Merkpostenliste zum Antrag auf Genehmigung gemäß § 12 Abs. 1 Nr. 3 StrlSchG zum
Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen (z. B. Radionuklidlabor, Radiopharmakapro-
duktion, Verschleißmessung)
Der Antrag muss ausweisen, dass die Genehmigungsvoraussetzungen des § 13 Abs. 1 bis 4 StrlSchG
1
erfüllt
werden. Folgende Angaben des Antragstellers sind erforderlich:
1.
Verwendungszweck
Darlegung der Gründe und Ziele der Verwendung radioaktiver Stoffe für die beantragten Verfahren
zum Nachweis der Rechtfertigung gemäß § 6 StrlSchG
2.
Antragsteller
2.1
Name und Anschrift des Unternehmens (Strahlenschutzverantwortlicher - SSV - gemäß § 69
Abs. 1 Nr. 1 StrlSchG)
2.2
Kopie der Eintragung ins Handelsregister (bei Personen- und Kapitalgesellschaften) bzw. in
der Handwerksrolle
2.3
Betriebsnummer gemäß § 18i SGB IV
2
(8-stellige Zahl der Bundesanstalt für Arbeit)
2.4
Die Aufgaben des Strahlenschutzverantwortlichen gemäß § 69 Abs. 2 StrlSchG nimmt wahr
Bei juristischen Personen ist dies eine zur Vertretung berechtigte Person, z. B. bei GmbH einer der
Geschäftsführer, bei AG einer der Vorstände. Bei einer GbR ist eine Erklärung aller Gesellschafter
abzugeben, welcher Gesellschafter die Aufgaben des Strahlenschutzverantwortlichen wahrnimmt.
Erforderliche Angaben:
Name, Vorname
Geburtsdatum, -ort; Staatsangehörigkeit
Anschrift
Kontakt (dienstlich): Telefon, Fax, E-Mail
Nachweis der Fachkunde im Strahlenschutz und der notwendigen Aktualisierungen (sofern vorlie-
gend und sofern nicht Aufgaben und Befugnisse auf Strahlenschutzbeauftragte übertragen wurden,
vgl. 4)
Die zur Vertretung berechtigte Person hat ein Führungszeugnis der Belegart O zu erbringen
(ausgenommen sind Angestellte oder Beamte im öffentlichen Dienst).
1
Gesetz zum Schutz vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung (Strahlenschutzgesetz - StrlSchG) vom 27. Juni 2017 (BGBl.
I S. 1966) in der derzeit geltenden Fassung
2
Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) - Gesetzliche Krankenversicherung - (Artikel 1 des Gesetzes vom 20. Dezember 1988,
BGBl. I S. 2477) in der derzeit geltenden Fassung

Merkposten Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen in Industrie und Forschung, Stand: 12.11.2021
2
2.5
Die Aufgaben des Strahlenschutzbevollmächtigten nimmt wahr (optional)
Bei großen Einrichtungen hat sich die Bevollmächtigung einer Person zum Strahlenschutzbevollmäch-
tigten für die Durchführung der Kommunikation mit der örtlich zuständigen Behörde als sinnvolle Maß-
nahme bewährt. Insbesondere dann, wenn der Strahlenschutzverantwortliche, bzw. bei juristischen
Personen die zur Wahrnehmung der Aufgaben des SSV berechtigten Person, nicht am Umgangsort
selbst tätig ist.
Der Umfang der Bevollmächtigung kann von einfachen Melde- und Informationspflichten, die sich aus
dem StrlSchG und der StrlSchV ergeben, der Bestellung von Strahlenschutzbeauftragten, der Aus-
stellung von Strahlenschutzanweisungen und Arbeitsanweisungen, bis hin zur Beantragung von An-
trägen auf Erteilung einer Freigabe, einer neuen Genehmigung oder einer ggf. erforderlichen
Änderung der Genehmigung reichen. Die Bevollmächtigung und deren Umfang sind schriftlich vom
Strahlenschutzverantwortlichen und der Person des Strahlenschutzbevollmächtigten per Unterschrift
festzulegen.
