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Vortrag:
08. Dezember 2015
Sächsisches Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie
Waldheimer Str. 219
01683 Nossen
Dauerversuche aus Sicht der Düngemittelindustrie
Begrüßung:
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
mein Name ist Volker Sandrock, ich bin in diesem Jahr Vorsitzender des
Landesarbeitskreises Düngung Brandenburg / Sachsen / Thüringen und
darf Sie in dessen Namen, recht herzlich begrüßen und mich für die
Einladung,
sehr geehrter Herr Präsident Eichkorn,
sehr geehrter Herr Dr. Vetter,
sehr geehrter Herr Staatssekretär Wolff,
meine sehr geehrten Damen und Herren von der
Sächsischen Landesanstalt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
zu ihrer heutigen Tagung
-
50 Jahre Dauer-versuche L28,
bedanken.
Nun, lassen Sie mich zunächst kurz schildern, wer oder was der
Landesarbeitskreis Düngung ist, und dessen Aufgaben.
Der Landesarbeitskreis Düngung (LAD) Brandenburg-Sachsen-
Thüringen ist die regionale Einheit des Bundesarbeitskreises Düngung
(BAD).
Er setzt sich aus Fachleuten
zusammen, die von den einzelnen
Düngemittelfirmen benannt werden
Die Aufgaben der Landesarbeitskreise Düngung sind:
Förderung der Akzeptanz der Düngung bei Politik, Beratung,
Wirtschaft, Ausbildung und Verbänden
Beratung und Information
z.B. Fachveranstaltungen,- wo wir, die Düngemittelindustrie uns
mit Landesämtern und Landwirtschaftsämtern Fachschulen und
Universitäten über die neuesten Trends und Forschungsvorhaben
aus-tauschen.
- u.a. auch über Versuche, bzw. Dauerversuche in der Düngung.

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Über den Weg des Landesarbeitskreises Düngung bin ich heute zu ihrer
Fachveranstaltung gekommen, und freue mich hier zu sein um einen
Beitrag von Seiten der Düngemittelindustrie leisten zu können.
Bevor wir zu dem eigentlichen Thema:
Dauerversuche
kommen,
lassen sie mich zuvor noch ganz allgemein ein paar Worte zur
Düngemitteln und der Düngemittelindustrie verlieren:
Die Art und Weise, wie wir unsere Lebensmittel produzieren, ist zu
einem zentralen gesellschaftlichen Thema geworden. Verbraucherinnen
und Verbraucher wollen nicht nur sichere und gesunde Lebensmittel,
sondern haben auch hohe Ansprüche an deren Erzeugung in Bezug auf
Klima-, Umweltschutz.
Im Düngegesetz steht:
Düngemittel sind Stoffe, die dazu bestimmt sind, unmittelbar und
mittelbar Nutzpflanzen zugeführt zu werden, um deren Wachstum zu
fördern, ihren Ertrag zu erhöhen und/oder ihre Qualität zu verbessern.
Wir als Düngemittelindustrie stellen uns unserer Verantwortung:
- auf der einen Seite, unsere Düngemittel nach
gesetzlichen Forderungen in Verkehr zu bringen,
bzw. auf gesetzliche Forderungen einzugehen.
- auf der anderen Seite wollen wir für unsere Kunden, ob GH, WV,
Endverwender, Landesanstalten oder Landwirtschaftsämter ein
zuverlässiger Partner sein.
Sei es
- durch Unterstützung von Versuchsvorhaben
- durch die Qualität unserer Produkte,
- Lieferservice sowie wettbewerbsfähige Preise
- oder eine gute Logistik.
Darüber hinaus forschten und arbeiteten wir in der Vergangenheit, heute
und auch zukünftig, immer wieder an neuen Produkten, oder um neue
Technologien auf den Markt zu bringen, die zu einer Effizienzsteigerung
führen um den Umwelt-, politischen,- und gesellschaftlichen Trends
gerecht zu werden.

