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Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
Waldzustandsbericht 2003

Inhalt Waldzustandsbericht 2003
(Waldschadensbericht nach § 58 SächsWaldG)
Seite
Waldzustand im Überblick (D, GB, CZ, PL)
1
Vorbemerkungen
5
Rahmenbedingungen für den Waldzustand
6
Witterung
6
Stoffeinträge
9
Waldzustand 2003
11
Kronenzustand und biotische Schäden
11
Schälschäden
22
Chemischer Bodenzustand
23
Baumwachstum
26
Klimaveränderung in Sachsen – Auswirkungen auf die Forstwirtschaft
28
Anhang
34
Forstliches Monitoring
34
Wirkungen von Luftschadstoffen
35
Tabellarische Übersichten
37
Literaturverzeichnis
40

Waldzustand 2003 im Überblick
1
Waldzustand 2003 im Überblick
Im Jahr 2003 weisen
15 % der sächsischen
Waldfläche deutliche
, 48 % leichte und 37 %
keine erkennbaren
Schäden
auf. Damit hat
sich im Vergleich zum Vorjahr der Kronenzu-
stand nur geringfügig verändert, während für
den zurückliegenden 13-jährigen Beobach-
tungszeitraum eine Verbesserung feststell-
bar ist.
Es wurden 6 816 Bäume in 284 Beständen
begutachtet.
Die Situation der einzelnen Hauptbaumarten
stellt sich wie folgt dar:
• Die in sächsischen Wäldern dominierende
Baumart
Fichte
ist zu 14 % deutlich geschä-
digt. Dieser Wert liegt im Schwankungs-
bereich der Vorjahre, ist aber wesentlich
niedriger als zu Beginn der Erhebung. Aus-
schlaggebend für diese positive Entwick-
lung ist vorrangig der gravierende Rück-
gang der „klassischen“ Belastung durch
Schwefeldioxid. Der warm-trockene Som-
mer 2003 löste jedoch in Fichtenbeständen
großräumig eine Massenvermehrung von
Borkenkäfern, insbesondere dem Buch-
drucker, aus.
• Die
Kiefer
als zweithäufigste Baumart in
den sächsischen Wäldern hat auch im Jahr
2003 ihr niedriges Schadniveau beibehalten.
Mit einem Anteil deutlicher Schäden von
10 % ist sie gegenüber den anderen Baum-
arten vergleichsweise gering geschädigt.
Auswirkungen der Trockenheit, wie etwa
Nadelvergilbungen oder vorzeitiger Verlust
älterer Nadeln, konnten im Sommer noch
nicht festgestellt werden. Allerdings setzte
sich im kieferndominierten nordöstlichen
Landesteil die Massenvermehrung der
Nonne fort. Diese Schmetterlingsart verur-
sachte teilweise erhebliche Fraßschäden
und musste auf 2 100 ha bekämpft werden.
• Die
Eiche
liegt mit 42 % deutlichen Schäden
um 27 Prozentpunkte über dem Befund aller
Baumarten. Gesund sind die Eichen nur
noch auf 17 % der Fläche. Im Vergleich zum
Vorjahr haben die Schäden wieder zuge-
nommen. Die angespannte Wasserversor-
gung während der diesjährigen Vegeta-
tionsperiode dürfte hierfür maßgeblich sein.
Fraßschäden durch Wickler- und Frost-
spanner-Arten hatten kaum Einfluss auf
den diesjährigen Belaubungszustand der
Eichen.
• Die deutlichen Schäden bei der
Buche
erhöhten sich seit 1991 von 4 % auf heute
33 %. Allein gegenüber dem Vorjahr stieg
dieser Anteil um weitere 8 Prozentpunkte
an. Es ist davon auszugehen, dass die Vita-
lität der Buche neben der Schadstoffbelas-
tung auch durch Witterungseinflüsse und
wiederholte Fruktifikation stark beeinträch-
tigt wurde.
Der Anteil deutlicher Schäden in den einzel-
nen
Wuchsgebiet
en schwankt von 6 % im
Vogtland bis 20 % im Erzgebirge. Die zwi-
schen den Wuchsgebieten wiederholt fest-
gestellte starke regionale Differenzierung
war damit 2003 geringer ausgeprägt.
Die Erfassung der
Schälschäden
zeigt, dass
gebietsweise die Bestände an Rot- und
Muffelwild in Bezug zu ihrem aktuellen
Lebensraum zu hoch sind. Höhe und Entwick-
lungstrend der Schäden sind landesweit
unterschiedlich. Dies erfordert eine Anpas-
sung der Bejagungsmethoden in einer viel-
fältig genutzten Kulturlandschaft.
Die warm-trockene
Witterung
führte im Ver-
lauf der Vegetationsperiode 2003 landesweit
zu einer kontinuierlichen Bodenaustrock-
nung. Damit erhöhte sich auch die
Wald-
brand
gefährdung in den Wäldern. Trotz der
außergewöhnlichen Situation brannten bei
145 Zündungen/Bränden lediglich 31 ha Wald
(Stand 31.08.2003). Die hohe Strahlung be-
günstigte ebenfalls die Bildung von
Ozon
.
Beispielsweise wurde im Erzgebirge wäh-
rend des letzten Sommerwochenendes der
Schwellenwert zum Schutz der Vegetation
um ein Vielfaches überschritten.
Die
Schwefeleinträge
sind besonders in den
vormals hoch belasteten Regionen des Erz-
gebirges stark zurückgegangen. Demgegen-
über sind die
Stickstoffeinträge
weiterhin
sehr hoch, sodass vielfach die Eutrophierung
der Waldökosysteme gegenüber der Säure-
belastung an Bedeutung gewonnen hat.
Im letzten Jahrzehnt wurde ein verstärkter
Holzzuwachs
in den Wäldern Sachsens fest-
gestellt, dessen Ursache vor allem in den
hohen Stickstoffeinträgen zu sehen ist.
Indikatoren des Bodenchemismus belegen,
dass die
Versauerung der Waldböden
in den
letzten Jahrzehnten stark zugenommen hat
und damit die Nachhaltigkeit der Boden-
funktionen nicht gewährleistet war. Trotz der
aktuell verminderten Säureeinträge werden
nach wie vor die kritischen Säurebelas-
tungsraten in den Wäldern zumeist über-
schritten, sodass Bodenschutzkalkungen
weiterhin eine wichtige Maßnahme zur
Stabilisierung der Waldökosysteme darstel-
len. Dementsprechend wurden im Jahr 2003
auf etwa 15 000 ha Waldfläche Kalkungen
durchgeführt.
Modelle zur regionalen
Klimaänderung
ver-
weisen prognostisch auf erhebliche Ver-
schiebungen der potenziell natürlichen
Baumartenverteilung: In der Tieflandsregion
wird der Wasserhaushalt, in den Mittelgebir-
gen vor allem die Wärme zum limitierenden
Umweltfaktor für die Struktur und Baumar-
tenzusammensetzung der Wälder. Anpas-
sungsstrategien der Forstwirtschaft sollten
auf Risikominimierung und -verteilung aus-
gerichtet sein.

2
Waldzustand 2003 im Überblick
Forest Condition Survey 2003
In the current year 15 % of the Saxon forest
area are visibly damaged, 48 % slightly dama-
ged and another 37% remained apparently
undamaged. These figures mean that the
state of foliation has changed only slightly
since the previous year. However, in compa-
rison with the first assessment 13 years ago
an improvement is obvious.
The investigation included 6816 trees and
284 forest stands.
With regard to the different principal tree
species the following features were found:
• For
spruce
, being the main tree species of
Saxon forests, the proportion of visibly
damaged stands amounts to 14 %. This
value is covered by the variation of the last
years, however, it lies considerably below
the level given at the beginning of the
assessed period. The decisive reason for
this positive development is the enormous
decrease of “classic” stress by sulphur di-
oxide. On the other hand, the hot, dry sum-
mer 2003 triggered a mass propagation of
bark beetles, in particular of bark-scarabee
(Ips typographus), on spruce stands.
Pine
, which holds the second-largest pro-
portion of all tree species in Saxon forests,
kept its low level of damage also in 2003.
With the visible damage amounting to 10 %
it is better off than other tree species. Pos-
sible consequences of the drought such as
yellowing of needles or early loss of older
needles were not yet seen at the time of
assessment in summer. However, in north-
eastern Saxony, where pine is predominant,
the mass propagation of nun (Lymnantria
monacha) continued. This lepidopterous
species caused partly considerable damage
by feeding and, therefore, it had to be con-
trolled on an area of 2 100 ha.
Oak
shows a visible damage of 42 %, that is
27 % above the average of all tree species.
Only 17 % of the oak stand area are still
without symptoms of damage. Compared to
the previous year damage has increased
once again. This development is most pro-
bably due to the tense water regime in this
year’s growing season. Feeding by insects
(leaf-roller, winter-moth) was insignificant
for this year’s foliation.
• For
beech
the level of visible damage went
up from 4 % in 1991 to 33 % in 2003. From
2002 alone there was an increase by 7 %.
Most likely vitality of beech was heavily
impaired not only by immission, but also by
weather and repeated fruiting.
The proportion of visibly damaged stands
depends on the
growth area
. It varies bet-
ween 6 % in the Vogtland and 20 % in the Ore
Mountains (Erzgebirge). Thus, the pronoun-
ced regional differences of other years did
not fully return.
Registration of
bark-peeling damage
shows
red-deer and mufflon populations being
regionally too dense for the given habitat.
Level and tendency of damage vary across
the country.
Due to the hot, dry
weather
, soil desiccation
advanced during the growing season 2003 all
over the country. Accordingly, the danger of
forest fires increased. In spite of the extra-
ordinary situation there were only 145 igni-
tions and
fires
, respectively, damaging
a forest area of 31 ha (registration up to
31 August 2003). Intense insolation promoted
the formation of
ozone
. For example, at the
last summer weekend in the Erzgebirge the
legal threshold for the protection of the vege-
tation was surpassed by many times.
Sulphur input
has considerably fallen, parti-
cularly in the formerly polluted areas of the
Erzgebirge. On the other hand,
nitrogen input
is still very high, and, therefore, eutrophica-
tion of forest communities gained in impor-
tance compared to acid deposition.
In the last decade
timber increment
accele-
rated in the Saxon forests. This development
can be mainly contributed to abundant nitro-
gen input.
Indications of soil chemism prove a severe
acidification of forest soils
over the last
decades. From this the sustainability of the
soil function is put at risk. Although the acid
input is easing, the critical rate of acidifica-
tion is still being surpassed in most forests.
Therefore, soil protection liming remains
essential for the stabilisation of forest eco-
systems. Accordingly, on a forest area of
15 000 ha liming was carried out in 2003.
Models simulating regional
changes of cli-
mate
suggest considerable alterations of the
potentially natural tree species distribution.
In the lowland region the water regime will
be the limiting environmental factor, in the
lower mountain ranges the thermal regime
will have a similar function. Silvicultural stra-
tegies meeting this situation should aim at
minimisation and distribution of risks. In this
way it should become possible to secure
stable productive forests even if the suppo-
sed climatic changes do not (fully) take place.

Waldzustand 2003 im Überblick
3
Zdravotní stav saských lesů v roce 2003
V roce 2003 vykazuje 15 % lesní plochy v Sasku
silné, 48 % slabé a 37 % žádné zjevné známky
poškození. V průběhu třináctiletého období
pozorování bylo zaznamenáno zlepšení zdra-
votního stavu koruny, i když v porovnaní s
předchozím rokem se zdravotní stav korun jen
nepatrně změnil.
Celkem bylo hodnoceno 6816 stromů v
284 porostech.
Stav jednotlivých hlavních druhů dřevin je
možno popsat následovně:
Smrk
, dominantní dřevina saských lesů, je ve
14 % výrazně poškozený. Tato hodnota leží v
oblasti kolísání hodnot předchozích let, je však
podstatně nižší než na počátku sledovaného
období. Rozhodující pro tento pozitivní vývoj
je především značný ústup klasického znečis-
tění oxidem siřičitým. Suché a teplé léto 2003
vyvolalo však ve smrkových porostech roz-
sáhlé masové rozmnožení kůrovce, zejména
druhu
Ips typographus
.
Borovice
, druhá nejrozšířenější dřevina v
saských lesích, si i v roce 2003 udržela nízký
stupeň poškození. S podílem 10 % silného
poškození je v porovnaní s ostatními druhy
dřevin poškozena jen velmi málo. Vliv sucha,
jako například žloutnutí jehličí nebo předčas-
ná ztráta jehlicí, nebyl v tomto roce zjištěn.
V severovýchodní části země, kde je borovice
dominantním druhem, se však masově rozší-
řila bekyně mniška (
Lymantria monacha
).
Tento motýl způsobil v některých oblastech
značné škody a muselo se proti němu zakro-
čit na celkové ploše 2100 ha.
Dub
se 42 % silného poškození překračuje o
27 procentních bodů stav poškození všech ost-
atních druhů dřevin. Zdravý dub se vyskyto-
val jen na 17 % plochy. V porovnaní s předcho-
zím rokem se poškození dále zhoršilo.
Rozhodující vliv na tento stav mohlo mít v
tomto vegetačním období nedostatečné záso-
bení vodou. Poškození hmyzem, způsobené
obalečem a píďalkou, má na celkový stav
dubu jen nepatrný vliv.
U
buku
vzrostlo silné poškození ze 4 %,
zjištěných v roce 1991, na dnešních 33 %. Jen
v porovnání s loňským rokem se stav opět
zhoršil o 7%. Tento stav je patrně způsoben
tím, že vitalita buku byla, kromě vlivu škodli-
vin, negativně ovlivněna rovněž počasím a
často se opakujícími semenými roky.
Podíl silného poškození v jednotlivých oblastech
se pohybuje od 6 % v oblasti Vogtland po 20 %
v oblasti Krušných hor. Zjištěné opakující se
výrazné regionální rozdíly mezi jednotlivými
oblastmi byli i v roce 2003 nepatrné.
Evidence škod způsobených loupáním ukazuje,
že v některých oblastech jsou stavy jelení a
mufloní zvěře stále příliš vysoké. Stupeň a trend
tohoto typu poškození je v jednotlivých oblas-
tech Saska rozdílný.
Teplé a suché počasí vedlo v průběhu vegetač-
ního období 2003 v Sasku k postupnému vysy-
chání půdy. Tím se zvýšilo i nebezpečí
lesních
požárů
. Přes tuto vyjímečnou situaci shořelo
pouze 31 ha lesa ( stav k 31.8.2003 ) v celkem
145 registrovaných případech požáru. Vysoký
stupeň slunečního záření podporoval rovněž
tvorbu
přízemního ozónu
. Například v Krušných
horách byla během posledního letního víkendu
hodnota ozónu, kritická z hlediska vegetace,
několikanásobně překročena.
Depozice síry
značně poklesla, zejména v
oblasti dříve silně zatížených Krušných hor. Nao-
pak
depozice dusíku
je nadále vysoká, do té
míry, že eutrofizace lesních ekosystémů začíná
být stejně významná jako kyselé depozice.
V posledním desetiletí byl zaznamenán význam-
vyšší dřevní přírůst
, což je spojováno právě
s vysokou depozicí dusíku.
Indikátory chemizmu půdy ukazují, že
acidifika-
ce lesních půd
v posledních deseti letech značně
vzrostla. Tím je ohrožena trvale udržitelná funk-
ce lesních půd. Přes současný významný pokles
kyselých depozic jsou kritické hodnoty v lesních
porostech stále překračovány. Ochranné
váp-
nění
lesních půd bude tak i nadále důležitou
součástí stabilizace lesních ekosystémů. Váp-
nění bylo proto v roce 2003 aplikováno na ploše
přibližně 15 000 ha lesních půd.
Modely, simulující regionální
změny klimatu
,
předpokládají značné posuny v přirozeném
rozšíření dřevin: v nížinách bude limitujícím fak-
torem vodní režim, ve středních polohách to pak
bude hlavně teplota, která bude rozhodující pro
dřevinné složení lesů. Strategie lesního hospo-
dářství by se měla tomuto předpokládánému
vývoji přizpůsobit a zaměřit se na minimalizaci
případného rizika. Tímto způsobem bude možné
zajistit stabilní rozvoj lesních porostů, i v
případě, že k předpokládaným změnám klima-
tu nedojde v plném rozsahu.

Stan zdrowotny lasów w Saksonii w 2003 roku
W 2003 roku 15% powierzchni leśnej lasów
w Saksonii wykazywało średnie uszkodze-
nia, 48% powierzchni - uszkodzenia słabe,
na 37% powierzchni nie stwierdzono symp-
tomów uszkodzeń. Taki obraz oznacza, że
stan ulistnienia koron w drzewostanach
uległ tylko niewielkiej zmianie w porówna-
niu z 2002 rokiem. Jakkolwiek, w porów-
naniu z pierwszą oceną, dokonaną 13 lat
temu, poprawa jest wyraźna.
W 2003 roku badaniami objęto 6 816 drzew
w 284 drzewostanach.
Odnośnie głównych gatunków drzew leś-
nych poczyniono następujące obserwacje:
• U
świerka
, głównego gatunku drzewias-
tego lasów Saksonii, udział uszkodzeń
średnich wyniósł 14%. Ten wynik pokrywa
się ze zmiennością obserwowaną w ostat-
nich latach, jakkolwiek, znajduje się znacz-
nie poniżej poziomu uzyskanego na
początku cyklu pomiarowego. Decydują-
cą przyczyną tego pozytywnego kierunku
zmian jest olbrzymi spadek „klasyczne-
go“ stresu powodowanego przez dwutle-
nek siarki. Z drugiej strony, gorące, suche
lato 2003 wyzwoliło masowe pojawy kor-
ników, w szczególności kornika drukarza
(
Ips typographus
), w drzewostanach
świerkowych.
Sosna
, której udział w lasach Saksonii jest
na drugim po świerku miejscu, utrzymała
niski poziom uszkodzenia również w 2003
roku. Z uszkodzeniami średnimi wynos-
zącymi 10% jest gatunkiem o wyższej
zdrowotności, w porównaniu z innymi
gatunkami. Możliwe konsekwencje suszy,
takie jak żółknięcie igieł lub wcześniejsza
niż zwykle utrata starszych roczników igli-
wia nie były jeszcze widoczne w czasie
przeprowadzanej latem oceny. W pół-
nocno-wschodniej Saksonii, gdzie sosna
jest gatunkiem panującym był kontynuo-
wany masowy pojaw brudnicy mniszki
(
Lymnantria monacha
L.). Lokalnie ten
gatunek motyla spowodował swym żero-
waniem znaczne uszkodzenia i dlatego
był zwalczany na powierzchni 2 100 ha.
Dąb
wykazywał 42 % uszkodzeń średnich,
to jest 27% powyżej średniej odnoszącej
się do wszystkich badanych gatunków
drzew. Jedynie 17% powierzchni drze-
wostanów dębowych nadal nie wykazuje
symptomów uszkodzeń. W porównaniu
do roku poprzedniego uszkodzenie
wzrosło. Najbardziej prawdopodobnym
powodem tego wzrostu był napięty bilans
wodny podczas tegorocznego okresu
wegetacyjnego. Żerowanie owadów -
zwójki zieloneczki (
Tortrix viridana
) i
piędzika przedzimka (
Operophtera bru-
mata
) - nie miało istotnego wpływu na
tegoroczny stan ulistnienia koron dębów.
• Poziom uszkodzeń średnich u
buka
wzrósł
z 4% w 1991 roku do 33% w roku 2003. W
porównaniu z 2002 rokiem wzrost ten
wyniósł 7%. Najprawdopodobniej żywot-
ność buka była znacznie osłabiona nie
tylko z powodu imisji ale także przez
warunki pogodowe oraz powtórne owo-
cowanie.
Udział uszkodzeń średnich w drzewosta-
nach był uzależniony od
regionu przyrod-
niczego
. Zawierał się między 6% w regio-
nie Vogtland do 20 % w Rudawach. A zatem
wyraźne różnice regionalne z poprzednich
lat nie powróciły w pełni.
Rejestracja
uszkodzeń spowodowanych
przez spałowanie
wykazuje, że lokalnie
populacje jeleni i muflonów mają zbyt duże
zagęszczenie w porównaniu z możliwości-
ami środowiska. Poziom i tendencja usz-
kodzeń tego typu są zróżnicowane na
przestrzeni całego kraju.
Na skutek gorącej suchej
pogody
podczas
sezonu wegetacyjnego 2003 w całym kraju
wzrosło przesuszenie gleb. Skutkiem tego
wzrosło zagrożenie pożarami w lasach.
Pomimo tej wyjątkowej sytuacji wystąpiło
tylko 145 zapaleń i
pożarów
powodujących
zniszczenia na 31 ha powierzchni leśnej
(stan na 31 sierpnia 2003). Silne nasłonecz-
nienie sprzyjało powstawaniu
ozonu
. Na
przykład w czasie ostatniego letniego week-
endu w Rudawach prawnie ustanowione
wartości progowe odnoszące się do ochro-
ny roślinności zostały wielokrotnie prze-
kroczone.
Dopływ siarki
znacznie zmniejszył się,
zwłaszcza na wcześniej zanieczyszczonych
obszarach Rudaw. Z drugiej strony,
dopływ
azotu
jest ciągle bardzo wysoki i dlatego
eutrofizacja fitocenoz leśnych zyskała na
znaczeniu, które obecnie jest porównywal-
ne do znaczenia depozytu kwaśnego.
W ciągu ostatniej dekady
przyrost drewna
uległ przyspieszeniu w lasach Saksonii. To
przyspieszenie może być głównie spowo-
dowane znacznym dopływem azotu.
Parametry chemizmu gleb wskazują na
silne
zakwaszenie gleb leśnych
w ciągu
ostatnich dekad. Z tego powodu stabilność
funkcji gleby jest wystawiona na ryzyko.
Chociaż dopływ kwaśny zelżał, krytyczny
poziom zakwaszenia jest ciągle w więks-
zości lasów przekroczony. W związku z tym
ochrona gleb poprzez wapnowanie wyda-
je się być kluczowa z punktu widzenia sta-
bilności ekosystemów leśnych. W 2003
roku przeprowadzono wapnowanie na
15 000 ha powierzchni leśnej.
Modele symulujące regionalne
zmiany kli-
matu
sugerują stosunkowo duże wahania,
potencjalnie naturalnego rozmieszczenia
gatunków drzewiastych. W regionie nizin-
nym ograniczającym czynnikiem środo-
wiskowym będzie bilans wodny, w
niższych partiach łańcuchów górskich
podobną funkcję będzie pełnił reżim ter-
miczny. Strategie hodowlane wychodzące
naprzeciw takiej sytuacji powinny mieć na
celu minimalizację i rozproszenie ryzyka. W
ten sposób będzie możliwe zabezpieczenie
stabilności produkcji leśnej, nawet jeżeli
przypuszczalne zmiany klimatu nie wystą-
pią w pełni.
4
Waldzustand 2003 im Überblick

