image
image
Stand: 1. März 2021
Fachempfehlung
“Ganztagsangebote an sächsischen Schulen“

Seite 2 von 19
Fachempfehlung „Ganztagsangebote an sächsischen Schulen“
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ............................................................................................................................... 3
1.
Grundlagen zur Organisation der Ganztagsangebote ..................................................... 4
1.1
Mindestanforderungen nach KMK ............................................................................ 4
1.2
Koordination und Steuerungsakteure ....................................................................... 5
1.3
Ganztagskonzeption und Schulprogramm ............................................................... 7
2.
Angebotsbereiche und Qualitätsmerkmale der Ganztagsangebote ................................. 8
2.1
Zeitstruktur und Rhythmisierung .............................................................................. 9
2.2
Freizeitpädagogische Angebote und ihre Gestaltungsmöglichkeiten ..................... 10
2.4
Kooperation mit außerschulischen Partnern .......................................................... 11
2.6
Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung ......................................................... 16
3.
Unterstützungsangebote ............................................................................................... 18
4.
Studien zur ganztägigen Bildung .................................................................................. 19
Zur besseren Lesebarkeit wurden bei geschlechtsspezifischen Bezeichnungen jeweils die generischen Maskulina
benutzt.

Seite 3 von 19
Einleitung
Ganztagsangebote als unterrichtsergänzende Maßnahmen erweitern das Spektrum an Mög-
lichkeiten, den Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule ganzheitlich umzusetzen. Sie tra-
gen zu mehr Chancengerechtigkeit und Leistungsorientierung sowie zu einer besseren Ver-
einbarkeit von Familie und Beruf bei. Der Bund und die Länder unterstützten von 2003 bis
2009 mit dem Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ den Auf- bzw. Ausbau
von Schulen mit Ganztagsangeboten. Seit 2005 fördert der Freistaat Sachsen allgemeinbil-
dende Schulen bei der Gestaltung von Ganztagsangeboten. Seither hat sich an den sächsi-
schen allgemeinbildenden Schulen ein positives Grundverständnis zu ganztägiger Bildung und
Erziehung herausgebildet. Ganztagsangebote sind zu einem Merkmal von Schulqualität ge-
worden.
Die Gestaltung von Ganztagsangeboten orientiert sich am Leitbild für Schulentwicklung und
am Rahmenmodell zur schulischen Qualität sowie am sächsischen Qualitätsrahmen Ganz-
tagsangebote. Wissenserwerb, Kompetenzentwicklung und Werteorientierung werden in au-
ßerunterrichtlichen Bildungs- und Förderangeboten fortgeführt. Eine ganztägige individuelle
Förderung leistet einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der Schüler. Sie un-
terstützt den Ausbau von Stärken und hilft, Defizite abzubauen. Sie trägt dazu bei, Beeinträch-
tigungen und Benachteiligungen auszugleichen sowie Übergänge zu weiterführenden Schul-
arten zu gestalten. Schüler erhalten Gelegenheiten, Interessen, Talente und Neigungen zu
entdecken bzw. zu entwickeln und ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Um diesem Anliegen von
ganztägigem Lernen gerecht werden zu können, organisieren Schulen erweiterte Lernzeiten
und differenzierte Lerngelegenheiten. Sie nutzen das Potenzial außerschulischer Partnern für
die Gestaltung von zusätzlichen Bildungsangeboten insbesondere zur Kompetenz- und Per-
sönlichkeitsentwicklung der Teilnehmer.
Nachdem Ganztagsangebote an sächsischen Schulen in den vergangenen Jahren nahezu
flächendeckend ausgebaut worden sind, ist die qualitative Weiterentwicklung Ziel bei der Ge-
staltung von Ganztagsangeboten. Dabei bestimmen die Qualität der Ganztagsangebote, die
Intensität bzw. Regelmäßigkeit der Teilnahme und die Beziehungen zwischen Schülern und
Ganztagsangebotsleitern, wie wirksam diese auf Lernmotivation und Lernleistung, Schul-
freude und soziales Verhalten der Schüler sind. Gemäß § 16a des Sächsischen Schulgesetzes
(SächsSchulG) sollen allgemeinbildende Schulen Ganztagsangebote einrichten und dabei mit
außerschulischen Partnern zusammenarbeiten. Nähere Bestimmungen werden in der Verord-
nung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus über Zuweisungen an allgemeinbildende
Schulen mit Ganztagsangeboten (Sächsische Ganztagsangebotsverordnung - SächsGTAVO)
vom 17. Januar 2017, die durch die Verordnung vom 9. Januar 2019 geändert worden ist,
geregelt. Der bereits eingeschlagene Weg der eigenverantwortlichen Gestaltung von Ganz-
tagsangeboten wird fortgesetzt. Die Fachempfehlung knüpft dabei an die langjährigen Erfah-
rungen der Schulen, an die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation
dieser Schulen durch die Technische Universität Dresden und an die Inhalte aus der Beratung
und Unterstützung der Schulen an.
Die Fachempfehlung erfüllt folgende Funktionen:
Sie dient als Orientierung für die Schulen bei der Wahrnehmung ihrer gestärkten Eigen-
verantwortung für die Einrichtung von Ganztagsangeboten.
Sie stellt organisatorisch-strukturelle und inhaltliche Aspekte für die Gestaltung von
Ganztagsangebote dar.
Sie gibt Hinweise und Anregungen für Schulen und ihre Partner bei der gemeinsamen
Umsetzung der Ganztagskonzeption.
Sie bildet die Grundlage bei der Unterstützung und Beratung von Schulen zu Themen
der ganztägigen Bildung und Erziehung.

