigene Erhebung

38
Nachfragebranchen
Die Nachfragebranchen des Teilmarktes gehen auf verschiedene Wirtschaftsbereiche zurück. Den größten Anteil an
den Nachfragern hat der Handel mit 18 % (siehe Abbildung 14), dicht gefolgt vom Fahrzeugbau (15 %), den
chemischen Erzeugnissen (15 %) und dem Maschinenbau (14 %).
Abbildung 14: Verteilung der Nachfragebranchen der Logistikdienstleister im Teilmarkt Ladungsverkehre landgebunden
Bedeutende Akteure in der Marktstruktur
Sofern nicht anders angegeben, wurden die Unternehmensdaten aus der Befragung, der Unternehmensdatenbank
Sachsen sowie den jeweiligen Unternehmens-Webseiten herangezogen, um bedeutende Unternehmen
(Logistikdienstleister) für den Teilmarkt darzustellen. Die Beschäftigtenzahlen und die Umsatzhöhe beziehen sich,
sofern nicht anders vermerkt, jeweils auf den Freistaat Sachsen. Es wurden die zum Zeitpunkt der Studie aktuellsten
Daten der Unternehmen (2017/18) berücksichtigt.
Tabelle 5: Bedeutende LDL im Teilmarkt Ladungsverkehre landgebunden
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
im
Freistaat
Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
Kühne + Nagel AG & Co.
KG
Hamburg
Leipzig, Meerane
15.000
(national)
2.775
(national)
Elflein Spedition und
Transport GmbH
Bamberg
Leipzig, Oelsnitz/Vogtland,
Striegistal/Berbersdorf
183
122
(national)
Weck+Poller Holding
GmbH
Zwickau
Dresden, Ellefeld,
Kirchberg, Petersberg,
Plauen, Treuen
955
122
Rhenus & Hellmann
GmbH & Co. KG
Osnabrück
Großschirma,
Zwickau,
Leipzig
150
11,6
ITL Eisenbahn-
gesellschaft mbH
Dresden
Dresden
252
99
Fahrzeugbau
15%
Elektrotechnik,
Mikroelektronik
10%
Metallerzeugung und
–bearbeitung
8%
Maschinenbau
14%
Ernährungsgewerbe
11%
chemische
Erzeugnisse
15%
pharmazeutische
Erzeugnisse
1%
Gummi und Kunststoff
7%
Handel
18%
n=21
(Mehrfachnennungen möglich)
Quelle: Eigene Erhebung

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39
Entwicklungs- und Wachstumspotenziale
Entwicklungsseitig wird der Markt durch Lösungsansätze zur Effizienzsteigerung bestimmt, die durch einen
Nachfrageüberschuss auf Seiten der Verlader bei gleichzeitigem Fahrermangel rapide an Bedeutung gewinnen.
Maßnahmen wie eine stetige nationale Ausweitung des Positivnetzes für Lang-LKW sowie eine
Nutzungsfristverlängerung für verlängerte Auflieger sollen den Kapazitätsmangel auffangen. Bereits in der
Testphase befindet sich außerdem das LKW-Platooning, bei dem mehrere LKW einem vorausfahrenden Fahrzeug wie
ferngesteuert folgen, um Platz auf den Straßen und Sprit zu sparen. Weitere Effizienzsteigerungen werden durch
den Einsatz von Transport-Management-Systemen (TMS) erwartet, der eine erhöhte Transparenz entlang der
gesamten Supply Chain ermöglicht sowie andere digitale Tools zur Vernetzung von Kunden und Logistikdienstleistern
wie beispielsweise Sendungsverfolgungsplattformen oder das Prinzip von Online-Buchungen. Gleichzeitig sehen sich
die Anbieter landgebundener Ladungsverkehre mit wachsenden Kosten konfrontiert. Nicht zuletzt steigende
Dieselpreise, eine Erhöhung des Mautpreises und der Ausbau des mautpflichtigen Straßennetzes haben einen Anstieg
des Frachtpreises, vor allem auf Kurzstrecken, zur Folge.
73 74 75
Neben diesen allgemeinen Entwicklungen des Teilmarktes in Deutschland, lassen sich anhand der Befragung von
Logistikakteuren im Teilmarkt ebenfalls Entwicklungstendenzen für verschiedene, bedeutende Bereiche ablesen und
mit den bundesweiten Trends verknüpfen (siehe Abbildung 15).
Abbildung 15: Entwicklungstendenzen des Teilmarktes Ladungsverkehre landgebunden im Freistaat Sachsen
40 % der befragten Logistikdienstleister im Teilmarkt messen neuen logistikbezogenen Geschäftsmodellen aktuell
eine hohe Bedeutung zu, für die Zukunft unterstreichen diese Aussage nur noch 36 % der Unternehmen. Im Bereich
digitales Supply-Chain-Management haben 23 % der Logistikdienstleister im Teilmarkt bereits Innovationen
eingeführt, je 19 % in den Bereichen Lagerhaltungssysteme und neue Liefermethoden. Insbesondere die Einführung
von digitalen Tools im Supply-Chain-Management korrespondiert mit den bundesweiten Trends. Laut der Befragung
wird der Bedarf an der Einführung von Innovationen künftig gleichbleiben. Aufgrund der Dominanz der KMU im
betrachteten Teilmarkt sind für viele Logistikdienstleister die aufgeführten Innovationen nicht relevant. 38 % geben
Kosten als sehr starkes Hemmnis für die Einführung von Innovationen an, eine weitere wichtige Rolle spielt der
Mangel an geeignetem Fachpersonal (31 % der Befragten bewerteten dies als sehr starkes Hemmnis). Unterstützung
wird laut Aussage der befragten Unternehmen in den Bereichen der Ausbildung, dem Sourcing von Fachkräften, der
Breitbandanbindung und dem Ausbau des Highspeed-Internets benötigt. Ebenso als sehr wichtig eingestuft werden
73
Vgl. Doll 2018
74
Vgl. Schwemmer 2018, S. 84ff.
75
Vgl. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur 2018
zukünftig
Verlust an Bedeutung
zukünftig
gleich viele Innovationen geplant
zukünftig
weniger Aktivitäten geplant
zukünftig
mehr Investitionen geplant
Internationalisierung
eher hohe Aktivität
Investitionen
eher hohe Aktivität
Bedeutung der Bereiche für den Teilmarkt
Neue Geschäftsmodelle
hohe Bedeutung
Einführung von Innovationen
eher geringe Aktivität
starke Veränderung (< als -10% | > als 10%)
moderate Veränderung ( > als -10% | < als 10%)
Stagnation (-5% bis 5%)

image
40
von 35 % der befragten Unternehmen im Teilmarkt das Standortmarketing und die Innovationsfinanzierung sowie
die Förderung von Innovationsvorhaben durch den Freistaat Sachsen. Als Impulsgeber für neue Ideen werden die
Anforderungen der eigenen Kunden genutzt.
Im Bereich Internationalisierung sind die Befragten vor allem hinsichtlich grenzüberschreitender Lieferungen tätig.
Ebenfalls von Bedeutung ist die Beauftragung ausländischer Auftragnehmer. Lieferungen finden vor allem nach
Osteuropa und in die Beneluxländer statt. In Zukunft sind im Vergleich zur aktuellen Situation weniger
Internationalisierungsaktivitäten geplant. Als hemmend auf die Internationalisierungsaktivitäten wirken sich
unzureichende personelle Kapazitäten, Unsicherheiten bei der Anwendung internationalen Vertragsrechts,
Anpassungen der Standards an die Marktanforderungen und der fehlende Zugang zu Ausschreibungen und
Absatzmöglichkeiten im Teilmarkt aus. Sanktionen stellen ein weiteres massives Problem dar. Unterstützung
wünschen sich Unternehmen in den Bereichen Förderung durch Zuschüsse für internationale Aktivitäten (60 %)
und Unternehmensreisen/Delegationsreisen ins Ausland.
Die Betrachtung der getätigten Investitionen im Teilmarkt der Ladungsverkehre zeigt, dass ein Erfolgsfaktor der
Logistikdienstleister im Ausbau ihrer Kapazitäten liegt. Über 80 % der Logistikdienstleister investierten in Fahrzeuge
für den Fernverkehr und über 70 % in Zertifizierungsaktivitäten. Für die Zukunft sind mehr Investitionsaktivitäten
geplant, insbesondere soll vermehrt in den Erwerb von Flächen, Lagerhallen und benötigtes Equipment für die
Lagerhallen investiert werden. Insgesamt werden die Kapazitäten der angebotenen Leistungen im Teilmarkt im
Freistaat Sachsen erhöht. Der Fachkräftemangel stellt ein sehr bedeutendes Investitionshemmnis aus Sicht der
Unternehmen dar. Weiterhin werden die Energiekosten und Infrastrukturmängel als Hemmnis für Investitionen
wahrgenommen.
Teilmarkt 3
Spezielle Ladungsverkehre (mit sonstigem speziellem
Equipment)
Umsatzstärke
Der Teilmarkt der speziellen Ladungsverkehre (mit sonstigem speziellem Equipment) und Schwerlastlogistik
(Krandienste für schwere Güter) hat vergleichsweise einen geringen Umsatzanteil an der Logistikwirtschaft. Für den
Freistaat Sachsen ist kein Unterschied zur nationalen Ebene festzustellen (Anteil von rund 5 % am Gesamtumsatz
der Logistikwirtschaft). Die Outsourcing-Quote liegt in Deutschland bei rund 35 % und ist damit als relativ niedrig
zu bewerten. Der Befragung zufolge vergeben Verlader 100 % der transportierten Mengen in diesem Teilmarkt an
Logistikdienstleister. Die vorwiegend transportierten Güter des Teilmarktes sind Bauteile, Module oder Komponenten
von Kraftwerken oder Fabriken sowie des Schienen-, Schiff- oder Luftverkehrs oder der Bauwirtschaft
76
, ebenso
fallen Leistungen der Sperrgutlogistik und Entsorgungstransporte unter diesen Teilmarkt.
Charakterisierung und Geographie
Die Anzahl der Logistikdienstleister, die im Teilmarkt der speziellen Ladungsverkehre (mit sonstigem speziellen
Equipment) tätig sind, beläuft sich schätzungsweise auf 1.200 Betriebe.
77
60 % der befragten Logistikdienstleister
im betrachteten Teilmarkt sind außerdem im Teilmarkt der allgemeinen Ladungsverkehre tätig, 65 % bieten auch
Leistungen im Teilmarkt der Lagerhaltung und Terminaldienste an.
Mit etwa 70 % ist der Großteil der Logistikdienstleister im Teilmarkt der Beschäftigtengrößenklasse von 10 bis 100
Beschäftigten zuzuordnen, lediglich 20 % der Betriebe haben weniger als 10 Beschäftigte. Wie in den
vorangegangenen Teilmärkten haben relativ wenige Betriebe 100 bis 500 Beschäftigte (8 %) und ein noch kleinerer
Anteil mehr als 500 Beschäftigte (2 %).
76
Vgl. Schwemmer 2018, S. 68f.
77
Datengrundlage für die Schätzung ist die Firmendatenbank der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (Stichprobe)

41
Abbildung 16: Verteilung der Beschäftigtengrößenklassen der Logistikdienstleister im Teilmarkt spezielle Ladungsverkehre und
Schwerlastlogistik
55 % der befragten Logistikdienstleister haben ihren Hauptsitz in Sachsen (siehe Abbildung 17), die Hauptsitze der
restlichen Unternehmen befinden sich überwiegend in Nordrhein-Westfalen und Bayern.
Abbildung 17: Verteilung der Unternehmenshauptsitze der Logistikdienstleister im Teilmarkt spezielle Ladungsverkehre und
Schwerlastlogistik
Nachfragebranchen
Die Nachfragebranche des Teilmarktes der speziellen Ladungsverkehre und Schwerlastlogistik besteht zu fast
gleichen Anteilen aus den verschiedenen Industriebranchen (siehe Abbildung 18). Den geringsten Anteil an der
Nachfrage der tätigen Logistikdienstleister im Teilmarkt bilden Hersteller von pharmazeutischen Erzeugnissen ab
(3 %). Durch den Bedarf des Transports von schweren Gütern zählt der Maschinenbau mit 18 % zu den größten
Nachfragern des Teilmarktes.
weniger als 10
Beschäftigte
20%
10 bis 100 Beschäftigte
70%
100 bis 500
Beschäftigte
8%
mehr als 500 Beschäftigte
2%
n = 51
Quelle: Eigene Erhebung; Eigene Berechnung nach Firmendatenbank Sachsen (2019)
Hauptsitz in Sachsen
55%
Hauptsitz außerhalb
45%
n=20
Quelle: Eigene Erhebung

42
Abbildung 18: Verteilung der Nachfragebranchen im Teilmarkt spezielle Ladungsverkehre und Schwerlastlogistik
Bedeutende Akteure in der Marktstruktur
Sofern nicht anders angegeben, wurden die Unternehmensdaten aus der Befragung, der Unternehmensdatenbank
Sachsen sowie den jeweiligen Unternehmens-Webseiten herangezogen, um bedeutende Unternehmen
(Logistikdienstleister) für den Teilmarkt darzustellen. Die Beschäftigtenzahlen und die Umsatzhöhe beziehen sich,
sofern nicht anders vermerkt, jeweils auf den Freistaat Sachsen. Es wurden die zum Zeitpunkt der Studie aktuellsten
Daten der Unternehmen (2017/18) berücksichtigt.
Tabelle 6: Bedeutende LDL im Teilmarkt spezielle Ladungsverkehre und Schwerlastlogistik
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
im Freistaat
Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
Rhenus SE & Co. KG
Holzwickede
Zwickau, Leipzig,
Dresden
29.000
(weltweit)
4.800
(weltweit)
Kühne + Nagel (AG & Co.) KG
Hamburg
Chemnitz, Leipzig
15.000
(national)
2.775
(national)
Weck+Poller Holding GmbH
Zwickau
Dresden, Ellefeld,
Kirchberg,
Petersberg,
Plauen, Treuen
955
122
Emons Spedition GmbH/
Emons-Rail-Cargo GmbH
Köln
Leipzig, Dresden,
Glauchau
129
50
SBO Sächsische Binnenhäfen
Oberelbe GmbH
Dresden
Torgau, Dresden,
Riesa
107
17,5
Entwicklungs- und Wachstumspotenziale
Ebenfalls dem Marktbereich
„Landverkehre – Ladungsverkehre“
angehörig, profitiert der Teilmarkt der speziellen
Ladungsverkehre (mit sonstigem spez. Equipment) und der Krandienste für schwere Güter besonders durch das
Wachstum bzw. durch die Stabilität des Maschinen- und Anlagenbaus sowie der Bauindustrie, die mit je 50 % bzw.
30 % Anteil an der Gesamtnachfrage die beiden größten Nachfragebranchen dieses Segments darstellen. Begründet
wird diese Entwicklung teilweise durch die steigende Nachfrage nach Wohnungen und wirtschaftlich genutzten
Fahrzeugbau
10%
Elektrotechnik,
Mikroelektronik
13%
Metallerzeugung und
–bearbeitung
9%
Maschinenbau
18%
Ernährungsgewerbe
9%
chemische
Erzeugnisse
15%
pharmazeutische
Erzeugnisse
3%
Gummi und Kunststoff
9%
Handel
13%
n=19
(Mehrfachnennungen möglich)
Quelle: Eigene Erhebung

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43
Bauten sowie dem Ausbau der Breitbandinfrastruktur. Auch der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur nimmt eine
Schlüsselrolle in der Dynamik dieses Teilmarkts ein. Einerseits bedeuten umfangreiche Sanierungsprojekte auf
deutschen Straßen einen Auftragsaufschwung für die Bauindustrie, woraus entsprechende Transportaufträge von
Baustoffen und Maschinen für die Schwergutunternehmen resultieren, andererseits bedingen Routensperrungen
durch Baustellen oder marode, nicht ausreichend tragende Brücken zeitaufwändige Umwege. Indes induzieren
besonders umweltpolitische Aspekte treibende Effekte in der Ausrichtung der Schwerlasttransporteure: Der geplante
Ausstieg aus der Atomkraft bis 2022 sowie der folgende, sich voraussichtlich über Jahrzehnte erstreckende Rückbau
der Kernkraftwerke, erfordert die Entwicklung spezieller Ausrüstung für den Transport kontaminierter Elemente.
Unterdessen verursachen auslaufende Subventionen für Windkraftanlagen einen drastischen Rückgang der
Transportanfragen dieses Segments. Für den Windrad-Transport ausgerichtete Assets müssen abgestoßen oder
entsprechend einer neuen Verwendung umgerüstet werden.
78 79
Weiterhin besteht im betrachteten Teilmarkt der Trend von einer angebotsseitigen Orientierung hin zu einem
ganzheitlichen Ansatz. Es werden, statt der Durchführung einzelner Dienstleistungen, immer mehr ganze
Kontraktlogistikprojekte übernommen. Diese Entwicklung resultiert aus dem Ansinnen der Unternehmen,
Kapazitätsengpässen entgegenzuwirken, was eine stärkere Einbindung der Dienstleister in die logistischen Prozesse
der Betriebe erfordert. Mit der engen Zusammenarbeit einher geht das Bedürfnis der Verlader nach mehr Transparenz.
Dies bedarf eines intensiveren Einsatzes von IT und Technik zur Datenbereitstellung, der zunächst hohe Investitionen
fordert, bevor er zur Effizienzsteigerung beitragen kann. Die generelle Herausforderung des Teilmarktes besteht in
der Abhängigkeit von der aktuellen Konjunktur. So bedingt die steigende Nachfrage Investitionen in weiteres
spezielles Equipment, bei sinkender Nachfrage fehlen jedoch die Alternativkunden.
80
Der Anstieg von Investitionen in
spezielles Equipment im Teilmarkt ist auch im Freistaat Sachsen zu beobachten (siehe Investitionen Abbildung 19).
Abbildung 19: Entwicklungstendenzen des Teilmarktes spezielle Ladungsverkehre und Schwerlastlogistik im Freistaat Sachsen
Durchschnittlich führte jeder befragte Logistikdienstleister fünf Investitionen in den letzten drei Jahren durch. 65 %
investierten in EDV-Software und Hardware, über 50 % in Fahrzeuge (für den Verteilerverkehr, Fernverkehr,
Flurförderung). Ein Hemmnis für Investitionsaktivitäten stellen der Fachkräftemangel sowie Bürokratie und
Regulierungen dar. Zudem spielen Arbeits- und Energiekosten eine Rolle bei etwaigen Investitionsaktivitäten.
Hinsichtlich neuer Geschäftsmodelle haben Logistikdienstleister im Bereich Schwerlastlogistik keinen Bedarf, für den
Bereich der Ladungsverkehre mit sonstigem speziellem Equipment sind sie eher relevant. Treiber für die Umsetzung
78
Vgl. Jauch 2018
79
Vgl. Schwemmer 2018, S. 85ff.
80
Vgl. Schwemmer 2018, S. 85ff.
zukünftig
Verlust an Bedeutung
zukünftig
weniger Innovationen geplant
zukünftig
weniger Aktivitäten geplant
zukünftig
gleich viele Investitionen geplant
Einführung von Innovationen
eher geringe Aktivität
Internationalisierung
eher geringe Aktivität
Investitionen
eher hohe Aktivität
Bedeutung der Bereiche für den Teilmarkt
Neue Geschäftsmodelle
mittlere Bedeutung
starke Veränderung (< als -10% | > als 10%)
moderate Veränderung ( > als -10% | < als 10%)
Stagnation (-5% bis 5%)

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44
neuer Geschäftsmodelle sind vielfältig, vor allem die Erschließung neuer Marktchancen spielt eine wichtige Rolle.
Insbesondere im digitalen Supply-Chain-Management (15 %) und im Bereich Lagerhaltungssysteme (19 %) wurden
bereits Innovationen eingeführt. Künftig sind weniger Innovationen geplant. An Kooperationspartnern für
Innovationsprojekte mangelt es nicht, hingegen wirken sich hohe Kosten und ein Mangel an unternehmensinternen
Finanzierungsquellen hemmend auf die Einführung von Innovationen im Teilmarkt aus.
Im Bereich der Internationalisierung sind die Logistikdienstleister des betrachteten Teilmarkts vor allem bei den
grenzüberschreitenden Lieferungen aktiv. 35 % betreiben auch Aktivitäten hinsichtlich von Niederlassungen im
Ausland, 46 % beauftragen ausländische Arbeitnehmer. Unzureichende personelle Kapazitäten, fehlender Zugang
zu Ausschreibungen und Absatzmöglichkeiten und fehlende Außenwirtschaftsinformationen stellen dabei ein
Problem dar. Ein zusätzliches Hemmnis sind Sanktionen und politische Unsicherheiten in Zielländern.
Teilmarkt 4
Spezielle Ladungsverkehre für Flüssig- und Schuttgüter (Tank
und Silo)
Umsatzstärke
Der Anteil des Teilmarktes der speziellen Ladungsverkehre für Flüssig- und Schuttgüter (Tank und Silo) nimmt in
Deutschland, ebenso wie im Freistaat Sachsen, mit rund 3 % am Gesamtumsatz einen relativ kleinen Anteil ein. Die
Outsourcing-Quote der Verlader in diesem Teilmarkt beträgt in Deutschland rund 65 %. Diesen hohen Anteil der
Fremdvergabe bestätigt die Befragung im Freistaat Sachsen, teilweise werden bis zu 100 % der transportierten
Mengen im Teilmarkt an Logistikdienstleister ausgelagert. Die überwiegend transportierten Güter im Teilmarkt sind
Flüssigkeiten, Gase oder auch staubförmige Güter.
81
Charakterisierung und Geographie
Schätzungsweise 800 Logistikdienstleistungsbetriebe bieten im Teilmarkt der speziellen Ladungsverkehre ihre
Leistungen im Freistaat Sachsen an.
82
86 % der befragten Logistikdienstleister im Teilmarkt sind ebenfalls im
Teilmarkt der Stückgut- und Teilladungsverkehre tätig, weitere 71 % bieten auch Leistungen im Bereich
Lagerhaltung an.
Die Beschäftigtengrößenklassen im Teilmarkt sind eindeutig durch kleinere Betriebe geprägt, da rund 91 % der
Betriebe weniger als 100 Beschäftigte haben. Die restlichen 9 % der Betriebe sind der Beschäftigtengrößenklasse mit
100 bis 500 Beschäftigten zuzuordnen und kein Betrieb mit mehr als 500 Beschäftigten befindet sich in der
dargestellten Verteilung der Beschäftigtengrößenklassen.
81
Vgl. Schwemmer 2018, S. 68f.
82
Datengrundlage für die Schätzung ist die Firmendatenbank der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (Stichprobe)

