Projektion des Bedarfs für Medizinstudien­
plätze in Sachsen 2019 bis 2035
Sonderauswertung des Zi im Auftrag des
Sächsischen Staatsministeriums für
Soziales und Verbraucherschutz (SMS)
Unterzeile

Impressum
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung
in der Bundesrepublik Deutschland
Rechtsfähige Stiftung
Salzufer 8
10587 Berlin
Tel.: +49 30 40052450
zi@zi.de
im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz
Autoren
Dr. Lars Eric Kroll
Dr. Mandy Schulz
Ramona Hering
Thomas Czihal
Dr. Dominik Graf von Stillfried

Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland
Bedarf Studienplätze Sachsen 2019 bis 2035
10.4.2019
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Inhaltsverzeichnis
1
Hintergrund .......................................................................................................................... 4
2
Methodik ............................................................................................................................. 4
3
Ergebnisse ............................................................................................................................ 8
3.1
Überblick .................................................................................................................................. 8
3.2
Daten........................................................................................................................................ 9
4
Fazit .................................................................................................................................... 15
Literatur ..................................................................................................................................... 17
Tabellenverzeichnis .................................................................................................................... 18
Abbildungsverzeichnis ................................................................................................................ 18
Hinweis:
Aus Gründen der Lesbarkeit wird im Bericht die männliche Bezeichnung (z. B. Ärzte,
Patienten) verwendet und auf die Doppelnennung (z. B. Ärztinnen und Ärzte, Patientinnen und
Patienten) verzichtet. Gleichwohl sind immer beide Geschlechter gemeint.

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1
Hintergrund
Der Freistaat Sachsen ist wie fast alle Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland zukünftig mit
erheblichen Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur konfrontiert, die mit dem Begriff „Demo-
grafischer Wandel“ umschrieben werden. Gemeint ist, dass sich infolge von langfristigen Änderun-
gen in der Geburtenrate und Lebenserwartung und durch innerdeutsche wie auch internationale
Migrationsbewegungen, die Bevölkerungsstruktur in Deutschland erheblich verändern wird. Die
durch das Statistische Bundesamt im Jahr 2017 vorgenommene Aktualisierung der 13. koordinierten
Bevölkerungsvorausberechnung mit Basisjahr 2015 geht für die nächsten Jahre sogar von einem
Anstieg der Bevölkerung in Deutschland aus (Destatis 2017). Bis zum Jahr 2035 soll die Bevölkerung
dann wieder in etwa auf das heutige Niveau sinken, gleichzeitig soll sich das Durchschnittsalter der
Bevölkerung dabei weiter erhöhen.
Im Zuge der demografischen Alterung verschieben sich auch die Anforderungen an das medizinische
Versorgungssystem im Allgemeinen und die vertragsärztliche Versorgung im Besonderen. Ältere
Patienten haben häufiger mehrere Gesundheitsprobleme, nehmen meist mehrere Ärzte oder statio-
näre Behandlungen in Anspruch und benötigen mehr Beratungs- und Behandlungszeit bei Vertrags-
ärzten.
Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung hat die Möglichkeit, verschiedene Datenquel-
len wie die Leistungs- und Diagnosedaten für die gesamte gesetzliche Krankenversicherung mit spe-
zifischen Informationen zur Kosten- und Versorgungsstrukturen in den Praxen niedergelassener Ärz-
te und Psychotherapeuten zu verknüpfen, um zu einer differenzierten Einschätzung des Versor-
gungsbedarfs im Kontext des demografischen Wandels zu kommen (Schulz et al. 2016). Die Ergeb-
nisse dieser Zusammenführung für den Bund zeigen, dass selbst unter Verwendung der konservati-
veren Zahlen zur Bevölkerungsvorausberechnung auf Basis der 13. koordinierten Bevölkerungsvo-
rausberechnung mit Basisjahr 2013, die bereits bis 2035 eine Abnahme der Bevölkerung prognosti-
ziert hat, der Versorgungsbedarf der Bevölkerung aufgrund der geänderten Alterungsstruktur im
Jahr 2035 bundesweit um etwa 6 % gegenüber 2020 steigen dürfte. Auf Basis der künftigen Bevölke-
rungsprognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wird dieser Wert
entsprechend höher liegen.
Mit der vorliegenden Sonderauswertung für den Freistaat Sachsen wird der Frage nachgegangen,
welche Auswirkungen die prognostizierten Folgen des demografischen Wandels für den Bedarf an
Absolventen der Humanmedizin haben. Im Mittelpunkt steht dabei die Projektion dieses Bedarfes
anhand verfügbarer Daten und die Abschätzung, ob die aktuelle Ausbildungskapazität ausreichend
ist oder ob eine Fortschreibung des heutigen Kenntnisstandes eine Anpassung der Kapazitäten er-
forderlichen zu machen scheint.
2
Methodik
Ausgangspunkt der Projektion sind die demografische Entwicklung im Freistaat Sachsen bis 2035
(Projektionshorizont) und der altersgruppenspezifische Leistungsbedarf operationalisiert über den
relativen Beanspruchungsindex (rBIX) des Zi (Schulz et al. 2016). Die Projektion basiert zudem auf
Zahlen der KV Sachsen zur aktuellen Anzahl von berufstätigen Vertragsärzten sowie zur Anzahl de-
rer, die in den kommenden Jahren das 65. Lebensjahr erreichen. Für den stationären Bereich stand
nur die aktuelle Anzahl zur Verfügung, weshalb hier eine Schätzung der in den kommenden Jahren

