image
ARE - / Influenza - Sentinel
2008 / 2009 im Freistaat Sachsen
Landesuntersuchungsanstalt
für das Gesundheits - und
Veterinärwesen Sachsen
Freistaat
Sachsen
Sächsisches Staatsministerium für Soziales

Impressum:
Offizielles Sonderheft der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und
Veterinärwesen des Freistaates Sachsen (18. Jahrgang)
Herausgeber:
LUA Sachsen
Sitz: Dresden
Jägerstr. 10
01099 Dresden
Redaktionskollegium:
Dr. med. D. Beier
Chemnitz
Tel. 0371 / 6009 200
Dr. med. I. Ehrhard
Dresden
Tel. 0351 / 8144 313
Redaktion:
Dr. med. D. Beier
LUA Sachsen, Standort Chemnitz
Zschopauer Straße 87
09111 Chemnitz
Organisation u.
Vertrieb:
C. Preuße
Chemnitz
Tel. 0371 / 6009 121
Fax 0371 / 6009 109
Fax 0371 / 6009 239
Druck und
Verarbeitung:
ALINEA Digitaldruck GbR
01099 Dresden, Königsbrücker Str. 96
Tel.: 0351 64 64 00
Nachdruck und Verbreitung des Inhaltes - auch auszugsweise - ist nur mit Quellenangabe, die
Vervielfältigung von Teilen dieses LUA - Sonderheftes nur für den Dienstgebrauch gestattet.
Erscheinungsweise: Sonderheft

- 3 -
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zum ARE - / Influenza-Sentinel 2008/2009
5
1
Auswertung des epidemiologischen ARE - / Influenza-Sentinels 2008/2009
8
2
Auswertung des Influenza-Sentinels, mikrobiologischer Teil 2008/2009
25
2.1 Molekularbiologischer Influenzavirus-Nachweis
25
2.2 Virologischer Influenzavirus-Nachweis und Charakterisierung der Stämme 31
2.3
Influenza-Impfstoff für die Saison 2009/2010
32

- 4 -

5
Vorwort zum ARE-/Influenza-Sentinel 2008/2009 im Freistaat Sachsen
Obwohl die Influenza, auch „echte“ Virusgrippe, hervorgerufen durch den Erreger Myxovirus
influenzae (Influenzaviren der Typen A oder B), eine der bedeutendsten Infektionskrankhei-
ten des Menschen ist, wird sie in weiten Kreisen der Bevölkerung, mitunter auch von Ärzten
und Gesundheitspolitikern, in klinischer und gesundheitsökonomischer Hinsicht unterschätzt.
Erst in jüngster Zeit, da Begriffe wie „Pandemie“, „Vogelgrippe“ und ganz aktuell „Schwei-
negrippe“ oder „Neue Influenza A/H1N1“ auf der Tagesordnung stehen, wandelt sich diese
Einschätzung.
Schon die „normale“, zur Unterscheidung von der neuen Influenza A/H1N1 des Jahres 2009
„saisonal“ genannte, Influenza tritt auch in hochentwickelten Industrieländern fast jährlich
epidemisch auf und verursacht regelmäßig Kosten in Milliardenhöhe, abgesehen vom
menschlichen Leid durch Erkrankungen und Komplikationen, zum Teil mit tödlichem Aus-
gang. In Deutschland sterben nach Angaben des Robert Koch-Institutes (RKI) und der auf
Bundesebene arbeitenden Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI), einer gemeinsamen Initiative
des RKI, des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Influenza, des Deutschen Grünen
Kreuzes und von Firmen der Impfstoff herstellenden Industrie, jährlich an der Influenza bis zu
15.000 Personen, in Jahren ausgeprägter oder schwerer Epidemien sogar mehr. In der Saison
2007/2008 waren 3.500 – 5.000 über das normale Maß hinausgehende Krankenhauseinwei-
sungen notwendig. Die Anzahl der zusätzlichen Arztkonsultationen wurde auf etwa 1,2 Milli-
onen geschätzt, die Zahl influenzabedingter Arbeitsunfähigkeiten auf 350.000 – 650.000
(AGI: Abschlussbericht der Influenzasaison 2007/08).
Die Bekämpfung der jährlichen Influenzaepidemien bzw. -wellen bedarf eines organisierten
Managements. Dazu ist prinzipiell nur der Öffentliche Gesundheitsdienst in der Lage und
gemäß dem Gesetz über den Öffentlichen Gesundheitsdienst im Freistaat Sachsen sogar ver-
pflichtet. Ein umfangreicher Katalog bevölkerungsmedizinisch wichtiger Daten muss erhoben
werden und eine von der Pharma- und Impfstoffindustrie unabhängige Bearbeitung erfolgen.
Es ist unabdingbar, dass unter der Regie der Gesundheitsämter möglichst viele Ärzte, insbe-
sondere der Primärversorgung (Allgemeinmediziner, Kinderärzte), aber auch Krankenhäuser
und andere Einrichtungen einbezogen werden. Die Gesundheitsämter sind darüber hinaus für
die Beobachtung und Untersuchung von Erkrankungshäufungen (z.B. in Heimen, Schulen,
Kindereinrichtungen) sowie für die Einleitung adäquater Maßnahmen zuständig.
Im Freistaat Sachsen wird in jedem Jahr ein Influenza-Sentinel durchgeführt, das sich seit
mehr als 30 Jahren bewährt hat. Es besteht aus einem epidemiologischen und einem mikro-
biologischen Teil. Das Sentinel liefert wissenschaftlich fundierte und für die Praxis wichtige
Informationen für prophylaktische und therapeutische Bekämpfungsmaßnahmen und benennt
mit nachprüfbaren Zahlen die ökonomische Bedeutung.
In den epidemiologischen Teil fließen die Zahlen von Personen mit akuten Atemwegserkran-
kungen (akute respiratorische Erkrankungen, ARE) ein, die die beteiligten Arztpraxen aufge-
sucht haben. Diese Zahlen werden der Landesuntersuchungsanstalt (LUA) über die Gesund-
heitsämter wöchentlich, aufgeschlüsselt nach Altersgruppen, mitgeteilt. Aus den Daten kann
für ein bestimmtes Territorium (Landkreis oder kreisfreie Stadt) und damit für eine definierte
Bevölkerung der sogenannte „Normalgang“, d. h. die üblicherweise auftretende Anzahl an
akuten Atemwegserkrankungen, berechnet werden. Er basiert auf den Wochenwerten der je-
weils letzten 5 Jahre, berücksichtigt die jahreszeitliche Verteilung der Erkrankungen innerhalb
eines Jahres und liefert die Prognose für das aktuelle Jahr. Durch ein Überschreiten des „Nor-
malganges“ wird unter Einbeziehung der Daten des mikrobiologischen Sentinels der Beginn
einer Influenzaepidemie zuverlässig angezeigt. Eine wissenschaftlich begründete Behandlung
Erkrankter ist somit ohne Verzögerung möglich.

6
Die am mikrobiologischen Teil des Influenza-Sentinels beteiligten Arztpraxen und Kranken-
häuser (in der Berichtssaison 144 Einrichtungen einschließlich einsendender Gesundheitsäm-
ter) werden durch die Gesundheitsämter für ihre Mitarbeit gewonnen. Sie entnehmen Rachen-
abstriche von Erkrankten zur Labordiagnostik. Die Untersuchungen auf Influenza A und B
dienen in erster Linie dem verzögerungsfreien Erkennen des Auftretens von Influenzaviren in
der Bevölkerung und der konkreten Beurteilung (Typisierung) der vorkommenden Virusvari-
ante. Die Typisierung hat einerseits epidemiologische Gründe, wie die Verfolgung von Infek-
tionswegen, vielmehr sollen jedoch damit Fragen geklärt werden, die die Virusveränderungen
sowie die Wirksamkeit des Impfstoffes betreffen.
An der Erfassung der Aktivität der ARE im Freistaat Sachsen beteiligten sich in der zurück-
liegenden Saison sämtliche 13 Landkreise und kreisfreien Städte. Für den Freistaat Sachsen
kann auf der Basis der in diesem Jahr weiter stabilisierten Influenzaüberwachung durch das
epidemiologische und mikrobiologische ARE-/Influenza-Sentinel von einer moderaten „In-
fluenzaepidemie“ bzw. einer ausgeprägten saisonalen Influenzawelle in der vergangenen In-
fluenzasaison gesprochen werden: Eine manifeste Influenza A/H3N2-Epidemie ging in eine
mäßige Influenza B-Welle über. Die Influenzaausbreitung erfolgte im Freistaat Sachsen er-
heblich schneller und deutlich ausgeprägter als in der vorherigen Saison. Insgesamt beein-
flusste die Influenzawelle die ARE-Inzidenz stärker als im Vorjahr.
Die epidemische Schwel-
le wurde ab der 3. bis einschließlich der 7. Kalenderwoche 2009 in nahezu allen Altersgrup-
pen und Territorien Sachsens überschritten. Den klinischen Verlauf beschrieben die behan-
delnden Ärzte als überwiegend leicht bis mittelschwer und komplikationslos. Am stärksten
betroffen waren die Altersgruppen der Vorschul- und Schulkinder (fast zwei Drittel aller Vi-
rusnachweise).
Proben zur Untersuchung im mikrobiologischen Sentinel erhielt die LUA ebenfalls aus allen
13 Kreisen des Freistaates. Insgesamt 2.296 Materialien wurden eingesandt und zunächst mo-
lekularbiologisch (mittels Polymerase-Kettenreaktion, PCR) untersucht. Bei den in der PCR
positiven Proben erfolgte der Ansatz zur Virusanzucht.
Influenzaviren kursierten in Sachsen nachweislich im Wesentlichen von der 51. Kalenderwo-
che 2008 bis zur 14. Kalenderwoche 2009, mit Maximalwerten zwischen der 3. und 6. Wo-
che. Zu Jahresbeginn 2009 bestätigten zunehmende Probeneinsendungen und Influenzavirus-
nachweise den in diesem Jahr im Vergleich zu den Vorjahren früheren Beginn der Influenza-
welle. Mittels PCR war in 826 Patientenproben Influenzavirusgenom nachweisbar, davon
konnten in der Virusanzucht 137 Isolate gewonnen werden. Es handelte sich um 679 Influen-
za A- und 149 Influenza B-Stämme. Darunter waren 2 Influenza A/B-Doppelinfektionen. Bei
den Influenza A-Viren dominierte der Subtyp H3N2 mit fast 98 % gegenüber H1N1. Bitte
beachten Sie hierbei, dass unser Sentinel Ende April endete und es sich bei den nachgewiese-
nen H1N1-Stämmen ausschließlich um das saisonale Influenza-A/H1N1-Virus handelte, nicht
um das Virus der Neuen Influenza A/H1N1.
Angezüchtete Virusstämme aus dem sächsischen Sentinel wurden dem NRZ für Influenza
beim RKI in Berlin zur Verfügung gestellt. Diese Einrichtung übergibt repräsentative Stämme
aus Deutschland an die WHO-Zentrale in London. So fließen im Rahmen der europaweiten
Überwachung auch unsere sächsischen Ergebnisse in die Empfehlungen der WHO für die
Impfstoffzusammensetzung in der bevorstehenden Saison ein.
Auf die gute Wirksamkeit der Schutzimpfung gegen Influenza weisen die Erhebungen zu In-
fluenzavirusnachweisen bei Geimpften und Ungeimpften hin. So befanden sich unter den un-
tersuchten Erkrankten annähernd 8-mal so viele Ungeimpfte wie Geimpfte. Wie wichtig eine
gute Übereinstimmung des aktuellen Impfstoffes mit den zirkulierenden Virusstämmen ist,
unterstreicht die in dieser Saison beobachtete höhere Rate von Impfdurchbrüchen bei Influen-

