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Waldzustandsbericht 2010
Die Zukunft im Blick

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
..................................................................................................................
3
Zusammenfassung
...................................................................................................
4
Gesicherte Herkünfte und hochwertiges Pflanzgut – Grundlagen des Waldumbaus
.........
10
Forstgenetik und Herkunftswahl
................................................................................
11
Zugelassenes Forstvermehrungsgut – Von der Blüte zur Pflanze
......................................
16
Waldzustand in den Standortsregionen –
Konsequenzen für die Weiterführung des Waldumbaus
...............................................
22
Kronenzustand und ökologische Stabilität
...................................................................
23
Fichtenwälder in den Berglagen
..................................................................................
24
Standortswidrige Fichtenwälder im Löß-Hügelland und in den Unteren Berglagen –
Schwerpunkte des Waldumbaus
.................................................................................
27
Kiefernwälder
..........................................................................................................
29
Der aktuelle Kronenzustand
......................................................................................
32
Witterung und Immissionen
.......................................................................................
33
Allgemeine Situation und regionale Ausprägung
...........................................................
38
Kronenzustand an Nadelbäumen
................................................................................
41
Kronenzustand an Laubbäumen
.................................................................................
47
Tabellarische Übersichten
.........................................................................................
52
Literaturverzeichnis
.................................................................................................
55
Glossar
...................................................................................................................
56
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Vorwort
Die Zukunft im Blick - Waldumbau in Sachsen
Wie kaum in einer anderen Region Deutschlands wurden im Freistaat Sachsen die natürlichen
Waldökosysteme vom wirtschaftenden Menschen tiefgreifend verändert. lm Ergebnis der jahrhun-
dertelangen Bergbaugeschichte und der frühen, intensiven lndustrialisierung wandelte sich das
ursprüngliche Waldbild von gemischten Buchen- und Eichenwäldern zu homogenen Fichten- und
Kiefernforsten. Diese konnten Dank der Erkenntnisse der sich seit dem 18. Jahrhundert ebenfalls in
Sachsen entwickelnden Forstwissenschaft rationell genutzt werden und lieferten so das begehrte
und dringend benötigte Bau- und Grubenholz für das aufstrebende lndustrieland Sachsen.
Doch bereits Mitte des 19. Jahrhunderts zeigten sich erste Belastungen der Wälder durch Luft-
schadstoffe aus Hüttenrauch im Freiberger Raum. Sturm- und lnsektenkalamitäten setzten den
Nadelwäldern in den darauf folgenden hundert Jahren, trotz immer mehr ausgefeilter waldbau-
technischer Verfahren, zu. Schließlich kam es ab Mitte der 1960er Jahre bis in die 1980er Jahre in
den sächsischen Mittelgebirgen zu massiven und großflächigen lmmissionschäden mit Entwaldung
ganzer Landstriche.
Der Freistaat Sachsen stand damit nach der Deutschen Wiedervereinigung vor 20 Jahren vor den
Herausforderungen der Waldschadenssanierung und des Waldumbaus. Beide Aufgaben wurden mit
großem Engagement angepackt und mit Konsequenz bis heute fortgeführt. ln den Jahren 1991 bis
2010 wurden auf über 300.000 Hektar Wald aller Eigentumsarten mit finanzieller Förderung durch
die Europäische Union und den Freistaat Sachsen Bodenschutzkalkungen durchgeführt. Die Fort-
führung der Bodenschutzkalkung im Rahmen des Entwicklungsprogramms für den ländlichen
Raum (EPLR) bis 2013 dient der notwendigen Regeneration der noch immer versauerten Waldbö-
den, dem Grundwasserschutz und dem Waldwachstum.
Von 1994 bis 2010 wurden allein im sächsischen Staatswald cirka 20.000 Hektar Wald vor allem
mit den Baumarten Buche, Weißtanne und Eiche in Mischwälder umgebaut. Der Waldumbau im
sächsischen Staatswald wird auf der in diesem Waldzustandsbericht vorgestellten Waldbaustrate-
gie mit 1.300 bis 1.500 Hektar pro Jahr zielgerichtet und mit Blick auf die bevorstehenden gravie-
renden Veränderungen der ökologischen Rahmenbedingungen im Zuge des Klimawandels fortge-
führt. Ebenso werden die Konzepte für die Durchforstung und Erntenutzung so weiterentwickelt,
dass sie zu Waldstrukturen führen, die Betriebssicherheit und Ertragskontinuität auch unter ge-
wandelten Klimabedingungen gewährleisten. Und im Privat- und Körperschaftswald bilden der
Wissenstransfer zum Waldumbau im Zuge der forstlichen Beratung und die finanzielle Förderung
des Waldumbaus als forstlicher Schwerpunkt im EPLR die zentralen lnstrumente zur Unterstützung
der Waldbesitzer.
Wenn auch in diesem Jahr die Ergebnisse der Waldzustandserhebung einen insgesamt verbesserten
Kronenzustand über allen Baumarten hinweg zeigen, so sind doch das Tornadoschadereignis vom
Pfingstmontag und die Hochwasserereignisse vom August und September unübersehbare lndizien,
die uns mahnen, die möglichen negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Funktionalität
unserer Kulturlandschaft sehr ernst zu nehmen. Halten wir die Zukunft daher im Blick! – Die Fort-
führung des Waldumbaus unter Verwendung von hochwertigem forstlichem Vermehrungsgut
gesicherter Herkunft ist unsere zentrale forstliche Aufgabe, um die Stabilität der Wälder, ihr An-
passungspotenzial und ihre Ertragskontinuität auch im Klimawandel nachhaltig zu sichern.
Frank Kupfer
Sächsischer Staatsminister
für Umwelt und Landwirtschaft

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Zusammenfassung
Die Zukunft im Blick – Waldumbau in Sachsen

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Die Wahl der für einen bestimmten Standort ge-
eigneten Baumart ist eine wesentliche Vorausset-
zung für die Stabilität, Gesundheit und Produktivi-
tät von Wäldern. Allerdings bestehen innerhalb der
Arten vielfach erhebliche Unterschiede in der An-
passungsfähigkeit, Gesundheit, Qualität und Leis-
tungsfähigkeit. Diese haben sich in Abhängigkeit
von der geographischen Herkunft der Waldbaum-
populationen über sehr lange Zeiträume in Folge
der fortlaufenden Anpassungsprozesse an sich än-
dernde Standortsverhältnisse entwickelt. Zur opti-
malen Erfüllung der Nutz-, Schutz- und Erho-
lungsfunktionen des Waldes und zur Stärkung
seiner Widerstandskraft gegen abiotische und bi-
otische Schäden ist neben der standortsgerechten
Baumartenwahl daher die Verwendung von geeig-
neten Herkünften von größter Bedeutung.
Für die Waldverjüngung und den Waldumbau im
Landeswald werden jedes Jahr ca. 8 Millionen
hochwertige Pflanzen von 40 Baum- und Strauch-
arten benötigt. Aus diesem Grund verfügt der
Staatsbetrieb Sachsenforst im Kompetenzzentrum
Wald und Forstwirtschaft über genetische Labore
und über ein Zentrum für forstliches Vermeh-
rungsgut (ZfV), das für die Bereitstellung von
Saat- und Pflanzgut verantwortlich ist. Die gene-
tischen Labore sowie das Zentrum für forstliches
Vermehrungsgut im Staatsbetrieb arbeiten erfolg-
reich mit qualifizierten privaten Baumschulen zu-
sammen, um Waldbesitzer in Sachsen für den
Umbau der Wälder bedarfsgerecht mit Pflanzen-
material zu versorgen. Die Baumschulen des ZfV in
Graupa, Heinzebank und Kretscham-Rothensema
sowie die Staatsdarre in Flöha erzeugen ein Drittel
der im Landeswald benötigten Pflanzen. Den weit-
aus überwiegenden Anteil der benötigten Forst-
pflanzen bezieht der Staatsbetrieb Sachsenforst
von qualifizierten privaten Forstbaumschulen.
Ein Anteil außerplanmäßiger Nutzungen von
durchschnittlich einem Drittel des Gesamtein-
schlages weist auf Probleme der ökologischen Sta-
bilität und Funktionalität der Fichten- und Kiefern-
wälder hin. In den Hoch- und Kammlagen der
sächsischen Mittelgebirge ist bei der Fichte die Fä-
higkeit zur Strukturerneuerung nach Störungen
(Schneebruch, Windwurf, Sturm- und Borkenkä-
ferkalamitäten) nur eingeschränkt vorhanden.
Durch die entstandenen Lücken etablieren sich
Ebereschen-, Birken- und Fichten-Naturverjün-
gungen, wodurch Bestände mit einer höheren
Funktionalität, Vielfalt und Stabilität aufwachsen.
In diesen Höhenlagen bleibt die Fichte auch unter
dem Einfluss des Klimawandels in der folgenden
Waldgeneration die standortsgerechte Haupt-
baumart. In den Mittleren und Unteren Berglagen,
wo sich der Scherpunkt im sächsischen Waldum-
bau befindet, verjüngt sich die Fichte zusätzlich in
Lücken geschlossener Altbestände. Naturverjün-
gung aus Fichte nimmt einen Flächenanteil von
mindestens 50 % in gleichnamigen Altbeständen
über 80 Jahren ein. Die Einbringung von Misch-
baumarten, wie Tanne und Buche, erfolgt weitge-
hend ohne bzw. mit vertretbaren Wildschutzmaß-
nahmen zur Förderung strukturierter Wälder. Die
Vielfalt der Baumartenstruktur und die standorts-
gerechte Baumartenzusammensetzung gewinnen
in den Unteren und Mittleren Berglagen mit dem
Klimaeinfluss zunehmend an Bedeutung. Der
Baumartenwechsel von standortswidrigen Fich-
tenbeständen im Löß-Hügelland erfolgt zugunsten
von Stieleiche, Rotbuche, Weißtanne und den Edel-
laubbaumarten wie Berg- und Spitzahorn. Voraus-
setzung für die nachhaltige Entwicklung leistungs-
fähiger Mischbestände ist die Reduzierung der
Wildbestände auf ein ökologisch tragbares Ni-
veau.
Kiefernwälder sind im Unterstand zumeist mit
standortsgerechten Baumarten bestockt, woraus
im Vergleich zu Fichtenbeständen eine geringere
Notwendigkeit zum Waldumbau resultiert. Auf-
grund der geringen Wasserspeicherkapazität und
Nährkraft der Böden im Tiefland ist die Baumar-
tenwahl eingeschränkt. Die Kiefer bleibt auf diesen
meist nährstoffarmen Standorten auch zukünftig
die bedeutendste Wirtschaftsbaumart. Auf die
künstliche Einbringung der Mischbaumarten wird
dabei weitgehend verzichtet, so dass sich mit der
natürlichen Ausbreitung von Mischbaumarten und
Sträuchern eine standortsgerechte Waldstruktur
etabliert. In der nächsten zehnjährigen Betriebs-
planung konzentriert sich der Waldumbau von
Kiefernbeständen auf wasserspeicherfähigen leh-
migen und anlehmigen Sandböden. Zielzustand ist
der Eichen-Mischbestandstyp mit Beteiligung der
heimischen Eichenarten, Roteiche und Douglasie.
Der Kronenzustand der Waldbäume hat sich über
alle Baumarten und Altersklassen gegenüber 2009
verbessert und wieder auf die Werte des Jahres
2008 eingepegelt. Die in diesem Jahr auf 284
Stichprobenpunkten erfassten 6.816 Probebäume
wiesen eine mittlere Kronenverlichtung von
16,1 % auf. Der Wert liegt nur 0,2 Prozentpunkte
über dem Minimum der 20-jährigen Messreihe.
Insbesondere die empfindlicheren älteren Bäume
über 60 Jahre zeigen seit 1991 eine positive
Entwicklung.
Gemäß der Verteilung der Kombinationsschadstu-
fen werden 14 % der Waldfläche als deutlich ge-
schädigt (Schadstufen 2–4), 43 % als schwach
geschädigt (Schadstufe 1) und wie schon im
Vorjahr 43 % ohne erkennbare Schadmerkmale
(Schadstufe 0) eingestuft.
Bei Betrachtung des Nadel- und Blattverlustes
nach Baumartengruppen ist im Vergleich zum Vor-
jahr bei der Kiefer eine gleichbleibende Tendenz
mit 14,4 % und bei der Fichte eine Verbesserung
um zwei Prozentpunkte auf 15,2 % zu verzeichnen.
Damit erreicht die Fichte in der Zeitreihe den
zweitbesten Wert nach dem Minimum im Jahr
2006. Auch die sonstigen Nadelbaumarten weisen
weniger Nadelverluste auf.
Die Fichte unterliegt seit 2007 Schwankungen, die
nach Auswertung der Kronenverlichtung entspre-
chend forstlicher Höhenstufen und Wuchsgebieten
auf deren starke klimatische Prägung hinweisen.
Nach der immissionsgebundenen Dominanz der
deutlichen Schäden in den fichtengeprägten Hoch-
und Kammlagen in den 1990er Jahren hat sich seit
dem sehr warmen Sommer 2003 die Schadsituati-
on gewandelt. Nunmehr liegt das Schadniveau der
Fichte in den Unteren Berglagen und im Hügelland
immer höher als in den Kammlagen.
Nachdem der Befall durch rindenbrütende Borken-
käfer in Fichtenbeständen 2008 das Maximum der
letzten 40 Jahre erreicht hatte, gingen die Schäden
in diesem Jahr auf 7.800 Kubikmeter Stehendbe-
fall zurück. Das ist die geringste Menge seit dem
extremen Sommer 2003.
Bei der Eiche hat sich in diesem Jahr der Kronen-
zustand wieder leicht auf 26,4 % verbessert. Hier
wirken biotische Faktoren gegenläufig zusammen,
wie die in diesem Jahr geringe Fruktifikation, die
durch Pilzbefall (Mehltau) verursachten Belau-
bungsdefizite und ein lokal gehäufter Insektenbe-
fall.
Die Buche erreicht in diesem Jahr einen mittleren
Blattverlust von nur 21 % und liegt damit sehr
nah am Mittelwert der zwanzigjährigen Zeitreihe
(20,8 %). Durch das kühl-feuchte Frühjahr waren
günstige Austriebs- und Wachstumsbedingungen
für die Buche gegeben.
Nahezu unverändert blieb der Kronenzustand bei
der Gruppe der sonstigen Laubbaumarten mit
17,8 %. Hohe Blattverluste und Absterberaten von
Bäumen traten sowohl 2009 wie 2010 nicht auf.

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A basic condition for stable, healthy and
productive forests is to select the appropriate
tree species for a particular location. However,
there are often significant differences in
adaptability, health, quality and performance
within the same species. Depending on the
geographic and thus locational origin of the
forest tree populations, these differences have
developed over very long periods as a result of
continuous processes of adaptation to changing
site conditions and are genetically controlled to
different extents.
In order to optimally support and maintain the
forest‘s productive, protective and recreational
functions and to strengthen its resistance to
abiotic and biotic damage, it is therefore of
utmost importance not only to select site-
adapted tree species, but to use the proven
origins suited for the local conditions.
Every year, about 8 million high-quality plants
of 40 tree and shrub species from appropriate
origins are required for forest regeneration and
conversion measures in the Saxon state forest.
This is the reason why the Public Enterprise
SACHSENFORST runs genetic laboratories in the
Wood & Forestry Competence Centre as well as
a Centre for Forest Reproductive Material (ZfV),
which is responsible for the supply of seeds and
planting stock. The genetic laboratories in the
Wood & Forestry Competence Centre and the
Centre for Forest Reproductive Material in the
Public Enterprise SACHSENFORST maintain
successful collaboration with qualified private
tree nurseries to provide forest owners in
Saxony with high-quality planting material for
the conversion of the forests in accordance
with actual demands. The ZfV nurseries in
Graupa, Heinzebank and Kretscham-Rothen-
sema and the state kiln in Flöha produce one
third of the planting stock required in the state
forest. The Public Enterprise SACHSENFORST
obtains the major part of the required forest
plants from qualified private forest tree
nurseries via wage work contracts or purchasing
agreements.
The tree species composition and structural
diversity are crucial for the forests‘ potential of
adaptation to changes in climate and soils.
Unscheduled intermediate cuttings like salvage
cuts, on average, account for one third of all
logging operations and indicate problems in the
ecological stability and functionality of the
spruce and pine forests.
At higher and ridge-top altitudes of the Saxon
low-range mountains, the structural regene-
rative ability of spruce species is limited after
disturbances (snow breakage, windfall, storm
Summary
and bark beetle calamities). Mountain ash, birch
and spruce tend to fill the resultant gaps by way
of natural regeneration and provide stands with
better functionality, diversity and stability. In
the upper and ridge-top locations of the Saxon
low-range mountains, spruce remains the
properly adapted local main tree species in the
following forest generation even under the
impact of the climatic change.
In addition, spruce regenerates in gaps of old
closed stands at medium and lower altitudes
and this is the main focus in Saxon forest
conversion. Natural regeneration of spruce
accounts for at least 50 per cent of the surface
covered by +80 year old spruce stands. Mixed
tree species, such as fir and beech, are inte-
grated with no or just reasonable protection
from deer and other wildlife damage with the
aim to promote structured spruce forests. The
diversity of the tree species structure and the
site-adapted tree species composition are
gaining more and more importance at lower
and medium altitudes as a result of the climate
impact.
The change in tree species strives to get away
from non site-adapted spruce stands in the
loess hill country in favour of common oak,
copper beech, silver fir, as well as higher-value
deciduous tree species like sycamore and
Norway maple. The basic condition for the
sustainable development of high-performance
mixed stands is to reduce deer and other wildlife
abundance to an ecologically acceptable level.
Pine forests mostly have site-adapted tree
species in the understorey and thus present a
lower forest conversion potential than spruce
forests. The choice of tree species is limited by
the low water storage capacities and nutritional
levels of the soils. In poor locations like this,
pine will remain the most important economic
tree species also in the future. The almost
complete absence of artificial introduction of
mixed tree species provides a site-adapted tree
species composition and forest structure based
on the natural propagation of mixed tree
species and shrubs. According to the operations
schedule for the next ten years, forest con-
version will remain focused on pine forests on
loamy-sandy soils having appropriate water
storage capacities. The target is to achieve
mixed oak stands involving native oak species,
red oak and Douglas fir from suitable origins.
The crown condition of the forest trees impro-
ved across all tree species and age classes in
comparison with 2009 and reached again the
values of 2008. In this year, 6,816 test trees
were investigated in 284 sampling points and
showed a mean crown thinning grade of 16.1%.
The value is just 0.2 percentage points above
the minimum of the 20-year test series.
Especially, the more sensitive older trees above
60 years show a positive trend starting in
1991.
According to the distribution of the combined
damage classes, 14% of the forest area is
classified as clearly damaged (classes 2 to 4),
43 % as mildly damaged (class 1) and, like in the
previous year, 43% as showing no detectable
signs of damage (class 0).
In comparison with prior year results, the loss
of foliage by tree species groups shows an
unchanged favourable condition for pine with
14.4 % needle loss and a 15.2% improvement
in spruce. This is the second best value in the
time series after the minimum in 2006 (14.7%).
There is a decrease in needle loss also for the
other coniferous tree species.
Since 2007, spruce has been subject to fluc-
tuations, which have been evaluated for the
crown thinning degree by forest altitudes and
growth regions. The results indicate a strong
climatic impact. During the first decade of the
survey, the results showed clear emission-
induced damage in the spruce-dominated high
and ridge-top areas, but the damage situation
has changed a lot since the very hot summer in
2003. The damage level in spruce has since
been higher in the lower altitudes and in the hill
country than in ridge-top regions.
The crown condition for oak has again slightly
improved this year and is now 26.4%. This is
due to a joint impact from contrasting biotic
factors, such as this year‘s low fructification,
leaf formation deficits caused by fungi (mildew)
and a locally increased frequency of insect
infestation.
This year, beech reached a mean leaf loss of as
low as 21% and this is very close to the mean
value of the 20-year time series (20.8%). The
cool and humid spring provided best budding
and growth conditions for beech.
The crown condition for the group of other
broadleaved deciduous tree species is 17.8 %
and thus has remained almost unchanged.
Rates of leaf loss or mortality of trees were not
high in 2009 and 2010.
The infestation of spruce stands with wood-
inhabiting bark beetles attained a 40-year
maximum in 2008; this year the damage from
infestation dropped to 7,800 cubic metres of
standing wood. This is the minimum of the past
eight years following the extreme summer in
2003.

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Výběr vhodného druhu dřeviny pro určité
stanoviště je podstatným předpokladem stability,
zdraví a produktivity lesů. Mezi druhy dřevin jsou
však často velké rozdíly vzhledem k adaptibilitě,
zdravotnímu stavu, jakosti a produkčnímu
potenciálu porostů. Tyto rozdíly vznikaly v
dlouhodobém procesu v závislosti na geografick-
ém původu a závislé na stanovišti lesních porostů
na základě průběžného přizpůsobení porostů
změněným stanovištním podmínkám a jsou v
různém rozsahu kontrolovány z genetického
hlediska.
Pro optimální splnění hospodářských, ochran-
ných a rekreačních funkcí lesa a k zvyšování
jeho odolnosti proti abiotickým a biotickým
poškozením má vedle správného výběru druhu
dřevin prvořadý význam zakládání dřevin,
které mají stanovišti vyhovující a osvědčené
provenience.
Ročně potřebujeme pro obnovu a úpravu
porostů saských lesů cca. 8 mil. kvalitních sazenic
vyhovující provenience z 40 druhů dřevin a keří. Z
toho důvodu má státní podnik Saské lesy v rámci
Kompetečního centra lesa a lesnictví genetické
laboratoře a Středisko na pěstování sadebního
materiálu, které jsou příslušné pro poskytování
osiva a sazenic podle požadavků původu a
zabezpečují zásobování saských lesů sazenicemi.
Genetické laboratoře Kompetenčního centra lesa
a lesnictví jakož i Středisko pro pěstování sadeb-
ního materiálu (ZfV) úspěšně spolupracují s kvali-
fikovanými soukromými lesními školkami, aby
dodali saským vlastníkům lesů kvalitní sadební
materiál pro obnovu a přeměnu lesů. Lesní školky
střediska ZfV v Graupě, soukromé lesní školky
Heinzebank a Kretscham-Rothensema jakož i
státní sušárna ve městě Flöha vyprodukují třetinu
potřebných sazenic pro zemský les. Státní podnik
Saské lesy získá převážnou většinu potřebného
sadebního materiálu u vysoce kvalifikovaných
soukromých lesních školek na základě pěstování
na zakázku nebo nákupu.
Druhová skladba lesa a jeho bohatá struktura v
rozhodující míře ovlivňují potenciál lesů vzhl-
edem k adaptaci ke klimatickým změnám a de-
gradaci půd. Podle toho činí neplánované formy
uživání, které jsou indikátorem ekologické stabil-
ity a funkčnosti smrkových a borových porostů,
asi třetinu celkové těžební hmoty.
V vyšších nadmořských a hřebenových polo-
hách je jenom omezená schopnost smrkových
porostů k strukturální obnově po různých kalami-
tách (sněhové kalamity, vývrat stromů, větrné
a kůrovcové kalamity). Ve vzniklých mezerech
vyskytují přirozené zmlazení jeřábu obecného,
břízy a smrku, čimž vznikají porosty, který se
vyznačují vyšší funkčností, mnohotvárností a
Shrnutí
14 % lesních porostů jako silně poškozeno
(stupně poškození 2-4), 43 % jako mírně
poškozeno (stupeň poškození 1), a stejně jako v
minulém roce 43 % bylo bez zřetelných známek
poškození (stupeň poškození 0).
Při posouzení defoliace podle dřevin lze konsta-
tovat ve srovnání s předešlým rokem nezměněná
situace u borových porostů, kde defoliace čini
14,4 %, zatímco u smrku lze pozorovat zlepšení
o dvě procenta na 15,2 %. To je druhou nejlepší
hodnotou časové posloupnosti, přičemž nejnižší
hodnoty (14,7 %) bylo dosaženo v roce 2006.
Také ostatní jehličnaté dřeviny vykazují pokles
defoliace.
Smrk podléhá od roku 2007 určitému kolísání,
které na základě hodnocení prosvětlení korun
podle lesnických výškových stupní a růstových
oblastí svědčí o tom, že vlivy klimatického rázu
hraji tady významnou roli. Zatímco v prvním
desetiletí sledování smrkové porosty ve výšších
nadmořských polohách a na hřebenech vyka-
zovaly zřetelné škody na základě imisí, situace
se po velmi suchém létě roku 2003 změnila. Od
té doby stav poškození smrkových porostů je v
dolních polohách a na pahorkatině vyšší než na
hřebenech.
Stav korun dubů se v tomto roce zase mírně
zlepšil na hodnotu 26,4 %. Tady jde o souběžné
působení protichůdných biotických faktorů, jako
v tomto roce malá fruktifikace, škody způsobené
plíšnovým onemocněním (padlí) a místně vyšší
napadení hmyzem.
Buk dosáhl v tomto roce střední defoliace 21 %.
Tato hodnota je velmi blízko k střední hodnotě
dvacetlileté časové řady (20,8 %). Na základě
chladného a vlhkého jara buky měly vhodné
vyrážecí a růstové podmínky.
Téměř nezměněn je stav korun ve skupině ostat-
ních listnáčů ve výši 17,8 %. Vysoké stupně defo-
liace a umírání porostů nebyly evidovány v roce
2009 ani 2010. Zatím objem smrkových porostů,
napadaných podkorním hmyzem (kůrovci)
dosáhl v roce 2008 nejvyšší hodnoty minulých 40
let, kůrovcové škody v tomto roce zase poklesly
na 7.800 plnometrů stojicího dřeva. To je mini-
mum posledních osmi let od extrémního léta
roku 2003.
stabilitou. Ve vrcholových polohách saských
středohoří smrk bude také pod vlivem klimatick-
ých změn v následující generaci lesa hlavní
dřevina, která nejvíce vyhovuje stanovištním
podmínkám.
Ve středních a dolních horských polohách
dochází dodatečně k uvedené obnově i v za-
pojených starých smrkových porostech k zmla-
zení, což je rovněž hlavní zaměření při přeměně
saských lesů. Smrk zaujímá nejméně 50 % plochy
starých smrkových porostů s věkem nad 80 let.
Zakládání přimíšených dřevin, jako jsou jedle a
buky, se provádí většinou bez opatření ochrany
proti okusu resp. s únosnýmy náklady a slouží k
podpoře strukturovaných smrkových porostů.
Mnohotvárnost dřevinové struktury a stanovišti
vyhovující skladby dřevin souběžně s probírka-
mi především ve středně starých porostech má
stále větší význam především v dolních a středně
vysokých polohách na základě zvětšeného kli-
matického ovlivnění, s kterým musíme v budouc-
nu počítat.
Stanovišti nevyhovující smrkové porosty ve
sprašové pahorkatině budou nahradit jiné dřeviny
jako dub letní, buk lesní, jedle bělokorá a vzácné
listnáče javor klen a javor mléč. Předpokladem
udržitelného vývoje výkonných smíšených
porostů je zredukování stavu zvěře na ekologicky
únosnou úroveň.
Borové porosty jsou v podúrovni často zak-
meněny stanovišti vyhovujícími dřevinami , z
toho vyplývá v srovnání se smrkovými lesy menší
potenciál na přeměnu lesa. Na základě malé
schopnosti k akumulaci vody a nízkého obsahu
živin je výběr dřevin omezený. Borovice zůstane
na těchto chudých stanovištích i v budoucnu
nejvýznamější hospodářská dřevina. Přitom
bylo většinou upuštěno od zakládání smíšených
dřevin, a tak se prosadila dřevinná skladba a lesní
struktura včetně přirozeného rozšíření smíšených
dřevin a keří. Podle lesního hospodářského plánu
na další deset let je přeměna lesa soustředěna na
borové lesy na jílovitých a sprašových písčitých
půdách. Cílem je smíšený dubový porost s
podílem domácích dubových druhů, jako dub
červený a douglaska tisolistá vhodného původu.
Stav korun lesních porostů se zlepšil u všech
dřevin a věkových tříd ve srovnání s rokem 2009
a byly zase dosaženy hodnot roku 2008. V tomto
roce bylo analyzováno celkem 6.816 stromů na
284 námatkově vybraných stanovištích, které
vykazovaly průměrnou defoliaci ve výši 16,1 %.
Tato hodnota je pouze o 0,2 % pod nejmenší
hodnotou 20-leté řady měření. Zvláště starší a
citlivější stromy s věkem nad 60 let vykazovaly od
roku 1991 kladný vývoj.
Podle stupně poškození bylo klasifikováno

