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Begründung zum Bebauungsplan
„Wohngebiet an der Alten Königswalder
Straße“
Satzung
Große Kreisstadt Annaberg-Buchholz
Markt 1, 09456 Annaberg-Buchholz

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Impressum
Seite 2
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Impressum
Herausgeber:
Große Kreisstadt Annaberg-Buchholz
Redaktion, Satz und Gestaltung:
seecon Ingenieure GmbH, Spinnereistraße 7, Halle 14, 04179 Leipzig
Stand bzw. Redaktionsschluss:
17.01.2022
Bildnachweis Titelseite:
RAPIS Bauleitplanung (07/2020)
Anmerkung:
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und
weiblicher Sprachformen verzichtet. Alle geschlechtsspezifischen Bezeichnungen, die in
männlicher oder weiblicher Form benutzt wurden, gelten für beide Geschlechter gleicherma-
ßen ohne jegliche Wertung oder Diskriminierungsabsicht.

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Inhaltsverzeichnis
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Seite 3
Inhaltsverzeichnis
Impressum ............................................................................................................................ 2
Inhaltsverzeichnis .................................................................................................................. 3
A
TEIL I GRUNDLAGEN ............................................................................................. 7
1.
Räumlicher Geltungsbereich des Bebauungsplanes ................................................ 7
1.1
Lage des Standorts im Raum .................................................................................. 7
1.2
Lage und Größe des Plangebietes .......................................................................... 8
1.3
Geltungsbereich des Bebauungsplans ..................................................................... 9
1.4
Standortbedingungen .............................................................................................10
1.4.1
Geländeverhältnisse ...............................................................................................10
1.4.2
Geologie. Hydrogeologie, Bodenverhältnisse .........................................................10
1.4.3
Altbergbau, Hohlraumgebiete .................................................................................12
1.4.4
Klimaverhältnisse....................................................................................................12
1.5
Derzeitige Nutzungsstruktur des Bebauungsplangebiets ........................................12
1.6
Nutzungsstruktur in der Umgebung ........................................................................13
1.7
Besitz- und Eigentumsverhältnisse .........................................................................14
1.8
Altlasten ..................................................................................................................14
1.9
Kampfmittel.............................................................................................................14
1.10
Denkmalschutz .......................................................................................................15
1.11
Archäologie.............................................................................................................15
1.12
Natürliche Radioaktivität .........................................................................................16
1.13
Nutzungsbeschränkungen ......................................................................................16
1.14
Plangrundlage ........................................................................................................17
1.15
Rechtsgrundlage ....................................................................................................17
2.
Höherrangige überörtliche und örtliche Planungen .................................................18
2.1
Raumordnung, Landes- und Regionalplanung ........................................................18
2.1.1
Landesentwicklungsplan Sachsen 2013 .................................................................18
2.1.2
Regionalplan ...........................................................................................................20
2.2
Flächennutzungsplan ..............................................................................................25
2.3
Bestehendes Satzungsrecht, Fachplanungen .........................................................27

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Seite 4
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2.4
Landschaftsplan .....................................................................................................27
2.5
7. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung ................................................28
2.6
Integriertes Stadtentwicklungskonzept INSEK 2025 ...............................................29
2.7
Zusammenfassende Ermittlung des Wohnbauflächenbedarfs ................................30
3.
Ziele und Zwecke des Bebauungsplans ..................................................................32
3.1
Planungsanlass und -erfordernis ............................................................................32
3.2
Planungsalternativen ..............................................................................................33
3.3
Planungsgrundsätze ...............................................................................................35
3.4
Verfahrensdurchführung .........................................................................................36
3.4.1
Ergebnisse der Beteiligungen .................................................................................37
B
TEIL II Städtebauliche Planung...............................................................................43
4.
Planinhalt ................................................................................................................43
4.1
Art der baulichen Nutzung ......................................................................................43
4.1.1
Allgemein zulässige Nutzungen ..............................................................................44
4.1.2
Ausnahmsweise zulässige Nutzungen ....................................................................45
4.1.3
Unzulässige Nutzungen ..........................................................................................45
4.2
Maß der baulichen Nutzung ....................................................................................47
4.2.1
Grundflächenzahl ...................................................................................................47
4.2.2
Höhe baulicher Anlagen .........................................................................................48
4.2.3
Überbaubare Grundstücksfläche, Bauweise ...........................................................50
4.3
Nebenanlagen ........................................................................................................52
4.4
Höchstzulässige Zahl der Wohnungen ....................................................................52
4.5
Verkehrsflächen ......................................................................................................53
4.6
Flächen für Versorgungsanlagen ............................................................................54
4.7
Leitungsrechte ........................................................................................................54
4.8
Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen .........................................................55
4.9
Maßnahmen und Flächen für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur
Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft .......................................................59
4.10
Verbot für luftverunreinigende Stoffe ......................................................................59
4.11
Festsetzungen zum Anpflanzen von Bäumen und Sträuchern sowie deren Erhaltung
60
4.11.1 Begrünung der privaten Grundstücksflächen in den Baugebieten ...........................61

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Seite 5
4.11.2 Öffentliche Grünflächen ..........................................................................................62
4.12
Bauordnungsrechtliche Festsetzungen ...................................................................63
4.13
Hinweise .................................................................................................................65
4.13.1 Baugrund ................................................................................................................65
4.13.2 Altbergbau ..............................................................................................................66
4.13.3 Denkmalschutz .......................................................................................................66
4.13.4 Archäologie.............................................................................................................66
4.13.5 Kampfmittel.............................................................................................................66
4.13.6 Abfall ......................................................................................................................67
4.13.7 Radonschutz ...........................................................................................................67
4.13.8 Barrierefreiheit ........................................................................................................67
4.13.9 Luftverunreinigende Stoffe ......................................................................................68
4.13.10 Altlasten ..................................................................................................................68
4.13.11 Abwasser ................................................................................................................69
4.13.12 Trinkwasser ............................................................................................................69
4.13.13 Strom / Straßenbeleuchtung ...................................................................................70
4.14
Flächenbilanz .........................................................................................................70
5.
Stadttechnische Erschließung ................................................................................71
5.1
Wasserversorgung, Brandschutz ............................................................................71
5.2
Elektroenergieversorgung .......................................................................................71
5.3
Gasversorgung .......................................................................................................72
5.4
Abwasserbeseitigung ..............................................................................................72
5.4.1
Regenwasser ..........................................................................................................72
5.4.2
Schmutzwasser ......................................................................................................72
5.5
Abfallentsorgung, Wertstofferfassung .....................................................................73
5.6
Telekommunikation .................................................................................................73
6.
Auswirkungen der Planung .....................................................................................73
6.1
Auswirkungen auf die Umwelt .................................................................................73
6.1.1
Auswirkungen auf Boden, Natur und Landschaft ....................................................73
6.1.2
Auswirkungen auf Immissionen ..............................................................................77
6.2
Auswirkungen auf die Wirtschaft und die sozialen Verhältnisse ..............................79

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6.3
Auswirkungen auf den Verkehr ...............................................................................80
6.4
Auswirkungen auf den Bestand ..............................................................................80
7.
Umsetzung der Planung .........................................................................................81
7.1
Maßnahmen zur Sicherung der Planung .................................................................81
7.2
Maßnahmen zur Durchsetzung der Planung ...........................................................81
7.3
Bodenordnende Maßnahmen .................................................................................81
7.4
Kostentragung ........................................................................................................81
C
Anlagen ..................................................................................................................83
D
Verzeichnisse .........................................................................................................83
8.
Abbildungsverzeichnis ............................................................................................83
9.
Abkürzungsverzeichnis ...........................................................................................84

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Räumlicher Geltungsbereich des Bebauungsplanes
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Seite 7
Präambel
Auf Grund des § 1 Abs. 3 und des § 10 des Baugesetzbuches (BauGB) beschließt der Rat
der Stadt Annaberg-Buchholz diesen Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswal-
der Straße“, bestehend aus der Planzeichnung und den textlichen Festsetzungen, als Sat-
zung.
A TEIL I GRUNDLAGEN
1. Räumlicher Geltungsbereich des
Bebauungsplanes
1.1
Lage des Standorts im Raum
Der Geltungsbereich des Bebauungsplanes (B-Plan) „Wohngebiet an der Alten Königswalder
Straße“ liegt in der großen Kreisstadt Annaberg-Buchholz im Erzgebirgskreis.
Abbildung 1 Lage des Standorts im Raum (rote Umrandung), Quelle: RAPIS Bauleitplanung [07/2020]

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Räumlicher Geltungsbereich des Bebauungsplanes
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Die Entfernung zur Stadt Chemnitz beträgt ca. 30 km, zur Stadt Zwickau ca. 40 km und zur
sächsischen Landeshauptstadt Dresden ca. 80 km. Nachbargemeinden sind: Gemeinde Ther-
malbad Wiesenbad, Gemeinde Mildenau, Gemeinde Königswalde, Gemeinde Sehmatal, Stadt
Schlettau und Gemeinde Tannenberg.
1.2
Lage und Größe des Plangebietes
Das Plangebiet dieses Bebauungsplanes befindet sich im Ortsteil Geyersdorf der großen
Kreisstadt Annaberg-Buchholz, ca. 2 km vom Stadtzentrum entfernt.
Abbildung 2 Lage des Geltungsbereichs (grün) im Stadtgebiet Annaberg-Buchholz
Geltungsbereich

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Räumlicher Geltungsbereich des Bebauungsplanes
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Es wird umgrenzt
nordwestlich von einer Gewerbefläche
nordöstlich und südöstlich von den Einfamilienhäusern entlang der Alten Königswalder
Straße sowie der Alten Dorfstraße
Südwestlich von einer Reihe Bäume/Gehölzer als Abgrenzung zu einer Ackerfläche
und eines alleinstehenden Wohnhauses
Abbildung 3 Luftbild mit Geltungsbereich und Nutzungsstruktur (Quelle: RAPIS Bauleitplanung [07/2020])
Das Gebiet hat eine Größe von ca. 1,6 ha.
Die räumliche Lage des Plangebietes ist aus der Abbildung auf dem Deckblatt bzw. aus der
Planzeichnung zu ersehen. Der genaue Verlauf der Grenze des räumlichen Geltungsberei-
ches und die betroffenen Flurstücke bzw. Flurstücksteile können der Planzeichnung entnom-
men werden.
1.3
Geltungsbereich des Bebauungsplans
Der Geltungsbereich des vorliegenden Bebauungsplanes umfasst die derzeitigen Flurstücke
448/34, 448/35, 448/36, 448/37, 448/38, 448/39, 448/40, 448/41, 448/42, 448/43, 448/44,
448/45 und 448/46 der Gemarkung Geyersdorf.
Gewerbetrieb
Annaberger Backwaren GmbH

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Räumlicher Geltungsbereich des Bebauungsplanes
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1.4
Standortbedingungen
1.4.1
Geländeverhältnisse
Der Geltungsbereich liegt im Naturraum „Sächsisches Bergland und Mittelgebirge“. Morpholo-
gisch liegt das Plangebiet auf einem flach in Richtung Nordost einfallenden Hang. Die Gelän-
debeschaffenheit ist dementsprechend eine Hanglage mit einem Gefälle Richtung Nordosten.
Der höchste Punkt des Geländes liegt bei 624 m NHN, der niedrigste bei 613 m NHN.
Karte 10 des Regionalplanes Chemnitz-Erzgebirge weist das Stadtgebiet Annaberg-Buchholz
als Gebiet mit unterirdischen Hohlräumen, Hohlraumgebiet entsprechend § 2 SächsHohlrVO,
aus.
Im Gebiet wurde über Jahrhunderte Bergbau durchgeführt, es sind jedoch keine stillgelegten
bergbaulichen Anlagen im unmittelbaren Bereich des Vorhabens bekannt, die Bergschäden
oder andere nachteilige Einwirkungen erwarten lassen
Vorhandensein nichtrisskundiger Grubenbaue in Tagesoberflächennähe ist nicht ausge-
schlossen - Empfehlung, alle Baugruben von einem Fachkundigen auf das Vorhandensein von
Gangausbissbereichen und Spuren alten Bergbaus zu überprüfen
Hinweis
Über angetroffene Spuren alten Bergbaus ist das Sächsische Oberbergamt in
Kenntnis zu setzen. Entsprechend der Verwaltungsvorschrift Hohlraumgebiete –
VwV HohlrGeb – hat der Bauherr für alle Bauvorhaben im Bereich von Gebieten,
die der Sächsischen Hohlraumverordnung unterliegen, eine Mitteilung über mögli-
che Gefahren aus unterirdischen Hohlräumen einzuholen. Für Bauvorhaben in Ge-
bieten im Geltungsbereich des Bundesberggesetzes wird die Informationsbeschaf-
fung über mögliche Auswirkungen angemahnt.
Das Vorhaben befindet sich im Erlaubnisfeld "Erzgebirge" (Feldnummer 1680) zur Aufsuchung
von Erzen der Beak Consultants GmbH. Auswirkungen auf Vorhaben sind nicht zu erwarten.
1.4.2
Geologie. Hydrogeologie, Bodenverhältnisse
Ein hydrogeologisches Gutachten liegt nicht vor. Anhand der geologischen Situation kann sich
am Standort kein zusammenhängender GW-Horizont ausbilden.
Zum Zeitpunkt der Erkundung am 17.03.2016 wurde mit den Aufschlüssen kein Wasser ange-
schnitten. Aufgrund der geomorphologischen Verhältnisse kann sich am Standort kein ober-
flächennaher, zusammenhängender Grundwasserhorizont ausbilden.

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Räumlicher Geltungsbereich des Bebauungsplanes
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Jedoch muss mit lokalen, meist temporär auftretenden Oberflächen-, Hangsicker- und Schich-
tenwässern gerechnet werden, welche in Abhängigkeit von Jahreszeit (z. B. Schneeschmelze)
und Witterung (starke Niederschläge) dem natürlichen Gefälle folgend in den durchlässigeren
Bodenschichten (Auffüllung, stärkere kiesig-sandige Partien im Hangschutt und vollständig
verwitterter Fels) oberflächennah abfließen. Die Intensität derartiger Wasser kann stark
schwanken. Der Hanglehm sowie der Festgesteinshorizont bilden dabei natürliche Stauer.
Die natürlichen Wasserhorizonte unterliegen im jahreszeitlichen Verlauf (Wechsel zwischen
Niederschlags- und Trockenperioden, Schneeschmelze etc.) entsprechenden Schwankungen,
sodass die erkundeten Verhältnisse nur einen temporären Zustand beschreiben.
Regionalgeologisch gehört der Standort in der Erzgebirgs-Antiklinalzone zum Mittelerzgebir-
gischen Antiklinalbereich. Der Festgesteinsuntergrund im Plangebiet wird von metamorphen,
schiefrigen Gesteinen in Form von Zweiglimmerparagneis und Biotitgneis aus der Zeit des
Proterozoikums gebildet. Das Festgestein liegt an seiner Oberfläche verwittert bis zersetzt mit
Lockergesteinseigenschaften vor. Seine Verwitterungszone wird durch geringmächtigen plei-
stozänen Hangschutt oder Hanglehm überlagert.
Lokal können oberflächig anthropogene Auffüllungen im Bereich baulicher Geländenutzung
vorkommen, die die natürliche Schichtenfolge überlagern oder teilweise ersetzen. Das natür-
liche geologische Profil wird an seiner Oberfläche durch humosen Oberboden abgeschlossen.
Eine oberflächennahe Grundwasserzirkulation des sogenannten Zwischenabflusses erfolgt in-
nerhalb der rolligen Bereiche der Lockergesteinsüberdeckung sowie innerhalb der Verwitte-
rungszone. Diese Grundwasserführung unterliegt jahreszeitlichen und witterungsbedingten
Schwankungen. In Trockenzeiten können auch ungesättigte Verhältnisse in dieser Einheit vor-
kommen.
Im Festgestein zirkuliert Grundwasser auf hydraulisch wirksamen Trennflächen, wie offenen
Klüften und Störungen. Die Raumlage der Trennflächen und die Klüftungsintensität sind stand-
ortkonkret nicht bekannt. Es handelt sich um einen heterogenen Kluftgrundwasserleiter.
Zuoberst werden die Verhältnisse insbesondere im Straßenbereich durch Auffüllungen (lokale
Geländeregulierung, Schichten des Straßenober- und -unterbaus, Leitungsgrabenverfüllung
etc.) bestimmt. Die Alte Königswalder Straße ist oberflächig bituminös befestigt.
Im übrigen Bereich werden die Böden durch einen unterschiedlich mächtigen Mutterboden
abgedeckt.
Sofern die Erschließungsstraße nach RStO 12 errichtet werden soll, ist das Plangebiet der
Frosteinwirkungszone III zuzuordnen.

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1.4.3
Altbergbau, Hohlraumgebiete
Im Gebiet wurde über Jahrhunderte Bergbau durchgeführt, es sind jedoch keine stillgelegten
bergbaulichen Anlagen im unmittelbaren Bereich des Vorhabens bekannt, die Bergschäden
oder andere nachteilige Einwirkungen erwarten lassen. Das Vorhandensein nichtrisskundiger
Grubenbaue in Tagesoberflächennähe ist nicht ausgeschlossen.
1.4.4
Klimaverhältnisse
Nach der Klassifikation von Schwanecke & Koppwerden sind Teile des Plangebietes den „mitt-
leren sehr feuchten Berglagen“ (Mff, ND 800 bis 1.000mm, T 5,5 bis 6 °C) zugeordnet, andere
Teile gehören zu den weniger feuchten und etwas wärmeren „mittleren feuchten Berglagen“
(Mf, ND 750 bis 950mm, T 5,8 bis 6,5 °C).
1.5
Derzeitige Nutzungsstruktur des Bebauungsplan-
gebiets
Der Geltungsbereich des vorliegenden Bebauungsplans schließt sich an eine bereits existie-
rende straßenbegleitende Bebauung entlang des Alten Königswalder Straße unmittelbar an.
Er unterteilt sich im nördlichen Bereich in eine bewirtschaftete Ackerfläche und im südlichen
Bereich in ein ungenutztes Gebäude mit Baumbestand. Am südwestlichen bis westlichen
Rand der Ackerfläche befindet sich eine Baumreihe. Die derzeitige Nutzungsstruktur ist gut
auf dem folgenden Luftbild (Abbildung 4) und den nachfolgenden Fotos (Abbildung 5 und Ab-
bildung 6) zu erkennen.

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Abbildung 4 Luftbild mit Geltungsbereich und Nutzungsstruktur (Quelle: RAPIS Bauleitplanung [07/2020])
Abbildung 5 (links) Blick von Norden nach Süden über den Feldweg und Acker (Quelle: seecon Ingenieure)
Abbildung 6 (rechts) ungenutztes Haus im südöstlichen Geltungsbereich (Quelle: seecon Ingenieure)
1.6
Nutzungsstruktur in der Umgebung
Auch die Nutzungsstruktur der Umgebung geht aus dem Luftbild (Abbildung 4) hervor. An der
nordöstlichen Grenze des Geltungsbereiches, entlang der Alten Königswalder Straße, wurden
erst kürzlich sieben Einfamilienhäuser in unterschiedlicher Ausführung errichtet. Unmittelbar

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Räumlicher Geltungsbereich des Bebauungsplanes
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in nordwestlicher Richtung angrenzend befindet sich das Flurstück mit dem Produktionsstand-
ort der Fa. Annaberger Backwaren GmbH. Weiter entfernt in dieser Richtung verläuft die S
218 mit dem dahinterliegenden Gewerbegebiet „Geyersdorf“.
1.7
Besitz- und Eigentumsverhältnisse
Das Flurstück der geplanten Straße (448/37) und die geplante öffentliche Grünfläche öG3
(448/45) sind im Besitz der Stadt Annaberg. Die übrigen Flurstücke / Baugrundstücke sind mit
Bauverpflichtung in privaten Besitz bzw. sind Kaufverträge geschlossen.
1.8
Altlasten
Im SALKA sind für das Plangebiet keine Altlasten bzw. Altlastenverdachtsflächen registriert.
1.9
Kampfmittel
Die aktualisierte Kampfmittelbelastungskarte Stand Juni 2020 für den Erzgebirgskreis wurde
der Stadt seitens des SG Polizei- und Gewerberecht des Landratsamts Erzgebirgskreis im
Rahmen der Zuständigkeit als Ortspolizeibehörden für die Bearbeitung von Anfragen zur
Kampfmittelbelastung zur Verfügung gestellt. Für das Plangebiet sind keine Belastungen ver-
zeichnet.

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Abbildung 7 Kampfmittelbelastungskarte Annaberg-Buchholz
1.10 Denkmalschutz
Im Plangebiet befinden sich keine Denkmalschutzobjekte. Im Textteil der Satzung wird darauf
hingewiesen, dass Bodenfunde gemäß § 20 SächsDSchG bei einer Denkmalschutzbehörde
meldepflichtig sind. Das Objekt Alte Königswalder Straße 21 ist als Zeugnis ländlicher Wohn-
und Wirtschaftsweise als Kulturdenkmal klassifiziert. Mit Schreiben vom 14.09.2020 wurde
seitens des Landesamts für Denkmalpflege die Zustimmung zum Abbruch unter Auflagen er-
teilt. Der Abbruch des Gebäudes ist zwischenzeitlich erfolgt.
1.11 Archäologie
Das geplante Vorhaben liegt in einem archäologischen Relevanzbereich mit der vom Landes-
amt für Archäologie Sachsen registrierten Nummer D-11140-01 (mittelalterlicher Ortskern).

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Die archäologische Relevanz des Vorhabenareals belegen zahlreiche archäologische Kultur-
denkmale aus dem direkten Umfeld, die nach § 2 SächsDschG Gegenstand des Denkmal-
schutzes sind.
1.12 Natürliche Radioaktivität
Es liegen keine Anhaltspunkte über radiologisch relevante Hinterlassenschaften für das Plan-
gebiet vor. Das Plangebiet liegt jedoch in einem Gebiet, in dem wahrscheinlich erhöhte Ra-
donkonzentrationen in der Bodenluft vorhanden sind. Im Rahmen weiterer Planungen zur Be-
bauung bestehen daher Anforderungen zum Radonschutz, die beachtet werden sollten.
1.13 Nutzungsbeschränkungen
Derzeit sind keine Beschränkungen in Bezug auf Altbergbau, Bergbau oder Trinkwasserschutz
bekannt.
Vorhandene Versorgungsleitungen.
Im Geltungsbereich befinden sich Anlagen der inetz GmbH und der Stadtwerke Annaberg-Buchholz
Energie AG. :
Gashochdruckleitung TGH 030-0000, DN 300, MOP 25 - Schutzstreifen 6,0 m (3,0 m
beidseitig der LA)
In Höhe der GDRA die Abzweigschiebergruppe mit der Anschlussleitung TGH 030-
G000, DN 100, MOP 25 - Schutzstreifen 4,0 m (2,0 m beidseitig LRA)
Gas-Mitteldruckleitung – Schutzstreifen 4,0 m (2,0 m beidseitig LRA). Für die Gas-
Miteldruckleitung im Süden des Plangebiets bestehen Leitungsrechte.
Im Schutzstreifen bestehen Bau- und Nutzungsbeschränkungen nach geltendem DVGW-Re-
gelwerk. Alle Vorhaben/Baumaßnahmen im Näherungsbereich bedürfen der ausdrücklichen
Zustimmung der inetz GmbH.
Für die vorhandenen und auf der Planzeichnung als Hinweise braun dargestellten Versor-
gungsleitungen (Gashochdruckleitung) bestehen Leitungsrechte. Bestehende Rechte gilt es
im Vollzug des Bebauungsplans zu beachten bzw. einvernehmlich anzupassen.