image
7
za B- gegenüber Influenza A-Erkrankungen, vermutlich bedingt durch das deutliche Abdriften
der Influenza B-Stämme. Es wurde sowohl im Sentinel der AGI als auch in unserem sächsi-
schen Sentinel nachgewiesen und führte konsequenterweise zu einer Veränderung der B-
Komponente im Influenzaimpfstoff für die Saison 2009/2010. Trotz neuerer medikamentöser
Möglichkeiten zur Prophylaxe und Therapie der Influenza mit Neuraminidasehemmern bleibt
die Schutzimpfung nach wie vor die wichtigste präventive Bekämpfungsmaßnahme.
Die vorliegenden sehr guten und auch für eine Pandemieplanung wichtigen Ergebnisse wer-
den wie in jedem Jahr zur bundesweiten Anerkennung unseres sächsischen Sentinels beitra-
gen.
Wir möchten wiederum darauf hinweisen, dass es sich bei den Nachweisen nicht um die Ge-
samtzahlen der in Sachsen aufgetretenen Influenzaerkrankungen handelt. Das Überwachungs-
programm (= Sentinel) erfasst nur „die Spitze des Eisberges“, zeigt aber, wie Sie bei der Lek-
türe unseres Berichtes feststellen werden, zuverlässig eine Epidemie bzw. Zirkulation von
Influenzaviren an und bildet Trends ab. Die tatsächliche Anzahl der Infektionen liegt um ein
Vielfaches höher!
Schließlich sprechen wir allen Beteiligten in Arztpraxen, Krankenhäusern, Gesundheitsämtern
und sonstigen Einrichtungen für die engagierte Mitarbeit unseren herzlichen Dank aus. Der
vorliegende Bericht soll Ihnen einen Einblick in die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbei-
ter einer Landeseinrichtung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes zum weiteren Ausbau prä-
ventiver Maßnahmen für die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger geben.
Dr. med. vet. Stephan Koch
Präsident

image
8
1
Auswertung des epidemiologischen ARE-/Influenza – Sentinels
2008/2009 im Freistaat Sachsen
Die Ergebnisse der Influenzaüberwachung der Saison 2008/2009 basieren wie bereits in den
vergangenen Jahren (siehe LUA-Mitteilungen sowie diesbezügliche Sonderhefte) auf der
Grundlage diverser erhobener Daten.
Hierzu zählen aus epidemiologischer Sicht insbesondere:
-
die ganzjährig kontinuierliche bzw. saisonale (40. Berichtswoche (BW) 2008 – 17. BW
2009) Erfassung von akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE) zur Bestimmung des
sog. epidemiologischen Normalgangs (NG) unter Berücksichtigung des Vertrauensin-
tervalls (mit der präepidemischen Schwelle als oberer Vertrauensgrenze des NG) in
möglichst gleichmäßig über Sachsen verteilten Territorien (siehe Abb. 1)
-
das Influenza-Sentinelsystem des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) in Sachsen
bzw. der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) inklusive Sachsen in Deutschland
-
der Erregernachweis (PCR und Anzucht) u.a. zur Bestätigung epidemiologischer Daten
(Beginn/Ende einer Epidemie)
-
die Berücksichtigung entsprechender Informationen aus den anderen Bundes- und den
europäischen Nachbarländern, von Häufungen, Informationen zu influenzatypischen
Krankheitsbildern, Komplikationen, Altersspezifität, Mortalität etc.
Abb. 1:
An der Erfassung der ARE-Aktivität beteiligte Landkreise und kreisfreie Städte
(27. KW 2008 – 26. KW 2009. (0 – keine Meldung, 1 – saisonale Meldung, 2 – ganzjährige Mel-
dung)
0
0
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
2
2
2
2
2
2
2
2
2
1
2

9
Die Auswertung dieser und weiterer Faktoren erlaubt nachstehende Einschätzung der Influen-
zaaktivität für die Saison 2008/2009.
Mit dem 01. August 2008 erfolgte in Sachsen die Neugliederung der Kreisgebiete. Da die Er-
fassung der akuten respiratorischen Erkrankungen innerhalb der neu gebildeten Kreise sehr
unterschiedlich und territorial inhomogen erfolgte, wurden dieser Auswertung noch die „Alt-
kreise“ zu Grunde gelegt. Auch war eine vergleichende Darstellung mit Vorjahresergebnis-
sen nur auf diesem Weg möglich. Wir bitten um Ihr Verständnis für diese Vorgehensweise.
Im letzten Quartal 2008 entsprach die ARE-Morbidität im Freistaat Sachsen dem saisonal
erwarteten Niveau.
In den anderen Bundsländern gestaltete sich die ARE-Influenzasituation ebenfalls unauffällig,
die Werte der Konsultationsinzidenzen für Gesamtdeutschland zeigten die übliche Alters-
gruppenverteilung und blieben in dem für die Jahreszeit normalen Bereich. Nur sehr spora-
disch wurden Influenzanachweise gemäß Infektionsschutzgesetz an das Robert Koch-Institut
(RKI) übermittelt.
Laut Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza erfolgten in der 43. Kalenderwoche
(KW) die ersten beiden Influenza B-Nachweise der Saison innerhalb des bundesweiten Senti-
nels bei zwei Patienten aus Bayern. In der 46. KW gelang ein Influenza A/H3N2-Nachweis
aus einem Rachenabstrich aus Thüringen.
In Sachsen blieb die Aktivität der akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE) trotz dezen-
ten Anstiegs zunächst noch auf einem der Jahreszeit gemäßen Niveau. Der erste Influenza-
nachweis mittels PCR der Saison 2008/2009 im Freistaat gelang in der 48. KW. Ein unge-
impfter 30-jähriger Mann aus dem Landkreis Mittelsachsen erkrankte nachweislich an einer
Influenza B.
Hiermit war der Beginn der Influenza-Saison 2008/2009 in Sachsen festzustellen.
Gegen Ende des Jahres stieg die Aktivität der ARE dann in Sachsen wie auch bundesweit an
und befand sich auf einem leicht erhöhten Niveau. Neben geringer Influenzaaktivität - in
Deutschland traten weiterhin zunächst nur sporadische Fälle auf - trugen wohl auch andere
virale Atemwegsinfektionen (z. B. RSV-Infektionen) zu dieser Erhöhung bei. Zum Jahres-
wechsel stieg die ARE-Aktivität deutschlandweit weiter an und befand sich auf moderat er-
höhtem Niveau, zudem wurden lokalisierte Influenza-Ausbrüche registriert. Auch in Sachsen
wurde die steigende Anzahl der Probeneinsendungen in Verbindung mit zunehmenden In-
fluenzavirus-Nachweisen als Beginn der saisonalen Grippewelle gewertet. In der 52. KW
führten die Laboratorien der Landesuntersuchungsanstalt 5 und in der 1. KW 3 Influenza
A/H3N2-Nachweise. Zu Jahresbeginn 2009 bestätigten die weiteren Zunahmen der Proben-
einsendungen und Influenzanachweise den in diesem Jahr im Vergleich zu den Vorjahren
deutlich früheren Beginn der Influenzawelle.
Auch bundesweit setzte sich der beobachtete Anstieg rasch fort und erreichte bereits ab der 2.
KW ein stark erhöhtes Niveau. Zunächst war vor allem der Nordwesten, ab der 3. KW dann
auch der Nordosten und die Mitte Deutschlands betroffen, während eine Zunahme der Werte
im Süden Deutschlands erst zeitlich verzögert eintrat. Von der 3. bis zur 5. KW (12.01.-
31.01.09) hatte die saisonale Grippewelle den Freistaat Sachsen wie auch die ganze Bundes-
republik voll erfasst und erreichte bundesweit in der 4. KW und in Sachsen in der 5. KW ih-
ren Höhepunkt. Die ARE-Neuerkrankungsraten überschritten in nahezu allen Altersgruppen
und Territorien Sachsens die epidemische Schwelle.
Zur näheren Erläuterung der sog. „epidemischen Werte“: Die „präepidemische Schwelle“ ist
die obere Vertrauensgrenze des mathematischen Normalgangs. Ihr Überschreiten zeigt eine
nicht zufällige Abweichung vom Normalgang und somit den möglichen Beginn einer Epide-
mie an. Die epidemische Schwelle wiederum hat zum mathematischen Normalgang den dop-

