Matthias Pfeifer
Unter dieser Rubrik werden in der Zeitschrift Fischer & Angler in Sachsen Beiträge und Abhandlungen
zur Geschichte der Fischerei aus alten Dokumenten und Büchern, alten Fischereizeitungen oder aber
aus Arbeiten, die sich mit der Historie dieses Wirtschaftszweiges befassen, wiedergegeben. Alle
bislang publizierten Beiträge sind nachfolgend anhand des Inhaltsverzeichnisses zu finden. Um einen
gesuchten Beitrag auszuwählen, gehen Sie bitte mit dem Coursor über den Inhalt und klicken Sie bei
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Inhaltsverzeichnis
Inhalt
Heft
Jahr
Seite
Die Fischmärkte in Kursachsen
4
1994
1
Die Fischereien Kurfürst Augusts in der Mitte des 16. Jahrhunderts
1
1995
2
Geschichte der Angelliteratur
2
1995
3
Das Buch von den Fischen (1599) von Johannes Colerus
3
1995
5
Über Angelliteratur nach dem Dreißigjährigen Krieg
4
1995
6
Der Osterfischmarkt in Prag (1914)
1
1996
7
Über Teichwärter aus J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon (1744)
2
1996
10
Diensteid des Teichwärters von Großhennersdorf 1732
3
1996
11
Über den Schlammgesschmack der Fische (1911)
4
1996
12
Fischer und Alkohol (1923)
1
1997
13
Über die Tötung des Aals (1911)
2
1997
15
Über den Fischverzehr (1785)
3
1997
16
Über den Karpfen (1547)
4
1997
18
Über den Gebrauch der Angel aus dem Buch von den Fischen (1599)
1
1998
19
Verzehreigenschaften einiger Fische aus dem Buch von den Fischen (1599)
2
1998
21
Aal und Karpfen aus dem Buch von den Fischen (1599)
3
1998
22
Über die Fischerei in der Zeit der Novemberrevolution 1918
4
1998
24
Historisches über den Lachs
1
1999
25
50 Jahre Fischereischule Königswartha
2
1999
27
Über den Einzug der Bisamratte in Sachsen
3
1999
28
Über den Lachs in Böhmen und Meißen im 16. Jahrhundert
4
1999
30
Beschreibung über das Angeln aus der GEORGICA CURIOSA (1695)
1
2000
32
Fischordnung für die Elbe (1560)
2
2000
33
Unterricht von Teichen (1603)
3
2000
35
Karpfenrezepte (1737)
4
2000
36
Über den früheren Reichtum an Fischen (1875)
1
2001
38
Die Aalfischerei (1875)
2
2001
39
Über die Zucht des Karpfens (1875)
3
2001
41
Über Fischdiebstahl und deren Bestrafung (1735)
4
2001
42
Beschwerden Dresdner Fischhändler gegen solche aus der Lausitz (1712)
1
2002
44
Bestallung des Hoffischers Bildt für die Herrschaft Hoyerswerda (1728)
2
2002
45
Über den Fischotter aus J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon (1735)
4
2002
47
Über die Forelle aus J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon (1735)
1
2003
49

erstellt von Matthias Pfeifer
Inhalt
Heft
Jahr
Seite
Über den Lachs aus J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon (1737)
3
2003
50
Über Gewässerverschmutzungen im Erzgebirge im 16. Jahrhundert
4
2003
52
Über den Stör aus J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon (1744)
1
2004
53
Über den Hecht aus J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon (1735)
2
2004
55
Über Fischfang mit Angeln aus J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon (1735)
3
2004
56
Die Teichwirtetage in Bautzen 1904
4
2004
58
Eingabe der Fischmeister von Dresden an den Kurfürsten 1734
1
2005
60
Beschreibung des Angelns aus der Oeconomischen Encyclopädie (1773)
2
2005
62
Über den Aal aus der Oeconomischen Encyclopädie (1773)
3
2005
63
Über die Barbe aus der Oeconomischen Encyclopädie (1774)
4
2005
65
Über den Krebs aus der Oeconomischen Encyclopädie (1789)
1
2006
66
Die Fischordnungen Sächsischer Kurfürsten in der frühen Neuzeit
2
2006
68
Bestallung des Teichwärters auf dem Rittergut Grünewalde 1765
3
2006
70
Über die Eisfischerei aus der Oeconomischen Encyclopädie (1777)
4
2006
72
Verbotene Fischfangmethoden aus der Oeconomischen Encyclopädie (1778)
1
2007
74
Die Fortpflanzung der Fische aus der Oeconomischen Encyclopädie (1778)
2
2007
76
Notizen zur Geschichte der Fischerei in und um Königswartha
3
2007
78
Über Karpfenteichwirtschaft, um 1700
4
2007
81
Über Fischereigesetzgebung, aus der Oeconomischen Encyclopädie (1778)
1
2008
83
Der Kalifornische Lachs, Schriftensammlung Max von dem Borne (1892)
2
2008
85
Regenbogenforelle und Bachsaibling, ebenda
3
2008
87
Amerikanischer Binnenlachs, Amerikanische Seeforelle und Große Maräne
4
2008
89
Hundsfisch, Zwergwels und Gabelschwanz
1
2009
91
Schwarzbarsch und Forellenbarsch
2
2009
93
Ein Krebsessen in der Oberlausitz in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts
3
2009
95
Über Fischdiebe
4
2009
97
Gründung des Sächsischen Fischereivereins 1884
1
2010
99
Über Natur und Eigenschaften der Fische aus GEORGICA CURIOSA (1715)
2
2010
101
Über die Lebensweise der Fische aus GEORGICA CURIOSA (1715)
3
2010
102
Über Köder zum Fischfang aus GEORGICA CURIOSA (1715)
4
2010
104
Über die Fischweide aus GEORGICA CURIOSA (1715)
1
2011
106
Regenwürmer als Angelköder aus GEORGICA CURIOSA (1715)
2
2011
107
Über Kaviar aus der Oeconomischen Encyclopädie (1776)
3
2011
109
Über das Wuhnenschlagen J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon (1751)
4
2011
111
Über die Anfänge der Elektrofischerei
1
2012
113
Der fischereiliche Neuanfang in Sachsen nach 1945 – Teil 1
2
2012
116
Der fischereiliche Neuanfang in Sachsen nach 1945 – Teil 2
3
2012
118
Der fischereiliche Neuanfang in Sachsen nach 1945 – Teil 3
4
2012
120
Der fischereiliche Neuanfang in Sachsen nach 1945 – Teil 4
2
2013
122
Einiges über Karpfenrassen (1902) Teil 1
3
2013
124

erstellt von Matthias Pfeifer
3
Inhalt
Heft
Jahr
Seite
Einiges über Karpfenrassen (1902) Teil 2
4
2013
126
Fischereischule Königswartha begeht 65. Geburtstag
1
2014
128
Was unsere Groß- und Urgroßväter beim Angeln beachten mussten
2/3
2014
129
Kurioses über Karpfen und deren Zucht
4
2014
132

erstellt von Matthias Pfeifer
1
Die Fischmärkte in Kursachsen
Unter der Überschrift
Fischerei historisch
sollen Beiträge und Abhandlungen zur Fischerei
aus alten Dokumenten, alten Fischereizeitungen oder aber aus Arbeiten, die sich mit der
Geschichte der Fischerei befassen, in dieser Zeitschrift publiziert werden. Die Rubrik soll in
der Regel in jeder Ausgabe erscheinen. Sofern es notwendig ist, werden den historischen
Auszügen kommentierende Worte vorangestellt.
Begonnen werden soll mit einem Auszug aus der Dissertation von A
LFRED HELLE: DIE
FISCHEREI IN DEN FLÜSSEN UND BÄCHEN DER KURFÜRSTLICH-SÄCHSISCHEN ERBLANDE, welche
1930 im Archiv für Fischereigeschichte erschien. Beim Lesen des Artikels wird man
feststellen müssen, daß die Probleme des Verkaufs und der Vermarktung so alt wie die
Fischerei selbst sind, und daß es an mehr oder weniger erfolgreichen Maßnahmen zum
Schutz der einheimischen Fischer nicht gefehlt hat.
Die Fischmärkte
Die städtische Wirtschaftspolitik unterstützte die Fischmärkte mit allen Mitteln kommunaler
Fürsorge. Die Belieferung geschah zunächst mit Fischen, die durch die Fischer am Marktort
selbst oder in der näheren Umgebung gefangen wurden. Je mehr der Bedarf an Fischen
zunahm, desto mehr verschob sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage zu
Ungunsten der Käufer. Bald war es den örtlichen Fischern allein nicht mehr möglich, den
Marktbedarf zu befriedigen; die Fische mußten deshalb zur Versorgung der Märkte zum Teil
aus sehr weit entfernten Überschußgebieten bezogen werden.
Eine Urkunde aus dem Jahre 1467 gibt einen Anhaltspunkt über die Versorgungsgebiete des
städtischen Fischmarktes zu Leipzig. Im genannten Jahre bestimmten die Räte zu Leipzig
die Maße für die Honig- und Heringstonnen und setzten die Maklergebühren beim
Heringshandel fest. Gleichzeitig ersuchte der Rat die Städte Herzberg, Kolo, Berlin,
Prenzlau, Spremberg und Brandenburg um Bekanntgabe der Leipziger Ratsordnung an die
Einwohner, damit sich jeder Besucher des Leipziger Fischmarktes vor Übertretung der
Verordnung hüten könne. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß die Fangorte der Fische, mit
denen der Leipziger Markt beliefert wurde - wenn man die Verkehrsverhältnisse des 15.
Jahrhunderts berücksichtigt - außerordentlich weit entfernt lagen. Nach der Luftlinie
berechnet liegt Prenzlau etwa 260 km von Leipzig entfernt, Berlin 150 km und Spremberg in
der Lausitz 140 km.
Weitaus günstiger lagen die Verhältnisse in Dresden. Die Elbe mit ihren fischreichen
Nebenflüssen und Bächen sicherte eine reichliche Versorgung des städtischen
Fischmarktes. Aber auch hier reichten in späteren Jahren die Fänge der einheimischen
Fischer nicht aus. Der Markt wurde deshalb mit Fischen aus den Moritzburger Teichen
beliefert, soweit der Hof die dortigen Fänge nicht für die eigene Küche benötigte. Seit dem
17. Jahrhundert wurden auch größere Mengen von Fischen aus der Niederlausitz eingeführt.
Die Ruhländischen Bauern (Ruhland an der Schwarzen Elster) waren ständige Besucher der
Dresdner Fischmärkte.
Vielfach sahen die heimischen Fischer in den fremden Fischhändlern einen unangenehmen
Konkurrenten, den sie so bald als möglich vom Markthandel auszuschalten versuchten.
Hierbei mußten häufig die partikularen Handwerksinteressen mit denen der Gemeinde
kollidieren, da einerseits das heimische Handwerk zu schützen und ihm die
Existenzmöglichkeit zu sichern war, andererseits aber auch eine ausreichende Belieferung
des Fischmarktes gewährleistet werden mußte. Aufgabe der städtischen Marktpolitik war es
daher, den Bedarf möglichst durch die am Ort gefangenen Fische zu decken und dahin zu
wirken, daß alle in den heimischen Gewässern gefangenen Fische auf den Markt kamen und
nicht nach auswärts auf fremde Märkte geschmuggelt oder unter der Hand in den Häusern
verkauft wurden. In diesem Sinne verpflichtete die Weißenfelser Fischverkaufsordnung von
1569 alle Saalefischer im Amt Weißenfels zum Besuche des städtischen Fischmarktes. Auch
die erste Landesfischordnung von 1596 ordnet den geregelten Fischverkauf auf den
öffentlichen Märkten an.

erstellt von Matthias Pfeifer
2
Der Rat zu Wurzen bat 1612 die Landesregierung, die Amts- und Dorffischer im Stiftsbezirk
anzuweisen, die Fische nicht mehr nach Leipzig, Dresden und Torgau auszuführen, sondern
in der Stadt auf dem Markte bei den Röhrenkästen feilzuhalten.
Häufig wurden auch die Händler verpflichtet, zunächst die Fische aus den heimischen
Gewässern zu verkaufen, ehe das Feilhalten von außerhalb eingeführter Fische auf dem
Markte gestattet wurde. So wurden die städtischen Fischhändler zu Dresden 1697 durch den
Rat angehalten, nicht eher von außerhalb Fische einzuführen, bis der letzte Herrschaftsfisch
verkauft war.
Die wirksamste Maßnahme der Gemeinden zur Sicherung und Erhaltung des einheimischen
Fischergewerbes war die Einführung des Schutzzolles. Einige Städte haben daher alle von
auswärts auf den Markt gebrachten Fische mit einem erhöhten Marktzoll belegt. Demgemäß
beschloß 1467 der Rat zu Leipzig „das die meckeler nu hynforder von einer thonnen
uffzcuslahen von einem borger nicht mehir denne einen nuwen pfennig vnde einen heringk
nehmen sollin, abir von einem gaste mögin sie von einer thonne uffzcuslaen nehmen III alde
pfennige vnde eyn heryngk.
Die Fischereien Kurfürst Augusts in der Mitte des 16. Jahrhunderts
Das 16. Jahrhundert war in Deutschland eine Zeit starker Wirren und Unruhen, aber auch
der Beginn tiefgreifender Änderungen in den wirtschaftlichen Verhältnissen. 1553 trat
Kurfürst August mit 27 Jahren das Erbe seines genialen Bruders Moritz an. Ihm gelang es,
Sachsen zum Musterland in Deutschland zu machen. Er galt als einer der erfolgreichsten
Wirtschaftspolitiker auf einem deutschen Fürstentron, denn er selbst war der bedeutendste
frühkapitalistische Unternehmer in Sachsen.
Unter der Regierung von Kurfürst August entstanden in Sachsen die ersten
Regionalfischordnungen. Im Mittelalter waren durch den Fischreichtum in den zahlreichen
Bächen und Flüssen und die geringe Bevölkerungszahl umfangreichere Schutzmaßnahmen
für die Fischerei nicht erforderlich. Das änderte sich jedoch im 16. Jahrhundert. Überall
machte sich ein Nachlassen des Fischreichtums empfindlich bemerkbar. Von allen Seiten
mehrten sich die Klagen über eine zunehmende Verödung der Fischwässer. Die Ursachen
lagen in einer intensiveren Befischung, bedingt durch den größeren Bedarf einer gewaltig
ansteigenden Bevölkerungszahl. Dazu kamen die stetig zunehmenden Verunreinigungen
durch Pochwerke, Sägemühlen und Seifenwerke (Erzwäschereien), aber auch durch
häufiger werdende Flachs- und Hanfrösten in den fließenden Gewässern. Großer Schaden
entstand auch durch die Holzflößerei, die gerade in dieser Zeit der Entwicklung des
Bergbaues in großem Umfang betrieben wurde. Es war daher nur folgerichtig, daß auch die
Fischerei im Interesse einer umfassenden Hebung der Wirtschaft des Landes in den
gesetzlichen Schutz einbezogen wurde.
Gleich zu Beginn seiner Regierung gab sich daher Kurfürst August viel Mühe, die Fischerei
in wirtschaftlicher Hinsicht zu fördern. Ausschreibungen und Mandate wurden erlassen, in
denen für Fischdiebstähle, besonders in den kurfürstlichen Hege- und Amtswässern, strenge
Strafen angedroht wurden.
Die dauernde Vergrößerung der Hofhaltung des Kurfürsten selbst benötigte eine reichliche
Versorgung mit Fischen. Nachdem er im Erzgebirge sein Jagdschloß Augustusburg erbaut
hatte, versuchte er dort, sich in weitem Umkreis die Fischerei nutzbar zu machen. Die
umliegenden Ämter wurden beauftragt, in großem Umfang Fischwässer in der Flöha und
Zschopau sowie ihren Nebengewässern aus privater Hand aufzukaufen. Alle bislang
vermieteten Fischwässer wurden aufgekündigt. Zur Beaufsichtigung und Pflege der neuen
Fischwässer wurden von amtswegen einige Fischknechte bestellt.
Durch diese Ankäufe schuf sich Kurfürst August rings um die Augustusburg ein
geschlossenes Fischereirevier, das ihm gestattete, seine Tafel reichlich mit Fischen, vor
allem Forellen, zu versehen. Ein Teil der gefangenen Fische wurde geräuchert dem
jeweiligen Aufenhaltsort des Landesherrn zugeführt.

erstellt von Matthias Pfeifer
3
Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts wird in Dresden ein Fischmeister genannt, dem die
Beaufsichtigung der herrschaftlichen Fischwässer, vor allem der großen Fischteiche in der
Umgebung Dresdens, oblag. Kurfürst August erließ mehrmals Instruktionen an die
Landesfischmeister und Vorwerksverwalter bezüglich der Pflege der Fischwässer. Diese
Anweisungen erstreckten sich im wesentlichen auf die Sorge und den Schutz für die
Fischbrut, auf die Pflege und Fütterung der Fische, Reinhaltung der Fischwässer und
Ausbessereung der Teiche. Schließlich wurde eine ordentliche Rechnungsführung über die
Einnahmen und Ausgaben der Fischerei verlangt. Des weiteren hatten die Fischmeister die
Aufsicht über die zahlreichen bediensteten Fischer, Knechte und Buttenträger.
Die gefangenen Fische mußten in den Hoffischgarten zu Dresden eingeliefert werden. Hier
wurden sie in die vorhandenen Hälter und Fischteiche eingesetzt und für die fürstliche Küche
reserviert. Nach einem Bericht des Fischmeisters Georg Fischer befanden sich 1569 im
Dresdner Hoffischgarten zwei Fohrenkästen (Forellenkästen), die täglich Sommer und Winter
mit Forellen besetzt waren, ein Hechtteich, in dem große Hechte gehalten wurden, ein
großer Karpfenteich mit 250 Zentner Karpfen, ein Karpfenteich mit 100 Zentner
Winterkarpfen, zwei Hechtbehälter, sechs Hechtkästen, ein Hälter für Speisefische und vier
Hälter mit Karpfen und Hechten für den Winter.
Die Überschüsse an Fischen, die der Hof nicht verwendete, wurden den Fischhändlern zum
Verkauf auf dem Dresdner Markt übergeben. Im Jahre 1569 veranschlagte der Fischmeister
die Absatzfähigkeit der Dresdner Fischhändler auf jährlich 1053 Zentner Karpfen. Als aber
der Absatz der Hoffische auf dem Markt stockte, weil der Stadtmarkt mit billigen Fischen, die
aus der Lausitz und aus der Mark Brandenburg eingeführt wurden, überschwemmt war, ließ
Kurfürst August in der Dresdner Heide neue Fischhälter anlegen.
Über die Einnahmen und Ausgaben der Teichfischerei als auch der wilden Fischerei, die dem
Hof unterstanden, wurde genau Buch geführt. Für die Zeitspanne von 1574 bis 1578 betrug
der durchschnittliche jährliche Überschuß der landesherrlichen Fischereien 2351 Gulden,
wovon 1901 Gulden auf die Teichfischerei entfielen (etwa 81%). Von diesem jährlichen
Überschuß sind noch die Landesfischmeisterbesoldung in Höhe von 600 Gulden und die von
den Ämtern für die Fischerei verwendeten Ausgaben in Höhe von rund 400 Gulden
abzuziehen. Für die oben genannten Jahre ergibt sich somit für die landesherrlichen
Fischereien ein Reingewinn, der pro Jahr 1400 Gulden nicht überstieg. Gemessen am Ertrag
der landwirtschaftlichen Kammergüter, der am Anfang der Regierungszeit von Kurfürst
August 250 000 Gulden, gegen Ende jedoch 400 000 Gulden jährlich betrug, sind die
fischereilichen Gewinne eher bescheiden. Nach dem Tode des Kurfürsten ist
bezeichnenderweise ein Rückgang in der Nutzung der herrschaftlichen Fischereien
eingetreten.
Geschichte der Angelliteratur
Die Geschichte der Angelliteratur in Deutschland begann vor knapp 500 Jahren. Die
deutschen Erstlingswerke enthalten zumeist nur abenteuerliche Rezepte zur Bereitung von
Ködern, insbesondere Teigködern, Fischwitterungen und Betäubungsmitteln. Bei seriöser
Angelliteratur waren bekanntermaßen die Engländer die Lehrmeister. Sie besitzen bereits
aus dem Jahre 1496 ein spezielles Anglerbuch: „Treatyse on Fysshynge with an Angle“
(Abhandlung über das Fischen mit der Angel) von Juliana Barnes (Verners), einer geistlichen
Dame, und können sich rühmen, schon im 17. Jahrhundert ein wirklich klassisches
Angelwerk erhalten zu haben. „The Compleat Angler“ (Der vollkommene Angler) von Isaak
Walton wurde 1653 erstmals verlegt und gilt noch heute als der Klassiker. Das Buch
behandelt das Angeln mit der künstlichen Fliege und ist lediglich für anglerisch interessierte
Leser bestimm. 1859 wurde es erstmals ins Deutsche übersetzt und erschien seitdem in
verschiedenen Auflagen bis in die Neuzeit.
Die Anfänge in Deutschland waren da bescheidener. Vom Anfang des 16. Jahrhunderts sind
zwei Heftchen bekannt. Das eine ist betitelt: „Wie man Allerlay Fisch fahen soll“ und nennt
weder Verfasser noch Jahr oder Ort des Druckes. Das andere heißt „Die kunst wie man

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4
Visch und Vögel fahen sol. Mit den Henden Reusen Anglen Hamen Netzen.“ Es wurde 1518
in Augsburg gedruckt. Das erste Heftchen enthält 16 Rezepte, das zweite die gleichen 16
und noch 11 dazu, davon drei zum Vogelfang gehörig. Hier eine Probe daraus: „nym
piberhoden (Bibergeil) oder sein nyeren und menschenblut (gemeint ist das von Aderlässen
herrührende, aus den Badestuben leicht zu beschaffende Blut), und gerstenmel. und mach
kügelen darauß, unnd nym der kügelen ains und steck es an den angel oder pind es in die
reusen als du kanst.“ Oder: „Nim kicheren (Erbsen) und faulen schaffkes und schön grießmel
und hönig unnd zerlaß es durcheinander und mach welgerlein darauß, zeuch die durch loeröl
(Lorbeeröl) und stoß sy dann (an den Angel) als du kanst.“
Die nächsten Werke, die sich mit der Angelfischerei beschäftigen sind Gregor Mangolt´s
Fischbuch, Zürich, ohne Jahresangabe (wahrscheinlich 1557), und Sigmund Feyerabendt´s
Fischweyd, ohne besonderen Titel enthalten im zweiten Teil von seinem „New Jag unnd
Weydwerck Buch“, Frankfurt a. M., 1582. Neben einer Beschreibung von der Natur und den
Eigenschaften der Fische enthält Mangoldt´s Fischbuch „...dreyßig neuwe und bewährte
Rezepte...“. Die ersten drei sind neu, die übrigen entsprechen in Reihenfolge und meist auch
Wortlaut denen in den oben erwähnten Heften. Bei Feyerabendt´s Fischweyd ist das
Schöpfen aus der gleichen Quelle ebenso offensichtlich.
Wie erfahren aus ihren Werken zunächst, „wie mit Netzen und Reusen gefischt wird“, und
Zugnetz, Stellnetz, Senknetz, Wurfgarn, Korb-, Binsen- und Garnreusen werden dabei
kenntlich beschrieben. Weiterhin erfährt man, wie mit Angeln, Haken und lebendigen Kalk
(Betäubungsmittel) zu fischen ist. Die Angeln, heißt es da, werden auf dreierlei Weise
gemacht. Erstlich einfache eiserne oder stählerne (auch messingene) Häcklein, die
jedermann kennt. Dann solche, die von drei oder vier Angeln zusammengebunden und
Spaderni (ital.= Hechtangel) genannt werden. Die dritten Angeln sind größer und haben viele
Spitzen, und jede Spitze hat einen Widerhaken wie die Angel, daß sie widerhalten mag, die
macht man an eine Stange. Mit den ersten fängt man Fische auf dreierlei Weise. Erstlich
wenn man an die Angel ein lebendiges Fischlein querdert (ködert), so mag man damit allerlei
Raubfische als Hecht und dergleichen fangen ... und das Stricklein soll dabei stark
umwunden sein mit gewichtigen Faden oder mit einem kleinen eisernen oder messingenen
Draht, daß es der Fisch nicht abbeiße... „Zum anderen wird der angel gebunden an ein
stricklin von weißen roßhaaren geflochten, unnd daran die speyß gesteckt, so von den
vischen begert wird, daß der angel nit gesähen werde, und wirt mit einem stricklin gebunden
an ein subtyl gertlin, und also in die wasser geworffen, als es gar bekannt und mencklichem
offenbar ist.“
In dem Stricklein aus Roßhaaren, das mit einem Stricklein an eine leichte Gerte gebunden
wird, kann man die ursprüngliche Form bzw. den Vorläufer des Vorfaches erkennen. Letztlich
wird noch eine Beschreibung gegeben, wie man in tiefen fließenden Wassern ohne Gerte mit
bloßer bleibeschwerter Schnur angelt, dabei ist schon kurz die Rede vom Anhauen und
Drillen, und schließlich wird auch noch die mit Krebsschwänzen und Regenwürmern
beköderte Legangel besprochen.
Wenn uns heute diese Angelmethoden auch primitiv vorkommen mögen, so müssen sie
doch schon mit großer Perfektion und doch einigermaßen Erfolg betrieben worden sein, da
man das Angeln teilweise verbot bzw. einschränkte. 1528 durfte auf Ammer und Rott
(Bayern) nur mit schwebenden Federkielen, jedoch nicht auf Grund geangelt werden. Am
Bodensee sagte man über das Angeln: „Ist der Fischerey auch schädlich und solte gänzlich
verbotten seyn.“
Berühmte Angelbücher dieser Zeit waren das „Erfurter Fischbüchlein“ und die „Tegernseer
Fischereihandschrift“. Diese sind ganz oder teilweise in die „Haushaltung in Vorwerken“
übernommen worden, ein landwirtschaftliches Lehrbuch aus der Zeit des Kurfürsten August
von Sachsen, welches 1569/70 erschien.

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5
Das Buch von den Fischen (1599) von Johannes Colerus
Nachdem es lange Zeit nichts Anrüchiges gewesen war, auf dem von lateinischen Büchern
beherrschten deutschen Buchmarkt voneinander abzuschreiben, kam 1599 von Johannes
Colerus das „Buch von den Fischen“ als 16. Buch der „Oeconomiae oder Hausbücher“
heraus. Weniger skizzenhaft als in den vorangegangenen Versuchen, mit umfassenderen
Blick und weit besseren Verständnis wird hier das Angeln behandelt. Johannes Coler war die
gesamte Fachliteratur bekannt und diese wird auch ausgiebig in seinem Werk behandelt. Da
er selbst die Fischerei ausübte und zudem auch Angler war, kommen seine eigenen
Erfahrungen und Beobachtungen in dem Buch zum Ausdruck. Über viele Merkwürdigkeiten
des bisherigen Fischereiwissens beginnt er kritisch nachzudenken und räumt mit vielen
Fabeln auf. So beispielsweise der, daß Aale und Schleien dem Schlamm entstammen oder
daß einige Fische sich in andere Arten verwandeln würden.
Über den Fang der Fische mit Netzen gibt Coler eine ausgiebige Beschreibung. Aber auch
über das Angeln, das damals einen steigenden Rang erklomm, können wir eine ganze
Menge von ihm erfahren. Den schon bei Mangold beschriebenen einfachen, dreifachen und
vierfachen Haken fügt Coler noch die Doppelangel hinzu. Hier handelt es sich um zwei
Haken, die so zusammengebunden wurden, daß die Spitzen nach außen gerichtet waren
und die man vorwiegend als Nachtschnüre benutzte. Für Nachtschnüre hatte man besondere
Schnüre, „wie Bindfaden“. Im Gebrauch waren sowohl Grundschnüre als auch Steckschnüre.
Das waren lange Schnüre, die man 40-60 Schritt weit in das Gewässer legte, mit zahlreichen
Seitenangeln, an denen Regenwürmer und tote Fischchen für Quappen und Aale, oder
lebende Fischchen (in diesem Fall Angelhaken an Draht) für Hechte anköderte.
Steckschnüre benützte man für Hechte und andere Raubfische, das lebende Köderfischchen
hing an einer Schnur, die auf kleinen Binsenbündeln aufgewickelt und mit diesem an einem
kurzen Stock befestigt war, den man ins Ufer steckte. Die Roßhaare für die Handangel dreht
man vier- und mehrfach zusammen, je nach Größe der zu fangenden Fische. „Denn kömmet
etwan ein großer Fisch an eine angel, so reißet er sie entzwey und leufft damit davon, wie
mir wol ehe widerfaren ist.“
Der Gebrauch von Senkblei und Schwimmer zur Handangel wird detailliert beschrieben. Ein
oder zwei Tage vor dem Angeln soll man „ankörnen“, am besten mit demselben Köder, mit
dem man angeln will. Dann wird empfohlen, die Tiefe der Angelstelle auszuloten, damit man
weiß, wie tief zu senken ist, und merke, heißt es, im August geht der Fisch am höchsten, im
September auf eine Elle tiefer, im Oktober auf anderthalb Ellen, und fürbaß auf das ganze
Jahr er auf den Grund. Danach mußt du deine Angelfeder richten und senken, lang oder
kurz. Die großen Capitones aber mußt man aus dem Grund der tiefen Wasser heraus
suchen, wo gemeiniglich die größten Fische stehen. An der Senkfeder kann man sehen,
wenn ein Fisch an den Angel kommt, dann zittert und bewegt sich die Feder. Beißt aber der
Fisch gar an den haken und zieht er den Federkiel gar unter das Wasser, „so mag man zihen
und besehen, was Gott vor eine Creatur an den angel bescheret hat“. „Wenn ein Fisch den
Federkihl unter sich zeucht, und man ihn herausziehen wil, so muß man zum ersten starck
zucken, das man dem Fische den Angelhaken in den Mund hawe, daß er hafftet und den
Fisch halte. Darnach muß man ihn fein mehlich aus der Tiefe an der schnur mit der
Angelruthen und schnur herausführen, das er die schnur nicht zerreiße, und als ein ehrlich
Man davon schwimme, oder das man ihn müde macht bis er sich in die Geduld gibt, und leßt
freundlich mit jm handeln“.
Coler führt alle möglichen Köder an, als meistgebräuchlichen den Regenwurm, dann die
Insekten je nach Jahreszeit, gekautes Brot, Krebsfleisch, Obst und schließlich die Teigköder
mit und ohne Witterung in einer verwirrenden Menge von Rezepten. Die Raubfische fängt
man mit lebenden Ködern, für den Fang von Barschen erwähnt er schon einen künstlichen
Köder: „auch muß man den Haken vorn mit Blei an die Schnur gießen, daß sie es nicht
abreißen, und muß breit gemacht sein; so sieht es (aus) wie eine Plötze, damit fängt man sie
hübsch; man muß aber die Angel nicht still halten, sondern umrühren, so schießt er danach,
denn es ist ein gieriger Fisch“.
Über den Fang von Forellen heißt es an anderer Stelle: „Dies ist ein rechter, teurer, edler und
guter Herrenfisch, der gar einen lieblichen Schmack hat und sehr gesund ist ... sie wird mit

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Angeln Hamen und Greifen gefangen. Eine große Fohre reißt bald den Angel entzwei, darum
muß sie ein Fischer mit dem Angel fein im Wasser umher zu leiten wissen, bis sie müde
wird..., danach muß er sie schnell heraus aufs Land rücken und bald über sie her sein, daß
sie ihm nicht wieder ins Wasser springt.“ Coler beschreibt auch die künstliche Fliege, die er
Federangel nennt, sowie deren Herstellung.
Hinsichtlich der besten Fangzeit der Fische meint Coler: es ist allezeit gut fischen; zum
Angeln ist´s am besten im Sommer um die Mittagszeit und kurz danach; während im Winter
und in der Kälte die Fische sich in der Tiefe verkriechen. Der Hecht beißt am liebsten in
Neumond und letzten Viertel, wenn dunkel Wetter ist, wie denn alle Fische lieber anbeißen,
wenn´s trüb und finster ist.
In einem besonderen Kapitel behandelt er die dem Fischer selbst notwendigen
Eigenschaften. „Wer ein guter Fischer sein und viele Fische fangen will, der muß zuerst
wacker und munter sein, und ihm kein Schlaf zu lieb sein lassen, daß er darum seine
Gelegenheit zu fischen verlieren und versäumen wollte. Danach soll er arbeitsam sein, Hitze
und Kälte vertragen können, listig und verschlagen sein, daß er der Fische Tücke und
Behendigkeit, ja auch ihre Natur und Eigenschaften gar eigentlich erkenne und wisse, wie
und wo ein jeder Fisch jährlich laiche, stehe, gerne wohne, in fließenden oder stillen, in tiefen
oder seichten, in rauschenden oder gelind fließenden Wassern“.
Über Angelliteratur nach dem Dreißigjährigen Krieg
Der Dreißigjährige Krieg brachte in Deutschland Elend, Not und Verwüstung. Viele
Wirtschaftszweige erlitten einen derartigen Niedergang, daß es Jahrzehnte zu ihrer
Genesung bedurfte. Die Verödung und Verarmung des Landes führten auch auf
fischereilichem Gebiet dazu, daß die im 16. Jahrhundert begonnene Entwicklung des
Angelns als Freizeitbeschäftigung unterbrochen wurde. Eine Entfaltung des Angelns zum
Sport, wie sie in England im 17. Jahrhundert begann, ist in Deutschland nicht erfolgt.
Dementsprechend ist auch die Fischerei- und Angelliteratur armselig und spärlich.
Erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts erscheinen wieder einige Fischereibücher, die aber dem
Angler nichts wesentlich Neues bringen, im Gegenteil vom guten und bewährten Alten aus
Unverständnis manches weglassen. So ist „Das edle Fischbüchlein“, Nürnberg (ohne
Jahresangabe) der Hauptsache nichts als eine auf großen Strecken hin wörtliche
Neuzusammenstellung der alten Bücher von Mangolt und Coler. Etwas origineller, aber kaum
besser ist „Der wohlunterrichtete Teutsche Fischer“, Leipzig 1724. Hier werden schon
englische Quellen angeführt. Hier taucht erstmals der Wirbel für Hechtschnüre auf. In diesem
Werk läßt sich auch folgende Aussage finden: „Das Angeln ist eine Arbeit für solche Leute,
die in der Welt nicht gar viel verdienen können, oder nicht wollen.“
Auch E. F. v. Steinbocks „Kunst der Fischerei“, 1729, oder GT. J. Wagners „Vollkommener
Fischer“, Breslau 1758, ebenso die „Wohlbewährten Fischgeheimnisse“, Wien 1785
bedeuten keinen Fortschritt gegenüber Coler, heben aber insofern nur dessen
herausragende Bedeutung hervor.
Den Übergang zur neueren Zeit bildet dann das Buch von M. A. Oliver „Der deutsche
Angelfischer“, Wien 1795. Es ist ein kleines Heftchen mit einem kurzen Vorwort, worin der
Verfasser, der selbst Angelgeräte herstellte, sagt: seine Anleitung habe den Zweck, die
Leute, die in Wien Gefallen am Angelsport gefunden hätten, den englischen Anglern ähnlich
zu machen, und sie sei kein Auszug aus anderen Büchern, sondern eine getreue, faßliche
Erzählung von Tatsachen, die sich auf lange Erfahrung gründen. Damit haben wir es wieder
mit einer Originalarbeit zu tun. Der Verfasser gibt die Fangmethoden für die wichtigeren
Angelfische an, spricht schon von „geringelten Ruten“, d.h. Ruten mit Ringen, und von
langen Schnüren auf „Winden“ (Rollen). Er empfiehlt auch auf den Huchen schon das Angeln
mit künstlicher Fliege von der Größe eines Schmetterlings mit silbernen oder goldenen
Körper. Im allgemeinen unterscheidet er drei Arten des Angelns mit der künstlichen Fliege;
erstens das Peitschen (Schnur so lang wie die Rute, daran drei kleine künstliche Fliegen),
zweitens das Werfen (Schnur so lang wie möglich; Wind möglichst von rückwärts; bei

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Windstille soll sechs Zoll von der Fliege ein Schrotkörnchen angebracht werden), und
drittens das Tupfen (Schnur ganz kurz, nur eine Fliege).
Das Heftchen schließt mit den „Grundgesetzen der Angelfischerei“. Diese Zehn Gebote für
Angler mögen, da sie am leichtesten einen Begriff des damaligen Standes der Anglerei
ermöglichen, auch den Schluß über die alten Fisch- und Angelbücher bilden.
1.
Du sollst nicht fischen, wenn der Wind kalt ist, noch sollst du fischen innerhalb der
Länge der Schnur und Rute deines Mitanglers.
2.
Du sollst dich nicht zeigen dem Fisch, noch deinen Schatten auf der Wasseroberfläche
sehen lassen.
3.
Du sollst nicht mit dem Schwimmer fischen, ohne die Tiefe zu sondieren.
4.
Du sollst nicht mit Fliegen fischen mit dem Winde im Gesichte, noch sollst du deine
Schnur oder einen Teil davon auf das Wasser fallen lassen; nur allein die Fliege.
5.
Du sollst nicht in trübem Wasser fischen.
6.
Du sollst nicht kleine Fische mit großen Angeln fangen.
7.
Du wirst keinen guten Fischfang haben, wenn du nicht den Augenblick als der Fisch
anbeißt, jäh anziehst; noch sollst du zu stark jäh anziehen.
8.
Du sollst einen großen Fisch nicht an das Ufer ziehen ohne ein Handnetz oder
Handangel; noch sollst du dabei hastig sein.
9.
Du sollst den Teig nicht mit unreinen Händen kneten.
10.
Du wirst keinen guten Fischfang haben ohne guten Köder, gute Schnüre und Angeln.
Der Osterfischmarkt in Prag
In dieser Ausgabe erscheint ein Abdruck eines Artikels aus der Fischerei-Zeitung aus dem
Jahr 1914 (Bd. 17, Nr. 19). Dabei geht es um das Ostergeschäft der Fischerei. Obwohl der
Beitrag etwas weitschweifig ist, soll er hier vollständig abgedruckt werden, da er zu einem
sehr amüsant ist, und zu anderem gewisse Parallelen zu heute durchaus bestehen.
Zum Osterfischmarkt nach Prag
Wen der Weg nach Dresden führt, sollte es nicht versäumen, von hier einen Ausflug nach
dem hunderttürmigen Prag zu machen. Prag gehört nämlich mit zu den Perlen Europas, es
ist ein Kronjuwel und steht auf historischem Boden. Schon seit 1848 blüht hier der
Nationalitätenhader. Prags Boden ist mit Blut und Tränen gedüngt. Es mutet daher eine
Inschrift über dem Portal der Synagoge eigentümlich an. sie heißt ungefähr: Hat uns nicht
alle ein Gott erschaffen, haben wir nicht alle einen Vater? Daran sollten auch die Haderer
denken. Die Juden haben es verstanden, sich den streitenden Nationalitäten als
Unparteiische nützlich zu machen – vielleicht sammeln sie im Streite auch die Wolle? Doch
auch der Handel leidet unter der ewigen Streiterei, und sicherlich wünschen auch die Juden
endlich den Frieden. – Eins steht fest: ohne den Nationalitätenhader wäre Prag heute die
schönste und reichste Stadt der österreichischen Monarchie.
Doch nun zu unserem Fischmarkt! Der D-Zug bringt uns in den Franz-Joseph-Bahnhof. Er ist
klein für den mächtig flutenden Verkehr. Ich kenne Prag schon lange. Fuhren meine Eltern
nach Teplitz, was in jedem Jahre einmal der Fall war, so wurde in Prag eine Woche gerastet.
Mein Vater hatte Freunde und Verwandte dort; wurde doch Prag von deutschen Rentnern
und Pensionären seiner Billigkeit wegen frequentiert. Früher hörte man auf dem Bahnhof fast
kein tschechisches Wort – jetzt kein deutsches, obwohl es in Prag nicht viel Einwohner gibt,
die nicht Deutsch sprechen könnten.
Ein Fiaker führt uns ins Hotel. Ja, ja, die Prager Fiaker, dös is´ was. Der Kutscher
wohlgenährt, doch nicht zu fett, sauber gekleidet, blitzblanke Stiefel und Zylinder – alles so
richtig im Training. Das Zeug blitzsauber. Die Röss´l geputzt und gepflegt. – Ein gelindes
Grauen ergreift mich, wenn ich gleichzeitig an den Berliner Droschkenkutscher denke. Ehe
man unseren Herrn Droschkenkutschern die Konzession zur Haltung einer Pferde-Droschke
gibt, sollte man sie bei einem Fiaker in die Lehre geben – da lernen sie auch fahren und
Pferde pflegen; sich selbst zu pflegen verstehen sie dagegen selten gut. Berlin kann wahrlich

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nicht stolz auf sein Fuhrwesen sein. Die älteren Autodroschken starren heute schon vor
Schmutz, ebenso die Uniformen ihrer Führer. – Doch dieses nur nebenbei.
Nachdem wir eine Nacht in Prag hinter uns haben, begeben wir uns früh in die Markthalle
der Hibernergasse. Aus der Anlage dieser Markthalle könnten die Berliner Stadtväter vieles –
ich möchte beinahe sagen alles – lernen. Ein großer Hof ist zur Halle ausgebaut. Der Raum
ist hoch gestielt und mit einem Glasdach versehen, das volles Licht überall hinein lässt. Das
Gerippe des Baues besteht durchweg aus Eisen. Ein großer Fahrweg führt durch die Mitte
der Halle; von ihm zweigen sich breite Gänge für das laufende Publikum ab! Ein Gedränge,
wie das in Berlin in den schmalen, schmierigen Gängen der Fall ist, ist hier vollständig
ausgeschlossen. Man denke sich in dem Berliner Etagenraum der Zentral-Markthalle mit
seinen feuergefährlichen Waren im Oberstock eine Feuersbrunst in der Hauptgeschäftszeit.
Die Folge davon wäre, dass hunderte von Menschen erdrückt werden, bevor sie das Freie
gewinnen können. Das ist in Prag unmöglich. Es fehlt der Oberstock, und die Gänge sind im
Verhältnis zur Größe der Halle so geräumig, dass es den Menschen möglich ist, in wenigen
Sekunden die Halle zu verlassen.
Die Verkaufsstände sind begrenzt und mit einer Nummer versehen. An jedem Stand hängt
eine Tafel; auf dieser stehen die Preise aller Waren, welche der Standinhaber zu verkaufen
hat. Er darf nicht mehr fordern als auf der Tafel steht, jedoch kann er billiger verkaufen. Das
hat den Vorteil, dass der Käufer ohne Frage und Antwort nach seinem Geldbeutelinhalt
berechnen kann, ob und wie viel er von einer Ware erstehen kann. Die Marktpolizei ist in der
Lage, zu kontrollieren, ob das Publikum, das ohne Warenkenntnis ist, auch reell bedient wird.
Die Konkurrenz sorgt schon dafür, dass niemand zu niedrige oder zu hohe Preise an seine
Tafel schreibt. Wie mir ein Geschäftsmann sagte und ein Markthallenaufseher bestätigte, soll
das Tafelwesen nicht allzu selten eine Cliquenbildung großziehen. Alles hat eben seine
Auswüchse und nicht nur eine gute, sondern auch eine schlechte Seite.
Der Hauptmarkt ist sonnabends. Zum Ostermarkt am heiligen Abend werden die Stände der
Verkäufer von diesen mit allerlei Grünem bekränzt. Blumen sind dazwischen gewunden, und
hin und wieder lugt auch ein Heiligenbildchen aus dem Tannenreis. Das Volk hat noch eine
gott und schämt sich dessen nicht – das schätze ich. Die Ware ist ebenfalls geschmückt. Die
Osterlämmer tragen rote und weiße Bändchen um den Hals, mitunter auch einen Kranz. Das
nimmt dem Tier das Tote. Lämmer und Fische werden heute am meisten gekauft.
Uns interessieren natürlich die Fische. Im Vordergrund stehen die Karpfen. Wittingauer
Karpfen geben den Ton an; alles, was hier Karpfen heißt, ist aus Wittingau – doch gibt es,
wie mir eine Händler verriet, auch bosnische – und diese sollen den böhmischen um nichts
nachstehen. Was sich durchaus nicht definieren lässt, ist Donaukarpfen – auch gut!
Franzosen kennt man hier noch nicht – das macht der Zoll, sonst wäre man längst im Besitz
dieser Wohltäter. Andere Fische, zum Beispiel gefrorene Lachse, russische Zander und
Seefische, werden hier vielfach von Berlin aus dritter Hand gehandelt.
Die Karpfen, die ich sah, waren durchweg Qualitätsfische. Größere Fische nicht unter drei
Pfund, die meisten darüber. Die Rogner werden vorwiegend von einem Gehilfen, dem so
genannten Fischmetzger, ausgeschlachtet. Als Schlachtmethode herrscht auch hier die
Holzkeule. Durch einen Schlag mit dieser auf den Kopf wird der Fisch betäubt, dann der
Breite nach halbiert und die Hälften entweder als solche oder zerteilt als Stücke verkauft.
Kopf und Schwanzstücke sind natürlich billiger als die Mittelstücke. Der Rogen wird nebst der
Blase und den Eingeweiden allein verkauft. Rogen mit Blase kostet bis 6 Kronen das Kilo.
Der Karpfenpreis ist in Prag seit Jahren fest, man zahlt 2 Kronen 40 Heller vor den hohen
Feiertagen, gewöhnlich 2 Kronen 60 Heller pro Kilo.
Frische Wittingauer Schille (Zander) kosten 5 Kronen und lebende 6 Kronen pro Kilo,
russische Zander 4 Kronen. Moldaufische, frisch von Fang, kommen auch auf den Markt. Die
Moldau soll zwar lange nicht mehr so fischreich als früher sein, doch immer noch reichlich
Fische liefern. Aale und andere Fische werden verschwinden wenig in Prag gehandelt,
Seefische fast gar nicht. Ein Geschäft mit frischen Seefischen befindet sich in der Halle, sein
Zuspruch ist nur gering. Es bezieht die Fische erst aus zweiter beziehungsweise dritter Hand
in Berlin. Die Frische der Fische lässt viel zu wünschen übrig. Der Tscheche isst überhaupt
keinen Seefisch. Die Stadt scheint kein Interesse daran zu haben, den billigen deutschen
Hochseefisch bei sich einzuführen. Unbequem wäre der Bezug nicht. Herren von der

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Stadtverwaltung, mit denen ich über die Seefischfrage sprach, schienen sich durchaus nicht
ablehnend zu verhalten.
Anderseits gibt man sich viel Mühe mit dem Karpfen. In jedem Gasthaus bekommt man ihn.
sowohl auf dem Bahnhof als auch im Hotel „Blauer Stern“ habe ich der Wissenschaft halber
folgende böhmische Karpfengerichte probiert: Karpfen, blau gesulzt, Portion 1,20 Kronen,
Karpfen, gebraten mit Kraut, Portion 1,30 Kronen, mit Sardellen 1,40 Kronen, gebacken mit
Kren (Meerrettich) und Karpfen schwarz mit Knödel je 1,20 Kronen. alle diese Gerichte
mundeten vorzüglich. Auch Froschkeulen wurden in der Halle feilgehalten. Ein Paar, d.h. nur
die beiden Hinterschenkel des Frosches, kosteten 6 bis 10 Heller. Sie waren nicht besonders
frisch und sahen recht unappetitlich aus.
Setzen wir unseren Rundgang in der Halle fort. Begeben wir uns in den Kühlraum. Mitten in
der Halle führt eine breite Freitreppe nach unten zu den Kühlräumen. Wir müssen das
Bureau eines Markthallenaufsehers passieren. Die Räume sind auf Zeit verpachtet. Einen
großen Raum hat sich die Stadt reserviert; dort kann jeder, der eine verderbliche Ware
besitzt, gegen geringes Entgelt auf Stunden oder Tage unterstellen. Der Konsument, der zum
Beispiel schon anfangs der Osterwoche eine Kalbskeule ersteht, kann diese so lange in den
Kühlraum hängen, bis er ihrer bedarf.
Das ist eine weise Anordnung von der Stadt und wesentlich für den Konsumenten. Die
großen Räume sind durch Türen von dem Hauptgange getrennt, jedoch lässt sich von einer
Scheibe aus der Raum übersehen, da er von der Stadt Tag und Nacht elektrisch erleuchtet
wird. Der Konsument hat hierdurch außer seinem Recht, den Kühlraum mitzubenützen, auch
das Recht, die Räume auf die Menge der vorhandenen Nahrungsmittel zu kontrollieren.
Selbst die Stadtverwaltung hat in Berlin keine Ahnung davon, wie durch die Kühlhallen die
Preise verschoben werden. Das ist in Prag nicht der Fall.
Eine andere Freitreppe führt uns in den Kleinvieh- und Geflügelschlachtraum. Der jüdische
Schächtraum ist abgegrenzt, jedoch auch durch eine Glasscheibe vollkommen übersichtlich.
Ein großer Kasten, oben mit einem Rost verdeckt, nimmt das Blut der geschlachteten Tiere
auf. Nach dem Schächtschnitt steckt man den Kopf des Tieres in das Gitter und lässt es
ausbluten. Ein riesiges altes Weib besorgt mit einer unheimlichen Schnelligkeit das Rupfen
der Tiere. Wer eine Rupfmaschine erfände, könnte ein reicher Mann werden.
Im Hauptschlachtraum streifen ein Dutzend Metzger Osterlämmer, Kaninchen, Zickel, zu
anderen Zeiten auch Wild, ab. Sowohl im Schlachtraum als auch in den Gängen des
Kühlraums ist die Luft gekühlt, in den Zellen sind 1 bis 1½ ° R [entspricht 0,8° bis 1,2° C].
Unser Rundgang ist beendet, wir verabschieden uns und danken dem Herrn
Markthallendirektor für das überaus freundliche Entgegenkommen und die liebenswürdige
Führung – was wir an dieser Stelle wiederholen.
Wir treten ins Frei, uns empfängt ein sonderbares, monotones Geläut. Es klingt von der
russischen Kirche herüber: Maschkowatschki – Maschkowatschki – Maschkowatschki. Prag
hat eine große Russengeminde – bald feiern auch sie Ostern. Christ ist erstanden – er ist
wahrhaftig erstanden! – Die erste beste Bäuerin fasst dich beim Schopf und gibt dir den
Bruderkuss. eine alte schöne Sitte – wenn nur nicht gar so viel alte Bäuerinnen geküsst sein
wollten!
Ich schlendere noch durch die Straßen und Gassen – besuche ein altes Gasthaus und ein
modernes Café – jause auf dem Graben in einer Selcherei, esse Salami, Prager Schinken
und Kiebitzeier: Stück 40 Heller. Nachdem ich noch in dem Kientopp am Bahnhof ein
Schauerstück à la Rinaldo Rinaldini in mich aufgenommen, suche ich mein Etui im
Schlafwagen Wien-Berlin auf. Ich erwache, als der freundliche Kontrolleur an meine Kabine
klopft und ruft: „I bitt schön, in einer halben Stunde kommt Berlin!“

