0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
27. 29. 31. 33. 35. 37. 39. 41. 43. 45. 47. 49. 51. 1. 3. 5. 7. 9. 11. 13. 15. 17. 19. 21. 23. 25.
2010
Kalenderwoche
2011
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
0
5
10
15
20
25
Influenzanachweise
Influenzavirusnachweise
Inzidenz 2010/2011
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
Inzidenz 2009/2010
ARE-/Influenza-Sentinel 2010/2011
LANDESUNTERSUCHUNGS-
ANSTALT FÜR DAS GESUNDHEITS-
UND VETERINÄRWESEN
im Freistaat Sachsen

│1
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zum ARE-/Influenza-Sentinel 2010/2011 im Freistaat Sachsen .......................................................................................................................................................2
1
Auswertung des epidemiologischen ARE–/Influenza–Sentinels 2010/2011 im Freistaat Sachsen und Vergleich mit anderen
Surveillance-Instrumenten ....................................................................................................................................................................................................................................4
1.1
Saisonverlauf in Sachsen und Deutschland ...................................................................................................................................................................................................4
1.2
Sächsische Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) ........................................................................................................................................................7
1.3
Influenzasaison 2010/2011 innerhalb Europas ..............................................................................................................................................................................................8
1.4
Influenzavirus-Nachweise bei Geimpften (Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel) ........................................................................................................................9
2
Auswertung des Influenza-Sentinels, mikrobiologischer Teil, 2010/2011 im Freistaat Sachsen .............................................................................................11
2.1
Diagnostisches Procedere während des Sentinel-Zeitraumes ..............................................................................................................................................................11
2.2
Ergebnisse des Sentinels vom Oktober 2010 bis April 2011 ...................................................................................................................................................................11
3 Influenza-Impfstoff für die Saison 2011/2012 ...........................................................................................................................................................................................15

2 │
Erkrankungen des Atemwegssystems des
Menschen (Akute respiratorische Erkrankun-
gen, ARE) können durch unterschiedliche
Krankheitserreger ausgelöst werden. Zu etwa
95 % sind Viren, Chlamydien und Mykoplas-
men für die Infektion verantwortlich. Bak-
terien, wie Streptokokken, Staphylokokken,
Pneumokokken und Haemophilus infl uenzae,
spielen eher eine untergeordnete Rolle. Bei
den Viren stehen neben den Infl uenza A- und
–B-Viren RS-Viren, Parainfl uenzaviren und
Adenoviren im Vordergrund (ca. 70 % der
respiratorischen Erkrankungen). Rhinoviren,
Coronaviren und Enteroviren sind weitere
wichtige Erreger. Insbesondere zählen aku-
te Infektionen der unteren Atemwege (wie
Lungenentzündung) zu den bedeutsamsten
sowohl bei der Anzahl der jährlichen Neuer-
krankungen als auch der Todesfälle an Infek-
tionskrankheiten weltweit (Weltgesundheits-
berichte der WHO).
Schon der Name unseres sächsischen „ARE-/
Infl uenza-Sentinels“ sagt aus, dass wir uns in
diesem Überwachungsprogramm (Sentinel =
Wächter) nicht nur mit dem saisonalen Ver-
lauf der Infl uenza, sondern der Atemwegser-
krankungen allgemein befassen.
Was steckt dahinter?
Bei den ARE ist ein regelmäßig wiederkeh-
render jahreszeitlicher Verlauf zu bemerken,
d. h. vereinfacht gesagt, im Sommer weniger,
im Winter mehr Erkrankungen. Kommt es zu
einer bestimmten Zeit, meist in den Win-
termonaten, aber auch Herbst und Frühjahr
sind möglich, zu einem auffälligen Anstieg
der ARE, bemerkt durch die Zunahme der
Arztpraxiskonsultationen (epidemiologisches
Sentinel), so kann dies durch Infl uenza, aber
auch durch Infektionen mit anderen Erregern
(siehe oben) bedingt sein. Der Beweis, dass
es sich tatsächlich um Infektionen mit Infl u-
enzaviren A oder B, die beim Menschen die
„echte Virusgrippe“ auslösen, handelt (oder
auch nicht), wird durch das mikrobiologische
Sentinel erbracht. Ärzte in niedergelassenen
Praxen, in Krankenhäusern, Gesundheitsäm-
tern und sonstigen Einrichtungen, die sich
beteiligen, nehmen bei Verdacht (entspre-
chende Symptome beim Patienten), dass es
sich um eine Infl uenza handeln könnte, ei-
nen Rachen- oder Nasenabstrich, der über
das jeweils zuständige Gesundheitsamt an
die Landesuntersuchungsanstalt Sachsen zur
Untersuchung eingesandt wird. In Laboratori-
en dieser Einrichtung wird die Diagnostik auf
Infl uenzaviren durchgeführt. Durch zusam-
menfassende Auswertung aller Daten ist es
möglich, den Beginn einer Infl uenzaepidemie
zuverlässig zu erkennen – Voraussetzung für
eine wissenschaftlich begründete und verzö-
gerungsfreie Behandlung.
Sicher wäre es interessant und zur Empfeh-
lung einer geeigneten Therapie auch sinnvoll,
die Abstriche auf weiter in Frage kommende
Erreger zu untersuchen, dies sprengt aber
(zurzeit?) die Kapazität unseres Sentinels.
Das sächsische ARE-/Infl uenza-Sentinel, das
sich bereits seit mehr als drei Jahrzehnten
große Anerkennung erworben hat, ist ein
gesundheitspolitisch wichtiges Programm
des Freistaates Sachsen und steht unter der
Leitung und Koordination des Öffentlichen
Gesundheitsdienstes (ÖGD), der nach dem
Gesetz über den ÖGD im Freistaat Sachsen
dafür zuständig ist. Die Aussage des Sentinels
in qualitativer Hinsicht ist umso besser, wenn
alle Landkreise und kreisfreien Städte sowie
möglichst viele Gesundheitseinrichtungen
an den beiden Komponenten des Sentinels
beteiligt sind. Sehr wichtig ist, das gesamte
Territorium von Sachsen annähernd gleich-
mäßig zu erfassen. Dies ist sehr vom Enga-
gement der Gesundheitsämter abhängig. Am
epidemiologischen Sentinel arbeiteten in der
Saison 2010/2011 309 Arztpraxen aus 12
Kreisen mit. Abstriche zur mikrobiologischen
Untersuchung wurden von 110 Einrichtungen
aus 12 Kreisen (in der Mehrzahl allgemein-
medizinische und pädiatrische Arztpraxen)
eingesandt. Mögliche Erkrankungshäufungen
in Gemeinschaftseinrichtungen stehen unter
besonderer Beobachtung der Gesundheits-
ämter, die nach dem Infektionsschutzgesetz
Maßnahmen zur Verhütung der weiteren
Ausbreitung und zur Bekämpfung einleiten.
Im Sentinelzeitraum wurden 1.267 Patien-
tenmaterialien eingesandt und zunächst
molekularbiologisch (mittels Polymerase-
Kettenreaktion, PCR) untersucht. Bei den 521
in der PCR positiven Proben (d. h. Genom
eines Infl uenzavirus nachgewiesen) erfolgte
der Ansatz zur Virusanzüchtung, der in 319
Fällen gelang. Es wurden 310 Infl uenza A-
(= 59 %) und 214 Infl uenza B-Infektionen
(= 41 %) nachgewiesen, darunter waren 3 In-
fl uenza A/B-Doppelinfektionen. Bei den Infl u-
enza A-Viren dominierte in Sachsen wie auch
in Gesamt-Deutschland der Subtyp A/H1N1,
konkret der Stamm A/California/7/2009
(H1N1), bekannt seit dem Jahre 2009 als Pan-
demievirus der „Neuen Infl uenza A/H1N1)“.
Nur einmal trat in unserem Sentinel der Sub-
typ A/H3N2 auf. Die ausgeprägte Dominanz
des Subtypes A/H1N1 ist keine Ausnahme und
war außer in der Pandemiesaison 2009/2010
zum Beispiel auch im Jahr 2000/2001 (damals
98 % aller Nachweise) zu verzeichnen. Die
über die Feststellung des Typs oder Subtyps
hinausgehende weitere Typisierung ange-
züchteter Virusstämme trägt zur Klärung von
Virusveränderungen und damit zur Vorberei-
tung der Herstellung wirksamer Impfstoffe
bei.
Zur Verdeutlichung: Bei den Zahlen handelt
es sich nicht um die Gesamtzahlen der in
Sachsen aufgetretenen Infl uenzaerkrankun-
gen. Das Überwachungsprogramm erfasst
nur „die Spitze des Eisberges“, zeigt aber zu-
verlässig eine Epidemie an und bildet Trends
ab. Die tatsächliche Anzahl der Infektionen ist
um ein Vielfaches höher!
Auf der Basis der Infl uenzaüberwachung
kann aktuell für den Freistaat Sachsen wie
auch für Deutschland von einer moderat
verlaufenden Infl uenzawelle in den Mona-
ten Januar bis März 2011 gesprochen wer-
den. Nach der Ausnahmesituation in der
Saison 2009/2010 (Pandemie) konnten wir
wieder einen „üblichen“ Verlauf wie in frü-
heren Jahren beobachten: Vereinzelte Fälle
im Herbst/Winter des Vorjahres, Anstieg der
Welle ab Januar, Abklingen bis April. Auffällig
und unterschiedlich zur Vorsaison war auch
insbesondere der zweigipfl ige Verlauf der
diesjährigen Infl uenzawelle. Eine Infl uenza
A/H1N1/2009-Welle, die von der 3. bis zur 11.
Kalenderwoche (Gipfel Anfang Februar) an-
dauerte, ging ab der 6. Kalenderwoche in eine
Infl uenza B-Welle über (Gipfel Mitte März).
Den klinischen Verlauf der diesjährigen Infl u-
enza-Erkrankungen beschrieben die behan-
delnden Ärzte als überwiegend leicht bis mit-
telschwer und komplikationslos. Allerdings
wurden in Sachsen wie bundesweit auch viele
schwere und vor allem langwierige Verläufe
registriert, die eine zum Teil lang andauernde
intensivmedizinische Betreuung erforderten.
Mehr als 70 % aller Erkrankungen traten bei
Vorschul- und Schulkindern, jede vierte Er-
krankung bei Jugendlichen und jüngeren Er-
wachsenen auf.
Wie in jedem Jahr wurden angezüchtete Vi-
russtämme aus dem sächsischen Sentinel
dem Nationalen Referenzzentrum für Infl u-
enza beim Robert Koch-Institut in Berlin zur
Verfügung gestellt. Diese Einrichtung über-
gibt repräsentative Stämme aus Deutschland
Vorwort zum ARE-/Infl uenza-Sentinel
2010/2011 im Freistaat Sachsen

