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PRAXISPOOL
GANZTAGSANGEBOTE
Praxisbeispiel Qualitätsmerkmal
»Individuelle Förderung«
Impulse und Anregungen zur Umsetzung
des Qualitätsrahmens Ganztagsangebote
Die Förder-Punkt-Stunden in der Grundschule
»Friedrich Schiller« in Radebeul

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Die Grundschule »Friedrich Schiller“ ist eine dreizügige Grundschule im Zentrum von Radebeul.
Zweimal in der Woche nimmt jedes Kind der Schule verbindlich am Förderband, den so genannten
Förder-Punkt-Stunden, teil. Am Dienstag sind alle vier Klassenstufen involviert, am Donnerstag
nur eine Klassenstufe und am Freitag die drei weiteren. Im Stundenplan sind somit beide Förder-
stunden innerhalb der Förder-Punkt-Stunden verankert. Es wird im Sinne der Leistungsfähigkeit im
Tages- und Wochenverlauf darauf geachtet, dass die Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 und
2 frühere Stunden belegen, als die älteren Jahrgänge.
Mit Förder-Punkt-Stunden
der Heterogenität Rechnung tragen
FÖRDERUNG
An den
Förder-Punkt-Stunden
ist das gesamte Kollegium beteiligt. Ideen zur Weiterentwicklung,
auch aus der Elternschaft, werden in die Fachkonferenz eingebracht, da diskutiert und in der Praxis
erprobt. Alle Neuerungen werden regelmäßig zum Schuljahresende mithilfe von Befragungen bei
Lehrkräften, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern evaluiert und den aktuellen Erfordernissen
angepasst. Das Projekt, welches von den Eltern mitgetragen wird und einen engen Bezug zum
Schulprogramm aufweist, wurde bereits in der Schulkonferenz vorgestellt. Die Verzahnung und
Koordination erfolgt durch die Steuergruppe, bestehend aus Schulleitung und den GTA-Koordi-
natorinnen. Es gibt zwei GTA-Koordinatorinnen, die sich mit jeweils einer Anrechnungsstunde pro
Woche die Aufgaben teilen.
Die Grundschule »Friedrich Schiller« in Radebeul
An einer großen Säule im Foyer gibt es eine Übersicht aller Angebote im Rahmen des Förderbandes.
ÜBERBLICK
Schule:
Grundschule »Friedrich Schiller« Radebeul
Schulträger:
Stadt Radebeul,
Landkreis Meißen
Schulleitung:
Frau Sabine Kranz
GTA-Koordination:
Frau Heike Stradtmann
Frau Sibylle Richter
Ganztagsschulform:
voll gebunden
Schülerzahl:
275 Schüler/-innen (dreizügig)
davon 30 Kinder mit Migrations-
hintergrund inkl. 25 DAZ-Kinder,
12 Integrationskinder
Personal:
20 Lehrkräfte
3 Referendar/-innen
1 FSJ
20
Angebotsleiter/-innen
über GTA-Mittel
Referenzen:
Schulpreis 2018
KONTAKT
Anschrift:
Hauptstraße 10
01445 Radebeul
Telefon:
0351 8302845
E-Mail:
sek-gsfs@schulen.sv-
radebeul.de
Homepage:
www.sachsen.schule/~gs_fs/