45
Abbildung 20: Verteilung der Beschäftigtengrößenklassen der Logistikdienstleister im Teilmarkt Flüssig- und Schuttgüter
Abbildung 21: Verteilung der Unternehmenshauptsitze der Logistikdienstleister im Teilmarkt Flüssig- und Schuttgüter
Nachfragebranchen
Die Branche der chemischen und pharmazeutischen Erzeugnisse, Gummi und Kunststoff zählt mit insgesamt 35 %
zu den größten Nachfragern des Teilmarktes (siehe Abbildung 22). Güter dieser Branche unterliegen spezifischen
Regelungen, auf die der Teilmarkt spezialisiert ist. Allein der Bereich der chemischen Erzeugnisse macht unter dieser
Gruppe ganze 19 % aus. Zu je 15 % fragen aber auch der Fahrzeugbau und der Handel Leistungen dieses
Teilmarktes nach.
weniger als 10
Beschäftigte
50%
10 bis 100 Beschäftigte
41%
100 bis 500
Beschäftige
9%
mehr als 500 Beschäftigte
0%
n = 34
Quelle: Eigene Erhebung; Eigene Berechnung nach Firmendatenbank Sachsen (2019)
Hauptsitz in Sachsen
43%
Hauptsitz außerhalb
57%
n=6
Quelle: Eigene Erhebung

46
Abbildung 22: Verteilung der Nachfragebranchen Logistikdienstleister im Teilmarkt Flüssig- und Schuttgüter
Bedeutende Akteure in der Marktstruktur
Sofern nicht anders angegeben, wurden die Unternehmensdaten aus der Befragung, der Unternehmensdatenbank
Sachsen sowie den jeweiligen Unternehmens-Webseiten herangezogen, um bedeutende Unternehmen
(Logistikdienstleister) für den Teilmarkt darzustellen. Die Beschäftigtenzahlen und die Umsatzhöhe beziehen sich,
sofern nicht anders vermerkt, jeweils auf den Freistaat Sachsen. Es wurden die zum Zeitpunkt der Studie aktuellsten
Daten der Unternehmen (2017/18) berücksichtigt.
Tabelle 7: Bedeutende LDL im Teilmarkt Flüssig- und Schüttgüter
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
im Freistaat
Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
VTG AG
Hamburg
Chemnitz
12
4
Karl Schmidt Spedition
GmbH & Co. KG
Heilbronn
Markranstädt
1.511
(national)
323
(national)
Agrofert Deutschland
GmbH
Lutherstadt
Wittenberg
Bischofswerda
38 (national)
207
(national)
ITL Eisenbahngesellschaft
mbH
Dresden
Dresden
252
99
Sievert Handel Transporte
GmbH
Lengerich
Leipzig
65
9,5
Entwicklungs- und Wachstumspotenziale
Die größte Herausforderung im Teilmarkt besteht im tendenziellen Rückgang der Nachfrage nach Tank- und
Silotransporten aus der Mineralölwirtschaft. Diese macht rund die Hälfte der Gesamtnachfrage aus, wird jedoch
ihrerseits beispielsweise durch die rückläufige Zahl der Ölöfen oder die generelle Verringerung des
Kraftstoffverbrauchs von PKW durch effizientere Motoren Verluste zu verzeichnen haben. Weiterhin zwingt ein
hoher Wettbewerbsdruck innerhalb des europäischen Markts der Tank- und Silotransporteure die Anbieter zu
effizienzsteigernden Mitteln. Die Folgen sind Maßnahmen zu Kosteneinsparungen sowie Kooperationen zwischen
den Akteuren, um sinkende Preise ausgleichen zu können. Ein langfristig sicheres Standbein bietet den Tank- und
Fahrzeugbau
15%
Elektrotechnik,
Mikroelektronik
8%
Metallerzeugung und
–bearbeitung
8%
Maschinenbau
8%
Ernährungsgewerbe
12%
chemische
Erzeugnisse
19%
pharmazeutische
Erzeugnisse
8%
Gummi und Kunststoff
8%
Handel
15%
n=6
(Mehrfachnennungen möglich)
Quelle: Eigene Erhebung

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47
Silotransporten die chemische Industrie, mit den in Deutschland ansässigen Großunternehmen. Mit einem Anteil
von knapp 30 % an der Gesamtnachfrage stellt die chemische Industrie außerdem die zweitgrößte Nachfrage-
branche in diesem Marktsegment dar, wie auch die Ergebnisse der Befragung im Freistaat Sachsen zeigen. Eine
weitere zu beobachtende Marktentwicklung ist die Nachfrage nach Mehrwertdienstleistungen, der immer mehr
Transportunternehmen nachkommen. In diesem Rahmen werden Zusatzleistungen wie der Betrieb von
Reinigungsanlagen und Lagerstätten, Verwiegung oder die Verwaltung von Gefahrengütertransporten angeboten.
83
Wie Abbildung 23 zeigt, sind die Akteure des Teilmarkts in allen Bereichen aktiv. Neue Geschäftsmodelle haben laut
der befragten Logistikdienstleister im betrachteten Teilmarkt eine hohe Bedeutung, 60 % der Unternehmen
unterstreichen diese Aussage. Allerdings wird nur von 40 % der Befragten deren Bedeutung auch für die Zukunft
als hoch eingeschätzt.
Abbildung 23: Entwicklungstendenzen des Teilmarktes Flüssig- und Schuttgüter im Freistaat Sachsen
Gründe für die Einführung von Logistikinnovationen im Teilmarkt sind die Verbesserung der Unternehmens-
performance und die Reaktion auf Preisdruck, wie z. B. die Vermeidung von Kostensteigerungen. 29 % der
Logistikdienstleister führten in den letzten drei Jahren digitales Supply-Chain-Management, elektronische
Beschaffungssysteme und Systeme zur eindeutigen automatischen Produkterkennung ein. Unterstützungsbedarf
besteht in der Ausbildung und im Sourcing von Fachkräften sowie im Ausbau der Breitbandanbindung.
Im Bereich der Internationalisierung sind Logistikdienstleister, wie auch in anderen Teilmärkten, vor allem
grenzüberschreitend aktiv. Zielländer sind aktuell und künftig vornehmlich Polen und Tschechien. Gemäß der
Befragung werden die Aktivitäten in diesen Bereichen künftig eher ab- als zunehmen. Im Gegensatz dazu planen die
Logistikdienstleister im Teilmarkt viele Investitionen. Aktuell investieren 86 % in Zertifizierungsaktivitäten und 29 %
in neue Technologien. Vor allem der Fachkräftemangel stellt ein Problem für Investitionsaktivitäten dar. 43 % der
Logistikdienstleister, die im Teilmarkt Leistungen anbieten, bewerten dieses Hemmnis als sehr bedeutend. Hingegen
stellen für nur 29 % der Befragten im Teilmarkt Infrastrukturmängel ein großes Investitionshemmnis dar.
83
Vgl. Schwemmer 2018, S. 89ff.
zukünftig
Verlust an Bedeutung
zukünftig
weniger Innovationen geplant
zukünftig
weniger Aktivitäten geplant
zukünftig
mehr Investitionen geplant
Bedeutung der Bereiche für den Teilmarkt
Neue Geschäftsmodelle
hohe Bedeutung
Einführung von Innovationen
eher hohe Aktivität
Internationalisierung
hohe Aktivität
Investitionen
eher hohe Aktivität

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48
Teilmarkt 5
Stückgutverkehre (LTL)
Umsatzstärke
Der Anteil des Teilmarktes der Stückgutverkehre am Logistikumsatz ist einer der geringeren. Der Anteil am
Gesamtumsatz des Teilmarkts im Freistaat Sachsen liegt schätzungsweise bei rund 4 %. Typische Güter sind
abgepackte und stapelbare Güter, bei deren Transport keine spezifischen Anforderungen beachtet werden müssen.
84
Der Anteil der Fremdvergabe im Teilmarkt liegt national bei 94 %. Die Tendenz zu einer sehr hohen Outsourcing-
Quote der Verlader in diesem Teilmarkt wird von befragten Unternehmen im Freistaat Sachsen bestätigt.
Charakterisierung und Geographie
Im Teilmarkt sind fast 2.200 (Schätzwert) Logistikdienstleistungsbetriebe aktiv.
85
90 % der befragten Logistik-
dienstleister in diesem Teilmarkt ordnen
sich außerdem dem Teilmarkt „Lagerhaltung und Terminaldienste“ zu und
rund 43 % bieten auch Leistungen im Teilmarkt der speziellen Ladungsverkehre und Schwerlastlogistik und im
Teilmarkt der allgemeinen Ladungsverkehre an.
Den größten Anteil an den Beschäftigtengrößenklassen im Teilmarkt nehmen mit 92 % Betriebe mit weniger als 100
Beschäftigten ein. Weitere 7 % der Betriebe sind der Beschäftigtengrößenklasse von 100 bis 500 Beschäftigten
zuzuordnen und 1 % der Betriebe in diesem Teilmarkt sind Großunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten.
Abbildung 24: Verteilung der Beschäftigtengrößenklassen der Logistikdienstleister im Teilmarkt für Stückgutverkehre
62 % der befragten Logistikdienstleister haben ihren Hauptsitz im Freistaat Sachsen (siehe Abbildung 25). Die
übrigen 38 % geben an, dass die Unternehmenshauptsitze im übrigen Bundesgebiet liegen, diese verteilen sich in
ganz Deutschland, u. a. in Hamburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg.
84
Vgl. Schwemmer 2018, S. 68f.
85
Datengrundlage für die Schätzung ist die Firmendatenbank der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (Stichprobe)
weniger als 10
Beschäftigte
41%
10 bis 100
Beschäftigte
51%
100 bis 500
Beschäftigte
7%
mehr als 500
Beschäftigte
1%
n = 92
Quelle: Eigene Erhebung; Eigene Berechnung nach Firmendatenbank Sachsen (2019)

49
Abbildung 25: Verteilung der Unternehmenshauptsitze der Logistikdienstleister im Teilmarkt für Stückgutverkehre
Nachfragebranchen
Die Nachfrager des Teilmarktes der Stückgutverkehre kommen zum Großteil aus dem Handel (17 %) und aus den
Industriebranchen des Maschinenbaus (14 %) und der chemischen Erzeugnisse (14 %) (siehe Abbildung 26). Den
kleinsten Anteil an den Nachfragern nehmen die pharmazeutischen Erzeugnisse mit 5 % ein.
Abbildung 26: Verteilung der Nachfragebranchen der Logistikdienstleister im Teilmarkt für Stückgutverkehre
Bedeutende Akteure in der Marktstruktur
Sofern nicht anders angegeben, wurden die Unternehmensdaten aus der Befragung, der Unternehmensdatenbank
Sachsen sowie den jeweiligen Unternehmens-Webseiten herangezogen, um bedeutende Unternehmen
(Logistikdienstleister) für den Teilmarkt darzustellen. Die Beschäftigtenzahlen und die Umsatzhöhe beziehen sich,
sofern nicht anders vermerkt, jeweils auf den Freistaat Sachsen. Es wurden die zum Zeitpunkt der Studie aktuellsten
Daten der Unternehmen (2017/18) berücksichtigt.
Hauptsitz in Sachsen
62%
Hauptsitz außerhalb
38%
n=21
Quelle: Eigene Erhebung
Fahrzeugbau
12%
Elektrotechnik,
Mikroelektronik
9%
Metallerzeugung und
–bearbeitung
13%
Maschinenbau
14%
Ernährungsgewerbe
10%
chemische
Erzeugnisse
13%
pharmazeutische
Erzeugnisse
5%
Gummi und Kunststoff
8%
Handel
17%
n=21
(Mehrfachnennungen möglich)
Quelle: Eigene Erhebung

50
Tabelle 8: Bedeutende LDL im Teilmarkt Stückgutverkehre
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
im Freistaat
Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
Raben Trans European
Germany GmbH
Mannheim
Dresden, Gera, Leipzig
2.500
(national)
280*
(national)
Weck+Poller Holding GmbH
Zwickau
Dresden, Ellefeld,
Kirchberg, Petersberg,
Plauen, Treuen
955
122
Klinikum Chemnitz Logistik-
und Wirtschaftsgesellschaft
mbH
Chemnitz
Chemnitz
350
18,7
Gericke & Co. GmbH
Hohenstein-
Ernstthal
Hohenstein-Ernstthal,
Neumark
150
11,6
Rhenus & Hellmann GmbH
& Co. KG
Bremen
Großschirma,
Zwickau, Leipzig
150
11,6
*Schätzwert
Entwicklungs- und Wachstumspotenziale
Die Logistikdienstleister im Marksegment der allgemeinen Stückgutverkehre sehen sich mit diversen
Herausforderungen konfrontiert. Fehlende Fahrer und Frachtraum begünstigen die Überlegungen der Verlader,
eigene Nahverkehrsfuhrparks zu betreiben. Hinzu kommt eine Erhöhung der LKW-Maut, die seit dem 1. Januar 2019
auch für LKW ab 7,5 Tonnen gilt. Eine Erhöhung der Wirtschaftlichkeit verspricht hingegen die zunehmende Nutzung
von künstlicher Intelligenz, Big Data und umfassender Datenanalyse. Stetige Weiterentwicklungen in diesem Bereich
ermöglichen eine immer effizientere Auslastung der Netze sowie eine akkurate Planung des Laderaums. Auch im
Fokus der prognostizierten Marktentwicklungen stehen digitale Innovationen: Frachtenbörsen vernetzen Nachfrage
und Angebot und schaffen eine schnelle und direkte Kommunikation zwischen Auftraggebern und Dienstleistern,
die Blockchain-Technologie bietet einen sicheren, dezentralen Datenaustausch und ermöglicht den Aufbau eines
internationalen Netzwerks verschiedener relevanter Akteure. Telematik- und Sensoriksysteme tragen zur
vereinfachten Steuerung der Fuhrparks bei und Technologien zur Routenoptimierung verringern den
Prozessaufwand. Ein weiterer Schlüsselaspekt sind alternative und ressourcenschonende Antriebe. Auf Kurz- und
Mittelstrecken sind bereits E-Transporter im Einsatz. Das größte Potenzial liegt hierbei im städtischen Stop-and-go-
Verkehr, der momentan eine Herausforderung für den innerstädtischen Lieferverkehr darstellt.
86 87 88
Wie Abbildung 27 zeigt, haben neue Geschäftsmodelle für den Teilmarkt eine hohe Bedeutung, 38 % der Befragten
sind dieser Ansicht. Auch künftig wird die Bedeutung hoch bleiben. 29 % der Logistikdienstleister haben
Innovationen im Bereich der Lagerhaltungssysteme und im Bereich von neuen Technologien eingeführt. Gründe sind
vor allem die Erschließung neuer Marktchancen und die Verbesserung der Unternehmensperformance sowie die
Reaktion auf den Wettbewerbsdruck. Hemmnisse sind Kosten und Schwierigkeiten im Zugang zu Fördermitteln (stark
relevant für 19 % der Logistikdienstleistungsunternehmen).
86
Vgl. Gieße 2018
87
Vgl. Schwemmer 2018, S. 97ff.
88
Vgl. Nallinger 2018

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51
Abbildung 27: Entwicklungstendenzen des Teilmarktes Stückgutverkehre im Freistaat Sachsen
Im Bereich der Internationalisierung unterscheidet sich der Teilmarkt nicht von anderen, insbesondere werden
grenzüberschreitende Lieferungen durchgeführt und ausländische Auftragnehmer beauftragt. Vornehmlich
investiert wurde trotz der beschriebenen Herausforderungen sowohl in Fahrzeuge (Fernverkehr und Verteilerverkehr)
als auch in EDV-Software und Hardware. Zukünftig sind in diesen Bereichen prozentual noch mehr Investitionen
geplant. 67 % der Logistikdienstleister des Marktsegments bewerten den Fachkräftemangel als sehr bedeutendes
Investitionshemmnis. 45 % beurteilen Bürokratie und Regulierungen als hinderlich. Unterstützungsbedarf wurde
vor allem hinsichtlich der Verbesserung von Fördermechanismen, z. B. bei der Bereitstellung von Informationen,
geäußert.
Teilmarkt 6 - Stückgut-Netzwerktransporte und Mehrwertdienstleistungen
für spezielle Güter
Umsatzstärke
Der Teilmarkt der Stückgut-Netzwerktransporte und Mehrwertdienstleistungen für spezielle Güter hat den kleinsten
Anteil am Umsatz der Logistik im Freistaat Sachsen. Der Anteil des Teilmarktes am Gesamtumsatz der Logistik wird
in Sachsen auf rund 3 % geschätzt. Im Vergleich zu Deutschland ist der Wert damit etwas geringer. Rund 60 % der
transportierten Mengen im Teilmarkt werden an Logistikdienstleister ausgelagert, laut einer Erhebung des Fraunhofer
IIS.
89
Die durchschnittliche Outsourcing-Quote im Freistaat Sachsen ist deutlich höher, 76 % der transportierten
Mengen der Verlader im Teilmarkt werden an Logistikdienstleister fremdvergeben. Die hauptsächlich transportierten
Güter des Teilmarktes sind spezielle Güter, die hohe Anforderungen an den Transport haben. Es werden beispielsweise
Kleider, Einrichtungsgegenstände und elektronische Geräte im Teilmarkt transportiert.
90
89
Vgl. Schwemmer 2018, S. 68f.
90
Vgl. Schwemmer 2018, S. 68f.
zukünftig
gleichbleibende Bedeutung
zukünftig
weniger Innovationen geplant
zukünftig
weniger Aktivitäten geplant
zukünftig
mehr Investitionen geplant
Bedeutung der Bereiche für den Teilmarkt
Neue Geschäftsmodelle
hohe Bedeutung
Investitionen
eher hohe Aktivität
Einführung von Innovationen
eher hohe Aktivität
Internationalisierung
geringe Aktivität

52
Charakterisierung und Geographie
Im betrachteten Teilmarkt bieten ca. 800 (Schätzwert) Betriebe ihre Logistikdienstleistungen an.
91
Die befragten
Logistikdienstleister agieren zu rund 89 % auch in den Teilmärkten der Stückgut- und Teilladungsverkehre sowie
der Lagerhaltung und Terminaldienste. 75 % der Logistikdienstleister bieten auch Leistungen im Teilmarkt der
speziellen Ladungsverkehre und Schwerlastlogistik an.
Die meisten Logistikdienstleistungsbetriebe im Teilmarkt haben unter 500 Beschäftigte (97 %), wie in Abbildung 28
zu sehen ist. 9 % der Betriebe sind der Beschäftigtengrößenklasse 100 bis 500 zuzuordnen und 3 % der Betriebe im
Teilmarkt haben mehr als 500 Beschäftigte.
Abbildung 28: Verteilung der Beschäftigtengrößenklassen der Logistikdienstleister im Teilmarkt Stückgut-Netzwerktransporte
Bei der Verteilung der Hauptsitze der Logistikdienstleister dominiert der Freistaat Sachsen (siehe Abbildung 29).
57 % der befragten Unternehmen haben ihren Hauptsitz in Sachsen, 43 % im übrigen Bundesgebiet, u. a. in Bayern,
Nordrhein-Westfalen und Brandenburg.
Abbildung 29: Verteilung der Unternehmenshauptsitze der Logistikdienstleister im Teilmarkt Stückgut-Netzwerktransporte
91
Datengrundlage für die Schätzung ist die Firmendatenbank der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (Stichprobe)
weniger als 10
Beschäftigte
50%
10 bis 100
Beschäftigte
38%
100 bis 500
Beschäftigte
9%
mehr als 500
Beschäftigte
3%
n = 34
Quelle: Eigene Erhebung; Eigene Berechnung nach Firmendatenbank Sachsen (2019)
Hauptsitz in Sachsen
57%
Hauptsitz außerhalb
43%
n=7
Quelle: Eigene Erhebung