Der Strahlenschutzverantwortliche bleibt auch im Falle einer solchen Bevollmächtigung für die
Einhaltung der Pflichten, die ihm durch das StrlSchG und durch die auf seiner Grundlage erlassenen
Rechtsverordnungen (StrlSchV
3
, AtEV
4
usw.) auferlegt sind verantwortlich!
Erforderliche Angaben:
Name, Vorname
Geburtsdatum, -ort; Staatsangehörigkeit
Anschrift
Kontakt (dienstlich): Telefon, Fax, E-Mail
Kopie des Bevollmächtigungsschreibens, mit Angabe zum Umfang der Bevollmächtigung
Der Strahlenschutzbevollmächtigte hat ein Führungszeugnis der Belegart O zu erbringen (ausgenom-
men sind Angestellte oder Beamte im öffentlichen Dienst).
3.
Beantragter Genehmigungsumfang
3.1
Offene radioaktive Stoffe
Nr.
Nuklid
Umgangsaktivität
1
Die Umgangsaktivität ist die im Genehmigungsbereich befindliche Gesamtaktivität offener radioaktiver
Stoffe = Summe aus gelagerter, verwendeter und Reststoffaktivität (siehe 7.2). Es kann sinnvoll sein,
an dieser Stelle bereits weitere Angaben zum geplanten Umgang hinzuzufügen, beispielsweise die
jeweilige jährliche Bezugsaktivität oder die mittlere tägliche Arbeitsaktivität.
3
Verordnung zum Schutz vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung (Strahlenschutzverordnung - StrlSchV) vom 29. No-
vember 2018 (BGBl. I S. 2034, 2036) in der derzeit geltenden Fassung
4
Verordnung über Anforderungen und Verfahren zur Entsorgung radioaktiver Abfälle (Atomrechtliche Entsorgungsverordnung - AtEV)
vom 29. November 2018 (BGBl. I S. 2034, 2172) in der derzeit geltenden Fassung

Merkposten Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen in Industrie und Forschung, Stand: 12.11.2021
3
3.2
Umgangs- und Lagerorte
Anschrift sowie Angaben zum Gebäude, Etage und Raumnummern, Angaben über die Nutzung der
Räume; dazu sind einzureichen:
Einrichtungsskizzen
Lageplan mit benachbarten Räumen, Gebäude, Betriebsgelände
3.3
Beschreibung der Arbeitsvorgänge/-verfahren, in denen die radioaktiven Stoffe genutzt werden
sollen
Die beabsichtigten Verfahren sind zu beschreiben
ggf. raumabhängig
unter Bezugnahme auf die verwendete Aktivität
der Häufigkeit der Anwendung
und der verwendeten Schutzvorrichtungen (Abzüge, Heiße Zellen etc.)
3.4
Zusätzlicher Umgang mit Prüf- und Kalibrierstrahlern und mit umschlossenen radioaktiven
Stoffen
Abweichend von den offenen radioaktiven Stoffen, die im Sinne des Verwendungszwecks angewendet
werden, sind häufig Prüf- und Kalibrierstrahler zur Qualitätssicherung der Messtechnik erforderlich;
diese sind ebenfalls im Antrag zu erwähnen, die
Merkpostenliste
zum
Umgang
mit
umschlossenen
radioaktiven
Stoffen
in
Industrie
und
Forschung
ist hinsichtlich notwendiger zusätzlicher Angaben zu
berücksichtigen. Sollen im Sinne des Verwendungszwecks (vgl. 1) auch umschlossene radioaktive
Stoffe angewendet werden, so kann dieser Umgang gleichzeitig beantragt werden; die
Merkposten-
liste
zum
Umgang
mit
umschlossenen
radioaktiven
Stoffen
in
Industrie
und
Forschung
ist hierbei hin-
sichtlich notwendiger zusätzlicher Angaben zu beachten.
