„Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der
beruflichen Bildung:
Beispiele guter Praxis an
deutschen Außengrenzen
Studie im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums des Innern
(Vergabeverfahren AZ 15-446/417)
Joachim Burdack
&
Robert Nadler

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Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
in der beruflichen Bildung:
Beispiele guter Praxis an deutschen
Außengrenzen
Joachim Burdack
Robert Nadler
Studie im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums
des Innern (Vergabeverfahren AZ 15-446/417)
Leipzig, 29.09.2014

2
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis .................................................................................................... 2
0. Zusammenfassung ............................................................................................... 5
0. Podsumowanie ..................................................................................................... 8
0. Summary ............................................................................................................. 11
1. Ziele der Studie und Untersuchungsmethodik ................................................... 14
2. Grenzüberschreitende Berufsausbildung im grenznahen Raum: Einführung
und Begriffsbestimmung ......................................................................................... 15
2.1. Zur Entwicklung von Grenzen und Grenzregionen...................................... 15
2.2. Urbanisierte und ländliche Grenzregionen .................................................. 16
2.3. Grenzüberschreitende Kooperation in Grenzregionen ................................ 17
3. Grenzüberschreitende Mobilität von Auszubildenden .......................................18
3.1. Berufsausbildung im Kontext der europäischen Bildungspolitik ................18
3.2. Zum Begriff der grenzüberschreitenden Berufsausbildung ....................... 20
3.3. Praxiserfahrungen mit der grenzüberschreitenden Mobilität von
Auszubildenden ................................................................................................... 21
3.4. Grenzüberschreitende Mobilität aus der Perspektive von Auszubildenden
und Betrieben ..................................................................................................... 24
4. Grenzüberschreitende Berufsbildung an der deutschen Außengrenze ............. 27
4.1. Einflussfaktoren grenzüberschreitender Berufsausbildung ....................... 28
4.2. Operationalisierung des Begriffs „Grenzregion“ und indikatorbasierte
Beschreibung ...................................................................................................... 29
4.1. Deutsch-dänische Grenze ............................................................................ 32
4.1.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der Berufsausbildung . 32
4.1.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen ................................... 33
4.2. Deutsch-niederländische Grenze ................................................................ 33
4.2.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der Berufsausbildung . 33
4.2.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen .................................. 35
4.3. Deutsch-belgische Grenze ........................................................................... 37
4.3.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der Berufsausbildung . 37
4.3.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen .................................. 38

Inhaltsverzeichnis
3
4.4. Deutsch-luxemburgische Grenze ................................................................. 39
4.4.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der Berufsausbildung . 39
4.4.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen .................................. 40
4.5. Deutsch-französische Grenze ...................................................................... 41
4.5.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der Berufsausbildung . 41
4.5.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen ................................... 43
4.6. Deutsch-schweizer Grenze ........................................................................... 45
4.6.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der Berufsausbildung . 45
4.6.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen ................................... 46
4.7. Deutsch-österreichische Grenze .................................................................. 47
4.7.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der Berufsausbildung .. 47
4.7.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen ................................... 48
4.8. Deutsch-tschechischer Grenzraum ............................................................. 48
4.8.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der Berufsausbildung . 48
4.8.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen ................................... 50
5. Typen grenzüberschreitender Berufsausbildung im grenznahen Raum ........... 51
5.1. Typ 1: Kurzes Praktikum im Nachbarland ................................................... 52
5.2. Typ 2: Längeres Praktikum im Nachbarland .............................................. 53
5.3. Typ 3: Praktische Ausbildung im Nachbarland ........................................... 54
5.4. Typ 4: Bi-Diplomierung ............................................................................... 54
5.5. Typ 5: Theoretische Ausbildung auf beiden Seiten der Grenze .................. 54
5.6. Typ 6: Vollständige Ausbildung im Nachbarland ....................................... 55
6. Beispiele guter Praxis ......................................................................................... 55
6.1. Typ 1: Praktikantenprogramm der „Fachstelle für grenzüberschreitende
Ausbildung“ ......................................................................................................... 56
6.2. Typ 2: VET Qualification System: 2 Länder – 1 Ausbildung ...................... 57
6.3. Typ 3: Grenzüberschreitende Lehre im Eurodistrikt Straßburg-Ortenau .. 59
6.4. Typ 4: Competence to go ............................................................................. 61
6.5. Typ 5: Abschluss „Bac Pro Commerce“ und „Einzelhandelskauffrau/-
mann“ .................................................................................................................. 62
6.6. Typ 6: Französische Jugendliche bei den Badischen Stahlwerken in Kehl 63
7. Probleme und Handlungsstrategien ................................................................... 64
7.1. Arbeitsmarkt analysieren und Fachkräftebedarfe ermitteln ....................... 65
7.2. Unternehmen einbinden .............................................................................. 65

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
4
7.3. Vergleichbarkeit der Ausbildungsgänge herstellen .................................... 66
7.4. Netzwerke und Vertrauen aufbauen ........................................................... 67
7.5. Kleine Schritte gehen, Konkretes tun .......................................................... 68
8. Handlungsempfehlungen für die Grenzregion Sachsen-Niederschlesien ........ 68
8.1. Kurz- und mittelfristige Empfehlungen ...................................................... 69
8.1.1. Spezifische Ausbildungsberufe mit regionalem Bedarf in Sachsen und
Niederschlesien identifizieren ........................................................................ 69
8.1.2. Berufsbildungseinrichtungen und Unternehmen im Grenzraum
vernetzen ......................................................................................................... 70
8.1.3. Programme für kurze Praktika im Nachbarland entwickeln ............... 70
8.1.4. Informationsmaterial entwickeln .......................................................... 71
8.1.5. Kommunikationsarbeit sicherstellen ..................................................... 71
8.2. Langfristige Empfehlungen .......................................................................... 71
8.2.1. Operationeller Bereich: Managementstruktur für den
grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt .............................................................. 71
8.2.2. Formeller Bereich: Rahmenvereinbarung erarbeiten .......................... 72
8.2.3. Strategischer Bereich: Bilateraler
Think Tank
für die Programmierung
von Aktivitäten ................................................................................................ 72
9. Literatur und Quellen ......................................................................................... 73
10. Anhang .............................................................................................................. 76
10.1. Liste der Gesprächspartner ........................................................................ 76

5
0. Zusammenfassung
Ziel der Studie ist es, Möglichkeiten zur Intensivierung grenzüberschreitender
Berufsausbildung im sächsisch-niederschlesischen Grenzraum aufzuzeigen.
Berufliche Bildung ist ein wichtiges Thema der grenzüberschreitenden
Zusammenarbeit, das vor allem in den letzten eineinhalb Jahrzehnten an
Bedeutung gewonnen hat. Im Zusammenhang mit dem „Kopenhagen Prozesses“
(2002) ist es Ziel der EU, die Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung zu
verstärken und die internationale Mobilität der Auszubildenden zu fördern.
Inzwischen ist ein breit gefächertes Angebot von nationalen und internationalen
Beratungsstellen und Fördermöglichkeiten entstanden, um Jugendliche und
Betriebe zu informieren und finanziell zu unterstützen. In der Praxis sehen sich
grenzüberschreitende Ausbildungskooperationen aber immer noch mit einer
Fülle von Problemen konfrontiert, zu nennen sind u. a. unterschiedliche
berufliche Bildungssysteme (Vollzeitschule vs. duale Ausbildung),
unterschiedliche Berufsbezeichnungen und Lehrinhalte, sowie Fragen der
Finanzierung und Versicherung.
In der Studie erfolgt – nach einführenden Bemerkungen zu Rahmenbedingungen
und Grundbegriffen – ein Überblick über die Praxis der Zusammenarbeit in der
grenzüberschreitenden Berufsausbildung entlang der deutschen Außengrenzen
(Kapitel 4). Hier wird deutlich, dass das Potenzial für grenzüberschreitende
Berufsausbildung zwischen den verschiedenen Grenzabschnitten variiert.
Komplementaritäten in Form von Ausbildungsplatzangeboten auf der einen
Grenzseite und einer entsprechende Nachfrage durch Jugendliche auf der
anderen Seite sind nicht überall in gleichem Maße vorhanden. In Grenzregionen
mit einer lang etablierten Kultur der Zusammenarbeit und entsprechenden
Kooperationsstrukturen lassen sich grenzüberschreitende Ausbildungsmodelle
leichter umsetzen, so z. B. im deutsch-niederländischen oder im deutsch-
französischen Grenzraum.
Die Vielfalt der Praxisbeispiele grenzüberschreitender Berufsausbildung im
grenznahen Raum lässt sich auf einige grundsätzliche Varianten zurückführen.
Sechs Typen können dabei unterschieden werden:
Bei
Typ 1 („Kurzes Praktikum im Nachbarland“) und Typ 2 („Längeres
Praktikum im Nachbarland“)
ist das grenzüberschreitende Element der
Ausbildung ein Auslandspraktikum. Ein kurzes Auslandspraktikum (Typ 1) ist die
am häufigsten vorzufindende Variante grenzüberschreitender Berufsausbildung.
Dies hängt vor allem damit zusammen, dass hier ein relativ geringer formeller
Aufwand für die Vorbereitung und Durchführung erforderlich ist. Dagegen sind
vor allem die Typen 3, 4 und 5 dadurch gekennzeichnet, dass ein hoher
Verwaltungs- und Koordinationsaufwand im Vorfeld zu leisten ist. Zum Teil ist
dabei die Einbindung von Akteuren auf verschiedenen Verwaltungsebenen

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
6
notwendig. Im
Typ 3 („Praktische Ausbildung im Nachbarland“)
erfolgt
die gesamte betriebliche Ausbildung im Nachbarland, während der schulische
Ausbildungsteil in der Heimatregion erfolgt.
Typ 4 („Bi-Diplomierung“)
ist
dadurch gekennzeichnet, dass die Auszubildenden zwei national anerkannte
Abschlüsse erhalten. Hierdurch entfallen mögliche Anerkennungsprobleme des
Berufsabschlusses im Ausland. Im
Typ 5 („Theoretische Ausbildung auf
beiden Seiten der Grenze“)
erfolgt die betriebliche Ausbildung in der
Heimatregion, während der schulische Ausbildungsteil auf zwei Lernorte
diesseits und jenseits der Grenze aufgeteilt wird. Bei dieser Variante wird – wie
bei einigen anderen auch – eine hohe Fremdsprachenkompetenz von den
Jugendlichen erwartet. Beim
Typ 6 („Vollständige Ausbildung im der
Nachbarland“)
besteht der grenzüberschreitende Aspekt in der Mobilität des
Auszubildenden, der die Grenze zum Zweck der Ausbildung regelmäßig quert.
Ausbildungsbetrieb und berufliche Schule liegen im Ausland und die Lehre
erfolgt nach den dort geltenden Regeln. Es ist kein besonderer
Koordinationsaufwand notwendig. Der Anpassungsdruck wird auf den
Auszubildenden verlagert.
Aus den Ergebnissen der Untersuchung lassen sich einige allgemeine
Empfehlungen ableiten:
Arbeitsmarkt analysieren und Fachkräftebedarfe ermitteln
: Es
ist wichtig die Bedarfe beiderseits der Grenze zu ermitteln. Welche
Branchen verzeichnen momentan einen Bewerbermangel im
Berufsausbildungsbereich? Welche Branchen werden kurz- und
mittelfristig mit einem Fachkräftemangel konfrontiert sein?
Unternehmen einbinden
: Welche Unternehmen in der Grenzregion
sind im Nachbarland tätig und könnten ein Interesse an der
grenzüberschreitenden Berufsausbildung haben?
Vergleichbarkeit der Ausbildungsgänge herstellen
: Sind die
Inhalte der Berufsausbildung im Bedarfsbereich auf beiden Seiten der
Grenze vergleichbar? Welche Zusatzqualifikationen sind notwendig, um
die Auszubildenden für Arbeitgeber beiderseits der Grenze attraktiv zu
machen?
Netzwerke und Vertrauen aufbauen
: Welche interkulturellen
Unterschiede gilt es im Arbeitsalltag zu bedenken? Was kann von der
Nachbarregion gelernt werden?
Dabei empfiehlt es sich, mit konkreten Problemen und Einzelfällen anzufangen
und sich schrittweise an komplexere und übergreifende Lösungen
heranzuarbeiten.
Für die Grenzregion Sachsen-Niederschlesien lassen sich darüber hinaus u. a. die
folgenden Handlungsempfehlungen nennen:

0. Zusammenfassung
7
Spezifische Ausbildungsberufe mit regionalem Bedarf in
Sachsen und Niederschlesien identifizieren.
Ein erster kurzfristig
umsetzbarer Schritt besteht darin, gemeinsam mit den Kammern und
Verbänden die spezifischen Bedarfe an Auszubildenden in beiden
Teilregionen des sächsisch-niederschlesischen Grenzraums zu analysieren.
Berufsbildungseinrichtungen und Unternehmen im Grenzraum
vernetzen.
Programme für kurze Praktika im Nachbarland entwickeln
. Aus
den Erfahrungen der anderen Grenzregionen heraus lässt sich festhalten,
dass es sich bewährt hat, mit Programmen für kurze Praktika im
Nachbarland zu beginnen.
Informationsmaterial entwickeln und Aufklärungsarbeit
leisten
. Auch im sächsisch-niederschlesischen Grenzraum gibt es erste
Initiativen zur grenzüberschreitenden Berufsausbildung. Darüber sollten
die Zielgruppen informiert werden.
Als längerfristige Perspektive könnte u. a. eine „
Rahmenvereinbarung
zur grenzüberschreitenden Berufsausbildung
“ und ein bilateraler
Think Tank für die strategische Programmierung
nach dem
Vorbild der Oberrheinregion angestrebt werden.

8
0. Podsumowanie
Celem badań jest ukazanie możliwości wzmocnienia współpracy w dziedzinie
transgranicznego kształcenia zawodowego na pograniczu Dolny Śląsk – Saksonia.
Kształcenie zawodowe jest ważnym tematem współpracy transgranicznej, która
zyskała na znaczeniu przede wszystkim w ciągu ostatnich 15 lat. W kontekście
procesu kopenhaskiego (2002) celem UE jest wzmocnienie współpracy w
kształceniu zawodowym i wsparcie międzynarodowej mobilności uczniów. W
międzyczasie powstała zróżnicowana oferta krajowych i międzynarodowych
placówek doradczych, oraz różnorodne możliwości dotacji finansowych dla
uczniów i zakładów pracy. W praktyce kooperacja w kształceniu transgranicznym
staje jednak twarzą w twarz z licznymi problemami, wśród których warto
wymienić między innymi: zróżnicowane systemy kształcenia zawodowego
(całodzienne szkoły zawodowe kontra dualny system kształcenia), odmienne
tytuły zawodowe i programy nauczania, jak również kwestie finansowania i
ubezpieczenia.
Na podstawie badań określono – po uwagach wstępnych dotyczących kontekstu i
podstawowych pojęciach – przegląd przykładów współpracy w praktyce
transgranicznego kształcenia zawodowego wzdłuż niemieckich granic
zewnętrznych (rozdział 4). Wyraźnie widać tu, że potencjał transgranicznego
kształcenia zawodowego jest zróżnicowany na poszczególnch odcinkach granicy.
Komplementarność w formie oferty miejsc kształcenia po jednej stronie granicy i
odpowiedniego zapotrzebowania na nie przez młodych po drugiej stronie granicy,
nie istnieje wszędzie w tym samym stopniu. Na obszarach przygranicznych z
długo zakorzenioną kulturą współpracy i odpowiednimi już istniejącymi jej
strukturami można łatwiej realizować modele kształcenia transgranicznego, tak
jest na przykład na niemiecko-niderlandzkich, lub niemiecko-francuskich
obszarach przygranicznych.
Różnorodność metod, które można zastosować w praktyce transgranicznego
kształcenia zawodowego na obszarze przygranicznym można sprowadzić do kilku
podstawowych wariantów. Można tu rozróżnić sześć typów:
W przypadku
typu 1 („Krótka praktyka w kraju s
ą
siedzkim“) i typu 2
(„D
ł
u
ż
sza praktyka w kraju s
ą
siedzkim“)
transgranicznym elementem
wykształcenia jest odbycie praktyki zagranicznej. Krótka praktyka w kraju
sąsiedzkim (typ 1) jest wariantem, który spotykamy najczęściej w
transgranicznym kształceniu zawodowym. Ma to związek przede wszystkim z
faktem, że wymagany jest tu względnie mały nakład formalny konieczny do
przygotowania i zrealizowania praktyki. W przeciwieństwie do tego przede
wszystkim typy 3, 4 i 5 charakteryzują się wysokim nakładem administracyjno-
koordynacyjnym, koniecznym do zrealizowania praktyki. W pewnym stopniu
nieuniknione jest przy tym także włączenie do współpracy różnych dodatkowo

0. Podsumowanie
9
podmiotów na poszczególnch szczeblach administracji. W
typie 3 („Praktyczne
wykszta
ł
cenie w regionie s
ą
siedzkim“)
całe wykształcenie zawodowe
następuje w kraju sąsiedzkim, podczas gdy szkolna część nauczania odbywa się w
regionie rodzinnym.
Typ 4 („Podwójny dyplom“)
charakteryzuje się tym, że
uczniowie zdobywają podwójne wykształcenie zawodowe. W ten sposób można
uniknąć problemów związanch z kwestią uznania wykształcenia za granicą. W
typie 5 („Teoretyczne wykszta
ł
cenie w dwóch miejscach edukacji“)
praktyczna część wykształcenia następuje w regionie rodzinnym, podczas gdy
część szkolna podzielona jest na naukę po obu stronach granicy. W przypadku
tego wariantu – jak zresztą również w niektórych innych przypadkach –
oczekiwana jest od uczniów dobra znajomość języka obcego. W przypadku
typu 6
(„Ca
ł
kowite wykszta
ł
cenie w kraju s
ą
siedzkim“)
istnieje tu specyficzny
transgraniczny aspekt mobilności uczniów, który skłania do codziennego
przekraczania granicy w celu uczęszczania w nauczaniu. Zakład pracy i szkoła
zawodowa położone są za granicą i nauka odbywa się na zasadach, które tam
obowiązują. Nie jest tu konieczny żaden nakład koordynacyjny i kwestia
dopasowania się przeniesiona jest na ucznia.
Z wyników badań można sformułować kilka ogólnych zaleceń, które są ważne w
praktyce transgranicznego kształcenia zawodowego:
Analiza rynku pracy i okre
ś
lenie zapotrzebowania na
specjalistów:
ważne jest ustalenie potrzeb obu stron granicy, które
branże wykazują w danym momencie niedobór kandydatów w danym
obszarze kształcenia? Jakie branże w krótkiej lub średniej perspektywie
czasowej będą skonfrontowane z brakiem wykwalifikowanych
pracowników?
W
łą
czenie przedsi
ę
biorstw do wspó
ł
pracy:
które przedsiębiorstwa
na obszarze przygranicznym działają także w kraju sąsiedzkim i byłyby
zainteresowane kształceniem transgranicznym?
Porównanie scie
ż
ek nauczania:
czy program nauczania zawodów, na
które istnieje zapotrzebowanie po obu stronach granicy jest
porównywalny? Jakie dodatkowe kwalifikacje muszą zdobyć uczniowie,
żeby stali się oni atrakcyjnymi pracownikami dla obu stron granicy?
Budowanie kontaktu i zaufania:
na jakie różnice międzykulturowe
należy zwrócić uwagę w codziennej pracy? Czego można się nauczyć od
regionów sąsiedzkich?
Zaleca się przy tym zacząć od konkretnych problemów i przypadków, i stopniowo
dochodzić do kompleksowych, zakrojonych na szeroką skalę rozwiązań.
W regionie przygranicznym Dolny Śląsk – Saksonia można określić między
innymi następujęce zalecenia dotyczące działań na tym terenie:
• Okre
ś
lenie specyficznych zawodów, na które istnieje
zapotrzebowanie w regionach Saksonii i Dolnego
Ś
l
ą
ska.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
10
Pierwszym łatwym do zrealizowania krokiem, jest analiza - wraz z izbami i
stowarzyszeniami - specyficznego zapotrzebowania na uczniów
konkretnych zawodów potrzebnych w obu regionach pogranicza Dolny
Śląsk – Saksonia.
Zintegrowanie o
ś
ródków szkolenia zawodowego i
przedsi
ę
biorstw na obszarach przygranicznych.
Rozwini
ę
cie programu krótkich praktyk w regionie s
ą
siedzkim.
Z doświadczeń nabytych w innych regionach wynika, że warto było zacząć
właśnie z programami krótkich praktyk w krajach sąsiedzkich.
Opracowanie zaplecza informacyjnego i zwi
ę
kszanie poziomu
ś
wiadomo
ś
ci na ten temat.
Na obszarze Dolny Śląsk – Saksonia
istnieją już pierwsze inicjatymy mające na celu promowanie edukacji
transgranicznej, należy więc poinformować na ten temat grupy docelowe.
W celu perspektywy długoterminowej i w ramach utworzenia programu
strategicznego należy sporządzić między innymi
„Umow
ę
ramow
ą
dotycz
ą
c
ą
transgranicznego kszta
ł
cenia zawodowego“
i powołać
dwustronne zespo
ł
y ekspertów
na wzór regionu Górnego Renu.

11
0. Summary
The aim of this study is to demonstrate opportunities for the intensification of
cross-border vocational training in the border region between Saxony in Germany
and Lower Silesia in Poland. Vocational training has become an important issue
in cross-border collaboration in the last 15 years. In the context of the
‘Copenhagen process’ (2002) the EU aims at strengthening the cooperation in the
field of vocational training and increasing the number of internationally mobile
apprentices. Since, a broad variety of national and international support
structures and funds have been installed to inform apprentices and companies
about the opportunities of cross-border mobility and to co-finance international
exchange. However, in practice many initiatives in the field of cross-border
vocational training are confronted with manifold problems, e.g. national
differences in training systems (full-time schooling vs. dual vocational training
and education), differences in job designations and contents of teaching, as well
as questions related to finance and insurance.
The present study first introduces a basic terminology related to the field of
vocational training. It then outlines current frameworks for vocational training in
the EU. The next chapter dedicates to the existing practices of cross-border
collaboration with neighbouring countries along the German border (chapter 4).
Here, it is shown that the opportunities for cross-border vocational training
schemes vary according to the different border sections. Complementarities in
population structures and labour market characteristics (e.g. an offer in training
places on the one side and a demand by young school graduates on the other side
of the border) do not equally exist along the border. Furthermore, a long-standing
tradition in cross-border collaboration, including historically grown structures
and a culture of exchange, in given border sections facilitates the implementation
of cross-border vocational training programmes (e.g. German-Dutch border,
German-French border).
The variety of practical examples of cross-border vocational training programmes
in German border regions can be subsumed in a few basic approaches. Six types
can be differentiated here:
In the context of
type 1 (‘Short internship in the neighbouring country’)
and type 2 (‘Longer internship in the neighbouring country’)
the main
cross-border element of the vocational training is the internship abroad. The
short internship abroad (type 1) is the most common practice in cross-border
vocational trainings. This is associated to the fact that these types only need small
effort in terms of preparation and implementation. By contrast, types 3, 4, and 5
cause comparably high costs related to the preparation, administration and
coordination. Here, it is necessary to include actors from many institutions and
stakeholders at very different levels of public administration.
Type 3 (‘Practical

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
12
training abroad’)
is based on a division of practical trainings abroad and
school education in the home country. Cross-border vocational training according
to
type 4 (‘Double certification’)
is characterized by apprentices passing final
exams in the two training systems on both sides of the border. Applying this type
4 of cross-border vocational training, problems with the mutual approval of
certificates and job experience are avoided. In the context of
type 5 (‘School
education on both sides of the border’)
theoretical parts of the vocational
training are taught in schools on both sides of the border, while the practical
training is passed only in the home country of the apprentice. As in types 4 and 6,
this type requires an excellent conduct of the neighbouring country’s language.
Type 6 (‘Complete vocational training abroad’)
represents a form of cross-
border vocational training, in which the only cross-border element consists in the
daily commuting of the apprentice across the border into the neighbouring
country. The apprentice completely passes the vocational training abroad, while
still living in the home country. This last type does not cause specific coordination
effort on the side of companies, public administration or policy makers. The effort
in adaptation is completely externalised to the apprentice.
On the basis of this study’s analytical results, some general recommendations for
the implementation of cross-border vocational training can be derived:
Analyse the regional labour markets and the demand in skilled
workers
: It is important to know about the labour demand on both sides
of the border. Which economic sectors are characterized by a lack of
applicants for posts in vocational training? Which economic sectors will
have an increasing demand in skilled labour in the short-run, and which
ones in the medium run?
Include local companies
: Which companies in the border region are
operating in the neighbouring country’s market and might have an interest
in cross-border vocational training?
Make vocational training comparable across borders
: Are
contents of teaching – especially in economic sectors with an increasing
short-term labour demand – comparable on both sides of the border?
What additional contents of teaching and certifications are necessary in
order to make apprentices valuable workers for companies on both sides of
the border?
Establish networks and trust
: What cultural differences have to be
considered at the workplace? What can actors and stakeholders on the one
side of the border learn from practices and cultures on the other side?
Generally, it is recommended to start collaboration in the field of cross-border
vocational training referring to concrete problems and individual cases in a
region. Based on this first experience, and only in subsequent stages, more
complex and encompassing solutions should be developed.

