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Meteorologische und hydrologische Analyse des
Frühjahrshochwassers 2006
in den sächsischen Fließgewässern
Stand Juli 2006
Freistaat
Sachsen
Landesamt für Umwelt und Geologie

Impressum
Meteorologische und hydrologische Analyse des Frühjahrshochwassers 2006 in den
sächsischen Fließgewässern
Stand Juli 2006
Titelbild:
Der Weiße Schöps bei Markersdorf am 26 März 2006, Foto: Silvia Heinze
Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
Abteilung 3
Zur Wetterwarte 11, D-01109 Dresden
e-Mail: Abteilung3@lfug.smul.sachsen.de
Bearbeitung:
Landesamt für Umwelt und Geologie
Referat Landeshochwasserzentrum, Gewässerkunde
in Zusammenarbeit mit
Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen

Inhaltsverzeichnis
1
Meteorologisch - hydrologischer Ereignisablauf
1.1 Hydrometeorologie
1.2 Hochwasserverlauf
1.2.1
Flussgebiet Elbe (Elbestrom)
1.2.2
Flussgebiet Nebenflüsse der oberen Elbe
1.2.3
Flussgebiet Schwarze Elster und ihre Nebenflüsse
1.2.4
Flussgebiet Mulden und ihre Nebenflüsse
1.2.5
Flussgebiet Weiße Elster und ihre Nebenflüsse
1.2.6
Flussgebiet Spree und ihre Nebenflüsse
1.2.7
Flussgebiet Lausitzer Neiße und ihre Nebenflüsse
1.3
Bedeutung der sächsischen Talsperren auf das Frühjahrshochwasser
1.4
Auswirkungen auf das Grundwasser
2
Auswirkungen auf die Gewässerbeschaffenheit der Elbe
3
Hochwassernachrichten- und Alarmdienst
3.1 Informationen
3.2
Modelle und Vorhersagegenauigkeit
3.3 Pegelmessnetz
3.4
Daten- und Informationsmanagement des Landeshochwasserzentrums
3.5
Zusammenarbeit und Organisation
4 Zusammenfassung

1
Meteorologisch - hydrologischer Ereignisablauf
1.1 Hydrometeorologie
Von Mitte Januar bis Anfang Februar war ein umfangreiches Hochdruckgebiet über Ost-
europa in Sachsen wetterbestimmend. Es wurde trockene und sehr kalte Festlandsluft in unse-
re Region gelenkt. Die Temperaturen lagen Anfang Februar tagsüber zwischen -10 und
-15 Grad, nachts sanken die Temperaturen örtlich auf unter -20 Grad. Es bildete sich in ganz
Sachsen eine geschlossene Schneedecke.
Ab 07.02 überquerte eine Warmfront von Nordwesten die Region. Allmählich floss mildere
Luft ein, so dass am 07.02. Tauwetter bis in die mittleren Lagen der Gebirge einsetzte. Regen
verstärkte den Tauprozess. Die 24-stündigen Niederschlagssummen und Schneeschmelzraten
am 07./08.02. betrugen verbreitet 20 bis 30 mm, im Einzugsgebiet der Nebenflüsse der oberen
Elbe und der Spree 15 bis 20 mm. Nach dieser Tauwetterperiode zog ein Tief von Dänemark
nach Polen und lenkte allmählich wieder kältere Luft heran und die Niederschläge gingen
auch im Tiefland in Schnee über.
Ab den 15.02. überquerten Atlantische Tiefausläufer die Region und es floss zunehmend mil-
de Meeresluft nach Sachsen. Am 17.02. wurden 4 bis 8 Grad im Tiefland und 0 bis 4 Grad im
Bergland gemessen (Abbildung 1.1). Die Niederschlagsmengen waren mit 1 bis 5 mm in 24
Stunden zwar relativ gering, aber sie verstärkten den Tauprozess. Im Flachland taute die
Schneedecke fast vollständig ab, im Bergland reduzierte sich die Schneehöhe nur gering (Ab-
bildung 1.2).
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05.03.06
07.03.06
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11.03.06
13.03.06
15.03.06
17.03.06
19.03.06
21.03.06
23.03.06
25.03.06
27.03.06
29.03.06
31.03.06
Tagessumme des Niederschlags in mm
STATION GÖRLITZ
STATION DRESDEN-KLOTZSCHE
STATION LICHTENHAIN-MITTELNDORF
STATION CARLSFELD
Abbildung 1.1: Tagessummen des Niederschlags in mm vom 01.02. bis zum 19.04.2006 an ausgewählten
meteorologischen Stationen, Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD)
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05.03.06
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31.03.06
Schneehöhe in cm
TS Carlsfeld / Westerzgebirge
Sp. Altenberg /Osterzgebirge
TS Muldenberg / Vogtland
TS Cranzahl / Mittleres Erzgebirge
TS Bautzen / Lausitz
TS Schömbach / Leipziger Tiefland
Abbildung 1.2: Entwicklung der Schneehöhe in cm vom 01.02. bis zum 19.04.2006 an ausgewählten
Talsperren, Quelle: LTV
Ab den 20.02. lenkte ein Hochdruckgebiet über Skandinavien erneut kalte Luft aus Nordosten
nach Sachsen herein. Wechselhaftes und kaltes Winterwetter war auch weiter bis in die erste
Märzwoche wetterbestimmend. Es kam immer wieder zu Schneeniederschlägen, so dass sich
auch im Flachland erneut eine geschlossene Schneedecke bis zu 5 cm ausbildete. Im Mittel-
gebirge (ab ca. 400 m ü. NN) wurde eine Schneehöhe von 30 bis 110 cm und auf den Kamm-
lagen von 150 bis 190 cm gemessen.
Ab dem 09.03. griffen Tiefausläufer von Südwesten auf Sachsen über und führten vor allem
in den Einzugsgebieten der Weißen Elster und der Zwickauer Mulde zu ergiebigen Nieder-
schlägen von 10 bis 30 mm die teilweise in Regen übergingen. In den folgenden Tagen vom
11. zum 12.03. sanken die Temperaturen in Sachsen wieder deutlich unter den Gefrierpunkt
und es fiel erneut Schnee bis in das Tiefland.
Im Erzgebirgsraum und in der Lausitz wurden Tagessummen zwischen 10 und 25 mm gemes-
sen. Die Schneehöhe wuchs im Flachland auf 10 bis 30 cm, im Mittelgebirgsraum auf 50 bis
140 cm und auf den Klammlagen auf 160 bis 220 cm (Abbildung 1.2). Unter der Schneedecke
war vielfach der Frost stark in den Boden eingedrungen. Den Verlauf der Tagesmitteltempera-
turen und der Frosteindringtiefe vom 01.02. bis zum 31.03.2006 zeigen die Abbildungen 1.3
und 1.4.
5/28

-15,0
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01.02.06
03.02.06
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07.02.06
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01.03.06
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05.03.06
07.03.06
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15.03.06
17.03.06
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31.03.06
Tagesmitteltemperatur in °C
STATION CARLSFELD
STATION LICHTENHAIN-MITTELNDORF
STATION DRESDEN-KLOTZSCHE
STATION GÖRLITZ
Abbildung 1.3: Verlauf der Tagesmitteltemperatur vom 01.02. bis zum 31.03.2006 an ausgewählten
meteorologischen Stationen, Quelle: DWD
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25.02.06
27.02.06
01.03.06
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05.03.06
07.03.06
09.03.06
11.03.06
13.03.06
15.03.06
17.03.06
19.03.06
21.03.06
23.03.06
25.03.06
27.03.06
29.03.06
31.03.06
Frosteindringtiefe in cm
STATION CARLSFELD
STATION LICHTENHAIN-MITTELNDORF
STATION DRESDEN-KLOTZSCHE
STATION GÖRLITZ
Abbildung 1.4: Verlauf der Frosteindringtiefe in cm vom 01.02. bis zum 31.03.2006 an
ausgewählten meteorologischen Stationen, Quelle: DWD
Nach dem relativ späten Ende des Winters stellte sich im letzten Märzdrittel eine West-
strömung mit kräftiger Zufuhr feuchter und relativ warmer Luft in Mitteleuropa ein. Eine
Zyklone nach der anderen überquerte mit ergiebigen Regenfällen Deutschland und Tsche-
6/28