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65-Jährigen unter Berücksichtigung der abweichenden Altersverteilung zwischen Vertrags- und
Krankenhausärzten vorgenommen wurde. Neben demografisch bedingten Veränderungen bei Versi-
cherten und Ärzten sind auch langfristige Veränderungen in der Berufsausübung von Medizinern zu
beobachten, die in der Projektion ebenfalls berücksichtigt werden. Die Projektion hat mehrere Kom-
ponenten, die nachfolgend überblicksartig erläutert werden.
Projektion des Behandlungsbedarfs
Zur Projektion des Behandlungsbedarfes werden Bevölkerungsdaten des Statistischen Landesamtes
des Freistaates Sachsen
(www.statistik.sachsen.de)
verwendet. Die Bevölkerungsvorausberechnung
für den Freistaat Sachsen erlaubt es, Rückschlüsse auf die zu erwartende Bevölkerungszahl und
Struktur bis hin zum Jahr 2030 zu ziehen [6. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung]. Um
den gesamten Projektionshorizont bis 2035 bedienen zu können, wurden die Bevölkerungszahlen für
2031 bis 2035 durch Interpolation geschätzt. Für Sachsen wird auf Basis der Bevölkerungsvorausbe-
rechnung ein Bevölkerungsrückgang bei gleichzeitiger Zunahme des relativen Anteils der Bevölke-
rung im Alter ab 65 Jahren prognostiziert (Abbildung 1).
Abbildung 1: Bevölkerungsvorausberechnung bis 2035
Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der 6. Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung für den Freistaat
Sachsen.
Eine Bedarfsprojektion erfordert neben einer Berücksichtigung der Bevölkerungszahl ebenfalls eine
Berücksichtigung der alters- und geschlechtsspezifischen Leistungsbeanspruchung, da sich der fach-
gruppenspezifische Behandlungsbedarf insbesondere zwischen den Altersgruppen stark unterschei-
det. Die zentrale Datenbasis hierfür bildeten die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten zur alters-
gruppenspezifischen Inanspruchnahme (mittlerer Behandlungsbedarf je Altersgruppe nach Fach-
gruppen) sowie das Zi-Praxis-Panel (ZiPP), in dem neben wirtschaftlichen Daten der Praxen auch

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ärztliche Arbeitszeiten erhoben werden
(
www
.zi-pp.de),
so dass die Berechnung der mittleren Arzt-
arbeitszeit je Fall möglich ist. Die Zusammenführung der Erhebungsdaten der am ZiPP teilnehmen-
den Praxen mit den vertragsärztlichen Abrechnungsdaten ermöglicht eine Berechnung der fach-
gruppenspezifischen Bedarfe für Arztzeiten je GKV-Abrechnungsfall. Führt man diese Daten mit der
Altersstruktur der Versicherten zusammen, ergibt sich im Allgemeinen, dass die Beanspruchung der
Vertragsärzte pro Fall mit dem demografischen Alter der Patienten steigt (Schulz et al. 2016). Dies
gilt insbesondere für die großen Fachgruppen der Hausärzte, der Augenärzte, der Internisten und
der Urologen. Das Zi hat mit dem relativen Beanspruchungsindex (rBIX) eine einfache Maßzahl ent-
wickelt, in der die demografisch- und morbiditätsgewichtete Entwicklung des medizinischen Behand-
lungsbedarfs approximiert werden kann (Schulz et al. 2016). Für den Freistaat Sachsen ergibt sich
auf Basis des rBIX entsprechend ein nahezu gleichbleibend hoher medizinischer Behandlungsbedarf
(Abbildung 2).
Abbildung 2: Entwicklung des Leistungsbedarfes
Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der 6. Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung für den Freistaat
Sachsen.
Projektion der Zahl und Behandlungsleistung der Ärzte
Die Anzahl der in Zukunft für die medizinische Versorgung zur Verfügung stehenden ärztlichen Per-
sonen, wird durch die Altersstruktur der heutigen Ärzte bestimmt und lässt sich mittels begründeter
Annahmen gut prognostizieren. Hierzu zählen neben der Anzahl der Ärzte nach Altersgruppen die
erwartete Ruhestandsquote älterer Vertragsärzte und die Berentungsquote der angestellten Ärzte.
Die Anzahl der verfügbaren Ärzte ist für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung die zentra-
le, aber nicht die einzige relevante Größe. So müssen zusätzlich relevante Veränderungen in der Art
und im Ausmaß der Berufsausübung der Ärzte berücksichtigt werden.

