image
Organisationsmodelle inklusiver
Unterrichtung an Oberschulen
Erfahrungsberichte aus dem Schulversuch ERINA

2 |

 
| 3
Inhalt
1 Einleitung
4
2
Organisationsmodell Einzelinklusion:
Oberschule Niederbobritzsch
6
2.1
Kurzbeschreibung der Schule
6
2.2
Organisation der inklusiven Beschulung, Ressourcen und Schulalltag
8
2.3
Unterrichtsgestaltung und individuelle Förderarbeit
10
2.4
Zusammenarbeit der Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte
11
2.5
Elternkommunikation und -zusammenarbeit
12
2.6
Kooperation mit außerschulischen Partnern
12
2.7
Gestaltung von Übergängen
13
2.8
Organisationsmodell Einzelinklusion:
Erfahrungen mit der inklusiven Beschulung und Fazit der Lehrkräfte
15
3
Organisationsmodell Einzelinklusion mehrerer Schüler in einer Klasse:
Oberschule Kötzschenbroda
16
3.1
Kurzbeschreibung der Schule
16
3.2
Organisation der inklusiven Beschulung, Ressourcen und Schulalltag
17
3.3
Unterrichtsgestaltung und individuelle Förderarbeit
18
3.4
Zusammenarbeit der Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte
23
3.5
Elternkommunikation und -zusammenarbeit
24
3.6
Kooperation mit außerschulischen Partnern
25
3.7
Gestaltung von Übergängen
25
3.8
Organisationsmodell Einzelinklusion mehrerer Schüler in einer Klasse:
Erfahrungen mit der inklusiven Beschulung und Fazit der Lehrkräfte
25
4
Organisationsmodell Kooperationsklassen:
68. Schule – Oberschule der Stadt Leipzig
28
4.1
Kurzbeschreibung der Schule
28
4.2
Organisation der inklusiven Beschulung, Ressourcen und Schulalltag
30
4.3
Unterrichtsgestaltung und individuelle Förderarbeit
32
4.4
Zusammenarbeit der Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte
37
4.5
Elternkommunikation und -zusammenarbeit
38
4.6
Kooperation mit außerschulischen Partnern
38
4.7
Gestaltung von Übergängen
39
4.8
Organisationsmodell Kooperationsklassen:
Erfahrungen mit der inklusiven Beschulung und Fazit der Lehrkräfte
40
Glossar
42
Weiterführende Materialien für Oberschulen
43

 
4 |
1 Einleitung
Mit dem am 11. April 2017 vom Sächsischen Landtag verabschiedeten „Gesetz zur
Weiterentwicklung des Schulwesens im Freistaat Sachsen“ wurden die Möglichkei-
ten der gemeinsamen Unterrichtung von Schülern
1
mit und ohne sonderpädagogi-
schen Förderbedarf zum 01. August 2018 rechtlich erweitert. Damit ist sachsenweit
die inklusive Beschulung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den
Förderschwerpunkten „Lernen“ und „geistige Entwicklung“ an Oberschulen möglich
(§ 4c Abs. 5 Satz 2 SächsSchulG).
Seit Beginn des Schuljahres 2018/19 werden an 59 sächsischen Oberschulen insge-
samt 120 Schüler im Förderschwerpunkt „Lernen“ und 21 Schüler im Förderschwer-
punkt „geistige Entwicklung“ lernzieldifferent unterrichtet.
Oberschulen, die das Angebot der lernzieldifferenten Unterrichtung vorhalten, erhal-
ten neben schülerbezogenen Lehrerwochenstunden für die Inklusionsbegleitung auch
schulbezogene Anrechnungsstunden für die Weiterentwicklung des Schulkonzepts, die
Planung und Koordinierung der inklusiven Förderung, die Kooperation der Lehrkräfte
und die Zusammenarbeit mit Dritten.
Weiterhin sind im Schuljahr 2018/19 an insgesamt 81 Oberschulen Inklusionsassis-
tenten im Einsatz. In dem 5-jährigen ESF-Projekt, das seit dem Schuljahr 2016/17
an Grund- und Oberschulen, Gymnasien, berufsbildenden Schulen sowie Schulen mit
dem Förderschwerpunkt Lernen durchgeführt wird, unterstützen Inklusionsassistenten
Schüler mit einer Behinderung bzw. sonderpädagogischem Förderbedarf. Mit dem Pro-
jekt sollen aber auch Schüler erreicht werden, bei denen die individuelle Entwicklung
die Entstehung von sonderpädagogischem Förderbedarf wahrscheinlich werden lässt.
Für Schulleitungen und Lehrkräfte stehen im Fortbildungskatalog Veranstal-
tungen zum Thema Inklusion und lernzieldifferenter Unterricht zur Verfügung
(https://www.schulportal.sachsen.de/fortbildungen/suche_kategorisierung.php)
. Darü-
ber hinaus bietet seit dem 01. August 2018 die ehemalige Projektleitung zum Schul-
versuch ERINA („Erprobung von Ansätzen zur inklusiven Beschulung von Schülern
mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Modellregionen“), die Landesarbeitsstelle
Schule – Jugendhilfe Sachsen e. V., für Schulleitungen und Lehrkräfte an Oberschulen,
die Schüler in den lernzieldifferenten Förderschwerpunkten inkludieren, Beratungen
per Telefon, per E-Mail und vor Ort an der Schule an.
Unter Rückgriff auf die Erfahrungen und Ergebnisse des Schulversuchs ERINA wur-
den in den vergangenen Jahren verschiedene Materialien und Handreichungen zur
Unterstützung der Schulleitungen und Lehrkräfte erarbeitet. Diese Materialien kön-
nen in der Publikationsdatenbank
(https://publikationen.sachsen.de/bdb/)
, der Lehr-
plandatenbank
(https://www.schule.sachsen.de/lpdb/)
und auf der Website Inklusion
(https://www.inklusion.bildung.sachsen.de/index.html)
abgerufen werden.
1
Auf die zusätzliche Formulierung der weiblichen
Form wird im Folgenden verzichtet.
Die ausschließliche Verwendung der männlichen
Form ist jedoch explizit als geschlechtsunabhängig
zu verstehen.

| 5
Vor dem Hintergrund der Erarbeitung von Unterstützungsmaterialien für die inklu-
sive Schul- und Unterrichtsentwicklung wurden Erfahrungen von Oberschulen, die im
Rahmen des Schulversuchs ERINA den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit son-
derpädagogischem Förderbedarf in den Förderschwerpunkten „Lernen“ und „geistige
Entwicklung“ erprobt haben, gesammelt und aufbereitet.
Der Schulversuch ERINA wurde im Zeitraum 01. August 2012 bis 31. Juli 2018 in vier
Modellregionen Sachsens (Bobritzsch-Hilbersdorf, Oelsnitz/Vogtland, Leipzig und Rade-
beul/Moritzburg/Coswig) an insgesamt 26 Schulen (darunter acht Grundschulen, sechs
Oberschulen, vier Gymnasien, sieben Förderschulen und ein Berufsschulzentrum) mit bis
zu 300 inklusiv unterrichteten Schülern aller Förderschwerpunkte durchgeführt.
Zielstellung war die Weiterentwicklung schulischer Inklusion und die Erprobung lern-
zieldifferenten Unterrichts im Rahmen unterschiedlicher Organisationsmodelle. Hierzu
zählen die Organisationsmodelle „Einzelinklusion“, „Einzelinklusion mehrerer Schüler
in einer Klasse“ und „Kooperationsklassen“.
Während im Organisationsmodell „Einzelinklusion“ nur ein Schüler eines bestimmten
Förderschwerpunktes (z. B. im Förderschwerpunkt „Lernen“ oder „geistige Entwick-
lung“) in einer Klasse lernt, umfasst die „Einzelinklusion mehrerer Schüler“ einzelne
Schüler in einem Förderschwerpunkt in einer Klasse (z. B. im Förderschwerpunkt Ler-
nen). In beiden Fällen gehören die Schüler der Oberschule an. Im Organisationsmodell
„Kooperationsklasse“ lernt eine Förderschulklasse gemeinsam mit einer Oberschul-
klasse inklusiv an der Oberschule für einen begrenzten Zeitraum am Tag und in der
Woche. Die Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf gehören in diesem Fall der
Förderschule an.
In der vorliegenden Dokumentation werden die Ergebnisse und Erfahrungen der Ober-
schule Niederbobritzsch, der Oberschule Kötzschenbroda und der 68. Schule – Ober-
schule der Stadt Leipzig bei der Umsetzung der verschiedenen Organisationsmodelle
inklusiver Unterrichtung zusammengefasst. Die Erfahrungsberichte sollen andere
sächsische Oberschulen auf ihrem Weg zu einer inklusiven Schul- und Unterrichts-
entwicklung unterstützen und insbesondere für die Organisation lernzieldifferenter
Beschulungsangebote eine praktische Arbeitshilfe sein.

image
 
6 |
2 Organisationsmodell Einzelinklusion
2
Oberschule Niederbobritzsch
2.1 Kurzbeschreibung der Schule
Die Oberschule Niederbobritzsch ist eine fast durchgängig
zweizügige Schule, deren Einzugsgebiet die gesamte Gemeinde
Bobritzsch-Hilbersdorf und umliegende Ortschaften umfasst.
Die Kommune besteht aus den fünf Ortsteilen Naundorf,
Niederbobritzsch, Oberbobritzsch, Sohra und Hilbersdorf und
liegt südwestlich der Landeshauptstadt Dresden sowie östlich
der Stadt Freiberg im Landkreis Mittelsachsen. In der Region
leben etwa 5.760 Einwohner.
Es gibt vier Kindertageseinrichtungen, drei Grundschulen und
eine Oberschule. Schulträger aller Schulen ist die Gemeinde
Bobritzsch-Hilbersdorf.
1879 erfolgte der Bau der Oberschule am jetzigen Standort
nahe der Kirche. Nach 1990 wurde das Gebäude modernisiert.
2016 erfolgte im Rahmen des Schulversuches ERINA ein Anbau
mit einem Fahrstuhl, der einen barrierefreien Zugang zu allen
Etagen ermöglicht. Ein Treppenlift führt bis ins Dachgeschoss.
Zusammensetzung der Schülerschaft
An der Oberschule Niederbobritzsch lernten im Schuljahr
2017/18 insgesamt 243 Schüler, darunter 22 Schüler mit son-
derpädagogischem Förderbedarf in unterschiedlichen Förder-
schwerpunkten und 32 Schüler mit Teilleistungsschwächen wie
beispielsweise Lese-Rechtschreib-Schwäche. Die Förderschwer-
punkte verteilten sich auf:
zwei Schüler im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
zehn Schüler im Förderschwerpunkt Lernen
acht Schüler im Förderschwerpunkt emotionale und soziale
Entwicklung
zwei Schüler im Förderschwerpunkt körperliche und moto-
rische Entwicklung
Der Schüleranteil nach abschlussbezogenem Unterricht betrug
für die Orientierung Hauptschulabschluss 8,4% und für die Orien-
tierung Realschulabschluss 91,6%.
Lehrkräfte und pädagogisches Personal
An der Einrichtung unterrichten 28 Lehrkräfte. Diese werden
durch fünf Förderschullehrkräfte verschiedener Förderschultypen
stundenweise unterstützt. Drei Integrationshelfer begleiten Schü-
ler im Schulalltag, die einen entsprechenden Unterstützungsbe-
darf haben. Außerdem sind eine Inklusionsbegleiterin, eine Schul-
sozialarbeiterin und eine Praxisberaterin an der Schule tätig.
Leitbild der Schule: Schule für das Leben nach der Schule
Leitsätze im Schulprogramm:
Wir leben nach den Grundsätzen der Höflichkeit, Ehrlichkeit,
Verantwortungsbereitschaft und Toleranz.
Wir fördern die Freude am Lernen und entwickeln Team-
fähigkeit.
Wir finden gemeinsam Lösungen und freuen uns über Erfolge.
Wir ermöglichen eine umfassende und selbstbestimmte Ent-
wicklung der Persönlichkeit.
Ein besonderes Aushängeschild der Schule sind die Bandgrup-
pen. Jeder interessierte Schüler der Klassenstufen 5 und 6 hat
die Möglichkeit, gemeinsam mit seinen Mitschülern ein Instru-
ment zu erlernen. Hierzu zählen z. B. Schlagzeug, Gitarre, Key-
board oder Saxophon. Das Miteinander spielt dabei eine bedeu-
tende Rolle. Durch die Teamarbeit im Rahmen einer Bandgruppe
werden zahlreiche Kompetenzen entwickelt und trainiert.
Von der 6. bis zur 10. Klassenstufe werden Französisch und
Russisch als abschlussorientierte zweite Fremdsprache angebo-
ten. Auch Sprachreisen gehören zum Fremdsprachenunterricht.
2017 wurde erstmals ein Schüleraustausch mit einer polnischen
Partnerschule durchgeführt.

image
 
| 7
2
Das Organisationsmodell der Einzelinklusion bezieht sich im Erfahrungsbericht
der Oberschule Niederbobritzsch auf die Inklusion der Schüler im Förderschwer-
punkt geistige Entwicklung.
Nach dem Unterricht können die Schüler aus 15 verschiedenen
Ganztagsangeboten in den Bereichen Kunst, Musik und Sport
wählen. Darüber hinaus wird in den Klassenstufen 5 und 6 eine
Lernzeit mit Hausaufgabenbetreuung und individuellen För-
dermöglichkeiten angeboten. Im Schulclub stehen Billard und
Tischkicker bereit, um entstehende Freizeiten zu überbrücken.
Eine Schülerfirma übernimmt die Versorgung in den Pausen.
Einen weiteren Schwerpunkt im Schulprogramm stellt die Berufs-
orientierung dar. Hierfür werden vielfältige Kooperationen mit
Berufsberatung, Unternehmen, berufsbildenden Schulen und Ver-
einen genutzt. In den Klassenstufen 7 bis 9 arbeitet die Schule
eng mit dem Berufsausbildungs-Förderverein Band-Erbisdorf e. V.
zusammen. Seitens des Partners werden Betriebsexkursionen,
praktische Erprobungen von Berufsfeldern und die Erstellung
eines Berufsbildes zum Wunschberuf angeboten.
Ziele der inklusiven Beschulung
Ziel ist es, Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf
eine regionale Beschulung in Wohnortnähe und im sozialen
Umfeld zu ermöglichen. Der Unterricht soll so gestaltet werden,
dass jeder Schüler – unabhängig vom Vorliegen eines sonder-
pädagogischen Förderbedarfs – ein Lernangebot vorfindet, in
welchem er seine Potentiale und Stärken entfalten kann. Als
Grundlage für ein erfolgreiches gemeinsames Lernen erfahren
die Schüler, sich in ihrer Unterschiedlichkeit zu respektieren und
sich gegenseitig zu unterstützen.
Vorbereitungen zum Start der inklusiven Beschulung im
Schuljahr 2012/13
Die Grundschulen der Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf konn-
ten bereits vor Beginn des Schulversuches Erfahrungen mit
inklusiver Unterrichtung – an zwei Grundschulen auch mit lern-
zieldifferenter Unterrichtung – sammeln.
Zum Abschluss des Schuljahres 2011/12 beendete ein Schüler
mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt
geistige Entwicklung die Grundschulzeit. Seine Eltern wünsch-
ten eine Fortsetzung der Inklusion an der Oberschule, an die
auch einige seiner Mitschüler aus der Grundschule wechselten.
Da die rechtlichen Voraussetzungen zur inklusiven Unterrich-
tung an der Oberschule zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor-
lagen und ein Schulversuch für die Erprobung von lernziel-
differentem Unterricht in der Sekundarstufe in Planung war,
entstand die Idee der regionalen Beteiligung. Nach intensiven
Gesprächen mit Vertretern der Schulleitung der Oberschule, des
Schulträgers und der Schulverwaltung wurde der Schulversuch
im Lehrerkollegium vorgestellt und diskutiert. Mit Schulkonfe-
renzbeschluss wurde die Teilnahme am Schulversuch im Mai
2012 mehrheitlich befürwortet.
Schulleitung und Lehrkräfte nutzten den Zeitraum bis zum Start
des neuen Schuljahres, um sich auf diese Herausforderung vor-
zubereiten, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen
und die Gestaltung der inklusiven Beschulung zu planen.
Es wurden Hospitationen in der Klasse des aufzunehmenden
Schülers sowie Gespräche und Beratungen mit den Lehrkräf-
ten der Grundschule und der betreuenden Förderschullehrkraft
durchgeführt. Lehrkräfte der Oberschule besuchten die Dr.-
Lothar-Kreyssig-Schule, Schule für geistig Behinderte in Flöha,
die die Inklusion bisher begleitete und weiterhin begleiten
würde. Die Lehrkräfte informierten sich zum Förderschwerpunkt
geistige Entwicklung, holten sich Anregungen für die Unter-
richtsgestaltung und zum Einsatz ausgewählter Materialien.
Darüber hinaus hospitierte eine Delegation der Oberschule an
einer anderen sächsischen Oberschule, die bereits ein Jahr zuvor
einen Schüler im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung auf-
genommen hatte.

image
 
8 |
Bereits im Vorbereitungsjahr waren die Platzkapazitäten an der
Oberschule knapp bemessen. Dennoch ist es gelungen, einen
kleinen Raum zu einem Förderzimmer umzubauen und so ein-
zurichten, dass seit dieser Zeit ein Rückzugsort für die individu-
elle Förderung zur Verfügung steht.
Mit dem Träger der Eingliederungshilfe (Landratsamt Mittelsach-
sen) wurden Gespräche zur Weitergewährung der schulischen
Eingliederungshilfe in Form von Schulbegleitung nach Abschluss
der Grundschulzeit geführt. Darüber hinaus mussten Abstimmun-
gen mit dem Träger der Schülerbeförderung erfolgen.
In der Übergangsphase von der Grund- zur Oberschule wur-
den die Eltern engmaschig begleitet. Sowohl mit den Eltern
der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf als auch
mit den Eltern der Schüler ohne sonderpädagogischen Förder-
bedarf wurden Gespräche geführt. Auf Elternabenden erfolgte
eine ausführliche Information zu den Zielen des Schulversuches.
2.2 Organisation der inklusiven Beschu-
lung, Ressourcen und Schulalltag
Die lernzieldifferente Beschulung an der Oberschule Niederbo-
britzsch erfolgt entsprechend der Anzahl der inklusiv zu unter-
richtenden Schüler pro Klassenstufe in Form von Einzelinklusion
eines Schülers mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den
Förderschwerpunkten Lernen oder geistige Entwicklung in einer
Klasse. Bei erhöhtem Bedarf erfolgt die Einzelinklusion mehre-
rer Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förder-
schwerpunkt Lernen in einer Klasse.
Im Schuljahr 2017/18 wurden insgesamt zwölf Schüler in
sechs Klassen lernzieldifferent unterrichtet. Bei der Klassen-
bildung wird stets darauf geachtet, dass Schüler der beiden
Förderschwerpunkte, die eine lernzieldifferente Unterrichtung
erfordern, nicht in einer Klasse lernen und die Klassenstärke
25 Schüler nicht übersteigt. Außerdem werden die Schüler
(mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf), die bisher
gemeinsam die Grundschule besuchten, zusammen in einer
Klasse aufgenommen.
Ab Klassenstufe 7 erfolgt die Differenzierung nach Bildungs-
gang (Hauptschulbildungsgang und Realschulbildungsgang)
sowie eine getrennte Unterrichtung in den Hauptfächern. Teil-
weise muss dann eine Mehrfach-Differenzierung organisiert
und ermöglicht werden.
Im Schuljahr 2017/18 wurde eine Hauptschulgruppe mit den
Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förder-
schwerpunkt Lernen gebildet. In den Hauptfächern wurden
diese gemeinsam unterrichtet. Der Schüler mit sonderpädago-
gischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt geistige Entwick-
lung lernte in den Hauptfächern gemeinsam mit den Schülern
im Realschulbildungsgang.
Personelle, räumliche und sächliche Ressourcen
An der Oberschule Niederbobritzsch ist eine Inklusionsbegleite-
rin als zusätzliche pädagogische Fachkraft im Einsatz. Sie über-
nimmt Aufgaben im Zusammenhang mit der inklusiven Beschu-
lung. Dazu zählt z. B. die individuelle Förderung von Schülern
im Unterricht, die Unterbreitung ergänzender Angebote (auch
für Schüler ohne diagnostizierten sonderpädagogischen Förder-
bedarf, die aber trotzdem individuelle Unterstützung benötigen)
und die Vernetzung mit Kooperationspartnern.
Über die Sachkostenerstattung konnten an der Oberschule Nie-
derbobritzsch neben vielfältigen Unterrichtsmaterialien auch
elektronische Tafeln für ausgewählte Klassenräume angeschafft
werden. Zur individuellen Betreuung und Förderung von Schü-
lern mit sonderpädagogischem Förderbedarf wurde ein Förder-
zimmer mit Computerarbeitsplatz, Beratungsecke und Ruhe-
zone eingerichtet. Der Raum wird für individuelle Förder- und
Betreuungsstunden, für Team- und Elternberatungen sowie für
die Aufbewahrung von Materialien genutzt.
Organisation des Schulalltages
Bereits kurze Zeit nach Beginn des Schulversuches wurde deut-
lich, dass der Unterricht und der Schulalltag den Bedürfnissen
aller Schüler (mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf)
durch eine andere Rhythmisierung und veränderte Pausenzeiten

