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Handreichung
Qualitätskriterien für die
Besondere Lernleistung

Qualitätskriterien für die Besondere Lernleistung
Inhaltsverzeichnis
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1. Ziele
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2. Die Besondere Lernleistung –
ein Element der gymnasialen Ausbildung
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3. Belegung und Einbringung
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4. Themen
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5. Betreuung
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6. Anforderungen –
Dokumentation, praktische Komponente, Kolloquium
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7. Begutachtung und Bewertung
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8. Der Weg zur BELL – ein möglicher Arbeitsplan
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Handreichung für Schulleitungen, Lehrer und Schüler an sächsischen Gymnasien
Kommentierte Fassung des Kapitels zur Besonderen Lernleistung der SMK-
Veröffentlichung "Der Weg zum Abitur"
Stand 30.06.2008

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1 Ziele
Die Erarbeitung einer Besonderen Lernleistung ist ein selbst gewählter, aber auch selbst
verantworteter Beitrag des Schülers zur Erhöhung der Studierfähigkeit und zur Vorbereitung auf ein
Hochschulstudium.
Die Erarbeitung einer Besonderen Lernleistung ermöglicht dem Schüler größere Klarheit über sein
Arbeitsverhalten und die Breite und Tiefe seiner Interessen zu gewinnen.
Mit der Erarbeitung einer Besonderen Lernleistung stellen die Schüler komplexe Handlungskompetenz
unter Beweis und entwickeln ihre kommunikativen und kooperativen Fähigkeiten weiter.
Die Schüler arbeiten sich in eine fachwissenschaftliche Thematik ein, weisen ihre Fähigkeiten im
Prozess der Beschaffung, Verarbeitung, Dokumentation und Präsentation von Informationen nach und
entwickeln sie weiter. Sie planen und strukturieren ihre Arbeit über längere Phasen selbstständig,
stellen ihre Arbeitsergebnisse in verschiedenen Arbeitsphasen und in verschiedenen
Anforderungssituationen schriftlich und mündlich zusammenhängend dar.
2 Die Besondere Lernleistung –
ein Element der gymnasialen Ausbildung
Besondere Lernleistungen sind:
1. ein umfassender Beitrag in einem vom Freistaat Sachsen geförderten
Leistungswettbewerb, einem vergleichbaren Bundeswettbewerb oder einem
internationalen Leistungswettbewerb,
2. eine umfangreiche Arbeit mit wissenschaftspropädeutischem Anspruch,
3. die Aufarbeitung eines umfassenden, auch fachübergreifenden Projektes oder Praktikums.
Der Anspruch, der mit der Erarbeitung einer Besonderen Lernleistung verbunden ist, ergibt sich
vorrangig aus den Anforderungen, die Hochschulen und Universitäten an die Studierenden stellen.
Die Besondere Lernleistung ist schriftlich zu dokumentieren und in einem Kolloquium zu verteidigen.
Sie kann eine praktische Komponente enthalten.
Erwartet wird, dass sich der Schüler mit wissenschaftlichen Arbeitsmethoden vertraut macht und dabei
selbstständig, zielstrebig, kreativ und engagiert ein Thema seiner Wahl bearbeitet.
Im Rahmen der Arbeit an einer Besonderen Lernleistung können Schüler an Forschungseinrichtungen
in Projekte integriert werden, können sich Kontakte zu Partnern in Industrie, Verwaltung oder Politik
ergeben. Die gewonnenen Erfahrungen können zur Festigung von Studien- und Berufswünschen
beitragen.
Als praktische Komponente gelten z. B.:
eigenständig erarbeitete künstlerische Ergebnisse
Versuchsreihen
Simulationen
Modelle
Computerprogramme
Aufgabenlösungen in Leistungswettbewerben
Eine Besondere Lernleistung kann als gemeinsame Arbeit von höchstens drei Schülern erstellt
werden. In diesem Fall müssen die Leistungen der einzelnen Schüler individualisierbar sein.