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Abbildung 3: Behandlungsleistung angestellter und selbständiger Ärzte (Arbeitszeitbetrachtung,
Mittelwerte aus ZiPP 2016)
Quelle:
Eigene Berechnungen des Zi, vgl. auch Zi (2018).
Durch den Trend zur Anstellung, zur Teilzeittätigkeit und zur Teilniederlassung sind Auswirkungen
auf die mittlere Behandlungsleistung (Produktivität) je Arzt in der Patientenversorgung zu erwarten.
Nach den Daten des ZiPP arbeiten angestellte Ärzte im bundesweiten Durchschnitt etwa 50 % der
Zeit von Selbständigen. Auch bei vollem Versorgungsumfang besteht eine erhebliche Zeitdifferenz:
hier stehen selbständige Ärzte der Patientenversorgung im Schnitt rund 40 % mehr zur Verfügung als
angestellte Ärzte (Czihal, von Stillfried 2016). Diese Entwicklungen sind relevant für die zukünftige
Leistungsfähigkeit des Versorgungssystems, da sich die Anstellungs- und Teilzeitquote direkt min-
dernd auf das Angebot medizinischer Versorgung auswirken. Eine Zunahme der Teilzeittätigkeit ist
auch im stationären Sektor zu beobachten. Elternzeiten und veränderte Arbeitszeitregelungen tra-
gen auch dort zu einer geringeren Behandlungsleistung pro Kopf bei.
Vereinfachend und unseres Erachtens konservativ gehen wir darum davon aus, dass sich die Versor-
gungskapazität pro Mediziner im stationären Sektor entsprechend der im ambulanten Sektor entwi-
ckelt. Für beide Sektoren wird aufgrund der Entwicklungen der zuvor genannten Strukturmerkmale
der jüngeren Vergangenheit mit einer zukünftigen weiteren Verringerung der Behandlungsleistung
ausgegangen (siehe Annahmen).
Projektion der Zahl der notwendigen Ärzte in der Versorgung
Durch eine Zusammenführung des medizinischen Bedarfs mit der Zahl und der Behandlungsleistung
der Ärzte ergibt sich ein Leistungsniveau. Wir haben hierzu das Jahr 2018 als Ausgangsjahr verwen-
det und gehen nachfolgend davon aus, dass die aktuelle Leistungsfähigkeit des medizinischen Ver-
sorgungssystems im Freistaat Sachsen im Jahr 2018, ausgedrückt durch die Versorgungskapazität der
ambulant und stationär tätigen Mediziner zzgl. einer 10-prozentigen Aufstockung zur Abbildung der
Bedarfe des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) und des Öffentlichen Gesundheits-
dienstes (ÖGD) erhalten werden soll.

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Der kumulierte Bedarf für die Ausbildung von Humanmedizinern entspricht der Differenz zwischen
der im Projektionsjahr notwendigen und der vorhandenen Zahl von Ärzten zur Sicherstellung dieses
Leistungsniveaus unter Berücksichtigung des Wandels der Behandlungsleistung von Medizinern für
die Versorgung. Veränderungen im Angebot von Studienplätzen machen sich grundsätzlich erst mit
großer Verzögerung in der medizinischen Versorgung bemerkbar (van den Bussche et al. 2018). So
beträgt die mittlere Dauer des Medizinstudiums etwa sieben Jahre und die Dauer der fachärztlichen
Weiterbildung ca. weitere acht Jahre. Zu berücksichtigen ist, dass sich die mittlere Dauer der Wei-
terbildung durch den steigenden Frauenanteil, durch Kindererziehungszeiten und durch Teilzeittä-
tigkeit deutliche verlängert (van den Bussche et al. 2018). Insgesamt steht also voraussichtlich eine
zeitliche Differenz von 15 Jahren zwischen der Aufnahme eines Studiums der Humanmedizin und der
Befähigung zur Ausübung einer ärztlichen Tätigkeit.
Annahmen
In die Projektion gehen folgende Annahmen ein:
Die demografische Entwicklung folgt der 6. Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung
für den Freistaat Sachsen bis 2030 (interpoliert bis 2035).
Der altersgruppenspezifische Leistungsbedarf im Hinblick auf die benötigte Arztzeit bleibt
konstant und variiert nur mit der Bevölkerungszahl in den Altersgruppen.
Die Teilzeitquote und der Anteil von angestellten Ärzten steigen weiter moderat an. Dies
führt bis zum Jahr 2035 zu einer weiteren Reduktion der Behandlungsleistung pro Kopf von
88 % im Jahr 2019 auf dann 80 % gegenüber einem niedergelassenen Vertragsarzt mit vol-
lem Versorgungsumfang.
Studienanfänger der Medizin stehen zu einem Anteil von 75 % für medizinische Tätigkeiten
in ihrem Bundesland zur Verfügung.
Die Ruhestandsquote niedergelassener Vertragsärzte beträgt 40 % der 65-Jährigen.
Die abweichende Altersstruktur zwischen Vertragsärzten und Krankenhausärzten wird be-
rücksichtigt und führt aufgrund der jüngeren Altersstruktur zu einer geringeren Berentungs-
zahl im stationären Bereich.
3
Ergebnisse
3.1
Überblick
Insgesamt ergibt sich auf Basis der geschilderten Annahmen ein langfristiger Rückgang in der Be-
darfsdeckung im ambulanten und später auch stationären Bereich, sofern die Lücke zwischen Absol-
venten und notwendiger Behandlungskapazität nicht langfristig durch Zuwanderung kompensiert
werden kann. Wir sehen diesbezüglich für den Freistaat Sachsen die Herausforderung, dass sich auch
andere, wirtschaftlich leistungsfähigere Bundesländer in Zukunft ähnlichen Herausforderungen wie
der Freistaat Sachsen gegenübersehen und so sich die Wettbewerbssituation ggf. verstärken wird. Es
ist also zu befürchten, dass die Möglichkeiten zur Kompensation einer fehlenden Ausbildungskapazi-
tät durch Zuwanderung und Anwerbung von Medizinern in Zukunft abnehmen werden.