53
Nachfragebranchen
Die Nachfrager des Teilmarktes Stückgut-Netzwerktransporte sind hauptsächlich der Fahrzeugbau, der
Maschinenbau und der Handel (zu je 14 %) (siehe Abbildung 30). Die geringeren Anteile an der Nachfrage im
Teilmarkt weisen die Branche des Ernährungsgewerbes mit 7 % und die Hersteller von pharmazeutischen
Erzeugnissen mit 5 % auf.
Abbildung 30: Verteilung der Beschäftigtengrößenklassen der Logistikdienstleister im Teilmarkt Stückgut-Netzwerktransporte
Bedeutende Akteure in der Marktstruktur
Sofern nicht anders angegeben, wurden die Unternehmensdaten aus der Befragung, der Unternehmensdatenbank
Sachsen sowie den jeweiligen Unternehmens-Webseiten herangezogen, um bedeutende Unternehmen
(Logistikdienstleister) für den Teilmarkt darzustellen. Die Beschäftigtenzahlen und die Umsatzhöhe beziehen sich,
sofern nicht anders vermerkt, jeweils auf den Freistaat Sachsen. Es wurden die zum Zeitpunkt der Studie aktuellsten
Daten der Unternehmen (2017/18) berücksichtigt.
Tabelle 9: Bedeutende LDL im Teilmarkt Stückgut-Netzwerktransporte
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
im Freistaat
Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
System Alliance GmbH
Niederaula
Ottendorf-Okrilla,
Großschirma
10.000
(national)
775
(national)
Weck+Poller Holding
GmbH
Zwickau
Dresden, Ellefeld,
Kirchberg,
Petersberg, Plauen,
Treuen
955
122
Emons Spedition GmbH/
Emons-Rail-Cargo GmbH
Köln
Leipzig, Dresden,
Glauchau
129
50
Hanitzsch GmbH & Co. KG
Wilsdruff
Wilsdruff
180
13
S.T.a.R.
Kooperationsgesellschaft
Homberg
Strehla, Leipzig,
Zwickau
2.900
(national)
k. A.
Fahrzeugbau
14%
Elektrotechnik,
Mikroelektronik
12%
Metallerzeugung und
–bearbeitung
12%
Maschinenbau
14%
Ernährungsgewerbe
7%
chemische
Erzeugnisse
12%
pharmazeutische
Erzeugnisse
5%
Gummi und Kunststoff
10%
Handel
14%
n=8
(Mehrfachnennungen möglich)
Quelle: Eigene Erhebung

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54
Entwicklungs- und Wachstumspotenziale
Auch im zweiten Teilmarkt
„Stückgut-Netzwerktransporte
und Mehrwertdienstleistungen für spezielle Güter“ des
Marktbereichs
„Landverkehre –
Stückgutverkehre“ hebt sich der Personal- bzw. Fahrermangel als große Heraus-
forderung hervor. Hinzu kommen komplexer werdende Transportanforderungen sowie die steigende Nachfrage nach
Mehrwertdienstleistungen, die durch den Trend der kontinuierlichen Auslagerung von Services an
Logistikdienstleister bedingt ist. Wachstumsseitig sind sowohl steigende Transportaufträge im Segment High-Tech
und Messe- bzw. Eventlogistik als auch im Bereich des Möbel-E-Commerce zu verzeichnen. Rückläufig zeigt sich
hingegen der Bereich der hängenden Kleider bzw. Luxus-Bekleidung, der spezieller Transportbehandlung bedarf.
92
Wie Abbildung 31 zeigt, haben neue Geschäftsmodelle aktuell eine hohe Bedeutung im Teilmarkt. Innovationen
wurden laut der Befragung in verschiedensten Bereichen eingeführt, u. a. im Bereich digitales Supply-Chain-
Management und elektronische Beschaffung. Zukünftig sind deutlich weniger Innovationen geplant. Einschränkend
für die Aufnahme und Durchführung von Innovationsaktivitäten sind zum einen Kosten und zum anderen der
Mangel an geeignetem Fachpersonal. Wesentlicher Unterstützungsbedarf liegt u. a. auch beim Standortmarketing.
Abbildung 31: Entwicklungstendenzen des Teilmarktes Stückgut-Netzwerktransporte im Freistaat Sachsen
Im Bereich Internationalisierung sind Logistikdienstleister im Teilmarkt gut aufgestellt und führen Aktivitäten in
unterschiedlichen Bereichen durch. Die Suche und Auswahl verlässlicher Geschäftspartner sowie Unsicherheiten bei
der Anwendung internationalen Vertragsrechts sind hemmende Aspekte für etwaige Aktivitäten. Zukünftig werden
vor allem Investitionen in Fahrzeuge steigen, ebenso wie in EDV-Soft- und Hardware, aber auch in Regale und
Lagerhallen. Demzufolge erfolgt eine Kapazitätserhöhung in diesem Teilmarkt. Wie auch in anderen Teilmärkten stellt
der Fachkräftemangel das bedeutendste Investitionshemmnis dar. Im Gegensatz zu anderen Teilmärkten ist aber
auch der Mangel an geeigneten (Expansions-) Flächen ein Problem für Logistikdienstleister der Stückgut- und
Netzwerktransporte und wirkt sich hinderlich auf Investitionsaktivitäten aus.
92
Vgl. Schwemmer 2018, S. 103ff.
zukünftig
Gewinn an Bedeutung
zukünftig
weniger Innnovationen geplant
zukünftig
weniger Aktivitäten geplant
zukünftig
mehr Investitionen geplant
Bedeutung der Bereiche für den Teilmarkt
Neue Geschäftsmodelle
Einführung von Innovationen
Internationalisierung
hohe Bedeutung
hohe Aktivität
eher hohe Aktivität
Investitionen
hohe Aktivität
starke Veränderung (< als -10% | > als 10%)
moderate Veränderung ( > als -10% | < als 10%)
Stagnation (-5% bis 5%)

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55
Teilmarkt 7
Industrielle Kontraktlogistik, Produktions- und
Ersatzteilversorgungslogistik
Umsatzstärke
Die industrielle Kontraktlogistik hat den größten Anteil am Logistikumsatz in Deutschland. Dies ist vor allem auf die
hohe Wertigkeit der transportierten Güter im Teilmarkt zurückzuführen. So ist ein großer Anteil des gesamten
Automobillogistikvolumens der Kontraktlogistik zuzuordnen.
93
Im Vergleich zu Deutschland wird der Anteil des
Teilmarktes am Gesamtumsatz der Logistik im Freistaat Sachsen höher eingeschätzt (auf 31 %), da
überdurchschnittlich viel Industrie, die in diesem Teilmarkt agiert, ansässig ist. 25 % des Teilmarktes sind laut
Fraunhofer IIS an Logistikdienstleister auf nationaler Ebene vergeben, die Befragung der Unternehmen im Freistaat
Sachsen zeigt, dass Unternehmen die transportierten Mengen im Teilmarkt sogar zu 100 % auslagern. Die
hauptsächlich transportierten Güter im Teilmarkt sind geprägt durch industrielle Erzeugnisse. So werden Stückgüter,
(Teil-) Ladungsgüter und Ersatzteile transportiert.
94
Der Teilmarkt der industriellen Kontraktlogistik ist im Gegensatz
zu anderen Teilmärkten sehr industrienah und kaum von Bedeutung für die Auslieferung an den Endkunden.
Charakterisierung und Geographie
Geschätzte 300 Logistikdienstleister agieren im Freistaat Sachsen im Marktsegment der industriellen
Kontraktlogistik.
95
Zu einem Großteil decken befragte Logistikdienstleistungsbetriebe dieses Teilmarktes auch
Leistungen im Teilmarkt „Lagerhaltung und Terminaldienste“ ab (80
%) und 70 % der Betriebe sind auch in den
Teilmärkten der Ladungsverkehre mit speziellem Equipment/Schwerlastlogistik und für Stückgut- und
Teilladungsverkehre tätig. Auffällig für diesen Teilmarkt ist, dass vergleichsweise viele Betriebe mit mehr als 500
Beschäftigten vertreten sind. Die Anzahl der Logistikdienstleistungsbetriebe in diesem Teilmarkt ist dagegen im
Vergleich zu anderen Teilmärkten eine der geringsten.
Mit etwa 77 % haben die meisten Unternehmen im Teilmarkt 10 bis 100 Beschäftigte. Lediglich 7 % der Betriebe
haben weniger als 10 Beschäftigte, was im Vergleich zu den anderen Teilmärkten ein äußerst geringer Wert ist.
Jeweils 8 % der Betriebe im Teilmarkt haben 100 bis 500 bzw. mehr als 500 Beschäftigte. Besonders der
vergleichsweise hohe Anteil an Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten ist in diesem Teilmarkt auffällig.
Abbildung 32: Verteilung der Beschäftigtengrößenklassen der Logistikdienstleister im Teilmarkt industrielle Kontraktlogistik
93
Vgl. Schwemmer 2018, S. 118
94
Vgl. Schwemmer 2018, S. 117ff.
95
Datengrundlage für die Schätzung ist die Firmendatenbank der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (Stichprobe)
weniger als 10
Beschäftigte
7%
10 bis 100
Beschäftigte
77%
100 bis 500
Beschäftigte
8%
mehr als 500
Beschäftigte
8%
n = 13
Quelle: Eigene Erhebung; Eigene Berechnung nach Firmendatenbank Sachsen (2019)

56
55 % der im Teilmarkt agierenden Logistikdienstleister haben ihren Hauptsitz in Sachsen (siehe Abbildung 33). 45 %
der Unternehmen haben den Hauptsitz größtenteils in den Bundesländern Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern,
aber auch in Hamburg. Mehrheitlich sind die Logistikdienstleister im betrachteten Teilmarkt in Leipzig und Dresden
ansässig.
Abbildung 33: Verteilung der Unternehmenshauptsitze der Logistikdienstleister im Teilmarkt industrielle Kontraktlogistik
Nachfragebranchen
Wichtige Nachfragebranchen von Logistikdienstleistern im Bereich industrielle Kontraktlogistik ist der Maschinenbau
(18 %), die Metallerzeugung und -bearbeitung (13 %) sowie der Fahrzeugbau (13 %). Insgesamt nimmt die
Industriebranche der chemischen und pharmazeutischen Erzeugnisse, Gummi und Kunststoff unter den Nachfragern
auch einen bedeutenden Anteil ein. Das Fraunhofer IIS stellt heraus, dass national in diesem Bereich noch Potenzial
für eine weitere Auslagerung von Logistikprozessen besteht.
96
Abbildung 34: Verteilung der Nachfragebranchen der Logistikdienstleister im Teilmarkt industrielle Kontraktlogistik
96
Vgl. Schwemmer 2018, S. 117ff.
Hauptsitz in Sachsen
55%
Hauptsitz außerhalb
45%
n=10
Quelle: Eigene Erhebung
Fahrzeugbau
13%
Elektrotechnik,
Mikroelektronik
8%
Metallerzeugung und
–bearbeitung
13%
Maschinenbau
18%
Ernährungsgewerbe
10%
chemische
Erzeugnisse
8%
pharmazeutische
Erzeugnisse
5%
Gummi und Kunststoff
10%
Handel
18%
n=10
(Mehrfachnennungen möglich)
Quelle: Eigene Erhebung

57
Bedeutende Akteure in der Marktstruktur
Sofern nicht anders angegeben, wurden die Unternehmensdaten aus der Befragung, der Unternehmensdatenbank
Sachsen sowie den jeweiligen Unternehmens-Webseiten ausgewertet, um bedeutende Unternehmen
(Logistikdienstleister) für den Teilmarkt darzustellen. Die Beschäftigtenzahlen und die Umsatzhöhe beziehen sich,
sofern nicht anders vermerkt, jeweils auf den Freistaat Sachsen. Es wurden die zum Zeitpunkt der Studie aktuellsten
Daten der Unternehmen (2017/18) berücksichtigt.
Tabelle 10: Bedeutende LDL im Teilmarkt industrielle Kontraktlogistik
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
in Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
DB Schenker/Schenker
Deutschland AG
Frankfurt
am Main
Chemnitz, 3 Betriebe
in Dresden, Grimma
16.100
(national)
4.100
(national)
Schnellecke Group AG &
Co. KG
Wolfsburg
10 Standorte in
Dresden, Glauchau,
Leipzig, Zwickau
18.927
(weltweit)
1.081
(weltweit)
Kühne + Nagel AG & Co.
KG
Hamburg
Leipzig, Chemnitz,
Dresden
15.000
(national)
2.775
(national)
Leesys - Leipzig Electronic
Systems GmbH
Leipzig
Leipzig
398
199
Weck+Poller Holding
GmbH
Zwickau
Dresden, Ellefeld,
Kirchberg, Petersberg,
Plauen, Treuen
955
122
Entwicklungs- und Wachstumspotenziale
Die dominierende Nachfragebranche im Marktsegment der industriellen Kontraktlogistik und der Produktions- und
Ersatzteilversorgungslogistik ist die Automobilindustrie. Entsprechend bietet das zukunftsträchtige Wachstumsfeld
der Elektroautos neue Chancen für Dienstleistungen im Bereich Lagerung und Transport von Batterien.
Herausforderungen bestehen in globalen Handelsrestriktionen sowie den protektionistischen Tendenzen der
Weltwirtschaft. Hierzu zählen neben dem bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU auch steigende US-
amerikanische Importzölle. Eine weitere Herausforderung stellen die zunehmenden Kontrollen an den
Grenzübergängen nach bzw. von Österreich dar: Es entstehen
meist unabsehbare
längere Wartezeiten, die einer
Forderungszunahme seitens der Verlader nach Just-in-time Lieferungen gegenüberstehen. Entwicklungsseitig
gewinnt die Nachfrage von Mehrwertdienstleistungen an Bedeutung, die einen Trend zur Betreuung der gesamten
Supply Chain erkennen lässt, was mit einer Tendenz zu langfristigen Verträgen einhergeht. Eine weitere bedeutende
Rolle wird im Kontext der Digitalisierung auch die Einführung einer Industrial Blockchain spielen.
97
Aktuell haben für die Befragten des Teilmarktes im Freistaat Sachsen neue Geschäftsmodelle und die Einführung von
Innovationen eine eher geringe Bedeutung. Bemerkenswert ist aber, dass die Bedeutung in beiden Bereichen für die
Zukunft als deutlich ansteigend eingeschätzt wird. 90 % der Logistikdienstleister geben an, dass insbesondere die
Digitalisierung für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit eine hohe Bedeutung haben wird. In 80 % der Fälle ist
die Digitalisierung bereits fester Bestandteil der (logistischen) Geschäftsstrategie. Ein starkes Hemmnis für
Innovationsaktivitäten sind die Kosten, der Mangel an unternehmensinternen Finanzierungsquellen und
Schwierigkeiten im Zugang zu Fördermitteln. Unterstützungsbedarf besteht hauptsächlich hinsichtlich des Ausbaus
der Breitbandanbindung im Freistaat Sachsen.
97
Vgl. Schwemmer 2018, S. 122

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58
Abbildung 35: Entwicklungstendenzen des Teilmarktes industrielle Kontraktlogistik im Freistaat Sachsen
Im Bereich Internationalisierung werden vor allem grenzüberschreitende Lieferungen durchgeführt. 40 % der
Logistikdienstleister haben Niederlassungen im Ausland, im Vergleich zu den anderen Teilmärkten ist dieser Anteil
relativ hoch. Logistikdienstleister des Teilmarktes industrielle Kontraktlogistik investieren vor allem in Fahrzeuge und
Zertifizierungsaktivitäten. Zusätzlich geplant sind auch Investitionen in die Optimierung des Versands durch Re-
Design von Produktion oder Verpackungen und in Auftragsvermittlungssysteme. Für die Mehrheit stellt der
Fachkräftemangel ein Investitionshemmnis dar. Handlungsbedarf sehen Logistikdienstleister hinsichtlich einer
flexibleren Gestaltung von Fördermöglichkeiten und -bedingungen.
Teilmarkt 8
Konsumgüterdistribution und -kontraktlogistik
Umsatzstärke
Die Konsumgüterdistribution und -kontraktlogistik hat nach dem Teilmarkt der industriellen Kontraktlogistik den
zweithöchsten Anteil am Logistikumsatz in Deutschland. Für den Freistaat Sachsen wird der Anteil am Logistikumsatz
auf etwa den gleichen Wert wie für Deutschland geschätzt (rund 11 %). Die Outsourcing-Quote der Verlader für
diesen Teilmarkt wird auf rund 35 % geschätzt.
98
Befragte Unternehmen im Freistaat Sachsen gaben im Gegensatz
dazu eine Outsourcing-Quote von 100 % der transportierten Mengen im Teilmarkt an. Es lässt sich festhalten, dass
der Trend zu einer höheren Fremdvergabe im Freistaat Sachsen besteht. Die hauptsächlich transportierten Güter des
Teilmarkts sind Konsumgüter wie Lebensmittel und Getränke, ebenso wie Gebrauchsgüter des alltäglichen
Haushaltsbedarfs. Der Teilmarkt ist geprägt durch typische Güter des Einzelhandels.
99
98
Vgl. Schwemmer, S. 112ff.
99
Vgl. Schwemmer, S. 112ff.
zukünftig
Gewinn an Bedeutung
zukünftig
mehr Innovationen geplant
zukünftig
weniger Aktivitäten geplant
zukünftig
gleich viele Investitionen geplant
Bedeutung der Bereiche für den Teilmarkt
Internationalisierung
Einführung von Innovationen
Neue Geschäftsmodelle
eher geringe Aktivität
geringe Aktivität
eher geringe Bedeutung
Investitionen
hohe Aktivität

59
Charakterisierung und Geographie
Rund 450 (Schätzwert) Logistikdienstleistungsbetriebe bieten im Teilmarkt ihre Leistungen an.
100
86 % der befragten
Unternehmen agieren auch im Teilmarkt der Stückgutverkehre und 71
% im Teilmarkt „Lagerhaltung und
Terminaldienste“. Weiterhin sind rund 57
% auch im Teilmarkt der industriellen Kontraktlogistik tätig.
Mit etwa 88 % haben die meisten Logistikdienstleister im Teilmarkt weniger als 100 Beschäftigte. Lediglich 9 % der
Betriebe haben 100 bis 500 Beschäftigte und etwa 3 % der Betriebe haben mehr als 500 Beschäftigte.
Abbildung 36: Verteilung der Beschäftigtengrößenklassen der Logistikdienstleister im Teilmarkt Konsumgüterdistribution und -
kontraktlogistik
Die Verteilung der Unternehmenshauptsitze der Logistikdienstleister konzentriert sich - im Gegensatz zu den meisten
anderen Teilmärkten - nicht auf den Freistaat Sachsen. 67 % der befragten Logistikdienstleister haben ihren Hauptsitz
außerhalb Sachsens (siehe Abbildung 37), so z. B. in Nordrhein-Westfalen und Hessen.
Abbildung 37: Verteilung der Unternehmenshauptsitze der Logistikdienstleister im Teilmarkt Konsumgüterdistribution und -
kontraktlogistik
100
Datengrundlage für die Schätzung ist die Firmendatenbank der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (Stichprobe)
weniger als 10
Beschäftigte
50%
10 bis 100
Beschäftigte
38%
100 bis 500
Beschäftigte
9%
mehr als 500
Beschäftigte
3%
n = 34
Quelle: Eigene Erhebung; Eigene Berechnung nach Firmendatenbank Sachsen (2019)
Hauptsitz in Sachsen
33%
Hauptsitz außerhalb
67%
n=6
Quelle: Eigene Erhebung

60
Nachfragebranchen
Aufgrund der typischen Güter des Teilmarktes ist der Handel der größte Nachfrager von Logistikdienstleistungen
(21 %) (siehe Abbildung 38). Weitere Nachfrager sind zudem die Branche der Metallerzeugung und -bearbeitung
sowie des Maschinenbaus (je 17 %).
Abbildung 38: Verteilung der Nachfragebranchen der Logistikdienstleister im Teilmarkt Konsumgüterdistribution und -kontrakt-
logistik
Bedeutende Akteure in der Marktstruktur
Sofern nicht anders angegeben, wurden die Unternehmensdaten aus der Befragung, der Unternehmensdatenbank
Sachsen sowie den jeweiligen Unternehmens-Webseiten ausgewertet, um bedeutende Unternehmen (Logistik-
dienstleister) für den Teilmarkt darzustellen. Die Beschäftigtenzahlen und die Umsatzhöhe beziehen sich, sofern nicht
anders vermerkt, jeweils auf den Freistaat Sachsen. Es wurden die zum Zeitpunkt der Studie aktuellsten Daten der
Unternehmen (2017/18) berücksichtigt.
Tabelle 11: Bedeutende LDL im Teilmarkt Konsumgüterdistribution und -kontraktlogistik
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
im Freistaat
Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
DACHSER SE
Kempten
Dresden (Standort
Radeburg)
200
3.700
(weltweit)
CEVA Logistics GmbH
New York
(USA)
Leipzig
80
1.668
(weltweit)
Emons Spedition GmbH
Köln
Dresden, Leipzig,
Glauchau
129
50
World Courier
(Deutschland) GmbH
Frankfurt/Main
Leipzig
15
k. A.
DSV Air & Sea GmbH
(Tochterunternehmen der
dänischen DSV-Gruppe)
Bremen
Leipzig
846
(national)
k. A.
Fahrzeugbau
13%
Metallerzeugung und
–bearbeitung
17%
Maschinenbau
17%
Ernährungsgewerbe
13%
chemische
Erzeugnisse
13%
pharmazeutische
Erzeugnisse
4%
Gummi und Kunststoff
4%
Handel
21%
n=6
(Mehrfachnennungen möglich)
Quelle: Eigene Erhebung