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3 Belegung und Einbringung
Die persönliche Entscheidung, eine Besondere Lernleistung erarbeiten zu wollen, trifft der Schüler in
der Jahrgangsstufe 11, an Gymnasien mit vertiefter Ausbildung am Ende der 10. Klasse.
Mit der Wahl der Abiturprüfungsfächer und der Anmeldung zur Abiturprüfung zu Beginn der
Jahrgangsstufe 12 entscheidet der Schüler dann verbindlich, ob er die Besondere Lernleistung im
Block II und damit in die Gesamtqualifikation einbringen will. Die Bewertung der Besonderen
Lernleistung tritt dann an die Stelle des mündlichen Prüfungsfaches P5.
Wird die Arbeit nicht als Besondere Lernleistung eingebracht, kann sie in einem Fach, dem sie
inhaltlich zuzuordnen ist, als Komplexe Leistung bewertet werden.
Hat sich der Schüler für die Einbringung einer Besonderen Lernleistung entschlossen, kann für ihn die
Belegpflicht für eines der Grundkursfächer Geographie, Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/
Wirtschaft oder Biologie in der Jahrgangsstufe 12 entfallen, an Gymnasien mit vertiefter Ausbildung in
den Jahrgangsstufen 11 und 12. Für das Grundkursfach Biologie kann die Belegpflicht nur entfallen,
wenn die Besondere Lernleistung einen überwiegend naturwissenschaftlichen Bezug enthält.
Der Arbeitsaufwand für eine Besondere Lernleistung entspricht dem für einen Grundkurs von
mindestens zwei Kurshalbjahren.
Besondere Anforderungen, die sich durch die Vorbereitung auf und die Teilnahme an
Leistungswettbewerben ergeben, sollten individuell angemessen berücksichtigt werden.
Am Landesgymnasium Sankt Afra zu Meißen ist das Erstellen einer Besonderen Lernleistung
obligatorisch, die Belegpflicht für ein Grundkursfach entfällt damit nicht.
Generell ist zu beachten, dass die Besondere Lernleistung noch nicht anderweitig im Rahmen der
Schule bewertet worden ist, z. B. als Komplexe Leistung.
Der Termin für die Abgabe der schriftlichen Dokumentation wird jährlich durch das Sächsische
Staatsministerium für Kultus bekannt gegeben und liegt am Ende des Kurshalbjahres 12/I.
Das Kolloquium findet in der Regel im Zeitraum der mündlichen Abiturprüfungen statt.
Das Abitur ist nicht bestanden, wenn sich der Schüler für die Einbringung einer Besonderen
Lernleistung entschieden hat, deren Ergebnis aber mit insgesamt 0 Punkten bewertet wurde.
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4 Themen
Ausgehend von den genannten Zielen ergibt sich ein breites Handlungsfeld für eigenverantwortliches
Lernen. Bereiche der Themenfindung erschließen sich u. a. aus forschendem Lernen, künstlerischer
Tätigkeit, politischem oder sozialem Engagement. Die Kooperation mit außerschulischen Partnern wie
Hochschulen, Verbänden, Unternehmen, Kirchen, kulturellen, politischen und sozialen Einrichtungen
wird unterstützt.
Wichtigste Voraussetzung für das erfolgreiche Bearbeiten eines solchen Projektes ist das Interesse
am Thema. Deshalb sollte jeder Schüler ein Thema wählen, das für ihn persönlich bedeutsam ist und
bei dessen Bearbeitung ihm das Lösen von Problemen Freude bereiten wird.
Beim
Suchen nach dem geeigneten Thema
könnte die Beantwortung folgender Fragen helfen:
1. Welche Thematik interessiert mich?
Welche Institution beschäftigt sich mit diesem Themengebiet?
Ist mir selbst ein bisher unzureichend gelöstes Problem auf diesem Gebiet bekannt?
Habe ich eine Idee, wie ich ein von mir erkanntes Problem kreativ lösen könnte?
2. Möchte ich
gern praktisch an einem Arbeitsplatz direkt mit Mitarbeitern z. B. einer Institution
zusammen arbeiten?
mit fiktionalen Texten kreativ umgehen?
einen künstlerischen Beitrag erarbeiten?