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Abbildung 4: Projektion zur Deckung des ambulanten Leistungsbedarfs durch die aktuelle Ausbil-
dungskapazität und Zuwanderung von Ärzten im Freistaat Sachsen bis 2035
Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der 6. Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung für den Freistaat
Sachsen, Datenlieferung der KV Sachsen vom 02.04.2019, Bundesärztekammer (2019) Ärztestatistik zum
31.12.2018.
3.2
Daten
Nachfolgend sind die Datengrundlagen und Annahmen der vorgelegten Projektion zum zukünftigen
Bedarf für Absolventen der Humanmedizin tabellarisch dargelegt.
Unter den Projektionsannahmen liegt der Studienplatzbedarf für den Freistaat Sachsen im Jahre
2035 im Vergleich zum heutigen Angebot bei 307 zusätzlichen Plätzen (siehe Zeile 42 in Tabelle 1).
Bei dieser Berechnung besteht allerdings im Hinblick auf den Anteil der Studienanfänger, die das
Studium und Weiterbildung beenden und in Sachsen für die medizinische Versorgung verbleiben
(Zeile 23 in Tabelle 1), große Unsicherheit. Wir haben in der Tabelle ein mittleres Szenario dieser
Annahme gewählt (d. h. 75 % der Studienanfänger sind in Sachsen in der medizinischen Versorgung
tätig) und dokumentiert. Die Annahme setzt sich aus mehreren Teilannahmen zusammen, die nach-
folgend aufgeführt sind:
1. Die Abbruchquote im Fach Humanmedizin beträgt rund 8 % (Heublein U et al. 2014).
2. Etwa 3 % der Studienanfänger gehen ins Ausland (gerundeter Mittelwert aus Angaben zum
Arbeitsort (Jacob R et al. 2015) und Anteil ins Ausland abgewanderte Ärzte lt. Ärztestatistik
[Bundesärztekammer]).
3. 15 % wandern ab in andere Bundesländer (in Anlehnung an Angaben zum Arbeitsort [Jacob
R et al. 2015])
4. Rund 2 % ohne/abgebrochene Facharztausbildung (van den Bussche et al. 2018)
Alle Teilannahmen zusammen betrachtet ergeben einen Anteil von 75 %.

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Variiert man den entsprechenden Anteil zwischen einem denkbaren Wertebereich von 65 % bis 85 %
ergibt sich für die Projektion des Studienplatzbedarfs im Jahr 2035 eine Spanne von 205 und 441
notwendigen Plätzen (Variation nicht dargestellt).

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Tabelle 1: Datengrundlagen, Annahmen und Ergebnisse der Projektion für den Bedarf an Absolventen der Humanmedizin
im Freistaat Sachsen bis zum Jahr 2035
Zeile
Merkmal
2019
2020
2025
2030
2035
Berechnungsformel
1
Bevölkerung
2
insgesamt
4.086
4.115
4.139
4.086
4.022
3
0-19 Jahre
661
677
713
725
726
4
20-59 Jahre
2.099
2.097
2.036
1.916
1.823
5
60+ Jahre
1.327
1.341
1.390
1.444
1.474
6
Bedarfsprojektion
7
rBIX (relativer Leistungsbedarf durch demogra-
fischen Wandel im Verhältnis zum Jahr 2018)
100,0 %
100,8 %
100,6 %
99,9 %
100,6 %
rBIX= Summe über alle Altersgruppen (relativer
Bedarf an Arztzeiten pro Patient* prognostizierte
Bevölkerungszahl) / Wert des Jahres 2018
8
Vertragsärztliche Versorgung
9
Verbleibende Niedergelassene (Köpfe) ohne
Nachbesetzung
6.469
6.232
4.952
3.560
2.272
Z9(Vorjahr)-Z13(Vorjahr)
10
zusätzlich im Alter 65+
133
219
280
238
212
11
aktuell im Alter 65+ inkl. neu im Ruhestand
440
422
491
436
363
Z10+Z12(Vorjahr)
12
verbleibend im Alter 65+ abzgl. Ruhestand
203
192
213
178
137
Z11-Z13
13
abgehende Niedergelassene in Ruhestand
237
229
278
259
226
Z11*Z24
14
im Alter 65+ abgehende Niedergelassene in Ru-
hestand (kumulativ)
591
821
2.149
3.521
4.777
Z13+Z14(Vorjahr)
15
Anteil aktuell im Alter 65+ inkl. neu im Ruhe-
stand
7 %
7 %
10 %
12 %
16 %
Z11/Z9
16
Krankenhausversorgung
17
Ärzte
9.688
9.594
9.033
8.113
7.152
Z17(Vorjahr)-Z18(Vorjahr)
18
Abgehende Krankenhausärzte in Ruhestand
94
94
184
184
224
Quellen:
Zeile 2: Stat. Landesamt Freistaat Sachsen (2016). 6. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung für den Freistaat Sachsen 2015 bis 2030. Linear Extrapoliert auf Ebene der Altersgruppen für Jahre ohne Werte. Zeile 7:
Neue Berechnung für Daten der Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen. Ursprüngliche Quelle: Schulz M, Czihal T, Bätzing-Feigenbaum J, von Stillfried D. (2016): Zukünftige relative Beanspruchung von Vertrags-
ärzten – Eine Projektion nach Fachgruppen für den Zeitraum 2020 bis 2035. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 16/02. Berlin. Vgl. auch Tabelle 2. Zeile 9:
Anzahl Basisjahr: Mitteilung der KV Sachsen vom 02.04.2019. Zeile 10: Anzahl neuer 65-Jähriger pro Jahr: Mitteilung der KV Sachsen vom 02.04.2019. Zeile 17: Anzahl Basisjahr: Ärztestatistik zum 31.12.2018 der Bundes-
ärztekammer. Zeile 18: Mitteilung Sächsische Landesärztekammer vom 15.04.2019 zur Altersstruktur der Ärzte im Krankenhaus zum 31.12.2018. Basis für Abschätzung neuer 65-jähriger pro Jahr unter Ärzten im Bereich
der Krankenhäuser.