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Über Teichwärter aus J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon
Die Teichwirtschaften gehörten früher zum überwiegenden Teil zu den Rittergütern. Da sie
beträchlichte Teile des Gewinnes erwirtschafteten, wurden sie von Anfang an durch
Fachleute geleitet. Dies waren die Teichwärter, welche schon eine etwas herausgehobenen
Position unter den Untertanen hatten. Über deren Aufgabengebiet berichtet uns Johann
Heinrich Zedlers Großes Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, 42. Band,
1744, folgendes:
Teichmeister, Teichwärther, oder Teichgeschwohrener, lat. Praefectus Aggerum oder Curator
Aggerum & Claustrorum, wird bey ansehnlichen Landgütern, wo grosse und viele Teiche
vorhanden, eine dazu gesetzte und verpflichtete Person genennet, daß sie vor die
angelegten Teiche und Dämme Sorge trage, damit solche von Zeit zu Zeit in gutem und
tauglichen Stande erhalten, und von niemanden beraubet, von schädlichen Vögeln oder
Thieren nicht verödet, noch auf andere Weise durch Vertret- oder Verwühlung des Dammes
vom Vieh u. Schweinen beschädiget; hingegen das Wasser in einem so viel möglich gleichen
Stande, daß dessen weder zuviel, noch zu wenig werde, erhalten, auch der Fische auf alle
vorkommenden Fälle behörig gewartet werde. Inson-derheit soll er die Teiche fleissig
begehen; wenn Sommers- oder Fastenzeit Fluthen kommen, Sorge tragen, daß die Teiche
nicht überlaufen, sondern die wilden Wässer, wo möglich abweisen, und die Fluthbetten in
Acht neh-men, daß die Fische nicht durchgehen. Er soll sich angelegen seyn lassen,
auszuförschen was etwan zum Nutzen der Herschafft noch hier und dar vor neue Teiche
angeleget werden können, die Beschaffenheit des Grundes und Bodens wohl examinieren,
und die andern hierzu nöthigen Umstände in genaue Betrachtung ziehen, und darauf, wenn
seine Herrschafft es vor gut befindet, sich nach geschickten Teichgräbern umsehen, mit
denselben in Anse-hung ihres Lohnes, so entweder überhaupt oder Ruthenweise zu
bezahlen ist, accordiren, und bey der Arbeit fleissig Aufsicht haben. Er muß sich befleissigen,
gute Sorten nach Streichkarfen aus zu kundschafften, und die-selben in die Teiche zu
bringen. Er muß auch nach Gelegenheit des Bodens und der Grösse der Teiche beurthei-len,
mit wie vielen Schocken ein ieder zu besetzen; Die Streichteiche gegen den Herbst, ehe es
zufrieret, ablas-sen, nicht nur, daß er sehen möge, ob die Karpfen auch gestrichen, sondern
auch die Hechte als schädliche Gäste, die den Strich aufzufressen pflegen, heraus zu
fangen, und auch die Karpfen heraus zu nehmen, damit nicht etli-che darunter seyn mögen,
welche den ersten Sommer nicht gestrichen, und erst den anderen Sommer den Samen
gehen liessen, denn so würde der Strich und zweyjährige Same, unter einander gemengt,
und man also zu keinen richtigen Satze gelangt. Er soll fleissig Acht haben, daß nicht etwann
Reusen oder Garnsäcke von diebischen Leuten in die Teiche, wo die Fische dem Wasser
entgegen gehen, geleget, und also die Fische gestohlen werden, zu dem Ende nicht allein
des Tages, sondern auch des Nachts, zumahl bey Mondenschein die Teiche fleißig visi-
tieren, das Wasser in den Gräben in seinem richtigen Gange zu erhalten suchen, damit es
sich nicht verstopfe oder verseige; das Schilf und Rohr an denjenigen Orten, wo es zu stark
stehet, daß den Fischen dadurch Schade geschiehet, und die Fischerei des Teiches nicht
unternommen werden kan, durch Sensen oder auf andere Art aus den Teichen schaffen; im
Herbst, wenn die Zeit, die Teiche zu fischen vorhanden, dieselben gar mählich ablas-sen,
damit die Fische dem Wasser nachfolgen, und nicht in niedrigen Plätzen, in den Prudeln
stehen bleiben, sondern dem Wasser nach fein in den Zug treten. Bey Ablassung der Teiche
soll er die Ständer, oder die Zapfenlöcher fein wohl verwahren, daß mit der Fluth kein Fisch
durchkomme, vernehmlich wenn unter dem abgelasse-nen Teiche, kein Teich mehr
vorhanden. Er soll Winterszeit die Teiche fleissig aufeisen lassen, und wenn in sehr großen
Gefrösten viel Schnee auf das Eis fällt, alsobald die Zapfen an den Teichen ziehen, und das
Wasser mit Macht auslauffen lassen, auch allenthalben Wuhnen bauen, damit das Wasser
von dem Eise herab komme. Er muß Sorge tragen, wie den alten öde gelegenen Teichen zu
helfen sey, und dahero das Wasser aus solchen ablas-sen, damit sie den Winter recht
ausfrieren können, ingleichen wenn sich an Gebäuden ein Fehler oder Wasser-mangel
ereignet, den Damm und Einlaß ausbessern, und das Wasser wieder von neuen hinein

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leiten, nicht weni-ger der Teichfischerey beywohnen, und Acht haben, daß die Fische fein alle
heraus kommen, und nicht etwan etliche in den Tümpeln oder Löchern stehen bleiben, auch
dahin sehen, daß nicht liederlich Gesindel von den Fischen etwas wegschleppe, und der
Herschafft Schaden zu füge, Dergleichen Leute, denen die Aufsicht über die Dämme und
Teiche an denen Flüssen und Seen anvertraut ist, sind absonderlich in Hollstein, Frieß- und
Holland, und anderen an der See gelegenen Orten, und heissen daselbst Dyckgrafen,
Teichgrafen, Dyckgraafen, Heemraaden.
Diensteid des Teichwärters von Großhennersdorf 1732
Nachdem im letzten Heft über die Tätigkeit des Teichwärters aus einer älteren Quelle
berichtet wurde, soll in diesem Heft die gegenüber anderen Untertanen herausgehobenen
Position dokumentiert werden.
Aufgrund seiner Verantwortung wurden nur geeignete Personen für den Posten des
Teichwärters ausgesucht. Der zukünftige Teichwärter mußte sich mit einem besonderen Eid
zu einer tadellosen Dienstführung bei der Herrschaft verpflichten. Ein solcher Eid ist
beispielsweise für den Teichwärter der ehemaligen Teichwirtschaft des Rittergutes
Großhennersdorf vorhanden. Er steht handschriftlich in den: „Groß-Hennersdorffische
sämtliche alte und neue Gesetze“ aus dem Jahre 1732. Aber auch für andere
Teichwirtschaften, so z.B. Königswartha ist die „Vereidigung“ bekannt.
FORMULAR
Derer Eÿde und Pflichten welche beÿ hiesigen Gerichten abzulegen vorkommen
Des Teichwärthers
Ich N.N. schwöre hiermit zu Gott dem Allmächtigen Herrn des Himmels und der Erden einen
leibl. Eÿdt, daß ich beÿ dem von meiner gnädl. Herschafft mir aufgetragenen Teichwärther
Dienste, mich iederzeit treu und fleißig verhalten die Teiche und andere Wasser so viel mir
möglich und nach meiner besten Wissenschafft wohl in Acht nehmen, daß sie ihr recht
Wasser haben, auch davon kein Mangel seÿ, die Dämme wohl verwahren, damit sie beÿ
großen Gefluthe und jählingen, Wasserläufften nicht ausreißen mögen, auf die Fische gute
Aufsicht haben daß sie in Winters Zeit nicht abstehen*, zugleich auch gute Obsicht haben,
daß die Diebe weder mit Angeln, Nezen oder auch sowohl in Teichen als anderen
FischWassern nichts stehlen mögen, auch weder vor mich die Meinigen damit nichts
verunträuen oder andere Parthiererey* treiben lassen, sondern sobald ich dergl. erfahren
werde, alsbald zeitlich anmelden, in Kauffen und Verkauffen keinen Unterschleiff* brauchen,
und in Summa Nutzen und Vortheil befördern, hingegen Nachtheil und Schaden abwenden
helffen, auch mich als einen ehrlichen Teichwärther eignet und gebühret, iederzeit verhalten
und solches nicht unterlassen wolle, weder um Gunst, Gabe, Geschenke, Freundschafft,
Feindschafft noch anderer Ursachen willen.
So wahr mir Gott helfe durch Jesum Christum meinen Erlöser und Seeligmacher. Amen
abstehen = absterben
Parthiererey = Sachhehlerei
Unterschleiff = Unterschlagung

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Über den Schlammgesschmack der Fische
Der Herbst ist die Zeit des Teichfischens. Karpfen, Schleien, Hechte, Welse und andere
Fische kommen in die Fischhälter, um vornehmlich zu Weihnachten und zu Sylvester als
beliebter Gaumenschmauß verspeist zu werden. Leider kann es immer wieder vorkommen,
daß diese Freude durch einen schlammigen Beigeschmack beeinträchtigt wird,
hauptsächlich dann, wenn Fische direkt aus dem Teich nach der Abfischung in den Kochtopf
wandern. Was unsere Urgroßväter zu diesem Problem zu sagen hatten, soll in den
folgenden zwei Artikeln wiedergegeben werden. Beide, besonders letzterer, gelten noch
heute.
Fischerei-Zeitung. Bd. 14 (1911). Nr. 3, S. 37
Zu der Mitteilung „Der Schlammgeschmack bei Süßwasserfischen“ in Nr. 52 der Neudammer
„Fischerei -Zeitung“ vom 24. Dezember 1910. Wie entfernt davon, in die Forschungen und
Beobachtungen eines Prof. Zuntz oder eines Dr. Léger irgend welchen Zweifel setzen zu
wollen und gern bestätigend, daß jeder erfahrene Fischzüchter und Fischhändler es sehr gut
weiß, wie der Fisch aus Teichen mit übelriechendem, modrigem Schlamme durch längeres
Einsetzen in womöglich fließendes reines Wasser gereinigt und deshalb in seinem
Geschmacke auch besser werden kann, möchte ich hier noch auf einen Umstand
aufmerksam machen, welcher namentlich für jüngere, noch unerfahrene Hausfrauen
vielleicht einen Wert haben könnte, nachdem sie den guten, reinen Geschmack der von
ihnen zubereiteten Fische doch anstreben, ja für den guten Geschmack ihrer Fischgerichte
gewissermaßen doch verantwortlich sind. Wenn nämlich Fische aus schlechtem,
unsauberem Teiche stammend, ohne vorher durch längeres Einsetzen in reines, fließendes
Wasser gereinigt worden zu sein oder aber so genannte „stumpfe“, d.h. matte, nicht mehr gut
lebende Fische wie man sie oft auf dem Markte billiger zu kaufen bekommt, geschlachtet und
gleich zubereitet werden, dann bleiben sehr oft, man könnte sogar sagen immer, noch
Partikelchen des übelriechenden Schlammes in den Kiemen sitzen und verderben beim
Kochen den Geschmack des ganzen Fisches, weil sich durch das Kochen der Schlamm nur
noch mehr auflöst und sich sein übler Geschmack und Geruch dem ganzen Fleische mitteilt,
und ist man durch Zusetzen von Gewürzen, wie es das übliche Wurzelwerk,
Petersilienwurzel, Zwiebel und Sellerie ist, ja sogar von dem doch noch schärferen Paprika,
nicht imstande, den schlechten Schlammgeschmack völlig zu beseitigen respektive zu
überdecken. Aus diesem Grunde ist es durchaus erforderlich, solchen oben bezeichneten
Fischen, natürlich nachdem sie vorher getötet worden sind, die ganzen Kiemen sorgfältig vor
dem Kochen auszuschneiden, was ja keine große Mühe macht und nur etwas Sauberkeit
verlangt. - Aus denselben Gründen halte ich namentlich bei solchen matten Fischen ein
sorgfältiges Abschuppen der Fische für unbedingt notwendig, ein Verfahren, welches in
manchen Ländern, wie Osterreich, Bayern usw., für selbstverständlich gilt, aber namentlich
in Norddeutschland von Gorumands verpönt wird, weil ihnen durch das Abschuppen
angeblich viel Fett und ein besonderer Geschmack des Fisches verloren geht. - Aus meiner
eigenen Praxis kann ich anführen, daß bei größeren Fischereien, bei welchen es üblich ist,
den Gästen einen sogenannten Suppenfisch vorzusetzen, Fische, direkt aus dem Teiche
während des Abfischens entnommen, nach sorgfältigem Entfernen der Kiemen und
Schuppen nie schlecht geschmeckt, sondern immer die Anerkennung eines guten und reinen
Fischgeschmackes erworben haben.
Bielitz, Weihnachten 1910
Adolf Gasch
Allgem. Fischerei-Zeitung. XXXVI Jg. (1911). Nr. 20, S. 440-441
Woher kommt der Schlammgeschmack der Fische? Es ist eine bekannte Tatsache, daß in
manchen Gewässern besonders die am Grunde lebenden Fische, wie Karpfen, Schleien
u.a., einen typischen Schlammgeschmack annehmen. Vom Karpfen sagt man dann, er
„möselt“. Bisher war man der Meinung, daß bisher unangenehme moderige Geschmack von
den am Grunde der Gewässer sich zersetzenden und faulenden organischen Substanzen

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herrühre, welche die Grundfische mit ihrer Nahrung aufnehmen. Man hat auch behauptet,
daß der Modergeschmack von gewissen stinkenden Pflanzen, so namentlich von dem
Armleuchtergewächs (Chara foetida), herrühren soll. Das die letztere Ansicht nicht richtig ist,
geht schon allein daraus hervor, daß die Karpfen in manchen Karpfenteichen möseln, in
welchen gar keine Characaen vorkommen. Nun hat ein bekannter französischer Forscher,
Louis Léger, in einer Mitteilung an die französische Akademie über Versuche berichtet, durch
welche er ermitteln konnte, daß der typische Schlammgeschmack der Karpfen, Schleien und
andern Grundfischen, von gewissen im Wasser weit verbreiteten sogenanten Blaualgen,
Oscillatorien, herrühre. Diese Blaualgen finden sich besonders in solchen Gewässern vor, in
welche viel organische Substanzen, so namentlich Jauche eingeleitet werden; sie sind z.B.
massenhaft in allen Dorfteichen zu finden. Zerreibt man einen Büschel dieser blaugrünen
Algen zwischen den Fingern, so kann man genau den gleichen Geruch wahrnehmen, wie ihn
das Fleisch möselnder Karpfen verbreitet.
Wenn man Fische aus einem ganz reinen und von Blaualgen ganz freiem Wasser in ein
Bassin setzt, in welches man einige größere Büschel von Oscillatorien übertragen hat, so
konstatiert man, wie Léger berichtet, daß das Fleisch der in diesem Bassin gehaltenen
Fische nach einiger Zeit den bekannten typischen Schlammgeschmack angenommen hat.
Uebrigens bekommen in einem solchen Bassin nicht nur die Schleien und Karpfen, sondern
auch die Regenbogenforelle und andere Fische denselben Schlammgeschmack.
Nach Léger ist besonders die Haut und die Niere stärker mit dem Schlammgeschmack
imprägniert als das Fleisch, und am meißten möseln diejenigen Fische, welche in der Haut
die zahlreichsten Drüsen haben, wie z.B. Scheien und Aale; weniger weisen dagegen die
Raubfische Barsche und Hechte einen Schlammgeschmack auf, weil sie sich auch nicht von
Pflanzen ernähren, sonder von Fischen leben und daher nur indirekt durch diese und
andere, niedere Nährtiere einen Schlammgeschmack bekommen können. Irgendein Mittel,
die Blaualgen aus Teichen fernzuhalten, welche reich sind an organischen Stoffen, gibt es
nicht. Man wird daher den Schlammgeschmack nicht verhindern können, auch wenn man
nunmehr weiß, woher er eigentlich kommt. Man muß sich nach wie vor damit begnügen, den
Fischen durch Einsetzen in reines fließendes Wasser den Schlammgeschmack zu
benehmen.
H.
Fischer und Alkohol
In dieser Ausgabe, welche in die kalte Jahreszeit und ebenso in die Faschingszeit fällt, soll
mit einem kleinen Augenzwinkern ein Beitrag über ein bewährtes „Frostschutzmittel“ der
Fischer zum besten gegeben werden. Der Artikel wurde vor 74 Jahren in der Allgemeinen
Fischereizeitung Bd. 38 (1923), H. 5/6, S. 43-45 veröffentlicht. Als Autor ist Dr. Hans Walter
Schmidt genannt, der Titel lautet bezeichnenderweise: Fischer und Alkohol
Die Frage, ob der Mensch Alkohol zu sich nehmen darf, und wenn ja, wieviel, ist heutzutage
in unserem Vaterlande besonders aktuell geworden. Unser Wirtschaftsleben gebietet uns,
alle uns zur Verfügung stehenden wirtschaftlichen Faktoren ernsthaft zu prüfen, wie wir uns
am intensivsten in den Dienst des Wiederaufbaues eines neuen sozialen Lebens stellen
können, wie wir durch sie am besten unsere Privatwirtschaft zu fördern vermögen. Daß sich
mit diesen Faktoren naturgemäß auch die Regierung *) zu beschäftigen hat, ist über alle
Zweifel erhaben.
*) Anm. d. Schriftl.: wir geben diesen Ausführungen Raum wegen der Bestrebungen auf
Einführung eines allgemeinen Alkoholverbotes, von dem einzelne Berufszweige allenfalls zu
befreien sind.
Das üppige Schlemmerleben, welches gewisse Kreise deutscher Staatsbürger, welche die
materiellen Machtmittel dazu in Händen haben, sich bieten zu müssen glauben, hat die
Augen der Regierenden mit Recht auf diesen Unfug sich richten lassen. Da hier aber der
Alkoholgenuß eine haupsächliche Rolle zu spielen berufen ist, so hat sich die Arbeit in
diesem Punkte gegen den Alkoholverbrauch gerichtet. Ein Alkoholverbot, wie wir es in

erstellt von Matthias Pfeifer
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Amerika kennen, soll beraten werden. Und wenn dies richtig und sachlich vom moralischen
und medizinischen Standpunkte durchgeführt werden wird, so kann dies dem Lande nur zum
Segen gereichen. Welche unendlich traurigen wirtschaftlich ruinösen Folgeerscheinungen
das strikte Alkoholverbot in Amerika nach sich gezogen hat, ersehen wir aus einer Statistik
der verbotenen Alkoholschenken, der Morphinisten, welche statt Alkohol das Morphium
gewählt haben, und anderem mehr. Es liegt daher nicht im Interesse eines Kulturvolkes, den
Alkohol gänzlich aus seiner Mitte zu verbannen. Vielmehr kann hier eine gesetzgeberische
Entscheidung nur dann stattfinden, wenn alle Kultur- und Wirtschaftszweige sich zuerst
darüber schlüssig werden, ob der Alkohol zu ihrem Schaden oder zu ihrem Nutzen
ausgebeutet werden kann. Danach muß die Entscheidung sich sachlich richten.
Es ist ja bekannt, daß der Seefahrer, der Schiffer überhaupt, einen guten Tropfen liebt. Und
der Fischer ist mit diesem dermaßen verwandt, daß bei ihm das Nämliche zutrifft. Das
kommt nicht etwa daher, weil diese Leute „Schlemmer“ sind. Im Gegenteil betrachtet der
Schiffer und Fischer als solcher den Alkohol als Medikament, wenn man auch nicht in Abrede
stellen darf, daß ein guter Tropfen zu Zeiten gut zu munden vermag. Wer Alkohol besonders
als Medizin, welche eine stärkende Wirkung auf den Organismus ausüben soll, zu sich
nehmen zu dürfen oder zu müssen glaubt, der darf nur guten Alkohol in Anwendung bringen.
Fusel ist dem Organismus stets schädlich. Erstklassiges Bier, guter Wein und prima Likör
alteingeführter Marken, nicht allen möglichen Branntwein aus unbekannten Erzeugerhänden,
das sei das Material, mit welchem man zu arbeiten sich gewöhne. Das muß sich der Fischer
vor allem sagen. Ferner muß er nachprüfen, warum er den Alkohol in manchen Lagen gerne
zu sich nimmt. Dies tut er wegen seiner Wirkung, und über diese muß er sich zunächst klar
werden, um den Wert, den der Alkohol für ihn besitzen kann, klar zu erfassen.
Die chemische Zusammensetzung des Alkohols ruft fast momentan einen sehr energischen
Verbrennungsprozeß im Organismus hervor. Dadurch wird der Stoffwechsel beschleunigt
und verstärkt. Es entsteht Wärme im Körper, und die Muskeln vermögen, so lange diese
Erscheinung anhält, um so intensiver zu arbeiten. Besonders wenn die Witterung kalt ist, ist
die Wärmeerzeugung von großer physiologischer Wichtigkeit. Diese die Körperkraft hebende
Wirkung hält jedoch nur so lange an, bis der Alkohol umgesetzt ist und die Wärmewirkung
aufhört. Dann erfolgt eine Reaktion der Erschlaffung, die um so größer ist, je größer die
stärkende Wirkung des Alkohols gewesen, je größer die Portion des aufgenommenen
Alkohols.
Wenn der Fischer diese Wirkung des Alkohols in wirtschaftlicher Beziehung betrachtet, so
wird er finden, daß dieselbe zu Zeiten ihm hochwillkommen sein wird. Er ist sehr oft der
Nässe und dadurch der Kälte ausgesetzt, so daß eine innerliche Erwärmung in vielen Fällen
allein die Gesundheit erhalten kann. Ferner ist sein Beruf gewöhnlich körperlich
anstrengend, so daß sehr oft nur eine außerordentliche Auffrischung seiner Körperkräfte ihn
noch das Ziel erreichen lassen, welches fischereitechnisch bis zu diesem Zeitpunkte - der
Abend des Tages - noch erreicht werden sollte. Ein guter Tropfen hebt auch nach
anstrengender Fischereiarbeit die Lebensgeister des Fischers und läßt diesen sich
wohlfühlen. Welche physiologische Rolle aber das seelische Moment in der Lebenspraxis zu
spielen fähig ist, hat jeder wohl schon an sich selbst zur Genüge ausprobiert - Aber nicht nur
im eigenen Interesse wird der Fischer die Wirkung des Alkohols willkommen heißen und als
fördernd ansehen müssen. Auch im Samariterdienste zum Nutzen des Nächsten hat ein
guter Schluck aus der Feldflasche oft schon Großes gewirkt. Beim Befahren von Gewässern
kommen häufiger denn je Unfälle vor, bei denen ein Mensch über Bord kommt. Bewußtlose
rasch zum Leben zurückzurufen, dafür sorgt der Alkohol, und Entkräftete wieder
aufzurichten, auch das besorgt der Alkohol. Erstarrte zu erwärmen, ist ebenfalls Sache des
Alkohols als Medizin. Und auch der edle Retter, der unerschrocken in das nasse Element zu
tauchen sich anschickt, um den Nächsten seinem nassen Wellengrabe zu entreißen, kann
sich vorher durch einen Schluck aus der Feldflasche wappnen gegen Entkräftung, Nässe
und Kälte. Vor allem, wenn es gilt, momentan eine nicht lange andauernde Kraftleistung
auszuführen, ist Alkohol das einzige Mittel, das Ziel zu erreichen.
Daraus erkennt der Fischer ohne Zweifel, daß der Alkohol als Medikament, als
wirtschaftlicher Faktor für ihn unabschätzbare Dienste leistet. Er muß sich nun nur noch

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fragen, ob er durch den ihm wirtschaftlich nützenden Alkohol sich nicht desto mehr reaktionär
wirtschaftlich schädigt, indem er dadurch die Gesundheit seines Körpers schwächt.
Hier gibt ihm eine einfache Ueberlegung die richtige Antwort. Alkohol ist ein Genußmittel, wie
jedes andere auch. Im Uebermaße genossen, wirkt es schädlich, mäßig und zu Zeiten
eingenommen, wirkt es Wunder. Der moderne Kulturmensch nimmt tagtäglich Alkohol in
verschiedenster Form - Bier, Wein, Likör - zu sich, ohne daß eine schädliche Wirkung im
Durchschnitte wahrzunehmen wäre. Denn der Organismus ist daran gewöhnt. Eine
gesundheitliche Schädigung durch Alkohol im vernünftigen Hausgebrauche ist noch niemals
festzustellen gewesen. Wenigstens beim Durchschnittsmenschen nicht, wenngleich dies bei
Kranken oder Schwachen wohl zu befürchten ist - auch von anderen durschnittlich
unschädlichen Genußmitteln. Auch eine zeitweise eingenommene extraordinäre höhere
Dosis Alkohol zu Stärkungszwecken als Medizin schadet nichts, da in der Zeit, in welcher der
Alkohol dann wieder nicht in größeren Mengen dem Organismus zugeführt wird, dieser die
schädigende Wirkung der starken Dosis leicht überwindet. Wieviel jeder im einzelnen Falle
zur Hervorbringung einer gewissen starken Kraftzufuhr an Alkohol zu sich nehmen darf, das
richtet sich ganz nach der Konstitution, das wird jedermann sehr leicht und rasch selbst
ausgeprobt haben. Wird in dieser vernünftigen Weise vom Menschen im allgemeinen der
Alkohol als Genußmittel gebraucht, so ist sein Gebrauch nicht nur sittlich erlaubt, sondern
sogar wirtschaftlich geboten, besonders in unserer Zeit schwerster sozialer Arbeitsleistung in
Deutschland.
Wenn von diesen Gesichtspunkten aus der Fischer den Alkohol als Medikament betrachtet,
dann wird er nicht umhin können, als starker Zeuge für seinen vernünftigen Gebrauch
aufzutreten. Und dies wäre zur Aufstellung der Punkte wider und für den Alkohol zwecks
Gesetzgebung durchaus von Wichtigkeit, von einem wirtschaftlichen Werte, der in privater
und völkischer Beziehung nicht hoch genug geschätzt werden kann.
Über die Tötung des Aals
Der Tierschutzgedanke, der heute in vielfältiger Art und Weise den Fang und die Tötung von
Fischen auch in rechtlicher Hinsicht beeinflußt, ist keinesfalls eine Erscheinung der letzten
Jahre. Davon soll ein Beitrag aus dem Jahre 1911 Zeugnis ablegen, bei dem es um die
Schlachtung von Aalen geht. Dieses Thema beschäftigt ja bis heute wissenschaftliche
Einrichtungen ebenso wie den einzelnen Angler, der seinen Aal tierschutzgerecht töten soll,
ohne daß er auf großtechnische Betäubungs- oder Tötungsanlagen zurückgreifen kann. Der
Beitrag ist der Fischereizeitung von 1911, Bd. 14, Nr. 22, S. 369-370 entnommen.
Fischmarkt
(Eigener Wochenbericht der Fischerei-Zeitung)
Berlin, den 27. Mai 1911
Der Himmelfahrtstag ist der Tag des Aals und der Herren-Ausflüge. „Los von Muttern ist die
Devise!“ - Auf den Genuß grünen Aals wird natürlich auch beim Ausflug nicht verzichtet. Wer
vorsichtig ist, läßt sich den Aal zu Hause kochen, in ein Konservenglas packen und beim
Budiker, wo Rendezvous gemacht wird, wärmen. Ich habe mir erzählen lassen, daß keine
Berliner Herrenpartie das Ende des geplanten Ausflugs erreicht, sondern immer dort bleibt,
wo der grüne Aal verzehrt wird. Da dies um die Frühstückszeit geschieht, wird eben bis zur
Rückkehr hier gefrühstückt. - Da wir gerade beim Aal sind, will ich erzählen, was ich in
puncto des Schlachtens der Aale erlebt habe. Es war im Jahre 1898, da brachte jemand dem
Tierschutzverein zur Anzeige, daß die Aalräuchereien eine große Tierquälerei dadurch
verübten, daß sie die für die Räucherung bestimmten Aale nicht schlachteten, sondern mit
Salz töteten. Die Aale werden nämlich in ein Gefäß getan, dick mit Salz bestreut und sterben
unter dem Einfluß des Salzes ab. Natürlich gebärden sich die mit Salz bestreuten Aale wie
unsinnig - und gerade darin erblickte der Denunziant die Tierquälerei; er nahm an, daß die
Tiere furchtbare Schmerzen ausständen. Der Tierschutzverein konnte gegen eine
Tötungsart, wie sie seit vielen Jahrzehnten geübt worden war, nicht so ohne weiteres

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vorgehen und ersuchte mich um ein Gutachten. Ein solches Gutachten war nicht leicht, und
ich bat meinen Auftraggeber um eine Frist von einem halben Jahre. In dieser wollte ich
meine Kenntnisse über die Tötung von Aalen, namentlich in größeren Mengen, wie in
Räuchereien, erweitern und mich dann darüber äußern. Die beste Tötungsart ist natürlich
das Köpfen; aber es ist durchaus nicht so leicht - hauptsächlich nicht für eine Frau -, einem
frisch gefangenen Aal den Kopf abzuhacken oder abzuschneiden. Es gehören resolute,
kräftige Menschen dazu, die die Operation so auszuführen verstehen, daß sie blitzschnell
wirkt. Doch ein geköpfter Aal wird unansehnlich; der Räucherer hängt den Aal am Kopfe auf,
der Koch will den grünen Aal ganz auf die Tafel bringen. Erst betäuben, dann abstechen ist
auch eine gute Tötungsart. Die Fischweiber hielten mit der linken Hand den Aal, in der
rechten ein eisernes Pfundstück; damit bearbeiteten sie den Kopf des Aals, d.h. sie wollten
ihn bearbeiten, klopften sich aber dabei mehr auf die Finger, schnitten sich - kurz solch eine
Schlachtung anzusehen, war entsetzlich, und nicht selten erwachte der Aal zum Schreck der
Köchin nochmals in der Küche. Also damit war´s auch nichts. Die damalige Redaktion der
„Fischerei-Zeitung“ erließ eine Umfrage, und da kam - wie immer bei solchen Umfragen - das
Mögliche und Unmögliche zutage. Ein Ingenieur empfahl die elektrische Tötung der Aale
durch eine Spannung von 300 Volt, ein Fischereisachverständiger empfahl Essig, ein anderer
Essigsäure; ein dritter schrieb: „Man packt den Aal, schleudert ihn zu Boden und sticht ih
dann ab“; ein anderer sagte wieder: „Man stranguliere den Aal; das ist der schmerzloseste
Tod.“ Der Letzte schrieb: Die humanste Todesart, wie sie im freien Amerika für jegliche
Kreatur gelte, sei das Erschießen - der Kopf des Fisches wäre zwar zerschmettert, dafür
wäre das Tier aber auch sofort tot. Alle Arten habe ich probiert, nur vom Erschießen habe ich
Abstand genommen - weil sicher mehr Fischweiberbeine als Aalköpfe zerschossen worden
wären. Schließlich kam ich doch zu der Überzeugung, daß Salzung die beste, billigste und
dabei ruhigste Todesart für den Aal ist. - Der Übergang vom Leben zum Tode ist bei allen
Geschöpfen mit Schmerz verbunden. Gerade wir Menschen haben darin ein übles Los
gezogen, da unser Tod sicherlich mit mehr Schmerz verbunden ist als der der Tiere. - Der mit
Salz bestreute Aal endet durch einen Nervenschlag in acht bis zehn Minuten, je nach der
Stärke der Salzung. In Essig dauert es auch je nach der Stärke des Essigs längere oder
kürzere Zeit. Bei Essigsäure, die ja bekanntlich ein starkes Gift ist, dauert der Todeskampf
natürlich nicht lange. Die elektrische Tötung ist gut, aber nicht überall zu haben. Köpfen und
Abstechen der Aale wird von Männern sehr gut, von weiblichen Personen jedoch
ungeschickt ausgeführt. Als denkbar humanste Todesart blieb, namentlich für Massen von
Aalen, die Salzung, und demgemäß berichtete ich damals auch dem Tierschutzverein. - In
voriger Woche war wiederum eine Beschwerde an den Tierschutzverein ergangen, daß ich
das Töten der Aale durch Salz empfohlen hätte - das doch große Tierquälerei sei. Ob der
Tierschutzverein die Tierquälerfrage wieder aufrollen wird, weiß ich nicht.
Über den Fischverzehr
Mit den im Herbst stattfindenden Abfischungen der Teiche steigt auch wieder der
Fischverbrauch. Viele Fischesser lassen sich auch heute noch nach der bekannten, aber
mittlerweile fragwürdigen, Regel leiten, nach der Fisch nur in den Monaten mit einem „R“ im
Namen zu essen sei. Welch abenteuerliche Vorstellungen vom Fischverzehr noch vor 200
Jahren in der Fachliteratur verbreitet wurden, soll in einem Auszug aus dem zweiten Kapitel
der Schrift „Wohlbewährte Fischgeheimnisse oder deutlicher Unterricht von der grossen
Nutzbarkeit der Fischerey“, Nürnberg 1785 (2.Auflage) wiedergegeben werden.
Der Fische Unterschied und Eigenschafft wird erstlich genommen von dem Ort darin sie
leben, als da sind die Meeresfische, so in gesalzenen, und die so in Flüssen und Bächen
ihre Wohnung nehmen; zum anderen die in frischen, gesunden, und die in morastigen,
faulen und ungesunden Wassern sich aufhalten; die von zarten oder weichen Fleische sind,
oder die Schuppen oder glatte Haut tragen. Ingleichen ist ein Unterschied an der Speise,

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wovon sie leben, zu welcher Zeit sie streichen, und am besten zur Speise dienen. Es sind
vier Complexiones (Arten) der Menschen, wer nun wissen will, ob ihm Fisch gesund oder
ungesund seyn, der muss seine Complexion wissen, ob er ein Sanguineus, Phlegmaticus,
Cholericus oder Melancholicus ist. Die Phlegmatici sind kalter und feuchter Natur, weil nun
die Fische auch dieser Natur seyn, so können sie denen Phlegmaticis nicht gesund seyn.
Denn also würden sie vielmehr kalt und feucht werden, dadurch sie denn böse Mägen,
schädliche Fieber, die Wassersucht und allerley andere Krankheiten bekommen würden.
Denen Sanguineis, die warmer und feuchter Natur seyn, und denen Melancholicis, die kalter
und trockener Natur seyn, können die Fische nicht leicht schaden, denn die Fische, ihrer
Kälte halben, eine Gemeinschaft mit dem Sanguine haben. Denen Cholericis aber, welche
hitzig und trocken sind, denen sind sie gar gesund. Jedoch, weil ein guter Trunk Wein auf die
Fische gehöret, sonderlich wenns weichliche Fische sind, so möchten sie auch den
Phlegmaticis nicht viel schaden, wenn sie Wein darauf trinken, und Nüsse darauf essen
möchten, denn weil die Nüsse trockener Natur seyn, so können sie es hindern, dass sie nicht
mehr Phlegma von den Fischen bekommen. Doch sollen auch die Leute, so der andern
dreyen Complexionen sind, eben so wol Wein auf die Fische trinken und Nüsse essen, denn
die Fische haben bisweilen einen kleinen kalten Gifft bey sich, sind übel zu verdauen, und
faulen einem leichtlich im Magen. Aber die Nüsse dienen wieder das Gifft und helffen zur
Dauung, weil sie warmer Natur seyn.
Weil die Fische im kalten Wasser ihre Wohnung haben, so ist leichtlich zu erachten, dass sie
auch kalter und feuchter Natur seyn müssen, so wie das Wasser kalt und feucht ist. Doch
sind sie einander sehr ungleich, denn einer ist immer kälter und feuchterer Natur, denn der
andere. Es sind auch etliche warmer, etliche trockener Natur, aber doch auch ungleich. Das
Salz können sie nicht vertragen, sondern sie sterben davon, sonderlich der Aal. Ohnerachtet
wir jetzo angezeiget haben, dass insgemein alle Fische kalter und feuchter Natur seyn, so ist
doch gleichwol ein gros¬ser Unterschied zwischen den Fischen, denn einige sind gesünder
denn andere. Hechte, Parsche, Schmerlen, Fohren (Forellen) und andere harte Fische mag
ein jeder wol essen, wenn er gleich krank ist, denn es sind harte Fische. Einer, so mit dem
Fieber behafftet, soll sich zwar aller Fische enthalten, wenn er sich aber gleichwol hart
darnach sehnete, so möchte er Fohren, Schmerlein, Parsche und Hechte wol essen. Die
gebratene Fische sind allzeit gesünder als die gekochte, denn das Feuer benimmt ihnen ihre
Feuchtigkeit. Es ist auch ein Unterschied der Fische wegen des Wassers, darinnen sie
wohnen. Denn Meerfische sind viel gesünder denn die man in süssen Wassern fänget, und
solches wegen des Salzes, welches die übrige Kälte und Feuchtigkeit in den Fischen
verzehret, ein fein hart Fleisch machet und sie vor dem Faulen bewahret. Wie dann auch
wirklich ein gesalzener Hering, rohe aus der Tonne genommen und aufgegessen, dem
Menschen nichts schadet.
(...)Die Fluss-Fische so in den tieffen rinnenden Flusswassern gefangen werden, so gegen
Mitternacht (Norden) fliessen darinnen viel Steine und Sand liegen, und wo das Wasser
schnell laufft, sind viel gesünder, als die, so man in den Seen, Pfülen und unflätigen
mistpfützichten Wassern fähet (fängt), oder auch in den stinkenden schlammigen Pfützen
und Morast, die gar moficht oder modericht schmecken. Nicht weniger sind alle feisten
(fetten) Fische schädlicher, dann die magern. Und darum sprechen die Physici (Ärzte):
Omnis pinguedo mala, omnium piscis pessima, d.i. alle Fettigkeit ist böse und schädlich, der
Fische ihre aber am schädlichsten. Unter den Fischen, die ein weiches Fleisch haben, sind
die kleinen am besten. Es sind auch die schuppichten Fische besser, denn die schleimigten
Fische, die keine Schuppen haben, und je grssere Schuppen sie haben, desto gesünder sie
ach sind, darum verbeut Gott auch selber die schleimichte Fische im 3. B. Mosis am 11. Cap.
Auch sind die frischen Fische gesünder, dann die kranken, die gar matt oder todt sind, dann
die befeuchten den Leib, vermehren die Milch und den natürlichen Saamen eines Menschen,
und sind denen Cholericis gesund. Fische, die fein hart, weiss, subtil Fleisch haben, das sich
fein bricht, sind viel gesünder, dann die ein zehes schleimigtes Fleisch haben. Zu denen
Fischen, deren Fleisch köstlich zu essen, könte man noch rechnen den Barben, der nicht viel
schwerer wird als zwey Pfunde, die von der besten Art haben zwey kleine Bärte. Auch ist
sehr viel an den Kräutern gelegen, die an den Ufern der Wasser wachsen. Dann wo böse
Kräuter sind, da sind auch ungesunde Fische.

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Über den Karpfen
Die Zeit des Jahreswechsel ist mit ihren Feiertagen traditionell ein Höhepunkt im
Karpfenverzehr. Karpfen steht schon seit Jahrhunderten in der Gunst der Fischesser. Davon
sollen einige kleine Zitate aus dem ersten größeren Werk über die Karpfenzucht Zeugnis
ablegen. Sie stammen aus dem »Buch von den Teichen und den Fischen, welche in
denselben gezüchtet werden« von Johannes Dubravius. Dieser lebte von 1486 bis 1553 in
Böhmen. Er war Doktor des Kirchenrechts und in den Jahren 1542-1553 Bischoff von
Olmütz. Dubravius kommt das Verdienst zu, die erste gewissenhafte Beschreibung der
Karpfenteichwirtschaft vorgelegt zu haben. Die Teichwirtschaft kannte er aus eigenem
Erleben. Seine epochale Schrift erschien erstmals 1547 in lateinischer Sprache bei Andreas
Winkler in Breslau. Es folgte eine weitere Ausgabe 1559. 1596 erschien das Büchlein in
Nürnberg. Auf die große Verbreitung in Europa weisen eine englische Ausgabe, London
1599, und eine polnische, Krakau 1600, hin. Das Buch liest sich auch heutigentages noch
mit großem Gewinn. Die hier erscheinende Kostprobe stammt von der Originalausgabe von
1547, übersetzt und bearbeitet von A. Wüstner und J. Kollmann, Wien 1906.
Welch hohen wirtschaftlichen Stellenwert die Karpfenteichwirtschaft zur damaligen Zeit hatte,
d.h. welch hohen Gewinn sie abwarf, zeigt folgendes Zitat aus dem 5. Buch, Vorrede:
„Denn wie der Bauer ob der Ernte nicht trauert oder der Winzer ob der Weinlese, sondern
sich vielmehr beide freuen, wenn sie durch ihre Mühe wohlverdiente Frucht empfangen, so
singt auch froh und beifällig der Teichbesitzer, wenn er seinen Geldkasten mustert, den der
Fischfang mit Goldstücken gefüllt hat.“
Obgleich Fische zwar zu den Fastenspeisen zählten, die eher einem spartanischen
Lebensstil in einer Zeit des Verzichts dienen sollten, wurden Karpfen im 16. Jahrhundert
schon zu einer kostspieligen Delikatesse, die einen raschen Absatz erfuhren und einen
äußerst erträglichen Verkauf einbrachten. Aus anderen Quellen ist bekannt, daß in dieser
Zeit der Karpfenpreis das Vierfache des Preises von Rindfleisch betrug. Was Wunder also,
daß man allerorten versuchte Fischteiche anzulegen. Ein Sprichwort aus dieser Zeit lautet
nicht unbegründet: „Schäfereien, Brauhäuser und Teich machen die böhmischen Herren
reich.“ Im folgenden Auszug ist aber auch erkennbar, wie weit Karpfen damals schon, als nur
Pferdefuhrwerke zur Verfügung standen, gehandelt wurden.
Kapitel 8: Wie es kommt, daß mit der wachsenden Anzahl der Fischteiche auch der Wert der
Karpfen steigt
Ein Zweifaches wird für die Ursache dieser Erscheinung gehalten: der eine Grund ist auf
heimischen Boden erwachsen, der andere aus der Fremde hereingebracht; beide aber - um
die Wahrheit einzugestehen - sind hervorgegangen aus der Leckerheit des Gaumens,
welche, sowie sie für das Vergnügen des Speisegenusses kein Maß findet, auch keines
kennt für den Aufwand, mit dem ein solcher Genuß erkauft wird. Daß aber der Karpfen
allenthalben unter die Tafelfreuden gezählt wird, ist jedermann bekannt, denn selbst der
Ärmste läßt ihn bei seinem Gastmahle nicht fehlen: ganz abgesehen von den Vornehmen,
welche denselben Frühstück, Gabelfrühstück und Hauptmahlzeit zuteilen. Auch das Volk
gönnt sich diesen Überfluß und beschwert seinen Tisch so oft als möglich mit diesem
Gericht. und dem Stadtvolke tun es die Landleute nach, vor allem zur Zeit, da sie wegen des
Marktes Städte und Dörfer besuchen und nicht eher wieder aufs Land zurückkehrten, ehe sie
mit dem Karpfen - auch wenn er noch so teuer erkauft ist - ihren Kropf gefüllt haben. Es
schmeckt ja gewissermaßen nichts so gut, wie das teuer Bezahlte. Schon bei Martial singt so
ein Landvogel: „Ich bin ein ländliches Rebhuhn, was schadet´s? Wenn gleich der
Geschmack nur. Merke! weil teuer dies Huhn, drum besser dünkt es dem Schlund.“
Daher wird dann daheim der Karpfen von allen Ständen mit so großen Verlangen begehrt.
Und es ist kein Wunder, wenn sein Ruhm immer mehr wächst, sein Preis täglich steigt, da
doch alle um die Wette zum Kaufe zusammenlaufen. Wie ist´s ferner im Ausland? Bemerken
wir nicht durch das ganze obere Deutschland, daß in fast allen Gasthäusern der bei uns

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gekaufte Karpfen nicht nur zu finden ist, sondern den Vorzug vor edleren Fischarten genießt?
Ich bin einmal vor längerer Zeit in einer Alpenstadt mit Namen Innsbruck bei einem
Gastfreund abgestiegen. Als ich ihn ersuchte, er möge mir zum Mahle Forellen vorsetzen,
sagte er: „Wenn du nach Fischen verlangst, die noch ein gut Stück schmackhafter als die
Forellen sind, werde ich dir sofort welche zur Stelle schaffen.“ Und ohne Verzug brachte er
Karpfen herbei, die kurz vorher aus Böhmen gebracht worden waren, und verglich sie bald
mit der Seeforelle, bald mit dem Rheinlachs, ihr Lob aus vollem Halse singend. Ich habe
natürlich nicht widersprochen, da ich sah, daß es sich um den Ruhm meiner Landsleute
handelte; aber ich ersuchte dennoch, daß er die Karpfen für den morgigen Tag behalte und
mir die gegenwärtige Mahlzeit mit Forellen bereichere. Der Gastfreund willfahrte meinem
Wunsche und bestellte zum Mittagmahle Forellen, doch zum Frühstücke Karpfen, weil er die
Karpfen höher schätzte als die Forellen. Dies bemerkend, sagte ich zu dem Gefährten:
„Hören wir nach diesem auf, uns zu wundern, warum der Karpfen im Preise steigt; denn wir
sehen, um wie viel höher als die Forelle er im Auslande geschätzt wird.“...
Über den Gebrauch der Angel aus dem Buch von den Fischen
Im Heft 3/95 wurde an gleicher Stelle über das „Buch von den Fischen“ von Johannes
Colerus berichtet, welches 1599 erschien. In dieser Ausgabe soll der Autor selbst zu Wort
kommen. Der besseren Verständlichkeit halber wird der Text mit der heutigen
Rechtschreibung und angepaßter Grammatik wiedergegeben. Ausgewählt wurden Auszüge,
die das Angeln betreffen.
Vom Gebrauch der Angel
Der Angelhaken wird auf mancherlei Weise gemacht. Etliche haben schlechte eiserne
Häcklein und werden aus Eisendraht mit einem Widerhaken klein und groß gemacht, danach
der Fisch ist, den man fangen will. Denn in ein großes Maul gehört ein großer Haken, in ein
kleines Maul ein kleiner Haken. Bisweilen bindet man auch wohl drei oder vier Haken
nebeneinander. Danach macht man große mit vielen Spitzen, da eine jegliche Spitze ihren
Widerhaken hat. Die macht man an Stangen, daß man die Fische damit sticht und aus dem
Wasser zieht.
Wann man auch Wels, Hecht, Barsche und dergleichen Raubfische angelt, so muß man ein
lebendiges Fischlein an den Haken machen und [deshalb] muß der Haken groß und stark,
bisweilen auch von Erz sein. Und der Haken muß fast an die Angelschnur mit gewachstem
Faden oder mit einem kleinen eisernen oder messingnen Draht daran gebunden werden,
daß ihn die Fische mit ihren scharfen Zähnen nicht abbeißen.
Bisweilen verschlingen sie den Haken mitsamt dem Fisch gar in den Leib hinein, daß man
den Haken von der Schnur schneiden und ihn erst wieder heraus nehmen muß wenn er
gerissen [ausgenommen] wird.
Wenn ein Fisch den Federkiehl unter sich zieht und man ihn heraus ziehen will, so muß man
zum ersten stark zucken, daß man dem Fisch den Angelhaken in den Mund haue, daß er
hafte und den Fisch halte.
Danach muß man ihn gemächlich aus der Tiefe an der Schnur mit der Angelrute und Schnur
herausziehen, daß er die Schnur nicht zerreiße und als ein ehrlicher Mann davon schwimme
oder daß man ihn müde macht, bis er sich in Geduld gibt und läßt freundlich mit sich
handeln.
Im Grunde der tiefen Wasser sind gemeinhin die größten Fische. Da muß man die großen
Capitones [Kapitale, eigentl. Großköpfe] heraus suchen und die Angelschnur desto tiefer
senken, daß sie auf den Grund kommt.
Wenn auch die Fische den Haken ein- oder etlichemal versucht und gekostet haben, so
wollen sie nicht gern wieder daran. So soll der Fischer an einer schlechten Schnur die Köder
etliche mal einwerfen, daß sie die Speise nehmen und [sich] angewöhnen und danach die
Angel auch mit einwerfen, so beißt er an.

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Nimm Hundsbrot (das wird von Kleie und Mehl gebacken) und in den Ofen gesetzt wenn das
andere Brot ausgebacken ist. Schneide die äußersten Rinden alle davon, nimm die
Brosamen, knete diese fein hart ineinander, mache Kügelein davon und wirf sie an einem Ort
ins Wasser, wo du den folgenden Tag angeln willst.
Folgenden Tag mache sie auch an die Angel und angel damit.... An die Angelhaken pfleget
man Regenwürmer, Käfer, Fliegen, Schwänze von Krebsen und dergleichen zu machen.
Fische Winterszeit mit der Angel zu fangen
Man kann sie auch zur selben Zeit gar leicht mit der Angel fangen. Man stecke nur einen
Fisch an einen großen Angelhaken und hängt ihn oben ins Wasser, daß er nur oben ein
wenig ins Wasser reicht. So verschlinget der Hecht den Haken mit dem Fisch und wird
gefangen.
Diese Fischerei so im Winter unter dem Eise zu fischen haben die Leute erstlich von den
weißen Bären [Eisbären] in Norwegen, Island und Finnmark gelernt, denn die haben vor der
Zeit, ehe diese jetzigen Leute dieselbigen Länder eingenommen und besessen haben so
darinnen gefischt.
Haue im Winter ein rundes Löchlein, tue das Eis sauber heraus, wasche die Hände darinn,
kaue Brot im Mund und laß [es] aus dem Mund ins Wasser fallen. Danach fühlt man mit
einem Blei an einem Stricklein wie tief das Wasser ist. So tief senkt man auch die Angel,
doch daß der Haken nicht gar auf den Grund fällt.
Kaue Semmel klein und knete sie zusammen, daß sie wird wie ein Teig, mache ein kleines
bissel an den Haken, kaum eine Erbse groß, je nach Größe des Haken und senke es
hinunter.
Wenn auch etliche Fische im Winter unter dem Eise gefangen und danach gefroren sind, so
lege sie bald in kaltes Wasser, so zieht das kalte Wasser das Eis aus den gefrorenen
Fischen, daß mans oben von den Schuppen abstreichen kann. So schmecken sie danach
viel besser, als wenn man sie in der Stube auftauen läßt.
Gleichwie an einem Menschen wenn dem ein Schenkel erfroren ist und er seinen erfrorenen
Schenkel bald in ein kaltes Wasser setzt, so zieht das kalte Wasser das Eis heraus.
Hechte, womit sie ander Angel zu fangen
Wenn man Hechte mit Angelschnüren fangen will, so stecken etliche Groppen oder
Kaulhäupte, ebenso Frösche und Blicken [Güstern] an die Angelhaken. An der Angel reißt
und beißt er gern die Schnur entzwei. Man mag sich auch sonst vor dem Gast wohl
vorsehen, daß er einem die Finger nicht ins Maul bekommt, denn er beißt so hart zu, daß
man ihm das Maul mit einem Messer wieder aufbrechen muß.
Barsche zu fangen
Man fängt die Barsche auch im Winter unter dem Eis mit der Angel, da kann man in einer
großen Tiefe zu ihnen kommen. Allein man muß im Sommer Regenwürmer im Keller in einen
Topf setzen und sie mit Sand wohl bestreuen und im Winter an die Angel machen.
Auch muß man am Hacken vorn die Schnur mit Blei begießen, daß sie es nicht abbeißen.
Und es muß breit gemacht sein, so sieht´s auch fast wie eine Plötze [aus], damit fängt man
sie hübsch.
Man muß aber die Angel nicht still halten, sondern umher rühren, so schießt er danach.
Denn es ist ein begieriger Fisch. Man mag auch lebendige Plötzen oder Ukeleis anstecken.