10
pelten Abstand wie die „präepidemische Schwelle“. Das Überschreiten der epidemischen
Schwelle signalisiert zuverlässig das Bestehen einer Epidemie.
Ein Rückgang der Influenza-Aktivität setzte im Norden, Westen und in der Mitte der Repu-
blik ab der 5. KW, im Osten ab der 6. KW und im Süden erst ab der 7. KW ein. Ab der 8. KW
wurde dann ein deutlicher Rückgang bei aber noch erhöhtem Niveau gemeldet. Werte, die im
für die Jahreszeit üblichen Bereich lagen, wurden schließlich ab der 10. KW beobachtet. Pro-
beneingangszahlen und Influenzavirusnachweise verhielten sich ab dem Höhepunkt in der 4.
KW konstant rückläufig und die Influenzasaison neigte sich ab der 11. KW ihrem Ende zu.
Nach der 17. KW (20.04.-26.04.09) wurde das sächsische Influenza-Sentinel der Saison
2008/2009 abgeschlossen.
Von den insgesamt 2.296 Probeneinsendungen erbrachten 828 ein positives Ergebnis bei 826
Patienten. Insgesamt wurden in 677 Proben Influenza A-Viren (367 x A/H3N2, 8 x A/H1N1,
10 x nicht typisierbar, 292 x nicht typisiert) und in 147 Untersuchungsmaterialien Influenza
B-Viren als Infektionserreger identifiziert. Zudem wurden 2 Doppelinfektionen mit Influenza
A/H3N2 und B nachgewiesen.
Von der 3. bis zur 7. KW erreichten uns jeweils weit über 100 Probeneinsendungen. Die
meisten Probeneinsendungen (486) erfolgten in der 4. KW, in der auch die größte Zahl an
Influenza-Nachweisen (192) gelang. Die höchste Positivrate wurde mit 48,7 % in der 5. KW
erzielt (siehe Tab. 1 und 4). Ab dem Höhepunkt in der 4. und 5. KW sank die Anzahl der Pro-
beneinsendungen und die der Influenzanachweise kontinuierlich (siehe auch Abb. 6).
Bundesweit wurden annähernd viermal so viele Influenza A- wie Influenza B-Viren nachge-
wiesen. Die bis einschließlich der 17. KW im Nationalen Referenzzentrum identifizierten und
subtypisierten Influenzaviren ließen sich zu 72,3 % Influenza A/H3N2, 6,4 % A/H1N1 und zu
21,3 % Influenza B zuordnen.
Hierbei stieg der Anteil der Influenza B-Viren ab der 8. KW
kontinuierlich über den der Influenza A-Viren.
Diese festgestellte Häufigkeitsverteilung ent-
sprach auch der Situation in ganz Europa. Der Gipfel der Influenza A (A/H3N2)-Welle lag in
Sachsen zwischen der 3. und 6. KW (4. KW) und deutschlandweit zwischen der 2. und 5.
KW, während der Höhepunkt der Influenza B-Viruszirkulation in Sachsen wie bundesweit
erst zwischen der 6. und 10. KW erreicht wurde (siehe Abb. 6).
Die moderate Influenzaepidemie der Saison 2008/2009 baute sich, in den nördlichen Regio-
nen der Bundesrepublik beginnend, in die Mitte, nach Westen, danach nach Osten und
schließlich auch nach Süden hin auf.
Die Influenza breitete sich demnach in dieser im Vergleich zu der vorangehenden Saison
(2007/2008) relativ rasch aus (siehe Abb. 2-5, NG = Normalgang, präep. = präepidemische
Schwelle, epid. = epidemische Schwelle). Zwischen der 2. und 12. KW wurde eine erhöhte
Viruszirkulation zunächst von Influenza A/H3N2 und im Folgenden - wenn auch in erheblich
geringerem Maße - von Influenza B beobachtet.

11
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
2000
27.KW
30.KW
33.KW
36.KW
39.KW
42.KW
45.KW
48.KW
51.KW
2.KW
5.KW
8.KW
11.KW
14.KW
17.KW
20.KW
23.KW
26.KW
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
Inzidenz
NG
präep.
epid.
Abb. 2:
ARE – Normalgang 27. KW´08 – 26. KW´09, Kreis Annaberg
0
100
200
300
400
500
600
700
800
27.KW
30.KW
33.KW
36.KW
39.KW
42.KW
45.KW
48.KW
51.KW
2.KW
5.KW
8.KW
11.KW
14.KW
17.KW
20.KW
23.KW
26.KW
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
Inzidenz
NG
präep.
epid.
Abb. 3:
ARE – Normalgang 27. KW´08 – 26. KW´09, Kreis Stollberg

12
0
100
200
300
400
500
600
700
800
27.KW
30.KW
33.KW
36.KW
39.KW
42.KW
45.KW
48.KW
51.KW
2.KW
5.KW
8.KW
11.KW
14.KW
17.KW
20.KW
23.KW
26.KW
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
Inzidenz
NG
präep.
epid.
Abb. 4:
ARE – Normalgang 27. KW´08 – 26. KW´09, Kreis Freiberg
0
50
100
150
200
250
300
350
400
27.KW
30.KW
33.KW
36.KW
39.KW
42.KW
45.KW
48.KW
51.KW
2.KW
5.KW
8.KW
11.KW
14.KW
17.KW
20.KW
23.KW
26.KW
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
Inzidenz
NG
präep.
epid.
Abb. 5:
ARE – Normalgang 27. KW´08 – 26. KW´09, Vogtlandkreis

13
Tab. 1:
Probeneinsendungen, Influenzavirusnachweise und Positivraten
KW Probeneinsendungen Nachweise Positivrate (in %)
40–47
85
0
0
48 14 1 7,1
49
11
0
0
50
6
0
0
51
31
3
9,7
52 24 6 25,0
1
31
4
12,9
2 64 23 35,9
3
225
103
45,8
4 486 192 39,5
5
382
186
48,7
6 343 133 38,8
7
178
66
37,1
8 100 28 28,0
9
89
27
30,3
10 68 19 27,9
11
43
10
23,3
12 34 11 32,4
13
38
8
21,1
14 21 5 23,8
15
11
0
0
16 9 0 0
17
3
1
33,3
Summe 2.296 826 36,0

14
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
48 49 50 51 52 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Kalenderwoche
Positive A
Positive B
Anzahl
Abb. 6:
Influenzavirusnachweise (mittels PCR) spezifiziert nach Influenza A und B
nach Kalenderwochen (Tag der Probeentnahme) im Freistaat Sachsen 2008/2009
Influenzasaison 2008/2009 innerhalb Europas
Auch im europäischen Ausland wurden im 4. Quartal 2008 zunächst nur sporadisch auftre-
tende Influenza-Fälle registriert. Die ersten Influenzanachweise der Saison wurden vor allem
aus Ländern gemeldet, die an der westlichen Grenze Europas liegen. Nachdem zunächst keine
bzw. nur sporadisch Influenza-Aktivität festgestellt worden war, wurde ab der 50. KW in ei-
nigen Ländern lokale (Spanien, Frankreich) bzw. bereits weiter verbreitete Influenza-Aktivität
mittlerer Intensität (England, Irland, Portugal) registriert. Die Rate von Influenzavirusnach-
weisen innerhalb Europas stieg in der Folge an. Zum Jahreswechsel wurde zunächst aus Por-
tugal und Irland über Influenza-Aktivität von hoher Intensität berichtet, während in anderen
Länder West- und Zentraleuropas Influenza-Aktivität mittlerer Intensität registriert wurde. In
den ersten Januarwochen breitete sich die Influenza weiter in Europa aus. Nur aus einigen
östlichen und nordöstlichen Ländern wurde noch niedrige Influenza-Aktivität gemeldet.
Der Höhepunkt der saisonalen Influenzawelle war in Portugal bereits in der 2. KW und in
England und Irland in der 3. bzw. 4. KW überschritten, während in diesem Zeitraum vor al-
lem in Zentraleuropa (Deutschland, Schweiz, Luxemburg, Polen, Schweden) eine hohe In-
fluenza-Aktivität beobachtet wurde. In der 5. und 6. KW meldeten die meisten Länder eine
mittlere bis hohe ARE-Aktivität. Auch im Osten Europas stieg die Influenza-Aktivität nun
deutlich an. Ein Trend, der sich in den nächsten Wochen fortsetzte, wobei im Westen Europas
zunächst noch ein allmählicher und ab 8. KW dann ein deutlicher Rückgang auf Werte niedri-
ger Intensität zu verzeichnen war. Erst in der 11. KW berichtete die Russische Föderation
erstmalig über hohe Intensität der Influenza-Aktivität. Gleichzeitig war in Westeuropa die
saisonale Grippewelle vorbei. Ein Rückgang der Erkrankungszahlen wurde im Osten Europas
dann ab der 13. KW registriert. Bis zur 17. KW ging die ARE-Aktivität in allen europäischen
Nachbarländern auf ein niedriges Niveau zurück.
Der Höhepunkt der diesjährigen Influenzawelle wurde in den meisten Ländern Europas zwi-
schen der 1. und 8. KW (29.12.08–22.02.2009), also deutlich früher als in der vorangegange-
nen Saison, registriert. Nachdem zu Beginn der Saison vor allem Influenza A/H3N2-
Infektionen nachgewiesen wurden, stieg der Anteil der Nachweise von Influenzavirus B an
den insgesamt nachgewiesenen Influenzaviren zum Ende der Saison hin an. Ab der 11. KW