8 |
Streszczenie
matu i gleb. W związku z tym użytkowania poza-
planowe - jako wskaźnik ekologicznej stabilności
i funkcjonalności lasów świerkowych i sosnowych
- stanowią jedną trzecią całego wyrębu.
Na terenach wyżynnych i grzebieniach gór-
skich zdolność gatunku drzewa świerku do
odnowy struktury po wystąpieniu zaburzeń (tj.
śniegołomy, wichrowały, klęski na skutek burz
lub masowego występowania szkodników)
możliwa jest tylko w ograniczonym stopniu.
Przez powstałe luki upowszechnia się naturalne
odnowienie jarząbu pospolitego, brzozy i świerku,
przez co wzrastają drzewostany o większej
funkcjonalności, różnorodności i stabilności.
Na terenach wyżynnych i grzebieni górskich w
saksońskich górach średniej wysokości, świerk
pozostanie w kolejnych pokoleniach lasu - nawet
pod wpływem zmiany klimatu - dostosowanym
do siedliska głównym gatunkiem drzew.
Na średnich i niższych terenach górskich ma
miejsce odnowienie świerku - dodatkowo do
opisanych luk - w zamkniętych starych drze-
wostanach, co stanowi zarazem główny punkt
ciężkości w saksońskiej przebudowie lasów.
Zajmuje on powierzchnię wielkości 50% star-
ego drzewostanu świerku powyżej 80 lat.
Wprowadzenie mieszanych gatunków drzew, tj.
jodła i buk odbywa się daleko idąco bez bądź z
pomocą dopuszczalnych działań ochrony za-
sobów dzikich na rzecz wspierania struktury
lasów świerkowych. Różnorodność struktury ga-
tunków drzew i dostosowany do siedliska skład
gatunków drzew - sterowany przez trzebieże
zwłaszcza w drzewostanach średniego wieku -
zyskuje coraz bardziej na znaczeniu w średnich i
niższych terenach górskich z powodu przyszłego
silnego oddziaływania klimatu.
Zmiana gatunków drzew w niedostosowanych
do danego siedliska drzewostanach świerku
na terenach lessowo-pagórkowatych odbywa
się na rzecz dębu szypułkowego, buku pospo-
litego, jodły pospolitej i szlachetnych gatunków
drzew liściastych tj. klon jawor i klon pospol-
ity. Warunkiem dla zrównoważonego rozwoju
wydajnych drzewostanów wielogatunkowych
jest redukcja drzewostanów dziko rosnących do
ekologicznie akceptowalnego poziomu.
Lasy sosnowe na dolnym piętrze drzewostanu
zadrzewione są przeważnie dostosowanymi do
siedliska gatunkami drzew, z czego w porów-
naniu do lasów świerkowych wynika niski
potencjał przebudowy lasu. Z powodu nieznac-
Wybór odpowiedniego gatunku drzew dla
określonego siedliska jest istotnym warunkiem
stabilności, zdrowia i produktywności lasów.
Wśród gatunków drzew istnieją jednak liczne
znaczące różnice w odniesieniu do zdolności
przystosowania się, zdrowia, jakości i wydajności.
Powstały one w zależności od geograficznego i
tym samym siedliskowego pochodzenia popu-
lacji drzew leśnych przez długie okresy czasu na
skutek trwających procesów adaptacji do zmian
warunków siedliskowych i są w różnym stopniu
genetycznie kontrolowane.
Dla optymalnego spełnienia funkcji użytkowej,
ochronnej i wypoczynkowej lasu, a także dla wz-
mocnienia jego odporności na szkody abiotyczne
i biotyczne, największe znaczenia posiada tym sa-
mym - oprócz wyboru gatunku odpowiedniego
dla danego siedliska - zastosowanie gatunków o
właściwym dla danej lokalizacji i sprawdzonym
pochodzeniu.
Dla odnowienia i przebudowy lasów krajow-
ych koniecznych jest rocznie ok. 8 milionów
wysokojakościowych roślin odpowiedniego
pochodzenia spośród 40 gatunków drzew i
krzewów. Z tego powodu saksoński Zakład
Państwowy Sachsenforst dysponuje w Centrum
Kompetencyjnym Las i Gospodarka Leśna labo-
ratoriami genetycznymi i Centrum Leśnego
Materiału Rozmnożeniowego, odpowiedzi-
alnym za ogólne udostępnienie materiału
siewnego zgodnie z wymogami stawianymi
wobec pochodzenia i zaopatrywującym lasy
krajowe w materiał sadzonkowy. Laboratoria
genetyczne w Centrum Kompetencyjnym Las
i Gospodarka Leśna, jak i Centrum Leśnego
Materiału Rozmnożeniowego (ZfV) w Zakładzie
Państwowym współpracują ściśle z wykwali-
fikowanymi prywatnymi szkółkami leśnymi, po to
by móc zaopatrywać właścicieli lasów w Saksonii
w wysokojakościowy materiał roślinny, potrze-
bny do przebudowy lasów. Szkółki leśne ZfV w
Graupa, Heinzebank i Kretscham-Rothensema,
a także państwowa suszarnia w miejscowości
Flöha wytwarzają jedną trzecią z potrzebnych
w lasach krajowych roślin. Przeważającą część
koniecznych roślin leśnych Zakład Państwowy
Sachsenforst nabywa od wykwalifikowanych,
prywatnych szkółek leśnych w drodze hodowli za
wynagrodzeniem bądź zakupu.
Zestawienie gatunków drzew i różnorodność
struktury stanowią w decydujący sposób o
potencjale przystosowania lasów do zmian kli-
znej zdolności zatrzymywania wody i wartości
odżywczej gleb, wybór gatunku drzew jest
ograniczony. Sosna pozostanie na tych ubogich
siedliskach również w przyszłości gospodar-
czo najbardziej znaczącym gatunkiem drzew.
Rezygnuje się przy tym dalece idąco ze sztuc-
znego wprowadzania mieszanych gatunków
drzew, tak że upowszechnia się dostosowany do
siedliska skład gatunków drzew i struktura leśna
o naturalnym rozprzestrzenianiu się mieszanych
gatunków drzew i krzewów. Zgodnie z kolejnym
10-letnim zakładowym planem działania przebu-
dowa lasu koncentruje się na sosnowych lasach
gospodarczych zlokalizowanych na zdolnych do
magazynowania wody, gliniastych i słabo glinias-
tych glebach piaszczystych. Stanem docelowym
jest typ dębowego drzewostanu mieszanego z
udziałem rodzimych gatunków dębu, dębu czer-
wonego i daglezji o odpowiednim pochodzeniu.
Stan koron drzew leśnych poprawił się w odnie-
sieniu do wszystkich gatunków drzew i klas
wiekowych w porównaniu z rokiem 2009 i
ustabilizował się na poziomie wartości z roku
2008. Ujęte w tym roku w 284 punktach po-
boru prób wyrywkowych drzewa próbne w
ilości 6.816 wykazały średnie przerzedzenie ko-
ron wynoszące 16,1%. Wartość ta kształtuje się
jedynie o 0,2 % punktu procentowego powyżej
wartości minimalnej 20-letniego szeregu po-
miarowego. Zwłaszcza bardziej wrażliwe starsze
drzewa powyżej 60 lat wykazują od roku 1991
pozytywny rozwój.
Zgodnie z podziałem na skojarzone stopnie
uszkodzenia 14% powierzchni lasów zaklasy-
fikowanych zostało, jako wyraźnie uszkodzone
(stopień uszkodzenia 2-4), 43% jako słabo usz-
kodzone (stopień uszkodzenia 1) i podobnie jak
w zeszłym roku 43% bez rozpoznawalnych cech
uszkodzenia (stopień uszkodzenia 0).
Przy rozpatrywaniu utraty igliwia i liści według
grup gatunków drzew w porównaniu z rokiem
ubiegłym, zaobserwować można niezmien-
nie korzystną sytuację w odniesieniu do sos-
ny 14,4 % utraty igliwia, a w odniesieniu do
świerku poprawę o dwa procent na 15,2 %. To
druga najlepsza wartość szeregu czasowego
po wartości minimalnej w roku 2006 (14,7%).
Również pozostałe gatunki drzew iglastych
wykazują się zmniejszeniem utraty igieł.
Świerk uległ od 2007 roku wahaniom, które
po dokonaniu oceny przerzedzenia koron
według leśnych poziomów wysokości i terenów

| 9
występowania, wskazują na silny wpływ klimaty-
czny. Zgodnie z wiążącą się z imisjami dominacją
wyraźnych szkód na charakteryzujących się
występowaniem świerków wyżynach i grzebi-
eniach gór w pierwszej dekadzie badań, sytuacja
szkód uległa zmianie od momentu wystąpienia
bardzo gorącego lata w 2003 roku. I tak pozi-
om szkód w odniesieniu do świerku kształtuje
się na niższych terenach górskich i terenach
pagórkowatych powyżej poziomu na terenach
grzebieni górskich.
W przypadku dębu doszło w tym roku do lek-
kiej poprawy stanu koron osiągającej 26,4%.
Współdziałają tutaj przeciwne czynniki biotyczne,
takie jak nieznaczna w tym roku fruktyfikacja, spo-
wodowane grzybicą (mączniakiem) deficyty ulist-
nienia i lokalnie wzmożone porażenie owadami.
Buk osiągnął w tym roku średnią utratę ulistnie-
nia wynoszącą jedynie 21% i kształtującą się tym
samym bardzo blisko wartości średniej dwudzi-
estoletniego szeregu czasowego (20,8%). Poprzez
chłodną i wilgotną wiosnę powstały dla buka
korzystne warunki wzrostu pędów i ogólnego
wzrostu.
Prawie niezmienny pozostawał stan koron w
grupie pozostałych gatunków drzew liściastych
kształtujący się na 17,8%. W latach 2009 i 2010 nie
odnotowano żadnych wysokich strat ulistnienia i
wskaźników umieralności drzew.
Po osiągnięciu w roku 2008 maksymalnych
wartości w okresie ostatnich 40 lat w odnie-
sieniu do opanowania przez szkodniki kory
(kornikowate) drzewostanów świerku, szkody
w tym roku zmniejszyły się do 7.800 metrów
sześciennych zakresów porażonych. Oznacza to
wartość minimalną w ostatnich ośmiu latach,
licząc od ekstremalnego lata w roku 2003.

image
10 |
Gesicherte Herkünfte
und hochwertiges Pflanzgut –
Grundlagen des Waldumbaus

| 11
Forstgenetik und Herkunftswahl
Die Wahl der für einen bestimmten Standort
geeigneten Baumart ist eine wesentliche
Voraussetzung für die Stabilität, Gesundheit
und Produktivität von Wäldern. Allerdings be-
stehen innerhalb der Arten vielfach erhebliche
Unterschiede in Merkmalen der Anpassungsfä-
higkeit, Gesundheit, Qualität und Leistungsfä-
higkeit. Diese haben sich in Abhängigkeit von
der geographischen und damit standörtlichen
Herkunft der Waldbaumpopulationen über sehr
lange Zeiträume in Folge der fortlaufenden An-
passungsprozesse an sich verändernde Stand-
ortsverhältnisse entwickelt. Bei verschiedenen
Merkmalen konnte der Anteil des genetischen
Einflusses an der Ausprägung eines Merkmals
als Ergebnis langjähriger Feldversuche ge-
schätzt werden. So kann die Ausprägung des
Merkmals Durchmesserwachstum nur zu 20 %
gen verbracht wurde und oft für einen gege-
benen Standort nicht geeignet war (Tab. 1).
Eine Folge davon waren Totalausfälle, massive
Schäden durch biotische und abiotische Fak-
toren oder im günstigsten Fall wirtschaftliche
Verluste durch unterdurchschnittliches Wachs-
tum, schlechte Qualität und geringe Wider-
standsfähigkeit [4]. Man muss daher heute
davon ausgehen, dass die ursprünglichen ge-
netischen Strukturen bei einer Vielzahl an
Baumarten und deren Beständen durch diesen
Saatguttransfer stark verändert und durch
Saatgut unbekannter oder zumindest zweifel-
hafter Herkunft ersetzt wurden. Auf Grund der
Langlebigkeit der Bäume und der Vererbbarkeit
wichtiger Eigenschaften finden sich ungünstige
Merkmalsausprägungen auch in den nachfol-
genden Generationen wieder, wenn der frag-
liche Bestand erneut zur Verjüngung herange-
zogen wird.
Ausgelöst durch die negativen Erfahrungen der
Forstwirtschaft mit ungeeignetem Vermeh-
rungsgut werden seit Beginn des 20. Jahrhun-
derts verstärkt Untersuchungen zur genetisch
bedingten Variation von Waldbäumen in Her-
kunftsversuchen durchgeführt. Dabei werden
Nachkommen unterschiedlicher Herkünfte ei-
ner Art nebeneinander auf Versuchsflächen
verschiedener Standorte angebaut und beob-
achtet. Vor allem in den letzten Jahrzehnten ist
es gelungen, mit Hilfe von nationalen und in-
ternationalen Herkunftsversuchen den Kennt-
nisstand bei einer Vielzahl von Baumarten zu
erweitern und zu präzisieren [6]. Das Kompe-
tenzzentrum Wald und Forstwirtschaft des
Staatsbetriebes Sachsenforst unterhält ein
Netz von 90 Versuchsflächen mit insgesamt
750 Herkünften von 9 Baumarten und Baumar-
tengruppen mit einer Gesamtfläche von 115 ha
in Sachsen und benachbarten Bundesländern.
Ergänzt werden die langjährigen Feldversuche
durch verschiedene Untersuchungen zur Mor-
phologie, Phänologie, Ökophysiologie, Resis-
tenz und Genetik einer Vielzahl von Herkünf-
ten.
Eine besondere Bedeutung haben Merkmale,
die das Überleben von Waldbeständen unmit-
telbar beeinflussen [7]. Hierzu gehören vor
allem die Merkmale Austrieb und Vegetations-
abschluss sowie Resistenzen gegenüber abio-
tischen und biotischen Schadfaktoren.
mit genetischen Einflüssen erklärt werden. Das
heißt, dass Umwelteinflüsse wie die Boden-
qualität oder der zur Verfügung stehende Stand-
raum bei der Ausprägung dieses Merkmals
überwiegen. Dagegen sind Merkmale wie Blü-
tenfarbe oder Austriebszeitpunkt sehr stark
oder vollständig genetisch beeinflusst. Die Va-
riation qualitativer Merkmale wie Geradschaf-
tigkeit und Drehwuchs ist bis zu 60 % Ergebnis
der genetischen Veranlagung (Abb. 1).
Bei physiologischen Merkmalen wie der Was-
sernutzungseffizienz bewegt sich der Verer-
bungsgrad in Abhängigkeit von der Baumart
zwischen 10 % und 80 % [1, 2, 3].
Zu Beginn der geregelten Forstwirtschaft vor
etwa 200 Jahren war über diese Zusammen-
hänge nur wenig oder nichts bekannt. Vielfach
erfolgte die Verwendung von Vermehrungsgut,
das über mehr oder weniger große Entfernun-
Zeitraum
Verwendete Herkunft
1836–1854
Sachsen, Thüringen, Harz
1855–1864
Sachsen, Thüringen, Harz, Böhmerwald, Unterfranken, Anhalt
1865–1879
Überwiegend unbekannter Herkunft, möglicherweise Ungarn, Österreich,
Skandinavien, Schwarzwald
1880–1910
Sachsen, Thüringen, Harz, Schwarzwald, Celle, Schwäbische Alb,
westdeutsche Gebirge, Unterfranken, Anhalt, Ungarn, Südösterreich,
Schweden und Norwegen, z. T. unbekannter Herkunft
Tab. 1: Verwendung von Fichtensaatgut unterschiedlicher Herkunft
in sächsischen Wäldern von 1836 bis 1910 (nach [5])
Abb. 1: Prozentualer Anteil von Genetik und Umweltfaktoren
bei der Ausprägung verschiedener Merkmale (nach [2])
0
Genetik
Umwelt
20
40
60
80
100
Blütenfarbe
Austriebs-
zeitpunkt
Gerad-
schaftigkeit
Drehwuchs
Durchmesser-
Wachstum
Anteil [%]

12 |
So kann ein sehr früher Austrieb oder ein sehr später Vegetationsabschluss (Abb. 2) unter bestimm-
ten Standortsbedingungen wiederholt Frostschäden unterschiedlichen Ausmaßes hervorrufen, die
ein geringeres Wachstum oder im Extremfall das Absterben von Jungpflanzen bewirken können.
Ein sehr später Austrieb in Kombination mit einem sehr frühen Vegetationsabschluss (Abb. 2) führt
zur unvollständigen Ausnutzung der standörtlich möglichen Wachstumsperiode.
In Abhängigkeit von ihrer Herkunft reagieren Populationen einer Baumart auch äußerst unter-
schiedlich auf klimatische Extremereignisse wie strengen Frost oder lang andauernde Trockenheit
(Abb. 3). Die Widerstandskraft gegenüber solchen Ereignissen bestimmt grundsätzlich die Überle-
bensfähigkeit und Existenz an einem gegebenen Standort.
Abb. 2: Variation des Austriebes (oben) und des
Vegetationsabschlusses (unten) bei der Baumart
Rotbuche
1
2
3
4
5
7
Halatte (F)
Münsingen (D-BW)
Anguiano (E)
Spangenberg (D-HE)
Tharandt (D-SN)
Ribaritza (BG)
Slatina (SL)
Mittelwert
107
128
6
112
115
119
121
125
Austriebsstadium
Tag im Jahr
1
2
3
4
5
Halatte (F)
Münsingen (D-BW)
Anguiano (E)
Spangenberg (D-HE)
Tharandt (D-SN)
Ribaritza (BG)
Slatina (SL)
Mittelwert
229
236 243 250 257 264 271 278 285 292 299 308 313 320 327
334
Knospenabschlussstadium
Tag im Jahr

image
image
| 13
Neben den Merkmalen, die für das Überleben und die Stabilität von Waldbeständen eine zentrale
Rolle spielen, unterscheiden sich nahezu alle untersuchten Waldbaumarten verschiedener Herkünf-
te nach Merkmalen, die unmittelbare Auswirkungen auf Menge und Qualität des produzierten
Holzes haben. Besonders deutlich können die Unterschiede bei der Schaftform sein, wie das Bei-
spiel der Europäischen Lärche zeigt. Die Herkünfte aus den unterschiedlichen, voneinander isolier-
ten Teilen des natürlichen Verbreitungsgebietes weisen in allen bisher durchgeführten Versuchen
deutlich unterschiedliche Anteile von Bäumen mit absolut geraden bzw. krummschäftigen und
gebogenen Schaftformen auf (Abb. 4). Je höher der Anteil gerader Stämme in einem Bestand ist,
desto größer sind die Chancen für den Waldbesitzer, einen Endbestand mit wertvollem Holz zu
erhalten.
Monte Creek (Binnenland)
Chorin
Hemmschuh
vollständiger Trockenschaden
starker Trockenschaden
mittelstarker Trockenschaden
schwacher Trockenschaden
ohne Trockenschaden
0
20
40
60
80
100 Anteile Individuen [%]
Darrington (Küstenregion)
sehr starker Frostschaden
starker Frostschaden
leichter Frostschaden
sehr leichter Frostschaden
ohne Frostschaden
vollständiger Frostschaden
0
20
40
60
80
100 Anteile Individuen [%]
Abb. 3: Unterschiedliche Auswirkungen von Frost
und Trockenheit auf Herkünfte der Douglasie (oben)
und Rotbuche (unten)
Herkunft Hasselburg (Ursprung Sudeten-Gebirge)
Herkunft Käferschlag (Nordostalpen)
Abb. 4: Qualitative Bewertung der Schaftformen
zweier Herkünfte der Europäischen Lärche
0
20
40
60
80
100
Hasselburg Käferschlag
Anteile Individuen [%]
+ -
gut
sehr schlecht
schlecht
sehr gut

