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PRAXISPOOL
GANZTAGSANGEBOTE
Praxisbeispiel Qualitätsmerkmal
»Individuelle Förderung«
Impulse und Anregungen zur Umsetzung
des Qualitätsrahmens Ganztagsangebote
Fördern und Fordern am Vormittag -
das Förderband in der Grundschule Arnsdorf

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Das Förderband
Jeden Donnerstag herrscht in der Grundschule Arnsdorf reges Treiben. Es treffen sich alle Schüle-
rinnen und Schüler der ersten bis vierten Klassen zum Förderband. Gearbeitet wird dann für jeweils
eine Unterrichtsstunde in kleinen Gruppen von i.d.R. acht Schülerinnen und Schülern, die für das
gesamte Schuljahr gleichbleiben. Die Kinder der einzelnen Klassen werden dabei gemischt. Die Aus-
wahl und Zusammenstellung der Gruppen richtet sich nach den sozialen Gefügen der Kinder und
soll klassenübergreifend das Miteinander positiv beeinflussen.
Von nun an werden die Kinder jeweils fünf Wochen lang eines der sechs Angebote besuchen. Es
besteht Teilnahmepflicht. Für die Klassen 1 und 2 werden schwerpunktmäßig Angebote im Bereich
Festigen von Grundfertigkeiten wie Schneiden, Kleben, Stifthaltung, Konzentration, Einführung am
PC und das Arbeiten mit Ton angeboten. In den Klassen 3 und 4 geht es vor allem um die Entlastung
von Unterrichtssequenzen, die Angebotsauswahl orientiert sich am Lehrplan. Fächerverbindende
Themen wie Experimente, Erste Hilfe, Altes Handwerk, Kochen und Backen sowie Rückenschule
stehen im Fokus.
Um die Teilnahme aller Schülerinnen und Schüler zu sichern, wurde das Förderband in den Don-
nerstagvormittag integriert. Es wird dafür jeweils eine Förderstunde für das Förderband genutzt.
Die zweite Förderstunde aus dem Stundenpool verbleibt bei der Klassenlehrerin oder dem Klassen-
lehrer und wird für die Förderung und Forderung ausgewählter Kinder genutzt.
Im Förderband stehen somit folgende Personen zur Verfügung: die zwei Fachlehrerinnen bzw. Fach-
lehrer der Klassen a und b pro Jahrgang, weiteres Schulpersonal, wie Sekretärin, eine weitere Lehr-
kraft, drei Lehrerinnen und ein FSJ-ler plus externes Personal, welches über GTA-Mittel finanziert
wird.
Durch das Rotationsprinzip ist der Plan für jede Gruppe inhaltlich gleich. Der organisatorische
Aufwand der Angebotsleiter sinkt dadurch im Verhältnis zu wöchentlich stattfindenden Angeboten.
Die Angebote orientieren sich an der individuellen Lern- und Leistungsfähigkeit der Kinder. Die
Einschätzung dieser erfolgt durch das Lehrerkollegium auf pädagogischer Ebene ohne Beteiligung
der Eltern. Zusätzliche Therapien und Fördermaßnahmen der Kinder sind oft nicht bekannt und
konnten somit nicht einbezogen werden.
In den meisten stattfindenden Angeboten werden die Kinder eher gefördert. Für Kinder, die eine
Herausforderung suchen, bestehen Angebote wie Knobeln, Ausprobieren und Englisch als Erweite-
rung zum Unterricht.
Motivation und pädagogische Absicht
Es gab zwei Impulse für die Grundschule Arnsdorf ein solches Förderband zu initiieren: »Wir wollten
aus der Freiwilligkeit in die Verpflichtung. Dadurch sollten für alle Kinder verbindliche Angebote
FÖRDERUNG
Fördern und Fordern am Vormittag
Beim Angebot »Flinke Finger« haben die Schüler der zweiten Klasse Flechtbilder gebastelt.
Individualisierte Lernangebote unter den
Bedingungen von mehr Raum und Zeit
ÜBERBLICK
Schule:
Grundschule Arnsdorf
Schulträger:
Gemeinde Arnsdorf
Schulleitung:
Frau Christina Rochelt
Frau Annett Richter (StV)
GTA-Koordination:
Mandy Bänsch
Ganztagsschulform:
teilweise gebunden
Schülerzahl:
199 Schüler/-innen (zweizügig)
Personal:
14 Lehrkräfte
KONTAKT
Anschrift:
Stolpener Straße 47
01477 Arnsdorf
Telefon:
035200 29990
E-Mail:
sekretariat@schule.
gemeinde-arnsdorf.de
Homepage:
www.gs-arnsdorf.de