4.
Strahlenschutzbeauftragte, Fachkunde und weitere Anforderungen
Strahlenschutzbeauftragte gemäß § 70 Abs. 1 bis 4, § 13 Abs. 1 Nr. 2 und 3 StrlSchG
Name, Vorname
Geburtsdatum, -ort; Staatsangehörigkeit
Anschrift
Kontakt (dienstlich): Telefon, Fax, E-Mail
Nachweis der Fachkunde im Strahlenschutz und der notwendigen Aktualisierungen
Kopie des Bestellungsschreibens, mit Angaben zum Umfang der Aufgabenübertragung (innerbe-
trieblicher Entscheidungsbereich)
Die notwendige Anzahl der Strahlenschutzbeauftragten für die sichere Ausführung der Tätigkeit ergibt
sich aus dem Betriebsregime (Häufigkeit der Anwendungen, Schichtbetrieb etc., vgl. 3.3).

Merkposten Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen in Industrie und Forschung, Stand: 12.11.2021
4
Nachweis der erforderlichen Fachkunde im Strahlenschutz (§ 74 StrlSchG i. V. m. § 47 StrlSchV)
Für Personen, die keine Bescheinigung der Fachkunde im Strahlenschutz besitzen, kann diese beim
Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Referat 53: Strahlenschutz - In-
dustrie, Medizin, Forschung (parallel zum Genehmigungsantrag) beantragt werden. Es sind die in der
Richtlinie über die im Strahlenschutz erforderliche Fachkunde - Fachkunderichtlinie Technik
5
genann-
ten Berufsabschlüsse, Strahlenschutzkurse sowie ausreichende praktische Erfahrung (Sachkunde) im
Umgang mit radioaktiven Stoffen nachzuweisen. Die Fachkunde im Strahlenschutz ist alle 5 Jahre zu
aktualisieren. Es ist daher gegebenenfalls in der jeweiligen zeitlichen Abfolge die Aktualisierung der
Fachkunde für einzelne Personen lückenlos nachzuweisen. Zu allgemeinen Informationen betreffend
die Fachkunde im Strahlenschutz siehe unsere
Website:
https://www.strahlenschutz.sachsen.de/fach-
kunde-und-kenntnisse-10964.html.
Erforderliche Fachkundegruppen, notwendige Aktualisierungen
Die erforderliche Fachkundegruppe richtet sich nach der Höhe der Umgangsaktivität (vgl. 3.1):
S4.1 - Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen mit Aktivitäten bis zum 10
5
-fachen der Freigrenzen
nach Anlage 4 Tabelle 1 Spalte 2 StrlSchV (Kursmodul GH + OG sowie ggf. Aktualisierungskurs-
module AR, AU, AO nach Fachkunderichtlinie Technik; erforderliche Berufserfahrung: 3 bis 24 Mo-
nate in Abhängigkeit vom Berufsabschluss)
S4.2 - Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen mit Aktivitäten über dem 10
5
-fachen der Freigren-
zen nach Anlage 4 Tabelle 1 Spalte 2 StrlSchV (Kursmodul GH + OH sowie ggf. Aktualisierungs-
kursmodule AR, AU, AO nach Fachkunderichtlinie Technik; erforderliche Berufserfahrung: 6 bis 24
Monate in Abhängigkeit vom Berufsabschluss, nur möglich mit Ausbildungsabschluss im naturwis-
senschaftlich-technischen Bereich)
Bestellung zum Strahlenschutzbeauftragten
Die SSB sind vom Vertretungsberechtigten des Strahlenschutzverantwortlichen schriftlich zu bestel-
len, wobei der innerbetriebliche Entscheidungsbereich und seine Weisungsbefugnis festzulegen sind.
5.
