Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee
(ehemaliger Tagebau Werminghoff I)
gemäß Sächsischer Hohlraumverordnung
Nachweis der Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen
_________________________________________________________
Objekt:
TO 050 Tagebaurestloch Knappensee
Lage:
Freistaat Sachsen
Landkreis Bautzen
Auftraggeber:
LMBV mbH
Sanierungsbereich Lausitz
Knappenstraße 1
01968 Senftenberg
Tel. 03573 84-0
Auftragnehmer:
ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG
BIUG GmbH
- Hauptniederlassung Zwickau -
Freiberg
Katharinenstraße 11
Weisbachstraße 6
08056 Zwickau
09599 Freiberg
Tel.: 0375 27175-0
Tel.: 03731 2601-0
Fax: 0375 27175-1299
Fax: 03731 2601-23
E-Mail: info@gub-ing.de
info@biug-geotechnik.de
Internet:
www.gub-ing.de
www.biug-geotechnik.de
verantwortliche
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
Bearbeiter:
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXX
X
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
Projekt-Nr.:
XXXXXXXXXXXX
Zwickau, Freiberg, 20.02.2013
..................................................................................................................................
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX

Hinweis zur Veröffentlichung
Die vorliegende Unterlage zur Geeignetheit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappen-
see wurde für die Veröffentlichung bezüglich folgender Aspekte nachbearbeitet:
Bearbeiterangaben
Bearbeiterangaben wurden aus Gründen des Datenschutzes unkennt-
lich gemacht und mit
XXXX
versehen.
Sämtliche Rückfragen zur Unterlage sind entweder an die Lausitzer- und Mitteldeutsche Berg-
bauverwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) in Senftenberg oder an das Sächsische Oberberg-
amt (SächsOBA) in Freiberg zu stellen. Auskünfte zur vorliegenden Unterlage können somit
mündlich oder schriftlich nur durch die LMBV oder das SächsOBA erteilt werden.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
3
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Inhaltsverzeichnis
Seite
Deckblatt
Titelblatt
Inhaltsverzeichnis
Anlagenverzeichnis
1
Veranlassung und Aufgabenstellung
8
2
Arbeitsunterlagen
10
2.1
Allgemeine Unterlagen
10
2.2
Risswerk und Karten
10
2.3
Gesetze, Richtlinien
10
2.4
Unterlagen zu Standsicherheitsuntersuchungen, Standsicherheitsverhältnissen,
Gutachten und Planungen
11
2.5
Unterlagen zur Tagebauentwicklung
21
2.6
Unterlagen zu Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen
21
2.7
Unterlagen zu Labor- und Feldprüfungen
23
2.8
Fachspezifische Literatur und sonstige Unterlagen
25
3
Bearbeitungsgebiet
28
3.1
Lage und Beschreibung
28
3.2
Vorhandene Nutzung
29
4
Bergbauliche Entstehungsgeschichte des Knappensees
31
4.1
Tagebauentwicklung
31
4.2
Rutschungen
32
5
Geologische und hydrogeologische Verhältnisse
34
5.1
Frühere geologische Verhältnisse
34
5.2
Kippenverhältnisse und -zusammensetzung
35
5.3
Hydrogeologische Verhältnisse
36
6
Allgemeinverständliche Darstellungen der geotechnischen Grundlagen
38
6.1
Standsicherheit von Kippenböschungen
38
6.2
Verflüssigungsvorgänge
38
6.2.1
Spannungsverhältnisse im Porenraum
38
6.2.2
Spannungsverhältnisse im Verflüssigungsfall
40
6.2.3
Vollständige Verflüssigung
41
6.2.4
Teilverflüssigung
41
6.2.5
Stoffeigenschaften von zur Verflüssigung neigenden Lockergesteinen
41

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
4
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
6.3
Setzungsfließen und Verflüssigungsgrundbruch
43
6.4
Aktueller Entwicklungsstand der Bewertung von Kippen
43
7
Erkundungs- und Untersuchungsprogramme
45
7.1
Erkundungs- und Untersuchungsprogramm 1982/1983
45
7.2
Erkundungs- und Untersuchungsprogramm 1987
46
7.3
Schwingungsmessungen
47
7.4
Baugrunderkundungen
48
7.5
Erkundungs- und Untersuchungsprogramm 2000
49
7.6
Gefrierkernentnahme und -untersuchung, Belastungsversuche, 2001/2002
51
7.7
Erkundung- und Verwahrung von Altstrecken 1977 und 2006 / 2007
53
7.8
Feld- und Laboruntersuchungen 2005
53
7.9
Feld- und Laboruntersuchungen 2008
54
7.10
Felduntersuchungen 2009
54
7.11
Felderkundungen 2012
55
8
Geotechnische Verhältnisse
56
8.1
Geschichtlicher Abriss / Chronologie der Untersuchungen / Maßnahmen
56
8.2
Standsicherheitsuntersuchungen
57
8.2.1
Standsicherheitsuntersuchungen der 1950er Jahre
57
8.2.2
Standsicherheitsuntersuchungen der 1980er Jahre
58
8.2.3
Analyse der geotechnischen Situation 1995
61
8.2.4
Bewertung von Schwingungsmessungen 1995
63
8.2.5
Standsicherheitsuntersuchungen 2000
63
8.2.6
Standsicherheitseinschätzung 2005
64
8.2.7
Standsicherheitseinschätzungen der Kippentieflagen
67
8.2.8
Standsicherheitseinschätzungen im Rahmen der geotechnischen Vorplanung 2008/2009
68
8.2.9
Entwurfs- und Genehmigungsplanung 2011 / 2012
69
8.3
Altbergbausituation (Entwässerungsstrecken)
70
8.4
Bereichsweise Bewertung der geotechnischen Verhältnisse und der Standsicherheit
70
8.4.1
Nordbereich – Bereich U
70
8.4.2
Nordostbereich – Bereich T
72
8.4.3
Ostbereich – Bereich S
73
8.4.4
Südostbereich – Bereich G
75
8.4.5
Bereich F
76
8.4.6
Südbereich (Ostteil) – Bereich D Ost
77
8.4.7
Südbereich (Mittlerer Teil) –E 1 und E 2
77
8.4.8
Südbereich (Mittlerer Teil) – Bereich D Mitte
78
8.4.9
Südbereich (Westteil) – Bereich D West
78

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
5
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
8.4.10 Westbereich – Bereich A und B Nord
79
8.4.11 Westbereich – Bereich B Süd
81
8.4.12 Inseln – Bereich C
81
9
Durchgeführte Sicherungsmaßnahmen und deren Ergebnisse, Verhaltensvorgaben
82
9.1
Verhaltensvorgaben vor der Sanierung des Steilufers
82
9.2
Sanierung des Steilufers
83
9.3
Hydromechanische Abflachungen
85
9.4
Vorgesehene Maßnahmen 1988 und Anpassung der Verhaltensanforderungen
86
9.5
Sanierung des Restloches 0815/1 und Sicherung der südlichen Uferbereiche
87
9.6
Verifizierung der Verhaltensanforderungen durch Schwingungsmessungen im Bereich
G, 1996
88
9.7
Verhaltensanforderungen im Ergebnis der Standsicherheitsuntersuchungen 2000
88
9.8
Verhaltensanforderungen im Ergebnis der Standsicherheitsuntersuchungen 2005
89
9.9
Maßnahmen in Kippentieflagen und an kleineren Restlöchern
90
9.10
Sicherung des Campingplatzes am Nordufer 2006
90
9.11
Schutz der Inseln gegen Betreten (Schutzgrabenbaggerung)
91
9.12
Ufersicherung Bereich E
91
9.13
Sofortmaßnahmen 2011
91
10
Rahmenbedingungen und Grundlagen der Standsicherheitsuntersuchungen
97
11
Gesamtgefährdungsbewertung und Zusammenfassung
102

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
6
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Anlagenverzeichnis
Anlage 1:
Übersichtslageplan
M 1 : 25 000
Anlage 2:
Lageplan
Übersicht zu den Bereichen
M 1 : 5 000
Anlage 3:
Ausschnitt aus der Geologischen Specialkarte des Königreiches Sachsens
und Beiblatt zur Schichtenfolge
Section Königswartha-Wittichenau N
°
22
Geologische Aufnahme 1890
M 1 : 25 000
Anlage 4:
Übersicht
Abbaustände Tagebau Werminghoff I
M 1 : 25 000
Anlage 5:
Lageplan
Kippen und Rutschungen
M 1 : 5 000
Anlage 6:
Lageplan
Hydrologische Endsituation (Hydroisohypsen) und Grundwasserflurabstände
M 1 : 5 000
Anlage 7.1:
Teillageplan Nord
Geotechnische Situation mit Erkundungspunkten
und Liegenschaften
M 1 : 2 000
Anlage 7.2:
Teillageplan Süd
Geotechnische Situation mit Erkundungspunkten
und Liegenschaften
M 1 : 2 000

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
7
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1:
Gegenwärtige bereichsweise Nutzungssituation (übernommen aus [2.4.66],
teilweise ergänzt)
30
Tabelle 2:
Ergebnisse des Erkundungs- und Untersuchungsprogrammes 1987
47
Tabelle 3:
Rechenwerte des Kippenmischbodens
51
Tabelle 4:
Berechnungskennwerte aus [2.7.15]
52
Tabelle 5:
Abschätzung Verflüssigungsneigung des Knappensees aus [2.4.36]
64
Tabelle 6:
Wirksamkeit von Initialen für Setzungsfließen aus [2.4.50]
65
Tabelle 7:
Berechnungskennwerte Standsicherheitsuntersuchung [2.4.66]
68
Tabelle 8:
Ergebnisse von Standsicherheitsberechnungen zur Ermittlung erforderlicher
erdfeuchter Überdeckungen h
erdf.,erf.
bei unterschiedlich großen Verkehrslasten
(Berechnungen mittels SLOPE/W) [2.4.66]
69
Tabelle 9:
Maßnahmen Operativstab Knappensee
83
Tabelle 10:
Verhaltensanforderungen auf Grundlage der Gestaltungskonzeption Ostufer 1983
und nach Sanierung des Steiluferbereiches 1986
85
Tabelle 11:
Verhaltensanforderungen auf Grundlage der Standsicherheitseinschätzung vom
25.04.1988 [2.4.23]
87
Tabelle 12:
Bewertung der Maßnahmen für die Hochkippe - Feriensiedlung Knappensee
92
Tabelle 13:
Bewertung der Maßnahmen für den Bereich der Hotelanlage Haink
93
Tabelle 14:
Bewertung der Maßnahmen für den Bereich Bungalowsiedlung Maukendorf
93
Tabelle 15:
Bewertung der Maßnahmen für die Kreisstraße K 9207 / K 6407
94
Tabelle 16:
Zusammenfassende Bewertung der Untersuchungsbereiche am Knappensee
hinsichtlich ihrer Verflüssigungsgefährdung
102
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1:
Prinzipdarstellung der Spannungen
im Umfeld des Porenraums ([2.4.78])
39
Abbildung 2:
Darstellung des Zusammenhangs zwischen totalen (
σ
) und wirksamen (
σ′
)
Spannungen und dem Porendruck u (Beziehung nach Terzaghi)
39
Abbildung 3:
Korngrößenverteilung von zur Verflüssigung neigenden Sanden
42

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
8
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
1
Veranlassung und Aufgabenstellung
Der Knappensee entstand im Jahre 1945 durch die unkontrollierte Flutung des Restloches des ehemali-
gen Braunkohlentagebaues Werminghoff I im Zuge von Hochwasserereignissen. Als Folge dieser un-
planmäßigen Beendigung der Tagebautätigkeit sind fast in sämtlichen Uferbereichen Kippenflächen
verblieben. Bereits ab den 1950er Jahren wurden davon ausgehende Gefahren erkannt und Lösungs-
möglichkeiten betrachtet. Grundlegende Untersuchungen der geotechnischen Verhältnisse der gekippten
Uferböschungen und ihres Hinterlandes erfolgten bereichsweise in mehreren Erkundungskampagnen
beginnend in den Jahren 1982/1983.
In Anbetracht der bekannten Gefahr wurden in der Vergangenheit immer wieder Maßnahmen ergriffen,
die zur Minderung der Gefährdung führen sollten. Diese Maßnahmen wurden dabei immer unter dem
Aspekt der zum damaligen Zeitpunkt vorhandenen technologischen Möglichkeiten durchgeführt und
konnten eine umfassende Beseitigung der Gefahr nicht erreichen. Erst mit technologischen Entwicklun-
gen nach dem Jahre 1990 stehen Sicherungsmethoden zur Verfügung, die eine umfassende und nachhal-
tige Gefahrenabwehr ermöglichen. Auf Grundlage dieser Entwicklungen erfolgten ab den 1990er Jahren
Standsicherheitsbetrachtungen, die letztendlich in grundlegenden Planungen zur Gefahrenabwehr mün-
deten.
Für das Tagebaurestgewässer Knappensee liegen "Geotechnische Planungsleistungen zur Beseitigung
der Setzungsfließgefahr und Sanierung des Knappensees (Tagebau Werminghoff)-SE“ [2.4.66] vom
14.08.2008 vor, die eine komplexe Sanierungskonzeption beschreiben. In dieser Planungsunterlage sind
die geotechnischen Erfordernisse von Sicherungsmaßnahmen und die planerischen Rahmenbedingun-
gen definiert. Diese Planungsleistungen wurden bis Januar 2013 im Rahmen von Entwurfs- und Ge-
nehmigungsplanungen [2.4.85, 2.4.87 bis 2.4.89] von Uferabschnitten des Knappensees unter der Betei-
ligung von Trägern öffentlicher Belange weitergeführt.
Für eine aktuelle Prüfung der Definition der Gefährdung wurde die ARGE Werminghoff mit [2.1.1] und
[2.1.2] aufgefordert, die Erforderlichkeit der geplanten Gefahrenabwehrmaßnahmen in einem eigen-
ständigen Dokument darzustellen und fachlich zu begründen. Zielstellung ist es dabei fachlich belastbar
nachzuweisen, dass gegenwärtig am Knappensee ein geotechnischer Zustand vorliegt, der bei ungehin-
dertem Ablauf mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einem Schaden der Schutzgüter der öffentlichen
Ordnung und Sicherheit führen würde.
Folgende Schwerpunkte werden mit dieser Aufgabenstellung betrachtet:
1.
Beschreibung der bergbaulichen Entstehungsgeschichte des Knappensees,
2.
Beschreibung der geologischen und hydrogeologischen Verhältnisse und deren zeitlicher Ent-
wicklung (u.a. Grundwasserwiederanstieg),
3.
Allgemeinverständliche Darstellung der geotechnischen Grundlagen zur Standsicherheit von
Böschungen, Grundbruch und Setzungsfließen,
4.
Zusammenstellung und Auswertung der vorliegenden Gutachten zu den geotechnischen Ver-
hältnissen am Knappensee,
5.
Zusammenstellung der bisher durchgeführten Maßnahmen,
6.
Bewertung der Ergebnisse aus 4. und 5. unter Berücksichtigung aktueller Erfahrungen mit geo-
technischen Ereignissen und des aktuellen Standes der Wissenschaft und der Ableitung des wei-
teren Handlungsbedarfes,
7.
Zusammenfassung und Fazit in Bezug auf die Gefährdungssituation und die Erforderlichkeit
von Maßnahmen (keine Diskussion der Maßnahmen selbst oder der Geeignetheit, nur das
grundsätzliche Erfordernis).

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
9
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Für die genannte Aufgabenstellung wurden mehr als 150 Quellen (Gutachten, Dokumente etc.) gesich-
tet, bewertet und bezüglich der nachfolgend aufgeführten Kategorien gegliedert:
-
Bergbauliche Entstehungsgeschichte,
-
Geologische und hydrogeologische Verhältnisse,
-
Erkundungs- und Untersuchungsprogramme und
-
Geotechnische Verhältnisse (Standsicherheitsuntersuchungen und bereichsweise Bewertung der
geotechnischen Situation).
Im Rahmen der Bearbeitung wurden dabei die vorhandenen Unterlagen und Gutachten chronologisch
geordnet aufgeführt.
Die dargestellten und zitierten Unterlagen haben dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, charakteri-
sieren jedoch die Kernpunkte der fachlichen und geotechnischen Abläufe zu Standsicherheitsbetrach-
tungen, Erkundungs- und Laboruntersuchungen sowie durchgeführten Maßnahmen am Knappensee.
Ebenso spiegelt der vorliegende Umfang an Unterlagen die Komplexität der bestehenden geotechni-
schen Verhältnisse wider. Sichtbar wird dabei der ständige Konflikt der vorhandenen Nutzung mit dem
bestehenden Gefahrenpotential, der die Betrachtung von Lösungsmöglichkeiten der geotechnischen
Probleme über den historischen Ablauf bis zum heutigen Stand hin begleitet.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
10
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
2
Arbeitsunterlagen
2.1
Allgemeine Unterlagen
[2.1.1]
Abruf zur Erarbeitung des Nachweises der Erforderlichkeit,
LMBV mbH
2013
[2.1.2]
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee, Aufgabenstellung zum Nachweis der
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen,
Sächsisches Oberbergamt,
17.10.2012
2.2
Risswerk und Karten
[2.2.1]
Bergmännisches Risswerk,
LMBV mbH,
01 / 2012
[2.2.2]
Ergebnisse von Lotungen im Bereich des Tagebaurestgewässers Knappensee,
LMBV mbH,
2008
[2.2.3]
Übersichtskarte Knappensee (mit Liegenschaftsangaben), M 1 : 5.000, von der LMBV
Sanierungsbereich Lausitz, zuletzt bearbeitet am 10.01.2012
[2.2.4]
Geologische Specialkarte des Königreichs Sachsens,
Section Königswartha – Wittichenau N ° 22
Geologische Aufnahme 1890
M 1 : 25 000
2.3
Gesetze, Richtlinien
[2.3.1]
Bundesberggesetz (BBergG),
13.08.1980, zuletzt geändert durch Artikel 11 des Gesetzes vom 9.12.2012
[2.3.2]
Anordnung über Halden und Restlöcher (HaldeRlAnO) vom
02.10.1980, fortgeltendes Recht der DDR gemäß Einigungsvertrag (EinigVtr)
vom 31.8.1980
[2.3.3]
Bergverordnung für alle bergbaulichen Bereiche (Allgemeine Bundesbergverordnung –
ABBergV) vom
23.10.1995
[2.3.4]
Richtlinie Geotechnik
Sächsisches Oberbergamt
01.08.1997

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
11
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.3.5]
Richtlinie Setzungsfließen
Sächsisches Oberbergamt
21.09.1999
[2.3.6]
Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über bergrecht-
liche Zuständigkeiten (Zuständigkeitsverordnung BBergG – BergZustVO), vom
21.12.2004
[2.3.7]
Richtlinie des Sächsischen Oberbergamtes über die geotechnische Sicherheit im Bergbau
über Tage (Richtlinie Geotechnik),
10.03.2005
[2.3.8]
Verordnung des Sächsischen Oberbergamtes über die Bergaufsicht unterliegenden Betrie-
be, Tätigkeiten und Einrichtungen (Sächsische Bergverordnung – SächsBergVO), vom
16.07.2009
[2.3.9]
Richtlinie des Sächsischen Oberbergamtes zur Anerkennung von Sachverständigen (Sach-
verständigenrichtlinie), vom
06.09.2009
[2.3.10]
Polizeiverordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
über die Abwehr von Gefahren aus unterirdischen Hohlräumen sowie Halden und Restlö-
chern (Sächsische Hohlraumverordnung – SächsHohlrVO), vom
20.02.2012
2.4
Unterlagen zu Standsicherheitsuntersuchungen,
Standsicherheitsverhältnissen, Gutachten und Planungen
[2.4.1]
Bodenuntersuchungen der einzelnen Erdschichten der Tagebaue Werminghoff I und II
Dr. Krämer
24.10.1938
[2.4.2]
Geologisches Gutachten über die Durchlässigkeits- und Lagerungsverhältnisse im Deckge-
birge der Grube Werminghoff, Kreis Hoyerswerda
Dr. H. Förster
1939
[2.4.3]
Gutachten über das Hochwasser-Rückhaltebecken – Tagebau I, Werminghoff zwischen
Maukendorf und Groß-Särchen, Krs. Hoyerswerda (Abschrift)
Prof. K. Kegel
09.08.1949
[2.4.4]
Gutachten über den Dammbau für den Hochwasserspeicher Werminghoff, Krs. Hoyers-
werda (Abschrift)
Ohde, J., TH Dresden
03.02.1950
[2.4.5]
Gutachterliche Äußerung zur Standfestigkeit des Ufergeländes für das Hochwasser-
Rückhaltebecken Werminghoff (Knappenrode) (Abschrift)
Ohde, J., Forschungsanstalt für Schiffahrt, Gewässer- und Bodenkunde
24.06.1950

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
12
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.4.6]
Gutachten über die Standsicherheit des Ufergeländes des Hochwasserspeichers Knappen-
rode, Kreis Hoyerswerda (Abschrift)
Scheidig, A. & J. Bley Beratende Ingenieure für das Bauwesen
10.10.1950
[2.4.7]
Bergschadenkundliche Analyse des ehemaligen Braunkohlenwerkes „Werminghoff“ bei
Groß Särchen, Bergsicherung Cottbus
Dezember 1980
[2.4.8]
Ergänzung zur Bergschadenkundlichen Analyse „Werminghoff“
Bergsicherung Cottbus
September 1983
[2.4.9]
Vorläufige Standsicherheitseinschätzung Tagebaurestloch Knappensee
Prof. W. Förster
10.05.1982
[2.4.10]
Grobkonzeption
zur Sanierung des Steilkippenbereiches Knappensee
Bergsicherung Cottbus
28.12.1983
[2.4.11]
Standsicherheitseinschätzung in Ergänzung zur Einschätzung vom 10.05.1982
Prof. W. Förster
15.04.1983
[2.4.12]
Protokoll zur Beratung zur Standsicherheitseinschätzung und sich daraus ergebender
Schlußfolgerungen für die weitere Nutzung des Knappensees am 22.08.1983
Rat des Bezirkes Cottbus, Bezirksplankommission
24.08.1983
[2.4.13]
Gutachten zur Sanierung des Steiluferbereiches am Ostufer des Restloches Knappensee
Prof. W. Förster & M. Walde
30.11.1983
[2.4.14]
Bodenmechanische Stellungnahme zum großtechnischen Versuch „Abspülen am Steilufer-
bereich Knappensee“
Prof. W. Förster
14.10.1984
[2.4.15]
Ergänzung zur bodenmechanischen Stellungnahme zum großtechnischen Versuch „Abspü-
len am Steiluferbereich Knappensee“ v. 14.10.1982
Prof. W. Förster
07.12.1984
[2.4.16]
Bericht über den Großtechnischen Versuch vom 20.11.1984 bis 13.03.1985 zur Vorberei-
tung der Sanierung des Steilufers am Restloch Knappensee bei Hoyerswerda
Bergsicherung Cottbus
22.03.1985
[2.4.17]
Anforderungen bei den weiterführenden Arbeiten des Großtechnischen Versuches bis zum
30.09.1985
Bergsicherung Cottbus
13.05.1985

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
13
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.4.18]
Standsicherheitseinschätzung für den abgespülten ehemaligen Steiluferbereich am Ostufer
des Tagebaurestloches Knappensee bei Hoyerswerda
Prof. W. Förster
28.05.1986
[2.4.19]
Protokoll der Beratung zur Standsicherheitseinschätzung vom 28.05.1986
Bergsicherung Cottbus
07.07.1986
[2.4.20]
Protokoll der Erörterung Standsicherheitseinschätzung vom 28.05.1986
Rat des Bezirkes Cottbus, Abteilung Geologie
24.07.1986
[2.4.21]
1. Nachtrag zur Standsicherheitseinschätzung für den abgespülten ehemaligen Steiluferbe-
reich am Ostufer des Tagebaurestloches Knappensee bei Hoyerswerda vom 28.05.1986
Prof. W. Förster & M. Walde
22.09.1986
[2.4.22]
Ergebnisbericht über geotechnische Voruntersuchungen für West-, Südufer, Inselbereiche
und Bereich Jugendtouristhotel des Knappensees bei Hoyerswerda
Bergsicherung Cottbus
05.08.1987
[2.4.23]
Standsicherheitseinschätzung für die Gefährdung durch Setzungsfließen der aus Kippgut
aufgebauten Bereiche des West- und Südufers, der Inseln des Tagebaurestloches Knappen-
see bei Hoyerswerda, des Gebietes um das Jugendtouristhotel und des nördlich davon gele-
genen unklassifizierten Restloches
Prof. W. Förster & M. Walde
25.04.1988
[2.4.24]
Protokoll der Erörterung der Standsicherheitseinschätzung Knappensee vom 25.04.1988
Rat des Bezirkes Cottbus
07.06.1988
[2.4.25]
Abschlußbericht zum Großtechnischen Versuch am Restloch 0815/1
Bergsicherung Cottbus
16.06.1989
[2.4.26]
1. Nachtrag zur Standsicherheitseinschätzung für die Gefährdung durch Setzungsfließen
der aus Kippgut aufgebauten Bereiche des West- und Südufers, der Inseln des Tagebaurest-
loches Knappensee bei Hoyerswerda, des Gebietes um das Jugendtouristhotel und des
nördlich davon gelegenen unklassifizierten Restloches vom 25.04.1988
Prof. W. Förster & M. Walde
12.11.1990
[2.4.27]
Protokoll zur Erörterung des 1. Nachtrages zur Standsicherheitseinschätzung Knappensee
(Westufer, Südufer, Inseln u. RL 0815/1)
Bergsicherung Cottbus
24.01.1991
[2.4.28]
1. Nachtrag zur Bodenmechanischen Standsicherheitseinschätzung Restloch F vom
30.09.1984
IFGT TU Bergakademie Freiberg
Prof. W. Förster & M. Walde & K. Hammer
13.06.1991

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
14
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.4.29]
Bodenmechanische Standsicherheitsuntersuchung zu Sicherungsmaßnahmen im Bereich
des Restloches Koblenzer Straße
Safetec GmbH, Bereich Consulting
28.09.1995
[2.4.30]
Bodenmechanische Stellungnahme zur Bewertung der geotechnischen Situation ausge-
wählter Bereiche des Knappensees anhand vorliegender Unterlagen und Empfehlungen zu
weiterführenden Untersuchungen
Abteilung Bodenmechanik des Instituts für Geotechnik der Bergakademie Freiberg
Prof. W. Förster & K. Mühlig
23.10.1995
[2.4.31]
Bodenmechanische Stellungnahme
"Bewertung der geotechnischen Sicherheit des Koblenzer Strandes am Knappensee,
Bereich Zulauf - abgespülte Absetzerkippe auf der Grundlage eines Erschütterungstestes"
GBB Dipl.-Ing. B. Bittroff Hoyerswerda
im Auftrag des ZV Ferienpark Knappensee
07.05.1996
[2.4.32]
Gutachten zur Bodenmechanischen Stellungnahme
"Bewertung der geotechnischen Sicherheit des Koblenzer Strandes am Knappensee,
Bereich Zulauf - abgespülte Absetzerkippe auf der Grundlage eines Erschütterungstestes"
vom 17.05.1996
IFGT BA Freiberg
im Auftrag des ZV Ferienpark Knappensee
26.11.1996
[2.4.33]
Baugrundgutachten für den Bau einer Wasserrutsche im Strandbad Groß Särchen
GBB Dipl.-Ing. B. Bittroff Hoyerswerda
im Auftrag des ZV Ferienpark Knappensee
Mai 1996
[2.4.34]
Geotechnische Stellungnahme für das Bauvorhaben "Brückenneubau über das Schwarz-
wasser in Groß Särchen"
GBB Dipl.-Ing. B. Bittroff Hoyerswerda
im Auftrag des ZV Ferienpark Knappensee
Februar 1997
[2.4.35]
Geotechnischer Bericht: Erschließung des Nordstrandes Knappensee zwischen den Ferien-
siedlungen Maukendorf und Knappensee
GBB Dipl.-Ing. B. Bittroff Hoyerswerda
im Auftrag des ZV Ferienpark Knappensee
Mai 1997
[2.4.36]
Standsicherheitsuntersuchungen, Beurteilung der geotechnischen Situation und Vorschlag
von Maßnahmen zur endgültigen Sicherheit des Uferbereiches und der Inseln des Knap-
pensees (Tagebau Werminghoff I)
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Zwickau,
Mai 2000
[2.4.37]
Hydrologische Berechnungen (Einschätzung - HE), Tagebau Werminghoff I,
LMBV mbH, Länderbereich Ostsachsen,
28.06.2002

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
15
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.4.38]
Konzeption zur Durchführung von Initialversuchen für die anschließende Fortschreibung
der Standsicherheitseinschätzungen am Knappensee (Tagebau WerminghoffI) und am
Restloch Mortka / Silbersee (Tagebau Werminghoff II),
Band I und Band II,
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Zwickau,
20.12.2002
[2.4.39]
Auszüge aus
Ergebnisbericht Strecken- und Haldenerkundung im Altbergbauobjekt „ Werminghoff“
bei Groß Särchen, Vereinsgebäude WSV Knappensee (Maßnahmen zur Gefahrenabwehr)
Geotec GmbH
Mai 2003
[2.4.40]
Standsicherheitseinschätzung, Bewertung der Standsicherheit der Hochkippe nördlich der
Ortslage Koblenz am Knappensee (Tagebau Werminghoff I),
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Zwickau,
24.11.2003
[2.4.41]
Standsicherheitseinschätzung zur Sicherung des Restloches Koblenzer Straße im Bereich
des Restloches D/F Knappenrode,
BSF – Bergsicherung und Baugrundsanierung Frankfurt/Oder GmbH,
Frankfurt/Oder, 31.12.2003
[2.4.42]
Braunkohlenplan als Sanierungsrahmenplan für den stillgelegten Tagebau I Werminghoff
(Knappenrode), Regionale Planungsstelle beim StUFA Bautzen im Auftrag des regionalen
Planungsverbandes Oberlausitz - Niederschlesien, Aufstellungsbeschluss am 20.11.1997,
Feststellung durch Satzung in der Verbandsversammlung am 05.06.2003, Genehmigung
durch das Sächsische Staatsministerium des Innern am 15.03.2004, in Kraft getreten am
05.08.2004
[2.4.43]
Innerbetriebliche fachliche Stellungnahme des FB 2, Nr. R 23/21/2004, Speicherbecken
Knappenrode, Gefährdungsanalyse ausgewählter Speicherrandböschungen,
Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen, Pirna,
18.10.2004
[2.4.44]
Ausführungsplanung Sanierung der Verbindungsstraße Knappenrode – Koblenz, Sanierung
K9207 im Bereich Restloch Koblenzer Straße
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Dresden,
18.11.2004
[2.4.45]
Hydrologische Berechnungen (Einschätzung - HE), Tagebau Werminghoff I, 1. Nachtrag
LMBV mbH, Länderbereich Ostsachsen,
10.12.2004
[2.4.46]
Standsicherheitsuntersuchungen des Restloches 0815/1 sowie der nördlich angrenzenden
Teiche bzw. Vernässungsflächen südlich des Restloches Koblenzer Straße am Knappensee
(ehemaliger Tagebau Werminghoff I),
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Zwickau,
Dezember 2004
[2.4.47]
Standsicherheitsnachweis, Sanierung der Verbindungsstraße Knappenrode – Koblenz, Sa-
nierung K 9207 und K 6407 im Bereich der Altkippe Tagebau Werminghoff I
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Dresden,
15.12.2004

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
16
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.4.48]
Standsicherheitseinschätzung des Restloches 0815/1 sowie der nördlich angrenzenden
Teiche bzw. Vernässungsflächen südlich des Restloches Koblenzer Straße am
Knappensee (ehemaliger Tagebau Werminghoff I),
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH,
20.05.2005
[2.4.49]
Standsicherheitsnachweis, Sanierung der Verbindungsstraße Knappenrode – Koblenz,
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH,
30.06.2005
[2.4.50]
Standsicherheitsuntersuchungen, Beurteilung der geotechnischen Situation und Vorschlag
von Maßnahmen zur endgültigen Sicherheit des Uferbereiches und der Inseln am Knappen-
see
1. Nachtrag,
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Zwickau,
31.08.2005
[2.4.51]
Auswirkungen der Setzungsfließrutschung im Restloch Koblenzer Straße am 09.09.2004
und Schlussfolgerungen für die weitere Sanierungstätigkeit in bodenmechanisch sensiblen
Bereichen, welche nicht unter Bergaufsicht stehen
Vortrag, Sächsisches Oberbergamt, 15.09.2005
[2.4.52]
4. Nachtrag zur Standsicherheitseinschätzung zur Sicherung des Restloches Koblenzer
Straße im Bereich des Restloches D/F Knappenrode,
BSF – Bergsicherung und Baugrundsanierung Frankfurt/Oder GmbH,
Frankfurt/Oder, 05.10.2004
Vortrag, Sächsisches Oberbergamt, 15.09.2005
[2.4.53]
Einschätzung der Auswirkungen des Grundwasserwiederanstieges
auf Waldflächen im Bereich des ehemaligen Tagebaus Werminghoff,,
SEP STEINE UND ERDEN Planungsgesellschaft mbH,
November 2005
[2.4.54]
Seismologisches Standortgutachten im Bereich der Talsperrenmeisterei Spree,
Universität Leipzig, Institut für Geophysik und Geologie,
21.11.2005
[2.4.55]
Kippenflächen im Sanierungskomplex Restloch D/F, Restloch Koblenz, Restloch Koblen-
zer Straße, Standsicherheitsnachweis zur Grundbruchsicherheit,
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Zwickau
21.12. 2005
[2.4.56]
Baugrundgutachten zur Geotechnischen Bewertung der Hotelanlage „Am Knappensee“,
Dipl.-Ing. Lawall, Freiberuflich tätiger Ingenieur für Geo- und Umwelttechnik, Cottbus,
26.08.2005 und 13.05.2006
[2.4.57]
Standsicherheitseinschätzung - (u.a. Geotechnische Bewertung der für das SB Knappen-
rode aktuell gültigen Standsicherheitseinschätzung vom 31.08.2005) und
ergänzende Standsicherheitsberechnungen (Gutachten vom 24.03.2006)
BIUG GmbH Freiberg,
Senftenberg, 31.08.2005 und 24.03.2006

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
17
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.4.58]
Standsicherheitsuntersuchungen, Beurteilung der geotechnischen Situation und Vorschlag
von Maßnahmen zur endgültigen Sicherheit des Uferbereiches und der Inseln am Knappen-
see,
3. Nachtrag, Sicherung des Campingplatzes am Nordufer,
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Zwickau,
22.03.2006
[2.4.59]
Standsicherheitsuntersuchungen, Beurteilung der geotechnischen Situation und Vorschlag
von Maßnahmen zur endgültigen Sicherheit des Uferbereiches und der Inseln des Knap-
pensees,
2. Nachtrag - Sicherung Inselbereiche – Untersuchungsgebiet C Standsicherheitsuntersu-
chung der Kranaufstandsfläche,
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Zwickau,
28.04.2006
[2.4.60]
Havarie- und Notfallplan für das Speicherbecken Knappenrode (Knappensee)
BIUG GmbH Freiberg,
Senftenberg, 12.06.2006
[2.4.61]
Standsicherheitsuntersuchungen, Beurteilung der geotechnischen Situation und Vorschlag
von Maßnahmen zur endgültigen Sicherheit des Uferbereiches und der Inseln am Knappen-
see,
4. Nachtrag, Erkundung und Verwahrung von Altstrecken, Ausführungsplanung,
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Zwickau,
29.09.2006
[2.4.62]
Standsicherheitsuntersuchungen, Beurteilung der geotechnischen Situation und Vorschlag
von Maßnahmen zur endgültigen Sicherheit des Uferbereiches und der Inseln am Knappen-
see,
4. Nachtrag, Erkundung und Verwahrung von Altstrecken, Auswertung der Erkundung mit
Drucksondierungen,
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Zwickau,
10.05.2007
[2.4.63]
Standsicherheitsuntersuchungen, Beurteilung der geotechnischen Situation und Vorschlag
von Maßnahmen zur endgültigen Sicherheit des Uferbereiches und der Inseln des Knap-
pensees,
1. Ergänzung zum 2. Nachtrag, Sicherung Inselbereiche – Untersuchungsgebiet C, Standsi-
cherheitsuntersuchung der Kranaufstandsfläche,
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Zwickau,
08.06.2007
[2.4.64]
Standsicherheitsnachweis für die Hotelanlage „Am Knappensee“ Koblenz vom
12.03.2008 (Projekt-Nr. DDG 06603/5) einschließlich 1. Ergänzung zum Standsicher-
heitsnachweis vom 15.12.2008 (Projekt-Nr. DDG 06603/6)
G.U.B. Ingenieur AG, Büro Dresden
[2.4.65]
Standsicherheitsuntersuchungen, Beurteilung der geotechnischen Situation und Vorschlag
von Maßnahmen zur endgültigen Sicherheit des Uferbereiches und der Inseln am Knappen-
see, Sicherung der Inseln gegen Betreten, Einschätzung des Sanierungserfolges,
G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau,
28.11.2008

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
18
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.4.66]
Geotechnische Planungsleistungen zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr und Sanierung
des Knappensees - Standsicherheitseinschätzung, Band 1, Band 2 und Band 3
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau, BIUG GmbH Freiberg,
14.08.2008 und 15.01.2009
[2.4.67]
Geotechnische Planungsleistungen zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr und Sanierung
des Knappensees Bereich A und B Nord - Durchführung der dynamischen Kippenstabili-
sierung mittels RDV und LRDV einschließlich der Böschungsprofilierung – Entwurfs- und
Genehmigungsplanung –
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau, BIUG GmbH Freiberg,
21.08.2009
[2.4.68]
Ausführungsplanung zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr und Sanierung des Knap-
pensees (Tagebau Werminghoff I) – Bereiche A und B Nord – Standsicherheitseinschät-
zung
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau, BIUG GmbH Freiberg,
21.08.2009
[2.4.69]
Standsicherheitsnachweis Hotel „Am Knappensee“ und Bereich ehemaliges Restloch
0815/1,
G.U.B. Ingenieur AG, Büro Dresden
26.06.2009
[2.4.70]
Geotechnische Planungsleistungen zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr und Sicherung
des Knappensees – Bereich E – Entwurfs- und Genehmigungsplanung
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
28.07.2009
[2.4.71]
Verfüllung des Restloches 0815/1 – Teilfläche 2 einschließlich Abriss Hotelanlage „ Am
Knappensee“ mit Hotel, Finnhütten und Wohnhaus in Koblenz, Genehmigungsplanung /
Ausführungsplanung,
G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau
04.08.2009
[2.4.72]
Herstellung / Sicherung, Einsetzstelle Südufer Knappensee, Ausführungsplanung, Horst
Alte GmbH, September 2009
[2.4.73]
Geotechnische Planungsleistungen zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr
und Sicherung des Knappensees – Bereich E – Ausführungsplanung
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
05.10.2009
[2.4.74]
Errichtung einer Einsetzstelle für Sanierungstechnik am Knappensee, Baudokumentation,
Baucom, Bautzen, 02.12.2009
[2.4.75]
Durchführung der dynamischen Kippenstabilisierung mittels LRDV
einschließlich Böschungsprofilierung im Bereich E am Knappensee
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
23.07.2010

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
19
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.4.76]
Verfüllung des Restloches 0815/1 – Teilfläche 2 einschließlich Abriss Hotelanlage
„ Am Knappensee“ mit Hotel, Finnhütten und Wohnhaus in Koblenz,
Abschlussdokumentation,
G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau
22.12.2010
[2.4.77]
Hydrogeologische Berechnungen (Einschätzung – HE), Tagebau Werminghoff I,
2. Nachtrag
LMBV mbH, Länderbereich Ostsachsen,
21.12.2010
[2.4.78]
Leitfaden zur geotechnischen Beurteilung von Verflüssigungsgrundbrüchen auf Kippen
im Hinterland sanierter Restlochbereiche und Empfehlungen zur Sanierung und Nachnut-
zung, G.U.B. Ingenieur AG, Büro Dresden, BIUG GmbH Freiberg,
Bearbeitungsstand 31.12.2010
[2.4.79]
Protokollnotiz
Besprechung SMWA/ SächsOBA / LMBV / GUB / BIUG zur aktuellen
geotechnischen Situation der Altbergbaugebiete Knappensee, Silbersee und
Restloch Mortka vom 27.01.2011
LMBV mbH
28.01.2011
[2.4.80]
Protokollnotiz
Besprechung SMWA/ SächsOBA / LMBV / GUB / BIUG zur aktuellen
geotechnischen Situation der Altbergbaugebiete Knappensee, Silbersee und
Restloch Mortka vom 03.02.2011
LMBV mbH, Geotechnik Lausitz,
09.02.2011
[2.4.81]
Protokoll
zur Abstimmung zu den Sofortmaßnahmen am Knappensee
LMBV mbH, Geotechnik Lausitz,
21.02.2011
[2.4.82]
Vermerk über die Beratung am 18. März 2011 zu
Gefahrenabwehrmaßnahmen im Bereich Knappensee
Sächsisches Oberbergamt
01.04.2011
[2.4.83]
Bericht zur Auswertung der Messergebnisse an der Straße Koblenz -
Knappenrode (K 9207) für den Zeitraum März bis August 2011
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg
27.09.2011
[2.4.84]
Standsicherheitseinschätzung, Bewertung der Fläche des aufgefüllten Restloches 0815/1 –
Bereich Hotelanlage als Zwischenlagerplatz in Vorbereitung der Sanierung am Knappen-
see, G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau und BIUG GmbH, Freiberg
03.02.2012