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entstehen« sagt die GTA-Koordinatorin Frau Bänsch. Beweggrund dafür war damals die neue
»Sächsische Ganztagsangebotsverordnung« vom 9. April 2013, aus welcher eine Mittelerhöhung
für Angebote am Vormittag hervorging. Auf Grundlage einer Hospitation zum Thema Förderband
in 2013 begann die Schule, ein eigenes Band zu konzipieren. Die Schulleiterin ergänzt: »Der Grund-
gedanke ist, dass alle alles ausprobieren und sich dadurch Defizite abbauen.« Auch deshalb halten
wir an unserem Rotationsprinzip fest.
Die Motivation bestand darin, lebenspraktische Fertigkeiten zu üben und Alltägliches auszupro-
bieren. Neigungen, Talente, Stärken und Begabungen sollen gefördert werden. Weiterhin können
Unterrichtsmethoden geübt und gefestigt werden. Es soll Lernen erleichtern und Unterrichtsse-
quenzen entlasten.
Herausforderungen
Freiwilligkeit:
»Das Thema der Freiwilligkeit der Teilnahme an Angeboten ist da. ‘Wir wollten
nicht‘ kann man nicht sagen, aber wir haben noch keine gescheite Lösung dafür gefunden«, meint
Frau Rochelt als Schulleiterin dazu. »Im Moment find ich es so wie es ist eine gute Lösung – es
funktioniert«. »Die Diskussion will ich nicht und kann ich nicht führen und kommt mit unserem
System gar nicht erst auf. Ich glaube, wir würden uns unser gutes logistisches System kaputt
machen«, so Frau Bänsch. Sie befürchtet: »Dann hätte ich vielleicht wieder größere Gruppen und die
Individualität und die Möglichkeiten, zum Beispiel beim Experimentieren, beschränken sich wieder.«
Angebotsleiter:
»Es braucht Angebotsleiter, die immer zur gleichen Zeit am gleichen Tag da sein
können«, spricht Frau Bänsch. Bei 95% berufstätiger Eltern, zum Teil im Schichtbetrieb, ist das
schwer. Daher schaue man zuerst in den eigenen Reihen nach Fähigkeiten und Talenten.
Förderstunde:
»Man sollte wissen, dass dann nur noch eine Förderstunde im Stundenplan zur
Verfügung steht, die man für alles und auf alle aufteilen muss«, berichtet dazu die Schulleiterin.
Das gelingt uns, indem nicht immer alle Kinder an der Förderstunde teilnehmen und in
leistungszentrierten Kleingruppen gearbeitet wird.
Erfolgsfaktoren
Zusammenarbeit:
»Grundvoraussetzung für ein gutes Gelingen ist eine gute Zusammenarbeit
zwischen GTA-Koordinator, Schulleitung und Stundenplaner«. Der Rückhalt der der Kolleginnen
und Kollegen ist unabdingbar.
Das Kollegium muss
überzeugt sein:
»Sie müssen sich mit ihren Wünschen und Vorstellungen
wiederfinden«, berichtet uns Frau Bänsch. »Dann hat man die Unterstützung. Wir haben die
Wünsche der Kolleginnen und Kollegen mit aufgenommen. Wir haben allen das Konzept aus
Radebeul vorgestellt und sie gefragt: Können wir das übernehmen und was brauchen wir? Wir
sind alle Fächer durchgegangen.«
Räumliche Möglichkeiten:
Um den Kleingruppen die entsprechende Arbeitsatmosphäre zu
ermöglichen, benötigt man genügend Räume und Rückzugsmöglichkeiten. Da diese in der
Grundschule Arnsdorf vorhanden sind, fiel hier die Entscheidung, alle Angebote an einem
Tag stattfinden zu lassen. Laut Frau Rochelt sei das Förderband so besser planbar, da alle
Kursleiterinnen und Kursleiter im Haus sind und weniger Unruhe entstehe. Aber, »wenn die
räumlichen Voraussetzungen nicht ausreichen, dann kann man tatsächlich auch über zwei Tage
nachdenken«, ergänzt Frau Bänsch.
Koordination und Unterstützung:
»Wenn ich alle hinter mir habe und der Stundenplanbauer
gute Arbeit leistet, dann lässt sich vieles machen. Uns unterstützen auch die Gemeinde und der
Förderverein, wenn sich im Jahr noch Änderungen ergeben«, sagt Frau Rochelt.
Fazit
»Wir haben [durch die] viele[n] Fördermöglichkeiten für die Kinder, die wir im GTA anbieten, eine
Entlastung für die Lehrer geschaffen, indem wir das Thema Experimente separat behandeln; wir
haben Fremdpersonen im Haus, die willkommen sind und unseren Alltag auflockern, das Unter-
richtsgeschehen mitprägen und den Schulalltag damit bereichern.« (Frau Rochelt)
Stand:
Oktober 2019
HISTORIE UND
ENTWICKLUNG
2007
Einführung von GTA am
Nachmittag, vorrangig kreativ,
sportlich und musisch
2013
neue GTA-Richtlinie
2014
Hospitation zum Thema Förderband
2014/2015
erstmaliger Durchlauf des
Förderbandes der Klassen 3 und 4
2015/2016
alle vier Grundschuljahrgänge
nehmen am Förderband teil
MATERIAL
GTA-Konzept
Förderbandkonzeption (Auszug)
PowerPoint-Präsentation
inkl. Stundentafel

Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Carolaplatz 1, 01097 Dresden
Bürgertelefon: +49 351 56465122
E-Mail: buerger@bildung.sachsen.de
www.bildung.sachsen.de
www.bildung.sachsen.de/blog
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YouTube: SMKsachsen
Fotos:
Grundschule Arnsdorf
Gestaltung:
Hi Agentur e.K.
Druck:
Digitaldruckerei Schleppers GmbH
Redaktionsschluss:
November 2020
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