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1.14 Plangrundlage
Lage- und Höhenplan mit Grenzen Annaberg-Buchholz, Entwurfsvermessung
Geomess Marienberg. Lagebezug RD 83, Höhenbezug DHHN 92
Hinweis: Grenzen wurden aus dem amtlichen Liegenschaftskataster (ALK)
übernommen.
1.15 Rechtsgrundlage
Baugesetzbuch in der Fassung der Bekanntmachung vom 3. November 2017 (BGBl. I S.
3634), das zuletzt durch Artikel 9 des Gesetzes vom 10. September 2021 (BGBl. I S. 4147)
geändert worden ist
Baunutzungsverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. November 2017
(BGBl. I S. 3786) , die durch Artikel 2 des Gesetzes vom 14. Juni 2021 (BGBl. I S. 1802)
geändert worden ist
Planzeichenverordnung vom 18. Dezember 1990 (BGBl. 1991 I S. 58), zuletzt geändert durch
Artikel 3 des Gesetzes vom 14. Juni 2021 (BGBl. I S. 1802)
Bundesnaturschutzgesetz vom 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542), das zuletzt durch Artikel 1 des
Gesetzes vom 18. August 2021 (BGBl. I S. 3908) geändert worden ist
Sächsische Bauordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. Mai 2016 (SächsGVBl.
S. 186), zuletzt geändert durch Artikel 6 der Verordnung vom 12. April 2021 (SächsGVBl. S.
517)
Sächsisches Naturschutzgesetz vom 6. Juni 2013 (SächsGVBl. S. 451), zuletzt geändert
durch das Gesetz vom 9. Februar 2021 (SächsGVBl. S. 243)

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Höherrangige überörtliche und örtliche Planungen
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2. Höherrangige überörtliche und örtliche
Planungen
2.1
Raumordnung, Landes- und Regionalplanung
2.1.1
Landesentwicklungsplan Sachsen 2013
Am 12. Juli 2013 wurde der Landesentwicklungsplan Sachsen 2013 (LEP 2013) als Rechts-
verordnung beschlossen. Er enthält die Grundsätze und Ziele zur räumlichen Ordnung und
Entwicklung und stellt die raumordnerische Gesamtkonzeption für das Land dar. Nach § 1
Abs. 4 BauGB sind Bauleitpläne den Zielen der Raumordnung anzupassen. Folgende Ziele/In-
halte des Landesentwicklungsplans sind für die Aufstellung des vorliegenden Bebauungsplans
relevant:
Die Stadt Annaberg-Buchholz wird im gültigen Landesentwicklungsplan als Mittelzentrum in
einer überregional bedeutsamen Verbindungs- und Entwicklungsachse in der Raumkategorie
„Verdichtungsraum“ eingestuft.
Z 1.3.7 „Mittelzentren sind die Städte Annaberg-Buchholz, […]. Die Mittelzentren sind als r e-
gionale Wirtschafts-, Bildungs-, Kultur-, und Versorgungszentren, insbesondere zur
Stabilisierung des ländlichen Raumes, zu sichern und zu stärken.“
G 1.2.1 „Die Verdichtungsräume sollen in ihren Potenzialen zur Mobilisierung von Innovation
und Wachstum als landesweit und überregional bedeutsame Leistungsträger weiter
gestärkt werden. Dazu sollen
Siedlungs- und Verkehrsentwicklung sowie der Städtebau so erfolgen, dass
verdichtungs- und verkehrsbedingte Umweltbelastungen und
Standortbeeinträchtigungen vermieden beziehungsweise abgebaut,
durch Koordinierung der Flächennutzungsansprüche und eine effiziente
Flächennutzung die Leistungsfähigkeit von Wirtschaft und Infrastruktur nachhaltig
gesichert,
die Zusammenarbeit in den Stadt-Umland-Räumen der Zentralen Orte
intensiviert sowie
die Vernetzung mit den ländlichen Teilräumen weiter ausgebaut werden.“ (LEP
2013, G 1.2.1)

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Als „grenznahes Gebiet“ ist das Stadtgebiet ein Raum mit besonderem Handlungsbedarf (vgl.
Karte 3).
2.2.1 Siedlungswesen
G 2.2.1.1
Die Neuinanspruchnahme von Freiflächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke
soll in allen Teilräumen Sachsens vermindert werden. Bei der Neuinanspruch-
nahme von Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke soll bei Kompensations-
maßnahmen vorrangig auf eine Entsiegelung hingewirkt werden.
„Beim naturschutzrechtlichen Eingriffsausgleich soll prioritär der Ausgleich durch funktions-
wertgleiche Flächenentsiegelung geprüft werden“
Z 2.2.1.3
Die Festsetzung neuer Wohnbaugebiete soll in zumutbarer Entfernung zu den
Versorgungs- und Siedlungskernen erfolgen.
Z 2.2.1.4
Die Festsetzung neuer Baugebiete außerhalb der im Zusammenhang bebauten
Ortsteile ist nur in Ausnahmefällen zulässig, wenn innerhalb dieser Ortsteile nicht
ausreichend Flächen in geeigneter Form zur Verfügung stehen. Solche neuen
Baugebiete sollen in städtebaulicher Anbindung an vorhandene im Zusammen-
hang bebaute Ortsteile festgesetzt werden.
Die Entwicklung des Baugebiets erfolgt in Übereinstimmung mit den Darstellungen des FNP-
Entwurfs, dem eine umfassende Wohnbaubedarfsermittlung zugrunde liegt. Am Standort sol-
len Flächen für Wohnbau im Segment Einfamilienhäuser entwickelt werden, um der bestehen-
den und prognostizierten Nachfrage zur Eigenentwicklung der Stadt Annaberg-Buchholz ge-
recht werden zu können. Die ermittelte Wohnbaubedarfsnachfrage lässt sich im Zeithorizont
bis 2030 nicht allein durch die Aktivierung von Innenentwicklungspotenzialen sowie Reserven
in bestehenden B-Plan-Gebieten decken, sodass in städtebaulicher Anbindung an vorhan-
dene im Zusammenhang bebaute Ortsteile neue Baugebiete entwickelt werden müssen. Im
Rahmen einer gemeinsamen Beratung mit Vertretern der Landes- und Regionalplanung vom
07.10.2019 zum Vorentwurf des FNP wurde die Ausweisung des Entwicklungsgebiets für
Wohnen an der Alten Königswalder Straße erläutert und eine Entwicklung akzeptiert.
Der Flächenentzug erfolgt maßvoll und in unmittelbarem Anschluss an die vorhandene Sied-
lungsbebauung des Ortsteils Geyersdorf. Sie dient zur maßvollen Weiterentwicklung des Orts-
teils.
Entsprechend der ausführlichen Darstellungen des Wohnbaubedarfs der Stadt Annaberg-
Buchholz in Kap. 3.3.4 wird bis zum Jahr 2030 ein Wohnbaubedarf von rund 200 Wohneinhei-
ten (201 WE) vorwiegend im Sektor des Einfamilienhausbaus abgeschätzt. Für die aus dieser
Nachfrage resultierenden 13,5 ha Flächenbedarf stehen auch innerörtliche Potentiale (Baulü-
cken, Brachflächenrevitalisierung, Reserven in B-Plangebieten) zur Verfügung, die jedoch
nicht zur Deckung des ermittelten Bedarfs ausreichen. Die Wohnbaubedarfsermittlung des

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FNP-Entwurfs ermittelte im zeitlichen Planungshorizont, dass nur die Hälfte der prognostizier-
ten Nachfrage durch die Aktivierung von Flächenreserven gedeckt werden kann. Insgesamt
ca. 94 WE sind in den in Kap. 3.3.4 benannten Entwicklungsflächen, zu denen das Plangebiet
zählt, zu schaffen.
Z 2.2.1.9
Eine Zersiedelung der Landschaft ist zu vermeiden.
Der vorliegende Bebauungsplan bereitet einen Lückenschluss zwischen den bereits vorhan-
denen Einzelgebäuden entlang der Alten Königswalder Str., der Gewerbefläche an der Haupt-
straße im Norden sowie den Gebäuden im Süden vor.
Z 2.2.1.10
Die Siedlungsentwicklung ist auf die Verknüpfungspunkte des ÖPNV zu konzent-
rieren.
Die ÖPNV-Haltestelle „An der Bleiche", die durch den regionalen Buslinienverkehr regelmäßig
bedient wird, befindet sich in fußläufiger Entfernung zum Plangebiet.
2.1.2
Regionalplan
Der Regionale Planungsverband Chemnitz-Erzgebirge hat am 4. Juni 2008 die Satzung über
die Fortschreibung des Regionalplanes Chemnitz-Erzgebirge – mit Ausnahme der Teilfort-
schreibungen „Regionale Vorsorgestandorte“ und „Plansätze zur Nutzung der Windener-
gie“ – beschlossen.
Das zuständige Staatsministerium des Innern hat mit Bescheid vom 10. Juli 2008 die Ziele und
Grundsätze der beschlossenen Fortschreibung des Regionalplanes für die Planungsregion
Chemnitz-Erzgebirge
im
Benehmen
mit
den
berührten
Staatsministerien
gemäß
§ 9 Abs. 1 SächsLPIG genehmigt, sodass die Gesamtfortschreibung am 31.07.2008 in Kraft
getreten ist.
Die Stadt Annaberg-Buchholz ist in den Karten 1 und 7 – Raumkategorien und Siedlungsstruk-
tur als Mittelzentrum im Verdichtungsraum auf der regionalen Achse mit Verbindungs- und
Entwicklungsfunktion Chemnitz – Annaberg-Buchholz – Karlovy Vary/Plzeň (Tschechische
Republik) ausgewiesen.
G 2.1.6 Die Entwicklung der Raumstruktur im Erzgebirge soll insbesondere in den Kreisen
Annaberg und Mittleres Erzgebirge auf den Erhalt und die Revitalisierung als Wirt-
schafts- und Kulturraum sowie auf die verstärkte touristische Nutzung und den Win-
tersport gerichtet sein. Dabei soll die Ausgleichs- und Ergänzungsfunktion des Erzge-
birges für den Verdichtungsraum berücksichtigt werden.
Mit einer Verbesserung der grenzüberschreitenden Verkehrsverbindungen sollen der
Leistungsaustausch, die Zusammenarbeit und die persönlichen Kontakte mit dem

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nordböhmischen Bezirk Usti und dem westböhmischen Bezirk Karlovy Vary verstärkt
werden.
Abbildung 8 RP Karte 2: Raumnutzung mit Lage des Geltungsbereichs (gelb)
G 2.6.5 Im Rahmen der allgemeinen Siedlungsentwicklung der Region in Anwendung von
§ 1a Abs. 1 BauGB sowie unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung
und des Nachhaltigkeitsgebots sollen Flächen sparende Bauformen bevorzugt wer-
den.
Seitens der Vertreter der Stadt Annaberg-Buchholz wurde erläutert, dass die bestehende Be-
bauung nach § 35 (2) BauGB unter Einbeziehung der Unteren Naturschutzbehörde genehmigt
wurde.
Im Zuge der Erstellung des FNP-Vorentwurfs hat die Stadt Gespräche mit den Eigentümern
der nördlich angrenzenden Flächen 76/12 und 470/4 der Gemarkung Geyersdorf geführt.
Diese sind mittelfristig nicht bereit ihre Grundstücke für eine Siedlungsentwicklung zu veräu-
ßern bzw. diese selbst zu entwickeln. Somit ist eine städtebaulich wünschenswerte Entwick-
lung aus der Ortslage Geyersdorf heraus in diesem Bereich in den kommenden 15 Jahren
nicht zu realisieren. Eine Ausweisung dieser Flurstücke als Wohnbaufläche würde erhebliche
Erweiterungspotenziale für Wohnbauentwicklung binden, ohne diese in absehbarer Zeit tat-
sächlich umsetzen zu können.

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Im Gegensatz dazu befinden sich die Flächen an der bereits bestehenden Alten Königswalder
Straße im Eigentum der Stadt Annaberg-Buchholz, daher stehen diese Flächen grundsätzlich
für eine kurzfristige städtebauliche Entwicklung zur Verfügung.
Dies wurde den Vertretern der Landes- und Regionalplanung im Rahmen der Beratung am
07.10.2019 erläutert und eine Ausweisung des Entwicklungsgebiets für Wohnen an der Alten
Königswalder Straße aufgrund der bestehenden Eigentumsverhältnisse akzeptiert. Eine Ent-
wicklung der Fläche an der Alten Königswalder Straße kann somit auch ohne vorherige Ent-
wicklung der Flurstücke 76/12 und 470/4 durchgeführt werden.
Z 3.1.10 Agrargebiete
In den Schwerpunktgebieten für die Strukturanreicherung sollen der Bestand an Flurgehölzen,
wie Baumreihen, Alleen, Hecken, Einzelgehölzen, Feldholzinseln und Streuobstwiesen sowie
weiteren ökologisch relevanten Kleinstrukturen (z. B. Säume) entlang von Wegen, Straßen,
Gewässern, Reliefstrukturen und Nutzungsgrenzen unter Berücksichtigung von Verbundge-
sichtspunkten erhöht werden.
Abbildung 9 Karte 5.1: Bereich der Landschaft mit besonderen Nutzungsanforderungen – Teil: Naturhaushalt:
Gebiete mit besonderer potenzieller Erosionsgefährdung (Offenland) (Plankapitel 3.3) mit Lage des
Geltungsbereichs (gelb)
Z 3.3.2 In den in Karte 5.1 ausgewiesenen Gebieten mit besonderer potenzieller Erosionsge-
fährdung ist darauf hinzuwirken, dass der Bodenerosion durch pflanzenbauliche Maß-
nahmen, landschaftsangepasste Anreicherung mit gliedernden Flurelementen und
durch eine erosionshemmende Schlageinteilung sowie ggf. auch durch kulturtechni-
sche Maßnahmen vorgebeugt wird.

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Es ist darauf hinzuwirken, dass besonders gefährdete Hanglagen und besonders gefährdete
Abflusssenken nicht als Acker, sondern als Grünland genutzt, hochgradig erosionsgefährdete
Flächen, insbesondere Steilhänge, unter Beachtung von Belangen des Naturschutzes und der
Landschaftspflege aufgeforstet werden und dass bei Baumaßnahmen Vorsorge gegen Erosi-
onsschäden getroffen wird.
Z 3.3.3 In den in Karte 5.1 ausgewiesenen Gebieten mit besonderer potenzieller Erosionsge-
fährdung sollen in den kommunalen und fachlichen Plänen flächenkonkret vorsor-
gende Maßnahmen des Erosionsschutzes vorgesehen werden.
Bodenversiegelung und Baumaßnahmen
G 3.3.4 Durch die bevorzugte Inanspruchnahme baulich bereits vorbelasteter Böden, eine flä-
chensparende Bauweise, Vermeidung überdimensionierter versiegelter Freiflächen,
Rückbau un- oder untergenutzter versiegelter Bereiche und durch einen hohen Grün-
flächenanteil baulicher Freiflächen soll der Versiegelungsgrad minimiert werden. Un-
vermeidbare Flächenbefestigungen sollen unter Beachtung baulicher Erfordernisse in
möglichst weitgehend wasserdurchlässiger Bauweise erfolgen (Fuß- und Radwege,
Park- und Hofflächen usw.), soweit dem keine Wasserschutzbelange entgegenste-
hen. Durch Versiegelung soll anfallendes nicht verunreinigtes Niederschlagswasser
vorzugsweise vor Ort zur Versickerung gelangen können.
G 3.3.5 Bei Baumaßnahmen sollen Verdichtung, Verschlämmung, Erosion und Fremdstoff-
eintrag möglichst gering und in räumlich engen Grenzen gehalten sowie nach Been-
digung der Maßnahmen wieder weitestmöglich beseitigt werden. Bodenaushubmate-
rial soll möglichst direkt im Baugebiet erneut eingesetzt oder anderenfalls der ökolo-
gisch hochwertigsten Verwendung zugeführt werden.
G 3.4.1 Siedlungsflächen und Freiraum sollen so gestaltet und entwickelt werden, dass sie die
bioklimatischen und lufthygienischen Bedingungen im Siedlungsraum positiv beein-
flussen.
Dazu sollen
siedlungsnahe Freiflächen, in denen bodennahe Kaltluft entsteht und in den Sied-
lungsraum abfließt, funktionsfähig und emissionsarm erhalten werden,
Siedlungsrandbereiche, die für den Zutritt von bodennaher Kaltluft und von Frisch-
luft bedeutsam sind, frei von abriegelnder Bebauung bleiben sowie
Bereiche innerhalb der Siedlungen und am Siedlungsrand, die der Verminderung
von Luftverunreinigungen dienen, in ihrer Funktionsfähigkeit gesichert und entwi-
ckelt sowie erweitert werden (klimawirksame Vegetationsstrukturen, insbesondere
Wald).
G 3.4.2 Mit den Mitteln der Bauleitplanung sollen, die für die Erhaltung der Funktionsfähigkeit
dieser Bereiche erforderlichen räumlichen Voraussetzungen flächenkonkret gesichert
werden

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Abbildung 10 RP Karte 6 – Grenznahe Gebiete: Gemeinde mit besonderer Belastung (G 2.7.1)
Gemeinden mit besonderen Belastungen sind die kommunalen Gebiete des Erzgebirges, die
durch Randlage, wirtschaftliche Strukturschwäche bzw. eingeschränkte Entwicklungsbedin-
gungen sowie durch höhenlagebedingte Klimaungunst benachteiligt sind.
G 2.7.1 In den „Gemeinden mit besonderen Belastungen“ sind die lagebedingten Nachteile
durch eine situationsgerechte Unterstützung von Maßnahmen zum Disparitätsabbau
oder Attraktivitätsgewinn zu mildern.
Abbildung 11 RP Karte 10 – Besondere Bodenfunktionen

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Vorrangig im Zentrum der Stadt Annaberg-Buchholz befinden sich Böden besonderer Funkti-
onalität: seltene und naturnahe Böden, Böden mit besonderer Archivfunktion-Böden mit be-
sonderer Biotopentwicklungsfunktion.
Für das östlich des Satzungsgebiets gelegene Pöhlberggebiet gilt ein Vorranggebiet Natur und
Landschaft (Arten- und Biotopschutz) sowie ein Vorbehaltsgebiet Landschaftsbild/Land-
schaftserleben.
Hinweis: Entsprechend der Verwaltungsvorschrift Hohlraumgebiete – VwV HohlrGeb hat der
Bauherr für alle Bauvorhaben im Bereich von Gebieten, die der Sächsischen Hohl-
raumverordnung unterliegen, eine Mitteilung über mögliche Gefahren aus unterirdi-
schen Hohlräumen einzuholen. Für Bauvorhaben in Gebieten im Geltungsbereich des
Bundesberggesetzes wird die Informationsbeschaffung über mögliche Auswirkungen
angemahnt.
G 12.3.1 In den
grenznahen Gebieten des Oberen Ost- und Mittelerzgebirges,
innerhalb des Verdichtungsraumes,
in den Siedlungsgebieten mit hohen Verkehrsimmissionen sowie
in den Kur- und Erholungsgebieten und schutzbedürftigen Sondergebieten
sollen emissionsbedingte Beeinträchtigungen abgebaut und Immissionsschutzmaß-
nahmen umgesetzt werden. Dazu sind auch weitere Maßnahmen zum Lärmschutz
durchzuführen und, soweit möglich, im Rahmen der Bauleitplanung vorsorgende
Schutzvorkehrungen zu treffen.
Das Vorhaben berührt keine Belange der Raumordnung.
2.2
Flächennutzungsplan
Die Stadt Annaberg-Buchholz verfügt über keinen rechtskräftigen Flächennutzungsplan
(FNP). Der FNP befindet sich derzeit in Aufstellung. Die Beteiligung und Abwägung zum Vor-
entwurf haben im Jahr 2019 stattgefunden. Die Offenlegung der Entwurfsfassung fand im Zeit-
raum vom 09.11.2020 bis 11.12.2020 statt. Der FNP wurde im April 2021 beschlossen und am
28.05.21 zur Genehmigung eingereicht.
Der B-Plan entspricht den Inhalten des Flächennutzungsplans. Aufgabe der Bauleitplanung ist
es, die bauliche und sonstige Nutzung der Grundstücke in der Gemeinde nach Maßgabe des
Baugesetzbuches vorzubereiten und zu leiten (§ 1 Abs.1 BauGB).

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Abbildung 12 Darstellung des Plangebiets im Flächennutzungsplanentwurf der Stadt Annaberg-Buchholz
Für das Plangebiet des B-Planes ist im FNP-Vorentwurf als allgemeine Art der baulichen Nut-
zung eine Wohnbaufläche dargestellt.
Für die weitere Entwicklung der Stadt- und Siedlungsstruktur bestehen folgende Zielstellun-
gen:
städtebaulich verträgliche Verdichtung und Ergänzung des Innenbereichs sowie
bedarfsgerechte Realisierung von Wohnbauerweiterungsflächen
Erhaltung vorhandener Gewerbebetriebe und Schaffung von bedarfsgerechten
Erweiterungsmöglichkeiten
Schaffung weiterer Möglichkeiten zur Einordnung von nichtstörenden, wohnver-
träglichen Handwerks-und Gewerbebetrieben in den Mischgebieten, Schaffung von
bedarfsgerechten Erweiterungsmöglichkeiten der Daseinsvorsorge
Erhalt und Sicherung der vorhandenen hochwertigen Landschaftspotenziale
Die bestehende Siedlungsstruktur soll erhalten bleiben, d. h. Erweiterungsflächen lehnen sich
an vorhandene Standorte vor allem in Randlage bereits verdichteter städtischer Bereiche an,
ergänzen diese bzw. runden sie ab. Durch die konzipierte kompakte Entwicklung wird eine
Zersiedlung der Landschaft verhindert. Die ökologisch wertvollen Bereiche werden in größt-
möglichem Maße geschont.
Der Wohnbedarf wird im FNP ausführlich erläutert und hergeleitet. Der Geltungsbereich des
vorliegenden Bebauungsplanes wird im FNP als Entwicklungsfläche 2 detailliert betrachtet.
Damit folgt der B-Plan der Darstellung des FNP.