Seite 4 von 19
1.
Grundlagen zur Organisation der Ganztagsangebote
Zur Organisation der Ganztagsangebote sind die Mindestanforderungen der Kultusminister-
konferenz (KMK) verpflichtend. Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure ist durch
die Verteilung und Erfüllung unterschiedlicher Aufgaben und Funktionen zu regeln, damit ein
störungsfreier Ablauf von der Antragstellung, über die Organisation und die Durchführung der
Ganztagsangebote bis zu deren qualitativen Weiterentwicklung erfolgen kann. Voraussetzung
für die Einrichtung von Ganztagsangeboten ist die Ganztagskonzeption und die Verknüpfung
mit dem Schulprogramm.
Ganztagsangebote sind zusätzliche, unterrichtergänzende Angebote, die in Verantwortung
der Schulleitung gestaltet werden, in der Ganztagskonzeption verankert sind und regelmäßig
über einen festgelegten Zeitraum im Schuljahr für eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen
bereitgestellt werden. Für die Durchführung der Ganztagsangebote können entstandene Kos-
ten für die Teilnehmer der Angebote, Materialien für die Angebote und Kosten für den Leiter
des jeweiligen Angebotes mit Mitteln aus der Zuweisung gemäß SächsGTAVO finanziert wer-
den.
Die Mindestanforderungen der KMK wurden in die SächsGTAVO als Voraussetzung für die
Förderung der Ganztagsangebote übernommen. Hinsichtlich der Organisationsformen gibt es
für keine Schulart Einschränkungen oder verbindliche Gestaltungsvorgaben.
1.1
Mindestanforderungen nach KMK
Laut Definition der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik
Deutschland (KMK) ist eine Schule mit Ganztagsangeboten eine Schule, an der
1. an mindestens drei Tagen in der Woche ein Angebot bereitgestellt wird, das täglich
mindestens sieben Zeitstunden umfasst,
2. ein Mittagessen bereitgestellt wird und
3. Ganztagsangebote unter der Aufsicht und Verantwortung der Schulleitung organisiert
und in enger Kooperation mit der Schulleitung durchgeführt werden sowie in einem
konzeptionellen Zusammenhang mit dem Unterricht stehen.
Mit der Entscheidung einer Schule, Ganztagsangebote für ihre Schüler zu gestalten, ist gleich-
zeitig die Wahl der Organisationsform im Ganztag verbunden. Die KMK geht von drei Formen
aus. Diese Formen unterscheiden sich im Grad der Verbindlichkeit der Teilnahme der Schüler
am Ganztagsangebot.
voll gebundene Form
Alle Schüler verpflichten sich, an mindestens drei Wochentagen für jeweils sieben Zeitstunden
an den ganztägigen Angeboten der Schule teilzunehmen.
Voraussetzung für eine verpflichtende Teilnahme der Schüler am schulischen Ganztagsange-
bot der Schule ist die Einverständniserklärung der Eltern. Des Weiteren stellt diese Form qua-
lifizierte Anforderungen an eine Verknüpfung des Schulprogramms mit der Ganztagskonzep-
tion. Dies betrifft insbesondere die an den Ganztag angepasste Tagesstruktur, das pädagogi-
sche Konzept, die ausgewogene Balance zwischen Unterricht, unterrichtsergänzenden För-
derangeboten und außerschulischen Freizeitinteressen, das Raumkonzept, den zweckmäßi-
gen Einsatz personeller und zeitlicher Ressourcen und den Grad an Vernetzung mit außer-
schulischen Kooperationspartnern auf kommunaler und regionaler Ebene.

Seite 5 von 19
teilweise gebundene Form
Ein Teil der Schüler (z. B. eine Klasse einer Klassenstufe) verpflichtet sich, an mindestens drei
Wochentagen für jeweils mindestens sieben Zeitstunden an den ganztägigen Angeboten der
Schule teilzunehmen.
Die Schule kann sich in Abstimmung mit Schülern und Eltern, bei sozialräumlichen Problem-
lagen auch mit der Kommune, entscheiden, für einen Teil der Schülerschaft ein verpflichtendes
Angebot bereitzustellen. Diese Entscheidung sollte auf einer konkreten Bedarfsanalyse und
daraus abgeleiteten Schwerpunkten beruhen.
offene Form
Eine Schule, bei der ein Aufenthalt für Schüler verbunden mit einem Bildungs- und Freizeitan-
gebot in der Schule an mindestens drei Wochentagen von täglich mindestens sieben Zeitstun-
den möglich ist.
Diese Form stellt den Familien die Entscheidung über die Teilnahme an Ganztagsangeboten
frei. Die Schulen können hierbei flexibel auf die Bedürfnisse und Nachfragen der Schüler rea-
gieren. Zudem bieten offene Angebote eine gute Anschlussfähigkeit an den außerschulischen
Freizeit- und Familienalltag der Schüler. Ein breitgefächertes Netz an Kooperationsbeziehun-
gen in der Region erleichtert es der Schule, solche Angebote für ihre Schüler bereitzuhalten.
1.2
Koordination und Steuerungsakteure
Wichtige Partner für die Koordination und Steuerung der schulischen Ganztagsangebote sind
Schulträger bzw. Schulfördervereine, die Kommunen und Landkreise sowie die Schulaufsicht.
Ganztagsangebote sind fest integrierte Bestandteile des Schullebens und tragen dem schul-
spezifischen Umfeld Rechnung. An der konkreten Ausgestaltung sollten Lehrer, Schulleitung,
außerschulische Partner sowie Eltern und Schüler beteiligt sein.
Akteure im Bereich Ganztagsangebote
Antragsteller
für Mittelzuweisungen an Schulen mit Ganztagsangeboten können sowohl
Schulträger als auch Schulfördervereine sein. Damit sind Schulen und Antragsteller Partner
bei der eigenverantwortlichen Gestaltung und qualitativen Weiterentwicklung von Ganztags-
angeboten. Sie tragen gemeinsam die Verantwortung für die Umsetzung der schulischen
Ganztagskonzeption.
Nach § 23 SächsSchulG sind die
Schulträger
für die infrastrukturellen Rahmenbedingungen
in der Schule verantwortlich und sollen nach § 43 SächsSchulG an Sitzungen der Schulkon-
ferenz teilnehmen und damit an den Inhalten der pädagogischen Ganztagskonzeption mitwir-
ken.
Für die effiziente Ausgestaltung der Zusammenarbeit zwischen Schule und
Schulträger bzw
.
Schulförderverein
sollten transparente und aufeinander abgestimmte Organisations- und Ar-
beitsstrukturen genutzt werden, wie z. B. bereits bestehende Strukturen zwischen Schulträger
bzw. Schulförderverein und Schulleitung. Die Aufgabenverteilung bei der Gestaltung von
Ganztagsangeboten sollte klar geregelt sein, wobei dem Schulträger bzw. Schulförderverein
vorrangig die verwaltungs- sowie haushaltstechnische Abwicklung der Ganztagsangebote zu-
kommt.
Dazu gehören:
- Verwaltung der Mittel,
- Abschluss von Verträgen,
- Bereitstellung von Eigenmitteln,

