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Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“
Institut für Verkehrsplanung und Straßenverkehr
Lehrstuhl Straßenverkehrstechnik mit Fachbereich Theorie der Verkehrsplanung
Technische Universität Dresden, 01062 Dresden
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Verkehrssicherheit auf Landstraßen in Sachsen
Konzept der Arbeitsgruppe im Lenkungsausschuss Verkehrssicherheit
1.
Vorbemerkung und Problemstellung
Nach den Mitteilungen des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen wur-
den in den Jahren vor 2000 jährlich mehr als 25 000 Menschen bei Verkehrsunfällen
verletzt oder getötet. Seit 2004 liegt diese Anzahl bei etwa 20 000 Menschen und geht
weiter zurück. Dies ist ein Erfolg unterschiedlicher Ansätze zur Verbesserung der Ver-
kehrssicherheit im Freistaat, wobei verkehrssichere Straßenverkehrsanlagen einen
großen Beitrag geleistet haben. Sowohl der Ausbau der Bundesfernstraßen, die den
größten Teil des großräumigen Verkehrs aufnehmen als auch Maßnahmen der Netz-
ergänzung und Ausbauvorhaben in kleineren Maßstäben haben zur Milderung dieser
Verletzungszahlen beigetragen.
In der nächsten Zeit soll die weitere Verbesserung der Verkehrssicherheit auf Land-
straßen im Freistaat Sachsen nach dem Beschluss des Lenkungsausschusses „Ver-
kehrssicherheit in Sachsen“ durch eine Arbeitsgruppe vorangetrieben werden. Anlass
dazu ist zum einen die Zuständigkeit des Sächsischen Ministeriums für Wirtschaft und
Arbeit für das klassifizierte Straßennetz, soweit es in der Baulast des Freistaates steht
und der Wunsch, dass in Sachsen ein spürbarer Beitrag zur Zielerreichung der europä-
ischen Verkehrssicherheitsarbeit geleistet wird. Auch für Europa wird eine weitere Re-
duzierung der tödlichen Unfallzahlen als Ziel gefordert.
In den vergangenen Jahren wurden bereits mehrfach in der Verantwortung des Frei-
Univ.-Prof. Dr.-Ing.
Reinhold Maier
Bearbeiter: Prof. Mai/Ry
Telefon:
(03 51) 46 33 66 99
Telefax:
(03 51) 46 33 65 02
E-Mail:
reinhold.maier@tu-dresden.de

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staates wirksame Handlungskonzepte für die Verbesserung der Verkehrssicherheit auf
Landstraßen durchgeführt. Als wirksam hat sich beispielsweise das Programm zur Be-
kämpfung von Unfallhäufungen auf Landstraßen erwiesen, präventive Ansätze sind in
der Tätigkeit von Sicherheitsauditoren bei Straßenbauplanungen zu sehen. Auf diesen
Erfahrungen soll aufgebaut und mit modernen Instrumenten der Verkehrssicherheits-
arbeit weiterentwickelt werden.
2.
Verfahren und Arbeitstechniken
Am Anfang stehen die Analyse der Sicherheitsdefizite und die Diagnose von
Abhilfemaßnahmen. Dazu sollen folgende Instrumente zum Einsatz kommen:
-
Auswertung der Unfallzahlen:
Mithilfe der Amtlichen Statistik ist es möglich, Hauptproblembereiche im Unfall-
geschehen auf Landstraßen zu identifizieren. Es kann festgestellt werden, wie
groß der Beitrag der Verkehrsunsicherheit auf Landstraßen im Freistaat insge-
samt ist, welche Bedeutung dabei Kreuzungen und Einmündungen haben, in-
wieweit Unfälle auf knotenpunktfreier Strecke durch Verlust der Fahrzeugkon-
trolle oder Fehlern beim Überholen auftreten und welche Beiträge aus Fahrzeu-
gen des Schwerverkehrs kommen. Dabei können auch die in der Öffentlichkeit
häufig diskutierten Problembereiche der jungen Fahrer, der Motorradunfälle, der
Gefahrguttransporte oder von Busunfällen näher beleuchtet werden. Auch die
Problematik öffentlich häufig diskutierter Ausprägungen, z.B. Wildunfälle kann
in diesem Zusammenhang überprüft werden.