Vorbemerkungen
Der Sommer des Jahres 2003 brachte ungewöhnlich große Dürre und Hitze. In der Landwirt-
schaft führte dies insbesondere in den nördlichen und östlichen Landesteilen zu gravieren-
den Ertragsausfällen. Die Waldbrandgefährdung stieg dramatisch an. Dank der Umsicht der
Waldbesucher und der permanenten Waldbrandüberwachung konnten größere Waldbrände
verhindert werden.
Gleichwohl wird die extreme Wetterlage des Sommers nicht ohne Konsequenzen für die säch-
sischen Wälder bleiben. Vorzeitiger Laubfall ist eine auch für den Laien unmittelbar sichtbare
Folge. Allenfalls der Fachmann erkennt jedoch, dass infolge der Trockenheit die Vitalität der
Bäume abnimmt und die Disposition für tierische Schädlinge steigt. Bereits in diesem Jahr
vermehrten sich Borkenkäfer, wie der Buchdrucker, und Falter, wie die Nonne, massenhaft.
Ihr Fraß verursachte den Forstbetrieben ersten wirtschaftlichen Schaden. Im kommenden
Jahr werden wir diesen Schädlingen größte Aufmerksamkeit widmen müssen.
Zwei aufeinander folgende Jahre mit extremen Wetterlagen legen die Frage nach den Folgen
der von Fachleuten prognostizierten Klimaveränderung nahe. Deshalb ist diesem Waldzu-
standsbericht erstmalig ein Kapitel zu den möglichen Auswirkungen der Klimaveränderung
auf die Forstwirtschaft beigefügt. Die Langfristigkeit forstlicher Produktion macht es notwen-
dig, frühzeitig auf veränderte Wachstumsbedingungen zu reagieren. Die regionale Klima-
studie des Landesamtes für Umwelt und Geologie lieferte hierzu wertvolle Grundlagen.
Wir werden auch in dieser Hinsicht Anpassungsstrategien für die Forstwirtschaft erarbeiten.
Darüber hinaus bleibt es unser vordringliches Anliegen, die Ursachen der Waldschädigun-
gen zu mindern, indem der Ausstoß von Luftschadstoffen reduziert wird. Die Begründung
stabiler Mischwälder und die Kalkung bleiben darüber hinaus wichtige Instrumente zur Sta-
bilisierung der Wälder. Die Erfolge dieser Maßnahmen sprechen für sich. Seit einigen Jahren
stagniert das Schadniveau und in den einstmals besonders stark geschädigten Erzgebirgs-
wäldern können wir eine deutliche Gesundung der Wälder verzeichnen.
Steffen Flath
Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft
Vorbemerkungen
5

Rahmenbedingungen für den Waldzustand
Witterung
Zur Darstellung der Witterung werden die
Daten der Stationen Oschatz und Marienberg
des Deutschen Wetterdienstes (DWD) her-
angezogen (vgl. Abb. 1). Diese befinden sich
in den Wuchsgebieten Sächsisch-Thürin-
gisches Löss-Hügelland (Oschatz: 150 m über
NN, langjährige Jahresmitteltemperatur
8,7 °C, langjährige Niederschlagssumme
575 mm) und Erzgebirge (Marienberg: 639 m
über NN, langjährige Jahresmitteltempe-
ratur 6,2 °C, langjährige Niederschlagssumm-
me 896 mm). Die Wetterdaten des DWD
werden durch ein Messnetz von derzeit
18 Waldklimastationen ergänzt, die vom Lan-
desforstpräsidium (LFP) betrieben werden
(vgl. Abb. 3).
In den Herbstmonaten des Jahres 2002 lagen
die
Lufttemperaturen
überwiegend im Bereich
der langjährigen Mittel. Der Dezember 2002
und Februar 2003 waren jedoch mit bis zu
5,8 K unter den langjährigen Mitteln. Ab März
2003 überschritten die Monatsmitteltempera-
turen überregional durchweg die langjähri-
gen Werte. Den Höhepunkt bildete der Juni
mit Temperaturen, die bis zu 3,8 K über dem
Durchschnitt lagen. In den Tieflandsbereichen
wurden jeweils die höheren positiven Abwei-
chungen registriert. Mitte Mai kam es in prä-
destinierten Lagen zu Spätfrostereignissen
mit Minimaltemperaturen von -2 bis -5 °C,
die auch zu Frostschäden an forstlichen Kul-
turen führten (vgl. Abb. 2).
Typisch für den Witterungsverlauf bis Ende
August 2003 waren lang anhaltende warm-
heiße, strahlungsreiche und trockene Witte-
rungsabschnitte. Sie begannen bereits im
Mai und verschärften sich bis Juli/August.
Dies hatte – zeitlich und regional differenziert
– gravierende Wasserstresserscheinungen
zur Folge.
Eine besonders wichtige Ressource im Wald-
ökosystem ist der
Niederschlag
bzw. vor-
handene Bodenwasservorrat. Das pflanzen-
verfügbare Wasser entscheidet oft über die
6
Rahmenbedingungen für den Waldzustand
Abb. 1a, b: Temperatur- und Niederschlagsdynamik von 2001–2003 und Vergleich
mit den langjährigen Monatsmittelwerten (1961–1990) an den DWD-Stationen Oschatz und
Marienberg (Quelle: DWD-Radebeul)
-5
0
5
10
15
20
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
0
100
200
300
400
500
[°C]
[%]
2001
2002
2003
25
Station Oschatz
-5
0
5
10
15
20
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
0
100
200
300
400
500
[°C]
[%]
2001
2002
2003
25
Niederschlag – Abweichung in [%] vom langjährigen Mittel
langjähriges Temperaturmittel [°C]
Lufttemperatur [°C]
Lufttemperatur über dem langjährigen Mittel
Lufttemperatur unter dem langjährigen Mittel
Station Marienberg
Abb. 2: Tagesextreme der Lufttemperatur von April bis August 2003 an den Waldklima-
stationen Olbernhau und Doberschütz (abgeleitet aus Stundenmittelwerten, die jeweils auf
5-minütigen Einzelmessungen basieren)
K= Kelvin (Einheit für Temperaturdifferenz)

Existenz bestimmter Waldgesellschaften und
Waldstrukturen und übt erheblichen Einfluss
auf die Vitalität und Stabilität der Wälder
aus. Ein Komplex von Umwelteinflüssen und
Wechselwirkungen im Wald bestimmt die
jahreszeitliche Dynamik der Bodenfeuchte.
Hauptfaktoren sind die Höhe und die zeit-
liche Verteilung des Niederschlags, örtliche
Bodenverhältnisse, die Vegetations- bzw.
Waldstruktur sowie der Vitalitätszustand des
Waldes.
Wie bereits in den Jahren 2000 bis 2002 fal-
len zunächst auch 2003 die hohen Nieder-
schlagsmengen außerhalb der Vegetations-
periode auf. Dagegen sind in den für die
Vegetationsentwicklung wichtigen Zeiten von
Mitte April bis August 2003 fast durchweg
Niederschlagsdefizite zu verzeichnen.
Während von April bis Juni vielerorts nur
rund 30 bis 50 % der üblichen Nieder-
schlagsmenge gefallen ist, werden im Juli die
langjährigen Mittel – mit Ausnahme von eini-
gen Standorten im Mittelgebirge – nahezu
erreicht oder leicht überschritten. Die bisher
größten und verbreitetsten Niederschlags-
defizite sind im August zu verzeichnen: es fie-
Rahmenbedingungen für den Waldzustand
7
Abb. 3: Monatssummen der Niederschläge von April bis August 2003 für typische Waldstandorte und Vergleich zu den langjährigen
Monatsmittelwerten (1961–1990) des DWD
len nur
1
/
10
bis
1
/
4
der normalerweise üblichen
Mengen. Insgesamt akkumulierten sich im
Zeitraum April bis August 2003 die Nieder-
schlagsdefizite auf 130 bis 270 mm!
Die
Bodenfeuchte
verhältnisse werden durch
die volumetrische Bodenfeuchte (in Prozent
Wassergehalt) und die Bodensaugspannung
im Hauptwurzelraum der Bäume (in 30 cm
Tiefe) an ausgewählten Waldklimastationen
dargestellt (vgl. Abb. 4 und 5). Die Saug-
spannung gibt an, wie fest das Bodenwasser
im Boden gebunden ist. Bei Bodensaug-
spannungen oberhalb von etwa 400–500 hPa
kommt es, je nach Bodensubstrat und Witte-
rungsbedingungen, zu Wasserstress für die
Bäume, da Bodenwasser nicht schnell genug
pflanzenverfügbar ist. Dieser Stress ver-
schärft sich mit steigenden Saugspannungs-
werten. Erreichen diese 15 000 hPa, können
Pflanzen die sehr geringen und fest gebun-
denen Wassermengen aus dem Boden nicht
mehr aufnehmen – man spricht auch vom
permanenten Welkepunkt.
Infolge hoher Niederschläge im November
2002 sowie der akkumulierten Schneemen-
gen im Januar 2003 begann die Vegetations-
periode 2003 im Wesentlichen mit aufge-
füllten Bodenwasservorräten und vermut-
lich überdurchschnittlich hohen Grundwas-
serständen. Nach dem Vegetationsbeginn
setzte jedoch schon Anfang Mai ein Aus-
trocknungsprozess im Oberboden ein, der
durch die geringen Mainiederschläge nicht
aufgehalten werden konnte. Auf den Sand-
standorten des Tieflandes wurden schon
Ende Mai im Hauptwurzelraum der Bäume
hohe Saugspannungen um etwa 1 000 hPa
gemessen. In den Mittelgebirgsregionen
waren dagegen im Mai noch ausreichende
Bodenwasservorräte vorhanden. In einigen
Regionen kam es im Juni zu Niederschlags-
ereignissen, die hier vorübergehend eine
weitere Bodenaustrocknung unterbrechen
konnten. Dennoch war auf den Sandstand-
orten in Nordsachsen bereits im Juni der per-
manente Welkepunkt (15 000 hPa) erreicht
und damit alles pflanzenverfügbare Boden-
wasser im Hauptwurzelraum der Bäume ver-
braucht. Selbst im Lausitzer Bergland er-
reichten die Saugspannungen Ende Juni
Werte um 800 hPa. Trotz gelegentlicher
LEIPZIG
DRESDEN
CHEMNITZ
Doberschütz
Taura
Oschatz
Colditz
Klingenthal
Grünhain
Heinzebank
Marienberg
Olbernhau
Altenberg
Bad Schandau
Cunnersdorf
Langburkersdorf
Bautzen
Laußnitz
Hoyerswerda
Weißwasser
Waldklimastation
Wetterstation des DWD
Forstliche Höhenstufen
Tiefland
Hügelland /Untere Berglagen
Mittlere, Höhere Berglagen und Kammlagen
Überschuss
Niederschlag
0
20
40
60
80
100
120
April Mai Juni Juli August
[mm/Monat]
Niederschlag 2003
Defizit

image
Niederschläge im Erzgebirge nahmen dort
die Bodenwassergehalte im Hauptwurzel-
raum der Bäume von April bis Ende Juni fast
kontinuierlich ab (vgl. Abb. 5). Mit Ausnahme
Nordwestsachsens ist der Juli geprägt von
diesem Wechsel aus Niederschlagsereig-
nissen und schnell wieder ansteigender
Bodensaugspannung. Dabei wurden perio-
disch immer wieder Bereiche von 800 bis
900 hPa erreicht. Die Austrocknung der Böden
setzte sich fort. Nur bestimmte Bereiche des
Erzgebirges blieben im Juli vor nennenswer-
ten Wasserstresserscheinungen bewahrt.
Erst Ende Juli führten landesweit erhebliche
Niederschläge kurzzeitig zur Entspannung
des Pflanzenwasserstresses. Im Verlauf der
im August einsetzenden warm-heißen und
trockenen Witterungsperiode kam es sach-
senweit zu einer Verschärfung des Boden-
wasserstresses. Selbst in einigen Mittel-
gebirgsregionen, vor allem Ostsachsens,
stiegen die Saugspannungen bis fast zum
permanenten Welkepunkt an. Markantes
Anzeichen für den teils nahezu vollständigen
Verbrauch der Bodenwasservorräte war die
mitunter schlagartige Verfärbung/Vertrock-
nung der Belaubung der Laubbäume etwa ab
Mitte August.
Dass im Tiefland dennoch zunächst Trocken-
schäden in größerem Umfang nicht sichtbar
waren, resultiert vermutlich aus den im Vor-
jahr und Winter besonders gut gefüllten
Grundwasservorräten und einem kapillaren
Wasseraufstieg bis in den Wurzelraum der
Bäume auf tiefgründigen Standorten.
Inwieweit die Trockenheit zu nachhaltigen
Schädigungen von Bäumen und Waldbe-
ständen führen wird, kann derzeit nur ver-
mutet werden. Da die extreme Bodenaus-
trocknung jahreszeitlich erst relativ spät
auftrat, könnten die weiteren Folgen für die
Waldbestände – von Zuwachsverlusten und
Vitalitätsverlusten abgesehen – relativ gering
bleiben. Allerdings war die Samenausbildung
und Reife, vor allem der schwerfrüchtigen
Baumarten (Eiche, Buche) regional differen-
ziert beeinträchtigt. Für verschiedene bioti-
sche Schaderreger waren durch den Witte-
rungsverlauf und die eingeschränkte Vitalität
der Waldbestände günstige Enwicklungsbe-
dingungen gegeben.
Unmittelbare Auswirkungen hatte die Witte-
rung auf die
Waldbrand
gefährdung:
8
Rahmenbedingungen für den Waldzustand
Abb. 5: Bodenwassergehalte im Zeitraum April bis August 2003 für die Tieflands-Sandstandorte
Doberschütz (Nordwestsachsen) und Hoyerswerda (Nordostsachsen) sowie die Mittelgebirgs-
standorte Olbernhau (mittleres Erzgebirge) und Langburkersdorf (Oberlausitzer Bergland)
50
40
30
20
10
0
[%/Tag]
April
Mai
Juni
Juli
August
Doberschütz
Hoyerswerda
Langburkersdorf
Olbernhau
Abb. 4a, b: Bodenfeuchtedynamik (Bodensaugspannung) im Zeitraum April bis August 2003 für
die Tieflands-Sandstandorte Doberschütz (Nordwestsachsen) und Hoyerswerda (Nordost-
sachsen) sowie die Mittelgebirgsstandorte Olbernhau (mittleres Erzgebirge) und Langburkers-
dorf (Oberlausitzer Bergland); gemessen mit: a) Druckaufnehmertensiometern (Messbereich:
bis 1 000 hPa), b) Eqi-Tensiometern (Messbereich: bis 15 000 hPa = permanenter Welkepunkt)
0
200
400
600
800
1 000
1 200
April
Mai
Juni
Juli
August
Grenze des Messbereichs
[hPa/Tag]
Schwelle für Trockenstress
0
5 000
10 000
15 000
[hPa/Tag]
April
Mai
Juni
Juli
August
Doberschütz
Hoyerswerda
Langburkersdorf
Olbernhau
Abb. 6: Trockenschäden an Rot-Buche

Stoffeinträge
Die kontinuierliche Erfassung der Stoffein-
träge mit den Niederschlägen auf den 8 säch-
sischen Forstlichen Dauerbeobachtungs-
flächen liefert wesentliche qualitative und
quantitative Erkenntnisse (vgl. Abb. 50, An-
hang). Danach haben sich die
Schwefel-
einträge
in den Wäldern seit Mitte der
90er Jahre bei unterschiedlichen regionalen
Ausgangsniveaus erheblich vermindert
(vgl. Abb. 7). Naturgemäß stellen dabei die
Eintragswerte innerhalb des Waldes infolge
der stark von Baumart und Höhenlage ab-
hängigen Filterleistung der Baumkronen häu-
fig ein Vielfaches der Freilandwerte dar.
Besonders starke Auskämmeffekte erzielen
Rahmenbedingungen für den Waldzustand
9
1994 - 2002
1995 - 2002
1994 - 2002
1996 - 2002
1995 - 2002
1996 - 2002
1999 - 2002
2001-2002
LEIPZIG
DRESDEN
CHEMNITZ
Colditz
(Eiche)
Klingenthal
(Fichte)
Olbernhau
(Fichte)
Altenberg
(Fichte)
Bad Schandau
(Buche)
Cunnersdorf
(Fichte)
Bautzen
(Fichte)
Laußnitz
(Kiefer)
Level-II-Fläche
[kg/ha]
0
40
80
Messzeitraum
Schwefel
Stickstoff
Die seltene Situation, dass sachsenweit hohe
bzw. höchste Waldbrandgefahr bestand,
wurde im Zeitraum vom 12.08. bis 14.08. regis-
triert. Das hohe Waldbrandrisiko erforderte
einen deutlich höheren Überwachungsauf-
wand. Trotz der außergewöhnlichen Situation
brannten bei 145 Zündungen und Bränden
lediglich 31 ha Wald (Stand 31.08.2003). Dieser
Abb. 7: Jährliche Einträge von Schwefel (SO
4
-S) und Stickstoff (NH
4
-N + NO
3
-N) mit dem Bestandesniederschlag in den Level-II-Flächen
Die warm-trockene Witterung führte ver-
gleichsweise frühzeitig zu einer hohen
(ab 25.03.) bzw. sehr hohen (ab 28.03.) Wald-
brandgefahr. Während drei längeren Perioden
(16.04.–12.05, 14.07.–26.07., 04.08.–09.09.) muss-
te in mindestens einem Forstamt Sachsens die
Waldbrandwarnstufe 3 bzw. 4 (hohe bzw. sehr
hohe Waldbrandgefahr) ausgerufen werden.
Umstand kann als Ausdruck eines funktions-
tüchtigen Systems aus Überwachung und
schneller koordinierter Brandbekämpfung
gewertet werden. Der größte Brand in diesem
Jahr hatte eine Ausdehnung von 2,5 ha. Die
Brandursache ist bei der überwiegenden
Anzahl der Brände unbekannt, an zweiter
Stelle steht die vorsätzliche Brandstiftung.
die ganzjährig „belaubten“ Nadelwälder.
Der stärkste Rückgang ist im vormals hoch
belasteten Erzgebirge zu verzeichnen: Wäh-
rend noch in den 80er Jahren in den Kamm-
lagen S-Einträge von teils weit über 100 kg
pro Hektar gemessen wurden, lag der S-Ein-
trag während der letzten Jahre bei etwa
15 bis 20 kg S/ha (Stationen Klingenthal, Alten-
berg, Cunnersdorf und Neukirch/Bautzen).
Die relativ höchste Schwefelbelastung weist
weiterhin der Fichtenbestand der Messflä-
che Olbernhau mit ca. 25 kg S/ha, während
die geringste Schwefeldeposition von etwa
6 bis 8 kg S/ha in den Messflächen Bad
Schandau im Nationalpark Sächsische
Schweiz (Buche), Laußnitz (Kiefer) und Col-
ditz (Eiche) ermittelt wurde.
Dagegen ist die Belastung der Wälder durch
übermäßige
Stickstoffeinträge
weiterhin
sehr hoch. Mittlerweile überschreiten diese
auf sämtlichen Messflächen erheblich die
jeweiligen S-Einträge (vgl. Abb. 7). Unter
Einbeziehung der Stickstoffaufnahme im Kro-
nenraum schwankt der jährliche N-Eintrag
(N-Gesamtdeposition) zwischen 25 und 45 kg
N/ha in Neukirch/Bautzen, Olbernhau, Klin-
genthal und Altenberg. Die Untersuchungs-
flächen Cunnersdorf, Laußnitz, Colditz und
Bad Schandau erhalten Frachten zwischen
15 und 25 kg N/ha, ohne dass ein allgemeiner

Trend sichtbar wird. Damit wird die jeweilige
kritische und langfristig tolerierbare Ein-
tragsrate (critical load) für Stickstoff zu-
mindest in den Fichtenflächen um etwa
100 % überschritten [12].
Insgesamt wird deutlich, dass sich im Verlauf
des letzten Jahrzehnts die Stoffbelastung der
Waldökosysteme deutlich verändert hat: Die
Problematik einer übermäßigen Stickstoffver-
sorgung (
Eutrophierung
) übertrifft oftmals die
mit der Deposition von Schwefel- und Stick-
stoffverbindungen verknüpften Versauerungs-
effekte, die wiederum zunehmend durch
Eintrag, Aufnahme und Umwandlung von Stick-
stoff im Ökosystem induziert werden. Der depo-
nierte Stickstoff verstärkt folglich seinen Anteil
an der insgesamt im Ökosystem wirksamen
Säurebelastung [12]. Allerdings verminderte
sich dank der positiven Entwicklung beim
Schwefeleintrag der Säure- bzw. Protonen-
eintrag mit dem Niederschlag im Wald
(Bestandesniederschlag) auf etwa 15 % bis
25 % des Vergleichswertes aus der Mitte der
90er Jahre (vgl. Abb. 8). Demgegenüber fällt der
Rückgang der Säuregesamtdeposition bzw. die
Gesamtbelastung aufgrund der geschilderten
Zusammenhänge sowie der Berücksichtigung
von Pufferreaktionen im Kronenraum, die letzt-
lich zu einer Entsauerung des Bestandesnie-
derschlages beitragen, aber das Ökosystem
dennoch belasten, weniger drastisch aus. Sie
war Mitte der 90er Jahre in den Fichtenbe-
ständen mit einer Säurebelastung von etwa
4 bis 6 kg H
+
/ha noch sehr hoch. Seitdem hat
sich die
Säurebelastung
durchschnittlich zwar
etwa halbiert. Sie ist aber dennoch zu hoch,
sodass eine standortgemäß dosierte Waldkal-
kung zur Kompensierung der Säurebelastung
weiterhin unverzichtbar erscheint.
Ein deutlicher Beleg für den Rückgang der
Säureeinträge ist der
pH-Wert in den Nieder-
schlägen
(vgl. Abb. 9). Seit Beginn der
Messungen haben ihre mittleren jährlichen
Säuregehalte kontinuierlich abgenommen, was
insbesondere für die vormals hoch belasteten
Fichtenbestände zutrifft. Die pH-Werte im
Bestandesniederschlag sind um etwa eine
halbe bis ganze pH-Einheit angestiegen (der
starke pH-Anstieg des Jahres 2002 im Mess-
feld Olbernhau steht im Zusammenhang mit
einer benachbarten Waldkalkung aus der Luft).
10
Rahmenbedingungen für den Waldzustand
Abb. 9: Entwicklung des mittleren jährlichen pH-Wertes im Bestandesniederschlag
der Level-II-Flächen
3,0
3,5
4,0
4,5
5,0
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
Klingenthal
Olbernhau
Cunnersdorf
Neukirch/Bautzen
Laußnitz
Bad Schandau
Altenberg
[pH]
5,5
Colditz
Abb. 8: Jährliche Säure(H
+
)-Gesamtdeposition und Säure(H
+
)-Einträge mit dem Bestandesniederschlag in den Level-II-Flächen
1994 - 2002
1995 - 2002
1994 - 2002
1996 - 2002
1995 - 2002
1996 - 2002
1999 - 2002
2001-2002
LEIPZIG
DRESDEN
CHEMNITZ
Colditz
(Eiche)
Klingenthal
(Fichte)
Olbernhau
(Fichte)
Altenberg
(Fichte)
Bad Schandau
(Buche)
Cunnersdorf
(Fichte)
Bautzen
(Fichte)
Laußnitz
(Kiefer)
Level-II-Fläche
0
3
6
Messzeitraum
[kg/ha]
H
+
-Gesamt-
deposition
H
+
-Eintrag mit dem
Bestandesniederschlag

