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www.oeko.de
Strategische Umweltprüfung zum
Nationalen Entsorgungsprogramm
Umweltbericht
für die Öffentlichkeitsbeteiligung
Darmstadt / Köln,
27.03.2015
Autorinnen und Autoren
Öko-Institut e. V.:
Mathias Steinhoff
Beate Kallenbach-Herbert
Manuel Claus
Dr. Mathias Englert
Christian Küppers
Peter Küppers
Falk Schulze
Angelika Spieth-Achtnich
Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit:
Thomas Beuth
Dr. Thorsten Faß
Peter-Jürgen Larue
Dr. Henrich Meyering
Dr. Dietmar Weiß
Öko-Institut e.V.
Geschäftsstelle Freiburg
Postfach 17 71
79017 Freiburg
Büro Darmstadt
Rheinstraße 95
64295 Darmstadt
Telefon +49 6151 8191-0
info@oeko.de
www.oeko.de
Gesellschaft für Anlagen-
und Reaktorsicherheit
(GRS) gGmbH
Schwertnergasse 1
50667 Köln
Telefon +49 221 2068-0
Der Umweltbericht wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau
und Reaktorsicherheit (BMUB) erstellt.

Umweltbericht
3
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung 7
Abkürzungsverzeichnis 15
1.
Einleitung 17
2.
Gegenstand der Strategischen Umweltprüfung des Nationalen
Entsorgungsprogramms 18
3.
Untersuchungsrahmen, Methodik und Umweltziele
24
3.1.
Untersuchungsraum, voraussichtliche Entwicklung bei
Nichtdurchführung des NaPro
24
3.2.
Methodik zur Bewertung der Umweltauswirkungen
25
3.3. Umweltziele 27
4.
Übergeordnete Betrachtungen zu Wirkfaktoren,
Umweltauswirkungen und Bewertungsrahmen
28
4.1.
Häufige projektspezifische Wirkfaktoren
29
4.1.1. Flächeninanspruchnahme 29
4.1.2. Luftschadstoffe 31
4.1.3.
Lärm und Erschütterungen
33
4.1.4. Direktstrahlung 36
4.1.5.
Emission radioaktiver Stoffe über den Wasserpfad (Ableitung)
37
4.1.6.
Emission radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
37
4.1.7.
Störfälle
38
4.2.
Unspezifische Wirkfaktoren
38
4.3.
Unspezifische Wirkfaktoren von untergeordneter Bedeutung
43
5.
Beschreibung und Bewertung der Umweltauswirkungen
48
5.1.
Standortauswahlverfahren und Endlagerung insbesondere der Wärme
entwickelnden Abfälle einschließlich der Brennelemente von
Versuchs-, Demonstrations- und Forschungsreaktoren
48
5.1.1.
Oberirdische Erkundung von Standorten für ein Endlager
48
5.1.2.
Untertägige Erkundung mehrerer Standorte für ein Endlager
52
5.1.2.1.
Errichtung eines Erkundungsbergwerkes
52
5.1.2.2.
Betrieb eines Erkundungsbergwerkes
55
5.1.2.3.
Einstellung des Betriebes des Erkundungsbergwerkes
57
5.1.3.
Überführung der Abfälle von den Zwischenlagerstandorten zum Endlagerstandort
58
5.1.4.
Aufbewahrung der Abfälle im Eingangslager des Endlagers
61

Umweltbericht
4
5.1.5.
Endlagergerechte Konditionierung am Endlagerstandort
65
5.1.6.
Endlagerung insbesondere der Wärme entwickelnden Abfälle
70
5.1.6.1.
Errichtung des Endlagers
70
5.1.6.2.
Einlagerungsbetrieb des Endlagers
74
5.1.6.3.
Verschluss des Endlagers
79
5.1.6.4.
Zeitraum nach Verschluss des Endlagers
83
5.2.
Alternativ: Verbringung der Brennelemente von Versuchs-,
Demonstrations- und Forschungsreaktoren in ein Land , in dem
Brennelemente für Forschungsreaktoren bereitgestellt oder
hergestellt wird
87
5.3.
Zwischenlagerung von bestrahlten Brennelementen und Abfällen aus
der Wiederaufarbeitung
88
5.3.1.
Verlängerte Zwischenlagerzeit für bestrahlte Brennelemente und Abfälle aus der
Wiederaufarbeitung 89
5.3.2.
Erweiterung der zulässigen Abfallarten von Standortzwischenlagern zur Aufbewahrung
von Abfällen aus der Wiederaufarbeitung
90
5.3.3.
Zwischenlagerung der Brennelemente aus Versuchs-, Demonstrations- und
Forschungsreaktoren 93
5.4.
Entsorgung der rückgeholten radioaktiven Abfälle aus der
Schachtanlage Asse II und Stilllegung der Schachtanlage Asse II
94
5.4.1.
Rückholung und Konditionierung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse
II
94
5.4.1.1.
Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II
94
5.4.1.2.
Konditionierung der rückgeholten radioaktiven Abfälle am Ort der Rückholung
97
5.4.2.
Zwischenlagerung der konditionierten radioaktiven Abfälle
101
5.4.3.
Stilllegung der Schachtanlage Asse II
104
5.4.4.
Überführung der radioaktiven Abfälle in ein Endlager
106
5.4.5.
Endlagerung der rückgeholten radioaktiven Abfälle im Endlager nach
Standortauswahlgesetz 107
5.4.6.
Option: Endlagerung der rückgeholten radioaktiven Abfälle im Endlager Konrad
108
5.5.
Entsorgung des abgereicherten Urans aus der Urananreicherung
109
5.5.1.
Endlagergerechte Konditionierung der Abfälle
110
5.5.2.
Überführung der Abfälle in das Endlager
113
5.5.3.
Endlagerung der Abfälle im Endlager nach Standortauswahlgesetz
113
5.5.4.
Option: Endlagerung der Abfälle im Endlager Konrad
114
6.
Hypothetische Nullvarianten
115
6.1.
Nullvariante „Langzeitlagerung aller Wärme entwickelnden
radioaktiven Abfälle“
116

Umweltbericht
5
6.2.
Nullvarianten „Langzeitlagerung aller radioaktiven Abfälle aus der
Schachtanlage Asse II und aller Reststoffe aus der Urananreicherung“
119
7.
Zusätzliche Angaben
120
7.1.
Grenzüberschreitende potenzielle Umweltauswirkungen
120
7.2.
Schwierigkeiten bei der Zusammenstellung der Angaben
121
Literaturverzeichnis 123

Umweltbericht
6

Umweltbericht
7
Zusammenfassung
Das Nationale Entsorgungsprogramm
Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) hat mit
Datum vom 6. Januar 2015 das Programm für eine verantwortungsvolle und sichere Entsorgung
bestrahlter Brennelemente und radioaktiver Abfälle - Nationales Entsorgungsprogramm (NaPro) -
im Entwurf veröffentlicht. Die tragenden Elemente des Nationalen Entsorgungsprogramms sind
durch folgende Eckpunkte gekennzeichnet:
Die Entsorgung von radioaktiven Abfällen erfolgt grundsätzlich in nationaler Verantwortung. Die
Endlagerung soll im Inland erfolgen. Bestrahlte Brennelemente aus Versuchs-, Demonstrations-
und Forschungsreaktoren können in ein Land, in dem Brennelemente für Forschungsreaktoren
bereitgestellt oder hergestellt werden, verbracht werden.
Es sollen an zwei Standorten Endlager errichtet werden: Das Endlager Konrad für radioaktive
Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung und ein Endlager nach dem
Standortauswahlgesetz für insbesondere Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle.
Die radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II sollen zurückgeholt und vorsorglich
bei der Planung des Endlagers nach dem Standortauswahlgesetz berücksichtigt werden; eine
Erweiterung des Endlagers Konrad für geeignete Abfälle wird nicht ausgeschlossen und soll
ggf. nach dessen Inbetriebnahme geprüft werden.
Das in Deutschland angefallene und anfallende abgereicherte Uran aus der Urananreicherung
soll für den Fall, dass eine weitere Verwertung nicht erfolgt, vorsorglich bei der Planung des
Endlagers nach dem Standortauswahlgesetz berücksichtigt werden; eine Erweiterung des
Endlagers Konrad für diese radioaktiven Stoffe wird nicht ausgeschlossen und soll ggf. nach
dessen Inbetriebnahme geprüft werden.
Der Rückbau aller Leistungsreaktoren sowie anderer kerntechnischer Anlagen und
Einrichtungen, die im Betrachtungszeitraum außer Betrieb gehen, soll in Abhängigkeit eines
verfügbaren Endlagers so rechtzeitig erfolgen, dass die dabei entstehenden vernachlässigbar
Wärme entwickelnden radioaktiven Abfälle in das Endlager Konrad eingelagert werden können.
Das Endlager Konrad geht voraussichtlich im Jahr 2022 in Betrieb. Der Einlagerungsbetrieb für
das planfestgestellte Abfallvolumen von 303.000 m³ soll 40 Jahre nicht überschreiten.
Der Standort für das Endlager für insbesondere Wärme entwickelnde Abfälle soll gemäß dem
Standortauswahlgesetz bis zum Jahr 2031 festgelegt werden. Das Endlager soll um das Jahr
2050 in Betrieb gehen.
Mit der ersten Teilgenehmigung für das Endlager für insbesondere Wärme entwickelnde Abfälle
soll am Standort auch ein Eingangslager für alle bestrahlten Brennelemente und Abfälle aus der
Wiederaufarbeitung genehmigt und damit die Voraussetzung für den Beginn der Räumung der
bestehenden Zwischenlager geschaffen werden.
Die bestrahlten Brennelemente und die Abfälle aus der Wiederaufarbeitung sollen bis dahin an
vorhandenen Zwischenlagerstandorten aufbewahrt werden.
Die Einlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in das Endlager für radioaktive
Abfälle Morsleben ist beendet. Das Endlager soll stillgelegt und langfristig sicher verschlossen
werden.

Umweltbericht
8
Für die Entsorgung radioaktiver Abfälle gilt bis zur Abgabe an ein Endlager oder eine
Landessammelstelle das Verursacherprinzip im Sinne der Handlungspflicht. So haben diejenigen,
die mit radioaktiven Stoffen umgehen, dafür Sorge zu tragen, dass anfallende radioaktive
Reststoffe sowie ausgebaute oder abgebaute radioaktive Anlagenteile schadlos verwertet oder als
radioaktive Abfälle geordnet beseitigt werden.
Radioaktive Abfälle aus Industrie, Medizin und Forschung müssen zunächst an die Sammelstellen
der Länder (Landessammelstellen) abgeliefert und dort zwischengelagert werden. Die Landes-
sammelstellen führen die bei ihnen zwischengelagerten radioaktiven Abfälle an ein Endlager ab.
Strategische Umweltprüfung des Nationalen Entsorgungsprogramms
Das NaPro wird einer Strategischen Umweltprüfung (SUP) unterzogen. In der SUP des NaPro
werden die Umweltauswirkungen folgender geplanter Maßnahmen zur Entsorgung von bestrahlten
Brennelementen und radioaktiven Abfällen untersucht:
Standortauswahlverfahren und Endlagerung insbesondere der Wärme entwickelnden Abfälle,
einschließlich der Brennelemente aus Versuchs-, Demonstrations- und Forschungsreaktoren
Alternativ – soweit im Rahmen dieser SUP bewertbar: Verbringung der Brennelemente von
Versuchs-, Demonstrations- und Forschungsreaktoren in ein Land, in dem Brennelemente für
Forschungsreaktoren bereitgestellt oder hergestellt werden
Zwischenlagerung von bestrahlten Brennelementen und Abfällen aus der Wiederaufarbeitung
Entsorgung der rückgeholten radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II und Stilllegung
der Schachtanlage Asse II
Entsorgung des abgereicherten Urans aus der Urananreicherung
Jede dieser Maßnahmen wird in einzelne Projekte gegliedert, für die die Umweltauswirkungen
ermittelt werden.
Die geplanten, oben genannten Maßnahmen des NaPro werden in Anlagen oder Einrichtungen
realisiert, deren Standorte und Auslegung noch nicht festgelegt sind. Daher sind in der SUP des
NaPro keine realen Anlagen oder Umweltbestandteile von Untersuchungsgebieten darstellbar.
Stattdessen werden die von Anlagen oder Einrichtungen ausgehenden Wirkfaktoren qualitativ oder
als quantitative Bandbreite abgeschätzt und beschrieben. Die Umweltauswirkungen der so
beschriebenen Wirkfaktoren werden unter Annahmen zur Betroffenheit von Schutzgütern und
geschützten Umweltbestandteilen prognostiziert und im Hinblick auf die Einhaltung allgemeiner
Umweltziele bewertet. Die Bewertung erfolgt im Hinblick auf eine wirksame Umweltvorsorge.
Wirkfaktoren, die Vorsorgewerte überschreiten, werden als potenziell relevante
Umweltauswirkungen identifiziert: Potenziell erhebliche Umweltauswirkungen ergeben sich, wenn
Wirkfaktoren in ihrer Ausprägung dazu führen können, dass die Umweltziele nicht eingehalten
werden.
In der SUP des NaPro werden folgende Wirkfaktoren berücksichtigt:
Flächeninanspruchnahme und Raumwirkung

Umweltbericht
9
Luftschadstoffe, Lärm und Erschütterungen (quantitative Betrachtung nur für das Schutzgut
Mensch)
Grundwasserabsenkung
konventionelles Abwasser aus Bauvorhaben (Grundwasserabsenkung), Bergbau (Grundwasser-
absenkung, Drainagewasser, Haldenentwässerung) und Betrieb von Anlagen
wassergefährdende Stoffe, Regenwasser auf Verkehrs- und Dachflächen, Sanitärabwasser
konventionelle Abfälle, Wärmeeintrag, Lichtemissionen
Medieneintrag, Blow Out, hydraulischer Kurzschluss, Setzung der Tagesoberfläche und Radon-
emissionen
Direktstrahlung und radioaktive Betriebsabfälle
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luft- und über den Wasserpfad (Ableitungen)
Emissionen von radioaktiven Stoffen oder anderen Schadstoffen aus Endlagern in der Nachver-
schlussphase
Störfälle
Die Wirkfaktoren wassergefährdende Stoffe, Regenwasser auf Verkehrs- und Dachflächen,
Sanitärabwasser, konventionelle Abfälle, Lichtemissionen und Radonemissionen sind projekt-
spezifisch nicht darstellbar und für die SUP des NaPro von untergeordneter Bedeutung.
Die Maßnahmen und Projekte des NaPro sind mit folgenden potenziell relevanten bzw. potenziell
erheblichen Umweltauswirkungen verbunden:
Standortauswahlverfahren und Endlagerung insbesondere von Wärme entwickelnden
radioaktiven Abfällen
Für das Standortauswahlverfahren und die Endlagerung insbesondere von Wärme entwickelnden
radioaktiven Abfällen sind die Umweltauswirkungen folgender Projekte zu betrachten:
oberirdische Erkundung mehrerer Standorte für ein Endlager,
untertägige Erkundung von Standorten für ein Endlager (Auffahren, Betrieb und Einstellung des
Betriebes von Erkundungsbergwerken, Stilllegungs- und Verschlussmaßnahmen),
Überführung der im Endlager für Wärme entwickelnde Abfälle endzulagernden Abfälle von den
Zwischenlagerstandorten zum Endlagerstandort,
Aufbewahrung der endzulagernden Abfälle im Eingangslager des Endlagers (Errichtung, Betrieb
und Stilllegung),
Endlagergerechte Konditionierung aller im Endlager endzulagernden Abfälle (Errichtung, Betrieb
und Beendigung des Betriebs) sowie
Endlagerung (Errichtung sowie Betrieb des Endlagers, Endlagerverschluss und Nachverschluss-
phase).
In der nachfolgenden Bewertung wird zwischen konventionellen Wirkfaktoren bei Errichtung und
Rückbau, konventionellen Wirkfaktoren in der Phase des Betriebs und radiologischen Wirkfaktoren
unterschieden:

Umweltbericht
10
Konventionelle Wirkfaktoren bei Errichtung und Abbau von Anlagen/Einrichtungen und beim
Transport
Die Befestigung von Erkundungsflächen sowie die Errichtung von Gebäuden und Halden für die
Eingangslagerung, die Konditionierung, die Erkundung und die Endlagerung führen zu Flächenver-
siegelungen, die als potenziell erhebliche Umweltauswirkungen auszugleichen sind. Bei einem
späteren Rückbau aller Gebäude und Halden werden diese Flächen wieder entsiegelt. Die
Versiegelung von Erkundungsflächen erfolgt lediglich über den kurzen Zeitraum der oberirdischen
Erkundung.
Die oberirdische Erkundung eines Endlagerstandortes ist neben vorübergehender Flächenver-
siegelung mit folgenden Wirkfaktoren verbunden, die zu potenziell relevanten Umweltaus-
wirkungen führen, die in den Genehmigungsverfahren zu minimieren sind:
Luftschadstoffe und Lärm innerhalb eines Abstandes von einigen 100 m
Bau und Rückbau des Eingangslagers und der Konditionierungsanlage sowie der Bau und
Verschluss des Erkundungsbergwerks und des Endlagers können für folgende konventionelle
Wirkfaktoren zu potenziellen Umweltauswirkungen führen,:
Luftschadstoffe- innerhalb eines Abstands von 700 m (Errichtung Erkundungsbergwerk) bzw.
1000 m (Errichtung Konditionierungseinrichtung, Eingangslager und Endlager)
Lärmemissionen und Erschütterungen, innerhalb eines Abstandes von etwa 1000 m hinsichtlich
des Schutzgutes Mensch
Grundwasserabsenkung
Ableitung von konventionellem Abwasser aus Bauvorhaben (Grundwasserabsenkung), Bergbau
(Drainagewasser, Haldenentwässerung)
Raumwirkung durch errichtete Gebäude und Halden
Entlang der Transportrouten für Baustoffe, konventionelle Abfälle und Haldenmaterial können
innerhalb eines Abstandes von etwa 100 m potenziell relevante Umweltauswirkungen durch Lärm
bestehen.
Konventionelle Wirkfaktoren beim Betrieb von Bergwerken und Anlagen
Für Bergwerke zur untertägigen Erkundung und zur Endlagerung sind auch während des Betriebes
und während der Einstellung des Betriebes bzw. des Endlagerverschlusses potenziell relevante
Umweltauswirkungen durch Grundwasserabsenkung sowie konventionelle Abwässer aus der
Einleitung von Grundwasser, Drainagewasser und Haldenentwässerung zu berücksichtigen.
Während des Betriebs der Konditionierungsanlage sind Ableitungen von konventionellem
Abwasser zu berücksichtigen.
Beim Betrieb des Eingangslagers können potenziell relevante Umweltauswirkungen aufgrund der
Einleitung von Wärme in den Untergrund auftreten, für die im Genehmigungsverfahren
Maßnahmen zur Minimierung zu betrachten sind.
Radiologische Wirkfaktoren
Das Standortauswahlverfahren für ein Endlager beinhaltet keine radiologischen Wirkfaktoren.

Umweltbericht
11
Die Endlagerung Wärme entwickelnder Abfälle führt hinsichtlich radiologisch relevanter
Wirkfaktoren zu folgenden potenziell relevanten Umweltauswirkungen:
Eingangslager: Direktstrahlung und Risiken möglicher Störfälle
Konditionierungsanlage: Direktstrahlung, Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luft- und über
den Wasserpfad (Ableitungen), Risiken möglicher Störfälle
Betrieb und Verschluss des Endlagers: Risiken möglicher Störfälle
Emissionen von radioaktiven Stoffen oder anderen Schadstoffen aus Endlagern in der
Nachverschlussphase können in geringfügigen Mengen nicht ausgeschlossen werden. Diese sind
aber durch die Vorgaben der Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung Wärme entwickelnder
radioaktiver Abfälle und des Wasserhaushaltsgesetzes begrenzt. Da sich diese Phase über einen
extrem langen Zeitraum von einer Million Jahre erstreckt, für den die Entwicklung der Schutzgüter,
auf die die potentiellen Umweltauswirkungen einwirken, nicht genau prognostizierbar ist, sind die
Bewertungen nicht unmittelbar mit denen für die anderen Projekte vergleichbar. Daher wird für die
Nachverschlussphase eines Endlagers auf die Einordnung der Umweltauswirkungen in die
üblicherweise verwendeten Bewertungskategorien verzichtet.
Alternativ: Verbringung der Brennelemente von Versuchs-, Demonstrations- und
Forschungsreaktoren in ein Land, in dem Brennelemente für Forschungsreaktoren
bereitgestellt oder hergestellt werden
Die für den Transport zu berücksichtigenden Wirkfaktoren Luftschadstoffe und Lärm,
Direktstrahlung und Freisetzung radioaktiver Stoffe auf Grund von Unfällen führen nicht zu
potenziell relevanten Umweltauswirkungen. Die sich anschließenden Entsorgungsschritte,
Aufbereitung der Brennelemente und Endlagerung der daraus resultierenden Abfälle, die beide im
Ausland stattfinden, sind nicht Gegenstand der SUP, da sie unter dem regulatorischen Regime des
annehmenden Landes erfolgen.
Zwischenlagerung von bestrahlten Brennelementen und Abfällen aus der
Wiederaufarbeitung
Hinsichtlich der Umweltauswirkungen im Kontext der Zwischenlagerung von bestrahlten
Brennelementen und Abfällen aus der Wiederaufarbeitung sind
die verlängerte Zwischenlagerzeit für bestrahlte Brennelemente und Abfälle aus der
Wiederaufbereitung,
die Erweiterung der zulässigen Abfallarten von dezentralen Zwischenlagern zur Aufbewahrung
von Abfällen aus der Wiederaufarbeitung und
die Zwischenlagerung von Brennelementen aus Versuchs-, Demonstrations- und Forschungs-
reaktoren
zu betrachten.
Für die daraus resultierenden Veränderungen des Betriebs existierender Zwischenlager werden
die Wirkfaktoren Wärmeeintrag, radioaktive Betriebsabfälle, Direktstrahlung und Risiken möglicher
Störfälle betrachtet. Im Rahmen der übergreifenden Bewertung der SUP sind keine daraus
resultierenden potenziell relevanten Umweltauswirkungen zu berücksichtigen.
Entsorgung der rückgeholten radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II und
Stilllegung der Schachtanlage Asse II

Umweltbericht
12
Zur Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II sind folgende Projekte
erforderlich:
Rückholung und Konditionierung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II
(Betrieb der Schachtanlage Asse II zur Rückholung; Errichtung, Betrieb und Rückbau einer
Konditionierungsanlage),
Zwischenlagerung der konditionierten Abfälle (Errichtung, Betrieb und Beendigung des
Betriebs),
Stilllegung der Schachtanlage Asse II,
Transport der Abfälle vom Zwischenlager zum Endlager,
Endlagerung der Abfälle im Endlager nach Standortauswahlgesetz sowie
Option: Endlagerung der rückgeholten radioaktiven Abfälle im Endlager Konrad
Konventionelle Wirkfaktoren bei Errichtung und Abbau von Anlagen und beim Transport
Der Bau weiterer Gebäude für den Rückholbetrieb, einer Konditionierungsanlage und eines
Zwischenlagers führen zu potenziell erheblichen Umweltauswirkungen durch Flächenversiegelung,
die auszugleichen sind.
Bau und ggf. Rückbau des Zwischenlagers und der Konditionierungsanlage sowie die Errichtung
von Anlagen für die Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II können für
folgende konventionelle Wirkfaktoren zu potenziell relevanten Umweltauswirkungen führen,:
Luftschadstoffe innerhalb eines Abstandes von etwa 1,5 km
Lärm und Erschütterungen innerhalb eines Abstandes von etwa 1,5 km hinsichtlich des
Schutzgutes Mensch
Luftschadstoffe sowie Lärm durch Transport von Baustoffen, Abfällen oder Haldenmaterial
innerhalb eines Abstandes von etwa 100 m zu den Transportrouten
Grundwasserhaltung und Ableitung geförderten Grundwassers als konventionelles Abwasser
Raumwirkung durch Gebäude
Bei der Errichtung von Anlagen für die Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage
Asse II können folgende Wirkfaktoren zu potenziell relevanten Umweltauswirkungen führen:
Luftschadstoffe und Lärm (Schutzgut Mensch) innerhalb eines Abstandes von etwa 700 m
Raumwirkung durch ein Schachtgebäude sowie ggf. weitere Gebäude
Während der Stilllegung der Schachtanlage Asse II reduzieren sich alle Auswirkungen allmählich.
Konventionelle Wirkfaktoren beim Betrieb von Anlagen
Während des Betriebs der Konditionierungsanlage bestehen Ableitungen von konventionellem
Abwasser.
Während des Rückholbetriebs treten im Sinne der übergreifenden Betrachtungsweise der SUP
keine nennenswerten konventionellen Wirkungen auf.

Umweltbericht
13
Radiologische Wirkfaktoren
Die Rückholung, Konditionierung und Zwischenlagerung der radioaktiven Abfälle aus der
Schachtanlage Asse II führen hinsichtlich radiologischer Wirkfaktoren zu folgenden potenziell
relevanten Umweltauswirkungen:
Rückholbetrieb: Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad und Risiken möglicher
Störfälle
Konditionierungsanlage: Direktstrahlung, Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luft- und
Wasserpfad, Risiken möglicher Störfälle
Zwischenlager: Direktstrahlung und Risiken möglicher Störfälle
Der Transport der Abfälle führt nicht zu potenziell relevanten Umweltauswirkungen.
Eine Endlagerung der aus der Schachtanlage Asse II zurückgeholten radioaktiven Abfälle im
Endlager für Wärme entwickelnde Abfälle oder optional im Endlager Konrad führt auf Basis der
übergeordneten Betrachtungen der SUP zu vergleichbaren Umweltauswirkungen. Potenziell
relevante Umweltauswirkungen ergeben sich während des Betriebs des Endlagers durch
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad und Risiken möglicher Störfälle.
Entsorgung abgereicherten Urans aus der Urananreicherung
Die Entsorgung abgereicherten Urans aus der Urananreicherung umfasst folgende Projekte:
Endlagergerechte Konditionierung der Abfälle (Errichtung, Betrieb und Stilllegung),
Überführung der Abfälle in das Endlager,
Endlagerung der Abfälle im Endlager nach Standortauswahlgesetz und
Option: Endlagerung der Abfälle im Endlager Konrad
Konventionelle Wirkfaktoren bei Errichtung und Abbau von Anlagen
Der Bau einer Konditionierungsanlage und eines Zwischenlagers führen zu potenziell erheblichen
Umweltauswirkungen durch Flächenversiegelung, die auszugleichen sind.
Bau und Rückbau des Zwischenlagers und der Konditionierungsanlage können für folgende
konventionelle Wirkfaktoren zu potenziellen Umweltauswirkungen führen:
Luftschadstoffe und Lärm (Schutzgut Mensch) innerhalb eines Abstandes von etwa 1 km
Lärm durch Transport von Baustoffen, Abfällen oder Haldenmaterial innerhalb eines Abstandes
von etwa 100 m zu den Transportrouten
Grundwasserabsenkung und Ableitung des geförderten Grundwassers als Abwasser
Raumwirkung durch Gebäude (Zwischenlager, Konditionierungsanlage)
Konventionelle Wirkfaktoren beim Betrieb von Anlagen
Während des Betriebs der Konditionierungsanlage bestehen Ableitungen von konventionellem
Abwasser.

Umweltbericht
14
Radiologische Wirkfaktoren
Die Zwischenlagerung und Konditionierung der nicht verwertbaren Abfälle aus der Uran-
anreicherung führen hinsichtlich radiologischer Wirkfaktoren zu folgenden potenziell relevanten
Umweltauswirkungen:
Zwischenlagerung: Risiken möglicher Störfälle
Konditionierungsanlage: Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luft- und Wasserpfad sowie
Risiken möglicher Störfälle
Die Endlagerung der Abfälle aus der Urananreicherung in einem Endlager nach
Standortauswahlgesetz oder im Endlager Konrad führt während des Betriebs des Endlagers zu
potenziellen Umweltauswirkungen durch Risiken möglicher Störfälle.
Der Transport der Abfälle führt nicht zu potenziell relevanten Umweltauswirkungen.
Realisierbarkeit der Maßnahmen, grenzüberschreitende Auswirkungen, hypothetische
Nullvarianten und nachfolgende Umweltprüfungen
Bei den vorliegenden Ergebnissen der Bewertung von Umweltauswirkungen wurden
Vorsorgeaspekte zu Grunde gelegt und die Betroffenheit von empfindlichen Schutzgütern wie z. B.
Wohnbebauungen unterstellt. Maßnahmen der Vermeidung und Minimierung wurden nicht
berücksichtigt. Daher müssen die aufgeführten potenziell relevanten Umweltauswirkungen bei der
Realisierung der Maßnahmen und Projekte des NaPro nicht zwangsläufig auftreten.
Unter Berücksichtigung real betroffener Schutzgüter und Nutzung von Vermeidungs- und
Minimierungspotenzialen können die Maßnahmen und Projekte des NaPro unter Einhaltung der
Umweltziele realisiert werden, sodass mit Ausnahme der auszugleichenden Flächenversiege-
lungen keine erheblichen Umweltauswirkungen verbleiben.
Da nahezu alle Standorte für die Maßnahmen und Projekte des NaPro nicht festgelegt sind,
können derzeit grenznahe Realisierungen nicht ausgeschlossen werden. In diesem Falle können
grenzüberschreitend potenzielle Umweltauswirkungen innerhalb ggf. angegebener Entfernungen
zu vorhandenen Schutzgütern bestehen.
In der SUP des NaPro wurden hypothetische Nullvarianten, eine Langzeitlagerung der Wärme
entwickelnden Abfälle, der aus der Schachtanlage Asse II rückgeholten radioaktiven Abfälle und
des abgereicherten Urans aus der Urananreicherung, das nicht verwertet wird, untersucht und im
Hinblick auf Umweltwirkungen mit den Entsorgungsplänen des NaPro zur Endlagerung verglichen.
Die hypothetischen Nullvarianten einer Langzeitlagerung würden im Vergleich zur im NaPro vorge-
sehenen Endlagerung zu einer überwiegenden Verschlechterung des Umweltzustandes führen.
Bei der Realisierung der Maßnahmen und Projekte des NaPro werden Umweltverträglichkeits-
prüfungen nach dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung der Bundesrepublik
Deutschland (UVPG) /UVPG 2013/ durchgeführt. Dabei werden die realen Umweltbestandteile im
Untersuchungsgebiet im Hinblick auf den erforderlichen Schutz berücksichtigt.
Die betroffenen Nachbarstaaten werden bei Hinweisen auf grenzüberschreitende Umweltaus-
wirkungen an den zukünftigen Genehmigungsverfahren nach Maßgabe des UVPG beteiligt.

Umweltbericht
15
Abkürzungsverzeichnis
AbwV Abwasserverordnung
AtG Atomgesetz
AtVfV Atomrechtliche Verfahrensverordnung
AVV-Baulärm
Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm
BArtSchV Bundesartenschutzverordnung
BBergG Bundesberggesetz
BBodSchG Bundesbodenschutzgesetz
BBodSchV Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung
BImSchG Bundes-Immissionsschutzgesetz
BImSchV Bundes-Immissionsschutzverordnung
BMUB
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
BNatSchG Bundesnaturschutzgesetz
DCRL
Derived Consideration Reference Level
DIN
Deutsches Institut für Normung
DVGW
Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches
ERAM
Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben
ESK Entsorgungskommission
EU Europäische Union
Euratom Europäische Atomgemeinschaft
ewG einschusswirksamer Gebirgsbereich
FFH Fauna Flora Habitat
GGBefG Gefahrgutbeförderungsgesetz
HAA Hochaktive Abfälle
HDB Hauptabteilung Dekontaminationsbetriebe
ICRP
International Commission on Radiological Protection
KfZ Kraftfahrzeug
KKW Kernkraftwerk
KrWG Kreislaufwirtschaftsgesetz
LAI Länderausschuss für Immissionsschutz

Umweltbericht
16
LAWA Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser
LKW Lastkraftwagen
NaPro Nationales Entsorgungsprogramm
OGewV Oberflächengewässerverordnung
PKA Pilot-Konditionierungsanlage
RAL-UZ 53
Reichs-Ausschuss für Lieferbedingungen – Umweltzeichen 53 (Baumaschinen)
SM Schwermetall
SRS Savannah River Site
SSR
Specific Safety Requirements
StandAG Standortauswahlgesetz
StrlSchV Strahlenschutzverordnung
SUP Strategische Umweltprüfung
US United States
UVP Umweltverträglichkeitsprüfungen
UVPG
Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung
VSG
Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben
WAK Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe
WHG Wasserhaushaltsgesetz

Umweltbericht
17
1. Einleitung
Hintergrund
Gemäß der Richtlinie 2011/70/Euratom des Rates vom 19. Juli 2011 über einen
Gemeinschaftsrahmen für die verantwortungsvolle und sichere Entsorgung bestrahlter
Brennelemente und radioaktiver Abfälle haben die Mitgliedstaaten der Europäischen Union bis
zum 23. August 2015 ein Nationales Entsorgungsprogramm (NaPro) zu erstellen, zu notifizieren
und regelmäßig zu aktualisieren. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit (BMUB) als federführende Behörde führt in diesem Zusammenhang eine
Strategische Umweltprüfung (SUP) des NaPro mit Beteiligung der Öffentlichkeit nach den
Maßgaben des Gesetzes zur Umweltverträglichkeitsprüfung /UVPG 2013/ durch. Der vorliegende
Umweltbericht beschreibt und bewertet die Auswirkungen der im NaPro dargestellten Maßnahmen
auf die Umwelt. Diese Unterlage dient in Ergänzung zum NaPro der Beteiligung der Öffentlichkeit.
Betrachtungsumfang
Umweltauswirkungen sind feststellbare Einwirkungen/Immissionen (z. B. von Luftschadstoffen,
Lärm oder Flächeninanspruchnahme) auf die im UVPG definierten Schutzgüter (Menschen,
menschliche Gesundheit, Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt, Boden, Wasser, Luft, Klima,
Landschaft, Kulturgüter und sonstige Sachgüter sowie Wechselwirkung). Die Intensität und die
Dauer einer Umweltauswirkung bestimmen, ob diese unterhalb einer Bagatellgrenze liegt, als
potenziell relevant oder als potenziell erheblich einzustufen ist.
Die Betrachtungen in der SUP umfassen die Maßnahmen, die im NaPro /NaPro 2015/ als Planung
aufgeführt sind oder aus entsprechenden Planungen resultieren, da für bereits bestehende bzw.
zugelassene Maßnahmen im Rahmen der Zulassungsverfahren Umweltauswirkungen bereits
berücksichtigt wurden. Die im NaPro dargelegten Maßnahmen werden zum Teil in Anlagen und
Einrichtungen (z. B. Endlager und Konditionierungseinrichtungen) realisiert, über deren Standorte
und Auslegung noch nicht entschieden ist. Daher sind insoweit in dieser SUP keine realen
Untersuchungsgebiete mit realen Umweltbestandteilen darstellbar. Dementsprechend werden
Wirkfaktoren als quantitative Bandbreite oder qualitativ beschrieben. Die Umweltauswirkungen
werden auf dieser Basis prognostiziert und im Hinblick auf die Einhaltung allgemeiner Umweltziele
geprüft. Zur Prüfung der Umweltauswirkungen werden Annahmen zur Betroffenheit von
Schutzgütern und geschützten Umweltbestandteilen getroffen.
Die zur Umsetzung der Ziele des NaPro zukünftig zu realisierenden Projekte werden in
nachfolgenden SUPs und Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) im Detail geprüft. Diese
Prüfungen werden dann auf Basis konkreter Anlagenbeschreibungen und Standorte einschließlich
der betroffenen Umweltbestandteile im Untersuchungsraum erfolgen, so dass zum jetzigen
Zeitpunkt eine weitere Konkretisierung des vorgesehenen generisch qualitativen Ansatzes nicht
erforderlich ist. Aufgrund des Abstraktionsgrads dieser SUP werden hier keine Schwerpunkte der
Umweltprüfung gegenüber nachgeordneten SUPs und UVPs (gemäß § 14f Abs. 3 UVPG)
festgelegt.
Verfahrensschritte und Beteiligung
Ein Entwurf des NaPro sowie die Unterlage für den Scoping-Termin zur SUP des NaPro wurden
am 6. Januar 2015 durch das BMUB veröffentlicht. Entsprechend § 14f Abs. 4 Satz 1 UVPG
erhielten die atomrechtlich zuständigen obersten Landesbehörden, sowie die anerkannten
überregional tätigen Umweltvereinigungen Gelegenheit, zur Festlegung des

Umweltbericht
18
Untersuchungsrahmens und des Umfangs und Detaillierungsgrads der im Umweltbericht
aufzunehmenden Angaben schriftlich Stellung zu nehmen. Am 29. Januar 2015 bestand für diese
außerdem Gelegenheit zur mündlichen Erörterung.
Der Entwurf des NaPro sowie der vorliegende Umweltbericht werden für die
Öffentlichkeitsbeteiligung für einen Zeitraum von zwei Monaten öffentlich ausgelegt, um der
Bevölkerung Gelegenheit zur Stellungnahme zu den geplanten Maßnahmen zu geben. Unter
Berücksichtigung der der übermittelten Stellungnahmen und Äußerungen werden die
Darstellungen und Bewertungen der beiden Berichte geprüft und bei der Überarbeitung des NaPro
berücksichtigt.
2. Gegenstand der Strategischen Umweltprüfung des Nationalen
Entsorgungsprogramms
Die Beschreibung des Prüfgegenstandes stellt die Grundlage für die Ermittlung der Wirkfaktoren
und für die darauf aufbauende Beschreibung und Bewertung der Umweltauswirkungen dar.
Der Prüfgegenstand für die SUP ergibt sich aus den im NaPro aufgeführten Maßnahmen zur
Entsorgung radioaktiver Abfälle in Deutschland. Dabei beschränken sich die Betrachtungen auf
solche Maßnahmen, die im NaPro als Planung enthalten sind, da für bestehende bzw.
zugelassene Maßnahmen (z. B. vorhandene Zwischenlager für bestrahlte Brennelemente sowie
Errichtung und Betrieb des Endlagers Konrad) im Rahmen der Zulassungsverfahren die mit den
Maßnahmen verbundenen Umweltauswirkungen bereits berücksichtigt wurden. Die geplanten
Maßnahmen werden unabhängig davon betrachtet, ob sie neben der Planung im NaPro auch
Gegenstand gesetzlicher Festlegungen sind.
Die Beschreibung der geplanten Maßnahmen wird für die Umweltprüfung anhand von Projekten
und Phasen weiter konkretisiert:
Maßnahmen: Als Maßnahmen werden die im NaPro beschriebenen Planungen bezeichnet.
Projekte: Als Projekte werden die wesentlichen Bestandteile einer Maßnahme bezeichnet. Dies
können z. B. Anlagen oder Einrichtungen für bestimmte Entsorgungsschritte sein oder definierte
Erkundungsschritte bei der Endlagerung oder Transporte von Abfällen zwischen verschiedenen
Anlagen oder Einrichtungen.
Phasen: Je nach Art des Projekts sind unterschiedliche Realisierungsschritte zu betrachten, die
nachfolgend als „Phasen“ bezeichnet werden. Bei neu zu realisierenden Anlagen und
Einrichtungen sind grundsätzlich die Phasen Errichtung, Betrieb und Stilllegung/Verschluss im
Umweltbericht zu berücksichtigen. Bei Projekten, die die Änderung oder Verlängerung der
Nutzung bestehender Anlagen vorsehen, beschränken sich die Betrachtungen in der Regel auf
die Betriebsphase.
Soweit für eine Darstellung potenzieller Umweltauswirkungen eine Konkretisierung der
Maßnahmen aus dem NaPro notwendig ist, werden in diesem Bericht plausible Annahmen zu
Grunde gelegt. Diese Annahmen werden dabei allein für die Abschätzung potenzieller
Umweltauswirkung gemacht und sind keine Vorfestlegung für die spätere Durchführung der
Maßnahmen des NaPro.
Sofern im NaPro für die Realisierung einer Maßnahme ergänzend zu der Planung auch
gegebenenfalls zu prüfende Alternativen genannt werden (z. B. für den Ort der Endlagerung der
aus der Schachtanlage Asse II rückzuholenden Abfälle), werden die damit jeweils verbundenen
Projekte als Optionen aufgeführt. Bei der Beschreibung der Umweltauswirkungen von Optionen

Umweltbericht
19
wird – soweit möglich – eine vergleichende Betrachtung entsprechend dem generischen Charakter
dieser SUP durchgeführt.
Aufgrund der Planungen im NaPro werden im Umweltbericht die folgenden geplanten Maßnahmen
hinsichtlich ihrer Umweltauswirkungen betrachtet:
Standortauswahlverfahren und Endlagerung insbesondere der Wärme entwickelnden Abfälle,
einschließlich der Brennelemente von Versuchs-, Demonstrations- und Forschungsreaktoren
Alternativ: Verbringung der Brennelemente von Versuchs-, Demonstrations- und Forschungs-
reaktoren in ein Land, in dem Brennelemente für Forschungsreaktoren bereitgestellt oder
hergestellt werden
Zwischenlagerung von bestrahlten Brennelementen und Abfällen aus der Wiederaufarbeitung
Entsorgung der rückgeholten radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II und Stilllegung
der Schachtanlage Asse II
Entsorgung des abgereicherten Urans aus der Urananreicherung, für den Fall, dass eine weitere
Verwertung nicht erfolgt
Nachfolgend wird für jede dieser Maßnahmen ausgeführt, welche Projekte und welche Phasen im
Umweltbericht berücksichtigt werden sollen.
Standortauswahlverfahren und Endlagerung insbesondere der Wärme entwickelnden
Abfälle, einschließlich der Brennelemente von Versuchs-, Demonstrations- und
Forschungsreaktoren
Das Verfahren zur Suche und Auswahl eines Endlagers für insbesondere Wärme entwickelnde
Abfälle ist im Standortauswahlgesetz /StandAG 2013/ beschrieben. Die dort definierten Schritte
werden in der SUP als Projekte berücksichtigt. Ergänzend umfasst die Planung des NaPro die
Errichtung eines Eingangslagers am Standort des Endlagers, das mit der ersten Teilgenehmigung
für das Endlager genehmigt werden soll. Dadurch soll die Voraussetzung für den Beginn der
Räumung der bestehenden Zwischenlager geschaffen werden. Entsprechend den Planungen für
das Endlager werden – soweit sinnvoll und möglich – bei allen zu betrachtenden Projekten die im
Standortauswahlgesetz genannten Wirtsgesteinsvarianten Steinsalz, Ton- und Kristallingestein
berücksichtigt. Allerdings erfolgt eine nach Wirtsgesteinen differenzierte Betrachtung aufgrund des
generisch qualitativen Charakters des Umweltberichts nur in Einzelfällen, wenn auf der Basis
derzeit verfügbarer Daten hinsichtlich bestimmter Wirkungen erhebliche Unterschiede zu erwarten
sind, die maßgeblichen Einfluss auf die Bewertung der Umweltauswirkungen haben.
Neben den bestrahlten Brennelementen aus Leistungsreaktoren und den Abfällen aus der
Wiederaufarbeitung von Brennelementen umfassen die Betrachtungen auch bestrahlte
Brennelemente aus Versuchs-, Demonstrations- und Forschungsreaktoren, für die das NaPro die
Option der Endlagerung in dem nach Standortauswahlgesetz zu errichtenden Endlager für
insbesondere Wärme entwickelnde Abfälle vorsieht, wenn eine Verbringung in ein Land, in dem
Brennelemente für Forschungsreaktoren bereitgestellt oder hergestellt werden, nicht erfolgt. Die
Mengen sind im Vergleich zu den beiden anderen Abfallströmen gering.
Die Betrachtungen von Umweltauswirkungen durch Transporte der verschiedenen Abfälle von den
Zwischenlagern in Endlager erfolgen gemeinsam in einem generischen Ansatz für alle Abfälle und
Zwischenlagerstandorte, da eine Differenzierung von Volumen, Inventaren und Transportwegen
auf Basis des derzeitigen Planungsstandes nicht möglich ist.

Umweltbericht
20
Für die Maßnahme sind folgende Projekte und Phasen zu berücksichtigen:
Maßnahme: Standortauswahlverfahren und Endlagerung insbesondere der Wärme entwickelnden
Abfälle einschließlich der Brennelemente von Versuchs-, Demonstrations- und Forschungs-
reaktoren
Projekte Phasen
Oberirdische Erkundung mehrerer Standorte für
ein Endlager
Durchführung aller Maßnahmen von der
Erdoberfläche aus z. B. Erkundungsbohrungen,
Messungen etc.
Untertägige Erkundung von Standorten für ein
Endlager
Auffahren von Erkundungsbergwerken,
Betrieb des Erkundungsbergwerks,
Einstellung des Betriebes von
Erkundungsbergwerken, Stilllegungs- und
Verschlussmaßnahmen
Überführung der im Endlager für Wärme
entwickelnde Abfälle endzulagernden Abfälle von
den Zwischenlagerstandorten zum
Endlagerstandort
Antransport zum Eingangslager des Endlagers
Aufbewahrung der endzulagernden Abfälle im
Eingangslager des Endlagers
Errichtung, Betrieb und Stilllegung des
Eingangslagers
Endlagergerechte Konditionierung aller im
Endlager für Wärme entwickelnde Abfälle
endzulagernden Abfälle
Errichtung, Betrieb und Stilllegung von
Konditionierungseinrichtungen zur
endlagergerechten Bearbeitung und Verpackung
Endlagerung der Abfälle
Errichtung des Endlagers,
Einlagerungsbetrieb des Endlagers
Endlagerverschluss (Stilllegungs- und
Verschlussmaßnahmen , Monitoring, Abbau
oberirdischer Anlagen),
Nachverschlussphase
Alternativ: Verbringung der Brennelemente von Versuchs-, Demonstrations- und
Forschungsreaktoren in ein Land, in dem Brennelemente für Forschungsreaktoren
bereitgestellt oder hergestellt werden
Die Verbringung der bestrahlten Brennelemente aus Versuchs-, Demonstrations- und
Forschungsreaktoren in ein Land, in dem Brennelemente für Forschungsreaktoren bereitgestellt
oder hergestellt werden, ist gemäß NaPro eine Alternative zur Endlagerung in Deutschland. Für
die Maßnahme werden folgende Projekte berücksichtigt:

Umweltbericht
21
Maßnahme: Verbringung der Brennelemente von Versuchs-, Demonstrations- und Forschungs-
reaktoren in ein Land, in dem Brennelemente für Forschungsreaktoren bereitgestellt oder
hergestellt werden
Projekte Phasen
Überführung vorhandener und noch anfallender
Brennelemente von Versuchs-, Demonstrations-
und Forschungsreaktoren in ein Land, in dem
Brennelemente für Forschungsreaktoren
bereitgestellt oder hergestellt werden
Berücksichtigt wird der gesamte Transportweg in
ein Land, in dem Brennelemente für
Forschungsreaktoren bereitgestellt oder hergestellt
werden, in generischer Form
Die sich im Empfängerland anschließenden Entsorgungsschritte (Wiederaufarbeitung und
Endlagerung der daraus resultierenden Abfälle) sind nicht Gegenstand der SUP, da sie unter dem
regulatorischen Regime des entsprechenden annehmenden Landes erfolgen.
Zwischenlagerung von bestrahlten Brennelementen und Abfällen aus der
Wiederaufarbeitung
Für die bestrahlten Brennelemente und Abfälle aus der Wiederaufarbeitung sind in Deutschland
ausreichende Zwischenlagerkapazitäten vorhanden. Die nachfolgend aufgeführten Maßnahmen
tangieren ausschließlich Änderungen des derzeit genehmigten Betriebs der bestehenden
Zwischenlager im Hinblick auf die Dauer der Zwischenlagerung und die einzulagernden Abfälle.
Auswirkungen durch Errichtung und Abbau von Anlagen sind daher nicht zu berücksichtigen.
Die Zwischenlagerung der bestrahlten Brennelemente aus Leistungsreaktoren erfolgt an den
Standorten der Kernkraftwerke (Standortzwischenlager) sowie in den Transportbehälterlagern in
Gorleben, Ahaus und Rubenow. Aufgrund des Zeitplans für die Bereitstellung eines Endlagers
nach Standortauswahlgesetz /StandAG 2013/ kann eine vollständige Räumung der Zwischenlager
innerhalb der genehmigten Betriebszeit nicht gewährleistet werden. Im Umweltbericht wird daher
die Option einer Verlängerung der Zwischenlagerzeiten berücksichtigt.
Die aus der Wiederaufarbeitung bestrahlter Brennelemente im Ausland noch zurückzunehmenden
verfestigten Spaltproduktlösungen sind gemäß Artikel 2 des Standortauswahlgesetzes
/StandAG 2013/ nicht mehr im Transportbehälterlager Gorleben, sondern in
Standortzwischenlagern aufzubewahren. Die im Umweltbericht zu betrachtende Planung bezieht
sich auf den Betrieb von Standortzwischenlagern, in die - gegenüber der bestehenden
Genehmigung – nunmehr auch insgesamt 26 Transport- und Lagerbehälter mit verfestigten
Spaltproduktlösungen und verglasten Betriebsabfällen eingelagert werden.
Des Weiteren sind Zwischenlagerkapazitäten für die bestrahlten Brennelemente aus Versuchs-,
Demonstrations- und Forschungsreaktoren zu berücksichtigen, für die das NaPro die Option der
Zwischen- und späteren Endlagerung vorsieht, wenn eine Verbringung in ein Land, in dem
Brennelemente für Forschungsreaktoren bereitgestellt oder hergestellt werden, nicht erfolgt. Die
Verbringung in ein solches Land ist als Alternative in Kapitel 5.2.1 beschrieben.
Da die Zwischenlager auf einem vergleichbaren Konzept basieren, erfolgen die Betrachtungen zu
den Umweltauswirkungen der drei genannten Entsorgungsmaßnahmen jeweils gemeinsam für alle
Zwischenlager in einem generischen Ansatz.