chien. Diese Situation hielt mit den typischen Schwankungen bis Mitte April an. Insgesamt
fiel im März 2006 über Sachsen 143 Prozent und über Tschechien bis zu 200 Prozent des im
März im langjährigen Mittel beobachteten Niederschlags. Warmluftzufuhr und Regen führten
zu einer raschen Schneeschmelze in allen Höhenlagen. Die Schneedecke taute innerhalb nur
einer Woche nahezu vollständig ab; lediglich in den oberen Lagen der Gebirge waren in
Sachsen, Tschechien und Polen noch Regionen mit Schneebedeckung zu erkennen (Abbil-
dung 1.3).
Den Verlauf der Entwicklung des gemessenen mittleren Wasseräquivalents der Schneedecke
(gWÄqu) von Mitte Februar bis Mitte April aufgeschlüsselt auf ausgewählte sächsische
Flusseinzugsgebiete ist in Abbildung 1.5 dargestellt. Das Wasseräquivalent der Schneedecke
in den Einzugsgebieten des Elbestroms und der Lausitzer Neiße wurde dabei durch Mel-
dungen des Tschechischen Hydrometeorologischen Institutes Prag und des Instituts für Mete-
orologie und Wasserwirtschaft in Wroclaw eingeschätzt.
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06.02.2006
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20.02.2006
27.02.2006
06.03.2006
13.03.2006
20.03.2006
27.03.2006
03.04.2006
10.04.2006
gWÄqu in mm
Flussgebiet Elbestrom (einschl. tschech. Einzugsgebiet)
Flussgebiet Nebenflüsse der oberen Elbe einschließlich Dresden
Flussgebiet Nebenflüsse der oberen Elbe unterhalb Dresden
Flussgebiet Schwarze Elster
FlussgebietVereinigte Mulden
Flussgebiet Zwickauer Mulde
Flussgebiet Freiberger Mulde
FlussgebietWeiße Elster
Flussgebiet Spree
Flussgebiet Lausitzer Neiße (einschl. poln. Einzugsgebiet)
Abbildung 1.5: Entwicklung des mittleren Wasseräquivalents der Schneedecke (bWÄqu) ausgewählter
Flusseinzugsgebiete
7/28

1.2 Hochwasserverlauf
1.2.1 Flussgebiet Elbe (Elbestrom)
Aufgrund des Ende März einsetzenden durchgreifenden Tauwetters und dem gleichzeitigen
Auftreten ergiebiger Regenniederschläge im tschechischen Elbeeinzugsgebiet kam es in Sach-
sen ab 27.03. zu raschem Ansteigen der Wasserführung; am Pegel Dresden stieg der Wasser-
stand innerhalb 24 Stunden beispielsweise um 180 cm. Die Richtwerte der Alarmstufe 4 wur-
den am Pegel Schöna bereits am 30.03. in den Abendstunden, am Pegel Dresden am 31.03.
vormittags überschritten; am Pegel Torgau am 04.04.
Ein Hochwasser im Elbestrom wird ganz wesentlich vom Hochwasserverlauf im tschechi-
schen Einzugsgebiet der Elbe (mit Moldau und Eger) geprägt. Durch die Bewirtschaftung der
Talsperren der Moldaukaskade und der Talsperre Nechranice an der Eger konnte der Verlauf
des Hochwassers auch in Sachsen günstig beeinflusst werden. Mit gezielten Vorentlastungen
war es möglich, beträchtlichen Stauraum für den gesteuerten Rückhalt eines Teils der Hoch-
wasserwelle freizuhalten und es kam nicht zu Überlagerungen der Hochwasserscheitel aus
Moldau, Labe und Eger.
In der Elbe bildeten sich lang gestreckte Hochwasserplateaus aus, deren Höchstwerte in
Schöna und Dresden am 04.04.06, in Torgau am 05.04.06 erreicht wurden (siehe Abbil-
dung 1.6). Danach setzte ein relativ langsamer Rückgang ein, nach geringen Wiederanstiegen
lagen an den sächsischen Hochwassermeldepegeln erst ab 04.05. alle Wasserstände wieder
unter den Richtwerten der Alarmstufe 1.
Nach überschlägigen Berechnungen betrug die Hochwasserfülle am Pegel Dresden vom
27.03. bis 04.05. etwa 2150 Mio. m³ und liegt damit in der ähnlichen Größenordnung wie
beim Extremhochwassers 2002.
W = 881 cm; 04.04.06
W = 749 cm; 04.04.06
W = 805 cm; 05.04.06
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20. Mrz. 06
25. Mrz. 06
30. Mrz. 06
4. Apr. 06
9. Apr. 06
14. Apr. 06
19. Apr. 06
24. Apr. 06
29. Apr. 06
4. Mai. 06
Zeit
W in cm
Pegel Schöna/Elbe
Pegel Dresden/Elbe
Pegel Torgau/Elbe
Abbildung 1.6: Flussgebiet Elbe (Elbestrom) – Wasserstandsganglinien ausgewählter Pegel
Nach vorläufigen Bewertungen ist den aufgetretenen Hochwasserscheiteln an sächsischen
Elbepegeln eine Jährlichkeit zwischen 10 und 20 Jahren zuzuordnen (Vergleich 2002:
T=100–200 Jahre).
8/28

1.2.2
Flussgebiet Nebenflüsse der oberen Elbe
Aufgrund des anhaltenden Dauerfrostes kam es Anfang Februar in allen Fließgewässern zu
Eisbeeinflussungen, verbreitet bildete sich Rand- und Grundeis, zum Teil auch eine geschlos-
sene Eisdecke. Das ab 07.02. einsetzende Tauwetter ließ insbesondere an einigen Pegeln im
Tiefland die Wasserstände bis in den Bereich der Alarmstufe 1 ansteigen. Mit Verringerung
der abflusswirksamen Niederschläge setzte am 09.02. ein Rückgang der Wasserführung ein.
Infolge von Eisversetzungen traten örtlich Ausuferungen und lokale Gefährdungen, ab 16.02.
im Zusammenhang mit wieder einsetzender, durch Regenniederschlag verstärkter Schnee-
schmelze verbreitet in den Fließgewässern im Tief- und Hügelland erneut rasche Wasser-
standsanstiege bzw. –schwankungen bis in den Bereich der Alarmstufe 1 und 2, am Pegel
Ziegenhain/Ketzerbach kurzzeitig bis Alarmstufe 3 auf. Danach setzte allgemein fallende bis
gleich bleibende Tendenz der Wasserführung ein.
Anfang März verursachten Regenniederschläge und Tauwetter erneut Wasserstandsanstiege
Am 10.03. wurden an mehreren Pegeln im Tief- und Hügelland die Richtwerte der Alarm-
stufen 1 und 2, im Oberlauf der Döllnitz der Richtwert der Alarmstufe 3 und am Pegel Zie-
genhain/Ketzerbach kurzzeitig der der Alarmstufe 4 überschritten. Sinkende Temperaturen
und damit nachlassende abflusswirksame Niederschläge führten zu einem raschen Rückgang
der Wasserführung, wobei vor allem in kleineren bzw. in den Fließgewässern des Flachlandes
ausgeprägte Tages- und Nachtschwankungen beobachtet wurden. Durch Sonneneinstrahlung
und ansteigende Temperaturen wurden ab Mittag starke Wasserstandsanstiege, zum Teil bis
in Höhe der Hochwassermeldegrenzen, registriert. In den frühen Nachtstunden ging die Was-
serführung aufgrund sinkender Temperaturen wieder zurück.
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8. Mrz. 06
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22. Mrz. 06
29. Mrz. 06
5. Apr. 06
12. Apr. 06
19. Apr. 06
26. Apr. 06
Zeit
W in cm
Pegel Elbersdorf/Wesenitz
Pegel Geising 1/Rotes Wasser
Pegel Kreischa/Lockwitzbach
Pegel Herzogswalde 1/Triebisch
Pegel Ziegenhain/Ketzerbach
Abbildung 1.7: Flussgebiet Nebenflüsse der oberen Elbe – Wasserstandsganglinien ausgewählter Pegel
Ende März verstärkte sich der Abtauprozess bis ins obere Bergland, sodass auch an den Pe-
geln der Gewässer des Berglandes Wasserstandsanstiege bis in Höhe des Richtwertes der A-
larmstufe 1, teilweise bis Alarmstufe 2, registriert wurden; am Pegel Elbersdorf/Wesenitz
stieg der Wasserstand kurzzeitig bis in den Bereich der Alarmstufe 3. Danach setzte allgemein
fallende bis gleich bleibende Tendenz der Wasserführung ein. In diesem Zeitraum wurden
eine Wassermenge von ca. 14,9 Mio. m³ durch die Talsperren und Hochwasserrückhalte-
becken der Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen (LTV) zurückgehalten. Ab-
9/28