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2.3
Bestehendes Satzungsrecht, Fachplanungen
Im Bebauungsplanverfahren bzw. im Vollzug des Bebauungsplans sind folgende Satzungen
beachtlich, soweit im Bebauungsplan keine abweichenden Regelungen getroffen wurden:
Hauptsatzung der Großen Kreisstadt Annaberg-Buchholz, zuletzt geändert durch 1.
Änderungssatzung vom 27.08.2019,
Bekanntmachungssatzung vom 26.10.2018,
Baumschutzsatzung der Stadt Annaberg-Buchholz zum Schutz von Bäumen und
Hecken vom 31.03.2017 u.a.
2.4
Landschaftsplan
Der Landschaftsplan (LP) der Stadt Annaberg-Buchholz liegt mit Stand 10/2010 als Entwurf,
Autor LAND+LEBEN Landschaftsarchitektur Dipl.-Ing. Kay Hofmann, Zeppelinstraße 1a,
09456 Annaberg-Buchholz, vor. Der Landschaftsplan hat als Fachplan bauplanungsrechtlich
den Rang einer informellen Rahmenplanung, zu der auch eine Öffentlichkeitsbeteiligung mit
einer Abwägung durchgeführt wurde. Ein abschließender Selbstbindungsbeschluss des Stadt-
rates, durch welchen fachliche Inhalte im Einzelnen in den später rechtswirksamen FNP über-
nommen werden sollen, liegt nicht vor.
Abbildung 3 Entwicklungsziele/Maßnahmen im Landschaftsplan Annaberg-Buchholz – Entwurf 10/2010

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Im LP-Entwurf wurde der jetzt beplante Standort für eine der guten fachlichen Praxis entspre-
chende Dauergrünlandnutzung vorgesehen. Die Straßen und Wege sollen in der Landschaft
mit Baumalleen erlebbar sein. Weiterhin werden die Erhaltung, extensive Pflege, Förderung
der Strauchschicht und Saumstrukturen sowie die Auskoppelung bei Beweidung der Hecken
und Feldgehölze als Maßnahmen definiert. Letzterem wird mit Festsetzung des Bebauungs-
planes entsprochen. Aufgrund der geänderten gesamtstädtischen Wohnbauflächenentwick-
lungskonzeption soll jedoch nicht an einer Dauergrünlandnutzung festgehalten werden. Sei-
tens der Stadt erfolgen bereits Vorarbeiten zu einem Ökokonto und einem Kompensationsflä-
chenkataster. Abstimmungen mit der Unteren Naturschutzbehörde werden geführt.
2.5
7. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung
Die 7. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung (7. RBV), veröffentlicht am 19. Mai
2020 für den Freistaat Sachsen, stellt die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung bis 2035
dar. Ausgehend von den aktuellen demografischen Trends und Strukturen werden die Verän-
derungen in der Größe und im Altersaufbau der sächsischen Bevölkerung aufgezeigt. Neben
den Auswertungen für das Land, die Landkreise und die Gemeinden, stehen Ergebnisse auch
für ausgewählte Regionstypen, wie zum Beispiel Planungsregionen, zur Verfügung.
Die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung 2019 bis 2035 wird in zwei Varianten darge-
stellt. Damit ist – wie in den vorherigen Vorausberechnungen – ein Korridor geschaffen, in dem
sich die Bevölkerungszahl auf Basis der getroffenen Annahmen aller Voraussicht nach entwi-
ckeln wird. In der oberen Variante 1 berücksichtigt die 7. RBV die Annahmen der regional
übergeordneten 14. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung der Statistischen Ämter
des Bundes und der Länder. In der unteren Variante 2 wurde nur die Annahme zum Wande-
rungssaldo und zur Lebenserwartung aus der 14. koordinierten Bevölkerungsvorausberech-
nung übernommen. Ausgangspunkt der Vorausberechnung ist der auf Basis des Zensusstich-
tages 9. Mai 2011 fortgeschriebene Einwohnerbestand zum 31. Dezember 2018.
Danach liegt die Einwohnerzahl im Jahr 2025 zwischen rund 18.740 und 18.370, im Jahr 2030
zwischen rund 17.630 und 17.350 und schließlich im Jahr 2035 zwischen rund 16.850 und
16.390.
Gleichzeitig formuliert die Stadt in Erwartung eines Entwicklungsschubs als Hauptstadt des
Erzgebirges eine dauerhaft stabile Einwohnerzahl von 20.000 als stadtpolitisches Entwick-
lungsziel.

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2.6
Integriertes Stadtentwicklungskonzept INSEK
2025
Der nach 1990 starke Bevölkerungsrückgang hat sich in der jüngeren Vergangenheit abgemil-
dert. So konnte die Stadt im Jahr 2014 sogar einen schwachen Bevölkerungszuwachs von 14
Einwohnern durch Zuzüge verzeichnen, auch wenn der Schrumpfungsvorgang insgesamt an-
hält und auch für die Zukunft prognostiziert wird.
Für die Stadt Annaberg-Buchholz wurde gemäß des Gemeindeblattes Bevölkerung, Haus-
halte, Familien und deren Wohnsituation am 09. Mai 2011 des Statistischen Landesamtes des
Freistaates Sachsen eine durchschnittliche Haushaltsgröße von 1,9 Personen am ermittelt.
Dies wird auch durch das INSEK 2025 bestätigt. Die durchschnittliche Haushaltsgröße betrug
in Sachsen zwei Personen. Die durchschnittliche Haushaltsgröße wird wesentlich von einem
hohen Anteil an Ein- und Zweipersonenhaushalten bestimmt. Aufgrund der demografischen
Entwicklung ist mit einer vorläufig weiter ansteigenden Nachfrage an Wohnungen mit geringer
Haushaltsgröße (Ein- bis Zweipersonenhaushalte) zu rechnen. Die Haushalte mit drei und
mehr Personen werden abnehmen.
Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept INSEK 2025 legte mit Stand August 2017 für den
Zeitraum 2015-2025 eine Gesamtzahl von Neubau-WE in Wohn- und Nichtwohngebäuden
von knapp 200 vorwiegend im Wohnungsmarktsektor des Einfamilienhausbaus als Planungs-
größe fest, was eine Abweichung von der BBSR-Wohnungsmarktprognose um rund ein Drittel
nach unten bedeutet. Die Reduzierung des rechnerisch ermittelten Wertes erfolgte, um die
reale Situation der Stadt besser abzubilden und zu verhindern, dass der prognostizierte Wohn-
baubedarf nicht überschätzt wird.
Dabei wird in den Fünfjahresperioden von 2016 bis 2020 von jährlich rd. 20 WE, danach von
2021 bis 2025 von jährlich rd. 12 WE ausgegangen. Von geringeren Neubauzahlen sollte u. a.
deshalb nicht ausgegangen werden, weil ansonsten eine qualitative Erneuerung des Woh-
nungsbestands insbesondere bezüglich Barrierefreiheit und Energieeffizienz ausbliebe. Im
Vergleich zu anderen Flächenbezügen, weist der Wohnungsbestand in Annaberg-Buchholz
eine Tendenz zur Überalterung auf.
In Annaberg-Buchholz liegt eine durchschnittliche Baunachfrage (derzeit 12-15 WE im Jahr)
vor, welche im gesamten Stadtgebiet an geeigneten Standorten befriedigt werden soll. Die
Stadt ist aufgefordert, in allen Stadtteilen angemessene Wohnangebote vorzuhalten. Infolge
konkreter Standortnachfrage seitens Bauwilliger und zur Ausgleichung bestehender räumli-
cher Disparitäten werden die Standorte zur Deckung des Bedarfs an Bauflächen für EFH/ZFH
im FNP-Entwurf als potenzielle Entwicklungsflächen definiert (Tabelle 1).

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Tabelle 1
Übersicht Entwicklungsflächen gem. Flächennutzungsplan Annaberg- Buchholz
Nr. Standort
Größe in ha
Potential WE
1 "Geyersdorfer Hauptstraße“, Geyersdorf
0,59
9
2
"Alte Königswalder Straße“, Geyersdorf
0,96
13
3 "Tannenweg“, Geyersdorf
2,87
25
4 "Parkstraße“, Geyersdorf
1,08
13
5
Hauptstraße, Frohnau
0,12
5
6
Bäuerinweg/ Schlettauer Straße, Frohnau
0,72
6
7
Waldweg/ Ecke Straße des Friedens
0,63
10
8
Am Steigerwald, Cunersdorf
0,48
6
Summe
87
Die Aufstellung des Bebauungsplans entspricht den gesamtstädtischen Bedarfs- und Standor-
terwägungen zum Wohnungsbau, welche im INSEK und FNP-Entwurf ausführlich dargestellt
und begründet werden.
Nachdem das zuletzt entwickelte Wohngebiet "Alte Poststraße" bereits nach kurzer Zeit voll-
ständig belegt und auch für das Wohngebiet "Heiter Blick" eine steigende Nachfrage zu ver-
zeichnen ist, möchte die Stadt ein weiteres Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße
entwickeln, um den Bedarf an Baugrundstücken für Einfamilienhäuser im Stadtgebiet decken
zu können.
Nach vielen Vorgesprächen mit Bauwilligen zum Standort „Alte Königswalder Straße“ wurden
auch hier bereits sämtliche Grundstücke unter der Maßgabe eines rechtskräftigen B-Plans
verkauft. Dies ist ein deutlicher Beleg für die bestehende Nachfrage.
2.7
Zusammenfassende Ermittlung des Wohnbauflä-
chenbedarfs
Der nach 1990 starke Bevölkerungsrückgang der Stadt hat sich in der jüngeren Vergangenheit
abgeschwächt. Insgesamt verläuft die Entwicklung der Bevölkerungszahl in Annaberg-Buch-
holz in der Größenordnung parallel zum Erzgebirgskreis. Bevölkerungsverluste waren aber
auch in den letzten Jahren kennzeichnend. Die 7. RBV des Freistaates Sachsen von 2014
beschreibt zwei Varianten der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung. Danach liegt die Einwoh-
nerzahl im Jahr 2025 zwischen rund 18.740 und 18.370, im Jahr 2030 zwischen rund 17.630
und 17.350 und schließlich im Jahr 2035 zwischen rund 16.850 und 16.390.

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Die Rahmenbedingungen der Entwicklung der privaten Haushalte sind
eine insgesamt abnehmende Anzahl an Haushalten,
ein anhaltender Trend zu kleineren Haushalten („junge“ und „alte“ Haushalte),
eine abnehmende Anzahl der großen Haushalte.
Ein Hauptmerkmal der Entwicklung am Wohnungsmarkt ist ein steigender individueller Wohn-
flächenkonsum bei gleichzeitigem Bevölkerungsrückgang. Einen Neubaubedarf im Sektor der
Mehrfamilienhäuser gibt es fast nicht. Gelegentlicher Neubau ist hier nur innerhalb eines spe-
ziellen Rahmens (z.B. energetische Optimierung, altersgerechtes Wohnen) nachgefragt.
Schätzungen des Neubaubedarfs für Wohnungen liegen bis 2030 auf Landkreisebene als
Neubauraten pro Jahr vor. Um Schätzwerte für die Stadt Annaberg-Buchholz abzuleiten wird
die prognostizierte Bevölkerungsprognose der RBV zu Grunde gelegt. Die Neubauraten wer-
den so von der Ebene des Landkreises auf die Ebene der Stadt umgelegt. Den im INSEK
getroffenen Annahmen folgend ist dieser Wert um rund ein Drittel überschätzt. Deshalb wird
die Summe des ermittelten Neubaubedarfs auf zwei Drittel reduziert. Aufgrund der Wohnungs-
marktlage liegt praktisch der gesamte Neubaubedarf im Sektor der Ein- und Zweifamilienhäu-
ser. In den letzten Jahren waren rund 90% aller Baufertigstellungen Einfamilienhäuser oder
Doppelhäuser. Dafür wird ein Flächenbedarf von 15 WE/ha angenommen. In der Summe be-
steht bis zum Jahr 2030 ein Neubaubedarf von rechnerisch 201 WE oder 13,5 ha. Für die aus
dieser Nachfrage resultierenden 13,5 ha Flächenbedarf stehen auch innerörtliche Potentiale
(Baulücken, Brachflächenrevitalisierung) zur Verfügung und sollen weitestgehend genutzt
werden. Die bestehenden Wohnbauflächenreserven in vorhandenen B-Plan-Gebieten sowie
Baulücken betragen derzeit rund 96 WE, so dass auf Basis des ermittelten Wohnbaubedarfs
bis 2030 weitere 105 WE zu schaffen sind. In der Nachfolgenden Tabelle des FNP-Entwurfs
ist die Wohnungsbaubilanz für die Stadt Annaberg-Buchholz dargestellt.

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Ziele und Zwecke des Bebauungsplans
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Gründe für die Annahme, dass sich die Nachfrage im Ein- und Zweifamilienhaussektor fort-
setzt liegen in der Kombination aus dem in breiten Bevölkerungsschichten angelegten Wunsch
nach diesen Wohnformen in Verbindung mit weiterhin niedrigen Zinssätzen. Die vorhandene
Nachfrage wird sich über das nächste Jahrzehnt hinweg abschwächen. Etwa ab der Mitte des
Jahrzehnts wird mit einer abnehmenden Anzahl an Haushalten gerechnet. Die geburtenstar-
ken Jahrgänge sind dann überwiegend mit Wohnraum versorgt. Folgende Jahrgänge sind
zahlenmäßig schwächer und lösen schon allein deshalb eine geringere Nachfrage aus.
Die Stadt Annaberg-Buchholz geht konzeptionell von der folgenden Wohnungsmarktsituation
für verschiedene Wohnformen (Fertigstellungsbedarf) aus (Vgl. Entwurf zum Flächennut-
zungsplan):
3. Ziele und Zwecke des Bebauungsplans
3.1
Planungsanlass und -erfordernis
Anlass
für den Bebauungsplan ist die Absicht der Stadt, dass bislang landwirtschaftlich ge-
nutzte Grundstück für eine Bebauung mit Einfamilienhäusern zu entwickeln.
Das Vorhaben befindet sich größtenteils im Außenbereich. Es lässt sich auf der entsprechen-
den planungsrechtlichen Grundlage nicht umsetzen, da es sich bei den beabsichtigten Vorha-
ben weder um privilegierte noch um begünstigte (sonstige) Vorhaben gemäß § 35 (1) und (2)
BauGB handelt. Zur Schaffung des Baurechts für das Gesamtvorhaben ist daher ein Planver-
fahren zur Aufstellung eines Bebauungsplanes erforderlich, um eine geordnete städtebauliche
Entwicklung zu sichern und eine qualitätvolle Umsetzung zu gewährleisten.
Das
Erfordernis
für die Aufstellung des Bebauungsplanes begründet sich insbesondere dar-
aus, dass die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die beabsichtigte Entwicklung zu
schaffen sind, um dem bestehenden Bedarf an Bauflächen für den Einfamilienhausbau ent-
sprechen zu können. Dazu ist eine Überplanung des Gebietes einschließlich der erforderlichen
Erschließungsanlagen notwendig, um Grundstücke mit angemessenen Grundstücksgrößen
und günstigen Grundstückszuschnitten in Anpassung an die Nachfrage und unter Berücksich-
tigung eines städtebaulich einheitlichen Gestaltungskonzeptes bilden zu können.

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Ziele und Zwecke des Bebauungsplans
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Seite 33
Dies erfordert eine planerische Steuerung mittels eines Bebauungsplanes, um eine geordnete
städtebauliche Entwicklung im Plangebiet sowohl hinsichtlich des Plangebietes selbst als auch
bzgl. seiner Auswirkungen auf die Umgebung gewährleisten zu können. Insbesondere gilt dies
für das Einfügen der geplanten Bebauung in das vorhandene Umfeld, die verkehrliche und
medientechnische Erschließung sowie die angemessene Berücksichtigung der Belange von
Natur und Landschaft. Dieser Bebauungsplan ist somit für die städtebauliche Entwicklung und
Ordnung erforderlich.
3.2
Planungsalternativen
Der Verzicht auf die Planung (Nullvariante) kann aus Gründen einer ansonsten nicht ausrei-
chenden Vorsorge für die wohnbauliche Eigenentwicklung der Großen Kreisstadt Annaberg-
Buchholz nicht in Betracht gezogen werden. Gleichzeitig nimmt die Stadt im Rahmen der ihr
zur Verfügung stehenden Instrumente zum Flächenmanagement Einfluss darauf, zuvorderst
Baulücken (Grundstücke unten lila) und Reserven in vorhandenen BP-Gebieten nutzbar zu
machen. Letztere liegen, ausgenommen die nicht realisierte MFH-Bebauung am Herzog-
Georg-Ring (neben dem Plattenbaugebiet Barbara-Uthmann-Ring), in Buchholz und den süd-
lichen Ortsteilen Cunersdorf sowie dem Unterdorf von Kleinrückerswalde.
Generell übt der dörflich geprägte Ortsteil Geyersdorf eine starke Anziehungskraft auf Bauwil-
lige aus. Hier wurden gleich vier potenzielle Wohnbaustandorte detektiert: „Tannenweg“
„Parkstraße“, „Geyersdorfer Hauptstraße“ und „Alte Königswalder Straße“.

image
Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Ziele und Zwecke des Bebauungsplans
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Abbildung 9 Bebauungsplangebiete EFH/ZFH-Wohnungsbau (Quelle: Begründung zum Bebauungsplan „Alte
Poststraße“ Büro für Städtebau GmbH Chemnitz 43)
Bezüglich der Entfernung zur Altstadt Annaberg und vielen zentralen Einrichtungen konkurrie-
ren mit dem Plangebiet „Alte Königswalder Straße“ die Alternativstandorte „Tannenweg“ und
„Parkstraße“.
Die in der Übersichtskarte verzeichneten Flächen sind auch in der Fortschreibung zum FNP
als potenzielle Entwicklungsgebiete benannt.
Eine Alternative zu dem hier betrachteten Standort wurde im Zuge der Bearbeitung des Flä-
chennutzungsplanes diskutiert. Der Wohnbaustandort „Alte Poststraße“ ist inzwischen voll-
ständig belegt. Im Sinne einer Angebotsplanung sollen am Standort Geyersdorf neue Flächen
zur Verfügung gestellt werden, unmittelbar nachdem der Standort Alte Poststraße vollständig
belegt ist. Der Standort Parkstraße ist erst nach erfolgter Sanierung der Wismut-Altlasten für
eine Siedlungsentwicklung verfügbar. Die Sanierung wird durch einen Dritten durchgeführt und
„Alte Poststraße“

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Ziele und Zwecke des Bebauungsplans
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Seite 35
kann seitens der Stadt nicht beschleunigt werden. Im Vergleich zur Entwicklungsfläche Tan-
nenweg bietet die Alte Königswalder Straße eine deutlich günstigere Anbindung an den Orts-
kern des Ortsteils Geyersdorf mit der entsprechenden infrastrukturellen Ausstattung, so dass
hier eine Priorisierung zugunsten der Alten Königswalder Straße stattgefunden hat. Die Pla-
nung am Standort Geyersdorfer Hauptstraße soll durch einen Dritten auf Grundlage eines Pla-
nungsvertrags umgesetzt werden. Hier gibt es noch Vorbereitungsbedarf.
3.3
Planungsgrundsätze
Ziele und Zwecke der Planung
Mit der Aufstellung des Bebauungsplanes sollen vor allem folgende Ziele und Zwecke verfolgt
werden:
Schaffung der planungsrechtlichen Voraussetzungen
Maßgebliches Ziel dieses Bebauungsplanes ist die Schaffung der erforderlichen planungs-
rechtlichen Voraussetzungen für die Neuordnung und Neubebauung des Plangebiets, um da-
mit die Entwicklung des Gebietes zu ermöglichen. Dabei soll auch die städtebaulich vertret-
bare Offenheit des Satzungsplanes gewährleistet werden.
Sichern einer geordneten städtebaulichen Entwicklung
Es soll ein ruhiges Wohngebiet entwickelt und eine geordnete städtebauliche Entwicklung in
Bezug auf das Plangebiet selbst sowie hinsichtlich seiner Auswirkungen auf die Umgebung
gewährleistet werden. Insbesondere gilt dies für den zu gestaltenden Übergang zwischen
Ortsrand und Landschaft. Den künftigen Bauherren soll dabei unter Berücksichtigung des
städtebaulichen Kontextes eine im vorgegebenen Rahmen weitgehend individuelle Ausfüh-
rung und Gestaltung ihrer Gebäude ermöglicht werden.
geordnete verkehrliche Erschließung
Die Entwicklung des Baugebietes erfordert die verträgliche Einordnung einer Erschließungs-
anlage bei möglichst geringer Flächeninanspruchnahme durch die Anlage selbst sowie mög-
lichst geringer Beeinträchtigung angrenzender Grundstücke.
Berücksichtigung der Nachbarschaft (insbesondere der Fa. Annaberger Backwaren
GmbH)
Auch ist es erforderlich, potenzielle Konflikte zwischen den unterschiedlichen Nutzungen zu
ermitteln und auf dem Wege der Bauleitplanung unzulässige Beeinträchtigungen planungs-
rechtlich auszuschließen. Im Nordwesten grenzt der Gewerbebetrieb Fa. Annaberger Back-
waren GmbH an. Hier gilt es, mögliche Nutzungskonflikte in Bezug auf den Schallschutz zu
vermeiden.

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Ziele und Zwecke des Bebauungsplans
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seecon Ingenieure I 17.01.2022
Minimierung der Eingriffe in Natur und Landschaft
Mit der Umsetzung der Planung wird es zu Eingriffen in Natur und Landschaft durch die beab-
sichtigten Bau- und Erschließungsmaßnahmen kommen. Im Rahmen des Planverfahrens sol-
len entsprechende Maßnahmen zur Minimierung und Minderung der Eingriffe ermittelt und
festgesetzt werden. Neben der Absicht, das Plangebiet in hohem Maße zu begrünen, soll in
dessen Süden ein Grünzug als Übergang zur Landschaft gesichert, sowie ein vorhandener
Steinrücken verlängert werden. Durch Integration geeigneter grünordnerischer Festsetzungen
soll die nachhaltige Entwicklung von Natur und Landschaft sowie des Ortsbildes gesichert
werden.
Weitere Ziele und Zwecke, die den einzelnen Festsetzungen zugrunde liegen, sind den jewei-
ligen Kapiteln zu entnehmen, in denen die Festsetzungen begründet werden.
3.4
Verfahrensdurchführung
Der Bebauungsplan wird nach § 13 b BauGB aufgestellt.
Folgende Verfahrensschritte wurden zur Vorbereitung des Satzungsbeschlusses durchge-
führt:
Tab. Übersicht Verfahrensschritte
Aufstellungsbeschluss
vom 26.03.2020
Beschluss Nr. 0166/20/07-StR/08/20,
bekannt gemacht im Amtsblatt Nr. 04/2020 vom 30.04.2020
30.04.2020
Freiwillige frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange zum Vor-
entwurf (§ 4 Abs. 1 BauGB), mit Schreiben vom 28
.08.2020
28.09.2020-
30.10.2020
Freiwillige frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit zum Vorentwurf (§ 3 Abs.
1 BauGB),
bekannt gemacht im Amtsblatt Nr. 01/2021 vom 25.02.2021
08.03.2021
Änderung des Aufstellungsbeschlusses und öffentliche Auslegung des Bebau-
ungsplanes vom 26.08.2021, Beschluss Nr. 0386/21/07-StR/22/21,
bekannt gemacht im Amtsblatt Nr. 08/2021 vom 24.09.2021
24.09.2021
Folgende Besonderheiten der Durchführung des Verfahrens sind zu nennen:
Anwendung des beschleunigten Verfahrens nach § 13 b Baugesetzbuch (BauGB)
Für die Aufstellung des Bebauungsplanes kommt das beschleunigte Verfahren nach § 13 b
BauGB zur Anwendung.
Die im § 13 b und § 13 a Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 3 BauGB genannten Voraussetzungen sind
wie folgt erfüllt:
o
Der Bebauungsplan sieht für das Plangebiet Wohnnutzung vor.