0. Summary
13
For the implementation of cross-border vocational training in the border region
between Saxony (Germany) and Lower Silesia (Poland) the following specific
activities are recommended:
Identify those individual professions (requiring vocational
training) with strong demand in Saxony and/or Lower Silesia.
A
first short-term task is the analysis of the specific demand in individual
professions on both sides of the border region. Therefore, it is necessary to
collaborate with chambers of commerce and industry and other business
associations that represent local companies.
Connect vocational schools/training centres and companies
across the German-Polish border.
Set up programmes for short internships in the neighbouring
country (see type 1).
Looking at the experience in other German border
regions, starting cross-border vocational training with short internship
programmes seems most promising.
Develop information leaflets and engage in awareness
campaigns.
First initiatives in the field of cross-border vocational
training already exist in the Saxon-Lower Silesian border region. The
communication of their activities to target groups (companies, school
graduates) should be enhanced.
In the long run, two activities could be pursued. First, a legal
‘framework
agreement on cross-border vocational training’
could be developed
and, second, a bilateral
think tank for the strategic programming
could be established as e.g. in the Upper Rhine area between Germany and
France.

14
1. Ziele der Studie und Untersuchungsmethodik
Die vorliegende Studie zielt darauf ab, Möglichkeiten zur Intensivierung
grenzüberschreitender Berufsausbildung im sächsisch-polnischen Grenzraum
aufzuzeigen. Dafür erscheint es sinnvoll, eine kurze Einführung und
Begriffsbestimmung zum Thema grenzüberschreitende Berufsausbildung im
grenznahen Raum vorzunehmen (Kapitel 2). Anschließend werden Fakten und
Daten bezüglich der grenzüberschreitenden Mobilität von Auszubildenden vor
dem Hintergrund der europäischen Bildungspolitik präsentiert (Kapitel 3). Das
vierte Kapitel gibt einen Einblick in die derzeitige Situation entlang der deutschen
Außengrenze und skizziert die Erfahrung der jeweiligen Grenzregionen mit der
grenzüberschreitenden Berufsausbildung überblicksartig. Im fünften Kapitel wird
eine Typologie grenzüberschreitender Berufsausbildung in grenznahen Räumen
vorgestellt, an die sich detailliertere Darstellungen von Beispielen guter Praxis
aus deutschen Grenzregionen anschließen (Kapitel 6). Daraus leiten sich
allgemeine Handlungsempfehlungen und Problemhinweise ab (Kapitel 7), die im
abschließenden Teil um spezifische Handlungsempfehlungen für den sächsisch-
polnischen Grenzraum ergänzt werden (Kapitel 8).
Die empirische Basis dieser Studie umfasst drei Analysephasen. Erstens wurde
über eine Literatur- und Internetrecherche ein Überblick über den theoretischen
Stand zum Thema grenzüberschreitender Berufsausbildung und zur Entwicklung
und aktuellen Situation an den deutschen Außengrenzen erarbeitet. Im zweiten
Schritt wurde der deutsch-französische Grenzraum als detailliertes
Betrachtungsgebiet ausgewählt, da hier die Tradition der grenzüberschreitenden
Zusammenarbeit seit den 1950er Jahren am stärksten erscheint. Dies spiegelt
sich u. a. in einer Vielzahl von erfolgreichen Projekten und etablierten
institutionellen Strukturen wider. Der deutsch-französische Grenzraum wurde
von den Autoren der Studie im Rahmen einer Studienreise im Mai 2014 vor Ort
untersucht. Hierbei wurden Einrichtungen der Berufsausbildung besucht, mit
Berufsschülern gesprochen und in Interviews mit Experten aus Politik,
Verwaltung und Wirtschaft wichtige Informationen zur Genese und zum Erfolg
der dortigen Projekte und Organisationsformen gesammelt. Im dritten
Arbeitsschritt wurden ausgewählte Projekte in anderen deutschen Grenzregionen
durch Telefoninterviews mit Experten und Projektträgern detailliert betrachtet.
Die Ergebnisse dieser drei Analysephasen finden sich in den einzelnen Kapiteln
der vorliegenden Studie wieder.

15
2. Grenzüberschreitende Berufsausbildung im grenznahen
Raum: Einführung und Begriffsbestimmung
2.1. Zur Entwicklung von Grenzen und Grenzregionen
Grenzen haben eine doppelte Funktion. Zum einen sind sie ein trennendes
Element – hierfür steht das Bild der
Grenze als „Barriere“
. Andererseits sind
sie ein verbindendes Element – hierfür kann das Bild der
Grenze als „Brücke“
herangezogen werden. Viele Grenzforscher (z. B. O’Dowd 2002; Struck 2012)
weisen darauf hin, dass historisch oft die Brückenfunktion im Sinne eines
kulturellen Übergangsraums und eines Raumes des Austausches und Transfers
überwog. Die mitteleuropäische Erfahrung des „Eisernen Vorhangs“ und der
„hermetischen Abriegelung“ aus der Zeit vor 1989, stellt aus dieser Perspektive
eher eine Ausnahme dar.
Grenzen und Grenzräume verändern sich stetig. Für eine Charakterisierung der
langfristigen Entwicklungsdynamik von Grenzregionen ist die
Typologie von
borderlands
nach Martinez (1994) hilfreich. Martinez unterscheidet vier
„Idealtypen“ entsprechend der Art der vorherrschenden grenzüberschreitenden
Beziehungen. Als ersten Typ erwähnt er die „entfremdeten Grenzregionen“
(
alienated borderlands
). Hier finden kaum grenzübergreifende Kontakte statt
und die Bewohner beiderseits der Grenze stehen sich eher abweisend gegenüber.
Die Beziehungen der beiden Nachbarstaaten sind zudem eher feindselig. Beim
Typ der „koexistierenden Grenzregionen“ (
coexisting borderlands
) nimmt die
Anzahl der Kontakte zu und die Beziehungen normalisieren sich. Erhebliche
grenzüberschreitende Güterströme und Pendlerbewegungen kennzeichnen den
dritten Typ der „interdependenten Grenzregionen“ (
interdependent
borderlands
). Der letzte Grenzregionstyp, die „integrierte Grenzregion“
(
integrated borderlands
) bezeichnet eine Situation, in der die Grenze keine
signifikante Interaktionsbarriere mehr darstellt. Der sächsisch-polnische
Grenzraum könnte entsprechend als koexistierende Grenzregion verstanden
werden, die sich mit den geschichtlichen Ereignissen von 1989/90, 2004 und
2011 von einer entfremdeten Grenzregion weiterentwickelt hat.
Die Abfolge der vier Regionstypen nach Martinez lässt sich auch als
Entwicklungsreihe zu immer durchlässigeren Strukturen auffassen, wie sie sich
z. B. im Prozess der Europäischen Integration erkennen lassen. Es sei jedoch
darauf hingewiesen, dass die modellhafte Typologie keinen
Entwicklungsautomatismus enthält und auch Rückschritte zur Grenze als
„Barriere“ möglich sind.
Historisch sind Grenzregionen häufig dadurch gekennzeichnet, dass dort die
Nachteile einer Randlage
kumulieren (Hansen 1981, Burdack 2000):

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
16
Grenzräume liegen peripher zu den nationalen wirtschaftlichen und
politischen Entscheidungszentren.
Durch die Randlage innerhalb nationaler Verkehrs- und
Kommunikationsnetze haben sie häufig nur eine unzureichende
Infrastrukturausstattung.
Als potentiellen Konflikträumen wurde ihnen häufig die Funktion eines
militärischen Vorfeldes zugewiesen und deshalb die Ansiedlung strategisch
wichtiger Industrien verhindert.
Grenznahe Städte verlieren einen Teil ihres „natürlichen“ Einzugsgebiets
durch die Barrierewirkung der Grenze.
Mit zunehmender
Durchlässigkeit der Grenzen
treten jedoch auch gewisse
positive Standortmerkmale
der Grenzlage hervor. Dies lässt sich z. B. im
Europa der Nachkriegszeit an vielen Binnengrenzen der EU feststellen. Die
Grenzräume entwickeln sich nun zunehmend zu Kontakträumen und zu Räumen
des Austausches. Die Grenzbevölkerung kann z. B. Preisgefälle und
Qualitätsvorteile bei Gütern und Dienstleistungen auf der anderen Grenzseite
nutzen („kleiner Grenzverkehr“). Auch Unternehmen profitieren von möglichen
Lohn- und Kostenunterschieden und nutzen Grenzgänger als Arbeitskräfte.
Auch nach einer Entwicklung von „offenen“ Staatsgrenzen oder „integrierten
Grenzregionen“ können weiterhin Zugangs- oder Interaktionsbarrieren durch
unterschiedliche soziale, ökonomische und kulturelle Systeme bestehen (Schmitt-
Egner 1998). In diesem Zusammenhang ist eine Unterscheidung der Begriffe
„Territorialgrenze“ und „Systemgrenze“
(z. B. Steuersystem,
Bildungssystem) sinnvoll. Auch bei offenen Territorialgrenzen bleiben die
Exklusionsmechanismen der Systemgrenzen als „
soft borders
“ oft weiter
wirksam. Die Vorteile der Grenzlage kommen dann besonders zum Tragen, wenn
es hier gelingt auch die Systemgrenzen durchlässig zu gestalten und damit die
grenzbedingten Transaktionskosten z. B. durch bilaterale Vereinbarungen und
Kooperation zu senken.
2.2. Urbanisierte und ländliche Grenzregionen
Durch den Abbau von Grenzbarrieren werden die negativen Effekte der
nationalen Randlage reduziert. Angebote und Gelegenheiten auf der anderen
Seite der Grenze könne verstärkt wahrgenommen werden. Die Zentralität und die
Agglomerationsvorteile von Städten in Grenznähe können damit gesteigert und
neue Wachstumsimpulse generiert werden. Wie sich die Effekte einer
Reduzierung von Interaktionsbarrieren im konkreten Fall auswirken, hängt in
wesentlichem Maße von der
Raumstruktur der jeweiligen Grenzregion
ab.
Hier lassen sich drei unterschiedliche Konfigurationen bestimmen (Marlet, Pons
und Van Waerkens 2012, S. 9), je nachdem ob die beiderseitigen Grenzräume
urbanisiert (große Städte, hohe Bevölkerungsdichte im Grenzraum) oder ländlich

2. Einführung und Begriffsbestimmung
17
(Dörfer und kleine Städte, niedrige Bevölkerungsdichte im Grenzraum)
strukturiert sind:
Urbanisierte Räume auf beiden Seiten der Grenze (Land A und
Land B)
: Die Effekte der Grenzöffnung können für beide Seiten erheblich
sein. Die Anziehungskraft der gesamten grenzüberschreitenden Region
wird durch gesteigerte Agglomerationsvorteile erheblich verbessert.
Entsprechend der Arbeitsmarktsituation können sich intensive
Grenzpendlerbeziehungen entwickeln. Notwendig ist hierfür ist u. a. ein
Ausbau der grenzüberschreitenden Verkehrsverbindungen.
Urbanisierte Region (Land A) trifft auf ländliche Region (Land
B)
: Die Attraktivität der urbanisierten Grenzseite (Land A) wird durch
zusätzliche Naherholungsmöglichkeiten jenseits der Grenze gesteigert. Für
Haushalte (aus Land A) eröffnen sich eventuell neue Wohnperspektiven
durch günstigere Immobilienpreise im ländlichen Raum jenseits der
Grenze. Insgesamt sind die Effekte für die urbanisierte Seite (Land A)
jedoch weniger bedeutsam. Die Effekte für die ländliche Grenzregion
(Land B) sind meist gravierender. Für ihre Bewohner und Betriebe
ergeben sich neue Arbeits- und Geschäftsmöglichkeiten. Die Zahl der
Grenzpendler in Richtung Land A nimmt deutlich zu. Dabei spielt
einerseits die ländliche Bevölkerung, die einen Job auf der anderen Seite
gefunden hat, eine Rolle. Andererseits gibt es die sogenannten „atypischen
Pendler“, die aus der Stadt (Land A) in die ländliche Region (Land B)
gezogen sind, dabei aber ihren bisherigen Arbeitsplatz in der Stadt (Land
A) beibehalten. Die ländliche Grenzregion (Land B) entwickelt sich
gleichsam zum transnationalen Vorort der urbanisierten Grenzregion
(Land A).
Ländliche Räume auf beiden Seiten der Grenze
: Die Effekte der
Grenzöffnung fallen für die Grenzgebiete insgesamt geringer aus, da sich
die Agglomerationsvorteile durch die Verflechtung zweier ländlicher
Regionen nicht wesentlich erhöhen. Infrastruktureinrichtungen profitieren
möglicherweise von einer besseren Auslastung. Dies kann unter
Schrumpfungsbedingungen u. U. den Erhalt der Einrichtungen sichern
und zu einer besseren Versorgungslage der grenznahen Bevölkerung
führen. Bewohner in beiden Regionen können grenzüberschreitende
Preisvorteile nutzen. Diese Raumstruktur ist für den sächsisch-polnischen
Grenzraum zutreffend.
Je nach Immobilienpreisgefälle und Arbeitsmarktsituationen entlang der Grenze
können die skizzierten Entwicklungen auch variieren.
2.3. Grenzüberschreitende Kooperation in Grenzregionen
Für eine erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit müssen
verschiedene Voraussetzungen erfüllt werden, die nach Lampertz (2011, S.43)

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
18
schlagwortartig mit
„dürfen, wollen und können“
umschrieben werden
können:
Mit dem Schlagwort des „Dürfens“ wird angesprochen, dass auch heute
noch manche nationalstaatliche Regierungen die regionalen Aktivitäten an
der Grenze mit einem gewissen Misstrauen und einer Furcht gegenüber
möglichen Zentrifugalkräften sehen. Sie stehen vor allem Ausnahme- und
Sonderregelungen für den Grenzraum skeptisch gegenüber.
„Wollen“ meint in diesem Zusammenhang, dass grenzüberschreitende
Zusammenarbeit einen langen Atem voraussetzt, da eine kurzfristige
Euphorie häufig einer Ernüchterung über die vielfältigen praktischen
Kooperationshindernisse weicht.
Schließlich bezeichnet „Können“ die Tatsache, dass Zusammenarbeit über
die Grenze hinweg ein „hohes Maß an interkultureller
Kommunikationskompetenz“ (Lampertz 2011, S.43) voraussetzt. Diese
Kommunikationskompetenz basiert auf umfangreichem Wissen über die
nationalen und regionalen Gegebenheiten jenseits der Grenze und auch
auf praktischem Wissen über die Denkweisen der Kooperationspartner auf
der anderen Seite. Sprachliche Kompetenz ist hier nur ein Aspekt. Basis
der Zusammenarbeit ist wechselseitiges Vertrauen, das sich erst mit der
Zeit zwischen den Akteuren entwickelt.
Mit der „Euregio“ wurde 1958 im deutsch-niederländischen Grenzraum die erste
offizielle, grenzüberschreitende Region eingerichtet. Inzwischen bestehen in
Europa mehr als 70
Euroregionen
oder ähnliche Kooperationsstrukturen.
Lokale und regionale Akteure sind hier in erheblichem Maße in einem Feld aktiv
geworden, das lange für die zentralstaatliche Ebene reserviert war (Perkmann
2003, S. 154). Insbesondere nach der Einführung des
INTERREG-Programms
der EU zur Förderung der Zusammenarbeit ab 1990 haben grenzüberschreitende
Kooperationen stark zugenommen.
3. Grenzüberschreitende Mobilität von Auszubildenden
3.1. Berufsausbildung im Kontext der europäischen
Bildungspolitik
Die berufliche Erstausbildung ist ein wichtiger Teil der nationalen
Bildungssysteme. Etwa die Hälfte (50,5%) der Schülerinnen und Schüler im
Sekundarbereich II (Alter etwa 15-18 Jahre) in der EU absolvierte im Jahr 2012
eine
beruflichen Erstausbildung
(CEDEFOP 2014). Hier zeigen sich jedoch
große nationale Unterschiede
. In Österreich sind über 75% der Jugendlichen
im berufsbildenden Sekundarbereich, und auch Belgien und die Tschechische

3. Grenzüberschreitende Mobilität von Auszubildenden
19
Republik erreichen Werte über 70%. Deutschland liegt mit 48,6% nahe am
europäischen Durchschnitt. In Ländern wie Großbritannien und Griechenland
besucht dagegen nur rund ein Drittel der Schülerinnen und Schüler im
Sekundarbereich II berufsbildende Schulen, aber zwei Drittel gehen auf
allgemeinbildende Schulen (CEDEFOP 2014, S.2).
Eine spezielle Form der beruflichen Bildung ist die
duale Ausbildung
. Sie
zeichnet sich dadurch aus, dass die Ausbildung abwechselnd an einem
betrieblichen Arbeitsplatz und in einer Schule oder Berufsbildungseinrichtung
erfolgt. Berufsbildung in Form der Lehrlingsausbildung (mehr als 25 % der
Lehrinhalte werden außerhalb der Schule vermittelt) existiert in fast allen EU-
Staaten. In den meisten Ländern stellt sie jedoch nur einen Sonderweg der
Berufsbildung dar. In Belgien sind es z. B. nur 4,3% und in Frankreich 26,9%, die
eine duale Ausbildung absolvieren. Sehr verbreitet ist diese Ausbildungsvariante
dagegen z. B.
in Dänemark und Deutschland
, wo
neun von zehn
Jugendlichen
in der beruflichen Bildung an einem dualen Ausbildungsgang
teilnehmen. Insgesamt durchlaufen etwa
27 % der europäischen
Jugendlichen
eine Berufsbildung in der dualen Variante (CEDEFOP 2014, S.
2).
Eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung ist in der
EU erst relativ spät entstanden. 1986 wurde das erste Aktionsprogramm zu
diesem Thema eingeführt (Fahle und Thiele 2005, S.5). Im Jahre 2002
verabschiedete der Rat der europäischen Bildungsminister eine „Entschließung
zur Förderung einer verstärkten Zusammenarbeit bei der beruflichen Bildung
und die „Kopenhagener Erklärung“. Der sogenannte
„Kopenhagen Prozess“
ist eingebettet in die „Lissabon Strategie“ der EU, deren Ziel es ist, Europa zum
global stärksten, wissensgestützten Wirtschaftsraum zu machen. Er stellt in der
beruflichen Bildung das Pendent zum „Bologna Prozesses“ in der
Hochschulbildung dar. Ziele des „Kopenhagen Prozesses“ sind es, die
Transparenz der Bildungsinhalte zu fördern, die nationalen Ausbildungsgänge
vergleichbar zu machen und die internationale Mobilität der Auszubildenden zu
fördern. Zentrale Instrumente, die zum Erreichen der Ziele seit längerem
diskutiert und entwickelt werden, sind die Konzepte von
EQF
(
European
Qualification Framework
/Europäischer Qualifikationsrahmen) und
ECVET
(
European Credit Point System for Education and Vocational Training
/
europäisches Leistungspunktesystem für berufliche Bildung). Lernleistungen und
-ergebnisse sollen unabhängig vom Lernort dokumentiert und nachgewiesen
werden können. Der Europäische Qualifikationsrahmen definiert acht
hierarchische Stufen unterschiedlicher Bildungsniveaus mit jeweils drei
inhaltlichen Dimensionen (Kenntnisse, Fertigkeiten, Kompetenzen). Die acht
Niveaustufen decken das gesamte Bildungsspektrum ab. Sie reichen von Niveau 1
(niedrigstes Niveau) bis zum Niveau 8 (Promotion). Auf der Basis dieses
europäischen „Metarahmens“ werden dann nationale Qualifikationsrahmen
entwickelt und damit über den EQF vergleichbar gemacht.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
20
Es sollen durch die Einführung von EQR und ECVET vor allem drei Ziele erreicht
werden (Drexel 2008). Erstens sollen alle national erzeugten Qualifikationen
transparent und damit vergleichbar werden (
Transparenzfunktion
). Zweitens
sollen Lernergebnisse anderer nationaler Bildungssysteme übertragbar und
anrechenbar gemacht werden (
Transferfunktion
). Bewertet wird dabei, „was
jemand weiß, versteht und in der Lage ist zu tun, nachdem ein Lernprozess
beendet ist“ (Eberhardt 2009, S. 55). Die Lerneinheiten sollen also
ergebnisorientiert beschrieben werden. Kreditpunkte (
credit points
), die für die
erfolgreiche Teilnahme an einer Lerneinheit erworben wurden, können sich
Auszubildende auch an anderen Ausbildungsorten anrechnen lassen. Drittens soll
eine Flexibilisierung und Individualisierung der Ausbildungswege gefördert
werden. Jugendliche, ebenso wie berufstätige Erwachsene, sollen im
Bildungssystem oder Arbeitsprozess – also in formellen oder informellen
Lernprozessen – zu verschiedenen Zeitpunkten einzelne Qualifikationsbausteine
erwerben können. Damit soll es möglich werden schrittweise und kumulativ
einen anerkannten Abschluss zu erwerben (
Akkumulationsfunktion
).
Insgesamt sollen die Maßnahmen die Mobilität während der Berufsausbildung
erheblich steigern.
Es sollte in diesem Zusammenhang jedoch festgehalten werden, dass ECVET
auch 12 Jahre nach der Kopenhagener Erklärung noch keine wesentliche Rolle in
der Praxis grenzüberschreitender Berufsausbildung spielt. Ohne auf die Gründe
hierfür näher eingehen zu können, lässt sich doch konstatieren, dass sich die
Implementierung des Leistungspunktesystems als hochkomplexer Prozess
darstellt. Eberhardt (2009, S. 58) betont in diesem Zusammenhang aber auch die
Vorreiterrolle von Grenzregionen für den europäischen
Integrationsprozess
: „Waren sie vor der EU-Erweiterung noch in einer
Randlage, stehen sie nun im Zentrum des künftigen ‚Europäischen Bildungs- und
Beschäftigungsraums‘. Insofern sollten und müssen die europäischen Strategien
mit regionalen Lösungen untersetzt werden.“
3.2. Zum Begriff der grenzüberschreitenden Berufsausbildung
Die berufliche Bildung ist eine nationale Angelegenheit der jeweiligen
Mitgliedstaaten und gehört nicht zu den Aufgabenfeldern der Europäischen
Union, auch wenn sich auf europäischer Ebene zahlreiche Initiativen mit Fragen
der beruflichen Bildung befassen. International gültige Aussagen und
Definitionen zum Begriff der beruflichen Bildung stoßen durch die Vielfalt der
nationalen Ausbildungswege, welche von der allgemeinbildenden Schule in eine
fachlich qualifizierte Berufstätigkeit führen, auf erhebliche Schwierigkeiten. Für
das Anliegen dieser Studie lässt sich jedoch – in Anlehnung an eine
Untersuchung der Task Force Grenzgänger (2013) –, ein pragmatische
Begriffsbestimmung vornehmen.
Hier soll unter Berufsausbildung
allgemein eine Ausbildung verstanden werden, bei der „praktische
und theoretische Kenntnisse vermittelt werden, und die zu einem

3. Grenzüberschreitende Mobilität von Auszubildenden
21
anerkannten Berufsabschluss führt“
(Task Force Grenzgänger 2013, S.9).
Ergänzt werden muss diese allgemeine Begriffsbestimmung durch den
grenzüberschreitenden Aspekt. Dabei bezieht sich „grenzüberschreitend“ auf eine
„Verbindung von mindestens zwei Mitgliedstaaten, die durch
Grenzüberschreitung von einem Jugendlichen oder einer Lehrkraft
entsteht (Task Force Grenzgänger 2013, S. 10).
Eine weitere Spezifizierung ergibt sich daraus, dass in der vorliegenden Studie die
grenzüberschreitende Berufsausbildung im Nahbereich der Grenzregionen im
Mittelpunkt steht. Das heißt, dass mit der Aufnahme einer beruflichen (Teil-
)Ausbildung jenseits der Grenze in der Regel kein Wohnortwechsel verbunden ist,
sondern die Grenze zum Zweck der Ausbildung regelmäßig überschritten wird.
Analog zu berufstätigen Grenzgängern liegen sowohl Quell- als auch Zielgebiet
innerhalb des Grenzraums und ein tägliches Pendeln über die Grenze ist der
Regelfall. Die grenzüberschreitende Berufsausbildung ist damit ein Teil der
funktionalen Verflechtungen grenzüberschreitender Regionen. Es spannt sich
damit gleichsam ein täglicher Aktionsraum (
daily action space
; vgl. Hägerstrand
1970; Weichhart 2009) über die Grenze und verbindet beide Seiten durch
Alltagspraktiken der Bewohner.
3.3. Praxiserfahrungen mit der grenzüberschreitenden Mobilität
von Auszubildenden
Die grenzüberschreitende Kooperation in der Ausbildung ist ein wichtiger
Baustein der Vernetzung von Grenzregionen. Zahlreiche Programme und
Initiativen auf nationaler und auf EU-Ebene versuchen, grenzüberschreitende
Kooperationen zu unterstützen. Besonders, seitdem sich die EU im Jahr 2000
entschlossen hat, einen „europäischen Bildungs- und Beschäftigungsraum“ zu
verwirklichen. In diesem Zusammenhang soll auch die Mobilität von
Jugendlichen in der Berufsausbildung erhöht werden, d. h. die Absolvierung von
Ausbildungsbausteinen im Ausland soll gefördert werden. Auf nationaler Ebene
in Deutschland hat vor allem die
Überarbeitung des
Berufsbildungsgesetzes (BBiG) von 2005
hierfür den rechtlichen Rahmen
geschaffen (§ 2 Abs. 3). Auszubildende können bis zu einem Viertel ihrer
Ausbildung im Ausland absolvieren.
Inzwischen ist ein breit gefächertes Geflecht von Beratungsstellen und
Fördermöglichkeiten entstanden, um Jugendliche und Betriebe zu informieren,
zu beraten und finanziell zu unterstützen. Auf nationaler Ebene stellt in
Deutschland das
Programm „JOBSTARTER“
ein zentrales Förderinstrument
für grenzüberschreitende Berufsausbildung dar. JOBSTARTER wird seit 2006
vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschrieben. Ziel des
Programms ist die Schaffung von Ausbildungsstrukturen in Regionen mit
besonderem Förderbedarf. Ein Programmschwerpunkt betrifft auch europäische
Ausbildungskooperationen. Seit Programmbeginn sind mehr als 300 Projekte