image
bildung 1.7 zeigt für ausgewählte Pegel den ausgeprägten Wasserstandsverlauf während der
Frühjahrshochwasser 2006.
Nach vorläufigen Bewertungen ist den aufgetretenen Hochwasserscheiteln eine Jährlichkeit
zwischen 2 und 20 Jahren zuzuordnen.
1.2.3
Flussgebiet Schwarze Elster und ihre Nebenflüsse
Durch den anhaltenden Dauerfrost kam es Anfang Februar in der Schwarzen Elster und ihren
Nebenflüssen zu erheblichen Eisbeeinflussungen, verbreitet bildete sich Rand- und Grundeis,
zum Teil auch eine geschlossene Eisdecke. Das ab 07.02. einsetzende Tauwetter führte in
allen Fließgewässern zu Eisaufbruch und Eisstau, sodass die Wasserstände infolge von Eis-
versetzungen in den Bereich der Alarmstufe 2 und 3, am Pegel Zescha im Hoyerswerdaer
Schwarzwasser bis in den Bereich der Alarmstufe 4 anstiegen. Es kam zu Ausuferungen und
lokal zu massiven Gefährdungen. Unterhalb des Pegels Neuwiese erfolgte die Entlastung der
Schwarzen Elster über die Flutungsbauwerke der Restseen Bluno und Koschen auf Branden-
burger Gebiet. Diese Entlastung konnte die teilweise Überflutung der Ortschaft Tätzschwitz
in Sachsen nicht verhindern, sodass die Einsatzkräfte vor Ort am 08.02. ca. 18:30 Uhr den
rechten Damm der Schwarzen Elster (ca. 350 m unterhalb der Straßenbrücke Tätzschwitz)
öffneten. Das dem zukünftigen Geierswalder See durch die Deichöffnung über die angren-
zenden Felder zugeflossene Wasser entlastete die Schwarze Elster nach ersten Abschätzungen
um ca. 6 m³/s (Abbildung 1.8).
Abbildung 1.8: Deichöffnung am Deich der Schwarzen Elster ca. 350 m unterhalb der Brücke
Tätzschwitz (Foto: SMUL, 2006)
Ab den 16.02. kam es erneut im Zusammenhang mit wieder einsetzender, durch Regennieder-
schlag verstärkter Schneeschmelze zu raschen Wasserstandsanstiegen bzw. –schwankungen
bis in den Bereich der Alarmstufe 1 und 2. Danach sank die Wasserführung langsam. Anfang
10/28

März verursachten Regenniederschläge und Tauwetter erneut Wasserstandsanstiege und am
10./11.03. wurden an mehreren Pegeln im Flussgebiet die Richtwerte der Alarmstufe 1 und 2
überschritten. Mit den sinkenden Temperaturen und Übergang der Regenniederschläge in
Schnee ging die Wasserführung rasch zurück.
Ab dem 21.03. führte intensive Sonneneinstrahlung zu einer starken Schneeschmelze und es
kam auf den teilweise noch durchgefrorenen Böden zu starken oberirdischen Abflüssen, die in
den Fließgewässern die Wasserführung bis in den Bereich der Alarmstufe 1 anstiegen ließen.
Dabei waren ausgeprägte Tages- und Nachtschwankungen der Wasserstände zu beobachten
(siehe Abbildung 1.9). Mit Einsetzen der Regenniederschläge ab den 25.03. wurde dieser Pro-
zess verstärkt und die Wasserführung stieg nochmals bis in Bereich der Alarmstufe 2, am Pe-
gel Großdittmannsdorf an der Großen Röder bis in den Bereich der Alarmstufe 3 an. Während
dieser Zeit wurden eine Wassermenge von 3,5 Mio. m³ durch die Speicher und Hochwasser-
rückhaltebecken der LTV im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster zurückgehalten.
Nach vorläufigen Bewertungen ist den aufgetretenen Hochwasserscheiteln vom Ende März
eine Jährlichkeit zwischen 5 und 10 Jahren zuzuordnen.
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1. Feb. 06
8. Feb. 06
15. Feb. 06
22. Feb. 06
1. Mrz. 06
8. Mrz. 06
15. Mrz. 06
22. Mrz. 06
29. Mrz. 06
5. Apr. 06
12. Apr. 06
19. Apr. 06
26. Apr. 06
Zeit
W in cm
Pegel Zescha/Hoy. Schwarzwasser
Pegel Trado 1/Schwarze Elster
Pegel Neuwiese/Schwarze Elster
Pegel Großdittmannsdorf/Große Röder
Pegel Kleinraschütz/Große Röder
Abbildung 1.9: Flussgebiet Schwarze Elster – Wasserstandsganglinien ausgewählter Pegel
1.2.4
Flussgebiet Mulden und ihre Nebenflüsse
Anhaltendes Frostwetter führte Anfang Februar auf allen Fließgewässern zu verschiedenarti-
gen Eisbildungen. Neben Rand- und Grundeis waren an langsam fließenden Gewässerab-
schnitten, insbesondere in den Staubereichen von Wehren und den Gewässerabschnitten im
Tiefland geschlossene Eisdecken zu beobachten. Geringfügige Erhöhungen des Abflusses
infolge kurzzeitigen Tauwetters vom 07.02. bis 09.02. führten unter der fließquerschnittsver-
engenden Wirkung des Eises zu Wasserstandsanstiegen. Eisversetzungen unterhalb der Pegel
an der Vereinigten Mulde bedingten in diesem Zeitraum die Überschreitung der Richtwasser-
stände der Alarmstufe 1. Es traten Ausuferungen mit lokalen Gefährdungen auf.
Ab 16.02. einsetzende Wasserstandsanstiege, gefolgt von Schwankungen auf erhöhtem Ni-
veau waren die Folge erneut beginnender Schneeschmelze in Verbindung mit Regennieder-
11/28

schlag, wobei die Hochwassermeldegrenzen nicht wieder überschritten wurden. Danach setzte
allgemein fallende bis gleich bleibende Tendenz der Wasserführung ein.
Anfang März verursachten Regenniederschläge und Tauwetter erneut Wasserstandsanstiege
Am 10.03. wurden an mehreren Pegeln an der Vereinigten Mulde und den Unterläufen von
Zwickauer Mulde und Freiberger Mulde die Richtwerte der Alarmstufen 1 und 2 überschrit-
ten. Nachlassenden Niederschlägen und sinkenden Temperaturen folgte wiederum ein Rück-
gang der Wasserführung, wobei weiterhin ausgeprägte tägliche Schwankungen auftraten. Die-
se waren in der Erwärmung und der Sonneneinstrahlung am Tag und dem Temperaturrück-
gang in der Nacht begründet.
Ende März verstärkte sich der Abtauprozess bis ins obere Bergland, so dass auch an den Pe-
geln der Gewässer des Berglandes Wasserstandsanstiege bis in den Bereich der Alarmstufe 1,
teilweise bis Alarmstufe 2, beobachtet wurden. An den Pegeln Erlln/Freiberger Mulde und
Kriebstein UP/Zschopau stieg der Wasserstand bis in den Bereich der Alarmstufe 3. Am
06.04. waren die Richtwasserstände der Alarmstufe 1 an allen Hochwassermeldepegeln wie-
der unterschritten. In diesem Zeitraum wurde im Einzugsgebiet der Mulden durch die Tal-
sperren der LTV eine Wassermenge von 27,3 Mio. m³ zurückgehalten.
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1. Feb 06
9. Feb 06
17. Feb 06 25. Feb 06
5. Mrz 06
13. Mrz 06 21. Mrz 06 29. Mrz 06
6. Apr 06
14. Apr 06
22. Apr 06
30. Apr 06
Zeit
W in cm
Pegel Golzern1/Vereinigte Mulde
Pegel Zwickau-Pölbitz/Zwickauer Mulde
Pegel Nossen1/Freiberger Mulde
Pegel Hopfgarten/Zschopau
Pegel Borstendorf/Flöha
Abbildung 1.10: Flussgebiet Mulde – Wasserstandsganglinien ausgewählter Pegel
In der zweiten und dritten Aprildekade beschleunigten Regenniederschläge den Abtauprozess
des im Kammgebiet des Erzgebirges noch verbliebenen Schnees. Die folgenden Wasser-
standsanstiege führten im Gebiet der oberen Zwickauer Mulde zum kurzzeitigen Überschrei-
ten der Richtwasserstände der Alarmstufe 1 an einzelnen Pegeln.
Abbildung 1.10 zeigt für ausgewählte Pegel den ausgeprägten Wasserstandsverlauf während
der Frühjahrshochwasser 2006. Nach vorläufigen Bewertungen ist den aufgetretenen Hoch-
wasserscheiteln eine Jährlichkeit zwischen 2 und 20 Jahren zuzuordnen.
12/28