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Ziele und Zwecke des Bebauungsplans
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Seite 37
o
Das Plangebiet befindet sich zwar innerhalb des Siedlungskörpers der Stadt
Annaberg, der Bereich ist größtenteils als Außenbereich einzuordnen.
o
Der zulässige Größenwert von 10.000 m² zulässiger Grundfläche wird nicht erreicht.
Die gemäß Bebauungsplan zulässige GRZ beträgt rund 3.500 m².
o
Von der Umweltprüfung nach § 2 Absatz 4, von dem Umweltbericht nach § 2 a, von
der Angabe nach § 3 Absatz 2 Satz 2, welche Arten umweltbezogener Informationen
verfügbar sind, sowie von der zusammenfassenden Erklärung nach § 6 a Absatz 1
und § 10a Absatz 1 wird abgesehen. Bei der Beteiligung ist darauf hinzuweisen, dass
von einer Umweltprüfung abgesehen wird. Auch ohne förmliche Umweltprüfung
werden die wesentlichen Auswirkungen des Bebauungsplanes auf die Umwelt
ermittelt und in der Begründung dargelegt (siehe Kapitel 6.1.1).
o
Im Ergebnis einer Vorprüfung des Einzelfalles wurde die Einschätzung erlangt, dass
der Bebauungsplan voraussichtlich keine erheblichen Umweltauswirkungen hat, die in
der Abwägung zu berücksichtigen wären.
o
Anhaltspunkte für eine Beeinträchtigung der in § 1 Abs. 6 Nr. 7 Buchstabe b BauGB
genannten Schutzgüter oder dafür, dass bei der Planung Pflichten zur Vermeidung
oder Begrenzung der Auswirkungen von schweren Unfällen nach § 50 Satz 1 des
Bundes-Immissionsschutzgesetzes zu beachten sind, bestehen nicht.
frühzeitige Beteiligungen der Öffentlichkeit und der TöB
Von den frühzeitigen Beteiligungen der Öffentlichkeit gemäß § 3 Abs. 1 BauGB sowie der
Träger öffentlicher Belange (TÖB) gemäß § 4 Abs. 1 BauGB kann unter Anwendung des § 13
a Abs. 2 Nr. 1 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 Nr. 1 BauGB abgesehen werden. Es wurde eine
freiwillige frühzeitige TÖB-Beteiligung gemäß § 4 Abs. 1 BauGB und der Öffentlichkeit gemäß
§ 3 Abs. 1 BauGB durchgeführt, um frühestmöglich etwaige wichtige Hinweise zu erhalten und
diese berücksichtigen zu können.
Um die Vorhaussetzungen für § 33 BauGB zu erfüllen wurde am 08.03.2021 eine Informati-
onsveranstaltung als freiwillige frühzeitige Beteiligung in der Turnhalle Geyersdorf durchge-
führt. Die Bekanntmachungen, Informationen und Niederschriften wurden im Verfahren be-
rücksichtigt.
3.4.1
Ergebnisse der Beteiligungen
Frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange
Diejenigen Träger öffentlicher Belange (TöB), deren Aufgabenbereich durch die Planung be-
rührt werden kann, wurden mit Schreiben vom 29.09.2020 freiwillig über die Planung unter-
richtet und ihnen wurde Gelegenheit zur Äußerung gegeben.
Es wurden insgesamt 34 TöB beteiligt.

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Ziele und Zwecke des Bebauungsplans
Seite 38
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Von den 22 eingegangenen Stellungnahmen enthielten 3 Stellungnahmen zu prüfende oder
zu berücksichtigende Belange. Die wesentlichen Inhalte und der Umgang mit den Inhalten der
Stellungnahmen werden für die einzelnen Träger dargestellt. Mit den gegebenen Anregungen
und Hinweisen wurde mit der aktuellen Planung wie folgt umgegangen:
Landratsamt Erzgebirgskreis
Inhalt der Stellungnahme
Umgang
Immissionschutz:
Bis zur Vorlage der schalltechnischen Untersu-
chung des Gewerbelärms der benachbarten
Großbäckerei kann keine abschließende Beur-
teilung
erfolgen.
Hinweis auf Immissionsschutzrechtlichen Kon-
flikt in den vorliegenden Planungsunterlagen:
Im nordwestlichen Bereich des Plangebietes
wurde der Übergang von der gewerblichen Flä-
che (Bäckerei) über eine Abstufung vom MI
zum WA und schließlich zum WR gelöst. Ob
diese räumliche Abstufung zur Einhaltung der
Orientierungswerte ausreichend ist, wird das
zu erstellende Schallgutachten noch nachwei-
sen müssen.
Im südöstlichen Bereich des Plangebietes wird
das reine Wohngebiet allerdings bis an die
Grenze zur Bestandsbebauung ausgewiesen.
Da die Bestandsbebauung im Vorentwurf des
Flächennutzungsplanes als Mischgebiet ge-
kennzeichnet ist, entsteht an dieser Grenze ein
Orientierungswert-Sprung
von
10
dB
(tags/nachts). Als Lösung dieses Konflikts ist
entweder die umgebende Mischgebietsfläche
im Entwurf des FNP einem WA zuzuordnen,
oder eine abschließende Teilfläche des Plan-
gebiets wird - wie im nordwestlichen Bereich -
als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen.
Im Zuge der weiteren Planung wurde aufgrund der
Lage zu benachbarten Gewerbe- und Mischgebie-
ten auf die Ausweisung eines Reinen Wohnge-
biets (WR) verzichtet. Stattdessen wurde ein All-
gemeines Wohngebiet (WA) ausgewiesen.
Eine Schalltechnische Untersuchung der benach-
barten Großbäckerei ist erfolgt. Im Ergebnis wer-
den Maßnahmen zur Konfliktlösung festgesetzt.
Die Maßnahmen zum Schallschutz wurden im
Vorfeld der Erstellung des Planentwurfs mit dem
Sachgebiet Immissionsschutz des Landratsamts
besprochen.
Bodenschutz:

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Ziele und Zwecke des Bebauungsplans
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Seite 39
Die Begründung zu den Auswirkungen auf das
Schutzgut Boden in Verbindung mit dem
Schutzgut Fläche ist für eine sachgerechte Ab-
wägung der öffentlichen Belange im Rahmen
der Aufstellung des Bebauungsplanes als nicht
ausreichend zu bewerten, da keine Betrach-
tung des Ausgangszustandes hinsichtlich der
Wertigkeit der vorhandenen Böden in Verbin-
dung mit der Erfüllung von natürlichen Boden-
funktionen erfolgte.
Die Notwendigkeit zur Umwandlung überwie-
gend landwirtschaftlich genutzten Fläche wird
unter Verweis auf § 1a Abs. 2 BauGB in der
Begründung zum Vorentwurf des Bebauungs-
planes aus umweltfachlicher Sicht nicht hinrei-
chend erörtert.
Verweis auf SN zum Vorentwurf des FNP - die
vorhandene Versieglung im Plangebiet ist als
sehr gering einzuschätzen, wodurch die Ein-
stufung als „teilversiegelte“ Fläche und die da-
raus abgeleitete Beeinträchtigung im Aus-
gangszustand nicht gerechtfertigt erscheint.
Von der Planung sind gem. Bodenkarte 1:50.000
vor allem Böden mit sehr geringer und geringer
natürlicher Fruchtbarkeit betroffen.
Der Bezug auf die Umweltauswirkungen der Pla-
nung wurde gemäß FNP-Entwurf aktualisiert und
die Inanspruchnahme der landwirtschaftlich ge-
nutzten Fläche ergänzt.
Die Notwendigkeit zur Umwandlung von landwirt-
schaftlichen Flächen in Siedlungsflächen ergibt
sich aus dem planerischen Erfordernis, entspre-
chend des mittelfristig ermittelten Wohnbaube-
darfs Flächen für den Wohnungsbau vorwiegend
im Sektor Einfamilienhausbau zur Eigenentwick-
lung der Kommune zur Verfügung zu stellen. Die
vorhandenen verfügbaren Wohnbauflächenreser-
ven und Innenentwicklungspotenziale reichen zur
Deckung des Bedarfs nicht aus. Daher müssen in
begrenzten Umfang an städtebaulich vertretbaren
Standorten neue Flächen für die Siedlungsent-
wicklung in Anspruch genommen werden.
Die Fläche ist aufgrund der vorhandenen Bebau-
ung auch nicht als unversiegelt zu bezeichnen.
Hier kann von einer teilversiegelten Fläche mit ge-
ringem Versiegelungsgrad gesprochen werden.
Artenschutz
Die artenschutzrechtlichen Belange des § 39
BNatSchG und § 44 BNatSchG sind im Verfah-
ren zu betrachten und zu beachten. Aufgrund
des fehlenden artenschutzrechtlichen Fachbei-
trages kann zum derzeitigen Zeitpunkt keine
artenschutzrechtliche Beurteilung des geplan-
ten Vorhabens erfolgen.
Artenschutzrechtliche Belange wurden mit Vorlie-
gen des artenschutzrechtlichen Fachbeitrags im
Planentwurf ergänzt. Im Ergebnis ist festzustellen,
dass für die untersuchten Artengruppen Vögel und
Fledermäuse
erhebliche
Beeinträchtigungen
durch die geplante Bebauung, unter Berücksichti-
gung der Vermeidungs-, Minimierungs- und Kom-
pensationsmaßnahmen, ausgeschlossen werden
können.
Es ist nicht zu erwarten, dass bei Umsetzung des
Vorhabens die Verbotstatbestände des § 44
BNatSchG bzw. des Art. 12 FFH-RL und Art. 5 der

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Ziele und Zwecke des Bebauungsplans
Seite 40
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Vogelschutzrichtlinie eintreten, sofern die im ar-
tenschutzrechtlichen Fachbeitrages vorgeschla-
genen Vermeidungsmaßnahmen umgesetzt wer-
den. Ein Ausnahmeverfahren gem. § 45 (8)
BNatSchG ist nicht erforderlich.
Landwirtschaft:
Die Planung verursacht Eingriffe in die Be-
triebs- und Wirtschaftsstruktur der betroffenen
landwirtschaftlichen Betriebe. Agrarstrukturelle
Betroffenheit durch das Vorhaben ist durch den
dauerhaften Flächenentzug, durch die dauer-
hafte Zerschneidung von Bewirtschaftungsein-
heiten,
die
eventuelle
dauerhafte
oder vorübergehende Störung der Zuwegung
und die mögliche dauerhafte Beeinträchtigung
des Bodengefüges und des Bodenwasser-
haushaltes gegeben
Gemäß Ziel Z 2.2.1.4 des Landesentwicklungs-
planes 2013 (LEP 2013) ist die Festsetzung
neuer Baugebiete außerhalb der in Zusam-
menhang bebauten Ortsteile nur in Ausnahme-
fällen zulässig. Diese Forderung wird unter an-
derem im § 1a Abs. 2 BauGB umgesetzt. Dem-
nach hat die Kommune die Notwendigkeit der
geplanten Umwandlung von landwirtschaftlich
genutzten Flächen zu begründen und insbe-
sondere Ermittlungen zu Innenentwicklungspo-
tentialen durchzuführen, zu denen Brachflä-
chen, Gebäudeleerstand, Baulücken und an-
dere Nachverdichtungsmöglichkeiten zählen
können. Die in der Begründung aufgeführten
Argumente sind dazu nicht ausreichend.
Der Bebauungsplan steht der Zielvorgabe des
Freistaates Sachsen entgegen, bis 2030 die
Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungs-
und Verkehrsflächen auf unter 2 ha pro Tag zu
reduzieren.
Die Auswirkungen wurden in die Planbegründung
aufgenommen. Den Auswirkungen stehen die
städtebaulichen Zielstellungen zur Schaffung von
Wohnbauflächen entgegen. Da die vorhandenen
Reserveflächen zur Befriedigung des Wohnbau-
bedarfs nicht ausreichen, werden in geringem
Umfang derzeit landwirtschaftlich genutzte Fläche
neu für die Siedlungsentwicklung in Anspruch ge-
nommen. Die Fläche weist bereits durch die an
drei Seiten umgebende Bebauung einen hohen
Siedlungszusammenhang auf und kann mit ver-
tretbaren Kosten für eine bauliche Entwicklung er-
schlossen werden. Die natürliche Fruchtbarkeit
der vorhandenen Böden ist sehr gering bis gering.
Dem Wohnbaubedarf der Stadt, welcher im FNP
ermittelt wurde, wird durch den B-Plan entspro-
chen.
Ein Zielkonflikt besteht aus Sicht der Stadt nicht.
Die Flächeninanspruchnahme erfolgt entspre-
chend der Flächenausweisung des FNP. Die Flä-
chenentzug erfolgt maßvoll und in unmittelbaren
Anschluss an die vorhandene Siedlungsbebau-
ung des Ortsteils Geyersdorf. Sie dient zur maß-
vollen Weiterentwicklung des Ortsteils entspre-
chend der vorhandenen infrastrukturellen Ausstat-
tung.

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Ziele und Zwecke des Bebauungsplans
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Seite 41
Weiterhin steht der geplante Bebauungsplan
den Zielen 6.1.3 und 6.1.4 des Regionalplanes
Chemnitz-Erzgebirge sowie dem Grundsatz
2.3.1.1 und dem Ziel 2.3.1.2 des Entwurfes des
Regionalplanes Region Chemnitz entgegen.
Die landwirtschaftlichen Flächen sind nicht als
Vorbehaltsgebiete Landwirtschaft festgelegt,
jedoch ist in den regionalen Teilräumen mit in-
tensiver landwirtschaftlicher Nutzung und Tier-
produktion, insbesondere in den mittleren und
höheren Lagen des Erzgebirges, auf einen ver-
stärkten Flächenschutz hinzuwirken.
Planungsverband Region Chemnitz
Entwicklung der Flächen 76/12 und 470/4
Die gegenüberliegende landwirtschaftliche En-
klave eignet sich besser zur Siedlungsentwick-
lung als die Fläche des Plangebiets, die die
Siedlung in zweiter Reihe zur Alten Königswal-
der Straße in die Landschaft hinein erweitert.
Im Rahmen der Beratung zwischen Vertretern des
RPV und der Landesdirektion wurde erläutert,
dass Eigentümer der Flächen 76/12 und 470/4 der
Gemarkung Geyersdorf mittelfristig nicht bereit
sind ihre Grundstücke für eine Siedlungsentwick-
lung zu veräußern bzw. diese selbst zu entwi-
ckeln. Somit ist eine städtebaulich wünschens-
werte Entwicklung aus der Ortslage Geyersdorf
heraus in diesem Bereich in den kommenden 15
Jahren nicht zu realisieren. Eine Ausweisung die-
ser Flurstücke als Wohnbaufläche würde erhebli-
che Erweiterungspotenziale für Wohnbauentwick-
lung binden, ohne diese in absehbarer Zeit tat-
sächlich umsetzen zu können.
Durch die Planung erfolgt keine Verinselung land-
wirtschaftlichen Flächen. Die straßenbegleitende
Bebauung entlang des Alten Königswalder Straße
besteht bereits. Somit ändert sich durch die Pla-
nung die städtebauliche Situation der nördlich an-
grenzenden landwirtschaftlichen Fläche nicht.
Bodenschutz
Die Bodenfruchtbarkeit ist in der Bodenkarte als
gering bis mittel angegeben. Somit handelt es sich

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Ziele und Zwecke des Bebauungsplans
Seite 42
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Innerhalb des Geltungsbereichs befinden sich
zum Teil Böden mit einer hohen natürlichen Bo-
denfruchtbarkeit der Stufe III - Nach Z 2.3.1.2
des Entwurfs des Regionalplans soll der Ent-
zug nutzbarer Bodenfläche für die durch Ver-
siegelung mit Rücksicht auf die Existenzgrund-
lage der Landwirtschaft sparsam erfolgen. Bo-
denverbrauch von Landwirtschaftsfläche ist auf
unabdingbares Maß zu beschränken.
nicht um besonders wertvolle Anbauflächen. Der
Bodenverbrauch orientiert sich an den statistisch
aufwändig ermittelten Bedarfen und erfolgt maß-
voll in unmittelbarer Anbindung an vorhandene
Siedlungsstrukturen.
Verfahrensart
Das Planungsinstrument § 13a BauGB er-
scheint nicht geeignet, da es sich um einen
klassischen Außenbereich handelt.
Mit dem Entwurf des Bebauungsplanes wurde das
Verfahren geändert. Der B-Plan wird als § 13b-
Verfahren fortgeführt.
Regionalbauernverband Erzgebirge e. V.
Inanspruchnahme Landwirtschaftsfläche
Unter dem Aspekt der langfristigen Bevölke-
rungsentwicklung der Stadt Annaberg-Buch-
holz ist die Inanspruchnahme landwirtschaftli-
cher Nutzflächen bedenklich - Fokus sollte auf
innerstädtischer Bausubstanz liegen.
Im Falle einer Umsetzung des BPL werden Hin-
weise gegeben.
Vorhandene Flächenreserven und Potenzial-
standorte im Innenbereich reichen nicht zur De-
ckung des mittelfristigen Wohnbaubedarfs aus.
Daher muss eine maßvolle Inanspruchnahme von
landwirtschaftlich genutzten Außenbereichsflä-
chen erfolgen.
Die Stadt hält an der Entwicklung des Wohnge-
biets fest.
Die Hinweise zur Umsetzung des B-Planes wer-
den in der weiteren Planung berücksichtigt.

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Planinhalt
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Seite 43
B TEIL II Städtebauliche Planung
4. Planinhalt
Das Plangebiet ist im Wesentlichen gegliedert in:
ein allgemeines Wohngebiet (WA) mit den Teilflächen WA 1 bis WA 4,
öffentliche Verkehrs,- und Wegeflächen,
Grünflächen sowie
Flächen für Versorgungsanlagen
Im Folgenden werden das in der Planzeichnung festgesetzte Baugebiet sowie alle dazu im
B-Plan getroffenen Festsetzungen in der sich aus § 9 BauGB ergebenden Reihenfolge darge-
legt, erläutert und begründet. Die zeichnerischen Festsetzungen des B-Planes sind sinnge-
mäß und die textlichen Festsetzungen als Zitat wiedergegeben. Zur besseren Unterscheidbar-
keit sind die Festsetzungen
kursiv
aufgeführt.
4.1
Art der baulichen Nutzung
Planzeichnung:
Es wird zeichnerisch ein allgemeines Wohngebiet gem. § 4 BauNVO (WA) mit den Teilflächen
WA 1 bis WA 4 festgesetzt.
Begründung:
Die Baugebiete werden als allgemeine Wohngebiete festgesetzt, da sie vorrangig dem Woh-
nen dienen sollen.
Mit den Festsetzungen zur Art der baulichen Nutzung wird der für das Plangebiet beabsichtigte
Nutzungscharakter bestimmt und auf die künftige Nutzung im Plangebiet ausgerichtet. Dar-
über hinaus soll gewährleistet werden, dass die angestrebte künftige Nutzung des Gebietes in
umweltverträglicher Art und Weise umgesetzt und an die umgebende Nutzungsstruktur ange-
passt werden kann.
Die Flächen des Plangebietes werden als allgemeine Wohngebiete (WA) ausgewiesen. Hier
wird das Ziel verfolgt, eine dem Standort entsprechende Nutzung zu generieren. Das Wohn-
gebiet ist vorwiegend dem Wohnen vorbehalten. In begrenztem Umfang sollen auch weitere,
das Wohnen ergänzende und gleichzeitig nicht beeinträchtigende, Nutzungen zugelassen
werden. Dies entspricht weitgehend dem vorherrschenden Charakter des Umfeldes sowie der

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Planinhalt
Seite 44
seecon Ingenieure I 17.01.2022
angestrebten ruhigen, landschaftlich gut eingebundenen Wohnsituation. Die Teilbereiche un-
terscheiden sich sowohl durch die Festsetzung der Bezugspunkte für die Höhe der Oberkante
des Eingangsgeschoss-Rohfußbodens der Wohngebäude (Vgl. Festsetzung Nr. 2.1) als auch
durch die Festsetzung zur Vermeidung von Umweltwirkungen (Schall). Ziel ist es, ca. zehn
Wohneinheiten zu realisieren.
Die Ausweisung von Wohngebieten an dieser Stelle entspricht den Entwicklungsempfehlun-
gen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes INSEK 2025 (siehe Kap. 2.6).
Ferner soll gewährleistet werden, dass die angestrebte künftige Nutzung des Gebiets in um-
weltverträglicher Art und Weise umgesetzt und an die umgebende Nutzungsstruktur ange-
passt werden kann.
4.1.1
Allgemein zulässige Nutzungen
TEIL B: TEXT, NR. 1.1
Allgemein zulässig sind im allgemeinen Wohngebiet WA (soweit sich aus den nachfolgenden
Festsetzungen nichts anderes ergibt):
a) Wohngebäude,
b) die der Versorgung des Gebietes dienenden Läden, Schank- und Speisewirtschaften so-
wie nicht störende Handwerksbetriebe,
c) Anlagen für kirchliche, kulturelle, soziale und gesundheitliche Zwecke.
TEIL B: TEXT, NR. 1.2
Abweichend zu Nr. 1.1 b) werden die der Versorgung des Gebietes dienenden Läden,
Schank- und Speisewirtschaften bis zu einer maximalen Verkaufs- bzw. Gastraumfläche von
200 m² zugelassen.
Begründung:
Ziel dieser Festsetzung ist es, im Rahmen der Zweckbestimmung des Baugebietes als allge-
meines Wohngebiet gemäß § 4 BauNVO eine Feinsteuerung der neben den Wohngebäuden
allgemein zulässigen Nutzungen vorzunehmen, insbesondere um Entwicklungen im Bauge-
biet, die zu Konflikten mit der Wohnnutzung sowohl im Baugebiet selbst als auch in dessen
Umfeld führen könnten, zu vermeiden.
Beide Baugebiete sollen überwiegend der Wohnnutzung vorbehalten sein und ein ungestörtes
Wohnen gewährleisten. Anlagen für kirchliche, kulturelle, soziale und gesundheitliche Zwecke
im WA sowie Anlagen zur Kinderbetreuung, die den Bedürfnissen der Bewohner des Gebiets

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Planinhalt
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Seite 45
dienen, sind zulässig. Es werden bzgl. der zulässigen Nutzungen fast keine Einschränkungen
vorgenommen, da hierfür kein Planungserfordernis erkennbar ist.
Die zulässigen Nutzungen im WA entsprechen weiterhin der städtebaulichen Zielstellung, ein
Wohnquartier zu entwickeln, welches aufgrund seiner eigenen Größe und der Entwicklung
angrenzender Nutzungen auch den Bedarf an ergänzenden Nutzungen wie bspw. Handwerks-
betriebe und der Versorgung des Gebietes dienenden Läden hat.
Mit Festsetzung Nr. 1.2 ist sichergestellt, dass im Baugebiet zulässige Läden sowie Schank-
und Speisewirtschaften eine wohnortnahe, möglichst fußläufige Versorgungsmöglichkeit z. B.
mit Lebensmitteln nicht ausgeschlossen werden. Gleichzeitig sind Betriebsgrößen mit einem
weit über den Ortsbereich hinaus reichenden Einzugsbereich nur zulasten der wohnortnahen
Versorgung in anderen Stadtteilen möglich und daher zu vermeiden. Auch würden größere
Einrichtungen zusätzlich gebietsfremden Kfz-Verkehr mit hoher Frequenz anziehen, was die
beabsichtigte ruhige Wohnsituation beeinträchtigen könnte. Gleiches gilt für Schank- und Spei-
sewirtschaften, welche am ehesten in Verbindung mit einem kleinen Betrieb des Beherber-
gungsgewerbes vorstellbar wären. Hingewiesen wird darauf, dass auch das höchstzulässige
Nutzungsmaß steuernd wirkt.
4.1.2
Ausnahmsweise zulässige Nutzungen
TEIL B: TEXT, NR. 1.3
Ausnahmsweise zulässig sind im allgemeinen Wohngebiet WA, Betriebe des Beherber-
gungsgewerbes.
Begründung:
Zunächst soll der Charakter eines Wohngebietes gewahrt bleiben. Weitere Betriebe des Be-
herbergungsgewerbes können jedoch ausnahmsweise zugelassen werden, da sich die zuläs-
sigen Schank- und Speisewirtschaften, welche am ehesten in Verbindung mit einem kleinen
Betrieb des Beherbergungsgewerbes vorstellbar wären, ergänzen.
4.1.3
Unzulässige Nutzungen
TEIL B: TEXT, NR. 1.4
Unzulässig sind im allgemeinen Wohngebiet (WA):
a) Anlagen für sportliche Zwecke,
b) sonstige nicht störende Gewerbebetriebe,
c) Anlagen für Verwaltungen,

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d) Gartenbaubetriebe,
e) Tankstellen.
[§ 1 Abs. 5 und 6 Nr. 1 BauNVO]
TEIL B: TEXT, NR. 1.5
Selbstständige sowie unselbstständige Kleinwindenergieanlagen sind in allen Baugebieten
auch als untergeordnete Nebenanlagen unzulässig.
[§ 14 Abs. 1 S.3 BauNVO]
Begründung:
Auswirkung der Festsetzung Nr. 1.1 für das allgemeine Wohngebiet WA ist, dass Anlagen für
sportliche Zwecke, soweit sie von § 4 Abs. 2 BauNVO erfasst werden, im Baugebiet nicht
zulässig sind. Aufgrund der möglichen Größe und Flächeninanspruchnahme von Sportanla-
gen sowie dem damit verbundenen Sportlärm (bei Freianlagen) und des Zu- und Abgangsver-
kehrs ist von wesentlichen Beeinträchtigungen der geplanten Wohnnutzung auszugehen.
Darüber hinaus besteht im Plangebiet für die weiteren ausgeschlossenen Nutzungen (wie
bspw. Anlagen für Verwaltungen, Betriebe des Beherbergungsgewerbes oder Gewerbebe-
triebe) kein Bedarf. Es sind in den allgemeinen Wohngebieten wohngebietstypische kleintei-
lige Strukturen geplant, die das Plangebiet in Nutzung und Wirkung reflektieren. Gartenbau-
betriebe und Tankstellen stellen in der Regel größere Strukturen dar und dienen nicht nur der
„Versorgung“ des Plangebietes. Tankstellen sollen zudem nur an Hauptverkehrsstraßen gele-
gen sein. Störwirkungen, z. B. durch eine intensive Flächeninanspruchnahme oder ein höhe-
res Verkehrs- und Parkaufkommen, sind nicht gewünscht. Eine Unterversorgung der Bewoh-
ner des Gebiets ist nicht zu befürchten, jedoch würde die Wohnruhe befördert.
Aufgrund der Sorge um Beeinträchtigung der Wohnqualität am Standort durch Geräusche,
Lichteffekte (Reflexion, Schattenwurf, Disco-Effekt) sowie eine Ortsbildbeeinträchtigung sind
Kleinwindenergieanlagen unzulässig. Eine den Klimaschutzzielen gerecht werdende Energie-
versorgung ist mit anderen Möglichkeiten der Nutzung alternativer Energiequellen möglich.