14 |
Formeigenschaften spielen, außer bei der Lärche, vor allem bei der Waldkiefer, der Rotbuche und
den Eichen- und Edellaubbaumarten eine besondere Rolle für die Qualität des Holzes. Neben den
qualitativen Aspekten ist für den wirtschaftlichen Erfolg von Anbauten auch die Wuchsleistung
von entscheidender Bedeutung. Von ihr hängt es ab, wie schnell ein Baum aus der Konkurrenzzone
mit der Begleitvegetation herausgewachsen ist, in welchem Zeitraum die ersten verwertbaren
Holzsortimente produziert werden können und wie hoch der Gesamtanfall an produziertem Holz
sein wird. Bei vielen Baumarten können zum Teil sehr deutliche Unterschiede zwischen den Her-
künften ermittelt werden. Besonders augenfällig ist dieser Aspekt bei der Baumart Douglasie. Hier
bestehen erhebliche Unterschiede in der Wuchsleistung zwischen Herkünften aus der Küstenregi-
on und aus dem Binnenland Nordamerikas. Diese Unterschiede sind auch noch in den Folgegene-
rationen nachzuweisen (Abb. 5).
Die Unterschiede im finanziellen Erfolg am Ende eines Produktionszeitraums bei der Verwendung
von besseren und schlechteren Herkünften in Bezug auf Qualitäts- und Wachstumsmerkmalen
können dabei in Abhängigkeit von der Baumart zwischen 25.000 und 50.000
pro Hektar betra-
gen [8].
Die vorgestellten Beispiele und die anderer Untersuchungen mit verschiedenen Baumarten zeigen
sehr deutlich, wie entscheidend Kenntnisse über genetisch bedingte Unterschiede innerhalb einer
Art für Erfolg bzw. Misserfolg des Anbaus sein können. Die Ergebnisse der Herkunftsforschung
bilden daher eine wesentliche Grundlage für die Erstellung von regional differenzierten Empfeh-
lungen des Freistaates Sachsen für die Verwendung von Forstvermehrungsgut. Diese Herkunfts-
empfehlungen bieten einerseits dem Waldbesitzer wichtige Informationen, um die Risiken bei der
Waldverjüngung bzw. bei der Erstaufforstung durch die Verwendung von standörtlich geeigneten
Herkünften zu verringern. Andererseits können die Herkunftsempfehlungen auch den Forstsamen-
und Forstpflanzenbetrieben bei der Beantwortung der Frage dienen, welches Vermehrungsgut und
welche Produkte für den Waldbesitzer in Sachsen produziert werden können.
Neben der Wahl der geeigneten Herkunft für einen gegebenen Standort spielt die Frage der Iden-
titätssicherung von forstlichem Vermehrungsgut für die Anbausicherheit eine ebenso entschei-
dende Rolle. Wie die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, bieten gesetzliche Regelungen und
hoheitliche Kontrollen allein keine Gewähr dafür, dass kein ungeeignetes Vermehrungsgut unbe-
kannter oder zweifelhafter Herkunft auf den Markt gelangen kann [9]. Voraussetzungen für eine
wirksame Kontrolle der Identität von Forstvermehrungsgut sind jedoch umfassende Kenntnisse
über die genetischen Strukturen der Waldbaumarten und ihrer Herkünfte. Mit der Einführung bio-
chemisch-genetischer Methoden seit Beginn der 1970er Jahre sowie molekular-genetischer Me-
thoden seit Mitte der 1990er Jahre stehen inzwischen Werkzeuge zur Verfügung, die die Analyse
genetischer Strukturen unmittelbar ermöglichen.
Abb. 5: Relatives Höhenwachstum von
Douglasien-Herkünften aus dem Binnenland und
der Küstenregion des westlichen Nordamerika
(Originalherkünfte und Folgegeneration)
Folgegeneration
Original-Herkünfte
Binnenland
Küstenregion
Relative Höhe [%]
0
20
40
60
80
100
120

| 15
Je nach konkreter Fragestellung können so ge-
nannte Genmarker, also Merkmale, deren ge-
netische Kontrolle nachgewiesen und deren
Variation eineindeutig auf Unterschiede in
bestimmten Abschnitten der genetischen In-
formation (Genen) zurückzuführen ist, verwen-
det werden: Die Differenzierung zwischen Ar-
ten spielt dabei ebenso eine Rolle, wie die
Variation zwischen Populationen einer Art und
die Unterscheidung einzelner Individuen. Bei-
ordnung von Vermehrungsgut zu bestimmten
Herkünften ist innerhalb der wirtschaftlich be-
deutsamen Baumarten nur selten möglich, da
die Variation in den Beständen oft größer ist
als zwischen ihnen. In einzelnen Fällen konnten
über große Teile des Verbreitungsgebietes einer
Art, wie bei der Weißtanne (
Abies alba
Mill.)
beziehungsweise bei seltenen Baumarten wie
der Eibe (
Taxus baccata
L.), solche Unterschiede
bereits nachgewiesen werden (Abb. 6).
Abb. 6: Genotypische Variation am Genort PGM-A in
zwei Populationen der Eibe (
Taxus baccata
L.)
Schlottwitz
Steinberg-Dissau
0
20
40
60
80
100
PGM-A23
PGM-A22
PGM-A13
PGM-A12
PGM-A11
PGM-A33
Anteil [%]
spielsweise kann mit der Bestimmung der Vari-
ation an 4 Genen festgestellt werden, ob ein
Baum zur Art der seltenen Europäischen
Schwarzpappel (
Populus nigra
L.) gehört, die
sich äußerlich oft schwer von einigen anderen
Arten bzw. Arthybriden unterscheidet.
Besonderes Interesse für die Kontrolle der Ein-
haltung der gesetzlichen Regelungen zum
forstlichen Vermehrungsgut gilt der gene-
tischen Variation innerhalb der Arten. Die Zu-
Die wirksamste Kontrolle ermöglichen Untersu-
chungen, bei denen die Sameneltern (Mütter)
bekannt sind, von denen das fragliche Vermeh-
rungsgut abstammen soll. In diesem Fall wer-
den die Erntebäume und eine Stichprobe des
Vermehrungsgutes untersucht und verglichen.
Da bei der Befruchtung jeweils die Hälfte des
mütterlichen und väterlichen Erbgutes an die
Folgegeneration weitergegeben wird, muss die
genetische Variation des Samens mindestens
zu 50 % mit der des Erntebaumes übereinstim-
men. Treten bei Nachkommen an bestimmten
Genen Varianten an beiden homologen Chro-
mosomen (reinerbig) auf, die bei den Samen-
bäumen nicht vorkommen, dann ist sicher, dass
diese Nachkommen nicht von einem der ge-
nannten Erntebäume stammen. Unregelmäßig-
keiten in der Deklaration von Vermehrungsgut
können damit zweifelsfrei nachgewiesen wer-
den. Abb. 7 veranschaulicht dies am Beispiel
eines Bergahorn-Bestandes. In diesem Bestand
0
5
10
15
20
25
30
35
Abb. 7: Verteilung der relativen Allelhäufigkeiten in einem Erntebestand und einer angeblich daraus entstammenden Saatgutprobe
Saatgutprobe
Erntebestand
148
Relative Höhe [%]
152
160
162
164
166
168
170
172
174
176
Allele

16 |
fehlt in den Altbäumen am Genort MAP 33 das
Allel 148. Es kommt aber im vorliegenden Saat-
gut reinerbig vor. Somit kann zumindest ein Teil
der Samen nicht aus dem Bestand stammen.
Voraussetzung für solche Untersuchungen
ist die Verfügbarkeit von Methoden zur Be-
stimmung hochvariabler Genmarker für die
einzelnen Baumarten und die Kenntnis der ge-
netischen Variation dieser Arten an den Gen-
markern über wesentliche Teile des Verbrei-
tungsgebietes. Der Staatsbetrieb Sachsenforst
ist mit den im Kompetenzzentrum für Wald
und Forstwirtschaft vorhandenen genetischen
Laboren die Kontrollinstanz für die genetische
Charakterisierung von forstlich relevanten
Baum- und Straucharten im Freistaat Sachsen.
Zusammenfassend kann festgehalten werden,
dass die Verwendung geeigneter Herkünfte
forstlichen Vermehrungsgutes bei der Bestan-
desbegründung wesentlich über die Gesund-
heit, Stabilität und Leistungsfähigkeit der Wäl-
der in der Zukunft entscheidet. Zur optimalen
Erfüllung der Nutz-, Schutz- und Erholungs-
funktionen des Waldes und zur Stärkung seiner
Widerstandskraft gegen abiotische und bio-
tische Schäden ist neben der standortsge-
rechten Baumartenwahl daher die Verwendung
der örtlich geeigneten und bewährten Herkünf-
te von größter Bedeutung.
Zugelassenes Forstvermehrungsgut –
Von der Blüte zur Pflanze
Für eine nachhaltige Forstwirtschaft ist es auf
Grund der Langfristigkeit der Produktion von
entscheidender Bedeutung, dass für die Wald-
verjüngung und den Waldumbau Forstvermeh-
rungsgut verwendet wird, das zwei Vorausset-
zungen gerecht wird. Zum einen muss es an die
Bedingungen der Standorte, für die es verwen-
det werden soll, angepasst sein. Zum anderen
muss das Forstvermehrungsgut eine ausrei-
chende genetische Vielfalt besitzen, damit sich
die daraus entstehenden Bestände an zukünf-
tige Umweltveränderungen anpassen können.
Die Bereitstellung und Verwendung von Forst-
vermehrungsgut, das den Anforderungen an
Angepasstheit und Anpassungsfähigkeit glei-
chermaßen entspricht, sind somit wesentliche
Vorbedingungen für die Begründung und den
Aufbau von stabilen, leistungsfähigen und qua-
litativ hochwertigen Wäldern.
In Deutschland regelt das Forstvermehrungs-
gutgesetz (FoVG) vom 22. Mai 2002 die Erzeu-
gung, das Inverkehrbringen sowie die Ein- und
Ausfuhr von forstlichem Vermehrungsgut.
Mehrere Ziele stehen im Mittelpunkt dieses
Gesetzes:
die Erhaltung und Verbesserung des Waldes
mit seinen positiven Wirkungen in seiner
genetischen Vielfalt durch die Bereitstellung
von hochwertigem und identitätsgesicher-
tem forstlichem Vermehrungsgut sowie
die Förderung der Forstwirtschaft und ihrer
Leistungsfähigkeit.
Das Inverkehrbringen von Forstvermehrungs-
gut ist grundsätzlich nur möglich, wenn es von
amtlich zugelassenem Ausgangsmaterial, wie
Erntebeständen, Samenplantagen, Familienel-
tern, Klonen oder Klonmischungen abstammt.
Ausgangsmaterial, das der Erzeugung von
Forstvermehrungsgut für den Wald dient, wird
in Deutschland in drei Kategorien zugelassen:
„Ausgewählt“
Waldbestände werden ausschließlich nach
äußerlich erkennbaren (phänotypischen)
Kriterien ausgewählt, wie z. B. Gesundheit,
Geradschaftigkeit und Wuchsleistung.
„Qualifiziert“
Zuerst findet eine Auslese von Einzelbäu-
men mit besonders guten Eigenschaften
nach phänotypischen Kriterien statt. Die
ausgewählten Bäume werden vermehrt und
in so genannte Samenplantagen gepflanzt,
die mit dem Ziel häufiger, reicher und leicht
durchführbarer Saatguternten bewirtschaf-
tet werden.
„Geprüft“
Eine Zulassung von Ausgangsmaterial er-
folgt nur bei einer nachgewiesenen, erblich
bedingten Überlegenheit bei bestimmten
Merkmalen, wie z. B. Widerstandsfähigkeit,
Volumenzuwachs oder Formeigenschaften.
Dazu werden die Nachkommen des in Frage
kommenden Ausgangsmaterials einer lang-
jährigen und aufwändigen Feldprüfung im
Vergleich mit Standardmaterial unterzogen.
Bei solchem Vermehrungsgut liegen umfas-
sende Kenntnisse über die Anbaueignung
unter bestimmten Standortsbedingungen
vor. Es ist daher besonders hochwertig.

image
| 17
Abb. 8: Zugelassener Rotbuchen-Erntebestand
Die weitaus größte Bedeutung für die Erzeu-
gung von Forstvermehrungsgut besitzt mit
wenigen Ausnahmen die Kategorie „Ausge-
wählt“, die als Ausgangsmaterial zugelassene
Erntebestände umfasst. Für die Zulassung von
Waldbeständen zur Erzeugung forstlichen Ver-
mehrungsgutes ist im Freistaat Sachsen die
Obere Forst- und Jagdbehörde im Staatsbetrieb
Sachsenforst zuständig. Auf Antrag des Wald-
besitzers wird der betreffende Bestand im Rah-
men eines Vor-Ort-Termins im Beisein des
Waldbesitzers oder seines Bewirtschafters auf
seine Eignung überprüft. Für die Zulassung
eines Waldbestandes in der Kategorie „Ausge-
wähltes Vermehrungsgut“ ist entscheidend,
dass der Bestand in den zu betrachtenden
Merkmalen mindestens durchschnittliche Ei-
genschaften aufweist. Vorzugsweise sollen au-
tochthone Erntebestände zugelassen werden,
also Bestände, deren Entwicklung nicht oder
nur so wenig vom Menschen beeinflusst wurde,
dass ihre Struktur und Zusammensetzung
durch natürliche Entwicklungen entstanden
sind. Aber auch nicht autochthone Bestände
können als Erntebestand zugelassen werden,
wenn sie sich an ihrem Standort bewährt ha-
ben und mindestens durchschnittliche phäno-
typische Merkmale aufweisen.
Für Erntebestände gelten verschiedene Min-
destanforderungen in Bezug auf das Alter, die
Bestandesgröße, die Anzahl beerntbarer Bäu–
me und den Abstand zu phänotypisch schlecht
veranlagten Beständen der gleichen Art. Be-
stände, die zugelassen werden sollen, müssen
gesund und vital sein. Des Weiteren sollen sie
sich durch gut ausgeprägte phänotypische
Merkmale, wie zum Beispiel Geradschaftigkeit,
Wipfelschäftigkeit und Schaftrundheit sowie
durch ein im Vergleich zu anderen Waldbestän-
den der gleichen Art unter ähnlichen ökolo-
gischen Bedingungen überdurchschnittliches
Wachstum auszeichnen (Abb. 8). Je nach
Baumart können die zu beurteilenden Merk-
male und deren Gewichtung unterschiedlich
sein. Grundsätzlich müssen diese bewerteten
Merkmale in einem Bestand ausreichend ein-
heitlich sein.
Die Mindestanforderungen für die Zulassung
von Ausgangsmaterial in den jeweiligen Kate-
gorien sind in der Forstvermehrungsgut-Zulas-
sungsverordnung festgelegt [10]. Um für alle
Bundesländer eine einheitliche Verfahrensweise
sicher zu stellen, gibt es für die 27 Baumarten,
die dem FoVG unterliegen, Empfehlungen, die
von dem gemeinsamen Gutachterausschuss
(gGA) der Länder für die Umsetzung des FoVG
ausgearbeitet wurden [11].
In Sachsen waren am 31. August diesen Jahres
766 Erntebestände von 23 Baumarten mit einer
Gesamtfläche von 3.130 ha als Ausgangsmate-
rial für die Erzeugung von Forstvermehrungs-
gut in der Kategorie „Ausgewählt“ zugelassen
(Tab. 2). Davon entsprechen 57 Bestände von
11 Baumarten mit einer Gesamtfläche von
150 ha den überdurchschnittlichen Qualitäts-,
Leistungs- und Gesundheitsanforderungen der
Deutschen Kontrollvereinigung (DKV) – Güte-
gemeinschaft für forstliches Vermehrungsgut
e. V. und erhielten daher die geschützte Be-
zeichnung Sonderherkunft zuerkannt. Die DKV
ist ein Zusammenschluss bedeutender Forst-
samen- und Forstpflanzenbetriebe, Waldbesit-
zer und Forstverwaltungen. Sie hat das Ziel,
den Herkunftsgedanken für forstliches Ver-
mehrungsgut in der Bundesrepublik Deutsch-
land zu fördern und zu vertreten.
Baumart/
Baumartengruppe
Ausgewähltes
Vermehrungsgut:
Erntebestände
Qualifiziertes
Vermehrungsgut:
Samenplantagen
Geprüftes
Vermehrungsgut
Anzahl
Fläche in ha
Anzahl
Fläche in ha
Art und Anzahl
Gemeine Fichte
153
935
5
11
---
Waldkiefer
63
334
10
21
---
Andere Nadelbäume
104
103
6
14
3 Samenplantagen
13 Familieneltern
Rotbuche
121
911
---
---
---
Eichenarten
181
624
---
---
---
Laubbäume mit hoher
Lebensdauer
55
90
4
5
---
Laubbäume mit
niedriger Lebensdauer
89
134
---
---
7 Familieneltern
Gesamt
766
3.131
25
51
Tab. 2: Zugelassenes Ausgangsmaterial für die Erzeugung von Forstvermehrungsgut der
Kategorien „Ausgewählt“, „Qualifiziert“ und „Geprüft“ in Sachsen (Stand: 31.08.2010)

18 |
nen herkunftsgerechte und qualitativ hoch-
wertige Pflanzen von 40 Baum- und Strauchar-
ten benötigt. Die Saatguterzeugung und die
Pflanzenproduktion haben für die Stabilität,
Qualität und Leistungsfähigkeit der zukünftigen
Wälder eine herausragende Bedeutung. Aus
diesem Grund verfügt der Staatsbetrieb Sach-
senforst über ein Zentrum für forstliches Ver-
mehrungsgut, das für die gesamte Bereit-
stellung von Saatgut entsprechend den Her-
kunftsanforderungen verantwortlich ist und
den Landeswald mit nachfolgendem Pflanzgut
versorgt:
Forstpflanzen, die unter den Bedingungen
des Regionalklimas (z. B. der Hoch- und
Kammlagen des Erzgebirges) angezogen
werden
Forstpflanzen regionalspezifischer Herkunft
(z. B. Weißtanne aus dem Nationalpark
Sächsische Schweiz)
Forstpflanzen, die im Rahmen der Erhaltung
forstlicher Genressourcen für die Erhaltung
von Baumarten und deren genetischer Viel-
falt benötigt werden.
Darüber hinaus erzeugt das Zentrum für forst-
liches Vermehrungsgut Forstsaatgut und Forst-
pflanzen für das forstliche Forschungs- und
Versuchswesen und stellt die Überführung von
wissenschaftlichen Erkenntnissen auf dem Ge-
biet der Forstgenetik und Forstpflanzenzüch-
tung in die Forstbetriebe sicher. Für die Erfül-
lung seiner Aufgaben unterhält es eine
Forstsamendarre in Flöha und die Forstbaum-
Die Verteilung der Flächenanteile der einzelnen
Baumarten und Baumartengruppen an der Ge-
samtfläche der zugelassenen Erntebestände
zeigt das deutliche Übergewicht der Haupt-
baumarten (Abb. 9). Demgegenüber steht die
Tatsache, dass für die Baumarten Grauerle, Ro-
binie und Sommerlinde, die ebenfalls dem FoVG
unterliegen, bisher in Sachsen keine Erntebe-
stände ausgewiesen werden konnten. Auch bei
den Baumarten Weißtanne, Douglasie, Spitza-
horn und Vogelkirsche, die sowohl ökologisch
wie auch waldbaulich von Bedeutung sind, gibt
es nur wenige zugelassene, vielfach nur die
Mindestfläche bzw. die Mindestbaumzahl um-
fassende Erntebestände. In diesen Fällen muss
für die Bereitstellung von Forstvermehrungsgut
auf andere geeignete Herkünfte der an Sachsen
angrenzenden jeweiligen Herkunftsgebiete zu-
rückgegriffen werden. Ist auch in diesen Gebie-
ten das Angebot an zugelassenen Erntebestän-
den nicht ausreichend, ist eine Anlieferung von
Forstvermehrungsgut aus weiter entfernten
Regionen mit vergleichbaren Standortsbedin-
gungen erforderlich. Zum Beispiel wird Weiß-
tannensaatgut aus der Slowakischen Republik
bezogen.
Anzahl und Fläche der in den Kategorien „Qua-
lifiziert“ und „Geprüft“ zugelassenen Samen-
plantagen und Familieneltern spiegeln die
Schwerpunkte der züchterischen Aktivitäten
seit den 1950er Jahren mit den Baumarten Ge-
meine Fichte, Waldkiefer, Hybridlärche, Dougla-
sie und der Gattung Pappel wider (Tab. 2). Von
der Auslese geeigneter Bäume über deren Ver-
mehrung durch Veredelung bis hin zur gesi-
cherten Anlage von Samenplantagen vergehen
in der Regel 10 bis 15 Jahre. Weitere 5 bis 10
Jahre benötigt eine Samenplantage im besten
Fall, um regelmäßig und reichlich Früchte und
Samen zu bilden. Erst dann kann die Samen-
plantage als Ausgangsmaterial in der Kategorie
„Qualifiziert“ zugelassen werden. Die Ergeb-
nisse der intensiven Arbeiten zur Bereitstellung
von hochwertigem Vermehrungsgut, zum Bei-
spiel der Laubbaumarten mit hoher Lebensdau-
er, wie Bergahorn, Roterle, Gemeine Esche,
Vogelkirsche oder Winterlinde, stehen somit
erst mittel- bis langfristig in Form von Saatgut
zur Verfügung.
Für die Waldverjüngung und den Waldumbau
im Landeswald werden jedes Jahr ca. 8 Millio-
andere Laubbaumarten hohe Lebensdauer
Waldkiefer
Eichenarten
Rotbuche
Gemeine Fichte
andere Nadelbaumarten
28%
andere Laubbaumarten niedrige Lebendauer
10%
1%
20%
31%
7%
3%
Abb. 9: Flächenanteile der einzelnen Baumarten und Baumartengruppen an der Gesamtfläche zugelassener
Erntebestände in Sachsen (Stand: 31.08.2010)
schulen Graupa, Heinzebank und Kretzscham-
Rothensema und deckt mit den genannten
Sortimenten etwa ein Drittel des gesamten
Pflanzenbedarfs des Landeswaldes ab. Den
überwiegenden Anteil der benötigten Forst-
pflanzen bezieht der Staatsbetrieb Sachsenforst
von qualifizierten, privaten Forstbaumschulen
über Lohnanzucht oder Ankauf.
Die meisten Baumarten blühen und fruchten
nicht jedes Jahr gleichmäßig, sondern nur in
mehr oder weniger großen zeitlichen Abstän-
den. Baumarten mit kleinen und leichten Sa-
men benötigen kürzere Pausen zwischen zwei
Samenjahren. Baumarten mit schweren Samen
brauchen dagegen deutlich längere Pausen. Da
für die Anlage der Blütenknospen Licht und
Wärme eine wesentliche Rolle spielen, tritt der
Wechsel zwischen Saatgutproduktion und Ru-
hephase im geschlossenen Bestand stärker in
Erscheinung als im Freistand. Um Informati-
onen für die Vorbereitung der folgenden Forst-
saatgut-Erntesaison zu erhalten, wird das Blü-
hen der Waldbäume bis Ende Mai eines jeden
Jahres repräsentativ für alle Herkunftsgebiete
in Deutschland erfasst. Abb. 10 zeigt beispiel-
haft die Varianz der Blühprognosen für Buche,
Bergahorn und Fichte in den Jahren 2006 bis
2010. Durch die flächendeckende Einschätzung
des Anteils vorherrschender und herrschender
Bäume mit Blüten in zugelassenen Erntebe-
ständen kann relativ sicher angesprochen wer-
den, ob eine Baumart in einem Herkunftsgebiet
überhaupt nicht, schwach, mittel oder reichlich

| 19
blüht. Auf Grundlage dieser Blühprognose können u. a. die Forstsaatgut produzierenden Betriebe
erste Planungen für die kommende Erntesaison vornehmen.
Nach der Blüte können noch sehr viele abiotische und biotische Faktoren wie Spätfröste, Trocken-
heit oder Insektenfraß die Ausbildung der Zapfen und Früchte in den Saatgutbeständen beeinflus-
sen. Im Extremfall kann trotz reicher Blüte keine Zapfen- und Fruchtausbildung erfolgen. Um In-
formationen über die Wirtschaftlichkeit und den Erfolg einer Saatguternte zu erhalten, werden in
Abhängigkeit von der baumartenspezifischen Zapfen- und Fruchtentwicklung bereits ab Mitte Mai
die Erntebestände aufgesucht, um die Intensität des Zapfen- und Fruchtbehangs zu ermitteln.
Bei Nadelbaumarten wird in der Regel pro Erntebestand eine Grünzapfenprobe durch Zapfenpflü-
cker des Staatsbetriebes Sachsenforst für die Durchführung eines Zapfenschnitts entnommen. Am
aufgeschnittenen Zapfen wird an Hand der Anzahl von gesunden und voll ausgebildeten Samen
(mindestens zwei bis drei Vollkörner pro Zapfen) die Beerntungswürdigkeit des Bestandes be-
stimmt.
Auf Basis der Forsteinrichtungsplanung wird im Vorfeld der Erntesaison eine detaillierte Bedarfsa-
nalyse zum jährlichen Pflanzenbedarf in den Forstbezirken durch das Zentrum für forstliches Ver-
mehrungsgut angefertigt. Der Saatgutbedarf privater Forstbaumschulen wird dabei an Hand lang-
jähriger Erfahrungswerte eingeschätzt. Die erhobenen Daten werden zusammengeführt und dienen
als Anhaltsgrößen für die Auswahl der Erntebestände in den Forstbezirken und für die Organisati-
on der Erntemaßnahmen. Um eine optimale Saatgutqualität zu gewährleisten, ist der richtige Zeit-
punkt der Ernte von großer Bedeutung. Der Reifezustand des Saatgutes hängt dabei nicht nur von
der Baumart, sondern entscheidend vom Witterungsverlauf ab.
Die Saatguternte für den Eigenbedarf des Staatsbetriebes Sachsenforst und für den Vertrieb an
Dritte wird durch das Zentrum für forstliches Vermehrungsgut koordiniert. Sie erfolgt durch eige-
ne Waldarbeiter und Zapfenpflücker (Abb. 11) oder durch qualifizierte Dienstleistungsfirmen. Für
private Forstsamen- und Forstbaumschulbetriebe besteht die Möglichkeit über Ernteüberlassungs-
verträge in den Forstbezirken, Saatgut aus zugelassenen Erntebeständen zu erzeugen. In den Ver-
trägen werden für den reibungslosen Ernteablauf alle notwendigen Vereinbarungen getroffen, zum
Beispiel zu den zu beerntenden Bestände, den Erntefristen und der Höhe der Entschädigung. Das
geerntete Rohsaatgut geht direkt in das Eigentum der Erntefirma bzw. Forstbaumschule über.
Nach der Ernte wird das Rohsaatgut über die Sammelstellen in den Forstbezirken zur Staatsdarre
nach Flöha transportiert und aufbereitet. Dort stehen den Mitarbeitern eine Vielzahl von Maschi-
0
1
2
3
4
2007
2009
Blütenansatz [Stufen]
2006
2008
2010
Gemeine Fichte
Rotbuche
Bergahorn
Jahr
Abb. 10: Ergebnisse der Blühprognose von 2006 bis 2010 bei den Baumarten
Bergahorn (Herkunftsgebiet 801 07), Rotbuche (Herkunftsgebiet 810 14) und
Gemeine Fichte (Herkunftsgebiet 840 14); Kategorien „0“ = Keine Blüte bis „4“= Reichliche Blüte