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Die
Angebotsplanung
(strukturell und inhaltlich) erfolgt zuerst aus Sicht des Kollegiums, je nach-
dem, welche Stärken und Ressourcen innerhalb des Teams vorhanden sind und welche Angebote
daraus resultieren können. Bei der Umsetzung der Förder-Punkt-Stunden sind neben den Lehrkräf-
ten (im Rahmen der zwei Förderstunden pro Klasse) zusätzlich drei Angebotsleiterinnen und –leiter
über GTA-Mittel, eine FSJ-lerin und eine Inklusionsassistentin beteiligt.
Pro Klassenstufe stehen jedes Schuljahr sechs bis acht
Angebote
im gesamten Spektrum von For-
dern bis Fördern zur Verfügung, um die individuellen Bedürfnisse der Kinder aufzugreifen (siehe
Angebotsübersicht). Die Angebote knüpfen am Ist-Stand und den Lernvoraussetzungen der Schü-
lerinnen und Schüler an, berücksichtigen die Lebenswelt des Kindes, machen Lernen attraktiver
und sollen sowohl leistungsschwächere als auch leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler an-
sprechen und deren Entwicklungspotentiale freisetzen. Die Inhalte können mit den Lehrplanzielen
übereinstimmen oder unter förderschwerpunktspezifischer Zielsetzung erfolgen. Die Methoden-
kompetenzen und Lernstrategien in Deutsch und Mathematik spielen vor allem bei der Vorberei-
tung auf weiterführende Schulen und auch in den Fördergruppen für die leistungsschwächeren
Schülerinnen und Schüler eine bedeutende Rolle, da Unterrichtsmethoden weiter gefestigt werden
können. Neben der Förderung in Deutsch und Mathematik wird Wert auf den Ausbau des musisch-
künstlerischen Bereichs und die Konzentrationsförderung gelegt. Je nach Lernfortschritt können
die Angebote gewechselt werden. Die Überprüfung und Reflexion erfolgt halbjährlich. Die Ange-
bote Schach und Englisch werden hingegen immer für ein ganzes Schuljahr besucht. Die Angebote
werden, abhängig vom Inhalt, für eine
Gruppen
größe von acht bis zwölf Kinder konzipiert und
ausgeschrieben. Die Gruppen werden klassenübergreifend, aber nicht jahrgangsübergreifend gebil-
det. Das Angebot wird den Eltern im ersten Elternabend des Schuljahres vorgestellt. Bei der Zusam-
menstellung der Fördergruppen kommt den Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern eine zentrale
Bedeutung zu. Sie kennen die Schülerinnen und Schüler bezüglich ihrer Lernleistungen am besten
und stehen mit den Eltern, z.B. im Rahmen der Elterngespräche, in Kontakt. Zusätzlich wird bei
den Erstklässlerinnen und Erstklässlern
die Diagnostik der Schulaufnahme-
untersuchung herangezogen. In den
weiteren Schuljahren ist der aktuelle
Leistungsstand ausschlaggebend.
Auch die Kinder bringen bei der An-
gebotswahl ihre Wünsche mit ein: Der
Erstwunsch muss dabei stets die Fächer
Mathematik oder Deutsch abdecken,
wohingegen Zweit- und Drittwunsch
ausschließlich nach Interesse der Kin-
der abgegeben werden können.
Positives Lernklima durch Kleingruppen: Miteinander und voneinander lernen.
Schach: Ein Angebot im Rahmen der Förder-Punkt-Stunden.
HISTORIE UND
ENTWICKLUNG
Beginn ca.
2013
noch vor GTA und
Förderbändern, mit Angeboten zur
Förderung auf Klassenstufenebene
unterteilt nach leistungsstarken, mittleren
und leistungsschwächeren Schülern
seit
2014
individuelle Förderung unter dem
Namen Förder-Punkt-Stunden
seither stetige inhaltliche und
organisatorische Anpassungen
Beginn mit den Klassen 2 bis 4
seit
dem Schuljahr
2018/
2019
auch erste Klassen inkludiert
ebenfalls
2018/2019:
Erweiterung auf 2 Stunden wöchentlich
Verlegung der Stunden aus dem
Randbereich und der Freiwilligkeit
heraus in den Vormittag

