Landesentwicklungsplan Sachsen
2003
Freistaat Sachsen
Sächsisches Staatsministerium des Innern

 
Impressum
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium des Innern
Wilhelm-Buck-Str. 2
01097 Dresden
Homepage:
www.smi.sachsen.de
Ansprechpartner:
Referat 64, Landes- und Regionalplanung
Auflage:
5 000
Gesamtherstellung:
SAXONIA Verlag
Lingnerallee 3
01069 Dresden
Schutzgebühr: 10 €
Verteilerhinweis:
Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Freistaates Sachsen heraus-
gegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Personen, die Wahlwerbung betreiben, im
Wahlkampf zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Auch ohne zeitlichen Bezug
zu einer bevorstehenden Wahl darf diese Druckschrift nicht in einer Weise verwendet werden,
die als Parteieinnahme der Landesregierung zu Gunsten einzelner Gruppen verstanden wer-
den könnte. Den Parteien ist es gestattet, die Druckschrift zur Unterrichtung ihrer eigenen
Mitglieder zu verwenden.

 
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung.........................................................................................................................................................................
Seite 1
1
Leitbild der Landesentwicklung...........................................................................................................................
Seite 3
Überfachliche Ziele und Grundsätze der Raumordnung
2 Raumstrukturelle Entwicklung
............................................................................................................................ Seite 5
2.1
Allgemeine raumstrukturelle Entwicklung
Seite 5
2.2
Europäische Metropolregion „Sachsendreieck
“........................................................................................
Seite 7
2.3
Zentrale Orte und Verbünde
................................................................................................................................
Seite 9
2.4
Gemeinden und Gemeinden mit besonderen Gemeindefunktionen
.............................................. Seite 20
2.5 Raumkategorien
.......................................................................................................................................................... Seite 22
2.6
Überregionale Verbindungsachsen und Einbindung in transeuropäische Netze
.................... Seite 27
3 Regionalentwicklung
................................................................................................................................................. Seite 28
3.1 Interkommunale Kooperation
............................................................................................................................... Seite 28
3.2
Transnationale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit
........................................................... Seite 29
3.3
Räume mit besonderem landesplanerischem Handlungsbedarf
..................................................... Seite 31
Fachliche Ziele und Grundsätze der Raumordnung
4
Schutz, Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft................................................................ Seite 34
4.1
Schutz der Landschaft
.............................................................................................................................................. Seite 35
4.2 Arten- und Biotopschutz, ökologisches Verbundsystem
....................................................................... Seite 41
4.3
Wasser, Gewässer- und Hochwasserschutz
............................................................................................... Seite 43
4.4 Bodenschutz und Altlasten
.................................................................................................................................... Seite 50
4.5
Luftreinhaltung und Klimaschutz
......................................................................................................................... Seite 53
5 Siedlungsentwicklung
............................................................................................................................................... Seite 54
5.1 Siedlungswesen
........................................................................................................................................................... Seite 54
5.2 Stadtentwicklung
.......................................................................................................................................................... Seite 58
5.3
Ländliche Entwicklung und Dorfentwicklung
................................................................................................ Seite 60
6
Gewerbliche Wirtschaft und Handel
................................................................................................................. Seite 62
6.1 Gewerbliche Wirtschaft
............................................................................................................................................ Seite 62
6.2 Handel
............................................................................................................................................................................... Seite 64
7 Rohstoffsicherung
....................................................................................................................................................... Seite 66
8
Freizeit, Erholung, Tourismus
.............................................................................................................................. Seite 70
9
Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft
............................................................................................................... Seite 75
10 Verkehr
.............................................................................................................................................................................. Seite 78
11
Energieversorgung und erneuerbare Energien
.......................................................................................... Seite 84
12 Telekommunikation
.................................................................................................................................................... Seite 86
13 Wasserver- und Abwasserentsorgung
............................................................................................................ Seite 87
14 Abfall
................................................................................................................................................................................... Seite 89
15 Lärmschutz
...................................................................................................................................................................... Seite 90
16
Soziale und kulturelle Infrastruktur
.................................................................................................................... Seite 91
16.1
Jugend, Frauen und Familie
.................................................................................................................................. Seite 91
16.2 Gesundheits- und Sozialwesen
........................................................................................................................... Seite 92
16.3
Erziehungs- und Bildungswesen, Wissenschaft
........................................................................................ Seite 95
16.4
Kultur und Sport........................................................................................................................................................... Seite 99
17
Öffentliche Verwaltung, Gerichtsbarkeit, Sicherheit und Ordnung sowie Verteidigung
....... Seite 101

 
Anhang
A 1
Grundlagen zur Fortschreibung des LEP 2003
.............................................................
Seite 106
A 1.1
Rechtliche Grundlagen, Aufstellungsverfahren, Rechtswirkung
.............................
Seite 106
A 1.2
Rahmenbedingungen und Fortschreibungserfordernisse
.........................................
Seite 107
A 2
Stichwortverzeichnis
................................................................................................................................ Seite 110
A 3
Fachplanerische Inhalte des Landschaftsprogramms (separate Anlage)
................
Zeichnerische Festlegungen und Erläuterungen (Karten)
Festlegungskarten:
Karte 1:
Raumstruktur
Karte 5:
Räume mit besonderem landesplanerischem Handlungsbedarf
Karte 6:
Großflächig unzerschnittene störungsarme Räume
Erläuterungskarten:
Karte 2:
Oberbereiche
Karte 3:
Pendlereinzugsbereiche ausgewählter Gemeinden über 10 000 Einwohner
Karte 4:
Optionen der Raumentwicklung
Karte 7:
Gebietskulisse für die Ausweisung eines ökologischen Verbundsystems
Karte 8:
Gebiete mit speziellem Bodenschutzbedarf
Karte 9:
Sicherungswürdigkeit der Steine- und Erden-Rohstoffe, aktiver Bergbau, Braunkohlenres-
sourcen
Karte 10:
Landesweite Schwerpunkte der Waldmehrung
Karte 11:
Waldschadensgebiete durch Immissionen
Karte 12:
Verkehrsinfrastrukturentwicklung

Landesentwicklungsplan 2003
1
_____________________________________________________________________________________________
0 Einleitung
Sowohl die Ausgangslage als auch die Rahmenbedingungen für die räumliche Entwicklung des Freistaats
Sachsen haben sich seit 1994 wesentlich verändert (wie z. B. demographische Entwicklung und die be-
vorstehende EU-Erweiterung). Die Staatsregierung trägt dieser Entwicklung und den damit verbundenen
Herausforderungen durch eine zukunftsorientierte Fortschreibung des Landesentwicklungsplans (LEP
2003) Rechnung. Bei der Fortschreibung waren die verbindlichen Regionalpläne einschließlich der
Braunkohlenpläne sowie der fortgeltende Fachliche Entwicklungsplan Verkehr (FEV) zu berücksichtigen.
Die Regionalpläne sind binnen drei Jahren nach In-Kraft-Treten des LEP 2003 anzupassen.
Der Landesentwicklungsplan stellt das fachübergreifende Gesamtkonzept zur räumlichen Ordnung und
Entwicklung des Freistaats Sachsen auf der Grundlage einer Bewertung des Zustandes von Natur und
Landschaft sowie der Raumentwicklung dar. Er hat die Aufgabe, die Nutzungsansprüche an den Raum zu
koordinieren und auf sozial ausgewogene sowie ökologisch und ökonomisch funktionsfähige Raum- und
Siedlungsstrukturen hinzuwirken. Durch die Ziele und Grundsätze des Landesentwicklungsplans sollen im
Sinne einer nachhaltigen Raumentwicklung die Ansprüche an den Raum großräumig in Einklang gebracht
werden, so dass das Erreichen bzw. die Erhaltung hoher ökologischer, ökonomischer und soziokultureller
Standards für kommende Generationen ermöglicht wird. Der Landesentwicklungsplan übernimmt zugleich
die Funktion des Landschaftsprogramms nach dem Sächsischen Gesetz über Naturschutz und Land-
schaftspflege.
Der Landesentwicklungsplan enthält landesweit bedeutsame Festlegungen als Ziele und Grundsätze der
Raumordnung. Sein Regelungsinhalt sowie die Anforderungen an die Normqualität und die unterschied-
liche Bindungswirkung der Ziele und Grundsätze ergeben sich aus den bundes- und landesrechtlichen
Vorschriften des Raumordnungsgesetzes (ROG) und des Gesetzes zur Raumordnung und Landes-
planung des Freistaates Sachsen (SächsLPlG). Die
Ziele
des Landesentwicklungsplans (Kennzeichnung
mit Z) sind verbindliche Vorgaben in Form von räumlich und sachlich bestimmten oder bestimmbaren,
abschließend abgewogenen textlichen oder zeichnerischen Festlegungen zur Entwicklung, Ordnung und
Sicherung des Raums. Die Ziele des Landesentwicklungsplans sind von öffentlichen Stellen bei ihren
raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen zu beachten. Je nach Konkretisierungsgrad lassen die
Ziele nachfolgenden Planungen Spielräume zur Ausformung und Umsetzung. Wenn ein Ziel im Landes-
entwicklungsplan als „Ist-Ziel“ formuliert ist, bedeutet dies, dass die Festlegung zwingend verbindlich ist;
sie kann nur im Rahmen eines Zielabweichungsverfahrens überwunden werden. Wenn ein Ziel im
Landesentwicklungsplan als „Soll-Ziel“ formuliert ist, bedeutet dies, dass die Planaussage zwingend ver-
bindlich ist, aber selbst ein so genanntes Restermessen enthält, das erlaubt, in atypischen Fällen ohne
Zielabweichungsverfahren von der Planaussage abzuweichen. Ein atypischer Fall liegt dann vor, wenn bei
objektiver Betrachtung des konkreten Einzelfalles ein Festhalten am Ziel unter Beachtung der Gesamt-
aussage des Plans nicht gerechtfertigt erscheint. Die
Grundsätze
des Landesentwicklungsplans (Kenn-
zeichnung mit G) sind allgemeine Aussagen zur Entwicklung, Ordnung und Sicherung des Raums in oder
auf Grund von § 2 ROG als Vorgaben für nachfolgende Abwägungs- oder Ermessensentscheidungen. Sie
sind von öffentlichen Stellen bei raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen in der Abwägung oder
bei der Ermessensausübung zu berücksichtigen.
Die im Landesentwicklungsplan enthaltenen Ziele und Grundsätze stehen unter dem Vorbehalt einer
gesicherten Finanzierung. Ein Anspruch, insbesondere gegen den Freistaat Sachsen oder kommunale
Gebietskörperschaften, auf Realisierung, Finanzierung oder finanzielle Förderung kann aus den Zielen
und Grundsätzen nicht abgeleitet werden (§ 2 Abs. 4 SächsLPlG). Bei der Förderung im Geltungsbereich
des Plans sind seine Ziele zu beachten und seine Grundsätze zu berücksichtigen. Weitergehende Vor-
schriften der einschlägigen Förderrichtlinien bleiben davon unberührt.
Der Landesentwicklungsplan weist in der Regel den Auftrag der zeichnerischen Festlegung von Zielen
und Grundsätzen zu Gebietsbezeichnungen, insbesondere im Freiraumbereich, aber auch im besiedelten
Bereich, der Regionalplanung zu. Diese Gebietsbezeichnungen umfassen Vorrang-, Vorbehalts- und
Eignungsgebiete.
Vorranggebiete
sind Gebiete, die für bestimmte, raumbedeutsame Funktionen oder
Nutzungen vorgesehen sind und andere raumbedeutsame Nutzungen ausschließen, soweit diese mit den
vorrangigen Nutzungen, Funktionen oder Zielen der Raumordnung nicht vereinbar sind. Vorranggebiete

2
Landesentwicklungsplan 2003
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sind Ziele der Raumordnung.
Vorbehaltsgebiete
sind Gebiete, in denen bestimmten, raumbedeutsamen
Funktionen oder Nutzungen bei der Abwägung mit konkurrierenden raumbedeutsamen Nutzungen be-
sonderes Gewicht beigemessen werden soll. Vorbehaltsgebiete sind Grundsätze der Raumordnung.
Eignungsgebiete
sind Gebiete, die für bestimmte, raumbedeutsame Maßnahmen geeignet sind, die
städtebaulich nach § 35 Baugesetzbuch zu beurteilen sind und an anderer Stelle im Planungsraum aus-
geschlossen werden. Gemäß § 2 Abs. 2 SächsLPlG darf die Ausweisung von Eignungsgebieten im vor-
genannten Sinne nur in Verbindung mit der Ausweisung von Vorranggebieten zu Gunsten der betref-
fenden Nutzung erfolgen.
Mit seinen raumordnerischen Inhalten setzt der Landesentwicklungsplan den Fachplanungen bei räum-
lichen Strukturentscheidungen einen ausgestaltungsfähigen Rahmen. Für die regionale und kommunale
Ebene belässt der Landesentwicklungsplan grundsätzlich Gestaltungs- und Entwicklungsspielräume im
Sinne der Deregulierung und des Subsidiaritätsprinzips. Seine Festlegungen schaffen Planungssicherheit
und dienen der Beschleunigung von Verwaltungsverfahren. Der LEP 2003 ist auf einen Zeitraum von ca.
10 Jahren ausgerichtet.
Alle räumlichen Planungen, insbesondere die Regionalplanung, die Bauleitplanung und die raumbedeut-
samen Fachplanungen, sind an den Festlegungen des Landesentwicklungsplans gemäß v. g. Bindungs-
wirkung auszurichten. Die Regionalpläne für die Planungsregionen sind aus dem Landesentwicklungsplan
zu entwickeln. Der Landesentwicklungsplan enthält dazu als Ziele an die Regionalplanung gekennzeich-
nete Aufträge, die regelmäßig zu erfüllen sind, sofern die zu regelnden Sachverhalte für die Planungs-
region zutreffen. Darüber hinaus enthält der Landesentwicklungsplan als Grundsätze bezeichnete optio-
nale Aufträge, deren Erfüllung dem Ermessen des jeweiligen Trägers der Regionalplanung obliegt. Der
Landesentwicklungsplan als übergeordneter Gesamtplan enthält keine parzellenscharfen Festlegungen.
Die Ziele und Grundsätze des Landesentwicklungsplans sind auch für Personen des Privatrechts bei der
Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben verbindlich, wenn dabei die öffentliche Hand mehrheitlich beteiligt ist
oder wenn die Planungen und Maßnahmen überwiegend mit öffentlichen Mitteln finanziert werden.
Gegenüber sonstigen Personen des Privatrechts entfalten die Festlegungen des Landesentwicklungs-
plans nur nach Maßgabe des jeweiligen Fachrechts Bindungswirkung.
Der Landesentwicklungsplan besteht aus einem Text- und einem Kartenteil. Der Textteil gliedert sich in
das
Leitbild
für die Entwicklung des Freistaats Sachsen, einen
überfachlichen Teil
mit Zielen und
Grundsätzen und einen
fachlichen Teil
mit Zielen und Grundsätzen. Der Kartenteil enthält zeichnerische
Festlegungen von Zielen und Grundsätzen (Festlegungskarten) sowie Karten, die der Erläuterung dienen
(Erläuterungskarten). Dem Plan ist eine Begründung beigefügt. Die Begründung beschränkt sich auf
wesentliche Aussagen zum Regelungserfordernis und unterliegt keiner Bindungswirkung. Des Weiteren
sind dem LEP 2003 die Grundlagen zur Fortschreibung des LEP 2003 (A 1) sowie die fachplanerischen
Inhalte des Landschaftsprogramms (A 3) als Anlagen beigefügt.
Im Unterschied zu den Festlegungskarten enthalten die Erläuterungskarten keine Inhalte mit Bindungs-
wirkung nach § 4 ROG. Vielmehr enthalten sie Gebietskulissen für die Erfüllung der im Landesentwick-
lungsplan insbesondere an die Träger der Regionalplanung gerichteten Aufträge und dienen somit als so
genannte Suchräume für die Regionalplanung. Die Träger der Regionalplanung erhalten zur
Fortschreibung der Regionalpläne die dafür notwendigen aktuellen Fachdaten in digitaler Form. Für die
Inhalte der Erläuterungskarten und deren Aktualisierung für die Fortschreibung der Regionalpläne
zeichnen die jeweils zuständigen Fachministerien verantwortlich.
Den Festlegungen des LEP 2003 vorangestellt ist ein Leitbild für die weitere Entwicklung des Freistaats
Sachsen. Es entfaltet keine Bindungswirkung nach § 4 Raumordnungsgesetz. Das Leitbild enthält Leitvor-
stellungen mit programmatischem Charakter für die allgemeine räumliche Entwicklung, die Maßstab und
strategische Zielrichtung für die Inhalte der konkreten Ziele und Grundsätze des LEP 2003 sind. Zugleich
ist dieses auf die Zukunft, d. h. auch über den zeitlichen Geltungsbereich des LEP 2003 hinaus gerichtete
landesentwicklungspolitische Leitbild nicht statisch, sondern offen für künftige Entwicklungen. Das Leitbild
soll zu einer landesweiten, konsensbildenden Identifikation mit den landesentwicklungspolitischen
Zielsetzungen des Landesentwicklungsplans beitragen und den Dialog über Zukunftsfragen in einem
zusammenwachsenden Europa fördern und begleiten.

Landesentwicklungsplan 2003
3
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1 Leitbild der Landesentwicklung
Der Freistaat Sachsen ist als attraktiver Lebens-, Kultur- und Wirtschaftsraum in einem zusammen-
wachsenden Europa modern und zukunftsfähig weiter zu entwickeln.
Lebensqualität zukunftsfähig gestalten
-
Der Freistaat Sachsen soll als moderner und offener Lebens- und Wirtschaftsraum innerhalb der Euro-
päischen Union entwickelt werden. Zur Sicherung gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Teil-
räumen ist die Leistungskraft der Ober- und Mittelzentren landesweit zu stärken. Insbesondere die
Grundzentren in strukturschwachen, dünn besiedelten Gebieten sollen als Konzentrationspunkte für
die erforderliche Daseinsvorsorge gestärkt werden. Die ländlichen Räume und die Verdichtungsräume
sollen sich in ihren Funktionen ergänzen und in ihrem jeweiligen Entwicklungspotenzial gestärkt
werden.
- Für die nachhaltige Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen und der Lebensqualität für spätere
Generationen sind Klima, Boden, Luft und Wasser vor vermeidbaren Beeinträchtigungen zu schützen,
die biologische Vielfalt durch die Schaffung eines landesweiten Biotopverbundsystems zu fördern,
großflächige naturnahe Lebensräume zu erhalten, die Vielfalt der sächsischen Kulturlandschaft zu
bewahren, der Ressourcen- und Flächenverbrauch zu reduzieren sowie die Möglichkeiten regene-
rativer Energien umweltgerecht zu nutzen.
- Die Siedlungs- und Freiraumentwicklung sowie die Infrastruktur sollen im Freistaat Sachsen so
gestaltet und geordnet werden, dass Beeinträchtigungen im Falle von Katastrophen minimiert werden.
- Im Gesundheits- und Sozialwesen sollen Qualitätsstandards erhalten und eine sinnvolle Vernetzung
von Angeboten und Diensten erreicht werden, damit eine hochwertige Ausgestaltung der Einrich-
tungen in allen Aufgabenbereichen in jeweils zumutbarer Entfernung gewährleistet bleibt.
Wirtschaftliche Standortqualität ausbauen
- Die Wirtschaftskompetenz und die Wirtschaftskraft im Freistaat Sachsen sind so auszubauen, dass
Sachsen innerhalb Europas ein wettbewerbsfähiger und attraktiver Wirtschaftsstandort für die be-
stehenden Unternehmen und für Neuansiedlungen wird. Auf der Grundlage einer eigenständigen und
nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung soll der Wohlstand im Land erhöht werden.
- Die wirtschaftliche Entwicklung im Freistaat Sachsen soll in wettbewerbsfähigen Standorten mit
großem Arbeitsplatzpotenzial in allen Teilräumen (Regionen) beschleunigt werden.
- Die Verkehrsinfrastruktur im Freistaat Sachsen soll zukunftsweisend so ausgebaut und vernetzt
werden, dass die Erreichbarkeit und die Anbindung an deutsche und europäische Metropolregionen
(Berlin, Breslau, Prag, München, Rhein-Main, Rhein-Ruhr, Hamburg) verbessert wird und Netzlücken
im Freistaat Sachsen geschlossen werden. Mit der Realisierung neuer Verkehrsverbindungen sollen
die Standortbedingungen im Freistaat Sachsen aufgewertet und die Einbindung in leistungsfähige
transeuropäische Netze verbessert werden.
- Die Bildungs-, Forschungs-, Technologie- und Wissenschaftseinrichtungen im Freistaat Sachsen
sollen als Wachstumsdeterminanten weiterentwickelt werden und ein leistungsfähiges und hoch-
wertiges Bildungsangebot in den Teilräumen sichern.
- Die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft soll umweltgerecht, wettbewerbsfähig und nachhaltig so
weiterentwickelt werden, dass sie mit flächendeckender Landbewirtschaftung einen wesentlichen Bei-
trag zur Erzeugung qualitativ hochwertiger Nahrungsmittel und zur Landschaftspflege sowie zur Roh-
stoff- und Energieversorgung leistet und damit zur Erhöhung der Lebensqualität beiträgt.

4
Landesentwicklungsplan 2003
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Zusammenarbeit in Europa subsidiär und solidarisch gestalten
- Die Raumentwicklung im Freistaat Sachsen soll dazu beitragen, dass lage- und wirtschaftsbedingte
Nachteile in einem zusammenwachsenden Europa überwunden werden und Sachsen sich zu einer
dynamischen, eigenständigen und weltoffenen Region in Europa entwickelt.
- In Vorbereitung und in Begleitung der EU-Erweiterung sollen die transnationale Zusammenarbeit
sowie die grenzübergreifenden Verflechtungs- und Kommunikationsbeziehungen ausgebaut werden.
Für die wirtschaftliche Entwicklung und Annäherung der benachbarten Regionen der Beitrittsländer an
das durchschnittliche Niveau der EU-Mitgliedsstaaten ist die Mittlerfunktion Sachsens zwischen West-
und Mittelosteuropa besonders zu stärken.
- Im Freistaat Sachsen sollen die räumlichen Voraussetzungen für den Ausbau funktionaler Verflech-
tungen der Teilräume in den grenznahen Gebieten mit den Nachbarregionen in der Republik Polen
und der Tschechischen Republik geschaffen werden.
Kooperationen partnerschaftlich etablieren
- Die Teilräume des Freistaats Sachsen sollen als Handlungsebenen weiter gestärkt werden. In den
Regionen sollen durch Vernetzung von Entwicklungspotenzialen regionale Wirkungskreisläufe auf-
gebaut und stabilisiert werden. Durch Intensivierung der interkommunalen Zusammenarbeit sollen
strukturelle Defizite abgebaut, regionale Eigenkräfte mobilisiert, innovative Potenziale zusammen-
geführt und vor dem Hintergrund des demographischen Wandels eine optimale Nutzung der Infra-
struktureinrichtungen gewährleistet werden. Für die Gestaltung und Begleitung der raumstrukturellen
Umbauprozesse sollen die Handlungsspielräume der Regionen erweitert werden.
- Im Freistaat Sachsen sollen für die Entwicklung als offener und innovativer Lebensraum die Hand-
lungs- und Gestaltungsfähigkeit in Verwaltungen, Wissenseinrichtungen und der Wirtschaft gestärkt
und die Kooperation untereinander befördert werden.
- Im Freistaat Sachsen sollen die Teilräume durch Vernetzung mit den Oberzentren des „Sachsen-
dreiecks“ (Dresden, Leipzig, Chemnitz und Zwickau) und unter Wahrung der regionalen und kulturellen
Vielfalt sowie Eigenständigkeit partnerschaftlich weiterentwickelt werden. Dabei ist den Belangen des
sorbischen Volkes Rechnung zu tragen, um den besonderen kulturellen Charakter im Siedlungsgebiet
des sorbischen Volkes zu erhalten und zu unterstützen.
Außenwirkung und Standortmarketing innovativ verbessern
- Die reichhaltige und im Ergebnis historischer Kontinuität entstandene Kunst- und Kulturlandschaft im
Freistaat Sachsen soll in ihrer identitätsstiftenden Wirkung erhalten und als Standortpotenzial be-
sonders gepflegt werden.
- Identifikationsstiftende internationale Großveranstaltungen und -projekte sollen im Freistaat Sachsen
entwickelt und unterstützt werden.
-
Die Standortqualität Sachsens ist innovativ zu vermarkten.
- Das „Sachsendreieck“ soll durch Stabilisierung und Zusammenarbeit der Oberzentren Leipzig,
Dresden, Chemnitz und Zwickau zu einer dynamischen europäischen Metropolregion entwickelt
werden. Die Oberzentren sollen gemeinsam die Außenwahrnehmung Sachsens aufwerten.

Landesentwicklungsplan 2003
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Überfachliche Ziele und Grundsätze der Raumordnung
2 Raumstrukturelle Entwicklung
2.1 Allgemeine raumstrukturelle Entwicklung
Begriff:
Zentrale Orte, Gemeinden, Gemeinden mit besonderen Gemeindefunktionen, Raumkategorien und
Achsen sind Elemente der Raumstruktur. Sie werden in den jeweiligen Kapiteln erläutert.
G 2.1.1
In allen Teilräumen des Landes sind die Lebens- und Umweltqualität sowie die
Leistungsfähigkeit der Wirtschaft zu erhöhen. Durch eine verstärkte
Zusammenarbeit
der Leistungsträger in den Regionen mit- und untereinander sowie mit Teilräumen
anderer Bundesländer und Staaten sollen die Potenziale in den Regionen gestärkt
werden.
G 2.1.2
Die Entwicklung des Freistaats Sachsen und seiner Teilräume soll insbesondere
durch die Stärkung der Ober- und Mittelzentren als Wirtschaftsstandorte getragen
werden.
G 2.1.3
Gebiete, die auf Grund der Wahrnehmung landesweiter Aufgaben im Umwelt- und
Ressourcenschutz sowie der Ressourceninanspruchnahme in ihrem Handlungs- und
Gestaltungsspielraum eingeschränkt sind, sind in ihrer Entwicklung zu unterstützen.
G 2.1.4
Beim Ausbau der Siedlungs- und Infrastruktur sind die Bedürfnisse der verschie-
denen sozialen Gruppen und des sorbischen Volkes zu berücksichtigen.
Z 2.1.5
In den Regionalplänen ist ein Leitbild für die nachhaltige Ordnung und Entwicklung
der jeweiligen Planungsregion aufzustellen. Den besonderen teilräumlichen Erforder-
nissen ist hierbei Rechnung zu tragen.
Begründung zu 2.1 Allgemeine raumstrukturelle Entwicklung
zu Grundsatz 2.1.1 und 2.1.2
Das Kapitel enthält allgemeine Vorstellungen zur langfristigen Entwicklung des Landes und dient der
Überleitung zu den konkreten Zielsetzungen innerhalb der Raumstruktur (vgl. Kapitel Zentrale Orte,
Raumkategorien).
Die Raumstruktur im Freistaat Sachsen unterliegt einem tiefgreifenden Wandel. In diesem Prozess rückt
die Gestaltung der Bestandsentwicklung in den Mittelpunkt. Vor diesem Hintergrund müssen raum-
bezogene Planungen und Instrumente wie z. B. Inhalte des LEP 1994 verändert werden. Kern einer
erfolgreichen Entwicklung in Sachsen ist die Konzentration auf Leistungsträger gemäß Grundsatz 2.1.1
und 2.1.2 (Zentren mit einer hohen Arbeitsplatzzentralität: Oberzentren mit über 20 000 sozialversiche-
rungspflichtig Beschäftigten in der Gemeinde und Mittelzentren mit über 10 000 sozialversicherungs-
pflichtig Beschäftigten in der Gemeinde) innerhalb des Landes, um dadurch die langfristigen Umbau-
prozesse zu gestalten. Die Raumstruktur in Sachsen soll dabei so entwickelt werden, dass leistungsfähige
und zukunftsorientierte Strukturen aufgebaut werden. Damit werden die räumlichen Voraussetzungen
geschaffen, sich in einer europa- und weltweit verschärfenden Standortkonkurrenz als Bundesland zu
behaupten und Sachsen zu einer führenden Region in der Mitte Europas entwickeln zu können.
Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes tragen u. a. bei:
die Kooperation und Vernetzung regionaler Leistungsträger in Wirtschaft (einschließlich Land- und
Forstwirtschaft), Verwaltung, Kultur, Bildung etc.,
die grenzübergreifende Zusammenarbeit,
die Entfaltung von Eigenkräften in allen Teilräumen des Landes (Planungsregionen),

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Landesentwicklungsplan 2003
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effiziente Verwaltungsstrukturen,
ein solides Zentrale-Orte-System und
der Ausbau einer diversifizierten Wirtschaftsstruktur insbesondere in den Städten zur Ausweitung des
Arbeitsplatzangebots im Freistaat Sachsen.
Eine positive wirtschaftliche Entwicklung von Städten und die Zunahme der räumlichen Ausstrahlungs-
effekte ist Voraussetzung dafür, dass auch der ländliche Raum als eigenständiger Lebensraum entwickelt
werden kann. Zugleich wird damit den fiskalischen und demographischen Veränderungen Rechnung
getragen. Der Erfolg regionaler Entwicklungsprozesse hängt zukünftig von dem Selbstverständnis einer
Partnerschaft zwischen Stadt und Land ab (vgl. Europäisches Raumentwicklungskonzept - EUREK, Re-
gionalpolitik der EU). Damit soll die soziale und wirtschaftliche Funktionsfähigkeit der ländlichen Räume
dauerhaft gesichert und ein kreativer Gestaltungswille erreicht werden.
Karte 4 enthält Aussagen darüber, welche Veränderungen in der Raumstruktur und in der Funktion von
Teilräumen in den nächsten Jahren erwartet werden. Eine wesentliche Einflussgröße ist dabei, vor Ort in
internationalen und nationalen Zusammenhängen zu denken. Die grenzüberschreitende Vernetzung der
Verkehrsinfrastruktur, die Stärkung der Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorte sowie das Handeln in
Netzwerken (siehe Kooperationsräume) sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass Sachsen seine Wett-
bewerbsposition international verbessert. Zur Klarstellung der wirtschaftlichen Bedeutung einzelner Ge-
meinden wurden auf der Basis der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort (Stand:
30.06.2002) und der Einpendlerbedeutung wichtige Wirtschaftsstandorte abgebildet. Vor dem Hintergrund,
dass die zunehmende Ausstrahlung und Verflechtung der Metropolregion „Sachsendreieck“ auch für die
ländlichen Räume eine Entwicklungschance darstellt, eignen sich vor allem die ausgeprägten Arbeitsplatz-
und Wissenszentren mit Standortvorteilen (z. B. überregionale Verkehrsanbindung) im ländlichen Raum,
neue Wachstumsimpulse durch Intensivierung dieser Verflechtungen aufzunehmen (s. Kap. 2.2, 2.3).
Die Raumstrukturen müssen so umgebaut werden, dass sie in der Zukunft flexibel auf wechselnde Raum-
ansprüche und gesellschaftliche Veränderungen reagieren können bzw. darauf vorbereitet sind. Dies setzt
voraus, dass sich das Planungs- und Politikverständnis öffnet für flexible, anwendungsorientierte
Lösungen sowie für Realitätssinn und eine Abkehr von überlieferten Wunschvorstellungen eintritt. Wichtig
für das Erkennen gesellschaftlicher Veränderungen und ihrer Auswirkungen im Freistaat Sachsen ist eine
fundierte Analyse und Bewertung räumlicher Entwicklungs- und Umbauprozesse (Monitoring). Auf dieser
Grundlage ist über die Veränderungen im Land und in den Teilräumen regelmäßig zu informieren, damit in
der Öffentlichkeit frühzeitig die Folgen raumstruktureller Veränderungen bekannt werden. In § 21 Abs. 1
SächsLPlG sind die dafür zuständigen Planungsträger genannt.
zu Grundsatz 2.1.3
Der Plansatz würdigt die Leistungen einzelner Gebiete im Sinne von ökologischen Ausgleichsfunktionen
und im Bereich der Ressourcennutzung (z. B. großflächiger Rohstoffabbau, militärische Übungsplätze
gemäß Ziel 17.11 im Kapitel 17) für das gesamte Land. Um den Schutz natürlicher Lebensgrundlagen und
die unterschiedlichen Interessen der betroffenen Bevölkerung gleichwertig zu berücksichtigen, soll ein
strukturpolitisches Gegenwirken in Einzelfällen und im Einklang mit den Schutzabsichten möglich sein.
Damit wird das Ziel verfolgt, eine weitere Verschärfung räumlicher Disparitäten unter diesen Rahmen-
bedingungen zu vermeiden.
zu Grundsatz 2.1.4
Die Veränderungen der Bevölkerungsstruktur und die weitere Ausdifferenzierung in der Sozialstruktur im
Freistaat Sachsen erfordern eine verstärkte planerische Vorsorge, damit alle Bevölkerungsgruppen am
öffentlichen Leben und damit an demokratischen Entscheidungsstrukturen teilhaben können. Regional-
und Bauleitplanung haben zukünftig verstärkt auf die Belange unterschiedlicher sozialer Gruppen mit ihren
kulturellen und demographischen Differenzierungen einzugehen. Dabei soll u. a. den Belangen des
sorbischen Volkes, von Menschen mit Behinderung, von Kindern und Jugendlichen sowie von älteren
Menschen, von Frauen und Familien und von ausländischen Bevölkerungsgruppen Rechnung getragen
werden.

Landesentwicklungsplan 2003
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zu Ziel 2.1.5
Den Zielen und Grundsätzen des Regionalplans ist ein an der Leitvorstellung der nachhaltigen Raum-
entwicklung ausgerichtetes regionales Leitbild voranzustellen. Dieses Leitbild entfaltet keine normative
Wirkung, soll aber als regionalpolitisch-programmatische Zielsetzung zur regionsweiten Identifikation und
Konsensbildung beitragen. Dieses Leitbild soll auch regionale Anpassungsstrategien zum
vorausschauenden Umgang mit demographisch bedingten Umbauprozessen beinhalten.
2.2 Europäische Metropolregion „Sachsendreieck“
Z 2.2.1
Die Städte Dresden, Leipzig (gemeinsam mit Halle/Sachsen-Anhalt), Chemnitz und
Zwickau sind als eigenständige Zentren aufzuwerten und sollen sich durch partner-
schaftliche Zusammenarbeit zu einer europäischen Metropolregion „Sachsendreieck“
entwickeln.
Z 2.2.2
Die Städte des „Sachsendreiecks“ sollen durch Kooperation in den Handlungsfeldern
Verkehr, Wirtschaft, Tourismus, Bildung, Wissenschaft, Sport, Kultur und Marketing
die Außenwahrnehmung und die internationale Bekanntheit Sachsens stärken.
Z 2.2.3
Das „Sachsendreieck“ soll sich zu einer bedeutsamen europäischen Wirtschafts- und
Technologieregion entwickeln. Im Wettbewerb um Einrichtungen von internationaler
Bedeutung sollen die Städte Dresden, Leipzig, Chemnitz und Zwickau kooperieren.
Dabei sollen
die vorhandenen Entwicklungspotenziale der jeweiligen Städte genutzt,
die engen Verflechtungen zwischen den Oberzentren Leipzig und Halle sowie
Chemnitz und Zwickau als regionales Entwicklungspotenzial berücksichtigt und
Dresden, Leipzig (-Halle) sowie Chemnitz und Zwickau durch enge Kooperation
mit ihrem jeweiligen Umland zu eigenständigen Wirtschaftsregionen von natio-
naler Bedeutung entwickelt werden.
Z 2.2.4
Die Erreichbarkeit der Städte Dresden, Leipzig, Chemnitz und Zwickau ist durch die
Einbindung n
i transeuropäische Netze zu verbessern. Durch leistungsfähige Ver-
kehrsverbindungen sind die Voraussetzungen für die Intensivierung der Koope-
rations- und Kommunikationsbeziehungen zwischen den Städten des „Sachsen-
dreiecks“ zu verbessern.
Z 2.2.5
Die Verflechtungen der peripher gelegenen Räume Sachsens mit den Städten der
europäischen Metropolregion „Sachsendreieck“ sind durch den Ausbau der
Schienen- und Straßenverbindungen zu vertiefen.
Z 2.2.6
Die Städte des „Sachsendreiecks“ sollen so entwickelt werden, dass dauerhaft
Ausstrahlungs- und Vernetzungseffekte in alle Regionen des Freistaats Sachsen ins-
besondere in die benachbarten Ober- und Mittelzentren und in die angrenzenden Re-
gionen benachbarter Bundesländer sowie der Republik Polen und der Tschechischen
Republik entstehen.
Begründung zu 2.2 Europäische Metropolregion „Sachsendreieck“
zu Ziel 2.2.1 bis Ziel 2.2.3
Es bleibt das langfristige Ziel, dass sich die Städte Dresden, Leipzig, Chemnitz und Zwickau zu einer
Metropolregion entwickeln, die im europäischen Wettbewerb von Metropolen fest etabliert ist. Metropol-

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Landesentwicklungsplan 2003
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regionen bündeln mehrere höherwertige Funktionen (Agglomerationsvorteile). Das „Sachsendreieck“ ist
die räumliche Verflechtung der Oberzentren Leipzig, Dresden, Chemnitz und Zwickau. Die Städte
Chemnitz und Zwickau stellen dabei gemeinsam einen Eckpunkt des „Sachsendreiecks“ dar.
Die Bezeichnung „Sachsendreieck“ geht auf einen Beschluss der Ministerkonferenz für Raumordnung
(MKRO) vom 08.03.1995 zum Raumordnungspolitischen Handlungsrahmen und der Festlegung über
europäische Metropolregionen in Deutschland zurück. Die Städte des „Sachsendreiecks“ und die Stadt
Halle wurden dabei als potenzielle europäische Metropolregion „Halle/Leipzig - Sachsendreieck“ einge-
stuft. Von Bedeutung für den mitteldeutschen Raum ist dabei die Verbindung von Leipzig zum Ober-
zentrum Halle. Auf Grund der räumlichen Entfernung der Städte des „Sachsendreiecks“, der unterschied-
lichen räumlichen Verflechtungen mit dem jeweiligen Umland und der zum Teil bestehenden informellen
Zusammenarbeit der Städte wird für die Entwicklung zu einer europäischen Metropolregion das Instru-
ment „Städtenetz“ zu Grunde gelegt.
Städtenetze werden geprägt durch bewusst gestaltete funktionale Verbindungen zwischen den Städten
und Gemeinden; man kann sie auch als eine spezielle Form der kommunalen Zusammenarbeit be-
zeichnen, die gegebenenfalls über große Entfernungen reicht und somit kein Nachbarschaftsverhältnis
voraussetzt. Solche Städtenetze agieren auf verschiedenen Ebenen: europaweit, national oder im regio-
nalen Kontext. Dabei können u. a. Marketingstrategien zusammen entwickelt, Spezialisierungen heraus-
gebildet und Interessen gemeinsam vertreten werden. Dies setzt auch voraus, dass in den Städten die
eigenständige Entwicklung und damit die Stabilisierung jeweils als Oberzentrum möglich ist.
In diesem Sinne trägt die Zusammenarbeit der vier großen Oberzentren gemeinsam mit ihrem Umland
wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung Sachsens und damit zur Verbesserung der Wettbewerbsfähig-
keit bei. Als Aufgaben für die gemeinsame Zusammenarbeit im europaweiten Wettbewerb kommen für die
Städte des „Sachsendreiecks“ mit ihren übereinstimmenden Interessen und Stärken sowie speziellen
Profilen als europäische Metropolregion „Sachsendreieck“ z. B. in Betracht:
gleichwertige Einbindung in transeuropäische Verkehrsnetze zu schaffen, um im Wettbewerb mit
anderen europäischen Metropolregionen eine ähnliche Erreichbarkeit zu erzielen und die wirtschaft-
lichen Chancen zu verbessern,
für innovative Branchen wie Hochtechnologie, Automobilbau und Biotechnologie Voraussetzungen
zur Erweiterung und Neuansiedlung zu schaffen,
den Ausbau und die Profilierung der sächsischen Universitäten und Hochschulen zu sichern und eine
engere Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft zu unterstützen,
Bewerbungen für kulturelle oder sportliche Großveranstaltungen gemeinsam oder mit gegenseitiger
Unterstützung vorzunehmen,
die kommunale Kooperation zu verstetigen und Marketingstrategien zu entwickeln.
Die Kooperation dieser Zentren versetzt das „Sachsendreieck“ in die Lage, sich als Region für unter-
schiedliche, europäisch bedeutsame Aufgaben anzubieten und internationale Standortansprüche zu
erfüllen (z. B. internationale Studienangebote, gehobene Service- und Dienstleistungen). Es ist sinnvoll, in
die Kooperation zwischen den Städten des „Sachsendreiecks“ und die der jeweiligen Stadt mit ihrem
Umland, entsprechend den Inhalten und Zielen, die gemeinsam verfolgt werden, unterschiedliche Räume
und Partner einzubinden (siehe z. B. bestehende Wirtschaftsregion Chemnitz-Zwickau).
Die Zusammenarbeit der Städte der Metropolregion ist ein langfristiger Prozess, der immer wieder an die
politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen angepasst werden sollte. In diesem
Zusammenhang sind die Instrumentarien der Regional- und Strukturpolitik zu überprüfen und zu nutzen,
um damit die Ausstrahlungseffekte in die peripher gelegenen Räume zu erweitern.
In der Karte 1 „Raumstruktur“ ist ein Vorschlag zu potenziellen oberzentralen Kooperationsräumen der
Städte des „Sachsendreiecks“ mit dem jeweiligen unmittelbaren Umland enthalten. Innerhalb dieser
Räume sollen auf freiwilliger Basis kommunale Kooperationen dazu beitragen, dass u. a. Prozesse der
Suburbanisierung gesteuert, oberzentrale Entwicklungsfunktionen gesichert, gemeindeübergreifende
Verkehrsprojekte geplant, Integrierte Stadtentwicklungskonzepte abgestimmt, die Gestaltung des Nah-

Landesentwicklungsplan 2003
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verkehrs und die Auslastung bestehender öffentlicher Einrichtungen optimiert sowie ein Siedlungs-
flächenmanagement gemeinsam entwickelt werden.
zu Ziel 2.2.4
Durch die relativ große räumliche Entfernung der Städte des „Sachsendreiecks“ bilden leistungsfähige
Verkehrsverbindungen untereinander eine wichtige Grundlage, die Verflechtungsbeziehungen zu inten-
sivieren (z. B. Erreichung von Arbeitsplätzen, Sportstätten für internationale Wettbewerbe). Gemeinsam
vertretene Interessen können den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur beschleunigen, so dass die Einbin-
dung in transeuropäische Verkehrsnetze und die Erreichbarkeit untereinander in Nahverkehrsqualität
verbessert werden. Der Neubau der A72 zwischen Chemnitz und Leipzig und der Ausbau der
Bahnstrecken z. B. zwischen Dresden und Chemnitz tragen dazu bei, dass räumliche Distanzen schneller
überwunden werden können.
zu Ziel 2.2.5 und Ziel 2.2.6
Die vom „Sachsendreieck“ ausgehenden Entwicklungsimpulse haben bisher nur in Teilbereichen die
peripheren Räume erfasst. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Oberzentren außerhalb des „Sachsen-
dreiecks“ als Kristallisationskerne für die Entwicklung und die Versorgung in ländlich geprägten und
peripheren Räumen. Leistungsfähige Verkehrsverbindungen (Schiene, Autobahn) zum Oberzentrum
Plauen und zum Oberzentralen Städteverbund Bautzen - Görlitz - Hoyerswerda (OZSV) sind wichtige
Voraussetzungen dafür, dass die wirtschafts- und arbeitsräumlichen Verflechtungen dieser regionalen
Oberzentren und der umliegenden Mittelzentren mit dem „Sachsendreieck“ zunehmen. Darüber hinaus
sind z. B. die Mittelzentren Zittau, Weißwasser/O.L und Annaberg-Buchholz sowie der Raum um
Johanngeorgenstadt durch den Neu- oder Ausbau der B 178, B 156/B 160 und der B 95, B 101 sowie
weiterer leistungsfähiger Verkehrsverbindungen besser an die Oberzentren Dresden und Chemnitz/
Zwickau anzubinden.
Um die Einbindung des ostsächsischen Raums und von Plauen in die Entwicklung des „Sachsendreiecks“
zu gewährleisten, sind z. B. in großräumig agierenden Netzwerken oder Kooperationsvorhaben der Städte
des „Sachsendreiecks“ auch die benachbarten Oberzentren Plauen bzw. der Oberzentrale Städteverbund
einzubinden.
2.3 Zentrale Orte und Verbünde
Begriff:
Zentraler Ort
Zentrale Orte sind Gemeinden, die auf Grund ihrer Einwohnerzahl und der Größe ihres Verflechtungs-
bereiches, ihrer Lage im Raum, ihrer Funktion und der Komplexität ihrer Ausstattung Schwerpunkte
des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens im Freistaat Sachsen bilden. Sie übernehmen
entsprechend ihrer Funktion und Einstufung im zentralörtlichen System Aufgaben für die Gemeinden
ihres jeweiligen übergemeindlichen Verflechtungs- bzw. Wirkungsbereichs.
Im LEP 2003 werden Ober- und Mittelzentren und in den Regionalplänen die Grundzentren aus-
gewiesen.
Verbund von Zentralen Orten
Oberzentren:
Verbünde von Zentralen Orten sind zwei oder mehrere Gemeinden, die auf Grund ihrer Lage im
Raum, ihrer vergleichbaren Einwohnerzahl, ihrer zentralörtlichen Ausstattung und Leistungskraft
sowie einer eigenständigen Ausprägung eines Verflechtungsbereichs gemeinsam die Funktion eines
Oberzentrums ausüben.
Mittel- und Grundzentren:
Verbünde von Zentralen Orten dieser Stufe sind zwei oder mehrere Gemeinden, die auf Grund ihrer
Nachbarschaftslage oder eines direkten baulichen Zusammenhangs, ihrer Funktionsteilung in Bezug
auf die zentralörtliche Ausstattung und einer verstetigten Zusammenarbeit nach § 204 Abs. 1 BauGB
gemeinsam die Funktion eines Zentralen Ortes ausüben.

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Landesentwicklungsplan 2003
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Funktionsraum
Der Funktionsraum ist ein Gebiet, in dem von einem Zentralen Ort (Ober- oder Mittelzentrum) aus-
gehend zur Erfüllung unterschiedlicher Aufgaben spezielle räumliche Verflechtungen auch über Ver-
waltungsgrenzen hinweg bestehen.
Karte:
Die Zentralen Orte und Verbünde sind in der Karte 1 „Raumstruktur“ ausgewiesen. Die Oberbereiche
sind in der Karte 2 „Oberbereiche“ dargestellt. Wichtige Pendlerbeziehungen sind in der Karte 3
„Pendlereinzugsbereiche ausgewählter Gemeinden über 10 000 Einwohner“ dargestellt.
Z 2.3.1
Die Zentralen Orte der jeweiligen Stufe sollen
Entwicklungsfunktionen für ihren räumlichen Wirkungsbereich übernehmen,
die Versorgung der Bevölkerung ihres Verflechtungsbereiches mit Gütern und
Dienstleistungen unterschiedlicher Stufen (zentralörtliche Einrichtungen)
gebündelt und in zumutbarer Entfernung sicherstellen,
leistungsfähige Verkehrsknotenpunkte darstellen und
wettbewerbsfähige Wirtschaftsstandorte bilden.
Z 2.3.2
Die ausgewiesenen Ober- und Mittelzentren sollen vorrangig die Entwicklungs-
funktionen für den jeweiligen räumlichen Wirkungsbereich ausbauen.
G 2.3.3
Die Regionalplanung soll auf die Bildung von Funktionsräumen für Ober- und Mittel-
zentren für eine nachhaltige und abgestimmte Siedlungs- und Infrastruktur-
entwicklung unter Berücksichtigung der Freiraumsicherung hinwirken.
Z 2.3.4
Zentrale Orte sollen Gemeindeteile, die besondere ökonomische und soziale Probleme
aufweisen, gezielt entwickeln, um die Funktionsfähigkeit des Zentralen Ortes nicht zu
gefährden.
Oberzentren
Z 2.3.5
Oberzentren sind die Städte des „Sachsendreiecks“ Dresden, Leipzig, Chemnitz und
Zwickau sowie die Stadt Plauen und der Oberzentrale Städteverbund Bautzen -
Görlitz - Hoyerswerda.
Z 2.3.6
Das Oberzentrum Plauen und der Oberzentrale Städteverbund Bautzen - Görlitz -
Hoyerswerda sind als Wirtschafts- und Innovationszentren für die jeweilige Planungs-
region weiter zu entwickeln. Die grenzüberschreitende Kooperation dieser Zentren
und der Wettbewerb mit den Zentren benachbarter Länder und Staaten sollen inten-
siviert werden.
Hinweis:
Die Oberzentren Dresden, Leipzig, Chemnitz und Zwickau werden im Kap. 2.2 Europäische
Metropolregion „Sachsendreieck“ gesondert behandelt.
Mittelzentren
Z 2.3.7
Mittelzentren sind die Städte
Annaberg-Buchholz, Borna, Delitzsch, Döbeln, Freiberg, Glauchau, Grimma,
Kamenz, Meißen, Pirna, Riesa, Torgau, Weißwasser/O.L., Zittau und die Städte-
verbünde „Silberberg“ und „Göltzschtal“,
Coswig, Crimmitschau, Freital, Limbach-Oberfrohna, Markkleeberg, Radeberg,
Radebeul, Reichenbach im Vogtl., Schkeuditz, Stollberg/Erzgeb., Werdau und der
Städteverbund „Sachsenring“,
Dippoldiswalde, Eilenburg, Großenhain, Löbau, Marienberg, Mittweida, Niesky,
Oelsnitz, Oschatz und Wurzen
gemäß den Festlegungen in der Karte 1.