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61
Entwicklungs- und Wachstumspotenziale
Im Marktbereich Kontraktlogistik stellen die seit Jahren kontinuierlich über 10 % betragenden Wachstumsraten des
Online-Lebensmittelhandels das größte Entwicklungspotenzial für den Teilmarkt der Konsumgüterdistribution und
-kontraktlogistik inkl. temperaturgeführter Logistik dar. Schon heute tritt der Bereich Lebensmittel in diesem
Marktsegment als mit Abstand größte Nachfragebranche auf, was mit steigender Transporttaktung durch
Interneteinkäufe der Endkonsumenten weiter verstärkt wird. Auch im Freistaat Sachsen ist der Handel die größte
Nachfragebranche. Die zunehmende Digitalisierung im Bereich E-Commerce bedingt dabei die Umstellung der
Leistungen
von
Logistikdienstleistern
hin
zur
Erweiterung
des
Portfolios
um
„Value
Added Services“ (Mehrwertdienstleistungen). Eine weitere Herausforderung ist der gestiegene Anspruch der Kunden,
die neben kurzen Lieferzeiten ein umfassendes Sortiment erwarten. Für Dienstleister bedeutet dies eine Verringerung
der Lagerbestände bei gleichzeitiger Erweiterung der Produktpalette.
101 102
Für Logistikdienstleister des Teilmarktes im Freistaat Sachsen haben neue Geschäftsmodelle eine hohe Bedeutung,
60 % der befragten Logistikdienstleistungsunternehmen bestätigen dies.
Abbildung 39: Entwicklungstendenzen des Teilmarktes Konsumgüterdistribution und -kontraktlogistik im Freistaat Sachsen
Die Einführung von Innovationen erfolgt eher in Einzelfällen. Als Gründe werden die Erschließung neuer
Marktchancen, die Verbesserung der Unternehmensperformance und die Reaktion auf Wettbewerbsdruck angegeben.
Starke Innovationshemmnisse sind für die Akteure zum einen die entstehenden Kosten und zum anderen der Mangel
an geeignetem Fachpersonal.
Logistikdienstleister, die Leistungen im Teilmarkt anbieten, beauftragen zu 70 % ausländische Auftragnehmer und
führen in 100 % der Fälle grenzüberschreitende Lieferungen durch. Als Problem wird durch die befragten
Logistikdienstleister
im
Teilmarkt
wahrgenommen,
dass
keine
klare,
abgestimmte
und
priorisierte
unternehmenseigene Internationalisierungsstrategie vorhanden ist. Als Investitionshemmnis wird vor allem der
Fachkräftemangel gesehen. In den letzten drei Jahren wurde vornehmlich in Fahrzeuge für den Fernverkehr, in
Flurförderfahrzeuge und in EDV-Soft- und Hardware (in über 60 % der Fälle) investiert. Über 70 % der
Logistikdienstleister investierten auch in Zertifizierungsaktivitäten. Insgesamt sind auch in Zukunft verstärkt
Investitionen in diesen Bereichen geplant sowie z. B. im Erwerb von Flächen.
101
Vgl. Schwemmer 2018, S. 116
102
Vgl. Bovensiepen & Rumpff 2018
zukünftig
gleichbleibende Bedeutung
zukünftig
weniger Innovationen geplant
zukünftig
weniger Aktivitäten geplant
zukünftig
mehr Investitionen geplant
Bedeutung der Bereiche für den Teilmarkt
Neue Geschäftsmodelle
hohe Bedeutung
Investitionen
eher geringe Aktivität
Einführung von Innovationen
geringe Aktivität
Internationalisierung
hohe Aktivität
starke Veränderung (< als -10% | > als 10%)
moderate Veränderung ( > als -10% | < als 10%)
Stagnation (-5% bis 5%)

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62
Teilmarkt 9
Terminaldienste, Lagerei-, Umschlags- und sonstige auf
Terminals bezogene logistische Mehrwertleistungen
Umsatzstärke
Der Marktbereich Standortlogistik umfasst das Marktsegment der Terminaldienste und Lagerei-, Umschlags- und
sonstigen auf Terminals bezogenen logistischen Mehrwertleistungen. Der Anteil des Teilmarktes der Terminaldienste
und Lagerei am Logistikumsatz wird für den Freistaat Sachsen mit unter 9 % etwas geringer eingeschätzt als für den
Anteil am Gesamtumsatz der Logistik in Deutschland. Die Logistikregion Leipzig/Halle zählt laut einer Studie von
Jones Lang Lasalle SE 2019 nicht
mehr zu den großen „Big 5“ der Regionen mit den bundesweit höchsten
Logistikflächenumsätzen.
103
Hieraus lässt sich schließen, dass die Umsätze in Sachsen für dieses Marktsegment
bundesweit eher unterdurchschnittlich anzusetzen sind. Der Anteil der fremdvergebenen Logistikaktivitäten im
Teilmarkt beträgt bundesweit rund 40 % am Umsatz.
104
Dieser Anteil kann auf den Freistaat Sachsen übertragen
werden. Der Teilmarkt ist nicht auf besondere Güter spezialisiert, sondern bietet Leistungspotenziale für alle
Gütergruppen. Insbesondere Waren, die über den Im- und Export gehandelt werden, sind von Bedeutung für den
Teilmarkt. Ein großer Anteil des Teilmarktes ist aber auch Lagern in kleineren Betrieben zuzuschreiben.
105
Charakterisierung und Geographie
Im betrachteten Teilmarkt bieten fast 1.600 (Schätzwert) Betriebe Logistikdienstleistungen im Freistaat Sachsen an.
106
Der Teilmarkt der Terminaldienste und Lagerhaltung kann als ein Querschnittsbereich angesehen werden, der fast
jeden Betrieb betrifft. 73 % der befragten Logistikdienstleister agieren auch im Teilmarkt der Konsumgüter-
distribution und -kontraktlogistik und 50 % im Bereich der allgemeinen Ladungsverkehre. Weitere 42 % sind im
Teilmarkt der Stückgutverkehre aktiv. Die überwiegende Anzahl der Betriebe im Teilmarkt erbringen sonstige
Dienstleistungen für den Verkehr, u. a. Speditionsleistungen. Weitere Bereiche sind sowohl Lagerei, Frachtumschlag,
Güterbeförderung in der Luftfahrt und Raumtransport als auch Güterbeförderung im Eisenbahnverkehr.
Im Teilmarkt Terminaldienste und Lagerhaltung haben die meisten Betriebe (62 %) 10 bis 100 Beschäftigte und 24 %
haben weniger als 10 Beschäftigte. Etwa 11 % der Betriebe beschäftigen 100 bis 500 Angestellte und rund 3 % haben
mehr als 500 Beschäftigte.
Abbildung 40: Verteilung der Beschäftigtengrößenklassen der Logistikdienstleister im Teilmarkt Terminaldienste & Lagerhaltung
103
Vgl. Tschammler & Weber 2019
104
Vgl. Schwemmer 2018, S. 123
105
Vgl. Schwemmer 2018, S. 124
106
Datengrundlage für die Schätzung ist die Firmendatenbank der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (Stichprobe)
weniger als 10
Beschäftigte
24%
10 bis 100
Beschäftigte
62%
100 bis 500
Beschäftigte
11%
mehr als 500
Beschäftigte
3%
n = 66
Quelle: Eigene Erhebung; Eigene Berechnung nach Firmendatenbank Sachsen (2019)

63
Die meisten der befragten Logistikdienstleister, die im betrachteten Teilmarkt Leistungen anbieten, haben ihren
Hauptsitz im Freistaat Sachsen (siehe Abbildung 41). 31 % der Unternehmenshauptsitze sind in anderen
Bundesländern beheimatet, wie z. B. in Rheinland-Pfalz, Bayern und Niedersachsen.
Abbildung 41: Verteilung der Unternehmenshauptsitze der Logistikdienstleister im Teilmarkt Terminaldienste und Lagerhaltung
Nachfragebranchen
Die Nachfragerbranchen von Dienstleistungen des Teilmarktes sind divers aufgestellt und haben anteilig fast die
gleichen Werte (siehe Abbildung 42). Der größte Anteil an der Nachfrage wird durch den Handel abgebildet, der einen
hohen Bedarf an Lägern aufweist. Mit einem Anteil von rund 14 % an der Nachfrage folgen Hersteller von
chemischen Erzeugnissen und die Branche des Maschinenbaus.
Abbildung 42: Verteilung der Nachfragebranchen der Logistikdienstleister im Teilmarkt Terminaldienste und Lagerhaltung
Hauptsitz in Sachsen
69%
Hauptsitz außerhalb
31%
n=26
Quelle: Eigene Erhebung
Fahrzeugbau
11%
Elektrotechnik,
Mikroelektronik
11%
Metallerzeugung und
–bearbeitung
11%
Maschinenbau
14%
Ernährungsgewerbe
10%
chemische
Erzeugnisse
14%
pharmazeutische
Erzeugnisse
6%
Gummi und Kunststoff
9%
Handel
17%
n=26
(Mehrfachnennungen möglich)
Quelle: Eigene Erhebung

64
Bedeutende Akteure in der Marktstruktur
Sofern nicht anders angegeben, wurden die Unternehmensdaten aus der Befragung, der Unternehmensdatenbank
Sachsen sowie den jeweiligen Unternehmens-Webseiten ausgewertet, um bedeutende Unternehmen
(Logistikdienstleister) für den Teilmarkt darzustellen. Die Beschäftigtenzahlen und die Umsatzhöhe beziehen sich,
sofern nicht anders vermerkt, jeweils auf den Freistaat Sachsen. Es wurden die zum Zeitpunkt der Studie aktuellsten
Daten der Unternehmen (2017/18) berücksichtigt.
Tabelle 12: Bedeutende LDL im Teilmarkt Terminaldienste und Lagerhaltung
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
im Freistaat
Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
Mitteldeutsche Flughafen
AG
Leipzig
Leipzig, Dresden
1.000
150
Weck+Poller Holding
GmbH
Zwickau
Dresden, Ellefeld,
Kirchberg, Petersberg,
Plauen, Treuen
955
122
Emons Spedition GmbH/
Emons-Rail-Cargo GmbH
Köln
Leipzig, Dresden,
Glauchau
129
50
Mugler AG
Oberlungwitz
Oberlungwitz
260
40
SBO Sächsische Binnen-
häfen Oberelbe GmbH
Dresden
Torgau, Dresden, Riesa
107
17,5
Entwicklungs- und Wachstumspotenziale
Aufgrund des kaum noch zu steigernden inländischen Konsums müssen fehlende nationale Impulse durch den
wirtschaftlichen Aufschwung der mittel- und osteuropäischen Länder ausgeglichen werden, deren steigende
Nachfrage einen erheblichen Zuwachs globaler Handelsströme bedeutet. Im Fokus der Marktentwicklung stehen
indes die Digitalisierung in Form von elektronischen Registrierungs- und Verladeprozessen oder papierlosem
Dokumententransfer sowie die zunehmende Automatisierung im Bereich der Be- und Entladung und der
innerbetrieblichen Förderung. Letztere wird besonders in diesem Teilmarkt durch die Homogenität der Container
begünstigt, die automatisierte Abwicklungen erleichtert.
107
Neue Geschäftsmodelle werden aktuell und künftig als bedeutend wahrgenommen. Im Freistaat Sachsen zeigt sich,
dass Logistikdienstleister zu 80 % in EDV-Soft- und Hardware und in Flurförderfahrzeuge investieren. Insgesamt sind
künftig noch mehr Investitionen auch in diesen Bereichen geplant (siehe Abbildung 43). Innovationen sind
insbesondere bedeutend für Lagerhaltungssysteme, elektronische Beschaffung und neue Technologien. Insgesamt
zeigt sich, dass der Teilmarkt eine hohe Innovationsaffinität hat.
107
Vgl. Schwemmer 2018, S. 125f.

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65
Abbildung 43: Entwicklungstendenzen des Teilmarktes Terminaldienste und Lagerhaltung im Freistaat Sachsen
Treiber für die Einführung von Innovationen sind die Erschließung neuer Marktchancen und die Verbesserung der
Unternehmensperformance. Die geplanten Logistikinnovationen führen beim Großteil der Logistikdienstleister
jedoch
nicht
automatisch
zu
neuen
Geschäftsmodellen.
Die
Aufnahme
und
Durchführung
von
Innovationsaktivitäten hängt sehr stark von den Kosten sowie vom Einsatz des geeigneten Fachpersonals ab. So wird
der Unterstützungsbedarf vor allem in der Ausbildung und im Sourcing von Fachkräften gesehen.
Im Bereich der Internationalisierung führen 65 % der Logistikdienstleister im Teilmarkt grenzüberschreitende
Lieferungen durch. Diese werden künftig aber sinken. Wesentliche Hemmnisse für Internationalisierungs-
bemühungen sind unzureichende personelle Kapazitäten sowie die Suche und Auswahl verlässlicher
Geschäftspartner. In den letzten drei Jahren investierten Logistikdienstleister hauptsächlich in EDV-Soft- und
Hardware, Flurförderfahrzeuge und Fahrzeuge für den Verteilerverkehr sowie in Zertifizierungsaktivitäten. Zukünftig
planen noch mehr Unternehmen in die Digitalisierung (EDV-Soft- und Hardware) und in den Erwerb von Flächen
sowie in Lagerhallen zu investieren. Sehr bedeutende Investitionshemmnisse für Logistikdienstleister des Teilmarktes
stellen im Allgemeinen Bürokratie und Regulierungen sowie der Fachkräftemangel dar. Weniger bedeutend sind
Unternehmenssteuern.
Teilmarkt 10
KEP (Kurier-, Express- und Paketdienste)
Umsatzstärke
Der Anteil des Teilmarktes der Kurier-, Express- und Paketdienste wird im Freistaat Sachsen etwas höher als auf
bundesdeutscher Ebene eingeschätzt und beläuft sich auf einen Anteil von 8 % am Gesamtumsatz der Logistik in
Sachsen. Grund hierfür ist das hohe KEP-Sendungsvolumen pro Kopf im Freistaat Sachsen im Vergleich zu anderen
Bundesländern. Kaufkraftunterschiede und Unterschiede in der wirtschaftlichen Bedeutung einzelner Branchen
beeinflussen das regionale Sendungsvolumen.
108
Damit ist auch die Nachfrage nach KEP-Dienstleistungen
überdurchschnittlich hoch. Der Teilmarkt der KEP-Dienste ist sehr affin für die Fremdvergabe, da sich die Erbringung
der Leistungen für die Verlader selbst nur in sehr geringem Maße lohnt. Das Fraunhofer IIS schätzt den Anteil der
Fremdvergabe auf 94 %. Die Befragung von Unternehmen im Freistaat Sachsen bestätigt diesen hohen Wert, laut
der Umfrage werden durchschnittlich 84 % der Logistikaktivitäten im Teilmarkt KEP an Logistikdienstleister
108
Vgl. Bundesverband Paket & Express Logistik BIEK 2018
zukünftig
gleichbleibende Bedeutung
zukünftig
gleich viele Innovationen geplant
zukünftig
weniger Aktivitäten geplant
zukünftig
mehr Investitionen geplant
Bedeutung der Bereiche für den Teilmarkt
Neue Geschäftsmodelle
Einführung von Innovationen
Internationalisierung
hohe Bedeutung
hohe Aktivität
eher geringe Aktivität
Investitionen
eher hohe Aktivität
starke Veränderung (< als -10% | > als 10%)
moderate Veränderung ( > als -10% | < als 10%)
Stagnation (-5% bis 5%)

66
ausgelagert. Zu den vorwiegend transportierten Gütern zählen insbesondere die Waren von Versandhandels-
unternehmen und klassische Verbrauchsgüter.
109
Charakterisierung und Geographie
Rund 400 (Schätzwert) Logistikdienstleistungsbetriebe im Freistaat Sachsen sind im betrachteten Teilmarkt aktiv.
110
Zu einem Großteil agieren die befragten Logistikdienstleister auch in den Teilmärkten der Stückgutverkehre und im
Marktsegment „Lagerhaltung und Terminaldienste“ (zu je 44
%).
Der Großteil (94 %) der Betriebe in diesem Teilmarkt hat weniger als 100 Beschäftigte. Die restlichen 6 % der Betriebe
haben mehr als 500 Beschäftigte und keines der Unternehmen mit 100 bis 500 Beschäftigten wurde diesem Teilmarkt
zugeordnet. Aufgrund der relativ geringen Anzahl an Betrieben in der Stichprobe in diesem Teilmarkt können hier
Ungenauigkeiten vorliegen und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch Betriebe in der Beschäftigten-
größenklasse 100 bis 500 im Teilmarkt KEP tätig sind, wenn auch wahrscheinlich nur eine geringe Anzahl.
Abbildung 44: Verteilung der Beschäftigtengrößenklassen der Logistikdienstleister im Teilmarkt KEP
Die Logistikdienstleister im betrachteten Teilmarkt sind zu 67 % in Sachsen ansässig (siehe Abbildung 45). Dies
entspricht fast 3/4 aller Unternehmen. 33 % der Unternehmen haben ihren Hauptsitz im übrigen Bundesgebiet, so
z. B. in Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Bayern.
Abbildung 45: Verteilung der Unternehmenshauptsitze der Logistikdienstleister im Teilmarkt KEP
109
Vgl. Schwemmer 2018, S. 126f.
110
Datengrundlage für die Schätzung ist die Firmendatenbank der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (Stichprobe)
weniger als 10
Beschäftigte
41%
10 bis 100 Beschäftigte
53%
100 bis 500
Beschäftigte
0%
mehr als 500 Beschäftigte
6%
n = 17
Quelle: Eigene Erhebung; Eigene Berechnung nach Firmendatenbank Sachsen (2019)
Hauptsitz in Sachsen
67%
Hauptsitz außerhalb
33%
n=9
Quelle: Eigene Erhebung

67
Nachfragebranchen
Die Nachfragebranchen des KEP-Dienstleistungsmarktes in Sachsen verteilen sich zu je 14 % auf den Fahrzeugbau,
die Metallerzeugung und -bearbeitung, den Maschinenbau und den Handel (siehe Abbildung 46).
Abbildung 46: Verteilung der Nachfragebranchen der Logistikdienstleister im Teilmarkt KEP
Bedeutende Akteure in der Marktstruktur
Sofern nicht anders angegeben, wurden die Unternehmensdaten aus der Befragung, der Unternehmensdatenbank
Sachsen sowie den jeweiligen Unternehmens-Webseiten ausgewertet, um bedeutende Unternehmen
(Logistikdienstleister) für den Teilmarkt darzustellen. Die Beschäftigtenzahlen und die Umsatzhöhe beziehen sich,
sofern nicht anders vermerkt, jeweils auf den Freistaat Sachsen. Es wurden die zum Zeitpunkt der Studie aktuellsten
Daten der Unternehmen (2017/18) berücksichtigt.
Fahrzeugbau
14%
Elektrotechnik,
Mikroelektronik
11%
Metallerzeugung und
–bearbeitung
14%
Maschinenbau
14%
Ernährungsgewerbe
9%
chemische
Erzeugnisse
9%
pharmazeutische
Erzeugnisse
9%
Gummi und Kunststoff
6%
Handel
14%
n=9
(Mehrfachnennungen möglich)
Quelle: Eigene Erhebung

68
Tabelle 13: Bedeutende LDL im Teilmarkt KEP
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
im
Freistaat
Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
DHL Hub Leipzig
GmbH
Bonn
Flughafen Leipzig/
Halle in Schkeuditz
6.000
12,4
Amazon Distribution
GmbH
Leipzig
Leipzig
k. A.
k. A.
DPD Deutschland
GmbH
Aschaffenburg
Limbach-Oberfrohna,
Callenberg, Krostitz
9.500
(national)
1.800
(national)
Hermes Germany
GmbH
Hamburg
Wilsdruff, Bautzen,
Threna/Belgershain,
Stollberg-Niederdorf
15.500
(weltweit)
1.850
(europaweit)
UPS
Brüssel
(europaweit)
Klipphausen,
Schkeuditz,
Oberlichtenau
49.000
(europaweit)
1.900
(national)
Weck+Poller Holding
GmbH
Zwickau
Dresden, Ellefeld,
Kirchberg, Petersberg,
Plauen, Treuen
955
122
Ulrich Rieck & Söhne
Internationale
Speditionsgesellschaft
mbH & Co. KG
Großbeeren
Ottendorf-Okrilla
70
12
IW-Transport GmbH
Leipzig
Leipzig
108
10
Mercateo AG
München
Leipzig
50
254
(weltweit)
Entwicklungs- und Wachstumspotenziale
Im Marktbereich bzw. -segment der Paket-, Kurier- und Expressdienste ergeben sich Wachstumschancen durch den
stetig und rasant wachsenden Online-Handel. Zudem spielen Multi-Channel-Strategien, durch die sich der Vertrieb
höhere Absatzchancen erhofft, sowie eine mögliche Einführung des E-Rezepts, in deren Rahmen bereits ein
Pilotprojet der Techniker Krankenkasse läuft, eine wichtige Rolle. Bedeutete Entwicklungen resultieren außerdem aus
der steigenden Kundenorientierung. Hier gewinnt zum einen die direkte Interaktion mit Kunden in Form von Apps,
SMS oder per E-Mail an Bedeutung, zum anderen nimmt die Forderung nach alternativen Zustellungsorten, wie z. B.
Paketboxen oder -shops sowie nach der individuelleren Gestaltung von Lieferzeiten zu. Um dem Aspekt der
Nachhaltigkeit gerecht zu werden, werden Maßnahmen wie der Einsatz von Hybrid- oder Elektroautos sowie eine
künftige Lieferung per Drohne oder Roboter auf der letzten Meile umgesetzt. Weitere Trends liegen im ship-to-store-
Konzept (Bezahlung im Internet und Abholung in der Handelsfiliale), der Einführung von Mikrodepots bzw. -hubs,
elektrischen Lastenrädern oder fußläufigen Transporthilfen.
111 112 113 114
Neue Geschäftsmodelle haben für Logistikdienstleister im Teilmarkt KEP eine hohe Bedeutung und werden künftig
noch weiter an Bedeutung gewinnen (siehe Abbildung 47). Dennoch ist die Innovationsaktivität unter den befragten
111
Vgl. Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. 2018
112
Vgl. Schwemmer 2018, S. 127f.
113
Vgl. Krah 2018
114
Vgl. Rohrer 2019