Seite 6 von 19
- Erschließung von Drittmitteln,
- Koordinierung und Nutzung von regionalen und kommunalen Ressourcen,
- Unterstützung der Schule bei der qualitativen Weiterentwicklung von Ganztagsange-
boten und in diesem Zusammenhang
- Planung und Durchführung von investiven Maßnahmen.
Die Tätigkeit der
Schulfördervereine
im Rahmen von Ganztagsangeboten ist insbesondere
Ausdruck sozialen Engagements an den Schulen. Vor allem Eltern, Lehrer und ehemalige
Schüler wirken dabei aktiv an schulischen Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen mit.
Wenn der Schulförderverein einen Antrag stellt, muss der Schulträger vorher sein Einverständ-
nis schriftlich geben (gemäß SächsGTAVO § 6*). Auch bei der Antragstellung durch den Schul-
träger kann sich der Schulförderverein weiterhin in die Gestaltung der Ganztagsangebote ein-
bringen.
*„Der Schulträger oder der Schulförderverein können für ihre jeweilige Schule Anträge zur Förderung
von Ganztagsangeboten bis zum 28. Februar eines jeden Jahres stellen. Der Antragsteller verpflichtet
sich damit, die Mittel in eigener Verantwortung zu verwalten und die erforderlichen Verträge abzuwi-
ckeln. Derjenige, in dessen Namen die Verträge abgeschlossen werden, trägt immer auch die mögli-
chen Risiken, die bei der konkreten Umsetzung der vertraglichen Inhalte entstehen können.“
Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der Ganztagskonzeption ist die Sicherung des
störungsfreien Ablaufs des Ganztagsbetriebes. Die Aufsicht und Verantwortung obliegt dabei
dem
Schulleiter
.
Bei der Planung, Steuerung und Koordinierung der Ganztagsangebote sollte die Schule u. a.
folgende Aspekte beachten:
- Orientierung am pädagogischen Konzept und am Schuljahresablaufplan,
- Grundsätze der Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und Angemessenheit der eingesetz-
ten Ressourcen,
- Regelungen zum Versicherungsschutz der an Ganztagsangeboten teilnehmenden
Schüler,
- Bedarfs- und Schülerorientierung der Angebote,
- Eignung bzw. Qualifikation der außerschulischen Partner,
- Einbindung der gemeinsamen Vorhaben mit außerschulischen Partnern und
- Vernetzung der schulischen Unterstützungsangebote zur Schul- und Unterrichtsent-
wicklung.
Er kann Aufgaben an andere Personen bzw. Personengruppen übertragen. Daher sollten an
der Schule neben der inhaltlichen Steuerung der Ganztagsangebote feste Arbeitsstrukturen
bestehen, welche die Wahrnehmung der Eigenverantwortung der Schule bei der Planung,
Steuerung und Koordinierung des ganztägigen Bildungs- und Erziehungsprozess unterstüt-
zen.
Es können zum einen
Steuergruppen
Aufgaben übernehmen. Dabei sollte die Schule eine
kontinuierliche Partizipation von Eltern, Schülern und außerschulischen Partnern anstreben.
Zum anderen kann eine oder mehrere Personen als Ganztagskoordinator/en eingesetzt wer-
den.
Der
Ganztagskoordinator
übt seine Tätigkeit in enger Verbindung mit der Schulleitung aus
und ist Ansprechpartner für alle im Bereich Ganztagsangebote beteiligten Akteure.
Aufgaben eines Ganztagskoordinators:
* „ Hinweise zur Antragstellung“
Hinweis_GTA.pdf

Seite 7 von 19
- Verbindung zum Antragsteller (Schulträger bzw. Schulförderverein),
- Verbindung zur Schulleitung und Mitarbeit in schulischen Gremien,
- Vorbereitung, Organisation und Prüfung des Maßnahmeverlaufs vor Ort,
- Ansprechpartner für Angebotsleiter, Schüler, Eltern und externe Partner,
-
Koordinierung und Beteiligung an der Erarbeitung der Ganztagskonzeption,
- Vorstellung und Präsentation der Konzeption vor schulischen Gremien,
- Steuerung und Begleitung der Qualitätsentwicklung einschließlich Evaluation der
Qualitätsmerkmale,
- Öffentlichkeitsarbeit und
- Planung von Fort- und Informationsveranstaltungen für alle Akteure.
1.3
Ganztagskonzeption und Schulprogramm
Die Schule erstellt als Handlungsanleitung für die Gestaltung und Umsetzung der Ganztagsan-
gebote eine pädagogische Ganztagskonzeption, die in das Schulprogramm eingebunden ist
und sich auf seine Schwerpunktsetzungen beziehen soll.
Durch den Beschluss der
Schulkonferenz
erhält die pädagogische Ganztagskonzeption ihre
Legitimation als Grundlage für die Gestaltung von Ganztagsangeboten. Die Konzeption sollte
regelmäßig an sich verändernde schulspezifische Bedingungen angepasst und aktualisiert
werden sowie konkrete Aussagen zu den folgenden Bereichen enthalten:
- Ausgangssituation/Sozialraumanalyse,
- Verknüpfungen mit den Zielen und Schwerpunkten des Schulprogramms,
- Profil, Schwerpunktsetzungen und Organisation,
- Festlegungen von Entwicklungsbereichen,
- spezifische, messbare, von allen Beteiligten akzeptierte, realistische und terminierte
Ziele der Ganztagsangebote,
- Maßnahmen zur Qualitätssicherung und zur Überprüfung der Wirksamkeit von Ganz-
tagsangeboten und
- die aktuelle Angebotsübersicht.*
An der Erstellung der Ganztagskonzeption sollten Lehrer, Eltern und Schüler beteiligt sein.
Auch die Einbeziehung von Schulträger und Förderverein sowie Kooperationspartnern trägt
dazu bei, breite Akzeptanz und Unterstützung bei der Umsetzung der Konzeption sowie hö-
here Wirksamkeit und Zufriedenheit mit den Ganztagsangeboten zu erlangen.
*
Vergleiche
Broschüre
Qualitätsrahmen
Ganztagsangebote,
Instrument
zur
Qualitätsentwicklung
und
zur
Umsetzung
der
Fachempfehlung,
Seiten
6
-7
(SMK,
2019)
https://www.schule.sachsen.de/download/QR_GTA_III_Auswertung_11.07.19.pdf