Umweltbericht
22
Für die Maßnahme sind folgende Projekte und Phasen zu berücksichtigen:
Maßnahme: Zwischenlagerung von bestrahlten Brennelementen und Abfällen aus der Wiederauf-
arbeitung
Projekte Phasen
Verlängerung der Zwischenlagerzeit für bestrahlte
Brennelemente und Abfälle aus der
Wiederaufarbeitung in den vorhandenen,
genehmigten Standortzwischenlagern und
Transportbehälterlagern
Betrieb
Erweiterung von mehreren bestehenden
Standortzwischenlagern zur Aufbewahrung von
verfestigten Spaltproduktlösungen aus der
Wiederaufarbeitung bestrahlter Brennelemente
Betrieb
Erweiterung bestehender Zwischenlager zur
Aufbewahrung der Brennelemente aus Versuchs-,
Demonstrations- und Forschungsreaktoren
Betrieb
Entsorgung der rückgeholten radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II und
Stilllegung der Schachtanlage Asse II
Gemäß dem Gesetz zur Beschleunigung der Rückholung radioaktiver Abfälle und der Stilllegung
der Schachtanlage Asse II /Lex Asse 2013/ sind die Abfälle aus der Schachtanlage zurückzuholen.
Die rückgeholten radioaktiven Abfälle sollen vor Ort konditioniert und in einem neu zu errichtenden
Zwischenlager gelagert werden. Für die Endlagerung der rückgeholten radioaktiven Abfälle sieht
die Planung des NaPro die Einlagerung im Endlager nach Standortauswahlgesetz vor. Die Option
einer Erweiterung des Endlagers Konrad soll nicht ausgeschlossen und gegebenenfalls nach
dessen Inbetriebnahme geprüft werden. Die technische Machbarkeit einer Erweiterung wird als
gegeben angenommen. Die Einlagerung der rückgeholten radioaktiven Abfälle in das Endlager
Konrad wird daher im Umweltbericht als Option berücksichtigt. Eine Betrachtung von
Auswirkungen einer Einlagerung der aus der Schachtanlage Asse II rückgeholten radioaktiven
Abfälle auf den Nachweis der Langzeitsicherheit erfolgt weder für das Endlager nach
Standortauswahlgesetz noch für das Endlager Konrad.
Für die Maßnahme sind folgende Projekte und Phasen zu berücksichtigen:

Umweltbericht
23
Maßnahme: Entsorgung der rückgeholten radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II
und Stilllegung der Schachtanlage Asse II
Projekte Phasen
Rückholung und endlagergerechte
Konditionierung der rückgeholten radioaktiven
Abfälle aus der Schachtanlage Asse II am Ort
der Rückholung
Rückholung der radioaktiven Abfälle,
Errichtung, Betrieb und Stilllegung von
Konditionierungseinrichtungen zur Bearbeitung
und Verpackung der rückgeholten radioaktiven
Abfälle
Zwischenlagerung der konditionierten Abfälle
Errichtung, Betrieb und Stilllegung des
Zwischenlagers
Stilllegung der Schachtanlage Asse II
Verschluss des Bergwerks und Rückbau der
obertägigen Anlagen
Überführung der Abfälle in das Endlager
Transport vom Zwischenlager zum Endlager
Endlagerung der Abfälle im Endlager nach
Standortauswahlgesetz
Berücksichtigung bei den Einlagerungs-
kapazitäten des Endlagers,
Betrieb des Endlagers zur Einlagerung der
rückgeholten radioaktiven Abfälle
(Einlagerungsbetrieb)
Option: Endlagerung im Endlager Konrad
Endlagerung der Abfälle im Endlager Konrad
Erweiterung der Einlagerungskapazitäten des
Endlagers Konrad,
Betriebsverlängerung des Endlagers Konrad zur
Einlagerung der rückgeholten Abfälle aus der
Schachtanlage Asse II
Entsorgung des abgereicherten Urans aus der Urananreicherung
Das in Deutschland angefallene und anfallende abgereicherte Uran aus der Urananreicherung soll
für den Fall, dass eine weitere Verwertung nicht erfolgt, vorsorglich bei der Planung des Endlagers
nach Standortauswahlgesetz berücksichtigt werden. Die Option einer Erweiterung des Endlagers
Konrad soll nicht ausgeschlossen und gegebenenfalls nach dessen Inbetriebnahme geprüft
werden. Die technische Machbarkeit einer Erweiterung wird als gegeben angenommen. Die
Einlagerung der radioaktiven Reststoffe aus der Urananreicherung in das Endlager Konrad wird
daher im Umweltbericht als Option berücksichtigt, die einer vergleichenden Betrachtung mit der
Verbringung in das Endlager nach Standortauswahlgesetz unterzogen wird. Zur Endlagerung sind
diese Reststoffe endlagergerecht zu konditionieren und an den entsprechenden Endlagerstandort
zu verbringen. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass am Standort der Konditionierungs-
einrichtung oder am Endlagerstandort Zwischenlagerkapazitäten für die konditionierten Abfälle
einzurichten sind, um die Konditionierung unabhängig vom Einlagerungsmanagement im Endlager
realisieren zu können.
Für die Maßnahme sind folgende Projekte und Phasen zu berücksichtigen:

Umweltbericht
24
Maßnahme: Entsorgung des abgereicherten Urans aus der Urananreicherung
Projekte Phasen
Überführung der Abfälle in das Endlager
Transport vom Zwischenlager zum Endlager
Endlagergerechte Konditionierung der Abfälle
Errichtung, Betrieb und Stilllegung von
Konditionierungseinrichtungen
Endlagerung der Abfälle im Endlager nach
Standortauswahlgesetz
Berücksichtigung bei den Einlagerungskapazitäten
des Endlagers,
Betrieb des Endlagers zur Einlagerung des
abgereicherten Urans (Einlagerungsbetrieb)
Option: Endlagerung im Endlager Konrad
Endlagerung der Abfälle im Endlager Konrad
Erweiterung der Einlagerungskapazitäten des
Endlagers Konrad
Betriebsverlängerung des Endlagers Konrad zur
Einlagerung der radioaktiven Reststoffe aus der
Urananreicherung
3. Untersuchungsrahmen, Methodik und Umweltziele
3.1. Untersuchungsraum, voraussichtliche Entwicklung bei Nichtdurchführung
des NaPro
Der Untersuchungsraum hat eine räumliche und eine zeitliche Dimension.
Im räumlichen Sinne ist der Untersuchungsraum zur SUP des NaPro die Umgebung um die
geplanten Maßnahmen und Projekte innerhalb der die Wirkfaktoren auf die Umwelt einwirken
(Immissionen). Die im NaPro geplanten Maßnahmen werden weitgehend an bisher nicht
festgelegten Standorten auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland realisiert. Aufgrund der
fehlenden Standortfestlegungen ist eine räumliche Eingrenzung auf konkrete Untersuchungs-
gebiete sowie eine Beschreibung realer Umweltbestandteile nicht möglich. Zur Eruierung potenziell
erheblicher Umweltauswirkungen wird daher bei der Bewertung der Umweltauswirkungen das
Vorkommen von empfindlichen Schutzgütern oder geschützten Umweltbestandteilen im
Untersuchungsraum unterstellt.
Die zeitliche Dimension des Untersuchungsraumes ist die Betrachtung der Wirkfaktoren über den
Zeitraum der Einwirkungsdauer auf die Schutzgüter. Die Erheblichkeit von Umweltauswirkungen
hängt unter anderem davon ab, ob das jeweilige Schutzgut nur kurzzeitig oder langfristig betroffen
ist. Vorübergehende Beeinträchtigungen von Schutzgütern (z. B. durch Baustellenlärm) sind im
Vergleich zu langfristigen Beeinträchtigungen oder gar Verlusten von Schutzgutfunktionen (z. B.
Flächeninanspruchnahme) als weniger gravierend einzustufen.
Eine voraussichtliche Entwicklung der Umwelt bei Nichtdurchführung des NaPro ist im Rahmen der
SUP nicht quantitativ zu beschreiben, da die jeweiligen Standorte der Maßnahmen des NaPro
nicht festgelegt sind.
Für die SUP des NaPro werden in Kapitel 6 hypothetische Nullvarianten entwickelt und
beschrieben.

Umweltbericht
25
3.2.
Methodik zur Bewertung der Umweltauswirkungen
Vorgehensweise zur Erfassung und Bewertung der Umweltauswirkungen
Nach § 14g Abs. 1 UVPG sind in der SUP eines Programms nach § 2 Abs 5 UVPG die
voraussichtlich erheblichen Umweltauswirkungen auf die Schutzgüter des UVPG (Menschen,
einschließlich der menschlichen Gesundheit, Tiere, Pflanzen, die biologische Vielfalt, Boden,
Wasser, Luft, Klima, Landschaft, Kulturgüter und sonstige Sachgüter sowie Wechselwirkung
zwischen den vorgenannten Schutzgütern) zu ermitteln. Prüfgegenstand sind die in Kapitel 2
aufgeführten Maßnahmen und Projekte des NaPro. Die Prüfung erfolgt in drei Schritten:
Im ersten Schritt werden die Wirkfaktoren (Emissionen/Wirkungen) beschrieben, die von den zu
prüfenden Maßnahmen und Projekten des NaPro ausgehen.
Im zweiten Schritt werden die Auswirkungen der Wirkfaktoren auf die Schutzgüter des UVPG -
die Umweltauswirkungen - beschrieben.
Im dritten Schritt erfolgt die Bewertung der Umweltauswirkungen im Hinblick auf die Einhaltung
der Umweltziele. Es werden Maßnahmen der Vermeidung und Minimierung dargestellt.
In dieser SUP erfolgt die Beschreibung und Bewertung von Umweltauswirkungen jeweils für die
aus übergreifender Sicht der SUP relevanten Schutzgüter gemäß UVPG. Schutzgüter des UVPG,
für die im Rahmen der übergreifenden Vorgehensweise dieser SUP hinsichtlich der jeweils zu
betrachtenden Umweltauswirkungen keine wesentliche Betroffenheit erkennbar ist, werden nicht
explizit erwähnt
Erfassung der Wirkfaktoren
Die Beschreibung der Wirkfaktoren der Maßnahmen und Projekte des NaPro erfolgt durch
Auswertung vorhandener Literatur zu Projektstudien, die mit den Projekten des NaPro plausible
Vergleichbarkeiten aufweisen. Da anlagenspezifische Konzepte der Projekte des NaPro derzeit
nicht vorliegen, ist eine vollständige quantitative Darstellung der Wirkfaktoren nicht möglich. Die
Wirkfaktoren werden, soweit möglich, in der quantitativen Bandbreite ihrer Ausprägung dargestellt
oder qualitativ beschrieben.
Bei Projekten der Endlagerung Wärme entwickelnder Abfälle (z.B. Standorterkundung,
Endlagererrichtung und –betrieb) wird soweit vorhanden auf Studien zu geplanten Anlagen im
Ausland oder auf Erkenntnisse zur Erkundung des Standortes Gorleben zurückgegriffen. Sofern
zur Beschreibung von Wirkfaktoren der Endlagerung aus einschlägigen Projektkonzepten keine
plausiblen Erkenntnisse gezogen werden können, werden übertragbare Erkenntnisse aus anderen
Projekten, beispielsweise aus Bergbauvorhaben, genutzt.
Zur Beschreibung der Wirkfaktoren von geplanten Zwischenlagern werden übertragbare
Erkenntnisse aus bereits realisierten Zwischenlagerprojekten verwendet.
Bei Projekten des NaPro, die mit einer Errichtung von Anlagen verbunden sind (z. B. Endlager für
Wärme entwickelnde Abfälle, Konditionierungsanlagen und Zwischenlager) werden neben anlage-
und betriebsbedingten Wirkfaktoren auch relevante baubedingte Wirkfaktoren im Überblick
berücksichtigt. Bei Projekten, die eine Verlängerung der Laufzeiten vorhandener Anlagen,
beispielsweise der Zwischenlager für bestrahlte Brennelemente an Kernkraftwerksstandorten,
vorsehen, werden ausschließlich betriebsbedingte Auswirkungen betrachtet. Anlagen- und

Umweltbericht
26
errichtungsbedingte Auswirkungen wie beispielsweise Flächeninanspruchnahmen wurden bereits
bei der Genehmigung der Anlagen berücksichtigt.
Die Beschreibung der Wirkfaktoren für die geplanten Maßnahmen und Projekte des NaPro erfolgt
fokussiert auf die nach heutigem Stand der Erkenntnisse wichtigsten Wirkungen im Hinblick auf
relevante Auswirkungen auf die Schutzgüter des UVPG.
Wirkfaktoren eines Projektes, die entsprechend der übergreifenden Betrachtungsweise dieser SUP
von vorn herein erkennbar nicht zu Umweltauswirkungen führen, werden bei der nachfolgenden
Beschreibung von Umweltauswirkungen nicht aufgegriffen.
Ermittlung der potenziellen Umweltauswirkungen
Umweltauswirkungen sind feststellbare Einwirkungen auf Schutzgüter des UVPG (Immissionen).
Die Intensität, das Ausmaß und die Dauer einer Umweltauswirkung bestimmen, ob die
Umweltauswirkung unterhalb einer Bagatellgrenze liegt, zu wahrnehmbaren Störungen oder zu
Beeinträchtigungen des Schutzgutes führt.
Zur Ermittlung der potenziellen Umweltauswirkungen werden die Einwirkungen/Immissionen der
Wirkfaktoren auf potenziell vorhandene Schutzgüter qualitativ und soweit möglich auch quantitativ
beschrieben. Dazu werden zunächst die grundsätzlich plausiblen Beziehungen zwischen
Wirkfaktoren und Schutzgütern zusammengestellt (z. B. die Wirkung von Lärm auf Menschen). Für
die relevanten Beziehungen Wirkfaktor – Schutzgut wird die Bandbreite der Intensität möglicher
Umweltauswirkungen dargestellt.
Umweltauswirkungen eines Wirkfaktors, die sich entsprechend der übergreifenden
Betrachtungsweise dieser SUP bei der Beschreibung von potenziellen Umweltauswirkungen als
vernachlässigbar darstellen, werden bei einer nachfolgenden Bewertung von Umweltauswirkungen
des jeweiligen Projektes nicht aufgegriffen.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Bei der Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen wird auf Basis von Annahmen zu
vorhandenen Schutzgütern überprüft, ob die Umweltziele eingehalten werden können.
Zur Prüfung der Umweltauswirkungen durch geplante Maßnahmen und Projekte des NaPro
werden bei der Bewertung von Wirkfaktoren mit erheblichem Einwirkungspotenzial auf die Umwelt
Annahmen zu empfindlichen Schutzgütern oder geschützten Umweltbestandteilen getroffen (z. B.
vorhandene FFH-Gebiete oder Wohngebiete im Bereich von Immissionen). Es werden soweit
möglich und sinnvoll Aussagen über Entfernungen zwischen Schutzgut und Emissionen getroffen,
die als Orientierungswert zur Vermeidung von potenziell relevanten Umweltauswirkungen
angesetzt werden können und innerhalb derer Minimierungspotenziale zu betrachten sind.
Die Bewertung der Umweltauswirkungen erfolgt nach drei Kategorien:
Keine potenziell relevante Umweltauswirkung
. Die Ausprägung des jeweiligen Wirkfaktors ist
weitgehend quantitativ darstellbar. Die Umweltauswirkung ist aufgrund der geringen Ausprägung
des Wirkfaktors oder der geringen Empfindlichkeit von potenziellen Schutzgütern nicht relevant.
Die Einhaltung der Umweltziele ist nicht in Frage gestellt.
Potenziell relevante Umweltauswirkung.
Der Wirkfaktor kann zu signifikanten Einträgen in die
Umwelt (Immissionen) führen. Das Ausmaß der Umweltweltauswirkung ist von der Ausprägung
der Wirkfaktoren und der Betroffenheit ggf. vorhandener Schutzgüter abhängig. Unter

Umweltbericht
27
Berücksichtigung von Minimierungspotenzialen und Berücksichtigung der Randbedingungen zur
Betroffenheit von Schutzgütern kann von einer Einhaltung der Umweltziele ausgegangen
werden.
Potenziell erhebliche Umweltauswirkung.
Erhebliche Wirkungen auf ggf. vorhandene
besonders empfindliche Schutzgüter oder besonders geschützte Umweltbestandteile können
nicht ausgeschlossen werden, so dass von einer Einhaltung der Umweltziele nicht ausgegangen
werden kann.
Die in der SUP des NaPro generisch betrachteten Umweltauswirkungen sind bei der Realisierung
der einschlägigen Projekte im Rahmen der vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsprüfungen zu
konkretisieren. Dabei erfolgt eine vertiefende Betrachtung der Umweltauswirkungen auf Basis
definierter Anlagenkonzepte und Standorte.
3.3. Umweltziele
In der SUP des NaPro sind im Hinblick auf die Umweltauswirkungen folgende Schutzgüter gemäß
§ 2 UVPG zu berücksichtigen:
Menschen, einschließlich der menschlichen Gesundheit
Tiere, Pflanzen, die biologische Vielfalt
Boden, Wasser, Luft, Klima, Landschaft, Kulturgüter und sonstige Sachgüter sowie
Wechselwirkungen zwischen den vorgenannten Schutzgütern
Umweltziele sind Zielvorgaben zum Schutz der o.g. Schutzgüter. Die Umweltziele sind in den
Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland, den darauf basierenden Verordnungen, dem
untergesetzlichen Regelwerk sowie in den anerkannten Veröffentlichungen festgelegt. Als
Maßstab für die Umweltziele werden in den Regelwerken und der Literatur allgemein qualitativ
formulierte Vorgaben zu den Schutzzielen für die einzelnen Schutzgüter oder – sofern die
ermittelten Einwirkungen auf Schutzgüter quantifiziert werden können - konkret festgelegte Werte
(z. B. Vorsorge- und Grenzwerte) verwendet.
Das im Grundgesetz /GG 2012/ verankerte Grundrecht auf Leben und Gesundheit adressiert das
Schutzgut Mensch und die menschliche Gesundheit.
Bei der Bewertung von Wirkfaktoren sind die jeweils zu Grunde gelegten Umweltziele (Gesetze,
Verordnungen, Regelungen) und Bewertungskriterien dargestellt.
Wesentliche Umweltziele zur Bewertung konventioneller Wirkfaktoren sind unter anderem in
folgenden Gesetzen, Verordnungen und Regelungen verankert:
Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen,
Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge (Bundes-Immissionsschutzgesetz –
BImSchG) einschließlich Verordnungen /BImSchG 2014/
Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushalts (Wasserhaushaltsgesetz – WHG) /WHG 2014/
Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten
(Bundesbodenschutzgesetz – BBodSchG) /BBodSchG 2012/

Umweltbericht
28
Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) /BBodSchV 2012/
Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz – BNatSchG)
/BNatSchG 2013/
Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) /BArtSchV 2013/
Wesentliche Umweltziele und Vorgaben zur Bewertung radiologischer Wirkfaktoren finden sich in
folgenden Gesetzen, Verordnungen und Bekanntmachungen der Bundesrepublik Deutschland:
Gesetz über die friedliche Verwendung der Kernenergie und den Schutz gegen ihre Gefahren
(Atomgesetz) /AtG 2013/
Verordnung über den Schutz vor Schäden durch ionisierende Strahlen
(Strahlenschutzverordnung - StrlSchV) /StrlSchV 2012/
Verordnung über das Verfahren bei der Genehmigung von Anlagen nach §7 des Atomgesetzes
(Atomrechtliche Verfahrensverordnung - AtVfV) /AtVfV 2006/
Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung Wärme entwickelnder Abfälle /SaEndlwA 2010/
4. Übergeordnete Betrachtungen zu Wirkfaktoren, Umweltauswirkungen und
Bewertungsrahmen
Dieses Kapitel gibt einen Überblick über alle im Kontext der Projekte des NaPro zu betrachtenden
Wirkfaktoren.
Die Wirkfaktoren sind für die Projekte des NaPro und die projektspezifischen Betrachtungen in
Kapitel 5 von unterschiedlicher Relevanz hinsichtlich der Häufigkeit ihres Auftretens sowie der zu
erwartenden Umweltauswirkungen. Entsprechend werden für den weiteren Umgang mit den
Wirkfaktoren die drei folgenden Gruppen unterschieden:
1.
Projektspezifische Wirkfaktoren (häufig)
, die in zahlreichen Projekten des NaPro auftreten und
für die einzelnen Projekte des NaPro soweit möglich in ihrer Bandbreite beschrieben werden:
Flächeninanspruchnahme
Luftschadstoffe
Lärm und Erschütterungen
Direktstrahlung
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Wasserpfad (Ableitung)
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
Störfälle
Für diese Wirkfaktoren werden im Kapitel 4.1 übergeordnete Betrachtungen zu den damit
verbundenen Umweltauswirkungen vorgenommen sowie der Bewertungsrahmen dargestellt.
Damit wird die Grundlage für die projektspezifischen Ausführungen in Kapitel 5 geschaffen, die
sich somit auf die Quantifizierung der Umweltauswirkungen und deren Bewertung in dem
jeweiligen projektspezifischen Kontext fokussieren können.
2.
Projektspezifische Wirkfaktoren (speziell)
, die nur in einzelnen Projekten des NaPro auftreten:
Raumwirkung

Umweltbericht
29
Medieneintrag, Blow Out und hydraulischer Kurzschluss
radioaktive Betriebsabfälle
Emission von radioaktiven Stoffen oder anderen Schadstoffen aus Endlagern in der
Nachverschlussphase
Wärmeeintrag in den Untergrund
Setzungen der Tagesoberfläche
Für diese Wirkfaktoren erfolgen keine übergeordneten Betrachtungen, da sie nur in speziellen
Projekten auftreten. Die Beschreibung und Bewertung der daraus resultierenden
Umweltauswirkungen erfolgt im Kapitel 5 in dem jeweiligen Projektkontext.
3.
Unspezifische Wirkfaktoren,
die für die Projekte des NaPro aufgrund derzeit fehlender
Vorhabenpläne nicht projektspezifisch darstellbar sind, unterteilt in unspezifische Wirkfaktoren
von relevanter Bedeutung für eine SUP
und unspezifische Wirkfaktoren von
untergeordneter
Bedeutung
:
Unspezifische Wirkfaktoren von
relevanter Bedeutung für die SUP:
Grundwasserabsenkung
Konventionelles Abwasser
Unspezifische Wirkfaktoren von
untergeordneter Bedeutung für die SUP
:
Wassergefährdende Stoffe
Regenwasser auf Verkehrs- und Dachflächen
Sanitärabwasser
Konventionelle Abfälle
Lichtemissionen
Radonemissionen
Diese Wirkfaktoren werden im Kapitel 4.2 abschließend behandelt und im Weiteren nicht mehr
projektspezifisch berücksichtigt.
4.1. Häufige projektspezifische Wirkfaktoren
4.1.1. Flächeninanspruchnahme
Flächeninanspruchnahmen, insbesondere durch Versiegelung entstehen durch die Errichtung von
Gebäuden, Verkehrs- und Lagerflächen sowie durch Lagerung von Stoffen und Material (z. B.
Baustoffe, Baumaterialien, Abraum) auf Bodenflächen.
Allgemeine Umweltauswirkungen durch Flächeninanspruchnahme
Flächeninanspruchnahmen führen zum Verlust der Puffer- und Reinigungsfunktion des Bodens.
Durch die Versiegelung des Bodens wird der Austausch von Medien (Luft, Wasser, Nährstoffe,
Zersetzungsprodukte) mit der Umgebung unterbunden, sodass im Boden die Zersetzung von
biologischer Substanz zu pflanzenverfügbaren Nährstoffen sowie die Pufferung und der Abbau von

Umweltbericht
30
Schadstoffen weitgehend reduziert werden. Die Flächeninanspruchnahme führt zudem zum
Verlust der Lebensraumfunktion des Bodens für Pflanzen (z. B. Pilze) und Tiere (z. B.
Regenwürmer), die im Boden leben und die durch die Bioturbation (Durchmischung durch
Organismen) die Medienversorgung des Bodens insbesondere mit Luft gewährleisten.
Eine Versiegelung von Oberflächengewässern oder Teilen von Oberflächengewässern führt zum
Verlust des Gewässers bzw. Gewässerteiles einschließlich seiner Funktion im Naturhaushalt.
Im Hinblick auf das Schutzgut „Tiere und Pflanzen“ führt eine Flächeninanspruchnahme des
Bodens zudem zum Verlust der Lebensräume (z. B Laubwald, Wiese) einschließlich ihrer
Lebensgemeinschaften, die zuvor auf dem Boden bestanden. Dabei können zudem geschützte
Arten nach Bundesartenschutzverordnung oder ihre Brutstätten betroffen sein.
Sofern eine Flächeninanspruchnahme in einem Schutzgebiet erfolgt (Naturschutzgebiet, FFH-
Gebiet, Vogelschutzgebiet) geht ein Teil von Lebensräumen im betroffenen Schutzgebiet verloren,
die aufgrund ihrer Bedeutung und/oder Seltenheit unter besonderen gesetzlichen Schutz gestellt
sind.
Bewertungsrahmen der Umweltauswirkungen durch Flächeninanspruchnahme
Flächeninanspruchnahmen sind erhebliche Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft im
Sinne des § 13 BNatSchG /BNatSchG 2013/. Damit sind Flächeninanspruchnahmen grundsätzlich
als erhebliche Umweltauswirkungen zu bewerten, die nach Maßgabe des BNatSchG zu vermeiden
sind.
Erhebliche Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft sind nach § 13 BNatSchG, soweit sie
nicht vermeidbar sind, durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, oder soweit dies nicht möglich
ist, durch Ersatz in Geld zu kompensieren. Das Verfahren zu den Ausgleichs- oder
Ersatzmaßnahmen oder der Kompensation erfolgt nach Vorgaben des Bundeslandes, in dem der
Eingriff erfolgt. Die Festlegung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen erfolgt auf Basis einer
Bestandsaufnahme zu den betroffenen Schutzgütern. Die Flächenverluste werden entsprechend
ihrer Wertigkeit durch Entsiegelung oder Aufwertung anderer Flächen oder durch Geld
kompensiert. Bei Versiegelungen von Gewässern bieten sich als Ausgleich die Neuanlage von
Gewässern oder Maßnahmen der Gewässerrenaturierung an. Somit besteht für Projekte mit
Flächeninanspruchnahme trotz der erheblichen Umweltauswirkung ein Weg zur Realisierung.
Sofern jedoch darüber hinaus durch Flächeninanspruchnahme besonders geschützte Arten oder
ihre Fortpflanzungs- oder Ruhestätten gemäß § 44 BNatSchG betroffen sind, ist der Eingriff nicht
zulässig. Der Eingriff ist nur dann durchführbar, wenn die Ausnahmevoraussetzungen des
§ 45 Abs. 7 BNatSchG erfüllt sind. Dazu ist nachzuweisen, dass zwingende Gründe des
überwiegenden öffentlichen Interesses, einschließlich solcher sozialer oder wirtschaftlicher Art,
vorliegen. Eine Ausnahme vom Verbot des Eingriffs ist nur zulässig, wenn zumutbare Alternativen
nicht gegeben sind und sich der Erhaltungszustand der Populationen einer Art nicht verschlechtert
(§ 45 Abs. 7 BNatSchG). Das Verfahren zur Prüfung der Ausnahmevoraussetzungen des
§ 45 Abs. 7 BNatSchG ist im Landesrecht näher festgelegt.
Weitere Maßgaben bei der Realisierung von Flächeninanspruchnahme bestehen dann, wenn
diese in einem Natura 2000-Gebiet erfolgen sollen oder wenn durch Versiegelung im unmittelbaren
Umfeld eines Natura 2000-Gebietes dieses Gebiet selbst beeinträchtigt werden könnte. In einem
solchen Fall ist die Verträglichkeit des Vorhabens mit den Erhaltungszielen des betroffenen Natura
2000-Gebietes (FFH-Gebiet) nach § 34 BNatSchG zu überprüfen.

Umweltbericht
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4.1.2. Luftschadstoffe
Bei den Projekten des NaPro werden Luftschadstoffe vor allem durch die Verbrennungsmotoren
von Geräten, Maschinen und Transportfahrzeugen sowie den Betrieb von Heizungsanlagen
emittiert. Darüber hinaus sind Staubverwehungen von Baustellen und Halden möglich.
Allgemeine Umweltauswirkungen durch Luftschadstoffe
Durch den Einsatz von Geräten, Maschinen und Fahrzeugen auf Baustellen, beim Betrieb von
Anlagen sowie durch die Fahrten von Transportfahrzeugen werden insbesondere Feinstaub (PM
10
,
PM
2,5
), Stickoxide und Schwefeloxide emittiert. Gleiches gilt für den Betrieb von Heizungsanlagen.
Schadstoffimmissionen können zu erheblichen negativen Auswirkungen auf Menschen, Tiere und
Pflanzen in der Nachbarschaft von Standorten und entlang der Transportrouten führen, da sie auf
Menschen gesundheitsschädlich wirken und Tiere und Pflanzen schädigen oder beeinträchtigen
können. Darüber hinaus kann es durch Staubemissionen zur Herabsetzung der Erholungsfunktion
von Standorten kommen. Salzstaubemissionen von Abraumhalden oder Salztransporten können
die Lebensfunktion von Böden beeinträchtigen und so langfristig zur Veränderung des
Artenspektrums der betroffenen Flora führen. Im Falle einer Endlagerung im Granitgestein ist nicht
generell auszuschließen, dass der zu Tage geförderte Granit Asbest enthält. Würde nicht
verhindert, dass es zu Verwehungen asbesthaltiger Stoffe kommt, könnte dies zu
Gesundheitsschäden bei Menschen und Tieren führen.
Bewertungsrahmen der Umweltauswirkungen durch Luftschadstoffe
In einer SUP sind Vorsorgeaspekte zu berücksichtigen. Zur Bewertung werden die möglichen
Umweltauswirkungen der Projekte des NaPro mit Bewertungsergebnissen der
Umweltverträglichkeitsprüfungen für verschiedene Zwischenlager verglichen, bei denen
Vorsorgeaspekte berücksichtigt wurden. Daraus ergeben sich Abstände zwischen Projektstandort
und Schutzgütern, bei deren Überschreitung keine relevanten Auswirkungen auf die Schutzgüter
zu erwarten. Unterhalb dieser Abstände können keine generellen Aussagen mehr getroffen
werden. In diesen Fällen muss die Bewertung im Einzelfall mit genaueren Kenntnissen über den
Standort und die Umgebung erfolgen.
Bei der Bewertung ist zwischen den Standorten/Baustellen und den Transportrouten zu
unterscheiden.
An den Standorten und auf den Baustellen werden in den unterschiedlichen Phasen verschiedene
Fahrzeuge, Maschinen und Geräte eingesetzt, die Luftschadstoffe emittieren, z. B. Hydraulik-
bagger, LKW, Bohrgeräte, Betonpumpen, Turmdrehkrane, Abbruchhämmer, Rammgeräte,
Bohrhämmer, Autokrane und Radlader. Einige dieser Fahrzeuge, Maschinen und Geräte werden
im Dauerbetrieb eingesetzt, z. B. Hydraulikbagger, LKW, Betonpumpen, Turmdrehkrane. Die
übrigen, z.B. Abbruchhämmer, Rammgeräte, Bohrhämmer, werden nur kurzzeitig betrieben. Die
höchsten Luftschadstoffemissionen sind
bei der Errichtung, beim Betrieb und bei der Einstellung des Betriebs der Erkundungsbergwerke,
beim Bau des Eingangslagers und des Endlagers sowie
beim Bau oder bei der Erweiterung von Zwischenlagern
zu erwarten, beispielsweise durch die Emissionen der Motoren von Maschinen, Geräten und
Fahrzeugen, durch Staubaufwirbelungen und –verwehungen sowie durch Abwehungen von
Halden.

Umweltbericht
32
Als Minimierungsmöglichkeiten für diese Luftschadstoffemissionen können z. B. der Einsatz von
Maschinen und Geräten mit Elektromotor und die Befeuchtung staubender Güter beim Be- und
Entladen genutzt werden.
Bei den Umweltverträglichkeitsprüfungen für verschiedene Zwischenlager. hat sich gezeigt, dass
sich auch unter Berücksichtigung von Vorsorgeaspekten in Abständen ab einem Kilometer zur
Baustelle keine relevanten Auswirkungen durch die Zusatzbelastung auf Menschen und
Schutzgebiete ergeben, wenn Minimierungsmöglichkeiten, z. B. Einsatz von Maschinen und
Geräten mit Elektromotor und Befeuchtung staubender Güter beim Be- und Entladen, genutzt
werden und keine empfindlichen Nutzungen, z. B. Krankenhäuser, vorhanden sind.
Ist der Abstand geringer, können mögliche Auswirkungen nur im Einzelfall geprüft und bewertet
werden, da dann beispielsweise auch die Windgeschwindigkeiten und Hauptwindrichtungen eine
Rolle spielen.
Werden Abraumhalden (z. B. Salzgesteinshalden) abgedeckt oder feucht gehalten, um
Verwehungen zu minimieren, kann davon ausgegangen werden, dass in Abständen > 1 km keine
relevanten Auswirkungen bestehen. Bei Salzgesteinshalden sollte das Abdecken bevorzugt
werden, damit möglichst geringe Salzmengen in Grund- und Oberflächengewässer gelangen.
Die Emissionen der Heizungsanlagen während des Betriebs von Zwischenlagern, Abfalllagern etc.
verursachen keine relevanten Auswirkungen auf die Schutzgüter.
Hinsichtlich der Transportrouten hat sich bei den Umweltverträglichkeitsprüfungen für
verschiedene Zwischenlager ergeben, dass sich das höchste LKW-Aufkommen beim Betonieren
der Bodenplatten ergibt. Es können je nach Größe durchaus 200 bis 300 LKW An- und Abfahrten
pro Tag stattfinden. Mit etwas geringerem Aufkommen ist beim Abtransport des Bodenaushubs
und beim Antransport von Material zur Bodenverbesserung zu rechnen.
Zur Minimierung der Luftschadstoffbelastung in Ortschaften sollten diese bei hohen
Transportaufkommen grundsätzlich umfahren werden.
Entlang von Transportrouten außerhalb von Ortschaften sollten die Zusatzbelastungen aufgrund
des besseren Luftaustauschs zu keinen relevanten Auswirkungen auf Menschen führen. Da es
keine Hinweise dafür gibt, dass Tiere empfindlicher auf Luftschadstoffe reagieren als Menschen,
sollte es auch für sie zu keinen relevanten Auswirkungen kommen. Relevante Versauerungen oder
Eutrophierungen durch Einträge von Schwefeldioxid oder Stickoxiden sollten durch die
Zusatzbelastungen nicht auftreten, so dass relevante Auswirkungen auf Pflanzen nicht zu erwarten
sind.
Für die Schutzgüter Mensch, Tiere und Pflanzen kann es aber möglicherweise zu relevanten
Auswirkungen kommen, wenn besonders enge Täler durchfahren werden. Dies kann aber nur im
Einzelfall mit genaueren Kenntnissen beispielsweise über die Örtlichkeiten und die
meteorologischen Verhältnisse etc. geprüft und bewertet werden.

Umweltbericht
33
4.1.3.
Lärm und Erschütterungen
Allgemeine Umweltauswirkungen durch Lärm und Erschütterungen
Durch den Einsatz von Geräten, Maschinen und Fahrzeugen auf Baustellen, beim Betrieb von
Anlagen und beim Erkunden sowie durch die Fahrten von Transportfahrzeugen wird Lärm
verursacht. Lärmemissionen werden insbesondere bei folgenden Projekten des NaPro
hervorgerufen:
Endlagererkundungen,
Einstellung des Betriebs von Erkundungsbergwerken,
Bau des Endlagers und
Bau von Gebäuden, wie Eingangs- oder Zwischenlagern.
Lärm betrifft Menschen im Wachen und Schlafen. Durch Lärm entsteht Stress und ein erhöhtes
Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ruhe und ungestörte Nachtruhe sind von hoher
gesundheitlicher Bedeutung. Empfindliche Tierarten reagieren auf Lärm ebenfalls durch Stress und
sie können durch Lärm in ihrer Kommunikation beeinträchtigt werden. Vögel spielen hinsichtlich
der Auswirkungen auf Lärm als Tiergruppe eine besondere Rolle, da sie akustisch kommunizieren
und Lärm sich bei vielen Arten negativ auf Bruterfolge, Nahrungsaufnahme, Schutz vor
Prädatoren, Rast und Fluchtverhalten auswirken /Garniel et al. 2007//Reijen et al 1995/. Die
tagaktive Lebensweise der Vögel und ihr Lebensraum oberhalb 1 m Höhe bewirken, dass sie als
Tiergruppe Lärm besonders ausgesetzt sind. Zugvögel reagieren intensiv auf Lärm, da sie
außerhalb Deutschlands bejagt werden und akustisch verbrämt werden. Darüber hinaus sind
Vögel als artenreiche Tiergruppe in allen Lebensräumen mit mehreren Spezies vertreten und
zahlreiche Arten dieser Tiergruppe sind nach Bundesartenschutzverordnung streng geschützt.
Erschütterungen werden insbesondere durch Rammarbeiten, beispielsweise beim Straßenbau
oder bei der Verbesserung des Baugrundes für die Errichtung von Gebäuden (z.B. Eingangslager,
Zwischenlager), und durch Sprengungen bei untertägigen Erkundungen sowie bei der Errichtung
des Endlagers verursacht. Sie können sich auf empfindliche Tierarten, auf Brutvögel, auf rastende
Zugvögel sowie auf Fledermäuse in ihren Quartieren nachteilig auswirken. Außerdem können sie
Gebäudeschäden verursachen.
Bewertungsrahmen der Umweltauswirkungen durch Lärm und Erschütterungen
Für eine allgemeine Bewertung der Auswirkungen von Lärm auf Menschen werden die
Immissionsricht- bzw. -grenzwerte der TA Lärm /TA Lärm/, der AVV-Baulärm /AVV-Baulärm/ oder
der 16. BImSchV /16. BImSchV/ herangezogen. Die Immissionsrichtwerte der TA Lärm betragen
beispielsweise:
für Kerngebiete, Dorfgebiete und Mischgebiete 60 dB(A) tags und 45 dB(A) nachts,
für allgemeine Wohngebiete und Kleinsiedlungsgebiete 55 dB(A) tags und 40 dB(A) nachts,
für reine Wohngebiete 50 dB(A) tags und 35 dB(A) nachts sowie
für Kurgebiete, Krankenhäuser und Pflegeanstalten 45 dB(A) tags und 35 dB(A) nachts.
Die o.g. Vorschriften bzw. Werte sind jedoch nicht auf den auf Menschen einwirkenden
Gesamtlärm sondern nur auf bestimmte Lärmquellen ausgerichtet: TA Lärm auf den Lärm von
industriellen und gewerblichen Anlagen, AVV Baulärm auf den Lärm von Baustellen, 16. BImSchV
auf den Lärm von neu zu genehmigenden Straßen und Schienenwegen. Nach Angaben des

Umweltbericht
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Interdisziplinären Arbeitskreises für Lärmwirkungsfragen beim Umweltbundesamt ist ein
ausreichender Schutz vor Straßenlärm erst bei einem Tagwert von ≤ 35 dB(A) gegeben /BMU
1998/. Vorsorgewerte können durch die unten genannten Abstände berücksichtigt werden.
Zur Bewertung der Auswirkungen von Lärm auf Vögel müssen die vorkommenden Vogelarten
bekannt sein, da ihre Lärmempfindlichkeit und damit die erforderlichen Abstände zur Lärmquelle
sehr unterschiedlich sind. Für Vögel wird daher in der SUP des NaPro kein Vorsorgewert
angesetzt. Die Betrachtung der Umweltauswirkungen auf Vögel erfolgt quantitativ in
Umweltverträglichkeitsprüfungen im Rahmen der Zulassungsverfahren für Projekte des NaPro.
Bei einer Bewertung von Lärm ist zwischen den Standorten/Baustellen und den Transportrouten zu
unterscheiden. Erfahrungen zur Umweltverträglichkeitsprüfung von Zwischenlagern für radioaktive
Abfälle zeigen, dass während der lautesten Bauphasen (z. B: Bodenaustausch, Bodenverdichtung,
Großbetonagen) nach bestimmten Abständen folgende Beurteilungs-/Mittelungspegel auftreten
können:
< 40 dB(A) ab einem Abstand von ca. 1,5 km,
< 45 dB(A) ab einem Abstand von ca. 950 m,
< 50 dB(A) ab einem Abstand von ca. 550 m.
Als Lärmminderungsmaßnahmen an Baustellen kommen grundsätzlich in Betracht:
Einsatz von Maschinen und Geräten mit Elektromotor,
Einsatz von lärmarmen Maschinen und Geräten entsprechend RAL-UZ 53 /RAL-UZ 53/,
Aufstellen von Lärmschutzwänden und Schallschutzzelten,
Aufschütten von Lärmschutzwällen,
Einsatz von Schallschirmen und –schürzen,
Kapselung von Baumaschinen,
Anwendung von Alternativen zum Rammen, z. B. Einvibrieren, Bohren und Vibrieren,
Einpressen.
Im Hinblick auf lärmempfindliche Tiere (z. B. Vögel) sind oben genannte Maßnahmen der
Minimierung ebenfalls wirksam. Zum Schutz von Brutvögeln können lärmintensive Tätigkeiten
zudem außerhalb der Brutzeiten erfolgen oder vor dem Nestbau aufgenommen werden, um
empfindlichen Arten ein Ausweichen vor der Brutzeit zu ermöglichen.
Für Transportrouten zeigen Erfahrungen zur Umweltverträglichkeitsprüfung von Zwischenlagern
für radioaktive Abfälle, dass bei 200 – 300 LKW-An- und Abfahrten pro Tag folgende Beurteilungs-
/Mittelungspegel in nachfolgend angegebenen Abständen zum Straßenrand auftreten können:
> 60 dB(A) bis zu einem Abstand von ca. 10 m,
> 55 dB(A) bis zu einem Abstand von ca. 30 m,
> 50 dB(A) bis zu einem Abstand von ca. 60 m,
> 45 dB(A) bis zu einem Abstand von ca. 100 m.

Umweltbericht
35
Eine Minimierung der Lärmbelastung kann erreicht werden, wenn Transporte nicht durch
Ortschaften oder entlang bewohnter Gebiete oder empfindlicher Nutzungen (z. B. Kurgebiete,
Krankenhäuser, Pflegeanstalten) geführt werden.
Für Vögel stellen die ersten 100 m vom Straßenrand einen Bereich mit drastisch reduzierter
Lebensraumeignung (signifikant reduzierten Reproduktionserfolg) dar /Garniel et al. 2007/. Für
lärmempfindliche Vogelarten kann der Bereich mit deutlich reduzierter Lebensraumeignung auch
bis zu 500 m betragen /Garniel et al. 2007/. Zur Bewertung der Auswirkungen von Lärm auf Vögel
entlang von Transportrouten müssen die vorkommenden Vogelarten bekannt sein, da ihre
Lärmempfindlichkeit und damit die erforderlichen Abstände zur Straße artspezifisch sehr
unterschiedlich sind. Daher erfolgt im Rahmen der SUP des NaPro keine quantitative Bewertung
der Auswirkungen von Lärm auf Vögel entlang von Transportrouten.
Zur Minimierung von Transportlärm kommen grundsätzlich folgende Maßnahmen in Betracht:
Verlegung von Transporten auf die Schiene,
Einhalten ausreichender Abstände zu Wohnbebauungen und Schutzgebieten,
Weiträumiges Umfahren von Brutgebieten geschützter oder lärmempfindlicher Vogelarten und
von Gebieten mit hohem Rast- und Zugvogelvorkommen,
Bau neuer Straßen mit sog. Flüsterasphalt,
falls vorhanden, Nutzung von Straßen mit sog. Flüsterasphalt,
Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen,
Aufziehen lärmarmer Reifen auf die Transportfahrzeuge.
Die Ausbreitung von Erschütterungen ist von der Art des Bodens, des Untergrundes, von
Grundwasserleitern etc. abhängig. Sie kann daher auf kleinstem Raum stark variieren. Für eine
Prognose ist die genaue Kenntnis des Untergrundes erforderlich.
Soweit Erschütterungen auf Menschen in Gebäuden einwirken, sind die Anforderungen in DIN
4150 Teil 2 "Erschütterungen im Bauwesen; Einwirkungen auf Menschen in Gebäuden" /DIN 4150-
2/ sowie in den LAI–Hinweisen zur Messung, Beurteilung und Verminderung von
Erschütterungseinwirkungen /LAI 2000/ konkretisiert. Bei Einhaltung der dort niedergelegten
Anforderungen und Anhaltswerte sollten relevante Auswirkungen auf Menschen in Wohnungen
und vergleichbar genutzten Räumen in der Regel nicht auftreten.
Erfahrungen aus Umweltverträglichkeitsprüfungen für Zwischenlager für radioaktive Abfälle
zeigten, dass Erschütterungen (beispielsweise bei der Erstellung von Rüttelstopfsäulen) nicht über
das Anlagengelände hinaus wirken. Relevante Auswirkungen auf Menschen sind daher beim Bau
von Gebäuden nicht zu erwarten.
Über die Auswirkungen von Erschütterungen auf Tiere liegen so gut wie keine genauen
Erkenntnisse vor. Lediglich über Fledermäuse ist bekannt, dass Erschütterungen, die durch
Baumaßnahmen, z.B. Rammen, und Sprengungen etc. hervorgerufen werden, direkte und
indirekte Auswirkungen haben können. Sie können in den Quartieren und dabei vor allem in den
Winterquartieren relevant werden. Problematisch sind insbesondere Erschütterungen, die zu

Umweltbericht
36
Störungen und Erwachen während der Winterruhe führen. Erschütterungen können auch durch
den Einsturz von Höhlenbereichen, Stollen und Spalten etc. oder zum Verschütten von Ein- bzw.
Ausgängen und damit zu partiellem oder völligem Habitatverlust und ggf. zu hohen
Individuenverlusten führen /BfN 2015/.
Eine Prüfung und Bewertung ist nur im Einzelfall mit genaueren Kenntnissen über die Reichweite
und Stärke der Erschütterungen sowie über die Lage und Art ggf. vorhandener
Fledermausquartiere möglich.
4.1.4. Direktstrahlung
Allgemeine Umweltauswirkungen durch Direktstrahlung
Beim Wirkfaktor Direktstrahlung wird die außerhalb der geplanten Anlagen während des regulären
Betriebs auf Menschen und Umwelt einwirkende Strahlung, die aus der Radioaktivität der Abfälle
resultiert, berücksichtigt. Hierbei sind Gamma- und Neutronenstrahlung zu betrachten. In
Lebewesen kann Gamma- und Neutronenstrahlung biologische Wirkungen verursachen. Eine
untere Schwelle für die schädliche Wirkung dieser Strahlung kann aus wissenschaftlicher Sicht
nicht angegeben werden. Für Strahlenschutzzwecke ist daher die Annahme üblich, dass keine
Wirkungsschwelle besteht und die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines Schadens linear von
der Höhe der Dosis abhängt.
Wirkungen durch Direktstrahlung sind auf Menschen sowie auf Tiere und Pflanzen möglich.
Andere Schutzgüter sind durch diese abgedeckt, da bei einer ausreichend niedrigen Dosis zum
Schutz des Menschen sowie von Tieren und Pflanzen keine nachteilige Beeinflussung von Boden,
Grund- und Oberflächenwasser, Luft oder Sachgütern möglich ist.
Bewertungsrahmen der Umweltauswirkungen durch Direktstrahlung
Für Einzelpersonen der Bevölkerung beträgt der Grenzwert der effektiven Dosis gemäß § 46 Abs.
1 StrlSchV 1 mSv/a durch Strahlenexpositionen aus Tätigkeiten nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 StrlSchV.
Mit der Umsetzung der Euratom-Grundnormen /Euratom 2014/ wird der Begriff der Tätigkeiten
weiter gefasst; der Dosisgrenzwert von 1 mSv/a wird aber beibehalten.
International ist es üblich, sogenannte De Minimis-Dosen deutlich unterhalb zugelassener
Grenzwerte zu definieren, bei deren Unterschreitung keine weiteren Betrachtungen und
Regulierungen erforderlich werden. Der StrlSchV sowie den Euratom-Grundnormen
/Euratom 2014/ liegt in Zusammenhang mit der Freigabe von Stoffen eine effektive Dosis
höchstens im Bereich von 10 μSv im Kalenderjahr als De Minimis-Dosis zugrunde.
Eine Reduzierung der Direktstrahlung kann durch Abschirmmaßnahmen erreicht werden, eine
zusätzliche Reduzierung der Dosis durch Abstand oder durch zeitliche Einschränkung des
Aufenthalts in der Nähe der Quelle.
Im Hinblick auf den Schutz von Tieren und Pflanzen sind als Maßstab zur Bewertung von
Strahlenexpositionen die unteren Werte der DCRL (derived consideration reference level) nach
ICRP 108 /ICRP 2008/ geeignet, die den Schutz von Populationen gewährleisten sollen. Die
Anwendung dieser Werte wird in /SSK 2013/ empfohlen.

Umweltbericht
37
4.1.5.
Emission radioaktiver Stoffe über den Wasserpfad (Ableitung)
Allgemeine Umweltauswirkungen durch Emission radioaktiver Stoffe über den Wasserpfad
Aus kerntechnischen Anlagen und Einrichtungen erfolgt in der Regel keine direkte Abgabe von
kontaminiertem Abwasser, sondern anfallende Wässer werden zunächst gesammelt und
analysiert. Nach Feststellung der Einhaltung festgelegter Ableitungswerte oder zulässiger
Konzentrationen an Radionukliden kann eine Ableitung in Oberflächengewässer erfolgen. Durch
die Nutzung entsprechender Oberflächenwasser ist eine Strahlenexposition von Menschen, Tieren
und Pflanzen möglich. Andere Schutzgüter sind durch eine ausreichend niedrige Dosis zum
Schutz des Menschen sowie von Tieren und Pflanzen abgedeckt, so dass dann keine nachteilige
Beeinflussung von Boden, Grund- und Oberflächenwasser, Luft oder Sachgütern gegeben ist.
Bewertungsrahmen der Umweltauswirkungen von Emissionen radioaktiver Stoffe über den
Wasserpfad
Für die Ableitung radioaktiver Stoffe mit dem Abwasser gelten für Einzelpersonen der Bevölkerung
die in § 47 StrlSchV genannten Grenzwerte, u. a. eine effektive Dosis von 0,3 mSv/a. Bei der
Planung von Anlagen ist die Strahlenexposition für eine Referenzperson an den ungünstigsten
Einwirkungsstellen zu ermitteln.
Da auch bei Unterschreitung der Dosisgrenzwerte Gesundheitsschäden bei Menschen und
Umweltauswirkungen nicht vollkommen ausgeschlossen werden können, ist eine Betrachtung
auch unterhalb der Dosisgrenzwerte erforderlich (siehe Kapitel 4.1.5). Im Hinblick auf den Schutz
von Tieren und Pflanzen besteht der gleiche Maßstab wie bei der Direktstrahlung (siehe Kapitel
4.1.4).
4.1.6.
Emission radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
Allgemeine Umweltauswirkungen durch Emission radioaktiver Stoffe über den Luftpfad
Sofern in einer Anlage oder Einrichtung mit offenen radioaktiven Stoffen umgegangen wird,
können diese luftgetragen vorliegen und mit der Abluft in die Umgebung gelangen. In Bereichen
mit höherer Raumluftaktivität können durch Absaugungen und Abluftführung über Filterstrecken
die Ableitungen reduziert werden. In der Umgebung ist eine Strahlenexposition von Menschen,
Tieren und Pflanzen möglich. Andere Schutzgüter sind durch diese abgedeckt, da bei einer zum
Schutz des Menschen sowie von Tieren und Pflanzen ausreichend niedrigen Dosis keine
nachteilige Beeinflussung von Boden, Grund- und Oberflächenwasser, Luft oder Sachgütern
möglich ist.
Bewertungsrahmen der Umweltauswirkungen von Emissionen radioaktiver Stoffe über den
Luftpfad
Für die Ableitung radioaktiver Stoffe mit der Abluft gelten für Einzelpersonen der Bevölkerung die
in § 47 StrlSchV genannten Grenzwerte, u. a. eine effektive Dosis von 0,3 mSv/a. Bei der Planung
von Anlagen ist die Strahlenexposition für eine Referenzperson an den ungünstigsten
Einwirkungsstellen zu ermitteln. Auch hier gelten die gleichen Bewertungsmaßstäbe wie für
Emissionen über den Wasserpfad (siehe Kapitel 4.1.4).