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69
Logistikdienstleistern nicht sehr ausgeprägt. Von Unternehmen wurden Systeme zur eindeutigen automatischen
Produkterkennung und ein digitales Supply-Chain-Management eingeführt. Das größte Hemmnis für die Aufnahme
und Durchführung von Innovationsaktivitäten sind die damit verbundenen Kosten. Vorhaben in diesem Bereich
könnten durch die Ausbildung und das Sourcing von Fachkräften, den Ausbau der Breitbandanbindung und ein
verbessertes Standortmarketing unterstützt werden.
Abbildung 47: Entwicklungstendenzen des Teilmarktes KEP im Freistaat Sachsen
Im Bereich Internationalisierung sind KEP-Dienstleister vergleichsweise wenig aktiv, die Unternehmen in diesem
Segment fokussieren sich hauptsächlich auf inländische Lieferungen. Rund 44 % der Logistikdienstleister im
Teilmarkt führen grenzüberschreitende Lieferungen durch. Das Fehlen einer klaren und abgestimmten
unternehmenseigenen Internationalisierungsstrategie wird als Hemmnis wahrgenommen. In den letzten drei Jahren
wurde vor allem in EDV-Soft- und Hardware (89 %), in Fahrzeuge für den Verteilerverkehr (67 %) und in den
Lagerhallen sowie den Erwerb von Flächen (44 %) investiert. Die Mehrheit der Logistikdienstleister bewertet den
Fachkräftemangel und Mängel an der Infrastruktur als sehr bedeutende Investitionshemmnisse. Es wird u. a.
Unterstützungsbedarf in der Verstärkung von Logistikangeboten in den Hochschulen und Ausbildungsbereichen
durch den Freistaat Sachsen gesehen.
Teilmarkt 11
Seefracht
Umsatzstärke
Der Anteil des Teilmarktes der Seefracht ist im Freistaat Sachsen etwas geringer als auf bundesdeutscher Ebene, er
wird auf rund 5 % geschätzt. Vor allem die norddeutschen Häfen prägen den Umsatz dieses Teilmarktes. Dennoch
werden Seehafenhinterlandverkehre in Sachsen auch durch die Ostseehäfen generiert.
115
Typische Güter des
Teilmarktes Seefracht sind Erzeugnisse des verarbeitenden Gewerbes und der Land- und Forstwirtschaft. Dem
Fraunhofer IIS zufolge sind vor allem exportierende Branchen Auftraggeber im Marktsegment.
116
Die Outsourcing-
Quote im Teilmarkt Seefracht ist sehr hoch, bundesweit wird der Anteil am Umsatz im Teilmarkt auf rund 95 %
geschätzt.
117
Die hohe Outsourcing-Quote wird durch die befragten Unternehmen im Freistaat Sachsen bestätigt.
Laut der befragten Logistikdienstleister liegt die Outsourcing-Quote im Teilmarkt sogar bei 100 %.
115
Vgl. BVU Wirtschaft + Verkehr GmbH, Management & Logistics Consulting 2015
116
Vgl. Schwemmer 2018, S. 132f.
117
Vgl. Schwemmer 2018, S. 132f.
zukünftig
Gewinn an Bedeutung
zukünftig
weniger Innovationen geplant
zukünftig
weniger Aktivitäten geplant
zukünftig
gleich viele Investitionen geplant
hohe Bedeutung
Einführung von Innovationen
eher geringe Aktivität
Internationalisierung
geringe Aktivität
Investitionen
eher hohe Aktivität
Bedeutung der Bereiche für den Teilmarkt
Neue Geschäftsmodelle

70
Charakterisierung und Geographie
Schätzungsweise 285 Betriebe bieten ihre Leistungen im Teilmarkt „Seefracht“ im Freistaat Sachsen
an.
118
Dies ist
die niedrigste Anzahl bezogen auf alle betrachteten Teilmärkte. 57 % der befragten Logistikdienstleister im
betrachteten Teilmarkt bieten ebenfalls Leistungen im Teilmarkt der Luftfracht an und rund 86 % auch im Teilmarkt
der Terminaldienste und Lagerhaltung.
Etwa 59 % der Betriebe in diesem Teilmarkt haben 10 bis 100 Beschäftigte und weitere 25 % haben weniger als 10
Beschäftigte. Jeweils 8 % der Betriebe haben 100 bis 500 und mehr als 500 Beschäftigte.
Abbildung 48: Verteilung der Beschäftigtengrößenklassen der Logistikdienstleister im Teilmarkt Seefracht
Die Mehrheit der Logistikdienstleister hat ihren Unternehmenshauptsitz außerhalb von Sachsen, vornehmlich in
Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Insgesamt 43 % der befragten Unternehmen sind im
Freistaat Sachsen ansässig (siehe Abbildung 49).
Abbildung 49: Verteilung der Unternehmenshauptsitze der Logistikdienstleister im Teilmarkt Seefracht
118
Datengrundlage für die Schätzung ist die Firmendatenbank der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (Stichprobe)
weniger als 10
Beschäftigte
25%
10 bis 100
Beschäftigte
59%
100 bis 500
Beschäftigte
8%
mehr als 500
Beschäftigte
8%
n = 12
Quelle: Eigene Erhebung; Eigene Berechnung nach Firmendatenbank Sachsen (2019)
Hauptsitz in Sachsen
43%
Hauptsitz außerhalb
57%
n=7
Quelle: Eigene Erhebung

71
Nachfragebranchen
Die größte Nachfragebrache des Teilmarktes Seefracht sind die Hersteller chemischer Erzeugnisse mit 18 % (siehe
Abbildung 50). Weitere Nachfragebranchen sind der Maschinenbau mit 15 %, der Fahrzeugbau mit 12 % und der
Handel mit ebenfalls 12 %.
Abbildung 50: Verteilung der Nachfragebranchen der Logistikdienstleister im Teilmarkt Seefracht
Bedeutende Akteure in der Marktstruktur
Sofern nicht anders angegeben, wurden die Unternehmensdaten aus der Befragung, der Unternehmensdatenbank
Sachsen sowie den jeweiligen Unternehmens-Webseiten herangezogen, um bedeutende Unternehmen
(Logistikdienstleister) für den Teilmarkt darzustellen. Die Beschäftigtenzahlen und die Umsatzhöhe beziehen sich,
sofern nicht anders vermerkt, jeweils auf den Freistaat Sachsen. Es wurden die zum Zeitpunkt der Studie aktuellsten
Daten der Unternehmen (2017/18) berücksichtigt.
Tabelle 14: Bedeutende LDL im Teilmarkt Seefracht
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
im Freistaat
Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
DSV Air & Sea GmbH
Bremen
Leipzig
846 (national)
195*
(national)
Emons Spedition GmbH/
Emons-Rail-Cargo
GmbH
Köln
Leipzig, Dresden,
Glauchau
129
50
Kühne + Nagel AG &
Co. KG (Deutschland)
Bremen
Limburg-
Oberfrohna,
Leipzig
15.000
(national)
2.775
(national)
Panalpina Welttransport
(Deutschland) GmbH
Frankfurt am
Main/Mörfelden
Dresden, Leipzig
2.245
(national)
1.395
(national)
Sächsische Binnenhäfen
Oberelbe GmbH (SBO)
Dresden
Dresden, Riesa,
Torgau
107
17,5
*nur Seefracht
Fahrzeugbau
12%
Elektrotechnik,
Mikroelektronik
9%
Metallerzeugung und
–bearbeitung
9%
Maschinenbau
15%
Ernährungsgewerbe
9%
chemische
Erzeugnisse
18%
pharmazeutische
Erzeugnisse
6%
Gummi und Kunststoff
9%
Handel
12%
n=7
(Mehrfachnennungen möglich)
Quelle: Eigene Erhebung

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72
Entwicklungs- und Wachstumspotenziale
Für die Seefracht stellen steigende Transportmengen durch den zunehmenden Welthandel einen bedeutenden
Treiber des Marktwachstums dar. Aktuelle Marktentwicklungen werden unterdessen von der Digitalisierung
bestimmt. So spielen autonom fahrende Schiffe ebenso eine Rolle wie die digitale Vernetzung von Häfen und
Schiffen, beispielsweise durch das Tracking von Transporten oder die Kommunikation mit und zwischen Schleppern
und Lotsen. Der Weg zur umweltfreundlichen Seeschifffahrt, auch „Green Shipping“ genannt, soll außerdem das
Klima entlasten. So könnten durch technische Lösungen
wie Segelmaschinen
schwefelstoffhaltige Schweröl-
antriebe ersetzt werden.
119 120
86 % der Unternehmen, die Leistungen im Teilmarkt Seefracht anbieten, bestätigten die hohe Bedeutung der
Digitalisierung für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit (siehe Abbildung 51). 71 % der Logistikdienstleister
arbeiten an der Umsetzung von einzelnen Digitalisierungsprojekten. Insgesamt weisen auch neue Geschäftsmodelle
eine hohe Bedeutung für die Entwicklung des Teilmarktes auf. 43 % der Logistikdienstleister führten Innovationen
im Bereich des digitalen Supply-Chain Management ein. Ein starkes Hemmnis für die Aufnahme und Durchführung
von Innovationsaktivitäten sind die entstehenden Kosten für die Unternehmen. Ebenso stellt der Mangel an
geeignetem Fachpersonal im Unternehmen und am Arbeitsmarkt ein Problem dar. Unterstützungsbedarf besteht in
den Bereichen der Ausbildung und dem Sourcing von Fachkräften und im Ausbau der Breitbandanbindung.
Abbildung 51: Entwicklungstendenzen des Teilmarktes Seefracht im Freistaat Sachsen
Der Teilmarkt der Seefracht wird in hohem Maße durch Internationalisierungsaktivitäten geprägt, da die Seefracht
insbesondere zum Export von Gütern genutzt wird. 86 % der Unternehmen führen grenzüberschreitende Lieferungen
durch, 71 % beauftragen zusätzlich auch ausländische Auftragnehmer. Rund die Hälfte der Befragten hat eine
Niederlassung im Ausland. Auch hier wirkt sich die unzureichende personelle Kapazität hemmend auf
Internationalisierungsaktivitäten der Unternehmen aus. Sanktionen in den Zielländern stellen ein weiteres Problem
für die Erschließung internationaler Märkte dar. Investitionen werden zukünftig vermehrt in den Bereichen der EDV-
Soft- und Hardware geplant. Investitionshemmnisse sind vor allem Bürokratie und Regulierungen sowie der
Fachkräftemangel, zu einem kleineren Anteil auch Infrastrukturmängel.
119
Vgl. Schwemmer 2018, S. 133f.
120
Vgl. Vinke 2018
zukünftig
Verlust an Bedeutung
zukünftig
weniger Innovationen geplant
zukünftig
weniger Aktivitäten geplant
zukünftig
mehr Investitionen geplant
Investitionen
eher geringe Aktivität
Bedeutung der Bereiche für den Teilmarkt
Neue Geschäftsmodelle
hohe Bedeutung
Internationalisierung
hohe Aktivität
Einführung von Innovationen
hohe Aktivität
starke Veränderung (< als -10% | > als 10%)
moderate Veränderung ( > als -10% | < als 10%)
Stagnation (-5% bis 5%)

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73
Teilmarkt 12
Luftfracht
Umsatzstärke
Der
zweite Teilmarkt des Marktbereichs „International Forwarding –
Transport-
und Logistiksysteme international“,
die Luftfracht, ist mit einem Anteil von 7 % am Gesamtumsatz der Logistik im Freistaat Sachsen überdurchschnittlich
präsent. Dies ist vor allem durch die Ansiedlung des DHL Hubs Leipzig im Freistaat Sachsen begründet. Er ist einer
von drei globalen DHL Drehkreuzen für die Luftfracht. Im Allgemeinen ist die Luftfracht, gemessen an der Anzahl der
transportierten Güter, ein sehr umsatzstarker Teilmarkt. Die Outsourcing-Quote wird, ebenso wie im Teilmarkt der
Seefracht, auf über 95 % geschätzt. Die befragten Logistikdienstleister im Freistaat Sachsen bestätigen diesen hohen
Anteil der Fremdvergabe. Durchschnittlich werden im Freistaat Sachsen 100 % der transportierten Mengen im
Teilmarkt der Luftfracht an Logistikdienstleistungsbetriebe fremdvergeben.
Charakterisierung und Geographie
Im Teilmarkt agieren um die 300 (Schätzwert) Logistikdienstleistungsbetriebe im Freistaat Sachsen.
121
85 % der
befragten Logistikdienstleister im Teilmarkt
„Luftfracht“ agieren auch im Teilmarkt Terminaldienste und
Lager-
haltung, je 57 % bieten auch Leistungen im Marktsegment
Seefracht und im Teilmarkt
„Konsumgüterdistribution
und -kontraktlogistik“
an.
Etwa 85 % der Betriebe in diesem Teilmarkt haben weniger als 100 Beschäftigte. Weitere 7 % der Betriebe haben 100
bis 500 Beschäftigte und etwa 8 % beschäftigen mehr als 500 Angestellte.
Abbildung 52: Verteilung der Beschäftigtengrößenklassen der Logistikdienstleister im Teilmarkt Luftfracht
Zu einem Großteil sind die Logistikdienstleister im Teilmarkt Luftfracht im Freistaat Sachsen ansässig (siehe
Abbildung 53). Weitere 29 % haben ihren Unternehmenshauptsitz außerhalb Sachsens und befinden sich
beispielsweise in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
121
Datengrundlage für die Schätzung ist die Firmendatenbank der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (Stichprobe)
weniger als 10
Beschäftigte
31%
10 bis 100 Beschäftigte
54%
100 bis 500
Beschäftigte
7%
mehr als 500 Beschäftigte
8%
n = 13
Quelle: Eigene Erhebung; Eigene Berechnung nach Firmendatenbank Sachsen (2019)

74
Abbildung 53: Verteilung der Unternehmenshauptsitze der Logistikdienstleister im Teilmarkt Luftfracht
Nachfragebranchen
Der größte Nachfrager nach Logistikdienstleistungen im Teilmarkt Luftfracht sind Hersteller chemischer Erzeugnisse
(16 %) (siehe Abbildung 54). 13 % der Nachfrager kommen aus der Industriebranche Maschinenbau. Je 11 % der
Nachfrager sind laut der Befragung der Logistikdienstleister im Teilmarkt dem Fahrzeugbau, der Elektrotechnik und
Mikroelektronik, der Metallerzeugung und -bearbeitung und dem Handel zuzuschreiben.
Abbildung 54: Verteilung der Nachfragebranchen der Logistikdienstleister im Teilmarkt Luftfracht
Bedeutende Akteure in der Marktstruktur
Sofern nicht anders angegeben, wurden die Unternehmensdaten aus der Befragung, der Unternehmensdatenbank
Sachsen sowie den jeweiligen Unternehmens-Webseiten ausgewertet, um bedeutende Unternehmen
(Logistikdienstleister) für den Teilmarkt darzustellen. Die Beschäftigtenzahlen und die Umsatzhöhe beziehen sich,
sofern nicht anders vermerkt, jeweils auf den Freistaat Sachsen. Es wurden die zum Zeitpunkt der Studie aktuellsten
Daten der Unternehmen (2017/18) berücksichtigt.
Hauptsitz in Sachsen
71%
Hauptsitz außerhalb
29%
n=7
Quelle: Eigene Erhebung
Fahrzeugbau
11%
Elektrotechnik,
Mikroelektronik
11%
Metallerzeugung und
–bearbeitung
11%
Maschinenbau
13%
Ernährungsgewerbe
9%
chemische
Erzeugnisse
16%
pharmazeutische
Erzeugnisse
9%
Gummi und Kunststoff
9%
Handel
11%
n=7
(Mehrfachnennungen möglich)
Quelle: Eigene Erhebung

75
Tabelle 15: Bedeutende LDL im Teilmarkt Luftfracht
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
im
Freistaat
Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
DHL Hub Leipzig GmbH
Bonn
Flughafen Leipzig/
Halle in Schkeuditz
6.000
12,4
EAT European Air Transport
Leipzig GmbH
Schkeuditz
Flughafen Leipzig/
Halle in Schkeuditz
900
(weltweit)
k. A.
DHL Hub Leipzig GmbH
Bonn
Flughafen Leipzig/
Halle in Schkeuditz
6.000
12,4
AeroLogic GmbH
(Gemeinschaftsunternehmen
der DHL Express und
Lufthansa Cargo)
Schkeuditz
Flughafen Leipzig/
Hallen in Schkeuditz
230
423
Mitteldeutsche Flughafen AG
Leipzig
Leipzig, Dresden
1.000
150
Ruslan SALIS GmbH
(Volga-Dnepr Group)
(seit 2019 Antonov Logistics
SALIS GmbH (Antonov State
Company))
Leipzig
Leipzig
33
74,5
Cargo Logic Germany
(Tochtergesellschaft der
russischen Volga Dnepr Group)
Schkeuditz
Flughafen Leipzig/
Halle in Schkeuditz
40
k. A.
Kühne + Nagel AG & Co. KG
(Deutschland)
Bremen
Dresden, Limbach-
Oberfrohna, Leipzig
15.000
(national)
2.775
(national)
Entwicklungs- und Wachstumspotenziale
Hinsichtlich der Entwicklungs- und Wachstumspotenziale im Teilmarkt der Luftfracht wirkt insbesondere der Anstieg
des E-Commerce, verbunden mit einer zu erwartenden verstärkten Nachfrage in den Branchen Fahrzeugbau und
Elektrotechnik, wachstumsfördernd. Ladungen werden immer öfter im Unterdeck von Passagiermaschinen
transportiert (sog.
„Belly-Fracht“),
eine Ausnahme bilden hierbei die
KEP-Dienstleister, die ihre eigenen Frachtflotten
weiter ausbauen. Ein stetiger Anstieg der zu transportierenden Mengen steht dabei jedoch protektionistischen
Grenzen und Handelshemmnissen gegenüber. Dienstleister dieses Marktsegments sehen sich außerdem mit
steigenden Kosten durch Personal, Kerosin, die Luftverkehrssteuer (relevant für Belly-Fracht) sowie
Luftsicherheitsgebühren konfrontiert. Dennoch bleibt Deutschland sowohl durch Export als auch durch hohen
Import, der Rückladungen generiert, ein attraktiver Standort für Luftfrachtanbieter. Die Digitalisierung betreffend
zeigt sich der Teilmarkt der Luftfracht zurückhaltend, so kam z. B. der digitale Luftfrachtbrief bisher noch nicht
flächendeckend zum Einsatz.
122
100 % der Logistikdienstleister im Teilmarkt bestätigen die hohe Bedeutung der Digitalisierung für die Sicherung der
Wettbewerbsfähigkeit. In 80 % der Fälle ist die Digitalisierung sogar ein Schwerpunktthema der Geschäftsleitung.
Neue Geschäftsmodelle haben eine hohe Bedeutung für den Teilmarkt (siehe Abbildung 55).
122
Vgl. Schwemmer 2018, S. 136f.