image
│3
an die WHO-Zentrale in London. So fl ießen
im Rahmen der europaweiten Überwachung
auch unsere Ergebnisse in die Empfehlungen
der WHO für die Impfstoffzusammensetzung
in der bevorstehenden Saison ein. Nach wie
vor bleibt die Schutzimpfung die wichtigs-
te präventive Bekämpfungsmaßnahme. In
diesem Zusammenhang sei hingewiesen auf
die Ausführungen zur Relation der Infl uen-
zanachweise bei Geimpften und Ungeimpften
in diesem Bericht.
Mit langer Tradition stellt das sächsische
ARE-/Influenza-Sentinel wissenschaftlich
fundierte und für die Praxis wichtige Infor-
mationen für prophylaktische und therapeu-
tische Bekämpfungsmaßnahmen zur Ver-
fügung. In diesem Sinne möchten wir allen
Beteiligten in Arztpraxen, Krankenhäusern,
Gesundheitsämtern und sonstigen Einrich-
tungen unseren herzlichen Dank aussprechen
für die engagierte Mitarbeit. Die Lektüre des
vorliegenden Berichtes soll Ihnen einen Ein-
blick in die Arbeit der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter einer Landeseinrichtung des Öf-
fentlichen Gesundheitsdienstes zum weiteren
Ausbau präventiver Maßnahmen für die Ge-
sundheit aller Bürgerinnen und Bürger geben.
Dr. Gerlinde Schneider
Präsidentin m.d.W.b.