 
| 9
angepasst werden müssen. Alle Schüler profitieren von Model-
len, die vom 45-Minuten-Takt abweichen und nicht bis zu sie-
ben verschiedene Unterrichtsfächer an einem Tag vorsehen.
Vor diesem Hintergrund wurde der Schulalltag, mit Blick auf
einen Wechsel von Anspannung und Entspannung, von intensi-
ven gemeinsamen und individuellen Lernphasen und Erholungs-
phasen, umstrukturiert.
Seit dem Schuljahr 2014/15 erfolgt eine Rhythmisierung des
Unterrichts in allen Klassenstufen durch eine zeitliche Taktung im
90-Minuten-Modell. Die individuellen Lernzeiten für die Klassen-
stufen 5 und 6 gliedern zusätzlich den Unterrichtstag, indem sie
als rhythmisierendes Element direkt vor der Mittagspause liegen.
Die Vorteile dieses Modells sind:
ausgewogene Verteilung des Unterrichts auf den Vor- und
Nachmittag
längere Pausen
stärkere Konzentration auf weniger Fächer pro Tag, wodurch
vielfältige Unterrichtsmethoden möglich werden
freie Lernzeit für Vertiefungen, je nach individuellem Förder-
bedarf und besonderen Begabungen
Einbindung von Instrumentalunterricht/Bandklasse.
Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förder-
schwerpunkt Lernen besuchen den Unterricht im Rahmen der
Stundentafel der Oberschule, ergänzt durch individuelle Förde-
rung in der Lernzeit und/oder in ergänzenden Förderstunden.
Für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förder-
schwerpunkt geistige Entwicklung ist je nach Voraussetzungen
und Bedarfen des einzelnen Kindes eine Anpassung des Stun-
denplans erforderlich:
Beispiel 1
Der Schüler (Klassenstufe 5) lernte in allen Unterrichtsstunden
gemeinsam mit den anderen Schülern in der Klasse. Zusätzlich
wurde er im Fach Deutsch individuell gefördert. Darüber hinaus
nutzte er auch Angebote im außerschulischen Bereich. So nahm
er an Aufführungen und öffentlichen Auftritten teil.
Beispiel 2
Der Schüler (Klassenstufe 6) lernte 20 Stunden im gemeinsa-
men Unterricht mit den anderen Schülern in der Klasse. In ca. 10
Stunden erhielt er Einzelförderung durch die Klassenlehrerin, von
Fachlehrern und der Förderlehrerin (vgl. Stundenplan). In Mathe-
matik besuchte er eine Unterrichtsstunde in der Klassenstufe 5.
Der Förderunterricht wurde genutzt, um Selbstständigkeit zu
üben und Alltagsthemen wie z. B. den Umgang mit Geld, Kalen-
der, Uhrzeit und Jahreszeiten zu bearbeiten. Außerdem wurde an
individuellen Lernzielen entsprechend dem Förderplan, wie z. B.
an der Förderung von motorischen Fähigkeiten und Belastbar-
keit, gearbeitet.
Stundenplan eines Schülers mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
(Klassenstufe 6 im SJ 2013/14,
Abweichungen zum regulären Stundenplan sind kursiv dargestellt
)
Montag
Dienstag
Mittwoch
Donnerstag
Freitag
1
En
Ma
PA
En/Mu
Ku/Ph
Lerngruppe
2
Ma
Ma
PA
En/Mu
Ma5/
Ku/Ph
Lerngruppe
3
Ma
En
D
Ph/Geo
Ge
4
Ge
D
Geo
En
Fö/Sp
Bio
Fö/D
5
TC/D*
Sp
Ma
En
Bio
Bio/Fö
6
D
Fö/D
Sp
D
Fö/D
D
Fö/D
7
AG Rund ums Pferd
Religion
8
AG Rund ums Pferd
AG Töpfern
* A- bzw. B-Woche
Fö = Förderunterricht
PA = Training praktischer Fertigkeiten (Hauswirtschaft)

image
 
10 |
2.3 Unterrichtsgestaltung und individu-
elle Förderarbeit
Das Blockmodell (zeitliche Taktung im 90-Minuten Rhythmus)
bietet einen großen Spielraum für die vielfältige methodische
Gestaltung des Unterrichts sowie einen Wechsel von Arbeits-
und Sozialformen. Durch die längeren Arbeitsphasen im Block-
unterricht wird es einfacher, andere Lernorte einzubeziehen und
den Unterricht mit Experimenten, Versuchen und praktischen
Übungen zu gestalten. Gleichzeitig wird damit ein sehr hoher
Anspruch an die Lehrkräfte verbunden, die für das jeweilige
Fach geeigneten methodischen Möglichkeiten und Freiräume zu
erkennen und umzusetzen. Das Kollegium nutzte deshalb ver-
schiedene Fortbildungsangebote, die im Rahmen des Schulver-
suches und ergänzend in einer pädagogischen Werkstatt ange-
boten wurden und werden.
Der Unterricht wird auf Grundlage der Lehrpläne der Ober-
schule geplant und mit dem Lehrplan der Schule mit dem För-
derschwerpunkt geistige Entwicklung und der Schule mit dem
Förderschwerpunkt Lernen lernzieldifferent aufbereitet. Da die
Lehrpläne zum Teil sehr unterschiedlich sind, müssen Anpas-
sungen vorgenommen werden. Vor allem das Training lebens-
praktischer Kompetenzen konnte nicht in der Intensität, wie im
Lehrplan der Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Ent-
wicklung festgelegt, umgesetzt werden. Es wird versucht, diese
Inhalte über vertiefte Förderung und individuelle Angebote zu
vermitteln.
sonderpädagogischen Förderbedarfen im lernzieldifferenten
Unterricht.
Bei mehreren lernzieldifferent unterrichteten Schülern mit
sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt
Lernen in einer Klasse ist es in ausgewählten Fächern mög-
lich, im Co-Teaching zu unterrichten. Teilweise unterstützt die
Inklusionsbegleiterin als Unterrichtsassistenz die Schüler mit
Entsprechend der Lehrpläne und dem individuellen Förderbedarf
werden Förderpläne mit individuellen Lernzielen für die Schüler
mit lernzieldifferentem Förderschwerpunkt festgelegt und sind
damit abrechenbar. Für Schüler mit sonderpädagogischem För-
derbedarf im Förderschwerpunkt Lernen wird zu Beginn eines
Schuljahres im Rahmen von Förderplangesprächen festgelegt,
in welchen Fächern lernzieldifferent nach den Lehrplänen der
Förderschule unterrichtet wird. Das Blockmodell unterstützt
eine gezielte Vor- und Nachbereitung der Unterrichtsstunden,
da sich Schüler und Lehrer auf weniger Unterrichtsstunden pro
Tag konzentrieren können. Das Gleiche gilt für die Erledigung
von Hausaufgaben.
Bei der Unterrichtsgestaltung wird darauf geachtet, dass sich
gemeinsame und individuelle Phasen abwechseln. Der Unter-
richtsstoff wird schülerspezifisch aufgearbeitet, d. h. die Ler-
nenden erhalten differenzierte Aufgabenstellungen und
Arbeitsmaterialien, differenzierte Zeitvorgaben und zusätzliche
Übungsaufgaben zu einzelnen Themen. Dafür werden Lehrwerke
genutzt, die bereits Aufgaben mit mindestens drei Anforde-
rungsstufen enthalten und für die es ergänzendes Inklusions-
material, z. B. Arbeitshefte für den jeweiligen Förderschwer-
punkt, gibt. Mit Unterstützung der Sonderpädagogen wird
zudem eigenes Material entwickelt oder aus der Grundschule
verwendet, je nach Leistungsstand der Schüler.
Beispiel für Differenzierung im Fach Englisch, Klassenstufe 6
Thema „My school“
Lernziel:
Kennen und Beherrschen sprachlicher Mittel zur Dar-
stellung der eigenen Schule
Förderbedarfe in der Klasse:
17 Schüler, davon 8 mit sonderpä-
dagogischen Förderbedarfen bzw. Teilleistungsschwächen (För-
derschwerpunkt geistige Entwicklung, Förderschwerpunkt emo-
tionale und soziale Entwicklung, Förderschwerpunkt körperliche
und motorische Entwicklung, LRS)
Ablauf:
Gemeinsame Einführung in das Thema
Besprechen und Lesen der Aufgabenstellung: Monolog
schreiben und lernen und vor der Klasse vortragen
Arbeitsblatt mit Differenzierung zur Aufgabenstellung – drei
Stufen: hohes Leistungsniveau, mittleres Leistungsniveau,
einfaches Leistungsniveau
Erarbeiten des Arbeitsblattes in Partner- und Gruppenarbeit,
dabei sprechen üben

 
| 11
Differenzierung mit Hilfe der Arbeitsblätter:
hohes Leistungsniveau: Aufgabenformulierung in Englisch
als komplexe Aufgabe, Hinweis auf Arbeitsmaterial und
Präsentationsformen (Text, Vortrag)
mittleres Leistungsniveau: Aufgabenformulierung in
Deutsch, längerer Lückentext als Beispiel, kleinschrittige
Vorgaben zur Aufgabenlösung
einfaches Leistungsniveau: kurze Sätze mit Lücken, Wörter
zum Einsetzen vorgegeben, Bildmaterial für Kind im Förder-
schwerpunkt geistige Entwicklung, Aufgabenformulierung
kurz und in einfacher Sprache
Einführung eines Logbuchs für Schüler mit sonderpädago-
gischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt emotionale und
soziale Entwicklung
Neben den im Schulversuch ERINA vordergründig untersuchten
Förderschwerpunkten „Lernen“ und „geistige Entwicklung“ stellt
der Förderschwerpunkt „emotionale-soziale Entwicklung“ für
alle (Ober-)Schulen eine besondere Herausforderung dar, wes-
halb im Folgenden die Methode des „Logbuchs“ näher erläutert
werden soll.
Das Logbuch wird für die Arbeit mit Schülern mit sonderpäda-
gogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt emotionale und
soziale Entwicklung in den Klassenstufen 5 bis 7, aber auch bei
Schülern, für die ein zeitnahes und regelmäßiges Feedback wich-
tig ist, genutzt. Es dient als Hausaufgabenheft und ist ein täg-
liches Arbeitsinstrument für Schüler, Eltern und Lehrkräfte, um
die Lern- und Entwicklungsziele transparent zu machen und im
Blick zu behalten. Schritte zur Zielerreichung können darin doku-
mentiert und tägliche Rückmeldungen erfasst werden. Die Arbeit
mit dem Logbuch fördert bei Schülern die Übernahme von Ver-
antwortung für das eigene Lernen und Verhalten. Auch bei einem
möglichen Personalwechsel stellt das Logbuch eine geeignete
Arbeitsgrundlage für die neu eingesetzte Lehrkraft dar.
Das Logbuch enthält:
die Leitsätze der Schule
die Hausordnung
eine Anleitung für die Punktevergabe sowie die Aufgaben
des Schülers und der Eltern
Wochenübersichten zum Eintragen
Formulare für die Dokumentation der Bilanz- und Zielge-
spräche, die dreimal im Schuljahr geführt werden
der Lehrer die Punkte und zeichnet diese ab. Auch Pausen-
feedbacks werden vergeben. Am Ende der Woche werden die
erreichten Punkte addiert und mit Hilfe einer Punktetabelle ein
Wochenfeedback gegeben. Je nach erreichtem Ergebnis (++, +
oder –) erfolgen positive oder negative Konsequenzen (z. B. Lob
vor der Klasse, HA-Gutscheine, Nachsitzen, zusätzliche Aufga-
ben, Elterngespräch). Die Eltern erhalten die Bilanz zur Kenntnis
und bestätigen diese mit Ihrer Unterschrift. Mit den regelmä-
ßigen Bilanz- und Zielgesprächen und den Wochenfeedbacks
werden die Eltern systematisch einbezogen.
Zum Wochenbeginn legt der Schüler gemeinsam mit den
Lehrern ein persönliches Wochenziel fest. Ziel ist es, für jede
Stunde max. 6 Punkte für Verhalten, Mitarbeit, Ordnung und
das persönliche Ziel zu erreichen. Am Ende der Stunde vergibt
Eine einjährige Erprobungsphase des Logbuchs ergab, dass diese
Methode aus dem Bereich der Verhaltensmodulation dann gut
funktioniert, wenn Eltern mitarbeiten. Zudem sind in den Klas-
senstufen 5 und 6 stärkere Effekte als in den höheren Klassen-
stufen zu erwarten.
Förderpläne und individuelle Förderangebote
Die Förderpläne werden zweimal im Schuljahr – unter Feder-
führung des Klassenlehrers – erstellt. Hierfür erhält er Zuarbei-
ten aller Fachlehrer und des Integrationshelfers und bespricht,
erarbeitet und vervollständigt diesen gemeinsam mit dem För-
derschullehrer. Bei der Erstellung eines Förderplans wird darauf
geachtet, diesen möglichst kurz zu halten, wenige überprüfbare
Förderziele für einen längeren Zeitraum (z. B. ein Halbjahr) zu
formulieren und klare Verantwortlichkeiten sowie Dokumenta-
tionspflichten festzulegen. Daran anschließend erfolgen die
Förderplangespräche, die gemeinsam mit den Sorgeberechtig-
ten geführt werden. Individuelle Förderangebote können dann
realisiert werden, wenn die Förderschullehrer an der Schule
sind, im Rahmen des Co-Teaching und mit Unterstützung der
Inklusionsbegleiterin. Für die Klassenstufen 5 und 6 besteht
innerhalb der Lernzeit die Möglichkeit, zusätzliche Förderange-
bote zu erhalten (Ergotherapie, Förderunterricht, Memory).
2.4 Zusammenarbeit der Lehrkräfte und
pädagogischen Fachkräfte
Im Verlauf des Schulversuchs wurde deutlich, wie wichtig die
Klärung der Rollen und Aufgaben der verschiedenen Lehr- und
Unterstützungskräfte bei der inklusiven Beschulung ist. Aus die-
sem Grund wurden mehrere Beratungen durchgeführt und die
Aufgabenteilung in Bezug auf Unterricht, Förderplanung, Eltern-
beratung und Förderung der Schüler schriftlich festgehalten.
Die Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften der Regelschule
und den Sonderpädagogen der Förderschulen hat sich über die
Jahre hinweg positiv entwickelt. Regelmäßige Absprachen und
fachlicher Austausch unter den Kollegen sind grundlegende

 
12 |
Voraussetzungen, um den Bedürfnissen der Schüler gerecht
werden und inklusive Beschulung umsetzen zu können. Aus
diesem Grund sind an der Schule Fachteams für die Förder-
schwerpunkte Lernen, geistige Entwicklung und emotionale
und soziale Entwicklung gebildet worden. Diese treffen sich
einmal wöchentlich, um den Unterricht, Förderpläne und Ent-
wicklungsberichte abzustimmen, organisatorische Dinge zu klä-
ren sowie Fragen und Probleme zu besprechen. Besonders am
Schuljahresanfang muss das Lehrerteam für den Förderschwer-
punkt geistige Entwicklung intensiv an der Koordinierung von
Unterricht, GTA und Fahrzeiten – unter Beachtung der Einsatz-
möglichkeiten von Integrationshelfern, Förderschullehrkräften
und Inklusionsbegleiterin – arbeiten.
Klassen- und Fachlehrer teilen sich die Verantwortung für die
Vorbereitung und Durchführung des lernzieldifferenten Unter-
richts für die gesamte Klasse. Darüber hinaus übernehmen sie
die Zusammenarbeit mit den Eltern.
Lehrkräfte der Oberschule und der Förderschule arbeiten
gemeinsam an der Erstellung der Förderpläne. Sonderpädago-
gen unterstützen bei der Vorbereitung des Unterrichts durch
Hinweise zum sonderpädagogischen Förderbedarf der Schü-
ler, zu geeigneten Materialien, stellen Bezüge zum Lehrplan
der Förderschule her und beraten das Kollegium und Eltern zu
sonderpädagogischen Fragen. Außerdem beteiligen sie sich an
Eltern- und Förderplangesprächen.
Während des Schulversuches arbeiteten Lehrkräfte der Grund-,
Ober- und Förderschulen in einer Arbeitsgruppe „Gemeinsamer
Unterricht“ zusammen, um sich auszutauschen und gemeinsam
an Fachinhalten zu arbeiten.
Die Inklusionsbegleiterin unterstützt die Lehrkräfte bei der
Vorbereitung und Durchführung des Unterrichts. Sie begleitet
die Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf z. B. durch
Anleitung oder Motivierung, unterstützt aber auch das Lehr-
personal durch organisatorische Hilfen und Begleitung von
Gruppenarbeitsphasen. Sie gibt Rückmeldungen über das Lern-
verhalten und den Lernzuwachs der Schüler und wirkt an der
Erstellung von Förderplänen und Entwicklungsberichten mit.
Außerdem unterbereitet sie – nach Abstimmung mit dem Lehr-
personal – Angebote zur individuellen Förderung, zum sozialen
Lernen und zur Kompetenzentwicklung und begleitet Lernzeiten
und Lerngruppen, Förderstunden zum lebenspraktischen Lernen
und Arbeitsgemeinschaften.
den Integrationshelfern. Zeitweise begleitet und betreut sie Schü-
ler nach dem Unterricht, z. B. bei außerunterrichtlichen Angebo-
ten, Therapien, in Wartezeiten und auf Wegen. Ebenso unterstützt
sie die Schulleitung und Lehrkräfte bei der Abstimmung, der Ter-
minkoordination und dem Informationsaustausch mit Netzwerk-
partnern der Schule wie zum Beispiel mit den Trägern der Einzel-
fallhilfe, Integrationsfachdiensten und Schülerbeförderung.
Im außerunterrichtlichen Bereich unterstützt die Inklusionsbe-
gleiterin beim Informationsaustausch und der Abstimmung mit
2.5
Elternkommunikation
und
-zusammenarbeit
Grundlage für die gemeinsame Arbeit mit den Eltern stellen
halbjährliche Förderplangespräche dar, die durch den Klassen-
lehrer gemeinsam mit dem Förderschullehrer, dem Integrations-
helfer und der Inklusionsbegleiterin sowie über Zuarbeit aller
Fachlehrer intensiv vorbereitet werden.
Vor dem Hintergrund der Planung zusätzlicher Angebote und
Termine, aber auch Beförderungsleistungen etc. besteht ein
enger Kontakt zu den Eltern der Schüler mit sonderpädagogi-
schem Förderbedarf. Diesbezüglich ist im Vorfeld der inklusiven
Beschulung die Erwartungshaltung der Eltern mit den Möglich-
keiten der Schule abzugleichen. Eine Reflexion sollte regelmä-
ßig erfolgen, nicht zuletzt, um Missverständnissen und Konflik-
ten vorzubeugen.
2.6 Kooperation mit außerschulischen
Partnern
An der Ausgestaltung der inklusiven Beschulung ist eine Viel-
zahl an Kooperationspartnern beteiligt. Dabei verlangt die
Zusammenarbeit mit allen Partnern ein hohes Maß an Abstim-
mung und Koordinierung, die von der Schulleitung und den
Klassenlehrern übernommen werden. Unterstützt wird diese
Arbeit durch die Inklusionsbegleiterin. Sie hält den Kontakt,
informiert alle Beteiligten über aktuelle Entwicklungen, fertigt
Dokumentationen an, vereinbart Termine und kümmert sich um
organisatorische Dinge.
Mit vielen Partnern gibt es inzwischen Kooperationsverträge,
die konkrete Festlegungen über Inhalte, Formen und Organi-
sation der Zusammenarbeit regeln. Ein regelmäßiger Informa-
tionsaustausch und eine gemeinsame, langfristige Planung sind
unabdingbar, um auch bei Schwierigkeiten oder Problemen auf
verlässliche Strukturen zurückgreifen zu können.