Landesentwicklungsplan 2003
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Z 2.3.8
Die Mittelzentren sollen als intraregionale Versorgungs-, Bildungs- und Wirtschafts-
standorte gesichert und gestärkt werden. Vorhandene einzelne oberzentrale Funk-
tionen im Forschungs- und Bildungsbereich sollen gesichert werden.
Z 2.3.9
Die Mittelzentren sind durch leistungsfähige Verkehrsverbindungen mit den jeweiligen
Oberzentren zu vernetzen.
Z 2.3.10 Die Städte Coswig, Crimmitschau, Freital, Limbach-Oberfrohna, Markkleeberg,
Radeberg, Radebeul, Reichenbach im Vogtl., Schkeuditz, Stollberg/Erzgeb., Werdau
und der Städteverbund „Sachsenring“ sollen sich als Mittelzentren im
Verdichtungsraum in ihrer Versorgungs- und Wirtschaftsfunktion unter
Berücksichtigung ihrer räumlichen Verflechtungen so entwickeln, dass die
Funktionsfähigkeit der Oberzentren nicht beeinträchtigt wird.
Z 2.3.11 Die Städte Dippoldiswalde, Eilenburg, Großenhain, Löbau, Marienberg, Mittweida,
Niesky, Oelsnitz, Oschatz, und Wurzen sollen in ihren mittelzentralen Versorgungs-
und Wirtschaftsfunktionen als Ergänzungsstandorte zur Stärkung des ländlichen
Raums gesichert und entwickelt werden, wenn dadurch die Funktionsfähigkeit der
Oberzentren oder anderer Mittelzentren nicht beeinträchtigt wird.
Grundzentren
Z 2.3.12
Grundzentren sind in den Regionalplänen zur Ergänzung der Ober- und Mittelzentren
als übergemeindliche Versorgungs- und Dienstleistungszentren auszuweisen, wenn
die Kriterien
mindestens 15 000 Einwohner im Verflechtungsbereich innerhalb des Verdich-
tungsraums und mindestens 7 000 Einwohner im Verflechtungsbereich (bei min-
destens 3 000 Einwohnern im Zentralen Ort) im ländlichen Raum,
Erreichbarkeitsdefizite im ÖPNV,
ÖPNV- Knotenpunkt und
breitgefächertes sowie herausgehobenes Arbeitsplatzangebot (über 250 sozialver-
sicherungspflichtige Arbeitsplätze im Ort je 1 000 Einwohner oder über 2 000 so-
zialversicherungspflichtige Arbeitsplätze absolut im Verdichtungsraum bzw. über
1 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze absolut im ländlichen Raum)
überwiegend erfüllt sind.
Im ländlichen Raum können in Ausnahmefällen Grundzentren ohne über-
gemeindlichen Verflechtungsbereich ausgewiesen werden, wenn die vorgenannten
Kriterien überwiegend erfüllt sind und die Gemeindefläche über 50 km² beträgt.
Übergangsregelung
Z 2.3.13
Bis zur Anpassung der Regionalpläne gemäß § 24 Abs. 3 Satz 2 SächsLPlG vom
14.12.2001 an den Landesentwicklungsplan gelten die im LEP 1994 und die in den
jeweiligen Regionalplänen getroffenen Festlegungen zur zentralörtlichen Einstufung
fort.
Begründung zu 2.3 Zentrale Orte und Verbünde
Mit der Neufassung des SächsLPlG vom 14.12.2001 (siehe § 3 Abs. 2 SächsLPlG) ist die gesetzliche
Grundlage gegeben, das Zentrale-Orte-Konzept des Freistaats Sachsen an die zukünftigen Heraus-
forderungen anzupassen und die Steuerungswirksamkeit des Zentrale-Orte-Systems zu erhöhen. Die
Herausforderungen bestehen u. a. in dem allgemeinen Bevölkerungsrückgang (gekoppelt mit einer zu-
nehmenden Überalterung der Bevölkerung), in sich verschärfenden wirtschaftlichen Wettbewerbs-
bedingungen, der Vorbereitung auf die EU-Erweiterung, dem Nachholbedarf in der wirtschaftlichen
Anpassung und der Infrastrukturausstattung gegenüber dem Niveau der westdeutschen Bundesländer

12
Landesentwicklungsplan 2003
_____________________________________________________________________________________________
und vor allem in dem ab 2005 einsetzenden Rückgang der finanziellen Mittel aus dem Solidarpakt II und in
der geringen kommunalen Finanzkraft. Diese politischen Herausforderungen stehen im Kontext mit einem
umfassenden Wandel sozioökonomischer Rahmenbedingungen (Ausdifferenzierung der Gesellschaft,
Globalisierung wirtschaftspolitischer Entscheidungen, globaler Informationsaustausch etc.), die eine
dringende Änderung des sächsischen Zentrale-Orte-Konzepts begründen.
Standen bei der Aufstellung des ersten Landesentwicklungsplans 1994 in Sachsen die Verteilung von
Versorgungsfunktionen und die Öffnung eines breiten Auslegungsspielraums in Erwartung einer schnellen
und dynamischen Angleichung der Lebensverhältnisse an westdeutsches Niveau im Vordergrund, muss
der Landesentwicklungsplan 2003 im Gegensatz dazu einen völlig neuen Orientierungs- und Handlungs-
rahmen für die Gestaltung des Umbauprozesses unter Schrumpfungsbedingungen in Sachsen beinhalten.
Ziel dieses Umbauprozesses ist es, eine wettbewerbsfähige Wirtschaftsstruktur und somit verbesserte
Lebensbedingungen im Freistaat Sachsen zu erreichen. Das Konzept der Zentralen Orte ist deshalb
überarbeitet worden und es werden zukünftig nur noch drei Kategorien von Zentralen Orten (Ober-, Mittel-
und Grundzentren) ausgewiesen. Damit wird auch den bundesweiten Empfehlungen zur Neuorientierung
des Zentrale-Orte-Konzepts und zur weitgehenden Vergleichbarkeit der Anwendung in den einzelnen
Bundesländern entsprochen.
Ausgehend von dem Grundsatz, dass die Siedlungstätigkeit räumlich zu konzentrieren und auf ein System
leistungsfähiger Zentraler Orte auszurichten ist (vgl. § 2 Abs. 2 Nr. 2 ROG), hat das Zentrale-Orte-Konzept
in Sachsen folgende Funktionen:
Konzentration auf Leistungsträger mit auszubauenden Ausstrahlungseffekten in den Raum,
Sicherung von Versorgungseinrichtungen im ländlichen Raum in zumutbaren Entfernungen,
Stabilisierung des ländlichen Raums durch die Entwicklung leistungsfähiger Städte,
Verpflichtung der Mittel- und Oberzentren, Entwicklungsaufgaben für ihren jeweiligen Wirkungs-
bereich zu übernehmen,
bessere Außendarstellung Sachsens durch Aufgaben des Regionalmarketings der Städte des
„Sachsendreiecks“,
Forcierung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land unter Berücksichtigung
der Folgen von Suburbanisierungsprozessen,
Verringerung der Zersiedlung der Landschaft und Schutz des Freiraums.
Das Zentrale-Orte-Konzept im LEP 2003 hat das Ziel, die dezentrale Siedlungsstruktur und damit auch die
Vorteile des ländlichen Raums zu erhalten, indem die Ausstrahlungseffekte der Zentren in den Regionen
erhöht werden sollen. Durch eine Zunahme der Verflechtungen zwischen städtisch und ländlich geprägten
Räumen soll unter Wahrung der jeweiligen Funktionsausrichtung erreicht werden, dass der
Schrumpfungsprozess nicht zu Lasten einer dieser Räume abläuft. Gleichzeitig soll mit der Stärkung der
Leistungsfähigkeit von Zentralen Orten deren Bedeutung als Arbeitsplatzzentren aufgewertet und somit
dem anhaltenden Abwanderungsprozess aus Sachsen entgegengewirkt werden.
Bei Übereinstimmung mit der Begriffsdefinition zu Verbünden von Zentralen Orten und einer nachvoll-
ziehbar verstetigten Zusammenarbeit der Städteverbünde bzw. der kooperierenden Zentren aus dem LEP
1994 wird diese Ausweisung für die Verbünde „Silberberg“ (Aue - Lauter/Sa. - Lößnitz - Schlema -
Schneeberg - Schwarzenberg/Erzgeb.) und „Göltzschtal“ (Auerbach/Vogtl. - Ellefeld - Falkenstein/Vogtl. -
Rodewisch) beibehalten. Das im LEP 1994 ausgewiesene kooperierende Mittelzentrum Hohenstein-
Ernstthal - Lichtenstein/Sa. wird unter Hinzunahme der Stadt Oberlungwitz als Städteverbund
„Sachsenring“ ausgewiesen. Damit wird den besonderen siedlungsstrukturellen Bedingungen dieses
Teilraums, den gemeinsamen zentralörtlichen Funktionen und den vorhandenen wirtschaftlichen
Entwicklungspotenzialen der drei Städte innerhalb der Wirtschaftsregion Chemnitz - Zwickau Rechnung
getragen. Die Beibehaltung dieser Einstufung setzt allerdings voraus, dass sich die partnerschaftliche
Zusammenarbeit gemäß der Definition eines mittelzentralen Verbundes verstetigt und die Lage und
Funktion des Verbundes innerhalb der Verdichtungsräume der Oberzentren Chemnitz und Zwickau (siehe
Ziel 2.3.10) beachtet wird. Auf regionaler Ebene kann bei der Ausweisung der Grundzentren ebenfalls
diese Sonderform von Zentralen Orten entsprechend der Begriffsdefinition angewendet werden. Weitere
Sonderformen werden im Interesse eines klaren und überschaubaren Systems Zentraler Orte im Freistaat
Sachsen nicht eingeführt. Eine bestehende interkommunale Zusammenarbeit der Städte- und

Landesentwicklungsplan 2003
13
_____________________________________________________________________________________________
Gemeindeverbünde, die im LEP 1994 ausgewiesen wurden, jedoch durch die Neuorientierung des
Zentrale-Orte-Konzepts im LEP 2003 nicht mehr erscheinen, soll dadurch keinen Abbruch erfahren.
Im Sinne einer flexiblen Handhabung landesplanerischer Instrumente ist eine Überprüfung der
zentralörtlichen Einstufung im Landesentwicklungsplan 2003 unter Berücksichtigung der räumlichen
Entwicklung im Land angezeigt. In Abhängigkeit der räumlichen Entwicklung ist mittelfristig bei einer
erheblichen Minderung der zentralörtlichen Bedeutung die Aufrechterhaltung der Ausweisung oder bei
einem erheblichen Bedeutungszuwachs eines Zentralen Ortes eine Höherstufung zu prüfen. Sollte im
Ergebnis der Prüfung durch die oberste Raumordnungs- und Landesplanungsbehörde eine Änderung der
zentralörtlichen Ausweisung des LEP 2003 erforderlich werden, erfolgt dies im Rahmen der
Fortschreibung des LEP gemäß § 6 Abs. 5 SächsLPlG.
zu Ziel 2.3.1 und Ziel 2.3.2
Alle Zentralen Orte haben gemäß ihrer jeweiligen Stufe einerseits weiterhin Versorgungsaufgaben für die
Bevölkerung im Verflechtungsbereich und andererseits stärker als bisher Entwicklungsaufgaben für den
räumlichen Wirkungsbereich auszufüllen. Diese Entwicklungsaufgaben beziehen sich insbesondere für die
Ober- und Mittelzentren u. a. auf die Sicherung bzw. Stärkung der Arbeitsplatzzentralität, auf die Bereit-
stellung qualitätsorientierter und professioneller Verwaltungs- und Dienstleistungsangebote, auf die
Zusammenarbeit in Netzwerken und auf die Außendarstellung bzw. das Image eines Zentrums
einschließlich seines Umlandes. Darüber hinaus liegt in der Verantwortung dieser Zentren die
Interessenvertretung auch für die Entwicklung der Umlandgemeinden wahrzunehmen. Der räumliche
Wirkungsbereich für Entwicklungsaufgaben ist deshalb größer als der eigentliche Verflechtungsbereich für
Versorgungsaufgaben.
Diese Aufgabe der höherrangigen Zentren ist Ausdruck der Verantwortung von Ober- und Mittelzentren,
die sie für ihren Wirkungsbereich ausfüllen. Damit die räumliche Ausstrahlung möglichst weit reicht, tragen
vor allem die Zentren mit einer hohen Arbeitsplatzzentralität diese Verantwortung. Im Einzelfall trifft dies
auch für Grundzentren und nichtzentralörtliche Gemeinden zu.
Gemäß der Begriffsdefinition im Kapitel 5.1 „Siedlungswesen“ besteht für die Regionalplanung die
Möglichkeit, Versorgungs- und Siedlungskerne in einem Gemeindegebiet festzulegen, um somit eine
innerörtliche Schwerpunktbildung anzuregen. Die im Ergebnis der Gemeindegebietsreform i. d. R.
eingetretene Vergrößerung der Fläche und Einwohnerzahl der bestehenden Gemeinden versetzte die
Gemeinden in die Lage, ihre Aufgaben leistungsgerecht zu erfüllen und die Grundversorgung zu
gewährleisten. Vor diesem Hintergrund besitzen auch nach der Reform der Zentralen Orte
nichtzentralörtliche Gemeinden weiterhin einen ausreichenden Handlungsspielraum, die Entwicklung in
der Gemeinde voranzubringen. Diesbezügliche Planaussagen enthält das Kap. 2.4 (s. Ziele 2.4.1 und
2.4.2).
Mit dem planerischen Paradigmenwechsel bezüglich der Aufgaben, die ein Zentraler Ort zu erfüllen hat,
steht die Frage des räumlichen Wirkungsbereichs eines Zentralen Ortes im Vordergrund. Da die Ver-
sorgung der Bevölkerung mit Dienstleistungen und Gütern im Zentrale-Orte-Konzept nunmehr nachrangig
ist, wird die Ausweisung der Zentralen Orte an den räumlichen Wirkungsbereich geknüpft. Dabei werden
im Hinblick auf das landesentwicklungspolitische Ziel der Aufwertung der Wettbewerbsfähigkeit von
Sachsen nachfolgende Wirkungsbereiche für Zentrale Orte unterschieden:

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14
Landesentwicklungsplan 2003
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Zentralörtliche Stufe
Räumlicher Wirkungs-
bereich
Entwicklungsfunktionen
Handlungsfelder
Oberzentrum
über Sachsen hinaus
- Außendarstellung
des Freistaats
Sachsen
- Entwicklung zur europäi-
schen Metropolregion
- Innovations-,
Handels-,
Wirtschafts-,
Wissens- und
Verkehrszentrum
- landesübergreifender
Medienstandort
- landesübergreifendes
Wissenschafts- und
Forschungszentrum
- landesübergreifendes
Verkehrszentrum
- landesübergreifendes
Finanz- und
Wirtschaftszentrum
- Landesregierung,
Sitz von
Bundesverwaltungen
regional/überregional
- regionales
Wirtschafts- und
Innovationszentrum
für die jeweilige
Planungsregion
- differenziertes
Arbeitsplatzangebot
- Bildungszentrum
- Dienstleistungszentrum
(produktionsorientierte
und haushaltsorientierte
Dienstleistungen, Banken)
- Kulturzentrum
- Gesundheits- und
Sozialzentrum
- urbane Lebensqualität
- Schnittstelle des regio-
nalen/überregionalen
Verkehrs
- Verwaltungszentrum
Mittelzentrum
intraregional
- teilregionales
Versorgungs-,
Bildungs- und
Wirtschaftszentrum
- Arbeitsmarktzentrum
- Bildungsaufgaben
- Einzelhandel
- Schnittstelle ÖPNV
- Gesundheits- und
Sozialeinrichtungen
Grundzentrum
übergemeindlich
- lokales Versorgungs-,
Wirtschafts- und
Dienstleistungszentrum
- Grundversorgung
Einzelhandel und
Dienstleistungen für
den allgemeinen
täglichen Bedarf
- Grundversorgung
im Gesundheitswesen
(inkl. Pflegebereich)
- Bildungs- und
Betreuungsaufgaben
- Schnittstelle des ÖPNV
Tabelle 1: Wirkungsbereiche und Handlungsfelder Zentraler Orte in Sachsen
Zur Erfüllung dieser Aufgaben können die zentralörtlichen Funktionen der jeweiligen Stufe auch im
Verbund wahrgenommen werden. Grundsätzlich nehmen höherrangige Zentrale Orte auch die Aufgaben
der nachfolgenden Stufen wahr. Der Zentrale Ort wird, wie bisher, dem Gebiet einer Gemeinde
gleichgesetzt (Würdigung der kommunalen Planungshoheit).
zu Grundsatz 2.3.3
Von der Bildung
von Funktionsräumen um leistungsstarke Ober- und Mittelzentren kann die Regional-
planung Gebrauch machen, wenn Aufgaben im Stadt-Umland-Bereich problembezogen gelöst werden

Landesentwicklungsplan 2003
15
_____________________________________________________________________________________________
sollen (optionaler Handlungsauftrag an die Regionalplanung). Dieses ist ein informelles Instrument für die
Regionalplanung, um Prozesse der Regionalentwicklung mit steuern zu können. Einer förmlichen Festle-
gung dieser Räume in den Regionalplänen bedarf es dafür nicht. Die Regionalplanung soll dabei die Ab-
grenzung (in enger Anlehnung an Pendlereinzugsgebiete) dieser Funktionsräume vornehmen und den
Kooperationsprozess zwischen den Beteiligten moderieren. Auslöser für die Ausweisung eines solchen
Funktionsraums können Fragen der Entwicklung des Einzelhandels, der weiteren Wohnbebauung, der
Gewerbeentwicklung oder der Schließung von öffentlichen Infrastruktureinrichtungen sein. Mit dieser
Ausweisung wird keine dauerhafte institutionalisierte Zusammenarbeit festgeschrieben. Die Regionalpla-
nung soll auf die Lösung von Konflikten im Stadt-Umland-Bereich zielführend hinwirken. Zur Festlegung
der Aufgabenwahrnehmung zwischen Städten und Gemeinden bietet sich der Abschluss von vertraglichen
Vereinbarungen (landesplanerischer Vertrag) gemäß § 13 ROG, § 19 Abs. 2 SächsLPlG als geeignetes
Instrument an.
zu Ziel 2.3.4
Eine Funktionsfähigkeit innerhalb des Stadtgebietes ist u. a. Voraussetzung dafür, dass eine Stadt zentral-
örtliche Funktionen für einen größeren Verflechtungsbereich übernimmt. In größeren Städten (Ober- und
Mittelzentren) kommt es zunehmend zu Differenzierungen im Hinblick auf Qualität der Wohnungen,
Ausstattung mit Infrastruktureinrichtungen, Sozialstruktur der Wohnbevölkerung, vorhandene Arbeitsplätze
oder auf die Anbindung an den ÖPNV. Größere Stadtgebiete, die hinsichtlich der vorgenannten Merkmale
mehrfach vom Durchschnitt der Stadt negativ abweichen, weisen häufig hohe Abwanderungsraten ein-
kommensstarker Bevölkerungsgruppen auf. Das Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem
Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt“ will durch Unterstützung von Aktivitäten der Bewohner fachüber-
greifend eine Aufwertung gefährdeter Wohngebiete erreichen und damit die Funktionsfähigkeit der
Gesamtstadt sichern.
zu Ziel 2.3.5 und Ziel 2.3.6
Im Zuge des sozioökonomischen Wandels und gesellschaftlicher Veränderungen treten standörtliche
Raster und Eindeutigkeiten bei der Nutzung zentralörtlicher Angebote in den Hintergrund. Die Zunahme
des motorisierten Individualverkehrs verdeutlicht u. a., dass starre Bindungen an einen Raum, eine Stadt
oder Gemeinde nicht die Regel sind. Da kaum noch Vorgaben für die Wahl von Versorgungs- und Infra-
struktureinrichtungen existieren (Ausnahme u. a. Grundschulbezirke), muss zukünftig von einer vielfältigen
und räumlich gestreuten Inanspruchnahme von Versorgungs- und Freizeitangeboten ausgegangen wer-
den. Empirische Untersuchungen belegen, dass trotz der erweiterten Wahlmöglichkeiten weiterhin eine
sehr hohe Korrelation zwischen Arbeitsort und Inanspruchnahme von zentralörtlichen Angeboten (Ein-
kaufen, Bildungs- und Betreuungsangebote etc.) am Arbeitsort besteht (auch im Zusammenhang mit der
Suburbanisierung). Deshalb wird bei der Auswahl der Zentralen Orte, die im Freistaat Sachsen die Leit-
funktionen für den räumlichen Wirkungsbereich übernehmen, auch das Kriterium der Arbeitsplatzzentrali-
tät, gekoppelt mit einem hohen Einpendlerüberschuss (Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftig-
ten am Arbeitsort an der sozialversicherungspflichtigen Bevölkerung am Wohnort), herangezogen. Ein-
wohner- und Ausstattungskriterien sind bezüglich der vorgenannten Kriterien nachrangig.
Die Ausweisung der Oberzentren (OZ) basiert auf den Merkmalen:
Lage an überregionaler Achse,
EW im Verflechtungsbereich mehrere 100 000,
Aufgabenwahrnehmung gemäß Tabelle 1,
Netzergänzungsfunktion zur Aufrechterhaltung/Entwicklung von Lebens- und Standortqualität,
insbesondere außerhalb der Verdichtungsräume,
Arbeitsplatzbedeutung
(mehr als 50 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze im Ort, Arbeitsplatzzentralität > 400 so-
zialversicherungspflichtige Arbeitsplätze je 1 000 Einwohner, mehr als 10 000 Einpendler, Einpendler-
überschuss > 120 %),
Wirtschaftszentrum
(Betriebe im verarbeitenden Gewerbe (gemäß Sächsischer Gemeindestatistik) > 50, Gesamtumsatz
im verarbeitenden Gewerbe 2001 > 500 Mill. €),

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Landesentwicklungsplan 2003
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Flächenverfügbarkeit, finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommune,
Erreichbarkeit zentralörtlicher Einrichtungen eines OZ in 90 Minuten.
Die Ausweisung der Oberzentren berücksichtigt die ausgeprägten Verflechtungsbereiche (Größe, räum-
liche Ausstrahlung - s. Karte 2), die bereits wahrgenommenen Versorgungsaufgaben durch eine hoch-
wertige Infrastrukturausstattung und sichert, dass in jeder Planungsregion mindestens ein Oberzentrum
vorhanden ist, damit die Stellung der Planungsregionen im bundesweiten Vergleich gefestigt wird. Auf
Grund der unterschiedlichen Einwohnergröße der Oberzentren und der Größe des Umlands (vgl. Abgren-
zung der Verdichtungsräume in der Karte „Raumstruktur“) sind die Städte des „Sachsendreiecks“ in ihrer
Bedeutung als Zentren, die über Sachsen hinaus wirken, besonders hervorgehoben (vgl. Tabelle 1).
Damit die in dieser Tabelle benannten Handlungsfelder ausgefüllt werden können, sind Voraussetzungen
wie das Vorhandensein mindestens eines internationalen Flughafens (Leipzig/Halle, Dresden), inter-
nationaler Messen, eines leistungsfähigen Anschlusses an das europäische Verkehrsnetz (ICE-Verbin-
dungen, Autobahnknotenpunkte etc.), internationaler Großveranstaltungen (Kultur, Sport, Freizeit) und
eines international ausgerichteten Dienstleistungssektors notwendig. Diese Standortvoraussetzungen sind
in den Städten des „Sachsendreiecks“ in Summe vorhanden, so dass durch eine Potenzialvernetzung und
Zusammenarbeit der Städte Dresden, Leipzig, Chemnitz und Zwickau die Außenwahrnehmung und
Leistungsfähigkeit dieser Zentren aufgewertet werden kann (vgl. auch Kap. 2.2). Neben diesen im euro-
päischen Maßstab wichtigen Standortvoraussetzungen sollten die Oberzentren des Weiteren z. B. über
hochwertige Bildungseinrichtungen (Universität, Fachhochschule, Berufsakademie),
den Sitz regionaler Behörden,
den Anschluss an internationalen Schienenverkehr, Autobahnanschluss,
hochwertige Kultur- und Sporteinrichtungen (Theater, Stadion, Mehrzweckhalle),
innerstädtische Einkaufszentren,
leistungsfähige Verwaltungen,
hochwertige medizinische Versorgungseinrichtungen
verfügen. Diese Ausstattungsmerkmale müssen nicht gleichermaßen in allen Städten vorhanden sein, um
die Funktion eines Oberzentrums ausfüllen zu können.
Da für die Versorgungsfunktion von Zentralen Orten insbesondere im Verdichtungsraum eine Mehrfach-
ausrichtung von Verflechtungsbeziehungen die Regel ist, treten Ordnungs- und Entwicklungsaufgaben für
die Oberzentren in den Vordergrund. Als Ordnungsfunktionen sind u. a. die Steuerung der Siedlungs-
entwicklung auf Zentrale Orte zur Reduzierung des Freiflächenverbrauchs für Siedlungstätigkeiten, der
Aufbau eines leistungsfähigen Nahverkehrsnetzes und eine partnerschaftliche Kooperation zwischen
Zentrum und Umlandgemeinden bzgl. weiterer planerischer Vorhaben zu nennen. Die Entwicklungs-
funktion dient dem Ziel, die überregionale Wettbewerbsfähigkeit u. a. durch Stärkung der Entwicklungs-
dynamik in den Städten und durch eine verbesserte Erreichbarkeit zu erhöhen.
Die Städte Plauen, Bautzen, Görlitz und Hoyerswerda sind relativ gering großstädtisch geprägt und
verdichtet sowie in unterschiedlichem Maße in funktionsteilige Beziehungen zu benachbarten Oberzentren
(z. B. Plauen mit dem bayrischen Oberzentrum Hof, mit Zwickau und Chemnitz; Bautzen mit Dresden;
Hoyerswerda mit dem südbrandenburgischen Oberzentrum Cottbus) eingebunden. Die Verflechtungen
Hoyerswerdas sind z. T. noch Ausdruck wirtschaftsräumlicher Zusammenhänge im Braunkohlenbergbau
der ehemaligen DDR. Gleichzeitig sind mit den Strukturveränderungen seit 1990 neue Verflechtungs-
muster und Bedeutungen von Zentren entstanden (z. B. Zunahme der Auspendlerströme aus der Region
Oberlausitz-Niederschlesien nach Dresden, intensive Pendlerverflechtungen von Plauen mit Bayern,
erheblicher Bevölkerungsrückgang von Hoyerswerda infolge des wirtschaftlichen Strukturwandels).
Unter Berücksichtigung des Wandels von Funktionsbeziehungen, des Bedeutungswandels von Zentren
und Standortstrukturen in den Regionen stellt sich vor allem für die Städte des Oberzentralen Städte-
verbunds (OZSV) und für Plauen die Frage nach einer Zunahme der wechselseitigen Verflechtungen mit
benachbarten Oberzentren, um dadurch neue Entwicklungsimpulse zu erfahren (siehe auch Kap. 2.2).
Innerhalb des OZSV hat sich die Zusammenarbeit zwischen den Städten verstetigt und auf Grundlage
eines gemeinsamen Regionalen Entwicklungskonzeptes (REK) werden Projekte für die Entwicklung der

Landesentwicklungsplan 2003
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gesamten Region umgesetzt. Mit dem OZSV als landesplanerischem Instrument ist eine Grundlage
gegeben, dass innerhalb dieses Verbunds die Entwicklungsfunktion als gemeinsame Aufgabe betrachtet
wird. Dies setzt eine eigenständige Entwicklung jeder der Städte voraus. Bautzen ist das wirtschaftliche
Zentrum für die Oberlausitz (526 Arbeitsplätze je 1 000 EW - im Vergleich dazu: Dresden mit 446 Arbeits-
plätzen je 1 000 EW). Görlitz besitzt als Europastadt Görlitz/Zgorzelec eine wichtige Vorreiterrolle für die
EU-Erweiterung und kann in diesem Prozess seine zentralörtliche Bedeutung für Gebiete jenseits der
Lausitzer Neiße erhöhen. Hoyerswerda kann die bestehenden funktionalen Defizite als Zentrum im neu
entstehenden Lausitzer Seenland abbauen.
Die Entwicklung der Stadt Plauen als Oberzentrum besitzt unter dem Aspekt der Stärkung historisch
gewachsener und neu entstandener Verflechtungen mit Bayern sowie mit dem ostthüringischen und
nordböhmischen Raum eine wesentliche Bedeutung für die wirtschaftliche Weiterentwicklung des
Vogtlands und des südwestsächsischen Raums.
zu Ziel 2.3.7 bis Ziel 2.3.9
Am 01.11.2003 bestanden im Ergebnis u. a. der Gemeindegebietsreform 525 selbständige Gemeinden im
Freistaat Sachsen. Von den 525 Gemeinden sind durch die Festlegungen des LEP 1994 und der Regio-
nalpläne 304 Zentrale Orte (Ober-, Mittel-, Unter- und Kleinzentren); d. h. 58 % aller Gemeinden des Frei-
staats Sachsen sind Zentrale Orte. Mit der Vielzahl von Zentralen Orten ist eine Wahrnehmung
übergemeindlicher Funktionen für andere Gemeinden nur noch eingeschränkt vorhanden. Das Zentrale-
Orte-Modell des LEP von 1994 ist somit obsolet. Um auf die zukünftigen Herausforderungen gestalterisch
und langfristig wirken zu können, ist deshalb eine Neubewertung der im LEP 1994 ausgewiesenen Mittel-
und Unterzentren erforderlich. Der räumliche Wirkungsbereich eines Mittelzentrums wird auf der
Grundlage eines hinreichend großen Arbeitsplatzangebots für Umlandgemeinden, der Wahrnehmung von
Versorgungsaufgaben und strukturpolitischer Erfordernisse in Sachsen bewertet.
Die Ausweisung der Mittelzentren in diesem Plan basiert daher
auf Arbeitsplatzzentren (Städte mit i. d. R. über 15 000 Einwohnern) teilweise mit einem großen Ein-
pendlerüberschuss (unter Beachtung von Pendlerströmen),
auf raumstrukturellen und lagebedingten Ausweisungserfordernissen in monostrukturierten Räumen
(z. B. Braunkohlenbergbaugebiete oder peripher gelegene Räume - abseits der Verdichtungsräume),
auf der vorhandenen Ausprägung eines eigenständigen und stabilen, mit Funktionen im Bildungs-,
Kultur-, Arbeitsmarkt- und Sozialbereich sowie im Einzelhandel untersetzten Verflechtungsbereichs
außerhalb von bereits bestehenden höherrangigen Verflechtungsbereichen,
Erreichbarkeit zentralörtlicher Einrichtungen eines Mittelzentrums in 60 Minuten,
auf Netzergänzungsfunktionen insbesondere im ländlichen Raum unter besonderer Berücksichtigung
der Kreisstädte.
Hinsichtlich ihrer Lage im Raum, der funktionalen Bedeutung und der Ausprägung ihres räumlichen
Wirkungsbereiches wurden bei der Festsetzung der Mittelzentren Differenzierungen vorgenommen. So
werden Mittelzentren, Mittelzentren im Verdichtungsraum und Mittelzentren als Ergänzungsstandorte im
ländlichen Raum ausgewiesen, damit eine realitätsnahe und den unterschiedlichen raumstrukturellen
Gegebenheiten gerecht werdende Einstufung erfolgt. Für die Festlegung wurden differenzierte Merkmale
herangezogen:
Mittelzentren
Einwohnerzahl im Zentralen Ort > 20 000
Einwohnerzahl im Verflechtungsbereich
im Verdichtungsraum > 50 000
im ländlichen Raum > 45 000
Arbeitsplatzbedeutung
mehr als 8 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze im Ort i. V. m.
Arbeitsplatzzentralität > 400 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze je 1 000 Einwohner
Einpendlerüberschuss > 120 %

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Landesentwicklungsplan 2003
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Mittelzentren im Verdichtungsraum
Lage im Verdichtungsraum
Einwohnerzahl im Zentralen Ort > 20 000 (bei Kreisstädten ausnahmsweise unter 15 000 Ein-
wohnern)
Arbeitsplatzbedeutung
Arbeitsplatzzentralität > 300 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze je 1 000 Einwohner i. V. m.
Einpendlerüberschuss > 100 %
Mittelzentren als Ergänzungsstandorte im ländlichen Raum
Lage im ländlichen Raum oder in verdichteten Bereichen im ländlichen Raum
Einwohnerzahl im Zentralen Ort > 15 000 (oder Funktion als Kreisstadt)
Einwohnerzahl im Verflechtungsbereich > 40 000
Arbeitsplatzbedeutung
Arbeitsplatzzentralität > 350 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze je 1 000 Einwohner i. V. m.
Einpendlerüberschuss > 100 %
Eine Ausweisung erfolgte jeweils immer dann, wenn die genannten Merkmale jeweils
mehrheitlich erfüllt
worden sind.
Die Mittelzentren sind in der Regel einwohnerstarke Städte mit einem vollwertigen und großen Verflech-
tungsbereich. Zudem besitzen sie vereinzelt auch höherwertige Funktionen, z. B. im Sport- und Bildungs-
bereich. Die Ausweisung von Delitzsch, Borna und Weißwasser/O.L. in dieser Gruppe ist durch ihre Lage
am Rande des Freistaats Sachsen bzw. in wirtschaftlichen Problemgebieten (Monostruktur des
Braunkohlenbergbaus) begründet, obwohl sie z. B. das Kriterium der Arbeitsplatzbedeutung nicht erfüllen.
Die Ausweisung dieser Städte dient vor allem der Aufrechterhaltung der Lebens- und Standortqualität im
ländlichen Raum.
Einzelne Mittelzentren, wie Freiberg, Zittau, Mittweida und Riesa, nehmen höherwertige Funktionen wahr.
Die Stadt Freiberg nimmt unter den Mittelzentren als Sitz einer Universität und damit in Verbindung
stehender Forschungseinrichtungen sowie durch ihre Eigenständigkeit eine herausgehobene Stellung ein,
so dass die für diese Funktionen vorhandenen oberzentralen Einrichtungen dauerhaft gesichert und
ausgebaut werden können. Die Stadt Zittau ist Sitz einer Fachhochschule (FH Zittau/Görlitz) und des
Internationalen Hochschulinstituts. Durch die Lage Zittaus im Dreiländereck
Deutschland/Polen/Tschechien und die traditionellen Verbindungen mit Böhmen bestehen bereits heute
vielfältige grenzübergreifende Kooperationen im Bildungs- und Wirtschaftsbereich, die auszubauen sind,
damit sich die räumlichen Standortbedingungen von Zittau langfristig verbessern.
Die im Plan ausgewiesenen Mittelzentren sollen zur Wahrnehmung der Aufgaben u. a. über
Gymnasien, Mittelschulen, Berufsbildende Schulen, Förderschulen,
Stadion, bespielbare Halle u. a. für Kultur- und Sportveranstaltungen, Bibliothek,
Krankenhaus, Behinderteneinrichtungen, Fachärzte,
breitgefächertes Altenpflege- und -betreuungsangebot (z. B. behinderten- und altersgerechtes be-
treutes Wohnen),
gute, schnelle Verkehrsanbindungen an regionale Oberzentren (Bundesstraße, SPNV/ÖPNV)
verfügen. Diese Einrichtungen müssen, wie für Oberzentren zutreffend, nicht gleichermaßen in
komplettem Umfang in jedem Mittelzentrum vorhanden sein.
zu Ziel 2.3.10
Diese Mittelzentren ergänzen das Netz zentralörtlicher Einrichtungen und Angebote eines Verdichtungs-
raums. Sie besitzen je nach Lage im Raum einen unterschiedlich groß ausgeprägten Verflechtungsraum,
der auch Gemeinden außerhalb des jeweiligen Verdichtungsraums umfasst. Innerhalb der Verdichtungs-
räume wurden die einwohnerstärksten Städte sowie wirtschaftlich dynamische Standorte (z. B.
Schkeuditz, Stollberg/Erzgeb., Radebeul, Radeberg) ausgewiesen. Sie sind durch ihre Größe in einem

Landesentwicklungsplan 2003
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Verdichtungsraum wichtige Standorte für Versorgungs- und Dienstleistungseinrichtungen der jeweiligen
Stadt bzw. für den gesamten Verdichtungsraum (z. B. Schkeuditz mit internationalem Flughafen). Für die
Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Verdichtungsräume in Sachsen sind diese höherrangigen
Funktionen in den Mittelzentren zu sichern und unter Berücksichtigung der räumlichen Verflechtungen und
der Neuorganisation räumlicher Funktionsmuster weiter zu entwickeln. Dies schließt auch ein, dass diese
Mittelzentren unter Beachtung ihres Verflechtungsbereichs für Gemeinden außerhalb des Verdichtungs-
raums als Standorte für Wohnen und Gewerbe städtebaulich erweitert werden, wenn die siedlungs-
strukturellen Erfordernisse des gesamten Verdichtungsraums berücksichtigt werden und eine enge
Abstimmung und Kooperation mit dem jeweiligen Oberzentrum erfolgt. Damit kann sichergestellt werden,
dass eine Beeinträchtigung des Oberzentrums z. B. durch überdimensionierte Einkaufszentren oder
überdimensionierte neue Wohnbaustandorte nicht eintritt. Dies schließt auch ein, dass
Entwicklungsvorhaben dieser Mittelzentren eng mit dem jeweiligen Oberzentrum im Verdichtungsraum
abgestimmt werden.
zu Ziel 2.3.11
Diese Mittelzentren ergänzen als Städte mit in der Regel weniger als 20 000 Einwohnern das Netz der
Zentralen Orte im ländlichen Raum. Dabei stehen vor allem die von diesen Städten wahrgenommenen
Versorgungs- und Dienstleistungsfunktionen im Vordergrund auch unter Berücksichtigung der Tatsache,
dass ein nicht immer vollständig mit mittelzentralen Funktionen untersetzter Verflechtungsbereich vor-
handen ist. Der räumliche Wirkungsbereich der Mittelzentren als Ergänzungsstandorte im ländlichen
Raum ist nicht so stark ausgeprägt, wie etwa der der einwohnerstärkeren Mittelzentren. Sie besitzen
jedoch trotz ihrer geringeren Einwohnergröße einen auf ihre Funktion bezogenen relativ stabilen mittel-
zentralen Verflechtungsbereich, außerhalb bestehender höherrangiger Verflechtungsbereiche. Aufgabe
dieser Mittelzentren ist insbesondere die Erhaltung der Wirtschafts- und Versorgungsfunktion, wobei die
Funktion und die Tragfähigkeit zentralörtlicher Einrichtungen der Oberzentren und benachbarter Mittel-
zentren nicht beeinträchtigt werden soll. Unter Beachtung der Entwicklung der öffentlichen Finanzen, der
rückläufigen Bevölkerungsentwicklung und einer sinkenden Nachfrage sind z. B. Neuinvestitionen in der
sozialen und technischen Infrastruktur in diesen Städten auf ihre Folgen auf bestehende Einrichtungen in
den benachbarten Ober- und Mittelzentren zu prüfen. Ebenso sind Entwicklungsvorhaben eng mit den
benachbarten Ober- und Mittelzentren abzustimmen. Bei der Ausweisung der Mittelzentren als
Ergänzungsstandorte im ländlichen Raum sind Städte, die Sitz einer Landkreisverwaltung sind, besonders
berücksichtigt worden.
Die Modifizierung des zentralörtlichen Systems hat für die betroffenen Gemeinden keinen
Entwicklungsverlust zur Folge. Bei einem erheblichen Bedeutungswandel eines Zentralen Ortes, besteht
die Möglichkeit, eine Veränderung der zentralörtlichen Einstufung vorzunehmen (s. S. 13). Darüber hinaus
hat die Regionalplanung die Aufgabe, das Netz der Grundzentren nach den vorgelegten Kriterien neu zu
bestimmen und entsprechende Festlegungen zu formulieren. Aus der Neubewertung des Zentrale-Orte-
Konzepts bieten sich u. a. auf freiwilliger Basis aus den raumordnerischen und städtebaulichen
Instrumentarien heraus an:
Städtenetze zur Wahrnehmung gemeinsamer Versorgungs- und Entwicklungsaufgaben vor allem in
den polyzentralen Siedlungsstrukturen des Erzgebirges, des Vogtlandes und der südlichen Ober-
lausitz (siehe bisherige Zusammenarbeit in mittelzentralen Städteverbünden des LEP 1994),
Aufnahme enger Kooperationsbeziehungen mit dem jeweiligen Oberzentrum im Verdichtungsraum
bzw. in verdichteten Bereichen im ländlichen Raum,
die Überprüfung und Umsetzung städtebaulicher Entwicklungsziele im Rahmen von Integrierten
Stadtentwicklungskonzepten,
raumordnerische bzw. landesplanerische Verträge nach § 13 ROG, § 19 Abs. 2 SächsLPlG zur Um-
setzung gemeinsamer Entwicklungsziele auf der Grundlage interkommunaler Entwicklungskonzepte,
die Erarbeitung von Regionalen Entwicklungskonzepten.
zu Ziel 2.3.12
Die Ausweisung der Grundzentren bleibt der regionalen Ebene vorbehalten. Vor allem im ländlichen
Raum soll vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung mit der Ausweisung ein dauerhaft

20
Landesentwicklungsplan 2003
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gesichertes und stabiles Netz mit übergemeindlichen und tragfähigen Versorgungseinrichtungen für den
allgemeinen und täglichen Bedarf bzw. eine soziale und medizinische Grundversorgung aufrecht erhalten
bleiben. Die Ausstattung in den Grundzentren sollte dafür u. a.
mehrere Supermärkte und Fachgeschäfte,
Ärzte, Fachärzte, Zahnärzte, Apotheke, Betreuungsangebote für ältere Menschen,
Grundschule, Mittelschule (bei jeweils tragfähigem Einzugsbereich), Kindertagesstätten, Jugend-
freizeitstätten o. ä.,
ÖPNV-Anschluss,
Sport- und Freizeitanlagen,
Sparkasse und/oder andere Banken, Versicherungen
umfassen. Darüber hinaus ist die qualitative Einbindung in das ÖPNV-Netz und die Anbindung an die
Mittel- und Oberzentren (in Abhängigkeit der Entfernung) bei der Auswahl der Grundzentren
heranzuziehen.
Bei der Bewertung der Erreichbarkeitsdefizite für ein potenzielles Grundzentrum durch die Regional-
planung sollten u. a. herangezogen werden:
ÖPNV-Anbindung in 30 Minuten aus den Ortsteilen an ein Mittelzentrum/Oberzentrum im ländlichen
Raum nicht gegeben,
bestehende Anschlussqualität auf die Bedienung des Berufs- oder Schülerverkehrs ausgerichtet oder
Erreichbarkeit der benachbarten Mittelzentren/Oberzentren aus dem Zentralen Ort (Versorgungs- und
Siedlungskern) nur mit mehrmaligem Umsteigen möglich.
zu Ziel 2.3.13
Der Plansatz enthält eine Übergangsregelung zum Umgang mit den Festlegungen zur zentralörtlichen
Einstufung aus dem LEP 1994 und den Regionalplänen. Er soll sicherstellen, dass die betroffenen Mittel-,
Unter- und Kleinzentren ihren bisherigen Status bis zum Ende der Fortschreibung der Regionalplanung
längstens jedoch bis zum 31.12.2006 behalten.
2.4 Gemeinden und Gemeinden mit besonderen Gemeindefunktionen
Begriff:
Besondere Gemeindefunktionen
sind Funktionen, die den wirtschaftlichen und sozialen Charakter
einer nichtzentralörtlichen Gemeinde dominieren und in ihrer raumstrukturellen Wirkung deutlich über
die eigene Gemeinde hinaus gehen oder die in Grundzentren eine deutlich herausgehobene Funktion
gegenüber den anderen Aufgaben eines Grundzentrums darstellen. Als besondere Gemeindefunk-
tionen kommen insbesondere die Funktionen Bildung, Gewerbe, Fremdenverkehr, grenzüber-
greifende Kooperation und Verkehr in Betracht. Die entsprechenden Festlegungen erfolgen in der
Regel in den Regionalplänen, sofern ein überörtliches Regelungserfordernis raumordnerisch be-
gründet ist. Die Funktionen werden Gemeinden zugewiesen.
Bei einem besonderen landesentwicklungspolitischen Interesse erfolgt diese Festlegung im
Landesentwicklungsplan (Funktion als Standort für Aufgaben der Verteidigung).
Mit der Sicherung oder der Entwicklung der Gemeindefunktion in Einklang stehende Maßnahmen sind
in einem nichtzentralen Ort über den Rahmen der Eigenentwicklung der Gemeinde hinaus zulässig.
Eigenentwicklung
Eigenentwicklung ist die für den Bauflächenbedarf zu Grunde zu legende Entwicklung einer Ge-
meinde, die sich aus der natürlichen Bevölkerungsentwicklung und aus den Ansprüchen der örtlichen
Bevölkerung an zeitgemäße Wohnverhältnisse, der ortsansässigen Gewerbebetriebe und der Dienst-
leistungseinrichtungen ergibt.

Landesentwicklungsplan 2003
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_____________________________________________________________________________________________
Z 2.4.1
Die Gemeinden sind im Interesse einer ausgewogenen räumlichen Entwicklung in
ihrer kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Bedeutung zu stabilisieren.
Z 2.4.2
Die Ausstattung aller Gemeinden mit Versorgungseinrichtungen zur Deckung des
örtlichen Bedarfs soll unter Beachtung ihrer Bevölkerungsentwicklung, ihrer Funktion
und ihrer Lage im Raum gewährleistet werden. Bei der Wahrnehmung dieser Auf-
gaben haben die Gemeinden die überörtlichen Erfo rdernisse zu beachten.
Z 2.4.3
Als Gemeinden mit besonderer Gemeindefunktion „Verteidigung“ werden Franken-
berg/Sa., Marienberg, Schneeberg, Weißkeißel und Zeithain ausgewiesen.
Z 2.4.4
In den Regionalplänen sind Gemeinden mit besonderen Gemeindefunktionen gemäß
der Begriffsdefinition und den in der Begründung genannten Kriterien auszuweisen.
Begründung zu 2.4 Gemeinden und Gemeinden mit besonderen Gemeindefunktionen
zu Ziel 2.4.1 und Ziel 2.4.2
Die Gemeinden sind in vielfältiger Form Träger öffentlicher Aufgaben. Gemäß Art. 82 und Art. 84 der
Verfassung des Freistaats Sachsen und Art. 28 Abs. 2 des Grundgesetzes wird die im Rahmen des
kommunalen Selbstverwaltungsrechts garantierte gemeindliche Planungshoheit im Landesentwick-
lungsplan respektiert. Ausdruck dafür ist ein auf die landesweit erforderlichen Regelungserfordernisse für
die Nutzung der Raumansprüche begrenzter Landesentwicklungsplan. Der planerische Gestaltungs- und
Entscheidungsspielraum wird durch Instrumente der Landes- und Regionalplanung nur in besonders
begründeten Fällen beschränkt (siehe Begründungserfordernisse für die Regionalplanung). Die
Gemeinden sind für die Ausgestaltung der Siedlungs- und Freiraumstruktur in Sachsen der wichtigste
Partner für die Landes- und Regionalplanung.
Auch in nichtzentralen Gemeinden steht ein Angebot an örtlichen Versorgungseinrichtungen zur Ver-
fügung. Darüber hinaus wird die überörtliche Grundversorgung über das Netz von Zentralen Orten ge-
währleistet, die in zumutbarer Entfernung (ca. 30 Minuten Fahrzeit ÖPNV - einfache Fahrt) erreichbar
sind. Die Lebensbedingungen in den Gemeinden werden wesentlich durch die vorhandenen Infrastruktur-
einrichtungen geprägt. Hierzu gehören etwa Bildungseinrichtungen, Kirchen, Sportplätze, die Wasser-
versorgung, Abwasserbeseitigung, Stromversorgung, das gemeindliche Straßennetz, aber auch Sozial-
einrichtungen, Geschäfte, Gasthäuser u. a. Je leistungsfähiger sich diese Versorgungsstruktur heraus-
gebildet hat, desto eher ist es den Gemeinden möglich, an der Gesamtentwicklung teilzuhaben. Das Vor-
handensein einer differenzierten und den jeweiligen Verhältnissen (entsprechend der demographischen
Entwicklung) angepassten Infrastruktur ermöglicht daher eine eigenständige gemeindliche Entwicklung.
Dies bildet gleichzeitig die Voraussetzung für die Gesamtentwicklung des Landes und damit auch für die
Angleichung der Lebensbedingungen an jene der alten Bundesländer.
Der von der Landesplanung gesetzte Rahmen wurde daher so gestaltet, dass so wenig wie möglich in
gemeindliche Belange eingegriffen wird, aber dennoch die für die Entwicklung des Landes insgesamt
erforderlichen Regelungen getroffen werden.
zu Ziel 2.4.3
Die genannten Gemeinden sind u. a. Garnisonsstädte und haben eine landesweite Bedeutung als
Bundeswehrstandorte in Sachsen. Mit der landesplanerischen Ausweisung als besondere Gemeinde-
funktion unabhängig von einer zentralörtlichen Einstufung wird die langfristige Sicherung dieser Standorte
in Sachsen angestrebt. Damit sind auch die landesplanerischen Grundlagen gegeben, diese Gemeinden
zur Aufrechterhaltung ihrer Bedeutung als Bundeswehrstandorte weiter zu entwickeln. Die im Ziel auf-
geführten Gemeinden haben unter Zugrundelegung des Verhältnisses der Dienstposten der Bundeswehr
zur jeweiligen Einwohnerzahl eine herausgehobene Bedeutung (vgl. Kap. 17).