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4.2
Maß der baulichen Nutzung
4.2.1
Grundflächenzahl
TEIL A: PLANZEICHNUNG
Gemäß Planeinschrieb wird für die allgemeinen Wohngebiete die Grundflächenzahl (GRZ) mit
0,3 festgesetzt.
Begründung:
Das Maß der baulichen Nutzung wird durch die Festsetzung einer Grundflächenzahl (GRZ)
oder die Festsetzung einer Größe der Grundfläche (GR), die gleich der Flächeninhalte der
festgesetzten überbaubaren Grundstücksflächen geregelt sind, bestimmt.
Die Systematik der Baunutzungsverordnung fordert zur Festsetzung des Maßes der baulichen
Nutzung gemäß § 16 Abs. 3 BauNVO neben einer entsprechenden Geschosszahl- oder Hö-
henfestsetzung stets die Festsetzung der Grundflächenzahl (GRZ) oder der Größe der Grund-
flächen (GR).
Auf die Festsetzung einer Geschossflächenzahl (GFZ) kann verzichtet werden, da im B-Plan
die GRZ und die Höhe baulicher Anlagen festgesetzt wurden. Im Rahmen des Planverfahrens
wurde dennoch geprüft, ob die Obergrenze der GFZ gem. § 17 BauNVO eingehalten wird.
Unterstellt man als größtmögliche Grundfläche eines beispielhaften 15 m x 16 m großen
Grundriss einschließlich einer Terrasse, so läge die dafür benötigte Grundfläche bei 240 m²,
also 30 % eines ebenfalls beispielhaften 800 m² großen Grundstückes. Mit der 50-prozentigen
Überschreitungsmöglichkeit gem. BauNVO dürfen regelmäßig die Garagen und Stellplätze
(z. B. 9 m x 6 m = 54 m²) mit ihren Zufahrten (z. B. 3 m x 15 m = 45 m²) sowie Nebenanlagen
(z. B. Geräteschuppen 4 m x 5 m = 20 m²) in Summe weitere 120 m² in Anspruch nehmen.
Das erscheint mehr als auskömmlich, da in jedem der Wohngebäude auch nur jeweils höchs-
tens zwei Wohnungen zugelassen sind (siehe TF 5). Als Höchstmaß wurde daher in allen
Baugebieten eine GRZ 0,3 festgesetzt. Selbst bei einer Grundstücksgröße vom 500 m² dürfte
das Wohngebäude noch mehr als 12 m Kantenlänge eines angenommenen quadratischen
Grundrisses einnehmen, d. h., es besteht kein Grund, § 17 BauNVO hier auszuschöpfen.
Zum schonenden Umgang mit dem Schutzgut Boden bleibt der Bebauungsplan, hinter den
nach BauNVO maximal zulässigen Überschreitungen zurück. Für die Realisierung der Neben-
anlagen bleibt dennoch genügend Spielraum.
Weiterhin wird durch diese Konzentration dafür Sorge getragen, dass an anderer Stelle für
diese Zwecke keine Flächen in Anspruch genommen werden müssen und somit nachteilige
Auswirkungen auf die Umwelt vermieden werden.

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Die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse (Belichtung, Be-
sonnung, Belüftung) werden nicht beeinträchtigt.
Insgesamt gewährleistet die gewählte Festsetzung, dass in den Baugebieten eine den über-
geordneten städtebaulichen und denkmalpflegerischen Zielen entsprechende Bebauung mit
einem ökologisch verträglichen und den städtebaulichen Randbereich entsprechenden Dich-
tewert realisiert werden kann. Ferner ermöglichen die Festsetzungen die wirtschaftlich tragfä-
hige Vermarktung der Grundstücke und eine im hohen Maß bodenschonende Entwicklung der
Gebiete.
Diese Art der Festsetzung wird gewählt, um innerhalb der klar begrenzten Baugebiete für die
dort angestrebte Bebauung eine größtmögliche Flexibilität in der Ausnutzung der zur Verfü-
gung stehenden Grundstücksfläche zu gewährleisten.
4.2.2
Höhe baulicher Anlagen
Planzeichnung:
Gemäß Planeinschrieb wird die zulässige Geschossigkeit mit maximal 2 Vollgeschossen
festgesetzt.
[§ 16 Abs. 2 Nr. 3 BauNVO i. V. m. § 20 BauNVO]
TEIL B: TEXT, NR. 2.1
Die Höhe der Oberkante des Eingangsgeschoss-Rohfußbodens der Wohngebäude darf im
Mittel:
- im allgemeinen Wohngebiet WA 1 bis WA 2 maximal 0,6 m unterhalb und maximal 0,6 m
oberhalb
- im allgemeinen Wohngebiet WA 3 nicht unterhalb und maximal 0,8 m oberhalb und
- im allgemeinen Wohngebiet WA 4 nicht unterhalb und maximal 4,5 m oberhalb des Bezugs-
punkts liegen.
Als unterer Bezugspunkt für die Höhenfestsetzung ist die Höhenlage der Planstraße in der
Mitte der gemeinsamen Grenzen des Baugrundstücks mit der Verkehrsfläche dieser Straße.
Die genaue Höhenlage dieses Bezugspunktes ist durch lineare Interpolation aus den beiden
benachbarten in der Planzeichnung festgesetzten Straßenhöhen zu ermitteln. Für das WA 1
bis WA 2 gelten die Bezugspunkte Nr. 1 und 2. Für die Baugebiete WA 3 bis WA 4 gelten die
Bezugspunkte Nr. 2, 3 und 4.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 1 BauGB, § 18 BauNVO]

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TEIL B: TEXT, NR. 2.2
Abweichungen von der festgesetzten Eingangsgeschoss-Rohfußbodenhöhe sind in allen
Baugebieten bis zu einer Höhe von 0,40 m ausnahmsweise zulässig, wenn dadurch die Be-
bauung der Nachbargrundstücke nicht beeinträchtigt wird.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 1 BauGB, § 18 BauNVO]
Begründung:
Mit den Höhenvorgaben wird den möglichen Haustypologien entsprochen, welche an dem
Standort realisiert werden können.
Damit soll zur hier gleichfalls festgesetzten maximalen Geschossigkeit eine höhenmäßige Har-
monie am Standort bewirkt werden. Es werden die ortstypischen Gebäudehöhen berücksich-
tigt. Erwartet werden Baukörper von Flachdachbungalow bis unterkellerte Gebäude mit zwei
Regelgeschossen zuzüglich ausgebautem Dachgeschoss, wobei Letzteres nicht als anzu-
rechnendes Vollgeschoss ausgebildet werden darf. Aufgrund der insgesamt sehr lockeren Be-
bauung erscheinen derlei Nachbarschaften städtebaulich vertretbar und dienen der Offenheit
auch für nicht der Bautradition entspringenden Lösungen.
Bei einer durchschnittlichen Hangneigung von 10 % ergeben sich vorhersehbar kleine Gelän-
deterrassierungen. Für das Ortsbild typisch ist eine straßenbegleitende Bebauung. Das Hö-
henniveau des Eingangsgeschosses, welches in dem Erdgeschoss entspricht, soll nicht zu
sehr von der Höhenlage der Verkehrsfläche unmittelbar vor dem Haus abweichen. Deshalb
wurde gem. § 18 (1) BauNVO als unterer Bezugspunkt für die Höhenfestsetzung im allgemei-
nen Wohngebiet WA und in den reinen Wohngebieten WR die Höhenlage der Planstraße in
der Mitte der gemeinsamen Grenzen des Baugrundstücks mit der Verkehrsfläche dieser
Straße festgesetzt. Die genaue Höhenlage dieses Bezugspunktes ist durch lineare Interpola-
tion aus den beiden benachbarten in der Planzeichnung festgesetzten Straßenhöhen zu er-
mitteln. Durch die Interpolation wird sichergestellt, dass sich die Höhen in allen Bereichen am
Straßenniveau orientieren.
Die Höhenvorgabe für das WA 4 nimmt Bezug zur historischen Bebauung des ehemaligen
Bauernhauses an dieser Stelle, welches zurückgesetzt im Grundstück verortet war. Aufgrund
der südlich anschließenden Bebauung des benachbarten Gutes kann mit der Höhenvorgabe
eine deutlich günstigere Besonnung für die Bebauung erreicht werden.
Mit diesen Regelungen sollen das Ortsbild störende (z. B. warftenähnliche) Aufschüttungen
oder Abgrabungen größeren Umfangs verhindert werden. Zwischen benachbarten Baugrund-
stücken entstehen keine großen Sprünge und die barrierefreie Erreichbarkeit des Eingangs-
geschosses wird befördert. Abweichungen von der festgesetzten Eingangsgeschoss-Rohfuß-
bodenhöhe sind in allen Baugebieten bis zu 0,40 m ausnahmsweise zulässig, wenn dadurch
die Bebauung der Nachbargrundstücke nicht beeinträchtigt wird. Mit dieser Begrenzung von
Ausnahmen ist gesichert, dass einerseits unbeabsichtigte Härten vermieden werden und an-
dererseits die Überschreitung nie zu höheren Aufschüttungen – das wurde in der Praxis als

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Risiko bei nicht unterkellerten Gebäuden erkannt – als 1,00 m über dem Bezugspunkt kommen
kann.
Die Bezugspunkte bzw. die konkreten Höhenangaben der Bezugspunkte sind aus der Plan-
zeichnung zu entnehmen.
4.2.3
Überbaubare Grundstücksfläche, Bauweise
4.2.3.1
Baugrenzen
TEIL A: PLANZEICHNUNG:
Die überbaubaren Grundstücksflächen werden zeichnerisch durch Baugrenzen festgesetzt.
[§ 23 Abs. 3 BauNVO]
Begründung:
Die überbaubaren Grundstücksflächen werden in der Planzeichnung durch Baugrenzen fest-
gesetzt. Während die Baulinie die Verpflichtung zum Anbau an diese Linie beinhaltet, definie-
ren die Baugrenzen nur die maximale Ausdehnung der Flächen, die durch Wohngebäude und
ergänzend definierte bauliche Anlagen in Anspruch genommen werden dürfen. Für die Fest-
setzung von Baulinien besteht an diesem Standort kein Bedarf. Baugrenzen werden daher im
Plangebiet für die Neubaubereiche festgesetzt, in denen die Möglichkeit für eine flexiblere
Ausprägung der Gebäude zulässig sein soll.
Mittels Baugrenzen werden Baufenster festgesetzt, die durch Einzelhäuser bebaut werden
können. Die städtebauliche Typologie der Einzelhäuser ist mit den weiteren Festsetzungen
des B-Plans soweit ausreichend definiert, als dass auf eine abschließende Festsetzung der
konkreten Anordnung der Gebäude und Gebäudeabmessungen auf den noch zu bildenden
Grundstücksgrößen verzichtet werden kann. Eine mögliche Grundstücksaufteilung ist hinweis-
lich dargestellt.
Die festgesetzten überbaubaren Grundstücksflächen (Baufenster) definieren in ihren Abmes-
sungen ortstypische Bauvorhaben.
Innerhalb des reinen und des allgemeinen Wohngebiets sollen Einfamilienhäuser errichtet
werden, deren genaue Anordnung flexibel gehalten werden soll. Die Baufenster wahren einen
Abstand zu den angrenzenden Verkehrsflächen und bilden somit den ortstypischen Vorgarten
aus.

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TEIL B: TEXT, NR. 3.1
In den Baugebieten ist ein Vortreten von Anbauten wie Terrassen und Balkonen über die
festgesetzten Baugrenzen um maximal 1,50 m auf maximal 1/3 der Fassadenfläche zulässig.
[§ 23 Abs. 2 und Abs. 3 BauNVO]
Begründung:
Für Anbauten wie Terrassen und Balkone besteht die Möglichkeit, die festgesetzten Baugren-
zen im beschränkten Maß zu überschreiten. Dies ergibt sich aus dem Ziel, dass der städtische
Raum zukünftig über die Hauptbaukörper und nicht über die Terrassen und Balkone geprägt
werden soll. Die Einhaltung der Abstandsflächen bleibt von dieser Regelung unberührt.
4.2.3.2
Bauweise
TEIL A: PLANZEICHNUNG:
Gemäß Eintrag in den Nutzungsschablonen der Baugebiete sind in den Baugebieten Einzel-
häuser in abweichender Bauweise zulässig.
TEIL B: TEXT, NR. 3.2
Die Begrenzung der zulässigen Gesamtlänge zulässiger Hausformen wird abweichend auf
maximal 25 m festgesetzt.
[§ 9 Abs.1 Nr. 2 BauGB i.V.m. § 22 Abs. 4 BauNVO]
Begründung:
Die abweichende Bauweise der Einzelhäuser transportiert die Bebauungsabsicht, welche für
das Plangebiet verfolgt wird. Die zweigeschossige, freistehende Einzelhausbebauung mit ihrer
abweichenden Bauweise orientiert sich typologisch an dem hier benachbarten Gebäudebe-
stand und setzt die Planungsabsicht eines Einfamilienhaushausgebietes um.
Die Abweichung von der offenen Bauweise besteht in der Begrenzung der zulässigen Gesamt-
länge zulässiger Hausformen auf 25 m. In der offenen Bauweise werden die Gebäude mit
seitlichem Grenzabstand als Einzelhäuser, Doppelhäuser oder Hausgruppen (Reihenhäu-
ser/Kettenhäuser) errichtet, wobei die Länge der bezeichneten Hausformen höchstens 50 m
betragen darf. Am Standort wird lediglich die höchstzulässige Länge bei der Hälfte des Schwel-
lenwertes festgesetzt, um abriegelnde Wirkungen im Landschaftsbild auszuschließen.

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4.3
Nebenanlagen
TEIL B: TEXT, NR. 4
In den Baugebieten sind außerhalb der überbaubaren Grundstücksfläche Nebenanlagen ge-
mäß § 14 BauNVO zulässig.
[§ 9 Abs.1 Nr.4 BauGB]
Begründung:
Um die notwendigen Stellplätze realisieren zu können und die gärtnerische Nutzung zur
Selbstversorgung nicht einzuschränken, werden in den nicht überbaubaren Grundstücksflä-
chen Nebenanlagen zugelassen, sofern dem keine anderen Festsetzungen entgegenstehen.
4.4
Höchstzulässige Zahl der Wohnungen
TEIL B: TEXT, NR. 5
In den Baugebieten sind in Wohngebäuden mit maximal 120 m² Wohnfläche eine Wohnein-
heit und über 120 m² höchstens zwei Wohneinheiten zulässig.
[§ 9 Ab s.1 Nr.6 BauGB]
Begründung:
Eine höchstzulässige Wohnungsanzahl je Wohngebäude darf nur aus besonderen städtebau-
lichen Gründen festgesetzt werden. Diese sind hier gegeben:
Am Standort ist eine aufgelockerte Bebauung mit geringen Anteil an Verkehrsflächen
und geringem Stellplatzbedarf beabsichtigt.
Unter Beachtung des im Integrierten Stadtentwicklungskonzept vor dem Hintergrund
gegenwärtigen Wohnungsleerstands im Mehrfamilienhaussektor verfolgten Ziels einer
vorrangigen Innenentwicklung soll Mehrfamilienhausbau im derzeitigen Außenbereich
effektiv verhindert werden.
Gleichzeitig soll die Festsetzung der Unterbringung mehrerer Generationen unter
einem Dach ermöglichen. Das verlangt bei gleichzeitiger Abgeschlossenheit der
einzelnen Wohnung mindestens zwei zulässige Wohnungen (WE) pro Wohngebäude.
Dies enspricht auch einem städtebaulichen Leitbild für nachhaltige Wohnformen.
Die festgesetzte Zahl von höchstens zwei WE pro Wohngebäude gefährdet das
Einfügen der Wohnbauvorhaben in die nähere Umgebung nicht. Gemäß
§ 1 (6) BauGB sind bei der Aufstellung der Bauleitpläne insbesondere zu
berücksichtigen: „ … die Wohnbedürfnisse der Bevölkerung, insbesondere auch von

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Familien mit mehreren Kindern, …“ Dem trägt der Bebauungsplan Rechnung, wobei
MFH wirksam ausgeschlossen sind.
Ziel ist eine dynamische Regelung, wonach eine Wohneinheit je angefangene 120 m²
Wohnfläche zulässig sein soll. Dies begründet sich aus der Zielstellung, gesunde
Wohn- und Lebensverhältnisse und eine nicht zu dichte Bebauung zu erreichen.
Weiterhin soll dadurch eine Überlastung von Verkehrsflächen und ein zu hoher
Stellplatzbedarf im Gebiet vermieden werden. Gleichzeitig bleiben dorftypische
generationsübergreifende Haushaltsmodelle innerhalb eines Hauses möglich.
4.5
Verkehrsflächen
TEIL A: PLANZEICHNUNG:
In der Planzeichnung wird die Planstraße mit ihren zwei Zufahrten als öffentliche Straßenver-
kehrsfläche festgesetzt.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 11 BauGB]
Begründung:
Über diese Straßenverkehrsflächen ist die verkehrs- und medienseitige Haupterschließung
des Plangebietes geplant.
Entsprechend der vorliegenden Erschließungsplanung werden zur Sicherung der Erschlie-
ßung des Gebietes die Verkehrsflächen in Form von Anliegerstraßen festgesetzt. Diese Fest-
setzung ist zugleich die Grundlage für die künftige öffentliche Widmung der Straßen.
Die als Straßenverkehrsflächen festgesetzten Planstraßen stellen die Haupterschließung dar
und ermöglichen als Teil des öffentlichen Straßennetzes eine effiziente und uneingeschränkte
öffentliche Nutzung des Plangebietes. Mit der Festsetzung wird künftig die Befahrbarkeit für
die Allgemeinheit, die Ver- und Entsorgungsunternehmen sowie für Rettungsfahrzeuge ge-
währleistet. Die Abfallbehälter werden an den öffentlichen Verkehrsflächen angeordnet.
Der westliche Stich wird mit einem Wendehammer ausgestattet, um ein Wenden der Müllfahr-
zeuge zu gewährleisten. Weiterhin besteht die Möglichkeit über die Planstraßen mit landwirt-
schaftlichen Fahrzeugen durch das Plangebiet die südlich angrenzenden landwirtschaftlichen
Flächen zu erreichen. Zudem bietet die Anbindung zukünftige Erweiterungsoptionen.

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4.6
Flächen für Versorgungsanlagen
TEIL A: PLANZEICHNUNG:
In der Planzeichnung wird eine Fläche für Versorgungsanlagen mit der Zweckbestimmung Gas
festgesetzt.
[§ 9 Absatz 1 Nr. 12 BauGB]
Begründung:
An der Zufahrt zum neuen Wohngebiet befindet sich eine Gas-Druckregelanlage GDRA Nr. 2
Geyersdorf. Zuständiger Versorgungsträger sind die Stadtwerke Annaberg-Buchholz. Dieser
dient der Versorgung des Plangebietes und ist in der Planung zu berücksichtigen und von
jeglicher Umnutzung und Bebauung freizuhalten. Mit Festsetzung der Fläche für Versorgung-
anlage in Ergänzung mit dem Symbol für Gas als Zweckbestimmung wird dies umgesetzt. Die
Festsetzung ermöglicht den Erhalt und eine eventuell notwendige Erweiterung.
4.7
Leitungsrechte
TEIL B: TEXT, NR. 6
In der Planzeichnung werden Leitungsrechte zugunsten der Versorgungsträger festgesetzt.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 21 BauGB]
Begründung:
Leitungsrechte (L)
Um die Erschließung des Gebietes zu gewährleisten, werden neben den öffentlichen Ver-
kehrsflächen die dafür notwendigen Flächen mit Leitungsrechten belastet. Die Festsetzung
von Leitungsrechten zugunsten der Versorgungsträger gewährleistet die gesicherte Versor-
gung des Plangebiets und vor allem der umliegenden Gebiete. Gemäß Kap. 1.13 der Begrün-
dung verläuft eine Gashochdruckleitung der inetz GmbH sowie eine Gasmitteldruckleitung der
Stadtwerke Annaberg Buchholz Energie AG durch das Gebiet. Diese werden über Leitungs-
rechte gesichert. Damit bleibt eine zukünftige Erschließung gewährleistet.