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Verzehreigenschaften einiger Fische aus dem Buch von den Fischen
Aus dem bereits im vorigen Heft zitierten „Buch von den Fischen“ von Johannes Colerus
werden in dieser Ausgabe einige kuriose Beschreibungen von Fischen hinsichtlich ihrer
Verzehreigenschaften wiedergegeben. Ebenfalls erfolgte des besseren Verständnisses
wegen eine Anpassung an heutige Schreibregeln.
Hecht: Wenn man einen Hecht recht sieden will, so muß man ihn in Wein, wenn er im Kessel
wohl siedet, einlegen und sieden. Und muß ihn salzen, denn man kann ihn nicht versalzen,
weil er nicht mehr Salz zu sich nimmt als er bedarf. Will man ihn aber fein blau oder in
Salzwasser sieden, so wasche man das Blut fein rein von den Stücken ab und lege sie
danach etwa eine halbe Stunde in einen scharfen Essig. Danach setze man im Kessel das
Wassser über das Feuer und salze es wohl und wenn es im vollen Sieden ist, so schütte
man den Essig mit samt dem ausgenommenen und zerteilten Hecht in den Fischkessel oder
in das siedende Wasser und laß es sieden bis ihm das Wasser eingeht. Es muß aber das
Wasser nicht mehr sein als doppelt soviel wie Essig war, so wird er fein blau, lustig und
wohlschmeckend.
Der Hechtkiefer in einem Mörser klein gestoßen und einen Gülden schwer eingenommen
zersprengt und bricht den Blasenstein. Sonst aber hat der Hecht ein hartes Fleisch und ist
ein gesunder Fisch, den auch ein Kranker und eine Sechswöchnerin wohl essen mag, wenn
sie einen Tag oder etliche gelegen, denselben mit Butter kocht und ein Trunklein Wein darauf
trinkt.
Wenn man in England einen Hecht fängt, so schneidet man ihn zwischen den vorderen zwei
Flossen am Halse auf und sieht , wie fett er ist. Ist er nicht fett genug, so wirft man ihn
wieder in den Teich, es heilet wieder zu.
Barsch: Hat auch ein ziemlich hartes Fleisch und ist auch gar gesund kranken Leuten und
den Sechswöchnerin. Es mögen ihn auch wohl die Febricitanten [Fieberkranke] essen, wie
denn auch den Hecht, die Schmerlen und die Forellen. Ausonius [röm. Schriftsteller] nennt
ihn eine delikate Speise, daß er wohlschmeckend und gesund ist und von den Reichen gern
gegessen wird.
Schmerlen: Die Schmerlen sind die allergesündesten, lieblichsten und schmackhaftigsten
Fische, die man haben kann, die auch ein Fieberkranker oder Sechswöchnerin essen mag,
ebenso wie Hechte und Barsch.
Bachneunaugen: Aber doch pflegt man im Vogtland und in der Mark Meißen andere Fische
Steinbeissen zu nennen, die schier sind wie die gar kleinen Aale oder Neunaugen. Das sind
köstliche Herrenfische, das Quart oder die Kanne um 6 Silbergroschen. Allein sie sind nicht
so lang und groß wie die Aale, sonder kaum zwei Finger lang. Sie dienen nicht für die
Bauern, denn die verdauen besser ein Stück Käse und Brot und ein gut Gericht Fleisch. Das
liegt ihnen länger im Magen.
Stichling: Die Stichlinge oder Sticherlinge, welche die Weiber ihren Männern gerne kochen,
wenn sie des Vortages trunken gewesen und sich übel benommen haben, sind auch kleine
Bachfischlein, die in kleinen faulen Bächen gerne sind. Sie haben einen gar nicht so guten
Geschmack, wegen der faulen Bach, darinnen sie sich aufhalten.
Gründlinge: Kressen sind gute Fischlein. Wenn man sie sieden will, so soll man sie zuvor in
heißen Wein legen oder mit warmen Essig begießen wie die Schmerlen, daß sie fein blau
werden. Mit Essig soll man sie abschrecken oder abtrocknen und nicht lange sieden lassen.
Quappe: Denn die Leber ist schier das Beste an diesem Fisch, und wird größtenteils allein
der Leber wegen gekauft. Dann kann man im Sommer , wenn man sie in ein Gläslein in die
Sonne hängt ein gutes gesundes Öl daraus bekommen, daß man zu vielen Arzneien
gebrauchen kann, besonders zu dunklen Augen.
Man sagt, daß ein Fürst in Schlesien soll gewesen sein, dessen Amme nichts anderes als
eitel Quappenlebern habe essen wollen. Als er ihr aber diese nicht genug verschaffen hat
können, sei er endlich unwillig geworden und habe sie in die Oder werfen und ertränken
lassen und gesagt: auf einen guten Bissen gehört ein guter Trunk. Auch schreibt man von

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einer Gräfin von Beichling, die soll an diesen Lebern die ganze Grafschaft Beichling
verfressen haben, das ist eine große Lust gewesen.
Schleien: Etliche halten viel von dem Fisch, essen ihn gern aus dem Saltz und sauer oder
Schwarz gekocht, denn im Sauern wird man des schlammigen Geschmacks nicht so gewahr.
Wenn er wohl gepfeffert wird, so mag er wohl nicht gar so ungesund sein. Gegen die
Gelbsucht pflegen sich ihr die Leute sehr zu gebrauchen und binden sie sich unten an die
Fußsohlen.
Schlammpeitzger: Diese Fische findet man in dem großen Gemösicht und Röhricht, wo es
viel Schlamm hat. Sie werden hier auch häufig in sumpfigen Seen gefangen. Wenn ihr die
Bauern ein Fäßlein voll bekommen so streuen sie eine Handvoll Salz auf sie, daß sie sich
vom Schleim ein wenig säubern und reinigen. Da sieht einer seine Lust und sonderliche
Kurzweil, wie sie sich durcheinander schlingen und winden, wie ein Haufen Schlangen, bis
sie sterben. Danach gießt man Wasser darauf und wäscht den Schleim fein rein ab, nimmt
sie aus und kocht sie sauer und süß oder schwarz, daß man den bösen Geschmack nicht
merkt. Es ist eine Speise für die Bauern, die essen sie mit Lust und können sie am besten
verdauen.
Forelle: Dies ist ein rechter, treuer, edler und guter Herrenfisch, der gar einen lieblichen
Geschmack [hat] und sehr gesund ist.
Barbe: Dieser Fisch ist auch gesunden und kranken Leuten unschädlich und ist im Mai am
besten, aber im Juli nimmt er wieder ab. Allein wenn man sie sieden will, so lege man ihn in
heißen Wein, so siedet er sich gar wohl und wird fein blau. Sein Rogen ist müßigen Leuten
gesund, sonderlich im Mai, denn er laxiret [führt ab] und macht Stuhlgänge.
Wels: Den Schwanz brät man oder kocht ihn sauer, den Kopf kocht man aus dem Salz. Das
andere zerhaut man wie Rindfleisch zu Stücken oder Schroten und kerbt es ein, daß das
Salz fein hinein kommen kann, wenn sie groß und dick sind. Danach hängt man sie in den
Rauch bis sie trocken sind. Es hält sich 10 Jahre und wird wie Stockfisch. Man reißt ihn in
kleine Stücke und kocht ihn mit Butter.
Aal und Karpfen aus dem Buch von den Fischen
Mit diesem Heft sollen die Auszüge aus dem „Buch von den Fischen“ von Johannes Colerus
vorerst beendet werden, obwohl es immer wieder amüsant und unterhaltsam ist, darin zu
lesen. Abgeschlossen wird die Auswahl mit einigen Ausführungen zu den beliebten
Angelfischen Aal und Karpfen.
Aal: Dieses Fisches Fleisch hat eine dicke zähe Feuchtigkeit , die den Menschen sehr
verstopft und gar ungesund ist, und obwohl sie anfällig sind, essen ihn etliche Leute mächtig
gern. Denn es ist ein fetter Fisch und es heißt: Alles fette schadet sehr – das der Fische aber
noch vielmehr. Vor dem Haupt und Schwanz der Aale hat jedermann einen großen Abscheu
und kocht sie nicht mit andern Teilen, denn weil etliche denken, daß sie sich mit den
Schlangen begatten sollen, so denken sie, sie müßten Gift im Kopf und im Schwanz haben
wie die Schlangen. So sagen etliche, daß das Rückgrad und das Äderlein das darinnen ist,
ein Gift bei sich haben soll. Darum ziehen sie dasselbige fein artig und behende heraus,
wenn sie den Aal zu Stücken schneiden. Am Blut ist ohne Zweifel, daß es ein böses giftiges
Ding sei, denn wenn einem das in die Augen kommt, so kann er leicht um das Gesichte
[Sehkraft] kommen, oder kann ja die Augen lange nicht wieder zu rechte bringen; in 10 oder
12 Wochen nicht, wie ich selber mit meinen Augen gesehen. So ist er auch sonst ein sehr
süchtiger Fisch, kranke Leute dürfen ihn nicht essen, wie denn auch die Karpfen und andere
weiche Fische den Kranken nicht nützlich sind.
Dem Magen und den Nieren ist er gar schädlich und sonderlich denen die den Stein
[Gallensteine] und Podagra [Gicht] haben. Darum halten auch die Ärzte nichts vom Aal
besonders im Solstitio æstivo [Hochsommerhitze].
Doch wer ihn essen will, der lasse ihn erstlich im Wasser und Wein zweimal übersieden,
danach gieße er selbige Sud ab und koche ihn danach vollends ab und mache ein guten
bequemen wärmenden Sud darauf, oder brate ihn und mache eine gute Salse [Soße] dazu.

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Im Winter muß diese Salse grün sein und es müssen gute wärmende Species [Zutaten] dazu
gebraucht werden und ein guter Wein, Pfeffer, Ingwer ist allezeit gut dabei, er werde
gebraten oder gesotten. Im Sommer mag man saure Species dazu nehmen als Agrest (?)
und Essig. Jedoch gehört zu dieser Mahlzeit ein guter Trunk Wein, sonst kann man sich
leicht ein Fieber daran essen. Dann muß man über dem Ofen oft, aber allzeit nur ein wenig
trinken. Denn dieses stärkt die Verdauung und verzehrt die kalten und phlegmatischen
Feuchtigkeiten, die darinnen sind. Holzhauern, Dreschern, Ackerleuten, die große Arbeit tun
müssen, kann er nicht leicht schaden, er sei gesotten oder gebraten, geräuchert oder
ungeräuchert.
Die Eingeweide siede man in großen Kesseln und schäume oben das Fett davon und
schmiere die Wagen damit.
Die mecklenburgischen Bauern essen sie roh und ungekocht, wie denn auch den Speck,
Schinken, Knackwürste, Lachs etc....
Man fängt sie aber sonsten mit haarnen [aus Roßhaar] Angeln und Regenwürmer wie
andere Fische am Tage, allein man muß sie tief senken, daß der Haken unten auf der Erde
hergeht.
Sie sind aber sehr übel vom Haken wieder abzulösen, denn sie krümmen und winden sich
sehr trefflich, daß man sie übel händeln kann. Die Fischer beißen ihm bei dem Kopfe das
Genicke mit dem Maul entzwei, so hält er Friede.
Wenn man ihnen die Angelrute in den Hals bis in den Bauch steckt, so kann man den Haken
fein wieder heraus ziehen. Man fängt sie auch so: man fährt mit einem Kahn dahin, wo sie zu
sein pflegen und macht einen Zwirnsfaden vierfach zusammen und reiht große
Regenwürmer daran. Danach bindet man den Zwirn zusammen gar keulig wie einen Zirkel
[Kreis] und hält sie so unter Wasser, schnellt ein wenig mit einem Finger aufs Wasser, so
kommt er bald und will sehen, was da ist. Wenn er die Würmer gewahr wird, so beißt er
darein, nicht einer allein, sondern etliche miteinander, so bekommt er den Zwirnsfaden um
die Kiemen. Wenn man nun fühlt, daß sie dran sind, so zieht man sie herauf und hält sie
über den Kahn, so fallen sie vom Zwirn ab und fallen in den Kahn, danach ist gut mit ihnen
zu handeln.
Karpfen: Wenn ein Karpfen fein hart und fein gelbe unter dem Bauch ist und hat ein kurzes
käuliges kleines Köpflein und fein schwärzlich über den Leib ist, so sind sie fett und gut.
Wenn sie aber große Bäuche haben und Gruben behalten, wenn man sie darauf drückt, so
sind sie nicht gut. Dieses dient für diejenigen, die da Karpfen auf dem Markt kaufen sollen
oder müssen.
Sonst aber kann man´s leicht an den Karpfen sehen, wenn sie gerissen [aufgeschnitten]
werden, ob sie fett oder nicht fett sind an den Därmen, Blut und Flossen. Ebenso an den
Wammen [Schmerbauch]. Die Karpfen, welche sehr bluten, sind nicht böse, die viel Fettes
an den Därmen und unter dem Rückgrad haben, die sind noch besser. Die aber auch noch
hübsche fette Wammen einen Finger breit noch dazu haben und beim Sieden nicht
übersieden wollen, das sind wohl die besten.
Wenn man Weid in Honig kocht und um sich ins Wasser streut, so fängt man danach viele
Karpfen mit der Angel allda. Man muß aber, wenn man angelt, Teig mit Honig vermischt und
eingemacht an den Haken stecken gar groß wie eine Nuß.
Sonst pflegt man ihnen Hundebrot [Hundekuchen], das von Kleie und Mehl gebacken wird,
klein gekrümelt ins Wasser einen oder vier Tage zuvor zu werfen und sie damit zu körnen
[ködern, anzulocken] an dem Ort, von dem man meint, daß sie dort seien, so gewöhnen sie
sich daran. Danach angelt man da und fängt sie heraus. Man muß aber tief senken, denn sie
gehen auf den Grund.
Nimm die Haut von Stockfisch, siede sie gar wohl, danach tu ein wenig Safran und mach es
an die Angel und laß ein wenig vergehen.
Man pflegt auch an den Haken dasselbige Brot zu machen, tut man Honig darunter, so ist es
um so besser, je mehr man davon nimmt. Vor dem Laichen beißen sie nicht gut an, aber
wenn sie gelaicht haben, so beißen sie besser an, denn dann sind sie hungrig.

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Über die Fischerei in der Zeit der Novemberrevolution 1918
Vor 80 Jahren mußte der deutsche Kaiser nach dem verlorenen Krieg abdanken und die
Republik wurde ausgerufen. Vielerorts übernahmen Soldaten das Kommando und es kam zu
bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Wie sich diese chaotischen Lage und der Drang nach
Veränderung in der Fischerei widerspiegelten, sollen uns Zitate aus der Fischerei-Zeitung
von November 1918 bis Januar 1919 zeigen.
Nr. 47, 24. November 1918
Wir gehen einer neuen Zeit entgegen! Wer sie nicht erkennen und nicht zu nützen versteht,
wird sich selbst am meisten schaden. Wie wir wissen, gibt es Arbeiter- und Soldatenräte,
ferner Räte der Intelektuellen oder Geistigarbeitenden, dann gibt es Bauernräte, und immer
noch ist es nicht zu Ende. Warum soll es nicht Fischerräte geben? Gerade die deutsche
Binnenfischerei ist es, welche man von seiten der Regierung seit Jahrzehnten schlecht
behandelt hat. Alles für die Hochsee-Fischerei, nichts für die Binnenfischerei! Das war vor
einigen Wochen noch Trumpf. Ja es gab Leute, die sich erkühnten, zu behaupten: wozu die
Binnenfischerei stützen? Sie fällt ja doch! Herr Professor Hirsch war der Ansicht, daß man
besser täte, die Teiche zuzuschütten und Korn darauf zu bauen. Auch wie wir unsern
Teichboden zu bewirtschaften hätten, wurde uns von gelehrter Seite dargelegt. Alle diese
Vorschläge waren zwar für die Praxis unbrauchbar, aber sie beeinflußten die maßgebenden
Organe.
Hätten wir einen Fischerrat gehabt, wäre sicher unsere Fischerei-Produktion nicht so
organisiert, wie sie es ist....
Ich möchte vorschlagen in jeder Provinz einen Fischerrat zu bilden. Hier kann der Fischer
alles das vorbringen, was er für die Allgemeinheit nützlich hält. Natürlich müssen
Sonderinteressen hierbei ausscheiden. Vielleicht ist zu erreichen, der Fischerei eine
praktisch und theoretisch durchgebildete Regierungsvertretung zu sichern, vielleicht ein
Fischereiministerium, im Verband mit der Hochseefischerei. Ich erinnere mich noch der Zeit,
als der Deutsche Fischereiverein nicht allein die Binnenfischerei, sondern auch die
Hochseefischerei vertrat. Den Streit, welcher die beiden Fischereien trennte, hier nochmals
aufzuwärmen, dazu fehlt es mir an Platz und auch an Lust. Die Interessengemeinschaft der
Hochseefischerei der Küsten- und Binnenfischerei basiert im Grunde genommen auf ein und
demselben.
Wir sind bisher mit unseren Ansprüchen immer zu spät gekommen. ich weiß nicht, woran es
liegt, ob es an den Leuten liegt, die wir mit unsrer Vertretung betraut hatten, oder an uns
selbst. Die Tatsache läßt sich nicht aus der Welt schaffen, daß wir immer hinterhergehinkt
sind.
Nr. 48, 1. Dezember 1918
Jetzt kommt bald der Tag, an welchem wir Abrechnung halten können mit all den giftigen
Parasiten, die uns in den Tagen unsäglichen Leidens bewuchert und bestohlen haben.
Solange es nur irgend möglich ist, sollen wir auch jetzt aushalten. Die Preisstürze setzen ein
und die Wucherer entledigen sich der zurückgehaltenen Ware. Fischer, bestellt jetzt nichts!
Nr. 1, 5. Januar 1919
Die Zeiten sind nicht vertrauenserweckend. Was man früher mit Wahnsinn bezeichnete,
heute wird es zur Tatsache. Der Arbeiter- und Soldatenrat mischt sich bedenklich in unseren
Kram. Sogar den Händlern hat er Fische konfisziert, ebenso den Fischern. Das ist
unzulässig; ich und mit mir auch andere haben dagegen Protest erhoben, sowohl beim
Reichskommissar für Fischversorgung als auch beim Vollzugsrat. Wozu haben wir denn
diese Behörde, wenn jeder Soldatenrat mir nichts, dir nichts selbständig über die
gewonnenen Lebensmittel unter Herabsetzuung der Preise verfügen will? Wo würde das
hinführen? Einzelne würden in Hülle und Fülle haben, die anderen gar nichts. Ohne die
Unkosten zu kennen, welche der Fischer in dieser Zeit hat, maßen sich einige Leute, die von
der Fischerei nichts verstehen an, uns die Preise vorzuschreiben. Freilich spielt bei diesen

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Herren das Geld keine Rolle, denn sie verdienen ja genug. Die Hauptsache bleibt bei Ihnen,
daß sie zum Vedienst auch noch billige Nahrungsmittel haben.
Was Berlin unter der Soldateska leidet, ist unbeschreiblich. Fast jeder Tag bringt uns ein
Kapitalverbrechen, und immer sind Soldaten daran beteiligt. Hilflos steht der Bürger vor
diesen Tatsachen.
Die Behörden wollen, daß jeder Stand organisiert sei. Wie sie alle wissen, ist kein Stand so
unorganisiert wie die Fischer. Ich habe den Kladderadatsch vorhergesehen und die Fischer
genug gewarnt, aber man predigte den Steinen. Nicht nur die Fischer, sondern auch
sämtliche Wasserbesitzer und sämtliche Teichwirte sollten sich zu einer großen Organisation
zusammenschließen. Es ist wirklich die höchste Zeit, will sich der Fischer nicht zum Arbeiter
herunterdrücken lassen. Besitz und Pachtverträge schützen nicht; sie werden einfach
konfisziert. Wenn wir geschlossen sind, kann die Masse dem unterdrückten Bruder hilfreich
beispringen. So bleibt er gleich dem einzelnen Rohrhalm, welchen der Nordwind zerzaust.
Auch uns kann nur die Einheit stark machen. Schließen wir uns alle, jeder Fischer, jeder
Wasserbesitzer, dem Verein deutscher Teichwirte an.
Nr. 2, 12. Januar 1919
In Wien herrscht eine größere Karpfennot als in Berlin. Die tschecho-slowakische Republik
hat ihre Grenzen gesperrt. das alte Wien nahm den Böhmen noch im letzten Friedensjahr
zirka 70 000 Zentner Karpfen zu Weihnachten ab; jetzt sitzen die Herren Tschecho-Slowaken
da und wissen nicht wohin damit. Die Preise gehen natürlich herunter; man zahlt in Böhmen
heute 3 Kr. für das Kilogramm Fischfleisch, und trotzdem wissen die Teichwirte nicht, wohin
mit ihren Fischen, die von Tag zu Tag mehr den Markt überfluten. Nun strecken die Herren
Tschecho-Slowaken ihre schmutzigen Finger auch nach der sächsischen und preußischen
Lausitz aus. Hätten wir eine stärkere Regierung, so würde es beim Ausstrecken verbleiben.
Wir pfeifen noch nicht auf dem letzten Loch, was sich die Herren Tschecho-Slowaken
einzubilden scheinen. Na, kommt Zeit, kommt Rat, früher oder später. Wir werden ihnen
zeigen, wo Bartel den Most holt. Leid tut uns nur das arme Wien. Mit der Grenzsperre für
Karpfen, die einer Kinderei gleicht, ist die Standhaftigkeit des deutschen Volkes noch nicht zu
erschüttern.
Historisches über den Lachs
Mit der Rückkehr der ersten Lachse ins Gewässersystem des Lachsbaches stellt sich die
Frage, wie es früher mit den Lachsbeständen ausgesehen haben mag. Darüber existieren
zuverlässige Quellen, da der Lachs als sogenannter Haupt- oder Herrenfisch immer unter
besonderer Obhut der sächsischen Herrscher stand. Er zählte unter die Regalien, d.h. es
gab ein fürstliches Vorrecht auf diese Fische. In den sächsischen Ämtern waren besondere
Amtsfischer angestellt, die den Fang durchführten und überwachten. Für die abgelieferten
Fische bekamen sie ein Fanggeld, der erste Sommerlachs wurde dem Fänger mit einem
Taler vergütet. Von den gefangenen Lachsen mußte ein Teil ins Amt abgeliefert werden, sie
dienten dem Gebrauch in der herrschaftlichen Küche und wurden teilweise per Kahn nach
Dresden gebracht. Die anderen wurden verkauft, die Erlöse flossen in die Kasse des Amtes.
Einige Fische mußten aber auch geistlichen oder weltlichen Grundherren überlassen
werden. Auch die Fischerinnungen an der Elbe mußten einen sogenannten Amtslachs
abliefern. Einzelfischer durften keine Lachse fangen. Auch über die Art des Verkaufes gab es
strenge Vorschriften. Der Lachs war der Fisch, der die höchsten Erlöse brachte. Es ist
deshalb nicht verwunderlich, wenn versucht wurde, gefangene Lachse an diesen
Vorschriften „vorbeizubiegen“.
Trotz des großen Lachsreichtums war es nie so gewesen, daß der Fisch als Gesindespeise
diente, wie immer wieder behauptet wird. So soll es angeblich Vorschriften gegeben haben,
die es verboten, dem Gesinde mehr als zweimal wöchentlich Lachs zu reichen. Oder es
wurde behauptet, das Gesinde weigerte sich einen Dienst anzunehmen, wenn mehr als
zweimal die Woche Lachs serviert wurde. Das alles muß ins Reich der Fabel verwiesen

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werden! Selbst wenn zu wenigen Zeiten im Jahr es örtlich zu größeren Lachsfängen kam, so
diente dieser nie als Gesindespeise. Das Gesinde bekam nur an den hohen Feiertagen im
Jahr etwas Fleisch, geschweige denn einen wertmäßig weit über den Fleischpreisen
liegenden Lachs. Außerdem waren die Lachsmengen nicht so, daß sie nicht auf dem Markt
absetzbar waren. Mit der Weigerung des Gesindes ist es ebenfalls so eine Sache. Diese
Behauptungen, von denen nicht ganz klar ist, wann sie in Umlauf gesetzt wurden, sollten
vielleicht den großen Lachsreichtum früherer Zeiten wiederspiegeln, mit der Wahrheit haben
sie jedenfalls nichts zu tun.
Über die Fangmengen existieren hinreichend genaue Zahlen, da zumindest in den
Amtsfischereien genau Buch geführt wurde. So wurden 1642 an der Mulde, oberhalb der
Einmündung in die Elbe (Lachsfang bei Dessau) insgesamt 4904 Lachse gefangen.
Darüberhinaus gab es oberhalb von Dessau noch weitere 8 Lachsfänge. Auch im Lachsbach
gab es einen derartigen Lachsfang. Laut Aufzeichnungen wurden 1552 dort 109 Lachse
gefangen. Das Amt Hohnstein in der Sächsischen Schweiz war für den Lachsbach mit der
Polenz und der Sebnitz zuständig. Dort beliefen sich die Fänge im Zeitraum 1671-1679 auf
921 Lachse mit einer Gesamtfangmasse von 3790 kg. Der Fang war schon immer
jahresbedingten Schwankungen ausgesetzt. Im oben genannten Zeitraum schwankte er in
den letzten beiden Flüssen zwischen 31 und 202 Stück gefischten Lachsen pro Jahr. Die
durchschnittliche Stückmasse betrug über 8,8 Pfund (4,1 kg).
Lachswehre waren relativ aufwendige Bauwerke und konnten nur in Flüssen mit nicht allzu
großen Wassertiefen und –breiten gebaut werden. Oft wurden sie bei Eisfahrt zerstört und
mußten wieder repariert bzw. erneuert werden. In diesen Lachsfängen wurden die Lachse
beim Überspringen mit Netzen gefangen. Eine anschauliche Schilderung über diese
Fangmethode im Lachsbach liefert uns GÖTZINGER (1804):
Den Namen der Lachsbach hat er von dem Lachsfange erhalten, welcher nicht weit unter
dieser Vereinigung angelegt ist. In diesem Fange werden die Lachse, welche in großer
Anzahl aus der Elbe in diese Bäche herauf treten und oft die höchsten Wehre überspringen,
auf folgende Art gefangen. Das hier angelegte hohe Wehr ist oben, wo sich das Wa[er
herabstürzt, mit sehr vielen schief herabstehenden sehr spitzigen und langen Hölzern
besetzt, damit die Lachse, wenn sie hier überspringen wollen, an diese Hölzer an- und
wieder ins Wa[er zurückprallen. Am Wehre steht ein Häuschen, durch welches ein Theil des
Baches läuft, und an dem das Wehr unbewaffnet ist. Sieht nun der Lachs, daß er nicht über
das Wehr springen kann, so versucht er den Sprung hier, wo keine spitzigen Hölzer ihn
hindern. Hier gelingt es ihm freilich, aber er ist auch sogleich gefangen. Ein Fischer, der wie
der Vogelsteller auf dem Vogelheerde hier beständig auf der Lauer steht, hört kaum den
Lachs hereinspringen, der hier nun nicht weiter fort kann, so fängt er ihn sogleich und bringt
ihn in die Hälter. Jedoch gelingt es doch zuweilen einem starken Lachse, das Wehr samt den
Hölzern zu überspringen. Aber ein solcher Ausrei[er entgeht der Aufmerksamkeit der Fischer
selten. Er wird mit Netzen gefangen, oder mit großen Gabeln ausgestochen. Diejenigen
aber, welche schneller sind, als die Fischer, gehen zuweilen bis Hohnstein und gegen
Sebnitz hinauf, wo sie abstreichen und den Saamen zu Lachskunzen in großer Menge
absetzen. Die Fischerei ist, so weit sie königlich ist, einem besondern Amtsfischer
verpachtet.
Ein großer Teil der in Sachsen gefangenen Lachse stammt auch aus dem Elbestrom und
wurde seit ältester Zeit von den Fischerinnungen an geeigneten Uferstellen, auf den so
genannten Lachszügen gefischt. Derartige Fangplätze befanden sich fast ausschließlich am
rechten Elbufer zwischen Strehla und Dresden. Anthropogene Einflüsse, insbesondere die
Errichtung von Querbauwerken in den Elbzuflüssen und die zunehmende
Gewässerverschmutzung verursachten ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch den
Niedergang der Elblachsbestände. Fischereiwissenschaftler bezifferten die sächsischen
Lachsfänge in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nur noch auf ca. 150
Stück/Jahr.
Aufgrund der zurückgegangenen Zahl der Elblachse initierte der Sächsische Fischereiverein
um 1885 Maßnahmen zur Förderung der Lachsbestände. Zusammen mit den
Fischerinnungen wurden Lachsbeobachtungsstationen eingerichtet und fischereibiologische
Untersuchungen durchgeführt. Untersuchungsgegenstand waren beispielsweise das

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Aufstiegs- und Laichverhalten. Eine Vielzahl biologischer Daten wurde erstmals in
einheitlichen Fragebögen erfaßt und gesammelt.
Durch den Papierfabrikanten Rössler wurde 1885 bei Prossen eine Lachsbrutanstalt
angelegt, die jedoch bald aus Mangel an Laichfischen aufgegeben werden mußte. Man fing
um diese Zeit ca. 30-60 aufsteigende Lachse im Lachsbach. 1930 wurde am Porschendorfer
Wehr des Lachsbaches der letzte Lachs in diesem Fluss, ein 1,20 m langer Kupferlachs
gefischt.
1933 wurde der letzte Lachszug in der Elbe beobachtet. Der bislang letzte Elblachs wurde
1947 bei Pirna gefangen. Damit war der ursprüngliche echte Elbstamm ausgestorben.
50 Jahre Fischereischule Königswartha
1999 begeht die Fischereischule ebenso wie die fischereiliche Forschungseinrichtung in
Königswartha ihr 50jähriges Jubiläum ihres Bestehens. Obwohl fünfzig Jahre keine allzu
lange Zeit darstellen, wird doch schnell ersichtlich, dass es nur noch wenige Zeitzeugen von
damals geben kann. Nach 50 Jahren Arbeit geht man spätestens in Rente, nicht jedoch die
Fischereischule sowie die Forschungseinrichtung. Da beide Einrichtungen nicht nur für die
Fischerei Sachsens, sondern auch für die des östlichen Deutschland überaus hohe
Bedeutung haben, erscheint es legitim, aus diesem Anlass einen Abriss der historischen
Entwicklung an dieser Stelle geben zu dürfen.
Nach dem II. Weltkrieg fehlte in Sachsen eine fischereiliche Ausbildungsstätte, obwohl das
Land mit etwa 10.000 ha Teichfläche ein Zentrum der Karpfenteichwirtschaft war. Aufgrund
des Antrages der Abgeordneten Koenen und Kaden fasste das Plenum des Sächsischen
Landtages am 20. März 1947 einstimmig den Beschluß, die Landesregierung zu
beauftragen, die Möglichkeiten zu prüfen, für das Land Sachsen und die anliegenden
Provinzen zur Förderung der Fischzucht und Fischereiwirtschaft und zur Heranbildung eines
geeigneten Nachwuchses eine Fischerei-Fachschule zu errichten. Daraufhin wurden durch
die Regierung die notwendigen Mittel bereitgestellt, das ehemalige Schloß Königswartha zu
einer Fischereischule umzubauen und eine teichwirtschaftliche Versuchsstation am Standort
Königswartha einzurichten. 1948 wurde mit den Baumaßnahmen begonnen.
Im April 1949 wurde unter Leitung von Baurat Lehmann der Umbau des Schlosses
fertiggestellt, so daß schon am 19. des selben Monats durch den Regierungsvertreter Herrn
Oberregierungsrat Brandis die Fischereischule für Teichwirtschaft und Fischzucht
Königswartha der Direktion der Staatlichen Teichwirtschaften des Landes Sachsen zur
Nutzung übergeben werden konnte. Die offizielle Eröffnung der Fischereischule erfolgte am
21. April 1949 durch den Minister für Handel und Versorgung des Landes Sachsen, Herrn Dr.
Knabe und den Landrat des Kreises Bautzen, Herrn Dr. Ziesche.
Es wurde sofort mit dem Unterricht begonnen, vorerst mit einer Kurzausbildung für staatliche
Fischereiangestellte, Arbeiter die keinen fachlichen Abschluß hatten, und für Gewässerwarte
des Anglerverbandes. 1949 nahmen an den 26 durchgeführten Kurzlehrgänge insgesamt
650 Teilnehmer teil.
Die Lehrausbildung in Theorie und Praxis für Mitarbeiter der Teichwirtschaften des Landes
Sachsen begann am 01.09.1949 und führte zum Berufsabschluß. Unterstellt war die
Fischereischule der Landesregierung. Die praktische Ausbildung erfolgte am Anfang in den
Staatlichen Teichwirtschaften des Landes Sachsen, später im VEB Binnenfischerei
Königswartha. Mit der Bildung von Ausbildungsstätten wurde die praktische Ausbildung in
den Binnenfischereibetrieben Peitz, Neubrandenburg, Potsdam und Wermsdorf
durchgeführt. Die Lehre war die ersten Jahre nur auf die Teichwirtschaft ausgerichtet, da
Fluß- und Seenfischer seit 1949 in Storkow/Mark ausgebildet wurden. Mit dem Jahre 1971
wurde auch dieses Profil in Königswartha unterrichtet. Damit war Königswartha für die
theoretische Berufsausbildung aller Zweige der Binnenfischer verantwortlich. Von 1977 bis
1990 erfolgte die theoretische Ausbildung der Küstenfischer ebenfalls in Königswartha.
Ab 1. Januar 1993 wurde die Fischereischule von der Sächsischen Landesanstalt für
Landwirtschaft übernommen und in das dem Fachbereich Tierzucht, Fischerei und Grünland

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unterstellte Referat Fischerei eingegliedert. An dieser Schule wurden von 1949 bis 1997
inzwischen insgesamt 3.310 berufliche Abschlüsse erworben.
Die Entwicklung der Forschungseinrichtung am Standort Königswartha begann gemeinsam
mit der Fischereischule. Im Frühjahr des Jahres 1950 war der Umbau der Orangerie des
Schlosses Königswartha im wesentlichen beendet und im Sommer des selben Jahres nahm
die Biologische Forschungsstation, zunächst in kleinem Rahmen, ihre Arbeit in Königswartha
auf. Die seit Jahrzehnten von der Praxis ersehnte Versuchsteichanlage war im Ortsteil
Entenschenke fertiggestellt, nur die hölzernen Ablaßvorrichtungen fehlten noch. Anfangs
wurde die Forschungseinrichtung von der Fischereischule mitverwaltet.
Ab 1. Januar 1951 wurde die Königswarthaer Forschungseinrichtung Zweigstelle der
„Deutschen Forschungsanstalt für Fischerei Berlin-Friedrichshagen. Nach der erfolgten
Angliederung an die „Deutschen Forschungsanstalt für Fischerei“ wurde die
Versuchsteichanlage schnell betriebsfertig und die Laboratorien konnten nach dem
damaligen Stand der Technik modern ausgerüstet werden.
Ab 1. Januar 1952 wurde das Friedrichshagener Institut, und damit auch ihre Zweigstelle in
Königswartha, Mitglied der „Akademie der Landwirtschaftswissenschaften zu Berlin“. Die
Unterstellung zum später umgenannten und dann auch aus dem Verbund der Akademie
herausgelösten „Institut für Binnenfischerei“ blieb bis zur Übernahme durch den Freistaat
Sachsen am 1. Juli 1991 bestehen. Schwerpunkte in der langjährigen Arbeit dieser
renomierten Forschungseinrichtung für die deutsche Teichwirtschaft waren Untersuchungen:
zur Steigerung der Karpfenproduktion mittels Getreidezufütterung, zum Einfluss von Kalk auf
das Teichmilieu, über die Ursachen der Satzkarpfenverluste in Teichen, über das Wachstum
und die Ernährung des Karpfens, über Nährtierentwicklung und Besatzdichten,
Düngungsversuche mit mineralischen N/P-Dünger, Züchtungsuntersuchungen,
Leistungsprüfungen zwischen verschiedenen Karpfenstämmen, Einsatz von hochwertigen
Mischfuttermitteln, Höchstertragsvarianten mit technischer Belüftung und die Steigerung der
Satzkarpfenproduktion.
Am 31. Dezember 1991 wurde die Zweigstelle für Karpfenteichwirtschaft Königswartha des
Instituts für Binnenfischerei aufgelöst. Inventar, Versuchsteichanlage und ein Teil der
bisherigen Mitarbeiter wurden ab 1. Januar 1992 von der Sächsischen Landesanstalt für
Landwirtschaft übernommen.
Mit der Übernahme und Eingliederung der Fischereischule in die Sächsischen Landesanstalt
für Landwirtschaft wurde nach mehr als 40 Jahren die Gründungsidee der Einrichtung, ein
Zentrum fischereilicher Lehre, Forschung und Fachberatung für die sächsische Fischerei zu
schaffen, endlich realisiert.
Über den Einzug der Bisamratte in Sachsen
Die meisten Angler kennen sie, Fischer sowieso, die Bisamratte. In der heutigen Ausgabe
sollen aus fischereilichen Quellen Nachrichten zum Auftreten dieses schädlichen Nagers
gegeben werden, dessen Einbürgerung in Europa vor nahezu einhundert Jahren erfolgte.
Schon 1913 wurde in der Fischerei-Zeitung eine Mitteilung der Königlichen
Landwirtschaftlichen Versuchsstation zu Dresden veröffentlicht, in der neben einer
Beschreibung auch eine Schilderung ihrer Schadwirkung gegeben wurde. Gleichzeitig rat
man dringend, ihr Auftreten zu beobachten und die Bekämpfung aufzunehmen. Ab etwa
1914 mehrten sich die Nachrichten über diesen fischereilich ernst zu nehmenden Schädling.
In der Fischerei-Zeitung folgte 1914 ein größerer Aufsatz.
„Eigentümlich ist, wie wenig doch die meisten Menschen aus dem gemachten Erfahrungen
lernen! Vor etwa 30 Jahren konnte man sich nicht genug tun, fremde Fische in unsere
Gewässer überzuführen, man versprach sich und anderen Berge Goldes von solchen
Einführungen. Und der Erfolg? Mit einer einzigen Ausnahme vielleicht der Regenbogenforelle
waren, kann man wohl behaupten, Zeit, Mühe und Kosten zum Fenster hinausgeworfen.
Mehr und mehr wurden Stimmen laut, die mit vollem Rechte darauf hinwiesen, welche

erstellt von Matthias Pfeifer
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Gefahren solche Neueinführungen in sich bergen; nicht nur wisse man nicht, ob der Fisch
die ihm zugeschriebenen Eigenschaften in der neuen Heimat auch bewahre, man tappe
mangels einer genauen Einsicht in die biologischen Verhältnisse auch hinsichtlich des
Umstandes im Dunkeln, welche neuen schädlichen Eigenschaften das Tier in der Fremde
entwickeln könne. Das alles ist nur zu wahr, und die Erfahrung bewahrheitet die Befürchtung
mehr, als die meisten Laien, ja Fachleute, auch nur ahnen. Das stärkste Stückchen dieser Art
aber leistete sich ein böhmischer Großgrundbesitzer, der 1905 die Nordamerikanische
Bisamratte in seiner Heimat aussetzte. Ausgerechnet ein Nagetier mußte es sein, mit dem
Böhmen beglückt wurde, ein Nagetier, dessen Verwandte die schädlichsten, weil sich
furchtbar vermehrenden, Feinde der Landwirtschaft bilden....Nun soll die Wissenschaft Mittel
und Wege ausfindig machen, das was Unüberlegtheit, Gewinn- und Vergnügungssucht
verbrachen, wieder gut zu machen. Und es scheint tatsächlich die höchste Zeit dazu zu sein,
denn schon überschreitet die Ratte des Deutschen Reiches Grenzen,...“
Noch im selben Jahr (1914) wurden die ersten Sichtnachweiße in Deutschland gemeldet. Die
frühesten Belege stammen folgerichtig aus den Grenzgebieten wie z.B. dem Bayerischen
Wald, da durch den Grafen Colloredo-Mansfeld das Aussetzen in der Domäne Dobrisch
südwestlich von Prag erfolgte. Laut Angaben soll es sich um drei bis zehn Paare gehandelt
haben. Der Deutsche Fischereiverein forderte auf seiner Tagung in Breslau vom 24. bis 27.
Juni 1914 „energische Gegenmaßregeln zur Bekämpfung des Schädlings“.
1915 wurde in der Fischereizeitung folgendes dem geneigten Leser mitgeteilt: „Die
Bisamratte an der sächsischen Grenze. Nach einer Nachricht der Zittauer Morgenzeitung tritt
die Bisamratte seit einiger Zeit in sehr großer Zahl in der Gemeinde Niedergrund auf. An
Feld- und Gartenfrüchten wurde bereits erheblicher Schaden angerichtet. Bisher war diese
Gegend noch von den schädlichen Nagern ziemlich verschont geblieben.“ Niedergrund liegt
in Böhmen nahe Warnsdorf direkt an der Grenze zu Sachsen.
1918 meldete die Fischerei-Zeitung, dass „im April 1917 eine Bisamratte beim Einwechseln
in das Dorf Grumbach im Erzgebirge von Waldarbeitern erschlagen worden“ ist. „Auch in der
Nähe des Reitzenhainer Reviers, allerdings noch auf böhmischer Seite, hat sich die Ratte
gezeigt.“ Und weiter. „“...ist es im März des Jahres einem Beamten des Rautenkranzer
Staatsforstreviers gelungen, binnen zwei Tagen...dreiBisamratten...zu erlegen.“
1918 erließ das Sächsische Ministerium des Innern eine Verordnung über die Bekämpfung
der Bisamratte. Zur Durchsetzung wurden in Tharandt speziell geschulte Sachverständige
ausgebildet, welche die Bekämpfung und Abwehrmaßnahmen in eigens dafür gebildeten
Bezirken zu organisieren hatten.
Man prophezeite, dass es noch etwa zehn Jahre bis zur Eroberung des Oberlausitzer
Teichgebietes dauern würde. Und tatsächlich berichtete 1929 die Allgemeine Fischerei-
Zeitung: „Die Bisamratte im Teichgebiet der Lausitz. Von Herrn Teichpächter Mitschke in
Guttau wurde Mitte Juni eine starke Bisamratte auf seinen Teichen beobachtet und erlegt.
Die Staatliche Landwirtschaftliche Versuchsanstalt Dresden wurde hierüber in Kenntnis
gesetzt. Alle Fälle, wo Bisamratten neuerdings in der sächsischen Lausitz beobachtet
werden, sind sofort zur Einleitung von Bekämpfungsmaßnahmen zu melden an die oben
bezeichnete Stelle oder an den Sächsischen Fischereiverein.“
Natürlich sann man seinerzeit außer der Balgnutzung noch nach anderen
Nutzungsmöglichkeiten. So berichtete 1915 die Allgemeine Fischerei-Zeitung u.a. folgendes:
„Bisamratten als Nahrung. In der Oesterr. Fischerei-Zeitung macht Dr. E. Neresheimer in
Wien, entgegen der Mitteilung in Brehms Tierleben, daß das Fleisch der Bisamratte wegen
des ihm anhaftenden Zibetgeruches nur von Indianern gegessen werde, darauf aufmerksam,
daß bei richtiger Zubereitung die Bisamratte eine sehr wohlschmeckende Speise liefern
könne.
Nach der Mitteilung des amerikanischen Forscher David E. Lantz scheint doch das Fleisch
des Tieres durchaus keine unwesentliche Rolle bei der Verwertung der Jagdbeute der
Trapper zu bilden. Die Besitzer von mit Bisamratten besiedelten Grundstücken pflegen die
Jagdausübung an Trapper gegen Ablieferung des halben Ertrages an Fellen zu verpachten;
dem Trapper gehört die andere Hälfte der Fälle und der Gewinn aus dem Fleische. Das
enthäutete Stück wird mit ca. 5-20 Cents bezahlt, der Markt von Baltimore nimmt in jeder
Saison ca. 30 000 Stück auf. Lantz betont ausdrücklich, daß das Fleisch unseres Nagers

erstellt von Matthias Pfeifer
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sowohl von wohlhabenden Bürgern, wie von der ärmeren Bevölkerung genossen werde. Die
Nachfrage übersteigt gewöhnlich das Angebot. Selbst bei offiziellen Diners wird vielfach die
Bisamratte als Hauptgericht geschätzt. Lantz selbst lobt gleichfalls den Geschmack des
Fleisches; er meint, ungünstige Urteile darüber seien meist zurückzuführen auf geringe
Sorgfalt bei der Zubereitung oder auf Nachlässigkeiten beim Abbalgen des Tieres. Bei
richtigem Verfahren darf die Haarseite des Pelzes nicht mit dem Fleisch in Berührung
kommen und müssen die Zibetdrüsen mit dem Fell zusammen entfernt werden. Im Winter –
der eigentlichen Bisamrattensaison in Amerika, da im Sommer Schonzeit herrscht – ist der
Geruch wenig aufdringlich und kann leicht mit Waschen des Fleisches entfernt werden.“
Der Beitrag schließt mit: „Diejenigen Leser, welche Gelegenheit dazu haben, würden sich im
allgemeinen Interesse verdient machen, wenn sie selbst Versuche mit der Zubereitung von
Bisamrattenspeisen anstellen und eventuell über ihre Erfahrungen in der Zeitung berichten
wollten.“
Über den Lachs in Böhmen und Meißen im 16. Jahrhundert
Bereits zum zweiten mal nach sehr vielen Jahren kommen in Sachsen wieder Lachse zum
Laichen in den Lachsbach. Aus Zeiten in denen der Lachs ein regelmäßiger Bewohner der
Flüsse war, stammt die heutige Beschreibung dieses Fisches. Verfasst hat sie der
böhmische Gelehrte Dr. Georg Handsch von Limus (1529–1578). In seiner Abhandlung „Die
Elbefischerei in Böhmen und Meißen“ lesen wir zum Lachs folgendes:
Er ist der feinste, edelste und angenehmste unter allen Fischen, die in Flüssen oder in
Meeren leben. Denn während alle größeren Fische zähes und fettes Fleisch haben, ist der
Lachs der einzige der großen Fische, der ein weiches und zartes Fleisch von
ausgezeichnetem Geschmacke besitzt.
Er lebt sowohl im Meere, als auch in den Flüssen. Doch schlüpft er nur im Meere aus und in
die Flüsse kommen nur diejenigen Exemplare herein, die im Meere bereits abgelaicht haben.
Daher ist es kein Wunder, daß die Griechen diesen Fisch nicht kannten und daß es keinen
griechischen Ausdruck für ihn gibt, da ja die alten Griechen niemals in den Ozean
vorgedrungen sind.
Im Frühlinge zieht er sich aus dem Meere zurück, in Deutschland in den Rhein, in Frankreich
in die Loire und in die Seine, in England in die Themse, in Sachsen und Böhmen in die Elbe.
Es liegt in seiner Natur, daß er immer gegen den Strom schwimmt, beim Schwimmen große
Wellen erzeugt und dabei oft fußhoch über das Wasser emporspringt. Deshalb scheint er
auch im Lateinischen „salmo“ (Salm) von saltare (springen) genannt zu werden. Im
süßwasser wird er fett und sein Geschmack wird, wenn alle salzigen säfte entfernt worden
sind, süß und angenehm. Das ist um so mehr der Fall, je weiter er vom Meere entfernt ist.
Denn Bewegung macht das Fleisch aller Tiere wohlschmeckender und gesünder.
Er kehrt nie wieder ins Meer zurück, wie die böhmischen Fischer meinen. Sie glauben auch,
daß der Lachs in den Flüssen niemals laicht, sondern nur im Meere – man nennt das
„Streicheln“ – und daß er sich erst dann in die Flüsse zurückziehe, denn es sei nicht möglich,
daß er mit geschwollenem und schwangerem Leibe solange gegen den Strom ankämpfen
und so hoch über das Wasser emporspringen könne, dann aber auch deshalb, weil man
niemals im Flusse einen jungen Lachs gesehen habe. Man findet zwar eine Gattung von
Fischen, die nicht größer sind als ein Zoll, die wegen einer gewissen Ähnlichkeit mit den
Lachsen „Lachskünczle“ genannt werden. Doch ist das eine ganz eigenen Art von Fischen,
wie die kleinen Fischchen, die sie „Lachsforen“ nennen.
Dagegen behaupten andere Fischer am Rhein in Deutschland und ebenso in England und
Frankreich, die, wie ihre Schriften gelehrt haben, mit aller Erfahrung ausgerüstet sind, der
Lachs laiche auch in den Flüssen, nur daß die kleinen Lachse in den Flüssen nicht die
richtige Größe erreichten, weil sie sich nicht in dem ihnen angemessenen und natürlichen
Wasser befänden, weshalb sie von der natur geführt ins Meer hinunterschwämmen und dort
bald zu richtigen Lachsen heranwüchsen. Diejenigen aber, die sich verirrten und in andere
Gewässer gelangten, diese würden eben nicht größer und aus ihnen würden niemals

erstellt von Matthias Pfeifer
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ordentliche Lachse. Deshalb glaube auch ich, daß jene Fischchen, die man Lachskünczle
nennt, den Nachwuchs der Lachse darsteelle, denn wenn sie verschiedener Natur wären, so
müßte man ja auch in ihnen manchmal so etwas wie Rogen und einen Befruchtungsakt
sehen, was aber bisher noch niemand geglückt ist. Dazu kommt, daß man diese Fischchen
immer in den Flüssen findet, in welchen auch Lachse leben.
Der erwachsene Lachs hat 7 Fuß in der Länge, einen in der Breite und wird bisweilen 36
Pfund schwer. Er ist mit kleinen Schuppen bedeckt, die je einen runden Fleck haben. Auch
am Kopfe hat er solche, hier aber haben die Weibchen mehr und größere, als die Männchen.
Der Bauch ist silberweiß. Der Unterkiefer ist nach einwärts gekrümmt, beim Männcheen in
höherem Maße. Er hat in beiden Kiefern lange und scharfe Zähne, eine Zunge, die mit
Widerhaken versehen ist, große Augen, vierfache Kiemen und sieben Flossen: 2
Kiemenflossen und ebensoviele Bauchflossen, eine große Rückenflosse in der Mitte des
Rückens und gleich dahinter eine kleinere fleischige, schließlich noch eine Afterflosse, die
dick und fleischig ist, sein Schwanz ist in zweigeteilte Flossen gespalten.
Obwohl dieser Fisch außerhalb des Wassers nicht leben kann, sondern sofort stirbt, so
schlägt doch sein Herz noch sehr lange, selbst dann noch, wenn er schon in Stücke
geschnitten ist. Deshalb verkaufen sie die Fischer alle noch mit klopfenden Herzen, so als ob
es lauter frische Exemplare wären.
In Böhmen wird er meistens in der Elbe bei Leitmeritz gefangen, am meisten im März, April
und Mai, in welcher Zeit er auch den besten Geschmack hat. Die Fischer errichten im Flusse
ein Wehr, indem sie Pfähle einschlagen und dazwischen Weiden flechten und das Ganze
bekommt die Form eines großen V, so zwar, das dessen Schenkel in der Richtung des
Flußlaufes zu liegen kommen. So haben die Fische einen ganz breiten Raum zum
hineinschwimmen, der sich allmählich immer mehr und mehr verengt, bis sie endlich keinen
Ausgang mehr finden. Um diese engste Stelle herum errichtet man einige Reusen. Wenn
also der Lachs in dieses Wehr hineingeschwommen ist, gerät er, da er immer weniger und
weniger Platz hat, mit Notwendigkeit in eine dieser Reusen. Von dort nimmt ihn nun der
Fischer heraus, steckt ihm einen eisernen Haken ins Maul und bindet ihn vermittelst eines
langen Strickes am Ufer fest. So kann man ihn am bequemsten im Flusse erhalten, bis sich
ein Käufer findet.
Mit einem solcherart gefangenen Lachse kann man oft noch andere fangen. Man befestigt
ein langes Brett im Flusse und zwar so, daß das eine Ende dieses Brettes am Ufer
festgemacht ist, das andere etwas tiefer liegt und in den Fluß hineinragt. Darauf setzt sich
der Fischer und bindet einen Lachs daran fest, bis ein anderer kommt und diesen durch
Beißen zu vertreiben sucht. Wenn das der Fischer sieht, so zieht er den Angebundenen ans
Ufer zurück und fängt den anderen, wenn er die beste Gelegenheit dazu hat, indem er ihn
mit einer Gabel aufspießt.
Auf diese Weise verfahren die Fischer oft, wenn sie nicht genügend hölzerne Wehre haben.
Denn diese bersten gar oft bei Eisgang. Daher kommt es, daß in Jahren mit großem Eisgang
der Ertrag an Lachsen gering ist.
Nicht nur bei Leitmeritz wird er gefangen, sondern auch anderswo in Böhmen, so bei Melnik
und in Czalositz. Ebenso unweit von Prag bei Liben. Doch sind die Flüsse gewöhnlich um so
reicher an Lachsen, je näher sie dem Meere sind, wie man es in Hamburg, einer Stadt
(Nieder-) Sachsens sehen kann, wo sie in ungeheuer großer Zahl gefangen werden.
Sein Fleisch wird frisch oder eingesalzen verkauft. Auch geräuchert kommt es in den Handel.
Wenn er frisch ist, wird er beim Kochen ganz weiß, eingesalzen oder geräuchert rot. Er wird
in Salzwasser gekocht, dann mit heißem Wein übergossen und in derselben Brühe, in der er
gebeizt wurde, acht bis zwölf Tage liegen gelassen, dann nimmt man je nach Bedarf,
einzelne Stücke heraus, übergießt sie mit Weinessig, besonders dann, wenn er fett ist.
Der eingesalzenen Lachs, der in Fässern das ganze Jahr über im Keller aufbewahrt werden
kann, wird kaum anders zubereitet, als der frische. Doch wird er vorher gewässert, denn er
ist trockener und zäher. Deshalb pflegt man ihn auch mit einer Gewürzbrühe anzumachen.
Ebenso verfährt man mit dem geräucherten Lachs. Obwohl sein Fleisch, besonders in
frischem Zustande sehr zart und wohlschmeckend ist, bekommt man es doch rasch satt, wie
alles Fette.

