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HYDROLOGISCHE TROCKENHEIT
UND NIEDRIGWASSER
IM GEBIET DER LAUSITZER NEIßE
NEYMO-NW - Lausitzer Neiße/Nysa Łużycka – Klimamodellierung und hydrologische
Modellierung, Analyse und Prognose der Wasserressourcen bei Niedrigwasser

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NEYMO-NW - Lausitzer Neiße/Nysa Łużycka – Klimamodellierung und hydrologische Modellierung,
Analyse und Prognose der Wasserressourcen bei Niedrigwasser
PLSN.04.01.00-02-0069/17
Leadpartner
Instytut Meteorologii i Gospodark i Wodnej
Państwowy Instytut Badawczy
51-616 Wroclaw, Parkowa 30
Dr. Mariusz Adynkiewicz-Piragas
E-Mail:
mariusz.adynkiewicz@imgw.pl
Projektpartner
Sächsisches Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie
Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden
Dr. Bernd Spänhoff
E-Mail:
bernd.spaenhoff@smul.sachsen.de
ALLGEMEINES ZIEL DES PROJEKTS
Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den verantwortlichen Institutionen und der lokalen Bevölkerung mit dem
Ziel, die erforderlichen Maßnahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie zum Schutz der Wasserressourcen im
Einzugsgebiet der Lausitzer Neiße unter besonderer Berücksichtigung des Niedrigwassers umzusetzen.
Das Projekt unterstützt die Ziele der Leitprojekte „Für saubere Gewässer in Sachsen” und „Herausforderung
Klimawandel in Sachsen” des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.
Kostenloses Exemplar
Das Projekt NEYMO-NW - Lausitzer Neiße/Nysa Łużycka – Klimamodellierung und hydrologische Modellierung, Analyse und Prognose der
Wasserressourcen bei Niedrigwasser wird mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung im Rahmen des Programms
Interreg Polen-Sachsen 2014-2020 finanziert.
Für den Inhalt dieser Publikation sind ausschließlich deren Autoren verantwortlich. Die in dieser Veröffentlichung zum Ausdruck gebrachten
Ansichten dürfen keinesfalls dahingehend interpretiert werden, dass sie die offizielle Meinung der Europäischen Union wiederspiegeln.
Weitere Informationen erhalten sie unter:
http//neymo.imgw.pl
und
https://www.wasser.sachsen.de

WAS VERSTEHT MAN UNTER HYDROLOGISCHER
TROCKENHEIT UND NIEDRIGWASSER?
Hydrologische Trockenheit und Niedrigwasser sind natürliche Phänomene,
die durch den Menschen verstärkt, aber auch abgeschwächt werden
können.
Hydrologische Trockenheit schließt neben den oberirdischen Gewässer
(Flüsse, Seen, Talsperren etc.) auch das Grundwasser mit ein.
Die Schwellenwerte variieren im Längsverlauf eines Fließgewässers. Für
Grundwasser gilt dies entsprechend für verschiedene Messstellen
innerhalb der Grundwasserkörper oder eines Einzugsgebiets.
Hydrologische Trockenheit beschreibt länger andauernde Niedrig-
wasserverhältnisse bzw. niedrige Wasserstände und Abflüsse, die über
einen längeren Zeitraum andauern.
2
2
2
In Fließgewässern dient meist der Durchfluss (Q), bezogen auf einen
festgelegten Schwellenwert, als Bezugsgröße für die Charakterisierung
von Niedrigwasser.

