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PRAXISPOOL
GANZTAGSANGEBOTE
Praxisbeispiel Qualitätsmerkmal
»Kooperation von Grundschule und Hort«
Impulse und Anregungen zur Umsetzung
des Qualitätsrahmens Ganztagsangebote
Der Gemeinschaftstag von Grundschule
und Hort »Am Pohlandplatz« in Dresden

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die Hortgruppen der entsprechenden Klassen den Gemeinschaftstag unter sich verbringen. Manche
Tage werden mit den jeweiligen Partnerklassen verbracht, wobei die dritten für die ersten Klassen
sowie die vierten für die zweiten Klassen als Paten fungieren. An anderen Gemeinschaftstagen
öffnet sich die jeweilige Klassenstufe und die Schülerinnen und Schüler dürfen unabhängig von
Klasse a, b oder c ein Angebot wählen.
Die Organisation liegt hauptverantwortlich in der Hand der Erzieherinnen und Erzieher; alle 14 Tage
sind die Lehrerinnen und Lehrer mit dabei. Grundlage für die inhaltliche Ausgestaltung ist der für
das Schuljahr festgelegte Stoffverteilungsplan sowie die Absprache mit den Klassenlehrerinnen
und -lehrern, welche Unterrichtsinhalte nochmal vertieft oder durch Ausflüge und praktische Tä-
tigkeiten ergänzt werden sollen. Kathrin Hengst, stellvertretende Hortleitung, führt beispielhaft an,
dass beim Thema »Getreide« gern innerhalb des Gemeinschaftstages ein Brot gebacken wird. Dies
ließe sich am Nachmittag mit gelockertem Zeitrahmen und personeller Doppelbesetzung durch die
Klassenlehrerin bzw. den Klassenlehrer und die Bezugserzieherin bzw. den Bezugserzieher besser
realisieren, als im strengen Korsett des Unterrichts am Vormittag. Weiterhin werden gemeinsam
Feste und Feiern - wie Weihnachtsmarkt und Sommerfest - vorbereitet und ausgestaltet, wobei die
Erzieherinnen und Erzieher oder die Lehrerinnen und Lehrer abwechselnd als Hauptverantwortliche
benannt werden. In den vierten Klassen ist es zur Tradition geworden, die Berufe der Eltern zu
erkunden und diese am Arbeitsplatz zu besuchen. Darüber hinaus finden Themen, die sich keinem
Fach zuordnen lassen, jedoch elementar für die Persönlichkeitsentwicklung sind, ihren Platz – bei-
spielweise die sog. »warme Dusche«, mit Hilfe derer sich die Kinder gegenseitig mit Komplimenten
und Zuspruch bereichern und stärken.
Entstanden ist der »Gemeinschaftstag« im Rahmen eines Modellprojekts von 2004 bis 2008. Durch
die Teilzeitregelungen in dieser Zeit zeigten zum einen viele Lehrerinnen und Lehrer die Bereit-
schaft, am Nachmittag weitere Stunden auf Honorarbasis zu übernehmen, zum anderen bot das
Projekt Gelegenheit, sich mit Hilfe eines Prozessmoderators über die Professionsgrenzen von Leh-
renden und Erziehenden hinaus anzunähern und Schnittmengen sowie gemeinsame Ziele in der
Begleitung der Kinder zu erarbeiten. »Wenn man grundsätzlich bereit ist, zusammen zu arbeiten,
aber es an kleinen Sachen scheitert bzw. im Kollegium nicht rund läuft, ist ein solcher Austausch
eine gute Sache und kann sehr hilfreich sein«, resümiert die stellvertretende Schulleiterin und GTA-
Koordinatorin Ute Kramer diese Zeit. Inzwischen stimmen die Abläufe und die gemeinsamen In-
teressen sind in der Kooperationsvereinbarung festgehalten sowie im Schulprogramm ersichtlich.
Vertieft wird die Kooperation in gemeinsamen Fortbildungen.