Rahmenbedingungen für den Waldzustand
11
Waldzustand 2003
Allgemeine Schadsituation
Die Waldzustandserhebung wurde im Jahr
2003 auf dem 4x4-km-Raster durchgeführt und
umfasst 284 Probepunkte bzw. 6 816 Probe-
bäume. Mit der Stichprobe werden die aktuel-
len Bestockungsverhältnisse in Sachsen sehr
gut repräsentiert (vgl. Tab. 3, Anhang).
Im Ergebnis der terrestrischen Kronenzu-
standsbewertung wurden in Sachsen – ohne
Berücksichtigung regionaler und baum-
artenspezifischer Unterschiede –
15 % der Waldfläche als deutlich geschä-
digt (Schadstufen 2–4),
48 % als schwach geschädigt (Schad-
stufe 1) und
37 % ohne erkennbare Schadmerkmale
(Schadstufe 0) ausgewiesen (vgl. Abb. 10;
Tab. 4, Anhang).
In der Gruppe der deutlichen Schäden wei-
sen die Bäume auf 14 % der Waldfläche mit-
telstarke Schäden auf (Schadstufe 2), stark
geschädigt bzw. abgestorben sind sie auf
1 % (Schadstufen 3 und 4).
Rückblickend kann für den gesamten 13-jäh-
rigen Beobachtungszeitraum eine Verbesse-
rung des Kronenzustandes konstatiert wer-
den, welche Mitte der 90er Jahre einsetzte.
Der Anteil deutlicher Schäden, der 1991 noch
27 % betrug, sank 1995 auf 17 % und blieb –
mit Ausnahme des Jahres 1999 – bis heute
unter 20 %. Bei Bäumen, die älter als 60 Jahre
sind, ist der Schadrückgang stärker ausge-
prägt als bei jüngeren. Allerdings besitzen die
älteren Bäume ein höheres Schadniveau.
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Kro-
nenzustand nur geringfügig verändert. Der
Anteil deutlicher Schäden ging zwar gegen-
über 2002 um 3 Prozentpunkte zurück, da sich
die Waldfläche, die keine sichtbaren Schad-
symptome zeigt, gleichzeitig verringert hat,
ist die mittlere Kronenverlichtung insgesamt
nahezu gleich geblieben. Bei den jüngeren,
unter 60-jährigen Bäumen ist sie sogar leicht
angestiegen.
In diesem Jahr fielen landesweit ab August
Schäden auf, die vorrangig auf die Trocken-
heit zurückzuführen sind und sich durch Ver-
färbungen, Nekrosen bzw. vorzeitigen Abfall
von/an Nadeln und Blättern bemerkbar
machten. Da sich die Schäden zunächst auf
einzelne Baumarten konzentrierten und die
Erhebung in dieser Zeit weitgehend abge-
schlossen war, kommen sie im Gesamter-
gebnis nicht zum Ausdruck.
Die Stichprobenbestände unterliegen sowohl
einer forstlichen Bewirtschaftung als auch
anderen Einflüssen. Aus diesem Grund ist es
möglich, dass Stichprobenbäume aus dem
Kollektiv ausscheiden. Streng systematisch
wird dann ein Ersatzbaum ausgewählt.
In diesem Jahr mussten 51 Bäume (entspricht
1,6 %) vom Kollektiv der über 60-jährigen
Stichprobenbäume ersetzt werden:
• 41 Bäume wurden bei forstlichen Eingrif-
fen entnommen
• 1 Baum war durch Wind geworfen worden
• weitere 9 Bäume erfüllten nicht mehr die
Anforderungen an einen Stichprobenbaum,
i. d. R. gehörten sie nicht mehr zur herr-
schenden Bestandesschicht; damit war die
Krone von Nachbarschaftskonkurrenz über-
prägt und nicht mehr bonitierbar.
Der Ersatz von Stichprobenbäumen hat kei-
nen nachweisbaren Einfluss auf das Ergeb-
nis der Waldzustandserhebung für größere
Auswerteeinheiten (Baumart, Wuchsgebiet).
Schäden an den
Hauptbaumarten
Fichte
Kronenzustand
Die Gemeine Fichte dominiert mit einem
Anteil von 42,6 % in den sächsischen Wäl-
dern. Besonders in den Mittelgebirgsregio-
nen ist sie die prägende Baumart.
Die aktuelle Waldzustandserhebung weist für
die Fichte einen Flächenanteil mit deutlichen
Schäden von 14 % aus. Schwach geschä-
digte Fichten haben einen Flächenanteil
Kronenzustand und biotische Schäden
Abb. 10: Schadstufenverteilung und mittlere Kronenverlichtung (KV)
aller Baumarten von 1991 bis 2003
020406080100
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
[%]
KV (alle Alter)
KV (- 60 Jahre)
KV (> 60 Jahre)
stark geschädigt/ abgestorben
mittelstark geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt

image
von 48 %; Fichten ohne sichtbare Schäden
von 38 %.
Die Zeitreihe (vgl. Abb. 11) veranschaulicht
eine kontinuierliche Verbesserung des
Gesundheitszustandes der Fichte: Ausge-
hend von einem hohen Schadniveau Anfang
der 90er Jahre sind 1995 die Schäden bei der
Fichte erstmals zurückgegangen. Im Zeitraum
von 1996 bis 1998 blieb der Anteil deutlicher
Schäden nahezu gleich; er schwankte zwi-
schen 22 und 25 %. 1999 stieg er noch einmal
kurzzeitig an und sank 2001 dann unter das
Mittel aller Baumarten. Der Anteil deutlicher
Schäden liegt in diesem Jahr im Schwan-
kungsbereich der Vorjahre.
Die mittlere Kronenverlichtung verringerte
sich von 20,8 % (1991) auf 16,5 % (2003). Auf-
fällig ist diese Entwicklung insbesondere bei
den älteren, über 60-jährigen Fichten. Bei den
jüngeren Fichten hat die mittlere Kronenver-
lichtung im Vergleich zum Vorjahr wieder
leicht zugenommen.
Nadelvergilbungen
wurden 2003 an 2 % aller
Fichten festgestellt. Da die Intensität der
Vergilbung fast ausschließlich gering war,
führte sie nur selten zur Eingruppierung in
eine höhere Schadstufe (vgl. Tab. 5, Anhang).
Häufigkeit und Intensität der Vergilbungser-
scheinungen sind damit ähnlich gering wie
im Vorjahr.
Ausschlaggebend für die insgesamt positiv zu
bewertende Kronenzustandsentwicklung der
Fichte sind vor allem der gravierende Rück-
gang der „klassischen“ Luftschadstoffe, vor
allem des SO
2
, und die durchgeführten Kal-
kungsmaßnahmen [12]. Inwieweit sich das
z. T. ausgeprägte Wasserdefizit der diesjäh-
rigen Vegetationsperiode künftig negativ auf
den Zustand der Fichten auswirkt, kann noch
nicht beurteilt werden. Während der Auf-
nahmen wurden noch keine direkten, durch
Wassermangel verursachten Schäden fest-
gestellt.
Nach mehreren Jahren mit geringer
Fruktifi-
kation
trugen in diesem Jahr deutlich mehr
Fichten Zapfen. Über die Hälfte (58 %) der
älteren, über 60-jährigen Fichten hatte Zap-
fenbehang (vgl. Tab. 5, Anhang).
Biotische Schäden
Der extrem warme und trockene Sommer
löste eine großräumige Massenvermehrung
des
Buchdruckers
(Ips typographus L.), dem
gefährlichsten biotischen Schadfaktor in
alten Fichtenbeständen, aus. Neben idealen
Entwicklungsbedingungen für den Käfer
erhöhte der Trockenstress die Befallsgefähr-
dung der Fichten bei gleichzeitiger Verringe-
rung ihres natürlichen Abwehrvermögens in
Form des Harzflusses. Das hohe Vermeh-
rungspotenzial des Buchdruckers spiegelte
sich neben der vollständigen Entwicklung
von 2 Generationen, insbesondere durch eine
sehr intensive Anlage so genannter Geschwis-
terbruten (die Altkäfer legen eine 2. Brut an),
wider. Die bis Ende August registrierte Menge
befallener Bäume entspricht bereits dem
Maximum der letzten 14 Jahre (vgl. Abb. 12).
Es ist von einer weiteren Zunahme bis zum
Frühjahr 2004 auszugehen.
Der Befall konzentriert sich gegenwärtig auf
Fichtenbestände in den Unteren Berglagen
und das Hügelland mit feuchtem und mäßig
feuchtem bzw. trockenem Klima. Die natür-
lichen Waldgesellschaften in diesem Gebiet
sind durch Laubbaumarten dominiert. Damit
weist der aktuelle Buchdruckerbefall auch
auf natürliche Grenzen des Fichtenanbaus
hin und kann als ein Anzeichen dafür gewer-
tet werden, welche Risiken in Verbindung mit
den prognostizierten Klimaänderungen zu
erwarten sind. Teilweise führt der Befall zur
Auflösung von Reinbeständen. Folgeschä-
den durch Sturm und eine Fortsetzung des
Buchdruckerbefalls sind für 2004 zu erwar-
ten. Das langfristige Ziel der forstlichen
12
Waldzustand 2003
Abb. 11: Schadstufenverteilung und mittlere Kronenverlichtung (KV)
der Fichte von 1991 bis 2003
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
KV (alle Alter)
KV (- 60 Jahre)
KV (> 60 Jahre)
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
0 20 40 60 80 [%] 100
Abb. 12: Durch Buchdrucker befallene Holzmenge von 1989 bis 2003
(*Angabe für 2003 ist noch unvollständig, Gesamtbefall wird erst im Winter 2003/04 sichtbar)
0
5 000
10 000
15 000
20 000
25 000
30 000
`89
`90
`91
`92
`93
`94
`95
`96
`97
`98
`99
`00
`01
`02 `03*
[m
2
]
1.Generation
2. Generation

image
image
Bewirtschaftung in diesem Bereich bleibt
daher nach wie vor die Schaffung von stabi-
len Mischbeständen.
Im Winter 2002/03 kam es mit 138 000 m
3
Wurf- und Bruchholz speziell im Erzgebirge
zu einem überdurchschnittlichen Anfall brut-
tauglichen Materials. Entsprechend der
bewährten integrierten Bekämpfungsstra-
tegie wurden davon bis zum Beginn des
Schwarmfluges der Käfer 85 % beräumt.
Ohne diese prophylaktische Maßnahme und
den geringen Ausgangsbestand an überwin-
terten Käfern aus dem Vorjahr wäre die der-
zeitige Situation wahrscheinlich noch ange-
spannter. Neben der typischen zufälligen
Verteilung sind auch nicht beräumte Einzel-
brüche, Resthölzer vorangegangener Pflege-
und Durchforstungseingriffe sowie klein-
standörtliche Unterschiede in der Wasser-
versorgung Ursachen für die Befallsherde.
Mit dem Erkennen des überdurchschnitt-
lichen Stehendbefalls setzte sofort die Sanie-
rung und Beräumung der befallenen Bäume
ein. Dieser, ebenfalls zur integrierten Be-
kämpfungsstrategie gehörende Aspekt, ist
bei konsequenter Anwendung in den Wäl-
dern aller Eigentumsarten ein wesentlicher
Schritt zur Befallsreduktion im Folgejahr.
Mit dem Buchdrucker stieg gleichzeitig auch
der Stehendbefall durch den
Kupferstecher
(Pityogenes chalcographus L.) an.
Nachdem in den vergangenen 4 Jahren nur
auf sehr kleiner Fläche Fraßschäden durch
die Larven der
Fichten-Gespinstblattwespe
(Cephalcia abietis L.) auftraten, wurde in
diesem Sommer auf ca. 300 ha ein Befall
festgestellt. Dieser konzentrierte sich im
Westlichen Oberen Erzgebirge, dem Zentrum
des bekannten Verbreitungsgebietes der
Art. Möglicherweise setzt damit eine Trend-
umkehr in der bisher rückläufigen Entwick-
lung ein.
Die ansteigenden Populationsdichten der
Nonne
(Lymantria monacha L.), einer poly-
phagen Schmetterlingsart, spiegeln sich
aufgrund der geringen fraßbedingten Nadel-
verluste in Fichtenbeständen nicht im Bena-
delungszustand wider. Die routinemäßige
Überwachung weist gebietsweise über-
durchschnittliche Falterdichten aus.
Kiefer
Kronenzustand
Die Gemeine Kiefer ist mit 30,1 % Anteil an
der Waldfläche die zweithäufigste Baumart
in Sachsen. Sie prägt das Waldbild vor allem
in den Wäldern des Tief- und Hügellandes.
Seit Mitte der 90er Jahre sind die Kiefern
im Vergleich zu anderen Baumarten durch
ein niedriges Schadniveau gekennzeichnet.
2003 zeigten sie auf 10 % der Fläche deut-
liche Schäden, auf 54 % schwache Schäden
und auf 36 % waren sie gesund (vgl. Abb. 14).
Als wesentliche Veränderungen gegen-
über 2002 sind hervorzuheben: eine Ab-
nahme der deutlichen Schäden um 4 Prozent-
punkte und eine Zunahme der schwachen
Schäden um 10 Prozentpunkte. Gleichzeitig
abgenommen haben die ungeschädigten
Kiefernflächen.
Trotz dieser leichten Verschlechterung, die
sowohl bei den jüngeren als auch bei den
älteren Kiefern zu verzeichnen ist, bleibt
die Kiefer die Hauptbaumart mit den ver-
gleichsweise geringsten Schäden in Sachsen.
Betrachtet man die durchschnittliche Kro-
nenverlichtung der vergangenen 13 Jahre, ist
zunächst Anfang der 90er Jahre ein deut-
licher Schadrückgang erkennbar. Die mittlere
Kronenverlichtung sank von 20,1 % (1991) auf
12,8 % (1996). Nach Erreichen dieses Mini-
mums stieg sie aber allmählich wieder auf
16,3 % (2003).
Waldzustand 2003
13
Abb. 13a, b: Stehendbefall durch Buch-
drucker und typische Befallsmerkmale
(abgefallene fahlgrüne Nadeln und
Bohrmehl)
Abb. 14: Schadstufenverteilung und mittlere Kronenverlichtung (KV)
der Kiefer von 1991 bis 2003
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
KV (alle Alter)
KV (- 60 Jahre)
KV (> 60 Jahre)
0 20 40 60 80 [%] 100

image
image
image
Bei den älteren und jüngeren Kiefern sind
unterschiedliche Trends festzustellen: In den
älteren, über 60-jährigen Beständen ist das
Schadniveau seit Mitte der 90er Jahre nahe-
zu gleich hoch, bei den jüngeren zeichnet
sich eine leichte Verschlechterung ab.
Inwieweit dieser Anstieg auf kurzfristige
Belastungen, wie etwa Insektenfraß, oder
auf längerfristig ernstzunehmende Beein-
trächtigung der Kiefernökosysteme (bei-
spielsweise durch erhöhte N-Einträge)
zurückzuführen sind, kann derzeit noch nicht
eindeutig geklärt werden.
Nadel
vergilbungen
stehen bei der Kiefer oft
im Zusammenhang mit Trockenperioden und
induzieren einen vorzeitigen Verlust älterer
Nadeln. Das landesweit fast während der
gesamten Vegetationsperiode ausgeprägte
Niederschlagsdefizit hatte sich allerdings bis
zum Zeitpunkt der Außenaufnahmen noch
nicht auf das Erscheinungsbild der Kiefern
ausgewirkt: 1 % der Kiefern waren ver-
gilbt. Von einer erhöhten direkten, aber auch
indirekten Destabilisierung der Kiefernbe-
stände – zum Beispiel durch günstige Ent-
wicklungsbedingungen für Schadinsekten –
kann jedoch ausgegangen werden.
2003
fruktifizierte
wieder ein Großteil der
älteren Kiefern. An 72 % wurde geringer, an
17 % mittlerer bis starker Zapfenbehang
registriert (vgl. Tab. 5, Anhang).
Biotische Schäden
Die
Nonne
(Lymantria monacha L.) befindet
sich gegenwärtig in einer großräumigen
Massenvermehrung. Der bereits seit 1998/99
zu beobachtende Anstieg der Populations-
dichten vollzieht sich vor allem im kieferndo-
minierten nordöstlichen Landesteil Sachsens.
Aber auch in anderen traditionell bekannten
Befallsgebieten, die vorrangig mit Fichten
bestockt sind, zeichnet sich eine Zunahme
der Dichten ab (vgl. Abb. 16).
Basierend auf vorjährigen Überwachungs-
und zusätzlichen Kontrollmaßnahmen er-
folgte im Mai/Juni auf ca. 2 100 ha in 4 Forst-
ämtern eine aviochemische Bekämpfung.
Ein Großteil der gefährdeten Bestände
war Teil von FFH-Gebieten. Da einerseits die
zu erwartenden Fraßschäden einige Schutz-
ziele infrage stellten und andererseits der
Einfluss eines Pflanzenschutzmittels auf
andere, höher bewertete Schutzziele als
unerheblich eingeschätzt wurde, erfolgten
aviotechnische Gegenmaßnahmen. Zum Ein-
satz kam ein häutungshemmendes Präparat.
Damit konnten Fraßschäden verhindert wer-
den. Bedingt durch die warm-trockene Witt-
terung ab Ende April ist davon auszugehen,
dass die Larvalentwicklung der Nonne lan-
desweit unter nahezu optimalen Bedingun-
gen erfolgte und zu einem weiteren Anstieg
der Populationsdichten führte. Dies zeigte
sich bereits durch Fraßschäden auf insge-
samt ca. 1 700 ha Fläche unbehandelter Kie-
fern (vgl. Abb. 15). Die Flächen grenzen zum
einen an die bereits bekannten Befallsarea-
le, zum anderen handelt es sich um 2003 neu
aufgetretene Befallsgebiete. Entsprechend
den gebietstypischen Eigentumsverhältniss-
sen ist neben Bundeswald vor allem Privat-
wald von der Massenvermehrung betroffen.
Es ist wahrscheinlich, dass 2004 erneut
Gegenmaßnahmen erforderlich sein werden.
Die Befallsfläche wird vermutlich größer
sein als die in diesem Jahr behandelte. Da
neben Wäldern mit spezifischen Schutz-
funktionen auch Wälder in Schutzgebieten
gefährdet sind und bereits erhebliche Fraß-
schäden vorliegen, sind arealweise diffe-
renzierte Entscheidungen hinsichtlich der
Bekämpfungsnotwendigkeit und der einzu-
14
Waldzustand 2003
Abb. 15: Stark durch Nonnenraupen
befressener Kiefernbestand
Abb. 16: Pheromonfallenfänge der Nonne in ausgewählten Forstämtern für die Jahre
1992 bis 2003
Mittelwert
Maximalwert
200
400
600
800
1 000
1 200
1 400
1 600
1 800
1992-2003
SäFoA Weißkollm
1992-2003
SäFoA Weißwasser
1992-2003
SäFoA Falkenberg
[Anzahl Falter/Falle]
1992-2003
SäFoA Plauen
0
Abb. 17a, b: Nonnenraupen im 1. (links, Eiraupe bei Fraß an Pollen) und
5. Larvenstadium (rechts) an Kiefer