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WAS SIND DIE URSACHEN FÜR HYDROLOGISCHE
TROCKENHEIT UND NIEDRIGWASSER?
Hydrologische Trockenheit und Niedrigwasser entstehen meist infolge
einer meteorologischen Trockenheit bzw. einer länger andauernden
Trockenperiode, die sich in einem Bodenwasserdefizit (land- und
forstwirtschaftliche Trockenheit) äußert.
Hydrologische Trockenheit ist im Zeitverlauf die letzte von mehreren
aufeinander folgenden Stufen eines Wasserdefizits (Abb. 1).
Abbildung 1: Entwicklung einer Dürre, „Klimawandel – Ursachen und Auswirkungen in Sachsen, Was wissen wir?”,
J. Franke (LfULG),
2018.
https://www.klima.sachsen.de/download/KW_SN_2018-11_jf_OeA.pdf
3
Hydrologische Trockenheit wird durch einen länger anhaltenden
Niederschlagsmangel (in Mitteleuropa i.d.R. > drei Monate), oftmals in
Kombination mit hoher Verdunstung verursacht.

Wenn Niedrigwasser an mehreren aufeinander folgenden Tagen auftritt
spricht man oft von einer Niedrigwasserperiode.
Eine Niedrigwasserperiode tritt üblicherweise erst mit Verzögerung zur
meteorologischen Trockenperiode auf, da der natürliche Abfluss in
einem Einzugsgebiet zunächst noch aus dem Grundwasser gespeist
wird.
Eine hydrologische Trockenheit kann noch andauern, wenn eine
meteorologische Trockenheit beendet ist. Dies gilt vor allem für
Grundwassertrockenheit, wenn Niederschläge nicht ausreichen, um
zur Grundwasserneubildung beizutragen.
Übermäßiger Verbrauch von Wasser für menschliche Nutzungen kann
ebenfalls Niedrigwasser verursachen und eine natürlich entstandene
Trockenheit noch weiter verstärken.
4
Die Speicherung des Niederschlags in Form von Schnee und Eis in der
Schneedecke und im gefrorenen Untergrund kann auch eine Ursache
für Niedrigwasser sein bzw. eine hydrologische Trockenheit verstärken.

5
WIE IST NIEDRIGWASSER IN SACHSEN
DEFINIERT?
Niedrigwasser liegt vor, wenn der Wasserstand oder Durchfluss in
oberirdischen Gewässern oder im Grundwasser einen bestimmten
Schwellenwert erreicht oder unterschritten hat.
Der für Fließgewässer verwendete Schwellenwert ist in Sachsen der
Mittlere Niedrigwasserdurchfluss (MNQ) bzw. der Mittlere
Niedrigwasserstand (MNW) – für Grundwasser wird der MNW
verwendet.
Der MNQ ist das arithmetische Mittel aus den niedrigsten Durchflüssen
(geringster gemessener Tagesmittelwert) eines jeden hydrologischen
Jahres (November – Oktober) an einem Pegel.
In Sachsen wird MNQ für die gesamte Beobachtungszetreihe eines
Pegels berechnet und jährlich aktualisiert. Der Berechnungszeitraum
kann jedoch bei speziellen Fragestellungen variieren und muss
entsprechend mit angegeben werden.
5

WIE IST NIEDRIGWASSER IN POLEN
DEFINIERT?
In Polen werden zur Bewertung von Niedrigwassersituationen
meistens langjährige mittlere Jahresperzentile als Schwellenwerte
herangezogen. Die Perzentile ergeben sich aus den Tagesmittelwerten
des Durchflusses für einen bestimmten Zeitraum (i.d.R. 30 Jahre oder
länger), wobei der Zeitraum anzugeben ist.
6
Erreicht oder unterschreitet der aktuelle Durchfluss das 70% Perzentil
(Q70) spricht man von leichtem Niedrigwasser - der beobachtete
Durchfluss ist in diesem Fall niedriger als der Durchfluss, der an 70%
aller Tage des Beobachtungszeitraumes, bzw. im langjährigen Mittel an
mindestens 256 Tagen im Jahr erreicht wird.
Auch in Polen dient das hydrologische Jahr als Berechnungsgrundlage.
Wird das 95% Perzentil (entspricht ca. 347 Tagen pro Jahr) erreicht oder
unterschritten, liegen starke Niedrigwasserverhältnisse vor.
6