4 │
1 Auswertung des epidemiologischen ARE–/
Infl uenza–Sentinels 2010/2011 im Freistaat
Sachsen und Vergleich mit anderen Surveil-
lance-Instrumenten
Die Ergebnisse der Infl uenzaüberwachung der
Saison 2010/2011 basieren wie bereits in den
vergangenen Jahren (siehe LUA-Mitteilungen
sowie diesbezügliche Sonderhefte) auf diver-
sen erhobenen Daten.
Hierzu zählen aus epidemiologischer Sicht
insbesondere:
das Infl uenza-Sentinelsystem des öffentli-
chen Gesundheitsdienstes (ÖGD) in Sach-
sen bzw. der Arbeitsgemeinschaft Infl uen-
za (AGI) inklusive Sachsen in Deutschland
der Erregernachweis (PCR und Virusan-
züchtung) u.a. zur Bestätigung epide-
miologischer Daten (Beginn/Ende einer
Epidemie)
die Berücksichtigung entsprechender In-
formationen aus den anderen Bundes-
und den europäischen Nachbarländern,
zu Häufungen, Informationen über Krank-
heitsverläufe, Komplikationen, Altersspe-
zifi tät, Mortalität etc.
Die Auswertung dieser Faktoren erlaubt nach-
stehende Einschätzung der Infl uenzaaktivität
für die Saison 2010/2011.
1.1 Saisonverlauf in Sachsen und
Deutschland
Im letzten Quartal 2010 entsprach die Häu-
fi gkeit akuter respiratorischer Erkrankungen
(ARE-Morbidität) im Freistaat Sachsen dem
erwarteten Niveau. Auch in den anderen Bun-
desländern gestaltete sich die ARE-Infl uenza-
Situation unauffällig. Die Werte der Konsul-
tationsinzidenzen für Gesamtdeutschland
zeigten die übliche Altersgruppenverteilung
und bewegten sich in dem für die Jahreszeit
normalen Bereich.
Innerhalb des bundesweiten Sentinels der AGI
erfolgten bereits ab der 41. Kalenderwoche
(KW) 2010 vereinzelte Infl uenzavirus-Nach-
weise. Das positive Probenmaterial stammte
aus Niedersachsen bzw. Bremen, also dem
Norden der Republik.
Eine geringfügige Erhöhung der Infl uenza-
Aktivität wurde ab der 47. KW 2010 in der
Region Schleswig-Holstein / Hamburg re-
gistriert. Dieser Trend war in der folgenden
Woche auch in Niedersachsen / Bremen,
Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-
Westfalen und ab der 49. KW in den Groß-
regionen Mitte, Osten und Norden zu beob-
achten. Nur im Süden Deutschlands wurden
noch Werte im Bereich der Hintergrundakti-
vität verzeichnet.
Auch innerhalb unseres sächsischen ARE-/
Infl uenza-Sentinels wurde ab der 48. KW
2010 ein leichter Anstieg der ARE-Aktivität
registriert, wobei sich die Werte weiterhin
auf einem für die Jahreszeit üblichen Niveau
bewegten.
Der erste Nachweis einer Infl uenzavirusinfek-
tion der Saison 2010/2011 innerhalb unse-
res sächsischen Sentinels gelang in der 50.
KW 2010 und somit in dem zu erwartenden
und typischen Jahreszeitraum. (In der vor-
angegangenen Ausnahme-Infl uenzasaison
2009/2010 hatte sich das Infl uenzageschehen
zum eigentlichen Saisonbeginn in der 40. KW
2009 bereits in vollem Gange befunden.) Be-
troffen war eine 58-jährige ungeimpfte Pa-
tientin aus dem Stadtkreis Chemnitz, die mit
Infl uenza-typischer Symptomatik erkrankte.
Dezent ansteigende Positivraten im Natio-
nalen Referenzzentrum für Infl uenza und die
leicht erhöhte ARE-Aktivität insbesondere im
Westen Deutschlands wurden zum Jahres-
wechsel als erste Anzeichen der beginnenden
Grippewelle gewertet.
Zu Jahresbeginn 2011 nahm die Grippeaktivi-
tät in Deutschland wie prognostiziert weiter
zu. Innerhalb unseres sächsischen Sentinels
wurden deutlich mehr Probeneinsendungen
und Infl uenzavirus-Nachweise registriert. Die
Positivrate stieg in der 2. KW 2011 sprung-
haft auf 50 % an. Von der 3. bis einschließlich
zur 6. KW 2011 wurden jeweils über 100 Ra-
chenabstriche zur Untersuchung eingesandt,
dabei wurden in der 5. KW die relativ meisten
Infl uenzavirus-Nachweise (77) geführt und
mit 51 % die höchste Positivrate der Saison
erzielt (siehe Tabelle 1 und Abbildung 1).
Im Westen und in der Mitte Deutschlands
wurde zu diesem Zeitpunkt eine höhere Ak-
tivität der akuten Atemwegserkrankungen
festgestellt als im Norden, Osten und Sü-
den. Bereits ab der 6. KW 2011 wurden dann
deutschlandweit wieder sinkende ARE-Para-
meter übermittelt, der Gipfel der moderaten
Infl uenzawelle war überschritten. Ab der
13. KW wurden aus dem gesamten Bundes-
gebiet nur noch niedrige ARE-Werte (Hinter-
grundaktivität) gemeldet.
Der Anteil von Infl uenza B-Viren stieg in
Sachsen wie in Gesamtdeutschland im Verlauf
der Erkrankungswelle stetig an. Ab der 8. KW
2011 wurden bundesweit jeweils mehr Infl u-
enza B- als Infl uenza A-Infektionen nachge-
wiesen. Zum Ende der Saison (14. KW 2011)
betrug der Anteil der Infl uenza B-Infektionen
an allen Nachweisen in Deutschland schließ-
lich über 90 %.
Grundsätzlich verlief die Infl uenzawelle
2010/2011 ausgesprochen moderat. Sie er-
reichte ihren saisonalen Gipfel in der 5. Ka-
lenderwoche 2011. Eine mäßig ausgeprägte
Infl uenza A(H1N1)2009-Welle ging in eine
leichte Infl uenza B-Welle über. Die Aktivität
der akuten respiratorischen Erkrankungen
befand sich im Freistaat durchweg auf einem
für die Jahreszeit üblichen Level, epidemische
Werte wurden grundsätzlich nicht erreicht
(siehe auch Abbildungen 1, 3 und 4).
Altersverteilung:
Die innerhalb unseres
sächsischen Sentinels identifi zierten Infl uen-
za-Erkrankungen betrafen zu 41,4 % Schul-
kinder (7 - < 17 Jahre). Auch schon in der
Vorsaison war diese Altersgruppe mit 47,2 %
verhältnismäßig am stärksten betroffen ge-
wesen, während in der Saison 2008/2009 die
Altersgruppen 1- < 7, 7 - < 17 und 17 - < 60
noch relativ gleichmäßig vertreten waren.
25 % der Erkrankungen wurden bei Erwach-
senen (17 - < 60 Jahre) und 31,1 % in der
Altersgruppe der Klein- und Vorschulkinder
(1 - < 7 Jahre) registriert. 1,7 % der Fälle
ließen sich der Hochrisikogruppe der unter
1-Jährigen zuordnen. Somit traten mit 74,2 %
annähernd 3/4 aller nachgewiesenen Infekti-
onen bei Kindern und Jugendlichen auf. Zum
Vergleich: in der Saison 2009/2010 gehörten
2/3 der Erkrankten dieser Altersgruppe an
und die Altersgruppe der 17 - < 60-Jährigen
war mit 32,5 % etwas stärker repräsentiert.
In nur 0,8 % der Fälle waren (wie schon in
der vorherigen Saison) über 60-jährige Pati-
enten betroffen (siehe auch Tabelle 2 sowie
Abbildung 2).
Den
klinischen Verlauf
der diesjährigen
Infl uenza-Erkrankungen beschrieben die
behandelnden Ärzte überwiegend als mit-
telschwer und komplikationslos. Allerdings
wurden in Sachsen wie auch bundesweit viele
schwere und vor allem langwierige Verläufe
registriert. Diese Fälle erforderten (wie schon
in der vorangehenden Saison 2009/2010) ver-
glichen mit den Vorjahren sehr viel häufi ger

│5
Tab. 1: Probeneinsendungen, Influenzavirus-Nachweise (mittels PCR) und Positivraten
KW*
Probeneinsendungen
Nachweise
Positivrate (in %)
40-49
87
0
0
50
11
1
9,1
51
6
0
0
52
10
4
40,0
1
39
6
15,4
2
68
34
50,0
3
110
50
45,5
4
108
53
49,1
5
151
77
51,0
6
121
43
35,5
7
81
41
50,6
8
52
26
50,0
9
67
33
49,3
10
61
30
49,2
11
87
44
50,6
12
58
24
41,4
13
64
26
40,6
14
44
21
47,7
15
25
7
28,0
16
12
3
25,0
17
5
1
20,0
Summe
1.267
524
41,4
* Kalenderwoche
Tab. 2: Altersaufgliederung der Influenzavirus-Nachweise (mittels PCR) in Sachsen und
Chemnitz
Sachsen
Altersgruppen
Chemnitz
9
=
1,7 %
0
-
< 1
6
=
5,2 %
163
=
31,1 %
1
-
< 7
35
=
30,2 %
217
=
41,4 %
7
-
< 17
45
=
38,8 %
131
=
25,0 %
17
-
< 60
30
=
25,8 %
4
=
0,8 %
60
0
=
0,0 %
524
Gesamt
116
0
20
40
60
80
100
120
140
40.-49. 50. 51. 52. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17.
2010
Kalenderwoche
2011
Anzahl
Probeneinsendungen
darunter Nachweise
Abb. 1: Probeneinsendungen und Infl uenzavirus-Nachweise (mittels PCR) nach Kalenderwochen (Tag der Probeentnahme) im Freistaat Sachsen 40. KW 2010 - 17. KW 2011
eine zum Teil lang andauernde intensivme-
dizinische Betreuung. Einige der betroffenen
Patienten waren über sehr lange Zeiträume
beatmungspfl ichtig. Auch aus Kinderkliniken
wurde über ausgesprochen schwere Erkran-
kungsfälle berichtet.
Todesfälle:
Im Freistaat Sachsen verstarben
in der Saison 2010/2011 insgesamt 6 Pa-
tienten nachweislich an Infl uenza. Bis auf
einen 73-Jährigen Mann mit therapeutisch
eingestellter Herzerkrankung waren alle Be-
troffenen nicht gegen Infl uenza geimpft und
mit erheblichen Vorerkrankungen belastet.
Es handelte sich um ein 9-jähriges Kind, ei-
nen 25-Jährigen sowie jeweils zwei 73- bzw.
79-jährige Patienten.
Ab der 1. bis einschließlich zur 14. KW 2011
kamen in Sachsen insgesamt
9 Infl uen-
za A(H1N1)2009- sowie 4 Infl uenza B-
Häufungen
zur Meldung. 5 dieser Geschehen
ereigneten sich innerhalb von Familien, 4 in
Krankenhäusern/Kliniken und 2 in Kinderta-
gesstätten. Ein Erkrankungsgeschehen kam
aus einer Schule sowie eines aus einer Behin-
derteneinrichtung zur Meldung. Im Rahmen
dieser Häufungen erkrankten jeweils zwi-
schen 2 und 17 Personen, wobei die höchsten
Erkrankungszahlen in der Schule (17 Fälle)
und der Behinderteneinrichtung (13 Fälle)
registriert wurden. Aus Seniorenheimen wie
auch Kur- bzw. Reha-Einrichtungen wurden
keine Erkrankungshäufungen gemeldet.
Die Entwicklung der ARE-Morbidität korre-
lierte mit den Nachweisraten der Infl uenza-
viren, die von der 2.-14. KW 2011 zwischen
35,5 und 51 % betrugen. Mit einer durch-
schnittlichen Positivenrate von 41,4 % wurde