Umweltbericht
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4.1.7. Störfälle
Allgemeine Umweltauswirkungen durch Störfälle
Beim Umgang mit radioaktiven Stoffen können störfallbedingte Freisetzungen durch Einwirkungen
von innen (z. B. Gebindeabsturz, Absturz von Lasten, Brand, Leckagen), durch naturbedingte
Einwirkungen von außen (z. B. Erdbeben, Hochwasser) und durch zivilisatorisch bedingte
Einwirkungen von außen (z. B. Flugzeugabsturz, Gaswolkenexplosion) nicht grundsätzlich
ausgeschlossen werden. Im Rahmen der Zulassungsverfahren für Anlagen und Einrichtungen, in
denen radioaktive Stoffe gehandhabt werden, werden Störfallanalysen durchgeführt. Teilweise
können Störfälle durch entsprechende Auslegung ausgeschlossen werden. Darüber hinaus kann
gegebenenfalls die weitere Untersuchung von Störfällen deshalb unterbleiben, weil sie zu keinen
Freisetzungen radioaktiver Stoffe führen können. Für Störfälle, die zu Freisetzungen radioaktiver
Stoffe führen können, werden die maximal möglichen Freisetzungen abgeschätzt und auf dieser
Basis die radiologischen Folgen anhand des Kapitels 4 der Störfallberechnungsgrundlagen /SSK
2003/ ermittelt.
Der relative Anteil freigesetzter radioaktiver Stoffe des Inventars hängt von der Stärke der
mechanischen und/oder thermischen Einwirkung sowie von der Flüchtigkeit der Radionuklide ab.
Reduzierend auf mögliche störfallbedingte Freisetzungen von Radionukliden wirkt sich
insbesondere die Konditionierung von Abfällen, z. B. durch Einbindung in einer Betonmatrix, sowie
deren Verpackung aus. Insbesondere bei hoch radioaktiven Abfällen (z. B. bestrahlte
Brennelemente, Glaskokillen mit Abfällen aus der Wiederaufarbeitung von Brennelementen) wird
durch die Widerstandsfähigkeit der Transport- und Lagerbehälter gegen mechanische und
thermische Einwirkungen (z. B. Sturz eines Behälters auf ein festes Hindernis, Brand) die
störfallbedingte Freisetzbarkeit von radioaktiven Stoffen unterbunden.
Bewertungsrahmen der Umweltauswirkungen durch Störfälle
Als Störfallplanungswert für die effektive Dosis sind durch § 49 StrlSchV 50 mSv festgelegt. Der
Wert bezieht sich auf die Summe der Expositionen im Folgezeitraum nach Störfalleintritt bis zum
70. Lebensjahr der Referenzpersonen (Folgedosis). Die Störfallplanungswerte nach § 49 StrlSchV
sind auch auf Standortzwischenlager für bestrahlte Brennelemente und Endlager anzuwenden.
Nach § 50 StrlSchV werden Störfallplanungswerte für solche Entsorgungsanlagen und Tätigkeiten
im Einzelfall festgelegt, die einer Genehmigung nach § 7 Abs. 1 AtG oder § 6 AtG bedürfen, sowie
auf Tätigkeiten, die einer Genehmigung nach§ 9 AtG oder § 7 StrlSchV bedürfen, bei Tätigkeiten
nach § 7 StrlSchV nur soweit bestimmte Freigrenzen überschritten sind. Durch eine
Übergangsvorschrift (§ 117 Abs. 16 StrlSchV) sind bis zum Inkrafttreten detaillierterer Regelungen
als Störfallplanungswert auch in diesen Fällen 50 mSv effektive Dosis (Folgedosis) anzuwenden.
Da auch bei Unterschreitung der Störfallplanungswerte Gesundheitsschäden bei Menschen und
Umweltauswirkungen nicht ausgeschlossen sind, sollen zur Berücksichtigung des
vorsorgeorientierten Ansatzes dieser SUP Bewertungen auch dann vorgenommen, wenn der
Störfallplanungswert unterschritten ist.
4.2. Unspezifische Wirkfaktor
e
n
In diesem Kapitel werden Wirkfaktoren betrachtet, die aufgrund derzeit fehlender konkreter
Vorhabenplanungen nicht projektspezifisch darstellbar sind. Es wird unterschieden in:

Umweltbericht
39
unspezifische Wirkfaktoren von relevanter Bedeutung für die SUP und
unspezifische Wirkfaktoren von untergeordneter Bedeutung für die SUP.
Unspezifische Wirkfaktoren von relevanter Bedeutung für die SUP
In diesem Kapitel werden Wirkfaktoren betrachtet,
die aufgrund fehlender Vorhabenplanungen in den Maßnahmen und Projekten der SUP des
NaPro nicht quantifizierbar,
die jedoch als unspezifische Wirkfaktoren von relevanter Bedeutung für diese SUP sein können.
Die unspezifischen Wirkfaktoren von relevanter Bedeutung für diese SUP werden hinsichtlich ihrer
Umweltauswirkungen und deren Bewertung an dieser Stelle dargestellt. Die in diesem Kapitel
betrachteten Wirkfaktoren werden bei der Betrachtung der Wirkfaktoren einzelner Maßnahmen des
NaPro soweit möglich beschrieben, jedoch dort nicht weiter hinsichtlich ihrer Umweltauswirkungen
betrachtet und bewertet. Eine projektspezifische Betrachtung von Umweltauswirkungen der in
diesem Kapitel bewerteten Wirkfaktoren erfolgt in konkreten Zulassungsverfahren für einzelne
Maßnahmen und Projekte des NaPro anhand der dann vorliegenden Unterlagen zur Beschreibung
der Vorhaben.
Grundwasserabsenkung
Grundwasserabsenkungen erfolgen bei
baulichen
oder
bergbaulichen
Maßnahmen (Baugrube,
Abteufung von Schächten) in grundwasserführenden Bodenhorizonten oder geologischen
Schichten. Zur Trockenlegung wird das Grundwasser abgepumpt und anschließend in ein
Gewässer oder eine Regenwasserkanalisation eingeleitet oder vor Ort im Boden versickert.
Grundwasserabsenkungen bei
baulichen
Maßnahmen erfolgen in der Regel vorübergehend über
einen Zeitraum von nicht mehr als einem halben Jahr. Grundwasserabsenkungen von
bergbaulichen
Maßnahmen erfolgen beim Abteufen von Schächten vorübergehend über einige
Monate bis Abdichtungsarbeiten der Schächte von innen abgeschlossen sind.
Allgemeine Umweltauswirkungen durch Grundwasserabsenkung
Grundwasserabsenkungen können sich auf die Schutzgüter Grundwasser, Boden, Pflanzen, Tiere,
Biodiversität, Oberflächengewässer und Sachgüter auswirken. Die Auswirkungen sind neben der
Sensibilität der vorkommenden Schutzgüter abhängig von der Reichweite (Fläche und Tiefe des
Absenktrichters), der Schüttung, der Dauer der Grundwasserabsenkung und der sonstigen
Wasserversorgung der betroffenen Flächen.
Für das Schutzgut Wasser kann es durch Grundwasserabsenkung zur Verschlechterung des
mengenmäßigen und chemischen Zustands kommen. Dadurch kann die Funktions- und
Leistungsfähigkeit des Grundwassers als Bestandteil des Naturhaushalts und Lebensraum
beeinträchtigt werden. Oberflächengewässer können durch Grundwasserabsenkungen in ihrem
Wasserstand abgesenkt werden. Dies kann zur Beeinträchtigung von Uferbereichen mit ihrer
jeweils charakteristischen Flora und Fauna führen.
Eine Veränderung des Grundwasserhaushalts kann die Bodenfunktionen (z. B. als Lebensraum,
Filter und Puffer etc.) beeinträchtigen.

Umweltbericht
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Grundwasserabsenkungen können sich auf die Wasserverfügbarkeit für Pflanzen auswirken
(Dürreschäden, Absterben) und damit auch den Lebensraum für Tiere beeinträchtigen. Gravierend
wäre eine Betroffenheit von geschützten Tier- und Pflanzenarten nach BNatSchG, BArtSchV oder
EU-Recht und deren Lebensräumen bzw. besonders geschützten Biotopen und Schutzgebieten
mit grundwassersensiblen Lebensraumtypen.
Im Hinblick auf Sachgüter können Grundwasserabsenkungen land- und forstwirtschaftliche Erträge
mindern und Setzrisse an Gebäuden, Straßen und Kanalrohren verursachen.
Die Ableitung von gefördertem Grundwasser in ein Oberflächengewässer kann sich auf die
Qualität des Oberflächengewässers auswirken, wenn das einzuleitende Wasser z. B. durch
Schwebstoffe nicht der Gewässergüte des Oberflächengewässers entspricht.
Bewertungsrahmen der Umweltauswirkungen durch Grundwasserabsenkung
Folgende rechtliche und technische Normen, sind für die Bewertung der Wirkung von
Grundwasserabsenkungen maßgebend:
Gemäß § 6 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) /WHG 2014/ sind Gewässer nachhaltig mit dem Ziel
zu bewirtschaften, dass ihre Funktions- und Leistungsfähigkeit als Bestandteil des Naturhaushalts
und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen erhalten bleibt und verbessert wird.
Beeinträchtigungen von Landökosystemen und Feuchtgebieten sind zu vermeiden und
unvermeidbare, nicht nur geringfügige Beeinträchtigungen so weit wie möglich auszugleichen.
Gemäß § 9 WHG sind das Entnehmen, Zutagefördern, Zutageleiten und Ableiten von
Grundwasser Benutzungen eines Gewässers. Diese bedürfen nach § 8 WHG der Erlaubnis oder
Bewilligung. Die Erlaubnis ist nach § 12 WHG zu versagen, wenn schädliche, nicht vermeidbare
oder nicht ausgleichbare Gewässerveränderungen zu erwarten sind oder wenn andere
Anforderungen nach öffentlich-rechtlichen Vorschriften (z. B. Naturschutzrecht) nicht erfüllt
werden. Ausnahmen von der Bewilligung oder Erlaubnis bestehen nach § 46 WHG u. a. für das
Entnehmen, Zutagefördern, Zutageleiten oder Ableiten von Grundwasser in geringen Mengen zu
einem vorübergehenden Zweck. Im Landesrecht wird dies präzisiert: So bestehen beispielsweise
im Hessischen Wassergesetz /HWG 2010/ (§ 29) Ausnahmen von der Zulassungserfordernis bei
Grundwasserentnahmen, wenn die entwässerte Fläche 1.000 m
2
nicht überschreitet oder die
Entnahmemenge 3600 m
3
pro Jahr nicht übersteigt.
Über das Bewilligungs- und Erlaubniserfordernis des WHG und der damit verbundenen
Berücksichtigung öffentlich-rechtlicher Vorschriften sind die gesetzlichen Grundlagen zur
Berücksichtigung der Schutzgüter Boden, Pflanzen, Tiere, Biodiversität sowie Sachgüter verankert.
Dies beinhaltet
die Vorsorgepflicht nach § 7 Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG) gegen schädliche
Bodenveränderungen,
die Anforderungen des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) /BNatSchG 2013/ zur
Vermeidung und zum Ausgleich erheblicher Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft im
Sinne des § 13 BNatSchG,
die Verursacherpflichten nach § 15 BNatSchG zur Unterlassung vermeidbarer Eingriffe und zum
Ausgleich und Kompensation nicht vermeidbarer Eingriffe,
die Vorschriften nach § 44 BNatSchG für besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten
einschließlich der Ausnahmevoraussetzungen nach § 45 BNatSchG und

Umweltbericht
41
das Erfordernis des Nachweises der FFH-Verträglichkeit bei Betroffenheit von Natura 2000-
Gebieten durch Grundwasserabsenkung.
Im konkreten Fall der Bewertung einer Grundwasserabsenkung sind vor dem Hintergrund der
Gegebenheiten (geförderten Wassermenge, Ausmaß des Absenktrichters, Dauer des Eingriffs) die
qualitative und quantitative Betroffenheit der Schutzgüter unter Anwendung o.g. Rechtsnormen zu
bewerten.
Bei
baulichen
Grundwasserabsenkungen bestehen Vermeidungs- und Minimierungsmöglichkeiten
u.a. darin, dass Maßnahmen soweit wie möglich zeitlich begrenzt werden. Außerdem können
Entnahmemengen und Reichweite der Absenkung durch Kombinationen verschiedener
Absenktechniken minimiert oder gar vermieden werden (z. B. geschlossener Spundwandkasten).
Bergbauliche
Grundwasserabsenkungen, die durch das Abteufen von Schächten entstehen,
können durch Gefrier- und Injektionsverfahren vermieden oder weitgehend minimiert werden. Beim
Gefrierverfahren wird um den abzuteufenden Schachtbereich über Bohrungen ein geschlossenes
Rohrleitungssystem für ein Kältemittel eingebracht. Das Grundwasser im abzuteufenden Bereich
wird solange gefroren, bis der Schacht erstellt und im inneren durch zementartige Substanzen
abgedichtet ist. Beim Injektionsverfahren werden zementartige Stoffe in das Gestein um den
Schacht über Bohrungen injiziert. Der Bereich um den Schacht ist nach Abbinden der
Injektionsstoffe im Gestein wasserdicht /Sres 2009/, /DMT 2014/.
Abschließende Bewertung
Grundwasserabsenkungen sind potenziell relevante Umweltauswirkungen, die im
Genehmigungsverfahren des jeweiligen Vorhabens zu prüfen und zu minimieren sind. Die
Einleitung geförderten Grundwassers erfolgt als konventionelles Abwasser.
Konventionelles Abwasser
In verschiedenen Projekten des NaPro fällt Abwasser an, das über einen Vorfluter in ein
Fließgewässer eingeleitet wird. Bei
Bauvorhaben
fällt Abwasser bei vorübergehenden
Grundwasserabsenkungen an. Im
Bergbau
fällt Abwasser bei Grundwasserabsenkungen z. B.
zum Abteufen von Schächten an. Weiterhin fällt im Bergbau Drainagewasser an. Drainagewasser
dringt in durchteuften Schichten, die wasserführend sind, in ein Bergwerk ein, da eine Abdichtung
von untertägigen Hohlräumen nie vollständig dicht erfolgen kann und durch Alterung allmählich
ihre Wirkung verliert. Abdichtungsmaßnahmen müssen im Bergwerk stetig kontrolliert und ggf.
verbessert werden.
Während des
Betriebs von Anlagen und Bergwerken
fällt bei Reinigungsprozessen, der
Konditionierung von radioaktiven Abfällen, der Entwässerung von Halden sowie bei der
untertägigen Drainage (Drainagewasser) Abwasser an, das gesammelt und nach Klärung über
einen Vorfluter in ein Fließgewässer eingeleitet wird.
Aus dem Plan zur Stilllegung des Endlagers für radioaktive Abfälle Morsleben /BfS 2009a/ kann
man hinsichtlich der über den Wasserpfad abgeführten Art und Menge von Abwässern folgende
Informationen entnehmen: Schachtwässer werden in den Schächten gefasst, nach über Tage
gepumpt und über den Salzbach (Bartensleben) bzw. über die kommunale Regenwasser-
kanalisation (Marie) in die Aller geleitet. Im Schacht Bartensleben fallen Schachtwässer mit einer
langjährigen durchschnittlichen Zutrittsrate von ca. 3.000 m
3
/a an. Im Schacht Marie fallen
durchschnittlich ca. 8.000 m
3
/a an. Die Jahresmenge der auf den versiegelten Flächen der
Schachtanlage Bartensleben anfallenden Niederschlagswässer beträgt im Mittel ca. 20.000 m
3
bei

Umweltbericht
42
einem maximalen Aufkommen von ca. 1 m
3
/s (15 min Dauerregen). Die Stoffkonzentrationen
(Staub und andere Verschmutzungen) der von den versiegelten Flächen abgeleiteten
Niederschlagswässer sind sehr gering.
Allgemeine Umweltauswirkungen durch konventionelles Abwasser
Das Abwasser kann durch folgende konventionelle Schadstoffe verunreinigt sein: Schwebstoffe,
Schwermetalle, anorganische Verunreinigungen (z. B. Chloride, Nitrate, Sulfate) und organische
Verunreinigungen (z. B. Fäkalien, bakterielle Verunreinigungen, Nährstoffe, Kohlenwasserstoffe).
Abwasser wird vor einer Einleitung in ein Gewässer in entsprechenden Anlagen (Kläranlagen,
Absetzbecken und Fällungsanlagen) weitgehend gereinigt. Dennoch sind im eingeleiteten
Abwasser schädliche Verunreinigungen vorhanden, die sich unmittelbar auf das Schutzgut Wasser
und mittelbar auf die Schutzgüter Tiere, Pflanzen und Menschen, einschließlich der menschlichen
Gesundheit auswirken können. Verunreinigungen von Oberflächengewässern wirken sich auf die
biologische oder chemische Gewässergüte des betroffenen Gewässers aus. Der Mensch ist davon
mittelbar betroffen, da sich Veränderungen der chemischen oder biologischen Gewässergüte auf
die Nutzbarkeit des Wassers beispielsweise als Trinkwasser, Beregnungswasser oder
Badewasser auswirken. Veränderungen der Gewässergüte können sich beispielsweise durch
sauerstoffzehrende Prozesse im Wasser, veränderte Salzkonzentrationen oder toxische Stoffe auf
den Stoffwechsel von Pflanzen und Tieren auswirken und je nach Empfindlichkeit der betroffenen
Tier- oder Pflanzenarten die Lebensraumfunktion des Gewässers beeinträchtigen.
Bewertungsrahmen der Umweltauswirkungen durch konventionelles Abwasser
Die Anforderungen an die Abwasserbeseitigung und deren Bewertungsmaßstäbe regelt das
Wasserrecht. Abwasser ist gemäß § 55 WHG so zu beseitigen, dass das Wohl der Allgemeinheit
nicht beeinträchtigt wird. Hinsichtlich der Anforderungen ist zwischen Direkt- und Indirekteinleitung
zu unterscheiden.
Die unmittelbare Einleitung von Abwasser in Gewässer (Direkteinleitung) bedarf einer
wasserrechtlichen Erlaubnis. Die grundlegenden Anforderungen zur Erteilung der Erlaubnis sind in
§ 57 WHG niedergelegt. Danach darf eine Erlaubnis nur erteilt werden, wenn
1. die Menge und Schädlichkeit des Abwassers so gering gehalten wird, wie dies bei Einhaltung
der jeweils in Betracht kommenden Verfahren nach dem Stand der Technik möglich ist,
2. die Einleitung mit den Anforderungen an die Gewässereigenschaften und sonstigen rechtlichen
Anforderungen vereinbar ist und
3. Abwasseranlagen oder sonstige Einrichtungen eingerichtet und betrieben werden, die
erforderlich sind, um die Einhaltung der vorgenannten Anforderungen sicherzustellen.
Die nach dem Stand der Technik maßgeblichen Mindestanforderungen bei der Abwassereinleitung
werden für bestimmte Herkunftsbereiche durch die Abwasserverordnung (AbwV) /AbwV 1997/
konkretisiert. Die Maßnahmen des NaPro sind dem Herkunftsbereich der Entsorgung radioaktiver
Abfälle zuzuordnen. Für diesen Herkunftsbereich enthält die Abwasserverordnung keine explizite
Regelung. Der Stand der Technik muss damit unter Berücksichtigung der Anforderungen des
WHG und der Abwasserverordnung im Einzelfall bestimmt werden.
Soweit in den Anhängen der Abwasserverordnung nichts anderes bestimmt ist, gelten zunächst
die allgemeinen Anforderungen (§ 3 AbwV). Danach darf Abwasser in ein Gewässer nur eingeleitet
werden, wenn die Schadstofffracht so gering gehalten wird, wie dies nach Prüfung der

Umweltbericht
43
Verhältnisse im Einzelfall möglich ist: durch den Einsatz Wasser sparender Verfahren bei Wasch-
und Reinigungsvorgängen, die indirekte Kühlung, den Einsatz von schadstoffarmen Betriebs- und
Hilfsstoffen sowie die prozessintegrierte Rückführung von Stoffen. Der Verweis des AbwV auf den
Stand der Technik macht deutlich, dass das Abwasserrecht strengere Anforderungen als das
Bergrecht enthält, das lediglich auf die allgemein anerkannten Regeln der Sicherheitstechnik
verweist (vgl. § 55 Abs. 1 Nr. 3 BBergG).
Ergänzend sind die Kriterien der Anlage 1 des WHG zur Bestimmung des Standes der Technik
heranzuziehen. Dazu kommen für den Bereich der Entsorgung radioaktiver Abfälle die Kriterien
Einsatz weniger gefährlicher Stoffe (Nr. 2 der Anlage 1 WHG), vergleichbare, erfolgreich im Betrieb
erprobte Verfahren, Vorrichtungen und Betriebsmethoden (Nr. 4), Fortschritte in der Technologie
und in den wissenschaftlichen Erkenntnissen (Nr. 5), Art, Auswirkungen und Menge der jeweiligen
Emissionen (Nr. 6), etwaige Verlagerungseffekte auf andere Umweltmedien (Nr. 10) und die
Unfallvorsorge (Nr. 11) in Betracht.
Die Abwassereinleitung ist an den geltenden Anforderungen an die Gewässereigenschaften und
an den sonstigen rechtlichen Anforderungen zu messen. Dabei sind insbesondere die
Anforderungen an die Einleitung in Oberflächengewässer zu beachten.
Bei einer Einleitung in Oberflächengewässer sind die Bewirtschaftungsziele für oberirdische
Gewässer gemäß § 27 Abs. 1 WHG zu beachten. Danach sind oberirdische Gewässer
grundsätzlich so zu bewirtschaften, dass eine Verschlechterung ihres ökologischen und ihres
chemischen Zustands vermieden wird und ein guter ökologischer und ein guter chemischer
Zustand erhalten oder erreicht werden. Das Bewirtschaftungsziel beschreibt sowohl qualitative als
auch zeitliche Vorgaben für den jeweiligen Wasserkörper. Der ökologische Zustand wird vorrangig
über das Vorkommen gewässertypenspezifischer Organismengruppen (wirbellose Gewässertiere,
Fische, Wasserpflanzen) definiert. Einzelheiten dazu finden sich in der bundesrechtlichen
Oberflächengewässerverordnung (OGewV) /OGewV 2011/, den landesrechtlichen Vorschriften zur
Konkretisierung des WHG und der Landeswassergesetze sowie in den Maßnahmenprogrammen
für die einzelnen Flussgebietseinheiten. Von besonderer Bedeutung sind die in der OGewV
festgelegten Qualitätskomponenten und Kriterien zur Beurteilung des ökologischen und
chemischen Zustands (vgl. Anlagen 3 bis 7 der OGewV). Die landesrechtlichen Bestimmungen
sind weitgehend an diese Vorgaben angepasst worden.
Für das Einleiten von Abwasser in öffentliche oder private Abwasseranlagen (Indirekteinleitung)
gelten neben den Anforderungen des § 58 WHG auch landesrechtliche Anforderungen
(Abwasserregelungen in den Landeswassergesetzen einschließlich der auf dieser Grundlage
erlassenen Indirekteinleiterverordnungen der Länder).
Abschließende Bewertung
Die Einleitung von konventionellem Abwasser in ein Oberflächengewässer ist eine potenziell
relevante Umweltauswirkung, die im Genehmigungsverfahren des jeweiligen Vorhabens zu prüfen
und zu minimieren ist.
4.3. Unspezifische Wirkfaktoren von untergeordneter Bedeutung
In diesem Kapitel werden Wirkfaktoren abschließend behandelt,

Umweltbericht
44
die bei Maßnahmen und Projekten des NaPro – mit Ausnahme der Nachverschlussphase eines
Endlagers – häufig auftreten,
die jedoch für einzelne Maßnahmen und Projekte des NaPro aufgrund des übergreifenden
Charakters der SUP und derzeit fehlender Vorhabensplanungen nicht projektspezifisch
darstellbar sind und
die in ihrer Bedeutung für die hier durchzuführenden Umweltbewertungen der SUP insgesamt
vernachlässigbar sind.
Eine projektspezifische Betrachtung von Umweltauswirkungen der in diesem Kapitel bewerteten
Wirkfaktoren erfolgt in konkreten Genehmigungsverfahren für einzelne Maßnahmen und Projekte
des NaPro anhand der dann vorliegenden Unterlagen zur Beschreibung der Vorhaben.
Wassergefährdende Stoffe
Wassergefährdende Stoffe werden bei Betrieb, Wartung und Reparatur von Kraftfahrzeugen,
Maschinen, Anlagen und Transportbehältern gehandhabt. Der Einsatz von flüssigen
wassergefährdenden Stoffen wie z. B. Kühlflüssigkeiten, Öl- und Schmierstoffen, Kraftstoffen,
Reinigungsflüssigkeiten, Farben und Lacken erfolgt in unterschiedlicher Art und Menge auf
Baustellen zur Errichtung und zum Abbau von Anlagen, an Standorten der geologischen
Erkundung, während des Betriebs kerntechnischer Anlagen und in Bergwerken. Bei der Errichtung
von Anlagen und in Bergwerken können zudem große Mengen an festen wassergefährdenden
Stoffen wie z. B. Transportbeton und Mörtel gehandhabt und verbaut werden. Der Umgang und die
Lagerung von wassergefährdenden Stoffen sind im Hinblick auf technische Maßnahmen zum
Schutz von Boden und Grundwasser in länderspezifischen Verordnungen zum Umgang mit
wassergefährdenden Stoffen festgelegt. Bei Umsetzung dieser Vorgaben sind potenzielle
erhebliche Umweltauswirkungen auszuschließen. Das Risiko einer konventionellen Verunreinigung
von Grundwasser und Boden durch unfallbedingten Eintrag von wassergefährdenden Stoffen ist
grundsätzlich unterstellbar. Risikobewertungen unter Ableitung von Maßnahmen zur Vermeidung
und Minimierung von Risiken (z. B. Einsatz von Auffangwannen, Beschränkung der Stoffart und
Stoffmenge) sind Gegenstand der Genehmigungsverfahren der Projekte des NaPro. Die
Anforderungen an den Schutz von Grundwasser und Boden beim Einbau von Stoffen in
Bauprodukte sind in der EU-Bauprodukteverordnung Nr. 305/2011 /EU-BauprodukteV 2011/, dem
Bauproduktengesetz /BauPG 2012/, den jeweiligen Landesbauordnungen und dem
Zulassungsverfahren für Bauprodukte /DIBt 2011/ geregelt.
Die Entsorgung von wassergefährdenden Stoffen erfolgt nach den Vorschriften des
Kreislaufwirtschaftsgesetzes /KrWG 2013/ und seinen einschlägigen Verordnungen. In
kerntechnischen Anlagen können wassergefährdende Stoffe bei ihrem Einsatz als Betriebsmittel
radiologisch verunreinigt werden z. B. Öle, Reinigungsflüssigkeiten. Die Sammlung,
Konditionierung und Verpackung dieser wassergefährdenden Stoffe erfolgt als schwach
radioaktiver Abfall unter Einhaltung der Anforderungen des Atomgesetzes und der
Strahlenschutzverordnung. Die anfallenden Mengen an radioaktiven Abfällen durch den Einsatz
von wassergefährdenden Stoffen als Betriebsmittel und Reinigungsflüssigkeiten ist in Anlagen, in
denen nicht mit offenen radioaktiven Abfällen umgegangen wird, z. B. Zwischenlager oder
Endlager, gering und im Hinblick auf die Bewertung von Risiken Gegenstand des
Zulassungsverfahrens der jeweiligen Anlage oder Einrichtung. Auf dem hohen Abstraktionsgrad
der Planungen im NaPro und der SUP des NaPro ist der Umgang mit wassergefährdenden Stoffen
nicht als Ursache potenziell relevanter Umweltauswirkungen zu betrachten. Der Anfall von
flüssigen radioaktiven Abfällen bei Anlagen oder Einrichtungen, in denen mit offenen radioaktiven
Abfällen umgegangen wird, z. B. Konditionierungsanlagen, wird in Kapitel 5.1.5 betrachtet.

Umweltbericht
45
Konventionelle Abfälle
Bei allen Projekten des NaPro fallen konventionelle Abfälle an, die dem Regime des
Kreislaufwirtschaftsgesetzes /KrWG 2013/ unterliegen. Bei ihrer Erfassung, Lagerung am
Entstehungsort und Entsorgung sind die Vorschriften der Gewerbeabfallverordnung /GewAbfV
2012/, insbesondere hinsichtlich Getrennthaltung, ebenfalls zu beachten. Es kann davon
ausgegangen werden, dass folgende Abfallarten anfallen:
gewerbliche Siedlungsabfälle bei allen Projekten,
Bodenaushub bei der Errichtung von Gebäuden (Zwischenlager, Eingangslager, Sozialgebäude,
sonstige Gebäude, z.B. für die Konditionierung) und der Verlegung von Versorgungsleitungen,
Bau- und Abbruchabfälle (Baustellenmischabfälle, Bauschutt) bei Errichtung und Rückbau von
Gebäuden,
getrennt gehaltene Fraktionen, wie Holz, Eisen und Stahl, Kunststoffe, Glas, Kabel, Papier und
Pappe, bei allen Projekten,
Sonderabfälle, wie Farb- und Lackabfälle, Klebstoff- und Dichtungsmassen, Hydrauliköle,
insbesondere bei den Projekten im Rahmen der Standortauswahl und Endlagerung,
Zwischenlagerung bestrahlter Brennelemente und von Abfällen aus der Wiederaufarbeitung
sowie Entsorgung rückgeholter Abfälle aus der Schachtanlage Asse II,
Abraum bei Errichtung und Betrieb von Erkundungsbergwerken, beim Bau des Endlagers und
beim Betrieb des Endlagers, wenn er nicht unter Tage zur Verfüllung wieder eingesetzt wird.
Werden die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft (Abschnitt 2 KrWG) und der Abfallbeseitigung
(Abschnitt 3 KrWG) sowie die Vorschriften hinsichtlich Getrennthaltung und Lagerung am Ort der
Entstehung sowie der Rangfolge bei der Entsorgung (Vorbereitung zur Wiederverwendung,
Recycling, sonstige Verwertung, Beseitigung) beachtet, ist nicht zu erwarten, dass von den
anfallenden konventionellen Abfällen relevante Umweltauswirkungen ausgehen, selbst wenn der
Bodenaushub aufgrund von Vorbelastungen konventionelle Schadstoffe enthalten sollte oder der
Abraum belastet sein sollte. Dieses Abfallaufkommen ist von den Ländern bei ihrer
Abfallwirtschaftsplanung nach §§ 30 ff KrWG mit zu berücksichtigen.
Regenwasser auf Verkehrs- und Dachflächen
Die Ableitung von Regenwasser, das sich auf Verkehrs- und Dachflächen ansammelt, erfolgt
entweder über eine Regenwasserkanalisation ggf. mit vorheriger Klärung in den Vorfluter oder
über eine Versickerungsanlage für Regenwasser auf dem Anlagengelände. Das bei Projekten des
NaPro anfallende Regenwasser unterscheidet sich im Hinblick auf konventionelle
Verunreinigungen (z. B. Staub, Stickoxide, Schwefel) nicht von Regenwasser, das in Städten und
Industriegebieten anfällt. Auf Salzstaubimmissionen wird in Kapitel 4.1.2 eingegangen. Während
des bestimmungsgemäßen Betriebes von kerntechnischen Anlagen oder Einrichtungen, z. B.
Konditionierungsanlagen, kommt es zu radiologischen Ableitungen über den Luftpfad. Genehmigte
Ableitungen erfolgen über einen Kamin in großer Höhe, sodass Kontaminationen von
Regenwasser am Ort der Anlage oder Einrichtung ausgeschlossen werden können. Auf dem
hohen Abstraktionsgrad der SUP des NaPro ist abgeleitetes Regenwasser von Verkehrs- und
Dachflächen nicht als Ursache von Umweltauswirkungen zu berücksichtigen. Die Betrachtung von
radiologischen Immissionen durch Ableitungen über den Luft- und Wasserpfad sowie die
Betrachtung von Störfallrisiken erfolgt in den Kapiteln 4.1.4, 4.1.6 und 4.1.7.

Umweltbericht
46
Sanitärabwasser
Bei allen Projekten des NaPro fällt vor Ort
konventionelles Sanitärabwasser
an. Bei
vorübergehenden Baumaßnahmen und Projekten wie etwa der oberirdischen Erkundung eines
Endlagerstandortes würde Sanitärabwasser in mobilen Sanitäranlagen gesammelt und dann in
Kläranlagen entsorgt werden. In Anlagen (z. B.: Zwischenlager, Konditionierungsanlagen,
Erkundungsbergwerk, Endlager) ist immer von einem Anschluss des sanitären Leitungssystems
der Anlage an eine anlageninterne Kläranlage oder an eine öffentliche Kläranlage auszugehen.
Die Menge an Sanitärabwasser hängt von der Anzahl der Beschäftigten ab. Es kann davon
ausgegangen werden, dass im Vergleich zum Sanitärabwasseranfall aus konventionellen
Industriegebieten oder Städten die Entsorgungsmenge an konventionell verunreinigtem
Sanitärabwasser bei Projekten des NaPro hinsichtlich der SUP des NaPro nicht zu potenziell
relevanten Umweltauswirkungen führen.
Im Falle des Umgangs mit offenen radioaktiven Stoffen in kerntechnischen Anlagen oder
Einrichtungen (z. B. Konditionierungsanlage) kann ggf. eine anlageninterne Trennung von
Sanitärabwasser aus Kontrollbereichen
von Sanitärabwasser außerhalb von Kontrollbereichen
erfolgen. Eine Kontamination des Personals wird in kerntechnischen Anlagen oder Einrichtungen
durch Maßnahmen des Aktivitätseinschlusses und der Vermeidung von
Kontaminationsverschleppungen gemäß Anforderungen der Strahlenschutzverordnung /StrlSchV
2012/ vorgebeugt, so dass Verunreinigungen von Sanitärabwasser mit radioaktiven Stoffen durch
sich waschende Personen oder Fäkalien nicht auftreten. Unabhängig davon kann bei Bedarf
(Kontamination von Personen) vor einer Entsorgung von Sanitärabwasser aus Kontrollbereichen
durch radiologische Kontrollen und getrennte Entsorgung sichergestellt werden, dass potenziell
relevante Umweltauswirkungen durch ggf. mit radioaktiven Stoffen verunreinigte Sanitärabwasser
nicht zu besorgen sind. Im Rahmen der SUP des NaPro bestehen übergreifend keine potenziell
relevanten Umweltauswirkungen durch Sanitärabwasser aus Kontrollbereichen.
Lichtemissionen
Lichtimmissionen können sich auf Menschen störend auswirken. Wichtige Effekte sind Blendung
betroffener Menschen und Raumaufhellung von Wohn-, Schlaf-, Unterrichts-, und Arbeitsbereichen
in der Nachbarschaft von Lichtquellen. Die Auswirkungen auf Menschen reduzieren sich mit
zunehmender Entfernung zur Lichtquelle.
Lichtimmissionen betreffen beim Schutzgut Tiere insbesondere Insekten und Vögel. Insekten
werden angelockt und in ihrer nächtlichen Aktivität (Futter-/Partnersuche) beeinträchtigt. Dabei
können bei Insekten durch Verbrennen oder den Einschluss in Lichtquellen direkte
Individuenverluste auftreten. Indirekte Individuenverluste können bei Insekten dadurch auftreten,
dass diese im Rahmen ihrer nächtlichen Aktivität durch Verirren im Licht zu wenig Nahrung
aufnehmen oder als Geschlechtspartner nicht zueinander finden.
Vögel, insbesondere auch während des Vogelzuges, können durch Lichtquellen die Orientierung
verlieren. Durch Kollisionen mit Lichtquellen oder den Gebäuden an denen die Lichtquellen
installiert sind, können Individuenverluste auftreten. Die Beleuchtung von Brutplätzen, kann dazu
führen, dass die Brutplätze zur Brutzeit nicht mehr aufgesucht werden, oder, dass bereits
begonnene Bruten durch die Störwirkung des Lichtes aufgegeben werden. Dabei kann es zu
Brutverlusten kommen.
Grundlagen zur Beurteilung von Lichtimmissionen wurden durch die Bund/Länder-Arbeits-
gemeinschaft für Immissionsschutz /LAI 2012/ verabschiedet. Dort werden sowohl für die
Blendung als auch für Raumaufhellung Immissionsrichtwerte für unterschiedliche Gebietsarten (z.

Umweltbericht
47
B. Kurgebiete, Krankenhäuser, Wohngebiete, Erholungsgebiete, Dorfgebiete, Industriegebiete)
angegeben. Bei Einhaltung dieser Immissionsrichtwerte ist nicht von erheblichen Belästigungen für
Menschen im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes auszugehen.
Die Beurteilung von Auswirkungen von Licht auf Tiere – insbesondere Vögel und Insekten – ist
unter Kenntnis der betroffenen Tierarten, Populationen und vorhandenen Lebensräume
vorzunehmen. Dabei spielt insbesondere eine Rolle, ob von der Beleuchtung die Lebensräume für
besonders geschützte Arten nach Bundesartenschutzverordnung oder Natura 2000-Gebiete
betroffen wären. Bei der Bewertung der Wirkung von Lichtimmissionen sind sowohl bei Insekten
als auch bei Vögeln einzelne Verluste an Individuen hinnehmbar. Nicht hinnehmbar und als
erhebliche Umwelteinwirkung einzustufen wären Lichtimmissionen, die dazu führen, dass
Populationen – insbesondere besonders geschützter Arten – durch Verluste in ihrer Erhaltung
gefährdet wären. Allein durch Licht werden solche erheblichen Umweltauswirkungen bei den
Projekten des NaPro eher selten auftreten, da stets die Beleuchtung von Arbeits- und
Verkehrsflächen erzielt werden soll und weitreichende Lichteffekte nicht geplant sind. Jedoch in
Wechselwirkung mit anderen Einwirkungen, wie z. B. Luftschadstoffe und Lärm, können
Lichtimmissionen einen zusätzlichen Beitrag zur Beeinträchtigung von Populationen leisten.
Kerntechnische Anlagen werden aus Gründen der Sicherung (Vermeidung des Eindringens Dritter)
nachts intensiv beleuchtet. Die Anforderungen an die Sicherung der Anlagen überwiegen die
Anforderungen an den Schutz der Umwelt, da die Sicherung der Anlagen Freisetzungen
radioaktiver Stoffe in die Umwelt verhindert.
Zur Vermeidung potenziell erheblicher Umweltauswirkungen durch Licht existieren umfangreiche
Minimierungsmöglichkeiten durch eine geeignete Auswahl der auszuleuchtenden Bereiche, Anzahl
der Lichtquellen sowie ihre Neigung, Höhe, Abschattung und Beschränkung von Arbeiten auf die
Tageszeit. Die zur Vermeidung von Störwirkungen auf Menschen genannten
Minimierungsmaßnahmen für Lichtemissionen sind auch zum Schutz von Tieren anwendbar.
Darüber hinaus können Lichteffekte auf Insekten und Vögel durch geeignete Lichtspektren
(Natrium-Niederdrucklampen) und geschlossene Ausführung der Lampen (Vermeiden des
Eindringens von Insekten) erheblich reduziert werden. Zum Schutz von Vögeln ist die Beleuchtung
von Schlaf- und Brutplätzen zu vermeiden. Darüber hinaus ist bei potenzieller Betroffenheit von
Vögeln während des Vogelzugs insbesondere bei hohen Lichtquellen oder Lichtquellen, die
Rastplätze beleuchten, zu prüfen, ob diese vorübergehend abgeschaltet werden können.
Radonemissionen
Während jeglicher bergbaulicher Tätigkeit (z. B. untertägige Erkundung, Betrieb eines
Erkundungsbergwerkes und eines Endlagers, Verschluss eines Endlagers) gehen vom Bergwerk
selbst, von der Halde und vom geförderten Bergwasser Radonemissionen aus. Das radioaktive
Radon-222 entsteht aus der Zerfallsreihe des in Spurenanteilen im Gestein vorkommenden Uran-
238. In Granit- und Tongestein sind - bei hohen lokalen Schwankungen - höhere Spuren an Uran-
238 und seinen Zerfallsprodukten enthalten als in Salzgestein. Erhöhte Radonkonzentrationen
durch extreme Expositionen können das Risiko für Lungenkrebs erhöhen.
Von einer erhöhten Radonexposition sind vor allem Beschäftigte betroffen.
Minimierungsmöglichkeiten zur Radonbelastung für Beschäftigte bestehen z. B. durch
Verwendung geeigneter technischer Verfahren wie z. B. Nassbohren, leistungsstarke Belüftungen
und Arbeiten unter Atemschutz. Belastungen der Anwohner können im Grunde ausgeschlossen
werden. Messungen des Bundesamtes für Strahlenschutz /BfS 2009b/ zeigten zwar einen Einfluss
bergbaulicher Aktivitäten auf die Radonkonzentration der Freiluft in unmittelbarer Nähe zur Quelle
(Abwetterschächte von Bergwerken in Gebieten mit hohem Anteil an Uran-238 im Gestein). Es

Umweltbericht
48
kann jedoch davon ausgegangen werden, dass sich in unmittelbarer Nähe zu den
Abwetterschächten eines Bergwerks oder zur Halde keine Wohngebiete befinden.
Radonemissionen werden hinsichtlich der übergreifenden Betrachtungsweise des NaPro als nicht
potenziell relevante Umweltauswirkungen bewertet. Auswirkungen auf die Radonkonzentration der
Atmosphäre (Schutzgut Klima) sind aufgrund des schon vorhandenen hohen natürlichen Anteils an
Radon-222 auszuschließen.
5. Beschreibung und Bewertung der Umweltauswirkungen
5.1.
Standortauswahlverfahren und Endlagerung insbesondere der Wärme
entwickelnden Abfälle einschließlich der Brennelemente von Versuchs-,
Demonstrations- und Forschungsreaktoren
In diesem Kapitel werden die Umweltauswirkungen der Maßnahme „Standortauswahlverfahren
und Endlagerung insbesondere Wärme entwickelnder Abfälle“ betrachtet. Darin eingeschlossen ist
auch die Betrachtung einer Endlagerung der Brennelemente aus Versuchs-, Demonstrations-, und
Forschungsreaktoren in einem Endlager nach Standortauswahlgesetz. Die Betrachtung erfolgt
separat für folgende Projekte und Projektphasen:
Oberirdische Erkundung von Standorten für ein Endlager
Untertägige Erkundung von Standorten für ein Endlager
Überführung der Abfälle von den Zwischenlagerstandorten zum Endlagerstandort
Aufbewahrung der Abfälle im Eingangslager des Endlagers
Endlagergerechte Konditionierung am Endlagerstandort
Endlagerung insbesondere der Wärme entwickelnden Abfälle
Bei den Projekten werden jeweils die zeitlichen Phasen Errichtung, Betrieb und Stilllegung bzw.
Einstellung des Betriebes bei Erkundungsbergwerken berücksichtigt. Für das Projekt „Endlagerung
der Wärme entwickelnden Abfälle“ erfolgt eine separate Betrachtung der Phasen „Errichtung des
Endlagers“, „Einlagerungsbetrieb“, „Verschluss des Endlagers“ und die „Nachverschlussphase“ für
den Zeitraum nach Verschluss des Endlagers.
Innerhalb der einzelnen Kapitel zur Betrachtung der Umweltauswirkungen der o.g. Projekte erfolgt
zunächst eine Darstellung der Tätigkeiten am Standort. Anschließend werden die Wirkfaktoren
erläutert und die potenziellen Umweltauswirkungen beschrieben. Abschließend werden die
potenziellen Umweltauswirkungen bewertet und Maßnahmen der Vermeidung und Minimierung
dargestellt. Bei der Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen „häufiger projektspezifischer
Wirkfaktoren“ wird auf den in Kapitel 4.1 dargestellten Bewertungsrahmen zurückgegriffen.
5.1.1.
Oberirdische Erkundung von Standorten für ein Endlager
Bei der oberirdischen Erkundung werden alle geowissenschaftlichen und raumplanerischen
Informationen zum Standort zusammengetragen. Die oberirdische Erkundung ausgewerteter
internationaler Erkundungsprogramme erfolgt im Wesentlichen durch geophysikalische
Untersuchungen und Erkundungsbohrungen /Goldsworthy et al 2009/. Die Auffahrung eins
Bergwerkes erfolgt nicht. Auf Basis internationaler Erfahrungen zur Erkundung von
Endlagerstandorten wurde bei der Erarbeitung von Anforderungen an eine oberirdische Erkundung

Umweltbericht
49
für ein Auswahlverfahren in Deutschland festgestellt, dass hinsichtlich unterschiedlicher
Gesteinsformationen und –konfigurationen keine erheblichen Unterschiede im
Erkundungsaufwand bestehen /Goldsworthy et al 2009/. Am Standort sind folgende Arbeiten zu
erwarten:
Bei der Errichtung erfolgen die Installation von Infrastruktur (Straßenanbindung, Wasser- u.
Stromversorgung, Entsorgung) sowie die Flächenbefestigung für Bohrstellen, Einrichtung zur
Lagerung von Bohrspülung, techn. Einrichtungen sowie provisorische Behausungen und Wege.
Der Erkundungsbetrieb besteht insbesondere in der Durchführung von geologischen
Tiefenbohrungen sowie seismischen und hydrogeologischen Untersuchungen.
Nach Beendigung der Erkundungsarbeiten werden Erkundungsbohrungen nach dem Stand der
Technik verschlossen, alle technischen Geräte entfernt, der Erkundungsplatz wird zurückgebaut
und das Gelände wird renaturiert.
Bis zum Abschluss eines Auswahlverfahrens, das mehrere Jahre dauert, können technische
Einrichtungen am Standort, z. B. versiegelte Flächen, verbleiben.
Wirkfaktoren
Es wird davon ausgegangen, dass bei der oberirdischen Erkundung eines Standortes für ein
Endlager mehrere Tiefbohrungen durchgeführt werden /NAGRA TB 1001 2010/. Durch
Befestigung von Bohrplätzen und Zufahrtswegen erfolgt eine
Flächeninanspruchnahme
zwischen 10.000 und 40.000 m² /Thiele 2004/, /UBS 2012/, /NAGRA 2010/.
Durch Errichtung der Bohrplätze und technischen Anlagen sowie bei deren späterem Abbau nach
Ende der Erkundung entstehen beim Einsatz von LKW und Baumaschinen Emissionen von
Luftschadstoffen und Schall
, die in ihrem Ausmaß den Emissionen einer kleinen Baustelle
entsprechen. Der Bohrbetrieb führt insbesondere zu Schallemissionen in die Umgebung. Das
Ausmaß an KfZ-Bewegungen und damit verbundene Emissionen sind während der
Erkundungsarbeiten vernachlässigbar.
Während der oberirdischen Erkundung eines Endlagerstandortes bestehen durch den Bohrbetrieb
Risiken eines
Medieneintrags
, eines
Blow Out
und eines
hydraulischen Kurzschlusses.
Bei
Tiefbohrungen werden für unterschiedliche Zwecke (Austrag des Bohrkleins, Kühlung,
Schmierung) Bohrspülungen eingesetzt, die als Medien in das Grundwasser eingetragen werden
können. Bohrspülungen bestehen überwiegend aus Wasser mit verschiedenen Zusätzen
(Tonmineralien, Salz, Öle, Polymere, Tenside). Beim Einsatz von Bohrspülungen kann es
insbesondere bei zu geringem Druck der Bohrspülung zur Anreicherung von Gasen und Fluiden
aus dem Untergrund mit anschließender Expansion (Blow Out) kommen /Dannwolf et al. 2014/.
Durch ein nacheinander erfolgendes Anbohren von hydraulisch voneinander getrennten
Grundwasserleitern besteht das Risiko eines hydraulischen Kurzschlusses, bei dem ein Austausch
von Grundwasser zwischen zuvor voneinander getrennten Grundwasserleitern erfolgen würde.
Bei seismischen Messungen werden durch Fahrzeuge oder durch kleine Sprengsätze in
Bohrungen kurzeitig Schallwellen in den Untergrund geleitet. Resultierende
Schallpegel und
Erschütterungen
sind nur im direkten Umfeld wahrnehmbar und daher hinsichtlich Auswirkungen
auf Menschen und Tiere vor dem Hintergrund des übergreifenden Charakters der SUP
vernachlässigbar.
Hydrogeologische Erkundungen beinhalten im Wesentlichen den Bau von Grundwassermess-
stellen, Pumpversuche, die zur vorübergehenden
Grundwasserabsenkung
führen und ggf. den

Umweltbericht
50
Medieneintrag
in Form von Tracern in das Grundwasser. Grundwasserabsenkungen sind in
Kapitel 4.2 beschrieben. Grundwasserabsenkungen durch Pumpversuche erfolgen vorübergehend
für maximal einige Tage. Ziel ist nicht eine Trockenlegung sondern die Messung der Auswirkungen
auf den Grundwasserstand an korrespondierenden Grundwassermessstellen. Die Dauer, der
Betrag der Grundwasserabsenkung sowie die Menge an zurückzuleitenden Grundwasser sind
gering. Der Einsatz von Tracern erfolgt in geringer Menge und in Abstimmung mit den zuständigen
Wasserbehörden unter Anwendung der gesetzlichen Regelungen zum Schutz des Grundwassers.
Im Hinblick auf den übergreifenden Charakter der SUP bestehen keine potenziell relevanten
Umweltauswirkungen durch hydrogeologische Erkundungen.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Flächeninanspruchnahmen in der Größenordnung von 10.000 und 40.000 m² wirken sich auf die
Schutzgüter Boden, Tiere, Pflanzen und ggf. Lebensräume geschützter Arten sowie ihre
Brutstätten aus.
Von der Versiegelung eines Gewässers im Rahmen der oberirdischen Erkundung eines
Endlagerstandortes wird aufgrund des damit verbundenen Aufwandes zur Untergrundbefestigung
nicht ausgegangen.
Luftschadstoffe
Luftschadstoffemissionen, wie Feinstaub (PM
10
, PM
2,5
), Stickoxide und Schwefeloxide, werden
insbesondere durch den Betrieb von Geräten und Maschinen bei der Installation der Infrastruktur
sowie beim Rückbau und bei der Renaturierung verursacht. Diese Emissionen können auf
Menschen gesundheitsschädlich wirken sowie Tiere und Pflanzen schädigen oder beeinträchtigen.
Lärm
Schallemissionen werden insbesondere durch den Betrieb von Geräten und Maschinen bei der
Installation der Infrastruktur, beim Rückbau und bei der Renaturierung sowie durch die Bohrungen
verursacht. Lärm kann beim Menschen das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und
Tiere aus ihrem Lebensraum vertreiben.
Medieneintrag, Blow Out und hydraulischer Kurzschluss
Ein Eintrag von Medien in den Boden oder das Grundwasser während des Bohrbetriebes kann in
Abhängigkeit von den Eigenschaften des eingetragenen Stoffes und seiner Menge zur
Verunreinigung beider Schutzgüter führen.
Für den Einsatz von Bohrspülungen und die dabei zugesetzten chemischen Stoffe sind
Anforderungen im Regelwerk des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V. festgelegt.
Einschlägige Regeln zum Schutz des Grundwassers vor dem Eintrag von Bohrspülungen finden
sich in den DVGW Merkblättern 115 und 116 /DVGW 2008//DVGW 1998/. Darüber hinaus wird der
Eintrag von Bohrspülungen in das Grundwasser durch Verrohrungen der Bohrung vermieden. Zum
Schutz des Bodens und Grundwassers durch auf dem Bohrplatz gehandhabte Bohrspülung und
andere Fluide, werden Bohrplätze in Deutschland versiegelt /Schilling 2012/.
Als technische Maßnahme zur Vermeidung von unkontrollierten Druckentlastungen werden bei
Tiefbohrungen Blow-Out-Preventer eingesetzt. Blow-Out-Preventer ermöglichen durch Ventile das
gezielte und kontrollierte Entlasten von unter Druck stehenden Tiefbohrungen in Tanks /Uth 2012/.
Als technische Maßnahme zur Vermeidung von hydraulischen Kurzschlüssen werden
Tiefbohrungen verrohrt und zementiert.