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
22
gefördert worden, etwa 30 dieser Projekte hatten grenzüberschreitende Themen
zum Inhalt. JOBSTARTER fördert nicht die Mobilität von Auszubildenden selbst,
sondern vor allem die Kontaktaufnahme mit Partnern im Ausland (wie z. B.
Unternehmen, Kammern oder Berufsschulen) und den Aufbau von
Kooperationsstrukturen und Ansätzen einer konkreten Zusammenarbeit.
Die grenzüberschreitenden JOBSTARTER-Projekte entwickeln meist Konzepte
für Auslandspraktika mit einer Dauer von 2 bis 6 Wochen. Komplexe Varianten
der Kooperation, wie mehrmonatige Auslandsaufenthalte oder gemeinsame
Ausbildungsmodule sind eher die Ausnahme. (Einige der wichtigsten Jobstarter-
Projekte mit grenzüberschreitendem Fokus werden in Kapitel 4 vorgestellt). Ein
Vorläuferprogramm von JOBSTARTER ist das vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung initiierte
Ausbildungsstrukturprogramm „Regio-
Kompetenz-Ausbildung“
. In der Aktionslinie „Chance Grenzregion“ wurden
2000 bis 2005 vor allem grenzregionale Kooperationen mit Polen und
Tschechien unterstützt.
Ein weiteres wichtiges Instrument der Vermittlung von Auslandsaufenthalten für
Auszubildende ist das vom Europäischen Sozialfonds (ESF) und vom
Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte
Programm
„Berufsbildung ohne Grenzen“
. Seit 2009 wird aus Mitteln des Programms
ein Netzwerk von 35 „Mobilitätsberatern“ gefördert, die bei IHKs und
Handwerkskammern angesiedelt sind
1
. Ihre Aufgabe ist es vor allem kleine und
mittlere Unternehmen über Möglichkeiten von Auslandsaufenthalten für
Auszubildende zu unterrichten und sie bei der Durchführung zu unterstützen. Im
Jahr 2012 wurden rund 1.900 Auslandsaufenthalte von deutschen Jugendlichen
initiiert und 900 ausländische Jugendliche für Praktika nach Deutschland
vermittelt (BMBF 2014, S. 68).
LEONARDO DA VINCI
ist ein Aktionsprogramm der EU zur Förderung der
transnationalen Mobilität in der Erstausbildung. Es ist „eines der zentralen
Förderinstrumente der Europäischen Union, um transnationale Kompetenzen zu
fördern, die Qualität der Aus- und Weiterbildung zu erhöhen sowie die Systeme
der beruflichen Aus- und Weiterbildung an die neuen Herausforderungen
anzupassen“ (Friedrich, Körbel und Müller 2010, S. 1). Während JOBSTARTER
wichtig für die grenzüberschreitende Vernetzung von Betrieben und
Bildungseinrichtungen ist, stellt das Aktionsprogramm LEONARDO DA VINCI
das mit Abstand wichtigste Instrument für die Finanzierung von
Auslandsaufenthalten Jugendlicher in der Berufsausbildung dar. Oft verbinden
Zuwendungsnehmer JOBSTARTER-Finanzmittel für die Kontaktaufnahme mit
einer LEONARDO DA VINCI-Förderung der tatsächlichen Mobilitätmaßnahme.
Zwischen den Jahren 2000 und 2010 haben in Europa mehr als 500.000
Auszubildende und Ausbilder an transnationalen Mobilitätsmaßnahmen
teilgenommen (Friedrich, Körbel und Müller 2010, S. 1). Die durchschnittliche
1
www.mobilitaetscoach.de
; Abruf: 29.09.2014

image
3. Grenzüberschreitende Mobilität von Auszubildenden
23
Dauer der Auslandsaufenthalte im Programm Leonardo da Vinci beträgt etwa 5
Wochen (BIBB 2014, S.445). Im Jahr 2013 wurden besonders „inkludierende
Projekte“ gefördert, die den Kompetenzerwerb von benachteiligten Jugendlichen
durch transnationale Mobilität zum Ziel hatten (BIBB 2014, S. 446).
Abbildung 1 zeigt den enormen Anstieg der transnationalen Mobilität im Rahmen
von LEONARDO DA VINCI im letzten Jahrzehnt. Die Zahl der geförderten
Jugendlichen in der Erstausbildung hat sich
zwischen dem Jahr 2000 und
dem Jahr 2012 mehr als vervierfacht
, und auch die Antragstellung hat sich
wesentlich erhöht. Im Jahr 2012 wurden 14.358 Teilnahmen bewilligt.
Abbildung 1: Teilnahme von deutschen Jugendlichen in der Erstausbildung am
internationalen Mobilitätsprogramm Leonardo da Vinci 1995-2012. Quelle: BBIB 2014,
S. 446.
Neben LEONARDO DA VINCI stellen vor allem bilaterale Austauschprogramme
des BMBF einen wichtigen Teil der Mobilitätsaktivitäten dar. Zu nennen sind hier
vor allem das
Deutsch-Französische Austauschprogramm der
beruflichen Bildung
, das
Programm „Band“ mit den Niederlanden
, das
Programm „Training Bridge“ mit Großbritannien
und das
Programm
GJÖR DET mit Norwegen
. Das Deutsch-französische Programm der
beruflichen Bildung wird vom Deutsch-Französischen Sekretariat durchgeführt.
Jedes Jahr nehmen allein an diesem Programm rund 1.500 deutsche Jugendliche
teil.
Grenzüberschreitende Kooperation und Mobilität im grenznahen Raum wird
häufig im Rahmen von INTERREG-Programmen organisiert. Die INTERREG-

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
24
Initiative ist Anfang der 1990er Jahre von der Europäischen Union initiiert
worden, um grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu unterstützen. Finanziert
wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale
Entwicklung (EFRE). INTERREG hat sich seit den 1990er Jahren zu einem
zentralen Instrument der Regionalpolitik der Europäischen Union entwickelt.
INTERREG untergliedert sich in drei Teile (INTERREG A, B, C) Von besonderem
Interesse ist hier der Teil INTERREG A, der die grenzüberschreitende
Zusammenarbeit – im Unterschied zu interregionaler und internationaler
Zusammenarbeit – fördert. Förderfähig im Sinne von INTERREG A sind
Regionen, die an Land- oder Seegrenzen liegen. Diese Regionen sind zu
Programmgebieten zusammengefasst (z. B. Programmgebiet Deutschland-
Nederland 2007-2013), die für die jeweilige Förderperiode thematische
Schwerpunkte der Zusammenarbeit beschließen. Die vierte INTERREG-
Förderperiode dauerte von 2007 bis 2013. Die fünfte Förderperiode ist in
Vorbereitung.
3.4. Grenzüberschreitende Mobilität aus der Perspektive von
Auszubildenden und Betrieben
Eine großangelegte Studie im Aufrage des Bundesministeriums für Arbeit und
Soziales (Friedrich und Körbel 2011) hat die Auslandsaufenthalte von
Auszubildenden näher untersucht. Hier konnte z. B. festgestellt werden, dass im
Jahr 2009 insgesamt etwa 23.500 Auslandaufenthalte durchgeführt wurden, d. h.
dass etwa 3% der deutschen Auszubildenden an
grenzüberschreitender
Mobilität
teilnahmen. Im Jahr
2012
waren es etwa
30.000
Auslandsaufenthalte
oder
4% der Auszubildenden
. Wichtigstes Zielland
ist kein deutscher Nachbarstaat, sondern es ist Großbritannien mit 27,5% der
Aufenthalte. Hier dürfte die Sprachkomponente eine wichtige Rolle spielen. Es
folgen mit großem Abstand die Niederlande (12,1%), Frankreich (7,3%) und
Spanien (7,0%). Knapp ein Drittel (29%) der Jugendlichen besuchten ein
deutsches Nachbarland.
Nur 1,3% der Auslandaufenthalte hatten Polen
zum Ziel
.
Abbildung 2 zeigt, dass die meisten Auslandsaufenthalte den Status von
Kurzpraktika haben.
Vier von fünf Auslandsaufenthalten (82%) sind
kürzer als vier Wochen.
Nur 12% dauern länger als vier Wochen. Vor allem
Jugendliche in einer betrieblichen Ausbildung nehmen kaum an längeren
Auslandsaufenthalten teil. Ein Grund könnte darin liegen, dass Betriebe ungerne
für längere Zeit auf ihre Auszubildenden verzichten. Mit der Länge des
Auslandsaufenthalts nimmt auch der Organisationsaufwand zu. Für Aufenthalte
von
mehr als vier Wochen
ist z. B. ein
spezieller Ausbildungsplan
erforderlich
.

image
3. Grenzüberschreitende Mobilität von Auszubildenden
25
Abbildung 2: Dauer der Auslandsaufenthalte von Jugendlichen in der Erstausbildung. Quelle:
Friedrich und Körbel 2011, S. 49.
Im Rahmen der Studie wurden auch Betriebe nach den Gründen gefragt, warum
sie keine Auszubildenden ins Ausland entsenden. Es stechen hier vor allem zwei
Antworten hervor (Abb. 3). 80% der Betriebe gaben als Grund an, kein Angebot
erhalten zu haben („trifft voll zu“). Die zweithäufigste Nennung mit 48% entfällt
auf die Begründung „Berufsschule kümmert sich nicht um die Organisation von
Mobilität“. In beiden Antworten kommt eine gewisse
Erwartung der Betriebe
zum Ausdruck, dass andere Stellen aktiv werden und wesentliche
Beratungs- und Organisationsleistungen erbringen
.

image
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
26
Abbildung 3: Gründe, warum der Betrieb keine Auszubildenden ins Ausland entsendet
(Mehrfachnennungen möglich). Quelle: Körbel und Friedrich 2011, S. 65.
Die
Beteiligung an Auslandsaufenthalten variiert stark zwischen
verschiedenen Berufsgruppen
(Abb. 4). Auszubildende aus dem Bereich
Handel, Marketing, Medien und Informatik sind sehr mobil und deutlich
überrepräsentiert. Nahezu die Hälfte der mobilen Auszubildenden (46,8%)
stammt aus diesem Bereich, während der Anteil des Bereichs an den
Auszubildenden insgesamt nur 38,7% beträgt. Auch Auszubildende im Bereich
„Metall und Elektro“ sind stark an den Austauschprogrammen beteiligt und
überproportional mobil. Eine besonders geringe Mobilitätsneigung weist dagegen
der Sektor „Gesundheit, Erziehung, Hauswirtschaft und Körperpflege“ auf. Der
Anteil an den Auslandsaufenthalten liegt hier bei nur 4,1%, obwohl der Anteil des
Sektors an der Grundgesamtheit der Auszubildenden mehr als dreimal so hoch ist
(13,4%).

image
3. Grenzüberschreitende Mobilität von Auszubildenden
27
Abbildung 4: Mobile Auszubildende nach Berufsfeldern. Quelle: Friedrich und Körbel 2011,
S. 90.
Welchen Nutzen ziehen nun die Auszubildenden daraus, dass sie einen Teil ihrer
Lehrzeit im Ausland verbringen? Auf der Basis von verschiedenen
Untersuchungen zu den
Effekten von Auslandsaufenthalten
(Schlotau
2004; Friedrich und Körbel 2011) lassen sich vor allem die folgenden Punkte
benennen:
Verbesserte Fremdsprachenkenntnisse
stehen hier an erster
Stelle. Wichtig sind aber auch
zusätzliche Fachkenntnisse
wie der Erwerb
spezifischer Qualifikationen (andere Fertigungstechniken, andere Produkte) und
Kenntnisse über einen Nachbarmarkt
. Nicht zu vernachlässigen sind auch
Aspekte der
Persönlichkeitsbildung
, wie der Erwerb
interkultureller
Kompetenzen
, die Förderung von
Selbständigkeit
und eine
Erweiterung
des Erfahrungshorizonts
.
Meist erhalten die Jugendlichen eine Bescheinigung des Auslandsaufenthalts. Bei
vier Fünfteln der Teilnehmer ist dies der Fall (Friedrich und Körbel 2011). Weit
verbreitet ist die
Zertifizierung
durch das von der EU geschaffene Instrument
des
„EUROPASS Mobilität“
oder auch durch eine Praktikumsbescheinigung.
4. Grenzüberschreitende Berufsbildung an der deutschen
Außengrenze
Das folgende Kapitel gibt einen Überblick über den Stand der
grenzüberschreitenden Berufsausbildung in den verschiedenen deutschen

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
28
Grenzregionen. Hierfür ist es vorab notwendig, die Einflussfaktoren
grenzüberschreitender Berufsausbildung zu reflektieren und den Begriff der
Grenzregion zu operationalisieren, um die Situationen in den verschiedenen
Grenzregionen aus Basis von Indikatoren zu beschreiben. Für jeden
Grenzabschnitt mit seinem Nachbarstaat erfolgt eine kurze Regionalskizze, die
sich an den in Kapitel 4 angeführten Einflussfaktoren orientiert. In diesem
Zusammenhang werden auch die Berufsausbildungssysteme der Nachbarstaaten
kurz vorgestellt. Schließlich werden die wichtigsten neueren Projekte
(Projektende nach 2009) und Initiativen zur grenzüberschreitenden
Berufsausbildung in der jeweiligen Grenzregion vorgestellt.
4.1. Einflussfaktoren grenzüberschreitender Berufsausbildung
Ob und in welchem Ausmaß es zu grenzüberschreitender Berufsausbildung in
Grenzregionen kommt, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. In Kapitel 2
wurden bereits einige Merkmale von Grenzen angeführt, die fördernd oder
hemmend auf grenzüberschreitende Interaktionen wirken. Mit speziellem Blick
auf den Arbeitsmarkt und die Berufsausbildung lassen sich vor allem vier
Faktorenkomplexe identifizieren, die die Intensität des Austausches beeinflussen:
Komplementarität
: Der Begriff der Komplementarität meint, dass
einem Angebot auf der einen Grenzseite eine Nachfrage auf der anderen
entsprechen muss, damit es zu einer Interaktion kommt. Im
Zusammenhang mit Berufsausbildung bedeutet dies z. B., dass
Ausbildungsplatzangebote auf der einen Seite mit
Ausbildungsplatzsuchenden auf der anderen Grenzseite zusammentreffen
müssen.
Strukturelle Faktoren
: Das Potenzial für grenzüberschreitende
Ausbildung ist auch abhängig von der Anzahl der Jugendlichen, die in
Grenznähe wohnen und einen Ausbildungsplatz auf der anderen Seite der
Grenze mit vertretbarem Zeitaufwand erreichen können. In ländlichen
Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte ist dieses Potenzial deutlich
geringer als wenn dicht besiedelte Gebiete mit guten
Verkehrsverbindungen an der Grenze liegen. Gerade für Jugendliche, die
noch keinen Führerschein besitzen ist auch ein grenzüberschreitendes
ÖPNV-Angebot wichtig.
Barrieren und ihre Durchlässigkeit
: Bereits in Kapitel 2 wurde auf
die Bedeutung von „Systembarrieren“ hingewiesen, die den Zugang zu
nationalen (Teil-)Systemen regeln. Für die Überwindung dieser
Zugangsbeschränkung müssen häufig formelle Voraussetzungen erfüllt
werden, die von Land zu Land variieren. Auch die Bedeutung von
Sprachbarrieren tritt hervor, wenn die Landesgrenze gleichzeitig eine
Sprachgrenze darstellt. Dies ist bei den meisten deutschen Grenzregionen
der Fall. Auch die Kompatibilität der beruflichen Bildungssysteme stellt

4. Grenzüberschreitende Berufsbildung an der deutschen Außengrenze
29
eine mögliche Systembarriere für grenzüberschreitende Zusammenarbeit
dar.
Fördermaßnahmen und Kooperation
: Förderprogramme,
Kooperationen und bilaterale Vereinbarungen können die materiellen und
immateriellen Kosten (Transaktionskosten) des grenzüberschreitenden
Austausches senken und ermöglichen häufig erst die Möglichkeit
grenzüberschreitender Berufsausbildung. In Grenzregionen mit einer
ausgeprägten Kooperationskultur und starker interkultureller Kompetenz
bei den handelnden Akteuren lassen sich grenzüberschreitende
Ausbildungsmodelle leichter implementieren.
4.2. Operationalisierung des Begriffs „Grenzregion“ und
indikatorbasierte Beschreibung
Mit dem Begriff der
„Grenzregion“
oder des „Grenzraumes“ sind die
beiderseits der Grenze gelegenen Gebiete gemeint, die gleichsam einen
Grenzsaum entlang der Grenzlinie
bilden. Mit dem Begriff kommt das
gemeinsame Merkmal dieser Gebiete zum Ausdruck, dass
ihre Entwicklung
wesentlich durch die Grenzlage beeinflusst
wird. Ein weiterer Aspekt des
Begriffs Grenzregion bezieht sich auf die Funktionen der
grenzüberschreitenden Verflechtungen
und grenzüberschreitenden
Kooperationen. Hier erscheint die Grenzregion als ein durch Interaktionen
gebildeter, grenzüberschreitender Raum.
Für die Beschreibung von Grenzregionen durch statistische Indikatoren ist eine
Operationalisierung des Begriffes notwendig, d. h. eine genau Bestimmung
anhand von amtlichen Gebietskategorien. Es bietet sich für die
Operationalisierung ein Rückgriff auf die „
crossborder cooperation areas
“ von
INTERREG-IVa (2007-2013) an. Für dieses Programm grenzüberschreitender
Kooperation im Nahbereich hat die EU die Fördergebiete auf der Ebene NUTS 3
Gebiete bestimmt. Die NUTS 3-Ebene wird in Deutschland von den Kreisen
gebildet, in den Niederlanden von sogenannten COROP-Regionen und in Belgien
von den Arrondissements. Nahezu alle an einer Staatsgrenze gelegenen NUTS 3-
Gebiete der EU sind
crossborder cooperation areas
“ im Sinne von
INTERREG-IVa
.
Für den Zweck der vorliegenden Studie wurde die Abgrenzung für die deutschen
Außengrenzen angepasst. Seegrenzen und weiter von der Grenze entfernte
Teilfördergebiete wurden dabei nicht berücksichtigt. Da einige wichtige
Indikatoren nicht auf der detaillierten Ebene NUTS 3 verfügbar sind, war es
erforderlich die (weiteren) Grenzregion näherungsweise auch auf dem gröberen
Raster der NUTS 2-Gebiete zu operationalisieren.
Die in den folgenden Regionalskizzen der Grenzräume verwendeten Daten
stammen zum größten Teil aus den folgenden Datenquellen, die mit eigenen
Berechnungen aufbereitet wurden (weitere Quellen sind im Text angegeben):

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
30
EUROSTAT – Europäische Regional- und Städtestatistik:
Regionalstatistiken nach NUTS Klassifikation
2
EUROSTAT – Statistical Yearbook of Regions 2013
3
Statistische Ämter des Bundes und der Länder – Regionaldatenbank
Deutschland
4
Für einen Überblick sollen zwei Beispielindikatoren die Situation in deutschen
Grenzregionen veranschaulichen. Abbildung 5 zeigt die Bevölkerungsdichte
entlang der Grenzen. In Grenzregionen mit hoher Bevölkerungsdichte auf beiden
Seiten der Grenze ist das Bevölkerungspotenzial für grenzüberschreitende
Aktivitäten höher als in Grenzabschnitten mit niedriger Bevölkerungsdichte. Vor
allem die Grenzregionen zwischen Nordrhein-Westfalen und den südlichen
Niederlanden und Belgien sind dicht bevölkert. Ähnliches gilt auch für das
Oberrheingebiet, also die Grenze zur französischen Region Elsass und zur
Schweiz. Die Grenzen nach Osten, mit der Tschechischen Republik und Polen
sind dagegen meist Gebiete mit geringerer Bevölkerungsdichte.
2
http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/region_cities/regional_statistics/data/data
base?_piref1715_3143872_1715_3143865_3143865.p=h&_piref1715_3143872_1715_3143865_31
43865.expandNode=doAction&_piref1715_3143872_1715_3143865_3143865.nextActionId=4&_
piref1715_3143872_1715_3143865_3143865.nodePath=.EU_MAIN_TREE.data.general.reg.reg_
dem
; Abruf: 29.09.2014
3
http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/publications/regional_yearbook
; Abruf:
29.09.2014
4
https://www.regionalstatistik.de/genesis/online/logon
; Abruf: 29.09.2014

image
image
4. Grenzüberschreitende Berufsbildung an der deutschen Außengrenze
31
Abbildung 5: Bevölkerungsdichte 2011, nach NUTS 3-Regionen. Quelle: EUROSTAT:
Statistical Yearbook of Regions 2013.
Ein Indikator für Komplementaritäten in Grenzregionen sind Differenzen im
Niveau der Jugendarbeitslosigkeit. Wenn Grenzregionen mit hoher
Jugendarbeitslosigkeit auf Räume mit niedriger Jugendarbeitslosigkeit auf der
anderen Seite der Grenze stoßen, so kann dies als Nachfragepotenzial für eine
grenzüberschreitende Beschäftigung oder Ausbildung gewertet werden. Im
deutsch-französischen Grenzraum und im deutsch-polnischen Grenzraum zeigen
sich solche Disparitäten besonders deutlich (Abb. 6).

image
image
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
32
Abbildung 6: Jugendarbeitslosigkeit (Altersgruppe 15-24 Jahre) 2011 nach NUTS 2-Regionen.
Quelle: EUROSTAT: Statistical Yearbook of Regions 2013.
Im Folgenden werden die Entwicklungen im Bereich grenzüberschreitender
Verflechtungen allgemein und in der Berufsausbildung in den einzelnen
Grenzregionen entlang der deutschen Außengrenze dargestellt.
4.1. Deutsch-dänische Grenze
4.1.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der
Berufsausbildung
Die deutsch-dänische Grenze ist mit 67 km die kürzeste deutsche Außengrenze
(Sperling 2005). Auf der dänischen Seite leben rund 715.000 Einwohner, in einer
stark ländlich geprägten Region mit geringer Bevölkerungsdichte. Im deutschen
Teil leben ca. 451.000 Einwohner. Urbanes Zentrum der Region ist Flensburg
(86.000 Einwohner). Auf dänischer Seite betrug das Bevölkerungswachstum
zwischen 2005 und 2012 +0,9%, auf deutscher Seite ging die Bevölkerung
dagegen um -2,7% zurück. Geprägt wird die Region erheblich von einer dänischen
Minderheit in Schleswig und der deutschen Minderheit in Süddänemark.
Im Jahr 2005 pendelten etwa 2.600 Personen aus Deutschland in den dänischen
Grenzraum und 540 aus Dänemark in den deutschen Grenzraum (Buch et al.
2008) Die Arbeitslosigkeit beträgt auf der dänischen Seite 7,7% (2011) und liegt
damit etwas über der deutschen Grenzregion mit 5,9%. Auch die
Jugendarbeitslosigkeit ist im dänischen Teil mit 14,2% deutlich höher als im
deutschen (9,2%).
Die berufliche Erstausbildung findet in Dänemark – ähnlich wie in Deutschland –
nach dem System der dualen Ausbildung statt. Unterricht in Berufsschulen und

