Kommission zum Schutz gegen Fluglärm und Luftschadstoffe (FLK)
für den Flughafen Leipzig/Halle
Bericht der 50. Sitzung am 06.04.2016
Der Flughafen berichtete über die aktuelle Beschwerdesituation, die Fluglärmmessungen,
die Bahnverteilung, die Nutzung der Triebwerksprobelaufhalle und den Stand der Umsetzung
der Schallschutzmaßnahmen. Hierzu informierte er über eingeleitete Maßnahmen zur be-
schleunigten Realisierung. Damit kam er dem Antrag der Bürgerinitiative Gegenlärm
Schkeuditz nach, mit dem diese ihre Forderung erneut bekräftigt hatte.
Die FLK legte die nächsten Einsatzorte der mobilen Messstellen in Leipzig-Lützschena und
Lindenthal, Halle-Ost, Rackwitz und Freiroda fest. Die Messungen werden in den kommen-
den Monaten durchgeführt.
Die Genehmigungsbehörde informierte zum aktuellen Stand des Änderungsgenehmigungs-
verfahrens zu Triebwerksprobeläufen. Sie wägt derzeit die eingegangenen Einwendungen
und die diesbezüglichen Stellungnahmen des Flughafens ab. Die Entscheidung wird für das
2. Halbjahr 2016 in Aussicht gestellt.
Hinsichtlich der Erprobung der zeitversetzten Bahnnutzung am Flughafen Frankfurt (Lärm-
pausen) liegen Ergebnisse und erste Meinungen der Anwohner des Flughafens vor. Der Ab-
schlussbericht steht jedoch noch aus, wird aber bis zur nächsten Sitzung erwartet.
Zu den Ergebnissen der NORAH-Studie über die Wirkung von Verkehrslärm im Rhein-Main-
Gebiet trug Herr Prof. Dr. Seidler, der an der Studie mitgewirkt hat, vor. Besonders interes-
sant war die vergleichende Betrachtung der Verkehrsträger Luft/Straße/Eisenbahn. Die Stu-
die liefert umfangreiche neue Erkenntnisse, die jedoch nach Einschätzung Prof. Seidlers
nicht 1:1 auf andere Regionen übertragbar sind.
Die Landesentwicklungsplanung sieht vor, um den Flughafen Leipzig/Halle einen Bereich
festzusetzen, in dem im Rahmen der Bauleitplanung keine neue Wohnbebauung ausgewie-
sen werden darf. Die dafür zuständigen Regionalen Planungsverbände Sachsens und Sach-
sen-Anhalts beauftragten die Firma Obermeier Planen + Beraten GmbH, den Siedlungsbe-
schränkungsbereich entsprechend der aktuellen Landesentwicklungsplanung neu zu ermit-
teln und stellten diesen vor. Die Fluglärmkommission nahm den Bericht zur Kenntnis.
Die DFS Deutsche Flugsicherung berichtete über die Erfahrungen mit dem seit Anfang des
Jahres in der Erprobung befindlichen Point-Merge-Verfahren. Der bisherige Probebetrieb hat
zu positiven Reaktionen aus dem Raum Leipzig geführt. Dennoch blieb bisher eine signifi-
kante Verringerung der Fluglärmbeschwerden aus.
Den von der Stadt Schkeuditz unterbreiteten Vorschlag zum Umgang mit den aufgezeigten
Maßnahmen zur Risikominimierung der Kreuzungsvorgänge bei geographischer Verteilung
der Flugbewegungen auf beide Start- und Landebahnen verwies die Kommission in eine
Arbeitsgruppe, die bis zur nächsten Sitzung ein Votum erarbeiten soll.
Die FLK befasste sich erneut mit der weiteren Lärmoptimierung der kurzen Nordabkurvung in
Startrichtung Ost. Die DFS wird zunächst ein Monitoring der aktuellen Nutzung dieses Ab-
flugverfahrens anhand einer Fanomos-Auswertung durchführen.
Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie stellte die Ergebnisse
einer an die TU Dresden in Auftrag gegebenen Studie zur Lärmschutzwirkung von Wald vor.
Die Untersuchungen zeigen eine größere Schutzwirkung, als bisher bekannt war. So kann

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ein 200 m breiter Waldstreifen, der möglichst nah an der Lärmquelle oder am Wohnort liegen
sollte, Verkehrslärm (z.B. Bodenlärm an Flugplätzen) um bis zu 19 dB reduzieren.
DHL bestätigte, dass seit 01.01.2016 keine Flugzeuge vom Typ AN-26 in ihrem Auftrag
planmäßig über den Leipzig/Halle Airport eingesetzt worden sind. DHL kommt somit der
2011 abgegebenen freiwilligen Selbstverpflichtung nach. Allerdings können bei Schlechtwet-
terlagen an anderen Flughäfen, wie sie kürzlich aufgetreten sind, Ausweichlandungen in
Leipzig/Halle notwendig sein.
Vereinzelte Starts und Landungen dieses Flugzeugtyps im Auftrag anderer Fluggesellschaf-
ten sind nicht gänzlich ausgeschlossen. Auf Grund der bestehenden Betriebspflicht des
Flughafens können Flugzeuge vom Typ AN-12 und AN-26 nicht abgewiesen werden. Im Dia-
log mit den Fluggesellschaften strebt der Flughafen eine weitere Reduzierung des Einsatzes
dieser Flugzeugmuster an. Ein generelles Verbot am Flughafen Leipzig/Halle ist nicht zu
rechtfertigen, da sie in Deutschland eine Betriebserlaubnis haben und die AN-26 zudem in
der Bonusliste enthalten ist. Die FLK lehnte deshalb die Bonusliste als nicht wirksames Mittel
für Betriebsbeschränkungen ab.
Die FLK diskutierte darüber hinaus intensiv weitere Anträge von Bürgerinitiativen und Privat-
personen:
Die Aussetzung der sogenannten „kurzen Südabkurvungen“ lehnte die FLK unter Verweis
auf ihre Entscheidungen in der 46. und 47. Sitzung erneut ab. Es gibt keinen neuen Sach-
stand, der diese Forderung rechtfertigen würde.
Der Erweiterung der Fluglärm-Messanlage des Flughafens um zwei stationäre Messstellen in
Rackwitz/Podelwitz und in Schkeuditz/Hayna stimmte die Kommission nicht zu. Sie sah
dadurch keinen Erkenntnisgewinn und somit auch kein Erfordernis.
Die beantragte Einführung des an einigen deutschen Flughäfen installierten Fluginformati-
onstools „TraVis“ lehnte die FLK ab, da es für diese sehr aufwendige Art der Fluglärmdarstel-
lung keine rechtliche Grundlage gibt. Zudem ist nicht zu erwarten, dass Bürger während der
aufkommensstarken Nachtzeit die Flugverläufe in Echtzeit am Computer verfolgen werden.
Die Forderung nach einer Studie zur Belastung der Flughafenumgebung mit Ultrafeinstaub
lehnte die Kommission ab, da es hierfür bisher weder Messvorschriften noch verbindliche
Grenzwerte gibt.
Den Antrag des Ortschaftsrates Böhlitz-Ehrenberg lehnte die FLK aus sachlichen und forma-
len Gründen ab. Die geforderte Regelung kann das Sächsische Staatsministerium für Wirt-
schaft, Arbeit und Verkehr mangels Zuständigkeit nicht treffen und für den Antrag wäre ein
Ratsbeschluss der Stadt Leipzig erforderlich gewesen.
Die Antragsteller werden von den zuständigen Stellen informiert.
Die nächste reguläre Sitzung findet am 02.11.2016 statt.
Manfred Heumos
Vorsitzender der Fluglärmkommission am Flughafen Leipzig/Halle