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
20
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.4.85]
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee (ehemaliger Tagebau Werminghoff I)
gemäß Sächsischer Hohlraumverordnung - Bereich D Ost - Durchführung der dynami-
schen
Kippenstabilisierung mittels RDV und LRDV einschließlich Böschungsprofilierung,
Leseexemplar der Geotechnischen Entwurfs- und Genehmigungsplanung sowie
Darstellung der Auswirkungen des Vorhabens auf Belange Dritter,
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Hauptniederlassung Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
31.07.2012
[2.4.86]
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee (ehemaliger Tagebau Werminghoff I)
gemäß Sächsischer Hohlraumverordnung - Bereich F -, Geotechnische Vorplanung
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Hauptniederlassung Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
27.08.2012
[2.4.87]
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee (ehemaliger Tagebau Werminghoff I)
gemäß Sächsischer Hohlraumverordnung - Bereich G - Durchführung der dynamischen
Kippenstabilisierung mittels RDV und LRDV einschließlich Böschungsprofilierung,
Geotechnische Entwurfs- und Genehmigungsplanung sowie Darstellung der
Auswirkungen des Vorhabens auf Belange Dritter,
Überarbeiteter Erläuterungsbericht,
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Hauptniederlassung Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
Stand Januar 2013
[2.4.88]
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee (ehemaliger Tagebau Werminghoff I)
gemäß Sächsischer Hohlraumverordnung - Bereich S - Durchführung der dynamischen
Kippenstabilisierung mittels RDV und LRDV einschließlich Böschungsprofilierung,
Geotechnische Entwurfs- und Genehmigungsplanung sowie Darstellung
der Auswirkungen des Vorhabens auf Belange Dritter,
Überarbeiteter Erläuterungsbericht,
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Hauptniederlassung Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
Stand Januar 2013
[2.4.89]
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee (ehemaliger Tagebau Werminghoff I)
gemäß Sächsischer Hohlraumverordnung - Bereich T - Durchführung der dynamischen
Kippenstabilisierung mittels RDV und LRDV einschließlich Böschungsprofilierung,
Geotechnische Entwurfs- und Genehmigungsplanung sowie Darstellung
der Auswirkungen des Vorhabens auf Belange Dritter,
Überarbeiteter Erläuterungsbericht,
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Hauptniederlassung Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
Stand Januar 2013

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
21
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
2.5
Unterlagen zur Tagebauentwicklung
[2.5.1]
Vermerk zu Senkungen an der Straße Großsärchen-Neubuchwalde
Der Preußische Revierbeamte
16.01.1936
[2.5.2]
Lageplan und Profile durch die Brückenkippe Werminghoff
28.08.1936
[2.5.3]
Plandarstellungen zur Tagebauentwicklung
Zeitpunkte und Maßstäbe verschieden
[2.5.4]
Angabe zur Absetzerkippen-Rutschung am 18.04.1930
ohne Verfasser und Datum
[2.5.5]
Angaben zur Kippenrutschungen vom 21.01.1941
ohne Angabe des Verfassers
24.11.1941
[2.5.6]
Erläuterungen zum Entwurf für das Speicherbecken Knappenrode (Werminghoff)
Schwarze Elster Verband Bad Liebenwerda
03.11.1950
[2.5.7]
Dokumentation des Speicherbeckens Knappenrode
WWD Obere Elbe-Mulde
15.06.1963
[2.5.8]
Dokumentation über die Entstehung der nordöstlichen Böschungen des Tagebaurestloches
Knappensee
HA Tagebau Lohsa
12.11.1981
[2.5.9]
Technische Dokumentation Knappensee
Rat des Kreises Hoyerswerda
25.11.1988
[2.5.10]
Private Aufzeichnungen zur Betriebsentwicklung Tagebau Werminghoff
Dewitz, W. (ehemaliger Tagebauleiter Lohsa)
ohne Datum
2.6
Unterlagen zu Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen
[2.6.1]
Verwahrungsdokumentation zum südlichen Randgebiet des ehemaligen Braunkohlentage-
baues Werminghoff, jetzt Knappensee
Bergsicherung Cottbus
Oktober 1977
[2.6.2]
Bericht über mögliche Varianten zur Sanierung rutschungsgefährdeter Bereiche des Knap-
pensees bei Hoyerswerda
Bergsicherung Cottbus
08.09.1982

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
22
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.6.3]
Protokolle, Beratung des Operativstabes Knappensee
Bergsicherung Cottbus
[a] 1. Protokoll, Beratung vom 25.05.1982
[b] 2. Protokoll, Beratung vom 11.06.1982
[c] 3. Protokoll, Beratung vom 08.07.1982
[d] 4. Protokoll, Beratung vom 17.06.1982
[e] 5. Protokoll, Beratung vom 14.09.1982
[f] 6. Protokoll, Beratung vom 25.05.1983
[g] 7. Protokoll, Beratung vom 13.07.1983
[h] 8. Protokoll, Beratung vom 20.03.1984
[i] 9. Protokoll, Beratung vom 17.04.1984
[j] 10. Protokoll, Beratung vom 20.11.1984
[k] 11. Protokoll, Beratung vom 24.04.1985
[l] 12. Protokoll, Beratung vom 15.04.1986
[2.6.4]
Technischer Betriebsplan zur Durchführung von Untersuchungsarbeiten an Halden und
Restlöchern
Bergsicherung Cottbus
22.12.1982
[2.6.5]
Anzeige zur Durchführung von Stubbenrodung sowie deren Aufnahme, Transport und
Verkippung in ein nicht klassifiziertes Restloch westlich der Straße Koblenz – Knappenro-
de
Bergsicherung Cottbus
16.01.1985
[2.6.6]
Anzeige zur Durchführung von Versuchssprengungen am Restloch Knappensee zur Erar-
beitung einer effektiven Sanierungstechnologie
Bergsicherung Cottbus
29.01.1985
[2.6.7]
Anzeige zur Durchführung der Sanierung des Steiluferbereiches Knappensee
Bergsicherung Cottbus
11.07.1985
[2.6.8]
Anzeige zur Durchführung von hydromechanischen Sanierungsarbeiten an Uferabschnitten
des RL Knappensee
Bergsicherung Cottbus
01.11.1985
[2.6.9]
Projekt zur Wiederurbarmachung des Sanierungsgebietes Knappensee
Bergsicherung Cottbus
04.11.1985
[2.6.10]
Nachtrag Nr. 1 zur Anzeige „Durchführung der Sanierung des Steiluferbereiches Knappen-
see“ für den Zeitraum 01.08.85 – 31.12.86 – Geotechnische Felduntersuchungen
Bergsicherung Cottbus
27.01.1986
[2.6.11]
Nachtrag Nr. 2 zur Anzeige „Durchführung der Sanierung des Steiluferbereiches
Knappensee“ für den Zeitraum 01.08.85 – 31.12.86 – Wiederurbarmachung
Bergsicherung Cottbus
27.01.1986

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
23
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.6.12]
Nachtrag Nr. 3 zur Anzeige „Durchführung der Sanierung des Steiluferbereiches
Knappensee“ für den Zeitraum 01.08.85 – 31.12.86 – Hydromechanische
Böschungsgestaltung am Einlauf Koblenz
Bergsicherung Cottbus
27.01.1986
[2.6.13]
Hydromechanische Böschungsgestaltung am Einlauf Koblenz
Bergsicherung Cottbus
27.01.1986
[2.6.14]
Anzeige zur Durchführung von Rekultivierungsarbeiten an einem nicht klassifizierten
Restloch westlich der Straße Koblenz-Knappenrode
Bergsicherung Cottbus
10.02.1986
[2.6.15]
Bericht Sanierung Steilufer Knappensee
Bergsicherung Cottbus
03.09.1986
[2.6.16]
Technischer Betriebsplan Nr. 6/88 zur Durchführung geotechnischer Untersuchungen an
Halden und Restlöchern
Bergsicherung Cottbus
09.08.1988
[2.6.17]
Technischer Betriebsplan Nr. 12/88 für die Sanierung des Ost- und Südufers des Knappen-
sees
Bergsicherung Cottbus
09.01.1989
[2.6.18]
Anzeige Nr. 1/89 zur Sanierung des Restloches 0815/1
Bergsicherung Cottbus
03.03.1989
2.7
Unterlagen zu Labor- und Feldprüfungen
[2.7.1]
Ergebnisse von Feld- und Laborprüfungen am Knappensee
VEB Spezialbaukombinat Wasserbau, Baugrund Berlin
04.03.1982
[2.7.2]
Ergebnisse von Feldversuchen am Knappensee (Drucksondierungen,
γ-Sondierungen,
Ent-
nahme von ungestörten Proben)
VE BKK Senftenberg, HA Geotechnik
16.04.1982
[2.7.3]
Ergebnisse von Feld- und Laboruntersuchungen am Restloch Knappensee
VEB Spezialbaukombinat Wasserbau, Baugrund Berlin
29.04.1982
[2.7.4]
Ergebnisbericht über Felduntersuchungen am Restloch Knappensee
VEB BKW Borna, HA Geotechnik
21.04.1982

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
24
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.7.5]
Ergänzung zum Ergebnisbericht über Felduntersuchungen vom 21.04.1982
VEB BKW Borna, HA Geotechnik
20.10.1982
[2.7.6]
Bericht über den Großtechnischen Versuch vom 20.11.1984 bis 13.03.1985 zur Vorberei-
tung der Sanierung des Steilufers am Restloch Knappensee bei Hoyerswerda
Bergsicherung Cottbus
13.05.1985
[2.7.7]
Ergebnisse von Feldversuchen am Knappensee (Drucksondierungen, Drehflügelsondierun-
gen, Entnahme von Frostproben)
VE BKK Senftenberg, HA Geotechnik
07.03.1986
[2.7.8]
Ergebnisse von Felduntersuchungen am Restloch Knappensee (Drucksondierungen)
VE BKK Senftenberg, HA Geotechnik
18.12.1986
[2.7.9]
Ergebnisbericht über geotechnische Voruntersuchungen,
Bergsicherung Cottbus,
03.08.1987
[2.7.10]
Ergebnisbericht über geotechnische Voruntersuchungen für West-, Südufer, Inselbereiche
und Bereich Jugendtouristikhotel des Knappensees bei Hoyerswerda
Bergsicherung Cottbus
05.08.1987
[2.7.11]
Ergebnisse der zusätzlichen Erkundungsmaßnahmen, Labor- und Feldprüfungen zur Beur-
teilung der geotechnischen Situation am Restloch Knappensee.
1. Teillieferung
FCB Fachcenter Bodenmechanik
29.03.2000
[2.7.12]
Ergebnisse der zusätzlichen Erkundungsmaßnahmen, Labor- und Feldprüfungen zur Beur-
teilung der geotechnischen Situation am Restloch Knappensee.
2. Teillieferung
FCB Fachcenter Bodenmechanik
14.04.2000
[2.7.13]
Ergebnisse der zusätzlichen Erkundungsmaßnahmen, Labor- und Feldprüfungen zur Beur-
teilung der geotechnischen Situation am Restloch Knappensee.
3. Teillieferung
FCB Fachcenter Bodenmechanik
27.04.2000
[2.7.14]
Auswertung der Gefrierkernentnahme und -untersuchung im Bereich Koblenzer Strand bis
zum nördlichen Steilufer am Knappensee (Tagebau Werminghoff I),
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Zwickau,
07.09.2001
[2.7.15]
Auswertung der Gefrierkernentnahme und -untersuchung sowie der Belastungsversuche
mittels Vibrationswalze im Bereich Koblenzer Strand bis zum nördlichen Steilufer am
Knappensee (Tagebau Werminghoff I),
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Zwickau,
06.03.2002

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
25
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.7.16]
Planung und Durchführung von Initialversuchen für die anschließende Fortschreibung der
Standsicherheitseinschätzungen am Knappensee (Tagebau Werminghoff I) und Restloch
Mortka/ Silbersee (Tagebau Werminghoff II),
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH, Büro Zwickau
August 2004
[2.7.17]
Ergebnisse bodenphysikalischer Laboruntersuchungen
für die Verbindungsstraße Knappenrode – Koblenz
G.U.B. Ingenieurgesellschaft Lausitz GmbH,
02.03.2005
[2.7.18]
Ergebnisse bodenphysikalischer Felduntersuchungen - Drucksondierungen
BUL Bergbausanierung und Landschaftsgestaltung Sachsen GmbH
20.12.2006
[2.7.19]
Ergebnisse bodenphysikalischer Felduntersuchungen - Drucksondierungen
BUL Bergbausanierung und Landschaftsgestaltung Sachsen GmbH
18.01.2007
[2.7.20]
Geotechnische Stellungnahme, Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee (ehema-
liger Tagebau Werminghoff I) gemäß Sächsischer Hohlraumverordnung, Hotel Haink
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Hauptniederlassung Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
30.11.2012
2.8
Fachspezifische Literatur und sonstige Unterlagen
[2.8.1]
MEYERHOF, G. G., HANNA, A. M.: Ultimate bearing capacity of foundations on layered
soils under inclined load, Can. Geotechnical Journal 15, S. 565 – 572, 1978
[2.8.2]
FÖRSTER, W.:
Sanierung setzungsfließgefährdeter Kippensysteme.
In: Vorträge des V. Bodenmechanischen Kolloquiums 1987 in Leipzig, S. 1-36
Bergakademie Freiberg 1988
[2.8.3]
FÖRSTER, W. u. a.:
Verflachen des Steilufers am Knappensee zur Minderung der Setzungsfließgefahr.
Neue Bergbautechnik, 18(1988)11, 401-406
[2.8.4]
Beurteilung der Setzungsfließgefahr und Schutz von Kippen gegen Setzungsfließen.
Ehem. Forschungsgruppe Geotechnik des BKK Senftenberg und der BA Freiberg, Sektion
Geotechnik und Bergbau
Stand November 1989
[2.8.5]
Sprengverdichtung zur Verbesserung von setzungsfließgefährdeten Kippen,
Freiberger Forschungsheft, FFH A 819,
1992
[2.8.6]
Empfehlungen des Arbeitsausschusses „Ufereinfassungen“ Häfen und Wasserstraßen, Ar-
beitsausschuss „Ufereinfassungen“ der hafenbautechnischen Gesellschaft e. V. und der
Deutschen Gesellschaft für Erd- und Grundbau e. V. 1996, 9. Auflage

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
26
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.8.7]
Empfehlungen und Bemessungsgrundlagen für die Gestaltung von Tagebaurestseen,
LMBV mbH
15.09.1997
[2.8.8]
Merkblatt der LMBV zu den Definitionen „Rückgriffweite“ und „Sicherheitsabstand“,
LMBV mbH
Dezember 1997
[2.8.9]
Beurteilung der Setzungsfließgefahr und Schutz von Kippen gegen Setzungsfließen,
LMBV mbH, TU Bergakademie Freiberg, Universität Karlsruhe (TH),
1998
[2.8.10]
Sanierung und Sicherung setzungsfließgefährdeter Kippen und Kippenböschungen,
Teilprojekt 6. Gefördert durch BMBF und LMBV,
Institut für Geotechnik
1998
[2.8.11]
BMBF- und LMBV mbH-Förderprojekt Sanierung und Sicherung setzungsfließgefährdeter
Kippen und Kippenböschungen,
IFGT der TU BA Freiberg, IBF an der Univ. Karlsruhe,
Schlussbericht 1998
[2.8.12]
Verwendung und Kennzeichnung von Sperr- und Sicherheitslinien, Brief, LMBV mbH,
Hoyerswerda, 07.07.1999
[2.8.13]
Empfehlungen und Bemessungsgrundlagen für die Gestaltung von Tagebaurestseen,
LMBV mbH,
16.07.2001
[2.8.14]
Standsicherheitseinschätzung zum Setzungsfließereignis vom 19.11.2001 sowie zu speziel-
len Untersuchungen zur Insel- und Schutzgrabenproblematik im Wasserspeicher Lohsa II,
BIUG GmbH, Freiberg, 14.06.2002
[2.8.15]
Entwurf zum Leitfaden zur Erstellung von Standsicherheitseinschätzungen zur Beurteilung
der Tragfähigkeit des verflüssigungsgefährdeten Kippenuntergrundes im Hinterland
sanierter Restlochbereiche,
BIUG GmbH, Senftenberg,
12.01.2005
[2.8.16]
Zur Problematik der Grundbruchsicherheit auf Kippenflächen mit geringem
Grundwasserflurabstand in Senftenberg,
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH,
27.04.2007
[2.8.17]
Schwingungsmessungen bei RDV, Schwinggeschwindigkeiten B97, RL Bärwalde,
Lugkteich, RL Laubusch, RL Kortitzmühle,
G.U.B. Ingenieurgesellschaft mbH,
2005
[2.8.18]
ERLER, R., REINHARDT, K., BAHL, T., MUMMERT, Th., KEßLER, J.:
Zur Anwendung der RDV bei der Verdichtung verspülter Sande in Dubai, Vortrag zum
Geotechnik-Kolloquium an der TU BA Freiberg am 30.03.2007
[2.8.19]
SLOPE/W – Benutzerhandbuch, GEO-SLOPE International Ltd., 2007

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
27
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
[2.8.20]
Grundbautaschenbuch Teil 1,
7. Auflage Ernst & Sohn, Berlin,
2008
[2.8.21]
Fachbuch „Theorie und Praxis der Braunkohlensanierung“, Hrsg. LMBV mbH, 2009
[2.8.22]
Beiträge zum Fachkolloquium 4: Bodenverflüssigung bei Kippen des Lausitzer Braunkoh-
lebergbaus im Rahmen des Freiberger Forschungsforums – 63 . Berg- und Hüttenmänni-
scher Tag, Heft 3, Hrsg.: Wolfram Kudla, Technische Universität Freiberg, Institut für
Bergbau und Spezialtiefbau, Professur für Erdbau und Spezialtiefbau, 2012
[2.8.23]
Gedanken zu geotechnischen Ereignissen der letzten Jahre im Lausitzer Sanierungsberg-
bau; Symposium des LBGR Brandenburg am 03.09.2009, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Förster

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
28
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
3
Bearbeitungsgebiet
3.1
Lage und Beschreibung
Im Freistaat Sachsen, Landkreis Bautzen befindet sich südöstlich von Hoyerswerda bzw. östlich von
Wittichenau zwischen den Ortslagen Maukendorf, Koblenz und Groß Särchen das Restloch Knappensee
im gleichnamigen Landschaftsschutzgebiet. Es umfasst den Ufer- und Randbereich sowie die Inseln
innerhalb der Wasserfläche.
Ca. 1 km östlich befindet sich das ebenfalls zum ehemaligen Tagebau Werminghoff I gehörende Rest-
loch D/F. Ca. 3 km in östlicher Richtung ist das RL Mortka und weitere 2 km östlich der Silbersee gele-
gen. Beide Restlöcher gehören zum ehemaligen Tagebau Werminghoff II.
Der Knappensee besitzt eine Nord-Süd-Ausdehnung von ca. 2,1 km und ist zwischen 0,8 km und
2,1 km breit. Die westlichen, nördlichen und östlichen im Hinterland liegenden Böschungen sind über-
wiegend bewaldet. Am gewachsenen Südrand des Sees liegen die Ortschaften Groß Särchen und Kob-
lenz, die durch die Kreisstraße K 9219 verkehrstechnisch miteinander verbunden sind. Entlang der süd-
westlichen bis westlichen Seite des Sees verläuft die Bundesstraße B 96. Östlich bzw. nordöstlich des
Knappensees verläuft die Kreisstraße Koblenz – Knappenrode (K 9207). Nördlich des Knappensees
liegt die Ortschaft Maukendorf.
Am Nordufer des Sees befindet sich die Bungalowsiedlung Maukendorf mit einer Gaststätte. Östlich an
die Bungalowsiedlung schließen sich Campingplatz und Badestrand an.
Weiterhin grenzen an den Knappensee im Nordwesten der Damm der ehemaligen Grubenbahn Knap-
penrode – Zeißholz, im Westen und Südwesten ein für die Speicherbewirtschaftung erstellter Rand-
damm.
Die Zuflüsse zum See bilden der Koblenzer Graben im Südosten sowie der Zulaufgraben des Schwarz-
wassers in Groß Särchen. In der nördlichen Westböschung besteht ein für die Speicherbewirtschaftung
notwendiges Auslaufbauwerk.
Die Hinterlandbereiche des Sees weisen im Westen und Süden ein flach ausgebildetes Höhenprofil aus,
das in einem Höhenniveau von ca. +127,00 m NHN bis +130,00 m NHN verläuft. Dagegen finden sich
im östlichen Hinterland Böschungen, deren Geländeprofil bis zu einer maximalen Höhe von
+145,00 m NHN (Absetzerhochkippe), im nördlichen Teil bis zu +138,00 m NHN und in weiterer Ent-
fernung zum Ufer bis zu +155,00 m NHN (Hoch- u. Außenkippe Maukendorf) ansteigt. Neben den
gegenüber der Westseite deutlich höheren Lagen zeichnet sich die Ostböschung darüber hinaus durch
ausgesprochen steile Böschungsbereiche aus, die teilweise noch den Böschungswinkel der früheren
Kippenschüttung aufweisen.
Der Knappensee sowie sein unmittelbares Umfeld werden überwiegend touristisch und forstwirtschaft-
lich genutzt. Folgende Nutzungsflächen sind dabei um den See vorhanden:
-
im Osten die auf der Hochkippe gelegene Feriensiedlung Knappenhütte,
-
im südlichen Teil der Ostböschung (Koblenzer Strand) Hotels, Bungalows und Gaststätte,
-
im Südosten und Süden Ferienanlage mit Campingplatz, Bungalows, Einrichtungen des Frei-
zeitsportes und einem Zufluss,
-
im Südwesten und Westen neben dem für die Speicherbewirtschaftung vorhandenen Rand-
damm, Bungalows, Anglerheim, forstwirtschaftliche Flächen,
-
im Westen Waldstreifen,

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
29
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
-
im Norden die Bungalowsiedlung Maukendorf mit dem sich anschließenden Campingplatz und
der nordöstlich gelegenen Hochkippe (Außenkippe) Maukendorf mit forstwirtschaftlicher Nut-
zung.
Planungstechnisch wurden die im Rahmen der Gefahrenabwehrmaßnahmen zu sichernden Bereiche in
Abschnitte unterteilt, die mit den Buchstaben U, T, S, G, F, D Ost, D Mitte, E, D West, B und A ge-
kennzeichnet sind.
Das aktuelle Höhenbezugssystem ist das Deutsche Haupthöhennetz 1992 (DHHN 1992). Die Höhenan-
gabe erfolgt in m NHN. Alle Wiedergaben und Angaben aus den Arbeitsunterlagen erfolgen quellenbe-
zogen, so dass die darin enthaltenen Höhenangaben übernommen sind.
Das Bearbeitungsgebiet ist in Anlage 1 dargestellt.
3.2
Vorhandene Nutzung
Der Knappensee ist ein öffentliches Gewässer. Der See selbst und große Teile der Uferbereiche sowie
des Böschungshinterlandes sind für die Öffentlichkeit zugänglich und werden für Wohn- und Naherho-
lungszwecke sowie umfangreich touristisch genutzt. Der Knappensee fungiert als Bade- und Angelge-
wässer. Er wird auch für den nicht motorgetriebenen Bootsverkehr und im Rahmen von Wassersport-
veranstaltungen genutzt.
Im Böschungshinterland bestehen Siedlungen mit teilweise dauerhafter Wohnnutzung sowie gewerblich
genutzten Gebäuden. Daneben unterliegen die Waldflächen im Böschungsbereich und dessen Hinter-
land einer forstwirtschaftlichen Nutzung.
Der Knappensee dient der Landestalsperrenverwaltung (LTV) als Speicheranlage. Mit dieser Anlage
wird der Hochwasserschutz für die am Unterlauf vorhandenen Ortschaften (bis einschließlich Hoyers-
werda) und Gebiete sichergestellt. Daneben wird durch den Knappensee eine Niedrigwasseraufhöhung
für die nachfolgenden Gewässer und Schutzgebiete sichergestellt.
In der Tabelle 1 sind die am Knappensee vorhanden Nutzungen bereichsweise aufgeführt.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
30
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Tabelle 1:
Gegenwärtige bereichsweise Nutzungssituation (übernommen aus [2.4.66], teilweise ergänzt)
Bereich, Lage
vorhandene Nutzungssituation
Bereich A
nördliches Westufer
Wald, Rad- und Wanderweg (Rundweg um den Knappensee),
Ablaufbauwerk, Hochwasserschutzdamm
Bereich B
südliches Westufer
Wald, Rad- und Wanderweg (Rundweg um den Knappensee), Hochwasserschutz-
damm
Bereich C
Inseln
keine
Bereich D
Südufer
Freizeit und Erholung, Badestrand, Zufahrts- und Bewirtschaftungswege, gastronomi-
sche Einrichtungen (Gewerbe), bebaute Grundstücke, Versorgungs- und Entsorgungs-
leitungen, Anlagen und Gebäude von Sport- und Freizeitvereinen, Bootsstege, Ein-
laufbauwerke, Uferbefestigungen
Bereich E
Südufer
Freizeit und Erholung, Badestrand, Wasserrutsche, Zufahrts- und Bewirtschaftungs-
wege, gastronomische Einrichtungen, bebaute Grundstücke, Versorgungs- Entsor-
gungsleitungen
Bereich F
Restloch 0815/1
Wald, bebautes Privatgelände, Hotel- und Gastgewerbe,
Bereich G
Koblenzer Strand
Wald, Privatgrundstücke, Freizeit und Erholung, Badestrand, Campingplatz, Zufahrts-
und Bewirtschaftungswege, bebaute Grundstücke, Versorgungs- Entsorgungsleitun-
gen
Bereich S
ehemaliges Steilufer
Badestrand, Zufahrts- und Bewirtschaftungswege, im Hinterland Wald, Gasleitung,
Versorgungs- und Entsorgungsleitungen
Bereich T
nördliches Ostufer
Freizeit und Erholung, Badestrand, Zufahrts- und Bewirtschaftungswege, Versor-
gungs- und Entsorgungsleitungen, Anlagen und Gebäude von Bootsverleih und Im-
biss, Spielplatz, Bootsstege, im Hinterland bebaute Grundstücke, Campingplätze, auf
der Hochkippe Feriensiedlung Knappensee mit dauerhafter Wohnnutzung
Bereich U
nördliches Westufer
Wald, Rad- und Wanderweg (Rundweg um den Knappensee), Hochwasserschutz-
damm
Bereich U
Nordufer
Freizeit und Erholung, Badestrand, Campingplatz, Zufahrts- und Bewirtschaftungs-
wege, gastronomische Einrichtungen (Gewerbe), bebaute Grundstücke, Versorgungs-
und Entsorgungsleitungen, Anlagen und Gebäude von Sport- und Freizeitvereinen,
Bootsstege, Nebenanlagen (Slip-Anlagen etc.), auf der Hochkippe im Hinterland
Waldnutzung sowie Medienleitungen

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
31
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
4
Bergbauliche Entstehungsgeschichte des Knappensees
4.1
Tagebauentwicklung
Die Arbeiten der bergbaulichen Gewinnung der Braunkohle im Tagebaubetrieb der Grube Werming-
hoff I begannen im Jahre 1914 mit der Vorbereitung des Aufschlusses nördlich des heutigen Knappen-
sees. Der Aufschluss der Lagerstätte selbst erfolgte im Jahre 1915. Durch den ersten Weltkrieg wurden
die Arbeiten unterbrochen. Eine Wiederaufnahme der bergbaulichen Arbeiten erfolgte 1917 mit dem
Abraumbetrieb und der Kohleförderung. Die Aufschlussmassen des Tagebaues wurden in Form einer
Hochkippe auf der Außenhalde Maukendorf auf die Rasensohle verstürzt. Der Kohleabbau entwickelte
sich im Schwenkbetrieb von Ost nach West und erreichte in einer zweiten Abbauphase 1920 bis 1924
von Norden den Bereich des heutigen Knappensees. Mit Beginn der dritten Abbauphase erfolgte eine
Verschiebung des Drehpunktes in einen Bereich ca. 200 m westlich des ehemaligen Steiluferbereiches
(Abschnitt S). Diese Abbauperiode endete in den Jahren 1929/30. In den ersten Gewinnungsphasen
wurde das Deckgebirge mittels Eimerkettenbagger im Hoch- und Tiefschnitt abgetragen, mittels Zugbe-
trieb abtransportiert und durch einen Absetzer verstürzt. Aufgrund der geringen Versturztiefen wurde
beim Abwurf der Massen keine nennenswerte Verdichtung erreicht, so dass die Abraummassen nur eine
lockere Lagerung aufweisen, die mit der einer Pflugkippe vergleichbar ist.
Parallel zum Kohleabbau wurde in den ausgekohlten Feldesteilen Abraum verkippt. Ab 1929 bis zum
Auslaufen des Tagebaues 1944 wurde die Abraumverkippung mit einer Abraumförderbrücke (AFB)
durchgeführt. Die Strossenrichtung verlief anfänglich Ost-West. Der Tagebau wurde nun im Schwenk-
betrieb nach Süden fortgeführt. Durch den Förderbrückenbetrieb wurden die Abraummassen strossenpa-
rallel zur Abraumgewinnung direkt als Innenkippe verstürzt. Die maximale Kippenhöhe betrug
40 m, wobei 14 m als Vorkippe für die Brückenabstützung und 26 m als Hochkippe geschüttet wurden.
Die minimale Versturztiefe betrug bei der eingesetzten Brückenkonstruktion 3 m. Folglich wurden auf-
grund der geringen Versturztiefe die Abraummassen auch nur gering verdichtet.
Die Verkippungstechnologie der Abraumförderbrücke charakterisiert hauptsächlich im mittleren bis hin
zum südlichen Teil des Sees die Morphologie der Kippenoberfläche, also im Speziellen die des Seebo-
dens sowie der aus dem See herausragenden Inseln.
Im Jahre 1930 erfolgte die Überbaggerung des Ortes Buchwalde.
Aus den vorhandenen Altunterlagen können folgende generelle Aussagen zur Kippenverteilung am
Knappensee gemacht werden. Zwischen der Abbaugrenze im Westen und der Brückenkippe blieb tech-
nologisch bedingt ein ca. 50 m breiter Randschlauch offen, der mit Abraum aus dem Tagebau Wer-
minghoff II in Form einer Handkippe teilweise aufgefüllt wurde. Ab 1935 erfolgte eine Verstürzung als
auch zum Teil Verspülung von Massen des östlich des Bearbeitungsgebietes neu aufgeschlossenen Ta-
gebaues Werminghoff II. Die genaue Lage und Mächtigkeit der Kippen, insbesondere der Spülkippen,
ist dabei seinerzeit nicht ausreichend dokumentiert worden. Parallel zur Strossenrichtung verblieb ent-
lang der südlichen Tagebaugrenze das Restloch A im Westen und das Restloch B im Osten. Ab dem
Jahr 1936 wurden 400.000 m³ Kippenmaterial der Brückenkippe in das Restloch A eingespült und damit
die vorbeiführende Straße Hoyerswerda - Bautzen gesichert. In den Jahren 1940 und 1941 wurden bis
zum Niveau des heutigen Seebodens (+116,00 m NHN bis +120,00 m NHN) Massen aus dem Tagebau
Werminghoff II in das Restloch A eingespült. In dem von der Oberkante Abraum und der Uferlinie
eingeschlossenen Gebiet wurde die Spülkippe bis zur Höhe der Rasensohle durch eine Trockenhandkip-
pe, bestehend aus Abraum des Tagebaus Werminghoff II, überkippt und planiert.
In gleicher Weise wie das Restloch A wurde auch das Restloch B mit einer Spülkippe verfüllt und durch
eine Trockenkippe überkippt. Das verbrachte Kippenmaterial bestand aus Abraum des Tagebaus Wer-
minghoff II.
Im Jahre 1942 kam die Tagebautätigkeit im Bearbeitungsgebiet zum Erliegen [2.4.11].

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
32
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
An der heutigen Ostböschung des Knappensees wurde die Brückenkippe des Tagebaus Werminghoff I
durch eine Absetzerkippe überschüttet. Das Material der Absetzerkippe bestand aus Abraum aus dem
Tagebau Werminghoff II. Neben den Einspülungen in die Restlöcher A und B wurden Spülkippen im
Norden und Nordosten des heutigen Seeufers angelegt. Im südöstlichen Bereich, im Anschluss an das
ehemalige Steilufer (Westböschung der Absetzerhochkippe), ist eine Pflugkippe abgelagert. Anhand der
Kippenentwicklung und -verbreitung wird deutlich, dass nahezu an allen späteren Uferböschungen des
Knappensees Kippenmaterialien abgelagert wurden.
Bereits im Tagebaubetrieb ereigneten sich zahlreiche Kippenrutschungen und Bodenbewegungen. Teil-
weise erfolgte auf diese Rutschungsmassen eine erneute Überschüttung oder Überspülung von Ab-
raummaterialien. Damit liegt die vorhandene Heterogenität der Kippenböden am Knappensee neben der
Verkippungstechnologie auch in der Kippenentwicklung begründet.
Die Entwässerung des Tagebaues erfolgte über Entwässerungsstrecken. Diese wurden innerhalb des
Kohleflözes aufgefahren. Reste dieser Strecken finden sich in den gewachsenen Böschungsbereichen
oder Restkohlepfeilern.
Mit Ende des Jahres 1937 war der westliche Feldesteil des Tagebaus (Bearbeitungsgebiet) ausgekohlt.
Die Abbautätigkeit wurde im östlichen Feldesteil (Bereich des heutigen Restloches D / F) bis zum Aus-
laufen des Tagebaus im Jahre 1944 fortgeführt.
Der Knappensee entstand im Jahre 1945 durch eine unkontrollierte Flutung des westlichen Feldesteiles
des ehemaligen Tagebaus Werminghoff I [2.5.6].
4.2
Rutschungen
Wie bereits vorstehend aufgeführt, sind im Bereich des heutigen Knappensees (westlicher Feldesteil
Tagebau Werminghoff I) mehrere Rutschungen aufgetreten, die unter anderem die Charakteristik von
Setzungsfließen / Verflüssigungsvorgängen aufweisen.
Eine erste größere Rutschung ereignete sich am 18.04.1930 nach [2.5.4] bzw. am 19.11.1930 nach
[2.4.11] im nördlichen Bereich des heutigen Knappensees. Im betreffenden Gebiet erfolgte ein Versturz
von Abraummassen. Entsprechend der vorhandenen Technik und des damaligen Kenntnisstandes wurde
beim Versturz der Massen nur eine geringe Versturztiefe realisiert, so dass die abgelagerten Materialien
eine geringe Verdichtung erfuhren. Vermutlich wurde innerhalb der Kippe keine Entwässerung betrie-
ben, wodurch sich ein rasch ansteigender Kippenwasserspiegel ausbilden konnte. Die damit entstandene
instabile geotechnische Situation mündete letztendlich in einer Rutschung. Die Rutschungsmassen er-
streckten sich weit in Richtung Süden und bewegten sich entlang des heutigen Westufers. Ein ca. 150 m
breiter Kippenblock, der sich etwa in Höhe der Anfangsstellung der AFB vom Oktober 1929 befand,
wurde von den Rutschungsmassen durchbrochen. Da zwischen dem AFB - Kippenblock und der weiter
nördlich liegenden Absetzerkippe ein freier Wasserspiegel von ca. 4 m über dem Liegenden entstand,
wurde der gesamte Tagebau überflutet. Die Rutschung wies eine Längserstreckung von ca. 1 km auf.
1935 traten an der Straße zwischen Neu Buchwalde und Maukendorf, nördlich der Brückenkippe, Ver-
werfungen mit einer Höhe von 10 cm bis 40 cm auf, die sich geradlinig in den Tagebau fortsetzten und
dort Höhen von 2 m erreichten. Im Bereich der Rutschung war das Flöz bis auf 2 m Mächtigkeit ausge-
waschen. Durch die Entwässerung dieser Auswaschungen an der Böschungskontur kam es zu Sackun-
gen, aus denen die beschriebenen Verwerfungen resultierten [2.4.22]. Eine gleichartige Rutschung bzw.
Bodenbewegung trat Anfang 1936 an der Straße zwischen Groß Särchen und Neu Buchwalde auf. Hier
resultierten aus dem Verdrücken des Flözes Einsenkungen bis zu 4 m Tiefe.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
33
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Bei diesen Ereignissen wurden die Einsenkungen durch Sandmassen (Abraummaterial) aufgefüllt. Zu-
sätzlich erfolgten Stützvorschüttungen (in Form von Handvorschüttungen und Spülkippen) an den in-
stabilen Bereichen der Anschnittböschung im Tagebau.
Unmittelbar östlich neben der im Jahr 1930 im Norden aufgetretenen Rutschung setzte am 15.01.1937
ein weiteres Böschungsversagen ein. Die Rutschung lag im Bereich zwischen zwei Spülstellen und ent-
wickelte sich in das Rutschungsgebiet der ersten Rutschung hinein. Die Längserstreckung dieser Rut-
schung betrug ca. 300 m bis 400 m. Diese Rutschung ist im Übersichtsplan zur Kippenentwicklung
aufgrund nicht eindeutiger Quellenangaben nicht dargestellt.
Eine weitere Rutschung ereignete sich Anfang 1937 an der Brückenkippe, bei der 200.000 m³ Kippen-
material in das Restloch A eingetragen wurden [2.4.22].
Am 21.01.1941 kam es zu einer sehr großräumigen Rutschung im östlichen Bereich des heutigen Knap-
pensees. Sie umfasste ein Volumen von ca. 4,5 Mio. m³. Die Rutschung begann im Bereich des Restlo-
ches B und erreichte mit ihrem Rückgriff die Hochkippenböschung im Bereich der Ostböschung des
Knappensees (Bereich S).
Die Massen flossen in Richtung Süden und Südwesten aus und erfassten den gesamten mittleren Be-
reich des heutigen Knappensees. Die Nord-Süd-Erstreckung betrug ca. 1,4 km, die Ost-West-
Ausdehnung ca. 0,7 km. Im Ergebnis der Rutschung entstand der Steiluferbereich (Bereich S) an der
östlichen Uferböschung des Knappensees.
Am 09.09.2004 ereignete sich während Verfüllarbeiten am Restloch Koblenzer Straße, das sich nördlich
des Untersuchungsbereiches F befand, eine Rutschung, von der Teile der Ortsverbindungsstraße Kob-
lenz - Knappenrode und eine Trinkwasserleitung erfasst wurden. Das Restloch wurde 2004 vollständig
verschlossen.
Alle gegangenen Rutschungen innerhalb des Kippenbereiches sind nach aktuellem Kenntnisstand als
Setzungsfließrutschungen zu werten. Die Rutschungen sind in Anlage 5 ersichtlich, wobei nur die grö-
ßeren und in ihrer Lage durch Quellen verifizierbaren Rutschungen nachrichtlich aufgeführt sind.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
34
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
5
Geologische und hydrogeologische Verhältnisse
5.1
Frühere geologische Verhältnisse
Das Bearbeitungsgebiet liegt in der südlichen Randzone des Lausitzer Urstromtales als Teil des Breslau
- Magdeburger Urstromtales. Am Standort bilden das Präkambrium des Lausitzer Blockes sowie grani-
tische Gesteine das prätertiäre Grundgebirge. Die tertiären Ablagerungen beginnen mit den überwiegend
aus Tonen und Schluffen bestehenden Schuttfächersedimenten der Spremberger Schichten. Darauf la-
gern die Schichten der Unteren Briesker Folge. Der darauf folgende 1,5 m bis 2 m mächtige Lie-
gendschluff des 2. Lausitzer Flözes ist kohlig, tonig ausgebildet und stellt in den ausgekohlten Tage-
baubereichen den Liegendstauer für den in Kippen gebildeten Grundwasserleiter dar [2.4.36].
Das tertiäre Deckgebirge selbst wurde im Pleistozän überwiegend abgetragen und durch quartäre Sedi-
mente (Sande, Tone, Geschiebemergel und Lehm) ersetzt. Dabei entstanden pleistozäne Rinnensysteme,
die die Kohlefelder in ihrer Ausdehnung begrenzen und großräumig die hydrogeologischen Verhältnisse
bestimmen. Im Bearbeitungsbereich ist dies im Westen die Maukendorfer, im Osten die Koblenzer und
im Norden die Hoyerswerda – Weißkollmer – Rinne. Das im Hangenden der Lagerstätte vorhandene
1. Lausitzer Flöz wurde durch fluviatile und glazifluviatile Prozesse aufgearbeitet.
Das Deckgebirge im Bearbeitungsgebiet war im Mittel durch folgende geologische Verhältnisse be-
stimmt [2.4.2]:
6 m bis 12 m mächtige Talsande mit einer Basis bei ca. +115 m NN. Entsprechend ihrer Entste-
hung ist bei diesem Horizont zwischen einer hangenden und liegenden Partie zu unterscheiden.
In der hangenden Partie, deren Mächtigkeit zwischen 3,5 m und 8 m schwankte, waren Korn-
größen von d > 0,2 mm mit 50 % bis 80 % an der Gesamtmasse beteiligt. Daraus leitete sich ei-
ne gute Wasserdurchlässigkeit für diese Schicht ab. Die liegende Partie mit einer Mächtigkeit
von 2,5 m bis 4 m weist überwiegend eine mittel- bis grobsandige Ausbildung auf und war of-
fensichtlich nur örtlich ausgebildet. Nach [2.4.2] existierten im Niveau der unteren Talsande Be-
reiche, die durch einen erheblichen Feinkornanteil bestimmt waren. Dort traten schluffige und
tonige Kornfraktionen zum Teil bis zu 50 % der Gesamtmasse auf. Daraus war abzuleiten, dass
diese Bereiche als schwach wasserdurchlässig zu bewerten waren.
0,5 m bis 4,5 m mächtige interglaziale Ablagerungen, die die Talsande unterlagerten bzw. in
diese eingelagert waren. Dieser Horizont, mit einem Höhenniveau von ca. +118 m NN bis
+122 m NN bestand fast ausschließlich aus tonig-feinsandigen Schluffen, wobei der tonig-
schluffige Anteil ca. 70 % bis 80 % betrug. Aufgrund dieser Materialzusammensetzung war der
Horizont als sehr schwach durchlässig beziehungsweise als Quasinichtleiter zu bezeichnen.
Grundmoränenartige Bildungen, die Mächtigkeiten von 5 m und mehr erreichen konnten. Sie
bestanden sowohl aus Geschiebesanden der Elsterkaltzeit als auch aus Geschiebemergel und
fluviatil aufgearbeiteten Grundmoränen der Saalekaltzeit. Ihre Kornzusammensetzung war ent-
sprechend den stark schwankenden Strömungsverhältnissen des Wassers sehr unterschiedlich,
so dass sowohl tonig-lehmige als auch sandig-kiesige Bereiche anzutreffen waren. Teilweise
traten „scharfkantige“ Sande auf. Daraus kann geschlossen werden, dass sie nicht unbedingt
fluviatil aufgearbeitet worden sind. Entsprechend der räumlich unterschiedlichen Kornzusam-
mensetzung traten in diesem Horizont erhebliche Unterschiede in der Wasserdurchlässigkeit
auf. Elsterzeitliche Geschiebemergel und Bändertone befinden sich an der östlichen und nord-
östlichen Feldesgrenze im Bereich der Koblenzer Rinne. Die Pleistozänbasis lag in einem Ni-
veau von ca. +100 m NN bis +110 m NN.
Tertiäre Ablagerungen als unmittelbar Hangendes des Kohlenflözes. Örtlich waren tertiäre Se-
dimente nicht auszuschließen. Häufig sind sie in ihrer ursprünglichen Lagerung durch glazigene
Vorgänge zerstört worden.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
35
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Das bis zu 15 m mächtige 2. Lausitzer Flöz mit einer Basis bei ca. +96 m NN bis
ca. +101 m NN. Innerhalb des Lagerstättenkomplexes sind lokale bis größere Auswaschungen
vorhanden. Anmerkung: In einigen Quellen wird, obwohl es sich bei dem Lagerstättenkomplex
um den 2. Lausitzer Flözhorizont handelt, vom 1. Lausitzer Flöz gesprochen, wie in [2.7.9],
[2.4.7].
Die Liegendsedimente sind durch die vorhandenen Aufschlussdokumentationen im Bearbei-
tungsbereich wenig belegt [2.4.37], [2.4.2].
Durch die Wechsellagerung von wasserdurchlässigen Grobsanden, schwerdurchlässigen Feinsanden und
undurchlässigen Tonen und Mergeltonen ist die Wasserdurchlässigkeit in vertikaler Richtung des unver-
ritzten Deckgebirges eher als gering durchlässig einzustufen.
5.2
Kippenverhältnisse und -zusammensetzung
Neben den ursprünglichen geologischen Verhältnissen hat die Tagebau- und Versturztechnologie einen
entscheidenden Einfluss auf die Kippenverhältnisse im Bearbeitungsgebiet. Grundsätzlich ist davon
auszugehen, dass anhand von aufgenommenen Profilen aus dem Jahre 1938 der Kornanteil d < 0,2 mm
im Tagebau Werminghoff I 31,8 % und im Tagebau Werminghoff II 48,3 % betrug. Ein höherer Anteil
feinkörnigen Materials im Tagebau II resultierte aus Toneinlagerungen im Tiefschnitt. Durch die Kom-
bination von Hoch- und Tiefbagger erfolgte eine zwangsläufige Mischung der sandigen und tonigen
Materialien.
Für das Untersuchungsgebiet ist festzustellen, dass die aus dem Tagebau Werminghoff II stammenden
Abraummassen (Hochkippe) einen durchschnittlich größeren Feinkornanteil besitzen als die Abraum-
massen aus dem Tagebau Werminghoff I (Brückenkippe, Außenkippe Maukendorf).
Auf Grundlage der ursprünglichen geologischen Verhältnisse kann davon ausgegangen werden, dass im
Bearbeitungsgebiet hauptsächlich sandig-kiesige und zum Teil auch schluffige Kornfraktionen anstan-
den. Somit kann die Annahme getroffen werden, dass die vorhandenen Kippen des Knappensees aus
diesen Kornmaterialien bestehen. Die Ergebnisse bisheriger Untersuchungen der geotechnischen Ver-
hältnisse sind detailliert in [2.4.66] dargestellt.
Anhand der Kippenhistorie können nach [2.4.9] an den Uferstreifen des Knappensees sowie angrenzen-
den Hinterlandbereichen folgende Kippenverhältnisse erkannt und über Erkundungen (siehe Kapitel 7)
nachgewiesen werden:
-
Das Liegende des ursprünglichen Tagebaues befindet sich auf Höhen zwischen +96 m NHN
und +101 m NHN und liegt im Norden tiefer als im Süden. Die minimale Überdeckungshöhe
des Liegenden durch Abraummassen beträgt etwa 13 m.
-
Der Seegrund wird im Süden durch die Oberfläche der Brückenkippe, die aus Material des Ta-
gebaues Werminghoff I besteht, gebildet. Im Bereich der Rutschung von 1941 ist die Morpho-
logie des Untergrundes durch die damit verbundenen Umlagerungen geprägt. Massen aus dem
Tagebau Werminghoff II dürften hier die aus dem Tagebau I überlagern oder mit diesen ge-
mischt sein.
-
Die Ufer im Südosten und Osten bis zum nördlichen Ende des ehemaligen Steilufers werden
durch mittels Pflug oder Absetzer verkippten Massen aus dem Tagebau Werminghoff II gebil-
det, die die Massen der Brückenkippe und somit Material aus dem Tagebau Werminghoff I
überlagern.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
36
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
-
Der Seegrund im Norden besteht aus Spülkippenmaterial, das aus dem Tagebau
Werminghoff II stammt. Es überlagert die Rutschungsmassen der Rutschung vom 19.11.1930.
Lokal steht durch die Rutschung umgelagertes Material an. Die Spülkippe lagert im Hinterland
über gewachsenem Boden (Bereich Tagebauberme). Weiter nördlich folgt die Außenkippe
Maukendorf (Absetzerkippe), die ebenfalls auf Gewachsenem aufsitzt.
-
Im Nordosten wird der Seegrund allein aus Spülkippen gebildet, die die Absetzerkippen des
Tagebau Werminghoff I überlagern.
-
Im unmittelbaren Hinterland des östlichen Uferbereiches schließt sich die Absetzerhochkippe
an, die aus Material des Tagebaus Werminghoff I besteht. Die Hochkippe sitzt im nördlichen
Teil auf der Absetzerkippe des Tagebaus Werminghoff I und im südlichen Teil auf der Brü-
ckenkippe auf.
Mit den Untersuchungen zu den West- und Süduferbereichen können folgende Kippenverhältnisse
nachgewiesen werden:
-
Im Nordwesten ist die Uferböschung weitestgehend identisch mit der oberen Abraumkante. Der
Böschung ist eine Spülkippe vorgelagert, die aus Abraummaterial des Tagebaus Werminghoff II
besteht.
-
Im westlichen Uferbereich verläuft die Abraumkante als schmale Ankippung überwiegend
westlich der Uferlinie. Als Abraummaterial wurde Material des Tagebaus Werminghoff II in
den technologisch verbliebenen Zwischenraum zwischen Brückenkippe und Gewachsenem
verkippt.
-
Dem westlichen Uferbereich sind die Inseln vorgelagert, die Aufragungen innerhalb der Brü-
ckenkippe darstellen. Das Brückenkippenmaterial besteht aus Abraum des Tagebaus Werming-
hoff I, der über die Förderbrücke im Direktsturzverfahren verkippt wurde.
-
In die ehemals an der südlichen Tagebaugrenze verbliebenen bereits teilweise mit Wasser ge-
füllten Restlöcher A und B erfolgte das Einspülen von Material aus dem Tagebau II. In das
Restloch B ergossen sich zusätzlich Rutschungsmassen der großen Rutschung aus dem Jahre
1941. Oberflächlich sind in den Bereichen D Ost und D West Handkippen anzutreffen, die über
das bestehende Ufer in den See hinein reichen.
5.3
Hydrogeologische Verhältnisse
Die Lagerstätte des ehemaligen Tagebaues Werminghoff wird durch zwei SW nach NE streichende und
im NE aufeinander zulaufende pleistozäne Auswaschungsrinnen begrenzt. Dies ist im Westen des Ta-
gebaues Werminghoff I die Maukendorfer Rinne und im Osten die Koblenzer Rinne. Nördlich des Ta-
gebaurestloches befindet sich die Hoyerswerda – Weißkollmer Rinne. Die vorhandenen Grundwasser-
leiter sind mit den großen pleistozänen Auswaschungsrinnen gekoppelt. Die Entwässerung der Rinnen
erfolgt in Richtung Urstromtal.
Der vorbergbauliche Grundwasserspiegel hatte ein Einfallen von +127,00 m NHN im Süden auf
+120,00 m NHN
im Norden.
Die
Geländehöhen
vor
Aufschüttung
der
Kippen
betrugen
+125,00 m NHN bis +128,00 m NHN. Durch Dünenbildungen waren lokal auch Höhen von
+130,00 m NHN vorhanden [2.4.37].