Sonst tätige Personen und notwendiges Personal
5.1
Nachweis, dass die sonst tätigen Personen das notwendige Wissen und die notwendigen Fer-
tigkeiten besitzen (§ 13 Abs. 1 Nr. 4 StrlSchG) und dass das für die sichere Ausführung der
Tätigkeit notwendige Personal vorhanden ist (§ 13 Abs. 1 Nr. 5 StrlSchG)
Angaben über die beim Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen sonst tätigen Personen (Anzahl,
Erfahrung im Umgang mit radioaktiven Stoffen, Besonderheiten wie Schüler/Studenten/Auszubildende
(beachte § 70 StrlSchV), Schwangere/Stillende (beachte § 69 StrlSchV)). Darlegung, wie das notwen-
dige Wissen über Strahlengefährdung und Strahlenschutz vermittelt werden, mit mindestens den fol-
genden Informationen:
Wie, wann und für wen finden Strahlenschutzunterweisungen gemäß § 63 StrlSchV statt?
Exemplar einer Strahlenschutzanweisung gemäß § 45 StrlSchV
notwendige, strahlenschutzrelevante Einweisungsunterlagen in Gerätebedienung oder sonstige
Arbeitsplatzeinweisungen
5
Richtlinie über die im Strahlenschutz erforderliche Fachkunde (Fachkunde-Richtlinie Technik nach Strahlenschutzverordnung) vom
21. Juni 2004 (GMBl. 2004, Nr. 40/41, S. 799), geändert durch Rundschreiben vom 19. April 2006 (GMBl. 2006, Nr. 38, S. 735)

Merkposten Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen in Industrie und Forschung, Stand: 12.11.2021
5
5.2
Abschätzung der beruflichen Exposition
Bei der Abschätzung der beruflichen Exposition sind innere und äußere Strahlenexposition in der
Summe zu berücksichtigen. Dabei sind jeweils die realistischen, maximalen Angaben für eine Person
oder eine Personengruppe in Betracht zu ziehen, z. B. die maximale Aufenthalts-/Tätigkeitsdauer, die
maximale Anwendungshäufigkeit etc. (vgl. 3.1 und 3.3).
Grundsätzlich ist die Verwendung vorhandener oder vergleichbarer, gemessener Daten gegenüber
rechnerischen Abschätzungen vorzuziehen.
Rechnerische Abschätzung der äußeren Strahlenexposition
Für die Vorgehensweise zur Berechnung der Orts- und Personendosisleistung aus Daten der Strah-
lungsquelle über sogenannte Dosisleistungskonstanten können diese beispielsweise den Berech-
nungsgrundlagen für die Ermittlung von Körper-Äquivalentdosen bei äußerer Strahlenexposition der
Strahlenschutzkommission
6
entnommen werden. Abschirmungen können berücksichtigt werden.
Rechnerische Abschätzung der inneren Strahlenexposition
Die Abschätzung der möglichen inneren Exposition kann gemäß der Richtlinie für die physikalische
Strahlenschutzkontrolle zur Ermittlung der Körperdosen, Teil 2
7
erfolgen.
5.3
Einstufung beruflich exponierter Personen gemäß § 5 Abs. 7 StrlSchG i. V. m. § 71 Abs. 1
StrlSchV und Planung der Überwachungsmaßnahmen zur Ermittlung der Körperdosis
Die Pflicht zur Ermittlung der Körperdosis ergibt sich aus §§ 64 bis 66 StrlSchV. Bei der Festlegung
der Inkorporationsüberwachung gemäß § 64 Abs. 4 StrlSchV richtet sich die Behörde i. A. nach Ta-
belle 2 der Richtlinie für die physikalische Strahlenschutzkontrolle zur Ermittlung der Körperdosen,
Teil 2, anhand derer auch die entsprechende Planung durch den Antragsteller erfolgen kann.