Algorithmen entwickeln oder nutzen und programmtechnisch umsetzen?
Datenmengen in Experimenten oder Umfragen im Verlauf des Bearbeitungszeitraums
erfassen und auswerten?
mit Hilfe von Fachliteratur an einer Lösung tüfteln?
3. Kenne ich jemanden, der auf einem für mich interessanten Gebiet wissenschaftlich oder
künstlerisch arbeitet und der mich betreuen könnte?
Im Idealfall finden die Schüler ihre Themen selbst. Sowohl aus dem Unterricht, fachübergreifendem
oder fächerverbindendem Arbeiten als auch aus Projekten, Praktika oder aus Leistungswettbewerben
können Arbeitsthemen abgeleitet werden.
Zur Themenfindung sind auch geeignet:
-
Angebote von Hochschulen, Institutionen, Unternehmen
-
Mitwirkung an künstlerischen Vorhaben
-
Mitarbeit an ökonomischen, ökologischen, sozialen und anderen gesellschaftlichen Projekten
-
Mitgestaltung von Exkursionen
-
Fortführung von Themen aus dem Profilunterricht
Empfehlenswert ist, dass die Schule eine Datenbank mit Informationen über bearbeitete Themen
sowie Kooperations- und Ansprechpartner erstellt und fortschreibt.
Als
Hilfen bei der Themenfindung
können folgende Informationsquellen genutzt werden:
- Internetrecherche mit Suchworten zu fachlichem Umfeld und regionaler Begrenzung um
herauszufinden, welche Institutionen oder Fachleute infrage kommen
-
gezielte Recherche auf Homepages bekannter Institutionen (Universitäten, Fachhochschulen,
Fraunhofer- und Max-Planck-Institute, Forschungszentren)
- Recherche in der Übersicht zu Projektthemen und außerschulischen Partnern sowie
Kooperationspartnern der vergangenen Jahre
- gezielte Nachfrage bei Fachlehrern, die aus dem Unterricht resultierende Themen betreuen
würden
-
gezielte Nachfrage bei Personen aus dem privaten Umfeld* (Eltern der Mitschüler, Mitglieder
des Fördervereins der Schule, Vortragende wissenschaftlicher Veranstaltungen)
*Zu beachten ist aber, dass Eltern, Großeltern oder andere nahe Verwandte nicht als Betreuer von
Besonderen Lernleistungen zugelassen sind.
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Gegebenenfalls kann ein verantwortlicher Lehrer der Schule die Schüler beraten und bei der
Themenfindung sowie Vermittlung eines Betreuers unterstützen.
Die Schüler suchen sich gegebenenfalls außerschulische Partner und treffen selbstständig die
erforderlichen Absprachen. Zu erwarten ist, dass die Themen zunächst als Arbeitsthemen vorgelegt
werden, die ihre Präzisierung durch den Arbeitsprozess erfahren.
Die Anforderungen, welche an ein Thema gestellt werden, entsprechen denen, die in den
Bewertungsgrundlagen formuliert sind. Alle Varianten der Themenbearbeitung fordern gleichermaßen
Fleiß, Beharrlichkeit und Konsequenz. Eine Besondere Lernleistung zeichnet sich zudem durch den
Anspruch an Originalität, Kreativität, Erkenntniszugewinn bzw. Neuwert in Bezug auf das bearbeitete
Thema aus.
Der kreative Eigenanteil bei der Bearbeitung des Themas liegt z. B. in der:
-
originellen Lösung eines Problems
-
Umsetzung einer Lösungsidee in eine technische Realisierung oder ein Programm
-
Optimierung eines Verfahrens, technischen Systems oder Programms
-
Planung, Durchführung und Auswertung von Umfragen, Versuchsreihen oder Experimenten
-
Gestaltung bzw. Entwicklung einer künstlerischen Produktion bzw. eines künstlerischen
Produktes
-
Selbstständigkeit und Schwerpunktsetzung bei der Literaturrecherche
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5 Betreuung
Die Schule hat gegenüber Schülern, die sich für eine Besondere Lernleistung entscheiden, eine
Beratungs- und Betreuungspflicht. Jeder Schüler wird während des gesamten Prozesses der
Erarbeitung der Besonderen Lernleistung durch einen geeigneten Fachlehrer betreut. In dessen
Verantwortung liegt es auch, die Umsetzung der Qualitätsanforderungen zu begleiten.