1.2.5
Flussgebiet Weiße Elster und ihre Nebenflüsse
Dauerfrost führte Anfang Februar auf allen Fließgewässern zu verschiedenartigen Eisbil-
dungen. Neben Rand- und Grundeis bildeten sich an langsam fließenden Gewässerabschnit-
ten, insbesondere auf den Gewässerabschnitten im Tiefland, geschlossene Eisdecken. Infolge
kurzzeitigen Tauwetters vom 07.02. bis 09.02. kam es zu geringfügigen Erhöhungen des Ab-
flusses. Die Eisbildungen bewirkten deutliche Wasserstandsanstiege. Eisversetzungen an
Wyhra und Parthe bedingten in diesem Zeitraum die Überschreitung der Richtwasserstände
der Alarmstufe 1 und 2. Es traten Ausuferungen mit lokalen Gefährdungen auf.
Ab 16.02. einsetzende Wasserstandsanstiege, gefolgt von Schwankungen auf erhöhtem Ni-
veau waren die Folge erneut beginnender Schneeschmelze in Verbindung mit Regennieder-
schlag, wobei die Richtwerte der Alarmstufen 1 und 2 wieder in Wyhra und Parthe überschrit-
ten wurden. Danach setzte allgemein fallende bis gleich bleibende Tendenz der Wasserfüh-
rung ein.
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150
200
250
300
1. Feb 06
9. Feb 06
17. Feb 06 25. Feb 06
5. Mrz 06
13. Mrz 06 21. Mrz 06 29. Mrz 06
6. Apr 06
14. Apr 06
22. Apr 06
30. Apr 06
Zeit
W in cm
Pegel Adorf/Weiße Elster
Pegel Straßberg/Weiße Elster
Pegel Kleindalzig/Weiße Elster
Pegel Böhlen1/Pleiße
Pegel Leipzig-Thekla/Parthe
Abbildung 1.11: Flussgebiet Weiße Elster – Wasserstandsganglinien ausgewählter Pegel
Anfang März führten Regenniederschläge und Tauwetter erneut zu Wasserstandsanstiegen.
Ab 09.03. wurden an mehreren Pegeln im Gebiet der Weißen Elster die Richtwerte der A-
larmstufen 1 und 2 überschritten. Mit nachlassenden Niederschlägen und sinkenden Tempe-
raturen erfolgte wieder ein Rückgang der Wasserführung, wobei weiterhin ausgeprägte tägli-
che Schwankungen auftraten.
Ende März verstärkte sich der Abtauprozess bis ins Bergland, so dass auch an den Pegeln im
Gebiet der oberen Weißen Elster Wasserstandsanstiege bis in den Wasserstandsbereich der
Alarmstufe 1 und 2 beobachtet wurden. Am Pegel Adorf/Weiße Elster stieg der Wasserstand
bis in den Bereich der Alarmstufe 3. Am 06.04. waren die Richtwasserstände der Alarm-
stufe 1 an allen Hochwassermeldepegeln wieder unterschritten. Der Wasserrückhalt umfasste
in diesem Zeitraum in den Talsperren und Speichern der LTV im Einzugsgebiet der Weißen
Elster eine Menge von 35,8 Mio. m³.
13/28

Abbildung 1.11 zeigt für ausgewählte Pegel den ausgeprägten Wasserstandsverlauf während
der Frühjahrshochwasser 2006. Nach vorläufigen Bewertungen ist den aufgetretenen Hoch-
wasserscheiteln eine Jährlichkeit zwischen 2 und 15 Jahren zuzuordnen.
1.2.6
Flussgebiet Spree und ihre Nebenflüsse
Aufgrund des anhaltenden Dauerfrostes kam es Anfang Februar in der Spree und ihren Ne-
benflüssen zu erheblichen Eisbeeinflussungen, verbreitet bildete sich Rand- und Grundeis,
zum Teil auch eine geschlossene Eisdecke. Das ab 07.02. einsetzende Tauwetter ließ insbe-
sondere in der Spree unterhalb der Talsperre Bautzen und des Unterlaufes des Schwarzen
Schöpses die Wasserstände bis in den Bereich der Alarmstufe 1 ansteigen. Dabei kam es in-
folge von Eisversetzungen örtlich zu Ausuferungen und lokale Gefährdungen. Während die-
ser Zeit konnte aus der Spree in die Restseen Lohsa II und Bärwalde nicht geflutet werden, da
die Wehrtafeln mit bis zu 40 cm dicken Kompakteis eingefroren waren. Mit Verringerung der
abflusswirksamen Niederschläge setzte am 09.02. ein Rückgang der Wasserführung ein.
Ab 16.02. setzte erneut Schneeschmelze ein, die durch Regenniederschlag verstärkt wurde. Im
Schwarzen und Weißen Schöps und in der Spree unterhalb der Talsperre Bautzen kam es zu
raschen Wasserstandsanstiegen bzw. –schwankungen bis in den Bereich der Alarmstufe 1,
vereinzelt bis in die 2.
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1. Feb. 06
8. Feb. 06
15. Feb. 06
22. Feb. 06
1. Mrz. 06
8. Mrz. 06
15. Mrz. 06
22. Mrz. 06
29. Mrz. 06
5. Apr. 06
12. Apr. 06
19. Apr. 06
26. Apr. 06
Zeit
W in cm
Pegel Schirgiswalde/Spree
Pegel Großschweidnitz/Löbauer Wasser
Pegel Holtendorf/Weißer Schöps
Pegel Sprey/Spree
Abbildung 1.12:
Flussgebiet der Spree – Wasserstandsganglinien ausgewählter Pegel
Bis Ende März blieb die Wasserführung fast unverändert auf sehr hohem Niveau und erst ab
dem 25.03.06 stellte sich eine drastische Hochwassersituation, vor allem in den Oberläufen,
ein. Durch die Schneeschmelze, die durch Regenniederschläge verstärkt wurde, kam es auf
den gefrorenen Böden zu sehr starken oberirdischen Abflüssen. Die Wasserführung im Ober-
lauf des Weißen Schöpses am Pegel Holtendorf stieg am 26.3. bis in den Bereich der Alarm-
stufe 4. Das Ausmaß war hier vergleichbar mit dem Frühjahrshochwasser im April 1980. Im
Oberlauf der Spree und des Löbauer Wassers stiegen die Wasserstände bis in den Bereich der
14/28

Alarmstufe 3, im Unterlauf des Schwarzen Schöpses bis in den Bereich der Alarmstufe 2
(siehe Abbildung 1.12).
In der Spree unterhalb der Talsperre Bautzen konnte die Wasserführung im Bereich der A-
larmstufe 1 gehalten werden. Das war zum einen durch den Hochwasserrückhalt in den Tal-
sperren Bautzen und Quitzdorf möglich. Aber auch die optimalen Flutungsentnahmen aus der
Spree in die Restseen Lohsa II und Bärwalde haben zur Reduzierung der Hochwasserwelle
der Spree beigetragen. Durch die Talsperren Bautzen und Quitzdorf sowie durch den Speicher
Lohsa I wurden 12,2 Mio. m³ Wasser zurückgehalten. In die Tagebaurestseen wurden aus der
Spree und der Kleinen Spree vom 26. bis zum 29.03.06 über 6 Mio. m³ Wasser eingeleitet.
Das Hochwasser von Ende März war besonders für die Region des Oberen Lausitzer Berg-
landes ein schweres Hochwasser. Nach vorläufigen Bewertungen kann dem Hochwasserer-
eignis in der Spree oberhalb der TS Bautzen, im Oberlauf des Weißen Schöps und des Löbau-
er Wasser eine Jährlichkeit zwischen 10 und 15 Jahren, im Unterlauf des Weißen Schöpses
und des Löbauer Wassers sowie im Schwarzen Schöps und in der Spree unterhalb der Tal-
sperre Bautzen eine Jährlichkeit zwischen 2 und 5 Jahren zugeordnet werde.
1.2.7
Flussgebiet Lausitzer Neiße und ihre Nebenflüsse
Auch die Lausitzer Neiße und ihre Nebenflüsse waren aufgrund des anhaltenden Dauerfrostes
seit Februar durch Eis beeinflusst. Es bildete sich verbreitet Rand- und Grundeis, zum Teil
auch eine geschlossene Eisdecke. Das Mitte Februar einsetzende Tauwetter mit Regennieder-
schlägen war hier nicht so ausgeprägt, so dass es nur zu geringfügigen Wasserstandsanstiegen
unterhalb der Hochwassermeldegrenze kam. Bis zum 25.03. blieb die Wasserführung fast
unverändert.
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1. Feb 06
8. Feb 06
15. Feb 06
22. Feb 06
1. Mrz 06
8. Mrz 06
15. Mrz 06
22. Mrz 06
29. Mrz 06
5. Apr 06
12. Apr 06
19. Apr 06
26. Apr 06
Zeit
W in cm
Pegel Zittau1/Lausitzer Neiße
Pegel Görlitz/Lausitzer Neiße
Pegel Großschönau 2/Mandau
Pegel Niederoderwitz/Landwasser
Pegel Rennersdorf 3/Pließnitz
Abbildung 1.13:
Flussgebiet der Lausitzer Neiße– Wasserstandsganglinien ausgewählter Pegel
Mit Einsetzen der Schneeschmelze, die durch Regenniederschläge verstärkt worden ist, stieg
die Wasserführung am 27. und 28.03. in der Lausitzer Neiße bis in den Bereich der Alarm-
stufe 2, in der Mandau und im Landwasser bis in den Bereich der Alarmstufe 1, in der Pließ-
15/28