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Landesentwicklungsplan 2003
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zu Ziel 2.4.4
Die Ausweisung von Gemeinden mit besonderen Gemeindefunktionen richtet sich nach den folgenden
Kriterien und nach den Voraussetzungen gemäß der Begriffsdefinition. Damit sollen herausgehobene
Gemeindefunktionen in einem regionsweiten Kontext bewertet und eine weitere funktionale Arbeitsteilung
im Raum planerisch unterstützt werden. Somit besteht ein Instrument für die Regionalplanung, vorsorglich
und dennoch flexibel auf die Ausdifferenzierung des Raums reagieren zu können bzw. einzelne
Eignungen von Standorten in diesen Funktionen zu sichern.
Die Ausweisungen besonderer Gemeindefunktionen im Regionalplan sind an nachfolgende Kriterien zum
Zeitpunkt der Fortschreibung der Regionalpläne geknüpft und als solche zu kennzeichnen:
Funktion Bildung:
Standort einer Hochschuleinrichtung (FH, BA) oder
Standort von Gymnasien mit großem Einzugsbereich und vertiefter Ausbildung oder
mindestens 3-zügiger Mittelschulstandort
Funktion Gewerbe:
über 400 Arbeitsplätze je 1 000 Einwohner in der Gemeinde (sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
am Arbeitsort),
hoher Besatz mit verarbeitendem Gewerbe (Anteil der im Ort Beschäftigten im verarbeitenden Ge-
werbe über 30 % - ohne Bauwirtschaft)
Funktion Fremdenverkehr:
Kurortstatus oder
über 100 Übernachtungen pro Gästebett und Jahr und mindestens 50 000 Übernachtungen pro Jahr
Funktion Verkehr:
Knotenpunkt mehrerer Verkehrsträger (Schiene, Autobahn oder Bundesstraße u. a.) oder
Schnittstelle für den kombinierten Verkehr und Standort von Logistikgewerbe
Funktion grenzübergreifende Kooperation:
Lage im grenznahen Gebiet,
Realisierung von deutsch-polnischen oder deutsch-tschechischen bzw. trilateralen regional bedeut-
samen Projekten im Verkehrs-, Fremdenverkehrs-, Wirtschafts-, Bildungs-, Sport- oder Kulturbereich.
2.5 Raumkategorien
Begriff:
Raumkategorien umfassen Räume, die eine weitgehend einheitliche Struktur aufweisen und deshalb
hinsichtlich ihrer angestrebten Entwicklung einheitlich zu behandeln sind.
Folgende Raumkategorien werden unterschieden:
- Verdichtungsraum
- verdichteter Bereich im ländlichen Raum
- ländlicher Raum
Die Raumkategorien ergänzen sich in ihren Funktionen. Bestehende strukturelle Unterschiede werden
bei allen raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen berücksichtigt.
Karte:
Die einzelnen Raumkategorien sind auf Gemeindebasis in der Karte 1 „Raumstruktur“ ausgewiesen.

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Verdichtungsraum
Begriff:
Verdichtungsräume sind großflächige Gebiete um die Oberzentren des „Sachsendreiecks“ mit einer
hohen Konzentration von Bevölkerung, Wohn- und Arbeitsstätten, Trassen, Anlagen und Einrich-
tungen der technischen und sozialen Infrastruktur sowie einer hohen inneren Verflechtung.
G 2.5.1
Der Verdichtungsraum ist als leistungsfähiger Siedlungs-, Wirtschafts-, Kultur- und
Dienstleistungsraum insbesondere durch die Stärkung seiner Zentralen Orte weiter zu
entwickeln.
Z 2.5.2
Im Verdichtungsraum ist unter Beachtung der Aspekte des Umweltschutzes und der
spezifischen Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung ein leistungsfähiger Öffentlicher
Personennahverkehr (ÖPNV) vorzugsweise entlang der Achsen zu entwickeln und zu
sichern. Der nicht motorisierte Verkehr ist durch den Ausbau des Rad- und Fußwege-
netzes zu stärken und mit dem SPNV/ÖPNV zu verknüpfen.
Z 2.5.3
Im Verdichtungsraum soll die Siedlungsentwicklung auf die Achsen mit schienen-
gebundenem ÖPNV-Anschluss konzentriert werden.
Z 2.5.4
Im Verdichtungsraum ist ein dauerhaft tragfähiges und ökologisch wirksames System
von Freiräumen zu erhalten bzw. zu schaffen und mit den Freiräumen des ländlichen
Raums zu vernetzen.
Verdichteter Bereich im ländlichen Raum
Begriff:
Verdichtete Bereiche im ländlichen Raum sind die Teile des ländlichen Raums, die auf Grund ihrer
historisch bedingten gewerblichen und industriellen Entwicklung bzw. der späteren extensiven Er-
weiterung der Industrie trotz fehlender großstädtischer Ballungskerne einen hohen Verdichtungsgrad
aufweisen.
G 2.5.5
Die verdichteten Bereiche im ländlichen Raum sind als Siedlungs-, Wirtschafts- und
Versorgungsräume in ihrer Leistungskraft zu erhalten und ihre Zentralen Orte sind so
weiterzuentwickeln, dass von ihnen Entwicklungsimpulse in den benachbarten länd-
lichen Raum ausgehen.
Z 2.5.6
In den verdichteten Bereichen im ländlichen Raum ist das Verkehrsnetz für den Per-
sonen- und den Güterverkehr so auszubauen, dass sowohl ihre innere Erschließung
als auch die Erreichbarkeit der Verdichtungsräume gewährleistet wird.
Z 2.5.7
In den verdichteten Bereichen im ländlichen Raum sind zum Schutz der ökologischen
Ressourcen, für Zwecke der Erholung sowie für land- und forstwirtschaftliche
Nutzungen Freiräume zu sichern.
Ländlicher Raum
Begriff:
Der ländliche Raum umfasst die Teile Sachsens, die eine geringe Verdichtung aufweisen. Seine Wirt-
schaftsstruktur ist durch industrielle und gewerbliche Einzelstandorte sowie einen gegenüber den
anderen Räumen höheren Beschäftigtenanteil in der Land- und Forstwirtschaft geprägt.
G 2.5.8
Der ländliche Raum ist unter Berücksichtigung seiner Eigenart mit seinen vielfältigen
Funktionen als eigenständiger und zukunftsfähiger Lebensraum zu bewahren und
weiter zu entwickeln.
Z 2.5.9
Die dezentrale Siedlungsstruktur des ländlichen Raums ist durch die funktionale
Stärkung seiner Zentralen Orte und die Verbesserung ihrer Erreichbarkeit zu festigen.

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G 2.5.10
Zur Aufrechterhaltung von öffentlichen und privaten Infrastruktur- und Dienstleis-
tungsangeboten sollen im ländlichen Raum vernetzte und/oder mobile Versorgungs-
strukturen eingerichtet werden.
Z 2.5.11
Im ländlichen Raum sollen die Land- und Forstwirtschaft, die gewerbliche Wirtschaft
sowie der Tourismus als wichtige Wirtschaftsfaktoren erhalten und gestärkt werden.
Z 2.5.12
Im ländlichen Raum sollen außerhalb der Siedlungsflächen große unzerschnittene
Freiflächen erhalten werden.
Begründung zu 2.5 Raumkategorien
Raumkategorien
Die Abgrenzung der Raumkategorien erfolgt auf Gemeindeebene zum Gebietsstand vom 01.11.2003. Die
nach den jeweiligen Kriterien abgegrenzten Raumkategorien werden, um das Entstehen von Insellagen zu
vermeiden, nach Einzelprüfung der betroffenen Gemeinden maßvoll arrondiert. In Ausnahmefällen können
Gemeinden aus landesplanerischen Gründen auch einer anderen Raumkategorie zugeordnet werden.
Die Raumkategorien sind hinsichtlich ihrer Siedlungsstruktur nicht homogen. So umfassen die Verdich-
tungsräume und die verdichteten Bereiche im ländlichen Raum neben städtischen Siedlungen auch
einzelne ländliche Siedlungen, deren Bausubstanz und Struktur überwiegend durch eine vorhandene oder
ehemalige land- und/oder forstwirtschaftliche Nutzung (einschließlich vor- und nachgelagerter Wirtschafts-
bereiche) und nichtstädtische Merkmale geprägt sind. Dieser Sachverhalt ist bei der Förderung der Ent-
wicklung ländlicher Siedlungen zu berücksichtigen.
Verdichtungsraum
Die Abgrenzung der Verdichtungsräume um die Oberzentren Dresden, Leipzig, Chemnitz und Zwickau
erfolgt nach folgenden raumstrukturellen Kriterien:
Einwohnerdichte: > 300 EW/km²,
Siedlungsdichte: > 2 000 EW/km² Siedlungs- und Verkehrsfläche,
Siedlungs- und Verkehrsflächenanteil: > 10 % und
Dominanz der arbeits- und versorgungsräumlichen Beziehungen in den Kern des Verdichtungsraums.
Gemeinden werden dann in den Verdichtungsraum einbezogen, wenn sie drei dieser vier Kriterien
erfüllen.
zu Grundsatz 2.5.1
Die sächsischen Verdichtungsräume mit ihren Oberzentren besitzen u. a. durch das Vorhandensein eines
qualifizierten Arbeitskräftepotenzials, einer vielfältigen Industrie- und Gewerbestruktur sowie von
Fühlungsvorteilen günstige Voraussetzungen für die weitere Entwicklung. Diese Vorzüge sind bewusst zu
nutzen, damit der Verdichtungsraum seine übergeordnete Funktion für die wirtschaftliche, kulturelle und
soziale Entwicklung des gesamten Freistaats Sachsen erfüllen kann.
zu Ziel 2.5.2
Wegen der intensiven Verflechtungsbeziehungen der Daseinsgrundfunktionen Wohnen, Arbeiten, Ver-
sorgen, Bilden und Erholen sowohl innerhalb der Verdichtungsräume als auch mit anderen Räumen sind
die Verkehrsverhältnisse durch eine Überlastung des Straßennetzes gekennzeichnet. Darüber hinaus
führt der intensive Individualverkehr zu einer starken Luft- und Lärmbelastung und bei einem weiteren
Ausbau des Straßennetzes zur Inanspruchnahme zusätzlicher Flächen für den fließenden und ruhenden
Verkehr. Ein leistungsfähiges öffentliches Personennahverkehrssystem mit einer Ausrichtung auf die
Oberzentren, vernetzt mit einem dichten Rad- und Fußwegenetz, besitzt daher als Alternative zum
motorisierten Individualverkehr große Bedeutung.

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zu Ziel 2.5.3
Die Verdichtungsräume sind durch eine hohe Siedlungsdichte und einen verhältnismäßig geringen Um-
fang an Freiflächen bei einem gleichzeitig hohen Siedlungsdruck gekennzeichnet. Dies gefährdet auch die
Flächen, die besondere Bedeutung für das Orts- und Landschaftsbild sowie für ökologische Funktionen
und die Naherholung besitzen. Deren Erhalt lässt sich v. a. dadurch erreichen, dass Siedlungserwei-
terungen im Rahmen der Eigenentwicklung konzentriert in den vorhandenen Siedlungen, gegliedert durch
regionale Grünzüge und Grünzäsuren, an den Achsen stattfinden. Damit soll eine weitere
Siedlungsentwicklung in den Achsenzwischenräumen aus Gründen des Freiraumschutzes vermieden
werden.
zu Ziel 2.5.4
Verdichtungsräume weisen einen hohen Anteil von Siedlungsflächen auf. Daher gilt es, Freiflächen und
Freiräume mit besonderer Bedeutung für den Natur- und Umweltschutz zu erhalten. Sie nehmen wichtige
Ausgleichsfunktionen wahr (vgl. auch Kap. 5.1).
Verdichteter Bereich im ländlichen Raum
Die Abgrenzung der verdichteten Bereiche im ländlichen Raum erfolgt nach folgenden Kriterien:
Einwohnerdichte: > 300 EW/km²,
Siedlungsdichte: > 2 000 EW/km² Siedlungs- und Verkehrsfläche,
Siedlungs- und Verkehrsflächenanteil: > 10 % und
Dominanz der arbeits- und versorgungsräumlichen Beziehungen in das Gebiet.
Von diesen vier Kriterien müssen mindestens zwei erfüllt sein. Die derart abgegrenzten Räume werden
dann als verdichtete Bereiche im ländlichen Raum bestimmt, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllen:
Einwohnerzahl: > 60 000 und
Vorhandensein mindestens eines Ober- oder Mittelzentrums.
Soweit die Kriterien nur für eine Gemeinde zutreffen, erfolgte keine Ausweisung in dieser Raumkategorie.
zu Grundsatz 2.5.5
Die im Landesmaßstab bedeutsamen verdichteten Bereiche im ländlichen Raum, die in der Regel durch
eine kleinräumige Konzentration von Industrie und Gewerbe gekennzeichnet sind, bilden wirtschaftliche
Kristallisationspunkte innerhalb des ländlichen Raums. Um ihre Wirtschaftsstruktur zu stabilisieren, sind,
aufbauend auf den vorhandenen Standortpotenzialen, neue Entwicklungsimpulse durch die Ansiedelung
weiterer klein- und mittelständischer Unternehmen sowie die Modernisierung und Erneuerung der tech-
nischen Infrastruktur notwendig. Damit kann auch das regionale Ausbildungs- und Arbeitsplatzangebot
sowohl quantitativ als auch qualitativ verbessert werden.
zu Ziel 2.5.6
Zur Realisierung der Impulsgeberfunktion sind günstige Verkehrsverbindungen zum benachbarten
ländlichen Raum sowie eine leistungsfähige und standardgerechte Einbindung in die überregionalen
Verkehrs-, Energie- und Kommunikationsnetze notwendig.
zu Ziel 2.5.7
Die verdichteten Bereiche im ländlichen Raum weisen eine hohe Siedlungs- und Bevölkerungsdichte auf.
Die vorhandenen Freiräume besitzen daher eine besondere ökologische Funktion.
Ländlicher Raum
Der ländliche Raum umfasst hauptsächlich Gemeinden, die ländlich geprägt und damit gering verdichtet
sind, aber auch einzelne städtisch geprägte Gemeinden, die für die Funktion dieser Raumkategorie

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Landesentwicklungsplan 2003
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unabdingbar sind. Der ländliche Raum ist Lebensraum für ca. 35 % der Bevölkerung auf einer Fläche von
ca. 75 % des Freistaats Sachsen. Er bietet eine Basis für Ernährung, Ökologie, Kultur und Erholung für
die Bevölkerung Sachsens.
zu Grundsatz 2.5.8
Der ländliche Raum bildet einen eigenständigen Lebens- und Wirtschaftsraum mit einer zunehmenden
Bedeutung für die Erhaltung natürlicher Lebensgrundlagen und die Erholung. Er verfügt über umfang-
reiche natürliche Ressourcen und weist oftmals eine geringere Umwelt- und Verkehrsbelastung auf.
Günstige Miet- und Grundstückspreise, das Vorhandensein verfügbarer Baugrundstücke, ein qualifiziertes
Arbeitskräftepotenzial sowie Heimatverbundenheit der Bevölkerung schaffen günstige Standortvoraus-
setzungen. Diese Vorzüge machen diesen Raum für breite Bevölkerungskreise sowohl als Wohnstandort
als auch für gewerbliche Siedlungstätigkeit interessant und unterstützen damit die weitere Entwicklung.
Nachteile, wie etwa das Fehlen von Fühlungsvorteilen oder die geringere Dichte an Versorgungseinrich-
tungen, können dadurch zumindest teilweise ausgeglichen werden.
zu Ziel 2.5.9
Zu den Voraussetzungen für eine eigenständige Entwicklung im ländlichen Raum gehört ein ausrei-
chendes, in den Zentralen Orten konzentriertes Angebot an überörtlichen Dienstleistungs- und Versor-
gungseinrichtungen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Dabei kommt einer der Sied-
lungs- und Bevölkerungsstruktur angepassten ÖPNV-Anbindung besondere Bedeutung zu.
zu Grundsatz 2.5.10
Die Siedlungsstruktur dieses Raums ist durch eine geringe Netzdichte und durch die Dominanz von
kleinen Siedlungen gekennzeichnet. Eine weitere Verdichtung der vorhandenen Siedlungsstruktur, bevor-
zugt in den Zentralen Orten, ist vorteilhaft. Die Ausstattung mit Versorgungs- und Infrastruktureinrich-
tungen kann dadurch verbessert oder die Auslastung bestehender Einrichtungen erhöht werden. Sofern
die Tragfähigkeit von Infrastruktureinrichtungen im Zuge des demographischen Wandels nicht mehr ge-
geben ist, sollen zur Aufrechterhaltung von Dienstleistungsangeboten miteinander vernetzte oder mobile
Versorgungsstrukturen aufgebaut werden (z. B. Nachbarschaftsladen).
zu Ziel 2.5.11
Trotz des Strukturwandels in der sächsischen Landwirtschaft bleibt die Land- und Forstwirtschaft ein be-
deutender und prägender Wirtschaftssektor im ländlichen Raum. Die Aufgabe der Land- und Forstwirt-
schaft umfasst nicht nur die Nahrungsmittel- und Rohstoffproduktion, sondern auch mit zunehmender
Bedeutung die Pflege der Kulturlandschaft sowie die Erhaltung des Naturhaushalts. In den Teilräumen mit
entsprechend günstigen natürlichen Voraussetzungen gilt es daher, die Land- und Forstwirtschaft zu er-
halten, zu fördern und auf die künftigen Erfordernisse auszurichten. Zur wirtschaftlichen Stabilisierung
dieses Raums ist unter Berücksichtigung der Belange von Natur und Landschaft das Angebot an Arbeits-
und Ausbildungsplätzen im außerland- und außerforstwirtschaftlichen Bereich zu erweitern. Mit der
steigenden Nachfrage nach naturverbundener Freizeit-, Erholungs- und Urlaubsgestaltung bestehen hier
günstige Voraussetzungen, den Tourismus weiterzuentwickeln und damit auch nichtlandwirtschaftliche
Arbeitsplätze zu schaffen.
zu Ziel 2.5.12
Die Zerschneidung von Freiflächen hat nachteilige Auswirkungen auf das Landschaftsbild, den Natur-
haushalt und die landwirtschaftliche Nutzung (siehe auch Grundsatz 4.2 in Kap. 4). Durch eine zeitliche
und räumliche Bündelung von Einrichtungen beim Ausbau der Bandinfrastruktur kann erreicht werden,
dass die Auswirkungen dieser Eingriffe möglichst gering gehalten werden.

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2.6 Überregionale Verbindungsachsen und Einbindung in transeuropäische Netze
Begriff:
Überregionale Verbindungsachsen sind landesweit bedeutende Achsen, die die räumlichen Verflech-
tungen der sächsischen Verdichtungsräume und Oberzentren mit den Oberzentren und Verdichtungs-
räumen benachbarter Länder und Staaten sowie die Einbindung in europäische Netze wiedergeben.
Karte:
Die überregionalen Verbindungsachsen sind in der Karte 1 „Raumstruktur“ ausgewiesen.
Z 2.6.1
In den überregionalen Verbindungsachsen soll der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur
und weiterer Einrichtungen der Bandinfrastruktur gebündelt erfolgen.
Z 2.6.2
In den Regionalplänen sind die überregionalen Verbindungsachsen auszuformen und
durch regionale Verbindungs- und Entwicklungsachsen zur Konzentration der Sied-
lungstätigkeit und Bündelung von Infrastruktureinrichtungen auf regionaler Ebene zu
ergänzen.
Z 2.6.3
Sowohl die regionalen als auch die überregionalen Achsen sind durch die Aus-
weisung von regionalen Grünzügen und Grünzäsuren zu gliedern, das Entstehen von
Bandsiedlungen ist zu vermeiden und zusammenhängende siedlungsnahe Freiräume
sind zu sichern.
Begründung zu 2.6 Überregionale Verbindungsachsen und Einbindung in transeuropäische Netze
Die vorhandene Infrastruktur entspricht nur in Teilen den Anforderungen für ein erweitertes Europa. Des-
halb ist der Ausbau der transeuropäischen Netze für Verkehr, Energie und Telekommunikation ein
gemeinsames Ziel der Europäischen Union. Die transeuropäischen Verkehrsnetze sind wiederum ein Teil
der von der EU definierten transeuropäischen Netze.
Die Ausweisung der überregionalen Verbindungsachsen orientiert sich an den Ausbauerfordernissen der
Bandinfrastruktur u. a. in Vorbereitung der EU-Erweiterung. Deshalb werden transeuropäische Netze und
der Verlauf der paneuropäischen Verkehrskorridore III und IV durch Sachsen bei der Ausweisung der
Achsen mit herangezogen. Langfristige Entwicklungsvorstellung der Landesplanung ist es, dass diese
überregionalen Verbindungsachsen Bestandteile der transeuropäischen Netze werden. Vor allem in den
Achsen entlang dieser paneuropäischen Verkehrskorridore ist der Ausbau der grenzüberschreitenden
Infrastruktur auf mehrere Verkehrsträger bezogen (z. B. Dresden - Prag: Autobahn A 17, Bundesstraße
B 170, Eisenbahnverbindung/Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin - Dresden - Prag - Budapest; Dresden -
Görlitz - Breslau: Ausbau und Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke Dresden - Bautzen - Görlitz und Aus-
bau der Güterbahnstrecke Kohlfurt/Wegliniec - Hoyerswerda - Mitteldeutschland) - vgl. Kapitel Verkehr.
Die überregionalen Verbindungsachsen bilden zusammen mit den Zentralen Orten eine punktaxiale
Struktur, die das Grundgerüst der räumlichen Verflechtung und der angestrebten räumlichen Entwicklung
des Landes darstellt. Die Ausweisung großräumig orientierter überregionaler Achsen ist dabei in Verbin-
dung mit in den Regionalplänen ausgewiesenen regionalen Achsen und den Zentralen Orten ein ge-
eignetes Instrument zur Ordnung und Entwicklung des Landes. Die überregionalen Verbindungsachsen
verlaufen entlang von Autobahnen, Bundesstraßen und Schienenverbindungen. Sie haben vor allem die
Aufgaben:
die sächsischen Verdichtungsräume und Oberzentren miteinander und mit benachbarten Verdich-
tungsräumen außerhalb Sachsens zu verbinden,
den von ihnen berührten Gebieten Lagevorteile zu vermitteln sowie strukturelle Entwicklungsimpulse
zu geben und
die Einbindung in transeuropäische Netze und damit die Verflechtung innerhalb Europas zu verdeut-
lichen.
Durch weitgehende Bündelungen der überregionalen bedeutsamen Bandinfrastruktur entlang der Verbin-
dungsachsen werden zum einen Eingriffe in bisher unberührte Landschaftsteile minimiert und Zerschnei-

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Landesentwicklungsplan 2003
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dungseffekte verhindert. Zum anderen sichert die Bündelung leistungsfähiger Verkehrsadern und Lei-
tungsverbindungen die Funktionsfähigkeit der Verbindungsachsen und verstärkt die von dort ausgehen-
den Entwicklungsimpulse. So führt die Bündelung zu einer Verbesserung der Standortvoraussetzungen
und erhöht die Wirtschaftlichkeit der Infrastruktureinrichtungen. Daher gilt es, bei den Trassenplanungen
für Bandinfrastruktureinrichtungen den Bündelungseffekt neben der vorhandenen Raum- und Siedlungs-
struktur sowie den Erfordernissen des Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutzes zu berücksichtigen.
Das Netz der überregionalen Verbindungsachsen wird durch ein Netz regionaler Verbindungs- oder Ent-
wicklungsachsen ergänzt. Bei der Ausweisung der regionalen Achsen durch die Regionalplanung sollte
die Anbindung der Mittelzentren an die sächsischen Oberzentren bzw. an Oberzentren benachbarter
Bundesländer und Staaten, die Anbindung geeigneter Grundzentren an die Ober- und Mittelzentren in der
jeweiligen Planungsregion, der Verlauf schienengebundener Nahverkehrsachsen und das Vorhandensein
von Bundes- und Staatsstraßen mit regionaler Verbindungsfunktion herangezogen werden. Die regionalen
Achsen erfüllen dabei in den Verdichtungsräumen vorwiegend Ordnungsfunktionen, im ländlichen Raum
dagegen vorwiegend Entwicklungsfunktionen. Sie sind nicht schematisch anwendbar, sondern müssen in
der Planungspraxis strukturgerecht ausgeformt werden. Dies gilt auch für die räumliche Ausformung der
überregionalen Verbindungsachsen des LEP 2003 auf der Ebene der Planungsregionen.
Eine durchgehende Bebauung im Bereich der Achsen, die auf Grund der Standortattraktivität nahe liegt,
gilt es aus Gründen des Landschafts-, Natur- und Klimaschutzes, der Ortsbildgestaltung und der Erhal-
tung ortsrandnaher Erholungsflächen zu vermeiden. Dies erfordert ausreichende Freiflächen zwischen
den Siedlungseinheiten und die Sicherung der zwischen den Entwicklungsachsen liegenden Freiflächen.
Dies geschieht im Rahmen der Regionalplanung mit der Ausweisung von regionalen Grünzügen und
Grünzäsuren entlang der Achsen (s. Kap. 5.1). Eine verstärkte Siedlungstätigkeit soll insbesondere in den
Verdichtungsräumen entlang der überregionalen und regionalen Achsen auf geeignete Zentrale Orte
und/oder Versorgungs- und Siedlungskerne konzentriert werden.
3 Regionalentwicklung
3.1 Interkommunale Kooperation
G 3.1.1
Zur Entwicklung der Regionen als Handlungsebene und zur Stärkung der regionalen
Eigenkräfte sowie zur Lösung von teilräumlichen Problemlagen sind interkommunale
Kooperationen, auch Ländergrenzen übergreifend einzurichten und zu verstetigen.
G 3.1.2
In Verantwortung der Regionen unter Einbeziehung der Wirtschaft und weiterer
regionaler Akteure sollen interkommunale Kooperationsgemeinschaften gemeinsam
eine problemorientierte Bestandsaufnahme und eine Stärken-Schwächen-Analyse
erarbeiten, Entwicklungsleitziele ableiten und einen Handlungsrahmen mit konkreten
und finanzierbaren Maßnahmen und Projekten erstellen und umsetzen.
Z 3.1.3
Durch die Träger der Regionalplanung sind im Rahmen ihrer Beratungs-, Moderations-
und Koordinierungsfunktion geeignete Instrumente zur Verwirklichung der Raum-
ordnungspläne zu nutzen und den regionalen Akteuren eine aktive Unterstützung bei
der Umsetzung von Entwicklungsvorhaben und -maßnahmen zu geben.
Begründung zu 3.1 Interkommunale Kooperation
zu Grundsatz 3.1.1
Der gegenwärtige ökonomische, soziale und politische Strukturwandel mit seinen globalen Herausfor-
derungen und die damit verbundenen wachsenden Anforderungen an die Gemeinden einerseits und
knapper werdende öffentliche Finanzen andererseits machen es notwendig, über kommunale

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Verwaltungsgrenzen hinweg nach Lösungen zu suchen und diese gemeinsam umzusetzen. Die mit dem
Begriff „interkommunale Kooperation“ bezeichneten Initiativen sind geprägt von einer freiwilligen, gleichbe-
rechtigten und innovativen Zusammenarbeit von Städten, Gemeinden und Landkreisen (Kooperations-
gemeinschaften). Interkommunale Kooperationen sind nicht mit der förmlichen Kooperation von Ge-
meinden in Verwaltungsgemeinschaften, Verwaltungsverbänden, Zweckverbänden im Sinne des Säch-
sischen Gesetzes über kommunale Zusammenarbeit (SächsKomZG) gleichzusetzen. Vielmehr bleibt es
den regionalen Akteuren überlassen, welche informellen und formellen Organisationsformen sie ihrer
Zusammenarbeit zu Grunde legen (vgl. auch Karte 4).
zu Grundsatz 3.1.2 und Ziel 3.1.3
Die Verbesserung der Standortbedingungen und der Wettbewerbsfähigkeit von Regionen sowie die zu-
nehmenden räumlichen Verflechtungs- und Vernetzungsprozesse und der wachsende Abstimmungs-
bedarf bei regionalen Initiativen und Handlungsaktivitäten erfordern verstärkt eine konzentrierte und ge-
bündelte Einbeziehung aller regional bedeutsamen Verantwortungsträger und Akteure. Dabei können
unterschiedliche Instrumente und Organisationsformen der interkommunalen Kooperation zur Anwendung
kommen, wie z. B. Regionale Entwicklungs- und Handlungskonzepte, im Rahmen der Gemeinschaftsauf-
gabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ geförderte Regionalmanagements in den Gebie-
ten mit besonderen Entwicklungsaufgaben (GmbE), die Zusammenarbeit in Städtenetzen sowie im ländli-
chen Raum Agrarstrukturelle Entwicklungsplanungen (AEP), Ländliche Neuordnung und Aktivitäten in
LEADER + Gebieten.
Diese Instrumente müssen in ihrer Anwendung einem ganzheitlichen Entwicklungsansatz folgen. Sie sind
daher verstärkt fachübergreifend auszugestalten. Unter Einbeziehung der Wirtschaft und anderer
regionaler Akteure sind Synergieeffekte und Einsparpotenziale beim Einsatz öffentlicher Mittel zu
erschließen und das regionale Image und die Außendarstellung des Kooperationsraums bzw. der Region
zu verbessern. Auf der Grundlage gemeinsamer Willensbildung werden durch die interkommunalen
Kooperationen im Konsens der Beteiligten nicht nur Zukunftsideen und Leitbilder entwickelt, sondern über
die Mobilisierung der endogenen Potenziale detaillierte abgestimmte Lösungsansätze erarbeitet und
konkrete Maßnahmen und Projekte gemeinsam in Angriff genommen und verwirklicht. Die Träger der
Regionalplanung sollen diese Aktivitäten im regionalen Kontext unterstützen.
3.2 Transnationale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Z 3.2.1
Die transnationale Zusammenarbeit der Regionen, der Kommunen und ihrer Zusam-
menschlüsse soll insbesondere im Kooperationsraum „CADSES“ (mitteleuropäischer,
Adria-, Donau- und südosteuropäischer Raum) fortgesetzt und intensiviert werden.
Z 3.2.2
Zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Regionen in einem größer werdenden und
zusammenwachsenden Europa sind grenzübergreifende Kooperationen zu entwi-
ckeln.
Z 3.2.3
Die Träger der Regionalplanung sollen mit den vergleichbaren Trägern der Raum-
planung in den angrenzenden Teilräumen der Republik Polen und der Tschechischen
Republik die Zusammenarbeit intensivieren und auf der Grundlage der Planungen auf
nationaler Ebene, die Planungen und Maßnahmen insbesondere im Bereich des Natur-
und Landschaftsschutzes, zum vorbeugenden Hochwasserschutz, zum Immissions-
und Klimaschutz und zum Ausbau der Infrastruktur nach den Grundsätzen der
Gegenseitigkeit und Gleichwertigkeit abstimmen.

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Landesentwicklungsplan 2003
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Z 3.2.4
Langfristig sollen nach dem Beitritt der Republik Polen und der Tschechischen Repu-
blik in die Europäische Union durch die Träger der Regionalplanung im Freistaat
Sachsen mit den vergleichbaren Trägern der Raumplanung in der Republik Polen und
der Tschechischen Republik aus den vorliegenden Regionalplanungen gemeinsame
grenzüberschreitende regionale Raumordnungspläne entwickelt werden.
Z 3.2.5
Zur Verwirklichung einer grenzüberschreitend abgestimmten Regionalentwicklung
sollen in geeigneten Räumen bei Vorliegen kommunaler partnerschaftlicher Inte-
ressen grenzüberschreitende Konzepte gemeinsam erstellt und umgesetzt werden.
Begründung zu 3.2 Transnationale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit
zu Ziel 3.2.1 und Ziel 3.2.2
Auf europäischer Ebene ist von den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gemeinsam mit der Kom-
mission das Europäische Raumentwicklungskonzept (EUREK) erarbeitet und 1999 verabschiedet worden,
das die grundlegenden politischen Ziele und Optionen für den Weg zu einer räumlich ausgewogenen und
nachhaltigen Entwicklung Europas benennt. Das EUREK betont insbesondere die Notwendigkeit einer
Kooperation in der Raumentwicklung über die bestehenden Grenzen der EU-Mitgliedsstaaten hinaus.
Dabei geht es vor allem um das Erreichen von drei grundlegenden Zielen der europäischen Politik: wirt-
schaftlicher und sozialer Zusammenhalt, Erhaltung und Management der natürlichen Lebensgrundlagen
und des kulturellen Erbes sowie ausgeglichenere Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Raums. Das
EUREK dient gleichermaßen den Mitgliedsstaaten, den Regionen und lokalen Gebietskörperschaften und
der Europäischen Kommission im jeweils eigenen Zuständigkeitsbereich als politischer Orientierungs-
rahmen.
Grenzüberschreitende und transnationale Zusammenarbeit, z. B. über koordinierende Aktivitäten der
Netzwerke der Euroregionen, eröffnen die Chance, zusätzliche Impulse für die endogene Entwicklung zu
gewinnen. Die Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg und im transnationalen Kontext unterstützt
die Annäherung und das Zusammenwachsen der Regionen in Europa. Als ein wichtiges Instrument zur
Förderung solcher kooperativer Maßnahmen unterstützt die EU-Gemeinschaftsinitiative INTERREG die
nachhaltige Regionalentwicklung in Europa. Allgemeines Ziel dieser Gemeinschaftsinitiative ist es des-
halb, dafür zu sorgen, dass nationale Grenzen kein Hindernis für eine ausgewogene Entwicklung und
Integration des europäischen Raums sind. Das Programm sollte daher aktiv genutzt werden, um insbe-
sondere den grenznahen Gebieten Unterstützung beim Aufbau von integrierten Strukturen zu gewähren.
Unter dem Leitmotiv für den CADSES-Raum - Stärkung dezentraler Strukturen im erweiterten Europa
durch transnationale Kooperation - sollen Projekte gefördert werden, die einen wesentlichen Beitrag zur
EU-Erweiterung leisten. Die Weiterführung des Programms erlaubt den so genannten Transformations-
staaten in Mittel- und Südosteuropa, die bestehenden wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen in
Kooperation mit vier Mitgliedsstaaten der EU (Österreich, Italien, Griechenland und Deutschland)
anzunehmen und in Form von innovativen Projektideen zukunftsorientierte Lösungsansätze zu entwickeln.
zu Ziel 3.2.3 bis Ziel 3.2.5
Ab dem Jahr 2003 haben die sächsischen Regionalen Planungsverbände erstmals im gesamten Grenz-
raum Partner in der Republik Polen und in der Tschechischen Republik mit Regionalentwicklungskom-
petenz, da die dortigen Gebietsreformen mit der Bildung von 16 Wojewodschaften (Republik Polen) und
14 Bezirken (Tschechische Republik) endgültig abgeschlossen sind. Damit sind Voraussetzungen für eine
von Sachsen angestrebte Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Raumordnung gegeben.

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In Vorbereitung und Begleitung der EU-Mitgliedschaft der Republik Polen und der Tschechischen Repu-
blik ist zu erwarten, dass langfristig grenzüberschreitende Raumordnungspläne sowie informelle Konzepte
wie Regionale Entwicklungs- und Handlungskonzepte (REK) und Agrarstrukturelle Entwicklungs-
planungen (AEP) erstellt und gemeinsam verwirklicht werden. Ziel der gemeinsamen Anstrengungen ist
es, gemeinsam abgestimmte und über die Grenzen hinweg passfähige Planungen und Maßnahmen zu
deren Umsetzung durchzuführen. Dies setzt die Abstimmung der programmatischen Zielsetzungen im
Hinblick auf die Passfähigkeit von Förderprogrammen und -richtlinien voraus. Neben den im Ziel 3.2.3
hervorgehobenen Handlungsfeldern der Abstimmung zum grenzübergreifenden Verkehrsnetz kommen
auch weitere Handlungsfelder, wie beispielsweise im Fremdenverkehr, bei der Wasserver- und Abwasser-
entsorgung, im Bildungsbereich oder in der Wirtschaft in Betracht.
Zur Umsetzung insbesondere von Ziel 3.2.4 gilt es, die rechtlichen Voraussetzungen auf nationaler Ebene
zu schaffen bzw. zu verbessern.
3.3 Räume mit besonderem landesplanerischem Handlungsbedarf
Begriff:
Räume mit besonderem landesplanerischem Handlungsbedarf sind gemäß § 3 Abs. 2 Nr. 3
SächsLPlG Räume, in denen auf Grund ihrer Lage im Raum, ihrer großflächigen bergbaubedingten
Inanspruchnahme oder besonderer Umweltbelastungen die Lebensbedingungen oder die
Entwicklungsvoraussetzungen in ihrer Gesamtheit im Verhältnis zum Landesdurchschnitt zurück-
geblieben sind oder in denen ein solches Zurückbleiben zu befürchten ist.
Dazu gehören insbesondere
die grenznahen Gebiete an der Staatsgrenze zur Republik Polen und zur Tschechischen Repu-
blik und
die Bergbaufolgelandschaften des Braunkohlenbergbaus, des Steinkohlenbergbaus, des Erz-
bergbaus, des Uranbergbaus.
Karte:
Die grenznahen Gebiete sowie die Gebiete der Bergbaufolgelandschaften sind in der Karte 5 „Räume
mit besonderem landesplanerischem Handlungsbedarf“ ausgewiesen.
Z 3.3.1
Die Räume mit besonderem landesplanerischem Handlungsbedarf sind so zu ent-
wickeln und zu fördern, dass sie aus eigener Kraft ihre Entwicklungsvoraussetzungen
und ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern können.
Z 3.3.2
Durch Vernetzung der spezifischen Entwicklungspotenziale in den Räumen mit be-
sonderem landesplanerischem Handlungsbedarf sind regionale Wirkungskreisläufe
aufzubauen, durch verstärkte interkommunale, regionale, länder- und grenzüber-
schreitende Zusammenarbeit strukturelle Defizite abzubauen, Synergieeffekte zu er-
schließen, Eigenkräfte zu mobilisieren sowie die gewerbliche Wirtschaft durch geeig-
nete Maßnahmen in ihrer überregionalen und internationalen Wettbewerbsfähigkeit zu
unterstützen.
G 3.3.3
In den grenznahen Gebieten sollen die Gemeinden eine grenzüberschreitende Zusam-
menarbeit mit den entsprechenden Gebietskörperschaften der Republik Polen und der
Tschechischen Republik anstreben. Dabei soll die grenzüberschreitende Zusammen-
arbeit zur Verwirklichung einer grenzüberschreitenden nachhaltigen Raum- und Wirt-
schaftsentwicklung beitragen.
Z 3.3.4
In den grenznahen Gebieten sind die lagebedingten Nachteile insbesondere durch
Verbesserung der infrastrukturellen Voraussetzungen abzubauen. Dazu ist der Aus-
bau der Verkehrsinfrastruktur verkehrsträgerübergreifend so zu gestalten, dass die
Erreichbarkeit der europäischen Metropolregion „Sachsendreieck“ , der benachbarten
Staaten und die grenzüberschreitenden Verkehrsverbindungen verbessert werden.

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Landesentwicklungsplan 2003
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Z 3.3.5
Zwischen den grenznahen Gebieten und den angrenzenden Gebieten der Republik
Polen und der Tschechischen Republik sowie der benachbarten Bundesländer sind
Planungen und Maßnahmen insbesondere zur Entwicklung der Wirtschaft, des Ver-
kehrs und zur Verbesserung des Umweltschutzes abzustimmen und - soweit möglich -
gemeinsam umzusetzen.
Z 3.3.6
Regionale Entwicklungsprogramme für die grenznahen Gebiete sind unter Beachtung
der rechtlichen Möglichkeiten so zu gestalten, dass deren Umsetzung über die
Staats-, Landes- und EU-Außengrenze möglich ist.
Z 3.3.7
In den Bergbaufolgelandschaften des Braunkohlenbergbaus in den Planungsregionen
Westsachsen und Oberlausitz-Niederschlesien sind im Zuge der Wiedernutzbarma-
chung des aktiven Bergbaus und der Sanierung stillgelegter Tagebaue vielfältig nutz-
bare, attraktive und weitestgehend nachsorgefreie Bergbaufolgelandschaften bei Ge-
währleistung der öffentlichen Sicherheit herzustellen. In den Bergbaufolgelandschaf-
ten sind dazu ganzheitliche, restseen- und länderübergreifende, regional abgestimmte
und gemeinsam getragene Entwicklungsstrategien zu erarbeiten und umzusetzen.
Diese Gebiete sind in den Regionalplänen räumlich zu konkretisieren.
Z 3.3.8
In den Bergbaufolgelandschaften des ehemaligen Uranerzbergbaus, des sonstigen
Erzbergbaus und des Steinkohlebergbaus sollen ganzheitliche Entwicklungsstrate-
gien erarbeitet und Sanierungsmaßnahmen so durchgeführt werden, dass bergbau-
bedingte Nutzungseinschränkungen begrenzt werden. Diese Gebiete sind in den
Regionalplänen räumlich zu konkretisieren.
G 3.3.9
Die allgemeine Zugänglichkeit der im Zuge der Bergbausanierung neu entstehenden
Landschaften und insbesondere der Gewässer soll gewährleistet werden.
Begründung zu 3.3 Räume mit besonderem landesplanerischem Handlungsbedarf
zu Ziel 3.3.1 und Ziel 3.3.2
Die in der Karte 5 ausgewiesenen Räume sind Festlegungen nach § 3 Abs. 2 Ziff. 3 SächsLPlG und ge-
ben keine temporären Entwicklungs- oder Aktionsräume wieder. In den Räumen mit besonderem landes-
planerischem Handlungsbedarf sind die Entwicklungsaktivitäten vorrangig auf den Abbau von strukturellen
Defiziten, die Vernetzung der vorhandenen Potenziale, den Aufbau von regionalen Wertschöpfungsketten,
die Erschließung von Synergieeffekten sowie die Mobilisierung der Eigenkräfte auszurichten. Dabei sind
der jeweilige Grad und die Ursache der entwicklungs- und lagebedingten Nachteile zu beachten.
Zur Forcierung der regionalen Entwicklung sind unter Einbeziehung der Regionalplanung verstärkt Instru-
mentarien der Regionalentwicklung, insbesondere die informellen Planungs- und Umsetzungsinstrumente
zur Behebung der strukturellen Defizite, von besonderer Bedeutung und zur Anwendung zu bringen (vgl.
auch Begründung zu Kap. 3.1). Ein gebündelter Fördermitteleinsatz ist anzustreben.
zu Grundsatz 3.3.3 bis Ziel 3.3.6
Im Hinblick auf die EU-Erweiterung hat der Freistaat Sachsen im besonderen Maße strukturelle Schwä-
chen in den Grenzregionen zu den zukünftigen EU-Mitgliedsstaaten Republik Polen und Tschechische
Republik zu überwinden. Die grenznahen Gebiete nehmen fast die Hälfte der sächsischen Landesfläche
ein. Die Erweiterung der Europäischen Union hat somit einen hohen regionalpolitischen Stellenwert. Im
Erweiterungsprozess sind längerfristig gesamtwirtschaftliche Vorteile zu erwarten. Die geographische
Lage Sachsens eröffnet für die Entwicklung des Freistaats und seiner Regionen neue Perspektiven. Die
Chancen, neue wirtschaftliche, politische und kulturelle Beziehungen zu knüpfen und alte wieder aufleben
zu lassen, können jedoch nur gemeinsam mit allen Beteiligten genutzt werden. Es besteht daher die Not-
wendigkeit, verstärkt auf allen regionalen und lokalen Ebenen grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten.

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Insbesondere in der Lausitz kann das sorbische Volk auf Grund des kulturellen Kontexts eine
Brückenfunktion im Prozess des Zusammenwachsens in Europa übernehmen. Der Beitritt der Republik
Polen und der Tschechischen Republik erfordert Anpassungen in allen Bereichen des gesellschaftlichen
Lebens. Verstärkt kommt es darauf an, in den grenznahen Gebieten über die Chancen der Erweiterung zu
informieren und die Kommunen bei ihren grenzüberschreitenden Aktivitäten sowie beim Abbau ihrer
lagebedingten Nachteile zu unterstützen. Dabei bilden regionale und kommunale Partnerschaften, wie
beispielsweise die institutionellen Netzwerke der Euroregionen, eine wichtige Vermittlerrolle. Von
besonderer Bedeutung ist die Abstimmung von regionalen Strategien und konkreten Planungen und
Maßnahmen (vgl. Kap. 3.1).
zu Ziel 3.3.7 bis Grundsatz 3.3.9
Die zielorientierte Nutzbarmachung der durch den Braunkohlenbergbau in Anspruch genommenen Flä-
chen und die Gewährleistung ihrer gefahrlosen Folgenutzung in Verbindung mit der Wiederherstellung
eines ausgeglichenen Wasserhaushalts sind entscheidende Grundlagen für die Aufwertung der Lebens-
räume und die Verbesserung der Umweltsituation. Dazu gehören u. a. die Wiederherstellung der Ver-
kehrsinfrastruktur und der Ortsverbindungen (auch der Rad-, Wander- und Reitwege) und die Sanierung
der Siedlungsrandbereiche.
Die Gebiete des Uranerzbergbaus, des sonstigen Erzbergbaus sowie des Steinkohlebergbaus sind ge-
kennzeichnet durch eine räumlich differenzierte dauerhafte Störung der natürlichen Morphologie in Form
von Hohlformen, Bruchzonen und Kippen. Weitere negative Umweltveränderungen haben sich durch die
Ablagerung von Aufbereitungsrückständen, die Ableitung von Bergbau- und Aufbereitungsabwässern
sowie infolge schwermetallhaltiger Immissionen eingestellt. Der Grad der Betroffenheit und Belastung der
Gebiete ist unterschiedlich. Zum Teil unterliegen die Gebiete auf noch nicht absehbare Zeit differenzierten
Nutzungsbeschränkungen.
Im Ergebnis der Bergbau-, insbesondere der Braunkohlenbergbausanierung, entstehen vielfach neue,
großflächige Land- und Wasserflächen, deren Einbindung in die umgebende Landschaft und den
Gebietswasserhaushalt regional- und landesplanerisch zu begleiten ist. Letztendlich resultieren auch aus
der schrittweisen Erschließung der Seen für touristische aber auch naturschutzfachliche und
fischereiwirtschaftliche Zwecke Aufgabenfelder, die einer planerischen Steuerung auf regionaler,
zunehmend auch auf überregionaler, d. h. auch länder- und staatenübergreifender, Ebene bedürfen. Bei
länderübergreifenden Tagebaubereichen besteht ein raumplanerisches Grundanliegen darin, trotz
unterschiedlicher Gesetze und Verwaltungsstrukturen in den jeweiligen Nachbarländern über die bloße
Vermeidung von Planungsbrüchen im Bereich der Landesgrenzen hinaus aktive und am Gemeinwohl
orientierte Entwicklungen neuer Wasserlandschaften zu befördern (z. B. Haselbach und Goitsche-Seen in
Mitteldeutschland, Restlochkette Sedlitz-Skado-Koschen in der Lausitz). Die Kommunen sind bei der
Erschließung attraktiver Entwicklungsmöglichkeiten, die in den Bergbaufolgelandschaften des Braun-
kohlenbergbaus insbesondere in der zukünftig entstehenden Gewässerlandschaft liegen, in geeigneter
Form zu unterstützen. Die Bündelung von Planungskompetenzen und Entwicklungsaufgaben in Planungs-
und Zweckverbänden und der Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit bei einer ganzheitlichen
Entwicklung von Bergbaufolgelandschaften sind anzustreben.
Die Verfügbarkeit neu geschaffener Land- und Wasserflächen für die breite Öffentlichkeit (Gemein-
gebrauch) bildet ein wichtiges Anliegen der Raumordnung. Der oft jahrzehntelange Entzug von Abbau-
flächen bis zum Abschluss ihrer Wiedernutzbarmachung kann nur kompensiert werden, wenn für die
Allgemeinheit eine Teilhabe an den neu geschaffenen Landschaften in Form von Zugängen und Nut-
zungsmöglichkeiten gegeben ist. Angesichts der entstehenden Wasserflächen und struktureller Ähnlich-
keiten vieler touristischer Entwicklungsansätze sind bei der Planung und Bewirtschaftung von
„Freizeitseen“ die Aspekte Einzugsgebiete (potenzielles Besucheraufkommen, Erreichbarkeit), Markt-
kenntnis (Nachfragesituation, Kaufkraft), Angebotsbreite (Zielgruppen, Variabilität), regionale Wechselwir-
kungen und Alleinstellungsmerkmale bei einer Minimierung von Nutzungskonflikten erfolgsentscheidend.
Mit der Etablierung großräumiger „neuer Wasserlandschaften“ gewinnen restsee- und länderübergrei-
fende Betrachtungen zunehmend an Bedeutung, um Parallelplanungen in den jeweiligen Bergbaufolge-
landschaften und daraus resultierenden Überkapazitäten vorzubeugen (vgl. auch Kap. 8).

