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Herzstück des
Bildungscampus
Uni Leipzig
Seite 4
Alt und Neu in einem
Haus am Karswald
Arnsdorf
Seite 8
Hightech im Denkmal
Barkhausen-Bau
der TU Dresden
Seite 10
Neu im SIB
Computer-Aided
Facility Management
Seite 16
Magazin
SIB
Ausgabe 2 | 2018

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2 | 2018
2
INHALT
IMPRESSUM
Herausgeber:
Staatsbetrieb Sächsisches
Immobilien- und Baumanagement
Wilhelm-Buck-Straße
4, 01097 Dresden
www.sib.sachsen.de
im Auftrag des Freistaates Sachsen,
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
Redaktion:
SIB-Zentrale:
Oliver Gaber (V.i.S.d.P.), Tobias Lorenz
blaurock markenkommunikation:
Tobias Blaurock
Gestaltung:
blaurock markenkommunikation,
www.team-blaurock.de
Fotos:
David Nuglisch (Titel, S. 3, 5 o., 6 u., 9,
11 u., 13 M., 19 M. + u., Rückseite);
Michael Moser (S. 2, 4, 5 u., 6 o. + M., 14–15);
2018 © Entwurf C. Ruckhäberle, Pro-
duktion M. Grzesiak, Foto U. Walter (S. 7);
blaurock markenkommunikation (S. 16–17);
Steffen Spitzner (S. 10, 12, 13 u.);
Robert Lohse (S. 13 o.); SIB (S. 18);
Matthias Rümmler (S. 19 o.);
Visualisierung:
Arbeitsgemeinschaft hkb5 /
NHzwo-projects + h.e.i.z.Haus (S. 8)
Druck /Auflage:
Lößnitz-Druck/2.000 Stück
Redaktionsschluss:
November 2018
Copyright:
Die Veröffentlichung ist urheberrechtlich
geschützt. Alle Rechte, auch die des Nach-
druckes von Auszügen und der fotomecha-
nischen Wiedergabe, sind dem Herausgeber
vorbehalten.
Technische Universität Chemnitz – MAIN –
Materials, Architecture and Integration of Nanomembranes
Architektur: Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten
3 EDITORIAL
4
KLUGE KÖPFE
Flaggschiff für die Lehrerausbildung
8 BAUSTELLENRUNDGANG
Alt und Neu in einem
10 GUTE IDEEN
Hightech im Denkmal
14 ZAHLEN UND FAKTEN
MAIN
16 SIB INTERN
Alles digital?
18 AKTUELLE BAUPROJEKTE
Auf einen Blick

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EDITORIAL
Seit 15 Jahren übernimmt der Staatsbetrieb Sächsisches
Immobilien- und Baumanagement (SIB) die verantwor-
tungsvolle Aufgabe, die baulichen und liegenschaftlichen
Zielsetzungen des Freistaates Sachsen zu koordinieren
und umzusetzen.
Bauinvestitionen des Freistaates Sachsen dienen auch
der Weiterentwicklung des Standortes Sachsen, in beson-
derem Maße gilt dies für die Maßnahmen im Hochschul-
bau. In dieser Ausgabe präsentieren wir Ihnen unter an-
derem zwei herausragende Beispiele aus diesem Bereich.
Mit der Fertigstellung des Bildungswissenschaftlichen
Zentrums auf dem Campus Jahnallee der Universität
Leipzig wurden hochmoderne Bedingungen für die Leh-
rerausbildung geschaffen. Zudem schließt der Neubau
städtebaulich eine Lücke an der Marschnerstraße.
In Dresden nahm zudem das neue Labor- und Seminar-
gebäude für das Forschungscluster Center for Advancing
Electronics Dresden (cfaed) der Technischen Universität
Dresden im Barkhausen-Bau seinen Betrieb auf. Als in-
terdisziplinäres Forschungszentrum ermöglicht es fortan
Elektronikforschung auf internationalem Spitzenniveau.
Die Anforderungen an die bauliche Infrastruktur waren
entsprechend hoch. In der hochkomplexen, EFRE-geför-
derten Baumaßnahme galt es, die Laborräume möglichst
schwingungsarm, mit nahezu strömungsfreier Vollklima-
tisierung und mit speziellen magnetischen Spezialabschir-
mungen zu errichten.
Das Wissen und die Erfahrung unserer engagierten
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind der Schlüssel, um
solche komplexen Maßnahmen zu bewältigen. Ziel dieses
Magazins ist es daher, die Menschen hinter den Projekten
des SIB zu zeigen.
Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre der
zweiten Ausgabe des SIB Magazins in diesem Jahr und
freuen uns über Ihre Anregungen.
Oliver Gaber
Kaufmännischer
Geschäftsführer
Prof. Dieter Janosch
Technischer
Geschäftsführer

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KLUGE KÖPFE
Der Neubau des Bildungswissenschaftlichen Zentrums (BWZ) ist das
neue Domizil für das Institut für Förderpädagogik der Erziehungs-
wissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. Das Gebäude
wurde am 28. Oktober 2018 feierlich und vom Ministerpräsidenten
des Freistaates Sachsen Michael Kretschmer eröffnet. In dem Neu-
bau befinden sich unter anderem ein Hörsaal mit 350 Plätzen, Se-
minarräume sowie die Bibliothek für Erziehungswissenschaft und
Sportwissenschaft, aber auch ein Forschungskindergarten. An der
Entstehung des BWZ – und damit an der Integration eines Neubaus
mit äußerst komplexer Anlagentechnik in die vorhandene bauliche
und medientechnische Struktur des Campus Jahnallee – hat ein um-
fangreiches und vielseitiges Team des SIB mitgewirkt.
Neoklassizistische Bauten der 1950er Jahre prägen das Erscheinungsbild
des Campus Jahnallee.
Das städtebauliche Leitbild des zugrundeliegenden Wettbewerbsent-
wurfes von 1951 war eine fast vollständig geschlossene, vierflügelige
Anlage mit Betonung ihrer Achsen und Symmetrie.
Die Einfügung des Neubaus trägt dem städtebaulichen Konzept, der
Umgebung und den Bestandsgebäuden Rechnung, er fügt sich in eine
Lücke des Ensembles entsprechend ein.
Der Neubau des Bildungswissenschaftlichen Zentrums besteht aus
zwei dreigeschossigen, riegelförmigen Baukörpern unterschiedlicher Länge
mit zweigeschossigen Verbindungsgebäuden. Nach Süden hin schließt
sich ein eingeschossiger Bereich mit einem eigenen Innenhof an. Das Ge-
bäude wird über ein in der Mitte gelegenes Foyer erschlossen, das die bei-
den campus- und straßenseitigen Haupteingänge miteinander verbindet.
Der als Stahlbetonkonstruktion ausgeführte Bau ruht auf 265 Bohr-
pfählen. Im Rohbau wurden ca. 900 Tonnen Stahl und 6.500 m
3
Beton
sowie 2.200 m² Mauerwerk verbaut.
Für die Realisierung und die Steuerung der 55 beauftragten Firmen
unter Regie der Niederlassung Leipzig II des SIB zeichnen verantwort-
lich die Sachgebiete HB3 – Sachgebietsleiter Ingo Fischer, Projektleiterin
Annett Koefer und Anita Reise, BT1 – Sachgebietsleiter Ronny Hilscher,
Bianco Neuber, Sebastian Hiß, Martin Jäger und Mario Betka, IB –
Christiane Sachse.
Flaggschiff für die
Lehrerausbildung
Neubau: Bildungswissenschaftliches Zentrum für das Institut Förderpädagogik der
Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig am Campus Jahnallee
„Besonders faszinierend war für mich die Gestaltung des
Objektes – und in der Zusammenarbeit mit dem General-
planer das Zusammenführen von Form und Funktion.
Dabei konnten wir bauseitig sowohl die nutzerseitig ver-
antwortete Medientechnik optimal einbinden als auch
technische Möglichkeiten für künftige, bisher unbekannte
Erfordernisse offenhalten.“
Sebastian Hiß
Städtebauliches Umfeld und Geschichte
Generalplaner: agn Niederberghaus & Partner, Halle

