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Pias Erfahrungsbericht vom FSJ Pädagogik
Hallo ihr jungen Leute da draußen. Ich bin Pia, 18
Jahre, und mache derzeit ein Freiwilliges Soziales
Jahr - Pädagogik in einer Grundschule.
Zuerst will ich mich kurz vorstellen:
Dieses Jahr habe
ich mein Abitur absolviert und stand dann vor der großen
Frage was ich nun machen will. Da ich total gerne mit
Kindern arbeite, bastel, singe und auch gern mein Wis-
sen weiter gebe, habe ich den Lehrerberuf in Augen-
schein genommen. Allerdings war ich mir eben nicht
sicher, ob es wirklich das Richtige ist. Eines Tages kam
dann im Radio ein Kurzbericht über das FSJ Pädagogik.
Daraufhin habe ich mich sofort beworben, weil ich davon
überzeugt bin, dass es ein super „Schnupper“- Jahr für
mich wäre.
Die Vorbereitungswoche:
Am Montag nahm mich mei-
ne Anleiterin vor der Schule in Empfang. Nach einer ers-
ten Begrüßung fuhren wir auf einen Bildungstag unter
dem Motto „Schlösser & Burgen“ zum Schloss Wacker-
barth. Dabei boten sich gute Gelegenheiten, Kontakt mit
den anderen Lehrerinnen aufnehmen. Der Dienstag war
ein Tag der neuen Dinge: Zunächst
lernte ich die Schule mit einem kleinen
Rundgang kennen. Der Mittwoch be-
gann mit einer Dienstbesprechung.
Weiter ging es mit Computer einrich-
ten und Namensschilder gestalten.
Am Donnerstag half ich mit, das
Schulhaus kindgerecht zu dekorieren.
Den Rest des Tages war ich im Klas-
senzimmer beschäftigt mit Schrank
einräumen, Tische abwischen, Na-
mensschildchen für die Boxen schrei-
ben & kleben und letztlich die Tafel
dekorieren. Am Freitag wurde ge-
meinsam der Schulanfang vorbereitet. Meine Aufgaben
waren es, Feedback bei der Theaterprobe geben, den
Chor unterstützen und Aufsicht für die Kinder sein. Ein-
schulung - auch für mich - war am Samstag. Süß wie die
kleinen Kinder mit ihren Riesenschulranzen in den ersten
Reihen saßen und aufmerksam zuhörten. Bevor es los-
ging, schminkte ich noch schnell die Theaterkinder. Die
Premiere ist gelungen. Zuckertüten wurden ausgeteilt
und Fotos geschossen.
Heute war der erste Schultag der Kinder.
Die älteren
Klassen begrüßten die Kleinen mit zwei Liedern. Im
Klassenzimmer angekommen, stellten wir uns vor, bas-
telten die Namensschilder und zeigten wir den Kindern
das Schulhaus. Wieder zurück im Klassenzimmer gingen
wir zu dem bürokratischen Teil über- Elternzettel, Stadt-
laufzettel & Malzeug abgeben. Da dies zum Glück nur
kurz von Dauer war, hatten wir dann noch genügend Zeit
um uns in einen gemütlichen Sitzkreis zu setzen und uns
über den Schuleingang und die ersten Schulerfahrungen
zu unterhalten.
Die 1. Schulwoche:
In meiner Stammklasse 1a räumten
meine Anleiterin und ich zusammen mit den Kindern die
Ranzen aus. Gleichzeitig teilten wir die Schulhefte aus.
Danach kam die Frühstückspause, auf die sich die Kids
immer sehr freuen. Dort bin ich Aufsicht, was nicht immer
leicht ist. Den Rest der Woche war der Ablauf eigentlich
fast identisch: 4 Stunden am Tag in der Schule und dann
zu Hause Hefte vortragen, Listen schreiben, Klebeschild-
chen basteln. Die Kinder lernten in der Schulzeit die
Schule kennen und ihren Ablauf, sowie die ersten Mathe-
und Deutschübungen. Ich habe gemerkt, dass der
Lehrerjob nicht nur aus Wissensvermittlung besteht,
sondern auch aus vielen kleinen Dingen, wie beispiels-
weise Schleife binden beibringen oder so. Fazit bis hier-
her: Ich fühl mich pudelwohl und bin super aufgenommen
worden im Kollegium. Die Arbeit mit den Kindern ist sehr
anspruchsvoll, was ich erst unterschätzt hatte, macht
aber auch total Spaß. So, Ihr da draußen: Weitere Be-
richte werden folgen.
Die 2. Woche:
Die neue Woche läuft nun nach Stunden-
plan und die Kinder lernten auch die anderen Fachlehrer
kennen. Das habe ich allerdings nicht erlebt, da ich mei-
nen persönlichen Stundenplan hatte. Der begann damit,
dass ich Computer und Laptops der Schule aktualisiere.