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Landesentwicklungsplan 2003
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Fachliche Ziele und Grundsätze der Raumordnung
4 Schutz, Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft
Karte:
In Karte 6 sind die großflächigen unzerschnittenen störungsarmen Räume im Freistaat Sachsen aus-
gewiesen (Grundsatz).
Hinweis:
Die fachplanerischen Inhalte des Landschaftsprogramms, die nicht zur Koordinierung von Raum-
ansprüchen erforderlich oder geeignet sind und die somit nicht durch Ziele und Grundsätze der
Raumordnung gesichert werden können, sind dem LEP gem. § 5 Abs. 2 SächsNatSchG als Anhang
A 3 beigefügt.
G 4.1
Die Naturgüter Boden, Wasser, Klima, Luft, die Pflanzen- und Tierwelt in ihrer regio-
nalen Ausprägung und Differenzierung sowie das spezifische Erscheinungsbild der
naturräumlich geprägten, historisch gewachsenen Kulturlandschaft sind dauerhaft zu
schützen, zu pflegen und zu entwickeln. Dazu ist die Inanspruchnahme von Frei-
räumen für Verkehrswege, Siedlungen, Infrastruktur und, soweit möglich für Roh-
stoffabbau, durch Konzentration, räumliche und zeitliche Bündelung, Ausbau vor
Neubau sowie Wiedernutzung von Brachflächen zu minimieren und sind Schädi-
gungen durch nicht umweltgerechte Nutzung zu vermeiden.
G 4.2
Die in Karte 6 als Grundsatz ausgewiesenen großflächigen unzerschnittenen stö-
rungsarmen Räume > 40 km² sollen in ihrer Bedeutung für den Arten- und Biotop-
schutz, den Wasserhaushalt, die landschaftsbezogene Erholung sowie als klima-
tischer Ausgleichsraum bewahrt und vor Zerschneidung geschützt werden.
Begründung zu 4 Schutz, Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft
zu Grundsatz 4.1
Die Naturgüter Boden, Wasser, Klima, Luft sowie die Pflanzen- und Tierwelt sind die Grundbausteine
jedes Ökosystems. Sie sind weder beliebig regenerierbar noch vermehrbar. Daher ist die Erhaltung und
Verbesserung der Naturgüter und damit auch der Regulationsfähigkeit der Ökosysteme die unabdingbare
Grundlage für eine nachhaltige Nutzungsmöglichkeit des Raums durch den Menschen. Aufgabe der
Raumordnung ist es daher sicherzustellen, dass raumbedeutsame Planungen und Maßnahmen den
Naturhaushalt nicht derartig verändern, dass es zu schädlichen, gegebenenfalls nicht mehr umkehrbaren
Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen kommt.
zu Grundsatz 4.2
Großflächige unzerschnittene störungsarme Räume (USR) sind Räume außerhalb intensiv genutzter
Verkehrs- und Siedlungsbereiche, die nicht von störungsintensiven Korridoren linienhafter Elemente wie
übergeordneten Straßen mit einer durchschnittlichen täglichen Verkehrsmenge von mehr als 2 000 Fahr-
zeugen und von zweigleisigen Bahnlinien durchschnitten werden. Störungswirkungen ergeben sich u. a.
aus Barriere-, Kollisions- oder Emissionseffekten dieser Korridore. Durch die starke Inanspruchnahme von
Freiräumen für Verkehrswege, Siedlungen, Infrastruktur etc. gibt es gegenwärtig im Freistaat Sachsen nur
noch 31 solcher Räume mit einer Gesamtfläche von 2181 km² (11,8 % der Fläche des Freistaats
Sachsen). Ihre relative Störungsarmut macht sie besonders bedeutsam für störungsempfindliche bzw. für
wandernde Tierarten mit großräumigen Biotopansprüchen. Hier befinden sich oftmals Rückzugsgebiete
von bedrohten Tieren und Pflanzen, die ansonsten in kleinteiligeren Räumen keine Überlebenschance
haben. Des Weiteren dienen diese Räume auf Grund ihrer Ausdehnung, ihrer geringen Lärmbelastung
und der guten lufthygienischen Bedingungen der landschaftsbezogenen Erholung. Durch die geringe
Versiegelung stellen sie auch wichtige Retentionsräume für den Wasserhaushalt dar.

Landesentwicklungsplan 2003
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Aktive und stillgelegte Tagebauflächen sind auf Grund der Abbautätigkeit gestört, wurden aber dennoch
wegen ihrer Großflächigkeit und dem Fehlen von Straßen als USR eingestuft, um Entwicklungsoptionen
im Sinne landschaftsbezogener Erholungspotenziale oder für den Aufbau ökologischer Verbundsysteme
für die Zeit nach dem Bergbau aufzuzeigen.
Großflächige unzerschnittene Räume finden ihre Fortsetzung in den Kammlagen des Erzgebirges nach
Tschechien und auch in geringerem Umfang im Bereich der Dübener Heide nach Sachsen-Anhalt. Für
Gebiete außerhalb Sachsens stehen die zur Anwendung der einheitlichen Ermittlungsmethodik erforder-
lichen Daten nicht zur Verfügung. Grenzüberschreitende USR, deren Teilflächen auf sächsischem Gebiet
weniger als 40 km² betragen, können daher in der Karte nicht dargestellt werden.
Die großflächig unzerschnittenen störungsarmen Räume
sind insbesondere bei der Verkehrswegeplanung
oder beim Ausbau von Siedlungen im Rahmen der Abwägung zu berücksichtigen. Der Grundsatz findet
keine Anwendung für Einzelmaßnahmen, die keine zerschneidende Wirkung im Sinne der Definition
(siehe Satz 1 der Begründung) entfalten (z. B. einzelne Sport- und Erholungsanlagen, Waldwege, Rad-
wege, untergeordnete Straßen mit geringer täglicher Verkehrsmenge etc.).
4.1 Schutz der Landschaft
Landschaftsentwicklung und -sanierung
Z 4.1.1
Naturnahe Fließgewässerauen und -landschaften sowie ökologisch wertvolle Ufer-
bereiche von Standgewässern sollen von jeglicher Bebauung und Verbauung frei-
gehalten werden.
Z 4.1.2
Naturnahe Fließgewässer sollen in ihren Biotopfunktionen erhalten werden und ein-
schließlich ihrer Ufer- und Auenbereiche zu naturnahen Landschaftsräumen entwi-
ckelt werden. Notwendige Maßnahmen des Gewässerbaus und der Gewässerunterhal-
tung sind so zu planen und durchzuführen, dass sie die Lebensraumfunktionen des
jeweiligen Fließgewässers und seiner Auen in ihrer Gesamtheit nicht beeinträchtigen.
G 4.1.3
Die Nutzungsansprüche an die Landschaft sollen mit der Nutzungsfähigkeit der Natur-
güter so abgestimmt werden, dass die Landnutzung die Leistungs- und Funktionsfä-
higkeit des Naturhaushalts nachhaltig gewährleistet. Bereiche der Landschaft, in de-
nen eines oder mehrere der Schutzgüter Boden, Wasser, Klima, Luft, Pflanzen- und
Tierwelt sowie Landschaftsbild durch Nutzungsart oder Nutzungsintensität erheblich
beeinträchtigt oder auf Grund ihrer besonderen Empfindlichkeit gefährdet sind, sollen
wieder hergestellt bzw. durch besondere Anforderungen an die Nutzung geschützt
werden.
Z 4.1.4
In den Regionalplänen sind Gebiete mit erheblichen Beeinträchtigungen des Natur-
haushalts als „Sanierungsbedürftige Bereiche der Landschaft“ unter Berücksichti-
gung der in der Begründung genannten Kriterien auszuweisen und Festlegungen zur
Art der Sanierung zu treffen.
Soweit erforderlich, sind Gebiete, in denen auf Grund der besonderen Empfindlichkeit
eines oder mehrerer Schutzgüter ein hohes Gefährdungsrisiko besteht, als „Bereiche
der Landschaft mit besonderen Nutzungsanforderungen“ gemäß den in der Begrün-
dung genannten Kriterien auszuweisen und Festlegungen zu Art und Umfang der Nut-
zungen zu treffen.

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Landesentwicklungsplan 2003
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Z 4.1.5
In den Regionalplänen sollen auf der Grundlage von Flächenpoolkonzeptionen Ge-
biete festgelegt werden, in denen unvermeidbare Beeinträchtigungen der Leistungs-
fähigkeit des Naturhaushalts oder des Landschaftsbilds, insbesondere bei Eingriffen
von überörtlicher Bedeutung, an anderer Stelle als am Ort des Eingriffs ausgeglichen
oder ersetzt werden können.
Schutzgebiete
Hinweis: Ausgewählte Schutzgebietskategorien im Freistaat Sachsen und gemeldete Gebiete des
Europäischen ökologischen Netzes „NATURA 2000“ werden in Anhang A 3 „Fachplanerische Inhalte
des Landschaftsprogramms“ dargestellt (Karte A 3.1).
Z 4.1.6
Die Nationalparkregion „Sächsische Schweiz“ - bestehend aus dem Nationalpark und
dem Landschaftsschutzgebiet - soll naturräumlich einheitlich, aber hinsichtlich des
Schutzzwecks abgestuft zu einem international anerkannten Großschutzgebiet ent-
wickelt werden. Mit dem Nationalpark und dem Landschaftsschutzgebiet „Sächsische
Schweiz“ sollen auf sächsischer Seite die Voraussetzungen geschaffen werden für
eine mit den angrenzenden tschechischen Schutzgebieten Nationalpark „Böhmische
Schweiz“ und Landschaftsschutzgebiet „Elbsandsteingebirge“ abgestimmte, grenz-
überschreitende Pflege und Entwicklung der Sächsisch-Böhmischen-Schweiz. Das
Landschaftsschutzgebiet soll außerdem Puffer-, Vernetzungs- und Ergänzungsfunk-
tionen für den Nationalpark übernehmen.
Z 4.1.7
Das UNESCO-Biosphärenreservat „Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“ ist mit
der schrittweisen Umsetzung der im Rahmenkonzept formulierten Qualitätsziele für
umweltverträgliches Wirtschaften als Modellregion nachhaltiger Landnutzung und
regionaler Vermarktungsstrategien weiterzuentwickeln.
Die wertvolle Kulturlandschaft des Gebietes mit ihrer mannigfaltigen Flora und Fauna
soll erhalten, entwickelt und weiter in einem international anerkannten Groß-
schutzgebiet repräsentiert werden.
Landschaftsbild und Landschaftserleben
G 4.1.8
Kulturlandschaften und Landschaftselemente von besonderer Vielfalt, Eigenart und
Schönheit, erhaltene Relikte historischer Kulturlandschaften und Bereiche mit beson-
derem archäologischem Potenzial sowie geowissenschaftlich bedeutende Objekte
und Landschaftsformen (Geotope) sollen gesichert und landschaftsgerecht entwickelt
werden.
Hinweis:
Auf Grund von Ziel III 2.2.8 i. V. m. Ziel III 2.2.5 Landesentwicklungsplan 1994 (landschaftsprägende
Höhenrücken, Kuppen und Hanglagen) getroffene Ausweisungen in den Regionalplänen bleiben vom
Wegfall dieser Ziele im LEP 2003 unberührt. Der LEP 2003 erzeugt Anpassungspflichten für nach-
geordnete Planungen. Er führt jedoch nicht automatisch dazu, dass Festlegungen in den Regional-
plänen ungültig werden. Diese bleiben bis zu einer Fortschreibung der Regionalpläne gültig.
Z 4.1.9
In den Regionalplänen sind unter Berücksichtigung der in der Begründung genannten
Kriterien als Vorrang- und Vorbehaltsgebiete Natur und Landschaft (Landschaftsbild/
Landschaftserleben) bzw. „Bereiche der Landschaft mit besonderer Nutzungsanfor-
derung“ auszuweisen:
Gebiete von hohem landschaftsästhetischem Wert und/oder hoher naturräum-
licher Strukturvielfalt und
Gebiete mit mindestens regionaler Bedeutung für die naturnahe Erholung.
G 4.1.10 Die für Sachsen typischen Baumbestände entlang von Straßen, Wegen und Ge-
wässern sollen erhalten oder wieder hergestellt werden.

Landesentwicklungsplan 2003
37
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Begründung zu 4.1 Schutz der Landschaft
zu Ziel 4.1.1
Auenbereiche im eigentlichen Sinne (Bereich der natürlich größten Hochwassergrenze innerhalb und
außerhalb des eingedeichten Bereiches mit direktem Grundwassereinfluss) sind Träger wichtiger ökolo-
gischer Funktionen. Diese drücken sich in komplexen Wechselbeziehungen zwischen dem jeweiligen
Fließgewässer und seiner Aue aus. Sie fungieren insbesondere als Entwässerungssysteme, in denen sich
ein Gleichgewicht zwischen oberirdischem Wasserabfluss, Boden-/Grundwasserhaushalt, Wasserreten-
tion in der Fläche und der Fließgewässerdynamik eingestellt hat. Darüber hinaus beherbergen sie die
artenreichsten Lebensräume. Das hohe Artenpotenzial resultiert aus den vielfältigen Wechselbeziehungen
zwischen aquatischen, amphibischen und terrestrischen Lebensgemeinschaften und der Funktion der
Fließgewässer und Auen als Wander- und Ausbreitungskorridor. Kriterien dafür, wann Fließgewässerauen
und -landschaften als naturnah bezeichnet werden können, sind im fachplanerischen Inhalt des Land-
schaftsprogramms (Anhang 3) aufgeführt. Die kartographische Darstellung der Auenbereiche kann je
nach Maßstab auf der Ebene der Landschaftsrahmenplanung oder der kommunalen Landschaftsplanung
erfolgen.
Eine Flussaue oder Flusslandschaft ist auch dann noch naturnah, wenn zwar einzelne Bebauungen und
Verbauungen vorhanden, Charakter und Funktion aber insgesamt nicht gestört sind.
Zu den ökologisch wertvollen Uferbereichen von Standgewässern gehören die Flachwasserzonen,
Verlandungsbereiche und grundwasserbeeinflussten Uferzonen der Gewässer, die in der Regel ebenfalls
ein hohes Artenpotenzial aufweisen. Sie sind u. a. Laichplätze für Fische und Amphibien sowie Nahrungs-
und Brutbiotope von Wasservögeln. Die Uferbereiche sind dann ökologisch wertvoll, wenn keine solche
Uferbefestigung oder -verbauung erfolgte, die die natürlichen Funktionen wesentlich beeinträchtigt.
Die Freihaltung dieser Bereiche vor Be- und Verbauung dient einerseits dem Schutz der störungs-
empfindlichen Fließgewässerfunktionen. Andererseits ist darauf hinzuweisen, dass die zu schützenden
Auenbereiche in der Regel hochwassergefährdete Gebiete sind, in denen siedlungsbedingte Bebauungen
aus Gründen des Hochwasserschutzes zu untersagen sind (siehe auch Kap. 4.3). Die Begriffe Bebauung
und Verbauung sind weit auszulegen, d. h. neben baulichen Anlagen der Wohn- und Gewerbebebauung
gehören hierzu auch Verkehrsbauten und andere bauliche Anlagen der technischen Infrastruktur (z. B.
Zeltplätze, Kleingartenanlagen, bergbauliche Vorhaben, Maste). Das Ziel kann solchen Vorhaben nicht
entgegengehalten werden, die typischerweise unter Beachtung fachplanerischer Vorgaben in Flussauen
oder Flusslandschaften ihren Standort haben (z. B. Anlegestege, Pegel, Brückenpfeiler, ggf. Kläranlagen).
zu Ziel 4.1.2
Naturnahe Fließstrecken sind besonders schützenswerte und selten gewordene Bereiche, die noch eine
typische Arten- und Biotopvielfalt aufweisen. Dazu gehören in besonderer Weise auch die Ufer- und Auen-
bereiche in ihrer Funktion als ökologische Ausgleichszonen. Jedes Fließgewässer ist von der Quelle bis
zur Mündung als ökologische Einheit zu betrachten, da zwischen den einzelnen Gewässerabschnitten ein
ständiger Stoff- und Individuenaustausch stattfindet. Die einzelnen Fließgewässerabschnitte beherbergen
eine Fülle unterschiedlich angepasster Kleinlebensräume, die auf Grund der jeweilig unterschiedlichen
Fließgeschwindigkeit, der wechselnden Wassertiefe, des unterschiedlichen Substrats, wechselnder Be-
schattungs- und Temperatursituationen sehr vielfältige, abschnittsspezifische Tier- und Pflanzengemein-
schaften bilden. Die spezifischen Tier- und Pflanzenarten einschließlich ihrer Lebensgemeinschaften und
ihres genetischen Potenzials bedürfen einer nachhaltigen Sicherung und daher dem vorrangigen Schutz
vor Beeinträchtigungen noch naturnaher Fließgewässerabschnitte und ihrer Auenbereiche.
Zur Schaffung eines ökologisch leistungsfähigen Fließgewässersystems sind Teilabschnitte der Fließ-
gewässer mit ihren Nebenbächen unter Berücksichtigung der Anforderungen des Hochwasserschutzes
möglichst naturnah zu entwickeln. Diese Renaturierungen bewirken insbesondere eine Verbesserung der
Gewässergüte, die Erhaltung bzw. Rückführung der natürlichen Fließdynamik einschließlich periodischer

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Landesentwicklungsplan 2003
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Hochwässer, die Erhaltung, Sicherung und Entwicklung von Mäandern, Prallhängen und Flachwasser-
zonen, natürlichen Vegetationsbeständen und Uferstreifen mit extensiver Nutzung.
In den Flussauen kommen neben den eigentlichen Fließgewässerlebensräumen und periodisch
trockenfallenden Bereichen (z. B. Kies-, Schotter- und Schlammflächen) Altwässer mit spezifischer
Gewässer- und Verlandungsvegetation vor, oft eng benachbart mit Auenwald-Lebensgemeinschaften und
Trockenstandorten. Diese besonders idealen Biotopabfolgen erfüllen wesentliche Funktionen im
Naturhaushalt (z. B. Lebensraumfunktion, Wasserspeicherfunktion). Bei der Durchführung
wasserbaulicher Maßnahmen ist deshalb darauf zu achten, dass diese naturhaushaltlichen Funktionen
der Fließgewässer, ihre Bedeutung als Lebensräume sowie das charakteristische Landschaftsbild der
Auen nicht weiter beeinträchtigt, sondern verbessert werden. Bei der Gewässerunterhaltung ist durch die
Wahl der Unterhaltungsmaßnahmen und eines geeigneten Unterhaltungszeitpunkts darauf zu achten,
dass das natürliche Wasserregime und die Lebensraumfunktion der Fließgewässer durch maßnahme-
bedingte Veränderungen oder Verlust von Lebensräumen, Störungen des Brutverhaltens der in und am
Wasser lebenden Vögel oder der Laichhabitate von Fischen u. ä. nicht beeinträchtigt werden.
zu Grundsatz 4.1.3 und Ziel 4.1.4
Bei „Sanierungsbedürftigen Bereichen der Landschaft“ handelt es sich um Gebiete, in denen eines oder
mehrere Schutzgüter wie Boden, Wasser, Klima, Luft, Pflanzen- und Tierwelt sowie Landschaftsbild
erheblich beeinträchtigt sind. „Bereiche der Landschaft mit besonderen Nutzungsanforderungen“ sind Ge-
biete, in denen auf Grund besonderer naturräumlicher Empfindlichkeiten und den daraus resultierenden
Gefährdungsrisiken besondere Anforderungen an Nutzungs- und Bewirtschaftungsformen gestellt werden
müssen, um die Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts zu gewährleisten.
Als „Sanierungsbedürftige Bereiche der Landschaft“ kommen insbesondere in Betracht:
Waldschadensgebiete,
Bereiche mit Schadstoffanreicherung (Boden, Grundwasser einschließlich Grundwasserwieder-
anstiegsbereiche),
sanierungsbedürftige oberirdische Gewässer,
ausgeräumte Landschaften bzw. monostrukturelle Bereiche mit geringer Biotop- und Artenvielfalt,
Gebiete mit hoher Erosionsrate,
lufthygienisch belastete Gebiete,
Gebiete mit großflächigem Rohstoffabbau.
Als „Bereiche der Landschaft mit besonderen Nutzungsanforderungen“ kommen insbesondere in Betracht:
Gebiete mit Erosionsgefährdung,
für Schadstoffverlagerung oder Versauerung besonders gefährdete Bereiche,
Bereiche mit besonderen Anforderungen an den Grundwasserschutz, z. B. durch fehlende geolo-
gische Schutzfunktion,
Gebiete, in denen durch Einstellung der bergbaubedingten Grundwasserabsenkung ein Grund-
wasserwiederanstieg bis 1 m unter Geländeoberkante oder höher zu erwarten ist,
Hochwasserentstehungsgebiete,
Gebiete nach Ziel 4.1.9.
Mit dem landesplanerischen Auftrag an die Regionalplanung zur Ausweisung dieser Gebiete wird § 7
Abs. 2 Nr. 2 c ROG Rechnung getragen. Im Gegensatz zu den Vorranggebieten, die sämtliche dem fest-
gelegten Schutzzweck entgegenstehenden Nutzungen ausschließen, handelt es sich hier um einen akti-
onsorientierten Ansatz für die Regionalentwicklung. Die Ausweisung von „Sanierungsbedürftigen Berei-
chen der Landschaft“ und von „Bereichen der Landschaft mit besonderen Nutzungsanforderungen“ bietet
eine gute Voraussetzung für die Planung und Durchführung von konkreten Maßnahmen zur Sanierung
und Entwicklung von Gebieten mit bestehenden Beeinträchtigungen bzw. Gefährdungsrisiken von Schutz-
gütern. Daher sollten in den Regionalplänen neben den Ausweisungen dieser Gebiete auch Festlegungen
zur Art der notwendigen Sanierung sowie zu Art und Umfang/Intensität bzw. Beschränkung der Nutzung

Landesentwicklungsplan 2003
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getroffen werden. Die Umsetzung dieser Festlegungen sollte insbesondere im Rahmen der Regionalent-
wicklung unter Einbeziehung der betroffenen Grundstückseigentümer und Nutzungsberechtigten erfolgen.
Eine Überlagerung dieser Gebiete mit Vorrang- und Vorbehaltsgebieten sowie regionalen Grünzügen und
Grünzäsuren ist möglich, soweit deren Zweckbestimmungen mit den Festlegungen zur Sanierung oder
den besonderen Nutzungsanforderungen vereinbar sind.
zu Ziel 4.1.5
Gemäß § 3 Abs. 2 Nr. 2c und § 4 Abs. 3 Nr. 2c SächsLPlG können im LEP und in den Regionalplänen
Bereiche festgelegt werden, in denen unvermeidbare erhebliche Beeinträchtigungen der Leistungs-
fähigkeit des Naturhaushalts oder des Landschaftsbilds an anderer Stelle kompensiert werden können. Da
zumindest ein regionaler Zusammenhang zwischen Eingriff und Kompensationsmaßnahme erhalten
bleiben soll, wird auf der landesweiten Ebene auf die Ausweisung derartiger Bereiche verzichtet und diese
Aufgabe der Regionalplanung übertragen. Die Festlegung derartiger Bereiche durch die Regionalplanung
stellt ein Angebot dar, sofern geeignete Kompensationsmaßnahmen nicht in räumlicher Nähe zu den
Eingriffen (insbesondere im betroffenen Gemeindegebiet) durchgeführt werden können. Der Ausgleich im
Rahmen der kommunalen Bauleitplanung bleibt also unberührt.
Bei der Festlegung von Bereichen für Kompensationsmaßnahmen in den Regionalplänen sollen die für die
einzelnen Planungsregionen erarbeiteten Flächenpoolkonzeptionen sowie die Kern- und Verbindungs-
flächen des Biotopverbunds (vgl. Kapitel Arten- und Biotopschutz) als Suchräume zu Grunde gelegt
werden. Insbesondere sollen auch flächenverbrauchende Eingriffe in Natur und Landschaft durch
Entsiegelungsmaßnahmen oder Bachoffenlegungen und -renaturierungen ausgeglichen werden. Prioritäre
Maßnahmen sollen in den Regional- bzw. Landschaftsrahmenplan aufgenommen werden.
Es bietet sich an, die Bereiche für Kompensationsmaßnahmen in den Regionalplänen mit Vorrang- und
Vorbehaltsgebieten für Natur und Landschaft bzw. „Sanierungsbedürftigen Bereichen der Landschaft“
gemäß Ziel 4.1.4 zu koppeln.
zu Ziel 4.1.6
Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist als das einzige Großschutzgebiet dieser hochwertigen Schutz-
kategorie auf sächsischem Territorium von besonderer landesweiter Bedeutung. Die Nationalparkregion,
die von Nationalpark und umgebendem Landschaftsschutzgebiet gebildet wird, repräsentiert die einzig-
artige Erosionslandschaft des Elbsandsteingebirges einschließlich seiner Übergangslagen. Die heraus-
ragende Bedeutung des Gebietes ergibt sich aus seiner naturräumlichen Vielfalt, Eigenart und Schönheit
sowie der außergewöhnlich reichen Ausstattung mit gefährdeten und besonders geschützten Arten und
Biotopen. Die Nationalparkregion ist weit über die Landesgrenzen hinaus als bedeutendes Fremden-
verkehrsgebiet für naturliebende Erholungssuchende bekannt. Das Landschaftsschutzgebiet übernimmt
gegenüber dem Nationalpark wichtige Zusatzfunktionen. Die Vernetzung und Ergänzung von naturraum-
typischen Lebensräumen in dem den Nationalpark umgebenden Landschaftsschutzgebiet dient dazu, eine
hohe Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts dauerhaft zu gewährleisten, Verbindungskorridore zwischen
beiden Nationalparkteilen zu sichern und das Landschaftsbild zu erhalten. Das Landschaftsschutzgebiet
soll auch dazu beitragen, Störwirkungen in den Nationalparks soweit wie möglich zu minimieren. Die
einheitliche, wenn auch hinsichtlich des Schutzzweckes abgestufte Entwicklung der Nationalparkregion ist
unabdingbare Voraussetzung für den Erhalt der sensiblen Ökosysteme und des besonderen Landschafts-
charakters der Sächsischen Schweiz. Die landesplanerische Zielsetzung besteht darin, die Gesamt-
landschaft in Abstimmung mit den angrenzenden tschechischen Schutzgebieten Nationalpark „Böhmische
Schweiz“ und Landschaftsschutzgebiet „Elbsandsteingebirge“ entsprechend der Management-Kategorie II
(Nationalpark) und der Kategorie V (Landschaftsschutzgebiet) nach den Richtlinien der International Union
for the Conservation of Nature and Natural Ressources zu pflegen und zu entwickeln.

40
Landesentwicklungsplan 2003
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zu Ziel 4.1.7
Biosphärenreservate repräsentieren eine wertvolle Kulturlandschaft mit vielfältiger und reichhaltiger
Biotopausstattung. Der Begriff des Biosphärenreservates beinhaltet sowohl die Erhaltung der durch die
Verbindung von Natur- und Kulturelementen entstandenen außerordentlich wertvollen Flora und Fauna als
auch das beispielhafte Vorhandensein naturverträglicher nachhaltiger Landnutzung in Verbindung mit
traditionsbezogenen kulturellen Lebensweisen. Die Entwicklung des Biosphärenreservates orientiert sich
an den Grundsätzen des UNESCO-Programms „Man and the Biosphere“ (MAB), den dazu formulierten
Kriterien der auf nationaler Ebene von den Regierungen berufenen Nationalkomitees und der dem
Gebietscharakter entsprechenden Landnutzung als Voraussetzung für die Erhaltung der Naturgüter, der
Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts sowie der kulturellen Eigenart des Raums.
Wesentliche Grundlagen nachhaltiger Entwicklung sind die Belastungsgrenzen des Naturhaushalts, die
Berücksichtigung des zeitlichen Anpassungsbedarfes natürlicher Systeme und der immer effizientere Um-
gang mit endlichen Ressourcen. Planungen und Maßnahmen für ein Gebiet müssen sich deshalb daran
orientieren, wie belastbar die Region ist, gemessen an der Fähigkeit auf der Zeitachse unbegrenzt natur-
haushaltliche Gratisleistungen zu erbringen. Dieser Ansatz wird für das Biosphärenreservat in einem Rah-
menkonzept für alle Wirtschafts- und Lebensbereiche formuliert. Es werden die Ziele, Leitbilder und Wege
zur weiteren Entwicklung des Biosphärenreservates bestimmt und räumlich konkretisiert. Das Rahmen-
konzept zeichnet eine Entwicklungsstrategie, welche die soziokulturellen, wirtschaftlichen und ökolo-
gischen Erfordernisse im Gebiet in Einklang bringen will. Es stellt damit den Leitfaden für die Planung im
Gebiet dar. Die darin formulierten Qualitätsziele für das Biosphärenreservat, sind in der weiteren Planung
konkret zu untersetzen und schrittweise umzusetzen. Damit ist das Ziel verbunden, an den Initiativen der
Vereinten Nationen innerhalb der dazu gegründeten Sonderorganisation für Erziehung, Wissenschaft und
Kultur (UNESCO) zur Entwicklung einer nachhaltigen Nutzung sowie der wirksamen Erhaltung der natür-
lichen Ressourcen der Biosphäre weiter aktiv teilzunehmen und sich den Kriterien für ein international
anerkanntes Biosphärenreservat zu stellen.
zu Grundsatz 4.1.8 und Ziel 4.1.9
Ein vielgestaltiges Erscheinungsbild der Landschaft (Landschaftsbild) trägt wesentlich zum Wohlbefinden
des Menschen und zur Ausbildung eines Heimatgefühls bei. Bei Planungen und Maßnahmen kommt
daher der Rücksichtnahme auf das Landschaftsbild, wie es insbesondere durch Oberflächengestaltung,
Landnutzung und charakteristische Landschaftselemente geprägt wird, Bedeutung zu.
Auf Grund der unterschiedlichen geomorphologischen Ausgangssituation findet sich in Sachsen eine Fülle
typischer Reliefformen, die in Verbindung mit den jeweiligen standorttypischen Vegetationsformen wie
auch landschaftstypischen Bauweisen das Landschaftsbild in den einzelnen Naturräumen prägen. Diese
landschaftsprägenden Gestaltungsfaktoren bilden unverwechselbare Charakteristika einer Landschaft. Die
landschaftliche Eigenart und Schönheit mancher Gebiete wird zudem maßgeblich durch überkommene
Relikte historischer Flur- und Bewirtschaftungsformen geprägt. Dies sind z. B. die Steinrückenland-
schaften des Erzgebirges, die Teichlandschaften und der Terrassenweinbau an den Elbhängen. Sie sind
Bestandteile der kulturellen Identität dieser Gebiete und haben in vielen Fällen eine besondere land-
schaftsästhetische Bedeutung. Auch bieten sie Lebensraum für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten.
Des Weiteren ist das archäologische Potenzial der Landschaft schützenswert. In vielen Teilen Sachsens
befinden sich Denkmäler im Boden, die Auskunft zur frühen Geschichte Sachsens geben können.
Geotope sind Bildungen der Erdgeschichte, die Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde oder des
Lebens vermitteln. Sie umfassen Aufschlüsse von Gesteinen, Böden, Mineralen und Fossilien sowie
einzelne Naturschöpfungen und natürliche Landesteile. Schutzwürdig sind diejenigen Geotope, die sich
durch ihre besondere erdgeschichtliche Bedeutung, Seltenheit, Eigenart oder Schönheit auszeichnen. Für
Wissenschaft, Forschung und Lehre sowie für Natur- und Heimatkunde sind sie Dokumente von beson-
derem Wert.
Gebiete mit landschaftlicher Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie mit bioklimatisch günstiger Lage und
kulturhistorisch interessante Gebiete bilden auch Schwerpunkte für die naturnahe Erholung.

Landesentwicklungsplan 2003
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Für eine Ausweisung als Vorgang- und Vorbehaltsgebiet Natur und Landschaft (Landschaftsbild/Land-
schaftserleben) bzw. als „Bereiche der Landschaft mit besonderen Nutzungsanforderungen“ gemäß Ziel
4.1.4 kommen insbesondere in Betracht:
Gebiete mit charakteristischem Relief, wie landschaftsprägende Höhenrücken, Kuppen und Hang-
lagen sowie landschaftsprägende G ewässer,
Gebiete mit besonderer Verbindung natürlicher charakteristischer Landschaftselemente und land-
schaftstypischer Bauweisen und/oder wertvoller Baustrukturen,
Gebiete mit besonderen Sichtbeziehungen und
Gebiete mit bioklimatisch günstiger Lage.
zu Grundsatz 4.1.10
Baumreihen, Alleen und andere Gehölzbestände entlang von Straßen, Wegen oder Gewässern erfüllen
wichtige Funktionen. Sie produzieren Sauerstoff, begünstigen Temperaturausgleich, filtern Stäube, puffern
Immissionen und sind Lebensräume für Flora und Fauna. Insbesondere entlang von Gewässern sind sie
auch von wesentlicher Bedeutung als Elemente des Biotopverbunds. Standortgerechte Gehölzbestände
an Ufern naturnaher Gewässer erfüllen eine bedeutende Aufgabe als wertvolle ökologische
Ausgleichszonen. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Selbstreinigung des Gewässers und z. T.
auch für den biologisch wirksamen Uferschutz. In sonst weiträumig ausgeräumten Landschaften spielen
vor allem die linienhaften Baumreihen und Alleen eine hervorragende Rolle im Hinblick auf die Raum-
gliederung und landschaftliche Ästhetik und tragen insbesondere in Plateaulagen flächensparsam zur
Windberuhigung bei (Erosionsschutz). Diesbezügliche Gestaltungsvorschläge sind Gegenstand der kom-
munalen Landschaftsplanung. Regionale Schwerpunkte können in den Regionalplänen ausgewiesen
werden.
Daher sind die genannten Gehölzbestände, sofern nicht eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit bzw.
der Anlagensicherheit besteht, zu erhalten und funktionsgerecht zu ergänzen. In diesem Zusammenhang
sind notwendige Untersuchungen zur Erfassung und Bewertung der Baumbestände und ihrer ökolo-
gischen Leistungen vorgesehen. Unter der „Erhaltung“ kann auch die Wiederherstellung des ökologischen
Wertes in direkter räumlicher Nähe verstanden werden.
4.2 Arten- und Biotopschutz, ökologisches Verbundsystem
Karte:
Die Gebietskulisse als Suchraum für die Ausweisung eines funktionalen Verbunds ökologisch bedeut-
samer Freiräume (ökologisches Verbundsystem) ist in Karte 7 dargestellt.
G 4.2.1
Zur Sicherung der biologischen Vielfalt und Bewahrung der biologischen Ressourcen
des Freistaats Sachsen sind die heimischen Tiere und Pflanzen sowie ihre Lebens-
räume und Lebensgemeinschaften dauerhaft zu erhalten. Die Biotope bzw. Habitate
der gefährdeten oder im Rückgang befindlichen Pflanzen und Tiere und ihre Lebens-
gemeinschaften sind durch eine lebensraum- und artspezifische Ausstattung mit land-
schaftstypischen Elementen zu verbessern.
Z 4.2.2
In den Regionalplänen sind ausgehend von der in Karte 7 als Suchraum dargestellten
Gebietskulisse und den in der Begründung aufgeführten Kriterien Vorrang- und
Vorbehaltsgebiete Natur und Landschaft (Arten- und Biotopschutz) auszuweisen und
auf dieser Grundlage ein ökologisches Verbundsystem zu sichern und als solches zu
kennzeichnen.
G 4.2.3
Neu entstandene ökologisch bedeutsame und seltene Lebensräume gefährdeter Tier-
und Pflanzenarten in der Bergbaufolgelandschaft sollen erhalten bleiben.

42
Landesentwicklungsplan 2003
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Begründung zu 4.2 Arten- und Biotopschutz, ökologisches Verbundsystem
zu Grundsatz 4.2.1 und Ziel 4.2.2
Vor allem in den letzten Jahrzehnten ist zu beobachten, dass durch die Einflüsse des Menschen immer
mehr wildwachsende Pflanzen- und wildlebende Tierarten im Verschwinden begriffen sind oder bereits als
ausgestorben gelten müssen. Damit verliert die Natur einen wichtigen Teil ihrer Vielfalt und es geht auch
bedeutendes genetisches Potenzial unwiederbringlich verloren. Die heimischen Tiere und Pflanzen
können nur dann dauerhaft erhalten werden, wenn ihre Lebensräume gesichert bzw. so weit wie möglich
wieder hergestellt werden und ein Austausch zwischen den verschiedenen Populationen von Tieren und
Pflanzen ermöglicht wird.
Für den Schutz von Lebensräumen vor allem von gefährdeten und seltenen Arten durch die Ausweisung
von Vorranggebieten Natur und Landschaft (Arten und Biotopschutz) kommen insbesondere Flächen in
folgenden Gebieten in Betracht:
1. Nationalparke
2. Naturschutzgebiete
3. Flächennaturdenkmale
4. Bereiche (Zonen) innerhalb von Biosphärenreservaten, Naturparken oder großflächigen Landschafts-
schutzgebieten, welche eine besonders wertvolle Naturausstattung aufweisen
5. Gebiete, in denen Naturschutzgroßprojekte geplant sind oder realisiert werden
6. Komplexe kleinflächig geschützter oder sonstiger hochwertiger Lebensräume von regionaler Bedeu-
tung (z. B. nach § 26 SächsNatSchG besonders geschützte Biotope)
7. Flächen, die für die Lebensraumerhaltung und -entwicklung stark gefährdeter oder vom Aussterben
bedrohter Arten von mindestens regionaler Bedeutung sind
8. natürliche Überschwemmungsbereiche und naturnahe Bereiche von Fließgewässern
9. neu entstandene sowie durch Sukzession oder Maßnahmen der Landschaftspflege sich entwickelnde
seltene Lebensräume in degradierten, stark beeinträchtigten oder veränderten Landschaften
10. Lebensräume und Vorkommen von Arten, die einen besonderen europäischen Schutzstatus gemäß
FFH-Richtlinie (RL 92/43/EWG, Anhänge I, II und IV) und Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG) ge-
nießen.
Für eine Ausweisung als Vorbehaltsgebiete (Arten- und Biotopschutz) kommen insbesondere in Betracht:
1. Biosphärenreservate, Naturparke und Landschaftsschutzgebiete, soweit nicht als Vorranggebiete für
Natur und Landschaft ausgewiesen
2. Pufferzonen um Vorranggebiete für Natur und Landschaft
3. Gebiete mit regionaler Bedeutung für den Artenschutz (z. B. ausgewählte Zugvogelrastplätze)
4. unzerschnittene störungsarme Räume (Karte 6)
5. neu entstandene sowie durch Sukzession oder Maßnahmen der Landschaftspflege sich entwickelnde
Lebensräume in degradierten, stark beeinträchtigten oder veränderten Landschaften.
Neben dem Schutz von bedeutsamen Lebensräumen ist besonders deren funktionale Verbindung not-
wendig. Bereits in der Entschließung der MKRO vom 27. November 1992 wurde der Aufbau eines ökolo-
gischen Verbundsystems in der räumlichen Planung gefordert. Danach sollte, ausgehend von größeren
Gebieten, die der weitgehend ungestörten Erhaltung und Entwicklung von Flora und Fauna dienen und die
raumordnerisch wie auch naturschutzrechtlich zu sichern sind, ein funktional zusammenhängendes Netz
ökologisch bedeutsamer Freiräume aufgebaut werden, wodurch die Isolation von Biotopen oder ganzer
Ökosysteme überwunden werden sollte. Für diesen zu entwickelnden großräumigen Verbund sollten
durch die landesweiten Pläne und Programme der Raumordnung rahmensetzende Festlegungen getrof-
fen werden, die in den Regionalplänen räumlich zu konkretisieren und auszugestalten sind. Mit ihrer Ent-
schließung vom 8. März 1995 forderte die MKRO die Integration des Netzes besonderer Schutzgebiete
gemäß FFH-Richtlinie in die ökologischen Verbundsysteme der Länder. Mit der in Karte 7 dargestellten
Gebietskulisse (Stand Oktober 2003) liegt nun erstmalig ein unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten
erarbeitetes funktional zusammenhängendes Netz ökologisch bedeutsamer Räume zur Überwindung der
Isolation von Arten, Biotopen oder ganzer Ökosysteme vor. Die Kernflächen dieses landesweiten Ver-
bundsystems weisen im Wesentlichen bereits eine standortgemäße Biotopausstattung auf, die es zu er-

Landesentwicklungsplan 2003
43
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halten gilt. Als Verbindungsflächen werden auch Gebiete dargestellt, auf denen die angestrebte Biotop-
ausstattung noch nicht erreicht ist, die jedoch ein hohes Biotopentwicklungspotenzial aufweisen.
Die Gebietskulisse dient als Suchraum. Aus den in ihr dargestellten Gebieten, die im Wesentlichen die
o. g. Flächen beinhalten, sind für den Aufbau des ökologischen Verbundsystems geeignete Bereiche so
auszuwählen und raumordnerisch zu sichern, dass ein Austausch zwischen den bedeutsamen Lebens-
räumen und ihren Lebensgemeinschaften ermöglicht wird. Dieser Verbund ist durch die Einbindung
weiterer regional bedeutsamer Gebiete mit ökologischer Verbundfunktion bzw. mit Entwicklungspotenzial
für die Übernahme von Funktionen im ökologischen Verbund zu ergänzen. Dabei sind infrastrukturelle
Entwicklungserfordernisse besonders zu berücksichtigen (Wirtschaftswege, Verkehr etc.).
Eine Einbindung von regionalen Grünzügen, Grünzäsuren und Vorrang-/Vorbehaltsgebieten Landwirt-
schaft oder Wald in das ökologische Verbundsystem ist möglich. Durch diese Einbindung werden die
multifunktionale Nutzung des Waldes (siehe Begründung zu Kap. 9, Ziel 9.4) sowie die derzeit bestehende
Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen nicht eingeschränkt. Diese Ausweisung als Vorrang-
oder Vorbehaltsgebiete Natur und Landschaft dient der Freiraumerhaltung für ein ökologisches Verbund-
system und bedingt nicht die Ausweisung von Schutzgebieten im Sinne des Naturschutzrechts. Bei der
raumordnerischen Sicherung von Waldflächen für das ökologische Verbundsystem ist dem Umstand
Rechnung zu tragen, dass der sächsische Wald bereits an den zur Aufnahme in das Europäische ökolo-
gische Netz NATURA 2000 gemeldeten Gebieten überproportional beteiligt ist: 56 % der sächsischen
FFH-Gebiete sind Wald, obwohl Sachsen nur zu 28 % bewaldet ist. Damit sind in Sachsen bereits 20 %
des Waldes Teil der für das Europäische Netz NATURA 2000 gemeldeten Flächen, die zusammen ca.
11 % der sächsischen Landesfläche umfassen.
Die Gebietskulisse für die Ausweisung des ökologischen Verbundsystems sowie die regionalplanerische
Ausweisung der Vorrang- und Vorbehaltsgebiete Natur und Landschaft für den ökologischen Verbund
stehen auch nicht grundsätzlich großflächigen Erstaufforstungen in den Gebieten mit besonderer Hoch-
wasserschutzfunktion des Waldes entgegen.
zu Grundsatz 4.2.3
Bergbaufolgelandschaften weisen extreme und seltene Standortverhältnisse auf. Charakteristisch sind
u. a. nährstoffarme Rohböden und oligotrophe Gewässer. Auf diese speziellen Verhältnisse angewiesene
Tier- und Pflanzenarten treten in den nivellierten und eutrophierten Landschaften sowohl in Sachsen als
auch bundesweit außerhalb der ehemaligen Bergbaugebiete zumeist nur als Relikte auf, sofern sie noch
nicht ausgestorben sind. In der Bergbaufolgelandschaft finden einige von ihnen geeignete bis optimale
Lebensbedingungen. Dazu zählen Pionierarten offener Rohböden, Arten mit Teillebensräumen in oligo-
trophen Flachgewässern, aber auch Leitarten unterschiedlicher Sukzessionsstadien. Der Anteil von Rote
Liste Arten ist in solchen Gebieten oft besonders hoch. Die Erhaltung der Lebensräume gefährdeter Tier-
und Pflanzenarten dient der Sicherung der biologischen Vielfalt (Biodiversität) und Bewahrung der gene-
tischen Ressourcen.
4.3 Wasser, Gewässer- und Hochwasserschutz
Grundwasser und oberirdische Gewässer
Hinweis:
Der Auftrag an die Regionalplanung zur Ausweisung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für Trink-
wasser ist in Kap. 13 enthalten.
Z 4.3.1
In den Regionalplänen sollen regional bedeutsame Grundwassersanierungsgebiete
als „Sanierungsbedürftige Bereiche der Landschaft“ und Gebiete mit hoher geo-
logisch bedingter Grundwassergefährdung als „Bereiche der Landschaft mit be-
sonderen Nutzungsanforderungen“ gemäß Ziel 4.1.4 ausgewiesen werden. Nutzungen
sollen das Fehlen geologischer Schutzfunktionen angemessen b erücksichtigen.

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Landesentwicklungsplan 2003
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Z 4.3.2
Zur Verbesserung der Gewässerökologie ist darauf hinzuwirken, dass verrohrte oder
anderweitig naturfern ausgebaute Fließgewässer bzw. -abschnitte, sofern deren
Nutzung den Ausbauzustand nicht erfordert, geöffnet und naturnah gestaltet werden.
Hierzu sind in den Regionalplänen regionale Schwerpunkte als „Sanierungsbedürftige
Bereiche der Landschaft“ gemäß Ziel 4.1.4 auszuweisen.
G 4.3.3
Niederschlagswasserabflüsse sind weitgehend durch Versickerung, Verminderung
des Anteils befestigter Flächen sowie dezentrale Bewirtschaftung zu minimieren.
Nicht oder nur gering verschmutztes Niederschlagswasser ist, gegebenenfalls ver-
zögert, direkt dem natürlichen Wasserkreislauf wieder zuzufü hren.
Vorbeugender Hochwasserschutz
G 4.3.4
Der Hochwasserschutz soll landesweit und grenzüberschreitend vorrangig durch
vorbeugende Maßnahmen gewährleistet werden. Die Nutzung des natürlichen Wasser-
rückhaltevermögens und die Gewährleistung eines uneingeengten, gefahr- und
schadlosen Hochwasserabflusses besitzt Vorrang vor der Errichtung von Hoch-
wasserschutzanlagen. Bei Bedarf soll der erforderliche Hochwasserschutz ergänzend
durch technische Hochwasserschutzanlagen gewährleistet werden.
G 4.3.5
Für den vorbeugenden Hochwasserschutz sollen vorrangig solche Flächennutzungen
und Maßnahmen erfolgen, die einen Wasserrückhalt in der Fläche, die Erhöhung der
Infiltration, den verzögerten Abfluss und die Grundwasseranreicherung begünstigen.
Z 4.3.6 In den Regionalplänen sind insbesondere in den potenziellen Hochwasser-
entstehungsgebieten „Bereiche der Landschaft mit besonderen Nutzungs-
anforderungen“ gemäß Ziel 4.1.4 auszuweisen sowie weitere Freiraumfunktionen, die
auch dem Wasserrückhalt dienen, durch die Ausweisung von Vorrang- und Vor-
behaltsgebieten sowie regionalen Grünzügen zu sichern.
G 4.3.7
Raumbedeutsame Planungen und Maßnahmen in den potenziellen Ausbreitungs-
bereichen der Flüsse (Flussauen) sollen so gestaltet werden, dass Schäden durch
Hochwasser nicht eintreten oder zumindest so gering wie möglich gehalten werden.
Z 4.3.8
In den Regionalplänen sind nach den in der Begründung aufgeführten Kriterien
Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für den vorbeugenden Hochwasserschutz
für vorhandene und rückgewinnbare Überschwemmungsbereiche zur Gewähr-
leistung und Verbesserung des Wasserrückhalts in der Fläche (Retentionsraum)
und
für Risikobereiche in potenziellen Überflutungsbereichen, die bei Versagen beste-
hender Hochwasserschutzeinrichtungen oder Extremhochwasser überschwemmt
werden können, zur Minimierung möglicher Schäden (Hochwasservorsorge)
auszuweisen und Festlegungen zu Art und Umfang der Nutzungen in diesen Gebieten
zu treffen.
Z 4.3.9
In den Regionalplänen sind Vorrang- und Vorbehaltsstandorte für Maßnahmen des
technischen Hochwasserschutzes wie Standorte für Talsperren,
Hochwasserrückhaltebecken, Polder, Deiche und Dämme (einschließlich deren
Rückverlegung) auszuweisen.

Landesentwicklungsplan 2003
45
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Begründung zu 4.3 Wasser, Gewässer- und Hochwasserschutz
Grundwasser und oberirdische Gewässer
zu Ziel 4.3.1
Der vorsorgende Grundwasserschutz orientiert sich landesweit am Besorgnisgrundsatz. Belastungen des
Grundwassers und seiner Deckschichten sind zu vermeiden (Verschlechterungsverbot). Gebiete mit hoher
Grundwassergefährdung liegen vor, wenn die Deckschichten auf Grund geringer Mächtigkeit bzw. ihrer
geologischen Eigenschaften eine nur geringe Schutzwirkung für das Grundwasser aufweisen. Aus diesen
Gründen bedarf es hier der erhöhten Achtsamkeit gegenüber gefährdenden Nutzungen.
Im Sinne des nachsorgenden Grundwasserschutzes sind Grundwasserschäden unter Wahrung der
Verhältnismäßigkeit so weit wie möglich zu sanieren. Grundwasserschäden sind entsprechend ihrem
Gefährdungspotenzial zu beseitigen, Defizite auszugleichen. Vorrangig saniert werden sollen:
Einzugsgebiete bedeutsamer Wassergewinnungsanlagen der öffentlichen Wasserversorgung,
Einzugsgebiete anderer bedeutender Grundwassernutzungen,
mengenmäßige und chemische Belastungen in allen Grundwasserkörpern, für die ein Risiko hinsicht-
lich der Zielabweichung gemäß der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) besteht,
Grundwasserabsenkungsgebiete infolge des Braunkohlenbergbaues,
durch Uranbergbau (Wismut) und Altlasten beeinflusstes Grundwasser,
durch ehemaligen Steinkohlenbergbau beeinflusstes Grundwasser.
Ein Grundwasserschaden liegt vor, wenn auf Grund anthropogenen Stoffeintrags die Stoffgehalte die
Geringfügigkeitsschwelle „nicht nur kleinräumig“ übersteigen (erhebliche Verunreinigungen). Grundwasser
kann als geringfügig verunreinigt eingestuft werden, wenn trotz einer Erhöhung der Stoffgehalte gegen-
über den geogenen Hintergrundwerten und unabhängig von der tatsächlichen Nutzungssituation
im oder durch das Grundwasser keine relevanten toxikologischen Wirkungen auftreten können und
im Grundwasser die EU-Qualitätsziele und die Geringfügigkeitsschwellen der Länderarbeitsgemein-
schaft Wasser eingehalten werden.
Nach der WRRL ist bis Ende 2009 für jede Flussgebietseinheit ein Bewirtschaftungsplan für die Einzugs-
gebiete mit Maßnahmeprogramm aufzustellen. Für das Grundwasser ist bis spätestens Ende 2015 ein
guter chemischer Zustand (Trendumkehr und Grenzwerte) und guter quantitativer Zustand (Gleichgewicht
zwischen Neubildung und Entnahme) zu erreichen. Signifikante und anhaltende Trends bei der Ver-
schmutzung des Grundwassers sind umzukehren. Das Prinzip der einzugsgebietsbezogenen Betrachtung
ist für alle raumrelevanten Maßnahmen und Planungen zu beachten. Einen wesentlichen Beitrag zur ein-
zugsgebietsweisen Betrachtung bis zur unteren Ebene haben die Bauleitplanung einschließlich Land-
schaftsplanung, die Flurneuordnung und weitere Fachplanungen zu leisten.
zu Ziel 4.3.2
Die Offenlegung und naturnahe Gestaltung von Fließgewässern ist, unbeschadet künftiger Maßnahme-
programme, die aus der Umsetzung der WRRL resultieren, für einen ausgeglicheneren Landschafts-
wasserhaushalt, für den vorbeugenden Hochwasserschutz, zur Unterstützung der Selbstreinigungskräfte
und zur Biotopanreicherung verstärkt umzusetzen. In der Regel ist dabei von entsprechend mehrschich-
tigen Umweltvorteilen auszugehen.
zu Grundsatz 4.3.3
Die Verringerung des Direktabflusses von Niederschlagswasser dient der Sicherung der Grundwasser-
neubildung, der Reduzierung des Kostenanteils für die Niederschlagswasserentsorgung und dem Hoch-
wasserschutz. Niederschlagswasser soll nicht mit dem übrigen Abwasser abgeleitet und behandelt
werden, sondern entstehungsnah in den natürlichen Wasserkreislauf zurückgeführt werden.