nitz bis in den Bereich der Alarmstufe 3. Die Witka, ein polnische Zufluss oberhalb des Pe-
gels Görlitz, beeinflusste das Hochwasser in der Lausitzer Neiße diesmal kaum. Vom 27. bis
zum 29.03. betrug die Abgabe der Talsperre Niedow/Witka nur maximal 40 m³/s. In den Ta-
gebaurestsee Berzdorf konnten vom 26. bis zum 31.03. insgesamt 6 Mio. m³ Wasser aus der
Lausitzer Neiße und der Pließnitz geflutet werden. Nachlassende Niederschläge und sinkende
Temperaturen führten zu einem raschen Rückgang der Wasserführung, wobei besonders in
den Nebenflüssen der Lausitzer Neiße ausgeprägte Tages- und Nachtschwankungen beobach-
tet wurden. Aufgrund der Sonneneinstrahlung stieg die Wasserführung ab den Mittagsstunden
teilweise erneut bis in den Bereich der Hochwassermeldegrenze an (Abbildung 1.13).
Nach vorläufigen Bewertungen ist den aufgetretenen Hochwasserscheiteln in der Lausitzer
Neiße und in der Mandau eine Jährlichkeit zwischen 2 und 5 Jahren und in der Pließnitz zwi-
schen 10 und 15 Jahren zuzuordnen.
1.3
Bedeutung der sächsischen Talsperren auf das Frühjahrshochwasser
In den landeseigenen Stauanlagen beträgt der gewöhnliche Hochwasserrückhalteraum ca.
150 Mio. m³. Auf Grundlage der Kenntnis der Wasservorräte in den Schneedecken der Tal-
sperreneinzugsgebiete konnte bereits ab Anfang Februar 2006 mit einer Vorentlastung von
Wasser aus den Betriebsräumen der Talsperren begonnen werden. Bis Mitte März 2006 wur-
de eine Entlastung aus den Betriebsräumen von insgesamt 50 Mio. m³ vorgenommen, so dass
zu Hochwasserbeginn 200 Mio. m³ Freiräume in den sächsischen Talsperren zur Hochwasser-
aufnahme zur Verfügung standen. Die Freiräume in den Talsperren vor dem Hochwasser zei-
gen die Abbildungen 1.14 und 1.15.
100
150
200
250
300
350
400
450
500
550
600
650
700
750
800
850
900
950
1000
1050
TS Pirk
TS Cranzahl
TS Muldenberg
Gr. Galgenteich
TS Carlsfeld
TS Falkenstein
TS Eibenstock
TS Lehnmühle
TS Bautzen
TS Koberbach
TS Quitzdorf
TS Stollberg
TS Malter
Sp. Radeburg II
TS Gottleuba
TS Lichtenberg
TS Klingenberg
TS Rauschenb.
TS Pöhl
TS Werda
TS Dröda
Freiraum in % zum best. gewöhnl. HW-Rückhalteraum
vorhandener Freiraum zur HW-Aufnahme am 21. März 2006 im Vergleich zum bestätigten gewöhnlichen
Hochwasserrückhalteraum in %
Abbildung 1.14:
Relative Größe der Freiräume vor dem HW im Vergleich zu den genehmigten
gewöhnlichen Hochwasserrückhalteräumen, Quelle: LTV
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TS Eibenstock
TS Pirk
TS Bautzen
TS Muldenberg
TS Lehnmühle
TS Malter
TS Klingenberg
TS Quitzdorf
Sp. Radeburg II
TS Gottleuba
TS Lichtenberg
TS Pöhl
TS Rauschenb.
TS Cranzahl
TS Carlsfeld
TS Falkenstein
Gr. Galgenteich
TS Koberbach
TS Stollberg
TS Werda
TS Dröda
zusätzlicher Freiraum in Mio. m³
zusätzlicher Freiraum im Betriebsraum zur Hochwasseraufnahme in
Mio. m³
Abbildung 1.15:
Zusätzlich in den Betriebsräumen geschaffenen Freiräume zur Hochwasseraufnahme
in Mio. m³, Quelle: LTV
Aufgrund der vorgenommenen Vorentlastungen wurde an allen Stauanlagen die Abflusssitua-
tion beherrscht. Die teilweise hohen Zuflüsse konnten gesteuert und für die Unterläufe in
schadlose Abgaben transformiert werden. Die Tabelle 1.1 zeigt die hochwasserreduzierende
Wirkung der Talsperre an ausgewählten Beispielen.
Tabelle 1.1:
Die Hochwasserreduzierende Wirkung ausgewählter Talsperren anhand der
Auswirkungen auf Hochwassermeldepegel im unmittelbaren Unterlauf, Quelle: LTV
Stauanlage
69,9
12,3
74
ohne
150
3
Der Hochwassermeldepegel TS Bautzen UP 1 ist zugleich TS-Abgabepegel.
49,1
10,2
98
ohne
165
2
Der Hochwassermeldepegel Neidhartdsthal ist zugleich TS-Abgabepegel.
12,3
7,5
74
ohne
100
1
Naturraum: Mittleres Erzgebirge
Der Hochwassermeldepegel Rauschenbach 1 ist zugleich TS-Abgabepegel.
Der Abgabewert schließt den Abfluss des Rauschenflusses ein.
Die Pegelwasserstände waren während des HW-Ereignisses stark Geröllbeeinflusst.
21,6
7,6
62
1
92
2
Der Hochwassermeldepegel Markersbach liegt unmittelbar unterhalb des Zusammenflusses
von Busch- und Mordgrundbach.
zugehörige Alarmstufe
am Unterpegel
resultierender
Wasserstand in cm
zugehörige
Alarmstufe
Scheitelzufluss
m³/s
Scheitelabgabe
m³/s
am Unterpegel
beobachteter
Wasserstand in cm
wirklich eingetreten
theoretisch erfolgt
unter Einfluss der Stauanlage(n)
ohne Einfluss der Stauanlage(n)
Talsperre Bautzen
Talsperre Eibenstock
HRB Buschbach u.
Mordgrundbach bis Pegel
Markersbach
Talsperre Rauschenbach
In der Zeit des Frühjahrshochwassers konnte bereits mit dem neu errichteten Hochwasser-
rückhaltebecken Lauenstein für das Tal der Müglitz Hochwasserschutz betrieben werden. Die
Bewirtschaftung des HRB Lauenstein, Müglitz im Osterzgebirge zeigt die Abbildung 1.16.
17/28

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9
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13
14
15
16
17
18
19
20
25.3.06
0:00
26.3.06
0:00
27.3.06
0:00
28.3.06
0:00
29.3.06
0:00
30.3.06
0:00
31.3.06
0:00
1.4.06
0:00
2.4.06
0:00
3.4.06
0:00
4.4.06
0:00
5.4.06
0:00
6.4.06
0:00
Zuflus s
,
Abg a be
in m ³/s
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
1,1
1,2
1,3
1,4
1,5
1,6
1,7
Inhalt
in M io. m ³
Zufluss
Abgabe
Inhalt
Zufluss-
scheitel-
reduzierg.
um 44%
Zuflusssumme im
dargestellten Zeitfenster
= 7,50 Mio. m³
Abbildung 1.16:
Bewirtschaftung des HRB Lauenstein in der Zeit des Frühjahrshochwassers 2006,
Quelle: LTV
1.3 Auswirkungen auf das Grundwasser
Vor dem Frühjahrshochwasser 2006 befanden sich die Grundwasserstände in Sachsen in ei-
nem für die Jahreszeit üblichen leicht ansteigenden Trend, lagen aber in diesem Jahr mehr-
heitlich noch unter den langjährigen Monatsmittelwerten.
Nach dem Erreichen des Elbwasserstandes von 650 cm am Pegel Dresden am 30.03., wurden
an den Messstellen des sich noch im Aufbau befindenden Sondermessnetzes „Hochwasser im
Grundwasser“, insbesondere in der Dresdner Elbtalweitung und im sonstigen Elbeeinzugs-
gebiet, teilweise tägliche Grundwasserstandsmessungen vorgenommen. Die sachsenweit ge-
wonnenen Messergebnisse wurden aufbereitet und für das Landesmessnetz und für den
Dresdner Raum im Internet eingestellt. Mit dem Umweltamt der Stadt Dresden und dem Re-
gieruungspräsidium Dresden, Umweltfachbereich Radebeul erfolgte eine intensive Zusam-
menarbeit bezüglich der zu messenden Messstellen und des regelmäßigen Datenaustausches.
Wegen der fehlenden Niederschläge war im Gegensatz zu 2002 nur an sehr elbnahen Mess-
stellen ein signifikanter Grundwasseranstieg (bis ca. 2,5 m) zu beobachten. Es fehlten die be-
deutenden hangseitigen und oberirdischen Zuflüsse. Deutlich wird dies an der Mess-
stelle 49484014 Hochschulstraße. Zum Hochwasser 2002 war an dieser Messstelle wie auch
an den elbnahen Messstellen ein deutlicher Grundwasseranstieg (3,5 m) innerhalb kürzester
Zeit zu verzeichnen, 2006 entsprach der Grundwasseranstieg dem für die Jahreszeit üblichen
Maß von etwa 20 cm.
Der Grundwasserstand der Messstelle 49484004 Königsstraße stieg aufgrund der Elbnähe
(Elbentfernung ca. 750 m) mit nur wenigen Tagen Verzögerung sehr deutlich an, an der
18/28