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KLUGE KÖPFE
Annett Koefer,
Dipl.-Bauingenieurin, verantwort-
liche Projektleiterin für den Neubau
des Bildungswissenschaftlichen
Zentrums
Sebastian Hiß,
Dipl.-Ing (FH) Elektrotechnik,
Sachbearbeiter Elektrotechnik
Bianco Neuber,
Dipl-Ing. (BA) Versorgungs-
und Umwelttechnik, im Projekt
Sachbearbeiter Sanitär-,
Heizung- und Klimatechnik
Die Sichtbeton-Lochfassade interpretiert die
Fassaden der neoklassizistischen Bestandsge-
bäude des Campus neu. Die Fensteröffnungen
folgen einem strengen Rhythmus, zu dessen
Einhaltung auch Blindfenster gesetzt wurden.
Das denkmalgeschützte ehemalige Trafogebäude, seitlich
versetzt zwischen Neubau und Marschnerstraße stehend,
wurde erhalten und instandgesetzt. Es erfährt durch den
baulichen Kontrast mit dem neuen Gebäudeensemble eine
Aufwertung und schafft gemeinsam mit dem Bildungs-
wissenschaftlichen Zentrum eine neue Adresse und
interessante Eingangssituation
an der Marschnerstraße.
„Besondere Aufmerksamkeit haben wir der Fassadengestaltung gewidmet.
Sie sollte sich dem Fassadenmaterial der Bestandsgebäude (Travertin)
anpassen, jedoch auch als Neubau aufmerksam machen. Dafür sprach
die Auswahl einer hinterlüfteten Architekturbetonfassade, deren Umsetzung
zeitgemäß und wirtschaftlich vertretbar ist. Am Musterelement wurden
noch die letzten Details besprochen. Dann kam der längere Produktions- und
Montagezeitraum, der über 6 Monate andauerte.“
Annett Koefer
Fassade

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KLUGE KÖPFE
Die Nutzung des BWZ ist äußerst vielfältig. So finden im Neubau eine
Bibliothek mit großzügigem Lesebereich, Gruppenarbeitsräumen und
Innenhof, die Institutsflächen mit Büro-, Funktions- und Therapieräumen
und die Forschungskindertagesstätte Platz. Zusätzlich schließen sich am
Foyer der Hörsaal für 350 Personen und Seminarraumflächen an.
„Am meisten hat mich von Anfang an fasziniert, dass
hier unterschiedlichste Anforderungen an die Nutzung
wie Kindergarten, Bibliothek mit Leseraum, Hörsaal,
Seminarräume und Büros harmonisch in einem Gebäude
zusammengefasst werden.“
Bianco Neuber
Annett Koefer
Herz- und Schmuckstück des Gebäudes ist der
technisch hochwertige und optisch ansprechende,
ansteigende Hörsaal mit seinen 350 Plätzen
„Ein anspruchsvolles Detail in der
Umsetzung war die über zwei Etagen
gehende Sichtbetonwand im Foyer.
Mit Probebetonagen und ausgewählter
Schalung wurde die Oberflächen-
qualität festgelegt. Nun waren
qualifizierte Fachleute und eine gute
Wetterlage nötig, um die 37 m lange
Foyerwand in Sichtbetonqualität
herzustellen. Das ist zweifellos
gelungen.“
Nutzung
Schlüsselübergabe (v.l.n.r.) mit Dr. Matthias Hass,
Sächsischer Staatsminister der Finanzen;
Michael Kretschmer, Ministerpräsident Freistaat Sachsen;
Prof. Dr. med. Beate A. Schücking, Rektorin, Universität Leipzig;
Dr. Eva-Maria Stange, Sächsische Staatsministerin für
Wissenschaft und Kunst