image
image
image
20 |
nen und Geräten zur Verfügung, um alle Arten
von Saatgut behandeln zu können. In der
Staatsdarre gibt es Lagermöglichkeiten für bis
zu 45 Tonnen reines Saatgut (Abb. 12).
Die Staatsdarre trägt dafür Sorge, dass dem
Staatsbetrieb Sachsenforst ein ständig abruf-
bereiter Bestand der wichtigsten Baum- und
Straucharten verfügbar ist und für die privaten
Forstbaumschulen die Möglichkeit des Zukaufs
von herkunftsgesichertem und qualitativ hoch-
wertigem Saatgut besteht. Neben dem Darrbe-
trieb zur Gewinnung von Forstsaatgut für den
Eigenbedarf und Verkauf bietet die Staatsdarre
Dienstleistungen entsprechend ihrem Tätig-
keitsprofil an. Im Vordergrund stehen hier das
Lohnklengen, die Lohntrocknung und die Lage-
rung von Saatgut.
Abb. 11: Ernte von Buckeckern und Trennung
des Rohsaatgutes von Laub und anderen
Verunreinigungen mit der Saatgutauf-
arbeitungsmaschine Oerrel
Links: Lagerung von Bucheckern
in der Staatsdarre Flöha
Abb. 12: Lagerung von aufbereiteten Bucheckern in
der Staatsdarre Flöha
Bevor das Saatgut in den Handel gebracht und
an die Baumschule geliefert werden kann, müs-
sen nach dem FoVG die äußeren Eigenschaften
und die Qualität des Saatgutes mit internatio-
nal anerkannten Prüfverfahren bestimmt wer-
den. Entsprechend den Vorschriften der Inter-
nationalen Vereinigung der Saatgutprüflabore
(ISTA – International Seed Testing Association)
ermittelt das akkreditierte Saatgutprüflabor des
Kompetenzzentrums Wald und Forstwirtschaft
zunächst das Gewicht, den Wassergehalt, die
Reinheit und das Tausendkorngewicht einer für
das Erntegut repräsentativen Saatgutprobe.
Anschließend erfolgt die Prüfung der Keimfä-
higkeit (Abb. 13) bzw. der Lebensfähigkeit des
Saatgutes. Mit Hilfe der erhobenen Parameter
kann die Anzahl keimfähiger bzw. lebensfähiger
Samen je Gewichtseinheit berechnet werden.
Rechts: Aufbereitete Bucheckern

image
| 21
Auf Grundlage der zur Verfügung stehenden
Erntemengen an Saatgut und der Ergebnisse
der Saatgutprüfung erfolgt die Planung der
Pflanzenanzucht entsprechend des Pflanzen-
bedarfs der Forstbezirke. Das Zentrum für
forstliches Vermehrungsgut verfügt über eine
Anzuchtkapazität von ca. 3 Millionen Forst-
pflanzen, die jährlich an die Forstbezirke ausge-
liefert werden können. In den Baumschulen des
Zentrums für forstliches Vermehrungsgut kön-
nen insgesamt ca. 710.000 Sämlinge verschult
werden. Die Pflanzenproduktion konzentriert
sich schwerpunktmäßig auf Hoch- und Kamm-
lagen-Herkünfte der Baumarten Bergahorn,
Rotbuche und Gemeine Fichte sowie auf Son-
dersortimente der Baumarten Bergahorn, Rot-
buche, Stiel- und Traubeneiche, Douglasie und
Weißtanne (Abb. 14).
Abb. 14: Von 2006 bis 2009 produzierte Pflanzen (in Tsd. Stück) von Hochlagenherkünften und
Sondersortimenten der Baumarten Rotbuche, Gemeine Fichte und Weißtanne
0
200
400
600
800
Weißtanne HKG 827 06
(Nationalpark)
Gemeine Fichte HKG 840 15/16
(Hochlagen)
Rotbuche HKG 810 14/15
(Hochlagen)
Pflanzen [Tsd. Stück]
Jahr
1000
1200
2006
2007
2008
2009
Abb. 13: Keimprüfung von Stieleichen-Saatgut

image
22 |
Waldzustand in den Standortsregionen –
Konsequenzen für die Weiterführung des Waldumbaus

| 23
Kronenzustand und ökologische Stabilität
Der Zustand der Benadelung bzw. Belaubung
von Bäumen ist der Kern der so genannten
Waldzustandserhebung. Damit werden die Re-
aktionen von Bäumen auf aktuelle Umweltein-
flüsse, wie z. B. aktuelle oder vorausgegangene
Trockenperioden, extreme Witterungsverläufe
während der Vegetationsruhe oder die Aktivität
von Nadel oder Blatt fressenden Insekten, er-
fasst. Solche Ereignisse gehören zum Leben der
Waldbäume. Mit der Abschwächung oder dem
völligen Wegfall des Schadeinflusses setzt oft
auch die Regeneration der Benadelung oder
Belaubung ein. Ein Beispiel ist die Regeneration
der Fichtenkronen seit der letzten akuten
Einwirkung von Luftschadstoffen im Winter
1995/96.
In manchen Fällen werden Kurztriebe und Blät-
ter auch als aktive Schutzreaktion vor einer
dauerhaften Schädigung abgeworfen. Nicht
jeder temporäre Laubverlust ist daher mit einer
langfristigen Schädigung des Baumes gleichzu-
setzen. Derartige Prozesse können am Beispiel
der Eiche anhand der Entwicklung des Kronen-
zustandes nachvollzogen werden. Phasen mit
starken Blattverlusten nach Trockenperioden
oder Insektenfraß werden durch Phasen der
Regeneration abgelöst.
Der eigentliche Wert der Waldzustandserhe-
bung ist damit nicht die „Momentaufnahme“,
sondern der Trend in der Entwicklung der Vita-
lität einzelner Baumarten auf unterschiedlichen
Standorten. Das Stichprobenraster ermöglicht
solche Aussagen vor allem für Fichte und Kie-
fer.
Hingegen ist die Stabilität von Waldökosyste-
men das Ergebnis von komplexen Wechselbe-
ziehungen zwischen der jeweiligen Waldlebens-
gemeinschaft und ihrer abiotischen Umwelt
– dem Standort (Boden, Klima, Exposition, Re-
lief etc.).
Ökologische Stabilität ist die Fähigkeit von Wäl-
dern, die Aktivierung von biotischen Schader-
regern einzuschränken und der Einwirkung von
Schadereignissen zu widerstehen (Resistenz)
bzw. die Fähigkeit zur strukturellen Erneuerung
nach Störungen (Resilienz).
Wird die Resilienz überschritten, leitet diese
Entwicklung den zeitweiligen oder dauerhaften
Wandel des Waldes in ein anderes Ökosystem
ein. Derartige Prozesse können z. B. durch Ver-
änderungen klimatischer Standortsfaktoren
oder des Bodens ausgelöst werden.
Ökologische Stabilität wird auf relativ kleinen
Flächeneinheiten durch eine Risikoverteilung
auf ein standortsgerechtes Spektrum von
Baumarten (Mischbestände) bedingt.
Das Anpassungspotenzial der Waldökosysteme
an Veränderungen von Klima und Boden wird
entscheidend von der aktuellen Baumartenzu-
sammensetzung im Verhältnis zur Breite der
Standortsbedingungen, die durch diese er-
schlossen werden können, beeinflusst. So liegt
in den mittleren Berglagen des Erzgebirges das
Anpassungspotenzial von Tannen-(Fichten-)
Buchenwäldern im Prozess des Klimawandels,
selbst bei einem produktionsbedingt hohen
Fichtenanteil, deutlich über dem von gleichalt-
rigen Fichtenbeständen.
Die Anpassungsfähigkeit wird u. a. durch die
Strukturvielfalt, d. h. das Vorhandensein der
Entwicklungsstadien aller Baumarten auf rela-
tiv kleinen Flächeneinheiten bestimmt.
Mit dem Blick auf die waldbauliche Planung
können daraus folgende Indikatoren für die
Stabilität von Waldlebensgemeinschaften ab-
geleitet werden:
die Standortsgerechtigkeit der Baumarten-
zusammensetzung,
die Standortsgerechtigkeit der Waldstruktur
und ihrer Entwicklung (Genese) und
das Verhältnis zwischen gesunden und dau-
erhaft geschädigten bzw. abgestorbenen
Bäumen, in Abhängigkeit von der jeweiligen
Entwicklungsphase des Bestandes (Sanitär-
koeffizient).
Damit steht der Sanitärkoeffizient noch am
ehesten im Zusammenhang zu den Ergebnissen
der Waldzustandserhebung.
Diese Indikatoren beeinflussen die aktuellen
funktionalen Risiken der Waldbewirtschaftung
maßgeblich. Zu berücksichtigen ist darüber
hinaus die Entwicklung dieser Risiken in Folge
einer intensiven und irreversiblen Standorts-
drift.
Der Anteil von unplanmäßigen Nutzungen an
der Gesamtnutzung ist ein Weiser für die öko-
logische Stabilität und funktionale Stetigkeit
der Fichten- und Kiefernbestände. Für die Peri-
ode von 2002 – 2008 lag dieser bei ca. 35 %.
Reichlich ein Drittel der Holznutzung ist damit
nicht auf die jeweiligen örtlichen Ziele der
Waldbewirtschaftung gerichtet, sondern resul-
tiert aus biotischen und abiotischen Schader-
eignissen.
Die Standortsgerechtigkeit der Baumartenzu-
sammensetzung und der Waldstruktur ermög-
licht ausgehend vom aktuellen Waldzustand
die Ausweisung von Zielzuständen. Die beiden
Indikatoren verweisen auf die Distanz zwischen
dem Ist-Zustand und einem stabilen Soll-Zu-
stand des Waldes und die daraus resultierende
Anfälligkeit des Waldes gegenüber Störungen
durch biotische oder abiotische Schadfak-
toren.
Der Sanitärkoeffizient ist ein Weiser für funkti-
onale Risiken und damit für die Dringlichkeit
von steuernden Eingriffen.
Die jeweilige Ausprägung der Indikatoren und
ihre Synthese bieten grundlegende Anhalts-
punkte für einen zeitlich (Dringlichkeit), räum-
lich (Standort, Bestand, Landschaftseinheit)
und funktional (Vorrangfunktion, z. B. Abfluss-
regulation, Grundwasserneubildung und -qua-
lität, Klimaschutz in Ballungsgebieten) diffe-
renzierten Waldumbau.

image
24 |
Fichtenwälder in den Berglagen
Die sächsischen Mittelgebirge werden überwie-
gend von Waldökosystemen mit der Haupt-
baumart Fichte geprägt. Die deutliche Verbes-
serung des Kronenzustandes der Fichte darf
nicht über die insgesamt geringe ökologische
Stabilität der Fichtenbestände hinwegtäu-
schen.
Eine einzige warm-trockene Vegetationsperiode
und eine nicht unter Kontrolle gebrachte Mas-
senvermehrung des Buchdruckers können zu
großflächigen funktionalen Einbrüchen in den
Fichten-Waldökosystemen führen. Nach den
Aufzeichnungen des Forstschutzmeldewesens
nahm die Intensität von Buchdruckerkalami-
täten in den vergangenen 60 Jahren zu. Die
jüngsten Kalamitäten durch Borkenkäfer führ-
ten auch im Standortsbereich von natürlichen
Fichten-Wäldern zur Bestandesauflösung.
Diese Entwicklung ist für den Waldschutz und
den Waldumbau von besonderer Bedeutung,
weil der Buchdrucker im Mittelgebirge bisher
lediglich als strukturierender Faktor in der Wal-
dentwicklung betrachtet wurde. Schafft er
doch, so wie auch Kronenbrüche durch Schnee
und Eisanhang, durch kleinflächige Störungen
mikroklimatisch günstige Voraussetzungen für
die natürliche Verjüngung der Fichte.
Stürme sind ein entscheidender Risikofaktor für
die Fichtenbestände. Eine Häufung von Stür-
men und großflächigen Sturmkalamitäten ist in
der Langzeitstatistik jedoch nicht nachweisbar.
Die Anfälligkeit der Fichtenbestände gegenüber
den genannten Schadfaktoren ist in Abhängig-
keit vom Standort (Klima, Boden, Exposition,
Relief) und vom Maß einer standortsgerechten
Baumartenzusammensetzung und Waldstruk-
tur zu sehen. Prinzipiell nimmt die Anfälligkeit
der Fichtenbestände gegenüber biotischen und
abiotischen Schadfaktoren mit deren Abwei-
chungen zu den Standorten von natürlichen
Fichtenwäldern und zum naturnahen Waldauf-
bau zu. Daraus resultierende Risiken müssen
durch den entsprechenden Bewirtschaftungs-
aufwand vorübergehend (ökologisch orien-
tierter Waldumbau) oder dauerhaft (Fichten-
Altersklassenwald) ausgeglichen werden.
In Anbetracht der aktuellen Sturm- und Bor-
kenkäferkalamitäten ist die Annahme, dass
auch naturnahe Wälder diesen Einwirkungen
nicht widerstehen könnten, so generalisiert,
falsch.
Keiner der „Urwald“-reste der Westkarpaten
und des sudetisch-herzynischen Gebirgssys-
tems ist den Massenvermehrungen des Buch-
druckers, den Stürmen, den Nassschneeereig-
nissen des vergangenen Jahrhunderts und auch
nicht denen des letzten Jahrzehnts zum Opfer
Abb. 15: Hohe Risiken auf großer Fläche –
Borkenkäfer- und Sturmrisiko ergänzen sich
sehr hoch
hoch
mittel
gering
Sturmrisiko
hoch
mittel
gering
sehr gering
sehr hoch
Borkenkäferrisiko

image
| 25
gefallen. Die Einwirkungen dieser Naturereig-
nisse verteilen sich über verschiedene an Boden
und Klima angepasste Baumarten und die Viel-
falt ihrer Entwicklungsstadien. Die Dynamik,
die von diesen Störungen verursacht wird, ist
ein auslösender Faktor für die stetige räumliche
und zeitliche Entwicklung dieser Wälder. Das
Ergebnis ist der Mosaikzyklus von unterschied-
lichen Phasen der Waldentwicklung [21].
Das Potenzial der Fichte zur natürlichen Ver-
jüngung ist ein bedeutender Weiser für die Fä-
higkeit der Fichtenbestände, nach Störungen
ihre Struktur zu erneuern.
In den Hoch- und Kammlagen der sächsischen
Mittelgebirge – im Standortsbereich von natür-
lichen Fichtenwäldern und einer hohen aktu-
ellen wie auch zukünftigen Standortsgerech-
tigkeit der Fichte – ist diese Fähigkeit erheblich
eingeschränkt (Abb. 16).
Dies ist, wenn auch nicht ausschließlich, auf die
jahrzehntelange Immissionsbelastung zurück-
zuführen. Darüber hinaus wurde die Entwick-
lung der gleichaltrigen Fichtenbestände zu
Fichtenwäldern mit einer weitaus höheren
Baumarten-, Alters- und damit auch Struktur-
vielfalt, durch überhöhte Rotwildbestände
massiv eingeschränkt oder vollständig elimi-
niert. „Ökologisch tragbare“ Rotwildbestände
lassen in älteren Fichtenbeständen in den „Lü-
cken“, die z. B. durch Schneebruch, einzelne
Windwürfe oder vereinzelten Borkenkäferfraß
entstanden sind, eine natürliche Entwicklung
zu, bei der sich Ebereschen-, Birken- und Fich-
ten-Naturverjüngung etablieren und aufwach-
sen kann. Es entstehen Ansätze für einen
Waldaufbau, der durch eine höhere funktionale
Vielfalt geprägt ist. Diese natürliche Entwick-
lung ist auf die Erneuerung von ökologisch sta-
bilen Wäldern gerichtet.
Im Gegensatz führt anhaltend hoher Wildver-
biss dazu, dass Störungen im Bestandesgefüge
ausschließlich durch Arten der Bodenvegetati-
on besetzt werden, deren Ausbreitung durch
den Verbiss kaum beeinflusst wird. So entste-
hen Wollreitgras-Fichtenwälder, mit einer lang-
fristig erheblich eingeschränkten Fähigkeit zur
natürlichen Erneuerung nach Störungen und
Kalamitäten [22]. Der Aufwand für die künstli-
che Verjüngung der Fichte ist entsprechend
hoch und risikobehaftet.
In den Mittleren und Unteren Berglagen ermög-
lichen die deutlich günstigeren klimatischen
Bedingungen und die geringere Konkurrenz der
Bodenvegetation der Fichten-Naturverjüngung
nicht nur, die zuvor beschriebenen Konkurrenz-
nischen (Störungen) zu besetzen, sondern sich
auch in relativ geschlossenen Fichten-Altbe-
ständen zu etablieren (Abb. 17).
Abb. 16: Bodenvegetationstypen innerhalb von
Kontrollzäunen
Bodenvegetation
Streu oder Verjüngung
Reitgras
Drahtschmiele
Seggen
Pfeifengras
Heidelbeere
Himbeere
Brombeere
Adlerfarn
Sauerklee
Weidenröschen
Springkraut
Kreuzkraut
Farn
8,1 - 9
7,1 - 8
6,1 - 7
<6
Jahrestemperatur[°C]
9,1 - 10
Forstbezirksgrenze

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26 |
Abb. 17: Homogene Fichtennaturverjüngungen, wie
sie vielerorts in den Unteren und Mittleren Berglagen
vorkommen
Weiterführung des Waldumbaus
Der Verjüngungsfortschritt in den über 80-jäh-
rigen Fichtenbeständen ist relativ gering. An
deren Unterstand ist die Fichte mit einem Flä-
chenanteil von mindestens 50 % beteiligt. Der
Schwerpunkt der Fichten-Naturverjüngung
liegt in den Mittleren und Unteren Berglagen.
Etwa 55 % der heute über 80-jährigen Nadel-
baumreinbestände, ca. 18.000 ha, sind ohne
einen etablierten Unterstand (Abb. 18). In den
kommenden zwei Jahrzehnten wird dieser Flä-
chenanteil durch die 51 bis 80-jährigen Bestän-
de (26.000 ha) aufgefüllt. Gleichzeitig sind in
diesem Altersbereich, der durch eine zuneh-
mende Anfälligkeit gegenüber dem Buchdru-
cker und Sturmschäden charakterisiert ist, etwa
53 % des Holzvorrates der Fichte im Landes-
wald akkumuliert (Landeswaldinventur 2008).
Auf den Durchmesserbereich über 50 cm ent-
fallen mittlerweile 13 % des Fichtenvorrates.
Die planmäßige Realisierung dieses Nutzungs-
potenzials und die Pufferung von funktionalen
Risiken erfordern die Forcierung des Waldum-
baus.
Diese wird mit der laufenden 10-jährigen peri-
odischen Betriebsplanung unter folgenden Prä-
missen untersetzt:
In den Hoch- und Kammlagen der sächsischen
Mittelgebirge bleibt die Fichte auch unter dem
Einfluss des Klimawandels in der folgenden
Waldgeneration die standortsgerechte Haupt-
baumart. Ziel ist der Umbau von gleichaltrigen
Fichtenreinbständen in strukturierte Fichten-
mischwälder.
Die Verteilung des Risikos von Buchdruckerbe-
fall und Sturmschäden vollzieht sich vorrangig
über ein kleinflächiges Mosaik von unterschied-
lichen Entwicklungsstadien der Fichte. Die Be-
teiligung von Mischbaumarten am Waldaufbau,
insbesondere Eberesche und Birke, erfolgt wei-
testgehend durch die natürliche Etablierung
dieser Arten und dient der Erzeugung von sta-
bilen Stoffkreisläufen. Eine Investition in stand-
ortsgerechte Mischbaumarten, vor allem in
Rotbuche und Weißtanne, ist in geringem Um-
fang möglich, wenn ihre Etablierung ohne bzw.
mit vertretbaren Wildschutzmaßnahmen ge-
lingt. Den genannten Aspekten hat die Regula-
tion der Rotwildbestände im Sinne einer Min-
destforderung an deren Bejagung Rechnung zu
tragen.
In den Mittleren und Unteren Berglagen wird
die Standortsgerechtigkeit der Fichte unter
dem Einfluss des Klimawandels erheblich durch
den Meso- und Mikrostandort (Exposition, Re-
lief, Bodenwasserhaushalt) beeinflusst. Dem-

| 27
entsprechend reicht in der folgenden Waldge-
neration die Beteiligung der Fichte an der
Baumartenzusammensetzung der Bestände
von der Mischbaumart mit geringen Flächen-
anteilen bis zur Hauptbaumart.
Die Erneuerung ökologisch stabiler und klima-
plastischer Wälder erfordert jedoch neben einer
höheren Vielfalt der Waldstruktur eine stand-
ortsgerechte Baumartenzusammensetzung, für
die eine kontinuierlich zunehmende und dauer-
haft gesicherte Beteiligung von Rotbuche und
Weißtanne am Waldaufbau notwendig ist. Eine
Voraussetzung ist die weitere Reduzierung der
Rot-, Reh- und Muffelwildbestände.
Gleichrangig ist in der strategischen Ausrich-
tung des Waldumbaus der Holzbedarf ange-
messen zu berücksichtigen. Dieser wird von der
Nachfrage nach Nadelholz dominiert. Dem und
der gezielten Nutzung von waldbaulichen Rati-
onalisierungsmöglichkeiten entspricht die Inte-
gration der Fichten-Naturverjüngung in den
Waldumbau (Abb. 18).
Das Potenzial für eine deutlich höhere Beteili-
gung von Baumarten des Bergmischwaldes am
Waldaufbau konzentriert sich damit im We-
sentlichen auf Bestände und Bestandesteile
ohne etablierte Fichten-Naturverjüngung.
Für die langfristige Kontinuität des Waldum-
baus ist gerade in den Mittleren und Unteren
Berglagen die Durchforstung der mittelalten
Fichtenbestände von besonderer Bedeutung.
Die Stärke der Durchforstungseingriffe ent-
scheidet in diesen Beständen über die Ausbrei-
tung der Fichten-Naturverjüngung und damit
über das Maß, in dem mit der planmäßigen
Verjüngung standortsgerechte Mischbaumar-
ten rationell, d. h. ohne einen inakzeptabel ho-
hen Aufwand für die Konkurrenzregulation,
eingebracht werden können.
Standortswidrige Fichtenwälder im Löß-Hü-
gelland und in den Unteren Berglagen –
Schwerpunkte des Waldumbaus
Die ökologische Stabilität und die Wuchsleis-
tung der Fichtenbestände auf den schweren
Böden des Löß-Hügellandes und der Unteren
Berglagen ist überwiegend kritisch. Mit jeder
weiteren Fichtengeneration verschärft sich
diese Situation erheblich.
Trockenperioden verursachen physiologischen
Stress für die Fichte, deren Wurzeln nur noch
die Humusauflage und den humosen Oberbo-
den erschließen. Die Anfälligkeit gegenüber
Buchdrucker und Kupferstecher steigt immens.
Die günstigen klimatischen Bedingungen für
diese Borkenkäferarten fördern Massenver-
mehrungen, die die großflächige Auflösung der
Alter
Fläche [ha]
Abb. 18: Alters- und Bestandesstruktur von Nadelbaumreinbeständen in den sächsischen Mittelgebirgen
0-10
11-20
21-30
31-40
41-50
51-60
61-70
71-80
81-90
91-100 101-110 111-120
>120
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
14.000
16.000
0
Sonstige Laubbäume
Fichten/Kiefern/Lärchen
Umbaubaumarten
Fichten/Kiefern/Lärchen
Fichtenbestände herbeiführen. Zudem ist die
flachwurzelnde Fichte extrem sturmgefährdet.
Nach der zweiten bis dritten Fichten-Generati-
on sind die lehmig-schluffigen Böden zum Teil
so verdichtet, dass sie auch von Baumarten mit
hoher Wurzelenergie, wie Stieleiche und Hain-
buche, nur noch eingeschränkt erschlossen
werden können. Die Erneuerung des natürlich
durchwurzelbaren Bodenraumes erfordert die
„Wurzelarbeit“ von mehreren Generationen
standortsgerechter Baumarten. Diese sehr
langsame Entwicklung kann nur durch eine
aufwändige biologisch-technische Bodenmeli-
oration ausgeglichen werden [18, 19].
Der Klimawandel verschärft die Situation nicht
standortsgerechter Fichtenbestände massiv.
Eine nachhaltige Forstwirtschaft schließt die
dauerhafte Beteiligung der Fichte am Waldauf-
bau, auch als Mischbaumarten mit nennens-
werten Flächenanteilen, überwiegend aus.
Unterstand (UST) aus:
Oberstand (OST) aus:
OST:
33.790 ha
UST UMB:
5.300 ha
UST Gesamt:
10.660 ha
Vollzug:
5.280 ha
Bilanz:
17.850 ha
(OST ohne UST)
55%