In der Zeit, in der ich nicht auf OK
drücken musste, schrieb ich die Wer-
kenlisten der ersten Klassen. Die
Termine fürs Werken schnitt ich dann
aus und klebte sie in die Hausaufga-
benhefte der beiden ersten Klassen.
Zum Mittag wurde ich als Essensbe-
gleitung für 3 Kinder eingesetzt. Nach
einer Freistunde ging es in eine lange
Dienstberatung, aber auch da muss
man durch. Ich halte trotzdem fest:
Dienstberatung wird nicht meine Lieb-
lingsbeschäftigung.
Am Dienstag besteht mein Stunden-
plan daraus, dass ich auf die Ethikkinder aufpasse. In der
Zeit biete ich Spiele an oder die Kinder spielen selbst-
ständig und ich erledige in der Zeit schriftliche Aufgaben,
die so anstehen. Am Mittwoch war ich dann mal wieder
in meiner Klasse. Dabei habe ich die Ethik und Kunst-
stunde begleitet. In der anschließenden Mathestunde
stand ich den Kindern als Lernhilfe zur Verfügung. Die
letzte Stunde war dann Förderunterricht für Deutsch, in
dem wir sprachfördernde Spiele spielten. Am Donnerstag
bereite ich zu Hause mein Projekt vor. Dieses muss jeder
FSJ´ler innerhalb des Jahres absolvieren. Ich habe mir
passend für den Herbst ein Kartoffelprojekt ausgesucht.
Ihr seht mir wird nicht langweilig.
Soooo…
Länger nicht geschrieben, aber hier bin ich
wieder. Inzwischen gibt es auch nicht viel Neues zu be-
richten, denn nun habe ich meinen festen Stundenplan
nach dem ich arbeite. Bis hierhin kann ich sagen: Es
macht total viel Spaß, aber es ist wirklich anstrengend,
denn Kinder können sehr ausgebufft sein. Bisher hab ich
meinen Wunsch Lehrerin zu werden noch nicht aufgege-
ben und ich hoffe auch, dass sich dies nicht groß ändert.
Heute darf ich den Elternabend beobachten und werde
dies auch gleich nutzen, die Eltern über mein Projekt
aufzuklären. Tipp für die nächsten FSJler/innen: Viele
Ich habe gemerkt, dass der
Lehrerjob nicht nur aus
Wissensvermittlung be-
steht, sondern auch aus
vielen kleinen Dingen, wie
beispielsweise Schleife bin-
den beibringen oder so.

Eltern haben mich angesprochen wer ich bin. Damit ich
dies nicht 300mal erzähle, habe ich einen kleinen Steck-
brief an das Infobrett gepinnt. Es hilft! Bis zum nächsten
Mal.
Mein Kartoffelprojekt:
Was halte ich hier in der Hand?",
fragte ich die Kinder. Die Antwort kam laut und deutlich:
"Eine Kartoffel". So eröffnete ich mein Kartoffelprojekt,
welches ich in beiden ersten Klassen durchführte. Zuerst
las ich ihnen die Geschichte der Kartoffel vor, die auf
Weltreise ging. Diese wurde durch mich selbst verfasst,
aber mit Fakten zum Ursprung der Erdfrucht untermau-
ert. Danach erklärte ich anhand von Bildern wie die Kar-
toffel vom Feld auf unserem Teller landet. Meinerseits
gezielte Fragen, brachten die Kinder dazu mir ihr bereits
vorhandenes Wissen beiseite zu stellen. Als nächstes
kam ein Produktspiel. Ich holte mir 2 Helfer nach vorne,
die aus allerlei Produkten im Korb, die Kartoffelerzeug-
nisse herausfiltern sollten. Beide haben es super gemeis-
tert. Kurz noch ein kleines Buch gestaltet, dann kam der
praktische Teil näher. Die Garderobe wurde gestürmt
und wir zogen uns flott an. In Zweierreihe wanderten wir
dann auf ein Kartoffelfeld ganz in der Nähe. Meine Mama
wartete schon auf die Rasselbande. Zuerst gab es Früh-
stück im Pferdeanhänger. Nach einer kurzen Einweisung
was zu tun und was zu lassen sei, ging es auf die Kartof-
feln los. In die mitgebrachten Beutel wurden sie einge-
sammelt. Nach 1h Dauerbewegung, luden die Kinder die
Beutel in den Hänger. Den brachte meine Mama dann
zur Schule. Währenddessen liefen wir zurück zur Schule,
wo die Beutel wieder an ihre Besitzer/in ausgeteilt wur-
den. Nach der Krönung des Kartoffelkönigs (Finder der
schwersten Kartoffel), einer kleinen Belohnung und dem
Waschgang, warteten auch schon die Eltern auf ihre
ausgepowerten, aber zufriedenen Sprösslinge.