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Landesentwicklungsplan 2003
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Vorbeugender Hochwasserschutz
zu Grundsatz 4.3.4
Vorbeugender Hochwasserschutz ist nicht ausschließlich eine wasserwirtschaftliche Aufgabe, sondern
erfordert eine umfassende fachübergreifende und grenzüberschreitende Betrachtung der Hochwasser-
risiken und Vorsorgemaßnahmen. Einen wesentlichen Beitrag zum vorbeugenden Hochwasserschutz
kann die Raumordnung mit ihren Instrumenten leisten. Die Sicherung und Rückgewinnung von Auen,
Rückhalteflächen und Überschwemmungsbereichen ist in § 2 Abs. 2 Nr. 8 des Raumordnungsgesetzes
als raumordnerischer Grundsatz für den vorbeugenden Hochwasserschutz verankert. Eine zusammen-
fassende Darstellung über das mögliche Vorgehen der Raumordnung ist in den Handlungsempfehlungen
der MKRO zum vorbeugenden Hochwasserschutz vom 14. Juni 2000 enthalten.
Die Erfahrungen der Hochwasserereignisse belegen, dass Hochwasserschutz bereits in den Quell-
gebieten der Flüsse ansetzen muss. Dabei ist es günstiger, hochwasserauslösende Niederschlags-
mengen durch darauf ausgerichtete Flächennutzung oder in natürlichen Überschwemmungsräumen
(Flussauen) und damit in den Einzugsgebieten und am Gewässer zurückzuhalten, als Hochwasser-
abflüsse beschleunigt durch ausgebaute und eingedeichte Flussläufe zu leiten. Den Flüssen ist Raum zu
geben. Erst wenn die Möglichkeiten des natürlichen Wasserrückhalts und eines ungehinderten Abflusses
weitgehend ausgeschöpft sind, müssen die meist teuren und aufwendigen technischen Hochwasser-
schutzanlagen zur Gefahrenminderung herangezogen werden. Auch diese Hochwasserschutzanlagen
bieten aber keinen endgültigen Schutz vor Hochwasserschäden. Für den vorbeugenden Hochwasser-
schutz ist es notwendig, dass dieser flussgebietsbezogen erfolgt, unabhängig administrativer Grenzen.
Dazu gehört auch ein grenzüberschreitendes Frühwarn- und Meldesystem. Maßnahmen am Oberlauf
eines Flusses wirken sich auf den Grad der Hochwassergefährdung am Unterlauf aus. Bereits im Rahmen
von INTERREG II C wurden Studien zum vorbeugenden Hochwasserschutz erarbeitet. Im Einzugsbereich
von Elbe/Labe und Moldau/Vltava werden Projekte des Hochwasserschutzes in INTERREG III B mit
höchster Priorität versehen. Ziel dabei ist, transnational abgestimmte Entscheidungsgrundlagen für
Investitionsprioritäten zu schaffen.
zu Grundsatz 4.3.5 und Ziel 4.3.6
Vielfältige Faktoren haben Einfluss auf die Abflussbildung. Einige sind nicht oder nur bedingt beein-
flussbar, wie z. B. das Niederschlagsgeschehen oder das Relief. Beeinflussbar ist die Flächennutzung und
die Art und Weise, wie bei der Nutzung mit den Flächen umgegangen wird. Darauf kann die
Raumordnung mit ihren klassischen Instrumenten sowie im Rahmen ihrer Beratungs-, Moderations- und
Koordinierungsfunktion hinwirken.
Als Maßnahmen, die einen günstigen Einfluss auf das Wasserrückhaltevermögen haben, bieten sich an:
Reduzierung der Bodenversiegelung,
Versickerung von Regenwasser von Bauflächen,
Erhaltung bzw. Wiederherstellung der funktionellen Einheit zwischen Gewässer und Aue,
Freilegung verrohrter oder unterirdisch geführter Wasserläufe,
besonders auch den kleinen Flüssen Raum lassen und Herstellung eines naturnahen Zustandes der
Gewässer,
Umwandlung von Ackerflächen in Dauergrünland oder Wald, vor allem in erosionsgefährdeten Hang-,
Tallagen und Überschwemmungsbereichen der Auen,
Verzicht auf die Umwandlung von Grünland in Ackerland auf diesen Flächen,
Anwendung von bodenschonenden Bewirtschaftungs- bzw. Anbau- und Bestellverfahren zur Erhal-
tung einer hohen Infiltrationsfähigkeit,
Erhalt, Aufbau von Strukturen, die die Hänge (Abflussbahnen) unterteilen/unterbrechen und
standortgerechte Waldbewirtschaftung.

Landesentwicklungsplan 2003
47
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Mit der Ausweisung von „Bereichen der Landschaft mit besonderen Nutzungsanforderungen“ gem. Ziel
4.1.4 können Planungen und die Durchführung von konkreten Maßnahmen festgelegt werden, auf deren
Umsetzung die Regionalplanung unter Einbeziehung der betroffenen Akteure hinwirken kann.
Aber auch die Sicherung von Freiräumen und Freiraumfunktionen durch die Ausweisung von Vorrang-
und Vorbehaltsgebieten sowie regionalen Grünzügen dienen dem vorbeugenden Hochwasserschutz und
sollten insbesondere in den Hochwasserentstehungsgebieten auch unter dem Gesichtspunkt der posi-
tiven, ausgleichenden Wirkungen für den Wasserhaushalt angewendet werden. In Betracht kommen Aus-
weisungen gemäß Ziel 4.1.9; Ziel 4.2.2, Ziel 4.4.4, Ziel 9.1 und Ziel 9.4.
Für diese Gebiete können in den Regionalplänen Festlegungen getroffen werden, die gewährleisten, dass
alle raumbedeutsamen Flächennutzungsänderungen in diesen Gebieten auf ihre Konsequenzen zur Ab-
flussbildung geprüft werden (siehe auch Ziel 4.1.4). Maßnahmen, die zur weiteren merklichen Ver-
ringerung des Wasserrückhalts im Gebiet führen können, sind zu unterlassen oder wenn im öffentlichen
Interesse eine solche Änderung sinnvoll erscheint, muss die Verringerung des Wasserrückhalts durch
entsprechende Maßnahmen, ggf. auch technische Maßnahmen, ausgeglichen werden.
Bei großen (extremen) Hochwassern, insbesondere in kleinen Flusseinzugsgebieten, sind zum Schutz
von Leben und Gut meist technische Hochwasserschutzmaßnahmen unverzichtbar. In vielen Fällen kann
nur ein Nebeneinander von natürlicher und künstlicher Retention einen optimalen Hochwasserschutz
bieten.
Die o. g. Maßnahmen gelten im gesamten Einzugsbereich der Flüsse. Auf Grund des hohen Gefähr-
dungsrisikos sollte die Regionalplanung aber in erster Linie Ausweisungen in den potenziellen Hoch-
wasserentstehungsgebieten vornehmen. Hochwasserentstehungsgebiete sind Gebiete vorwiegend im
Mittelgebirge und Hügelland, in denen bei Starkniederschlägen oder bei Schneeschmelze in kurzer Zeit
starke oberirdische Abflüsse eintreten können, die zu einer Gefährdung von Leben, Gesundheit und be-
deutenden Sachwerten führen können. Manche Gebiete sind bereits bekannt dafür, dass es bei ent-
sprechenden meteorologischen Situationen auf Grund der orographischen Bedingungen besonders häufig
zu Niederschlagsereignissen kommt, aus denen unterstützt durch eine abflussbegünstigende Flächen-
nutzung hohe Abflusskonzentrationen und kurze Wellenlaufzeiten in den Fließgewässern resultieren (z. B.
sog. „Starkniederschlagsgebiete“ bzw. „Unwettergefährdete Gebiete“ nach der Anordnung über die effek-
tive Nutzung der Hänge und Täler in unwettergefährdeten Gebieten in Mittelgebirgs- und Hügelland-
schaften vom 15.03.1983, DDR-GBl. I Nr. 10, S. 101). Als weitere Grundlage für die Ermittlung von Hoch-
wasserentstehungsgebieten sind Naturraumkarten, die auf der Basis der naturräumlichen Ordnung
erarbeitet werden, mit ihren Dokumentationen heranzuziehen. In den auf die Kartiereinheiten
(Mikrogeochoren) bezogenen Dokumentationsblättern
sind u. a.
der jährliche
Gebietsabfluss, das
Fließgewässernetz und Flächennutzungen ausgewiesen, bei deren Änderung eine günstige Wirkung
hinsichtlich der Verminderung des Oberflächenabflusses erreicht werden könnte.
zu Grundsatz 4.3.7
Die Augustflut 2002 hat gezeigt, dass im Falle von Extremereignissen die Flüsse bei Versagen der tech-
nischen Hochwasserschutzeinrichtungen ihre seit Jahrhunderten angestammten Ausbreitungsbereiche
(Flussauen) wieder in Besitz nehmen. Damit sind diese ehemaligen, von Zeit zu Zeit überschwemmten
Flächen ungeachtet der ergriffenen Maßnahmen zum Gewässerausbau und zum Hochwasserschutz
grundsätzlich überschwemmungsgefährdete Bereiche. Es empfiehlt sich, diese Flussauen in Karten dar-
zustellen, um die Träger raumbedeutsamer Planungen und Maßnahmen in die Lage zu versetzen, in einer
Risikoabwägung, soweit die Planungen und Maßnahmen nicht bereits gegen andere Ziele der Raum-
ordnung (z. B. Ziel 4.1.1) oder Vorgaben der Fachgesetze (z. B. § 100 Abs. 2 SächsWG) verstoßen, zu
entscheiden, ob sie die Planung und Maßnahme überhaupt bzw. mit welchen Risikovorsorgemaßnahmen
durchführen wollen. Dabei soll die Planung oder Maßnahme zumindest so gestaltet werden, dass
Schäden möglichst nicht eintreten oder zumindest so gering wie möglich gehalten werden. Ob dies im
Einzelfall erfüllt ist, ist unter Zuhilfenahme der vorgelegten Planungsunterlagen und der fachbehördlichen
Stellungnahmen zu prüfen.

48
Landesentwicklungsplan 2003
_____________________________________________________________________________________________
zu Ziel 4.3.8
Kriterien für die Ausweisung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für den vorbeugenden Hochwasser-
schutz zur Gewährleistung und Verbesserung des Wasserrückhalts in der Fläche (Überschwemmungs-
bereich als Retentionsraum):
Auszuweisen sind Überschwemmungsgebiete im Sinne des Wasserrechtes, im Übrigen bis HQ
100
, als
Vorranggebiete im Außenbereich. Weiterhin sind in die Ausweisung als Vorrang- und Vorbehaltsgebiete
insbesondere einzubeziehen:
darüber hinausgehende oder wasserrechtlich noch nicht festgesetzte Überschwemmungsgebiete, die
aus Sicht der Regionalplanung als Überschwemmungsbereiche geeignet sind; dabei sind Aussagen
im Hochwasserschutz-Aktionsplan und in den Hochwasserschutzkonzepten, sofern vorliegend, ein-
zubeziehen,
rückgewinnbare Überschwemmungsflächen; dabei sind Aussagen im Hochwasserschutz-Aktionsplan
und in den Hochwasserschutzkonzepten, sofern vorliegend, einzubeziehen.
Die natürlichen Überschwemmungsflächen der Fließgewässer sind durch Eindeichungen, Gewässer-
ausbau und Aufhöhung gewässernaher (Bau-)Grundstücke stark verkleinert worden. Die heute noch nicht
bebauten Überschwemmungsflächen sind deshalb möglichst vollständig für den Abfluss und die Retention
von Hochwasser zu erhalten. Eine weitere Inanspruchnahme für Baugebiete soll ausgeschlossen werden,
um Retentionsräume zu erhalten und keine zusätzlichen Schadenspotenziale aufzubauen.
Daher sind außerhalb der bebauten Ortslagen die Bereiche in der Regel als Vorranggebiete auszuweisen,
in denen der Hochwasserschutz Vorrang vor allen anderen Raumansprüchen besitzt.
Innerhalb bebauter Ortslagen kommt neben Vorrangausweisung in Einzelfällen in erster Linie eine
Vorbehaltsausweisung in Betracht, was eine Untersuchung aller Planungen und den Nachweis der
Konfliktbewältigung erfordert.
Da die raumordnerisch ausgewiesenen Überschwemmungsbereiche nicht parzellenscharf sind, können
neben den wasserrechtlich festgesetzten bzw. festzusetzenden Überschwemmungsgebieten auch noch
nicht festgesetzte faktische Überschwemmungsgebiete gemäß § 32 WHG in diese Ausweisung einbe-
zogen werden. In die raumordnerische Sicherung von Überschwemmungsbereichen sind auch solche
Flächen einzubeziehen, die im Zuge von Deichrückverlegungen, Gewässerrenaturierungen und
Verbreiterung von Abflussquerschnitten als Retentionsraum zurückgewonnen werden sollen (in der Regel
ehemalige Überschwemmungsgebiete). Die Raumordnung sichert damit Optionen für entsprechende
wasserwirtschaftliche Maßnahmen zur Vergrößerung von Überschwemmungsgebieten und greift räumlich
über die nach Wasserrecht mögliche Festsetzung von Überschwemmungsgebieten hinaus.
Überschwemmungsbereiche haben häufig auch eine hohe Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz.
Sofern keine Konflikte absehbar sind, ist in den Regionalplänen eine Überlagerung von Vorranggebieten
für den vorbeugenden Hochwasserschutz mit Vorranggebieten Natur und Landschaft (Arten und Biotop-
schutz) gem. Kap. 4.2 möglich. Sollte es dabei in Einzelfällen doch zu Konflikten kommen, gehen die
Belange des vorbeugenden Hochwasserschutzes vor.
Kriterien für die Ausweisung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für den vorbeugenden Hochwasser-
schutz für Risikobereiche in potenziellen Überflutungsbereichen zur Minimierung möglicher Schäden:
Auszuweisen sind:
Bereiche, in denen bei Überflutung oder Versagen der Schutzeinrichtung (Deiche etc.) Gefahr für Leib
und Leben bestände, diese Gefahr nur durch erhöhte Vorkehrungen im Einzelfall beherrschbar und
hochwasserangepasstes Bauen nur mit unvertretbarem Aufwand möglich wäre, in der Regel als Vor-
ranggebiete
Bereiche, die derzeitig nur ein geringes Schadenspotenzial aufweisen und im Bedarfsfall zur
Entlastung von Bereichen mit hohem Schadenspotenzial geflutet werden müssten, in der Regel als
Vorranggebiete

Landesentwicklungsplan 2003
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Bereiche, die bereits bestehende Siedlungsflächen umfassen bzw. Bereiche mit besonderem
Schadenspotenzial, die einem hohen Risiko des Hochwassers ausgesetzt sind
Bereiche, in denen die Abwehr von Hochwasserschäden und Gefahren durch bauliche Maßnahmen
mit vertretbarem Aufwand erreicht werden können.
In hochwassergefährdeten Bereichen sollten historisch gewachsene Siedlungen grundsätzlich durch funk-
tionsfähige Anlagen gegen Hochwasser geschützt werden. Diese Schutzanlagen müssen für große Hoch-
wasserereignisse bemessen und so aufgebaut werden, dass sie auch einem längeren Wasserdruck
standhalten. Dennoch können Hochwasserschutzanlagen keine absolute Sicherheit garantieren. Katastro-
phen z. B. durch Deichbrüche oder ein Überströmen von Deichen bei extremen Hochwasserereignissen
können nicht vollkommen ausgeschlossen werden. Auch hinter den Deichen ist deshalb eine stärkere Be-
rücksichtigung des Restrisikos notwendig. Mit der raumordnerischen Ausweisung von potenziellen Über-
flutungsbereichen (hinter Deichen) soll das Bewusstsein für dieses Restrisiko in deichgeschützten Be-
reichen geschärft und es sollen entsprechend angepasste Raumnutzungen initiiert werden. Für besonders
gefährdete Teile von Risikobereichen besteht das Erfordernis, eine neue Siedlungsnutzung auszu-
schließen. Hier ist in der Regel die Ausweisung als Vorranggebiet geboten. Bei einer Ausweisung als Vor-
behaltsgebiet ist die konkrete Berücksichtigung der Risiken Aufgabe kommunaler Planungen und Maß-
nahmen. Eine weitere Siedlungsentwicklung soll in diesem Fall nicht generell ausgeschlossen, sondern
dem Risiko angepasst werden. Geeignete Maßnahmen können z. B. sein:
Verzicht auf Ansiedlung hochwasserempfindlicher Flächennutzungen in besonders tiefliegenden
Geländepartien (die im Falle der Überflutung besonders hohe Wasserstände aufweisen)
hochwasserangepasste Ausführung von Gebäuden, Sicherung von Öltanks etc.
Die zeichnerische Festlegung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für den vorbeugenden Hochwasser-
schutz in den Regionalplänen erfolgt in einem Maßstab, in dem eine flächengenaue, flurstückskonkrete
Abgrenzung nicht möglich ist. Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Regionalplanung die Ausweisung
der Vorrang- und Vorbehaltsgebiete in einem entsprechend aussagekräftigen, größeren Maßstab darstellt.
Zur Ausweisung von Bereichen, die bei dem bisher bekannten höchsten Wasserstand
(Extremhochwasser) überschwemmt wurden, sollte man von Ereignissen ausgehen, die höchstens 200
Jahre zurückliegen, da sich die Verhältnisse im Abflussgeschehen sonst mit großer Wahrscheinlichkeit zu
stark verändert haben und auch ausreichende Kenntnisse der Wasserstände an den einzelnen Orten nicht
mehr ausreichend sinnvoll nachvollziehbar sein werden. Die Ausweisung von Bereichen, die bei dem
bisherigen Höchstwasserstand tatsächlich überflutet wurden, soll sich an tatsächlichen Ereignissen
orientieren und nicht nur auf Simulationsmodellen beruhen. Diese Ausweisungen sollen das Bewusstsein
für die mit einer Überflutung verbundenen Gefahren schärfen und zu risikoangepassten Nutzungen,
Planungen und Vorkehrungen beitragen.
Die vom August-Hochwasser 2002 überschwemmten Gebiete sind im Sinne einer Risikokarte -
Übersichtskarte und Detailkarten - im Internet unter
www.umwelt.sachsen.de/lfug
ersichtlich.
zu Ziel 4.3.9
Auf Grund der geomorphologischen Bedingungen und der dichten Besiedlung im Freistaat Sachsen sind
geeignete Standorte für eventuell wirtschaftlich errichtbare Talsperren oder Hochwasserrückhaltebecken
nur noch begrenzt vorhanden. Die noch bestehenden Möglichkeiten sollten für eine mögliche Wasser-
speicherung erhalten bleiben.
Aus überwiegenden Gründen des Wohls der Allgemeinheit sind auch technische Hochwasserschutzmaß-
nahmen durchzuführen. Für diesen Zweck ist es notwendig, Flächen zu bestimmen und zu sichern, die für
ein entsprechendes Bauwerk bzw. die Rückgewinnung von Retentionsräumen zur Verfügung stehen. Die
Errichtung von Hochwasserschutzanlagen soll auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt bleiben und
sich am Schadenspotenzial orientieren. Die Ausweisung solcher Flächen ist vor allem in enger Ab-
stimmung mit der Wasserwirtschaft aber auch anderen betroffenen Trägern öffentlicher Belange durch-
zuführen.

50
Landesentwicklungsplan 2003
_____________________________________________________________________________________________
4.4 Bodenschutz und Altlasten
Karte:
In Karte 8 sind Gebiete mit speziellem Bodenschutzbedarf dargestellt.
G 4.4.1
Böden sind mit ihren Funktionen (Filterfunktion, Speicherfunktion, Produktionsfunk-
tion, Biotopentwicklungsfunktion, Archivfunktion, Freiflächenfunktion) nachhaltig zu
sichern, in ihrer natürlichen Entwicklung zu fördern und erforderlichenfalls wiederher-
zustellen. Dazu hat die Inanspruchnahme von Boden durch Versiegelung, Abgrabung
und Aufschüttung schonend und sparsam zu erfolgen.
G 4.4.2
Bei der Nutzung des Bodens ist die Leistungsfähigkeit und Empfindlichkeit des
Bodens zu berücksichtigen. Nutzungsbedingte Bodenverdichtung und Bodenerosion
sowie die Überlastung der Regelungsfunktion des Bodens im Nährstoffhaushalt sind
durch landschaftsgestalterische Maßnahmen und standortgerechte Bodennutzung,
wie Veränderung der Schlaggestaltung, Anlage erosionshemmender Strukturen,
schonende Bodenbearbeitung und Bestellung sowie Verringerung von Schadstoff-
einträgen bei der Aufbringung von Dünger und anderen Materialien, zu vermeiden.
Diffuse Schadstoffeinträge, insbesondere Einträge von Schwermetallen, organischen
Schadstoffen und Säurebildnern in den Boden, sind durch Maßnahmen des Immis-
sionsschutzes weiter zu minimieren.
G 4.4.3
Zukünftig nicht mehr baulich genutzte Flächen sind zu entsiegeln. Abgrabungen und
Aufschüttungen sowie entsiegelte Flächen sind zu rekultivieren oder zu renaturieren,
so dass die Böden natürliche oder nutzungsbezogene Funktionen erfüllen können.
Schädliche Bodenveränderungen und Altlasten sind so zu sanieren, dass dauerhaft
keine Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für den Einzelnen
oder die Allgemeinheit bestehen. Durch eine vorrangige Altlastenbehandlung auf
Industriebrachen ist deren Wiedernutzbarmachung zu beschleunigen.
Z 4.4.4
In den Regionalplänen sind Gebiete mit Böden besonderer Funktionalität unter
Berücksichtigung der in der Begründung aufgeführten Kriterien auszuweisen.
Z 4.4.5
In ihren Funktionen erheblich beeinträchtigte Böden und regional bedeutsame Alt-
lasten sind gemäß Ziel 4.1.4 in den Regionalplänen als „Sanierungsbedürftige
Bereiche der Landschaft“ auszuweisen. Sofern erforderlich, sind besonders empfind-
liche Böden gemäß Ziel 4.1.4 als „Bereiche der Landschaft mit besonderen
Nutzungsanforderungen“ auszuweisen.
Hinweis:
Der Umsetzung von G 4.4.1 - 4.4.3 dienen auch Plansätze in den Kapiteln 2.3, 4.1, 4.2, 4.3, 5.1, 9.
Begründung zu 4.4 Bodenschutz und Altlasten
zu Grundsatz 4.4.1
Der Boden nimmt eine Vielzahl von Funktionen im Naturhaushalt sowie für den Menschen und die Gesell-
schaft wahr. Böden stellen das Bindeglied zwischen den Umweltkompartimenten Klima/Luft, geolo-
gischem Untergrund, Oberflächen- und Grundwasser sowie Vegetation und Tierwelt dar. Die hierbei auf-
tretenden Transformations- und Translokationsprozesse haben direkten Einfluss auf die Nahrungskette
und die Umweltqualität.
zu Grundsatz 4.4.2
Die zunehmende Intensität der Bodennutzung, die gestiegenen stofflichen Einwirkungen auf den Boden
und der ständig wachsende Flächenbedarf der modernen Gesellschaft haben dazu geführt, dass der

Landesentwicklungsplan 2003
51
_____________________________________________________________________________________________
Boden in zum Teil gefährlicher Weise verändert, belastet und verbraucht wird. Eine standortgerechte
Bodennutzung ist langfristig auch aus ökonomischen Gründen sinnvoll.
Dringende fachübergreifende Aufgaben des Bodenschutzes können durch die Raumordnung wahrge-
nommen werden, indem diese dazu beiträgt, dass die Vielzahl von Ansprüchen an den Boden koordiniert
wird und der Boden in seiner Leistungsfähigkeit und als Fläche für Nutzungen aller Art nachhaltig ge-
sichert oder wieder hergestellt wird. Dabei liegt der konkrete Handlungsbedarf für raumordnerische Fest-
legungen zum vorsorgenden Schutz des Bodens sowie zur Sanierung beeinträchtigter Böden auf der
Ebene der Regionalplanung, da auf Grund der starken räumlichen Differenziertheit der Böden landesweit
geltende Festlegungen bzw. Ausweisungen nicht sinnvoll sind.
zu Grundsatz 4.4.3
Der hohe Flächenverbrauch verursacht u. a. hohe Verluste bzw. Einschränkungen an bodenfunktionalen
Leistungen, die auch Auswirkungen auf andere Bereiche des Naturhaushalts, wie z. B. das Rückhalte-
vermögen von Niederschlagswasser in den Einzugsgebieten, haben. Andererseits existieren zahlreiche
ehemals vom Menschen genutzte Standorte, die nach fachgerechter Entsiegelung bzw. Rekultivierung
wieder Bodenfunktionen übernehmen und somit zur Kompensation der aktuellen Verluste beitragen
können. Altstandorte können nach fachgerechter Altlastenbehandlung wieder Standortaufgaben (Nach-
nutzungen) wahrnehmen, Bodenfunktionen erfüllen und/oder dem Flächenverbrauch entgegenwirken.
Schädliche Bodenveränderungen wirken sich auf andere Umweltkompartimente aus und gefährden
Nahrungskette und Umweltqualität.
zu Ziel 4.4.4
Die regionalplanerische Ausweisung von wertvollen Böden mit besonderer Funktionalität dient dem vor-
sorgenden Bodenschutz. Insbesondere sollen diese Böden vor Versiegelung und Abgrabung gesichert
werden. Pro Tag werden derzeit in Sachsen acht ha Fläche verbraucht. Im Jahre 2001 lag der Anteil der
Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Gesamtfläche des Freistaats Sachsen bei 11,3 %. Von der Versie-
gelung sind insbesondere Böden der landwirtschaftlichen Nutzfläche betroffen. Böden mit einer regional
bedeutsamen hohen Produktionsfunktion sollen gemäß Kap. 9 in den Regionalplänen als Vorrang- und
Vorbehaltsgebiete Landwirtschaft gesichert werden.
Als weitere wertvolle Böden mit besonderer Funktionalität kommen insbesondere in Betracht:
Besonders naturnahe Böden
Böden sind besonders naturnah, wenn sie nicht anthropogen beeinflusst sind und die Horizontabfolge des
Bodenprofils vollständig und charakteristisch ausgeprägt ist. Da Böden in der heutigen Kulturlandschaft
nahezu flächendeckend anthropogen beeinflusst sind, ist zur Bewahrung eines breiten Naturspektrums
sowie des natürlichen genetischen Erbes die Erhaltung der verbliebenen naturnahen Böden notwendig.
Für besonders seltene und naturnahe Böden kommt eine Ausweisung als Vorrang-/Vorbehaltsgebiet
Natur und Landschaft in Betracht.
Böden mit besonderer Archivfunktion
Böden sind von besonderer natur- und kulturhistorischer Bedeutung, wenn sie im Profilaufbau Zeugnis
ablegen über vergangene geologische Epochen bzw. über die Entwicklung des Menschen oder seines
Einflusses auf die Natur. Dies können sein:
Böden mit repräsentativer Ausprägung und besonderer Bedeutung als Anschauungs- und For-
schungsobjekt der Bodenentwicklung, z. B. fossile Böden, Reliktböden sowie
Denkmale im Boden von erdgeschichtlicher oder archäologischer Bedeutung, z. B. Reste früherer Be-
siedlung oder Nutzungsform, Gräber, Fundstätten.
Für Böden mit besonderer Archivfunktion kommt eine Ausweisung als Vorrang-/Vorbehaltsgebiet für Natur
und Landschaft in Betracht.

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Landesentwicklungsplan 2003
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Böden mit besonderer Speicherfunktion
Böden mit hoher Wasseraufnahmefähigkeit begünstigen die Versickerung und minimieren den Oberflä-
chenabfluss von Niederschlagswasser. Dieser Regulationseffekt der Abflussretention dient dem vorbeu-
genden Hochwasserschutz und begünstigt die Nutzung der Landschaft. Für Böden mit besonderer Spei-
cherfunktion kommt eine Ausweisung gemäß Ziel 4.1.4 bzw. Ziel 4.3.6 in Betracht.
Böden mit besonderer Filterfunktion
Böden mit besonderer Filterfunktion dienen der Grundwasserneubildung und dem Grundwasserschutz
durch besondere Durchlässigkeit für die Grundwasserneubildung sowie Filterung des Wassers bei der
Bodenpassage, indem organische und anorganische Beimengungen zurückgehalten werden. Die damit
verbundene Regeneration der Ressource Wasser erfüllt eine wesentliche Aufgabe im Rahmen der
Wassergewinnung und -versorgung. Für Böden mit besonderer Filterfunktion kommt eine Ausweisung
gemäß Ziel 13.2 in Betracht.
Böden mit besonderer Biotopentwicklungsfunktion
Böden weisen vor allem dann eine hohe Biotopentwicklungsfunktion auf, wenn die Bodenverhältnisse auf
engem Raum sehr unterschiedlich sind, wenn es sich um naturnahe Böden oder landwirtschaftliche
Grenzertragsböden (i. d. R. Bodenwertzahlen < 30) handelt. Dies sind insbesondere Extremstandorte mit
hoher Trockenheit, Feuchte, Nährstoffarmut oder extremen Säure-Basen-Verhältnissen. Für diese Ge-
biete kommt eine Ausweisung als Vorrang-/Vorbehaltsgebiet Natur und Landschaft in Betracht.
Die Gebiete mit Böden besonderer Funktionalität können in den Regionalplänen auch als Vorrang- oder
Vorbehaltsgebiete für den Bodenschutz ausgewiesen werden.
zu Ziel 4.4.5
Als in ihren Funktionen erheblich beeinträchtigte Böden kommen insbesondere in Betracht:
Böden mit hoher chemischer Belastung (z. B. durch Schwermetalle, organische Schadstoffe, Nitrat,
Säurebildner),
Böden mit hoher physikalischer Belastung (z. B. durch hohe Erosionsrate, starke Verdichtung).
Als besonders empfindliche Böden kommen in Betracht:
Böden mit geringer Filter- und Pufferkapazität,
Böden mit geringer Speicherkapazität,
Erosionsgefährdete Böden,
verdichtungsempfindliche Böden (z.B. vernässte Böden).
In Karte 8 sind als Gebiete mit speziellem Bodenschutzbedarf in Sachsen die „Gebiete mit mittlerer bis
großer Erosionsgefährdung durch Wasser“ und die „Gebiete mit Anhaltspunkten für schädliche stoffliche
Bodenveränderung“ dargestellt.
Insbesondere die Bodenerosion stellt landesweit ein großes Problem dar. So sind im Freistaat Sachsen
80 %, d. h. 600 000 ha der insgesamt 725 000 ha umfassenden sächsischen Ackerfläche potenziell
erosionsgefährdet. Davon werden 450 000 ha in der Mitte und im Süden des Freistaats v. a. im Bereich
der intensiv genutzten Lösshügelländer als potenziell wassererosionsgefährdet und 150 000 ha auf den
sandigeren Böden in Nordsachsen als potenziell winderosionsgefährdet bezeichnet. Anhaltspunkte für
schädliche Bodenveränderungen durch Schadstoffe i. S. des Ziels weisen vorwiegend Gebiete im Ein-
flussbereich des ehemaligen Erzbergbaus einschließlich der zugehörigen Hüttenindustrie auf. Nicht Ge-
genstand dieser Betrachtungen sind punktuelle Belastungen (Altlasten). Verbreitet werden die Schadstoffe
(insbesondere Schwermetalle) durch das Verbringen von Bergematerial, Aufbereitungsrückständen oder
Schlacken sowie auf dem Luft- bzw. Wasserpfad. Dementsprechend sind neben den Herkunftsgebieten

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53
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selbst auch deren Umgebung sowie die Auensedimente von Wasserläufen mit Einzugsgebieten im
Erzgebirge zu beachten.
4.5 Luftreinhaltung und Klimaschutz
Z 4.5.1
Siedlungsklimatisch bedeutsame Bereiche sind in ihrer Funktionsfähigkeit zu sichern.
Dazu sind in den Regionalplänen siedlungsrelevante
Frisch- und Kaltluftentstehungsgebiete sowie
Frisch- und Kaltluftbahnen
auszuweisen.
G 4.5.2
Vorrangig in den Verdichtungsräumen, in den verdichteten Bereichen im ländlichen
Raum sowie in den lufthygienisch und bioklimatisch besonders schutzwürdigen
Bereichen sind Emissionen zu reduzieren.
G 4.5.3
Zur Verbesserung der lufthygienischen und ökologischen Bedingungen in den Wald-
schadensgebieten sind Maßnahmen zur nachhaltigen Reduktion des Schadstoff-
ausstoßes durchzuführen.
Hinweis:
Waldschadensgebiete durch Immissionen werden gemäß Kap. 4.1 in den Regionalplänen ausge-
wiesen.
Begründung zu 4.5 Luftreinhaltung und Klimaschutz
zu Ziel 4.5.1
Angesichts bereits nachgewiesener und prognostizierter Klimatrends für die kommenden Jahrzehnte
gewinnt die Sicherung schadstofffreier Kalt- und Frischluft sowie deren Regeneration zunehmend an
Bedeutung als Zukunftsvorsorge. Kaltluftentstehungsgebiete (i. d. R. Offenland) sind zu sichern, wenn die
entstehende Kaltluft in für saubere Kaltluft „bedürftige“ Siedlungsgebiete abfließen kann. In Frischluft-
entstehungsgebieten wird verunreinigte Luft durch Vegetation gereinigt. Siedlungsinterne sowie sied-
lungsnahe Frischluftentstehungsgebiete (v. a. Wälder und andere Gehölzstrukturen) müssen funktions-
fähig erhalten und, falls ihr Wirkungsbereich in belastete Siedlungsgebiete hineinreicht, auch ggf. zusätz-
lich geschaffen werden. In allen siedlungsklimatisch bedeutsamen Bereichen ist darauf zu achten, dass
Anlagen mit schädlichen und störenden Emissionen die bodennahen Luftströmungen in ihrem Verlauf
nicht behindern oder mit Schadstoffen belasten. Wo dies der Fall ist, sind geeignete Gegenmaßnahmen
zu treffen. Siedlungsklimatisch bedeutsame Bereiche sind in ihrer Funktionsfähigkeit (Größe, Durchlässig-
keit, Qualität der Vegetationsstrukturen) zu sichern und von Neubebauung und Versiegelung freizuhalten.
Siedlungsklimatisch bedeutsame Bereiche können in Verbindung mit anderen schutzbezogenen
Vorrangausweisungen (z. B. der Integration in Vorranggebiete Natur und Landschaft, Landwirtschaft oder
in regionale Grünzüge) ausgewiesen werden. Die zusätzliche siedlungsklimatische Funktion dieser
Ausweisungen ist dabei symbolhaft zu kennzeichnen.
zu Grundsatz 4.5.2
Als Beitrag zum Klimaschutz und als Maßnahme zur Reduzierung der bodennahen Ozonbelastung sollen
die verkehrsbedingten Emissionen von Treibhausgasen und von Ozonvorläufersubstanzen durch ver-
kehrsreduzierende Maßnahmen im Rahmen der Bauleitplanung sowie durch verkehrslenkende Maß-
nahmen gemindert werden. Einer besonderen Belastung durch verkehrsbedingte Luftschadstoffe durch in
der Regel hohes Verkehrsaufkommen sind Verdichtungsräume sowie die verdichteten Bereiche im länd-
lichen Raum ausgesetzt. Die Verpflichtung zur Emissionsminderung betrifft hier nicht nur die Gemeinden,
sondern auch die Verursacher. Eine Verringerung der Luftbelastung im Interesse der Gesundheit der
Bevölkerung, aber auch um Vegetationsschäden Einhalt zu gebieten, kann hier vor allem durch:

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Landesentwicklungsplan 2003
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verstärkten Einsatz besonders emissionsarmer Kraftfahrzeuge und alternativer Antriebe,
eine Stärkung der Verkehrsträger des Umweltverbunds (Bahn-, Bus-, Rad-, Fußverkehr),
eine optimale Vernetzung aller Verkehrsträger und
die Stärkung eines umweltgerechten Verkehrs- und Mobilitätsverhaltens
erreicht werden.
Bei den lufthygienisch und bioklimatisch schutzwürdigen Freiraumbereichen handelt es sich dagegen
sowohl um Gebiete, welche auf Grund ihrer Bedeutung für die Erholung in Natur und Landschaft schutz-
bedürftig sind, als auch um Gebiete, die schutzbedürftige Lebensräume oder Teile davon aufweisen.
Diese Bereiche reagieren besonders empfindlich auf Emissionen und damit verbundene Schadstoff-
einträge. Speziell handelt es sich hierbei um Flächen von
1. Erholungs- und Kurgebieten
(z. B. Landschaftsschutzgebiete, Naturparke, Freiräume für naturverbundene Heilung und Erholung im
Umfeld von Kliniken, Bade- und Kureinrichtungen, kulturhistorisch attraktive Erholungsgebiete im Be-
reich von Ferienstraßen, siedlungsnahe Gebiete für die Nah- und Kurzzeiterholung, bereits bestehende
und in Entwicklung begriffene Erholungsgebiete in der Bergbaufolgelandschaft) und
2. schutzwürdigen Bereichen aus Naturschutzsicht
(z. B. FFH-Gebiete, Europäische Vogelschutzgebiete (SPA), geschützte Flächen und Objekte nach
SächsNatSchG sowie weitere Vorrang- oder Vorbehaltsgebiete Arten- und Biotopschutz).
zu Grundsatz 4.5.3
Hinsichtlich der bestehenden Waldschäden in den Kammlagen des Erzgebirges konnte ein deutlicher
Rückgang der Schwefeldioxid-Belastung durch Modernisierung der Braunkohlekraftwerke in Sachsen,
Tschechien und Polen erreicht werden. Das Langzeitgedächtnis der Böden führt jedoch nur zu einem
allmählichen Abklingen der Wirkungen der langjährigen hohen SO
2
-Einträge. Auch heute noch kommt ein
großer Teil der Schwefeldioxid-Belastung aus den Nachbarländern und kann somit vor allem durch Maß-
nahmen in diesen Ländern wesentlich reduziert werden. Zur Wiederherstellung der Gesundheit der Wäl-
der ist es daher wichtig, im Rahmen einer konstruktiven Zusammenarbeit mit anderen Bundesländern, der
Republik Polen und der Tschechischen Republik großräumigen Verfrachtungen von Luftbelastungen ent-
gegenzuwirken. Die Ursachen für die neuartigen Waldschäden sind heute vor allem in einer Zunahme der
Ozonbelastung und der Konzentration von Stickoxiden aus stationärer Verbrennung fester Brennstoffe
durch Industrie und Kraftwerke sowie Kfz-Emissionen zu sehen. Dieses Problem betrifft insbesondere die
ländlichen Gebiete und die oberen Lagen des Erzgebirges. Diese Gebiete lassen sich jedoch nicht weiter
räumlich konkretisieren. Eine Reduzierung dieser Emissionen ist Voraussetzung für eine Sanierung der
Wälder.
5 Siedlungsentwicklung
5.1 Siedlungswesen
Begriff:
Versorgungs- und Siedlungskern
Ein Versorgungs- und Siedlungskern einer Gemeinde ist der Ortsteil, der auf Grund seiner bereits
vorhandenen Funktionen und entsprechender Entwicklungsmöglichkeiten, seiner Erreichbarkeit (bei
Zentralen Orten für die Bevölkerung im Verflechtungsbereich) und seiner Verkehrsanbindung durch
den ÖPNV die Voraussetzung für die Versorgung der Bevölkerung (bei Zentralen Orten für die Bevöl-
kerung im Verflechtungsbereich) in zumutbarer Entfernung zu den Wohnstandorten bietet. Die Fest-
legung von Versorgungs- und Siedlungskernen erfolgt in den Regionalplänen, sofern ein überörtliches
Regelungserfordernis raumordnerisch begründet ist.

Landesentwicklungsplan 2003
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Schwerpunktbereiche für Siedlungsentwicklungen
Schwerpunktbereiche für Siedlungsentwicklungen sind regional und überregional bedeutsame Vor-
sorgestandorte z. B. für Industrie und Gewerbe, großflächige Freizeiteinrichtu ngen, Verkehrsanlagen.
Die Flächenausweisungen für Industrie und Gewerbe sollen eine Mindestgröße von 25 ha nicht unter-
schreiten. Ihre Festlegung erfolgt flächenhaft in den Regionalplänen, sofern ein überörtliches Rege-
lungserfordernis raumordnerisch begründet ist. Die Ausformung in der Bauleitplanung hat nach kon-
kretem Bedarf zu erfolgen.
Regionale Grünzüge
Regionale Grünzüge sind siedlungsnahe, zusammenhängende Bereiche des Freiraums mit unter-
schiedlichen ökologischen Funktionen oder naturnahen Erholungsmöglichkeiten, die von Bebauung
im Sinne einer Besiedlung oder anderen funktionswidrigen Nutzungen freizuhalten sind. Regionale
Grünzüge sind Ziele der Raumordnung.
Grünzäsur
Die Grünzäsur ist ein kleinräumiger Bereich des Freiraums zum Schutz siedlungsnaher
Erholungsfunktionen und zur Verhinderung des Zusammenwachsens dicht beieinander liegender
Siedlungsgebiete, insbesondere im Zuge von Achsen. Grünzäsuren sind Ziele der Raumordnung.
G 5.1.1
In den Regionalplänen sollen zur Konzentration der Siedlungstätigkeit gemäß der
Definition Versorgungs- und Siedlungskerne sowie Schwerpunktbereiche für Sied-
lungsentwicklungen ausgewiesen werden.
Z 5.1.2
In den Gemeinden soll die bauliche Eigenentwicklung möglich sein. Eine über die
Eigenentwicklung hinausgehende Siedlungstätigkeit ist in den Zentralen Orten gemäß
ihrer Einstufung und in den Gemeinden mit besonderen Gemeindefunktionen gemäß
den im Kap. 2.4 genannten Rahmenbedingungen und der Begriffsdefinition zulässig.
Z 5.1.3
Die Nutzung vorhandener Bauflächen soll Vorrang vor der Ausweisung neuer Bau-
gebiete haben. Der Bedarf neuer Bauflächen und -gebiete ist zu begründen. Dies soll
durch integrierte Entwicklungskonzepte oder durch entsprechende Teilentwicklungs-
konzepte erfolgen.
Z 5.1.4
Die Siedlungsentwicklung der Gemeinden soll sich in die vorhandene Siedlungs-
struktur und in die Landschaft einfügen. Vor der Neuausweisung von Baugebieten
außerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile soll der Erneuerung, Abrundung,
Verdichtung und maßvollen Erweiterung des Siedlungsgefüges Vorrang eingeräumt
werden.
Z 5.1.5
Brachliegende und brachfallende Bauflächen, insbesondere Gewerbe-, Industrie-,
Militär- oder Verkehrsbrachen, sollen beplant und wieder einer baulichen Nutzung zu-
geführt werden, wenn die Marktfähigkeit des Standortes gegeben ist. Nicht revitali-
sierbare Brachen sollen renaturiert werden.
Z 5.1.6
Zur Sicherung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung sollen neue Bauflächen
vorrangig in Anbindung an geeignete Siedlungseinheiten ausgewiesen werden, die
neben der Erschließung über die sonstigen erforderlichen Infrastruktureinrichtungen
ganz oder teilweise verfügen. Neue Baugebiete sollen an den SPNV/ÖPNV sowie an
das Rad- und Fußwegenetz angeschlossen werden.
G 5.1.7
Landesweit bedeutsame Projekte und Maßnahmen, die der Schaffung neuer Arbeits-
plätze und der wirtschaftlichen Entwicklung dienen, sollen in begründeten Einzelfällen
in allen Gemeinden zulässig sein, sofern die infrastrukturellen Voraussetzungen
gegeben sind.