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Beschreibung über das Angeln aus der GEORGICA CURIOSA
Mit den steigenden Temperaturen im Frühjahr steigt die Zahl der Angler an den Gewässern
wieder an. Das ist seit vielen hundert Jahren so. Eine dreihundert Jahre alte Beschreibung
über das Angeln findet sich in der sogenannten GEORGICA CURIOSA oder Adeliches
Landleben, welche 1695 in Nürnberg verlegt wurde. Innerhalb einer längeren ausführlichen
Darstellung über die Fischerei, behandelt der Autor auf den Seiten 576 bis 578 das Fischen
mit der Angel. Beim Lesen wird man feststellen müssen, dass sich unsere Vorgänger ganz
und gar nicht primitiv verhalten haben, wenn auch die Suche nach dem richtigen Köder
schon damals geheimnisumwittert war.
Die Schreibweise wurde der heutigen angepasst und notwendige Erklärungen in eckige
Klammern gesetzt.
Ein Fischer, der mit dem Angel Nutzen schaffen will, muss vorher die Weise und
Abwechslung der Querder [Köder], als auch den Stand und Gang der Fische, ob er tief oder
hoch sei, wissen. Im April und Mai sind die Feldgrillen und Heuschrecken zu brauchen; im
Juni die kleinen braunen Käferlein mit schwarzen Köpfen, die man dazumal überall in den
Gesträuchen, sonderlich in den Rosenstauden findet; im Heumonat [Juni] sind gut die
gesottenen Krebse, was in den Scheren und Schweif ist, die Fische beißen gerne an; item
[ebenso] die Regenwürmer. Item tu Egel in einen Hafen [offenes Gefäß] und zerlasse Honig
dazu, so schlucken sie den Honig in sich und sterben davon: Danach dörre die toten Egel
und hebe sie auf. Willst Du sie gebrauchen, so schneide sie mitten voneinander und lege sie
über Nacht in laues Wasser, so werden sie wieder weich. Damit kann man Sommer und
Winter angeln. Die Fischer müssen wissen, dass der Fisch im August am allerhöchsten geht,
im September geht er eine Elle tiefer. Die übrige Zeit bleibt er auf dem Grund und danach
muss er auch den Angel [Haken] hoch oder niedrig richten.
In der Fastenzeit, wenn noch das Wasser trüb ist, angelt man mit dem Regenwurm und soll
das Gefieder desto leichter und der Haken mit lichter [heller] Seide, als gelb oder lichtfarben
gebunden sein, ist aber das Wasser hell, so muss das Gefieder desto dunkler sein. Die
Angelschnur muss aus fünf oder sechs mehr oder weniger weißen Rosshaaren geflochten
werden. Je nachdem ob die Fische klein oder groß sind, danach muss die Angel gestaltet
sein; für die Hechte werden wohl doppelte Angeln mit zwei Haken gebraucht. Er wird mit
Zwirn oder Seide fest an die Schnur angebunden, damit ihn die anbeissenden Fische,
welche oft in großer furia [Wildheit] davon schnellen, nicht so leicht abreißen mögen. Wenn
man die Regenwürmer, die man zum Angeln braucht, in Honig legt, so beißen die Fische
desto lieber an. Oberhalb des Haken, etwa eine halbe Elle, wird an die Angelschnur ein
Stücklein Blei gemacht, damit der Haken desto tiefer an den Grund reiche, doch muss er
nicht den Boden berühren und nach diesem, wenn das Wasser tief oder seicht ist, muss
auch das Blei und die Feder, die oberhalb an der Schnur ist, gerichtet sein. Die ist
deswegen, weil sie stets über dem Wasser schwebt, dass man wissen kann, ob ein Fisch
anbeißt oder nicht. Denn wenn sie sich senkt und gar unter das Wasser gezuckt wird, so ist
unfehlbar ein Fisch an der Angel. Und muss man einen Zuck tun, dass ihm der Haken desto
tiefer eingreift. Merkt man aber, dass es ein großer Fisch ist, an der Schwere, muss man die
Angel nicht schnell heraus rucken, denn es dürfte die Angelrute brechen oder die Schnur
abreißen, sondern man muss ihn fein gemach im Wasser niedrig an das Land ziehen und
erst heraus zucken, wen er nahe am Gestade ist.
Bellonius [Pariser Gelehrter im 16. Jh.] in seinen Reise-Observationen [Beobachtungen]
erzählt, dass in etlichen Städten Italiens ein Fischer mit fünf oder sechs Angelschnüren
Fische fange. Die Schnüre werden an die hölzernen Brücken hin und her angebunden und
weil er an einer Schnur den Fisch heraus nimmt und die Angel wieder mit Querdern [Ködern]
versieht, beißt unterdessen der zweite und dritte an.
Herr Colerus gibt keinen bösen Rat und sagt, wenn es große Fische in einem Wasser hat,
mag man einen Tag vorher oder zwei zuvor hingehen und vom Kleiebrot kleine Bröcklein
hineinwerfen und solche hernach an den Haken stecken. So lernen sie solche desto besser
kennen und beißen hernach desto williger an. Das ist gewiss, je besser ein Fisch den Köder
kennt, je lieber nimmt er ihn an. Zwischen Pfingsten und St. Margaretha [20. Juli] ist die

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beste Angelzeit, im neuen Monde und letzten Viertel beißen sie (sonderlich die Hechte) am
meisten an, zumal wenn dunkles Wetter ist. Bei hellen Wetter aber nicht, denn sie sehen die
Leute und die Schnur zu klar und scheuen sich davor. Herr Colerus sagt ferner: Nimm
Sonnenblumen, steck sie an den Haken, du fängst viele Fische. Zieh einen heraus und
zeichne ihn, wirff ihn wieder hinein, du fängst ihn noch einmal.
Herr von Ranzau in seinem geschriebenen Hausbuch gibt folgendes Secretum [Geheimnis]
Forellen zu fangen: Siede Liebstöckel im Wasser, drücke hernach den Saft heraus. Mit
diesem Saft bestreiche die Würmer, frischen oder geräucherten Speck und verfahre ebenso
damit.
Item sagt Herr Colerus: Nimm für 2 Pfennig Honig und ein halbes Seidel Lorbeeröl, zerlass
es untereinander, tue es in ein Büchslein und wenn du fischen willst, so bestreiche den
Köder damit. Genauso sagt er, nimm eine schwarze Henne, rupfe sie rein und schneide sie
auf, bestreiche sie inwendig und auswendig mit Honig, wickle sie in frisches Erbsenstroh,
das in der Blüte ist, tue es in einen wohlverwahrten Topf, grab es in einen Rossmist und lass
es vier Wochen darinnen stehen, danach tu es heraus, so wirst du grüne Würmlein in dem
Hafen [Gefäß] finden, die allerlei Farben haben, die sind das ganze Jahr gut zum Angeln und
gehn über alle Köder.
Wer die Hechte und andere Raubfische fangen will. muss lebendige Fischlein an die Angel
stecken und muss der Haken noch an einem Stück eisernen oder messingnen Draht geheftet
sein, dass ihn die Fische nicht abbeissen können.
Wenn die Fische, die ein- oder mehrmals verletzt worden sind, scheu werden und nicht mehr
angreiffen wollen, muss man ihnen gute Köder an einen gewöhnlichen Faden anbinden und
etliche mal davon fressen lassen, so gewöhnen sie sich hernach der Angel wieder zu trauen.
Die Hechtlein beissen gern an, wenn man ihnen Groppen an den Haken steckt.
Fischordnung für die Elbe
Die heutige Fischereigesetzgebung hat, abgesehen von fischereilichen Passagen im
Sachsenspiegel, ihre ersten Wurzeln in den frühen Fischordnungen des 16. Jahrhunderts.
Mit dem einsetzenden Bevölkerungswachstum und einer stärkeren Entwicklung des
Handwerks zu Beginn der Neuzeit wurde der Druck auf die Fische in den natürlichen
Gewässern durch Fang immer größer. Es wurde notwendig, Regelwerke zur Sicherung der
Fischereiausübung aufzustellen. Am 23. April 1560 erließ Kurfürst August in Übereinkunft mit
den Fürsten von Anhalt eine Fischordnung für die Elbe im Kurfürstentum Sachsen und dem
Fürstentum Anhalt.
Nachstehend soll der nicht leichte Versuch gemacht werden, den Text in heutiger Sprache
verständlich darzustellen.
Erstens ordnen, setzen und wollen wir, dass die folgend benannten Fischereigeräte künftig
gänzlich verboten und nicht zugelassen sind, als nämlich: das Treiben im Elbstrom, die
Teufelsmutter, Spannzeuge, das Buchgarn, der Kykitzsch, der Schnabel, der Schütze, nachts
mit Licht und mit Hamen zu fischen, das tolle und das kefe Querder [giftige Köder], die
Schneereusen, enge Waten und alle engen Fischfanggeräte, der Kratzhamen und
Streichhamen, auch alle engen und die weißen Reusen. Das bunte Holz kann man wohl
gebrauchen, doch dass kein Köder darein gemacht wird.
Nachdem aber nun das enge Zeug ganz abgeschafft werden soll und gleichwohl befunden
wird, dass der kleine Fisch, welcher in dieser unserer Ordnung erlaubt ist, wie nämlich
Gründling, Ukelei, kleine Karauschen, Kaulbarsche und Hasel nicht anders als in engen
Zeugen gefangen werden können, so ist hierzu ein Modell zu benutzen, wie künftig die
Zugnetze und Eisgarne aufs Engste ausgeführt werden sollen. Und daneben auch ein
Modell, außer Zugnetze und Eisgarne, für Netze die nicht verboten sind, wie diese aufs
Engste ausgeführt werden sollen.
Nach welchem Modell und welcher Weite die Netze und Fischgarne gestrickt und enger nicht
sein noch gemacht werden sollen. Und es soll in jedem Amt, jeder Stadt und jedem Gericht
nach solchem Modell ein Eisen von der Größe gemacht werden, dass es durch die noch

erstellt von Matthias Pfeifer
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nassen Netzmaschen fallen kann. Diese Eisen sollen in jedem Amt, Stadt und Gericht an
einem öffentlichen Platz ausgehängt werden, damit sich niemand mit Unwissenheit
entschuldigen kann.
Was aber außer den erlaubten obengenannten Fischen in allen Fischnetzen, Reusen und
Garnen an anderen Fischen gefangen wird, die den unten gezeichneten Modellen nicht
gleich sind, sollen diese alle herausgenommen und ins Wasser zurückgesetzt werden. [im
Original befinden sich einige Zeichnungen von Eisen und Fischen bestimmter Größe, die als
Mindestmaße gelten]
In den Lachen und Ausgängen der Elbe soll desgleichen auch kein Fisch, welcher dem
angegebenen Maß nicht entspricht, gefangen werden, sondern wiederum in die Elbe oder
das nächste Wasser geworfen werden, damit der Fisch seine vollständige Größe erreichen
kann.
Wäre es jedoch der Fall, dass an etlichen Orten Lachen vorkommen, die von der Elbe
überschwemmt und im Sommer austrocknen, auch die Anwohner nach Überschwemmung
der Elbe seit alters her ohne Behinderung und Verbot ihrer Obrigkeit diese Lachen
auszufischen berechtigt sind, so soll ihnen dieses in Ansehung, dass der Fisch an diesen
Orten ohnehin umkommt, unbenommen sein, jedoch dass sie den Fisch, welchen sie darin
gefangen haben und der dem angegebenen Maß nicht gleicht, für ihre eigenen Häuser
verspeisen und an keinem anderen Ort verkaufen sollen.
So auch jemand nach Neunaugen, Steinpeitzgern, Schmerlen und Elritzen enge Netze
stellen will, so soll er die nach dem genannten Maß nicht erlaubte Fische zurückwerfen. Es
sollen die engsten Reusen auch nach dem Modell, welches am Ende aufgezeichnet ist,
befunden und nicht enger hergestellt werden.
Desgleichen sollen auch die Krebse nicht kleiner, wie es das unten abgebildete Maß
aufweist, gefangen werden. Diese Maße und Modelle von den Reusen, Krebsen, auch den
kleinsten Hechten und Barben, die gefangen werden dürfen, alle wie obengenannt aus Eisen
gemacht, sollen an öffentlichen Orten ausgehangen werden.
Würde nun jemand dieser bekanntgemachten Ordnung sich nicht gemäß verhalten und
andere Geräte, wie hier beschrieben und verordnet, gebrauchen, oder aber kleinere Fische
als das Maß und die Eisen auch das Fischmaß ausweist, fangen und dieselben in Städten,
Dörfern oder sonst auf dem Lande verkaufen oder auf andere Weise verteilen oder aber
auch für sich selbst essen und verbrauchen, außer dem Recht, in Lachen die austrocknen
wie oben genannt, zu fischen, der soll so oft solches geschieht fünfzig Gulden zur Strafe
verfallen sein und darüber des verbotenen Fanggerätes verlustig werden. Diese Strafe soll,
so oft jemand dieses Verbrechens überführt wird, halb dem Gericht samt dem verbotenen
Fanggerät und die andere Hälfte dem Anzeigenden zugeteilt werden.
Desgleichen so hinfort bei jemanden der keine eigenen noch andere gemietete Fischwasser
hat, ein oder mehrere Fischfanggeräte angetroffen werden, so soll derjenige in gleichem
Maße wie andere Verbrecher gestraft werden, außer dem Fall, dass er solche
Fischfanggeräte gekauft hat und davon seinen Unterhalt bestreitet [Händler].
Ebenso auch derjenige, welcher verbotenen Fischfang bei anderen bemerkt und dieses
seiner Obrigkeit nicht anzeigt, ungeachtet dass solches über kurz oder lang bemerkt werde,
soll in erwähnte Strafe verfallen sein.
Würden aber auch die Gerichtsherren diese Ordnung nicht einhalten und sich hierin
nachlässig zeigen, so sollen sie uns, so oft sie säumig befunden werden, fünfzig Gulden zur
Strafe erlegen.
Wir befehlen deshalb hiermit unseren Amtleuten, Untertanen der Rittergüter und der Ämter,
Räten der Städte und allen andern unseren Untertanen ernstlich, sich danach zu richten und
zu halten. Auch die Strafen von den Verbrechern unnachlässlich einzubringen.
Hierin handeln sie ganz nach unserem Willen.

erstellt von Matthias Pfeifer
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Unterricht von Teichen
Im Archiv des über 750 Jahre alten Klosters St. Marienstern in der Oberlausitz findet sich im
Archiv eine Anleitung über Teichfischerei von 1603. Sie ist im folgenden in vorsichtig
angepasstem Deutsch wiedergegeben. Der Titel lautet:
„Unterricht von Teichen“.
Wie solche anzuspannen, abzulassen? Item von Erzeugung und Wartung des Samens
Im Herbst soll man die Teiche auf´s Höchste anspannen, als sich´s leiden lässt: Denn wenn
ein harter Winter einfällt, so frieren die Teiche aus (oder vielmehr das Wasser im Grund)
daher die Fische ersticken und sterben müssen. Absonderlich aber muss der Graben (wo
das Wasser einfällt) in der Herbstzeit fein tief gegraben und ausgereinigt werden; damit das
Wasser den ganzen Winter durch fein frisch - ohne Hinderung einfalle und aufs Lager der
Fische komme. So soll man auch nicht gestatten, dass die Müller oder Untertanen zur
Bewässerung ihrer Wiesen das in den Teich einfallende Wasser im Geringsten nicht
abziehen.
Item [ebenso] damit soviel, als Wassers in den Teich einfällt, zu gleicher Weise so viel den
Winter durch gehe.
Um Johanni [24. Juni] aber soll man das Wasser nicht völlig, sondern wenig und seicht
einlaufen lassen, alldieweil, wenn sie viel Flusswasser haben, die Karpfen nicht zur Weide
gehen, sondern liegen in einem Klumpen, delektieren [ergötzen, laben] sich allein des
Flusswassers und erwachsen weder in die Länge, weder zur Fettigkeit.
Quell- und Brunnenwasser aber kann man sowohl Sommers als auch Winters völlig
durchgeben. Wenn das Eis auftaut und im Teich wenig Wasser wäre? So soll man beim
Zapfen etwas höher aufdämmen und mit Wiesen oder Rasen verschanzen und das
Schneewasser voll anlaufen lassen, denn wenn der Teich wird angespannt, so können auch
die einsitzenden Fische desto weiter auf die Weide spazieren und ihre Nahrung suchen.
Die Streichkarpfen soll man von anderen absondern und dieselben in einem eignen Hälter
oder gar in einen Kasten tun, wo sie wenig zu essen oder keine Weide haben und sollen von
Herbst an bis auf die Kreuzwochen stehen gelassen werden, damit sie gar dörre und
gewandt werden, den je dürrer die Streichkarpfen sind, desto besser und mehr streichen sie.
Wie und womit man die Streichkarpfen zurichtet, wenn man sie aussetzen will, damit sie
desto besser streichen, so nimmt man eine Hand voll dürre Holunderblätter, eine Hand voll
Schafs-Lorbeer, einen Löffel voll Honig, Salz, gestoßenen Ingwer, Safran und etwas
gestoßenen Pfeffer, daraus macht man eine Salbe und bestreicht die Karpfen fein tüchtig am
ganzen Bauche absonderlich unter den Schwingfedern und Windlöchern, wickelt sie in eine
Handvoll Schafsdünger und lässt sie fein sachte damit in den Streichteich laufen.
Dies muss geschehen im Zeichen des Krebs, Skorpions oder Fisches und wenn der Mond
neu und der Tag im jetzt gemeldeten Zeichen einer ist. Und in solchen Zeichen pflegt man
sie auch zu fischen.
Es pflegt wohl auch zu geschehen, um Georgi [23. April] wenn der Monde voll ist, so streicht
er im abnehmenden Mond.
Die Streichkarpfen müssen allemal ungerade versetzt werden; als besetzt man ein Teichel
mit 3 Streichkarpfen, so setzet man 2 Rogner und einen Milchner; wenn 5 - so müssen ihrer
drei Rogner und 2 Milchner sein, wo 7 - so sind darunter 4 Rogner und 3 Milchner und so fort
nach Größe des Streichteichs jedoch allzeit einen Rogner mehr.
Wann die Karpfen eines Jahres gestrichen, so nimmt man sie gegen den Herbst heraus.
Diese Streichkarpfen müssen danach 1 oder 2 Jahr (ehe man sie wieder zum Streichkarpfen
gebraucht) ausruhen und gelde [unfruchtbar, ohne Vermehrung] gehen.
Der Strich aber, oder Samen wird zum Strecken in einen größeren (wenn man aus vielen
Streichteicheln etliche 100 zusammenbringt) oder auch einen Teich mit besseren Grund und
Boden versetzt. Hat man aber solche Streckteiche nicht, so kann der Samen in seinen
Streichteich (neben den Streichkarpfen), des Sommers aber in selbigen verbleiben; denn es
wird sein nichts weniger.
Jedoch ist zu bemerken, wenn man vorm Winter die Streichkarpfen von Samen oder Strich
wegnimmt und in einen Streckteich versetzt, so müssen ihnen etliche andere (anstatt der

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Streichkarpfen) etwa gute 4jährige Karpfen hinzugesetzt werden, damit sie ihnen zu Winters
das Lager präparieren, anweisen und machen.
Karpfensamen, wie er zu erkennen, dass er gut und 3jährig sei:
Erstens, wenn der Same einen kleinen Kopf hat und ihm die Augen fein ein wenig draußen
vor dem Kopfe liegen. Item er fein einen dicken, breiten Bauch hat und ihm die Floßfeder
[Flosse] nicht gelbe, bleich oder Totenfarbe sein, sondern fein scheinbar und zierlich oder
glanzericht und weißlich und der ganze Leib mehr breit denn lang ist, so sind sie recht und
gewächsig.
Vors andere, wenn man die Probe bekommt, müssen sie (wie solches die Fürstmeister
nehmen) dreijährig sein: solches zu erfahren reißt [aufschneiden] man einen oder zwei von
der Probe, befindet man nur, dass sie drei Jahre, so kaufe man sie sicherlich, dann da ist
kein Betrug und sind richtig; wenn man nach 2. oder 3. Jahren fischen will, so soll man
erstens nicht gar zuviel sondern wenig Wasser abführen oder laufen lassen. Danach etwas
mehr und so fort nach Größe des Teiches und das darum, damit das Wasser von dem
Ablasse gar sachte und gemach hernach folge, womit also der Fisch herunter und hernach
kommen und nichts dahinter in den Gruben stehen und liegen bleibe, sondern insgesamt
sich in den Teichgraben und ihren Lager versammelt.
Noch da alle Dinge ihre Rast und Ruhe haben wollen, bis sie wieder zu Kräften kommen, wie
man sagt quod caret alterna requie, durabile non est [was der abwechselnden Ruhe
entbehrt, ist nicht dauerhaft], also wenn ein Teich 8 oder 10 Jahre voll Wasser gewesen, soll
man ihn ein Jahr ruhen lassen. Jedoch kann man auch selbigen Jahres seinen Nutz davon
haben, wenn man die ruhenden Teiche besät mit Gerste, Sommerkorn, Wicken oder zum
wenigsten mit Hafer. Wenn nur das Getreide davon kommt, so pflügt man den Boden wieder
um und sät Rüben darein, wenn dieselbigen reif geworden sind, nimmt man davon, soviel als
einem beliebt, die übrigen lässt man mit Kräutern und allem stehen. Der Teich wird wiederum
angelassen und zu seiner Zeit mit guten Samen besetzt, so wird man mit Verwunderung
sehen, wie fruchtbar er werden wird.
Wer in einem Teich viele Hechte ziehen will, muss bedacht sein, dass in selbigem Teich viele
Speisefische vorhanden sind, oder täglich aus dem Fluss mit einlaufen, denn er ist ein
Raubfisch und hat sonst nichts zu fressen. Sintemal nicht das Erdreich, wie anderer Fische
ihre Nahrung, so tut er verputten und bleibt [klein], wie er eingesetzt worden ist. Und
genauso ist es bei Forellen zu verstehen.
Diese beide Arten, der Hecht und die Forelle, so sie ohne Hinderung des Eises an den Rand
gehen können, suchen sie die Ausflucht nahen Wassern entgegen, daher ist der Zapfen wie
der Eingang des Wassers mit Zäunen [Horden] wohl zu verwahren und ihnen damit der Pass
[Durchgang] zu verhindern höchst nötig.
Karpfenrezepte
Die Zeit um Weihnachten und Sylvester ist die traditionelle Karpfenzeit und Fischliebhaber
freuen sich alljährlich auf diesen Karpfenschmaus. Das ist bekanntermaßen schon seit vielen
hundert Jahren so. Doch wie bereitete man damals Karpfen zu, waren es die gleichen
Rezepte oder ist unser Geschmack im Laufe der Zeit anders geworden?
Heute sollen einige Rezepte veröffentlicht werden, welche schon am Anfang des 18.
Jahrhunderts bekannt waren. Sie stammen aus dem Universal-Lexikon von Johann Heinrich
Zedler von 1737. Die Wiedergabe erfolgt in der Originalschreibweise.
Bei der Zubereitung wünsche ich viel Erfolg!
Karpfen blau
Wollet ihr den Karpfen trocken oder blau gesotten haben, so nehmet einen Karpfen, reißet
solchen, nehmet ihm das Eingeweide heraus, thut die Galle von selbigen weg, machet so
viel Stücke daraus, als euch beliebet, machet ihn sauber aus, und gießet ein wenig scharffen
Eßig darüber. Wenn dieses geschehen, so setzet Wasser in einen Keßel auf das Feuer,
werffet ein paar Hände voll Saltz hinein und lasset es so sieden. So nun das Waßer im Sode
(Kochen) ist, leget den Karpfen hinein und zwar also, daß zu erst die Köpfe unten, die

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Schuppen aber oben auf kommen, die andern Stücke leget also ein, daß die Schuppen sich
unterwärts kehren, so kommen denn die Schuppen aufeinander zu sitzen. Hierauf machet
viel lohes Feuer um den Keßel, daß er fast übersiedet, laßet ihn also einsieden, biß er
anfänget, als ob er anbrennen will, thut ihn hernach vom Feuer, sprützet die Karpfen-Stücke
mit kalten Waßer ab und decket Papier darüber so werden sie blau. Beym Anrichten könnet
ihr sie in eine Serviette legen, Wein-Eßig darüber sprützen und selbige hingeben.
Zubereitung von Karpfen-Milch
Karpfen-Milch wie Austern zuzurichten. Siede die Fisch-Milch in Wein-Eßig ab, saltze ein
wenig, schneide sie hernach zu kleinen Stückgen, lege sie in die Auster-Schahlen, thue
Pfeffer, Muscaten-Blumen, Butter, Citronen-Safft und Schählgen darauf, setze sie auf Kohlen
und laß sie ein wenig rösten. Du kanst auch die Milch mit dem Karpfen sieden, sie in kleinen
Stückgen schneiden, in einer Schüßel eine Brühe von diesem allen mit Fleisch-Brühe und
geriebener Semmel drüber machen und wenn sie aufgekocht auf die Schüssel giessen und
ein wenig aufgrübeln laßen.
Karpfen mit Fricasse-Soße
Mit einer Fricasse-Soße wird der Karpfen also gemachet: Habt ihr den Karpfen geschuppet,
in Stücke geschnitten, so nehmet 4-5 Eyer-Dotter in ein Töpfgen, quirlet selbe mit ein wenig
Mehl ab, gießet daran ein Glaß Wein, Essig und Brühe und zwar so viel, als ihr meynet gnug
zu haben, würtzet solches mit Ingber, Muscatenblüthen und Citronen-Schahlen, leget ein
paar Lorbeer-Blätter nebst einem ziemlichen Stücke Butter dazu, setzet es zu dem Feuer
und rühret es sehr fleißig, sonst rinnet es zusammen. Wenn es nun bald dicke worden, so
laßet etliche Tropfen kaltes Wasser hineinfallen, röstet in Butter würflicht geschnittene
Semmel und streuet selbige bei dem Anrichten über den Karpfen.
Karpfen-Hachis (Haschee)
Wollet ihr Karpfen-Hachis haben, so nehmet so viel Karpfen, als ihr Hachis zu machen
vermeynet, schuppet und reißet sie, ziehet ihnen die Haut ab, löset alles Fleisch herunter,
hacket und schneidet selbiges mit einem Schneide-Meßer klein und die Köpfe saltzet ein.
Hernach setzet ihr eine Casserole oder Tiegel Butter auf das Feuer und wenn sie anfänget
braun zu werden, so leget das gehackte Fleisch hinein, passieret es so lange, bis es gantz
heiß wird, würtzet es mit Ingber, Muscaten-Blühen, Cardamomen, Citronen-Schahlen,
streuet ein wenig geriebene Semmel darein, gießet ein paar Löffel voll Wein und ein wenig
Petersilien-Waßer daran, werffet eine Hand voll Capern hinein und laßet es also ein wenig
miteinander kochen. Die Köpfe hingegen backet aus Schmaltz. Wenn ihr das Hachis
anrichtet, so drücket viel Citronen-Safft darein und garnieret das Hachis mit denen Köpfen,
dann könnet ihr es hingeben.
Karpfen gebraten
Wollet ihr Karpfen braten, so nehmet Karpfen so viel ihr wollet, schuppet und reißet selbe auf
dem Rücken bis zu dem Schwantze hinunter auf, spaltet selbige entzwey, thut die Gallen
heraus, das Eingeweide aber müßet ihr darinnen laßen, machet ferner denen Karpfen kleine
Schnittgen oder Kerben auf beyden Seiten, es müßen auch die Köpfe entzwey gespaltet
werden, saltzet sie alsdenn ein und laßet sie eine Weile also liegen. Hernach trocknet oder
streifet sie ab; bestreichet sie mit Butter, leget sie auf einen Rost und setzet sie über Kohlen,
dabey aber die Glut nicht allzustarck seyn muß. Wenn ihr nun auf der Seite sehet, daß sie
schön braun sind, so bestreichet sie oben mit Butter, leget alsdenn eine Schüßel oder Blech
oben darauf, verkehret den Rost und machet, daß sie nicht sehr zerreißen, setzet den Rost
abermahls auf das Kohl-Feuer, leget die Karpfen wieder darauf und bratet sie vollends gar.
Endlich richtet sie an, machet braune Butter darüber und gebet sie hin, gefället es euch, so
könnet ihr auch eine Brühe darzu verfertigen.
Karpfen in Knoblauch gedämpft
Mit Knoblauch kan man den Karpfen dämpfen: Schuppet den Karpfen, reißet und schneidet
ihn in Stücke, saltzet ihn ein wenig ein, laßet ihn eine Weile liegen, und machet ihn alsdenn
wieder trocken. Hierauf lasset in einem Tiegel oder Casserole Butter auf dem Feuer heiß
werden, leget den Karpfen darauf , daß er sich unten ein weing bräune. Ferner machet in
einem Pfännigen (kleine Pfanne) andere Butter braun und röste zugleich geschnittenen
Knoblauch darinnen, brennet dieses zusammen über den Karpfen, würzet es mit Ingwer und
Pfeffer und leget eine gantze Zwiebel mit Nelcken bespicket dazu. Hernach setzet in einem

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Töpfgen Brühe und Eßig zu dem Feuer, damit es koche quirlet ein wenig braun Mehl daran
und gießet solches durch ein Haar-Sieb über die Karpfen, laßet sie also denn fein
gemächlich kochen und richte sie darnach an, so gut ihr könnet.
Karpfen mit Zwiebeln
Wollet ihr Karpfen mit Zwiebeln haben, so bereitet und bratet diese, wie ihr bey denen
gebratenen Karpfen seyd gelehret worden, nur dürfen diese nicht auf dem Rücken gerißen,
sondern wie derselbe zu der Pastete trctiret werden. Hierauf nehmet eine ziemliche Menge
nicht gar zu großer Zwiebeln, schählet solche, setzet auch zugleich Butter auf das Feuer,
laßet solche heiß werden, werffetein wenig Zucker darein, welcher zugleich mit der Butter
braten muß, schütte darnach die Zwiebeln darein, und machet sie auch braun, würzet sie mit
Ingber und Pfeffer, brennet braun geröstetes Mehl darein, gießet halb Eßig und halb Waßer
darauf, laßet es aufkochen, damit es recht schmackhaft werde und eine dickigte Brühe
bekomme. Endlich leget die Karpfen darein und wenn dieses alles zusammen gekochet hat.
Über den früheren Reichtum an Fischen
Vor 125 Jahren kam ein kleines Büchlein von Dr. Adolf Delius auf den Markt, dessen Titel
„Die Teichwirthschaft“ lautete. Es war die Zeit, als die Wissenschaft zügig Fortschritte
machte, aber auch die Industrie rasant wuchs. In der Schrift wird mit vielen alten Irrtümern
aufgeräumt, allerdings sind aber auch einige sehr kuriose Meinungen enthalten, über die
man heute schmunzeln kann. Das Buch enthält destotrotz viele auch heute noch gültige
Aussagen. In den nächsten Folgen sollen einigen Auszüge aus diesem Büchlein der
geneigten Leserschaft dargeboten werden. Am Beginn stehen geschichtliche Mitteilungen,
über den Reichtum an Fischen, der in früheren Jahren in den Gewässern noch vorherrschte.
Die Wiedergabe der zitierten Passagen erfolgt in Originalschreibweise.
...Aale wurden ebenfalls in großer Menge in der verschiedensten Größe gefangen. Es gab
derer so viel, daß man sie lebend gleich einen ganzen Sack voll, oder eine ganze Reuse
oder einen ganzen Kahn voll kaufen konnte. – Sie wurden entweder lebendig in mit Wasser
gefüllten Tonnen verfahren oder eingesalzen und in Fässer verpackt, oder auch in der
Sonne getrocknet oder geräuchert. Die Eingeweide siedete man in großen Kesseln,
schäumte das Fett ab und benutzte dasselbe zum Schmieren der Wagen. Quappen fanden
sich in solchem Ueberflusse und in solcher Größe und Fettigkeit vor, daß man nicht
vermochte, sie alle zu verkaufen, oder selbst zu verzehren. Man zerschnittt sie also, wie dies
auch die Bewohner des Spreewaldes zu thun pflegten, in lange, schmale Stücken, trocknete
diese scharf, und gebrauchte sie statt des Kienes zum Brennen. Die kleineren Fische, wie
Plötzen, Rothaugen u.s.w. achtete man so wenig, daß man die Schweine damit fütterete.
Zu Anfange des vorigen Jahrhunderts fanden sich die Krebse in der Nähe von Wriezen und
an anderen Orten in so ungeheurere Masse vor, daß man sie an den Ufern der Oder mit den
Händen zusammenraffen konnte, und ihrer Niemand mehr begehrte, weshalb dann die
Schweine damit gemästet wurden. Das Wasser der Oder war 1719 bei der großen Dürre
ungewöhlich klein geworden; Fische und Krebse suchten die größten Tiefen auf, und iese
wimmelten davon. Da das Wasser aber von der Hitze zu warm wurde, krochen die Krebse
auf´s Land, in´s Gras und wo sie sonst Kühlung erwarteten, selbst auf die Bäume, um sich
unter das Laub zu bergen, von welchen sie wie Obst herabgeschüttelt wurden.
Auch Schildkröten – wurden sehr viele eingefangen, so daß sie mit den Aalen fuhrenweise
von Wriezen nach Schlesien, Böhmen und andere Gegenden abgeholt wurden. Dann
hauseten Biber und Fischottern an den Ufern und in den Büschen, die aus dem Wasser
ragten. Auf sie ward fleißig Jagd gemacht, da erstere den später errichteten Dämmen
schadeten und die letzteren unter den Fischen arge Verheerung anrichteten.
Der Reichthum an Fischen, ..., ist in Deutschland nirgends mehr zu finden. Will man die
Ursachen dieses Vorganges auffinden, so wird man die Verhältnisse von früher und jetzt
vergleichen müssen und, da das doch recht schwierig auszuführen sein dürfte, so mögen für
die vergangenen Zeiten solche Zustände eintreten, wie sie in Gegenden beobachtete

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werden, welche noch heute als sehr fischreich bekannt sind. Dann tritt sofort die
Wahrnehmung hervor, daß die durch Ackerbau cultivirten Gegenden fischarme Ströme
aufweisen, dagegen die in der Cultur noch nicht vorgeschrittenen, aber durch
Weidewirtschaft benutzten Ländergebiet fischreiche Ströme besitzen. Bei weiterem Eingehen
auf die letzten Ursachen der Erscheinung treten besonders vier Punkte hervor, welche von
Einfluß auf das Gedeihen oder die Schädigung der Fische sind.
1. Die Formen und Eigenschaften der Ströme. In cultivirten Gegenden sind dieselben
eingeengt, ermangeln der seitlichen Ausbuchtungen und verschiedenen Tiefe des Bettes;
Verhältnisse, welche für die Fortpflanzung, Ernährung und zusagender Aufenthaltsorte von
Bedeutung sind.
2. Der Mangel an Nahrung, insofern in cultivirten Gegenden mit der Überhandnahme der
beackerten Fläche der Abluß von Stoffen, welche mittelbar oder unmittelbar Nahrung für die
Fische liefern, vermindert ist. Wo dagegen Weideterrains die Ufer der Flüsse begrenzen,
fließen viele Düngertheile bei Regengüssen in die Ströme, treten dieselben aus, so
überströmen sie die mit Excrementen überdeckten Weideplätze, deren Rasen eine große
Zahl von Insectenlarven und Würmern beherbergt, die, durch das gestiegenen Wasser zum
Verlassen ihrer Aufenthaltsstätte gezwungen, den Fischen zur Beute falen.
3. Bei Völkern von hoher Culturentwicklung bilden sich Verhältnisse, welche dem Gedeihen
der Fische entgegenwirken. Dahin gehört die Einrichtung von Wassertreibwerken und
Wehren, das Befahren der Ströme mit Dampfschiffen, der Zufluß giftiger Substanzen durch
die Abflußwasser der Fabriken.
4. Wo Reichthum an Fischen stattfindet, wird man nur die größten oder wirtschaftlich
nutzbarsten Exemplare zu fangen suchen und die werthloseren jüngeren Thiere wieder in
Freiheit setzen. Wo dagegen Mangel an Fischen vorhanden ist, werden alle irgend
brauchbaren Individuen gefangen, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob eine genügende
Anzahl von Samenthieren zur Fortpflanzung zurückbleibt. Welche Maßregeln zu ergreifen
sein würden, um diese Uebelstände zu heben, ist nicht Gegenstand dieser Schrift und sind
die oben beregten Thatsachen nur angeführt, weil dieselben auch in Beziehung zu der
verminderten Productionsfähigkeit der Teiche, die ja den größten Theil der Nahrung aus den
Strömen ziehen, stehen und weil sie die Ursachen des Rückgangs klar legen. Außerdem
aber hat die Teichfischerei eine Minderung erfahren durch die Trockenlegung vieler Teiche. In
der Zeit von 1840 – 1860 sind sehr viele Teiche, welche guten Boden hatten, zum Ackerbau
gezogen, denn das Getreide war im Durchschnitt theuer, die Karpfen kosteten z.B. 1845 in
Sachsen á Centner 9 Thlr., 1874 aber 26 Thlr.. Die Fischpreise sind also enorm gestiegen,
die Getreidepreise aber weisen niedrigeren Durchschnitt gegen früher auf.
Die Aalfischerei
In dieser Ausgabe sollen die Auszüge aus dem Büchlein von Dr. Adolf Delius „Die
Teichwirthschaft“ fortgesetzt werden. Delius behandelt in seiner Schrift auch die Aalfischerei.
Das Rätsel der Vermehrung war zu seiner Zeit noch nicht vollständig geklärt, jedoch wiesen
die von ihm gemachten Vermutungen in die zutreffende Richtung. Für unsere Zeit sind die
gemachten Zitate nahezu unfassbar, so dass man sich fast in ein fischereiliches
Schlaraffenland zurückversetzt fühlt. Das Kapitel Aalfischerei kann aus Platzgründen nur
auszugsweise wiedergegeben werden. Der Nachdruck der zitierten Passagen erfolgt in
Originalschreibweise.
Die Aalfischerei. Man kann nicht wohl von einer Aalzucht reden, weil der Aal in Teichen nicht
jung wird, sondern zuwandert. Die Naturgeschichte dieses Fisches ist noch nicht aufgeklärt,
aber es sind viele und starke Irrthümer, welche über seine Lebensweise verbreitet worden
waren, nachgewiesen. Der jetzige Stand der Kenntniß seiner Lebensweise ist folgender: Der
Aal gebiert nicht lebende Junge, sondern laicht wie andere Fische und zwar im Meere. Der
Irrthum, daß er lebendige Junge gebäre oder vielmehr, daß die im Leibe befruchteten Eier
daselbst zur Reife kämen, ist durch die Zufälligkeit entstanden, daß die Aale sehr an einen

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Spulwurm, Ascaria labiata, leiden, welcher Aehnlichkeit mit jungen Aalen hat und ohne
nähere Prüfung dafür gehalten werden kann, aber schon allein die Abwesenheit des
Knorpels der Wirbelsäule, der Kiemen und Flossen entscheiden ja leicht im Zweifelsfällen, ob
das fragliche Thier ein Wurm oder Fisch ist.
Die im Meere jung gewordenen Aale ziehen im Frühjahr in großen Zügen die Flüsse hinauf
und vertheilen sich nach allen Richtungen der Nebenflüsse. Nachdem sie einige Jahre im
Süßwasser zugebracht haben, ziehen sie wieder dem Meeresgrunde zu. Diese
Wanderungen hat man in allen großen Flüssen Europas mit Ausnahme der Donau (und der
Flüse, welche in das schwarze Meer münden?) beobachtet. In Italien ist das benutzt, um
eine Aalzucht im Großen seit alten Zeiten zu betreiben; es sind nämlich die Lagunen von
Comachio durch Dämme in Teiche eingetheilt: Im Frühjahr werden die jungen Aale beim
Aufsteigen eingelassen, und nachdem sie mehrere Jahre in den Legungen verweilt, suchen
dieselben wieder abwärts das Meer zu gewinnen, dann aber werden sie in Canäle gelockt,
welche unterhalb Verschluß haben und nun immer mehr eingeengt, zuletzt mit Leichtigkeit
gefangen. Wie bedeutend die Anzahl zuweilen sein kann, zeigt folgende Mittheilung v.
Siebold´s: „Bei Pisa wurden anno 1667 während 7 Stunden 3 Millionen Pfd. Kleine 1,5-5 Zoll
lange, zwirnsfadendünne Aale gefangen. Die Fischchen werden dort in Pfannen wie
Eierkuchen gebacken und ihre Züge sind so dicht, daß man die Thierchen mit Sieben
ausschöpft.“
Bei Hamburg werden alljährlich im Vorsommer in der Elbe junge Aale in Menge beobachtet
und die Matrosen beschäftigen sich wohl zur Unterhaltung damit, eine Schnur mit Blut zu
beschmieren und in die elbe zu senken, worauf an der bald in die Höhe gezogenen Schnur
eine Menge Aale sich fest gesogen haben. Folgende Beobachtung über diese Aalzüge,
welche wörtlich v. Siebold´s Angaben nacherzählt wird, hat Dr. Ehlers berichtet:
„Die Angaben, welche ich über eine beobachtete Wanderung junger Aale geben kann,
basiren auf einer Beobachtung, die gleichzeitig mit mir von vielen Augenzeugen constatirt
wurde. Schriftliche Aufzeichnungen wurden damals nicht gemacht, und kann ich leider über
die Zeit und sonstige Verhältnisse keine so genaue Angaben machen, wie wünschenswerth
wären. Die ganze Erscheinung steht aber, da sie eine so wunderbare war und beobachtet
werden konnte, mir lebhaft vor der Seele. Es war vor ungefähr zehn Jahren, im Dorfe
Dramhausen, Amts Winsen, im Königreich Hannover, als wir eines Morgens Ende Juni oder
Anfang Juli auf den dort unmittelbar an die Elbe stoßenden Deich tretend sahen, daß sich
am ganzen Ufer entlang ein dunkler Streif fortbewegte. Wie für die Bewohner der dortigen
Elbmarsch alles, was sich auf und in der Elbe ereignet, von Interesse ist, so zog auch die
Erscheinung sofort die Aufmerksamkeit auf sich, und es ergab sich, daß dieser dunkle Streif
von einer unzähligen Menge junger Aale gebildet wurde, die dicht aneinandergedrängt an
der Oberfläche des Flusses stromaufwärts zogen und sich dabei stets so nahe und
unmittelbar am Ufer hielten, daß sie alle Krümmungen und Ausbuchtungen desselben
mitmachten. Die Breite dieses aus Fischen gebildeten Streifens mochte an der Stelle, wo er
beobachtet wurde und wo die Elbe eine bedeutende Tiefe hatte, etwa einen Fuß breit sein,
wie groß die Mächtigkeit desselben nach unten sei, wurde nicht beobachtet. So dicht
gedrängt aber schwammen hier die jungen aale, daß man bei jedem Zuge, den man mit
einem Gefäße durchs Wasser that, eine große Menge der Fische erhielt und diese für die
Anwohner der Elbe insoweit lästig wurden, als sie, so lange der Zug der Fische dauerte, kein
Wasser aus der Elbe schöpfen konnten, das nicht von den kleinen Fischen gefüllt war. Die
Größe der einzelnen jungen Aale betrug durchschnittlich 3-4 Zoll, die Dicke der Körper
erreichte ungefähr die eines Gänsekiels. Vereinzelt schwammen Aale von bedeutender
Größe dazwischen, doch mochte wohl keiner über 8 Zoll lang sein. Alle Thiere, auch die
kleinsten, waren völlig dunkel gefärbt. Dieser wunderbare Zug der Fische dauerte
ununterbrochen in gleicher Stärke den ganzen Tag hindurch, an dem er zuerst beobachtet
wurde und setzte sich auch noch am folgenden fort. Am Morgen des dritten Tages war aber
nirgends mehr einer der jungen aale zu sehen. Auf meine Nachfragen bei der dortigen
Bevölkerung, ob dergleichen Züge häufiger vorkämen, wollte keiner je einen solchen
gesehen haben.“
Man hat behauptet, daß der Aal zur Nachtzeit die Erbsenfelder besuche, um Erbsen zu
fressen. Das ist jedenfalls irrig, wohl aber ist es begründet, daß derselbe auf einem feuchten

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Wiesengrunde sich fortschlängelt, um Frösche, Schnecken und Insekten zu haschen. Da
mag es denn vorkommen, daß er in die schattigen Erbsen- und Kleefelder geräth, wenn
deren Boden bei Regenwetter sehr schlüpfrig ist. Er kann auf diese Weise auch in Teiche
gelangen, welche keinen Zufluß haben, und er zieht in kleinen Gräben hin, drängt sich durch
enge Rechen, überhaupt durch Oeffnungen, durch welche er den kleinen aber hartknochigen
Kopf zu bringen vermag.
Über die Zucht des Karpfens
Ein durchaus amüsant zu lesender Abschnitt über die Aufzucht und Pflege der Fische mit
einem Überblick über die Zucht des Karpfens sollen die Auszüge aus dem Büchlein von Dr.
Adolf Delius „Die Teichwirthschaft“ (1875) beenden. Der Nachdruck der zitierten Passagen
erfolgt wieder in Originalschreibweise, um den Zeitgeist prägnanter hervorzuheben.
In der Teichwirthschaft werden die Fische, je nachdem sie Gegenstand der Zucht sind oder
nicht, in Besatzfische, Wechselfische und Futterfische eingetheilt. In Bezug auf ihre
Lebensweise sind die Ersteren friedliche Fische oder Raubfische, für welche letztere die
Futterfische zum Fraß bestimmt sind. Unter Speisefischen versteht man größtentheils
geringwerthige Fische, welche im Großhandel keinen Absatz finden, sondern in nächster
Umgebung der Fischteiche billig verkauft werden. Unter den friedlichen Fischen sind die
Karpfen die vorzüglichsten und wirthschaftlich empfehlenswerthesten, werden daher auch
vorzugsweise zur Zucht verwandt. Daneben und zuweilen Gegenstand besonderer Zucht
sind die Schleien und Karauschen, sehr selten Schmerlen und als Zierfische die Goldfische.
Von den Raubfischen werden nur Forellen, Hechte, Sander besonders gezüchtet. Aalbrut
kann nicht gezüchtet werden, doch kommen in manchen Gegenden junge Aale so häufig vor,
daß dieselben als Zusatz zu friedlichen Fischen von selbst sich einfinden.
Die Zucht des Karpfen. Die Gestalt und Färbung des Karpfens ist in früheren Abschnitten
und in der Tabelle beschrieben. Dazu ist nachträglich zu bemerken, daß die Gestalt je nach
den Verhältnissen, unter denen der Karpfen aufwächst, etwas veränderlich ist, auch mag
dabei die Auswahl der Zuchtfische etwas beitragen. Man pflegt zur Zucht die gestrecktesten
mit kleinem Kopfe auszuwählen und erhielt so mit der Zeit eine gestreckte Race. Diese Form
kann unter ungünstigen Verhältnissen wieder verloren gehen, aber auch die Flußkarpfen,
welche nicht an Nahrung Mangel leiden, erhalten eine breite, kurze etwas hochrückige Form.
Vielleicht sind die Muskelanstrengungen, welche die Flußkarpfen im Gegensatz zu den
Teichkarpfen beim Schwimmen aufzuwenden haben, die Ursache der gedrängten
Körperform (Anpassung an die Einflüsse). Ueber die Form der unter Nahrungsmangel
leidenden Karpfen, sowie über die verschiedenen Färbung ist schon berichtet. Es giebt
Karpfen mit Schuppen und solche ohne Schuppen, Lederkarpfen. Zwischen beiden
Varietäten steht der Spiegelkarpfen, welcher eine Reihe großer glänzender Schuppen an der
Mittellinie entlang hat, und der Sattelkarpfen, bei welchem dieselben auf dem Rücken sitzen.
Diese Abarten scheinen nicht so stark in das Gewicht zu wachsen, als die gewöhnlichen
Karpfen, sind auch weichlicher und der Fischhändler nimmt sie weniger gern, wo es üblich
ist, die Karpfen blau zu kochen. Der Wohlgeschmack des Karpfens ist abhängig theils von
der Reinheit des Wassers, theils von der körperlichen Beschaffenheit, ob er fett oder mager
ist.
Der Karpfen liebt die sommer wärme, pflegt sich in kalten Monaten von der Sonne
bescheinen zu lassen; in der heißern Jahreszeit sucht er aber doch den Schatten von
Wasserpflanzen auf. Wie alle friedlichen Fische kommt er bei Süd- und Südostwind an die
Oberfläche und sucht bei Ost und Nordostwind die Tiefe auf. Diese Gewohnheit hängt
vielleicht nur mit dem Umstande zusammen, daß bei erstgenannten Winden die Insekten
gern über dem Wasser schweben, bei den letzteren aber, welche sehr trocken sind, den
Schutz der Gebüsche aufsuchen. In kalten Wasser gedeihen die Karpfen nicht, und im
Winter, wenn die Gewässer zufrieren, schlagen sich die Karpfen in größeren Haufen in den
Schlamm ein, und verfallen daselbst in einen Halbschlummer, den Winterschlaf, der aber

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nicht so stark ist, daß sie nicht bei Störung durch Geräusch, Verschlechterung des Wassers
etc. aufwachen und an die Oberfläche kommen sollten. In kleinen Teichen, wo die Eisbildung
oft sehr rasch vor sich geht, der Zufluß an Wasser plötzlich Unterbrechung erleiden kann,
kommt es freilich vor, daß die Fische im Lager abstehen, worauf man im Frühjahr die Gräten
nebeneinander liegend findet. Es ist stets mißlich, wenn die Fische vom Winterlager
aufstehen und die Wuhnen aufsuchen.
Das beste Gedeihen haben die Karpfen in warmem und weichem Wasser. Das Erdreich des
Teichgrundes ist von Einfluß auf die Temperatur. Zäher Thon und Torf sind kalt, Lehm und
Sand warm, fruchtbarer Lehm besser als unfruchtbarer, weil er mehr Gewürm beherbergt.
Gewässer, welche Zufluß aus Städten und Dörfern haben, vorausgesetzt, daß keine
schädlichen Stoffe darin enthalten sind, befördern das Gedeihen wegen der in ihnen
enthaltenen Nahrungsstoffe, und solche, die an fruchtbaren Abhängen entlang ihren Lauf
nehmen und gelegentlich bei Regengüssen fetten Schlamm zugeführt erhalten.
Die Nahrung der Karpfen sind Würmer, Insekten, verwesende Vegetabilien, also auch
Excremente; das ist in Bezug auf ihre Zucht wichtig, weil darin ein Mittel der wohlfeilen
Ernährung liegt. Es ist behauptet, daß dieselben auch fetten Schlamm fräßen, das ist wohl
nur in soweit richtig, als auf der Oberfläche verwesende Stoffe und Gewürm sich finden,
denn sonst kann der Schlamm keine Nahrung enthalten. Das Wachsthum hängt von der
Wärme des Wassers, der Zeitdauer dieses Zustandes und von der Nahrung ab.
Die Karpfenzucht kann in der Weise betrieben werden, daß man in ein und demselben
Teiche die Karpfen von dem Auskommen bis zur Ausbildung zur Marktwaare beläßt und
alljährlich die letzteren ausfischt; der Femelbetrieb. Das kann nur dann räthlich sein, wenn
nur ein Teich vorhanden ist. Bei Besitz mehrerer Teiche scheidet men die Karpfen nach dem
Alter und hat für dieselben dreierlei Teiche, nämlich Laich- oder Brutteiche, ferner
Streckteiche und zuletzt Wachsteiche. Außerdem sorgt man für Fischhälter zum
aufbewahren der Karpfen im Winter.
Zum Schluss der Auszüge sei noch ein besonders köstliches Zitat zum besten, jedoch nicht
zur Nachahmung, gegeben.
Es ist auffallend, wie sehr das ruhige Wasser den Fischen zuwider ist. Am besten halten sie
sich in einem flachen Gefäß mit großer Oberfläche, über welche die Luft frei streicht.
Schleien und Karauschen lassen sich auf diese Weise längere Zeit am Leben erhalten,
Karpfen dagegen nicht. Wohl aber ertragen die Karpfen, in feuchtes Moos gewickelt im Keller
in einem Netze aufgehängt und gefüttert zu werden; es soll sogar möglich sein, sie auf diese
Weise zu mästen.
Über Fischdiebstahl und deren Bestrafung
Die Fischereiaufsicht im Freistaat Sachsen wacht seit 1996 mit ihrer Arbeit über die
Einhaltungen der Bestimmungen des sächsischen Fischereigesetzes. Vorschriften gegen
den Fischdiebstahl gibt es in Deutschland seit über 800 Jahren und wurden erstmals im
Sachsenspiegel festgehalten. Man ging mit alttestamentarischer Grausamkeit gegen jegliche
Form von Fischdiebstahl vor. Die Bestrafungen reichten von Hängen, Foltern, Geldstrafe bis
zur Landesverweisung. Diese Rituale hielten sich bis in die Neuzeit. Interessanterweise
wurde seit den Anfängen der schriftlich festgehaltenen deutschen Rechtssprechung schon
immer unterschieden, ob der Fischdiebstahl aus geschlossenen Gewässern oder aber aus
offenen Gewässern, wie Flüssen, Bächen und Seen, erfolgte. War es im ersten Fall immer
ein Diebstahl persönlichen Eigentums, der härtestens geahndet wurde („den Dieb hängt
man“), so fielen die Strafen beim illegalen Fischen in offenen Gewässern „milder“ aus. Diese
Rechtstradition der Unterscheidung des Fischens in geschlossenen und offenen Gewässern
wird in der Praxis auch heute noch begründetermaßen beibehalten.
1735 erschien in Halle/Leipzig der neunte Band von Zedlers Großen Universallexikon, dem
folgende Ausführungen über Fischdiebe entnommen sind:
Fisch-Diebe. Die aus Teichen, Weyhern, Hältern und andern beschlossenen Wassern Fische
nehmen, sind so wohl als die andern Diebe, nach Beschaffenheit des Verbrechens mit dem

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Strange zu bestraffen. Peinliche Hals-Gerichts-Ordnung Art. 169. Welches auch in denen
Sächsischen Gerichten stat findet. So viel aber die Teiche und Hälter anlanget, wenn aus
denselben Fische gestohlen, lassen wir es bey der Straffe bleiben, so unsere
Schöppenstühle ohne das zu erkennen pflegen, nemlich, dass sie nach Gelegenheit des
Diebstahls mit dem Strange, oder sonsten, wie es auf die Diebe geordnet, bestraffet werden.
Die aber in flüssenden und gehegten Wassern Fische fangen, werden mit willkürlicher Straffe
beleget. Siehe Peinliche Hals-Gerichts-Ordnunng, in denen Worten: So aber einer aus einem
flüssenden ungefangenen Wasser fische fienge, das einem anderen zustünde, der ist an
seinem Leibe oder Gut, nach Gelegenheit oder Gestalt des Fischers, der Person und
Sachen, nach Rath derer Rechts-Verständigen zu straffen. Obwohl vor diesem in dem
Sächsischen Rechte besonders geordnet war, dass ein Dieb, der aus verschlossenen
Fischhältern Fische mausete, durch Bezahlung dreysig Solidorum [Gulden], aus dem
unverschlossenen Wasser aber durch Wiedererstattung derer Fische und Erlegung einer
Geld-Busse von drey Solidis befreyet wurde; so wird doch in dem Churfürstenthum Sachsen
diese Straffe des Sächsischen Rechts nicht beobachtet, sondern gleich wie es beym ersten
Fall als ein Diebstahl anzusehen, so wird es auch dem letztern Fall mit einer willkürlichen
Straffe, als Landes-Verweisung, Gefängniß-Straffe, Tratto di Corda [weiter Erläuterungen am
Ende] nach Grösse des Verbrechens und Beschaffenheit derer Umstände bestrafft.
Nach der achten unpublicirten Churfürstlichen Constitution pfleget auch in diesen Landen so
gesprochen werden, wie folget: Haben beyde gefangene in scharffer Frage bekannt und
ausgesaget, daß sie nicht allein etlicher Privat-Personen, sondern auch in unserer
gnädigsten Herrschafft Teichen und Wassern Fohren [Forellen] zu unterschiedenen mahlen
heimlich herausgefischet, und etliche Schock Fohren daraus dieblich entwendet, so werden
sie beyde von wegen solcher ihrer begangenen und bekannten Verbrechung, Vermöge
dieser Lande bewährten Rechten willkürlichen entweder mit Staupen-Schlägen, oder mit der
Tratto di Corda, auf drey Sprünge des Landes ewig verwiesen, und die Wahl dieser beyden
Straffen, welche unter denenselben an denen Verbrechern zu erstrecken, dem
Churfürstlichen Sächsischen Administratoren etc. unserm gnädigsten Herrn vorbehalten und
anheim gestellet.
Zu Tratto di Corda zu deutsch auch Wippbalken:
Tratto di Corda, heist die Ausspannung der Glieder, und ist eine Straffe, mit welcher
sonderlich nach Sachsen-Rechte die Fischdiebe beleget werden, so aber heut zu Tage in
Deutschland nicht mehr gebrauchet wird; jedoch in Italien wird diese Straffe noch an
allerhand Übelthätern ausgeübet.
Bei dieser Methode wurden der Deliquent mit auf dem Rücken zusammengebunden Händen
über eine Rolle beträchtlich in die Höhe gezogen. Häufig wurde noch an die Füße ein
größeres Gewicht oder ein Stein gehangen, um die Schmerzen in den Armgelenken zu
erhöhen. War die vorgesehene Höhe erreicht, wurde schlagartig das Seil gelöst, so dass das
Opfer aus einigen Metern Höhe zu Boden fiel. Schwere Verletzungen und Knochenbrüche
waren vielfach die Folge. Durch das Hochziehen kam es nicht selten zum Ausrenken der
Arme aus den Gelenken. Die Verurteilung erfolgte auf mehrere Sprünge, zumeist drei, so
dass man erahnen kann, wie einem dazu verdammten zu Mute gewesen sein muss, wenn er
nach dem ersten Fall noch zu weiteren antreten musste.
Die Fischereiaufsicht wendet gegenwärtig diese Methode nicht mehr an.