15
war Influenza B der dominierende Virustyp, wenn auch Influenza A/H3N2 europaweit das
insgesamt dominierende Virus der Saison 2008/09 ausmachte. Die interpolierte Verteilung
der in der Saison 2008/2009 nachgewiesenen Influenzaviren in Europa stellt sich wie folgt
dar: 81 % Influenza A/H3N2, 9 % Influenza A/H1N1 und 10 % Influenza B.
Den klinischen Verlauf der diesjährigen Influenza-Erkrankungen beschrieben die behandeln-
den Ärzte als überwiegend leicht bis mittelschwer und komplikationslos. Die identifizierten
Influenza-Erkrankungen betrafen in Sachsen zu 37,5 % die Altersgruppe der Klein- und Vor-
schulkinder (0 - < 7 Jahre). 26,8 % der Erkrankungen wurden in der Altersgruppe der Schul-
kinder (7 - < 17 Jahre) und 31,7 % bei Erwachsenen (17 - < 60 Jahre) registriert. In nur 4 %
der Fälle waren über 60-jährige Patienten betroffen. Somit traten annähernd 2/3 aller nachge-
wiesenen Infektionen bei Kindern und Jugendlichen auf, was nachfolgend in Tabelle 2 sowie
in Abbildung 7 dargestellt wird.
Tab. 2:
Altersaufgliederung der Influenzavirusnachweise (mittels PCR)
in Sachsen und Chemnitz
Sachsen Altersgruppen Chemnitz
32
=
3,85 %
0 -
<
1
1
=
1,05 %
278
=
33,65 %
1 -
<
7
26
=
27,70 %
221
=
26,80 %
7 -
<
17
34
=
36,10 %
262
=
31,70 %
17 -
<
60
32
=
34,10 %
33 = 4,00 %
>60
1 = 1,05 %
826
Gesamt
94

16
0
5
10
15
20
25
30
35
40
< 1
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
60 und älter
%
Sachsen
Stadt Chemnitz
Abb. 7:
Influenzavirusnachweise (mittels PCR) nach Altersgruppen
in Chemnitz und im Freistaat Sachsen 2008/2009
In der 10. Kalenderwoche kam der erste und einzige (bestätigte)
Influenza-Todesfall
der Sai-
son in Sachsen zur Meldung. Ein ungeimpfter 4-jähriger Junge aus dem Leipziger Landkreis
war am Abend des 12.02.2009 mit hohem Fieber erkrankt und kurze Zeit später zu Hause
verstorben. Das Kleinkind neigte zu Epilepsie und Fieberkrämpfen. Die Obduktion erbrachte
den Nachweis von Influenzavirus B/Victoria-Linie in der Trachea, in der Lunge und im Blut
des Verstorbenen.
In der Saison 2008/2009 kamen insgesamt
11 Influenza A- und 3 Influenza B-Häufungen
zur Meldung. Betroffen waren 8 Kindertagesstätten, 5 Schulen (alle im Landkreis Görlitz)
sowie die Station eines Krankenhauses (in der Stadt Leipzig). Im Rahmen von kleineren Aus-
brüchen erkrankten hier jeweils zwischen 3 und 19 Personen.
Weitere besondere Auffälligkeiten wurden nicht registriert.
Die Entwicklung der ARE-Morbidität korrelierte mit den Nachweisraten der Influenzaviren,
die von der 2.-10. KW zwischen 28 und 49 % und in dem Zeitraum von der 2.-7. KW jeweils
über 35 % betrugen. Die Mehrzahl der Influenzafälle (bezogen auf den Tag der Materialent-
nahme) wurde in den Wochen der höchsten ARE-Inzidenz diagnostiziert, wobei die diesjähri-
ge moderate Influenzaepidemie verglichen mit der Vorsaison einen deutlich ausgeprägteren
und zügigeren Verlauf aufwies (siehe auch Abb. 8).

17
27.KW
30.KW
33.KW
36.KW
39.KW
42.KW
45.KW
48.KW
51.KW
2.KW
5.KW
8.KW
11.KW
14.KW
17.KW
20.KW
23.KW
26.KW
0
100
200
300
400
Erkranklungen pro 100 000 EW
0
5
10
15
20
25
30
Inf luenzav irusnachweise
Inzidenz 2007/08
Inzidenz 2008/09
Normalgang
preäepid.
epid.
Influenza A
Influenza B
Abb. 8:
ARE und Influenza in Beziehung zum Normalgang 27. KW´08 – 26. KW´09, Stadt Chemnitz
(präepid. = präepidemische Schwelle, epid. = epidemische Schwelle)
In Sachsen wurden in der Saison 2008/2009 innerhalb des ÖGD-Sentinels insgesamt 826 In-
fluenzavirus-Infektionen nachgewiesen. Diese gliedern sich auf in 677 Influenza A-, 147 In-
fluenza B- und 2 Influenza A und B- Doppelinfektionen. Die Subtypisierung von 377 der ins-
gesamt 679 Influenza A-Viren ergab in 8 Untersuchungsmaterialien Influenza A/H1N1
(2,1 %) und in 369 Materialien Influenza A/H3N2 (97,9 %). 10 Influenza A-Proben waren
nicht subtypisierbar und 292 Influenza A-Proben wurden aus Kapazitätsgründen und wegen
der sehr deutlichen Verteilung zwischen A/H3N2 und A/H1N1 nicht weiter typisiert.
Betrachtet man die interpolierte Verteilung der in der diesjährigen Saison im Rahmen unseres
Sentinels mittels PCR nachgewiesenen Influenzaviren, so errechnen sich die folgenden pro-
zentualen Anteile: Influenza A/H3N2: 80,3 %, Influenza A/H1N1: 1,7 %, Influenza B: 18 %.
Bemerkenswert für die Influenzawelle 2008/2009 ist demnach die Dominanz von Influenza
A/H3N2. Zu Beginn der Saison wurden vor allem Influenza A/H3N2- und ab der 9. KW
überwiegend Influenza B-Infektionen nachgewiesen.
Detaillierte Angaben zu den sächsischen Ergebnissen sind im Teil 2 – Influenza-Sentinel/mi-
krobiologischer Teil aufgeführt
.
Für den Freistaat Sachsen kann auf der Basis der in diesem Jahr weiter stabilisierten Influen-
zaüberwachung durch das epidemiologische und mikrobiologische ARE-/Influenza-Sentinel
von einer moderaten „Influenzaepidemie“ bzw. einer ausgeprägten saisonalen Influenzawelle
in der vergangenen Influenzasaison gesprochen werden: eine manifeste Influenza A/H3N2-
Epidemie ging in eine mäßige Influenza B-Welle über. Die Influenzaausbreitung erfolgte im
Freistaat Sachsen erheblich schneller und deutlich ausgeprägter als in der vorherigen Saison.
Insgesamt beeinflusste die Influenzawelle die ARE-Inzidenz deutlich stärker als im Vorjahr.
Die epidemische Schwelle wurde ab der 3. BW bis einschließlich der 7. BW in nahezu allen
Altersgruppen und Territorien Sachsens überschritten (Abb. 2-5 und 8). Eine Viruszirkulation
konnte im Wesentlichen von der 51. bis zur 14. KW (16 Wochen, 15.12.2008-05.04.2009,