6 │
In Sachsen wurden in der Saison 2010/2011
innerhalb des ÖGD-Sentinels insgesamt 310
Infl uenza A- sowie 214 Infl uenza B-Infek-
tionen nachgewiesen. In drei Fällen han-
delte es sich hierbei um Doppelinfektionen
(A(H1N1)2009 und B). Bei 309 der Infl uenza
A-Viren gelangen mittels PCR die Subty-
pisierung und der Nachweis von Infl uenza
A(H1N1)2009. Nur ein Infl uenzavirus war
dem Subtyp A(H3N2) zuzuordnen.
Nach der Infl uenzawelle 2009/2010, die sich
durch das ausschließliche Auftreten des neu-
en Infl uenzastammes A(H1N1)2009, der alle
anderen Infl uenzatypen bzw. -subtypen ver-
drängte, auszeichnete, zirkulierten in der Sai-
son 2010/2011 neben Infl uenza A(H1N1)2009
auch Infl uenza B- und – wenn auch nur sehr
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
0 < 1
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
60 und älter
in %
Sachsen
Stadt Chemnitz
Abb. 2: Infl uenzavirus-Nachweise (mittels PCR) nach Altersgruppen in Chemnitz und im Freistaat Sachsen 2010/2011
Abb. 3: ARE und Infl uenza in Beziehung zum Normalgang 27. KW 2010 – 26. KW 2011, Stadt Chemnitz
Abb. 4: Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Sachsen 2010/2011
die höchste „Trefferquote“ der letzen 6 In-
fl uenzasaisons erzielt. Zuvor war nur in der
Rekordsaison 2004/2005 eine höhere Positi-
venrate erreicht worden (siehe auch Tabelle
3). Die Mehrzahl der Infl uenza-Fälle (bezogen
auf den Tag der Materialentnahme) wurde
in den Wochen der höchsten ARE-Inzidenz
diagnostiziert, wobei sich die diesjährige In-
fl uenzaepidemie verglichen mit der Vorsaison
deutlich später und somit wieder in einem
ähnlichem Zeitraum wie in den Jahren zuvor
ausbildete. Auffällig und unterschiedlich zur
Vorsaison war auch der zweigipfl ige Verlauf
der diesjährigen Infl uenzawelle. Eine Infl uen-
za A(H1N1)2009-Welle, die von der 3. bis zur
11. KW 2011 andauerte, ging ab der 6. KW
2011 in eine Infl uenza B-Welle über (siehe
auch Tabellen 1 und 3 sowie Abbildungen 3
und 4).
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
27. 29. 31. 33. 35. 37. 39. 41. 43. 45. 47. 49. 51. 1. 3. 5. 7. 9. 11. 13. 15. 17. 19. 21. 23. 25.
2010
Kalenderwoche
2011
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
0
5
10
15
20
25
Influenzanachweise
Influenzavirusnachweise
Inzidenz 2010/2011
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
Inzidenz 2009/2010
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
8.000
9.000
10.000
40. 42. 44. 46. 48. 50. 52. 2.
4.
6.
8. 10. 12. 14. 16.
2010
Kalenderwoche
2011
Erkrankungen gesamt
0
5
10
15
20
25
30
35
40
Mittelwert
Erkrankungen
gesamt
Mittelwert pro
meldende Praxis/
Einrichtung

image
│7
vereinzelt – Infl uenza A(H3N2)-Viren.
Detaillierte Angaben zu den sächsischen Er-
gebnissen sind im Abschnitt 2 – Infl uenza-
Sentinel / mikrobiologischer Teil aufgeführt.
Mit insgesamt 1.267 Einsendungen (davon
524 mit positivem Ergebnis) während des
Sentinelzeitraumes (40. KW 2010 – 17. KW
2011) wurden in unseren Laboratorien ver-
glichen mit den Vorjahren deutlich weniger
Proben untersucht. Allerdings lag die Positiv-
rate von 41,1 %, das heißt der Prozentsatz,
der den Anteil der Sentinelproben darstellt, in
denen Infl uenzaviren nachgewiesen wurden,
war nochmals höher als im vergangenen Jahr.
Dieser Wert ist ein Beweis für die diagnosti-
sche Sicherheit und Erfahrung der beteiligten
Sentinelärzte, was die Auswahl der Infl uenza-
verdächtigen Probanden anbelangt. Tabelle 3
liefert einen Überblick über die Sentinel-Er-
hebungen seit 1999 hinsichtlich Anzahl der
Probeneinsendungen bzw. Nachweise, der
Positivraten sowie der Infl uenzavirus-Typen
und -Subtypen.
Tab. 3: In der LUA Sachsen erhobene Influenzavirus-Nachweise Saison 1999/2000 bis 2010/2011
Saison
Anzahl
Probeneinsen-
dungen
Anzahl
Nachweise
(Anzucht und/
oder PCR)
Positivrate
(%)
Anzahl
Proben
Nachweis
Infl. A
Anzahl
Subtyp
A(H1N1)
Anzahl
Subtyp
A(H1N2)
Anzahl
Subtyp
A(H3N2)
Anzahl
Proben
Nachweis
Infl. B
2010/2011
1.267
524
41,4
310
1)
309
1)
-
1
214
1)
2009/2010
2.364
920
38,9
920
917
-
-
-
2008/2009
2.296
826
36,0
679
2)3)
8
-
369
2)
149
2)
2007/2008
1.629
449
27,6
190
188
-
2
259
2006/2007
2.088
733
35,1
732
4)5)
16
4)
-
290
4)
1
2005/2006
1.183
181
15,3
48
6)
11
-
36
133
2004/2005
4.310
1.922
44,6
1.192
7)8)
110
7)
-
194
7)
748
7)
2003/2004
1.628
482
29,6
482
-
-
482
-
2002/2003
3.588
1.195
33,3
1.088
9)
1
1
1.086
110
9)
2001/2002
1.239
411
33,2
174
10)
-
3
171
241
10)
2000/2001
1.379
401
29,1
397
396
-
1
4
1999/2000
1.854
411
22,2
411
-
-
411
-
1) davon 3 Doppelinfektionen A(H1N1)2009 und B
2) davon 2 Doppelinfektionen Influenza A(H3N2) und B
3) davon 292 x nicht typisiert und 10 nicht typisierbar
4) davon 1 Doppelinfektion A(H1N1) und A(H3N2)
5) davon 427 x nicht typisiert
6) davon 1 x nicht typisierbar
7) davon 18 Doppelinfektionen: 4 x Influenza A (H1N1) und B, 3 x Influenza A (H3N2) und B sowie 11 x Influenza A (nicht typisiert) und B
8) davon 888 x nicht typisiert
9) davon 3 Doppelinfektionen Influenza A und B
10) davon 4 Doppelinfektionen Influenza A und B
1.2 Sächsische Meldedaten nach dem
Infektionsschutzgesetz (IfSG)
Zusätzlich zu den in den Laboratorien der LUA
Sachsen und im Rahmen des ARE-/Infl uenza-
Sentinels identifi zierten Infl uenzaviren wur-
den im Verlauf der Saison natürlich auch in
anderen entsprechenden Einrichtungen Infl u-
enzaerkrankungen labordiagnostisch nachge-
wiesen, gemäß IfSG an die zuständigen Ge-
sundheitsämter gemeldet und von diesen an
die LUA übermittelt.
Insgesamt wurden ab der 40. KW 2010 bis
einschließlich der 17. KW 2011 im Freistaat
3.534 Infl uenzaerkrankungen meldetechnisch
erfasst. Hierbei handelte es sich um 2.162
Infl uenza A- (davon wiederum um 1.665
x Infl uenza A(H1N1)2009 und 1 x Infl uen-
za A(H3N2)), 1.246 Infl uenza B- sowie 126
nicht typisierte Infl uenza-Nachweise (siehe
Abbildung 6).
Die 5 bis 14 Jahre alten Schulkinder stellten
mit insgesamt 39 % die am meisten betrof-
fene Altersgruppe, gefolgt von den 25- bis
44-Jährigen mit 20 %. 16 % der übermit-
telten Infl uenzaerkrankungen betrafen
Kleinkinder (1 - 4 Jahre). Jeweils 11 % der
gemeldeten Fälle konnten den Altersgruppen
der jungen Erwachsenen (15 – 24 Jahre) bzw.
Personen im Alter zwischen 45 und 64 Jah-
ren zugeordnet werden. 2 % der Erkrankun-
gen traten bei Säuglingen (< 1 Jahr) auf und
nur 1 % aller Erkrankungen wurden bei über
65-Jährigen registriert (siehe Abbildung 8).
Insgesamt 504 der gemeldeten Erkrankten
(14 %) mussten im Krankenhaus behandelt
werden (siehe Abbildung 7). Anteilig die
meisten Krankenhauseinweisungen mit je-
weils ca. 30 % der Patienten waren in den
Altersgruppen der Säuglinge (< 1 Jahr) und
Senioren (>= 65 Jahre) notwendig, während
durchschnittlich 11 % der Kinder und Ju-
gendlichen, 9 % der zwischen 45 und 64 Jah-
ARE - Aktivität - Mittelwert pro Praxis/Einrichtung
keine Meldung
1 bis unter 20
20 bis unter 40
40 bis unter 50
60 und mehr
Abb. 5: Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Sachsen 2010/2011
Mittelwert pro meldende Praxis/Einrichtung