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Beschwerden Dresdner Fischhändler gegen solche aus der Lausitz
Vor fast dreihundert Jahren wandte sich am 26. November 1712 der Rat der Stadt Dresden
an den Kurfürsten und König August dem Starken und ließ sich über den Fischhandel aus
der Lausitz aus. Grund dürften einmal mehr die Beschwerden der einheimischen Fischer und
Fischhändler gewesen sein, die sich gegen die unliebsame Konkurrenz aus der Lausitz zur
Wehr setzten. Diese waren das, was wir heute mit Preisdrückern oder Billigimporteuren
beschreiben würden. An diesen Auseinandersetzungen zeigt sich jedoch sehr deutlich, dass
sich die Probleme von damals in ähnlicher Form auch heute und ganz sicher auch noch in
der Zukunft immer wieder erneut auftun. Es folgt eine sprachlich etwas angepasste Fassung
des Originales aus dem Stadtarchiv Dresden (2.1.3 Ratsarchiv, C. XXXV Nr. 8, Bl. 18-21a).
Allergnädigster Herr!
Unter denen hiesiger Stadt beneficus (Rechten) und bei derselben Gott sei Dank
vorhandenen Sufficientia rerum (Wohlhabenheit) ist zweifelsohne auch mit die Zufuhr
allerhand Arten der Fische, wie selbe nach der Jahreszeit zu haben und zu schaffen sind.
Weil auch in Fischersdorf (ehemalige Siedlung an der Mündung der Weißeritz in die Elbe)
occasione (aufgrund) des durchfließenden Weißeritzer Mühlgrabens viele Hälter gebaut sind,
haben die Besitzer dergleichen Häuser gute Bequemlichkeit, allezeit was im Vorrat zu haben.
So ward auch vormals in dem Hof-Fisch-Garten ein großer Vorrat von Fischen aufgehoben,
und was für die Großstadt nicht nötig, auf dem Markte verkauft.
Anno 1676 brachten die in besagtem Fischerdorf wohnenden Besitzer der Fischhälter an,
wie sich unterschiedliche Fischhändler in (aus) Kamenz und anderen Orten aufwürfen,
welche von denen Herrschaften die Karpfen zusammen einkauften, selbe hierher führten,
und damit täglich auf dem Markte Hakelei trieben, also nicht leicht ein Fisch aus der ersten
Hand mehr allhier zu haben, diese Leute zögen das Geld von der Stadt, trügen keine Onera
(Abgaben), sie hätten vor Ihnen keinen Abgang mehr, könnten also nichts in Vorrat schaffen,
von Karauschen und Barschen brächten sie wenig her, von Forellen und Schmerlen gar
nichts, diese würden zwar bei ihnen gesucht, weil es aber teils kostbare, teils dergleichen
Fische, davon viel Abgang, könnten sie selbe ohne ihren Schaden allezeit nicht halten, wenn
sie nicht auch von Karpfenhandel sollten Vertrieb und Zugang haben. Nachdem es sich nun
also befunden, und ihr Anführen nicht unerheblich, ist die in beigehenden Akten Blatt 3
befindliche Verordnung damals geschehen, dass die, denen die Fische selbst erwüchsen
(Fischerzeuger), selbe täglich herbringen möchten, die Höcken (von verhökern, ein Auf- und
Wiederverkäufer, Zwischenhändler) aber nur Montags, Dienstags und Mittwochs feil haben
möchten, welches auch also bisher gehalten worden. Es ist aber nachdem anzumerken
gewesen, dass die hiesigen Fischhändler alles was sie von Fischen haben können, an sich
gezogen, den Preis auch, andere abzuhalten, im Einkauf erhöht und unter der Hand es
selbst dahin gebracht, dass aus der ersten Hand nicht viel mehr bei der Stadt zu haben
gewesen, bisweilen ist wohl besagte 3 Tage über, auf dem Markte was zu bekommen. Allein
weil die Fremden, wenn der Vorrat binnen diesen Tagen nicht abgegangen, mit den Rest
vollends losschlagen, und unter den Wert selbe weggeben müssen, hat die Zufuhr nach und
nach ab, hingegen der hiesige Handel desto mehr zugenommen. Den jetzigen Herbst sind
zwar mehr Karpfen aus der Lausitz auf den Markt gekommen, weil die Hauswirte, wie man
gehört, mit den hiesigen um den Wert nicht einig werden können, allein ob es mehr
geschehen wird, steht dahin. Jetzt kommen diese um Blatt 4 besagter Akten ein, und
verlangen, man solle denen wendischen Hechthändlern auch ein gewisses Maß setzen,
damit sie ihre Vorräte desto besser los werden könnten, sie stellen den Schaden vor, den sie
von den Hechten, welche sie aus Eurer Königl. Majestät Teichen erhandelt hätten, sie
müssten sehen wie einer nach dem andern abstände (abstürbe), hingegen die Fremden das
Ihrige ohne Schaden los würden. Man hält ihnen aber dagegen vor, dass wenn man
dergleichen vornehmen wollte, es eben wie mit dem Karpfenhandel ablaufen, und die
Zufuhre zur Stadt dadurch würde gehemmt werden. Man wollte lieber besagte Verordnung,
weil man den abusum (Missbrauch) desselben gewahr würde, aufheben, wenn man nicht in
der Besorgnis, dass weil sie von Eurer Königl. Majestät Kammer die Karpfen kauften, sie

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sich über den Mangel des Vertriebs beschweren möchten. Wenn man den Fremden Maße
setzen und sie dahin bringen wollte, dass sie nicht ihr ganz Gewerbe mit den Reisen nach
der Ware, mit der Hin und Anhero Fuhre und Verlosung, also mit dem Fischhandel allein
treiben dürften, würden sie bald ablassen müssen, und die Stadt käme um den bei ihnen
selbst allezeit befindlichen Vorrat von Hechten, Aalen und anderen Fischen, wie Krebsen, so
sie nach der Jahreszeit in guter Menge zuführten, gestalt auch zu observieren ist, dass wenn
dergleichen Fische viel zusammen kommen, oder das Wetter ist ihnen nicht zuträglich, selbe
fast ums halbe Geld zu haben sind. Bekannt ist auch, dass, zumal der Hecht, wenn er eine
Weile ohne Nahrung stehet, sehr geringe und unschmackhaft wird, welches bei den
Wendischen Hechten sich nicht leicht zuträgt, denn sie selbe in keiner so großen Menge,
sondern nach und nach, und immer frische Ware anbringen, welches hingegen, wenn man
sie bei den Fischhändlern allein suchen sollte, indem sie selbe meistens nur im Herbste aus
den Teichen einkaufen, desto mehr zu befangen ist. Sagen sie nun gleich, sie könnten sie
auch von den Orten, wo sie die Wenden herbrächten, hohlen, so würde es doch mit ungleich
mehren Unkosten, und nur wenn anders nicht zu haben, geschehen, folglich auch die Ware
teurer werden.
Es sind dieses unsere bei der Sache habende Gedanken, so wir den hiesigen Fischhändlern
bereits zu mehreren Malen, insonderlich Blatt 7b vorgestellt haben, allein sie wollen sich
damit nicht weisen lassen. Eurer Königl. Majestät und Kurfürstliche Durchlaucht haben wir es
demnach alleruntertänigst berichten, und zu dero ferneren allergnädigsten Ermessen stellen
wollen, ob wir es dabei lassen, oder ein anders anzuordnen in Ihren Königl. Gnaden für
ratsam befinden. Es sind diese fremden Hecht- und Aal-Händler meistens aus dem Amt
Senftenberg, sind der geringen Zehrung gewohnt, ihr Fuhrwerk ist nicht kostbar, haben
selbst wenig zu tun, liegen zwischen den Orten wo die Fische in der Menge und den
hiesigen, wo man sie bedarf, fast mitten drinn, haben also zu der Zufuhre weit mehr
Gelegenheit und Anlaß, als wenn die hiesigen zur Zeit, zumal wenn der Fisch seltsam,
danach reisen sollten, inmaßen sie solches nach der Registratur Blatt 10b mit mehreren
vorzustellen gewusst. In Erwartung dero allergnädigster Resolution verbleiben in treuestem
Gehorsam Eurer Königl. Majestät und Kurfürstliche Durchlaucht.
Dresden, den 26. Nov. 1712 D.R.Z.D. (Der Rat zu Dresden)
Bestallung des Hoffischers Bildt für die Herrschaft Hoyerswerda
In früheren Jahren war es ähnlich wie heute üblich, die benötigten Fachkräfte per Vertrag
anzustellen. Damals nannte man dies Bestallung. Im folgenden soll eine solche Bestallung
oder Instruktion, die einen Fischer in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der
Oberlausitz betraf, vorgestellt werden. George Heinrich Lauderbach, der die Güter der
Fürstin von Teschen in der Herrschaft Hoyerswerda verwaltete, hatte Mühe einen
ordentlichen geeigenten Fischer zu finden. Noch am 27. August 1728 schrieb er seiner
Herrin, wie schwer es sei eine geeignete Person zu finden. Den bisherigen Fischer hatte er
im vorigen Jahr entlassen, da er versoffen war und sich unlöblich verhalten hatte. Daraufhin
wurde Martin Prasser aus Torgau eingestellt. Jedoch hatte auch dieser eine Reihe schwerer
Fehler.:
„1. Ist der seitherige Fischer ein alter Mann, dabei einigermaßen lahm und kann also nicht
wohl fortkommen. 2. Trägt er Scheu, ist er auch wegen Alters unvermögend, in die kalten
Wässer sich hinein zu machen und nach hiesiger Art darinnen zu hantieren. 3. Hat er sich
um die entfernten Teiche in der Herrschafft wenig oder gar nicht bekümmert, noch danach
gesehen, sondern zu Hause, wie ein Dachs gelegen, und sich abgewartet. 4. Hat er schlecht
sich beflissen den Sommer über aus dem Fließe Fische zu fangen und zum Kauf und
Gebrauch anzuschaffen, wenn er aber ja bisweilen gewesen, so hat es auf einem Kahne
geschehen müssen, da der vorige solches ohne Kahn verrichtet, auch wer das Wasser nicht
scheut, ohne Kahn es verrichten können.... 7. Hat er um die Erziehung des Karpffen-
Saamens keine ...bare Wißenschaft, sich auch deshalben wenig dieses Jahr über daran

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beflissen und nichts dabei getan, als was man ihme geheißen, so doch ein Fischer nach
seiner Instruction vor allen Dingen mit in Obacht nehmen muss, ...“
Lauderbach muss von der Fürstin grünes Licht für einen Wechsel bekommen haben, denn
schon 15 Tage später konnte er am 11. September 1728 den neuen Fischer Gottfried Bild
einstellen.
Instruktion, wonach sich der Hoffischer, Gottfried Bildt, bei hiesiger Herrschaft zu richten hat
1. Ihr sollt der Durchlauchtigsten Fürstin von Teschen treu, hold und gehorsam sein, deren
hohen Nutzen bei der hiesigen Fischerei und was dem anhängig, allenthalben möglichster
Maßen befördern, den besorglichen und vorstehenden Schaden hingegen abwenden helfen,
hiernächst den vorgestellten Beamten in allem dienstfertig sein und dessen Anordnungen mit
behörigen Fleiße nachkommen und vorsätzlich dawider nicht handeln.
2. Zu desto besserer Beobachtung dessen sollet ihr euch eines nüchtern, auch sonst Gottes
fürchtigen Lebens befleißigen, nicht weniger die Eurigen zu selbigen und zu gleichmäßig
treuer Beobachtung dessen, was euch zukommt und wozu ihr sie mitzuziehen habt, rührig
anhalten.
3. Insonderlich sollet ihr das sämtliche Fischereiwesen, was und wie es dazu gehöret, bei
hiesiger Herrschaft wohl in acht nehmen, die Teiche dann und wann belaufen und zusehen,
ob solche in guten Thämmen und Graben stehen, die Flut-Betten notdürftig brauchbar oder
etwa baufällig sein möchten? Auch die Teiche mit genugsamen Wasser bespannt sein, oder
daran Mangel leiden, und in Winters Zeit von denen Teich Knechten fleißig genug
auffgeeiset, und eröffnet werden? Da ihr aber an einem und dem andern was zu erinnern
finden solltet, solches den Teich Knechten, die zur Folge deshalb an euch gewiesen werden,
anzeigen, und solchen, wo dem Defekte kürzlich abzuhelfen ist, in der Kürze abhelfen
lassen, außerdem aber beim Amte es anmelden und zur zeitigen Remedur [Abhilfe]
überlassen.
4. Die Teiche sollet Ihr sämtlich Euch bekannt machen und deren Lage und Güte
untersuchen, auch wohl derwegen, was zu Samen- und Streckteichen sich am besten
schicke? Hiernächst auf die Erziehung des Fisch-Samens emsige Sorgfalt legen und dahin
bedacht sein, dass der Fisch-Samen bei hiesiger Herrschaft alljährlich zu haben sei und nicht
erkaufet werden müsste, zu dem Ende ihr die Satz Karpfen sowohl auszusuchen,
zuzurichten und zu rechter Zeit in die Teiche zu bringen, auch nachmahlen den erzeugten
Samen zum Vorstrecken hauswirtlich zu besorgen habt.
5. Bei der Fischerei der Teiche sollt ihr euch allzeit persönlich finden lassen, mit denen
Teichknechten und andern Gehilfen jeden Orts, zu welcher Zeit es sei, selbst die Ausfischung
verrichten, zu dem Ende allemal vorher jeden Teich in Augenschein nehmen und ob das
Wasser genugsam abgelassen und der Teich zum Auffischen bequem sei? nachsehen,
sodann bei der Ausfischung euch fleißig erweisen und die in einem und andern Teiche
befindlichen Löcher und Tümpel notdürftig durchziehen, mithin die Fische völlig ausfischen
und nichts, was davon zur Nutzung dienlich, vorsätzlich oder nachlässig zurück lassen, auch
keinem von Gehilfen oder andern verstatten oder übersehen, dass von denen Fischen was
veruntreut werde, viel weniger es selbst thun oder tun lassen.
6. Hierüber habt ihr auch des Jahrs durch die wilde Fischerei fleißig in Acht zu nehmen, die
Fließe zu der Zeit, wenn der Fisch am besten zu fangen mit Hamen und Netzen, so weit die
herrschafftlichen Reviere gehen, zu Tag und Nacht zu durchziehen nicht minder die
Klebenetze, Reusen und Garnsäcke zugleich zu gebrauchen, und bei solcher wilden
Fischerei den herrschaftlichen Nutzen pflichtmäßig zu befördern, was ihr aber alltäglich
gefangen habt, bei dem Beamten oder in dessen Abwesenheit beim Rentschreiber anzeigen
und sodann vom Verkauf allwöchentlich das Geld zum Rentamt zu überliefern und ins Buch
einschreiben zu lassen.
7. Das Wohngebäude und das Inventarium an Fischzeuge und Gefäße sollt ihr hinlänglich in
Acht nehmen, und alles in Zeiten in Verwahrung bringen, nicht aber Schaden daran
geschehen lassen, widrigenfalls selbst dafür stehen, das Fischerzeug in gutem Stande
erhalten auch was nötig ist selbst dazu stricken und dazu den von Untertanen gesponnenen
Hanf empfangen, den Abgang aber in Zeiten melden, damit zur Nothdurft nichts daran
ermangele.

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8. Was euch an Fischen in die Hälter oder sonst anvertraut wirdt, habt ihr aufs fleißigste in
Acht zu nehmen, und zu aller Zeit das nothdürftige Wasser dazu zu geben, auch in
Winterszeit ohne Versäumniss die zugefrorenen Hälter aufzueisen und zu Tag und Nacht
darauf Acht zu haben, dass nichts darvon entwendet werde, wie ihr denn über den Empfang
und die Weglieferung euer Tageregister zu halten und auf Befehl vorzuweisen habet.
9. Für diese Mühe insgesamt habt Ihr das spezifizierte Lohn und Deputat, auch sonst
eingeführte Akzidens [Nebeneinnahme] benebst der Auslösung bei vorfallender
herrschafftlicher Reise zu empfangen und euch darmit zu begnügen. Im übrigen, dass Ihr
dieser Instruktion wollt gebührend nachleben, vermittelst körperlichen Eides angeloben.
Dat. Hoyerswerda am 10. September 1728.
Gottfried Bildt ist den 11. Septbr. in Pflicht genommen und auf diese Instruktion gewiesen
worden.
Lauderbach
Lohn und Deputat des Fischers:
16 Reichstaler Geld incl. Stiefeln, 8 Scheffel Korn (Dresdner Maß), 3 Viertel Gerste (großes
Maß), 2 Viertel Heide-Korn (großes Maß), 2 Metzen Salz (großes Maß), 2 Schock Stroh, 2
Märzschafe [Lämmer],
10 Klafter Holz, 1 Groschen von jedem Zentner Wage Geld, 2 Metzen Lein zu säen, ein Beet
Kraut, dazu er den Samen und Pflanzen gibt, 3 Pfund Fleisch und 3 Kannen Bier zu den
Feiertagen, ein Beet Rüben dazu er den Samen gibt, ein Fäßchen Gebräude von jedem
Gebräude, die 1. und 2. Kuh frei in der Weide, und dazu außer, was er selbst bei den Hältern
schon gewinnt, von herrschaftlichen Wiesen ein Fuder Heu, gleich andern Bedienten.
Über den Fischotter aus J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon
Ein ständiger, wenn auch nicht gerade erwünschter, Begleiter des Fischers war seit alters
her der Otter. Heute ist er von vielen ehemals besiedelten Gewässsern verschwunden, teils
durch Nachstellungen in der Vergangenheit aber auch durch Gewässerausbau,
Wasserverschmutzungen und andere Gründe. Wie „die Fisch-Otter“ von unseren Vorfahren
gesehen wurde, soll in Auszügen aus dem Großen Universallexikon von Johann Heinrich
Zedler aus dem Jahr 1735 in der Originalschreibweise wiedergegeben werden.
Fisch-Otter, Otter. Lateinisch Lutra, Lutra. Ein vierfüßiges Raub-Thier, welches nichts zu
Lande, sondern alles im Wasser, als Fische, Krebse und dergleichen raubet, und beydes in
dem Wasser und auf dem Lande leben kann. Sein Kopf siehet einem Hunds-Kopfe nicht
ungleich, die Ohren sind wie die am Biber, sein Leib ist viel dicker und viel rahner als des
Bibers. Sein Schwanz ist lang, rund spitzig und mit Haaren besetzet; die Schenkel sind als
wie des Fuschses, jedoch ein wenig dicker. Sein Fell ist nicht so dick als wie des Bibers mit
kurtzen Haar bedecket, dessen Farbe schier auf Castanien-braun herauskommet. Die Zähne
sind als wie derer Windspiel ihre Fänge. Es finden sich zwar in Europa auch Fisch-Ottern,
allein in Canada giebet es ihrer die grösseste Menge. Dieses Thier nähret sich von Fischen,
und träget deren so viel in seinen Bau, dass zuweilen eine gräuliche Pest entstehet, denn es
kann sie ohnmöglich alle verzehren.
Die Fisch-Otter wohnen in holen Ufern, Werdern, und alten hohlen Stöcken von Erlen oder
Weiden unter denen Fluthbetten, Teich-Ständern und verborgenen Löchern, wo allerhand
Reiß verworffen. Wenn die Fisch-Otter nun die Fasten-Zeit in Februario gerantzet, und ihre
Jungen zwölff Wochen getragen, setzet sie sodann in Majo gemeiniglich drey bis vier
Jungen, welche neun Tage blind liegen, ehe sie sehen können, und werden von der Alten
fleißig ernähret, bis sie 3 oder 4 Wochen alt, dann schlupfen die Jungen schon mit, und
lernen die kleinen Fischgen fangen, darauf sie sehr eifrig werden, und sich stätig hierinnen
üben, ob wohl mancher Fehlgang vorgehet. Wenn ohngefehr Hunde zu ihren Bau kommen,
können die Alten sich sehr wehren, und dieselben beschädigen, weilen sie scharff Gebiß
haben; inmittelst wischen die Jungen davon, und die Alte folget nach. Der Balg ist so fest,

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dass ihn nicht leicht die Hunde fassen können, wird im Wasser gar nicht naß, ausser, wenn
sie verwundet. Wenn die Jungen 2 Jahr alt sind, so sind sie zu ihrer vollkommenen Größe.
Sie wohnen lieber bey denen kleinen Wassern, und deren Bälge sind auch weit schöner und
besser, als derer, die bey denen großen Wassern sich aufhalten. Sie thun des Nachts nach
denen Fisch-Bächen weitläufftige Gänge, und geben genau Acht, so sie den Wind von denen
Menschen vernehmen, schiessen sie also bald unter das Wasser, und kommen an einem
andern Ort empor Athem zu holen. Wenn sie fischen, sind sie viel geschwinder unter dem
Wasser als ein Fisch, und so sie etwas fangen, kommen sie mit dem Raube in die Höhe, und
wenn es zu groß, schwimmen sie ans Land oder Ufer des Nachts, wo sie Frieden haben und
verzehren es mit dem größten Appetit. Die Fisch-Ottern sind geschwind, haben einen
langen, dicken glatthärigen Schweiff. Wenn sie Fische vermerken, schlagen sie mit dem
Schwantz ins Wasser, dass die Fische erschrecken, und sich unter die Wurtzeln und Löcher
des Ufers verkriechen, da sie solche am meisten fangen.
Gemeiniglich geschiehet ihr Gang vor Tage aus dem Bau, sie fischen unter dem Wasser
gegen den Strom weit weg, und wenn sie satt worden, lassen sie sich den Strom allmählich
wieder zurück treiben. Ihre angenehmste Speise sind Krebse, wenn sie die in denen
Fischreusen vermercken, kriechen sie mit solcher Begierde hinein, dass sie nicht wieder
heraus können, und aus Mangel der Lufft ersticken müssen, wiewohl sie sonsten ein sehr
hartes Leben haben. Sie haben breite Gänse-Läuffte, womit sie rudern und im Mangel derer
Fische müssen sich die Frösche willig ergeben. Recht wundersam ist es, was sie die Natur
gelehret, dass, wenn sie des Frühlings große Wolcken-Brüche und Wasser-Fluthen
vermuthen, sie deren Anzeigung an denen Ufern das Lager etwas erheben, damit sie nicht
ersticken möchten. Wo sie anders Frieden haben, setzen sie sich gerne auf alte Stämme,
oder sonst im Winckel an Wassern, und lassen sich mit ihrer besondern Vergnügung die
Sonne bescheinen, und trockenen. Wo sie in die Forellen-Wasser kommen, so thun sie
grossen Schaden. Ihre Losung, so meist von Krebs-Schalen und Fisch-Schuppen bestehet,
werfen sie gemeiniglich auf die Steine.
Wenn des Winters die Ströme oder Teiche mit Eiß befroren, werden sie die aufgehackten
Wuhnen, oder offenen Löcher wohl in Acht nehmen, und sich nicht zu weit unters Eiß wagen,
sondern bald wieder heraus kommen. Ihr Weg gehet alsdenn auf dem Eisse nach denen
offenen Löchern, und spühren sich wie die Marder, setzen die Tritte je 2 und 2 beysammen in
der Grösse eines Dachses, aber nicht mit so vollkommenen Ballen, sondern flacher Spuhr,
und schleppen den langen Schwantz zuweilen. Sie fressen von grossen Fischen alles,
ausser den Kopff, Gräte und Gerippe, so sie liegen lassen. Verhären sich niemahls wie
andere Thiere, sondern bleiben am Balg Sommer und winter gut. Ihr Fleisch oder Wildpret ist
ungesund und zähe, wird denen Carthäuser-Mönchen zu essen erlaubet. Um die Fasten-Zeit
rantzen sie gemeiniglich, da sie sich denn bey ihren Ausgange des Nachts wie die Menschen
mit sonderlichen hellauten Pfeifen zusammen ruffen. Die Fisch-Otter ist zwar schwer zu
fangen, und hat unter hundert Jägern kaum einer die Wissenschafft recht darum, doch wird
sie auf unterschiedene Art gefangen. Wo es deren viele giebet, sind rechte Otte-Fänger,
welche absonderlich, beißigte, kleine und beherzte Otter-Hunde haben, etwas grösser als
Dachs-Schiesser, und braun von Haaren, mit steiffen Ohren zu beyden Seiten, um ihre
Löcher auszustöbern....
Sie werden bisweilen auch gezähmet, und von denen Fischern abgerichtet, dass sie die
Fische in die Garn treiben, desgleichen von den Köchen, Fische zu holen, in die Wasser
geschickt, jedoch weil sie räuberisch, und gemeiniglich mehr Fische umbringen, als man
gerne hat, fast selten zu solcher Arbeit gebrauchet. In allen Theilen seines Leibes führet er
viel Saltz und Oel. Sein Haar dienet zu Hüthen und Müffen, weil es seinen Glantz nicht also
bald verliehret, und von dem Wasser und Regen nicht allzu leicht beschädigt werden kann.
Sein Blut lindert das aufgelauffenen weisse Geäder mit Essig und Wasser vermischet. Sein
Fett zertheilet und machet zeitig, wird zu denen Schmertzen deren Gelencke gebraucht und
stärcket die Nerven. Seine Leber gedörret und zu Pulver gemacht, ist gut wider die Rothe-
Ruhr, und von einem Scrupel bis auf ein gantzes Quentlein eingegeben. Schuh von dieses
Thieres Leder gemacht, ingleichen auch der Balg von diesem Thiere werden zu weissen
Geäder Schmertzen derer Füsse und Podagra [Gicht] gerühmet. Lutra kommt von, ich
wasche, ich bade, dieweil die Otter in denen Flüssen badet, in denen er herum zu

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schwimmen pfleget. Canis fluviatilis [Flusshund] heisset er, weil er etwas von des Hundes
Wesen an sich hat, und öffters in denen Flüssen wohnet.
Über die Forelle aus J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon
Mit dieser Folge soll die Wiedergabe der Beschreibung einzelner Tier- oder Fischarten aus
dem Großen Universallexikon von Johann Heinrich Zedler fortgeführt werden. Obwohl die
Beschreibungen schon über 250 Jahre alt sind, zeigen sie doch in erstaunlicher Weise, wie
gut der Kenntnisstand unserer Ahnen war. Die Wiedergabe erfolgt auszugweise und in der
der Originalschreibweise.
Forelle, Fohre, Fore, Lateinisch Trutta, Trocta, Fario, Variola, ist ein Fluss-Fisch dem Hechte
an Gestalt nicht ungleich, ausser daß er am Kopff und Maul kleiner und spitziger ist, hin und
her mit rothen gelben und schwartzen Flecken gezieret. Die Forellen sind ein herrlicher und
delicater Fisch, der gerne im hellen und harten Wasser stehet, in welchen Sand und Kiesel-
Steine sind. Man hat verschiedene Arten von diesen Fischen, als Schwartz-, Gold-, Bach-,
Wald-, Teich-, See-, Grund-, Schweb-, Lachs- und Land-Forellen, unter welchen allen die
Bach-Fohren die niedlichsten sind. Daher sie DE SERRES die Rebhühner im Wasser
nennet. Die Wald-Fohren sind schwartz, die Teich-Fohren gelbe, die Lachs-Fohren gar
gelblicht, manche gläntzen mit goldartigen Spiegeln, aurate genennet. Sie fressen was sie
bezwingen können, allerley Fischlein, Eydexen, Frösche. Wenn sie in denen Teichen lange
aufbehalten werden, bekommen sie eine ziemliche Größe und gelten viel. Es hat sich auch
bißweilen zugetragen, dass in alten und verbrochenen Wasser-nothigen Stollen und
Strecken, sonderlich vorne am Mund-Loche überaus fette und starcke Forellen erwachsen.
Es giebet nicht nur im gantzen Ober- Ertz-Gebürge, sondern auch in dem Mittel-Gebürge um
Freyberg herum, ja noch weiter hinunter biß an Dreßden und Waldheim in Bächen und
Teichen Forellen.
Durch Lockwitz, so eine Meile von Dreßden, fliesset ein Bach, der herrliche Forellen hat. In
der Weiseritz, zumahl um das Städtgen Rabenau, werden auch viele Forellen gefangen, aber
unter Dreßden, gegen Meissen keine eintzige, vielweniger um Leipzig. Sie sind zwar
mittelmäßiger Grösse, jedoch geschiehet es bisweilen, dass sie zu 4 bis 5 Pfund starck
werden. Sie haben ein härtliches und gesundes Fleisch. Sie werden meistens trocken
gesotten, und mit Essig gespeiset. Um Annaberg und Zwönitz, und der Orten werden sie
bisweilen gesotten, mit Petersilge eingelegt, und in eine Schachtel sauber eingelegt, und auf
der geschwinden Post an gute Freunde übermacht, und wenn sie ankommen, so sind sie
annoch von sehr guten Geschmack.
Wenn die Forellen leichen, kan man sie mit denen Händen haschen. Sie sollen Monatlich
ihre Reinigung, wie ein Weibsbild haben, deren die schwärtzlichten ein weit körnigters und
wohlgeschmackters Fleisch haben, als die gelblichten oder weißlichten. Es ist wie ein Pfeil
wider den Strom schnell schiessender behänder Fisch, welcher sonst mit seinen hellen
Augen auch den Schatten des Menschen siehet, jedoch am Rande untern Ufer stehend mit
dem Finger untern Bauch berühret, vor Wohlthum sich zur Seite umwendet, dass man ihn
behände greiffen und heraus werffen kan, mit welcher Thorheit er öffters gefangen wird.
Wenn im Sommer die Sonne um den Mittag heiß scheinet, so sind sie gerne mitten im
Strome, wo das Wasser am stärcksten rinnet, und sind alsdenn, wie auch zu der Zeit, wenn
es regnet, leicht zu fangen. Sie springen öfters mit sonderbarer Geschwindigkeit über hohe
Wasser-Fälle. Einige rathen, wenn man Forellen fangen wollte, so sollte man das Gereder
[Gerät] mit Lieb-Stöckel-Saft bestreichen, der Lieb-Stöckel aber müsse erst im Wasser
gesotten und der Saft davon ausgedrückt seyn, so würden sie gerne anbeissen. Ob zwar die
Forellen gegen dem Herbst zu streichen, so streichen sie doch auch im Frühling, und
manchmal gar zeitlich, bald nach Weihnachten. Sie können nicht leichtlich erhalten werden,
ausser an den Orten, wo man hell fliessende Wasser hinleiten kan. Wenn ein Bach zu
Forellen gut ist, und solche doch nicht giebet, weil die grossen Wasser dieselben mit ihren
Anlauffen hinweg führen, muß man alsdenn in dergleichen Bächen tieffe Gruben machen,
und solche mit Steinen bedecken, dass sie sich dahinter verbergen können, auch hinter die
Steine einen starcken Zaun stecken, dass sie nicht durchfahren, wenn das Gewässer

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gefallen, so thun sie sich unter denen Steine hervor, in den Bach, und gewöhnen darinnen
wie die Gründlinge.
Lehmann gedencket in dem Historischen Schau-Platz seiner Ertz-Gebürgischen
Merckwürdigkeiten, dass einsten eine Forelle, die 8 Pfund gewogen, in dem Ertz-Gebürge
gefangen, und dem Churfürsten Johanni Georgio I. zu Sachsen zu einem Praesent
überschicket worden.
Es folgen in großem Umfang Forellenrezepte und Ratschläge sie über längere Zeit haltbar zu
machen, wobei in ungewöhnlichem Maße Essig verwendet wurde. Über Forellenteiche und
Forellenhälter heißt es weiter unten:
Forellen-Hälter, muß man so anlegen, daß das Wasser oben hinein, und unten wieder
heraus lauffe. Denn stillestehende Wasser schaden ihnen mehr, als ihnen der Mooß und
sandige Grund hilfft. Auch ist ihnen die Hitze des Sommers gar schädlich, darum pflantzet
man gerne Bäume dabey, davon sie Schatten haben. Einige richten solche Hälter an, die sie
in drey Theile theilen, in einen Theil setzen sie die gar grossen Fohren, in den andern die
mittelmäßigen, und in den dritten die kleinen.
Forellen-Teiche, müssen kiesigte starcke Qvellen, und am Wasser keinen Mangel haben.
Man rechnet insgemein auf einen Acker [5534,2 m²] zwey Schock Satz [120 Setzlinge], von
gleicher Gattung, und weil die Forellen ein Raub-Fisch, so setzet man entweder Speisefische
[damit waren früher Weißfische gemeint] oder Laich-Karpffen zu ihnen, dass sie von der
Bruth ihre Nahrung bekommen. Die Forellen-Teiche, die man besetzen muß, werden alle
drey Jahre einmahl gefischet, und mit Satz wiederum besetzet. Winters-Zeit eisset man sie
auf, wie die andern, und siehet täglich nach dem Ein- und Ausfluß, dass er alle Zeit offen
bleibe.
Über den Lachs aus J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon
Auch in diesem Heft wird die Wiedergabe der Beschreibung einzelner Fischarten aus dem
Großen Universallexikon von Johann Heinrich Zedler fortgeführt. Die Wiedergabe erfolgt
auszugweise und in der der Originalschreibweise.
Lachs, Salm, Lateinisch Salmo, Esox ist ein Piscis anadromus oder zurück gehender Fisch,
welcher aus dem Meere weit in die Ströme hinauf steiget, und wenn er daselbst geleichet,
seinen Weg wieder zurück in das Meer nimmt. Er erwächset zu einer ziemlichen Grösse, so
dass er bis zu 30 und mehr Pfund schwer wird. Sein Kopf und Maul sind nicht gar groß; in
dem letztern hat er viele und scharffe Zähne; er ist starck vom Leibe, auf dem Rücken
dunckel-blau, an den Seiten aber lichter und gläntzend, am Bauche gantz weiß und mit
schwärtlichten Puncten hin und wieder besprenget. Er hat eine weiße und knochenharte
Zunge, am Bauche, wie auch auf dem Rücken, etliche starke Floß-Federn, am Kopfe aber
auf iedweder Seite vier Bluth-rothe Kiefen [Kiemen] oder Fisch-Ohren; sein Fleisch ist roth-
gelblich, oder Fleisch-Farb, feist, wohlschmäckend und nahrhafft, aber etwas hart zu
verdauen, dahero es vor schwache und kränckliche Leute nicht dienet, wenn es aber in
einen jungen starcken Magen kömmt, und daselbst wohl verdauet wird, so giebet es
reichliche Nahrung.
Insonderheit aber werden die jungen Lächslein, so nur etwa einer Spannnen lang, vor sehr
niedlich und gesund gehalten; hingegen sollen, der gesaltzene Lachs so wohl, als der
geräucherte, desto ungesunder seyn, wenigstens erfordern sie einen guten Magen. Gegen
den Winter gehen die Lächse aus dem Meer damit sie leichen künnen, in die süssen Wasser
und Ströme, und zwar vornehmlich in die Weichsel, Oder, Elbe bis über die Saale und Mulde,
unter welchen die Elb-Lächse vor die besten und schmackhafftigsten gehalten werden;
ingleichen in die Weser, in den Rhein und in die Mosel, welche Ströme insonderheit dem
Lachs einen angenehmen und gedeilichen Aufenthalt geben: Massen [maßen, weil] die in
solchen Flüssen gefangene an gutem Geschmacke alle andere übertreffen; dahingegen
diejenigen, so in der Schelde, Themse, Loire und Garonne gefangen werden, denselben an
Güte bey weitem nicht beykommen.

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Wenn sie leichen wollen, machen die Weiblein in den Sand, auf dem Grunde des Stromes,
kleine tieffe Gruben, die sie mit Steinen wohl verwahren, damit das Wasser ihren Rogen,
welchen sie in Erbsen-Grösse in diese Gruben legen, und mit Sand wieder zudecken, nicht
zerstreue. Und obgleich die Wasser fallen, auch die Gruben vertrocknen, soll doch
derselbige nicht verderben, sondern in dem Frühlinge bey wachsendem Wasser lebendig
werden. Die jungen, so daraus erwachsen, gehen, ehe sie jährig werden dem Meere wieder
zu, und kommen wenn sie zu einer ziemlichen Grösse gelanget, von neuem dem Strom
entgegen wieder zurücke. Durch dieses austreten verliehren sie ihren rohen Meer-
Geschmack, und sind im May bis um St. Johannis [24. Juni] am besten zu genüssen. Denn
gegen ihre Leich-Zeit werden sie magerer, und bekommen viele braun und gelbe Kupfer-
Flecke, welche, von einigen vor eine Kranckheit gehalten, und mit denen Finnen derer
Schweine verglichen, und dahero das verspeisen dergleichen Kupfer-Lächse zu solcher Zeit
unterlassen wird.
Die Lächse sind eines so harten Lebens, dass auch das Hertz etliche Stunden, nachdem es
aus dem Fisch genommen worden, sich noch bewegt. Einige machen in Benennung dieser
Fische diesen Unterschied, dass sie solche im Frühling und Sommer Salmen, im Herbst und
Winter aber Lächse nennen, ja etliche wollen gar aus denen Salmen eine gantz besondere
Art Fische machen. Sie werden Theils in denen Reußen und Garnen gefangen, Theils zu
Nachtzeit bey angezündeten Fackeln, mit Gerren [Speere], Dristacheln oder Aal-Gabeln
gestochen, am besten aber und ohne die geringste Mühe bekömmt man sie in denen,
vornehmlich dieser Fische halben, auf denen Flüssen gebauten Wehren oder Fängen. An
etlichen Orten haben die Fischer den Gebrauch, dass wenn sie ein Weiblein in dem Netze
fangen, sie selbiges an ein Seil binden, da denn das Männlein, welcher wegen seines
krummen Schnabels oder Hackens, den er am Unter-Maule hat, eine Hacken-Lachs
genennet wird, denselben bald nachfolget, und sich eben Falls fangen lässet.
Der Lachs führet viel flüchtig Saltz und Oel, eröffnet, stärcket, giebt frische Kräffte, ist der
Brust gut und zertheilet. Die Lächse, so man im Früh-Jahre fänget und speiset, werden
insgemein die Rosen-Lachse genennet, weil man sie zu der Zeit, da die Rosen blühen,
fänget. Wenn der Lachs gesotten, und hernach in Petersilgen und in einer saubern Schachtel
eingepacket wird, hält er sich lange Zeit frisch und gut. Einige halten den Lachs vor einen
Raub-Fisch; andere aber bezeugen das Widerspiel, und meynen, es würde in ihren Mägen
nichts, als ein zäher gelber Schleim, und nie Mahls ein Fisch, wie bey andern Raub-Fischen,
gefunden. Es ertheilet Balbinus [Bohuslav Balbin, 1621-1688, Jesuit, Historiker, böhmischer
Gelehrter] aus besondere Erfahrenheit eine gar genaue Beschreibung von dem Striche
dieses Fisches in der Elbe und Mulde, dass er sich überHaupt in die grossen Flüsse, die
Elbe und Mulde halte, die kleinern aber verabscheue, so gar, dass man auch in der Eger
selten einen fangen könne, ja, dass die Lächse der Elbe, wenn sie an die Mulde kommen,
sich zu theilen, und vornehmlich die Weiblein in die Mulde zu treten, die Männlein aber sich
im Haupt-Fluß, oder in der Elbe zu halten pflegten. Es gedencket auch eben dieser Autor aus
einem alten Manuscripto, das anno 1432 ein so grosses Heer von Lächsen angekommen,
dass sie bey nahe die Elbe nicht beherbergen , und ein Fisch dem andern nicht ausweichen
können, daher die Leute Hauffen Weise mit Aexten herzugelauffen, und die Fische
erschlagen.
Den Vortheil des Lachs-Fangs genüsset auch Schlesien von der Oder, und es sind von
langen Jahren her ansehnliche Fängereyen längst der Oder, z.E. bey Beuthen, Glogau,
Steinau und so weiter, gehalten worden. Man hat bisweilen auch noch in denen ersten
Jahren dieses Jahrhunderts 3, 4 bis 500 Lächse gefangen. Deßwegen sind auch von dem
Stadt-Magistrate zu Breslau besonderer Verordnungen gemacht worden, insonderheit, dass
alle Fischer und Müller, so unter die Stadt-Jurisdiktion gehörig, bey Vermeidung grosser
Strafe alle Lächse an den Herrn Raths-Presidenten liefern müssen, vor deren ieden, er sey
groß, oder klein, sie 6 [bis] 8 Groschen empfangen. Selbige müssen alsbald an den hierzu
absonderlich bestellten Lachs-Voigt geliefert werden, der sie abthut; in welcher
Beschaffenheit sie dem Praesidi überbracht werden, der die eine Helffte aber durch den
Lachs-Voigt nach einer besondern Consignation [Anweisung] an vornehme und Bürger-
Personen vertheilen lässet, gleich wie halbe und gantze Fische an Standes- und regierende
Personen, die ersten aber an Kaiserliche Majestät versendet werden.