Umweltbericht
51
Durch das Wasserhaushaltsgesetz /WHG 2012/ wird der Schutz des Grundwassers geregelt. In
§ 48 des WHG ist festgelegt, dass Maßnahmen wie beispielsweise das Einleiten von Stoffen in das
Grundwasser einer wasserrechtlichen Erlaubnis bedürfen. Diese wird nur dann erteilt, wenn eine
nachteilige Veränderung der Wasserbeschaffenheit nicht zu besorgen ist. Ergänzend dazu werden
bei Bohrungen die Anforderungen der Tiefbohrverordnungen und der Verordnungen zum Umgang
mit wassergefährdenden Stoffen durch die zuständigen Behörden des jeweiligen Bundeslandes, in
dem eine Bohrung durchgeführt wird, geprüft. Daher kann im Rahmen des hier vorzunehmenden
Untersuchungstiefgangs davon ausgegangen werden, dass Risiken wie etwa eines schädlichen
Eintrags von Bohrspülung in das Grundwasser, eines Blow-Outs und eines hydraulischen
Kurzschlusses als potenziell relevante Umweltauswirkungen nicht zu besorgen sind.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.1 dargestellt. Die Flächeninanspruchnahme zur
oberirdischen Erkundung eines Endlagerstandortes ist, sofern sie nicht auf Industrieflächen oder
anderen vorbelasteten oder weniger wertvollen Flächen erfolgt, als potenziell erhebliche
Umweltauswirkung einzustufen für die die Pflicht zum Ausgleich oder zur Kompensation besteht.
Da bei einer oberirdischen Erkundung eines Standortes der gesuchte einschlusswirksame
Gebirgsbereich in ausreichender Größe und Homogenität angetroffen werden muss, kann die
oberirdische Erkundung von verschiedenen Positionen aus erfolgen. Somit sind Nutzungskonflikte
mit menschlichen Ansiedlungen, Landwirtschaft oder Naturschutz weitgehend vermeidbar. Darüber
hinaus können Erkundungsbohrungen schräg durchgeführt werden /NAGRA TB0224 2002/. Im
Rahmen der SUP des NaPro kann davon ausgegangen werden, dass eine Erkundung in
Schutzgebieten oder auf Flächen mit besonders geschützten Tier- und Pflanzenarten vermieden
werden kann. Darüber hinaus bestünde nach Prüfung des Einzelfalles die Möglichkeit der
Umsiedlung von geschützten Tier- und Pflanzenarten.
Luftschadstoffe
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.2 dargestellt. Bei der oberirdischen Erkundung werden
luftschadstoffemittierende Maschinen, Geräte und Kraftfahrzeuge in einem Umfang eingesetzt, der
relevante Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen ab einer Entfernung von wenigen
100 m nicht mehr erwarten lässt. Innerhalb einer Entfernung von einigen 100 m zum
Erkundungsbetrieb können potenziell relevante Umweltauswirkungen bestehen.
Lärm
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.3 dargestellt. Bei der oberirdischen Erkundung werden
Maschinen, Geräte und Kraftfahrzeuge in einem Maß eingesetzt, das deutlich geringer ist, als
beispielsweise beim Bau eines Zwischenlagers. Werden keine Arbeiten in den Nachtstunden (20
Uhr bis 7 Uhr) durchgeführt, sollten bei der Installation der Infrastruktur sowie beim Rückbau und
bei der Renaturierung bereits ab einer Entfernung von einigen 100 m keine relevanten
Auswirkungen mehr auftreten. Bei Erkundungsbohrungen in Benken (Schweiz) /Macek 2001/
wurden die Lärmimmissionen des Bohrbetriebs – 60 dB(A) für den Tag und 50 dB(A) für die Nacht
– am nächstgelegenen Wohngebiet, das sich in einem Abstand von 700 m zur Bohrstelle befand,
unterschritten.
Hinsichtlich der Auswirkungen auf Tiere – hier Vögel – kann festgestellt werden, dass beim
Vorhandensein von lärmempfindlichen Vogelarten der erforderliche Abstand zur Bohrstelle im
Einzelfall zu prüfen ist. Durch Lärm können potenziell relevante Umweltauswirkungen innerhalb
eines Abstandes von einigen 100 m zur befestigten Erkundungsfläche bestehen, die im Rahmen

Umweltbericht
52
der praktischen Durchführung einer oberirdischen Erkundung vor dem Hintergrund der
standortspezifischen Gegebenheiten zu betrachten sind.
5.1.2.
Untertägige Erkundung mehrerer Standorte für ein Endlager
Die untertägige Erkundung besteht aus den Phasen „Errichtung eines Erkundungsbergwerkes“,
„Betrieb eines Erkundungsbergwerkes“ und „Einstellung des Betriebes eines Erkundungsberg-
werkes“. Die Einstellung des Betriebes eines Erkundungsbergwerkes würde nur dann erfolgen,
wenn der Standort nicht im Standortauswahlverfahren verbleibt bzw. nicht für die Errichtung eines
Endlagers ausgewählt wird oder das Erkundungsbergwerk nicht als Teil des Endlagerbergwerkes
genutzt wird. Bei Nutzung des Erkundungsbergwerkes als Teil des Endlagers würde der
Bergwerksbetrieb nach Durchführung eines entsprechenden Zulassungsverfahrens zur Errichtung
des Endlagers fortgeführt werden.
5.1.2.1. Errichtung eines Erkundungsbergwerkes
Bei der untertägigen Erkundung werden folgende Tätigkeiten am Standort durchgeführt:
Auffahren eines Bergwerkes
Errichtung von Gebäuden, Verkehrswegen, Tagesanlagen und Infrastrukturen
Anschluss des Standortes an die Versorgung mit Strom und Wasser
Aufhalden von Abraum zu einer Halde
Einleitung von Abwasser aus dem Bergwerk und aus der Haldenentwässerung in vorhandene
Vorfluter, Anschluss an das öffentliche Netz zur Abwasserentsorgung
Es wird davon ausgegangen, dass die Arbeiten zur Errichtung eines Endlagerbergwerks und zur
Erkundung des Standortes jeweils einige Jahre erfordern /NAGRA TB02-02 2002/.
Wirkfaktoren
Die
Flächeninanspruchnahme
für Tagesanlagen und Infrastrukturen eines
Erkundungsbergwerkes wird nach vorhandenen Ergebnissen zum Erkundungsbergwerk in
Gorleben /BfS 1990a/ mit 50.000 m² abgeschätzt. Darüber hinaus nimmt die Fläche zur Lagerung
des Abraums ca. 60.000 m² in Anspruch.
Durch den Betrieb der Baustelle am Standort (Baufahrzeuge und –maschinen) sowie durch den
LKW-Verkehr zur Anlieferung von Baumaterial und zur Entsorgung von Abraum werden
Lärm,
Luftschadstoffe und Staub emittiert
. Die Entsorgung des Ausbruchs kann auf einer eigens in
der Nähe des Endlagers angelegten oder bereits bestehenden Halde erfolgen. Endlagerkonzepte
der Schweiz gehen während der Auffahrung des Bergwerkes von einem Gesamtausbruch von
420.000 m³ (lose) aus, die über einen Zeitraum von fünf Jahren mit 30 LKW pro Tag (12 m³/LKW)
abtransportiert wird. Für die Errichtung der oberirdischen Anlagen und als Material zum Abstützen
des Bergwerkes würden 90.000 m³ Beton zum Standort mit sieben LKW pro Tag antransportiert
werden /NAGRA TB0202 2002/. Bei anderen Wirtsgesteinen variiert ggf. die Menge an
Ausbruchsmaterial und Beton.
Durch die Errichtung der für die untertägige Erkundung erforderlichen Anlagen sowie die
Aufhaldung entsteht
Raumwirkung
.
In Abhängigkeit von der hydrogeologischen Ausgangssituation des Standortes kann für die
Auffahrung des Bergwerks und das Durchteufen von Grundwasser führenden Schichten eine

Umweltbericht
53
Grundwasserabsenkung
erforderlich sein. Eine Grundwasserabsenkung kann vorübergehend bis
zur Abdichtung der Schächte erfolgen oder über längere Zeiträume. Endlagerkonzepte aus
Finnland gehen von Absenktiefen von 10 bis 60 m aus, die zu Absenktrichtern mit Radien von 0,5
bis 2 km führen /Posiva 1999/.
Gefördertes Wasser bei Grundwasserabsenkungen sowie Sickerwasser der Haldenentwässerung
werden wie anderes Brauchwasser, z. B. Wasser aus einer LKW-Reinigungsanlage, nach
vorheriger Behandlung (Klärung, Fällung, Absetzung) als
konventionelles Abwasser
in einen
Vorfluter eingeleitet. Den größten Beitrag nimmt das Wasser der Haldenentwässerung ein.
Während der Erkundung des Salzstocks in Gorleben bestand eine Genehmigung zur täglichen
Einleitung von 240 m³ salzhaltigem Überschusswasser in die Elbe.
Die Bewertung der Umweltauswirkungen durch
Grundwasserabsenkung
und Einleitung
geförderten Grundwassers als
konventionelles Abwasser
erfolgt im Kapitel 4.1.7, so dass diese
Wirkfaktoren nachfolgend nicht weiter projektspezifisch betrachtet werden.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Flächeninanspruchnahme in der Größenordnung von ca. 110.000 m² (Erkundungsbergwerk und
Halde) wirkt sich auf die Schutzgüter Boden, Tiere und Pflanzen aus. Es kann nicht
ausgeschlossen werden, dass von der Versiegelung ein Gewässer, geschützte Arten und ein
Schutzgebiet betroffen sind.
Raumwirkung
Die obertägigen Anlagen für ein Erkundungsbergwerk sind in ihrer räumlichen Erstreckung
vergleichbar mit einer mittleren Industrieanlage aber deutlich kleiner als der eigentliche
Endlagerstandort. Die Fördertürme, Kamine und ggf. Abraumhalden sind aufgrund ihrer Höhe die
am weitesten sichtbaren Anlagenbestandteile.
Raumwirkung verändert das Erscheinungsbild einer betroffenen Landschaft und kann ihre
Erholungsfunktion herabsetzen. Raumwirkung ist vom subjektiven Empfinden des Betrachters
abhängig, sie gewinnt bei hoher Anzahl an betroffenen Anwohnern oder Erholungssuchenden
zusätzliches Gewicht. Die Einsehbarkeit des Standorts ist insbesondere in touristisch geprägten
Regionen relevant.
Luftschadstoffe
Luftschadstoffemissionen, wie Feinstaub (PM
10
, PM
2,5
), Stickoxide und Schwefeloxide, werden wie
bei Baustellen insbesondere durch den Betrieb von Geräten und Maschinen bei der Errichtung von
Gebäuden und Verkehrswegen verursacht. Hinzu kommen die Fahrbewegungen zwischen
Bergwerk und Abraumhalde. Durch die Aufhaldung und windgetragenen Austrag von Feinmaterial
von der Haldenoberfläche können zusätzliche Emissionen entstehen. Diese Emissionen können
auf Menschen gesundheitsschädlich wirken sowie Tiere und Pflanzen schädigen oder
beeinträchtigen.
Lärm und Erschütterungen
Schallemissionen werden durch die gleichen Geräte, Maschinen und Transportfahrzeuge wie bei
den Emissionen von Luftschadstoffen verursacht. Zusätzlich können Schallemissionen und
Erschütterungen beim Sprengen von Gestein auftreten. Lärm kann beim Menschen das Risiko von
Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und Tiere aus ihrem Lebensraum vertreiben.
Erschütterungen können sich auf Menschen und Tiere ebenfalls negativ auswirken und Schäden
an Gebäuden verursachen.

Umweltbericht
54
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.1 dargestellt. Die Flächeninanspruchnahme von ca.
110.000 m² ist als potenziell erhebliche Umweltauswirkung zu bewerten.
Minimierungen von Auswirkungen sind bei der Standortauswahl für ein Erkundungsbergwerk und
der Planung der Bebauung am Standort (z. B. Lage der Halde, Straßenführung) möglich. Dabei
sind für eine Bebauung Schutzgebiete oder Lebensräume geschützter Arten zu vermeiden. Unter
Berücksichtigung artspezifischer ökologischer Ansprüche besteht ggf. auch die Möglichkeit der
Umsiedlung von geschützten Tier- und Pflanzenarten.
Raumwirkung
Die Raumwirkung eines Erkundungsbergwerks auf das Landschaftsbild ist eine potenziell
relevante Umweltauswirkung die sich über mehrere Jahre bis zum Abbau der obertägigen Anlagen
nach Abschluss des Erkundungsbetriebs erstreckt. Eine Bewertung der Raumwirkung kann nur
anhand bildlicher Darstellungen der geplanten Anlage in der Landschaft (Fotomontagen) unter
Berücksichtigung aller relevanten Blickrichtungen erfolgen.
Minimierungen von Auswirkungen auf das Landschaftsbild durch Raumwirkung eines
Erkundungsbergwerks zielen darauf ab, Sichtbeziehungen aus der Umgebung zu vermeiden oder
zu reduzieren. Dabei können das Relief der Landschaft einbezogen werden, Erdwälle angelegt
werden, Verschattungen der Anlage durch Wald erfolgen oder die Farbgestaltung der Gebäude
dem Landschaftsbild angepasst werden.
Bei der Festlegung des Standorts für die untertägige Erkundung sollte bereits die mögliche
Raumwirkung der obertägigen Endlageranlagen berücksichtigt werden, wenn die Option besteht,
dass diese am selben Standort entstehen könnten.
Luftschadstoffe
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.2 dargestellt. Als relevante Größe zur Bewertung der
Umweltauswirkungen durch Luftschadstoffe sind die Anzahl der Transporte pro Tag sowie die
Emissionen von Geräten und Maschinen auf der Baustelle zu betrachten. Bei der Auffahrung eines
Erkundungsbergwerks sind zwar insgesamt größere Mengen an Aushub und Baumaterial zu
bewegen als dies für die im Bewertungsrahmen als Anhaltspunkt verwendete Errichtung eines
Zwischenlagers der Fall ist, ihr Aufkommen streckt sich jedoch über einen größeren Zeitraum. Die
Anzahl der Transporte pro Tag liegt daher in einer ähnlichen Größenordnung oder fällt eventuell
sogar geringer aus. Der Betrieb von Geräten und Maschinen sowie der Transportverkehr zum Bau
von Gebäuden und Verkehrswegen sind ebenfalls geringer als beim Bau von Zwischenlagern.
Werden die Abraumhalden abgedeckt oder feucht gehalten, um Verwehungen zu minimieren, kann
insgesamt davon ausgegangen werden, dass bei einem Abstand zur nächstgelegenen
Wohnbebauung von 700 m keine relevanten Auswirkungen auf Menschen auftreten. Gleiches gilt
für den Abstand zum Lebensraum von Tieren, insbesondere geschützten Arten. Innerhalb eines
Abstandes von 700 m zum Vorhaben können potenziell relevante Umweltauswirkungen durch
Luftschadstoffe auf Menschen und Tiere bestehen.
Lärm und Erschütterungen
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.3 dargestellt. Für die Bewertung der Auswirkungen von
Lärm gelten hinsichtlich der Anzahl der Transporte pro Tag sowie hinsichtlich des oberirdischen
Betriebs von Geräten und Maschinen die oben unter „Luftschadstoffe“ ausgeführten
Betrachtungen. Beträgt der Abstand zur nächstgelegenen Wohnbebauung mehr als 700 m, sind
relevante Auswirkungen auf Menschen nicht zu erwarten. Lärm durch Sprengungen wird nur

Umweltbericht
55
sporadisch verursacht, so dass bei mehr als 700 m Abstand ebenfalls keine relevanten
Auswirkungen zu erwarten sind, es sei denn, die durch Sprengungen verursachten
Erschütterungen reichen weiter. Innerhalb eines Abstandes von 700 m zum Vorhaben können
potenziell relevante Umweltauswirkungen auf Menschen durch Lärm und Erschütterungen
bestehen.
Hinsichtlich der Auswirkungen auf Tiere – hier Vögel – kann festgestellt werden, dass beim
Vorhandensein von lärmempfindlichen Vogelarten der erforderliche Abstand zur Baustelle im
Einzelfall zu prüfen ist.
Eine Prüfung und Bewertung der Auswirkungen von Erschütterungen auf Fledermäuse ist nur im
Einzelfall mit genaueren Kenntnissen über die Reichweite und Stärke der Erschütterungen sowie
über die Lage und Art der Fledermausquartiere möglich.
5.1.2.2.
Betrieb eines Erkundungsbergwerkes
Wirkfaktoren
Während der Phase des Betriebs eines Erkundungsbergwerkes kommt es geringfügig zu
transportbedingten Emission von
Luftschadstoffen
vor allem durch Personentransporte des
Betriebspersonals und durch Materialtransporte zwischen Erkundungsbergwerk und Halde.
Außerdem sind Staubemissionen durch Verwehungen von Haldenmaterial möglich.
Relevante anlagenbedingte Emissionen von
Luftschadstoffen und Lärm
während der
Betriebsphase eines Erkundungsbergwerkes sind z. B. die Heizanlage, der Betrieb von Maschinen
über Tage und die Lüftungs-/Bewetterungsanlage.
Untertägige Sprengarbeiten können
Erschütterungen
bedingen.
Während der Betriebsphase eines Erkundungsbergwerkes kann es, je nach Endlagerkonzept,
notwendig sein, eine während der Errichtung des Endlagers möglicherweise durchgeführte
Grundwasserabsenkung
aufrecht zu halten. Endlagerkonzepte aus Finnland gehen von
Absenktiefen von 10 bis 60 m aus, die zu Absenktrichtern mit Radien von 0,5 bis 2 km führen
/Posiva 1999/.
Die Bewertung der Umweltauswirkungen durch
Grundwasserabsenkung
und Einleitung
geförderten Grundwassers als
konventionelles Abwasser
erfolgt im Kapitel 4.1.7, so dass diese
Wirkfaktoren nachfolgend nicht weiter projektspezifisch betrachtet werden.
Während des Betriebs des Erkundungsbergwerks fällt Drainagewasser an, das im Bereich
Grundwasser führender Schichten an Stellen in das Grubengebäude eindringt, die nicht vollständig
gegen das Grundwasser abgedichtet sind und noch nicht verfüllt sind. Für ein Endlager im
Tongestein in der Schweiz wurden in /NAGRA TB1301 2013/ anfallende Drainagewassermengen
abgeschätzt. Es wird vorsorglich davon ausgegangen, dass in einem Endlager nach
Standortauswahlgesetz eine Menge von 5 l/sec (ca. 63.000 m³ pro Jahr) Drainagewasser während
der Offenhaltung anfällt, zu Tage gefördert und dort nach ggf. erforderlicher Klärung in den
Vorfluter eingeleitet wird. Zum Vergleich: im Endlager Konrad fielen nach Angabe des Betreibers
/BfS 2015b/ im Jahr 2013 ca. 22 m
3
/d Grubenwässer an (ca. 8.000 m
3
pro Jahr), in
Gewinnungsbergwerken, wie z. B. dem ehemaligen Gewinnungsbergwerk Zeche Zollverein im
Ruhrgebiet ca. 13.000 m
3
pro Tag (ca. 4.800.000 m
3
/a) /RAG 2015/. Umweltauswirkungen durch
Drainagewasser wirken sich als
konventionelles Abwasser
aus, das in den Vorfluter abgeleitet

Umweltbericht
56
wird. Konventionelle Abwässer entstehen auch durch die Entwässerung der Halde während des
Erkundungsbetriebes.
Die Bewertung der Umweltauswirkungen durch
konventionelles Abwasser
erfolgt im Kapitel
4.1.7, so dass dieser Wirkfaktor nachfolgend nicht weiter projektspezifisch betrachtet wird.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Luftschadstoffe
Die emittierten Luftschadstoffe während des Betriebs eines Erkundungsbergwerks entsprechen
denen, die auch bei dessen Errichtung emittiert werden. Hinzu kommen die Emissionen der
Heizungsanlage. Diese Emissionen können auf Menschen gesundheitsschädlich wirken sowie
Tiere und Pflanzen schädigen oder beeinträchtigen.
Lärm‐ und Erschütterungen
Beim Betrieb des Erkundungsbergwerks werden Schallimmissionen vor allem durch
Transportfahrzeuge sowie oberirdisch betriebene Geräte und Maschinen verursacht. Zusätzlich
können Schallemissionen und Erschütterungen beim Sprengen auftreten. Lärm kann beim
Menschen das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und Tiere aus ihrem Lebensraum
vertreiben. Erschütterungen können sich auf Menschen und Tiere ebenfalls negativ auswirken und
Schäden an Gebäuden verursachen.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Luftschadstoffe
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.2 dargestellt. Beim Betrieb des Erkundungsbergwerks
werden die Emissionen pro Zeiteinheit deutlich geringer sein als bei seiner Errichtung, da
beispielsweise erheblich weniger Transporte vom Bergwerk zur Abraumhalde stattfinden.
Insgesamt kann daher davon ausgegangen werden, dass relevante Auswirkungen auf Menschen,
Tiere und Pflanzen weder entlang von Transportrouten noch in der Umgebung des Erkundungs-
bergwerks zu erwarten sind, wenn die Abraumhalden weiterhin abgedeckt oder feucht gehalten
werden.
Lärm und Erschütterungen
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.3 dargestellt. Beim Betrieb des Erkundungsbergwerks
wird der verursachte Lärm geringer sein als bei der Errichtung des Erkundungsbergwerks, da
höchstens vereinzelt Transporte vom Bergwerk zur Abraumhalde stattfinden und viele
lärmverursachende Tätigkeiten unter Tage stattfinden. Es kann daher davon ausgegangen
werden, dass weder am Standort noch entlang der Transportrouten relevante Auswirkungen durch
Lärm auf Menschen und Tiere verursacht werden.
Lärm durch Sprengungen wird nur sporadisch verursacht, so dass keine relevanten Auswirkungen
zu erwarten sind, es sei denn, die durch Sprengungen verursachten Erschütterungen reichen über
den Standort hinaus.
Die Bewertung der Umweltauswirkungen durch Erschütterungen hängt von der Betroffenheit der
Schutzgüter ab. Dabei sind die Abstände der nächsten Wohnbebauung bzw. anderer Schutzgüter
wie Tiere von der jeweiligen Erschütterungsquelle relevant. Eine Bewertung der entstehenden
potenziell relevanten Umweltauswirkungen ist unter Beachtung der vorhandenen Schutzgüter mit
den bestehenden gesetzlichen Regelungen als Bewertungsmaßstab möglich.

Umweltbericht
57
5.1.2.3.
Einstellung des Betriebes des Erkundungsbergwerkes
Die Einstellung des Betriebes zur untertägigen Erkundung des Standortes hat gemäß dem
Bundesberggesetz (BBergG) /BBergG 2013/ auf Basis eines Abschlussbetriebsplans zu erfolgen.
In dem Abschlussbetriebsplan sind die technische Durchführung und die zeitliche Planung der
beabsichtigten Betriebseinstellung darzustellen. Außerdem ist der Nachweis zur Einhaltung der im
BBergG genannten Voraussetzungen für die Einstellung des Betriebes zu erbringen. Darüber
hinaus sind Angaben über eine Beseitigung der betrieblichen Anlagen und Einrichtungen oder
über deren anderweitigen Verwendung erforderlich.
Mit der Einstellung des Betriebes des Erkundungsbergwerkes sind Arbeiten mit dem Ziel
durchzuführen, die durch die Erkundung entstandenen möglichen Gefahren zu beseitigen oder auf
ein vertretbares Restrisiko zu reduzieren sowie eine ökologisch weitgehend intakte und gemäß
BBergG wieder nutzbare Umwelt herzustellen.
Ein übliches Konzept für die Verwahrung von Bergwerken sieht deren Flutung vor. So erfolgt durch
Abschalten der Entwässerungspumpen die Flutung durch natürlichen Zulauf von Grundwasser in
das Bergwerk z. B. bei Bergwerken in Tonstein oder Granit. In Bergwerken, die zur Salzgewinnung
genutzt wurden, werden die Bergwerke mit gesättigter Salzlösung geflutet, um unerwünschte
Lösungsprozesse zu vermeiden. Im Vorfeld der Flutung werden wassergefährdende Stoffe wie
z. B. Öle, Fette und Chemikalien aus der Grube entfernt. Zur Vermeidung von Senkungen an der
Tagesoberfläche werden ebenfalls im Vorfeld der Flutung gebirgsmechanisch instabile Bereiche
bzw. Hohlräume mit geeigneten Versatzmaterialien verfüllt. Nach der Flutung erfolgt der
Verschluss der Schächte, der eine Belastung des Grundwassers durch z. B. salzhaltige Lösung
verhindert.
Folgende Tätigkeiten werden am Standort im Rahmen der Einstellung des Betriebes durchgeführt:
Untertage erfolgt der Rückbau der betrieblichen Einrichtungen und die Verfüllung aller
Hohlräume einschließlich der Schächte
Übertage erfolgt der Rückbau aller Gebäude und Halden sowie die Rekultivierung
Wirkfaktoren
Während der Betriebseinstellung wird Verfüllmaterial angeliefert, ggf. auf einer Halde gelagert
sowie am Standort aufbereitet und in die noch verbliebenen untertägigen Hohlräume eingebracht.
Darüber hinaus entstehen durch die Abbrucharbeiten und den Abtransport von Bauschutt und
Baustellenabfällen Emissionen von
Luftschadstoffen, Lärm
und
Erschütterungen
.
Ggf. anfallendes
konventionelles Abwasser
aus der Haldenentwässerung und aus untertägig
anfallendem Abwasser (Drainagewasser) reduziert sich im Vergleich zum Betrieb des
Erkundungsbergwerks durch den Abbau der Halde und wird daher nicht weiter betrachtet.
Die Landschaftsbildveränderung einschließlich Flächenentsiegelung der Einstellung des Betriebes
ist eine Renaturierung und Anpassung an das Gesamtlandschaftsbild. Es entstehen daraus keine
relevanten Umweltauswirkungen.
Durch die mit der Einstellung des Betriebs verbundene vollständige Verfüllung aller Hohlräume
werden
Setzungen der Tagesoberfläche
reduziert bzw. minimiert.

Umweltbericht
58
Während der untertägigen Rückbauarbeiten, der Verfüllung der Hohlräume und der
Verschlussmaßnahmen, z. B. beim Rückbau der Schachteinbauten, und der anschließenden
Errichtung der Schachtabschlussbauwerke wird eine
Grundwasserabsenkung
vorzunehmen
sein. Die Bewertung der Umweltauswirkungen durch
Grundwasserabsenkung
und Einleitung
geförderten Grundwassers als
konventionelles Abwasser
erfolgt im Kapitel 4.1.7, so dass diese
Wirkfaktoren nachfolgend nicht weiter projektspezifisch betrachtet werden.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Die Umweltauswirkungen der beschriebenen Wirkfaktoren sind in den vorangestellten Kapiteln zur
untertägigen Erkundung und zum Betrieb eines Erkundungsbergwerks beschrieben. Die
Einstellung des Erkundungsbetriebes führt quantitativ zu geringeren Auswirkungen als das
Auffahren des Erkundungsbergwerks. Bei der Einstellung des Betriebs des Erkundungsbergwerks
reduzieren sich jedoch allmählich die Umweltauswirkungen bis zur Renaturierung des Geländes.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Die beschriebenen Wirkfaktoren Luftschadstoffe und Lärm, Grundwasserabsenkung und
Abwasser, sind potenziell relevante Umweltauswirkungen der Einstellung des Betriebes des
Erkundungsbergwerks, deren Minimierung im Genehmigungsverfahren zu berücksichtigen ist.
5.1.3.
Überführung der Abfälle von den Zwischenlagerstandorten zum Endlagerstandort
Radioaktive Abfälle sind im verkehrsrechtlichen Sinne Gefahrgüter, von denen bei unsachgemäßer
Handhabung und bei Transportunfällen Gefahren ausgehen können. Insbesondere können
Personen, die sich funktionsbedingt oder zufällig im Nahbereich solcher Abfalltransporte aufhalten,
durch die von den radioaktiven Abfällen ausgehende und die Behälterwandung (Abschirmung)
durchdringende Reststrahlung exponiert werden. Weiterhin können Transportunfälle mit der
Möglichkeit einer Aktivitätsfreisetzung und einer daraus folgenden Strahlenexposition von
Personen und/oder unfallbedingten Umgebungskontaminationen nicht grundsätzlich
ausgeschlossen werden.
Zum Schutz vor den damit verbundenen Gefahren für die Allgemeinheit, insbesondere für Leben,
Gesundheit, Sachgüter und die Umwelt, ist die Beförderung radioaktiver Stoffe oder Abfälle nur
unter besonderen Schutz- und Vorsorgemaßnahmen zulässig /GRS 2010/.
Nach den für die sichere Beförderung radioaktiver Stoffe bzw. Abfälle maßgebenden
Sicherheitsbestimmungen (z. B. para. 301 SSR-6, /IAEA 2012/) sind Schutz und Sicherheit zu
optimieren, so dass die Höhe der Individualdosen, die Anzahl der exponierten Personen und die
Wahrscheinlichkeit potenzieller (unfallbedingter) Expositionen unter Berücksichtigung
wirtschaftlicher und sozialer Faktoren so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar gehalten werden
kann und die Personendosen unter den relevanten Dosisgrenzwerten liegen /GRS 2010/.
Die für die sichere Beförderung von radioaktiven Stoffen auf öffentlichen Verkehrswegen wichtigen
Regelungen sind in den Gefahrgutvorschriften des Gesetzes über die Beförderung gefährlicher
Güter (Gefahrgutbeförderungsgesetz - GGBefG) /GGBefG 2013/ und den aufgrund dieses
Gesetzes erlassenen Rechtsverordnungen festgelegt. Die Beförderung von Kernbrennstoffen und
hochradioaktiven Abfällen und Quellen bedarf zudem einer Beförderungsgenehmigung nach § 4
AtG bzw. § 16 StrlSchV für sonstige radioaktive Stoffe.

Umweltbericht
59
Radioaktive Stoffe können, je nach zu befördernder Aktivität der radioaktiven Stoffe, mit
unterschiedlichen Verpackungen und nach einem darauf abgestuften Sicherheitskonzept befördert
werden. Grundsätzlich kommen folgende Versandstücktypen in Betracht:
freigestelltes Versandstück,
Industrieversandstück Typ 1 (IP-1),
Industrieversandstück Typ 2 (IP-2),
Industrieversandstück Typ 3 (IP-3),
Typ A-Versandstück,
Typ B(U)-Versandstück,
Typ B(M)-Versandstück,
Typ C-Versandstück,
wobei die Aktivität der in den Versandstücken transportierten radioaktiven Stoffe entsprechend der
Liste in der Regel von oben nach unten zunimmt. Je nach Versandstücktyp ist die Menge der in
einem Versandstück zu befördernden Aktivität begrenzt, entweder über die Transportvorschriften
selbst oder, bei Typ B- und Typ C-Versandstücken, über deren Zulassung. Typ B- und Typ C-
Versandstücke zählen dabei zu den unfallfesten Versandstücken, sie müssen nach Bestehen
bestimmter, in den Transportvorschriften geregelter Prüfbedingungen vor Verwendung durch die
zuständige Behörde zugelassen werden. Daneben kennen die Transportvorschriften weitere
Prüfbedingungen für spezielle Verwendungen, z. B. zum Transport von UF
6
oder spaltbaren
Stoffen (ab IP-2).
Der Transport hochradioaktiver bzw. Wärme entwickelnder Abfälle ist ausschließlich mit
bauartgeprüften Behältern für die Verkehrsträger Straße, Eisenbahn, Binnen- und Seeschifffahrt
zulässig. Typ C-Versandstücke sind nur für den Lufttransport von radioaktiven Stoffen mit einem
hohen Aktivitätsinventar vorgesehen. Die bisherigen Transporte erfolgten bis auf wenige
Ausnahmen ausschließlich per Schiene. Lediglich das letzte Teilstück des Transportes erfolgt per
Straße, sofern kein direkter Schienenanschluss an das Zwischenlager besteht. Bisher wurden in
Deutschland etwa 130 Typ B Behälter mit bestrahlten Brennelementen aus Leistungsreaktoren
oder verglasten hochradioaktiven Spaltproduktlösungen aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich
über öffentliche Verkehrswege in zentrale Zwischenlager befördert. Bei der Überführung der
Abfälle ins Eingangslager eines Endlagers sind knapp 1400 Typ B Behälter zu transportieren
/NaPro2015/ sowie ggf. einige hundert Behälter mit Brennelementen aus Versuchs-,
Demonstrations- und Forschungsreaktoren, die deutlich geringere Abmessungen haben. Pro
Beförderungsvorgang können mehrere Behälter transportiert werden. Lediglich beim
Straßentransport von Großbehältern ist nur ein Gebinde pro LKW möglich.
Wirkfaktoren
Beim Transport Wärme entwickelnder radioaktiver Abfälle treten als konventionelle Wirkfaktoren im
Wesentlichen
Luftschadstoffe
sowie
Lärm und Erschütterung
auf /GRS 2008/. Im Rahmen der
vorliegenden generischen Betrachtungen der SUP ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Zahl
der Transporte Wärme entwickelnder Abfälle nur einige hundert Beförderungsvorgänge umfasst,
die zeitlich über mehrere Jahre gestaffelt erfolgen. Daher ergibt sich entlang des

Umweltbericht
60
Beförderungsweges – unabhängig vom Verkehrsträger – keine nennenswerte Erhöhung des
Transportaufkommens. Die genannten konventionellen Wirkfaktoren sind daher hier nicht weiter zu
betrachten.
Darüber hinaus muss der radiologische Wirkfaktor
Direktstrahlung
in Abhängigkeit der
Eigenschaften des zu transportierenden radioaktiven Stoffes sowie des verwendeten
Transportbehälters betrachtet werden. Die potenzielle Relevanz dieser Wirkfaktoren hängt dabei
primär von den gewählten Verkehrsträgern sowie der notwendigen Anzahl und Dauer der
Transporte ab.
Des Weiteren ist der Wirkfaktor
Direktstrahlung und Freisetzung radioaktiver Stoffe auf Grund
von Transportunfällen
im Hinblick auf die daraus resultierenden Strahlenexpositionen der
Bevölkerung zu betrachten.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Direktstrahlung
Der Wirkfaktor „Direktstrahlung“ ist in einem Untersuchungsraum von wenigen hundert Metern um
die Transportrouten sowie die Zufahrtswege und Tagesanlagen eines Endlagers relevant. Die aus
der Direktstrahlung resultierende Dosis ist von der Aktivität und Nuklidzusammensetzung der
Quellen abhängig und kann gemäß ALARA-Prinzip durch Vergrößerung des Abstandes,
Verstärkung der Abschirmung und/oder Reduzierung der Aufenthaltszeit minimiert werden. Für
Personen der Bevölkerung ist die Exposition durch Direktstrahlung auf den Aufenthalt entlang der
Transportstrecke und der Dauer der Vorbeifahrt an der Person begrenzt. Durch ausreichenden
Abstand und Abschirmung können daher Auswirkungen auf die Menschen und die Umwelt
reduziert bzw. vermieden werden /GRS 2008/.
Direktstrahlung und Freisetzung radioaktiver Stoffe auf Grund von Transportunfällen
Bei den für die Beförderung Wärme entwickelnder Abfälle zu verwendenden unfallfesten Behältern
ist im Rahmen des Zulassungsverfahrens nachzuweisen, dass es selbst bei den in den Transport-
vorschriften festgelegten Prüfkriterien nicht zur Überschreitung der zulässigen Grenzwerte der
Strahlenexposition durch Freisetzung radioaktiver Stoffe kommt. Dabei werden verschiedene
Unfallszenarien und Folgebeanspruchungen unterstellt. Eine äußere Exposition durch
Direktstrahlung für Personen der Bevölkerung durch Gamma- und Neutronenstrahlung kann durch
Zutrittsverhinderung zum Unfallort vermieden werden und wird daher nur für mit der Bergung
beschäftigte Personen betrachtet.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Direktstrahlung
Für die Direktstrahlung infolge von Transporten gelten die bereits heute festgelegten Grenzwerte
für Ortsdosisleistungen an der Gebindeoberfläche. Durch wechselnde Transportrouten und
reduzierte Standzeiten während der Transporte kann die Strahlenexposition für Anwohner
minimiert werden. Transporte mit radioaktivem Gefahrgut erfolgen seit langem unter Einhaltung
der Grenzwerte und des Minimierungsgebotes, so dass potenziell relevante Auswirkungen auf die
menschliche Gesundheit nicht zu erwarten sind /GRS 2008/.
Direktstrahlung und Freisetzung radioaktiver Stoffe auf Grund von Transportunfällen
Für die nach einem nicht ausschließbaren Unfall mit der Bergung Beschäftigten kann durch
Nutzung von Dosisleistungsmessgeräten und direkt ablesbaren Personendosimetern sichergestellt
werden, dass die Exposition durch Direktstrahlung der Behälter nicht die gemäß

Umweltbericht
61
Strahlenschutzverordnung zulässigen Grenzwerte für Einzelpersonen der Bevölkerung
überschreitet. Da solche Transportunfälle außerdem eher unwahrscheinlich sind, sind im Rahmen
der Betrachtungen der SUP potenziell relevante Auswirkungen nicht zu berücksichtigen.
5.1.4.
Aufbewahrung der Abfälle im Eingangslager des Endlagers
Das Eingangslager an einem Standort für ein Endlager nach Standortauswahlgesetz dient der
zeitlichen Pufferung der in Transport- und Lagerbehältern angelieferten bestrahlten Brennelemente
und der Abfälle aus der Wiederaufarbeitung. Damit wird die Voraussetzung geschaffen, mit der
Räumung der bestehenden Zwischenlager zu beginnen. Des Weiteren sollen diese Abfälle am
Endlagerstandort endlagergerecht konditioniert und in geeignete Endlagerbehälter verpackt
werden. Je nach Endlagerkonzept könnten als Endlagerbehälter gegebenenfalls die Transport-
und Lagerbehälter genutzt werden. Das NaPro sieht die Genehmigung des Eingangslagers mit der
ersten Teilgenehmigung für das Endlager vor /NaPro 2015/. Es wird davon ausgegangen, dass
das Eingangslager etwa 500 Stellplätze für Transport- und Lagerbehälter mit bestrahlten
Brennelementen und Abfällen aus der Wiederaufarbeitung besitzt, die eine gestaffelte Auslagerung
aus den Zwischenlagern ermöglichen. Folgende Tätigkeiten erfolgen am Standort:
Die Errichtung beinhaltet den Bau des Eingangslagers, inklusive Wartungsgebäude, und einer
Straße zur Umfahrung und Infrastrukturanbindungen an den Endlagerstandort über einen
angenommenen Zeitraum von zwei bis drei Jahren.
Während des Betriebs werden Transportbehälter angenommen, in das Eingangslager
eingelagert und sukzessive innerbetrieblich zur Konditionierungsanlage gebracht. Annahme,
Einlagerung und Auslagerung von Transportbehälter erfolgen mit radiologischen Kontrollen
(Dosisleistungsmessung, Wischtests) und Kontrollen der Behälter auf Dichtheit und äußere
Beschädigungen. Sofern erforderlich, können in einer Behälterwartungsstation äußere
Reparaturen durchgeführt werden (z. B. Tragzapfenwechsel, Aufschweißen eines Fügedeckels,
Wechsel des Sekundärdeckels).
Nach Beendigung des Betriebs des Eingangslagers kann das Gebäude, nach entsprechenden
Prüfungen, aus der atomrechtlichen Aufsicht entlassen und kann anschließend konventionell
zurückgebaut oder anderweitig genutzt werden. Es ist nicht mit radioaktiven Kontaminationen
oder Aktivierungen der Bauteile zu rechnen, die als radioaktiver Abfall zu entsorgen wären.
Daher würde ein Rückbau in etwa zwei Jahren realisierbar sein.
Wirkfaktoren
Die
Flächeninanspruchnahme
wird in Analogieschluss zur Größe des Transportbehälterlagers in
Ahaus und der Standortzwischenlager /BfS 2015a/ auf etwa 10.000 m² abgeschätzt, von denen
etwa Dreiviertel auf die Fläche des Lagergebäudes und ein Viertel auf Flächen für Zuwegungen
und andere Infrastruktur entfallen.
Durch eine geschätzte Gebäudehöhe von 20 m und eine Gebäudelänge von gut 200 m entsteht
Raumwirkung
.
Emissionen von
Luftschadstoffen und Schall
entstehen während der Errichtung und während
eines Abrisses des Eingangslagers durch LKW-Verkehr und Baumaschinen. Aus Erkenntnissen
zur Errichtung der Standortzwischenlager /BfS 2015a/ wird das LKW-Aufkommen während der

Umweltbericht
62
Bauphase mit 20-40 LKW pro Tag abgeschätzt. In Spitzenzeiten ist kurzfristig mit einem
Tagesaufkommen von 125 LKW zu rechnen. Während des Betriebs des Eingangslagers werden
bei Ein- und Auslagervorgängen Förderfahrzeuge und der Hallenkran betrieben. Die damit
verbundenen Luftschadstoff- und Schallemissionen sind vor dem Hintergrund des übergreifenden
Charakters der SUP des NaPro nicht relevant.
In Abhängigkeit vom Standort ist ggf. eine zeitlich auf einige Monate begrenzte
Grundwasserabsenkung
während der Gründungsarbeiten für das Zwischenlagergebäude zu
berücksichtigen. Eine lokale Absenkung des Grundwasserspiegels von maximal einigen Metern
kann in Abhängigkeit von den hydrologischen Bedingungen am Standort einen Absenktrichter mit
einer Reichweite von wenigen Metern bis wenigen hundert Metern um die Baugrube erzeugen.
Die Einleitung geförderten Grundwassers als
konventionelles Abwasser
würde in ein nahe
gelegenes Fließgewässer oder in die Regenwasserkanalisation oder als Versickerung vor Ort
erfolgen.
Die Bewertung der Umweltauswirkungen durch
Grundwasserabsenkung
und Einleitung
geförderten Grundwassers als
konventionelles Abwasser
erfolgt im Kapitel 4.1.7, so dass diese
Wirkfaktoren nachfolgend nicht weiter projektspezifisch betrachtet werden.
Während des Betriebes des Eingangslagers entsteht
Wärmeeintrag
in den Untergrund, der zur
Erwärmung des Bodens um das Eingangslager herum und zur Erwärmung des Grundwassers
führt. Für die Standortzwischenlager in Deutschland wurden Erwärmungen des Bodens neben den
Gebäuden von einigen K (ca. 5 K) und Erwärmungen des Grundwassers von bis zu 15 K
prognostiziert /BfS 2015a/. Der durch ein Eingangslager eines Endlagers für Wärme entwickelnde
Abfälle erfolgende Wärmeeintrag in den Boden und das Grundwasser wird, da das Eingangslager
wesentlich mehr Behälterstellplätze besitzt als ein Standortzwischenlager, einen größeren
räumlichen Bereich betreffen. Andererseits ist die pro Behälter zu berücksichtigende
Wärmeleistung auf Grund des Abklingverhaltens des radioaktiven Inventars geringer als zum
Zeitpunkt der Genehmigung der Standortzwischenlager.
Der Betrieb des Eingangslagers führt zur Emission von
Direktstrahlung
(Gamma- und
Neutronenstrahlung). Die Lagerung und Verwendung sonstiger radioaktiver Stoffe (z. B.
Prüfstrahler) ist im Hinblick auf Direktstrahlung nicht relevant.
Durch z.B. Behälterwartung während des Betriebs fallen flüssige und feste radioaktive Reststoffe
an. Basierend auf Genehmigungswerten bestehender Zwischenlager kann davon ausgegangen
werden, dass nach der Freimessung aller anfallenden radioaktiven Reststoffe jährlich bis etwa
200 l flüssiger
radioaktiver Betriebsabfall
und 50 kg fester
radioaktiver Betriebsabfall
anfallen
können.
Der Betrieb des Eingangslagers ist nicht mit der
Emission radioaktiver Stoffe über den Luftpfad
(Ableitung)
von radioaktiven Stoffen verbunden, da die Transportbehälter über zwei
Deckeldichtungen technisch dicht sind und im Eingangslager nicht geöffnet werden. Sofern eine
der Deckeldichtungen versagt, kann diese erneuert oder ein Fügedeckel aufgeschweißt werden.
Der Betrieb des Eingangslagers beinhaltet Risiken durch mögliche
Störfälle
.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Flächeninanspruchnahme in der Größenordnung von 10.000 m² führt zum Verlust der
Bodenfunktion sowie des Lebensraumes für Tiere und Pflanzen auf der Fläche. Es kann nicht

Umweltbericht
63
ausgeschlossen werden, dass von der Versiegelung ein Gewässer, geschützte Arten oder ein
Schutzgebiet betroffen sind.
Raumwirkung
Das Gebäude des Eingangslagers gehört zum Ensemble des Endlagers. Raumwirkungen des
Endlagerstandortes werden in Kapitel 5.1.6.1 betrachtet.
Luftschadstoffe
Bei der Errichtung und beim Rückbau des Eingangslagers werden Luftschadstoffe, wie Feinstaub
(PM
10
, PM
2,5
), Stickoxide und Schwefeloxide auf der Baustelle sowie entlang der Transportrouten
emittiert. Diese Emissionen können auf Menschen gesundheitsschädlich wirken sowie Tiere und
Pflanzen schädigen oder beeinträchtigen.
Lärm und Erschütterungen
Lärm wird bei der Errichtung und beim Rückbau des Eingangslagers auf der Baustelle sowie
entlang der Transportrouten verursacht. Lärm ist bezüglich seiner Wirkung auf Menschen und
Tiere zu berücksichtigen. Erschütterungen können bei der Baugrundverbesserung beispielsweise
bei der Herstellung von Rüttelstopfsäulen auftreten und sich auf Menschen und Tiere negativ
auswirken sowie Schäden an Gebäuden verursachen.
Wärmeeintrag
Die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Bodens sind durch eine Erwärmung um
einige K nicht beeinträchtigt. Ein Wärmeeintrag in den Boden unterhalb des Eingangslagers und
um das Eingangslager herum wirkt sich auf die Lebensraumfunktion des Bodens aus.
Bodenorganismen, deren Temperaturtoleranz überschritten wird, können diesen Lebensraum nicht
nutzen.
Dem Wärmeeintrag in das Grundwasser wirken der Einfluss des Klimas und die Durchmischung
des Grundwassers entgegen. Die Erwärmung des Grundwassers wirkt sich auf folgende
Eigenschaften des Grundwassers aus: Viskosität, Sauerstofflöslichkeit, Karbonatausfällung, pH-
Wert, Mobilisierung von organischen Molekülen und Schwermetallen sowie Zusammensetzung der
Lebensgemeinschaften /Griebler et. al 2014/. Eine Erwärmung des Grundwassers um 10 K führt
zu einer Verdoppelung bzw. Verdreifachung der Geschwindigkeit der physiologischen Vorgänge in
Mikroorganismen /RIT 1977/. Veränderungen des Stoffwechsels der Mikroorganismen
wechselwirken mit Einflüssen der Erwärmung des Grundwassers auf seine physikalischen und
chemischen Eigenschaften.
Direktstrahlung
Das Eingangslager ist an einem Standort für ein Endlager für Wärme entwickelnde Abfälle
zunächst der größte Emittent von Direktstrahlung.
Radioaktiver Betriebsabfall
Die Menge des während der Betriebszeit des Eingangslagers anfallenden radioaktiven
Betriebsabfalls ist im Vergleich zum radioaktiven Abfall der Konditionierungsanlage gering. Es ist
davon auszugehen, dass am Standort eine zentrale Behandlung der anfallenden radioaktiven
Betriebsabfälle erfolgt, die überwiegend im Rahmen der Konditionierung anfallen. Die
Umweltauswirkungen durch am Standort anfallende radioaktive Abfälle werden daher in Kapitel
5.1.5 betrachtet.
Störfälle
Die Auslegung des Eingangslagers gegen Einwirkungen von innen und Einwirkungen von außen
ist Gegenstand der Nachweisführung und Prüfungen im konkreten Genehmigungsverfahren.