18
siehe Tab. 1 und 3, Abb. 6 und 8) mit Maximalwerten zwischen der 3. und 6. Berichtswoche
(12.01.-08.02.2009) beobachtet werden.
Im Vergleich hierzu war im Vorjahr (Saison
2007/2008) eine ausgesprochen moderate Influenzawelle mit Maximalwerten zwischen der 3.
und 12. BW (14.01.-23.03.2008) registriert worden, wobei epidemische Werte grundsätzlich
nicht erreicht wurden und die Morbiditätsraten um, zum Teil sogar unter dem Normalgang
lagen
.
Einer leichten Influenza A/H1N1-Welle schloss sich damals eine moderate Influenza
B-Welle an
.
Eine zusammenfassende Darstellung der Influenzaviruszirkulation 2008/2009 in 4 Kreisen
des Freistaates Sachsen ist in Tabelle 3 aufgeführt.
Tab. 3:
Regionale Beispiele der Influenzaviruszirkulation 2008/2009
(Meldezahlen nach Falldefinition)
Typen/Subtypen der Zirkulation:
Influenza A/H3N2, Influenza A/H1N1, Influenza B
LK Annaberg
LK Freiberg
LK Löbau-Zittau
Beginn der Epidemie
3. KW
2. KW
3. KW
Gipfel
5. KW
5. KW
6. KW
Ende der Epidemie
8. KW
7. KW
8. KW
Dauer der Epidemie
6 Wochen
6 Wochen
6 Wochen
hochgerechnete Inzidenz während
der Epidemie (
o
/oooo)
9.539 10.663 13.788
hochgerechnete Inzidenz
während der Epidemie in %
9,5
10,7
13,8
Exzess-Morbidität in %
(über epidemischer Schwelle)
1,8
2,3
3,6
Exzess-Konsultationen in %
(über Normalgang)
6,3
7,3
7,0
LK Stollberg
1 - < 7 Jahre
(4. - 7. KW)
7 - < 17 Jahre
(3. - 7. KW)
17 - < 60 Jahre
(2. - 6. KW)
Anzahl der Nachweise
45
30
34
Exzess-Morbidität in %
(über epidemischer Schwelle)
4,1
5,6
0,8
Exzess-Konsultationen in %
(über Normalgang)
28,7 16,2 2,1
Mit insgesamt 2.296 Einsendungen (davon 826 mit positivem Ergebnis) wurden in unseren
Laboratorien deutlich mehr Proben als in der vorangegangenen Saison auf Influenza-Virus
untersucht. Die Anzahl der nachgewiesenen Influenzavirus-Infektionen und die Positivrate
von 36,0 %, das heißt der Prozentsatz, der den Anteil der Sentinelproben darstellt, in denen
Influenzaviren nachgewiesen wurden, lagen ebenfalls deutlich höher als im vergangenen Jahr.
Tabelle 4 liefert eine Gegenüberstellung der Sentinel-Erhebungen seit 1999 hinsichtlich
An-
zahl der Probeneinsendungen bzw. Nachweise, der Positivraten sowie der Influenzavirus-
Typen und -Subtypen.

19
Tab. 4:
In der LUA Sachsen erhobene Influenzavirusnachweise Saison 1999/2000 bis 2008/2009
Saison Anzahl
Proben-
einsen-
dungen
Anzahl
Nachweise
(Anzucht
und/oder
PCR)
Positiv-
rate
(%)
Anzahl
Proben
Nachweis
Infl. A
Anzahl
Subtyp
A(H1N1)
Anzahl
Subtyp
A(H1N2)
Anzahl
Subtyp
A(H3N2)
Anzahl
Proben
Nachweis
Infl. B
2008/2009 2.296 826 36,0
679
1) 2)
8 -
369
1)
149
1)
2007/2008 1.629 449 27,6 190 188 - 2 259
2006/2007 2.088 733 35,1 732
3)4)
16
3)
- 290
3)
1
2005/2006 1.183 181 15,3 48
5)
11 - 36
133
2004/2005 4.310 1.922 44,6 1.192
6)7)
110 -
194 748
6)
2003/2004 1.628 482 29,6 482 - - 482 -
2002/2003 3.588 1.195 33,3 1.088
8)
1 1
1.086 110
8)
2001/2002 1.239 411 33,2 174
9)
- 3
171 241
9)
2000/2001 1.379 401 29,1 397 396 - 1 4
1999/2000 1.854 411 22,2 411 - - 411 -
1)
davon 2 Doppelinfektionen Influenza A/H3N2 und B
2)
davon 292 x nicht typisiert und 10 nicht typisierbar
3)
davon 1 Doppelinfektion A/H1N1 und A/H3N2
4)
davon 427 x nicht typisiert
5)
davon 1 x nicht typisierbar
6)
davon 18 Doppelinfektionen: 4 x Influenza A (H1N1) und B, 3 x Influenza A (H3N2) und B
sowie 11 x Influenza A (nicht typisiert) und B
7)
davon 888 x nicht typisiert
8)
davon 3 Doppelinfektionen Influenza A und B
9)
davon 4 Doppelinfektionen Influenza A und B
Influenzavirusnachweise bei Geimpften
Unter den insgesamt untersuchten 2.296 Einsendungen handelte es sich in 262 Fällen
(11,4 %) um Proben von aktuell gegen Influenza geimpften Personen, 1.715 Probanden waren
anamnestisch ungeimpft, bei 319 Untersuchten wurde anlässlich der Probeentnahme leider
kein Impfstatus erhoben, das sind 13,9 %. In der vorangehenden Saison 2007/2008 wurde bei
25 % der Probeneinsendungen die Influenza-Impfanamnese nicht erhoben oder zumindest auf
dem Probenbegleitschein nicht eingetragen. Unserem Ziel einer lückenlosen Erfassung der
Impfanamnese sind wir somit zwar näher gekommen, haben es aber noch lange nicht erreicht.
Für die folgenden Berechnungen zu Erkrankung und Impfung wird die Anzahl von 1.977
Probanden bzw. von 739 Positiv-Nachweisen mit erhobenem aktuellen Impfstatus (geimpft
oder ungeimpft) zugrunde gelegt.
Trotz gesicherter Impfung erkrankten 84 Probanden unseres Sentinels an Influenza, darunter
wurde im Labor in 61 Fällen Influenza A (37 x Subtyp A/H3N2, 24 x nicht typisiert) und in
24 Fällen Influenza B diagnostiziert (1 x Doppelinfektion). Der
Anteil geimpfter Personen
an allen mit Influenzavirusnachweis (= Influenza-Positive) betrug insgesamt 11,4 %
(Anteil Ungeimpfter: 88,6 %). Zum Vergleich: In der Saison 2007/2008 erkrankten 7 % Ge-
impfte und 93 % Ungeimpfte, in der Saison 2006/2007 13 % Geimpfte und 87 % Ungeimpfte
und in der Saison 2005/2006 14,6 % Geimpfte und 85,4 % Ungeimpfte (Abb. 9).

20
0%
20%
40%
60%
80%
100%
2006/2007
2007/2008
2008/2009
Geimpfte
Ungeimpfte
87 %
93 %
13 %
7 %
11 %
89 %
Abb. 9
Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit Influenzavirusnachweis
(Saison 2006/2007, 2007/2008 und 2008/2009)
0
100
200
300
400
500
600
700
800
0 - < 1
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
>/= 60
gesamt
Altersgruppen
Anzahl der Nachweise
Gesamt
darunter Geimpfte
Abb. 10:
Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit Influenzavirusnachweis,
nach Altersgruppen (Saison 2008/2009)

21
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften in der Gesamtgruppe der Influenza-Positiven
lag insgesamt bei 1 : 7,9; d.h.
unter den Erkrankten waren annähernd 8-mal so viele Un-
geimpfte wie Geimpfte
(Abb. 10). Je nach betrachteter Altersgruppe variierte dieses Verhält-
nis zwischen 1 : 20 (0 - < 7-jährige Kinder) und ca. 1 : 1 (Erwachsene ≥ 60 Jahre) und betrug
bei Schulkindern 1 : 8 und Erwachsenen (17 - < 60 Jahre) 1 : 5,5. Während für Geimpfte eine
auf die Anzahl der Probeneinsendungen (mit Impfstatus) bezogene
Erkrankungsrate
von
4,2 % ermittelt werden konnte, betrug diese bei Ungeimpften insgesamt 33,1 %.
Aus den Erkrankungsraten ist die jeweilige
„Ungeimpftenrate“
aus der Differenz der Er-
krankungsraten Ungeimpfter und Geimpfter bezogen auf die Erkrankungsrate Ungeimpfter zu
errechnen. Sie gibt die Verringerung der Erkrankungsrate bei den Geimpften gegenüber den
Ungeimpften an und lag durchschnittlich bei 87 %. Mit 95 % am höchsten war sie bei Klein-
und Vorschulkindern und sank dann mit zunehmendem Alter ab. Bei Schulkindern betrug die
Rate 88 % und bei Erwachsenen bis 60 Jahre noch 82 %. Es ist eine in der Epidemiologie
bekannte Tatsache, dass mit steigendem Durchimmunisierungsgrad der Population (in
Deutschland z. Z. bei den ≥ 60-Jährigen am höchsten) der relative Anteil der Erkrankten trotz
Impfung zunimmt (Orenstein-Formel). Dies zeigt natürlich nur eine Tendenz, da eine statis-
tisch zufällige Auswahl der Einsendungen beim Influenza-Sentinel nicht gegeben ist. Als be-
handelnder Arzt untersucht man aus differentialdiagnostischen Gründen (Erklärungsnot, wenn
ein Geimpfter erkrankt) einen erkrankten Geimpften mit höherer Wahrscheinlichkeit als einen
erkrankten Ungeimpften. Aus den Erläuterungen resultiert eine Erklärung für die Rate der
Impfdurchbrüche, besonders in der Altersgruppe der ab 60-Jährigen.
Betrachtet man die
Impfdurchbrüche differenziert nach Influenza A- bzw. Influenza B-
Erkrankungen
, so ergibt sich das folgende Bild.
Bei 612 von 679 nachweislich an Influenza A erkrankten Probanden unseres Sentinels war
der Impfstatus bekannt. Sie gliederten sich auf in 61 Geimpfte und 551 Ungeimpfte. Demzu-
folge waren unter allen Influenza A-Positiven, von denen der Impfstatus bekannt war, 10 %
geimpft und 90 % nicht geimpft.
Definitive Angaben zum Impfstatus erfolgten bei 129 der 149 Influenza B-Positiven. In dieser
Gruppe befanden sich 24 geimpfte und 105 ungeimpfte Patienten. Also waren unter allen In-
fluenza B-Positiven mit bekanntem Impfstatus 18,6 % geimpft und 81,4 % nicht.
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften betrug bei den Influenza A-Positiven 1 : 9 und
bei den Influenza B-Positiven bei 1 : 4,4. Für Influenza A ermittelte sich bei Geimpften eine
moderat erhöhte Erkrankungsrate gegenüber Influenza B (A: 3,1 %; B: 1,2 %), bei Ungeimpf-
ten jedoch eine deutlich höhere Erkrankungsrate (A: 27,9 %; B: 5,3 %).
Die Ungeimpftenraten (Berechnung und Erläuterung siehe oben) lagen für Influenza A bei
89 % und für Influenza B bei 77 %. Für Influenza A und B insgesamt war eine Ungeimpften-
rate von 87 % errechnet worden.
Nach dieser Beobachtung wurden deutlich mehr Influenza B- als Influenza A-
Impfdurchbrüche registriert. Ursächlich hierfür war mit hoher Wahrscheinlichkeit die überra-
gende Dominanz von Influenza B-Viren der Victoria-Linie in dieser Saison. Unter den mittels
Virusanzucht isolierten und charakterisierten Influenza B-Viren unseres Sentinels befanden
sich fast ausschließlich Viren der Victoria-Linie. Für die Herstellung des saisonalen Impf-
stoffs war jedoch nach der WHO-Empfehlung Influenza B-Virus der Yamagata-Linie - also
ein anderer Virusstamm - verwendet worden.
Bei kontinuierlicher Fortführung der Sentinelsysteme in Sachsen (sinnvoll ist vor allem eine
Beteiligung aller Landkreise und kreisfreien Städte - und eine weitgehend homogene Vertei-
lung innerhalb der Kreise - sowohl am mikrobiologischen als auch am epidemiologischen