Seite 8 von 19
2.
Angebotsbereiche und Qualitätsmerkmale der Ganztagsangebote
Ganztagsangebote an sächsischen Schulen sollen standort- und bedarfsbezogen unter-
schiedliche Angebotsbereiche berücksichtigen. In der Zusammenstellung von Angeboten un-
terschiedlicher Angebotsbereiche und –formen spiegelt sich die Umsetzung der spezifischen
Ganztagskonzeption einer Schule wieder. Charakteristisch für Schulen mit Ganztagsangebo-
ten ist die Berücksichtigung verschiedener Qualitätsmerkmale, die qualitativ weiterentwickelt
werden sollen.
Angebote zum ganztägigen Lernen richten sich an alle Schüler aller Klassenstufen der Grund-
schulen, Oberschulen, Förderschulen und des Gymnasiums. Gemäß § 2 SächsGTAVO sind
Ganztagsangebote unterrichtsergänzende Maßnahmen, insbesondere zusätzliche Bildungs-
und Förderangebote sowie Arbeitsgemeinschaften. Sie reichen von leistungsdifferenzierten
Bildungsangeboten, die vor allem Themen der Bildung für nachhaltige Entwicklung, der politi-
schen Bildung und Medienbildung aufgreifen, über freizeitpädagogische Angebote bis hin zu
offenen Angeboten im Rahmen der Schulklubarbeit. Ganztagsangebote sollten in einem en-
gen konzeptionellen Zusammenhang mit dem Unterricht stehen und Schülern die Möglichkeit
bieten, über den Unterricht hinaus ihr Wissen und ihre Kenntnisse zu erweitern. Sie können
dazu dienen, sozialen Problemlagen entgegenzuwirken und die Lebenskompetenzen der
Schüler zu fördern.
Die Schule entscheidet eigenverantwortlich entsprechend den Bedarfen über die inhaltliche
Ausgestaltung ihrer Ganztagsangebote.
Für die Bereitstellung eines pädagogisch ausgerichteten vielfältigen Bewegungsangebotes
werden die Sportarten empfohlen, die den sportfachlichen Bezug zum Unterrichtsfach Sport
gewähren. Die Sportartenliste* ist mit der Unfallkasse Sachsen abgestimmt und dient den
Schulen als Orientierung. Es wird empfohlen, sich an die vorgegebenen Sportarten zu halten.
Bei Abweichungen muss im Einzelfall in einer Gefährdungsbeurteilung durch die Schulleitung
geprüft werden, mit welchen Schutzmaßnahmen die Sicherheit der Teilnehmer an den Ganz-
tagsangeboten gewährleistet wird. Für Sportarten mit erhöhtem Gefährdungspotenzial ist zu
beachten, dass nur Angebotsleiter mit einer gültigen Trainer-C-Lizenz für diese Sportart ein-
gesetzt werden können.
Die Entscheidung, ob ein Angebot bzw. ein Partner für die Durchführung eines Angebotes
geeignet ist, liegt zuletzt allein beim Schulleiter.
Projekte der Berufsorientierung an Oberschulen und allgemeinbildenden Förderschulen wer-
den auch weiterhin im Rahmen der verfügbaren Mittel des Europäischen Sozialfonds geför-
dert.
* Vergleiche Sportarten im Rahmen von GTA
Sportartenliste

image
image
image
image
image
image
image
image
image
Seite 9 von 19
Qualitätsmerkmale Ganztagsangebote*
GTA
Qualitätskriterien GTA
2.1
Zeitstruktur und Rhythmisierung
Schüler, die an den Ganztagsangeboten ihrer Schule teilnehmen, verbringen einen Großteil
des Tages in der Schule. Die Gestaltung einer schülerorientierten, an ganztägiges Lernen an-
gepassten Tagesstruktur sollte dem Rechnung tragen und daher Kernstück jeder pädagogi-
schen Ganztagskonzeption sein.
Rhythmisierung bedeutet, den Schulalltag abwechslungsreich und sinnerfüllt für alle Beteilig-
ten zu gestalten und durch einen Wechsel der Tätigkeiten und Aktivitäten im Sinne von An-
spannung und Entspannung, Bewegung und Ruhe, Lernarbeit und Spiel eine bedürfnisorien-
tierte Ordnung zu schaffen. Dadurch erhält die Schule zusätzliche Gestaltungsspielräume für
die Organisation des Lernens und die Entwicklung von Interessen und Begabungen. Es gibt
eine Vielzahl unterschiedlicher Zeitmodelle.
* Vergleiche Broschüre Qualitätsrahmen Ganztagsangebote, Instrument zur Qualitätsentwicklung
und zur Umsetzung der Fachempfehlung, Seite 8 (SMK, 2019)
Broschüre_Qualitätsrahmen_GTA.pdf
Qualitätsicherung
und -entwicklung
Gestaltung der
Zeitstruktur
Freizeitangebote
Individuelle
Förderung
Kooperation mit
außerschulischen
Partnern
Partizipation von
Eltern und
Schülern

Seite 10 von 19
Die Gestaltung eines Schultages mit Ganztagsangeboten sollte auf eine Ausgewogenheit des
Schultages mit allen seinen Bestandteilen wie Unterricht, Pausen, Mittagessen und Ganztags-
angeboten, ausgerichtet sein, d. h., einen angemessenen Wechsel von Phasen der An- und
Entspannung vorsehen.
Dabei sollte die Schule u. a. Überlegungen zu folgenden Aspekten anstellen:
- Gestaltung offener Strukturen für einen harmonischen Beginn des Schultages
(z. B. gleitender Unterrichtsbeginn),
- Gestaltung der Stundentafel (Länge der Unterrichts- und Pausenzeiten),
- Pausengestaltung,
- Bewegungskonzept,
- Hausaufgaben- bzw. Lernzeiten,
- Wechsel von Lern- und Entspannungsphasen, von formellen und informellen Lernsi-
tuationen, von zusätzlichen Lernangeboten und freizeitpädagogischen Angeboten,
- Raumgestaltung und Rückzugsmöglichkeiten im Schulgebäude und auf dem Schul-
gelände,
- Möglichkeiten zur Überbrückung von Zwischenzeiten von Unterricht zu Ganztagsan-
geboten und
- Gestaltung angemessener Strukturen eines ausklingenden Abschlusses des Schul-
tages.
2.2
Freizeitpädagogische Angebote und ihre Gestaltungsmöglichkeiten
Freizeitpädagogische Angebote sind durch eine große Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten
gekennzeichnet. Sie können als ungelenkte und gelenkte Freizeit mit differenzierten Ziel-set-
zungen in verschiedenen Altersstufen gestaltet werden. Sie unterstützen Schüler bei der Her-
ausbildung und Entwicklung von Interessen, Talenten und Neigungen. Diese Angebote bieten
Möglichkeiten für eine sinnvolle Freizeitgestaltung und helfen ein bewusstes Freizeit-verhalten
zu entwickeln.
Freizeitpädagogische Angebote können folgende Themenbereiche abdecken und sollen re-
gelmäßig über einen längeren Zeitraum den Kindern und Jugendlichen angeboten werden:
-
spiel-, sport- und bewegungsorientierte Angebote,
-
musisch - kulturelle Angebote,
-
praktisch - technische Angebote,
-
mathematisch - naturwissenschaftliche Angebote,
-
Angebote im gesellschaftlich - sozialen Tätigkeitsbereich und
-
Entspannungsangebote.
Das Angebot Schulklub stellt ein offenes Betreuungsangebot für Schüler dar, das nicht zur
Teilnahme verpflichtet. Schulklubs können an der Oberschule, dem Gymnasium und der För-
derschule eingerichtet werden. Der Schulklub ist eine Möglichkeit, schulische Freiräume be-
wusst zu gestalten und dazu beizutragen, dass Schule als Lern- und Lebensort erfahren wird.
Er kann für Schüler sowohl Freizeittreff als auch „Lernklub“ sein. Die Betreuung im Schulklub
sollte durch einen geeigneten pädagogischen Mitarbeiter erfolgen und auf einer konzeptionel-
len Grundlage beruhen.
Darin sollten u. a. folgende Aspekte verankert sein:
- pädagogische Aufgabenbeschreibung,
- Personalplanung,
- zeitliche Planung/Öffnungszeiten und
- Angaben zur Raumnutzung.