In Abhängigkeit von den regionalen Möglichkeiten und den Erfordernissen des Themas ist die
Einbeziehung außerschulischer Partner für die Betreuung und die Begutachtung der Besonderen
Lernleistung wünschenswert.
In diesem Fall wird durch den betreuenden Fachlehrer gemeinsam mit dem außerschulischen
Betreuer eine Vereinbarung zur Umsetzung dieser Betreuungsaufgaben getroffen. Diese
Vereinbarung sollte Aussagen zu Zeitpunkt, Art und Umfang der Zusammenarbeit enthalten.
Als außerschulische Partner für die Betreuung einer Besonderen Lernleistung kommen neben
Hochschulen, Universitäten oder Forschungseinrichtungen auch in der Region ansässige öffentliche
Einrichtungen, Unternehmen, Vereine oder Institutionen in Betracht.
Der Schulleiter entscheidet gegebenenfalls über die Auswahl eines außerschulischen Betreuers. Es
liegt in seiner Verantwortung zu prüfen, ob eine angemessene fachliche Qualifikation, entsprechende
soziale Kompetenzen und Unbefangenheit in Bezug auf die mögliche Begutachtung der
Arbeitsergebnisse gegeben sind.
Bevor der Schüler seine Abiturprüfungsfächer wählt und über die Einbringung der Besonderen
Lernleistung entscheidet, legt er dem betreuenden Fachlehrer eine Konzeption für die Arbeit vor.
Aus der Konzeption müssen Gegenstand, Ziele, Methoden und Erkenntnisgewinn bzw. Neuwert der
Besonderen Lernleistung hervorgehen. Empfehlenswert sind die Verteidigung der Konzeption und die
Fixierung eines Arbeitsplans.
Mit einer
Konzeptionsverteidigung
verbindet sich in erster Linie die Zielstellung der Beratung.
Dem Schüler wird eine Rückmeldung zum Stand und Unterstützung bei der Planung der zukünftigen
Arbeit gegeben. Gleichzeitig kann eine Konzeptionsverteidigung ein wichtiger Bestandteil der
gemeinsamen Aufgabe schulischer und außerschulischer Betreuer sowie der Einstieg in eine
prozessorientierte Bewertung sein.
Mögliche inhaltliche Schwerpunkte einer Konzeptionsverteidigung sind z. B:
Vorstellen des Arbeitsthemas, Hinweise zur Themeneingrenzung
Begründen bzw. Prüfen der Tragfähigkeit des Themas, der Problemorientierung, der
persönlichen Relevanz, des Erkenntniszugewinns bzw. des Neuwertes
Darstellen der vorläufigen Gliederung, Hinweise zur Schwerpunktsetzung
Begründen der bisher ausgewählten Quellen
Erläutern der praktischen Komponente
Vorstellen des Arbeitsplans, Hinweise zum Zeitmanagement
Es wird empfohlen, die Konzeptionsverteidigung – z. B. anhand eines schulinternen Protokolls –
schriftlich zu dokumentieren.
Der betreuende Fachlehrer begleitet den gesamten Erarbeitungsprozess. Art und Umfang der
Beratung und Betreuung
werden individuell verschieden sein. Es ist zu empfehlen, geeignete
Maßnahmen und Zeiträume vorab zu vereinbaren, z. B. im Rahmen des Arbeitsplans.