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Hierzu gehört auch unabdingbar ein funktionierendes Versuchswesen
für diese Aufgaben.
Wir, und ich denke ich spreche für alle Düngemittelindustrien beitreiben
Forschung & Entwicklung. Sei es in eigenen Häusern oder in
Kooperation mit Universitäten, Hochschulen oder Forschungsinstituten.
Um Fragestellungen in der Düngung zu beantworten, führen wir
kleinparzellige Exaktversuche durch, randomisiert, 4-fach wiederholt, mit
Statistikprogrammen überprüft, i.d.R. mind. 3 Jahre, je nach
Fragestellung aber z.T. auch wesentlich länger.
Überdies erstellen wir Anwendungsempfehlungen für die Praxis,
verbessern Produkteigenschaften und entwickeln und prüfen neue
Produkte.
Die Aufgaben sowie Produktionstechniken eines landwirtschaftlichen
Betriebes werden immer komplexer und vielfältiger.
Immer neue Verordnungen, Vorschriften und Gesetze müssen durch die
Betriebe eingehalten, und umgesetzt werden:
Düngemittelgesetz, WRRL, Nitratrichtlinie, Düngeverordnung
um nur einige aus dem Bereich Düngung und der Ernährung von
Kulturpflanzen zu nennen.
Während es Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts vorrangig noch um
Ertragszuwächse, einhergehend mit der Lebensmittel-Versorgung der
Bevölkerung ging, untersuchen wir heute ganz andere Effekte der
Düngung wie z.B. Umweltwirkungen, Rest N-min oder Rückstände in der
pflanzlichen Produktion, kurz gesagt, eine besondere Verantwortung für
Mensch und Umwelt.
Kommen wir zum Thema:
Dauerversuche aus Sicht der Düngemittelindustrie
Die
Definition von Dauer
im Duden lt.:
„Die Zeit, die etwas benötigt“.
Die Bedeutung von Versuch ist im Duden folgendermaßen beschrieben:
„wissenschaftlicher Versuch, durch den etwas entdeckt, bestätigt oder
gezeigt werden soll“
Nun, meine sehr verehrten Damen und Herren, wir alle wissen, wenn wir
einen wissenschaftlichen Versuch, durch den wir etwas entdeckt oder
bestätigt haben, abgeschlossen ist, haben wir i.d.R. zwar unsere
Ursprungsfrage beantwortet, aber gleichzeitig 10 „neue“ Fragen

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aufgeworfen. Hier kommt dann die Definition von
Dauer
zum Tragen:
Die Zeit die etwas benötigt - um anschließend weitergehende Fragen zu
beantworten.
„Versuch macht klug“ – Dauerversuche machen „klüger“
Wenn wir über Versuche der Düngemittelindustrie, oder ganz allgemein
von allen in der Branche vertretenen Institutionen sprechen, und einen
Blick zurückwerfen in die letzten Jahrzehnte,
- was haben wir alles geprüft und mit Versuchen begleitet.
Hierzu möchte ich ein paar Beispiele aufführen, zu den Aktivitäten und
Versuchen in der Düngung
Anfang der 50-er Jahre kam die N-Steigerung
(von 40 auf 80 kg N/ha)
Ende der 50-er Jahre dann die N-Aufteilung bzw. Gabenteilung
Ende der 60-er Jahre die N-Spätdüngung
Ende der 70-er Jahre die gesteigerte N-Spätdüngung
Anfang der 80-er Jahre war man bestrebt, aufgrund ökologischer
Zielsetzungen die N-Düngungshöhe wieder zu reduzieren und
eine suboptimale Düngung vorzuschreiben.
Hierzu legte seinerzeit die BASF Limburgerhof ein Dauerversuch
von Seiten der Düngemittelindustrie (D005) von 1986 bis 2003 an,
der die Fragestellung bezüglich, der Auswirkung einer
- zeitweisen N-Aushagerung auf Erträge,
- Ausnutzung des N-Düngers und
- Stickstoff-Nachlieferung des Bodens
über 18 Jahre hinweg untersuchte.
Nun - 2 Pkt. was dabei herausgekommen ist:
Eine N-Aushagerung wirkt sich noch über viele Jahre negativ
auf die Ertragsfähigkeit eines Standortes und die Effizienz
einer N-Düngung aus
Eine wesentliche Entlastung durch eine reduzierte Düngung
bzw. eine drastische Belastung durch eine erhöhte N-
Düngung konnten anhand der N
min
-Gehalte im Bodenprofil bis
zu 9 m Tiefe nicht festgestellt werden.