Umweltbericht
64
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.1 dargestellt. Die Flächeninanspruchnahme von etwa
10.000 m² ist als potenziell erhebliche Umweltauswirkung zu bewerten. Es besteht die Pflicht zur
Kompensation und zum Ausgleich.
Möglichkeiten der Minimierung des Eingriffs insbesondere im Hinblick auf geschützte Arten und
Schutzgebiete bestehen vor allem bei der Auswahl des gesamten Standortes für die obertägigen
Anlagen eines Endlagers einschließlich des Eingangslagers.
Luftschadstoffe
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.2 dargestellt. Die Errichtung des Eingangslagers ist
hinsichtlich der möglichen Auswirkungen direkt vergleichbar mit dem Bau von Zwischenlagern.
Das aufgrund der Größe insgesamt höhere Transportaufkommen relativiert sich durch die längere
Bauzeit.
Ab einem Abstand von einem Kilometer sind durch die Zusatzbelastungen des Baustellenbetriebs
keine potenziell relevanten Auswirkungen auf Menschen und Schutzgebiete zu erwarten, wenn
Minimierungsmöglichkeiten, z. B. Einsatz von Maschinen und Geräten mit Elektromotor und
Befeuchtung staubender Güter beim Be- und Entladen, genutzt werden und keine empfindlichen
Nutzungen, z. B. Krankenhäuser, vorhanden sind.
Werden Ortschaften umfahren und führt die Route nicht durch besonders enge Täler sind durch
die Zusatzbelastung durch Transporte selbst in Spitzenzeiten ebenfalls keine potenziell relevanten
Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen zu erwarten.
Innerhalb eines Abstandes von 1 km zum Vorhaben und an Transportrouten des vorhabens-
bedingten Verkehrs können potenziell relevante Umweltauswirkungen bestehen, die im Rahmen
der UVP des Vorhabens zu betrachten sind.
Lärm und Erschütterungen
Die Errichtung des Eingangslagers ist hinsichtlich der möglichen Auswirkungen direkt vergleichbar
mit dem Bau von Zwischenlagern. Das aufgrund der Größe insgesamt höhere
Transportaufkommen relativiert sich durch die längere Bauzeit.
Entsprechend den Ausführungen zum Bewertungsrahmen in Kapitel 4.1.3 können Auswirkungen
auf den Menschen insbesondere in einem Abstand von weniger als 1 km als potenziell relevante
Umweltauswirkungen zu berücksichtigen sein.
Erschütterungen, beispielsweise bei der Erstellung von Rüttelstopfsäulen, reichen nicht über das
Anlagengelände hinaus, so dass keine relevante Auswirkungen auf Menschen und Tiere zu
erwarten sind.
Werden Ortschaften umfahren und werden die Transporte in mehr als 100 m Abstand zu
bewohnten Gebieten oder empfindlichen Nutzungen (z. B. Kurgebiete, Krankenhäuser,
Pflegeanstalten) geführt, sind relevante Auswirkungen auf Menschen generell nicht zu erwarten.
Die potenziell relevanten Umweltauswirkungen sind in einer projektspezifischen UVP des
Vorhabens konkret zu ermitteln und im Hinblick auf mögliche Minimierungen zu betrachten.
Wärmeeintrag
Die Erwärmung des Bodens um das Eingangslager wirkt sich auf die Lebensraumfunktion des
Bodens aus. Ein Wärmeeintrag in den Boden wird durch den Einfluss der jahreszeitlich

Umweltbericht
65
schwankenden Lufttemperatur abgeschwächt. Über eine Ausgleichsmaßnahme zur
Flächeninanspruchnahme sind durch den Bau des Eingangslagers hervorgerufene
Lebensraumverluste des Bodens bereits berücksichtigt. Der Boden um das Eingangslager und
seiner voraussichtlich vorhandenen Umfahrung ist am Ende der Baumaßnahmen anthropogen
überformt, sodass eine Erwärmung des Bodens - unter der Voraussetzung, dass diese nur im
Bereich von einigen K liegt - im Rahmen der SUP des NaPro als nicht potenziell relevante
Umweltauswirkung zu bewerten ist.
Temperaturschwankungen des Grundwassers um 10 K innerhalb des Temperaturbereichs von 6
bis 16°C führen nicht zu Veränderungen der chemischen Wasserqualität /Possermiers et al 2014/.
/Griebler et. al. 2014/ gehen davon aus, dass Temperaturerhöhungen um etwa 4 K zu signifikanten
Veränderungen der Ökosystemfunktionen des Grundwassers führen. Als Bagatellschwelle für eine
Erwärmung des Grundwassers ist nach derzeitigem Stand der Wissenschaft 4 K anzusetzen.
Es kann nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, dass der durch das Eingangslager induzierte
Wärmeeintrag in das Grundwasser 4 K überschreitet. Daher können potenziell relevante
Umweltauswirkungen durch Wärmeeintrag nicht ausgeschlossen werden. Es könnten Maßnahmen
der Minimierung z. B. durch den Einbau von wärmeisolierenden Schichten in die Bodenplatte des
Eingangslagers erforderlich werden. Darüber hinaus könnten die Stellflächen der Behälter im
Eingangslager so ausgeführt werden, dass darunter Luft zirkuliert, sodass ein direkter
Wärmeeintrag in den Untergrund nicht erfolgt.
Direktstrahlung
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.4 dargestellt. Die Emission der Direktstrahlung des
Eingangslagers wird durch messtechnische Überprüfung kontrolliert. Die Grenzwerte der
Strahlenschutzverordnung sind einzuhalten.
Konkrete Maßnahmen der Minimierung im Hinblick auf reale Aufenthaltszeiten von als nicht
strahlenexponiert eingestuften Personen am Standort des Endlagers und von Personen im
öffentlich zugänglichen Bereich könnten realisiert werden. Im Rahmen der SUP des NaPro wird die
Direktstrahlung des Eingangslagers als potenziell relevante Umweltauswirkung bewertet.
Störfälle
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.7 dargestellt. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens
sind diese potenziell relevanten Umweltauswirkungen auf Basis einer Störfallanalyse zu
betrachten.
5.1.5.
Endlagergerechte Konditionierung am Endlagerstandort
Vor der Einlagerung in einem Endlager nach Standortauswahlgesetz müssen die Wärme
entwickelnden Abfälle in einer großtechnischen Anlage mit entsprechendem Durchsatz behandelt
und/oder umgepackt werden.
Die bestehende Pilot-Konditionierungsanlage Gorleben (PKA) mit einem geplanten Durchsatz von
35 Mg SM pro Jahr wurde errichtet, um die Konditionierung von bestrahlten Brennelementen und
Wärme entwickelnden Abfällen für die Endlagerung zu erproben und zu demonstrieren. Die Anlage
war für die Instandhaltung und Servicefunktion für Transport- und Lagerbehälter (Annahme und
Reparatur eines schadhaften Behälters) vorgesehen /BMUB 2014/. Vor dem Hintergrund der durch
das Standortauswahlgesetz definierten Randbedingungen müssen die Konzepte zur
Konditionierung und Einlagerung in Abhängigkeit von der künftigen Endlagerformation ggf. teils
angepasst oder neu entwickelt werden. Folgende Tätigkeiten erfolgen an einem Endlagerstandort:

Umweltbericht
66
Die Errichtung der Konditionierungsanlage beinhaltet den Bau des Gebäudes und die
Herstellung der Infrastrukturanbindungen an den Endlagerstandort über einen angenommenen
Zeitraum von 2 bis 3 Jahren.
Während des Betriebs werden die Transport- und Lagerbehälter sukzessive aus dem
Eingangslager entnommen und in einer heißen Zelle der Konditionierungsanlage fernbedient
geöffnet. Die Brennelemente können zerlegt werden, um eine dichtere Packung im
Endlagerbehälter zu ermöglichen. Die Annahme der Transport- und Lagerbehälter und die
Abgabe der Endlagerbehälter für eine Einlagerung ist mit radiologischen Kontrollen
(Dosisleistungsmessung, Wischtests) und Kontrollen der Behälter auf Dichtheit und äußere
Beschädigungen verbunden.
Hinsichtlich der Stilllegung der Konditionierungsanlage gelten die zum Eingangslager
gemachten Ausführungen entsprechend. Dabei sind allerdings radioaktive Kontaminationen und
ggf. auch Aktivierungen von Bauteilen nicht auszuschließen, die als radioaktive Abfälle zu
entsorgen wären. Daher würde ein Rückbau ähnlich wie der Rückbau anderer kerntechnischer
Anlagen einige Jahre in Anspruch nehmen.
Wirkfaktoren
Das Gebäude hat etwa folgende Maße: 125 m (Länge), 70 m (mittlere Breite) und 20 m (Höhe)
und damit eine
Flächeninanspruchnahme
von etwa 8.750 m² /NUKEM 1984/.
Durch eine geschätzte Gebäudehöhe von 20 m und eine Gebäudelänge von 125 m entsteht
Raumwirkung
.
Emissionen von
Luftschadstoff- und Lärm
entstehen während der Errichtung und während eines
Abrisses des Eingangslagers durch LKW-Verkehr und Baumaschinen. Aus Erkenntnissen zur
Errichtung von Standortzwischenlagern /BfS 2015a/ wird das LKW-Aufkommen während der
Bauphase mit 20-40 LKW pro Tag abgeschätzt. In Spitzenzeiten ist kurzfristig mit einem
Tagesaufkommen von 125 LKW zu rechnen. Während des Betriebs der Konditionierungsanlage
werden zum Behältertransport Förderfahrzeuge sowie Hallenkräne betrieben. Die damit
verbundenen Luftschadstoff- und Schallemissionen sind im Kontext der übergeordneten
Betrachtungen in der SUP nicht relevant.
Eine Konditionierungsanlage wird einige Meter unter Geländeoberkannte (ca. 10 m) gegründet
/NUKEM 1984/, so dass während der Gründungsarbeiten von einer
Grundwasserabsenkung
am
Standort auszugehen ist. Die Grundwasserabsenkung würde vorübergehend über einige Monate
erfolgen. Eine lokale Absenkung des Grundwasserspiegels von maximal einigen Metern kann in
Abhängigkeit von den hydrologischen Bedingungen am Standort einen Absenktrichter mit einer
Reichweite von wenigen Metern bis einigen hundert Metern um die Baugrube erzeugen.
Die Einleitung geförderten Grundwassers als
konventionelles Abwasser
würde in ein nahe
gelegenes Fließgewässer oder in die Regenwasserkanalisation oder als Versickerung vor Ort
erfolgen.
Die Bewertung der Umweltauswirkungen durch
Grundwasserabsenkung
und Einleitung
geförderten Grundwassers als
konventionelles Abwasser
erfolgt im Kapitel 4.1.7, so dass diese
Wirkfaktoren nachfolgend nicht weiter projektspezifisch betrachtet werden.
Der Betrieb der Konditionierungsanlage führt zur Emission von
Direktstrahlung
(Gamma- und
Neutronenstrahlung). Die Lagerung und Verwendung sonstiger radioaktiver Stoffe (z. B.
Prüfstrahler und radioaktive Betriebsabfälle) ist im Hinblick auf Direktstrahlung nicht relevant.

Umweltbericht
67
Während des Konditionierungsbetriebes fallen
radioaktive Betriebsabfälle
an. Dabei handelt es
sich um Wischtücher, Putzlappen, Schutzkleidung, Filtereinsätze der Lüftungs- und Abgasanlagen,
Teile der Komponentenverschrottung und zementierte flüssige Abfälle /NUKEM 1984/. Diese
Abfälle werden verpackt, konditioniert und bis zu ihrer Endlagerung zwischengelagert. Hinzu
kommen auch Abfälle aus der Transportabfertigung im Eingangslager. Bei einem Rückbau der
Konditionierungsanlage fallen im Vergleich zu den insgesamt anfallenden Baumassen geringe
Mengen an radioaktiven Abfällen bei der Dekontamination an, die einer Endlagerung zuzuführen
sind. Im Vergleich zur Gesamtmenge der im NaPro betrachteten Menge an radioaktiven Abfällen
ist die Menge der am Endlagerstandort und nachfolgendem Rückbau anfallenden radioaktiven
Abfälle gering, so dass eine weitere Betrachtung von Umweltauswirkungen nicht erfolgt.
Durch den Betrieb einer Konditionierungsanlage kommt es zur
Emission radioaktiver Stoffe über
den Luftpfad (Ableitung)
. In /NUKEM 1984/ wurden Emissionen aus einer Konditionierungs-
anlage für bestrahlte Brennelemente abgeschätzt, wobei von einem Durchsatz von
1.311 Brennelementen im Jahr und einer Defektrate von 1 % der Stäbe ausgegangen wurde. Eine
Zerlegung von Stäben wurde nicht unterstellt. Es wurde unter den genannten Bedingungen
folgende Ableitungen in die Umgebungsluft abgeschätzt:
Nuklid Inventar [Bq/a]
H-3 2,6E11
Cobalt-60 7,7E6
Nikel-63 1,9E6
Krypton-85 9,3E13
Iod-129 9,8E5
Cäsium-137 2,7E6
Plutonium-239 9,3E3
Die Kapazität der in /NUKEM 1984/ zugrunde gelegten Konditionierungsanlage wäre für die
Konditionierung der Wärme entwickelnden Abfälle ausreichend, so dass von Ableitungswerten in
der genannten Größenordnung für die weiteren Betrachtungen ausgegangen werden kann.
Während des Betriebes fallen radioaktive Flüssigkeiten an, im Wesentlichen Dekontflüssigkeiten
überwiegend mit Cobalt-60 und Cäsium-137. Höher aktive Flüssigkeiten sollten dem radioaktiven
Abfall zugeführt werden, die übrigen nach Sammlung, ggf. Reinigung und Ausmessung als
Emission radioaktiver Stoffe über den Wasserpfad (Ableitung)
abgeleitet werden. Es fallen
etwa 550 m³/a an /NUKEM 1984/. Für die Ableitung gelten die Grenzwerte der StrlSchV. Die
Ableitung radioaktiver Stoffe beinhaltet als stoffgebundene Ableitung und auf Grund zusätzlicher
konventioneller Stoffe (z. B. Rückstände von Reinigungssubstanzen) eine Ableitung als
konventionelles Abwasser
. Die Bewertung des Wirkfaktors konventionelles Abwasser erfolgt im
Kapitel 4.1.7 und wird nachfolgend nicht weiter projektspezifisch betrachtet.
Der Betrieb der Konditionierungsanlage beinhaltet Risiken möglicher
Störfalle
.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Flächeninanspruchnahme in der Größenordnung von 8.750 m² führt zum Verlust der
Bodenfunktion sowie des Lebensraumes für Tiere und Pflanzen auf der betroffenen Fläche. Es
kann nicht ausgeschlossen werden, dass von der Versiegelung ein Gewässer, geschützte Arten
und ein Schutzgebiet betroffen sind.

Umweltbericht
68
Raumwirkung
Die Konditionierungsanlage gehört zum Ensemble aller Gebäude des Endlagers. Raumwirkungen
des Endlagerstandortes werden in Kapitel 5.1.6.1 betrachtet.
Luftschadstoffe
Bei der Errichtung und beim Rückbau der Konditionierungsanlage werden Luftschadstoffe, wie
Feinstaub (PM
10
, PM
2,5
), Stickoxide und Schwefeloxide auf der Baustelle sowie entlang der
Transportrouten emittiert. Diese Emissionen können auf Menschen gesundheitsschädlich wirken
sowie Tiere und Pflanzen schädigen oder beeinträchtigen.
Lärm und Erschütterungen
Lärm wird bei der Errichtung und beim Rückbau der Konditionierungsanlage auf der Baustelle
sowie entlang der Transportrouten verursacht. Lärm kann beim Menschen das Risiko von Herz-
Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und Tiere aus ihrem Lebensraum vertreiben. Erschütterungen
können bei Arbeiten zur Baugrundverbesserung auftreten (z. B. Herstellung von Rüttelstopfsäulen)
und sich auf Menschen und Tiere negativ auswirken sowie Schäden an Gebäuden verursachen.
Direktstrahlung
Im Vergleich zum Eingangslager (vgl. 5.1.4) ist die Emission von Direktstrahlung durch die
Konditionierungsanlage geringer, da in der Anlage gleichzeitig nur wenige Behälter mit Wärme
entwickelnden Abfällen gehandhabt werden. Die Direktstrahlung wirkt sich im Wesentlichen auf
Menschen in der Anlage und auf dem Betriebsgelände aus.
Radiologische Emissionen über den Luft‐ und Wasserpfad
Durch die Emissionen radioaktiver Stoffe sind Strahlenexpositionen von Menschen, Tieren und
Pflanzen möglich. Andere Schutzgüter sind durch diese abgedeckt, da bei einer zum Schutz des
Menschen sowie von Tieren und Pflanzen ausreichend niedrigen Dosis keine nachteilige
Beeinflussung von Boden, Grund- und Oberflächenwasser, Luft oder Sachgütern möglich ist.
Störfälle
Störfallbedingte Freisetzungen von radioaktiven Stoffen durch Einwirkungen von Innen
(Behälterabsturz, Lastenabsturz, Brand etc.) sowie von außen (Erdbeben etc.) können nicht
ausgeschlossen werden , insbesondere wenn bei der Konditionierung ein Umgang mit offenen
radioaktiven Stoffen erfolgt.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.1 dargestellt. Die Flächeninanspruchnahme von etwa
8.750 m³ ist als potenziell erhebliche Umweltauswirkung zu bewerten. Es besteht die Pflicht zur
Kompensation und zum Ausgleich.
Möglichkeiten der Minimierung des Eingriffs insbesondere im Hinblick auf geschützte Arten und
Schutzgebiete bestehen vor allem bei der Auswahl des gesamten Standortes für die obertägigen
Anlagen des Endlagers einschließlich der Konditionierungseinrichtungen.
Luftschadstoffe
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.2 dargestellt. Die Errichtung der Konditionierungsanlage
ist hinsichtlich der möglichen Auswirkungen vergleichbar mit dem Bau von Zwischenlagern. Das
aufgrund der Größe insgesamt höhere Transportaufkommen relativiert sich durch eine längere
Bauzeit.

Umweltbericht
69
Ab einem Abstand von einem Kilometer sind durch die Zusatzbelastungen des Baustellenbetriebs
keine relevanten Auswirkungen auf Menschen und Schutzgebiete zu erwarten, wenn
Minimierungsmöglichkeiten, z. B. Einsatz von Maschinen und Geräten mit Elektromotor und
Befeuchtung staubender Güter beim Be- und Entladen, genutzt werden und keine emfindlichen
Einrichtungen, z. B. Krankenhäuser, vorhanden sind.
Werden Ortschaften umfahren und führt die Route zum Transport von Baumaterial nicht durch
besonders enge Täler sind durch die Zusatzbelastung selbst in Spitzenzeiten ebenfalls keine
relevanten Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen zu erwarten.
Innerhalb eines Abstandes von 1 km zum Vorhaben können potenziell relevante
Umweltauswirkungen bestehen, die im Rahmen der UVP des Vorhabens zu betrachten sind.
Lärm und Erschütterungen
Die Errichtung der Konditionierungsanlage ist vergleichbar mit bestehenden Erfahrungen zum Bau
von Zwischenlagern. Das aufgrund der Größe insgesamt höhere Transportaufkommen relativiert
sich durch die längere Bauzeit.
Entsprechend den Ausführungen zum Bewertungsrahmen in Kapitel 4.1.3 können Auswirkungen
auf den Menschen insbesondere in einem Abstand von weniger als 1 km als potenziell relevante
Umweltauswirkungen bestehen.
Erschütterungen beispielsweise bei der Erstellung von Rüttelstopfsäulen reichen nicht über das
Anlagengelände hinaus.
Werden Ortschaften umfahren und werden die Transporte in mehr als 100 m Abstand zu
bewohnten Gebieten oder empfindlichen Nutzungen (z. B. Kurgebiete, Krankenhäuser,
Pflegeanstalten) geführt, sind relevante Auswirkungen auf Menschen generell nicht zu erwarten.
Die potenziell relevanten Umweltauswirkungen sind in einer projektspezifischen UVP des
Vorhabens im Hinblick auf mögliche Minimierungen zu betrachten.
Direktstrahlung
Die Emission der Direktstrahlung der Konditionierungsanlage wird durch messtechnische
Überprüfung kontrolliert. Die Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung sind einzuhalten.
Konkrete Maßnahmen der Minimierung im Hinblick auf reale Aufenthaltszeiten von Personen am
Standort der Konditionierungsanlage, die als nicht strahlenexponiert eingestuft sind, und von
Personen im öffentlich zugänglichen Bereich können realisiert werden. Im Rahmen der SUP des
NaPro wird die Direktstrahlung der Konditionierungsanlage als potenziell relevante
Umweltauswirkung bewertet.
Emission radioaktiver Stoffe über den Luft‐ und Wasserpfad
Für den Betrieb einer Konditionierungsanlage werden Ableitungswerte festgelegt, die die
erwarteten Ableitungen abdecken und die Einhaltung der Grenzwerte der StrlSchV gewährleisten.
Die Ableitungswerte wären unter der Voraussetzung eines Durchsatzes von 1.311 Brenn-
elementen im Jahr, einer Defektrate von 1 % der Stäbe und unter der Voraussetzung, dass das
Zerlegen der Brennstäbe nicht erfolgt, nicht höher als die Ableitungswerte für in Betrieb befindliche
Kernkraftwerke in Deutschland. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass bei ähnlicher
Kaminhöhe und ähnlich großem eingezäunten Gelände die Dosisgrenzwerte durch eine zukünftige
Konditionierungsanlage für Wärme entwickelnde Abfälle deutlich unterschritten werden können.
Die erwarteten Ableitungen mit der Abluft können durch verbesserte Filtertechnik für
aerosolförmige Radionuklide und Iod-129 verringert werden. Bei den Ableitungen mit dem

Umweltbericht
70
Abwasser kann der Ableitungswert so gewählt werden, dass die Dosisgrenzwerte eingehalten
werden und alle dann nicht ableitbaren Abwässer weiter gereinigt oder nach Behandlung der
Endlagerung zugeführt werden.
Bei Einhaltung dieser Vorgaben ist gemäß den Untersuchungen in /Küppers et al. 2012/ für die
hier relevanten langlebigen Radionuklide davon auszugehen, dass die Dosisbegrenzung für den
Menschen gemäß StrlSchV potenzielle nachteilige Wirkungen auf Populationen von Tieren und
Pflanzen abdeckt. Eine insbesondere zur Vorsorge gebotene weitere Reduzierung der potenziellen
Umweltauswirkungen ist bei geeigneter Standortwahl möglich (Abstand zu Wohnbebauung,
Abstand zu Orten mit langzeitigem Aufenthalt von Personen, Größe des Vorfluters).
Die Ableitungen der Konditionierungsanlage über den Luft- und Wasserpfad sind eine potenziell
relevante Umweltauswirkung, deren Minimierungsmöglichkeiten im Rahmen der Genehmigung zu
berücksichtigen sind.
Störfälle
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.7 dargestellt. Eine Konditionierungsanlage beinhaltet
Störfallrisiken, gegen die Vorsorge zu treffen ist. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens ist die
Minimierung von Störfallrisiken als Quelle potenziell relevanter Umweltauswirkungen auf Basis
einer Risikoanalyse zu berücksichtigen.
5.1.6.
Endlagerung insbesondere der Wärme entwickelnden Abfälle
5.1.6.1. Errichtung des Endlagers
Die Errichtung des Endlagers nach Standortauswahlgesetz erfolgt im Gebiet eines bereits
untertägig erkundeten Standorts. Dabei werden weitere Gebäude errichtet sowie Verkehrsflächen
und Infrastrukturen erweitert bzw. neu angelegt. Der Standort erhält einen Gleisanschluss.
Da nicht zwingend davon auszugehen ist, dass das Endlager durch den weiteren Ausbau des
durch die untertägige Erkundung bereits vorhandenen Erkundungsbergwerks erstellt werden kann
(vgl. z. B. das geplante Endlager am französischen Standort Bure), wird vorsorglich angenommen,
dass ein vollständig neues Bergwerk aufgefahren wird, analog zu der in Kapitel 5.1.2.1 skizzierten
Vorgehensweise. Es wird angenommen, dass die Errichtung des Endlagers über einen Zeitraum
von etwa 10 Jahren erfolgen wird.
Wirkfaktoren
Am Standort entsteht durch den Ausbau der Gebäude weitere
Flächeninanspruchnahme
. Für die
oberirdische Anlage ist von einer Erweiterung der Flächeninanspruchnahme auf bis zu 80.000 m²
auszugehen /NAGRA TB1101 2011a/. Hinzu käme eine Erweiterung der Fläche für die Halde auf
bis zu 200.000 m².
Emissionen von
Luftschadstoffen und Lärm
erfolgen durch intensive Verkehrsbewegungen zur
Anlieferung von Baumaterial und zum Abtransport von Abraum. Weitere Luftschadstoff- und
Lärmemissionen entstehen durch den Betrieb von Baumaschinen und –fahrzeugen. Das
Endlagerkonzept der Schweiz geht während der Errichtung des Endlagers, die dort über drei Jahre
erfolgen soll, von 400.000 m³ Ausbruch aus, der mit 50 LKW pro Tag (12 m³/LKW) zu Deponien
abtransportiert wird. Der Anlieferung von Baumaterial (65.000 m³ Beton) soll mit 8 LKW/Tag
erfolgen /NAGRA TB0202 2002/. Die Menge des Ausbruchmaterials ist abhängig vom Wirtsgestein

Umweltbericht
71
und den geologischen Bedingungen. Die zu vier Vorschlägen für Endlagerstandorte im
Opalinuston in der Schweiz berechnete Menge an Gesamtausbruch variiert um den Faktor 2 und
liegt zwischen 1 bis 2 Mio. m³ festes Material /NAGRA TB1101 2011b/.
Die Errichtung von Gebäuden mit einer Höhe von 25 m und einer gegebenenfalls sichtbaren
Gebäudefront von einigen hundert Metern /NAGRA TB0202 2002/, zwei Kaminen und zwei
Schachtgebäuden mit Höhen von 40 bis 60 m sowie die Errichtung einer Halde führen zu
Raumwirkung
im Landschaftsbild.
Während der Errichtung von Gebäuden können vorübergehend
Grundwasserabsenkungen
erforderlich sein. Das geförderte Grundwasser sowie Sickerwasser aus der Haldenentwässerung
werden nach vorheriger Behandlung (Klärung, Fällung, Absetzung) in einen Vorfluter als
konventionelles Abwasser
gelangen oder vor Ort in den Boden versickert werden. Die
Bewertung der Umweltauswirkungen durch
Grundwasserabsenkung
und Einleitung geförderten
Grundwassers als
konventionelles Abwasser
erfolgt im Kapitel 4.1.7, so dass diese Wirkfaktoren
nachfolgend nicht weiter projektspezifisch betrachtet werden.
Während der Errichtung des Endlagers wird im Grubengebäude in Abhängigkeit von der
hydrogeologischen Situation (insbesondere im Kristallingestein) trotz Abdichtung gegenüber
grundwasserführender Schichten Drainagewasser aufgefangen. Für ein Endlager im Tongestein in
der Schweiz wurden in /NAGRA TB1301 2013/ anfallende Drainagewassermengen abgeschätzt.
Es wird vorsorglich davon ausgegangen, dass in einem Endlager nach Standortauswahlgesetz
eine Menge von 5 l/sec (ca. 63.000 m³ pro Jahr) Drainagewasser während der Offenhaltung
anfällt, zu Tage gefördert und dort nach ggf. erforderlicher Klärung in den Vorfluter eingeleitet wird.
Drainagewasser wird im Kapitel 4.1.7 mit dem Wirkfaktor
konventionelles Abwasser
behandelt
und wird daher im Folgenden nicht mehr projektspezifisch betrachtet
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Die Flächeninanspruchnahme wirkt sich auf den Boden, die Grundwasserneubildung sowie
Pflanzen und Tiere aus, die auf den betroffene Flächen leben. Es kann nicht ausgeschlossen
werden, dass auf dem Standort des Endlagers auch Kleingewässer vorhanden sind und
geschützte Tier- oder Pflanzenarten betroffen sind.
Luftschadstoffe
Luftschadstoffemissionen, wie Feinstaub (PM
10
, PM
2,5
), Stickoxide und Schwefeloxide, werden
insbesondere durch den Betrieb von Geräten und Maschinen bei der Errichtung von Gebäuden
und Verkehrswegen, durch die Fahrbewegungen zwischen Bergwerk und Abraumhalde beim
Auffahren des Endlagers sowie entlang der Transportrouten bei der Anlieferung von Baumaterial
und beim Abtransport von Bodenaushub und Abraum verursacht. Abwehungen von der Abraum-
halde sind ebenfalls möglich. Diese Emissionen können auf Menschen gesundheitsschädlich
wirken sowie Tiere und Pflanzen schädigen oder beeinträchtigen.
Lärm und Erschütterungen
Lärm wird durch den Betrieb von Geräten und Maschinen bei der Errichtung von Gebäuden und
Verkehrswegen, durch die Fahrbewegungen zwischen Bergwerk und Abraumhalde beim Auffahren
des Endlagers, bei Sprengungen von Gestein sowie entlang der Transportrouten bei der
Anlieferung von Baumaterial und beim Abtransport von Bodenaushub und Abraum verursacht.
Erschütterungen können beim Sprengen von Gestein und bei der Baugrundverbesserung
beispielsweise bei der Herstellung von Rüttelstopfsäulen auftreten. Lärm kann beim Menschen das

Umweltbericht
72
Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und Tiere aus ihrem Lebensraum vertreiben.
Erschütterungen können sich auf Menschen und Tiere negativ auswirken und Schäden an
Gebäuden verursachen.
Raumwirkung
Die Wirkung des Endlagers auf das Landschaftsbild addiert sich aus den Gebäuden des Endlagers
sowie den Gebäuden des Eingangslagers (vgl. Kapitel 5.1.4) und der Konditionierung (vgl. Kapitel
5.1.5). Der gesamte Standort des Endlagers hat die Größe eines Industriegebietes und damit auch
entsprechende Auswirkungen auf das Landschaftsbild.
Raumwirkung verändert das Erscheinungsbild einer betroffenen Landschaft und kann ihre
Erholungsfunktion herabsetzen. Raumwirkung ist vom subjektiven Empfinden des Betrachters
abhängig, sie gewinnt bei hoher Anzahl an betroffenen Anwohnern oder Erholungssuchenden
zusätzliches Gewicht. Die Einsehbarkeit des Standorts ist insbesondere in touristisch geprägten
Regionen relevant.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.1 dargestellt. Die Flächeninanspruchnahme von
insgesamt etwa 280.000 m² ist eine erhebliche Beeinträchtigung von Natur und Landschaft und
daher als potenziell erhebliche Umweltauswirkung zu bewerten. Es besteht die Pflicht zur
Kompensation und zum Ausgleich.
Möglichkeiten der Minimierung des Eingriffs insbesondere im Hinblick auf geschützte Arten und
Schutzgebiete bestehen vor allem bei der Auswahl des gesamten Standortes für ein Endlager.
Nutzungskonflikte können bereits bei der Festlegung der Standorte für ein Erkundungsbergwerk
untersucht werden.
Luftschadstoffe
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.2 dargestellt. Als relevante Größe zur Bewertung der
Umweltauswirkungen durch Luftschadstoffe sind die Anzahl der Transporte pro Tag sowie die
Emissionen von Geräten und Maschinen auf der Baustelle pro Tag zu betrachten. Bei der
Errichtung eines Endlagers mit seinen über- und untertägigen Anlagen sind zwar insgesamt
erheblich größere Mengen an Aushub und Baumaterial zu bewegen als dies beispielsweise bei der
Errichtung eines Zwischenlagers der Fall ist, ihr Aufkommen streckt sich jedoch über einen
wesentlich größeren Zeitraum. Die durch die Maschinen und Geräte auf der Baustelle
verursachten Emissionen pro Tag werden ebenfalls etwa in der gleichen Größenordnung liegen
wie beispielsweise bei der Errichtung eines Zwischenlagers. Insgesamt sind die Emissionen von
Luftschadstoffen pro Tag vergleichbar der Errichtung von Zwischenlagern, werden allerdings über
einen deutlich längeren Zeitraum anfallen. Hinzu können noch die Verwehungen von der
Abraumhalde kommen, wenn diese nicht abgedeckt oder ausreichend feucht gehalten wird.
Insgesamt ist, basierend auf einem Vergleich mit Ergebnissen von Umweltverträglichkeits-
prüfungen für Zwischenlager, davon auszugehen, dass bei einem Abstand von mehr als 1 km
durch die Zusatzbelastungen des Baustellenbetriebs keine relevanten Auswirkungen auf
Menschen und Schutzgebiete zu erwarten sind, wenn Minimierungsmöglichkeiten, z. B. Einsatz
von Maschinen und Geräten mit Elektromotor und Befeuchtung staubender Güter beim Be- und
Entladen, genutzt werden und keine empfindlichen Einrichtungen, z. B. Krankenhäuser, vorhanden
sind. Werden Ortschaften umfahren und führen die Transportrouten nicht durch besonders enge

Umweltbericht
73
Täler sind durch die Zusatzbelastung selbst in Spitzenzeiten ebenfalls keine relevanten
Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen zu erwarten.
Luftschadstoffemissionen bei der Errichtung eines Endlagers können innerhalb eines Abstandes
von 1 km zu potenziell relevanten Umweltauswirkungen führen, für die Minimierungsmöglichkeiten
im Genehmigungsverfahren zu berücksichtigen sind.
Lärm und Erschütterungen
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.3 dargestellt. Für die Bewertung der Auswirkungen von
Lärm gelten hinsichtlich der Anzahl der Transporte pro Tag sowie hinsichtlich des oberirdischen
Betriebs von Geräten und Maschinen die oben unter „Luftschadstoffe“ ausgeführten
Betrachtungen. Es ist daher davon auszugehen, dass die Lärmbelastung bei der Errichtung des
Endlagers in etwa in der gleichen Größenordnung liegen wird wie beispielsweise bei der Errichtung
eines Zwischenlagers, allerdings über einen deutlich längeren Zeitraum bestehen wird.
Insgesamt ist, basierend auf einem Vergleich mit Ergebnissen von Umweltverträglichkeits-
prüfungen für Zwischenlager, davon auszugehen, dass ein Abstand von 1 km ausreicht, um in den
Spitzenzeiten die für Menschen geltenden Immissionsrichtwerte einzuhalten. Dieser Einschätzung
liegt die Annahme zu Grund, dass – von Ausnahmen abgesehen – die Baustelle nur am Tage
betrieben wird.
Werden Ortschaften umfahren und werden die Transporte in mehr als 100 m Abstand zu
bewohnten Gebieten oder empfindlichen Nutzungen (z. B. Kurgebiete, Krankenhäuser) geführt,
sind relevante Auswirkungen auf Menschen generell nicht zu erwarten.
Erschütterungen beispielsweise bei der Erstellung von Rüttelstopfsäulen reichen nicht über das
Anlagengelände hinaus, so dass keine relevanten Auswirkungen auf Menschen und Tiere zu
erwarten sind.
Lärm durch Sprengungen wird nur sporadisch verursacht, so dass bei 1 km Abstand keine
relevanten Auswirkungen auf Menschen zu erwarten sind, es sei denn, die durch Sprengungen
verursachten Erschütterungen reichen weiter. Eine Prüfung und Bewertung der Auswirkungen von
Erschütterungen auf Fledermäuse ist nur im Einzelfall mit genaueren Kenntnissen über die
Reichweite und Stärke der Erschütterungen sowie über die Lage und Art der Fledermausquartiere
möglich. Innerhalb eines Abstandes von 1 km zum Vorhaben können potenziell relevante
Umweltauswirkungen durch Lärm und Erschütterungen bestehen, deren mögliche Minimierung auf
Basis der standortspezifischen Kenntnisse zu betrachten ist.
Raumwirkung
Die Raumwirkung eines Endlagerstandortes auf das Landschaftsbild ist eine dauerhafte potenziell
relevante Umweltauswirkung, die bereits im Rahmen der Festlegung der Standorte für eine
untertägige Erkundung berücksichtigt werden sollte. Während der Errichtung des Endlagers ist die
Landschaft bereits durch das zuvor errichtete Erkundungsbergwerk vorgeprägt. Eine Bewertung
der Raumwirkung kann nur anhand bildlicher Darstellungen der geplanten Anlage in der
Landschaft (Fotomontagen) unter Berücksichtigung aller relevanten Blickrichtungen erfolgen.
Minimierungen von Auswirkungen auf das Landschaftsbild durch Raumwirkung eines Endlagers
zielen darauf ab, Sichtbeziehungen aus der Umgebung des Endlagers zu vermeiden. Dabei
können das Relief der Landschaft einbezogen werden, Erdwälle angelegt werden, Verschattungen
der Anlage durch Wald erfolgen oder die Farbgestaltung der Gebäude dem Landschaftsbild
angepasst werden.

Umweltbericht
74
5.1.6.2.
Einlagerungsbetrieb des Endlagers
Während des Einlagerungsbetriebs eines Endlagers werden die bereits konditionierten
Abfallgebinde in das Endlager verbracht und dort in die Einlagerungsbereiche eingebaut. Für das
Endlager nach Standortauswahlgesetz besteht derzeit keine Festlegung auf ein Endlagerkonzept,
wie z. B. Bohrloch-, Strecken- oder Kavernenlagerung. Bei den Wirtsgesteinen Granit, Ton- und
Salzgestein werden mit dem Einbau der Abfallgebinde verschieden aufwändige und sich im
Einbaumaterial unterscheidende geotechnische Barrieren erstellt. Das Material für die Erstellung
solcher geotechnischer Barrieren (z. B. Tone oder Sande und/oder das jeweilige Wirtsgestein)
muss während des Betriebs des Endlagers angeliefert werden und wird i. d. R. zunächst auf
übertägigen Lagerflächen gelagert. Der Einbau des Materials erfolgt sukzessive und parallel zur
Einlagerung der Abfallgebinde.
Während des Einlagerungsbetriebs des Endlagers werden radioaktive Abfälle in geeigneten
Behältern angeliefert, nach unter Tage transportiert und eingelagert. Umweltauswirkungen durch
die Anlieferung der radioaktiven Abfälle sind in Kapitel 5.1.3 beschrieben und bewertet.
In Abhängigkeit vom Endlagerkonzept werden während der Einlagerungsbetriebs des Endlagers
Einlagerungsbereiche zur mechanischen Stabilisierung des Bergwerks möglicherweise vollständig
verschlossen, sobald diese mit Abfällen gefüllt sind. Das Material hierzu (Tone, Sande und/oder
das jeweilige Wirtsgestein) kann entweder aus bei der Auffahrung des Bergwerks auf dem
übertägigen Betriebsgelände angelegten Halden entnommen werden oder wird alternativ per LKW
oder Schienentransport sukzessive angeliefert. Es wird in übertägigen Einrichtungen verarbeitet
und dann nach untertage verbracht und an Ort und Stelle eingebaut. Jeglicher Einbau von Material
muss qualifiziert und dokumentiert erfolgen.
Der Einlagerungsbetrieb des Endlagers nach Standortauswahlgesetz soll in etwa um das Jahr
2050 beginnen. Die Dauer der Betriebszeit ist derzeit nicht festgelegt und ist vom gewählten
Einlagerungskonzept abhängig /NaPro 2015/. Durch den aufwändigen Einbau der Abfälle in das
Endlager und durch die dabei zu berücksichtigenden Anforderungen an den Strahlenschutz des
Personals (betrieblicher Strahlenschutz) erfolgen die Tätigkeiten am Standort des Endlagers
gleichmäßig ohne besondere Betriebsspitzen.
Wirkfaktoren
Während des Einlagerungsbetriebs des Endlagers kann es zu transportbedingten Emissionen von
Schadstoff und Lärm
durch die Anlieferung des zu verfüllenden Haldenmaterials oder alternativer
Stoffe kommen. Hinzu kommen Personentransporte des Betriebspersonals. Das Endlagerkonzept
der Schweiz geht davon aus, dass während der Betriebszeit eines Endlagers ca. neun Eisenbahn-
wagen pro Woche mit radioaktiven Abfällen abgefertigt und in das Endlager eingebaut werden und
ca. ein LKW pro Woche Verfüllmaterial anliefert /NAGRA TB0202 2002/.
Nach dem in der vorläufigen Sicherheitsanalyse Gorleben (VSG) /GRS 2012/ zugrunde gelegten
Endlagerkonzept (horizontale Streckenlagerung der Wärme entwickelnden radioaktiven Abfälle in
Salz) werden zur Verfüllung der Einlagerungstrecken und Querschläge insgesamt ca. 585.000 m³
Salzgrus kalkuliert. Der zu verwendende Salzgrus wird vorwiegend aus dem Aushub aus der
Erkundungs- und Errichtungsphase gewonnen, der auf dem Betriebsgelände des Endlagers auf
einer Halde deponiert wird. D. h., dass sich die Beförderung des Salzgruses auf den Bereich des
Betriebsgeländes beschränkt, sofern kein zusätzliches Material benötigt wird.
Relevante anlagenbedingte Emissionen von
Luftschadstoffen und Lärm
während der
Einlagerungsbetriebs sind z. B. die Heizanlage, der Betrieb von Maschinen über Tage und die
Lüftungs-/Bewetterungsanlage.

Umweltbericht
75
Untertägige Sprengarbeiten können
Erschütterungen
bedingen.
Während des Einlagerungsbetriebs kann es, je nach Endlagerkonzept, notwendig sein, eine
während der Errichtung des Endlagers möglicherweise durchgeführte
Grundwasserabsenkung
aufrecht zu halten. Nach Endlagerkonzeptionen in Finnland entstehen bei der Errichtung eines
Endlagers Absenktrichter von 0,5 bis 2 km Radius um die Anlage mit einer Absenktiefe des
Grundwasserspiegels von 10 bis 60 m. Die Größe des entstehenden Absenktrichters hängt von
den bergbaulichen Erfordernissen und den hydrogeologischen Verhältnissen vor Ort ab. Nach
Einstellung der Grundwasserabsenkung vergehen bei großen Absenktiefen, wie dies in Finnland
aufgrund der hydrogeologischen Ausgangssituation erforderlich ist, mehrere Jahre, bis sich das
ursprüngliche Niveau des Grundwassers eingespiegelt hat /Posiva 1999/, so dass entstehende
Auswirkungen langfristig auftreten. Das geförderte Grundwasser sowie Sickerwasser aus der
Haldenentwässerung sollen nach vorheriger Behandlung (Klärung, Fällung, Absetzung) in einen
Vorfluter als
konventionelles Abwasser
eingeleitet werden.
Während des Einlagerungsbetriebs kann, in Abhängigkeit von der hydrogeologischen Situation
(insbesondere Granit) Drainagewasser anfallen, das als
konventionelles Abwasser
zu entsorgen
ist. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um Schachtwasser, das trotz Abdichtung der
Schächte anfallen kann, Luftfeuchtigkeit aus den Wettern, die im Grubenbereich kondensieren
sowie Formationswässer, die mit der Bildung der Gesteinsformation oder in Klüften
eingeschlossen wurden. Insbesondere bei einem kristallinen Wirtsgestein können Grubenwässer
anfallen, die über Klüfte mit der Hydrosphäre in Verbindung stehen. Auf Basis standortunab-
hängiger Betrachtungen zur Bewertung von Auswirkungen auf das Grundwasser während der
Betriebszeit eines Endlagers im Tongestein in der Schweiz /NAGRA TB1301 2013/ wird für ein
Endlager in Deutschland vorsorglich davon ausgegangen, dass eine Menge von 5 l/s
Drainagewasser während der Offenhaltung anfällt. Das Wasser wird aufgefangen, zu Tage
gefördert und nach ggf. erfolgender chemischer Klärung und Absetzen von Schwebstoffen in einen
Vorfluter eingeleitet (ca. 63.000 m³ pro Jahr). Zum Vergleich: im Endlager Konrad fielen nach
Angabe des Betreibers /BfS 2015b/ im Jahr 2013 ca. 22 m
3
pro Tag Grubenwässer an (ca. 8.000
m
3
pro Jahr), in Gewinnungsbergwerken, wie z. B. dem ehemaligen Gewinnungsbergwerk Zeche
Zollverein im Ruhrgebiet ca. 13.000 m
3
pro Tag (ca. 4.800.000 m
3
/a) /RAG 2015/.
Die Wirkfaktoren
Grundwasserabsenkung
und
konventionelle Abwässer
werden im Kapitel
4.1.7 behandelt und werden daher nachfolgend nicht weiter projektspezifisch betrachtet.
Mit der Endlagerung Wärme entwickelnder radioaktiver Abfälle ist ein
Wärmeeintrag
in das
umgebende Gestein verbunden. Dieser Wirkfaktor wird für den Zeitraum nach Verschluss des
Endlagers in Kapitel 5.1.6.3 weiter betrachtet.
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
können zu Umweltauswirkungen
auf die Schutzgüter Mensch und Tiere führen.
Eine aus der
Direktstrahlung
resultierende Dosis ist von der Aktivität und Nuklidzusammen-
setzung der Quellen abhängig und kann beim Einlagerungsbetrieb eines Endlagers während des
Umgangs (innerbetrieblicher Transport und Einlagerungsarbeiten) mit den Abfallgebinden/-
Behältern auftreten (siehe Kapitel 5.1.4).
Im Rahmen des Sicherheitsnachweises für ein Endlager ist zu zeigen, dass relevante
Störfälle
während des Einlagerungsbetriebs zu keinen Freisetzungen führen, die die bestehenden
Grenzwerte gemäß Strahlenschutzverordnung überschreiten. Relevante Störfälle während des
Einlagerungsbetriebs, gegen die das Endlager auszulegen ist, sind z. B. oberirdische und
untertägige Störfälle mit mechanischer Einwirkung (Behälterabsturz), Brände oder Einwirkungen

Umweltbericht
76
von außen. Die Auslegung gegen diese Störfälle wird durch die technischen Eigenschaften der
Anlage selbst und durch die Integrität der Abfallgebinde erreicht. Betrachtungen zu oberirdischen
Störfällen unterscheiden sich dabei nicht von Störfallnachweisen, wie sie für
Standortzwischenlager oder Behandlungsanlagen für Nuklearstoffe geführt wurden. Untertägige
Störfälle dürfen darüber hinaus nicht die Langzeitsicherheit des Endlagers z. B. durch
störfallbedingte Lösungszutritte während des Betriebs und nach Stilllegung gefährden.
Bei der Bereitstellung der Endlagerbehälter für die Einlagerung, beim Einlagerungsprozess sowie
beim Rückbau untertägiger Strahlenschutzbereiche, z. B. beim Verschluss der einzelnen
untertägigen Einlagerungskammern, sowie bei Dekontaminationsvorgängen entstehen feste und
flüssige
radioaktive Betriebsabfälle
(z. B. Wischtücher, Reinigungsflüssigkeiten, Filtermatten,
etc.). Die Menge und Zusammensetzung dieser Abfälle während des Einlagerungsbetriebs kann
mit Dekontaminationsabfällen aus Forschungsreinrichtungen verglichen werden.
Bei Laborarbeiten und Dekontaminationsmaßnahmen können untertage und oberirdisch
radioaktive Abwässer
anfallen. In einem Endlager wird zur Reinigung von Behältern für
radioaktive Abfälle Wasser verwendet, dem Detergenzien zugesetzt werden. Dieses Wasser wird
regelmäßig aufbereitet und im Kreislauf geführt. Es kann davon ausgegangen werden, dass
jährlich nur wenige Kubikmeter flüssige radioaktive Abfälle anfallen /NAGRA TB1301 2013/ und als
radioaktive Betriebsabfälle zu entsorgen sind.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Luftschadstoffe
Luftschadstoffemissionen, wie Feinstaub (PM
10
, PM
2,5
), Stickoxide und Schwefeloxide, werden
durch den Betrieb von Geräten, Maschinen und Transportfahrzeugen sowie durch die
Heizungsanlage, die Lüftungsanlage und die Bewetterung verursacht. Abwehungen von der
Abraumhalde sind ebenfalls möglich. Diese Emissionen können auf Menschen gesundheits-
schädlich wirken sowie Tiere und Pflanzen schädigen oder beeinträchtigen.
Lärm und Erschütterungen
Schallemissionen werden durch oberirdisch betriebene Geräte und Maschinen sowie durch
Transportfahrzeuge verursacht. Zusätzlich können Schallemissionen und Erschütterungen beim
Sprengen auftreten. Lärm kann beim Menschen das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
erhöhen und Tiere aus ihrem Lebensraum vertreiben. Erschütterungen können sich auf Menschen
und Tiere ebenfalls negativ auswirken und Schäden an Gebäuden verursachen.
Emission radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
In einem Endlager für radioaktive Abfälle werden ausschließlich verschlossene Abfallbehälter
gehandhabt. Je nach gewähltem Endlager- und Behälterkonzept kann es zu Emission radioaktiver
Stoffe aus den Abfallbehältern kommen. Nach Strahlenschutzrecht sind Ableitungen bis zu einer
effektiven Dosis von 0,3 mSv/a zulässig (§ 47 StrlSchV).
Direktstrahlung
Die Exposition durch Direktstrahlung in unmittelbarer Nähe der Abfallgebinde betrifft grundsätzlich
die sich dort aufhaltenden Menschen und gegebenenfalls dort vorhandene Tiere. Beim
Einlagerungsbetrieb eines Endlagers erfolgt allerdings immer nur eine Handhabung einzelner
Behälter, außerdem erfolgen die meisten Handhabungsvorgänge untertage. Eine Exposition von
Schutzgütern durch Direktstrahlung während des Einlagerungsbetriebs kann daher praktisch
ausgeschlossen werden. Eine Bewertung von Umweltauswirkungen im Rahmen der SUP ist nicht
erforderlich.

Umweltbericht
77
Störfälle
Störfälle, wie Brand oder Explosionen, können zu ungeplanten Freisetzungen radioaktiver Stoffe in
die Umwelt führen und sich daher auf die Schutzgüter Mensch, Tier, Pflanze, Boden, Wasser,
Klima und Luft sowie Kultur- und Sachgüter auswirken. Die aus potenziellen Störfällen
resultierende Dosis für Einzelpersonen der Bevölkerung hängt vom Quellterm, dem Ereignisablauf
und meteorologischen Bedingungen ab sowie von Vorsorge-Maßnahmen zur Vermeidung von
Störfällen bzw. zur Begrenzung potenzieller radiologischer Auswirkungen.
Radioaktive Betriebsabfälle
Beim Einlagerungsbetrieb eines Endlagers fallen feste und flüssige radioaktive Abfälle an. Diese
müssen gesammelt, konditioniert, gepuffert und eingelagert sowie innerbetrieblich transportiert
werden. Flüssige radioaktive Betriebsabfälle sollten in einer innerbetrieblichen
Konditionierungsanlage verfestigt, feste betriebliche Abfälle entsprechend verpackt werden. Für
alle radioaktiven Betriebsabfälle ist eine Nachweisführung sowie eine Produktkontrolle
durchzuführen. Die Abfälle sind anschließend der Endlagerung zuzuführen.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Luftschadstoffe
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.2 dargestellt. Während des Einlagerungsbetriebs
entspricht die transportbedingte Schadstoff- und Staubemission durch die Anlieferung des zu
verfüllenden Haldenmaterials oder alternativer Stoffe wie z. B. Bentonit in etwa der Gesamtanzahl
der notwendigen Transporte während der Errichtung des Endlagers. Jedoch erfolgen die
Transporte des Haldenmaterials während des Einlagerungsbetriebs über einen größeren Zeitraum
(einige Jahrzehnte) verteilt, so dass Spitzenbelastungen vermieden werden. Da das
Transportaufkommen pro Zeiteinheit gering ist und die Emissionen pro Zeiteinheit am Standort
ebenfalls gering sind, sind potenziell relevante Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen
weder entlang der Transportrouten noch in der Umgebung des Standorts zu erwarten, wenn
Abwehungen von der Abraumhalde auch während des Einlagerungsbetriebs durch Abdecken oder
Feuchthalten minimiert werden.
Lärm und Erschütterungen
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.3 beschrieben. Lärm verursachende Tätigkeiten finden
während des Einlagerungsbetriebs nur in geringem Umfang statt. Durch die Heizungsanlage, die
Lüftungsanlage und die Bewetterung werden keine relevanten Lärmemissionen verursacht.
Transporte von Halden- oder Baumaterial sind über einen langen Zeitraum gestreckt und daher
pro Zeiteinheit gering. Insgesamt kann daher davon ausgegangen werden, dass durch den
Einlagerungsbetriebs weder am Standort noch entlang der Transportrouten relevante
Auswirkungen durch Lärm für Menschen und Tiere verursacht werden.
Lärm durch Sprengungen wird nur sporadisch verursacht, so dass keine relevanten Auswirkungen
zu erwarten sind, es sei denn, die durch Sprengungen verursachten Erschütterungen reichen über
den Endlagerstandort hinaus.
Die Bewertung der Umweltauswirkungen durch Erschütterungen hängt von der Betroffenheit der
Schutzgüter ab. Dabei sind die Abstände der nächsten Wohnbebauung bzw. anderer Schutzgüter
wie Tiere von der jeweiligen Erschütterungsquelle relevant. Eine Bewertung der entstehenden
potenziell relevanten Umweltauswirkungen ist unter Beachtung der vorhandenen Schutzgüter mit
den bestehenden gesetzlichen Regelungen als Bewertungsmaßstab möglich.