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Zeile
Merkmal
2019
2020
2025
2030
2035
Berechnungsformel
19
Randbedingungen
20
Anteil angestellte Ärzte (dynamisch, Annahme
3 % Anstieg pro Jahr)
23 %
24 %
28 %
32 %
37 %
Z20(Vorjahr)*1,03
21
Relative Behandlungsleistung von Angestellten
gegenüber Vertragsärzten
47 %
47 %
47 %
47 %
47 %
23[h/Woche]/49[h/Woche]
22
Vollbeschäftigungsäquivalente pro Kopf (dyna-
misch, Annahme)
88 %
87 %
85 %
83 %
80 %
Z20*Z21+(1-Z20)*1
23
Anteil Studienanfänger, die das Studium und
Weiterbildung beenden und in Sachsen bleiben
75 %
75 %
75 %
75 %
75 %
92%[bestehen] *97%[davon nicht ins Ausland]
*85%[davon bleiben in Sachsen] *98%[davon schlie-
ßen Weiterbildung erfolgreich ab]
24
Ruhestandsquote Vertragsärzte 65+
54 %
54 %
57 %
59 %
62 %
Z20*1+((1-Z20)*0,4)
25
Nachrichtlich:
Verhältnis KV vs. Krankenhaus
bezogen auf Ruhestands. bzw. Berentungsquote
378 %
375 %
276 %
320 %
318 %
(Z13/Z9)/(Z18/Z17)
26
Nettozuwanderungssaldo von Ärzten (sinkt wg.
steigender Konkurrenz)
71
64
38
22
14
Z26(Vorjahr)*0,9
27
Projektion: Vertragsärztliche Versorgung
28
Benötigte Versorgungskapazität in Vollbeschäf-
tigungsäquivalenten
6.007
6.057
6.040
5.997
6.039
Basisjahr=Z9*Z22; Folgejahre=Basisjahr*Z7
29
Benötigte Versorgungskapazität in Personen
6.853
6.938
7.084
7.233
7.530
Z28/Z22
30
Nachbesetzungsbedarf zum Erhalt der Versor-
gungskapazität 2018 in Personen
384
323
332
290
300
Z29-Z29(Vorjahr)+Z13
31
Nachbesetzungsbedarf in Studienplätzen
512
430
443
387
400
Z30/Z23
32
Gesamtnachbesetzungsbedarf in Personen
(kumuliert)
738
1.061
2.486
4.026
5.612
Z32(Vorjahr)+Z30
33
Projektion: Krankenhausversorgung
34
Benötigte Versorgungskapazität in Vollbeschäf-
tigungsäquivalenten
8.593
8.663
8.639
8.578
8.638
Basisjahr=Z17*Z22; Folgejahre=Basisjahr*Z7
35
Benötigte Versorgungskapazität in Personen
9.802
9.924
10.132
10.345
10.770
Z34/Z22
36
Nachbesetzungsbedarf zum Erhalt der Versor-
gungskapazität 2018 in Personen
114
216
243
195
291
Z35-Z35(Vorjahr)+Z18
37
Nachbesetzungsbedarf in Studienplätzen
152
288
324
259
388
Z36/Z23
38
Gesamtnachbesetzungsbedarf in Personen
(kumuliert)
185
401
1.170
2.303
3.689
Z38(Vorjahr)+Z36
Quellen:
Zeile 20: In Anlehnung an Zeitreihe 2014 bis 2017 der KBV-Gesundheitsdaten (Quelle: Bundesarztregister) zum Anteil Angestellter ambulanter Ärzte. Zeile 21: Verhältnis Wochenarbeitszeit in Stunden Angestellte und
Niedergelassene gemäß Zi-Praxis-Panel 2017; siehe auch Czihal T, Stillfried von D (2016): Konsequenzen der Flexibilisierung des Zulassungsrechts auf die Produktivität in der vertragsärztlichen Versorgung. In: Gesundheit
und Sozialpolitik 2016;6:27-31. Zeile 23: Annahme: Schrittweiser Abzug von 100 % Studienanfängern: 8 % Abbrecher, 2 % Abwanderung Ausland, 12 % Abwanderung andere Bundesländer, 5 % schließen keine Facharzt-
weiterbildung ab. Zeile 24: Angenommene Ruhestandsquote im Alter 65+ bei Angestellten: 100 %, bei Niedergelassenen: 40 %. Zeile 26: Reduzierung der Nettozuwanderung auf 90 % des Vorjahres; Nettozuwanderung
im Basisjahr 2018 = 79 gemäß Statistik der Sächsischen Ärztekammer zur Zu- und Abwanderung von Kammermitglieder unter Berücksichtigung voraussichtlicher Zugänge durch sächsischer Absolventen. Zeile 28: Basisjahr
ist 2018. Zeile 34: Basisjahr ist 2018.