Unter folgenden Gesichtspunkten können z. B. neben fachlichen Fragen auch Aspekte der
Arbeitsweise reflektiert werden:
Zeitmanagement (Bestellen von Büchern, Planen von Experimentierzeiten oder praktischer
Arbeit, Einhalten von Terminen)
Umgang mit Informationen (Beschaffung sicherer und aktueller Informationsquellen,
Vermeiden von Vorurteilen, Wertungen und Redundanzen, Informationsauswahl und
systematische Aufbereitung)
Verwendung der Fachsprache und Fachsymbolik
Entwickeln einer kritischen Haltung gegenüber eigenen Arbeitsergebnissen
In Gesprächen mit dem betreuenden Fachlehrer kann der Schüler z. B. offen gebliebene fachliche
Fragen, aufgetauchte Widersprüche, Informationsmängel oder mögliche Fehlerquellen artikulieren.
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6 Anforderungen –
Dokumentation, praktische Komponente, Kolloquium
Bedingungen für die Anerkennung einer Arbeit als Besondere Lernleistung sind die gezielte
Aufarbeitung und systematische Reflexion von Arbeitsgegenstand, Arbeitsverlauf und Arbeitsergebnis.
Diese Forderungen gelten ausnahmslos für alle Themen.
Wesentlicher Bestandteil der Besonderen Lernleistung ist in jedem Fall eine
schriftliche
Dokumentation.
Die Dokumentation enthält z. B.
- in der Einleitung: die Erläuterung und Abgrenzung des Themas, die Begründung seiner
Relevanz;
- im Hauptteil: den Nachweis der Verwendung angemessener Methoden, das geeignete
Fixieren und die übersichtliche Darstellung der Ergebnisse sowie ggf. deren kritische
Diskussion sowie eine Methodenreflexion;
- im Schlussteil: die Darstellung möglicher Konsequenzen, Querverbindungen, Anwendungen
und Auswirkungen.
Die schriftliche Dokumentation, deren Umfang pro Schüler mindestens 15 Seiten und maximal 60
Seiten beträgt, wird in ansprechender äußerer Form vorgelegt. Dazu gehören eine saubere und
übersichtliche Ausführung ebenso wie eine ansprechende äußere Gestaltung.
Ein normgerechtes Quellenverzeichnis, eine Eigenständigkeitserklärung und ein möglicher Anhang
sowie eine Kurzfassung schließen die Arbeit ab.
Die formalen Anforderungen an die schriftliche Dokumentation orientieren sich an den Standards
wissenschaftlicher Facharbeiten. Festlegungen dazu können z. B. Bestandteil einer schuleigenen
Konzeption zum Umgang mit Komplexen Leistungen und Besonderen Lernleistungen sein. Diese
formalen Anforderungen beziehen sich u. a. auf das Titelblatt, die schreibtechnische Gestaltung, das
Inhaltsverzeichnis, die Textgliederung, die quellengetreue Wiedergabe, Zitate und Anmerkungen, die
Bibliographie, den Anhang mit Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis, Urheberrechtsfragen und die
eidesstattliche Erklärung.
Wenn die Besondere Lernleistung eine
praktische Komponente
umfasst, muss diese in geeigneter
Weise dem betreuenden Fachlehrer und dem mit der Zweitkorrektur beauftragten Lehrer zur Kenntnis
gegeben werden.
In Abhängigkeit von der praktischen Komponente und der damit verbundenen Arbeitsweise wird die
Art der Veröffentlichung, Besichtigung oder Präsentation des Arbeitsergebnisses sehr unterschiedlich
sein. Der Schulleiter entscheidet gegebenenfalls über eine angemessene Form sowie den
organisatorischen und zeitlichen Ablauf unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen der
Abiturprüfungen.
Eine praktische Komponente im Zusammenhang mit einem Leistungswettbewerb ist ein umfassender
Beitrag in einem vom Freistaat Sachsen geförderten Leistungswettbewerb, einem vergleichbaren
Bundeswettbewerb oder einem internationalen Leistungswettbewerb.
Wenn ein Wettbewerb den Ausgangspunkt für eine Besondere Lernleistung bildet, kann sich der
Beitrag nicht allein auf das Lösen der diesbezüglichen Aufgaben erstrecken, sondern muss eine
angemessene Aufbereitung von Theorie zu dem jeweiligen Wettbewerbsthema beinhalten.