Umweltbericht
78
Emission radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
Für die zu erwartende Emission radioaktvier Stoffe sind auf Grundlage der Erfahrungen aus dem
Einlagerungsbetrieb in anderen Anlagen (z. B. Zwischenlager, Endlager Morsleben) keine
erheblichen Umweltauswirkungen zu erwarten. Potentiell relevante Umweltauswirkung können auf
Grundlage der derzeit vorhandenen Kenntnisse über die Maßnahme nicht grundsätzlich
ausgeschlossen werden. Eine genauere Bewertung kann erst erfolgen, wenn das
Einlagerungskonzept näher konkretisiert ist.
Störfälle
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.7 dargestellt. Das Risiko für Störfälle kann minimiert
werden, indem das maximal freisetzbare Inventar bei Handhabungen begrenzt wird. Beispiels-
weise kann dies für den Störfall Brand dadurch erreicht werden, dass das gehandhabte Inventar
durch eine Festlegung auf eine Maximalmenge der Gebinde pro innerbetrieblicher Transporteinheit
begrenzt wird bzw. die Menge der gehandhabten Gebindeeinheiten je Einlagerungsvorgang
begrenzt wird.
Die Bewertung der Umweltauswirkungen durch Störfälle orientiert sich bei kerntechnischen
Anlagen an den Ergebnissen der sicherheitstechnischen Bewertung. Die Bewertungskriterien für
„Sicherheit“ werden nach dem Stand von Wissenschaft und Technik angewendet. Durch die
Handhabung geschlossener Abfallgebinde können in einem Endlager zahlreiche Störfälle
ausgeschlossen werden, die bei komplexeren Systemen (z. B. bei der Lagerung bestrahlter
Brennelemente in einem Abklingbecken) eine Rolle spielen. Durch Vorsorgemaßnahmen sind
Störfälle daher entweder zu vermeiden oder, soweit dies nicht möglich ist, sind die radiologischen
Auswirkungen durch entsprechende Maßnahmen zu begrenzen. Das Risiko für Störfälle im
Zusammenhang mit dem Einlagerungsbetrieb ist in etwa vergleichbar mit anderen Anlagen zum
Umgang mit radioaktiven Abfällen, in denen nicht mit offenen radioaktiven Stoffen umgegangen
wird. Störfallbedingte erhebliche Auswirkungen eines Endlagers auf die Umwelt sind daher
unwahrscheinlich. Da entsprechende Nachweise im Genehmigungsverfahren noch zu führen sind,
wird hier davon ausgegangen, dass potenziell relevante Umweltauswirkungen aufgrund
radiologischer Störfälle vorliegen können.
Radioaktive Betriebsabfälle
Die radioaktiven Betriebsabfälle, die beim Betrieb eines Endlagers entstehen, werden konditioniert
und bis zu ihrer Endlagerung zwischengelagert. Bewertungsmaßstab für die Handhabung und den
Umgang mit radioaktiven Abfällen sind die Bestimmungen der StrlSchV. Die potenziellen Umwelt-
auswirkungen entsprechen den Umweltauswirkungen dieser Art bei mittelgroßen Forschungs-
laboren und sind im Verhältnis zu den primären Abfallströmen hier als nicht relevant zu bewerten.
Die Menge an zunächst als radioaktiv einzustufendem Abwasser wird beispielsweise für das
Schweizer Endlager für HAA auf max. 100 m
3
während der gesamten Betriebszeit geschätzt
/Nagra TB1301 2013/. Hier werden die Abwässer nach Ausmessung entweder freigegeben oder
bei Bedarf gereinigt (z. B. mit Zentrifuge oder Verdampfer) und nach einer Entscheidungsmessung
als radioaktiver Betriebsabfall entsorgt. Bewertungsmaßstab für die Handhabung und den Umgang
mit radioaktiven Abfällen sind die Bestimmungen der StrlSchV. Die Rückstände aus der
Abwasserreinigung werden gesammelt und der Konditionierung mit dem Ziel der Endlagerung
zugeführt. Vor dem Hintergrund der übergreifenden Betrachtung der SUP des NaPro sind
anfallende radioaktive Betriebsabfälle keine relevanten Umweltauswirkungen.

Umweltbericht
79
5.1.6.3. Verschluss des Endlagers
Der Verschluss des Endlagers im Rahmen der Stilllegung dient dem Ziel, die Isolation der
Radionuklide im Zusammenwirken mit dem einschlusswirksamen Gebirgsbereich und den darin
enthaltenen technischen und geotechnischen Barrieren zu gewährleisten.
Man unterscheidet zwischen Verfüll- und Verschlussmaßnahmen in den Einlagerungsbereichen
und solchen in den übrigen Bereichen des Endlagerbergwerks, z. B. Schachtzugänge,
Verbindungs- und Zugangsstrecken und Infrastrukturbereiche. Es wird von einem Endlagerkonzept
ausgegangen, bei dem parallel zur Einlagerung der Abfallgebinde eine Verfüllung der bereits
beladenen Einlagerungsstrecken und/oder Einlagerungsbohrlöcher vorgenommen wird. Auch die
Abschlussbauwerke wie Strecken- und Bohrlochverschlüsse zur Abschottung vom übrigen
Grubengebäude werden ebenfalls während des Einlagerungsbetriebs errichtet. Der hier
betrachtete Verschluss des Endlagers bezieht sich auf die Phase nach dem Einlagerungsbetrieb,,
in dem bereits große Teile der untertägigen Einrichtungen rückgebaut und Auffahrungen in den
Einlagerungsbereichen verfüllt und verschlossen werden (Kapitel 5.1.6.2).
Während des Verschlusses eines Endlagers werden zentrale Zugangsbereiche vollständig verfüllt
und verschlossen. Das Material wie z. B. Tone, Sande, Salzgrus und Schotter wird am Standort
des Endlagers auf einer Halde oder mehreren Halden gelagert (hierzu gehört auch der Aushub aus
der Erkundungs- und Errichtungsphase) und/oder angeliefert und sukzessive zur Verfüllung von
Hohlräumen in das Endlager eingebracht.
Nach Verschluss aller untertägigen Bereiche des Endlagers werden übertägige Gebäude nach
radiologischer Einschätzung, Kontrolle und Freimessung abgebaut oder beliebig nachgenutzt. Der
konventionelle Abbruch von Gebäuden erfolgt in der Regel in kurzen Zeiträumen unter
Zwischenlagerung von Abbruchmaterial, ggf. erfolgt ein Beton und Bauschuttrecycling durch
mobile Anlagen vor Ort und nachfolgenden Abtransport der Abbruchmaterialien zur Verwertung
oder Entsorgung.
Ein kleiner Teil der Gebäude am Standort des Endlagers wird zur Aufzeichnung, Verarbeitung und
Dokumentation von Daten des Monitorings über unbestimmte Zeit genutzt werden. Es ist davon
auszugehen, dass in ferner Zukunft an der Erdoberfläche keine offensichtlichen Hinweise auf die
Existenz eines Endlagers in den darunter liegenden tiefen geologischen Formationen verbleiben
werden.
Wirkfaktoren
Während der Verschlussphase des Endlagers wird Verfüllmaterial angeliefert, ggf. aufbereitet und
in die Hohlräume des Endlagers eingebracht. Hierbei kommt es zu transportbedingten Emissionen
von
Luftschadstoffen
.
Nach dem in der vorläufigen Sicherheitsanalyse Gorleben (VSG) /GRS 2012/ zugrunde gelegten
Endlagerkonzept (horizontale Streckenlagerung der Wärme entwickelnden radioaktiven Abfälle in
Salz) wurden zur Verfüllung der Richtstrecken und Querschläge auf der Einlagerungssohle und
Erkundungssohle insgesamt 575.000 m³ Salzgrus und für die Infrastrukturbereiche 340.000 m³
Schotter kalkuliert. Hierin sind nicht die Verfüllmengen enthalten, die bereits während des
Einlagerungsbetriebs für die Einlagerungsstrecken und Querschläge eingebracht würden. Der zu
verwendende Salzgrus würde vorwiegend aus dem Aushub aus der Erkundungs- und
Errichtungsphase gewonnen, der auf dem Betriebsgelände des Endlagers auf einer Halde
deponiert wird. D. h., dass sich die Beförderung des Salzgruses auf den Bereich des

Umweltbericht
80
Betriebsgeländes beschränken sollte, sofern kein zusätzliches Verfüllmaterial notwendig wäre. Der
Schotter würde von außerhalb angeliefert werden müssen.
Weitere Fahrzeugtransporte ergeben sich durch den Abtransport der rückgebauten untertägigen
und übertägigen Einrichtungen. Darüber hinaus werden Liefertransporte von z. B. Befestigungs-
materialien, Mutterboden und Pflanzen in der Phase der Rekultivierung des Betriebsgeländes
anfallen. Der Zeitraum und Umfang für diese Transporte wird deutlich geringer sein als der
zugrunde gelegte Zeitrahmen und das Transportaufkommen für die Verfüllung des Endlagers.
Damit fallen auch geringere Luftschadstoff- und Staubemissionen durch Fahrzeuge an.
In der Verschlussphase eines Endlagers sind Emissionen von
Luftschadstoffen und Lärm
durch
Kfz und Baumaschinen bei den Verfüll- und Verschlussmaßnahmen, Rückbauarbeiten,
Rekultivierung und Installation von Ausrüstungsgegenständen und Messinstrumenten bzw.
Vorkehrungen für die Umweltüberwachung zu erwarten. Die höchsten Belastungen an Lärm- und
Luftschadstoffemissionen fallen während der übertägigen Rückbauarbeiten an. Allerdings wird der
Rückbau im Vergleich zur Verfüllung und damit auch zu anderen Phasen wie Erkundung,
Errichtung und Einlagerungsbetrieb in einem relativ kurzen Zeitraum erfolgen.
Konventionelles Abwasser
fällt bei
Grundwasserabsenkungen
an, die in Abhängigkeit von der
hydrogeologischen Situation des Standortes während der untertägigen Verfüllmaßnahmen und bei
dem Rückbau der Schachteinbauten und der Errichtung der Schachtverschlüsse aufrechterhalten
werden müssen. Darüber hinaus kann ggf. vorhandenes „Bergwasser“ als Kluft- oder
Formationswasser anfallen. Ein wesentlicher Beitrag zur Gesamtabwassermenge entsteht durch
das Haldenwasser, das bei Regen aus der Halde austritt. Brauchwasser z. B. aus LKW-
Reinigungsanlagen und aus Sanitärbereichen spielt im Vergleich zu dem Abwasser, das aus den
bergbaulichen Prozessen entsteht, qualitativ und quantitativ eine untergeordnete Rolle. Die
Wirkfaktoren
Grundwasserabsenkung
und
konventionelles Abwasser
werden im Kapitel 4.1.7
behandelt und werden daher nachfolgend nicht weiter projektspezifisch betrachtet.
Mit der Endlagerung Wärme entwickelnder radioaktiver Abfälle ist ein
Wärmeeintrag
in das
umgebende Gestein verbunden. Dieser Wirkfaktor wird für den Zeitraum nach Verschluss des
Endlagers in Kapitel 5.1.6.4 weiter betrachtet.
Während der Verschlussphase eines Endlagers kann es z. B. durch Einbring- und
Verdichtungsmaßnahmen des Versatzmaterials sowie bei den übertägigen Rückbauarbeiten zu
Erschütterungen
kommen. Das Ausmaß möglicher Erschütterungen wird im Vergleich zur
Errichtungsphase mit möglichen Rammarbeiten und Sprengungen als gering eingestuft.
Im Zuge der Verschlussphase des Endlagers werden in Bezug auf den Wirkfaktor
Flächeninanspruchnahme
und
Raumwirkung
durch die Abtragung der Halde, die
Rückbaumaßnahmen und die Rekultivierung des Betriebsgeländes die versiegelten Flächen und
Gebäude sukzessive abgebaut. Solche positiven Wirkungen werden nicht weiter betrachtet.
Durch die mit dem Verschluss des Endlagers verbundene vollständige Verfüllung aller Hohlräume
werden
Setzungen der Tagesoberfläche
reduziert bzw. minimiert. Die Anforderungen an den
Langzeitsicherheitsnachweis beinhalten, dass der einschlusswirksame Gebirgsbereich über den
Nachweiszeitraum von etwa 1. Mio. Jahren seine Funktion als Barriere erfüllt. Dies schließt
größere unterirdische Einbrüche und Verschiebungen, die sich an der Erdoberfläche bemerkbar
machen, aus.
Während der untertägigen Rückbauarbeiten, der Verfüllung der Hohlräume und der
Verschlussmaßnahmen z. B. beim Rückbau der Schachteinbauten und der anschließenden

Umweltbericht
81
Errichtung des Schachtabschlussbauwerkes wird eine
Grundwasserabsenkung
vorzunehmen
sein. Dieser Wirkfaktor sowie die damit verbundenen Einleitungen geförderten Grundwassers als
konventionelles Abwasser
werden in Kapitel 4.2 behandelt und werden daher nachfolgend nicht
weiter berücksichtigt.
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
, die sich über die Luft ausbreiten
würden, können zu Umweltauswirkungen auf die Schutzgüter Mensch und Tiere führen.
Zu betrachtende
Störfälle
während der Verschlussphase des Endlagers sind z. B. oberirdische
und untertägige Störfälle wie Brände oder Einwirkungen von außen. Darüber hinaus sind z. B.
störfallbedingte Lösungszutritte oder Beschädigung des Schachtverschlusses im Hinblick auf die
Langzeitsicherheit des Endlagers zu berücksichtigen.
Beim Rückbau von Strahlenschutzbereichen sowie bei Dekontaminationsvorgängen entstehen
feste und flüssige
radioaktive Betriebsabfälle
(z. B. Wischtücher, Reinigungsflüssigkeiten,
Filtermatten, etc.). Eine Abschätzung zur Stilllegung des ERAM hat ergeben, dass ca. 180 m
3
feste
metallische radioaktive Abfälle anfallen werden. Weiterhin werden bis zu 30 m
3
feste radioaktive
Mischabfälle aus lüftungstechnischen Anlagen und bis zu 20 m
3
feste radioaktive Mischabfälle in
Form von Reinigungstüchern, Schutzkleidung, Arbeitsgeräten, Laborgeräten und -materialien
sowie aus Dekontaminations- und Rückbaumaßnahmen anfallen /BfS 2009a/.Im Rahmen der
Stilllegung des ERAM wurde abgeschätzt, dass ca. 30 m
3
flüssige betriebliche radioaktive Abfälle
anfallen, die endlagergerecht konditioniert werden. Hierbei handelt es sich um Abwässer aus der
Dekontamination von Anlagen und Ausrüstungen /BfS 2009a/.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Luftschadstoffe
Luftschadstoffemissionen, wie Feinstaub, Stickoxide und Schwefeloxide, werden insbesondere
durch den Betrieb von Geräten und Maschinen beim Rückbau der Gebäuden (z.B. Eingangslager),
durch die Fahrbewegungen zwischen Endlager und Abraumhalde sowie entlang der
Transportrouten bei der Anlieferung von z.B. Schotter und beim Abtransport von z.B. Bauschutt
und Abraum verursacht. Abwehungen von der Abraumhalde sind ebenfalls möglich. Diese
Emissionen können auf Menschen gesundheitsschädlich wirken sowie Tiere und Pflanzen
schädigen oder beeinträchtigen.
Lärm‐ und Erschütterungen
Lärm wird durch den Betrieb von Geräten und Maschinen beim Rückbau von Gebäuden (z. B.
Eingangslager), durch die Fahrbewegungen zwischen Endlager und Abraumhalde sowie entlang
der Transportrouten bei der Anlieferung von z. B. Schotter und beim Abtransport von z.B.
Bauschutt und Abraum verursacht. Erschütterungen können durch Verdichtungsmaßnahmen beim
Verschluss des Endlagers und beim Abbruch von Gebäuden auftreten. Lärm kann beim Menschen
das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und Tiere aus ihrem Lebensraum vertreiben.
Erschütterungen können sich auf Menschen und Tiere negativ auswirken und Schäden an
Gebäuden verursachen.
Setzungen der Tagesoberfläche
Mit der Setzung der Tagesoberfläche können Auswirkungen auf die Schutzgüter Boden, Wasser
und Kultur und Sachgüter verbunden sein.
Durch die Verfüllmaßnahmen im Rahmen der Verschlussarbeiten des Endlagers werden
Senkungen an der Erdoberfläche weitgehend vermieden. Daher liegen keine potenziell relevanten
Umweltauswirkungen vor.

Umweltbericht
82
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
In einem Endlager für radioaktive Abfälle werden ausschließlich verschlossene Abfallbehälter
gehandhabt. Je nach gewähltem Endlager- und Behälterkonzept kann es zu Emission radioaktiver
Stoffe aus den Abfallbehältern kommen. Nach Strahlenschutzrecht sind Ableitungen bis zu einer
effektiven Dosis von 0,3 mSv/a zulässig (§ 47 StrlSchV).
Störfälle
In Abhängigkeit von der Art potenzieller Störfälle können alle Schutzgüter wie Mensch, Tier,
Pflanze, Boden, Wasser, Klima und Luft sowie Kultur- und Sachgüter betroffen sein.
Radioaktive Betriebsabfälle
Die Betriebsabfälle, die beim Verschluss eines Endlagers entstehen, werden konditioniert und bis
zu ihrer Endlagerung zwischengelagert. Anfallende radioaktive Abwässer können konditioniert und
als Betriebsabfälle entsorgt werden. Bewertungsmaßstab für die Handhabung und den Umgang
mit radioaktiven Abfällen sind die Bestimmungen der StrlSchV. Sofern eine Ableitung radioaktiver
Abwässer erforderlich wäre, wovon bei den zu erwartenden geringen Mengen nicht auszugehen
ist, erfolgt deren Ableitung auf Basis genehmigter Werte nach den Bestimmungen der StrlSchV.
Relevante Umweltauswirkungen sind nicht zu erwarten.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Luftschadstoffe
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.2 dargestellt. Beim Verschluss des Endlagers finden am
Standort umfangreiche Tätigkeiten (Verfüllen und Verschließen des Endlagers, Abbruch von
Gebäuden, Be- und Entladen von Transportfahrzeugen) statt, bei denen Geräte, Maschinen und
Fahrzeuge eingesetzt werden, die Emissionen verursachen. Hinzu können noch die Abwehungen
von der Abraumhalde kommen, wenn diese nicht abgedeckt oder ausreichend feucht gehalten
wird. Entlang der Transportrouten wird es zu erheblichem LKW-Verkehr kommen, da z. B. Schotter
antransportiert und z. B. Abraum und Bauschutt abtransportiert werden muss. Insgesamt kann für
die aus dem Verschluss des Endlagers resultierenden Luftschadstoffe davon ausgegangen
werden, dass bei einem Abstand von mehr als 1 km keine potenziell relevanten Auswirkungen auf
Menschen und Schutzgebiete durch die Zusatzbelastungen des Baustellenbetriebs zu erwarten
sind, wenn die Minimierungsmöglichkeiten, z. B. Einsatz von Maschinen und Geräten mit
Elektromotor und Befeuchtung staubender Güter beim Be- und Entladen, genutzt werden und
keine empfindlichen Einrichtungen, z. B. Krankenhäuser, vorhanden sind.
Werden Ortschaften umfahren und führen die Transportrouten nicht durch besonders enge Täler
sind durch die Zusatzbelastung selbst in Spitzenzeiten ebenfalls keine potenziell relevanten
Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen zu erwarten.
Luftschadstoffemissionen beim Verschluss eines Endlagers können innerhalb eines Abstandes
von 1 km zu potenziell relevanten Umweltauswirkungen führen, für die ggf. Minimierungs-
möglichkeiten zu betrachten sind.
Lärm‐ und Erschütterungen
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.3 dargestellt. Beim Verschluss des Endlagers finden am
Standort umfangreiche Tätigkeiten (Verfüllen und Verschließen des Endlagers, Abbruch von
Gebäuden, Be- und Entladen von Transportfahrzeugen) statt, bei denen Geräte, Maschinen und
Fahrzeuge eingesetzt werden, die Lärm verursachen. Entlang der Transportrouten wird es zu
erheblichem LKW-Verkehr kommen, da z. B. Schotter antransportiert und z. B. Abraum und
Bauschutt abtransportiert werden muss. Die bei Verdichtungsmaßnahmen beim Verschluss des

Umweltbericht
83
Endlagers und beim Abbruch von Gebäuden auftretenden Erschütterungen werden voraussichtlich
nicht über den Endlagerstandort hinaus wirken und deshalb keine relevanten Auswirkungen auf
Menschen und Tiere verursachen.
Insgesamt ist beim Verschluss des Endlagers hinsichtlich lärmbedingter Auswirkungen davon
auszugehen, dass ein Abstand von 1 km ausreicht, um in den Spitzenzeiten potenziell relevante
Umweltauswirkungen für Menschen zu vermeiden. Dieser Einschätzung liegt die Annahme zu
Grund, dass – von Ausnahmen abgesehen – die Baustelle nur am Tage betrieben wird.
Werden Ortschaften umfahren und werden die Transporte in mehr als 100 m Abstand zu
bewohnten Gebieten oder empfindlichen Nutzungen (z.B. Kurgebiete, Krankenhäuser,
Pflegeanstalten) geführt, sind potenziell relevante Auswirkungen auf Menschen generell nicht zu
erwarten.
Zur Bewertung der Auswirkungen auf Vögel entlang der Transportrouten müssen die
vorkommenden Vogelarten bekannt sein, da ihre Lärmempfindlichkeit und damit die erforderlichen
Abstände zur Straße sehr unterschiedlich sind.
Innerhalb eines Abstandes von 1 km zum Vorhaben können potenziell relevante Umweltaus-
wirkungen durch Lärm bestehen, zu deren Bewertung und ggf. Minimierung standortspezifische
Kenntnisse erforderlich sind.
Emission radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
Für die zu erwartende Emission radioaktvier Stoffe sind auf Grundlage der Erfahrungen aus dem
Einlagerungsbetrieb in anderen Anlagen (z.B. Zwischenlager, Endlager Morsleben) keine
erheblichen Umweltauswirkungen zu erwarten. Potentiell relevante Umweltauswirkung können auf
Grundlage der derzeit vorhandenen Kenntnisse über die Maßnahme nicht grundsätzlich
ausgeschlossen werden. Eine genauere Bewertung kann erst erfolgen, wenn das
Einlagerungskonzept näher konkretisiert ist.
Störfälle
Im Rahmen des Sicherheitsnachweises für ein Endlager sind Störfälle während der Verschluss-
phase zu analysieren. Relevante Störfallszenarien während des Endlagerverschlusses sind
oberirdische und untertägige Störfälle wie z. B. Brände oder Einwirkungen von außen. Durch die
Auslegung des Endlagers muss die Einhaltung der Störfallplanungswerte gewährleistet sein.
Potenzielle Störfälle sind im Genehmigungsverfahren zu berücksichtigen und werden im Rahmen
der SUP des NaPro als potenziell relevante Umweltauswirkungen bewertet.
5.1.6.4.
Zeitraum nach Verschluss des Endlagers
Nach dem Verschluss des Endlagers, sollen die radioaktiven Abfälle dauerhaft von der Biosphäre
isoliert bleiben. Dies muss im Genehmigungsverfahren für den Zeitraum von einer Million Jahre
nachgewiesen werden. Von einer dauerhaften Überwachung des Endlagers ist nicht auszugehen.
Wirkfaktoren
Die Endlagerung Wärme entwickelnder Abfälle führt zu
Wärmeeintrag
in das Gestein und
langfristig zur Erwärmung von Schutzgütern in der Biosphäre. Der Boden an der Erdoberfläche
oberhalb eines 800 m tiefen Endlagers in Salzgestein würde lokal nach 500 bis 1000 Jahren um
maximal 2 K erwärmt werden /Müller 2002/. Eine finnische Studie zur Endlagerung im
Granitgestein prognostiziert eine Erwärmung der lokalen Bodenoberfläche von 6 K /Posuva 1999/.

Umweltbericht
84
Für die Betrachtung der Umweltauswirkung wird unterstellt, dass es langfristig zu einer
geringfügigen
Emission von radioaktiven Stoffen in der Nachverschlussphase
aus dem
einschlusswirksamen Gebirgsbereich kommen könnte. Die Sicherheitsanforderungen an die
Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle legen fest, welches Sicherheitsniveau zur
Erfüllung der atomrechtlichen Anforderungen ein Endlager für wärmeentwickelnde radioaktive
Abfälle in tiefen geologischen Formationen nachweislich einzuhalten hat /SaEndlwA 2010/.
Entsprechend sind bei der Betrachtung von Freisetzungsszenarien aus dem Endlager auch
Emissionen anderer Schadstoffe in der Nachverschlussphase
zu berücksichtigen, da die
endgelagerten Wärme entwickelnden Abfälle auch schädliche stoffliche Eigenschaften z. B. als
Schwermetalle haben.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Wärmeeintrag
Veränderungen der Rückhalteeigenschaften des Gesteins durch Wärmeeintrag sind im Hinblick
auf Freisetzbarkeiten von Radionukliden und von natürlichen Stoffen aus der Umgebung des
Endlagers und im Hinblick auf Veränderungen von Grundwasserströmungen Gegenstand der
Langzeitsicherheitsanalyse /SaEndlwA 2010/.
Eine Erwärmung des Bodens und Grundwassers der Tagesoberfläche kann das Mikroklima der
Lebensräume beinträchtigen, wenn dieser Wirkfaktor dort relevante Größen eines
Temperaturanstiegs von einigen K erreicht. Derzeitige Erkenntnisse über eine Erwärmung des
Bodens und damit auch des Grundwasser um 2 oder 6 K liegen im Bereich der wissenschaftlich
derzeit diskutierten Bagatellschwellen von etwa 4 K bei Grundwasser (vgl. Kapitel 5.1.4). Der
Wärmeeintrag ist lokal begrenzt. Nach Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse ist eine
langfristige Erwärmung der Tagesoberfläche im Bereich von 4 K als nicht relevante
Umweltauswirkung zu bewerten.
Im Rahmen eines Zulassungsverfahrens für ein Endlager ist die Erwärmung der Tagesoberfläche
vor dem Hintergrund der standortspezifischen Gegebenheiten zu prognostizieren und im Hinblick
auf Umweltauswirkungen zu bewerten.
Emissionen
von
radioaktiven
Stoffen
oder
anderen
Schadstoffen
aus
Endlagern
in
der
Nachverschlussphase
Bei der Endlagerung wird ein Einschluss der Abfälle in geologischen Formationen angestrebt, der
die radioaktiven Stoffe dauerhaft von der Biosphäre fernhält. Für weniger wahrscheinliche
Entwicklungen in der Nachverschlussphase ist nachzuweisen, dass die durch Freisetzung von
Radionukliden, die aus den eingelagerten radioaktiven Abfällen stammen, verursachte zusätzliche
effektive Dosis für die dadurch betroffenen Menschen 0,1 Millisievert pro Jahr nicht überschreitet.
Für wahrscheinliche Entwicklungen gelten strengere Anforderungen.
Die Endlagerung muss damit sicherstellen, dass Freisetzungen radioaktiver Stoffe aus dem
Endlager langfristig die aus der natürlichen Strahlenexposition resultierenden Risiken nur sehr
wenig erhöhen.
Generell können freigesetzte radioaktive Stoffe und andere Schadstoffe Auswirkungen auf die
Schutzgüter Grundwasser, Menschen, Tiere und Pflanzen haben.

Umweltbericht
85
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Bei der Bewertung von Umweltauswirkungen in der Nachverschlussphase eines Endlagers ist zu
berücksichtigen, dass sich diese Phase über einen extrem langen Zeitraum von eine Million Jahre
erstreckt. Die Bewertungen sind daher mit den für die anderen Projekte vorgenommenen
Bewertungen nicht unmittelbar vergleichbar.
Methoden zur Bewertung der Langzeitsicherheit eines Endlagers sind vorhanden. Sie
berücksichtigen auch den Umgang mit unvermeidlichen Unsicherheiten bei der Prognose der
Entwicklung des Endlagers über den langen Zeitraum. Eine Vorhersage über die Entwicklung
tatsächlich vorhandener Schutzgüter ist jedoch nicht möglich, so dass die Bewertung hilfsweise auf
heute potenziell vorhandene Schutzgüter abgestellt wird.
Aufgrund dieser Randbedingungen wird für die Nachverschlussphase eines Endlagers auf die
Einordnung der Umweltauswirkungen in die üblicherweise verwendeten Kategorien als, nicht
relevant, potenziell relevant oder erheblich verzichtet, von erheblichen Auswirkungen ist jedoch
nicht auszugehen.
Emissionen von radioaktiven Stoffen oder anderen Schadstoffen aus Endlagern in der Nachverschluss‐
phase
Radioaktive Stoffe
Im Rahmen der SUP des NaPro werden die potenziellen Umweltauswirkungen durch unterstellte
Freisetzungen radioaktiver Stoffe auf die Schutzgüter Menschen einschließlich der menschlichen
Gesundheit, Tiere und Pflanzen sowie Wasser betrachtet.
Für ein Endlager nach Standortauswahlgesetz ist nachzuweisen, dass bei nicht auszuschließen-
den Freisetzungen die Exposition von Einzelpersonen der Bevölkerung für wahrscheinliche
Entwicklungen nur zu einer zusätzlichen effektiven Dosis im Bereich von 10 Mikrosievert pro Jahr
(μSv/a) führt. Unabhängig davon, ob überhaupt eine Freisetzung in die Biosphäre erfolgt und ob
davon in ferner Zukunft Menschen betroffen sind, entspricht die nachzuweisende Dosis der
international anerkannten de-Minimis-Dosis, die als Minimierungsgrenze zum Schutz des
Menschen mit einer jährlichen individuellen Dosis im Bereich von 10 μSv/a festgelegt wurde. Somit
wären bei einem erfolgenden Nachweis gemäß diesem Dosiskriterium keine potenziellen
Umweltauswirkungen auf Menschen gegeben. Für weniger wahrscheinliche Entwicklungen eines
Endlagers nach Standortauswahlgesetz wäre zu zeigen, dass eine etwaige Freisetzung
Einzelpersonen der Bdvölkerung mit nicht mehr als 0,1 Millisievert pro Jahr (mSv/a) zusätzlich
belastet /SaEndlwA 2010/. Unabhängig davon, ob solche Freisetzungen überhaupt eintreten, liegt
dieser Wert um den Faktor 10 unter dem derzeitigen Grenzwert nach § 46 der
Strahlenschutzverordnung von 1 mSv/a für Einzelpersonen der Bevölkerung. Dadurch ist
sichergestellt, dass zukünftige Generationen nicht höher belastet sind als heutige Generationen.
Zu berücksichtigen ist außerdem,
dass es sich um etwaige Freisetzungen bei weniger wahrscheinlichen Entwicklungen also bei
unterstellten Entwicklung des geologischen Untergrundes handelt, die sich ungünstig auf die
Rückhaltung von Radionukliden auswirken,
dass es sich um potenzielle Freisetzungen und daraus resultierende potenzielle Strahlen-
expositionen handelt, die nach heutigen Einschätzungen nur mit einer geringen Wahrscheinlich-
keit auftreten, und die sich somit von einer tatsächlichen Strahlenexposition aus einer heutigen
Tätigkeit unterscheiden, und

Umweltbericht
86
dass die Dosiskriterien nach /SaEndlwA 2010/ nicht als ein Grenzwert sondern aufgrund der
bestehenden Unwägbarkeiten zur Modellierung einer Dosis für Einzelpersonen der fernen
Zukunft als Richtwert zur Überprüfung der Qualität des Langzeitsicherheitsnachweises dienen.
Im einschlusswirksamen Gebirgsbereich muss nach /SaEndlwA 2010/ die Bildung von sekundären
Wasserwegsamkeiten ausgeschlossen sein, die zum Ein- oder Austreten schadstoffbelasteter
Flüssigkeiten führen und im einschlusswirksamen Gebirgsbereich vorhandenes Porenwasser darf
nicht am hydrogeologischen Kreislauf außerhalb des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs
teilnehmen. Darüber hinaus muss für Ton- und Salzgesteine gezeigt werden, dass mechanische
Beanspruchungen und Flüssigkeitsdrücke aus dem Deckgebirge sowie der aus der Einlagerung
der radioaktiven Abfälle resultierende Wärmeeintrag die Integrität des einschlusswirksamen
Gebirgsbereichs nicht beeinträchtigen.
Der Nachweis der Langzeitsicherheit eines Endlagers nach Standortauswahlgesetz erfolgt gemäß
Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung Wärme entwickelnder Abfälle /SaEndlwA 2010/ vor
allem über den Nachweis der Integrität des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs als Barriere
über einen Zeitraum von einer Millionen Jahre. Die Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben hat
gezeigt, dass ein Nachweis zur Einhaltung der Grenzwerte grundsätzlich geführt werden kann.
Allerdings sind im Rahmen des Standortauswahlverfahrens bzw. des anschließenden
Genehmigungsverfahrens für das Endlager die erforderlichen Nachweise erst noch zu führen.
Andere Schadstoffe
Nach § 48 Abs. 2 WHG /WHG 2014/ dürfen Stoffe nur so gelagert oder abgelagert werden, dass
eine nachteilige Veränderung der Grundwasserbeschaffenheit nicht zu besorgen ist. Diese
Anforderung wird durch das Geringfügigkeitsschwellenkonzept der Länderarbeitsgemeinschaft
Wasser (LAWA) konkretisiert /LAWA 2002//LAWA 2004//LAWA 2006/. Das Geringfügigkeits-
schwellenkonzept basiert auf der Beurteilung der human- und ökotoxikologischen Eigenschaften
von konventionellen Stoffen und legt Höchstwerte für Konzentrationen im Grundwasser fest, bei
deren Einhaltung eine anthropogene Beeinflussung des Grundwassers ausgeschlossen werden
kann.
Durch die Berücksichtigung von human- und ökotoxikologischen Kriterien sind bei Einhaltung der
Geringfügigkeitsschwellenwerte sowohl Umweltauswirkungen auf das Grundwasser als auch auf
Menschen, die menschliche Gesundheit sowie Pflanzen und Tiere auszuschließen. Die Gering-
fügigkeitsschwellenwerte sollen bereits vor einem Eintritt in das Grundwasser von in den Boden
gelangenden oder aufgebrachten Stoffen eingehalten werden. Überschreiten die geogenen
Hintergrundwerte eines Grundwassers die Geringfügigkeitsschwellenwerte der LAWA, so können
anstelle der Geringfügigkeitsschwellenwerte die jeweils bestehenden Hintergrundwerte des
Grundwassers vor Ort angewendet werden.
Sofern für ein Endlager nach Standortauswahlgesetz ein vollständiger Einschluss der
konventionellen Schadstoffe nicht nachweisbar ist, sind im Rahmen des Langzeit-
sicherheitsnachweises alle in das Endlager einzubringenden konventionellen Schadstoffe
hinsichtlich ihres Löslichkeits- und Transportverhaltens zu inventarisieren /Alt et. al. 2009/.
Konventionelle Schadstoffe des Endlagerinventars, für die der Nachweis erbracht werden kann,
dass diese aufgrund ihres Löslichkeits- und Transportverhaltens nicht in einen Aquifer außerhalb
des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs gelangen, sind hinsichtlich ihrer Auswirkungen nicht
weiter zu betrachten /Alt et. al. 2009/. Sofern ein Stoff in einem Endlager bei Lösungszutritt nur
Lösungskonzentrationen erreicht, die die Geringfügigkeitsschwellenwerte für den Schutz des
Grundwassers der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) unterschreiten, sind

Umweltbericht
87
Umweltauswirkungen auf das Grundwasser der Biosphäre nicht gegeben (einschließlich
Auswirkungen auf Menschen, die menschliche Gesundheit, Tiere und Pflanzen).
Stoffe eines Endlagerinventars, für die ein Austritt aus dem einschusswirksamen Gebirgsbereich
(ewG) nicht ausgeschlossen werden kann und die bei ihrem Austritt aus dem ewG bestehende
oder abgeleiteten Geringfügigkeitsschwellen der LAWA überschreiten, sind hinsichtlich ihrer
Migration zum Grundwasser der Biosphäre zu betrachten. Dabei ist der Aquifer festzulegen, in
dem zum vorsorgenden Schutz des Grundwassers der Biosphäre die bestehenden oder
abgeleiteten Geringfügigkeitsschwellen der LAWA einzuhalten sind /Alt et. al. 2009/. Generische
Untersuchungen zum Inventar eines Endlagers für Wärme entwickelnde Abfälle zeigen, dass der
Nachweis der Unterschreitung der Geringfügigkeitsschwellen erbracht werden kann
/Alt et. al. 2009/. Maßgeblich ist jedoch der noch ausstehende Langzeitsicherheitsnachweis des im
NaPro geplanten Endlagers für Wärme entwickelnde Abfälle.
5.2.
Alternativ: Verbringung der Brennelemente von Versuchs-, Demonstrations-
und Forschungsreaktoren in ein Land , in dem Brennelemente für
Forschungsreaktoren bereitgestellt oder hergestellt wird
Als Alternative für die Entsorgung der Brennelemente von Versuchs-, Demonstrations- und
Forschungsreaktoren wird die Verbringung in ein Land, in dem Brennelemente für
Forschungsreaktoren bereitgestellt oder hergestellt werden, betrachtet. Dabei konzentrieren sich
die Ausführungen auf die Phase der Überführung der Brennelemente in ein entsprechendes Land.
Die sich in diesem Land anschließenden Entsorgungsschritte (Wiederaufarbeitung und
Endlagerung der daraus resultierenden Abfälle) sind nicht Gegenstand der SUP, da sie unter dem
regulatorischen Regime des entsprechenden annehmenden Landes erfolgen.
Für die Rückführung bestrahlter Brennelemente mit hochangereichertem Uran aus US-Beständen,
die ursprünglich an ausländische Forschungsreaktoren geliefert wurden, an den SRS-Komplex
liegen Umweltverträglichkeitsprüfungen (Environmental Impact Statements) der US-Behörden vor
/DoE 1996/, /DoE 2000/ und /DoE 2013/. Die Emission radioaktiver Stoffe sowie Risiken
radiologischer Störfälle werden hier nicht weiter betrachtet.
Der Transport von Brennelementen in ein Land in dem Brennelemente für Forschungsreaktoren
bereitgestellt oder hergestellt werden, würde im Ereignisfall mit denselben Transportbehältern wie
für Wärme entwickelnde Abfälle, gemäß Kap. 5.1.3 erfolgen, d. h. bei einem angenommenen
Seetransport mit Typ B Behältern.
Beim Transport der Brennelemente werden die Behälter zunächst vom Zwischenlager auf dem
Landweg und ggf. auf dem Seeweg verbracht. Die entsprechenden Wirkfaktoren und potenziellen
Umweltauswirkungen unterscheiden sich auf dieser Transportstrecke nicht wesentlich vom
Transport der Brennelemente in das Endlager.
Wirkfaktoren
Die Wirkfaktoren beim Transport Wärme entwickelnder radioaktiver Abfälle innerhalb Deutschlands
werden in Kapitel 5.1.3 behandelt. Beim Transport der Brennelemente in das Land der
Brennstoffherstellung ist zusätzlich zu Straße und Schiene der Transport auf dem Seeweg zu
betrachten.

Umweltbericht
88
Ebenso wie für den Transport von Wärme entwickelnden radioaktiven Abfällen gem. Kap. 5.1.3
sind grundsätzlich im Wesentlichen die konventionellen Wirkfaktoren
Luftschadstoff- und
Staubemissionen
,
Lärm
und
Erschütterung
zu betrachten. Aufgrund der im Ereignisfall geringen
Anzahl dieser Transporte sind – unabhängig vom Verkehrsträger – die genannten konventionellen
Wirkfaktoren hier nicht weiter zu betrachten.
Darüber hinaus sind die radiologischen Wirkfaktoren
Direktstrahlung
(Gamma- und
Neutronenstrahlung) sowie
Freisetzung radioaktiver Stoffe auf Grund von Unfällen
zu
betrachten. Dabei sind die Eigenschaften des zu transportierenden radioaktiven Stoffes sowie des
verwendeten Transportbehälters – in diesem Fall Typ B Behälter – zu berücksichtigen.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Luftschadstoff‐ und Schallemissionen
Das Volumen und die Zahl an Behältern der transportierten Abfälle aus Versuchs-,
Demonstrations- und Forschungsreaktoren sind wesentlich kleiner als das der in Kapitel 5.1.3
betrachteten radioaktiven Abfälle. Eine weitergehende Betrachtung der aus den Transporten
resultierenden Luftschadstoff- und Schallemissionen ist daher nicht erforderlich.
Direktstrahlung
In Deutschland sind Emissionen von Direktstrahlung durch die Strahlenschutzverordnung geregelt.
Aufgrund der relativ geringen Anzahl von Behältern und des üblicherweise gegebenen Abstands
von Personen der allgemeinen Bevölkerung zu diesen Behältern sind im Rahmen der SUP
potenziell relevante Auswirkungen nicht zu betrachten.
Freisetzung radioaktiver Stoffe auf Grund von Unfällen
Der Transport erfolgt in unfallfesten Typ B(U)-Behältern, die zum einen die ausreichende
Abschirmung der stark strahlenden Stoffe gewährleisten müssen und zum anderen bestimmten
Belastungen standhalten müssen, um als unfallfeste Transportbehälter zugelassen zu werden. Bei
transportbedingten Unfällen während des Schiffstransports ist daher nicht von einer Freisetzung
radioaktiver Stoffe auszugehen, sofern die zugrunde liegenden Prüfkriterien nicht überschritten
werden (vergleiche Kapitel 5.1.3).
5.3.
Zwischenlagerung von bestrahlten Brennelementen und Abfällen aus der
Wiederaufarbeitung
In diesem Kapitel werden die Umweltauswirkungen der Maßnahme „Zwischenlagerung von
bestrahlten Brennelementen und Abfällen aus der Wiederaufarbeitung“ betrachtet. Die Betrachtung
erfolgt für folgende Projekte und Projektphasen:
Verlängerte Zwischenlagerzeit für bestrahlte Brennelemente und Abfälle aus der
Wiederaufarbeitung
Erweiterung der zulässigen Abfallarten von dezentralen Zwischenlagern zur Aufbewahrung von
Abfällen aus der Wiederaufarbeitung
Zwischenlagerung der Brennelemente aus Versuchs-, Demonstrations- und Forschungs-
reaktoren
Bei den Projekten wird jeweils die Phase „Betrieb“ berücksichtigt. Für die Projekte „Erweiterung der
zulässigen Abfallarten von Standortzwischenlagern zur Aufbewahrung von Abfällen aus der

Umweltbericht
89
Wiederaufarbeitung und „Zwischenlagerung der Brennelemente aus Versuchs-, Demonstrations-
und Forschungsreaktoren“ erfolgt außerdem eine Betrachtung der Phase „Transport zum
Zwischenlager“.
Innerhalb der einzelnen Kapitel zur Betrachtung der Umweltauswirkungen der o.g. Projekte erfolgt
zunächst eine Darstellung der Tätigkeiten am Standort. Anschließend werden die Wirkfaktoren
erläutert und die potenziellen Umweltauswirkungen beschrieben. Abschließend werden die
potenziellen Umweltauswirkungen bewertet und Maßnahmen der Vermeidung und Minimierung
dargestellt. Bei der Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen zahlreicher Wirkfaktoren wird
auf den in Kapitel 4.1 dargestellten Bewertungsrahmens zurückgegriffen.
5.3.1.
Verlängerte Zwischenlagerzeit für bestrahlte Brennelemente und Abfälle aus der
Wiederaufarbeitung
Die Zwischenlager für bestrahlte Brennelemente und Abfälle aus der Wiederaufarbeitung haben
jeweils eine Genehmigung über 40 Jahre. Die erste Genehmigung wird 2034 auslaufen. Gemäß
den Planungen im NaPro soll ein Endlager für Wärme entwickelnde Abfälle um das Jahr 2050 in
Betrieb gehen. Dadurch ergibt sich die Notwendigkeit, die bestrahlten Brennelemente und Abfälle
aus der Wiederaufarbeitung weiter zwischenzulagern. Es ist mit einer erforderlichen Genehmigung
zur Zwischenlagerung über einen begrenzten Zeitraum zu rechnen. Einige Jahre vor Ablauf der
bestehenden Genehmigungen sind die Genehmigungsverfahren für eine weitere
Zwischenlagerung durch einen Antrag zu beginnen.
Am Standort werden während des verlängerten Betriebs folgende Arbeiten ausgeführt:
Bei Ein- und Auslagerungen finden Prüfungen der Behälter statt. Dabei erfolgen radiologische
Kontrollen (Dosisleistungsmessung, Wischtests) und Kontrollen der Behälter auf Dichtheit und
äußeren Beschädigungen. Sofern erforderlich, können in einer Behälterwartungsstation äußere
Reparaturen durchgeführt werden (z. B. Tragzapfenwechsel, Aufschweißen eines Fügedeckels,
Wechsel des Sekundärdeckels).
Im Rahmen regelmäßiger Prüfungen werden an der Anlage (Gebäude, Kran,
Notstromversorgung etc.) Reparaturen durchgeführt.
Wirkfaktoren
Die in diesem Kapitel beschriebenen Umweltauswirkungen beziehen sich auf einen begrenzten
Zeitraum. Aspekte einer langfristigen Zwischenlagerung sind in Kapitel 6 beschrieben.
Der Zwischenlagerbetrieb führt zur Emission von
Direktstrahlung
(Gamma- und Neutronen-
strahlung). Die Direktstrahlung wird, bezogen auf ein voll belegtes Lager, bei der Verlängerung der
Zwischenlagerdauer, abnehmen, da kurzlebige Radionuklide abklingen. Da, bezogen auf den
bisherigen Betrieb, keine zusätzlichen Umweltauswirkungen durch die Direktstrahlung zu besorgen
sind, wird im Rahmen der SUP auf eine weitere Bewertung verzichtet. Die Lagerung und
Verwendung sonstiger radioaktiver Stoffe (z. B. Prüfstrahler) ist im Hinblick auf Direktstrahlung
ebenfalls nicht relevant.
Bei der Behälterwartung während des Betriebs entstehen flüssige und feste radioaktive Reststoffe.
Es wird davon ausgegangen, dass nach der Freimessung aller anfallenden radioaktiven Reststoffe
jährlich etwa 10 l flüssiger
radioaktiver Betriebsabfälle
und 1 bis 3 kg fester radioaktiver Abfall
anfallen /BfS 2015a/. Bezogen auf den bisherigen Betrieb würde durch eine verlängerte

Umweltbericht
90
Zwischenlagerzeit keine Änderung der Art und Menge an anfallenden radioaktiven Abfällen
entstehen, sodass keine zusätzlichen Umweltauswirkungen durch die radioaktiven Abfälle zu
besorgen sind. Daher erfolgt im Rahmen der SUP des NaPro keine weitere Betrachtung.
Eine verlängerte Zwischenlagerzeit ist wie auch der bisherige Betrieb der Zwischenlager
nicht
mit
der
Emissionen radioaktiver Stoffe
verbunden, da die Transportbehälter über zwei
Deckeldichtungen technisch dicht sind (Genehmigungsvoraussetzung) und im Eingangslager nicht
geöffnet werden. Sofern eine der Deckeldichtungen versagt, kann diese erneuert oder ein
Fügedeckel aufgeschweißt werden.
Während einer weiteren Zwischenlagerzeit entsteht wie bisher
Wärmeeintrag
in den Untergrund,
der zur Erwärmung des Bodens um das Eingangslager herum und zur Erwärmung des
Grundwassers führt. Für die Standortzwischenlager in Deutschland wurden Erwärmungen des
Bodens (bei maximaler Lagerbelegung und maximaler Wärmeleistung der Behälter) neben den
Gebäuden von einigen K (ca. 5 K) und Erwärmungen des Grundwassers von bis zu 15 K
prognostiziert /BfS 2015a/. Im Laufe der Zeit kühlen die Behälter ab, sodass weniger Wärme in
den Untergrund eingetragen wird. Da, bezogen auf den bisherigen Betrieb, durch die verlängerte
Zwischenlagerung keine zusätzlichen Umweltauswirkungen durch Wärmeeintrag zu besorgen
sind, wird im Rahmen der SUP auf eine weitere Bewertung verzichtet.
Der verlängerte Zwischenlagerbetrieb beinhaltet – wie auch der derzeitige Betrieb der
Zwischenlager – das Risiko von
Störfallen
. Im Rahmen der für eine verlängerte Aufbewahrung
erforderlichen Genehmigungsverfahren wird geprüft, ob sich durch eine Verlängerung der
Zwischenlagerzeit Auswirkungen auf die zu betrachtenden Störfälle und deren Bewertung
ergeben. Aus übergreifender Sicht der SUP des NaPro sind daher für eine verlängerte
Zwischenlagerzeit gegenüber der bisherigen Zwischenlagerung keine Veränderungen der
Störfallrisiken zu betrachten.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Bezogen auf den bisherigen Betrieb sind durch eine Verlängerung der Zwischenlagerzeit von
Wärme entwickelnden Abfällen an ihren bisherigen Standorten um einen begrenzten Zeitraum von
ca. 20 Jahren vor dem Hintergrund der übergreifenden Betrachtung in der SUP keine zusätzlichen
Umweltauswirkungen zu berücksichtigen. Im Rahmen der ausstehenden Genehmigungsverfahren
sind potenzielle Umweltauswirkungen auf Basis des Sachstandes zu klären.
5.3.2.
Erweiterung der zulässigen Abfallarten von Standortzwischenlagern zur
Aufbewahrung von Abfällen aus der Wiederaufarbeitung
Die noch zurückzuführenden verglasten Abfälle aus der Wiederaufarbeitung im europäischen
Ausland sollen nicht in das Zwischenlager Gorleben eingelagert werden, sondern sie sollen in
noch nicht näher bestimmte Standortzwischenlager gebracht und dort bis zur Annahmebereitschaft
eines Eingangslagers am Standort eines Endlagers zwischengelagert werden. Hierfür sind
Behälter der Bauart CASTOR® HAW28M vorgesehen. Die Standortzwischenlager sollen für die
Aufnahme dieses Abfallstroms weder baulich erweitert noch hinsichtlich des zulässigen
Aktivitätsinventars modifiziert werden. Die Umweltauswirkungen der anfallenden Transporte sind
im vorliegenden Kontext der SUP vernachlässigbar, da es sich nur um eine geringe Zahl von
Fahrbewegungen handelt, die nicht zu relevanten Immissionen führen.
Die Anlieferung der Abfälle aus der Wiederaufarbeitung erfolgt auf Basis bestehender
Verpflichtungen. Die Bundesregierung hat gegenüber der französischen und der britischen
Regierung in Notenwechsels aus den Jahren 1979 bzw. 1990/1991 das Recht dieser beiden

Umweltbericht
91
Staaten bekräftigt, die bei der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente anfallenden Abfälle
und andere Erzeugnisse nach Deutschland zurückführen zu können /BMUB 2014/.
Am Standort werden folgende Arbeiten ausgeführt:
Während des Betriebs werden Transport- und Lagerbehälter angenommen und in das
Zwischenlager eingelagert. Annahme, Einlagerung und Auslagerung dieser Behälter erfolgen mit
radiologischen Kontrollen (Dosisleistungsmessung, Wischtests) und Kontrollen der Behälter auf
Dichtheit und äußere Beschädigungen. Sofern erforderlich, können in einer
Behälterwartungsstation äußere Reparaturen durchgeführt werden (z. B. Tragzapfenwechsel,
Aufschweißen eines Fügedeckels, Wechsel des Sekundärdeckels).
Nach der verkehrsrechtlichen Zulassung des Behälters CASTOR®HAW28M kann dieser nur mit
intaktem Primärdeckel als „Dichte Umschließung“ befördert werden /ESK 2014/. Wenn das
Primärdeckeldichtsystem dieser Behälter versagt, kann für den Lagerbetrieb die
Wiederherstellung des Doppeldeckelsystems mit einem Fügedeckel erreicht werden. Vor einem
Abtransport in ein Endlager muss jedoch ein zulassungskonformer Zustand hergestellt werden.
Um die Transportfähigkeit im Falle des Versagens des Primärdeckels wiederherzustellen, kann
gemäß /ESK 2014/ der Bau einer Heißen Zelle erforderlich werden, um darin eine
Behälteröffnung durchzuführen und den Primärdeckel zu erneuern. Diese könnte im
bestehenden Zwischenlager eingerichtet werden oder in einen separaten Gebäude, das ggf.
hierfür errichtet werden müsste. Aus Sicht der Entsorgungskommission (ESK) /ESK 2014/
besteht nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass während der Zwischenlagerzeit ein
Versagensereignis hinsichtlich des Primärdeckelsystems eines Behälters CASTOR®HAW28M
auftritt. Daher ist auch die Erfordernis zur Errichtung einer Heißen Zelle eher unwahrscheinlich.
Die Errichtung, der Betrieb und der Rückbau einer Heißen Zelle würden zu konventionellen und
radiologischen Wirkfaktoren führen. Auf Grund des übergreifenden Charakters dieser SUP
werden Bau und Betrieb einer Heißen Zelle nicht weiter betrachtet. Gleichwohl ist dieser Aspekt
im Genehmigungsverfahren zu prüfen.
Die Umweltauswirkungen für das jeweils voll belegte Standortzwischenlager wurden bereits in der
jeweiligen UVP untersucht. Im Folgenden werden nur die Wirkfaktoren beschrieben, die durch die
Zwischenlagerung der Abfälle aus der Wiederaufbereitung zusätzlich auftreten können bzw. die
sich hierdurch verändern können.
Wirkfaktoren
Durch die Abfälle aus der Wiederaufbereitung kann sich der
Wärmeeintrag
in den Untergrund
ändern, der zur Erwärmung des Bodens um das Lager herum und zur Erwärmung des
Grundwassers führt. Für die Standortzwischenlager in Deutschland wurden Erwärmungen des
Bodens (bei maximaler Lagerbelegung und maximaler Wärmeleistung der Behälter) neben den
Gebäuden von einigen K (ca. 5 K) und Erwärmungen des Grundwassers von bis zu 15 K
prognostiziert /BfS 2015a/.
Die Abfälle aus der Wiederaufarbeitung führen im Zwischenlagerbetrieb zur Emission von
Direktstrahlung
(Gamma- und Neutronenstrahlung).
Die Zwischenlagerung der Abfälle aus der Wiederaufarbeitung beinhaltet das Risiko von
Störfällen
.