56
Landesentwicklungsplan 2003
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G 5.1.8
Zur Erhaltung und Stärkung der kulturellen Identität und Unverwechselbarkeit der
Ortsbilder der Städte und Dörfer sollen unter dem Vorbehalt einer gesicherten
Finanzierung und entsprechender Eignung nicht mehr genutzte oder umgewidmete
Kulturdenkmale für eine öffentliche Nutzung saniert und herangezogen oder für eine
spätere Verwendung gesichert werden.
Z 5.1.9
In den Regionalplänen ist durch Ausweisung von Grünzäsuren und regionalen Grün-
zügen einer Zersiedlung der Landschaft entgegenzuwirken.
Begründung zu 5.1 Siedlungswesen
zu Grundsatz 5.1.1
Der Regionalplanung stehen mit den im Begriff erläuterten Instrumenten Eingriffsmöglichkeiten zur Steu-
erung der Siedlungstätigkeit bzw. für die langfristige Vorsorge von Raumnutzungen zur Verfügung. Der
jeweilige regionalplanerische Eingriff in die kommunale Planungshoheit muss erforderlich sein, abge-
wogen und begründet werden (z. B. bei der Ausweisung von Versorgungs- und Siedlungskernen), so dass
das im § 4 Abs. 3 Nr. 1 SächsLPlG verankerte Instrumentarium nicht willkürlich einsetzbar ist.
Schwerpunktbereiche für Siedlungsentwicklungen sollen ebenfalls nicht beliebig ausgewiesen werden.
Diese Ausweisungsoption setzt einen begründeten Bedarf voraus und dient einer vorsorglichen Sicherung
von geeigneten Standorten für die im Begriff genannten Nutzungen. Für die Ausweisung sind deshalb
Kriterien wie eine gute Verkehrsanbindung an das überregionale Straßennetz und ggf. Schienen-
anschluss, Eigentumsverhältnisse, Flächenverfügbarkeit, Konkurrenz zu anderen Standorten, Flächen-
sicherung in der Bauleitplanung, Anschluss an die technische Infrastruktur etc. heranzuziehen und gründ-
lich zu prüfen. Die flächenhafte Ausweisung erfolgt durch Vorrang- oder Vorbehaltsgebiete in den Re-
gionalplänen, die in der Bauleitplanung konkretisiert wird.
Eine Schwerpunktsetzung in den Zentralen Orten ermöglicht die gebündelte Inanspruchnahme von
zentralörtlichen Einrichtungen und ist eine wichtige Voraussetzung für die effiziente verkehrliche Anbin-
dung durch den ÖPNV, da ein hervorgehobener Versorgungs- und Siedlungskern ein größeres Ziel- und
Quellgebiet darstellt. Gerade vor dem Hintergrund abnehmender Bevölkerungszahlen und sich dadurch
verteuernder öffentlicher Infrastrukturen bzw. Versorgungseinrichtungen kommt der Konzentration der
Siedlungsentwicklung eine wichtige Bedeutung zu.
zu Ziel 5.1.2
Seit In-Kraft-Treten des ersten LEP 1994 hat sich in Sachsen die Siedlungsstruktur u. a. durch Suburbani-
sierungsprozesse gewandelt. Der Bestand an Bauflächen und verfügbaren Wohn- und Gewerbeflächen
vergrößerte sich erheblich. Zugleich nahm durch Bevölkerungsrückgang, Prozesse der sozialen Segrega-
tion u. a. Gründen die Nachfrage nach neuen Wohnbaustandorten ab, so dass z. Z. nicht nur weniger
nachgefragte Wohnungen (z. B. in Plattenhäusern von Großwohnsiedlungen) sondern auch sanierte oder
neu gebaute Mehrfamilienhäuser leer stehen. Vor diesem Hintergrund würde eine ungesteuerte Bau-
flächenentwicklung dem schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen (z. B. Boden) widersprechen
und wäre raumordnerisch keineswegs vertretbar. Der Landesentwicklungsplan setzt deshalb Grenzen für
eine raumordnerisch verträgliche Zunahme von Siedlungsflächen, indem die weitere Entwicklung an die
jeweilige zentralörtliche Einstufung oder an eine nachgewiesene besondere Gemeindefunktion unter
Beachtung der tatsächlichen demographischen Entwicklung geknüpft wird. Damit wird auch der weiteren
Zersiedlung der Landschaft entgegengewirkt.
Die Planungshoheit der Gemeinden schließt - ungeachtet der zentralörtlichen Einstufung - ein, dass jeder
Gemeinde eine bauliche Eigenentwicklung gemäß der Definition im Begriff (s. Kap. 2.4) zugestanden wird.
Das bedeutet, dass der Bedarf u. a. an Wohnungen, der sich aus der natürlichen Zunahme der Bevöl-
kerung oder auch bei rückläufiger Bevölkerungsentwicklung aus Veränderungen der Haushaltsstruktur,

Landesentwicklungsplan 2003
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aus dem Überalterungsgrad und dem schlechten Bauzustand vorhandener Wohnungen ergibt, für die ört-
liche Bevölkerung auf Wunsch in der eigenen Gemeinde gesichert wird. Bereits wirksame Wohn- und
Gewerbegebiete bleiben von den Festlegungen des LEP unberührt.
zu Ziel 5.1.3
Angesichts der bestehenden Überhänge an bebaubaren Flächen im Freistaat Sachsen ist neuer
Flächenbedarf unter Beachtung ungenutzter genehmigter Bauflächen, brachgefallener Baugebiete und
durch Einschätzung von Flächenreserven im unbeplanten Innenbereich zu begründen und nachzuweisen.
Als Instrumente dafür bieten sich Integrierte Stadtentwicklungskonzepte (INSEK), integrierte ländliche
Entwicklungskonzepte oder vergleichbare Teilentwicklungskonzepte an, damit eine ganzheitliche
Betrachtungsweise und eine prozessbezogene Auseinandersetzung zur Entwicklung einer Gemeinde
erkennbar wird (vgl. auch Kap. 5.2). Diese Konzepte stellen keine Planungen im Sinne der gesetzlichen
Vorschriften dar.
zu Ziel 5.1.4
Sachsen weist in weiten Landesteilen eine hohe Siedlungsdichte auf. Große zusammenhängende Frei-
flächen zwischen den Siedlungen sind selten und müssen daher erhalten werden. Die Verhinderung von
städtebaulich nicht integrierten neuen Baugebieten erfolgt darüber hinaus auch im Interesse eines
intakten Landschaftsbilds. Für die Bewertung einer maßvollen Erweiterung sind die Größe, Struktur und
Ausstattung der Gemeinde sowie ein nachgewiesener Bedarf und die Anbindung an die technische Infra-
struktur heranzuziehen.
zu Ziel 5.1.5
Als Folge des wirtschaftlichen Strukturwandels der vergangenen Jahre sowie auf Grund der Verände-
rungen im militärischen Bereich stehen landesweit große brachliegende oder nur vorübergehend noch
genutzte Flächen, die infrastrukturell erschlossen sind, zur Verfügung (z. B. der Textilindustrie, der Braun-
kohlen- oder Chemieindustrie, der Landwirtschaft). Die Entscheidung, welcher Nutzung diese Flächen
zukünftig zugeführt werden sollen, ist von vielen Faktoren abhängig und geht über einen städtebaulichen
Planungsansatz hinaus. Sie muss aus Sicht regionaler Zusammenhänge getroffen werden. Die ökolo-
gischen und räumlichen Auswirkungen der zukünftigen Nutzung auf die einzelnen Gemeinden gilt es zu
berücksichtigen. Für die Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit sächsischer Industrie- und Gewerbestand-
orte ist aber auch entscheidend, ob die bauliche Nachnutzung dieser Brachen auf marktfähigen Stand-
orten möglich ist. Deshalb ist bei der Sanierung von Brachen nicht in jedem Fall von einer baulichen
Nutzung auszugehen.
Neue Entwicklungsbereiche und Flächenpotenziale für die Kommunen entstehen auch mit der Moderni-
sierung und der Rationalisierung vor allem in Bahnhofsbereichen (unter Berücksichtigung des technischen
Umweltschutzes, der Altlastenproblematik sowie der noch bestehenden besonderen Zweckbestimmung
als Eisenbahnverkehrsflächen). Für eine Nachnutzung brachgefallener Bahnflächen kommt u. a. die An-
siedlung von Industrie und Gewerbe in Betracht.
Sowohl für Industriebrachen als auch für ehemals militärisch genutzte Flächen sind spezielle Unter-
suchungen nötig, um eine mögliche Gefährdung durch Altlasten zu ermitteln. Erst dann kann in Abhängig-
keit vom Flächenbedarf und von der städtebaulichen Eignung eine der vorgesehenen Nutzung ent-
sprechende Altlastenbehandlung und die Wiedernutzung solcher Flächen erfolgen.
zu Ziel 5.1.6
Bei der Ausweisung von Bauflächen gilt es darauf zu achten, dass eine gemeinsame Erschließung und
Erneuerung mit vorhandenen Siedlungskörpern möglich ist und vorhandene Einrichtungen mit genutzt
werden können sowie eine vorteilhafte Anbindung an den SPNV oder ÖPNV bzw. an bestehende Rad-
und Fußwegenetze besteht. Dies erhöht die Wirtschaftlichkeit der Infrastruktureinrichtungen. Die An-
bindung neuer Baugebiete an die bebaute Ortslage wirkt darüber hinaus einer Zersiedlung der Landschaft

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Landesentwicklungsplan 2003
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entgegen und vermindert die Flächeninanspruchnahme. Bei der Ausweisung von Bauflächen zum
Wohnen und Arbeiten sind daher die Nachfrage nach vielfältigen Wohnformen, die Rückbauerfordernisse
ungenutzten Wohnraums sowie das Flächenangebot und die Flächenverfügbarkeit in funktional ver-
flochtenen Gebieten zu berücksic htigen.
zu Grundsatz 5.1.7
Landesweit bedeutsame Vorhaben z. B. in der Wirtschaft (inkl. Tourismus) können in begründeten Einzel-
fällen auch außerhalb von Zentralen Orten angesiedelt werden, um damit z. B. in strukturschwachen
Gebieten zur Verbesserung des Arbeitsplatzangebotes beizutragen. Die Entscheidung darüber, ob ein
Vorhaben diesbezüglicher Art landesweit bedeutsam ist, trifft die oberste Raumordnungs- und
Landesplanungsbehörde im Benehmen mit den davon berührten Staatsministerien.
zu Grundsatz 5.1.8
Attraktivität, Unverwechselbarkeit und das Image der Städte und Dörfer sind im Bewusstsein der
Menschen in besonderem Maße auch an das Vorhandensein sowohl von moderner als auch historischer
Bausubstanz gebunden. Da bei Standortentscheidungen der Wirtschaft auch „weiche Standortfaktoren“
ausschlaggebend sein können, sollten die Gesichtspunkte wie Bestand an Kulturdenkmalen in Zentralen
Orten und hochwertige kulturelle Einrichtungen in historischer Bausubstanz berücksichtigt werden. Dabei
kommt der öffentlichen Hand (unter Beachtung finanzieller Aspekte) eine Vorbildfunktion zu, inwieweit sie
die wirtschaftliche Prosperität ihres Gemeinwesens verfolgt. Im Rahmen ihres Wirkungskreises sollte die
öffentliche Hand bei der Erfüllung ihrer Aufgaben und selbstgegebenen Ziele auch auf die bauliche
Nutzung von Kulturdenkmalen zurückgreifen. Insbesondere sollten nicht genutzte Kulturdenkmale saniert
oder Kulturdenkm ale hierfür soweit möglich umgewidmet werden.
zu Ziel 5.1.9
Auch bei einer geordneten Bauleitplanung in den Verdichtungsräumen sowie in verdichteten Bereichen im
ländlichen Raum besteht in beengten oder landschaftlich reizvollen Tallagen die Gefahr des Entstehens
einer ungegliederten Siedlungslandschaft. Dies hätte negative Auswirkungen auf das Orts- und Land-
schaftsbild, auf den Luftaustausch, das Kleinklima und die Erholungsnutzung. Die Ausweisung von regio-
nalen Grünzügen und Grünzäsuren in den Regionalplänen kann das Zusammenwachsen von Siedlungen
verhindern und einer Ausuferung der Siedlungsentwicklung und Zersiedlung der freien Landschaft ent-
gegenwirken. Sie erfolgt auch im Interesse des Naturschutzes sowie der Land- und Forstwirtschaft, deren
Belange im Rahmen der Ausweisung mit zu berücksichtigen sind.
Bei der Ausweisung der regionalen Grünzüge sind insbesondere die Belange des Klima- und Boden-
schutzes, von Natur und Landschaft und des Arten- und Biotopschutzes (insbesondere des Biotopver-
bunds) sowie Vernetzungsmöglichkeiten mit innergemeindlichen Grünflächen mit heranzuziehen.
5.2 Stadtentwicklung
Z 5.2.1
Die Funktionsfähigkeit des Siedlungsnetzes und der lokalen Wohnungsmärkte soll
durch einen zielgerichteten Stadtumbau gesichert werden. Dazu sollen die Gemeinden
integrierte Entwicklungskonzepte oder Teilentwicklungskonzepte, welche auf einem
fachübergreifenden Konsens basieren, für ihre Weiterentwicklung aufstellen,
fortschreiben und umsetzen.
Z 5.2.2
Der Stadtumbau soll die gesamte Stadt aufwerten und die Funktionsfähigkeit der
Stadt auf Dauer sichern. Dabei soll die Funktion der Innenstadt unter Berücksich-
tigung historischer Besonderheiten gestärkt werden.

Landesentwicklungsplan 2003
59
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G 5.2.3
Der Stadtumbau soll in der Regel von außen nach innen erfolgen. Das Auseinander-
brechen des Stadtgefüges ist durch eine zweckmäßige Nutzung städtebaulich inte-
grierter Lagen sowie nach Rückbau freiwerdender Flächen zu verhindern.
Begründung zu 5.2 Stadtentwicklung
Die prognostizierte demographische Entwicklung in Sachsen erfordert ein grundsätzliches Umdenken in
der Stadtentwicklung. War die bisherige Stadtplanung auf einen stetig wachsenden Bedarf an neuen Sied-
ungsflächen ausgerichtet, werden die sächsischen Städte nun mit den Auswirkungen des natürlichen
Bevölkerungsrückgangs, der Abwanderung vorrangig jüngerer Bevölkerungsgruppen, dem Überhang des
Wohnungsbestands und der Suburbanisierung konfrontiert. Stadtumbau ist ein durch demographische
und ökonomische Veränderungen bedingter Schrumpfungs- und Umbauprozess vorhandener Gemeinde-
strukturen. Hierbei müssen Rückbau und Aufwertung aller betroffenen Bereiche durch koordinierte Maß-
nahmen zur Stärkung der Zentralfunktion der Kernstädte führen.
In den letzten Jahren sind die lokalen Wohnungsmärkte in eine dramatische Schieflage geraten. Die Situ-
ation wird zunehmend von extremen Leerstandsraten vermietbarer Wohnungen, insbesondere in Platten-
baugebieten aus DDR-Zeiten, geprägt. Leerstände können sehr schnell zum Niedergang ganzer noch in-
takter Wohnquartiere führen. Die Städte drohen in Teile aus leeren Altbaugebieten, in neuer Pracht wieder
enstandenen Stadtkernen, halbleeren durch Abriss schrumpfenden Plattenbausiedlungen und neuen Ein-
familienhaussiedlungen zu zerfallen. Die daraus entstehenden Folgekosten sind für die Gesellschaft so
gut wie nicht mehr finanzierbar. Die andererseits weiterhin bestehende Nachfrage nach bedarfsgerechten
Wohnformen, wie kostengünstigen Eigenheimen und altersgerechten Wohnungen, zwingt zu einer Um-
strukturierung des gesamten Wohnungsmarktes unter Koordination der Gemeinden und Mitwirkung aller
großen Wohnungsanbieter. Der Bildung von Wohneigentum im Bestand ist Vorrang einzuräumen.
Die Komplexität der gesellschaftlichen Veränderungen und die Finanznot der öffentlichen Hand zwingen
zum effektiven Einsatz der Ressourcen und zur Bündelung von Maßnahmen. Die Gemeinden sind aus
dieser Situation heraus gefordert, mit einem integrativen Ansatz ressortübergreifende integrierte
Entwicklungskonzepte zu erarbeiten, fortzuschreiben und umzusetzen. In städtisch geprägten Gemeinden
sind zur Vorbereitung stadtentwicklungspolitischer Entscheidungen „Integrierte Stadtentwicklungs-
konzepte“ (INSEK) erforderlich. In der überwiegenden Zahl ländlich geprägter Gemeinden können hierfür
je nach Problemlage abgestimmte Teil-Entwicklungskonzepte ausreichen, aus denen heraus dann lang-
fristig integrierte Entwicklungskonzepte erarbeitet werden sollen. Diese Konzepte stellen keine Planungen
im Sinne der gesetzlichen Vorschriften dar. Inwieweit auch Industriedörfer z. B. im Braunkohlenplangebiet
eine überwiegend städtische oder ländliche Prägung besitzen, ist im Einzelfall zu entscheiden.
Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept beinhaltet die fachübergreifende Bündelung stadtentwicklungs-
relevanter Maßnahmen durch die Gemeinde, wobei der integrative Ansatz die gleichwertige und gleich-
berechtigte Behandlung aller am Stadtentwicklungsprozess beteiligten Bereiche sichert.
Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept ist an die sich verändernden Schwerpunktsetzungen und
Rahmenbedingungen kontinuierlich anzupassen. Eine solche Herangehensweise erfordert für die kom-
munale Ebene eine konsequente Abstimmung bei der Festlegung und Umsetzung stadtentwicklungsrele-
vanter Maßnahmen zwischen allen Fachbereichen, (z. B. Wohnungswesen, Wirtschaft, Verkehr, Umwelt,
Soziales, Kultur, Bildung, Finanzen) sowie mit privaten Akteuren. Dieser Prozess beginnt bei der Pro-
blemanalyse und verläuft über die Abstimmung in der Prioritätenfestsetzung hin zur gemeinsamen Fest-
legung der Umsetzungsstrategien, um Fehlentwicklungen weitestgehend zu unterbinden und maximale
Synergieeffekte beim Einsatz der finanziellen Mittel zu erreichen. Durch die Einbeziehung aller Beteiligten
wird die Basis für eine schnelle Realisierbarkeit der Maßnahmen je nach Dringlichkeitsstufe geschaffen.
Aufgabe der Gemeinden als Träger der kommunalen Planungshoheit bleibt es, diesen Prozess zu
koordinieren und zu steuern.
Im Stadtumbau ist es notwendig, städtebauliche Aufwertung und Rückbau miteinander zu verbinden sowie
die Funktionalität der Städte zu verbessern. Der bedarfsgerechte Umbau des Wohnungsbestands, die

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Landesentwicklungsplan 2003
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standortgerechte Nutzung von Brachflächen sowie die Mobilisierung von innerstädtischen Bauland-
reserven stellen in Kombination mit einem geordneten Rückbau der Städte wichtige Maßnahmen dar, um
die vorhandene Infrastruktur für Verkehr, Stadttechnik und Versorgung auch in Zukunft wirtschaftlich be-
treiben zu können. Dabei sollte der Stadtumbau nicht als kurzfristiger Prozess zur Bereinigung des
Wohnungsmarkts verstanden werden, sondern langfristig unter Berücksichtigung der Bevölkerungs-
entwicklung auf die Verbesserung der funktionalen, sozialen und wirtschaftlichen Vielfalt und Qualität
städtischer Lebensräume abzielen.
5.3 Ländliche Entwicklung und Dorfentwicklung
G 5.3.1
Die historisch gewachsenen Landschaftsstrukturen sind zur Stärkung der regionalen
Identität im Konsens mit den agrarstrukturellen Anforderungen zu sanieren und zu
erhalten. Ihre Erhaltung und Pflege soll mit einer flächendeckenden und nachhaltigen
Bewirtschaftung durch die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft erfolgen. Ländliche
Wege sollen bedarfsgerecht unter Berücksichtigung touristischer Belange ausgebaut
werden.
G 5.3.2
Die räumlichen Voraussetzungen für die Erhaltung und Stärkung der Land- und Forst-
wirtschaft und für das Entstehen gemeinschaftlicher Einrichtungen, für die Er-
zeugung, Erfassung, Verarbeitung sowie für die regionale und überregionale Vermark-
tung der Erzeugnisse land- und forstwirtschaftlicher Unternehmen sind zu schaffen.
G 5.3.3 Bei der Dorfentwicklung sind historisch gewachsene Siedlungsstrukturen und
typische Baustile unter Berücksichtigung zeitgemäßer Anforderungen zu bewahren
und weiterzuentwickeln. Notwendige Eingriffe sollen so angepasst werden, dass das
regionaltypische Erscheinungsbild fortbesteht und alte Siedlungskerne nicht grund-
legend überformt werden. Dabei sollen ortsprägende und historisch bedeutsame
Gebäude von öffentlichem Interesse, einschließlich Parkanlagen, erhalten, saniert,
genutzt und gepflegt werden.
Z 5.3.4
Den agrarstrukturellen Belangen ist bei der Dorfentwicklung besonderes Gewicht
einzuräumen.
G 5.3.5
Die Erwerbsgrundlagen in dörflich geprägten Siedlungen sollen durch die Ansiedlung
neuer Gewerbe und Dienstleistungen, durch Einnahmemöglichkeiten aus Tourismus
und Maßnahmen der Landschaftspflege erweitert werden. Für die Eigenentwicklung
soll vorrangig leerstehende Bausubstanz revitalisiert oder umgenutzt werden. Be-
darfsweise soll deren Rückbau, eine standortangepasste Neu- und Verdichtungs-
bebauung bzw. eine Renaturierung möglich sein.
Z 5.3.6
Die Verkehrssituation der Dörfer soll durch den Anschluss an das ÖPNV-Netz bzw. die
Optimierung der Netzgestaltung, den zeitgemäßen Ausbau des ländlichen Wegenetzes
sowie die Vernetzung von Rad- und Gehwegen verbessert werden.
Hinweis:
Weitere Plansätze zur Entwicklung des ländlichen Raums sind auch in den Kapiteln 2.4, 2.5, 4, 5.1, 6,
8, 9, 16 enthalten.
Begründung zu 5.3 Ländliche Entwicklung und Dorfentwicklung
zu Grundsatz 5.3.1
Die ländliche Entwicklung erfolgt in Landschaftsbereichen, in denen einerseits ursächlich wesentliche
natürliche Lebensgrundlagen für die Menschen vorhanden und zu bewahren sind und in denen anderer-

Landesentwicklungsplan 2003
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seits die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft die Kulturlandschaft maßgeblich geprägt hat. Die Kultur-
landschaft umfasst hier als funktionale Einheit die Freiräume und die eingelagerten dörflichen Siedlungen,
die maßgeblich durch landwirtschaftliche Bausubstanz geprägt sind. Die historisch entstandenen Land-
schaftsstrukturen dieser Kulturlandschaft besitzen überwiegend noch ein hohes Maß an ökologischer
Leistungsfähigkeit und Landschaftsästhetik. Auch für die Zukunft müssen bei der ländlichen Entwicklung
im Unterschied zur Stadtentwicklung die agrarstrukturellen Belange und die Erfordernisse zur Wahrung
der Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts auf Basis der natürlichen Standortverhältnisse sowie die viel-
fältigen gesellschaftlichen Nutzungsansprüche und der außeragrarische Flächenbedarf als vernetzte Ein-
heit behandelt werden. Hierbei umfassen die agrarstrukturellen Belange vor allem betriebswirtschaftliche
Belange und Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Land-, Forst- und Fischerei-
wirtschaft, die Vermarktung ihrer Produkte sowie die hierfür erforderlichen technischen und sonstigen
Infrastrukturen und Dienstleistungen. Ökologisch und landeskulturell besonders bedeutsame Teilflächen
und Strukturelemente sind zu erhalten und speziell zu bewirtschaften.
Der Ausbau des ländlichen Wegenetzes orientiert sich vorrangig am Bedarf der Land- und Forstwirtschaft
und umfasst den an die künftigen Belastungen angepassten differenzierten Ausbau des vorhandenen
Wegenetzes wie auch dessen teilweise notwendige Verdichtung. Dabei ist auch eine Wiederherstellung
von in der Vergangenheit beseitigten Wegen zu prüfen. Fahrbahnversiegelungen sind hierbei auf das
verkehrstechnisch notwendige Maß zu beschränken. Touristische Belange sind vor allem durch die
funktionale Vernetzung von Wander-, Rad- und Reitwegen zu berücksichtigen.
zu Grundsatz 5.3.2
Die dauerhafte Bewirtschaftung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen kann u. a. durch Verfahren
der Ländlichen Neuordnung unterstützt werden. Dazu gehören u. a. der Wirtschaftswegebau, die Lösung
von Nutzungskonflikten, die Eigentumsregelung, die Herstellung einer standortgerechten Schlageinteilung
,
und die Ausstattung der Landschaft mit Kulturlandschaftselementen. Darüber hinaus sollten Standorte von
Anlagen der Tierhaltung bei der Vermeidung von Konflikten mit anderen Nutzern Beachtung finden. Durch
die Schaffung wettbewerbsfähiger Einrichtungen für die Erfassung, Verarbeitung und Vermarktung
landwirtschaftlicher Erzeugnisse soll gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen
Betriebe verbessert und somit ein Beitrag zur Erhaltung des ländlichen Raums geleistet werden.
Fundament einer umweltgerechten und verbraucherfreundlichen Landwirtschaft sind wettbewerbsfähige
Betriebe. Nur wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen sind in der Lage, wachsende Ansprüche an Qualität
und regionale Herkunft zu erfüllen.
zu Grundsatz 5.3.3
Guterhaltene historische Siedlungsformen, wie Waldhufendörfer, Straßen- und Angerdörfer, Rundlinge,
und Ensemble dieser Siedlungsformen sind Ausdruck der kulturlandschaftlichen Vielfalt in Sachsen, die
z. B. im Rahmen der Dorfentwicklung zweckmäßig bewahrt werden können. Jedoch stehen auch in den
Dörfern vielfach Wohngebäude, Hofanlagen und Gewerbeflächen leer bzw. werden nicht genutzt. Wo eine
bauliche Nachnutzung nicht absehbar ist, muss der Abriss von Bausubstanz für eine künftige
Neubebauung oder Renaturierung möglich sein. Die Attraktivität von Dörfern kann des Weiteren erhöht
werden, wenn der Grünflächenanteil in den Dörfern erweitert wird (Erhaltung und Ausdehnung
siedlungsstruktureller Freiräume). Dies steht im Einklang mit einer funktionswahrenden Erhaltung von alter
bzw. dörflicher Bausubstanz und dient der Umsetzung der AGENDA 21. Gleichermaßen soll zur
Minderung infrastruktureller Kosten eine angepasste Lückenbebauung möglich sein.
zu Ziel 5.3.4, Grundsatz 5.3.5 und Ziel 5.3.6
Die agrarstrukturellen Belange beinhalten im Rahmen der ländlichen Entwicklung auch die land-, forst-
und fischereiwirtschaftlichen Aspekte. Das Angebot von Flächen für landwirtschaftliche Einrichtungen,
insbesondere Bauflächen auch für Tierhaltungsanlagen, ist ein wesentlicher Beitrag für die wirtschaftliche
Entwicklung im ländlichen Raum. Daher fällt den Gemeinden im ländlichen Raum die Aufgabe zu, im
Rahmen ihrer Eigenentwicklung hinreichend Bauflächen für landwirtschaftliche Einrichtungen einschließ-
lich für die Tierhaltung vorzuhalten. Die mit der ländlichen Entwicklung auftretenden Nutzungs- und

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Landesentwicklungsplan 2003
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Strukturkonflikte, eine erforderliche Sanierung von Landschaftselementen, die Neugestaltung des länd-
lichen Wegenetzes wie auch notwendige Eigentumsregelungen können auf Dauer insbesondere durch
ganzheitlich integrierte ländliche Entwicklungsplanungen und Verfahren der Ländlichen Neuordnung
gelöst werden.
Nicht nur hinsichtlich der siedlungsstrukturtypischen Freiraumerhaltung, sondern auch für den funktions-
wahrenden Erhalt alter Bausubstanz und damit der Attraktivität des ländlich geprägten Raums ist insbe-
sondere die landwirtschaftliche Nutzung alter Hofstellen zu unterstützen. Dabei hat u. a. auch die Bauleit-
planung besonderes Augenmerk darauf zu richten, dass der direkten und indirekten Veränderungswirkung
des umgebenden Siedlungsdrucks wirksam gegengesteuert wird (z. B. Ausweisung von Dorfgebieten im
Flächennutzungsplan, Berücksichtigung von Ergebnissen der AEP).
Ein wichtiges endogenes Potenzial sind die dörflichen Siedlungsstrukturen mit ihrer Attraktivität, kultu-
rellen und bodenständigen Ausprägung sowie der besonderen Naturnähe durch die sie großflächig ein-
bindenden Freiraumlandschaften. Diese Potenziale und Kapazitäten sind durch eine integrierte Land- und
Dorfentwicklung zu nutzen. Eine qualitätsorientierte Weiterentwicklung der Bereiche Arbeiten, Wohnen
und Touristik sowie die Aufwertung der Infrastruktur verbessern die Lebensqualität in den Dörfern. Des
Weiteren sind die Bewohner der Dörfer auf eine günstige Erreichbarkeit der Zentralen Orte angewiesen,
um die dort befindlichen Arbeitsplätze und dieVersorgungs-, Freizeit- und Erholungseinrichtungen zu
nutzen. Eine Optimierung der Netzgestaltung im ÖPNV und die Aufrechterhaltung der Bedienung sowie
der Bau bzw. die Vernetzung von Wegesystemen sind dafür wichtige Voraussetzungen. Des Weiteren
sollen verstärkt Möglichkeiten von mobilen Versorgungs- und Dienstleistungsangeboten in den Dörfern
geschaffen werden.
Neben Handwerks-, Forst- und Landwirtschaftsbetrieben als Erwerbsgrundlagen können in geeigneten
Gebieten touristische Angebote als Zusatzeinkommen oder neue Erwerbszweige erschlossen werden.
Dies setzt u. a. eine Erholungsqualität im gesamten Dorf sowie die Erweiterung landwirtschaftlich bzw.
dörflich bezogener Freizeitangebote (z. B. Reiterhöfe) und Qualitätsprodukte (z. B. hochwertige oder auch
ökologisch erzeugte Nahrungsmittel) voraus.
6 Gewerbliche Wirtschaft und Handel
6.1 Gewerbliche Wirtschaft
G 6.1.1
Die räumlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen für eine nachfrageorientierte
Entwicklung attraktiver Industrie- und Gewerbestandorte sollen geschaffen werden
und zur Ansiedlung neuer sowie zur Erhaltung, Erweiterung oder Umstrukturierung
bestehender Industrie- und Gewerbebetriebe beitragen.
G 6.1.2
Mit der Weiterentwicklung und Profilierung der bestehenden Ausbildungs- und Quali-
fizierungszentren, der Forschungseinrichtungen, der Technologietransferstellen und
der Gründerzentren sollen günstige Rahmenbedingungen für die Gründung selb-
ständiger Existenzen und für innovative Weiterentwicklungen in den Betrieben vor-
gehalten werden.
G 6.1.3
In den Gemeinden sollen bedarfsgerecht gewerbliche Bauflächen zur Sicherung der
Eigenentwicklung zur Verfügung gestellt werden.
G 6.1.4
Durch die Träger der Regionalplanung soll die Flächensicherung für die Ansiedlung
von Industrie- und Gewerbebetrieben mit überregionaler Bedeutung unterstützt
werden.

Landesentwicklungsplan 2003
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Begründung zu 6.1 Gewerbliche Wirtschaft
zu Grundsatz 6.1.1
Für seine weitere Entwicklung benötigt der Freistaat Sachsen eine leistungsfähige Wirtschaft, für die es
gilt, die Voraussetzungen durch Schaffung optimaler Standortbedingungen herzustellen. Dazu zählen
nicht nur die Erreichbarkeit von Absatz- und Beschaffungsmärkten, die Verkehrsanbindung und das
Angebot von Arbeitskräften, sondern auch die wirtschaftsbezogene Infrastruktur und das Vorhandensein
hochwertiger Kultur-, Bildungs-, Forschungs- und Freizeiteinrichtungen.
Die Stärkung der Wirtschaftskraft des Freistaats Sachsen erfordert, dass die einzelnen Regionen die Mög-
lichkeit erhalten, ihr vorhandenes wirtschaftliches Potenzial durch Neuansiedlungen und Neugründungen
von Betrieben zu entwickeln. Dies gilt vor allem für Gebiete, die vom Strukturwandel auf Grund ihrer ein-
seitigen wirtschaftlichen Ausrichtung besonders betroffen sind. Dabei kommt der Nutzung von Brachen
sowie der Verdichtung/Auslastung bereits vorhandener bzw. baurechtlich genehmigter Industrie- und Ge-
werbegebiete eine besondere Bedeutung zu. Für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gilt es, die
Standortbedingungen ständig den wirtschaftlichen Erfordernissen entsprechend flexibel zu gestalten.
Insbesondere gilt es, gewerblichen Betrieben verschiedener Branchen und Größen die Ansiedlung und
Erweiterung zu ermöglichen, um die Wirtschaftskraft zu verbessern und Abwanderungstendenzen
entgegenzuwirken sowie den Standortwettbewerb der Regionen untereinander zu fördern. Dabei sind
allerdings auch die Allokationsvorteile von Ober- und Mittelzentren zu beachten.
zu Grundsatz 6.1.2
Der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit dient vor allem die Umsetzung von Forschungsergebnissen
in Produktinnovationen. Insbesondere der Mittelstand, der oft über keine eigenen Forschungs- und Ent-
wicklungs- (FuE-) Kapazitäten verfügt, ist auf Forschungs- und Technologietransfereinrichtungen ange-
wiesen bzw. auf eine enge Kooperation mit den Hochschuleinrichtungen. Diese Technologietransfer-
einrichtungen sollen die Technologievermittlung und -beratung zwischen grundlagenorientierter Hoch-
schulforschung und anwendungsorientierter außeruniversitärer Forschung und Entwicklung und kleinen
sowie mittelständischen Unternehmen im Freistaat Sachsen herstellen. Hierbei sind für den Freistaat
Sachsen die Schlüssel- und Zukunftstechnologien als Schwerpunktbereiche zu verstehen.
zu Grundsatz 6.1.3
Das Angebot an gewerblichen Bauflächen ist die Voraussetzung für die wirtschaftliche Eigenentwicklung
jeder Gemeinde. Daher fällt den Gemeinden die Aufgabe zu, im Rahmen ihrer Eigenentwicklung hin-
reichend und der Nachfrage entsprechend marktfähige gewerbliche Bauflächen vorzuhalten. Im Rahmen
der interkommunalen Zusammenarbeit sollen gemeinsame Gewerbegebiete und Gewerbeverbünde
geschaffen werden.
zu Grundsatz 6.1.4
Die Träger der Regionalplanung sollen eine langfristige Standortvorsorge für großflächige, überregional
bedeutsame Industrie und Gewerbe gewährleisten. Ausgehend von der Notwendigkeit, Nachfragen von
Investoren zur Flächeneignung und -notwendigkeit zügig beantworten zu können und mit dem Ziel, poten-
zielle Standortbereiche freizuhalten, sollten planerische Instrumente zur Flächenermittlung und -
freihaltung eingesetzt werden. Hierbei sind die Standortanforderungen der Wirtschaft, wie Verkehrsgunst,
Flächeneignung, Lage zu Zentralen Orten, Eigentumsverhältnisse, Flurstücksgröße und -zuschnitt sowie
der Stand der Bauleitplanung unter Berücksichtigung der Belange des Natur- und Umweltschutzes zu
Grunde zu legen.

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Landesentwicklungsplan 2003
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6.2 Handel
Begriff:
Großflächige Einzelhandelseinrichtungen sind die von § 11 Abs. 3 BauNVO erfassten Vorhaben.
Z 6.2.1 Die Ansiedlung, Erweiterung und wesentliche Änderung von Einkaufszentren
(einschließlich Factory Outlet Center) und großflächigen Einzelhandelsbetrieben
sowie sonstigen großflächigen Handelsbetrieben (großflächige Einzelhandelseinrich-
tungen) sind nur in Ober- und Mittelzentren, bei überwiegend innenstadtrelevanten
Sortimenten nur in städtebaulich integrierter Lage, zulässig.
Z 6.2.2 Großflächige Einzelhandelseinrichtungen sind zur Sicherung des überwiegend
kurzfristigen Bedarfs auch in Grundzentren in einer Größenordnung in der Regel bis
2 000 m² Verkaufsfläche zulässig, wenn für den Versorgungsbereich der Bedarf
nachgewiesen wird und eine interkommunale Abstimmung erfolgt.
Z 6.2.3 Der Einzugsbereich großflächiger Einzelhandelseinrichtungen soll den
Verflechtungsbereich des Zentralen Ortes nicht wesentlich überschreiten.
Benachbarte Zentrale Orte sollen ihre Planungen untereinander abstimmen.
Z 6.2.4
Die Ansiedlung, Erweiterung oder wesentliche Änderung von großflächigen Einzel-
handelseinrichtungen soll weder durch Lage, Größe oder Folgewirkungen das
städtebauliche Gefüge, die Funktionsfähigkeit des zentralörtlichen
Versorgungszentrums oder die verbrauchernahe Versorgung substanziell
beeinträchtigen.
Z 6.2.5
Großflächige Einzelhandelseinrichtungen sollen auch durch den ÖPNV erreichbar
sein.
Z 6.2.6
Bei Planungen zur Errichtung von großflächigen Einzelhandelseinrichtungen, von
denen erhebliche Auswirkungen auf benachbarte Bundesländer oder Staaten zu
erwarten sind, ist eine Beteiligung der für Raumordnung/Regionalplanung
zuständigen Stellen erforderlich.
Begründung zu 6.2 Handel
zum Begriff
§ 11 Abs. 3 der Verordnung über die bauliche Nutzung der Grundstücke (Baunutzungsverordnung - BauNVO) in der
Fassung der Bekanntmachung vom 23. Januar 1990 (BGBl. I. S. 132), zuletzt geändert durch Art. 3 des
Investitionserleichterungs- und Wohnbaulandgesetzes vom 22. April 1993 (BGBl. I. S. 466), bestimmt, dass
großflächige Einzelhandelseinrichtungen (Einkaufszentren, großflächige Einzelhandelsbetriebe und sonstige
großflächige Handelsbetriebe), die sich nach Art, Lage oder Umfang auf die Verwirklichung der Ziele der
Raumordnung oder auf die städtebauliche Entwicklung und Ordnung nicht nur unwesentlich auswirken können,
außer in Kerngebieten (§ 7 BauNVO) nur in für sie festgesetzten Sondergebieten zulässig sind. Auswirkungen im
vorgenannten Sinne sind nach § 11 Abs. 3 Satz 2 BauNVO insbesondere schädliche Umwelteinwirkungen im Sinne
des § 3 des Bundes-Immissionsschutz gesetzes sowie Auswirkungen auf die infrastrukturelle Ausstattung, auf den
Verkehr, auf die Versorgung der Bevölkerung im Einzugsbereich der Einzelhandelseinrichtungen, auf die
Entwicklung zentraler Versorgungsbereiche in der Gemeinde oder in anderen Gemeinden, auf das Orts- und
Landschaftsbild und auf den Naturhaushalt. § 11 Abs. 3 Satz 3 BauNVO enthält eine Regelvermutung für
großflächige Einzelhandelseinrichtungen dahingehend, dass die genannten Auswirkungen in der Regel anzunehmen
sind, wenn die Geschossfläche 1 200 m² überschreitet. Diese Regelvermutung gilt gemäß § 11 Abs. 3 Satz 4
BauNVO dann nicht, wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass Auswirkungen
bereits bei weniger als 1 200 m² Geschossfläche vorliegen oder
bei mehr als 1 200 m² Geschossfläche nicht vorliegen.
Neben der Geschossfläche enthält § 11 Abs. 3 BauNVO noch das Merkmal der „Großflächigkeit“. Zur Bestimmung
der Großflächigkeit stellt die Rechtsprechung auf die Verkaufsfläche ab. Die Großflächigkeit beginnt dort, wo

Landesentwicklungsplan 2003
65
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üblicherweise die Größe von der wohnungsnahen Versorgung dienenden Einzelhandelsbetrieben (sog.
Nachbarschaftsläden) ihre Obergrenze findet. Diese Grenze liegt, unabhängig von regionalen und örtlichen
Verhältnissen, nach der derzeitigen Rechtsprechung bei einem Schwellenwert von etwa 700 m² Verkaufsfläche
(Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 22. Mai 1987, 4 C 19.85).
zu Ziel 6.2.1
Sachsen weist eine deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegende Handelsfläche pro Einwohner auf.
Damit ist die Versorgung der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen gewährleistet. Der Anteil groß-
flächiger Einzelhandelsbetriebe ist wesentlich höher als in den alten Bundesländern. In kleinen Ge-
meinden abseits der großen Einkaufszentren und teilweise in Wohngebieten der Städte ist die wohnort-
nahe Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs für Personen ohne Pkw dagegen nicht immer aus-
reichend gesichert, weil kleine Einzelhandelsbetriebe fehlen. Im ländlichen Raum soll über den Ausbau
der Grundzentren die Grundversorgung gesichert werden, während in manchen Ortsteilen der nicht-
zentralen Gemeinden vielfach auch über Nebenerwerbseinrichtungen oder mobile Verkaufsangebote eine
wirtschaftliche Versorgung möglich ist.
Zukünftig soll die Ansiedlung oder Erweiterung von großflächigen Einzelhandelseinrichtungen mit über-
wiegend innenstadtrelevanten Sortimenten nur noch in städtebaulich integrierter Lage der Ober- und
Mittelzentren erfolgen, wo sie zur Stärkung städtischer Funktionen beitragen kann. Städtebaulich integriert
bedeutet dabei eine auch für nichtmobile Bevölkerungsgruppen günstige Lage zum Stadtkern oder zu
Stadtteilzentren mit Anbindung an den ÖPNV. Sie können somit für die Bewohner der Verflechtungs-
bereiche der Zentralen Orte die Versorgung mit Waren des häufigen oder seltenen Bedarfs übernehmen
und auch die Grundversorgung für große Teile der städtischen Bevölkerung absichern.
Entsprechend gilt dies auch für die Ansiedlung und Erweiterung von Factory Outlet Centern (FOC), bei
denen es sich um Einkaufszentren handelt, in denen der Betreiber eine Vielzahl von Geschäftslokalen
zum Direktvertrieb an Hersteller oder von ihnen beauftragte Dritte vermietet. Wegen der Größe dieser
FOC und der vom Betreiber geplanten Einzugsgebiete über eine Stunde Fahrtzeit mit dem PKW sowie der
überwiegend innenstadtrelevanten Sortimente sollten für FOC Gutachten erstellt werden, die sowohl die
Einzelhandelssituation als auch die städtebaulichen Auswirkungen im Einbezugsbereich erfassen. FOC
werden in der Regel nur in Oberzentren stadtverträglich anzusiedeln sein.
Die raumordnerische Beurteilung der Ansiedlung, Erweiterung oder wesentliche Änderung der
grundsätzlich nur in Mittel- und Oberzentren zulässigen großflächigen Einzelhandelseinrichtungen ist
künftig differenziert vorzunehmen. Die vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen in
Abstimmung mit der Bauministerkonferenz, der Ministerkonferenz für Raumordnung, den kommunalen
Spitzenverbänden und den Spitzenverbänden des Einzelhandels eingerichtete Arbeitsgruppe
„Strukturwandel im Lebensmitteleinzelhandel und § 11 Abs. 3 BauNVO“ kommt in ihrem Abschlussbericht
zum Ergebnis, dass dem Lebensmitteleinzelhandel eine besondere Bedeutung im Hinblick auf die
Sicherung einer verbrauchernahen Versorgung der Bevölkerung zukommt, so dass von großflächigen
Lebensmitteleinzelhandelsbetrieben in größeren Gemeinden und Ortsteilen auch oberhalb der
Regelvermutungsgrenze von 1 200 m² aufgrund einer Einzelfallprüfung dann keine negativen
Auswirkungen auf die Versorgung der Bevölkerung und den Verkehr ausgehen können, wenn:
-
der Non-Food-Anteil weniger als 10 v. H. der Verkaufsfläche beträgt, und
-
der Standort
verbrauchernah und
hinsichtlich des induzierten Verkehrsaufkommens „verträglich“
-
sowie städtebaulich integriert ist.
Die dazu erforderlichen Prüfungen sollten, sofern keine Besonderheiten vorliegen, im Rahmen einer typi-
sierenden Betrachtungsweise erfolgen. Dies bedeutet, da eine Raumbedeutsamkeit in größeren Städten
erst bei mehr als 1 500 m² Verkaufsfläche zu erwarten ist, dass eine Prüfung unterhalb dieser Grenze in
Mittel- und Oberzentren durch die Raumordnungsbehörden nicht erforderlich ist. Dies gilt auch für Einzel-
handelsbetriebe in anderen Branchen. Auch bei diesen Betrieben ist bis zu einer Verkaufsfläche von
1 500 m² in Mittel- und Oberzentren eine raumordnerische Prüfung in der Regel nicht erforderlich.

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Landesentwicklungsplan 2003
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zu Ziel 6.2.2
In Grundzentren wird die Möglichkeit eröffnet, raumbedeutsame großflächige Einzelhandelseinrichtungen
für den überwiegend kurzfristigen Bedarf (Flächenanteile für Nahrungs- und Genussmittel, Bäcker,
Fleischer, Drogerieerzeugnisse, Zeitungen/Zeitschriften u. ä.) ab einer Verkaufsfläche von 700 m² bis zu
einer Größe von 2 000 m² zuzulassen, wenn in einer Einzelfallprüfung ein Bedarf für die geplanten
Sortimente über ein unabhängiges Gutachten oder ein regionales Einzelhandelskonzept nachgewiesen
werden kann. Jedoch soll die Verkaufsfläche in einem solchen Falle regelmäßig 2 000 m² nicht
überschreiten. Damit wird dem Strukturwandel des Lebensmitteleinzelhandels Rechnung getragen, da
diese Fläche für ein volles Sortiment als untere Grenze für einen wirtschaftlichen Betrieb angesehen wird.
Eine Ausnahme kommt insbesondere in Betracht, wenn eine höhere Verkaufsfläche bei einer
betriebsformbezogenen Betrachtung für den längerfristig wirtschaftlichen Betrieb erforderlich ist.
zu Ziel 6.2.3
Gerade wegen der bereits überdurchschnittlichen Ausstattung mit Einzelhandelsflächen sind bei Neu-
errichtung und Erweiterung die Verflechtungsbereiche der Zentralen Orte zu beachten und die Entwick-
lung mit dem Bestand und den Planungen der benachbarten Zentralen Orte, insbesondere der Ober-
zentren abzustimmen. Lücken in der Branchenvielfalt sollten durch Angebote an Immobilien und ge-
eigneten innerstädtischen Flächen sowie durch aktive Unterstützung des kleinteiligen Einzelhandels durch
die Städte geschlossen werden. Diese Aufgabe haben insbesondere die Städte mit über die Landes-
grenze hinaus bedeutsamen Städtetourismus.
zu Ziel 6.2.4
Nahezu alle Ober- und Mittelzentren sind bemüht, die Funktionsfähigkeit und Attraktivität ihrer Stadt-
zentren und innerstädtischen Nebenzentren zu stärken. Dafür wurden in erheblichem Maße Städtebau-
fördermittel eingesetzt, die nicht durch Planungen benachbarter Städte zunichte gemacht werden dürfen.
zu Ziel 6.2.5
Großflächige Einzelhandelseinrichtungen in den großen Städten führen ein breites Angebot aller Sorti-
mente. Sie werden deshalb mittelfristig von allen Bevölkerungsgruppen aufgesucht. Um auch nichtmobilen
Bevölkerungsgruppen gute Einkaufsmöglichkeiten zu sichern, sollten solche Einrichtungen an den ÖPNV
angeschlossen sein. Das trägt auch dazu bei, dass übermäßige Parkflächen vermieden werden können.
zu Ziel 6.2.6
Bei einer Ansiedlung von großflächigen Einzelhandelseinrichtungen in Städten in der Nähe einer Landes-
oder Staatsgrenze können Entwicklungen in den Nachbarräumen negativ beeinflusst werden. Die
zuständigen Behörden sollten deshalb beteiligt werden, um Planungen frühzeitig abzustimmen. Sachsen
entspricht damit den Empfehlungen der MKRO und erwartet gleiches Vorgehen von seinen Nachbarn.
7 Rohstoffsicherung
Karte:
In der Karte 9 „Sicherungswürdigkeit der Stein- und Erden-Rohstoffe, aktiver Bergbau,
Braunkohlenressourcen“ ist u. a. die Sicherungswürdigkeit der oberflächennahen Rohstoffvorkommen
in ihrer regionalen Verteilung nach Rohstoffgruppen dargestellt.
G 7.1
Sachsens Rohstoffpotenzial ist unter Berücksichtigung des Nachhaltigkeitsprinzips
so zu sichern, dass eine primäre Wertschöpfung möglich wird.

Landesentwicklungsplan 2003
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Z 7.2
In den Regionalplänen sind die raumordnerischen Voraussetzungen
für eine ge-
ordnete Nutzung einheimischer Rohstoffe durch die Ausweisung von Vorrang- (ggf. in
Verbindung mit Eignungsgebieten) und Vorbehaltsgebieten zu schaffen. Umfang und
Bindungswirkung der Festlegungen sollen sich
am kurz-, mittel- und langfristigen Rohstoffbedarf,
am Rohstoffpotenzial und seiner räumlichen Verteilung
,
an der rohstoffg eologischen Bewertung der Lagerstätten,
an der landesweiten Bedeutsamkeit der Rohstofflagerstätten sowie
an der vorrangigen Sicherung von bereits genehmigten Abbauvorhaben sowie
von Erweiterungs- und Ersatzflächen für bestehende Betriebe
orientieren.
Z 7.3
Die landesweit bedeutsamen Braunkohlenlagerstätten in den Tagebaubereichen Ver-
einigtes Schleenhain und Profen sowie Nochten und Reichwalde sind durch Auswei-
sung von Vorranggebieten für den Braunkohlenabbau durch die Träger der Regional-
planung zu sichern.
Z 7.4
Sicherung und Abbau von Rohstofflagerstätten sollen auf einer vorausschauenden
Gesamtplanung basieren. Die Abbauflächen sollen Zug um Zug mit dem Abbaufort-
schritt einer nachhaltigen Folgenutzung, die sich in das räumliche Gesamtgefüge ein-
ordnet, zugeführt werden.
Die bei der Wiedernutzbarmachung neu entstehenden Flächen, welche natürliche
Bodenfunktionen wahrnehmen sollen, sind so zu gestalten, dass eine den naturräum-
lichen Verhältnissen angepasste Entwicklung, Nutzung und Funktionalität
gewährleistet wird.
Begründung zu 7 Rohstoffsicherung
zur Karte 9
Die Klassifizierung der Sicherungswürdigkeit basiert auf rein rohstoffbezogenen Parametern. Die Flächenumgren-
zungen berücksichtigen dabei folgende, eine Rohstoffgewinnung ausschließende Nutzung: „Bebauungen“, „wichtige
Trassenverläufe“ und „Gewässer“ einschließlich Pufferzonen. Sonstige Nutzungskonflikte sind nicht berücksichtigt.
zu Grundsatz 7.1
Der Freistaat Sachsen ist ein rohstoffreiches Land. Um dieses Rohstoffpotenzial für die Volkswirtschaft in
Wert setzen zu können, bedarf es einer vorsorgenden Sicherung, die es ermöglicht, dass eine geordnete
Gewinnung und Verarbeitung erfolgen kann.
zu Ziel 7.2
Die Raumordnung und Landesplanung als fachübergreifende Gesamtplanung ist geeignet, eine vor-
sorgende Sicherung der Rohstofflagerstätten durchzusetzen, die sowohl die Standortgebundenheit der
abbauwürdigen Lagerstätten als auch die übrigen Nutzungsansprüche an den Raum berücksichtigt.
Unabhängig von den gesetzlichen Vorschriften sollten bei der Abwägung unter anderem folgende Aspekte
berücksichtigt werden:
Sicherung der Rohstoffversorgung,
Standortgebundenheit und regionale Verteilung der Lagerstätten,
wirtschaftliche Bedeutung des Rohstoffes,
Möglichkeit zur vollständigen Nutzung der Lagerstätte,
Entstehung temporärer oder dauerhafter ökologisch wertvoller Sekundärbiotope während des Berg-
bauvorhabens oder danach,
zeitliche Begrenztheit des Eingriffs und Möglichkeiten der Wiedernutzbarmachung,
Schutzbedürftigkeit ökologisch besonders wertvoller Landschaftsräume,

68
Landesentwicklungsplan 2003
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Schutzbedürftigkeit prägender Landschaftsbilder,
geordnete Siedlungsentwicklung,
Belange von Fremdenverkehr und Tourismus und
abbaubedingte Vorbelastungen.
Mit der Ausweisung von Vorranggebieten (ggf. i. V. m. Eignungsgebieten) und Vorbehaltsgebieten zur
Sicherung von Rohstofflagerstätten wird einerseits Vorsorge für eine nachhaltige Rohstoffversorgung
getroffen, andererseits erfolgt eine Lenkung aus Sicht der Raumordnung auf weitgehend konfliktfrei er-
schließbare Lagerstätten. Eignungsgebiete und Vorrang-/Vorbehaltsgebiete können unterschiedliche
Zielsetzungen zum Thema Rohstoffsicherung haben (z. B. Rohstoffversorgung oder Rohstofflagerstät-
tenerhaltung).
Bei der Sicherung der Rohstoffversorgung kommt neben der in der Regel angewandten Ausweisung von
(reinen) Vorranggebieten grundsätzlich auch die Ausweisung von kombinierten Vorrang- und
Eignungsgebieten (§ 7 Abs. 4 Satz 2 ROG i. V. m. § 2 Abs. 2 Satz 3 SächsLPlG) in Betracht.
Die Entscheidung, Vorranggebiete mit der zusätzlichen Wirkung von Eignungsgebieten auszustatten, gibt
die Möglichkeit, den Abbau der entsprechenden Rohstoffe außerhalb dieser Eignungsgebiete im
Geltungszeitraum des Regionalplans grundsätzlich auszuschließen. Bei Anwendung dieser
„abschließenden“ Planung ist zu beachten, dass die durch die Ausweisung von Eignungsgebieten
ausgeschlossenen Standorte (Negativplanung) Gegenstand einer im Einzelnen nachvollziehbaren
Abwägung sein müssen. Bestehende Bergbauberechtigungen nach Bundesberggesetz sind dabei mit
besonderem Gewicht zu berücksichtigen. In jedem Fall muss jedoch der Umfang der Ausweisungen eine
sichere und bedarfsorientierte Versorgung mit Rohstoffen auch für den mittel- und langfristigen Bedarf
gewährleisten. Eine einheitliche Verfahrensweise bei der Ausweisung von Gebieten zur Rohstoffsicherung
ist in allen Planungsregionen anzustreben.
Akzeptanz für eine vorsorgende Sicherung von Lagerstätten wird nur dann zu erreichen sein, wenn die
Entscheidungen nachvollziehbar sind. Dies erfordert auch, die Rohstoffsicherung am prognostizierten
Bedarf zu orientieren. Bereits genehmigte Abbauvorhaben sind bei der Mengenbilanz zu berücksichtigen.
kurzfristiger Bedarf:
Bei der Sicherung der Rohstoffversorgung für den kurzfristigen Bedarf für den Zeitraum von ca. 20 Jahren
sind insbesondere geeignete Erweiterungsflächen für laufende Betriebe und Flächen für
Ersatzaufschlüsse gegenüber sonstigen Neuaufschlüssen zu bevorzugen. Der Umfang der Ausweisung
muss eine sichere, bedarfsorientierte, regional ausgewogene Versorgung gewährleisten. Durch
Genehmigungen bereits gesicherte, aber noch nicht abgebaute Rohstoffvorräte sind dabei zu
berücksichtigen. In der Regel sollten diese Vorräte durch die Ausweisung von Vorranggebieten gesichert
werden.
mittelfristiger Bedarf:
Bei der Sicherung der Rohstoffversorgung für den mittelfristigen Bedarf für die nachfolgenden 20 Jahre
sind in ausreichendem Umfang Lagerstätten unter Beachtung der Rangfolge der Lagerstätten im Ergebnis
einer Bewertung der Rohstofflagerstätten auszuweisen. In der Regel sollten diese Vorräte durch die Aus-
weisung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten gesichert werden.
langfristiger Bedarf:
Zweck der Sicherung von Lagerstätten für den langfristigen Bedarf ist es, Lagerstätten vor Nutzungen zu
schützen, die die Rohstoffgewinnung für zukünftige Generationen in der Regel unmöglich machen würde.
Dies ist ein Aspekt einer nachhaltigen Rohstoffvorsorge.