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Schauen wir weiter:
Mitte bis Ende der 90 Jahre haben die Nitrifikationsinhibitoren im
Stickstoffbereich Einzug gehalten.
Was prüfen wir heute ab ?:
nun, z.B. Unterfußdüngungsvarianten,
vor dem Hintergrund
„controlled release“ in den Bereichen N, NP oder NPK-
Düngemittel, um die Effizienz der gedüngten Nährstoffe pro
Einheit zu erhöhen.
teilweise gehen wir auch wieder einen Schritt zurück, und prüfen
insbesondere bei der Düngung von Getreide,
Einsparmöglichkeiten, indem wir mehrere N-Gaben
zusammenfassen um Überfahrten und somit Kosten einzusparen.
Ob das im Sinne einer gezielten Nährstoffversorgung unserer
Kulturpflanzen ist, müssen wir noch mit weiteren Versuchen
belegen oder bestätigen.
Doch bleiben wir bei dem Beispiel der Stickstoffdüngung im Getreide
bzw. Winterweizen.
Seit einiger Zeit wird an stickstoffeffizienteren Winterweizen-Sorten von
Seiten der Züchterhäuser gearbeitet, die auf qualitativ höherwertigere
Proteine setzen, so dass bei geringerem Gesamtproteingehalt ähnlich
hohe oder die gleichen Backvolumina wie bei Top-E-Weizen-Sorten
erreicht werden können. Hier gibt es eine enge Korrelation in der Höhe
des Stickstoffeinsatzes mit der Erzeugung von Protein.
Effizientere Ausnutzungsgrade des Stickstoffs, bzw. Sorten die eine
Top-Qualität mit geringerem Einsatz von Stickstoff ermöglichen, gehen
einher mit Verbesserungen von N-Bilanzen sowie N-min Werte nach der
Ernte.
Dies alles sind Schritte oder Bestrebungen, sorgsam mit den uns zur
Verfügung stehenden Mitteln (Düngemitteln) bzw. Ressourcen
umzugehen, die Umwelt zu schützen, bei gleichzeitiger Steigerung der
Produktion auf den uns zur Verfügung stehenden Flächen.
Gleichwohl, dass der Gesamt-N-Absatz dadurch sinken wird, stellen wir
uns von Seiten der Düngerindustrie dieser Herausforderung oder
Aufgabe und können damit, so denke ich, besser leben als z.B. mit
einem Dänischen Modell bzw. mit der Regulierung des
Stickstoffeinsatzes von Seiten der Gesetzgebung.

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Ich möchte die Frage zu Dauerversuchen noch einmal von einer
anderen Seite stellen:
Müssen noch Dauerversuche durchgeführt werden ? wo wir doch heute
über moderne Simulations- oder Computer-Programme verfügen, die
uns sagen von welchem Nährstoff wir
-
wieviel
- zu
welchem Zeitpunkt
- und in
welcher Höhe
ausbringen sollen ?
Nun, - worauf begründen sich die Daten für die Simulations- oder
Computer-Programme. Hier können und müssen wir auf langjährige
Versuche zurückgreifen um gesicherte und verlässliche Daten zu
generieren, mit denen wir diese Programme „füttern“
können
.
Ja meine Damen und Herren, ich sage, wir brauchen heute und auch in
Zukunft Dauerversuche, um verlässliche Daten für die Produktion von
hochwertigen Nahrungsmitteln und Rohstoffen zu generieren !
Meine Damen und Herren, all diese Versuche, sind jedoch nicht allein
von der Düngemittelindustrie geprüft worden, sondern von
Landesämtern und Landwirtschaftsämtern, Universitäten, Hochschulen
und Instituten,
um letztendlich den Anwendern bzw. Landwirtschaftsbetrieben eine
sichere Empfehlung für die Produktion hochwertiger Nahrungsmittel
und/oder Rohstoffe zu liefern,
unsere Umwelt zu schützen
und sorgsam mit den uns zur Verfügung stehenden Rohstoffen
umzugehen.
An dieser Stelle darf ich ein herzliches Dankeschön an alle
aussprechen, die sich über diese vielen Jahre in der Vergangenheit,
heute und auch zukünftig, im Versuchswesen engagieren und die
Produktion von Lebensmitteln oder Rohstoffen zu dem gemacht haben,
was sie heute ist !
Nie waren unsere Lebensmittel oder Rohstoffe so sicher wie heute. Das
zeigen die regelmäßigen Untersuchungen von Überwachungsbehörden
auf deutscher wie auch auf europäischer Ebene.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Volker Sandrock
Vorsitzender des Landesarbeitskreises Düngung
Brandenburg / Sachsen / Thüringen