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
37
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Mit Auskohlung des Tagebaus Werminghoff I im Jahre 1944 verblieb im Westteil sowie im Ostteil der
ehemaligen Grube jeweils ein großräumiges Restloch. Das westliche Restloch wurde infolge eines
Hochwassers 1945 unkontrolliert geflutet. Damit entstand der heutige Knappensee. Der See besitzt eine
Wasserfläche von ca. 250 ha. Innerhalb des Knappensees befindet sich Inselflächen mit einer Gesamt-
größe von ca. 30 ha.
Gespeist wird der Knappensee durch das Schwarzwasser (südliches Ufer) und den Koblenzer Graben
(südöstlicher Uferbereich). Der Knappensee wird als „Wasserspeicher Knappenrode“ genutzt. Über ein
Auslaufbauwerk der LTV wird das aus dem See abgegebene Wasser dem Verteilerwehr südlich Mau-
kendorf zugeleitet. Dieses Verteilerwehr regelt die Speisung des Schwarzwassers und des Schwarzen
Grabens.
Der Wasserspiegel im Knappensee unterliegt Schwankungen jahreszeitlicher und wasserwirtschaftlicher
Natur. Nach mehreren, durch Maßnahmen zur Minderung der Gefährdungen bedingten Schwankungen
wurde im Jahr 1991 ein oberstes Betriebsstauziel von +125,50 m NHN festgelegt. Im Fall des Eintretens
von Hochwasserperioden ist ein maximaler Höchststau von +126,0 m NHN ohne schädliche Auswir-
kungen auf die Standsicherheit der Uferböschungen und Dämme definiert. Zur Vermeidung von Brü-
chen an Unterwasserböschungen sollte der Wasserstand möglichst nicht unter +123,50 m NHN abge-
senkt werden.
Im Rahmen der Realisierung von Sofortmaßnahmen zur Verringerung des geotechnischen Risikos im
Bereich des Knappensees ist im März 2011 eine Stauspiegelabsenkung auf den Minimalwasserstand
von +124,20 m NHN realisiert worden. Diese Situation stellt den aktuellen Zustand dar.
Seit seiner vollständigen Flutung betrug der bisherige Maximalstau im Knappensee ca. +126,60 m NHN
im Juli 1981. Dabei war ein Wasseranstieg von 82 cm innerhalb von 3 Tagen zu verzeichnen mit einem
maximalen Gradienten von 38 cm innerhalb eines Tages. Das Fallen des Wasserspiegels erfolgte im
Zeitraum von 11 Tagen mit einem mittleren Gradienten von 6 cm pro Tag. Der tiefste Wasserstand lag
bei +122,80 m NHN (Dez. 1985). Eine weitere extreme Situation trat im Juni 1995 auf. Ein Wasseran-
stieg von 55 cm erfolgte innerhalb von zwei Tagen auf +126,30 m NHN. Auch hier erfolgte eine Was-
serspiegelsenkung über 10 Tage in Folge mit einem Gradienten von 4 cm pro Tag. Eine Übersicht zur
Stauhaltung für den Zeitraum 1975 bis 1998 ist in Anlage 8 der Unterlage [2.4.36] ersichtlich.
Auf Grundlage der „Richtlinie des Sächsischen Oberbergamtes über die geotechnische Sicherheit über
Tage“ ist für den Bereich des Tagebaues Werminghoff I (Knappenrode und Restsee D/F – Graureiher
See) eine Hydrologische Berechnung anzufertigen. Dies erfolgte mit der Erstellung einer Hydrologi-
schen Berechnung (Einschätzung) vom 28.06.2002 [2.4.37]. Auf Grundlage von veränderten Randbe-
dingungen der vorliegenden Einschätzung erfolgte deren Fortschreibung mittels 1. Nachtrag vom
10.12.2004 [2.4.45] und 2. Nachtrag vom 21.12.2010 [2.4.77].
Das Grundwasser strömt aus südlicher Richtung zu und fließt in nördliche und nordöstliche Richtung
(Restloch D/F) ab. Im Zusammenhang mit der Flutung des Restlochs D/F (Graureihersee) ist insbeson-
dere im Hinterland der südlichen Ostböschung noch mit einem Grundwasseranstieg und damit mit einer
Änderung der Strömungssituation zu rechnen. Die Hydrologischen Einschätzungen bilden dabei die
Grundlage für die Erarbeitung des Betriebsplanes „Folgen des Grundwasserwiederanstieges“ nach Au-
ßerbetriebnahme der bergbaulichen Entwässerung.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
38
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
6
Allgemeinverständliche Darstellungen der geotechnischen Grundlagen
6.1
Standsicherheit von Kippenböschungen
Kippenböschungen zeichnen sich vor allem durch ihre Genese aus. Alle Böschungen innerhalb einer
Kippe bestehen aus durch die Bergbautätigkeit umgelagerten und aufgeschütteten Materialien. Je nach
der Schütttechnologie wurden durch diesen technischen Prozess unterschiedliche mechanische Eigen-
schaften (u.a. Lagerungsdichten, Festigkeiten und Durchlässigkeiten) in der Schüttung realisiert. Durch
eine besonders geringe Lagerungsdichte zeichnen sich z. B. Pflugkippen aus.
Kippenböschungen, die im aktiven Bergbau hergestellt und keiner weiteren Profilierung unterzogen
wurden, weisen meist einen Böschungswinkel auf, der dem inneren Reibungswinkel des Materials ähn-
lich ist. Sie befinden sich nahe dem erdstatischen Gleichgewichtszustand. Im erdstatischen Zustand
lassen sich für diese Böschungen mit Böschungsbruchberechnungen nach dem Lamellenverfahren Si-
cherheiten nahe S = 1,0 ermitteln.
Ändern sich die geotechnischen Randbedingungen, z. B. durch einen Anstieg des Wasserspiegels inner-
halb der Kippe (beim Grundwasseraufgang), können sich damit auch Änderungen im Kräfteverhältnis
innerhalb der Kippenböschung ergeben und entscheidend diesen Gleichgewichtszustand beeinflussen.
Durch den Anstieg des Grundwassers verringern sich die wirksamen Spannungen im wassergesättigten
Bereich.
Erfolgt in einer wassergesättigten lockeren überwiegend sandigen Kippe ein Initialeintrag, so kann ein
Porenwasserüberdruck innerhalb des wassergesättigten Kippenkörpers erzeugt werden. Erreicht dieser
den Wert der wirksamen Spannungen, so gibt es keinen Korn-zu-Korn-Kontakt mehr, der Kippenboden
hat sich verflüssigt (siehe nachfolgende Kapitel). In diesem Stadium kann der Kippenboden große De-
formationen erleiden. Ein Setzungsfließen oder ein Geländebruch infolge Verflüssigung ist dann nicht
mehr auszuschließen.
6.2
Verflüssigungsvorgänge
6.2.1
Spannungsverhältnisse im Porenraum
Ein nicht wassergesättigtes, grobkörniges Lockergestein überträgt im Korn-zu-Korn-Kontakt Spannun-
gen. Diese entsprechen dem Überlagerungsdruck und lassen sich in eine vertikale und eine horizontale
Komponente aufteilen.
Aus dem Eigengewicht des Bodens ermitteln sich die wirksamen vertikalen Spannungen
σ
zz
σ
zz
’ =
γ
x z
.
Der Erdruhedruckbeiwert drückt das Verhältnis zwischen den horizontalen und den vertikalen Span-
nungen aus.
In der Bodenmechanik wird der Erdruhedruckbeiwert über folgende empirische Beziehung ermittelt:
k
0
= 1-sin
ϕ
f
'
.
Die wirksame horizontale Spannung σ
xx
'
kann über folgende Formel aus der wirksamen vertikalen
Spannung ermittelt werden:
σ
xx
' = k
0
x
σ
zz
'
.

image
Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
39
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Im wassergesättigten Sand ist der Porenraum zwischen den Feststoffkörnern vollständig (oder zum
größten Teil) mit Wasser gefüllt. Der Wasserdruck, der dabei im unbeeinflussten Zustand vorherrscht,
entspricht dem hydrostatischen Druck, der mit zunehmender Tiefe ansteigt.
Durch das Wasser im Porenraum erfolgt eine Verminderung der wirksamen Spannungen im Lockerge-
stein. Einen Teil der Spannungen (entsprechend dem hydrostatischen Druck) wird durch das Wasser
aufgenommen. Die Körner unterhalb des Wasserspiegels stehen unter Auftrieb.
Abbildung 1:
Prinzipdarstellung der Spannungen
im Umfeld des Porenraums ([2.4.78])
Eine Darstellung der Spannungsverhältnisse im Zusammenhang mit den Porenwasserdruckverhältnissen
für den Porenraum zeigt schematisch die Abbildung 1.
Durch den hydrostatischen Druck erfolgt eine Verminderung der über den Korn-zu-Korn-Kontakt über-
tragenen wirksamen Spannungen. Die totalen Spannungen
σ
setzen sich aus einem wirksamen Span-
nungsanteil
σ
(der über das Korngerüst abgetragen wird) und den Porenwasserdruck u (der dem hydro-
statischen Druck entspricht) zusammen.
Den Zusammenhang zwischen den totalen und den wirksamen Spannungen sowie dem Porenwasser-
druck zeigt Abbildung 2.
σ
‘ =
σ
– u
(für den Fall der vollständigen Verflüssigung wird
σ
0)
Abbildung 2:
Darstellung des Zusammenhangs zwischen totalen (σ) und wirksamen (σ′) Spannungen
und dem Porendruck u
(Beziehung nach Terzaghi)
σ
u
σ

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
40
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
6.2.2
Spannungsverhältnisse im Verflüssigungsfall
Im Verflüssigungsfall entsteht im Porenraum ein Porenwasserüberdruck, der höher ist als der vorherr-
schende hydrostatische Druck. Übersteigt der Porenwasserüberdruck den Spannungsanteil der wirksa-
men Spannungen, so besteht zwischen den einzelnen Körnern kein Kontakt mehr. Eine Kraftübertra-
gung von Korn zu Korn ist somit nicht mehr möglich. In diesem Fall tritt der vollständige Verlust der
Scherfestigkeit ein und das Lockergestein verhält sich wie eine Flüssigkeit.
Vollständig verflüssigte Sande verhalten sich wie eine Suspension. Durch den Porenwasserüberdruck
werden die wirksamen Spannungen komplett aufgehoben. Der wassergesättigte Boden wird nahezu
unbegrenzt deformationsfähig.
Eine Porenwasserdruckerhöhung wird in der Praxis durch einen raschen Initialeintrag ausgelöst, also
durch eine plötzliche Änderung der Spannungs- und Druckverhältnisse im Lockergestein. Durch diesen
erhöht sich der im Porenraum des Lockergesteins vorherrschende Wasserdruck (Abbildung 1). Kann das
Lockergestein bei der gegebenen Durchlässigkeit nicht ausreichend schnell drainieren, so wirkt der Po-
renwasserüberdruck auf dessen Korngerüst. Dabei tritt eine teilweise oder vollständige Entfestigung
wassergesättigter, locker gelagerter Sande ein. Durch den im Porenraum auftretenden Porenwasserüber-
druck werden die horizontal bzw. vertikal wirksamen Spannungen des Korngefüges teilweise oder voll-
ständig aufgehoben.
Initiale, die ein Setzungsfließen auslösen können, sind:
Erschütterungen aus dem Massenabwurf bei der Kohlegewinnung (und relativ geringem
Grundwasserflurabstand) oder aus Fahrverkehr (insbesondere durch Kettenfahrzeuge),
plötzliche oder schnelle Spannungsänderungen (z. B. durch einen schnell vollzogenen Massen-
auftrag),
plötzlich auftretende Strömungskräfte (z. B. bei Rückströmung des Wassers nach Anstau durch
Wind, schnelle Wasserspiegelabsenkung),
Sackungen im Kippeninneren bei Wasseranstieg,
Zusammenbrechen von unterirdischen Hohlräumen (z. B. alte Entwässerungsstollen aus dem
ehemaligen Tiefbau oder „hängen gebliebene“ Sackungen),
lokales Böschungsversagen (z. B. Böschungsbrüche bei übersteilen Böschungen),
Lasteinträge von außen (z. B. durch Bautätigkeit),
Energieeinträge aus meteorologischen Einflüssen (Windenergieeintrag, Starkniederschläge mit
einhergehender Aufsättigung oberflächennaher Kippenbereiche),
Änderung der hydrologischen Verhältnisse (z. B. Anstieg des Wasserspiegels in der Kippe).

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
41
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
6.2.3
Vollständige Verflüssigung
Werden durch die Erhöhung des Porenwasserdruckes die wirksamen Spannungen
σ
'
vollständig aufge-
hoben, so tritt nach [2.4.75] eine vollständige Verflüssigung ein (siehe Abbildungen 1 und 2).
Um eine vollständige Verflüssigung zu bewirken, muss der Porenwasserdruck eine Größe erreichen, die
der totalen vertikalen Spannung
σ
zz
entspricht. Durch den Porenwasserüberdruck (PWÜD) werden die
wirksamen Spannungen (σ‘) aufgehoben und es können keine Reibungskräfte zwischen den Körnern
übertragen werden. Der Boden verhält sich wie eine Flüssigkeit.
Je nach den geometrischen Gegebenheiten (z. B. eine Böschung zu einem offenen Restloch und damit
ausreichende Freiheiten zum Ausfließen) kann dann eine Setzungsfließrutschung mit großen Deforma-
tionen entstehen.
Auch bei einem Vorliegen von behinderten Ausfließbedingungen oder Geländehöhenunterschieden
können sehr große Deformationen in Form von „grundbruchartigen“ Versagenserscheinungen (groß-
räumige Sackungen) auftreten („Geländeeinbrüche infolge Verflüssigung“, siehe [2.8.23]).
6.2.4
Teilverflüssigung
Ausgehend von den Spannungsverhältnissen im Porenraum tritt nach [2.4.75] eine Teilverflüssigung
ein, wenn der Porenwasserdruck z. B. die Größe der totalen Horizontalspannungen
σ
xx
erreicht bzw.
übersteigt, jedoch noch unterhalb der totalen vertikalen Spannungen liegt. In diesem Fall können keine
horizontalen Kräfte zwischen den einzelnen Körnern übertragen werden und die seitliche Stützung des
Korngefüges wird aufgehoben. In diesem undränierten Zustand können horizontale Deformationen bzw.
Verschiebungen zwischen den Einzelkörnern stattfinden.
Mit dem Eintreten von seitlichen Deformationen verringert sich auch die vertikale Stützwirkung des
Korngefüges. Es erhöht sich unter undränierten Bedingungen der Porenwasserdruck im Porenraum.
Dies wiederum bewirkt eine Verringerung des wirksamen vertikalen Spannungsanteils.
Der Übergang zur vollständigen Aufhebung der wirksamen Spannungen und damit zur totalen Verflüs-
sigung erfolgt dabei fließend.
6.2.5
Stoffeigenschaften von zur Verflüssigung neigenden Lockergesteinen
Die Empfindlichkeit von grobkörnigen Böden gegenüber einer Bodenverflüssigung hängt hauptsächlich
von der Lagerungsdichte, der Korngröße, der Gleichförmigkeit der Kornverteilung, der Kornform
(Rundungsgrad) und der Rauigkeit der Körner ab.
Einen entscheidenden Einfluss nimmt dabei die Lagerungsdichte ein. Je geringer diese ist, desto größer
ist die Empfindlichkeit des Lockergesteins gegenüber einem Festigkeitsverlust infolge Porenwasser-
druckerhöhung. Es liegen lokal meist gesicherte Erfahrungen zur Lagerungsdichte vor. Setzungsfließge-
fahr besteht z. B. in Lohsa ungefähr bei einem Dichteindex (bezogene Lagerungsdichte I
D
) von I
D
< 0,6.

image
Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
42
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Einen Hinweis auf sehr geringe Lagerungsdichten liefern Drucksondierungen. Liegen die durch Druck-
sondierungen festgestellten Spitzendruckwerte im wassergesättigten Sand bei q
c
< 1,5 kN/m², so deutet
dies auf sehr hohe Porositäten und damit geringe Lagerungsdichten hin. Als kritische spannungsabhän-
gige Porosität wird ein Wert von n > ca. 38 % bis 40 % angesehen.
Ein weiteres wesentliches Merkmal ist in der Kornverteilung des Lockergesteins zu sehen. Für sandige
Böden steht ein charakteristisches Kornband (siehe Abbildung 3) zur Verfügung, das eine Eingrenzung
für zur Verflüssigung neigende Sande vornimmt.
Abbildung 3:
Korngrößenverteilung von zur Verflüssigung neigenden Sanden
Deutlich geht aus der Abbildung 3 hervor, dass für eng gestufte Sande mit einer steil stehenden Korn-
verteilungskurve die Gefährdung gegenüber Verflüssigung deutlich höher ist als für gut abgestufte Ma-
terialgemische. Dies drückt sich in der zu Beginn des Kapitels angeführten Gleichförmigkeit des Korn-
gemisches aus (Ungleichförmigkeitsgrad U < 3).
Ebenfalls abhängig von der Kornverteilung ist die Durchlässigkeit und damit die Drainagefähigkeit des
Lockergesteins. Je nach Durchlässigkeit und Drainageeigenschaft des Kippenmaterials können Poren-
wasserüberdrücke unter bestimmten Bedingungen nicht schnell genug abgebaut werden. Es stellen sich
undrainierte Verhältnisse im Kippenkörper ein. Dies bewirkt eine Verringerung der wirksamen Span-
nungen im Korngerüst.
Rundungsgrad und Rauigkeit der Einzelkörner beeinflussen das Widerstandsverhalten des Lockerge-
steins gegen Scherbeanspruchung. Je geringer die Rauigkeit der Kornoberfläche und je höher der Run-
dungsgrad der Einzelkörner des Korngemisches ist, desto anfälliger ist das Korngemisch gegenüber
Verflüssigungserscheinungen.
Insgesamt nimmt das Zusammenspiel aller stofflichen Eigenschaften in Verbindung mit den geotechni-
schen Verhältnissen Einfluss auf das Verhalten des Lockergesteins bei auftretenden Porenwasserüber-
drücken.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
43
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
6.3
Setzungsfließen und Verflüssigungsgrundbruch
Tritt in einem Lockergestein mit den vorn beschriebenen Eigenschaften bei Wassersättigung ein genü-
gend hoher Porenwasserüberdruck auf, so kann sich bei ausreichender horizontaler Ausbreitungsfreiheit
ein Setzungsfließen entwickeln.
Mit dem Aufheben der wirksamen Spannungen im Korngerüst nimmt der Boden suspensionsartige Ei-
genschaften an. Durch den Materialzusammenbruch an der Initialstelle kann ein kollaps- und kettenre-
aktionsartiges Verhalten im Boden ausgelöst werden. Der Scherfestigkeitsverlust breitet sich im Kip-
penkörper weiter aus. Damit einhergehend erfolgt die Bewegung der nun vorhandenen Bodensuspensi-
on in Richtung Restloch. Es entsteht eine lawinenartige Bodenbewegung in Richtung Restloch – das
sogenannte Setzungsfließen. Kennzeichnend für diese Rutschungsart ist die sich unter Umständen aus-
bildende große Rückgriffweite. Setzungsfließrutschungen können mehrere Millionen Kubikmeter Kip-
penmaterial umfassen und außerordentlich weit in das Böschungshinterland eingreifen.
Wie aus den aktiven Sanierungsarbeiten bekannt ist, können solche Rutschungen über mehrere Minuten
andauern. Durch Videoaufzeichnungen, die bei den Sanierungsarbeiten am benachbarten Silbersee an-
gefertigt wurden und ein Böschungsversagen dokumentieren, ist dies auch filmisch belegt.
Auch wenn keine ausreichenden Freiheiten für ein Ausfließen der Kippe in ein Restloch vorhanden
sind, können durch Verflüssigungsprozesse sogenannte Geländebrüche infolge Verflüssigung entstehen
und unter Umständen ein größeres Schadensausmaß einnehmen.
Insbesondere ungünstige geometrische Verhältnisse, wie sie hohe steile Böschungen darstellen, in Ver-
bindung mit einem geringem Grundwasserflurabstand tragen ein hohes Verflüssigungsrisiko in sich.
Nach Beendigung der Verflüssigung lagern sich die Körner in einem dichteren Gefüge ab, so dass sich
daraus eine Volumenverringerung ergibt.
6.4
Aktueller Entwicklungsstand der Bewertung von Kippen
Der aktuelle wissenschaftliche Kenntnisstand wurde in den Beiträgen zum Fachkolloquium 4 „Boden-
verflüssigung bei Kippen des Lausitzer Braunkohlenbergbaus“ im Rahmen des Freiberger Forschungs-
forums zum 63. Berg- und Hüttenmännischen Tages am 14./15.06.2012 [2.8.22] dargestellt.
Zu nach folgend aufgezählten Schwerpunkten werden momentan Untersuchungen und Betrachtungen in
Bezug auf Verflüssigungsprozesse durchgeführt:
-
Einflüsse von Niederschlägen, Wind, Frost, Luftdruck auf das Entstehen von Verflüssigungen,
-
Untersuchungen zum 3-Phasensystem Boden, Wasser, Luft und insbesondere zum Einfluss von
Gas und Luft auf dem Ablauf von Setzungsfließvorgängen.
-
Einsatz von Dräns zur Sicherung von Objekten,
-
Hydrogeochemische Prozesse,
-
Suffosion und Sackungen,
-
Sackungsfließen (flächenhafter Grundbruch).

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
44
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Initiiert durch die LMBV erfolgen derzeit weitere Untersuchungen im Rahmen des Geotechnischen
Beirates zu Verflüssigungsvorgängen. Ebenfalls werden zur Zeit Versuche zur „schonenden“ Verdich-
tung der Kippen realisiert.
Aus bisherigen Untersuchungen zu den aufgetretenen Schadensfällen wurde erkannt, dass neben den
bekannten „klassischen“ bodenmechanischen Parametern, wie Kornverteilung, Lagerungsdichte, Run-
dungsgrad der Sandkörner auch weitere Faktoren wie Niederschläge, Frost, Wind usw. einen entschei-
denden Einfluss auf das Verflüssigungsverhalten des Kippenbodens nehmen [2.8.22]. Zusätzlich wurde
in den Untersuchungen festgestellt, dass unterhalb des Kippenwasserspiegels ein gewisser Anteil an
Porengas (0 %...10 %) noch vorhanden ist und dieser für eine Verflüssigung eine größere Rolle spielt
als bisher angenommen [2.8.22].
Die aktuell in großem Umfang betriebenen Forschungen zu Verflüssigungsprozessen wie sie zum Teil
in [2.8.22] dargestellt werden, zeigen deutlich, dass über Verhältnisse die zu Verflüssigungen führen
(vor allem bezüglich der Einwirkungen) noch keine völlig ausreichenden Kenntnisse vorliegen. Ent-
sprechend können aktuell Betrachtungen zu Initialeinträgen (im Sinne einer ausreichenden Verhinde-
rung von Verflüssigungsprozessen), wie in Kapitel 11 diskutiert, nicht abschließend geführt werden.
Aufgrund der in jüngster Vergangenheit gegangenen Geländebrüche (Sackungsfließen) infolge Verflüs-
sigung im Untergrund wurden insbesondere im Geotechnischen Beirat der LMBV unterschiedliche An-
sätze zur Bewertung von Innenkippenflächen erarbeitet.
Ein praktischer Ansatz bewertet auf Basis der bisher vorliegenden Erkenntnisse und der Auswertung der
bisher gegangenen Geländebrüche die geometrischen Gegebenheiten zusammen mit den Stoffeigen-
schaften des Kippenmaterials und den vorherrschenden hydrologischen Randbedingungen.
Es wird empirisch ein Gefährdungsfaktor für den betrachteten Kippenteilabschnitt ermittelt. Der Faktor
berücksichtigt neben den bodenphysikalischen Eigenschaften den Abstand der Kippenoberfläche zum
Grundwasser, das hydraulische Gefälle, die Neigung der Geländeoberfläche, die dazugehörige Höhen-
differenz der Geländeoberfläche und die Belastung der Kippe. Diese Parameter, Eigenschaften und Be-
dingungen werden in sogenannte
π-Faktoren
überführt, die dimensionslose (normierte) Größen darstel-
len. Der Gefährdungsfaktor kann nun für bestimmte Punkte auf der Kippe berechnet werden. Je nach
Rasterdichte ist damit die Visualisierung von besonders gefährdeten Bereichen innerhalb der Kippenflä-
che möglich (Beitrag „Erste Ergebnisse für die Bewertung von Kippen mit Gefährdungsfaktoren“
[2.8.22]). Mit dieser Auswertung ist es möglich, bisher unerkannte kritische Bereiche zu lokalisieren
und an ausgewiesenen Gefährdungspunkten zusätzliche geotechnische Berechnungen auszuführen.
Eine Interpretation der errechneten Gefährdungsfaktoren hinsichtlich sicherer oder unsicherer Kippen-
bereiche kann vorerst nicht durchgeführt werden. Zu diesem Thema wird derzeit durch die LMBV in-
tensive Forschungsarbeit betrieben.
Anhaltspunkte für die Einordnung der für den betrachteten Kippenbereich ermittelten Kenngrößen lie-
fern Gefährdungsfaktoren, die für Kippenbereiche mit bereits stattgefundenen Geländebrüche errechnet
wurden.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
45
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
7
Erkundungs- und Untersuchungsprogramme
7.1
Erkundungs- und Untersuchungsprogramm 1982/1983
Im Rahmen der Standsicherheitseinschätzung von 1982 [2.4.9] wurde ein erstes Untersuchungspro-
gramm im Bereich des östlichen Ufers bis in dessen Hinterland ausgeführt. Hierbei erfolgten die Durch-
führung von 5 Trockenbohrungen, 4 Spülbohrungen, 14 Drucksondierungen, 27 Druckdrehsondierun-
gen, 22 Drehflügelsondierungen, 10 Standard-Penetration – Tests und das Anlegen von 5 Schürfen.
Mit dieser ersten größeren Untersuchungskampagne wurden die vorhandenen bodenmechanischen Ver-
hältnisse am östlichen Uferbereich des Knappensees erkundet und bestimmt.
Die Proben aus den angelegten Schürfen zeigen einen Feinkorngehalt (d < 0,063 mm) von < 15 % mit
Ungleichförmigkeitszahlen bei den reinen Sanden von U < 3,0. Die Kornverteilungskurven liegen meist
völlig im für ein Setzungsfließen kritischen Kornbereich. Die natürlichen Porenzahlen liegen im Bereich
zwischen e
n
= 0,60 … 0,84, wobei die kleinsten Werte eindeutig Spülkippen zugeordnet werden können.
Die Lagerungsdichten der erkundeten Kippenböden weisen eine überwiegend lockere Lagerung aus. Die
Spülkippen zeigen in der Regel mitteldichte Lagerungen.
Die durchgeführten Sondierungen charakterisieren die vorhandenen Kippenverhältnisse am Ostufer des
Knappensees wie folgt [2.4.9]:
-
Förderbrückenkippe, gering überdeckt, geringste Lagerungsdichten,
-
Förderbrückenkippe mit 20 m … 24 m Absetzerüberlagerung, die Absetzerkippen sind dabei
etwas dichter gelagert, die lockere Lagerung beginnt im Niveau des Grundwasserspiegels mit
der Förderbrückenkippe,
-
Förderbrückenkippe durch geringmächtige Spülkippe (dichter gelagert) überlagert,
-
Förderbrückenkippe, die von Spülkippe und geringmächtigerer Absetzerkippe überlagert ist,
-
Spülkippe von Absetzerkippe überlagert,
-
Spülkippe.
Nach Auswertung der Kornverteilungen und einem Vergleich mit dem Kornband von zu Setzungsflie-
ßen neigendem Material ist der vorhandene Kippenboden als verflüssigungsempfindlich anzusprechen.
In den Uferbereichen G und S sind extrem lockere Lagerungen der Kippen vorzufinden.
Im Einzelnen sind die Lagerungsdichten der vorhandenen Kippenmateralien wie folgt nachgewiesen
worden:
-
extrem lockere Lagerung am Koblenzer Strand und in der Umgebung des Aufschlusses 403/84
(Untersuchungsbereich G),
-
lockere Lagerung am Nordostufer mit Hinterland
(Untersuchungsbereiche S und T),
-
lockere bis mitteldichte Lagerung am Nordstrand
(Untersuchungsbereich U).