Landesentwicklungsplan 2003
69
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In der Regel kommt hier das Instrument des Vorbehaltsgebietes infrage. Es sollten auch „Doppelauswei-
sungen“ (Vorbehaltsgebiet oberflächennahe Rohstoffe/Wald/Naturschutz etc.) möglich sein. In jedem Fall
muss gewährleistet sein, dass die Lagerstätten langfristig vor einer Über- bzw. Verbauung geschützt sind.
Für die Fortführung der Braunkohlenverstromung, auch über die Laufzeit der bestehenden Braunkohlen-
kraftwerke hinaus, sind die räumlichen Voraussetzungen für einen Abbau von Braunkohle nach 2040 zu
schaffen, sofern die Bedarfsprognose des Energieprogramms Sachsen einen diesbezüglichen
Handlungsbedarf begründet.
Die Verteilung der Bodenschätze in Sachsen ist räumlich differenziert. Somit ist es erforderlich, diese
räumlichen Unterschiede bei der raumordnerisch vorsorgenden Sicherung der Rohstoffvorkommen so zu
beachten, dass ein
regionaler Ausgleich erreicht wird.
Besondere und landesweit bedeutsame Rohstofflagerstätten sollen vorrangig raumordnerisch gesichert
werden. Das erfolgt in der Regel durch die Ausweisung von Vorranggebieten.
Rohstofflagerstätten sind landesweit bedeutsam, wenn die in ihnen angetroffenen Bodenschätze selten
sind und/oder ein hohes Veredlungspotenzial aufweisen (Kaoline, Tone, Bentonite; Quarzsande und
-kiese; Festgesteine und Kiessande, soweit sie zur Herstellung hochwertiger Baustoffe geeignet sind;
Naturwerkstein).
Mit dem Fachgutachten „Bewertung der Rohstofflagerstätten in Sachsen“ vom 17.09.2002 liegt eine aktu-
elle und umfassende rohstoffgeologische Bewertung aller sächsischen Rohstofflagerstätten, außer Braun-
kohlenlagerstätten, vor. Es wurden aktuell zur Verfügung stehende Rohstoffdaten in einem landesweit
einheitlichen Verfahren bewertet. Insgesamt wurden 3 529 Rohstoffvorkommen in die Bewertung ein-
bezogen. Diese Informationsbasis wird laufend fortgeschrieben.
Die Nutzung dieser Informationsbasis als Grundlage für anschließende raumordnerische Sicherungen von
Rohstofflagerstätten gewährleistet eine nachvollziehbare und vergleichbare raumordnerische Verfahrens-
weise in den einzelnen Planungsregionen. Dies erfordert allerdings, dass die raumordnerische Abwägung
immer auf der Grundlage der jeweils aktuellen Datenbasis einer verfahrensbezogen angepassten
Bewertung sowie einer belastbaren landesweiten Rohstoffbedarfsprognose erfolgt. Die nachrichtliche
Wiedergabe bestehender Gewinnungsbetriebe in den Regionalplänen dient der Transparenz und Nach-
vollziehbarkeit der raumordnerischen Ausweisungen.
zu Ziel 7.3
Die genannten Braunkohlenlagerstätten, die bereits in den Regionalplänen als Vorranggebiete ausge-
wiesen worden sind, besitzen für die Energiewirtschaft des Freistaats Sachsen eine herausragende
Bedeutung. Für sie ist daher die entsprechende Planungssicherheit zu schaffen (siehe auch Kap. 11).
zu Ziel 7.4
Der Abbau von Bodenschätzen ist ein Eingriff in das Landschaftsbild und in den bestehenden
Naturhaushalt. Dies erfordert, dass, soweit es die abbautechnischen und betrieblichen Gegebenheiten
zulassen, möglichst frühzeitig mit den Rekultivierungsmaßnahmen begonnen wird. Frühzeitige
grundlegende Vorgaben für eine Folgenutzung sichern eine sinnvolle Einbindung der Berg-
baufolgelandschaft in das räumliche Gesamtgefüge und fördern die Akzeptanz des Vorhabens.
Die gemäß BBodSchG geforderte Funktionalität von Böden ist bei bergbaubedingten Hinterlassenschaften
zunächst nicht oder nur sehr eingeschränkt gegeben. Bei der Rekultivierung muss deshalb die Herstellung
der Funktionalität unter Beachtung nutzungsbezogener Aspekte angestrebt werden. Dabei dient die Aus-
bildung der natürlichen Böden der Region als Orientierung.
Besonders weitreichende Änderungen der hydrologischen, wasserwirtschaftlichen und ökologischen
Verhältnisse im Grund- und Oberflächenwasser, hervorgerufen durch den Beginn, den Betrieb und die

70
Landesentwicklungsplan 2003
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Aufgabe von Grundwasserabsenkungen und Betriebswasserableitungen, erfordern eine unbedingte Be-
achtung bei Vorbereitung, Betrieb und Sc hließung des Tagebaubetriebes und der Nachsorgeplanungen.
Die Wasserhaushalts- und Vorflutverhältnisse sollen landschaftsgerecht und selbstregulierend hergestellt
werden. Da Gewässer in hohem Maße landschaftsprägenden Charakter haben, sind sie im Zusammen-
hang der Bergbaufolgemaßnahmen landschaftsgerecht zu gestalten. Um die Nachsorgeaufwendungen zu
minimieren, kommt der Schaffung von Vorflutsystemen mit selbstregulierendem Wasserhaushalt eine
zentrale Bedeutung zu.
Die Schaffung und Erhaltung von Lebensräumen von Pflanzen und Tieren im Rahmen von Rekultivie-
rungsmaßnahmen soll sich an Erfordernissen naturraumtypischer Ökosysteme bzw. ökologischer Ver-
bundsysteme orientieren.
8 Freizeit, Erholung, Tourismus
G 8.1
Für die Stärkung des Wirtschaftssektors Tourismus sollen die räumlichen Voraus-
setzungen verbessert werden. Hierbei sollen die Schwerpunkte auf eine Qualitäts-
steigerung und auf marktgerechte Tourismusangebote gelegt werden.
Z 8.2 Beim Ausbau der Infrastruktur sind an geeigneten Standorten neben
Freizeitangeboten für Touristen die notwendigen Voraussetzungen für
Großveranstaltungen und überregionale Höhepunkte zu schaffen.
Z 8.3
In den traditionellen, landesweit bedeutsamen Tourismusgebieten Sächsische
Schweiz, Erzgebirge, Vogtland, Oberlausitzer Bergland, Zittauer Gebirge sowie in
weiteren Tourismusgebieten, die sich in den vergangenen Jahren zunehmend etabliert
haben (z. B. Dübener und Dahlener Heide, Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft,
Sächsisches Elbland, Muldental, Zschopautal, Kohrener Land), ist die für den Ausbau
des Tourismus notwendige Infrastruktur, einschließlich Verkehr, vorzuhalten und
qualitativ zu entwickeln.
G 8.4
Die Bergbaufolgelandschaft „Lausitzer Seenland“, als auch die Bergbaufolgeland-
schaft im Raum Leipzig sowie weitere Tagebauseen sind im Hinblick auf die touristi-
sche einschließlich tagestouristische Nutzung unter Berücksichtigung weiterer
Raumansprüche zu entwickeln und soweit möglich, mit angrenzenden Tourismusge-
bieten zu vernetzen. Die im Aufbau befindlichen Tourismusgebiete in den Bergbaufol-
gelandschaften sind im Sinne der Nachhaltigkeit regional abgestimmt zu entwickeln.
G 8.5
In grenznahen touristischen Regionen sollen die touristischen Entwicklungsmöglich-
keiten jenseits der Landesgrenzen berücksichtigt und eine Abstimmung angestrebt
werden.
Z 8.6
Die Städte Annaberg-Buchholz, Bautzen, Chemnitz, Dresden, Freiberg, Görlitz,
Leipzig, Meißen, Pirna, Plauen, Riesa, Torgau, Zittau und Zwickau mit über die
Landesgrenze hinaus bekannten, historisch wertvollen städtebaulichen Strukturen
und überregionalen kulturellen Einrichtungen sollen in ihrer internationalen Attrak-
tivität als Tourismusschwerpunkte - Städtetourismus - durch die Erhaltung ihrer be-
sonderen kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten und kulturellen oder sportlichen
Einrichtungen sowie durch den Ausbau von Veranstaltungsangeboten gestärkt
werden. Die touristischen Angebote in den Innenstadtbereichen sollen entsprechend
den modernen Anforderungen ausgebaut werden.

Landesentwicklungsplan 2003
71
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G 8.7
Camping- und Caravanplätze, Feriensiedlungen und Freizeitwohnanlagen sollen
naturverträglich in Gebieten errichtet werden, in denen sie zur Entwicklung oder
Stärkung des Tourismus beitragen können. Sie sollen in der Regel in Anbindung an
die bebaute Ortslage errichtet werden und sich in das Orts- und Landschaftsbild
einfügen. Bezüglich der Kapazität sind sie auf die Leistungsfähigkeit der Gemeinde
abzustimmen. Nach Möglichkeit ist frei werdende Bausubstanz zu nutzen.
G 8.8
Urlaub auf dem Lande, naturverträgliche Erholungsnutzungen, Wasser- und Aktiv-
tourismus sollen als attraktive Spezialangebote des Tourismus in dafür geeigneten
Gebieten ausgebaut und entwickelt werden.
G 8.9
Die Entwicklung von sächsischen Kur- und Erholungsorten soll durch die Verbes-
serung und den Ausbau kurgemäßer und touristischer Infrastruktur so unterstützt
werden, dass die Erhaltung des Bestandsschutzes bzw. Neuprädikatisierung als
staatlich anerkannte Kur- und Erholungsorte möglich ist.
G 8.10
In den traditionellen Gebieten der Höhenlagen des Erzgebirges, des Vogtlandes, des
Oberlausitzer Berglandes und des Zittauer Gebirges sollen die räumlichen Voraus-
setzungen für regionstypische Wintersportarten erweitert und Konzepte für grenz-
überschreitende Angebote erstellt werden.
G 8.11
Das Wander-, Radwander- und Reitwegenetz (einschließlich Fernwege) ist abseits
stark befahrener Straßen, möglichst auf bestehenden Wegen in natur- und land-
schaftsverträglicher Weise aufzubauen. Diese Wege sollen länder- und grenzüber-
schreitend abgestimmt werden. In den Regionen sollen die konzeptionellen Grund-
lagen für ein regionales Reitwegenetz geschaffen und regionale Rad- und Wander-
wege in ihrer Wegeführung optimiert und touristisch attraktiv gestaltet werden.
G 8.12
Großflächige Freizeiteinrichtungen und Sportanlagen mit erheblicher überörtlicher
Raumbedeutsamkeit sollen in der Regel abseits ökologisch hochwertiger Gebiete auf
Standorte mit schon bestehenden oder geplanten intensiven Nutzungen konzentriert
werden, regional abgestimmt und mit dem ÖPNV erreichbar sein. Sie sollen sich
harmonisch in das Landschaftsbild einfügen.
G 8.13
In den Regionalplänen sollen Gewässer oder Teile von Gewässern, an denen eine
Neuerschließung bzw. Erweiterung für die Erholungs- oder Sportnutzung grundsätz-
lich möglich ist sowie Flächen, auf denen diese Nutzung wegen unzulässigen Beein-
trächtigungen unterbleiben soll, ausgewiesen werden. Eine freie Zugänglichkeit zu
Gewässern soll gesichert werden.
G 8.14
Die Erreichbarkeit bestehender Tourismus- und Naherholungsgebiete durch Einrich-
tungen des SPNV/ÖPNV ist zu gewährleisten und zu verbessern. Die Entwicklung
neuer Tourismusgebiete bzw. Naherholungs- und Freizeitangebote soll parallel mit der
Entwicklung darauf ausgerichteter SPNV/ÖPNV-Angebote erfolgen.
Begründung zu 8 Freizeit, Erholung, Tourismus
zu Grundsatz 8.1
In Sachsen wurde eine Grundausstattung für den Tourismus geschaffen, die gleichzeitig auch für die Nah-
erholung genutzt wird. In den traditionellen wie auch neu etablierten Tourismusgebieten existieren die
Voraussetzungen für die Konkurrenzfähigkeit im bundesdeutschen Vergleich. Neben der Erhaltung bzw.
der Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts, der Schönheit und Vielfalt der Land-
schaft und der Bausubstanz ist eine stete Ergänzung und qualitative Verbesserung der für eine gesicherte

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Landesentwicklungsplan 2003
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Tourismuswirtschaft benötigten Infrastruktur unerlässlich. Um die Nachhaltigkeit zu unterstützen, bedarf
es einer regional abgestimmten gesamtkonzeptionellen Untersetzung touristischer Entwicklungen.
zu Ziel 8.2
Die sächsischen Tourismusgebiete und größeren Städte sind überwiegend Ziele für Kurzreisen. Eine
bessere Auslastung von Übernachtungskapazitäten in den Konzentrationsräumen kann nur schwer über
eine Verlängerung der Aufenthaltsdauer erreicht werden. Besonders in Zeiten mit jahreszeitlich bedingter
Unterbelegung müssen durch geeignete kulturelle oder sportliche Großveranstaltungen, Festivals und
Kongresse zusätzlich Gäste gewonnen werden. Damit kann der Bekanntheitsgrad Sachsens erhöht
werden. Dabei sind auch Angebote für Jugendliche nötig, da der Altersdurchschnitt der sächsischen
Gäste sehr hoch ist, was längerfristig zu einem Rückgang der Gästezahlen führen kann. Neben einem
ausreichenden Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten in allen Preislagen sollen Standorte für
Großveranstaltungen über eine sehr gute Verkehrsanbindung, auch mit dem ÖPNV, verfügen.
zu Ziel 8.3
Die landesweit bedeutsamen Tourismusgebiete sind i. d. R. in den Regionalplänen dargestellt, ergänzt um
regional bedeutsame Gebiete. Im Rahmen der Fortschreibung der Regionalpläne können sie überarbeitet
und konkrete Grundsätze und Ziele für die künftige Entwicklung formuliert werden.
Die Tourismusgebiete gehören weitestgehend zum ländlichen Raum und zum grenznahen Gebiet. Von
wirtschaftlichen Umstrukturierungsprozessen sind sie ebenfalls betroffen. In die Entwicklung des Touris-
mus werden daher große Hoffnungen gesetzt. Eine gute überregionale Erreichbarkeit dieser
Tourismusgebiete ist eine weitere wichtige Voraussetzung für die Entwicklung.
Die genannten Gebiete sind auf Grund ihrer landschaftlichen Attraktivität, der zum Teil schon längerfristig
vorhandenen Erfahrung im Tourismus und der touristischen Angebotspalette die in Sachsen wichtigsten
Gebiete für den Fremdenverkehr. Eine weitere qualitative Profilierung und Angebotsergänzung bzw. -ver-
netzung ist für diese Gebiete eine Chance, ihre touristische Bedeutung zu erhöhen. Dies schließt auch
ein, dass neue Produkte und Vermarktungsstrategien entwickelt werden, um die traditionellen Angebote
zu erweitern (siehe z. B. grenzüberschreitende touristische Zusammenarbeit in der Umgebindelandschaft
der Oberlausitz). Darüber hinaus ist die Bedeutung von touristisch ausgerichteten größeren Orten in
diesen Gebieten zu erhöhen (z. B. von Sebnitz und Bad Schandau für die Sächsische Schweiz, von
Meißen und Radebeul für das Sächsische Elbland).
zu Grundsatz 8.4
Die neu entstehenden Seenlandschaften im Zuge des Braunkohlenbergbaus bieten in Sachsen eine
einmalige Chance auch innovative Tourismusangebote zu etablieren. Diese Tourismusangebote sollen
nicht in Konkurrenz zu den in der Umgebung bzw. Region vorhandenen touristischen Angeboten stehen,
sondern sinnvoll nach Möglichkeit mit diesen vernetzt werden. Deshalb sind bei der Planung und
Entwicklung dieser Bergbaufolgelandschaften die umliegenden Regionen (auch der Nachbarstaaten und
Bundesländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen) einzubeziehen sowie weitere
Raumnutzungsansprüche bspw. der wirtschaftlichen Entwicklung oder des Naturschutzes gründlich
untereinander abzuwägen.
Diese Seenlandschaften bieten auch im Interesse der touristischen Entwicklung in vereinzelten Tagebau-
restseebereichen Raum für Trendsportarten, denen im dichtbesiedelten Bundesgebiet sonst nicht nach-
gegangen werden kann. Aus Gründen des Lärmschutzes ebenso wie zum Schutze der naturverbundenen
bzw. Erholung suchenden Touristen und zum Schutze von Natur und Landschaft sind solche Restseen
nach der geringsten Belastungswirkung auszuwählen. Eine tiefgreifende Verlärmung der Landschaft
würde ihre Attraktivität für einen Großteil der Bevölkerung nachhaltig beeinträchtigen.

Landesentwicklungsplan 2003
73
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zu Grundsatz 8.5
Die bedeutendsten sächsischen Tourismusgebiete grenzen unmittelbar an die Republik Polen und die
Tschechische Republik und haben dort ähnlich profilierte Partnerregionen. Beim Ausbau der Infrastruktur
können auf beiden Seiten Kosten gespart werden, wenn keine konkurrierenden Maßnahmen, sondern
abgestimmte Ergänzungen finanziert werden und sich die Qualität der touristischen Angebote dadurch im
gesamten Grenzraum verbessert.
zu Ziel 8.6
Rund 45% aller Ankünfte und etwa ein Drittel aller Übernachtungen entfielen 2002 in Sachsen auf die
Städte mit 50 000 und mehr Einwohnern. Insbesondere auf Dresden und Leipzig entfallen große Anteile
an Besuchern und Gästeübernachtungen. Beide Städte sind auf Grund ihrer Spezifika als Kunst- und
Kulturstadt (Dresden) bzw. Messe-, Handels- und Medienplatz (Leipzig) für den internationalen Städte-
tourismus prädestiniert. Eine Reihe weiterer sächsischer Städte ist auf Grund ihrer Geschichte oder be-
sonderer Sehenswürdigkeiten geeignet, sich im Städtetourismus weiter zu etablieren. Vielfältige und
qualitativ hochwertige Angebote oder gemeinsame Marketingaktivitäten in den einzelnen Städten sind
Voraussetzungen dafür, dass die Besucherzahlen erhöht werden können.
zu Grundsatz 8.7
Sachsen verfügt über eine breitgefächerte Campinglandschaft mit 94 Campingplätzen, davon bieten
jedoch nur zehn Plätze 150 und mehr Touristikstellplätze an. Die Erhöhung der Qualitätsstandards der
bestehenden Einrichtungen ist anzustreben.
Für Camping- und Caravanplätze, Feriensiedlungen und Freizeitwohnanlagen ist eine Kapazitätsab-
stimmung auf die Leistungsfähigkeit der Gemeinden insbesondere im Hinblick auf die Ver- und Entsor-
gungsmöglichkeiten wichtig. Ortsferne Lagen bergen das Risiko unwirtschaftlichen Erschließungsauf-
wandes. Um längerfristig die Besucherzahlen halten und erhöhen zu können, sollten auch für Familien
bezahlbare Quartiere angeboten werden. Dafür sind touristisch genutzte Ferienwohnungen besonders
geeignet. Dadurch ergeben sich im ländlichen Raum weitere Nebenerwerbstätigkeiten. Oft können
Ferienwohnungen durch Um - und Ausbau kostengünstig in vorhandenen Gebäuden gewonnen werden.
zu Grundsatz 8.8
In den sächsischen Tourismusgebieten müssen in Abhängigkeit ihrer natürlichen Ausstattung und ihrer
Lage neben den allgemeinen touristischen Angeboten in Teilgebieten weitere besondere Angebote für
spezielle Nutzergruppen geschaffen werden, damit die Bekanntheit und Anziehungskraft des Gebietes
insgesamt erhöht wird.
zu Grundsatz 8.9
Die derzeit 13 Kur- und ca. 100 Erholungsorte sind ein wichtiger Bestandteil des touristischen Potenzials
Sachsens. Sie liegen teilweise in wirtschaftlich schwachen Regionen. Der Tourismus, insbesondere der
Kur- und Gesundheitstourismus, stellt für die meisten von ihnen einen wichtigen und zum Teil den
einzigen zukunftsträchtigen Wirtschaftszweig dar. Die im Hinblick auf den Ablauf der Bestandsschutzfrist
im Jahr 2005 von den meisten Kur- und Erholungsorten angestrebte Neuprädikatisierung und die damit zu
erfüllenden Voraussetzungen verlangen einen kontinuierlichen Ausbau der kurörtlichen und touristischen
Infrastruktur.
Kommunen, die das Kur- und Erholungswesen als ihre Spezialbranche ansehen, müssen darauf achten,
dass andere Nutzungen diese Entwicklung nicht beeinträchtigen oder verhindern. Im Rahmen der Bauleit-
planung können Flächen für kurorttypische Einrichtungen, die den Klinikbereich ergänzen, für Beher-
bergungseinrichtungen gesichert werden, auch wenn noch kein Baubeginn absehbar ist. Ebenso können
Trassen für Umgehungsstraßen zur Verkehrsberuhigung freigehalten werden. Vorgesehene Maßnahmen
in anderen Fachbereichen bedürfen der Abstimmung mit den Vorstellungen zur Entwicklung im Kur- oder

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Landesentwicklungsplan 2003
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Erholungswesen. Ferner gilt es dabei, charakteristische Ortsränder und Landschaftsbilder zu erhalten und
ausreichend große zusammenhängende Flächen innerhalb des Siedlungsbereiches von einer Bebauung
freizuhalten.
zu Grundsatz 8.10
Die höheren sächsischen Mittelgebirge haben seit jeher eine besondere Bedeutung im Wintersport. Sie
sind für die Einwohner der dicht besiedelten Verdichtungsräume mit den Großstädten auch mit dem
ÖPNV gut erreichbar und haben deshalb eine besondere Naherholungsfunktion, die auch die Wohn-
qualität der Städte mitprägt.
Mit dem Wegfall der Grenzen verbessern sich insbesondere die Bedingungen für den Skilanglauf wesent-
lich. Kleinräumige Abfahrtsgebiete befinden sich beiderseits der Grenze und können zukünftig gemeinsam
genutzt werden. Durch die Nutzung der sächsischen Wintersportgebiete können weite PKW-Reisen,
insbesondere an den Wochenenden in andere Wintersportgebiete außerhalb Sachsens, reduziert werden.
Da jedoch Teile der sächsischen Mittelgebirgsregionen innerhalb des Europäischen ökologischen Netzes
NATURA 2000 eine besondere Bedeutung haben, sind die Erhaltungsziele von gemeldeten Gebieten für
das Europäische ökologische Netz NATURA 2000 (FFH-Gebiete, Europäische Vogelschutzgebiete) in den
Wintersportgebieten bei Planungen und Maßnahmen besonders zu berücksichtigen.
zu Grundsatz 8.11
Der Fahrrad- und Wandertourismus ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Das gilt für alle
Altersgruppen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, abwechslungsreiche Routen mit unterschiedlichem
Schwierigkeitsgrad in ansprechender Landschaft anzubieten. Voraussetzung für eine wirtschaftliche
Bedeutung des Fahrrad-, Wander- und Reittourismus sind ein ausreichend dichtes Netz von Rad-, Reit-
und Wanderwegen in einem sehr guten Ausbauzustand, das unterschiedlichen Ansprüchen bei Beherber-
gungsmöglichkeiten (z. B. Bed & Bike) gerecht wird, sowie die Einbindung von kulturellen
Sehenswürdigkeiten und gastronomische Einrichtungen entlang der Strecken. Eine gute Anbindung an
den öffentlichen Personennahverkehr und Ausleihmöglichkeiten für Fahrräder fördern den
Tagestourismus. Bei der Ausweisung von Wander-, Rad- und Reitwegen gilt es, vorhandene Wege so
weit wie möglich zu nutzen, kollidierende Nutzungen zu vermeiden, aber auch Mehrfachnutzungen
zuzulassen, wo es notwendig und sinnvoll ist und die Belange der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft
und des Naturschutzes zu beachten.
In den Regionen sind deshalb die Wegeführungen zu prüfen und ggf. zu optimieren. Auf der Grundlage
eines landesweit vorliegenden Reitwegekonzepts können die Landkreise in Abstimmung mit den Trägern
der Regionalplanung die Routenführung in den Regionen unter Berücksichtigung der Ansprüche der
Flächennutzer untersetzen.
zu Grundsatz 8.12
Großflächige Freizeit- und Sporteinrichtungen greifen in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild ein
und haben nachhaltige Auswirkungen auf die Umgebung. Die Ansiedlung soll deshalb nach Möglichkeit in
Gebieten erfolgen, die dafür belastbar sind. Für die Errichtung sehr großer Anlagen, wie Motorsportan-
lagen, Freizeitparks oder anderer multifunktionaler Freizeitanlagen kommen insbesondere die Natur wenig
belastende Standorte mit sehr guter Verkehrserschließung in Betracht. Diese Vorhaben sind gekenn-
zeichnet durch intensive Flächennutzungen, hohe Beherbergungskapazitäten, umfangreiche Eingriffe in
das Landschaftsbild und einen starken Ausbau bestehender Infrastruktureinrichtungen. Die Konzentration
auf bereits touristisch genutzte Gebiete oder auf geeignete brachgefallene Baugebiete wirkt einer
Zersiedlung entgegen und ermöglicht die Nutzung bereits vorhandener Infrastruktur. Dies schließt nicht
aus, dass in begründeten Einzelfällen neue Standorte erschlossen werden können. Planungen für solche
Projekte sollen regional abgestimmt und gesamtkonzeptionell eingebunden sein und auf einer Markt-,
Standort-, Wirtschaftlichkeits- und Konkurrenzanalyse beruhen.

Landesentwicklungsplan 2003
75
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zu Grundsatz 8.13
Die Ausweisung von Gewässern bzw. Gewässeranteilen für Erholungs- oder Sportnutzung, an denen eine
Neuerschließung oder Erweiterung dieser Funktion aus regionalplanerischer Sicht möglich ist oder unter-
bleiben soll, kann der Überlastung bisher genutzter Gewässer entgegenwirken. Da es sich zumeist um
kleinteilige Gewässerabschnitte oder vielfach um kleinere Gewässer handelt, kann eine konkrete Aus-
weisung sinnvoll nur in den Regionalplänen erfolgen. Grundsätzlich ist eine Entlastung bisher übermäßig
genutzter Wasserflächen durch die schrittweise touristische Erschließung der bereits vorhandenen bzw.
entstehenden Restseen in den Bergbaufolgelandschaften zu erwarten. Dabei sollte auch berücksichtigt
werden, dass Uferbereiche öffentlich zugänglich gehalten werden.
zu Grundsatz 8.14
Der Freizeitverkehr hat sich innerhalb des motorisierten Individualverkehrs zu einem bedeutenden Faktor
entwickelt, von dem erhebliche Belastungen in den Tourismus- und Naherholungsgebieten selbst, aber
auch auf dem Weg dahin ausgehen. Attraktive SPNV/ÖPNV-Anbindungen, die auch rechtzeitig bei der
Entwicklung neuer Tourismus- bzw. Freizeitangebote in Betracht zu ziehen sind, sollen dazu beitragen,
die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu erhöhen und die vom motorisierten Individualverkehr aus-
gehenden Belastungen zu reduzieren.
9 Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft
Karten: Landesweite Schwerpunkte der Waldmehrung sind in der Karte 10 dargestellt. Die
Waldschadensgebiete durch Immissionen sind in der Karte 11 dargestellt.
Hinweis:
Waldschadensgebiete werden in den Regionalplänen als sanierungsbedürftige Bereiche gemäß Kap.
4.1 ausgewiesen.
Z 9.1
In den Regionalplänen sollen regional bedeutsame Flächen für die landwirtschaftliche
Produktion als Vorrang- und Vorbehaltsgebiete Landwirtschaft gesichert werden.
Dabei sind vorrangig die in Karte 8 dargestellten Gebiete mit Bodenwertzahlen über 50
zu konkretisieren.
G 9.2
Der Beitrag der Landwirtschaft bei der Pflege landwirtschaftlicher Flächen, die aus der
Erzeugung ausscheiden, ist unter Berücksichtigung der Belange des Naturschutzes
zu mehren.
Z 9.3
Es ist darauf hinzuwirken, dass der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen an der
landwirtschaftlichen Nutzfläche auf 10 % erhöht wird.
Z 9.4
Der Waldanteil im Freistaat Sachsen ist auf 30 % zu erhöhen. In den Regionalplänen
sind Vorrang- und Vorbehaltsgebiete Waldmehrung auf der Grundlage der in Karte 10
dargestellten Gebietskulisse auszuweisen. Die landesweiten Schwerpunkte der
Waldmehrung sind gemäß den in der Begründung formulierten Kriterien auszuformen
und durch weitere regional bedeutsame Schwerpunkte der Waldmehrung zu ergänzen.
Z 9.5
In den Regionalplänen sollen Vorrang- und Vorbehaltsgebiete zum Schutz des vor-
handenen Waldes ausgewiesen werden.
Z 9.6
Geschädigte Wälder sind standortgerecht zu sanieren.
Z 9.7
In den Regionalplänen sind zum Weinbau geeignete Flächen als Vorrang- und Vor-
behaltsgebiete auszuweisen.

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Landesentwicklungsplan 2003
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Z 9.8
Die sächsischen Teichlandschaften sind als Bestandteil der Kulturlandschaft für die
Fischerei zu erhalten. Die Bewirtschaftung der Teiche hat unter Beachtung ihres
hohen ökologischen Wertes zu erfolgen.
Begründung zu 9 Land, Forst- und Fischereiwirtschaft
zu Ziel 9.1
Die Sicherung von Gebieten für die Landwirtschaft, in denen Böden mit Bodenwertzahlen über 50 über-
wiegen, ist eine wesentliche Voraussetzung zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft,
da in diesen Gebieten am ehesten davon ausgegangen werden kann, dass langfristig auch eine ökono-
misch tragfähige Landwirtschaft betrieben werden kann.
In den Regionalplänen kommen für die Ausweisung als Vorrang und Vorbehaltsgebiete Landwirtschaft
auch Böden mit geringeren Bodenwertzahlen in Betracht, wenn sie regional bedeutsam für die
landwirtschaftliche Produktion sind (z. B. verbrauchernahe Versorgung von Verdichtungsräumen,
Futterversorgung der Tierbestände, regional bedeutsame Sonderkulturen und zum Obstbau geeignete
Flächen). Dies trifft insbesondere in den Lagen des West- und Mittelerzgebirges und der Lausitz zu.
Vorrang- und Vorbehaltsgebiete Landwirtschaft stehen einer Anreicherung der Landschaft mit naturnahen
Strukturelementen wie z. B. Feldgehölzen nicht entgegen.
Gebiete mit Bodenwertzahlen über 70 sind zudem von besonderer Bedeutung für den Bodenschutz. Die
Bewirtschaftung dieser Böden soll so erfolgen, dass die Besonderheiten dieser Böden nicht beeinträchtigt
werden (siehe Kapitel Bodenschutz). Eine Überlagerung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten Landwirt-
schaft mit Ausweisungen zum Schutz des Bodens ist in diesen Fällen möglich.
zu Grundsatz 9.2
Zeitweise aus der Produktion ausscheidende landwirtschaftliche Flächen verbleiben in der Regel in der
Regie der landwirtschaftlichen Unternehmen. Darüber hinaus ist der freiwillige Beitrag der Landwirtschaft
zur Pflege auch von dauerhaft ausscheidenden Flächen zu mehren. Durch die freiwillige Übernahme von
Pflegemaßnahmen durch ortsansässige Landwirte erhöhen sich zudem die Einnahmemöglichkeiten für
die Bevölkerung des ländlichen Raums. Sofern diese Flächen in den Biotopverbund integriert werden
können, ist auch unter diesem Gesichtspunkt über die weitere Behandlung solch dauerhaft ausschei-
dender Flächen (z. B. Art der Pflegemaßnahmen oder Zulassen ungelenkter natürlicher Entwicklung) zu
entscheiden. Die Entscheidung wird im konkreten Einzelfall zu treffen sein. Maßgeblich sind dabei u. a.
die Interessen des Eigentümers bzw. Nutzers der Fläche, die mit der Aufnahme in den Biotopverbund
angestrebte ökologische Funktion und wirtschaftliche Rahmenbedingungen (d. h. Finanzierbarkeit vorzu-
sehender Pflegemaßnahmen).
zu Ziel 9.3
Bei einer intensiven Bodennutzung ist auf lange Sicht eine nachhaltige Beeinträchtigung von Böden,
Grundwasser und Artenvorkommen nicht auszuschließen. Deshalb gilt es, die Leistungs- und Funktions-
fähigkeit von landwirtschaftlich genutzten Böden mit hohem Ertragspotenzial unter Beachtung der Grund-
sätze der guten fachlichen Praxis zu erhalten, vor allem durch zunehmende Anwendung bodenschonen-
der und umweltgerechter Bewirtschaftungsverfahren. Mit dem Bewirtschaftungsverfahren des ökologi-
schen Landbaus kann dabei die höchste Stufe der Umweltentlastung (Wasser- und Bodenschutz, Arten-
vielfalt, Klimaschutz) erreicht werden, da u. a. auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutz-
mittel vollständig verzichtet wird. Der derzeitige Flächenanteil des ökologischen Landbaus an der landwirt-
schaftlichen Nutzfläche in Sachsen liegt bei 2 % (17 500 ha). Dieser Anteil soll bis 2009 auf 10 % an-
steigen. Neben der Umweltentlastung dient diese Ausweitung einer Bedienung der wachsenden Nach-
frage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln. Zur Realisierung der Zielsetzung ist es u. a. erforderlich,
ökologisch wirtschaftende Betriebe in ihrem Bestreben nach Flächenaufstockung/Arrondierung zu unter-

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stützen (Flächenvergaben, Flächen der öffentlichen Hand, Flurneuordnung etc.) sowie vor
konkurrierenden Nutzungen z. B. im Rahmen der Bauleitplanung verstärkt zu schützen.
zu Ziel 9.4 und Ziel 9.5
Der Wald hat in seinem Umfang und seiner genetischen Vielfalt besondere Bedeutung für den Boden-
schutz, den Hochwasserschutz, den Klima- und Immissionsschutz, für die Erholung, den ökologischen
Ausgleich, als Lebensraum für einheimische Pflanzen und Tiere sowie als Grundlage einer umwelt-
freundlichen Rohstoffversorgung. Mit dem Waldanteil von ca. 28 % ist der Freistaat Sachsen im
Bundesvergleich waldarm.
Angesichts seiner vielfältigen Funktionen kommt der Erhaltung, Pflege und Nutzung des Waldes hohe
landesplanerische Bedeutung zu. Vorrang- bzw. Vorbehaltsgebiete zum Schutz des vorhandenen Waldes
sollen im Hinblick auf seine o. g. Funktionen dann ausgewiesen werden, wenn im Einzelfall ein raumord-
nerisches Regelungserfordernis besteht.
Für Aufforstungsmaßnahmen kommen vorrangig in Betracht:
Bergbaufolgelandschaften, insbesondere möglichst umfassend auf den Kippenflächen der Tagebaue
Zwenkau, Espenhain, Witznitz und in bedeutenden Teilen des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain
(Südraum Leipzig),
waldarme Regionen,
Gebiete, in denen der Wald eine besondere Hochwasserschutzfunktion hat,
Gebiete, in denen der Wald eine besondere Klimaschutzfunktion hat und
Gebiete, deren Böden stark erosionsgefährdet sind (Karte 8).
In den Bergbaufolgelandschaften besitzen Aufforstungsmaßnahmen auf Kippenflächen für die Ausbildung
raumwirksamer Ausgleichsfunktionen besondere Bedeutung. Die Bewaldung der Kippenflächen, insbe-
sondere im Südraum Leipzig, ist im Zusammenhang mit den Freizeitmöglichkeiten und den Naturschutz-
flächen ein wesentlicher Faktor für die nachhaltige Standortattraktivität des Verdichtungsraums Leipzig.
Eine möglichst umfassende Bewaldung der Kippenflächen der Tagebaue Zwenkau, Espenhain, Witznitz
und von bedeutenden Teilen des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain ist eine wesentliche Grundlage für
die Ausbildung raumwirksamer Ausgleichsfunktionen des Waldes.
Zerschneidungseinflüsse durch
flächenverbrauchende Nutzungen würden diese Funktionen erheblich beeinträchtigen.
Zur Umsetzung der Waldmehrung können auch die Möglichkeiten des Bodenmanagements in der
Ländlichen Neuordnung genutzt werden.
zu Ziel 9.6
Die in den Waldschadensgebieten geleisteten Sanierungsarbeiten haben Fortschritte gezeigt. Dennoch
müssen angesichts der Komplexität des Ökosystems Wald und der langen Umbau- bzw. Umtriebszeiten
im Wald auch weiterhin Maßnahmen unter Beachtung des Klima-, Hochwasser- und Trinkwasserschutzes
sowie des Naturschutzes durchgeführt werden. Die Schaffung stabiler Mischbestände, die Pflege der
Waldbestände, die Bodenschutzkalkungen und weitere Maßnahmen können nicht nur zur Gesundung des
Ökosystems Wald, sondern auch zum Schutz vor Bodenerosionen und des Grund- und Ober-
flächenwassers vor Stoffeinträgen beitragen. In den grenznahen Gebieten sollen die Sanierungsarbeiten
möglichst in Abstimmung und Zusammenarbeit mit den entsprechenden Stellen des Nachbarlands
erfolgen.
zu Ziel 9.7
Der Weinbau ist für zahlreiche Familien eine wichtige zusätzliche Einkommensquelle. Seine Erhaltung
erfordert es, die Rebflächen von Bebauung oder anderen funktionswidrigen Nutzungen freizuhalten. Die
Weinbauflächen im Elbtal und in den Nebentälern sind zudem ein bestimmendes Landschaftselement und
einzigartig in Sachsen. Sie sind bedeutende Kultur- und Erholungslandschaften, die es aus Gründen des
Biotopschutzes, des Natur- und Landschaftsschutzes und des Denkmalschutzes nachhaltig zu sichern gilt.

78
Landesentwicklungsplan 2003
_____________________________________________________________________________________________
zu Ziel 9.8
Die sächsischen Teiche sind teilweise bereits vor über 600 Jahren zur Aufzucht von Fischen, überwiegend
Karpfen, angelegt worden und haben zum Zwecke der Fischproduktion bis heute überdauert. Sie haben
zu einer bedeutenden ökologischen Vielfalt der Kulturlandschaft beigetragen. Außerdem sind sie mit ihrem
Speicherraum (ca. 70 Mio. m³) von großer wasserwirtschaftlicher Bedeutung. Ihr hoher Wert für Natur-
schutz und Landschaftspflege kann nur durch die Beibehaltung einer diesen Sachverhalten gerecht wer-
denden ordnungsgemäßen Teichbewirtschaftung gesichert werden. Weitere Teichflächen für eine fische-
reiwirtschaftliche Nutzung entstanden bzw. entstehen mit der Rekultivierung der Bergbaufolgelandschaf-
ten vor allem in der Lausitz.
10 Verkehr
Karte:
Aktuelle Ausbauerfordernisse der Verkehrsinfrastruktur sind in der Karte 12 „Verkehrsinfrastruktur-
entwicklung“ dargestellt.
Hinweis:
Der Fachliche Entwicklungsplan Verkehr bleibt mit seinen Festlegungen und Handlungsaufträgen für
die Regionalplanung gemäß § 24 Abs. 2 Satz 1 SächsLPlG bis 31.12.2009 gültig. Die im Kap. 10 ent-
haltenen Plansätze beinhalten die seit In-Kraft-Treten des FEV erkennbaren neuen Planungs-
erfordernisse in der Verkehrsinfrastruktur z. B. im Zusammenhang mit der EU-Erweiterung.
G 10.1
Das Verkehrssystem in Sachsen ist im Zusammenhang mit der EU-Erweiterung und
unter Berücksichtigung der zentralörtlichen Strukturen so zu gestalten, dass
durch den Aufbau einer intakten Verkehrsinfrastruktur insbesondere die ange-
strebte wirtschaftliche En twicklung aller Teilräume des Landes unterstützt,
die Erreichbarkeit der zentralörtlichen Einrichtungen, der Arbeits- und Aus-
bildungsstätten sowie der Erholungsräume gesichert,
die Anbindung an nationale und internationale Verkehrswege verbessert,
Verkehrstrassen und Verkehrsmittel umwelt- und ressourcenschonend geplant
und vernetzt sowie die spezifischen Mobilitäts- und Sicherheitsbedürfnisse von
Frauen, Kindern, mobilitätsbeeinträchtigten und älteren Menschen berücksichtigt
werden.
Z 10.2
Die Infrastruktur für spurgeführte Verkehrsmittel in den sächsischen Abschnitten der
paneuropäischen Korridore III (Dresden/Berlin - Breslau - Krakau - Kiew) und IV (Ber-
lin - Dresden - Prag - Wien - Budapest) ist zur Verbesserung der überregionalen
Erreichbarkeit Sachsens und im Zusammenhang mit der EU-Erweiterung auszubauen
oder neu zu bauen.
Z 10.3
Die Schieneninfrastruktur im paneuropäischen Korridor III ist durch Elektrifizierung
und geeignete Ausbau- oder Neubaumaßnahmen vorrangig für den Personenverkehr
zwischen Dresden und Görlitz so auszubauen, dass sie für eine Geschwindigkeit von
mindestens 160 km/h geeignet ist. Vorrangig für den Güterverkehr ist die Strecke
Hoyerswerda - Horka - (Kohlfurt/Wegliniec) so auszubauen und zu elektrifizieren, dass
sie für eine Geschwindigkeit von etwa 160 km/h geeignet ist.
Z 10.4
Im paneuropäischen Korridor IV ist eine Hochgeschwindigkeitsstrecke für ein Ge-
schwindigkeitsniveau von mindestens 300 km/h zu realisieren. Als Systeme dafür
sollen die Rad-Schiene-Technik oder die Magnetbahntechnik in Betracht gezogen
werden. Im Falle der Austragung der Olympischen Sommerspiele 2012 in Sachsen ist
eine Hochgeschwindigkeitsstrecke unter Einbindung von Leipzig vorzugsweise in der
Magnetbahntechnik vorzusehen.

Landesentwicklungsplan 2003
79
_____________________________________________________________________________________________
Z 10.5
Die Sachsen-Franken-Magistrale (Nürnberg - Hof) - Plauen - Zwickau - Chemnitz -
Dresden - Görlitz ist durchgehend durch geeignete Ausbau- und Neubaumaßnahmen
(ggf. unter Anpassung für Neigetechnik) und unter Einbeziehung der Elektrifizierung
im Abschnitt Dresden - Görlitz - Bundesgrenze zur Republik Polen und westlich von
Reichenbach im Vogtl. für eine Geschwindigkeit von mindestens 160 km/h
auszubauen.
Z 10.6
Die Sachsen-Franken-Magistrale (Nürnberg - Hof) - Plauen - Zwickau - Leipzig ist im
Abschnitt zwischen Hof und Leipzig durch geeignete Ausbau- und Neubau-
maßnahmen so auszubauen, dass sie abschnittsweise für Geschwindigkeiten bis zu
200 km/h geeignet ist. Dazu sind der Bau des „City-Tunnels Leipzig“ und der Bau der
„Dennheritzer Kurve“ bei Mosel für eine Geschwindigkeit von ca. 80 km/h sowie lang-
fristig der „Vogtlandtunnel“ vorzusehen.
Z 10.7
Der sächsische Abschnitt der „Mitte-Deutschland-Verbindung“ Chemnitz - (Gera -
Erfurt - Paderborn) mit der Einbindung von Zwickau ist zusammen mit den bislang
noch nicht elektrifizierten Streckenabschnitten der Gesamtstrecke durchgängig zu
elektrifizieren und so auszubauen, dass er für eine Geschwindigkeit von mindestens
120 km/h bzw. 160 km/h bei Einsatz von Neigetechnik geeignet ist.
Z 10.8
Die Fertigstellung der Eisenbahnneubaustrecke Halle/Leipzig - Erfurt über den Flug-
hafen Leipzig/Halle und der Ausbaustrecke Dresden - Leipzig sind als wichtige Binde-
glieder zu nahen Metropolregionen (z. B. Rhein-Main-Gebiet) schnellstens zu reali-
sieren.
Z 10.9
Im Zuge der EU-Erweiterung ist die Eisenbahnstrecke (Berlin - Cottbus -) Görlitz -
Zittau (- Reichenberg/Liberec) für eine Geschwindigkeit von 120 km/h bis 160 km/h
auszubauen und zwischen (Cottbus) und Görlitz zu elektrifizieren.
Z 10.10
Der Verkehrsflughafen Leipzig-Halle ist für den interkontinentalen Luftverkehr weiter
auszubauen. Die flughafenbetrieblichen Voraussetzungen, insbesondere für den Luft-
frachtverkehr, sind durch die Optimierung des Start- und Landebahnsystems und die
Bereitstellung der erforderlichen Abfertigungseinrichtungen zu schaffen.
Z 10.11
Die überregionalen Straßenverbindungen in den sächsischen Abschnitten der pan-
europäischen Korridore III und IV sind zur Verbesserung der überregionalen Erreich-
barkeit Sachsens und im Hinblick auf die EU-Erweiterung durch geeignete Maß-
nahmen auszubauen oder durch Neubaumaßnahmen zu ergänzen.
Z 10.12
Mitteldeutschland und Mittelpolen sind über Leipzig und die Lausitz durch eine
leistungsfähige Fernstraße zu verbinden. Vorzugsweise ist ein Lückenschluss zwi-
schen Leipzig und Cottbus durch eine Bundesautobahn (A 16) vorzusehen.
Z 10.13
Im Hinblick auf die EU-Erweiterung sind zwischen Sachsen und der Tschechischen
Republik bzw. der Republik Polen leistungsfähige Fernstraßen auszubauen bzw. neu
zu bauen. Dies erfordert den Neubau der Bundesautobahnen A 17, A 72 und den Aus-
und Neubau der Bundesstraßen B 92, B 93, B 95, B 96n, B 101, B 115, B 156/B 160,
B 169, B 170, B 174 und B 178.
G 10.14
Die Träger der Regionalplanung sollen nach Prüfung der Realisierungsmöglichkeit im
FEV und LEP 2003 enthaltene Trassen bzw. Korridore raumordnerisch sichern, wenn
Vorhaben des FEV noch nicht realisiert sind. Darüber hinaus sollen in den Regional-
plänen grenzübergreifende regionale und lokale Schienen- und Straßenverbindungen
zur Republik Polen bzw. zur Tschechischen Republik raumordnerisch gesichert
werden.