setzenden insektiziden Präparate erforder-
lich. Die notwendigen Überwachungsmaß-
nahmen und Prognosen sind noch nicht
abgeschlossen.
Die Populationsdichten der
Forleule
(Pano-
lis flammea Schiff.), deren Massenvermeh-
rung der aktuellen Nonnengradation zum Teil
in den gleichen Gebieten vorangegangen
war, haben wieder Latenzniveau erreicht.
Kleinräumig kommt es durch ein deutlich
erhöhtes Auftreten des
Kiefernspinners
(Dendrolimus pini L.) zu Fraßschäden. Dies
gilt noch nicht für die ebenfalls an Kiefer
fressende Schmetterlingsart
Kiefernspan-
ner
(Bupalus piniarius L.), deren Popula-
tionsdichten bereits Ende vergangenen Jah-
res anstiegen.
Der Befall von Kiefern mit Larven des
Blauen
Kiefernprachtkäfers
(Phaenops cyanea L.)
stagniert weiterhin auf einem niedrigen
Niveau (vgl. Abb. 18). Obwohl die extrem
warme und trockene Witterung auch dieser
Art optimale Entwicklungsbedingungen bot,
ist aufgrund der geringen Ausgangsdichte
des im Vergleich zum Buchdrucker geringe-
ren Vermehrungspotenzials und der lang
andauernden Larvalentwicklung im kom-
menden Winter/Frühjahr noch nicht mit
einer Trendumkehr zu rechnen. Im Gegen-
satz dazu muss jedoch von einer Zunahme
des Stehendbefalls durch stamm- und rin-
denbrütende Borkenkäfer, wie beispiels-
weise den Zwölfzähnigen (Ips sexdentatus
Boern.) und den Sechszähnigen Kiefernbor-
kenkäfer (Ips acuminatus Gyll.), ausgegan-
gen werden.
Sonstige Nadelbäume
Kronenzustand
Sonstige Nadelbäume besitzen in Sachsen
einen Anteil an der Waldfläche von 5,6 %. Die
zu dieser Baumartengruppe zählenden
Baumarten sind hier meist nicht autochthon
und wurden erst im Zuge spezieller wald-
baulicher Konzeptionen, wie z. B. der Auffors-
tung des Erzgebirgskammes nach dem flä-
chigen Absterben der Fichte, angepflanzt. Die
Europäische Lärche ist mit etwa 50 % in die-
ser Baumartengruppe vertreten. Über die
Hälfte der begutachteten sonstigen Nadel-
bäume ist jünger als 20 Jahre.
Das Schadniveau der sonstigen Nadelbäume
ist vergleichsweise niedrig, zumal junge
Bäume i. d. R. noch weniger Schäden zeigen.
Dennoch lässt die Schadstufenentwicklung,
aber auch der Verlauf der mittleren Kronen-
verlichtung ab 1997 eine leichte Schadzu-
nahme erkennen. Von 1996 zu 1997 erhöhte
sich der Flächenanteil deutlicher Schäden
von 4 auf 10 %, der Flächenanteil schwacher
Schäden von 8 auf 32 % (vgl. Abb. 19). Seit-
dem schwankt vorwiegend der Anteil deut-
licher Schäden in dieser Größenordnung,
2003 erreicht er 9 %.
Die mittlere Kronenverlichtung hat sich 2003
das zweite Mal in Folge erhöht. Sie erreichte
mit 12,7 % den bisher höchsten Wert.
Der Anteil
vergilbt
er Bäume von 8 % ist ver-
gleichsweise hoch.
Biotische Schäden
In den Lärchenbeständen des Hügellandes
sowie der Unteren Berglagen führte die dies-
jährige Witterung zu einer wesentlichen
Zunahme des Stehendbefalls durch den
Lärchenborkenkäfer
(Ips cembrae Heer,
vgl. Abb. 20).
Die bereits im Frühjahr sichtbar werdenden
typischen Schäden durch die
Lärchen-
miniermotte
(Coleophera laricella Hb.) kon-
zentrierten sich im südöstlichen Landesteil
(Oberes Elbtal, Lausitzer Bergland).
Im Sommer kam es in verschiedenen Lan-
desteilen zu einer schrittweisen Verlichtung
der Kronen in Lärchenbeständen. Ursachen
dieser Kronenverlichtungen waren häufig
Saugschäden an Nadeln durch die
Nadel-
holzspinnmilbe
(Oligonychus ununguis
Waldzustand 2003
15
10 000
20 000
30 000
40 000
`89
`90
`91
`92
`93
`94
`95
`96
`97
`98
`99
`00
`01
`02 `03*
[m
2
]
Abb. 18: Durch Prachtkäfer befallene Holzmenge von 1989 bis 2003 (*Angabe für 2003 ist
noch unvollständig, Gesamtbefall wird erst im Winter sichtbar)
Abb. 19: Schadstufenverteilung und mittlere Kronenverlichtung (KV)
der sonstigen Nadelbäume von 1991 bis 2003
0 20 40 60 80 100
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
[%]
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
KV (alle Alter)

image
image
Jacobi), die regional von Schäden durch
den
Lärchenblasenfuß
(Taeniothrips larici-
vorus Krat.u. Farsky) und
Fichtengallenläuse
(Familie Adelgidae) begleitet wurden.
An Douglasie verursachte kleinflächig der
Befall durch die
Rostige Douglasienschütte
(Rhabdocline pseudotsugae Syd.) erhebliche
Nadelverluste.
Der seit Jahren zu beobachtende Befall der
Weymouthskiefern mit dem
Weymouthskie-
fern- Blasenrost
(Cronatium ribicola J.C.
Fischer) setzte sich 2003 fort und wurde häu-
fig von einer Besiedlung der Wundstellen mit
dem
Harzzünsler
(Dioryctria splendidella
H.-S.) begleitet.
Durch Trockenheit verursachte Schäden tra-
ten insbesondere an Waldverjüngungen auf,
die in diesem Frühjahr künstlich angelegt
wurden.
Eiche
Kronenzustand
Stiel- und Trauben-Eiche nehmen in den
sächsischen Wäldern einen Flächenanteil
von 5,1 % ein, eine Erhöhung dieses Anteils
wird angestrebt.
Seit Beginn der Beobachtungen sind beide
Baumarten am stärksten geschädigt. Sie
liegen mit 42 % deutlichen Schäden auch in
diesem Jahr erheblich über dem Befund der
anderen Baumarten/Baumartengruppen. Auf
nur 17 % der Fläche sind die Eichen gesund
(vgl. Abb. 21).
Ausgehend von einem Anteil deutlicher
Schäden von 36 % zu Beginn der Erhebung,
erreichten sie 1999 mit 68 % ein Maximum.
Während der 3 darauf folgenden Jahre ent-
wickelte sich der Kronenzustand der Eichen
positiv und verschlechterte sich jedoch
2003 wieder etwas. Die Schäden bewegen
sich auf dem Niveau von Anfang der 90er
Jahre.
Aus dem Komplex der Schadfaktoren, die
im Zusammenhang mit dem schlechten
Gesundheitszustand der Eichen diskutiert
werden, erscheinen zwei ausschlaggebend
für die positive Entwicklung bis 2002:
Zum einen war der Befall durch Insekten,
insbesondere blattfressende Schmetter-
lingsraupen (vgl. Abb. 22), seit 1999 gering.
Zum anderen waren die Witterungsbedin-
gungen während der vorangegangenen
Vegetationsperioden überwiegend günstig.
16
Waldzustand 2003
Abb. 21: Schadstufenverteilung und mittlere Kronenverlichtung (KV)
der Eiche von 1991 bis 2003
020406080100
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
[%]
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
KV (alle Alter)
Abb. 20: Lärchenborkenkäfer-Befall
0
2 000
4 000
6 000
`89
`90
`91
`92
`93
`94
`95
`96
`97
`98
`99
`00
`01
`02
`03
[ha]
Eichenwickler
Abb. 22 a, b: Befallsflächen durch Eichenwickler (oben) und Frostspanner (unten)
von 1989 bis 2003
davon stark befressen
0
500
1 000
1 500
2 000
2 500
`89
`90
`91
`92
`93
`94
`95
`96
`97
`98
`99
`00
`01
`02
`03
[ha]
Frostspanner

image
image
image
Dagegen war 2003 die Wasserversorgung
unterdurchschnittlich bis angespannt. Häu-
fig reagieren die Eichen darauf mit vorzei-
tiger Laubverfärbung bzw. dem Abwurf von
Zweigen (Astabsprünge). Dies führt letztlich
zu einer geringeren Belaubung.
Die Witterungsbedingungen machten es auch
möglich, dass eine hohe Anzahl der älteren
Eichen in diesem Jahr
Früchte
ausbilden
konnte. Bei fast
3
/
4
der älteren Eichen wurde
Fruchtanhang festgestellt. Das ist der höchste
Anteil im gesamten Beobachtungszeitraum.
Biotische Schäden
Wie bereits in den Vorjahren kam es in
Eichenbeständen auch in diesem Frühjahr
nur unbedeutend zu Fraß durch
Eichen-
wickler
(Tortrix viridana L.) und
Frostspanner
(Operophthera spec., vgl. Abb. 22). Da Schä-
den erst ab einem fraßbedingten Laubverlust
von 30 % erfasst werden, wurden für beide
Arten bzw. -gruppen fast keine Schadflächen
registriert. Damit hat dieser biotische Faktor,
der in der Mitte der 90er Jahre den Belau-
bungszustand der Eichen wesentlich beein-
flusste, gegenwärtig kaum noch eine Bedeu-
tung. Kleinräumig könnte ein geringfügiger
Anstieg der Populationsdichten Indiz für eine
Trendumkehr sein.
Bei Laboruntersuchungen an Probezweigen
aus Eichenkronen im Februar war die Dichte
von Eichenwickler- und Frostspannerraupen
sehr gering, dafür wurden andere Raupen,
z. B. der Gattung Agriopis relativ häufig ange-
troffen (vgl. Abb. 23).
Weiterhin konnten auf Eichenzweigen häu-
fig
Napfschildläuse
der Gattung Partheno-
lecanium gefunden werden (vgl. Abb. 24).
Besonders auffällig waren im Jahr 2003
verschiedene Blattgallen (Linsengallen,
Napfgallen, Kartoffelgallen), hervorgerufen
durch
Gallwespenarten
(Cynipidae).
Alle genannten Tiergruppen können zu
Blattverfärbungen, -verlust und dem Ab-
sterben von Knospen bzw. Trieben an
Eichen beitragen.
Buche
Kronenzustand
Mit 3,1 % nimmt die Rot-Buche derzeit noch
einen vergleichsweise geringen Anteil an
der sächsischen Waldfläche ein und wird
dadurch auch seltener von der Waldzu-
standserhebung erfasst. Die Aussagen zum
absoluten Schadniveau dieser Baumart
können daher statistisch nicht abgesichert
werden. Da jedoch jedes Jahr ein nahezu
identisches Kollektiv von Buchen erfasst
wird, können Trends aufgezeigt werden.
Im zurückliegenden 13-jährigen Beobach-
tungszeitraum hat sich der Kronenzustand
der Buche tendenziell verschlechtert. Nur
Ende der 90er Jahre kam es zu einer kurz-
Waldzustand 2003
17
Abb. 23: Raupe der Gattung Agriopis
(Geometridae)
Abb. 24: Überwinternde Napfschildläuse
(Parthenolecanium spec.) an Eichenzweigen
Abb. 25: Schadstufenverteilung und mittlere Kronenverlichtung (KV)
der Buche von 1991 bis 2003
0 20 40 60 80 100
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
[%]
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
KV (alle Alter)
Abb. 26: Fruktifikation der älteren über 60-jährigen) Buchen von 1991 bis 2003
0
20
40
60
80
100
`91
`92
`93
`94
`95
`96
`97
`98
`99
`00
`01
`02
`03
[%]
stark
mittel
gering

image
zeitigen Erholung. Die deutlichen Schäden
stiegen von 4 % (1991) auf 33 % (2003) an, die
durchschnittliche Kronenverlichtung von
11,0 % auf 22,3 %. Im Vergleich zum Vorjahr
erhöhte sich der Flächenanteil deutlicher
Schäden markant um 8 Prozentpunkte.
Gleichzeitig sank der Flächenanteil gesunder
Buchen (vgl. Abb. 25). Ergänzend zur Stich-
probeninventur durchgeführte Einzelbeob-
achtungen bestätigen: Altbuchen besitzen –
regional unterschiedlich ausgeprägt – einen
äußerst schlechten Kronenzustand. Bereits
im August bildeten sich auf einigen Stand-
orten Trockenschäden aus.
Wie schon in den fünf vorangegangenen
Jahren trugen die Buchen wieder reichlich
Früchte
. In diesem Jahr fruktifizierten ältere
Buchen noch häufiger (76 %) und intensiver
(vgl. Abb. 26 und 27). Für die Buche ist
bekannt, dass mit verstärkter Fruktifikation
auch ein erhöhter Verbrauch von Reserve-
stoffen und damit eine höhere physiologische
Belastung verbunden ist. Wie nachhaltig
diese den Zustand der Buchen beeinträch-
tigt, hängt maßgeblich vom Auftreten weite-
rer belastender Faktoren (z. B. Trockenstress)
im Komplex neuartiger Waldschäden ab.
Biotische Schäden
An den Rot-Buchen trat lokal ein intensiver
Befall mit
Gallmücken
(Hartigiola annulipes)
auf. Neben der Bildung von Gallen konnten
auch Blattverfärbungen durch saugende
Insekten und Milben beobachtet werden.
Diese Verfärbungen konzentrierten sich im
Unterschied zu möglichen Ozonschäden an
den Blattnerven.
Sonstige Laubbäume
Kronenzustand
Die sonstigen Laubbäume (Gemeine Birke,
Ahornarten, Gemeine Esche, etc.) haben
einen Anteil an der Waldfläche von 13,5 %.
Der Schädigungsgrad dieser Baumarten-
gruppe hat sich in den letzten Jahren konti-
nuierlich erhöht. 2002 erreichte der Flächen-
anteil deutlicher Schäden mit 27 % den
höchsten Wert, während in diesem Jahr ein
Rückgang der Schäden bei einzelnen Baum-
arten zu verzeichnen ist. Der Flächenanteil
deutlicher Schäden beträgt nunmehr 21 %
(vgl. Abb. 28).
Bei den sonstigen Laubbäumen ist die Birke
mit einem Anteil von über 50 % die häufigste
Baumart. Damit wird der Schadverlauf in
dieser Baumartengruppe wesentlich durch
die Birke bestimmt. Insbesondere in den
Jahren 1996, 1997 und 2001 nahm die Kro-
nenverlichtung bei der Birke markant zu.
Heute liegt die mittlere Kronenverlichtung
der Birke bei 19,2 %. Auffällig waren ab Mitte
August hauptsächlich bei der Birke erste
Verfärbungen durch Trockenheit. Besonders
deutlich zeigten sich diese Erscheinungen
an Waldrändern.
Biotische Schäden
Auch in diesem Jahr wiesen verschiedene
Laubbaumarten, z. B. Birken, Buchen, Erlen,
Kastanien, Ahorn u. a., Schäden in der Krone
auf. Sichtbar wurden diese vor allem durch
Blattverfärbungen und Nekrosen. Die Ursa-
chen für diese teils sehr unspezifischen
Symptome sind verschiedenartig und noch
nicht vollständig geklärt. Bei einigen Tier-
gruppen (z. B. Milben und Läuse) förderte
offensichtlich schon die Witterung des Vor-
jahres einen Anstieg ihrer Populationsdich-
ten, das günstige Wärmeangebot in diesem
Jahr ermöglichte eine Fortsetzung dieses
Trends.
Im Mittleren Erzgebirge verursachten Rau-
pen des
Buchen-Frostspanners
(Operoph-
thera fagata) und des Kleinen
Frostspanners
(O. brumata) erhebliche Fraßschäden an
Eberesche bis hin zum Kahlfraß und geringen
Fraß an Rot-Buche (vgl. Abb. 29).
Die in den Vorjahren bereits unter starkem
Blattverlust durch die
Rosskastanienminier-
motte
(Cameraria ohridella DESCHKA&DIMIC)
leidende Rosskastanie trieb in diesem Früh-
18
Waldzustand 2003
Abb. 28: Schadstufenverteilung und mittlere Kronenverlichtung (KV)
der sonstigen Laubbäume von 1991 bis 2003
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
KV (alle Alter)
0 20 40 60 80 100
[%]
Abb. 27: Buche mit starkem
Fruchtanhang

image
image
jahr allgemein ohne Zweigschäden aus. Mitte
August konnte auch 2003 das Auftreten einer
dritten Generation registriert werden. Ten-
denziell waren die Schäden jedoch geringer
als im Vorjahr.
Auffällig war der Blattverlust ab Juni bei Lin-
den. An Alleen und Waldrändern litten diese
unter dem Fraß der
Blattwespe
Caliroa
annulipes [Klug]. Sie kann unter mittel-
europäischen Verhältnissen zwei Genera-
tionen im Jahr bilden. Ihre Entwicklung ist
an vielen Laubbäumen möglich und führt zu
Vitalitätsverlusten.
In den seit 1993 bekannten Befallsgebieten
des
Schwammspinners
(Lymantria dispar L.)
hat sich der Befall in den letzten zwei Jahren
deutlich erhöht. Auf einigen Flächen (haupt-
sächlich Rot-Eiche) ist der für 2003 prognos-
tizierte Kahlfraß eingetreten (vgl. Abb. 30).
Möglicherweise deutet sich mit der Ent-
wicklung des Schwammspinners, aber auch
der anderen genannten Insektenarten, der
Beginn eines Trends an, wonach sich infolge
der allgemeinen Erwärmung wärmeliebende
phytophage Arten künftig in höheren Dichten
etablieren werden.
Absterbeerscheinungen an Pappeln durch
den Befall mit dem
Rindenbrand
(Cryptodia-
porthe populea [Sacc.] Butin) setzten sich
landesweit fort.
Infolge der anhaltenden
Trockenheit
traten
an Waldverjüngungen, insbesondere an den
in diesem Frühjahr künstlich angelegten,
Schäden auf. Fraßschäden durch Mäuse,
besonders
Erd- und Feldmaus
(Microtus
agrestis L. u. M. arvalis Pal.) sowie
Scher-
maus
(Arvicola terrestris L.) spielten dage-
gen eine untergeordnete Rolle.
Regionale Ausprägung
der Schäden
Wuchsgebiete
Aussagen zum Schadausmaß in den Wuchs-
gebieten können für die Jahre getroffen
werden, in denen die Waldzustandserhe-bung
im 4x4-km-Raster erfolgte (1991, 1992, 1994,
1997–2003). Um auch kleine Wuchsgebiete
bzw. Wuchsgebiete mit geringem Waldanteil
in die Auswertung einbeziehen zu können,
wurden sie, so weit es sinnvoll erschien, in
Gruppen zusammengefasst. Bei Wuchsge-
bieten, die über die Landesfläche Sachsens
hinausgehen, beziehen sich die Angaben
ausschließlich auf den sächsischen Teil. Für
die Wuchsgebiete Sachsen-Anhaltinische-
Löss-Ebenen (WG 23), Leipziger-Sandlöss-
Ebene (WG 24) und Erzgebirgsvorland (WG 26)
ist der Stichprobenumfang für eine Auswer-
tung allerdings zu gering.
Die in den vergangenen Jahren wiederholt
festgestellte starke regionale Differenzie-
rung der Schäden war 2003 geringer ausge-
prägt. Der Flächenanteil deutlicher Schäden
variiert von 6 % im Wuchsgebiet Vogtland
(WG 44) bis 20 % im Wuchsgebiet Erzgebirge
(WG 45).
Die Ergebnisse der Wuchsgebietsaus-
wertung 2003 sind in Abb. 31 sowie Tab. 7
(Anhang) veranschaulicht. Die in Abb. 31
integrierten Grafiken zeigen die Entwick-
lungstrends der Schäden in den Wuchsge-
bieten. Zu berücksichtigen ist, dass die
Ergebnisse für die Wuchsgebiete von der
dort jeweils vorherrschenden Baumarten-
und Altersklassenverteilung bestimmt wer-
den (vgl. Tab. 6, Anhang). Einen Eindruck von
der räumlichen Verteilung der Baumarten
sowie deren Kronenzustand vermittelt zusätz-
lich die Abb. 32.
Im
Erzgebirge
(WG 45), dem waldreichsten
Wuchsgebiet Sachsens, hat sich der Zustand
des Waldes in den letzten Jahren spürbar
verbessert. Der Anteil der Waldfläche mit
deutlichen Schäden hat sich dort von einem
hohen Ausgangsniveau (36 %, 1991) auf 20 %
(2003) verringert und damit dem Landes-
durchschnitt angenähert. Auch wenn gegen-
über dem Vorjahr die Schäden etwas zuge-
nommen haben, kann nicht von einer
Trendwende gesprochen werden. Waldbe-
stände mit höherem Schädigungsgrad kon-
zentrieren sich schwerpunktmäßig im mittle-
ren und östlichen Erzgebirge, beschränken
sich aber nicht mehr – wie in der Vergan-
genheit – auf das Gebiet der „klassischen
Rauchschäden“.
Aufgrund des hohen Schadniveaus ist das
Wuchsgebiet
Sächsisch-Thüringisches
Löss-Hügelland
(WG 25) in den letzten Jah-
ren zunehmend in den Blickpunkt gerückt.
1999 hatten die deutlichen Schäden dort ein
Maximum von 39 % erreicht, in diesem Jahr
sind sie auf 16 % zurückgegangen und liegen
damit geringfügig über dem Landesmittel. Die
Verbesserung des Zustandes der sonstigen
Laubbäume, die in diesem Wuchsgebiet mit
40 % Anteil an der Waldfläche vergleichs-
weise häufig vertreten sind, hat wesentlich
zu diesem Ergebnis beigetragen.
In den Wuchsgebieten
Elbsandsteinge-
birge/Oberlausitzer Bergland/Zittauer
Gebirge
(WG 46, 47, 48) zeigen die Bäume
auf 14 % der Fläche eine deutliche Kronen-
verlichtung. Im Vergleich zum Vorjahr be-
deutet dies eine Abnahme der deutlichen
Waldzustand 2003
19
Abb. 29: Fraßschäden an Eberesche
durch Frostspannerarten
Abb. 30: Befallsflächen durch Schwammspinner von 1991 bis 2003
0
500
1 000
1 500
2 000
2 500
`91
`92
`93
`94
`95
`96
`97
`98
`99
`00
`01
`02
`03
[ha]
davon Kahlfraß
davon behandelt

image
image
20
Waldzustand 2003
Abb. 31: Anteil deutlicher Schäden 2003 und Veränderung der mittleren Kronenverlichtung von 1991 bis 2003 in den Wuchsgebieten (WG)
LEIPZIG
DRESDEN
CHEMNITZ
Mittlere
Kronenverlichtung 2003 [%]
0–10
11–20
21–30
31–40
> 40
Baumarten
- 60 Jahre > 60 Jahre
Buche:
Eiche:
Fichte:
Kiefer:
Waldfläche
Grenze des Wuchsgebietes
Grenze der Wuchsgebietsgruppe
Abb. 32: Mittlere Kronenverlichtung der Hauptbaumarten an den Stichprobenpunkten im 4x4-km-Raster (mindestens 5 Bäume der Haupt-
baumart am Stichprobenpunkt)
25
14/15
27/28
44
45
46/47/48
LEIPZIG
DRESDEN
CHEMNITZ
26
24
23
5–10
11–15
16–20
Anteil deutlicher
Schäden [%]
keine Angaben
0
5
10
15
20
25
[%]
1991 bis 2003
WG-Nummer
Sachsen
Wuchsgebiet
Mittlere
Kronenverlichtung
• WG 14 – mittleres nordost-
deutsches Altmoränenland/
WG 15 – Düben-Niederlausitzer
Altmoränenland
• WG 23 – Sachsen-Anhaltinische-
Löss-Ebenen
• WG 24 – Leipziger-Sandlöss-
Ebene
• WG 25 Sächsisch-Thüringisches
Löss-Hügelland
• WG 26 – Erzgebirgsvorland
• WG 27 – Westlausitzer Platte und
Elbtalzone/
WG 28 Lausitzer Löss-Hügelland
• WG 44 – Vogtland
• WG 45 – Erzgebirge
• WG 46 – Elbsandsteingebirge/
WG 47 – Oberlausitzer Bergland/
WG 48 – Zittauer Gebirge

