3. Strategisches Ziel: Kompetenz und
„Gute Arbeit“ im digitalen Zeitalter gestalten

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Kompetenz und „Gute Arbeit“ im digitalen Zeitalter gestalten
3. Strategisches Ziel: Kompetenz und
„Gute Arbeit“ im digitalen Zeitalter gestalten
Kompetenzen im Bereich digitaler Technologien und der
Nutzung digitaler Medien sind nicht erst in der Zukunft,
sondern schon heute wichtige Voraussetzungen für ein
selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben. Diese
„digitale Souveränität“ eines jeden Einzelnen ist darüber
hinaus eine wichtige Voraussetzung für eine freiheitliche,
demokratische, moderne und leistungsfähige Gesellschaft
im digitalen Zeitalter. Anknüpfend an den lebensbeglei-
tenden laufenden Erwerb von Kompetenzen ist es die
Umsetzung des Leitmotives der „Guten Arbeit“, durch die
den Menschen über ihr Erwerbsleben hinweg eine größt-
mögliche Selbstbestimmtheit und Eigenverantwortlichkeit
gesichert wird. Damit dies auch in einer zunehmend dyna-
mischen, digitalen (Arbeits-)Welt der Fall ist, muss „Gute
Arbeit“ weiterhin die Grundlage der sächsischen Wirt-
schafts-, Arbeits- und Standortpolitik sein.
Wichtige Bestandteile digitaler Kompetenzen werden in
der Medienbildung wie auch der informatischen Bildung
vereint. Diese sind im akademischen, beruflichen und im
außerschulischen Kontext relevant. Im Freistaat Sachsen
haben diese im schulischen Bereich erneut eine verstärkte
Aufmerksamkeit erfahren. Kinder und Jugendliche nutzen
digitale Medien je nach Alter in verschiedener Intensität,
viele erstellen sogar selbst Inhalte. Daher benötigen sie
fundierte Kenntnisse zum verantwortungsvollen Umgang
und zu den Chancen sowie Risiken, die mit der Nutzung
digitaler Medien einhergehen. Kompetenzen für die digital
geprägte Gesellschaft gehen jedoch über Medienbildung
und informatische Bildung hinaus. Sie umfassen neben ei-
nem Mindestmaß an technologischen Grundkenntnissen
zur Digitalisierung vor allem soziale, ethische und kreative
Aspekte, die zunehmend erforderlich sind und unabhängig
vom eingeschlagenen Ausbildungsweg oder Beruf beste-
hen. Gleichzeitig muss es Sachsen gelingen, eine hinrei-
chende Anzahl gut ausgebildeter IT-Fachkräfte, insbeson-
dere Informatikerinnen und Informatiker, für die Nachfrage
aus der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung si-
cherzustellen. Hier setzen die vorschulische, schulische
und außerschulische Bildung, aber auch Maßnahmen zur
Berufsorientierung und generell zur Förderung der infor-
matischen Bildung an. Ebenso muss sich die duale Berufs-
ausbildung diesen Herausforderungen stellen.
Die Förderung „Guter Arbeit“ betrifft vor allem drei politi-
sche Felder: Erstens geht es darum, die Rahmenbedingun-
gen für attraktive Arbeitsplätze für Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer zu verbessern und auf einen weiteren Rück-
gang der Arbeitslosigkeit hinzuwirken. Zweitens werden
Maßnahmen zur Fachkräftesicherung im Freistaat unter-
stützt. Ziele sind unter anderem eine bessere Berücksich-
tigung individueller Lebensentwürfe oder bedarfsgerechte
Qualifizierung und Weiterbildung. Das dritte Feld beinhal-
tet die qualitative Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Für die Durchsetzung des Prinzips der „Guten Arbeit“ in der
digitalen Welt müssen die Rahmenbedingungen der Digi-
talisierung und ihre Auswirkungen in einem engen Dialog-
prozess mit allen relevanten Arbeitsmarktakteuren disku-
tiert und gegebenenfalls verändert werden. Im Mittelpunkt
dieser Diskussion stehen die Themen Verbesserung des Ar-
beits- und Gesundheitsschutzes, moderne Personalpolitik,
Weiterentwicklung der betrieblichen Mitbestimmung, neue
Modelle und Ansätze zur Arbeitsflexibilität, aber auch Fra-
gen zur Aufrechterhaltung beziehungsweise Neudefinie-
rung von Arbeits- und Sozialstandards. Insbesondere wenn
es zu einer Transformation von Arbeitsaufgaben durch die
Digitalisierung und Automatisierung kommt, beabsichtigt
der Freistaat Sachsen sowohl den Unternehmen als auch
den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dabei zu helfen,
sich auf den Wandel vorzubereiten. Hier sind insbesonde-
re zielgruppenspezifische Bedürfnisse zu berücksichtigen.