 
| 13
Organigramm der Kooperationspartner
Berufsausbildungs-Förderverein
Brand-Erbisdorf e. V.
Berufsorientierung
Soziales Förderwerk e. V.
Integrationsfachdienst
Beratung Schüler FSP GE
Agentur für Arbeit
Berufsberatung
Landratsamt Mittelsachsen
Allgemeiner Sozialer Dienst
Gesundheitsamt
Jugendamt
Sozialamt
Einzelfallhilfe, Beratung
Kinderschutzbund Freiberg
Schulsozialarbeit
BSZ Freiberg
Berufsorientierung
Oberschule
Niederbobritzsch
Verkehrsverbund Mittelsachsen
Schülerbeförderung
Landesamt für Schule und Bildung
Chemnitz
Schulverwaltung
Grundschulen
Grundschule Hilbersdorf
Grundschule Naundorf
Grundschule Regenbogen
Oberbobritzsch
Übergang GS - OS
Förderschulen
Schule mit dem Förderschwerpunkt
Lernen „Käthe Kollwitz“ Freiberg
Dr.-Lothar-Kreyssig-Schule Flöha
Förderzentrum „Clemens Winkler“
Brand-Erbisdorf
Begleitung der Inklusion, Beratung
Träger der Einzelfallhilfe
Schulbegleitung durch Integrationshelfer
2.7 Gestaltung von Übergängen
Übergang von der Grundschule an die Oberschule
Zur Vorbereitung des Übergangs an die Oberschule finden bei
der Aufnahme von lernzieldifferent zu unterrichtenden Schülern
verschiedene Maßnahmen statt, die je nach Bedarf und Res-
sourcen durchgeführt werden:
Grundschultag mit Waldrallye – wird für alle Viertklässler (von
den Schülern der Klassenstufe 9) organisiert und durchgeführt
Hospitationen von Schulleitung, zukünftigem Klassenlehrer
und Inklusionsbegleiterin an der Grundschule sowie Gespräch
mit dem Klassenlehrer an der Grundschule
Beratungen zwischen Vertretern der Grund-, Ober- und
Förderschule sowie den Eltern zur Vorgehensweise
beim Übergang an die Oberschule sowie Hinweise von
den Förderschullehrern für die Klassenbildung und den
Lehrereinsatz
Schnuppertag für den Schüler mit sonderpädagogischem
Förderbedarf in einer Klasse mit inklusiver Unterrichtung an
der Oberschule (in Begleitung des Förderschullehrers)
Vorstellung der Konzeption zur inklusiven Beschulung im
Rahmen des ersten Elternabends für die zukünftigen
5. Klassen
Berufsorientierung und Übergang in die Berufsausbildung
Auf der Grundlage des schuleigenen Konzeptes zur Berufsorien-
tierung werden ab Klassenstufe 7 verschiedene Aktivitäten und
Maßnahmen durchgeführt, die das Ziel verfolgen, die Schüler auf
den Übergang Schule – Beruf vorzubereiten. Schwerpunkte sind:
Nutzung des Portfolios Berufswahlpass als Prozessbegleiter
im Unterricht und für Projekte
Berufsfelderprobungen in Klassenstufe 8 im Projekt
„Praxisorientierte Berufsorientierung“ mit dem
Berufsausbildungs-Förderverein Brand-Erbisdorf e. V.
Teilnahme an „SCHAU REIN! – Woche der offenen
Unternehmen Sachsen“ und am Girls‘ Day und Boys‘ Day
Bewerbungstraining in Klassenstufe 9
Blockpraktikum in Klassenstufe 9
Beratungsgespräche durch die Berufsberatung der Agentur
für Arbeit
Besuch des Berufsinformationszentrums in Freiberg
Geeignete Wege zum Übergang in die Berufsausbildung werden
mit Unterstützung des Praxisberaters und der in dieser Maß-
nahme durchgeführten Potentialanalyse realisiert, wobei auch

image
14 |
Schüler im Förderschwerpunkt Lernen zur Zielgruppe gehören.
Mittels geringfügiger Differenzierungen werden sie in die Pro-
jekte und Angebote zur Berufsorientierung eingebunden.
Auch Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förder-
schwerpunkt geistige Entwicklung können mit Unterstützung
des Integrationshelfers die Angebote der Schule mit den ent-
sprechenden Differenzierungen nutzen. Hierfür mussten jedoch
ergänzende Angebote entwickelt werden, um den Übergang für
diese Schüler gut vorzubereiten. So kamen als neue Koopera-
tionspartner die Reha-Beratung der Agentur für Arbeit und der
Integrationsfachdienst (IFD) hinzu. Der IFD kommt vor allem
durch die Maßnahme der Potentialanalyse und die Vermittlung
von Praktika und Elternberatungen mit dem Fokus auf den För-
derschwerpunkt geistige Entwicklung, unterstützend zum Einsatz.
Weitere Angebote wurden durch die Schule entwickelt und
erprobt. Ziel ist es, den Anteil an praktischen Tätigkeiten zu
erhöhen, verschiedene Arbeitsfelder kennen zu lernen und die
Selbstständigkeit und Mobilität der Schüler zu fördern.
Als Alternative zum Berufswahl-
pass (BWP) wurde für Schüler
im Förderschwerpunkt geistige
Entwicklung das Portfolio „Mein
Ordner: Leben und Arbeit“ (OLA)
eingeführt. Der OLA ist eine
strukturierte Zusammenstellung
von Unterlagen, um Lernprozesse
zu dokumentieren. Dazu zählen
Arbeits- und Informationsblät-
ter, Einschätzungen, Zertifikate,
Teilnahmebescheinigungen und
vieles weitere mehr. Mithilfe der
Portfolios BWP bzw. OLA können
die Schüler Erfahrungen und Ergebnisse ihres theoretischen und
praktischen Lernens systematisch erfassen, zueinander in Bezie-
hung setzen und individuelle Strategien zum Übergang Schule
- Beruf planen.
unterstützt. Außerdem wird der OLA in den Förderstunden, in der
Lernzeit und im lebenspraktischen Unterricht eingesetzt.
Die Oberschule nutzt den OLA als lernzieldifferentes Material
zum Berufswahlpass. Er ist ähnlich aufgebaut. Hauptziel der
Arbeit mit dem OLA ist jedoch neben der beruflichen Orientie-
rung die Förderung einer selbstständigen Lebensführung. Je nach
Lernvoraussetzungen der inklusiv beschulten Schüler können
auch Arbeitsblätter aus dem BWP genutzt und im OLA eingefügt
werden. Im Rahmen des Schulversuches ERINA ist eine Übersicht
über thematisch gleiche bzw. ähnliche Arbeitsblätter im BWP und
OLA entstanden, die den Einsatz im lernzieldifferenten Unterricht
Um den Anteil an praktischen Erfahrungen zu erhöhen, wurde
für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förder-
schwerpunkt geistige Entwicklung in Klassenstufe 8 ein Praxis-
tag, der einmal wöchentlich stattfindet, eingeführt. Dieser
wird individuell je nach Bedarf und Voraussetzung der Schü-
ler in Absprache mit Eltern, IFD, Reha-Beratung der Agentur für
Arbeit und Integrationshelfer geplant. Damit sich der Schüler in
verschiedenen Arbeitsfeldern ausprobieren kann, werden meh-
rere Einsatzstellen geplant.
Für einen Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im
Förderschwerpunkt geistige Entwicklung wurde als erster Praxis-
ort das Regenbogenhaus Freiberg, ein Hotel- und Restaurant-
betrieb, das als Integrationsbetrieb für behinderte Menschen
tätig ist, ausgewählt. Der Schüler konnte dort Tätigkeiten im
hauswirtschaftlichen Bereich erlernen und erproben. Unter
Begleitung des Integrationshelfers konnte das Praktikum erfolg-
reich abgeschlossen werden. Als zweiter Praxisort wurde ein
Restaurant im Ort gewählt, wo er in der Küche eingesetzt war.
Die bisherigen Erfahrungen der Oberschule Niederbobritzsch
zeigen, dass für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf
im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung ein wöchentlicher
berufspraktischer Tag eine gute Möglichkeit darstellt, um die
Arbeitswelt zu erproben und Kompetenzen zu erkennen und zu
fördern, die für eine spätere berufliche Tätigkeit von Bedeutung
sind. Durch ritualisierte Anforderungen an den Arbeitsalltag ler-
nen die Schüler, welches Arbeitsverhalten gefordert wird. Hierzu
zählen z. B. Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Fleiß und Ausdauer.
Darüber hinaus ist es Ziel, über Praxiserfahrungen die eigene
Selbstständigkeit zu erhöhen, eine Ablösung vom Integrations-
helfer zu forcieren und auf diesem Weg zu einer wirklichen Teil-
habe am gesellschaftlichen Leben zu befähigen.
Neben diesen Erkenntnissen werden bestehende Entwicklungsbe-
darfe deutlich und Grenzen der Inklusion aufgezeigt. Der Nachteil
des wöchentlichen Praxistages im Vergleich zu einem Blockprak-
tikum besteht darin, dass es eine Unterbrechung des Arbeitsall-
tags gibt und der Schüler an jedem Praxistag eine längere Ein-
arbeitung braucht. In Klassenstufe 9 wurden deshalb mehrere
zwei- bis dreiwöchige Blockpraktika – ergänzend zum regulären
Praktikum – durchgeführt. Der Schüler absolvierte Praktika, z. B.
im Bauhof der Gemeinde, in der Mensa der Bergakademie Frei-
berg und im Tierpark Freiberg. Praxistag und Blockpraktika wur-
den durch die Inklusionsbegleiterin und den IFD begleitet, der
auch die Unternehmen bei den Vorbereitungen unterstützte.

 
| 15
Im zweiten Halbjahr der Klassenstufe 9 besuchte der Schüler ein-
mal wöchentlich das Berufliche Schulzentrum in Freiberg, um ver-
schiedene Berufsfelder und das gestreckte Berufsvorbereitungs-
jahr (G-BVJ) kennenzulernen. Nach dem Verlassen der Oberschule
wurde der Schüler an der Einrichtung im G-BVJ aufgenommen.
Auf diesem Weg konnte – auf Grundlage einer Kooperation mit
dem Berufsschulzentrum – eine qualitativ hochwertige Über-
gangsbegleitung für den Schüler abgesichert werden.
2.8 Organisationsmodell Einzelinklusion:
Erfahrungen mit der inklusiven
Beschulung und Fazit der Lehrkräfte
Resümierend wird die Beschulung der Schüler mit sonderpä-
dagogischem Förderbedarf in den Förderschwerpunkten Lernen
und geistige Entwicklung an der Oberschule Niederbobritzsch
unter den gewährten Rahmenbedingungen im Schulversuch
seitens der Schulleitung und der Lehrkräfte überwiegend als
erfolgreich eingeschätzt. Die Schüler sind gut integriert und
zeigen Fortschritte in unterschiedlichen Kompetenzfeldern wie
im Lern-, Arbeits- und/oder Sozialverhalten.
Die mitlernenden Schüler sind Vorbilder. Das Anregungspotenzial
an der Oberschule ist sehr groß, auch wenn die Inhalte für die
Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf zum Teil wesent-
lich reduziert und angepasst werden müssen. Durch die Teilnahme
am Regelunterricht wird effektiv gelernt und Wissen erworben.
Teilweise fehlt jedoch die Zeit für Wiederholung und Festigung.
Die individuelle Begleitung durch Sonderpädagogen und ggf.
Integrationshelfer ist bedeutend für die Motivation und Unter-
stützung bei organisatorischen Abläufen (Erläuterung von
Arbeitsaufträgen, sich zurechtfinden u. ä.) bzw. die Förderung der
Selbstständigkeit im Alltag. Ungünstig ist, dass lebenspraktische
Themen in geringerem Umfang vermittelt werden können.
Die Zusammenarbeit mit den Sonderpädagogen und Förder-
schulen wird als maßgebliche Unterstützung wahrgenommen,
die viele positive Auswirkungen auf den Unterricht und auf alle
Schüler hat. So stellt die sonderpädagogische Ressource eine
Gelingensbedingung für die Gestaltung inklusiver Beschulung dar.
Darüber hinaus wird der Einsatz der Inklusionsbegleiterin als not-
wendige Vorraussetzung für die Umsetzung des gemeinsamen
Unterrichts angesehen. Sie wird insbesondere für die individu-
elle Förderung einzelner Schüler als auch in der Klassenassistenz
eingesetzt. Auch für die sehr zeitaufwändige Koordinierung der
Netzwerkpartner braucht es einen Ansprechpartner und Koordi-
nator. Die Vernetzung mit Kooperationspartnern und Fachdiens-
ten hat sich verbessert und verbindlicher gestaltet.
Der Integrationshelfer wiederum darf ausschließlich alltags-
unterstützende und keine pädagogischen Tätigkeiten über-
nehmen, was zwar mit Blick auf die rechtlichen Grundlagen
der Eingliederungshilfe nachvollziehbar ist, im Schulalltag mit
seinen vielfältigen Herausforderungen gleichwohl nicht einfach
zu vermitteln ist und nicht selten zu Konflikten führt. Darüber
hinaus sind Antrags- und Abrechnungsverfahren meist lang-
wierig und schwierig, Vertretungen im Krankheitsfall nicht
ausreichend abgesichert und häufige Personalwechsel proble-
matisch im Hinblick auf die Beziehungsgestaltung zum Kind zu
bewerten. Versuche, den Integrationshelfer im Sinne einer
Pool-Lösung, d. h. für mehrere Schüler mit sonderpädagogi-
schem Förderbedarf in einer Klasse einzusetzen, wurden unter-
nommen. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür sind über
eine Kooperationsvereinbarung mit dem Landratsamt, den
Eltern, dem Träger der Eingliederungshilfe und der Schule zwar
geschaffen worden. In der Praxis hat sich dieses Modell jedoch
nur wenig bewährt.
Über die Laufzeit des Schulversuches hinweg wurde transpa-
rent, dass jeder Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf
im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung unterschiedliche
Voraussetzungen mitbringt. Aus diesem Grund müssen notwen-
dige räumliche, organisatorische und personelle Voraussetzun-
gen der inklusiven Beschulung stets individuell vorbereitet und
abgestimmt sowie bedarfsgerechte Angebote gestaltet werden.
Grenzen der Inklusion sehen die Lehrkräfte dann, wenn eine
mehrfache Lernzieldifferenzierung in einer Klasse für einen ein-
zigen Fachkollegen erforderlich wird: Realschulbildungsgang,
Hauptschulbildungsgang, Differenzierung nach den Förder-
schwerpunkten „Lernen“ und / oder „geistige Entwicklung“.
Teilweise gab es sehr unterschiedliche Meinungen und Erwartun-
gen seitens der Eltern und Lehrkräfte in Bezug auf den Anteil an
gemeinsamem Unterricht und die Ergänzung durch individuelle
Angebote. Perspektivisch wird es insbesondere für den Bereich der
Berufsorientierung bedeutend, klare Strukturen und verbindliche
Regelungen zu schaffen (z. B. Anzahl der Praktika und Praxistage,
Kennenlernen einer Werkstatt für behinderte Menschen), auch
um den Lehrplan der Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige
Entwicklung besser im inklusiven Setting umsetzen zu können.

image
 
16 |
3 Organisationsmodell Einzelinklusion mehrerer
Schüler in einer Klasse: Oberschule Kötzschenbroda
3.1 Kurzbeschreibung der Schule
Die Oberschule Kötzschenbroda befindet sich in der Großen
Kreisstadt Radebeul, die unmittelbar an Dresden grenzt, jedoch
zum Landkreis Meißen gehört. Mit 34.387 Einwohnern ist Rade-
beul die bevölkerungsreichste Stadt im Landkreis Meißen.
Radebeul gehört zu den bevorzugten Wohnstandorten der
Region. Es gibt sechs Grundschulen, zwei Oberschulen, zwei
Gymnasien und eine Schule mit dem Förderschwerpunkt geis-
tige Entwicklung. Am Schulversuch beteiligten sich die Förder-
schule, eine Oberschule und zwei Grundschulen.
Zusammensetzung der Schülerschaft
An der Oberschule Kötzschenbroda lernten im Schuljahr
2017/18 insgesamt 289 Schüler, darunter 26 Schüler mit son-
derpädagogischem Förderbedarf in unterschiedlichen Förder-
schwerpunkten. Die Förderschwerpunkte verteilten sich auf:
zwei Schüler im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
dreizehn Schüler im Förderschwerpunkt Lernen
zehn Schüler im Förderschwerpunkt emotionale und soziale
Entwicklung
ein Schüler im Förderschwerpunkt körperliche und motori-
sche Entwicklung
Lehrkräfte und pädagogisches Personal
An der Einrichtung unterrichten 32 Lehrkräfte. Sieben Integra-
tionshelfer begleiten Schüler im Schulalltag, die einen entspre-
chenden Unterstützungsbedarf haben. Außerdem sind eine Inklu-
sionsassistentin und ein Schulsozialarbeiter an der Schule tätig.
Leitbild der Schule: Die Schule formuliert eine Vision vom
Haus des Lernens
Leitsätze im Schulprogramm:
Wir wollen ein Ort sein, an dem alle willkommen sind, die
Lehrenden wie die Lernenden in ihrer Individualität ange-
nommen werden, die persönliche Eigenart in der Gestaltung
von Schule ihren Platz findet.
Wir wollen ein Ort sein, an dem Zeit gegeben wird zum
Wachsen sowie gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt
voreinander gepflegt werden.
Wir wollen ein Ort sein, dessen Räume zum Verweilen ein-
laden, dessen Angebote und Herausforderungen zum Lernen,
zur selbsttätigen Auseinandersetzung locken.
Wir wollen ein Ort sein, wo intensiv gearbeitet wird und die
Freude am eigenen Lernen wachsen kann.
Wir wollen ein Ort sein, an dem Lernen ansteckend wirkt.
Im Zeitraum 2012 bis 2015 hat die Oberschule am Projekt „Unter-
stützung des schulischen Qualitätsmanagements an öffentlichen
Schulen“ (QM) teilgenommen. Aus Sicht der Schule hat sich
dabei die Arbeit in drei wesentlichen Bereichen verbessert:
in der Kommunikation zwischen Lehrern, Schülern und Eltern
in der Qualität des Unterrichts
in der Unterrichtsorganisation
Ziele der inklusiven Beschulung
„Das Leben ist bunt und vielfältig und das will unsere Schule
auch sein!“ Ziel der inklusiven Beschulung ist es, jeden Schüler
unabhängig von seinen individuellen physischen, psychischen
und kognitiven Voraussetzungen zum Lernerfolg zu führen.
Das bedeutet:
Alle Schüler lernen zusammen.
Jedem einzelnen Schüler wird es ermöglicht, entsprechend

 
| 17
seinem Leistungs- und Entwicklungsstand, individuelle Ziele
zu verwirklichen.
Die Unterschiedlichkeit der Schüler wird respektiert und
genutzt.
Jedem Schüler werden geeignete Herausforderungen geboten.
Jeder Schüler wird gemäß seinen Fähigkeiten gefördert und
gefordert.
Jeder Schüler kann seinen Lernprozess selbst steuern.
Jeder Schüler erwirbt und trainiert die Kompetenzen, die er
braucht.
Jeder Schüler erwirbt für ihn relevantes, anwendbares Wissen.
Vorbereitungen zum Start der inklusiven Beschulung im
Schuljahr 2013/14
Die Aufnahme eines Schülers mit sonderpädagogischem Förder-
bedarf im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung stellte für
die Oberschule Kötzschenbroda im Schuljahr 2013/14 den Teil-
nahmebeginn am Schulversuch ERINA dar. Zu diesem Zeitpunkt
hatte die Schule bereits Erfahrungen mit der Beschulung von
Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Förder-
schwerpunkten Hören, Sprache sowie emotionale und soziale
Entwicklung gesammelt. Darüber hinaus hatte die Einrichtung
nur kurz zuvor mit der Arbeit im Projekt Qualitätsmanagement
begonnen. Damit rückte auch die Unterrichtsentwicklung in den
Fokus der Arbeit der Lehrkräfte.
Mit der Beschulung des Schülers mit sonderpädagogischem
Förderbedarf im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
begannen die Lehrkräfte nach neuen Wegen der Unterrichts-
gestaltung zu suchen. Dabei stand vor allem die Frage im Vor-
dergrund, wie Unterricht aussehen kann, der einen hohen Grad
an Differenzierung ermöglicht und dennoch alle Schüler am
gleichen Thema arbeiten lässt.
Im Laufe der Arbeit entstand das Konzept des „Gemeinsamen Ler-
nens“, das im Schuljahr 2014/15 erstmals in der Klassenstufe 5
umgesetzt wurde.
wurden als Schulinterne Lehrerfortbildungen (SchiLF) geplant.
Darüber hinaus entwickelte die Schulleitung ein Fortbildungs-
konzept, mit welchem die Schwerpunkte und Umsetzungszeit-
räume für Fortbildungen festgelegt wurden. Die Veranstaltungen
Themenschwerpunkte waren:
Inklusion in der Schule
Individuelle Besonderheiten in den verschiedenen Förder-
schwerpunkten
Rechtliche Grundlagen
Förderplanarbeit
Arbeit mit Lehrplänen verschiedener Schularten
Erarbeitung differenzierender Arbeitsmaterialien
3.2 Organisation der inklusiven Beschu-
lung, Ressourcen und Schulalltag
An der Einrichtung werden in einer Klasse mehrere Schüler mit
sonderpädagogischem Förderbedarf in den Förderschwerpunk-
ten Lernen und geistige Entwicklung unterrichtet (Organisa-
tionsmodell Einzelinklusion mehrerer Schüler in einer Klasse).
Bei mehr als drei lernzieldifferent zu unterrichtenden Schülern
pro Jahrgang werden diese auf beide Klassen (in der zweizügig
angelegten Schule) verteilt.
Personelle, räumliche und sächliche Ressourcen
Das Gebäude der Oberschule Kötzschenbroda entspricht nicht
den Anforderungen an ein modernes Schulhaus. Die Einrichtung
ist sehr beengt und es fehlen räumliche Kapazitäten (z. B. für
Vorbereitungs- und Fachräume oder die Aufbewahrung von För-
dermaterialien). Das Lehrerzimmer wird derzeit multifunktional
– als Raum für Absprachen, Computerarbeit, Ablagen und Pau-
sen – genutzt. Nicht jede Lehrkraft hat einen festen Platz für
die Ablage von Materialien.
An der Schule gab es zu Beginn des Schulversuches keine Grup-
penräume und Rückzugsorte für individuelles Arbeiten und
Betreuung. Im Verlauf des Schulversuchs wurden ein Ruheraum
und das ehemalige Hausmeisterzimmer zu Gruppenräumen
umgebaut und ein Förderzimmer eingerichtet. Das ehemalige
Hausmeisterzimmer dient außerdem als Arbeitszimmer für die
Inklusionsbeauftragten der Schule, für die Inklusionsassistentin
und den Schulsozialarbeiter. Vertrauliche Dokumente dürfen in
diesem Raum nicht aufbewahrt werden.