-
Zusammenführung von aktuellen Forschungserkenntnissen:
An Forschungseinrichtungen des Bundes und der Länder, an Universitäten so-
wie privaten Instituten werden laufende Untersuchungen durchgeführt, die sich
mit Verfahren und praktischen Erfahrungen der Straßenverkehrssicherheit be-
fassen. Soweit die Unfallgefahr auf Landstraßen Gegenstand solcher Arbeiten
sind, wird in der Arbeitsgruppe darüber berichtet und es wird geprüft, welche
Konsequenzen sich für die Arbeiten in Sachsen dafür ergeben.
-
Straßennetz-Analyse:
Die örtliche Verteilung der Straßenverkehrsunfälle wird mithilfe des im Freistaat
verwendeten Systems der elektronischen Unfalltypensteckkarte deutlich. Da-
raus ist zu erkennen, wo sich häufig schwere Unfälle ereignen, ob sich neben
den punktuellen Unfallhäufungen an Kreuzungen oder Kurven auch linienhaft
Konzentrationen des Unfallgeschehens zeigen und welche Umstände bei sol-
chen Konzentrationen eine Rolle spielen. Aufbauend auf den Ergebnissen der
statistischen Analyse können auch räumliche Schwerpunkte der Hauptproblem-
gruppen, z.B. Motorradfahrer oder Unfälle beim Überholen, untersucht werden.

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-
Aktuelle Richtlinien:
Das Regelwerk für den Straßenentwurf von Landstraßen ist seit einigen Jahren
in der Überarbeitung. Die neuen Richtlinien RAL werden im Laufe des Jahres
2010 erwartet. Darin sind aktuelle Erkenntnisse über die sicherheitsrelevante
Trassierung und Gestaltung von Landstraßen und Autobahnen eingeflossen.
Diese Erkenntnisse sollen für alle Planer im Freistaat möglichst frühzeitig und
von kompetenter Seite zur Verfügung gestellt werden, indem Fortbildungsmaß-
nahmen und Informationsveranstaltungen durchgeführt werden. Damit bei allen
laufenden und anstehenden Planungen diese Erkenntnisse in geeigneter Weise
berücksichtigt werden, kann ein Auditverfahren die Qualität der Planungen be-
züglich der Verkehrssicherheit gewährleisten.
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Erfahrungsaustausch:
Die erfolgreiche Arbeit der Unfallkommission auf Ebene der Landkreise und der
Regierungspräsidien soll fortgeführt werden. Über die Arbeiten sollen die Erfah-
rungen zusammengefasst und untereinander ausgetauscht werden. Die Aufga-
ben der Verkehrsschau sollen ebenfalls für dieses Ziel genutzt werden.
3.
Aufbereitung und Umsetzung von Maßnahmenkonzepten
Aus den Analyseschritten werden Sicherheitsdefizite erkennbar werden. Diese Defizite
werden unterschiedliche Bedeutung haben. Vor einer Umsetzung von Maßnahmen ist
es daher im Sinne der effektiven Verwendung begrenzter Sach- und Personalmittel
sinnvoll, eine Zieldefinition vorzunehmen und Prioritäten danach auszurichten. Eine
Zieldefinition sollte beispielsweise sein, dass die Maßnahmenkonzeption sich mindes-
tens auf die Hälfte der schwer verunglückten und getöteten Personen im Freistaat
Sachsen auf Landstraßen beziehen soll. Dies lässt sich mit den Zielvorstellungen der
Europäischen Union in Einklang bringen. Daraus wird ein Konzept entwickelt, das so-
wohl an der Größe des Problems orientiert als auch unter Beachtung von Erfahrungen
mit der Wirksamkeit konkreter Maßnahmen entsteht. Das Konzept soll sowohl den ver-
fügbaren Arbeitsmöglichkeiten Rechnung tragen als auch die Zielvorgabe berücksichti-
gen. Die Maßnahmenkonzeption wird im Einzelnen sich auf folgende Bereiche bezie-
hen:
-
Verkehrserziehung und Überwachung der Verkehrsregeln:
In bestimmten Problembereichen, wie z.B. bei jungen Fahranfängern, bei Füh-
rern von Schwerfahrzeugen und Busfahrern oder bei Verstößen gegen Ge-
schwindigkeits- und Überholverbote werden vielfach Maßnahmen der Aufklä-
rung aber auch der Überwachung von geltenden Verkehrsregeln eine große
Bedeutung haben. Begleitend dazu müssen die Regelungen für Verkehrsteil-
nehmer einsichtig und begreifbar gestaltet werden, d.h. es wird beispielsweise
nicht ausreichen, die Einhaltung von Überholverboten durch die Überwa-

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chungsmaßnahmen zu fordern, wenn die Überholverbote in der Straßenwirk-
lichkeit nur schwer erkannt werden können.