Der Mittelstand und die öffentliche Verwaltung in Sachsen
sollen gleichermaßen bei der Qualifizierung ihrer Beschäf-
tigten unterstützt werden. Neben dem Aspekt der Qua-
lifizierung zielt „Gute Arbeit“ auf den vielseitigen Schutz
von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ab, der sich im
Zuge des digitalen Wandels der Arbeitswelt ebenfalls an-
passen muss.

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Schwerpunktbetrachtung:
MINT-Fokus und Weiterbildung
MINT-Fächer haben mit einem Anteil von über 30
Prozent am Gesamtunterricht in allen Schularten
eine herausragende Stellung im sächsischen Bil-
dungssystem
44 Prozent aller sächsischen Studierenden sind in
MINT-Fächern eingeschrieben
Laut INSM-Bildungsmonitor 2018 liegt Sachsen
insgesamt zwar auf dem ersten Platz des Bundes-
ländervergleichs, weist jedoch u. a. Schwächen
bei IT-Ausstattung der Schulen, medienbezogenen
Kompetenzen der Lehrkräfte und Nutzung digita-
ler Medien auf
Im Bundesländervergleich weist Sachsen die
höchste Ingenieurdichte auf und liegt über dem
OECD-Durchschnitt
Die Weiterbildungsbeteiligung liegt in Sachsen
über dem Bundesdurchschnitt
Operative Ziele
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Neben „Sachsen Digital“ tragen die folgenden strategischen Ansätze der Sächsischen Staatsregierung zur Erreichung der operativen Ziele bei:
- Landesstrategie Medienbildung in Sachsen
- SMK-Konzeption „Medienbildung und Digitalisierung in der Schule“
- Fachkräftestrategie 2030
Medienbildung im Jahr 2019 in den Lehrplänen aller
Fächer verankern (allgemeinbildende Schulen)
Den DigitalPakt Schule des Bundes in Sachsen
zügig umsetzen, um möglichst schnell digitale
Lernumgebungen für Schülerinnen und Schüler
bereitzustellen
Spitzenstellung der MINT-Förderung innerhalb
Deutschlands erhalten und partiell weiter aus-
bauen
Die deutschlandweit höchste Quote an MINT-
Absolventen an den sächsischen Hochschulen
halten
Kontinuierliche Anpassung und Bewertung der
Fachkräftesituation sowie der Ziele und Maß-
nahmen zur Fachkräftesicherung im Rahmen der
Fachkräftestrategie 2030
Ressortübergreifende Anstrengungen in der aka-
demischen als auch in der beruflichen Ausbildung
im IT- und Software-Bereich verstärken, um eine
auskömmliche Basis an Fachkräften hervorzu-
bringen
Die stärkere Nutzung der Digitalisierung durch
sächsische Arbeitgeber bei der Personalgewinnung
und zur Ausrichtung der Personalarbeit an den An-
sätzen des lebensphasenorientierten Personal-
managements unterstützen
Die Angebote zur Stärkung der IT- und Medien-
kompetenz sowohl in der Ausbildung als auch bei
der Qualifizierung und Weiterbildung durch den
Einsatz innovativer digitaler Lehr- und Lern-
konzepte stärken
An die Herausforderungen von Arbeit 4.0 ange-
passte Maßnahmen des Arbeitsschutzes und ad-
äquate Verfahren zu deren Überwachung ent-
wickeln

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3.1. Handlungsfeld: Kompetenzen für die digital geprägte Gesellschaft
Das Handlungsfeld „Kompetenzen für die digital geprägte
Gesellschaft“ umfasst zwei Bereiche, die eng miteinander
zusammenhängen. Einerseits ist dies die informatische Bil-
dung zur Sicherung kompetenter, spezialisierter Fachkräf-
te, deren Grundstein in der schulischen Bildung gelegt und
bis hin zu den sächsischen Hochschulen fortgesetzt wird.