Erforderliche Angaben:
Name, Vorname
Alter, Geschlecht
Zuordnung zu den Tätigkeiten und zur abgeschätzten beruflichen Exposition
Kategorie der beruflich exponierten Person gemäß § 71 Abs. 1 StrlSchV
Geplante Überwachungsmaßnahmen
6.
Auslegung des Umgangsortes
6.1
Einrichtung von Strahlenschutzbereichen gemäß § 52 StrlSchV
Für die Räume des Umgangsortes (vgl. 3.2) ist rechnerisch oder anhand von Erfahrungswerten zu
prüfen, ob die Einrichtung als Strahlenschutzbereich erforderlich ist:
falls die Exposition von Personen einen der Grenzwerte des § 80 Abs. 1 und 2 StrlSchG über-
schreiten kann (§ 52 Abs. 1 Satz 1 StrlSchV) oder
6
Strahlenschutzkommission. Empfehlungen der Strahlenschutzkommission. Band 43 - Berechnungsgrundlage für die Ermittlung von
Körper-Äquivalentdosen bei äußerer Strahlenexposition. Verabschiedet in der 286. Sitzung der SSK am 01./02.12.2016
7
Durchführung der Strahlenschutz-Verordnung. Richtlinie für die physikalische Strahlenschutzkontrolle zur Ermittlung der Körperdosen
Teil 2: Ermittlung der Körperdosis bei innerer Strahlenexposition (Inkorporationsüberwachung) (§§ 40, 41 und 42 StrlSchV-2001) vom
12. Januar 2007 (GMBl. 2007, Nr. 31/32, S. 623).

Merkposten Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen in Industrie und Forschung, Stand: 12.11.2021
6
falls zu erwarten ist, dass Oberflächenkontaminationen größer der Werte der Anlage 4 Tabelle 1
Spalte 5 StrlSchV auftreten (§ 52 Abs. 1 Satz 2 StrlSchV).
Die Prüfung der möglichen Exposition nach Anstrich 1 ist von der Abschätzung der beruflichen Expo-
sition der (sonst tätigen) Personen (vgl. 5.2) zu unterscheiden:
Maßgebend bei der Festlegung der Grenze von Kontrollbereich oder Überwachungsbereich ist eine
Aufenthaltszeit von 40 Stunden je Woche und 50 Wochen im Kalenderjahr, soweit keine anderen
begründeten Angaben über die Aufenthaltszeit vorliegen.
Es wird keine bestimmte Tätigkeit zugrunde gelegt, sondern der reine Aufenthalt in den Räumen
im schlechtesten realistischen Fall in Betracht gezogen.
Die Berechnung kann mit denselben Mitteln (vgl. 5.2) erfolgen.
Die Prüfung für Räume kann entfallen, wenn sie allein aus betriebstechnischen Gründen ebenfalls als
Strahlenschutzbereich eingestuft werden (z. B. Flure oder Betriebsräume innerhalb eines Radionuk-
lidlabors). Reine Verkehrswege, über die der innerbetriebliche Transport unter geeigneten Sicherheits-
vorkehrungen durchgeführt wird, können unberücksichtigt bleiben.
6.2
Technische Ausstattung
Gemäß § 13 Abs. 1 Nr. 6 StrlSchG ist nachzuweisen, dass die Ausrüstung vorhanden ist und die
Maßnahmen getroffen sind, die nach dem Stand von Wissenschaft und Technik erforderlich sind, da-
mit die Schutzvorschriften eingehalten sind. Dementsprechend ist die technische Ausstattung des Um-
gangsortes auszulegen.
Der Stand der Technik für die Auslegung von Radionuklidlaboratorien kann der aktuellen
DIN 25425-1: Radionuklidlaboratorien – Teil 1: Regeln für die Auslegung entnommen werden. Abwei-
chungen von den darin festgestellten Anforderungen sind zu begründen.
Bei Einrichtungen, die nicht explizit als Radionuklidlabor zu bezeichnen sind, wird dieser Maßstab
vergleichbar angelegt.
