Kommission zum Schutz gegen Fluglärm und Luftschadstoffe (FLK)
für den Flughafen Leipzig/Halle
Bericht der 46. Sitzung am 19.03.2014
Zu Beginn der 46. Sitzung der Fluglärmkommission wurde Herr Manfred Heumos als
Vorsitzender der Kommission wiedergewählt. Angelika Freifrau von Fritsch wurde erneut als
seine Stellvertreterin bestätigt.
Schwerpunkt der anschließenden Beratung war das Bahnnutzungskonzept. Neben einer
Betroffenheitsanalyse, deren Ergebnisse das Sächsische Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie präsentierte, stellte die Deutsche Flugsicherung (DFS) eine
Risikobewertung bezüglich der Kreuzungsvorgänge bei einer geografischen Verteilung der
Flugbewegungen auf beide Start- und Landebahnen vor.
Im Ergebnis der Betroffenheitsbewertung wurden Potentiale zur Entlastung von
Lärmbetroffenen nachgewiesen, dem stehen jedoch Gebiete mit neu betroffenen Anwohnern
gegenüber. Nach anschließender Vorstellung der Ergebnisse der Risikobewertung durch die
DFS ist eine Änderung des derzeit angewendeten Bahnnutzungskonzeptes nur nach
Untersuchung und Umsetzung weiterer Maßnahmen zur Risikominimierung möglich.
Die anwesenden Vertreter der Gebietskörperschaften konnten sich aufgrund dieser
Sachlage noch nicht zu einem eindeutigen Votum entschließen. Hierzu wird es mit den direkt
betroffenen Kommunen weitere Abstimmungen geben.
Zum Antrag der Stadt Leipzig bezüglich der zeitversetzten Nutzung der Bahnen informierte
das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft über eine vom
Umweltbundesamt geplante Studie zur Auswirkungsbewertung. Die Fluglärmkommission
regte an, sich aktiv in diese einzubringen.
Zur Anwendung des steileren Anflugwinkels berichtete die DFS, dass die Testphase am
Flughafen Frankfurt verlängert wurde und noch nicht abgeschlossen sei. Folglich liegen noch
keine belastbaren Ergebnisse vor.
Der Flughafen informierte über den Fortgang der geplanten Aufforstung eines
Lärmschutzwaldes im Bereich Papitz/Modelwitz.
Mehrheitlich folgte die Fluglärmkommission der von der Stadt Halle beantragten
Modifizierung der Abflüge nach Norden bei Betriebsrichtung West und empfahl der DFS die
entsprechende Umsetzung. Damit sollen zukünftig östliche Stadtteile von Halle vom Fluglärm
entlastet werden.
Zur Beurteilung der von der Gemeinde Schkopau beantragten Verschiebung der kurzen
westlichen Südabkurvung um 1600 m nach Westen hielt die Kommission eine detaillierte
Betroffenheitsanalyse für erforderlich, die das SMUL analog dem Verfahren bei dem
Hallenser Antrag für beide vorgeschlagene Varianten bis zur nächsten Sitzung erarbeiten
soll.
Den Antrag der Stadt Leipzig auf Aussetzung der kurzen Südabkurvung lehnte die
Kommission mehrheitlich ab. Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil vom
19.12.2013 über die Zulässigkeit der Klage eines Umweltverbandes gegen dieses
Flugverfahren entschieden, ohne eine inhaltliche Bewertung seiner Rechtmäßigkeit
vorzunehmen. Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung informierte zum Verfahrensstand
und legte seine Rechtsposition dar. Eine Aussetzung im Vorgriff auf die Sachentscheidung
des sächsischen Oberverwaltungsgerichts konnte die Kommission nicht befürworten.
Nachdem die sächsische Luftaufsichtsbehörde über die Kontrollmechanismen zur
Gewährleistung der Betriebssicherheit von Luftfahrzeugen und die Möglichkeiten für

Betriebsuntersagungen informiert hatte, zog die Gemeinde Schkopau nach eingehender
Diskussion ihren Antrag auf Betriebsuntersagung für die Luftfahrzeuge AN 12 und AN 26
zurück. Insbesondere geschah dies vor dem Hintergrund, dass trotz erhöhter
Kontrollfrequenz bei diesen Luftfahrzeugtypen keine sicherheitskritischen Auffälligkeiten
festgestellt wurden.
Vertreter der DHL informierten über die Erweiterung der baulichen Anlagen und die dazu
laufenden Genehmigungsverfahren und beantworteten Fragen der Kommissionsmitglieder.
Der Flughafen berichtete über die Verkehrsentwicklung und die Umsetzung des
Schallschutzprogramms. Die Anzahl der Flugbewegungen stieg in den ersten Monaten
dieses Jahres zum Vorjahreszeitraum um 4,4 %. Von den 7176 fristgerecht eingegangenen
anerkannten Anträgen auf passiven Schallschutz wurden bisher 3145 komplett realisiert. Die
übrigen Anträge befinden sich in Bearbeitung bzw. Realisierung der
Schallschutzmaßnahmen.
Von November 2013 bis Februar 2014 gingen beim Flughafen 7662 über den DFLD
generierte digitale Beschwerden von 48 Beschwerdeführern ein. 49 schriftliche Beschwerden
von 29 Beschwerdeführern sowie eine Sammelbeschwerde mit 67 Unterschriften waren zu
bearbeiten. Vor dem Hintergrund der Beschwerden über die kürzlich durchgeführten
AWACS-Trainingsflüge verständigte sich der Flughafen mit den zuständigen Stellen auf
einen Modus, der die Bevölkerung weniger stark belastet.
Der Flughafen legte die Auswertung der 10 stationären Fluglärmmessstellen und der 2
Einsatzorte der mobilen Messanlagen vor. Es waren keine signifikanten Pegelerhöhungen zu
verzeichnen. Die höchsten Pegel wurden wieder in Radefeld gemessen. Die derzeitigen
mobilen Messungen in Hayna und Freiroda werden fortgesetzt. Hier zeichneten sich bisher
keine Auffälligkeiten ab. Als nächster Einsatzort der mobilen Messanlage ist der Leipziger
Ortsteil Lützschena-Stahmeln vorgesehen. Der konkrete Standort wird in Abstimmung mit
dem Ortschaftsrat festgelegt.
Schließlich informierte der Flughafen über die diesjährige Nutzung der
Triebwerksprobelaufhalle. Bisher fanden von 64 Probeläufen 49 in der Halle und 15
außerhalb statt. Es wurde kein nächtlicher Probelauf außerhalb der Halle durchgeführt.
Die Genehmigungsbehörde erläuterte auf Nachfrage die Rechtsgrundlagen des Verfahrens
der vom Flughafen hinsichtlich der Triebwerksprobeläufe beantragten Änderung der
Betriebsgenehmigung. Die Fluglärmkommission wird zu gegebener Zeit in dem förmlichen
Verfahren angehört.
Die Auswertung der Bahnnutzung von November 2013 bis Februar 2014 zeigte erneut, dass
die Nordbahn am Tage stärker genutzt wurde als die Südbahn. Nachts kehrte sich das
Verhältnis um.
Die Anregung der Kommission, bei den Flughafenentgelten eine deutliche Staffelung nach
den Lärmemissionen der Luftfahrzeuge vorzunehmen, griff der Flughafen auf. Er wird
mögliche Handlungsoptionen prüfen und in der nächsten Sitzung berichten.
Die nächste Sitzung findet im November 2014 statt.
Manfred Heumos
Vorsitzender der Fluglärmkommission am Flughafen Leipzig/Halle