Andererseits ist es die umfassende und zeitgemäße Ermög-
lichung von Medienbildung für alle sächsischen Kinder und
Jugendlichen, Auszubildenden, Studierenden, Arbeitskräfte
sowie Menschen im Ruhestand als Schlüsselkompetenz für
ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben.
Das sächsische Bildungssystem nimmt im bundesweiten
Vergleich in vielen Bereichen seit Jahren eine führende Po-
sition ein, so auch bei der MINT-Förderung. Schon in der
frühkindlichen Bildung in Kindertageseinrichtungen wird
Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Tech-
nik eine hohe Priorität eingeräumt. Informatische Bildung
ist immanenter Bestandteil der Bildungs- und Erziehungs-
arbeit in allen Schulen. Um den Stellenwert der Informa-
tik weiter zu stärken und das Interesse der Schülerinnen
und Schüler an informationstechnischer und informati-
scher Ausbildung zu wecken und zu fördern, wird unter
der Schirmherrschaft des Sächsischen Staatsministers für
Kultus regelmäßig der Sächsische Informatikwettbewerb
durchgeführt.
Im Hinblick auf die Medienbildung möchte der Freistaat
Sachsen dazu beitragen, die emotional geführte öffentli-
che Debatte zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht
durch valide Forschungsergebnisse zu versachlichen. In-
ternationale Erkenntnisse zum Einsatz digitaler Medien in
Schulen fließen ständig in die strategischen Überlegungen
ein. So wird der Europäische Referenzrahmen für digitale
Kompetenzen über die Kompetenzrahmen der Kultusmi-
nisterkonferenz und des SMK in die sächsischen Lehrpläne
aufgenommen. Um auf das Leben in einer Gesellschaft, die
zunehmend von der Durchdringung digitaler Medien ge-
prägt ist, vorbereitet zu werden und damit den Bildungs-
auftrag an allgemein- und berufsbildenden Schulen zu
verwirklichen, entwickeln Schülerinnen und Schüler damit
umfassende Kompetenzen im souveränen Umgang mit di-
gitalen Medien. Medienbildung beinhaltet dabei das Ler-
nen über und das Lernen mit Medien. Das erfordert Fort-
schritte in vielfältigen Bereichen, die das SMK in sieben
Handlungsfelder gegliedert hat: (1) Aus-, Fort- und Wei-
terbildung; (2) Bildungsmedien und -inhalte; (3) Curricula
und Schulentwicklung; (4) Infrastruktur und Ausstattung;
(5) Kooperationen; (6) Rechtliche Rahmenbedingungen
sowie (7) Verwaltung und Bildungsorganisation. Entspre-
chend müssen die Lehrkräfte auf die stärkere Einbeziehung
von und für die Auseinandersetzung mit digitalen Medien
vorbereitet sein. Über ein umfassendes Fortbildungsange-
bot setzt sich der Freistaat Sachsen daher dafür ein, dass
alle Lehrkräfte im Einsatz digitaler Medien ausreichend
geschult werden. Dies gilt ebenso für Unternehmen, denen
entsprechende Förderprogramme des Freistaates und der
Bundesagentur für Arbeit zur beruflichen Weiterbildung
offen stehen. Die Staatsregierung unterstützt die Schul-
träger mit Leitfäden, gemeinsamen Arbeitsgruppen und
Publikationen sowie Kooperationsvorhaben.