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76
Abbildung 55: Entwicklungstendenzen des Teilmarktes Luftfracht im Freistaat Sachsen
Innovationen werden vor allem im Bereich des digitalen Supply-Chain-Managements und bei Systemen zur
eindeutigen automatischen Produkterkennung eingeführt. Die Einführung von Logistikinnovationen führt zum
Großteil aber nicht zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Ein starkes Hemmnis für die Aufnahme und
Durchführung von Innovationsaktivitäten ist der Mangel an geeignetem Fachpersonal am Arbeitsmarkt. Im Bereich
Internationalisierung sind Logistikdienstleister im Teilmarkt sehr aktiv, so führen 85 % der befragten Unternehmen
grenzüberschreitende Lieferungen durch und wollen dies auch zukünftig beibehalten. Wie die Seefracht ist auch die
Luftfracht von sehr hoher Bedeutung für das Exportgeschäft. Hemmnisse für Internationalisierungsbemühungen in
den Unternehmen sind zum einen die Marktabschottung, der Protektionismus und bürokratische Hemmnisse in den
Zielländern, zum anderen Probleme mit dem Zoll- und Exportkontrollrecht. Unterstützungsbedarf besteht bei der
Organisation von Delegationsreisen und bei Gemeinschaftsständen auf internationalen Fachmessen.
Logistikdienstleister des Teilmarktes investieren mehrheitlich in EDV-Soft- und Hardware und in Flurförderfahrzeuge.
Für die Zukunft planen die Unternehmen noch mehr Investitionen. Allerdings wirkt sich der Fachkräftemangel
hemmend auf Investitionen der Unternehmen aus.
zukünftig
Verlust an Bedeutung
zukünftig
weniger Innovationen geplant
zukünftig
weniger Aktivitäten geplant
zukünftig
mehr Investitionen geplant
Bedeutung der Bereiche für den Teilmarkt
Neue Geschäftsmodelle
hohe Bedeutung
Einführung von Innovationen
hohe Aktivität
Internationalisierung
hohe Aktivität
Investitionen
eher hohe Aktivität

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77
Praxisbeispiele
Im Folgenden werden ausgewählte Praxisbeispiele von Logistikdienstleistungsunternehmen differenziert nach den
logistischen Marktsegmenten dargestellt. Die Beispiele verdeutlichen den erfolgreichen Umgang mit den
Herausforderungen des Logistikdienstleistungsmarktes in den jeweiligen Teilmärkten im Freistaat Sachsen.
In Tabelle 16 sind die ausgewählten Unternehmen je logistischem Marktbereich und -segment aufgeführt.
Tabelle 16: Übersicht der Praxisbeispiele je Teilmarkt im Freistaat Sachsen
# Marktbereiche
Marktsegmente
Praxisbeispiel
1 Bulk
Massengutlogistik (Bulk) inkl.
Binnenschifffahrt
HaBeMa Futtermittel GmbH & Co. KG Hamburg
2
Landverkehre
Ladungsverkehre landgebunden (FTL)
Elflein Spedition und Transport GmbH
Spez. Ladungsverkehre (mit sonst.
spez. Equipment), Krandienste für
schwere Güter
DAHER PROJECTS GmbH
Spez. Ladungsverkehre für Flüssig-
und Schuttgüter
Stockmeier Eilenburg GmbH & Co. KG
Stückgutverkehre (LTL)
Gericke & Co. GmbH
Stückgut-Netzwerktransporte &
Mehrwertdienstleistungen für
spezielle Güter
EMONS Spedition
3 Kontraktlogistik
Industrielle Kontraktlogistik
Schnellecke Group AG & Co. KG
Konsumgüterdistribution und
-kontraktlogistik
Bauer Spedition GmbH
4 Standortlogistik
Terminaldienste, Lagerei
EUROKURIER Leipzig GmbH
5 KEP
KEP
DHL HUB Leipzig
6
International
Forwarding
Seefracht
SBO Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH
Luftfracht
Ruslan SALIS GmbH (Volga-Dnepr Group)
(seit 2019 Antonov Logistics SALIS GmbH
(Antonov State Company)

78
HaBeMa Futtermittel GmbH & Co. KG Hamburg
Stammdaten
Marktsegment
Massengutlogistik (Getreide und Futtermittel)
Hauptsitz
Hamburg
Standort in Sachsen
Hauptstraße 108, 01809 Heidenau
Beschäftigte
125 in Deutschland
16 in Sachsen
Umsatz
155,8 Mio. EUR (2016)
56 Mio. EUR in Sachsen
Transportierte Menge
850.000 t
Hauptrelation(en)
Heidenau
Hamburg
Charakteristika/Kernkompetenzen
Die 1994 gegründete HaBeMa Futtermittel GmbH & Co. KG Hamburg ist ein überregional tätiges
Dienstleistungsunternehmen für Futtermittel, Mischfutter und Getreide. Das Kerngeschäft des Unternehmens
gliedert sich in die drei Bereiche Mischfutterproduktion, Rohwarenumschlag und Logistik.
Im Jahr 2012 errichtete HaBeMa im sächsischen Heidenau eine Zweigniederlassung, um die Vernetzung des
sächsischen Getreide- und Futtermittelmarktes mit dem internationalen Markt voranzutreiben. Der AGRO-Terminal
hat sich zu einem bedeutenden Umschlagplatz für Getreide und Futter aus Sachsen, Tschechien und Südpolen
entwickelt und damit einen intermodalen Knoten für einen optimalen Zugang zu regionalen und internationalen
Märkten geschaffen. Das Unternehmen betreibt einen eigenen Gleisanschluss und fährt eigene Züge vom AGRO-
Terminal in den Hamburger Hafen, von dem aus das für den Export bestimmte Getreide weltweit verschifft wird.
Darüber hinaus verfügt HaBeMa über einen eigenen Fuhrpark.
Derzeit verfügt der AGRO-Terminal über Lagerkapazitäten in Höhe von 95.000 Tonnen. Es ist geplant, diese
Kapazitäten auf 150.000 Tonnen auszubauen. In Heidenau können täglich bis zu 4.000 Tonnen auf Schwerlastzüge
umgeschlagen werden, die LKW-Annahme-Leistung beträgt 600 Tonnen pro Stunde.
123
HaBeMa kann als Unternehmensbeispiel für eine erfolgreiche internationale Ausrichtung im Teilmarkt der
Massengutlogistik genannt werden. Mit dem AGRO-Terminal als intermodalem Knoten für den Umschlag von Gütern
ist der Logistikdienstleister international konkurrenzfähig und durch die Verlagerung von Transportvolumen auf den
Verkehrsträger Schiene wird deutlich, dass HaBeMa eine nachhaltige Unternehmensstrategie verfolgt, die zusätzlich
von dem geplanten Infrastrukturausbau anlässlich des vom Bundeskabinett verabschiedeten Masterplans Schiene
profitieren kann.
124
123
Vgl. HaBeMa Futtermittel GmbH & Co. KG 2018
124
Unternehmensbefragung

79
Elflein Spedition und Transport GmbH
Stammdaten
Marktsegment
Ladungsverkehre landgebunden (Automobil, Lebensmittel, Papier)
Hauptsitz
Bamberg
Standorte in Sachsen
Theumaer Str. 9, 08606 Oelsnitz/Vogtland
Bundesstr. S34, 09661 Striegistal/Berbersdorf
Am alten Flughafen 1, 04356 Leipzig
Beschäftigte
1.400 in Deutschland
183 in Sachsen
Umsatz
121,5 Mio. EUR (2017)
Charakteristika/Kernkompetenzen
Das Unternehmen Elflein Spedition und Transport GmbH ist ein auf nationalen und internationalen Transport
spezialisiertes Logistikunternehmen, das über weiterreichende Kompetenzen in der Zulieferung der Automobil-
industrie verfügt. Zudem zählt die Elflein Spedition und Transport GmbH national zu den führenden Unternehmen
für Transport- und Logistikdienstleistungen in der Papier- und Druckindustrie. Ein weiterer Unternehmens-
schwerpunkt liegt in der Abwicklung von logistischen Dienstleistungen für Hersteller- und Handelsunternehmen der
Lebensmittelbranche, die aufgrund umfangreicher Termin-, Sicherheits- und Hygieneanforderungen besondere
Anforderungen an den Logistikdienstleister stellen. Das Unternehmen verfügt über einen eigenen Fuhrpark mit rund
500 Fahrzeugen.
Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Bamberg. In Sachsen ist das Unternehmen an den Standorten
Oelsnitz, Striegistal/Berbersdorf und Leipzig mit Niederlassungen vertreten. Weitere Standorte befinden sich in
Hermsdorf sowie in Tschechien, wo zwei Niederlassungen vertreten sind. Weiterhin ist die Elflein Spedition an den
Standorten in Sindelfingen, Neustadt und Töging im Bereich der Kontraktlogistik tätig.
Spezialisiert ist Elflein auf Systemverkehre (JIT/JIS), Lager und Logistik sowie Outsourcing von Transport und Lagerei.
Am Standort Leipzig betreibt das Unternehmen eine 25.000 m
2
große Logistikfläche, auf der Inhouse-Logistik inkl.
Karosseriebauversorgung durchgeführt wird. In Oelsnitz werden vom Unternehmen rund 13.000 m
2
Lagerfläche
bewirtschaftet, die der Produktionsversorgung dienen.
125
Das Unternehmen beteiligt sich an Feldversuchen für neue Liefermethoden für die Verkehrsträger Straße/Schiene.
So werden Fahrzeuge wie der Gigaliner (LKW mit mehr als 25 m Länge und einem Gewicht bis zu 44 t) und der Euro-
Trailer (1,30 m längerer Sattelauflieger) erprobt. Damit wird die Herausforderung adressiert, Transporte zunehmend
effizienter zu gestalten. Auch hinsichtlich des Einsatzes von E-Fahrzeugen und eines Versuchsautos mit
Brennstoffzellen ist die Spedition aktiv. Die Integration nachhaltiger Transportlösungen wird wichtiger und bereits
in die Unternehmensprozesse integriert, wie der Einsatz dieser Fahrzeuge zeigt.
126
125
Vgl. Elflein Spedition & Transport GmbH 2019
126
Unternehmensbefragung

80
DAHER PROJECTS GmbH
Stammdaten
Marktsegment
Spez. Ladungsverkehre (mit sonst. spez. Equipment),
Krandienste für schwere Güter
Hauptsitz
Leese
Standort in Sachsen
Kossaer Str. 2, 04356 Leipzig
Beschäftigte
78 in Deutschland
7 in Sachsen
Umsatz
13,9 Mio. EUR (2016)
1,2 Mio. EUR in Sachsen
Modal Split
95 % Straße, 3 % Schiene, 2 % Binnenschiff
Charakteristika/Kernkompetenzen
Die DAHER PROJECTS GmbH ist ein auf Schwerlast- und Projektlogistik spezialisiertes Transportunternehmen mit 78
Mitarbeitern. Als ehemaliges Unternehmen der Deutschen Bahn verfügt das Unternehmen über umfangreiche
Erfahrungen im Bereich der Schwerlastlogistik auf der Straße und Schiene. Daneben zählen logistische
Dienstleistungen im Bereich der Seefracht im Binnen- und Hochseeverkehr zum Angebotsportfolio.
Das Leistungsspektrum reicht weit über die reine Transportdurchführung hinaus und umfasst neben allgemeinen
Speditionstätigkeiten im nationalen und internationalen Geschäft auch Komplettabwicklungen als Frachtführer auf
Schiene, Straße und Wasserweg. Somit ist das Unternehmen in der Lage, seinen Kunden Lösungen aus einer Hand
anzubieten.
Das Unternehmen verfügt über multimodales eigenes Equipment, sodass Dienstleistungen entlang der kompletten
Transportkette abgebildet werden können. Darin sind beispielsweise auch die Einholung von Beförderungs-
genehmigungen sowie die Eindeckung mit passenden Transportversicherungen enthalten. Neben der
Schwerlastlogistik hat sich DAHER PROJECTS auf die Organisation und Durchführung von Gefahrguttransporten,
Sicherheitstransporten und deren Begleitung spezialisiert.
Das Praxisbeispiel zeigt den Trend hin zu ganzheitlichen Ansätzen von Logistikdienstleistern, die sich nicht mehr nur
auf eine Leistung spezialisieren, sondern ganze Kontraktlogistikprojekte übernehmen. Insbesondere im Teilmarkt der
speziellen Ladungsverkehre und Schwerlastlogistik ist dies aufgrund der hohen Konjunkturabhängigkeit relevant.
Durch die Flexibilität in Bezug auf die Verkehrsträgerwahl und das diversifizierte Leistungsportfolio stellt DAHER
PROJECTS ein geeignetes Beispiel für die Bewältigung entsprechender Herausforderungen innerhalb des Teilmarktes
dar.
127 128
127
Vgl. Daher Group 2019
128
Unternehmensbefragung

81
Stockmeier Chemie Eilenburg GmbH & Co. KG
Stammdaten
Marktsegment
Spezielle Ladungsverkehre für Flüssig- und Schuttgüter (Tank & Silo)
Hauptsitz
Bielefeld
Standort in Sachsen
Gustav-Adolf-Ring 5, 04838 Eilenburg
Beschäftigte
1.300 in Deutschland
80 in Sachsen
Umsatz
680 Mio. EUR (2016)
9,5 Mio. EUR in Sachsen
Modal Split
100 % Straße
Hauptrelation(en)
Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
Charakteristika/Kernkompetenzen
Das Dienstleistungsspektrum der STOCKMEIER Gruppe umfasst die Distribution, Produktion und weitere
Dienstleistungen rund um die Chemie, die durch verschiedene zur Gruppe gehörende Unternehmen erbracht werden.
Insgesamt werden über 26.000 Produkte gehandelt und produziert, die von mehr als 30.000 Kunden weltweit
nachgefragt werden. Das Unternehmen ist ein Familienunternehmen mit 1.300 Beschäftigten an 45 Standorten in
zwölf Ländern. Hierzu zählen 23 Standorte in Deutschland, 22 in Europa, den USA und Russland.
129
Zur STOCKMEIER
Chemie Eilenburg gehören noch Niederlassungen in Berlin und Stadtilm/Thüringen mit jeweils 20 Mitarbeitern. Sie
ist somit in ganz Ostdeutschland flächendeckend aktiv.
Am Standort Eilenburg wird von dem Unternehmen ein Hochregallager betrieben und es stehen 16 Großtanks zur
Verfügung. Mit modernen Produktionsanlagen werden kundenspezifische Chemikalienmischungen hergestellt,
wobei die Belieferung der Kunden in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit eigenen LKW erfolgt. Zu dem Kundenkreis
gehören die Automobilindustrie und deren Zulieferer, Lackfabriken, Kosmetikhersteller sowie Baustoffhersteller.
Darüber hinaus ist das Unternehmen am Standort Eilenburg einer der größten europäischen Hersteller für
Peressigsäure, einem Biozid, das u. a. zur gewerblichen Desinfektion in der Lebensmittelindustrie, in der Tierhygiene
und in der Humanmedizin eingesetzt wird.
Das breite Leistungsspektrum zeichnet die STOCKMEIER Gruppe aus. Die durch Verlader immer stärker nachgefragten
Mehrwertdienstleistungen gehören zu den Leistungen des Unternehmens, wie z. B.
das „Key Account Management“.
Durch dieses Geschäftsmodell erfolgt eine langfristige Kundenbindung. Darüber hinaus legt das Unternehmen einen
besonderen Fokus auf die Digitalisierung und Automatisierung der Geschäftsprozesse, vor allem in der Fertigung
und der (Lager-)Logistik. Der Rechnungsversand erfolgt u. a. elektronisch und relevante Systeme sind SAP-
gesteuert.
130
129
Vgl. Stockmeier Gruppe 2019
130
Unternehmensbefragung

82
Gericke & Co. GmbH
Stammdaten
Marktsegment
Stückgutverkehre (LTL)
Hauptsitz
Hohenstein-Ernstthal
Standorte in Sachsen
Dresdner Str. 124, 09337 Hohenstein-Ernstthal
Ohmstraße 1, 08496 Neumark
Gründung
1990
Beschäftigte
150
Umsatz
11,6 Mio. EUR (2017)
Transportierte Menge
101.400 t (in Sachsen)
Modal Split
100 % Straße
Hauptrelation(en)
Hessen, Fulda, Göttingen, bundesweit
Charakteristika/Kernkompetenzen
Die Gericke & Co. GmbH ist ein mittelständiges Speditionsunternehmen mit 150 Beschäftigten und hat neben seinem
Hauptsitz in Hohenstein-Ernsttahl einen weiteren sächsischen Standort in Neumark. Darüber hinaus arbeitet das
Unternehmen mit Siemens in dessen Werk in Chemnitz zusammen und übernimmt dort die gesamte
Bewirtschaftung. Durch die strategische Lage nahe der A 4 und mit Anschluss an die A 72 verfügt das Unternehmen
über optimale Anbindungen an die wichtigsten Verkehrswege Sachsens.
Dank eines eigenen Fuhrparks, der Sattelzüge und Wechselbrückenzüge, LKW mit Ladekränen oder Ladebordwänden
bis zu kleineren Transportern umfasst, ist das Unternehmen in der Lage, für jeden Kunden die richtige
Transportmöglichkeit bereitstellen zu können. Dazu kommt eine eigene Betriebsanlage mit 25.500 m², zu der eine
Umschlaghalle mit 1.000 m² und Logistikhallen mit 4.000 m² Lagerfläche gehören.
Das Leistungsportfolio von Gericke umfasst flächendeckende nationale und europäische Sammelladungsverkehre
mit fest kalkulierbaren Laufzeiten und Frachtpreisen, Ladungsverkehre mit eigenem Equipment vom Versender zum
Empfänger,
Transport-
und
Projektabwicklungen
hochempfindlicher
Öl-
und
Trockentransformatoren,
kundenspezifische EDV-Anbindungen, komplette Outsourcing-Konzeptionen und Logistik-Lösungen sowie die
Organisation internationaler Luft-, See- und Bahnfrachttransporte.
131
Über die Tochtergesellschaften Emons
Bahntransporte GmbH und Emons-Rail-Cargo GmbH ist das Unternehmen als Eisenbahnverkehrsunternehmen bzw.
Operateur im Kombinierten Verkehr (KV) sowie als Betreiber von KV-Terminals (Dresden, Leipzig) tätig.
Personelle Engpässe und die Erhöhung der LKW-Maut sorgen im Teilmarkt der Stückgutverkehre allgemein für eine
verschärfte Kosten- und Wettbewerbssituation. Aufgrund dessen sowie zur Erschließung neuer Marktpotenziale hat
Gericke bereits automatische Lager- und Produkterkennungssysteme eingeführt. Diese Innovationen steigern die
Effizienz relevanter Prozesse.
132
131
Vgl. Gericke & Co. GmbH 2019
132
Unternehmensbefragung

83
Emons Spedition GmbH
Stammdaten
Marktsegment
Stückgut-Netzwerktransporte & Mehrwertdienstleistungen für spezielle Güter
Hauptsitz
Köln
Standorte in Sachsen
Potthoffstraße 7, 01159 Dresden
Boschstraße 16, 08371 Glauchau
An der Salzstraße 1, 04158 Leipzig
Beschäftigte
3.000
129 in Sachsen
Umsatz
513 Mio. EUR (2017)
50 Mio. EUR in Sachsen
Transportierte Menge
1.500.000 t in Sachsen
Modal Split
50 % Straße, 48 % Schiene, 2 % Luft
Charakteristika/Kernkompetenzen
Die Emons Spedition
GmbH
ist
ein
konzernunabhängiges,
international agierendes
Logistik-
und
Transportunternehmen mit 3.000 Beschäftigten und verfügt weltweit über mehr als 100 Standorte, drei davon in
Sachsen. Die Schwerpunktregionen bilden Europa, Zentralasien inklusive China und die USA. Das Leistungsspektrum
von Emons umfasst neben Landverkehren (Straße und Schiene), Luft- und Seefracht, die Gefahrgutlogistik sowie den
Bereich KEP. In Deutschland verfügt das Emons-Store-Network über 150.000 m² Lagerfläche an 26 Standorten. Der
Fuhrpark umfasst 310 LKW sowie mehr als 1.000 Wechselbrücken und 160 Auflieger. Von 2012 bis 2017 konnte
Emons die Sendungszahlen von 3,2 Mio. auf 4,7 Mio. Stück und die Umsatzerlöse von 335 Mio. EUR auf
513 Mio. EUR steigern.
Emons unterhält Niederlassungen in Dresden, Glauchau/Chemnitz sowie in Leipzig und ist hierüber in das
europäische Netzwerk eingebunden. In Dresden betreibt der Speditions- und Logistikexperte ein den höchsten
Logistikstandards entsprechendes Hochsicherheitslager für die Lagerung/den Umschlag von sensiblen Gütern.
Multimodale Lösungen werden von Emons über einen Direktanschluss an die Containerzug-Routen von und nach
Hamburg bzw. Bremerhaven angeboten. Die Standortspezialisierung von Emons zeigt sich in Glauchau, dort werden
vorrangig Baustoffe, Produkte der Metallverarbeitung sowie der Solarindustrie und der Hausgerätetechnik
umgeschlagen, am Standort Leipzig ist das Unternehmen insbesondere auf Kombiverladungen und Luftfracht für
den Automotive-Bereich spezialisiert.
Das Unternehmen arbeitet an einer digitalen Schnittstelle zum Kunden. So werden beispielsweise Tracking-Daten in
einem Online-Portal zur Verfügung gestellt. Hiermit begegnet die Spedition aktiv der Herausforderung, die
Kommunikation zwischen Auftraggeber und Dienstleister zu verbessern sowie zu digitalisieren. Somit reagiert das
Unternehmen auf die bereits prognostizierten Entwicklungen des Teilmarktes. Verlader verlangen zunehmend mehr
Transparenz und eine schnelle Datenbereitstellung durch Dienstleister.
133 134
133
Unternehmensbefragung
134
Vgl. Emons Spedition GmbH 2019

84
Schnellecke Group AG & Co. KG
Stammdaten
Marktsegment
Industrielle Kontraktlogistik
Hauptsitz
Wolfsburg
Standorte in Sachsen
Büttenstraße 4, 08058 Zwickau
Heinrich-Gläser-Straße 20, 01454 Radeberg
Am Exer 13, 04158 Leipzig
Porschestraße 1, 04158 Leipzig
BMW-Allee 1, 04349 Leipzig
Beschäftigte
18.927
800 in Sachsen
Umsatz
1.081 Mio. EUR (2017)
Charakteristika/Kernkompetenzen
Die Schnellecke Group AG & Co. KG ist ein international agierendes Transport- und Logistikunternehmen mit
weltweit rund 19.000 Beschäftigten, betreibt 73 Standorte in 14 Ländern und gehört im Bereich Automotive zu den
führenden Logistikdienstleistern weltweit. Das Leistungsspektrum der Schnellecke Gruppe umfasst die Bereiche
Logistik, Transport und Produktion und deckt weite Teile der Supply Chain für Unternehmen weltweit ab.
Kernbestandteile des Angebotsportfolios sind integrative Gesamtkonzepte, die von Transport und Warehousing über
Vormontagen und Value-Added-Services bis hin zur sequenziellen Fertigung von Einzelteilen und Modulen der
containergerechten Verpackung reichen. Komplettiert wird das Leistungsspektrum von der Fertigung von
Karosserieteilen für den Fahrzeugbau. Das Unternehmen ist damit ein bedeutender Akteur bei der Verbindung von
Zulieferern, Produzenten und Verbrauchern.
Das Unternehmen Schnellecke ist seit mehr als 20 Jahren in Sachsen an 10 Standorten aktiv. Mit rund 800
Mitarbeitern in Sachsen ist das Unternehmen u. a. verantwortlich für die Materialversorgung der Fahrzeug-
endmontage, die Montage von Fahrwerksmodulen und die Fertigung von Tankmodulen. Am Standort Glauchau wird
die komplette Prozessverantwortung für die Materialversorgung der Montage gebündelt. Am Standort Leipzig
werden in direkter Werksnachbarschaft Aufgaben für Porsche im Bereich der JIT-/JIS-Verkehre, Kommissionierung
die Werksversorgung und Zollabfertigung abgewickelt.
Das Unternehmen verdeutlicht als Praxisbeispiel den großen Einfluss der Automobilindustrie auf die industrielle
Kontraktlogistik in Sachsen und ist zudem ein Vorreiter im Bereich der Digitalisierung und der Entwicklung neuer
Geschäftsmodelle. Für die Implementierung von Innovationen dient ein vom Unternehmen eigens entwickeltes
Modell („Framework“). Zudem wird derzeit ein Projekt zur Automatisierung von Geschäftsprozessen durchgeführt.
Der Fokus liegt hierbei auf einem weitgehend automatisierten Logistikzentrum.
135
135
Vgl. Schnellecke Group AG & Co. KG 2019