Messstelle 49483516 Stübelallee (Elbentfernung ca. 1500 m) hingegen war nur ein sehr ge-
dämpfter Grundwasseranstieg zu beobachten (Abbildung 1.17).
Grundwasserabsenkungsmaßnahmen zum Schutz der Gebäude im Bereich des Dresdner
Schlosses werden anhand der Ganglinie der Messstelle 49486524 ab dem 31.3. sehr deutlich.
Die Maßnahmen verursachten ein deutliches Abschwächen des Grundwasseranstiegs.
103
104
105
106
107
108
109
110
111
1.3.06
6.3.06
11.3.06
16.3.06
21.3.06
26.3.06
31.3.06
5.4.06
10.4.06
15.4.06
20.4.06
25.4.06
30.4.06
Zeit
Elb-und Grundwasserstände in mHN
Elbpegel Dresden
49484004 Königsstr.
49486524 Schloss
49484014 Hochschulstr.
49483516 Stübelallee
Abbildung 1.17:
Ganglinien ausgewählter Grundwassermessstellen im Raum Dresden
In Elbnähe (bis 750 m) wurden die Maximalgrundwasserstände 1 bis 3 Wochen nach Errei-
chen der Höchststände an den Elbepegeln erreicht. Danach wurden wieder fallende Grund-
wasserstände gemessen. In elbferneren Gebieten stiegen die Grundwasserstände aufgrund des
Elbhochwassers im Zentimeterbereich noch leicht an, die Maximalgrundwasserstände wurden
Mitte Juni erreicht.
Analog der Grundwassersituation in der Dresdner Elbtalweitung entwickelten sich die
Grundwasserstände in Abhängigkeit der Entfernung zur Elbe und den Überflutungsgebieten
auch weiter elbabwärts bis hin nach Torgau.
In Zeithain/Röderau wurden in etwa 1km Elbentfernung Grundwasseranstiege bis zu 2 m re-
gistriert. Danach stagnierten die Grundwasserstände bzw. gingen wieder leicht zurück.
Im Einflussgebiet der Mulde wurden während des Hochwassers ebenfalls Grundwasseran-
stiege registriert, allerdings fielen diese deutlich geringer aus als im Bereich der Elbe und
hielten vergleichsweise nur kurz (wenige Tage) an.
Insgesamt bestand wegen den erhöhten Grundwasserständen im überwiegenden Teil des Be-
trachtungsgebietes keine unmittelbare Gefährdung durch das Grundwasser. Ein deutlicher
Einfluss wurde bis etwa 1 km Elbentfernung/Überflutungsgebiet deutlich.
19/28

image
2
Auswirkungen auf die Gewässerbeschaffenheit der Elbe
Das Sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie ist auch für die Gewässerbeobachtung
im Freistaat Sachsen zuständig. Dazu gehört auch die Untersuchung der Beschaffenheit bei
besonderen Gewässersituationen, wie z.B. bei Hochwasserereignissen. Das Hochwasserbe-
schaffenheitsmessprogramm sieht vor, dass ab dem Erreichen der Hochwasserwarnstufe 4 bis
auf weiteres 1 x täglich eine Stichprobe an gesondert ausgewiesenen Hochwasserbeschaffen-
heitsmessstellen, die bei höheren Wasserständen noch erreicht werden können, genommen
und analysiert wird.
Ab dem 31. März 2006 wurde für den Elbestrom die Hochwasserwarnstufe 4 erreicht und
damit mit der zusätzlichen Probenahme an den in Tabelle 2.1 aufgeführten Hochwassermess-
stellen begonnen (Abbildung 2.1).
Tabelle 2.1: Zusätzlichen Probenahmestellen ab dem 31.03.2006
Hochwasser-
beschaffenheitsmessstelle
Messstellen-
kennzahl
Ersatz
für reguläre Messstelle
Bad Schandau, Brücke
H 0035
Schmilka, links und rechts
Dresden, Albertbrücke
H 0085
Pillnitz
Meißen, Alte Straßenbrücke
H0175
Zehren links und rechts
Dommitzsch, links
H 0281
Dommitzsch links und rechts
Die anfallenden Sonderuntersuchungen werden vom Umweltlabor der Staatlichen Umweltbe-
triebsgesellschaft analysiert. Zur Erkennung von potentiellen Gefährdungen werden zunächst
Vor-Ort-Parameter, Nährstoffe und ausgewählte biologische Parameter bestimmt sowie die
organische Belastung in einem Screeningverfahren eingeschätzt. Ergänzend dazu werden wei-
tere, länger andauernde Spezialuntersuchungen z. B. für die Metallgehalte vorgenommen
bzw. in Auftrag gegeben.
Abbildung 2.1: Entnahmestelle der Gewässergütemessstation Schmilka
20/28

Die Bewertung der Ergebnisse erfolgt im Vergleich zu den Maximalwerten, die während des
Hochwassers 2002 gefundenen wurden, sowie vergleichend zu den langjährigen Jahresmit-
telwerten für die Elbe.
Zu Beginn des Frühjahrshochwassers wurden, wie zu erwarten, auffällig erhöhte Schweb-
stoffgehalte gefunden. Dadurch bedingt wurden erhöhte Werte für solche Schadstoffe ge-
funden, die besonders gut an den Schwebstoffen anhaften können. Dazu gehörten insbeson-
dere die Metalle und die PCB’s. Stickstoffverbindungen und der Summenparameter für orga-
nische Stoffe lagen über den langjährigen mittleren Konzentrationen, jedoch unter den Maxi-
malwerten des Extremhochwassers vom August 2002. Insbesondere die erhöhten Nitratgehal-
te sind typisch für ein Hochwasser, dass durch eine Schneeschmelze verursacht wurde. Mine-
ralöle wurden kurzzeitig nachgewiesen, befanden sich aber auf einem niedrigen Niveau. Wäh-
rend des gesamten Hochwassers wurde keine Toxizität angezeigt. Die bakteriologischen Pa-
rameter befinden sich im normalen Bereich. Die Konzentrationen der übrigen Parameter lagen
in der üblichen Schwankungsbereite um den Jahresmittelwert und zeigten keine Auffälligkei-
ten.
Mit dem Rückgang der Wasserstände erfolgte eine schrittweise Annährung der Konzentra-
tionen an die langjährigen Jahresmittelwerte. Nach dem Rückgang der Wasserstände unter die
Alarmstufe 4 wurden am 10. April 2006 die Sonderuntersuchungen eingestellt. Die Daten der
Messstellen Bad Schandau und Dommitzsch wurden während der gesamten Sonderbeprobung
via Internet bereitgestellt und täglich aktualisiert.
21/28

3
Hochwassernachrichten- und Alarmdienst
3.1
Informationen
Der seit Ende September 2004 durch HWNAV
1
und HWMO
2
neu geregelte Hochwassernach-
richten- und Alarmdienst hat sich bewährt und gut funktioniert. Alle hochwassergefährdeten
Kommunen erhielten Hochwassernachrichten zeitnah direkt vom Landeshochwasserzentrum
(LHWZ). Insgesamt wurden im Frühjahr 2006 ca. 90000 Meldungen verschickt. Tabelle 3.1
enthält die Anzahl der Teilnehmer am Hochwassernachrichtendienst, Tabelle 3.2 flussgebiets-
bezogen die zahlenmäßige Verteilung der einzelnen Hochwassernachrichten.
Tabelle 3.1: Anzahl der Teilnehmer am Hochwassernachrichten- und Alarmdienst
Elbestrom
Nebenflüsse
der oberen Elbe
Schwarze
Elster
Mulden
Weiße Elster
Elster
Spree
Lausitzer Neiße
gesamt
insgesamt
77
178
88
450
126
87
59
1065
davon Dritte
0 27 5 183 10 4 12
241
62
113
52
183
77
59
33
579
Hochwasserwarnung
68
99
86
246
123
89
58
769
Hochwasser-
nachricht
Flussgebiet
Hochwasser-
eilbenach-
richtigung
Hochwasser-
standsmeldungen
Tabelle 3.2: Anzahl der Hochwassernachrichten während des Frühjahrshochwassers
vom 07.02. – 04.06.2006
Elbestrom
Nebenflüsse der
oberen Elbe
Schwarze Elster
Mulden
Weiße Elster
Elster
Spree
Hochwassereilbe-
Lausitzer Neiße
nachrichtigung 1
154
850
311
3125
695
234
47
5416
Hochwassereilbe-
nachrichtigung 2
77
507
235
1347
117
314
95
2692
Hochwasser-
standsmeldung
7257
8854
9266 14357
6375
6954
2262
55325
Hochwasser-
warnung
3828
3827
2036
7491
3630
1960
812
23584
Gesamt:
11316 14038 11848 26320 10817
9462
3216
87017
Hochwasser-
nachricht
Flussgebiet
Gesamt
Zeitraumvom 07.02.-04.05.2006
1
Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) über den Hochwassernach-
richten- und Alarmdienst im Freistaat Sachsen vom 17.08.2004
2
Verwaltungsvorschrift des SMUL zum Hochwassernachrichten- und Alarmdienst im Freistaat Sachsen vom 17.08.2004