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3.2. Handlungsfeld: Arbeitswelt im digitalen Zeitalter
Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt
sind vielseitig und komplex und begründen eine Arbeitsge-
sellschaft, die sich in vielerlei Hinsicht im Wandel befindet.
Der Arbeitsmarkt ist zunehmend globalisiert und virtuell
vernetzt und wird zukünftig heterogener als heute sein.
Infolge des digitalen Strukturwandels werden sich Berufs-
bilder verändern und neue entstehen. Diesen Wandel der
Arbeit aktiv zu begleiten und zu gestalten, ist eine zentrale
arbeitsmarktpolitische Herausforderung für die Staatsre-
gierung, die sich am Leitbild für „Gute Arbeit“ orientiert.
Demnach muss Arbeit auch im digitalen Zeitalter Mitbe-
stimmung, ein gerechtes Entgelt, einen nachhaltigen Ar-
beits- und Gesundheitsschutz, soziale Sicherheit sowie den
Schutz vor Diskriminierung bieten.
Die Möglichkeit, Arbeiten von überall aus und jederzeit
zu erledigen, bietet einerseits neue Chancen für die Ver-
einbarkeit von beruflichen und privaten Verpflichtungen,
birgt andererseits aber auch die Gefahr einer zunehmen-
den Entgrenzung von Arbeit und Privatleben. Der bishe-
rige Arbeitszeitschutz, geprägt durch die Begrenzung der
täglichen Arbeitszeitlänge und Vorgabe von sogenannten
Mindestruhezeiten zwischen zwei Arbeitsschichten, gerät
in den Fokus der Diskussion. Die Digitalisierung verändert
auch die Anforderungen an die arbeitenden Menschen.
Überwiegend körperlich anstrengende Tätigkeiten werden
weniger. Mit Blick auf die physische Gesundheit ist dies
zunächst positiv zu bewerten. Dafür nimmt jedoch die psy-
chische Belastung zu. Risikofaktoren dafür sind beispiels-
weise die Entkopplung von Arbeitsort und Arbeitstätigkeit,
die massive Zunahme der Beschleunigung der Arbeitspro-
zesse, ständige Erreichbarkeit, flexible und unkontrollier-
bare Arbeitszeiten, zunehmende Überwachungstätigkeiten
sowie eine Verdichtung der Arbeit.
Gegenwärtig lässt sich nur schwer abschätzen, in welche
Richtung der digitale Wandel geht und welche beschäfti-
gungspolitischen Veränderungen in den kommenden Jah-
ren generell und im Freistaat Sachsen speziell eintreten
werden. Die Staatsregierung hat eine verstärkte Arbeits-
forschung zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf die
Arbeitswelt initiiert. Aufbauend auf diesen Forschungsbe-
funden wird die Staatsregierung geeignete Maßnahmen
entwickeln und unterstützen, vor allem im Bereich der
Fachkräftesicherung. Dies wird im Dialog mit relevanten
Akteuren des Arbeitsmarktes vollzogen. Auf Arbeitneh-
merseite sind dies zum Beispiel die im Rahmen der regi-
onalen Fachkräfteallianzen vorhandenen beziehungsweise
noch zu schaffenden Betriebsrätenetzwerke.
Der digitale Wandel stellt die bisher europaweit geltenden
Arbeits- und Sozialstandards in Frage. Dies betrifft neben
den Themen Arbeitszeit, Arbeits- und Gesundheitsschutz
vor allem auch den Arbeitnehmerdatenschutz. Da der Frei-
staat Sachsen für diese Themen nicht über Gesetzgebungs-
kompetenzen verfügt, will die Staatsregierung vor allem
einen breiten Dialog fördern, um den Wandel im Sinne von
guter digitaler Arbeit aktiv zu begleiten und zu gestalten.
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