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Zeile
Merkmal
2019
2020
2025
2030
2035
Berechnungsformel
39
Projektion: Gesamt
40
Bedarf Gesamt Studienplätze (inkl. 10 % Auf-
schlag für MDK/ÖGD/sonstiges)
731
790
843
711
867
(Z31+Z37)*1,1
41
Ausbildungskapazität in der aktuellen Zielvor-
gabe (Anzahl Studienplätze Medizin)
560
560
560
560
560
42
Fehlende Studienplätze
171
230
283
151
307
Z40-Z41
43
Bedarfsdeckung durch aktuelle Absolventen
77 %
71 %
66 %
79 %
65 %
Z41/Z40
44
Bedarfsdeckung durch aktuelle Absolventen +
Zuwanderung
86 %
79 %
71 %
82 %
66 %
(Z41+Z26)/Z40
45
Zuwachs Vertragsärzte durch Ausbildung
162
162
162
162
162
Z41*Z23*0,386
46
Zuwachs Vertragsärzte durch Ausbildung (ku-
muliert)
324
486
1.297
2.108
2.918
Z46(Vorjahr)+Z45
47
Projektion vertragsärztlicher Versorgungsgrad
im Verhältnis zu 2018
97 %
94 %
86 %
76 %
67 %
(Z9+Z46(Vorjahr))/Z29
48
Zuwachs Vertragsärzte durch Ausbildung + Zu-
wanderung
190
187
177
171
167
Z45+Z26*0,386
49
Zuwachs Vertragsärzte durch Ausbildung + Zu-
wanderung (kumuliert)
382
569
1.471
2.335
3.178
Z49(Vorjahr)+Z48
50
Projektion vertragsärztlicher Versorgungsgrad
im Verhältnis zu 2018 + Zuwanderung
97 %
95 %
88 %
79 %
70 %
(Z9+Z49(Vorjahr))/Z29
Quellen:
Zeile 40: Mitteilung der KV Sachsen vom 01.04.2019 zum Anteil Ärzte, die nicht ambulant oder stationär, sondern woanders tätig werden. Zeile 41: Mitteilung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Ver-
braucherschutz (SMS) vom 08.04.2019. Zeile 45: 38,6 % entsprechen dem Anteil berufstätiger Ärzte im ambulanten Bereich in Sachsen gemäß Ärztestatistik zum 31.12.2018 der Bundesärztekammer. Zeile 48: 38,6 %
entsprechen dem Anteil berufstätiger Ärzte im ambulanten Bereich in Sachsen gemäß Ärztestatistik zum 31.12.2018 der Bundesärztekammer.

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Tabelle 2: Berechnungsgrundlagen für den rBIX (relativer Leistungsbedarf durch demografischen Wandel im Verhältnis zum Jahr 2018)
2019
2020
2025
2030
2035
Relativer
Bedarf für Arztbehandlungszeit
in der jeweiligen Altersgruppe
Altersgruppe
00 bis unter 10 Jahre
360
370
363
346
352
78 %
10 bis unter 20 Jahre
329
339
358
375
401
49 %
20 bis unter 30 Jahre
417
410
393
381
361
59 %
30 bis unter 40 Jahre
514
538
490
438
428
71 %
40 bis unter 50 Jahre
517
504
524
538
539
75 %
50 bis unter 60 Jahre
596
601
527
483
432
97 %
60 bis unter 70 Jahre
554
572
589
589
622
132 %
70 bis unter 80 Jahre
486
460
476
499
481
171 %
80 und mehr Jahre
329
349
370
377
416
168 %
Insgesamt (in Tsd.)
4102
4143
4090
4027
4032
rBIX
100,0 %
100,8 %
100,6 %
99,9 %
100,6 %
Quellen:
Stat. Landesamt Freistaat Sachsen (2016). 6. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung für den Freistaat Sachsen 2015 bis 2030. Linear Extrapoliert auf Ebene der Altersgruppen für Jahre ohne Werte. Zeile 7: Neue
Berechnung für Daten der Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen. Ursprüngliche Quelle: Schulz M, Czihal T, Bätzing-Feigenbaum J, von Stillfried D. (2016): Zukünftige relative Beanspruchung von Vertragsärzten
– Eine Projektion nach Fachgruppen für den Zeitraum 2020 bis 2035