Seite 11 von 19
Die Schule sollte zudem Möglichkeiten einer Mitwirkung der Schüler an der Schulklubarbeit
schaffen, z. B. im Rahmen eines Schulklubrates.
2.3
Individuelle Förderung von Schülern
Den Angeboten zur leistungsdifferenzierten Förderung und Forderung kommt eine besondere
Bedeutung zu, da sie einen wichtigen Beitrag zum Kerngeschäft von Schule leisten. Zusätzli-
che leistungsdifferenzierte Förderangebote richten sich sowohl an lernschwache als auch lern-
starke Schüler. Sie können der über den Lehrplan hinausgehenden Vertiefung bestimmter Un-
terrichtsinhalte dienen. Förderangebote sollen sich an der individuellen Lern- und Leistungs-
fähigkeit der Schüler orientieren und über einen festgelegten Zeitraum in den Schulalltag inte-
griert werden.
Angebote zur unterrichtsergänzenden leistungsdifferenzierten Förderung und Forderung
können u. a. umfassen:
- individuelle Förderangebote zum Abbau von Defiziten,
- individuelle Förderangebote zur Gestaltung von Übergängen,
- Angebote zur Stärkung von fachübergreifenden Kompetenzen, wie z. B. Medienkom-
petenz, Verbraucherkompetenz und soziale Kompetenzen,
- Angebote zur Erhöhung der Aufmerksamkeit und Konzentration,
- Angebote zum Lernen lernen und
- Stärken-, Talente- und Begabtenförderung.
Die Organisation der individuellen Förderung kann in den unterschiedlichsten Formaten erfol-
gen, besonders zu empfehlen sind die Einrichtung von festen Lernzeiten, in den Vormittag
integrierte Förderbänder, Lernwerkstätten oder Formen der Freiarbeit.
2.4
Kooperation mit außerschulischen Partnern
Bei der Umsetzung der Angebote arbeitet die Schule eng mit außerschulischen Partnern zu-
sammen. Die Schule sollte in der Region mit anderen regionalen Bildungseinrichtungen, Ver-
bänden, Kultur-, Sport- und Jugendvereinen und sonstigen öffentlichen Einrichtungen bei der
Gestaltung der Ganztagsangebote vernetzt sein. Eine Schule mit Ganztagsangeboten braucht
die Kooperation mit außerschulischen Partnern. Sie bereichern durch zusätzliche Bildungs-
möglichkeiten die Vielfalt der Angebote.
Zusammenarbeit mit externen Partnern, Vereinen und Verbänden
Außerschulische Partner können Einzelpersonen aber auch Verbände, Vereine und sonstige
öffentliche Einrichtungen, wie z. B. kirchliche Einrichtungen, Kultur-, Sport- und Jugendvereine
sein. Diese Partner können auf verschiedene Weise im Bereich der Ganztagsangebote tätig
werden, z. B. im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit oder einer Honorartätigkeit. Die Ver-
gütung basiert auf einer vertraglichen Grundlage. Die Festlegung der Stundenhonorare bietet
Spielräume und sollte im Einvernehmen zwischen den Partnern ausgehandelt werden. Dabei
sollten Honorare so bemessen werden, dass sie angemessen und wirtschaftlich vertretbar
sind.
Folgende Kriterien sollten bei der Festsetzung der Honorarhöhe Beachtung finden:
a. Qualifikationen, Abschlüsse etc., die die allgemeine Fachkompetenz, die pädagogi-
sche Eignung und besondere Befähigungen, z. B. die Befähigung mit autistischen
Kindern zu arbeiten, belegen,
b. Referenzen über vorangegangene Arbeiten mit Schülern,