4. Grenzüberschreitende Berufsbildung an der deutschen Außengrenze
33
die praktische, fachliche Ausbildung in einem Betrieb wechseln sich ab. Zwei
Drittel der Ausbildungszeit werden im Betrieb verbracht und ein Drittel in der
Berufsschule. Die berufliche Erstausbildung dauert meist dreieinhalb Jahre.
4.1.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen
Seit 1997 besteht die
Euroregion Sønderiyland-Schleswig
. Im Jahre 2001
wurde eine
Gemeinsame Erklärung über die grenzüberschreitende
Zusammenarbeit
zwischen dem Land Schleswig-Holstein und der Region
Sønderiyland (ab 2007 Süddänemark) unterschrieben, die den Rahmen für die
weitere Zusammenarbeit absteckte. Darin festgehaltene Ziele sind u. a. der
Aufbau eines gemeinsamen Regionalbewusstseins, die Entwicklung eines
gemeinsamen Wirtschafts- und Arbeitsraums sowie eine verstärkte
Zusammenarbeit in einer Vielzahl von Feldern.
Ausgewählte Projekte und Initiativen der grenzüberschreitenden
Berufsausbildung
Mit der geplanten
Fehmarnbeltquerung
gibt es in der deutsch-dänischen
Grenzregion ein wichtiges Verkehrsinfrastrukturprojekt, welches bereits in der
Planungsphase eine ganze Reihe von Projekten und Initiativen befördert, die sich
der grenzüberschreitenden Berufsausbildung widmen.
„VET Qualification System – 2 Länder – 1 Ausbildung“
Beispielsweise wird im Projekt „VET Qualification System – 2 Länder – 1
Ausbildung“ versucht, dänische und deutsche Auszubildende für
Praktikumsphasen im Nachbarland zu begeistern. Dabei steht der
Austauschgedanke an oberster Stelle. So sollen jeweils ein deutsches und ein
dänisches Partnerunternehmen ihre Auszubildenden für einen gewissen
Zeitraum tauschen.
„Competence to go“
Im Projekt „Competence to go“ wird an einem gemeinsamen Modell der
grenzüberschreitenden Berufsausbildung für Altenpflegekräfte gearbeitet. Dabei
sollen über ein Bi-Diplomierungsverfahren Anerkennungsprobleme in einem
beiderseits der Grenze stark reglementierten Berufsfeld vorgebeugt werden. Mehr
Informationen zu den Projekten folgen im Kapitel 6.
4.2. Deutsch-niederländische Grenze
4.2.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der
Berufsausbildung
Die niederländisch-deutsche Grenze erstreckt sich auf einer Länge von 567 km
von der Nordsee bis zum Raum Aachen/Süd Limburg. Im Grenzraum leben auf
der deutschen Seite rund 3,7 Mio. und auf der niederländischen 4,2 Mio.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
34
Einwohner (2012). Die Bevölkerungszahl ist im deutschen Grenzgebiet leicht
rückläufig. Zwischen 2005 und 20012 betrug der Rückgang -2,1%. Auf der
niederländischen Seite war im gleichen Zeitraum dagegen ein leichter Zuwachs zu
verzeichnen (+0,9%). Der nördliche, niederländisch-niedersächsische
Grenzabschnitt ist stark ländlich geprägt, mit geringer Bevölkerungsdichte und
ohne größere Städte. Wesentlich dichter besiedelt ist das südliche,
niederländisch-nordrheinwestfälische Grenzgebiet. Hier finden sich auch große
urbane Zentren, so auf der niederländischen Seite die „Netwerkstad Twente“
(Enschede, Hengelo, Almelo, Borne) (365.000 Einwohner), die Stadtregion
Arnhem-Nijmegem (722.000 Einwohner) und die Stadt Maastricht (120.000
Einwohner). Auf deutscher Seite liegen in Grenznähe Krefeld (222.000
Einwohner), Mönchengladbach (255.000 Einwohner) und im Länderdreieck
Belgien-Deutschland-Niederlande die Stadtregion Aachen (568.000 Einwohner).
Kleine und mittlere Unternehmen prägen die Wirtschaftsstruktur im
Grenzgebiet, trotz der Präsenz einiger Großunternehmen, wie Bayer in Krefeld
oder dem Energieversorger Essent in Arnhem. Die Landwirtschaft hat im
nördlichen Grenzabschnitt einen hohen Stellenwert. Der Tourismus spielt vor
allem in Form von Städtetourismus im südlichen, niederländischen Grenzraum
eine Rolle. Die Wirtschaftsdynamik hat sich in den letzten Jahrzehnten
gewandelt: Seit dem Ende der 1990er Jahre zeigt der niederländische Grenzraum
eine höhere Entwicklungsdynamik als der deutsche. Damit änderte sich auch die
Struktur der Grenzgängerströme. Während noch in den 1990er Jahren wesentlich
mehr Niederländer in Deutschland arbeiteten, hat sich die Zahl der deutschen
Grenzgänger im letzten Jahrzehnt deutlich erhöht und übertrifft nun die Zahl der
Einpendler nach Deutschland. Schätzungen für das Jahr 2009 gehen von 20.000
Grenzpendlern nach Deutschland und 40.000 Grenzpendlern in die Niederlande
aus
5
. Zugenommen hat in den letzten Jahren auch die Zahl der Niederländer, die
im deutschen Grenzraum wohnen.
Die insgesamt positive Wirtschaftsentwicklung der Grenzregion spiegelt sich auch
in der niedrigen Arbeitslosigkeit wider. Dabei ist die Arbeitslosigkeit auf der
deutschen Seite mit 5,3% etwas höher als in der niederländischen Grenzregion.
Die Jugendarbeitslosigkeit ist in der deutsch-niederländischen Grenzregion im
europäischen Vergleich auf einem niedrigen Stand. Auf der niederländischen
Seite liegt sie mit 7,5 % (2011) unter dem Wert der deutschen Seite (9,4%) und
auch unter dem Wert für die Niederlande insgesamt (8,3%). In der deutschen
Grenzregion zeigen sich deutliche Unterschiede im Niveau der
Jugendarbeitslosigkeit zwischen dem nördlichen (niedersächsischen) Grenzraum
und dem südlichen (nordrhein-westfälischen) Grenzgebiet. Im nördlichen
Grenzraum ist die Jugendarbeitslosigkeit mit 6,6% sehr niedrig, während sie im
südlichen Teil 9,8% erreicht.
5
http://www.uni-muenster.de/NiederlandeNet/nl-
wissen/soziales/vertiefung/grenzpendler/index.html
; Abruf: 29.09.2014

4. Grenzüberschreitende Berufsbildung an der deutschen Außengrenze
35
In den Niederlanden absolviert ungefähr die Hälfte der Jugendlichen eines
Jahrgangs nach Ende der ersten Stufe der allgemeinbildenden Schule – nach dem
achten Schuljahr – eine Berufsausbildung (Frommberger 2005). Die
Jugendlichen können zwischen dem „
Beroepsbegeleidende Leerweg
“ (BBL), also
der Ausbildung in einem Betrieb, oder dem Besuch einer berufsbildenden Schule
(
Regional Opleidingen Center
, ROC) wählen. Dieser Ausbildungsweg wird als
Beroepsopleidende Leerweg
“ (BOL) bezeichnet. Der BOL an einer Berufsschule
– welcher auch Betriebspraktika einschließt – ist dabei wesentlich verbreiteter als
die betriebliche Ausbildung (BBL). Zwei von drei Auszubildenden entscheiden
sich für die schulische Berufsausbildung. Ab dem Ende der Schulpflicht, mit
Vollendung des 18. Lebensjahres, ist der Besuch der berufsbildenden Schule
kostenpflichtig. In der berufsbegleitenden Variante (BBL) erhält der Lernende
vom Betrieb eine Vergütung. Die Ausbildung setzt sich aus Modulen oder
Teilqualifikationen zusammen, die getrennt abgeschlossen werden. Die
Auszubildenden können insgesamt vier Niveaustufen erreichen: Stufe 1:
Assistent, Stufe 2: Berufliche Grundausbildung, Stufe 3: Berufliche Bildung, Stufe
4: Ausbildung für das mittlere Management. Das Absolvieren aller vier Stufen
nimmt etwa vier Jahre in Anspruch. Die vierte Stufe berechtigt auch zum Besuch
einer Fachhochschule (
Hogescholen
).
4.2.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen
Die deutsch-niederländische Region spielt zweifellos eine Vorreiterrolle in der
grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Europa. Hier gründete sich auch
1958 die erste Euroregion
, die sogenannte EUREGIO. Die EUREGIO
beschreibt ihre Zielsetzung wie folgt: „Die starken Teilregionen sollen zu ‚einem‘
Versorgungsgebiet zusammen wachsen, zu einem integrierten und starken
Lebens- und Wirtschaftsraum werden, in dem die Grenze keine trennende und
hemmende Wirkung mehr hat. Es geht darum, die Wirtschaftskraft und die
Lebensqualität in der Region zu steigern und die Integration des Gebiets voran zu
treiben. Schließlich ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile
.
"
6
Die
EUREGIO ist ein eingetragener Verein (e.V.), dem etwa 130 deutsche und
niederländische Städte, Gemeinden, Kreise und andere Gebietskörperschaften
angehören. Im Rahmen von INTERREG-IIIa wurden bereits ab 2001
Erfahrungen in der grenzüberschreitenden Berufsausbildung gesammelt
(„Grenzüberschreitende Pflegeausbildung“, „Grenzüberschreitende
Berufsausbildung Mechatronica“). Insgesamt sind heute fünf Euroregionen im
deutsch-niederländischen Grenzraum aktiv (u. a. Rhein-Maas, Rhein-Waal, Ems-
Dollard).
Ausgeprägt ist auch die Zusammenarbeit von Städten im Grenzgebiet im Rahmen
von sogenannten „Städtenetzen“. Nicht weniger als
5 Städtenetze
haben sich in
den letzten Jahrzehnten zwischen den grenznahen Städten etabliert, z. B. „ANKE“
6
http://www.euregio.eu/de/%C3%BCber-euregio/ziele
; Abruf: 29.09.2014

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
36
(Arnheim, Nijmegen, Kleve, Emmerich) oder „MHAL“ (Maastricht, Hasselt,
Aachen, Lüttich).
Ausgewählte Projekte und Initiativen der grenzüberschreitenden
Berufsausbildung
„GeBZ“: Grenzüberschreitende euregionale Berufsbildungszusammenarbeit
Die grenzüberschreitende Schul- und Berufsausbildung soll durch erweiterte
Informations- und Beratungsstrukturen verbessert werden. Besonderes
Augenmerk wird dabei auf Berufe im Agrarsektor gelegt. In der Euregio Rhein-
Maas-Nord werden Schulkooperationen, Berufspraktika im Nachbarland und
fachliche Zusammenarbeit von Verbänden und Netzwerken beiderseits der
Grenze gefördert. Das Projekt „GeBZ“ wurde im Rahmen von INTERREG-IVa
gefördert und zwischen 2009 und 2012 durchgeführt
7
.
„EUZUBI-Ausbildung euregional“
„EUZUBI-Ausbildung euregional“ knüpfte an Vorläuferprojekte an und dient der
Weiterentwicklung von Konzepten der grenzüberschreitenden Berufsausbildung.
Als Zielgruppe werden verstärkt die Absolventen von Real- und Hauptschulen
angesprochen, die auf geeignete Ausbildungsplatze in den Niederlanden
vermittelt werden sollen. Das bestehende grenzübergreifende Netzwerk mit
Akteuren beruflicher Bildung soll ausgeweitet und nachhaltig gestaltet werden,
um dauerhafte und belastbare Kooperationen zu fördern. Das Projekt „EUZUBI-
Ausbildung euregional“ wurde im Rahmen von INTERREG-IVa gefördert und
zwischen 2009 und 2011 durchgeführt
8
.
„Metallberufe ohne Grenzen: Grenzüberschreitende Berufsausbildung in
Metallberufen“
Im Rahmen des Projektes qualifizieren sich deutsche Berufsschüler und
niederländische Lehrlinge in Metallberufen für den Arbeitsmarkt des
Nachbarlandes. Die niederländischen Lehrlinge absolvieren eine Ausbildung zum
bankwerker
“ (Schlosser) und erwerben ergänzend eine freiwillige (Teil-)
Bescheinigung der Industrie- und Handelskammer (IHK) für den deutschen
Arbeitsmarkt. Deutsche Lehrlinge, die eine Basisausbildung im
Berufsgrundbildungsjahr absolviert haben, nehmen eine niederländische
Ausbildung zum „
bankwerker
“ auf. Im Rahmen des Projektes haben mehr 40
Jugendliche, die in Deutschland keine Lehrstelle gefunden haben, in den
Niederlanden eine Ausbildung begonnen. Das Projekt „Metallberufe ohne
Grenzen“ wurde im Rahmen von INTERREG-IVa gefördert und zwischen 2009
und 2012 durchgeführt
9
.
7
https://www.deutschland-nederland.eu/projekt-datenbank/
; Abruf: 29.09.2014
8
https://www.deutschland-nederland.eu/projekt-datenbank/
; Abruf: 29.09.2014
9
https://www.deutschland-nederland.eu/projekt-datenbank/
; Abruf: 29.09.2014

4. Grenzüberschreitende Berufsbildung an der deutschen Außengrenze
37
„CAMPUS Euregio - Clever ausbilden mit Perspektive und Synergie“
Im Gebiet des Kammerbezirks Aachen will „CAMPUS Euregio“ Unternehmen bei
der Schaffung und Besetzung zusätzlicher Ausbildungsplätze unterstützen. Der
Schwerpunkt liegt auf klein- und mittelständischen Unternehmen in Handwerk
und Industrie. Zu den Projektaufgaben gehören, u. a. die Information von
Unternehmen und Bewerbern, die Unterstützung bei der Stellenbesetzung und
die Begleitung in den ersten sechs Monaten der Ausbildung. Das Projekt
„CAMPUS Euregio“ wurde im Rahmen von JOBSTARTER gefördert und
zwischen 2009 und 2012 durchgeführt
10
.
„TraBbi - Transnationale Berufsausbildung im deutsch-niederländischen
Grenzgebiet“
Ziel des Projekts ist die Erarbeitung und Erprobung von Zusatzqualifikationen,
die Auszubildende im Einzelhandel für den Einsatz im grenzüberschreitenden
Raum benötigen. Die Lerneinheiten umfassen u. a. Verkaufsgespräche, die
Warenpräsentation, den Servicebereich, die Kasse und interkulturelle
Kompetenz. Das Projekt steht in Zusammenhang mit einem Austauschprogramm
der Berufsbildenden Schule 1 in Leer und dem Norderpoort Kolleg in Groningen.
In Zusammenarbeit mit einem Einzelhandelsunternehmen wird ein
Ausbildungsgang „internationaler Kaufmann“ entwickelt (Förderung durch
INTERREG-IVa).Das Projekt „TraBbi“ wurde im Rahmen von JOBSTARTER
gefördert und zwischen 2010 und 2013 durchgeführt
11
.
4.3. Deutsch-belgische Grenze
4.3.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der
Berufsausbildung
Die deutsch-belgische Grenze erstreckt sich nur über einen kurzen
Streckenabschnitt von 156 km. Prägend für die Grenzregion sind die Stadtregion
Aachen auf der deutschen Seite und der Großraum um Lüttich auf der
wallonisch-belgischen Seite. Trotz des kurzen Grenzverlaufs leben nahezu 1,8
Mio. Menschen in der Grenzregion. Auf der belgischen Seite sind es 905.000, und
im deutschen Teil sind es rund 852.000. Die belgische Grenzregion erfährt
derzeit einen Bevölkerungszuwachs. Zwischen 2005 und 2012 betrug die
Zunahme 5,0%. Die Bevölkerung der deutschen Seite ist dagegen leicht rückläufig
(2005-2012: -0,7%). Ein besonderes Merkmal des Grenzgebiets ist die Präsenz
der deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien. Im deutschsprachigen Bezirk
Verviers wohnen 76.000 Menschen.
Die Arbeitslosigkeit ist auf der belgischen Seite mit 9,5% (2011) deutlich höher als
in der deutschen Grenzregion mit 6,0% (2011). Disparitäten gibt es ebenfalls bei
10
http://www.jobstarter.de/de/projektlandkarte-1157.php?F=0&M=38;
Abruf: 29.09.2014
11
http://www.jobstarter.de/de/projektlandkarte-1157.php?F=0&M=38;
Abruf: 29.09.2014

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
38
der Jugendarbeitslosigkeit. In der belgischen Grenzregion erreicht die
Jugendarbeitslosigkeit 22,5% (2011), im deutschen Grenzraum aber nur 9,6%.
Obwohl zu den Grenzpendlern nur ältere Zahlen verfügbar sind (Elschot 2009),
lässt sich doch feststellen, dass die Zahl der Pendler, die aus Belgien kommend in
Deutschland zur Arbeit gehen, deutlich höher ist als in umgekehrter Richtung. Im
Jahr 2004 betrug die Zahl der Pendler in Richtung Deutschland 5.400, während
es in Richtung Belgien nur 500 waren.
Durch den föderalen Aufbau Belgiens ist das Bildungssystem des Landes
komplex. Zur beruflichen Erstausbildung lassen sich dennoch einige
grundlegende Aussagen treffen. Nach dem Abschluss der Sekundarstufe I (9.
Schuljahr) wechseln Jugendliche, die eine Berufsausbildung anstreben, in der
Regel auf eine technisch-berufliche Schule (Cotton 2001). Hier findet die
berufliche Ausbildung in Vollzeit statt. Die Ausbildung endet nach 3 Jahren mit
einer staatlichen Prüfung. Daneben existiert auch die Variante der „Anlehre“ in
einem Betrieb mit ergänzendem Berufsschulbesuch. Auch hier erfolgt der
Abschluss nach drei Jahren durch eine staatliche Prüfung. Die Form der teilzeit-
schulischen Ausbildung ist jedoch wesentlich weniger verbreitet als die vollzeit-
schulische Variante.
4.3.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen
Grenzüberschreitende Kooperation findet zwischen Deutschland und Belgien –
auch wegen der geographischen Nähe zu anderen Grenzräume – häufig nicht
bilateral, sondern eingebettet in
tri- oder multilateralen Institutionen
statt.
Der föderale Aufbau Belgiens mit den Regionen Brüssel, Flandern und Wallonien
und den flämischen, frankophonen und deutschsprachigen Gemeinschaften
verkompliziert die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Belgien häufig.
Andererseits sind die sprachlichen Barrieren zwischen Deutschland und Belgien
durch die Anwesenheit der deutschen Minderheit in Belgien weniger signifikant.
An der
Euregio Rhein-Maas
sind neben den deutschen und belgischen
(flämischen und wallonischen) Partnern auch niederländische Regionen (Süd
Limburg) beteiligt. Im Rahmen der Euroregion „
Grande
Région
/Großregion“
(siehe hierzu den Abschnitt über die deutsch-
luxemburgische Grenze) kooperiert Wallonien mit dem Saarland, Lothringen,
Luxemburg und Rheinland-Pfalz. Aachen und Lüttich arbeiten im Städtenetz
„MHAL“ (Maastricht, Hasselt, Aachen, Lüttich) zusammen.
Ausgewählte Projekte und Initiativen der grenzüberschreitenden
Berufsausbildung
Bi-Diplomierung als KfZ-Mechaniker(in) bzw. Frisör(in)
Das Institut für Aus- und Weiterbildung im Mittelstand und in kleinen und
mittleren Unternehmen (IAWM) und die Handwerkskammer Aachen bieten seit
2013 eine Ausbildung mit zwei nationalen Abschlüssen in den Bereichen KfZ-

4. Grenzüberschreitende Berufsbildung an der deutschen Außengrenze
39
Mechaniker(in) und Frisör(in) an. Auszubildende müssen ein 14-tägiges
Praktikum im Nachbarland absolvieren und Teile aus den Prüfungen der
Nachbarregion ablegen. Ansonsten wird die komplette Ausbildung in der
Heimatregion durchgeführt. Die Abschlussprüfung erfolgt im Inland in einer
gemischten Prüfungskommission, d. h. in Anwesenheit eines Beobachters aus der
Nachbarregion. Die Absolventen erhalten zwei Abschlusszeugnisse: ein belgisches
vom Institut für Aus- und Weiterbildung der DG (IAWM) und ein deutsches von
der Handwerkskammer Aachen
12
.
Bi-Diplomierung im Einzelhandel
Seit 2010 gibt es ein Abkommen zur Bi-Diplomierung im Einzelhandel zwischen
der IHK Aachen und dem IAWM Eupen. Jugendliche, die in Ostbelgien
(Deutsche Gemeinschaft in Belgien) oder in Aachen ihre Ausbildung als
Einzelhandelskaufmann/frau erfolgreich abgeschlossen haben, können mit einer
Zusatzprüfung auch den Abschluss im jeweils anderen Land erlangen, also das
Prüfungszeugnis der IHK Aachen oder den Gesellenbrief des IAWM Eupen
13
.
4.4. Deutsch-luxemburgische Grenze
4.4.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der
Berufsausbildung
Luxemburg ist nicht nur eine der wirtschaftsstärksten Regionen entlang der
deutschen Grenze, sondern eine der wirtschaftsstärksten Regionen der EU
überhaupt. Der Dienstleistungssektor ist hier vor allem mit dem Bankwesen und
den europäischen Institutionen sehr stark entwickelt. Die deutsche Grenzregion
setzt sich aus dem urbanisierten südlichen Teil um Trier und dem ländlichen
nördlichen Teil zusammen, der von der dünnbesiedelten Eifel geprägt wird. Trier
ist mit 107.000 Einwohnern (2012) die einzige größere Stadt im deutschen
Grenzraum und auch ihr wirtschaftliches Zentrum. Im deutschen Grenzraum
wohnen etwa 511.000 Einwohner. Zwischen 2005 und 2012 hat sich die
Einwohnerzahl durch positive Wanderungssalden um etwa 5.000 erhöht (1,1%).
Luxemburg weist dagegen eine sehr dynamische, vor allem durch Zuwanderung
ausgelöste Bevölkerungswicklung auf. Im Zeitraum von 2005 bis 2012 nahm die
Bevölkerung hier um 65.000 Einwohner (14,1%) zu und liegt nun bei 531.000.
Die Zahl der Grenzpendler aus Deutschland nach Luxemburg beträgt 39.600. Sie
hat im letzten Jahrzehnt stark zugenommen. Im Jahr 2000 waren es erst 16.400
(STATEC 2013). In umgekehrter Richtung findet kaum ein Berufspendeln statt.
Es pendeln nur etwa 230 Personen auf die deutsche Seite. Diese einseitige
Ausrichtung der Pendlerströme lässt sich vor allem durch das hohe Lohngefälle
12
http://www.zawm.be/kfz/11_Texte/2013/GE20130604_07.pdf
; Abruf: 29.09.2014
13
http://www.zawm.be/02_aus_weiterbildung/04_berufgruppen/Kaufmaennische_Berufe/Einzel
handel/Projekte/Bericht3.html
; Abruf: 29.09.2014

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
40
und die Unterschiede in der Wirtschaftskraft erklären. Der gewerbliche
Stundenlohn in Luxemburg liegt bei 21,50 Euro, während er in Trier nur 16,60
Euro beträgt. Die Arbeitslosenzahlen sind in beiden Teilregionen niedrig. In
Luxemburg lieg die Arbeitslosigkeit bei 4,9%, während sie auf der deutschen Seite
sogar nur 4,2% beträgt. Die Jugendarbeitslosigkeit ist in Luxemburg dagegen
deutlich höher (16,5%) als auf der deutschen Seite.
Nach dem sechsten Schuljahr wählen die Jugendlichen in Luxemburg zwischen
der allgemeinbildenden und der technischen/berufsvorbereitenden
Sekundarschule. Nach dem 9. Schuljahr bieten sich den Jugendlichen in der
Mittelstufe des technischen Sekundarunterrichts drei Möglichkeiten der
beruflichen Bildung: das
régime de la formation technicien
, das
régime
technique
und das
régime professionnel
(Noesen 2005). Das
régime de la
formation de technicien
und das
régime technique
sind schulische
Vollzeitausbildungsgänge, die auf das Fachabitur vorbereiten. Das
régime
professionnel
ist hingegen eine Lehrlingsausbildung, die eine praktische,
betriebliche Ausbildung im Rahmen eines Lehrvertrags und den Besuch von
berufsbildenden Begleitkursen („gemischte Variante“) in einer beruflichen Schule
umfassen. Das
régime professionnel
bietet einen direkten Zugang zu einer
beruflichen Qualifikation. Erworben werden kann u. a. ein fachlich-beruflicher
Eignungsnachweis, das
certificat d’aptitude technique et professionnelle
(CATP),
nach dreijähriger Ausbildung. Für das Zeugnis über den Erwerb fachlicher und
beruflicher Grundfertigkeiten
certificat d’initiation technique et professionnelle
(CITP) ist hingegen nur eine zweijährige Ausbildung notwendig.
4.4.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen
Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit findet hauptsächlich im Rahmen der
Euroregion „
Grande Région
/Großregion“
statt. Ihr Ursprung ist eine 1971
eingesetzte deutsch-französisch-luxemburgische Regierungskommission. In der
Folge gründete sich die Großregion SaarLorLux, die später um Wallonien und
Rheinland-Pfalz erweitert wurde. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im
Rahmen der Großregion wurde in den 1990er Jahren ausgebaut. Als wichtiges
Instrument haben sich die „
Gipfeltreffen
“ erwiesen, die seit 1995 alle 18
Monate stattfinden (Wille 2012). An den Gipfeltreffen nehmen die wichtigsten
politischen Akteure der beteiligten Regionen teil und legen die Leitlinien der
Zusammenarbeit fest, die dann von der
Regionalkommission der
Großregion
umgesetzt werden. So wurde 1997 ein Wirtschafts- und
Sozialausschuss
der Großregion eingerichtet und im folgenden Jahr eine
Interregionale Arbeitsmarktbeobachtungsstelle
“ (Wille 2012, S. 123).
Um die Zusammenarbeit weiter zu stärken, hat sich die Großregion 2011 die
Struktur eines „
Europäischen Verbundes der Territorialen
Zusammenarbeit
“ (EVTZ) gegeben. Auf kommunaler Ebene arbeitet die Stadt
Luxemburg im
Städtenetzwerk „QuattroPole“
mit Metz, Saarbrücken und
Trier zusammen.