Dem Gemeinschaftstag kommt eine wesentliche Brückenfunktion für Kinder, Eltern, Lehrende und
Erziehende zu. Die stellvertretende Hortleiterin Kathrin Hengst beschreibt dies folgendermaßen:
»Die Kinder sind die gleichen, am Nachmittag wie am Vormittag. Die wichtigste Brücke ist, dass
der Lehrer die Kinder auch am Nachmittag in einem eher ungezwungenen Verhältnis sieht und die
Erzieher die Lehrplaninhalte für den Unterricht kennen. Eltern können z.T. gar nicht unterscheiden,
dass Hort und Schule zwei verschiedene Institutionen mit unterschiedlichen Trägern sind.« Erzie-
herinnen und Erzieher nehmen regelmäßig am Unterricht teil und gestalten das Förderband mit.
Lehrende und Erziehende führen gemeinsam Elternabende durch und unterstützen die Durchfüh-
KOOPERATION
Der Gemeinschaftstag von Grundschule und Hort »Am Pohlandplatz«
Auch im Schulgebäude präsentieren sich Grundschule und
Hort gemeinsam.
Jeden Dienstag treffen sich die Kinder
der 25. Grundschule und des im selben
Gebäude ansässigen Hortes »Am Poh-
landplatz« zum Gemeinschaftstag. In
der Zeit von 14.00 bis 15.30 Uhr wer-
den hier unterrichtsergänzende Ange-
bote unterschiedlicher Art gemeinsam
durchgeführt. So besprechen sich das
Lehrer- und Erzieherkollegium im Vor-
feld innerhalb der Klassenstufen, welche
Bedarfe und Interessen die Kinder aktuell
haben und planen daraufhin, was genau
am Gemeinschaftstag stattfinden soll.
Zusammensetzung und Inhalte variieren
im Einzelnen sehr. Beispielsweise können
Dienstagnachmittag ist gesetzt
ÜBERBLICK
Schule:
25. Grundschule
»Am Pohlandplatz«
Schulträger:
Landeshauptstadt Dresden
Schulleitung:
Herr Uwe Oblentz,
Frau Ute Kramer (StV)
GTA-Koordination:
Frau Ute Kramer
Ganztagsschulform:
voll gebunden
Schülerzahl:
314 Schüler/-innen (dreizügig)
Personal:
17 Lehrkräfte
Hortkinderanteil:
99,7%
Hortträger:
Eigenbetrieb
Kindertageseinrichtungen Dresden
Hortleitung:
Marianne Hübner,
Kathrin Hengst (StV)
KONTAKT
Anschrift:
Pohlandstraße 40
01309 Dresden
Telefon:
0351 3102193
E-Mail:
info@25-grundschule-dresden.de
Homepage:
www.25-grundschule-dresden.de

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rung des 14-tägig stattfindenden Kinderrats. Außerdem bieten sich Tür- und Angelgespräche bei
der täglichen Übergabe der Kinder zwischen Klassenlehrerin bzw. Klassenlehrer und Erzieherin bzw.
Erzieher an, um aktuelle Befindlichkeiten zu besprechen. Schließlich bieten die planmäßigen Team-
beratungen (je nach Klassenstufe wöchentlich oder 14-tägig) Einblick in die Themen der Kinder und
bilden die Grundlage der Planung und Vorbereitung für den Gemeinschaftstag. Anfangs wurde das
gesamte Schuljahr fest durchgetaktet, mittlerweile ist man zu einer flexibleren Planung übergegan-
gen. So werden nur selten termingebundene Veranstaltungen ein halbes Jahr vorgeplant, wodurch
Raum bleibt für die Anpassung an die aktuellen Interessen und Bedürfnisse der Kinder.
Organisatorisch befinden sich die Erzieherinnen und Erzieher während des Gemeinschaftstages in
ihrem regulären Dienstverhältnis, während Lehrerinnen und Lehrer über Honorarverträge arbeiten.
Im Förderband dreht sich diese Vertragslogik um, sodass das Engagement beider Berufsgruppen
gleichermaßen berücksichtigt wird.