22
Sentinel, um Bewertungen und Vergleiche für das gesamte Territorium des Freistaates Sach-
sen treffen zu können) sind zukünftig noch begründetere Aussagen möglich sowie Entwick-
lungen über Jahre (z.B. zum Ausmaß von Epidemien, zum zeitlichen Ablauf, zur regionalen
Ausbreitung, zu den jeweiligen besonders betroffenen Altersgruppen etc.) zu beurteilen.
Auf Grund der im Jahr 2008 vollzogenen Kreisgebietsreform im Freistaat kann anhand der
vorhandenen Daten ein 5-Jahres-Vergleich nur anhand der ehemaligen „Altkreise“ erfolgen.
Dies soll nachfolgend beispielhaft für die letzten 5 Jahre am ehemaligen Kreis Löbau-Zittau
(Abb. 11-15) dargestellt werden (AG = Altersgruppe, EW = Einwohner, NG = Normalgang,
epid. = epidemische Schwelle).
0
1000
2000
3000
4000
5000
6000
27.KW´04
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´05
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´06
11.KW
19.KW
27.KW´06
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´07
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´08
11.KW
19.KW
27.KW´08
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´09
15.KW
23.KW
Erkrankungen pro 100 000 der AG
NG
epid.
Inzidenz
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
Abb. 11:
ARE – Normalgang und Verlauf 2004– 2009, Kreis Löbau-Zittau (1 - < 7 Jahre)
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
27.KW´04
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´05
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´06
11.KW
19.KW
27.KW´06
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´07
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´08
11.KW
19.KW
27.KW´08
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´09
15.KW
23.KW
Erkrankungen pro 100 000 der AG
NG
epid.
Inzidenz
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
Abb. 12:
ARE – Normalgang und Verlauf 2004– 2009, Kreis Löbau-Zittau (7 - < 17 Jahre)

23
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
27.KW´04
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´05
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´06
11.KW
19.KW
27.KW´06
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´07
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´08
11.KW
19.KW
27.KW´08
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´09
15.KW
23.KW
Erkrankungen pro 100 000 der AG
NG
epid.
Inzidenz
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
Abb. 13:
ARE
Normalgang und Verlauf 2004– 2009, Kreis Löbau-Zittau (17 - < 60 Jahre)
0
50
100
150
200
250
27.KW´04
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´05
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´06
11.KW
19.KW
27.KW´06
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´07
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´08
11.KW
19.KW
27.KW´08
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´09
15.KW
23.KW
Erkrankungen pro 100 000 der AG
NG
epid.
Inzidenz
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
Abb. 14:
ARE – Normalgang und Verlauf 2004– 2009, Kreis Löbau-Zittau (60 Jahre und älter)

24
0
100
200
300
400
500
600
700
800
27.KW´04
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´05
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´06
11.KW
19.KW
27.KW´06
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´07
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´08
11.KW
19.KW
27.KW´08
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´09
15.KW
23.KW
Erkrankungen pro 100 000 EW
NG
epid.
Inzidenz
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
Abb. 15:
ARE – Normalgang und Verlauf 2004– 2009, Kreis Löbau-Zittau (gesamt)
Abschließend sei allen an den verschiedenen Sentinelsystemen beteiligten Arztpraxen, Ge-
sundheitsämtern, Krankenhäusern und sonstigen Einrichtungen für die engagierte Mitarbeit,
ohne die eine aussagefähige epidemiologische Analyse nicht möglich wäre, herzlich gedankt.
Noch fundiertere Auswertungen wären sicherlich möglich, wenn die entsprechenden Proben-
begleitscheine stets vollständig ausgefüllt wären. Gerade im Hinblick darauf, dass die von uns
erhobenen Daten seit zwei Jahren in die Gesamtauswertung des bundesweiten Sentinels des
Robert Koch-Institutes und der AG Influenza mit einfließen, ist eine lückenlose Erfassung vor
allem auch der Impfanamnese unerlässlich. Leider wurde bei vielen Probeneinsendungen die
Influenza-Impfanamnese nicht erhoben oder zumindest auf dem Probenbegleitschein nicht
eingetragen. Auch fehlten sehr häufig die Angaben zum Erkrankungs- bzw. Probenahmeda-
tum. Dies nimmt uns die Möglichkeit, qualitativ noch bessere Aussagen zu Influenzavirus-
nachweisen bei Geimpften gegenüber Ungeimpften, beispielsweise zu Erkrankungsraten,
Impfdurchbrüchen und Ungeimpftenraten bezogen auf Altersgruppen oder ggf. auf Influenza-
virustyp und –subtyp zu treffen. Um die Aufgaben des Sentinels zu erfüllen, können wir des-
halb in der kommenden Saison nur noch die Untersuchungsmaterialien bearbeiten, die mit
einem ausgefüllten Erhebungsbogen eingehen. Wir bitten hierfür im Sinne der Qualität unse-
res Sentinels um Ihr Verständnis und freuen uns auf eine weiterhin effektive Zusammenarbeit
in der kommenden Saison 2009/2010.
Bearbeiter:
Herr Dr. med. D. Beier
Frau Dr. med. S.-S. Merbecks
Frau I. Briem

25
2
Auswertung des Influenza-Sentinels, mikrobiologischer Teil,
2008/2009 im Freistaat Sachsen
An der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen, einer
nachgeordneten Einrichtung des Sächsischen Ministeriums für Soziales, konnte von der 40.
Kalenderwoche 2008 bis zur 17. Kalenderwoche 2009 das Influenza-Sentinel-Programm für
die Saison 2008/2009 durchgeführt werden.
In Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern in den Landkreisen und kreisfreien Städten
Sachsens wurden die zielgerichteten Entnahmen von Rachenabstrichen von erkrankten Bürge-
rinnen und Bürgern im Sinne eines Stichprobenmusters in Sentinelpraxen niedergelassener
Ärzte, in Krankenhäusern und in Gesundheitsämtern vorgenommen. Die Mitarbeiter der Lan-
desuntersuchungsanstalt (LUA) Sachsen untersuchten 2.296 Rachenabstriche, 826 Proben
zeigten eine Infektion der Patienten mit Influenzaviren an; dies entspricht einer Positivrate
von 36 %. Da zwei Patienten eine Doppelinfektion aufwiesen, sind insgesamt 828 Virusge-
nomnachweise erfolgt. Es wurde in 677 Proben Influenzavirus Typ A, in 147 Proben Influen-
zavirus Typ B und in 2 Proben Influenzavirus Typ A und B nachgewiesen. Über die Saison
verteilt wurden von positiven Influenza A-Proben Untersuchungen zur Subtypisierung durch-
geführt. Es wurden 369mal A/H3N2 (davon 2mal in Doppelinfektion mit B) und 8mal
A/H1N1 (saisonal) diagnostiziert. Von 292 Influenza A-Proben erfolgte keine Subtypisierung,
10 Proben erbrachten kein Typisierungsergebnis.
Die Rachenabstriche in Erhaltungsmedium wurden mit molekularbiologischen und virologi-
schen Methoden aufgearbeitet, um mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) und Virusanzucht
den Erreger Myxovirus influenzae Typ A und Typ B sowie die A-Subtypen nachweisen zu
können. Zuerst wurde die PCR von den eingesandten Materialien durchgeführt, dann erfolg-
ten die Anzüchtungsversuche von den Rachenabstrichen, die ein positives Ergebnis der PCR
mit dem Nachweis von Influenzavirusgenom erbracht hatten.
Aus der Anzüchtung wurden 137 Virusisolate gewonnen, die zur weiteren serologischen Dif-
ferenzierung gelangten und ans Referenzlabor des RKI eingeschickt werden konnten.
2.1
Molekularbiologischer Influenzavirusnachweis
In dieser Influenza-Untersuchungsperiode sind mit 2.296 Untersuchungsproben 41 % mehr
Rachenabstriche zur Untersuchung auf Influenzaviren gelangt als in der Sentinelperiode
2007/2008 (1.629 Proben). Die Untersuchungszahlen der von den Sentinel-Arztpraxen an die
LUA zur molekularbiologischen Untersuchung eingesandten Proben haben sich erhöht, von
799 Einsendungen 2007/2008 auf 1.185 in der Saison 2008/2009. Die Positivrate bei den Ein-
sendungen der Praxen betrug 41,9 %. Die Probenentnahmen zur Influenzadiagnostik aus den
Krankenhäusern sind ebenfalls angestiegen von 763 Einsendungen 2007/2008 auf 1.047
Einsendungen in der Sentinelperiode 2008/2009 mit einer Positivrate von 29,7 %. Die Ab-
nahmezahlen von Rachenabstrichen zum Sentinelprogramm von den Gesundheitsämtern des
Freistaates sind nahezu konstant geblieben, 64 Proben erbrachten 20 positive Nachweise, es
ergibt sich eine Positivrate von 31,3 % (2007/2008: 67 Einsendungen mit 9 Positiven –
13,4 %).
In Tabelle 1 sind diese Ergebnisse aufgeschlüsselt eingetragen.