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Neben seiner Lagerung auf 265 Bohrpfählen, die der Baugrund erforderte, weist das Ge-
bäude eine weitere technische Besonderheit auf, auf die Bianco Neuber, im Projekt Sachbe-
arbeiter Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik, stolz hinweist:
„Ein Geothermiesondenfeld mit
19 Sonden versorgt zwei Wärmepumpen und gewährleistet zugleich die freie Kühlung einiger
technischer Anlagen. Eine Wärmepumpe speist die Warmwasserbereitung und die Fußboden-
heizung des Kitabereiches. Die zweite Wärmepumpe wird reversibel zur Heizung oder Küh-
lung einzelner Verbraucher eingesetzt. Durch die Verknüpfung der geothermisch versorgten
Anlagentechnik mit einem Kaltwassersatz mit Freikühleinrichtung wird in Verbindung mit den
hohen Systemtemperaturen der Kälteverbraucher ein hoher Effizienzgrad bei der Kühlung er-
reicht.“
Insgesamt waren 55 Bau- und Technikfirmen für die Realisierung des Bauwerkes beauftragt, da-
von waren 60 Prozent sächsische Unternehmen. Beim Bau gab es auch im Zeitablauf einige Beson-
derheiten. Sebastian Hiß erinnert sich:
„Insbesondere die Umverlegung der Medien mittels einer
Stichleitung zur Trafostation Haus I, die extra in der vorlesungsfreien Zeit geplant war, erfolgte,
während die Ernst-Grube-Halle im Spätsommer 2015 als Erstaufnahmeeinrichtung belegt war.“
Dennoch ging alles glatt. Bianco Neuber ergänzt:
„Durch die enge Abstimmung im SIB-Projekt-
team konnten wir schnell und konsequent auf Veränderungen im Bauablauf reagieren. Mit konse-
quenter Kosten- und Terminkontrolle sowie fachlichem Know-How der Projektbeteiligten konnte ein
qualitativ hochwertiges Gebäude entstehen.“
Das letzte Wort hat die Projektleiterin Annett Koefer:
„Wir konnten das Gebäude pünktlich
im Juni 2018 fertigstellen, so dass der Universität für die Ausstattung und den Umzug noch fast
4 Monate zur Verfügung standen. Zur feierlichen Übergabe am 28.09.2018 waren die Umzüge ab-
geschlossen, die Bibliothek hatte zwei Wochen davor eröffnet und die Kita ist bereits seit August
2018 in Betrieb. Damit haben wir das Projekt termin- und kostengerecht abgeschlossen.“
ÜBERSICHT
Planungskenndaten:
Gesamtbaukosten: 25.300.000 Euro
Nutzfläche: 5.819 m²
Verkehrsfläche: 2.564 m²
Funktionsfläche: 846 m²
Bruttogrundfläche: 11.083 m²
Bruttorauminhalt: 46.487 m³
Planungsauftrag EW-Bau: 08/2014
Baubeginn: 11/2015
Baufertigstellung: 06/2018
Feierliche Übergabe: 28.09.2018
Technische Besonderheiten und Teamwork – pünktlich fertig
Die Fakultät Erziehungswissenschaften der Universität Leipzig bezeichnet
das Gebäude stolz als „Flaggschiff für die Lehrerausbildung“.
KLUGE KÖPFE
Den für Kunst am Bau ausgelobten Einladungswettbewerb hatte Chris-
toph Ruckhäberle aus Leipzig mit seiner Wettbewerbsarbeit „Laufbilder“
gewonnen: lineare, begehbare Bilder, die in drei übereinanderliegenden
Fluren als Flachreliefe in Linoleum auf den Boden übertragen wurden.
Die je nach Flur in unterschiedlichen Farbräumen gestalteten Bodenre-
liefe strukturieren die langen Gänge. Diese insgesamt 500 Quadratmeter
große Kunst am Bau lädt Kinder, Erwachsene, Nutzer sowie Besucher zu
physischen Spiel und körperlich-geistiger Interaktion ein.
Annett Koefer:
„Erst im Prozess hat Michael Grzesiak, der die Produk-
tion der Kunst übernommen hatte, die Technologie zur Verlegung der
Bodenreliefe aus Linoleum entwickelt. Nun musste die schrittweise
Umsetzung in den Bauablauf der Ausbaugewerke integriert werden.“
500 m
2
Kunst am Bau

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BAUSTELLENRUNDGANG
Bauingenieur Maik Lehmann, Projektleiter Krankenhausbau in der
Niederlassung Bautzen, HB 2 (Hochbau 2), verantwortet eine span-
nende Baumaßnahme in Arnsdorf, die derzeit in vollem Gange ist:
Gleichzeitig finden die Sanierung des Hauptgebäudes und der Neu-
bau der beiden abgerissenen Gebäudeflügel statt. Das SIB-Magazin
hat ihn zum Baustellenrundgang besucht.
Die heutige Wohnstätte „Haus am Karswald“ wurde als „Königlich-Säch-
sische Heil- und Pflegeanstalt Arnsdorf“ am 1.4.1912 nach vier Jahren
Bauzeit eröffnet und umfasste, verteilt auf eine Parkanlage, 18 Stations-
und neun Wirtschaftsgebäude. Später wurde die Einrichtung als „Lang-
zeitbereich des psychiatrischen Landeskrankenhauses Arnsdorf“ geführt.
Träger der heutigen „Wohnstätte zur Förderung und Pflege behinderter
Menschen“ ist das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Ver-
braucherschutz (Referat 52).
Unter Regie der SIB Niederlassung Bautzen wird derzeit das ehema-
lige Bettenhaus „Haus B5“ saniert, um- und ausgebaut. Wo sich einst
großzügige Schlafräume und in den Obergeschossen Freiluft-Wandel-
gänge befanden, entsteht eine moderne Wohn- und Therapiestätte für
Alt und Neu
in einem
SIB Niederlassung Bautzen: Haus am Karswald Arnsdorf –
Sanierung und Erweiterung des Heimgebäudes B5 –
Wohnstätte zur Förderung und Pflege behinderter Menschen
die Förderung und Pflege Behinderter. Nach mehreren Variantenunter-
suchungen und in gründlicher Abstimmung mit dem Landesamt für
Denkmalpflege wurde entschieden, das bestehende Hauptgebäude B5 zu
erhalten und zu sanieren, seine beiden Seitenflügel jedoch abzubrechen
und an gleicher Stelle tiefer gelegen neu zu errichten.
Künftige Nutzung
In dem Gebäudekomplex sollen ab Ende 2020 insgesamt 59 Bewohner
untergebracht werden, und zwar etagenweise verteilt auf drei Bereiche
mit jeweils eigenen Eingängen. Zusätzlich wird ein zentraler Therapiebe-
reich zur Nutzung durch die Bewohner und durch die Bewohner anderer
Häuser eingerichtet. Insgesamt werden also vier Eingänge geschaffen,
was deutliche Umwidmungen einzelner Gebäudeteile mit sich bringt.
Wie vom Betreiber gewünscht, werden in den Wohngruppen Auf-
enthaltsbereiche und kleine individuelle Freibereiche angeordnet. In den
Außenanlagen ist ein Therapiegarten geplant.