Schäden. Die Fichte liegt beim Anteil deut-
licher Schäden in ähnlicher Größenordnung.
Der Verlauf der durchschnittlichen Kronen-
verlichtung weist jedoch keinen eindeutigen
Trend auf.
In den Wuchsgebieten
Westlausitzer Platte
und Elbtalzone/Lausitzer Löss-Hügelland
(WG 27, 28) war das Schadniveau bislang nur
geringen Schwankungen unterworfen. Auch
2003 hat sich der Kronenzustand in diesen
Wuchsgebieten kaum verändert. Die deut-
lichen Schäden nehmen einen Anteil von
13 % ein und befinden sich leicht unter dem
Landesmittel.
In den Wuchsgebieten
Mittleres nordost-
deutsches Altmoränenland/Düben-Nieder-
lausitzer Altmoränenland
(WG 14, 15) wurden
bei der diesjährigen Erhebung 11 % deutliche
Schäden diagnostiziert. Das Ergebnis liegt
damit vergleichsweise niedrig. Das Schadni-
veau der in diesen Wuchsgebieten dominie-
renden Kiefern (82 % Flächenanteil) ist etwas
geringer als das Wuchsgebietsmittel, hat
jedoch gegenüber Ende der 90er Jahre etwas
zugenommen. Regionales Auftreten von
nadelfressenden Insekten an Kiefer haben
diesen Anstieg möglicherweise punktuell mit
verursacht. Die Abb. 32 veranschaulicht ein
differenziertes Bild innerhalb dieser Wuchs-
gebiete.
Das
Vogtland
(WG 44) liegt bei 6 % deutlichen
Schäden markant unter dem Landesmittel.
Dort hat sich in diesem Jahr das Schad-
niveau – vor allem der vorherrschenden
Fichte – noch einmal etwas verringert.
Forstliche Dauerbeobachtungsflächen
Auf den im Rahmen des europäischen Level-
II-Programms angelegten Forstlichen Dauer-
beobachtungsflächen (DBF) erfolgt ebenfalls
jährlich eine Bonitur des Kronenzustandes.
Diese Flächen sind als Fallbeispiele für
typische Waldökosysteme angelegt und sol-
len damit die Situation in den jeweiligen
Wuchsgebieten weitgehend repräsentieren
(vgl. Abb. 50, Anhang).
Ein Vergleich der mittleren Kronenverlichtung
der einzelnen Bestände mit den flächen-
repräsentativen Ergebnissen der Wald-
zustandserhebung (vgl. Abb. 33a–d) ver-
deutlicht, dass die DBF-Ergebnisse den
Kronenzustand baumarten- und regionalspe-
zifisch gut widerspiegeln. Eine Differen-
zierung besteht zwischen den einzelnen
Flächen.
In der
Klingenthal
er Fichtenfläche (WG 45)
ging die Kronenverlichtung von einem ur-
sprünglich hohen Niveau (1993) stetig auf
nunmehr fast die Hälfte zurück. Der Trend der
Kronenverlichtung des WG Vogtland wird von
diesem Altbestand auf einem höheren Level
nachvollzogen.
Gravierend beeinflusst durch das Schader-
eignis im Winter 1995/96 waren die Fichten der
DBF
Olbernhau
(WG 45). Die mittlere Kronen-
verlichtung verblieb bis 1997 auf hohem
Niveau. Seitdem nahm sie nahezu stetig ab und
liegt 2003 nur noch 2 Prozentpunkte über dem
Ergebnis für das Wuchsgebiet Erzgebirge.
Für die Eichen auf der DBF
Colditz
(WG 25)
wurde in den Jahren 1995 und 1997 eine
mittlere Kronenverlichtung leicht unter
dem Landesmittel bonitiert. 1998 bis 2000
nahmen sie stark zu und fielen 2001 auf den
sachsenweiten Befund für Eiche ab. Dieses
Niveau blieb bis 2003 erhalten und liegt
damit gegenwärtig etwas über dem Landes-
mittel.
Die Fichtenfläche mit der höchsten Kronen-
verlichtung befindet sich in
Cunnersdorf
(WG 46). Mit verursacht durch die Schädi-
gungen nach dem Winter 1995/96 stieg der
Nadelverlust von 1993 bis 1997 auf sehr hohe
Werte an. Seither kann eine stetige Erholung
des Benadelungszustandes attestiert wer-
Waldzustand 2003
21
Abb. 33a-d: Mittlere Kronenverlichtung der Hauptbaumarten in den Forstlichen
Dauerbeobachtungsflächen im Vergleich zur mittleren Kronenverlichtung der jeweiligen
Baumart der WZE
DBF Klingenthal - Fichte
50
40
30
20
10
0
‘91
‘93
‘95
‘97
‘99
‘01
‘03
KV [%]
50
40
30
20
10
0
‘91
‘93
‘95
‘97
‘99
‘01
‘03
KV [%]
DBF Olbernhau - Fichte
50
40
30
20
10
0
‘91
‘93
‘95
‘97
‘99
‘01
‘03
KV [%]
DBF Colditz - Eiche
50
40
30
20
10
0
‘91
‘93
‘95
‘97
‘99
‘01
‘03
KV [%]
DBF Cunnersdorf -Fichte
50
40
30
20
10
0
‘91
‘93
‘95
‘97
‘99
‘01
‘03
KV [%]
DBF Bautzen - Fichte
50
40
30
20
10
0
‘91
‘93
‘95
‘97
‘99
‘01
‘03
KV [%]
DBF Laußnitz - Kiefer
jew. Baumart nach WZE; alle Alter
DBF

Schälschäden
den. Der Befund für diesen Bestand liegt aber
nach wie vor sowohl weit über dem Wuchs-
gebiets- als auch über dem Landesdurch-
schnitt.
Die Fichten auf der DBF
Bautzen
(WG 47)
hatten Mitte der 90er Jahre den vergleichs-
weise besten Kronenzustand. Entgegen dem
landesweiten Trend war hier jedoch ein
Nach 1995 und 1998 erfolgte 2002 die dritte
landesweite Erhebung der Schälschäden.
Sie ist Teil der nach § 24 Abs. 2 des Wald-
gesetzes für den Freistaat Sachsen gefor-
derten Überprüfung des Vegetationszu-
standes, entstandener Verbiss- und Schäl-
schäden und des Standes der Waldverjün-
gung. Dabei wird die Verjüngung als Indikator
für die Tragbarkeit der Wildbestandes-
höhe in Bezug zu den örtlichen Verhältnissen
betrachtet. Diese Inventur in Form eines
Stichprobenverfahrens basiert auf einem
1x1-km-Raster. In die Erhebung wurden
die Wälder aller Eigentumsarten einbezo-
gen, welche in ausgewiesenen Schalenwild-
gebieten für Rot- und Muffelwild entspre-
chend der Schalenwildverordnung liegen.
Zusätzlich wurden Wälder außerhalb von
Schalenwildgebieten untersucht, in denen
größere Populationen dieser Wildarten vor-
kommen.
Landesweit gingen 3 603 schälgefährdete
Bestände (Kontrollflächen) in die Erhebung
ein. Davon waren 1 984 Flächen Teil von
Verwaltungsjagdbezirken des Freistaates.
506 Flächen lagen außerhalb der Schalen-
wildgebiete. Auf 3 019 Boniturflächen
(davon 2 595 innerhalb der Schalenwild-
gebiete) wurde an insgesamt 251 268 Bäu-
men (nur vorherrschende und herrschende
Bäume) der Schälschaden aus dem Winter
2001/02 und dem Sommer 2002 erfasst.
In den Schalenwildgebieten gingen die
Schälschäden landesweit von 3,8 % auf
3,0 % zurück. Sie sind jedoch immer noch
doppelt so hoch wie bei der ersten Erhebung
1995 (1,5 %, vgl. Abb. 34a).
In den Verwaltungsjagdbezirken des Frei-
staates ist der Anteil an geschälten Bäumen
mit 2,7 % geringfügig höher als 1998 mit
(Schäle bis 1/3 Umfang) um 10 % an und die
Anteile der beiden benachbarten Stufen nah-
men um jeweils ca. 5 % ab.
Die Darstellung der einzelnen Baumarten bzw.
Baumartengruppen macht deutlich, dass der
landesweite Rückgang der Schälschäden aus
der Abnahme des Anteiles geschälter Nadel-
baumarten, insbesondere der Kiefer, resultiert
(vgl. Abb. 35). Entgegen diesem Trend nahm
blieb das Schadniveau erhalten und hat sich
bis 2003 wieder leicht verringert. Die Mittel-
werte sind jedoch gegenüber den Trends der
Wuchsgebietsgruppe wie auch des Landes-
ergebnisses, insbesondere seit Mitte der 90er
Jahre, gegenläufig.
2,5 %. Aber er ist immer noch niedriger als in
den anderen Jagdbezirken, für die er 3,5 %
beträgt (vgl. Abb. 34b).
Hinsichtlich der Intensität der neuen Schäl-
schäden, die als relative Größe bezogen auf
den jeweiligen Baumdurchmesser ermittelt
wird, sind zwischen den 3 Erhebungen kaum
Veränderungen aufgetreten. Im Vergleich zu
1998 stieg der Anteil der Intensitätsstufe 2
Anstieg der Kronenverlichtung bis 1999 fest-
zustellen. Seitdem bewegt sich die Höhe der
Kronenverlichtung im Bereich des Landes-
durchschnitts.
An den Kiefern der DBF
Laußnitz
(WG 15)
wurde ausgehend von einer geringen mittle-
ren Kronenverlichtung 1996 ein stetiger
Anstieg bis zum Jahr 2000 registriert. 2001
22
Waldzustand 2003
Abb. 34a, b: Vergleich der Höhe und Intensität der Schäle in den Jahren 1995, 1998 und 2002
sowie in Verwaltungsjagdbezirken und anderen Jagdbezirken für die Erhebung 2002
0
1
2
3
4
1995
1998
2002
[%]
0
1
2
3
4
Verwaltungs-
jagdbezirke
andere
Jagdbezirke
[%]
mehr als
2
/
3
des Stammumfanges geschält
1
/
3
2
/
3
des Stammumfanges geschält
bis
1
/
3
des Stammumfanges geschält
einzelne Schälspuren
Abb. 35: Vergleich der Schälprozente verschiedener Baumarten bzw. -gruppen
1995, 1998 und 2002
0
2
4
6
Fichte
Kiefer
Lärche
anderes
Nadelholz
Rotbuche
anderes
Laubholz
[%]
1995
1998
2002

Über den chemischen Zustand der sächsi-
schen Waldböden liegen aus der Bodenzu-
standserhebung (BZE, vgl. Abb. 50, Anhang),
der forstlichen Standortserkundung sowie
aus den kontinuierlichen Messungen in
den Forstlichen Dauerbeobachtungsflächen
(DBF) umfangreiche Informationen vor. Sie
zeigen, dass der Boden in seiner Funktion als
dauerhafte Nährstoffquelle und -speicher
sowie als Lebensgrundlage für Pflanzen,
Tiere und Mikroorganismen vielfach geschä-
digt ist. Insbesondere haben die teils immen-
sen umweltbedingten Säurebelastungen der
Vergangenheit („Saurer Regen“) auf den
überwiegend erdalkali- und damit puffer-
armen Bodensubstraten Sachsens deutliche
Merkmale einer fortgeschrittenen Nährstoff-
verarmung und Bodenversauerung hinter-
lassen. Über Jahrzehnte wurde massiv gegen
die Nachhaltigkeit des Bodenzustandes ver-
stoßen und damit letztlich auch das Prinzip
einer multifunktionalen Forstwirtschaft ver-
letzt, das heutzutage – zusätzlich zu dem seit
etwa 200 Jahren verfolgten ökonomischen
Prinzip einer dauerhaft ausgewogenen Holz-
versorgung – auch ökologische und sozio-
ökonomische Ziele verfolgt.
Gegenwärtig überschreitet der Eintrag
(Deposition) der säurebildenden Schwefel-
und Stickstoffverbindungen noch immer die
langfristig vertretbaren so genannten
kriti-
schen Belastungsraten (critical loads)
. Damit
sind weiterhin – trotz in den letzten Jahren
erheblich verbesserter Umweltbedingungen
– negative Veränderungen im Ökosystem vor-
gezeichnet. Ein Resultat ist u. a. die übermä-
ßige Beanspruchung der Pufferkapazität des
Bodens aus der laufenden Mineralverwitte-
rung („nachschaffende Kraft“). Der Boden
versauert und verliert sein chemisches
Gleichgewicht. Da er jedoch als ein zentra-
les Reaktionsgefäß des Waldökosystems fun-
giert, in dem die Energie- und Stoffflüsse
aneinander gekoppelt werden, wirken sich
chemische und letztlich auch physikalische
Bodenveränderungen in komplexer Weise
auf den Zustand des gesamten Ökosystems
aus.
Indikatoren
zur Begutachtung chemischer
Bodenveränderungen sind beispielsweise
der pH-Wert als Weiser für den aktuellen Ver-
sauerungsgrad der Bodenlösung sowie die
Kationenaustauschkapazität als Ausdruck für
die austauschbar und pflanzenverfügbar an
den Bodenkolloiden angelagerten Kationen.
Der entscheidende Indikator einer Boden-
versauerung ist die Basensättigung (BS), die
den prozentualen Anteil der so genannten
basischen Kationen (Nährelemente Ca
2+
,
Mg
2+
und K
+
sowie Na
+
) an den insgesamt
Waldzustand 2003
23
das Schälprozent für Fichte um einen Pro-
zentpunkt zu und stieg damit seit 1995 weiter
kontinuierlich an. Diese differenzierte Ent-
wicklung bei den Nadelbaumarten ist bereits
ein Hinweis auf regionale Unterschiede in der
Schadausprägung. Ein dritter, sich derzeit
noch auf einem geringen Niveau vollziehen-
der Trend ist der Anstieg der Schälschäden
an Laubbaumarten.
In der Abb. 36 sind die Schälprozente für die
dominierenden Baumarten und -gruppen der
beiden Jagdbezirksarten gegenübergestellt.
Mit Ausnahme der Lärche und Rot-Buche
sind die Schälprozente – analog zu den
Ergebnissen von 1998 – in den Verwaltungs-
jagdbezirken geringer als in den anderen
Jagdbezirken.
4 % der schälgefährdeten Flächen sind in den
Schalenwildgebieten geschützt. Dieser Anteil
ging im Vergleich zur vorangegangenen Erhe-
bung (1998: 6 %) zurück, liegt jedoch immer
noch über dem von 1995 (3 %). Dabei ist die-
ser Anteil trotz eines geringen Rückgangs mit
6 % (1998: 8 %) für die Verwaltungsjagd-
bezirke immer noch höher als der nahezu
konstant gebliebene Wert von 3 % für die
anderen Jagdbezirke (1998: 2 %).
Die Schälschadenserhebung liefert umfang-
reiche Daten für eine differenzierte gutacht-
liche Einschätzung der Wechselwirkungen
zwischen Wald und Wild für die Forstämter.
Nur bedingt berücksichtigt werden können
bei einer landesweiten Betrachtung wesent-
liche regionale Aspekte, wie beispielsweise
standörtliche Verhältnisse, die Baumarten-
zusammensetzung, die räumliche Verteilung
der Schälschäden sowie wildökologische
Sachverhalte. Die zusammengefassten
Werte zeigen deshalb nur allgemeine Ten-
denzen auf. Obwohl das Schälprozent nach
einer Erhöhung von 1995 zu 1998 (von 1,4 %
auf 3,8 %) im Jahr 2002 auf 3,0 % zurückging,
ist das noch immer ein Zeichen dafür, dass
die Bestände an Rot- und Muffelwild in Bezug
zu ihrem aktuellen Lebensraum als zu hoch
einzuschätzen sind. Die Höhe und der Entwick-
lungstrend der Schäden sind landesweit
jedoch unterschiedlich. Die geringeren Schä-
den in den Verwaltungsjagdbezirken bekräf-
tigen im Allgemeinen die Vorbildfunktion
dieser Organisationsform hinsichtlich der
Bejagung in den Schalenwildgebieten.
Chemischer Bodenzustand
Abb. 36: Vergleich der Schälprozente verschiedener Baumarten bzw. -gruppen in
Verwaltungsjagdbezirken und in anderen Jagdbezirken 2002
0
1
2
3
4
5
Fichte
Kiefer
Lärche
anderes
Nadelholz
Rotbuche
anderes
Laubholz
[%]
Verwaltungsjagdbezirke
andere Jagdbezirke

image
austauschbaren Kationen des Feinbodens
umfasst. Offensichtlich sind Veränderungen
dieser bodenchemischen Parameter unter
dem Druck der Umweltbelastung relativ
rasch verlaufen. Dies zeigen vergleichende
Untersuchungen an 30 Bodengruben der
Standortserkundung, die nach der Ersterhe-
bung aus den 60er und 70er Jahren im Jahr
1999 erneut beprobt wurden.
Danach ist beispielsweise in einem Fich-
tenaltbestand auf Eibenstocker Granit
(vgl. Abb. 37 und 38) der
pH-Wert
des Unter-
bodens ab ca. 40 cm Tiefe seit 1978 um etwa
1 bis 1,5 pH-Einheiten zurückgegangen. Dies
entspricht einer mehr als 10fachen Zunahme
des Säuregehaltes in der Bodenlösung. Dem-
gegenüber ist im Oberboden (inkl. Humusauf-
lage) infolge von forstlichen Kalkungs-
maßnahmen eine leichte Verbesserung zu
verzeichnen.
Die
Kationenaustauschkapazität
dieses
Bodens hat sich im Verlauf der 20 Jahre nahe-
zu nicht verändert. Nur im Tiefenbereich zwi-
schen 10 und 20 cm zeichnet sich eine relativ
starke Zunahme ab (vgl. Abb. 39), was mit der
Verlagerung von organischer Substanz aus
dem obersten Profilabschnitt und der Auf-
weitung von Tonmineralen bei gleichzeitiger
Schaffung neuer Austauscheroberflächen
zusammenhängen kann, die dann allerdings
überwiegend mit Al-Ionen belegt sind.
Demgegenüber hat sich bei etwa gleich blei-
bender Austauschkapazität die
Basensätti-
gung
(BS) im Ober- und Unterboden als
Resultat fortschreitender Basenauswa-
schung und Versauerung speziell zugunsten
des Aluminium- und Eisenanteils etwa hal-
biert (von ca. 20–30 % auf etwa 10 % BS im
Oberboden, bzw. 10 % auf 5 % BS im Unter-
boden; vgl. Abb. 40). Damit spiegelt das
Bodenprofil einen verbreiteten chemischen
Zustand von versauerten Waldstandorten auf
erdalkaliarmen Ausgangssubstraten – bei-
spielsweise Granite, Gneise, Phyllit oder
Sandstein – wider. Im Rahmen der Bodenzu-
standserhebung [9] wurde großflächig fest-
gestellt: Bis über 90 % des Kationenaus-
tauschkomplexes sind mit den „sauren“
Kationen (Al
3+
, Fe
3+
, Mn
3+
, H
+
) belegt!
Eine ähnliche Abnahme der Basensättigung
betrifft auch alle anderen untersuchten
Bodensubstrate. Nur selten liegt der Basen-
anteil über dem kritischen Wert von 15 %,
sodass die Elastizität der Waldböden gegen-
über Säurebelastungen oftmals nur sehr
gering ist. Infolgedessen sind die pH-Werte
des Unterbodens in der betrachteten Zeit-
spanne um durchschnittlich etwa eine halbe
pH-Einheit gesunken (vgl. Abb. 41), während
das pH-Niveau in der organischen Auflage
und im anschließenden obersten Mineralbo-
denbereich durch Kalkungsmaßnahmen eher
angestiegen ist. Somit wird das chemische
Milieu des Unterbodens gegenüber der Erst-
beprobung verstärkt durch den so genann-
ten Aluminium-Pufferbereich (pH 4,2 bis 3,8)
bestimmt, in dem zunehmend Al-Ionen in die
Bodenlösung transferiert werden. Bei gleich-
zeitig nur noch geringen Ca- und Mg-Gehal-
ten können diese toxisch wirken und speziell
das Feinwurzelwachstum und die Boden-
lebewesen (z. B. Mikroorganismen) schädi-
gen. Teilweise ist ein Versauerungsgrad des
24
Waldzustand 2003
Abb. 37: Podsol auf Eibenstocker Granit
(FoA Eibenstock,
Westliches Oberes Erzgebirge)
Abb. 38: pH(H
2
O)-Werte in einem Bodenprofil auf Eibenstocker Granit (Bodentyp: Podsol) in
den Jahren 1978 und 1999
Abb. 39: Kationenaustauschkapazität nach Tiefenbereichen in einem Bodenprofil auf
Eibenstocker Granit (Bodentyp: Podsol) in den Jahren 1978 und 1999
0
50
100
150
[µmol IE/g]
200
0–5
10–20
20–25
25–35
35–40
45–70
Tiefe [cm]
1978
1999
75
50
25
0
3
3,5
4
4,5
5
[pH]
5,5
Tiefe [cm]
1978
1999