26
Tab. 1:
Probenquelle, -aufkommen, Positive und Positivrate nach PCR-Diagnostik
Einsender Anzahl der
Proben
Anzahl der positiven
Influenzavirusgenom-
nachweise
Positivrate
in %
Sentinelpraxen 1.185 497 41,94
Krankenhäuser 1.047 311 29,70
Gesundheitsämter 64 20 31,25
Gesamt 2.296 828 36,06
Nach der Verwaltungsreform von 2008 sind im Freistaat Sachsen größere Kreise gebildet
worden, so dass sich die Anzahl der Kreisverwaltungen von 29 auf 13 reduziert. An die Lan-
desuntersuchungsanstalt wurden aus diesen 13 Landkreisen und kreisfreien Städten die Ra-
chenabstriche über die Gesundheitsämter zur molekularbiologischen Untersuchung gebracht.
Insgesamt beteiligten sich 144 (2007/2008: 121) verschiedene Einsender aus den drei Direkti-
onsbezirken des Freistaates am Influenza-Sentinel-Programm. Im Direktionsbezirk Chemnitz
mit 5 Kreisen war eine Positivrate von 40 % wie auch 2006/2007 (33 % in der Saison
2007/2008) zu verzeichnen, im Direktionsbezirk Dresden mit 5 Kreisen von 33 %
(2007/2008: 20%) und im Direktionsbezirk Leipzig (3 Kreise) von 32 %, ebenfalls wie in der
Saison 2006/2007 (2007/2008: 22 %).
Die Aufteilung der Proben auf die einzelnen Kreise ist aus Tabelle 2 ersichtlich.
Tab. 2:
Influenza-Sentinel 2008/2009
Aufschlüsselung der Probeneinsendungen und der positiven Influenzavirus-
genomnachweise nach territorialen Gesichtspunkten
Kreis
Anzahl der
Einsender
pro Kreis
Anzahl der
Einsendungen
pro Kreis
Anzahl positiver
Influenzavirusgenom-
nachweise pro Kreis
Direktionsbezirk
Chemnitz (5 Kreise)
Chemnitz/Stadt 19 242 95
Erzgebirgskreis 22 471 189
Mittelsachsen 10 119 68
Vogtlandkreis 3 47 21
Zwickau 8 143 36
Gesamt 62 1.022 409

27
Kreis
Anzahl der
Einsender
pro Kreis
Anzahl der
Einsendungen
pro Kreis
Anzahl positiver
Influenzavirusgenom-
nachweise pro Kreis
Direktionsbezirk
Dresden (5 Kreise)
Bautzen 14 122 41
Dresden/Stadt 1 190 63
Görlitz 12 210 61
Meißen 13 119 49
Sächsische Schweiz/
Osterzgebirge
4 19 6
Gesamt 44 660 220
Direktionsbezirk
Leipzig (3 Kreise)
Leipzig/Stadt 13 178 78
Leipzig 8 264 76
Nordsachsen 17 172 45
Gesamt 38 614 199
Gesamtsumme 144 2.296 828
Die folgende Abbildung 1 informiert über das Einsendeverhalten der Sentinelärzte der Pra-
xen, Krankenhäuser und Gesundheitsämter mit der wöchentlichen Darstellung der Probenan-
zahl und der Anzahl der positiven Probenergebnisse über die gesamte Influenzasaison
2008/2009.
Mit dem Verdacht auf Influenzavirusinfektion wurden 85 Rachenabstriche im Zeitraum von
der 40. bis 47. Kalenderwoche (KW) des Jahres 2008 untersucht, ein Nachweis von Myxovi-
rus influenzae-RNS gelang nicht.
In der 48. KW wurde die erste Influenza B bei einem ungeimpften 30-jährigen Patienten mit
typischen Symptomen der Virusgrippe, wie plötzlichem hohem Fieberanstieg, Glieder-
schmerzen und einem innerhalb weniger Stunden deutlich reduzierten Allgemeinzustand,
festgestellt. Eine Anzucht gelang nicht. Im Rachenabstrich von einem 42-jährigen Mann wur-
de in der 51. KW die erste Influenza A-Subtyp H1N1 bestimmt, der Patient wies ebenfalls
einen akuten Beginn der Beschwerden mit Fieber und Muskelschmerzen auf, eine Impfung
lag nicht vor; die Virusanzucht gelang nicht. Zum Jahresende, in der 52. KW, bekamen wir
den Rachenabstrich einer 21-jährigen jungen Frau aus einem Klinikum zur Untersuchung, die
mit unbekanntem Impfstatus mit Fieber, Muskel- und Gliederschmerzen nach akutem Beginn
stationär behandelt werden musste. In der molekularbiologischen Untersuchung wurde In-
fluenzavirus B gefunden, auch ein positives Anzuchtergebnis wurde erbracht. Die Doppelin-
fektionen mit Influenzavirus A und B sind in der 6. und 7. KW aufgetreten. In beiden Fällen
wurde Influenza A/H3N2 subtypisiert, die Anzucht war bei einem Patienten für A/H3N2 er-
folgreich. Ein 1-jähriges Kind musste mit Otitis media stationär behandelt werden. Die zweite
Doppelinfektion betraf einen geimpften 70-jährigen Mann mit Fieber, Husten und Muskel-
schmerzen. Ein Todesfall ist zu beklagen mit Nachweis von Influenzavirus B/Victoria-Linie
in Trachea, Lunge und Blut im Februar 2009, der ein 4-jähriges Kind nach Erkrankung mit
hohem Fieber betraf.

28
0
100
200
300
400
500
40/08
41/08
42/08
43/08
44/08
45/08
46/08
47/08
48/08
49/08
50/08
51/08
52/08
01/09
02/09
03/09
04/09
05/09
06/09
07/09
08/09
09/09
10/09
11/09
12/09
13/09
14/09
15/09
16/09
17/09
Kalenderwoche
Anzahl der Proben
Proben
PCR-Positive
Gesamtzahl Proben = 2.296
Gesamtzahl Positive = 826
Abb. 1:
Relation von Probenaufkommen zur Zahl PCR-positiver Proben,
aufgeschlüsselt nach Kalenderwochen, während der Influenzasaison 2008/2009
Ein offensichtlicher Anstieg der Untersuchungszahlen erfolgte im Jahr 2009 von der 3. bis zur
4. KW, mit gering abfallenden Einsendezahlen in der 5. und 6. KW und deutlich zurückge-
hendem Einsendeverhalten ab der 7. KW – Beginn der Winterferien in Sachsen.
In der 2. KW wurde bereits eine Positivrate von 36 % für den Genomnachweis der Influenza-
viren Typ A und Typ B erreicht, bis zur 5. KW ist ein Anstieg auf 49 % bei 382 positiven
Proben zu verzeichnen. Von der 2. bis zur 7. KW 2009 lag die durchschnittliche Positivrate
bei 42 %.
Als erster Influenzavirusnachweis für die Saison 2008/2009 wurde in der 48. KW eine In-
fluenza B-Infektion im molekularbiologischen Testsystem detektiert. In der vorjährigen Sai-
son war dies in der 50. KW der Fall gewesen. Die tendenzielle Situation, dass zuerst eine
Influenza B-Infektion, dann zunehmend Influenza A-Infektionen (in der vorjährigen Saison
massiv Subtyp H1N1, sehr wenig der Subtyp H3N2, in der Saison 2008/2009 sehr viel H3N2
und nur wenig H1N1) und zum Abschluss wieder Influenza B-Infektionen auftreten, ist auch
in diesem Jahr zu beobachten. Die Saison 2008/2009 zeigte in der 51. KW noch gleichviel
Influenza A/H3N2-, A/H1N1- und B-positive Proben, dann aber eine deutliche Zunahme der
Influenza A/H3N2-Nachweise mit einem Maximum in der 5. KW. In dieser Woche wurde
eine Positivrate von 48,7 % für alle molekularbiologischen Nachweise erreicht. Die Positiv-
rate für Influenza A betrug 43 %, davon sind 69 % A/H3N2-, 2% A/H1N1- sowie 29 % nicht
subtypisierte Influenza A-Nachweise. Werden die nichttypisierten Influenzaproben hier nicht
einberechnet, so sind in der 5. KW 97 % der Influenza A-Infektionen von Influenzavirus
A/H3N2 und 3 % von Influenzavirus A/H1N1 verursacht worden. Der letzte Influenzavirus
A/H1N1-Nachweis wurde bereits in der 6. KW beobachtet. In dieser ersten Februarwoche
wurde auch das Maximum an Influenzavirus B positiven Nachweisen mit einem Anteil von
18 % an den Influenzavirus-Nachweisen erbracht, Influenza B konnte bis zur 17. KW detek-