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
46
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Zwischen den Lagerungsdichten und der Technologie der Herstellung der Kippen konnten folgende
Zusammenhänge näherungsweise abgeleitet werden:
-
Der Koblenzer Strand ist Pflugkippenbereich
(Untersuchungsbereich G).
-
Nordstrand, Bootsvereine und Feriensiedlung Maukendorf sind Spülkippenbereiche
(Untersuchungsbereich U).
-
Das Nordostufer mit Hinterland ist Brücken- bzw. Absetzerkippenbereich
(Untersuchungsbereiche G, S und T).
Die Laboruntersuchungen zeigen folgendes Bild (an einer im Mittel als repräsentativ zu wertenden
Probe):
-
Die mobilisierbare Scherfestigkeit fällt mit wachsender Porosität erheblich ab.
-
Anisotrope Konsolidation lässt aufgrund des starken Porenwasserdruckanstiegs keinen merkli-
chen Festigkeitsgewinn mehr erwarten, d.h. auf die in-situ-Verhältnisse übertragen, jede Span-
nungserhöhung und -umlagerung durch äußere Initiale kann zu einem Setzungsfließen führen.
-
Die Untersuchungen an Proben unter Spannungszuständen, die etwa den Verhältnissen in situ
entsprechen, führen in Abhängigkeit vom Hauptspannungsverhältnis auf mobilisierbare Rei-
bungswinkel von 19° bis 25°.
Anhand der durchgeführten Erkundungen und Laboruntersuchungen wird in [2.4.11] eingeschätzt, dass
der gesamte Ufersaum des Ost- und Nordufers verflüssigungsgefährdet ist.
7.2
Erkundungs- und Untersuchungsprogramm 1987
Im Vorfeld der Standsicherheitsuntersuchung für die Bewertung der West-, Südufer, Inselbereiche und
Bereich Jugendtouristhotel des Knappensees bei Hoyerswerda erfolgten durch die Bergsicherung Cott-
bus (einschließlich Unterauftragnehmer) die Durchführung von Feld- und Laboruntersuchungen und
eine Auswertung der vorhandenen Verhältnisse bis hin zu einer Beurteilung des vorhandenen Gefähr-
dungsgrades [2.7.10].
Anhand der Untersuchungsergebnisse können die in Tabelle 2 aufgezeigten Verhältnisse an den West-
und Süduferbereichen abgleitet werden.
Die Ergebnisse der 1986 ausgeführten und 1987 ausgewerteten Untersuchungen zeigen deutlich, dass
für das West- und Südufer im Bereich der Kippen ebenfalls eine Setzungsfließgefahr besteht.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
47
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Tabelle 2:
Ergebnisse des Erkundungs- und Untersuchungsprogrammes 1987
Abschnitt
Bewertungskriterium
Ausbildung
Bewertung
Kornverteilung (Feinkornanteil)
< 10 %
Kornform
rund
Lagerungsdichte
locker bis sehr locker
Bereich C
Wasserstandsverhältnis in Kip-
penböschung (H
W
/H
R
)
0,76 – 0,96
stark
setzungfließgefährdet
Kornverteilung
vereinzelt Schluff und
Ton, separat vorliegend
Lagerungsdichte
(Handkippe bis 4 – 5m Tiefe)
sehr locker
Lagerungsdichte
(> 5 m Tiefe, Wechsellagerung
Spülkippe)
locker,
partiell bis mitteldicht
Bereich D
Wasserstandsverhältnis in Kip-
penböschung (H
WK
/H
K
)
0,67 – 0,92
setzungfließgefährdet bis
bedingt setzungfließgefährdet
Kornverteilung
toniger Sand bis Sand
Lagerungsdichte
(bis 15,5 m Tiefe)
locker
Lagerungsdichte
(> 15,5 m Tiefe)
mitteldicht
Bereich F
Wasserstandsverhältnis in Kip-
penböschung (H
W
/H
R
)
0,76 – 0,96
bedingt
setzungfließgefährdet
7.3
Schwingungsmessungen
Infolge der Ergebnisse der Standsicherheitseinschätzung Ende der 1980er Jahre [2.4.23] wurde wegen
fehlender Sicherungstechnologien vorrangig auf das Vermeiden von Verflüssigungen auslösender Initia-
le zur Minimierung der Gefährdung abgezielt. Die möglichen Gefährdungen wurden überwiegend nur
als Schwerpunkte verbal definiert. Auch Anfang der 1990er Jahre wurde weiterführend nur der Sach-
verhalt der Vermeidung des Auftretens von Verflüssigungen auslösenden Initialen verfolgt. Deshalb
wurde Mitte der 1990er Jahre begonnen, Initialversuche und Schwingungsmessungen zur Verifizierung
der Festlegung von Verhaltensanforderungen durchzuführen.
Erste Versuche erfolgten mittels einer Vibrationswalze und einer messtechnischen Erfassung durch
Schwingungsmessungen [2.4.31]. Die Versuche erfolgten im Bereich des Koblenzer Strandes (Ab-
schnitt G Süd). Infolge wurden als zulässig erachtete Schwinggeschwindigkeiten abgeleitet. Eine Be-
wertung dieser ersten Versuchsreihe zu Initialeinträgen durch einen Sachverständigen für Böschungen
kam jedoch zu dem Schluss, dass die Ergebnisse als noch nicht repräsentativ angesehen werden konn-
ten. Es wurde in [2.4.32] empfohlen die Versuche zu wiederholen.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
48
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
7.4
Baugrunderkundungen
Wasserrutsche Groß Särchen - 1996
Das betrachtete Gebiet befindet sich am Außenrand des Untersuchungsbereiches E innerhalb des
Strandbades Groß Särchen, ca. 60 m südlich der Uferlinie des Knappensees (Anlage 6/11). Im geplanten
Areal einer Wasserrutsche wurden drei Schwere Rammsondierungen 301/96 - 303/96 und drei Tro-
ckenbohrungen 201/96b - 203/96 bis ca. 7 m Tiefe niedergebracht [2.4.33].
Der untersuchte Bereich befindet sich auf gewachsenem Untergrund. Die Geländehöhe beträgt
ca. +129,00 m NHN. Unterhalb einer maximal 0,3 m mächtigen Bedeckung durch Mutterboden sind bis
0,9 m unter Gelände holozäne Sedimente verbreitet, die sich aus nicht bis schwach schluffigen, zum
Teil humos durchsetzten Fein- bis Mittelsanden zusammensetzen. Diese werden von Talsanden unterla-
gert, die bis > 7 m unter Gelände ausgebildet sind. Die Talsande bestehen überwiegend aus enggestuften
Mittelsanden. Lokal sind schwach bis stark schluffige Fein- und Mittelsande sowie humose Feinsande
anzutreffen.
Entsprechend der n
10
- Werte der Schweren Rammsonde wurden im Teufenbereich bis 6 m mitteldichte
Lagerungsverhältnisse nachgewiesen. Unter Beachtung des höchsten Stauzieles für den Knappensee ist
im betrachteten Gebiet für den ungünstigsten Fall ein Grundwasserstand von
1,3 m unter Gelände zu
prognostizieren.
Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass für die beabsichtigte Baumaßnahme ab 0,9 m unter Gelände
ein tragfähiger Baugrund vorhanden ist. Die Sondierprofile sind für die Setzungsfließproblematik nicht
relevant.
Brücke Schwarzwasser Groß Särchen - 1997
Der untersuchte Bereich befindet sich am Außenrand des Untersuchungsbereiches E im Mündungsbe-
reich des Schwarzwassers bei Groß Särchen auf gewachsenem Untergrund. Das Sondierungsprofil
201/97 ist bis 3,9 m Teufe durch Flussablagerungen geprägt und trifft anschließend ab +121,50 m NHN
auf mitteldicht gelagerte Fein- und Mittelsande bis zur Aufschlusstiefe von 5 m. Im Profil 202/97 folgen
unterhalb eines 1 m mächtigen organogenen Mittelsandes bis zur Aufschlusstiefe von 4 m Fein- und
Mittelsande mit mitteldichter bis dichter Lagerung [2.4.34].
Die Sondierprofile sind hier ebenfalls für die Setzungsfließproblematik nicht relevant.
Nordstrand zwischen den Feriensiedlungen Maukendorf und Knappensee - 1997
Der Nordstrand zwischen den Feriensiedlungen Maukendorf und Knappensee ist in die Untersuchungs-
bereiche T und U unterteilt. Dabei wird der Bereich T von der Spülkippe 2 (Betriebszeit 1939 bis 1942)
und der Bereich U von der Spülkippe 1 (Betriebszeit 1936/37) geprägt. Die nördlich der Spülkippe lie-
gende Hochkippe ist auf dem gewachsenen Boden aufgesattelt.
Die Untersuchungskampagne 1997 am Nordstrand des Knappensees war durch die Zielstellung be-
stimmt, die Baugrundverhältnisse für die Verlegung von Schmutzwasser- und Trinkwasserleitungen und
für den grundhaften Ausbau einer Straße zu ermitteln. Dazu wurden 17 Rammkernsondierungen mit
Aufschlusstiefen zwischen 2 m und 4 m niedergebracht sowie 4 leichte Rammsondierungen zwischen
3 m und 4 m Teufe gestoßen [2.4.35].
Die Feld- und Laborergebnisse bestätigen die bereits in [2.4.30] getroffenen Feststellungen.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
49
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Die Grundwasserstände in Strandnähe entsprechen etwa dem Wasserstand im Knappensee. Material-
proben zeigen Kornverteilungen mit verflüssigungsgefährdeten Kornspektren. Im Strandbereich wird
lokal eine lockere bis sehr lockere Lagerung angetroffen.
Damit ist in diesem Bereich eine Verflüssigungsgefahr der anstehenden Spülkippen gegeben. Die flä-
chenhafte mitteldichte Lagerung der pleistozänen Sande verringert jedoch das Risiko des Auftretens
einer Setzungsfließrutschung erheblich. Die Unterwasserböschungen sind mit 2° bis 4° sehr flach aus-
gebildet. Damit kommen als Ursache für mögliche Rutschungen nur ungewohnt hohe Erschütterungs-
einträge in den Boden in Frage.
7.5
Erkundungs- und Untersuchungsprogramm 2000
Lotungen
Lotungen wurden für 16 Profile durchgeführt. Mit diesen Untersuchungen wurden die bereits früher
getroffenen Einschätzungen bezüglich der Ausbildung der Unterwasserböschungen bestätigt. Die infol-
ge der Spültechnologie entstandenen steileren Böschungen im Unterwasserbereich am ehemaligen
Steilufer sind weiterhin anzutreffen. Im Inselbereich sind ebenfalls steilere Unterwasserböschungen
vorhanden. Wesentliche zeitliche Veränderungen im Profil des Seebodens - insbesondere Abflachungen
größerer Dimensionen - können nicht abgeleitet werden.
Felduntersuchungen und Erkundungsaufschlüsse
Zur Beurteilung der zu dieser Zeit vorhandenen geotechnischen Situation am Restloch Knappensee
wurden zusätzliche Erkundungsmaßnahmen sowie Labor- und Feldprüfungen durchgeführt [2.7.11],
[2.7.12] und [2.7.13].
Die Ausführung der Sondierungen erfolgte im Bereich bereits definierter Schnittspuren sowie in Nähe
bereits früher erkundeter Bereiche.
Zur Verifizierung der bisherigen Untersuchungsergebnisse wurden nachstehende Feld- und Laborunter-
suchungen durchgeführt:
-
16
Drucksondierungen, davon fünf mit der tragbaren Drucksonde,
-
3
radiometrische Kombinationsdrucksondierungen und
-
13
Rammkernsondierungen mit 29 Probenahmen zur Ermittlung der Kornverteilungen
und einzelner Glühverluste.
Ergebnisse Drucksondierungen
Aus den in wesentlichen Kippenbereichen ermittelten Spitzendruckwerten q
c
zwischen 2,0 MN/m² und
4,0 MN/m² wird ein Dichteindex I
D
zwischen 0,20 und 0,37 abgeleitet. Am Koblenzer Strand liegen
auch Werte q
c
< 2,0 MN/m² vor. Mit lokalen Ausnahmen ist damit der Kippenboden sehr locker bis
locker gelagert. Es ist von einer gut abgerundeten Kornform auszugehen. Aus den Kornverteilungen ist
ein verflüssigungsgefährdetes Kornspektrum abzuleiten.
Die Ergebnisse der früheren Untersuchungskampagnen wurden grundsätzlich bestätigt.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
50
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Bereich U
Im Untersuchungsbereich U wurden mittlere Spitzendrücke über die gesamte Sondierteufe der sandigen
Partien mit mittleren Werten q
c
von 4,0 MN/m² bis 6,0 MN/m² ermittelt. Im Hinterland sind in den tie-
feren Bereichen höhere Werte ermittelt worden. Der Porenanteil n liegt bei ca. 0,35. Damit ist von einer
lockeren bis mitteldichten Lagerung in der Spülkippe auszugehen. Die Spülkippe besteht überwiegend
aus Sanden bis schwach schluffigen Sanden mit einem maximalen Feinkornanteil von 10 %
Bereich T
Es konnte ein stark inhomogener Aufbau mit lockerer Lagerung nachgewiesen werden. Die Werte der
Spitzendrücke q
c
betragen über die gesamte Sondiertiefe zwischen 2,0 MN/m² und 4,0 MN/m². Der
Porenanteil n liegt bei ca. 0,35. Auch hier liegen mit der Teufe wachsend höhere Werte im Hinterland
vor. Der Feinkornanteil wächst mit der Teufe von ca. 10 % auf ca. 20 %.
Bereich G
Es konnten über die gesamte Sondiertiefe Werte von q
c
zwischen 2,0 MN/m² und 4,0 MN/m² ermittelt
werden. Im oberflächennahen Bereich bis ca. 3 m werden Spitzendrücke von q
c
4,0 MN/m² erreicht,
die teilweise auf Böden mit einem Feinkornanteil von > 30 % bezogen sind. In Teufen zwischen 6 m
und 8 m fallen die Spitzendrücke auf Werte q
c
1,5 MN/m² ab. Der Porenanteil n liegt hier bei ca. 0,4.
Damit liegt eine sehr lockere bis lockere Lagerungsdichte mit einem Feinkornanteil von ca. 10 % vor.
Der Feinkornanteil bleibt in dieser Größenordnung bis zum Liegenden bestehen.
Restloch 0815/1
Im ehemaligen Restloch 015/1 (Untersuchungsgebiet F) liegen im Mittel geringe Spitzendruckwerte q
c
zwischen 2,0 MN/m² und 4,0 MN/m² vor. Die zur Sicherung aufgeschobenen trockenen Massen errei-
chen Spitzendruckwerte q
c
bis 8,0 MN/m².
Kennwerte
In Ableitung der Untersuchungen können für die vorhandenen Kippenböden die in Tabelle 3 aufgeführ-
ten Rechenwerte von den Kennwerten abgeleitet werden.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
51
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Tabelle 3:
Rechenwerte des Kippenmischbodens
Kenngröße
ME
Rechenwert
Kippe unverdichtet, über dem Grundwasserspiegel
ϕ´
°
33
kN/m²
3,0
γ
kN/m³
17,0
Kippe unverdichtet, unter dem Grundwasserspiegel
ϕ
r,u
°
0
kN/m²
0
γ´
kN/m³
10,0
Kippe verdichtet ( q
c
8,0 MN/m²)
ϕ´
°
37
kN/m²
0
γ
kN/m³
18,5
γ´
kN/m³
11,0
7.6
Gefrierkernentnahme und -untersuchung, Belastungsversuche,
2001/2002
Zielstellung der Untersuchungen war die Bewertung der Verflüssigungsneigung der im Bereich des
Koblenzer Strandes (Abschnitt G und Übergang zu Abschnitt D Ost) anstehenden Kippenmaterialien.
Folgende Verhältnisse konnten durch die Feld- und Laborversuche erkannt werden:
-
Die Kornverteilungen liegen vollständig im verflüssigungsgefährdeten Kornspektrum.
-
Alle Proben weisen einen Feinkornanteil von < 30 % auf.
-
Die Kornform kann als abgerundet bezeichnet werden.
-
Die Spitzendrücke der Sondierungen zeigen im wassergesättigten Bereich sehr lockere bis lo-
ckere Lagerung.
-
Verhältnisse, die auf eine akute Setzungsfließgefahr hindeuten, sind eindeutig vorhanden.
-
Es besteht für die vorhandenen Verhältnisse eine Gefahr bezüglich Böschungs- und Grundbrü-
chen, wenn ausreichend starke Initiale in die Kippe eingetragen werden.
Die Auswertung der für die Bewertung der erforderlichen Initiale erfolgten Belastungsversuche sowie
deren Bewertung im Hinblick auf die Ergebnisse der Gefrierkernuntersuchungen sind in [2.7.15] er-
sichtlich.
Für Standsicherheitsuntersuchungen wurden die in folgender Tabelle aufgeführten Berechnungskenn-
werte abgeleitet [2.7.15].

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
52
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Tabelle 4:
Berechnungskennwerte aus [2.7.15]
Nr.
Material
Kenngröße
Zeichen
ME
Wert
wirksamer Reibungswin-
kel
φ’
°
33,0
wirksame Kohäsion
c’
kN/m³
0,0
1
erdfeuchte Kippe, über dem
Grundwasserspiegel, nicht verflüs-
sigt
Wichte
γ'
kN/m³
16,0
modifizierter Bruchrei-
bungswinkel
mod φ
f
°
26,9
modifizierter Gleitrei-
bungswinkel
mod φ
R
°
15,8
2
gesättigte Kippe, Absetzerkippe
und Übergangsbereich Absetzer-
/AFB-Kippe, verflüssigt, mittlerer
kohliger Anteil
Wichte
γ'
kN/m³
8,2
modifizierter Bruchrei-
bungswinkel
mod φ
f
°
13,9
modifizierter Gleitrei-
bungswinkel
mod φ
R
°
8,0
3
gesättigte Kippe, AFB-Kippe,
verflüssigt, mittlerer kohliger
Anteil
Wichte
γ'
kN/m³
8,5
modifizierter Bruchrei-
bungswinkel
mod φ
f
°
25,7
4
gesättigte Kippe, Absetzerkippe
und Übergangsbereich Absetzer-
/AFB-Kippe, verflüssigt, geringer
kohliger Anteil (V
GL
< 3%)
modifizierter Gleitrei-
bungswinkel
mod φ
R
°
3,7
modifizierter Bruchrei-
bungswinkel
mod φ
f
°
12,2
5
gesättigte Kippe, AFB-Kippe,
verflüssigt, geringer kohliger An-
teil (V
GL
< 3%)
modifizierter Gleitrei-
bungswinkel
mod φ
R
°
0,5
Die Belastungsversuche erfolgten mittels Vibrationswalze an drei repräsentativen Messprofilen. Im
Ergebnis der Belastungsversuche wurde definiert [2.7.15], dass die rechnerische Standsicherheit der
Uferböschungen unzureichend ist, wenn die ungünstigen an den Gefrierkernproben mit geringen kohli-
gen Anteilen bestimmten modifizierten Gleitreibungswinkel maßgebend sind. Wird ein ausreichend
starkes, größeres als das nutzungsspezifische Initial (Befahren mittels gummibereiften Fahrzeugen)
eingetragen, so sind eine Verflüssigung der Kippenböden und ein Setzungsfließen nicht auszuschließen.
Die Verhaltensanforderungen sind strikt einzuhalten, um den Initialeintrag auf das „nutzungsspezifische
Initial“ zu begrenzen.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
53
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
7.7
Erkundung- und Verwahrung von Altstrecken 1977 und 2006 / 2007
Das Zusammenbrechen von nicht ausreichend verwahrten oder gänzlich unverwahrten vom Bergbau
hinterlassenen unterirdischen Hohlräumen stellt einen Initialeintrag für Verflüssigungsvorgänge dar. In
deren Folge können Setzungsfließrutschungen auftreten. Deshalb kommt der Erkundung und Verwah-
rung sowie der Bewertung von Altstrecken eine große Bedeutung zu. Eine Betrachtung zu Bruchwahr-
scheinlichkeit ist in [2.4.36] geführt worden. Im Ergebnis der dort geführten Analysen ist im Bereich
von unzureichend verwahrten ehemaligen Entwässerungsstrecken von einer Tagesbruchgefahr auszuge-
hen.
Die ungefähre Breite der ehemaligen Entwässerungsstecken betrug 0,9 m ... 1,6 m und die ungefähre
Höhe ca. 1,5 m ... 1,8 m. Bei einem Liegenden der Kohle von +102,00 m NHN ist das Höhenniveau der
Firste möglicher Hohlräume bei ca. +103,50 m NHN ... +103,80 m NHN zu erwarten.
Frühere Verwahrmaßnahmen wurden im Jahre 1977 durchgeführt. Hierfür wurde die Altbergbausituati-
on im Bereich des Seesportclubs über 17 Bohrungen erkundet [2.6.1]. Es wurden Hohlräume nachge-
wiesen, die mittels Braunkohlenfilterasche verwahrt wurden. Der theoretische Versatzgrad erreichte
45 %.
Eine Bewertung zur vorhandenen Situation ist in [2.4.62] geführt. So wurden im Auftrag des Oberberg-
amtes in Freiberg im April 2003 im unmittelbaren Umfeld des Vereinshauses Erkundungsbohrungen auf
die vorgenannten Entwässerungsstrecken durchgeführt. Im Ergebnis konnte ein ausreichender Versatz
der Strecken im Bereich des Geländes des Seesportclubs dokumentiert werden.
Für die Bewertung der Altstrecken im Bereich von D Ost und D West wurden insgesamt 22 Druckson-
dierungen mit 526,04 Sondiermetern abgeteuft. Mit insgesamt 17 der 22 Drucksondierungen wurde der
Tiefenbereich vermuteter Hohlräume bzw. das Liegende der Braunkohle erreicht. Vier Sondierungen
endeten im Tiefenbereich von +105,50 m NHN bis +104,14 m NHN.
Bei der Erkundung wurden an den Aufschlusspunkten der Sondierungen keine Hohlräume angetroffen.
Bei den Erkundungen konnten innerhalb der verkippten Bereiche folgende Verhältnisse abgeleitet wer-
den:
„Im Bereich der Tagebaukippen - insbesondere der oberflächennahen, wassergesättigten Pflugkippe -
wurde lockere bis sehr lockere Lagerungsdichte festgestellt. Daher sind auch nach der langen Liegezeit
der Kippen von über 70 Jahren bei ausreichendem Initialeintrag Bodenverflüssigungen und in Bö-
schungsbereichen Setzungsfließrutschungen nicht auszuschließen“ [2.4.62].
7.8
Feld- und Laboruntersuchungen 2005
Im Rahmen der Betrachtung [2.4.50] zur Wirksamkeit früherer Maßnahmen sowie Ableitung weiterer
Arbeiten erfolgte die Ausführung von Feld- und Laboruntersuchungen am Knappensee.
Für die Erkundung der Lagerungsverhältnisse sowie die Bewertung der Trittsicherheit erfolgte die Aus-
führung von 24 Rammsondierungen (DPL-5). Weiterhin wurden in der Nähe der Ansatzpunkte der
Rammsondierungen Untersuchungen mittels einer Trittplatte (Belastung einer Platte mittels Fallgewicht
von 10 kg mit jeweils 5 Schlägen aus 50 cm Höhe) ausgeführt. Als Ergebnis in [2.4.50] wird eine Tritt-
sicherheit durch eine trittfeste obere Bodenschicht festgestellt. Jedoch besteht wegen der teilweise sehr
lockeren Lagerung der unter der trittsicheren Schicht anstehenden Kippensande vom Grundsatz her
Setzungsfließgefahr, insbesondere beim Eintrag starker Initiale.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
54
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
7.9
Feld- und Laboruntersuchungen 2008
Im Rahmen der geotechnischen Vorplanung zu Gefahrenabwehrmaßnahmen [2.4.66] erfolgten zur Veri-
fizierung der Kippenverhältnisse Rammkernsondierungen mit der leichten Rammsonde in den Uferbe-
reichen A, D, E und G.
Im südlichen Bereich des Uferabschnittes A wurden bis an den restlochseitigen Dammfuß des Mauken-
dorfer Absperrdammes Kippenmaterialien mit einer Mächtigkeit von 4 m bis 7 m erkundet. Die Materi-
alien weisen eine sehr lockere Lagerung auf. Für das Gelände um das Auslaufbauwerk konnte gewach-
sener Untergrund sowie verdichtete Auffüllung nachgewiesen werden.
Am Zulauf Koblenz im Abschnitt D Ost erfolgte die Durchführung einer Rammsondierung, die unter
einem 1,3 m mächtigen, oberflächigen Horizont einen locker bis sehr locker gelagerten Kippenhorizont
in einer Tiefenlage von 3,9 m bis 7,8 m aufzeigte. Darunter folgten bis zur Sondierendteufe dichter ge-
lagerte Kippenmateralien, die vermutlich aus einer Spülkippe resultieren.
Weiterhin erfolgten im Uferbereich des Abschnittes E, westlich des Zulaufs Schwarzwasser aus Groß
Särchen, im Bereich der späteren Einsetzstelle, die Ausführung von Rammsondierungen. Es konnte eine
Wechsellagerung aus gewachsenen Sanden mit variierendem Feinkornanteil und bindigen Böden nach-
gewiesen werden.
Die Hochkippe im Bereich des östlichen Ufers wurde in den Uferabschnitten S Süd und G Nord mittels
zwei Rammkernsondierungen erkundet. Angetroffen wurden hierbei gekippte Böden in wechselnder
Folge. Sie bestehen aus Fein- und Mittelsanden mit unterschiedlichen bindigen Bestandteilen und orga-
nischen Beimengungen sowie Zwischenlagen aus Schluff, teilweise Braunkohleschluff. An einer Probe
der Hochkippe wurde die Korngrößenverteilung bestimmt. Der Korngrößenanteil d < 0,063 mm beträgt
17 %. Das Material selbst ist als Fein- und Mittelsand, schluffig, anzusprechen.
7.10
Felduntersuchungen 2009
In der Fortschreibung der Planungen (Entwurfs- und Genehmigungsplanung sowie Ausführungspla-
nung) für den Bereich A und B Nord ([2.4.67] und [2.4.68]) wurden zur Erkundung des hinterlandseiti-
gen Dammuntergrundes zusätzlich insgesamt 6 leichte Rammsondierungen (DIN 4094, DPL 5) nieder-
gebracht.
Aus den Ergebnissen der Rammsondierungen lassen sich folgende Erkenntnisse zum Aufbau des Unter-
grundes am hinterlandseitigen Dammfuß des Maukendorfer Randdammes ableiten. Die Sondierwider-
stände weisen eine mitteldichte bis dichte Lagerung der anstehenden Böden nach. Die Mächtigkeiten
der Auffüllung variieren zwischen 0,6 m und 4,0 m. Das Gewachsene am westlichen Dammfuß befindet
sich etwa im Höhenniveau +125,00 m NHN … +126,00 m NHN.
Anhand der Ergebnisse der Rammsondierungen wird eingeschätzt, dass die Bundesstraße B 96 auf
gewachsenem Boden gegründet ist.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
55
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
7.11
Felderkundungen 2012
Zur Verifizierung der Kippenverhältnisse sowie der Grenze Gewachsen / Verkippt im Bereich des Kob-
lenzer Grabens wurden Rammsondierungen (Leichte Rammsonde DPL 5) durchgeführt [2.4.85].
Die Sondierergebnisse zeigen generell im Teufenbereich von 0,0 m bis ca. 6,0 m bis 7,0 m eine lockere
bis sehr lockere Kippenlagerung. Die vorhandene Berme des Tagebausüdrandes kann in einem Tiefen-
niveau von +121,00 m NHN bis +120,00 m NHN nachgewiesen werden. Die Grenze Gewachsenes /
Kippe ist bezüglich der Schlagzahlen und Dichteverhältnisse scharf ausgebildet. Damit ist ersichtlich,
dass in diesem Bereich der erfolgten Erkundung keine Beeinflussungen durch Spülkippen vorhanden
sind. Die Böschung zwischen Berme und Kohlefreilegung befindet sich zwischen RS 12 und RS 11. Die
Rammsondierungen nördlich der Tagebauberme zeigen die ca. 7,0 m mächtige Pflugkippe und unterla-
gernd die AFB-Kippe. In einem Teufenniveau von größer 15,0 m können anhand der Erkundungsergeb-
nisse im Bereich des ehemaligen Restloches B eingespülte Massen mit einer dichteren Lagerung als die
der AFB-Kippe vermutet werden. Jedoch weisen die Lagerungsdichten keine mitteldichten Verhältnisse
auf. Folglich können anhand der durchgeführten Erkundung keine Bereiche ausgehalten werden, die
von einer Sicherung (Verdichtung) auszunehmen wären.
Zur Bewertung der Bebauung Landhotel und Gasthaus Haink wurden 2012 Erkundungsaufschlüsse in
Form von Druck- und Rammsondierungen sowie Schürfen ausgeführt. Die Korngrößenverteilungen der
untersuchten und vorhandenen Kippenböden liegen fast vollständig im verflüssigungsgefährdeten Korn-
spektrum. Der Feinkornanteil (d
0,063 mm) beträgt in der Regel
10 %. Weiterhin sind lockere bis
sehr lockere Lagerungen der Kippensande ermittelt worden. Bisherige Annahmen der Verflüssigungsge-
fährdung des Kippenuntergrundes im Bereich der Hotelanlage werden somit bestätigt.
Die Gebäudegründungen liegen nur ca. 0,4 m unter GOK. Die Gebäudegründung entspricht hinsichtlich
ihrer Tiefe und Ausführung nicht dem anerkannten Stand der Technik. Es liegt weder eine ausreichende
Einbindetiefe in den Baugrund vor, noch ist die Gründung frostsicher.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
56
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
8
Geotechnische Verhältnisse
8.1
Geschichtlicher Abriss / Chronologie der Untersuchungen / Maßnahmen
1914 bis 1945
Tagebau Werminghoff I (Beschreibung siehe Kapitel 4.1),
1949 / 1950
Gutachten zur Standsicherheit der Uferböschungen für das
Hochwasserrückhaltebecken Werminghoff I [2.4.3], [2.4.4], [2.4.5], [2.4.6],
Ab 1960 er Jahre
Betrachtungen zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit,
1967 / 68
Aufforderung der Wasserwirtschaftsdirektion seitens der Bergbehörde zur Ver-
anlassung der Erstellung eines Gutachtens über die Standsicherheitsverhältnis-
se,
1977
Verwahrmaßnahmen Altbergbau im Bereich des Südufers,
1980 er Jahre
Standsicherheitsuntersuchungen und Maßnahmen,
1980
Bergschadenkundliche Analyse des ehemaligen Braunkohlenwerkes „Wer-
minghoff“, 1983 Ergänzung,
1982
Bildung Operativstab Knappensee – Bergsicherung Cottbus
Sperrung Steil-
böschungsbereich (Räumung Zeltplatz), wasserseitige Absperrung durch Bojen,
Gefährdungsbereiche Maukendorfer Strand, Steilböschung und Koblenzer
Strand,
1982
Vorläufige Standsicherheitseinschätzung Tagebaurestloch Knappensee (mit
großer Erkundungs- und Untersuchungskampagne) für das Ost- und Nordufer,
1983
Standsicherheitseinschätzung in Ergänzung der Einschätzung vom 10.05.1982,
ab November 1984
Vorbereitungen Sanierung Steiluferbereich,
1985
Sanierung Steiluferbereich Knappensee – Hydromechanische Abflachung,
1986
Wiederurbarmachung des abgespülten Steilkippenbereiches,
1987
Feld- und Laboruntersuchung der West- und Südufer,
1988
Standsicherheitseinschätzung West- und Südufer, Inseln und RL 0815/1,
1989
Großtechnischer Versuch zur Spültechnologie am Restloch 0815/1,
1989/1990
Schließung RL 0815/1 durch Abspülung Hochkippe,
1990
Wiedervereinigung Deutschlands, Überführung der Zuständigkeit und Verant-
wortung für den Knappensee auf den Freistaat Sachsen,
1995
Sicherungsmaßnahmen im Bereich des Restloches Koblenzer Straße,
1996
Schwingungsmessung Vibrationswalze Koblenzer Strand,
2000
Standsicherheitsuntersuchungen, Beurteilung der geotechnischen Situation und
Vorschlag von Maßnahmen zur endgültigen Sicherheit des Uferbereiches und
der Inseln des Knappensees (Tagebau Werminghoff I),

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
57
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
2004
Rutschung Koblenzer Straße, Verfüllung RL und Rutschungskessel,
2005
Bewertung der vorhandenen Situation (Wirksamkeit früherer Maßnahmen),
2006
Verfüllung RL 0815/1, Teilfläche 1
Sicherung Campingplatz am Nordufer 2006,
2006/2007
Erkundung und Bewertung Altbergbausituation am Südufer,
2007
Schutzgrabenbaggerung,
2008
Geotechnische Vorplanung zu Sanierungsmaßnahmen,
2009
Entwurfs- und Genehmigungsplanung, Ausführungsplanung für die Bereiche A
und B Nord,
2009/2010
Verfüllung RL 0815/1, Teilfläche 2, Abriss Hotel „ Am Knappensee“,
Herstellung Trittsicherheit mittels LRDV und Uferprofilierung Bereich E,
2011
Sofortmaßnahmen aufgrund aktueller Rutschungs- und Grundbruchereignisse
Installation eines Porenwasserdrucküberwachungssystems an der K 9207,
2011 / 2012
Entwurfs- und Genehmigungsplanung für die Bereiche G, S, T.
8.2
Standsicherheitsuntersuchungen
8.2.1
Standsicherheitsuntersuchungen der 1950er Jahre
Erste Ausführungen zu den Standsicherheitsverhältnissen am Knappensee sind bereits Ende der 1940er
bis Anfang der 1950er Jahre zu finden. Im Jahr 1949 erfolgte die Erstellung eines Gutachtens für die
Standsicherheitssituation am Hochwasser-Rückhaltebecken-Tagebau I, Werminghoff [2.4.3]. Hierbei
erfolgte die Betrachtung der für die Staubeckennutzung erforderlichen Anforderungen für einen geplan-
ten Wasserspiegel von +127,0 m NN im Maximum und +120,0 m NN im Minimum. In der Analyse
wird hierbei die große Rutschung der 1930er Jahre als ein Setzungsfließen charakterisiert. Weiterhin
wurde gefolgert, dass dringend Sicherungsmaßnahmen erforderlich wären.
Für die Gestaltung des Speicherbeckens erfolgte mit [2.4.4] 1950 eine Standsicherheitsbetrachtung
durch J. Ohde zu den westlichen Randdämmen. In der Betrachtung werden dabei die Gefährdungen von
Verflüssigungen von den locker aufgeschütteten Kippenmaterialien (hier Trasse Grubenbahn) beschrie-
ben. Die Uferbereiche wurden in [2.4.5] dahingehend bewertet, dass zweifellos für die vorhandene Kip-
penablagerung eine Rutschgefahr (im Sinne eines Setzungsfließens) auftreten kann, vor allem bei einem
hohen Wasserspiegel in der Kippe selbst sowie durch zum Becken gerichtete Grundwasserströmungen.
Auch Dr.-Ing. habil. A. Scheidig bestätigt 1950 [2.4.6] die Gefährdungen, die durch Wasserspiegel-
schwankungen oder Wellenschlag im Uferbereich des Knappensee bestehen können.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
58
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
8.2.2
Standsicherheitsuntersuchungen der 1980er Jahre
Für die Einschätzung von Gefährdungen aus Altstrecken des Tagebaus Werminghoff I erfolgte im De-
zember 1980 die Erstellung einer Bergschadenkundlichen Analyse [2.4.7].
Konkrete Standsicherheitsuntersuchungen der Kippenbereiche des Knappensees wurden erst in den
1980er Jahren wieder aufgenommen. Aufgrund absehbarer Gefährdungen im Bereich der gekippten
Böschungen erfolgte am 15.7.1981 eine „Erstbefahrung“ des Knappensees durch die Bergbehörde Senf-
tenberg. Im Ergebnis dieser Befahrung wurden Maßnahmen zur Erarbeitung einer Standsicherheitsein-
schätzung eingeleitet. Vorrangig waren Untersuchungen für den besonders gefährdeten Bereich des
Steilufers und des Koblenzer Strandes durchzuführen. Folgend waren die anderen Uferbereiche des
Knappensees zu untersuchen. Die erste umfassende Standsicherheitseinschätzung wurde durch Prof. W.
Förster mit [2.4.9] und [2.4.11] in den Jahren 1982 und 1983 vorgelegt. Diese zwei Gutachten waren
Grundlagen für eine Betrachtung von Sofort- und längerfristigen Maßnahmen zur Gewährleistung der
öffentlichen Sicherheit am Knappensee.
Bei Bewertung möglicher, ein Setzungsfließen auslösender Initiale sind nach [2.4.11] folgende Hinwei-
se aufgezeigt worden:
-
Die lange Liegezeit und die Tatsache, dass auch der Wasserstand seinen heutigen Wert seit lan-
ger Zeit besitzt bzw. diesen mehrfach überschritten hat, darf als eine gewisse Sicherheit dafür
betrachtet werden, dass innere, zum Setzungsfließen führende Umlagerungen weniger wahr-
scheinlich sind.
-
Die Geometrie der unmittelbaren Uferzonen schafft am Koblenzer Strand sowie am Nord- und
Nordostufer Bedingungen, die einen lokalen Böschungsbruch als Initial nicht wahrscheinlich er-
scheinen lassen.
-
Im Untersuchungsbereich S fällt das Seeufer relativ steil ein. Oberhalb des Ufers existiert eine
steile zum Bruch neigende Böschung. Die rechnerische Untersuchung zeigte die folgenden Re-
sultate:
-
- Die globale Sicherheit unter Voraussetzung einer undränierten Belastung
liegt bei S < 1,3. Lokal sind geringere Werte zu erwarten. Ein Bruch der
Böschung als dynamisches Initial eines Setzungsfließens ist damit denkbar.
- Das Verfolgen innerer Brüche lässt Spannungswege erkennen, die eindeutig
zu einem Setzungsfließen führen können.
Aus allen Überlegungen ergeben sich als relativ günstige Abschnitte der gesamte Nordbereich (Unter-
suchungsbereich U und das Ufer des Untersuchungsbereichs T). Als weniger günstig ist das Hinterland
der Untersuchungsbereiche G, S und T anzusehen. Als gefährdet werden die Ufer der Untersuchungsbe-
reiche G und S eingestuft.
Daraus wurde das Erfordernis abgeleitet, zur Erhöhung der Sicherheit die Steilböschung abzuflachen
und im Bereich des Koblenzer Strandes eine Verdichtung beziehungsweise eine Verfestigung der anste-
henden Bodenmassen anzustreben.
Als Varianten zur Abflachung von Böschungen wurden vorgeschlagen:
-
Hydromechanisches Abflachen,
-
Einsatz von Erdbaugeräten und
-
Abflachen durch Sprengungen.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
59
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Aus der Beurteilung von Kornverteilungskurven von am Koblenzer Strand entnommenen Bodenproben
wurde eingeschätzt, dass beim betrachteten Technologiestand für Lockergesteinsinjektionen deren An-
wendung nicht empfohlen werden kann. Es wurde eingeschätzt, dass
-
eine relativ starke Ungleichförmigkeit des Lockergesteins einer chemischen Verfestigung ent-
gegen steht und
-
in Bezug auf eine injektionstechnische Verfestigung das Kippenmaterial zu heterogen gelagert
ist.
Der Einsatz von herkömmlichen Verdichtungsgeräten muss ausgeschlossen werden, da die zu verfesti-
genden Bereiche überwiegend von einer mehrere Meter starken Überdeckung überlagert sind und diese
selbst ein auslösendes Initial darstellen können.
Mit den Gutachten von 1982 [2.4.9] und 1983 [2.4.11] wurde nachgewiesen, dass setzungsfließempfind-
liches Kippenmaterial vorhanden ist und über Sofortmaßnahmen nur eine Teilsperrung am Steiluferbe-
reich des Sees ermöglicht. Die Gesamtsituation wird zur damaligen Zeit wie folgt eingeschätzt ([2.4.9]
und [2.4.11]):
„Es muß abschließend nochmals betont werden, dass im Gebiet eindeutig setzungs-
fließempfindliches Material unter Bedingungen ansteht, die zum Setzungsfließen füh-
ren können, wenn ein Initial vorliegt. Die Auslösung kann durch geeignete Maßnahmen
- nach Meinung des Sachverständigen - verhindert werden. Das allein ist der Grund da-
für, eine Sperrung lediglich gemäß Pkt. 3 vorzuschlagen und sie nicht auf weitere
Uferbereiche auszudehnen. Letztlich gefällte Entscheidungen können nicht allein von
den Empfehlungen des Sachverständigen für Böschungen abhängen. Sie sind mit einem
Risiko behaftet. Die Wertung dieses Risikos unter politischen und volkswirtschaftli-
chen Aspekten ist ebenso Aufgabe des Auftraggebers und der öffentlichen Organe.“
Diese Standsicherheitseinschätzung vom 15.04.1983 wurde am 22.08.1983 im Rat des Bezirkes Cottbus
bezüglich sich ergebender Schlussfolgerungen erörtert. Das Protokoll [2.4.12] der Erörterung führt da-
bei folgende weiterführende Aussagen zur Standsicherheit auf:
-
Allgemein nimmt am Knappensee die Lagerungsdichte vom Hinterland zum Ufer ab. Von Nor-
den nach Süden nimmt die Rutschungsgefahr zu.
Die Zielstellung der Sanierung des Steilufers im Abschnitt S war an erster Stelle das Abflachen der
Kippenböschung so, dass Abbrüche an der sich oberhalb des Wasserspiegels befindlichen Steilböschung
der Absetzerhochkippe nicht mehr als ein Initialeintrag für Setzungsfließrutschungen fungieren können.
Die mit der Sanierung erstellten Geometrien des Steilufers erreichten die Zielvorgaben, so dass initial-
auslösende Böschungsabbrüche nicht mehr möglich sind. Der Ufer- und Wellenschlagbereich wurde mit
< 5° ausgebildet, so dass keine unerwünschten Veränderungen durch Wellenschlag mehr zu erwarten
waren. Als wesentliches weiteres Fazit wurde als Schlussfolgerung benannt, dass die in das Wasser
eingespülten Massen, die den unter dem Wasserspiegel vorhandenen Steilbereich stützen sollten, locker
gelagert sind und wiederum sich im verflüssigungsfähigen Zustand befinden. Im Ergebnis wird darauf
verwiesen, dass dem Fernhalten von potentiellen Initialen im sanierten Bereich eine außerordentliche
Bedeutung zukommt. Folglich wurde also mit der Sanierung des Steiluferbereiches im Bereich S das
Auftreten eines möglichen Initials (Böschungsabbruch Hochkippe) beseitigt. Jedoch bleibt die Gefähr-
dung durch ein Setzungsfließen selbst weiterhin bestehen.
Die Sanierung einschließlich Wiederurbarmachung des Steilkippenbereiches S erfolgte 1985 bis 1986.
Auf Grundlage der geotechnischen Voruntersuchungen von 1987 [2.7.9] erfolgte 1988 die Standsicher-
heitseinschätzung für die Gefährdung durch Setzungsfließen der aus Kippenmaterialien bestehenden
Bereiche des West- und Südufers sowie der Inseln des Knappensees [2.4.23].