Notwendige Unterlagen können sein:
Herstellerangaben und Zertifikate der installierten Heißen Zellen oder Abzüge (vgl. 3.3)
Druckstufenkonzept
Vollständige Unterlagen zur geplanten/installierten Raumlufttechnik incl. Anlagenschema der Lüf-
tungstechnik, Filteranlagen, Wartungsanleitungen, etc.
Strangschemata für Trink-, Brauch- und Abwasser, Unterlagen zur Abwasserbehandlung
Brandschutz
Der Stand der Technik zu den Brandschutzanforderungen von Radionuklidlaboratorien kann der ak-
tuellen DIN 25425-3: Radionuklidlaboratorien – Teil 1: Regeln für den vorbeugenden Brandschutz ent-
nommen werden. Abweichungen von den darin festgestellten Anforderungen sind zu begründen.
Bei Einrichtungen, die nicht explizit als Radionuklidlabor zu bezeichnen sind, wird dieser Maßstab
vergleichbar angelegt.
Notwendige Unterlagen können sein:
Brandschutzplan, Brandschutzgutachten
Zertifikate/Herstellerangaben zur Widerstandsklasse bzgl. Brandschutz von Wänden, Türen und
Fenstern, raumlufttechnischen und sonstigen brandschutzrelevanten Bauteilen

Merkposten Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen in Industrie und Forschung, Stand: 12.11.2021
7
6.3
Diebstahlschutz und Sicherung
Für den Nachweis zur Erfüllung der Anforderungen an den Schutz gegen Störmaßnahmen oder sons-
tige Einwirkungen Dritter ist für den in einem Sicherungsbereich beantragten Genehmigungsumfang
die Summe der Quotienten aus der nuklidspezifischen Aktivität der radioaktiven Stoffe und dem jewei-
ligem HRQ-Wert (Anlage 4 Tabelle 1 StrlSchV) zu bestimmen.
Sofern diese Summe kleiner eins ist, ist nach DIN 25422:2021-05 zu verfahren. Ist die Summe größer
eins, ist die Richtlinie für den Schutz gegen Störmaßnahmen und sonstige Einwirkungen Dritter beim
Umgang mit und bei der Beförderung von sonstigen radioaktiven Stoffen (SEWD-Richtlinie sonstige
radioaktive Stoffe – SEWD-RL) den weiteren Betrachtungen zu Grunde zu legen.
Der Nachweis ist in Form eines Sicherungsberichtes als Bestandteil des Genehmigungsantrages ein-
zureichen.
Hinweis: Die SEWD-RL wurde als Verschlusssache (VS) des Geheimhaltungsgrades VS-NUR FÜR
DEN DIENSTGEBRAUCH (VS-NfD) eingestuft. Sie ist deshalb nicht öffentlich zugänglich, kann jedoch
formlos unter Angabe des Grundes sowie unter Einreichung der durch die für die Organisation/ die
Institution/ das Unternehmen verantwortliche Person unterzeichneten Erklärung zur Behandlung von
Verschlusssachen des Geheimhaltungsgrades VS-NfD beim LfULG angefordert werden (siehe auch
LfULG Website:
Schutz
gegen
Störmaßnahmen
und
sonstige
Einwirkungen
Dritter
beim
Umgang
mit
und
bei
der
Beförderung
von
sonstigen
radioaktiven
Stoffen
-
sachsen.de
).
7.
Schutz der Bevölkerung und der Umwelt
7.1
Exposition der Bevölkerung
Gemäß § 80 Abs. 1 StrlSchG beträgt der Grenzwert der Summe der effektiven Dosen für Einzelper-
sonen der Bevölkerung 1 mSv im Kalenderjahr.