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Es haben einige eine artige Anmerckung von denen Salmen, dass sie nemlich viel schlechter
wären, wenn sie Strom hernieder giengen, als wenn sie Strom herauf giengen.... Bey
Antwerpen sollen so schlechte Lachse gefangen werden, dass auch die Knechte in Holland
mit ihren Herren accordiren [vereinbaren], wie viel Lachse sie alle Wochen bey ihnen
verspeisen sollen.
Über Gewässerverschmutzungen im Erzgebirge im 16. Jahrhundert
Das 16. Jahrhundert – der fischereiliche Idealzustand im Erzgebirge? So könnte die
Überschrift zum aktuellen Beitrag lauten. Und die Fragestellung lässt schon Zweifel
aufkommen, obgleich man landläufig zumeist der Meinung ist, dass vor fünf- bis vierhundert
Jahren die Fischerei einfach noch in bester Ordnung gewesen sein muss. Dies war leider
nicht der Fall, wie sich beim Studium alter Quellen aus dem fraglichen Jahrhundert
herausstellte.
Die Quelle, die uns das ziemlich niederschmetternde Bild der fischereilichen Verhältnisse im
Erzgebirge zeichnet, ist das Fischwasserverzeichnis des Kurfürsten Christian I. von 1591,
welches im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden aufbewahrt wird. Das handschriftliche
umfangreiche Buch trägt den Titel: „Auszug was dem Durchlauchtigsten Hochgeborenen
Fürsten und Herrn, Herrn Christiano, Herzogen zu Sachsen,…an eigentümlichen Teichen
und Fischwassern in allen Seiner Churfürstlichen Gnaden Ämtern durchs ganze Land
zuständig“. Bevor auf dessen Inhalt eingegangen werden soll, ist es notwendig eine kurze
Darstellung der historischen Verhältnisse abzugeben. Der Vater Christians, Kurfürst August,
ist in Sachsen als weiser Herrscher bekannt, der sich große Verdienste um die
Modernisierung Sachsens erwarb. Im Erzgebirge ließ er sich über der Zschopau sein
Jagdschloss (Augustusburg) erbauen. Im weiten Umfang um dieses Schloss versuchte er
nun, sich die Fischerei in den Gewässern anzueignen. Dazu wurden viele Gewässer
aufgekauft bzw. die Pachtverträge der vermieteten Gewässer aufgekündigt. Für die nun in
der Obhut der Ämter stehenden Gewässer wurden eigens Fischknechte angestellt. Vor allem
das nahezu geschlossene Fischereirevier um die Augustusburg gestattete ihm, die Jagdtafel
reichlich mit Fischen versehen zu lassen. Eine erste Umfrage der kurfürstlichen Rentkammer
lieferte 1558 einen Bericht aus 48 Ämtern seines Herrschaftsbereiches. Dabei hatten die
Ämter einen Bericht über die Größe, Lage und Grenzen der Gewässer, die vorkommenden
Fischarten, über die Art der Nutzung sowie die Erträge der den Ämtern unterstehenden
eigentümlichen Fischwässer anzufertigen.
Der Kurfürst August im Amt folgende Sohn Christian ließ 1591 erneut ein derartiges
Verzeichnis aufstellen. Es ist auffallend, dass ehedem ertragreiche Gewässer innerhalb von
33 Jahren eine deutliche Schmälerung bis hin zum Ausfall haben hinnehmen müssen. Im
Einzelnen lesen wir folgende Einschätzungen:
Amt Annaberg: An Fischwassern hat dies Amt nichts, denn [außer] alleine in den Mühlgräben
zu fischen, von Buchholze an und herunter bis Wollfsstein und auf Schönfeld. Ist aber von
den Hütten und Pochwerken von Kies und Kobalt ganz verwüstet, dass auch darinnen in 19
Jahren vom Amt kein Essen Fische gefangen.
Amt Dippoldiswalde: Weißeritz hat wenig Fische wegen der Pochwerke zu Dippoldiswalde,
soviel Kies geben…
Amt Grünhain: Bäche bei Cranzahl, aber durch die Annabergischen Hüttenfließe sehr
verwüstet.
Amt Lauterstein: Die Große Pockau: … wird aber itzo durch die Marienberger Bergwerke und
derselben Flöße sehr wüste. Die Kleine Pockau: …darinnen gar keine Fische, ist durchs
Kiesewasser und Pochwerke verderbet und verwüstet. Schlettenbach: …wird durch die
Hütten und Pochwerke verderbet.
Amt Nossen: Mulde: Und weil dies Wasser vom Freibergischen Berg- und Stollenwasser
sehr verderbet wird, so gibt es allein wenig Elritzen.
Amt Schwarzenberg: Pöhlwasser: … und werden in solchen Wasser Speisefohren gefangen,
wird aber durch die Pochwerke und Seifen jetzt sehr verdorben. Mulde am Vorwerk
Albernau: …wird aber durch die Pochwerke sehr verdorben. Mulde am Schneeberger Wehr:

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…aber durch die Pochwerke und Seifen sehr verderbet, dass sich auch die Fischer den Zins
förder zu geben, beschweren. Die Kleine Bockau…hat aber wegen der darin liegenden
Bergwerke und Pochwerke keine Fische, darum auch kein Zins davon zu nehmen. Die
Große Bockau…nachdem aber mein gnädigster Herr bewilliget, einen Strom dem Pochwerk
auf der Grüna im Eibenstock zu gute zu führen, so ist solch Wasser wegen des Pochwerks,
der Seifen und Flößen nichts mehr zu genießen, derwegen auch davon kein Zins zu geben.
Amt Crottendorf: Große Mittweida: …gibt Fohren, wird aber durch die Flöße sehr verderbet.
Kleine Mittweida: ...ist aber durch die zugerichte Flöße für die Hammerwerke also verderbet,
dass davon kein Zins mehr zu nehmen.
Amt Stollberg: Die Thalheimer Bach gibt Fohren, Weißfische und Krebse, ist bisher gehegt,
wird aber wegen neuen angeordneten Flöße nach Chemnitz sehr wüste.
Amt Wolkenstein: Preßnitz: …gibt Fohren, Aschen und kleine Fische, wird auch von der
Flöße sehr verderbet. Heidelbach: wird gleicher Gestalt von Pochwerken sehr verderbet. Die
Kleine Pockau, das Weißwässerlein samt zwei einfallenden Bächlein, die Große und Kleine
Erdmannsbach, das Schnidelbächlein, die sind vor etzlichen Jahren den Marienbergischen
Bergwerken zum Besten abgeführt und zur Fischerei nicht mehr zu gebrauchen.
Amt Voigstberg: Weiße Elster bei Ölsnitz: Weil aber solche Wasser durch die Flößen ziemlich
verderbet, werden dieselben um solchen Zins förderhin schwerlich auszubringen sein. Bei
Neukirchen vier namentlich genannte Fischwässer, u.a. die Zwota: die vier Bäche durch
Flößen sehr verderbet und weil fast gar keine Fische mehr darinnen zu fangen, so wird
solcher Zins sonder Zweifel künftig auch aufgekündigt werden. In den Auerbachischen
Wäldern fallen auch etliche Bäche zusammen, itzo aber weil dieselben auch gleichergestalt
von den Flößen wüste werden.
Grund für diese fischereilich unbefriedigenden Verhältnisse trug also der Bergbau mit seinen
Pochwerken, Seifen sowie den dazu nötigen Holzdriften bzw. Flößereinen. Bergbau wurde
im Freiberger Revier schon seit dem 13. Jahrhundert betrieben und der ehemalige Reichtum
Sachsens beruhte zu einem entscheidenden Stück darauf. Auf die Fischerei wurde daher
wenig Rücksicht genommen, da die anderen Felder wesentlich ertragreicher waren. Es muss
uns das heutigentags nicht sonderlich verwundern. Dass die Entwicklung mit derart
dramatischen Auswirkungen aber schon so zeitig einsetzte, ist jedoch einigermaßen
erstaunlich.
Über den Stör aus J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon
In diesem Heft wird die Wiedergabe der Beschreibung einzelner Fischarten aus dem Großen
Universallexikon von Johann Heinrich Zedler fortgeführt. Die Wiedergabe erfolgt in der der
Originalschreibweise.
Stör, Stöhr, Lateinisch Sturio, Acipenser, Silurus, Stora, Aquipenser, Französisch Eturgeon, ist
einer von denjenigen Fischen, die zwar ordentlich im Meere wohnen, aber aus demselben in
die süssen Flüsse und Ströhme, und zwar nicht ohne Unterscheid in alle , sondern nur in die
größten, als in die Donau, Elbe, Oder, Weichsel und dergleichen austreten. Sie kommen
offtermahls ziemlich ziemlich hoch, auch zahlreich herauf, zumahl, wenn in warmen
Monaten, im May oder Jun, grosse Wasser kommen, daß sie die hohen Wehre übergehen
können, wie den deren bloß im Jahre 1713 im May auf die Weise, 128 Stück vor Breslau
gefangen worden, da der größte sechs völlige Ellen [1 Elle etwa 60 cm] und der kleinste
nicht über eine halbe Elle groß gewesen. Dieser Fisch hat einen langen, starcken, spitzigen
Schnabel oder Rüssel, auf jeder Seite viere mit einem harten Deckel verwahrte Kiefer, und
fast unter den Augen am Untertheile des Rüssels ein so kleines Maul, ohne Zähne, daß er
alleine saugen muß, wenn er seine Nahrung suchen will. Vor demselben hängen, gleichsam
zur Beschützung vier Zasern, als ein doppelter Bart. Der Bauch ist flach und weiß, der
Rücken aber eckig und dunckelgrün, welche Farbe an den Seiten lichter wird. Die Floßfedern
sind weißlich, zweye sitzen neben den Kiefern, zweye am Bauche, eine unterhalb des
Bauches an dem Schwantze, und eine auf dem Rücken, nicht weit vom Schwantze. Längst
dem Rücken und auf beyden Seiten ist er mit starcken knorrichten Schilden, in fünff Reihen

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dermassen verwahret, daß man ihn daselbst mit dem schärffsten Degen nicht leicht
verwunden kann. Vom Kopffe läufft durch den Rücken bis an den Schwantz, zu Befestigung
des gantzen Fisches, eine fingerdicke Senne, welche insgemein Stärcke genennet, und von
den Köchen bey seiner Schlachtung ausgerisen wird. Sein Fleisch ist weiß, gelinde und
nahrhafft, dem Munde lieblich und dem Magen angenehm, aber ihm darneben fast schädlich,
weil sein Fett etwas beschwerlich, und einige Dickhafftigkeit dabey bemercket wird, welche
schwachen und krancken Leuten nicht dienet; jedoch ist ein grosser Unterscheid nach
seinem Geschlechte, Orte, Zeit, Alter, und Zubereitung. Daher halten einige die kleinen
Stöhrlein, andere die erwachsenen Weiblein, wenn sie voll Eyer, und andere die Männlein für
die besten. Der Stör wird entweder stückweise gebraten, oder mit einer Senf- oder
Butterbrühe zugerichtet, oder in Pasteten eingeschlagen; man siedet ihn auch ab, und leget
ihn trocken auf eine Serviette. Ueber den gesottenen Stör ist auch eine Sosse vo halb Butter
und Weine, nebst etwas Weinessig, einem zerschlagenen Eyerdotter, etwa geriebenen
Brodte und Corinthen wohl durchkocht, nicht unangenehm, sondern recht piquant. Zu
mercken ist, daß bei diesem und allen langen Fischen, wenn man sie gantz sieden will, ein
langer kupferner Kessel, wohl verzinnet, erfordert wird. Wie grosses Werck die Römer aus
dem Stör gemachet, erhellet daraus: weil sie auf ihren Gastereyen einen großen Stör, durch
mit Kräntzen gezierte Diener, und unter Trommel- und Pfeiffen-Schall in den Eß-Saal
hineintragen lassen.
Die Störe so in dem Meere wohnen, sollen viel kleiner seyn, als die in die süssen Wasser
kommen, daselbst sie merklich zunehmen sollen, wie sie denn zu zwölff, auch sechzehen bis
zwantzig Fuß lang gefangen werden. Wegen ihrer besonderen Stärcke, so sie im Ryssel und
Schwantze haben, müsen die Fischer starcke Netze, als man zur Hirsch- und wilden
Schweins-Jagd gebrauchet, anschaffen, wenn sie auf seinen Fang ausziehen. In Italien wird
aus dem Rogen der Störe, welcher aus Moscau in grosser Menge dahin gebracht wird, eine
besondere Deelicatesse gemacht. Die Russen, welche bey Astracan in der Wolgau sehr viel
Störe fangen, schlagen den Roggen von der daran klebenden Haut ab, saltzen ihn ein, und
wenn er acht Tage also gestanden, vermischen sie ihn mit Pfeffer und klein geschnittenen
Zwiebeln, und schlagen ihn in Tonnen ab, oder, er wird auch nur an der Sonne getrocknet,
und also in fremde Länder verschicket. Die Italiener, welche diesen Roggen Caviar nennen,
pflegen ihn mit Essig und Baumöle [Olivenöl], oder auch mit Citronensaffte zuzurichten.
Gemeiniglich und wenigstens wäget ein grosser Stör hundert Pfund. Erlebet vom Schaume
und Unrath in der See; ja einige Fischer berichten auch, daß man bey ihnen Hachte und
andere Fische angetroffen habe. In Frankreich ist er seltzam. Es wird eine Gattung
Fleischleim von ihm bereitet, den verkauffen die Materialisten nicht in Rollen, sondern in
Blättern: er zergehet schwerlicher, denn der gemeine. Wenn er aber zergangen ist, so thut er
eben die Dienste. Das Fleisch vom Störe gegessen, macht einen gelinden Leib. Es soll der
Stör die Hausen allenthalben auftreiben, so, daß daher ein Sprüchwort entstanden, nach
welchen man, wenn ein kleiner einen Großen bemeistert, zusagen pfleget: Das Störlein treibt
den Hausen. Es soll dieser Fisch auch einen gar harten Schlaf haben, und im Schlafe oben
schwimmen, wie ein Stück Holtz, daß man ihn alsdenn leicht bezwinen, mit einen Stricken
binden, und alsdenn nach Gefallen übermeistern kann. Die Zeit der Störe ist der Sommer,
wenn die Sonne am heissesten scheinet. Mit den eingepöckelten wird ein starcker Handel
getrieben. Die Gräten vom Stör eröffnen, und sind gut zu den Flüssen, zum Reissen in den
Lenden, und zum Sande und Griese, wenn sie gestossen und zu einem Scrupel, bis auf ein
Quentlein eingenommen werden. Sturio ist dieser Fisch darum genennet worden, weil seine
Schnautze spitzig ist, und weil sie, wie man vorgiebet, wie das Eiß sehen soll, so in dem
Winter von den Dächern herabhänget, welches auf Lateinisch Stiria, Eiß-Zapfen, heisset.
Silurus kommt von
σιλεροζ,
und dieses von
ζειω
quatio, moveo, ich wackele, bewege, weil
dieser Fisch den Schwantz gar zu sehr zu bewegen pfleget. Der Name Stör, wird à
scrutando, von Stören oder Nachsuchen hergeleitet, weil sein Rüssel lang, und zum
Nachsuchen bequem ist, daher er auch bey dem Schwenckfeld [Caspar, gest. 1609, Arzt,
schlesischer Gelehrter], Piscis Scrutator, genennet wird.

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Über den Hecht aus J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon
In diesem Heft wird die Wiedergabe der Beschreibung einzelner Fischarten aus dem Großen
Universallexikon von Johann Heinrich Zedler fortgeführt. Die Wiedergabe erfolgt
auszugsweise und in der Originalschreibweise.
Hecht, Lateinisch Lucius, Französisch Borcher, ein Fisch, der sich in süssen Wasser hält,
lang und groß ist. Sein Kopf ist groß und voller Bein [Knochen], mager und viereckig, in
demselben sind zwey kleine weisse Steine zu befinden. Die Schnautze, insgemein die Nase,
auch das Maul genannt ist lang und von einer ziemlichen Oeffnung. Der Unter-Kieffer ist
länger, als der obere, und hohl, als wie ein Löffel; die Zähne sind sehr spitzig; die Augen
sehen schier wie Gold; der Rücken ist breit, und fast viereckigt; der gantze Leib ist mit
kleinen, dünnen Schuppen besetzet; die auf dem Rücken sehen gelblicht; die auf dem
Bauche weiß, mit vielen breiten und schieffen Streiffen. Der Schwantz ist kurtz. Er findet sich
in Seen und in Lachen, auch in denen Flüssen. In der Küche werden die Hechte in Ansehung
ihrer Grösse eingetheilet in Lucios maximos, in Grosse oder Haupt-Hechte, ferner in Lucios
mediocres, in Mittel- oder Schüssel-Hechte, und drittens in Lucios parvos, in kleine oder
Gras-Hechte. Dem Ort nach seynd sie Lucios lacustres, piscinarii & fluviatilis, See-, Teich-
und Strom-Hechte. Ihre Leich-Zeit ist im Mertz und April, und zwar nennen die Fischer
dieselben Mertz- oder Poggen-Hechte, weil sie alsdenn schon Poggen oder Frösche fangen.
Etliche leichen früher, als im Februario, und diese heisset man Hornungs-Hechte [Hornung:
Februar], sind aber besser als die andern. Der Hecht ist ein rechter Wasser-Wolff, denn was
der Wolff unter denen Thieren auf dem Lande, das ist der Hecht bey denen Fischen, und
wird um dessentwillen auch Lupus aquaticus, der Wasser-Wolff und Fisch-Wolff teutsch
genennet. Er frisst aber nicht allein kleine Fische ohne Unterschied, sondern auch grosse
Karpfen, ja er schonet sein eigen Geschlechte noch Kinder nicht. Die Milchner oder Männlein
sind wie bey allen Fischen besser als die Rogner, oder Weiblein. Sonst sind sie insgemein
das gantze Jahr gut, ausser in der Leich-Zeit, nach derselben erholen sie sich bald wieder
und werden fett.
Die Fischer bemühen sich sehr, ihn zu fangen, nicht nur weil er so viel Schaden an denen
Fischen thut, sondern auch weil er vortrefflich gut zu essen ist. Sein Fleisch ist weiß, fest und
derb, leicht zu verdauen, führet viel flüchtiges Saltz und Oel. Die alten Haupt-Hechte sind
ohne Zweiffel hart vom Fleische und schwer zu verdauen, aber die mittlern und kleinen
haben zwar ein härtliches, doch dabey weisses und verdauliches Fleisch, welches, wo nicht
häuffige doch gute und dünne Nahrung giebet, daher dieselben bey uns mit unter die
gesundesten Strom-Fische gezählet, und sonderlich die Gras-Hechte bisweilen auch denen
Krancken zu essen erlaubet werden.
Sie werden so wohl in denen Strömen und Flüssen als Teichen gefangen. Diejenigen, die
man in denen Teichen findet, sind bisweilen besser als die Fluss-Hechte, denn sie haben da
bessere Nahrung von dem wohlschmeckenden jungen Karpfen Leich, davon werden sie gar
fett und groß, und bisweilen so starck, daß sie 10, 12, 14 bis 16 und noch mehr Pfund wägen
und ihre Köpfe wie die kleinen Kälber Köpfe sind. In Hornung sind sie am besten, daher man
ihnen zu dieser Zeit am stärcksten nachstellet, am schlechtesten aber sind sie im Mertzen,
wenn sie leichen. Sie lassen ihren Leich auf denen Wiesen. Ihre Leich-Zeit ist nicht
ordentlich, sondern sie richtet sich, wie viel andere Fische nach dem einfallenden warmen
Wetter, und geschiehet es in einem Teiche manchmal in Februario, manchmal im Mertz, und
noch später auch wohl zu Ende des Mertzens. Sie haben bisweilen in ihren Mägen drey bis
vier pfündige Karpffen. In denen Köpfen sollen viele Stücke, die zu dem Leiden des Herrn
Christi gehörten, zu finden seyn, und ist gewiß, wenn eine starcke Einbildung darzu kömmt,
man unterschiedene Stücke haraus bringen kann.
Die Hechte erreichen ein sehr hohes Alter, und meynen etliche, daß sie über hundert Jahr alt
werden, welches aber nicht so gar leicht zu beweisen. Lehmann Speier Chronic bezeuget,
daß anno 1497 in Schwaben ein grosser Hecht bey Heilbronn in einem stehenden Wasser
sey gefangen worden, der einen küpfernen Ring umgehabt, in welchem mit griechischen
Buchstaben geschrieben stand: Ich bin der erste Fisch, der in dieses Wasser gesetzet
worden von denen Händen Friedrichs II. Römischen Kaysers, im Jahr nach unsers Heylands

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Geburt 1230. Ist also dieser Fisch 267 Jahre in diesem Wasser gestanden. Er ist 19 Fuß,
oder etwas mehr als drey Männer lang gewesen, man führte ihn nach Heidelberg, woselbst
Chur-Fürst Philipp auf seiner Taffel davon gegessen, und erstreckte sich sein Gewicht auf
350 Pfund.
Anno 1625 wurde in Pommern ein besonderer grosser Hecht gefangen aus der
Colzanischen Seee, in dem Amte Wollin, welcher gantz weiß aussahe, und runde rothe
Augen und Floß-Federn hatte, der dem Pommer-Lande lauter Unglück als Pest, Krieg und
den Ausgang der Herzoglich Pommerischen Familie angedeutet und zuvor verkündigt haben
soll. So ist auch derjenige Hecht, der anno 1646 in der Weser gefangen worden, und auf
dem Bauche ein weisses Creutz mit rothen Puncten deutlich eingesprengt gehabt, ein
besonderes Schauspiel gewesen.
Es hat einstens einer aus Curiosität denen Hechten eine grosse Menge Frösche
vorgeworffen, welche sie alsbald mit der größten Begierde hinuntergeschlucket,
nachgehends schmeisset er ihnen auch eine grosse Anzahl Kröten vor, die die Hechte zwar
auch hintergeschlucket, aber alsobald wieder ausgespyen. ALDROUANDUS hat einen sehr
grossen Hecht gesehen, der in seinem Rachen einen andern Hecht gehabt, und dieser
wiederum eine Wasser-Mauß. Man hat wohl auch Exempel, daß sich grosse Hechte an
junge Gänßgen gemacht, und dieselbe aus dem Wasser verschlungen, auch wohl gar in
denen Fisch-Behältern manchmal nach Menschen Beinen geschnapt. Die Frösche sollen
gegen die Hechte einen so natürlichen Wiederwillen haben, daß sie denenselben, wenn sie
Gelegenheit dazu haben, daß sie ihnen von der Seite kommen können, die Augen
ausbeissen. Es hat der Hecht ein langes und dauerhaftes Leben, und berichtet Jonston, daß
die Engländer den Bauch dieses Fisches zwey Finger lang und darüber aufschneiden, die
Käuffer damit anzulocken, wofern sich aber Niemand findet, der ihn kauffen und das Fett des
aufgeschnittenen Hechts bewundern will, so nähen sie die Wunde wieder zusammen, und
setzen ihn in einen Behälter, wo viel Schleyen sind, da soll er sich durch das Anreiben an die
glatten Schleyen die Wunde wieder zuheilen.
Zu verwundern ist, wie sich die Hechte in die Teiche machen, da sie doch niemals
hineingesetzet werden; man giebt insgemein vor, daß die Enten in denen Flüssen die
Hechtgen mit Rogen verschlucken, und hernach diesen Hecht-Leich wieder ausschlucken,
wenn sich nun etwas davon, weil er noch frisch ist, an dem Grase oder Geröhricht in denen
Teichen anleget, wird es bey erfolgenden Sonnen-Schein lebend gemacht, und also kommen
diese ungebetenen Gäste zu Zeiten in die Teiche.
Man fänget die Hechte mit allerhand Netzen und Garnen wie andere Fische. Im Merzten
stehen sie hoch und stille, alsdenn sind sie leicht mit einer Kugel zu schüssen, oder mit einer
Schlinge an einer Stange heraus zu rücken. Wenn man eine starcke Angel mit einen rothen
Läpplein an einer langen Schnure in das Wasser hängen lässet, und mit dem Brod schnell
fortfähret, pflegen die Hechte gern danach zu schnappen, wenn sie im Wasser spielet und
hängen zu bleiben, welches der, so die Schur in der Hand oder zwischen denen Zähnen hat,
leicht empfindet.
Über Fischfang mit Angeln aus J.H. Zedlers Großem Universal-Lexikon
Eine ausführliche, dem Leser heutigentags jedoch umständlich anmutende Beschreibung
über Fischerei findet sich ebenfalls in dem schon viel zitierten Großen Universallexikon von
Johann Heinrich Zedler. Diese über 250 Jahre alte Darstellung soll hier nur auszugsweise
über das Angeln in der Originalschreibweise wiedergegeben werden.
Fisch-Fang. Der Geist des Menschen hat vielerley Arten ersonnen, die Fische zu fangen und
zu berücken….
Einige pflegen auf folgende Art grosse Fische zu fangen, sie fahren auf dem Wasser hin und
her mit einem Kahn und schleppen aus dem Schiff hinter sich eine grosse Schnure, die auf
ein Holtz gewickelt, und unten mit einem spitzigen Hacken versehen, auch mit Bleyernen
Kugeln, daß sie tief zu Grunde gehe: Auf dem Hacken muß ein Köder stecken, daß die
Fische dadurch angelocket werden. Wenn sie nun an der Schnure mercken, daß ein Fisch

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angebissen, so ziehen sie die Schnure an sich, und den Fisch, der daran gebissen, ins
Schiff. Es werden bisweilen auf diese Art schöne grosse Hechte gefangen, als die am
liebsten nach dergleichen Köder schnappen. Mit dieser Inuention [veraltet für Erfindung]
kommt das Angeln überein, welches eine Arbeit für solche Leute ist, die in der Welt nicht gar
viel verdienen können, oder nicht wollen.
Angel-Ruthe, also wird diejenige Ruthe genennet, welche von Häseln-Holtz gemacht wird, 12
bis 15 Fuß lang ist, aus einem oder zweyen Stücken bestehet und mit dem dicken Ende
beym Angeln in der Hand gehalten, am dünnen aber die Angel-Schnure fest gemacht wird.
Man hat vielerley Arten der Angeln. Die ersten werden an einer langen Ruthen mit Pferde-
Haaren gemacht, daran ein Feder-Kiel mit etwas Garn, zum Zeichen ob der Fisch
angebissen, gehefftet. Die andere Art ist, wenn man einen langen Saum viel aneinander
geknüpffet, und die Schnur solchergestalt angebunden wird, daß sie nicht unter das Wasser
gezogen, und weggeführet werden könne. Die dritten werden von Messing eines Schuhes
lang, oben mit einem Wirbel gemacht, daran die Schnur hänget, und an einen Baum oder
Pfahl in der Nähe gebunden, damit sie nicht weg kommen, werden aber deswegen so lang
gemacht, damit, wenn große Hechte anbeissen, sie nicht los reissen, und das Würblein sich
auch nicht verdrehen könne. Auf die Hechte werden wohl doppelte Angeln mit zwey Hacken
gebraucht; sie werden mit Zwirn oder Seiden fest an die Schnure gebunden, damit sie die
anbeissenden Fische, welche offt in grosser Furie davon schnellen, nicht so leicht abreissen
mögen. Oberhalb des Angels etwa eine halbe Elle, wird an die Angelschnur ein Stückgen
Bley eingemacht, damit die Angel desto tiefer in Grund reiche, doch muß sie nicht gar auf
dem Boden gehen, und nach diesem, wenn das Wasser tief oder seicht ist, muß auch das
Bley und die Feder, die oberhalb an der Schnur ist, gerichtet seyn, damit man wissen könne,
ob ein Fisch anbeisse, oder nicht, denn wenn sie sich sencket, oder gar unter das Wasser
gezogen wird, so ist unmittelbar ein Fisch an der Angel, und muß man zucken, daß ihn die
Angel desto tiefer eingreiffen möge. Mercket man aber, daß es ein großer Fisch ist, an der
Schwere, muß man die Angel nicht schnell heraus rücken, denn die Angel-Ruthe könnte
brechen, oder die Schnur abreissen, sondern man muß ihn fein gemach im Wasser niedrig
an des Land ziehen, und erst heraus rücken, wenn er gar nahe am Gestade ist.
Das Angeln ist um den Mittag, kurtz zuvor, und kurtz hernach am allerbesten zu
unternehmen. Wo man angelt, muß man judiciren [entscheiden], ob sich in dem Wasser
grosse oder kleine Fische aufhalten. Bey grossen Fischen muß man einen grossen starcken
Hacken anmachen, bey kleinen aber einen kleinen. Unter dem Angeln muß man nur immer
acht auf den Köder geben, denn wenn der vom Hacken weg ist, beissen sie nicht an, drum
muß alsobald ein anderer Köder daran gemacht werden. Man muß auch sehen, ob sie etwas
davon weggefressen, denn so bald sie unten den Hacken unter den Köder sehen, so wollen
sie nicht anbeissen. Man fühlet es balde im Zuge, ob man einen grossen oder kleinen Fisch
am Hacken hat. Ist es ein grosser schwerer Fisch, der sich wehret, muß man ihn mit der
Angel fein gelinde herum ziehen, und ihn müde machen, bis man ihn herauf zu dem Ufer
bringt, und ihn vollends heraus rücken kann.
Man thut wohl, bevor man angelt, wenn man einige Tage vorher an denselbigen Orte sie mit
Brote körret. Man muß wissen, was vor Arten derer Fische sich in dem Wasser, darinne man
angelt, aufhalten, und was sie essen, denn darnach muß man sich mit demjenigen, was man
am die Angel-Hacken machet, richten. Angelt man nach Hechten, muß man Frösche oder
kleine Fische daran stecken, denn alle Raub-Thiere schnappen am allerliebsten nach
anderen Fischen. Sonst stecket man auch an die Angel-Hacken die Brosamen von Semmel,
die mit Haus-Wurtzel-Safft [einheimisches trockenresistentes Dickblattgewächs] durchknetet
sind, welches man man auch als ein Köder in die Reusen hängen kann. Ingleichen gekochte
Erbsen oder gequellte Gerste, die man an die Spitzen derer Angel-Hacken stecket und
vornehmlich Regenwürmer.
Um die Regenwürmer zu überkommen, darf man nur hin und wieder, wenn es geregnet hat,
in das Erdreich in einem Garten oder auf einer Wiese, oder anderen Ort, ein wenig
eingraben und mit den Füssen starck stampfen und herum tramplen, da wird sich denn durch
solche starcke Erschütterung das Gewürme bald wieder hervor begeben. Man darff auch nur
einen dicken Stock in die Erde stossen, ihn wieder haraus ziehen und mit solchen hin und

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wieder in der Erde herum wühlen, so wird das Erdreich hierdurch locker werden, und man
wird genug Geglegenheit haben Regen-Würmer zu überkommen.
Einige pflegen auch bey grossen Fischen, als Hechten u.s.w. lebendige Fischlein an die
Angel-Hacken zu stecken. Viele halten auf folgende Köder gar viel, der zu allerley Fischen
bequem sein soll: Sie nehmen weissen Campher, Lorbeer-Oel, geläutert Lein-Öl, Bibergeil,
Otter-Schmalz, Myrrhe-Oel und Reiger-Schmaltz [Reiher-], jedes 1 Loth [etwa 15 g], thun
dies alles zusammen in ein Glas, lassen es an der Sonnen destilliren und weichen hernach
die Regen-Würmer, die sie an den Angel-Hacken stecken wollen, dahinein.
Zu den Forellen pfleget man folgenden Köder zu nehmen. Man nimmt ein Theil Honig, zwey
Theile Reiger-Schmalz, vier Theile faul Weiden-Holtz und machet hieraus Stückergen, die
man an die Angel-Schnure macht. Einige stecken auch an die Angel Heuschrecken, Grosse
Fliegen, gekümmelt Brodt u.s.w.
Die Teichwirtetage in Bautzen
Über den alten Sächsischen Fischereiverein existieren leider kaum noch Originalpapiere, da
diese am 13. Februar 1945 in Dresden mit vernichtet worden sind. Vor 100 Jahren erschien
am 15. November 1904 in dem „Correspondenzblatt für Fischzüchter, Teichwirte und
Seenbesitzer“ (XI. Jg, Nr. 22, Bautzen) ein aufschlussreicher Beitrag über dessen
Vereinsarbeit.
Die Teichwirtetage in Bautzen
Der Fischereiverein für das Königreich Sachsen mit dem Sitz in Dresden steht an der Spitze
der wenigen Fischereivereine, welche den einzig richtigen Weg verfolgen, die materiellen
Interessen der Fischerei und Teichwirtschaft zu fördern. Die überaus rührigen Leiter dieses
Vereins, die Herren Gebrüder Oberst und Major Aster, werden dabei in dankenswerter Weise
vom langjährigen Präsidenten des Vereins, Sr. Excellenz dem Grafen Könneritz Lossa
hervorragend dadurch unterstützt, daß Sr. Excellenz ebenfalls die Bedürfnisse der Praxis in
erste Linie stellt. In Bautzen und der Lausitz wirkt aber als sehr rühriger Helfer Herr Oberst
Steindorf in gleichem Sinne, und infolge dieses Zusammenwirkens konnten schon seit einer
Reihe von Jahren nicht nur vielversprechende Fischausstellungen alljährlich zustande
kommen, sondern es konnte auch der Zweck, die Vervollkommnung und Steigerung der
Produktion nicht ausbleiben. Der Augenschein und die Zahlen beweisen es, daß seit der
Abhaltung der Bautzener Fischausstellungen und der damit verbundenen Zusammenkünfte
der Teichwirte, die Qualität der dort vertretenen Fische und die Quantität der Ernten ganz
bedeutende Fortschritte gemacht haben. Das aber ist es, wohin ein jeder Fischereiverein zu
streben hat, und der Verein, welcher nicht Gleiches leistet, hat seinen Daseinszweck verfehlt.
Was aber die Sachsen unter der Führung ihrer Vereinsvorstände unter den
allerschwierigsten Wasser- und Teichverhältnissen Deutschlands erreicht haben, wäre wohl
möglich, in allen anderen Teilen des Reiches viel leichter zu erreichen, wenn nicht zu oft die
Vereine mehr hinderten als förderten.
Die Versammlung war wiederum so stark besucht, daß kein Apfel zur Erde fallen konnte und
daß für nächstes Jahr wahrscheinlich ein größeres Lokal in Aussicht genommen werden
muß. Des Gebotenen freuen wir uns, aber als Kritiker haben wir die Pflicht, nach Lücken zu
suchen und solche waren noch recht auffällig zu bemerken. Der Deutsche Fischereiverein
war z.B. nicht vertreten, ebensowenig der Verein Deutscher Teichwirte, trotz seines Leipziger
Beschlusses vom 30. Dezbr. 1903; auch andere nächstliegende Vereine glänzten durch die
Abwesenheit ihrer Vorstände oder Vertreter, welche doch hier hätten lernen können. Nur der
Brandenburgische Fischereiverein hatte seine rührigsten Vertreter, die Herren Dr. Brühl und
Hübner-Thalmühle entsendet. Aber auch viele Mitglieder des Sächs. Fischereivereins
scheinen noch nicht die Notwendigkeit solcher alljährlichen Zusammenkünfte erkannt zu
haben und sind zu Hause bei Muttern geblieben. Das ist ein Fehler, Bautzen ist und wird
immer mehr der Ort des Geschäftes, dahin gehört jeder, der nicht nur im Zimmeraquarium
Fische hält! Auch die Herren schlesische Teichwirte und unsere böhmischen Kollegen
gehören dahin. Der Sächsische Fischereiverein ist gastfreundlich, das müssen wir

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Nichtsachsen wahrnehmen. Ein jeder hört und lernt derart bei solchen Zusammenkünften, in
zwangloser Unterhaltung, in seinen Geldbeutel hinein, und das ist die Hauptsache. Der
Fischhandel war durch die Chefs der alten treuen Firmen Jank-Dresden und Richter-
Dresden ausreichend vertreten, denn da gilt uns die Qualität mehr, als die Quantität.
Die Teichwirteversammlung des Sächsischen Fischerei-Vereins fand am 5. Nov. Mittags statt,
der u.a. die Herren Staatsminister a.D. v. Nostitz-Wallwitz auf Mittelsohland a.d. Spree,
Excellenz, Kreishauptmann von Schlieben und Oberbürgermeister Kaeubler beiwohnten. Der
erste Vorsitzende des Sächsischen Fischerei-Vereins, Excellenz Graf Könneritz-Lossa
eröffnete die Sitzung. Der Herr Vorsitzende gab seiner Freude Ausdruck, daß es ihm diesmal
vergönnt sei, der Veranstaltung beiwohnen zu können. Wenn es ihm bisher nicht möglich
gewesen sei, erscheinen zu können, so sei dies einerseits darin begründet, daß er davon
überzeugt sei, in welch vortrefflichen Händen sich hier in Bautzen die Leitung des Vereins
befinde. Andererseits entschuldige ihn das Dichterwort: „Der weite Weg, Graf Isolan,
entschuldigt euer Säumen!“ Überrascht gewesen sei er, so fuhr der Herr Redner fort, durch
die Schönheit der Bautzener Ausstellung, die die Fortschritte zeige, welche die Fischzucht in
der Lausitz gemacht habe. Für die zahlreiche Beteiligung an der derselben spreche er
hiermit seinen Dank aus. Er begrüße den Herren Minister, die hohen Behörden des Staates
und der Stadt Bautzen, welche immer so gastfreundlich die Vertreter des Landesverbandes
bei sich aufnehme, und die anwesenden Vertreter der Landwirtschaft. Darauf erteilte
Excellenz Graf Könneritz den Vorsitzenden der beiden Abteilungen der Jury das Wort zur
Verkündigung der Preise. Nunmehr erhielt Herr Güterdirektor Blume aus Bärsdorf-Trach das
Wort zu seinem Vortrage über „Die Beobachtungen und Erfahrungen auf
teichwirtschaftlichem Gebiete während des Sommers 1904“. Herr Direktor Blume
bezeichnete es als die Hauptaufgabe seiner Ausführungen, die Diskussion und den
gegenseitigen Austausch der Erfahrungen anregen zu wollen. Jeder einzelne Fischzüchter
habe so viele Misserfolge zu verzeichnen, daß er heute hauptsächlich von diesen sprechen
wolle. Einer müsse vom anderen lernen. Je mehr Erfahrung man auf diesem Gebiet
bekomme, um so nüchterner werde man in der Beurteilung der einschlägigen Fragen. Es
bleiben noch kolossale Rätsel zu lösen, darunter Rätsel, die vielleicht nie gelöst werden. Hier
müsse der Gelehrte dem Praktiker zu Hilfe kommen. Redner bezeichneten 1904 als ein
trauriges Jahr für die Fischzucht. In Sachsen komme man noch nicht auf eine Mittelernte.
Gegen derartige Wasserkalamitäten könne der Fischzüchter nicht einschreiten. Wichtig sei
aber folgendes: Die Teiche müssen rechtzeitig und gut besetzt werden. Die Ständer sind gut
mit Lehm zu verstreichen. Wo der Boden ein guter, strenger ist, sind schmale, tiefe
Dränagegräben zu machen zum Abstellen der Kiesadern. Am meisten hatten die Flüsse von
der diesjährigen Kalamität zu leiden, weniger die Teiche. Die Teichwirtschaft wurde darauf in
großen Zügen besprochen und die Mittel des Schutzes wurden angegeben. Die Hauptsache
ist die Wahl des Materials, wobei Ausstellungen, wie die Bautzener, ein gutes Mittel an die
Hand geben. Es empfiehlt sich das Material nur aus einer Züchterei, nicht aus einer
Mästerei, zu entnehmen. Grundbedingung ist: gute Elterntiere. Die Teiche zu behandeln, ist
ein Thema für sich. Die Hauptsache bleibt die richtige Zeit des Aussetzens, das Frühjahr. Der
Kalender ist dabei aber nicht maßgebend, sondern die Wassertemperatur. Das Wasser darf
nur 1 oder 2 Tage vor der Aussetzung in die Laichteiche gelassen werden. Diese müssen gut
im Stand gehalten werden. Man muß sich auf eine bestimmte Größe der Teiche einrichten,
z.B. 8 Meter breit, 12 Meter lang. Dieser kleine Laichteich hat den Vorzug, daß die Brut sich
sehr leicht abfischen lässt. Die Dingerchen sind so zart, daß eine Beschädigung bei dem
Versetzen der Brut in die Vorstreckteiche sehr leicht eintreten kann. Oft ist an dem Eingehen
der Fische auch die Temperatur des Wassers schuld, sobald dies unter 15° beträgt. Ein Teil
der Teiche, für die sich ein besonderer Beobachter empfiehlt, wobei Forstleute sich gut
bewähren, möge zum Teil mit ungestreckter Brut besetzt werden. Wichtig ist auch die
Abfischung. Um die Tiere nicht unnötig zu quälen, dürfen niemals Körbe verwendet werden,
sondern nur Holz- oder Zinkeimer. Das Ausschütten und wiegen der Fische geschieht am
besten direkt am Teich. Beim Versand sind die Pedalpumpen als sehr praktisch sehr
empfehlenswert. Zum Schluß seines höchst lehrreichen, mit lebhaften Beifall
aufgenommenen Vortrags berührte Herr Direktor Blume noch den Fischverkauf, der für den

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Großfischfang am besten auf der Fischbörse in Kottbus, für die kleinen Züchter sehr
geeignet bei solchen Ausstellungen wie hier zu erfolgen hat.
Dem Vortrag folgte eine lebhafte Diskussion. Teichwirt und Fachschriftsteller Paul Vogel,
Flensburg, sprach über die Einwirkung der Humin- und Gerbsäuren bei der Brutaufzucht,
über Wasserverseuchung und deren strafrechtliche und civilrechtliche Verfolgung, über
Windschutz an den Teichen, über Schleienzucht und über die Aufgaben der Wissenschaft bei
Lösung teichwirtschaftlicher Rätsel. Herrschaftsbesitzer L. Rössing-Uhyst über Bezug von
Laichkarpfen, welche nicht im Frühjahr, sondern stets im Herbst bezogen werden sollten, da
der Frühjahrsbezug infolge der dann schon zu weit vorgeschrittenen Entwicklung der
Fortpflanzungsprodukte gefährlich sei. Excellenz Graf Könneritz und Major Aster erläuterten
dann noch die vom Sächsischen Fischerei-Verein getanen Schritte in der
Wasserverunreinigungsfrage und die diesbezüglichen in Sachsen geltenden Bestimmungen.
Nachdem noch eine Begrüßungsdepesche des Herrn Generalleutnants v. Stieglitz verlesen
worden war, erfolgte Schluß der Sitzung durch den Vorsitzenden mit einem von diesem
ausgebrachten, von der Versammlung kräftig aufgenommenen „Petri Heil!“
Ein gemeinschaftliches Mittagsmahl vereinigte zahlreiche Teilnehmer, die dann noch im
„Fuchsbau“ sich aufs Neue festsetzten zur zwanglosen sachlichen und geschäftlichen
Besprechung. Die seßhaftesten der Herren landeten erst am frühen Morgen in ihren
Quartieren.
Der Sonntag galt mehr der Besichtigung der hochinteressanten uralten Bauten Bautzens,
eines zweiten Nürnbergs! Bis in die höchsten Höhen des alten Wendenschlosses, zwischen
Mauern eingezwängt, erstieg ein Häuflein den Burgturm, teilweis auf allen Vieren kriechend,
schließlich auf des Turmes Zinne, belohnt durch einen seltenen Rundblick auf die vieltürmige
Stadt. – Ein Besuch Bautzens lohnt in vieler Hinsicht, deshalb möge derselbe von Jahr zu
Jahr zunehmen, das ist unser Wunsch.
Das Preisgericht der Ausstellung, bestehend für Salmoniden aus den Herren Oberförster
Krutzsch, Fischzüchter Linke und Forstmeister Rein aus Frauenstein im Erzgebirge, und für
Karpfen aus den Herren Güterdirektor Blume aus Bärsdorf-Trach und Hoffischhändler Jank-
Dresden, hatte um ½1 Uhr mittags seine Arbeit beendet. Es erkannte folgende Preise zu:
A. Karpfen. Ehrenpreis: Herr Kommerzienrat Hermsdorf-Kauppa für hervorragende
Leistungen bei Zucht des Galizischen Karpfen. Ehrenpreis: Herrn Rittergutsbesitzer Rössing,
Pächter der Herrschaft Königswartha, für sehr gute Leistungen in der Schleienzucht;
derselbe hatte nicht nur eine vorzügliche Kollektion von 4 Jahrgängen in Aquarien, sondern
auch die Entwicklung der Schleienbrut vom Ei weg bis zum 54. Tag in einer Kollektion von 27
Präparaten in Alkohol gefüllten Gläsern vorgeführt. Ehrendiplom: Fürstl. Schwarzburgsche
Herrschaft Großharthau für Lausitzer Zuchtkarpfen.
B. Salmoniden. Ehrenpreis: Frau v. Polenz auf Obercunewalde für sehr beachtenswerte
Leistungen in der Salmonidenzucht im Allgemeinen.
In Satzfischen fand ein reger Verkehr statt, es wurden große Umsätze zu etwa 10-20 %
besseren Preisen als in den Vorjahren gemacht, und es besteht die begründete Aussicht,
daß sich Bautzen zu einer Satzfischbörse ebenso ausgestaltet, wie sich Kottbus zur
unentbehrlichen Speisefischbörse ausgestaltet hat.
Eingabe der Fischmeister von Dresden an den Kurfürsten
Das Fischerhandwerk ist auch heute noch ein schwerer Beruf, aber in der Vergangenheit war
dieser Broterwerb knochenharte Arbeit und manche Begleitumstände mussten es in den
Augen der Betroffenen zu einem schweren Los werden lassen. Eine aus heutiger Sicht kaum
nachvollziehbare Bitte richteten die Fischmeister von Dresden an den Kurfürsten.
Gegenstand war der Wunsch, sich beim Fischverkauf auch setzen zu dürfen, um nicht den
ganzen Markttag im Stehen verbringen zu müssen. Voran gegangen war dieser Eingabe, wie
aus dem Schreiben ersichtlich wird, das Bestreben des Rates der Stadt Dresden
Fischverkäufern das Hinsetzen auf ihre Fischkannen zu verbieten. Keiner der
beschwerdeführenden Fischer konnte sich an eine solche Praxis entsinnen, die Fische nur

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im Stehen verkaufen zu dürfen. In den Statuten der Stadt findet sich wohl die Aufforderung,
Vögel und auch Fische stehend verkaufen zu müssen, doch hatte sich schon lebenslang
niemand von den Fischern mehr daran gehalten. Vermutlich ist wohl einem Stadtbeamten
dieser Frevel aufgefallen, weswegen den Fischern eine entsprechende Order zugestellt und
bei Nichtbefolgen das Wegnehmen der Fische angedroht wurde. Die Fischer ihrerseits
gingen in geschlossener Front zum Gegenangriff über und beschwerten sich nicht an der
zuständigen Stelle beim Rat selbst, sondern gleich beim obersten Landesherren, dem
Kurfürsten.
Das Dokument folgt in der originalen Schreibweise, allerdings mit einigen eingefügten
Kommas und Erklärungen [kursiv in Klammern].
Eingabe sämtlicher Fischmeister an den Kurfürsten gegen das Verbot, sich beim
Fischverkauf hinsetzen zu dürfen
(1. Juni 1734)
Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster, König und Churfürst, Allergnädigster Herr.
Es ist bey Errichtung der hiesigen Statuten unter andern mit eingefloßen, daß man alle Vogel
alten Gebrauch nach stehend feil haben und dergleichen mit denen Fischen welche die
frembden und Elb-Fischer täglich anhero zu Marckte bringen, ebenfalls geschehen solle. Ob
und in wie weit nun dieses vor alten Zeiten beobachtet worden, können wir nicht wißen, so
viel aber ist gewiß, daß solches zu itzigen Zeiten bey uns und unsern Vorfahren und seith 10,
20, 30, 40 und mehr Jahren nicht in Observanz [Gebrauch] gewesen, sondern wir, oder die
unsrigen haben bei Feilhabung der Fische uns, wann wir uns zumahl müde gestanden, auf
die bey uns habenden Waßer-Kannen nieder gesetzet, als worwieder auch biß hieher
niemand das mindeste erinnert. Vorietzo aber will E.E. Rath den rigorem [die Härte]
obangeregter Disposition [Anordnung] deren Statuten wiederumb hervor suchen und
dergestalt an uns vollstrecken, daß wir oder unser Weiber und Kinder uns auch auf die
Waßer-Kannen nicht einen Augenblick niedersetzen sollen, würden gemfalls und da solches
ausfündig gemachet wird, uns die Fische genommen werden. Allermaßen aber
allergnädigster König und Churfürst, der Status rerum [gegenwärtige Zustand, Zustand der
Dinge] gegen vorige Zeiten in allen und jeden sich gar sehr, wie allenthalben, allso auch
hierinne geändert, dergestalt, daß anietzo alle Fischer aus Fischersdorff ihre Fische mit der
größten Beqvemlichkeit sitzend feil haben und allso die Ursache warumb diese Disposition
zweiffelsohne gegeben worden, nehmlich daß diejenigen so Fische feil haben, desto eher
loßschlagen und nicht theuer damit seyn sollen cessiret [zögern, untätig sein]. Überdies auch
wir anietzo nicht alleine eine ordentliche Innung und allergnädigste confirmirte [bestätigte]
Innungs-Brieffe haben, sondern auch daher in Ew. Königl. Majt. und Chur-Fürdtl. Durchl.
Diensten stehen, weilen wir allsambt bey den Regiments-Gerichten allhier Eyd und Pflicht
ablegen müßen, und nach selbigen schuldig und gehalten sind, den Elbstrohm und Stadt
Gräben so weit die Vestung gehet, sowohl bey Winters Zeit zu eröfnen, als auch außerdem,
und zu jeder Zeit die zur Fortification [Festungsbau] erforderliche Bau Materialien und
Weyden anzuführen, ingleichen bey Schlagung der Brücken, Feuerwercken, Wasserjagdten,
Fischung des Stadt Grabens, ja bey feindlichen Einfällen zu recognosciren [erkunden], so
Tages als Nachts uns bereit einfinden laßen, und das nöthige in Obacht nehmen müßen.
Und bey so bewandten Umbständen nicht absehen können, wie wir als Bürger und Meister
bey der Stadt die wir zugleich in Königl. Diensten und Pflichten stehen, deterioris conditionis
[schlechtere Bedingungen] als die fremden worunter auch Krantzel- Sträusel- und Kräuter-
Weiber, auch die welche Kirschen, Stachelbeer, Pültze, Erdbeer und dergleichen
Kleinigkeiten auch öffters nichts würdige Sachen verkauffen, welchen allen ihre Sitze zu
haben nicht verbothen ist, seyn sollen. Ja wir können die aus Fischersdorff, so Fische feil
haben, melioris conditionis [bessere Bedingungen], als wir seyn, da sie das nicht praestiren
[gewähren, leisten], was uns oberzehlter maßen oblieget. Solchem nach und da der Rath
allhier aller Vorstellungen ungeachtet bey obiger Disposition [Verfügung] aus denen Statuten
schlechterdings behöret ohnerachtet diese in vielen andern Stücken nicht observiret worden,
sehen wir uns genöthiget, Ew. Königl. Majt. und ChurFürstl. Durchl. in tieffster Devotion

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[Unterwürfigkeit] anzuflehen, Selbte wollen uns die allergnädigste Concession [Erlaubnis]
ertheilen, daß uns bey Feilhabung derer Fische nieder zu setzen frey stehen solle. Und
dieser allergnädigsten Deferirung [Bewilligung] getrösten wir uns umb so viel desto eher, da
niemand dadurch einiger Schade oder Praejudiz [durch Nichtbefolgung einer Verordnung
entstehender Schaden] zuwachsen kann, uns aber eine Erleichterung in unserer Nahrung
geschiehet, die wir lebenslang verharren
Dreßden am 1. Junij 1734
Ew. Königl. Maj. und Churfürstl. Durchl. Allerunterthänigste Sämbtliche Meister derer Fischer
in Dreßden
Quelle:
Stadtarchiv Dresden, 2.1.3 Ratsarchiv. C. XXXV Nr. 10
Beschreibung des Angelns aus der Oeconomischen Encyclopädie
Das Wissen unserer Vorväter wurde schon frühzeitig unter der Leitung kluger Gelehrter in
sehr umfangreichen Nachschlagewerken zu Papier gebracht. Auch heute noch bereitet es
Freude und Gewinn darin zu lesen. Die wichtigste deutsche Enzyklopädie des 18.
Jahrhunderts war das von dem Leipziger Verleger Johann Heinrich Zedler zwischen 1732–
1754 mit 64 Bänden und 4 Ergänzungsbänden herausgegebene große vollständige
Universal-Lexikon, von dem in dieser Rubrik schon einige Auszüge veröffentlicht wurden.
Auch in Preußen begann man unter der Leitung von Johann Georg Krünitz eine
Enzyklopädie herauszugeben, die ursprünglich nur eine Übersetzung aus dem
Französischen sein sollte, dann aber über einen langen Zeitraum (1773–1858) zu einem
immensen Werk von 242 Bänden anschwoll.
In dieser Ausgabe soll aus dem Band 2 die Beschreibung des Angelns erfolgen.
Angeln, heißt die Fische in stehenden und fließenden Wassern mit der Fisch-Angel oder dem
Hamen fangen, und hat seinen Nahmen von der Angel, welche man dabei gebrauchet,
erhalten. Dieser Fischfang geschiehet von Einigen zum Plaisir, von Vielen aber zur Nothdurft,
da mancher mit der Angel doch so viel fänget, daß er sich etwas Brod davon erwerben kann.
Zu diesem Geschäfte wird allerdings Wissenschaft und Erfahrung erfordert. Vor allen Dingen
mus man wissen, was vor Köder oder Lock-Speise für diese oder jene Art Fische, die man
mit der Angel gern fangen will, sich am besten schicke, nehmlich, was ein jeder Fisch vor
Speisen am liebsten isset, ingleichen, woran er, nach Gelegenheit einer jeden Jahrszeit, gern
anzubeißen pfleget. Denn also angelt man im Mai mit Regenwürmern, Käfern, kleinen
Krebsen etc.; im Junius mit rothen Käferlein; im Julius mit Laubfröschen, Heuschrecken,
Heimen oder Grillen, auch mit gesottenen und ausgezogenen Krebsschwänzen, dergleichen
im August und September ebenfalls gebraucht werden. Ein Hecht beißet gern an, wenn man
Frösche, Kaulhäupte, Plötzen oder Rothfedern, und andere kleine Fische an den Angel-
Haken stecket; und überhaupt laßen sich alle Raubfische am besten mit andern Fischen
fangen. Der Barsch mit einem Stücklein Krebs-Scheere oder Schwanz, oder auch mit
lebendigen Plötzen, oder Regenwürmern, gleichwie auch die Aale damit gefangen werden
können Zu Alten oder Elten [Döbel], Weiß-Fischen, Forellen, Rothaugen, Barben, und andern
Fischen mehr, brauchet man gleichfalls Regenwürmer, Heuschrecken, Heimen oder Grillen,
Käfer, u. d. gl. Ein Mehreres siehe unter dem Artikel Köder.
Hiernächst mus man sich mit den Angeln nach denen Fischen, die man zu fangen gedenket,
richten. Denn zu Hechten, Barschen, und andern Raub-Fischen, mus man größere und
stärkere Angel-Haken haben, als zu andern geringern; wie man denn insonderheit auf die
Hechte gern gedoppelte Angeln mit zweien Haken gebrauchet. Es mus auch die Angel-
Schnur nicht gar bis an den Angel-Haken gehen, sondern zwischen beiden ein eiserner oder
meßingener Drath, oder dergleichen Kette seyn, welches diese Fische mit ihren scharfen

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Zähnen nicht so wie die Angel-Schnur entzwei beißen können. Bei andern Fischen aber, von
welchen dieses nicht zu besorgen ist, kann der Angel-Haken nur gleich an der Schnur mit
starkem weißen Zwirn oder dergleichen Seide bevestiget, und der Köder daran gesteckt
werden. Weil aber der Haken mit dem Köder in etlichen tiefen Wassern zu leicht ist, so
pfleget man etwa eine halbe Elle über den Haken ein Stücklein Blei an die Angel-Schnur
anzumachen, damit der Haken desto tiefer hinab, und schier auf den Grund des Wassers
reichen möge, weil etliche Fische sehr tief gehen, jedoch mus er nicht gar auf den Boden
reichen. Man mus auch eine Senkfeder oder Pantoffelholz an die Schnur machen, wenn man
zuvor mit einem Stabe die Tiefe des Wassers an demjenigen Orte, da man angeln will,
erfahren hat; dabei man denn Achtung zu geben hat, das das Gesenke des Bleies unten
nicht zu schwer sey, und die Feder unter sich ziehe, sondern daß die Feder fein gerade auf
dem Wasser schwimmend bleibe. An derselben Feder kann man bald sehen, wenn ein Fisch
an die Angel kommt, und nach dem Köder am Haken schnappet, denn der auf dem Wasser
schwimmende Kiel zittert und beweget sich; beißet aber der Fisch an den Haken, so ziehet
er den Federkiel gar unter das Wasser. In diesem Fall mus man zuerst stark zucken und
schnallen, damit man dem Fische den Angel-Haken in den Mund haue, daß er desto tiefer
eingreife, und ihn halte. Darnach mus man den Fisch fein gemächlich mit der Angel-Ruthe
und Schnur aus der Tiefe herausziehen, damit er die Schnur nicht zerreiße, und mit der
Angel durchgehe. Ist es ein großer und schwerer Fisch, der sich sehr wehret, so mus man
eine Zeitlang mit der Angel nachgeben, und solchen mit der Angel allmählig herumziehen,
damit er sich ermüde, und hernach desto gewisser an das Ufer könne gezogen werden, wo
man ihn vollens mit Behendigkeit herausrücket. Unter dem Angeln mus man auch immer auf
den Köder Achtung geben, und bisweilen nach demselben sehen; denn wenn er vom
Hacken hinweg ist, so beißet kein Fisch an, daher sogleich ein anderer wieder angemacht
werden mus; man mus auch sehen, ob sie etwas davon weggefressen haben, denn sobald
sie unten den Haken unter dem Köder sehen, wollen sie nicht anbeißen. Die Fische gehen
im August am allerhöchsten, nach Michaelis aber wieder in die Tiefe; man mus sich also mit
der Angel-Schnur darnach richten, und dieselbe etwas verlängern; denn im September gehet
der Fisch insgemein eine Elle niedriger im Wasser, als im August; im October noch eine
halbe Elle tiefer, die übrige Zeit aber bis wieder in den Frühling hinein, gehet er auf dem
Grunde, daß also von Zeit zu Zeit die Angel-Schnur darnach zu bekielen ist.
Die beste Zeit zu angeln, ist zwar zwischen Pfingsten und Margarethen; man fängt aber auch
dieses Geschäft bereits bald nach Walpurgis an, und treibet solches bis in den Herbst,
jedoch nur an denjenigen Tagen, da die Sonne nicht scheinet, sondern trübes und dunkeles
Wetter ist; denn bei hellem Wetter sehen die Fische den Angler und die Angel-Schnur gar zu
klar, und scheuen sich davor. Im Neumond und letzten Viertel, beißen die Fische, sonderlich
die Hechte, am meisten an.
Über den Aal aus der Oeconomischen Encyclopädie
Aus der preußischen Enzyklopädie „Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System
der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft“ von J. G. Krünitz soll in dieser Ausgabe aus
dem ersten Band (1773) die Bescheibung des Aales wiedergegeben werden.
Aal, Lat. Anguilla, Fr. Anguille, ein bekannter Fisch, von glattem, langen und geschlanken
Leibe, welcher einer Schlange nicht ungleich siehet, und mehrentheils in süßen Wassern,
Flüssen und Seen seinen Aufenthalt hat, bisweilen aber auch in das Meer hinabsteiget. Sein
Maul ist mit ganz kleinen Zähnen besetzt. Seine Floßfedern, deren an der Zahl zwey sind,
stehen neben den Ohren (Kiemen). Er läßt sich sehr schwer in der Hand halten, weil seine
Haut schmierig, schleimig, und mithin sehr schlüpfrig, ist. Das Männchen hat einen kürzern,
dickern und breitern Kopf, als das Weibchen.
Der Aal lebet im süßen und klaren Wasser. Das trübe Wasser ist ihm schädlich, und sogar
tödtlich. Man bemerket, daß der Aal der einzige unter den Fischen des süßen Wassers ist,
welcher in das Meer tritt. Er kann lange ausser dem Wasser leben. Der P. Vaniere, welcher
kein anderes, als das reine, leichte und süße Wasser, für ein heilsames erkennet, giebt zum