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
60
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Die Erkenntnisse über die vorhandenen Standsicherheitsverhältnisse am Knappensee sowie die Mög-
lichkeiten zur Sanierung in den 1980er Jahren werden treffend mit folgenden Zitaten charakterisiert:
„Vergegenwärtigt man sich die Situation in allen Bereichen, muß man feststellen, dass die mit dem
Tagebauauslaufen vorgenommene Gestaltung der Uferbereiche des Knappensees aus heutiger Sicht nur
durch mangelnden Kenntnisstand zu rechtfertigen ist. Das auf uns überkommene Erbe ist durch das
Vorhandensein von Kippen fast umlaufend um den See belastend. Wir sind ihm heute kaum noch ge-
wachsen“ ([2.4.23], S. 10, 2. Absatz).
„…Da geologische Zuordnung und Lagerungsverhältnisse vergleichbar sind, unterstreichen diese Ver-
suche die ausgeprägte Verflüssigungsneigung des Kippgutes in allen Untersuchungsbereichen. Es be-
steht die Gefahr, daß bei Eintritt eines ausreichend intensiven Initials die Verflüssigung ausgelöst wer-
den kann. Das Ausmaß eines Setzungsfließens lässt sich im Gekippten derzeit noch nicht verlässlich
abschätzen. Somit sind als tatsächlich nicht gefährdet eigentlich nur Objekte hinter Böschungen im ge-
wachsenen Lockergestein anzusehen. Um eine solche Aussage für die ehem. Kippenbereiche machen zu
können, wäre deren grundlegende Sanierung durch Veränderung der Kippguteigenschaften im Sinne des
Beseitigens der Verflüssigungsneigung nötig. Lösungen für ein solches praktisch jedes Risiko ausschal-
tendes Vorgehen sind unter den bestehenden Bedingungen nicht möglich.“ ([2.4.23], S. 12, 1. Absatz).
Mit der Untersuchung von 1986 / 88 wurde auch für die anderen Bereiche eine hohe Verflüssigungsnei-
gung nachgewiesen. Da für den Standort keine Sicherungstechnologien zur Verfügung stehen, wird das
Sicherungskonzept auf die Vermeidung von Initialen ausgerichtet.
Nach damaligem Kenntnisstand kamen für das Auslösen von Setzungsfließrutschungen folgende Initiale
in Frage [2.4.23]:
-
Böschungsabbrüche an zu steilen Böschungen infolge zu hoher hydraulischer Gradienten, Un-
terspülung bei Wellenschlag oder Entstehen eines gefährlichen Kliffs,
-
Innere Spannungsumlagerung und -konzentrationen, die zu lokalen Brüchen und Verflüssigun-
gen führen, als Folge ungleicher Kapillarsackungen bei Wasserspiegelanstieg im Kippgut oder
innerer Suffosion und Erosion bei Durchströmung,
-
Zurückgehen offengebliebener bergmännischer Hohlräume,
-
Erschütterungen verschiedensten Ursprungs.
Weiterhin ist bezüglich der vorhandenen Standsicherheitsverhältnisse in [2.4.23] vermerkt, dass die
Böschungen oberhalb des Wasserspiegels an den Uferbereichen des Knappensees überwiegend ≤ 1 : 1,5
geneigt sind, was dem ursprünglichen natürlichen Schüttwinkel entspricht. Diese Böschungen sind da-
bei überwiegend kleiner 4 m hoch. Eine Ausnahme bilden die Inseln sowie die Böschungen des Restlo-
ches 0815/1. An den vorhandenen Böschungen des Sees sowie des Restloches können Böschungsabbrü-
che stattfinden. Diesem Sachverhalt ist durch entsprechende Maßnahmen (Ufersicherungen) zu begeg-
nen (Abflachen der Böschungen). Gefährdungen aus Wasserspiegeländerungen sind durch die festgeleg-
ten Maßnahmen in der Speicherbewirtschaftung nicht zu erwarten.
Weiterhin werden in [2.4.23] Sachverhalte zu inneren Spannungsumlagerungen und Brüchen infolge
ungleicher Kapillarsackungen betrachtet. Diese treten beim Sättigen erdfeuchter Sande auf. Durch die
heterogenen Eigenschaften der Kippen sind die Sackungen unterschiedlich groß. Durch diesen Sachver-
halt sind durch Spannungsumlagerungen innere Brüche denkbar, die ein Setzungsfließen auslösen kön-
nen, wenn sie genügend intensiv und nahe einer Böschung eintreten. Auch wenn der Wasserspiegel
schon mehrfach einen Stand von +126,00 m NHN überschritten hat, können Sackungen durch eventuell
„hängengebliebene Brüche“ auftreten [2.4.23]. Weiterhin werden Setzungen infolge innerer Erosion und
Suffosion nicht ausgeschlossen.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
61
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Abschließend wird 1988 die Standsicherheit am Knappensee mit folgenden Punkten charakterisiert:
-
Das Material, aus dem die Kippen im Untersuchungsgebiet bestehen, neigt bei Wassersättigung
zur Verflüssigung.
-
Die Beseitigung der Verflüssigungsneigung und damit der Gefährdung durch Setzungsfließen
erfordert die Behandlung der gekippten Bereiche bis in größere Tiefe, für die in absehbarer Zeit
keine am Knappensee einsetzbaren Verfahren verfügbar sein werden.
-
Durch das Vermeiden von Initialen kann die Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer Verflüssi-
gung auf ein vertretbares Maß reduziert werden.
-
Eine Gefahr stellen ältere, hängengebliebene Brüche dar, die zu einem unvorhergesehenen Zeit-
punkt reaktiviert werden.
Im Ergebnis der Standsicherheitsuntersuchung vom 24.05.1988 erfolgte die Ausführung folgender Si-
cherungsmaßnahmen:
-
Ufersicherung und
-
Sanierungsarbeiten (Verfüllung) am RL 0815/1.
Die Sicherungsmaßnahmen sind im Kapitel 9 beschrieben. Die Bewertung der Maßnahmenergebnisse
erfolgt mit der 1. Ergänzung zur Standsicherheitseinschätzung am 12.11.1990 [2.4.26]. Hierbei wurde
eingeschätzt, dass durch die erfolgten Verbaumaßnahmen eine Verminderung der Wahrscheinlichkeit
des Eintretens von Böschungsabbrüchen durch Kliffbildung geschaffen wurde. Die Maßnahmen zur
Sicherung des Restloches 0815/1 haben zu einer Verbesserung der geometrischen Verhältnisse geführt
(Beseitigung der Restlochböschungen) und somit die Gefahr von Setzungsfließereignissen in diesem
ehemaligen Restloch minimiert, jedoch besteht die Gefahr der Verflüssigung in diesem Bereich nach
wie vor. Ein kleiner Teil des Restloches war noch verblieben, der mit einer Umzäunung zu sichern war.
Im Fazit des 1. Nachtrages zur Standsicherheitseinschätzung im Jahr 1990 wird die Situation der gesi-
cherten Bereiche (Strand und RL 0815/1) am Knappensee wie folgt bewertet:
„…Da jedoch die Eigenschaft des anstehenden Kippgutes, im wassergesättigten Zustand zur Verflüssi-
gung zu neigen, nicht beseitigt werden kann, ist eine Ausschaltung jeden Risikos praktisch nicht mög-
lich. Die verbleibenden Risiken sind jedoch überschaubar und bei Einhaltung der Nutzungsvorgaben
vermeidbar. Deswegen bedarf die Entwicklung der Gesamtsituation und insbesondere der Grundwasser-
stände der laufenden kritischen Beobachtung und Auswertung.“ [2.4.26]
8.2.3
Analyse der geotechnischen Situation 1995
Da über das Langzeitverhalten von setzungsfließgefährdeten Kippenböschungen an Restseen keine ge-
sicherten Informationen vorliegen, sind in gewissen Zeiträumen Analysen der geotechnischen Situation
unter Einbeziehung neuer Forschungsergebnisse und zeitnaher Untersuchungen durchzuführen. Die
Untersuchungen sollen dabei die Wirksamkeit erfolgter Sicherungsmaßnahmen und auferlegter Nut-
zungseinschränkungen kontrollieren und die Anlage neuer Freizeitanlagen (wie beispielsweise Cam-
pingplätze) prüfen.
Diese Analyse erfolgte mit der Bodenmechanischen Stellungnahme über die Bewertung der geotechni-
schen Situation ausgewählter Bereiche des Knappensees anhand vorliegender Unterlagen und Empfeh-
lungen zu weiterführenden Untersuchungen vom 23.10.1995 [2.4.30].

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
62
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
In den 1990er Jahren war dabei die Erweiterung des Spektrums an Erholungs- und Freizeitmöglichkei-
ten durch den Zweckverband „Ferienpark Knappensee“ geplant. Hierfür sollte der bisher gering fre-
quentierte Zeltplatz Z 4 am Koblenzer Strand (Abschnitt G) als Wintercampingplatz mit den dafür er-
forderlichen Einrichtungen ausgebaut und modernisiert werden. Weiterhin war die Errichtung einer
Wasserskiseilbahn im Bereich des nördlichen Ostufers geplant.
Koblenzer Strand
Die mit ca. 3° einfallenden Unterwasserböschungen und die zwar steilen aber niedrigen Uferböschun-
gen bilden keine geometrischen Voraussetzungen für das Auslösen eines Initials. Da der Koblenzer
Strand offen bezüglich der Hauptwindrichtungen West und Nordwest ist und der Fuß der Uferböschun-
gen tiefer als 126 m NN liegt, wurden Maßnahmen zum Uferschutz in Form von Faschinen und Bohl-
wänden mit zusätzlicher Bepflanzung realisiert.
Die lange Liegezeit des Kippenmaterials und der anhaltend hohe Wasserspiegel führt auf die qualitative
Einschätzung, dass auch im Inneren der Kippe keine Voraussetzungen für Materialumlagerungen mehr
bestehen, die ein Setzungsfließen auslösen können.
Damit kommen als Ursache für mögliche Rutschungen nur ungewohnt hohe Erschütterungen in Frage.
Um zu einer Abschätzung der tolerierbaren dynamischen Beeinflussung zu gelangen, ist die Bestim-
mung des in der Kippe verbliebenen Verflüssigungspotentials von entscheidender Bedeutung.
Nördliches Ostufer
In diesem Bereich ist eine prinzipielle Verflüssigungsgefahr der anstehenden Spülkippen gegeben. Die
mitteldichte Lagerung der pleistozänen Sande verringert jedoch das Risiko des Auftretens einer Set-
zungsfließrutschung erheblich.
Südufer
Das Südufer besteht sowohl aus gewachsenen als auch aus verflüssigungsgefährdeten gekippten Berei-
chen. Zur Vermeidung eines dynamischen Initials sind ungewohnt hohe Erschütterungen zu vermeiden
und die Wellenschlagsicherung der im östlichen Teil oberflächennah anstehenden Handkippen zu erhal-
ten.
Südliches Westufer und Inselbereich
Der Inselbereich des Knappensees ist aufgrund seiner lockeren bis sehr lockeren Lagerungsdichte erheb-
lich setzungsfließgefährdet.
Der am südlichen Westufer gelegene Abraumförderbrückenrestschlauch ist stellenweise sehr schmal
und seicht. Das dort abgelagerte, vollständig wassergesättigte Material ist analog dem des Inselbereichs
einzuschätzen.
Mit dem Kenntnisstand 1995 ist zusammenfassend davon auszugehen, daß die aus ehemaligen Tage-
baukippen bestehenden o. g. Bereiche setzungsfließgefährdet sind. Ausgeführte Sicherungsmaßnahmen
und empfohlene Nutzungseinschränkungen dienen dazu, die Gefahr des Auftretens von Setzungsfließ-
rutschungen zu verringern. Mittels Untersuchungen zum Verflüssigungspotential der anstehenden Kip-
pensande und durch Lotungen zur Ausbildung des Seebodens sollte die geotechnische Einschätzung
weiter präzisiert werden. Insgesamt wurden der Kenntnisstand sowie die Verhaltensanforderungen der
Ende der 1980er Jahre vorhandenen Einschätzung der Standsicherheit bestätigt.
Weiterführend gelten die bereits für den Knappensee mit [2.4.23] definierten Verhaltensanforderungen
fortlaufend.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
63
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
8.2.4
Bewertung von Schwingungsmessungen 1995
Mit der Betrachtung der Vermeidung von unzulässigen Initialeinträgen erfolgte die Durchführung von
Erschütterungsversuchen unter der Zielstellung, die im Zuge der Erweiterung des Campingplatzes bei
Baumaßnahmen zu erwartenden Initialeinträge bei Verdichtungsarbeiten charakterisieren und bewerten
zu können.
Infolge von Erschütterungsversuchen oberhalb der Uferzone mittels Vibrationswalze wurden mit
[2.4.31] und [2.4.32] bezüglich der Standsicherheit folgende Verhältnisse abgeleitet:
-
bei übermäßig großem Erschütterungseintrag besteht für die wassergesättigte Kippenzone die
Gefahr der Verflüssigung, Setzungsfließrutschungen sind dann nicht auszuschließen.
Bedingt durch:
-
die flache Unterwasser- und Uferneigung,
-
die wasserwirtschaftliche Nutzung über Jahrzehnte,
-
Infiltrationsvorgänge durch über Jahrzehnte versickerndes Niederschlagswasser und
-
den durch den Bewuchs sowie mit Verbau gesicherten steileren Böschungsbereich,
besteht keine akute Verflüssigungsneigung mehr. Folglich ist ein Erschütterungseintrag in einer be-
stimmten Größenordnung zulässig. Die definierten Maximalwerte sind jedoch nur unter der Begleitung
von Porenwasserdruckmessungen anfahrbar und gültig.
Die bodenmechanische Bewertung der Versuchsergebnisse erfolgte durch den vom Sächsischen Ober-
bergamt anerkannten Sachverständigen Prof. Dr. habil. W. Förster [2.4.32]. Im Ergebnis der Untersu-
chung erfolgte die Empfehlung der Wiederholung der Versuche, da die Tests für die Abschätzung der
Gefahr einer Verflüssigung des Kippenbodens im Bereich des Koblenzer Strandes die Entwicklung des
Porenwasserdruckes an der Uferlinie von entscheidender Bedeutung sei und diese mit der durchgeführ-
ten Versuchsanordnung nicht erfasst wurden.
8.2.5
Standsicherheitsuntersuchungen 2000
Die Bewertung der vorhandenen Standsicherheitssituation erfolgt auf Grundlage der Kriterien Kornver-
teilung, Kornform, Lagerungsdichte und Wasserstände [2.8.4] und [2.8.10] nach aktuellem wissen-
schaftlichen und technischen Kenntnisstand.
Die in folgender Tabelle 5 aufgeführten Verhältnisse zur Setzungsfließgefahr konnten im Jahr 2000
abgeleitet werden [2.4.36].
Eine Verflüssigungsneigung besteht im gesamtem Untersuchungsgebiet bis auf die Untersuchungsberei-
che A und E sowie das nordwestliche Ufer. Wird bei einer lokalen Verflüssigung eine Ausweitung nicht
verhindert, dann tritt in Böschungsnähe Setzungsfließen und im Hinterland ein Verflüssigungsgrund-
bruch ein.
Weiterführend werden in der Standsicherheitseinschätzung [2.4.36] Maßnahmen zur Beseitigung der
Setzungsfließgefahr betrachtet und bewertet. Zur Gewährleistung der Trittsicherheit werden ein biologi-
scher Verbau für die Strandzugänge (Uferbereich) und im Flachwasserbereich die Sicherung der Ufer-
zone bis 2 m Wassertiefe durch Verdichten (flaches Rütteln) empfohlen.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
64
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Tabelle 5:
Abschätzung Verflüssigungsneigung des Knappensees aus [2.4.36]
Kriterium
Ausbildung
Bewertung
Kornverteilung
Kornverteilungen liegen fast vollständig im verflüssi-
gungsgefährdeten Kornspektrum.
Der Feinkornanteil beträgt < 30 %.
verflüssigungsgefährdet
Kornform
Die vorhandene Kornform der Kippenmaterialien ist
gerundet bis gut gerundet.
Erhöhung der Verflüssi-
gungsgefahr
Lagerungsdichte
Die Lagerungsdichte ist örtlich sehr locker bis locker und
teilweise mitteldicht ausgebildet.
Keine Lagerungsdichten
nachweisbar, die eine
Verflüssigung ausschlie-
ßen.
Wasserstände
Schließen die Kornverteilung sowie die Lagerungsdichte
der anstehenden Kippenmaterialien die Verflüssigungs-
neigung nicht aus, so besteht bei einem Wasserstands-
verhältnis in der Kippe von h
WK
/h
K
> 0,1 Verflüssi-
gungsgefahr.
Das Wasserstandsver-
hältnis von h
WK
/h
K
> 0,1
wird in allen Bereichen
überschritten.
Im Ergebnis der Standsicherheitseinschätzung folgten im Jahre 2001 bis 2002 Untersuchungen an Ge-
frierkernproben und Belastungsversuche, um die Standsicherheitsverhältnisse am Koblenzer Strand
(Bereich G und D Ost) verifizieren zu können. Im Ergebnis der Belastungsversuche wird in [2.7.15]
definiert, dass die rechnerische Standsicherheit der Uferböschungen unzureichend ist, wenn die ungüns-
tigen, an den Gefrierkernproben mit geringen kohligen Anteilen bestimmten, modifizierten Gleitrei-
bungswinkel maßgebend sind. Wird ein ausreichend starkes, größeres als das nutzungsspezifische Initial
(Befahren mittels gummibereifter Fahrzeuge) eingetragen, so sind eine Verflüssigung der Kippenböden
und ein Setzungsfließen nicht auszuschließen. Die Verhaltensanforderungen sind strikt einzuhalten, um
den Initialeintrag auf das „nutzungsspezifische Initial“ zu begrenzen.
8.2.6
Standsicherheitseinschätzung 2005
Im Jahr 2005 erfolgte mit [2.4.50] die Untersuchung der Wirksamkeit durchgeführter Maßnahmen.
Hierfür waren für die Untersuchungsbereiche folgende Schwerpunkte zu betrachten:
-
die bisherigen Untersuchungen aufzuarbeiten und neu zu bewerten,
-
Sicherheitslinien und gefährdete Bereiche zu definieren,
-
Maßnahmen zur Prüfung der Setzungsfließgefahr vorzuschlagen und durchzuführen,
-
die Schwallwellengefahr zu bewerten,
-
die Trittsicherheit zu untersuchen und auszuwerten,
-
eine Sanierungsvariante zur Beseitigung bergbaubedingter Risiken einschließlich Kostenschät-
zung und