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BAUSTELLENRUNDGANG
Erstmals wird auch der gesamte Dachboden des Altbaus genutzt werden,
der teilweise noch nicht ausgebaut war.
„Nur in den Kopfbereichen des
Mittelteils befanden sich einst Dienstwohnungen. Im zentralen Mittelteil
gab es früher keine Nutzung, hier werden wir den Dachstuhl erhöhen, um
die Nutzfläche zu erweitern.“,
so Maik Lehmann.
Das Bestandsgebäude hielt für Maik Lehmann und sein Team schon ei-
nige Überraschungen bereit. So hat man in früherer Zeit äußerst groß-
zügig nicht nur Schlitze, sondern gleich Schächte in die Wände gezogen,
um Verkabelungen und anderes unter Putz zu bringen.
„Gut, dass wir
sämtlichen Putz haben abklopfen lassen, denn die Dimensionen dieser
Schächte sind durchaus statisch relevant. Hier zum Beispiel liegen sie
horizontal über viele Meter gleich von beiden Seiten des Mauerwerks vor
und stehen einander nur mit geringem Höhenversatz gegenüber“,
er-
zählt Maik Lehmann kopfschüttelnd und zeigt auf die großzügige Aus-
sparung.
Der künftig überflüssige alte Fahrstuhlschacht wurde aus dem Gebäu-
de genommen. Dafür wurde es in seiner ganzen Höhe aufgeschnitten.
Erstaunlich gering sind die Deckenstärken, die – vor Ort gegossen aus
Beton in den Jahren 1910 bis 1914 – stellenweise nur 10–14 cm betragen.
Überraschungen im Bestand
Neubauten mit aufwändiger Gründung
Die beiden historischen Gebäudeflügel waren stark zergliedert und mit
Höhensprüngen versehen, denn sie waren entlang der Felslinie gebaut.
Die Neubauten werden jetzt tiefer angelegt, um Höhensprünge inner-
halb des Gebäudes zu vermeiden. Sie mussten dafür tiefer in den teils
felsigen, teils schluffigen und teils sandigen Grund fundamentiert wer-
den. Hierbei spielt neben den hohen Ansprüchen an die Statik auch eine
aufwändige Abdichtung gegen Wasser eine Rolle. Insgesamt hat das un-
vorhersehbare Mehrkosten mit sich gebracht. Gut zu sehen ist derzeit,
wie das Bestandsgebäude statisch unterfangen wird, damit es an die
tiefere Gründung der Neubauflügel angebunden werden kann.
ÜBERSICHT
Ausführung: Mauerwerk/
Stahlbetonskelett
Nutzfläche a: 3.282 m
2
Brutto-Grundfläche: 7.908 m
2
Brutto-Rauminhalt: 28.520 m
3
„Ich bin froh, dass wir trotz europaweiter Ausschreibung einige sächsische
Firmen aus dem Umkreis am Bau beteiligen konnten. Sie bringen das nö-
tige Verständnis für die anspruchsvolle Aufgabe mit, da sie teils schon vor
Ort tätig gewesen sind. Das macht es an vielen Stellen einfacher, passende
Lösungen zu finden.“
erzählt Maik Lehmann.
Auch die Architekten sind aus der Nähe. NHzwo-projects und
h.e.i.z.Haus architektur.stadtplanung hatten eigens die ARGE hkb5 gebil-
det und sind derzeit mehrere Tage pro Woche vor Ort.
Die Finanzierung der Baumaßnahme erfolgt aus Haushaltsmitteln des
Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz so-
wie aus Eigenmitteln des „Haus am Karswald“, Arnsdorf.
Schnittstelle zwischen Alt und Neu,
gut zu sehen: Umriss des ehemaligen
Gebäudeflügels (Bild links)
Anspruchsvolle Arbeiten am Fundament
des Bestandsgebäudes (Bild rechts)
„Die Vorgaben des Nutzers für das Raumprogramm waren
außerordentlich gut ausgearbeitet, so dass wir keine
Probleme hatten, eine adäquate Planung für die beab-
sichtigten Nutzungen zu erstellen.“
Maik Lehmann

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2 | 2018
GUTE IDEEN
Das Center for Advancing Electronics Dresden beschäftigt sich mit der Ent-
wicklung völlig neuartiger Lösungen für die Übertragung und Verarbeitung
von Informationen. Mit seiner Forschung möchte es die Zukunft der Elekt-
ronik gestalten und revolutionär neue Applikationen initiieren, wie Elektro-
nik, die keine Bootzeit benötigt, die fähig zur THz-Bildgebung ist oder kom-
plexe Biosensorik unterstützt. Um diese hochgesteckten Ziele zu erreichen,
vereint das cfaed den Erkenntnisdrang der Naturwissenschaften mit der
Innovationskraft der Ingenieurwissenschaften. In einem weltweit einmali-
gen Ansatz verfolgt das cfaed mehrere materialbasierte Forschungsrouten,
welche die Möglichkeiten neuer Materialien ausloten. cfaed führt diese in
einer integrierenden ‚Orchestration‘-Route zusammen, so dass neuartige
Systeme entstehen, die den klassischen Aufbau elektronischer Systeme
(Speicher, Logik und Sensorik) revolutionisieren werden.
Das cfaed ist an der Technischen Universität Dresden angesiedelt.
Neben der Technischen Universität Chemnitz vereint es auch neun au-
Hightech
im Denkmal
Ersatzneubau und Sanierung des Barkhausen-Baus der Technischen Universität Dresden
für das Exzellenzcluster Center for Advancing Electronics Dresden (cfaed)
ßeruniversitäre Forschungsreinrichtungen in Sachsen im Kreis seiner
Kooperationsinstitute. Als Exzellenzcluster wurde das cfaed im Rahmen
der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder 2012 bis 2018 von der
Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als Cluster gefördert. Unter
anderem auch durch die Arbeit des cfaed kann die TU Dresden als eine von
wenigen deutschen Universitäten den Titel „Exzellenzuniversität“ tragen.
Als interdisziplinäres Forschungszentrum für Perspektiven der Elektro-
nik wurde das cfaed im direkten Umfeld der Fakultät Elektrotechnik und
Informationstechnik der TU Dresden im Barkhausen-Bau – dem Stamm-
haus der Fakultät – platziert. Dafür schuf das SIB einen Ersatzneubau des
Flügels D mit Erweiterung. Die hochsensiblen Labore des cfaed konnten
so in sehr enger räumlicher Nähe zu den beteiligten Lehrstühlen im Bark-
hausen-Bau untergebracht werden.
Elektronische Informations-
verarbeitungssysteme gehören zu
den wichtigsten Fortschrittsmotoren
unserer Zeit. Doch konventionelle
Technologien der elektronischen Da-
tenverarbeitung stoßen bald an ihre
Grenzen. Das cfaed ist angetreten,
neue Technologien zu entwickeln, die
künftigen Fortschritt ermöglichen.
Interdisziplinäre Forschung erfordert
effektive Kommunikationsmöglich-
keiten und räumliche Nähe. Beides
bietet das SIB mit dem Neubau des
cfaed in völlig neuer Qualität.
Das cfaed: Die Zukunft der Elektronik,
erforscht an der Exellenzuniversität Dresden
Anspruchsvolle Bauaufgabe: Integration
außergewöhnlicher Lösungen in den Bestand
Architektur: SHP-Architekten GmbH