Bodens erreicht, der bereits nachteilige Ver-
änderungen bei den Tonmineralen erkennen
lässt [12].
Indikatoren des Bodenchemismus belegen
somit einerseits, dass zumindest in den letz-
ten Jahrzehnten die Versauerung der Wald-
böden stark zugenommen hat. Andererseits
wird deutlich, dass der Versauerungsprozess
oftmals nur anhand der Zusammenschau
mehrerer Indikatoren erkennbar wird. Erst
durch jüngste Erfolge der Umweltpolitik
konnte der Negativtrend abgeschwächt bzw.
teils gestoppt werden, sodass Waldböden
aufgrund aktuell geringerer Säurebelastun-
gen vermehrt Anzeichen der Erholung er-
kennen lassen. In diesem Zusammenhang
sind erneut auch die positiven Wirkungen der
forstlichen Bodenschutzkalkungen auf den
Chemismus und die Tonminerale des Bodens
sowie die Bodenvegetation hervorzuheben.
Nach Kalkungsmaßnahmen konnte – zusätz-
lich zur Verbesserung von pH-Wert und
Basensättigung – ein beginnender Wieder-
einbau von Kalzium und Magnesium in die
Tonminerale nachgewiesen werden, was zu
deren Stabilität und damit zur Verbesserung
der Nährstoffversorgung beiträgt [1]. Mit der
Konsequenz einer weitgehenden Vermeidung
ökosysteminterner Säurebelastungen bei der
Bewirtschaftung (z. B. Vermeidung von Mine-
ralisierungs- und Versauerungsschüben bei
Kahlschlägen) stellt langfristig auch der
Waldumbau und der Übergang zu einer
naturgemäßeren Waldwirtschaft eine Ent-
lastung für den Boden dar. Die Nachhaltig-
keit bzw. Verbesserung der chemischen
Bodeneigenschaften ist jedoch ohne weitere
Verminderung der Stoffbelastungen aus der
Umwelt – besonders im Hinblick auf die
anhaltend hohen Stickstoffeinträge – oftmals
nur schwer zu realisieren. Zudem ist auch die
Nachhaltigkeit des physikalischen Bodenzu-
stands zu gewährleisten, sodass Boden-
schädigungen durch Bodenverdichtung bei
der Befahrung der Waldböden im Zuge von
Durchforstungs- und Erntemaßnahmen un-
bedingt begrenzt werden müssen.
Waldzustand 2003
25
Abb. 40a, b: Anteile der austauschbaren Einzelkationen am Kationenaustauschkomplex des
Bodens (Bodentyp: Podsol) in den Jahren 1978 (a) und 1999 (b)
0 20 40 60 80 100
0–5
10–20
20–25
25–35
35–40
45–70
[%]
Tiefe [cm]
Pufferbereich
Fe
Fe/Al
Al
Austauscher
3
3,2
3,4
3,6
3,8
4
4,2
4,4
4,6
4,8
5
6-0
0-8
15-32
36-60
68-78
[pH (H
2
O)]
Tiefe
[cm]
Torfhaus
Abt. 78II
Taubenbach
Abt. 93
Taubenbach
Abt. 62
Taubenbach
Abt. 59
Berggießhübel
Abt. 162
75-85
5-0
0-5
5-15
20-35
40-55
65-85
5-0
0-5
5-15
15-40
45-55
60-70
4-0
0-5
15-45
60-70
90-100
6,5-0
0-5
5-20
25-40
55-75
Abnahme bis 1999
Zunahme bis 1999
Abb. 41: Veränderung der pH(H
2
O)-Werte in ausgewählten Fichtenaltbeständen während
der letzten 3 bis 4 Jahrzehnte (podsolierte Braunerden bis Podsol)
0 20 40 60 80 100
0–5
10–20
20–25
25–35
35–40
45–70
Tiefe [cm]
[%]
Na
K
Ca
Mg
Al
Fe
Mn
H

26
Waldzustand 2003
Baumwachstum
In den letzten Jahrzehnten wurde in zahlrei-
chen europäischen Wäldern – trotz anhal-
tender Schadstoffbelastung – ein verstärkter
Holzzuwachs festgestellt, dessen Ursache
wegen der Komplexität der Einflussfaktoren
noch nicht endgültig geklärt ist. Die Untersu-
chungsergebnisse des seit 1999 europaweit
durchgeführten RECOGNITION-Projektes
[12], in das auch 30 sächsische Fichten-, Kie-
fern- bzw. Buchenaltbestände integriert
waren, verweisen auf erhöhte Stickstoffein-
träge als den ausschlaggebenden Faktor für
das beschleunigte Baumwachstum. Ein ent-
scheidender Einfluss wird auch dem Klima-
wandel mit seinen veränderten Temperatur-
und Niederschlagsverhältnissen sowie dem
Anstieg der CO
2
-Gehalte in der Atmosphäre
zuerkannt. Auch verlängerte Vegetationszei-
ten können eine potenzielle Ursache darstell-
len. Neben den Ergebnissen aus diesem
Projekt liegen weitere Zuwachsdaten aus
6 Forstlichen Dauerbeobachtungsflächen des
Level-II-Programms in Sachsen vor, die
gemeinsam mit den Universitäten Dresden
und Freiburg ausgewertet wurden [7/10].
Auf den Level-II-Flächen wurden die bereits
in der Vergangenheit einzelbaumweise erho-
benen Durchmesser und Höhen durch eine
erneute Vollaufnahme der Durchmesser und
eine stichprobenhafte Messung der Baum-
höhen ergänzt und ausgewertet. Zudem wur-
den
Bohrkernanalysen
an jeweils 20 Bäumen
außerhalb der eigentlichen Messflächen
sowie eine „Stubbeninventur“ zur Rekon-
struktion der zurückliegenden Holzernte-
maßnahmen vorgenommen. Letztlich konn-
ten für die vergangenen 30 bis 40 Jahre die
Durchmesser- und Grundflächenentwicklun-
gen sowie der Volumenzuwachs der Einzel-
bäume und des gesamten Waldbestandes
hergeleitet werden.
Im RECOGNITION-Projekt erfolgten die
Zuwachserhebungen in 14 ausgewählten
Fichten-, Kiefern- und Buchenaltbeständen
(
Stammscheibenentnahme
von insgesamt
92 gefällten Untersuchungsbäumen), zu denen
bis zurück in die 60/70er Jahre bodenchemi-
sche Daten vorliegen.
Die zuverlässigsten Wachstumstrends erge-
ben sich anhand der Daten der Oberhöhen-
bäume, die etwa den 100 stärksten Bäumen
des Bestandes entsprechen. Danach ergibt
sich für die 4 Fichtenaltbestände des säch-
sischen Level-II-Programms ein annähernd
synchroner Verlauf des Radialzuwachses.
Nach deutlichem Zuwachsrückgang in den
60er und 70er Jahren ist ab 1980, entgegen
dem normalen Alterstrend, ein ausgeprägter
Anstieg der Jahrringbreiten (Ausnahmejahr
2000; vgl. Abb. 42) zu verzeichnen.
Charakteristische Zuwachseinbrüche lassen
sich in den Jahren 1976, 1980, 1986, 1991, 1995
und 2000 feststellen (so genannte Weiser-
jahre), die zum großen Teil durch Witterungs-
ereignisse (z. B. 1976, 1980) oder eine starke
Fruktifikation (z. B. 1991, 1995) erklärt werden
können. Insgesamt wird deutlich, dass sich
die
Radialzuwächse
der Fichten von zuletzt
etwa 3 bis 4 mm pro Jahr seit einer Einbruchs-
phase zwischen 1976 und 1987 nahezu ver-
doppelt haben. Damit sind sowohl der Grund-
flächen- als auch der Volumenzuwachs, vor
allem in den Mittelgebirgslagen, kräftig ange-
stiegen (vgl. Abb. 43, Tab. 8, Anhang). Im letz-
ten Jahrzehnt lagen sie beispielsweise in den
im Erzgebirge gelegenen Flächen Klingenthal
und Olbernhau um ca. 20 bis 60 % über
denjenigen der vorhergehenden 10-Jah-
resperiode. Damit verbesserte sich der Holz-
zuwachs dieser Bestände seit 1996 von
jährlich 15 auf 20 bis 25 m
3
/ha überdurch-
schnittlich.
In der Kiefernfläche (Laußnitz) sowie im
Eichenbestand (Colditz) ist der Zuwachs-
anstieg weniger markant (vgl. Abb. 43). Die
Radialzuwachsentwicklung bei der Kiefer
1
Re
lationship Between Recent
C
hanges
o
f
G
roth and
N
utr
ition
of Norway Spruce, Scots Pine and
European Beech Forests in Europe"; EU FAIR CT98-4124
Abb. 42: Mittlere Radialzuwachsentwicklung der vorherrschenden Bäume
in den Fichtenflächen des Level-II-Programms
1
2
3
4
5
1960
1965
1970
1975
1980
1985
1990
1995
2000
[mm]
Olbernhau
Neukirch/Bautzen
Klingenthal
Cunnersdorf
Abb. 43: Jährlicher Volumenzuwachs zwischen 1973 und 2002 in den 6 Level-II-Flächen
0
5
10
15
20
25
30
1970
1975
1980
1985
1990
1995
2000
2005
[m
3
/ha]
Klingenthal (Fichte)
Cunnersdorf (Fichte)
Laußnitz (Kiefer)
Olbernhau (Fichte)
Neukirch/Bautzen (Fichte)
Colditz (Eiche)

image
Die weitgehend synchrone Übereinstimmung
der Weiserjahre ist dabei als Beleg für die
Zuverlässigkeit beider Erhebungen zu werten.
Ferner wird der uneinheitliche Zuwachstrend
in Kiefernbeständen bestätigt. Zum Ende der
Beobachtungsperiode überwiegt jedoch –
wie auch in den 3 untersuchten Buchenbe-
ständen (vgl. Abb. 44b) – die Tendenz zu
gleichbleibenden bzw. ansteigenden Radial-
und Volumenzuwächsen.
Zusammenfassend wird durch die vorgestell-
ten Untersuchungen belegt, dass die europa-
weit verbreitete Zuwachsbeschleunigung
auch für die Wälder Sachsens zutrifft. Neben
den bereits genannten Einflussfaktoren, von
denen der hohe Stickstoffeintrag eine maß-
gebende Rolle spielt, sind speziell für Sach-
sen die in den letzten Jahren deutlich ver-
minderten Immissions- und Säurebelastungen
der Waldökosysteme zu nennen, die insbe-
sondere in den Erzgebirgslagen die Nährstoff-
verfügbarkeit und somit die Ernährungsbe-
dingungen der Bäume erheblich verbessert
haben.
Waldzustand 2003
27
verläuft sehr ausgeglichen, während sie im
Eichenbestand starken Schwankungen
unterliegt. Letztere wurden wahrscheinlich
durch eine vormalig starke Durchforstung
zur Vorbereitung eines Unterbaus und durch
starken Eichenwicklerbefall verursacht.
Das für die Fichtenbestände festgestellte Phä-
nomen einer ausgeprägten Zuwachsdepres-
sion während der 70er und 80er Jahre mit
anschließend sehr starker Wachstumsbe-
schleunigung wird anhand der teils bis in das
Jahr 1900 zurückreichenden Datenreihen auf
den RECOGNITION-Flächen eindrucksvoll
bestätigt (vgl. Abb. 44a), wobei das Zuwachs-
niveau dem der Level-II-Flächen entspricht.
Abb. 44a, b: Mittlere jährliche Radialzuwachstrends in a) Fichtenbeständen (n = 6) und
b) Buchenbeständen (n = 3) des RECOGNITION-Projektes in Sachsen
4
3
2
1
0
1900
1910
1920
1930
1940
1950
1960
1970
1980
1990
2000
[mm]
Kalenderjahr
Taubenbach (n=6)
Muldenberg (n=5)
Sosa (n=7)
Eibenstock (n=7)
Rechenberg (n=6)
Zoeblitz (n=7)
4
3
2
1
0
1900
1910
1920
1930
1940
1950
1960
1970
1980
1990
2000
[mm]
Kalenderjahr
Niederoderwitz (n=7)
Jonsdorf (n=5)
Abb. 45: Zuwachsermittlung am liegenden
Hirschsprung (n=7)
Stamm

28
Klimaveränderung in Sachsen
Grundlagen der Klima-
szenarien und Folgenab-
schätzung
Initiiert vom Landesamt für Umwelt und
Geologie (LfUG) wurde im Zeitraum 2000/
2001 eine erste regionalisierte Studie zu
möglichen Klimaänderungen in Sachsen
durchgeführt. Auf der Basis des zu dieser
Zeit aktuellen globalen Klimamodells
„ECHAM 4“ des Hamburger Klimarechen-
zentrums wurden anhand statistischer
Modelle Simulationen des regionalen
Klimawandels in Sachsen für das Szenario
einer Verdoppelung des CO
2
-Gehaltes wäh-
rend der nächsten 50 Jahre vorgenommen
[2]. Die Ergebnisse sind für die Forstwirt-
schaft besonders bedeutungsvoll, weil erst-
mals für konkrete Regionen Sachsens die
Temperatur- und Niederschlagsentwicklung
sowie deren jahreszeitliche Verteilung er-
rechnet wurden. Erst auf dieser Basis kön-
nen die Auswirkungen einer angenomme-
nen Klimaveränderung auf Waldökosysteme
abgeschätzt werden. In Verbindung mit dem
prognostizierten Temperaturanstieg erge-
ben die Szenarien eine Tendenz zu warmen
und trockeneren Frühjahren bzw. Früh-
sommern.
Die klimatische Eignung bestimmter Haupt-
baumarten für die jeweils limitierend wirken-
den Umweltfaktoren Wasserversorgung (im
sächsischen Tiefland) sowie Wärme und
Licht (im Mittelgebirgsraum) wird als Grund-
prinzip dieses ersten Ansatzes der Klima-
folgenabschätzung für die Forstwirtschaft
dargestellt.
Auf der Grundlage eines repräsentativen Ver-
suchsflächensystems zum Waldumbau in
allen wichtigen Standorts- und Klimaregio-
nen Sachsens werden kontinuierlich Was-
serhaushaltsänderungen und z. B. die daraus
erkennbaren Trockenstressverhältnisse für
bestimmte Baumarten und Waldstrukturen
ermittelt [6, 11, 5].
Klimafolgen für den
Wald im sächsischen
Tiefland/Hügelland
Da die Waldgesellschaften im sächsischen
Tiefland/Hügelland ein hohes Adaptations-
potenzial gegenüber Erwärmung aufweisen,
wurde angenommen, dass im Wesentlichen
nur die Wasserversorgung in Wechselwir-
kung mit einigen edaphischen Faktoren (Sub-
strattyp, Grundwassernähe) über die Existenz
der ansonsten angepassten Waldgesell-
schaften entscheidet. Über eine Rangfolge
der Trockentoleranz der gegenwärtigen
Hauptbaumarten wurden Schwellwertberei-
che der jährlichen und vegetationszeitbezo-
genen Niederschlagsmengen ermittelt, wel-
che für die dauerhaft stabile Existenz dieser
Hauptbaumarten (Waldgesellschaften) zwin-
gend notwendig erscheinen. Für die derzei-
tigen klimatischen Bedingungen [15] konnten
durch das angewandte Berechnungsverfah-
ren Karten der potenziell natürlichen Wald-
gesellschaften angefertigt und damit der
gewählte Ansatz grundsätzlich bestätigt wer-
den [14].
Auf den Sandstandorten Nordsachsens
sind Kiefern-Eichen-Mischwälder zu finden.
Kiefernwälder kommen ausschließlich auf
extrem armen Standorten vor. Die Niederun-
gen der Flusssysteme bzw. die grundwas-
sernahen Standorte sind mit den hier typi-
schen Waldgesellschaften gut zu erkennen.
Auf den gegenwärtig fast ausschließlich
landwirtschaftlich genutzten Löss-Stand-
orten würden Mischwälder vorherrschen, in
denen Laubbäume (Trauben-Eichen) domi-
nierten. Die Standortregion „Hügelland“
wäre mit Eichen- und Eichen-Buchen-
Mischwäldern bestockt (vgl. Abb. 46a).
Szenario 1:
Verringerung der Jahresniederschläge um
13 % (mit Schwerpunkt im Frühjahr und
Sommer)
Bei einer mittleren jährlichen Niederschlags-
summe von 600 mm entfallen gegenwärtig
ca. 310 mm auf die Vegetationsperiode. Nach
diesem Klimaszenario wäre während der
Vegetationsperiode von einer Reduktion der
Niederschläge auf ca. 230 mm (Minimalvari-
ante) auszugehen.
Für die terrestrischen Standorte zeigt sich
eine deutliche Ausdehnung der Kiefern- und
Kiefern-Eichen-Waldgesellschaften, sodass
diese auf den Sandstandorten dominieren.
Waldgesellschaften, deren Struktur und
Baumartenzusammensetzung höhere An-
sprüche an die Wasserversorgung stellen,
ziehen sich auf bessere Standorte im
Übergangsbereich zum Hügelland zurück.
Buchenreiche Waldgesellschaften kommen
nur noch in den niederschlagsbegünstigsten
Regionen und auf Standorten mit begünstig-
tem Bodenwasserhaushalt vor (vgl. Abb. 46b).
Darüber hinaus entstehen Gebiete, in denen
der Wasserhaushalt auch für die trocken-
toleranten Kiefern-Waldgesellschaften in der
uns jetzt vertrauten Struktur, Vitalität und
Leistung problematisch wird. Die Nieder-
schläge wären dann so gering, dass als
Waldgesellschaft ein hypothetischer „adap-
tierter Trockenwald“ angenommen wurde:
Die Baumschicht könnte aus Baumarten mit
einer besonders hohen Trockentoleranz
gebildet werden. Eine stark aufgelockerte
horizontale Struktur würde zur weiteren Opti-
mierung des Wasserverbrauchs beitragen.
Dabei ist nicht auszuschließen, dass die rela-
tiv gute Trophie der Standorte das Aufkom-
men einer vitalen, überwiegend aus xero-
morphen Arten gebildeten Bodenvegetation
begünstigt, welche wiederum als Transpira-
tions- und Interzeptionsquelle, aber auch als
Verjüngungshindernis größere Bedeutung
erlangen könnte.
Klimaveränderung in Sachsen –
Auswirkungen auf die Forstwirtschaft

image
image
image
Als Baumarten kämen neben der Kiefer
alternativ z. B. Eiche und Winter-Linde aus
besonders trockentoleranten Herkünften
infrage sowie Baumarten, die bis jetzt nicht
als standortsheimisch angesehen werden
(z. B. Robinie, verschiedene Eichenarten). Sie
sollten möglichst aus besonders geeigneten
Ökotypen oder Provenienzen stammen, die
für den Aufbau funktionsfähiger Waldöko-
systeme geeignet sind.
Szenario 2:
Verringerung der Jahresniederschläge um
13 % (mit Schwerpunkt im Frühjahr und
Sommer) bei zusätzlich erhöhtem Transpira-
tionsbedarf (durch ansteigende Temperatu-
ren und ein höheres Strahlungsangebot)
Die zusätzliche Berücksichtigung eines
(geringen) Mehrbedarfs der Transpiration
führt im Vergleich zum Szenario 1 zur erheb-
lichen Ausweitung der extremen Trockenge-
biete („adaptierter Trockenwald“) und der
Standorte, die durch Kiefernwaldgesell-
schaften besiedelt werden.
Diese Ausweitung der extremen Trockenge-
biete mit der entsprechend adaptierten Wald-
gesellschaft („adaptierten Trockenwald“)
würde in Extremszenarien mit hohen (noch
im Bereich der regionalisierten Klimaszena-
rien liegenden) Niederschlagsrückgängen
deutlich zunehmen und im Prinzip alle nicht
grundfrischen Sandstandorte in Nordsach-
sen einnehmen (vgl. Abb. 46c).
Klimaveränderung in Sachsen
29
Abb. 46a–c:
a) Verteilung der potenziell natürlichen
Waldgesellschaften (PNV) im sächsischen
Tiefland/Hügelland unter den derzeitigen
Umweltbedingungen;
b) Verteilung der Waldgesellschaften unter
der Annahme einer Verringerung der
Jahresniederschläge um 13 %;
c) Verteilung der Waldgesellschaften unter
der Annahme einer Verringerung der
Jahresniederschläge um 13 % und gleich-
zeitiger Steigerung des Transpirationsbe-
darfs um 20 mm (Niederschlagsäquivalent)
Eichen-Buchen-Mischwälder
Laubbaum-(Trauben-Eichen-)dominierte
Mischwälder (mit geringem Kiefern-Anteil)
Kiefern-Eichen-Mischwälder
Kiefernwald
”Adaptierter Trockenwald“
Erlen-Eschen-Auen-, Quell- und Niederungswälder
und Erlenbruchwälder und Hartholz-Auenwald
aufgrund Grundfrische
Birken- und Kiefern-Eichenwälder auf
überwiegend nassen Standorten
FoA-Grenzen (Stand 2003)
aktuelle PNV
Szenario 1
Szenario 2