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
65
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
-
Maßnahmen zur Verringerung der Setzungsfließgefahr.
Im Rahmen dieser Betrachtung [2.4.50] zur Wirksamkeit früherer Maßnahmen sowie Ableitung weite-
rer Arbeiten erfolgte die Untersuchung der vorhandenen Standsicherheitsverhältnisse sowie der Aus-
wirkungen von möglichen Rutschungen.
Die Verflüssigungsneigung ist wie bereits im Jahr 2000 definiert über das gesamte Untersuchungsgebiet
im Bereich der wassergesättigten Kippen gegeben. Weiterhin wird in [2.4.50] eine intensive Betrach-
tung zu den möglichen auftretenden Initialen geführt.
Tabelle 6:
Wirksamkeit von Initialen für Setzungsfließen aus [2.4.50]
Initial
ausschließbar / nicht ausschließbar
Tagesbruch als Folge noch offener
Entwässerungsstrecken
Im Übergangsbereich zum Gewachsenen vorhanden
und hier außerhalb der Uferböschungen;
Initial nicht auszuschließen, aber wenig
wahrscheinlich
Nacherkundung erforderlich
Sackungen als Folge von Wasserspiegeländerungen
Infolge der langjährigen wasserwirtschaftlichen Nut-
zung (geringe Wasserspiegelschwankungen, begrenzte
maximale Stauhöhe) sind keine Sackungen mehr zu
erwarten:
Initial sehr wenig wahrscheinlich, Nutzungs-
einschränkungen sind einzuhalten.
Wasserspiegelschwankungen, Strömungspotential
Das in der Betriebsanweisung für das Speicherbecken
Knappenrode zugelassene Regime für Wasserspiegel-
änderungen verhindert die Ausbildung von wirksamen
Strömungsdrücken:
Initial wird durch entsprechende Nutzungs-
einschränkung zur Zeit bewusst gering gehal-
ten
Erschütterungseintrag durch
-
Naturereignisse
-
Fahrverkehr, Bautätigkeit, Sprengungen usw.
Naturereignisse
mit
hoher
dynamischer
Komponente sind nicht auszuschließen, aber
hier unwahrscheinlich,
Ein mögliches aus Fahrverkehr, Bautätigkeit
u. ä. entstehendes Initial soll durch entspre-
chende Nutzungseinschränkung bewusst ge-
ring gehalten werden.
Windwellenerosion, Primärböschungsbruch
Nur wirksam in Bereichen mit steilen oder unbewach-
senen Böschungen;
Derzeit bestehende Situation:
unbewachsene Böschungen nur partiell vorhanden
Sanierung und Pflege der Windschutzpflanzungen
und Ufersicherungen
Initial wenig wahrscheinlich
Wird ein zur Verflüssigung neigender Kippenboden durch dynamische Lasten angeregt, wird sich im
Bereich der wassergesättigten Zone in der Kippe eine verflüssigte Zone ausbreiten. Ist das Initial klein,
bleibt die Verflüssigung lokal. Bei ausreichend großem, dem kritischen Initial, wird sich die verflüssigte
Zone ausbreiten und im Extremfall eine Setzungsfließrutschung auslösen.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
66
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Die angetroffenen geotechnischen Verhältnisse dokumentieren, dass bei einem ausreichenden kritischen
Initial plötzliche, zumindest lokale Porenwasserdruckanstiege zu grundbruchartigem Untergrundversa-
gen führen können. Die Größe des kritischen Initials ist unbekannt.
In Tabelle 6 ist die Wirksamkeit von Initialen für Setzungsfließen nach [2.4.50] aufgeführt.
Die für Standsicherheitsberechnungen angesetzten Berechnungskennwerte sind in das Wertespektrum
der unter Tabelle 7 aufgeführten Werte einzuordnen.
Weiterführend wurden in [2.4.50] Betrachtungen zu den möglichen auftretenden Rückgriffweiten auf
Grundlage von [2.8.9] geführt. Die rechnerischen Rückgriffweiten möglicher Setzungsfließrutschungen
wurden für die Verhältnisse am Knappensee mit bis zu 91 m angegeben. Am Südufer (Bereiche D Ost
und D West) werden die Rückgriffweiten durch die Grenze Gewachsenes / Kippe begrenzt.
Der durch ein Setzungsfließen gefährdete Bereich zwischen Uferlinie und Grenze der Rückgriffweite
wurde im Ergebnis der Berechnungen als Sicherheitslinie definiert.
Kommt es zu einem Setzungsfließen, verdrängen im wassergefüllten Restloch die unter dem Wasser-
spiegel fließenden Kippenmassen das Wasser vor der rutschenden Böschung und heben damit vorüber-
gehend den Wasserspiegel an. Dieser Vorgang ist räumlich und zeitlich begrenzt. Es entsteht eine
Schwallwelle. Eine Möglichkeit zur Prognose der Höhe dieser Schwallwelle ist in [2.8.9] beschrieben.
Die durch eine Setzungsfließrutschung ausgelösten Schwallwellen sind mit 0,2 m bis 1,2 m Höhe und
Auflaufhöhen zwischen 0,5 m und 3,8 m prognostiziert.
Für die Böschungen im IST-Zustand konnte für den Verflüssigungsfall in allen Bereichen keine ausrei-
chende Standsicherheit ermittelt werden. Für den statischen Fall ohne Initialeintrag und ohne Verflüssi-
gungsvorgänge konnte nur für den Bereich G keine ausreichende Standsicherheit bei einem Seewasser-
spiegel von +126,00 m NHN nachgewiesen werden.
In Ableitung der Standsicherheitsverhältnisse wurde zur Beseitigung der Gefahr von Setzungsfließer-
eignissen infolge einer Verflüssigung die Herstellung eines Versteckten Dammes dimensioniert und für
die betrachteten Lastfälle bezüglich der Standsicherheit nachgewiesen.
Für die vorliegende Standsicherheitseinschätzung vom 31.05.2005 [2.4.50] erfolgte mit [2.4.57] eine
geotechnische Bewertung für die LTV. Die vorhandenen Standsicherheitsverhältnisse wurden dabei in
[2.4.50] wie folgt gewertet:
-
Das anstehende überwiegend sandige und locker gelagerte Lockergesteinsgemisch neigt bei
Wassersättigung und nach dem Einwirken eines definierten Initials zur spontanen Verflüssi-
gung. Im Ergebnis dieses Prozesses können die Versagensfälle „Setzungsfließen“ und „Grund-
bruch infolge Untergrundverflüssigung“ eintreten.
-
Für die Inselbereiche (Abschnitt C) und für Nord-, Ost, Südost und Südwestufer (Abschnitte T,
S, G, D West, D Ost, D Mitte) ist eine Setzungsfließgefahr vorhanden.
-
Innerhalb der praktischen Handhabung wird der geotechnisch bedingte Gefährdungsbereich
durch die Sicherheitslinie repräsentiert.
-
Mit der definierten Speicherfahrweise (Begrenzung Wasserstände und Geschwindigkeit von
Stauspiegeländerungen) werden Initiale für das Auslösen von Verflüssigungen als nicht wahr-
scheinlich gesehen.
-
Beim Auftreten von Setzungsfließen ist im wassergefüllten Restloch mit der Ausbildung einer
Schwallwelle zu rechnen, die bei ihrem Auftreffen auf die dem Rutschungsereignis gegenüber-
liegenden Uferböschungen als Initial für weitere Setzungsfließrutschungen wirken kann.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
67
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
-
Es wurde nachgewiesen, dass auch beim Einhalten der bestehenden Nutzungs- und Verhaltens-
anforderungen durch das Wirken von nicht durch den Menschen beeinflussbaren Initialen (wie
beispielsweise Naturereignisse) die Standsicherheit der Kippenböschungen nicht sichergestellt
ist.
Weiterhin wurden in der geotechnischen Bewertung [2.4.57] für die LTV weiterführende Standsicher-
heitsbetrachtungen dargelegt, die zeigten, dass es nicht erst einer „vollständigen“ Verflüssigung bedarf,
um die Standsicherheit nicht mehr zu gewährleisten. In vielen für das Speicherbecken geführten Be-
rechnungen genügte ein Porenwasserdruckanteil an der totalen Spannung von bereits 50 % aus, um
nicht ausreichende Standsicherheitsverhältnisse zu erreichen.
Es wird in [2.4.57] noch einmal hervorgehoben, dass bei Eintritt eines Setzungsfließereignisses für Per-
sonen Lebensgefahr besteht.
In der Standsicherheitseinschätzung [2.4.50] wird zur vorhandenen geotechnischen Situation und Wirk-
samkeit von durchgeführten Maßnahmen eindeutig definiert, dass ein Sicherheitskonzept, dass auf die
Vermeidung von Initialen beruht, die eine Verflüssigung auslösen können, unter den am Knappensee
vorhandenen Umständen und Randbedingungen (öffentliche Nutzung) nicht ausreichend ist.
8.2.7
Standsicherheitseinschätzungen der Kippentieflagen
Neben den Standsicherheitsuntersuchungen zu den Uferbereichen und Restlöchern im Bereich des Ta-
gebaus Werminghoff I wurden Standsicherheitseinschätzungen zu den mit Wiederanstieg des Grund-
wassers im Hinterland zu erwartenden Kippentieflagen geführt.
Im Detail betraf dies unter anderem folgende Objekte:
-
Kreisstraße Koblenz - Knappenrode [2.4.49],
-
Hotelanlage „Am Knappensee“ [2.4.64],
-
Grundbruchsicherheit Waldwege östlich der Kreisstraße Koblenz – Knappenrode [2.4.55].
Gefährdungen stellen vor allem in den Bereichen des Kippenhinterlandes Einwirkungen aus dem
Grundwasserwiederanstieg dar. Ungleichmäßige Sackungen können zur Ausbildung von lokalen Po-
renwasserüberdrücken führen, die Initiale für Verflüssigungen darstellen.
Für den Endzustand des prognostizierten Grundwasserwiederanstiegs ist für Fahrzeuge jeglicher Art
eine ausreichende Grundbruchsicherheit zu gewährleisten.
Die Standsicherheitseinschätzung zu den Verhältnissen der Kreisstraße Koblenz – Knappenrode infolge
Grundwasserwiederanstieg zeigte keine ausreichende Sicherheit für den Verkehr, so dass eine Anhe-
bung der Straße als Vorzugsvariante abgeleitet wurde [2.4.49].
Mit [2.4.55] wurde eine Standsicherheitseinschätzung geführt, die konkret die Grundbruchgefährdung
für Befahren und Betreten untersucht. In Ergebnis dieser Standsicherheitseinschätzung erfolgte die Auf-
höhung der sich östlich der Verbindungsstraße Koblenz – Knappenrode befindlichen Waldwege, um
eine Befahrbarkeit für die forstwirtschaftliche Nutzung zu gewährleisten.
Im Bereich der Hotelanlage Knappensee entstanden durch die sich im Rahmen des Grundwasserwieder-
anstieges entwickelnden Flurabstände Gefahrensituationen, die eine öffentliche Nutzung strikt untersag-
ten. Die bestehende Hotelanlage war abzureißen und die Geländetieflage aufzufüllen.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
68
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
8.2.8
Standsicherheitseinschätzungen im Rahmen der geotechnischen
Vorplanung 2008/2009
Im Rahmen von geotechnischen Planungsleistungen zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr (Vorpla-
nung 2008/2009, [2.4.66]) erfolgten Feld- und Laboruntersuchungen sowie die Durchführung einer
Standsicherheitseinschätzung zur aktuellen geotechnischen Situation am Knappensee. Zielstellung war
hierbei die Zusammenstellung der vorliegenden geotechnischen Bearbeitungen unter der Maßgabe der
Erstellung einer Sanierungskonzeption zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr. Die Standsicherheits-
einschätzung erfolgte hierbei auf Grundlage der Richtlinie Geotechnik [2.3.7] des Sächsischen Ober-
bergamtes.
In der Bewertung spiegeln sich die bereits in Tabelle 6 abgeleiteten und aufgeführten geotechnischen
Verhältnisse bezüglich Kornverteilung, Kornform, Lagerungsdichte und Wasserständen wider. Weiter-
führend wird zu den möglichen auftretenden Initialen erläutert, dass bei Bauarbeiten aber auch durch
Sanierungstätigkeiten starke Initiale auftreten können.
Für das Untersuchungsgebiet besteht mit Ausnahme der Uferböschungen des Abschnittes im Bereich E,
der bereits im Bereich B auf das Gewachsene abgetragenen Uferböschungen und des nordwestlichen
Ufers, eine Verflüssigungsneigung. Wird bei einer lokalen Verflüssigung eine Ausweitung nicht verhin-
dert, erfolgt das Auftreten eines Setzungsfließens in Böschungsnähe und eines Verflüssigungsgrundbru-
ches im Hinterland.
Tabelle 7:
Berechnungskennwerte Standsicherheitsuntersuchung [2.4.66]
Nr.
Material
Kenngröße
Zeichen
ME
Wert
wirksamer Reibungswin-
kel
cal
φ’
°
27,5 … 33,0
Kohäsion
cal c
kN/m²
0,0 … 2,5
1
Kippe unverdichtet, über dem
Grundwasserspiegel
Wichte
cal γ’
kN/m³
16,5 … 17,5
Reibungswinkel
cal
φ’
°
3,7
Kohäsion
cal c
kN/m²
0,0
2
Kippe unverdichtet, unter dem
Grundwasserspiegel, Verflüssi-
gung durch Initialeintrag
Wichte
cal γ’
kN/m³
9,0
Reibungswinkel
cal
φ’
°
30,0
Kohäsion
cal c
kN/m²
0,0
3
Kippe verdichtet, unter dem
Grundwasserspiegel
Wichte
cal γ’
kN/m³
9,5
wirksamer Reibungswin-
kel
cal
φ’
°
34,0
Kohäsion
cal c
kN/m²
2,5
4
Kippe verdichtet, über dem
Grundwasserspiegel
Wichte
cal γ’
kN/m³
17,5 … 18,5
Auf Grundlage der vorhandenen Daten wurden in [2.4.66] für die Standsicherheitsuntersuchungen die in
Tabelle 7 definierten Berechnungskennwerte angesetzt.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
69
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Für die Standsicherheitsuntersuchungen wurde die Erforderlichkeit eines Ansatzes von Erdbeben be-
trachtet. Das Gebiet selbst befindet sich nach DIN 4149 Teil 1 nicht in der Erdbebenzone 1 oder 2. Im
Auftrag der Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen wurden jedoch standortspezifische
Untersuchungen zur Erdbebenwirkung auf Stauanlagen im Bereich der Talsperrenmeisterei Spree
durchgeführt [2.4.54]. Dabei wurden maximale Beschleunigungswerte untergrundunabhängig festge-
legt.
In den Standsicherheitsberechnungen wurden jedoch keine gesonderten Beschleunigungen oder Be-
schleunigungskräfte seismischer Einwirkungen angesetzt. Die Dimensionierung der Sicherungselemente
und des angrenzenden Böschungssystems erfolgte auf Grundlage des maßgebenden Berechnungsfalles
„Verflüssigung der wassergesättigten unverdichteten Kippe“ und dem Ansatz von undränierten Scher-
parametern. Entsprechend ist ein Fall Verflüssigung der wassergesättigten Kippe durch Erdbebenanre-
gung involviert.
Nutzungsspezifische Initiale sind vom Grundsatz her nicht auszuschließen. Durch den Initialeintrag
kann in der gesättigten Kippenzone lokal ein Porenwasserüberdruck erzeugt werden.
In der Standsicherheitseinschätzung der Vorplanung wurden die Aussagen bezüglich der 2005 ermittel-
ten Rückgriffweiten präzisiert, so dass mit Rückgriffweiten bis zu 220 m zu rechnen ist. Die Sicher-
heitslinie wurde entsprechend aktualisiert.
Weiterhin erfolgte eine Präzisierung durch Berechnungen bezüglich der erforderlichen Grundwasser-
flurabstände für unterschiedliche Verkehrslasten.
Tabelle 8:
Ergebnisse von Standsicherheitsberechnungen zur Ermittlung erforderlicher erdfeuchter Überdeckungen h
erdf.,erf.
bei unterschiedlich großen Verkehrslasten (Berechnungen mittels SLOPE/W) [2.4.66]
Flächenersatzlast p’
[kN/m²]
erforderliche erdfeuchte Überdeckung h
erdf.,erf.
[m] für
η
erf.
1,3
Breite des Lasteintrages 3 m (Einsatzgewicht verteilt auf 3 m x 6 m)
6 (Einsatzmasse 10 t)
> 1,5
11,5 (Einsatzmasse 20 t)
> 2,0
16,7 (Einsatzmasse 30 t)
> 2,0
30,0 (Einsatzmasse 50 t)
> 3,0
Breite des Lasteintrages 2 x 1 m (Einsatzmasse verteilt auf 2 x 1 m x 3 m)
100,0 (Einsatzmasse 60 t)
> 3,0
8.2.9
Entwurfs- und Genehmigungsplanung 2011 / 2012
Basierend auf der Vorplanung erfolgte in den Jahren 2011 und 2012 die Erstellung der Entwurfs- und
Genehmigungsplanung für die Uferbereiche G [2.4.87], S [2.4.88] und T [2.4.89].
Hierbei wurden die Standsicherheitsuntersuchungen präzisiert beziehungsweise die Dichte der Berech-
nungsprofile gegenüber der Vorplanung erhöht.
Generell wurde für die Bereiche G, S und T die im Verflüssigungsfall nicht vorhandene Standsicherheit
fundiert hinterlegt.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
70
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
8.3
Altbergbausituation (Entwässerungsstrecken)
Durch ein Zusammenbrechen nicht ausreichend verwahrter bergbaulicher Hohlräume unter Kippen-
oder an die Kippen grenzenden Bereiche können Initiale eingetragen werden, die zu einem Setzungs-
fließen führen.
Das vorhandene geringe Primärbruchvolumen und der Abstand zum Ufer werden als gefährdungsmin-
dernd angesehen [2.4.23]. Eine Nachverwahrung der Grubenhohlräume wird in [2.4.23] empfohlen.
Erkundungen zum Verwahrungsstand wurden in den Jahren 2006 ausgeführt und 2007 [2.4.62] bewer-
tet. Mit den 2006 ausgeführten Sondierungen wurden keine Hohlräume angetroffen.
8.4
Bereichsweise Bewertung der geotechnischen Verhältnisse und der
Standsicherheit
8.4.1
Nordbereich – Bereich U
Das Nordufer am Knappensee wird durch den Abschnitt U gebildet. Dieser Bereich lässt sich in einen
westlichen Abschnitt und einen nördlichen Abschnitt einteilen.
Der westliche Teilbereich des Uferabschnitts U schließt sich nördlich an das Auslaufbauwerk an. Die
Böschung wird durch die im Tagebaubetrieb hergestellte Anschnittsböschung gebildet. Ähnlich wie im
südlich anschließenden Bereich A ist mit der Anschüttung von Kippenmaterialien in Form einer Hand-
kippe zu rechnen. Über Mächtigkeit und Ausdehnung der Kippenanschüttung liegen keine Informatio-
nen vor.
Die Böschung ist in diesem Teilabschnitt relativ steil ausgebildet. Aus den Lotungsdaten im Höhenbe-
reich +117,00 m NHN … +125,00 m NHN lässt sich eine Unterwasserböschungsneigung von
16,3 °…27,1 ° ermitteln. Das Böschungshinterland ist sehr flach ausgebildet und liegt im Niveau von
ca. +125,00 m NHN … +125,50 m NHN. Bei einem Einstau auf das Niveau +126,00 m NHN wird die-
ser Bereich vollständig überflutet. Die Wasserlinie tritt dann bis an den Böschungsfuß des Maukendor-
fer Randdamms (Hochwasserschutzdamm) heran. Das Hinterland weist einen starken Schilfbewuchs
und unterschiedlich dichten Baumbewuchs auf. Dieser Böschungsbereich unterliegt augenscheinlich
keiner konkreten Nutzung.
Den Hauptteil des Uferabschnitts U nimmt die Nordböschung ein, die sich westlich an den Maukendor-
fer Randdamm bzw. an das dort befindliche Verteilerbauwerk der LTV Sachsen anschließt. Die Kippe
besteht aus einer Spülkippe, die auf gerutschten Massen einer Absetzerkippe liegt. Eine überlagernde
Pflug- oder Handkippe kann nicht ausgeschlossen werden. Die heute vorliegende Böschungsoberfläche
wurde im Tagebaubetrieb durch ein Verspülen von Kippenmaterial hergestellt. Entsprechend gering
sind die vorhandenen Böschungsneigungen sowohl unter als auch über dem Wasserspiegel. Die Nei-
gung der Unterwasserböschungen liegt im Bereich von 0,9 °… 3,0 ° (1:62 … 1:19). Das sich in diesem
Bereich anschließende Uferhinterland zeichnet sich ebenfalls durch flache Böschungsneigungen aus.
Bis zum untersten Böschungsfuß der gestaffelten Hochkippenböschung weist das Böschungshinterland
Neigungen von 0,6 °… 3,4 ° (1:100 … 1:17) auf. Die Mächtigkeit der Kippe beträgt im Bereich der
Nordböschung ca. 25 m … 34 m.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
71
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Im Rahmen des Tagebaubetriebes sind mehrere Rutschungen in diesem Böschungsbereich aufgetreten.
Die größten Rutschungen mit einem zum Teil beträchtlichen Ausmaß ereigneten sich in den Jahren
1930 und 1937. Anhand von Altunterlagen ist dargestellt, dass bei den Rutschungen auch das gewach-
sene Böschungssystem in Mitleidenschaft gezogen und tiefgründig beeinflusst wurde. Es ist davon aus-
zugehen, dass die Rutschungsmassen eine ähnliche Lagerungsform wie die anstehenden Kippenmassen
aufweisen.
Die sich im Hinterland anschließende Hochkippe Maukendorf wurde im Rahmen des Aufschlusses
überwiegend auf die Rasensohle geschüttet und damit auf dem Gewachsenem gegründet. Ausnahmen
bilden die Böschungsabschnitte der Südböschung der Hochkippe, die im Rutschungsbereich der ehema-
ligen nördlichen Betriebsböschung des Tagebaus Werminghoff I liegen (Rutschungen in den Jahren
1930 und 1937). Aus dem Risswerk ist darüber hinaus zu entnehmen, dass teilweise sowohl die ehema-
lige OK Abraum als auch die Auskohlungsgrenze über den Böschungsfuß der Hochkippenteilböschung
hinausreicht und damit zumindest dieser Teil der Hochkippe auf geschüttetem Material (Kippe) gründet.
Aus den Untersuchungen an dem anstehenden Kippenmaterial ist bekannt, dass die Kornverteilung der
überwiegend rollig ausgebildeten Kippenböden nahezu vollständig innerhalb des als verflüssigungsge-
fährdet anzusehenden Körnungsbandes liegt. Auch für diesen Bereich weisen die Kippensande eine gute
Rundung der Kornform und eine geringe Kornrauigkeit auf.
Die im Böschungsabschnitt abgeteuften Drucksondierungen zeigen ein sehr heterogenes Abbild der
Lagerungsverhältnisse der Kippe. Neben Bereichen mit einem großen Eindringwiderstand, die auf eine
zumindest mitteldichte Lagerung der Kippensande hindeuten, existieren auch Bereiche mit sehr gerin-
gen Eindringwiderständen für die Drucksonde. Für diese Bereiche ist von einer lockeren bis sehr locke-
ren Lagerung der Kippensande auszugehen.
Reste unterirdischer Entwässerungsstrecken befinden sich im nördlichen Uferbereich des Abschnittes U
im Bereich der Auskohlungsgrenze. Aus den vorliegenden Unterlagen [2.4.7], [2.4.8] geht hervor, dass
diese Streckenelemente in den 1970iger Jahren verwahrt wurden. Die Verwahrung erfolgte entspre-
chend der seinerzeit üblichen Vorgehensweise und dem damaligen Kenntnisstand mit Sand-Wasser-
Gemisch bzw. mit Braunkohlenfilterasche. Abgeteufte Kontrollbohrungen trafen keine Hohlräume an.
Dies liegt vor allem daran, dass die Hohlräume lagemäßig nicht genau bestimmt werden konnten
[2.4.8].
Eine Kontrolle des Verwahrungsgrades erfolgte, wie damals üblich, über die Volumenbilanz zwischen
dem abgeschätzten Hohlraumvolumen und dem Volumen des eingebrachten Verwahrungsmaterials. In
[2.4.7] wird abgeschätzt, dass das Verwahrungsziel erreicht wurde und es wird ein Verfüllungsgrad von
90 % angegeben.
Aus anderen Sanierungsobjekten ist bekannt, dass diese Vorgehensweise bei der Verwahrung von Alt-
bergbaustrecken nicht immer zu einer vollständigen Verfüllung der Hohlräume geführt hat. Ebenso ist
es möglich, dass durch Strömungsvorgänge Verwahrungsmaterial wieder ausgespült wurde. Eventuell
noch vorhandene Hohlräume können beim Zubruchgehen als Initial für die Kippe wirken. Daraus ergibt
sich, dass aus diesen Streckenfragmenten eine deutliche Erhöhung der Setzungsfließgefahr resultiert.
Die Kriterien zur Setzungsfließgefahr werden für den Abschnitt U wie folgt bewertet:
-
Die Körnungslinien der vorhandenen Kippenböden liegen nahezu vollständig im verflüssigungs-
gefährdeten Kornspektrum. Der Feinkornanteil (d
0,063 mm) beträgt in der Regel
30 %.
-
Die Kippensande sind gut gerundet und besitzen eine geringe Kornrauhigkeit, was als weiterer
begünstigender Faktor für die Verflüssigungsneigung zu werten ist.
-
Die Kippenböden weisen in der wassergesättigten Zone unterhalb des Grundwasserstandes Zonen
mit einer sehr lockere bis lockere Lagerung auf. Bereiche mit mitteldichter Lagerung können nur
partiell jedoch nicht flächenhaft nachgewiesen werden.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
72
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
-
Für Lockergesteine, deren Korngrößenverteilung den vorgenannten Bedingungen entspricht,
muss bei einem kritischen Wasserstandsverhältnis H
WK
/H
K
(Höhe der wassergesättigten Kippe zu
Gesamthöhe Kippe) > 0,2 mit einem Setzungsfließen gerechnet werden.
Der Verhältniswert liegt für den Uferabschnitt U unter Berücksichtigung der Hochkippe und in
Abhängigkeit des Wasserstandes im Knappensee im Bereich 0,64 … 0,71 und damit im kriti-
schen Bereich.
-
Initiale als Auslöser von Setzungsfließereignissen können im Bearbeitungsgebiet in vielfältigster
Weise eintreten.
Im nördlichen Abschnitt des Bereiches U erfolgt eine intensive freizeitliche Nutzung in Form von Bun-
galows. Es bestehen Verhaltensanforderungen.
Für den Bereich U (Uferbereich und dessen Hinterland) besteht Setzungsfließgefahr sowie Gefahr
von Geländeeinbrüchen infolge Verflüssigung.
Sicherungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließ-/Verflüssigungsgefahr sind erforderlich.
8.4.2
Nordostbereich – Bereich T
Die Kippenverhältnisse im Uferbereich des Abschnittes T werden an der nördlichen und südlichen
Grenze durch Spülkippen charakterisiert, die die Massen der Rutschungen aus den Jahren 1930 und
1937 überlagern. Die Rutschungsmassen sind überwiegend locker gelagert, wobei die Spülkippe auch
mitteldichte Lagerung erreicht. Zwischen beiden Rutschungsbereichen überlagern die Spülkippen mit
geringer Mächtigkeit (wenige Meter) eine Absetzerkippe mit geringer Lagerungsdichte. Im Hinterland
schließt die Spülkippe an die Absetzerhochkippe an, wobei die vorgelagerte und die Spülkippe noch
überlagernde 1. Berme in die Charakteristik einer Pflug- oder Handkippe einzuordnen ist. Die Spülkippe
sowie die Absetzerhochkippe lagern auf einer Absetzerkippe des Tagebaus Werminghoff I auf. Die
Absetzerhochkippe selbst besteht aus Abraummaterial des Tagebaus Werminghoff II.
Aufgrund der vorhandenen Kippenmaterialien und der lockeren Lagerungsdichte ist eine Verflüssi-
gungsgefahr gegeben.
Die Böschungsneigungen im Hinterland betragen bis zu
β
= 45°. Die Kippenböschung befindet sich
damit im Grenzgleichgewicht. Der Uferbereich ist, außer am südlichen Ende des Abschnittes T, flach
und ohne Böschung geneigt. Die Gefahr von größeren Böschungsbrüchen als Primärereignis ist als ge-
ring einzuschätzen.
Die Neigung der Unterwasserböschung liegt entsprechend den Lotungsergebnissen für die Gelände-
schnitte zwischen 1,4° und 3,5° (im Mittel 2,1°). Signifikant abweichend von dieser Situation ist die
relativ steile Neigung (13,0°) im Südteil des Bereiches T im Übergang zum Abschnitt S (ehemaliger
Steiluferbereich).
Kippengelände (Absetzerhochkippe) bildet das Hinterland. Es wird im Bereich der Siedlung Knappen-
hütte als Wohnstandort genutzt. Der vorgelagerte Uferbereich unterlag bisher mit Zeltplätzen, Bootsver-
leih und Anglerverein einer Nutzung für Freizeit und Erholung.
Die Kriterien zur Setzungsfließgefahr werden für den Abschnitt T wie folgt bewertet:
-
Die Korngrößenverteilungen der vorhandenen Kippenböden liegen fast vollständig im verflüs-
sigungsgefährdeten Kornspektrum. Der Feinkornanteil (d
0,063 mm) beträgt in der Regel
30 %.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
73
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
-
Die Kippenmaterialien bestehen vorwiegend aus gerundeten bis gut gerundeten Sanden, so dass
vom Aspekt der Kornform ausgehend eine höhere Verflüssigungsneigung zu bescheinigen ist.
-
Die Kippenböden weisen in der wassergesättigten Zone unterhalb des Grundwasserstandes
überwiegend eine sehr lockere bis lockere Lagerung auf. Spülkippen mit mitteldichter Lagerung
können nur punktuell jedoch nicht flächenhaft nachgewiesen werden.
-
Für Lockergesteine, deren Korngrößenverteilung den vorgenannten Bedingungen entspricht,
muss bei einem kritischen Wasserstandsverhältnis H
WK
/H
K
(Höhe der wassergesättigten Kippe
zu Gesamthöhe Kippe) > 0,2 mit einem Setzungsfließen gerechnet werden. Der Verhältniswert
liegt für den Abschnitt T unter Berücksichtigung der im Hinterland befindlichen Kippenbö-
schungen und in Abhängigkeit des Wasserstandes im Knappensee im Bereich 0,56…0,74. Das
Wasserstandsverhältnis H
WK
/H
K
als Kriterium der Möglichkeit von Setzungsfließrutschungen
liegt damit im kritischen Bereich.
-
Initialwirkungen als Auslöser von Setzungsfließereignissen können im Bearbeitungsgebiet in
vielfältigster Weise eintreten.
Aus der zusammenfassenden Bewertung der wesentlichen Einflussfaktoren wird geschlussfolgert, dass
an der gekippten Ostböschung des Restlochgewässers im Bereich T die Gefahr von Setzungsfließrut-
schungen generell besteht. Bleibt eine lokale Verflüssigung nicht begrenzt, treten in Böschungsnähe
Setzungsfließen und im Hinterland bei geringer erdfeuchter Überdeckung Grundbrüche ein. In jedem
Fall ist eine lokale Verflüssigung mit Deformationen der Geländeoberfläche verbunden, z. B. in Form
einer plötzlichen Geländeabsenkung. Im Uferbereich ist die Trittsicherheit in der Regel nicht gegeben.
Für den Bereich T (Uferbereich und dessen Hinterland) besteht Setzungsfließgefahr sowie Gefahr
von Geländeeinbrüchen infolge Verflüssigung.
Sicherungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließ-/Verflüssigungsgefahr sind erforderlich.
8.4.3
Ostbereich – Bereich S
Der nördliche Teilabschnitt des Uferbereiches S zeichnet sich durch eine ähnliche Kippengenese wie im
Nachbarbereich T aus. Die Kippe baut sich aus einer Pflugkippe mit einer überlagernden Absetzerkippe
auf. Im Gegensatz zum Bereich T ist im Uferabschnitt S keine Spülkippe vorgelagert. Im südlichen Teil
des Uferabschnittes wurde bis 1940 ebenfalls eine Pflugkippe betrieben. Über die Pflugkippe wurde
eine Absetzerkippe geschüttet. Die Massen, die mit dem Absetzer abgelagert wurden, stammten aus
dem Tagebau Werminghoff II.
Für den Uferbereich S ist eine große Rutschung dokumentiert. Diese ereignete sich im Jahre 1941 und
umfasste ca. 4,5 Mio. m³ Material und beeinflusst den gesamten mittleren Teil des heutigen Knappen-
sees. Im Ergebnis der Rutschung entstand die ehemalige Steilböschung im Uferabschnitt.
Diese Steilböschung wurde im Zuge von ersten Sanierungsmaßnahmen in den 80iger Jahren des ver-
gangenen Jahrhunderts durch Abspülen abgeflacht.
Im Unterschied zu den in den Nachbarbereichen ausgebildeten Neigungen der Unterwasserböschung
weist die Seesohle im Abschnitt S relativ steile Neigungen von 4,5° … 10,1° (1:12,6 … 1:5,6) auf. Die-
se Unterwassermorphologie ist vermutlich noch ein Resultat der oben beschriebenen Rutschung. An den
Uferbereich schließt sich ein flach geneigtes Hinterland an. Bis zum Böschungsfuß der abgespülten
Hochkippenböschung betragen die Neigungen des Uferhinterlandes ca. 1,1° …2,9° (ca. 1:50 … 1:20).
Die Hochkippe wurde im zentralen Bereich des Uferabschnitts S mit den beschrieben Abspülmaßnah-
men auf eine Neigung von 1:5,5 … 7,0 abgeflacht.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
74
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
In einem etwa 130 m breiten Böschungsbereich im Übergang zum südlich gelegenen Uferabschnitt G
besitzt die Hochkippe eine Neigung von ca. 1:1,35 (36,5°), die weitgehend der Neigung bei der Schüt-
tung im Tagebaubetrieb entspricht.
Die Uferböschung sowie das sich daran anschließende Hinterland liegen vollständig innerhalb von ge-
kipptem Material. Die Mächtigkeit der Kippenablagerung beträgt ca. 24 m … 45 m. Aus den Aufschlüs-
sen ist zu entnehmen, dass die anstehenden Kippensande eine bereichsweise lockere bis sehr lockere
Lagerung im wassergesättigten Bereich aufweisen. Diese Lagerung resultiert aus den niedrigen Schütt-
höhen des seinerzeit eingesetzten Absetzers. Die Verdichtungswirkung der damaligen Schütttechnologie
ist vergleichbar mit der einer Pflugkippe.
Aus den laborativen Untersuchungen am Material geht hervor, dass die Kippensande eine Kornvertei-
lung aufweisen, die nahezu vollständig innerhalb des als verflüssigungsgefährdet anzusehenden Kör-
nungsbandes liegen. Der Feinkornanteil (d
0,063 mm) beträgt in der Regel
30 %. Die Kornform der
Sande ist gerundet bis gut gerundet.
Die Kriterien zur Setzungsfließgefahr werden für den Abschnitt S wie folgt bewertet:
-
Die Körnungslinien der im Abschnitt anstehenden Kippenböden liegen vollständig im verflüssi-
gungsgefährdeten Kornspektrum. Der Feinkornanteil (d
0,063 mm) beträgt in der Regel
30 %.
-
Die Sandkörner weisen eine gute Rundung und eine geringe Kornrauhigkeit auf. Damit ist ein
weiterer begünstigender Faktor für die Verflüssigungsneigung vorhanden.
-
Die Kippenböden weisen in der wassergesättigten Zone unterhalb des Grundwasserstandes Zonen
mit einer sehr lockere bis lockere Lagerung auf. Bereiche mit mitteldichter Lagerung können nur
vereinzelt bzw. punktuell jedoch nicht flächenhaft nachgewiesen werden.
-
Für Lockergesteine, deren Korngrößenverteilung den vorgenannten Bedingungen entspricht,
muss bei einem kritischen Wasserstandsverhältnis H
WK
/H
K
(Höhe der wassergesättigten Kippe zu
Gesamthöhe Kippe) > 0,2 mit einem Setzungsfließen gerechnet werden.
Der Verhältniswert liegt für den Uferabschnitt S unter Berücksichtigung der Hochkippe und in
Abhängigkeit des Wasserstandes im Knappensee im Bereich 0,55…0,58. Damit liegt der Ver-
hältniswert H
WK
/H
K
im kritischen Bereich.
-
Initiale als Auslöser von Setzungsfließereignissen können im Bearbeitungsgebiet in vielfältigster
Weise eintreten.
Aufgrund der vorhandenen lockeren Lagerung ist auch nach dem Abspülen eine Verflüssigungsgefahr
gegeben. Auch das Hinterland ist durch Kippen gekennzeichnet. Das Ufer wird als Badestrand genutzt.
Die Nutzung ist bezüglich des Einsatzes von erschütterungsintensiven Geräten eingeschränkt. Es besteht
ein Bauverbot.
Bei Einwirkung eines kritischen Initials besteht die Gefahr von Bodenverflüssigungen und anschließen-
den Setzungsfließrutschungen und somit eine akute Gefahr für öffentlich geschützte Rechtsgüter, insbe-
sondere das Leben und die Gesundheit von Menschen.
Ohne Sicherungsmaßnahmen würden die Gefährdungen von Personen und Sachwerten sowie die damit
verbundenen Nutzungseinschränkungen zeitlich unbegrenzt bestehen bleiben.
Für den Bereich S (Uferbereich und dessen Hinterland) besteht Setzungsfließgefahr sowie Gefahr
von Geländeeinbrüchen infolge Verflüssigung.
Sicherungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließ-/Verflüssigungsgefahr sind erforderlich.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
75
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
8.4.4
Südostbereich – Bereich G
Der als Koblenzer Strand bezeichnete Bereich G wurde bereits in den Jahren 1982 und 1983 einer ein-
gehenden geotechnischen Untersuchung unterzogen, deren Ergebnisse weiterhin Gültigkeit besitzen.
Der Uferbereich und der dahinterliegende Geländestreifen bis zur Hochkippe bestehen aus einer sehr
locker gelagerten Pflugkippe, die auf der AFB-Kippe, die bis zum Liegenden reicht, aufsitzt. Die Aus-
bildung der Kippe ist als sehr inhomogen einzustufen. Es wurden überwiegend Sande verkippt, deren
Kornverteilung in dem zur Verflüssigung neigenden Bereich liegt. Die Feinkornanteile der vorhandenen
Kippenmaterialien (Pflug- und AFB-Kippe) schwanken von ca. 10 % bis ca. 20 %. Die Materialien der
Absetzerhochkippe zeigen hinsichtlich ihrer Kornverteilung schluffige Fein- bis Mittelsande mit einem
mittleren Feinkornanteil von ca. 17 %.
Die geometrischen Verhältnisse sind als günstig beziehungsweise in gewissem Maße mindernd gegen-
über der Setzungsfließgefahr einzuschätzen. Der Seeboden wird durch die ehemalige Oberfläche der
AFB-Kippe charakterisiert und ist flach geneigt (1,1° bis 2,8°). Die flachsten Neigungen sind dabei im
Nordteil anzutreffen. Die Böschungen über Wasser am Ufer sind sehr steil und betragen ca.
β
= 35°.
Lokal sind Versteilungen vorhanden. Die Kippenböschung befindet sich damit im Grenzgleichgewicht.
Die Gefahr von größeren Böschungsbrüchen als Primärereignis ist aufgrund der geringen Höhe der Bö-
schung als gering einzuschätzen. Aufgrund der Ufersituation wurde ursprünglich die Empfehlung abge-
leitet, bis zu einer Sanierung den Wasserspiegel im Knappensee auf maximal 125,2 m NN zu halten, um
Uferzerstörungen als Initial einer Verflüssigung zu vermeiden.
Aufgrund der geringen Lagerungsdichte (locker bis sehr locker) besteht im Abschnitt ein sehr hohes
Gefahrenpotential bezüglich der Verflüssigungsneigung der vorhandenen wassergesättigten Kippenma-
terialien. Bleibt eine lokale Verflüssigung nicht begrenzt, treten in Böschungsnähe Setzungsfließen und
im Hinterland Grundbrüche ein. In jedem Fall ist eine lokale Verflüssigung mit Deformationen der Ge-
ländeoberfläche verbunden, z. B. in Form einer plötzlichen Geländeabsenkung.
Die Kriterien zur Setzungsfließgefahr werden für den Abschnitt G wie folgt bewertet:
-
Die Korngrößenverteilungen der vorhandenen Kippenböden liegen fast vollständig im verflüs-
sigungsgefährdeten Kornspektrum. Der Feinkornanteil (d
0,063 mm) beträgt in der Regel
30 %.
-
Die Kippenmaterialien bestehen vorwiegend aus gerundeten bis gut gerundeten Sanden, so dass
vom Aspekt der Kornform ausgehend eine höhere Verflüssigungsneigung zu bescheinigen ist.
-
Die Kippenböden weisen in der wassergesättigten Zone unterhalb des Grundwasserstandes eine
sehr lockere bis lockere Lagerung auf.
-
Für Lockergesteine, deren Korngrößenverteilung den vorgenannten Bedingungen entspricht,
muss bei einem kritischen Wasserstandsverhältnis H
WK
/H
K
(Höhe der wassergesättigten Kippe
zu Gesamthöhe Kippe) > 0,2 mit einem Setzungsfließen gerechnet werden. Der Verhältniswert
liegt für den Abschnitt G unter Berücksichtigung der Hochkippe und in Abhängigkeit des Was-
serstandes im Knappensee im Bereich 0,51…0,56. Das Wasserstandsverhältnis H
WK
/H
K
als Kri-
terium der Möglichkeit von Setzungsfließrutschungen liegt damit im kritischen Bereich.
-
Initialwirkungen als Auslöser von Setzungsfließereignissen können im Bearbeitungsgebiet in
vielfältigster Weise eintreten.
Bei Einwirkung eines kritischen Initials besteht die Gefahr von Bodenverflüssigungen und anschließen-
den Setzungsfließrutschungen und somit eine akute Gefahr für öffentlich geschützte Rechtsgüter, insbe-
sondere das Leben und die Gesundheit von Menschen.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
76
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Für den Bereich G (Uferbereich und dessen Hinterland) besteht Setzungsfließgefahr sowie Gefahr
von Geländeeinbrüchen infolge Verflüssigung.
Sicherungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließ-/Verflüssigungsgefahr sind erforderlich.
8.4.5
Bereich F
Die auf dem Kohleliegenden aufsitzende Brückenkippe wird durch eine Absetzerkippe oder Handkippe
(Pflug-) überlagert.
Am ehemaligen Jugendtouristhotel weisen die Druck- und Rammsondierungen bis ca. 15,5 m Teufe
eine locker gelagerte Absetzerkippe und darunter die mitteldicht gelagerte Förderbrückenkippe aus. Bei
oberflächennahen Probenahmen wurde Sand mit Feinkornanteilen zwischen 10 % und 20 % festgestellt.
In diesem Gebiet traten 1983 und 1984 Senkungen und Rissbildungen an der Geländeoberfläche auf, die
auf Sackungen zurückgeführt wurden.
Im Areal des zu dieser Zeit noch vorhandenen Restloches 0815/1, das sich nördlich vom Jugendtou-
risthotel befand, führten die Sondierungen auf lockere bis sehr lockere Lagerung, unabhängig davon, ob
Förderbrücken-, Absetzer- oder Handkippen durchteuft wurden. Aus diesen Ergebnissen wurde abgelei-
tet, dass Sicherungsmaßnahmen für diesen Bereich erforderlich sind [2.4.36].
Im Jahre 2012 wurden im Bereich F am Gasthaus und Landhotel Haink im Rahmen der Entwurfs- und
Genehmigungsplanung für Gefahrenabwehrmaßnahmen Druck- und Rammsondierungen ausgeführt.
Sie bestätigen die lockeren Lagerungsverhältnisse, den heterogenen Kippenaufbau sowie das verflüssi-
gungsgefährdete Kornspektrum der vorhandenen Kippenmaterialien.
Das im Bereich des Grundwasserspiegels vorhandene Kippenmaterial weist eine sehr hohe Verflüssi-
gungsneigung auf. Das Hinterland besteht im Bereich F allseitig ebenfalls aus Kippenmaterial. Die Nut-
zung im Norden (RL 0815/1) erfolgt forstwirtschaftlich und im Süden touristisch (Hotelanlage, Ferien-
wohnungen).
Die Kriterien zur Setzungsfließgefahr werden für den Abschnitt F wie folgt bewertet:
-
Die Kippenböden weisen in der wassergesättigten Zone vor allem im Bereich der Handkippe
eine sehr lockere bis lockere Lagerung auf.
-
Die Kippenmaterialien bestehen vorwiegend aus gerundeten bis gut gerundeten Sanden, so dass
vom Aspekt der Kornform ausgehend eine Verflüssigungsneigung zu bescheinigen ist.
-
Initialeinwirkungen als Auslöser für Verflüssigungen sowie Setzungsfließrutschungen können
in vielfältiger Weise im Untersuchungsbereich auftreten.
Es bestehen Verhaltensanforderungen bezüglich der Nutzung (Verbot für erschütterungsintensive Gerä-
te).
Für den Bereich F besteht in Verbindung mit dem vorgelagerten Uferbereich G Setzungsfließge-
fahr. Im gesamten Bereich F (Hinterland) besteht weiterhin die Gefahr von Geländeeinbrüchen
infolge Verflüssigung.
Sicherungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließ-/Verflüssigungsgefahr sind erforderlich.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
77
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
8.4.6
Südbereich (Ostteil) – Bereich D Ost
Zwischen der ehemaligen oberen Abraumkante und der Uferlinie aber auch darüber hinaus stehen lo-
cker gelagerte Handkippen mit überwiegend sandigem Material mit einem maximalen Feinkornanteil
von 20 % mit runder Kornform an. Unter der Handkippe / Pflugkippe ist eine Spülkippe mit bis zu mit-
teldichter Lagerung anzutreffen. Unter dieser lagern wiederum Massen lockerer Lagerung, die in das
bereits mit Wasser gefüllte ehemalige Restloch B eingespült oder durch die Rutschung von 1941 einge-
tragen worden sind.
Die Uferböschungen besitzen Höhen zwischen 2 m und 3 m. Das Kippenhinterland ist maximal 95 m
breit und flach ausgebildet. Der Seegrund ist flach mit ca. 4° geneigt.
Die Kriterien zur Setzungsfließgefahr werden für den Abschnitt D Ost wie folgt bewertet:
-
Die Körnungslinien der vorhandenen Kippenmaterialien liegen zum Teil nicht im verflüssi-
gungsgefährdeten Kornspektrum. Ein Ausschluss der Gefährdung gegenüber Verflüssigung ist
für diese Böden jedoch daraus nicht ableitbar.
-
Die Kippenböden weisen in der wassergesättigten Zone vor allem im Bereich der Handkippe
eine lockere bis sehr lockere Lagerung auf. Die Ausbildung von Spülkippen mit mitteldichter
Lagerung kann weder flächenhaft noch über die ganze Teufe bis zum Liegenden nachgewiesen
werden.
-
Die Kippenmaterialien bestehen vorwiegend aus gerundeten bis gut gerundeten Sanden, so dass
vom Aspekt der Kornform ausgehend eine Verflüssigungsneigung zu bescheinigen ist.
-
Initialeinwirkungen als Auslöser für Verflüssigungen sowie Setzungsfließrutschungen können
in vielfältiger Weise im Untersuchungsbereich auftreten.
Mit [2.4.36] wird die Verflüssigungsneigung als gering eingeschätzt. Sie wurde jedoch nicht ausge-
schlossen, so dass bei entsprechendem Initialeintrag Grundbruch- und Setzungsfließgefahr besteht.
Im Uferabschnitt D Ost sind untertägige Strecken mit nicht definiertem Verwahrungszustand vorhan-
den. Die Wahrscheinlichkeit von Initialeinträgen im Abschnitt D Ost aus Zubruchgehen von Resthohl-
räumen wird auf Grundlage der Ergebnisse der durchgeführten Erkundungen (2005, [2.4.64]) sowie der
Größe der Altstrecken als sehr gering eingestuft.
Für den Bereich D Ost (Uferbereich und dessen Hinterland) besteht Setzungsfließgefahr sowie
Gefahr von Geländeeinbrüchen infolge Verflüssigung.
Sicherungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließ-/Verflüssigungsgefahr sind erforderlich.
8.4.7
Südbereich (Mittlerer Teil) –E 1 und E 2
Als Bereich E (siehe Anlage 2) sind diejenigen Abschnitte der Südböschung gekennzeichnet, an denen
die Uferlinie im gewachsenen Lockergestein liegt. Der Böschung im Gewachsenen sind eingespülte
Kippenböden vorgelagert [2.7.10].
Die dem Ufer vor gelagerten unverdichteten Kippenmassen wurden im Abschnitt E im Jahr 2010 mittels
seeseitiger Verdichtung gesichert [2.4.73], [2.4.75]. Weiterhin erfolgte im Abschnitt E die Errichtung
einer Einsetzstelle [2.4.72], [2.4.74] für auf dem See arbeitende Gerätetechnik, im Speziellen für zu-
künftige seeseitige Sanierungstechnik.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
78
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Eine Setzungsfließgefahr ist in diesen Abschnitten nicht gegeben.
8.4.8
Südbereich (Mittlerer Teil) – Bereich D Mitte
Östlich des Zulaufes des Schwarzwassers in den Knappensee befindet sich der Uferabschnitt D Mitte. In
diesem Bereich lagert eine Handkippe über einer Berme des Tagebaues Werminghoff I. Es sind lockere
Lagerungsverhältnisse vorhanden. Für die Kippenmaterialien ist eine Verflüssigungs- und Setzungs-
fließgefahr gegeben.
Die Kriterien zur Setzungsfließgefahr werden für den Abschnitt D Mitte wie folgt bewertet:
-
Die Körnungslinien der vorhandenen Kippenmaterialien liegen im verflüssigungsgefährdeten
Kornspektrum.
-
Die Kippenböden weisen in der wassergesättigten Zone im Bereich der Handkippe eine lockere
bis sehr lockere Lagerung auf.
-
Die Kippenmaterialien bestehen vorwiegend aus gerundeten bis gut gerundeten Sanden, so dass
vom Aspekt der Kornform ausgehend eine Verflüssigungsneigung zu bescheinigen ist.
-
Initialeinwirkungen als Auslöser für Verflüssigungen sowie Setzungsfließrutschungen können
in verschiedener Weise in diesem Abschnitt auftreten.
Für den Bereich D Mitte (Uferbereich und dessen Hinterland) besteht Setzungsfließgefahr sowie
Gefahr von Geländeeinbrüchen infolge Verflüssigung.
Sicherungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließ-/Verflüssigungsgefahr sind erforderlich.
8.4.9
Südbereich (Westteil) – Bereich D West
Zwischen der ehemaligen oberen Abraumkante und der Uferlinie stehen Handkippen an, die auf dem
Baggerplanum oder verspültem Kippgut aufliegen. Im westlichen Abschnitt des Bereiches D weisen die
Ramm- und Drucksondierungen unter der locker gelagerten Handkippe eine mitteldicht gelagerte Spül-
kippe aus. Bis zum Liegenden stehen unterhalb dieser wiederum locker gelagerte Massen an. Es handelt
sich um Abraum aus dem Tagebau II, der in das damals bereits mit Wasser gefüllte Restloch A gespült
worden ist. Die Anschüttung besteht aus Sand, der zur Auffüllung und Abstützung einer 1936 am Stoß
durch erhöhten Wasseraustritt verursachten Rutschung eingebracht worden war.
Die Beprobung bis zu 3 m Tiefe unter Geländeoberfläche führte zu der Feststellung überwiegend sandi-
gen Kippgutes mit runder Kornform und mehrfach mit Feinkornanteilen zwischen 10 % und 20 %
durchsetzt [2.4.36].
Die Kippen reichen bis zu 200 m niveaugleich in das Hinterland. Im Bereich D West bestehen flache
Geländeverhältnisse im Kippenhinterland und Kliffbildungen mit Höhen bis zu 1,0 m im Uferbereich.
Die Unterwasserböschungen sind mit ca. 4,5° gering geneigt. Im Bereich D West sind dem Uferbereich
die Inseln (Bereich C) gegenübergelagert.
Die Setzungsfließgefahr wird in D West durch folgende Charakteristika bestimmt:

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
79
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
-
Die Körnungslinien der vorhandenen Kippenmaterialien liegen zum Teil nicht im verflüssi-
gungsgefährdeten Kornspektrum. Ein Ausschluss der Gefährdung gegenüber Verflüssigung ist
für diese Böden jedoch daraus nicht ableitbar.
-
Die Kippenmaterialien bestehen vorwiegend aus gerundeten bis gut gerundeten Sanden, so dass
vom Aspekt der Kornform ausgehend eine Verflüssigungsneigung zu bescheinigen ist.
-
Die Kippenböden weisen in der wassergesättigten Zone vor allem im Bereich der Handkippe
eine lockere bis sehr lockere Lagerung auf.
-
Initialeinwirkungen als Auslöser für Verflüssigungen sowie Setzungsfließrutschungen können
in vielfältiger Weise im Untersuchungsbereich auftreten.
Es ist eine intensive freizeitliche Nutzung durch Anglerverein, Uferpromenade, Anlegestellen u.a. vor-
handen. Das Hinterland wird forstwirtschaftlich genutzt. Es bestehen Verhaltensanforderungen bezüg-
lich des Einsatzes von Fahrzeugen und Geräten.
Auf Grundlage von Untersuchungen und Auswertungen bisheriger Verwahrmaßnahmen musste 1988
eine unzureichende Verwahrung ehemaliger Entwässerungsstrecken festgestellt werden. Daraufhin fan-
den Erkundungen ehemaliger Entwässerungsstrecken im Bereich des Seesportclubs statt. Weitere Nach-
erkundungen wurden 2006 durchgeführt, wobei in den erkundeten Bereichen durch die vorgenommenen
Aufschlüsse (Drucksondierungen) keine Hohlräume angetroffen/erkundet wurden. Dennoch können
aufgrund eines fehlenden umfassenden Verwahrungsnachweises mögliche vorhandene Resthohlräume
beim Zubruchgehen als Initial für die Kippe wirken. Daraus ergibt sich, dass aus Streckenfragmenten
eine Erhöhung der Setzungsfließgefahr resultieren kann.
Für den Bereich D West (Uferbereich und dessen Hinterland) besteht Setzungsfließgefahr sowie
Gefahr von Geländeeinbrüchen infolge Verflüssigung.
Sicherungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließ-/Verflüssigungsgefahr sind erforderlich.
8.4.10
Westbereich – Bereich A und B Nord
Der Böschungsbereich des Uferabschnittes A (inklusive dem Teilabschnitt B Nord) wurde im Rahmen
der Bearbeitung mittels Felduntersuchungen (Sondier-Kampagnen 2008 und 2009) erkundet. Die Er-
gebnisse der bisherigen Erkundungen der geotechnischen Verhältnisse zeigen, dass in den gekippten
Uferbereichen mit locker gelagerten, überwiegend nichtbindigen Kippenböden zu rechnen ist.
Aus den Altunterlagen ist bekannt, dass an das ehemalige Anschnittböschungssystem Abraummaterial
in Form einer Handkippe angelagert wurde. Kennzeichnend für diese Kippenmaterialien ist die sehr
lockere Lagerung der sandigen Böden.
Aus den Untersuchungen stellt sich folgende geotechnische Situation für den betrachteten Böschungsbe-
reich dar:
Im Bereich des Seeufers wurden bis an den restlochseitigen Dammfuß des Maukendorfer Absperrdam-
mes Kippenmächtigkeiten von 4 m bis 7 m erkundet. Die Schlagzahlen innerhalb des Kippenmaterials,
unterhalb einer oberflächennah verfestigten Schicht, liegen im Durchschnitt bei N
10
= 0 … 3 und deuten
damit auf sehr lockere Lagerungsverhältnisse der sandigen Kippenmaterialien hin. Anhand der Auf-
schlüsse ist davon auszugehen, dass die Grenze Kippe/Gewachsenes im Vergleich zu den Eintragungen
im Risswerk weiter westlich liegt. Damit ist im Uferbereich mit einer entsprechend größeren Mächtig-
keit der Kippe am gewachsenen Randböschungssystem zu rechnen.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
80
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Die Kriterien zur Setzungsfließgefahr werden für den Abschnitt A und B Nord wie folgt bewertet:
-
Die Körnungslinien der im Abschnitt an das Anschnittböschungssystem angeschütteten Kippen-
böden liegen vollständig im verflüssigungsgefährdeten Kornspektrum.
Der Feinkornanteil (d
0,063 mm) beträgt in der Regel
30 %.
-
Die Sandkörner weisen eine gute Rundung und eine geringe Kornrauhigkeit auf. Damit ist ein
weiterer begünstigender Faktor für die Verflüssigungsneigung vorhanden.
-
Die Kippenböden weisen in der wassergesättigten Zone unterhalb des Grundwasserstandes Zonen
mit einer sehr lockere bis lockere Lagerung auf. Nur vereinzelt können Bereiche mit mitteldichter
Lagerung können nachgewiesen werden. Eine flächenhafte Ausdehnung der Bereich ist nicht
nachweisbar.
-
Initiale als Auslöser von Setzungsfließereignissen können im Bearbeitungsgebiet in vielfältigster
Weise eintreten.
Im Bereich des Auslaufbauwerkes wurden durch die Rammsondierungen gewachsener Untergrund bzw.
verdichtete Auffüllungen erkundet. Die gemittelten Schlagzahlen betragen ca. N
10
≥ 5 … 10. An der
Geländeoberfläche steht in diesem Bereich ein Sand-Schotter-Gemisch an.
Westlich des Rundweges wurden ebenfalls zur Erkundung des hinterlandseitigen Randdammuntergrun-
des leichte Rammsondierungen (DIN 4094, DPL 5) abgeteuft. Im Ergebnis konnte aus den ermittelten
Eindringwiderständen eine dichte bis mitteldichte Lagerung der sandigen Böden festgestellt werden.
Das Höhenniveau des Gewachsenen am westlichen Dammfuß befindet sich etwa im Höhenniveau
+125,00 m NHN … +126,00 m NHN. Anhand der Aufschlussergebnisse kann davon ausgegangen wer-
den, dass die Bundesstraße B 96 vollständig auf dem Gewachsenen gründet. Bekannt ist aus den Altun-
terlagen [2.7.10], dass im Tagebaubetrieb Auswaschungen aus dem Flözanschnitt aufgetreten sind. Die-
se Auswaschungen verursachten Absenkungen im Böschungshinterland und somit unter anderem auch
bei der damaligen Straße. So ist beispielsweise in [2.7.10] eine Rutschung an der Böschung im Gewach-
senen in Verbindung mit verstärkten Wasseraustritten dokumentiert. Die aufgetretenen Absenkungen
wurden mit Kippenmaterial wieder verfüllt. Diese Auswaschungen sind lokal begrenzt und von klein-
räumiger Ausdehnung.
Im Uferbereich verläuft der Hochwasserschutzdamm des Speicherbeckens Knappenrode. Dessen
Hochwasserschutzfunktion charakterisiert die Nutzung des Abschnittes. Es besteht eine Nutzungsein-
schränkung als Betretungsverbot zum Dammschutz. Im direkten Hinterland auf dem Gewachsenen ver-
läuft die Bundesstraße B 96.
Sanierungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr werden in [2.4.66] als erforderlich erachtet.
Momentan bestehen Verhaltensanforderungen.
Für den Bereich A und B Nord (Uferbereich bis zum Fuß des Hochwasserschutzdammes) besteht
Setzungsfließgefahr.
Sicherungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr sind erforderlich.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
81
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
8.4.11
Westbereich – Bereich B Süd
In zwei Abschnitten verläuft die obere Abbaukante westlich der Uferlinie. Parallel zur Uferböschung
verläuft neben dem ehemaligen Randschlauch der AFB eine aus Förderbrückenkippenmassen gebildete
langgezogene Insel. Das Hinterland wird durch das Gewachsene repräsentiert.
Das vorhandene Material weist eine hohe Verflüssigungsneigung auf. Es besteht bei ausreichendem
Initialeintrag Grundbruch- und Setzungsfließgefahr. Die Fläche wird forstwirtschaftlich genutzt.
Sicherungsmaßnahmen gegen Wellenschlag werden auf Grundlage der Lage und auftretenden Haupt-
windrichtungen als nicht erforderlich erachtet [2.4.34]. Zum Schutz bis zur Durchführung von Gefah-
renabwehrmaßnahmen wird die Absperrung gegenüber einem unbefugten Betreten gesehen [2.4.33].
Sanierungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr werden in [2.4.66] als erforderlich erachtet.
Für den B Süd (Uferbereich bis zum Fuß des Hochwasserschutzdammes) besteht Setzungsfließge-
fahr.
Sicherungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr sind erforderlich.
8.4.12
Inseln – Bereich C
Die Hochlagen der ehemaligen Förderbrückenkippe, die auf dem Flözliegenden aufsitzt, treten als In-
seln in Erscheinung. Durchgeführte Rammsondierungen weisen lockere bis sehr lockere Lagerungsdich-
ten aus. Die Beprobung hat das Kippgut als überwiegend normal abgestuften Sand von runder Kornform
mit Feinkornanteilen d
0,06 mm von weniger als 10 % ausgewiesen. Die Rippenscheitel sind häufig
morphologisch noch ausgeprägt. Bewuchs bedeckt die Oberfläche bis in Ufernähe. Die Böschungen in
den Uferbereichen und unter Wasser sind flach ausgebildet. Zwischen den Inseln und in den Buchten
treten nur geringe Wassertiefen von wenigen Metern auf [2.7.10], [2.4.36].
Den Inseln ist zum Abschnitt B eine Handkippe und im Abschnitt D West eine Spülkippe vorgelagert
[2.7.10].
Die geotechnische Situation der Inseln weist aufgrund der Kornverteilung der vorhandenen Kippenma-
terialien und ihrer sehr lockeren bis lockeren Lagerung ein hohes Gefährdungspotential gegenüber dem
Eintreten von Setzungsfließrutschungen oder Grundbrüchen infolge Verflüssigungen auf.
Die Inseln wurden mit Ausführung der Schutzgrabenbaggerung im Jahre 2007 gegen ein unbeabsichtig-
tes Betreten gesichert. Als Verhaltensanforderung besteht ein Betretungsverbot. Die Oberfläche ist mit
Strauch- und Baumbewuchs versehen.
Sanierungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr werden in [2.4.66] als erforderlich erachtet.
Für den Bereich C (Uferbereich) besteht Setzungsfließgefahr.
Sicherungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr sind erforderlich.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
82
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
9
Durchgeführte Sicherungsmaßnahmen und deren Ergebnisse,
Verhaltensvorgaben
9.1
Verhaltensvorgaben vor der Sanierung des Steilufers
Bezüglich der öffentlichen Nutzung der Ufer- und Hinterlandbereiche wird in der Erörterung der Stand-
sicherheitseinschätzung vom 15.04.1983 [2.4.12] folgendes ausgeführt:
-
Die Erholungsnutzung im Strandbereich kann unter der Bedingung, dass jeglicher Fahrzeugver-
kehr innerhalb eines Streifens von 100 m Breite ab Uferlinie unterbleibt, unter Beachtung der
bisher festgelegten Maßnahmen erfolgen.
-
Die Feriensiedlung (Siedlung Knappenhütte) befindet sich in einem Bereich, der unter Umstän-
den von einer gehenden Rutschung erfasst werden kann. Bei Einhaltung der bisher festgelegten
Sicherheitsbestimmungen (u.a. Absperrung Steilkippe, Verkehrsbeschränkungen, Stauhöhenbe-
grenzung) kann das Auftreten eines auslösenden Momentes mit hoher Wahrscheinlichkeit aus-
geschlossen werden. Aus diesem Grund kann die Nutzung unter Beachtung der bisher festgeleg-
ten Maßnahmen ohne weitere Einschränkungen erfolgen. Weitere bauliche Maßnahmen in der
Feriensiedlung sind jedoch nicht zuzulassen.
Mit der Vorlage der ersten größeren geotechnischen Untersuchung der östlichen Kippenbereiche [2.4.9],
der Standsicherheitseinschätzung vom 10.05.1982, wurden für den Knappensee folgende Empfehlungen
ausgesprochen:
-
Prüfung der Uferbereiche auf Veränderungen durch Strömungs- und Wellenschlagsereignisse
durch regelmäßige Kontrollen,
-
Begrenzung des Höchststaus auf 125,0 m NN,
-
Sperrung des Steiluferbereiches von 200 m Breite,
-
Verkehrs- und Geschwindigkeitsbegrenzung (< 15 km / h),
-
Entwicklung / Ableitung von Verdichtungstechnologien für die Sanierung.
Für die Prüfung und Kontrolle der Umsetzung von Maßnahmen zur Gewährleistung der öffentlichen
Sicherheit am Knappensee wurde in den 1980er Jahren ein Operativstab Knappensee gegründet, dessen
Leitung der Bergsicherung Cottbus unterstand.
Die in folgender Tabelle aufgeführten Maßnahmen wurden im Rahmen der Tätigkeit des Operativstabes
Knappensee umgesetzt.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
83
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Tabelle 9:
Maßnahmen Operativstab Knappensee
Zeitraum
Maßnahme
Quelle
Mai 1982
- Festlegung von Sofort- und längerfristigen Maßnahmen
als Mindestanforderungen zur Verhinderung von
auslösenden Momenten für Setzungsfließrutschungen:
- Sperrung des Steilkörperbereiches
- zusätzliche Vergrößerung des Sperrbereiches
der Steilböschung
- Nutzungsbeschränkung Koblenzer Strand
- Festlegung von Kontrollen des
Flachwasserbereiches wöchentlich und
nach starken Regenfällen
- Festlegung max. Stauhöhe 125,0 m NN
[2.6.4 a]
Juni 1982
- Begehung Gefährdungsbereiche Maukendorfer Strand,
Steilböschung und Koblenzer Strand
- Sofortmaßnahmen:
- wasserseitige Markierung Steilbereich mittels
Bojen
- Weiterführung Absperrung Sperrbereich
[2.6.4 b]
ab Juni 1982
- Umsetzung Absperrung und Verhaltensanforderungen:
- Ständige Kontrolle und Prüfung, da partiell
nicht umgesetzt oder eingehalten
- ungenügende Sicherung der Absperrung
- Beschädigungen der Absperrelemente
[2.6.4 b] – [2.6.4 i]
September 1982
- Sofortmaßnahmen:
- Entfernung Fahrzeuge und Boote aus
Sperrbereich
[2.6.4 d]
Juni / Juli 1983
- Übergabe der endgültigen Standsicherheitseinschätzung
Knappensee
- Sofortmaßnahmen:
- bleiben weiterhin erhalten
- täglich zweimalige Lautsprecherdurchsage, die
die Urlauber über Sperrung informiert
- die gesperrten Inseln sind durch niedrigen Wasserstand
erreichbar
Umsetzung der Sperrung gestaltet sich
schwierig
[2.4.11]
ab März 1984
- Vorbereitung Sanierung Steiluferbereich
[2.6.4 g]
9.2
Sanierung des Steilufers
Mit dem Gutachten [2.4.12] zur Sanierung des Steiluferbereiches (Abschnitt S) wurde die Zielstellung
verfolgt, in erster Linie durch Veränderungen der Geometrie der Böschungen oberhalb des Wasserspie-
gels das Entstehen von Initialen abzubauen und zum anderen auch unterhalb des Wasserspiegels günsti-
gere Stabilitätsbedingungen zu schaffen. Es wurden seitens der Bergsicherung Cottbus Technologien
vorgeschlagen und durch den Gutachter geprüft. Es wurde die Technologie des Abspülens als die den
geotechnischen Forderungen am besten entsprechende Variante bewertet.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
84
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Der Sanierung des Steiluferbereiches wurde die Durchführung eines großtechnischen Versuchs zum
Abspülen vorgelagert, um die technologischen sowie umsetzungstechnischen Randbedingungen zu be-
stimmen.
Das Ergebnis der Sanierungsarbeiten am ehemaligen Steiluferbereich stellt sich wie folgt dar:
Die gewünschten geometrischen Veränderungen am ehemaligen Steiluferbereich sind erreicht worden.
Die durch Abspülen und in den oberen Abschnitten durch Schieben gestalteten Böschungen entsprechen
mit
-
β ≤
12° für die Überwasserböschungen,
-
β ≤
5° für den Wellenschlagbereich (Uferzone) und
-
β ≤
18° für die Unterwasserböschungen
den Erwartungen. Die Gefahr von Böschungsbrüchen oder Blockablösungen, die als Initial einer Ver-
flüssigung in der wassergesättigten Strandzone hätten wirken können, ist beseitigt worden.
Breite und Mächtigkeit des entstandenen Stützkörpers entsprechen ebenfalls den Erwartungen. Die
ehemalige Uferlinie ist dabei bei einer Bezugshöhe von
125 m NN um mindestens 18 m, meist 40 m
bis 50 m zum See hin verlagert worden. Unbefriedigend ist dagegen die Mächtigkeit der über dem Was-
serspiegel abgesetzten Spülgutschicht, da der abgesenkte Wasserspiegel beim Spülen nicht stets bei
123 m NN, sondern mehrfach darüber lag. Demzufolge erreichte die Schichtstärke bezogen auf Kote
125 m NN als künftige Uferlinie in einigen Profilen nicht den möglichen Wert von ca. 2 m, sondern nur
Werte von 0,5 m bis 1,5 m.
Dementsprechend ist ein Stützkörper mit unterschiedlichen Materialeigenschaften entstanden. Die über
Wasser abgelagerten Partien weisen in der Regel höhere Sondierwiderstände auf, die auf mitteldichte
bis teilweise dichte Lagerung hinweisen. Die Prüfung ungestörter Proben im Triaxialgerät hat ergeben,
dass dieses Lockergestein unter monoton steigender Scherbeanspruchung selbst nicht mehr verflüssigt
werden kann. Die Lagerungsdichte der unter Wasser abgesetzten Partien ist jedoch geringer, meist lo-
cker, selten mitteldicht. Besonders geringe Sondierwiderstände waren im Übergangsbereich Spülkörper
- Seeboden und im Seeboden selbst zu beobachten. Es ist davon auszugehen, dass diese Partien weiter-
hin, aber beschränkt, verflüssigungsfähig sind, falls ein ausreichendes Initial auf sie wirkt.
Dem Entstehen gefährlicher Gradienten in den wassergesättigten Böschungsbereichen ist durch Be-
schränkung der Geschwindigkeit für Wasserspiegeländerungen vorzubeugen. Bisher hat sich ein Wert
von v
4 cm/d bewährt.
Weiterhin sind Maßnahmen zur Regelung der Wasserspiegeländerungen und zur Vermeidung unzuläs-
sig hoher Erschütterungen, die Initial zur Verflüssigung sein könnten, unumgänglich, um das Auslösen
eines Setzungsfließens am sanierten Uferbereich nicht zu provozieren.
Weitere Reduzierungen der Nutzungseinschränkungen sind denkbar, wenn geeignete Verfahren der
Tiefenverdichtung und zur Verdichtung noch nicht genügend dicht gelagerter Lockergesteinsbereiche in
den Uferzonen des Knappensees zur Verfügung stehen.
In der Bewertung zur Sanierung des Steiluferbereiches werden die in Tabelle 10 aufgeführten Verhal-
tensanforderungen definiert [2.4.18].