Die Besondere Lernleistung im Fach Kunst enthält als praktische Komponente eine
eigenschöpferische Arbeit. Sie orientiert sich an der in den drei Lernbereichen des Lehrplans
ausgewiesenen künstlerischen Praxis in der Einheit von Produktion, Reflexion und Rezeption.
Die Arbeit wird von einer fachspezifischen schriftlichen Dokumentation begleitet. Diese belegt und
begründet den Schaffensprozess in der Einheit von Bild und Text.
Die Besondere Lernleistung wird mit einem
Kolloquium
im Prüfungszeitraum des Kurshalbjahres 12/2
abgeschlossen. Das Kolloquium umfasst die Darstellung der Arbeitsergebnisse durch den Schüler und
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ein anschließendes Gespräch in Form eines wissenschaftlichen Disputs zum Thema. Der Schüler
weist fundierte Kenntnisse zu Zielen, Methoden, inhaltlichen Details und Ergebnissen nach sowie
seine Fähigkeit, sich einem fachlichen Gespräch zu stellen.
Die Dauer des Kolloquiums beträgt 20 bis 30 Minuten bei Einzelleistungen, bei einer Gruppenarbeit
höchstens 60 Minuten.
Die Anforderungen an die Gestaltung des Kolloquiums entsprechen denen an eine mündliche
Abiturprüfung.
Im
ersten Teil
präsentiert der Schüler in Form eines Referates die Ergebnisse seiner Arbeit. Hier sind
auch die in schulischen Curricula festgeschriebenen Qualitätsmerkmale zu berücksichtigen.
Im
zweiten Teil
gilt es, einen langfristigen Arbeitsprozess zu reflektieren und Arbeitsergebnisse in
Form einer Verteidigung zu hinterfragen. Das erfordert vom betreuenden Fachlehrer eine gezielte
Vorbereitung. Schwerpunkte können dabei Nachfragen zu fachlichen Inhalten oder dem methodischen
Vorgehen, ein wissenschaftliches Streitgespräch mit Thesen und Antithesen, ein Ausblick auf
Nachhaltigkeit oder Fortführung der Thematik und auch eine Reflexion des eigenen Arbeitens durch
den Schüler sein.
Die Ergebnisse von Besonderen Lernleistungen sind in hervorragender Weise geeignet, den
gymnasialen Anspruch zu verdeutlichen und die Leistungen von Schülern in der Öffentlichkeit zu
würdigen. Für die Teilnahme von Zuhörern am Kolloquium können schulintern Regelungen vereinbart
werden.
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7 Begutachtung und Bewertung
Die
schriftliche Dokumentation
der Besonderen Lernleistung wird vom betreuenden Fachlehrer und
einem Zweitkorrektor bewertet. Die Zweitkorrektur durch einen anderen Fachlehrer ist grundsätzlich
wegen der Abiturrelevanz der Ergebnisse notwendig. Erst- und Zweitkorrektor erstellen jeweils ein
Gutachten zur Begründung der erteilten Punktzahl.
Die Korrekturen erfolgen auf der Basis der durch das Sächsische Staatsministerium für Kultus bekannt
gegebenen Korrekturhinweise für Abiturprüfungsarbeiten. In die Bewertung des betreuenden
Fachlehrers fließen auch der Erfüllungsgrad schulverbindlicher formaler Anforderungen sowie
prozessorientierte Aspekte der Erarbeitung der Besonderen Lernleistung ein.
Bewertungsgrundlagen für die schriftliche Dokumentation sind z. B.:
-
Originalität, Kreativität, Selbstständigkeit und Problemorientierung,
-
Erkenntniszugewinn bzw. Neuwert,
-
Konzentration auf das Wesentliche,
-
Wert und Umfang der Argumente,
-
Präzision und logische Nachvollziehbarkeit der Darstellung,
-
Qualität und Umfang der Recherchen,
-
Reflexion und Diskussion der Methoden und Ergebnisse,
-
exakte Dokumentation des Arbeitsprozesses,
-
fachliche Richtigkeit,
-
Erfüllung formaler Kriterien und stilistische Angemessenheit.