Seite 12 von 19
c. persönliche Eignung,
d. Vorbereitungsaufwand und -umfang für das jeweilige Angebot,
e. Inhalte und Anspruch des Angebotes und
f. Gruppengröße.
Um die Qualität der Angebote zu sichern bzw. weiterzuentwickeln, sollte die Schule eine ver-
trauensvolle Zusammenarbeit mit ihren außerschulischen Partnern gestalten.
Das kann u. a. durch Folgendes unterstützt werden:
- Information der Partner über die aktuelle Ganztagskonzeption,
- Einweisung der Partner in Regelungen der inneren und äußeren Sicherheit,
- klare Absprachen zur Angebotsgestaltung,
- fester Ansprechpartner an der Schule für die Partner,
- regelmäßiger Austausch zwischen Schule und Partnern und
- Einbeziehung der Partner in die regelmäßige Evaluation der Angebote und bei der
Rückmeldung zu den Ergebnissen.
Mit dem Landessportbund Sachsen und dem Sächsischen Musikrat e. V. wurden Rahmenver-
einbarungen* geschlossen. Sie bilden die Grundlage für den Abschluss von Kooperationsver-
einbarungen zwischen den Schulen und den Verbänden mit dem Ziel, qualifizierte pädagogi-
sche Angebote für Kinder und Jugendliche langfristig sicherzustellen. Die Verbände möchten
Schulen mit Ganztagsangeboten bei der Weiterentwicklung ihrer vielfältigen und regionalen
Ganztagsprogramme und bei der Vermittlung von qualifizierten pädagogischen Fachkräften
unterstützen.
Zusammenarbeit im kommunalen und regionalen Kontext
Für eine bedarfsgerechte, ressourceneffiziente und sozialräumlich verankerte Gestaltung von
Ganztagsangeboten sollte eine Schule mit außerschulischen Einrichtungen wie Einrichtungen
der Jugendhilfe, kirchlichen Einrichtungen, Musik- und Sportvereinen, vernetzt sein. Dazu ist
eine Öffnung der Schule in den Stadtteil bzw. die Gemeinde grundlegende Voraussetzung.
Aufeinander abgestimmte Bildungs-, Unterstützungs- und Betreuungsangebote im Rahmen
einer kommunalen Bildungsplanung stärken dabei den Standortfaktor Bildung und erhöhen die
Qualität der Bildung vor Ort. Sie entsprechen einem ganzheitlichen Bildungsverständnis. Eine
Zusammenarbeit im kommunalen und regionalen Kontext befördert die Qualität und Nachhal-
tigkeit der Ganztagsangebote, indem z. B. Abstimmungen zwischen verschiedenen Einrich-
tungen zur Fortführung bzw. Anschlussfähigkeit von Angeboten erfolgen. Um die Möglichkei-
ten vor Ort besser nutzen und abgestimmt auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können,
sollte die Schule einen kontinuierlichen Dialog mit regionalen Bildungsakteuren pflegen.
Eine Zusammenarbeit im kommunalen und regionalen Kontext kann u. a. folgende Aspekte
beinhalten:
- gemeinsame Absprachen zu Schwerpunkten der Ganztagskonzeption verschiedener
Schulen eines Stadtviertels bzw. einer Region unter Berücksichtigung sozialräumli-
cher Besonderheiten und eines effektiven Ressourceneinsatzes,
- gemeinsame Absprachen mit verschiedenen Akteuren der regionalen Kinder- und Ju-
gendarbeit, der kulturellen Bildung, der MINT- und Umweltbildung usw.,
- Nutzung geeigneter regionaler Kommunikationsformen zur Erhöhung der Transpa-
renz und zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch, z. B. thematische Arbeitsgruppen
„Ganztagsangebote“, Bildungskonferenzen und Workshops,
* Rahmenvereinbarungen
Rahmenvereinbarung_Sport.pdf
Rahmenvereinbarung_Musik.pdf

image
image
image
image
image
image
image
Seite 13 von 19
- Gewinnung und abgestimmter Einsatz von schulischen und außerschulischen Part-
nern bei der Gestaltung von Ganztagsangeboten, z. B. durch eine gemeinsame kom-
munale bzw. regionale Kooperationsdatenbank, einen Markt der Möglichkeiten und
Partnerbörsen,
- Gestaltung der Übergänge zwischen verschiedenen schulischen und außerschuli-
schen Einrichtungen im Bereich Ganztagsangebote, z. B. durch Übernahme von Pa-
tenschaften von Schülern der 5. und 6. Klassen weiterführender allgemeinbildender
Schulen für Grundschüler der 4. Klassen,
- gemeinsame professionsübergreifende themenspezifische regionalbezogene Fortbil-
dungen und
- Nutzung außerschulischer Lernorte, wie z. B. Museen, Bibliotheken und Theater, und
die räumliche Öffnung der Schule für andere regionale Akteure.
Zusammenarbeit von Grundschule und Hort
Im SächsSchulG und im Sächsischen Gesetz über Kindertageseinrichtungen (SächsKitaG) ist
die Zusammenarbeit der Einrichtungen verbindlich festgelegt. Grundschule und Hort erarbei-
ten durch diese gesetzlichen Grundlagen gemeinsam ein ganztägiges Bildungsangebot. Horte
sind Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und haben ihre Grundlage im SächsKitaG.
Während Kinder zum Besuch der Schule verpflichtet sind, steht der Hort als verlässliches,
freiwilliges Bildungs- und Betreuungsangebot zur Verfügung. Grundlegend ist, dass die Ein-
richtungen ihren je spezifischen Auftrag professionell umsetzen und durch eine dialogische
Grundhaltung die notwendige Kooperation gestalten. Die „Sächsischen Leitlinien für die öf-
fentlich verantwortete Bildung von Kindern bis zum 10. Lebensjahr“ (SMK, 2014) bilden einen
konzeptionellen Rahmen für die inhaltliche Ausgestaltung auf der Basis des Sächsischen Bil-
dungsplanes und der Lehrpläne für die Grundschule.
Hort
SGB VIII/ SächsKitaG
Sächsischer Bildungsplan
Grundschule
Sächs SchulG
Lehrpläne
Kooperationsvereinbarung
Ganztagsangebote
SächsGTAVO
Schüler
Hortkind
Kind
GTA-Teilnehmer

Seite 14 von 19
Die Förderung von Ganztagsangeboten an Grundschulen gemäß SächsGTAVO stellt somit
auf der Basis der Kooperation von Grundschule und Hort ein pädagogisches Plus, insbeson-
dere zur unterrichtsergänzenden individuellen Förderung, dar. Durch die Förderung von Ganz-
tagsangeboten gemäß der SächsGTAVO können die Gestaltungsspielräume erweitert und fle-
xibilisiert werden.
Die SächsGTAVO verlangt als Zuweisungsvoraussetzung für Grundschulen die Versicherung
des Antragstellers, dass eine Kooperationsvereinbarung zwischen Schule und Hort vorliegt,
die konkrete Aussagen zur Zusammenarbeit trifft und langfristige Ziele dieser Zusammenarbeit
benennt. Diese Kooperationsvereinbarung sollte im engen Dialog zwischen allen Beteiligten
regelmäßig reflektiert und aktualisiert werden. Die gemeinsame Erarbeitung einer Kooperati-
onsvereinbarung von Schule und Hort sowie eine jährliche Anpassung an die aktuellen Gege-
benheiten vor Ort ist für die gelingende Zusammenarbeit Voraussetzung.
Aspekte, die in der schriftlichen Kooperationsvereinbarung berücksichtigt werden sollten und
zu deren Wirksamkeit beitragen, sind u. a.
- gemeinsame Schwerpunktauswahl und Zielsetzung für das ganztägige Bildungsan-
gebot mit klaren Festlegungen zu den jeweiligen inhaltlich differenzierten Aufgaben-
bereichen und konkreten Verantwortlichkeiten von Grundschule und Hort,
- Kommunikation mit Eltern und Partnern,
- Gestaltung einer an ganztägiges Lernen angepassten Tagesstruktur und Abstim-
mung einer ganztägigen Betreuung von Grundschule und Hort,
- abgestimmtes Raumkonzept,
- Klärung des Umgangs mit Hausaufgaben und
- Planung gemeinsamer Projekte.
Die Kooperation von Grundschule und Hort sowie die Nutzung von Ganztagsangeboten ist
eine besondere Herausforderung und Chance zugleich, weil es sich um die gleichen Kinder
handelt, die in der Regel vormittags die Schule und nachmittags den Hort besuchen. Dabei
basiert die ganztägige Bildung und Betreuung in Schule und Hort auf einer rhythmisierten Ta-
gesgestaltung.
Die Praxis ist bestimmt durch Heterogenität. Das heißt, der rechtliche Rahmen muss aufgrund
der vielfältigen, konkreten Bedingungen vor Ort umgesetzt werden. Wichtig ist in diesem Zu-
sammenhang eine Kooperation auf Augenhöhe. Die vorhandenen Ressourcen von Grund-
schule und Hort sollten in der Tagesstruktur synchronisiert, bedarfsgerecht, effizient und ab-
gestimmt eingesetzt werden.
In der Kooperationsvereinbarung sollte folgende Themen berücksichtigt werden:
a. Raum und Zeit,
b. Wege und Aufsichten,
c. Hausaufgaben,
d. Ernährung und Bewegung,
e. Elternarbeit,
f. Ganztagsangebote,
g. abgestimmte und gegenseitige Unterstützung bei der Förderung der Kinder.
Die Abstimmung sollte einhergehen mit einer inhaltlichen Differenzierung und Aufgabenteilung
entsprechend dem jeweiligen Auftrag beider Einrichtungen. Die Grundschule sollte gemäß §
14 Schulordnung Grundschulen – SOGS dabei vorrangig für die Gestaltung von unterrichtser-
gänzenden leistungsdifferenzierten Lernangeboten zuständig sein. Der Hort nimmt als fami-
lienunterstützende und familienergänzende Einrichtung gemäß § 2 SächsKitaG einen eigen-
ständigen sowie alters- und entwicklungsspezifischen Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungs-
auftrag wahr. Er sollte vorrangig für freizeitpädagogische Angebote zuständig sein.