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4.8
Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen
Aktive Maßnahmen - Schallschutzwände
TEIL A: PLANZEICHNUNG
Gemäß Planeinschrieb wird im WA 1 eine Fläche (93 m x 1,5 m ) für Vorkehrungen zum Schutz
gegen schädliche Umwelteinwirkungen im Sinne des Bundes Immissionsschutzgesetzes (§ 5
Abs. 2 Nr. 6 und Abs. 4 BauGB) festgesetzt. Die in der Fläche zu errichtende Schallschutz-
wand hat eine Höhe von 4 Metern.
Passive Maßnahmen Lärmpegelbereiche (LBP)
TEIL B: TEXT, NR. 7
Außenbauteile sind entsprechend den Anforderungen der DIN 4109-1:2018-01, "Schallschutz
im Hochbau - Teil 1: Mindestanforderungen", und DIN 4109-2:2018-01, "Schallschutz im Hoch-
bau - Teil 2: Rechnerische Nachweise der Erfüllung der Anforderungen", auszubilden.
Die Schalldämm-Maße der Außenbauteile von Aufenthaltsräumen sind in den jeweiligen Bau-
feldern WA 1 bis WA 4 in Abhängigkeit vom jeweiligen Lärmpegelbereich (LPB) wie folgt her-
zustellen:
WA1: direkt zum Betrieb orientierte Nordfassaden: LPB IV, sonstige abgewandte
Fassaden (Südwest-, Süd- und Südostfassaden): LPB III
WA 2 direkt zum Betrieb orientierte Nordfassaden: LPB III, sonstige abgewandte
Fassaden (Südwest-, Süd- und Südostfassaden): LPB II
WA 3: direkt zum Betrieb orientierte Nordfassaden: LPB III, sonstige abgewandte
Fassaden (Südwest-, Süd- und Südostfassaden): LPB II
WA 4: alle Fassaden LPB II
Die erforderlichen Schalldämm-Maße der Außenbauteile sind in Abhängigkeit von der Raum-
nutzungsart und Raumgröße im Baugenehmigungsverfahren gemäß DIN 4109-1:2016-07 und
DIN 4109-2:2016-07 nachzuweisen.
Der Schutzanspruch der Wohnbebauung vor gewerblichen Geräuschen wird im Plangebiet
abweichend von den Orientierungswerten der DIN 18005, Beiblatt 1 (Schallschutz im Städte-
bau) und der TA Lärm, Pkt. 6.1 Buchst. e) für die Nachtzeit (22 bis 6 Uhr) auf 45 dB(A) festge-
legt. Der Schutzanspruch für die Tageszeit entspricht mit 55 dB(A) einem allgemeinen Wohn-
gebiet.

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Von dieser Festsetzung kann gemäß § 31 Abs. 1 BauGB ausnahmsweise abgewichen wer-
den, wenn
im Baugenehmigungsverfahren der Nachweis erbracht wird, dass im Einzelfall
geringere maßgebliche Außenlärmpegel bzw. Lärmpegelbereiche an den Fassaden
anliegen. Die Anforderungen an die Schalldämmung der Außenbauteile können dann
entsprechend den Vorgaben der DIN 4109-1:2016-07 und DIN 4109-2:2016-07
reduziert werden,
schutzbedürftige Schlafräume (Schlafzimmer, Kinderzimmer) entsprechend DIN 4109
(2016), an denen ein Beurteilungspegel von Lr = 45 dB(A) im Nachtzeitraum
überschritten wird, an der zur maßgeblichen Gewerbegeräuschquelle abgewandten
Fassadenseite der geplanten Wohnbebauung angeordnet werden,
zum Zeitpunkt des Baugenehmigungsverfahrens die DIN 4109 in der dann gültigen
Fassung ein anderes Verfahren als Grundlage für den Schallschutznachweis gegen
Außenlärm vorgibt.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 24 BauGB]
Begründung:
Die schalltechnischen Orientierungswerte nach DIN 18005 werden durch die Gewerbegeräu-
sche an einem Großteil der Fenster von schutzbedürftigen Räumen im Nachtzeitraum über-
schritten.
Der Lärmkonflikt ist somit im Bauleitplanverfahren zu lösen und in den textlichen Festsetzun-
gen sind Vorkehrungen zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen (§ 9 Abs. 1 Nr. 24
BauGB) zu treffen. Dabei ist zu beachten, dass die neue Nutzung für ihren eigenen Schutz zu
sorgen hat und Festsetzungen auf das Gebiet innerhalb der räumlichen Grenzen des Plange-
bietes beschränkt sind.
Die Belange des Lärmschutzes sind im Folgenden nach Priorität dargestellt:
1. Trennungsgrundsatz nach § 50 BImSchG
Der Trennungsgrundsatz, wonach bei raumbedeutsamen Planungen, die für eine bestimmte
Nutzung vorgesehenen Flächen einander so zuzuordnen sind, dass schädliche Umwelteinwir-
kungen soweit wie möglich vermieden werden, stellt für diesen B-Plan kein ausreichendes
Hilfsmittel dar. Die Stadt Annaberg-Buchholz hat jedoch ein berechtigtes Interesse nach der
Ausweisung neuer, attraktiver Baugebiete, um die Ansiedlung neuer Bevölkerungsgruppen zu
ermöglichen. Aus städtebaulichen Gesichtspunkten bietet sich zudem die Erweiterung der be-
reits bestehenden Wohnbebauung am Standort „Alte Königswalder Straße“ an.

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2. Aktive und städtebauliche Maßnahmen
Wenn ausreichende Abstände zwischen Schallquelle und schutzbedürftiger Nutzung nicht re-
alisierbar sind, sind weitergehend aktive Lärmschutzmaßnahmen und städtebauliche Lösun-
gen zu prüfen. Dabei sind Maßnahmen an den Schallquellen und/oder die Errichtung von
Lärmschutzwänden/-wällen in Betracht zu ziehen.
Maßnahmen an den maßgeblichen Emissionsquellen wären durch den Umbau der Laderam-
pen der Fa. Annaberger Backwaren GmbH realisierbar. In Gesprächen mit dem technischen
Leiter wurde jedoch mitgeteilt, dass aus derzeitiger Sicht für das Unternehmen kein akuter
Handlungsbedarf besteht und ein solcher Umbau zu starken zeitweiligen Einschränkungen in
der Lieferkette führt.
Deshalb wurden aktive Schallschutzmaßnahmen in Form von Schallschutzwänden, südlich
der bestehenden Laderampen sowie am südlichen Rand des Betriebsgeländes der Fa. An-
naberger Backwaren GmbH vorgesehen. Erste Abstimmungen dazu sind bereits mit der Fa.
Annaberger Backwaren GmbH durchgeführt worden.
Die Sicherung der Schallschutzwände auf dem plangebietsexternen Betriebsgelände erfolgt
über einen Erbpachtvertrag für die Schallschutzwand an der Baugebietsgrenze sowie über
einen öffentlich-rechtlichen Vertrag für die Schallschutzwand an der Laderampe.
Für die 4 Meter hohe Schallschutzwand an der Plangebietsgrenze besteht die Notwendigkeit
einen schmalen 1,5 Meter breiten Streifen für die Errichtung vorzuhalten. Dieser wird über die
zeichnerische Festsetzung „Flächen für Nutzungsbeschränkungen oder für Vorkehrungen
zum Schutz gegen schädliche Umwelteinwirkungen im Sinne des Bundes Immissionsschutz-
gesetzes (§ 5 Abs. 2 Nr. 6 und Abs. 4 BauGB) im Bebauungsplan gesichert.
3. passive Maßnahmen (schalloptimierte Grundrissgestaltung in Verbindung mit baulich-tech-
nischen Mitteln)
Für die der Fa. Annaberger Backwaren GmbH zugewandten Fassaden der Gebäude innerhalb
des Plangebietes kommt zum Schutz vor Gewerbelärm als geeignetes Hilfsmittel die Dimen-
sionierung von ausreichendem baulichen Schallschutz der Außenbauteile in Betracht. Damit
ist sichergestellt, dass im Inneren der Wohngebäude zumutbare Wohn- und Lebensverhält-
nisse erreicht werden können. In der Rechtsprechung haben sich Werte für den Beurteilungs-
pegel innen von 40 dB(A) tags und 30 dB(A) nachts verfestigt. Damit werden im Innenbereich
tagsüber eine weitgehend störungsfreie Kommunikation und nachts ein weitgehend störungs-
freies Schlafen ermöglicht (BVerwG, Urt. v. 17.05.1995 – 4 NB 30/95).
Der erforderliche Schallschutz ist absehbar mit schalloptimierter Grundrissgestaltung in Ver-
bindung mit baulichtechnischen Maßnahmen (passiver Schallschutz) umsetzbar, so dass die
Grundaussagen des Schallgutachtens im Hinblick auf den Schutz vor Gewerbelärm im Plan-
gebiet und damit der Schallschutz im Rahmen der Bauleitplanung abgewogen sind.
Das zu erstellende Schallschutzkonzept, welches auf der ermittelten Lärmbelastung und der
Kenntnis der relevanten Emittenten aufbaut, verbindet die Erfordernisse des Schallschutzes

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mit den standortbezogenen Möglichkeiten. Hauptziel blieb dabei, die Nutzungsmodalitäten der
Wohnnutzung möglichst wenig zu beschränken und weitreichende Reglementierungen zu ver-
meiden.
Schutzbedürftige Schlafräume (Schlafzimmer, Kinderzimmer) sind an der zur maßgeblichen
Gewerbegeräuschquelle abgewandten Fassadenseite der geplanten Wohnbebauung anzu-
ordnen. Von der maßgeblichen Geräuschquelle abgewandt sind solche Außenwände, bei de-
nen der Winkel zwischen Quelle und Außenwand mehr als 100 Grad beträgt.
Ist eine solche Grundrissorientierung nicht möglich, sind für die schutzbedürftigen Räume, an
deren Fenstern der „Orientierungswert Nacht“ von OW = 45 dB(A) überschritten wird, beson-
dere Fensterkonstruktionen unter Wahrung einer ausreichenden Belüftung oder andere bauli-
che Maßnahmen gleicher Wirkung umzusetzen, z.B.: schallgedämmte Lüftungseinrichtungen,
vorgelagerte verglaste Vorbauten/Loggien, in deren äußerer Hülle sich öffenbare Elemente
oder Lüftungsschlitze befinden, Prallscheiben oder Vorhangfassaden, vorgesetzte Fensterlä-
den.
Für die zur Tages- bzw. Nachtzeit schutzbedürftigen Räume der Wohngebäude im Plangebiet,
ist die Einhaltung der erforderlichen Luftschalldämmung der Außenbauteile nach DIN 4109
„Schallschutz im Hochbau“ im jeweils erforderlichen landesbaurechtlichen Genehmigungs-
oder Anzeigeverfahren durch den jeweiligen Architekten nachzuweisen.
Aufgrund der vom Schallgutachten ausgewiesenen, zu er-wartenden teilweisen Überschrei-
tungen des nächtlichen Immissionsrichtwertes in den möglichen Obergeschossen der Häuser
K4 und K6 (siehe Schallgutachten) ist in den Baugenehmigungsverfahren darauf zu achten,
dass an den betroffenen Fassaden (Nord und West) keine Immission-sorte im Sinne des BIm-
SchG (0,5 m vor dem geöffneten Fenster) entstehen. Dies ist z. B. durch Festverglasung zu
erreichen.
Mit dem o.g. resultierenden, maßgeblichen Außenlärmpegel von 66 dB müssen die Außen-
bauteile der geplanten Wohngebäude ein gesamtes bewertetes Bau-Schalldämm-Maß R’
w,ges
von 40 dB aufweisen. Bei Neubauten werden aufgrund der tangierenden Anforderungen des
GebäudeEnergieGesetzes (GEG) in der Regel Fenster eingebaut, die bereits die Anforderun-
gen an die Schallschutzklasse 2 (R’
w
= 30 bis 34 dB) erfüllen. Die nächsthöhere Schallschutz-
klasse 3 für Fenster weist bewertete Schalldämm-Maße von R’
w
= 35 bis 39 dB auf. Für die
Außenwände von in Massivbauweise geplanten Einfamilienhäusern kann in konservativer An-
nahme ein bewertetes Bauschalldämm-Maß von mindestens R’
w
= 45 dB angesetzt werden.
Insofern ist einzuschätzen, dass der Anforderungswert R’
w,ges
= 40 dB baulich ohne wesentli-
chen Mehraufwand umsetzbar ist, wenn Fenster der Schallschutzklasse 3 vorgesehen wer-
den, die ein bewertetes Schalldämm-Maß von R’
w
≥ 38 dB aufweisen.

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Planinhalt
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Seite 59
4.9
Maßnahmen und Flächen für Maßnahmen zum
Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Bo-
den, Natur und Landschaft
TEIL B: TEXT, NR. 8
Die Befestigung von Stellplätzen, Zufahrten und Wegen sind so auszuführen, dass das auf
den jeweiligen Flächen anfallende Niederschlagswasser weitestgehend innerhalb dieser Flä-
chen versickern kann.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 20 BauGB]
Begründung:
Um die natürlichen Versickerungsvorgänge möglichst wenig zu beeinträchtigen, zur Erhöhung
der Grundwasserneubildung und zur Entlastung von Abwassersystemen und Kläranlagen sind
Stellplätze, Zufahrten und Wege mit versickerungsfähigen Materialien herzustellen.
Bei Reduzierung der Versiegelungsintensität auf das unbedingt notwendige Maß können Bo-
denfunktionen teilweise erhalten bleiben. Vollflächig bodenversiegelnde Materialien sollen da-
her nur dort verwendet werden, wo dies zur Sicherung der tatsächlichen Nutzungsintensität
unvermeidlich ist.
Die Anlage von Stellplätzen und Wegen in wasseraufnehmenden/wasserdurchlässigen Mate-
rialien wie beispielsweise Rasengitter, Schotterrasen oder Ökopflaster mit großen Fugen ver-
ringert zudem die negativen Auswirkungen auf das Schutzgut Klima im Vergleich zu einer
Vollversiegelung. Mit der Festsetzung kann lokalklimatischen Belastungen entgegengewirkt
werden.
Auf vollversiegelten Flächen anfallende Niederschlagswässer werden aufgrund der mäßigen
Versickerungseigenschaften der Böden im Gebiet technisch gesammelt und abgeleitet.
4.10 Verbot für luftverunreinigende Stoffe
TEIL B: TEXT, NR. 9
Die
Verwendung
fester
fossiler
Brennstoffe
als
Heizmaterial
ist
unzulässig.
[§9 Abs.1 Nr. 23a BauGB]
Begründung:
Mit dem Ziel der Luftreinhaltung zum Schutz der Gesundheit der Einwohner sowie von Fauna
und Flora am Standort erfolgte diese nach § 9 Abs.1 Nr. 23a BauGB mögliche Einschränkung

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Seite 60
seecon Ingenieure I 17.01.2022
zulässiger Heizmaterialien. Auf die störenden/belästigenden Auswirkungen der nicht sachge-
rechten Verwendung auch zulässiger Brennstoffe und die Pflicht zur Einhaltung des Umwelt-
rechts wird hingewiesen.
4.11 Festsetzungen zum Anpflanzen von Bäumen und
Sträuchern sowie deren Erhaltung
TEIL B: TEXT, NR. 10.1
Für die nachstehenden Festsetzungen werden die Pflanzqualitäten wie folgt definiert:
Tabelle 2
Pflanzklassen
Pflanzklasse A
Straßenbäume
StU* mindestens 18-20 cm, Hochstamm, Kronenansatz in
mind. 2,2 m Höhe (Lichtraumprofil), 4xv., mit Drahtballierung
Pflanzklasse B
Bäume auf privaten Grundstücken
StU* mindestens 14-16 cm, Hochstamm, Halbstamm o.
Stammbusch, 3xv., mit Drahtballierung
*StU = Stammumfang, gemessen in 1 m Höhe
Alle festgesetzten Pflanzungen sind dauerhaft zu erhalten und bei Abgang in der entspre-
chenden Pflanzklasse zu ersetzen.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 25a BauGB]
Begründung:
Die Festsetzung der Pflanzqualitäten dient neben dem städtebaulichen Erscheinungsbild der
Sicherung der Mindestqualitäten der festgesetzten Anpflanzungen und darüber der Sicherung
der Mindestwertigkeiten im Rahmen der Ausgleichsbilanzierung. Weiterhin tragen sie zu ei-
nem homogenen Erscheinungsbild der Neupflanzungen bei und erzielen relativ schnell einen
hohen ökologischen Wert für das Gebiet.

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seecon Ingenieure I 17.01.2022
Seite 61
4.11.1 Begrünung der privaten Grundstücksflächen in den
Baugebieten
TEIL B: TEXT, NR. 10.2
Je angefangene 300 m² Fläche und Baugrundstück ist mindestens ein heimischer, standort-
gerechter Laubbaum oder Obstbaum (Pflanzklasse B) zu pflanzen, dauerhaft gemäß Baum-
schutzsatzung der Stadt Annaberg-Buchholz zum Schutz von Bäumen und Hecken zu erhal-
ten und bei Abgang durch einen heimischen, standortgerechten Laubbaum oder Obstbaum
der Pflanzklasse B zu ersetzen. [§ 9 Abs. 1 Nr. 25 a BauGB]
TEIL B: TEXT, NR. 10.3
Flächenhafte Stein-/ Kies-/ Split- und Schottergärten oder -schüttungen sind unzulässig. Die
nicht überbauten Grundstücksflächen sind, soweit diese Flächen nicht für eine andere zuläs-
sige Verwendung benötigt werden, mit offenem oder bewachsenem Boden als Grünflächen
anzulegen und zu unterhalten.
Begründung:
Die Festsetzungen zur Begrünung der privaten Grundstücksflächen in den Wohngebieten be-
schränken sich auf die Anpflanzung eines einheimischen, standortgerechten Laub- oder Obst-
baums mit einem Stammumfang von mindestens 14,0 bis16,0 cm je angefangene 300 m² Flä-
che und Baugrundstück. Es wird eine ortstypische Durchgrünung mit zwei bis drei Bäumen je
Grundstück angestrebt. Die Anpflanzung von Laubbäumen und Obstbäumen auf den privaten
Flächen erfolgt mit dem Ziel, die Wohngebiete durch vertikale Freiraumstrukturen aufzulockern
und optisch zu beleben. Geeignete Baumarten sind in den Pflanzempfehlungen in den Hin-
weisen genannt. Durch die Festsetzung ist gesichert, dass auch im Fall von Grundstücken mit
einer Größe von weniger als 300 m² eine Anpflanzung je Baugrundstück zu erfolgen hat.
Laubbäume tragen zum angestrebten stark durchgrünten Charakter der neuen Wohngebiete
bei. Zudem sind einheimische Gehölze eine wichtige Lebens- und Nahrungsgrundlage für
zahlreiche heimische Tierarten. Weiterhin übernehmen Großgehölze lokalklimatische Funkti-
onen, da sie die direkte Sonneneinstrahlung mindern, Schatten spenden und somit das Auf-
heizen versiegelter Flächen verringern, durch Verdunstung kühlen und Schadstoffe, Stäube
und CO² binden.
Die verbleibenden Flächen sind gem. Sächsischer Bauordnung § 8 zu begrünen. Die Begrü-
nung von Gärten und der Ausschluss von sogenannten Steingärten dienen der notwendigen
Vielfalt in der Natur. Damit ist gewährleistet, dass diese restlichen Flächen auf Dauer vegeta-
tionsbedeckt sind. Hinsichtlich der Ausgestaltung werden keine Vorgaben getroffen, um ver-
schiedenste Begrünungen (z. B. Rasen, Zierbeete) zu ermöglichen. Die Unzulässigkeit von

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Steingärten, denen eine Abdichtung des Bodens sowie der Ausschluss einer flächigen Begrü-
nung zu eigen sind, dient dem Schutz des lokalen Kleinklimas und soll der Verarmung von
Arten (Flora und Fauna) entgegenwirken. Der Versiegelungsgrad soll eingegrenzt und der vor-
rangigen Nutzung von Einfamilienhausgrundstücken, der Gartennutzung mit Raum für gärtne-
rischen Bewuchs, Vorrang einräumt werden. Hinzu kommt, dass die Schotterflächen im Som-
mer die Sonnenwärme speichern und zum Überhitzen der Städte beitragen, was dadurch
ebenfalls verhindert werden soll.
4.11.2 Öffentliche Grünflächen
TEIL A: PLANZEICHNUNG
In der Planzeichnung werden öffentliche Grünflächen (öG 1 und öG 2) mit der Zweckbestim-
mung „Quartiersgrün“ festgesetzt.
[§ 9 Abs.1 Nr. 15 BauGB]
TEIL B: TEXT, NR. 11.1
Die öffentlichen Grünflächen öG 1 und öG 2 „Quartiersgrün“ sind dauerhaft als extensive
Strauch- und Rasenfläche mit Blühstreifen zu entwickeln.
Begründung:
Ziel ist die Entwicklung repräsentativer Pflanzflächen in Form kleiner Dorfanger an städtebau-
lich wichtigen Kreuzungs- und Einmündungsbereichen. Die Pflanzflächen sollen den Blick vom
Verkehrsraum in das Wohngebiet als Schmuckpflanzung mit Bäumen unterstreichen.
Durch die Begrünung werden neue Lebensräume für Flora und Fauna geschaffen. Zudem
erfolgt eine Aufwertung des Landschaftsbildes durch Schaffung von naturnahen Grünflächen.
Diese dienen zudem der Naherholung der Besucher im Gebiet. Das örtliche Kleinklima wird
ebenfalls gefördert. Die Fläche wird dauerhaft als öffentliche Grünfläche gesichert.
Weiterhin verläuft innerhalb der öffentlichen Grünfläche (öG1) eine Gashochdruckleitung, wel-
che bei der Umsetzung der Festsetzung zu berücksichtigen ist. Der einzuhaltende Sicherheits-
abstand für Anpflanzungen beträgt 3 m zur Leitung.
TEIL A: PLANZEICHNUNG
In der Planzeichnung wird eine öffentliche Grünfläche (öG 3) mit der Zweckbestimmung
„Randbegleitgrün
festgesetzt.
[§ 9 Abs.1 Nr. 15 BauGB]
TEIL B: TEXT, NR. 11.2
Die in der Planzeichnung als öffentliche Grünfläche öG 3 „Randbegleitgrün
festgesetzte Flä-
che ist zu erhalten und extensiv zu pflegen. Bäume mit einem Stammdurchmesser von > 10

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Seite 63
cm, gemessen in einer Stammhöhe von 1 m, sind dauerhaft zu erhalten oder nach Abgang
oder Beseitigung durch heimische, standortgerechte Bäume der Pflanzklasse B zu ersetzen.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 25b BauGB]
Begründung:
Die öffentliche Grünfläche ist als Baum-Strauch-Gruppe zu entwickeln und dauerhaft zu er-
halten. Dies ist als Entwicklungsziel im Landschaftsplan explizit benannt. Die Baumgruppen
entlang der südlichen Grenze stellen bereits jetzt eine deutliche Zäsur im Gebiet dar, die er-
halten und gesichert wird. Die festgesetzte Mindestanzahl der Bäume je Fläche ist am Be-
stand orientiert, wobei vitale Bäume mit einem Stammdurchmesser > 10 cm in einem Meter
Höhe als Referenz dienen. Durch die Unterpflanzung werden artenschutzrechtliche Ziele ver-
folgt. Innerhalb der Flächen sind zum Teil strauchartige Bestände (Jungwuchs) entstanden,
die als Bruthabitat für gebüschbewohnende Vogelarten dienen. Die Maßnahme dient der Ge-
staltung, Durchgrünung des Plangebietes sowie der Sicherung und Aufwertung des Land-
schaftsbildes. Lebensräume für Flora und Fauna werden somit gesichert. Im westlichen Be-
reich soll zwischen dem bestehenden Steinrücken/Feldrain ein Steinrücken als natürliche
Grenze zum südlich angrenzenden Acker angelegt werden. Nördlich dem Steinrücken ist be-
absichtigt noch einige Sträucher entsprechend dem Landschaftsplan neu zu pflanzen.
Unvermeidbare Beseitigung von Gehölzbestand ist nur von Oktober bis Februar, d. h. außer-
halb der Brutzeit von Vögeln, zulässig. Diese Maßnahme ist erforderlich, um Verstöße gegen
§ 44 Abs.1 Nr.1-2 BNatSchG auszuschließen, denn im Gehölzbestand der Ränder sind Fort-
pflanzungs- und Ruhestätten in Form von Nestern o. g. Vogelarten zu prognostizieren. Even-
tuell unvermeidbare Beseitigung oder Pflegemaßnahmen am Gehölzbestand müssen daher
zwingend außerhalb der Brutzeit von Vögeln durchgeführt werden.
Weiterhin verläuft innerhalb der öffentlichen Grünfläche (öG3) eine Gasmitteldruckleitung, wel-
che bei der Umsetzung der Festsetzung zu berücksichtigen ist. Der einzuhaltende Sicherheits-
abstand für Anpflanzungen beträgt 2 m zur Leitung.
Über die Planstraße und den Wendehammer ist die Fläche zur Bewirtschaftung erreichbar.
4.12 Bauordnungsrechtliche Festsetzungen
TEIL B: TEXT, NR. 12.1
An Fassaden sind die Farbgebungen Reinweiß (RAL 9010) Signalweiß (RAL 9003) und Ver-
kehrsweiß (RAL 9016) sowie s
tark glänzende und reflektierende Materialien und grelle Farben
unzulässig.
Begründung:
Damit soll eine zurückhaltende, der natürlichen Umgebung angepasste Farbgestaltung gesi-
chert werden.