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7
DIE JAHRE 2018 UND 2019 AUS DER
NIEDRIGWASSER PERSPEKTIVE
2018 und 2019 waren deutlich wärmer und trockener als im langjährigen
Mittel (siehe Ausführliches dazu in Broschüre 1 „Meteorologische
Trockenheit und Dürre”
1
) und führten folglich zu besonders stark
ausgeprägten Niedrigwasserverhältnissen in der Region.
Die Wasserstände fielen nicht nur häufiger und länger, sondern auch
deutlich tiefer unter die jeweiligen Schwellenwerte. Diese
Entwicklungen wurden an allen Pegeln im Einzugsgebiet beobachtet
und sind in dieser Broschüre beispielhaft an den Pegeln Görlitz und
Przewóz aufgezeigt.
Abbildung 2: Niederschlagssummen für Juni 2019 in Prozent vom langjährigen Mittel
1981-2010, verändert nach ”Ursachen und Folgen der Trockenheit in Deutschland und
Europa ab Juni 2019”, DWD 2019
7
1 IMGW-PIB 2019. Trockenheit und Dürre im Gebiet der Lausitzer
Neiße
(NEYMO-NW).
http://neymo.imgw.pl/de/broschueren/

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8
Abbildung 3: Das Einzugsgebiet der L. Neiße mit ausgewählten Pegeln
8
Przewóz / Podrosche
Zittau 1 / Sieniawka
Hartau
1
Görlitz
SN
BB
PL
CZ
Zgorzelec
Porajów

1
10
100
Nov Dez Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt
Q [m³/s]
Pegel Przewóz
1981-2010
2018
2019
Q70 = 9,86 m³/s
MNQ = 5,82 m³/s
Q95 = 5,84 m³/s
1
10
100
Nov Dez Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt
Q [m³/s]
MNQ = 4,09m³/s
Pegel Görlitz
1981-2010
2018
2019
Q70 = 7,23m³/s
Q95 = 4,22³/s
DIE SITUATION AN DEN PEGELN
Die täglichen Durchflüsse an den Pegeln Görlitz und Przewóz lagen 2018
und 2019, mit wenigen Ausnahmen, fast das ganze Jahr unter den
langjährigen Tagesmitteln der Vergleichsperiode 1981-2010 (siehe Abb. 4).
Die Schwellenwerte zur Definition von Niedrigwasser (siehe Tab. 1)
wurden über lange Zeiträume sehr deutlich unterschritten. Bezogen auf
den Q70 herrschte z.B. in 2018 ab Mai an beiden Pegeln nahezu
durchgängig Niedrigwasser, bezogen auf den Q95 bzw. den MNQ fast
durchgängig von Juni bis November (siehe Abb. 4).
Die Niedrigwasserperiode begann 2019 etwas später und endete früher,
war aber insgesamt ähnlich stark ausgeprägt wie 2018. Q70 wurde ab
Mitte Juni unterschritten, Q95 und MNQ ab Ende Juni (siehe Abb. 4)
.
Abbildung 4: Mittlerer Tagesdurchfluss an den Pegeln Görlitz und Przewóz im Vergleich zu Niedrigwasserkennwerten.
Zur Verdeutlichung niedriger Werte wurde eine logarithmische Achseneinteilung gewählt.
9
9