4. Grenzüberschreitende Berufsbildung an der deutschen Außengrenze
41
Ausgewählte Projekte und Initiativen der grenzüberschreitenden
Berufsausbildung
Grenzüberschreitende Buchbinderausbildung
Seit 2007 gibt es eine grenzüberschreitende Ausbildung von Buchbindern
zwischen Luxemburg und Deutschland (Bundesländer Rheinland-Pfalz und
Saarland). Die Bundesländer Rheinland Pfalz und Saarland entsenden
Auszubildenden des Fachs Buchbindetechnik seit 2007 an die
Lycée technique
des Arts et Métiers
nach Luxemburg, wo sie fachtheoretischen Unterricht
erhalten. Die betriebliche Ausbildung im Rahmen des dualen Systems erfolgt in
Betrieben auf der deutschen Seite. Die deutschen Jugendlichen legen ihre
Prüfung bei den zuständigen deutschen IHKs ab, während die luxemburgischen
Jugendlichen ihren Abschluss in Luxemburg machen
14
.
4.5. Deutsch-französische Grenze
4.5.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der
Berufsausbildung
Die deutsch-französische Grenze erstreckt sich über eine Länge von 448 km vom
Saarland bis zum Dreiländereck bei Basel. Die Grenzregion lässt sich in einen
nordwestlichen und einen südlichen Abschnitt unterteilen. Der nordwestliche
Grenzraum wird vom Saarland und der Südpfalz einerseits und dem
lothringischen
Département Moselle
andererseits gebildet. Im südlichen Teil
trennt der Rhein die französische
Région Alsace
(Elsaß) vom deutschen Baden
(Baden-Württemberg). Der südliche Grenzabschnitt ist geographisch ein Teil des
Oberrheingrabens, der im Osten vom Schwarzwald und im Westen von den
Vogesen begrenzt wird. Der heutige Grenzverlauf wurde im Wesentlichen 1919
nach der Rückgabe Elsass-Lothringens an Frankreich festgelegt. Das Saarland
hatte hier jedoch einen Sonderstatus und wurde erst 1957 nach einer
Volksabstimmung zu einem Land der Bundesrepublik Deutschland.
Im deutschen Grenzraum wohnen rund 3,7 Mio. Einwohner. Die
Bevölkerungsentwicklung zwischen 2005 und 2012 lag bei -1,9%. Im
französischen Grenzraum beträgt die Einwohnerzahl im Grenzraum 2,9 Mio. Hier
ist im Gegensatz zur deutschen Seite ein leichter Bevölkerungszuwachs zu
verzeichnen (2005-12: +2,0%), der in der
Région Alsace
deutlich höher lag
(+2,6%) als im lothringischen Grenzraum (+1,1%). Auch auf der deutschen Seite
ist die Bevölkerungsentwicklung im südlichen Teil günstiger als im
nordwestlichen Grenzabschnitt. Während die Bevölkerungszahl im badischen
Teil weitgehend stabil ist (2005-12: -0,2%), ist sie im nordwestlichen Teil deutlich
rückläufig (2005-12: -4,4%). Mehrere große urbane Zentren liegen in Grenznähe.
Auf der französischen Seite sind die Agglomerationen Metz (288.000
Einwohner), Mulhouse (244.000 Einwohner) und Strasbourg (451.000
14
http://www.ltam.lu/index.php?menu=&page=571&portal=20
; Abruf: 29.09.2014

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
42
Einwohner) zu nennen und auf der deutschen Seite die Städte Freiburg (218.000
Einwohner), Karlsruhe (296.000 Einwohner) und Saarbrücken(177.000
Einwohner, Stadtverband Saarbrücken: 327.000 Einwohner).
Der nordwestliche Grenzraum ist auf beiden Seiten der Grenze historisch stark
von Bergbau und Stahlindustrie geprägt. Sowohl das Saarland als auch das
Département Moselle
(Lothringen) hatten seit den 1970er Jahren mit einer
Strukturkrise ihrer Schlüsselindustrien zu kämpfen. Dabei ist der Strukturwandel
im Saarland weiter fortgeschritten. Bereits in den 1970er Jahre entstand im
Saarland bei Saarlouis z. B. eine Automobilfertigung des Ford-Konzerns. Auf der
lothringischen Seite wurde 1997 in direkter Grenznähe in Hambach die Smart-
Autofabrik („Smartville“) eröffnet. Im südlichen Grenzraum am Oberrhein
arbeiten nahezu drei Viertel der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor. Der
Tourismus spielt hier auf beiden Seiten des Rheins eine erhebliche Rolle.
Schlüsselbranchen der Industrie am Oberrhein sind vor allem Chemie und
Fahrzeugbau (Statistische Ämter am Oberrhein 2012).
Die günstigere Wirtschaftslage im deutschen Grenzraum kommt auch in den
Arbeitslosenzahlen zum Ausdruck. Die Arbeitslosigkeit beträgt auf der
französischen Seite 9,2% (2011) und erreicht im nordwestlichen Teil sogar 10,4%.
Im deutschen Grenzraum liegt die Arbeitslosenquote dagegen nur bei 4,4%. Noch
prägnanter sind die Unterschiede bei der Jugendarbeitslosigkeit, die auf der
französischen Seite 21,2% beträgt und auf der Deutschen mit 7,6% sehr viel
günstiger ausfällt.
Angesichts dieser Rahmenbedingungen ist es nicht verwunderlich, dass eine
große Zahl von Berufstätigen aus Frankreich in die deutschen Grenzgebiete
pendelt. Aus dem Elsass kommen z. B. 22.500 Grenzpendler (2010) nach Baden
und 3.200 in die Südpfalz, während in umgekehrter Richtung nur insgesamt 400
Berufstätige die Grenze nach Frankreich überschreiten (Statistische Ämter am
Oberrhein 2012).
Dürrenbächer und Schulz
15
unterscheiden am Beispiel des Saarlandes vier Typen
von Grenzgängern, die aus Frankreich ins deutsche Grenzgebiet pendeln: (1)
Industriearbeiter in Großunternehmen, (2) gering qualifizierte, weibliche
Arbeitskräfte (z. B. Reinigungskräfte), (3) bi-linguale Fachkräfte in höheren
Dienstleistungssegment und (4) „atypische Pendler“, d. h. Deutsche die auf der
französischen Seite wohnen und von dort aus nach Deutschland pendeln.
Nach dem Abschluss der Sekundarstufe I (
collège
), d. h. nach dem neunten
Schuljahr, ist es Jugendlichen, die eine Berufsausbildung anstreben, möglich auf
eine berufsorientierte Oberschule zu wechseln. Hier können sie nach zwei Jahren
ein Zeugnis der Berufsfähigkeit, das sogenannte CAP (
certificat d’aptitude
15
http://www.deuframat.de/de/regionen/grenzueberschreitende-probleme-und-
kooperation/wirtschaftsbeziehungen-im-saarlaendisch-lothringischen-
grenzraum/grenzueberschreitender-arbeitsmarkt.html
; Abruf: 29.09.2014

4. Grenzüberschreitende Berufsbildung an der deutschen Außengrenze
43
professionelle
) oder ein BEP (
brevet d’études professionelles
) erwerben. Nach
drei Jahren – also insgesamt 12 Schuljahren – ist das Ablegen des
berufsorientierten Abiturs
Bac Pro
möglich. Die genannten Ausbildungsgänge
beinhalten jeweils mehrere Betriebspraktika. Alternativ ist nach der
Sekundarstufe I auch eine Lehrlingsausbildung (
apprentissage
) in einem Betrieb
möglich. Der Lehrling hat Arbeitnehmerstatus. Dieser Ausbildungsweg führt
ebenfalls zu den Abschlüssen CAP, BEP und
Bac Pro
. Der theoretische Teil der
Ausbildung findet bei der
apprentissage
in einem Lehrlingsausbildungszentrum
(CFA –
Centre de formation d’apprentis
) statt.
4.5.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen
Die wichtigste Organisation der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im
nordwestlichen Grenzabschnitt (Saarland-Lothringen) ist die Euroregion
Grande Région
/Großregion“
, die bereits im Abschnitt über die deutsch-
luxemburgische Grenzregion beschrieben wurde (siehe 4.4.2). Als weitere
Einrichtung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist in diesem
Grenzabschnitt das in Saarbrücken ansässige deutsch-französische Sekretariat zu
nennen.
Im Oberrheingebiet wurde in den 1970er Jahren eine Deutsch-Französisch-
Schweizerische Regierungskommission für grenzüberschreitende Fragen gebildet
und es kam zur Gründung der „
Oberrheinkonferenz
“. Die
Oberrheinkonferenz widmet sich in zahlreichen Arbeitsgruppen Themen von
grenzüberschreitendem Interesse. 1997 entstand der „
Oberrheinrat
“, in dem
Parlamentarier und Kommunalpolitiker aus den Regionen des Oberrheingebiets
Informationen austauschen und beraten. In den letzten Jahren haben sich
außerdem sogenannte „
Eurodistrikte
“ und ein „
Städtenetz Oberrhein
gebildet, die dazu beitragen, die kommunale Ebene stärker in die Kooperation
einzubinden. Die Eurodistrikte arbeiten grenzüberschreitend auf Ebene von
Teilregionen zusammen. Zu nennen sind hier der Eurodistrikt Region Pamina,
der Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau, der Eurodistrikt Region Freiburg/
Centre et
Sud Alsace
und der Trinationale Eurodistrikt Basel. Das Städtenetz Oberrhein ist
ein informeller Zusammenschluss der Städte Baden-Baden, Basel, Colmar,
Freiburg, Karlsruhe, Lahr, Landau, Lörrach, Mulhouse, Offenburg und
Strasbourg.
2010 bildete sich aus einer Initiative der Oberrheinkonferenz die „
Trinationale
Metropolregion Oberrhein
“ (TMO). Die Trinationale Metropolregion
Oberrhein soll als Netzwerk von Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft
und Zivilgesellschaft fungieren. Die gewählte Organisationsform ermöglicht es
neue Kooperationspartner aus anderen gesellschaftlichen Sektoren (Wirtschaft,
Zivilgesellschaft) in die Arbeit zu integrieren und neue Formen regionaler
Governance
zu entwickeln. In der Gründungserklärung der TMO heißt es dazu:
„Die Trinationale Metropolregion Oberrhein hat sich zum Ziel gesetzt, die
Ressourcen des Oberrheins als Wirtschaftsraum nachhaltig weiterzuentwickeln,

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
44
für raumrelevante Vorhaben eine gemeinsame Raumordnungspolitik zu
entwickeln, die Region als attraktiven Lebensraum auszugestalten und im
nationalen und internationalen Wettbewerb optimal zu positionieren. Ziel ist
nicht, eine neue Verwaltungsstruktur zu schaffen. Es geht vielmehr darum, die
Koordinierung zwischen den traditionellen Akteuren zu verbessern und sich für
neue Partner zu öffnen, um Plattformen und Netzwerke aufzubauen und
gemeinsam die vorhandenen Potenziale voll auszuschöpfen sowie die verfügbaren
Ressourcen zu bündeln.“
16
Die Entwicklung der Trinationalen Metropolregion Oberrhein verdeutlicht einen
Wandel in der Schwerpunktsetzung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.
Im Mittelpunkt steht nun nicht mehr der Abbau von Hemmnissen als vielmehr
die Nutzung wirtschaftlicher Potenziale und Synergien.
Ausgewählte Projekte und Initiativen der grenzüberschreitenden
Berufsausbildung
Grenzüberschreitende Berufsausbildung von Erziehern
Durch die Partnerschaft zwischen den staatlichen Fachschulen für
Sozialpädagogik im Saarland und dem IUFM-Nancy-Metz wurde die Möglichkeit
der grenzüberschreitenden Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern
eingerichtet. In den Praxisphasen der Ausbildung, also im Saarland vor allem im
sogenannten Anerkennungsjahr, können die Jugendlichen einen Teil der
Ausbildung in der Partnerregion absolvieren. Angeboten wird ein vierwöchiges
Praktikum in einer Einrichtung in Lothringen. Gefördert werden die
Austauschmaßnahmen durch das Deutsch-Französische Sekretariat und das EU-
Programm Leonardo da Vinci
17
.
PontSaarLor - Brücken zwischen Schule und Wirtschaft in der saarländischen
Grenzregion
Im Projekt PontSaarLor wurden Betriebe bei der grenzüberschreitenden
Berufsausbildung durch Beratung, Vermittlung und Begleitung unterstützt. Die
Zusammenarbeit von Unternehmen und Schulen sollte verbessert werden.
Übergeordnetes Projektziel war es die europäische Dimension der beruflichen
Bildung in der saarländischen Grenzregion zu stärken. Das Projekt wurde von der
„Verbundausbildung untere Saar e.V.“ (VAUS) durchgeführt und von 2010 bis
2012 durch das Programm JOBSTARTER gefördert. Der Projektansatz wurde in
der „Fachstelle für grenzüberschreitende Berufsausbildung“ weiterentwickelt
(siehe hierzu auch Abschnitt 6.1)
18
.
16
http://www.rmtmo.eu/de/rmt-tmo/das-konzept-der-trinationalen-metropolregion-
oberrhein.html
; Abruf: 29.09.2014
17
http://www.saarland.de/35657.htm;
siehe auch Taskforce Grenzgänger (2012).
18
http://www.jobstarter.de/de/projektlandkarte-1157.php?D=240&F=0&M=38&ZR=2568
;
Abruf: 29.09.2014

4. Grenzüberschreitende Berufsbildung an der deutschen Außengrenze
45
Transmina -Tourismus im Grenzgebiet zum Elsass und im Nordschwarzwald
Tourismus stellt im Grenzgebiet zum Elsass und im Nordschwarzwald einen
wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Durch zielgerichtete Beratung potentieller
Ausbildungsbetriebe sollten vor allem kleine und mittlere Betriebe angeregt
werden, zusätzliche Ausbildungsplätze anzubieten. Besondere Aufmerksamkeit
sollte auf neue Ausbildungsberufe im Tourismussektor gelegt werden. Ziel war
auch die Anbahnung und die Unterstützung grenzregionaler
Ausbildungskooperationen. Das Projekt TRANSMINA wurde durch das
Programm JOBSTARTER gefördert und 2008 bis 2011 durchgeführt.
Euregio-Zertifikat für Auszubildende und Berufsschüler/innen
Auszubildende und Berufsschüler aus der Oberrheinregion können ein
mindestens vierwöchiges Auslandspraktikum in einer anderen Region des
Oberrheingebiets absolvieren. Die Jugendlichen erstellen einen
Praktikumsbericht über ihre Erfahrungen. Die Ausbildung wird mit dem
„Euregio-Zertifikat“ und u. a. einem Eintrag in den „Europass Mobilität“
bestätigt. Das Projekt „grenzüberschreitende Mobilität für Auszubildende am
Oberrhein – das Euregio-Zertifikat“ wird vom Expertenausschuss Berufsbildung
der deutsch-französisch-schweizerischen Oberrheinkonferenz getragen. Die
Initiative ging wesentlich von der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe aus.
Die Projektinitiative wird seit mehr als 10 Jahren regelmäßig durchgeführt und
ist die älteste und dauerhafteste Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung am
Oberrhein
19
.
Weitere Projekte und Initiativen aus dem deutsch-französischen Grenzraum
werden in Kapitel 6 als Beispiele guter Praxis vorgestellt.
4.6. Deutsch-schweizer Grenze
4.6.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der
Berufsausbildung
Die deutsch-schweizer Grenze erstreckt sich auf einer Länge von 316 km. Sie folgt
in weiten Teilen dem Flusslauf des Rheins und wird im westlichen Teil vom
Bodensee gebildet. Es ist eine der ältesten deutschen Außengrenzen, die bereits
mit dem Westfälischen Frieden 1648 fixiert wurde. Sie stellt insofern eine
Besonderheit dar, als es die einzige Grenze mit einem Staat ist, der nicht der
Europäischen Union angehört. Dies macht z. B. Sonderregelungen in der
grenzüberschreitenden Zusammenarbeit nötig. Die Grenze zur Schweiz ist aber
auch – neben Österreich – die einzige Grenze, die keine Sprachgrenze darstellt.
In der Schweizer Grenzregion wohnen über 3 Mio. Menschen. Davon allein 1,4
Mio. in Zürich und ca. 480.000 im Schweizer Teil der Agglomeration Basel. In
den fünf Landkreisen der deutschen Grenzregion leben dagegen nur etwa 1,08
19
http://www.mobileuregio.org/deutschland/euregio-zertifikat.html
; Abruf: 29.09.2014

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
46
Mio. Menschen. Die größte Stadt auf der deutschen Seite ist Konstanz (rund
80.000 Einwohner). Die Schweizer Grenzregion zeigt ein deutliches
Bevölkerungswachstum. Zwischen 2005 und 2012 nahm die Bevölkerung hier um
8,2% zu. Auf der deutschen Seite ging sie im gleichen Zeitraum um -1,4% zurück.
Der Schweizer Grenzraum ist mit dem Bankenzentrum Zürich und dem
Chemiestandort Basel eine der wirtschaftsstärksten Regionen Europas. Basel ist
eine Stadtregion mit internationaler Ausstrahlung im Dreiländereck Schweiz,
Deutschland und Frankreich. Die Region ist Teil einer der wichtigsten
europäischen Nord-Süd Transitachsen Etwa 50.000 Arbeitskräfte pendeln aus
Deutschland in die Schweiz (Basler Zeitung vom 5.3. 2012:“Größter Anstieg bei
Bürokräften“). Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit sind in beiden Teilen
der Grenzregion sehr niedrig. Im deutschen Teil liegen die allgemeine
Arbeitslosigkeit bei 3,0% (2011) und die Jugendarbeitslosigkeit bei 4,8%. Auf der
Schweizer Seite beträgt die allgemeine Arbeitslosigkeit 3,7% und die
Jugendarbeitslosigkeit 6%.
Die berufliche Erstausbildung in der Schweiz erfolgt ganz überwiegend im dualen
System. Dabei wird – wie in Deutschland – die praktische Ausbildung im Betrieb
durch den Besuch einer Berufsfachschule ergänzt. Die berufliche Erstausbildung
führt zu verschiedenen Abschlüssen. In einer drei oder vierjährigen Ausbildung
kann das „eidgenössischem Fähigkeitszeugnis“ (EFZ) erworben werden. Es
bescheinigt die Fähigkeit zur Ausübung eines bestimmten Berufes und ermöglicht
den Zugang zur höheren beruflichen Bildung. In einer kürzeren, zweijährigen und
praktisch orientierten Ausbildung kann das „eidgenössische Berufsattest“ (EBA)
erworben werden.
4.6.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen
In den 1970er Jahren wurde eine Deutsch-Französisch-Schweizerische
Regierungskommission für grenzüberschreitende Fragen gebildet und es
entstanden die „
Oberrheinkonferenz
“ und die „Internationale
Bodenseekonferenz“ mit Schweizer Beteiligung. Die Schweizer Seite ist auch am
Oberrheinrat (seit 1997) und an der
Trinationalen Metropolregion
Oberrhein
(TMO) beteiligt. Auf diese Initiativen und Organisationen wurde
bereits im Abschnitt über den deutsch-französischen Grenzraum eingegangen
(siehe 4.5.2).
Ausgewählte Projekte und Initiativen der grenzüberschreitenden
Berufsausbildung
Euregio-Zertifikat
Bei dem Euregio-Zertifikat handelt es sich um den Nachweis eines absolvierten
vierwöchigen Praktikums in einem Unternehmen eines anderen Landes des
Oberrheingebietes (siehe hierzu den Abschnitt „Deutsch-französischer
Grenzraum“).

4. Grenzüberschreitende Berufsbildung an der deutschen Außengrenze
47
Xchange
„Xchange“ ist ein Lehrlingsaustauschprogramm, das von der Arbeitsgemeinschaft
Alpenländer (ARGE ALP) in Zusammenarbeit mit der Internationalen
Bodenseekonferenz (IBK) entworfen wurde. Die Projektförderung erfolgt durch
das INTERREG-Programm der EU. Beteiligt sind Regionen im Alpenraum aus
den Ländern Deutschland, Schweiz, Österreich, Italien und Liechtenstein. Im
Rahmen von „Xchange“ können Auszubildende für vier Wochen an der
betrieblichen Ausbildung in einem Unternehmen eines Nachbarlandes
teilnehmen. Im Gegenzug kommt ein Auszubildender der Austauschfirma in den
entsendenden Betrieb. Die „Xchange“-Kontaktstelle hilft bei der Suche nach
geeigneten Partnern und unterstützt die Organisation und Finanzierung des
Austausches.
20
4.7. Deutsch-österreichische Grenze
4.7.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der
Berufsausbildung
Die Grenze zu Österreich ist mit 815 km die längste deutsche Grenze. Der
Grenzverlauf besteht in heutiger Form seit 1867/71. Neben der Grenze zur
Schweiz ist es die einzige deutsche Außengrenze, die nicht auch Sprachgrenze ist.
Im westlichen Teil wird die Grenze auf weiten Strecken von Gebirgszügen der
Alpen gebildet. Diese natürliche Barriere behindert grenzüberschreitende
Interaktionen. Nur im Vorarlberg im Raum Lindau-Bregenz, im Inntal und in
Richtung Salzburg existieren hier gute regionale Verkehrsverbindungen. Im
österreichischen Grenzraum leben rund 2,0 Mio. Menschen, auf der deutschen
Seite sind es 1,6 Mio. Die Bevölkerung in der österreichischen Grenzregion hat
zwischen 2005 und 2012 um 2,2% zugenommen, während sie in der deutschen
Grenzregion leicht abgenommen hat (-1,4%). Salzburg ist mit 148.000
Einwohnern die einzige Großstadt mit grenzüberschreitendem Einzugsbereich.
Als touristisches Zentrum und Messestadt hat sie eine überregionale Bedeutung.
Die Wirtschaftsstruktur des Grenzraumes wird vor allem im westlichen Teil von
Dienstleistungen dominiert. Hier spielt der Tourismus eine bedeutende Rolle.
Dies gilt vor allem für die alpinen Regionen im westlichen Grenzraum, z. B. die
österreichischen Regionen im Salzburger Land, in Tirol und im Vorarlberg. Im
östlichen Grenzraum ist das verarbeitende Gewerbe dagegen stärker vertreten.
Die chemische Industrie (bspw. Wacker AG Burghausen) ist ein wichtiger
Arbeitgeber, ebenso der Fahrzeugbau (z. B. in Passau). Auf österreichischer Seite
sind hier vor allem das Innviertel und das Mühlviertel stark industrialisiert. Die
Arbeitslosigkeit ist in der österreichischen Grenzregion sehr niedrig und beträgt
nur 3,0% (2011). Auch die Jugendarbeitslosigkeit erreicht einen im europäischen
20
http://www.xchange-info.net
; Abruf: 29.09.2014

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
48
Vergleich niedrigen Wert mit 7,1%. Auf der deutschen Seite beträgt die allgemeine
Arbeitslosigkeit ebenfalls nur 3,0% und die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 5,4%.
In Österreich entscheiden sich mehr als 75% aller Jugendlichen nach der
Sekundarstufe I für einen beruflichen Bildungsgang. Sie wählen dann zwischen
dem Besuch einer berufsbildenden Schule (berufsbildende mittlere Schule und
berufsbildende höhere Schule) oder der Aufnahme einer Lehre im dualen System.
Die Lehre hat in der österreichischen Berufsbildung einen hohen Stellenwert.
Etwa 40% der Jugendlichen erlernen einen der etwa 260 anerkannten Lehrberufe
(Archan und Mayr 2006).
4.7.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen
Erste Erfahrungen in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit wurden in den
1970er Jahren u. a. in der
Internationalen Bodenseekonferenz
und der
Österreichisch-Deutschen Raumordnungskonferenz
gesammelt. Nach
dem EU-Beitritt Österreichs 1995 verstärkte sich die grenzüberschreitende
Zusammenarbeit stark. Heute liegen
fünf Euregios
und zwei weitere
grenzüberschreitende Kooperationsräume (Internationale Bodenseekonferenz,
Tegernseer Vereinbarung
) entlang der Grenze.
Ausgewählte Projekte und Initiativen der grenzüberschreitenden
Berufsausbildung
„Jobinitiative Alpenland“
Während im bayerischen Arbeitsamtsbezirk Traunstein ein Überhang an
Lehrstellenbewerbern herrschte, gab es im benachbarten Salzburger Land einen
massiven Bewerbermangel vor allem in Fremdenverkehrsberufen. Das Projetziel
war die Vermittlung von deutschen Jugendlichen auf offene Lehrestellen im
österreichischen Grenzraum. Zur Abstimmung der Lehrstellenbesetzung und
Information über Berufsbilder wurde ein grenzregionales Kontaktnetzwerk
aufgebaut. Das Projekt „Jobinitative Alpenland“ wurde im Rahmen von
JOBSTARTER gefördert und zwischen 2008 und 2010 durchgeführt
21
.
„Xchange Lehrlingsaustausch“
(siehe hierzu den Abschnitt über den Deutsch-schweizer Grenzraum)
4.8. Deutsch-tschechischer Grenzraum
4.8.1. Entwicklung der Grenzregion und Strukturen der
Berufsausbildung
Die deutsch-tschechische Grenze erstreckt sich über eine Länge von 811 Km. Sie
lässt sich in einen bayerisch-tschechischen und einen sächsisch-tschechischen
21
http://www.jobstarter.de/de/projektlandkarte-1157.php?F=0&M=38
; Abruf: 29.09.2014