8 │
re alten Erwachsenen und nur 5 % der jungen
Erwachsenen (20 – 44 Jahre) stationär aufge-
nommen wurden.
1.3 Infl uenzasaison 2010/2011 innerhalb
Europas
Auch im europäischen Ausland wurden im
4. Quartal 2010 zunächst nur vereinzelt auf-
tretende Infl uenza-Fälle registriert. Insge-
samt war in den gemäßigten Zonen der Nord-
halbkugel noch keine Infl uenza-Aktivität zu
verzeichnen. Zu den ersten Ländern, die spo-
radische Infl uenza-Fälle meldeten, gehörten
England, Frankreich und Estland (ab 40. KW
2010), später dann auch Nordirland, Zypern
und Deutschland (43. KW 2010). Mit Aus-
nahme von Bulgarien, wo kurzfristig mittlere
Infl uenza-Aktivität verzeichnet wurde, be-
richteten alle Länder in diesem Zeitraum über
nur geringe Infl uenza-Aktivität. Gegen Ende
des Jahres 2010 wurde aus einer zunehmen-
den Zahl der europäischen Nachbarländer ein
Ansteigen der Infl uenza-Aktivität übermittelt.
Neben dem Vereinigten Königreich wurde
auch in Belgien, Spanien und Portugal mitt-
lere Infl uenza-Aktivität registriert. England
informierte darüber hinaus über einige auf-
fallend schwere und zum Teil sogar tödliche
Krankheitsverläufe bei Erwachsenen unter 60
Jahren. Die Grippewelle breitete sich nach Be-
ginn in Großbritannien zunehmend weiter in
Europa aus.
Ab Saisonbeginn wurden in ganz Europa
neben Infl uenza A(H1N1)2009-, die den do-
minierenden Virustyp der Saison darstellten,
Abb. 7: Infl uenza 2010/2011 in Sachsen, Anteil der Hospitalisierten (Meldedaten nach IfSG)
0
5
10
15
20
25
75 <
70 - 74
65 - 69
60 - 64
55 - 59
50 - 54
45 - 49
40 - 44
35 - 39
30- 34
25 - 29
20 - 24
15 - 19
10 - 14
5 - 9
0 - 4
Altersgruppen
Anteil in Prozent
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
40 42 44 46 48 50 52
2
4
6
8
10 12 14 16
Meldewochen
Anzahl
Influenza-Erkrankungen
Anteil der Hospitalisierten
Abb. 6: Infl uenza 2010/2011 in Sachsen, gemeldete Infl uenzanachweise
Abb. 8: Infl uenza 2010/2011 in Sachsen, Altersverteilung (Meldedaten nach IfSG)
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
40 42 44 46 48 50 52 2468 10 12 14 16
Meldewochen
Anzahl
Influenza, nicht typisiert
Influenza B
Influenza A