image
 
18 |
Der Speiseraum wird multifunktional auch als Arbeitsraum für
das Gemeinsame Lernen und für individuelle Arbeiten im 1. und
2. Block genutzt. Außerdem werden im Speiseraum, aus Mangel
an Platzkapazitäten, Arbeitsmaterialien in Schränken aufbewahrt.
Trotz der ungünstigen Raumsituation in der Schule ist es gelun-
gen, durch kluge und vorausschauende Planung den Unterricht
auch für das Gemeinsame Lernen räumlich abzusichern.
Über die Sachkostenerstattung wurde u. a. Unterrichtsmaterial
für die Schüler (z. B. differenzierte Arbeitsmaterialien, Material
für die individuelle Förderung, Software und weiterführendes
Anschauungsmaterial), Unterrichtsmaterial bzw. Geräte für die
Aufbereitung von Unterrichtsmaterial für die Lehrkräfte (z. B.
Material und Anleitungen zur Differenzierung im Unterricht und
für die individuelle Förderung, Laminiergerät, Schneidegerät u. ä.),
aber auch Fachliteratur (z. B. zur Arbeit mit Schülern in verschie-
denen Förderschwerpunkten, Methodik und Didaktik der Binnen-
differenzierung, Ratgeber zur Förderplanung) angeschafft.
Die Schulleitung und Jahrgangsteams legten gemeinsam fest,
welche Ausstattungsgegenstände die Schule für die Absiche-
rung des Unterrichts, die individuelle Förderung und die Arbeit
der Lehrer benötigt. So wurden Möbel für die Ausstattung eines
Förderzimmers und Schränke für die Aufbewahrung der ent-
standenen Arbeitsmaterialien gekauft.
Organisation des Schulalltages
An der Oberschule Kötzschenbroda beginnt der Unterricht um
8 Uhr und wird in 4 Blöcken erteilt. Zwischen den einzelnen
Blöcken ist jeweils eine halbe Stunde Pause.
An allen Wochentagen finden Ganztagsangebote statt. Alle
Schüler können wöchentlich mehr als drei Angebote nutzen.
Zu den Angeboten zählen:
Hausaufgabenbetreuung für die Klassenstufen 5 und 6
Mathematikförderung für die Klassenstufen 7 bis 9
Französischförderung (nach Bedarf)
Angebote im musischen und künstlerischen Bereich
Sportangebote
Technik
Ein Schulklub, der täglich geöffnet ist, befindet sich außerhalb
des Schulgeländes, ca. 500 Meter von der Schule entfernt. Der
Schulklub bietet den Schülern Beschäftigungsmöglichkeiten
wie Billard und Tischtennis, Kicker, Brettspiele und Spielekon-
solen sowie Internet. Außerdem werden gemeinsame Aktionen
wie Kochen und Backen oder Kino- und Pokertage durchge-
führt. Die Angebote werden zum großen Teil in Kooperation mit
außerschulischen Partnern umgesetzt.
3.3 Unterrichtsgestaltung und
individuelle Förderarbeit
Vor dem Hintergrund der Beteiligung der Schule am Projekt QM
und der Erfahrungen, die mit Schülern in den unterschiedlichen
Förderschwerpunkten gesammelt werden konnten, wurden
eigene Unterrichtskonzepte erarbeitet:
Gemeinsames Lernen in Jahrgangsteams in den Klassenstufen
5 und 6
differenzierter Unterricht in drei Lerngruppen in den Haupt-
fächern ab Klassenstufe 7
Leitidee ist die individuelle Förderung. Methoden und Unter-
richtsformen werden so gewählt, dass die individuellen Lern-
voraussetzungen der Schüler berücksichtigt werden und eine
bestmögliche individuelle Förderung gesichert wird. Die Schüler
arbeiten in heterogenen Lerngruppen zum Teil in offenen Unter-
richtsformen, in denen sie ihren Lernprozess selbstständig und
eigenverantwortlich gestalten und zum Teil in stärker struktu-
rierten Unterrichtsformen, in denen die besonderen Bedürfnisse
von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf effek-
tiv berücksichtigt werden können. Die methodische Umset-
zung erfolgt durch die Arbeit mit Wochen- und Arbeitsplänen,
Projektunterricht, szenisches Spiel, Werkstattlernen, Stations-
arbeit, Freiarbeit und offene Aufgaben.

image
 
| 19
Für alle Schüler sind folgende Lernziele maßgebend:
Die Schüler sind in der Lage, Wissen ganzheitlich und
anwendungsbereit zu erwerben.
Sie lernen eine Vielfalt an Lern- und Arbeitsmethoden
kennen und wenden diese sicher an.
Die Schüler können in Zusammenhängen denken und sind in
der Lage, Aufgabenstellungen kreativ und zielstrebig zu lösen.
Sie arbeiten kooperativ miteinander, entwickeln Teamgeist
und zeigen Verantwortung für die Gemeinschaft.
Der Unterricht ist:
problem- und schülerorientiert, selbstorganisiert, partner-
schaftlich, fächerübergreifend, projektbezogen, binnendiffe-
renziert, reflexiv
Differenzierung erfolgt durch:
Art und Weise der Erarbeitung, Bearbeitung und Verarbeitung
unterschiedliche Lernziele
Anspruchsniveau der Inhalte
Quantität der Unterrichtsinhalte
zeitliche Zugaben
Selbstständigkeit versus Umfang benötigter Hilfen (z. B.
Orientierungshilfen wie Hundertertafeln oder Tippkarten)
Planerfüllung und zusätzliche Interessen
Konzept „Gemeinsames Lernen“
Das Konzept basiert auf Überlegungen einer Fortbildung der
Deutschen Schulakademie „Pädagogische Werkstatt: Umgang
mit Heterogenität/Individualisierung“, die von einer ausgepräg-
ten Heterogenität einer Klasse, unabhängig von eventuellen
diagnostizierten sonderpädagogischen Förderbedarfen, ausgeht.
An der Oberschule Kötzschenbroda wird „Gemeinsames Lernen“
in den Klassenstufen 5 und 6 umgesetzt. Die Lehrplaninhalte
verschiedener Fächer werden genutzt, um den Unterricht über
einen längeren Zyklus (ca. einen Monat) mit Hilfe von Arbeits-
plänen fächerverbindend zu gestalten. Räumliche Voraus-
setzung sind drei nebeneinander liegende Räume, in denen
Materialien und Hilfen bereit liegen und die Tische in Gruppen
zusammengestellt sind.
Die Lehrkräfte der Klassenstufen 5 und 6 sind in Jahrgangs-
teams organisiert. Der feste Stamm der Teams sind die Lehrer,
die zusammen das „Gemeinsame Lernen“ planen. Die von diesen
Lehrkräften unterrichteten Fächer werden einbezogen, vor allem
die Hauptfächer Deutsch, Mathematik und Englisch. Hinzu kom-
men Fächer, die in bestimmten Stoffgebieten thematisch gut
zu kombinieren sind, z. B. Kunst und Biologie. Diese können im
Schuljahr und in den Jahrgängen in den verschiedenen Zyklen
variieren. Lehrer, die zeitweise mit ihren Fächern am „Gemein-
samen Lernen“ beteiligt sind und Lehrer, die für die Betreuung
der Schüler im „Gemeinsamen Lernen“ eingesetzt sind, arbei-
ten ebenfalls im Team mit. Das Jahrgangsteam legt fest, welche
Fächer sich in welchen Zyklen am „Gemeinsamen Lernen“ beteili-
gen. Zusammen werden die Themen festgelegt und die Zeiträume
bestimmt. Jeder Fachlehrer bereitet seinen Teil im Zyklus vor.
Drei Unterrichtsblöcke verteilt auf drei Wochentage werden für
das „Gemeinsame Lernen“ genutzt. Neben diesen Stunden wer-
den in den beteiligten Fächern auch Stunden im Klassenverband
gehalten.

20 |
Beispiel: Gemeinsames Lernen in Klassenstufe 5
Wo
Datum
D
Ma
Bio
Ku
Mu
TC
1
01.-05.09.15
Einführungswoche Klasse 5
Gestaltung eines Deckblattes für den Themenordner, Anwenden von Drucktechniken unter Zuhilfenahme von Naturmaterialien, Besuch eines Bauernhofes,
Einstiegskontrolle „Natürliche Zahlen“, LRS-Test
2
08.-12.09.15
Lb 4 Entdecken in Natur und
Geschichte
- Kennenlernen von Sachtexten als
Quelle d. Informationsentwicklung
- Sachtexte selbstständig erarbeiten
- Lyrische Texte als Ausdruck der
Auseinandersetzung mit Naturphä-
nomenen (Herbstgedicht)
- Gedichtinterpretation
- Gedichtrezitation
- Elfchen/Haiku selber schreiben
Lb 3 Über mich und andere:
Heimat
- Literarische Texte zu Gegebenhei-
ten der Heimatregion erschließen
und nacherzählen
- Zeitungsartikel lesen und verstehen
- Informationsbeschaffung, Vortrag,
Präsentation
frontal
Lb 1 Natürliche
Zahlen
Stellenwerttafel
GL
Große Zahlen, Vorgänger,
Nachfolger, Zahlenstrahl
Lb1 Merkmale des
Lebens
Gegenstand der Bio-
logie, Merkmale des
Lebens im Stationen-
lernen „Die Wiese
lebt“
Lb 1 Systematik der
Farben
Farbkreis
Wahlpflicht 1
- einstimmiger Klassengesang
(Lied: Bunt sind schon die
Wälder)
- einfacher mehrstimmiger Ge-
sang (Kanon: Singen wir ein
Lied)
- Kennenlernen von Möglich-
keiten der Beschreibung von
Musik
- grundlegende Fachbegriffe
festigen und neue erlernen
- über Musik sprechen können
(Orchesterstück: Die Moldau)
3
15.-19.09.15
Ordnen,
Runden
Ordnen, Runden,
Diagramme
Farbmischübungen,
Farbauftrag
4
22.-26.09.15
Diagrammarten
Runden, Bild- und Säulen-
diagramm zu Alter von
Tieren, Internetrecherche
zu Alter von Bäumen
EF als Lernhilfen!
Lb 5 Säugetiere
Artenkenntnis,
Bedeutung der
Säugetiere für den
Menschen, Bauernhof
in lernzieldifferenten
Aufgaben
Bildnerisches
Problemlösen im
Umgang mit farbigen
Gestaltungsmitteln,
Realisierung einer
Gestaltungsaufgabe
„Herbststillleben“

| 21
8. GL-Plan
(Gemeinsames Lernen)
Name:
Zeit: 4 Wochen = 12 Blöcke
XX.XX. – XX.X.20XX
Beachte:
Ab dem XX.XX.20XX stehen die Laptops bzw. ein Computerraum zur Verfügung.
Kunst: Buntstifte/Filzstifte/Fineliner/Gelstifte zum Gestalten deines Schmuckbuchstabens
Mathe: Arbeitshefter
E
nglisch: Hefter
Material:
Deutsch/Kunst (Zeit: 7 Blöcke)
Du schreibst dein eigenes Märchen. Außerdem gestaltest du den Anfangsbuchstaben
deines Märchens als Schmuckbuchstaben und tippst dein Märchen am Computer ab.
Mathematik (Zeit: 2 Blöcke)
Du trainierst die Grundrechenoperationen und übst dich im Kopfrechnen. Außerdem
beschäftigst du dich mit dem Rechnen von Zeitangaben.
Englisch (Zeit: 3 Blöcke)
Du trainierst die Uhrzeit
Bewer tung/Abgabe:
Deutsch:
Abgabe des abgetippten Märchens am XX.XX.20XX (kleine Note)
Kunst:
Schmuckbuchstaben
Englisch:
Abgabe der Aufgabe 2 (kleine Note)
Nichterbrachte Aufgaben sind bis zur nächsten Fachstunde nachzuholen und
selbstständig vorzuzeigen (Es gelten Sonderregelungen bei Krankheit).
Kenntnisnahme der Eltern (bis XX.XX.20XX):
Aufgabe
erledigt
gezeigt
1. Ein eigenes Märchen schreiben
2. Schmuckbuchstaben
3. Das Märchen abtippen
Aufgabe
erledigt
gezeigt
1. Worksheet 1: „What’s the time, please?”
2. Worksheet 2: „Katie and George and the time”
Zusatz: „What’s the time”-Domino
Aufgabe
erledigt
gezeigt
1. Kopfrechnen
2. Zeitspannen/Zeitdauer
Zusatz: siehe Ablage

image
22 |
Zu Beginn eines Zyklus bekommen die Schüler einen Plan mit
allen Aufgaben aus allen beteiligten Fächern. Dieses Aufgaben-
blatt ist die Grundlage für die selbstständige Arbeitsorganisa-
tion der Schüler.
Das Aufgabenblatt enthält:
Aufgaben zur Einführung des Stoffes
Übungsaufgaben
Aufgaben für die Präsentation bzw. die Form der Leistungs-
nachweise
Die Aufgabenstellungen bieten den Schülern die Wahlmöglich-
keit, allein oder in Kleingruppen zu arbeiten. Dabei wird für alle
Phasen des Zyklus ein Bearbeitungszeitraum vorgegeben, in wel-
chem die Arbeit zu erfüllen ist. Des Weiteren enthält das Auf-
gabenblatt Angaben zum Zeitpunkt und der Art der Bewertung.
Die Schüler entscheiden selbst, wann sie welche Aufgabe lösen.
Zwischenkontrollen (ohne Benotung) erfolgen durch die Lehr-
kräfte oder sind als Selbstkontrolle mit Lösungsblättern ange-
legt, die sich die Schüler nach Erledigung der Aufgabe aus dem
Materialfundus entnehmen können.
Für die Aufgabenbearbeitung werden ein Materialfundus sowie
Zugänge zur Bibliothek und einem Computer bereitgestellt.
Weiterhin werden Hilfekarten angeboten, die eine Differen-
zierung ermöglichen. Das heißt: im „Gemeinsamen Lernen“
bekommen alle Schüler dieselbe Aufgabenstellung. Differen-
zierung erfolgt durch die Art der Informationsbeschaffung, die
Hilfekarten und die Art der Präsentation der Ergebnisse. Die
Schüler können die für sie notwendige Hilfe auswählen bzw. die
Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Förder-
schwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung werden beglei-
tend durch den Integrationshelfer oder die Inklusionsassistentin
unterstützt.
Die Überprüfung der Leistungen erfolgt in Form von Aufzeich-
nungskontrollen, Kurzkontrollen und Klassenarbeiten nach
Absolvierung eines Zyklus oder in Form einer Präsentation des
erarbeiteten Stoffes. In jedem Fall sind die Art der Bewertung
und die Wertigkeit der zu kontrollierenden Aufgaben den Schü-
lern am Beginn jedes Zyklus bekannt.
Die Lehrkräfte begleiten das „Gemeinsame Lernen“, stehen bei
Fragen zur Verfügung und können Schülern mit Lernschwierig-
keiten oder sonderpädagogischem Förderbedarf gezielt helfen.
Der Einsatz der in den entsprechenden Fächern in der Klasse
unterrichtenden Fachlehrer im „Gemeinsamen Lernen“ wäre
optimal. Dies ist aber nicht immer möglich, da die Fachlehrer
auch in anderen Klassen unterrichten. Aus diesem Grund wer-
den auch fachfremde Lehrkräfte und solche, die keinen Unter-
richt in den Klassen haben, eingesetzt. Um das „Gemeinsame
Lernen“ unter diesen Bedingungen effektiv zu gestalten und
die Schüler bestmöglich zu unterstützen, sind umfangreiche
Abstimmungsprozesse notwendig. Die fachfremden Lehrkräfte
und das Lehrpersonal, das nicht in den Klassenstufen 5 und 6
unterrichtet, benötigen für ihren Einsatz beim „Gemeinsamen
Lernen“ keine Unterrichtsvorbereitung. Die eingesparte Zeit
kann hier für Abstimmungsprozesse genutzt werden.
Das Konzept „Gemeinsames Lernen“ ermöglicht einen effekti-
veren Einsatz der sonderpädagogischen Lehrkräfte. In Vorberei-
tung eines Zyklus beraten die Förderschullehrer die Lehrkräfte
der Oberschule hinsichtlich der Einführung der Lehrplaninhalte
und bei der Gestaltung von Übungen und Leistungsabfragen.
Darüber hinaus unterstützen sie die Lehrkräfte der Regelschule
bei der Entwicklung von differenziertem Material für Schüler in
den Förderschwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung. Auf
diesem Weg können die Potenziale des „Gemeinsamen Lernens“
optimal genutzt werden: alle Schüler arbeiten am selben Thema
und erhalten Unterstützung und Förderung je nach Ausprägung
des individuellen Bedarfs.
Hinweise zur Durchführung des „Gemeinsamen Lernens“:
In Vorbereitung des „Gemeinsamen Lernens“ muss sicher-
gestellt werden, dass alle Schüler mit den Lern- und Arbeits-
techniken vertraut sind und diese anwenden können. Es
empfiehlt sich, auf der Grundlage des Konzeptes „Lernen
lernen“, ein Training zur Ritualisierung dieser Techniken
durchzuführen.
Gelingensbedingungen für eine erfolgreiche Arbeit der Schü-
ler im „Gemeinsamen Lernen“ sind ein gutes Zeitmanagement
sowie die Fähigkeit zur Teamarbeit und Selbstkontrolle. In den
ersten Zyklen benötigen viele Schüler dabei noch Unterstüt-
zung durch die Lehrkräfte und die pädagogischen Fachkräfte