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Motivation und pädagogische Absicht
Der wachsenden
Heterogenität
gerecht werden:
Chancengleichheit soll hergestellt werden; für Kinder aus sozial benachteiligten Familien, mit
Migrationshintergrund, diagnostiziertem Förderbedarf in den Schwerpunkten Lernen, emoti-
onale und soziale Entwicklung sowie Sprache. Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf
benötigen aufgrund ihrer individuellen Problemlage förderpädagogische Unterstützung, welche
in diesem Zeitfenster angeboten werden kann und welche es dem Kind ermöglicht, die Bildungs-
ziele zu erreichen und die sozialen Kompetenzen zur Bewältigung des Lernalltags zu erlangen.
Die Einzelförderung während der Förder-Punkt-Stunden dient der Vorbereitung auf den gemein-
samen, lernzielgleichen Unterricht.
Individualität und Selbständigkeit
fördern:
Mit individuell zugeschnittenen, leistungsbezogenen Angeboten präventiv und gezielt Lern-
schwierigkeiten vorbeugen. Das stärkt die Motivation und erhöht die Gesamtqualifikation.
Arbeit in
Kleingruppen
:
Kleingruppen erleichtern den Zugang zu einzelnen Kindern. Individuelle Denk- und Verhal-
tensweisen, Begabungen, Probleme, Interessen und Neigungen können berücksichtigt wer-
den. Darüber hinaus können für Schülerinnen und Schüler mit schon vorhandenen Kom-
petenzen Lernsituationen geschaffen werden, die vorhandene Potentiale ausschöpfen
und stärken.
Zu
handlungsorientiertem Lernen
befähigen:
Stärkung von handlungsorientiertem Lernen als Schlüsselqualifikation durch Verlagerung von
der »Darbietung“ der Lerninhalte zum selbst gesteuerten Lernen. Es werden Möglichkeiten ge-
schaffen, sowohl Leistungsexzellenz zu befördern als auch Lernschwierigkeiten zu überwinden.
Erfolgsfaktoren und Herausforderungen
Die gemeinsame Beratung und Auswertung
zwischen allen Beteiligten sichert den Erfolg.
Handlungsspielräume beim Einsatz personeller, infrastruktureller und materieller Ressourcen
können dadurch effizienter ausgeschöpft werden.
Planung und Organisation:
Die Förder-Punkt-Stunden sind keine Randstunden mehr und als fester Bestandteil der Stunden-
tafel für alle Schülerinnen und Schüler verbindlich. Bei krankheitsbedingtem Ausfall von Ange-
botsleitern werden seitens der Lehrenden Alternativen bereitgestellt.Bereits im Februar beginnt
die Planung des nächsten Schuljahres mit den Angebotsleiterinnen und Angebotsleitern, sodass
zu Schuljahresbeginn alle Angebote geplant sind. Um den Kindern selbst mehr Orientierung zu
ermöglichen, werden die Angebots- und Teilnehmerlisten im Klassenzimmer ausgehangen. Für
die Visualisierung der Planänderungen, müssen noch kindgerechtere Wege gefunden werden.
Die ersten Klassen werden zu Schuljahresbeginn von der Kursleiterin oder dem Kursleiter an der
Klassenzimmertür abgeholt.
Im PC-Raum üben sich die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit dem Computer.
MATERIAL
Schulprogramm
GTA-Konzeption
Gesamtplanung
Förderbandthemen
Förderband der einzelnen Klassen-
stufen an den einzelnen Tagen
Befragung
GTA am Nachmittag

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Suche nach Angebotsleiter/-innen:
Die Schule spricht potentielle Angebotsleiterinnen und Angebotsleiter an und erhält da-
bei Zuarbeit von Kolleginnen und Kollegen aus dem Hort. Ebenso werden Eltern einbezogen
und an der Wandzeitung werden jeweils ab Dezember Suchanfragen ausgehangen. Es beste-
hen Kooperationen mit Firmen (z. B. hat eine Firma die Arbeitszeit einer Angestellten gespon-
sert, welche in dieser Zeit ein Ganztagsangebot in der Schule leitet), ebenso wie mit Vereinen.
Des Weiteren gibt es den Wunsch nach Einbindung von mehr Fachpersonal: Für Schülerinnen
und Schüler mit Teilleistungsschwächen wünscht man sich dies besonders, aber es sei zu teuer.
Geplant ist, wieder mehr Nachmittagsangebote in die Zuständigkeit der Horte zu verlegen und
freiwerdende finanzielle Mittel für das Fachpersonal am Vormittag einzusetzen.
Qualitätssicherung:
Perspektivisch soll die Qualität der Angebote von externen Anbietern stärker geprüft und ver-
bessert werden. Ein konkreter Plan, welcher die Verteilung der Inhalte auf die einzelnen Termine
widerspiegelt, Vorstellungsgespräche und Hospitationen dienen momentan als Mittel der Qua-
litätssicherung.
Fazit
Innerhalb der Schule haben alle Beteiligten und Akteure eine Offenheit für heterogene Lerngruppen
entwickelt und sich Grundsätze für das gemeinsame Lernen erarbeitet. Im Hinblick auf die Kinder
konnten so neue, verlässliche Lehrer-Schüler-Beziehungen auf- und ausgebaut werden. Und auch
die Schülerinnen und Schüler lernen, sich mit Heterogenität konstruktiv und wertschätzend aus-
einander zu setzen und entwickelten Verständnis für die Stärken und Schwächen der Anderen.
Alles in allem führen die Förder-Punkt-Stunden zu einem Schulklima voller Aufgeschlossenheit
und gegenseitiger Akzeptanz.
Stand:
Dezember 2019
Beim Schach wird Denkleistung mit Spaß verknüpft.
Wenn die Schülerinnen und Schüler sich vor Beginn der Förder-Punkt-Stunden auf die verschiedenen Angebote
verteilen, herrscht ein buntes Treiben im Schulgebäude.

Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Carolaplatz 1, 01097 Dresden
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Fotos:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Gestaltung:
Hi Agentur e.K.
Druck:
Digitaldruckerei Schleppers GmbH
Redaktionsschluss:
November 2020
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