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
85
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Tabelle 10:
Verhaltensanforderungen auf Grundlage der Gestaltungskonzeption Ostufer 1983 und nach Sanierung des
Steiluferbereiches 1986
Kriterium
Anforderung / Einschränkung
Wasserspiegeländerung
Beschränkung der Geschwindigkeit auf v = 4 cm/d.
Badebetrieb
Der Badebetrieb im Bereich S ist ab einem Wasserspiegel
< 123,5 m NN nicht mehr gestattet
Höchstwasserstand
Beschränkung auf zulässigen Wasserstand von 125,2 m NN
Sperrung
Sind die Grenzwerte für Höchstwasserstand und Geschwindig-
keit der Wasserspiegeländerung objektiv, z.B. bei einem Hoch-
wasserereignis, nicht einzuhalten, dann ist der ehem. Steilufer-
bereich und der südlich in Richtung Jugendtouristhotel an-
schließende Abschnitt des Ostufers (Abschnitt G und F) für jede
Nutzung vorübergehend zu sperren.
Bebauung
Unterhalb der Höhenlinie 130 m NN dürfen entlang des Ufers
zunächst keinerlei Bauten errichtet werden. Das Einschlagen
von Pfählen zum Bauen von Stegen oder zum Anbinden von
Booten ist zu verbieten.
Fahrzeuge und Geräte
Für Fahrzeuge und Geräte gilt als Mindestabstand zum
Wasserspiegel im Untergrund:
- Gummibereifung mindestens 2 m,
- Raupenfahrwerke mindestens 5 m
Kettenfahrzeuge
Kettenfahrzeuge und Vibratoren dürfen nicht mit laufendem
Motor in Bereichen abgestellt werden, in denen die Überde-
ckung über der wassergesättigten Zone nicht mindestens 10 m
beträgt.
Verdichtungsgeräte
(Wegebau)
Geräte mit dynamischer Verdichtung sind vorher durch seismi-
sche Messungen durch den VEB Geophysik zu bewerten.
Bauten
Für Bauten gilt ein vertikaler Abstand von 5 m zwischen dem
während der Bauzeit höchstmöglichen Stauspiegel im Knappen-
see und der Gründungssohle.
9.3
Hydromechanische Abflachungen
Im November 1985, während der Absenkung des Seewasserspiegels im Zusammenhang mit der Sanie-
rung des Steilufers, wurden Uferbereiche beziehungsweise Untiefen hydromechanisch abgeflacht (An-
lagen 6/11 und 6/12) [2.5.6]:
-
Bereich I - Hydromechanisches Abflachen eines Kippensattels sowie teilweiser Abtrag einer
Landzunge;
-
Bereich II - Hydromechanisches Abflachen eines Kippensattels;
-
Bereich III - Hydromechanische Herstellung von Einschnitten in drei ca. 0,7 m über dem
Wasserspiegel liegenden Kippensatteln.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
86
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Hier war die Zielstellung, den Zieleinlauf der Regattastrecke günstig zu verändern und das unbefugte
Betreten der Inseln zu unterbinden.
Die im IV. Quartal 1985 zur Bestimmung der Lagerungsverhältnisse durchgeführten Sondierungen
(701/85 - 709/85) mit der leichten Rammsonde umfassen zwei weitere Bereiche (Einschnitt Landzunge
- Insel und landseitiges Ufer Höhe km 74,2 B 96 - Insel), in denen von einer Abflachung unter Berück-
sichtigung der ungünstigen technologischen Bedingungen und des vereinfachten Zugangs zur Insel ab-
gesehen wurde.
Im März 1986 wurde dann die Uferböschung entlang des Einlaufes Koblenz hydromechanisch abge-
flacht, um vorhandene Unterspülungen zu beseitigen und um zu erwartende Böschungsabbrüche gar
nicht erst zu ermöglichen.
Im Anschluss an die Sanierung des Steiluferbereiches erfolgten Sanierungsarbeiten am Einlaufgraben
Koblenz (Koblenzer Graben) [2.6.12]. Der Graben wurde bei Niedrigwasser im Knappensee durch das
Ablassen der südöstlich von Koblenz gelegenen Fischteiche in Form von Abspülungen stark beschädigt,
so dass im Rahmen der Sanierung die entstandenen Steilböschungen auf 20° bis 30° abgeflacht wurden.
Für die Heraufsetzung des maximalen Wasserspiegels des Knappensees auf 126,0 m NN sind gemäß
der Standsicherheitseinschätzung vom 25.04.1988 [2.4.23] u. a. Maßnahmen für die Sicherung der
Uferböschungen gegen Übersteilung, Wellenschlag oder Unterspülung an Teilen des Ost- und Südufers
erforderlich, da diese Abschnitte bezüglich der Hauptwindrichtungen West und Nordwest nicht im
Windschatten der Knappenseeinseln liegen und sich der Böschungsfuß der steileren Uferböschungen
tiefer als 126,0 m NN befindet. Als Sicherungsmaßnahmen wurden Faschinen- und Krainerwände er-
richtet sowie die eingebrachten Auffüllungen durch Bepflanzungen biologisch verbaut [2.5.12]. Die zu
sanierenden Bereiche umfassten insgesamt eine Länge von ca. 450 m am südöstlichen Ufer (Untersu-
chungsbereiche D und G).
9.4
Vorgesehene Maßnahmen 1988 und Anpassung der
Verhaltensanforderungen
Im Ergebnis der Standsicherheitseinschätzung vom 25.04.1988 [2.4.23] wurden zur Ufersicherung die
folgenden erforderlichen Maßnahmen abgeleitet:
-
weitgehende Schonung des vorhandenen Bewuchses im Uferbereich,
-
Beschränkung der bisherigen Nutzungsmöglichkeiten der Ufer auf ein unvermeidbares Maß,
-
Ausführung einer Ufersicherung durch biologischen Verbau, Faschinen oder Filter- und Stütz-
körper.
Auf eine zusätzliche Sicherung sind alle Bereiche des Ostufers zwischen ehemaligem Steiluferabschnitt
und dem Einlauf Koblenz sowie das Südufer zu untersuchen.
Die Bereiche der Inseln sind wegen ihrer hohen Gefährdung nicht zu befahren und zu bebauen. Für eine
mögliche Ufersicherung kommt in diesen Bereichen nur Handarbeit oder Transport und Arbeit von der
Wasserseite aus in Frage [2.4.23].
In folgender Tabelle sind die fortgeschriebenen Verhaltensmaßnahmen im Ergebnis der Standsicher-
heitseinschätzung [2.4.23] ersichtlich.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
87
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Tabelle 11:
Verhaltensanforderungen auf Grundlage der Standsicherheitseinschätzung vom 25.04.1988 [2.4.23]
Kriterium
Anforderung / Einschränkung
Wasserspiegel
- Festlegung Höchststau +126,00 m NN nach erfolgter
Ufersicherung
Wasserspiegeländerungen
- bis 4 cm / d, ohne Restriktionen
Fahrzeuge und Geräte
- Fahr- und Arbeitsverbot für Kettenfahrzeuge,
- zulässige Höchstgeschwindigkeit 30 km/h bei erdfeuchter
Mindestüberdeckung von 2 Metern.
- Marschverbot auf trocken gefallenen Bereichen des
Seegrundes
Bauten
- Verbot von Bauten, bei deren Errichtung vibrationserzeugende
Maschinen eingesetzt oder deren Gründungssohle sich tiefer
als 5 m über dem höchsten Grundwasserstand befinden wür-
den. Generell wird empfohlen, nur unvermeidbare Versor-
gungsbauten zu errichten.
Für die in der Nähe des Jugendtouristikhotels (heute Hotelanlage Haink) angetroffenen extrem lockeren
Zonen im Untergrund wird eine Verdichtung mittels Verpressen abgeleitet [2.4.23]. Bis zur Sicherung
dieser festgestellten lockeren Zonen wurde die Festlegung definiert, dass die Verkehrsbeschränkung auf
Schrittgeschwindigkeit bestehen bleibt.
9.5
Sanierung des Restloches 0815/1 und Sicherung der südlichen
Uferbereiche
Im Ergebnis der Standsicherheitseinschätzung vom 25.04.1988 [2.4.23] und den geforderten Maßnah-
men wurden folgende Arbeiten umgesetzt:
-
Ufersicherung,
-
Erkundung möglicherweise offen gebliebener Altstrecken,
-
Sanierungsarbeiten am RL 0815/1.
Die erforderlichen Ufersicherungen gegenüber Wellenschlag erfolgten mittels Verbau aus Faschinen
und Bohlwänden (Krainerwände) [2.4.26]. Die gesicherten Bereiche wurden zusätzlich durch eine Be-
pflanzung der hinter den Faschinen- und Bohlwänden eingebrachten Verfüllung biologisch verbaut. Die
Umsetzung des Uferschutzes erfolgte in den Abschnitten Koblenzer Strand, südliches Ostufer (Bereich
G), östliches Südufer (Bereich D Ost).
Für die Erkundung eventuell noch vorhandener unverwahrter Hohlräume im Bereich des Südufers er-
folgte die Ausführung von insgesamt 24 Bohrungen. Es konnten hierbei keine offenen Strecken nach-
gewiesen werden.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
88
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Die Zielstellung der Sanierung des Restloches 0815/1 stellte dessen Schließung dar, um die aus den
Uferböschungen resultierenden Gefahren aus möglichen Setzungsfließereignissen zu beseitigen. Als
Vorzugstechnologie wurde ein Abflachen der angrenzenden steilen Böschungen durch Abspülen in das
Restloch favorisiert. In Vorbereitung der Sanierung des Restloches 0815/1 wurde die Vorzugstechnolo-
gie durch einen großtechnischen Versuch [2.4.25] getestet und verifiziert. Die Arbeiten zur Sanierung
wurden mit [2.6.17] angezeigt. Es erfolgte die vollständige Auffüllung des Restloches RL 0815/1 durch
das Einspülen von Massen aus der Hochkippe an zwei Spülstellen. Die Verspülung wurde ohne vorheri-
ge Sümpfung des Restloches ausgeführt, so dass die unterhalb des beim Einspülen vorhandenen Rest-
lochwasserspiegels von 121,70 m NN abgelagerten Spülmassen eine sehr lockere Lagerung aufweisen.
Dieser Sachverhalt wurde durch die Ausführung von 5 leichten Rammsondierungen bestätigt. Zur Erhö-
hung der Tragfähigkeit der Spülbereiche wurde zusätzlich über den verspülten Massen eine Schicht aus
Kippgut aufgetragen. Bei unzulässigen Belastungen ist dennoch die Gefahr des Versagens dieser Berei-
che in Form von Grundbrüchen oder Verflüssigungen gegeben.
Die Ergebnisse der Sicherungsarbeiten wurden in der 1. Ergänzung zur Standsicherheitseinschätzung
[2.4.26] bewertet. Als Schlussfolgerung konnte das maximale Stauziel des Knappensees auf
126,0 m NN angehoben werden.
9.6
Verifizierung der Verhaltensanforderungen durch
Schwingungsmessungen im Bereich G, 1996
Im Auftrag des Zweckverbandes erfolgten Schwingungsversuche und deren Bewertung [2.4.31]. Der
den Bericht Unterzeichnende verfasste die Verhaltensanforderungen als Beratender Ingenieur im Frei-
staat Sachsen.
Es sind Verhaltensanforderungen für den Bereich des Sees sowie für vorgesehene Baumaßnahmen ab-
geleitet worden. Die fachtechnische Bewertung durch den Sachverständigen erfolgte mit [2.4.32], wobei
die Wiederholung des Versuches sowie eine erneute Bewertung empfohlen wurden.
9.7
Verhaltensanforderungen im Ergebnis der
Standsicherheitsuntersuchungen 2000
Die seit Ende der 1980er Jahre bestehenden und 1995 mit [2.4.30] bestätigten Verhaltensanforderungen
besitzen auch weiterhin ihre Gültigkeit.
Neben den Verhaltensanforderungen sowie Einschränkungen im Speicherbetrieb des Speichers Knap-
penrode wurden in [2.4.36] folgende weitere Maßnahmen empfohlen:
-
Mittels Kontrollbohrungen ist der Zustand von vermutlich unverwahrten bergmännischen Hohl-
räumen im südlichen Teil des Südwestteiles des ehemaligen Tagebaues, nördlich des Parkplat-
zes Koblenz sowie unter der Straße Koblenz - Knappenrode zu erkunden.
-
Förderung des Pflanzenbewuchses in den Uferbereichen, Instandhaltung des biologischen Ufer-
verbaus.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
89
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
9.8
Verhaltensanforderungen im Ergebnis der
Standsicherheitsuntersuchungen 2005
Im Rahmen der Standsicherheitsuntersuchung [2.4.50] zur Wirksamkeit früherer Sicherungsarbeiten
sowie zur Ableitung weiterer Maßnahmen erfolgten die Betrachtung der vorhandenen Standsicherheits-
verhältnisse und die Untersuchung der Notwendigkeit von weiterführenden Maßnahmen.
Die bestehenden Verhaltensanforderungen bleiben weiterhin gültig. Zur Einhaltung der Regelungen
wurde folgender Sachverhalt vermerkt:
„Bestehende Verhaltensanforderungen und Nutzungseinschränkungen mindern bestehende Gefährdun-
gen, sofern sie ausreichende Beachtung finden. Im Ergebnis der angetroffenen Situation ist einzuschät-
zen, dass die konsequente Einhaltung der Verhaltensanforderungen langfristig in Frage gestellt ist.“
[2.4.50]
Weiterführend wird als wichtiger Punkt vermerkt, dass bisherige Maßnahmen am Knappensee sich an
der Ende der 1980er Jahre definierten Vorgabe orientierten, dass Verhaltensanforderungen auf Grundla-
ge fehlender Sanierungstechnologien vertretbar erscheinen und das Risiko von allen Verantwortlichen
getragen werden muss. Aber nach dem heutigen Stand der Technik (hier 2005) ist eine Beseitigung der
Setzungsfließgefahr grundsätzlich möglich.
Für den gummibereiften Fahrverkehr wird festgelegt, dass ein Grundwasserflurabstand von 2,0 m aus-
reichend ist, so dass in den gekippten Bereichen der Verkehr bis zu einem Höhenniveau von
+128,00 m NHN zulässig ist.
Weiterhin wurde festgelegt, dass der Verwahrungszustand der Altstrecken durch Bohrungen zu klären
ist (die Umsetzung hierzu erfolgte 2006/2007).
Weiterführend sind schrittweise der Nachweis der tatsächlichen Verflüssigungsneigung anstehender
Kippenhorizonte und weitere Maßnahmen, z.B. Verdichtungen und Maßnahmen zur Gewährleistung der
Trittsicherheit, erforderlich.
Für die vorliegende Standsicherheitseinschätzung vom 31.08.2005 [2.4.50] erfolgte mit [2.4.57] eine
geotechnische Bewertung für die LTV Sachsen. Hierbei wurden in Bewertung und Abklärung die Ver-
haltensanforderungen für den Knappensee wie folgt definiert [2.4.50]:
-
Es besteht ein generelles Fahr- und Arbeitsverbot für raupenkettenbetriebene Fahrzeugtechnik.
-
Die Inseln und Halbinseln dürfen nicht betreten oder befahren werden.
-
Auf den befestigten Fahrwegen / Stellflächen ist der Einsatz von luftbereifter Fahrzeugtechnik
bis zu einem Achsgewicht von G = 11,5 t möglich. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beim
Fahren auf befestigten Flächen beträgt aus geotechnischer Sicht < 30 km/h. Abseits befestigter
Fahrwege ist ein Befahren nur im Schritttempo zulässig.
-
Zur Uferböschung ist für Fahrzeugtechnik und motorgetriebene Gerätetechnik ein Sicherheits-
abstand von 2,0 m einzuhalten.
-
Baumaßnahmen bei denen Erschütterungen in den Untergrund eingetragen werden sowie Mas-
senveranstaltungen sind genehmigungspflichtig.
-
Die Uferlinie ist gegen Erosion zu schützen. Der vorhandene Bewuchs ist zu erhalten und zu
pflegen.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
90
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
9.9
Maßnahmen in Kippentieflagen und an kleineren Restlöchern
Das Restloch Koblenzer Straße wurde 2004 verfüllt. Dabei kam es zu einer Setzungsfließrutschung, so
dass am 09.09.2004 die Böschungen und ein Teil der Verbindungsstraße in das teilverfüllte Restloch
rutschten (vgl. Kapitel 4.2). In Folge wurde das Restloch komplett verfüllt und die von der Rutschung
betroffenen Teile der Straße erneuert.
Durch den Grundwasserwiederanstieg wurden in Kippentieflagen Verhältnisse erreicht, die im Ergebnis
der geführten Standsicherheitsuntersuchungen Sicherungsmaßnahmen erforderten.
Folgende Maßnahmen wurden dabei abgeleitet und durchgeführt:
-
Verfüllung RL 0815/1 sowie der nördlich angrenzenden Teiche bzw. Vernässungsflächen süd-
lich des Restloches Koblenzer Straße,
-
Aufhöhung Kreisstraße Koblenz – Knappenrode,
-
Abriss der Hotelanlage „Am Knappensee“ und Auffüllung der gesamten Geländetieflage,
-
Aufhöhung der östlich der Kreisstraße Koblenz - Knappenrode befindlichen Waldwege.
Bedingt durch den Grundwasserwiederanstieg und den daraus resultierenden Gefahren in den Kippenbe-
reichen nördlich von Koblenz war eine Sanierung des Restloches 0815/1 sowie der Abriss der Hotelan-
lage „Am Knappensee“ nördlich von Koblenz notwendig.
Die Sanierung bestand aus der Geländeaufhöhung der beiden Teilflächen 1 und 2, der Geländeregulie-
rung auf der Hochkippe und dem Anlegen von Wegen für die vorgesehene forstwirtschaftliche Nutzung.
Die Arbeiten hierzu wurden 2010 abgeschlossen.
9.10
Sicherung des Campingplatzes am Nordufer 2006
Für die spezifische Nutzung des Campingplatzes am Nordufer (Bereich T) wurden folgende Leistungen
zur Gefahrenminimierung erbracht:
-
Aufhöhung des asphaltierten Weges in 4 Teilbereichen,
-
teilweise Aufhöhung der angrenzenden Flächen,
-
Befestigung von Stellflächen als Ersatzfläche zum vorübergehenden Abstellen von Wohnmobi-
len (Rezeption),
-
Anhebung von Parkflächen im Bereich Bewirtschaftung,
-
Verhinderung der Einfahrt in Bereiche mit unzureichender erdfeuchter Überdeckung,
-
Verlegung des Stellplatzes mit Entsorgungseinrichtungen.
Die Leistungen erfolgten im Jahr 2006.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
91
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
9.11
Schutz der Inseln gegen Betreten (Schutzgrabenbaggerung)
Ein Betreten und Befahren der Inseln war vor Beginn der Abtragsarbeiten im Wesentlichen ungehindert
möglich. Der vorhandene Wildverbisszaun konnte ein Betreten der Inseln nicht wirksam unterbinden.
Für den dauerhaften Schutz der Inseln gegenüber unbeabsichtigten Betretens war eine Baggerung
durchzuführen, die im Abschnitt zwischen den Inseln und den gegenüberliegenden Uferböschungen
eine Wassertiefe von mind. 2 m gewährleistet. Nach den im Jahr 2007 durchgeführten Abtragsarbeiten
ist die landseitige Anbindung der Inseln nicht mehr vorhanden. Überwiegend wurden nach den Abtrags-
arbeiten Sohlhöhen von ≤ +122,20 m NHN und somit Wassertiefen von ≥ 2,0 m nachgewiesen.
Zwischen den Abtragsbereichen und im Abtragsbereich Nord erfolgte kein Massenabtrag an der West-
böschung. Hier stehen im Uferbereich weiterhin locker gelagerte Tagebaukippen an. Weiterhin lagern in
der verbliebenen Böschung im südlichen Teil des Abtragsbereiches Landzunge lockere Böden. Für die-
se Teilböschungen besteht weiterhin bei ausreichendem Initialeintrag die Gefahr von Bodenverflüssi-
gungen.
Die Inselböschungen sind ungesichert. Deshalb wird zur Vermeidung schädlichen Wellenschlages in-
folge Bootsverkehr als Initial für ein Setzungsfließen der Inselböschungen empfohlen, auf diese Gefah-
rensituation hinzuweisen. Für motorgetriebene Boote sollte im Bereich zwischen Inseln und Westbö-
schung nur langsame Fahrgeschwindigkeit zugelassen werden.
Die bisherigen Verhaltensanforderungen sind deshalb weiterhin gültig.
9.12
Ufersicherung Bereich E
Im Bereich E am Südufer des Knappensees waren oberhalb der Uferlinie durch Kliffbildung infolge
Wellenschlages und Erosion zum Teil steile Böschungskanten entstanden. Da keine Uferschutzmaß-
nahmen durch Verbau oder Ähnliches gegen Uferumbildungsvorgänge ausgeführt wurden, war die
Uferlinie stark beschädigt und die ufernahe Restlochsohle nicht trittsicher.
Zu Beseitigung der Gefährdung wurden von November 2009 bis Juni 2010 Sicherungsarbeiten durchge-
führt. Die Unterwasserbereiche wurden mittels Leichter Rütteldruckverdichtung (LRDV) verdichtet und
die Uferböschungen profiliert [2.4.75].
9.13
Sofortmaßnahmen 2011
Die im Jahr 2010 gehäuft aufgetretenen Verflüssigungsgrundbrüche in der Lausitz machten die Aktuali-
sierung der Bewertung von Kippenflächen notwendig. Insbesondere der am 26.12.2010 auf der Innen-
kippe Lohsa registrierte Grundbruch sowie die in einer damals geführten Erstbewertung ermittelten
Randbedingungen waren Veranlassung, die aktuellen Sperrbereiche erneut einer kritischen Prüfung zu
unterziehen [2.4.79].
In der Folge wurden u.a. auch für die Kippenflächen des Knappensees Sperrbereichserweiterungen ge-
meinsam mit der LMBV, den Sachverständigen für Geotechnik, dem SMWA und dem SächsOBA dis-
kutiert. Im Ergebnis wurde ein Maßnahmekatalog zur Minderung der Setzungsfließgefahr und somit zur
Reduzierung des Risikos der Eintrittswahrscheinlichkeit eines derartigen Ereignisses ausgearbeitet.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
92
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Folgende Schwerpunkte zur Umsetzung von Sofortmaßnahmen wurden definiert und waren in der Folge
auf ihre Wirksamkeit zu untersuchen:
-
eine sofortige Erweiterung der Sperrbereiche mit der Konsequenz von Evakuierungsmaßnah-
men ist nicht notwendig,
-
Erarbeitung eines Monitoringprogrammes zur Früherkennung der Gefahrensituation,
-
Einhaltung des Minimalwasserstandes im Speicherbecken von +124,20 m NHN,
-
die vorhandenen Verhaltensanforderungen sind weiter anzuwenden und weitergehend zu präzi-
sieren,
-
Erstellung eines Alarmplanes,
-
die ab 2013 ([2.4.82]) geplanten Gefahrenabwehrmaßnahmen sind vorzuziehen, so dass die
Maßnahmen möglichst im Jahr 2012 beginnen können,
-
Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Verbindungsstraße Koblenz - Knappenrode mit
v = 30 km/h und Installation eines Porenwasserdruckwarnsystems,
-
Durchführung von Drucksondierungen in besonders gefährdeten Bereichen.
Die zum Vorschlag gebrachten Maßnahmen zur Gefahrenminderung wurden auf ihre kurzfristige Um-
setzbar- und Wirksamkeit in einem komplexen Maßnahmenkatalog für Sofortmaßnahmen zur Reduzie-
rung des Restrisikos der bergbaubedingten Gefährdungen für Kippenflächen im Bereich des Knappen-
sees bewertet. Alle Maßnahmen, die zur Minderung des Restrisikos geeignet sind, wurden geprüft und
auf ihre Wirksamkeit hin bewertet.
Tabelle 12:
Bewertung der Maßnahmen für die Hochkippe - Feriensiedlung Knappensee
Sofortmaßnahme
Geotechnische Bewertung
Feld- und Laboruntersuchungen
Erarbeitung Untersuchungsprogramm erforderlich
Durchführung von Drucksondierungen in Verbindung mit
Kombinationsdrucksondierungen (KDS)
PWD-Warnsystem
zur Zeit nicht sinnvoll - Einrichtung im Rahmen der Sanie-
rungsarbeiten - örtliche Festlegung auf Grundlage aktueller
Felduntersuchungen möglich
Injektionsschleier
aufgrund der Art der Bebauung und des zu erwartenden zeitli-
chen Umfangs nicht zielführend
Lokale Grundwasserabsenkungs-
maßnahmen
aufgrund vorhandener hoher erdfeuchter Überdeckung im Be-
reich der Hochkippe nicht sinnvoll
Ausrüsten von Grundwassermessstellen
mit Datenloggern
derzeit sind keine geeigneten Pegelmessstellen vorhanden,
Herstellung im Rahmen der Erkundungsmaßnahmen möglich,
unbedingte Notwendigkeit besteht nicht

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
93
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Tabelle 13:
Bewertung der Maßnahmen für den Bereich der Hotelanlage Haink
Sofortmaßnahme
Geotechnische Bewertung
Feld- und Laboruntersuchungen
Konzeption Untersuchungsprogramm
Durchführung von Drucksondierungen einschließlich KDS
PWD-Warnsystem
nicht sinnvoll - keine starken Initialeinträge zu erwarten
Injektionsschleier
nicht geeignet
Lokale Grundwasserabsenkungs-
maßnahmen
nicht geeignet aufgrund Gewässernähe,
Minderung der Gefährdung wird bereits durch Seespiegelabsen-
kung erreicht
Ausrüsten von Grundwassermessstellen
mit Datenloggern
geeignete Pegelmessstelle ist vorhanden, permanente Überwa-
chung ist geplant und wird installiert
Tabelle 14:
Bewertung der Maßnahmen für den Bereich Bungalowsiedlung Maukendorf
Sofortmaßnahme
Geotechnische Bewertung
Feld- und Laboruntersuchungen
Konzeption Untersuchungsprogramm
Durchführung von Drucksondierungen einschließlich KDS zur
Erkundung von Stauhorizonten sowie der Sättigungsverteilung
im erdfeuchten Kippenkörper
PWD-Warnsystem
nicht geplant - keine starken Initialeinträge zu erwarten
Injektionsschleier
nicht geeignet
Lokale Grundwasserabsenkungs-
maßnahmen
nicht geeignet aufgrund der Nähe zum Speicher und der damit
verbundenen GW-Anbindung,
Minderung der Gefährdung wird bereits durch Seespiegelabsen-
kung auf Niedrigeinstau erreicht
Ausrüsten von Grundwassermessstellen
mit Datenloggern
derzeit sind keine geeigneten Pegelmessstellen vorhanden
Herstellung im Rahmen der Erkundungsmaßnahmen möglich,
unbedingte Notwendigkeit besteht nicht