80
Landesentwicklungsplan 2003
_____________________________________________________________________________________________
G 10.15
Der grenz- und länderübergreifende ÖPNV/SPNV im Raum Zwickau mit Thüringen, im
Vogtland, im Erzgebirge, in der Oberlausitz und im mitteldeutschen Raum Halle/
Leipzig ist weiter auszubauen. Dazu sollen vertaktete Angebote über die Grenzen der
Verkehrsverbünde hinaus eingerichtet und die Zusammenarbeit der Verkehrs-
verbünde intensiviert werden.
Die Anbindung mit dem schienengebundenen Nahverkehr insbesondere der Städte
Großenhain, Kamenz, Bautzen, Altenberg, Zittau, Freiberg nach Dresden, der Städte
Eilenburg, Wurzen, Grimma, Borna, Böhlen nach Leipzig, der Städte Annaberg-
Buchholz, Aue, Limbach-Oberfrohna, Mittweida, Hainichen, Freiberg nach Chemnitz
und der Städte Meerane, Crimmitschau, Werdau, Glauchau nach Zwickau ist zu
verbessern.
Z 10.16
Für den Fall der Austragung der Olympischen Sommerspiele in Sachsen 2012 sind
das ÖPNV- und das Straßennetz auszubauen. Dazu sollen die geplanten Olympia-
standorte mit dem Netz des ÖPNV erschlossen werden. In Leipzig ist der Neubau einer
S-Bahn-Strecke über den Olympia Park zum Hauptbahnhof vorzusehen. Zugleich ist
die Gleisanbindung des Olympischen Dorfes an das S-Bahn-Netz zu sichern.
Z 10.17
Die Nutzung der Elbe als transeuropäische Wasserstraße ist im bisherigen Rahmen
ohne weitere Ausbauten im Freistaat Sachsen zu gewährleisten. Maßnahmen zur
Erhaltung der Schifffahrtsbedingungen auf der Elbe sollen unter Beachtung der
ökologischen und wasserwirtschaftlichen Funktionen durchgeführt werden. Der Bau
von Staustufen ist nicht vorzusehen.
Z 10.18
In den Regionen ist das Radwegenetz für den Alltagsradverkehr und den touristischen
Radverkehr weiter zu entwickeln, die Netzgestaltung zu optimieren, die Verknüpfung
mit anderen Verkehrsmitteln und die Ausstattung
zu verbessern.
Begründung zu 10 Verkehr
Im Zusammenhang mit der Erweiterung der EU, dem Fortschreiben des Bundesverkehrswegeplans und
den geänderten Rahmenbedingungen im Freistaat Sachsen kann der LEP, trotz eines weiterhin gültigen
Fachlichen Entwicklungsplans Verkehr (FEV) aus dem Jahre 1999, nicht auf Aussagen zur weiteren Ent-
wicklung der Verkehrsinfrastruktur verzichten. Diese konzentrieren sich auf landesweit erforderliche Aus-
baumaßnahmen im Verkehrsnetz und entfalten als raumordnerische Festlegungen eine Gültigkeit über die
Inhalte z. B. des Bundesverkehrswegeplans hinaus. Die landesplanerischen Ziele sind vorrangig an der
Verbesserung der überregionalen Erreichbarkeit Sachsens orientiert und bilden eine Ergänzung bzw.
Aktualisierung der Ziele des FEV, die auch in der Karte 12 dargestellt sind. Neue Vorhaben gegenüber
dem gültigen FEV werden in der Karte als Korridor dargestellt, da die konkreten umwelt- und
verkehrsrechtlichen Verfahren zur Trassensicherung noch durchzuführen sind. Der FEV bleibt wirksam
und enthält Aussagen zu allen Verkehrsträgern (inkl. kombinierter Verkehr, Luftverkehr, Binnenschifffahrt).
Nach Fortschreibung der Regionalpläne und vor dem Ende der Gültigkeit des FEV zum 31.12.2009 ist
über eine Teilfortschreibung des LEP zum Bereich „Verkehr“ oder des FEV zu entscheiden, damit
landesweit bedeutsame Maßnahmen zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur weiterhin raumordnerisch
gesichert werden.
zu Ziel 10.2
Eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ist eine wesentliche Voraussetzung für eine angestrebte
Angleichung der Lebensverhältnisse in den Regionen Sachsens. Die Erreichbarkeit von Regionen oder
Metropolregionen ist eine entscheidende Standortvoraussetzung. Trotz erheblicher Investitionen in die
sächsische Verkehrsinfrastruktur seit 1990 hat die überregionale Erreichbarkeit Sachsens und der zu
entwickelnden Metropolregion „Sachsendreieck“ noch nicht das Niveau der alten Bundesländer und der
dortigen Metropolregionen erreicht. Die Verbesserung der überregionalen Erreichbarkeit Sachsens ist

Landesentwicklungsplan 2003
81
_____________________________________________________________________________________________
daher sowohl im Hinblick auf die EU-Erweiterung als auch im Wettbewerb mit anderen Regionen
unbedingt erforderlich.
zu Ziel 10.3
Zur Eisenbahninfrastruktur im sächsischen Abschnitt des paneuropäischen Verkehrskorridors III
(Dresden/Berlin - Breslau - Krakau - Lemberg - Kiew) gehören die Strecken Hoyerswerda - Horka (- Kohl-
furt/Wegliniec) und Dresden - Görlitz (- Kohlfurt/Wegliniec - Breslau). Die beiden Strecken sind Bestand-
teile des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über die Zu-
sammenarbeit bei der Weiterentwicklung der Eisenbahnverbindungen Dresden - Breslau/Wroclaw (E 30/
L-E 30). Der Ausbauzustand beider Strecken ermöglicht derzeit weder akzeptable Reisegeschwindig-
keiten für den Personenverkehr noch eine ausreichende Durchlassfähigkeit für den Güterverkehr. Er
entspricht außerdem nicht den Anforderungen an die Infrastruktur in einem paneuropäischen Korridor, der
mit der EU-Erweiterung weitere Verkehrsströme aufzunehmen haben wird. Um ihrer Funktion als be-
deutende Bahnstrecken im paneuropäischen Verkehrskorridor III gerecht werden zu können, sind daher
für die Strecke Hoyerswerda - Horka (- Kohlfurt/Wegliniec) vorrangig für den Güterverkehr sowie für die
Strecke Dresden - Görlitz (- Kohlfurt/Wegliniec - Breslau) vorrangig für den Personenverkehr der Ausbau
und die Elektrifizierung für eine Reisegeschwindigkeit von 160 km/h erforderlich.
zu Ziel 10.4
Die Bahnstrecke Berlin - Dresden - Bad Schandau (- Prag) ist Bestandteil des paneuropäischen Verkehrs-
korridors IV. Reisegeschwindigkeiten von 80 km/h bis 90 km/h im Fernverkehr sind weder konkurrenz-
fähig, noch entsprechen sie den Anforderungen an einen paneuropäischen Verkehrskorridor. Eine
nennenswerte Steigerung der Reisegeschwindigkeit ist aus topographischen Gründen, insbesondere
südlich von Dresden, nicht möglich. Mit einer Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin - Dresden (- Prag)
sollen die heutigen Reisezeiten verkürzt und gleichzeitig die überregionale Erreichbarkeit Sachsens
wesentlich verbessert werden. Für die Hochgeschwindigkeitsverbindung sind Freihaltekorridore, südlich
von Dresden alternativ als Tunnelstrecke oder entlang der BAB 17, vorgesehen. Die Systemempfehlung
(Magnetbahntechnik oder Rad-Schiene-Technik ähnlich Neubaustrecke Köln - Rhein/Main) soll gutachter-
lich geklärt werden. Eine über Sachsen führende Hochgeschwindigkeitsstrecke im paneuropäischen
Verkehrskorridor IV ist auch als eine wesentliche Voraussetzung zu der aus raumordnerischer Sicht mittel-
bis langfristig erforderlichen Entwicklung eines zweiten östlicheren europäischen Kernraums zu sehen.
Im Falle der Austragung der Olympischen Sommerspiele 2012 in Sachsen ist es sinnvoll, eine schnelle,
zukunftsorientierte und innovative Verkehrsverbindung zum Verdichtungsraum Berlin mit dem ent-
sprechenden Einwohnerpotenzial zu bauen.
zu Ziel 10.5 und Ziel 10.6
Ausbauzustand und Reisegeschwindigkeiten auf beiden Ästen der Sachsen-Franken-Magistrale (Nürn-
berg - Hof) - Plauen - Zwickau - Leipzig/Chemnitz - Dresden - Görlitz entsprechen nicht den Anforde-
rungen an einen Verkehrskorridor zwischen mehreren deutschen Metropolregionen und sind derzeit nicht
konkurrenzfähig. Durch Sanierung und Anpassung der Strecke für Züge mit Neigetechnik, einige Neubau-
abschnitte und Netzergänzungen (z. B. „Vogtlandtunnel“, „Dennheritzer Kurve“, „City-Tunnel Leipzig“)
sowie das Schließen von Elektrifizierungslücken zwischen (Nürnberg/Regensburg -) und Reichenbach im
Vogtl. sowie zwischen Dresden, Görlitz und (- Kohlfurt/Wegliniec) sind die infrastrukturseitigen Voraus-
setzungen für auch im Vergleich zur Straße konkurrenzfähige Reisezeiten zu schaffen.
zu Ziel 10.7
Die „Mitte-Deutschland-Verbindung“ ist die direkte Verbindung zwischen den Oberzentren Paderborn,
Kassel, Erfurt, Jena, Gera und den sächsischen Mittel- und Oberzentren an der „Sachsen-Franken-
Magistrale“. Der derzeitige Ausbauzustand erlaubt zwischen Chemnitz und Gera nur Reisegeschwindig-
keiten von ca. 45 km/h. Durch Sanierung, Ausbau für Züge mit Neigetechnik und die durchgehende
Elektrifizierung der Strecke zwischen Weimar und Sachsen ist deren Infrastruktur auf ein Niveau zu

82
Landesentwicklungsplan 2003
_____________________________________________________________________________________________
bringen, welches zwischen Chemnitz und Gera eine Reisegeschwindigkeit von ca. 90 bis 100 km/h er-
möglicht und somit das Mindestniveau für ein Teilstück in einem überregionalen Korridor erreicht.
zu Ziel 10.8
Die geplante Neubaustrecke Erfurt - Halle/Leipzig ist als Projekt Nr. 8.2 Bestandteil der Verkehrsprojekte
Deutsche Einheit. Bisher ist von diesem Projekt der Abschnitt Leipzig Hbf. - Flughafenbahnhof Leipzig/
Halle - Gröbers fertig gestellt. Die Neubaustrecke Erfurt - Halle/Leipzig ermöglicht eine wesentliche Ver-
kürzung der Reisezeiten zwischen den Metropolregionen Rhein/Main und „Sachsendreieck“ bei gleich-
zeitiger Entlastung der „Saaletalbahn“, die somit zusätzlichen Güterverkehr aufnehmen kann. Die überre-
gionale Erreichbarkeit Sachsens und Mitteldeutschlands wird mit Realisierung der Neubaustrecke Erfurt -
Halle/Leipzig wesentlich verbessert.
Nach Ausbau der Strecke Leipzig - Dresden auch im Abschnitt Riesa - Dresden wird zwischen den beiden
größten sächsischen Städten eine weitere Verkürzung der Bahnreisezeiten auf ca. 45 min möglich.
Gleichzeitig verkürzt sich die Reisezeit zwischen Dresden als östlichem Eckpunkt des „Sachsendreiecks“
und der Metropolregion Rhein-Main.
zu Ziel 10.9
Die Bahnstrecke Berlin - Cottbus - Görlitz - Zittau - Reichenberg („Görlitzer Bahn“) verbindet auf direktem
Weg die Bundeshauptstadt Berlin mit der Nieder- und Oberlausitz und dem Dreiländereck im Raum Zittau.
Die Strecke ist nur zwischen Berlin und Lübbenau zweigleisig ausgebaut, die Elektrifizierung endet aus
Richtung Berlin in Cottbus. Mit dem Bundesverkehrswegeplan 2003 ist die Elektrifizierung zwischen Cott-
bus und Görlitz vorgesehen. Dies ist umweltfreundlich und erübrigt Traktionswechsel in Cottbus bzw.
Fahrten von Dieselfahrzeugen unter Fahrleitung nördlich von Cottbus. Die zukünftige Elektrifizierung der
Strecken Hoyerswerda - Horka und Dresden - Görlitz würde außerdem zu einer isolierten
Dieselinselstrecke führen. Trassierungsbedingt ist zwischen Cottbus und Görlitz eine Aus-
baugeschwindigkeit von 160 km/h und zwischen Görlitz und Zittau eine solche von 120 km/h realistisch
bzw. anzustreben. Die Strecke besitzt außerdem Bedeutung für die EU-Beitrittsstaaten.
zu Ziel 10.10
Für den Verkehrsflughafen Leipzig/Halle besteht ein spezifischer Bedarf, die bestehenden Flugbetriebs-
flächen und Abfertigungseinrichtungen an die Anforderungen des Luftfrachtverkehrs (insbesondere Stück-
gutverkehr) und des Interkontinentalverkehrs anzupassen. Das betrifft vor allem die Länge und Lage der
südlichen Start- und Landebahn sowie erforderliche Frachtabfertigungsanlagen.
zu Ziel 10.11 bis Ziel 10.13
Mit dem Neu- und Ausbau der Fernstraßen BAB 17, B 92, B 93, B 95, B 101, B 115, B 156 (inkl. Rück-
bau), B 160, B 170, B 174 und B 178 u. a. sowie zwischen Leipzig und Cottbus (- Posen) soll das säch-
sische Fernstraßennetz an die Erfordernisse durch die EU-Erweiterung angepasst und gleichzeitig die
überregionale Erreichbarkeit Sachsens, vorrangig im Verlauf der paneuropäischen Verkehrskorridore III
und IV, verbessert werden.
Vor allem in Hinblick auf die EU-Erweiterung und der zu erwartenden erheblichen Zunahme des Straßen-
verkehrsaufkommens in Sachsen ist es dringend erforderlich, die im Ziel genannten Straßen leistungs-
fähig auszubauen. Die Auswirkungen durch das grenzüberschreitende Verkehrsaufkommen in Sachsen
sind deshalb durch einen zügigen Ausbau im Bundesstraßennetz zu minimieren, damit die Lärm- und
Umweltbelastungen in den betroffenen Gebieten reduziert werden.
zu Grundsatz 10.14
Der Regionalplanung kommt für die raumplanerische Vorsorge von Maßnahmen der Verkehrsinfrastruktur
in der jeweiligen Planungsregion eine wichtige Bedeutung zu. Die Träger der Regionalplanung haben für

Landesentwicklungsplan 2003
83
_____________________________________________________________________________________________
neue Vorhaben, die im FEV noch nicht enthalten sind, z. B. die FFH-Verträglichkeitsprüfung
vorzunehmen. Im Rahmen der Fortschreibung der Regionalpläne ist ebenfalls eine Überprüfung der
Realisierungschancen von Verkehrsausbauvorhaben des FEV, die keine Festlegung im Sinne von Zielen
sind sowie die planerische Vorsorge für neue Vorhaben sinnvoll. In die Betrachtung und planerische
Vorsorge durch die Regionalplanung sollten im Zusammenhang mit der EU-Erweiterung regional oder
lokal sinnvolle Verkehrswege zur Republik Polen und zur Tschechischen Republik aufgenommen werden.
zu Grundsatz 10.15
Mit der Zunahme von Pendlerbewegungen in die Städte des „Sachsendreiecks“ besteht ein Nachfrage-
potenzial nach leistungsfähigen Angeboten im SPNV, die z. Z. nur im unmittelbaren Verdichtungsraum
bestehen bzw. aufgebaut werden. Darüber hinaus bieten zuverlässige, vertaktete und schnelle Eisen-
bahnverbindungen der genannten Städte zu den Zentren des „Sachsendreiecks“ eine umweltgerechte
Alternative zum motorisierten Individualverkehr. Der Ausbau dieser SPNV-Angebote sollte angebots-
orientiert und verkehrsverbundsübergreifend erfolgen.
zu Ziel 10.16
Nach der Entscheidung des Nationalen Olympischen Komitees im Frühjahr 2003 für Sachsen und die
Stadt Leipzig als deutsche Bewerber für die XXX. Olympischen Sommerspiele im Jahr 2012 ist im
Sommer 2005 die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees zu erwarten. Eine
Entscheidung für Sachsen und Leipzig würde die Anpassung von Verkehrsinfrastrukturen innerhalb eines
vergleichsweise kurzen Zeitraums - insbesondere auch für den ÖPNV - für das sportliche Großereignis
erfordern. Für eine reibungslose Beförderung der zahlreichen Besucher sind dann Ergänzungen
insbesondere am Leipziger Nahverkehrssystem erforderlich (siehe Kap. 16.4).
zu Ziel 10.17
Bestandteil des Paneuropäischen Korridors ist auch die Elbe als Bundeswasserstraße. Sie verbindet
Sachsen mit der Tschechischen Republik und den Nordsee-Seehäfen. Der Verkehrsträger Binnenschiff ist
dabei im Massengut- und zunehmend auch im Containerverkehr ein Verkehrsträger mit leicht erschließ-
baren und erheblichen Wachstumspotenzialen. Die Verlagerung von Verkehr zu diesem energie-
sparenden, kostengünstigen und insgesamt umweltverträglichen Verkehrsträger ist zu fördern. Bisherige
Schiffbarkeitsbedingungen der Elbe sollen mit lokalen Strombaumaßnahmen gesichert werden. Darüber
hinausgehende Maßnahmen haben sich nach den Erfordernissen aus Naturhaushalt und Wasserwirt-
schaft (einschließlich Hochwasserschutz) zu richten. Ein Bau von Staustufen widerspricht den Forde-
rungen der WRRL und ist sowohl aus verkehrswirtschaftlichen Gründen als auch wegen der damit verbun-
denen erheblichen Eingriffe in die Flusslandschaft im Freistaat Sachsen ausdrücklich nicht vorgesehen.
zu Ziel 10.18
Der Alltagsradverkehr und der touristische Radverkehr nehmen in den letzten Jahren einen steigenden
Anteil am Verkehrsgeschehen ein. Zur Förderung dieses umweltfreundlichen Verkehrsmittels ist die
weitere Entwicklung und der Ausbau des bestehenden Radverkehrsnetzes in den Regionen, die
Schaffung von Serviceeinrichtungen (z. B. Abstellanlagen) und die Wegweisung auf der Grundlage einer
aktuellen Bestands- und Bedarfserfassung (für touristische und straßenbegleitende Radwege) und
aktueller Planunterlagen voranzutreiben. Die Koordinierung der Aktivitäten innerhalb und zwischen den
Regionen ist dabei zu optimieren. Die Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs sind auf der
Grundlage abgestimmter Konzepte umzusetzen.

84
Landesentwicklungsplan 2003
_____________________________________________________________________________________________
11 Energieversorgung und erneuerbare Energien
G 11.1
Energieversorgung soll sicher, kostengünstig sowie umwelt- und sozialverträglich
sein. Sie soll sich auf ein breites Angebot an Energieträgern stützen. In allen Be-
reichen ist es erforderlich, Energie zu sparen und die Effizienz der Energienutzung zu
erhöhen. Die Verstromung der sächsischen Braunkohle mit modernen Technologien
soll langfristig gesichert werden. Der Anteil erneuerbarer Energien am Energie-
aufkommen soll weiter erhöht werden.
Z 11.2
Durch die Träger der Regionalplanung sind die räumlichen Voraussetzungen zur
künftigen Nutzung der Braunkohle zu sichern.
Hinweis:
Die Plansätze mit dem Auftrag zur Sicherung der erforderlichen Rohstofflagerstätten befinden sich im
Ziel 7.3 im Kap. 7 Rohstoffsicherung
G 11.3
Die Träger der Regionalplanung sollen im Rahmen ihrer Moderations- und Koordinie-
rungsaufgaben darauf hinwirken, dass unter Berücksichtigung der regionalen Ge-
gebenheiten der Anteil der energetischen Nutzung insbesondere von Biomasse, Bio-
gas, Solarenergie, Geothermie sowie Windenergie und von Wasserkraft am
Endenergieverbrauch entsprechend dem Klimaschutzprogramm und dem
Energieprogramm des Freistaats Sachsen ausgebaut wird. Sofern d azu konzeptionelle
Grundlagen vorliegen, sollen die Regionalpläne Festlegungen zur räumlichen Nutzung
erneuerbarer Energien beinhalten.
Z 11.4
In den Regionalplänen sind die räumlichen Voraussetzungen für die Nutzung von
Windenergie zu sichern. Dabei ist zur räumlichen Konzentration eine abschließende
flächendeckende Planung vorzunehmen.
G 11.5
Neu zu errichtende Nahwärmeversorgungssysteme in verdichteten Gebieten sollen
unter gegebenen ökonomischen und ökologischen Voraussetzungen vorzugsweise
auf dem Einsatz erneuerbarer Energien (insbesondere der Nutzung der Biomasse) und
der Wärme-Kraft-Kopplung beruhen.
G 11.6
Hochspannungsleitungen sollen in sensiblen Landschafts- und Siedlungsbereichen
als Erdkabel verlegt werden.
Z 11.7
Der Ausbau und die Verdichtung des Netzes
der leitungsgebundenen Gasversorgung
sollen fortgeführt werden.
G 11.8
Das Tankstellennetz für gasbetriebene Kraftfahrzeuge soll flächendeckend ausgebaut
werden.
Begründung zu 11 Energieversorgung und erneuerbare Energien
zu Grundsatz 11.1
Eine nachhaltige Energieversorgung kann in Sachsen nur erreicht werden, wenn auch künftig alle
technischen und wirtschaftlich verfügbaren Energiequellen mit modernster Technologie und in einem
ausgewogenen Energiemix zur Energieversorgung genutzt werden. Ein sparsamer und rationeller
Umgang mit Energie sowie ein sinnvoller Verbrauch bietet hierbei das größte Energieeinspar- und
Umweltschonungspotenzial. Der Einsatz der erneuerbaren Energie zur Primärenergiebereitstellung soll
hierzu einen wachsenden Beitrag leisten.

Landesentwicklungsplan 2003
85
_____________________________________________________________________________________________
zu Ziel 11.2
Die planerische Sicherung der Versorgung bis ca. 2040 der bestehenden Braunkohlekraftwerke Lippen-
dorf und Boxberg einschließlich Ersatz für 2 x 500 MW und Erweiterung (zurückgestellter zweiter Neubau-
Block) am Standort Boxberg ist durch die Ausweisung von Vorranggebieten/Abbaugebieten in den
genehmigten Braunkohleplänen (Nochten, Reichwalde, Vereinigtes Schleenhain) bzw. in den Regional-
plänen Westsachsen und Oberlausitz-Niederschlesien erfolgt. Aus heutiger Sicht wird die Fortführung der
Braunkohleverstromung auch über die Laufzeit der derzeit bestehenden Kraftwerke hinaus erforderlich
sein. Aus diesem Grund muss die Regionalplanung entsprechend dem Energieprogramm Sachsen, das
bis voraussichtlich 2004 aktualisiert wird, die räumliche Voraussetzung für den zukünftigen Abbau der
Braunkohle sichern. Die Nutzung einheimischer Braunkohle insbesondere zur Stromerzeugung in
Grundlastkraftwerken steigert die Wertschöpfung vor Ort, sichert Arbeitsplätze und stärkt die Wirtschaft in
Sachsen.
zu Grundsatz 11.3
Klima- und Umweltschutz sowie begrenzt zur Verfügung stehende fossile Ressourcen erfordern auch die
Erschließung regenerativer Energiequellen (z. B. Wasserkraft, Sonnenenergie, Windenergie, Biomasse
und Erdwärme). Diese Energiequellen müssen, soweit es ökologisch und agrarstrukturell am konkreten
Ort möglich ist, entsprechend dem erreichten technischen Fortschritt und der Wirtschaftlichkeit verstärkt
genutzt werden. Auf Grund der Voraussetzungen sind im ländlichen Raum besondere Potenziale für die
energetische Nutzung von Biomasse und Biogas vorhanden.
Als Ergebnis der Konferenz von Kyoto hat sich Deutschland verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen
bis 2012 um 21 % zu reduzieren. Im Juni 2001 beschloss die Staatsregierung mit dem Klimaschutz-
programm für Sachsen, 5 % des Endenergieverbrauchs in Sachsen bis zum Zeitraum 2005 bis 2010 aus
erneuerbaren Energien zu decken. Dieses Programm wird fortgeschrieben. Die Lösung absehbarer raum-
ordnerischer Konflikte bei der Umsetzung des Klimaschutzprogramms ist eine wichtige Aufgabe der Re-
gionalplanung. Grundlage dafür ist die Ermittlung regionaler, möglichst konfliktarmer Potenziale erneuer-
barer Energien. Auf Grund der mit der Nutzung erneuerbarer Energien verbundenen Eingriffe sind dabei
die Belange des Biotop- und Artenschutzes, der Bewahrung des Siedlungs- und Landschaftsbilds, des
Denkmalschutzes sowie die Belange des Immissionsschutzes zu beachten und des Tourismus zu berück-
sichtigen.
zu Ziel 11.4
Grundlage für diesen Plansatz ist das Ziel des sächsischen Klimaschutzprogramms, bis zum Jahr 2010
5 % des Endenergieverbrauches aus erneuerbaren Energien und davon 25 % (das entspricht ca.
1 150 GWh/a) durch die Windenergie zu decken. In der Vergangenheit sind Windenergieanlagen häufig
als Einzelfallentscheidung ohne zusammenhängende Planung zugelassen worden. Dies führte in
manchen Fällen zu einer unerwünschten Beeinträchtigung des Landschaftsbilds. Da die kommunale
Flächennutzungsplanung in den vergangenen Jahren ihrem Regelungsanspruch, was die Windenergie-
anlagen betrifft, nicht gerecht geworden ist, ist es daher Aufgabe der Regionalplanung, für eine räumliche
Konzentration der Windenergieanlagen zu sorgen. Die Voraussetzungen für abschließende Planungen
zum Ausschluss dieser Nutzung außerhalb dafür geeigneter Flächen wurden mit der Novellierung des
SächsLPlG und der damit erfolgten Einführung von Eignungsgebieten verbessert. Bei der Ermittlung
geeigneter Flächen sind Standorte mit hohem Windpotenzial, gute Bedingungen für die Einspeisung in
das öffentliche Stromnetz, Bereiche technogener Landschaftsüberformungen u. a. zu prüfen. Auf die in
der Begründung zu Grundsatz 3 genannten schutzwürdigen öffentlichen Belange bei der Nutzung
regenerativer Energien wird hingewiesen.
zu Grundsatz 11.5
In der ersten Hälfte der neunziger Jahre wurden in der Regel die bestehenden Fernwärmesysteme und
dabei insbesondere deren Erzeugungsanlagen umfassend modernisiert. Damit konnte Wirtschaftlichkeit
und Umweltverträglichkeit hergestellt und der hohe Anteil der Fernwärmeversorgung am Wärmemarkt

86
Landesentwicklungsplan 2003
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erhalten werden. Zukünftig bietet sich der verstärkte Einsatz von erneuerbaren Energien bei bestehenden
Fernwärmeversorgungssystemen und ggf. der Neubau von Nahwärmesystemen in verdichteten Gebieten
(z. B. Städte) beispielsweise durch energetische Nutzung von Biomasse an. Damit kann ein
entscheidender Beitrag zur Umsetzung der Ziele des Klimaschutzprogramms und des Energieprogramms
des Freistaats Sachsen geleistet werden. Der Vorteil einer dezentralen Wärmeversorgung auf Basis
erneuerbarer Energien besteht in einer besseren Einschätzung des Bedarfs und geringeren Verlusten
durch kürzere Übertragungswege. Damit können auch Kommunen, private Haushalte und Klein-
verbraucher einen unmittelbaren Beitrag zum Klimaschutz durch CO
2
-Einsparung leisten.
zu Grundsatz 11.6
Durch die Verkabelung von Hoch- und Höchstspannungsleitungen wird das Landschaftsbild geschont. Bei
den sensiblen Landschaftsbereichen handelt es sich um Gebiete, welche unter dem Aspekt des Schutzes
des Landschaftsbilds ausgewiesen werden (vgl. Kap. 4.1, Ziel 9). Bei den sensiblen Siedlungsbereichen
handelt es sich um regional bedeutsame Bereiche des baulichen Denkmalschutzes (Umgebungsgebiete
nach § 2 Abs. 3 Nr. 1 SächsDSchG) sowie um Gebiete mit herausragender Beziehung von und zu einem
sichtexponierten historischen Kulturdenkmal. Bei anstehenden Entscheidungen im Hinblick auf Neubau-
und Ersatzmaßnahmen in sensiblen Landschafts- und Siedlungsbereichen ist die Verlegung als Erdkabel
in Betracht zu ziehen, sofern die Beeinträchtigungen, die durch den Eingriff verursacht werden, nicht grö-
ßer sind als der Nutzen (Bodenschutz, Gewässerschutz) und sofern es unter technischen, wirtschaftli-
chen, ökologischen und rechtlichen Gesichtspunkten gerechtfertigt erscheint. Die Erdverkabelung ist
daher für den Höchstspannungsbereich in der Regel nicht geeignet.
zu Ziel 11.7
Die Verbrennung von Erdgas verursacht im Vergleich zu den anderen fossilen Energieträgern die
geringsten CO
2
-Emissionen. Die entstehende Infrastruktur ist besonders zukunftsfähig, da sie auch für die
Versorgung mit Methan (Biogas) oder Wasserstoff aus regenerativen Quellen genutzt werden kann.
Darüber hinaus ist das Leitungsnetz Voraussetzung für einen möglichen Einsatz der Brennstoff-
zellentechnik. Insbesondere in den Kernen der Verdichtungsräume, den Zentralen Orten und in den
touristischen Zentren kann die leitungsgebundene Erdgasversorgung zur Verbesserung der Umwelt-
verhältnisse beitragen. Des Weiteren ist sie auch in den Trinkwasserschutzzonen I und II außerhalb der
Verdichtungsräume wegen ihrer geringen Wassergefährdung sinnvoll.
zu Grundsatz 11.8
Gasbetriebene Kraftfahrzeuge zählen zu den emissionsärmsten und damit umweltfreundlichsten Ver-
kehrsmitteln. Sie sind praxistauglich und können in den unterschiedlichsten Anwendungsgebieten einge-
setzt werden. Die saubere und leise Antriebstechnik der gasbetriebenen Kraftfahrzeuge ermöglicht ins-
besondere im innerstädtischen Verkehr eine Steigerung der Lebensqualität vor Ort. Um diese Technik in
der Breite einführen zu können, ist jedoch eine ausreichende Tankstelleninfrastruktur notwendig.
12 Telekommunikation
G 12.1
In allen Landesteilen ist eine flächendeckende Versorgung mit Telekommunikations-
dienstleistungen auf dem jeweils neuesten Stand der Technik anzustreben.
Z 12.2
Bestehende und geplante Richtfunkstrecken sind von störender Bebauung freizu-
halten.
G 12.3
Auf eine Mehrfachnutzung von Mobilfunksendemasten ist hinzuwirken.

Landesentwicklungsplan 2003
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Begründung zu 12 Telekommunikation
zu Grundsatz 12.1
Eine flächendeckende Versorgung mit Telekommunikationsdienstleistungen auf dem jeweils neuesten
Stand der Technik ist für die wirtschaftliche Entwicklung einer Region unverzichtbar. Das betrifft sowohl
den Festnetz- als auch den Mobilfunkbereich. Vor allem der Datenkommunikation kommt eine weiter
wachsende Bedeutung zu.
zu Ziel 12.2
Der Fernmeldeverkehr wird auch über Richtfunkstrecken betrieben. Zur Durchführung eines störungs-
freien Richtfunkbetriebs dürfen keine Hindernisse zwischen Sende- und Empfangsstelle errichtet werden.
Längs der Richtfunkstrecken ist eine durch ein Rotationsellipsoid begrenzte Zone (so genannte Fresnel-
zone) um die Sichtlinie herum von Hindernissen freizuhalten. Die Breite dieser Zone beträgt etwa 100 m
beiderseits der Sichtlinie. Richtfunkstrecken und ihre Freihaltung sind raumbedeutsam. Die Gemeinden
sind frühzeitig in die Planungen einzubeziehen. Dadurch haben sie die Möglichkeit, ihre Bauleitplanung
mit dem Verlauf der Richtfunkstrecken abzustimmen.
zu Grundsatz 12.3
In den letzten Jahren sind eine Vielzahl von Mobilfunkmasten errichtet worden und die intensiven Bestre-
bungen zum weiteren Ausbau des Netzes dauern an. Der zunehmende Ausbau dieser Anlagen hat bereits
zu erheblichen Konflikten geführt. Um die bei Aufstellung von Mobilfunksendemasten sowohl im
Siedlungsbereich als auch in der freien Landschaft unvermeidbaren Störungen sowie die Beeinträchtigung
des Landschaftsbilds zu minimieren, sollen verschiedene Netzangebote bei Einhaltung der gesetzlichen
Grenzwerte an einem Standort gebündelt werden.
13 Wasserver- und Abwasserentsorgung
Wasserversorgung
G 13.1
Die Deckung des Wasserbedarfs der öffentlichen Trinkwasserversorgung ist aus
langfristig, mit hoher Sicherheit verfügbaren Wasservorkommen zu sichern. Ortsnahe
Dargebote sollen
durch Fernwasserbezug ergänzt oder ersetzt werden, wenn dies aus
Mengen- oder Gütegründen oder aus wirtschaftlichen oder ökologischen Gründen ge-
boten ist. Die notwendige Flexibilität für eine angemessene Störfall- und Katastro-
phensicherheit ist zu b erücksichtigen.
Z 13.2
In den Regionalplänen sollen Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Wasserressourcen
ausgewiesen werden, die sich für die Trinkwasserversorgung besonders eignen. Dazu
sollen für den gesicherten Bedarf Vorranggebiete und für die langfristige Sicherung
Vorbehaltsgebiete ausgewiesen werden.

88
Landesentwicklungsplan 2003
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Abwasserentsorgung
G 13.3
Zentrale Abwasserbehandlungsanlagen sollen ausgebaut bzw. errichtet werden
in Verdichtungsräumen, in den verdichteten Bereichen des ländlichen Raums
oder in Räumen, in denen sie besondere Bedeutung für die Wirtschafts- und Sied-
lungsentwicklung oder für den Fortbestand von Freizeit- und Erholungs-
einrichtungen besitzen und
für Gebiete, in denen sie wegen des Trinkwasserschutzes erforderlich sind,
sofern ihre Errichtung nicht mit übermäßigen Kosten verbunden ist und das gleiche
Umweltschutzniveau mit individuellen Systemen oder anderen geeigneten Maß-
nahmen nicht erreicht werden kann.
Z 13.4
Eine dezentrale Abwasserentsorgung mit Kleinkläranlagen soll dort erhalten oder
errichtet werden, wo der Anschluss an eine zentrale Abwasseranlage wirtschaftlich
unzweckmäßig ist und die Erfordernisse des Gewässerschutzes und Zielsetzungen
der Wirtschafts- und Siedlungsentwicklung nicht entgegenstehen.
Begründung zu 13 Wasserver- und Abwasserentsorgung
Wasserversorgung
zu Grundsatz 13.1
Die sinnvolle Nutzung sowohl der Kapazitäten örtlicher Wassergewinnungsanlagen als auch der
Kapazitäten der Fernwasserversorgung und die Schaffung bzw. Erhaltung von regionalen und
überregionalen Verbundsystemen bieten eine optimale Bereitstellungs- und Versorgungssicherheit für die
öffentliche Trinkwasserversorgung.
zu Ziel 13.2
Durch die Festsetzung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten auf der Grundlage der Bewertung der
Wasserkörper durch die Fachplanung können über die allgemeinen Anforderungen zum Gewässerschutz
hinaus verbleibende Risiken der Beeinflussung der Rohwasserbeschaffenheit weiter vermindert werden.
Für eine Ausweisung als Vorranggebiete kommen insbesondere Teile von Wasserkörpern in Betracht, aus
denen Trinkwasser gewonnen wird und die als Trinkwasserschutzgebiet nicht fachgesetzlich geschützt
sind. Auch der Schutz bedeutender Wasserressourcen, deren Nutzungsbedarf gegenwärtig nicht gesehen
wird, ist als langfristige Daseinsvorsorge mit Instrumenten der Raumordnung zu unterstützen.
Abwasserentsorgung
zu Grundsatz 13.3
Trotz der großen Leistungen, die auf dem Gebiet der Abwasserreinigung in den vergangenen Jahren
erbracht wurden, sind nach wie vor wasserwirtschaftliche, ökonomische und ökologische Prioritäten
notwendig. Gemäß der Sächsischen Kommunalabwasserverordnung (SächsKomAbwVO) - Stand
20. Juli 2000 - hat die fristgerechte Umsetzung der EU-Richtlinie Kommunales Abwasser höchste Priorität.
Die zur Verfügung stehenden Mittel sind primär auf die gemäß EU-Richtlinie erforderliche abwasser-
technische Erschließung in den entsprechenden Raumkategorien auf Verdichtungsgebiete gemäß
SächsKomAbwVO zu konzentrieren. Angesichts der demographischen Entwicklung sowie des erreichten
Standes bei der zentralen Abwasserreinigung sind insbesondere im ländlichen Raum Lösungen einer
dezentralen Abwasserreinigung verstärkt anzustreben.

Landesentwicklungsplan 2003
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zu Ziel 13.4
In ländlichen Gebieten bzw. in Streusiedlungen bedürfen dezentrale Lösungen der Abwasserbehandlung
der verstärkten Prüfung. Dies kann auch der Reduzierung der finanziellen Belastung der Bürger dienen.
Dezentralen Lösungen, die eine ordnungsgemäße Abwasserentsorgung sichern, ist daher eine größere
Bedeutung beizumessen.
14 Abfall
G 14.1
Die Sicherung der Abfallentsorgung ist durch eine Bereitstellung geeigneter Flächen
zu unterstützen.
G 14.2
Die Entsorgungssicherheit ist vorausschauend und für Katastrophenfälle zu gewähr-
leisten.
Begründung zu 14 Abfall
zu Grundsatz 14.1
Für die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger („ÖRE“) besteht eine Entsorgungspflicht. Diese erstreckt
sich auf alle angefallenen und überlassenen Abfälle aus privaten Haushaltungen und Abfälle zur Beseiti-
gung aus anderen Herkunftsbereichen. Die zuständigen ÖRE haben verwertbare Abfälle getrennt zu er-
fassen. Dies erfordert den flächendeckenden Aufbau oder die Nutzung bestehender Erfassungssysteme
für die Abfälle, für die eine gesetzliche Verpflichtung zur Entsorgung durch die ÖRE besteht. Für die Er-
fassung der den ÖRE getrennt überlassenen und angedienten Abfälle zur Verwertung (Altstoffe) ist es
bereits in den Abfallwirtschaftskonzepten und Planungen notwendig, insbesondere in den Wohngebieten
bürgernahe und bedarfsgerechte Erfassungssysteme einschließlich der notwendigen Erfassungsstellen,
wie Containerstellflächen und ggf. Wertstoffhöfe, flächendeckend vorzusehen. Gleiches gilt für Sammlung
und den Transport von Abfällen zur Beseitigung. Wenn nicht bereits in den Abfallwirtschaftskonzepten und
der Bauleitplanung berücksichtigt, sollen dazu geeignete Flächen vorgesehen werden. Erreichbarkeit,
Benutzerfreundlichkeit, möglichst geringe Verkehrs-, Lärm- und eventuelle Geruchsbelästigungen und
bauliche Einfügung in die Umgebung sind wichtige Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit und die
Akzeptanz.
zu Grundsatz 14.2
Die ÖRE sollen für die ihnen überlassenen Abfälle die Entsorgungssicherheit für einen mittelfristigen
Zeitraum von mindestens zehn Jahren gewährleisten. Die notwendigen Anlagenkapazitäten sind u. a. auf
der Basis des Abfallwirtschaftsplans und eigener Erhebungen unter Einbeziehung Dritter (Kostensenkung)
zu planen und zu errichten oder vertraglich zu binden. Für die Behandlung der im Gebiet der ÖRE
angefallenen und überlassenen Abfälle aus privaten Haushaltungen und Abfälle zur Beseitigung aus
anderen Herkunftsbereichen sind die notwendigen Behandlungskapazitäten vorzuhalten. Entsprechende
Festlegungen treffen die zuständigen ÖRE in ihrem Abfallwirtschaftskonzept
(§ 19 KrW-/AbfG).
In den allgemeinen Katastrophenschutzplänen ist vorzusehen, dass durch die ÖRE geeignete Flächen zur
schnellen und reibungslosen Zwischenlagerung der situationsbedingt anfallenden Abfälle vorgehalten
werden, damit diese Abfälle anschließend einer ordnungsgemäßen Entsorgung zugeführt werden können.

90
Landesentwicklungsplan 2003
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15 Lärmschutz
G 15.1
Gebiete, die überwiegend zu Wohn- und Erholungszwecken genutzt werden, sollen
von lärmintensiven Verkehrswegen freigehalten werden.
Z 15.2
In den Regionalplänen sind Siedlungsbeschränkungsbereiche für Verkehrsflughäfen
und für ausgewählte Verkehrslandeplätze auszuweisen.
In den Siedlungsbeschränkungsbereichen für Verkehrsflughäfen sollen innerhalb der
Fluglärmkontur A im Rahmen der Bauleitplanung nur
gewerbliche Bauflächen im Flächennutzungsplan und
Industrie- und Gewerbegebiete im Bebauungsplan
ausgewiesen werden;
innerhalb der Fluglärmkontur B sind zusätzlich
gemischte Bauflächen im Flächennutzungsplan und
Mischgebiete, Dorfgebiete und Kerngebiete im Bebauungsplan
zulässig.
Begründung zu 15 Lärmschutz
zu Grundsatz 15.1
Das subjektive Empfinden Betroffener hebt immer wieder den Verkehr als Hauptlärm- und Belastungs-
quelle hervor. Aber auch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und vorliegenden Lärmminderungs-
planungen ist der Verkehr die Hauptlärm- und Belastungsquelle. Die Bekämpfung von Lärm ist im Nach-
hinein nicht oder nur mit großem technischen und finanziellen Aufwand möglich. Deshalb trägt Verkehrs-
vermeidung erheblich zur Lärmminderung bei. Durch eine entsprechende vorausschauende Bauleit- und
Verkehrswegeplanung (z. B. Schaffung verkehrsberuhigter Gebiete bei Bestandsnutzungen), die sich an
den Orientierungswerten für die städtebauliche Planung ausrichten, können Konflikte von vornherein ver-
mieden werden. Darüber hinaus tragen verkehrslenkende Maßnahmen erheblich zur Lärmminderung bei.
zu Ziel 15.2
Lärmschutzbereiche sind notwendig, weil die Regelungen des Gesetzes zum Schutz gegen Fluglärm für
das Ziel einer effektiven Lärmvorsorge, die bereits bei der Bauleitplanung beginnen soll, nicht ausreichend
sind. Für die Verkehrsflughäfen Dresden und Leipzig/Halle wurden in den Regionalplänen bereits eigene
Siedlungsbeschränkungsbereiche mit einer 65 dB (A) Fluglärmkontur A und Bereiche mit einer erhöhten
Fluglärmbelastung mit einer 60 dB (A) Fluglärmkontur B ausgewiesen.
Eine Aktualisierung der Siedlungsbeschränkungsbereiche und der Bereiche mit erhöhter Fluglärmbe-
lastung in den Regionalplänen ist zu prüfen.
Eine Ausweisung von Siedlungsbeschränkungsbereichen für ausgewählte Verkehrslandeplätze in den
Regionalplänen ist im Sinne der Lärmvorsorge ebenfalls sinnvoll. Ausschlaggebend dafür ist die vorhan-
dene bzw. geplante Entwicklung der Flugbewegungen und die Nähe des Landeplatzes zu bebauten Ge-
bieten. Damit soll sichergestellt werden, dass auch die Abstände zwischen Verkehrslandeplätzen zur
Wohnbebauung und anderen schutzbedürftigen Gebieten ausreichend groß sind, so dass absehbare
Konflikte bereits dadurch vermieden werden. Nach derzeitigem Kenntnisstand kommt die Ausweisung von
Siedlungsbeschränkungsbereichen insbesondere für die Verkehrslandeplätze Bautzen, Rothenburg/
Görlitz (Standort Rothenburg/OL), Kamenz, Riesa-Göhlis, Großenhain, Chemnitz-Jahnsdorf und Zwickau
in Betracht. Sofern ein raumordnerischer Regelungsbedarf besteht und die fachplanerischen Grundlagen
vorliegen, sind die daraus folgenden Konsequenzen für die Bauleitplanung in den Regionalplänen zu
konkretisieren.

Landesentwicklungsplan 2003
91
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16 Soziale und kulturelle Infrastruktur
16.1 Jugend, Frauen und Familie
Z 16.1.1
Dienste und Einrichtungen der Familienhilfe sollen in allen Landesteilen bedarfs-
gerecht eingerichtet sein. Dazu soll ein ausreichend dichtes Netz von sozialen
Diensten und Einrichtungen zur Beratung von Schwangeren und von Familien, von
Frauen-, Mütter-, Familien- bzw. Nachbarschaftszentren und von Frauenschutz-
häusern bzw. -wohnungen in den Zentralen Orten vorgehalten werden.
G 16.1.2
Das Netz der Dienste und Einrichtungen der Jugendhilfe soll in allen Landesteilen
entsprechend der demographischen Entwicklung bedarfsgerecht erhalten werden.
Z 16.1.3
In allen Landesteilen soll ein ausreichendes Netz von Einrichtungen und Diensten der
Jugendarbeit zur Verfügung stehen. Insbesondere in den Zentralen Orten sollen
pädagogisch geleitete Jugendfreizeitstätten vorhanden sein.
Z 16.1.4
Kindertageseinrichtungen sollen flächendeckend, wohnortnah und bedarfsgerecht zur
Verfügung stehen. Das Einrichtungsnetz soll sich am Netz der Zentralen Orte unter
Einbeziehung der Gemeinden mit besonderen Gemeindefunktionen orientieren.
Ersatzneubauten und Neubauten sollen erfolgen, sofern sie zur Sicherung der not-
wendigen Standards unter Beachtung der demographischen Entwicklung erforderlich
sind.
Z 16.1.5
Kinder- und Jugendübernachtungsstätten sollen in ihrem Bestand erhalten werden.
Dabei soll sich ihre Profilierung an den Ansprüchen ihrer Nutzer und an Reise-
gewohnheiten orientieren.
Begründung zu 16.1 Jugend, Frauen und Familie
zu Ziel 16.1.1
Familienhilfe durch Familienförderung und Familienselbsthilfe dient der Verwirklichung sozialer Sicherheit
und Gerechtigkeit. Die erforderlichen Dienste und Einrichtungen sollen landesweit und ausreichend zur
Verfügung stehen. Die Stärkung der Familie ist ein wichtiger Aspekt der sozialen Komponente der
Nachhaltigkeit. Zur Sicherstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse gehört außerdem die
geschlechtsspezifische Beratung und Unterstützung in besonderen Notlagen, insbesondere der Frauen.
zu Grundsatz 16.1.2
Jugendhilfe umfasst die Leistungen, die zu einem gelingenden Aufwachsen junger Menschen in der Ge-
sellschaft beitragen. Erforderlich ist ein bedarfsgerechtes Netz an Angeboten und Diensten entsprechend
der örtlichen und überörtlichen Jugendhilfeplanung. Dabei ist insbesondere der Bevölkerungsentwicklung
Rechnung zu tragen. Ungeachtet der Zuständigkeit der öffentlichen Träger sollen diese partnerschaftlich
mit Trägern der freien Jugendhilfe zusammenarbeiten.
zu Ziel 16.1.3
Es besteht das Anliegen, dass ein flächendeckendes und ein dem Bedarf entsprechendes Netz an Ein-
richtungen der Jugendarbeit vorhanden ist. Attraktive Freizeit- und Bildungsangebote der Jugendarbeit,
die sich an den Bedürfnissen der jungen Menschen orientieren, können dazu beitragen, die Lebens-
qualität der jungen Menschen zu verbessern und das Hineinwachsen in die Gesellschaft und in die euro-
päische Integration zu erleichtern und zu aktivieren. Neben öffentlichen Trägern wird ein wesentlicher Teil
der Jugendarbeit dabei von freien Trägern wie Jugendverbänden, Vereinen und den Kirchen wahr-

92
Landesentwicklungsplan 2003
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genommen. Räume für Jugendliche sollten in jeder Gemeinde zur Verfügung stehen (siehe auch Ziel
16.3.9)
Besondere Bedeutung besitzt die Jugendarbeit in sozialen Problemgebieten, insbesondere in Großstädten
und in Gebieten mit besonderer Strukturschwäche. Dort sollten Jugendfreizeitstätten mit mindestens einer
hauptamtlichen Fachkraft sinnvolle Freizeitbeschäftigung, Beratung und Hilfe anbieten. Sie sollten insbe-
sondere in Zentralen Orten zur Verfügung stehen, um für viele Jugendliche gut erreichbar eine breit ge-
fächerte Freizeitbetreuung anzubieten. Bei der Bedarfsermittlung ist der Gender-Mainstreaming-Grund-
satz zu beachten.
zu Ziel 16.1.4
Kindertageseinrichtungen sind Kinderkrippen, Kindergärten und Horte, die die Erziehung des Kindes in
der Familie unterstützen, begleiten und ergänzen. Kinderkrippen, Kindergärten und Hortgruppen können
in gemeinschaftlichen Einrichtungen geführt werden und es können altersgemischte Gruppen gebildet
werden. Alle Kinder ab Vollendung des dritten Lebensjahres bis zum Schuleintritt haben Anspruch auf den
Besuch eines Kindergartens. Darüber hinaus gilt es, für ein bedarfsgerechtes Angebot an Kindertages-
einrichtungen und Möglichkeiten der Tagespflege zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren und für
schulpflichtige Kinder bis zur Vollendung der vierten Klasse zu sorgen. Zur Auslastung der Kinder-
einrichtungen ist je Jahrgang eine bestimmte Anzahl Kinder notwendig, die i. d. R. in den Zentralen Orten
erreicht wird. Diese Einrichtungen sollen dann auch für die Bewohner der nichtzentralen Orte im
Verflechtungsbereich gut erreichbar sein, sofern nicht aus Lage-