Seite 15 von 19
2.5
Partizipation von Eltern und Schülern
Partizipation ist eine wichtige Gelingensbedingung bei der Gestaltung von Ganztagsangebo-
ten. Durch eine kontinuierliche Mitwirkung von Eltern und Schülern werden günstige Voraus-
setzungen zur gemeinsamen Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsauftrages im Bereich
Ganztagsangebote geschaffen. Durch Partizipation können Bedarfe zeitnah aufgespürt und
entsprechende schulspezifische Schwerpunktsetzungen festgelegt bzw. angepasst werden.
Daher sollte die Schule eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Schülern und Eltern pflegen
und sie in die Erarbeitung des pädagogischen Konzeptes, die Planung und Durchführung der
Ganztagsangebote und die Auswertung und Fortschreibung des Konzeptes einbeziehen. Da-
mit Schüler und Eltern sich in diese schulischen Prozesse einbringen können, sollte eine gute
Information gewährleistet und diese Prozesse offen und transparent gestaltet werden.
Um Schüler demokratische Prozesse an der Schule erfahren und erleben zu lassen, ihr De-
mokratieverständnis zu prägen und ihre Selbstwirksamkeit zu fördern, können u. a. folgende
Möglichkeiten genutzt werden:
- Klassenversammlungen,
- Arbeit an der konkreten Planung und Durchführung des Ganztagsangebotes in Schü-
lermitwirkungsgremien ab Klassenstufe 5,
- Beratungen des Schülerrates mit der Schulleitung und
- Beteiligung von Vertretern des Schülerrates in der Schulkonferenz.
Für Schüler der Klassenstufen 1 bis 4 sollten geeignete altersgerechte Möglichkeiten der Mit-
wirkung geschaffen werden.
In der Zusammenarbeit mit Eltern können u. a. folgende Mitwirkungsmöglichkeiten genutzt
werden:
- Kommunikationsformen zu Fragen bzgl. der Ganztagsangebote zwischen Schule und
Eltern (z. B. Elternversammlungen, Sprechstunden des Ganztagskoordinators,
Runde Tische, Ganztagssteuergruppen usw.),
- Beratungen des Elternrates mit der Schulleitung,
- Gestaltung von Ganztagsangeboten durch Eltern und
- Mitwirkung von Vertretern des Elternrates in der Schulkonferenz.

image
image
image
image
Seite 16 von 19
2.6
Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung
Zur Qualitätssicherung und –entwicklung wird den Schulen der Qualitätsrahmen Ganztagsan-
gebote zur Verfügung gestellt. Er soll als Referenzmaßstab für die Einschätzung des Entwick-
lungstandes der Ganztagsangebote an der eigenen Schule genutzt werden.
Die schulinterne Qualitätssicherung und -entwicklung der Ganztagsangebote ist ein Baustein
von Schulentwicklungsarbeit. Sie dient der Erhaltung bzw. Erhöhung der Wirksamkeit und Ef-
fektivität der Ganztagsangebote. Dabei durchläuft die Schule folgenden Qualitätskreislauf:
Um sich zu vergewissern, ob die gesetzten Ziele der Ganztagskonzeption den tatsächlichen
Entwicklungsbedarfen entsprechen und die dafür eingesetzten Mittel und Wege auch zielfüh-
rend sind, bedarf es in regelmäßigen Abständen einer schulinternen Evaluation. Damit werden
der Ist-Stand der Qualität der Ganztagsangebote dargestellt, Wünsche und Kritikpunkte er-
schlossen oder Folgen bestimmter Veränderungen verdeutlicht. Neben der Bewertung der
Wirksamkeit der Ganztagsangebote können spezifische Folgerungen für dessen Weiterent-
wicklung abgeleitet sowie die Kommunikation über schulische Qualitätsentwicklung im Allge-
meinen und die Qualitätsentwicklung im Bereich Ganztagsangebote im Besonderen befördert
werden.
Bildungspolitisch-pädagogische Herausforderungen
Sächsisches Schulgesetz § 16a Ganztagsangebote zur Stärkung der Eigenverantwortung an
Schulen
Einbindung der GTA-Konzeption in allgemeine Schulentwicklungsprozesse
strategische Ziele der Ganztagsangebote in Verknüpfung mit dem Schulprogramm
Bedarfsermittlung für
zukünftige
Ganztagsangebote
Zielsetzungen für
zukünftige
Ganztagsangebote
Planung der Ganztagsangebote unter
Beachtung
der Rahmenbedingungen
Durchführung der
Ganztagsangebote
Evaluation der
durchgeführten
Ganztagsangebote
Bewertung der Rückmeldungen
und Schlussfolgerungen für die
weitere Arbeit ziehen
Qualitätskreislauf
Ganztagsangebote