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
94
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Tabelle 15:
Bewertung der Maßnahmen für die Kreisstraße K 9207 / K 6407
Sofortmaßnahme
Geotechnische Bewertung
Feld- und Laboruntersuchungen
Konzeption Untersuchungsprogramm
Durchführung von Drucksondierungen einschließlich KDS zur
Erkundung von Stauhorizonten sowie der Sättigungsverteilung
im erdfeuchten Kippenkörper
PWD-Warnsystem
Eine permanente Überwachung der Porenwasserdruckentwick-
lung im Bereich der Straße ist geplant und wird bereits instal-
liert.
Injektionsschleier
nicht geeignet
Lokale Grundwasserabsenkungs-
maßnahmen
nicht geeignet aufgrund der Nähe zum Speicher Knappenrode
und dem Restloch D/F und der damit verbundenen GW-
Anbindung,
Minderung der Gefährdung wird bereits durch Seespiegelabsen-
kung auf Niedrigeinstau erreicht
Ausrüsten von Grundwassermessstellen
mit Datenloggern
Eine permanente Überwachung der Grundwassersituation im
Bereich der Straße ist geplant und wird bereits installiert.
Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgte nach ihrer Eignung standortbezogen:
-
Aufbau eines Porenwasserdruckwarnsystems an der Kreisstraße,
-
Ausrüsten von ausgewählten Grundwassermessstellen mit Datenloggern,
-
Durchführung von Drucksondierungen einschließlich KDS in den genannten Schwerpunktbe-
reichen zur Erkundung von Stauhorizonten sowie der Sättigungsverteilung im erdfeuchten Kip-
penkörper.
Als flankierende Maßnahme sind die bestehenden Verhaltensanforderungen am Knappensee präzisiert
worden:
Uferbereiche und unbefestigte Böschungen dürfen nicht befahren werden.
Die zulässige Höchstgeschwindigkeit für gummibereifte Kraftfahrzeuge beträgt v = 30 km/h bei
einer zulässigen Achslast von G = 11,0 t und einer erdfeuchten Mindestüberdeckung von 2,0 m.
Das erforderliche Höhenniveau von Fahrwegen > +128,00 m NHN wird auch bei Einstellung
des Minimalwasserstandes von +124,20 m NHN beibehalten.
Der vorhandene asphaltierte Weg in den Untersuchungsbereichen U und T bleibt in den bisher
festgelegten Bereichen für Kraftfahrzeuge gesperrt.
Das für die asphaltierte Straße seeseitig der Hotelanlage Haink bestehende Fahrverbot für Kraft-
fahrzeuge wird aufrechterhalten.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
95
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
In den setzungsfließgefährdeten Kippenbereichen am Knappensee gilt, sofern nicht bereits wei-
tergehende Einschränkungen existieren:
-
Generelles Verbot aller Bautätigkeiten in der Uferzone des Knappensees unterhalb eines
Höhenniveaus von +129,00 m NHN,
-
Verbot von Bautätigkeiten, die mit Erschütterungen verbunden sind. Dazu gehören ins-
besondere Arbeiten, die Schwingungen bzw. dynamische Anregungen in den Unter-
grund eintragen, wie z. B. Rüttelplatten, Vibrationswalzen, Rammen oder LKWs, die
Massen abladen,
-
Verbot von Bautätigkeiten, die mit Massenumlagerungen verbunden sind,
-
Fahr- und Arbeitsverbot für Kettenfahrzeuge aller Art.
Sind Bautätigkeiten nicht zu vermeiden (z.B. Havariefälle), ist ein mit der Setzungsfließproble-
matik vertrauter Sachverständiger für Geotechnik zu verständigen. Es erfolgt eine Einzelfallprü-
fung mit der Festlegung spezifischer Verhaltensanforderungen bzw. Sicherungsmaßnahmen für
die Durchführung der jeweiligen Baumaßnahme.
Die Inseln im Knappensee dürfen nicht betreten oder befahren werden. Dies gilt auch für ein
wasserseitiges Anlanden von Booten. Dazu ist die vorhandene Einzäunung zu warten oder es
sind andere geeignete Sicherungsmaßnahmen durchzuführen.
Es
besteht
Marschverbot
auf
Böschungsflächen
unterhalb
des
Höhenniveaus
von
+126,00 m NHN.
Der maßgebliche rechnerische Wert für die zulässige Wasserspiegeländerung in den gekippten
Uferböschungen beträgt 4 cm/d. Absenkgeschwindigkeiten des Seewasserspiegels im Knappen-
see sind bis zu diesem Wert unbedenklich.
Flankierend sind für Teilbereiche zusätzliche Verhaltensanforderungen festgelegt worden:
- Uferbereich U
Zur Minimierung der Gefahr eines möglichen Initialeintrages im Böschungsabschnitt U des Knappen-
sees wird zusätzlich ein Fahrverbot für Kraftfahrzeuge im Bereich der Bungalowsiedlung Maukendorf
ausgesprochen. Mit dieser Sperrung wird gleichsam verhindert, dass unbefestigte Flächen durch Kfz
befahren werden.
- Straße Koblenz - Knappenrode (K 9207 / K 6407)
Um die Einflüsse, die aus dem Straßenverkehr in den Untergrund der Straße eingetragen werden, mög-
lichst gering zu halten, wurden folgende zusätzliche Einschränkungen für die Straße Koblenz - Knap-
penrode festgelegt:
Begrenzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit für alle Verkehrsteilnehmer auf v = 50
km/h.
Optionale Sperrung der Straße bei Überschreiten von kritischen Messwerten (PWD oder GW-
Stände).
Die Messüberwachung des Porenwasserdruckwarnsystems erfolgt kontinuierlich. Das System ist Wech-
selverkehrszeichen gekoppelt, die im Fall einer Überschreitung von Alarmwerten eine sofortige Sper-
rung der Kreisstraße bewirken.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
96
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Die Messergebnisse der GW-Messstellen zeigen unter anderem, dass sich die Absenkung des Seewas-
serspiegels im Knappensee auf den Minimalstau (+124,20 m NHN) entsprechend positiv ausgewirkt
hat, in dem eine Erhöhung der erdfeuchten Überdeckung nachweisbar ist.
Bisherige meteorologische Extremsituationen der Niederschlagstätigkeit (z.B. Sommer 2011) konnten
mit dieser Maßnahme hinsichtlich ihres Gefährdungsmomentes so abgemindert werden, dass die be-
rechneten kritischen Porenwasserdruckwerte (Vorwarn- und Alarmwerte) nicht erreicht wurden.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
97
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
10
Rahmenbedingungen und Grundlagen der
Standsicherheitsuntersuchungen
Der Knappensee entstand im Jahre 1945 durch die unkontrollierte Flutung des westlichen Feldesteiles
des ehemaligen Braunkohlentagebaues Werminghoff I im Zuge von Hochwasserereignissen. Der
Braunkohlenaltbergbau steht nicht unter Bergaufsicht.
Die ersten erstellten Gutachten der Jahre 1949 und 1950 erfolgten auf Veranlassung der obersten Was-
serwirtschaftsbehörden sowie der Landesregierung Sachsen zur Definition der standsicherheitlichen
Randbedingungen für eine Speicherbewirtschaftung des Knappensees.
Auf der Grundlage des Sachverhaltes, dass der Knappensee ein Restloch alten Bergbaus darstellt, des
Inkrafttretens der Anordnung über Halden und Restlöcher vom 12.11.1980 und der vorhandenen mögli-
chen Gefahrensituation bestand die Notwendigkeit der Erarbeitung einer Standsicherheitseinschätzung
für die gesamten an den Knappensee angrenzenden Kippensysteme. Die Koordinierung und Ausführung
unterstand hierbei der Bergsicherung Cottbus. Alle nicht selbst zu erbringenden Leistungen, wie Gut-
achten, Laboruntersuchungen usw., wurden durch die Bergsicherung Cottbus an entsprechende Unter-
auftragnehmer vergeben. In Folge wurde für die Durchführung der Standsicherheitseinschätzung sowie
der dafür erforderlichen Feld- und Laboruntersuchungen im Jahre 1982/1983 der von der Obersten
Bergbehörde anerkannte Sachverständige für Böschungen Prof. W. Förster beauftragt.
Erste Teilsanierungsplanungen wurden 1983 mit der Grobkonzeption zur Sanierung des Steilkippenbe-
reiches Knappensee [2.4.10] und 1986 zur Wiederurbarmachung des sanierten Bereiches vorgelegt, die
mit entsprechenden Anzeigen ([2.6.5], [2.6.6], [2.6.7], [2.6.8], [2.6.10], [2.6.11]) in die Ausführung
umgesetzt wurden. Die Planungen und Umsetzungen entsprachen dabei genehmigungsrechtlich den
rechtlichen Verbindlichkeiten der 1980er Jahre der DDR.
Die Basis für die in den 1980er Jahren am Knappensee vorgesehenen und durchgeführten Maßnahmen
stellen die Standsicherheitsuntersuchungen 1982 [2.4.9], 1983 [2.4.11] und 1988 [2.4.23] dar. Generell
wurde erkannt, dass die am Knappensee vorhandenen Kippenmaterialien bei Wassersättigung zur Ver-
flüssigung neigen. Zur Sanierung standen jedoch damals nicht die technologisch benötigten Verfahren
zur Verfügung, so dass mittels Verhaltensanforderungen das Auftreten von Rutschungen auslösenden
Initialen minimiert werden sollte. Da es zu dieser Zeit keine andere Möglichkeit gab, wurde diese Initi-
alminimierung als eine Gefahrenreduzierung auf ein vertretbares Maß bezeichnet. Hierzu wird jedoch in
[2.4.9.] 1982, [2.4.11.] 1983 und [2.4.23] 1988 zwingend der Hinweis gegeben, dass das verbleibende
Risiko nur vertretbar erscheint und nicht nur von dem die geotechnischen Aspekte Beurteilenden allein,
sondern unter Beachtung des volkswirtschaftlichen Aspektes gemeinsam von allen dafür Verantwortung
Tragenden vertreten werden muss. Mit diesen Aussagen wird deutlich, dass eine Gefährdung der öffent-
lichen Sicherheit durch mögliche Rutschungsereignisse besteht, aber unter dem Aspekt der Vermeidung
einer Sperrung aufgrund von nicht vorhandenen Sicherungstechnologien allen in voller Verantwortung
bewusst sein muss.
Auf Empfehlung der Standsicherheitsuntersuchung von 1988 [2.4.23] erfolgte noch 1989/90 die über-
wiegende Verspülung/Schließung des RL 0815/1 und infolge der Massenentnahme eine Abflachung der
Absetzerhochkippe in deren Südteil.
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 und der strukturellen Neuordnung der Verwal-
tungseinheiten wurde der Bearbeitungsbereich Knappensee aus dem Bezirk Cottbus, neu Land Bran-
denburg, in den Freistaat Sachsen überführt.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
98
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Mit der Wiedervereinigung (03. Oktober 1990) wurde das Berggesetz der DDR durch den Einigungs-
vertrag nicht vollständig abgelöst. Einige Vorschriften, wie beispielsweise die Anordnung über Halden
und Restlöcher [2.3.2] galten vorerst in den landesrechtlichen Bergverwaltungen weiter. Auf dieser
rechtlichen Grundlage arbeiteten die ehemals von der Obersten Bergbehörde der DDR und nun vom
Sächsischen Oberbergamt anerkannten Sachverständigen für Böschungen weiter. Der Knappensee fällt
aufgrund seines bestehenden Rechtsverhältnisses (Bergbau ohne Rechtsnachfolger) nicht unter den Gel-
tungsbereich des nun für die neuen Bundesländer verbindlichen BBergG.
Der Übergang des Knappensees aus der Verwaltung des Landes Brandenburg in die des Freistaates
Sachsen erfolgt 1991 mit der Erörterung [2.4.27] des 1. Nachtrages zur Standsicherheitseinschätzung
Knappensee (Westufer, Südufer, Inseln u. RL 0815/1). In der Erörterung wurden auch die Verhältnisse
der Standsicherheit bezüglich der Nachnutzung intensiv diskutiert. Folgende Schwerpunkte der vorhan-
denen Situation wurden dabei 1990 verzeichnet:
-
Auf Injektionen zur Sicherung des Bereiches Jugendtouristikhotel kann verzichtet werden, wenn
die Nutzungseinschränkungen bestehen bleiben.
-
Eine Sanierung des gesamten Kippengeländes, die eine uneingeschränkte Nutzung ermöglicht,
ist ökonomisch nicht vertretbar. Für spezielle Vorhaben sind dementsprechend abgestimmte Un-
tersuchungs- und Sanierungsmaßnahmen zu treffen.
-
Für den Knappensee ist generell ein Ausbau des Tourismus vorgesehen.
-
Von einem Ausbau des Jugentouristhotels ist aufgrund der Standsicherheitsverhältnisse abzura-
ten.
Bis in die Mitte der 1990er Jahre erfolgten neben dem ersten Nachtrag zur Standsicherheitseinschätzung
von 1988 [2.4.26] keine weiterführenden Standsicherheitsbetrachtungen und Maßnahmen am Knappen-
see. Im Jahre 1995 erfolgte eine Analyse [2.4.30] der Aktualität der vorhandenen Standsicherheitsver-
hältnisse unter Betrachtung zukünftiger touristischer Erweiterungsmaßnahmen am Knappensee im Auf-
trag des Zweckverbandes „Ferienpark Knappensee“ sowie eine Standsicherheitsuntersuchung zu Siche-
rungsmaßnahmen im Bereich des Restloches Koblenzer Straße. In der Analyse der Standsicherheitsver-
hältnisse wurden die Aussagen von 1988 bestätigt, so dass weiterführend vorrangig auf die Vermeidung
des Auftretens von unzulässigen Initialen abgezielt wurde. Infolge der Vorgabe der Untersuchung von
Initialeinträgen erfolgten im Auftrag des Zweckverbandes Schwingungsversuche und deren Bewertung
1996 [2.4.33].
Ab 1996 trat die Allgemeine Bundesbergverordnung (ABBergV) [2.3.3] für alle Bundesländer unter
dem BBergG in Kraft. Mit der ABBergV verloren die alten fortbestehenden Regelungen, die im Eini-
gungsvertrag aufrechterhalten wurden, ihre Wirksamkeit. Trotz dieser Verordnung war es nötig, zusätz-
liche landesrechtliche Regelungen zu erlassen. So erfolgten der Erlass von Richtlinien (wie Richtlinie
Geotechnik) und Verordnungen. Die Richtlinie Geotechnik [2.3.4, 2.3.7] und die Sachverständigenricht-
linie stellten dabei die rechtliche Arbeitsgrundlage der vom Sächsischen Oberbergamt anerkannten
Sachverständigen für Böschungen dar.
Der Knappensee unterliegt bezüglich seiner definierten Gefahren aus ehemaligen Halden und Restlö-
chern, die nicht mehr der Bergaufsicht unterliegen, dem Sächsischen Polizeigesetz in Verbindung mit
der Sächsischen Hohlraumverordnung. Für die Gefährdungsbeurteilungen selbst wurden weiterhin
Sachverständige beauftragt. Nach der Richtlinie für Geotechnik sind die Standsicherheitsberechnungen
in der Wertigkeit einer Standsicherheitseinschätzung zu führen, sofern „die wissenschaftlichen Erkennt-
nisse unzureichend sind“, was im Zusammenhang mit der Setzungsfließgefahr zutreffend ist.
Eine weitere und grundlegende Betrachtung neueren Datums zu den Standsicherheitsverhältnissen am
Knappensee erfolgte mit der Erstellung der Unterlage „Standsicherheitsuntersuchungen, Beurteilung der
geotechnischen Situation und Vorschlag von Maßnahmen zur endgültigen Sicherheit des Uferbereiches
und der Inseln des Knappensees (Tagebau Werminghoff I)“ [2.4.36] im Jahre 2000.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
99
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Hierbei waren sowohl die Standsicherheit der Ostböschung Nord- und Südteil, Südböschung, Inseln und
Böschungen im Westen des Knappensees sowie das Restloch 0815/1 unter Beachtung der Wirksamkeit
der früher durchgeführten Sicherungsmaßnahmen, auferlegter Nutzungseinschränkungen als auch die
Auswirkungen neuer baulicher Maßnahmen zu prüfen und zu beurteilen. Für die Standsicherheitsunter-
suchungen stand maßgeblich die Betrachtung der Setzungsfließproblematik im Vordergrund. Die Unter-
suchung wurde im Sinne der Richtlinie Geotechnik des Sächsischen Oberbergamtes [2.3.4] als Standsi-
cherheitseinschätzung erstellt.
In den Jahren 2000 bis 2002 standen die Prüfung der Aktualität der Standsicherheitseinschätzung sowie
vor allem die Bewertung gegenüber Initialeinträgen, zur Minimierung der Gefährdung im Vordergrund.
Hierbei wurden Initialversuche durchgeführt, um die Gefährdungen bezüglich der Verflüssigungen aus-
lösenden Initialeinträge bewerten zu können. Die Betrachtungen wurden jedoch nur für konkrete Ab-
schnitte geführt, so dass mit diesen Untersuchungen keine umfassende Änderung in der Betrachtungs-
und Verfahrensweise der vorhandenen Gefährdungssituation am Knappensee erreicht wurde. Es wurde
die Empfehlung von Sanierungsmaßnahmen für jeden Abschnitt benannt [2.4.36]. Einsetzbare Techno-
logien standen zwischenzeitlich zur Verfügung.
Die Untersuchungen wurden mit [2.4.50] im Jahr 2005 weitergeführt, wobei die Wirksamkeit bereits
durchgeführter Maßnahmen geprüft wurde. Weiterhin waren die bestehenden Gefährdungen durch Fest-
legung von Sicherheitslinien in ihrer Auswirkungsmöglichkeit zu charakterisieren. Neben der Ableitung
von Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr war auch eine Sanierungsvariante zur Beseitigung der
Gefahr zu entwickeln. Auch die Erstellung dieser Unterlage [2.4.50] erfolgte auf Grundlage der Richtli-
nie Geotechnik entsprechend als Standsicherheitseinschätzung.
Neben den Standsicherheitsbetrachtungen wurden Arbeiten zur Beseitigung von Gefährdungen forciert.
Solche Maßnahmen sind die Schließung des Restloches Koblenzer Straße (in 2004), die Verfüllung RL
0815/1 (Teilfläche 1) und die Sicherung der Inseln gegen ein unbeabsichtigtes Betreten (beide in 2007).
Bei der Schließung des RL Koblenzer Straße kam es zu einem Setzungsfließereignis, das im Auftrag
des Sächsischen Oberbergamtes wissenschaftlich ausgewertet wurde.
Während die Einschätzungen zur Standsicherheit am Knappensee bis 2008 durch überwiegend einen
Sachverständigen für Böschungen (bzw. Sachverständige von einer Firma) vertreten wurden, erfolgte
im Jahr 2008 die Gründung der ARGE Werminghoff bestehend aus den Firmen G.U.B. Ingenieur AG
und BIUG GmbH, so dass mehrere Sachverständige für Böschungen mit ihrer Fachkompetenz die
Standsicherheitseinschätzungen vertreten.
Mit der Zielstellung der Beseitigung bzw. Minimierung der bestehenden Gefahren erfolgte die Beauf-
tragung der ARGE Werminghoff mit der Erstellung eines Planungskonzeptes. Bis Januar 2009 wurde
diese Unterlage [2.4.66] durch die ARGE Werminghoff als geotechnische Vorplanung zur Beseitigung
der Setzungsfließgefahr und Sanierung des Knappensees erarbeitet. Diese Planung enthält als Band 1
eine ausführliche Standsicherheitseinschätzung zur gegebenen Gefährdung und den geotechnischen
Verhältnissen. Dabei wurden in der Einschätzung zur Standsicherheit die erforderlichen Maßnahmen
zum Nachweis der geotechnischen Sicherheit, für die Beseitigung der Setzungsfließgefahr und zur Her-
stellung der öffentlichen Sicherheit definiert.
Mit Inkrafttreten der SächsBergVO vom 16.07.2009 wurde die Gültigkeit der Richtlinie Geotechnik
aufgehoben und ihr überwiegender Inhalt in die SächsBergVO überführt. Die Anerkennung der Sach-
verständigen für Böschungen erfolgt nun unter dem Titel Sachverständige für Geotechnik.
Die Nachweise der Standsicherheit der Böschungen am Knappensee durch Sachverständige für Geo-
technik für die Planungen (Vorplanung, Entwurfsplanung, Genehmigungsplanung) erfolgen unter Be-
rücksichtigung der Vorgaben und Empfehlungen der Sächsischen Bergverordnung vom 16.07.2009 mit
dem § 8 Geotechnische Sicherheit, der Anlage 1 (Anforderungen an die geotechnische Sicherheit) und
den Merkblättern „Böschungen im Lockergestein“ und Rahmengliederung „Standsicherheitsberechnun-
gen“.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
100
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Entsprechend den Vorgaben dieser Verordnungen und Merkblätter sind vom Sachverständigen für Geo-
technik das anzuwendende Berechnungsverfahren sowie die erforderlichen Sicherheitsfaktoren festzule-
gen und zu begründen.
Von den Sachverständigen der ARGE Werminghoff wurde und wird festgelegt, dass für die Berechnun-
gen das globale Sicherheitskonzept (DIN 4084) angewendet wird. Die Böschungsbruchberechnungen
werden mit klassischen Lamellenverfahren durchgeführt. Dabei ist festzustellen, dass statische Berech-
nungsprogramme die komplexen Vorgänge der dynamischen Anregung einer Verflüssigung nicht voll-
ständig abbilden können. Diesem Fakt wird dadurch Rechnung getragen, dass für die Lastfälle Verflüs-
sigung den vollständig wassergesättigten, rolligen Kippenböden ein Reibungskoeffizient, der der un-
drainierten Restscherfestigkeit entspricht, zugeordnet wird. Damit wird in den Berechnungen der mit
großen Deformationen verbundene Verflüssigungs- und Nachbruchzustand modelliert. Die daraus abge-
leiteten Schlussfolgerungen sind konservativ und liegen somit auf der sicheren Seite.
Die Standsicherheitsberechnungen werden nach dem innerhalb der Bergbausanierung anerkannten
Stand der Technik geführt.
Auf Grundlage der Geotechnischen Vorplanung [2.4.66] erfolgte die Erstellung der Entwurfs- und Ge-
nehmigungsplanung von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee für die Bereiche G [2.4.87],
S [2.4.88], T [2.4.89] und D Ost [2.4.85]. Schwerpunkte der Bearbeitung stellten dabei die Entwicklung
der Sanierungstechnologie, Anpassung an neue Erkenntnisse, die technologische Realisierung, Dimen-
sionierung und Ermittlung der Lage der versteckten Dämme dar. Weiterführend waren die Arbeiten zu
Baufeldfreimachung sowie das geotechnische Mess- und Prüfprogramm zu planen. Zu den rein geo-
technischen Planungsleistungen waren liegenschaftliche Bearbeitungen auszuführen.
Wesentliche Anpassungen der Planung stellten die vom Sächsischen Oberbergamt, von den Trägern
öffentlicher Belange sowie vom Bewirtschafter des Speicherbeckens Knappensee, der Landestalsper-
renverwaltung Sachsen genannten zusätzlichen Forderungen dar, die bis zu diesem Zeitpunkt seitens der
Aufgabenstellung und der Planung nicht erfasst waren.
Die Zielstellungen der geplanten Gefahrenabwehrmaßnahmen fußen auf Grundlage des Sächsischen
Polizeigesetzes in Verbindung mit der Sächsischen Hohlraumverordnung. Im Speziellen stellt dies die
Abwehr von Gefahren dar, die durch die wassergesättigten Kippen sowie von deren Auswirkungspoten-
tial auf die vorhandene Nutzung gegeben sind. Im Rahmen der Entwurfs- und Genehmigungsplanung
wurden in Abstimmung mit Auftraggeber und Genehmigungsbehörde folgende Sicherungsziele für die
Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee definiert:
-
die Beseitigung der Setzungsfließgefahr im Uferbereich und Schutz des Kippenhinterlandes
gegen Ausfließen,
-
die Schaffung stand- und trittsicherer Uferbereiche einschließlich der unter Wasser liegenden
Böschungen,
-
die gefährdungsfreie Nutzung der Böschungs- und Uferbereiche für die Naherholung,
-
das Absichern einer gefährdungsfreien Nutzung der Wohn- und Wochenendgrundstücke im
Hinterland,
-
die gefährdungsfreie Nutzung des Speicherbeckens als wasserwirtschaftliche Anlage,
-
die gefährdungsfreie forstwirtschaftliche Nutzung der entsprechenden Flächen unter
Berücksichtigung und Einhaltung notwendiger erdfeuchter Überdeckungshöhen über dem
Grundwasserspiegel,
-
die Sicherung der profilierten Ufer- und Böschungsbereiche gegen Erosionserscheinungen,

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
101
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
-
die Herstellung der Trittsicherheit in den Flachwasserbereichen bis zu einem Niveau von 2 m
unter dem Absenkziel Z
A
= +124,20 m NHN.
Eine gefährdungsfreie Nutzung im Sinne der Sicherungsziele des SächsOBA wird möglich, wenn die
Uferböschungen gegen Setzungsfließrutschungen gesichert sind und eine ausreichende Sicherheit
gegenüber verflüssigungsbedingten Geländebrüchen im Hinterland der Versteckten Dämme hergestellt
wird.
Als Mindestmaß für die zu gewährleistende erdfeuchte Überdeckung wird ein Wert von h
erdf.,erf.
2,0 m
als erforderlich angesehen.
Verbleibende
Restriktionen
werden
nach
Ende
der
Sicherungsarbeiten
im
Rahmen
der
Abschlussgutachten benannt werden.
Neben in der Vergangenheit immer wieder auftretenden Rutschungsereignissen verschiedensten Aus-
maßes traten 2010 gehäuft Geländebrüche infolge Verflüssigung im Bereich von Innenkippenflächen
des Lausitzer Reviers auf. Dies führte zum Erfordernis der Aktualisierung der Bewertung von Kippen-
flächen, vor allem auch des Knappensees mit seiner vielfältigen Nutzung (Wohnbebauung, Gewerbeein-
richtungen, Erholungs- und Freizeitflächen). Es folgten eine intensive Diskussion und erneute geotech-
nische Bewertungen des Knappensees mit Vertretern der LMBV, Sachverständigen für Geotechnik,
SMWA und SächsOBA. Unter dem Aspekt, dass der Schutz von Leib und Leben oberste Priorität hat
sowie dem Sachverhalt, dass sich Personen bei einer akuten Gefährdung nicht im Gefahrenbereich be-
finden dürfen, wurde die Sperrung der Ufer- und Hinterlandbereiche betrachtet [2.4.78]. Die zuständi-
gen Sachverständigen für den Knappensee (ARGE Werminghoff) sprachen sich für die Fortführung der
Planung umfassender Gefahrenabwehrmaßnahmen unter zwischenzeitlicher verstärkter Überwachung
und Untersuchung von Schwerpunktbereichen sowie der Berücksichtigung präzisierter Verhaltensan-
forderungen aus.
Im Ergebnis der Diskussionen wurden mehrere Maßnahmen (Sofortmaßnahmen) zur Minderung der
Setzungsfließgefahr und somit zur Reduzierung des Risikos der Eintrittswahrscheinlichkeit eines derar-
tigen Ereignisses seitens der Sachverständigen ausgearbeitet und mit den zuständigen Stellen und Be-
hörden abgestimmt. Im Rahmen der definierten Sofortmaßnahmen [2.4.79] wurde Anfang 2011 in
Übereinstimmung mit allen Beteiligten (SfG, LMBV, SächsOBA, SMWA) definiert, dass das Grund-
konzept zur Sanierung des Knappensees nicht in Frage gestellt wird, aber ein zeitliches Vorziehen der
Sanierungsmaßnahmen dringend erforderlich ist.
Die Festlegung der Sofortmaßnahmen erfolgte im Sinne ihrer Definition so, dass die Maßnahmen kurz-
fristig ergriffen werden konnten, also keinen zusätzlichen Planungsvorlauf benötigten. Die ergriffenen
Sofortmaßnahmen wirken somit mindernd gegenüber akuten Gefahren und bedingen den Beginn geo-
technischer Sicherungsmaßnahmen am Knappensee innerhalb eines kurz zu haltenden Zeitraumes. Zur
Zeit werden auf dieser Grundlage die bestehenden Gefährdungen aufgrund der ständigen Beobachtung
und Überwachung der Gesamtsituation durch die Sachverständigen getragen.
Eine geotechnische Sicherung der Kippenflächen zur Verhinderung großflächiger Setzungsfließereig-
nisse auf Grundlage der vorhandenen geotechnischen Situation (siehe Kapitel 11) wird als unabdingbar
angesehen.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
102
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
11
Gesamtgefährdungsbewertung und Zusammenfassung
Die in den dargelegten Unterlagen ausführlich und intensiv untersuchten Gefährdungspotentiale an den
Ufer- und Hinterlandbereichen des Knappensees wurden vor allem hinsichtlich Setzungsfließen und
Geländeeinbrüchen infolge Verflüssigung definiert.
Wie im Kapitel 6 ausführlich dargelegt, wird unter dem Begriff Setzungsfließen definiert, dass sich ein
verkipptes Lockergestein mit einer enggestuften Korngrößenverteilung, abgerundeter Kornform und
geringer Lagerungsdichte bei Wassersättigung und unter Einwirkung von zeitlich veränderlichen Kräf-
ten (Initialen), aus denen ein Porenwasserüberdruck resultiert, verflüssigt und bei ausreichender hori-
zontaler Ausbreitungsfreiheit großräumig verformt. Besteht keine horizontale Ausbreitungsmöglichkeit,
so wie dies in Hinterlandbereichen von Restlöchern der Fall ist und das verkippte Lockergestein ver-
flüssigt sich, können großräumige Geländeeinbrüche auftreten, die unter dem Begriff Geländeeinbrüche
infolge Verflüssigung definiert sind.
Die Beurteilung der Gefährdung von wassergesättigten Kippenmaterialien gegenüber Verflüssigungen
und darauf folgenden Setzungsfließereignissen erfolgt nach aktuellem Stand der Technik auf Grundlage
der im Leitfaden zur Beurteilung der Setzungsfließgefahr und Schutz von Kippen gegen Setzungsflie-
ßen definierten Grundsätze [2.8.9], die wiederum auf die in [2.8.4] bereits 1989 fixierten Kriterien zur
Beurteilung der Setzungsfließgefahr zurückzuführen sind.
Die in Kapitel 8 beschriebenen geotechnischen Verhältnisse bescheinigen dem am Knappensee vorhan-
denen Kippgut eine hohe Verflüssigungsneigung. Die Bewertung der vorhandenen Gefährdungssituati-
on ist zusammenfassend in der folgenden Tabelle 16 für alle Untersuchungsbereiche am Knappensee
dargestellt.
Tabelle 16:
Zusammenfassende Bewertung der Untersuchungsbereiche am Knappensee hinsichtlich ihrer
Verflüssigungsgefährdung
Bereich/Abschnitt
Verflüssigungsgefährdung
Sicherungsmaßnahmen
U
vorhanden
erforderlich
T
vorhanden
erforderlich
S
vorhanden
erforderlich
G
vorhanden
erforderlich
F
vorhanden
erforderlich
D Ost
vorhanden
erforderlich
D Mitte
vorhanden
erforderlich
E
nicht vorhanden
nicht erforderlich
D West
vorhanden
erforderlich
A und B Nord
vorhanden
erforderlich
B Süd
vorhanden
erforderlich
Inseln
vorhanden
erforderlich

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
103
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Wie in Kapitel 7 (Erkundungs- und Untersuchungsprogramme) aufgezeigt, wurden von 1982 bis heute
in verschiedensten Etappen die am Knappensee vorhandenen Kippenmaterialien bezüglich ihres Auf-
baues sowie ihrer Materialeigenschaften mittels Feld- und Laborversuchen intensiv erkundet und unter-
sucht. Im Ergebnis dieser Untersuchungen wird nachgewiesen, dass an sämtlichen Uferbereichen hin-
sichtlich ihrer Materialeigenschaften zur Verflüssigung neigende Kippenmateralien vorhanden sind.
Aus der Kippenhistorie (Kapitel 4.1 und 5.2) lassen sich unterschiedliche Etappen der Verkippung des
Abraummaterials erkennen. Die Kippenverhältnisse weisen infolge der Verkippungstechnologie und -
historie eine starke Heterogenität auf. Anhand der ausgeführten Felduntersuchungen (Drucksondierun-
gen, Rammsondierungen, Kombinationsdrucksondierungen) konnten an den Uferbereichen des Knap-
pensees mit Ausnahme der Abschnitte, die aus gewachsenem Boden bestehen, flächenhaft keine geo-
technischen Verhältnisse nachgewiesen werden, die sicher ein Setzungsfließen ausschließen. Für alle
gekippten Bereiche am Ufer muss deshalb von einer bestehenden Setzungsfließgefahr ausgegangen
werden.
Für eine Bewertung der geotechnischen Situation wurden die Uferbereiche des Knappensees in einzelne
Abschnitte unterteilt. Die Eingrenzung der Bereiche wurde anhand folgender Kriterien vorgenommen:
-
Morphologie des Ufers, des Hinterlandes und des Vorlandes (Seeboden),
-
Detailausbildung und vorhandene Heterogenität der Kippen,
-
Nutzung und Infrastruktur.
Im Rahmen dieser Detailbetrachtung wurde in den zurückliegenden Standsicherheitsuntersuchungen
eine Unterteilung der Gefährdung in die Kategorien „Setzungsfließen wenig wahrscheinlich“, „Set-
zungsfließen wahrscheinlich“ und „akute Setzungsfließgefahr“ vorgenommen.
Hierzu ist anzumerken, dass diese Untergliederung bezüglich der Eintrittswahrscheinlichkeit rein quali-
tativ auf Grundlage des Erfahrungs- und Erwartungsschatzes des Gutachters erfolgte, so dass dies im
eigentlichen Sinne keine rechnerische und über Kennwerte verifizierte Erfassung der Gefährdung dar-
stellte. Es lässt sich unter Beachtung von aktuellen Erkenntnissen (wie unten noch aufgezeigt wird) die
Wahrscheinlichkeit von Setzungsfließereignissen nicht ermitteln. Unter Berücksichtigung der aktuellen
Ereignisse scheint diese Vorgehensweise bzw. Einteilung bezüglich einer definierten Gefahrenbewer-
tung aus heutiger Sicht nicht mehr sinnvoll. Eine grundsätzliche Bewertung der Setzungsfließgefahr
sollte mit den Kriterien „vorhanden“ (für die Uferabschnitte in Kippenbereichen) und „nicht vorhanden“
(z. B. für die gewachsenen Bereiche) erfolgen.
Die Materialeigenschaften der verkippten Lockergesteine, die deren Neigung zur Verflüssigung be-
schreiben sowie eine vollständige oder nahezu vollständige Wassersättigung bilden jedoch nur die bo-
denmechanische Grundlage für das mögliche Eintreten einer Setzungsfließrutschung. Zum Auslösen
einer Verflüssigung werden zusätzlich Einwirkungen benötigt, die einen Porenwasserüberdruck inner-
halb des Porenraums erzeugen. Diese Einwirkungen werden Initiale genannt und können dabei zeitlich
veränderlich auftreten bzw. von dynamischer Natur sein.
Da in den 1980er Jahren, als die ersten umfassenderen Standsicherheitsuntersuchungen zum Knappen-
see erstellt wurden, keine wirtschaftlich-technologische Lösungsmöglichkeit zur Beseitigung der Set-
zungsfließgefahr gesehen wurde bzw. keine technischen Verfahren zur Verfügung standen, wurde die
weitere öffentliche Nutzung des Knappensees im Bewusstsein der vorhandenen Gefährdungen unter der
Beachtung von Verhaltensmaßnahmen, die das Ergebnis von intensiven Betrachtungen zu den Verflüs-
sigungen auslösenden Initialen darstellten, geduldet. Dabei können Initiale in vielfältiger Art im Be-
trachtungsgebiet auftreten. Initiale lassen sich in zwei Kategorien unterteilen. Es können Initiale von
außen in die Kippe eingetragen werden (äußere Initiale). Erfolgt die Entstehung eines Porenwasserüber-
druckes innerhalb des wassergesättigten Kippenkörpers ohne Einwirkungen von außen, so werden diese
als innere Initiale bezeichnet.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
104
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Die Wirkung von auf die Kippe einwirkenden Initialen ist abhängig von:
-
dem Charakter dynamischer Lasten, wie Amplituden- und Frequenzspektrum, eingetragene
Energie, zeitlicher Verlauf,
-
dem Spannungszustand in der Kippe, der u. a. von der Höhe der überlagernden Bodenschichten,
dem Wasserstand und der Nähe zu Böschungen geprägt wird,
-
den dynamischen Eigenschaften der Kippe (Schwingungsausbreitung, Ausbreitung der Poren-
wasserdrücke, Durchlässigkeit, dynamischer Verformungsmodul),
-
dem Drainagevermögen der Kippenböden und damit der Ableitung von Porenwasserüberdrü-
cken und
-
dem Verflüssigungsverhalten bzw. der -empfindlichkeit der anstehenden Kippenböden.
Bei einem ausreichend großen kritischen Initial, entsteht eine sich ausbreitende verflüssigte Zone, die zu
Setzungsfließrutschungen im Uferbereich oder Geländeeinbrüchen infolge Verflüssigung im Hinterland
führen kann. Als wesentliche Initiale wurden folgende Einwirkungen in den vorhandenen Standsicher-
heitsuntersuchungen aufgezählt:
-
Verbruch von unzureichend versetzten oder gänzlich unversetzten Entwässerungsstrecken (Alt-
bergbau),
-
Sackungen durch Grundwasserspiegeländerungen,
-
Wasserspiegelschwankungen (Strömungspotential),
-
Naturereignisse,
-
Fahrverkehr, Bautätigkeit,
-
Windwellenerosion, Primärböschungsbruch.
Aus den Betrachtungen erfolgten anfänglich nur qualitativ, später teilweise durch Berechnungen unter-
legt die Ableitung von Verhaltensanforderungen für den Knappensee und die Ableitung von Siche-
rungsmaßnahmen zur Vermeidung von Initialeinträgen.
Mit den in Kapitel 9 aufgeführten und aktuell gültigen Verhaltensanforderungen wird die Gefahr eines
Initialeintrages, der aus Wasserspiegelschwankungen (Strömungspotential), Erschütterungseinträgen
durch Maschinen und Fahrzeuge, Primärböschungsabbrüchen, Wellenaufschlag, Bautätigkeit resultieren
könnte, minimiert. Ein grundlegender Ausschluss von Initialen, beispielsweise bei extremen Wetterla-
gen oder ungünstigen Lastkombinationen von Fahrzeugen, kann damit nicht erreicht werden. So sind
Verhaltensanforderungen immer unter dem Aspekt der Einwirkungsminimierung zu sehen und zu ver-
stehen. Da aber die bestehende Gefährdungswahrscheinlichkeit nicht quantifizierbar ist, ist durch das
Vorhandensein von verflüssigungsempfindlichen Materialien latent ein entsprechendes Gefahrenpoten-
tial vorhanden.
Um Erkenntnisse über die Belastung der Kippenböden am Knappensee durch Verkehrseinwirkungen zu
erlangen, erfolgte die Durchführung von Belastungsversuchen. Einschränkend ist jedoch festzustellen,
dass die Ergebnisse dabei nur ganz konkrete Einwirkungen (dynamische Verkehrslasten) unter den ört-
lich vorhandenen Gegebenheiten charakterisieren und nicht unmittelbar auf andere Bereiche am Knap-
pensee übertragbar sind. Zur Kontrolle und rechtzeitigen Erkennung von kritischen Porenwasserdrücken
bei der Durchführung von Baumaßnahmen werden Messungen mittels Schwingungsaufnehmer und
Porenwasserdruckgeber nach wie vor als geeignet eingestuft. Die damit erhaltenen Ergebnisse sind je-
doch aufgrund der Heterogenität der Kippenverhältnisse nicht zur Verallgemeinerung und für umfas-
sende Ansätze bzgl. Initialeinträgen der gesamten Kippenbereiche verwendbar.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
105
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Die in der Vergangenheit geführte Initialdiskussion und die Ableitung von Verhaltensmaßnahmen wird
als notwendig und hilfreich angesehen, stellt jedoch aufgrund der Komplexität der Möglichkeiten von
auftretenden Initialkombinationen kein Mittel zum Ausschluss der bestehenden Gefährdung dar. Aktuel-
le Geländeeinbrüche infolge Verflüssigung auf Innenkippen in der Lausitz unterstreichen dies.
Aktuelle Ereignisse wie Rutschungen bei der Herstellung des Versteckten Dammes im ehemaligen Ta-
gebau Lohsa I bestätigen, dass die Kippenverhältnisse kritischer zu betrachten sind. Wurde in älteren
Gutachten immer wieder hervorgehoben, dass eine lange Liegezeit der Kippen sich gegenüber der Ver-
flüssigungsgefährdung günstig auswirkt, so kann mit den derzeitigen Erkenntnissen dieser Argumenta-
tion nicht mehr gefolgt werden. Die gegangenen Rutschungen (z. B. bei den Sicherungsarbeiten an der
Böschung am Silbersee oder den Geländeeinbrüchen infolge Verflüssigung auf den Innenkippenflä-
chen) zeigen deutlich, dass auch noch nach Jahrzehnten das in den Kippen vorhandene Gefahrenpotenti-
al bestehen bleibt und nicht abgebaut wurde. Dies bedeutet, dass die Neigung zur Verflüssigung ohne
zusätzliche geotechnische Maßnahmen generationsübergreifend bestehen bleibt.
Für den Knappensee muss beachtet werden, dass eine Rutschung eine Verdrängung von Wassermassen
bedingen kann, in deren Folge Schwallwellen entstehen, die wiederum Sekundärrutschungen auslösen
können. Diese Schwallwellen erreichen auch Nachbarbereiche einer möglichen Rutschung und gefähr-
den somit die gesamte Uferböschung am Knappensee.
Ein Ausschluss von eventuell auftretenden inneren Initialen im locker gelagerten Kippenkörper ist mit-
tels Verhaltensanforderungen nicht möglich.
Entsteht in den vorhandenen Kippen durch einen Initialeintrag innerhalb der wassergesättigten Kippe
ein Porenwasserüberdruck, der zur Aufhebung der wirksamen Spannungen im Korngerüst führt, so ver-
liert das gekippte Lockergestein seine Scherfestigkeit und geht von einem festen Zustand in einen quasi
flüssigen Zustand (Suspension) über. Bei ausreichender horizontaler Bewegungsfreiheit, die an den
Uferböschungen des Knappensees gegeben ist, kann eine lawinenartige Bewegung des verflüssigten
Materials (Bodensuspension) in Richtung Restloch entstehen. Diese Vorgänge laufen großräumig (in
100-m-Bereichen). Da sie einen kettenreaktionsartigen Charakter besitzen, dauern sie wenige Sekunden
bis maximal Minuten (bei staffelartigen Rutschungen). Für betroffene Bereiche und sich darin befindli-
chen Personen einschließlich ihrer Sachwerte ist keine Reaktions- und Rettungszeit vorhanden. So be-
steht bei Eintritt eines Setzungsfließereignisses mit hinreichender Wahrscheinlichkeit für Personen, die
sich innerhalb der Rückgriffweite der Rutschung befinden, Lebensgefahr und eine außerordentlich hohe
Beschädigungsgefahr für jegliche Sachwerte innerhalb der Rutschung.
Weiterhin kennzeichnend für diese Rutschungsart ist die sich ausbildende manchmal große Rückgriff-
weite. Setzungsfließrutschungen können mehrere Millionen m³ Kippenmaterial umfassen und außeror-
dentlich weit in das Böschungshinterland eingreifen. Anhand von Rückgriffweitenberechnungen wurde
für den Knappensee abgeschätzt, dass je nach den geotechnischen und morphologischen Verhältnissen
die durch eine Rutschung betroffenen Bereiche zwischen ca. 90 m bis ca. 350 m vom Ufer in das Hin-
terland reichen können. Wie aufgeführt können durch Verflüssigungen im Untergrund der Hinterlandbe-
reiche, in denen keine ausreichenden Freiheiten zum horizontalen Ausfließen vorhanden sind, Grund-
oder Geländeeinbrüche infolge Verflüssigung auftreten. Auch diese Ereignisse können ein größeres
Schadensausmaß aufweisen. Insbesondere ungünstige geometrische Verhältnisse, wie sie hohe, steile
Böschungen darstellen, oder Initialeinträge bei geringen Grundwasserflurabständen tragen ein hohes
Verflüssigungsrisiko in sich. Damit besteht nicht nur für die unmittelbaren Uferböschungen und
-bereiche die Gefahr einer Verflüssigung, sondern auch für das innerhalb einer zur erwartenden Rück-
griffweite einer Setzungsfließrutschung liegende Hinterland.
Im Rahmen der Sofortmaßnahmen erfolgte 2011 eine Absenkung des Seewasserspiegels am Knappen-
see auf den Minimalstau. Dies stellt eine gefährdungsmindernde Maßnahme dar, da dadurch eine (wenn
auch geringe) Verbesserung der Wasserstandsverhältnisse in der Kippe (h
W
/h
K
) bewirkt werden konnte.
Eine Beseitigung des generell latent vorhandenen Risikos, das von den nachgewiesenen setzungsfließ-
gefährdeten Kippenflächen ausgeht, wurde damit nicht erreicht.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
106
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Die Beseitigung der Setzungsfließgefährdung ist entsprechend dem aktuellen Stand der Technik inner-
halb von wassergesättigten Kippen nur durch gezielte Verdichtungs- und Verbesserungsmaßnahmen
möglich.
Wie obig bereits aufgeführt haben seit 2011 die im Rahmen von Sofortmaßnahmen präzisierten Verhal-
tensanforderungen Bestand. Die Festlegung dieser Maßnahmen erfolgte in Reaktion auf neueste Scha-
densereignisse auf Innenkippenflächen des Lausitzer Revieres. In enger Betrachtung zur vorhandenen
geotechnischen und nutzungstypischen Situation stand dabei die Sperrung der Ufer- und Kippenflächen
des Knappensees zur Diskussion. Um dies zu verhindern, erfolgte die Untersuchung und Ergreifung von
kurzfristigen Maßnahmen ohne Planungsvorlauf, die vor den geplanten Sicherungsarbeiten zu einer
Gefahrenminderung führen sollten. Die ergriffenen Sofortmaßnahmen wirken mindernd gegenüber aku-
ten Gefahren für Leib und Leben und bedingen den Beginn geotechnischer Sicherungsmaßnahmen am
Knappensee innerhalb eines möglichst kurz zu haltenden Zeitraumes. Im Rahmen der Diskussion zu den
Stabilitätsverhältnissen wurde die verbindliche Dringlichkeit zur Beseitigung der vorhandenen geotech-
nischen Gefährdungssituation am Knappensee klar herausgestellt. Weiterhin wurde definiert, dass eine
dauerhafte ausreichende Sicherheit mit der Umsetzung der Sofortmaßnahmen aufgrund der Aspekte:
-
die Gefährdung bezüglich Verflüssigungsvorgängen und einer Setzungsfließrutschung besteht
weiterhin,
-
die Minderung ist nur bezüglich der Bewertung der Einwirkungsmomente fachtechnisch fass-
bar, aber nicht bezüglich der Änderung des Gefahrenpotentials quantifizierbar,
nicht gewährleistet ist.
Verhaltensanforderungen jeglicher Art gewährleisten keine dauerhafte Lösung bezüglich der Gefähr-
dung der öffentlichen Sicherheit, da sich neben dem bereits erläuterten nicht quantifizierbaren Ergebnis
zusätzlich ihre Durchsetzbarkeit und damit Wirksamkeit mit zunehmender Zeitdauer vermindert („Ab-
stumpfen“). Weiterhin ist zu bedenken, dass Verhaltensanforderungen / Gebote und Verbote generati-
onsübergreifend durchgesetzt werden müssen. Bereits heute zeigt sich, dass Verbote zu baulichen Ände-
rungen an Gebäuden von den Eigentümern/Pächtern nicht strikt eingehalten werden.
Momentan erfolgt durch die permanente Beobachtung und Überwachung z. B. der Grundwassersituati-
on am Knappensee oder der Porenwasserdruckentwicklung im Bereich der Straße Koblenz - Knappen-
rode eine Begutachtung der geotechnischen Gesamtsituation. Dabei werden die bestehenden Risiken
und Gefährdungen durch die Sachverständigen der ARGE Werminghoff fortlaufend einer Bewertung
unterzogen. Verantwortung gegenüber der Einschätzung und Bewertung der Gefahrensituation tragen an
erster Stelle die Sachverständigen. Der Definition nach und in Abstimmung mit allen Beteiligten wurde
festgelegt, dass die Überwachungsmaßnahmen eine kurzfristige Lösung darstellen, um Sperrungen der
Kippenflächen am Knappensee bzw. eine Sperrung der Straße zwischen Koblenz und Knappenrode
nicht durchführen zu müssen.
Eine geotechnische Sicherung der Kippenflächen zur Verhinderung großflächiger Setzungsfließereig-
nisse ist jedoch unabdingbar, da die im Rahmen der Sofortmaßnahmen durchgeführten Maßnahmen nur
zeitlich begrenzt aufrechterhalten werden können. Hier ist anzumerken, dass mit der Begrenzung des
Knappensees auf das Stauniveau +124,20 m NHN durch die LTV kein Hochwasserschutz gewährleistet
werden kann. Sollte ein hochwasserbedingter Einstau notwendig werden, so wäre die begünstigende
Maßnahme der Verringerung des Kippenwasserspiegels hinfällig und die geotechnische Gesamtsituati-
on würde sich in Richtung höherer Gefährdung verschieben. Somit sehen sich die Sachverständigen in
der Pflicht, an der Entscheidung zur Durchführung der geplanten Gefahrenabwehrmaßnahmen zur dau-
erhaften Herstellung der öffentlichen Sicherheit in den Uferbereichen des Knappensees festzuhalten,
auch wenn es nachvollziehbar ist, dass die Belastungen für die unmittelbar Betroffenen sehr hoch sind.

Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
107
ZWG_111264_2sw
Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee
Das bisherige Nichteintreten eines Setzungsfließereignisses in den Uferbereichen des Knappensees liegt
einzig darin begründet, dass eine die ausreichende Verflüssigung auslösende Einwirkung noch nicht in
den wassergesättigten Kippenuntergrund eingetragen wurde. Da das Auftreten eines solchen Ereignisses
nicht fassbar oder nicht eindeutig quantifizierbar ist, erhöht sich ständig die Wahrscheinlichkeit der
Gefahr einer Setzungsfließrutschung. Tritt ein solches Ereignis ein, sind die öffentliche Sicherheit akut
gefährdet und Gefahr für Leib und Leben gegeben.
Das Wirken von Verhaltensanforderungen sowie Sofortmaßnahmen auf die Eintrittswahrscheinlichkeit