Wenn die Besondere Lernleistung insgesamt oder teilweise außerschulisch erbracht wurde, können
bis zu zwei weitere Personen zur beratenden Begutachtung hinzugezogen werden.
Der Schulleiter entscheidet über die Einbeziehung von Gutachten außerschulischer Betreuer bzw. die
Mitarbeit weiterer Fachlehrer oder außerschulischer Experten bei der Erstellung von Gutachten. Diese
Gutachten sind dann vom Erst- und Zweitkorrektor bei der Bewertung zu berücksichtigen.
Gutachten außerschulischer Betreuer oder Experten sollen formlos im Sinne eines fachlichen
Kommentars erstellt werden. Diese Gutachten reflektieren als Worturteil die Qualität der Arbeit,
beziehen sich auf fachliche Inhalte und zeigen Defizite auf. Sie enthalten keine Bewertung in Form
von Notenpunkten. Orientierung für die Erstellung eines Gutachtens geben die Bewertungsgrundlagen
der schriftlichen Dokumentation.
In der Regel handelt es sich bei der Besonderen Lernleistung um Einzelarbeiten. Wird die Besondere
Lernleistung in Gruppenarbeit erbracht, müssen die Leistungen individualisierbar sein. Da auch bei
einer Gruppenarbeit eine getrennte Bewertung jedes Gruppenmitglieds erfolgt, ist in der
Dokumentation der Beitrag jedes einzelnen Schülers auszuweisen, z. B. durch namentliche
Zuordnung der einzelnen Abschnitte.
Die Bewertung der
praktischen Komponente
einer Besonderen Lernleistung erfolgt unabhängig
voneinander durch den betreuenden Fachlehrer und den mit der Zweitkorrektur beauftragten
Fachlehrer. Der Schulleiter entscheidet über die Einbeziehung von Gutachten außerschulischer
Betreuer.
Bewertungsgrundlagen der praktischen Komponente sind u. a.:
-
Originalität
-
Eigenständigkeit
-
Ganzheitlichkeit
-
Einfallsreichtum
-
Ästhetik
-
fachliche Aspekte
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Bei Leistungswettbewerben ist eine Einzelfallprüfung sowohl hinsichtlich einzelner
Anforderungskriterien als auch hinsichtlich der Gesamtwettbewerbsleistung unverzichtbar. Die
Begleitung der Schüler durch betreuende Lehrer des betreffenden Gymnasiums ist aus juristischen,
organisatorischen und sachlichen Gründen notwendig. Die betreuenden Lehrer haben die Aufgabe,
den zeitlichen Umfang, den individuell und selbstständig erbrachten Anteil einzuschätzen und in die
abschließende Bewertung einzubringen.
Die Bewertung des
Kolloquiums
erfolgt durch eine Prüfungskommission des betreffenden
Gymnasiums, deren Mitglied in jedem Falle der betreuende Fachlehrer ist.
Der Prüfungskommission gehören neben dem betreuenden Fachlehrer der Vorsitzende des
Prüfungsausschusses oder ein von ihm berufener anderer Lehrer als Vorsitzender sowie ein weiterer
Fachlehrer als Schriftführer an. Die Mitglieder sollen eine dem Thema der Besonderen Lernleistung
entsprechende Lehrbefähigung haben.
Die Prüfungskommission kann gegebenenfalls außerschulische Betreuer oder Experten in
Gutachterfunktion konsultieren.
Zur Ermittlung der Notenpunkte für das Kolloquium bezieht die Prüfungskommission die Bewertung
der Präsentation, die Bewertung des Gesprächs sowie gegebenenfalls die Hinweise der anwesenden
außerschulischen Betreuer bzw. Experten in die Gesamtbewertung ein.
Es ist abzusichern, dass ausschließlich die Mitglieder der Prüfungskommission an der Festlegung der
Benotung des Kolloquiums beteiligt sind.
Bewertungsgrundlagen des Kolloquiums sind u. a.:
-
Umfang des Wissens und Könnens,
-
Argumentationssicherheit,
-
Konzentration, Logik, Verständlichkeit der Ausführungen,
-
Reaktionsfähigkeit, Engagement, Rhetorik,
-
Sicherheit und Schauwert der Präsentation, wie z. B. bei praktischen Vorführungen.