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GUTE IDEEN
Komplexität ermöglicht Weltniveau
Der Barkhausen-Bau
Bei
Andra Groß
, Sachbearbeiterin des SIB in der Niederlassung Dresden
II des SIB, liefen die Fäden von vier parallelen, umfangreichen Baumaß-
nahmen im und am Barkhausen-Bau zusammen.
Denn sie war nicht nur die Projektleiterin für die Realisierung der Bau-
maßnahme cfaed (sechsgeschossiger Ersatzneubau für den Flügel D und
das Mikroskopiezentrum im Innenhof) und die Sanierung des Flügels C
(s. Abb.).
Vielmehr koordinierte sie gleichzeitig im Rahmen des Gesamt-
projektes Barkhausen-Bau auch das Zusammenspiel und die Schnittstel-
len weiterer Baumaßnahmen in und an dem riesigen Gebäudekomplex:
Die eine war die Sanierung und Modernisierung der technischen Ver- und
Entsorgung (TVE) des gesamten Gebäudekomplexes mit teilweiser Neu-
gestaltung der Außenanlagen. Die andere umfasste die denkmalschutz-
gerechte Modernisierung und Sanierung des Schönfeld-Hörsaales.
Anspruchsvolle Aufgaben
Neben Sanierung und Neubau im Bestand wurden Bestandsgebäude um
teilweise zwei Geschosse aufgestockt. Vor allem musste bei der Schaf-
fung des Mikroskopiezentrums zur Unterbringung der Hochpräzisions-
mikroskope gleich in vier Dimensionen Weltniveau erreicht werden: Mag-
netische Abschirmung, Akustik, Temperaturstabilität und baudynamische
Anforderungen.
Flügel A: „Glück auf“ statt „Guten Morgen“
Eine besondere Überraschung erlebte das Team um Andra Groß im
Flügel A:
„Das viergeschossige Bestandsgebäude sollte ja um zwei Ge-
schosse aufgestockt werden. Doch einige der in den Bestandsplänen
aufgeführten Fundamente gab es gar nicht. Damit nicht genug: Bei der
Ertüchtigung brach ein Mikrobohrpfahlgerät einfach durch die Boden-
platte ein – in ein bis zu vier Meter tiefes Loch! In dem schlechten, lehm-
haltigen Baugrund war es zu Unterspülungen gekommen. Vor dem Auf-
stocken musste nun zunächst das teilweise durchhängende Fundament
herausgebrochen und der Baugrund darunter ertüchtigt werden – bei
Temperaturen
bis -10 Grad und nur mit Kleingeräten. Mit Galgenhumor
sah man sich ‚im
Bergwerk‘ und grüßte sich entsprechend mit ‚Glück auf‘.
Dennoch konnten die Rohbauarbeiten fristgerecht fertiggestellt werden.“
erinnert sich Andra Groß.
„Bei der Erfüllung der bauphysikalischen Anforderungen,
die die interdisziplinäre Spitzenforschung mit sich bringt,
gingen wir mehrfach und mit ungewöhnlichsten Lösungen
an die Grenze des Machbaren. Natürlich galt es dabei,
zahlreiche funktionale und technologische Berührungs-
punkte und Abhängigkeiten der Teilprojekte und der
äußeren Begleitumstände zu koordinieren.“,
Dipl.-Bauingenieurin (FH) Andra Groß
Flügel B
Flügel D
Turm
Flügel C
Flügel A
Hörsaal
Flügel 2
Flügel 1
1
2
3
4
5
1
Einbruch der Bodenplatte
2
Neubau Mikroskopiezentrum
3
Sanierung
4
Außengelände: TVE Technische Versorgungseinrichtung:
Medienerschließung, Gesamtgebäude Barkhausenbau
5
Schönfeld Hörsaal
cfaed

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12
GUTE IDEEN
Elektrostatische und magnetische Abschirmung
Moderne Transmissionselektronenmikroskope (TEM) erlauben einen di-
rekten Einblick in die Struktur und die chemische Zusammensetzung von
Materialien bis hinunter auf die atomare Skala. Sie sind daher extrem
empfindlich gegenüber äußeren Störeinflüssen wie schwankenden elek-
trischen und magnetischen Feldern, Schwingungen aller Art oder ther-
misch-klimatischen Instabilitäten. Um solche hochempfindlichen Geräte
den Arbeitsgruppen des cfaed und der TU Dresden in unmittelbarer Nähe
zugänglich zu machen, mussten Spezial-Labore errichtet werden, die be-
sonders unempfindlich gegenüber den oben genannten Einflüssen sind.
„Eine solch komplexe Aufgabe
kann man nur mit einer großen
Identifikation umsetzen.“
Projektleiterin Andra Groß (SIB)
Foyer im Barkhausen-Bau
Art und Menge der verbauten Materialien:
Beton: 5.800 m³
Stahl: 823 t
(davon 809 t, also 752 km Stabstahl)
287 Holz- und 76 Metalltüren
Datenkabel:
110 km
Starkstromkabel: 45 km
Leuchten: 1.200 Stück
Steckdosen: 2.200 Stück
Kanäle (Brüstungskanal): 2.500 m
80%
sächsische Firmen
beteiligt
„Das technische Kernstück mit den größten
baulichen Anforderungen ist das neu geschaffene
Mikroskopiezentrum des cfaed. Die vom SIB hier
erreichten Dimensionen bei magnetischer Abschirmung,
Akustik, Temperaturstabilität und Baudynamik kann man
nur mit einem Wort beschreiben: Weltniveau!“
Andra Groß
Dresden Center for Nanoanalysis (DCN) –
das Mikroskopiezentrum des cfaed:
Bauphysikalische Anforderungen
an der Grenze des Machbaren
So ist der Labortrakt mittels engmaschig verschweißter Stahlmatten als
Faraday’scher Käfig ausgeführt und teilweise galvanisch von der Umge-
bung getrennt. Die TEM-Labore wurden vollständig mit „μ-Metall“ um-
kleidet. Diese extrem weichmagnetischen Legierungsbleche verhindern
das Eindringen magnetischer Wechselfelder und schirmen auch langsam
veränderliche Gleichfelder effektiv ab. Die in diesen Laboren noch mess-
baren Magnetfeldschwankungen von < 5 nT („Nanotesla“) bei Wechsel-
und < 20 nT bei magnetischen Gleichfeldern
„sind weltweite Spitzen-
werte“,
so Andra Groß.