28 |
Alter
Abb. 19: Alters- und Bestandesstruktur von Nadelbaumreinbeständen im Hügelland und den Unteren Berglagen (Landeswald)
Fläche [ha]
0-10
11-20
21-30
31-40
41-50
51-60
61-70
71-80
81-90
91-100 101-110 111-120
>120
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
0
OST:
21.250 ha
UST UMB:
3.140 ha
UST Gesamt:
5.160 ha
Vollzug:
2.950 ha
Bilanz:
13.140 ha
(OST ohne UST)
60%
Weiterführung des Waldumbaus
Der aktuelle Waldzustand dokumentiert die Be-
deutung dieser forstbetrieblichen Herausforde-
rung.
Von den nicht standortsgerechten, über 80-
jährigen Fichtenbeständen im Löß-Hügelland
und in den Unteren Berglagen verfügen 40 %
über einen Unterstand, überwiegend aus stand-
ortsgerechten Baumarten (Abb. 19). Geringe
Anteile der Fichte an der etablierten Waldver-
jüngung, die ausschließlich aus Naturverjün-
gung hervorgegangen sind, können als Zeitmi-
schung in das Verjüngungsziel integriert
werden.
Der gegenwärtig vorhandene Unterstand ist in
den Fichtenbeständen auf Standorten konzen-
triert, in denen eine kleinflächige Verjüngung
unter dem Schutz des Altbestandes möglich ist,
ohne ein hohes Risiko von Sturmschäden ein-
zugehen. Der Schwerpunkt dieser Bestände
liegt in den feuchten Unteren Berglagen. Der
Baumartenwechsel erfolgt zugunsten von Rot-
buche und Weißtanne. Mit geringen Flächen-
anteilen ist eine dauerhafte Beteiligung der
Fichte an der Baumartenzusammensetzung
nicht auszuschließen. Darüber hinaus tragen
die so genannten Edellaubbäume, z. B. Berg-
und Spitzahorn, aber auch die Roteiche, zur
Leistungsfähigkeit der Forstbetriebe sowie zur
Verteilung ökologischer Risiken bei.
Der Anteil von über 80-jährigen Fichtenbestän-
den ohne einen Unterstand aus standortsge-
rechten Baumarten liegt bei etwa 60 % oder
absolut ca. 13.000 ha. In den nächsten zwei
Jahrzehnten wachsen noch einmal ca. 15.000 ha
der heute 51- bis 80-jährigen Bestände in die
Phase der Bestandesentwicklung, die durch
eine hohe Disposition gegenüber Buchdrucker-
befall und Sturmschäden charakterisiert ist,
ein.
Hieraus ergeben sich folgende Prämissen für
die Weiterführung der Umwandlung bzw. des
Umbaus der Fichtenbestände:
Auf Standorten, wo die Fichte extrem wurfge-
fährdet ist, erfolgt die Umwandlung in stand-
ortsgerechte Stieleichen-Mischbestände durch
Schmalkahlschlag. Dabei wird vor allem die
Wiederbewaldung der Freiflächen durch Pio-
nierbaumarten, vor allem Birke, genutzt, um die
ökologische Extremsituation der Freifläche –
die negativen Wirkungen eines durch Vernäs-
sung und Trockenperioden geprägten Boden-
wasserhaushalts sowie die Spätfrostgefahr
– zu mildern. Die Pufferung des extremen Bo-
denwasserhaushalts ist oft eine Voraussetzung
für den Verjüngungserfolg.
Ein zeitlich versetzter Anbau der Eiche unter
dem Schirm der Pionierbaumarten kann erheb-
lich zur Verminderung des Verjüngungsauf-
wandes beitragen. Unter dem Einfluss von be-
sonders extremen standörtlichen Situationen,
ist auch der Zwischenschritt einer ganzen Pio-
nierwaldgeneration ein rationelles Mittel des
Waldumbaus. Das trifft vor allem im Mosaik
mit Standortsbereichen zu, wo die Umwand-
lung der Fichtenbestände in Eichenbestände
direkt erfolgen kann. Diese Pionierwaldstadien
sind dann in 40 bis 50 Jahren Ausgangspunkte
für die natürliche Ausbreitung der Eiche und
anderer Zielbaumarten.
Die Streckung des erheblichen forstbetrieb-
lichen Aufwandes für die Waldverjüngung in
dieser Standortsregion, ohne auf die Holzpro-
duktion zu verzichten und darüber hinaus
funktionale Einbrüche durch ein flächiges Ab-
sterben instabiler Fichtenbestände zu riskieren,
ist eine Schlüsselfrage für die ökonomische
Nachhaltigkeit der Forstbetriebe.
Die stetige Zunahme von potenziellen Samen-
bäumen in den nächsten Jahrzehnten beein-
flusst die Rationalisierung des Waldumbaus im
Lößhügelland erheblich. Das betrifft nicht nur
die Umwandlung der Fichtenbestände, sondern
auch der Kiefern-, Lärchen-, Aspen- und Bir-
kenbestände aus vorausgegangenen Phasen
des Waldumbaus.
Aktuelle Baumartenvielfalt im Löß-Hügel-
land und in den Unteren Berglagen – Poten-
zial für die biologische Rationalisierung
Der relativ hohe Anteil von standortsgerechten
Laubbaumarten im Löß-Hügelland und in den
Unteren Berglagen ist auf die Perioden des
Waldumbaus in der Vergangenheit zurückzu-
führen. Das Ergebnis ist schon heute ein enor-
mes biologisches Rationalisierungspotenzial für
den Waldumbau bzw. die Umwandlung der
Fichtenbestände, welches in den nächsten
Jahrzehnten weiter zunimmt.
Sonstige Laubbäume
Fichten/Kiefern/Lärchen
Umbaubaumarten
Fichten/Kiefern/Lärchen
Unterstand (UST) aus:
Oberstand (OST) aus:

| 29
Eine entscheidende Voraussetzung, um dieses
Potenzial wirksam in die Erneuerung ökologisch
stabiler, in höherem Maße klimaplastischer
Wälder integrieren zu können, sind Populati-
onen wiederkäuender Schalenwildarten, die
dieses natürliche Potenzial nicht einschränken
oder gar eliminieren.
Insgesamt sind das Löß-Hügelland und die Un-
teren Berglagen der räumliche und zeitliche
Schwerpunkt des Waldumbaus. Eine wirt-
schaftlich und ökologisch nachhaltige Forst-
wirtschaft setzt, verschärft durch den Klima-
wandel, den weitgehenden Ersatz der Fichte
durch Eichen und Buchen dominierte Zielzu-
stände der Waldentwicklung voraus. Von allen
Standortsregionen ist im Löß-Hügelland das
Potenzial für die biologische Rationalisierung
des Waldumbaus durch das hohe und relativ
gleichmäßig verteilte Samenangebot von
standortsgerechten Laubbaumarten am stärks-
ten ausgeprägt.
Kiefernwälder
Ähnlich wie für die Fichte erlaubt der Kronen-
zustand der Kiefer nur eingeschränkte Rück-
schlüsse auf die Stabilität der Kiefernbestände
auf den Sandböden des Tieflandes. Neben der
potenziellen Gefährdung durch Nadel fressende
Insekten ist die natürliche Verjüngung der Kie-
fer nur dort möglich, wo die Konkurrenz der
Bodenvegetation wie in natürlichen Kiefern-
Wäldern oder nach Waldbrand gering ist. Ver-
gleichbare Wirkungen hatte bis zum Beginn des
vorigen Jahrhunderts der Humusentzug durch
die Nutzung der Nadelstreu.
Außerhalb der wenigen natürlichen Vorkommen
im Bereich der Dünen und Moore sind Kiefern-
Wälder nach der Degradation der Waldböden
sukzessionale Durchgangsstadien in der Ent-
wicklung zu Kiefern-Eichen, Eichen- und Bu-
chenwäldern.
Die Kiefer selbst ist nicht in der Lage, das Nähr-
stoffangebot der relativ nährstoffarmen Sand-
böden vollständig zu nutzen. Zusätzliche Nähr-
stoffeinträge, insbesondere Flugaschen- und
Stickstoffimmissionen, bedingen geschlossene
Decken aus verdämmend wirkenden Arten der
Bodenvegetation (Sandrohr, Brombeere). Die
natürliche Etablierung einer Strauch- und zwei-
ten Baumschicht aus standortsgerechten Laub-
baumarten kann diese Entwicklung bei einem
entsprechenden Samenangebot einschränken.
Dauerhafter und intensiver Verbiss durch Reh-
und Rotwild wirken dieser Entwicklung entge-
gen.
Die standörtlichen Voraussetzungen für den
Waldumbau werden vor allem durch eine nega-
tive klimatische Wasserbilanz während der Ve-
getationsperiode geprägt. Diese Situation hat
sich in der Periode von 1970 bis 2000 gegenü-
ber der Referenzperiode von 1901 bis 1950 [12]
deutlich verschärft. Folgt man den regionalen
Projektionen des Klimawandels für unter-
schiedliche Emissionsszenarien, wird dieser
Trend in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts
zunehmen.
Das Puffervermögen der sandigen Böden ist
gegenüber einer negativen klimatischen Was-
serbilanz während der Vegetationsperiode
überwiegend gering. Positiv wirken der Lehm-
anteil, ein hoher Humusgehalt in den intensiv
durchwurzelten oberen Horizonten des Mine-
ralbodens sowie eine Humusauflage, die durch
einen geringen Benetzungswiderstand und ein
hohes Wasserspeichervermögen charakterisiert
ist.
Die Erhöhung des Humusanteils ist die ent-
scheidende Steuergröße für die Pufferung von
klimatischer Trockenheit durch den Boden. Ei-
ner Intensivierung des Biomassenentzugs, z. B.
durch die mehr oder weniger vollständige Nut-
zung des so genannten Waldrestholzes, ist im
Sinne einer nachhaltigen Bodennutzung ent-
schieden entgegenzuwirken.
Humusentzug auf den Sandböden führt zu
einem erheblichen und nur schwer kompensier-
baren Verlust der Bodenfruchtbarkeit, einer
drastisch sinkenden Wuchsleistung der Kiefer,
einem Verzicht auf den Anbau der Baumarten
wie Eiche, Rotbuche und Douglasie mit höheren
Ansprüchen an die Wasserkapazität und Nähr-
stoffversorgung der Waldböden sowie einem
steigenden Produktionsrisiko.
Der aktuelle Waldzustand wird vor allem durch
den Waldumbau in den vergangenen 20 Jahren
geprägt. Charakteristisch ist der hohe Anteil
von Kiefern-Altbeständen mit einem etablier-
ten Unterstand aus standortsgerechten Baum-
arten. Nur 30 % der über 80-jährigen Bestände
(1.840 ha) sind ohne Unterstand (Abb. 20). Mit
dem vollständigen Vollzug der laufenden Forst-
einrichtungsplanung wird diese Fläche noch
weiter abnehmen.
Hervorzuheben ist, dass durch die relativ
kurzen Perioden des Waldumbaus in den
1920er, 1950er, 1960er und 1980er Jahren und
dem seit 1992 anhaltenden ökologisch orien-
tierten Waldbau, ein erhebliches Potenzial an
Samenbäumen geschaffen wurde. In den kom-
menden Jahrzehnten könnte von diesem Po-
tenzial in den jungen und mittelalten Kiefern-
beständen eine Dynamik der Waldentwicklung
ausgehen, die auf die Erneuerung von ökolo-
gisch stabilen, klimaplastischen Kiefern-
Mischwäldern gerichtet ist. Diese Entwicklung
wäre gleichbedeutend mit erheblichen biolo-
gischen Rationalisierungsmöglichkeiten für den
Waldumbau.
Voraussetzung sind auch hier Reh- und Rot-
wildbestände, die diesen Prozess nicht massiv
zurückdrängen oder gar aufheben.

30 |
Eine Naturverjüngung der Kiefer ist schwierig
und beschränkt sich im Wesentlichen auf den
Nordosten des Wuchsgebietes. Hier sind auch
die Möglichkeiten für die natürliche Entwick-
lung von Kiefern-Eichen-Mischbeständen stär-
ker ausgeprägt als im nordwestlichen Teil. Die-
ser unterlag in der Vergangenheit einem
weitaus stärkeren Immissionseinfluss, der zur
Eutrophierung der Waldböden geführt hat. Das
Ergebnis sind vitale Decken aus verdämmend
wirkenden Arten der Bodenvegetation, wie
Brombeere und Sandrohr, die sich bereits in
den mittelalten Kiefernbeständen zu einem
massiven Hindernis für die Ausbreitung der
Laubbaumarten entwickeln können. Zudem ist
das Samenangebot standortsgerechter Laub-
baumarten wesentlich geringer (Abb. 16).
Weiterführung des Waldumbaus
Auf der Grundlage der etablierten Verjüngung
in den über 80-jährigen Beständen ist in der
mittelfristigen Betriebsplanung von 2012 bis
2022 eine geringere Intensität des Waldumbaus
im Tiefland, zugunsten der Umwandlung bzw.
des Umbaus von nicht standortsgerechten
Fichtenbeständen in den Standortsregionen
Löß-Hügelland und Mittelgebirge zweckmä-
ßig.
Das Baumartenspektrum, welches für den
Waldumbau unter dem Einfluss von zuneh-
mend warm-trockenen Standortsbedingungen
zur Verfügung steht, ist gering. Baumarten mit
einer höheren Anpassung an extreme Trocken-
perioden sind im Vergleich zu den Sandböden
in der Regel an eine bessere Nährstoffversor-
gung und ein höheres Wasserspeichervermö-
gen gebunden.
Das Anpassungspotenzial der heute natürlich
auf den Sandstandorten vorkommenden
Baumarten ist daher für die Anpassungsstrate-
gie der Forstwirtschaft an den Klimawandel
von besonderer Bedeutung. Es muss systema-
tisch analysiert und für die Praxis durch die
Bereitstellung des entsprechenden forstlichen
Vermehrungsgutes erschlossen werden. Das
gilt ebenso für die Douglasie und andere nicht
standortsheimische Baumarten.
Der Anbau der Douglasie setzt nach aktuellen
Erfahrungen und Analysen mindestens anleh-
mige Substrate voraus. Eine generelle Auswei-
tung des Anbaus auf reine Mittel- bis Grob-
sande ist gegenwärtig nicht zu empfehlen. Eine
Möglichkeit könnte die Erschließung geeigneter
Herkünfte darstellen.
Auf reinen Grob- und Mittelsanden verfügt der
Kiefern-Mischbestandstyp über eine relativ
hohe ökologische Stabilität und Anpassungsfä-
higkeit an die zunehmende klimatische Tro-
ckenheit in Verbindung mit einer extrem gerin-
gen Wasserkapazität dieser Böden. Die Do-
minanz der Kiefer trägt auf diesen Standorten
entscheidend zu einer nachhaltigen und ste-
tigen Holzversorgung bei. Die Kiefer bleibt da-
mit auf Grob- und Mittelsanden die bedeu-
tendste Wirtschaftsbaumart.
Die Ertragserwartung der Mischbaumarten ist
eher gering. Ihre wesentliche Wirkung besteht
in der Stabilisierung der Stoffkreisläufe und des
Bestandeswasserhaushaltes. Auf die künstliche
Einbringung der Mischbaumarten wird weitge-
hend verzichtet. Die stetige Annäherung an
eine standortsgerechte Baumartenzusammen-
setzung und Waldstruktur muss mit der natür-
lichen Ausbreitung von Mischbaumarten und
Sträuchern erreicht werden.
In der nächsten zehnjährigen periodischen Be-
triebsplanung konzentriert sich der Waldumbau
in noch stärkerem Maße auf die Kiefernbestän-
de auf lehmigen und anlehmigen Sanden. Ziel-
zustand ist der Eichen-Mischbestandstyp mit
einer weit variierenden Baumartenzusammen-
setzung. Dieser wird durch Zielzustände, die
von der Douglasie oder Roteiche dominiert
werden ergänzt, insofern dem ein Vorrang der
Naturschutzfunktion nicht entgegensteht.
Zielzustände, die von der Buche dominiert wer-
den, setzen Standortsverhältnisse voraus, die
durch den Bodenwasserhaushalt und / oder die
mikroklimatischen Bedingungen den Einfluss
klimatischer Trockenheit und extremer warm-
trockener Witterungsverläufe während der Ve-
getationsperiode puffern.
Damit wird die Bedeutung der Rotbuche für
den Waldumbau auf den Sandstandorten des
Tieflandes auf einen verhältnismäßig engen
Standortsbereich begrenzt.
Die Restvorkommen von Tieflands-Buchenwäl-
dern sind wertvolle Beispielobjekte, um die
Wirkungen des Klimawandels auf diese Ökosys-
teme analysieren zu können. Vor- und Unter-
bauten der Buche werden in die Waldentwick-
lung integriert. Als Mischbaumart ist auch in
Zukunft eine standörtlich differenzierte Betei-
ligung der Buche an den Verjüngungszielen
möglich. Insgesamt wird mit diesem Vorgehen
in der Standortsregion ein Potenzial entwickelt,
das ermöglicht, die reale Reaktion der Buche
Alter
Abb. 20: Alters- und Bestandesstruktur von Nadelbaumreinbeständen im Tiefland
0-10
11-20
21-30
31-40
41-50
51-60
61-70
71-80
81-90
91-100 101-110 111-120
>120
0
Fläche [ha]
2000
4000
6000
Sonstige Laubbäume
Fichten/Kiefern/Lärchen
Umbaubaumarten
Fichten/Kiefern/Lärchen
Unterstand (UST) aus:
Oberstand (OST) aus:
OST:
6300 ha
UST UMB:
2020 ha
UST Gesamt:
3670 ha
Vollzug:
790 ha
Bilanz:
1840 ha
(OST ohne UST)
60%

| 31
und der Buchenwald-Ökosysteme auf die Än-
derung von klimatischen Standortsfaktoren
beurteilen zu können.
Mittelalte Kiefernwälder – Durchforstungs-
vorräte konsolidieren, biologische Rationali-
sierungspotenziale für den Waldumbau för-
dern
Die Durchforstungsvorräte in den 41 – 80-jäh-
rigen Kiefernbeständen sind als Folge von star-
ken Durchforstungseingriffen in der Forstein-
richtungsperiode von 1992 bis 2002 gering.
Das verdeutlichen auch die Ergebnisse der Bun-
deswaldinventur² und der Landeswaldinventur
2008.
Nach der Kulmination des laufenden Zuwachses
werden stärkere Eingriffe in die herrschende
Bestandesschicht von Kiefernbeständen durch
den verbleibenden Bestand nur sehr langsam
ausgeglichen. Gleiches trifft für Unterbre-
chungen des Kronenschlusses zu. Als Folge
entstehen Konkurrenznischen in der Bestan-
desstruktur.
Sind Verjüngungsvorräte von standortsge-
rechten Baumarten in dieser Wuchsphase be-
reits etabliert, wird die Entwicklung zum Misch-
bestand forciert.
Ohne etablierte Verjüngungsvorräte fördert
eine anhaltende Unterbrechung des Kronen-
schlusses in mittelalten Kiefernbeständen die
exzessive Ausbreitung von verdämmend wir-
kenden Arten der Bodenvegetation [14]. Die für
eine Ausbreitung und Etablierung von stand-
ortsgerechten Mischbaumarten entscheidende
sensitive Phase der Bestandessukzession wird
erheblich verkürzt (Abb. 21).
Die massive Biomasseakkumulation in der Bo-
denvegetation entwickelt sich zu einer stabilen
Konkurrenzbarriere für die Waldverjüngung.
Der Aufwand für die künstliche Verjüngung der
Bestände steigt beträchtlich. Gleichzeitig neh-
men Risiken für die Verjüngung durch die un-
mittelbare Konkurrenz der Bodenvegetation
aber auch durch die forcierte Entwicklung von
Mäuse-Habitaten zu.
Die dauerhafte Regulation wiederkäuender
Schalenwildarten auf einem Niveau, welches
die natürliche Entwicklung der Kiefernbestände
zu stabilen Waldlebensgemeinschaften nicht
einschränkt, die Konsolidierung der Durchfors-
tungsvorräte und eine Durchforstungsintensi-
tät, die sich konsequent am Wuchsverhalten
der Kiefer und der Entwicklungsdynamik der
Kiefernbestände orientiert, beeinflussen die
ökonomische Nachhaltigkeit der Kiefernbe-
triebe durch die Vermeidung von Ertragsein-
brüchen (aussetzender Betrieb) und die Aus-
schöpfung aller Möglichkeiten für die
biologische Rationalisierung der Waldverjün-
gung erheblich.
Diese Aspekte sind bei einer geringeren Inten-
sität des Waldumbaus in den über 80-jährigen
Kiefernbeständen der Schwerpunkt für die
Weiterführung des Waldumbaus mit der perio-
dischen 10-jährigen Betriebsplanung von 2012
bis 2022. Sie tragen erheblich zum Aufbau öko-
logisch stabiler und klimaplastischer Kiefern-
wälder und einem rationellen Einsatz der forst-
betrieblichen Ressourcen bei.
Initialphase 1
Initialphase 2
Initialphase 3
Einwande-
rung von
Mischbaum-
arten in der
Kultur- /
Jungwuchs-
phase von
Kiefern-
Forstöko-
systemen
Einwanderung von Mischbaumarten nach
der Kulmination des Höhenwachstums
der Kiefer und zunehmender horizontaler
Differenzierung des Kiefernbestandes
abnehmende Intensität der Einwanderung
von Mischbaumarten bei deutlich
reduzierter Konkurrenz des
Kiefernbestandes und zunehmender
Konkurrenz der Bodenvegetation
Zunehmende Etablierung bei
differenzierter Qualität, Vitalität
und Regenerationsfähigkeit des
Unter- und Zwischenstandes
Ausbreitungsintensität der Eiche
0 – 20
21 – 60
61 – 120
>120
Altersdifferenz (Kiefer - Eiche)
Abb. 21: Bestandessukzession in Kiefern-
Forstökosystemen – Ausbreitung von
Laubbaumarten am Beispiel der Eiche

image
32 |
Der aktuelle Kronenzustand

| 33
Witterung und Immissionen
Weil Bäume ihre Kronen in die Atmosphäre und
ihre Wurzeln in den Boden strecken, beschrei-
ben die durch die Meteorologie erfassten Wit-
terungszustände und die im Rahmen des Um-
weltmonitorings aufgezeichneten Stoffkon-
zentrationen in der Luft und im Boden wesent-
liche Standortsfaktoren.
Grundsätzlich passen sich Bäume und Wälder
durch Wachstum und Fortpflanzung an vorlie-
gende und sich ändernde Umweltfaktoren an.
Eine vollkommene Anpassung der Bäume an
die selten auftretenden Naturereignisse ist je-
doch nicht gegeben. Aus diesem Grund können
extreme Windgeschwindigkeiten Bäume zu Fall
bringen oder Stämme brechen lassen, führt in-
tensive Sonneneinstrahlung bei Trockenheit zu
Hitzeschäden an Blättern, beeinträchtigen hohe
Ozonkonzentrationen unter anderem die Funk-
tion von Biomembranen im Blatt.
Derart extreme Standortszustände bewirken in
der Regel akute Schäden am Baum, die ohne
weiteres mit dem bloßen Auge bzw. mit einem
Fernglas beurteilt werden können. Häufiger tre-
ten jedoch Stressbelastungen auf, auf die der
pflanzliche Organismus im Rahmen seiner Wi-
derstandskraft reagiert. Viele dieser Reaktionen
sind äußerlich nicht wahrnehmbar und können
erst durch aufwändige Untersuchungen im La-
bor aufgeklärt werden. Als chronische Belas-
tungen bleiben sie oftmals lange Zeit unbe-
merkt, können jedoch, vor allem im Zusam-
mentreffen mit anderen ungünstigen Be-
dingungen zu abnehmender Konkurrenzkraft,
krankhaften Auswirkungen oder gar zum Ab-
sterben führen.
Da Bäume sich den während ihres langen Le-
bens auftretenden Widrigkeiten nicht durch
Ortswechsel entziehen können, besitzen sie
vielfache Anpassungsmechanismen, um als In-
dividuum und Art bestehen zu können. Viele
dieser Reaktionen sind zugleich die sichtbaren
Symptome der Belastung. So verlieren einige
Baumarten, wie die heimischen Eichen und Lin-
den, bei Trockenheit ihre Blätter oder ganze
Zweige, um ihre Wasserverluste zu minimieren.
Auch die empfindlichen Reaktionen auf hohe
Ozonkonzentrationen in der Luft stehen mit
natürlichen Abwehrreaktionen gegenüber Pilz-
und Virenbefall in Beziehung. So werden durch
Ozon bereits vor der Ausprägung sichtbarer
Schadsymptome biochemische Veränderungen
hervorgerufen, die denen nach Pathogenbefall
ähneln und auffällige Blattnekrosen hervorru-
fen. In der Wissenschaft werden derartige Ne-
krosen als „programmierter Zelltod“ diskutiert,
um Krankheitserreger im Pflanzengewebe ab-
zugrenzen und eine ungehinderte Ausbreitung
zu verhindern [vgl. 18].
Die genannten Beispiele zeigen auf, dass es
schwer fällt, ausgehend von sichtbaren Symp-
tomen auf deren konkrete Ursache zu schlie-
ßen, da diese zugleich Abwehrmechanismen
sein können. Auf Grund dieser und ähnlicher
Wechselwirkungen, mit denen Pflanzen ihrer
Umwelt begegnen, ist auch die Beurteilung
nachteiliger Wirkungen von Witterungsverläu-
fen und Stoffeinträgen auf den Waldzustand
nicht einfach.
So speichert der Boden Wasser, das den Pflan-
zen kontinuierlich zur Verfügung steht, auch
wenn es nicht täglich regnet. Die Menge und
Zusammensetzung des Feinbodens, also Ton-,
Schluff- und Sandbestandteile kleiner als 2
Millimeter, bestimmen im Wesentlichen das
Wasserspeicherverhalten der Böden. In den Po-
ren des Feinbodens kann Wasser entgegen der
Schwerkraft gehalten werden. Die entspre-
chende Wassermenge ist die so genannte Feld-
kapazität der Böden. Wassergehalte, die über
die Feldkapazität hinausgehen, sickern auf
Grund der Schwerkraft mehr oder weniger
langsam in tiefere Bodenschichten und letzt-
endlich ins Grundwasser. Wassergehalte über
der Feldkapazität treten zeitlich begrenzt auf,
so z. B. durch lang anhaltenden Niederschlag
oder Schneeschmelze.
Hinzu kommt, dass Wälder als effektive Luftrei-
niger sowohl Nähr- als auch Schadstoffe aus
durchströmenden Luftmassen und Nieder-
schlägen auskämmen, anreichern und über den
Bestandesniederschlag oder über den Streufall
in den Boden leiten. Dieser wirkt wiederum als
Filter, Puffer und Transformator, der zugeführte
Stoffe aufnehmen und umwandeln kann. Die
Stoffe entfalten ihren Einfluss auf die Lebens-
kraft der Bäume über deren Wurzeln in zumeist
zeitlicher Verzögerung. So können die Säure-
einträge (Abb. 22 a und b) und Einträge an
Schwefel oder Stickstoff noch lange Zeit nach-
wirken, auch wenn sich die aktuellen Einträge
bereits auf einem unkritischen Niveau befinden
(vgl. Waldzustandsbericht 2009).
Das „chemische Gedächtnis“ der Böden ist je
nach Ausgangssubstrat der Bodenbildung un-
terschiedlich ausgeprägt. Hohe Speicher- und
Pufferleistung geht mit einem hohen Gehalt an
Feinsubstanz sowie nährstoffreichen Tonmine-
ralen und Silikaten einher. Diese tauschen über
den Niederschlag oder die Wurzelatmung in
das Bodenwasser eingetragene Säure gegen
gebundene Nährstoffe aus, welche dann bei
gleichzeitig starkem Sulfat- oder Nitrateintrag
in großen Teilen die durchwurzelte Zone mit
dem Sickerwasser verlassen müssen. Somit ge-
hen den Waldökosystemen wichtige Nährstoffe
verloren.
Bei lang andauernder Säurebelastung können
schließlich die Minerale durch Herauslösung
von wurzeltoxischem Aluminium aus ihrem
Kristallgitter unwiederbringlich zerstört und die
Nährkraft des Bodens dauerhaft vermindert
werden. Eine Abschätzung des Nährstoffzu-
stands der Böden liefern zum einen räumlich
ausreichend repräsentative und in größeren
zeitlichen Abständen durchgeführte Bodenzu-
standserhebungen (vgl. Waldzustandsbericht
2009) sowie für ausgewählte sächsische Dau-
erbeobachtungsflächen (Level-II) berechnete
Nährstoffbilanzen. Erst die Zusammenschau
entsprechender Auswertungen des forstlichen
Bodenmonitorings erlaubt eine fundierte Pro-
gnose über die in Zukunft noch zu leistende
„Wiedergutmachung“ für die seit der Industria-
lisierung in die Wälder eingetragene Säurelast.
Nach zwanzig Jahren erfolgreicher, standorts-
angepasster Bodenschutzkalkung in säch-
sischen Wäldern, die seit 2007 dankenswerter-
weise durch den Einsatz europäischer Mittel im
Rahmen des Entwicklungsprogramms für den
ländlichen Raum (EPLR) Sachsen gefördert
wird, ist in den kommenden Jahren die Belas-
tungssituation der Böden zu bewerten, der ver-
bleibende Kalkungsbedarf zu ermitteln und die
weitere Strategie der Bodenschutzkalkung neu
zu bestimmen.