Motivation und pädagogische Absicht
Ziel war es, unterrichtsergänzende Projekte zu stärken, da im Unterricht oft die Zeit fehlt, be-
stimmte Themen allumfassend zu gestalten. Der Gemeinschaftstag trägt zudem zur individuellen
Förderung bei, da unterschiedliche Lerntypen mit Hilfe der vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten
und Methoden angesprochen werden.
Die Kinder lernen sich gegenseitig zu helfen und haben in diesem Rahmen auch Gelegenheit, Inte-
ressen zu vertiefen bzw. zu verstärken. »Sie können sich für ihre Stärken entscheiden, Erfolgserleb-
nisse sammeln und Spaß haben.«, betont Schulleiter Uwe Oblentz. Ältere Schülerinnen und Schüler
lernen Verantwortung für für Jüngeren in den Partnerklassen zu übernehmen und unterstützen
sich beispielsweise bei der Gestaltung von Plakaten und der Erledigung ihrer Hausaufgaben. Ganz
beiläufig erweitern sie ihre sozialen Kompetenzen im klassen- oder stufenübergreifenden Spiel.
Erfolgsfaktoren und Herausforderungen
»Was man von vornherein klären muss, ist, dass der andere Partner genauso geachtet wird wie
das eigene Kollegium – auf
Augenhöhe
.« (Oblentz) Es gab dazu eine gemeinsame Beratung, in
der sich die Professionen gegenseitig genauer vorgestellt haben, um gewisse Vorurteile oder
Wissenslücken zu beseitigen.
gemeinsames Verständnis und gemeinsamen Nenner finden
»Man kann nicht einfach dem anderen etwas überhelfen« - »Man muss miteinander reden und
klären, wollen wir das? Wollen wir das alle? Wer trägt die gemeinsamen Entscheidungen mit?«
(Kramer)
klein anfangen
Die Zusammenarbeit muss nicht von Anfang an wöchentlich sein, sondern kann sukzessive aus-
gebaut werden.
Einbezug einer
neutralen Person
(hier: Prozessmoderator im Modellprojekt) half,
Emotionen
und Sachebene zu trennen
und den Blick neu auszurichten, »weg von allem, was nicht geht
zu dem, was geht« (Kramer)
miteinander reden
Schulleitung und Hortleitung sitzen Tür an Tür und haben kurze Kommunikationswege, um Ab-
sprachen zu treffen.
Kooperation ist auch eine Frage der Chemie
»Persönliche Befindlichkeiten lassen sich z.T. schwer aufweichen. Aus eigener Erfahrung ist daher
im Zweifelsfall ein Personalwechsel zu diskutieren.« (Kramer)
Anfangs wurde der Gemeinschaftstag wöchentlich gemeinsam von Lehrer- und Erzieherkollegi-
um gestaltet. Aufgrund des steigenden Bedarfs in der Unterrichtsversorgung haben die Lehre-
rinnen und Lehrer nicht mehr so viel Kapazität für diesen Nachmittag. Daher gibt es seit 4 Jahren
nur 14-tägig eine Beteiligung durch das Lehrerkollegium.
Fazit
Zufrieden beschreibt Ute Kramer das Verhältnis von Grundschule und Hort als sehr eng - »wo sich
so auf einander abgestimmt wird, dass alles funktioniert. Es ist nicht selbstverständlich, dass der
Hort nicht nur die Dinge mitträgt, sondern oft der Initiator ist.«
Stand:
März 2020
MATERIAL
Kooperationsvereinbarung
Grundschule-Hort
Dokumentation zum Gemeinschaftstag
Schulprogramm

Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Carolaplatz 1, 01097 Dresden
Bürgertelefon: +49 351 56465122
E-Mail: buerger@bildung.sachsen.de
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Fotos:
Grundschule »Am Pohlandplatz« Dresden
Gestaltung:
Hi Agentur e.K.
Druck:
Digitaldruckerei Schleppers GmbH
Redaktionsschluss:
November 2020
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