image
30
Klimaveränderung in Sachsen
Konsequenzen
Die Wasserversorgung ist schon heute der
limitierende Umweltfaktor für die Waldöko-
systeme auf Sandstandorten [11, 3, 8]. Diese
Situation wird sich unter den angenommenen
Klimaveränderungen weiter verschärfen und
sich zunehmend auch auf edaphisch bessere
Standorte ohne Grundfrische oder Grund-
wassereinfluss ausdehnen. Im sächsischen
Tiefland wird die Wasserversorgung nicht nur
über das Baumwachstum, sondern auch über
die nachhaltige Existenz bestimmter
Waldge-
sellschaften
entscheiden. Die prognosti-
zierte Abnahme der Niederschläge in Verbin-
dung mit der Temperaturerhöhung, einer län-
geren Sonnenscheindauer (Strahlungsbelas-
tung) und dem daraus folgenden steigenden
Transpirationsbedarf wird Verschiebungen
der Standortgerechtigkeit von Baumarten und
Waldgesellschaften verursachen.
Damit ist eine eingeschränkte Anbaufähig-
keit anspruchsvollerer Baumarten zu erwar-
ten. Die ohnehin standörtlich begrenzten
Möglichkeiten des Waldumbaus im Sinne
eines Baumarten- und Waldstrukturwandels
verringern sich erheblich.
Die Grundwasserneubildungsraten werden
auf sehr geringe Niveaus sinken, treten fast
nur noch im Winter auf oder bleiben unter
bestimmten Bedingungen ganz aus.
Die
forstliche Bewirtschaftung
der Wälder
muss auch unter sich ändernden Umweltbe-
dingungen eine ökologische Stabilisierung
zum Ziel haben. Da trotz aller Simulationen
das genaue Ausmaß klimatischer Verände-
rungen nicht vorhergesagt werden kann, soll-
ten waldbauliche Maßnahmen vorrangig auf
eine
Risikominimierung
und
Risikovertei-
lung
ausgerichtet sein. Baumartenzusam-
mensetzung und Waldstruktur müssen auch
für den Fall, dass die heute angenommenen
Klimaänderungen nicht oder nur zum Teil ein-
treten, eine hohe Stabilität des Wald-
ökosystems gewährleisten.
Aus heutiger Sicht kann dies hauptsächlich
durch eine
Baumarten
verteilung erreicht
werden, die sich stärker an den kleinstand-
örtlichen Bedingungen orientiert. Die Ver-
besserung der Strukturvielfalt, der mikrokli-
matischen Bedingungen und Ressourcen-
verfügbarkeit in den großflächigen Reinbe-
ständen kann im Wesentlichen nur über die
horizontale Differenzierung dieser Bestände
erreicht werden. Vertikale Strukturierungen,
z. B. mit dauerhaft mehreren Baumschichten,
scheiden aus Gründen der begrenzten Was-
serressourcen auf einem Großteil der grund-
wasserfernen sanddominierten Standorte
aus. Anspruchsvollere Baumarten sollten hier
nur auf Kleinstandorten mit einer optimalen
Wasserversorgung für die jeweilige Baumart
angebaut werden. Grenzbereiche sind wegen
möglicher Verschiebungen der Standort-
bedingungen von vornherein zu meiden.
Dadurch kann unter den gegebenen stand-
örtlichen und klimatischen Bedingungen ein
Optimum der Widerstandsfähigkeit gegen-
über klimatischen Extremen, anthropogenen
Stoffeinträgen und biotischen Schaderregern
erreicht werden. Gleichzeitig erfolgt eine
Einschränkung von Investitionsrisiken.
Die
Bestandespflege
muss im Sinne eines
(Wasser-)Ressourcenmanagements eine
mäßige ganzflächige Konkurrenzauflockerung
(Dichteregulierung) herbeiführen. Dabei ist
eine Konkurrenzentkopplung zwischen Ober-
bestand, aufkommenden Naturverjüngungs-
vorräten und Bodenvegetation weitgehend zu
vermeiden. Das heißt beispielsweise, die über-
mäßige Entwicklung von Konkurrenzpoten-
zialen, etwa der Bodenvegetation, sollte durch
die Steuerung der Waldstruktur vermieden
werden. Auch Maßnahmen der Waldpflege
sollten die Förderung standortgerechter
Mischbaumarten unter Beachtung des klein-
standörtlichen Mosaiks verstärkt berücksich-
tigen. Die Notwendigkeit von Unterbaumaß-
nahmen geringer Intensität zur Verhinderung
der flächig als (Wasser-)Konkurrenzpotenzial
und verdämmend wirkender Bodenvegetation
muss nach der örtlichen Tendenz zur Boden-
verwilderung und vorhandenen Verjüngungs-
vorräten eingeschätzt werden.
Die Auswahl und Prüfung der Anbaueignung
von
Ökotypen
einheimischer Baumarten,
deren ökologische Valenz auch künftigen
Umweltbedingungen entspräche, ist ein ent-
scheidender Beitrag zum Aufbau stabiler
Waldökosysteme. Ähnlich sind Anbauversu-
che von ausgewählten fremdländischen
Baumarten zu bewerten , die sich durch eine
hohe Trockenheitstoleranz, hinreichende
Resistenz gegenüber Frostereignissen sowie
eine möglichst hohe Produktionsleistung und
Holzeigenschaften, die zu einer nachhaltigen
Rohstoffproduktion beitragen, auszeichnen.
Um den notwendigen Forschungsvorlauf zu
gewährleisten, sollten entsprechende Unter-
suchungen in nächster Zukunft eingeleitet
werden.
Klimafolgen für den
Wald im sächsischen
Mittelgebirge
Für die sächsischen Mittelgebirge wird eben-
falls ein Rückgang der Niederschläge haupt-
sächlich in der Vegetationsperiode prognos-
tiziert. Aufgrund des hohen Ausgangsniveaus
der Niederschläge wird hier jedoch ange-
nommen, dass die Wasserversorgung grund-
sätzlich nicht zum limitierenden Umweltfak-
tor für die Existenz und Entwicklung der
Waldökosysteme wird. Unter heutigen klima-
tischen Bedingungen schränken jedoch die
Umweltfaktoren Wärme und Licht die Anbau-
fähigkeit (im Sinne von Standortgerechtigkeit)
wichtiger Waldumbaubaumarten ein. Daher
wurden die vorherrschenden Jahresmittel-
temperaturen (Ausdruck des Wärmeange-
botes) als das entscheidende Kriterium für
die vertikale Zonierung der potenziell natür-
lichen Waldgesellschaften herangezogen. Es
wurden wiederum Schwellwertbereiche der
durchschnittlichen Lufttemperatur für die
regional-klimatische Eignung der Haupt-
baumarten festgelegt und eine Adaptations-
Abb. 47: Kiefernwaldgesellschaft

image
image
image
fähigkeit der Hauptbaumarten/Waldgesell-
schaften integriert. Die Verteilung der poten-
ziell natürlichen Waldgesellschaften erfolg-
te auf der Grundlage aktueller klimatischer
Kenngrößen der einzelnen Wuchsbezirke [15]
und der Zuordnung von klimatischen „Exis-
tenzbereichen“ für die jeweilige Waldgesell-
schaft. Sie führte zur gegenwärtigen
Verteilung der potenziell natürlichen Wald-
gesellschaften in den sächsischen Mit-
telgebirgen [13] und bestätigt grundsätzlich
den gewählten methodischen Ansatz.
Die Fichtenwälder dominieren klar in den
Kammlagen des Erzgebirges. In den Hoch-
lagen findet ein Übergang zu den Fichten-
Buchen-Mischwäldern statt. Der eigentliche
Bergmischwald-Komplex unter Beteiligung
von Fichte, Weiß-Tanne, Rot-Buche und
Berg-Ahorn prägt die Vegetation der Mittle-
ren Berglagen. In den Unteren Berglagen
sind Eichen-Buchenwaldgesellschaften vor-
herrschend. Auf flachgründigen und expo-
nierten Standorten mit angespanntem Was-
serhaushalt beteiligt sich die Höhenkiefer
(vgl. Abb. 48a).
Szenario 1:
Erhöhung der Jahresmitteltemperaturen um
1,5 K
Selbst unter Berücksichtigung der Anpas-
sungsfähigkeit der Baumarten im Bereich
von +0,5 K führt die relativ geringe Tempera-
turerhöhung um 1,5 K zu gravierenden Ver-
änderungen in der Verteilung der potenziell
natürlichen Waldgesellschaften im sächsi-
schen Mittelgebirgsraum.
Waldgesellschaften, in deren Baumschicht die
Fichte als alleinige Hauptbaumart dominiert,
sind quasi nicht mehr existenzfähig. Die Berg-
mischwälder dringen bis in die Kammlagen
Klimaveränderung in Sachsen
31
Abb. 48a–c: a) Verteilung der potenziell natür-
lichen Waldgesellschaften (PNV) im säch-
sischen Mittelgebirgsraum unter den bisher
herrschenden Umweltbedingungen; b) Ver-
teilung der potenziell natürlichen Waldgesell-
schaften im sächsischen Mittelgebirgsraum
nach Erhöhung der Jahresmitteltemperatu-
ren um 1,5 K (gegenüber langjährigem Mittel);
c) Verteilung der potenziell natürlichen Wald-
gesellschaften im sächsischen Mittelgebirgs-
raum nach Erhöhung der Jahresmitteltempe-
raturen um 2,0 K
Wollreitgras-Fichtenwald
Wollreitgras-Fichten-Buchenwald
Hainsimsen-(Tannen-Fichten-)Buchenwald
Hainsimsen-(Tannen-Fichten-)Buchenwald
mit Höhenkiefer
Submontaner Hainsimsen-Eichen-Buchenwald
Hochkolliner Hainsimsen-Eichen-Buchenwald
Hainsimsen-Eichen-Kiefern-(Buchen-)Wald
Wärmeliebende Eichenmischwälder
Erlen-Eschen-Auen-,Quell- und Niederungs-
wälder und Erlenbruchwälder
Waldmeister-Buchenwald
Hainsimsen-Eichen-Buchenwald mit Höhen-
kiefer und Waldmeister-Buchenwald-Komplex
Wärmeliebende Eichenmischwälder mit Kiefer
FoA-Grenzen (Stand 2003)
aktuelle PNV
Szenario 1
Szenario 2

image
vor. Die Fichte als Mischbaumart dieser Wald-
gesellschaften ist nur noch in den Hoch- und
Kammlagen der Mittelgebirge flächendeckend
vorhanden. Ihre Konkurrenzkraft ist deut-
lich reduziert. Submontane Eichen-Buchen-
Mischwaldgesellschaften prägen das Bild der
Mittleren Berglagen. Die Unteren Berglagen
werden von hochkollinen Eichen-Buchen-
waldgesellschaften bestimmt, die eigentlich
für das Hügelland charakteristisch sind. Auf
wärmebegünstigten Standorten würden diese
Waldgesellschaften bis in die Mittleren Berg-
lagen aufsteigen (vgl. Abb. 48b).
Szenario 2:
Erhöhung der Jahresmitteltemperaturen um
2,0 K
Nach diesem Temperaturanstieg werden in
den Hoch- und Kammlagen der Mittelgebirge
überwiegend die wärmeadaptierteren Vari-
anten des Bergmischwaldes unter Beteili-
gung der Höhenkiefer vorkommen. Hoch-
kolline Eichen-Buchenwaldgesellschaften
prägen die Vegetation der Mittleren Bergla-
gen. Wärmebegünstigte Standorte mit tem-
porär angespanntem Bodenwasserhaushalt
können bereits von Kiefern-Eichen- oder
wärmeliebenden Eichenmischwäldern besie-
delt werden. Ansonsten herrschen diese
Waldgesellschaften auf entsprechenden
Standorten der Unteren Berglagen vor.
Auch wenn ein Anstieg der Jahresmitteltem-
peratur um 2 K noch kein Extrem der ange-
nommenen Erwärmungen darstellt, wären
die heute typischen fichtendominierten Wald-
gesellschaften nahezu vollständig ver-
schwunden. Größere Fichtenanteile werden
vermutlich an Standorte gebunden sein,
deren Bodenwasserhaushalt und/oder Expo-
sitionen auch unter einem veränderten Tem-
peraturniveau eine ausreichende Wasser-
versorgung ermöglicht (vgl. Abb. 48c).
Konsequenzen
Waldgesellschaften
, in deren Baumschicht
die Fichte vorherrscht, werden nach einer
Erhöhung der Jahresmitteltemperatur an
Bedeutung verlieren, während Eichen-, ins-
besondere aber Buchenwaldgesellschaften,
wesentlich adaptierter und damit ökologisch
stabiler erscheinen. Insgesamt wird die Was-
serversorgung für den Wald in den Mittelge-
birgen auch zukünftig ausreichend sein.
In Verbindung mit höheren Temperaturen und
steigendem Transpirationsbedarf wird jedoch
die Anbaufähigkeit von feuchteadaptierten
Baumarten oder von Baumarten, die eine hohe
Anpassung an ein feucht-kühles Standortklima
aufweisen, eingeschränkt. Hauptsächlich auf
flachgründigen Standorten mit einer geringen
Wasserspeicherkapazität und auf besonders
exponierten Standorten könnte es verstärkt zu
periodischen Trockenstresserscheinungen
kommen. Zudem muss von einer Verringerung
der Abflussraten aus Waldökosystemen aus-
gegangen werden, was besonders in waldbe-
stockten Einzugsgebieten von Talsperren von
Bedeutung sein dürfte.
Ziel der
forstlichen Bewirtschaftung
muss
ein intensiver Baumartenwechsel auf großen
Standortbereichen über den Waldumbau
sein, da die heutigen Bestandesverhältnisse
noch überwiegend durch großflächige,
gleichaltrige Fichtenreinbestände geprägt
sind. Dies kann nur langfristig erreicht wer-
den, denn die Möglichkeiten der Extensivie-
rung sind hierbei begrenzt.
Da das reale Ausmaß der Klimaänderungen
auch für den Mittelgebirgsraum nicht mit
Sicherheit bekannt ist, müssen waldbauliche
Strategien auch hier auf eine Risikomini-
mierung gerichtet sein. Diese ist mit klein-
flächig horizontal differenzierten Waldstruk-
turen gegeben, die in enger Anlehnung an
den Kleinstandort ein möglichst weites Spek-
trum standortgerechter Baumarten mit einer
insgesamt sehr breiten ökologischen Ampli-
tude – insbesondere aber mit einer größeren
Wärme- und Trockentoleranz – in den Wald-
umbau einbezieht. Unter sächsischen Mittel-
gebirgsbedingungen dürften modifizierte
Femel-Bewirtschaftungsverfahren mit den
angestrebten Mindestflächengrößen und
Mindestauflichtungen [11] am effektivsten
diesem Ziel dienen.
Die Elastizität von Waldökosystemen (gegen-
über Stoffeinträgen, Schaderregern) ist soweit
auszubauen, dass ihre Fähigkeit zur struktu-
rellen Erneuerung auch unter veränderten
Umweltbedingungen erhalten bleibt.
Dazu sind verstärkte Bemühungen zur Erwei-
terung des Baumartenspektrums erforderlich.
Das betrifft vorrangig die Einbringung wärme-
und trockentoleranterer Ökotypen autochtho-
ner, aber auch von gegenwärtig nicht stand-
ortheimischen Baumarten mit entsprechen-
den ökophysiologischen Eigenschaften. Dabei
sind die Belange des Arten- und Biotopschut-
zes zu beachten.
Da das Ausmaß der eintretenden Umwelt-
veränderungen nicht klar ist, kann auch bei
der Baumartenwahl wiederum nur nach dem
Prinzip der Risikominimierung vorgegangen
werden. Einerseits sollte eine „Risikostreu-
ung“ durch die Beteiligung einer möglichst
breiten Palette geeigneter Baumarten in
einer kleinstandörtlich angepassten Vertei-
32
Klimaveränderung in Sachsen
Abb. 49: Buchenwaldgesellschaft

Klimaveränderung in Sachsen
33
lung erfolgen. Andererseits sind möglichst
„sicherere“ Baumartenalternativen hinsicht-
lich der Toleranz gegenüber den zu erwar-
tenden klimatischen Änderungen unter
Beachtung der angestrebten hohen Stabilität
und Produktivität des Waldökosystems zu
wählen. Baumartenanteile und Flächenver-
teilungen können letztendlich nur an konkre-
ten standörtlichen Bedingungen und Bestan-
deszuständen entschieden werden.
Dem Erhalt der Fichte in standortgerechter
Mischung mit anderen Baumarten sollte auf
geeigneten Standorten eine angemessene
Bedeutung zukommen.
Inwiefern andere, wirtschaftlich interessante
Nadelbaumarten mit hoher Produktivität,
aber einer deutlich höheren Temperatur- und
Trockentoleranz in den Waldumbau einbezo-
gen werden sollten, ist durch entsprechende
Untersuchungen zu klären.
Pflegemaßnahmen müssen zu einer ganz-
flächigen Konkurrenzauflockerung in der
Baumschicht bei Erhalt der Steuerungsmög-
lichkeiten gegenüber der Bodenvegetation und
zur Anreicherung von Verjüngungsvorräten
standortgerechter Mischbaumarten führen.
Flankierende Maßnahmen
Der notwendige intensive Waldumbau auf
größeren Flächen und über längere Zeit-
räume ist kostenintensiv und erfordert eine
erhebliche staatliche Förderung. Im Verhält-
nis zum zeitlichen Rahmen (50 Jahre) der
Klimaszenarien sind die waldbaulichen Ratio-
nalisierungsmöglichkeiten relativ gering.
Diese Situation ist vor allem durch das
geringe Samenangebot standortgerechter
Baumarten und deren Verteilung auf der
Waldfläche bedingt.
Das bedeutendste Rationalisierungspotenzial
liegt in der strikten Umsetzung der Verwal-
tungsvorschrift Jagd in den Verwaltungs-
jagdbezirken. Dabei ist es Ziel, die Waldver-
jüngung ohne Zaunschutz zu erreichen.
Hiervon werden nicht nur die Höhe der Inves-
titionen, sondern auch deren Erfolgschancen,
also letztendlich die praktische Realisierbar-
keit des Waldumbauprogramms entschei-
dend beeinflusst.
Die Einführung fremdländischer Baumarten,
für die bisher kaum repräsentative Erfahrun-
gen vorliegen, erfordert einen umfassenden
Forschungsvorlauf. Soll auf den heute bewal-
deten Flächen der Wald nicht nur als Vege-
tationsform erhalten werden, sondern auch
der nachhaltigen Rohstoffproduktion dienen,
ist es unausweichlich, diesen Fragen ent-
sprechende Aufmerksamkeit zu widmen.
Weiterhin ist es zwingend notwendig darauf zu
verweisen, dass den forstlichen Möglichkeiten
Grenzen gesetzt sind, die mit fortschreitenden,
anthropogen verursachten Umweltverände-
rungen weiter eingeengt werden. Die bisheri-
gen, in sehr kurzer Zeit erreichten Erfolge soll-
ten dazu ermutigen, die Schadstoffbelastung
weiter zu reduzieren. Grenzbelastungen von
Waldökosystemen, die das Critical-load-Kon-
zept vorgibt, wurden bisher nur in Ausnahme-
fällen erreicht [12]. In diesem Zusammenhang
müssen auch lokal differenzierte flankierende
Maßnahmen zur Bodensanierung (Kompensa-
tions- und meliorative Kalkungen) langfristig
fortgesetzt werden [12] .
Zusammenfassung/Ausblick
Im Jahr 2000 entstanden auf Initiative des
LfUG erstmals regionale Klimaszenarien für
Sachsen. Für die Abschätzung der Auswir-
kungen verschiedener Klimaszenarien auf
die Waldentwicklung wurde im Jahr 2001
in einem ersten Ansatz die klimatische Eig-
nung bestimmter Hauptbaumarten bezüglich
der jeweils limitierend wirkenden Umwelt-
faktoren Wasserversorgung (im sächsi-
schen Tiefland) sowie Wärme (im Mittelge-
birgsraum) herangezogen. Auf der Basis der
ermittelten Trockentoleranzreihen und
Wärmeadaptationen der Hauptbaumarten
(der Wasserversorgung bzw. der mittleren
Jahrestemperaturen ) erfolgte eine „modell-
hafte“ Anpassung an die „veränderten“
klimatischen Bedingungen der einzelnen
Wuchsbezirke.
Die Klimaänderungsszenarien sind danach
so weitreichend, dass es zu erheblichen
Verschiebungen der potenziell natürlichen
Baumartenverteilung kommt.
In der Tieflandsregion Sachsens wird der
Wasserhaushalt weit über das aktuelle Maß
hinaus zum limitierenden Umweltfaktor für
die Baumartenzusammensetzung und Struk-
tur der Wälder.
Der Waldumbau, verbunden mit einem
Hauptbaumartenwechsel hin zu anspruchs-
volleren Baumarten wird im trockeneren
Spektrum der Sandstandorte des Tieflandes
fragwürdig.
Bewirtschaftungseingriffe müssen streng
ressourcenorientiert durchgeführt werden.
In den trockensten Regionen wird eine Wald-
strukturanpassung und der Anbau besonders
trockentoleranter Baumarten bzw. Herkünfte
erforderlich, um die Vegetationsform Wald zu
erhalten.
In den Mittelgebirgen wird die Wasserver-
sorgung nicht generell zum limitierenden
Umweltfaktor, wenngleich auch hier häu-
figer mit temporären Austrocknungser-
scheinungen gerechnet werden muss.
Vielmehr werden ehemals planare und koll-
line Waldgesellschaften aufgrund der Tem-
peraturerhöhung bis in die Höheren Berg-
lagen hinein standortgerecht und
konkurrenzfähig sein.
Anpassungsstrategien der Forstwirtschaft,
die im Wesentlichen als Risikominimierung
und -verteilung zusammengefasst werden
können, sollten heute so ausgerichtet sein,
dass sie auch dann noch zu stabilen Wirt-
schaftwäldern führen, wenn die angenom-
menen Klimaverschiebungen nicht oder nicht
in vollem Umfang stattfinden sollten.
Die Berücksichtigung der dargestellten Klima-
szenarien bedeutet keine prinzipielle Ab-
kehr vom aktuellen Waldumbauprogramm in
Sachsen, sondern zielt auf eine Optimierung.
Es erscheint jetzt zweckmäßig, den For-
schungsvorlauf für potenzielle Fragen der
Praxis zu schaffen.
Bis zum Jahr 2004 sollen neue, auf dem glo-
balen Klimamodell „ECHAM 5“ basierende
regionalisierte Klimaszenarien des LfUG für
Sachsen verfügbar sein. Diese ermöglichen
eine wesentlich bessere Regionalisierung,
jahreszeitliche Differenziertheit und Ein-
beziehung von Extremereignissen. Unter
Verwendung der in Zukunft sachsenweit zur
Verfügung stehenden digitalen Standortin-
formationen sowie unter Einbeziehung wei-
terer Erkenntnisse zum Wasserhaushalt in
Waldökosystemen und der Temperaturadap-
tation wichtiger Hauptbaumarten können
damit präzisierte Analysen zu den Folgen der
Klimaänderungen auf den Wald und die
Forstwirtschaft abgeleitet werden.