34 |
Abb. 22b: Säureeinträge an der Dauerbeobachtungsfläche Cunnersdorf (ehemals Rauchschadzone extrem) 1994 bis 2009 über die berechnete Gesamtdeposition (GD)
bzw. als freie Säure in der Kronentraufe (KR)
Jahr
Protonen [kg ha
-1
a
-1
]
KR
GD
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
GD
4,24
3,84
3,32
2,61
2,38
1,84
1,77
2,01
1,58
1,84
1,64
1,55
1,73
1,61
1,26
0,62
KR
1,90
1,68
1,25
0,87
0,77
0,56
0,51
0,59
0,40
0,17
0,29
0,38
0,43
0,31
0,34
0,18
Abb. 22a: Säureeinträge an der Dauerbeobachtungsfläche Olbernhau 1995 bis 2009 über die berechnete Gesamtdeposition (GD) bzw. als freie Säure in der Kronentraufe
(KR)
Jahr
Protonen [kg ha
-1
a
-1
]
KR
GD
1,5
3,0
4,5
6,0
0,0
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
GD
5,89
5,56
3,98
2,99
1,8
2,36
2,89
2,68
2,03
1,58
1,88
1,64
1,61
1,54
1,18
KR
3,11
2,81
1,61
0,81
0,44
0,64
0,57
0,08
0,11
0,17
0,28
0,19
0,19
0,21
0,14
1,5
3,0
4,5
6,0
0,0

| 35
In den Jahrzehnten mit hohen Rauchgaskonzentrationen in der Luft überprägten oder verstärkten
vor allem Schwefel- und Stickstoffoxidkonzentrationen und -einträge den Einfluss der Witterung
auf die Waldökosysteme. Nach ihrer erfolgreichen Reduktion und den seit 1991 erfolgten Sanie-
rungsmaßnahmen der Waldböden, prägen vermehrt extreme Wetterereignisse und Witterungspe-
rioden den Waldzustand. Auch die vom Jahreswechsel bis zum Monat August 2010 auftretende
Witterung verursachte derartige Stressbelastungen für Bäume.
Nach den milden und niederschlagsarmen Wintern 2006/07 und 2007/08 waren die beiden zu-
rückliegenden Winter 2008/09 und 2009/10 deutlich kälter und relativ schneereich. Vor allem das
überwiegend von nasskalten Luftmassen aus östlichen und nördlichen Richtungen geprägte Wet-
ter im Januar 2010 war deutlich zu kalt. Die Monatsmitteltemperaturen lagen zwischen 4 und 6
Kelvin (K) unter den langjährigen Mittelwerten von 1971 bis 2000. Auch im Februar, dem Dritten
zu kalten Monat in Folge, lagen die Stationswerte zwischen 1 und 3 Kelvin unter dem Periodenmit-
tel. Dabei stellten sich bis Mitte März nur wenige Tage mit klarem Frostwetter ein, die gewöhnlich
sehr tiefe Temperaturen mit sich bringen.
Durch das anhaltende Frostwetter fielen die Niederschläge weit überwiegend als Schnee, so dass
in ganz Sachsen eine geschlossene Schneedecke auftrat. Auf den Kammlagen der Gebirge, wo die
Schneedecke durch die kurzen Tauwetter um den 18. Januar und den 22. Februar kaum abnahm,
wurden Mitte März Schneehöhen bis zu 100 cm (Zinnwald) und 110 cm (Fichtelberg) gemessen.
Mit der am 17. März von Westen und Süden her einströmenden milden Luft setzte trockenes Früh-
lingswetter ein. In der zweiten Monatshälfte verstärkten die mit milder Meeresluft herangeführten
teilweise ergiebigen Niederschläge die Schneeschmelze. Am Monatsende lag nur noch in den obe-
ren Lagen des Westerzgebirges Schnee, der im April bei überwiegend kühl-trockenem Frühlings-
wetter vollständig abtaute.
Nach Beginn der Vegetationszeit im trockenen und recht sonnigen April verzögerte das Ende April
einsetzende und fast den gesamten Mai andauernde wolken- und regenreiche Wetter den Laubaus-
trieb. Dementsprechend gering fielen Sonnenscheindauer und Lufttemperaturen aus, die gemessen
auf den Waldklimastationen zwischen 2 und 3 Kelvin unter den langjährigen Mittelwerten lagen.
Welche Dynamik unsere Atmosphäre besitzt, wenn warme und kalte Luftmassen aufeinander tref-
fen, zeigte sich am Nachmittag des 24. Mai. An diesem Pfingstmontag beeinflussten nur wenige
Stunden oder Minuten anhaltende heftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen den
Waldzustand intensiv. Mit einer geschätzten Windgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern
rotierte ein Wirbelsturm auf einer rund 80 km langen Schneise von Torgau kommend über Belgern,
Großenhain und Ottendorf-Okrilla, bevor er in Großröhrsdorf auslief. In dieser Sturmschneise fielen
134.000 m³ Wurf- und Bruchholz an. Mit 68.000 m³ Schadholz konzentrieren sich die Schäden auf
Waldgebiete im Forstbezirk Dresden. Bedingt durch die regionalen Waldeigentumsverhältnisse
wurde mit 93.000 m³ Sturmholz hauptsächlich der Privat- und Körperschaftswald betroffen, im
Staatswald entstanden 41.000 m³ Wurf- und Bruchholz. Nach dem eigentlichen Schadereignis
traten an den neu entstandenen Bestandesrändern Absterbeerscheinungen auf. Diese sind in ers-
ter Linie auf Wurzelschäden (-abrisse) durch die mechanische Beanspruchung unterhalb der Wurf-
bzw. Bruchschwelle während des Sturms und die neu entstandene Exposition der Bäume nach dem
Sturm zurückzuführen. In diesen Bereichen ist mit verstärktem Auftreten biotischer Schaderreger
(z. B. Borkenkäfern, Pilzen) zu rechnen.
Zusammenfassend betrachtet ergab sich für die sächsischen Wälder eine durchschnittlich warme,
aber sehr feuchte Vegetationsperiode mit insgesamt günstigen Wachstumsbedingungen. Abb. 23
zeigt dies anhand der Lufttemperaturen im Monatsmittel und der klimatischen Wasserbilanz für 8
von 16 Waldklimastationen an. Die klimatische Wasserbilanz ist dabei ein berechneter Referenz-
wert, der angibt, inwieweit der Wasserverbrauch einer Grasdecke durch den Niederschlag ausge-
glichen werden kann.
Bis auf den Monat Juni liegen die auf der Basis von Lufttemperatur, Globalstrahlung und Nieder-
schlagssummen berechneten klimatischen Wasserbilanzen über den langjährigen Mittelwerten. Vor

image
36 |
allem in Ostsachsen fallen die Wasserbilanzen
in den Monaten Mai, Juli und August unge-
wöhnlich hoch aus.
In diesen Monaten führten wiederholte Tief-
druckkomplexe zu ergiebigen und bisweilen
lang anhaltenden Niederschlägen. Bereits An-
fang Juni herrschte nach Niederschlägen von
bis zu 80 mm im tschechischen Einzugsgebiet
der Elbe und Moldau Hochwasser. Am 7. August
traten auch im Raum Chemnitz und in Ostsach-
sen viele Flüsse über die Ufer (Abb. 25). Inner-
halb von 24 Stunden wurden auf den Waldkli-
mastationen Bautzen und Zeughaus Regen-
mengen von 127 mm gemessen. Vergleichbare
Tagessummen hat es auf den vier in der Region
liegenden Messstationen während ihrer bis zu
14-jährigen Laufzeit bisher kaum gegeben. Ta-
gessummen bis 50 mm stellten hier bisher Ma-
ximalwerte dar. Lediglich am 12. August 2002
wurde auf der Station Cunnersdorf mit 112 mm
ein ähnlich extremer Niederschlagswert regis-
triert.
Nur wenige Wochen vorher, von Mitte Juni bis
Mitte Juli, herrschte trockenes Hochsommer-
wetter. Die Tageshöchsttemperaturen lagen im
Gebirge mehrfach über 30 °C. Im Monat Juli
ergaben sich so Monatsmittelwerte der Luft-
temperatur, die mit 21°C in Doberschütz und
17°C in Klingenthal zwischen 2,0 und 3,6 Kelvin
über den langjährigen Mitteln liegen.
In diesem Zeitraum stiegen die Verdunstungs-
raten witterungsbedingt an. Bis in die Mittleren
Berglagen hinein konnte der über vier Wochen
nur sporadisch auftretende Niederschlag den
zunehmenden Wasserbedarf der Vegetation
nicht mehr ausgleichen. Infolgedessen sanken
mit Ausnahme der Station Klingenthal die Bo-
denwassergehalte (Abb. 24). Die stärksten Min-
derungsraten sind erwartungsgemäß im säch-
sischen Tief- und Hügelland zu verzeichnen.
Temperaturbedingt hohe Verdunstungsraten
treffen in diesen Regionen auf eine vergleichs-
weise geringe Wasserspeicherkapazität der Bö-
den. Hier werden die bodenspezifischen Tot-
wassergehalte erreicht, bei denen das im Boden
enthaltene Wasser so fest an die Bodenkörper
gebunden ist, dass es von Pflanzenwurzeln
nicht mehr aufgenommen werden kann.
Bei den ausgewählten Waldklimastationen
handelt es sich um baumfreie Flächen im Wald,
auf denen höchstens Gräser, Kräuter und
Zwergsträucher wachsen. Hier können die ge-
messenen Bodenwassergehalte deutlich von
den Verhältnissen innerhalb der Waldbestände
Abb. 23: Monatsmittel der Lufttemperaturen und die
klimatische Wasserbilanz von Januar bis August 2010
für ausgewählte Waldstandorte
Mittlere, Höhere Berglagen und Kammlagen
Hügelland/Untere Berglagen
Tiefland
Forstliche Höhenstufen
Waldklimastation
langjähriges Mittel der Temperatur
Temperatur
klimatische Wasserbillanz (KWB)
langjähriges Mittel der KWB

image
image
image
abweichen. Jedoch ist es andererseits ohne den
Einfluss vielfältigster Bestandesstrukturen
möglich, das Zusammenspiel von Witterung
und Waldboden relativ gut zu vergleichen und
Trockenphasen zu charakterisieren.
Beim Vergleich der Frühjahrsbodenfeuchten der
einzelnen Stationen werden die zwischen den
Bodenarten bestehenden Unterschiede der Feld-
kapazitäten deutlich. Im Hügelland charakteris-
tische Lößböden mit hohen Ton- und Schluff-
anteilen, wie sie beispielsweise im Zellwald
vorkommen, weisen mit 50 % die höchsten
Feldkapazitäten auf. Die für das mittlere und
östliche Erzgebirge repräsentative Station Ol-
bernhau mit den prägenden Gneisböden erreicht
ähnlich hohe Werte.
Im Westerzgebirge charakteristische Phyllit- und
Granitböden der Waldklimastation Eich bzw.
Klingenthal weisen dagegen etwas geringere
Feldkapazitäten von etwa 30 % auf. Diese Bö-
den zeichnen sich durch höhere Grus-, Kies und
Steingehalte aus, weshalb die Feinbodenanteile
geringer sind. Mit Gehalten zwischen 20 und
25 % speichern die Sandböden im nieder-
schlagsarmen Tiefland noch geringere Wasser-
mengen. Dass nicht jeder Sandboden als gleich
ungünstig anzusehen ist, lässt sich am Ver-
gleich zwischen den reinen Sandböden in Do-
berschütz und dem lehmigen Sand in Roitzsch
erkennen, der ähnlich den Böden im Gebirge im
Frühjahr einen Wassergehalt über 30% auf-
weist. Die einzelnen Spitzen sehr hoher Boden-
feuchten, die über die Feldkapazitäten hinaus-
reichen, markieren Sickerwasserflüsse in tiefere
Bodenschichten und den Grundwasserkörper.
Abb. 25: Am 7. August auftretendes Hochwasser im
Tal der Kirnitzsch im Nationalpark Sächsische
Schweiz (Foto: J. Weber)
Abb. 24: Verlauf der täglichen Minima der Bodenfeuchte in 30 cm Tiefe an ausgewählten Waldklimastationen
Mittlere, Höhere Berglagen und Kammlagen
Hügelland/Untere Berglagen
Tiefland
Forstliche Höhenstufen
Waldklimastation
| 37

38 |
93
94
95
96
97
98
99
00
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
Angabe [%]
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
8,0
Jahr
umgefallen, -geworfen/
abiotische Ursachen
außerplanmäßige Nutzung/
biotische Einflüsse
außerplanmäßige Nutzung/
abiotische Einflüsse
außerplanmäßige Nutzung/
unbekannte Ursachen
Ersatzquote aller Bäume
über 60 Jahre
Abb. 26: Anteil ersetzter WZE-Bäume (über 60 Jahre)
untergliedert nach Ausfallgründen, Erhebungsjahre
1993 bis 2010
Allgemeine Situation und regionale Ausprägung
Allgemeine Situation
Die Waldzustandserhebung wurde im Jahr 2010 auf 284 Probepunkten mit 6.816 Probebäumen des
4x4-km-Rasters durchgeführt. Da die Stichprobenbestände natürlichen Ausscheidungsprozessen
und der forstlichen Bewirtschaftung unterliegen, ist es möglich, dass Stichprobenbäume aus dem
Kollektiv ausscheiden. Streng systematisch wird in diesen Fällen ein Ersatzbaum ausgewählt. So
wurden in diesem Jahr allein 83 Bäume über 60 Jahre aus folgenden Gründen ersetzt:
55 Bäume wurden im Rahmen regulärer forstlicher Eingriffe entnommen. Dabei entfallen je-
doch 24 Bäume auf einen Kontrollpunkt, dessen Oberstand vollständig zugunsten des darunter
stockenden Voranbaus geerntet wurde.
5 Bäume wurden außerplanmäßig infolge von Insektenbefall oder aus anderen forstsanitären
Gründen entnommen.
14 Bäume erfüllten nicht mehr die Anforderungen an einen Stichprobenbaum. Im Regelfall
gehörten sie nicht mehr zur herrschenden Bestandesschicht. Die Krone war damit von Nach-
barbäumen überwachsen und somit nicht mehr bonitierbar.
9 Bäume waren durch Wind oder Schneedruck gebrochen oder geworfen.
Zusätzlich musste in diesem Jahr ein kompletter Punkt aus der Erhebung genommen werden, der
im Rahmen der Vorfeldräumung des Braunkohletagebaues bei Weißwasser zu einer Leitungstrasse
umgewandelt wurde.
Der Ersatz von Stichprobebäumen über 60 Jahren umfasst in diesem Jahr 2,3 % des Kollektivs und
liegt exakt im langjährigen Mittel (1993 bis 2010). Abb. 26 zeigt die zeitliche Entwicklung des
Baumersatzes unterteilt nach außerplanmäßigen Ausfallgründen. Die Spitzen in den Jahren 1996
und 2007 weisen auf die Folgen des Schadwinters 1995/96 und des Orkans „Kyrill“ hin.
Ohne Berücksichtigung regionaler und baumartenspezifischer Unterschiede liegt der mittlere
Nadel-/Blattverlust mit 16,1 % wenig über dem Minimum der zwanzigjährigen Messreihe (1995:
15,9 %). Die Verteilung auf die kombinierten Schadstufen, die aus der prozentualen Kronenverlich-
tung und Blattverfärbung als Zeichen von Nährstoffmangel gebildet werden, stellt sich 2010 in
Sachsen wie folgt dar (Abb. 27; vgl. Tab. 3 und 5 im Anhang):
14 % der Waldfläche sind deutlich geschädigt (Schadstufen 2–4),
43 % sind schwach geschädigt (Schadstufe 1) und
43 % haben keine erkennbaren Schadmerkmale (Schadstufe 0).

| 39
Im Vergleich zum Vorjahr haben sich leichte
Verschiebungen von der Stufe deutlich geschä-
digter zu schwach geschädigter Bäume erge-
ben, während der Anteil gesunder Bäume nur
um einen Prozentpunkt marginal anstieg. In der
Gruppe der deutlichen Schäden weist die Mehr-
heit der Bäume (13 %) mittelstarke Schäden
auf (Schadstufe 2), während lediglich ein Pro-
zent stark geschädigt bzw. abgestorben sind
(Schadstufen 3 und 4).
Im 20-jährigen Beobachtungszeitraum zeich-
nen sich mehrere Phasen sowohl der Verbesse-
rung als auch Verschlechterung des Kronen-
zustandes ab. Außergewöhnliche Witterungs-
verläufe (Winter 1995/96, Sommer 2003,
Sommer 2006), deren Wirkungen zum Teil
durch extreme atmosphärische Stoffkonzent-
rationen und -einträge (z. B. hohe Schwefeldi-
oxidbelastung im Winter 1995/96) verstärkt
wurden, führten zu Phasen hoher Stressbelas-
tung. In den sich anschließenden Erholungs-
phasen verbesserte sich der Kronenzustand
jeweils wieder.
Über den gesamten Beobachtungszeitraum un-
terliegt der Kronenzustand aller Stichproben-
bäume jedoch keiner eindeutigen positiven
oder negativen Tendenz. Erst ein detaillierter
Blick auf die verschiedenen Baumarten, Wuchs-
gebiete und Baumalter lässt sich eine Dynamik
im Kronenzustand der Bäume in Sachsen er-
kennen.
Gegenüber vitaleren jüngeren Bäumen reagie-
ren ältere Bäumen (über 60 Jahre) deutlich
sensitiver auf Umweltfaktoren. Veränderungen
der Stressbelastung zeigen sich deshalb am
ehesten bei diesen Bäumen, die zwischen 1991
und 2010 in der mittleren Kronenverlichtung
einen positiven Trend anzeigen (Abb. 28).
KV (alle Alter)
KV (-60 Jahre)
ungeschädigt
schwach geschädigt
deutlich geschädigt
KV (>60 Jahre)
0
20
40
60
80
100
Angabe [%]
10
09
08
07
06
05
04
03
02
01
00
99
98
97
96
95
94
93
92
91
Jahr
Abb. 27: Schadstufenverteilung und mittlere
Kronenverlichtung (KV) aller Baumarten von 1991 bis
2010
Angabe [%]
10
15
20
25
30
Trend
KV %
91 92 93 94 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10
Jahr
Abb. 28: Mittlere prozentuale Kronenverlichtung
(KV %) aller Bäume über 60 Jahre im Zeitraum von
1991 bis 2010

image
40 |
Abb. 29: Anteil deutlicher Schäden 2010 und
Veränderung der mittleren Kronenverlichtung von
1991 bis 2010 in den Wuchsgebieten/-gruppen (WG)
WG 14 – Mittleres nordostdeutsches Altmoränenland/
WG 15 – Düben-Niederlausitzer Altmoränenland
WG 23 – Sachsen-Anhaltinische-Löß-Ebenen
WG 24 – Leipziger-Sandlöß-Ebene
WG 25 – Sächsisch-Thüringisches Löß-Hügelland
WG 26 – Erzgebirgsvorland
WG 27 – Westlausitzer Platte und Elbtalzone/
WG 28 – Lausitzer Löß-Hügelland
WG 44 – Vogtland
WG 45 – Erzgebirge
WG 46 – Elbsandsteingebirge/
WG 47 – Oberlausitzer Bergland/
WG 48 – Zittauer Gebirge
Anteil deutlich
geschädigter Bäume [%]
15.1 - 20
10.1 -15
5.1 - 10
20.1 - 25
keine Angaben
Wuchsgebiet
Sachsen