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13
GUTE IDEEN
„Als fester Bestandteil der Profillinie Informationstechnik und Mikro-
elektronik der TU Dresden trägt das Forschungscluster cfaed entschei-
dend zum Image von Silicon Saxony als weltweit sichtbarer Standort
für Mikroelektronik bei. Umso mehr freue ich mich, dass mit dem
heutigen Tag auch die baulichen Voraussetzungen für diese inter-
nationale Spitzenforschung geschaffen wurden.“
Prof. Dr. Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden, anlässlich der Übergabe
„Dieser neue cfaed-Flügel des Barkhausen-Baus elektrisiert uns! Team-
geist und gemeinsames Forschen werden weiter gestärkt. Die kurzen
Wege zwischen den einzelnen Gruppen und Laboren im Neubau sowie
zum Altbau ermöglichen die Interdisziplinarität, die wir uns immer
gewünscht haben: Elektrotechniker besprechen sich mit Physikern und
Informatiker diskutieren mit Chemikern auf den Gängen und in den
Laboren. Genau mit dieser Interdisziplinarität besticht das cfaed und
ermöglicht so Elektronikforschung auf internationalem Spitzenniveau.
Insbesondere die Errichtung von Laboren für das Dresden Center for
Nanoanalysis (DCN), welches hochsensible Elektronenmikroskope und
andere spezialisierte Analysegeräte zentralisiert und campusnah
betreiben wird, ermöglicht nun dessen Etablierung als international
anerkanntes Nutzerzentrum für Nanoanalytik.“
Prof. Gerhard Fettweis, Sprecher des cfaed / Managing Director Barkhausen-Institut
„Durch die großzügige Unterstützung des Landes Sachsen (SMWK und
SMF) und der EU (EFRE) konnte mit der Errichtung des Dresden Center
for Nanoanalysis (DCN) inmitten der hochinstallierten Umgebung des
Campus der TU Dresden eine Infrastruktur auf dem modernsten Stand
der Technik geschaffen werden, die es uns ermöglicht, die engagierten
Forschungsvorhaben des Clusters cfaed sowie weiterer Nutzer von der TU
Dresden und anderen Forschungseinrichtungen durch die Bereitstellung
neuester nanoanalytischer Methoden zu unterstützen.“
Dr. Bernd Rellinghaus, Director Dresden Center for Nanoanalysis (DCN)
Planungs-und Bauzeiten:
Erstellung Entscheidungsunterlage:
10.2012–07.2013
Planungsauftrag EW-Bau: 01.2014
Erstellung EW-Bau: 01.–08.2014
Planungsauftrag AFU: 09.2014
Bauauftrag: 02.2015
Fertigstellung: 04.2018
Gebäudekenndaten:
Hauptnutzfläche: 4.934 m²
Nutzfläche: 5.174 m³
Bruttogrundfläche: 11.079 m²
Bruttorauminhalt: 42.446 m³
Raum für Arbeit und Forschung von 324 Personen
auf Spitzenniveau
Gesamtbaukosten: 36.450.000 Euro
Die Baumaßnahme wurde mit 35.100.000 Euro
(80% EFRE + 20% Kofinanzierung Freistaat Sach-
sen) durch den europäischen Fond für regionale
Entwicklung (EE-EFRE) gefördert.
Akustik
Summenpegel von < 32 dB, in einzelnen Fre-
quenzbändern bis
28 dB bei laufender Klima-
und Lüftungstechnik
Temperaturstabilität
Die Temperaturstabilität erreicht Werte von
< 0,1°C/Std. und < 0,5°C/24 Std.
Baudynamische Anforderungen
Aufgrund der verkehrsreichen Umgebung und
des relativ weichen Baugrundes wurde das
in den Innenhof des Bestands hineingebaute
Mikroskopiezentrum mit 130 dicht gesetzten
Bohrpfählen à ca. 90 cm Durchmesser auf der
in 18 m Tiefe liegenden Granitfelsenebene auf-
gesetzt. Nur so konnten vertikale und horizon-
tale Schwingungen auf das erforderliche Mini-
mum reduziert werden.
Die Fassade des Mikroskopiezentrums wurde mit einem an der TU Dresden entwickelten Textilbeton verkleidet, geziert
von einem eingelassenen Punktraster, das sich mit einem Blumenmotiv unter dem Motto „Kleine Welt ganz groß“ auf die
Mikoskopienutzungen bezieht.
Mikroskopiezentrum

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MAIN: ZAHLEN UND FAKTEN
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Technische Universität Chemnitz – MAIN –
Materials, Architecture and Integration of Nanomembranes
MAIN
Die Technische Universität Chemnitz baut ihre
Kompetenzen im Bereich der Nanomembran-
Materialien mit dem Forschungsneubau aus. Zur
Schaffung der dafür notwendigen Infrastruktur,
stellt der Neubau des Gebäudes „MAIN – Materials,
Architecture and Integration of Nanomembranes“
einen wichtigen Meilenstein dar. An die Arbeit
im Nanobereich sind hohe Anforderungen
hinsichtlich der Schwingungsempfind-
lichkeit und Klimakontrolle in den
Laboren gebunden.
34,3
Mio.
Baukosten:
77,5
ca.
km
Leitungen für die Gebäudeautomation
141
ca.
km
Starkstromkabel
und -leitungen
600
m
erdverlegte Kälteleitung:
DN250 zur zentralen
Kälteversorgung
94%
sächsische Firmen
beteiligt
400
m
2
Reinraumlabore:

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MAIN: ZAHLEN UND FAKTEN
2 | 2018
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dicke Bodenplatte gewährleistet hohen Schutz
vor Erschütterungen und Schwingungen
für die sensible Messtechnik
1,60
m
überspannen die gesamte Wandfläche der
zweigeschossigen „Wissensgärten“ im Gebäude.
Kunstwerke
„layers“ und „structures“
von Patricia Westerholz
8
m
hohe
3.796
m
2
Hauptnutzfläche:
verwendete
technische Gase
9
GAS
86
ca.
km
Datenleitungen und andere
Schwachstromleitungen
6.300
km
Rohrleitungen: Heizung/Kälte
1.400
km
Rohrleitungen: Prozesskühlung