29
tiert werden. Die Hauptursache der Influenza-Erkrankungen dieser Saison ist die Influenza
durch den Subtyp A/H3N2, die bis zur 10. KW (Anfang März) nachgewiesen worden ist.
Abbildung 2 zeigt die wöchentliche Verteilung der positiven Influenzavirus A- und B-
Nachweise.
0
50
100
150
200
Infl. A
Infl. B
Infl. A
2
5
4
21 103177164109 53 22 14
2
3
Infl. B
1
1
1
2
15 22 25 14
6
13 17
7
11
8
5
1
KW
48. 49. 50. 51. 52. 1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17.
Abb. 2:
Verteilung und Häufigkeit PCR-positiver Influenzavirus-Nachweise während der Saison
2008/2009, aufgeschlüsselt auf Typ A und B
Bis einschließlich
17. KW wurden 2.296
Proben untersucht, die durchschnittliche
Positivra-
te lag bei 36 %
ähnlich der Saison 2006/07 mit 35 % (2007/2008: 27,6 %).
Für die
Influenza-Saison 2008/2009
wurden von den untersuchten Rachenabstrichen der Pa-
tienten, abgenommen von den am Sentinel beteiligten Ärzten aus dem Praxisbereich, aus den
Krankenhäusern und von den Gesundheitsämtern zu
80,3 % Influenzavirus Typ A Subtyp
H3N2
(2007/2008: 0,4 %), zu
1,7 % Influenzavirus Typ A Subtyp H1N1
(2007/2008:
41,9 %) und zu
18,0 % Influenzavirus Typ B
(2007/2008: 57,7 %) diagnostiziert; bei 10
Influenzavirus A-Nachweisen gelang keine Subtypisierung. 292 Influenzavirus A-positive
Proben wurden nicht typisiert, sind aber in die oben errechneten Prozentangaben nach Hoch-
rechnung einbezogen worden.
Die Verteilung der krankheitsauslösenden Influenzavirus-Typen/Subtypen ist in den Abbil-
dungen 3, pro Influenzatyp, und 4, pro Jahrgang, seit der Saison 2001/2002 bis 2008/2009 mit
den dargestellten prozentualen Verhältnissen von Influenza A-Virus-Subtypen und Influenza
B-Viren deutlich zu erkennen.
Anzahl PCR-positiver Proben

30
0
0,1
0
22,2
6,1
5,2
41,9
1,7
36,6
90,5
100
39,2
20,4
94,7
0,4
80,3
62,5
9,3
0
38,6
73,5
0,1
57,7
18,0
0
20
40
60
80
100
Infl. A (H1N1)
Infl. A (H3N2)
Infl. B
%
02/03
04/05
06/07
02/03
04/05
06/07
02/03
04/05
06/07
01/02
03/04
05/06
07/08
01/02
03/04
05/06
07/08
01/02
03/04
05/06
08/09
08/09
08/09
07/08
Abb. 3:
Anteil der Typen und Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirusnachweis in %,
beginnend mit Saison 2001/2002 pro Influenzatyp (A/H1N1 = saisonal)
0
36,6
62,5
0,1
90,5
9,3
0
100,0
0
22,2
39,2
38,6
6,1
20,4
73,5
5,2
94,7
0,1
41,9
0,4
57,7
1,7
80,3
18,0
0
20
40
60
80
100
01/02
02/03
03/04
04/05
05/06
06/07
07/08
08/09
A (H1N1)
A (H3N2)
B
Jahre
%
Abb. 4:
Anteil der Typen und Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirusnachweise in %,
beginnend mit Saison 2001/2002 pro Jahrgang (A/H1N1 = saisonal)

31
2.2 Virologischer Influenzavirus-Nachweis und Charakterisierung der Stämme
Der diagnostische Teil des Influenza-Sentinels besteht an der LUA Sachsen aus dem moleku-
larbiologischen Nachweis (PCR) der Influenza-Virustypen A und B (bei Influenza A-Virus
einschließlich Subtypisierung) und dem sich an ein positives Ergebnis anschließenden Virus-
anzuchtversuch. Angezüchtete Virusstämme sind Grundlage für weiterführende serologische
und molekularbiologische Untersuchungen zur Charakterisierung der kursierenden Virusty-
pen. Sie werden mit Referenzstämmen (aktuelle Impfvirusstämme) verglichen, um die Wirk-
samkeit der Impfstoffzusammensetzung einzuschätzen und evtl. Drifterscheinungen zu erken-
nen.
Von Ende November 2008 (erstes positives PCR-Ergebnis) bis Ende April (letztes positives
PCR-Ergebnis) wurde Material von 824 in der PCR positiven Rachenabstrichen mittels Zell-
kultur auf Influenzaviren untersucht. Bei 137 Proben (16,6 %) gelang die Virusanzucht.
Das erste Influenza B-Virus wurde aus dem Rachenabstrich eines Mitte Dezember Erkrankten
angezüchtet. Mitte Januar konnte zum ersten Mal Influenza A-Virus kulturell nachgewiesen
werden. Der letzte Anzuchterfolg (Influenza B-Virus) war Anfang April zu verzeichnen.
Die Typisierung der Virusisolate wurde mit monospezifischen Antiseren vom Frettchen mit
folgenden Ergebnissen durchgeführt:
Influenza A-Virus
62
Subtyp H1N1 5
Subtyp H3N2 57
Influenza B-Virus
75
Aus den Anzuchtergebnissen lässt sich kein eindeutiges Überwiegen eines Virustyps (A oder
B) erkennen. Bei den Subtypen des Influenza A-Virus konnte der Subtyp H3N2 in deutlich
höherer Anzahl als der Subtyp H1N1 nachgewiesen werden, womit sich eine Verschiebung
gegenüber der Saison 2007/2008 abzeichnet:
Influenza A-Virus:
Subtyp H1N1
2007/2008 33
2008/2009
5
Subtyp H3N2
2007/2008
0
2008/2009 57
Alle isolierten Virusstämme wurden feintypisiert und parallel an das Nationale Referenzzent-
rum (NRZ) für Influenza am RKI in Berlin gesandt, von welchem repräsentative Virusstäm-
me aus Deutschland an die WHO-Zentrale in London weitergeleitet werden. Die Ergebnisse
der Charakterisierung der aus ganz Europa eingesandten Virusisolate fließen in die Empfeh-
lungen für die Impfstoffzusammensetzung der kommenden Saison ein.

32
Die weitergehenden Typisierungen der angezüchteten Virusstämme (in der LUA bzw. im
Referenzlabor) ergaben:
Influenza A-Virus Subtyp H1N1
A/Brisbane/59/2007-like
4
A(H1N1) nicht genauer typisierbar 1
Influenza A-Virus Subtyp H3N2 A/Brisbane/10/2007-like
57
Influenza B-Virus B/Victoria/2/87-like (Victoria-Linie) 74
B nicht genauer typisierbar 1
Die Ergebnisse zeigen, dass die Isolate beider Subtypen von Influenza A-Virus mit der Impf-
stoffkomponente übereinstimmen. Von den 75 Isolaten Influenza B-Virus ließen sich 74 der
B/Victoria-Linie zuordnen. Damit weichen sie von der Impfstoffkomponente
B/Florida/4/2006 (B/Yamagata-Linie) ab.
Die Relationen bei der Verteilung der Subtypen von Influenza A-Virus stimmen mit den eu-
ropaweit erhobenen Ergebnissen überein. Ein Vertreter der in Europa selten nachgewiesenen
B/Yamagata-Linie (B/Florida/4/2006) konnte nicht angezüchtet werden.
2.3
Influenza-Impfstoff für die Saison 2009/2010
Unter Einbeziehung aller molekularbiologischen, virologischen und serologischen Befunde
aus der Influenzasaison 2008/2009 wurde von den zuständigen WHO-Stellen für die
Nordhalbkugel im kommenden Winter (Saison 2009/2010) die folgende Impfstoffzusammen-
setzung empfohlen:
A/Brisbane/59/2007 (H1N1)-like virus
A/Brisbane/10/2007 (H3N2)-like virus
B/Brisbane/60/2008-like virus
Die beiden Influenza A-Stämme (H1N1, H3N2) sind identisch mit der Empfehlung für die
Saison 2008/2009. Der Influenza B-Impfstoff wurde verändert; es wird eine B-Komponente
aus der Victoria-Linie eingesetzt.
Bearbeiter:
Herr Dr. med. D. Beier
Frau DB K. Kalinich
Frau Dr. med. I. Ehrhard
Frau DB G. Helbig