| 41
Regionale Ausprägung des Kronenzustandes
Aussagen zur regionalen Ausprägung des Kro-
nenzustandes können auf der Basis der forstli-
chen Wuchsgebiete (WG) im 4x4-km-Raster
nur teilweise statistisch abgesichert werden.
Aus diesem Grund werden einige kleine Wuchs-
gebiete, soweit es sinnvoll erscheint, zu Grup-
pen zusammengefasst. Bei Wuchsgebieten, die
über die Landesfläche Sachsens hinausgehen,
beziehen sich die Angaben ausschließlich auf
den sächsischen Teil. Für die Wuchsgebiete
Sachsen-Anhaltinische-Löß-Ebenen (WG 23),
Leipziger-Sandlöß-Ebene (WG 24) und Erzge-
birgsvorland (WG 26) ist der Stichprobenum-
fang in folge des geringen Waldanteiles für eine
sinnvolle Auswertung allerdings zu gering.
Die Ergebnisse der Wuchsgebietsauswertung
sind in Abb. 29 sowie Tab. 8 im Anhang veran-
schaulicht. Die Diagramme in Abb. 29 zeigen
die Entwicklungstrends der Schäden in den
Wuchsgebieten. Zu berücksichtigen ist, dass die
Ergebnisse für die Wuchsgebiete neben den
vorherrschenden Boden- und Klimatypen vor
allem von der dort jeweils vorherrschenden
Baumarten- und Altersklassenverteilung ge-
prägt werden (vgl. Tab. 7 im Anhang).
Während im Vorjahr stärkere regionale Unter-
schiede im Kronenzustand auftraten, unter-
scheiden sich die in diesem Jahr diagnostizier-
ten Häufigkeiten deutlicher Schäden wieder
weniger zwischen den Wuchsgebieten. Geringe
Nadel- und Blattverluste treten in den beiden
Wuchsgebieten des Tieflandes (Mittleres nord-
ostdeutsches Altmoränenland/Düben-Nieder-
lausitzer Altmoränenland) auf. Im Sächsisch-
Thüringischen Löß-Hügelland und in den
östlichen Gebirgen (Elbsandsteingebirge/Ober-
lausitzer Bergland/Zittauer Gebirge) wurden
die höchsten Anteile deutlicher Schäden ver-
zeichnet. Im Tiefland und im Vogtland blieben
diese Schäden unverändert, während sie in al-
len anderen Wuchsgebieten nach dem Anstieg
im Vorjahr wieder gesunken sind.
Die regionale Ausprägung des Kronenzu–
standes unterstreicht die in den vergangenen
20 Jahren eingetretene Veränderung der Be–
lastungssituation und gibt die in den Wuchsge-
bieten vorhandenen Baumartenunterschiede
wieder.
Die vor allem in den höheren Lagen des
Erzge-
birges
(WG 45) aufgetretenen hohen Belastun-
gen durch atmosphärische Stoffeinträge
nahmen auf Grund der konsequenten Luft-
reinhaltepolitik und den anhaltenden
Anstrengungen bei der Sanierung der stark
versauerten Waldböden ab. In dem waldreichs-
ten Wuchsgebiet Sachsens wurden noch bis
1999 überdurchschnittlich hohe Kronenverlich-
tungen und/oder Verfärbungen registriert. Der
Trend des letzten Jahrzehnts mit kontinuier-
licher Verringerung der deutlichen Schäden hat
sich nach einer Pause im letzten Jahr weiter
fortgesetzt. Er erreicht in diesem Jahr ein neues
Minimum von 14 %, was die deutlich sicht-
baren Verbesserungen der letzten Jahre unter-
streicht.
Im ebenfalls von Fichtenwäldern dominierten
Vogtland
(WG 44) lagen die deutlichen Schä-
den weiterhin auf einem etwas geringeren Ni-
veau. Der im Trockenjahr 2003 einsetzende
Trend hoher Werte der mittleren Kronenverlich-
tung kehrt sich nach wie vor nicht um. Hier und
noch deutlicher in den östlichen Gebirgen (
Elb-
sandsteingebirge
/
Oberlausitzer Bergland
/
Zittauer Gebirge
) wird der zunehmende Ein-
fluss trocken-warmer Witterungsperioden
spürbar. In beiden Regionen herrschen Böden
vor, die gegenüber dem Erzgebirge geringere
Wasserspeicherkapazitäten aufweisen. Schon
sehr kurze Trockenphasen, wie sie im April 2009
aber auch im eigentlich nassen Jahr 2010 im
trockenen Juni/Juli 2010 auftraten, könnten
sich hier stärker ausgewirkt haben.
Der positive Trend im
Sächsischen Tiefland
(WG 14/15) und in den Wuchsgebieten
West-
lausitzer Platte und Elbtalzone/Lausitzer
Löß-Hügelland
(WG 27/28) basiert auf den
Verbesserungen bei den hier dominierenden
Kiefern. Diese Baumart besitzt hohe Toleranzen
gegenüber Trockenphasen.
Das von Eichen und anderen Laubbaumarten
dominierte
Sächsisch-Anhaltinische Lößhü-
gelland
(WG 25) steuerte im letzten Jahr
wieder auf die Werte der Jahre 1998/99 zu.
Glücklicherweise hat sich dieser Trend nicht
fortgesetzt. Das kühl-feuchte Frühjahr hat
wahrscheinlich zu einer leichten Erholung und
Kompensation der stärkeren Fruktifikation bei-
tragen können, wobei vor allem biotische Ein-
flussfaktoren noch nicht gebannt sind. Gerade
die hohen Luftfeuchtigkeitswerte haben bei
vielen Eichen zu auffälligem Mehltaubefall ge-
führt.
Kronenzustand an Nadelbäumen
Nadelbäume dominieren in der Stichprobe mit
einem Anteil von insgesamt 77 % die Baumar-
tenzusammensetzung der sächsischen Wälder.
Mit einem Anteil von 42 % ist die Gemeine
Fichte die häufigste Baumart und prägt vor
allem in den Mittelgebirgen das Bild des
Waldes. Die Gemeine Kiefer ist mit 31 % Anteil
die zweithäufigste Baumart an der sächsischen
Waldfläche. Sie tritt vor allem in den Wäldern
des Tief- und Hügellandes prägend auf.
Sonstige Nadelbäume besitzen in Sachsen ei-
nen Anteil an der Waldfläche von 4 %. Die zu
dieser Baumartengruppe zählenden Arten sind
hier meist nicht autochthon und wurden erst
im Zuge der Umsetzung spezieller waldbau-
licher Konzepte, wie z. B. der Aufforstung des
Erzgebirgskammes nach dem flächigen Abster-
ben der Fichte, angepflanzt. Folglich sind etwa
3/4 der begutachteten sonstigen Nadelbäume
jünger als 40 Jahre, wobei die Europäische Lär-
che mit etwa 50 % die häufigste Baumart in
dieser Gruppe ist.
Mit Ausnahme der Lärche verbleiben bei un-
seren Nadelbaumarten die Nadeln mehrere
Jahre an den Zweigen, bevor diese sich verfär-
ben, absterben und abfallen. Dieser natürliche
Alterungsprozess vollzieht sich weitgehend un-
bemerkt an den inneren Zweigen. In Folge von
Stressbelastungen werden bevorzugt ältere,
photosynthetisch weniger aktive Nadeln abge-
worfen. Im Extremfall können nur noch die im
laufenden Jahr gebildeten Triebe benadelt sein.
Dem plötzlichen und oftmals starken Nadelver-
lust steht eine nur schrittweise Regeneration
durch die jährlichen Neuaustriebe gegenüber.
Dies führt dazu, dass der Regenerationsprozess
bei Baumarten mit einer hohen Anzahl von Na-
deljahrgängen, beispielsweise Fichten und Tan-
nenarten, langsamer erfolgt als bei Kiefern, die
im Optimalfall drei oder vier Nadeljahrgänge
aufweisen.

42 |
Fichte
Die aktuelle Waldzustandserhebung weist für die Fichte einen mittleren Nadelverlust von 15,2 %
auf. Das ist der beste Wert nach dem Minimum der mittleren Kronenverlichtung im Jahr 2006 mit
14,7 %. Seit 2007 schwanken die Nadelverluste zwischen 15 und etwa 17 % (2009: 17,1 %) und
nehmen nicht weiter ab. Gleichläufig fallen im Jahr 2010 auch nur 14 % der Bäume in die Schad-
stufe mit deutlichen Nadelverlusten und/oder Verfärbungen (Abb. 30).
Die weit über ihr natürliches Verbreitungsgebiet hinaus angebaute Fichte kommt auf 61 % der
Stichprobenpunkte der Kronenzustandserhebung vor. Diese umfassen Standorte von den kühl-
feuchten höheren Lagen der Gebirge, die zuletzt im Winter 1995/96 unter hohen Immissionen
litten, bis in die deutlich wärmeren und trockeneren Unteren Berglagen und das Hügelland. Die
positive Entwicklung im Verlauf der Zeitreihe basiert vor allem auf der kontinuierlichen Verbesse-
rung des Kronenzustandes älterer Fichten, vor allem in den oberen Lagen der Gebirge. So nahmen
die mittleren Nadelverluste bei den über 60-jährigen Fichten in den Höheren Berglagen von
36,2 % im Jahr 1996 auf nunmehr 17,1 % ab. In den Unteren Berglagen, die 1994 mit 27,6 % das
Maximum in der Zeitreihe aufweisen, ist dieser Trend deutlich schwächer ausgeprägt (Abb. 31).
Während in den 1990er Jahren immissionsbedingt mit zunehmender Höhenlage auch höhere Na-
delverluste einhergingen, kehrte sich dieses Verhältnis im Jahrhundertsommer 2003 in Richtung
klimatischer Stressoren um. Auch im aktuellen Jahr liegen die Kronenverlichtungen älterer Fichten
in den Unteren Berglagen und im Hügelland über denen höherer Berglagen. Auch wenn die durch-
schnittliche Kronenverlichtung der Fichte insgesamt und auch aller Teilkollektive gesunken ist, hat
sich dieses Verhältnis in den letzten 3 Jahren nicht verändert.
Während der Behang der Fichten mit Zapfen 2009 sehr ausgeprägt war, ist dies 2010 nicht der Fall.
Lediglich 1 % aller älteren Fichten haben zumeist einen leichten aktuellen Zapfenbehang. Vielerorts
sind jedoch die trockenen und meist offenen Zapfen vom letzten Jahr noch in den Kronen vorhan-
den (vgl. Tab. 6 im Anhang).
KV (alle Alter)
KV (-60 Jahre)
ungeschädigt
schwach geschädigt
deutlich geschädigt
KV (>60 Jahre)
0
20
40
60
80
100
Angabe [%]
10
09
08
07
06
05
04
03
02
01
00
99
98
97
96
95
94
93
92
91
Jahr
Abb. 30: Schadstufenverteilung und mittlere Kronen-
verlichtung (KV) der Fichte von 1991 bis 2010

| 43
Der im Jahr 2009 - verglichen mit den vorangegangenen Jahren - geringe Befall durch den Buch-
drucker und dessen intensive Sanierung führte in diesem Jahr zu niedrigen Dichten an überwin-
ternden Käfern. Ein sehr begrenztes Brutraumangebot in Form von Wurf- und Bruchholz aus dem
vorangegangenen Winter und besonders die ungünstige feuchte und kühle Witterung im April und
Mai charakterisierten die schwierigen Startbedingungen der rindenbrütenden Borkenkäfer in die
neue Saison 2010.
Abb. 31: Mittlere Kronenverlichtung (KV) der Fichte
von 1992 bis 2010 in Abhängigkeit der Forstlichen
Klimastufen
registriert Januar - Mai im Folgejahr
registriert Juni - Dezember im Befallsjahr
89
Befallsholz [m
3
]
Jahr
0
20.000
40.000
60.000
80.000
100.000
120.000
140.000
90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10
Abb. 32: Durch Buchdrucker zum Teil in Kombination mit Kupferstecher befallene Holzmenge von 1989 – 2010 (Angaben für 2010 bis Monat August)
92
mittlere Kronenverlichtung [%]
93
94
95
96
97
98
99
00
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
0
40
5
15
10
20
25
30
35
Jahr
Hoch- und Kammlagen
untere Berglagen & Hügelland
Mittlere Berglagen

image
44 |
Ab der 27. KW (2. Juliwoche) begann der Ausflug der neuen Käfergeneration unter nahezu optima-
len Witterungsbedingungen. Teilweise überschritten die Temperaturen bereits den Optimalbereich
des Buchdruckers. Bis Ende August 2010 wurden landesweit an etwas mehr als 1.300 Waldorten
nur 7.800 m³ stehend befallenes Holz durch den Buchdrucker, z. T. in Kombination mit dem
Kupferstecher, registriert (Abb. 32). Das entspricht etwa 35 % des Vorjahreswertes und stellt das
Minimum seit 2003 dar. Obwohl die Befallsholzmenge in den nächsten Monaten noch ansteigen
wird, ist für 2010 von einem insgesamt mittleren bis geringen Schadniveau auszugehen. Mit einem
Anteil von fast 90 % der Gesamtmenge konzentriert sich der Befall gegenwärtig auf Fichtenbe-
stände im Erzgebirgs- und Vogtlandkreis sowie im Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge
(Abb. 33).
Kiefer
Die Einschätzungen des Nadelverlustes bei der Kiefer betragen in diesem Jahr im Mittel nahezu
unverändert 14,4 %. Damit wird der Verbesserungstrend, der im vorletzten Jahr einsetzte, bestä-
tigt. Der in den Jahren 2000 bis 2007 kontinuierlich erfolgte Anstieg der mittleren Kronenverlich-
tung wird damit zum wiederholten Male revidiert.
Nachdem zu Beginn der 90er Jahre eine beachtenswerte Verbesserung des Kronenzustandes mit
einer Zunahme der als vollständig benadelt angesehenen Bäume von 31 % (1991) auf 58 % (1996)
konstatiert werden konnte, stiegen die Nadelverluste bis zum Jahr 2007 wieder an. Die starke Zu-
nahme des Anteils der Bäume mit Nadelverlusten bis 10 %, der von 36 % (2008) auf 45 % (2009)
stieg, wurde aktuell mit 43 % nicht mehr erreicht. Dagegen knüpft der Anteil der Bäume mit deut-
lichem Nadelverlust an die Werte der Jahre von 1995 bis 2001 an und bildet mit 7 % wieder das
Minimum, welches 1996 das letzte Mal aufgetreten ist (Abb. 34).
Zwar ist auch bei der Kiefer der Kronenzustand zwischen den Altersbereichen differenziert, jedoch
finden im Gegensatz zur Fichte die Veränderungen im Kronenzustand in gleichem Maße bei älteren
und jüngeren Bäumen statt.
Abb. 33: Regionale Verteilung der Befallsholzmengen
nach den territorial untergliederten Landkreisrevie-
ren und kreisfreien Städten mit Stand
im Monat August 2010
Menge [Fm]
> 50 bis 250
> 0 bis 50
>
0
> 250 bis 500
> 500 bis 1000
> 1000

| 45
Bei den Kiefern ist eine jährlich wiederkehrende Bildung von Zapfen üblich. Dies zeigt sich in die-
sem Jahr abermals in Form einer starken Fruktifikation. An mehr als jeder zweiten Kiefer wurde
geringer und an 31 % mittlerer bis starker Zapfenbehang registriert. Lediglich 13 % der älteren
Bäume hatten keine Zapfen (vgl. Tab. 6 im Anhang).
Die Monate Januar / Februar waren für die Tieflandsregionen durch eher ungewöhnlich starke
Schneefälle mit Schneelagen von reichlich 30 cm Höhe geprägt. Gebietsweise, insbesondere in den
Kieferngebieten im nordwestlichen Sachsen, war den Schneefällen ein Schneeregen vorausgegan-
gen, der zu Vereisungen und Eisverklebungen in den Kronen führte. In diesen Gebieten mit Kronen-
vereisungen hatte der starke Schneefall im Winter erhebliche Bruchschäden durch Schneedruck zur
Folge. Neben den zu Beginn des Jahres aufgetretenen Schneebruch- und Schneedruckschäden im
Nordwesten kamen noch die Würfe und Brüche in Kiefernbeständen auf der Schneise des Wirbel-
sturms vom 24. Mai dazu. Von diesen Ereignissen besonders betroffen wurde der Forstbezirk Tau-
ra mit einem Schadholzanfall von 100.000 m³.
Im sächsischen Tiefland traten in den zurückliegenden Jahren, insbesondere an der Kiefer, wieder-
holt Massenvermehrungen forstlich relevanter Schädlinge auf. Deren Populationsdichten werden
deshalb im Rahmen des Forstschutzmeldewesens kontinuierlich überwacht. In diesem Jahr deutet
sich, ausgehend von den Fangergebnissen in Pheromonfallen, ein Populationsanstieg der Nonne
(
Lymantria monacha
L.) an. Diese nadelfressende Schmetterlingsart vollzog in den Jahren 2002 bis
2005 eine Massenvermehrung, die im Jahr 2004 zur Verhinderung bestandesbedrohender Fraß-
schäden den Einsatz von Insektiziden auf fast 10.000 ha Kiefernwald erforderte.
Von den anderen potenziellen Schadinsekten geht zurzeit keine überdurchschnittliche Gefährdung
aus.
Lokal begrenzt sind vermehrt pilzliche Schaderreger aufgetreten. Dabei handelte es sich vorwie-
gend um das sogenannte Kiefern-Triebsterben (
Diplodia pinea
[DESM.] KICKX).
KV (alle Alter)
KV (-60 Jahre)
ungeschädigt
schwach geschädigt
deutlich geschädigt
KV (>60 Jahre)
0
20
40
60
80
100
Angabe [%]
10
09
08
07
06
05
04
03
02
01
00
99
98
97
96
95
94
93
92
91
Jahr
Abb. 34: Schadstufenverteilung und mittlere
Kronenverlichtung (KV) der Kiefer von 1991 bis 2010

46 |
Sonstige Nadelbäume
Das Schadniveau sonstiger Nadelbäume ist verglichen mit den beiden vorangegangenen Nadel-
baumarten niedriger. Unter Berücksichtigung des Alters relativiert sich dieser Vergleich. Betrachtet
man nur Bäume mit einem Alter unter 60 Jahren, so beträgt der Nadelverlust der sonstigen Nadel-
bäume im Mittel 14 % und liegt damit weit über dem Wert junger Fichten (7,6 %). Im weiteren
Vergleich der mittleren Nadelverluste verläuft auch der steigende Trend entgegengesetzt zur jun-
gen Fichte. Statistisch kann zwar die mittlere Kronenverlichtung von 15,2 % in diesem Jahr nicht
vom Vorjahr unterschieden werden, dennoch steigt sie seit Beginn der Erhebungen mit Unterbre-
chungen stetig leicht an. Demgegenüber liegt der Anteil der Bäume, deren Nadelverlust über 25 %
beträgt, aktuell mit 14 % nur leicht unter dem Maximum von 15 %, welches bereits im Jahr 1999
und in den letzten beiden Jahren erreicht war (Abb. 35). Die stärkere Verschlechterung, die bei den
sonstigen Nadelbäumen im letzten Jahr konstatiert werden musste, wurde aktuell zwar leicht re-
vidiert, dennoch ist das Schadniveau für die gesamte Zeitreihe für die sonstigen Nadelbaumarten
hoch.
Der sehr auffällige Befall von Lärchenbeständen durch die Lärchenminiermotte (
Coleophora lari-
cella
Hb.) erreichte auch in diesem Jahr ein sehr hohes Niveau (Abb. 36). Damit übte das Insekt in
vielen Beständen einen Einfluss auf den Kronenzustand aus, obwohl die Schäden bis zum Beginn
der Waldzustandserhebung bereits größtenteils regeneriert waren. Den betroffenen Lärchenbe-
ständen geht beim Befall durch Lärchenminiermotten erhebliche Nadelmasse verloren. Diese fehlt
den Bäumen zur Photosynthese und bedeutet entsprechende Vitalitätseinbußen.
An Lärchen sowie an anderen Nadelbaumarten, wie z. B. der Tanne, traten in diesem Jahr sehr auf-
fällig verschiedene Nadel-, Trieb- und Stammlausarten auf. Durch die von den Läusen verursachten
Assimilatverluste und die gleichzeitige Entstehung von Eintrittspforten für pilzliche Schaderreger,
kann der Befall zu sichtbaren Vitalitätsverlusten, wie Wuchs- und Entwicklungsdepressionen, sowie
im weiteren Verlauf sogar zum Absterben der befallenen Pflanzenteile bzw. Pflanzen führen. An
Weißtannenjungwüchsen und -dickungen kam es gebietsweise zu einem sehr starken Befall durch
KV (alle Alter)
ungeschädigt
schwach geschädigt
deutlich geschädigt
0
20
40
60
80
100
Angabe [%]
10
09
08
07
06
05
04
03
02
01
00
99
98
97
96
95
94
93
92
91
Jahr
Abb. 35: Schadstufenverteilung und mittlere
Kronenverlichtung (KV) der sonstigen Nadelbäume
von 1991 bis 2010

| 47
die Tannennadelbräune (
Herpotrichia parasitica
[R. Hartig]). An Stechfichte und Murraykiefer
setzten sich die seit einigen Jahren durch verschiedene Pilzarten erzeugten sichtbaren Nadelver-
luste fort. Eine Ursache für das gehäufte Auftreten diverser biotischer Schadfaktoren an den sons-
tigen Nadelbaumarten ist die in einigen Fällen erhöhte Prädisposition aufgrund deren Anbaus auf
nur bedingt geeigneten Standorten.
Kronenzustand an Laubbäumen
Laubbäume, vor allem die Birke, nehmen lediglich 23 % der Waldfläche ein. Der Flächenanteil der
natürlicherweise vorkommenden Hauptbaumarten Eiche und Buche beträgt zusammen sogar nur
9 %.
Der jährliche Laubfall bedingt gegenüber den Nadelbäumen einen andersartigen Stoffhaushalt. Die
daraus resultierende intensivere Photosynthese ermöglicht eine rasche Kompensation der für den
Laubaustrieb benötigten Assimilate. Darüber hinaus müssen Laubbäume jedoch auch genügend
Reservestoffe für die Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen im Winter und den Neuaustrieb im
Frühjahr bilden. Diese werden in den lebenden Zellen im Holz und der Rinde gespeichert. In der
Regel reicht dieser Vorrat an Reservestoffen auch für einen wiederholten Laubaustrieb nach par-
tiellem bis vollständigem Blattverlust durch Insektenfraß oder Frostschäden aus.
Ohne aufwändige biochemische Untersuchungen kann der Vorrat an Speicherstoffen jedoch nicht
eingeschätzt werden. Für die Beurteilung des Kronenzustandes bedeutet dies, dass hohe Blattver-
luste nicht zwangsläufig mit einer verminderten Vitalität gleichgesetzt werden dürfen.
Eiche
Ein Blick auf die Anteile der Eichen mit deutlichem Blattverlust und/oder -verfärbungen (Schad-
stufe 2-4) zeigt erneut die hohe Varianz in der Belaubung dieser Baumart, die einerseits vom Baum
selbst ausgelöste rasche Entlaubung (Zweigabsprünge) und andererseits durch eine ausgeprägte
Regenerationsfähigkeit gekennzeichnet ist. Nachdem diese Baumartengruppe mit einer Zunahme
deutlicher Schäden von 29 % im Jahr 2006 auf 42 % im Jahr 2007 hohe Blattverluste verzeichne-
te, fiel deren Anteil im Jahr 2008 fast ebenso rasch wieder auf 34 % ab, um im Jahr 2009 wieder
auf 45 % zu steigen. Aktuell liegt der Anteil in dieser Schadstufe bei 36 %. Der mittlere Blattverlust
fällt um 1,2 Prozentpunkte geringer aus als 2009 und beträgt derzeit 26,4 %. (Abb. 37).
Die Zeitreihe der mittleren Blattverluste der Eichenarten schwankt seit Beginn der Erhebungen.
Minimale Blattverluste mit Werten um 22 % wurden in den Jahren 2006 und 1995 registriert, die
Maxima traten mit 36 % im Jahr 1999 und 31 % im Jahr 1993 auf.
Nach den Jahren 2003 und 2006 resultierte die Verschlechterung des Belaubungszustandes der
Eichen aus der Trockenheit.
Das unterdurchschnittlich kühle Frühjahr 2010 führte vor allem bei der Eiche zu Verzögerungen
beim Blattaustrieb. Der Beginn der Blattentfaltung erfolgte erst Anfang Mai, fertige Blätter waren
Befallsfläche [ha]
0
500
1000
1500
2000
2500
89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10
Abb. 36: Befallsfläche von Lärchenbeständen durch
Lärchenminiermotte von 1989 bis 2010

image
48 |
erst Anfang Juni gebildet. Hinsichtlich der Wasserversorgung waren in diesem Jahr die Austriebs-
bedingungen verhältnismäßig günstig. Die diesjährigen Erhebungsdaten spiegeln eine durch-
schnittliche Vitalität wider. Zudem haben die Eichen in diesem Jahr kaum Früchte, was die Investi-
tion und Bindung von Reservestoffen nicht erforderlich macht. Aufgrund verschiedener biotischer
Faktoren, in erster Linie pilzlich verursachte Belaubungsdefizite, z. B. durch Mehltaubefall (Micros-
phaera alphitoides), aber auch ein verstärkt beobachteter Insektenbefall sind in Anfängen zum Teil
auch lokal gehäuft zu beobachten. Insgesamt werden solche Schäden mit der Stichprobe jedoch in
geringem Umfang registriert und wirken sich damit kaum auf das durchschnittliche Belaubungs-
defizit aus.
Nachdem in den vergangenen Jahren jeweils zwischen 1/3 und 2/3 der Eichen Früchte trugen,
fruktifizierte in diesem Jahr nicht mal jede 5. Eiche gering bis mittel. Starke Fruktifikation wurde
nicht festgestellt. Da die Früchte während der Erhebung noch verhältnismäßig klein und schlecht
erkennbar sind, kann davon ausgegangen werden, dass die Fruktifikation gerade bei den Eichen
eher unterschätzt wird.
Defizite in der Belaubung durch pilzliche Erreger, allen voran Mehltau, sind in diesem Jahr recht
prägend (Abb. 38). Etwa 1/3 der Eichen wurde mit entsprechenden Schäden bewertet. An 15 % der
Bäume wurde mittlerer und an 3 % starker Pilzbefall erfasst.
Fraßschäden durch die sogenannte „Eichenfraßgesellschaft“ (Eichenwickler, Schwammspinner und
Frostspanner-Arten) wurden an 31 % aller in den Waldzustandskontrollen enthaltenen Eichen re-
gistriert, wobei 5 % mit merklichen Schäden eingestuft wurden. An 26 % mit Fraß registrierten
Bäumen war die Schädigung allerdings nur marginal. Dennoch ist eine leichte Zunahme der Fraß-
tätigkeit aller Blattschädlinge an der Eiche festzustellen. Diese Einschätzung spiegelt die im Rah-
men der routinemäßigen Waldschutzüberwachung über das Forstschutzkontrollbuch erarbeiteten
Erkenntnisse wider. So wurde in diesem Jahr, vergleichbar mit 2009, landesweit eine Fläche von
etwa 450 ha mit merklichen und starken Fraßschäden (Blattverlust > 30 %) durch die beiden
KV (alle Alter)
ungeschädigt
schwach geschädigt
deutlich geschädigt
0
20
40
60
80
100
Angabe [%]
10
09
08
07
06
05
04
03
02
01
00
99
98
97
96
95
94
93
92
91
Jahr
Abb. 37: Schadstufenverteilung und mittlere
Kronenverlichtung (KV) der Eiche von 1991 bis 2010
Abb. 38: Beginnender Mehltaubefall an
Johannistrieben der Eiche

| 49
forstlich relevanten Schmetterlingsarten Eichenwickler (
Tortrix viridana
L.) und Frostspanner-Arten
(
Operophthera sp.
bzw.
Erannis sp.
) befallen (Abb. 39a, b). Damit hält der flächenmäßig geringe
Befallsanstieg an. Da sich diese Entwicklung in einzelnen Eichenbeständen lokal konzentriert voll-
zieht, treten dort bereits erkennbare Vitalitätsverluste in Form von überdurchschnittlichen Laub-
verlusten, Trockenästen und sekundärer Schaderreger auf.
Buche
Mit zunehmendem Alter verschiebt sich bei Bäumen die Relation von produzierender Biomasse
(grüne Blätter) zu Gunsten der verbrauchenden Biomasse (Holzmasse in Stamm und Zweigen),
womit gewisse Vitalitätseinbußen und aufwändigere Reaktionsmechanismen verbunden sind.
Die Rotbuche ist im Vergleich zu den anderen Baumarten die Baumart mit dem höchsten Durch-
schnittsalter in der Stichprobe. Aufgrund der relativ hohen Bestandesalter reagierte die Buche
besonders stark auf das extreme Trockenjahr 2003. Im darauf folgenden Jahr 2004 erreichte die
mittlere Kronenverlichtung ihr bisheriges Maximum. Seit dieser Zeit setzte eine Erholung ein, die
vor allem durch die geringe Fruchtbildung 2005 und 2008 positiv beeinflusst wurde.
Im vergangenen Jahr ist eine erhebliche Zunahme des mittleren Blattverlustes als auch des Anteils
deutlich geschädigter Bäume festgestellt worden (Abb. 40). Beide Werte erreichten 2009 neue
Maxima, die geringfügig über den Werten aus dem Jahr 2004 liegen. Der Fruchtbehang, der eine
Mobilisierung der Reservestoffe der Bäume erfordert, erreichte 2009 insgesamt wieder die gleiche
Ausprägung wie schon 2006. Dabei überstieg der Anteil von Bäumen mit besonders ausgeprägter
Fruktifikation von 40 % alle bisher festgestellten Werte. Hinsichtlich der Vitalität weist dagegen
das aktuelle Ergebnis wieder einen positiven Trend aus. Der mittlere Blattverlust sank von 29,7 %
auf 21 %, die deutlichen Schäden (25 %) halbierten sich wieder zugunsten der weniger geschä-
Befallsflächen
davon stark befressen
[ha]
Jahr
0
2.000
4.000
6.000
8.000
89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10
Befallsflächen
davon stark befressen
[ha]
Jahr
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10
Abb. 39a, b: Befallsflächen (ha) durch Eichenwickler
(oben) und Frostspanner (unten) 1989 bis 2010