image
image
 
| 23
z. B. durch Rückmeldungen zum persönlichen Zeitplan.
Um die Motivation der Schüler zu fördern, sollten häufige
Methodenwechsel eingeplant werden.
Nicht immer ist es möglich, gemeinsame Lerninhalte aller
beteiligten Fächer für einen Zyklus zu finden. Dann wird
an fachbezogenen thematisch unterschiedlichen Aufgaben
selbstorganisiert gelernt.
Differenzierter Unterricht in Lerngruppen
Ab Klassenstufe 7 werden die Schüler in den Hauptfächern
Deutsch, Mathematik und Englisch in drei Gruppen nach
bestimmten Leistungskriterien oder Anforderungsstufen aufge-
teilt. Durch diese Form der äußeren Differenzierung können Pro-
zesse der Binnendifferenzierung effektiver gestaltet werden. Auf
eine grundsätzliche Trennung in Haupt- und Realschulbildungs-
gang wird verzichtet. Die Schüler werden nach ihrem Leistungs-
vermögen in dem entsprechenden Fach einer Gruppe zugeordnet.
Der Unterricht in den drei Gruppen verläuft zeitlich parallel.
Bei Verschlechterung oder Verbesserung ihrer Leistungen kön-
nen die Schüler im Laufe eines Schuljahres in eine andere
Gruppe wechseln. Dies wird von den Lehrern im Team und mit
den Schülern besprochen und auf dieser Grundlage die Ent-
scheidung getroffen.
Förderpläne und individuelle Förderangebote
Für alle Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den
Förderschwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung wird ein
Förderplan erstellt. In der Klassenstufe 5 basiert der Förderplan
zunächst auf den Empfehlungen der abgebenden Schule und der
Förderschullehrer. Nachdem die Lehrkräfte der Oberschule den
Schüler im Unterricht kennengelernt haben, wird der Förder-
plan in Zusammenarbeit von Klassenleiter, Inklusionsassistentin
und Sonderpädagogen überarbeitet und im Entwurf an alle in der
Klasse unterrichtenden Lehrer übergeben. Diese haben die Mög-
lichkeit, Ergänzungen und Korrekturen einzuarbeiten.
Der Förderplan wird mit den Eltern und dem Schüler bespro-
chen. Dabei wird festgelegt, wie die Eltern die Umsetzung des
Förderplanes unterstützen können. Die Förderpläne werden
jedes Halbjahr überarbeitet und ergänzt. Jeder Fachlehrer ori-
entiert seine Arbeit mit dem Schüler und die individuelle För-
derung an den Zielen des Förderplanes. Der Sonderpädagoge
bietet Beratungen für die Fachlehrer zur Umsetzung des För-
derplanes im Fachunterricht an. Die Eltern werden halbjährlich
über den aktuellen Stand der Zielerreichung informiert.
3.4 Zusammenarbeit der Lehrkräfte und
pädagogischen Fachkräfte
Im Schuljahr 2014/15 wurden an der Oberschule Kötzschen-
broda die ersten Jahrgangsteams gebildet, die den Unterricht
im „Gemeinsamen Lernen“ für die verschiedenen Fächer vorbe-
reiteten und durchführten. Die Teams wurden aus Lehrkräften
rekrutiert, die sich freiwillig für diese Aufgabe bereit erklärt
hatten. Dazu gehörten die Fachlehrer der Hauptfächer in der
Klassenstufe 5 und Fachlehrer anderer Fächer, die im „Gemein-
samen Lernen“ zusammenarbeiten wollten.
Die ersten Jahrgangsteams starteten mit einem sehr hohen
Anspruch an die Unterrichtsgestaltung und die Bereitstellung
lernzieldifferenzierter Materialien. Daraus resultierte ein enor-
mer Arbeitsaufwand für jeden Lehrer im Team. Zunächst muss-
ten Zeiten für Absprachen und gemeinsame Vorbereitungen
gefunden werden.
Seitens der Schulleitung wurde der Stundenplan so aufgestellt,
dass es jede Woche feste Zeiten gab, in denen sich die Kollegen
treffen konnten. Diese Zeiten wurden von allen als verbindlich
angesehen. Durch Absprachen mit der Förderschule gelang auch
die Einbeziehung des Sonderpädagogen, der in den Phasen der
Unterrichtsvorbereitung den Lehrkräften beratend zur Seite steht.

image
 
24 |
Mit Beginn des Schuljahres 2015/16 wurde der neu einge-
schulte Jahrgang der Klassenstufe 5 ebenfalls von einem Jahr-
gangsteam übernommen. Dieses Team wurde neu aufgestellt
und agierte anfangs völlig autonom, ohne fachliche Kontakte zu
dem Team, das bereits über Erfahrungen in der Jahrgangsstufe
5 verfügte. Von Seiten des neuen Jahrgangsteams wurde der
Kontakt auch nicht gesucht, obwohl es den gleichen Heraus-
forderungen gegenüberstand, wie das Team im Jahrgang zuvor.
Ein Erfahrungsaustausch fand nicht statt.
Das Team der Jahrgangsstufe 6 begann erneut mit der Arbeit
zur Unterrichtsvorbereitung und Materialerstellung. Im Rahmen
erster Hospitationen durch die Schulleitung wurde festgestellt,
dass die Qualität der Unterrichtsvorbereitung und Durchführung
und vor allem die Qualität und Vielfalt der verwendeten Unter-
richtsmaterialien in der Jahrgangsstufe 6 sichtbar nachgelassen
hatte. Ebenso wurden gute Ansätze der Kontrolle und Bewer-
tung der Schülerleistungen nicht weiterverfolgt. Es wurde deut-
lich, dass die Lehrer der Dauerbelastung nicht mehr gewachsen
waren, womit auch die Qualität des Unterrichts nachließ.
Die Entscheidung der Teams, mit ihren Jahrgängen „hochzu-
wachsen“ hat sich für sie als wenig effektiv erwiesen. Die auf-
wändigen Vorbereitungen des Vorjahres wurden nicht mehr
genutzt, an den Materialien wurde nicht weiter gearbeitet.
Jedes Team erarbeitete unter großem Aufwand Materialien, die
später nicht weiter genutzt wurden.
Aufgrund dieser Entwicklung beschloss die Schulleitung
gemeinsam mit den Teams, diese vorerst in einem Jahrgang
zu belassen und ihnen so die Möglichkeit zu geben, über einen
längeren Zeitraum an Unterrichtsführung und Materialien zu
arbeiten. Damit gewann die Arbeit wieder an Qualität und die
Lehrer wurden entlastet. Zudem wurden für jeden Jahrgang
Materialpools angelegt, zu denen alle im „Gemeinsamen Ler-
nen“ unterrichtenden Lehrer Zugang haben. Die Materialpools
werden fortlaufend erweitert und überarbeitet.
Die Fachlehrer gestalten die Unterrichtsstunden gemeinsam mit
den pädagogischen Fachkräften. Der Stunden- und Aufsichts-
plan der Fachlehrer ist so gestaltet, dass Unterrichtsstunden
zeitnah vor- und nachbereitet werden können.
beispielsweise Festlegungen zur Zusammenarbeit der Lehrkräfte
und der Integrationshelfer sowie der Inklusionsassistentin im
Unterricht getroffen.
Für die Arbeit der Integrationshelfer und der Inklusionsassisten-
tin wurden von der Schulleitung und dem jeweiligem Projekt-
und Leistungsträger Regeln für die Zusammenarbeit festgelegt.
Dabei wurden sowohl spezifische Aspekte der Arbeit der Inte-
grationshelfer und der Inklusionsassistentin als auch Erforder-
nisse des Schulalltages berücksichtigt. Auf diesem Weg wurden
Für die Planung des Einsatzes der Integrationshelfer und der
Inklusionsassistentin werden zahlreiche Abstimmungen erfor-
derlich. In Klassen mit mehreren zu betreuenden Schülern wird
abgewogen, in welchem Verhältnis eine individuelle Betreuung
in den einzelnen Fächern notwendig und sinnvoll ist. So machte
die Schule auch die Erfahrung, dass der Einsatz von mehreren
Integrationshelfern in einer Klasse nicht immer optimal ist.
3.5
Elternkommunikation
und
-zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit mit den Eltern beginnt bereits im Vorfeld
des Schuleintritts. Die Schulleitung und der zukünftige Klassenlei-
ter besprechen mit den Eltern, welche Erwartungen diese an den
Besuch der Oberschule haben. Im Rahmen der Gespräche können
Fragen geklärt und gemeinsame Ziele für die Zusammenarbeit
besprochen werden.
In den ersten Elternversammlungen der Klassenstufe 5 werden
alle Eltern über lernzieldifferenten Unterricht und das Vorgehen
der Lehrkräfte bei der Anwendung neuer Unterrichtsmethoden
informiert. Das „Gemeinsame Lernen“ wird organisatorisch und
inhaltlich vorgestellt.

 
| 25
Neben halbjährlichen Förderplangesprächen werden mit den
Eltern regelmäßig individuelle Beratungen durchgeführt. Darü-
ber hinaus besteht zwischen den Klassenleitern und den Eltern
E-Mail-Kontakt, so dass Informationen schnell ausgetauscht
und Anfragen von beiden Seiten beantwortet werden können.
Fachberater, Sonderpädagogen und der Schulsozialarbeiter ste-
hen den Klassenlehrern in der Zusammenarbeit mit Eltern bera-
tend zur Seite. Sie nehmen bei Bedarf auch an Elterngesprächen
teil. Über die Integrationshelfer erfolgen fast täglich Rückmel-
dungen an die Eltern. Bei grundlegenden Fragen sind auch Mit-
glieder der Schulleitung bei den Gesprächen anwesend.
3.6 Kooperation mit außerschulischen
Partnern
Inklusive Beschulung lässt sich nur in Kooperation mit vielen
Partnern zielführend umsetzen.
Wichtige Kooperationspartner der Einrichtung sind:
Förderschulen, die die Schüler mit sonderpädagogischem
Förderbedarf betreuen,
Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe, bei denen die
Integrationshelfer angestellt sind,
die JuCo Soziale Arbeit gGmbH Coswig als Projektträger
für die Schulsozialarbeit und das ESF-Projekt
„Inklusionsassistent“.
Die Oberschule Kötzschenbroda kooperiert auch im Bereich der
Berufsorientierung mit zahlreichen Unternehmen und Bildungs-
einrichtungen. Diese langjährigen Kooperationen ermöglichen
es den Schülern, im Rahmen ihrer Praktika vielfältige Erfahrun-
gen in verschiedenen Berufsbildern zu sammeln.
Vereine und kulturelle Einrichtungen der Stadt Radebeul unter-
stützen die Schule bei der Gestaltung von Ganztagsangeboten.
3.7 Gestaltung von Übergängen
Übergang von der Grundschule an die Oberschule
Sobald die Oberschule Kötzschenbroda Kenntnis darüber erhält,
dass Schüler mit diagnostizierten Förderschwerpunkten an ihrer
Schule angemeldet sind, tritt die Schulleitung mit der abge-
benden Schule in Kontakt. Der Inklusionsbeauftragte und der
zukünftige Klassenleiter verabreden Gespräche mit den Lehrern
und Hospitationen. Ziel ist es, das Kind bereits vor Beginn des
Schuljahres kennenzulernen.
Soweit dies möglich ist und die Eltern ihr Einverständnis dazu
gegeben haben, werden Förderpläne der abgebenden Schule
besprochen und Informationen zur Entwicklung der Schüler
gegeben. Die Oberschule strebt an, dass der zukünftige Klassen-
lehrer mindestens einen Tag in der abgebenden Schule hospitiert.
Berufsorientierung und Übergang in die Berufsausbildung
Der wichtigste Partner der Einrichtung im Bereich der prakti-
schen Berufsorientierung ist das Berufsbildungszentrum Mei-
ßen. In der Klassenstufe 8 absolvieren alle Schüler eine ein-
wöchige praktische Berufsfelderkundung in den Bereichen
Metalltechnik, Farbe-/Raumgestaltung, Gesundheit und Sozia-
les, Holztechnik, Elektrotechnik, Hotel- und Gaststättenwesen
sowie Wirtschaft und Verwaltung.
Aber auch andere Unternehmen in der Region bieten Praktikums-
plätze an und stellen Berufsbilder in ihren Unternehmen vor.
Mit dem Übergang in eine Berufsausbildung für Schüler mit son-
derpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt geistige
Entwicklung hat die Schule noch keine Erfahrung. Der älteste
Schüler besucht im Schuljahr 2018/19 die Klassenstufe 10.
3.8
Organisationsmodell
Einzelinklusion
mehrerer Schüler in einer Klasse:
Erfahrungen mit der inklusiven
Beschulung und Fazit der Lehrkräfte
Die Oberschule Kötzschenbroda hat die im Schulversuch
gesammelten Erfahrungen in den Bereichen (1) Unterrichtsent-
wicklung, (2) Unterrichtsorganisation und (3) Kommunikation
regelmäßig in den Teams und auch in den Dienstberatungen
aller Lehrkräfte reflektiert. Die Ergebnisse sind in die weitere
Gestaltung der Arbeit in den drei Bereichen eingeflossen.
Eine der bedeutendsten Erfahrungen, die im Bereich (1) Unter-
richtsentwicklung gesammelt werden konnten, ist, dass diese
nicht von einzelnen Fachlehrern gestaltet werden kann, son-
dern das Ergebnis einer gemeinsamen Teamarbeit ist. Hierfür
mussten alle Lehrkräfte ihre bisherige Unterrichtspraxis kritisch
reflektieren. Fest organisierte Arbeitsabläufe und das Einlassen
auf die Arbeit im Team und die damit verbundene Transparenz
in Bezug auf ihre Arbeit wurden notwendig. Zudem musste ein
neues Zeitmanagement entwickelt werden.
Ein nicht unerheblicher Teil der Unterrichtsvorbereitung und
-nachbereitung erfolgt im Team. Hierfür müssen gemeinsame
Zeiten geplant und eingehalten werden. Wesentlich ist die Her-
stellung von Verbindlichkeit in der gemeinsamen Arbeit – vom
Einzelkämpfer zum Teamworker. Ebenso ist für die erfolgreiche

26 |
Unterrichtsentwicklung eine regelmäßige und kontinuierliche
Fortbildung der Lehrer von Bedeutung. Dabei muss im Vorfeld
eruiert werden, mit welchem Ziel sich die Lehrer fortbilden. Das
betrifft nicht nur die einzelne Fortbildung, sondern Fragen wie:
In welchen Bereichen will ich meine Kompetenzen ausbauen?
Wo liegt mein Anteil an der Gestaltung der Unterrichtsentwick-
lung an unserer Schule?
Veränderungsprozesse können viel Energie binden und Belas-
tungen verschärfen. Aus diesem Grund sollten Veränderungs-
prozesse einer zeitlichen Planung unterliegen und schrittweise
verlaufen. Es sollte nicht versucht werden, Veränderungen auf
allen Ebenen gleichzeitig herzustellen. Vielmehr erweist es
sich als erfolgversprechend, wenn kleinschrittige Maßnahmen
in einer sinnvollen Reihenfolge schrittweise bearbeitet wer-
den. Die Belastung, die eine übereilte Gesamtveränderung des
Unterrichts, einschließlich der Erstellung der Arbeitsmaterialien,
mit sich bringt, ist nicht dauerhaft zu bewältigen. Im Ergebnis
sind ein Anstieg des Krankenstandes bei den Lehrkräften und
eine Verschlechterung der Unterrichtsqualität zu verzeichnen.
Sonderpädagogen sind bei der Gestaltung inklusiven Unter-
richts unerlässlich. An der Oberschule Kötzschenbroda hat der
Sonderpädagoge beratende Funktion. Er berät die Teams zu Dif-
ferenzierungsmaßnahmen, der Gestaltung von Arbeitsmateria-
lien, Methoden der individuellen Förderung und zur Leistungs-
bewertung. Er beteiligt sich nicht am Unterricht. So können die
zur Verfügung stehenden sonderpädagogischen Ressourcen am
effektivsten genutzt werden.
Im Bereich der (2) Unterrichtsorganisation wurde die Erfahrung
gemacht, dass nicht die Unterrichtsgestaltung den Zeiten, son-
dern die Zeiten der Unterrichtsgestaltung angepasst werden
sollten. Eine zeitliche Planung des Unterrichtstages, die den
Lehrkräften einen zeitlich weitgehend stressfreien Unterricht
gestattet, erweist sich dabei als optimal. An der Oberschule
Kötzschenbroda wurde der Blockunterricht mit jeweils einer
halben Stunde Pause zwischen den Blöcken gewählt.
Für die (3) Kommunikation mit außerschulischen Partnern hat
die Oberschule Kötzschenbroda feste Zeiten festgelegt, die im
Schuljahresablauf eingeplant wurden. Auf diese Weise wurde
Verbindlichkeit hergestellt und der fortlaufende Austausch
konnte gewährleistet werden.

| 27

image
 
28 |
4.1 Kurzbeschreibung der Schule
Leipzig ist eine der drei kreisfreien Großstädte Sachsens und
gehört zu den bevölkerungsreichsten Städten Deutschlands
mit etwa 590.000 Einwohnern. Die 68. Schule – Oberschule der
Stadt Leipzig ist eine von 34 Oberschulen der Stadt und befin-
det sich im Stadtteil Gohlis.
Die Einrichtung startete im Schuljahr 1992/93 mit dem Schul-
betrieb als zweizügige Mittelschule am Standort Diderotstraße
im Leipziger Stadtteil Möckern.
Nachdem im Schuljahr 2007/08 weitere Klassen geschlosse-
ner Schulen Einzug fanden, wurde ein Umbau der ehemaligen
Hans-und-Hilde-Coppi-Schule realisiert. Zum Schuljahres-
beginn 2013/14 erfolgte der Einzug der 68. Schule – Oberschule
der Stadt Leipzig in das sanierte und modernisierte barrierefreie
Schulgebäude in der Breitenfelder Straße.
Seit diesem Zeitpunkt beteiligte sich die Einrichtung am Schul-
versuch ERINA, indem eine Kooperation mit der Lindenhof-
schule, einer Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Ent-
wicklung, eingegangen wurde. Hierbei wurde an der 68. Schule
eine Kooperationsklasse – bestehend aus Schülern der Ober-
schule und der Förderschule – gebildet.
Zusammensetzung der Schülerschaft
An der 68. Schule – Oberschule der Stadt Leipzig lernten im
Schuljahr 2017/18 insgesamt 508 Schüler, darunter 49 Schüler
mit sonderpädagogischem Förderbedarf in unterschiedlichen För-
derschwerpunkten. Die Förderschwerpunkte verteilten sich auf:
sechs Schüler im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
(in zwei Klassen)
24 Schüler im Förderschwerpunkt emotionale und soziale
Entwicklung
drei Schüler im Förderschwerpunkt körperliche und moto-
rische Entwicklung
16 Schüler im Förderschwerpunkt Sprache
Lehrkräfte und pädagogisches Personal
An der Einrichtung unterrichten 46 Lehrkräfte, drei Lehramts-
anwärterinnen, zwei Förderschullehrerinnen und eine päd-
agogische Fachkraft der Förderschule. Punktuell werden die
Lehrkräfte der Oberschule bei der inklusiven Unterrichtung
von Schülern mit sonderpädagogischen Förderbedarfen von
weiteren Förderschullehrkräften unterstützt. Außerdem sind
eine Schulsozialarbeiterin, eine Inklusionsbegleiterin und eine
FSJlerin an der Schule tätig.
Leitbild der Schule: Gemeinsames Lernen und Leben
Das Fundament der Arbeit an der Schule bildet ein praxisnaher,
erlebnisorientierter, Grundwissen generierender Unterricht. Viel-
fältige Projekte, wie beispielsweise multilaterale Schulpartner-
schaften im Comenius-Projekt „Jung und alt – gemeinsam in
Europa“, Teilnahme an Wettbewerben, Projekte im Rahmen des
Fachunterrichtes, fachspezifische Exkursionen, Arbeitsgemein-
schaften, Förderangebote z. B. bei LRS und besonderen Rechen-
schwierigkeiten oder ein Streitschlichterprogramm, bereichern
das Schulleben.
In der Schulbibliothek stehen etwa 1.400 Bücher sowie DVDs
und CDs zur Verfügung. Allen interessierten Schülern und Leh-
rern steht die Bibliothek für die Recherche, Hausaufgaben,
Unterrichtsvorbereitung, die Ausleihe von Büchern oder auch
zum Arbeiten in den Freistunden offen.
4 Organisationsmodell Kooperationsklassen:
68. Schule – Oberschule der Stadt Leipzig