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Seite 64
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TEIL B: TEXT, NR. 12.2
Zur Eindeckung der Dächer sind schiefergraue- oder anthrazitfarbene sowie dunkelgraue
Dachdeckungsmaterialien zu verwenden. Wintergärten sind alternativ mit Glasdach zulässig.
Begründung:
Zugelassen sind wegen möglicher Fernwirkungen am Fuß des Pöhlbergs allein regionstypi-
sche Farben.
TEIL B: TEXT, NR. 12.3
Gründächer, Sonnenkollektoren und Photovoltaikanlagen sind zulässig. Letztere dürfen die
Firsthöhe bzw. bei Flachdächern den oberen Wandabschluss nicht überschreiten.
Begründung:
Das Einfügen von Gründächern in das Orts- und Landschaftsbild ist unstrittig. Ferner sollen
moderne Wärme- und Energiegewinnungskonzepte nicht verhindert werden. Diese lassen sich
baulich gut integrieren und sollen nicht als Fremdkörper in Erscheinung treten.
TEIL B: TEXT, NR. 12.4
Entlang der Verkehrsflächen sind Einfriedungen nur bis zu einer Höhe von 1,20 m über Ge-
ländeoberfläche zulässig. Entlang der den Verkehrsflächen abgewandten Grundstücksgren-
zen sind Einfriedungen bis zu einer Höhe von 1,80 m über Geländeoberfläche zulässig.
Begründung:
Diese Regelungen unterstützen die stadträumliche Kontinuität in den Wohngebieten, die Ent-
wicklung eines einheitlichen Siedlungsgefüges sowie eines gemeinsamen straßenräumlichen
Erscheinungsbildes und folgen dem gewünschten Konzept einer offenen Stadtrandsiedlung.
Dabei wird zwischen einer niedrigeren Einfriedungshöhe entlang der Straßenräume und einer
in Höhe und Ausprägung flexibleren Anordnung entlang der gartenseitigen Grundstücksgren-
zen unterschieden. Diese Differenzierung dient nicht zuletzt der Ausbildung einer konfliktmini-
mierten Nachbarschaft sowie eines größeren gärtnerischen Prägevermögens in den Garten-
bereichen. Bezüglich der natürlichen Geländeoberfläche wird auf die Definition gemäß der
Sächsischen Verwaltungsvorschrift zur SächsBO verwiesen. Demnach ist von dem vorhande-
nen Geländeniveau ohne künstliche Aufschüttungen/Abgrabungen auszugehen.
Zur Materialität werden keine Regelungen vorgenommen, um die Flexibilität und Individualität
der einzelnen Grundstücke nicht einzuschränken.

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Seite 65
Teil B: Text, Nr. 12.5
Die Anzahl der auf dem Grundstück nachzuweisenden notwendigen Stellplätze sind mit zwei
Stellplätzen je Wohneinheit festgesetzt.
Begründung:
Ziel dieser Festsetzung ist es, auf jedem Baugrundstück die erforderlichen Stellplatzflächen
zu sichern, städtebaulich zu ordnen, die Versiegelung auf den Grundstücken auf die festge-
legten Bereiche zu konzentrieren und zusammenhängende Freiflächen bzw. Gartenstrukturen
zu sichern.
Die Auswertung der Parkierungssituation der bisher in der Umgebung realisierten Wohnbau-
projekte hat gezeigt, dass der Nachweis von zwei Stellplätzen je Wohneinheit erforderlich ist.
Dies ist auf die Lage im urbanen Umland zurückzuführen. Aufgrund des Bedarfs wird als Ma-
ximum festgesetzt, was die sächsische Bauordnung fordert.
4.13 Hinweise
4.13.1 Baugrund
Für Neubauvorhaben und Erschließungsbauwerke werden der Bauherrschaft standortkon-
krete und auf die Bauaufgabe ausgerichtete Baugrunduntersuchungen nach DIN 4020 bzw.
DIN EN 1997-2 empfohlen. Für eine wirtschaftlich und bautechnisch sinnvolle Planung, Aus-
schreibung und Bauausführung sind Kenntnisse zum Baugrund, seiner Tragfähigkeit, den
Grundwasserverhältnissen, der Standsicherheit, der Ausweisung von Homogenbereichen hin-
sichtlich der gewählten Bauverfahren und zu Kennwerten notwendig. Die geplante Maßnahme
sollte nach DIN EN 1997 einer geotechnischen Kategorie zugeordnet werden, um den not-
wendigen Umfang an Erkundungsmaßnahmen und zu erbringenden Nachweisen einzugren-
zen.
Es wird darauf hingewiesen, dass das Lagerstättengesetz zur Regelung der Bohranzeige- und
Bohrergebnismitteilungspflicht durch das Geologiedatengesetz (GeolDG) abgelöst wurde. Ge-
ologische Untersuchungen wie Baugrundbohrungen sind spätestens zwei Wochen vor Beginn
dem LfULG als zuständige Behörde anzuzeigen (vgl. § 8 GeolDG). Für diese Anzeigen emp-
fehlen wir das Online-Portal ELBA.SAX zu nutzen. Spätestens drei Monate nach dem Ab-
schluss der geologischen Untersuchung sind die dabei gewonnenen Bohrprofile und Labor-
analysen und spätestens sechs Monate nach dem Abschluss sind Bewertungsdaten wie Ein-
schätzungen, Schlussfolgerungen oder Gutachten an das LfULG zu übergeben (vgl. § 9, 10
GeolDG).

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Seite 66
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4.13.2 Altbergbau
Das Vorhandensein nichtrisskundiger Grubenbaue in Tagesoberflächennähe ist nicht ausge-
schlossen. Daher wird empfohlen alle Baugruben von einem Fachkundigen auf das Vorhan-
densein von Gangausbissbereichen und Spuren alten Bergbaus zu überprüfen. Über ange-
troffene Spuren alten Bergbaus ist das Sächsische Oberbergamt in Kenntnis zu setzen
4.13.3 Denkmalschutz
Im Zuge von Erdarbeiten ergibt sich für das geplante Vorhaben eine denkmalschutzrechtliche
Genehmigungspflicht nach § 14 Sächsisches Denkmalschutzgesetz (SächsDSchG). Danach
bedarf der Genehmigung der Denkmalschutzbehörde, wer Erdarbeiten etc. an einer Stelle
ausführen will, von der bekannt oder den Umständen nach zu vermuten ist, dass sich dort
Kulturdenkmale befinden. Zuständig ist die Untere Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes
Erzgebirgskreis.
4.13.4 Archäologie
Das Landesamt für Archäologie ist vom exakten Baubeginn (Erschließungs-, Abbruch-, Aus-
schachtungs- oder Planierarbeiten) mindestens drei Wochen vorher zu informieren. Die Bau-
beginnsanzeige soll die ausführenden Firmen, Telefonnummer und den verantwortlichen Bau-
leiter nennen.
Im Zuge der Erdarbeiten können sich archäologische Untersuchungen ergeben. Bauverzöge-
rungen sind dadurch nicht auszuschließen. Den mit den Untersuchungen beauftragten Mitar-
beitern ist uneingeschränkter Zugang zu den Baustellen und jede mögliche Unterstützung zu
gewähren. Die bauausführenden Firmen sind bereits in der Ausschreibung davon zu informie-
ren.
4.13.5 Kampfmittel
Sollten Kampfmittel oder kampfmittelähnliche Gegenstände gefunden werden, so ist sofort die
nächstgelegene Ortspolizeibehörde oder Polizeidienststelle zu informieren.

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4.13.6 Abfall
Alle bei den Arbeiten anfallenden Abfälle sind unter Wahrung des Wohls der Allgemeinheit
nach Maßgabe insbesondere der §§ 7 Abs. 2, 3 und 15 Abs. 1 des Gesetzes zur Förderung
der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen
(Kreislaufwirtschaftsgesetz - KrWG) und der auf dessen Grundlage erlassenen Gesetze und
Verordnungen zu entsorgen (Verwertung/Beseitigung). Dabei sind diese entsprechend § 9
KrWG separat zu erfassen. Die Verwertung hat Vorrang vor der Beseitigung (§ 7 Abs. 2
KrWG). Eine Nachweispflicht über deren Entsorgung und der Umfang dazu ergeben sich aus
der Nachweisverordnung.
4.13.7 Radonschutz
Die Stadt Annaberg-Buchholz liegt in einem nach § 121 Abs. 1 S. 1 Strahlenschutzgesetzes
(StrlSchG) ausgewiesenen Radonvorsorgegebiet. Die Allgemeinverfügung des Freistaates
Sachsen trat am 31.12.2020 in Kraft.
Aufgrund der Verabschiedung des neuen Strahlenschutzgesetzes und der novellierten Strah-
lenschutzverordnung gelten seit dem 31. Dezember 2018 erweiterte Regelungen zum Schutz
vor Radon (§§ 121 – 132 StrlSchG [2] / §§ 153 - 158 StrlSchV). Erstmalig wurde zum Schutz
vor Radon ein Referenzwert für die über das Jahr gemittelte Radon-222-Aktivitätskonzentra-
tion in der Luft von 300 Bq/m³ für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze in Innenräumen festge-
schrieben.
Wer ein Gebäude mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen errichtet, hat geeignete Maß-
nahmen zu treffen, um den Zutritt von Radon aus dem Baugrund zu verhindern oder erheblich
zu erschweren. Dies können zum Beispiel auch die üblichen Maßnahmen zum Feuchteschutz
sein. In ausgewiesenen Radonvorsorgegebieten sind zusätzliche Maßnahmen gem. § 154
StrlSchV zu planen.
4.13.8 Barrierefreiheit
Der öffentliche Raum ist barrierefrei zu gestalten. Folgende DIN-Normen sind zu berücksich-
tigen:
DIN 18040-1 Barrierefreies Bauen - Planungsgrundlagen - Teil 1: Öffentlich
zugängliche Gebäude

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DIN 18040-3:2014-12 Barrierefreies Bauen - Planungsgrundlagen - Teil 3: Öffentlicher
Verkehrs- und Freiraum
4.13.9 Luftverunreinigende Stoffe
Für die Errichtung und den Betrieb einer Heizungsanlage gilt derzeit noch die Verordnung über
kleine und mittlere Feuerungsanlagen (1. Bundes-Immissionsschutzverordnung - 1. BImSchV)
in der Fassung vom 26. Januar 2010 (BGBl. I S. 38). Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe
mit einer Nennwärmeleistung von 4 kW bis weniger als 500 kW müssen gemäß § 5 Abs. 1 ei-
nen Staubgrenzwert von 0,02 g/m³ und einen Kohlenmono-xidgrenzwert von 0,4 g/m³ einhal-
ten.
Die Austrittsöffnung von Schornsteinen bei Feuerungsanla-gen für feste Brennstoffe muss ge-
mäß § 19 Abs. 1 der 1. BImSchV
1.
bei Dachneigungen
a)
bis einschließlich 20 Grad den First um mindestens 40 Zentimeter überragen
oder von der Dachfläche mindes-tens 1 Meter entfernt sein,
b)
von mehr als 20 Grad den First um mindestens 40 Zen-timeter überragen oder
einen horizontalen Abstand von der Dachfläche von mindestens 2 Meter und 30 Zenti-
meter haben;
2.
bei Feuerungsanlagen mit einer Gesamtwärmeleistung bis 50 kW in einem
Umkreis von 15 Metern die Ober-kanten von Lüftungsöffnungen, Fenstern oder Türen
um mindestens 1 Meter überragen; der Umkreis ver-größert sich um 2 Meter je
weitere angefangene 50 kW bis höchstens 40 Meter.
• Die Einhaltung der genannten Anforderungen ist gemäß § 14 BImSchV vom
Schornsteinfeger erstmals und hinsicht-lich der Einhaltung der Emissionsgrenzwerte
gemäß § 15 BImSchV wiederkehrend feststellen zu lassen.
Für Feuerungsanlagen, die nach dem 31. Dezember 2021 errichtet werden, gelten die geän-
derten Ableitungsbedin-gungen für Abgase gemäß § 19 Abs. 1 der 1. BImSchV in der Fassung
vom 13. Oktober 2021 (BGBl. I S. 4676).
4.13.10 Altlasten
Zeigen sich im Rahmen der geplanten Tief-/Baumaßnahmen organoleptische (Sicht, Geruch)
Auffälligkeiten im Boden, sind diese gemäß § 13 Abs. 3 des Sächsischen Kreislaufwirtschafts-
und Bodenschutzgesetzes (SächsKrWBodSchG), unverzüglich dem Referat Umwelt und

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Seite 69
Forst, SG Abfallrecht, Altlasten, Bodenschutz im Landratsamt Erzgebirgskreis anzuzeigen.
Über notwendige Maßnahmen wird standortbezogen entschieden.
Aus den vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden (LfULG) bereit-
gestellten Erosionsgefährdungskarten zur potenziellen Bodenerosionsgefährdung durch Was-
ser*) ist ersichtlich, dass der vorgesehene Geltungsbereich des Bebauungsplanes innerhalb
von Flächen liegt, für die großflächig eine hohe potentielle Erosionsgefährdung durch Wasser
ausgewiesen ist. Die Bodenerosionsgefährdung gilt bei unbedecktem oder gering mit Vegeta-
tion bedecktem Boden der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Aus diesem Grund wird vorsorglich
darauf hingewiesen, dass mögliche Beeinträchtigungen oder Schäden durch Bodenablage-
rungen infolge von Bodenerosionsereignissen nicht vollständig ausgeschlossen werden kön-
nen.
4.13.11 Abwasser
Die abwassertechnische innerörtliche Erschließung des Wohngebietes unterliegt der Anzeige-
pflicht gem. § 55 Abs. 5 Sächsisches Wassergesetz (SächsWG) beim Landratsamt Erzge-
birgskreis als zuständige untere Wasserbehörde.
Bei Auffinden von Entwässerungsleitungen während der Bauphase ist der Abwasserzweck-
verband Oberes Zschopau- und Sehmatal (AZV) umgehend zu informieren. Zu aufgefundenen
Anlagen ist in jedem Fall ein Mindestabstand von 0,5 m bei der Planung einzuhalten. Leitungs-
querungen bzw. Parallelverläufe, Überbauen und Unterquerungen sind nur mit schriftlicher
Genehmigung des AZV gestattet. Gleiches gilt für Veränderungen des bestehenden Kanal-
systems. Der Auftragnehmer ist für die Bauausführung und Sicherung vorhandener Anlagen,
insbesondere Standsicherheit vorhandener Bauwerke verantwortlich und hat dieses zu über-
wachen. Das Eindringen von Verunreinigungen in das Kanalnetz ist auszuschließen. Vom Tief-
baubetrieb ist rechtzeitig vor Baubeginn ein Antrag auf Auskunft Versorgungsleitungen zu stel-
len.
4.13.12 Trinkwasser
Einzelheiten zur Trinkwasserversorgung sind mit dem zuständigen Wasserversorger abzu-
stimmen. Der Planbereich liegt außerhalb von Trinkwasser- oder Heilquellenschutzgebieten.

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4.13.13 Strom / Straßenbeleuchtung
Wenn Umverlegungen oder das Absichern von Kabeln erforderlich werden ist dies vor Beginn
der Arbeiten mit den Stadtwerken Annaberg-Buchholz Energie AG abzustimmen. Eventuell
notwendig werdende Umverlegungen von Kabeln und Leitungen gehen zu Lasten des Bauträ-
gers.
Bei der vorgesehenen Bautätigkeit sind Beschädigungen der Straßenbeleuchtungsanlage
bzw. -kabel unbedingt auszuschließen. Die Versorgungsleitungen dürfen weder überbaut,
noch übermäßig bepflanzt der überschüttet werden. Die vorgeschriebenen Mindestabstände
sind einzuhalten. Im Näherungsbereich um diese Anlagen fordert die Stadtwerke Annaberg-
Buchholz Energie AG Handschachtungen.
4.14 Flächenbilanz
Art
Fläche (gerundet)
Anteil
(gerundet)
allgemeines Wohngebiet
11.295 m²
71,5 %
öffentliche Straßenverkehrs-
fläche
2.255 m²
14 %
Fläche für Versorgungsanla-
gen
70 m²
0,5 %
Grünflächen
2.200 m²
14 %
Gesamtfläche des Plange-
bietes
15.820 m²
100 %

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Stadttechnische Erschließung
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Seite 71
5. Stadttechnische Erschließung
Für die stadttechnische Erschließung des Plangebiets sind die technischen Ver- und Entsor-
gungsanlagen weitgehend verlegt worden. Bis auf die Abwasserleitungen wurden bereits alle
Medien im Zuge der Erschließung der straßenbegleitenden Bebauung verlegt.
Dazu kann an die im umgebenden Straßennetz vorhandenen Leitungen für Strom, Gas, Trink-
und Schmutzwasser angebunden werden. Im Plangebiet sind Medien vorhanden, welche im
Rahmen der Planung umverlegt bzw. stillgelegt werden. Die Versorgung der geplanten Be-
bauung wird über das neue Netz in den Planstraßen sichergestellt.
5.1
Wasserversorgung
5.1.1
Trinkwasserversorgung
Die Trinkwasser- und Löschwasserversorgung soll ebenfalls über die „Alte Königwal-
der Straße“ erfolgen, die im Plangebiet notwendigen Leitungen sind auch in den je-
weiligen öffentlichen Planstraßen vorgesehen.
5.1.2
Brandschutz
Im Plangebiet kann aus dem Trinkwassernetz kein Löschwasser entnommen wer-
den. Eine Löschwasserzisterne ist an der Gewerbefläche "Annaberger Backwaren" in
direkter Nachbarschaft vorhanden
5.2
Elektroenergieversorgung
Das Plangebiet soll über den städtischen Versorgungsträger der Stadtwerke Annaberg Buch-
holz Energie AG mit Strom versorgt werden. Alle technischen Vorkehrungen werden im Rah-
men des Planverfahrens mit dem Versorgungsträger abgestimmt.

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Stadttechnische Erschließung
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seecon Ingenieure I 17.01.2022
5.3
Gasversorgung
Im Plangebiet verlaufen eine Gashochdruckleitung der inetz GmbH sowie zwei Gasmittel-
druckleitungen der Stadtwerke Annaberg Buchholz Energie AG. Diese werden über ein Lei-
tungsrecht gesichert. Damit bleibt eine zukünftige Erschließung gewährleistet.
5.4
Abwasserbeseitigung
5.4.1
Regenwasser
Die Ableitung des Oberflächenwassers ist nachhaltig zu sichern. Im nördlichen Bereich des
Geltungsbereiches kann flächenbegrenzt das Oberflächenwasser von den befestigten priva-
ten und öffentlichen Flächen des Plangebiets in das bereits an der „Alten Königswalder Straße“
anliegende Netz des AZV „Oberes Zschopau- und Sehmatal“ (AZV) abgeführt werden
In der alten Königswalder Straße liegen ein Regenwasserkanal DN 300 PP und ein Schmutz-
wasserkanal DN 200 PP an. Die Entsorgung hat im Trennsystem zu erfolgen. Über diesen ist
die Regenentwässerung des Plangebietes gewährleistet. Innerhalb des Plangebietes werden
die notwendigen Leitungen in den öffentlichen Planstraßen verlegt.
Beeinträchtigungen oder Schäden durch Bodenablagerungen infolge von Bodenerosionser-
eignissen bei Starkregen können nicht vollständig ausgeschlossen werden.
Zum Schutz vor bodenerosionsbezogenen Beeinträchtigungen oder Schäden dient die Grün-
fläche öG3 des Bebauungsplans mit einer Breite von ca. 10 m als Pufferfläche zwischen Land-
wirtschaft und Wohngebiet. Auf dieser Fläche wird zusätzlich ein Steinrücken angelegt, der
entsprechend den historischen Vorbildern der Kulturlandschaft um Annaberg-Buchholz den
Siedlungsbereich von der freien Landschaft abgrenzt und eine Barriere- und Pufferwirkung
gegen mögliche negative Beeinträchtigungen der Landwirtschaft entfaltet.
5.4.2
Schmutzwasser
Die Schmutzwasserentsorgung soll ebenfalls über die alte Königswalder Straße erfolgen, die
im Plangebiet notwendigen Leitungen sind auch in den jeweiligen öffentlichen Planstraßen
vorgesehen.