Durch die Versendung von Hochwassereilbenachrichtigungen zu Beginn bzw. bei Ver-
schärfung jeder Hochwassersituation konnten Betroffene rechtzeitig gewarnt und Hoch-
wasserabwehrmaßnahmen vorbereitet werden. Zusätzlich stellte das LHWZ aktuelle Wasser-
stände sowie Hochwasserwarnungen und Vorhersagen im Internet, im mdr-Videotext sowie
zum telefonischen Abruf bereit.
Tabelle 3.3: Gesamtanzahl der http – Anfragen pro Monat
http-Anfrage Datenvolumen
[GB]
Januar
4838644
89
Februar 7325628 119
März 28870750 287
April 26104845
249
Dieses Informationsangebot wurde von der Öffentlichkeit rege genutzt. Teilweise führte es
z.B. dazu, dass die Internetanfragen (siehe Tabelle 3.3 und Abbildung 3.1) sehr stark anstie-
gen und die Kapazitäten trotz Sofortmaßnahmen nicht immer ausreichend waren.
0
1
2
3
4
5
6
7
1. Feb.
11. Feb.
21. Feb.
3. Mrz.
13. Mrz.
23. Mrz.
2. Apr.
12. Apr.
22. Apr.
Zeit
Anzahl http-Anfragen pro Tag [Mio.]
http-Anfragen
Abbildung 3.1 Tagesstatistik der http – Anfragen
3.2 Modelle und Vorhersagegenauigkeit
Im LHWZ wird die meteorologische und hydrologische Situation ständig analysiert, insbeson-
dere die Schneedeckenentwicklung hinsichtlich der möglichen Hochwassergefahr. Bereits An-
fang Februar wurden die Teilnehmer des Hochwassernachrichtendienstes (
außerhalb des regulären
23/28