Tabelle 1: Hydrologische Schwellenwerte an ausgewählten Pegeln im Einzugsgebiet der L. Neiße bezogen
auf den Vergleichszeitraum 1981-2010; Anordnung der Pegel in Fließrichtung (von Süd nach Nord)
Tabelle 2: Kennwerte zur Charakterisierung der Dauer (sumD: Anzahl Tage mit Q ≤ MNQ) und Intensität
(sumV: Summe der Durchflussdefizite bezogen auf MNQ) der Niedrigwasserperioden an ausgewählten
Pegeln im Einzugsgebiet der L. Neiße
MNQ (m³/s)
Q95 (m³/s)
Q90 (m³/s)
Q70 (m³/s)
Hartau 1
1,85
1,90
2,15
3,17
Porajów
1,83
1,90
2,15
3,18
Zittau1
2,55
2,62
3,04
4,45
Görlitz
4,09
4,22
4,90
7,23
Przewóz
5,82
5,84
6,80
9,86
sumD (Tage)
sumV (m³/s)
1981-2010
2018
2019
1981-2010
2018
2019
Hartau 1
16
111
152
3,06
56,05
64,48
Porajów
15
111
143
2,95
54,25
44,66
Zittau1
16
114
133
5,06
80,96
54,03
Görlitz
13
116
144
5,63
130,54
147,36
Przewóz
18
118
135
12,85
174,69
118,29
Wie extrem die Niedrigwassersituationen in den beiden Jahren 2018 und
2019 waren verdeutlicht die Anzahl der Tage (sumD) an denen der
Durchfluss den festgelegten Schwellenwert (z.B. MNQ) erreicht bzw.
unterschritten hat. Im Vergleichszeitraum wurde z.B. am Pegel Przewóz
an durchschnittlich 18 Tagen im Jahr Niedrigwasser beobachtet - 2018
und 2019 fiel der Tagesdurchfluss an 118 bzw. 135 Tagen unter MNQ.
Ähnliche Werte zeigen sich auch an anderen Pegeln (siehe Tab. 2).
10
10
Das durch Niedrigwasser verursachte Defizit (sumV) war im Kalenderjahr
2018 an vielen Pegeln um ein Vielfaches größer als im langjährigen Mittel
(1981-2010) und teilweise fast so groß wie die Gesamtfehlmenge in dem
30 jährigen Vergleichszeitraum. Auch 2019 war das Abflussdefizit an
allen Pegeln um ein Vielfaches höher, am Pegel Görlitz z.B. um das
25fache (siehe Tab. 2).

11
GIBT ES EINEN TREND IN DER ENTWICKLUNG
VON NIEDRIGWASSER?
Eine Analyse bisheriger Messdaten
2
zeigt, dass für den Zeitraum 1971-
2010 sowohl eine Zunahme des Gesamtniederschlags als auch der Dauer
und Häufigkeit von kurzfristigen Trockenperioden im Sommerhalbjahr
(insbesondere im Frühjahr) zu beobachten ist.
Diese zunächst widersprüchlich klingelnde Entwicklung lässt sich mit dem
ebenfalls zu beobachteten Anstieg von extremen Starkregenereignissen
im Sommer und der gleichzeitigen Abnahme des Starkregenanteils im
Winter erklären.
Der im Klima beobachtete Trend setzt sich fort und spiegelt sich auch in
der Entwicklung der Niedrigwasserverhältnisse wider. Tage mit
Niedrigwasser haben v.a. in den Sommermonaten, aber auch im Winter
zugenommen. Insgesamt ist ein sichtbarer Anstieg der jährlichen
Niedrigwasser-Tage (Tage mit Q≤MNQ) erkennbar (siehe Abb. 5).
Abbildung 5: Anzahl der jährlichen Niedrigwasser-Tage, bezogen auf MNQ, für den Zeitraum 1981-2019
am Pegel Görlitz
0
20
40
60
80
100
120
140
160
1981 1983 1985 1987 1989 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019
Anzahl Tage
Niedrigwasser - Tage am Pegel Görlitz
11
2 LfULG 2014b. Lausitzer Neiße – Charakteristik und Klima der Region
(NEYMO).
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/22580