Weihnachtsbasteln für die Kinder:
Auf meinem Ta-
gesplan stand: 18 Uhr Adventskalender basteln mit den
Eltern für die Kinder. Also fuhr ich auch abends noch mal
in die Schule. Cooles Gefühl in einer leeren Schule zu
sein,
wenn
es
draußen
schon
dunkel
ist.
Nach ein paar Vorbereitungen im Zimmer wie Plätzchen
hinstellen und Glühwein kochen, trudelten auch schon
die ersten Mütter ein. Natürlich waren am Ende nicht alle
Eltern da, aber immerhin 14 Mütter und einen Herren in
der Runde konnte ich an diesem Abend kennen lernen.
Neben den Unterhaltungen bastelten wir aus Klopapier-
rollen Weihnachtsmänner, für jedes Kind einen. Diese
füllte ich dann mit Süßigkeiten.
Hallo neues Jahr und Ihr Leser,
die Schüler und ich
sind gut ins neue Jahr gestartet. Nun sind die Erstkläss-
ler auch langsam im Schulalltag drin und haben sich an
alles gewöhnt. Auf mich kam gleich in der 2. Januarwo-
che eine kleine Herausforderung zu, denn ich wurde für
eine Unterrichtseinheit im Fach Ethik eingeteilt. Diese
sollte ich am Donnerstag, in der ersten Klasse halten.
Das Thema war: Feste im Jahreskreis, also nicht beson-
ders schwierig. Als es dann so weit war, ging ich in die
Klasse und eröffnete den Unterricht mit einem „Guten
Morgen, liebe Klasse 1b“ und es kam prompt auch eine
Begrüßung für mich zurück. Dann erarbeiteten wir uns
gemeinsam die Feste im Jahreskreis und klebten im
Arbeitsheft die vorher ausgeschnittenen Bildchen ein. Es
war eine tolle Stunde! Auch die Lehrerin, die alles beo-
bachtet hatte, lobte mich am Ende. Und jetzt wusste ich,
dass der Lehrerberuf etwas für mich ist.
Das 1. Halbjahr ist geschafft.
Das sag ich aber nicht
mit einem „ PUH… Endlich! “, sondern eher mit einem
erschrockenen „Schon… ?!“. Denn die Zeit rast. Ich bin
jetzt vollkommen in meinem FSJ angekommen. Meine
Aufgabenbereiche sind klar, ich kenne mich in der Schu-
le aus und der Umgang mit den Schülern macht mir je-
den Tag aufs Neue Spaß. Nach diesem halben Jahr
fühle ich mich nun definitiv bestätigt, dass ich Lehramt
Grundschule studieren möchte und ich bin froh beim FSJ
Pädagogik mitzumachen. Die Erwartungen, die ich zu
Beginn hatte, wurden nur teilweise erfüllt. Ich malte mir
vorher in meinen Gedanken eine süße Grundschule mit
total lieben Kindern aus. Dass die Realität anders aus-
sieht, merke ich fast jeden Tag. Es ist eine Herausforde-
rung, aber es ist eine wunderbare Herausforderung.
Auch die 3. Bildungswoche, die in Schneeberg stattfand,
half mir dabei. Denn sie war mit vielen interessanten
Themen gespickt, wie z.B. Mediation, Behinderung in der
Schule, Lerntypentest, Werte, individuelle Förderung und
einige mehr. Um diese Themen gründlich und korrekt zu
erfassen, haben die Mitarbeiter der Deutschen Kinder-
und Jugendstiftung Fachleute zu diesen Aspekten einge-
laden. Aber auch unter uns FSJ´lern gab es Einige, die
sich auf einen Vortrag vorbereitet hatten. Hinzu kamen
interessante Vorträge über Lehr- und Lernmethoden und
über die Gestaltung des Einstiegs in den Unterricht.
Klingt als hätten wir viel Theorie gehabt. Stimmt. Aber
das Ganze wurde immer wieder aufgelockert durch prak-
tische Methoden, Spiele und Pausen, in denen wir uns
über unsere Erfahrungen austauschten. Wenn ihr jetzt
kurz vor dem Schulabschluss steht und, wie ich damals
nicht wisst, was ihr danach machen wollt, aber eine Nei-
gung zur Pädagogik habt, dann kann ich euch nur das
FSJ Pädagogik empfehlen. Denn danach wisst ihr garan-
tiert, ob ihr Lehrer/in werden wollt oder eben auch nicht.