4. Grenzüberschreitende Berufsbildung an der deutschen Außengrenze
49
Abschnitt unterteilen. Festgelegt wurde der heutige Grenzverlauf 1867/1871. Bis
zum II. Weltkrieg lebte eine überwiegend deutschsprachige Bevölkerung im
böhmischen Grenzgebiet. Erst nach der Zwangsaussiedlung dieser
Bevölkerungsgruppe wurde die politische Grenze auch zur Sprachgrenze. Über
weite Strecken folgt die Grenze den Kammlinien von Mittelgebirgen, die
natürliche Interaktionsbarrieren bilden. Zu nennen sind hier z. B. der
Böhmerwald, das Erzgebirge, die Sächsisch-Böhmische Schweiz und das
Lausitzer Bergland. Der Grenzraum ist ganz überwiegend ländlich strukturiert
und dünn besiedelt. Nur wenige größere Städte finden sich in Grenznähe, so vor
allem Usti nad Labem/Aussig (95.000 Einwohner), und Most/Brüx (67.000
Einwohner) und Liberec/Reichenberg (99.000 Einwohner) auf der böhmischen
Seite und Plauen (64.000 Einwohner) auf der sächsischen Seite. Insgesamt leben
im tschechischen Teil der Grenzregion etwa 2,8 Mio. Menschen und auf der
deutschen Seite etwa 2,6 Mio. Das tschechische Grenzgebiet zeigt einen leichten
Bevölkerungszuwachs, während die Bevölkerung in den deutschen grenznahen
Gebieten deutlich abnimmt (2005-12: -7,8%). Die Bevölkerungsverluste betreffen
besonders den sächsischen Grenzraum (2005-12: -9,2%).
Die Wirtschaftsstruktur reflektiert die nationale Randlage der Grenzregion. Das
sächsische Grenzgebiet gehört zu den wirtschaftsschwächsten deutschen
Grenzräumen. Bergbau und die traditionelle Textilindustrie sind hier nach der
Wende stark zurückgegangen. Im Textilbereich finden sich jedoch heute wieder
einige modernisierte, mittelständische Unternehmen. Im bayerischen
Grenzgebiet haben vor allem die nördlichen Landkreise einen hohen
Industriebesatz, z. B. in der keramischen Industrie oder auch in der
Glasherstellung. Braunkohlebergbau und Energieerzeugung spielen eine wichtige
Rolle im nordböhmischen Grenzgebiet. Zudem sind hier einzelne industrielle
Schwerpunkte angesiedelt, wie z.B. der Fahrzeugbau in Liberec. Der Tourismus
spielt in vielen Regionen entlang der Grenze eine wichtige Rolle, so etwa im
Erzgebirge, in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz, im Lausitzer Bergland,
im Fichtelgebirge, im Böhmerwald und im Bayerischen Wald. Erwähnenswert
sind hier auch die zahlreichen Kurorte und Heilbäder mit z. T. internationaler
Bedeutung, vor allem Karlovy Vary/Karlsbad, Františkovy Lázně/Franzensbad,
Mariánské Lázně/Marienbad in Böhmen aber auch Bad Schandau oder Bad
Elster in Sachsen.
Die Arbeitslosigkeit liegt im sächsisch-tschechischen Grenzraum auf beiden
Seiten auf ähnlich hohem Niveau: 9,5% (2011) auf der böhmischen und 8,8% auf
der sächsischen Seite. Sehr deutliche Disparitäten treten jedoch in der
Jugendarbeitslosigkeit hervor. Sie liegt mit 26,8% im böhmischen Teil sehr viel
höher als auf der sächsischen Seite, wo sie nur 9,7% erreicht. Im bayrisch-
tschechischen Grenzgebiet liegt die allgemeine Arbeitslosigkeit auf der
bayerischen Seite nur 3,5% und die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 7,5% ebenfalls
auf einem relativ niedrigen Niveau. Im angrenzenden tschechischen Grenzgebiet
sind beide Vergleichswerte deutlich höher: 7,2% für die allgemeine

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
50
Arbeitslosigkeit und 14,2% für die Jugendarbeitslosigkeit. Im Jahr 2005
arbeiteten 2.800 tschechische Grenzgänger im grenznahen Bayern, die Zahl der
Pendler nach Sachsen war dagegen sehr viel geringer (Heining und Möller 2009).
Nach der Pflichtschulbildung von 9 Schuljahren können Jugendliche in
Tschechien eine Berufsausbildung beginnen. Diese erfolgt in der Regel auf
berufsbildenden Schulen. Die wichtigsten Schultypen beruflicher Bildung sind die
beruflichen Fachmittelschulen des Sekundarbereichs (
St
ř
ední odborné školay
)
und die Berufsmittelschulen des Sekundarbereichs (
St
ř
ední odborné u
č
ilišt
ě
). Die
beruflichen Fachmittelschulen (
St
ř
ední odborné školay
) bieten hauptsächlich
technische und kaufmännische Ausbildungen an, die nach vier Jahren mit der
Maturita
(Reifeprüfung) abschließen. Ein Teil der Ausbildung findet in Form von
betrieblichen Praktika oder praktischen Modulen in Lehrwerkstätten statt.
Danach können die Jugendlichen eine berufliche Tätigkeit aufnehmen oder ein
Studium beginnen. Die Berufsmittelschulen (
St
ř
ední odborné u
č
ilišt
ě
) bereiten
die Schüler vor allem auf handwerkliche Berufe vor. Die Ausbildungsgänge
dauern zwei bis drei Jahre. Der Abschluss erfolgt durch eine Prüfung der
Berufskompetenz. Auch hier können in erweiterten Ausbildungsgängen
Abiturprüfungen abgelegt werden.
4.8.2. Grenzüberschreitende Projekte und Initiativen
Eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit bildete sich erst in den 1990er
Jahren nach der politischen Wende heraus. Es entstanden in der Folge mehrere
Europaregionen entlang der Grenze, so z. B. die
Euroregion Neiße-Nisa-Nysa
(1991), die
Euregio Egrensis
(1993), oder die
Euregio Bayerischer Wald-
Böhmerwald-Unterer Inn
(1994). Für den sächsisch-tschechischen
Grenzraum wurde bereits im Jahre 1999 ein erstes gemeinsames
Entwicklungskonzept erstellt. Mit der Aufnahme der Tschechischen Republik in
die Europäische Union 2004 und dem Beitritt zum Schengener Abkommen 2008
intensivierte sich die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Im Jahre 2005
wurde z. B. eine „
Sächsisch-Böhmische Arbeitsgruppe Raumordnung
gebildet. Mit der „
Sächsisch-Tschechischen Grenzraumstudie
“ (Bergfeld
2013) entstand 2014 eine grenzübergreifend abgestimmte Gesamtstrategie für die
zukünftige gemeinsame räumliche Entwicklung des Grenzgebietes. Auch für den
bayerisch-böhmischen Grenzraum wird z. Z. ein gemeinsames
Entwicklungskonzept erarbeitet
22
. Im Hinblick auf eine grenzüberschreitende
Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene ist u. a. der
Städteverbund „Kleines
Dreieck Bogatynia/Reichenau-Hrádek nad Nisou/Grottau-Zittau
“ zu
nennen, der z. B. eine gemeinsame Vermarktung grenznaher Industriebgebiete
betreibt.
22
http://www.euregio-egrensis.de/-06-06-14--Bayern-und-Tschechien-beschliessen-
Entwicklungskonzept.htm
; Abruf: 29.09.2014

4. Grenzüberschreitende Berufsbildung an der deutschen Außengrenze
51
Ausgewählte Projekte und Initiativen der grenzüberschreitenden
Berufsausbildung
„Transregio Pro Job“
Ziel des Projekt „Transregio Pro Job“ war es, durch die Entwicklung
grenzregionaler Ausbildungskooperationen zwischen deutschen, polnischen und
tschechischen Partnern die betrieblichen Ausbildungsplatzangebote zu
verbessern. Es wurde angestrebt 100 zusätzliche Ausbildungsplätze in regionalen
klein- und mittelständischen Unternehmen zu akquirieren und zu besetzen. Im
Rahmen des Projekts wurden Branchen- und Ausbildungsplatzpotenzialanalysen
durchgeführt und die Bildung von thematischen und strategischen
Ausbildungsnetzwerken wurde unterstützt. Das vom ABS Rorbur GmbH Zittau
geleitete Projekt arbeitete branchenübergreifend. Gefördert wurde das Projekt
„Transregio Pro Job“ durch das Programm JOBSTARTER und durchgeführt
wurde es von 2008 bis 2011
23
.
5. Typen grenzüberschreitender Berufsausbildung im
grenznahen Raum
Im vorangegangenen Abschnitt wurde die Praxis grenzüberschreitender
Berufsausbildung in zahlreichen Einzelbeispielen vorgestellt. Es wurde damit
auch die Vielfalt möglicher Kooperationsansätze verdeutlicht. Im folgenden
Abschnitt soll nun diese Vielfalt geordnet und auf einige grundlegende Varianten
zurückgeführt – also in Form einer Typologie systematisiert – werden. Die
vorgestellte Typologie lehnt sich in ihren Grundzügen an die von der Task Force
Grenzgänger (2013) entwickelte Klassifikation grenzüberschreitender
Berufsausbildung an.
Die Entwicklung der Typologie erfolgt in drei Stufen. Zunächst werden die
entscheidenden Kriterien oder Merkmalsdimensionen ermittelt, nach denen sich
die Praxisbeispiele differenzieren lassen (Stufe 1). Danach werden für jedes
Kriterium die relevanten Merkmalsausprägungen also die Eigenschaften/Werte,
die die Kriterien aufweisen können, bestimmt (Stufe 2). Schließlich werden aus
den möglichen Kombinationen der Merkmalsausprägungen der verschiedenen
Kriterien, die relevanten Kombinationen ausgewählt und als Typen bestimmt
(Stufe 3).
Bei näherer Betrachtung erscheinen vier Kriterien/Merkmalsdimensionen als
besonders relevant, um die Praxisbeispiele grenzüberschreitender
Berufsausbildung zu differenzieren und zu kennzeichnen:
23
http://www.jobstarter.de/de/projektlandkarte-1157.php?F=0&M=38
; Abruf: 29.09.2014

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
52
1.
Praktische Ausbildung
: Welcher Anteil der praktischen Ausbildung
erfolgt im Ausland?
2.
Theoretische Ausbildung
: Welcher Anteil der theoretischen
Ausbildung erfolgt im Ausland?
3.
Art des Abschlusses
: Erwirbt der/die Auszubildende einen inländischen
oder ausländischen Berufsabschluss?
4.
Abschlussprüfung
: Von welcher Kommission wird die Prüfung
abgenommen?
Hinsichtlich dieser vier Kriterien lassen sich die in der folgenden Tabelle
dargestellten denkbaren Merkmalsausprägungen skizzieren:
Kriterien Merkmalsausprägungen
1. Praktische Ausbildung
1.1. Praktische Ausbildung vollständig im
Inland
1.2. Kürzerer Auslandsaufenthalt (bis etwa 4
Wochen)
1.3. Auslandsaufenthalt von mehreren
Monaten
1.4. Praktische Ausbildung vollständig im
Ausland
2. Theoretische Ausbildung
2.1. Theoretische Ausbildung vollständig im
Inland
2.2. Zwei Ausbildungsorte (gleichwertig):
Einer im Inland, einer im Ausland
2.3. Theoretische Ausbildung vollständig im
Ausland
3. Art des Abschlusses
3.1. Nur inländischer Abschluss
3.2. Nur ausländischer Abschluss
3.3. „Bi-Diplomierung“: In- und
ausländischer Abschluss
4. Abschlussprüfung
4.1. Im Inland (vor inländischer
Prüfungskommission)
4.2. Im Ausland (vor ausländischer
Prüfungskommission)
4.3. Vor gemischter Prüfungskommission
Unter Verwendung dieser Kriterien und Merkmalsausprägungen lassen sich in
der Praxis insgesamt sechs Typen grenzüberschreitender Berufsausbildung
identifizieren, die zunächst anhand der Kriterien und Merkmalsausprägungen
beschrieben und in der Folge näher charakterisiert werden.
5.1. Typ 1: Kurzes Praktikum im Nachbarland
Kriterium Merkmalsausprägung
Praktische Ausbildung
kürzerer Auslandsaufenthalt (bis etwa 4 Wochen)

5. Typen grenzüberschreitender Berufsausbildung im grenznahen Raum
53
Theoretische
Ausbildung
vollständig im Inland
Art des Abschlusses
nur inländischer Abschluss
Prüfung
im Inland (vor inländischer Prüfungskommission)
Der Typ „Kurzes Praktikum im Nachbarland“ (Typ 1) ist die wohl
am
häufigsten vorzufindende Variante
grenzüberschreitender
Berufsausbildung. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass ein relativ
geringer formeller Aufwand
für die Vorbereitung und Durchführung
erforderlich ist. Kurze Auslandsaufenthalte z. B. in der Form betreuter
Auslandspraktika werden auch von vielen Entsendebetrieben noch akzeptiert. Es
gibt inzwischen ein breit gefächertes Angebot zur Beratung und Unterstützung
von kürzeren Auslandsaufenthalten, z. B. das bereits erwähnte Beraternetzwerk
„Ausbildung ohne Grenzen“. Auch stehen gute Fördermöglichkeiten für die
Kontaktanbahnung mit Partnern im Ausland (z. B. über das JOBSTARTER-
Programm) und die eigentliche Durchführung der Mobilitätsprogramme (z. B.
Leonardo Da Vinci) zur Verfügung. Es handelt sich bei Typ1 jedoch um ein
eher
„niederschwelliges Angebot“
. Während eines Kurzaufenthaltes in der
benachbarten Grenzregion kann nur ein Basiswissen vermittelt werden. Auch ist
der Nutzen eines Kurzaufenthalts für den aufnehmenden Betrieb wegen der
notwendigen Einarbeitungszeit eher gering.
5.2. Typ 2: Längeres Praktikum im Nachbarland
Kriterium Merkmalsausprägung
Praktische Ausbildung
längerer Auslandsaufenthalt (>6 Wochen)
Theoretische
Ausbildung
vollständig im Inland
Art des Abschlusses
nur inländischer Abschluss
Prüfung
im Inland (vor inländischer Prüfungskommission)
Der Typ „Längeres Praktikum im Nachbarland“ entspricht in den Grundzügen
dem
Modell einer „grenzüberschreitende Verbundausbildung“
, das
Ende letzten Jahrzehnts häufig in Publikationen als praktikabler Ansatz für die
grenzüberschreitende Berufsausbildung propagiert wurde (siehe u.a. NA-
BIBB 2004).
In der Praxis finden sich jedoch nur wenige Beispiele
, die
das Modell erfolgreich und längerfristig umgesetzt haben. Für die Durchführung
ist häufig ein
mehrjähriger Vorlauf zur Abstimmung der Lehrinhalte
notwendig. In der Regel muss auch ein Ausbildungsplan erstellt werden, der den
Koordinationsaufwand noch einmal erhöht und eventuell müssen
Versicherungsfragen geklärt werden. Die
entsendenden Betriebe wollen
häufig auch nicht für längere Zeit auf ihre Lehrlinge verzichten
.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
54
5.3. Typ 3: Praktische Ausbildung im Nachbarland
Kriterium Merkmalsausprägung
Praktische Ausbildung
vollständig im Ausland
Theoretische
Ausbildung
vollständig im Inland
Art des Abschlusses
nur inländischer Abschluss
Prüfung
im Inland (vor inländischer Prüfungskommission)
Der Typ „Praktische Ausbildung im Nachbarland“ – und dementsprechend
theoretische Ausbildung im Inland – hat den Vorteil, dass die
Sprachbarriere
der grenzüberschreitenden Ausbildung deutlich reduziert
werden kann,
da der sprachlich meist anspruchsvollere theoretische Teil in der Muttersprache
absolviert werden kann. Ein Vorteil ist auch, dass die Zuständigkeiten bei dieser
Variante klar geregelt sind. Der
Verwaltungs- und Koordinationsaufwand
ist jedoch sehr hoch
. Zahlreiche Akteure auf verschiedenen
Verwaltungsebenen müssen eingebunden und formelle Vereinbarungen
geschlossen werden.
5.4. Typ 4: Bi-Diplomierung
Kriterium Merkmalsausprägung
Praktische Ausbildung
ein oder mehrere kürzere Auslandsaufenthalte
Theoretische
Ausbildung
vollständig im Inland
Art des Abschlusses
Bi-Diplomierung
Prüfung
vor gemischter Prüfungskommission
Bei dem Typ „Bi-Diplomierung“ erfolgt eine Vergabe von zwei nationalen
Abschlüssen, d. h. eines inländischen und eines ausländischen Diploms.
Hierdurch können sich für den Auszubildenden verbesserte
Beschäftigungsmöglichkeiten in der Grenzregion eröffnen. Es
entfallen auch
mögliche Anerkennungsprobleme
des Berufsabschlusses im Ausland. Als
Nachteil ist auch bei dieser Variante der hohe Verwaltungs- und
Koordinationsaufwand im Vorfeld zu nennen.
Für die Auszubildenden
ergeben sich zudem hohe Anforderungen
an die Fremdsprachkompetenz
und ein hoher Lernaufwand für die Prüfung.
5.5. Typ 5: Theoretische Ausbildung auf beiden Seiten der
Grenze
Kriterium Merkmalsausprägung
Praktische Ausbildung
vollständig im Inland
Theoretische
Ausbildung
zwei Ausbildungsorte (gleichwertig): Einer im
Inland, einer im Ausland
Art des Abschlusses
Bi-Diplomierung

5. Typen grenzüberschreitender Berufsausbildung im grenznahen Raum
55
Prüfung
Teilprüfung im Ausland
Auch der Typ „Theoretische Ausbildung auf beiden Seiten der Grenze“ hat eine
bessere Qualifizierung für den grenzregionalen Arbeitsmarkt zum Ziel. Hier
erfolgt die zusätzliche Qualifizierung jedoch im schulischen Bereich jenseits der
Grenze. Die beiden schulischen Ausbildungsorte können sich ergänzen und den
Auszubildenden
zusätzliche Möglichkeiten der Spezialisierung
anbieten.
Auch bei dieser Variante wird eine
hohe Fremdsprachenkompetenz von
den Auszubildenden verlangt
und es ergibt sich ein
zusätzlicher
Prüfungsaufwand
. Dieser Typ der Zusammenarbeit erfordert auch einen
Verwaltungs- und Koordinationsaufwand im Vorfeld.
5.6. Typ 6: Vollständige Ausbildung im Nachbarland
Kriterium Merkmalsausprägung
Praktische Ausbildung
vollständig im Ausland
Theoretische
Ausbildung
vollständig im Ausland
Art des Abschlusses
nur ausländischer Abschluss
Prüfung
im Ausland (vor ausländischer
Prüfungskommission)
Bei dem Typ „Ausbildung im Nachbarland“ besteht der grenzüberschreitende
Aspekt in der Mobilität des Auszubildenden, der die Grenze zum Zweck der
Ausbildung regelmäßig quert (Spezialfall des Grenzgängers). Ausbildungsbetrieb
und berufliche Schule liegen beide im Ausland und die Lehre erfolgt nach den
dort geltenden Regeln. Deshalb ist auch
kein besonderer
Koordinationsaufwand
notwendig. Der
Anpassungsdruck wird auf den
Auszubildenden verlagert
. Sowohl gute Fremdsprachenkenntnisse als auch
kulturelle Anpassungsfähigkeit werden erwartet. Durch den ausländischen
Abschluss hat der Jugendliche
gute Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem
ausländischen Arbeitsmarkt
, kann jedoch mit
Anerkennungsproblemen
im Heimatland
konfrontiert sein.
6. Beispiele guter Praxis
Nachdem im Kapitel 4 ein Überblick über die strukturellen Rahmenbedingungen
und Initiativen zur grenzüberschreitenden Berufsausbildung entlang der
einzelnen deutschen Grenzregionen skizziert und in Kapitel 5 in eine Typologie
überführt wurden, widmet sich dieses Kapitel einzelnen Beispielen guter Praxis
im Detail. Dabei wird pro Typ ein Beispiel vorgestellt. Ziel ist es, die
Entstehungsgeschichte, die organisationale Struktur sowie die Erfolgsgründe
darzulegen.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
56
6.1. Typ 1: Praktikantenprogramm der „Fachstelle für
grenzüberschreitende Ausbildung“
Die „Fachstelle für grenzüberschreitende Ausbildung“ (bzw. „
CAMT - centre
d'aide à la mobilité transfrontalière dans la formation professionnelle et
technologique
“) wurde vom Verein VAUS – Verbundausbildung Untere Saar in
Dillingen entwickelt und etabliert. Der Verein ist eine unternehmerische
Initiative, die sich 1996 auf Basis der Diskussionen in einem regionalen
Arbeitskreis Schule-Wirtschaft entwickelt hat. Federführend bei der Initiierung
war der geschäftsführende Direktor der Dillinger Hütte, die als großer
industrieller Arbeitgeber im Saarland gleichzeitig durch eine frankophone
Unternehmenskultur geprägt ist. Mit ihren Niederlassungen in Frankreich hat
dieses Unternehmen ein Interesse an Mitarbeitern, die interkulturelle
Kompetenzen für den deutsch-französischen Grenzraum haben. Ziel des durch
die lokalen Unternehmen gegründeten Vereins ist es, neue Ausbildungsplätze zu
schaffen und dabei die Ausbildungskapazitäten größerer Unternehmen den
kleineren und mittelständischen Unternehmen ergänzend zu ihren eigenen
Ausbildungsinhalten zu vermitteln und somit den Auswirkungen des
Fachkräftemangels zu begegnen.
In den letzten Jahren ist das Thema grenzüberschreitender Vermittlung für die
Grenzregion Saarland-Lothringen wichtiger geworden. Insbesondere
Unternehmen aus dem Bereich der personennahen Dienstleistungen (bspw.
Einzelhandel) bemerken auf der saarländischen Seite, dass die Kundschaft
zunehmend aus Franzosen besteht und damit im Personal die
grenzüberschreitende Handlungskompetenz an Bedeutung gewinnt. Zudem wird
es aufgrund des demographischen Wandels für saarländische Unternehmen
schwieriger, Auszubildende zu finden. Mehr als 20 saarländische Unternehmen
unterstützen daher in den letzten Jahren die Bemühungen des VAUS e.V.,
Jugendliche in beide Richtungen hinweg im Rahmen ihrer Berufsausbildung in
Praktika ins Nachbarland zu vermitteln. Das Pilotprojekt „PontSaarLor“
unterstützte von 2009 bis 2012 aus Mitteln des JOBSTARTER-Programms den
Aufbau der Fachstelle/CAMT. Seit 2013 wird die Fachstelle institutionell durch
den Metall- und Elektroverband saarländischer Unternehmen, die IHK Saarland
und das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr des Saarlands
finanziert.
Während die Fachstelle generell in beide Richtungen über die Grenze vermitteln
möchte, liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten z. Z. auf der Vermittlung
französischer Jugendlicher in deutsche Unternehmen. Konkret gehen die zwei
Mitarbeiter der Fachstelle mit Informationsveranstaltungen in Schulen und
Berufsschulen auf französischer Seite und stellen die Möglichkeit des Praktikums
in deutschen Betrieben vor. Laut bisheriger Erfahrungen sind ca. 20 Prozent der
französischen Jugendlichen an einem Praktikum im Saarland interessiert. Mit
diesen Jugendlichen führen die Mitarbeiter der Fachstelle individuelle

6. Beispiele guter Praxis
57
Beratungsgespräche, in denen die Interessen und Fähigkeiten eruiert werden.
Anschließend findet die Vermittlung in eines der Partnerunternehmen des VAUS-
Netzwerkes statt. Da ein großer Teil der Praktika bereits als freiwilliges
Schulpraktikum stattfinden, nutzen deutsche Unternehmen diese Möglichkeit,
um frühzeitig potenzielle Auszubildende mit interkultureller Kompetenz an sich
zu binden. VAUS e.V. übernimmt dabei auch die Zertifizierung für den Europass
Mobilität. Bis zum Frühjahr 2014 konnten insgesamt 97 französische Jugendliche
durch die Fachstelle beraten werden, 25 Praktika wurden auf deutscher Seite von
Franzosen abgeschlossen, 5 Franzosen befinden sich derzeit im Praktikum auf
deutscher Seite. 2 Franzosen konnten nach Abschluss eines Praktikums in
Deutschland eine deutsche Berufsausbildung aufnehmen.
Dieses Beispiel kann als gute Praxis bewertet werden, da hier die Jugendlichen
intensiv durch Mitarbeiter der Fachstelle betreut werden. Da die Jugendlichen im
Schulalter noch deutlich unselbstständiger sind als nach Abschluss der Schule
bzw. Erreichen des 18. Lebensjahrs, ist die
individuelle Betreuung
Grundvoraussetzung, um auch die Eltern der Jugendlichen von einem Praktikum
im benachbarten Ausland zu überzeugen. Gleichzeitig ist zu bedenken, dass
dieser Betreuungsaufwand momentan noch mit zwei Mitarbeitern gewährleistet
werden kann. Sollte jedoch die Nachfrage steigen, sind mehr Ressourcen als die
bisher jährlich zur Verfügung stehenden 128.000 Euro notwendig.
Ein zweiter wichtiger Punkt ist, dass die Fachstelle gezielt regionale Bedarfe
bedient, die sie aus dem engen
Kontakt zu den Unternehmen
vermittelt
bekommt. Drittens arbeitet die Fachstelle eng mit den
Schulen und der
Schulverwaltung
sowohl auf deutscher als auch auf französischer Seite
zusammen und hat es durch
Informationsarbeit
geschafft, Vertrauen und
Transparenz bei Schülern, Eltern und Unternehmen herzustellen. Damit sind
auch die Schulen bereit, sich mit dem Thema grenzüberschreitende
Berufspraktika zu beschäftigen und unterstützen ihre Schüler dabei. Dieser
faktische Erfolg – aus dem Pilotprojekt „PontSaarLor“ heraus – führte letztlich
auch zur politischen Unterstützung auf Landesebene (durch das Ministerium für
Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr des Saarlands) und kann als Beispiel
dafür stehen, wie mit kleinen, aber konkreten Schritten vorzeigbare Erfolge
erzielt werden, die dann zu größeren und dauerhaften Lösungen führen können.
Weitere Informationen:
http://vausnet.de/index.php?option=com_content&view=article&id=85&Itemid
=85
; Abruf: 29.09.2014
http://www.saarland.de/59842_111952.htm
; Abruf: 29.09.2014
6.2. Typ 2: VET Qualification System: 2 Länder – 1 Ausbildung
Beispielhaft für den zweiten Typ grenzüberschreitender Berufsausbildung steht
das Projekt „VET Qualification System: 2 Länder – 1 Ausbildung“, welches an der