 
| 29
Ein wichtiges Leitziel im Schulprogramm ist die nachhaltige
Verbesserung der Berufswahlkompetenz der Schüler. Mit der
Konzeption zur Berufsorientierung wird ein altersgemäßes, breit
gefächertes, aufeinander abgestimmtes Maßnahmensystem
umgesetzt.
Im Schwerpunkt Gesundheitsförderung und Suchtprävention
geht es um die Förderung einer Atmosphäre des gegenseitigen
Vertrauens, der Hilfe und Unterstützung, um eine lebensnahe,
freudvolle und gewaltfreie Schule zu schaffen. Verschiedene
Maßnahmen werden dazu umgesetzt, unter anderem die Teil-
nahme am Projekt „free your mind“. Inner- und außerhalb des
Unterrichts werden die Lehrkräfte auf der Grundlage der Lehr-
pläne präventiv wirksam (Verkehrserziehung, Medienerziehung,
Suchtprävention, gesunde Lebensweise).
Grundlegende Werte und Leitlinien im Schulprogramm:
miteinander reden
füreinander einsetzen
im Team lernen und arbeiten
einander akzeptieren
die Meinung anderer tolerieren
aufgeschlossen sein
nicht nur beim Sport fair sein
zunehmend selbstständiger werden
stärkere Leistungsbereitschaft entwickeln
Anwendung von Gelerntem im Unterricht und außerhalb der
Schule
verantwortungsbewusstes, überlegtes Handeln
Ziele der inklusiven Beschulung
Mit Beginn des Schulversuches im Jahr 2012 war es das pri-
märe Ziel, den in der Kooperation der Carl-von-Linné-Schule
– Grundschule der Stadt Leipzig und Lindenhofschule Leipzig
erprobten gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne
sonderpädagogischen Förderbedarf im Förderschwerpunkt
geistige Entwicklung in Kooperationsklassen in der Sekundar-
stufe I fortzuführen. Gemeinsam haben sich die 68. Oberschule
und die Lindenhofschule auf den Weg gemacht, herauszufinden,
wie Inklusion praktisch in der Sekundarstufe I gestaltet werden
kann.
Vorbereitungen zum Start der ersten Kooperationsklasse im
Schuljahr 2013/14
Seit dem Schulhalbjahr 2012/13 bereitete sich die Oberschule
intensiv auf die neue Herausforderung vor. Nach Beratungen
von Schulaufsicht und den Schulleitungen der Grund-, Ober-
und Förderschule fand eine Veranstaltung für die Lehrkräfte
statt. Gemeinsam wurden der Film „Berg Fidel – eine Schule
für alle“ angeschaut und in einer Diskussionsrunde Fragen und
Bedenken besprochen. Das geplante Konzept der Kooperations-
klasse wurde danach in der Gesamtlehrerkonferenz und in der
Schulkonferenz vorgestellt. Diese entschied, dass die Schule sich
am Schulversuch ERINA beteiligt. Die Schulleitungen führten
Gespräche mit Lehrkräften, die bereit und interessiert waren, in
der Kooperationsklasse zu unterrichten. Es fanden Hospitatio-
nen und gemeinsame Fortbildungen an der Grund- und Förder-
schule statt und das erste Lehrerteam wurde gebildet.
Da zeitgleich in der Vorbereitungsphase noch Sanierungsarbeiten
am zukünftigen Standort der Oberschule stattfanden, konnten
notwendige räumliche Voraussetzungen geschaffen werden. So
wurde ein mit beweglichen Zwischenwänden ausgestattetes För-
derzimmer eingerichtet, das sich direkt neben dem gemeinsamen
Klassenraum der Kooperationsklasse befindet. Außerdem konnten
entsprechende Möbel und Ruhezonen angeschafft werden.
Folgende organisatorische und inhaltliche Fragen mussten im
Vorfeld geklärt und besprochen werden:
In wie vielen Unterrichtsstunden findet der gemeinsame
Unterricht statt?
Welche Fächer werden gemeinsam unterrichtet?
Welche Lehrkräfte unterrichten in der Kooperationsklasse?
Welche Räume werden benötigt?
Wann und wie fahren die Förderschüler an die Lindenhof-
schule zurück?
Wie wird der Nachmittag an der Förderschule gestaltet?
Welche Schüler lernen in der Kooperationsklasse?
Gemeinsam wurden für diese Fragen Lösungen gefunden, die
im Laufe der Jahre immer wieder angepasst und optimiert
wurden. Dabei müssen in Vorbereitung des neuen Schuljahres
auch immer wieder die aktuellen Rahmenbedingungen, d. h. die

 
30 |
individuellen Voraussetzungen und Bedarfe der Schüler mit und
ohne sonderpädagogischen Förderbedarf sowie die personellen
und räumlichen Ressourcen berücksichtigt werden.
Zum Schuljahresbeginn 2013/14 konnte die erste Kooperations-
klasse, bestehend aus 15 Schülern der Oberschule und 9 Schü-
lern der Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwick-
lung, am Standort der 68. Oberschule starten.
4.2 Organisation der inklusiven Beschu-
lung, Ressourcen und Schulalltag
Der gemeinsame Unterricht wird in Form von Kooperationsklas-
sen im lernzieldifferenten Bereich für den Förderschwerpunkt
geistige Entwicklung organisiert. Das bedeutet, dass die Klassen-
bildung jeweils an der Oberschule und an der Förderschule
erfolgt. Die Schüler im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
gehören der Lindenhofschule an. Der Förderschulklassenlehrer
kommt mit diesen Schülern zum gemeinsamen Unterricht an die
Oberschule, zeitweise auch unterstützt durch eine pädagogische
Fachkraft der Förderschule. Die Förderschule befindet sich in ca.
3 km Entfernung, d. h. in räumlicher Nähe zur Oberschule.
Im Schuljahr 2017/18 wurden zwei Klassen kooperativ unterrich-
tet, eine 6. und eine 7. Klasse. Die Einrichtung einer Koopera-
tionsklasse an der Oberschule ist grundsätzlich abhängig davon,
ob es eine abzugebende Kooperationsklasse an der Grundschule
gibt und ob die Eltern dieser Kinder eine weitere Beschulung im
gemeinsamen Unterricht an der Oberschule wünschen.
Für die Klassenbildung sind folgende Rahmenbedingungen
wichtig:
max. 25 Kinder, davon 4 bis max. 5 lernzieldifferent unter-
richtete Kinder
Aufnahme möglichst vieler Kinder der bisherigen Grund-
schulkooperationsklasse in die Kooperationsklasse an der
Oberschule
freiwillige Anmeldung in der Kooperationsklasse durch die
Eltern
In den Kooperationsklassen lernten im Schuljahr 2017/18 in
einer Klasse 19 Oberschüler und 3 Förderschüler und in einer
weiteren Klasse 21 Oberschüler und 3 Förderschüler. In der
ersten Kooperationsklasse, die zum Schuljahr 2013/14 gebil-
det wurde, lag das Verhältnis bei 15 Oberschülern und 9 För-
derschülern. Zu diesem Zeitpunkt bestand bei allen Eltern der
Förderschulklasse der Wunsch, ihre Kinder im Rahmen einer
Kooperationsklasse an der Oberschule zu beschulen. Bestimmte
Methoden wie z. B. das Lernen in Molekülen konnten in dieser
Konstellation nicht angewandt werden, da der Anteil der För-
derschüler zu hoch war. Hierfür ist eine Verteilung von maximal
1: 3 (besser 1: 4) eine notwendige Gelingensbedingung.
Personelle, räumliche und sächliche Ressourcen
Durch die Organisationsform Kooperationsklasse und Bildung
zweier Klassen an der Förder- und Oberschule ist die Voraus-
setzung geschaffen, ein Zwei-Pädagogen-System in diesen
Klassen einzusetzen. So ist es möglich, mit der Heterogenität
der Schülerschaft umzugehen und den Unterricht lernzieldiffe-
rent zu gestalten.
Eine zusätzliche pädagogische Fachkraft in Person der Inklu-
sionsbegleiterin unterstützt die Kooperationsklassen teilweise
bei Klassenfahrten und Exkursionen. Sie ist jedoch hauptsäch-
lich in Klassen eingesetzt, in denen Schüler mit anderen Förder-
schwerpunkten zusätzlichen Unterstützungsbedarf haben. Sie
unterstützt die Lehrkräfte im Unterricht und in außerschulischen
Veranstaltungen, bei der Erstellung von Dokumentationen, in
der Zusammenarbeit mit den Eltern und bei der Vernetzung mit
außerschulischen Unterstützern.
Für die individuelle Förderung und Ruhephasen werden ein Raum
sowie entsprechende Möbel benötigt. Sehr hilfreich sind mobile
technische Geräte, um Unterrichtsmaterialien selbst erstellen und
anpassen sowie Dokumentationen zeitnah erledigen zu können.
Die notwendigen vielfältigen Materialien und Anschauungsmittel
müssen angeschafft und aufbewahrt werden.
Organisation des Schulalltages
Gemeinsamer Unterricht heißt, dass die Schüler mit und ohne
sonderpädagogischen Förderbedarf gemeinsam an den gleichen
Themen lernen. Diese werden jedoch lernzieldifferent mit indi-
viduell angepassten Aufgaben und unterschiedlichen Anforde-
rungsniveaus aufbereitet. Die Lernziele der Schüler der Förder-
schule werden auf Grundlage der Förderpläne festgelegt. Der
gemeinsame Unterricht findet durchgängig in Co-Teaching-For-
men statt, d. h. eine Oberschullehrkraft und eine Förderschul-
lehrkraft bzw. pädagogische Fachkraft sind gemeinsam für die
Unterrichtsdurchführung verantwortlich.
An der Oberschule findet gemeinsamer Unterricht wöchent-
lich in 17 – 18 Unterrichtsstunden statt. Der Unterricht wird
für die 1. – 4. Stunde geplant. Zum Start des Schulversuches
lernten die Schüler noch 20 Unterrichtsstunden gemeinsam. Es
hat sich jedoch gezeigt, dass zwei bis drei fest im Stundenplan
der Förderschüler verankerte Förderstunden wichtig und not-
wendig sind, um Themen weiter vertiefen und Grundfertigkeiten

 
| 31
trainieren oder Unterrichtsinhalte intensiver vorbereiten zu
können.
Außer dem Fach Englisch werden z. B. in Klassenstufe 5 alle
Fächer der Stundentafel der Oberschule einbezogen: Deutsch,
Mathematik, Biologie, Geographie, Geschichte, Kunst, Ethik,
Sport und Technik/Computer (TC). Ab Klassenstufe 7 kommt das
Fach Wirtschaft, Technik, Haushalt (WTH) hinzu. Die ersten bei-
den Stunden sind als Blockunterricht geplant.
Nach den ersten vier Stunden wird das Mittagessen gemein-
sam an der Oberschule eingenommen. Danach gehen die
Förderschüler mit der pädagogischen Fachkraft und/oder der
Förderschullehrkraft an die Förderschule, wo sie am Nachmittag
weiter unterrichtet, betreut und individuell gefördert werden,
z. B. in weiteren Unterrichtsfächern wie Hauswirtschaft und
Schwimmen oder mit Therapieangeboten. Damit ist eine Ganz-
tagsbetreuung gewährleistet. An einem Tag werden Ganztags-
angebote der Oberschule genutzt. Die Oberschüler lernen ab
der fünften Unterrichtsstunde im verkleinerten Klassenverband
nach Stundentafel der Oberschule.
Stundenplan Gemeinsamer Unterricht mit Stundenplan an der Förderschule
Kooperationsklasse Klassenstufe 5 (SJ 2016/17)
Zeit
Montag
Dienstag
Mittwoch
Donnerstag
Freitag
1./2.Stunde
(Block)
Sport
Mathematik
Englisch / Fördern
Musik
Deutsch
Frühstückspause und Hofpause
3. Stunde
TC
Geschichte
Kunst
Geographie
Mathematik
4. Stunde
TC
Ethik
Deutsch
Kunst
Biologie
Mittagessen – danach Fahrt zur Lindenhofschule
5. Stunde
Hausaufgaben
Schwimmen
Hausaufgaben
AG
6. Stunde
Hausaufgaben
Hausaufgaben
AG
Stundenplan Gemeinsamer Unterricht mit Stundenplan an der Förderschule
Kooperationsklasse Klassenstufe 6 (SJ 2016/17)
Zeit
Montag
Dienstag
Mittwoch
Donnerstag
Freitag
1./2. Stunde
Blockstunde
Sport
Geographie (A-Woche)
Musik (B-Woche)
Mathematik
Deutsch
TC
Frühstückspause und Hofpause
3. Stunde
Mathematik
Kunst
Fördern
Fördern
Biologie
4. Stunde
Deutsch
Fördern
Physik
Geschichte
Ethik
Mittagessen – danach Fahrt zur Lindenhofschule
5. Stunde
Hausaufgaben
Schwimmen
Hausaufgaben
AG
6. Stunde
Hausaufgaben
Hausaufgaben
AG
Beispiel für einen Stundenplan mit Unterrichtsinhalten
Kooperationsklasse Klassenstufe 7 (SJ 2015/16)
Zeit
Montag
Dienstag
Mittwoch
Donnerstag
Freitag
1./2. Stunde
Blockstunde
Deutsch
Balladen
Der Zauberlehrling
Sport
Basketball
WTH
W: Bedürfnisse des
Menschen
T: Holzbearbeitung
H: Nähen
Mathematik
Geld
Neigungskurs
Gr. 1: Holzbearbeitung
Gr. 2: Osterbastelei
Frühstückspause und Hofpause
3. Stunde
Biologie
Der Mensch
Das Blut
Kunst
Hundertwasser
Haus aus Schuhkarton
Deutsch
Balladen
Der Zauberlehrling
Ethik
Das Christentum (LK)
Fördern Mathe
Geld
4. Stunde
Musik
Oper
Der Freischütz
Geographie
Polargebiete
Film über Arktis/Antarktis
Fördern Deutsch
Kommasetzung
Deutsch
Balladen
Der Zauberlehrling
Fördern
Nacharbeiten
Mittagessen – danach Fahrt zur Lindenhofschule
5. Stunde
Hauswirtschaft
Schwimmen
AG
6. Stunde
Hauswirtschaft
Soziale Beziehungen
Schulchor
AG
Floorball-AG 68. OS

image
 
32 |
Die Schüler wechseln nach jeder Unterrichtsstunde den Fachraum.
Jede Klasse hat einen Klassenraum. Den Schülern der Förder-
schule steht ein zusätzliches Förderzimmer zur Verfügung, in dem
die Förderstunden stattfinden oder auch Rückzugsmöglichkeiten
bestehen, wenn z. B. Freizeiten bis zum Mittagessen auftreten.
4.3 Unterrichtsgestaltung und
individuelle Förderarbeit
Der Unterricht in den Kooperationsklassen wird methodisch
unterschiedlich durchgeführt, je nach Lehrkraft und organisato-
rischen Möglichkeiten. Grundprinzip ist der Wechsel von fron-
talen und freien Arbeitsphasen innerhalb aller Unterrichtsstun-
den und Fächer. Dabei hat sich der gemeinsame Unterricht in
Form von Lernen in „Molekülen" in vielen Fächern der aktuellen
Kooperationsklassen durchgesetzt. Dieses sogenannte Mole-
kül-Modell wurde von Birgit Herzog (Carl-von-Linné-Grund-
schule) und Daniela Olschewski (Lindenhofschule) entwickelt.
Wie funktioniert das gemeinsame Lernen in „Molekülen"?
3
Moleküle in der Chemie sind Teilchen, die aus zwei oder mehr
Atomen bestehen. Moleküle im Unterricht sind Gruppen, die
aus drei oder mehr Schülern bestehen. Innerhalb der Mole-
küle sollen die Schüler Aufgaben und Problemstellungen mög-
lichst selbstständig miteinander lösen. Ein Kind pro Molekül ist
immer ein Förderkind bzw. ein Kind mit erhöhtem Unterstüt-
zungsbedarf der Oberschule (im folgenden Unterstützungskind
genannt). Innerhalb der Molekülgruppen lernen sie, Verantwor-
tung füreinander zu übernehmen, sich gegenseitig zu unter-
stützen, selbstständig zu arbeiten und Lernstrategien zu ent-
wickeln. Die Schüler können jederzeit Hilfe durch die Lehrkräfte
in Anspruch nehmen. Je nach Klassenstärke kann sich auch mal
ein Molekül ohne Unterstützungskind ergeben.
Die Moleküle wechseln im 14-tägigen, manchmal auch im
28-tägigen Rhythmus, so dass in einem Schuljahr jeder Schü-
ler mit jedem anderen Schüler mindestens einmal zusammen-
gearbeitet hat. Im Klassenzimmer wird an einer magnetischen
Tafel die aktuelle Molekülverteilung angezeigt. Das Wählen der
Moleküle findet an einem festgelegten Wochentag aller zwei
oder vier Wochen in der 1. Stunde statt und dauert nach ent-
sprechender Einführung und Übung in der Regel nicht länger
als fünf Minuten. Dabei sind unterschiedliche Vorgehensweisen
und mehr oder weniger Lenkung durch die Lehrkräfte mög-
lich. Zum Beispiel können die Unterstützungskinder bereits auf
Moleküle verteilt sein, ausgewählte Schüler ordnen sich selbst
einem der Moleküle zu und wählen dann weitere Molekülpart-
ner aus. Oder die Unterstützungskinder suchen sich das Molekül
und weitere Molekülpartner aus.
Beachtet werden sollten folgende Regeln:
pro Molekül nur ein Kind mit Unterstützungsbedarf
möglichst jeweils Mädchen und Jungen in einem Molekül
in Molekülen mit Unterstützungskindern mindestens drei
weitere Molekülpartner
jedes Kind sollte mindestens einmal im Schuljahr die
Wahlmöglichkeit des Moleküls haben (Lehrkraft sollte das
notieren).
Die Sitzordnung im Klassenzimmer wird entsprechend ange-
passt, d. h. es werden Gruppentische für die Moleküle zusam-
mengestellt: (gegenüberliegende Seite)
3
Quelle: Juliane Scholl: Gemeinsamer Unterricht – Lernen in
„Molekülen“. Abschlussarbeit ZINT-Kurs 5, 31.08.2017.

| 33
Molekül 5
Molekül 4
Molekül 6
Molekül 1
Molekül 2
Molekül 3
Molekül 7
Leherertisch
Leherertisch
Molekül 4
Molekül 1
Molekül 5
Molekül 2
Molekül 6
Molekül 3
Kann der Raum nicht entsprechend eingerichtet werden, sitzen die Moleküle so, dass sich die Schüler der vorderen Reihe eines
Moleküls lediglich umdrehen müssen.
Der Wechsel der Sitzordnung verlangt von den Schülern ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit und Mitdenken. Dies gelingt mit
der Zeit immer besser. Außerdem gibt es einen aktuellen Sitzplan auf dem Klassenbuch, der der besseren Orientierung der unter-
richtenden Lehrkräfte dient.