Umweltbericht
92
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Wärmeeintrag
Ein Wärmeeintrag in den Boden und das Grundwasser unterhalb des Lagers und um das Lager
herum wirkt sich auf die Lebensraumfunktion des Bodens und des Grundwassers aus und kann
damit auch auf die Eigenschaften des Grundwassers rückwirken (vgl. Kapitel 5.1.4).
Direktstrahlung
Durch die Abfälle aus der Wiederaufarbeitung kann sich im Zwischenlagerbetrieb die Emission von
Direktstrahlung (Gamma- und Neutronenstrahlung) ändern. Die grundlegenden Wirkungen von
Direktstrahlung sind in Kapitel 4.1.4 dargestellt.
Störfälle
Die Zwischenlagerung erfolgt in massiven Transport- und Lagerbehältern. Eine Freisetzung von
radioaktiven Stoffen ist infolge eines Behälterabsturzes, des Absturzes von Lasten auf den
Behälter oder eines Brandes nicht zu unterstellen. Durch Einwirkungen mit terroristischem
Hintergrund wären Freisetzungen radioaktiver Stoffe möglich. Die Risiken unterscheiden sich
damit nicht wesentlich von denen der Lagerung bestrahlter Brennelemente. Aus übergreifender
Sicht der SUP sind gegenüber der bisher genehmigten Zwischenlagerung keine wesentlichen
Veränderungen der Störfallrisiken gegeben, sodass dieser Aspekt im Rahmen der SUP nicht
weiter betrachtet wird.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Wärmeeintrag
Für die Bewertung ist wichtig, ob durch die Wärme entwickelnden Abfälle aus der
Wiederaufarbeitung zusätzlich zum bereits in der UVP der Standortzwischenlager betrachteten
Wärmeeintrag für ein voll belegtes Lager Wärme eingetragen werden kann. Im Folgenden wird
dies abgeschätzt.
Insgesamt sind noch 21 Behälter mit Wärme entwickelnden Abfällen aus der Wiederaufarbeitung
zurückzuführen. Welche Behälterart hierfür verwendet wird, ist nicht bekannt. Es wird deshalb hier
modellhaft von dem Typ CASTOR®HAW28M ausgegangen. Die maximale Wärmeleistung eines
CASTOR®HAW28M beträgt 56 kW /GNS 2010/. Daraus ergibt sich für alle 21 Behälter eine
Wärmeleistung von 1176 kW. Geht man davon aus, dass bei einer Verteilung der
zurückzuführenden Abfälle nicht mehr als 7 Behälter pro Zwischenlager eingelagert werden, so
ergibt sich eine maximale einzulagernde Wärmeleistung von 392 kW. Die genehmigte maximale
Wärmeleistung der Zwischenlager reicht von 2 bis 6 MW.
Durch die frühestmögliche zeitlich gestaffelte Beendigung der Nutzung der Kernenergie in
Deutschland werden nach /BfS 2015c/ nicht alle genehmigten Stellplätze benötigt. Somit wird die
genehmigte Wärmeleistung nicht ausgeschöpft.
Die Erwärmung des Bodens und des Grundwasser durch die Einlagerung rückgeführter Wärme
entwickelnder Abfälle in Standortzwischenlager sind im Rahmen der SUP des NaPro keine
potenziell relevanten Umweltauswirkungen, da keine wesentliche Überschreitung des bereits
betrachteten Wärmeeintrags zu erwarten ist.
Direktstrahlung
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.4 dargestellt. Die Emission der Direktstrahlung des
Zwischenlagers wird durch messtechnische Überprüfung kontrolliert. Die Grenzwerte der
Strahlenschutzverordnung sind einzuhalten.

Umweltbericht
93
Konkrete Maßnahmen der Minimierung im Hinblick auf reale Aufenthaltszeiten von Personen am
Standort oder Personen im öffentlich zugänglichen Bereich können realisiert werden. Im Rahmen
der SUP ist aufgrund von Direktstrahlung nicht von potenziell relevanten Umweltauswirkungen
auszugehen.
5.3.3.
Zwischenlagerung der Brennelemente aus Versuchs-, Demonstrations- und
Forschungsreaktoren
Gemäß den Planungen des NaPro ist die Zwischenlagerung der Brennelemente aus Versuchs-,
Demonstrations- und Forschungsreaktoren mit dem Ziel der Endlagerung oder der Abgabe an ein
Land, in dem Brennstoff für Forschungsreaktoren hergestellt wird, zu betrachten. Hierzu müssen
die Brennelemente, die derzeit noch in den Nasslagern der Forschungsreaktoren lagern, in
trockene Transport- und Lagerbehälter überführt und in ein bestehendes Zwischenlager
transportiert werden. Die Zwischenlager sollen hierfür nicht baulich erweitert werden. Vielmehr
sollen die vorhandenen Stellplätze genutzt werden.
Der bestrahlte Kernbrennstoff befindet sich in den Nasslagern der Forschungsreaktoren in Berlin,
Garching und Mainz. Bereits eingelagert sind 479 Behältern (trockene Zwischenlagerung) in den
Zwischenlagern Ahaus, Jülich und dem Zwischenlager Nord. Es wird insgesamt eine anfallende
Menge von 10 bis 12 Mg SM erwartet /NaPro 2015/.
Die Auswirkungen aus den Transporten sind im vorliegenden Kontext vernachlässigbar.
Während des Betriebs der bestehenden Zwischenlager für Forschungs-, Versuchs- und
Demonstrationsreaktoren werden Transportbehälter angenommen und eingelagert. Annahme,
Einlagerung und Auslagerung von Transportbehältern erfolgen mit radiologischen Kontrollen
(Dosisleistungsmessung, Wischtests) und Kontrollen der Behälter auf Dichtheit und äußeren
Beschädigungen. Sofern erforderlich, können äußere Reparaturen durchgeführt werden (z. B.
Tragzapfenwechsel).
Die Umweltauswirkungen für die zur Verfügung stehenden Zwischenlager wurden bereits im
Rahmen der Genehmigungsverfahren geprüft. Im Folgenden werden nur Wirkfaktoren
beschrieben, die durch das Inventar der Abfälle zusätzlich auftreten können bzw. die sich
hierdurch verändern können.
Wirkfaktoren
Durch die Abfälle entsteht
Wärmeeintrag
in den Untergrund. Da es sich im Vergleich zu einer
Zwischenlagerung von Brennelementen aus dem Leistungsbetrieb um eine geringe Menge an
Wärme entwickelnden Abfall handelt, der durch den Betrieb der Forschungs-, Versuchs- und
Demonstrationsreaktoren anfällt, ist der daraus resultierende Wärmeeintrag in den Untergrund im
Hinblick auf Umweltauswirkungen vernachlässigbar. Eine weitere Betrachtung erfolgt daher im
Rahmen der SUP nicht.
Die Abfälle der Forschungs-, Versuchs- und Demonstrationsreaktoren führen im
Zwischenlagerbetrieb zur Emission von
Direktstrahlung
(Gamma- und Neutronenstrahlung), die
jedoch über die Betrachtungen in den bereits bestehenden Genehmigungen abgedeckt ist.
Grundsätzliche Umweltauswirkungen von Direktstrahlung sind in Kapitel 4.1.4 dargestellt. Die
geringe Menge an prognostizierten Abfällen aus Forschungs-, Versuchs- und

Umweltbericht
94
Demonstrationsreaktoren erfordert vor dem Hintergrund der übergreifenden Betrachtung der SUP
des NaPro keine vertiefende Betrachtung von Umweltauswirkungen durch Direktstrahlung.
Die Lagerung beinhaltet das Risiko von
Störfällen
, für die jedoch in den bestehenden
Genehmigungen der Zwischenlager bereits Vorsorge getroffen wurde. Eine weitere Betrachtung ist
im Rahmen der SUP des NaPro daher nicht erforderlich.
5.4.
Entsorgung der rückgeholten radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage
Asse II und Stilllegung der Schachtanlage Asse II
Die Entsorgung der rückgeholten radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II umfasst
folgende Projekte und Projektphasen
Rückholung und endlagergerechte Konditionierung der radioaktiven Abfälle aus der
Schachtanlage Asse II
Zwischenlagerung der konditionierten radioaktiven Abfälle
Stilllegung der Schachtanlage Asse II
Überführung der radioaktiven Abfälle in das Endlager
Endlagerung der rückgeholten radioaktiven Abfälle im Endlager nach Standortauswahlgesetz
Option: Endlagerung der rückgeholten radioaktiven Abfälle im Endlager-Konrad
5.4.1.
Rückholung und Konditionierung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage
Asse II
Gemäß dem Gesetz zur Beschleunigung der Rückholung radioaktiver Abfälle und der Stilllegung
der Schachtanlage Asse II /Lex Asse 2013/ sollen die Abfälle aus der Schachtanlage Asse II
zurückgeholt und vor Ort konditioniert werden.
5.4.1.1.
Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II
Der Planungsstand dieses Projektes befindet sich in einer frühen Phase der Umsetzung. Derzeit
findet die sogenannte Faktenerhebung statt, die von erforderlichen Untersuchungen zu
Marktverfügbarkeit und technischen Voraussetzungen der notwendigen Bergungstechnik und
Machbarkeitsstudien zur prinzipiellen Vorgehensweise bei der Rückholung begleitet wird. Die
Bergung wird voraussichtlich über fernhantierte Spezialmaschinen erfolgen. Durch das Einrichten
von Schleusen unter Tage soll gewährleistet werden, dass bei der Handhabung der radioaktiven
Abfälle die Vorgaben der StrlSchV im Hinblick auf die Einhaltung von Dosisgrenzwerten
eingehalten werden.
Derzeitige Schätzungen gehen davon aus, dass bei der Rückholung mindestens 90.000 Mg an
unkonditionierten Abfällen anfallen werden, daraus ergibt sich nach der Konditionierung ein
Abfallvolumen von ca. 175.000 bis 220.000 m³ für die spätere Endlagerung /BfS 2014/../.
Die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle lagern derzeit in insgesamt 12 Kammern auf der
725 m- und der 750 m Sohle. Ausschließlich mittelradioaktive Abfälle lagern derzeit in einer
Kammer in 511 m Teufe. Die Rückholung wird in folgende Phasen unterteilt:

Umweltbericht
95
Abteufen des Schachtes Asse 5 und Errichtung von Infrastrukturen für die Anbindung des
Schachtes (Verkehrswege, Schleusen, Verpackungsanlagen, Bewetterung, Stromzugang etc.)
an den Standort
Bergung der radioaktiven Abfälle
Nach derzeitigem Kenntnisstand kann die Rückholung nicht vor 2033 begonnen werden und wird
mehrere Jahrzehnte dauern /BfS 2014/.
Wirkfaktoren
Für den Bau des Schachtes Asse 5 sowie weitere Gebäude und Infrastrukturen erfolgt eine
Flächeninanspruchnahme
. Für diese Umweltprüfung wird von einer maximal zu versiegelnden
Fläche ausgegangen, die der Errichtung der Tagesanlagen eines Erkundungsbergwerks
(geschätzt auf maximal 50.000 m²) entspricht.
Durch die Errichtung eines Schachtgebäudes sowie ggf. weiterer Gebäude besteht
Raumwirkung
.
Für die Wirkungen
Luftschadstoffe
sowie
Lärm und Erschütterungen
wird während der
Bauphase des Schachtes 5 angenommen, dass sie maximal in dem Umfang auftreten, wie sie in
etwa bei der Errichtung von Erkundungsbergwerken zu erwarten sind.
Das Abteufen des Schachtes soll mit dem Gefrierverfahren erfolgen, jedoch werden
Grundwasserabsenkungen
insbesondere bei der Erstellung des Vorschachtes nicht
ausgeschlossen /DMT 2014/. Die Einleitung geförderten Grundwassers würde als
konventionelles Abwasser
erfolgen.
Die Bewertung der Umweltauswirkungen durch
Grundwasserabsenkung
und Einleitung
geförderten Grundwassers als
Abwasser
erfolgt im Kapitel 4.1.7, so dass diese Wirkfaktoren
nachfolgend nicht weiter projektspezifisch betrachtet werden.
Der Rückholungsbetrieb wird allenfalls unerheblich zu Luftschadstoffen und Lärm führen, da die
Arbeiten größtenteils untertägig oder in geschlossenen Hallen stattfinden sollen. Luftschadstoffe
sollen dabei durch die Filterung der Abluft nach Möglichkeit zurückgehalten werden.
Der Rückholungsbetrieb führt nicht zu im Rahmen der SUP relevanter
Direktstrahlung
, da die
Tätigkeiten unter Tage durchgeführt werden. Übertägig werden nur in Overpacks verpackte
Gebinde gehandhabt. Die Direktstrahlung bei der Zwischenlagerung und Konditionierung wird in
Kapitel 5.4.1.2 und 5.4.1.2 betrachtet.
Während der Rückholung wird die Bewetterung der Arbeitsbereiche und ggf. auch der geöffneten
Einlagerungskammern notwendig. Infolgedessen wird gegenüber dem heutigen Zustand eine
erhöhte Menge an gasförmigen Radionukliden als
Emissionen radioaktiver Stoffe über den
Luftpfad
in die Umwelt abgeleitet. Bei den Bergungsarbeiten unter Tage können Stäube, die
radioaktiv kontaminiert sind, in wesentlicher Menge entstehen. Partikel und Schwebstoffe können
mit einem hohen Wirkungsgrad (> 99,9%) in Filteranlagen abgeschieden werden.
Risiken möglicher
Störfälle
bestehen während des untertägigen Rückholungsbetriebes.

Umweltbericht
96
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Flächeninanspruchnahme durch Errichtung eines Schachtes sowie ggf. weiterer Verkehrsflächen
führt zum Verlust der Bodenfunktion sowie des Lebensraumes für Tiere und Pflanzen auf der
betroffenen Fläche.
Raumwirkung
Raumwirkung verändert das Erscheinungsbild einer betroffenen Landschaft und kann ihre
Erholungsfunktion herabsetzen. Raumwirkung ist vom subjektiven Empfinden des Betrachters
abhängig, sie gewinnt bei hoher Anzahl an betroffenen Anwohnern oder Erholungssuchenden
zusätzliches Gewicht. Die Einsehbarkeit des Standorts ist insbesondere in touristisch geprägten
Regionen relevant.
Luftschadstoffe
Luftschadstoffemissionen, wie Feinstaub, Stickoxide und Schwefeloxide, werden durch den Betrieb
von Geräten und Maschinen im Bergwerk sowie bei der Errichtung von Gebäuden und
Verkehrswegen verursacht. Hinzu kommen ggf. die Fahrbewegungen zwischen Bergwerk und
Abraumhalde. Abwehungen von der Abraumhalde sind ebenfalls möglich. Diese Emissionen
können auf Menschen gesundheitsschädlich wirken sowie Tiere und Pflanzen schädigen oder
beeinträchtigen.
Lärm
Lärm wird durch die gleichen Geräte, Maschinen und Transportfahrzeuge verursacht wie die
Emissionen von Luftschadstoffen. Lärm kann beim Menschen das Risiko von Herz-Kreislauf-
Erkrankungen erhöhen und Tiere aus ihrem Lebensraum vertreiben.
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
Bisherige Abschätzungen ergaben, dass die gesetzlichen Dosisgrenzwerte nach § 47 StrlSchV bis
zu etwa einem Viertel ausgeschöpft sein könnten /DMT&TÜV 2009/.
Störfälle
Freisetzungen von radioaktiven Stoffen sind beim Öffnen von Kammern, durch Handhabungsfehler
bei einer Abfallbergung, durch Brand oder Explosion etc. prinzipiell möglich.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.1 dargestellt. Die Flächeninanspruchnahme für das
Schachtgebäude und ggf. weitere Verkehrsflächen und Gebäude ist als potenziell erhebliche
Umweltauswirkung zu bewerten.
Minimierungen von Auswirkungen sind bei der Festlegung der Flächen für Gebäude und
Verkehrsflächen möglich. Als Standort wären Schutzgebiete oder Lebensräumen geschützter
Arten zu vermeiden. Unter Berücksichtigung artspezifischer ökologischer Ansprüche besteht ggf.
auch die Möglichkeit der Umsiedlung von geschützten Tier- und Pflanzenarten.
Raumwirkung
Die Raumwirkung des Schachtgebäudes sowie ggf. weiterer zu errichtender Gebäude auf das
Landschaftsbild ist eine potenziell relevante Umweltauswirkung. Eine Bewertung der Raumwirkung
kann nur anhand bildlicher Darstellungen der geplanten Anlage in der Landschaft (Fotomontagen)
unter Berücksichtigung aller relevanten Blickrichtungen erfolgen.

Umweltbericht
97
Minimierungen von Auswirkungen auf das Landschaftsbild durch Raumwirkung zielen darauf ab,
Sichtbeziehungen aus der Umgebung zu vermeiden oder zu reduzieren. Dabei können das Relief
der Landschaft einbezogen werden, Verschattungen durch Wald erfolgen oder die Farbgestaltung
von Gebäuden dem Landschaftsbild angepasst werden.
Luftschadstoffe
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.2 dargestellt. Emissionen von Luftschadstoffen werden in
der gleichen Größenordnung verursacht wie beim heutigen Offenhaltungsbetrieb der Schacht-
anlage Asse II und bei der Errichtung eines Erkundungsbergwerks. Werden Abraumhalden
abgedeckt, um Abwehungen zu minimieren, kann insgesamt davon ausgegangen werden, dass
bei einem Abstand zur nächstgelegenen Wohnbebauung von 700 m keine potenziell relevanten
Auswirkungen auf Menschen und Tiere auftreten.
Lärm
Lärm wird in der gleichen Größenordnung verursacht wie beim heutigen Offenhaltungsbetrieb der
Schachtanlage Asse II und bei der Errichtung eines Erkundungsbergwerks. Beträgt der Abstand
zur nächstgelegenen Wohnbebauung wie bei Errichtung eines Erkundungsbergwerks mehr als
700 m, sind potenziell relevante Auswirkungen auf Menschen nicht zu erwarten.
Zur Bewertung der Auswirkungen von Lärm auf Vögel müssen die vorkommenden Vogelarten
bekannt sein, da ihre Lärmempfindlichkeit und damit die erforderlichen Abstände sehr
unterschiedlich sind.
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
Die tatsächliche Höhe der Ableitungen und die maximale Dosis bei Ausschöpfung genehmigter
Ableitungswerte können erst bei Fortschritt der Kenntnisse über den Zustand der rückzuholenden
Abfälle sowie konkreter Entwicklung und Planung der Bergungstechnik besser abgeschätzt
werden. Durch lüftungstechnische Maßnahmen können die Ableitungen reduziert werden. Für die
Rückholung ist sicherzustellen, dass die Dosisgrenzwerte nach § 47 StrlSchV eingehalten sind.
Für die Emissionen radioaktiver Stoffe können potenziell relevante Umweltauswirkungen im
Rahmen der SUP nicht ausgeschlossen werden.
Störfälle
Im Genehmigungsverfahren ist eine Störfallanalyse durchzuführen, in der eine ausreichende
Störfallvorsorge nachgewiesen wird. Dabei kann der Störfallplanungswert von der Genehmigungs-
behörde im Einzelfall festgelegt werden /Lex Asse 2013/. Im Rahmen der SUP sind daher
potenziell relevante Umweltauswirkungen nicht auszuschließen.
5.4.1.2.
Konditionierung der rückgeholten radioaktiven Abfälle am Ort der Rückholung
Eine Konditionierung der rückgeholten radioaktiven Abfälle ist erforderlich. Der Ort der
Konditionierung ist derzeit nicht festgelegt. Für diesen Bericht wird jedoch angenommen, dass
diese am Ort der Rückholung erfolgt.
Während der Bauphase erfolgt die Errichtung der Konditionierungsanlage und eines Puffer-
lagers zur Eingangs- und Ausgangslagerung sowie der Infrastrukturen (Straßenanbindung,
Elektrizität etc.). Ggf. werden weitere Gebäude für Anlagensicherung, Wartungsarbeiten und
Personal errichtet.
Während des Betriebes werden nach außen kontaminationsfreie Overpacks über Tage
angeliefert, radiologische Messungen durchgeführt und die Abfälle nach einer ggf. erfolgenden

Umweltbericht
98
Separation neu verpackt. Fertig konditionierte Abfallgebinde werden im Ausgangspufferlager zu
Transporteinheiten für eine Überführung in das eigentliche Zwischenlager (vgl. Kapitel 5.4.2)
bereitgestellt.
Die Stilllegung der Konditionierungsanlage entspricht im Hinblick auf Wirkfaktoren im Wesent-
lichen ihrem Bau.
Wirkfaktoren
Der Flächenbedarf des Gebäudes beträgt gemäß Planungskonzept 2.350 m
2
/GNS 2011/. Je
nachdem, ob das Zwischenlager und die Konditionierungsanlage beisammen am Ort der
Rückholung errichtet werden oder voneinander getrennt, können wesentliche Abweichungen vom
Konzept bestehen.
Beim Bau und Rückbau kommt es zu Emissionen von
Luftschadstoffen
sowie
Lärm und
Erschütterungen.
Während des Betriebs der Anlage sind Luftschadstoff- und Staubemissionen
sowie Lärm nicht relevant. Während des Baus können Maßnahmen der
Grundwasserabsenkung
und
Abwassereinleitung
erforderlich sein.
Durch das Gebäude entsteht
Raumwirkung
.
Beim Bau einer Konditionierungsanlage können temporär
Grundwasserabsenkungen
und
Einleitungen geförderten Grundwassers als
konventionelles Abwasser
nicht ausgeschlossen
werden. Diese Wirkfaktoren werden im Kapitel 4.1.7 betrachtet, sodass hier keine weiteren
Ausführungen erforderlich sind.
In der Konditionierungsanlage erfolgt der tägliche Umgang mit einem geringen Anteil des
gesamten Inventars aller Abfälle von ca. 3,9.10
14
Bq Alpha-Aktivität sowie etwa 2,3.10
15
Bq
Beta/Gamma-Gesamtaktivität /TÜV 2013/. Während der Konditionierung sind Wirkungen durch
Direktstrahlung
,
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luft- und den Wasserpfad
(Ableitungen)
sowie Risiken möglicher
Störfälle
zu berücksichtigen. Für die Ableitung über die
Fortluft und das Abwasser sowie im Hinblick auf Störfallrisiken können Analogieschlüsse auf der
Basis der Erfahrung mit Konditionierungseinrichtungen gezogen werden. Eine große
Konditionierungsanlage für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung wird
derzeit durch die Hauptabteilung Dekontaminationsbetriebe (HDB) der WAK GmbH in Karlsruhe
betrieben. Die Ableitung radioaktiver Stoffe über den Wasserpfad beinhaltet als stoffgebundene
Ableitung und auf Grund zusätzlicher konventioneller Stoffe (z. B. Rückstände von
Reinigungssubstanzen) eine Ableitung als
konventionelles Abwasser
. Die Bewertung des
Wirkfaktors konventionelles Abwasser erfolgt im Kapitel 4.1.7 und wird nachfolgend nicht weiter
projektspezifisch betrachtet.
Anfallende
radioaktive Betriebsabfälle
werden nach einer Konditionierung bis zur Endlagerung
zwischengelagert und sind für die Betrachtungen in der SUP von untergeordneter Bedeutung.
Bei einem Rückbau der Konditionierungsanlage fallen im Vergleich zu den insgesamt anfallenden
Baumassen geringe Mengen an radioaktiven Abfällen bei der Dekontamination an, die einer
Endlagerung zuzuführen sind. Die anfallenden Mengen sind für die Betrachtung der SUP nicht
relevant.

Umweltbericht
99
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Flächeninanspruchnahme in der Größenordnung von 2.500 m² führt zum Verlust der
Bodenfunktion sowie des Lebensraumes für Tiere und Pflanzen auf der betroffenen Fläche. Es
kann nicht ausgeschlossen werden, dass von der Versiegelung ein Gewässer, geschützte Arten
und ein Schutzgebiet betroffen sind.
Raumwirkung
Raumwirkung verändert das Erscheinungsbild einer betroffenen Landschaft und kann ihre
Erholungsfunktion herabsetzen. Raumwirkung ist vom subjektiven Empfinden des Betrachters
abhängig, sie gewinnt bei hoher Anzahl an betroffenen Anwohnern oder Erholungssuchenden
zusätzliches Gewicht. Die Einsehbarkeit des Standorts ist insbesondere in touristisch geprägten
Regionen relevant.
Luftschadstoffe
Bei der Errichtung und beim Rückbau der Konditionierungsanlage werden Luftschadstoffe, wie
Feinstaub, Stickoxide und Schwefeloxide auf der Baustelle sowie entlang der Transportrouten
emittiert. Diese Emissionen können auf Menschen gesundheitsschädlich wirken sowie Tiere und
Pflanzen schädigen oder beeinträchtigen.
Lärm und Erschütterungen
Lärm wird bei der Errichtung und beim Rückbau der Konditionierungsanlage auf der Baustelle
sowie entlang der Transportrouten verursacht. Lärm kann beim Menschen das Risiko von Herz-
Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und Tiere aus ihrem Lebensraum vertreiben. Erschütterungen
können bei der Baugrundverbesserung beispielsweise bei der Herstellung von Rüttelstopfsäulen
auftreten und sich auf Menschen und Tiere negativ auswirken sowie Schäden an Gebäuden
verursachen.
Direktstrahlung
Die Direktstrahlung aus einer Konditionierungsanlage mit möglichem Pufferlager für die Abfälle aus
der Schachtanlage Asse II beträgt wenige 100 m hinter dem Anlagenzaun bereits weniger als 10
μSv/a /Steag 2014/.
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
In /Frank 2014/ sind die festgelegten Genehmigungswerte für die mit der Abluft u. a. aus sieben
verschiedenen Bereichen der HDB abgeleiteten Radionuklide angegeben. Für die sieben HDB-
Bereiche sind u. a. die folgenden Ableitungen genehmigt (der überwiegende Teil entfällt auf die
Verbrennungsanlage): 8,0E13 Bq/a für H-3, 1,5E12 Bq/a für C-14, 1,8E12 Bq/a für Edelgase (ohne
Rn-222), 2,6E8 Bq/a für I-129, 4,5E7 Bq/a für langlebige Alphastrahler und 2,1E10 Bq/a für
langlebige Betastrahler. Ableitungen radioaktiver Stoffe in dieser Größenordnung können einer
Beurteilung möglicher Umweltauswirkungen der Anlage zur Konditionierung der radioaktiven
Abfälle aus der Schachtanlage Asse II zugrunde gelegt werden.
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Wasserpfad (Ableitung)
Höher aktive Flüssigkeiten werden dem radioaktiven Abfall zugeführt, die übrigen Abwässer
werden im Rahmen der entsprechenden Genehmigung abgeleitet.
Störfälle
Durch Einwirkungen von innen (Behälterabsturz, Lastenabsturz, Brand, Leckage etc.) sowie von
außen (Erdbeben etc.) bestehen Risiken für störfallbedingte Freisetzungen von radioaktiven
Stoffen.

Umweltbericht
100
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.1 dargestellt. Die Flächeninanspruchnahme von ca.
2.350 m² ist als potenziell erhebliche Umweltauswirkung zu bewerten.
Minimierungen von Auswirkungen sind bei der Standortauswahl möglich. Als Standort wären
Schutzgebiete oder Lebensräumen geschützter Arten zu vermeiden. Unter Berücksichtigung
artspezifischer ökologischer Ansprüche besteht ggf. auch die Möglichkeit der Umsiedlung von
geschützten Tier- und Pflanzenarten.
Raumwirkung
Die Raumwirkung des Gebäudes auf das Landschaftsbild ist eine potenziell relevante
Umweltauswirkung. Eine Bewertung der Raumwirkung kann nur anhand bildlicher Darstellungen
der geplanten Anlage in der Landschaft (Fotomontagen) unter Berücksichtigung aller relevanten
Blickrichtungen erfolgen.
Minimierungen von Auswirkungen auf das Landschaftsbild durch Raumwirkung zielen darauf ab,
Sichtbeziehungen aus der Umgebung zu vermeiden oder zu reduzieren. Dabei können das Relief
der Landschaft einbezogen werden, Erdwälle angelegt werden, Verschattungen der Anlage durch
Wald erfolgen oder die Farbgestaltung des Gebäudes dem Landschaftsbild angepasst werden.
Luftschadstoffe
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.2 dargestellt. Die Errichtung der Konditionierungsanlage
ist hinsichtlich der möglichen Auswirkungen vergleichbar mit dem Bau von Reststoffbehandlungs-
zentren an anderen Standorten. Die eingesetzten Maschinen und Geräte sind voraussichtlich
vergleichbar. Ein Abgleich mit den Ergebnissen von Umwelterheblichkeitsstudien für die
Reststoffbehandlungszentren ergibt folgendes:
Ab einem Abstand von 1 km sind durch die Zusatzbelastungen des Baustellenbetriebs keine
potenziell relevanten Auswirkungen auf Menschen und Schutzgebiete zu erwarten, wenn die
Minimierungsmöglichkeiten, z. B. Einsatz von Maschinen und Geräten mit Elektromotor und
Befeuchtung staubender Güter beim Be- und Entladen, genutzt werden und keine empfindlichen
Einrichtungen, z. B. Krankenhäuser, vorhanden sind.
Werden Ortschaften umfahren und führt die Route nicht durch besonders enge Täler sind durch
die Zusatzbelastung selbst in Spitzenzeiten ebenfalls keine potenziell relevanten Auswirkungen
auf Menschen, Tiere und Pflanzen zu erwarten.
Innerhalb eines Abstandes von etwa 1 km zur Baustelle einer Konditionierungsanlage können
potenziell relevante Umweltauswirkungen bestehen, für die ggf. Minimierungsmaßnahmen zu
betrachten sind.
Lärm und Erschütterungen
Hinsichtlich Lärm und Erschütterungen besteht ebenfalls eine direkte Vergleichbarkeit mit
Umwelterheblichkeitsstudien zum Bau von Reststoffbehandlungszentren. Ein Abgleich ergibt
folgendes:
Wird davon ausgegangen, dass – von Ausnahmen abgesehen – die Baustelle nur am Tage
betrieben wird, sollte ein Abstand von 1 km ausreichen, um in den Spitzenzeiten potenziell
relevante Umweltauswirkungen auf Menschen zu vermeiden. Zur Vorsorge können zusätzliche
Lärmminderungsmaßnahmen getroffen werden (siehe Kapitel 4.1.2).

Umweltbericht
101
Erschütterungen beispielsweise bei der Erstellung von Rüttelstopfsäulen reichen nicht über das
Anlagengelände hinaus, sodass keine potenziell relevanten Auswirkungen auf Menschen und
Tiere zu erwarten sind.
Werden Ortschaften umfahren und werden die Transporte in mehr als 100 m Abstand zu
bewohnten Gebieten oder empfindlichen Nutzungen (z. B. Kurgebiete, Krankenhäuser,
Pflegeanstalten) geführt, sind potenziell relevante Auswirkungen auf Menschen nicht zu
erwarten.
Zur Bewertung der Auswirkungen auf Vögel entlang der Transportrouten müssen die
vorkommenden Vogelarten bekannt sein, da ihre Lärmempfindlichkeit und damit die
erforderlichen Abstände zur Straße sehr unterschiedlich sind.
Innerhalb eines Abstandes von etwa 1 bzw. 1,5 km zur Baustelle können potenziell relevante
Umweltauswirkungen auf Menschen bestehen. Innerhalb von 100 m zu den Transportrouten
können potenzielle Umweltauswirkungen auf Menschen in Wohngebieten oder anderen
empfindlichen Nutzungen bestehen (z. B. Krankenhäuser).
Direktstrahlung
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.4 dargestellt. Die Emission der Direktstrahlung der
Konditionierungsanlage und des Pufferlagers ist eine potenziell relevante Umweltauswirkung, die
durch messtechnische Überprüfung unter Realisierung von Maßnahmen zur Minimierung soweit
begrenzt wird, dass die Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung eingehalten werden.
Möglichkeiten der Minimierung bestehen insbesondere durch bauliche Abschirmmaßnahmen.
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
Ableitungen radioaktiver Stoffe, wie sie aus dem oben angeführten Beispiel einer großen
Konditionierungseinrichtung erfolgen, führen in der Umgebung zur deutlichen Unterschreitung der
zulässigen Dosisgrenzwerte. Voraussetzung ist dabei insbesondere eine ausreichend bemessene
Kaminhöhe. Es bestehen potenziell relevante Umweltauswirkungen die im Genehmigungs-
verfahren zu berücksichtigen sind.
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Wasserpfad (Ableitung)
Bei den Ableitungen mit dem Abwasser kann der Ableitungswert so gewählt werden, dass die
Dosisgrenzwerte eingehalten sind und alle dann nicht ableitbaren Abwässer weiter gereinigt oder
nach Behandlung der Endlagerung zugeführt werden. Es bestehen potenziell relevante
Umweltauswirkungen, die im Genehmigungsverfahren zu berücksichtigen sind.
Störfälle
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.7 dargestellt. Eine Konditionierungsanlage beinhaltet
Störfallrisiken, gegen die Vorsorge zu treffen ist. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens ist die
Minimierung von Störfallrisiken als Quelle potenziell relevanter Umweltauswirkungen auf Basis
einer Risikoanalyse zu berücksichtigen.
5.4.2.
Zwischenlagerung der konditionierten radioaktiven Abfälle
Der Standort für die Zwischenlagerung der konditionierten radioaktiven Abfälle aus der
Schachtanlage Asse II ist derzeit nicht festgelegt. Das Projekt ist in folgende Phasen zu unterteilen
Während der Bauphase erfolgt die Errichtung des Zwischenlagers mit Verkehrswegen zur
Anbindung an das öffentliche Straßennetz sowie weiteren Gebäuden zum Zweck der
Einlagerung, Anlagensicherung und Wartung von Behältern sowie zur Unterbringung von
Personal.

Umweltbericht
102
Während des Zwischenlagerbetriebes erfolgt die sukzessive Einlagerung von Behältern, die
Lagerung der Behälter unter Durchführung von Kontrollarbeiten und die Auslagerung der
Behälter zur Überführung in ein Endlager.
Die Stilllegung des Zwischenlagers entspricht im Hinblick auf Wirkfaktoren im Wesentlichen dem
Bau des Zwischenlagers. Nach vorheriger Freimessung werden die Gebäude konventionell
abgerissen oder anderweitig genutzt.
Wirkfaktoren
Aufgrund der Vergrößerung des Volumens (siehe Kapitel 5.4.1.2) durch Konditionierung der
rückgeholten radioaktiven Abfälle ergibt sich die Erfordernis zur Lagerung endlagergerechter
Gebinde mit einem Gesamt-Volumen von ca. 175.000 bis 220.000 m³ /BfS 2014 /. Das
Bauvolumen des Zwischenlagers beträgt demzufolge 1,3 Mio. m
3
. Bei einer Gebäudehöhe von
etwa 15 m ergibt sich dann eine Gebäudefläche von ca. 85.000 m
2
. Unter Berücksichtigung
weiterer Flächen für Verkehrsflächen, Infrastruktureinrichtungen wie Bürogebäude und
Sicherungsanlagen wird für die gesamte
Flächeninanspruchnahme
von etwa 100.000 m²
ausgegangen.
Durch das Zwischenlagergebäude entsteht
Raumwirkung
in der umgebenden Landschaft.
Sollte das Zwischenlager so dimensioniert werden müssen, dass es alle radioaktiven Abfälle aus
der Schachtanlage Asse II aufnehmen könnte, wäre es etwa zwanzigmal größer als beispielsweise
Zwischenlager für radioaktive Abfälle, wie sie im Zuge des Rückbaus am Standort von
Kernkraftwerken errichtet werden. Daher wird davon ausgegangen, dass die Auswirkungen durch
Luftschadstoffe
sowie
Lärm und Erschütterungen
(Bau- und Transportlärm) pro Zeiteinheit
zwar nicht proportional, aber um das 1,5 bis 2-fache höher sind.
Beim Bau eines Zwischenlagers können temporär
Grundwasserabsenkungen
und Einleitungen
geförderten Grundwassers als
konventionelles Abwasser
nicht ausgeschlossen werden. Diese
Wirkfaktoren werden im Kapitel 4.1.7 betrachtet, sodass hier keine weiteren Ausführungen
erforderlich sind.
Von den zwischengelagerten Gebinden geht
Direktstrahlung
aus.
Es kommt zu keinen relevanten
Emissionen radioaktiver Stoffe
im Normalbetrieb, so dass eine
weitere Betrachtung dieses potenziellen Wirkfaktors im Rahmen der SUP des NaPro nicht
erforderlich ist.
Es besteht das Risiko von
Störfallen
.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Flächeninanspruchnahme in der Größenordnung von 100.000 m² führt zum Verlust der Boden-
funktion sowie des Lebensraumes für Tiere und Pflanzen auf der betroffenen Fläche. Es kann nicht
ausgeschlossen werden, dass von der Versiegelung ein Gewässer, geschützte Arten und ein
Schutzgebiet betroffen sind.
Raumwirkung
Raumwirkung verändert das Erscheinungsbild einer betroffenen Landschaft und kann ihre
Erholungsfunktion herabsetzen. Raumwirkung ist vom subjektiven Empfinden des Betrachters
abhängig, sie gewinnt bei hoher Anzahl an betroffenen Anwohnern oder Erholungssuchenden

Umweltbericht
103
zusätzliches Gewicht. Die Einsehbarkeit des Standorts ist insbesondere in touristisch geprägten
Regionen relevant. Luftschadstoffe
Bei der Errichtung und beim Rückbau des Zwischenlagers werden Luftschadstoffe, wie Feinstaub,
Stickoxide und Schwefeloxide auf der Baustelle sowie entlang der Transportrouten emittiert. Diese
Emissionen können auf Menschen gesundheitsschädlich wirken sowie Tiere und Pflanzen
schädigen oder beeinträchtigen.
Lärm und Erschütterungen
Lärm wird bei der Errichtung und beim Rückbau des Zwischenlagers auf der Baustelle sowie
entlang der Transportrouten verursacht. Lärm kann beim Menschen das Risiko von Herz-Kreislauf-
Erkrankungen erhöhen und Tiere aus ihrem Lebensraum vertreiben. Erschütterungen können bei
der Baugrundverbesserung beispielsweise bei der Herstellung von Rüttelstopfsäulen auftreten und
sich auf Menschen und Tiere negativ auswirken sowie Schäden an Gebäuden verursachen.
Direktstrahlung
Die Direktstrahlung aus einem möglichen Zwischenlager für die radioaktiven Abfälle aus der
Schachtanlage Asse II beträgt wenige 100 m hinter dem Anlagenzaun bereits weniger als
10 μSv/a /Steag 2014/.
Störfälle
Störfallbedingte Freisetzungen von radioaktiven Stoffen Durch Einwirkungen von innen
(Behälterabsturz, Lastenabsturz, Brand etc.) sowie von außen (Erdbeben etc.) sind möglich.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.1 dargestellt. Die Flächeninanspruchnahme von ca.
100.000 m² ist als potenziell erhebliche Umweltauswirkung zu bewerten.
Minimierungen von Auswirkungen sind bei der Standortauswahl möglich. Als Standort wären
Schutzgebiete oder Lebensräumen geschützter Arten zu vermeiden. Unter Berücksichtigung
artspezifischer ökologischer Ansprüche besteht ggf. auch die Möglichkeit der Umsiedlung von
geschützten Tier- und Pflanzenarten.
Raumwirkung
Die Raumwirkung des Gebäudes auf das Landschaftsbild ist eine potenziell relevante
Umweltauswirkung. Eine Bewertung der Raumwirkung kann nur anhand bildlicher Darstellungen
der geplanten Anlage in der Landschaft (Fotomontagen) unter Berücksichtigung aller relevanten
Blickrichtungen erfolgen.
Minimierungen von Auswirkungen auf das Landschaftsbild durch Raumwirkung zielen darauf ab,
Sichtbeziehungen aus der Umgebung zu vermeiden oder zu reduzieren. Dabei können das Relief
der Landschaft einbezogen werden, Erdwälle angelegt werden, Verschattungen der Anlage durch
Wald erfolgen oder die Farbgestaltung des Gebäudes dem Landschaftsbild angepasst werden.
Luftschadstoffe
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.2 dargestellt. Aus dem Abgleich mit Umweltverträglich-
keitsstudien zu Zwischenlagern ergibt sich, dass ab einem Abstand von 1,5 bis 2 km durch die
zusätzlichen Belastungen des Baustellenbetriebs keine potenziell relevanten Auswirkungen auf
Menschen und Schutzgebiete zu erwarten sind, wenn die Minimierungsmöglichkeiten, z. B. Einsatz
von Maschinen und Geräten mit Elektromotor und Befeuchtung staubender Güter beim Be- und

Umweltbericht
104
Entladen, genutzt werden und keine empfindlichen Einrichtungen, z. B. Krankenhäuser, vorhanden
sind.
Werden Ortschaften umfahren und führen die Routen nicht durch besonders enge Täler sind durch
die Zusatzbelastung selbst in Spitzenzeiten ebenfalls keine relevanten Auswirkungen auf
Menschen, Tiere und Pflanzen zu erwarten.
Innerhalb eines Abstandes von 1,5 bis 2 km zur Baustelle können potenziell relevante
Umweltauswirkungen durch Luftschadstoffe bestehen.
Lärm und Erschütterungen
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.3 dargestellt. Ein Abgleich mit den Ergebnissen der
Umweltverträglichkeitsprüfungen für Zwischenlager ergibt unter Berücksichtigung des erhöhten
Maschinen- und Geräteeinsatzes sowie der erhöhten Transportaufkommen folgendes:
Wird davon ausgegangen, dass – von Ausnahmen abgesehen – die Baustelle nur am Tage
betrieben wird, sollte ein Abstand von 1,5 km ausreichen, um in den Spitzenzeiten potenziell
relevante Umweltauswirkungen auf Menschen zu vermeiden. Zur Vorsorge können zusätzliche
Lärmminderungsmaßnahmen getroffen werden.
Erschütterungen beispielsweise bei der Erstellung von Rüttelstopfsäulen reichen nicht über das
Anlagengelände hinaus, sodass keine relevanten Auswirkungen auf Menschen und Tiere zu
erwarten sind.
Werden Ortschaften umfahren und werden die Transporte in mehr als 100 m Abstand zu
bewohnten Gebieten oder empfindlichen Nutzungen (z. B. Kurgebiete, Krankenhäuser,
Pflegeanstalten) geführt, sind relevante Auswirkungen auf Menschen nicht zu erwarten.
Zur Bewertung der Auswirkungen auf Vögel entlang der Transportrouten müssen die
vorkommenden Vogelarten bekannt sein, da ihre Lärmempfindlichkeit und damit die
erforderlichen Abstände zur Straße sehr unterschiedlich sind.
Innerhalb eines Abstandes von etwa 1,5 km zur Baustelle und 100 m zu den Transportrouten
können potenziell relevante Umweltauswirkungen auf Menschen bestehen.
Direktstrahlung
Hinsichtlich Direktstrahlung bestehen potenziell relevante Umweltauswirkungen.
Störfälle
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.7 dargestellt. Im Genehmigungsverfahren ist eine
Störfallanalyse durchzuführen, in der eine ausreichende Störfallvorsorge nachgewiesen wird.
Potenziell relevante Umweltauswirkungen können im Rahmen der SUP nicht ausgeschlossen
werden.
5.4.3.
Stilllegung der Schachtanlage Asse II
Nach Abschluss der Rückholung der radioaktiven Abfälle, erfolgt die eigentliche Stilllegung der
Schachtanlage Asse II nach Atomrecht. Die konkrete Stilllegungsplanung wird entscheidend davon
abhängen, ob und welche radioaktive und chemotoxische Belastung nach der Rückholung im
Bergwerk verbleibt /BfS 2014/.

Umweltbericht
105
Das bedeutet, dass eine konkrete Stilllegungsplanung erst zu einem späteren Zeitpunkt nach der
Rückholungsphase von radioaktiven Abfällen möglich sein wird. Für die Rückholungsphase wird
ein Zeitraum von mehreren Jahrzehnten angenommen.
Die folgenden Angaben zum Stilllegungskonzept und zu den Tätigkeiten für eine Stilllegung sind
unter der o. g. Randbedingung zu betrachten:
Im Zuge der beschlossenen Stabilisierungsmaßnahmen wird die Verfüllung der Grube
kontinuierlich weitergeführt. Hierzu gehören die sogenannte Firstspaltverfüllung sowie weitere
Maßnahmen, bei denen nicht mehr benötigte Hohlräume (Blindschächte, Strecken, usw.) in der
Schachtanlage mit Spezialbeton verfüllt werden.
Die hier betrachtete Stilllegung der Schachtanlage Asse II bezieht sich auf die Phase nach der
Rückholung der radioaktiven Abfälle, in der die untertägigen Einrichtungen rückgebaut und die
noch vorhandenen Grubenbaue verfüllt und verschlossen werden. In der Stilllegungsphase werden
die zentralen Zugangsbereiche bzw. restlichen Hohlräume sowie die Schächte verfüllt und
verschlossen.
Die Stilllegung der Schachtanlage Asse II wird mit der Verwahrung des Bergwerkes und
anschließenden übertägigen Rückbau und Rekultivierungsarbeiten abgeschlossen /ARCADIS
2012/.
Es wird angenommen, dass folgende Tätigkeiten am Standort im Rahmen der Stilllegung
durchgeführt werden:
Untertage erfolgt der Rückbau der betrieblichen Einrichtungen und die Verfüllung aller
Hohlräume einschließlich der Schächte
Über Tage erfolgt der Rückbau aller Gebäude, soweit diese nicht unter Denkmalschutz stehen,
und Halden sowie die Rekultivierung.
Wirkfaktoren
Während der Stilllegung der Schachtanlage Asse II wird Verfüllmaterial angeliefert, ggf. auf einer
Halde gelagert sowie am Standort aufbereitet und in die noch verbliebenen untertägigen
Hohlräume eingebracht. Darüber entstehen durch die Abbrucharbeiten und den Abtransport von
Bauschutt und Baustellenabfällen
Luftschadstoff- und Staubemissionen
sowie
Lärm
und
Erschütterungen
. Die Luftschadstoffemissionen durch Fahrzeuge inklusive schienengebundenem
Transport werden aufgrund der kurzen Stilllegungsphase, des weitaus geringeren Umfanges an
Verfüll- und Verschlussmaßnahmen sowie Rückbauarbeiten im Vergleich zum Verschluss eines
Endlagers nach Standortauswahlgesetz geringer eingeschätzt.
Ggf. anfallende
konventionelle Abwässer
inklusive Haldenabwasser sowie reduzieren sich im
Vergleich zum Betrieb der Schachtanlage Asse II durch den Abbau von Halden während der
Stilllegung und werden hier nicht weiter betrachtet.
Die
Landschaftsbildveränderung
einschließlich
Flächenentsiegelung
der Stilllegung ist eine
Renaturierung und Anpassung an das Gesamtlandschaftsbild. Es bestehen daraus keine
relevanten Umweltauswirkungen.
Durch die mit der Stilllegungsphase verbundene vollständige Verfüllung aller Hohlräume werden
Setzungen der Tagesoberfläche
reduziert bzw. minimiert.