│9
auch Infl uenza A(H3N2)- und Infl uenza B-
Viren nachgewiesen. Bis zum Jahreswechsel
errechnete sich eine interpolierte Verteilung
von 66 % Infl uenza A(H1N1)2009, 4 % Infl u-
enza A(H3N2) und 30 % Infl uenza B innerhalb
Europas.
Zum Jahreswechsel berichteten England, Ir-
land und Dänemark dann bereits über hohe
Infl uenza-Aktivität. Belgien, Frankreich, Itali-
en, Spanien, Portugal, Norwegen, Luxemburg,
Malta, Schottland, Nordirland und Wales mel-
deten mittlere und die übrigen europäischen
Nachbarn noch geringe Infl uenza-Aktivität.
Ab der 2. KW 2011 wurde zunächst in Luxem-
burg sehr hohe Infl uenza-Aktivität beobach-
tet, in der Folge breitete sich die Grippewelle
weiter im Osten und Süden aus: Bulgarien,
Griechenland, Italien und Litauen registrier-
ten erstmals hohe Aktivität (4. KW 2011). In
der 5. KW 2011 schlossen sich Polen und Un-
garn, in der 6. KW Schweden an. Deutschland
übermittelte in der gesamten Saison maximal
mittlere Infl uenza-Aktivität.
Bis zur 5. KW 2011 informierten die meisten
europäischen Länder über ansteigende Werte,
während im Vereinigten Königreich, Irland,
Spanien, den Niederlanden und Malta bereits
sinkende Werte zu verzeichnen waren. Die
Mehrzahl der europäischen Nachbarn be-
richtete ab der 6. KW über abnehmende In-
fl uenza-Aktivität. Hohe ARE-Parameter wur-
den ab der 9. KW 2011 in keinem der Länder
mehr registriert. In der überwiegenden Zahl
der Staaten bewegten sich die Werte ab der
11. KW nur noch auf niedrigem Niveau. Zum
Saisonende (17. KW 2011) wurde schließlich
aus allen teilnehmenden Ländern Aktivität im
Hintergrundbereich übermittelt.
Der Anteil von Infl uenza B-Viren stieg in Eu-
ropa (wie auch in Deutschland) im Verlauf der
Erkrankungswelle stetig an und lag in der 6.
KW 2011 bei fast 50 %. Ab der 8. KW wurde
Infl uenza B (mit einem Anteil von über 60 %)
zum dominant zirkulierenden Virustyp.
Die Infl uenzawelle der Saison 2010/2011
breitete sich (wie schon oft zuvor) vom Wes-
ten bzw. Nordwesten Europas nach Süden
und Osten aus.
1.4 Infl uenzavirus-Nachweise bei Ge-
impften (Sächsisches ARE-/Infl uenza-
Sentinel)
Zu 1.044 der insgesamt untersuchten 1.267
Einsendungen (82,4 %) liegen uns Angaben
zum Impfstatus vor. Somit wurde bei 223
(17,6 %) der Untersuchten anlässlich der Pro-
beentnahme leider kein Impfstatus erhoben.
In der vorangehenden Saison 2009/2010 er-
folgte bei 15,1 % und in der Saison 2008/2009
bei 11,4 % der Probeneinsendungen keine
Infl uenza-Impfanamnese oder zumindest
keine Eintragung derselben auf dem Proben-
begleitschein. Demzufolge entfernen wir uns
bedauerlicherweise mehr von dem Ziel einer
lückenlosen Erfassung der Impfanamnese, als
dass wir ihm näher kommen. Laut Impfanam-
nese aktuell gegen Infl uenza geimpft waren
nur insgesamt 97 (7,7 %) der Patienten, von
denen Proben bei uns eingegangen waren,
947 Probanden (74,7 %) waren anamnestisch
gegen Infl uenza ungeimpft.
Für die folgenden Berechnungen zu Erkran-
kung und Impfung wird die Anzahl von 1.004
Probanden bzw. von 439 Positiv-Nachweisen
mit erhobenem aktuellen Impfstatus Infl uen-
za betreffend (geimpft oder ungeimpft) zu-
grunde gelegt.
Trotz gesicherter Grippeimpfung erkrankten
28 Probanden unseres Sentinels an Infl uenza.
Darunter wurde im Labor in 21 Fällen Infl uen-
za A(H1N1)2009 und in 7 Fällen Infl uenza B
diagnostiziert.
Der Anteil geimpfter Perso-
nen an allen mit Infl uenzavirusnachweis
(= Infl uenza-Positive) betrug insgesamt
nur 6,4 %
(Anteil Ungeimpfter: 93,6 %). Zum
Vergleich: In der Saison 2009/2010 erkrank-
ten 1 % Geimpfte und 99 % Ungeimpfte, in
der Saison 2008/2009 11,4 % Geimpfte und
88,6 % Ungeimpfte, in der Saison 2007/2008
7 % Geimpfte und 93 % Ungeimpfte, in der
Saison 2006/2007 13 % Geimpfte und 87 %
Ungeimpfte und in der Saison 2005/2006
14,6 % Geimpfte und 85,4 % Ungeimpfte
(Abbildung 9).
Betrachtet man die 28 Probanden, die trotz
Impfung an Infl uenza erkrankten, so stellt
man fest, dass 6 dieser Patienten im „unge-
schützten“ Zeitfenster erkrankten, innerhalb
von 14 Tagen nach Impfung, also höchst-
wahrscheinlich noch gar kein vollständiger
Impfschutz aufgebaut werden konnte. Bei
drei weiteren Patienten wurde der Impftermin
nicht auf dem Probenbegleitschein erfasst.
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften
in der Gesamtgruppe der Infl uenza-Positiven
lag insgesamt bei 1 : 14,6; d.h.
unter den
Erkrankten waren 15-mal so viele Unge-
impfte wie Geimpfte
. Während für Geimpfte
eine auf die Anzahl der Probeneinsendungen
(mit Impfstatus) bezogene
Erkrankungsrate
von 2,7 % (Relation 28 positive Geimpfte /
1.044 Proben mit bekanntem Impfstatus) er-
mittelt werden konnte, betrug diese bei Un-
geimpften insgesamt 39,4 % (Relation 411
positive Ungeimpfte / 1.044 Proben mit be-
kanntem Impfstatus).
Betrachtet man die
Impfdurchbrüche diffe-
renziert nach Infl uenza A- bzw. Infl uenza
B-Erkrankungen
, so ergibt sich das folgende
Bild.
Bei 277 von 310 nachweislich an Infl uenza A
erkrankten Probanden unseres Sentinels war
der Impfstatus bekannt. Sie gliederten sich
auf in 21 Geimpfte und 256 Ungeimpfte.
Demzufolge waren unter allen Infl uenza A-
Positiven, von denen der Impfstatus bekannt
war 7,6 % geimpft und 92,4 % nicht geimpft.
Defi nitive Angaben zum Impfstatus erfolgten
bei 164 der 214 Infl uenza B-Positiven. In die-
ser Gruppe befanden sich 7 geimpfte und 157
ungeimpfte Patienten. Also waren unter allen
Infl uenza B-Positiven mit bekanntem Impf-
status 4,3 % geimpft und 95,7 % nicht.
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpf-
ten betrug bei den Infl uenza A(H1N1)2009-
Positiven 1 : 12,3 und bei den Infl uenza B-
Positiven bei 1 : 21,4. Das heißt unter den
an Infl uenza A Erkrankten waren 12-mal so
viele Ungeimpfte wie Geimpfte, während sich
unter den an Infl uenza B Erkrankten sogar
21-mal so viele ungeimpfte wie geimpfte
Probanden befanden.
13
7
11
1
6
87
93
89
99
94
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2006/2007 2007/2008 2008/2009 2009/2010 2010/2011
Ungeimpfte
Geimpfte
Abb. 9: Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit Infl uenzavirusnachweis
(Saison 2006/2007, 2007/2008, 2008/2009, 2009/2010 und 2010/2011)

10 │
sehr eindrucksvoll die Schutzwirkung der
saisonalen Grippeimpfung. Zum Vergleich:
in der Saison 2008/2009 errechnete sich eine
Gesamt-Ungeimpftenrate von 87 %. Sie hatte
damals für Infl uenza A bei 89 %, für Infl uen-
za B nur bei 77 % gelegen. Die Infl uenza B-
Impfdurchbrüche resultierten damals aus der
Tatsache der überragenden Dominanz von In-
fl uenza B-Viren der Victoria-Linie in der Sai-
son 2008/2009, während für die Herstellung
des saisonalen Impfstoffs gemäß der WHO-
Empfehlung Infl uenza B-Virus der Yamagata-
Linie - also ein anderer Virusstamm - ver-
wendet worden war. Mit 92 % befand sich die
„Ungeimpftenrate“ in der Saison 2007/2008
auf einem annähernd gleichen Niveau wie
2010/2011. In der Ausnahme-Infl uenzasaison
2009/2010 errechnete sich eine Ungeimpf-
tenrate von 99 %.
Bei kontinuierlicher Fortführung der Senti-
nelsysteme in Sachsen sind zukünftig noch
begründetere Aussagen möglich sowie Ent-
wicklungen über Jahre (z. B. zum Ausmaß
von Epidemien, zum zeitlichen Ablauf, zur
regionalen Ausbreitung, zu den jeweiligen
besonders betroffenen Altersgruppen etc.)
beurteilbar.
Auf Grund der im Jahr 2008 vollzogenen
Kreisgebietsreform im Freistaat kann anhand
der vorhandenen Daten ein 5-Jahres-Ver-
gleich nur anhand eines nicht „umstruktu-
rierten“ Kreises erfolgen.
Dies soll nachfolgend beispielhaft für die
letzten 5 Jahre am Stadtkreis Chemnitz (Ab-
bildung 10) dargestellt werden (NG = Nor-
malgang, epid. = epidemische Schwelle).
Für Infl uenza A ermittelte sich bei Geimpf-
ten eine moderat erhöhte Erkrankungsrate
gegenüber Infl uenza B (A: 2,0 %; B: 0,7 %),
bei Ungeimpften jedoch eine deutlich höhere
Erkrankungsrate (A: 24,5 %; B: 15,0 %).
Die „Ungeimpftenraten“ (also die Erkran-
kungsrate der Ungeimpften mit Infl uenzavi-
rus-Nachweis abzüglich der Erkrankungsrate
der Geimpften mit Infl uenzavirus-Nachweis
dividiert durch die Erkrankungsrate der Unge-
impften mit Infl uenzavirus-Nachweis) lagen
für Infl uenza A bei 92 % und für Infl uenza B
sogar bei 95 %. Für Infl uenza A und B gesamt
errechnete sich eine
Ungeimpftenrate von
93 %
.
Diese Ungeimpftenrate von 93 %, die die
Verringerung der Erkrankungsrate bei den
Geimpften gegenüber den Ungeimpften dar-
stellt, demonstriert gerade in dieser Saison
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
Normalgang
epid. Schw elle
Inzidenz
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
Abb. 10:
ARE-Normalgang und Verlauf 2006 – 2011, Stadtkreis Chemnitz (gesamt)
Bearbeiter: Dr. med. Dietmar Beier
Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
Irina Briem
Annett Friedrich