image
Hochwassernachrichtendienstes) auf mögliche örtliche Gefährdungen durch plötzlichen Eisaufbruch
bzw. -versetzungen hingewiesen. Außerdem wurden regelmäßig Informationen über die Ent-
wicklung der Schneedecke sowie Bewertungen der Hochwasserentstehungsgefahr bereitge-
stellt.
Abbildung 3.2: Gemessenes Wasseräquivalent Wn in mm– Ergebnis der SNOW3-Berechnung
vom 15.03.06 (Quelle: DWD)
Als Grundlage dieser Analysen nutzte das LHWZ vor allem Daten und Informationen des
Deutschen Wetterdienstes, z.B. das Schneeschmelzmodell SNOW3, die für das Gebiet Sach-
sens im Jahr 2005 erarbeitet bzw. angepasst wurde (siehe Abb. 3.2), aber auch Informationen
der Nachbarländer.
Ebenfalls auf der Grundlage dieser Informationen sowie in Verbindung mit den aktuellen
Wettervorhersagen, auch unter Berücksichtigung der längerfristigen EFAS-Informationen
3
wurde bei Erfordernis der Hochwassernachrichtendienst für die entsprechenden Flussgebiete
mit Hochwasserwarnungen und Hochwassereilbenachrichtigungen eröffnet.
Zur Vorhersage der weiteren Entwicklung des Hochwassers stehen dem LHWZ bis auf das
Flussgebiet Nebenflüsse der oberen Elbe Hochwasservorhersagemodelle zur Verfügung. Die-
se meist konzeptionellen Modelle basieren auf relativ einfachen, robusten Modellbausteinen
und ermöglichen mit relativ wenigen Eingangsdaten und kurzen Rechenzeiten gute Ergebnis-
se. Zur Genauigkeit dieser Vorhersagen ist dabei zu beachten, dass:
- für Einzugsgebiete mit weniger als 200-500 km² lediglich grobe Einschätzungen zur Ab-
flusssituation möglich sind.
-
der Hochwasserverlauf eisbedingter Hochwasser schwer bis gar nicht abzuschätzen ist, da
sich aufgrund plötzlicher örtlicher Eisversetzungen, Eisaufstauungen oder Eisaufbruch die
3
Frühwarnsystem der EU; LHWZ erhält Mitteilung bei relativ sicheren Anzeichen einer sich entwickelnden großflächigen
Hochwassersituation
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Situation rasch ändern kann und die beobachteten Wasserstände an den Pegeln nicht im-
mer die tatsächliche Gefährdung an anderen Gewässerabschnitten des Gewässers wider-
spiegeln.
- für Bereiche seltener Ereignisse die Vorhersageunsicherheit zunimmt, da die Vorhersage-
modelle an abgelaufenen Hochwasserereignissen kalibriert wurden.
In Abbildung 3.3 sind die vom LHWZ für den Pegel Dresden herausgegebene 24-stündigen
Hochwasservorhersagen und 48-stündigen Abschätzungen, jeweils für 7 Uhr, mit dem tat-
sächlichen Wasserstandsverlauf aufgezeichnet. Außerdem wurde die prozentuale Abweichung
zwischen Mess- und Vorhersagewerten dargestellt. Vergleichsweise erfolgte dies zusätzlich
mit den Daten des Pegels Usti n.L./Labe.
200
300
400
500
600
700
800
900
1000
25. Mrz.
28. Mrz.
31. Mrz.
3. Apr.
6. Apr.
9. Apr.
12. Apr.
15. Apr.
Wasserstand
[cm]
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
absolute Abweichung
Pegel Usti n.L.
24-h-Vorhersage (CHMU Prag)
48-h-Abschätzung (CHMU Prag)
Pegel Dresden/Elbe
Spanne der 24-h-Vorhersage
Spanne der 48-h-Abschätzung
Abweichung Messwert Usti n.L. zum Mittel der Vorhersagespanne
Abweichung Messwert Usti n.L. zum Mittel der Abschätzungsspanne
Abweichung Messwert Dresden zum Mittel der Vorhersagespanne
Abweichung Messwert Dresden zum Mittel der Abschätzungsspanne
Abbildung 3.3: Wasserstandsganglinie des Pegels Dresden/Elbe mit vom LHWZ herausgegebenen
Vorhersage- und Abschätzungswerten
Aus dieser Grafik wird ersichtlich, dass diese Vorhersagen des LHWZ den Hochwasser-
verlauf i. R. etwas überschätzt, aber insgesamt gut prognostiziert haben. Die Abweichungen
waren selten größer als 4-5 %, was in Anbetracht der Tatsache, dass bis auf das Hochwasser
2002 mit Ereignissen dieser Großenordnung keine Erfahrungen vorliegen, beachtlich ist.
Das Frühjahrshochwasser hat deutlich die Grenzen der Modelle bezüglich der Vorhersagege-
nauigkeit, insbesondere bei Eishochwasser und der Länge des Vorhersagezeitraums aufge-
zeigt. Die Qualität der Modellergebnisse waren wesentlich von der Genauigkeit der Prognose
der Niederschläge und der Abtauprozess der Schneedecke abhängig. Da die Talsperrensteue-
rung im Hochwasserfall wesentlich vom Zufluss und der Gefährdungssituation unterhalb der
Talsperren abhängig und somit nicht langfristig planbar ist, können Abgabemengen exakt nur
für einen kurzen Zeitraum vorhergesagt werden und einer Hochwasservorhersage sind somit
Grenzen gesetzt.
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3.3 Pegelmessnetz
Unentbehrlich für genaue Hochwasserprognosen sind außer praktikablen Vorhersagemodellen
vor allem aktuelle Messwerte der Pegel. Von der Staatlichen Umweltbetriebsgesellschaft
(UBG) werden insgesamt rund 180 Pegel betreut, davon sind 105 Hochwassermeldepegel und
130 mit Datenfernübertragung ausgerüstet.
Im Gesamtzeitraum gab es 26 Ausfälle von Teilkomponenten an Pegelanlagen, davon 18 an
Hochwassermeldepegeln. 17 Ausfälle konnten sofort am Tag des Auftretens, vier erst am
Folgetag beseitigt werden. Im Allgemeinen entstanden Ausfälle vorrangig durch Gerätedefek-
te, in Einzelfällen durch Geschiebetrieb und Eiseinwirkungen, denen prophylaktisch auf den
Standort und die dortigen technischen Möglichkeiten bezogen, nur eingeschränkt begegnet
werden kann. Die Ursachen liegen demzufolge nicht in konzeptionellen Defiziten des Auf-
baus und der Ausrüstung der vorhandenen Messstellen. Insgesamt kann hervorgehoben wer-
den, dass redundante Technik und Datenfernübertragung zu sehr hoher Datenverfügbarkeit
und Qualität geführt haben.
Durch das Hochwasser wurden nur am Pegel Kriebstein/Zschopau und durch Eisgang am
Pegel Neichen/Mutzschener Wasser (kein Hochwassermeldepegel) Schäden verursacht. Dies
beweist, dass die Hochwassersicherheit der baulichen Anlagen und der Technik seit 2002 er-
heblich gestiegen ist.
Tabelle 3.4: Anzahl der durchgeführten Abflussmessungen
Durch Wochenendeinsätze, Bildung
zusätzlicher Messtrupps und An-
schaffung moderner Messtechnik
(Seilkrananlage, ADCP-Messboote)
konnte durch die UBG die Anzahl
von Hochwasser-Durchflussmessun-
gen im Vergleich zu früheren Ereig-
nissen stark erhöht werden.
Elbestrom
(in Sachsen)
Nebenflüsse der
oberen Elbe
Schwarze Elster
Mulden
Weiße Elster
Elster
Spree
Lausitzer Neiße
UBG, FB 32
-
30
8
0
0
18
2
58
UBG, FB 33
-
0
0
108
26
0
0
134
UBG, FB 34 - 1 0 20 5 0 0
26
WSV 21 - - - - - -
21
Summe
21
31
8
128
31
18
2
239
Zeitraum vom 17.03. - 19.04.2006
Flussgebiet
Gesamt
Auch von der Wasser- und Schiff-
fahrtsverwaltung des Bundes wurde
während des Hochwassers an den
sächsischen Elbepegeln häufig der
Durchfluss gemessen (siehe Tabel-
le 3.4).
Diese Durchflussmessungen sind eine unabdingbare Grundlage zur Qualifizierung der Was-
serstands-Durchflussbeziehung im oberen Wasserstandsbereich und damit auch eine wesentli-
che Grundlage zur Verbesserung von Hochwasservorhersagen.
3.4
Daten- und Informationsmanagement des LHWZ
Der Hochwassernachrichten- und Alarmdienst wurde mittels Daten- und Informationsmana-
gement des LHWZ umgesetzt.
Durch den viertelstündlichen automatischen Abruf der Wasserstände an den Pegeln waren
aktuellste Daten für die Erstellung von Vorhersagen und Hochwasserstandsmeldungen, für
die Information der Öffentlichkeit im Internet, in der telefonischen Messwertansage sowie für
den Videotext vorhanden. Mit diesem Daten- und Informationssystem war es möglich, die
sehr hohe Anzahl an Hochwassernachrichten zeitnah zu versenden. Insgesamt arbeitete das
System weitgehend korrekt und der Informationsfluss war durchgängig vorhanden.
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3.5 Zusammenarbeit und Öffentlichkeitsarbeit
Der Hochwassernachrichten- und Alarmdienst wurde im LfUG personell durch die Mitar-
beiter der Landeshochwasserzentrums abgesichert. Dabei wurde sowohl im Meldedienst als
auch in der Vorhersagezentrale im Drei-Schichtsystem gearbeitet, so dass das LHWZ „rund
um die Uhr“ besetzt war. Um eventuelle Ausfälle der IT-Struktur im LHWZ zu minimieren
wurde während des Ereignisses ein Rufbereitschaftsdienst für das IT-Fachreferat des LfUG
eingerichtet, der sich bewährt hat. Insbesondere die Dauer des Hochwassers stellte hohe per-
sonelle, organisatorische und technische Anforderungen.
Einen wichtigen Schwerpunkt der Öffentlichkeitsarbeit stellte die Medienarbeit (Presse,
Rundfunk, Fernsehen) dar. Durch die täglich durchgeführten Pressekonferenzen war es mög-
lich, die Medien konzentriert zu bedienen und den Aufwand im LHWZ etwas zu minimieren.
Zusätzlich wurden als Informationsmöglichkeit für die Öffentlichkeit ständig aktuelle Mess-
werte und Informationen zum Abruf via Internet, telefonisch über den Messwertansager und
die Sprachansage Hochwasserwarnungen im LHWZ sowie im mdr-Videotext bereitgestellt.
Insbesondere die Kontakte mit dem Tschechischen Hydrometeorologischen Institut in Prag
und zum Deutschen Wetterdienst trugen wesentlich zur guten Qualität der Hochwassernach-
richten bei. Neben den regelmäßig übergebenen Messwerten und Vorhersagen fanden täglich
telefonische Abstimmungen zur Lage statt. Gleiches gilt auch für die Zusammenarbeit mit der
Hochwasservorhersagezentrale in Sachsen-Anhalt.
Alle Hochwassernachrichten wurden entsprechend Hochwassermeldeordnung bis auf Ge-
meindeebene verschickt. Zu den herausgegebenen Hochwasserwarnungen gab es kaum Rück-
fragen der Gemeinden und Landratsämter. Dies ist aus Sicht des LHWZ auf die gute Qualität
dieser Informationen zurück zu führen.
Das nach dem Augusthochwasser 2002 konzipierte Hochwassernachrichten- und Alarmsys-
tem (Hochwassereilbenachrichtigung, Hochwasserstandsmeldung und Hochwasserwarnung)
hat sich grundsätzlich bewährt.
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Zusammenfassung
Das Frühjahrshochwasser 2006 in Sachsen war zum einen durch das Hochwasser in den säch-
sischen Einzugsgebieten der Nebenflüsse der oberen Elbe, der Schwarzen Elster, der Mulden,
der Weißen Elster, der Spree und der Lausitzer Neiße zum anderen durch das Hochwasser im
Elbestrom geprägt.
Das Hochwasser im Elbestrom wurde Ende März durch heftige Schneeschmelze in Kombina-
tion mit intensiven Regen auf tschechischem Gebiet ausgelöst. Die Wasservorräte der
Schneedecke im tschechischen Einzugsgebiet der Moldau näherten sich dabei den seit 1961
beobachteten höchsten Werten. Durch die Bewirtschaftung der Talsperren auf tschechischem
Gebiet konnte der Verlauf des Hochwassers des Elbestroms in Sachsen günstig beeinflusst
werden. Die Wasserstände an den sächsischen Elbpegel stiegen bis Anfang April in einen
Bereich an, der im vorigen Jahrhundert letztmalig 1941 beobachtet worden ist. Die durch das
Hochwasser verursachten erhöhten Grundwasserstände führten zu keiner unmittelbaren Ge-
fährdung. Im Elbestrom traten während des Hochwassers erhöhte Schwebstoffgehalte und
Nitratgehalte auf.
In den sächsischen Einzugsgebieten der Nebenflüsse der oberen Elbe, der Schwarzen Elster,
der Mulden, der Weißen Elster, der Spree und der Lausitzer Neiße kam es insgesamt zu vier
Hochwasserphasen im Zeitraum von Anfang Februar bis Anfang April. Das Hochwasser von
Anfang Februar war durch plötzliche Eisaufbrüche und Eisstaus hervorgerufen, die besonders
in den Fließgewässern des Tief- und Hügellandes zu drastischen Wasserstandsanstiegen, mit
örtlichen Ausuferungen und lokalen Gefährdungen führten. Mitte Februar kam es im Zusam-
menhang mit wieder einsetzender, durch Regenniederschlag verstärkter Schneeschmelze er-
neut verbreitet in den Fließgewässern des Tief- und Hügellandes zu einer Hochwassersituati-
on. Diese Situation wiederholte sich Anfang März. Erst Ende März setzte in ganz Sachsen
durchgreifendes Tauwetter bis in die oberen Lagen ein. Das Wasseräquivalent der Schneede-
cke lag zu diesem Zeitpunkt zwischen 30 mm (Einzugsgebiet der Schwarzen Elster) und
255 mm (Einzugsgebiet der Zwickauer Mulde) und war vergleichbar mit den Werten von
2005. Der Boden unter der Schneedecke war vielfach stark gefroren. Das hatte zur Folge, dass
das Abtauen der Schneedecke einschließlich der nur mäßig gefallenen Niederschlägen in allen
sächsischen Fließgewässern zu starken Anstiegen der Wasserführung vielfach bis in den Be-
reich der Alarmstufe 3, vereinzelt bis in den Bereich der Alarmstufe 4 (Pegel Holten-
dorf/Weißer Schöps) führten. Dabei wurden vor allem in kleineren bzw. in den Fließgewäs-
sern des Tief- und Flachlandes ausgeprägte Tages- und Nachtschwankungen beobachtet.
Durch vorgenommene Vorentlastungen in den Talsperren war es teilweise möglich, die hohen
Zuflüsse gesteuert und für die Unterläufe in schadlose Abgaben zu transformieren.
Das Frühjahrshochwasser war vor allem wegen seiner Länge und der unterschiedlichen Pha-
sen (Eisstau, Schneeschmelze, Regenniederschläge) außergewöhnlich. Das nach dem August-
hochwasser 2002 konzipierte Hochwassernachrichten- und Alarmsystem (Hochwassereilbe-
nachrichtigung, Hochwasserstandsmeldung und Hochwasserwarnung) hat sich grundsätzlich
auch unter diesen Bedingungen erneut bewährt.
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