Umweltbericht
106
Emissionen radioaktiver Stoffe im Normalbetrieb oder bei Störfällen
sind bei der Stilllegung
der Schachtanlage Asse II nicht zu besorgen.
Beim Rückbau von untertägigen Strahlenschutzbereichen sowie bei Dekontaminationsvorgängen
entstehen feste und flüssige
radioaktive Betriebsabfälle
(z. B. Wischtücher, Reinigungs-
flüssigkeiten, Filtermatten, etc.).
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Die Umweltauswirkungen der beschriebenen Wirkfaktoren sind in den vorangestellten Kapiteln zur
Rückholung der Abfälle aus der Schachtanlage Asse II qualitativ beschrieben. Die Stilllegung der
Schachtanlage Asse II führt quantitativ zu geringeren Auswirkungen als die Rückholung sowie die
Zwischenlagerung der rückgeholten radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II, da
insbesondere große Bauvorhaben nicht erfolgen und das Gelände renaturiert werden kann.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Die beschriebenen Wirkfaktoren Luftschadstoffe und Lärm sowie radioaktive Betriebsabfälle sind
potenziell relevante Umweltauswirkungen der Stilllegung der Asse, die im Genehmigungsverfahren
zu bewerten sind.
5.4.4.
Überführung der radioaktiven Abfälle in ein Endlager
Bei den weiteren Betrachtungen zum Umgang mit den rückgeholten radioaktiven Abfällen aus der
Schachtanlage Asse II wird davon ausgegangen, dass diese am Ort der Rückholung konditioniert
werden. Je nach Lage des Zwischenlagers für die konditionierten Abfälle findet zunächst ein
Transport in das Zwischenlager und anschließend von dort zum Endlager statt. Im Rahmen der
generischen Betrachtungen der SUP erfolgt hier eine gemeinsame Betrachtung dieser
Transportvorgänge. Dabei werden Strahlenexpositionen der Bevölkerung beim Transport und für
den Fall von unterstellten Transportunfällen betrachtet.
Die im Kapitel 5.1.3 dargestellten Wirkfaktoren gelten grundsätzlich auch für den hier
beschriebenen Transport von Abfällen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung werden jedoch
um den Punkt „Freisetzung radioaktiver Stoffe“ ergänzt.
Gemäß der Studie „Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II“ /BfS
2014/ müssen ca. 21.000 Konrad-Gebinde (für die Schachtanlage Konrad zugelassene Container)
aus dem Zwischenlagerder Schachtanlage Asse II abtransportiert werden. Bei einer in der Studie
angenommenen Transportkapazität von 2 Containern pro LKW und einer maximalen Anzahl von
1250 Transporten pro Jahr (25 pro Woche) ist mit einer Transportdauer von ca. 8-9 Jahren zu
rechnen.
Wirkfaktoren
Die relevanten Wirkfaktoren sind in Kapitel 5.1.3 beschriebenen.
Für die konventionellen Wirkfaktoren
Luftschadstoffe
sowie
Lärm und Erschütterung
sowie für
den radiologischen Wirkfaktor
Direktstrahlung
gelten grundsätzlich die Ausführungen zu den
Umweltauswirkungen und deren Bewertung entsprechend Kapitel 5.1.3, da es sich auch bei der
Überführung der Asse-Abfälle in ein Endlager bei 25 Transporten pro Woche nur um eine geringe
Anzahl von Beförderungsvorgängen handelt.

Umweltbericht
107
Abweichende Betrachtungen ergeben sich zum Wirkfaktor
Freisetzung radioaktiver Stoffe auf
Grund von Unfällen
da nicht auszuschließen ist, dass in Folge eines Transportunfalls radioaktive
Stoffe aus dem Transportbehälter in die Umwelt freigesetzt werden.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Freisetzung radioaktiver Stoffe auf Grund von Unfällen
Radioaktive Emissionen können sich auf die Schutzgüter Mensch, Tier, Pflanzen, Boden, Wasser,
Klima und Luft sowie Kultur- und Sachgüter auswirken.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Freisetzung radioaktiver Stoffe auf Grund von Unfällen
Für den Wirkfaktor Unfälle betrifft der Untersuchungsraum einen maximalen Umkreis abhängig von
den meteorologischen Bedingungen zum Zeitpunkt der Freisetzung ab der eine Überschreitung
der zulässigen Strahlenexposition von Personen der Bevölkerung ausgeschlossen werden kann.
Für die Ermittlung der maximalen Entfernung werden Standardparameter der Ausbreitung von
Luftschadstoffen verwendet. Auf Grundlage der dort theoretisch gemessenen
Aktivitätskonzentration wird die Strahlenexposition ermittelt.
Für Personen der Bevölkerung, die sich im Umfeld des Transportes aufhalten, kann eine
zusätzliche Strahlenexposition durch Zutrittsverhinderung zum Unfallort vermieden werden.
Bei der Verwendung von nicht unfallfesten Transportbehältern für schwach- und mittelradioaktive
Abfälle werden die Auswirkungen durch im Störfall freigesetzte radioaktive Stoffe durch die Menge
des transportierten radioaktiven Inventars gemäß den Transportvorschriften begrenzt. Im Rahmen
der SUP ist daher nicht von potenziell relevanten Umweltauswirkungen auszugehen.
5.4.5.
Endlagerung der rückgeholten radioaktiven Abfälle im Endlager nach
Standortauswahlgesetz
Die bei einer Einlagerung der aus der Schachtanlage Asse II rückgeholten radioaktiven Abfälle
zusätzlich zu den Wärme entwickelnden Abfällen einzulagernde Radioaktivität ist im Verhältnis
dazu vernachlässigbar, allerdings ist das endzulagernde Abfallgebindevolumen größer.
Inwieweit sich das notwendige Volumen an Endlagerhohlräumen durch den radioaktiven Abfall aus
der Schachtanlage Asse II vergrößert, ist ohne Detailplanung schwer quantifizierbar. Durch die
unterschiedliche stoffliche Zusammensetzung kann eine räumliche Trennung notwendig sein.
Wirkfaktoren
Von Gebinden mit aus der Schachtanlage Asse II rückgeholten radioaktiven Abfällen geht eine im
Verhältnis zum übrigen endzulagernden radioaktiven Abfall geringe
Direktstrahlung
aus.
Zusätzliche Vorkehrungen gegen Direktstrahlung in der Umgebung des Endlagers sind daher nicht
erforderlich.
Emissionen radioaktiver Stoffe
aus den Gebinden sind möglich, insbesondere bei
Störfällen
.

Umweltbericht
108
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad
Je nach Nuklidspektrum, Konditionierung und Verpackung der Abfälle können radioaktive Stoffe
aus den Gebinden freigesetzt werden. Solche Freisetzungen sind im Genehmigungsverfahren
abzuschätzen. Erforderlichenfalls sind Schutzmaßnahmen vorzusehen (zusätzliche Anforderungen
an die Gebinde oder an die lüftungstechnischen Einrichtungen am Endlager).
Störfälle
Mögliche radiologische Wirkungen von Störfällen mit aus der Schachtanlage Asse II rückgeholten
radioaktiven Abfällen hängen von der Auslegung der für die Endlagerung verwendeten Behälter
sowie von der Freisetzbarkeit aus der Abfallmatrix ab. Für beide Aspekte sind noch keine
Festlegungen getroffen. In entsprechenden Genehmigungsverfahren sind Störfallanalysen auf der
Basis der dann konkretisierten Randbedingungen vorzunehmen und die Ergebnisse im Hinblick
auf die Umweltverträglichkeit zu bewerten. Im Rahmen der SUP des NaPro kann aufgrund des
Vergleichs mit anderen Abfällen festgestellt werden, dass ein sicherer Umgang grundsätzlich
technisch realisierbar ist.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.7 dargestellt. Radioaktive Emissionen über den Luftpfad
sind als potenziell relevante Umweltauswirkungen in einer Genehmigung zu berücksichtigen
Störfälle
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.7 dargestellt. Störfallrisiken sind als potenziell relevante
Umweltauswirkungen in der Genehmigung zu berücksichtigen
5.4.6.
Option: Endlagerung der rückgeholten radioaktiven Abfälle im Endlager Konrad
Das planfestgestellte Volumen des Endlagers Schacht Konrad zur Einlagerung schwach- und
mittelradioaktiver Abfälle beträgt 303.000 m3. Die Einlagerung der rückgeholten radioaktiven
Abfälle aus der Schachtanlage Asse II in das Endlager Konrad ist hierbei nicht berücksichtigt. Ein
erneutes Planfeststellungsverfahren zur Erweiterung der Einlagerungskapazität wäre notwendig.
Wirkfaktoren
Von Gebinden mit aus der Schachtanlage Asse II rückgeholten radioaktiven Abfällen geht
Direktstrahlung
aus.
Im Normalbetrieb sind Freisetzungen radioaktiver Stoffe aus den Gebinden möglich, die einen
Beitrag zu den
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad
des Endlagers Konrad haben.
Es bestehen Risiken von
Störfallen
.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Direktstrahlung
Von Gebinden mit aus der Schachtanlage Asse II rückgeholten radioaktiven Abfällen wird
voraussichtlich eine ähnliche Dosisleistung ausgehen wie von anderen im Endlager
einzulagernden Gebinden. Die im Plan für das Endlager Schacht Konrad /BfS 1990b/ getroffenen

Umweltbericht
109
Vorkehrungen gegen Direktstrahlung in der Umgebung des Endlagers sind als abdeckend
anzusehen, da von einer längeren Betriebszeit des Endlagers, nicht aber von einer
umfangreicheren Lagerung von Gebinden am Endlager auszugehen ist. Eine Bewertung im
Hinblick auf Umweltauswirkungen ist nicht erforderlich.
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
In /BfS 1990b/ wurden Werte für die Ableitung radioaktiver Stoffe mit dem Abwetter beantragt, die
auf der Basis von abfallproduktabhängigen und nuklid(gruppen)abhängigen Freisetzungsraten aus
Abfallgebinden festgelegt wurden. Vor dem Hintergrund der Einlagerung der Abfälle aus der
Schachtanlage Asse II bedürfen die genehmigten Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad
einer Überprüfung.
Störfälle
Mögliche radiologische Wirkungen von Störfällen mit aus der Schachtanlage Asse II rückgeholten
radioaktiven Abfällen hängen von der Auslegung der für die Endlagerung verwendeten Behälter
sowie von der Freisetzbarkeit aus der Abfallmatrix ab. Für beide Aspekte sind noch keine
Festlegungen getroffen. In entsprechenden Genehmigungsverfahren sind Störfallanalysen auf der
Basis der dann konkretisierten Randbedingungen vorzunehmen und die Ergebnisse im Hinblick
auf die Umweltverträglichkeit zu bewerten. Im Rahmen der SUP des NaPro kann aufgrund des
Vergleichs mit anderen Abfällen festgestellt werden, dass ein sicherer Umgang grundsätzlich
technisch realisierbar ist.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.7 dargestellt. Radioaktive Emissionen über den Luftpfad
sind als potenziell relevante Umweltauswirkungen in einer Genehmigung zu berücksichtigen.
Störfälle
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.7 dargestellt. Störfallrisiken sind als potenziell relevante
Umweltauswirkungen in der Genehmigung zu berücksichtigen.
5.5.
Entsorgung des abgereicherten Urans aus der Urananreicherung
Im nachfolgenden Kapitel wird die Entsorgung des abgereicherten Urans aus der Uran-
anreicherung betrachtet für den Fall, dass eine weitere Verwertung dieser Reststoffe nicht erfolgt.
Bei der Anreicherung von Uran fällt abgereichertes Uran (Tails) an. Die Tails werden bisher als
Wertstoff angesehen, da prinzipiell zur Gewinnung von Feed- bzw. Produkt-Material eine erneute
Anreicherung oder eine Verwendung in Brutreaktoren möglich wäre. Erfüllen sich solche
Erwartungen nicht, so ist das Material zur geordneten Beseitigung einem Endlager zuzuführen
/Urenco 2002/.
An der Anreicherungsanlage der Urenco Deutschland GmbH in Gronau gibt es Freilager für
Natururan in Form von Feed und für abgereichertes Uran in Form von UF
6
in Transport- und
Lagerbehältern und ein Lagergebäude für die Zwischenlagerung des abgereicherten Urans in
Form von Uranoxid (U
3
O
8
). Die entsprechenden Entsorgungsschritte müssen daher hier nicht
weiter betrachtet werden.
Eine Verwertung des abgereicherten Urans aus der Urananreicherung wird nicht betrachtet, da es
sich dabei nicht um eine Entsorgung von radioaktiven Abfällen handelt.

Umweltbericht
110
Sofern das abgereicherte Uran nicht verwertet wird, erfolgt eine Endlagerung als radioaktiver Abfall
in den nachfolgend dargestellten Phasen:
Endlagergerechte Konditionierung der Abfälle
Überführung der Abfälle in das Endlager
Endlagerung nach Standortauswahlgesetz
Option der Endlagerung im Endlager Konrad
5.5.1.
Endlagergerechte Konditionierung der Abfälle
Die Abfälle aus der Urananreicherung müssen vor ihrer Endlagerung so konditioniert werden, dass
sie die Annahmebedingungen des entsprechenden Endlagers erfüllen. Die diesbezüglichen
Anforderungen sind für diese Abfallart bisher nicht festgelegt. Im Rahmen der SUP des NaPro wird
konservativ davon ausgegangen, dass eine Konditionierung mit Behandlung des U
3
O
8
erfolgt, und
hierzu eine Konditionierungsanlage errichtet, betrieben und stillgelegt werden wird.
Wirkfaktoren
Bei der Errichtung der Konditionierungsanlage erfolgt eine
Flächeninanspruchnahme
. Es wird
analog zur Flächeninanspruchnahme für die Errichtung der Anlage zur Konditionierung der Abfälle
aus der Schachtanlage Asse II (vgl. Kapitel 5.4.1.2) von einer Fläche von ca. 2.500 m
2
ausgegangen.
Durch das Gebäude entsteht
Raumwirkung
in der umgebenden Landschaft.
Beim Bau und späterem Rückbau kommt es zur Emission von
Luftschadstoffen
sowie
Lärm und
Erschütterungen.
Während des Baus können Maßnahmen der
Grundwasserabsenkung
und
Abwassereinleitung
erforderlich sein.
Der Betrieb der Konditionierungsanlage beinhaltet weder relevante Luftschadstoff- und Staub-
emissionen noch relevante Lärmemissionen.
Beim Bau einer Konditionierungsanlage können temporär
Grundwasserabsenkungen
und
Abwassereinleitungen
geförderten Grundwassers nicht ausgeschlossen werden. Diese Wirk-
faktoren werden im Kapitel 4.1.7 betrachtet, sodass hier keine weiteren Ausführungen erforderlich
sind.
Der Betrieb der Konditionierungsanlage führt zur Emission von
Direktstrahlung
(Gamma- und
Neutronenstrahlung), die jedoch außerhalb des Gebäudes nicht relevant ist und daher nicht weiter
betrachtet wird. Bei der Konditionierung können derzeit
Emissionen radioaktiver Stoffe über den
Luftpfad
nicht ausgeschlossen werden. Bei Dekontaminationsarbeiten können kontaminierte
Abwässer anfallen, die gesammelt und ggf. in einen Vorfluter abgeleitet werden, so dass
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Wasserpfad
entstehen. Die Ableitung radioaktiver
Stoffe über den Wasserpfad beinhaltet als stoffgebundene Ableitung und auf Grund zusätzlicher
konventioneller Stoffe (z. B. Rückstände von Reinigungssubstanzen) eine Ableitung als
konventionelles Abwasser
. Die Bewertung des Wirkfaktors konventionelles Abwasser erfolgt im
Kapitel 4.1.7 und wird nachfolgend nicht weiter projektspezifisch betrachtet.
Der Betrieb der Konditionierungsanlage beinhaltet Risiken einer
Direktstrahlung oder
Freisetzung radioaktiver Stoffe auf Grund von Störfällen
.

Umweltbericht
111
Anfallende
radioaktive Betriebsabfälle
sowie ggf. während eines Rückbaus der Anlage
anfallende radioaktive Abfälle werden ebenfalls der Endlagerung zugeführt und sind von
untergeordneter Bedeutung.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Flächeninanspruchnahme in der Größenordnung von 2.500 m² führt zum Verlust der
Bodenfunktion sowie des Lebensraumes für Tiere und Pflanzen auf der betroffenen Fläche. Es
kann nicht ausgeschlossen werden, dass von der Versiegelung ein Gewässer, geschützte Arten
und ein Schutzgebiet betroffen sind.
Raumwirkung
Raumwirkung verändert das Erscheinungsbild einer betroffenen Landschaft und kann ihre
Erholungsfunktion herabsetzen. Raumwirkung ist vom subjektiven Empfinden des Betrachters
abhängig, sie gewinnt bei hoher Anzahl an betroffenen Anwohnern oder Erholungssuchenden
zusätzliches Gewicht. Die Einsehbarkeit des Standorts ist insbesondere in touristisch geprägten
Regionen relevant.
Luftschadstoffe
Bei der Errichtung und beim Rückbau des Zwischenlagers werden Luftschadstoffe, wie Feinstaub,
Stickoxide und Schwefeloxide auf der Baustelle sowie entlang der Transportrouten emittiert. Diese
Emissionen können auf Menschen gesundheitsschädlich wirken sowie Tiere und Pflanzen
schädigen oder beeinträchtigen.
Lärm und Erschütterungen
Lärm wird bei der Errichtung und beim Rückbau des Zwischenlagers auf der Baustelle sowie
entlang der Transportrouten verursacht. Lärm kann beim Menschen das Risiko von Herz-Kreislauf-
Erkrankungen erhöhen und Tiere aus ihrem Lebensraum vertreiben. Erschütterungen können bei
der Baugrundverbesserung beispielsweise bei der Herstellung von Rüttelstopfsäulen auftreten und
sich auf Menschen und Tiere negativ auswirken sowie Schäden an Gebäuden verursachen.
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad (Ableitung)
Im Verhältnis zu anderen bereits betriebenen Konditionierungsanlagen ist mit deutlich geringeren
Ableitungen radioaktiver Stoffe zu rechnen, da U
3
O
8
relativ schwer flüchtig und über eine
Abluftanlage filterbar ist.
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Wasserpfad (Ableitung)
Höher aktive Flüssigkeiten werden dem radioaktiven Abfall zugeführt, die übrigen Abwässer
werden im Rahmen der entsprechenden Genehmigung abgeleitet.
Störfälle
Durch Einwirkungen von Innen (Behälterabsturz, Lastenabsturz, Brand etc.) sowie von außen
(Erdbeben etc.) sind störfallbedingte Freisetzungen von radioaktiven Stoffen möglich.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Flächeninanspruchnahme
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.1 dargestellt. Die Flächeninanspruchnahme von ca.
2.500 m² ist als potenziell erhebliche Umweltauswirkung zu bewerten.

Umweltbericht
112
Minimierungen von Auswirkungen sind bei der Standortauswahl möglich. Als Standort wären
Schutzgebiete oder Lebensräumen geschützter Arten zu vermeiden. Unter Berücksichtigung
artspezifischer ökologischer Ansprüche besteht ggf. auch die Möglichkeit der Umsiedlung von
geschützten Tier- und Pflanzenarten.
Raumwirkung
Die Raumwirkung des Gebäudes auf das Landschaftsbild ist eine potenziell relevante
Umweltauswirkung. Eine Bewertung der Raumwirkung kann nur anhand bildlicher Darstellungen
der geplanten Anlage in der Landschaft (Fotomontagen) unter Berücksichtigung aller relevanten
Blickrichtungen erfolgen.
Minimierungen von Auswirkungen auf das Landschaftsbild durch Raumwirkung zielen darauf ab,
Sichtbeziehungen aus der Umgebung zu vermeiden oder zu reduzieren. Dabei können das Relief
der Landschaft einbezogen werden, Erdwälle angelegt werden, Verschattungen der Anlage durch
Wald erfolgen oder die Farbgestaltung des Gebäudes dem Landschaftsbild angepasst werden.
Luftschadstoffe
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.2 dargestellt. Die Errichtung der Konditionierungsanlage
ist hinsichtlich der möglichen Auswirkungen vergleichbar mit dem Bau von Reststoffbehandlungs-
zentren an anderen Standorten. Die eingesetzten Maschinen und Geräte sind voraussichtlich
vergleichbar. Ein Abgleich mit den Ergebnissen von Umwelterheblichkeitsstudien für die
Reststoffbehandlungszentren ergibt folgendes:
Ab einem Abstand von 1 km sind durch die Zusatzbelastungen des Baustellenbetriebs keine
potenziell relevanten Auswirkungen auf Menschen und Schutzgebiete zu erwarten, wenn die
Minimierungsmöglichkeiten, z. B. Einsatz von Maschinen und Geräten mit Elektromotor und
Befeuchtung staubender Güter beim Be- und Entladen, genutzt werden und keine empfindlichen
Einrichtungen, z. B. Krankenhäuser, vorhanden sind.
Werden Ortschaften umfahren und führt die Route nicht durch besonders enge Täler sind durch
die Zusatzbelastung selbst in Spitzenzeiten ebenfalls keine potenziell relevanten Auswirkungen
auf Menschen, Tiere und Pflanzen zu erwarten.
Innerhalb eines Abstandes von etwa 1 km zur Baustelle einer Konditionierungsanlage können
potenziell relevante Umweltauswirkungen bestehen, für die ggf. Minimierungsmaßnahmen
vorzusehen sind.
Lärm und Erschütterungen
Hinsichtlich Lärm und Erschütterungen besteht ebenfalls eine direkte Vergleichbarkeit mit
Umwelterheblichkeitsstudien zum Bau von Reststoffbehandlungszentren. Ein Abgleich ergibt
folgendes:
Wird davon ausgegangen, dass – von Ausnahmen abgesehen – die Baustelle nur am Tage
betrieben wird, sollte ein Abstand von 1 km ausreichen, um in den Spitzenzeiten potenziell
relevante Umweltauswirkungen auf Menschen zu vermeiden. Zur Vorsorge können zusätzliche
Lärmminderungsmaßnahmen getroffen werden (siehe Kapitel 4.1.2).
Erschütterungen beispielsweise bei der Erstellung von Rüttelstopfsäulen reichen nicht über das
Anlagengelände hinaus, sodass keine potenziell relevanten Auswirkungen auf Menschen und
Tiere zu erwarten sind.
Werden Ortschaften umfahren und werden die Transporte in mehr als 100 m Abstand zu
bewohnten Gebieten oder empfindlichen Nutzungen (z. B. Kurgebiete, Krankenhäuser,

Umweltbericht
113
Pflegeanstalten) geführt, sind potenziell relevante Auswirkungen auf Menschen nicht zu
erwarten.
Zur Bewertung der Auswirkungen auf Vögel entlang der Transportrouten müssen die
vorkommenden Vogelarten bekannt sein, da ihre Lärmempfindlichkeit und damit die
erforderlichen Abstände zur Straße sehr unterschiedlich sind.
Innerhalb eines Abstandes von etwa 1 bzw. 1,5 km zur Baustelle können potenziell relevante
Umweltauswirkungen auf Menschen bestehen. Innerhalb von 100 m zu den Transportrouten
können potenzielle Umweltauswirkungen auf Menschen in Wohngebieten oder anderen
empfindlichen Nutzungen bestehen (z. B. Krankenhäuser).
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luftpfad
Sofern Ableitungen radioaktiver Stoffe bei einer Konditionierung auftreten, lägen diese deutlich
unterhalb zulässigen Dosisgrenzwerte. Die Ableitungen sind als potenziell relevante
Umweltauswirkungen im Genehmigungsverfahren zu betrachten.
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Wasserpfad
Bei den Ableitungen mit dem Abwasser z. B. aus der Behälterspülung kann der Ableitungswert so
gewählt werden, dass die Dosisgrenzwerte eingehalten sind. Es bestehen potenziell relevante
Umweltauswirkungen, die im Rahmen der Genehmigung zu klären sind.
Störfälle
Der Bewertungsrahmen ist in Kapitel 4.1.7 dargestellt. Im Genehmigungsverfahren ist eine
Störfallanalyse durchzuführen.
5.5.2.
Überführung der Abfälle in das Endlager
Die Überführung der radioaktiven Abfälle aus der Urananreicherung erfolgt im Wesentlichen auf
Grundlage des im Kapitel 5.4.4 beschriebenen Transports von schwach- bis mittelradioaktiven
Abfällen. Sowohl die Wirkfaktoren als auch die Beschreibung und Bewertung der potenziellen
Umweltauswirkungen ist analog zu Kapitel 5.4.4.
5.5.3.
Endlagerung der Abfälle im Endlager nach Standortauswahlgesetz
An einem Endlager nach Standortauswahlgesetz wird hauptsächlich mit wärmeentwickelnden
Abfällen umgegangen. Zusätzlich wären bei einer Endlagerung der Abfälle aus der Uranan-
reicherung noch Gebinde mit U
3
O
8
oder einer anderen für die Endlagerung günstigen chemischen
Form einzulagern. Die Aktivität im Abfall aus der Urananreicherung ist gegenüber der Aktivität der
bestrahlten Brennelemente und sonstigen hochaktiven Abfalls vernachlässigbar.
Inwieweit sich das notwendige Volumen an Endlagerhohlräumen durch den Abfall aus der
Urananreicherung vergrößert ist ohne Detailplanung schwer quantifizierbar. Der nicht Wärme
entwickelnde Abfall aus der Urananreicherung könnte u. U. in Bereichen eingelagert werden, die
ansonsten nicht nutzbar wären, um die Wärmebelastung im Endlager zu begrenzen. Eine
räumliche Trennung von den Wärme entwickelnden Abfällen ist aller Voraussicht nach nötig.

Umweltbericht
114
Wirkfaktoren
Von Gebinden mit Abfällen aus der Urananreicherung geht eine im Verhältnis zum übrigen
endzulagernden Abfall vernachlässigbare
Direktstrahlung
aus. Zusätzliche Vorkehrungen gegen
Direktstrahlung in der Umgebung des Endlagers sind daher nicht erforderlich.
Im Normalbetrieb ist von keinen relevanten
Emissionen radioaktiver Stoffe
aus den Gebinden
mit Abfall aus der Urananreicherung auszugehen. Bei
Störfällen
können dagegen Freisetzungen
aus den Gebinden möglich sein.
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Störfälle
Mögliche radiologische Wirkungen von Störfällen mit Abfällen aus der Urananreicherung hängen
von der Auslegung der für die Endlagerung verwendeten Behälter sowie von der Freisetzbarkeit
des Urans aus der Abfallmatrix ab. Für beide Aspekte sind noch keine Festlegungen getroffen.
Potenzielle Umweltauswirkungen sind daher zu betrachten.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Störfälle
Uran weist eine sehr geringe spezifische Aktivität auf, so dass für eine relevante potenzielle
Wirkung eine relativ große Masse luftgetragen freigesetzt werden müsste. In entsprechenden
Genehmigungsverfahren sind Störfallanalysen auf der Basis der dann konkretisierten
Randbedingungen vorzunehmen und die Ergebnisse im Hinblick auf die Umweltverträglichkeit zu
bewerten. Im Rahmen der SUP des NaPro kann aufgrund des Vergleichs mit anderen Abfällen
festgestellt werden, dass ein sicherer Umgang grundsätzlich technisch realisierbar ist,
Störfallrisiken jedoch als potenziell relevante Umweltauswirkungen einer Betrachtung in der
Genehmigung bedürfen.
5.5.4.
Option: Endlagerung der Abfälle im Endlager Konrad
Das planfestgestellte Volumen des Endlagers Schacht Konrad zur Einlagerung schwach- und
mittelradioaktiver Abfälle beträgt 303.000 m
3
. Die Einlagerung des abgereicherten Urans in das
Endlager Konrad ist hierbei nicht berücksichtigt. Ein erneutes Planfeststellungsverfahren zur
Erweiterung der Einlagerungskapazität wäre notwendig.
Wirkfaktoren
Von Gebinden mit radioaktiven Abfällen aus der Urananreicherung geht
Direktstrahlung
aus. Im
Normalbetrieb ist von keinen relevanten
Emissionen radioaktiver Stoffe
aus den Gebinden mit
Abfall aus der Urananreicherung auszugehen. Bei
Störfällen
können dagegen Freisetzungen aus
den Gebinden möglich sein.
Die radiologischen Wirkfaktoren beziehen sich auf potenzielle Wirkungen pro Betriebsjahr oder bei
einem Störfall. Eine Verlängerung der Einlagerungsdauer im Endlager Schacht Konrad kann daher
keine neuen potenziellen Umweltauswirkungen haben.

Umweltbericht
115
Beschreibung der potenziellen Umweltauswirkungen
Direktstrahlung
Von Gebinden mit Abfällen aus der Urananreicherung (abgereichertes U
3
O
8
) geht eine im
Verhältnis zu anderen Abfallströmen, die für das Endlager Konrad vorgesehen sind, geringe
Dosisleistung aus. Die im Plan für das Endlager Schacht Konrad /BfS 1990b/ getroffenen
Vorkehrungen gegen Direktstrahlung in der Umgebung des Endlagers sind daher deutlich
abdeckend im Hinblick auf Gebinde mit U
3
O
8
.
Emissionen radioaktiver Stoffe über den Luft‐ und Wasserpfad (Ableitungen)
Bei einer zusätzlichen Einlagerung der Abfälle aus der Urananreicherung in das Endlager Schacht
Konrad ist nicht von relevanten zusätzlichen potenziellen Umweltauswirkungen durch Ableitungen
radioaktiver Stoffe mit dem Abwetter auszugehen. Das gleiche gilt im Hinblick auf Ableitungen von
kontaminierten Abwässern.
Störfälle
Mögliche radiologische Wirkungen von Störfällen mit Abfällen aus der Urananreicherung hängen
von der Auslegung der für die Endlagerung verwendeten Behälter sowie von der Freisetzbarkeit
des Urans aus der Abfallmatrix ab. Für beide Aspekte sind noch keine Festlegungen getroffen.
Potenzielle Umweltauswirkungen sind daher zu betrachten.
Bewertung der potenziellen Umweltauswirkungen
Störfälle
Uran weist eine sehr geringe spezifische Aktivität auf, so dass für eine relevante potenzielle
Wirkung eine relativ große Masse luftgetragen freigesetzt werden müsste. In entsprechenden
Genehmigungsverfahren sind Störfallanalysen auf der Basis der dann konkretisierten
Randbedingungen vorzunehmen und die Ergebnisse im Hinblick auf die Umweltverträglichkeit zu
bewerten. Im Rahmen der SUP des NaPro kann aufgrund des Vergleichs mit anderen Abfällen, die
für die Endlagerung im Endlager Konrad vorgesehen sind, festgestellt werden, dass ein sicherer
Umgang grundsätzlich technisch realisierbar ist, Störfallrisiken jedoch als potenziell relevante
Umweltauswirkungen einer Betrachtung in der Genehmigung bedürfen.
6. Hypothetische Nullvarianten
Die Betrachtung der Nullvarianten ist nach § 14g Abs. 2 Nr. 3 UVPG im Rahmen der SUP
erforderlich. Für die SUP des NaPro werden potenzielle Umweltauswirkungen hypothetischer
„Nullvarianten“ beschrieben und mit denen der geplanten Maßnahmen des NaPro verglichen Die
„Nullvarianten“ stellen keine vernünftigen Planungsalternativen für den NaPro dar. Die
Nullvarianten können jedoch einen Vergleichsmaßstab für die geplanten Maßnahmen und
Planungsalternativen in die SUP einbringen und somit als Bezugspunkt für eine
Veranschaulichung der Umweltauswirkungen der geplanten Maßnahmen und Planungsalter-
nativen dienen. Daher werden Nullvarianten beschrieben, die im Gegensatz zu der eigentlichen
Zielsetzung des NaPro, der Endlagerung aller radioaktiven Stoffe in tiefen geologischen
Formationen, stehen. Die hypothetischen Nullvarianten unterstellen die Fortführung des
derzeitigen Umgangs mit bereits vorhandenen und zukünftig anfallenden radioaktiven Abfällen
unter der Annahme, dass das grundsätzliche Ziel des NaPro – die Entsorgung aller Arten von
radioaktiven Abfällen in tiefen geologischen Formationen – nicht weiter verfolgt werden würde. Die
Nullvarianten beinhalten daher eine oberirdische Aufbewahrung der radioaktiven Abfälle als

Umweltbericht
116
Langzeitlagerung. Es werden folgende Nullvarianten definiert und mit geplanten Maßnahmen des
NaPro im Hinblick auf Umweltauswirkungen verglichen:
Hypothetische Nullvariante
Geplante Maßnahme des NaPro
Langzeitlagerung aller Wärme entwickelnden
radioaktiven Abfälle
Endlagerung aller Wärme entwickelnden
radioaktiven Abfälle einschließlich der
Brennelemente aus Versuchs-, Demonstrations- und
Forschungsreaktoren
Langzeitlagerung der rückgeholten radioaktiven
Abfälle aus der Schachtanlage Asse II
Entsorgung der rückgeholten radioaktiven Abfälle
aus der Schachtanlage Asse II in einem Endlager
Langzeitlagerung der radioaktiven Reststoffe aus
der Urananreicherung
Entsorgung der radioaktiven Reststoffe aus der
Urananreicherung in einem Endlager
Die Betrachtung der Nullvarianten einer Langzeitlagerung mit den geplanten Maßnahmen des
NaPro zur Endlagerung in tiefen geologischen Formationen erfolgt über den jeweils gleichen
Zeitraum von 1 Mio. Jahren. Hypothetische Szenarien einer anderweitigen Entsorgung von
radioaktiven Abfällen nach einer begrenzten Zwischenlagerung von beispielsweise 1000 Jahren
werden nicht betrachtet, da andere Techniken der Entsorgung radioaktiver Abfälle nicht zur
Verfügung stehen und das eigentliche Ziel des Vergleichs eine Veranschaulichung der
Umweltwirkungen der geplanten Maßnahmen des NaPro ist. Der Vergleich erfolgt qualitativ nach
folgenden Kriterien:
Potenzielle Emissionen von Luftschadstoffen und Lärm
Potenzielle Flächeninanspruchnahme
Potenzielle radioaktive Emissionen des Betriebs und in der Nachverschlussphase
Potenzielle Freisetzungen radioaktiver Stoffe durch Ereignisse (z. B. Störfälle)
6.1. Nullvariante „Langzeitlagerung aller Wärme entwickelnden radioaktiven
Abfälle“
Unter der hypothetischen Nullvariante „Langzeitlagerung aller Wärme entwickelnden radioaktiven
Abfälle“ wird eine trockene Lagerung in dicht verschlossenen metallischen Behältern verstanden.
Da es keine verbindlichen Regelungen für eine Langzeitlagerung von Wärme entwickelnden
Abfällen gibt, wird zur Darstellung der Nullvariante auf die Empfehlung der
Entsorgungskommission „Leitlinien für die trockene Zwischenlagerung Bestrahlter Brennelemente
und Wärme entwickelnder Abfälle in Behältern“ /ESK 2013a/ zurückgegriffen, die sich jedoch auf
die zeitliche befristete Zwischenlagerung in der Größenordnung der bisher genehmigten Zeiträume
bezieht.
Für eine Langzeitlagerung Wärme entwickelnder Abfälle würden analog /ESK 2013a/ langfristig die
folgenden Schutzziele gelten:
sicherer Einschluss der radioaktiven Stoffe,
sichere Einhaltung der Unterkritikalität und

Umweltbericht
117
Vermeidung unnötiger Strahlenexposition, Begrenzung und Kontrolle der Strahlenexposition des
Betriebspersonals und der Bevölkerung
Daraus abgeleitet ergäben sich folgende Anforderungen die permanent zu erfüllen wären:
Aufbewahrung der Abfälle in dichten Behältern und entsprechenden Gebäuden zur Kontrolle
und Begrenzung der Strahlenexposition
Vorsorge gegen Störfällen und Vermeidung einer Entwendung und eines gezielten Angriffs von
Dritten
Regelmäßige Erneuerung der Behälter und Konditionierung der Abfälle (ca. alle 100 bis 300
Jahre /NERAS 2010/)
Sicherstellung der personellen, administrativen, technischen und finanziellen Voraussetzungen
zur Realisierung einer aktiven Aufbewahrung der Abfälle
Randbedingungen für einen vereinfachten Vergleich:
Eine Langzeitzwischenlagerung, die über einen Zeitraum der Nachverschlussphase eines
Endlagers erfolgen würde, würde über 1 Mio. Jahre an ca. 16 Standorten (13 standortnahe
Zwischenlager an allen ehemaligen KKW-Standorten und drei Transportbehälterlager) erfolgen.
Für die Erneuerung der Behälter und Konditionierung in Zeitabständen von 250 Jahren wird davon
ausgegangen, dass die Wärme entwickelnden Abfälle von den jeweiligen Zwischenlagern in
Deutschland zu einer zentralen Konditionierungsanlage transportiert würden, die aufgrund jeweils
geänderter technischer Anforderungen neu errichtet werden würde (Eine Konditionierung an einem
einzelnen Ort erscheint effektiver da ansonsten zwischen den einzelnen Konditionierungs-
intervallen jeweils neue Anlagen an allen Zwischenlagerstandorten zu errichten wären.). Ein
Zeitraum von deutlich mehr als 40 Jahren, über den Behälter für Wärme entwickelnde Abfälle ihre
Transportfähigkeit behalten, kann aufgrund fehlender Genehmigungserfahrungen derzeit nicht
festgelegt werden. Es wird zur Vereinfachung der Rechnung davon ausgegangen, dass die
Behälter zwischen den Konditionierungsintervallen ihre Transportfähigkeit behalten

Umweltbericht
118
Nullvariante Langzeitlagerung Wärme
entwickelnder Abfälle
Geplante Maßnahme Standortauswahl und
Endlagerung Wärme entwickelnder Abfälle
Flächeninans
pruchnahme
Zwischenlager:
80.000 m² ca. 1 Mio. Jahre
Konditionierungsanlage:
10.000 m² ca. 1 Mio. Jahre
Standortauswahl:
430.000 bis 730.000 m² ca. einige Jahre
Endlagerung:
ca. 300.000 m² ca. einige Jahrzehnte
Luft-
schadstoffe
und Lärm
Emissionen aus
zahlreichen
Bauvorhaben
(68.000 Bauvorhaben: 16 Zwischen-
lager und 1 Konditionierungsanlage
würden jeweils nach 250 Jahren neu
errichtet)
Emissionen aus den Bauvorhaben zur
Standorterkundung und Endlagerung
radiologische
Emissionen
Direktstrahlung durch
zahlreiche
Transporte
(ca. 4.000) zur
Konditionierungsanlage
Emissionen durch
zahlreiche
Konditionierungsintervalle (ca. 4.000)
(Grenzwert: 1 mSv/a)
Direktstrahlung durch
einmaligen Transport
aller Abfälle zum Endlager
Emission durch
einen
Konditionierungsvorgang
(Grenzwert: 1 mSv/a)
potenzielle
Freisetzungen
Störfällplanungswert:
50 mSv
Folgedosis
Risiken
der Entwendung und eines
gezielten Angriffs
über 1 Mio. Jahre
maximales Nachweisziel
0,1 mSv/Jahr
bei
weniger wahrscheinlichen Ereignissen
Risiken
der Entwendung und eines gezielten
Angriffs
über einige Jahrzehnte
Die Gegenüberstellung zeigt, dass die Nullvariante „Langzeitlagerung“ kurzfristig zu weniger
Flächeninanspruchnahme und weniger Emissionen durch Luftschadstoffe und Lärm führen würde
als die Standortauswahl und Endlagerung. Langfristig jedoch würde die Nullvariante bei den
ausgewählten konventionellen Wirkfaktoren zu einer überwiegenden Verschlechterung des
Zustandes der Umwelt führen.
Im Hinblick auf radioaktive Emissionen auf Basis bestehender Grenzwerte bzw. Nachweisziele
würde die Nullvariante „Langzeitlagerung“ zu einer überwiegenden Verschlechterung des
Zustandes der Umwelt führen.
Geologische Entwicklungen sind Prozesse über extrem lange Zeiträume, die sich sowohl auf
Zwischenlager als auch auf ein Endlager auswirken würden. Zwischenlager könnten darauf im
Gegensatz zu einem Endlager reagieren, sofern die personellen, administrativen, technischen und
finanziellen Voraussetzungen dafür gegeben sind. Klimatische Veränderungen z. B. Eiszeiten, die
sowohl natürlich als auch anthropogen verursacht werden können, würden sich allein auf
Langzeitlager in der Biosphäre auswirken.
Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass Deutschland langfristig von gesellschaftlichen Krisen
oder kriegerischen Ereignissen betroffen sein wird, kann nicht vorausgesetzt werden, dass die
personellen, administrativen, technischen und finanziellen Voraussetzungen zur Realisierung einer
aktiven Aufbewahrung der Wärme entwickelnden Abfälle (Langzeitlagerung) langfristig gegeben
sind. Daher muss bei einer Langzeitlagerung der Wärme entwickelnden Abfälle selbst mit einer
vollständigen Freisetzung des Inventars in die Biosphäre gerechnet werden.

Umweltbericht
119
6.2. Nullvarianten „Langzeitlagerung aller radioaktiven Abfälle aus der
Schachtanlage Asse II und aller Reststoffe aus der Urananreicherung“
Unter den hypothetischen Nullvarianten „Langzeitlagerung aller radioaktiven Abfälle aus der
Schachtanlage Asse II und Langzeitlagerung aller Reststoffe aus der Urananreicherung“ wird eine
Lagerung in Stahlbehältern verstanden. Da es keine Regelungen für die Langzeitlagerung gibt,
erfolgt die Beschreibung der Nullvariante analog zur ESK-Leitlinie für die Zwischenlagerung von
radioaktiven Abfällen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung /ESK 2013b/, die ausdrücklich die
zeitlich befristete Zwischenlagerung regelt. Es würden analog zu /ESK 2013b/ langfristig folgende
Schutzziele gelten:
sicherer Einschluss der radioaktiven Stoffe und
Vermeidung unnötiger Strahlenexposition, Begrenzung und Kontrolle der Strahlenexposition des
Betriebspersonals und der Bevölkerung.
Daraus abgeleitet ergäben sich folgende vereinfachte Anforderungen, die zu erfüllen wären:
Aufbewahrung der Abfälle in dichten Behältern und entsprechenden Gebäuden zur Kontrolle
und Begrenzung der Strahlenexposition
Vorsorge vor Störfällen und Vermeidung einer Entwendung und eines gezielten Angriffs durch
Dritte
regelmäßige Erneuerung der Behälter zur Vermeidung von Korrosionen
Sicherstellung der personellen, administrativen, technischen und finanziellen Voraussetzungen
zur Realisierung einer aktiven Aufbewahrung der Abfälle
Randbedingungen für einen vereinfachten Vergleich:
Der Vergleich der Nullvarianten „Langzeitlagerung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage
Asse II und der Abfälle aus der Urananreicherung“ mit der Endlagerung erfolgt unter Annahme
einer Endlagerung im Endlager nach Standortauswahlgesetz. Hinsichtlich Behältererneuerung wird
von einer Langzeitlagerung bei geringer Luftfeuchte, trocken konditionierten Gebinden und
hochwertigen Behälterinnenbeschichtungen ausgegangen, so dass eine Behälterstandzeit von
100 Jahren angenommen wird Es wird davon ausgegangen, dass die Instandhaltung der
Gebäude dem Aufwand einer Neuerrichtung in Abständen von ca. 250 Jahren entspricht. Sowohl
die Endlagerung als auch die Langzeitlagerung erfordern zu Beginn eine Konditionierung der
Abfälle mit vergleichbaren Emissionen, sodass dies nicht betrachtet wird.

Umweltbericht
120
Nullvariante „Langzeitlagerung der
radioaktiven Abfälle aus der
Schachtanlage Asse II und der
Abfälle aus der Urananreicherung“
Geplante Maßnahme Endlagerung der
rückgeholten radioaktiven Abfälle aus der
Schachtanlage Asse II und der Abfälle aus
der Urananreicherung im Endlager
Flächen-
inanspruch-
nahme
zwei Langzeitlager und zwei Anlagen
zur Neuverpackung:
300.000 m² über ca. 1 Mio. Jahre
zwei Zwischenlager :
200.000 m² über
mehrere Jahrzehnte
Luftschad-
stoffe und
Lärm
Emissionen aus
zahlreichen
Bauvorhaben (16.000 Bauvorhaben
(zwei Langzeitlager und zwei Anlagen
zur Neuverpackung werden alle 250
Jahre errichtet)
Emissionen der Errichtung und des Betriebs
von
jeweils
einem Zwischenlager für die
radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage
Asse II
und die Abfälle aus der
Urananreicherung
radiologische
Emissionen
Direktstrahlung durch die
Langzeitlagerung über
1 Mio. Jahre
Emissionen durch zahlreiche
Neuverpackungen der Abfälle
(Grenzwert:
1 mSv/a
)
Direktstrahlung durch Zwischenlagerung über
einige Jahrzehnte
danach Endlagerung
(Nachweisziel
0,1 mSv/a
)
potenzielle
Freisetzungen
Grenzwert für Störfälle:
50 mSv
Folgedosis
maximales Nachweisziel
0,1 mSv/Jahr
bei
weniger wahrscheinlichen Ereignissen
Die Gegenüberstellung zeigt, dass die Nullvarianten „Langzeitlagerung der radioaktiven Abfälle
aus der Schachtanlage Asse II und der Reststoffe aus der Urananreicherung“ gegenüber der End-
lagerung im Hinblick auf konventionelle und radiologische Wirkfaktoren zu einer Verschlechterung
des Zustandes der Umwelt führen würden.
7. Zusätzliche Angaben
In diesem Kapitel werden grenzüberschreitende potenzielle Umweltauswirkungen und Schwierig-
keiten bei der Zusammenstellung der Angaben dargestellt.
Auf eine gesonderte Darstellung von Maßnahmen der Minimierung und des Ausgleichs wird
verzichtet, da dies bereits bei der Bewertung der Umweltauswirkungen der einzelnen Projekte des
NaPro erfolgt ist.
7.1.
Grenzüberschreitende potenzielle Umweltauswirkungen
Die Standorte der Maßnahmen und Projekte des NaPro sind derzeit nicht festgelegt. Eine
Eingrenzung auf bestimmte Gebiete innerhalb Deutschlands erfolgte ebenfalls noch nicht. Daher
sind derzeit auch grenznahe Standorte denkbar. Für folgende Wirkfaktoren sind unter
Vorsorgeaspekten grenzüberschreitende potenzielle Umweltauswirkungen nicht auszuschließen.
Luftschadstoff- und Staubemissionen sowie Lärmemissionen durch Baustellen großer Anlagen
(z. B. Zwischenlager) innerhalb eines Abstandes von etwa 1,5 km zur Grenze

Umweltbericht
121
Luftschadstoff- und Staubemissionen sowie Lärmemissionen durch Transport von Baustoffen,
Abfällen oder Haldenmaterial bei Führung der Transportrouten innerhalb eines Abstandes von
etwa 100 m zur Staatsgrenze
Luftschadstoff- und Staubemissionen durch den Betrieb von Anlagen in unmittelbarer
Grenznähe
Einleitungen von Abwasser mit konventionellen und radioaktiven Inhaltsstoffen bei
naheliegender Staatsgrenze im Unterstrom des Vorfluters
Raumwirkung durch errichtete Gebäude oder Halden in Grenznähe bei direkter Sichtbeziehung
außerhalb Deutschlands
Störfallrisiken beim Betrieb kerntechnischer Anlagen innerhalb Deutschlands
Unfallrisiken beim innerdeutschen Transport radioaktiver Abfälle im Bereich der Grenze
Deutschlands, bei der Rückführung von Abfällen aus der Wiederaufarbeitung über Nachbar-
staaten Deutschlands und beim Transport von Brennelementen aus Versuchs-, Demonstrations-
und Forschungsreaktoren auf dem Gebiet eines Nachbarstaates
Die dargestellten potenziellen Umweltauswirkungen treten innerhalb der angegebenen Abstände
nicht zwangsläufig auf, da bei den Angaben Vorsorgeaspekte berücksichtigt sind und Maßnahmen
der Vermeidung und Minimierung eine erhebliche Reduzierung der Wirkungen erzielen können.
Solche Maßnahmen der Vermeidung und Minimierung können jedoch erst bei projektspezifischen
Kenntnissen erarbeitet und verbindlich festgelegt werden. Darüber hinaus wurde hier unterstellt,
dass unmittelbar an der Staatsgrenze zu Deutschland auf dem Gebiet eines Nachbarlandes
empfindliche Schutzgüter wie z. B. Wohnbebauungen betroffen sind.
Bei der Realisierung der Maßnahmen und Projekte des NaPro werden Umweltverträglichkeits-
prüfungen nach dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung der Bundesrepublik
Deutschland (UVPG) /UVPG 2013/ durchgeführt. Die betroffenen Nachbarstaaten werden an den
zukünftigen Genehmigungsverfahren nach Maßgabe des UVPG beteiligt.
7.2. Schwierigkeiten bei der Zusammenstellung der Angaben
In der vorliegenden SUP wurden die Maßnahmen des NaPro zu Entsorgung radioaktiver Abfälle
hinsichtlich des Baus, des Betriebs und der Stilllegung von Anlagen geprüft, für die keine