WELCHE AUSWIRKUNGEN KANN EINE
NIEDRIGWASSERPERIODE HABEN?
Während einer Niedrigwasserperiode kommt es zu einem
Wassermangel im Vergleich zu langjährigen Mittelwerten, d.h. die
vorhandene Wassermenge reicht nicht mehr aus, um den Bedarf für
die Natur (ökologischer Bedarf) und/oder für menschliche Nutzungen
(z.B. Trinkwasserversorgung, Bewässerung und Energiegewinnung)
vollständig zu decken.
Ein Wassermangel hat, je nach Dauer und Intensität der
Niedrigwasserperiode, entsprechend negative Auswirkungen auf die
Ökologie und Ökonomie einer Region (einige Beispiele dazu in
Broschüre 1). Wassermangel kann auch durch verringerte
Wasserqualität verursacht sein bzw. verstärkt werden. Durch
adäquates Handeln können die Auswirkungen von Wassermange
minimiert oder durch eine falsche Bewirtschaftung der
Wasserressourcen verstärkt werden.
Ein Wassermangel hat, je nach Dauer und Intensität der Niedrig-
wasserperiode, entsprechend negative Auswirkungen auf die Ökologie
und Ökonomie einer Region (einige Beispiele dazu in Broschüre 1).
Angepasstes Handeln kann die negativen Auswirkungen von Niedrig-
wasserperioden minimieren; durch eine falsche Bewirtschaftung der
Wasserressourcen können diese aber auch verstärkt werden.
12
Eine verschlechterte Wasserqualität infolge von Niedrigwasser kann die
Nutzbarkeit von Wasser für menschliche und natürliche Zwecke
beeinträchtigen sowie einen bestehenden Wassermangel zusätzlich
verstärken.
12

NIEDRIGWASSER IM FLUSS – FOLGEN FÜR
DIE NATUR
Niedrigwasser führt zu einer Verringerung natürlicher Lebensräume,
da der Wasserstand niedriger ist und Teile des Flussbetts trockenfallen
können. Weniger Lebensraum kann dazu führen, dass sowohl
Konkurrenz um Nahrung und Raum als auch Räuber-Beute
Beziehungen aus dem natürlichen Gleichgewicht geraten.
Niedrigwasser geht einher mit verringerten Fließgeschwindigkeiten,
was zu erhöhten Wassertemperaturen, geringerem Sauerstoffgehalt
und verstärkter Sedimentation von feinen Partikeln sowie zur
übermäßigen Vermehrung von Algen führen kann. Verringerte
Fortpflanzungs- und erhöhte Sterblichkeitsraten empfindlicher Arten
sind möglich.
Ein verringerter Durchfluss verringert auch die Verdünnungskapazität
für Einträge von Nähr- und Schadstoffen aus diffusen Quellen und
direkten Einleitungen von Abwasser. Dies verstärkt die Eutrophierung
(übermäßiges Algenwachstum infolge Nährstoffanreicherung) und die
Wirkung von Schadstoffen. Insgesamt ist mit einer Verschlechterung
der Wasserqualität zu rechnen.
Unter Niedrigwasser ist die Barrierewirkung von Wehren,
Sohlschwellen etc., insbesondere mit negativen Auswirkungen auf
Fischwanderungen, verstärkt.
13
13

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14
NIEDRIGWASSER IM FLUSS – FOLGEN FÜR
MENSCHLICHE NUTZUNGEN
Stark verringerte Abflüsse können zu Engpässen für bestimmte
Nutzungen führen. Dies gilt z.B. für die Trinkwasserversorgung, die im
Gebiet der Lausitzer Neiße teilweise aus Uferfiltrat erfolgt; zudem kann
die Aufbereitung zum Trinkwasser durch potentiell höhere Schad-
stoffgehalte im Flusswasser aufwendiger werden.
Bei länger andauernden Niedrigwasserperioden sind örtliche
Einschränkungen von Wasserentnahmen (z.B. für Bewässerung oder
industrielle Produktion) möglich. Die Stromerzeugung durch Wasser-
kraftanlagen ist verringert.
Freizeitaktivitäten (z.B. Baden, Paddeln und Angeln) müssen gegebe-
nenfalls aufgrund unzureichender Wassermenge und/oder -qualität
untersagt werden bzw. sind nicht mehr möglich.
Abbildung 6: Wassertouristen
beim Umsetzen ihrer Boote
aufgrund von Niedrigwasser-
verhältnissen.
Quelle:
blaues-band.de
14