-
Verbesserungen in Verkehrstechnik und Straßenbau:
Unfälle bei Nässe können mit verursacht sein durch fehlende Griffigkeit der
Straßenoberfläche; schwere Folgen bei Unfällen mit Abkommen von der Fahr-
bahn können aus ungeschützten Hindernissen im Seitenraum entstehen; Vor-
fahrtunfälle an Kreuzungen und Einmündungen stehen oft im Zusammenhang
mit fehlender Erkennbarkeit der Vorfahrtverhältnisse oder fehlender Ausstattung
durch Verkehrszeichen und Lichtsignalanlagen. Solche und weitere Hinweise
auf notwendige und sinnvolle Ausbaumaßnahmen im Straßennetz ergeben sich
aus einer näheren Analyse der Sicherheitsdefizite mithilfe der örtlichen Unfall-
untersuchung und der Ermittlung von Sicherheitspotentialen im Straßennetz.
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Zusammenhänge mit Fahrzeugtechnik:
Gerade Verkehrsunfälle bei ungünstigen Witterungsbedingungen stehen häufig
im Zusammenhang mit Mängeln in der Fahrzeugtechnik. Durch nachlässigen
Unterhalt der Fahrzeuge (Reifen, Beleuchtung), durch fehlerhafte Nutzung der
Fahrzeugtechnik (Ablenkung durch technische Einrichtungen) oder Unkenntnis
über die Vorteile bestimmter Ausstattungsmerkmale (verbesserte Bremssyste-
me, Winterbereifung) können Gefahren, die unvermeidbar im Straßenverkehr
auftreten, zusätzlich das Risiko erhöhen. Der verantwortungsbewusste Umgang
mit der Fahrzeugtechnik, insbesondere auch im berufsmäßigen Kraftfahrzeug-
verkehr (z.B. Gefahrguttransporte) muss daher bei der Landstraßensicherheit
ebenfalls beachtet werden.
4.
Prävention und Qualitätssicherung
Die Arbeitsgruppe zur Landstraßensicherheit wird sich auch damit befassen, wie für die
zukünftige Entwicklung das Entstehen neuer Sicherheitsdefizite im Ansatz vermindert
und die erreichten Erfolge gesichert werden können. Es sind Verfahren, Strategien und
Instrumente vorzuschlagen, die möglichst auf dem Verordnungswege auch für die Zu-
kunft verbindlich eingeführt und dadurch dauerhaft wirksam sein sollen. Im Bereich der
örtlichen Unfalluntersuchung ist dies bereits durch entsprechende Gesetze und Ver-
ordnungen des Freistaates geschehen, andere Instrumente zur Überprüfung und Qua-
litätskontrolle der Straßenausstattung (Verkehrsschau) oder die Sicherheitsstandards
bei Straßenplanungen (Sicherheitsaudit) sollten diesem Beispiel folgen. Die regelmä-
ßige Überprüfung der Arbeiten dieser Aufgaben durch die Regierungspräsidien könnte
ein geeigneter Weg zur Qualitätssicherung sein.

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5.
Zeitliches und organisatorisches Vorgehen
Es wird vorgeschlagen, in den nächsten Wochen ein erstes Treffen der Interessenten
für diese Arbeitsgruppe im Freistaat einzuberufen. Die Leitung hat auftragsgemäß der
Lehrstuhlinhaber für Straßenverkehrstechnik und Theorie der Verkehrsplanung der
Technischen Universität Dresden, Herr Prof. Maier. Die Geschäftsführung und organi-
satorische Unterstützung erfolgt durch das zuständige Referat des Sächsischen Minis-
teriums für Wirtschaft und Arbeit. Bisher haben die Bereitschaft zur Mitarbeit Vertreter
des Landesinstituts für Straßenwesen (Rochlitz) sowie des Regierungspräsidiums
Dresden erklärt. Weitere Institutionen werden anzusprechen sein, z.B. das Statistische
Landesamt sowie interessierte Vertreter aus der Straßenbauverwaltung des Freistaa-
tes. Bei dem ersten Treffen wird über das Arbeitsprogramm und die in dieser Konzepti-
on vorgeschlagenen inhaltlichen Schritte eine Vereinbarung zu erzielen sein, so dass
im Weiteren ein Arbeitsablauf für den Zeitraum von ca. 24 Monaten geplant wird in-
nerhalb dessen die Diagnose, die Zielvorgabe und die Konzeption von Maßnahmen
erarbeitet werden können.
Über den Fortschritt wird jeweils im Lenkungsausschuss „Verkehrssicherheit in Sach-
sen“ berichtet.