Direktstrahlung
Es ist zunächst nachzuweisen, dass die mögliche Exposition von Einzelpersonen der Bevölkerung
durch Direktstrahlung 1 mSv im Kalenderjahr nicht übersteigt. Diese ist ähnlich wie in Kapitel 6.1 von
der Abschätzung der beruflichen Exposition der (sonst tätigen) Personen zu unterscheiden:
Entsprechend Anlage 11 Teil B Tabelle 3 StrlSchV sind für den Aufenthalt im Freien 1760 Stunden
pro Kalenderjahr und für den Aufenthalt in Gebäuden 7000 h im Kalenderjahr anzusetzen.
Es wird keine bestimmte Tätigkeit zugrunde gelegt, sondern der reine Aufenthalt im schlechtesten
realistischen Fall in Betracht gezogen.
Zur Berechnung können die Mittel des Kapitels 5.2.1 angewendet werden.
Anzugeben ist mindestens die mögliche Exposition für den schlechtesten, öffentlich zugänglichen Ort
(im Freien und im Gebäude).
Ableitungen mit Abwasser und Abluft
Zum Nachweis, dass der Grenzwert des § 99 StrlSchV eingehalten wird, sind die Emissionen radio-
aktiver Stoffe mit Abwasser und Abluft anhand der Arbeitsvorgänge/-verfahren und deren Anwen-
dungshäufigkeit etc. (vgl. 3.1 und 3.3) sowie unter Berücksichtigung technischer Schutzmaßnahmen
(Abkling- und Filteranlagen) abzuschätzen. Hilfestellung hierbei bietet beispielsweise der Fachver-
band Strahlenschutz mit der Veröffentlichung „Loseblattsammlung FS-78-15-AKU: Empfehlungen zur
Überwachung der Umweltradioaktivität, Emissionsüberwachung nicht-kerntechnischer Anlagen und
Einrichtungen, Hilfestellung für Planung, Ausrüstung und Betrieb (2013)“
.

Merkposten Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen in Industrie und Forschung, Stand: 12.11.2021
8
Ergibt diese Abschätzung, dass die Ableitwerte der Anlage 11 Teil D StrlSchV eingehalten werden, so
ist dies vorerst ausreichend. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass im Falle eines möglichen Zu-
sammenwirkens mehrerer Anlagen oder Einrichtungen gemäß § 80 Abs. 4 StrlSchG im Laufe des
Genehmigungsverfahrens weitere diesbezügliche Anforderungen durch die Behörde gestellt werden
können.
Ergibt die Abschätzung, dass die Ableitwerte der Anlage 11 Teil D StrlSchV nicht eingehalten werden,
so ist eine ausführliche Ermittlung der für Einzelpersonen der Bevölkerung zu erwartenden Exposition
gemäß § 100 StrlSchV zu erbringen.
Störfallbetrachtung
Überschreitet die unter 3.1 beantragte Umgangsaktivität offener radioaktiver Stoffe in der Summe das
10
7
-fache der Freigrenzen nach Anlage 4 Tabelle 1 Spalte 2 StrlSchV, ist gemäß § 104 Abs. 3 und 4
StrlSchV nachzuweisen, dass bauliche oder technische Schutzmaßnahmen getroffen sind bzw. wer-
den, die bei Störfällen die Freisetzung radioaktiver Stoffe in die Umgebung und dadurch die Exposition
der Bevölkerung hinreichend begrenzen.
Hierzu sind mögliche Störfallszenarien darzustellen und entsprechend zu analysieren.
Emissionsüberwachung
Angaben und Unterlagen (Datenblätter, Betriebsanweisungen) zur geplanten/vorhandenen Messtech-
nik zur Überwachung der Emissionen mit Abluft und Abwasser gemäß § 103 Abs. 1 StrlSchV
7.2
Radioaktive Reststoffe
Radioaktive Reststoffe sind alle kontaminierten oder aktivierten Stoffe oder Gegenstände, derer sich
der Genehmigungsinhaber entledigt, entledigen will oder entledigen muss. Entledigung ist hinsichtlich
solcher Stoffe oder Gegenstände anzunehmen, die anfallen, ohne dass der Zweck der jeweiligen
Handlung hierauf gerichtet ist, oder deren ursprüngliche Zweckbestimmung entfällt oder aufgegeben
wird, ohne dass ein neuer Verwendungszweck unmittelbar an deren Stelle tritt (vgl. Abfälle im Sinne
des KrWG
8
).