WO KANN MAN SICH ÜBER NIEDRIGWASSER IN
DER REGION INFORMIEREN?
In der ersten NEYMO-NW Broschüre sind einige deutsche und polnische
sowie internationale Internetseiten mit Informationen zur Trockenheit
und Dürre aufgeführt.
Eine Informationsplattform speziell zum Thema „Niedrigwasser im
Gebiet der Lausitzer Neiße“ existiert nicht. Im Rahmen dieses Projektes
soll jedoch eine länderübergreifende webbasierte Datenbank mit
umfangreichen Hintergrundinformationen und Darstellungen zu den
Wasserressourcen in der Region erstellt und für die Öffentlichkeit
zugänglich gemacht werden.
Zudem können sich die Bürgerinnen und Bürger jederzeit bei den in
ihrem Gebiet zuständigen Institutionen/Behörden über die aktuellen
Wasser- und Grundwassersstände informieren.
Langjährige
Haupt-
und
Extremwerte
aller
sächsischen
Grundwassermessstellen sowie Informationen zum aktuellen (nicht älter
als 7 Tage) und dem zuletzt gemessenen (nicht älter als 31 Tage)
Grundwasserstand an bestimmten Messstellen können über die
interaktive Kartenanwendung des iDa Portals
(
https://www.umwelt.
sachsen.de/umwelt/infosysteme/ida
)
abgefragt werden.
Für die sächsischen Fließgewässer bietet das Landeshochwasserzentrum
(LHWZ)
(
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/infosysteme/lhwz/
)
entsprechende Informationen (siehe Abb. 7).
15
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Auf der
Pegelkarte
des
LHWZ
sind alle sächsischen Pegel entsprechend
der aktuell vorherrschenden Durchflussverhältnisse eingefärbt – braun
steht für Niedrigwasser. Die Detailansicht einzelner Pegel liefert aktuelle
Wasserstände und Durchflüsse, die Entwicklung der letzten sechs Tage
sowie eine Prognose für die kommenden zwei Tage. Das Flussgebiet der
Lausitzer Neiße kann dabei separat betrachtet werden (siehe unten).
Abbildung 7: Screenshots der LHWZ Webseite, Aktuelle Wasserstände, Flussgebiet Lausitzer Neiße
(Aufnahme vom 30.07.2020)
16
Das Portal des Landeshochwasserzentrums
16

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17
Auch das polnische Pegelportal
(
htt
p://monitor.pogodyn
ka.pl/
)
bietet
die Möglichkeit, einzelne Pegel durch Anklicken zu betrachten (siehe
Abb. 8). Die Detailansicht liefert die aktuellen Daten, den Trend und
Durchflüsse der letzten 4 Tage.
Abbildung 8: Screenshots des polnischen Pegelportals (Aufnahme vom 06.08.2020)
Das Hydro Portal des IMGW-PIB
Zuätzlich stellt auch das Dürreportal „Stop suszy” (
https://stopsuszy.
imgw.pl/susza-hydrologiczna/
) zahlreiche Informationen zur hydro-
logischen Trockenheit in Polen bereit.
17