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Kennzeichen eines solchen Wassers an, wenn sich viel Aale darinn finden. Es pflegen auch
die Fischer, welche dergleichen fangen wollen, ihre Reusen vor das Schutzbrett an einem
Mühlen=Gerinne, oder mitten in Ströhme, zu legen, als Oerter, wo das Wasser fast beständig
sehr klar und schnell, und folglich recht durchgearbeitet und sehr süß ist. Wenn man
demnach zur Zeit der Ueberschwemmungen, und in trüben Wasser, viel Aale fängt, so kann
man gewiß glauben, daß dieser Fisch daselbst auf seinen Raub ausgehet, oder sich vieleicht
dessen, wie eines Schleiers, zur Begünstigung seiner Flucht, bedienet. Sobald er irgend
einen Gegenstand der Furcht gewahr wird, macht er wirklich das klare Wasser trübe, indem
er den Schlamm, oder Sand des Bodens, oder Ufers, aufrühret.
Das Fleisch des Aals ist schleimig, und überaus nahrhaft. Der im Meere hat das beste
Fleisch. Um diesen Fisch, wenn man ihn auf einmahl häufig fängt, aufzubehalten, oder sein
schleimiges und klebriges Wesen zu verbessern, salzet man ihn ein.
Das Fett vom Aal, in die Ohren gethan, wird als eine gute Arzenei für die Taubheit
angepriesen, auch bedienet man sich desselben in der verstopften goldenen Ader, wider die
Flecken nach den Pocken, und zur Beförderung des Wachstums der Haare.
Der Aal ist gefräßig; er ernähret sich von kleinen Fischen, Fröschen, Würmern, und läßt sich
daher auch leicht mit der Angel fangen. Man hat bemerkt, daß Aale sich aus einem Teiche
heraus begeben haben, um entweder in einen andern zu gehen, oder kleine, im Grase
verborgene Schnecken aufzusuchen.
Die Aale laßen ihre Jungen lebendig von sich. Man behauptet, daß einige Roßtäuscher den
abgetriebenen Pferden Aale in den Mastdarm stecken, damit sie darnach fetter und munterer
aussehen mögen; und daß einige Hufschmiede ein hartschlägiges Pferd einen lebendigen
Aal verschlingen laßen, damit es, indem derselbe durch dessen Gedärme hindurchgehet,
purgire [reinigen, abführen].
In Holland machet man den Unterscheid, daß man diejenigen Aale heißt, die in trüben
Wassern leben, deren es daselbst eine Menge giebt; diejenigen aber, die sich in frischen
Wassern aufhalten, werden Paaling genennet, und den andern weit vorgezogen. Bei Tage
liegt der Aal still; bey Nachte suchet er seine Nahrung, und hält sich gern allein von andern
Fischen abgesondert. Wo er Weizen, oder Erbsen nahe am Ufer merket, tritt er, sonderlich,
wenn sie in der Blüthe sind, auf das Land hinaus, sich darinnen zu weiden, wiewohl zu
seinem Unglück, wenn der Ackersmann solches gewahr wird, und eine Furche vor den Acker
ziehet, über welche er nicht zurück nach dem Wasser kommen kann, und sich gefangen
geben muß.
Der Aal hat ein hartes und zähes Leben. Wenn man in ein Gefäß etwas Erde thut, Wasser
darauf giesset, über dieses breit=blätteriges Gras, oder Schilf, leget, und lebendige Aale
hineinsetzet, so bleiben sie lebendig, und laßen sich weit und breit verschicken.
Sein Fleisch ist fett und süß, daher es für schleimig und ungesund geachtet wird, wiewohl
man hierinn nicht durchgängig einerlei Meynung ist. Soviel ist gewiß, daß er bei den Alten
unter die niedlichsten Speisen gezählet, und sehr hoch gehalten worden. Insgemein wird er
den Kranken verboten; den Schwindsüchtigen aber, und denen, die mit einer auszehrenden
Krankheit, oder auch mit der Milzsucht und Säure des Magens, behaftet sind, wird er als
nahrhaft zugelaßen, oder angerathen. Wenn er frisch ist, so wird ihm die Haut, vornehmlich,
wenn er groß ist, abgestreift, (wiewohl dieses nicht von allen gutgeheißen, sondern vielmehr
denselben mit heißer Asche abzureiben, oder mit Wasser abzubrühen, gerathen wird),
zerstückt, scharf aus dem Salze abgesotten, und entweder mit gutem Weinessige, oder mit
einer Tütsche von Sauerampfer, mit etwas Essige, oder Zitronensafte genossen. Oder, er
wird mit Salbeiblättern gespickt, auf einem Roste gebraten, oder auch, wenn er zuvor mit
lauterem Wasser übersotten, und solches rein abgegossen, in einem Tiegel in Butter
gebacken, mit zerriebenen Salbeiblättern bestreuet, und mit Citronensafte beträuft. Die
Franzosen richten ihn auf eine besondere Weise zu, die sie à la Galantine nennen, und
welche man in Jo. Sigism. Elsholzen neuen Tischbuche S. 407, beschrieben findet.
Das Blut des Aals soll insbesondere den Augen höchst schädlich seyn; sogar daß ein
Mensch, wenn ihm etwas davon in die Augen kommt, wo nicht gar, doch auf etliche Wochen
davon blind werden kann; daher derjenige, der ihn aufschneidet, sich dabei wohl vorzusehen
hat. Das Fett wird, nachdem es aus dem Eingeweide ausgesotten worden, zum Brennen in
den Lampen, statt des Oeles, und wie der Tran, wie auch die Wagen damit zu schmieren,

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verbrauchet. Das warme Blut, mit Wein vermischt, soll wider die Darmgicht dienen. Die
Leber, mit der Galle getrocknet, wird zur Beförderung der schweren Geburt angewendet.
Nicht weniger dienet die abgezogene und gedörrte Haut von einem Aale, wenn sie in Wein,
Bier oder Kofent [Halbbier, Dünnbier] aufgekochet und erweichet, und hernach so warm, als
es nur erleidlich, um verstauchte oder verrückte Glieder gewickelt wird, dieselben wieder
zurechte zu bringen. Die Haut, wenn sie ausgereckt ertrocknet, dienet zu Riemlein, oder zu
Blättern oben um den Spinnrocken; wenn sie aber zusammenge drehet worden, so ist sie an
statt eines Ochsen=Ziemers oder Bensels zu gebrauchen. Wenn man mit dem blutigen Ende
eines Aalkopfes, der nur erst abgeschnitten worden, ein Hühnerauge oder Warze berühret,
und denselben hernach unter eine Traufe verscharret: so soll die Warze abfallen, sobald der
Kopf verweset. Läßet man einen Aal in einem Getränke sterben: so bekommt der, welcher
davon trinket, vor solcher Art des Getränks einen Ekel; es ist aber dieses Mittel etwas
gefährlich, und bereits gar öfters übel ausgeschlagen.
Über die Barbe aus der Oeconomischen Encyclopädie
Aus der preußischen Enzyklopädie „Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System
der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft“ von J. G. Krünitz soll in dieser Ausgabe aus
dem Band 3 die Bescheibung der Barbe auszugsweise wiedergegeben werden.
Barbe, Barme, L. Barbo, Barbus mysticatus, Barbulus, Mugil fluviatilis. Fr. Barbeau, Barbet,
in Bordeaux Surmuler genannt, ist ein Fisch, der seinen Nahmen daher bekommen, weil er
vorn am Maul 2 Floßfedern hat, die wie ein Knebelbart gestalltet sind. Es ist ein dicker und
schuppigter Fisch, fast wie ein Karpf, welcher einen kleinen und spitzigen Kopf,
dunkelbraunen Rücken, dunkelgelbe Seiten, und einen weißen Bauch hat, auch, nachdem er
in guten nahrhaften oder schlechten Wasser stehet, oder zu seinem richtigen Wachstum und
Alter gelanget, groß, lang und dick, jedoch nicht leicht über 2 oder 3 Pfund, gemeiniglich
aber nur eines Pfundes schwer, gefangen wird. Er hat einen gespaltenen Schwanz, und 6
Floßfedern, nehmlich 2 an den Kiefern, 2 am Bauche, eine am Ausgange, und eine auf dem
Rücken. Er wird von einigen für einen Raubfisch gehalten, weil man kleine Fische in
demselben gefunden, und er alles, was er erlangen und zwingen kann, verschlinget, auch
sogar seines eigenen Geschlechts nicht verschonet; doch hat er keine Zähne, und nähret
sich vom fetten Boden, Schlamm, Gras und Kräutern, Würmern, Wasserschnacken und
Fliegen, wodurch er auch zur Sommerszeit mit der Angel vielfältig gefangen wird. Man hat
die Barben zwar auch mit in den Teichen; sie sind aber nur ein Strohm=Fisch, und wachsen
auch darinn besser, weil sie nicht nur frisch Wasser lieben, sondern sich auch gern in Tiefen,
und unter den hohlen Ufern, auch zwischen den Steinen, aufhalten, da sie auch meist ihre
Retirade im Winter haben.
Von ihrer Laichzeit hat man unterschiedene Meinungen. Einige behaupten, daß sie, Zeit
ihres Lebens, nur dreimahl, als im 3ten, 4ten und 5ten Jahre, streichen, und fernerhin
unfruchtbar bleiben. Andere aber meinen, daß sie, gleich andern alten Fischen, auch alle
Jahre fort streichen; welches nun mehrere Untersuchung erfordert, indem man sie um des
Streichens willen nicht in den Teich setzet, sondern in Flüssen fängt, und nur zum Wachsen
in Teiche setzet. In den Flüssen aber ist nicht zu entscheiden, wie lange und oft sie laichen.
Ihre Streich= und Laich=Zeit ist im März und April, da sie jedoch nach der Laichzeit sich bald
wieder erholen, und im Junius, Julius und August ziemlich fett und wohlschmeckend werden.
Im Herbst aber ist nicht viel daran, indem sie inwendig solchen Zwirn, wie die Krebse,
bekommen. Es hat auch die Barbe unter allen Fischen diese besondere Eigenschaft, daß sie
im Mai, und also nach ihrer Laichzeit, einen Auswurf von Geblüte hat, als ob sich die Natur
von ihrem Laichen reinigen wollte, wie solches öfters also befunden worden; daher auch
selbige zu solcher Zeit für ungesund gehalten werden, wie denn auch um diese Zeit ihr
Fleisch weichlich, und nicht wie sonst, wohlschmeckend ist. Es wird auch der Barbe
zugeschrieben, daß besonders in ihrem Fleisch eine innerliche vermischte Vielheit des
Geblüts sich befinde, indem sich die Blutigel an sie machten, und sie ansaugeten, welche sie
denn an den Steinen und tiefen kiesichten Gründen abzustreichen suche. Sie pflegt auch

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ihren Laich an den Steinen abzustreichen, und ist also ein ordentlicher Strohmfisch, zwar
nicht in kleinen Bächen, sondern in großen Flussen, als der Elbe, Oder, Saale, Weser, Main,
Rhein, Neckar, u. d. gl. vielfältig zu finden; wovon die Fischer auch an solchen Ströhmen mit
ihrem Fang vielen Profit machen.
Diejenigen Barben, die in steinigten und reinen Ströhmen gefangen werden, sind
wohlschmeckend. leicht zu verdauen und saftig, und ihr Fleisch ist weiß und zart. Den Kopf
hält man für das delicateste Stück; wiewohl sie dabei voller Gräten sind. Man hat von ihnen
den alten Reim: Ruppenleber, Karpenzungen, Barbenmäulchen, die brachten mich um mein
graues Gäulchen. Die Kälte können sie nicht wohl vertragen; daher sie im Winter allezeit
matt, im Sommer aber frisch, rein und gesünder sind. Der Rogen dieser Fische soll stark
laxiren [abführend wirken], und wenn er häufig genossen wird, große Gefahr anrichten,
daher er auch gemeiniglich weggeworfen wird.
In Flüssen, wo man waten kann, werden die Barben unter den großen Steinen, und in den
hohlen Ufern mit den Händen erhascht. Sie graben an dem Gestade gern in die Erde, fast
wie die Schweine, und bleiben oft so darinnen stecken, das, sie entweder ersticken, oder
doch leicht gefangen werden. Mit Angeln werden sie folgendermaßen gefangen. Man nimmt
Käse, und solche Würmlein, die sich am Wasser aufhalten, ihre Häuslein auf ihnen selbst
tragen, und in dem Holz gefunden werden. Alsdenn nimmt man das Gelbe von drei Eiern,
stößt alles dieses unter einander, als einen Teig; nimmt hernach Campher, einer Bohne groß,
macht ihn klein, und thut ihn unter alle vorbemeldete Stücke. Wenn man nun angeln will, so
stößt man, so groß als eine Erbse, davon an den Angel, in einem reinen Tüchlein. Mit
Senkangeln pflegen diese Fische auch also gefangen zu werden. Man mus dererselben
etliche auf einmahl legen, und sie müssen jede einen Daumen lang seyn. Diese Angeln
werden an Fäden gebunden, ungefähr 2 Fuß lang, und statt des Köders thut man
Regenwürmer oder kleine Fische daran. Nach diesem bindet man alle diese Fäden an eine
lange Leine, 2 Fuß weit von einander; gehet sodenn an den Ort, wo man viele Barben
vermuthet; bindet daselbst das Ende der großen Leine an einen Pfahl, oder Baum, oder
großen Stein; nimmt diese Leine in die rechte Hand, und wirft sie, so weit als möglich ist, ins
Wasser, da denn die Angeln untersinken. Hierauf läßt man sie so, bis des andern Tages früh,
da man sie herausziehet, und die Fische, welche angebissen haben, losmachet. Der Ort, wo
man Angeln eingelegt hat, mus von Baumwurzeln und Gras rein seyn, indem sonst die
Fischerei fruchtlos abgehen würde.
Man richtet die Barben auf allerhand Arten in der Küche zu, als: trocken und blau gesotten,
mit allerlei Brühen, gebacken, gebraten, oder gedämpft. Ihre Vorbereitung bestehet darinn,
daß man sie reißet, und sodenn schuppet; diejenigen ausgenommen, die man trocken und
blau sieden will; denn da werden sie nur gerissen, und, wenn sie groß sind, in Stücke
zerschnitten; hierauf wäscht man sie rein aus, legt sie in ein Gefäß, gießet Essig darüber,
setzet in einem Kessel Wasser über das Feuer, und salzet dasselbe, und zwar so, daß zu 4
Pfund Barben 2 Händevoll Salz kommen. Wenn nun dieses Salzwasser siedet, so wirft man
die Barben hinein, und läßt sie bei hellem Feuer wohl kochen. Ein geringer, aber wohl zu
beobachtender Handgriff ist wegen des Blauwerdens zu bemerken, daß man, wenn sie bei
hellem Feuer wohl eingekocht, und nun davon gehoben sind, alsbald kaltes Wasser darauf
spritzen und rein Papier darüber legen müsse, nur daß der Brodem nicht davon gehe; denn
sobald dieses aus Versehen geschehen sollte, werden diese Fische nicht blau, sondern
schwarz. Bei dem Anrichten wird eine Serviette gebrochen, darauf sie denn fein zierlich zu
legen, auch wohl grüne Petersilie darüber zu streuen.
Über den Krebs aus der Oeconomischen Encyclopädie
Die Enzyklopädie „Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt-
Haus- und Landwirthschaft“ von J. G. Krünitz enthält im Band 48 auf sage und schreibe 235
Seiten (!) äußerst weitläufige Ausführungen zur Tiergruppe der Krebse, einschließlich vieler
Seiten von Rezepten und Zubereitungsarten. Vieles mutet uns heute kurios an, anderes ist

erstellt von Matthias Pfeifer
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durchaus wissenswert und kann unserer Kenntnis über diese heimlich lebende Tiergruppe
vertiefen.
Krebs. Eigentlich, ein ungeflügeltes, mit einer schwärzlichen Schale bedecktes
Wasser=Insect, mit 8 Füßen, 2 Scheren, 2 beweglichen Augen auf einem Stiele, und einem
gelenkigen unbewaffneten Schwanze. Das deutsche Wort Krebs heißt im Niedersächs.
Kreves, schwed. Kräsweta, oder Krabba; holl. Kreeft, Kreever, Krevisse; engl. Crevice; franz.
Ecrevisse. Ob alle diese unter einander ähnliche Benennungen vom Griech. Καρκινος
herkommen, überlasse ich Andern zu entscheiden. Einige Etymologen geben dem Worte
Krebs einen gleichen Ursprung mit Krabbe, Angelsächsisch Crabba, im Engl. Crabfish, im
Franz. Crabe, im Dän. Krabbe, im Schwed. Krabba, im Griech. Καραβος, im Dithmarschen
zusammen gezogen Kraut, Ital. Gambara, und leiten es her von krabben, und im Diminut.
[Verkleinrungsform] krabbeln, um sich greifen, kriechen, entweder wegen ihrer vielen Füße,
oder auch wegen ihrer Eigenschaft, alles was sie einmahl angefasset haben, fest zu halten.
Diejenigen Krebse, die in Flüssen leben, werden größer, als die, welche sich in steinigen
Bächen aufhalten, welche mehr weiß sind, im Kochen nur fahlroth werden, aber von feinerm
Geschmack sind.
Die Nahrung der Fluß=Krebse besteht vorzüglich in Fröschen, Schnecken, Muscheln, und
allerley Wasser=Thieren; sie fressen auch todte Fische, und das Aaß von andern Thieren.
Sie können eine Zeitlang ausser dem Wasser leben, und lassen sich, wie ich weiter unten
zeigen werde, füttern und mästen. Die Parungs=Zeit nimmt im Nov. ihren Anfang, und dauert
bis in den April; daher sie auch, diese Zeit über, weniger Fleisch haben, und schlechter
schmecken, als in dem übrigen Theile des Jahres. Sie werfen alle Jahre ihre Schale ab, und
halten sich so lange, bis die neue gewachsen ist, in den am Ufer befindlichen Löchern auf.
Um diese Zeit entstehen auch in dem Magen dieser Thiere die runden, harten Steine, welche
unter dem Nahmen Krebs Augen bekannt sind.
Bey einem Gewitter bleiben die Fluß=Krebse nicht gern im Wasser, sondern bemühen sich,
auf das Land zu kommen, daher sie alsdann oft mit Laternen oder Fackeln am Ufer
aufgesuchet werden. Ueberhaupt steigen alle Krebse des Nachts gern aus dem Wasser, und
suchen sich Kräuter und Würmer.
Die gemeinste und gewisseste Nahrung der Krebse ist Fleisch. Ich verstehe aber hierunter
alle thierische Körper, es sey nun Aaß von Thieren, oder in der See ertrunkener Menschen,
oder Fische, Frösche, Insecten, Würmer, Muscheln, Wasser=Schnecken; ja selbst ihre
eigene Gattung wird nicht von ihnen verschont, welches von einer ausserordentlichen
Gefräßigkeit zeugt, da sonst die Natur, aus gütigen Absichten, den meisten Thieren einen
natürlichen Abscheu gegen die Leichname ihrer eigenen Gattung eingepflanzt hat. Ja, die
Krebse sind so gar nach dem Fleische lebendiger Menschen lüstern, und nicht selten haben
sie eine Zehe des im Wasser watenden Matrosen und Fischers abgezwickt, welches
vielleicht aber mehr aus Selbst=Vertheidigung, als aus Gefräßigkeit, geschieht. Daß es
zwischen den hebridischen Inseln große Hummer geben soll, die wirkliche
Menschen=Fresser sind, und einen Menschen, der sich in seiner Unschuld badet, ergreifen,
mit sich in die Tiefe ziehen und erwürgen, das gehört unter die Verleumdungen, wodurch
man diese Kreaturen verächtlich zu machen sucht, wenn es gleich Olaus Magnus versichert,
und Gesner, in einem saubern Holz=Schnitte fürchterlich genug vorgestellt hat. Indessen ist
doch das Fleisch der Thiere nicht ihre einzige Nahrung, sondern sie finden auch eben so viel
Wohl=Geschmack an Pflanzen und Früchten. Sie schleichen in die Gärten, und mästen sich
mit Erbsen und Tobacks=Pflanzen; sie klettern auf die Bäume, und stehlen Früchte; sie
beißen Kokos=Nüsse auf, und laben sich an ihrer Milch. Können sie aber alle diese
Leckerbissen nicht haben, so sind sie auch mit Gras, Nesseln und Wurzeln zufrieden; ja
selbst die Fettigkeit des Bodens und manche Unreinigkeiten dienen ihnen zur Nahrung. Man
kann leicht erachten, daß diese Verschiedenheit der Nahrungs=Mittel auch ihren Geschmack
sehr verändern müsse. So hat man in Schlesien Krebse gefunden, die einen sehr bittern,
obgleich nicht unangenehmen, Geschmack haben, und welches daher rührt, weil sie sich
von den Kalmus=Wurzeln, womit das Ufer des Wassers besetzt ist, nähren. Ja sie werden oft
ein Gift für den Menschen, wenn sie von giftigen Kräutern gefressen haben.
Der gefährlichste Feind der Krebse aber, ist der Mensch. Er braucht sie nicht nur zu seiner
Nahrung; denn dies ist recht, und der Zweck ihres Daseyns, sondern er verdirbt auch so

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viele Tausende, bloß um der Steine willen [gemeint sind die Krebssteine, erbsengroße
Kalkansammlungen], wovon unten Meldung geschehen wird; ja, welches noch
unverantwortlicher ist, und wodurch auch die Krebs=Nutzung am meisten geschwächt wird,
selbst die Mutter Krebse werden nicht verschont, indem sie noch die Eyer unter dem
Schwanze haben (Eyer=Krebse, dadurch gehen jährlich über 100.000 Schock verloren, und
daher sollte das Wegfangen derselben ernstlicher von der Obrigkeit verbothen werden,
zumahl da hierdurch die leckere Zunge nichts verliert, denn die Krebse sind zu dieser Zeit
nicht nur mager, sondern auch von einem schlechten morastigen Geschmacke.
Zu der Ausübung der Kunst des Krebs=Fanges oder des Krebsens, gehört eine Kenntniß der
Gegenden, wo sich gewöhnlich Krebse aufzuhalten pflegen, und welche sie vorzüglich
lieben. Die stehenden Gewässer sind ihnen nicht so angenehm, als die fließenden, und unter
den leztern lieben sie besonders solche, welche reinen Grund und klares Wasser haben. Wo
die Tiefe gar groß ist, pflegen sie seltener zu seyn. An Ufern, welche mit Gebüschen bedeckt
sind, wo das Erdreich hart ist und kleine Höhlungen macht, wo der Strohm spielend vorbey
schleicht, halten sich gewiß Fluß=Krebse auf.
Die erste und gewöhnlichste Art des Krebs=Fanges in den Bächen und Flüssen, ist mit der
Hand. Wenn das Wasser nicht mehr zu kalt ist, begibt man sich mit entblößten Beinen, in
sehr leichter Kleidung, mit einem um den Hals gehängten Netz=Beutel, und einem Stocke in
der Hand, in den Fluß. Man hebt seinen Fang von unten an, gegen den Strohm, und
durchsucht mit der Hand das Ufer unter dem Wasser, und unter den Stöcken und Wurzeln
der daran stehenden Bäume und Gesträuche, auch unter den Steinen in den lettigen und
tiefen Löchern. Trifft man auf einen, so pflegt er sich oft zurück zu ziehen; und wenn seine
Höhle tief und enge ist, so entgeht er der Hand, welche ihm nicht so weit folgen kann.
Alsdann bringt man den Stecken ganz gemächlich in die Höhle, dessen Ende der Krebs
sogleich kneipet, und wodurch er sich also heraus ziehen lässet. Man muß aber auch gleich
mit der andern Hand zu Hülfe kommen, um ihn zu greifen; denn oft lassen sie los, wenn sie
aus der Höhle in das freye Wasser kommen, und entwischen. Der gefangene Krebs wird in
den Beutel gesteckt; und alsdann wird mit dem Fange fortgefahren. Man muß aber, bereits
erwähnter Maßen, gegen den Strohm krebsen, weil, wenn man mit dem Strohme geht, theils
das Wasser trübe wird, theils durch die gemachte und niederwärts fortgesetzte Bewegung
desselben diese Thiere erschrecken und sich zurück ziehen; denn sie liegen jederzeit vorn in
ihrem Lager, die Scheren zum Fange ausgestreckt und geöffnet; sobald sie aber einige
Gefahr befürchten, ziehen sie sich mit großer Geschwindigkeit zurück. Dieser Fang mit der
Hand kann, wenn man es aushalten kann, von Morgen bis gegen Abend fortgesetzt werden.
Man bedient sich auch der Reusen und Körbe dazu, worein man einen Köder von
abgezogenen Fröschen, oder in Honig geröstete Fisch=Därme, oder gebratenes
Schöpsen=Fleisch zu legen pflegt, weil sie dadurch gelocket werden, desto lieber
einzugehen.
Die Fischordnungen Sächsischer Kurfürsten in der frühen Neuzeit
Mit der Festigung der Staatlichkeit des Kurfürstentums Sachsen durch eine straffere
Verwaltung im 16. Jahrhundert wurde auch der Fischerei mehr Aufmerksamkeit
entgegengebracht. Die unter Kurfürst August erlassenen Fischordnungen für viele Gewässer
sind deutlicher Beweis dafür. Gleichfalls sind sie aber auch Beleg für eine stets vorhandene
Neigung einzelner, sich an den Fischen unberechtigterweise zu bedienen, ebenso aber auch
Antwort des Staates, hart und unerbittlich darauf zu reagieren. Dem Frevel sollte mit den
Fischordnungen unter Androhung teils drastischer Strafen Einhalt geboten werden. Und so
lesen sich diese Dokumente gleich einem Brevier wie der Bericht eines aussichtslosen
Feldzuges, die nie erlahmenden Verstöße gegen die Fischereigerechtigkeit eindämmen zu
wollen. Sucht man in den Gesetzessammlungen des Kurfürstentums nach
Fischereiregelungen, so kann man immer wieder feststellen, dass der Kampf gegen
Fischwilderei immer mit harter Hand geführt wurde, ohne jedoch gewonnen werden zu

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können. Im Folgenden soll eine Auswahl derartiger Mandate dies über einen größeren
Zeitraum illustrieren (Wiedergabe in Originalschreibweise).
Mandat Churfürst Augusti zu Sachsen, die gehegten Fischereyen betreffend, den 1. May
Anno 1572
Von Gottes Gnaden, Wir Augustus Hertzog zu Sachsen, des Heiligen Römischen Reichs
Ertzmarschall vnd Churfürst, Landgraf in Düringen, Marggraf zu Meissen, vnd Burggraf zu
Magdeburgk, Thun kund allen vnd ietzlichen dieses Brieffs ansichtigen, vnd menniglichen zu
wissen: Wiewohl Wir vor dieser Zeit ernstlich bey Leib- vnd Lebens-Straf mandiret [erlassen]
vnd verbotten, dass niemands in vnsern gehegten Fisch-Wassern vnd Bächen, sich einiges
Fischens anmaßen, die Fische daraus fangen vnd entfrembden sollte, Wir auch solche hohe
vnd ernste Strafe wider etzliche muthwillige Vorbrecher exequiren [ausführen] vnd
vollstrecken lassen, So kommen Wir doch in Erfahrung, daß sich solches Laster täglich mehr
häuffet vnd vberhand nimmet, vnd vnsere ernste Gebothe bisanhero derwegen wenig
angesehen oder denen gehorsamet worden.
Nachdem dann solche vnsere Fisch-Wasser nicht allein von vnsern Vorfahren vnd vns
gehegt, sondern Wir auch dieselbigen zum Theil gantz hoch vnd tewer erkauffet, vnd nicht
allein vns, sondern auch dem gantzen Lande daran gelegen, daß die Wasser nicht verwüstet
vnd oede gemacht werden, wir auch zu Erhaltung derer Gehege vnser vnd vnserer Lande
Fisch-Wasser dränglichen verursachet werden, gegen obbemeldte Vorbrecher ernste Strafe
fürzunehmen, vnd damit sich menniglichen künfftig für solche Straffen des Fischens zu
hüten, vnd sich keiner der Vnwissenheit halben zu entschuldigen.
Als gebieten, mandiren vnd ordnen Wir aus Fürstlicher Macht vnd Obrigkeit, daß sich
niemandts, wes Standes oder Wesens der sey, bey Vermeidung ernster Leibs-Straf,
vnterstehen soll, in vnsern vnd vnserer Landen gehegten fliessenden Wassern vnd Bächen
zu fischen, Fische zu fangen vnd zu entfrembden, Sondern daß sich ein ieder des Fischens
darinnen gentzlichen vnd gar enthalte, denn do hierüber einer, wer der auch wehre, betretten
vnd befunden würde, daß er in vnsern vnd vnser Landen gehegten fliessenden Wassern vnd
Bächen, mit Netzen, Hamen, Reusen vnd Körbe legen, oder in was Wege dasselbige
geschehen möchte, öffentlich oder heimlich gefischet, Fisch oder Krebs gefangen vnd
entfrembdet, Denselbigen wollen Wir ernstlich, Krafft vnd nach Inhalt vnserer derwegen
aufgerichteten Constitutionen vnd Satzungen, die wir vnsern Schöppenstühlen, darauf
stracks zu erkennen vnd zu vrtheylen insinuiret [ein Schriftstück bei Gericht einreichen] vnd
zugeschicket, andern zu Abschew straffen, vnd solche ernstliche hohe Poenen [Pön: Strafe,
Buße] vnnachleslichen exequiren vnd volstrecken lassen.
Bevehlen darauff allen vnsern Oberheupt-vnd Amptleuten, Schössern, Rethen in Steten, vnd
allen andern Vorwaltern, das sie auf solche Vorbrecher mit Fleiß Bestellung thun,
denselbigen nachtrachten, und iederzeit gefenglichen einziehen, von abhenden nicht
kommen lassen, vnd vns solches berichten, damit Wir gegen denselbigen, die geordenten
vnd constituirten [begründeten] Strafen fürzunehmen vnd vollstrecken haben mügen.
Darnach sich ein ieder zu richten, vnd für solcher ernster Straf zuhüten, dis ist vnser
gentzlicher Wille vnd ernste Meinung, Zu Vrkund mit Vnserm Secret besiegelt, Vnd geben zu
Dresden den 1. Mai, Anno Lxxjj.
Schon 1596 sah man sich aber genötigt eine neue Fischordnung aufzusetzen.
Bezugnehmend auf die Fischordnung von 1575 heißt es in dieser nach der Eröffnungsfloskel
gleich am Anfang: „So ist uns doch von unterschiedenen Orten glaubwürdig fürkommen, daß
derselben Ordnung nicht allein keine gebührliche Folge geschehen, sondern daß auch über
vorige, noch viel andere hochschädliche und noch viel Missbräuche eingerissen seyn,
dadurch die Fisch-Wasser Unserer geliebten Jungen Vettern, der Hertzogen zu Sachsen,
etc. Lande mercklich verödet, und fast an allen Orten in Städten und uf den Dörffern sich
liederliche Müßiggänger finden, welche fast ohne Scheu und Unterscheid sich des Fisch-
Stehlens und Vertraggens befleißigen.“ Nachfolgend wurden Verfahren gegen die in diesem
Punkte nachlässigen Obrigkeiten angedroht.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg erließ Johann Georg II. am 29. Juli 1657 eine neue
Fischordnung, wo wiederum zu lesen ist, was der Anlass dafür war, da den „eigenthümlichen
oder Pacht-Wassern … grosser Schaden und Verwüstung zugezogen würde“. Um eine
bessere Kontrolle zu haben, wurde u.a. verfügt: „Wir ordnen und befehlen hierbey ferner,

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allen unsern Aemtern, denen von Adeln so wohl den Räthen in Städten, daß sie Jährlich, ein
ieder in seinen befohlen oder habenden Gerichten, und Bothmäßigkeit zum wenigsten
zweymal, ohne einige neue Erinnerung, unversehens von Haus zu Haus herum gehen, mit
Fleiß Haußsuchung thun lassen, und da bey iemandes, es sey Bürger, Bauer oder Müller,
einigerley verbotener Fischzeug befunden wird, dieselben Übertreter sollen die Erbherrn mit
Gefängnis, oder der gesetzten Geldbussen, straffen, und die Zeuge zu sich nehmen“.
Der Nachfolger im höchsten sächsischen Amte, sein Sohn Johann Georg III., sah sich
ebenso veranlasst, am 6. August 1686 diese Fischordnung zu erneuern, da sie in „vielen
Puncten, sonderlich was die Heege- und Fisch-Wasser betrifft, dergestalt übertreten worden,
dass fast die meisten dererselben jetzo verwüstet und verderbet seyn“.
Sein zweiter Sohn (August der Starke) Friedrich August, König in Polen und Kurfürst in
Sachsen sah sich genötigt, diese Ordnung am 2. November 1711 zu erneuern und zu
erweitern, weil „Wir dennoch vielfältig zu Unserm nicht geringen Missfallen berichtet worden,
auch selber gespühret und wahrnehmen müssen, wie so manchereley Excesse bey denen
Fischereyen und Unsern Geheegen diesen allen zuwieder eine zeithero vorgefallen, auch
täglich mehren, und dannenhero zu Verhütung alles daraus erwachsenden fernern Schadens
und Verderbs derer Fisch-Wässer Uns gemüßiget sehen, obangeführte heilsame
Constitutiones [Erlasse] und Ordnungen zu männigliches Wissenschafft und gebührender
Beobachtung öffentlich anhero zu wiederholen“.
Aber auch dieser Fischordnung war keine größere Dauer beschieden. Es dauerte noch bis
zum 15. Oktober 1868 ehe das erste moderne sächsische Fischereigesetz erlassen wurde.
Fischwilderei und Fangverstöße waren allerdings weder in der Vergangenheit, noch sind sie
es in der Zukunft, durch Gesetze nicht gänzlich zu verhindern.
Bestallung des Teichwärters auf dem Rittergut Grünewalde
Auszugsweise soll in diesem Heft die Bestallung eines Teichwärters, die immer nur für ein
Jahr erfolgte, im Jahre 1765 wiedergegeben werden (vergleiche dazu auch Fischer & Angler
2002, H. 3). Die Wiedergabe erfolgt in der Originalschreibweise.
Bestallung des Teichwärters und Wiesenvoigts auf dem Rittergute Grünewalde 1765
Quelle: SHSTA Außenstelle Bautzen, Depot Leipzig,
Gutsarchiv Guteborn Nr. 957
Nachdem Ich, Charlotte Sophie, verwittibte Gräfin von Hoym, gebohrene Gräfin von
Beichlingen, als Vormünderin meines minderjährigen Sohnes, Herrn Adolph Magnus
Gotthelff, Grafen von Hoym, auf Guteborn, Ruhland, Grünewald, Schwarzbach, Spremberg,
Neusalza, Dürrenhennersdorff, Schönbach, Lauba, Hermßdorff und Grünberg Hannß
Freunden von Nonnendorff, zu einem Teich-Wärter und Wiesen-Voigt auf das Ritterguth
Grünewalde auf ein Jahr von Walpurgis 1765 biß dahin gef. Gott 1766 auf und
angenommen; Als bestelle ihm Krafft dieses dergestallt, und also, daß
1.
derselbe mir treu, hold und dienstgewärttig seyn solle, meinen Befehlen schuldige
Folge leisten, den Herrschafftlichen Nuzen in alle Wege befördern, Schaden und Nachtheil
aber möglichst abwenden und verhüten helfen, gegen die Herrschaftl. Beamten, und wem
ich die Inspection dieses Ritterguthes auftragen möchte, ingl. gegen den ihm vorgesetzten
Verwalter, sich iederzeit bescheidentlich und gebührend bezeigen, derer zum
Herrschafftlichen Nuzen gereichende Anordnungen, schuldig und ohnweigerlich
nachkommen, sich nebst seiner Frau eines stillen und christlichen Lebens-Wandels
befleißigen, alle unnöthige Zänckerey und Klatzscherey ernstlich vermeiden, mit Feuer und
Licht in alle Wege behutsam umgehen, besonders sich des Tabackrauchens an gefährlichen
Orten gänzlich enthalten, und das ihnen beyderseits anbefohlene, treufleißig zu verrichten.
Insonderheit aber soll er
2. Die Herrschafftlichen Teiche so viel möglich täglich umgehen, die Ständer und
Rechen fleißig visitiren, und räumen, in Sommers Zeit besonders den Waßer-Eingang, so
viel sich nur thun laßen will, durch Räumung der Zufluß-Gräben befördern, vor denen
Ständern ordentlich Gegitter halten, und den Raubthieren nach Möglichkeit wehren, und

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Abbruch thun, bey großen Waßer-Güßen, und wo das Überschlagen derer Teiche zu
befürchten, sich so gleich hinbegeben, und den Wasser Lufft machen, und allenthalben derer
Teiche und Fische Schaden abzuwenden trachten, auch so er etwas veränderliches an
denen Teichen wahrnähme, solches sofort beym Verwalter anzeigen, damit das nöthige ohne
Umstand verfüget werden könne.
3.
Was die Auswinterung derer Teiche betrifft, hat er hauptsächlich hierauf Acht zu
haben und das Waßer im Herbste zu sammeln, damit gegen den Winter, nachdem er einfällt,
und der Zugang schwach werden will, zu versezen sey, und die Fische glücklich hindurch
gebracht werden mögen. Und weil alles auf eine gleiche Waßerführung ankommt, so ist sich
eintzig und allein dahin zu befleißigen, dahero, sobald die Teiche zufrieren, muß er seine
Wuhlen haben und den Ablaß des Waßers halten, so lange das Eiß stehet, damit er den
Zugang des Waßers unter dem Eiße genau observiern könne. Bey Hauung derer Wuhlen hat
er ins besondere wohl Acht zu haben, daß es nicht über dem Lager geschehe, sonst der
Fisch gar leichte aufrührisch gemachet wird. Hiernechst aber bey hellem Wetter das Waßer
judiciren ob es helle sey, gegenfalls, und wenn es wolkigt und trübe, daraus abzunehmen,
daß der Gang des Waßers ungleich worden, davon sich der Fisch im Lager beweget, und
das Waßer getrübet wird, davon die kleinen Perschke und Waßer-Würmer vor die Wuhlen
gar balde kommen. Wenn nun diese Anzeigungen sich mercken laßen, so muß unverzüglich
untersuchet werden, woher dieser Fehler rühre, ob nehmlich des Zugangs zu viel, und
dahero der Teich sich gespannet, oder ob dessen zu wenig und es gar außen geblieben. Es
mag nun eine Ursache seyn, welche es wolle, so muß doch beym Ablaße Lufft gemachet
werden, damit das Waßer sich wieder läutere, und der Fisch im Lager ruhig werde, maaßen
wohl die größte Ursache des Erstickens der Stillstand des Waßers ist, welchen der Fisch
durchaus nicht vertragen kann. Im übrigen muß er stricte dieses seine Haupt-Regel seyn
laßen, daß ehe weniger Waßer im Teich hinein, als heraus gelaßen werde. Diese Regel muß
auch zu der Zeit obseviret werden, wenn Thauwetter einfällt, da er mit Fleiß zu verhütten (wo
es möglich) daß das Waßer nicht allzuhäufig hinein dringen möge, weil der Fisch dem neuen
Waßer allezeit entgegen gehet, und gar leichte Schaden leidet, und wohl gar oben mit den
Floß-Federn, bey hellem Wetter und Froste, am Eiße hängen bleibet, oder sich doch sehr
beschädiget.
4.
Wenn Teiche gezogen und gefischet werden, muß er sich allemal gegenwärttig
finden, und alles, so wohl vor als bey der Fischerey selbst, in Obacht nehmen, damit aller
Schaden verhüthet, auch nicht etwan vom Fischen etwas entwendet werde. Insonderheit
muß er bey Ziehung derer Teiche sich wohl vorsehen, daß er solche nicht allzujählinge ziehe,
und die Fische, besonders die Speise-Fische draußen liegen bleiben, und crepiren müßen,
oder die in Gräben befindlichen matt werden. Und damit alles vor und bey der Fischerey
eines Teiches, wohl observiret werde, muß er kurz vor der Fischerey des Nachts draußen
bey den Teichen verbleiben, und wohl Acht haben, daß nichts vom Fischen entwendet
werde, oder in Gräben hinaus gehen, und alsdann entkommen, wie er denn auch sich seines
Orts, bei Vermeidung ernstlicher Bestrafung, nicht an den geringsten zu vergreifen hatt.
Wenn alsdann
5.
der Teich gefischet, muß er Sorge tragen, daß solcher balde und tüchtig hinwieder
versezet, und angespannet werde. Wie er denn Insonderheit wohl in Obacht zu nehmen hatt,
daß bey denen Teichen, so nicht gewindert werden können, im Frühjahre bey Zeiten wieder
angespannet, und so viel nur möglich, Wasser hinein genommen werde.
6.
Bey Besezung der Teiche soll er allemal mit zugegen seyn, und sorgen helfen, daß
der Satz frisch und gut hinein gebracht, auch so viel nur möglich, guter Satz selbst erzogen
werde.
7. Wenn Teich-Baue verfallen, oder Gräben gehoben, und die Teiche geschlämmt
werden, soll er dabey gute Aufsicht führen, daß alles gut und tüchtig gemachet werde, auch
die Arbeiter zu allem Fleiße anhalten, und was er an dem Fisch-Geräthe selbst machen
kann, solches ohne Entgeldt machen, und ausrepariren, wie er denn, Wathe, Käscher,
Gefäße und dergl. nach iedesmaliger Fischerey wohl auszureinigen, zu trocknen und wieder
an gehörigen Ort zu bringen hatt.
8.
Wenn die Fische in denen Hältern stehen, hatt er sowohl wegen des Waßers, als
auch derer Fische selbst, bestmöglichste Sorge zu tragen, daß daran kein Schade

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geschehe, oder wohl gar etwas entwendet werde, wie er denn auch beym Ausfischen der
Hälter, und Verwiegen derer Fische zugegen seyn, und alles getreulich besorgen helfen
muß.
Wie nun mehr erwehnter Hannß Freund, und deßen Frau, allen wie obstehet, und was
sonsten ihnen wegen ihrer Dienste oblieget, ob es gleich hier nicht mit Nahmen benennet,
alles getreulich zu thun und zu verrichten, durch abgegebenen Handschlag versprochen und
angelobet; Als ist ihnen zusammen zu ihrer Besoldung und Unterhalt jährlich versprochen
und ausgesezet worden: als
Vierzehn Thaler Lohn
1 Vtl. [Viertel] Weizen Dreßdner Maaß, 8 Scheffel gut Korn, 7 Scheffel gut Heydekorn
Dreßdner Maaß, 3 Vtl. gute Gerste, 1 Vtl. gestampfte Hierße,
1 Vtl. weißes Salz, 18 Kannen Butter, 3 Fä. Käße,
1 groß Ferckel, welches der Vieh Pachter in Selle giebt.
2Vtl. geringe Gerste, 2 Vtl. geringe Korn vor das Ferckel zu mästen
1 Merz-Schaaf
Fest-Zeit Fleisch und Bier, wie das Gesinde, Kraut, Erdbirnen, und dergl. die Nothdurfft, so
lange es vorhanden, und daß darbey aller Überfluß vermieden, auch zu keinem andern
Behuff angewendet werde.
Von Walpurgis bis Michaelis wöchentlich 3 Kannen süße doch abgenommene, und 3 Kannen
Schlicker Milch.
1 Vtl. Lein nach ihren Saamen zu säen, und die Bestellung dazu.
Freye Wohnung und Holz, iedoch letzteres mit möglichster Menage, und endlich
Bey Fischung derer großen Teiche, erhält der Teich-Knecht einen Karpfen, oder ein Maaß
Speisefische, bey denen Streck- und Bruth-Teichen aber nichts.
Womit sie auch beyderseits wohl zufrieden und einig gewesen, auch nochmahlen
versprochen, sich hieran begnügen zu laßen, und ein mehreres nicht anzumaaßen.
Daferne auch nach Verlauf des Jahres von Mir oder ihnen eine Veränderung vorgenommen
werden sollte, wird solches Ein Viertel Jahr vorher aufgekündiget, unterbleibenden Falls aber
wird diese Bestallung vor prolongirt gehalten.
Zu Uhrkund deßen ist dieselbe von Mir eigenhändig unterschrieben
ausgestelet worden.
So geschehen Hauß Guteborn den 30. April 1765.
Über die Eisfischerei aus der Oeconomischen Encyclopädie
Der Winter wird uns wieder eine Weile begleiten, deshalb soll in diesem Heft passend etwas
über die Fischerei im Winter unter dem Eis aus alten Beschreibungen wiedergegeben
werden. Die Auswahl erfolgte aus dem 10. Band der Oekonomischen Enzyklopädie von J.G.
Krünitz aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts.
Eisfischerey, ist eine besondere Art zu fischen, welche im Winter mit Eisnetzen auf dem Eise
der gefrornen Teiche, Seen und Flüsse angestellet wird.
Bey uns geschieht dieselbe meistentheils auf überfrornen Seen, wilden Fischlachen oder
Fischdümpfeln, und dergleichen. Man macht nämlich an demjenigen Orte, wo man die
meisten Fische vermuthet, eine große Wuhne, ungefähr 6 Ellen ins Gevierte, in das Eis, wo
man das Eisnetz hineinstoßen will, und an dem Ende, wo der Auszug geschehen soll, ein
anderes von gleicher Größe und Weite. Zwischen diesen beyden großen Wuhnen werden
ungefähr 12 Ellen von einander entfernte kleine Wuhnen oder Löcher, etwa 2 bis 2 1/2 Ellen
ins Gevierte, durch das Eis gehauen. Darnach bindet man zwo weiße geschälte Stangen, an
jedes Ende des Netzes eine, und steckt also die beyden Stangen an den Stricken zuerst in
das Wasser hinein, daß auf jede Seite eine Stange nach der ersten kleinen Wuhne zu gehe,
und wirft endlich das ganze Netz fein ordentlich hinten nach, in die große Wuhne hinein.
Sodenn treibet man die weißen Stangen, wenn sie zu der kleinen Wuhne kommen, mit einer

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hölzernen Gabel immer von einer kleinen Wuhne zu der andern, bis sie auf der andern Seite
zur andern großen Wuhne kommen, wo man hin will. Daselbst werden alsdenn zuerst die
Stangen, nachher die Stricke, und endlich das Netz herausgezogen, welches aber mit großer
Behutsamkeit geschehen muß, damit von den gefangenen Fischen nichts durchgehe.
Die Netze, die man zu dem Fischfange unter dem Eise, wie er in dem mitternächtlichen
America üblich ist, brauchet, haben oft 50 Klafter in der Länge, und etwas weniger als 1
Klafter in der Höhe. Die besten sind von gutem Hanfe, den man aus Europa bringt, gemacht.
Sie sind mit einem guten Seile von 2 Faden, welches die Netze zu lenken dienet, eingefaßt.
Man beschwert sie mit Steinen, die an den Fuß des Netzes mit starken Faden von der Rinde
eines weißen Holzes angebunden werden. Anstatt des Gorkes [Kork] werden die Floßen
[Schwimmer] von Cedernholzstäben gemacht, welche 1½ Fuß in der Länge, und nur 1 Zoll in
der Breite haben, und gegen die Enden zu ein wenig schwächer werden. Zuerst bereitet man
das Netz zu, hernach macht man die Last und Floßen längs an einem Felsen daran; sodenn
stößt man das Eis bis ans Wasser durch, und macht eine Oeffnung von 2 bis 3 Fuß im
Durchmesser. Ungefähr 4 Klafter von diesem Loche macht man ein anderes, darauf ein
drittes, viertes u. s. w. mehr oder weniger, wie es die Länge des Netzes, welches man
aufstellen will, erfordert; alsdenn wird das Netz unter das Eis gezogen. Man bindet nämlich
eine Leine von mittlerer Größe, und die länger ist, als das Netz, an das Ende einer langen
Stange, welche ein wenig länger seyn muß, als die Entfernung von einem Loche zu dem
andern. Diese Stange stecket man durch das erste Loch unter das Eis, und stößt sie in die
Richtung des andern Loches. Wenn man sie gewahr wird, ergreift man sie mit einem
hölzernen Haken, führet sie von dem andern Loche zu dem dritten; und nachdem dieses so
vielmal wiederhohlt worden ist, als Löcher da sind, so steckt man, vermittelst der Stange,
welche die Berrichtung einer Nadel thut, die Leine von dem erstern Loche bis an das letzte.
Alsdenn wird ein Ende des Netzes an eines von den Enden dieses Seiles angebunden; und
unterdessen daß die Fischer, welche am letzten Loche stehen, das Seil an sich ziehen,
bringen diejenigen, die beym ersten geblieben sind, das Netz ins Wasser. Das Netz befindet
sich also in seiner ganzen Länge aufgestellt; die beyden Enden aber werden mitten an eine
Stange gebunden, die durch das erste und letzte Loch geht, und auf dem Eise liegt. Nach
Verlauf einer gewissen Zeit wird das Netz heraus gezogen, um die gefangenen Fische
heraus zu nehmen. Gleich darauf wird wieder aufgestellt; um aber die Muhe, die Leine unter
das Eis zu ziehen, welches die beschwerlichste Sache bey diesem Fischfange ist, zu
ersparen, bindet man ein Ende dieser Leine an das Ende des Netzes, welches zuletzt
kommt; und also befindet sich die Leine an dem Orte, wo sie seyn muß, wenn das Netz
wieder ins Wasser gethan werden soll.
Auf eine besondere Art pflegen die russischen Fischer, welche in dieser Absicht alljährlich
nach Preussen kommen, die Fische unter dem Eise herauf zu bringen, daher auch diese Art
zu fischen den Namen der russischen Eisfischerey führet. Es haben nämlich allezeit ihrer 10
bis 12 von diesen russischen Fischern ihr eigenes und besonderes Netz, welches zwar nicht
so breite und lange Flügel hat, als wie die preussischen Wintergarne, doch aber viel fester
und dicker gestrickt ist. Diese treffen hin und wieder sowohl mit den Eigenthümern, als mit
den Pächtern der dasigen Landseen einen Accord. Es muß ihnen nämlich, vermöge des
geschlossenen Contracts, täglich das benöthigte Essen und Trinken, auf ihre Pferde aber,
mit welchen sie das Garn fortrücken, 2 Schäffel Haber, und dabey noch genugsames Heu
und Häcksel, gegeben werden. Ueberdies nehmen sie auch die Hälfte von allen gefangeuen
Fischen für sich. Sie bringen aber diese Kosten reichlich wieder ein, indem sie die Fische
gleichsam aus dem Wasser herausbannen können. Jedoch visitiren sie die Seen nach ihrer
Art auf mancherley Weise. Sie hauen hin und wieder Löcher in das Eis, und legen sich, mit
Decken bedeckt, an die Löcher, ja, sie stecken wohl gar den Kopf in das Wasser hinein. Sie
machen auch Feuer auf dem Eise; und wenn sie erst einen Brassen oder andern Fisch
gefangen haben, würden sie den ersten, der heraus kommt, für vieles Geld nicht verkaufen,
sondern segnen ihn mit vielen Worten und Kreutzmachen abergläubischer Weise. Wenn sie
nun denselben auf solche Art gezeichnet haben, laßen sie ihn wieder in das Wasser, weil sie
meynen, daß dieser Fisch die andern alle zusammen in ihr Netz und Garn treiben solle; wie
sie denn auch mehrentheils eine ganz erstaunliche Menge von Fischen fangen, worunter
sich bisweilen Karpfen, und andere schöne Fische, von 30 bis 40 Pfund schwer, befinden.