85
Bauer Spedition GmbH
Stammdaten
Marktsegment
Konsumgüterdistribution und -kontraktlogistik
Hauptsitz
Callenberg
Standort in Sachsen
Altenburger Straße 28a, 09337 Callenberg
Fraunhofer Straße 50, 09126 Chemnitz
Gründung
1992
Beschäftigte
100 in Sachsen
Umsatz
9,5 Mio. EUR in Sachsen (2017)
Transportierte Mengen
360.000 t
Modal Split
86 % Straße, 14 % Schiene
Charakteristika/Kernkompetenzen
Die 1992 gegründete Bauer Spedition GmbH ist ein mittelständisches, inhabergeführtes Logistikunternehmen mit
Hauptsitz in Sachsen. Aufgrund weiterer Standorte in Deutschland und Niederlassungen in der Schweiz und in
Tschechien ist das Unternehmen in der Lage, die Vorteile regionaler Präsenz und internationaler Vernetzung zu
bündeln.
Das Unternehmen bietet Lager-, Transport- und Mehrwertdienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungs-
kette an, unterstützt bei der Optimierung logistischer Prozesse und bietet individuell zugeschnittene Leistungen für
jeden Anforderungsbedarf. Die Steuerung der Warenflüsse erfolgt mithilfe moderner IT-Anwendungen, sodass der
gesamte Prozess abgebildet und Informationen jederzeit zur Verfügung gestellt werden können. Zusätzlich arbeitet
das Unternehmen seit vielen Jahren mit Partnern aus der Lebensmittelindustrie zusammen und ermöglicht sowohl
die Lagerhaltung als auch die Verteilung von Konsumgütern bis zu den einzelnen Endkunden.
2014 wurde mit dem Railport in Chemnitz auf einer 30.000 m² großen Fläche eine moderne bimodale Logistikanlage
errichtet. Neben der Kontraktlogistik bietet das Unternehmen auch Dienstleistungen in den Bereichen Spedition,
Verzollung, IT-Services und Consulting an.
Mit seinen etwa 230 Mitarbeitern, von denen 100 in Sachsen beschäftigt sind, und einem 95 LKW umfassenden
Fuhrpark transportierte das Unternehmen im Jahr 2017 etwa 360.000t und erwirtschaftete dabei einen Umsatz von
fast 10 Mio. EUR in Sachsen.
Mit der Verlagerung von Transporten auf die Schiene verspricht sich das Unternehmen eine bessere Performance
und die Erschließung neuer Marktchancen, während gleichzeitig der Trend zur Nachhaltigkeit aktiv berücksichtigt
wird. Zudem setzt das Unternehmen moderne IT-Anwendungen ein, die die steigende Transporttaktung im Teilmarkt,
u. a. durch Online-Einkäufe, vereinfachen.
136 137
136
Bauer Spedition GmbH 2019
137
Unternehmensbefragung

86
EUROKURIER Leipzig GmbH
Stammdaten
Marktsegment
Terminaldienste, Lagerei
Hauptsitz
Schkeuditz, Sachsen
Standort in Sachsen
Industriestraße 56, Flughafen Leipzig-Halle, 04435 Schkeuditz
Gründung
1990
Beschäftigte
9
Umsatz
500.000 EUR (2017)
Modal Split
95 % Straße, 5 % Luft
Charakteristika/Kernkompetenzen
Die EUROKURIER Leipzig GmbH ist ein 1990 in Sachsen gegründeter Logistikdienstleister, dessen Leistungsspektrum
mehrere Teilmärkte abdeckt, von denen im Bereich Terminaldienste und Lagerei mit rund 40 % ein Großteil der
Transporte durchgeführt werden.
Mit seinem Hauptsitz am Flughafen Leipzig-Halle und Direktanbindungen zur A 9 und A 14 ist das Unternehmen in
der Lage, Waren schnell auf dem Land- oder dem Luftweg zu transportieren. EUROKURIER ist auf Kurierdienst-
leistungen für den weltweiten Dokumenten- und Warenversand, europaweite Direkttransporte sowie Luftfracht-
abfertigungen spezialisiert.
Zusätzlich umfasst das breite Dienstleistungsportfolio des Unternehmens Gefahrguttransporte nach Richtlinien der
ADR/IATA, Umschlag- und Zwischenlagerung, Verpackungsservice und aktuelle Lieferstatus-Meldungen sowie die
Möglichkeit der jederzeitigen Abholung von Sendungen. Mit seinen neun Beschäftigten erwirtschaftete das
Unternehmen 2017 in Sachsen einen Umsatz von rund 500.000 EUR. Im Bereich der Terminaldienste und Lagerei
investieren die meisten der befragten sächsischen Betriebe in EDV-Soft- und Hardware. Im Fokus des Teilmarktes
steht die Entwicklung von elektronischen Registrierungs- und Verladeprozessen. EUROKURIER beteiligt sich ebenfalls
an diesen Investitionsbemühungen und konzentrierte sich dabei zuletzt vor allem auf das GPS-gestützte Tracking
von Fahrzeugen und Sendungen.
138 139
138
Unternehmensbefragung
139
Eurokurier Verwaltungs GmbH 2019

87
DHL Hub Leipzig GmbH
Stammdaten
Marktsegment
KEP
Standort in Sachsen
Hermann-Köhl-Straße 1, 04435 Flughafen Leipzig-Halle
Gründung
2008
Beschäftigte
6.000
Umsatz
12,4 Mrd. EUR (2017)
Charakteristika/Kernkompetenzen
Das Luftfrachtdrehkreuz von DHL Express in Leipzig ist das größte von weltweit insgesamt drei Luftfrachtdrehkreuzen
(Global Hubs) des Logistikunternehmens und beschäftigt am Standort Leipzig 5.700 Mitarbeiter.
Vom DHL Hub Leipzig werden rund 50 Zielorte in Europa, Asien und Amerika im täglichen Linienverkehr direkt
angeflogen. Pro Nacht werden 2.000 Tonnen Fracht (350.000 Sendungen) umgeschlagen. Durch die direkte
Anbindung an das Straßen- und Schienennetz bietet der Flughafen Leipzig-Halle multimodale Anbindungen.
Am Flughafen Leipzig-Halle verfügt DHL über zwei Sortierhallen und einen hochmodernen Flugzeug-Hangar. In
diesem wird die in Leipzig beheimatete Flugzeugflotte regelmäßig von eigenen Flugzeugmechanikern gewartet.
Darüber hinaus spielt der Umweltschutz eine große Rolle am Standort. Das eigene Blockheizkraftwerk sowie über
1000 m
2
Solarzellen decken einen Großteil des Energiebedarfs an Strom, Heizung und Kühlenergie ab. Die gesamte
Arealfläche des DHL Hub Leipzig beläuft sich auf 1,2 Millionen m
2
, die operative Fläche auf rund 80.000 m
2
. Auf der
operativen Fläche werden auf der rund 23 Kilometer langen mehrteiligen Bandanlage die Sendungen nach
Bestimmungsort vorsortiert. Der DHL Hub Leipzig besitzt eine herausragende Bedeutung für die gesamte Region
Mitteldeutschland.
Am DHL Hub Leipzig wurden in den vergangenen Jahren verschiedenste, zum Teil kooperative, Forschungsprojekte
durchgeführt, welche oftmals in den Themenbereichen Digitalisierung, Kundenorientierung oder Nachhaltigkeit
angesiedelt waren. Insbesondere alternative Zustellkonzepte, welche derzeit allgemein im Fokus des Teilmarktes
stehen, wurden in diesem Rahmen erprobt. Somit dient das Unternehmen als besonders geeignetes Praxisbeispiel
für den KEP-Teilmarkt.
140 141
140
Vgl. DHL Hub Leipzig GmbH 2018
141
Unternehmensbefragung

88
Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH (SBO)
Stammdaten
Marktsegment
Seefracht
Hauptsitz
Dresden
Standort in Sachsen
Magdeburger Str. 58, 01067 Dresden
Paul-Greifzu-Straße 8a, 01591 Riesa
Am Wasserturm 3, 04860 Torgau
Gründung
1990
Beschäftigte
107
Umsatz
17,5 Mio. EUR (2017)
Transportierte Menge
2,5 Mio. t in Sachsen
Hauptrelation(en)
Hamburg, Bremerhaven
Charakteristika/Kernkompetenzen
Die Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH ist ein Hafenverbund bestehend aus sechs Standorten in Deutschland
und Tschechien. Dazu gehören die Häfen Dresden, Riesa und Torgau in Sachsen, Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt
sowie Lovosice und Děčín in Tschechien. Bei sämtlichen Standorten handelt es sich um öffentliche Binnenhäfen.
Durch diesen Status verpflichtet sich die SBO zu absoluter Neutralität gegenüber den Kunden und garantiert jedem
Nutzer einen diskriminierungsfreien Zugang zu allen Verkehrsträgern.
Als multimodal orientiertes Umschlag- und Logistikunternehmen verfügt die SBO in den sächsischen Häfen über
vielfältige Dienstleistungsangebote. Jeder der Standorte ist ein Universalhafen mit trimodalen Umschlag-
möglichkeiten (Binnenschiff, Eisenbahn, LKW) und regionalen Schwerpunkten. Die Spezialisierungen der Häfen sind
Projektladung, Schwergut, Containerverkehre, Massen- und Gefahrgut sowie konventionelles Stückgut.
Zu den von der SBO angebotenen Leistungen zählen neben Transport und Logistik auch Containerservice und -
handel, Umschlag und Lagerung, Linienverkehre, Vermietung von Ansiedlungsflächen, Kommissionierung und
weitere Dienstleistungen. Ziel der SBO ist es, umweltfreundliche und zugleich ökonomische Transportalternativen
anzubieten, bei denen die Zuverlässigkeit der Transportkette im Mittelpunkt steht.
Die SBO engagiert sich in verschiedenen FuE-Projekten mit mehreren Kooperationspartnern. In Übereinstimmung
mit der sächsischen Seefrachtbranche steht für die SBO hierbei die Digitalisierung von Geschäftsprozessen im Fokus.
So wurden unter anderem Investitionen in neue EDV-Anwendungen und in die digitale Containererfassung getätigt.
Das Praxisbeispiel zeigt, wie groß die Bedeutung der Digitalisierung und die Bedeutung von grünen Logistik-
Lösungen im Teilmarkt der Seefracht sind. Die FuE-Projekte fokussieren digitale und grüne Lösungen (u. a. den Einsatz
von E-Fahrzeugen und das Thema Hafen 4.0).
142 143
142
Unternehmensbefragung
143
Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH 2019

89
Ruslan SALIS GmbH
Stammdaten
Marktsegment
Luftfracht
Hauptsitz
Leipzig
Standort in Sachsen
Hermann-Köhl-Straße 1, 04435 Flughafen Leipzig-Halle
Gründung
2006
Beschäftigte
33 in Sachsen
Umsatz
74,5 Mio. EUR in Sachsen
Hauptrelation(en)
Mali, Irak, Afghanistan
Charakteristika/Kernkompetenzen
Die Ruslan SALIS GmbH war ein deutsches Tochterunternehmen der russischen Volga-Dnepr Airlines mit 33
Mitarbeitern und Sitz am Flughafen Leipzig-Halle. Der Flughafen Leipzig-Halle wurde aufgrund seiner strategisch
wichtigen Lage in Mitteleuropa als operative Basis von Ruslan SALIS gewählt.
Das 2006 gegründete Unternehmen übernahm Lufttransporte im Rahmen von humanitären und friedenssichernden
Einsätzen für die EU und NATO-Partnerstaaten im Rahmen des 2004 erstmalig abgeschlossenen Strategic Airlift
Interim Solution (SALIS)-Vertrages. Seit seiner Gründung hat Ruslan SALIS mehr als 3.800 Flüge durchgeführt und
mehr als 218.000 Tonnen Fracht auf fünf Kontinenten geliefert.
Die Transporte wurden
um den besonderen Anforderungen der Auftraggeber gerecht zu werden
mit einer AN-
124-100, dem größten in Serie produzierten Transportflugzeug der Welt durchgeführt. Das Flugzeug bietet eine
maximale Nutzlast von 120 Tonnen und ist zudem aufgrund seines großen Frachtraumes insbesondere für den
Transport übergroßer und überschwerer Fracht geeignet. Vier Bordkräne erlauben eine autarke Be- und Entladung
von großen und schweren Frachtstücken. Am Flughafen Leipzig-Halle verfügt die Ruslan SALIS GmbH über eine
flugtechnische Wartungsbasis.
144 145
Das Unternehmen ist ein gutes Praxisbeispiel für den Einsatz von modernem Equipment in der Luftfracht, das
aufgrund des steigenden Transportaufkommens immer wichtiger wird. Insbesondere forciert das Unternehmen die
Digitalisierung ihrer Flugzeugflotte, wie die Umrüstung von analoger in digitale Flugsteuerungstechnik.
Zu Beginn des Jahres 2019 übernahm das deutsche Tochterunternehmen der ukrainischen Antonov State Company,
die Antonov Logistics SALIS GmbH mit Sitz in Schkeuditz, die Durchführung der NATO-Lufttransporte im Rahmen
des SALIS-Vertrages. Die logistischen Prozesse werden weiterhin vom Luftfahrtstandort am Flughafen Leipzig-Halle
gesteuert. Aufgrund des geringen Unternehmensalters liegen bislang keine Kennzahlen zu Unternehmensumsätzen,
oder Beschäftigtenzahlen vor.
144
Unternehmensbefragung
145
Vgl. Volga-Dnepr Group of Companies 2019

image
90
2.5. Branchenbezogene Logistikprofile
Übersicht zu den Logistikprofilen
Im Folgenden werden die Logistikprofile anhand von verschiedenen Kenndaten vergleichend dargestellt. Die
Klassifikation der Wirtschaftszweige des Statistischen Bundesamtes von 2008 dient dabei zur Unterscheidung der
jeweiligen Branchen. Insgesamt werden sieben Logistikprofile dargestellt, die jeweils Branchen mit tlw. mehreren
Wirtschaftszweigen umfassen. Die wesentlichen industriellen Branchen des verarbeitenden Gewerbes im Freistaat
Sachsen sind
der Fahrzeugbau (WZ08 29, 30),
die Elektrotechnik und Mikroelektronik (WZ08 26, 27),
die Metallerzeugung und -bearbeitung (WZ08 24, 25),
der Maschinenbau (WZ08 28),
das Ernährungsgewerbe (WZ08 10, 11)
und die chemischen und pharmazeutischen Erzeugnisse, Gummi und Kunststoff (WZ08 20, 21, 22).
Darüber hinaus spielt für die Logistikwirtschaft auch der Handel (WZ08 21, 46, 47) eine wesentliche Rolle. Für jede
der aufgeführten Branchen sind wirtschaftszweigbezogene Güterströme charakteristisch. Tabelle 17 zeigt die
Zuordnung der Gütergruppen zu den jeweiligen Wirtschaftszweigen sowie die Versand- und Empfangsmengen. Die
Werte stammen aus der Verkehrsverflechtungsprognose 2030.
146
Teilweise ist eine eindeutige Zuordnung der
Gütergruppen zu den Branchen nicht möglich und erfolgt daher zusammenfassend. Die Prognose zeigt, dass außer
in den Wirtschaftszweigen des Fahrzeugbaus, der Elektrotechnik und Mikroelektronik sowie des Maschinenbaus die
Empfangsmengen die Versandmengen übersteigen werden.
Tabelle 17: Wirtschaftszweigbezogene Güterströme
Wirtschaftszweig
Zuordnung Gütergruppen
Tonnage Versand
(Prognose 2030)
Tonnage Empfang
(Prognose 2030)
Fahrzeugbau
Herstellung von Kraftwagen und
Kraftwagenmotoren
4.291.639
3.628.031
Elektrotechnik,
Mikroelektronik
Maschinen und Ausrüstungen;
Büromaschinen, Datenverarbeitungsgeräte
und -einrichtungen; Geräte der
Elektrizitätserzeugung und -verteilung u.Ä.;
Nachrichtentechnik, Rundfunk- und
Fernsehgeräte sowie elektronische
Bauelemente
2.292.353
1.930.099
Maschinenbau
Metallerzeugung und
-bearbeitung
Metalle und Halbzeug daraus;
Metallerzeugnisse, ohne Maschinen und
Geräte
4.819.812
5.616.142
chemische und
pharmazeutische
Erzeugnisse, Gummi und
Kunststoff
Chemische Erzeugnisse und Chemiefasern;
Gummi- und Kunststoffwaren; Spalt- und
Brutstoffe
2.946.592
4.026.122
Ernährungsgewerbe
Nahrungs- und Genussmittel
6.211.512
8.261.396
Handel
146
Vgl. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur 2014

image
91
Logistikprofil Fahrzeugbau
Definition
Der Bereich Fahrzeugbau, der für das Land Sachsen einen bedeutenden Wirtschaftszweig darstellt, umfasst die
Wirtschaftszweige 29 (Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen) und 30 (sonstiger Fahrzeugbau) mit die
darunterfallenden Untergruppen (vgl. Tabelle 18).
Tabelle 18: Definition Wirtschaftszweig Fahrzeugbau
29
Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen
29.1
Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenmotoren
29.2
Herstellung von Karosserien, Aufbauten und Anhängern
29.3
Herstellung von Teilen und Zubehör für Kraftwagen
30
Sonstiger Fahrzeugbau
30.1
Schiff- und Bootsbau
30.2
Schienenfahrzeugbau
30.3
Luft- und Raumfahrzeugbau
30.4
Herstellung von militärischen Kampffahrzeugen
30.9
Herstellung von Fahrzeugen a. n. g.
Kennzahlen
Die hohe Bedeutung des Fahrzeugbaus spiegelt sich in den Kennzahlen der Branche wider. Mit einem Umsatz von
knapp 19,7 Mrd. EUR im Jahr 2018 ist der Bereich des Fahrzeugbaus einer der bedeutendsten Industriebereiche für
die sächsische Wirtschaft. Im Vergleich zum Jahr 2017 blieben die Umsatzzahlen in dieser Branche nahezu
unverändert. 2017 wurden rund 49 % des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet (siehe Abbildung 56). Dennoch betrug
die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate für die Exportquote im Fahrzeugbau -1,3 %, gegenüber 2013 nahm
die Exportquote insgesamt um 3,6 % ab.
Abbildung 56: Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz im Fahrzeugbau (2017)
Umsatz im Inland
51%
Umsatz im Ausland
49%
Quelle: Jahresbericht 2017
(Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe im Freistaat Sachsen)

92
Der Bereich des Fahrzeugbaus zeichnet sich ebenfalls durch eine hohe Anzahl der Beschäftigten aus. In Sachsen
waren 2018 rund 44.300 Personen in der Branche tätig, während 2017 ca. 43.500 Personen im Fahrzeugbau
beschäftigt waren, was einem Anteil von rd. 15 % aller Beschäftigten des Verarbeitenden Gewerbes sowie des
Bergbaus insgesamt entsprach und ungefähr auf gleicher Höhe wie der Anteil der Beschäftigten bei der
Metallerzeugung und dem Maschinenbau lag. Bei einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von rd. 6 % ist für
den Betrachtungszeitraum eine dynamische Entwicklung bei den Beschäftigten im Fahrzeugbau festzustellen. Von
2012 bis 2017 hat sich die Anzahl der Beschäftigten insgesamt um 10.500 Beschäftigte erhöht (siehe Abbildung 57).
Abbildung 57: Entwicklung der Beschäftigten im Fahrzeugbau (2012 - 2017)
In Sachsen waren im Jahr 2018 insgesamt 3.107 Betriebe im Verarbeitenden Gewerbe und im Bergbau verzeichnet.
Davon sind 139 Betriebe, also zwei mehr als im Vorjahr, dem Fahrzeugbau zuzurechnen, der in dem dargestellten
Betrachtungszeitraum zwischen 2012 und 2017 insgesamt eine positive Entwicklung (rd. + 11 %) verzeichnete. Mit
103 Betrieben hatte der Fahrzeugbau im Jahr 2017 einen Anteil von rd. 4 % an allen kleinen und mittleren
Betrieben
147
des Verarbeitenden Gewerbes sowie des Bergbaus in Sachsen. Im Gegensatz dazu stellten die sieben
Großbetriebe des Fahrzeugbaus mit mehr als 1.000 Beschäftigten rd. 47 % aller Betriebe dieser Größenklasse des
Verarbeitenden Gewerbes sowie des Bergbaus in Sachsen (vgl. Abbildung 58).
Abbildung 58: Anteil der Fahrzeugbau-Betriebe an allen Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes und des Bergbaus (2017)
147
bis 249 Angestellte im Betrieb
30.000
35.000
40.000
45.000
50.000
2012
2013
2014
2015
2016
2017
Anzahl Beschäftigte
Quelle: Jahresberichte (Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe im Freistaat Sachsen)
103
27
7
2 805
157
8
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
KMU
(bis 249)
250 - 999
1000
und mehr
Anteil an allen Betrieben
Betriebe mit ... Beschäftigten
Fahrzeugbau
Weitere WZ des verarb.
Gewerbes und Bergbaus
Quelle: Jahresbericht 2017 (Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe im Freistaat Sachsen)