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
58
deutsch-dänischen Grenze im Jahr 2010 initiiert wurde. Hintergrund des
Projektes sind der sich verschärfende Fachkräftemangel auf deutscher Seite und
der geplante Bau der Fehmarnbeltquerung, die der weiteren Integration des
grenzüberschreitenden Arbeitsmarktes zuträglich sein wird. Federführend in der
Projektentwicklung waren die Kammern auf deutscher und dänischer Seite.
Projektpartner sind die Arbeitsagenturen.
Ziel des Projektes ist es, deutschen und dänischen Auszubildenden die
Möglichkeit eines längeren Praktikums im jeweiligen Nachbarland zu
ermöglichen. Dabei erlaubt das dänische Ausbildungssystem prinzipiell, dass die
dänischen Jugendlichen den kompletten praktischen Teil im deutschen Ausland
absolvieren und dennoch einen rein dänischen Berufsabschluss erhalten. Im
Rahmen des Projektes wurden durch die Kammern in Zusammenarbeit mit ihren
Mitgliedsunternehmen auf beiden Seiten der Grenze die
Bedarfe an
Auszubildenden identifiziert
. Festgelegt wurden dann die vier
Ausbildungsberufe Maurer/-in, Metallbauer/-in, Kaufmann/-frau im
Einzelhandel und Koch/Köchin. Für diese vier Ausbildungsberufe wurden die
Lehrinhalte für beide Seiten der Grenze abgeglichen und Zusatzmodule
entsprechend den Qualifikationsansprüchen der Nachbarregion entwickelt.
Beispielsweise mussten deutsche Auszubildende im Beruf Maurer eine
Zusatzausbildung im Fliesenlegen absolvieren, was Bestandteil der dänischen
Ausbildung zum Maurer ist. Nachdem die
Vergleichbarkeit der
Ausbildungsgänge hergestellt
war, wurden Unternehmen angesprochen und
für den temporären Austausch ihrer Auszubildenden mit einem Partnerbetrieb
jenseits der Grenze akquiriert.
Die Erfahrungen des bis 2013 aus INTERREG-Mitteln finanzierten Projektes
zeigen, dass die Unterschiede in den Ausbildungssystemen eine hemmende
Wirkung haben können. Die dänischen Auszubildenden haben im Vergleich zu
den deutschen Auszubildenden eine mehr als doppelt so hohe
Ausbildungsvergütung und verbringen weniger Zeit im Lehrbetrieb. Dänische
Lehrbetriebe erwarten auch eine geringere Arbeitsleistung als deutsche
Lehrbetriebe. Daher war es für die dänischen Jugendlichen vergleichsweise
unattraktiv, ein längeres Praktikum in Deutschland zu absolvieren. In der Summe
sind mehr deutsche Auszubildende in dänische Betriebe vermittelt worden und
der Austauschgedanke konnte nicht gleichwertig umgesetzt werden.
Auch zeigen die Erfahrungen, dass der Austausch branchenabhängig ist. So war
das Interesse von Betrieben und Auszubildenden in den beiden IHK-Berufen
Einzelhandelskaufmann/-kauffrau und Koch/Köchin deutlich stärker als bei den
HWK-Berufen Maurer/-in und Metallbauer/-in. In den beiden IHK-
Berufsfeldern ist eine interkulturelle Kompetenz in höherem Maße erforderlich.
Letztlich spielen auch konjunkturelle Schwankungen eine wichtige Rolle. Die
jüngsten Entwicklungen zeigen, dass die deutsche Grenzregion jüngst wieder
prosperierender ist als die dänische Seite. Zudem fehlt es in Dänemark an

6. Beispiele guter Praxis
59
Praktikumsplätzen für die Auszubildenden. Insofern steigt die Nachfrage
dänischer Jugendlicher nach Praktikumsplätzen in Deutschland.
Der Erfolg des Projektes zeigt sich nicht so sehr in einer großen Zahl an
grenzüberschreitend vermittelten Auszubildenden. Vielmehr steht die
Institutionalisierung der Vermittlungsarbeit
beispielhaft für die Relevanz
des Pilotprojektes „VET Qualification System“. Auf Basis der Erfahrungen und
Leistungen des Pilotprojektes haben die dänischen Arbeitsagenturen und die
dänischen Kommunen entlang der Grenze beschlossen,
Kontaktstellen für
dänische Arbeitnehmer und Auszubildende im deutschen
Arbeitsmarkt
einzurichten. Diese Kontaktstellen befinden sich derzeit in der
HWK und der IHK Lübeck im Aufbau und werden komplett von dänischer Seite
finanziert. Neben diesem Erfolg der Institutionalisierung mit dänischer
Finanzierung gilt von Seiten der Projektträger auch die Intensivierung von
Unternehmensbeziehungen durch den Austausch von Auszubildenden als großer
Erfolg des Projektes. Unternehmen, die im Rahmen dieser Pilotphase Kontakte
zu Partnerunternehmen jenseits der Grenze knüpfen konnten, werden diese nun
auch weiter in Wert setzen können.
Weitere Informationen:
http://www.internationaleprojekte.de/Home-VET-Qualification-
System.130.0.html
; Abruf: 29.09.2014
http://www.fehmarnbeltregion.net/de/projects/interreg_iv/prio_2/
;
Abruf:
29.09.2014
6.3. Typ 3: Grenzüberschreitende Lehre im Eurodistrikt
Straßburg-Ortenau
Als Beispiel für die Organisation von grenzüberschreitender Berufsausbildung
gemäß dem Typ 3 ist die grenzüberschreitende Lehre im Eurodistrikt Straßburg-
Ortenau zu nennen. Der Eurodistrikt Straßburg-Ortenau ist ein Beispiel dafür wie
lange Tradition in grenzüberschreitender Zusammenarbeit zu komplexen
Lösungen für bürokratische Hürden führen kann. Erste Bemühungen
grenzüberschreitende Verflechtungen zu intensivieren gehen reichen bis in die
1950er Jahre zurück. Nach verschiedenen Vorstößen einer Institutionalisierung
in den 1980er und 1990er Jahren, wurde schließlich im Jahr 2003 mit der
gemeinsamen Erklärung des französischen Präsidenten und des deutschen
Bundeskanzlers zum 40. Jahrestag des Elysée-Vertrags die Gründung eines
Eurodistrikt Straßburg-Ortenau beschlossen. Im Jahr 2005 wurde ein
Gründungsvertrag durch die Spitzen der Kommunalpolitik unterzeichnet,
welcher zentrale Handlungsfelder der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit
definiert, die von Wirtschaftsförderung über Bürokratieabbau und
Bürgerbeteiligung bis hin zu grenzüberschreitender Mobilität reichen.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
60
Im Rahmen dieser Institutionalisierung der grenzüberschreitenden
Zusammenarbeit im Eurodistrikt Straßburg-Ortenau wurde durch die
Unternehmen auf der deutschen Seite und die Arbeitsverwaltung auf
französischer Seite die Idee entwickelt französische Jugendliche als Grenzpendler
in die praktische Berufsausbildung auf deutscher Seite zu integrieren. Der
Fachkräftemangel in Deutschland und die höhere
Jugendarbeitslosigkeit auf französischer Seite
stellen dabei die
Hauptgründe dar. Beispielhaft wurden für den Eurodistrikt Straßburg-Ortenau
die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine solche Art der
grenzüberschreitenden Berufsausbildung geprüft. Insbesondere die
versicherungsrechtlichen Belange (bspw. Krankenversicherung) und
Finanzierungsmodelle wurden so gestaltet, dass sie für Betriebe, Berufsschulen
und Auszubildende keinen Hinderungsgrund mehr darstellen. Das Modell des
Eurodistrikt sieht vor, dass Auszubildende den schulischen Teil ihrer
Berufsausbildung im Heimatteil der Grenzregion absolvieren und den
berufspraktischen Teil in einem Betrieb im Nachbarland. Die Abschlussprüfung
findet an der Berufsschule im Heimatland statt. Auch wenn deutschen
Jugendlichen diese Option ebenfalls offen steht, richtet sich das Projekt
vornehmlich an die französischen Jugendlichen.
Als formaler Rahmen wurde durch die Kammern, die Arbeitsverwaltung und die
Berufsschulen eine
Rahmenvereinbarung erarbeitet
. Diese
Rahmenvereinbarung im Eurodistrikt Straßburg-Ortenau konnte durch gute
Vernetzung in die politische Ebene und professionelle Kommunikationsarbeit
(Erstellen von bi-lingualen Informationsmaterialien, Präsentationen auf
Berufsmessen beiderseits der Grenze, etc.) so viel Aufmerksamkeit generieren,
dass ihr Wirkungsbereich auf das gesamte Territorium der Oberrheinkonferenz
ausgedehnt wurde und sich 2013 insgesamt
28 unterzeichnende Partner
auf
einen gemeinsamen Weg für die grenzüberschreitende Berufsausbildung
einigten. Das allein kann schon als Erfolg gelten. Seit der Unterzeichnung der
Rahmenvereinbarung im September 2013 konnten 12 neue grenzüberschreitende
Ausbildungsverträge unterzeichnet werden, durch die Franzosen in deutschen
Unternehmen ausgebildet werden. Im Pilotvorhaben im Eurodistrikt Straßburg-
Ortenau nahmen 3 französische Auszubildende teil. Im Vergleich mit den derzeit
53 französischen Jugendlichen, die ihre komplette Ausbildung im deutschen
Ausbildungsmarkt machen, erscheinen diese Zahlen gering. Jedoch ist auch der
koordinative Mehraufwand zu bedenken.
Mehrere
spezifische Problemlösungen
der Rahmenvereinbarung stellen
ebenfalls gute Praxisbeispiele verstehen. Erstens wurde das Problem der
unterschiedlichen
Finanzierungsmodelle von Berufsausbildung
in
Frankreich und in Deutschland bedacht. In Frankreich werden die Berufsschulen
durch Umlagen der ausbildenden Unternehmen finanziert, während die
deutschen Berufsschulen steuerfinanziert sind. Deutsche Unternehmen, die einen
französischen Jugendlichen für den berufspraktischen Teil aufnehmen, waren

6. Beispiele guter Praxis
61
jedoch nicht bereit, die französischen Berufsschulkosten zu übernehmen. Hierfür
erklärte sich letztlich die Region Alsace bereit, die gleichzeitig Träger der
Arbeitsverwaltung ist. Zweitens wurde die
Frage der Krankenversicherung
geklärt
. Gemeinsam mit den Krankenkassen wurde beschlossen, dass
Grenzgänger in der Oberrheinregion die Krankenversicherungssysteme auf
beiden Seite der Grenze nutzen können und dabei die Wahl der für sie
günstigeren Variante haben. Drittens wurde das Problem der
grenzüberschreitenden Arbeits- und Ausbildungsvermittlung gelöst
,
indem in der Grenzstadt Kehl sowohl französische als auch deutsche
Arbeitsvermittler bei der Agentur für Arbeit gemeinsam eine
Kontaktstelle für
den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt
bedienen. Dabei werden die
französischen Kollegen aus Frankreich finanziert, die Deutschen durch die
Agentur für Arbeit.
Nicht vergessen sollte man bei diesem Beispiel, dass der Eurodistrikt mit dem
Euro-Institut – Institut für grenzüberschreitende Zusammenarbeit seit 1993 über
einen
bilateral institutionell finanzierten grenzüberschreitenden
Think Tank
zur Entwicklung grenzüberschreitender Projekte verfügt. Dieser
Think Tank ermöglicht eine detaillierte Analyse, fundierte strategische Beratung
und eine intensive Prozessbetreuung, welche bei der Ausarbeitung der
Rahmenvereinbarung von großer Hilfe waren.
Weitere Informationen:
http://www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/dienststellen/rdbw/offenburg/A
gentur/BuergerinnenundBuerger/ArbeiteninderGrenzregion/index.htm
; Abruf:
29.09.2014
http://www.rmtmo.eu/de/wirtschaft/news/news-reader-
wirtschaft/items/grenzueberschreitende-ausbildung-unterzeichnung-einer-
rahmenvereinbarung-fuer-den-oberrhein.html
; Abruf: 29.09.2014
http://www.oberrheinkonferenz.org/de/wirtschaft/uebersicht-news/aktuelle-
informationen/items/rahmenabkommen-zur-grenzueberschreitenden-
berufsbildung.html
; Abruf: 29.09.2014
6.4. Typ 4: Competence to go
Das Projekt Competence to Go wurde seit 2008 im dänisch-deutschen
Grenzraum entwickelt und wird seit 2011 mit INTERREG-Mitteln umgesetzt.
Ausschlaggebend war der
Fachkräftemangel im Altenpflegebereich
auf
dänischer Seite. Zum damaligen Zeitpunkt wurden deutsche Jugendliche
angeworben, um eine Ausbildung in diesem Beruf auf dänischer Seite zu
absolvieren. Nach der Ausbildung wollten viele deutsche Pflegekräfte wieder in
den deutschen Arbeitsmarkt zurückkehren. Ihre dänische Ausbildung wurde
jedoch im deutschen Arbeitsmarkt nicht anerkannt. Parallel hatte sich die
Arbeitsmarktlage verändert und die steigende Arbeitslosigkeit von dänischen

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
62
Pflegekräften führte dazu, dass diese verstärkt auf der deutschen Seite nach
passenden Jobs suchten und ähnliche Anerkennungsprobleme hatten.
Competence to Go setzte an diesem Problem an und versucht
über eine Bi-
Diplomierung die Anerkennungsproblematik zu umgehen
.
Auszubildende können im Rahmen des Projektes gleichzeitig den Titel des
dänischen
Social- og Sundhedshjælper
sowie des deutschen Altenpflegehelfers
erhalten. Dabei kooperieren die Berufsschulen der deutschen und der dänischen
Seite. Die Auszubildenden werden auf der dänischen Seite unter Vertrag
genommen und absolvieren Praktikums- und Schulphasen auf beiden Seiten der
Grenze. An dem Projekt nahmen ca. 20 Auszubildende teil.
Ein Erfolg des Projektes besteht darin, dass auf Basis der Praxiserfahrung ein
Handbuch entwickelt werden konnte, das die Anerkennung anhand eines
sogenannten
Meritenmodell
s für reglementierte Ausbildungsberufe
vereinfacht. Dabei wurden auf Basis eines Abgleichs der Lehrinhalte gleiche
Module für ein
vereinfachtes Anerkennungsverfahren
des Berufsbildes
Altenpfleger identifiziert. Für die Unterschiede zwischen den deutschen und
dänischen Lehrinhalten wurden Zusatzmodule entwickelt und stehen für die
Anwendung außerhalb des Pilotprojektes zur Verfügung. Damit sind im Projekt
Competence to Go wichtige Erfahrungen und Kenntnisse zur Erarbeitung von Bi-
Diplomierungsprogrammen erarbeitet worden, die übertragbare Lösungen für
andere Grenzregionen ermöglichen.
Weitere Informationen:
http://www.competencetogo.de/DE/forside
; Abruf: 29.09.2014
6.5. Typ 5: Abschluss „Bac Pro Commerce“ und
„Einzelhandelskauffrau/-mann“
Beispielhaft für eine gelungene Umsetzung des fünften Typs
grenzüberschreitender Berufsausbildung steht der Ausbildungsgang zum
deutsch-französischen Einzelhandelskaufmann. Durch Unternehmen im
Einzelhandel werden im deutsch-französischen Grenzraum zunehmend
interkulturelle Kompetenz und Sprachkenntnisse bei den Mitarbeitern
nachgefragt, da sich die Kundschaft immer stärker aus beiden Teilen der
Grenzregion zusammensetzt. 2006 nahmen die Beruflichen Schulen Lahr dies
zum Anlass, um gemeinsam mit dem
Lycée Professionnel Oberlin
in Straßburg
den bis dahin bundesweit einmaligen Ausbildungsgang „
Bac Pro Commerce
und
Einzelhandelskaufmann“ zu entwickeln. Im Rahmen eines INTERREG-
finanzierten Pilotprojektes wurden dazu die
Ausbildungsinhalte abgeglichen
und ein
Zeitplan für den gleichzeitigen Schulbesuch auf französischer
und deutscher Seite
erstellt. Bei diesem Modell findet der theoretische
Unterricht sowohl in Frankreich als auch in Deutschland in den beiden
Partnerschulen statt. Am Ende legen die Auszubildenden die Prüfung für beide

6. Beispiele guter Praxis
63
Abschlüsse ab und können ohne Anerkennungsprobleme auf beiden Seite der
Grenze arbeiten bzw. sich weiterbilden. Die Auszubildenden erhalten mit dem
Doppelabschluss das Euregio-Zertifikat der Oberrheinkonferenz und den
Europass Mobilität.
Das Pilotprojekt stieß auf großes Interesse bei den Auszubildenden. Jedoch waren
die Betriebe anfangs sehr skeptisch, da der Auszubildende durch den doppelten
Schulbesuch länger als andere Auszubildende aus dem Betrieb genommen wird.
Aufgrund des politischen Interesses wurde das Projekt
nach der Pilotphase
institutionalisiert
. Im September 2009 übernahmen die Beruflichen Schulen
in Kehl gemeinsam mit dem
Lycée Oberlin
in Straßburg den Ausbildungsgang in
ihr dauerhaftes Portfolio. Pro Jahr beginnen 6-8 Auszubildende mit dieser
Berufsausbildung. Insbesondere
Betriebe im Einzelhandel mit starker
Kundenfrequenz aus dem Nachbarland
wissen den Ausbildungsgang
mittlerweile zu schätzen und sind bereit die vermehrte Schulfreistellung
mitzutragen. Insofern liegt der große Erfolg dieses Projektes auch darin, durch
ein überzeugendes Angebot die
Unterstützung aus Politik und Wirtschaft
zum dauerhaften Erhalt gesichert zu haben.
Weitere Informationen:
http://www.berufliche-schulen-kehl.de/index.php?id=62
; Abruf: 29.09.2014
6.6. Typ 6: Französische Jugendliche bei den Badischen
Stahlwerken in Kehl
Ein Beispiel guter Praxis für den sechsten Typ grenzüberschreitender
Berufsausbildung sind die Aktivitäten der Badischen Stahlwerke in Kehl. Die
Badischen Stahlwerke liegen direkt am Rhein und damit in unmittelbarer
Reichweite des Großraums Straßburg auf der französischen Seite der Grenze. Sie
sind einer der größten industriellen Arbeitgeber auf der deutschen Seite. Mehr als
1.300 Mitarbeiter sind in dem Unternehmen damit beschäftigt, aus Metallschrott
Stabstahl und Walzdraht herzustellen. Ein Spezifikum der Badischen Stahlwerke
ist, dass die Geschäftsführung durch eine deutsch-französische Doppelspitze
gebildet wird. So ist der kaufmännische Geschäftsführung liegt in deutscher
Hand. Um die technische Geschäftsführung kümmert sich der Franzose Michel
Hamy. Da auch die Badischen Stahlwerke zunehmend Schwierigkeiten haben,
geeignete Schulabgänger zur Besetzung ihrer Ausbildungsplätze im deutschen
Einzugsgebiet zu finden, wurde vom französischen Geschäftsführer gemeinsam
mit der Personalabteilung ein Programm aufgelegt, das französischen
Jugendlichen den Zugang zur Ausbildung im deutschen Unternehmen
vereinfachen soll.
Hierfür werden französische Schulabgänger direkt auf der französischen Seite
angeworben. Zu Beginn werden die französischen Jugendlichen für ein
einjähriges Praktikum
unter Vertrag genommen. In diesem Jahr nimmt der

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
64
Jugendliche unter Begleitung schon an den Arbeitsabläufen im Unternehmen teil
und bekommt parallel einen durch das Unternehmen gezahlten
Deutschkurs
,
in dem vornehmlich das
Fachvokabular vermittelt
wird. Während dieser Zeit
können beide Seiten – der ausbildende Betrieb und der Jugendliche –
abschätzen, ob eine Ausbildung wirklich in Frage kommt. Wenn beide Seiten mit
dem ersten Jahr zufrieden waren, wird ein normaler Ausbildungsvertrag nach
deutschen Regeln abgeschlossen und die Jugendlichen machen als Grenzgänger
eine deutsche Ausbildung.
Dieses Beispiel stellt aus verschiedenen Gründen eine gute Praxis dar. Erstens ist
hier ein
Unternehmen selbstständig und ohne Ruf nach der Politik
oder anderen Stelle aktiv geworden
und hat damit übertragbare Fakten und
Erfahrung geschaffen. Die Badischen Stahlwerke übernehmen das
finanzielle
Risiko für die Vorbereitung der französischen Jugendlichen auf den
deutschen Arbeitsmarkt
. Zweitens kümmert sich in diesem Beispiel der
Arbeitgeber nicht nur darum, dass der ausländische Jugendliche die praktischen
Fertigkeiten erlangt, sondern der Betrieb organisiert und finanziert die
Sprachausbildung. Drittens werden hier
gezielt Komplementaritäten
genutzt
. Auf der französischen Seite gibt es im Großraum Straßburg
vergleichsweise wenige Ausbildungsplätze in den technischen Berufsfeldern und
in der Metallindustrie. Auf der deutschen Seite fehlen die Schulabgänger, die in
diesen Feldern eine Ausbildung machen wollen oder können. Damit entsteht eine
Win-Win-Situation für beide Parteien.
Klar ist jedoch auch, dass dieses Modell nur deshalb erfolgreich ist, weil dem
Standort der Badischen Stahlwerke der französische Großraum Straßburg mit
vielen arbeitslosen Jugendlichen in fußläufiger Distanz gegenüberliegt. Die
Brückeninfrastruktur über den Rhein und die Existenz
grenzüberschreitender Buslinien ermöglicht es
, den französischen
Jugendlichen ohne Führerschein zu pendeln. Entsprechend begehrt sind diese
Praktikumsplätze: im Jahr 2013 hatten sich mehr als 700 französische
Jugendliche um die 6 Plätze beworben.
Weiterführende Informationen:
http://mediacenter.dw.de/german/search/badische%20stahlwerke
;
Abruf:
29.09.2014
http://www.bag-kehl.de/bag-de/praktikanten/index.php
; Abruf: 29.09.2014
7. Probleme und Handlungsstrategien
In diesem Abschnitt werden auf Basis der Analyse der einzelnen Grenzregionen
und der in ihnen bestehenden Praxiserfahrungen mit grenzüberschreitenden

7. Probleme und Handlungsstrategien
65
Projekten im Bereich Berufsausbildung sich wiederholende Probleme dargestellt
und in allgemeingültige Handlungsstrategien zu deren Bewältigung übersetzt.
7.1. Arbeitsmarkt analysieren und Fachkräftebedarfe ermitteln
Eines der grundlegenden Probleme vieler Initiativen im Bereich
grenzüberschreitender Berufsausbildung ist der Anspruch, das Themenfeld in
seiner komplexen Gesamtheit bearbeiten zu wollen. Dabei wird häufig an den
übergeordneten Strukturen, bspw. der Organisation der Berufsausbildung,
angesetzt. Dieser allumfassende Anspruch führt häufig dazu, dass viele
Ressourcen in die Erstellung von komplexen Analysen und Konzeptpapieren
investiert werden und am Ende in der Region wenig umgesetzt werden kann, weil
die Herangehensweise zu abstrakt bleibt. Ein weiteres Problem solch holistischer
Ansätze ist, dass sie häufig auch Bereiche des Berufsausbildungsmarktes mit
abdecken, in denen faktisch in der Grenzregion gar kein Bedarf bzw. Potenzial an
grenzüberschreitender Zusammenarbeit besteht.
Aus diesen Erfahrungen heraus lässt sich als erste allgemeine Handlungsstrategie
ableiten, dass es der angemessenere und effizientere Ansatz ist, zu Beginn die
entsprechenden Bedarfe beiderseits der Grenze zu ermitteln
. Hierbei
können folgende Fragen handlungsleitend sein:
Welche Branchen verzeichnen momentan einen Bewerbermangel im
Berufsausbildungsbereich?
Welche Branchen werden kurz- und mittelfristig mit einem
Fachkräftemangel konfrontiert sein?
Welche Unterschiede gibt es bezüglich dieser Fragen auf den beiden Seiten
einer Grenzregion?
Erst wenn den relevanten Akteuren einer Grenzregion (bspw. aus Regionalpolitik,
Verwaltung, Wirtschaftsförderung, Kammern und Verbänden) deutlich ist, in
welchen Wirtschaftsbereichen die Grenzregion überhaupt einen Nutzen aus einer
Intensivierung grenzüberschreitender Zusammenarbeit ziehen könnte, ist der
Einsatz weiterer Ressourcen effizient planbar. Hierfür sind der intensive
Austausch mit und die
Einbindung von Kammern, Wirtschaftsverbänden
und Arbeitgeberservices der Arbeitsverwaltung
notwendig, da dort das
Wissen über die unternehmensübergreifenden Bedarfe einzelner Branchen
vorhanden ist.
7.2. Unternehmen einbinden
Viele Projekte und Initiativen entstehen mit öffentlichen Fördergeldern und
tendieren dazu, die Unternehmen der Region nicht direkt in die Projektplanung
einzubinden. Häufig sind auch die Unternehmensstruktur (Dominanz von KMUs)
und das damit verbundene fehlende Potenzial für mittel- bis langfristige
Strategieentwicklung verantwortlich für die geringe Einbindung von