Art und Menge der jährlich anfallenden radioaktiven Reststoffe, die beim regulären Betrieb entstehen,
sind abzuschätzen, und die Entsorgungswege (schadlose Verwertung, Abgabe an Dritte oder Abgabe
als radioaktive Abfälle an die Landessammelstelle) sind darzustellen.
Sollen radioaktive Reststoffe schadlos verwertet werden, so ist die Freigabe gemäß Teil 2 Kapitel 3
StrlSchV zu beantragen. Die
Merkpostenliste
zur
Freigabe
ist hierbei zu beachten.
Sollen radioaktive Reststoffe an Dritte abgegeben werden, so ist eine Annahmeerklärung oder ein
Angebot des Empfängers beizufügen.
8.
Angabe der zur Verfügung stehenden Strahlungsmessgeräte
Angaben und Unterlagen (Datenblätter, Betriebsanweisungen) zu der vorhandenen Strahlenschutz-
messtechnik.
8
Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen (Kreislaufwirt-
schaftsgesetz - KrWG) vom 24. Februar 2012 (BGBl. I S. 212) in der derzeit geltenden Fassung

Merkposten Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen in Industrie und Forschung, Stand: 12.11.2021
9
9.
Deckungsvorsorge (§ 10 Abs. 1 und 2 StrlSchV)
Überschreitet die unter Punkt 3.1 beantragte Gesamtaktivität in der Summe das 10
5
-fache der Frei-
grenzen nach Anlage 4 Tabelle 1 Spalte 2 StrlSchV, ist eine vorläufige Deckungszusage eines Haft-
pflichtversicherers vorzulegen.
Über die Notwendigkeit und Höhe der Deckungsvorsorge wird im Genehmigungsverfahren in Abhän-
gigkeit von der Umgangsaktivität der beantragten radioaktiven Stoffe und den Umständen des jewei-
ligen Einzelfalls entschieden
9
.
10.
Weitere vorzulegende Unterlagen
Strahlenschutzanweisung
Verhaltensregeln und Maßnahmen bei Unfällen/Störfällen
Der Genehmigungsantrag ist durch den Strahlenschutzverantwortlichen bzw. den Vertretungsberechtigten des
Strahlenschutzverantwortlichen zu unterzeichnen.
Diese Merkpostenliste ist kein Vordruck eines Genehmigungsantrags, sondern soll dem Antragsteller für die
Erstellung des Antrags auf eine entsprechende Genehmigung die notwendigen Hinweise und Erläuterungen
bieten. Der Genehmigungsantrag kann formlos, möglichst auf Kopfbogen, gestellt werden. Im Antrag muss
zweifelsfrei zum Ausdruck kommen, dass die Anwendung radioaktiver Stoffe gerechtfertigt ist, die Einhaltung
von Grenzwerten nachgewiesen ist und alle notwendigen baulichen, technischen und organisatorischen Maß-
nahmen zum Schutz von Mitarbeitern, Personen der Bevölkerung und der Umwelt getroffen werden.
Bei Fragen können Sie sich selbstverständlich gern an uns wenden.
Der Antrag ist in schriftlicher Form zu richten an:
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Referat 53: Strahlenschutz - Industrie, Medizin, Forschung
Pillnitzer Platz 3
01326 Dresden
9
Verordnung über die Deckungsvorsorge nach dem Atomgesetz (Atomrechtliche Deckungsvorsorge-Verordnung - AtDeckV) vom
25. Januar 1977 (BGBl. I S. 220) in der derzeit geltenden Fassung