93
Bei der differenzierten Betrachtung der Beschäftigungsgrößenklassen der Betriebe des Fahrzeugbaus zeigt sich, dass
rd. 75 % aller Betriebe des Fahrzeugbaus im Jahr 2017 zu KMU zählten. Von den 25 % der Betriebe, die zu den
Großunternehmen zählten, gehörten jeweils 5 % zu den zwei größten Beschäftigtengrößenklassen (500 bis 999
sowie 1000 und mehr).
Abbildung 59: Verteilung der Betriebe im Fahrzeugbau nach Beschäftigtengrößenklassen (2017)
Bedeutende Akteure in der Marktstruktur
Sofern nicht anders angegeben, wurden die Unternehmensdaten aus der Befragung, der Unternehmensdatenbank
Sachsen sowie den jeweiligen Unternehmens-Webseiten herangezogen, um bedeutende Unternehmen (Verlader und
Logistikdienstleister) für den jeweiligen Wirtschaftsbereich darzustellen. Die Beschäftigtenzahlen und die
Umsatzhöhe beziehen sich, sofern nicht anders vermerkt, jeweils auf den Freistaat Sachsen. Es wurden die zum
Zeitpunkt der Studie aktuellsten Daten der Unternehmen (2017/18) berücksichtigt.
Tabelle 19: Bedeutende Verlader des Fahrzeugbaus in Sachsen
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
im
Freistaat
Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
BMW AG
München
Leipzig
5.300
k. A.
Bombardier
Transportation
Montreal,
Kanada
Görlitz, Bautzen
1.900
k. A.
Elbe Flugzeugwerke
Dresden
Dresden
1.647
290
Porsche AG
Stuttgart
Leipzig
4.500
5.900
Volkswagen AG
Wolfsburg
Zwickau,
Chemnitz,
Dresden
10.150
k. A.
unter 50 Beschäftigte
31%
50 bis 99 Beschäftigte
23%
100 bis 249
Beschäftigte
21%
250 bis 499
Beschäftigte
15%
500 bis 999
Beschäftigte
5%
1 000 und mehr
Beschäftigte
5%
Quelle: Jahresbericht 2017
(Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe im Freitaat Sachsen)

94
Tabelle 20: Bedeutende Logistikdienstleister des Fahrzeugbaus in Sachsen
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
im Freistaat
Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
DB Schenker/
Schenker Deutschland
AG
Frankfurt
am Main
Leipzig
16.100
(national)
4.100 (national)
Emons Spedition
GmbH
Köln
Leipzig, Dresden,
Glauchau
129
50 (national)
Kühne + Nagel (AG &
Co.) KG
Hamburg
Leipzig, Chemnitz,
Dresden
15.000
(national)
2.775 (national)
Rhenus SE & Co. KG
Holzwickede
Meerane, Chemnitz
29.000
(weltweit)
4.800
(weltweit)
Schnellecke Group AG
& Co. KG
Wolfsburg
10 Standorte in
Dresden, Glauchau,
Leipzig, Zwickau
k. A.
1.081
(weltweit)
Logistikumsatz und Nachfrage nach Logistikdienstleistungen
Im Bereich Fahrzeugbau ist der Anteil der Logistikkosten an den Gesamtkosten hoch. Die Bundesvereinigung Logistik
(BVL) schätzte den Anteil der Logistikkosten an den Gesamtkosten des Wirtschaftsbereichs Fahrzeugbau auf 9 %
(bundesweit).
148
Damit nahm der Anteil gegenüber dem Jahr 2005 um fast 4 % zu.
149
Die großen Automobilhersteller
und -zulieferer in Sachsen haben durchschnittlich hohe Aufwendungen für Logistikaktivitäten, insbesondere für die
außerbetriebliche Logistik (siehe Abbildung 60). Die Tendenz zeigt eine hohe Outsourcing-Quote dieser
Logistikaktivitäten. Drei der größten Unternehmen im Fahrzeugbau im Freistaat Sachsen haben eine Outsourcing-
Quote von 100 %.
Abbildung 60: Durchschnittlicher anteiliger Gesamtaufwand für die außerbetriebliche Logistik in Unternehmen im Fahrzeugbau
Im Bereich Fahrzeugbau ist insbesondere der Teilmarkt der industriellen Kontraktlogistik von Bedeutung, wie auch
die transportierten Mengen in den Teilmärkten der großen Automobil-Unternehmen im Freistaat Sachsen zeigen
(siehe Abbildung 61). Auch der Vergleich zu Gesamtdeutschland macht deutlich, dass der größte Anteil des
Logistikvolumens im Bereich Fahrzeugbau auf die Kontraktlogistik zurückzuführen ist, 25 % aller Nachfrager werden
der Automobilindustrie zugeordnet.
150
148
Vgl. Bundesvereinigung Logistik 2008, S. 47
149
Vgl. Bundesvereinigung Logistik 2008, S. 47
150
Vgl. Schwemmer 2018, S. 118
anteiliger Gesamtaufwand für
außerbetriebliche Logistik
22%
n=3
Quelle: Eigene Erhebung

95
Abbildung 61: Verteilung der transportierten Mengen auf die Teilmärkte im Fahrzeugbau
Logistikdienstleister in den dargestellten Teilmärkten werden mehrheitlich aus Sachsen in Anspruch genommen.
Logistikdienstleister sind oftmals, gerade im Fahrzeugbau, tief in die Produktionsprozesse der Industrie eingebunden
und über IT-Systeme integriert, sodass eine geographische Nähe aufgrund der Produktionssysteme zwingend
erforderlich ist, um flexibel und schnellstmöglich reagieren zu können. Rund 17 % der beauftragten
Logistikdienstleister kommen aus dem übrigen Bundesgebiet.
Zukünftige Anforderungen und Erwartungen
Die zukünftigen Anforderungen und Erwartungen der Akteure im Bereich Fahrzeugbau stellen sich einerseits in den
Anforderungen der Logistikdienstleister an die Verlader und andererseits in den Erwartungen der Verlader an die
Logistikdienstleister dar. Wie in Abbildung 62 zu sehen ist, legen 50 % der verladenden Betriebe der
Automobilindustrie im Freistaat Sachsen zukünftig Wert auf schnelle Reaktionszeiten und weitere 25 % der
Befragten auf eine steigende Kooperationsbereitschaft der Logistikdienstleister. Zu diesen Bedarfen zählen
insbesondere die Einhaltung von vorgegebenen Zeitfenstern sowie eine steigende Flexibilität auf Seiten der
Logistikdienstleister.
Abbildung 62: Anforderungen der Verlader an die Logistikdienstleister im Fahrzeugbau
Industrielle
Kontraktlogistik
67,3%
Stückgut-/
Netzwerktransporte
7,0%
KEP
25,0%
Seefracht
0,4%
Luftfracht
0,4%
n=4
(Mehrfachzuordnung möglich)
Quelle: Eigene Erhebung
25%
50%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
Kooperationsbereitschaft
Reaktionszeiten
Anteile in %
n=4
(Mehrfachzuordnung möglich)
Quelle: Eigene Erhebung

96
Auf Seiten der Logistikdienstleister im Wirtschaftsbereich Fahrzeugbau geben 40 % der befragten Unternehmen an,
dass sie Wert auf eine hohe Kooperationsbereitschaft der verladenden Betriebe legen (siehe Abbildung 63). Weiterhin
sehen die befragten Logistikdienstleister hauptsächlich Optimierungsbedarf in der Transparenz der Strukturen und
in der Prozessorganisation auf Seiten der Verlader. Mit der steigenden Digitalisierung von Prozessen wird auch ein
gemeinsames Schnittstellenmanagement von verladenden Betrieben und Logistikdienstleistern immer bedeutender.
35 % der Logistikdienstleister wünschen sich eine stärkere Integration in die digitalen Prozesse der Verlader. Ziel ist
es hier, die Kommunikation zwischen beiden Seiten zu verbessern.
Abbildung 63: Anforderungen der Logistikdienstleister an die Verlader im Fahrzeugbau
Dieser Trend wird durch den steigenden Bedarf der verladenden Betriebe am Einsatz von Track-and-Trace Systemen
in Logistikprozessen bestätigt. Die digitale Sendungsverfolgung mithilfe von Blockchain-Technologien weist künftig
ein hohes Marktpotenzial im Bereich Fahrzeugbau im Freistaat Sachsen auf, für das auf Seiten der
Logistikdienstleister innovative Geschäftsmodelle gefragt sind. Mit dem Blockchain Kompetenzzentrum in Mittweida
verfügt der Freistaat in diesem Bereich über ein Alleinstellungsmerkmal, um weitere Potenziale in diesem Themenfeld
zu heben.
Trends und Entwicklungen
Der zunehmende Anteil verschiedener am Bau eines Fahrzeugs beteiligter Unternehmen führt zu einer wachsenden
Bedeutung der Logistik im Fahrzeugbau. Entwicklungs- und Fertigungsleistungen der Automobilhersteller werden
zunehmend ausgelagert, um sich verstärkt auf die unternehmenseigenen Kernkompetenzen zu konzentrieren. Die
Ergebnisse der Befragung im Freistaat Sachsen zeigen insgesamt, dass der Bereich des Fahrzeugbaus aktuell und
auch zukünftig von einer hohen Outsourcing-Quote geprägt ist. Daher ist die effektive Zusammenarbeit zwischen
Verladern und Logistikdienstleistern von hoher Bedeutung.
Das veränderte Netzwerk aus Herstellern und Zulieferern bietet Chancen für Logistikdienstleistungsunternehmen,
ihre Tätigkeitsbereiche auszuweiten und speziell an der Planung und Koordination der logistischen Ströme innerhalb
der Netzwerke teilzuhaben. Die Schnittstellen zwischen Zulieferern und Herstellern bieten somit Potenziale für die
Logistikdienstleister. Herausforderungen für die Logistikdienstleister ergeben sich u. a. durch verschiedene
Anforderungen der Kunden. Mögliche Wachstumsbereiche sind das Supply-Chain-Management, transportbezogene
Leistungen (Eingangs- und Ausgangsverkehre, innerbetriebliche Transporte, Entsorgungsprozesse), lagerhaltungs-
bezogene Leistungen sowie Mehrwertleistungen (z. B. Behältermanagement, Kundenbetreuung, Montagetätigkeiten).
Logistiktätigkeiten werden vor allem in Kontraktlogistikprojekten zusammengefasst und vergeben. Um die
zukünftige Zusammenarbeit weiter zu verbessern, kann die Einbindung von Logistikdienstleistern auf taktischer und
0%
10%
20%
30%
40%
Transparenz der Strukturen
Kontraktlaufzeiten
Prozessoptimierung auf Seiten der
Verlader
Kooperationsbereitschaft
Einbindung in digitale Prozesse der
Verlader
(Schnittstellenmanagement)
Rampenproblematik
Lenk- und Ruhezeiten
Zahlungsziele
n=20
(Mehrfachzuordnung möglich)
Quelle: Eigene Erhebung

97
strategischer Ebene weiter ausgebaut werden. Vor dem Hintergrund internationaler Wachstumsmärkte ist auch eine
internationale Ausrichtung von Logistikdienstleistern von hoher Bedeutung.
151
Weiterhin bildet das sowohl gesellschaftlich wie auch politisch immer präsenter werdende Nachhaltigkeits-
bewusstsein den Ausgangspunkt für grundlegende Veränderungen im Fahrzeugantrieb. Regierungsseitig gefördert
wächst der Markt für E-Mobility rasant.
152
Der Einsatz von Elektromotoren verändert die meist durch Dienstleister
im Rahmen industrieller Kontraktlogistik übernommenen Prozesse bei der Ersatzteillogistik. Die Automobilbranche
steht vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung der E-Mobilität vor einem Strukturwandel. 2025 wird jedes
zweite in Sachsen produzierte Fahrzeug einen Elektromotor haben, so die Planzahlen der sächsischen Fahrzeugwerke.
Bei der Produktion von Komponenten, die primär zum Verbrennungsmotor gehören, wird es Einschnitte für
Unternehmen und Beschäftigte geben. Demgegenüber ergeben sich aber in etwa gleichem Umfang
Wachstumschancen für Betriebe und ihre Belegschaften, die mit der E-Mobilität gehen oder die sich mit
Softwarelösungen rund um die Mobilität beschäftigen. Insofern ist davon auszugehen, dass der Strukturwandel
durch Elektromobilität keine gravierenden Auswirkungen auf das Beschäftigungsniveau in der sächsischen
Zulieferindustrie insgesamt hervorrufen wird.
153
Für die Logistikdienstleister bietet die Verwendung von Lithium-
Ionen-Batterien Wachstumspotenziale in den Bereichen Lagerung, Transport und Entsorgung oder Recycling.
154
Durch hohe Anforderungen sicherheitskritischer Prozesse steigt die Wahrscheinlichkeit des Outsourcings durch die
Automobilindustrie an spezialisierte Dienstleister.
155
Für die Themen Digitalisierung und 3-D-Druck laufen laut der
befragten Unternehmen unterdessen verschiedene Planungsszenarien.
151
Vgl. Klaus et al. 2010
152
Vgl. Delhaes 2018
153
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr 2019 e
154
Vgl. Mortsiefer 2019
155
Vgl. Schwemmer 2018, S. 79ff.

image
98
Logistikprofil Elektrotechnik, Mikroelektronik
Definition
Der Bereich Elektrotechnik und Mikroelektronik ist ein weiterer wachstumsstarker Sektor der sächsischen Wirtschaft.
Er umfasst die Wirtschaftszweige 26 und 27 mit den darunterfallenden Untergruppen (siehe Tabelle 21).
Tabelle 21: Abgrenzung Wirtschaftszweig Elektrotechnik, Mikroelektronik
26
Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen
26.1
Herstellung von elektronischen Bauelementen und Leiterplatten
26.2
Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten und peripheren Geräten
26.3
Herstellung von Geräten und Einrichtungen der Telekommunikationstechnik
26.4
Herstellung von Geräten der Unterhaltungselektronik
26.5
Herstellung von Mess-, Kontroll-, Navigations- u. ä. Instrumenten und Vorrichtungen; Herstellung von
Uhren
26.6
Herstellung von Bestrahlungs- und Elektrotherapiegeräten und elektromedizinischen Geräten
26.7
Herstellung von optischen und fotografischen Instrumenten und Geräten
26.8
Herstellung von magnetischen und optischen Datenträgern
27
Herstellung von elektrischen Ausrüstungen
27.1.
Herstellung von Elektromotoren, Generatoren, Transformatoren, Elektrizitätsverteilungs- und -
schalteinrichtungen
27.2
Herstellung von Batterien und Akkumulatoren
27.3
Herstellung von Kabeln und elektrischem Installationsmaterial
27.4
Herstellung von elektrischen Lampen und Leuchten
27.5
Herstellung von Haushaltsgeräten
27.9
Herstellung von sonstigen elektrischen Ausrüstungen und Geräten a. n. g.
Kennzahlen
Im Jahr 2018 erwirtschafteten die Wirtschaftsbereiche Elektrotechnik und Mikroelektronik, ähnlich wie im Vorjahr,
einen Umsatz von knapp 7,8 Mrd. EUR, was im Jahr 2017 einem Anteil von rund 12 % am Gesamtumsatz des
Verarbeitenden Gewerbes und Bergbaus entsprach. Im Zeitraum von 2012 bis 2017 betrug die durchschnittliche
jährliche Wachstumsrate des Umsatzes 4,6 %. Das entspricht einem Gesamtwachstum von etwa 25 % bzw. einer
absoluten Zunahme von rund 1,6 Mrd. EUR. Der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz betrug 2017 fast
40 % (siehe Abbildung 64). Die Exportquote ist von 44 % im Jahr 2012 auf 39 % im Jahr 2017 gesunken.

99
Abbildung 64: Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz in der Elektrotechnik und Mikroelektronik (2017)
Im Jahr 2018 lag die Beschäftigtenzahl im Bereich der Elektrotechnik und Mikroelektronik bei rund 36.200 Personen.
Die Anzahl der Beschäftigten ist im Zeitraum von 2012 bis 2017 bei einer durchschnittlichen jährlichen
Wachstumsrate von 2,1 % um insgesamt 10,8 % angestiegen, also von 31.500 auf knapp 35.000 Personen (siehe
Abbildung 65). Dies entsprach etwa einem Achtel aller Beschäftigten des Verarbeitenden Gewerbes und des Bergbaus.
Verglichen mit dem Fahrzeugbau ist folglich ein (absolut und relativ) geringerer Anstieg der Beschäftigtenzahl im
Bereich Elektrotechnik und Mikroelektronik mit einem ähnlich starken (nur 4 Prozentpunkte geringeren)
Umsatzzuwachs einhergegangen. Allerdings lag der Umsatz pro Beschäftigtem im Jahr 2017 mit etwa 223.000 EUR
(gewichteter Wert für WZ 26 und 27) deutlich unter dem des Fahrzeugbaus, bei dem er bei über 450.000 EUR pro
Beschäftigtem lag.
Abbildung 65: Entwicklung der Beschäftigten im Bereich Elektrotechnik und Mikroelektronik (2012 - 2017)
Von den insgesamt 3.107 Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes und des Bergbaus in Sachsen gehören im Jahr
2018 276, also zwei Betriebe weniger als 2017, dem Bereich Elektrotechnik und Mikroelektronik an, in dem von 2012
bis 2017 mit etwa 12 % das stärkste Gesamtwachstum aller betrachteten Branchen zu verzeichnen war. Mit 245
Betrieben waren im Jahr 2017 in der Elektrotechnik und Mikroelektronik etwa 8 % aller KMU des Verarbeitenden
Gewerbes und des Bergbaus vertreten. Charakteristisch ist jedoch, dass rd. 27 % aller Großunternehmen (mehr als
1.000 Beschäftigte) dem betrachteten Wirtschaftsbereich angehören (siehe Abbildung 66).
Umsatz im Inland
61%
Umsatz im Ausland
39%
Quelle: Jahresbericht 2017
(Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe im Freistaat Sachsen)
30.000
32.000
34.000
36.000
38.000
2012
2013
2014
2015
2016
2017
Anzahl Beschäftigte
Quelle: Jahresberichte (Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe im Freistaat Sachsen)

100
Abbildung 66: Anteil der Elektrotechnik- und Mikroelektronik-Betriebe an allen Betrieben des verarbeitenden Gewerbes und des
Bergbaus (2017)
Bei der differenzierten Betrachtung der Beschäftigtengrößenklassen der Elektrotechnik- und Mikroelektronik-
Betriebe im Jahr 2017 zeigt sich, dass ungefähr 88 % aller Betriebe dieses Wirtschaftszweiges zu den KMU zählten
(siehe Abbildung 67). 44 % aller Betriebe gehörten mit weniger als 50 Beschäftigten zu den Kleinbetrieben.
Abbildung 67: Verteilung der Betriebe nach Beschäftigtengrößenklasse in der Elektrotechnik und Mikroelektronik (2017)
Bedeutende Akteure in der Marktstruktur
Sofern nicht anders angegeben, wurden die Unternehmensdaten aus der Befragung, der Unternehmensdatenbank
Sachsen sowie den jeweiligen Unternehmens-Webseiten herangezogen, um bedeutende Unternehmen (Verlader und
Logistikdienstleister) für den jeweiligen Wirtschaftsbereich darzustellen. Die Beschäftigtenzahlen und die
Umsatzhöhe beziehen sich, sofern nicht anders vermerkt, jeweils auf den Freistaat Sachsen. Es wurden die zum
Zeitpunkt der Studie aktuellsten Daten der Unternehmen (2017/18) berücksichtigt.
245
29
4
2 663
155
11
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
KMU
(bis 249)
250 - 999
1000
und mehr
Anteil an allen Betrieben
Betriebe mit ... Beschäftigten
Elektrotechnik, Mikroelektronik
Weitere WZ des verarb.
Gewerbes und Bergbaus
Quelle: Jahresbericht 2017
(Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe im Freistaat Sachsen)
unter 50 Beschäftigte
44%
50 bis 99 Beschäftigte
25%
100 bis 249
Beschäftigte
19%
250 bis 499
Beschäftigte
8%
500 bis 999
Beschäftigte
3%
1 000 und mehr
Beschäftigte
1%
Quelle: Jahresbericht 2017
(Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe im Freistaat Sachsen)

101
Tabelle 22: Bedeutende Verlader der Elektrotechnik und Mikroelektronik in Sachsen
Unternehmen
Hauptsitz
jeweils im Freistaat Sachsen
im Freistaat
Sachsen
außerhalb
Standorte
Beschäftigte
Umsatz in
Mio. EUR
Bosch Sensortec
GmbH
Gerlingen
Dresden
k. A.
78.000
(weltweit)
Leesys - Leipzig
Electronic Systems
GmbH
Leipzig
Görlitz, Bautzen
398
k. A.
Siemens AG
München
Leipzig