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
66
Unternehmen in die Projekte und Initiativen zur grenzüberschreitenden
Zusammenarbeit im Bereich der Berufsausbildung.
Es geht letztlich auch darum,
Unternehmer zu gewinnen, die
Ausbildungsplätze für Pilotvorhaben im grenzüberschreitenden
Berufsausbildungsbereich zur Verfügung stellen
. Hierfür ist es wichtig zu
klären:
Welche Unternehmen in der Grenzregion sind im Nachbarland tätig und
könnten ein Interesse an der grenzüberschreitenden Berufsausbildung
haben?
Welche Unternehmen signalisieren einen Bedarf an Auszubildenden mit
interkultureller Kompetenz?
Welche Unternehmen sind bereit in Pilotvorhaben eigene Ressourcen
einzubringen bzw. eine Führungsrolle einzunehmen?
Erneut sind hier die
Kammern und Wirtschaftsverbände mögliche
Ansprechpartner für die Kontaktanbahnung zu einzelnen
Unternehmen
, die in Projekten und Initiativen einer Partnerschaft mit der
öffentlichen Verwaltung und den Organisationen der Berufsausbildung eingehen
könnten.
7.3. Vergleichbarkeit der Ausbildungsgänge herstellen
Ein weiteres Problem vieler Projekte und Initiativen im Bereich
grenzüberschreitender Berufsausbildung ist, dass die Komplexität der
Berufsausbildungsstrukturen im Nachbarland deutlich unterschätzt wird. Häufig
besteht beiderseits der Grenze zu Beginn von Projekten die Einschätzung, dass
die Strukturen der jeweils anderen Seite in einem überschaubaren analytischen
Schritt in das eigene Berufsausbildungssystem übersetzt werden können. Dies ist
in der Realität meist nicht der Fall. Wenn dieser analytische Schritt begonnen
wird, wächst oft die Einsicht, dass das Berufsausbildungssystem jenseits der
Grenze doch komplizierter und von mehr Ausnahmen und Sonderfällen geprägt
ist, als erwartet. Damit kann es schnell zu Ernüchterung und Frustration in der
Zusammenarbeit kommen.
Das Herstellen von
Vergleichbarkeit zwischen den Bildungs- und
Berufsausbildungssystemen
ist von entscheidender Bedeutung für den
dauerhaften Erfolg der Projekte und Initiativen. Es sollte jedoch nicht versucht
werden, gleich „alles“ zu verstehen, sondern die Analyse sollte sich
auf die
„relevanten“ Bereiche konzentrieren
. In den vorangegangen Abschnitten
7.1. und 7.2. wurde erwähnt, dass es wichtig ist, Bedarfe zu eruieren und die
Unternehmen der Region einzubinden. Mit dem dadurch gewonnen Wissen lässt
sich nun konkret genug für ein Pilotprojekt fragen:

7. Probleme und Handlungsstrategien
67
Welcher Berufsausbildungsgang jenseits der Grenze entspricht demjenigen
in den Bedarfsbereichen des Arbeitsmarktes diesseits der Grenze?
Sind die Inhalte der Berufsausbildung im Bedarfsbereich auf beiden Seiten
der Grenze ausreichend vergleichbar?
Wenn sie nicht vergleichbar sind (was sehr wahrscheinlich ist): Welche
Zusatzqualifikationen sind notwendig, um die Auszubildenden für
Arbeitgeber beiderseits der Grenze attraktiv zu machen?
Wer könnte diese Zusatzqualifikation übernehmen? Wie könnte der
Unterricht dieser Module organisiert und finanziert werden?
Um diese Fragen zu klären, ist es essentiell die
Institutionen der
Berufsausbildung und die Zertifizierungsstellen einzubinden
. Zudem
könnten auch hier die Unternehmen als Ausbilder bzw. potenzielle Arbeitgeber in
den Prozess eingebunden werden. Am Ende eines solchen Übersetzungsprozesses
von Berufsausbildungssystemen könnten
für einzelne Berufsbilder
spezifische Vergleichsprofile
für die Ausbildung beiderseits der Grenze
entwickelt werden, die Lösungen für die Zusatzqualifikation für den
grenzüberschreitenden Einsatz der Absolventen aufzeigen. Mit diesen
Vergleichsprofilen hätten Unternehmen der Region eine konkrete Hilfestellung
um sich im komplexen Bildungssystem des Nachbarlandes zurechtzufinden, ohne
das ganze Bildungssystem verstehen zu müssen.
7.4. Netzwerke und Vertrauen aufbauen
Wichtig ist, dass sich die Akteure beiderseits der Grenze – unabhängig von der
wirtschaftlichen Überlegenheit einer Seite –
offen und vorurteilsfrei mit
dem Ausbildungssystem auf der anderen Seite der Grenze
beschäftigen
und zu verstehen versuchen. Diese betrifft jedoch nicht nur das
Ausbildungssystem an sich, sondern greift viel weiter: Es geht um eine
Behandlung auf Augenhöhe
. Nur durch ein respektvolles Miteinander der
Akteure aus den verschiedenen Teilregionen des Grenzraums kann ein
Vertrauen aufgebaut und effiziente Zusammenarbeit entwickelt
werden
. Hierzu müssen sich die Akteure beiderseits der Grenze fragen:
Welche interkulturellen Unterschiede gilt es, im Arbeitsalltag zu
bedenken?
Welche Vorteile haben die Strukturen jenseits der Grenze gegenüber den
hiesigen Strukturen?
Was kann von der Nachbarregion gelernt werden?
Welche Vorurteile haben wir gegenüber unseren Nachbarn, und welche sie
gegenüber uns?
Das gegenseitige Verständnis zu entwickeln, um respekt- und vertrauensvoll
miteinander umzugehen, setzt den Einsatz von Ressourcen voraus. Es braucht
Zeit, damit sich die
Akteure einer Grenzregion kennenlernen
und damit

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
68
sie sich über die Strukturen, Arbeitskulturen oder eben die
Berufsausbildungssysteme austauschen können. Für die Entwicklung der
allgemeinen interkulturellen Kompetenzen kann dabei der Einsatz von externen
Trainern und Beratern sinnvoll sein, die Anleitung geben können, sich auf
humorvolle und dennoch respektvolle Art zu begegnen. Auch ist ein
Mindestmaß an Sprachkenntnis der Nachbarsprache
bei den beteiligten
Akteuren ein Zeichen für Respekt gegenüber den Partnern aus der
Nachbarregion.
7.5. Kleine Schritte gehen, Konkretes tun
Viele Projekte werden mit zu umfangreichen und komplexen Zielen entwickelt,
die letztlich nicht realisiert werden können. Häufig wird dabei der Zeitaufwand
unterschätzt. Oft ist nicht überschaubar, welche Hürden für die Zielerreichung
überwunden werden müssen und wie die politische Ebene reagiert.
Um für die lokalen Akteure der Grenzregion konkreten Nutzen zu erzielen, bietet
es sich daher an,
bottom-up-Ansätze
zu entwickeln, die sich an den konkreten
Bedarfen in der Region orientieren und häufig
vom Einzelfall aus nach
Lösungsansätzen suchen
. Hierzu gilt es zu fragen:
Welches spezifische Problem haben die lokalen Akteure?
Welche Lösungsansätze wurden bereits mit welchem Resultat ausprobiert?
Wo kann ein neues Projekt auf bestehenden Erfahrungen in der Region
aufbauen?
Welche Praxispartner (Berufsschulen, Unternehmen) sind bereit
mitzuwirken?
Welche Ziele können mit den involvierten Projektpartnern realistisch ohne
die Hilfe von außen bzw. übergeordneten Stellen selbst erreicht werden?
Der Vorteil eines solchen Vorgehens liegt darin, dass die Zielerreichung
realistisch, die Komplexität geringer und die Chance einen
konkreten Output
für die Region zu erzeugen
ungleich höher ist. Zudem kann am Ende anhand
des konkreten Outputs die
Transferierbarkeit/Generalisierbarkeit
auf
andere Bereiche diskutieret und ggf. Druck auf die übergeordneten Ebenen
erzeugt werden.
8. Handlungsempfehlungen für die Grenzregion Sachsen-
Niederschlesien
Abschließend werden in diesem Kapitel Handlungsempfehlungen für die
zukünftige Zusammenarbeit im Bereich der Berufsausbildung in der Grenzregion
Sachsen-Niederschlesien vorgestellt, die u. a. eine Hilfestellung zur Entwicklung

8. Handlungsempfehlungen für die Grenzregion Sachsen-Niederschlesien
69
von Projekten in der künftigen Ziel3-Förderkulisse für den Grenzraum Sachsen-
Niederschlesien sein können.
8.1. Kurz- und mittelfristige Empfehlungen
8.1.1. Spezifische Ausbildungsberufe mit regionalem Bedarf in
Sachsen und Niederschlesien identifizieren
Ein erster kurzfristig umsetzbarer Schritt besteht darin, gemeinsam mit den
Kammern und Verbänden die spezifischen Bedarfe an Auszubildenden in beiden
Teilregionen des sächsisch-niederschlesischen Grenzraums zu analysieren.
Insbesondere die
Kontaktstelle Polen bei der IHK in Görlitz
könnte hier
ein wertvoller Partner sein. Dort besteht ein vertieftes Wissen über die
Wirtschaftsbeziehungen im Grenzraum. Auch sind möglicherweise die
Personalbedarfe einzelner Unternehmen bekannt und die Kontaktpersonen
haben einen Einblick, welche Firmen im Nachbarmarkt aktiv sind. Zusätzlich
könnten die
EURES-Berater
hinzugezogen werden, die die Interessenlagen und
Bedarfe der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite beiderseits der deutsch-
polnischen Grenze kennen. Hilfreich ist es hierzu auch, die Akteure von
Kammern, Verbänden und aus der Arbeitsverwaltung aus beiden Teilregionen im
Grenzraum miteinander zu vernetzen, um gemeinsam einen
Überblick über
die Ähnlichkeit bzw. die Komplementarität von Angebots- und
Nachfragestrukturen
auf dem Ausbildungsmarkt zu erarbeiten.
Der Vorteil eines solchen Vorgehens liegt darin, dass im sächsisch-
niederschlesischen Grenzraum nicht von Beginn an, der langwierige Prozess der
Etablierung einer Rahmenvereinbarung ähnlich dem deutsch-französischen
Grenzgebiet wiederholt würde. Obwohl die Rahmenvereinbarung ein wertvolles
formelles Instrument ist, hat ihre Erarbeitung im Oberrheingebiet mehrere Jahre
gedauert und dabei viele Ressourcen benötigt, bevor überhaupt ein Jugendlicher
dadurch faktisch in die grenzüberschreitende Berufsausbildung eingetreten ist.
Der schnellere Weg zu konkreten Ausbildungsverträgen eröffnet sich über den
Start mit den Berufsgruppen, in denen Unternehmen im sächsisch-
niederschlesischen Grenzraum aufgrund von Nachwuchsmangel einen konkreten
Handlungsdruck haben.
Der Nachteil eines solchen Vorgehens ist jedoch, dass sich verschiedene kleine
Initiativen parallel entwickeln können, die nicht unter einem Dach/von einer
Stelle aus koordiniert werden. Dadurch kann es zur Ausbildung von
Doppelstrukturen kommen. Es ist daher ebenfalls wichtig, dass
eine Stelle den
Überblick über die Aktivitäten in der Region
behält und dadurch
Synergien nutzbar machen
kann.
In den Jahren 2008 bis 2010 wurde im Rahmen des JOBSTARTER-Programms
bereits ein Projekt namens „
Transregio Pro Job
“ in der Euroregion Neisse-
Nisa-Nysa gefördert, welches im Rahmen einer Unternehmerbefragung auf

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
70
sächsischer und polnischer Seite die Bedarfe an Auszubildenden abfragte. Darin
wurden folgende Ausbildungsberufe als prioritär identifiziert: Bäcker,
Tourismus-Kaufleute und Verwaltungsberufe. An die Erfahrungen aus diesem
Projekt sollte angeknüpft werden.
8.1.2. Berufsbildungseinrichtungen und Unternehmen im Grenzraum
vernetzen
Parallel dazu kann begonnen werden, den Kontakt zu den Organisationen der
Berufsausbildung zu suchen. Hierzu wäre eine
Kartierung der
Berufsausbildungslandschaft im sächsisch-niederschlesischen
Grenzraum
ratsam, um einen Überblick zu haben, wer was in welchem
Wirtschaftsbereich macht. Anschließend gilt es, über Netzwerkveranstaltungen,
gegenseitige Besuche und Studienreisen das
Kennenlernen der Akteure im
Berufsausbildungsbereich zu befördern
. Wichtig ist, dass die Akteure ein
Verständnis der Strukturen, Zuständigkeiten und Funktionsweisen in der
Nachbarregion erlangen. Nur mit diesem Verständnis und einem auf persönlicher
Ebene etablierten Kontakt können alle Akteure realistische Einschätzung darüber
treffen, inwiefern die Berufsausbildung von Jugendlichen im Grenzraum
gemeinsam bewältigt werden kann.
Gleiches gilt auch für die
Unternehmen
, die im Grenzraum ausbilden und ihren
zukünftigen Fachkräftebedarf soweit geplant haben, dass sie schon heute auf den
Ausbildungsmarkt Einfluss nehmen wollen und können. Sobald die Bedarfe im
sächsisch-niederschlesischen Grenzraum (siehe 8.1.1.) analysiert sind, kann
dieser Vernetzungsprozess auch spezifisch für die relevanten Organisationen und
Unternehmen gestaltet werden, die für die Bedarfsdeckung notwendig sind.
8.1.3. Programme für kurze Praktika im Nachbarland entwickeln
Aus den Erfahrungen der anderen Grenzregionen heraus lässt sich festhalten,
dass es sich bewährt hat, mit Programmen für kurze Praktika im Nachbarland zu
beginnen. In der Regel behalten die Praktikanten dabei den formalen Status eines
normalen Auszubildenden bzw. Schülers. Es besteht also kaum Bedarf,
spezifische verwaltungstechnische Lösungen zu entwickeln. Dennoch ermöglicht
ein kurzes Praktikum im Nachbarland, Kontakte zu Unternehmen herzustellen
und den Nachbarmarkt kennenzulernen. Dabei spielt auch das
Alter der
Auszubildenden
eine Rolle. Insbesondere die Volljährigkeit ist entscheidend
dafür, wie einfach es für einen Schüler bzw. Auszubildenden ist, auf die andere
Seite der Grenze zu pendeln.
Ein konkreter Arbeitsschritt könnte darin bestehen, Unternehmen und
Berufsschulen grenzüberschreitend in Kontakt zu bringen. Dafür gibt es im
Grenzraum die durch die IHK Kontaktstelle Polen in Görlitz durchgeführten
deutsch-polnischen Unternehmerstammtische
, die geeignete Plattformen

8. Handlungsempfehlungen für die Grenzregion Sachsen-Niederschlesien
71
sind, um sächsische und niederschlesische Berufsschulen mit Unternehmen im
Grenzraum zusammenzubringen.
8.1.4. Informationsmaterial entwickeln
Ein weiterer sehr wichtiger und kurzfristig umsetzbarer Schritt ist die Erstellung
von Informationsmaterialien (wie Projektflyern, Broschüren, Webseiten), die
über die im sächsisch-niederschlesischen Grenzraum bereits
bestehenden Initiativen informieren
. Als hilfreich haben sich dabei
insbesondere Materialien herausgestellt, die Unternehmen und Schulabgänger
gleichermaßen aufklären, wie sich ein Ausbildungsberuf aus dem eigenen Land in
das Bildungssystem des Nachbarlandes übersetzen lässt, und welche
Möglichkeiten es gibt, die Anerkennungsproblematik im Nachbarland zu
umgehen.
Wichtig ist auch an den im Grenzraum stattfindenden
Berufsmessen
teilzunehmen bzw. Informationsangebote für Schulen im Grenzraum zu
entwickeln, damit
Jugendliche bereits vor dem Schulabschluss über die
Ausbildungsmöglichkeiten informiert
und ihnen Alternativen zur
Abwanderung aufgezeigt werden.
8.1.5. Kommunikationsarbeit sicherstellen
Wichtig ist zudem
bei den Jugendlichen und bei Arbeitgebern
Aufklärungsarbeit
über den Nutzen und die Vorteile von
grenzüberschreitender Berufsausbildung zu leisten. Dabei müssen allgemeine
und branchenspezifische Argumente bedacht werden. Auch eine Abwägung der
Nachteile und des Mehraufwands müssen transparent gemacht werden.
8.2. Langfristige Empfehlungen
8.2.1. Operationeller Bereich: Managementstruktur für den
grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt
Mit einem eher langfristigen Zeithorizont kann das Ziel erreicht werden, auch für
den sächsisch-niederschlesischen Grenzraum einen geeigneten institutionellen
Rahmen zum Management des grenzüberschreitenden Arbeitsmarktes zu
etablieren. Hierzu ist es notwendig, dass sich die sächsischen und
niederschlesischen Partner aus der Politik und Verwaltung darüber abstimmen,
welche Erwartungen sie daran hätten und welchen Anteil an der Finanzierung sie
beisteuern können. Für das operationelle Geschäft ist es langfristig von Vorteil,
sich auf eine
bilaterale Managementstruktur
zu verständigen. Dies
verdeutlicht den politischen Willen nach außen und kann somit andere Akteure
des Grenzraums auf das Thema aufmerksam machen. Ähnlich wie den
Organisationsstrukturen in der Oberrheinkonferenz mit der gemeinsamen
Servicestelle für den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt bei der Agentur für
Arbeit in Kehl könnten Organisationsstrukturen und Anlaufstellen für den

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
72
sächsisch-niederschlesischen Grenzraum geschaffen werden. Hierbei kann auf
bestehenden Strukturen aufgebaut werden. So gilt es zu hinterfragen, inwiefern
die Euroregion Neisse-Nisa-Nysa dafür nutzbar ist. Auch die EURES-Strukturen
bestehen bereits und könnten hier involviert werden.
Aufgabenfelder einer solchen Managementstruktur sind das
Koordinieren von
Aktivitäten, Bündeln von Informationen und die externe
Kommunikationsarbeit
. Zudem könnte eine solche Organisation als
zentraler Ansprechpartner
und Kontaktstelle fungieren.
8.2.2. Formeller Bereich: Rahmenvereinbarung erarbeiten
Langfristig sollte nach erfolgreich absolvierten Pilotphasen mit einzelnen
Ausbildungsberufen und kurzfristigen Praktikumsprogrammen eine Ausdehnung
auf weitere relevante Berufsgruppen unter Einbeziehung weiterer Akteure
(Verbände, Unternehmen, Berufsschulen) folgen. Hier stellt sich früher oder
später die Frage nach dem geeigneten formellen Rahmen, der in allgemeinerer
Form die grenzüberschreitende Berufsausbildung im sächsisch-
niederschlesischen Grenzraum regelt. Beispielhaft stand hierfür die
„Rahmenvereinbarung über die grenzüberschreitende Berufsausbildung am
Oberrhein /
Accord cadre relatif à l’apprentissage transfrontalier dans le Rhin
supérieur
“, die die grenzüberschreitende Lehre im Eurodistrikt Straßburg-
Ortenau ermöglicht.
Auch im sächsisch-niederschlesischen Grenzraum könnte langfristig die
Entwicklung eines solch umfassenden und komplexen Regelwerkes Ziel sein, um
allgemein gültige Vorgehensweisen festzulegen
. Dies sollte jedoch erst
nach Erreichen kurzfristiger Ziele in Betracht gezogen werden, da die Erarbeitung
den Einsatz vergleichsweise umfassender Ressourcen braucht.
8.2.3. Strategischer Bereich: Bilateraler
Think Tank
für die
Programmierung von Aktivitäten
Ähnlich dem Euro-Institut im deutsch-französischen Grenzraum könnte
langfristig auch für die strategische Beratung von Maßnahmen im
grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt ein
Think Tank
installiert werden, der sich
aus sächsischen und niederschlesischen Experten zusammensetzt und eine solide
Finanzierung von beiden Seiten erhält. Aufgaben dieses Think Tanks könnten im
kontinuierlichen
Monitoring des Arbeits- und Ausbildungsmarktes
und
in der
Anpassung operativer Ziele
in beratender und begleitender Funktion
für die Managementstelle (siehe 8.2.1) liegen.
Auch hier gibt es im sächsisch-niederschlesischen Grenzraum mit der Pontes-
Agentur bereits eine Organisation, die die notwendigen Regionalkompetenzen im
Grenzraum besitzt und über die fachliche Expertise verfügt. Mit relativ geringem
Aufwand könnte hier ein solcher
Think Tank
installiert werden.

73
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76
10. Anhang
10.1. Liste der Gesprächspartner
Name und Funktion
Organisation und Ort
Valerie Kapps
Chargée de mission apprentissage
transfrontalier
Région Alsace
Strasbourg
Monique Haas
Inspection de l'Apprentissage,
conseillers en formation
Chambre de Métiers d'Alsace
Strasbourg
Jean-Claude Haller
Pole formation
CCI de Strasbourg et du Bas-Rhin
Strasbourg
Anne Thevenet
Geschäftsführende Direktorin
Euroinstitut - Institut für
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Kehl
Sebastian Rihm
Mitarbeiter grenzüberschreitende
Projekte
Euro-Institut - Institut für
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Kehl
Margot Bonnafous
Mitarbeiterin grenzüberschreitende
Projekte
Euro-Institut - Institut für
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Kehl
Hubert Staedelin
Information et accompagnement pour
l’accueil d’apprentis du CAP au diplôme
d’ingénieur
CCI de Strasbourg et du Bas-Rhin
Strasbourg
Humbert Vallier
Conseillers spécialisés l'apprentissage en
agriculture
Chambre d'agriculture de région Alsace
Sainte Croix en Plaine
Ingrid Thomalla
Referat Grenzüberschreitende
Zusammenarbeit und Europa
Regierungspräsidium Karlsruhe
Karlsruhe
Simon Kaiser
Arbeitsmarktpolitik, Finanz- und
Steuerpolitik
IHK Südlicher Oberrhein
Freiburg
Stephan Ruf
Bildungsberater Ausland, Beratung
Großhandel, Logistik u.a.
IHK Karlsruhe
Karlsruhe
Alexandra Schwarz
CAMT - Centre d'aide à la mobilité
transfrontalière dans la formation
professionnelle et technologique
Verbundausbildung Untere Saar e.V.
Dillingen
Julien Robichon
CAMT - Centre d'aide à la mobilité
transfrontalière dans la formation
professionnelle et technologique
Verbundausbildung Untere Saar e.V.
Dillingen
Franck Sellier
Directeur Général
Centre Européen de Formation et de
Promotion Professionnelle par
Alternance pour l'Industrie Hôtelière
Illkirch-Grafenstaden
Peter Cleiß
Direktor
Berufliche Schulen Kehl
Kehl

10. Anhang
77
Petra Schmidt
Service für Grenzüberschreitende
Arbeitsvermittlung
Agentur für Arbeit
Kehl
Cécile Jahan
Deutsch-französische Projekte der
Berufsausbildung
AFPA Alsace
Strasbourg
Vincent Horvat
Grenzüberschreitender Arbeitsmarkt
La Maison de l'Emploi Strasbourg
Strasbourg
Cordula Riedel
Zweisprachigkeit und berufliche
Ausbildung
Eurodistrict Strasbourg-Ortenau
Strasbourg
Anne Cytrynowicz
Directrice
Centra national de formation des
apprentis
Eschau
Desirée Ohlmann
Stellvertretende Direktorin
Centre Européen de Formation et de
Promotion Professionnelle par
Alternance pour l'Industrie Hôtelière
Illkirch-Grafenstaden
Hartmut Möller
Betreuer Berufsbildungsausschuss
IHK Südlicher Oberrhein
Freiburg
Christian Maack
Geschäftsführer Recht/Berufsbildung
HWK Lübeck
Lübeck
Sabine Schick
Abteilungsleitung Wirtschaft
Berufliche Schulen Kehl
Kehl