image
image
Die Einrichtung eines europaweiten Wald-
zustandsmonitorings geht zurück auf die
Ratifizierung des Übereinkommens über weit-
räumige Luftverunreinigungen (Genfer Luft-
reinhaltekonvention der UN/ECE von 1979).
Damit wurden erstmals die vielfältigen Aus-
wirkungen von Luftverunreinigungen offiziell
anerkannt und gleichzeitig ein Exekutivorgan
geschaffen, welches 1984 das Internationale
Kooperationsprogramm zur Erfassung und
Überwachung der Auswirkungen von Luft-
verunreinigungen auf Wälder (ICP Forests)
ins Leben rief. Im Jahre 1986 stimmten die
Europäische Kommission und die Mitglieds-
staaten der Europäischen Union (EU) über-
ein, ein europäisches Waldzustandsmonito-
ring einzuführen. Es gliedert sich derzeit in
2 Ebenen:
Einen Überblick über das vom Landesforst-
präsidium (LFP) betreute Messnetz sowie
die Aufnahmen vor Ort geben die Abb. 50
und 51 sowie Tab. 1 und 2. Von den 8 Flächen
zur Untersuchung der Umweltbelastung in
den sächsischen Wäldern sind 6 Messflä-
chen in das europäische Level-II-Programm
integriert.
34
Anhang
Level I
Zeitnahe und flächenrepräsentative
Informationen über den Zustand des
Waldes und dessen Entwicklung
Systematisches Stichprobenraster
im Abstand von 4 x 4 km (entspricht
ca. 284 Probeflächen in Sachsen)
• Kronenzustand (WZE)
• Bodenzustand (BZE)
• Baumernährung
Level II
Intensive Untersuchungen der
Ursache-Wirkungsbeziehung
zwischen Waldökosystemen und
den sie beeinflussenden Faktoren
Forstliche Dauerbeobachtungs-
flächen (DBF) in repräsentativen
Waldbeständen (8 DBF in Sachsen)
• Meteorologie
• Stoffeinträge
• Bodensicker-/Quellwasser
• Streufall
• Kronenzustand
• Baumwachstum
• Baumernährung
• Bodenvegetation
Grundlagen
Ziele
Untersuchungsprogramm
Abb. 50: Lage der Stichprobenpunkte im 4x4-km-Raster (Level I) und der Forstlichen
Dauerbeobachtungsflächen (DBF=Level II) in Sachsen
Anhang
Forstliches Monitoring
Bodenprofil der BZE
Satelitten der Probenahme
(Humusauflage und Mineralboden)
Dauerbeobachtungsfläche der BZE
Sollmesspunkt der WZE
6-Baum-Stichprobe
der Waldzustands-
erhebung (WZE)
25m
10m
Stichprobenpunkt im 4x4-km Raster (Level I)
Forstliche Dauerbeobachtungsfläche (Level II)
Waldfläche
Abb. 51: Schematische Übersicht zur Durch-
führung der Wald- und Bodenzustandser-
hebung

image
image
image
image
Anhang
35
Wirkungen von Luftschadstoffen
Schwefeldioxid (SO
2
), Schwefel, Schwefelsäure
Eine zunehmende Freisetzung (Emission) von
Schadstoffen durch die rasch anwachsende
Industrialisierung führte ab etwa Mitte des
19. Jahrhunderts großflächig zu einer neuen
Art und Qualität der Stoffbelastung von Wald-
ökosystemen. Vorwiegend Schwefelverbin-
dungen aus Kohlekraftwerken bestimmten
bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhun-
derts das Emissionsgeschehen und führten
regional – beispielsweise im Erzgebirge –
zum Absterben ganzer Waldkomplexe. In den
letzten Jahrzehnten gewann zudem die
Emission von Stickstoffverbindungen aus
Verkehr und Landwirtschaft an Bedeutung
und stellt vielerorts bereits den Hauptbelas-
tungsfaktor für die Ökosysteme dar. Schwe-
fel- und Stickstoffverbindungen fungieren in
der Luft als Säurebildner und sind infolge des
Ferntransports und der Bildung des so
genannten „Sauren Regens“ auch in entle-
genen Waldgebieten von herausragender
Bedeutung. Es ist unumstritten, dass infolge
dieser Stoffbelastungen – neben den direk-
ten Schäden an den oberirdischen Pflanzen-
organen – vor allem eine beschleunigte Ver-
änderung der chemischen, der biologischen
und auch der physikalischen Bodeneigen-
schaften stattgefunden hat. Dies wiederum
führte zu teilweise nachhaltigen Störungen
im Ökosystem mit dem Verlust wesentlicher
Standorteigenschaften und vielfach zu einer
allmählichen Verlagerung der Schadstoffbe-
lastung bis in das Quell- und Grundwasser.
Schwefelfreisetzungen erfolgen hauptsächlich durch die Verbrennung fossiler Energieträger (z. B. Braun-
kohle), wobei Schwefeldioxid (SO
2
) entsteht.
Charakteristisch wirkt SO
2
als Stoffwechselgift auf die Assimilationsorgane. Dabei werden Fotosyntheseleis-
tung und physiologische Prozesse – z. B. der Spaltöffnungsmechanismus der Nadeln und Blätter – beeinträch-
tigt, der Wasser- und Nährstoffhaushalt der Pflanzen gestört sowie die Frosthärte von Pflanzenteilen gemindert.
Im Boden kann das Feinwurzelwachstum eingeschränkt sein, wobei die Versorgung der Pflanzen mit Magne-
sium von entscheidender Bedeutung ist.
Stick(stoff)oxide, Nitrat, Ammonium
Stickstoff liegt in verschiedenen chemischen Verbindungen vor, die unterschiedlichen Entstehungsprozessen ent-
springen und unterschiedliche Wirkungen zeigen. Stickoxide (NO
x
= Stickstoffmonoxid [NO] und Stickstoffdioxid
[NO
2
]) entstehen vornehmlich bei den hoch temperierten Verbrennungsprozessen der Kraftfahrzeuge und sind letzt-
lich Ausgangskomponente für Nitrat (NO
3
) und als NO
2
für die Bildung von Ozon. Nitrat ist wie Ammonium (NH
4
) zu
etwa der Hälfte am Stickstoffeintrag der Wälder beteiligt, wobei NH
4
aus Ammoniak-(NH
3
-)Emissionen gebildet wird,
die zu ca. 80 % dem Einsatz von stickstoffhaltigen Düngemitteln und der Tierhaltung entstammen.
Nitrat (NO
3
) ist zwar ein wichtiger Pflanzennährstoff, der jedoch im Übermaß zu ungünstigen Elementrelationen bei der
Nährstoffaufnahme und zu entsprechenden Auswirkungen bei der Pflanzenernährung führt. Durch ein Überangebot
von NO
3
können Versauerungsschübe im Boden induziert werden. Dabei verlassen Nitrat-Ionen in größeren Mengen
das Ökosystem mit dem Sickerwasser und nehmen dabei aus Gründen des Ladungsausgleichs eine äquivalente
Menge an Nährstoffen (z. B. Mg und Ca) mit sich, die dem Boden somit unwiederbringlich verloren gehen.
Auch NH
4
wirkt grundsätzlich wachstumsfördernd und kann wie NO
3
über die Blattorgane aufgenommen
werden („Blattdüngung“). Dabei kommt es jedoch zur Auswaschung anderer Nährelemente. Die dadurch induzierten Nährstoffun-
gleichgewichte erhöhen die Anfälligkeit der Bäume gegenüber anderen Stressfaktoren. Zudem kann die Aufnahme von NH
4
durch die
Wurzeln erhebliche bodeninterne Säurebelastungen hervorrufen, indem eine äquivalente Protonenabgabe an den Boden erfolgt.

image
image
36
Anhang
Ozon (O
3
)
Ozon ist ein giftiges Gas, dass in bodennahen Luftschichten unter Einfluss von UV-Strahlung aus Stickoxiden
und Sauerstoff gebildet wird, wobei flüchtige organische Kohlenwasserstoffe (VOC) den Prozess beschleuni-
gen. Die Ausgangsstoffe entstammen vorwiegend der Industrie sowie dem Kraftfahrzeug- und Luftverkehr. Hohe
Konzentrationen treten oft in Mittelgebirgsregionen auf, da dort die Strahlungsenergie häufig sehr hoch ist und
Ozon-Abbauprozesse träger als in Ballungsräumen ablaufen.
Ozon dringt durch die Spaltöffnungen in das Pflanzengewebe ein und bewirkt dort eine Störung der Zellstruktur
und einen geänderten Stoffwechselstatus, der wiederum durch Blattnekrosen und -verfärbungen sowie Wuchs-
hemmungen zum Ausdruck kommt. Deutliche Symptome zeigen sich erst in Kombination mit weiteren Stress-
faktoren, wie beispielsweise Witterungsextreme oder Pilzinfektionen. Eichen und Buchen sind deutlich anfälli-
ger gegen Ozon als Fichten und Kiefern. Hier wurde dagegen ein so genannter „Memory-Effekt“ festgestellt,
wonach sichtbare Symptome und der Einbruch der Fotosyntheseleistung der Bäume erst mit einjähriger Verzö-
gerung auftreten. Ozon führt als wesentlicher Bestandteil des Sommersmogs beim Menschen zu Reizungen der Augen, der Schleimhäute
und der Atemwege und kann die körperliche Leistungsfähigkeit einschränken.
Zumindest in den Sommer- bis Herbstmonaten muss in den höheren Lagen des Erzgebirges von einer wiederholten Gefährdung der
Waldökosysteme durch Ozon ausgegangen werden. Beispielsweise traten während des letzten Sommerwochenendes (19. bis 22.09.2003)
an den Messstationen des Landesamtes für Umwelt und Geologie (LfUG) am Schwartenberg bei Seiffen und auf dem Fichtelberg Tages-
mittelwerte der Ozon-Konzentration von etwa 150 bis 180 μg O
3
/m
3
auf. Damit wurde der Schwellenwert von 65 μg O
3
/m
3
zum Schutz der
Vegetation nach der Bundesimmissionsschutzverordnung (22. BImSchV) um ein Vielfaches überschritten.

Tabellarische Übersichten
Anhang
37
Name DBF/
Wuchsgebiet
Geologie
Höhe
Bestand/
Betrieb
Forstamt
[m]
Alter 2003
seit
Klingenthal
Erzgebirge
Eibenstocker
840
Fichte/
07/1993
Granit
84 Jahre
Olbernhau
Erzgebirge
Grauer Gneis
720
Fichte/
10/1994
112 Jahre
Cunnersdorf
Elbsandsteingebirge
Quadersandstein
440
Fichte/
07/1993
mit Lösslehm
99 Jahre
Neukirch
Oberlausitzer
Lausitzer Granodiorit
440
Fichte/
07/1995
(ehem.
Bautzen
)
Bergland
88 Jahre
Laußnitz
Düben-Niederlausitzer
diluvialer Decksand
170
Kiefer/
10/1994
Altmoränenland
95 Jahre
Colditz
Sächsisch-Thüringisches
Lösslehm
185
Eiche/
07/1995
Löss-Hügelland
50 Jahre
Bad Schandau
Elbsandsteingebirge
Basalt und Quader-
260
Buche/
09/1998
sandstein mit Lösslehm
49 Jahre
Altenberg
Erzgebirge Rhyolith 750 Fichte/ 05/2000
97 Jahre
Tab. 1: Kurzbeschreibung zu den Forstlichen Dauerbeobachtungsflächen (DBF)
Kronen-
Anteil vergilbter Nadeln/Blätter [%]
verlichtung [%]
0–10
11–25
26–60
61–100
0–10
0
0
1
2
11–25
1
1
2
2
26–60
2
2
3
3
61–99
3
3
3
3
100
4
-
-
-
Tab. 2: Herleitung der kombinierten Schadstufe aus Kronenverlichtung (KV) und Vergilbung
0 = ohne Schadmerkmale
1 = schwach geschädigt
2 = mittelstark geschädigt
3 = stark geschädigt
4 = abgestorben
}
deutlich
geschädigt
Baumart/ Aktuelle Stich-
Altersklasse
Baumartengruppe
Verteilung*
probe
bis 20
21–40
41–60
61–80
81–100
>100
Fichte
42,6
43
8
14
22
18
21
17
Kiefer
30,1
31
11
20
28
16
11
14
Sonstige Nadelbäume
5,6
5
54
23
12
4
3
4
Buche
3,1
3
0
13
25
16
8
38
Eiche
5,1
5
5
9
16
8
16
46
Sonstige Laubbäume
13,5
13
16
14
37
16
9
8
Alle Baumarten
100,0
100
12
16
25
16
15
16
Tab. 3: Baumarten- und Altersklassenverteilung der Stichprobenbäume im 4x4-km-Raster
(entspricht 284 Stichprobenpunkten bzw. 6 816 Bäumen; Angaben in %)

38
Anhang
Schadstufe
Baumart /
Fläche
0
1
2
3 und 4
2-4
Baumartengruppe
[ha]
ohne
schwach
mittelstark
stark
deutlich
Schadmerkmale
geschädigt
geschädigt
geschädigt/
geschädigt
abgestorben
Fichte
204 039
38
48
13
1
14
bis 60 Jahre
89 780
57
39
4
0
4
über 60 Jahre
114 259
23
55
20
2
22
Kiefer
148 185
36
54
9
1
10
bis 60 Jahre
87 780
46
47
5
2
7
über 60 Jahre
60 405
23
63
13
1
14
Sonstige Nadelbäume
21 997
57
34
6
3
9
Nadelbäume
374 221
39
49
11
1
12
Buche*
1
12 067
28
39
33
0
33
Eiche
22 135
17
41
40
2
42
Sonstige Laubbäume
61 577
37
42
19
2
21
Laubbäume
95 779
31
42
26
1
27
Alle Baumarten
470 000*
2
37
48
14
1
15
bis 60 Jahre
249 274
49
42
8
1
9
über 60 Jahre
220 726
23
55
21
1
22
Tab. 4: Schadstufenverteilung nach Baumarten/Baumartengruppen (Angaben in %)
*
1
keine gesicherte Aussage, *
2
Fläche ohne Nichtholzboden
Baumart/
Anteil vergilbter
Insektenbefall/
Blüte bzw. Fruktifikation
Baumartengruppe
Nadeln/Blätter
Pilzbefall
alle Alter/über 60 Jahre
11–25 %
26–60 %
> 60 %
gering
mittel
stark
gering
mittel
stark
Fichte
1
1
0
1/0
0/0
0/0
34/46
7/11
1/1
Kiefer
1
0
0
2/2
0/0
1/0
59/72
9/14
1/3
Sonstige Nadelbäume
5
3
0
2/0
0/0
0/0
14/43
3/14
0/0
Buche
1
0
0
7/0
0/0
0/0
33/37
22/24
14/15
Eiche
1
0
1
22/2
7/1
0/0
43/54
9/11
6/7
Sonstige Laubbäume
2
0
0
14/1
3/0
1/0
27/26
13/14
7/9
Alle Baumarten
2
1
0
4/1
1/0
0/0
40/52
9/12
2/3
Tab. 5: Häufigkeit (%) des Auftretens von Nadel-/Blattvergilbungen nach Intensitätsstufen, Insekten- und Pilzbefall nach
Intensitätsstufen und Blüte/Fruktifikation nach Intensitätsstufen

Anhang
39
Wuchsgebiet
Ges. -60 >60 Fichte Kiefer Sonstige Buche Eiche Sonst.
Nadelbäume
Laubbäume
14* Mittleres nordostdeutsches Altmoränenland
15* Düben-Niederlausitzer Altmoränenland
23* Sachsen-Anhaltinische Löss-Ebenen
24* Leipziger Sandlöss-Ebene
25* Sächsisch-Thüringisches Löss-Hügelland
6
44
56
19
20
5
1
15
40
26*Erzgebirgsvorland 2 86 14 69 1 13 1 11 5
27
Westlausitzer Platte und Elbtalzone
28
Lausitzer Löss-Hügelland
44* Vogtland
5
40
60
68
14
4
1
6
7
45
Erzgebirge
33
46
54
84
1
6
3
1
5
46
Elbsandsteingebirge
47
Oberlausitzer Bergland
11
59
41
53
16
16
6
1
8
48
Zittauer Gebirge
Sachsen
100
53
47
43
31
5
3
5
13
Tab. 6: Baumartenverteilung der Stichprobe in den Wuchsgebieten (Angaben in %)
* Wuchsgebiet erstreckt sich über mehrere Bundesländer; betrachtet wird der sächsische Teil
* Wuchsgebiet erstreckt sich über mehrere Bundesländer; hier sächsischer Teil
Wuchsgebiet
Baumart/Alter
Schadstufen
0
1
2 bis 4
14* Mittleres nordostdeutsches Altmoränenland
Alle
37
52
11
15* Düben-Niederlausitzer Altmoränenland
Kiefer
39
52
9
23* Sachsen-Anhaltinische Löss-Ebenen
24* Leipziger Sandlöss-Ebene
25* Sächsisch-Thüringisches Löss-Hügelland
Alle
40
44
16
26* Erzgebirgsvorland
keine Aussage möglich
27
Westlausitzer Platte und Elbtalzone
28
Lausitzer Löss-Hügelland
46
Elbsandsteingebirge
47
Oberlausitzer Bergland
48
Zittauer Gebirge
44* Vogtland
Alle
66
28
6
Fichte
67
29
4
45
Erzgebirge
Fichte
32
50
18
bis 60 Jahre
52
43
5
über 60 Jahre
17
56
27
Alle
31
49
20
bis 60 Jahre
48
44
8
über 60 Jahre
16
54
30
Sachsen
Alle
37
48
15
Tab. 7: Schadstufenverteilung in den Wuchsgebieten (Angaben in %)
30
60
40
3
82
0
0
3
12
344560 0 5 026 69
10
57
43
25
32
0
6
14
23
keine Aussage möglich
Alle
41
46
13
Alle
36
50
14
Fichte
34
53
13

Literaturverzeichnis
[1] BUTZ-BRAUN, R.: Vergleichende ton-/mineralogische Untersuchungen zur Veränderung an Dreischicht-Tonmineralen an Bodenproben
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[2] ENKE, W.; KÜCHLER, W.: Klimaprognose für Sachsen – Zusammenfassender Bericht Regionalisierung von Klimamodell-Ergebnissen mittels
des statistischen Verfahrens der Wetterlagen-Klassifikation und nachgeordneter multipler Regressionsanalyse für Sachsen. Sächsisches
Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), Dresden 2001.
[3] HOFMANN, G.; ANDERS, S.; MATTHES, B.: Das potentiell-natürliche und derzeitige Waldbild in den ostdeutschen Ländern. Übersichts-
information zu Verbreitung, Flächenanteil, Baumartenzusammensetzung, Ökologie und Nettoprimärproduktion der potentiell-natürlichen Wald-
vegetation und der derzeitigen Forsten. Mitt. Bundesforschungsanstalt für Forst und Holzwirtschaft Nr. 196, Hamburg 2000.
[4] IRRGANG, S.: Wasserhaushaltsmodellierung für den Kiefern-Waldumbau. Vortrag zum BMBF-Fachkolloquium „Themenschwerpunkt
Wasserhaushalt“, „Ökologie des Waldumbaus, Dynamik in Strukturen und Prozessen“, BFH in Eberswalde, 13./14.03.2001.
[5] IRRGANG, S.: Klimaänderung und Waldentwicklung in Sachsen - Auswirkungen auf die Forstwirtschaft. Forstarchiv, 73. Jg. 2002,
Heft 4, S. 137–148.
[6] IRRGANG, S.: Waldklimastationen. Schriftenreihe der Sächsischen Landesanstalt für Forsten, Heft 11, Graupa 1997.
[7] KAHLE, H.-P.; SPIECKER, H.: Wachstum von Fichten (Picea abies Karst.), Kiefern (Pinus sylvestris L.) und Buchen (Fagus sylvatica L.) auf
ausgewählten Standorten in Sachsen. Abschlussbericht zum Werkvertrag, Graupa 2003.
[8] MÜLLER, J.: Ermittlung von Kennwerten des Wasserhaushaltes in Kiefern- und Buchenbeständen des nordostdeutschen Tieflandes.
Beitr. Forstwirtschaft und Landsch.ökol. 35, 2001, S. 14–18.
[9] RABEN, G., ANDREAE, H., KARST, H., SYMOSSEK, F., LEUBE, F.: Bodenzustandserhebung (BZE) in den sächsischen Wäldern (1992–1997).
Schriftenreihe der Sächsischen Landesanstalt für Forsten, Heft 20, Graupa 2000.
[10] RÖHLE, H.: Wachstumskundliche Untersuchungen für die Level-II-Flächen. Abschlussbericht zum Werkvertrag, Graupa 2003.
[11] SÄCHSISCHE LANDESANSTALT FÜR FORSTEN: Waldumbau auf Tieflands- und Mittelgebirgsstandorten in Sachsen. Schriftenreihe der
Sächsischen Landesanstalt für Forsten, Heft 19, Graupa 1999.
[12] SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT: Waldzustandberichte der Jahre 1999–2002.
[13] SCHMIDT, P. A.: Übersicht der natürlichen Waldgesellschaften Deutschlands. Schriftenreihe der Sächsischen Landesanstalt für Forsten,
Heft 4, 1995.
[14] SCHMIDT P. A.; LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE; SÄCHSISCHE LANDESANSTALT FÜR FORSTEN: Natürliche Waldvegeta-
tionslandschaften Sachsens. (VL)/Entsprechende Sachsenkarte 1 : 300 000, 1996.
[15] SCHWANECKE, W.; KOPP, D.: Forstliche Wuchsgebiete und Wuchsbezirke im Freistaat Sachsen. Schriftenreihe der Sächsischen Lan-
desanstalt für Forsten, Heft 8, 1996.
40
Anhang
DBF
Baumart
Alter (2003)
Baumzahl
Oberhöhe
Mittlerer
Grundfläche
Vorrat
Zuwachs
Durchmesser
(Derbholz)
1983–
1993–
1992
2003
a
St/ha
m
cm
m
2
/ha
m
3
/ha
m
3
/ha/a
m
3
/ha/a
Klingenthal
Fichte
84
460
28,2
37,3
50,3
603
12,0
19,8
Olbernhau
Fichte
112
490
28,3
36,1
50,1
606
10,3
18,1
Cunnersdorf
Fichte
99
303
27,7
38,2
34,9
422
7,1
13,2
Neukirch /
Bautzen
Laußnitz
Kiefer
95
639
24,2
27,8
38,8
404
7,8
9,7
Colditz
Eiche
50
333
20,5
22,2
12,9
124
4,5
7,7
Tab. 8: Zuwachsdaten der 6 Level-II-Flächen (Stichtag: 01.01.2003)
Fichte
88
580
27,1
28,4
36,7
440
11,1
12,1

Impressum
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL)
01075 Dresden
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Öffentlichkeitsarbeit:
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(Kein Zugang für elektronisch signierte sowie für verschlüsselte elektronische Dokumente)
Redaktionsschluss:
30.09.2003
Fotos:
Archiv der LFP
Autoren:
Mario Helbig, Arnd Schöndube (Kronenzustand, Forstliches Monitoring),
Dr. Sven Irrgang (Witterung, Klimaveränderung),
Dr. Gerhard Raben (Stoffeinträge, Bodenzustand, Baumwachstum, Luftschadstoffe und Wirkungen),
Lutz-Florian Otto (Biotische Schäden, Schälschäden)
Auflagenhöhe: 4 000
Layout und Produktion:
WDS Pertermann GmbH, Dresden
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gedruckt auf Papier aus 100 % chlorfrei (tcf) gebleichtem Zellstoff
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