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Alles digital?
Neu im SIB: Facility Management aus dem Computer
Oliver Gaber, Kaufmännischer Geschäftsführer des SIB
„Ziel ist es, künftig alle Facility Management Prozesse
effizient in einem System abzubilden und dafür auch
Externe, wie Gebäudenutzer, direkt einzubinden.“
Mängel- und Störungsmanagement
@
ERFASSUNG
Der Nutzer erfasst eine
Meldung und qualifiziert diese.
ZUWEISUNG
Die Meldung wird dem jeweiligen
Objektmanager zugewiesen.
Dieser erhält per Mail eine
Benachrichtigung.
2 | 2018
SIB INTERN
Aufgrund steigender Anforderungen aus Gesetzen und der zunehmen-
den Komplexität von Gebäuden werden auch die Prozesse im FM im-
mer vielschichtiger. Dies erfordert eine zunehmende Digitalisierung der
Arbeitsabläufe. Die bei den bisherigen Hilfsmitteln erforderliche Suche
nach Informationen in analogen und dezentralen Datenbeständen ist
sehr zeitaufwändig und macht die Prozesse noch schwieriger. Durch das
erforderliche Zusammenführen der Daten entsteht darüber hinaus noch
eine zusätzliche Fehlerquelle.
Der Einsatz verschiedenster Softwarelösungen ist aus dem privaten und beruflichen Alltag
nicht mehr wegzudenken. Auch für das Facility Management (FM) gibt es spezielle Systeme,
die bei der täglichen Arbeit unterstützen. Diese werden Computer-Aided Facility Management
oder kurz CAFM-Systeme genannt. Die Grundlage für die Nutzung der Systeme wird durch
die Erfassung und Pflege aller relevanten Immobilienbestandsdaten gelegt.
Mithilfe der Bereitstellung von Daten aus bzw. auch für Baumaßnahmen kann so der kom-
plette Lebenszyklus eines Gebäudes abgebildet werden. Im Sinne einer zukunftsfähigen
Prozessgestaltung führt der SIB derzeit ein solches System ein. Mehr zu den Perspektiven
und zum Stand der Dinge erfahren Sie hier.
Grundlage für die Systemeinführung ist zunächst eine umfangreiche
Fleißarbeit, nämlich die Zusammenführung aller vorhandenen Daten aus
dem Bau und dem FM im zentralen digitalen Datenbestand. Vor allem im
Bereich der technischen Anlagen müssen zudem auch viele Daten
nacherfasst werden. Die Mühe lohnt sich jedoch:
Allein durch die geschaffene Datenbasis wird eine schnellere Auf-
findbarkeit der Daten gewährleistet. Informationen müssen nur einmal
erfasst werden, sind für alle Prozesse nutzbar und bilden so die Basis für
effiziente sowie transparente Arbeitsabläufe.
Auch die Kopplung der verschiedenen Prozesse ist vorgesehen. Ein
weiterer Effizienzgewinn wird durch Implementierung von Automatis-
men erreicht. Das System führt den Anwender an verschiedenen Stellen
durch den Prozess. Das Fehlerrisiko sinkt.

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2 | 2018
SIB INTERN
Durch die Einbindung von Gebäudenutzern können mithilfe des CAFM-
Systems auch Störungen und Mängel schnell, effizient und transpa-
rent abgearbeitet werden. Dies wird zunächst für die Dienstgebäude der
obersten Landesbehörden umgesetzt.
Über das Web-Tool von Spartacus können die Nutzer Störmeldungen
künftig komfortabel und praktisch dem SIB melden. Dabei besteht die
Möglichkeit, direkt eine erste Qualifizierung und räumliche Zuordnung
der Störung vorzunehmen. Auch das Hinterlegen von Fotos und Doku-
menten ist möglich.
Vom System wird automatisch der zuständige Objektmanager ermit-
telt und ihm die Störmeldung zur Bearbeitung zugeordnet. Bei Bedarf
leitet der Objektmanager die Störung zur weiteren Bearbeitung an inter-
ne Spezialisten weiter.
Die Nutzer haben im System jederzeit die Möglichkeit, sich über den
Status der Abarbeitung zu informieren und sehen so, wenn die Störung
erfolgreich behoben wurde.
CAFM-SYSTEM IM SIB
Wesentliche Bestandteile
Digitales Raum- und Gebäudebuch, technisches Anlagenbuch
und Außenanlagenbuch
Flächenmanagement
Technisches Anlagenmanagement (Wartung, Prüfung,
Mängel- und Störungsmanagement)
Vertragsmanagement
Berichtswesen
Mängel- und Störungsmanagement
Ausblick
Vertragsmanagement
Auch das Vertragsmanagement wird zukünftig durch das CAFM-System
unterstützt. Die SIB-Niederlassung Zwickau pilotiert derzeit den vollstän-
digen Workflow für die Beschaffung von Leistungen sowie deren Vertrags-
abwicklung. Als Grundlage dafür werden die bestehenden Verträge aus
dem Buchungssystem HHV Bewi übernommen und sollen zukünftig nur
noch in Spartacus gepflegt werden. Für die Rechnungsbearbeitung bleibt
HHV Bewi bestehen.
Mithilfe des CAFM-Systems können etwa Bestellscheine automa-
tisch systemseitig mit Daten befüllt und generiert werden. Anhand der
eingegebenen Vertragsdaten und des flexiblen Berichtswesens hat der
Bearbeiter zudem immer einen Überblick, welche Verträge als nächs-
tes auslaufen, ob es ggf. noch Verlängerungsoptionen gibt und welche
Kündigungsfristen bestehen. Ein Blick in die Akte ist dafür nicht mehr
erforderlich.
Beim SIB kommt das CAFM-System Spartacus FM zum Einsatz. Bislang
konnte ein beachtlicher Sachstand bei der Systemeinführung erreicht
werden.
Raum- und Gebäudebuch
Alle Liegenschaftsdaten bis hin zum jeweiligen „Raum“ inklusive Fenster,
Türen und Einbauten, wie Vitrinen, sind bereits abgebildet. Die Daten wer-
den von IS-Objekt zu Spartacus über eine Schnittstelle gespiegelt.
Technisches Anlagenbuch
Einführung im SIB – Stand der Dinge
„Durch die Niederlassungen des SIB
wurden bereits 14.500 technische
Anlagen im System erfasst. Bei diesen
können Wartungs- und Prüftermine
hinterlegt und nachverfolgt werden.
Dies ist ein wichtiges Hilfsmittel
zur Wahrnehmung der Betreiber-
verantwortung.“
Oliver Gaber
BEARBEITUNG
Der Objektmanger qualifiziert die Meldung
weiter, ggf. wird sie an die zuständigen
Bausachgebiete weitergeleitet
(Instandsetzung).
ABSCHLUSS
Erledigung wird quittiert und damit der
Vorgang
abgeschlossen. Die Nutzer sind
systemseitig jederzeit über den Staus ihrer
Störmeldung informiert.
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17
Als Nächstes wird eine Verknüpfung der Daten im Raum- und Gebäu-
debuch mit den jeweiligen CAD-Plänen umgesetzt, damit diese auch
grafisch visualisiert werden können. Zudem soll das Außenanlagenbuch
ebenso mit den entsprechenden Plänen verknüpft werden.
Weitere Schwerpunkte sind z. B. die Fertigstellung des Standardbe-
richtswesens und die Weiterentwicklung der Schnittstelle zum Doku-
mentenmanagementsystem VIS.SAX, damit zu den Objekten und Anlagen
auch die zugehörigen Dokumente angezeigt werden können.