UMGANG MIT NIEDRIGWASSER
Der Umgang mit Niedrigwasser erfordert eine Vielzahl an Maßnahmen
auf verschiedenen Ebenen. Dies betrifft Institutionen verschiedener
Ebenen (von EU bis lokal), Sektoren (öffentlich, gewerblich, privat), und
Zeiträume (langfristige Maßnahmen zur Vermeidung von bzw.
Anpassung an Niedrigwasserperioden und kurzfristige Maßnahmen zur
Minderung von negativen Effekten).
Weiterhin sollten die Maßnahmen sowohl den Bedarf als auch das
Dargebot betreffen und neben den Auswirkungen auf menschliche
Nutzungen auch die ökologischen Effekte im Blick haben.
EU Ebene
Mit der Implementierung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie
(WRRL) im Jahr 2000 wurden alle EU Mitgliedstaaten dazu verpflichtet
einen guten ökologischen Zustand für ihre Gewässer zu erreichen bzw.
zu erhalten. Im Hinblick auf Niedrigwasser in der Lausitzer Neiße
bedeutet dieses Ziel, dass sich künftig mehr und mehr Gewässer-
abschnitte in einem naturnahen Zustand befinden und somit auch
widerstandsfähiger gegenüber Extremereignissen wie Trockenheit sein
müssen. Die Umsetzung der WRRL liegt in der Verantwortung der EU-
Mitgliedsstaaten.
In internationalen Gewässern wie der Lausitzer Neiße koordinieren
entsprechende Kommissionen, hier
die
Internationale
Kommission
zum
Schutz
der
Oder
gegen
Verunreinigungen
(IKSO), die
Umsetzung der
WRRL und die Entwicklung eines Bewirtschaftungsplans für die
Internationale Flussgebietseinheit Oder.
18

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Die Umweltziele der WRRL sind in nationalen Gesetzen und
Verordnungen rechtlich verankert, die allgemein das Ziel haben, die
Gewässer als Bestandteil des Naturhaushalts, als Lebensgrundlage des
Menschen, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie als nutzbares
Gut zu schützen.
Spezifische Dürremanagementpläne, wie von der EU empfohlen, liegen
für Sachsen bzw. das Flussgebiet der Lausitzer Neiße bisher nicht vor.
Jedoch enthält der aktuelle Bewirtschaftungsplan für den deutschen Teil
der Internationalen Flussgebietseinheit Oder zahlreiche Maßnahmen mit
Bezug zum Management von Trockenheit und Dürre, insbesondere
bezüglich Wasserrückhalt im Flussgebiet.
Das Sächsische Auenprogramm sowie Projekte zur Revitalisierung von
Altarmen, Feuchtgebieten und Mooren haben eine vorbeugende
Funktion zur Minderung der Auswirkungen von Niedrigwasser, da sie den
natürlichen Wasserrückhalt im Flussgebiet verbessern.
Abbildung 9: Die Aue an der Neiße, Foto: LfULG
19
Nationale und regionale Ebene
UMGANG MIT NIEDRIGWASSER
19

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20
Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerdurchgängigkeit, wie z.B.
der Umbau von Wehren zu Sohlgleiten (siehe Abb. 10) haben zudem den
Effekt, der verstärkten Barrierewirkung von Querbauwerken bei
Niedrigwasser entgegenzuwirken.
Abbildung 10: Beipsiel einer naturnahen Sohlengleite mit Stufenartiger Beckenstruktur, verändert nach
FAO/DVWK, Fish passes – Design, dimensions and monitoring. Rome, FAO. 2002. 119p.
20
Auch sogenannte Niedrigwasserrinnen (Bereiche im Fließgewässer, in
denen auch bei geringen Abflussmengen eine ausreichende Fließtiefe
gewährleistet ist, siehe Abb. 12) stellen eine wirksame Maßnahme im
Umgang mit Niedrigwasser dar und wurden bereits in der Lausitzer Neiße
angelegt.
HW
MW
NW
Abbildung 11: Profil eines Fließgewässers mit
Niedrigwasserrinne (unterhalb NW Linie),
eigene Darstellung