50 |
digten (48 %) bzw. gesunden Bäume (27 %).
Durch das ausgesprochen kühl-feuchte Früh-
jahr waren Austriebs- und Wachstumsbedin-
gungen für die Buche optimal. Zusätzlich ist
infolge einer Holzerntemaßnahme ein junger
Kontrollbestand mit Buche in dieses Stichpro-
benkollektiv, anstelle eines vormals dort sto-
ckenden Fichtenkontrollbestandes aufgenom-
men worden. Dieser beeinflusst das Ergebnis
ebenfalls positiv.
In der diesjährigen Erhebung wurde gegenüber
dem Vorjahr an nur wenigen Bäumen über-
Abb. 40: Schadstufenverteilung und mittlere
Kronenverlichtung (KV) der Buche von 1991 bis 2010
KV (alle Alter)
ungeschädigt
schwach geschädigt
deutlich geschädigt
0
20
40
60
80
100
Angabe [%]
10
09
08
07
06
05
04
03
02
01
00
99
98
97
96
95
94
93
92
91
Jahr
[%]
Jahr
0
20
40
60
80
100
91 92 93
94 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10
stark
mittel
gering
Abb. 41: Fruktifikation der über 60-jährigen Buchen
von 1991 bis 2010
haupt eine leichte Fruchtbildung diagnostiziert
(Abb. 41).
Sonstige Laubbäume
Die Gruppe der sonstigen Laubbäume wird mit
einem Anteil von mehr als 50 % von der Birke
dominiert. Daneben treten die beiden hei-
mischen Ahornarten, Gemeine Esche, Hainbu-
che, Winterlinde, Roteiche, Roterle, Eberesche,
Pappel und Aspe in der Stichprobe häufiger
auf.
Der Schädigungsgrad der Baumartengruppe
weist mit einer relativ hohen Variabilität über
den gesamten Zeitraum eine leicht steigende
Tendenz der mittleren Kronenverlichtung auf.
Seit dem Jahr 2004 sterben zudem überdurch-
schnittlich viele der sonstigen Laubbäume ab.
Als kurzlebige Baumarten haben die in dieser
Baumartengruppe dominierenden Birken und
Aspen ihr physiologisches Optimum bereits
überschritten. So ist es nur allzu natürlich, dass
selbst Bäume mit einer hohen Standortstole-
ranz mit zunehmendem Alter auf die sommer-
lichen Trockenphasen kaum noch reagieren

image
| 51
können. Insbesondere in den von wiederholten Trockenperioden gekennzeichneten Wuchsgebieten
im sächsischen Tief- und Hügelland, wo mehr als drei Viertel der sonstigen Laubbäume stocken, ist
die Fähigkeit der Waldbäume, solche Trockenperioden ausgleichen zu können, besonders gefragt.
Im Vergleich zum Vorjahr ging der mittlere Blattverlust um 0,9 Prozentpunkte auf 17,8 % zurück.
Gleichzeitig blieb die Gruppe der Bäume mit leichten Schäden mit 40 % unverändert. Entsprechend
dem Trend nahm der Anteil deutlich geschädigter Bäume um 2 Prozentpunkte auf 18 % zugunsten
der Bäume ohne sichtbare Kronenverlichtungen mit 42 % ab (Abb. 42).
Die recht lang anhaltende kühl-feuchte Witterungsphase wurde nach der ersten Junidekade durch
eine trocken-heiße Phase, die sich bis in die 2. Julidekade erstreckte, abgelöst. Die dabei einset-
zende Trockenheit führte zur Reduktion der Wasservorräte, insbesondere im Oberboden. Die hier
wurzelnden Bäume, vor allem jene in der Verjüngung, die aufgrund ihres Alters noch keine tieferen
Bodenschichten erschließen konnten und Bäume mit morphologisch flach streichenden Wurzeln
reagieren bereits auf solche temporäre Trockenphasen. Vor allem bei Verjüngungen anspruchsvoller
Baumarten, wie Spitzahorn, zeigten sich vereinzelt Hitzeschäden (Abb. 43).
Hohe Blattverluste und Mortalitätsraten, wie sie bei den sonstigen Laubbäumen immer unmittelbar
nach Trockenjahren auftraten, wurden in diesem wie im letzten Jahr nicht beobachtet. Das Jahr
2009 und das Frühjahr 2010 stellten für diese Arten eine Erholungsphase dar.
Bereits im Juni aufgetretene Blattverluste und Absterbeerscheinungen an Birken im Erzgebirge aber
auch in Nordsachsen lassen sich nicht auf eine eindeutige und einheitliche Schadursache zurück-
führen. Offensichtlich führte eine Kombination mehrerer Faktoren, unter denen Blattpilze und
abiotische Faktoren eine entscheidende Rolle spielen, zu dieser Situation.
Das neuartige Eschentriebsterben hält an und ist besonders auf Verjüngungsflächen sowie in jün-
geren Beständen auffällig. Auf Grund des geringen Flächenanteils dieser Baumart treten die Schä-
den nur lokal in Erscheinung und beeinflussen das Gesamtergebnis kaum.
KV (alle Alter)
ungeschädigt
schwach geschädigt
deutlich geschädigt
0
20
40
60
80
100
Angabe [%]
10
09
08
07
06
05
04
03
02
01
00
99
98
97
96
95
94
93
92
91
Jahr
Abb. 42: Schadstufenverteilung und mittlere
Kronenverlichtung (KV) der sonstigen Laubbäume
von 1991 bis 2010
Abb. 43: Hitzeschäden an Spitzhornblättern

52 |
Tabellarische Übersichten
Kronen-
verlichtung [%]
Anteil vergilbter Nadeln/Blätter [%]
0–10
11–25
26–60
61–100
0–10
0
0
1
2
11–25
1
1
2
2
26–60
2
2
3
3
61–99
3
3
3
3
100
4
-
-
-
Tab. 3: Herleitung der kombinierten Schadstufe aus Kronenverlichtung (KV)
und Vergilbung
0 = ohne Schadmerkmale
1 = schwach geschädigt
2 = mittelstark geschädigt
3 = stark geschädigt
deutlich geschädigt
4 = abgestorben
Baumart/
Baumartengruppe
Aktuelle
Verteilung*
Stich-
probe
Altersklasse
bis 20
21-40 41-60 61-80 80-100 >100
Buche
3,4
3
12
1
15
19
11
42
Eiche
7,4
6
0
13
16
14
9
48
Fichte
34,6
42
1
18
20
15
23
23
Kiefer
30,0
31
3
16
34
15
16
16
sonstige Laubbäume
19,1
14
14
17
24
30
6
9
sonstige Nadelbäume
3,6
4
1
59
20
10
4
6
alle Baumarten
(98,1+1,9 Blößen)
100
4
18
25
17
16
20
*BWI²
Tab. 4: Baumarten- und Altersklassenverteilung der Stichprobenbäume im 4x4-km-Raster
(entspricht 284 Stichprobenpunkten bzw. 6816 Bäumen; Angaben in %)

| 53
Baumart/
Baumartengruppe
Schadstufe
0
1
2
3 und 4
2-4
ohne
Schadmerkmale
schwach
geschädigt
mittelstark
geschädigt
stark
geschädigt/
abgestorben
deutlich
geschädigt
Fichte
48
38
13
1
14
bis 60 Jahre
81
15
3
1
4
über 60 Jahre
26
53
19
2
21
Kiefer
43
50
7
0
7
bis 60 Jahre
54
41
5
0
5
über 60 Jahre
30
59
11
0
11
Sonstige Nadelbäume
49
37
9
5
14
Nadelbäume
46
43
10
1
11
Buche
*1
27
48
24
1
25
Eiche
11
53
33
3
36
Sonstige Laubbäume
42
40
16
2
18
Laubbäume
33
44
21
2
23
Alle Baumarten
43
43
13
1
14
bis 60 Jahre
63
30
6
1
7
über 60 Jahre
26
54
19
1
20
*1 keine gesicherte Aussage, *2 Fläche ohne Nichtholzboden
Tab. 5: Schadstufenverteilung nach Baumarten/Baumartengruppen (Angaben in %)
Baumart/
Baumartengruppe
Anteil vergilbter
Nadeln/Blätter
Insektenbefall/
Pilzbefall
Blüte bzw. Fruktifikation
alle Alter/über 60 Jahre
11-25 % 26-60 % >60 % gering mittel
stark
gering mittel
stark
Fichte
3
1
0
1/0
0/0
0/0
1/1
0/0
0/0
Kiefer
0
0
0
2/0
0/0
0/0
52/56
24/28
2/3
Sonstige Nadelbäume
2
4
1
8/1
2/3
1/2
13/17
1/2
0/0
Buche
3
0
0
11/4
0/0
0/0
3/5
1/2
1/1
Eiche
2
1
0
26/15
5/15
1/4
14/18
1/1
0/0
Sonstige Laubbäume
1
0
0
17/2
2/1
1/0
18/25
7/10
3/5
Alle Baumarten
2
1
0
6/1
1/1
0/0
20/20
9/9
1/1
Tab. 6: Häufigkeit (%) des Auftretens von Nadel-/Blattvergilbungen nach Intensitäts-
stufen, Insekten- und Pilzbefall nach Intensitätsstufen und Blüte/Fruktifikation nach
Intensitätsstufen

54 |
Wuchsgebiet
Ges.
-60
>60
Fichte
Kiefer
Sonstige
Nadel-
bäume
Buche
Eiche
Sonstige
Laub-
bäume
14*
15*
Mittleres nordostdeutsches Altmoränenland
Düben-Niederlausitzer Altmoränenland
29
51
49
3
82
0
0
3
12
23*
24*
Sachsen-Anhaltinische Löß-Ebenen
Leipziger Sandlöß-Ebene
3
29
71
0
0
1
0
27
72
25*
Sächsisch-Thüringisches Löß-Hügelland
6
43
57
16
18
4
2
19
41
26*
Erzgebirgsvorland
2
68
32
67
1
9
1
14
8
27
28
Westlausitzer Platte und Elbtalzone
Lausitzer Löß-Hügelland
10
57
43
21
31
0
7
15
26
44*
Vogtland
5
41
59
68
11
5
1
5
10
45
Erzgebirge
34
41
59
82
2
5
4
1
6
46
47
48
Elbsandsteingebirge
Oberlausitzer Bergland
Zittauer Gebirge
11
47
53
49
19
16
6
1
9
Sachsen
100
47
53
42
31
4
3
6
14
* Wuchsgebiet erstreckt sich über mehrere Bundesländer; betrachtet wird der sächsische Teil
Tab. 7: Baumartenverteilung der Stichprobe in den Wuchsgebieten (Angaben in %)
Schadstufen
Wuchsgebiet
Baumart/Alter
0
1
2 bis 4
14* Mittleres nordostdeutsches Altmoränenland
Alle
45
47
8
15* Düben-Niederlausitzer Altmoränenland
Kiefer
46
48
6
23*
24*
Sachsen-Anhaltinische Löß-Ebenen
Leipziger Sandlöß-Ebene
keine Aussage möglich
25*
Sächsisch-Thüringisches Löß-Hügelland
Alle
34
46
20
26*
Erzgebirgsvorland
keine Aussage möglich
27
28
Westlausitzer Platte und Elbtalzone
Lausitzer Löß-Hügelland
Alle
43
43
14
44* Vogtland
Alle
37
53
10
Fichte
42
49
9
45
Erzgebirge
Fichte
51
36
13
bis 60 Jahre
87
10
3
über 60 Jahre
29
52
19
Alle
48
38
14
bis 60 Jahre
79
14
7
über 60 Jahre
27
54
19
46
47
48
Elbsandsteingebirge
Oberlausitzer Bergland
Zittauer Gebirge
Alle
24
51
25
Fichte
20
50
30
Sachsen
43
43
14
* Wuchsgebiet erstreckt sich über mehrere Bundesländer; hier sächsischer Teil
Tab. 8: Schadstufenverteilung in den Wuchsgebieten (Angaben in %)

| 55
[1] ERIKSSON, G.; EKBERG, I.; CLAPHAM, D. (2006): An introduction to Forest Genetics. Genetic
Center, Department of Plant Biology and Forest Genetics, SLU, Uppsala, Sweden, 185 S.
[2] GEBUREK, T. (2004): Die Weitergabe genetischer Information – eine wichtige Komponente bei
der Waldverjüngung. BFW-Praxisinformation Nr 4, S. 18–20.
[3] NANSON (2002): Natural regeneration seen from the genetic stand point. In: MEIER-DINKEL, A.,
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(Hrsg.) Forest Tree Breeding in an Ecological Oriented Forest Management System.
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[4] ROHMEDER, E. (1972): Das Saatgut in der Forstwirtschaft. Paul Parey, Hamburg, Berlin,
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(BGB
l. I S. 4721; 2003 I S. 50
[11] ANONyMUS (2008):
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terausschusses (gGa) der Länder für die Umsetzung; Erscheinungsdatum: 01.06.2010; Stand:
August 2008; Quelle: Internet; Download am 10.09.10 von Seite:
http://www.ble.de/nn_427084/
SharedDocs/Downloads/02_Kontrolle_Zulassung/07_SaatUndPflanzgut/Empfehlungen.html?_
nnn=true
[12] GEMBALLA, R.; SCHLUTOW, A. (2007): Überarbeitung der Forstlichen Klimagliederung Sachsens.
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rungszustand und Wuchsleistung der Fichte (Picea abies (L.) KaRSt.) auf meliorierten Pseudog-
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AFZ 22, S. 1190-1194
Literaturverzeichnis

56 |
Glossar
Abiotisch
Begriff aus der Ökologie und Gegenteil von
biotisch (belebt), bezeichnet die auf ein Lebe-
wesen einwirkenden physikalische Gegeben-
heiten (Temperatur, Feuchte, Licht, Boden-
nährstoffe) an denen die Lebewesen nicht
erkennbar beteiligt sind
Allel
mögliche Ausprägung eines Gens, das sich an
einem bestimmten Genort auf einem Chro-
mosom befindet
Austrieb
Streckung und Entwicklung des Embryonal-
triebes in der Laubknospe
Begleitvegetation
spontan entstandene Ve-
getation in Kulturbeständen (Waldbeständen)
Autochton
(griechisch) ist das begriffliche Gegenteil von
allochton und bedeutet „einheimisch“ oder
„an Ort und Stelle entstanden“; eine Popula-
tion ist autochthon, wenn sie aus ununter-
brochener natürlicher Verjüngung stammt.
Erntebestand
Waldbestand mit abgegrenzter Population von
Bäumen in ausreichend einheitlicher Zusam-
mensetzung, der auch aus benachbarten Teil-
populationen bestehen kann
Eutrophierung
bezeichnet allgemein die Anreicherung von
Nährstoffen in einem Ökosystem = Überdün-
gung bzw. Überernährung
Familieneltern
Bäume, von denen Nachkommenschaften
durch kontrollierte oder freie Bestäubung eines
bestimmten Samenelters durch einen oder
mehrere Bestimmte oder unbestimmte Pollen-
eltern erzeugt werden
Formeigenschaften
Sammelbegriff für die äußere Beschaffenheit
des Stammes eines Baumes in Hinsicht auf Ge-
radschaftigkeit, Wipfelschäftigkeit und Schaf-
trundheit
Gen
Abschnitt (Funktionseinheit) auf der die Erb-
information tragenden DNA (Desoxyribonuk-
leinsäure)
Genmarker
Phänotypisches oder anderweitig nachweis-
bares Merkmal, dessen Variation eineindeutig
auf Unterschiede in der genetischen Informa-
tion zurückzuführen ist – bezeichnet in der
Molekularbiologie eindeutig identifizierbare
DNA-Abschnitte
Genom
Gesamtheit aller Gene auf allen Chromo-
somen des Zellkerns
Genort
nennt man die Lage, also physikalische Posi-
tion eines Gens im Genom
Genotyp
konkrete Ausprägung der Gene im Genom
eines Individuums
Geradschaftigkeit
gerader Verlauf des Stammes eines Baumes,
der Stamm eines Baumes bildet eine Gerade
Heister
In der Fachsprache der Forstwirtschaft und
im Gartenbau verwendete Pflanzenklassifizie-
rung. Sie steht für junge, jedoch bereits zwei-
mal verpflanzte, 1,25 bis 2,50 m hohe Laub-
bäume
Herkunft
Ort, an dem das Ausgangsmaterial von Saat-
und Pflanzgut wächst; die Identität einer
Herkunft wird durch ein fachlich allgemein
anerkanntes V erfahren sichergestellt, das mit
dem genetischen Vergleich zuwischen Rück-
stellprobe und Saat- und Pflanzgut arbeitet
Herrschender Baum
bildet die oberste Schicht eines Baumbestan-
des (s. a. vorherrschend, mitherrschend oder
Baumklasse 1, 2 oder 3 nach KRAFT)
Identitätssicherung
Sicherstellung der Identität von forstlichem
Vermehrungsgut (Saatgut, Pflanzenteile, Pflan-
zen) während aller Stufen der Erzeugung und
des Vertriebs durch geeignete Maßnahmen der
Kontrolle administrativer und/oder naturwis-
senschaftlicher Art
Jungwuchs
ein natürlich oder künstlich begründeter Wald-
bestand mit einer Höhe von 2 bis 5 Metern
Klengen
Gewinnung und Aufbereitung des in Nadel-
holz- und Erlenzapfen liegenden Samens
Klon
vegetativ (ungeschlechtlich) erzeugter Ab-
kömmling, der ursprünglich von einem Aus-
gangsindividuum abstammt
Klonmischung
Mischung nach Merkmalen beschriebener Klo-
ne in festgelegten Anteilen
Konkurrenzzone
Bereich, in dem zwei oder mehrere Arten mit
gleichen oder sehr ähnlichen Ansprüchen an
die Umwelt leben und miteinander um die ver-
fügbaren Ressourcen konkurrieren
Korngröße
Der Begriff Korngröße beschreibt die Größe
von einzelnen Partikeln (auch Körner ge-
nannt) in einem Gemenge. In der Bodenkunde
wird durch die Gemengeanteile der verschie-
denen Korngrößen (Sand, Schluff, Ton) die
Bodenart definiert, die im Zuge der Boden-
kartierung im Gelände über die Fingerprobe
angesprochen wird
Laubknospe
während der Vegetationsperiode entstehender,
gestauchter, embryonaler Trieb, der sich aus
Spitzenbildungsgewebe und Blattanlagen zu-
sammensetzt und zumeist von Knospenschup-
pen umgeben ist

image
| 57
Morphologie
ist die Lehre von der Struktur und Form der Or-
ganismen
Naturverjüngung
Reproduktion eines Waldbestandes durch an-
geflogene oder aufgeschlagene Saat oder ve-
getative Vermehrung, z. B. Stockausschlag
Ökophysiologie
beschäftigt sich mit Aspekten der Physiologie,
die in direkter Beziehung zur Umwelt der be-
treffenden Art stehen
Phänologie
befasst sich mit den im Jahresablauf periodisch
wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen
in der Natur wie z. B. Austrieb, Blüte der Bäu-
me
Phänotyp
Erscheinungsbild eines Organismus als Sum-
me aller Merkmale, die durch das Zusammen-
wirken von Genotyp und Umwelt entstanden
sind
Pheromonfalle
eine Lockstofffalle, die zur Schädlingsbekämp-
fung und zur Ermittlung der Größe einer
Schädlingspopulation, insbesondere bei Bor-
kenkäfern u. a. Insekten verwendet wird
Prädisposition
Anlage oder Empfänglichkeit eines Organismus
für bestimmte Krankheiten oder Symptome
Resistenz
Widerstandskraft eines Organismus (oder einer
biologischen Art) gegen äußere Einflüsse
Samenplantage
Anpflanzung ausgelesener Klone oder Säm-
linge, die so abgeschirmt oder bewirtschaftet
wird, dass eine von außerhalb der Anpflanzung
kommende Fremdbestäubung weitgehend ver-
mieden wird, und die planmäßig mit dem Ziel
häufiger, reicher und leicht durchführbarer
Saatguternten bewirtschaftet wird
Schaftform
bezeichnet spezielle Wuchsformen eines
Stammes (Geradschaftigkeit, Wipfelschäftig-
keit, Schaftrundheit)
Schaftrundheit
der Querschnitt des Stammes eines Baumes ist
kreisförmig oder nahezu kreisförmig
Schmalkahlschlag
vollstände Entnahme eines hiebsreifen Waldbe-
standes gegen die Hauptwindrichtung auf einer
Breite von 30 Metern
Standortsdrift
massive Veränderung des (Wald-)Bodens in
seinen Standortseigenschaften durch boden-
chemische und -biologische Prozesse
Sukzession
Die (auf natürlichen Faktoren beruhende) Ab-
folge von Pflanzen- oder Tiergesellschaften
(Biozönose) an einem Standort. Sukzession
führt über verschiedene Stadien zu einer Kli-
maxgesellschaft
Voranbau
ist die künstliche Einbringung von schattento-
leranten Schlusswaldbaumarten in einen Alt-
bestand mit dem Ziel der langfristigen Über-
führung in einen ungleichaltrig gestuften
Mischbestand
Verschulung
Verpflanzung von ein- oder zweijährigen Säm-
lingen aus dem Saatbeet in ein anderes Beet, in
ein sog. Verschulbeet, in dem die Pflanzen mit
größerem Abstand stehen
Wipfelschäftig
Bezeichnung eines Baumes, dessen Stamm
bis in dessen Wipfel reicht
Im Rahmen des „LIFE+“-Projektes FutMon wurden die
Untersuchungen auf den Intensivmessflächen Laußnitz
und Olbernhau sowie die Waldzustandserhebungen auf
19 Rasterpunkten des 16x16-km-Netzes gefördert.

image
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL)
Postfach 10 05 10, 01076 Dresden
Telefon: +49 351 564-6814
Telefax: +49 351 564-2059
E-Mail: info@smul.sachsen.de
www.smul.sachsen.de
Redaktion:
Staatsbetriebes Sachsenforst
Referat Bodenmonitoring/Standortserkundung/Labor, Referat Waldbau/Waldschutz
Referat Forstgenetik/Forstpflanzenzüchtung, Referat Forstbetriebliche Dienstleistungen/ Zentrum
für Forstliches Vermehrungsgut, Referat Forst- und Jagdrecht, Referat Presse-Öffentlichkeitsarbeit
Bonnewitzer Straße 34
01796 Pirna, OT Graupa
Telefon: +49 3501 542-0
Telefax: +49 3501 542-213
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Gestaltung, Satz, Druck:
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16.09.2010
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