image
 
34 |
Aufgaben und Rollen der Molekülpartner
Innerhalb der Moleküle übernehmen die Schüler verschiedene
Aufgaben und Rollen. Dies bewirkt, dass jedes Kind eine indi-
viduelle Verantwortung für die gesamte Molekülgruppe über-
nimmt. Zudem kann die Gruppenarbeit dadurch schneller und
effektiver erledigt werden.
Molekülchef
(mit rotem Magnet an der Molekültafel markiert)
Unterstützung der Lehrkräfte beim Austeilen von Arbeits-
materialien
verantwortlich für eine angemessene Arbeitsatmosphäre
und für die aktive Mitarbeit aller Molekülpartner
Schlichtung von kleinen Streitigkeiten
Verteilung von Arbeitsaufträgen, Aufgaben und Rollen an
die Molekülmitglieder
Zeitwächter
achtet auf einen optimalen Umgang mit der verfügbaren
Arbeitszeit
gibt regelmäßig Auskunft über verbleibende Zeitressourcen
Bote
vermittelt zwischen Molekül und Lehrkräften
signalisiert den Lehrkräften Mithilfe einer Klammer, wenn das
Molekül ein Problem hat und Hilfe benötigt – dazu legt er die
Klammer mit seinem Namen kommentarlos auf dem Lehrer-
tisch ab, dieser wendet sich dann zeitnah an das Molekül
Schreiber
dokumentieren die Überlegungen und Ergebnisse der Gruppe
Sprecher
präsentieren die Ergebnisse der Gruppenarbeit
Ziele und Voraussetzungen des Lernens in Molekülen
Die Schüler sollen befähigt werden, gemeinsam ein Ziel zu
erreichen unter dem Motto „Wir sind ein Team!“. Dazu braucht
es einen respektvollen, offenen und toleranten Umgang mit-
und untereinander. Dabei erwerben die Schüler wichtige Selbst-
und Sozialkompetenzen, z. B. Einfühlungsvermögen, Hilfsbe-
reitschaft, Kritikfähigkeit, Kompromissbereitschaft, höfliche
Umgangsformen, Kooperationsbereitschaft, Verantwortungsbe-
reitschaft sowie ein Bewusstsein für Fairness und Gerechtigkeit.
Außerdem können Lern- und Methodenkompetenzen sehr gut
weiterentwickelt und selbstständiges Arbeiten sowie Problem-
lösefähigkeiten gefördert werden. Leistungsschwächere Schü-
ler können von ihren Molekülpartnern unterstützt werden, z. B.
beim Lesen von Texten oder Anfertigen von Aufzeichnungen.
Um erfolgreich in Molekülen zu lernen, ist es sinnvoll, die Schü-
ler möglichst frühzeitig mit dem Konzept vertraut zu machen.
Im Idealfall kennen die Schüler dies bereits aus der Grundschul-
zeit. Ebenfalls grundlegend ist eine Vorbildfunktion der Lehr-
kräfte in Bezug auf eine wertschätzende Zusammenarbeit und
ein gemeinsames Vorgehen. Nur dann können diese Werte den
Schülern auch glaubhaft vermittelt werden.
Positive Erfahrungen mit dem Lernen in Molekülen
Förderung von Verantwortungsbewusstsein und der Bereit-
schaft zur Übernahme von Verantwortung (Rolle Molekül-
chef) bzw. von allgemein sozialkompetentem Verhalten und
vieler Kernkompetenzen.
Forcierung einer selbstregulierenden Verhaltenskontrolle,
wodurch ein Eingreifen der Lehrkraft seltener erforderlich
wird.
Gegenseitige Unterstützung im Molekül. Schüler lernen,
Hilfen zu geben und Hilfen anzunehmen.
Erhöhte Flexibilität in Lernsituationen (neue Partner, neue
Sitzordnung, Methodenwechsel und -vielfalt).
Ermöglichung von Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit
unterschiedlichen Partnern und unterschiedlichen Erfolgs-
erlebnissen.
Förderung der Reflexion über gelungene und weniger gelun-
gene Zusammenarbeit und die Entwicklung von Strategien
für eine Verbesserung der Teamfähigkeit.
Verstärkte individuelle Zuwendung der Lehrkraft für jeden
Schüler möglich.
Herausforderungen und Grenzen für das Lernen in Molekülen
Manche Schüler haben große Schwierigkeiten, mit einem
nicht so beliebten Lernpartner zusammenzuarbeiten.
Lehrkräfte müssen sich an die wechselnden Sitzordnungen
gewöhnen, was auch das Einprägen der Namen schwieriger
macht.
Wie auch bei konventioneller Sitzordnung möglich, können

 
| 35
phasenweise erhebliche Unruhe und Störungen entstehen,
mit denen die Schüler und Lehrkräfte lernen müssen anders
umzugehen.
Die Methode hat sich noch nicht als Grundprinzip für das
Lernen im gemeinsamen Unterricht durchgesetzt, da einige
Lehrkräfte häufigere Schwatzereien und Ablenkungen sowie
Betrugsversuche bei Leistungsüberprüfungen befürchten.
Bestimmte räumliche Voraussetzungen sind nicht gegeben,
z. B. in Fachkabinetten können Tische nicht umgestellt wer-
den.
Geeignete Lehr- und Lernmethoden für das Lernen in
Molekülen
Gemeinsamer Unterricht erfordert eine genaue Planung der
Unterrichtsinhalte und -abläufe sowie eine sorgfältige Aus-
wahl geeigneter Materialien und Methoden. Die Vorbereitung
ist zeitaufwändig und besonders am Anfang auch anstrengend
und ungewohnt. Es sind vielfältige Materialien erforderlich. Mit
der Zeit haben sich die Teams einen umfänglichen Fundus an
Anschauungsmitteln und differenzierten Unterrichtsmateria-
lien erarbeitet, der allen Lehrkräften der Schule zur Verfügung
steht. Damit wird die Vorbereitung mit jedem Jahrgang einfa-
cher, muss aber trotzdem auf die individuellen Voraussetzungen
der Kinder angepasst werden. Vorteilhaft ist, dass während des
Unterrichts mehr Zeit für die individuelle Förderung und Unter-
stützung der Schüler zur Verfügung steht.
unterschiedlicher Reihenfolge bearbeitet werden. Die einzelnen
Moleküle wechseln nach einer definierten Zeit mit Hilfe eines
akustischen Signals zu einer nächsten Station. Vorgegeben wird,
wie viele und welche Stationen durchlaufen werden müssen.
Häufig gibt es an den Stationen differenzierte Aufgabenstellun-
gen, um den unterschiedlichen Lernzielen und Leistungsständen
der Ober- und Förderschüler gerecht zu werden. Eingesetzt wird
diese Methode zur Einführung von Themen, zur Übung, Wieder-
holung und zur Vorbereitung von Leistungsüberprüfungen.
Beim Stationenlernen sind an verschiedenen Positionen im
Raum, den „Lernstationen“, verschiedene Arbeitsaufträge aus-
gelegt, die nacheinander von den Lernenden bearbeitet wer-
den. Die Aufträge stehen in einem thematischen Zusammen-
hang, können aber in der Regel unabhängig voneinander und in
Beispiel Stationenlernen Klasse 5 Mathematik (Juliane
Scholl/Ilka Nerger)
Wiederholung: Was weißt du noch aus Klasse 4?
Station 1: Addition und Subtraktion
Station 2: Multiplikation
Station 3: Division
Station 4: Diagramme
Station 5: Flächen und Körper
Station 6: Einheiten
Für Übungs- und Wiederholungsphasen wird oft die Methode
Lerntheke eingesetzt. Die Materialien werden auf einem sepa-
raten Tisch – der Theke – platziert. Die Schüler erhalten einen
Laufzettel mit den für sie abzuarbeitenden Aufgaben. Dabei
können sehr gut differenzierte Aufgaben gestellt werden. Die
Schüler holen sich die Aufgaben selbstständig von der Theke
und bearbeiten sie einzeln, mit einem Partner oder im Molekül.
Kontrolle erfolgt durch die Lehrkräfte oder mithilfe vorbereite-
ter Bögen selbst durch die Schüler.
Zur Übung und Festigung werden häufig auch Lernspiele wie
z. B. Dominos, Memorys oder Kartenspiele eingesetzt.
Förderpläne und individuelle Förderangebote
Individuelle Förderangebote geben den Kindern mit und ohne
sonderpädagogischen Förderbedarf die Möglichkeit, ihre Kom-
petenzen weiterzuentwickeln und bei Lernschwierigkeiten
zusätzliche Unterstützung zu erhalten. Im lernzieldifferenten
Unterricht der Kooperationsklassen kann durch das Lernen in
Molekülen und entsprechende Lernmethoden auf den Leis-
tungstand und die teilweise individuellen Lernziele der Schüler
eingegangen werden. Dabei werden Aufgabenstellungen durch
die Lehrkräfte in Qualität und Quantität so angepasst, dass die
Schüler die Anforderungen im Wesentlichen ohne Hilfe durch
eine weitere Person bewältigen können.
Die Förderpläne für Schüler mit dem Förderschwerpunkt geis-
tige Entwicklung werden von der Förderschullehrkraft zu
Beginn des Schuljahres erstellt, mit den Eltern besprochen und
Station
1
Station
2
Station
5
Station
3
Station
4

image
 
36 |
halbjährlich aktualisiert.
4
Förderpläne für Schüler mit anderen
Förderschwerpunkten werden vom Klassenlehrer mit Unterstüt-
zung anderer Förderlehrkräfte erstellt. Diese unterstützen Inklu-
sionsschüler stundenweise im Rahmen der Inklusionsstunden.
Auch leistungsstarke Schüler werden unterstützt durch entspre-
chende Ganztagsangebote und Projekte sowie durch die Über-
nahme von Verantwortung für bestimmte Aufgaben innerhalb
der Schule. Leistungsschwächere Schüler erhalten Förderunter-
richt in den Hauptfächern sowie Betreuung für die Hausaufga-
ben und Prüfungsvorbereitungen.
Schüler mit Lese-Rechtschreib-Schwäche werden durch eine
entsprechend geschulte Lehrkraft unterstützt z. B. mit Diagnos-
tik, Beratung, Einzelförderung und Förderunterricht. Schüler mit
Migrationshintergrund erhalten zusätzliche Sprachförderung
über den Deutsch-als-Zweitsprache-Unterricht.
Soziales Lernen
Um das Kennenlernen der
Kinder zu fördern und als
Gemeinschaft zusammen
zu wachsen, haben die
neu gebildeten Koopera-
tionsklassen in der ersten
Schulwoche verschie-
dene Projekte oder Ken-
nenlernwochen durch-
geführt.
Im ersten Jahr des Schul-
versuches beteiligte sich
die Kooperationsklasse
mit Klassen der Linden-
hofschule und der Carl-
von-Linné-Grundschule in Kooperation mit dem Geyserhaus
Leipzig e. V. an einem gemeinsamen Projekt, um das gegenseitige
Kennenlernen und die Begegnung von Kindern aller drei Schu-
len an einem außerschulischen Lernort zu fördern. Unter dem
Motto „Inklusion durch Musik“ fanden verschiedene Workshops
statt, deren Ergebnisse am Ende der Woche öffentlich auf einer
Bühne präsentiert wurden. Da das soziale Lernen weiter gefördert
und der Zusammenhalt in der Klasse gestärkt werden sollte, fuhr
die Klasse bereits im Oktober 2013 auf Klassenfahrt. Im Projekt
Teamtraining mit Geocaching ging es vor allem um die Förderung
sozialer Kompetenzen und den Umgang miteinander.
Eine andere Kooperationsklasse startete mit einer erlebnisrei-
chen Kennenlernwoche, um die Schüler mit allem Neuen ver-
traut zu machen: neue Mitschüler, neue Lehrer, neue Unter-
richtsfächer und ein großes, unbekanntes Schulgebäude. Es gab
eine Schulhausrallye, verschiedene Kennenlernspiele auf dem
Schulhof, ein großes Picknick im Rosental, Geocaching in der
näheren Schulumgebung, Schnupperunterricht in verschiedenen
Fächern und Teamspiele bei den City Kids in Connewitz.
Außerdem wurde in den Kooperationsklassen ein Klassenrat
eingeführt. Das ist ein Gremium, in dem Demokratie und Par-
tizipation gelebt werden können. Er fördert das Miteinander
und zeigt jedem Schüler, wie Demokratie funktionieren kann.
Der Klassenrat ist in der Klasse sehr wichtig geworden, da es
immer viel zu besprechen und zu klären gibt: Organisatorisches,
Entscheidungen über Klassenunternehmungen und Ziele für
Wandertage, Anschaffungen aus der Klassenkasse, Probleme
und Konflikte im Miteinander. Grundlage ist ein strukturierter
Ablauf mit festen, klar definierten Regeln, Pflichten und Auf-
gaben. Im Klassenrat haben die Schüler die Möglichkeit, eigene
Vorschläge zu machen, Probleme anzusprechen und gemein-
sam nach Lösungen zu suchen, Wünsche und Ideen zu äußern
sowie eigene Erfahrungen und Erlebnisse mitzuteilen. Dadurch
entsteht ein Gefühl einer Gemeinschaft, die die Schüler mitge-
stalten können und in der sie sich wahrgenommen fühlen. Alle
Beteiligte wünschen sich dafür mehr Zeit, um den Klassenrat
regelmäßig durchführen zu können.
Erfahrungsbericht von Förderschülerinnen der Klasse 8a zum
Schuljahr 2016/17
Wir von der Klasse 8a/WO lernen nun schon das vierte Jahr in der
68. Oberschule zusammen. Wir - das sind Helen, Antonia, Sophie,
Michelle, Jasmin, Sarah, Maureen und Charlotte und natürlich
die 15 Schüler der Oberschule. Wir sind ein Team.
Es gibt viel Neues in der achten Klasse zu lernen. In Deutsch
behandelten wir Krimis, Zeitungsartikel und Kurzgeschichten.
Die griechischen Philosophen waren Thema in Ethik. Wisst ihr
wer Diogenes war? Jetzt lernen wir den Islam kennen. Nicht nur
das Christoph Kolumbus 1492 Amerika entdeckte erfuhren wir in
Geographie, sondern auch wie die Ureinwohner lebten und wel-
che Landschaften es dort gibt. Und dann reisten wir zum Mittel-
punkt der Erde. Aber dort ist es viel zu heiß für uns. So gibt es
noch viel Interessantes aus den anderen Fächern zu berichten.
Und von den Wandertagen.
4
In § 5 Abs. 2 SchIVO und § 17 Abs. 1 und 3 SOFS ist die Erstellung von Förderplänen und Entwicklungsberichten in Verantwortung des Klassenlehrers verbindlich
festgelegt. Der Klassenlehrer stimmt sich mit Kollegen u. a. im Rahmen von Klassenkonferenzen ab und bezieht die fachliche Kompetenz des beratenden Lehrers der
Förderschule, und mit Einwilligung der Eltern ggf. die fachliche Expertise anderer Institutionen und beteiligter Dienste, unterstützend ein. Der Klassenlehrer steuert
somit die förderprozessbegleitende Kommunikation und Zusammenarbeit.

 
| 37
Beispiel für einen Monatsplan
KW
Montag
Dienstag
Mittwoch
Donnerstag
Freitag
9
A
Sonstiges:
Tag der offenen Tür –
Samstag 4.3. an der
Oberschule
1.3.
Ma Lerntheke/
Ma Geometrie
Fö Mathe diff.
Ph Experimente:
Mechanik
Chor
2.3.
D Gedichtpräsentation
D Adjektive
Fö D Lesen,
Schreiben
Ge Mittelalter
AG
3.3.
TC Maschinen-
TC kunde
Bio Mikroskop
Eth Judentum
10
B
6.3.
Sp Basketball
Sp Spiele
Ma Geometrie
D Adjektive
LK
7.3.
Mu Volkslied/
Mu Kunstlied
Ku Spiegelbild
Fö Geschichte
Schw.
8.3.
Ma Lerntheke/
Ma Geometrie
Fö Mathe diff.
Ph Experimente:
Mechanik
Chor
9.3.
D Gedichtpräsentation
D Adjektive
Fö D Lesen,
Schreiben
Ge Mittelalter
AG
10.3.
TC Maschinen-
TC kunde
Bio Mikroskop
Eth Judentum
11
A
13.3.
Sp Basketball
Sp Spiele
Ma Geometrie
D Adjektive
14.3.
Geo Europa/
Geo Alpenraum
Ku Spiegelbild
Fö Geo
Schw.
15.3.
Ma Lerntheke/
Ma Geometrie
Fö Mathe diff.
Ph Experimente:
Mechanik
Chor
16.3.
D Gedichtpräsentation
D Adjektive
Fö D Lesen,
Schreiben
Ge Mittelalter
AG
17.3.
TC Maschinen-
TC kunde
Bio Mikroskop
Eth Judentum
12
B
20.3.
Sp Basketball
Sp Spiele
Ma Geometrie
D Adjektive
21.3.
Mu Volkslied/
Mu Kunstlied
Ku Spiegelbild
Fö Geschichte
Schw.
22.3.
Ma Lerntheke/
Ma Geometrie
Fö Mathe diff.
Ph Experimente:
Mechanik
Chor/Disco LHS
23.3.
D Gedichtpräsentation
D Adjektive
Fö D Lesen,
Schreiben
Ge Mittelalter
AG
24.3.
TC Maschinen-
TC kunde
Bio Mikroskop
Eth Judentum
13
A
27.3.
Sp Basketball
Sp Spiele
Ma Geometrie
D Adjektive
28.3.
Geo Europa/
Geo Alpenraum
Ku noch in Planung
Fö Geo
Schw.
29.3.
Ma Lerntheke/
Ma Geometrie
Fö Mathe diff.
Ph Experimente:
Mechanik
Chor
30.3.
D Gedichtpräsentation
D Adjektive
Fö D Lesen,
Schreiben
Ge Mittelalter
AG
31.3.
TC Maschinen-
TC kunde
Bio Mikroskop
Eth Judentum
Grundlage für die Planung des Unterrichts sind die Lehrpläne der Oberschule, ergänzt durch die Lehrpläne der jeweiligen Förderschule und die individuellen Förder-
pläne der Förderschüler.
4.4 Zusammenarbeit der Lehrkräfte und
pädagogischen Fachkräfte
Die in den Kooperationsklassen unterrichtenden Lehrkräfte
haben sich in Absprache mit den Schulleitungen der Förder-
und Oberschule freiwillig dafür entschieden, denn diese Freiwil-
ligkeit ist ein ganz entscheidendes Kriterium für das Gelingen
des gemeinsamen Unterrichts. Es ist nicht mehr nur eine Lehr-
kraft allein verantwortlich, sondern es gibt ein Lehrerteam aus
Lehrkräften der Ober- und Förderschule. Die Zusammenarbeit
funktioniert, wenn beide die Verantwortung für den Unterricht
tragen und sich gegenseitig ergänzen und entlasten. Die Förder-
schullehrkraft ist eine Konstante im gemeinsamen Unterricht,
sie ist zweiter Klassenlehrer und Teampartner für verschiedene
Fachlehrkräfte der Oberschulklasse. Das ist für sie eine große
Herausforderung, da sie mit fünf bis neun verschiedenen Fach-
lehrkräften in einem Schuljahr zusammenarbeiten muss.
Für die Unterrichtsplanung und -vorbereitung gibt es feste
wöchentliche Absprachezeiten. Diese sind in den Stundenplä-
nen der betreffenden Lehrkräfte fest verankert. Damit wird in
der Regel sichergestellt, dass die Lehrkräfte in diesen Zeiten
nicht für Vertretungsstunden geplant werden. Im günstigsten
Fall sind die Stoffverteilungen und groben Themen und Inhalte
monatlich im Voraus festgelegt. Dann kann sich jede Lehrkraft
langfristig auf die Absprachestunden und dann auf den Unter-
richt vorbereiten.