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21
Auf polnischer Seite werden ebenfalls verstärkt Maßnahmen zur
Erhöhung der natürlichen Retention sowie zur Verbesserung der
Durchgängigkeit umgesetzt (siehe Abb. 12).
Auf zwischenstaatlicher Ebene können Fragestellungen aus dem Bereich
Niedrigwassermanagement in der IKSO sowie in der Deutsch-Polnischen
Grenzgewässerkommission (GGK) koordiniert werden.
In akuten Niedrigwassersituationen können zeitlich begrenzte
Entnahmeverbote und Nutzungseinschränkungen durch die Untere
Wasserbehörde in Görlitz erlassen werden, um mit der knapp
gewordenen Ressource adäquat umzugehen. Dies erfolgte z.B. während
der Niedrigwasserperioden in den Jahren 2018 und 2019.
21
UMGANG MIT NIEDRIGWASSER
Nationale und regionale Ebene
Abbildung 12: Teil der Fischaustiegsanlage des im Jahr 2017 neu erbauten Damms des Niedów-Stausees (auch
Witka-Stausee genannt) am Fluss Witka (Wittig) in der Nähe der Ortschaft Niedόw (Nieda) in Polen, Foto: IMGW-PIB

Was Sie tun können
Jede*r kann unnötigen Wasserverbrauch sowie Wasserverschmutzungen
vermeiden und sollte insbesondere in Zeiten von Niedrigwasser auf einen
sorgsamen Umgang mit den Ressourcen achten. Im Folgenden sind einige
Beispiele aus der Praxis aufgeführt.
Duschen statt Baden
Ladekapazität von Wasch- und Spülmaschine voll ausnutzen
WC-Sparspülfunktion verwenden
Einsatz von biologisch abbaubaren Wasch- und
Reinigungsmitteln
keine Öle, Fette, Medikamente oder andere Chemikalien in
den Abfluss kippen/gießen
auf den indirekten Wasserverbrauch achten (Wasser welches
für die Herstellung für Konsumgüter und Lebensmittel
verbraucht wird)
Regenwasser (von Dachflächen) auffangen und für die
Bewässerung von Garten- und Balkonpflanzen benutzen
Regenwasserversickerung im eigenen Garten erhöhen, z.B.
durch Verwendung von Holzrosten für die Terrasse,
Rasengittersteine für die Garageneinfahrt oder Splitt bzw.
Kies für die Wege
22

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Herausgeber
Sächsisches Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie
Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden
Telefon: +49 351 2612-0
E-Mail:
lfulg@sachsen.de
Instytut Meteorologii i Gospodarki Wodnej
Państwowy Instytut Badawczy
Podleśna 61, 01-673 Warszawa
Telefon: +48 22 56 94 100
E-Mail: imgw@imgw.pl
Redaktion
Abteilung Wasser, Boden, Wertstoffe
Referat Oberflächenwasser,
Wasserrahmenrichtlinie
Anastassi Stefanova
Telefon: +49 351 2612 - 4416
E-Mail:
anastassi.stefanova@smul.sachsen.de
Redaktionsschluss
09.11.2020
Fotos
Titelseite: Pegellatte bei Porajów (IMGW-PIB);
Seite 1: Niedrigwasser in der L. Neiße auf
Höhe der Ortschaft Siedlec/Zelc (I. Lejcus);
Rückseite: Niedrigwasser bei Bad Muskau
unterhalb der Wasserkraftanlage (LfULG)
Bezug
Die Broschüre steht nicht als Printmedium zur
Verfügung, kann aber als PDF-Datei unter
https://publikationen.sachsen.de
heruntergeladen werden.
Verteilerhinweis
Diese Informationsschrift wird von der
Sächsischen Staatsregierung im Rahmen ihrer
verfassungsmäßigen Verpflichtung zur
Information der Öffentlichkeit
herausgegeben. Sie darf weder von Parteien
noch von deren Kandidaten oder Helfern im
Zeitraum von sechs Monaten vor einer Wahl
zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet
werden.
Dies
gilt
für
alle
Wahlen.
www.lfulg.sachsen.de