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Fazit
Die Möglichkeiten zur Aufrechterhaltung des heutigen Versorgungsniveaus im Freistaat Sachsen
hängen heute und auch in den nächsten 15 Jahren maßgeblich davon ab, ob es gelingt, ausgebildete
Ärzte davon zu überzeugen, eine Tätigkeit in Sachsen aufzunehmen. Jedes Jahr fehlen in Sachsen
zukünftig – je nach Annahme zum Verbleib der Studienanfänger – zwischen 235 und 480 Studien-
plätze (mittlere) der Humanmedizin. Zudem müssen sich danach auch neun von zehn dieser erfolg-
reichen Absolventen zu einer Tätigkeit in der medizinischen Versorgung und gegen Tätigkeiten in der
Industrie, Forschung oder anderen Bereichen entscheiden. Der Freistaat Sachsen ist also, unabhän-
gig davon, welche Entscheidungen heute für die langfristige Ausgestaltung der Humanmedizin im
Freistaat Sachsen getroffen werden, kurz- und mittelfristig auf einen erheblichen Nettozuzug ausge-
bildeter Mediziner angewiesen.
Heutige Entscheidungen zur Erhöhung der Ausbildungskapazität im Fach Humanmedizin werden sich
erst im Jahr 2035 in der Versorgung auswirken können. So dauert es im Durchschnitt etwa 15 Jahre,
bis die Studienanfänger des Jahres 2020 bereit sein werden, ärztlich tätig zu sein. Gleichzeitig wer-
den auch andere Bundesländer verstärkt nach ausgebildete Ärzten suchen, da auch dort der Nach-
besetzungsbedarf nicht durch die Kapazitäten gedeckt ist (vgl. Dt. Ärzteblatt, 25.10.2018, „KV Baden-
Württemberg begrüßt Pläne für 150 zusätzliche Medizinstudienplätze“). Es dürfte darum für den
Freistaat Sachsen nicht einfach werden, das heutige positive Wanderungssaldo und die bisherige
Rate sächsischer Absolventen, die in sächsischen Krankenhäusern arbeiten bzw. sich in Sachsen nie-
derlassen, aufrechtzuerhalten. Die durchgeführte Projektion zeigt, dass der vertragsärztliche Versor-
gungsgrad bis zum Jahr 2035 ohne weitere Zuwanderung bzw. ohne zusätzliche Studienplätze auf
82 % des heutigen Niveaus (Referenzjahr: 2018) sinken würde. Sofern es weiterhin gelingt, die heu-
tige Nettozuwanderung von Ärzten nach Sachsen aufrechtzuerhalten, würde dieser Wert bis 2035
ohne zusätzliche Studienplätze auf 93 % des heutigen Niveaus sinken.
Weitere Risiken erwachsen daraus, dass eine im Zuge eines verschlechterten Versorgungsgrades
erwachsende Dynamik dazu führen könnte, dass auch bereits Niedergelassene, aufgrund einer wei-
ter steigenden Arbeitsbelastung und problematischen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, der am-
bulanten Versorgung verloren gehen oder ihren Tätigkeitsumfang und ihre Belastung reduzieren,
indem sie z. B. in ein Anstellungsverhältnis wechseln.
Zusammengenommen machen all diese Entwicklungen aus heutiger Sicht eine substantielle politi-
sche Intervention zur Steigerung der Ausbildungskapazität im Bereich der Humanmedizin notwendig,
sofern das heutige Niveau der medizinischen Versorgung der Bevölkerung auch nur annähernd ge-
halten werden soll. Im Jahr 2035 werden etwa 342 Zugänge (neue Zulassungen) zur medizinischen
Versorgung in Sachsen fehlen.
Der vorliegenden Projektion liegen Annahmen zugrunde, die erwartungsgemäß einen Einfluss auf
das Projektionsergebnis ausüben. So hängt das Ergebnis der Projektion im Wesentlichen von der
verwendeten Bevölkerungsprognose ab. Änderungen in den prognostizierten Bevölkerungszahlen
beeinflussen auch die Projektion der benötigten Studienplätze. Da Aussagen zur zukünftigen Ent-
wicklung struktureller Einflussgrößen insgesamt mit Unsicherheiten behaftet sind, wurde in der vor-
liegenden Projektion auf eine Berücksichtigung des medizinischen Fortschritts bei der Bedarfsschät-
zung verzichtet. Aus unserer Sicht ist zwar infolge eines Anstiegs in der computerunterstützten Diag-
nostik eine entlastende Wirkung des medizinischen Fortschritts auf die Bedarfsschätzung möglich,
diese lässt sich in ihren Folgen aber nicht gegenüber bedarfssteigernden Faktoren (bspw. steigende