Vorschlag für Bewertungsschwerpunkte des Kolloquiums
Teil 1: Referat
Inhaltliche Kriterien
- geeignete Schwerpunktsetzung für das Referat im Zusammenhang mit der Thematik der
schriftlichen Dokumentation
-
logisch strukturierte Gliederung des Referates
-
verständliche Darlegung der Ausführungen und Beispielbelege
- Darstellung der persönlichen Motivation für das Thema /der persönlichen Bedeutung des
Themas
-
Reflexion des Arbeitsprozesses, der Arbeitsweise, der gewählten Methoden
-
Zusammenfassung wesentlicher Ergebnisse der Arbeit und kritische Reflexion
-
Ausblick auf weiterführende Fragestellungen
-
Gestalterische Kriterien
-
Sprache: freies Sprechen, Lautstärke, Aussprache, Nutzen von Fachtermini
-
Publikumswirksamkeit: Körpersprache, Umgangsformen, Auftreten
- Visualisierung: angemessener Medieneinsatz, Gestaltung von Folien und Präsentationen,
Handout bzw. Thesenpapier
Teil 2: Gespräch
-
Fachwissen
-
Reaktionsvermögen
-
Sicherheit in der Argumentation
-
Konzentrationsfähigkeit
-
Souveränität beim Formulieren
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Die Gewichtung der mündlichen Leistung im Kolloquium zur schriftlichen Dokumentation erfolgt im
Verhältnis 1:2. Die Gesamtpunktzahl der Besonderen Lernleistungen in vierfacher Wertung wird
entsprechend der "Tabelle zur Bildung der Gesamtpunktzahl" ermittelt.
Sofern die Besondere Lernleistung eine praktische Komponente enthält, gilt die Gewichtung:
praktische Komponente zu schriftlicher Dokumentation zu Kolloquium wie 1:1:1.
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8 Der Weg zur BELL – ein möglicher Arbeitsplan
Der folgende Arbeitsplan hat empfehlenden Charakter. Termine mit Abiturrelevanz sind verbindlich
durch die VwV Schuljahresablauf geregelt. Zeiträume für Unvorhergesehenes sollten vorab eingeplant
werden.
Orientierungszeit
Arbeitsphase
Absichtserklärung
zur Absolvierung einer Besonderen Lernleistung
Orientierung
Wahl eines Forschungsgebietes und Themenfindung
Wahl eines Betreuers an der Schule und eines außerschulischen Partners
Erstellung eines Arbeitsplanes
Beginn der Literaturrecherche, -beschaffung, -auswahl und –auswertung
Strukturierung des Materials
Entwurf einer differenzierten Gliederung
Verteidigung der Konzeption
Festlegung des Designs für Versuchsreihen/empirische Untersuchungen,
z. B. Befragungen, Beobachtungen, Dokumentenanalyse
Durchführung der Untersuchungen und Ergebnisauswertung
Beratung und Diskussion der Arbeit mit weiteren Experten
Verbindliche
Entscheidung über die Einbringung der Besonderen
Lernleistung in das Abitur
Entscheidung über die praktische Komponente
Erstellung der Erstfassung des Manuskriptes und der Anlagen
Überarbeitung des Manuskriptes
Gestaltung der Anlagen
Erstellung der Endfassung
Korrektur der Endfassung
Ausdruck und Vervielfältigung der Dokumentation
Binden der Arbeit
Abgabe der Dokumentation
Vorbereitung und Durchführung der
Präsentation der praktischen
Komponente
Januar
(Kurshalbjahr 11/1)
Februar
(Kurshalbjahr 11/2)
März
(Kurshalbjahr 11/2)
September
(Kurshalbjahr 12/1)
November
(Kurshalbjahr 12/2)
Dezember/Januar
(Ende Kurshalbjahr
12/1)
Mai/Juni
Kurshalbjahr 12/2
Vorbereitung des Kolloquiums
Kolloquium
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