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2 | 2018
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AKTUELLE BAUPROJEKTE
Semperoper Dresden – Harlekinvorhang in
Spielzeitpause gereinigt und restauriert
Während der diesjährigen Spielzeitpause der
Semperoper wurden im Zeitraum vom 23. Juli
bis 17. August 2018 der Harlekinvorhang, die
Untersicht des Bühnenportals einschließlich
der Vorderseite mit der „Fünf-Minuten-Uhr“
und das Proszeniumsgemälde gereinigt und
teilweise restauriert. Die Arbeiten fanden in
Ergänzung zu den 2015 durchgeführten res-
tauratorischen Leistungen im Zuschauerraum
statt.
Sächsische Staatsoper
Brühlsche Terrasse – musealer Ausbau
der Festung Dresden beginnt
Am Samstag, den 25. August 2018, begannen
die Rohbauarbeiten für den Aufzugsschacht
des neuen, barrierefreien Zugangs zur Fes-
tung Dresden von der Brühlschen Terrasse. Die
Bauarbeiten finden im Rahmen der musealen
Neugestaltung der Festung Dresden statt. Der
etwas versteckte Eingang am Georg-Treu-Platz
wird zum Ausgang umgestaltet. Neben dem
neuen Zugang über die Brühlsche Terrasse ist
auch ein Eingang vom Terrassenufer geplant.
Die Umbaumaßnahmen in der Festung um-
fassen den Neubau der Technikzentrale und der
Toilettenanlage sowie eines neuen Eingangs-
bereichs und eines neuen Museumsshops. Für
den vollständig neu gestalteten Rundgang wird
ein neues Steg- und Wegesystem eingebaut.
Dadurch ist der Besuch der Festung künftig
auch für Rollstuhlfahrer möglich.
Schlösser, Burgen und Gärten
Durch die Lastbeschränkung der Zufahrt zur
Brühlschen Terrasse ist es notwendig, Bagger,
Bohrgerät und Kranteile, die bis zu 20 Tonnen
schwer sind, vom Terrassenufer aus auf die
Brühlsche Terrasse zu heben – dafür steht ein
200-Tonnen-Kran bereit.
Fertigstellung Gesamtmaßnahme:
Spätherbst 2019
Baukosten: rd. 4,3 Millionen Euro
– Restauratoren am Werk –
Hans-Christoph Walther und Wolfgang Benndorf
Gesamtkosten: 90.000 Euro
Architekturbüro Raum und Bau GmbH
Gerüst für Sanierungsarbeiten
Harlekinvorhang
Auf einen Blick

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AKTUELLE BAUPROJEKTE
JVA Chemnitz
Staatliche Studienakademie Bautzen
Sächsisches Krankenhaus Altscherbitz
Übergabe des Neubaus offener Vollzug
Ende Juni 2018 wurden die Neubauten für den offenen Vollzug der JVA
Chemnitz offiziell übergeben. Der Neubau ist in drei Bauteile gegliedert
und bietet Platz für insgesamt 95 Insassen. Dabei wurden jeweils bau-
lich getrennte Bereiche für Männer, Frauen, weibliche Jugendliche und
Mütter mit Kindern eingerichtet. Die Baumaßnahme umfasste neben der
Errichtung des Haftgebäudes auch die Herstellung der Außenanlagen mit
Sportanlagen und Freizeitgelände, separaten Bereichen für Jugendliche
sowie einem gesonderten Mutter/Kind-Bereich mit Sitzgelegenheiten
und Spielflächen.
Neue sozialtherapeutische Wohnstätte in Sachsen –
Umbau und Sanierung Haus 15 abgeschlossen
Das Bauvorhaben umfasste die denkmalschutzgerechte Sanierung und
den Umbau des Hauses 15 des Sächsischen Krankenhauses Altscherbitz
zur sozialtherapeutischen Wohnstätte für chronisch mehrfachgeschädig-
te erwachsene Menschen mit Abhängigkeit von synthetischen Drogen.
Das Gebäude wurde ursprünglich um 1888 als Bettenhaus errichtet,
nach mehreren Umbauten bis 2010 als Maßregelvollzug und Klinik für
forensische Psychiatrie genutzt. Auf zwei Etagen wurden insgesamt 18
Einzelzimmer sowie jeweils pro Etage Wohnzimmer, Hauswirtschaftsraum
sowie als zentraler Bereich ein Begegnungsraum mit Gemeinschafts-
küche eingerichtet. Darüber hinaus wurden ein Therapie-/Gruppenraum
sowie Büros für das Personal im Gebäude untergebracht. Insgesamt bie-
tet der Bau 606 m² Nutzfläche.
Neubau Laborgebäude abgeschlossen
Mit der Übergabe des Laborneubaus am 10. September 2018 wurden die
Lehr- und Lernbedingungen der Staatlichen Studienakademie Bautzen
vor Ort entscheidend verbessert. Das moderne Laborgebäude steigert
zudem für Studierende und Ausbildungsbetriebe die Attraktivität der
Studienakademie, deren besondere Studienangebote Theorie und Praxis
verknüpfen.
Der in Massivbauweise errichtete Neubau gliedert sich in einen zwei-
geschossigen Riegel und eine eingeschossige Halle. Darin untergebracht
werden die Fachkabinette und Maschinen für die Studienrichtungen
Elektrotechnik, Medizintechnik und Wirtschaftsingenieurwesen. Das Ge-
bäude bietet insgesamt rund 917 m² Nutzfläche.
Der Neubau ist hochtechnisch ausgestattet, dies beinhaltet beispiels-
weise einen Brückenkran zum Materialtransport für den Bereich Schwei-
ßen und Gießen, Ablufteinrichtungen, Prozesswärme- und Prozesskühl-
anlagen sowie eine zentrale Drucklufterzeugung und –verteilung. Das
Objekt zeichnet sich durch besondere Energieeffzienz aus. So werden die
maßgeblichen Anforderungen der Energieeinsparverordnung(EnEV) um
mehr als 20 Prozent unterschritten.
Bauzeit: Oktober 2015 – Mai 2018
Baukosten: rd. 9,1 Millionen Euro
Bauzeit: November 2015 – Juli 2018
Baukosten: rd. 8,7 Millionen Euro
Bauzeit: Juli 2017 – September 2018
Baukosten: rd. 2,15 Millionen Euro
Architektur: Kremtz Architekten
Architektur: Meyer-Bassin und Partner
Architektur und Bauleitung:
Architekturbüro Auspurg Gronemann Team

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www.sib.sachsen.de
Andra Groß
Fassade des neuen
Mikroskopiezentrums
an der TU Dresden