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Bedarfe zur Entwicklung von medizinischer Technologien, zunehmende Bedarfe für die Interpretati-
on neuer diagnostischer Ergebnisse), abschließend bewerten. So ist auch zukünftig eine Bedarfsstei-
gerung durch den medizinischen Fortschritt denkbar und die hier vorgenommene Projektion in ei-
nem solchen Szenario sogar konservativ.
Abschließend möchten wir darauf hinweisen, dass die vorgestellte Projektion nur einen möglichen
Ansatz zur Abschätzung des zukünftigen Bedarfs an Studienplätzen für Humanmedizin darstellt, die
sich auf die aktuell verfügbaren Rahmenbedingungen stützt und diese im Sinne einer ceteris-
paribus-Projektion fortschreibt. Dies bedeutet, dass jegliche, von den hier getroffenen Annahmen
abweichende Entwicklung ein abweichendes Projektionsergebnis ergeben kann.

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Literatur
BBSR (2015). Die Raumordnungsprognose 2035 nach dem Zensus. Bundesinstitut für Bau-, Stadt-
und Raumforschung, Berlin.
Destatis (2017). Bevölkerungsentwicklung bis 2060. Ergebnisse der 13. koordinierten Bevölkerungs-
vorausberechnung. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden. Erschienen am 27. März 2017.
Czihal T, von Stillfried D: Konsequenzen der Flexibilisierung des Zulassungsrechts auf die Produktivi-
tät in der vertragsärztlichen Versorgung. Gesundheits- und Sozialpolitik, Ausgabe 6/2016: 27–31.
ISSN 1611-5821.
Schulz M, Czihal T, Bätzing-Feigenbaum J, von Stillfried D (2016). Zukünftige relative Beanspruchung
von Vertragsärzten – Eine Projektion nach Fachgruppen für den Zeitraum 2020 bis 2035. Zentralinsti-
tut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 16/02. Berlin
DOI: 10.20364/VA-16.02
van den Bussche, H, Niehls, S, Boczor, S, Siegert, S, Kocalevent, R-D, Scherer, M (2018). Was wissen
wir über die reale Dauer der ärztlichen Weiterbildung in Deutschland? Dt. Med. Wochenschr. 143. S.
e152-e158.
Zi (2018). Zi-Praxis-Panel Jahresbericht 2016 - Wirtschaftliche Situation und Rahmenbedingungen in
der vertragsärztlichen Versorgung der Jahre 2012 bis 2015.
Statistisches Landesamt Freistaat Sachsen (2016). 6. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung
für den Freistaat Sachsen bis 2030, Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen 2017,
https://www.statistik.sachsen.de/html/40866.htm
(letzter Zugriff am 15.04.2019)
Heublein U, Richter J, Schmelzer R, Sommer D. Die Entwicklung der Studienabbruchquoten an den
deutschen Hochschulen. Statistische Berechnungen auf der Basis des Absolventenjahrgangs 2012. In:
Forum Hochschule 2014,4.
Bundesärztekammer. Ärztestatistik zum 31. Dezember 2018.
https://www.bundesaerztekammer.de/ueber-uns/aerztestatistik/aerztestatistik-2018/
(letzter Zu-
griff am 16.04.2019)
Jacob R, Kopp J, Schultz S. Berufsmonitoring Medizinstudenten 2014. Ergebnisse einer bundesweiten
Befragung. Herausgeber: Kassenärztliche Bundesvereinigung, 2015

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Tabellenverzeichnis
TABELLE 1: DATENGRUNDLAGEN, ANNAHMEN UND ERGEBNISSE DER PROJEKTION FÜR DEN BEDARF AN ABSOLVENTEN
DER HUMANMEDIZIN IM FREISTAAT SACHSEN BIS ZUM JAHR 2035 ......................................... 11
TABELLE 2: BERECHNUNGSGRUNDLAGEN FÜR DEN RBIX (RELATIVER LEISTUNGSBEDARF DURCH DEMOGRAFISCHEN
WANDEL IM VERHÄLTNIS ZUM JAHR 2018) ......................................................................... 14
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1: BEVÖLKERUNGSVORAUSBERECHNUNG BIS 2035 ......................................................................... 5
ABBILDUNG 2: ENTWICKLUNG DES LEISTUNGSBEDARFES ................................................................................... 6
ABBILDUNG 3: BEHANDLUNGSLEISTUNG ANGESTELLTER UND SELBSTÄNDIGER ÄRZTE (ARBEITSZEITBETRACHTUNG,
MITTELWERTE AUS ZIPP 2016)........................................................................................... 7
ABBILDUNG 4: PROJEKTION ZUR DECKUNG DES AMBULANTEN LEISTUNGSBEDARFS DURCH DIE AKTUELLE
AUSBILDUNGSKAPAZITÄT UND ZUWANDERUNG VON ÄRZTEN IM FREISTAAT SACHSEN BIS 2035 ..... 9