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Auswirkungen der Planung
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Seite 73
5.5
Abfallentsorgung, Wertstofferfassung
Die Zuständigkeit für die Abfallerfassung und -beseitigung liegt beim Erzgebirgskreis – Sach-
gebiet Abfallrecht, Altlasten, Bodenschutz und wird satzungsgemäß (Abfallwirtschafts- (Aws)
und -gebührensatzung (Ags)) durchgeführt. In der dem Bebauungsplan zugrunde liegenden
Planung der Straßenquerschnitte ist sichergestellt, dass die Entsorgung des Gebietes und der
Grundstücke mit herkömmlicher Entsorgungstechnik möglich ist. Da unter einer anzunehmen-
den Grundstücksteilung mit keinen Grundstücken zu rechnen ist, die nicht an der öffentlichen
Verkehrsfläche liegen, wird im Entwurf auf eine zeichnerische Festsetzung von Gemein-
schaftsanlagen „Müllsammelplätze“ verzichtet.Der Müll wird an den entsprechenden Tagen an
der Straße durch die Bewohner bereitgestellt. Innerhalb der zugrunde liegenden Erschlie-
ßungsplanung wurde auf eine Befahrbarkeit mit dreiachsigen Müllfahrzeugen geachtet.
5.6
Telekommunikation
Die Stadtwerke SWA-B sowie die Deutsche Telekom Netzproduktion GmbH (TELEKOM) un-
terhält ein Telekommunikationsnetz in der Stadt Annaberg-Buchholz, weshalb von einer qua-
litativ ausreichenden (Breitband-DSL per Kabel) Versorgungsmöglichkeit ausgegangen wird.
6. Auswirkungen der Planung
6.1
Auswirkungen auf die Umwelt
6.1.1
Auswirkungen auf Boden, Natur und Landschaft
Der Bebauungsplan wird nach § 13 b BauGB aufgestellt.
Im beschleunigten Verfahren gelten nach § 13 b und § 13 a Abs. 2 Nr. 4 BauGB Eingriffe, die
aufgrund der Aufstellung des Bebauungsplans zu erwarten sind, als vor der planerischen Ent-
scheidung erfolgt oder zulässig. Aus diesem Grund ist die Erstellung einer Eingriffs-Aus-
gleichs-Bilanz nicht notwendig. Von der Durchführung einer Umweltprüfung und der Erstellung
eines Umweltberichtes wird abgesehen (§ 13 Abs. 3 BauGB).
Die relevanten fachlichen Grundlagen und Ziele des Umweltschutzes werden berücksichtigt.

Begründung zum Bebauungsplan „Wohngebiet an der Alten Königswalder Straße“ I Satzung
Auswirkungen der Planung
Seite 74
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Folgende erhebliche Auswirkungen des Bebauungsplanes wurden bereits im Rahmen der Auf-
stellung des Flächennutzungsplanes für die Fläche ermittelt:
Im Sinne einer verständlichen Aufbereitung der ermittelten Umweltauswirkungen durch die ge-
planten Neuausweisungen von Bauflächen wurde ein standardisiertes Schema verwendet. In
der vertiefenden Prüfung wurden die Umweltauswirkungen der geplanten Einzelstandorte des
Flächennutzungsplans schutzgutbezogen unter Berücksichtigung möglicher Ausgleichsmaß-
nahmen ermittelt und dargestellt. Die zu erwartenden Auswirkungen des jeweiligen Standortes
wurden zusammenfassend anhand einer dreistufigen Bewertungsskala eingeschätzt (geringe,
mittlere und erhebliche Auswirkungen). Bei geringen und mittleren Beeinträchtigungen können
die Kompensationsmaßnahmen schutzgutübergreifend im Bebauungsplanverfahren festge-
setzt werden.
Vorhandene Auswertungen des Landschaftsplanentwurfes (2010) werden insbesondere in
Hinsicht auf Klima, Lebensraumpotential und das Schutzgut Landschaft einbezogen. Es sind
nach Landschaftsplan keine sehr hochwertigen Lebensräume oder hochwertigen Teile des
Landschaftsbildes betroffen. In den Einzelbewertungen werden die Informationen des Land-
schaftsplanes mit einem Stern (*) gekennzeichnet.
Zur Bestandaufnahme und Abschätzung der Umweltauswirkungen für das Schutzgut Boden
wurden
die Digitale Bodenkarte 1: 50.000 (digBK50)
die Auswertekarten Bodenschutz zu den natürlichen Bodenfunktionen
und die Erosionsgefährdungskarten Freistaat Sachsen
ausgewertet. Mit dieser Bestandsaufnahme wird sich an den methodischen Grundsätzen des
Sächsischen Bodenbewertungsinstrumentes orientiert.
Auswertung von Datenbeständen zum Schutzgut Boden:
Bewertung
Bodenart/-typ
Braunerde aus periglaziärem Grus führendem Sand über
periglaziärem Grussand, Pseudogley aus periglaziaerem
Grus fuehrendem Lehm ueber periglaziaerem Grussand“
sowie Lockersyrosem-Regosol aus gekipptem Lehm-
schutt
Natürliche Bodenfruchtbarkeit
gering (II) und mittel (III)
Wasserspeichervermögen
gering (II) und mittel (III)
Filter und Puffer für Schadstoffe
gering (II) und mittel (III)
Besondere Standorteigenschaften
am Südrand:sehr nährstoffarm
Landschaftsgeschichtliche Bedeutung
Nein
Erosionsgefährdung (KSLR)
5

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Seite 75
Danach zeigt sich, dass keine Böden mit landschaftsgeschichtlicher Bedeutung betroffen sind.
Die Notwendigkeit zur Umwandlung von landwirtschaftlichen Flächen in Siedlungsflächen
ergibt sich aus dem planerischen Erfordernis, entsprechend des mittelfristig ermittelten Wohn-
baubedarfs Flächen für den Wohnungsbau vorwiegend im Sektor Einfamilienhausbau zur Ei-
genentwicklung der Kommune zur Verfügung zu stellen. Die vorhandenen verfügbaren Wohn-
bauflächenreserven und Innenentwicklungspotenziale reichen zur Deckung des Bedarfs nicht
aus. Daher müssen in begrenzten Umfang an städtebaulich vertretbaren Standorten neue Flä-
chen für die Siedlungsentwicklung in Anspruch genommen werden.
Da die vorhandenen Reserveflächen zur Befriedigung des Wohnbaubedarfs nicht ausreichen,
werden in geringem Umfang derzeit landwirtschaftlich genutzte Flächen neu für die Siedlungs-
entwicklung in Anspruch genommen. Die Fläche des vorliegenden Bebauungsplans weist be-
reits durch die an drei Seiten umgebende Bebauung einen hohen siedlungszusammenhang
auf und kann mit vertretbaren Kosten für eine bauliche Entwicklung erschlossen werden. Die
natürliche Fruchtbarkeit der vorhandenen Böden ist gering bis mittel.
Zur Berücksichtigung des Artenschutzes wurde ein artenschutzrechtlicher Fachbeitrag erar-
beitet.
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ist im artenschutzfachlichen Beitrag zu prü-
fen, ob geschützte Tier- und/oder Pflanzenarten (hier: Europäische Vogelarten und Arten des
Anhang IV der FFH-RL) durch das Vorhaben betroffen sind und ob dadurch die Schädigungs-
oder Störungsverbote des § 44 BNatSchG erfüllt werden.
Im Ergebnis des Fachbeitrages ist festzustellen, dass für die untersuchten Artengruppen Vögel
und Fledermäuse erhebliche Beeinträchtigungen durch die geplante Bebauung, unter Berück-
sichtigung der Vermeidungs-, Minimierungs- und Kompensationsmaßnahmen, ausgeschlos-
sen werden können.
Auf folgende Maßnahmen wird hingewiesen:
Maßnahmen Vögel:
Der Zeitpunkt des Abrisses des Bestandes im WA 4 sowie der Beginn der Arbeiten im
Geltungsbereich sind außerhalb der Brutzeit, zwischen Oktober und März festzulegen.
Dies ist bereits ordnungsgemäß erfolgt.
Vor Abrissbeginn des Bestandes im WA 4 bzw. vor der nächsten Brutsaison sind geeignete
Ersatzlebensstätten anzubringen. Der Umfang des Ausgleichs erfolgt im Verhältnis 1:3. Es
sind somit 3 Nischenbrüterhöhlen für den Hausrotschwanz an geeigneten Gebäuden zu instal-
lieren.
Dies wird bis zur kommenden Brutsaison (ab 01.03.2022) erfolgen. Die Anbringung der Er-
satzniststätten wird dem SG Naturschutz/Landwirtschaft schriftlich angezeigt und mittels Fo-
todokumentation beleget.

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Maßnahmen Fledermäuse:
Kontrolle von Spalten, Nischen und Löchern des Gebäudebestandes im WA 4 vor
Abriss auf den Besatz von Fledermäusen und deren Spuren. Bei Feststellung einer
Nutzung sind geeignete Maßnahmen mit der UNB abzustimmen.
Um das Risiko einer Anwesenheit von Fledermäusen zu minimieren, sind die
Abrissarbeiten des Bestandes im WA 4 in den Wintermonaten zwischen November
und Februar durchzuführen.
Dies ist bereits ordnungsgemäß erfolgt.
Mit dem ausschließlichen Betreiben einer Tagesbaustelle (7:00 bis 18:00 Uhr) wird die
Störung von jagenden Fledermäusen ausgeschlossen.
Es ist nicht zu erwarten, dass bei Umsetzung des Vorhabens die Verbotstatbestände des § 44
BNatSchG bzw. des Art. 12 FFH-RL und Art. 5 der Vogelschutzrichtlinie eintreten, sofern die
vorgeschlagenen Vermeidungsmaßnahmen umgesetzt werden. Ein Ausnahmeverfahren gem.
§ 45 (8) BNatSchG ist nicht erforderlich.

image
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Abbildung 10
Prognose des Umweltzustandes der geplanten Siedlungsentwicklung für den Geltungsbereich
(FNP der Großen Kreisstadt Annaberg – Buchholz, 2020)
6.1.2
Auswirkungen auf Immissionen
Im Zusammenhang mit der beabsichtigten zukünftigen Nutzung des Areals als Wohngebiet ist
die Verträglichkeit gegenüber dem Gewerbelärm nachzuweisen. Ziel ist es das Wohlbefinden

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Auswirkungen der Planung
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der Bewohner zu sichern. Für das Areal des Bebauungsplangebietes wurde ein Schallgutach-
ten erarbeitet, welches die jeweiligen vorhandenen gewerblichen Lärmquellen untersuchte
und entsprechende Maßnahmen definiert, um eine Verträglichkeit gewährleisten zu können.
Die Immissionsrichtwerte für ein „Allgemeines Wohngebiet“ sind in der Nummer 6.1 e) der TA
Lärm genannt. Aufgrund der zukünftigen Gemengelage (Wohnen grenzt an eine gewerbliche
Nutzung) und des Gebotes der gegenseitigen Rücksichtnahme erfolgte hinsichtlich der einzu-
haltenden Immissionsrichtwerte im Nachtzeitraum eine Abstimmung der zuständigen Geneh-
migungsbehörde. Es wurde für den Tageszeitraum der zulässige Immissionsrichtwert von 55
dB(A) übernommen, für den Nachtzeitraum wurde ein erhöhter zulässiger Richtwert 55 dB(A)
tags von 45 dB(A) nachts für den Nachtzeitraum festgelegt.
Im Zuge der schalltechnischen Untersuchungen wurde im September 2020 eine Langzeitmes-
sung an einem geeigneten Ersatzmessort, auf dem Grundstück des Wohnhauses „Alte Kö-
nigswalder Straße 7“, Flurstück 448/29, östlich des geplanten Wohnbaustandortes durchge-
führt, um insbesondere Informationen über die von der Fa. Annaberger Backwaren GmbH
einwirkenden Geräuschimmissionen zu erhalten. Diese Messungen erfolgten über einen Zeit-
raum von ca. 8 Tagen.
In Auswertung der Ergebnisse wurden Überschreitungen der Immissionsrichtwerte „Nacht“ im
geplanten „Allgemeinen Wohngebiet“ festgestellt, die insbesondere auf die Ladetätigkeiten
und die Fahrgeräusche der Lkw der Fa. Annaberger Backwaren GmbH in den Nachtstunden
zurückzuführen waren.
Rücksichtnahmegebot bei heranrückender Wohnbebauung
Das Rücksichtnahmegebot verlangt bei Bauvorhaben, die an emittierende Anlagen heranrü-
cken, dass sie sich keinen unzumutbaren Immissionen aussetzen.
Gem. dem Prüfschema war zu prüfen, ob
a) der jeweilige Anlagenbetreiber in Bezug auf die Ist-Situation (ohne hinzutretende Wohnbe-
bauung) seine immissionsschutzrechtlichen Betreiberpflichten erfüllt und
b) der Bauherr seiner Obliegenheit zur architektonischen Selbsthilfe nachkommt (z. B. Gebäu-
destellung, Anordnung der Wohnräume, passive bautechnische Maßnahmen)
Da beide Anforderungen durch entsprechende Maßnahmen erfüllt werden, ist das Rücksicht-
nahmegebot insoweit nicht verletzt. Die Wohnbebauung ist insoweit zulässig.
Maßnahmen zur Schallminimierung
Nachdem die Ergebnisse der Messung ausgewertet waren, wurden verschiedene Möglichkei-
ten der Schallminderung diskutiert. Im Ansatz wurde dabei eine Reduzierung der Emissionen
an der Quelle präferiert. Hierzu wurden Vorschläge und Möglichkeiten aufgezeigt, wie das

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Auswirkungen der Planung
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Seite 79
Emissionsniveau der Fa. Annaberger Backwaren GmbH bei der nächtlichen Beladung gesenkt
werden kann. Hierbei wurden neben der baulichen Umgestaltung der Laderampen auch orga-
nisatorische Maßnahmen untersucht.
Im Ergebnis der internen Prüfung der Fa. Annaberger Backwaren GmbH wurde eine Umge-
staltung der Laderampen aufgrund des hohen Investitionsbedarfs sowie der erheblichen Stö-
rung der Betriebsabläufe verworfen. Deshalb wurden aktive Maßnahmen in Form von abschir-
menden Wänden im Bereich der Ladezone und am südlichen Rand des Betriebsgrundstückes
vorgeschlagen.
Dazu werden an der Laderampe eine ca. 5 m Hohe und ca. 10 m lange abschirmende Wand
sowie am südlichen Betriebsrand, südlich der bestehenden Schuppen und Unterstellmöglich-
keiten eine ca. 4 m hohe und 78 m lange abschirmende Wand vorgesehen. Diese Wand wurde
auf dem gleichen Höhenniveau wie die nördliche Grenze des B-Plan-Gebietes vorgesehen.
Durch die Errichtung der beiden beschriebenen Lärmschutzwände kann einem Großteil des
Lärms entgegengewirkt werden. Nur an Immissionsorten im WA 1 und WA 2, die der Fa. An-
naberger Backwaren GmbH zugewandt sind, sind Überschreitungen des zulässigen Immissi-
onsrichtwertes im Nachtzeitraum von bis zu 3 dB zu erwarten. An diesen Fassadenbereichen
sind besondere passive Maßnahmen zum Schallschutz erforderlich, wie besondere Fenster-
konstruktionen unter Wahrung einer ausreichenden Belüftung oder andere bauliche Maßnah-
men gleicher Wirkung umzusetzen.
Der maßgebliche Außenlärmpegel „Gewerbelärm“ beträgt 66 dB. Die maßgeblichen Immissi-
onsorte innerhalb des Plangebiets befinden sich, je nach Lage und Abstand zur Fa. Annaber-
ger Backwaren GmbH in den damit im Lärmpegelbereichen II, III bzw. IV.
6.2
Auswirkungen auf die Wirtschaft und die sozialen
Verhältnisse
Die Stadt Annaberg-Buchholz kann:
mit der Begründung von Baurecht Bauwilligen eine attraktive Offerte im eigenen
Stadtgebiet unterbreiten,
insbesondere auch Familien mit Kindern bei gut erreichbarer sozialer Infrastruktur an
den Ort binden,
auch den Wirtschaftsstandort Annaberg-Buchholz als Mittelzentrum langfristig sichern
sowie
langfristig von Steuereinnahmen in ihrem Haushalt profitieren, was die sozialen
Leistungen der Kommune stärkt.

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Auswirkungen der Planung
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Bei der Auswahl bauausführender Firmen aus der Region kann deren Wirtschaftskraft gestärkt
werden. Die Forderungen des technischen und sozialen Arbeitsschutzes, d. h. der Gesund-
heitsschutz von Arbeitnehmern oder Dritten ist zu beachten.
6.3
Auswirkungen auf den Verkehr
Das überörtliche Verkehrsaufkommen dürfte sich durch das Vorhaben nicht spürbar vergrö-
ßern. Im Detail kann es im Zuge des Ausbaus kommunaler Straßen zu geringen innerörtlichen
Verlagerungseffekten kommen. Die Entfernung zur Stadtmitte beträgt rd. 2,4 km.
Das Gebiet liegt in unmittelbarer Nähe zur Bushaltestelle Geyersdorf, An der Bleiche. Diese
Haltestelle wird durch die Buslinie
490 Marienberg – Großrückerswalde – Mildenau – Annaberg-Buchholz
431 Annaberg-Buchholz – Steinbach – Satzung - Reitzenhain
434 Annaberg-Buchholz – Geyersdorf - Mildenau
439 Annaberg-Buchholz – Geyersdorf – Falkenbach - Wolkenstein
mit insgesamt 43 Fahrtenpaaren pro Tag bedient. Alle Linien werden durch die Regionalver-
kehr Erzgebirge GmbH (RVE) betrieben und sichern die Verbindung in das Umland. Alle Hal-
testellen sind barrierefrei.
Die genannten Linien haben eine große Bedeutung im Rahmen der geförderten Schülerbeför-
derung und werden sicherlich ebenfalls durch die zukünftig im geplanten Wohngebiet ansäs-
sigen Schüler genutzt. Deren Anzahl ist zum jetzigen Zeitpunkt von uns nicht abzuschätzen.
6.4
Auswirkungen auf den Bestand
Bisherige landwirtschaftliche Nutzfläche wird dauerhaft entzogen. Es liegt keine planbedingte
Existenzbedrohung vor. Die bereits vorhandenen Straßenanbindungen an die Alte Königswal-
der Straße werden genutzt. Eine koordinierte verkehrs- und stadttechnische Erschließung wird
angestrebt. Der Gehölzbestand am südlichen Gebietsrand bleibt erhalten. Sämtliche angren-
zende landwirtschaftliche Nutzflächen bleiben erreichbar und die Wege für größere Landma-
schinen befahrbar.

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Seite 81
7. Umsetzung der Planung
7.1
Maßnahmen zur Sicherung der Planung
Als Maßnahmen zur Sicherung der Planung kommen die Veränderungssperre nach
§ 14 BauGB und/oder das Zurückstellen von Baugesuchen nach § 15 BauGB in Frage. Beides
wird derzeit nicht für notwendig erachtet.
7.2
Maßnahmen zur Durchsetzung der Planung
Bei einvernehmlichen Lösungen zum Vollzug der Planung sind städtebauliche Gebote
(§ 175 ff. BauGB) verzichtbar. Beabsichtigt die Gemeinde Gebote zu erlassen, soll sie die
Maßnahme vorher mit den Betroffenen erörtern. Die Gemeinde soll dann die Eigentümer, Mie-
ter, Pächter und sonstigen Nutzungsberechtigten im Rahmen ihrer Möglichkeiten beraten, wie
die Maßnahme durchgeführt werden kann und welche Finanzierungsmöglichkeiten aus öffent-
lichen Kassen bestehen.
Folgendes Baugebot wird in den Kaufverträgen enthalten sein: "Der Erwerber verpflichtet sich
innerhalb von zwei Jahren, gerechnet ab Eigentumsübergang, mit dem Bau des Eigenheims
zu beginnen. Die Bauverpflichtung wird jedoch erst nach Fertigstellung des Bauwerkes aus
dem Grundbuch des jeweiligen Eigentümers gelöscht."
Ziel ist die Vermeidung von Grundstücksbevorratung zulasten der bestehenden Nachfrage
nach Wohnbauflächen für Eigenheime sowie eine flächenschonende Wohnungsbaupolitik.
7.3
Bodenordnende Maßnahmen
Eine Vermessung wurde durchgeführt und Grundstücksteilung ist inzwischen erfolgt.
7.4
Kostentragung
Durch den Bebauungsplan entstanden bzw. entstehen neben den (ggf. anteiligen) Bau- und
Baunebenkosten insbesondere der Stadt Kosten für die städtebauliche Planung, im Verfahren

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Umsetzung der Planung
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notwendige Fachgutachten und die kommunalen Anteile bei der Erschließung, da die Erschlie-
ßungskosten im Bodenpreis und somit im Kaufpreis enthalten sind.

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Abbildungsverzeichnis
seecon Ingenieure I 17.01.2022
Seite 83
C Anlagen
Anlage 1: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Anlage 2: Schallgutachten
D Verzeichnisse
8. Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Lage des Standorts im Raum (rote Umrandung), Quelle: RAPIS
Bauleitplanung [07/2020] ............................................................................. 7
Abbildung 2 Lage des Geltungsbereichs (grün) im Stadtgebiet Annaberg-Buchholz ... 8
Abbildung 3 Luftbild mit Geltungsbereich und Nutzungsstruktur (Quelle: RAPIS
Bauleitplanung [07/2020]) ........................................................................... 9
Abbildung 4 Luftbild mit Geltungsbereich und Nutzungsstruktur (Quelle: RAPIS
Bauleitplanung [07/2020]) ......................................................................... 13
Abbildung 5 (links)
Blick von Norden nach Süden über den Feldweg und Acker
(Quelle: seecon Ingenieure) ...................................................................... 13
Abbildung 6 (rechts) ungenutztes Haus im südöstlichen Geltungsbereich (Quelle:
seecon Ingenieure) ................................................................................... 13
Abbildung 7 Kampfmittelbelastungskarte Annaberg-Buchholz .................................. 15
Abbildung 8 RP Karte 2: Raumnutzung mit Lage des Geltungsbereichs (gelb) ......... 21
Abbildung 9 Bebauungsplangebiete EFH/ZFH-Wohnungsbau (Quelle: Begründung
zum Bebauungsplan „Alte Poststraße“ Büro für Städtebau GmbH Chemnitz
43) ............................................................................................................. 34
Abbildung 10
Prognose des Umweltzustandes der geplanten Siedlungsentwicklung
für den Geltungsbereich (FNP der Großen Kreisstadt Annaberg –
Buchholz, 2020) ........................................................................................ 77

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Abkürzungsverzeichnis
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9. Abkürzungsverzeichnis
(alphabetisch geordnet)
BauNVO
Baunutzungsverordnung
BGF
Brutto-Grundfläche
DMO
Destinationsmarketingorganisation
ELER
Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums
ELER-VO Verordnung des Europäischen Parlament und des Europäischen Rates über die
Förderung der ländlichen Entwicklung durch den Europäischen
Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)
EMFF
Europäischer Meeres- und Fischereifonds
EPLR
Entwicklungskonzept für den ländlichen Raum des Freistaates Sachsen
ESF
Europäischer Sozialfonds
ESIF
Europäische Struktur- und Investitionsfonds
ESIF-VO
Verordnung des Europäischen Parlament und des Europäischen Rates mit
gemeinsamen Bestimmungen über den Europäischen Fonds für regionale
Entwicklung, den Europäischen Sozialfonds, den Kohäsionsfonds, den
Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums
und den Europäischen Meeres- und Fischereifonds sowie mit allgemeinen
Bestimmungen über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, den
Europäischen Sozialfonds, den Kohäsionsfonds und den Europäischen Meeres-
und Fischereifonds
FFH
Flora-Fauna-Habitat-Gebiete
LEP
Landesentwicklungsplan
LfULG
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
LSG
Landschaftsschutzgebiete
MDV
Mitteldeutscher Verkehrsverbund
MIV
motorisierter Individualverkehr
NSG
Naturschutzgebiete
SächsBO Sächsische Bauordnung
SächsStrG Sächsisches Straßengesetz
SächsWG Sächsisches Wassergesetz
SMUL
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
WHG
Wasserhaushaltsgesetz
WRRL
Wasserrahmenrichtlinie