image
 
38 |
4.5 Elternkommunikation und
-zusammenarbeit
Vor Beginn der Schulanmeldungen an der Oberschule wird
Eltern die Möglichkeit gegeben, sich detailliert über Möglich-
keiten und Grenzen der inklusiven Beschulung zu informieren.
Die Eltern der Förderschüler werden durch die Lehrkräfte und
Schulleitung der Förderschule dazu intensiv beraten und bei
der Entscheidung über eine weiterführende Beschulung in einer
Kooperationsklasse an der Oberschule unterstützt. Sie werden
auch zum vorbereitenden Elternabend an die Oberschule einge-
laden. Die Schulleitung der Oberschule informiert während die-
ses Informationsabends über die Ziele, Organisation und Inhalte
der Kooperationsklasse. Die Eltern der Regelschüler können
dann entscheiden, ob ihr Kind die Kooperationsklasse besuchen
soll. Da es jedoch bisher immer mehr Interesse als verfügbare
Plätze gab, trifft die Schulleitung die endgültige Entscheidung
über die Klassenzusammensetzung.
Für die Kommunikation mit den Eltern hat sich eine gemeinsame
dienstliche E-Mail-Adresse der Klassenleitung bewährt. Auf die-
sem Weg können Anfragen und Probleme zwischen Elternhaus und
Schule zeitnah und überlegt bearbeitet werden. Außerdem sind die
jeweiligen Vorgänge für beide Lehrkräfte transparent. Teilweise
werden Informationen über Elternhefte und Wochenorganisa-
tionspläne vermittelt. Die Förderschüler benötigen für das Lernen
in der Kooperationsklasse eine intensive und auch andere Unter-
stützung ihrer Eltern als an der Förderschule, z. B. muss täglich der
Ranzen gepackt, je nach Stundenplan das Sportzeug mitgebracht
und wöchentlich das Hausaufgabenheft vorgetragen werden.
Schüler statt. Interessierte Eltern der Förderschüler können sich
darüber hinaus an einem Elternstammtisch in Leipzig treffen und
austauschen.
Im Zusammenhang mit der Förderplanerstellung und zusätzlich
bei Bedarf finden Elterngespräche zur Lern- und Leistungsentwick-
lung, dem Sozialverhalten und der Persönlichkeitsentwicklung der
4.6 Kooperation mit außerschulischen
Partnern
Die Oberschule unterhält viele Kooperationsverträge mit
Partnern und Einrichtungen:
Grundschulen, Förderschulen, Gymnasien für die Gestaltung
von Übergängen und die Begleitung von inklusiver Beschulung
Vereine, freie Träger der Jugendhilfe, kulturelle Einrichtun-
gen zur Gestaltung von Ganztagsangeboten, Projekten und
Exkursionen
Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Vereine für die
Gestaltung von praxisnaher Berufsorientierung
Träger von Maßnahmen wie z. B. Schulsozialarbeit
Kooperation mit der Lindenhofschule – Schule mit dem För-
derschwerpunkt geistige Entwicklung der Stadt Leipzig
Die Kooperation mit der Lindenhofschule bildet die Basis für die
inklusive Beschulung von Schülern mit sonderpädagogischem
Förderbedarf im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung an der
Oberschule. In einem Kooperationsvertrag sind die Ziele, Inhalte
und Aufgaben der Kooperationspartner geregelt. Es werden Ver-
antwortlichkeiten festgelegt und Regularien zur Abstimmung
der Organisation und der personellen und zeitlichen Planung im
Schuljahresverlauf sowie zur Dokumentation vereinbart.
Kooperation mit dem Internationalen Bund e. V. zur Schul-
sozialarbeit
Seit Beginn des Schuljahres 2010/2011 ist eine Schulsozialar-
beiterin an der 68. Oberschule tätig. Träger dieser Maßnahme
ist der Internationale Bund e. V.. Ziel der Schulsozialarbeit ist es,
Schülern Hilfe und Unterstützung bei der aktuellen Lebensbe-
wältigung anzubieten und mit ihnen gemeinsam Perspektiven
für entsprechende Lebensziele zu finden. Probleme und Kon-
flikte, die aus dem sozialen Umfeld resultieren, sollen mit Hilfe
der Schulsozialarbeit gemindert bzw. abgebaut werden. Grund-
legende Prinzipien sind Freiwilligkeit und Vertraulichkeit.
Arbeitsfelder der Schulsozialarbeit sind:
Einzelfallhilfe für Schüler, Eltern und Lehrkräfte in Form von
Beratung, Unterstützung und Vermittlung
Sozialpädagogische Gruppenarbeit im Bereich Soziales Ler-
nen für die Klassenstufen 5 und 6, Mädchengruppe

 
| 39
Projekte
Ein besonderer Höhepunkt der Oberschule war die Teilnahme
am Inklusionssportfest auf dem Rabenberg im Jahr 2016. Die
beteiligten Kooperationsklassen haben dazu einen Bericht
geschrieben:
Inklusionssportfest auf dem Rabenberg
Wir, die Klassen 5a und 6a aus der 68. Oberschule Leipzig weilten
vom 26.-28.10.2016 im Sportpark Rabenberg zum Inklusions-
sportfest. Schon die Anreise in einem tollen Reisebus war für
viele ein schönes Erlebnis. Auf dem Rabenberg haben wir viele
Schüler aus verschiedenen Schulen Sachsens kennengelernt.
Die Durchmischung der Mannschaften hat uns gefallen und so
kamen wir auch richtig mit den anderen Kindern ins Gespräch.
Der Auftakt war eine bunte Staffel. Am Donnerstag konnten wir
unsere sportlichen Fähigkeiten beim Schwimmen, Floorball und
Zweifelderball unter Beweis stellen. Das Essen schmeckte lecker
und zwischen den einzelnen Wettkämpfen hatten wir die Mög-
lichkeit, uns in den Zimmern und auf dem Gelände des Sport-
parks zu erholen.
Bei der Siegerehrung mit anschließender Disco herrschte eine
tolle Stimmung. Zwei Leistungssportler mit Handicap beantwor-
teten unsere Fragen und deren Goldmedaillen fanden wir beein-
druckend. Die Liveband „Die Erbschleicher“ heizte allen musika-
lisch ordentlich ein. Mit einem T-Shirt, den Urkunden und vielen
Fotos erinnern wir uns an die schöne Zeit.
Die Klassen 5a, 6a und ihr Pädagogenteam
4.7 Gestaltung von Übergängen
Übergang von der Grundschule an die Oberschule
Beim Übergang von der Grundschule an die Oberschule wird
das Ziel verfolgt, einen möglichst problemlosen Übergang zu
schaffen, indem ein gleiches Ausgangsniveau für den Unterricht
angestrebt wird. Dafür wurde eine Konzeption zur Aufnahme
von Schülern der zukünftigen 5. Klassen entwickelt. Die Ober-
schule arbeitet mit vier Grundschulen im Umfeld auf Basis von
Kooperationsvereinbarungen zusammen. Mit der Carl-von-Lin-
né-Grundschule erfolgt eine enge Zusammenarbeit in Bezug auf
die Bildung von Kooperationsklassen in Klassenstufe 5 mit den
Schülern dieser Schule und den Schülern der Lindenhofschule.
Dafür werden Beratungen durchgeführt und die Möglichkeiten
von gegenseitigen Hospitationen genutzt. Schüler und Eltern
können die Oberschule zum Tag der offenen Tür und im Rahmen
von organisierten Schulveranstaltungen kennenlernen.
Berufsorientierung und Übergang in die Berufsausbildung
Die Berufsorientierung an der 68. Oberschule erfolgt auf Basis
eines schuleigenen Konzeptes. Den Schülern wird ein altersge-
mäßes, breit gefächertes, aufeinander abgestimmtes Maßnah-
mensystem geboten, welches im Rahmen der Berufswahl von
ihnen genutzt und mitgestaltet wird. Ziel ist die nachhaltige
Verbesserung der Berufswahlkompetenz. Wahrgenommen wer-
den z. B. Angebote wie SCHAU REIN! – Die Woche der offenen
Unternehmen, der Girls- und Boys-Day, Angebote des Berufs-
beraters und des Berufsinformationszentrums (BIZ), Bewer-
bertraining und Bewerbungsunterlagen erstellen, Praxistage
im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer,
Blockpraktika und Angebote der Berufseinstiegsbegleitung.
In der ersten Kooperationsklasse, die insgesamt vier Jahre (Klas-
senstufe 5 – 8) an der Oberschule lernte, wurden verschiedene
Möglichkeiten genutzt, um die Förderschüler an diesen Ange-
boten teilhaben zu lassen. So konnte die gesamte Klasse zwei
Wochen lang im Bildungs- und Technologiezentrum (BTZ) Bors-
dorf drei Berufsfelder kennenlernen.
Erfahrungsbericht einer Förderschülerin zum Praktikum in
Borsdorf im Bildungs- und Technologiezentrum der Hand-
werkskammer
Wir waren mit der 8a jeden Tag von Montag bis Freitag zwei
Wochen in Borsdorf. Früh und Nachmittag sind wir immer mit
dem Bus gefahren. In der ersten Woche haben wir mit Herrn I.
gemalert und da haben wir einen Bilderrahmen gemacht. In der
zweiten Woche haben wir gefliest mit Herrn S.
Da haben wir auch einen Bilderrahmen aus Fliesen beklebt. Das
Mittagessen war lecker und Trinken habe ich mir noch gekauft.
Es hat sehr dolle Spaß gemacht.
Jasmin
Ergänzend wurden für einige Förderschüler, die altersgemäß der
Werkstufe der Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Ent-
wicklung zugeordnet waren, zusätzliche praktische Angebote
gestaltet, wie ein Tag im Bereich Arbeit und Beruf in der Lin-
denhofschule und ein Praxistag am Berufsschulzentrum (BSZ) in
Kooperation mit dem BSZ 12 Leipzig.
Außerdem wurde das Portfolio „Mein Ordner – Leben und
Arbeit“ für die Förderschüler genutzt. Es unterstützt die Bear-
beitung und Dokumentation von berufsorientierenden und
lebenspraktischen Themen, ist hilfreich für individuelle Förder-
stunden und die Bearbeitung von Themen zum Erlernen einer
selbstständigen Lebensführung.

 
40 |
4.8
Organisationsmodell
Kooperationsklassen: Erfahrungen
mit der inklusiven Beschulung und
Fazit der Lehrkräfte
Durch die Bildung von Kooperationsklassen ist Co-Teaching in
verschiedenen Formen in allen Fächern des gemeinsamen Unter-
richts möglich. Dadurch lässt sich lernzieldifferenter Unterricht
sinnvoll und effektiv gestalten. Durch die Zugehörigkeit der Kin-
der mit sonderpädagogischem Förderbedarf zur Förderschule ist
eine ganztägige Betreuung gewährleistet. Therapeutische Ange-
bote sind einfacher in den Tagesablauf zu integrieren. Die Zuge-
hörigkeit zu verschiedenen Schulen führt aber auch teilweise zu
gedanklichen Trennungen der Klasse in die Förderschüler und die
Oberschüler sowie auch zu organisatorischen Herausforderungen,
z. B. wenn unterrichtsfreie Tage der Schulen nicht gleich gelegt
werden können oder wenn sich Termine der Schulen überschnei-
den. Die Zugehörigkeit der Lehrkräfte zu verschiedenen Schulen
verlangt ebenso eine große Transparenz bezüglich der Zuständig-
keiten, Rechte und Pflichten sowie eine gute und regelmäßige
Abstimmung der Schulleitungen.
Mit der Zeit entwickelte sich im Kollegium beider Schulen eine
zunehmende Offenheit und positive Einstellung für den inklu-
siven Unterricht. Ein immer größer werdender Anteil der Lehr-
kräfte stellt sich der Herausforderung, in den Kooperationsklassen
zu unterrichten. Der Unterricht wird bereichert, wenn Ober- und
Förderschullehrkraft sich sozusagen „die Bälle zuspielen“ und
jeder seine Kompetenzen und seinen fachlichen Hintergrund ein-
bringen kann. In der Lehrerausbildung sollten mehr Möglichkei-
ten geschaffen werden, beide Professionen zusammenzubringen.
Die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förder-
schwerpunkt geistige Entwicklung entwickeln zunehmend
Selbstständigkeit und werden lebenstüchtiger. Sie finden sich
z. B. allein im Schulhaus zurecht und können teilweise Schul-
wege auch allein bewältigen. Sie sind wacher, aufmerksamer
und schneller geworden. Sie kommen an der Oberschule mit viel
mehr Themen in Berührung, als sie an der Förderschule kennen-
gelernt hätten. Auch für die Förderschullehrkräfte ist es immer
wieder überraschend, wie viel die Schüler der Schule mit dem
Förderschwerpunkt geistige Entwicklung wissen und einbringen
können. Die Schüler der Klasse unterstützen und akzeptieren
sich gegenseitig zunehmend ohne Steuerung durch das Lehrer-
team. Alle Schüler profitieren vom gemeinsamen Unterricht,
auch Kinder mit anderen Förderbedarfen oder Teilleistungs-
schwächen, da auf alle viel differenzierter und individueller ein-
gegangen werden kann.
Die Kooperationsklassen zeigen auf eindrucksvolle Weise, was
Normalität heißt. Es ist normal, etwas nicht zu können und
dennoch verfügt jeder Einzelne über ein großes Potential. Die
Schüler üben sich im Miteinander und können sich in ihrer Per-
sönlichkeit entfalten. Gemeinsamer Unterricht, Projekte und
Erlebnisse bilden die Grundlage dieses Klassenverständnisses.
Gemeinsamkeiten, nicht Unterschiede, werden gesucht. Unter-
schiede gibt es schon genug. Unterschiede machen die Persön-
lichkeit aus, aber Unterschiede dürfen nicht dazu führen, den
einen vom anderen zu separieren. Warum also nicht gemeinsam
die Unterschiede wahrnehmen und akzeptieren, um davon zu
profitieren?
Mit Eintritt in die Sekundarstufe I ergeben sich für die Schüler
eine Vielzahl von Veränderungen. Nicht nur die organisatori-
schen Rahmenbedingungen der Oberschule, sondern auch die
Besonderheiten der Persönlichkeitsentwicklung führen gegen
Ende der 6. Klasse zu sozialen Differenzierungsprozessen zwi-
schen den Kindern bzw. Jugendlichen mit und ohne sonderpäd-
agogischen Förderbedarf. Die Jugendlichen suchen zunehmend
Kontakte zu Gleichaltrigen ihrer eigenen Gruppe innerhalb und
außerhalb ihrer Klasse. Erst gegen Ende der Schulzeit kommt es
erneut zur Annäherung und gegenseitigen Akzeptanz. Die schu-
lische Inklusion von Schülern mit sonderpädagogischem Förder-
bedarf stellt folglich nicht zwangsläufig ihre soziale Integration
innerhalb der Gleichaltrigengruppe sicher.
Es fehlt an Zeit, um mit den Jugendlichen an Themen des
Umgangs miteinander (soziales Lernen, Kompetenztraining,
feste Zeiten für einen Klassenrat) kontinuierlich und auch prä-
ventiv zu arbeiten z. B. in Form einer Klassenleiterstunde.
Inklusion kann gelingen, wenn gute Bedingungen dafür
geschaffen werden:
zwei Pädagogen in einer Klasse (Fachlehrkräfte und Förder-
schullehrkraft),
Unterstützung durch pädagogische Fachkräfte,
max. 4-5 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in
einer Klasse,
gemeinsame Unterrichtung von Schülern in nur einem lern-
zieldifferent zu unterrichtenden Förderschwerpunkt (geistige
Entwicklung oder Lernen)
Zeit für Absprachen,
Platz zum Lernen,
finanzielle Mittel für zusätzliches Lernmaterial und
Möglichkeiten zur Fortbildung.

| 41
Inklusion soll selbstverständlich werden. Dafür muss jeder sei-
nen Beitrag leisten. Wir wollen Vorbild sein, die Vielfalt nutzen
und Kinder und Jugendliche so begleiten, dass aus ihnen Men-
schen werden, die irgendwann die Erwachsenen einer hoffent-
lich selbstverständlich inklusiven Generation und Gesellschaft
werden. Eigentlich ist Inklusion das, was normal sein sollte. Wir
können also aufhören, sie zu hinterfragen und zu begrenzen
und uns lieber dem zuwenden, was wirklich wichtig ist, nämlich
Inklusion zu leben!

 
42 |
Inklusionsbegleiter
Jährlich aufwachsend wurden bis zum Schuljahr 2017/18 an bis zu 14 Schulversuchs-
schulen Inklusionsbegleiter eingesetzt, die die Lehrkräfte bei der Unterrichtsvorberei-
tung, bei individuellen Fördermaßnahmen und im Unterricht unterstützten. Darüber
hinaus nahmen sie auch koordinierende Aufgaben wahr (z. B. Absprachen mit Koope-
rationspartnern).
Integrationshelfer
Leistungen der Eingliederungshilfe nach § 35 a SGB VIII und § 54 SGB XII stellen ins-
besondere Hilfen zu einer angemessenen Schulbildung, im Rahmen der allgemeinen
Schulpflicht, dar. Integrationshelfer oder auch Schulbegleiter, Schulassistenten oder
Individualbegleiter unterstützen Schüler mit körperlicher, geistiger oder seelischer
Behinderung im schulischen Alltag. Sie bieten dem Schüler individuelle Hilfen zur
Bewältigung des Schulalltages an. Die im Einzelfall zu erbringenden Leistungen wer-
den im Hilfeplanverfahren vereinbart.
Lernzieldifferenter Unterricht
Lernzieldifferenter Unterricht wird auf der Grundlage verschiedener Lehrpläne geplant
und umgesetzt. Innerhalb einer Klasse oder Lerngruppe können Schüler gemeinsam
lernen, die laut dem jeweils zugehörigen Lehrplan unterschiedliche fachliche und/oder
überfachliche Lernziele erreichen sollen. Entsprechend § 4c Absatz 5 Satz 2 des Sächsi-
schen Schulgesetzes trifft dies auf den gemeinsamen Unterricht von Grund- bzw. Ober-
schülern mit Schülern mit festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf im Förder-
schwerpunkt geistige Entwicklung bzw. Lernen an allgemeinbildenden Schulen zu.
Projekt „Pädagogische Werkstatt“
Das Projekt „Pädagogische Werkstatt“ stellt ein Fortbildungsangebot der Deutschen
Schulakademie dar, das in Sachsen in Kooperation mit dem Landesamt für Schule
und Bildung Standort Radebeul durchgeführt wird. Ziel ist es, Schule und Unterricht
gemeinsam in Schulteams zu entwickeln. Eine Pädagogische Werkstatt dauert zwei bis
drei Jahre. Vier bis fünf Bausteine (jeweils für 1,5 bis zwei Tage) werden unterbrochen
durch längere Praxisphasen. Die in einem Baustein erarbeiteten Elemente und Unter-
richtseinheiten werden in den Schulen erprobt und den Fach- und Jahrgangskollegien
weitergegeben. In einer zweiten Phase wird die Etablierung an der Schule durch Mul-
tiplikatoren über schulinterne Fortbildungstage unterstützt.
Glossar

 
| 43
Landesamt für Schule und Bildung (2017)
Binnendifferenzierung und lernzieldif-
ferenter Unterricht. Ein Leitfaden für die Primarstufe und die Sekundarstufe.
Sächsisches Bildungsinstitut (2013)
Leistungsermittlung und Leistungsbewertung
an Schulen zur Lernförderung.
Sächsisches Staatsministerium für Kultus (2018)
Aufnahme von Schülern mit son-
derpädagogischem Förderbedarf in den Förderschwerpunkten Lernen und geistige Ent-
wicklung an Oberschulen. Ein Handlungs- und Orientierungsleitfaden für Schulleitungen.
Staatsministerium für Kultus (2018)
Förderung der emotionalen und sozialen Ent-
wicklung an allgemeinbildenden Schulen. Unterstützungsmaterial für Lehrkräfte in
den Klassenstufen 3 bis 6.
Sächsisches Staatsministerium für Kultus (2017)
Der Schulversuch ERINA. Erpro-
bung von Ansätzen zur inklusiven Beschulung von Schülern mit sonderpädagogischem
Förderbedarf in Modellregionen. Teil I: Abschlussbericht der Projektleitung.
Sächsisches Staatsministerium für Kultus (2017)
Der Schulversuch ERINA. Erpro-
bung von Ansätzen zur inklusiven Beschulung von Schülern mit sonderpädagogischem
Förderbedarf in Modellregionen. Teil II: Ergebnisse des Schulversuchs und Handlungs-
empfehlungen der wissenschaftlichen Begleitung.
Sächsisches Staatsministerium für Kultus (2016)
Sonderpädagogische Förderung
im gemeinsamen Unterricht. Handreichung für Lehrerinnen und Lehrer an allgemein-
bildenden Schulen in Sachsen.
Sächsisches Staatsministerium für Kultus (2014)
Vielfalt als Chance. Sonderpäd-
agogische Förderung in Sachsen.
Planungsbeispiele und Lehrplansynopsen
zum lernzieldifferenten Unterricht in der
Sekundarstufe. Abrufbar unter:
https://www.schule.sachsen.de/lpdb/0/0/0/12/seite.
Website „Inklusion“
Auf der Website zum Thema „Inklusion“ sind vielfältige und
aktuelle Informationen. Abrufbar unter:
https://www.inklusion.bildung.sachsen.de
Weiterführende Materialien für
Oberschulen

 
GEMEINSAM
WACHSEN
Impressum
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Carolaplatz 1, 01097 Dresden
Bürgertelefon: +49 351 5642526
E-Mail:
buerger@bildung.sachsen.de
www.bildung.sachsen.de
www.bildung.de/blog
Twitter:
@Bildung_Schsen
Facebook:
@SMKsachsen
Instagram:
smksachsen
YouTube:
SMKsachsen
Fotos:
Schulversuchsschulen S. 6, 16, 28
adobe.com TB, S. 7, 18, 19, 22
shutterstock.com S. 21, 23, 24, 32, 38
Steffen Giersch S. 8, 32, 34, 36
LSJ Sachsen e. V. S. 14
SMK S. 10, 23
Gestaltung:
pioneer communications GmbH, Leipzig
Druck:
Fritsch Druck GmbH
Redaktionsschluss:
14.12.2018
Auflagenhöhe:
1.000 Exemplare
Bezug:
Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden:
Zentraler Broschürenversand der Sächsischen Staatsregierung
Hammerweg 30, 01127 Dresden
Telefon: +49 351 2103672
E-Mail:
publikationen@sachsen.de
www.publikationen.sachsen.de
Verteilerhinweis:
Diese Informationsschrift wird von der Sächsischen Staatsregierung im Rahmen
ihrer verfassungsmäßigen Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit her-
ausgegeben. Sie darf weder von politischen Parteien noch von deren Kandidaten
oder Helfern zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für alle
Wahlen. Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen,
an Informationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Auf-
kleben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist auch die
Weitergabe an Dritte zur Verwendung bei der Wahlwerbung.
Copyright:
Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die des
Nachdruckes von Auszügen und der fotomechanischen Wiedergabe, sind dem
Herausgeber vorbehalten.