Seite 17 von 19
Der Qualitätsrahmen Ganztagsangebote wurde entwickelt für ein gemeinsames Qualitätsver-
ständnis im Bereich Ganztagsangebote im Freistaat Sachsen und orientiert sich am Rahmen-
modell zur schulischen Qualität in Sachsen. Es wurden sechs spezifische Qualitätsmerkmale
für ganztägige Bildung formuliert und mit Kriterien untersetzt:
Übersicht zu den Merkmalen und Kriterien des Qualitätsrahmens Ganztagsangebote*
Qualitätsmerkmale GTA
Qualitätskriterien GTA
Gestaltung der Zeitstruktur
Organisation des Schuljahres
Gestaltung der Tages- und Wochenstruktur
Pausenkonzept
Mittagspause/Mittagessen
Freizeitangebote
Organisierte Freizeitangebote
Ungelenkte bzw. selbstorganisierte Freizeit
Organisation des Schulklubs
Individuelle Förderung
Förderangebote im Ganztag
Hausaufgaben/Lernzeiten
Bedingungen individueller Förderung
Dokumentation/Feedback
Kooperation mit außerschulischen Partnern
Gestaltung der Kooperationskultur und -strukturen
Öffnung von Schule
Verzahnung von Angeboten
Partizipation von Eltern und Schülern
Grundlagen der Beteiligung
Beteiligungsformen
Informationspolitik
Qualitätssicherung und -entwicklung
Grundlagen der Qualitätssicherung
Prozesse der schulinternen Evaluation
Schulleitung und GTA-Koordinator
Fortbildung und Wissenstransfer
* Vergleiche Broschüre Qualitätsrahmen Ganztagsangebote, Instrument zur Qualitätsentwicklung
und zur Umsetzung der Fachempfehlung, Seite 8 (SMK, 2019)
Broschüre_Qualitätsrahmen_GTA.pdf

Seite 18 von 19
Die Schule entscheidet eigenständig, wie sie die interne Evaluation der Ganztagsangebote
plant, durchführt und deren Ergebnisse auswertet. Vielfältige Unterstützungsmaterialien findet
man dafür auf dem Service-Portal Interne Evaluation unter dem Themenfeld Ganztagsange-
bote.
Bei der Durchführung der internen Evaluation sollte die Schule wie folgt vorgehen:
1. Auswahl von Evaluationsschwerpunkten entsprechend der aktuellen Schwerpunkt-
setzung im Bereich Ganztagsangebote, dem Interesse der an Ganztagsangeboten
Beteiligten sowie der Dringlichkeit in Bezug auf zukünftige Entscheidungen,
2. Festlegung der Personen bzw. Gruppen, die zu ausgewählten Schwerpunkten Rück-
meldung geben sollen,
3. Auswahl geeigneter Methoden und Instrumente, wie z. B. schriftliche und mündliche
Befragungsformen (z. B. Fragebögen, Einfachabfragen und Interviews, Gruppenbe-
fragungen), Beobachtungen (z. B. Hospitationen), Dokumentenanalysen (z. B. Ana-
lyse von Schülerzeitungen) und kreative Methoden (z. B. Fotoevaluation),
4. Auswertung der Ergebnisse und deren geeignete Veranschaulichung,
5. Präsentation und Diskussion der Ergebnisse im Lehrerkollegium, vor Eltern und
Schülern und gegebenenfalls mit weiteren Beteiligten und
6. Ableitung von präzisen und konkreten Schlussfolgerungen.
3.
Unterstützungsangebote
Den Schulen stehen beim Auf- und Ausbau von Ganztagsangeboten und deren qualitativer
Weiterentwicklung folgende Beratungs- und Unterstützungsstrukturen zur Verfügung:
- Beratungs- und Unterstützungsleistungen zu pädagogisch-fachlichen und inhaltlichen
Themen an den Standorten des Landesamtes für Schule und Bildung
(schulbezo-
gene individuelle Beratung, schwerpunktartige thematische schul- und schulartüber-
greifende Beratung)
- Sächsische Aufbaubank informiert und regelt die Antragstellung, Zuweisung und Ver-
wendungsnachweisprüfung gemäß Sächs GTAVO*
- Service-Portal Interne Evaluation an sächsischen Schulen [SIEVAS (Start:
28.10.2019)]
- Informationsportal für Schulen „Unterstützungssystem Schulentwicklung“
(Start: 28.10.19)
- Kooperationsdatenbank
Schwerpunkte der schulübergreifenden Beratung und Unterstützung basieren auf den Er-
kenntnissen der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation durch die Technische Univer-
sität Dresden und auf den Rückmeldungen aus der Beratung und Unterstützung der Schulen.
Weitere Informationen und Kontaktdaten sind auf dem Sächsischen Bildungsportal
www.schule,sachsen.de/ganztagsangebote
abrufbar.
* Vergleiche „ Hinweise zur Antragstellung“
Hinweise_GTA.pdf

Seite 19 von 19
4.
Studien zur ganztägigen Bildung
Fischer, Natalie; Holtappels, Heinz Günter; Klieme Eckhard; Rauschenbach, Thomas; Ste-
cher, Ludwig; Züchner, Ivo (Hg.) (2011): Ganztagsschule: Entwicklung, Qualität, Wirkungen.
Längsschnittliche Befunde der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG). Wein-
heim und Basel: Beltz Juventa
Gängler, Hans; Markert, Thomas (Hg.) (2011): Vision und Alltag der Ganztagsschule. Die
Ganztagsschulbewegung als bildungspolitische Kampagne und regionale Praxis: Weinheim
und München: Juventa Verlag
Gängler, Hans; Bloße, Stephan; Lehmann, Tobias (2013): Abschlussbericht der wissenschaft-
lichen Begleitung und Evaluation der „Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Kul-
tus zur Förderung des Ausbaus von Ganztagsangeboten“ (FRL GTA):
https://tu-dres-
den.de/gsw/ew/ibbd/sp/ressourcen/dateien/forschung/ganztagsschule/2014_04_11_ab-
schlussbericht_GTA.pdf?lang=de
StEG (2016) Qualität und Wirkung von Ganztagsschule – Aktuelle Ergebnisse der StEG-Stu-
die:
https://www.ganztaegig-lernen.de
/sites/default/files/2016_Stecher_Beratungsforum_Ak-
tuelle%20Ergebnisse%20der%20StEG-Studie.pdf
GANZTAGSSCHULE 2017/2018
Deskriptive Befunde einer bundesweiten Befragung
Frankfurt am Main, Dortmund, Gießen & München, April 2019
http://www.projekt-steg.de/news/bundesbericht201718