│11
2.1 Diagnostisches Procedere während
des Sentinel-Zeitraumes
Nachdem die Zirkulation von Infl uenza-
viren 2009/2010 durch das Auftreten des
neuen Subtyps Infl uenza A(H1N1)2009 das
Geschehen auf jahreszeitlich unübliche Art
beherrschte, spiegelt das Infl uenza-Sentinel
2010/2011 wieder den typischen Verlauf, wie
er sich vor 2009 darstellte, wider.
Aufgrund der Erwartung, dass Infl uenza
A(H1N1)2009 nach wie vor eine beträchtliche
Rolle spielen wird, wurde die diagnostische
Vorgehensweise darauf ausgerichtet und je-
des Abstrichmaterial routinemäßig mit einer
spezifi schen PCR zum Nachweis dieses Sub-
typs untersucht. Nachweise für die anderen
Subtypen des Infl uenza A-Virus sowie für das
Infl uenza B-Virus vervollständigten das mo-
lekularbiologische diagnostische Spektrum.
Die Ergebnisse bestätigten diese Vorgehens-
weise.
Wie in jedem Jahr folgte bei einem positiven
Ausfall einer PCR der Versuch eines kultu-
rellen Virusnachweises mittels MDCK-Zellen.
Die isolierten Virusstämme wurden mittels
monospezifi scher Antiseren im Vergleich mit
dem jeweiligen Referenzstamm subtypisiert.
In Vorbereitung des Sentinels erfolgte mit
dem Nationalen Referenzzentrum (NRZ)
für Infl uenza eine Absprache über den Um-
fang der zur intratypischen Differenzierung
weiterzuleitenden Virusstämme. Die Anzahl
wurde auf maximal 20 pro Woche festgelegt.
Dabei sollte Wert auf ein ausgewogenes Ver-
hältnis der Virustypen, -subtypen gelegt wer-
den. Bei der Auswahl der zu versendenden
Virusstämme wurden besonders Isolate von
Patienten berücksichtigt, bei denen anam-
nestisch eine Infl uenza-Schutzimpfung und/
oder eine Therapie mit einem Neuraminida-
sehemmer angegeben wurde bzw. bei denen
eine stationäre Behandlung annehmbar war
(Einsendung aus dem Krankenhaus) und da-
mit von einer schweren klinischen Sympto-
matik und/oder Risikofaktoren ausgegangen
werden konnte. In Probenmaterial von zwei
Patienten, von denen bekannt wurde, dass
die Infektion einen tödlichen Verlauf genom-
men hat, gelang der molekularbiologische
und kulturelle Nachweis von Infl uenzavirus
A(H1N1)2009. Auch diese beiden Virusisolate
wurden an das NRZ weitergeleitet.
2.2 Ergebnisse des Sentinels vom Oktober
2010 bis April 2011
Die Einsendezahlen waren im Vergleich zu
den vorausgegangenen Jahren (wobei 2009
kein Maßstab ist) moderat und eher gerin-
ger als erwartet wurde. Insgesamt gingen
im Zeitraum des Sentinels von Oktober 2010
bis April 2011 1.267 Abstrichmaterialien
(Nasen-/Rachen- oder Rachenabstriche) zur
Untersuchung ein. Die Verteilung der Pro-
benzahlen auf die einsendenden Einrichtun-
gen (Sentinel-Arztpraxen, Krankenhäuser,
Gesundheitsämter) ist in Tabelle 1, die Ver-
teilung nach territorialen Gesichtspunkten in
Tabelle 2 dargestellt.
In 521 (41,1 %) der 1.267 Abstrichmateriali-
en konnte molekularbiologisch Infl uenzavirus
nachgewiesen werden. In Abbildung 1 sind
die Relationen Probenzahl/positive PCR-Er-
gebnisse je Kalenderwoche dargestellt.
2 Auswertung des Infl uenza-Sentinels, mikrobio-
logischer Teil, 2010/2011 im Freistaat Sachsen
Tab. 1: Probeneinsender, Probenzahl, positive Proben und Positivrate nach PCR-Diagnostik
Einsender
Anzahl der Proben
Anzahl der
PCR-positiven Proben
Positivrate [%]
Sentinelpraxen
524
266
50,8
Krankenhäuser
683
228
33,4
Gesundheitsämter/Institute
60
27
45,0
Gesamt
1.267
521
41,1
Tab. 2: Aufschlüsselung der Probeneinsendungen und der positiven Influenzavirus-
Genomnachweise nach territorialen Gesichtspunkten
Kreis
Anzahl der Einsender
Anzahl der
Einsendungen
Anzahl positiver
Influenzavirus-
Genomnachweise
Direktionsbezirk Chemnitz (5 Kreise)
Chemnitz/Stadt 17 222 117 *
Erzgebirgskreis
16
218
90 **
Mittelsachsen
13
154
101
Vogtlandkreis
1
8
1
Zwickau
10
23
7
Gesamt
57
625
316 ***
Direktionsbezirk Dresden (5 Kreise)
Bautzen
8
30
14
Dresden/Stadt
3
104
36
Görlitz
8
60
19
Meißen
10
72
37
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
0
0
0
Gesamt
29
266
106
Direktionsbezirk Leipzig (3 Kreise)
Leipzig/Stadt
11
52
24
Leipzig
6
233
46
Nordsachsen
7
91
32
Gesamt
24
376
102
Gesamtsumme
110
1.267
524 ****
* darin enthalten:
1 Doppelinfektion (116 Abstriche PCR positiv, 117 Genomnachweise positiv)
** darin enthalten:
2 Doppelinfektionen (88 Abstriche PCR positiv, 90 Genomnachweise positiv)
*** darin enthalten:
die 3 Doppelinfektionen
**** 524 positive Genomnachweise in 521 PCR-positiven Probenmaterialien

12 │
Abb. 1: Relation von Probenanzahl zur Anzahl PCR-positver Proben aufgeschlüsselt nach Kalenderwochen während des Infl uenza-Sentinels
Abb. 2: Positive Genomnachweise von Infl uenzavirus A und B pro Kalenderwoche
Ab der 1. KW 2011 nahmen die Einsendungen
deutlich zu, mit den höchsten Zahlen in der 3.
bis 6. KW 2011.
Der erste Nachweis eines Infl uenzavirus ge-
lang mittels PCR und Virusanzucht bei einer
Probe von Mitte Dezember und ergab Infl u-
enza A(H1N1)2009, der letzte Nachweis fi el
in die letzte Sentinelwoche (Ende April 2011)
und war Infl uenzavirus B (Victoria-Linie). In
die 2. KW 2011 fi el der erste Nachweis eines
Infl uenza B-Virus. Ab diesem Zeitraum nahm
der Anteil dieses Virustyps kontinuierlich zu
und überwog ab der 10. KW 2011 deutlich.
In Abbildung 2 ist die Verteilung der positiven
Genomnachweise der Virustypen Infl uenza A
und B auf die einzelnen Kalenderwochen dar-
gestellt.
0
25
50
75
Influenza A
Influenza B
Influenza A
0
1
0
4
6
31
44
41
64
33
16
21
16
11
11
5
3
3
0
0
0
Influenza B
0
0
0
0
0
3
6
12
13
10
25
5
17
19
33
19
23
18
7
3
1
40.-49.
50.
51.
52.
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
KW
0
20
40
60
80
100
120
140
160
40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17
Probenzahl
Kalenderwoche
Proben
PCR-Positive
Anzahl eingesandte Proben: 1.267
Anzahl PCR-Positive:
521

│13
Bei 319 der 521 PCR-positiven Proben
(61,2 %) gelang eine Virusanzucht. Somit
standen ausreichend Virusstämme aus allen
epidemischen Phasen und Regionen Sach-
sens für weiterführende serologische und
molekularbiologische Untersuchungen zur
Verfügung.
Fast alle Virusisolate (außer diejenigen, bei
denen aufgrund zu niedriger Virustiter, einer
bakteriellen oder mykologischen Kontamina-
tion diese weiterführende Diagnostik nicht
durchführbar oder nicht auswertbar war)
konnten mittels monospezifi scher Antise-
ren feintypisiert werden. Während der Zeit
des Sentinels gehörten mit einer Ausnahme
alle nachgewiesenen Infl uenza A-Viren der
Variante Infl uenza A(H1N1)2009 (A/Califor-
nia/7/09) an. Nur einmal (in der 8. KW 2011)
wurde der Subtyp Infl uenza A(H3N2) nach-
gewiesen (mittels PCR und Virusanzucht).
Die Feintypisierung ergab Infl uenzavirus
A/Perth/16/09-like und entsprach damit der
Impfstoffkomponente. Von den kulturell
nachgewiesenen und subtypisierbaren Infl u-
enza B-Virusisolaten gehören 127 (92 %) der
138 Virusstämme zur Victoria-Linie (Variante
B/Brisbane/60/08-like) und entsprachen da-
mit der Impfstoffkomponente. Nur 11 (8 %)
der 138 subtypisierbaren B-Isolate gehörten
zur Yamagata-Linie (Variante B/Florida/4/06-
like). Diese Beobachtung entspricht den An-
gaben, die das NRZ Infl uenza im Epidemiolo-
gischen Bulletin 18/2011 für die bundesweite
Surveillance veröffentlicht hat.
Aus den Ergebnissen der PCR sowie denen
der Typisierung/Subtypisierung nach Virusan-
Zusammenfassung der Ergebnisse
Anzahl eingesandter Proben innerhalb des Sentinel-Zeitraumes:
1.267
Anzahl der Proben mit einem
positiven Ergebnis in der PCR
:
521
41,1%
(s. Abb. 1)
Anzahl der positiven PCR-Ergebnisse (3 Doppelinfektionen):
524
davon: Influenza A(H1N1)2009
309
59,0%
Influenza A(H3N2)
1
0,2%
Influenza B
214
40,8%
(s. Abb. 2)
Anzahl der Virus-Anzuchtversuche:
521
Anzahl der Proben mit einem
positiven Ergebnis in der Virusanzucht
:
319
61,2%
davon Influenza A-Virus:
173
54,2%
Influenza A(H1N1)2009
172
99,4%
Influenza A(H3N2)
1
0,6%
davon Influenza B-Virus:
146
45,8%
Viktoria-Linie
127
87,0%
Yamagata-Linie
11
7,5%
nicht subtypisierbar
8
5,5%
Im Sentinel-Zeitraum wurden 3 Doppelinfektionen erfasst:
1x Influenza A(H1N1)2009 und Influenza B (ohne Subtyp) in der 4. KW 2011
2x Influenza A(H1N1)2009 und Influenza B-Virus Victoria-Linie in der 8. u. 10. KW 2011
zucht ergibt sich eine sehr gute Übereinstim-
mung zwischen zirkulierenden Virustypen
und den Impfstoffkomponenten. Gegen-
über 2010 zirkulierten neben Infl uenzavirus
A(H1N1)2009 auch wieder Infl uenza B-Viren
in größerem Umfang. Andere Subtypen des
Infl uenza A-Virus spielten in unserem Unter-
suchungsmaterial (fast) keine Rolle.
In den Abbildungen 3 und 4 sind die Anteile
der Infl uenzavirus-Typen/-Subtypen an der
Gesamtzahl der Infl uenzavirus-Nachweise,
aufgeschlüsselt nach Jahrgang (Abb. 3) bzw.
nach Virustyp, (Abb. 4) ab Sentinel-Zeitraum
2003/2004 bis 2010/2011 dargestellt.
22,2
6,1
5,2
41,9
1,7
99,7
59,0
100,0
39,2
20,4
94,7
0,4
80,3
0,2
38,6
73,5
0,1
57,7
18,0
40,8
0
20
40
60
80
100
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
Jahre
Prozent
A (H1N1)
A (H3N2)
B
A (H1N1)2009
* 0,3 % (Influenza A nicht typisierbar)
*
Abb. 3: Anteil der Typen/Subtypen an der Gesamtzahl der Infl uenzavirus-Nachweise, beginnend mit der Saison 2003/2004, aufgeschlüsselt nach Jahrgang

14 │
Abb. 4: Anteil der Typen/Subtypen an der Gesamtzahl der Infl uenzavirus-Nachweise, beginnend mit der Saison 2003/2004, aufgeschlüsselt nach Virustyp
Bearbeiter: Dr. med. Ingrid Ehrhard
Dipl.-Biol. Gertraude Helbig
6,1
5,2
41,9
1,7
99,7
59,0
100,0
39,2
20,4
94,7
0,4
80,3
0,2
38,6
73,5
57,7
18,0
40,8
0,1
22,2
0
20
40
60
80
100
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
Jahre
Prozent
A (H1N1)2009
B
A (H3N2)
A (H1N1)

│15
Unter Einbeziehung aller molekularbiologi-
schen, virologischen und serologischen Be-
funde aus der Infl uenzasaison 2010/2011
wurde von der WHO für die Nordhalbkugel im
kommenden Winter (Saison 2011/2012) die
folgende Impfstoffzusammensetzung emp-
fohlen:
A/California/7/2009 (H1N1)-like virus
A/Perth/16/2009 (H3N2)-like virus
B/Brisbane/60/2008-like virus
Somit wird die Zusammensetzung des In-
fl uenza-Impfstoffes für die nächste Saison
identisch mit der Empfehlung für die im
vorliegenden Bericht beschriebene Saison
2010/2011 sein.
Dieser Impfstoff entspricht auch dem schon
gegenwärtig auf der Südhalbkugel angewen-
deten.
Bearbeiter: Dr. med. Dietmar Beier
3 Infl uenza-Impfstoff für die Saison 2011/2012
Schließlich sei allen an den verschiedenen
Sentinelsystemen beteiligten Arztpraxen,
Gesundheitsämtern, Krankenhäusern und
sonstigen Einrichtungen für die engagierte
Mitarbeit, ohne die eine aussagefähige epi-
demiologische Analyse nicht möglich wäre,
herzlich gedankt. Wie schon in den ver-
gangenen Jahren möchten wir Sie im Sinne
der Qualität unseres Sentinels auch für die
nächste Saison um eine lückenlose Daten-
erhebung, also das unbedingt notwendige
komplette Ausfüllen der Probenbegleitschei-
ne, bitten. Sie können damit wesentlich zur
wissenschaftlichen Aussagekraft des Senti-
nels beitragen.
Wir freuen uns auf eine weiterhin effektive
Zusammenarbeit in der kommenden Saison
2011/2012.
Bearbeiter: Alle am Infl uenza-Sentinel
beteiligten LUA-Mitarbeiter

16 │

0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
27. 29. 31. 33. 35. 37. 39. 41. 43. 45. 47. 49. 51. 1. 3. 5.
2010
Kalenderwoche
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
Herausgeber:
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen
Jägerstr. 8/10, 01009 Dresden
Redaktion:
Dr. med. Dietmar Beier, LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Tel. 0371/6009 200
Redaktionskollegium:
Dr. med. Dietmar Beier, LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Tel. 0371/6009 200
Dr. med. Ingrid Ehrhard, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1100
Gestaltung und Satz:
FG 4.2, LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Zschopauer Str. 87, 09111 Chemnitz,
Tel.: 0371/6009 206, Fax: 0371/6009 109
Druck:
ALINEA Digitaldruck GmbH, Königsbrücker Str. 96, 01099 Dresden, Tel.: 0351/646400
Redaktionsschluss:
30. Juni 2011
Bezug:
Dieses offi zielles Mitteilungsblatt der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits-
und Veterinärwesen des Freistaates Sachsen wird über Verteilerliste versandt und kann
kostenfrei im Internet abgerufen werden:
www.lua.sachsen.de
Titelbild:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) und Infl uenzavirusnachweise (innerhalb des
Sentinelzeitraumes: 40. KW 2010 -17. KW 2011) in Beziehung zum Normalgang 27. KW
2010 - 26. KW 2011, Stadt Chemnitz