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Wenn nun der Winter, und mithin auch diese ihre Fischerey unter dem Eise, zu Ende ist, so
gehen diese Fischer wieder durch Litauen in ihr Land, und kommen den folgenden Winter
wieder zurück.
In Rußland selbst, insonderheit in Astrachan, ist die Art der Fischerey unter dem Eise, von
der bey uns und im mitternächtlichen America üblichen, wenig unterschieden. Nur hat das
erste und letzte Loch 8 bis 10 Fuß in der Oeffnung, da die andern nur 2 haben, und sie
werden in etwas zirkelförmig gemacht. Da die Reisenden und die Straßen über das Eis
gehen, so müssen die Fischer um die Oerter herum, wo das Eis offen ist, Arten von
Geländern, zu Vermeidung der Gefahr hinein zu fallen, anlegen.
In Schweden, ist die Eisfischerey sehr beträchtlich, und daher verbinden sich die Einwohner
vieler Kirchspiele, die an dem Ufer eines Sees liegen, sowohl das Netz anzuschaffen, als die
Fischerey gemeinschaftlich vorzunehmen. Diese Netze haben 50 bis 100 Klafter in der
Länge. In der Mitte ist ein großer sehr langer Sack, welcher 20 Tonnen Fische halten kann.
Die Maschen der Flügel haben 1 Zoll Oeffnung im Quadrat; die an dem Sacke aber sind
enger. Der Fuß ist mit Steinen beschwert, und der Kopf mit Floßen von faulem Holze besetzt.
Die Löcher an den Enden sind so groß, daß man das Netz und den Sack heraus ziehen
kann, wenn er mit Fischen angefüllt ist. Die andern Löcher haben nur 2 Fuß in der Oeffnung,
und sind, wie in Rußland, als ein Theil eines Zirkels eingerichtet. Man befestiget die Enden
des Netzes, indem man es an die Mitte einer Stange bindet, die durch das erste und letzte
Loch gehet. Sie fangen auf solche Art eine große Menge von allen Gattungen von Fischen,
welche die Bauern unter sich theilen.
Man fischet auch unter dem Eise, indem man in die hinein gemachten Löcher, kleine den
Streichwathen ähnliche Netze stecket, die von Zeit zu Zeit wieder herausgezogen werden.
Es werden auch Fische, z. B. Lachse, unter dem Eise gestochen, und die Seehunde auf
ähnliche Art gefangen, wie an seinem Orte umständlicher erzählen werde.
Die Fischdiebe haben noch eine andere Art unter dem Eise zu fischen, die ein Landwirth zu
seinem Vergnügen an Orten, wo er Recht zu fischen hat, probieren kann. Sie spatzieren
nämlich am Ufer auf und ab, und geben genau Achtung, ob sie unter dem Eise keinen Fisch
erblicken können. Denn die Hechte gehen, der Luft wegen, gern in die Höhe, so weit, daß sie
mit dem Rücken eben das Eis berühren. Wo sie nun dergleichen gewahr werden, schleichen
sie hinter ihnen so lange her, bis sie ganz nahe bey ihnen stehen, daß sie den Ort, unter
welchem sie sich befinden, mit einem großen Prügel erreichen können. Mit solchem Prügel
schlagen sie auf den unter dem Eise stehenden Fisch; und obgleich dieser fort- und
durchgehet, so schleichen sie doch hinten drein, und schlagen vor und hinter ihm aus allen
Kräften auf das Eis, bis sie ihn endlich so sehr betäuben, daß er empor schwimmt. Alsdenn
öffnen sie das Eis an demselben Orte, und hohlen ihre Beute heraus.
Wenn die unter dem Eise gefangenen Fische gefroren sind, so leget man sie sofort in kalt
Wasser, welches alsdenn das Eis aus den Fischen herausziehet, daß man es von den
Schuppen abstreichen kann. Sie schmecken darnach weit besser, als wenn man sie in der
warmen Stube aufthauen läßt.
Verbotene Fischfangmethoden aus der Oeconomischen Encyclopädie
In diesem Heft sollen alte und heutigentags verbotene Fischfangmethoden vorgestellt
werden. Die Auswahl erfolgte aus der Oekonomischen Enzyklopädie von J.G. Krünitz.
Wegen des besonderen Liebreizes der alten Sprache werden die Auszüge in
Originalschreibweise wiedergegeben.
Der Fischfang mit Stecheisen, Gabeln, Spießen etc. das Fischstechen, Speerstechen, ist,
(weil dabey viele Fische nur angestochen werden, in das Wasser zurück fallen, und langsam
an ihren Wunden sterben,) in Seen und Flüssen nicht zu dulden, auch in verschiedenen
Fischordnungen verbothen, und nur auf gewisse Fische, als: Aale und Barben, zu gewissen
Zeiten und in gewissen Wassern, z. E. in den Canälen, Fließgräben, seichten Flüssen etc.
nachgelaßen.

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Auf dem Sande und Schlamme wird eine Fischerey zu Fuße vorgenommen, und das
Fußtreten genannt. In dieser Absicht gehen die Fischer, welche die Orte, wo die Fische, die
sich in den Sand eingraben, hinkommen, wissen, mit bloßen Füßen an das Ufer des Meers
oder in die Flüsse. Wenn das Meer zurück getreten, und nur ein klein wenig Wasser übrig
geblieben ist, so gehen sie auf den Grund. Wenn sie nun unter ihren Füßen Fische, die sich
in den Sand gegraben haben, verspüren, so durchstechen sie dieselden mit einem an das
Ende eines Rohrs befestigten eisernen Spieße. Es werden auf diese Art Platteissen
[Plattfische] gefangen.
Unsere Fischer haben eine ähnliche Art zu fischen im Gebrauche. Es geschieht auf den
Furten, wo viel Hechtkraut ist, darunter sich kleine Fische, Schmerlen, Gründlinge u. d. gl.
verbergen. Um sie hervor zu treiben, nehmen sie ein beynahe 2 Ellen langes und schmales
Bretchen, und machen es in der Mitte mit einem Leder an einem Fuß fest. Alsdenn trampen
sie mit diesem Brete das Hechtkraut, darin Fische stecken, aus, und setzen eine Art von
einem Bügelhamen mit einer kleinen Gabel, der eben so breit als das Bret lang ist, und ein
Zschernsch genannt wird, vor, so, daß die Fische, indem sie auf dieses Treten aus dem
Hechtkraute heraus gehen, in diesen Hamen fallen und gefangen werden. In Obersachsen
ist eine alte Gewohnheit, daß am Tage Jacobi [25. Juli] gewissen obrigkeitlichen Personen
dergleichen kleine Fische, Schmerlen und Gründlinge von den Fischerinnungen zum
Geschenk eingeliefert werden. Diese so genannten Jacobsfische werden tretend gefangen.
Oft bedienen sich die Fischer, die mit den Füßen Fische und Schalthiere aufsuchen, keines
Werkzeuges die Fische, die sie unter ihren Füßen fühlen, zu fangen, sondern ergreifen sie
mit den Händen. Andere gehen auch an die Ufer der Flüsse und Seen, stecken die Arme in
die Löcher, und ziehen die Fische und Schalthiere, die sich hinein verkrochen haben, heraus.
Gleichwie einige Völker sich, zum Fischfange, der Pfeile und Wurfspieße bedienen, wie an
seinem Orte erzählen werde: also laßen sich die Fische auch mit Flintenschüssen tödten.
Geübte Jäger können dieselben über 1 Fuß tief unter dem Wasser schießen. Es kommt
hierbey hauptsächlich darauf an, daß man mit dem Korne am Gewehr unter den Fisch in der
Mitte desselben halte. Langsam gehende Fische sind leicht zu treffen, mit Schrot aber selten
gleich so todt zu schießen, daß man ihrer habhaft werden könne. Sie gehen, wenn sie
angeschossen werden, gemeiniglich auf den Grund nieder, und alsdenn sind sie auch
mehrentheils verloren; daher dieses Fischschießen auf Seen und Flüssen nicht zu dulden ist.
Mit der Kugel werden sie zwar gleich getödtet; wenn es aber kein großer Fisch ist, so wird er
voneinander geschossen und unbrauchbar gemacht. Schießt man die Galle entzwey, so
behält das Fleisch davon einen Geschmack, daß es kaum zu genießen ist.
Die Nacht=Fischerey, oder das Fischen bey der Nacht, ist, außer wo eine Herrschaft selbst
zuweilen dergleichen zur Lust vornimmt, billig eine in allen Fisch=Ordnungen verbothene
Fischerey, durch welche, weil sie gemeiniglich nur von eigennützigen Leuten vorgenommen
wird, auch das beste Fischwasser in kurzer Zeit völlig ausgeödet werden kann. Es pflegen
aber dergleichen Fischdiebe gemeiniglich bey der Nacht an den Flüssen auf Kähnen zu
fahren, oder bey den Bächen am Gestade mit Strohfackeln und angezündeten Spänen zu
gehen, und sowohl die dem Scheine des Lichtes zueilenden Fische mit Prügeln, Stöcken,
stumpfen Degen und dergleichen auf die Köpfe zu schlagen und solchergestalt
wegzufangen, als auch die Krebse, welche gleichergestalt aus ihren Löchern dem Lichte
zueilen, heraus zu langen. Wenn aber eine Herrschaft sich, wie gedacht, mit Nachtfischerey
eine Lust machen will, so kann sie solches am besten mit einer Laterne auf folgende Art
bewerkstelligen. Die Laterne muß von Kupfer oder Bley, 3 bis 4 Fuß weit, seyn, und in der
Mitte spitzig zugehen, damit sie desto besser in die Tiefe gesenket werden kann; von außen
aber muß sie überall mit eisernen Ringen beschlagen seyn, um sie, wenn sie hinab
gesunken ist, unter dem Wasser fortziehen zu können. Oben von der Laterne geht eine
Röhre in die Höhe, welche 15 bis 20 Fuß lang, und 1 Fuß weit seyn muß. Hiernächst muß
die Laterne in ihrer Weite verschiedene Fenster, und zwar 5 oder 6, und etliche gläserne
Spiegel darin haben; alle Fugen aber müssen mit Pech wohl verschmiert seyn, damit kein
Wasser hinein dringen könne. Diese Laterne läßt man, mit Anhängung eines Gewichts, an
dem verlangten Orte in das Wasser, daß die Röhre nur etwa ein Par Fuß weit aus dem
Wasser heraus reiche; durch diese Röhre wird in die Laterne mit einem Bindfaden eine
brennende Lampe hinab gelaßen, welche, wie eine Schiffslampe, also zugerichtet seyn muß,

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daß das Licht allezeit gerade stehe, man möge sie bewegen wie man will. Solchergestalt
scheint nun das Licht durch die Fenster im Wasser; und weil die Strahlen durch die Spiegel
wieder zurück prallen, giebt es unter dem Wasser ein starkes Licht, welches sehr weit zu
sehen ist, auf welchen Schein eine große Menge herbey schwimmt, die alsdenn mit Netzen
gefangen werden können.
Ferner müssen alle schädliche Arten der Fischerey, und die sogenannten Fischfangskünste,
auf das schärfste verbothen werden. Hierher gehört das Nachtfischen, das Tollkeulen, wenn
man auf durchsichtigem tragenden Eise die in der Untiefe stehenden Fische durch einen
starken Schlag mit einer hölzernen Keule betäubet, und so sinnlos macht, daß man sie nach
eingeschlagenem Eise greifen kann; ingleichen das Speerstechen. Zu den verbothenen
Fischfangkünsten gehört, wenn man durch allerhand präparirte Lockspeisen die Fische
herbey zu ziehen suchet, daß man sie, weil sie gemeiniglich dadurch betaumelt werden,
ganz leicht, und öfters mit den Händen wegfangen kann;
Wenn im Frühlinge warme Tage einfallen, der Wind ganz ruhig, das Wasser stille und klar ist,
und die Sonne hell scheinet, so läßt sich der Hecht sehr leicht vermittelst einer Schlinge
fangen. Man bedient sich ihrer entweder vom Ufer aus, oder auf dem Wasser in einem
Kahne. In beyden Fällen werden scharfe Augen erfordert, den Fisch, zumahl wenn er etwas
tief steht, zu bemerken, und auch die Schlinge unter dem Wasser zu beobachten. Man
nimmt hierzu einen, 5 oder 6 Fuß langen, leichten Stock, und heftet oben an das schwächere
Ende einen nicht gar zu starken Bindfaden, welcher um etliche Fuß länger seyn kann, als die
Stange. Ungefähr einen halben Fuß von da, wo er fest gebunden ist, knüpfet man eine
Schleife, deren Oeffnung so groß seyn muß, daß ein Finger bequem durchgesteckt werden
kann. Man zieht alsdenn einen Teil des Fadens durch diese Oeffnung, aber nicht das ganze
Ende, so daß daraus eine Schlinge entsteht, die alles das, was zwischen derselben ist, fest
hält, wenn man das Ende der Schnur anzieht. Um es im Wasser gemächlicher niedersinken
zu machen, rollet man an die Schleife ein wenig geschlagenes Bley. Mit dieser Zurüstung
geht man am Ufer auf oder ab, allemahl aber, wo möglich, daß man die Sonne vor sich, oder
doch zur Seite habe. Die Hechte pflegen, bey hellem Sonnenscheine, der Oberfläche sich zu
nähern. Wenn man nun einen auf solche Weise stehen sieht, verfügt man sich langsam
hinzu, läßt die Schlinge ganz gemächlich, ungefähr 1 Fuß vor dem Fisch, in das Wasser, und
bringt sie behutsam unter und über ihm, bis hinter die ersten Floßfedern, dergestalt, daß die
Schlinge den Fisch von weitem ganz umgibt. Alsdenn zieht man das Ende des Bindfadens,
welches man um die linke Hand gewickelt hat, indem man den Stock mit der rechten hält,
ziemlich stark und geschwinde an, und hebt den Fisch in dem Augenblicke, mit der Stange
zugleich, aus dem Wasser. Diese Art des Fanges mißlingt niemahls, wenn man ein gutes
Gesicht, eine feste Hand und Gelassenheit genug besitzt. Es darf niemand befürchten, daß
der Hecht forteilen werde. Denn, wenn er sich einmahl einen Stand, sich zu sonnen, erwählt
hat, bleibt er, wenn er nicht verscheucht wird, Stunden lang, wie unbeweglich, stehen. Bey
dem Ueberziehen der Schlinge hüte man sich, dieselbe ihm von hinten anzulegen; denn da
entwischt er ohne alle Hoffnung ihn wieder zu sehen. Bringt man hingegen die Schlinge von
vorn herüber, so hilft er sich selbst hinein vermittelst einer gelinden Bewegung der vordersten
Floßfedern, welche, indem sie im Wasser einen kleinen Wirbel machen, der Schnur
behülflich sind, sich zu nähern. Wenn auch die Spitzen der ersten Floß=Federn den
Bindfaden etwas berühren, so scheint er sich nichts daraus zu machen, weil er keine Gefahr
sieht; die geringste Empfindung an den hintern Floßfedern aber macht ihn furchtsam.
Die Fortpflanzung der Fische aus der Oeconomischen Encyclopädie
An der Zunahme des Wissens über die Fische sowie der Klärung und Offenlegung
heutigentags scheinbar banaler Kenntnisse und Einsichten kann man staunend in alten
Büchern die Entwicklung und den Weg der Fischereiforschung verfolgen, die auch heute
ebenso wie damals vor einem großen Berg ungelöster Frage und Probleme steht und immer
auf der Suche bleiben wird. Die Auswahl erfolgte abermals aus der Oekonomischen
Enzyklopädie von J.G. Krünitz, Band 13 (1778).

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Die Fortpflanzung der Fische ist uns gewißer maßen noch unbekannt. Sie verbergen sich in
ihrem Elemente vor den Augen des Beobachters. Man hat jedoch einige Beobachtungen von
den Hechten, deren Fortpflanzung noch am deutlichsten vor unsern Augen bewerkstelliget
wird. Dieser Fisch leichet zu Ende des Aprils, und den May hindurch, allemahl an ganz
seichten, mit Gras und Sträuchern bewachsenen Ufern. Die kleinen machen den Anfang, die
übrigen folgen darauf; und je näher der Sommer kommt, desto häufiger findet man die
großen Fische in Bewegung. Die Zeit ihrer Fortpflanzung kann viele Wochen dauern; und
doch geschieht zuweilen alles unter dem Eise. Wenn das Weibchen, oder der Fisch mit den
Eyern, nach dem Ufer kommt, so wird es schon vom Manne begleitet. Ist das Weibchen
groß, so folgen ihr viele Milcher nach; von den kleinen aber geht Mann und Weib nur immer
parweise. Der Milcher ist gemeiniglich kleiner, als der Rogener, selten gleich groß, aber
niemahls größer. Das Weibchen geht alsdenn am niedrigsten Ufer so weit herauf, als
möglich, so daß der Rücken und ein Theil des Kopfes bis an die Augen aus dem
Wasserhervorragen, vermuthlich um das Ausschießen der Eyer, vermittelst des Drucks des
Körpers, dadurch zu erleichtern. Das Männchen begleitet sie stets getreu, bald hinter ihr,
bald auf der Seite. So bald sie still steht, drängt er sich so dicht, als möglich, an ihre Seite
an, so daß die unterste Oeffnung, welche die Fische unter dem Bauche haben, sich mit des
Weibchens ihrer in einer Linie befindet. Hierauf fangen sie an, sich wechselsweise mit den
Rippen aneinander zu reiben, und die Schwänze links und rechts zu drehen, wobey sie aber
immer dicht neben einander liegen bleiben, außer daß es scheinen möchte, daß die
Schwänze etwas näher zusammen rückten, als die Köpfe. Wenn sie sich eine Zeitlang
gerieben haben, wendet sich das Weibchen mit einem Schwunge gegen das Männchen um,
welcher eben das gegen sie thut, so daß sie beyde auf den Seiten liegen, und die Bäuche an
einander drängen. Hierbey schlagen sie mit den Schwänzen so heftig, daß das Wasser hoch
in die Höhe spritzet. Alles dieses geschieht fast in einem Augenblicke. Hierauf gehen sie
etwas fort, und sondern sich zugleich ein wenig von einander ab. So bald das Weibchen still
liegt, nimmt das Männchen seinen Platz wieder ein, und fängt eben wieder so an, wie vorher
erzählt worden. Dieses kann 10 bis 12 Stunden lang, unter beständigem Auf= und
Niederschwimmen am Ufer, dauern. Erfahrne Fischer versichern, daß das Weibchen seine
Eyer nicht alle auf einmahl schießt, sondern ans Ufer zurück kommt, und wieder leichet. Die
Milch und der Rogen der Fische, die man in der Leichzeit fängt, fließen von selbst aus, und
spritzen weit hinweg, wenn man den Bauch mit den Fingern nur ein wenig drücket. Es ist ein
Vergnügen, zu sehen, wie sich die Männchen den Vorzug streitig machen, am nächsten bey
den Weibchen zu seyn, wenn deren viele ihr nachfolgen. Diejenigen, welche dieses Glück
nicht gehabt haben, lagern sich den nähern zur Seite; und so findet man zuweilen deren 4
bis 5 neben einander an jeder Seite des Weibchens. Sie wendet sich bey dieser Gelegenheit
bald auf diese bald auf jene Seite; und wenn sie mit dem Schwanze schlägt, so thun es alle
Männchen zugleich. Diejenigen, welche sich nicht den übrigen zur Seite legen können,
halten sich hinten, und zuweilen unter dem Bauche des Weibchens; und dieses hat
vermuthlich die Meinung veranlaßt, daß das Weibchen dem Manne folge, und die Milch
verschlinge, um ihre Eyer damit zu befruchten.
Das Leichen der Fische ist von einem Jahre zum andern sehr unterschieden, wovon die
Ursache theils in der Witterung liegt; hiernächst kommt aber auch der Grund und Boden in
Betrachtung; denn einige verlangen einen steinichten, harten Boden, andere einen weichen
schlammichten, andere Gebüsche, Kräuter und Gras. Ich werde hiervon sowohl, als von der
Leich=Zeit eines jeden Fisches, bey ihrer besondern Abhandlung das Nöthige anführen.
Die Betrachtung der Fruchtbarkeit verschiedener Fische, verdient unsere ganze
Aufmerksamkeit und Bewunderung. Der Karpfen und der Kabeljau sind bisher für die
merkwürdigsten Beyspiele dieser Fruchtbarkeit gehalten worden. In jenem hatte PETIT
342144, und in diesem LEEUWENHOECK 9384000 Eyer gefunden. BRADLEY setzt die
Zahl der Eyer im Kabeljau nur auf eine Million, im Karpfen auf 20000, und dem Schley gibt er
halb so viel. Noch Andere berechnen die Zahl der Eyer im Karpfen und Barsch, 9 bis 10000,
und auch im Kabeljau und Häring nicht höher, und nennen diese verringerte Anzahl schon
nicht ohne Grund etwas erstaunliches. Diese Verschiedenheit der Berechnung, und
widersprechende Angabe der Zahlen, hat Hrn. Tho. HARMER in England, im J. 1767
bewogen, die Sache aufs neue zu untersuchen, und sich durch seine eigene Augen von der

erstellt von Matthias Pfeifer
78
eigentlichen Fruchtbarkeit einiger Fische zu überzeugen. Der Bau seiner Augen, welche
nicht gut in die Ferne, aber desto schärfer in der Nähe sehen, und seine nicht weit vom
Meere gelegene Wohnung, waren Umstände, durch welche er desto mehr gereitzt ward, sein
Vorhaben auszuführen. Es schien ihm mühsamer, als nöthig, ja gar unmöglich zu seyn, wenn
auch der Aufwand der Zeit nicht in Betrachtung gezogen wird, um die Anzahl der Eyer in
einem Fische zu bestimmen, sie einzeln zu überzählen. Er wog den ganzen Klumpen Rogen,
nahm darauf ein Stück von 20, 30 oder mehr Gran (deren er 437 1/2 auf 1 Unze oder 2 Loth
rechnet,) und nachdem er auch dieses sehr genau abgewogen, und die Schale an der Seite
des Gewichts etwas überschlagen laßen, zählte er die darin enthaltenen Eyer; sodenn
dividirte er die Zahl der Eyer mit den Granen, um zu wissen, wie viel Eyer ungefähr auf 1
Gran gingen. Dasjenige Stück Rogen, welches er zählen wollte, ließ er zuweilen abkochen,
und die Eyer im Wasser etwas erweichen, damit dieselben desto leichter mit der Spitze eines
Federmessers ausgebreitet und desto genauer gezählet werden konnten. In manchen
Fischen fand er die Eyer von verschiedener Größe, und zählte nur diejenigen, welche er mit
bloßen Augen zählen konnte; daher eine große Menge ungezählt geblieben, und durch diese
Berechnungen ganz sicher weniger Eyer angegeben werden, als sich wirklich in den Fischen
befanden. Weil man in denen Fischen, welche ausgeleicht haben, gar keine Eyer mehr
antrifft, so werden sie alle, kleine und große, in einem Jahre, aber von einigen nicht zugleich,
sondern an verschiedenen Tagen, ausgelaßen. Durch das Auslaßen der großen Eyer wird
den kleinen Platz gemacht, sich zu erheben und auszubreiten. Hr. HARMER hat einige Eyer
von der Größe gefunden, daß 24 die Schwere eines Granes hatten. In einem Fischchen,
welches mit dem Rogen nicht über 14 Gran wog, zählte er 936 Eyer, außer einer Menge, die
sich schlechterdings nicht zählen ließen. Unter denselben befanden sich 56 große, die 1 1/2
Gran wogen, und von welchen das Fischchen außerordentlich ausgedehnt war. In größern
Fischen haben sich 100 große Eyer befunden.
Den Anfang seiner Beobachtung hat Hr. HARMER mit dem Häring gemacht, und in keinem
unter 20000, in Einem aber 36000 Eyer gezählt. Nach dem Häring betrachtete er den Stint.
In einem, der kaum 2 Unzen wog, fand er 38272; in einem andern, welcher nicht über 289
1/2 Gran schwer war, 14411. Ueber die Makrele hat noch niemand Beobachtungen
angestellt. Hr. HARMER hat in einer, die etwas über 1 1/4 Pfund wog, 454961; in einer
andern von 1 Pfund, 546681 Eyer angetroffen. Die Makrele übertrifft also den Karpfen und
Kabeljau, die man für außerordentliche Beyspiele der Fruchtbarkeit hält. In einem Karpfen,
der 16 3/4 Unzen wog, hat er 101200, und in einem andern von 25 1/2 Unzen, 203109
gefunden. Im Schley, welchem PETIT nur die Hälfte der Eyer des Karpfens beygelegt, traf
HARMER, in einem von 2 1/2 Pfund, 383252; und in einem andern von kaum 1 3/4 Pfund,
350482 Eyer. Ein Barsch, von 8 Unzen, hatte 281000 Eyer; und ein Kabeljau, der 18 bis 20
Pfund wog, enthielt zwischen 3 und 4 Millionen. Unter den platten Fischen steht die Scholle,
in Ansehung der Fruchtbarkeit, oben an; denn in einer, welche nicht völlig 3 Unzen wog, fand
er 133407, und in einer andern, von etwa 3 1/2 Unzen, 225568 Eyer. Er erstaunte, als er in
einer größern, welche von der gefleckten Art war, und ungefähr 24 1/2 U. wog, deren
1357400 antraf. Eine Zunge, von beynahe 1 Pfund, hatte etwas über 100000, und eine
andere, von etwa 5 U., 38772 Eyer. Unter den Schalenfischen endlich übertrifft die kleine
Krabbe den großen Hummer. Denn einer von diesen, welcher mit der Schale 14 1/2, ohne
dieselbe aber 10 1/4 U. wog, hatte 7227; und ein anderer von 2 1/4 Pf., außer der Schale
von ungefähr 1 3/4 Pf., 21699 Eyer. An etlichen Garnelen zählte er alle Eyer Stück für Stück,
und fand an einer von 17 1/2 Gran, 3057; an einer andern, von 31 Gran, 4090; und an einer
dritten von 39 Gran, 6807 Eyer. Diese Fruchtbarkeit übertrifft, in Betrachtung der Kleinheit
des Thieres, noch die der Hummer; aber keins von beyden ist mit den Krabben zu
vergleichen. Denn der Leich einer großen von etwa 1 1/4 Pf. wog 687 Gran, die Eyer waren
aber so klein, und hingen so fest zusammen, daß er sie nicht wohl zählen konnte; nach dem
durch das Gewicht gemachten Ueberschlag aber mußte ihre Anzahl über eine Million
gerechnet werden.
Notizen zur Geschichte der Fischerei in und um Königswartha

erstellt von Matthias Pfeifer
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Einige Notizen zur Geschichte der Fischerei in und um Königswartha
Königswartha wird mit einer Teichfläche von rund 480 ha innerhalb seiner Gemeindegrenzen
auch heute noch sehr stark durch die Karpfenteichwirtschaft geprägt. Obwohl die ältesten
Nachrichten über die Anlage von Fischteichen im Heidegebiet der Oberlausitz aus der Mitte
des 13. Jahrhunderts stammen, datieren die belegbaren Ersterwähnungen von Teichen aus
der Gegend von Königswartha erst aus dem 16. Jahrhundert. 1527 werden erstmals Teiche
erwähnt, in einem Lehnbrief von 1593 werden sieben Teiche namentliche sowie einige
„Streichteichel“ genannt. Für Holscha erfolgte die Ersterwähnung 1567, für Neschwitz 1543.
Da die Vermehrungsteiche (Streichteiche) besonders erwähnt werden, ist dies ein sicherer
Hinweis, dass die Karpfenproduktion schon als geschlossener Wirtschaftsbetrieb mit
Jahrgangstrennung ausgeübt wurde. Weil aber überall in der Heide versucht wurde, dem
kargen Boden mit Fischzucht eine höhere Bodenrente zu entziehen, wurde die relativ dünn
besiedelte Gegend schon bald zu einem Überschussgebiet für Karpfen.
Aus dem Ratsarchiv in Dresden sind Quellen bekannt, die von einem Streit Dresdner
Fischhändler gegen solche aus Königswartha und Kamenz berichten. Die Dresdner
Fischhändler versuchten, sich gegen die unliebsame Konkurrenz aus der Oberlausitz zur
Wehr zu setzen, die mit billigerem Fisch auf den Markt drückten. Mitten im Dreißigjährigen
Krieg wurden lebende Karpfen nach Dresden geschafft, wie uns die Akten vom Herbst 1629
zeigen.
Dass die Teichwirtschaft außerordentlich gut floriert haben muss, beweist auch eine Anfrage
des Schössers (Amtsmann) von Moritzburg, Simon Heymann, an den Kurfürsten, in der er
den Unmut der Moritzburger Amtsuntertanen schildert, die im Frühjahr 1638 von
Königswartha 26 Fuhren mit 486 Schock Karpfensamen (rund 30.000 K1) nach Moritzburg
transportieren mussten.
1655 wurden in einer Beschreibung des Dorfes Königswartha 32 große und kleine Teiche
erwähnt, aber ebenso ein Eisenhammer mit einer Schmelze. Das ist ein sicherer Hinweis
darauf, dass man den unter der Rasenoberfläche vorhandenen Raseneisenstein abbaute
und gleich vor Ort in dem besagten Hammerwerk verhüttete. Die Teichfläche wurde so mit
der Zeit immer mehr ausgedehnt, da die durch den Abbau des Raseneisensteins
hinterlassenen Flächen relativ einfach zu Teichen umgestaltet werden konnten. Ein sicheres
Indiz dafür dürften auch die Aufzeichnungen von Abraham Frentzel über die Teiche, Seen
und Luschen der Oberlausitz (um 1706) sein. Über die hiesigen Teiche äußerte er: „Die
Königswarthischen Teiche geben den allerschensten Prospect nicht nur weil sie an
öffentlichen Straßen angeleget, sondern auch weil ihre Gegend frey und ohne Gebüsche,
über dieselbe Groß und in der Nähe beysammen liegen, dahero man solche angespannet,
gleichsam ein kleines Meer vorstellen.“ Es muss sich also zu der damaligen Zeit auch um
neu angelegte Teiche gehandelt haben.
Die Neuanlage von einzelnen Teichen ist sogar noch für die Zeit um 1870 nachweisbar. Aus
dieser Zeit existiert ein Teichbuch für das Dominium Königswartha, welches die kompletten
Bewirtschaftungsdaten aus der Zeit von 1870 bis 1874 teichweise enthält. Damit lassen sich
sehr interessante Aussagen zur damaligen Karpfenteichwirtschaft gewinnen, die noch nach
der alten jahrhunderte lang betriebenen Wirtschaftsweise arbeitete. Dies ist umso
bedeutsamer, da neue Methoden auf wissenschaftlicher Grundlage diese althergebrachte
Bewirtschaftung in den folgenden drei Jahrzehnten gehörig modernisieren sollten. 1871
zählten zur Herrschaft Königswartha 77 Teiche mit einer Fläche von 841 Hektar. Allerdings
gehörten die Teiche bei Koblenz mit einer Fläche von 400 Hektar mit dazu, wogegen die
Teichgruppe Commerau hier noch fehlte. Teiche dieser Teichgruppe (etwa 84 Hektar) sind
erst 1873 in den Büchern zu finden, müssen also 1872 zum Bestand gekommen sein, der
damit abermals anwuchs und somit etwa 925 Hektar umfasste. Größter Teich war der
Mittelteich in Koblenz mit 71,5 Hektar. Erstaunlich, weil bislang unbekannt und auch
unerwartet für diesen Zeitraum, ist die Neuanlage von fünf Teichen mit einer Geamtfläche
von etwas über 43 Hektar. 1874 werden weitere Teiche bei Kolbitz im Teichbuch erfasst, die
Teichfläche dürfte somit um die 1000 Hektar betragen haben
Gezüchtet wurde über Jahrhunderte der voll beschuppte Lausitzer Karpfen. Die
Abwachsteiche erhielten zumeist dreijährige Satzfische, die bis zum Herbst des darauf

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folgenden Jahres im Teich stehen blieben. Die Speisekarpfen waren somit fünfsömmrig.
Durch die zweijährige Nutzung der Abwachsteiche war zwangsläufig die Teichfläche der
Speisekarpfenproduktion gewissen Schwankungen unterworfen, was sich natürlich auch auf
die jährliche Produktionshöhe auswirkte. Für die Speiskarpfenerzeugung wurden 32 bis 37
Prozent der Gesamtteichfläche genutzt. Die Produktion konnte von 1871 bis 1874 jährlich
gesteigert werden, wozu aber auch der Zugang von Teichflächen bei Commerau beigetragen
hat. Wurden 1871 noch 22,4 Tonnen Speisekarpfen in die Hälter eingefahren, so lag diese
Menge 1874 schon bei 42,3 Tonnen. Die mittleren Stückmassen der Speiskarpfen betrugen
in den betrachteten Jahren 1,3 bis 1,4 kg. Daneben wurden noch 200 bis 500 kg Hechte mit
mittleren Stückmassen von 0,5 bis 1,0 kg sowie 180 bis 350 kg Schleien mit mittleren
Stückmassen von 200 Gramm in die Hälter geführt. Verglichen mit heutigen Abfischmengen
war das natürlich sehr wenig. Da bis zu diesem Zeitraum noch nicht gefüttert wurde, lagen
die mittleren Hektarerträge bei der Speisekarpfenproduktion nur zwischen 70 bis maximal
112 kg in den Jahren 1871 bis 1874. Als absoluter Spitzenertrag wurden bei einem allerdings
sehr kleinen Teich von nur einem Hektar 334 kg erreicht. Es gab aber auch Teiche, die nur
25 kg pro Hektar erbrachten.
Aus heutiger Sicht ist natürlich der Absatz der Fische von hohem Interesse. Und da zeigt
sich überraschenderweise, dass die Probleme beim Verkauf der Karpfen vor 135 Jahren den
heutigen sehr gleichen. Aus der Ernte des Jahres 1871 gingen sage und schreibe 95,9
Prozent an zwei Fischhändler in Leipzig. Von den Hechten waren es 60,5 Prozent und bei
den Schleien waren es 92,6 Prozent die nach Leipzig geliefert wurden. Das heißt, auch
damals wurde - bei vergleichsweise niedriger Produktion - nahezu alles außerhalb der
Region abgesetzt. Nicht einmal siebenhundert Karpfen der Königswarthaer Ernte blieben in
der engeren Region! Allerdings war der Preisunterschied zwischen Abgabe an Großhändler
und Direktverkauf fast zu vernachlässigen und betrug 1871 bis 1874 nur 6,25 bis 13,5
Prozent. Lagen die Karpfenpreise 1871 noch bei 11,3 Neugroschen pro kg so stiegen sie
trotz höherer Produktion 1873 auf 15 Neugroschen. Erstaunlicherweise galten für Hechte
und Schleien die gleichen Preise wie für Karpfen. Aale wurde ebenfalls als Hälterzugang
vermerkt, allerdings betrug der höchste Zugang eines Jahres drei Stück (1873).
Die Buchführung des Teichbuchs war überaus gewissenhaft, ja fast penibel. Jeder einzelne
Fisch wurde verzeichnet, darüber hinaus jeder Käufer selbst bei Kauf nur eines einzigen
Fisches namentlich notiert. Wir finden die Angaben zum Deputat genauso wie den Verbrauch
in der Schlossküche. Von Herbst 1871 bis Frühjahr 1872 hat diese beispielsweise 36
Karpfen, 6 Hechte und 49 Schleien verbraucht.
Man fragt sich, wie die nicht unerheblichen Fischmengen zur damaligen Zeit nach Leipzig
kamen. Bei den Ausgaben finden sich jährlich Ende Dezember drei Karpfen für den
Bodenmeister, den Schirrmeister und den Bahnhofsinspektor des Bahnhofes Bautzen, die
als Geschenk verbucht wurden. Wenn auch konkrete Hinweise fehlen, so kann man doch mit
sehr großer Sicherheit annehmen, dass schon damals die Fische per Bahnversand den Weg
in die Messestadt antraten. Das neue Verkehrsmittel Eisenbahn wurde also schon sehr zeitig
für den Fischversand genutzt, weil es möglichte, enorme Mengen in kürzester Zeit über
große Entfernungen zu befördern.
Mit dem am Ende des neunzehnten Jahrhunderts einsetzenden Aufschwung in der
Landwirtschaft setzten sich auch in der Fischerei moderne Zuchtmethoden durch und der
raschwüchsige Galizische Spiegelkarpfen fand Eingang in die Teichwirtschaft der
Oberlausitz, wo der alte Stamm des Lausitzer Karpfens innerhalb kurzer Zeit von diesem
verdrängt wurde. Auch die Fütterung der Fische im Teich wurde eingeführt und hatte eine
nicht unerhebliche Ertragssteigerung zur Folge. Für die Bewirtschaftung einer solch riesigen
Teichwirtschaft war auch entsprechend erfahrenes Personal erforderlich. 1909 wurde für ein
Jahressalär von 2000 Mark neben freier Wohnung und Naturalien ein Fischmeister für die
Herrschaft Königswartha per Ausschreibung gesucht.
Um das Jahr 1900 gehörten zur eigentlichen Herrschaft Königswartha insgesamt 560 ha
Teiche. Da die Besitzer, die Gebrüder Kluge, gleichfalls noch die Herrschaft Uhyst
(Teichfläche 1899: 1438 ha, 115 Teiche) sowie benachbarte Rittergüter inne hatten, entstand
so die größte Teichwirtschaft der Lausitz, wenn nicht gar Deutschlands, mit 287 Teichen und
einer Fläche von etwa 2500 Hektar. Diesen Zeitraum kann man zumindest für die

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flächenmäßige Ausprägung als die Blütezeit der Karpfenteichwirtschaft bezeichnen. Viele
Teiche in den nördlicheren Gebieten um Uhyst und Koblenz verschwanden allerdings in den
folgenden Jahren durch den immer stärker um sich greifenden Braunkohleabbau von der
Landkarte.

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Über Karpfenteichwirtschaft, um 1700
„Von nuzbarer Einrichtunge und Bestellung der Teich-Fischereÿ an Seine Excellenz den
Herrn General Graff von Zintzendorff unterthänig abgestatteter Bericht von Johann Gottfried
Buchern“ lautet die Aufschrift eines handschriftlichen Dokuments aus dem Sächsischen
Hauptstaatsarchiv Dresden mit der Signatur Loc. 37 631 (Rep. XLII, Sect. I, Gen. Nr. 13b).
Diese umfangreiche Beschreibung der Karpfenteichwirtschaft, der eine Datumsangabe fehlt,
stammt aus den Jahren um 1700. Im folgenden sollen einige Auszüge von Abfischung,
Hälterung und Verkauf der Fische gebracht werden. Die Schreibweise wurde an die geltende
Rechtschreibung angepasst, um die Lesbarkeit zu verbessern.
Von der Ausfischung
Wenn nun der Fisch glücklich durch gebracht, und seine gehörige Zeit gestanden, dass er
zusammen 5 Sommer gewachsen, so wird die Fischerei angestellt, welche bei Haupt-
Teichen nach Michaelis (29. September) geschieht. Demnach lässt man die Teiche ziehen,
und das Wasser sachte abführen, damit nicht, wenn es ihnen zu jählings entginge, die
Fische in der Fläche, dem Schilfe, Rohr und denen Dümpeln liegen bleiben und sodann
denen Raubtieren zum Teil werden möchten, sondern sich immer allmählich in die Haupt
Gräben ziehen können. Ist nun das Wasser ziemlich herunter, und befindet sich der Fisch in
denen Hauptgräben und Lagern, so muss des Nachts Wachfeuer gehalten und von den
Teichwärter wohl Acht gegeben werden, dass von Leuten und Raubtieren sich nichts heran
nahe, weil zu der Zeit denen Fischen am besten beizukommen ist. Doch muss das Wasser,
wenn es auf die letzte kommt, denen Fischen nicht gar zu sehr genommen werden, damit sie
nicht matt werden, oder sonst Mangel leiden, ehe man die Fischerei anfängt. Diese nun zu
bewerkstelligen wird Anstalt gemacht, dass des Tages vorher das nötige Gefäße an 4 oder 5
Stück Butten, genugsam Zuber zum Austragen, ingleichen das bedürfende Fischerzeug an
Waten, Verschlagenetzen, Hand-Keschern, Waage und Gewichte, item Abspültisch und
Gelten (kleine hölzerne Schöpfgefäße) angeschafft, auch genugsame Fuhren, die Butten mit
frischen Wasser anzufüllen, ingleichen die Fische vom Teiche ab und in die Hälter zu führen,
neben nötigen und genugsamen Leuten zur Ausfischung bestellet werden, damit folgenden
Tages in aller Frühe die Fischerei angefangen werden kann.
Sodann wird der Teich nochmals gezogen und das übrige Wasser so weit abgelassen, dass
mit der Wate das Lager bezogen und ausgefischt werden kann. Nachdem ein Zug
geschehen, so müssen die Karpfen mit denen Handkeschern aus der Wate in die Zuber
getan, diese gleichwohl nicht allzu voll gemacht werden, damit die Karpfen nicht
überspringen. Bei Herausnehmung der Fische muss man nicht in die Kinnbacken
(Kiemendeckel) greifen und ihnen dieselbe aufreißen, sondern sie beim ganzen Leibe fassen
und gemächlich in die Zuber tun.
Diese werden darauf von 2 Personen auf den Damm getragen, die darinnen befindlichen
Fische auf den Abspültische ausgeschüttet, mit frischem reinen Wasser (das zu dem Ende
auf beiden Seiten des Tisches in 2 Butten in Bereitschaft stehet) begossen und von allem
Schlamme abgespült.
Hierauf geschieht die Auslesung, da zu förderst die Speisefische (Weißfische), an starken
Hechten, Perschken (Barschen) und Carauschen jede Sorte in aparte (gesonderte) Butten
ausgeschossen (aussortiert), die Kleinen aber besonders untereinander gesammelt werden,
die, weil sie sich nicht halten, gleich am Teiche, maßweise zu verlassen sind. Die Karpfen
aber werden auf die Waage gezählt, zentnerweise in die zuvor mit gutem reinen Wasser voll
gefüllten Fischfässer geladen und wenn nicht alsbald auf´m Damme an die Fisch Händler
verkauft und von ihnen abgenommen werden, in die Hälter geführt. Wenn eine Ladung
abgeht und so viel Speise-Fische (Weißfische) vorhanden, dass eine Fuhre von einer oder
zwei Sorten beladen, so sind solche mit fortzuschaffen, weil diese sich nicht lange halten
lassen. Um besserer Richtigkeit wegen kann man jeder Fuhre die empfangene Stücken auf
einen Zettel spezifizieren (einzeln anführen), welchen bei denen Hältern vorgewiesen
werden muss. Bei dem Abführen kann man diese Ordnung halten, dass nach Proportion der
Fischerei 8 bis 10 Wagen, von denen die ersten auf die letzten warten müssen, miteinander
fortgeschickt, und ihnen unterwegs ein paar Personen zur Aufsicht mitgegeben werden,

erstellt von Matthias Pfeifer
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damit nichts veruntreut, ingleichen wenn es weit und frisch rein Wasser zu haben, die Fische
abgefrischt werden, davon der Moder oder Sand, der noch anhangen blieben, abläuft und sie
desto besser gereinigt werden.
Von denen Hältern
Wenn die Fische in denen Hältern ankommen, allwo abermals bedürffendes Gefäße in
Bereitschaft sein muss, so werden sie wieder in eine Butte geschüttet, aus der Butte mit
Keschern sachte gehoben, in die Zuber gezählt und in die Hälter getragen, da denn die
Speisefische in die besten Fächer und unter ihnen die Barsche in das nächste bei dem
Einfluss des frischen Wassers getan werden müssen.
Verwahrung des Fischerzeuges
Wenn die Fischerei zum Ende, so müssen die gebrauchten Netze rein ausgespült, und von
allen Schlamme und Unflat gesäubert, alsdann an der Luft getrocknet und auf einem
wohlverwahrten Gehäuse, so luftig liegt, in der Höhe aufbehalten, auch fleißig Acht gegeben
werden, dass weder Mäuse noch Spinnen dazu kommen und ihre Wohnung darinnen
aufschlagen mögen.
In denen Hältern aber muss der Fischer Acht haben, dass das Wasser nicht außen bleibt,
oder zu schwach gehet, und weil im Herbste das abfallende Laub die Gräben anfüllet und
sich vor die Rechen leget, muss solches fleißig aus geräumet werden, damit das Wasser
seinen freien Zugang haben kann. Frieren die Hälter zu, so muss er die Ränder aufeisen und
sie stets offen halten, dass man bedürfenden Falls mit der Wate darunter wegziehen und der
Fische habhaft werden kann, wenn selbige zum Verbrauch oder Verkauf verlangt werden.
Vom Verkauf der Fische
Der beste Verkauf geschiehet gleich auf dem Teiche von Damme weg, wenn schon der
Zentner 8 bis 12 Groschen wohlfeiler gegeben werden soll, indem nach 1 Monate sich 2 bis
3 Stücke einwiegen, weil sie nicht nur den anhängenden Schlamm abspülen, sondern auch
den aus den Teichen gebrachten Fraß von sich geben, in der Enge und in den Gedrängnis
ihnen bange wird, sich endlich gar abzehren und also leichter werden, welches denn desto
merklicher geschiehet, wenn man sie bis nach Weihnachten stehen haben muss. Sonderlich
ist mit denen Hechten nicht zu säumen, weil diese einander aufreiben und die Größten die
Kleineren verzehren, dass sich also überall Abgang ereignet, zu geschweigen, was sonst
matt wird und abstehet (abstirbt, verendet).
Frühlings Fischerei
Ob nun wohl ordinär (gewöhnlich) die Fischerei zur Herbst-Zeit vorzunehmen, so trifft sichs
doch zuweilen, dass man wieder Verhoffen eine reiche Fischerei erhält, und daher die Fische
nicht alle zu lassen weiß, zumal da sie sonst überhäufet und nicht viel gelten wollen, alsdann
tut man am besten, dass man einige Teiche bis aufs Frühjahr liegen lässt und die
Ausfischung um die Fastnacht vornimmt, um welche Zeit der Fisch wieder angenehm wird,
zumal wenn man ihn an katholische Orte verführen kann. Sind Güter auf denen die Fischerei
einträglich und weitläufig, so ist ratsam, dass eine solche Einteilung gemacht wird, dass man
im Jahr soviel als das andere zu fischen habe, maßen sonst wenn ein Jahr zu viel kommt,
die Fuhren und Dienste zu beschwerlich fallen und an anderen wirtschaftlichen
Verrichtungen hindern, als die allzu weit ausgesetzet werden müssen, zu geschweigen, dass
der Gelass in den Hältern nicht darnach und sie sich, wenn sie allzu dicke stehen, bestoßen
und abstehen (absterben).
Es muss aber die Einteilung mit denen Teichen also gemacht werden, dass der Ablass des
Wassers geführt werden kann, und diejenigen Teiche, die andern den Abfall geben, bis zur
letzten Ausfischung behalten werden. Sonst pfleget man auch bei weitläufigen Fischereien
die Fische, nachdem sie mager oder fett, in denen Hältern zu sortieren, und richtet nach
deren Güte und Geringheit den Kauf darnach ein.

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Über Fischereigesetzgebung, aus der Oeconomischen Encyclopädie
Im Jahr 2007 erhielt Sachsen ein neues Fischereigesetz, eine neue Fischereiverordnung
folgt im Jahr 2008. Zweck ist die einheitliche Regelung und Ausübung der Fischerei sowie
der Schutz der Fische. Auch unserer Vorfahren machten sich Gedanken, wie die Fischerei zu
regeln ist, um größtmöglichen Nutzen für Fischer und auch Gesellschaft zu erzielen. Fische
aus Binnengewässern als Lebensmittel spielten eine viel größere Rolle als heute. Diese
Intentionen zu den Anforderungen der Fischereigesetzgebung sollen auszugsweise aus der
Krünitzschen Enzyklopädie, Band 13 aus dem Jahr 1778 in ursprünglicher Schreibweise
wiedergegeben werden.
…so ist dem Staate allerdings daran gelegen, daß diese Fischerey dergestalt ausgeübet
werde, damit einestheils die Fische nicht vertilget, und das gemeine Wesen dieser Art von
Lebensmitteln nicht beraubet, anderntheils aber die landesherrlichen Einkünfte davon, so viel
nur möglich ist und mit der allgemeinen Wohlfahrt bestehen kann, vermehret werden.
Soll dieser doppelte Endzweck erreicht werden, so sind zuvörderst Fischereyordnungen und
Gesetze nöthig, worin alles und jedes, was zur Benutzung und Ausübung der Fischerey
gehört, und was dabey sowohl bey den landesherrlichen als der Vasallen, Städte und
Unterthanen Fischereyen, zu beobachten ist, ausführlich und deutlich enthalten seyn muß.
Es wird dabey hauptsächlich auf nachfolgende Puncte und gesetzliche Verordnungen
ankommen.
Es müssen die Jahrszeiten bestimmt werden, zu welchen diese oder jene Art von Fischen
nicht gefangen werden sollen, welches insonderheit kurz vor ihrer Leich=Zeit, und in
derselben, nicht geschehen muß. Mit denjenigen Sorten von Fischen aber, welche zu keiner
andern Zeit, als nur allein, wenn sie leichen, aus ihrer Tiefe hervor kommen, und weder von
Fischern noch jemanden anders gefangen werden können, hat es wohl eine andere
Bewandtniß; denn diesen muß billig in der Leichzeit nachgetrachtet werden, weil außer
derselben alle Mühe und Arbeit vergeblich ist. Auch gleich nach dem Leichen soll man der
Fische noch verschonen, weil sie alsdenn nicht nur zu mager und geringe, sondern auch viel
unschmackhafter und ungesunder sind, als zur andern Zeit; die Polizey aber für die
Erhaltung der Gesundheit der Einwohner Sorge tragen, und mithin solche Eßwaaren, welche
leicht Krankheiten nach sich ziehen können, nicht gestatten muß.
Ueberall sollten die Fische zur Leichzeit, oder wenn sie streichen, mehr geschonet werden,
als es geschieht, und es hat der Verf. eines Beytrages zur Abhandl. von der wilden Fischerey
vollkommen Recht, wenn er sagt: das Wegfangen der Fische zur Leichzeit wäre den
Fischereyen eben so nachtheilig, als es der Jagd seyn würde, wenn man die Vögel zur
Brutzeit, oder das Wild, wenn es trächtig oder beschlagen ist und Junge aufzieht, erlegen
wollte; gleichwohl geschähe es, entweder weil kein Verboth existirte, oder weil man sich nicht
darnach achtete.
Auch muß in der Fischordnung vorgeschrieben seyn, wie die verschiedenen Netze und
Garne beschaffen, und wie groß ihre Augen oder Maschen seyn sollen, damit nicht alle junge
Brut mit weggefangen werde. In allen Fischereyordnungen werden die engen Netze
verbothen. So oft neues Fischzeug gemacht wird, muß solches, ehe es gebraucht werden
darf, besichtiget werden.
Und an manchen Orten dürfen die Fischer selbst ihre Fischzeuge nicht bey sich behalten,
sondern müssen dieselben, nach dem Gebrauch, allemahl in die Gerichte bringen, wo sie
aufbewahret werden.
Imgleichen muß bey allen Sorten der Fische ein gewisses Maß bestimmet werden, wie groß
die Fische seyn müssen, wenn sie gefangen, behalten und verkauft werden sollen. Alle
Fische, welche unter dem Maße groß sind, müssen wieder in das Wasser geworfen werden.
Man pflegt die Modelle der Fische und ihr Maß in den Städten auf den Fischmärkten, wie
auch in den Dörfern bey den Gerichten, an gelegenen Orten anzuhängen. Wenn jemand
kleinere Fische, als diese Maße ausweisen, zum Kauf bringt, müssen solche confisciert, und
der Verkäufer bestraft werden.
Ferner müssen alle schädliche Arten der Fischerey, und die sogenannten Fischfangskünste,
auf das schärfste verbothen werden. Hierher gehört das Nachtfischen, das Tollkeulen, wenn

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man auf durchsichtigem tragenden Eise die in der Untiefe stehenden Fische durch einen
starken Schlag mit einer hölzernen Keule betäubet, und so sinnlos macht, daß man sie nach
eingeschlagenem Eise greifen kann; imgleichen das Speerstechen. Zu den verbothenen
Fischfangkünsten gehört, wenn man durch allerhand präparirte Lockspeisen die Fische
herbey zu ziehen suchet, daß man sie, weil sie gemeiniglich dadurch betaumelt werden,
ganz leicht, und öfters mit den Händen wegfangen kann.
Endlich muß auch alles aus dem Wege geräumet und verbothen werden, was den Fischen
den Untergang befördert, oder zur Verhinderung der Fischerey gereicht. In dieser Absicht
darf in fließenden Bächen und kleinen Wassern, imgleichen in den Mühlgräben, sie mögen
dem Erbherrn, Müllern oder andern Leuten gehören, kein Flachs oder Hanf geröstet, keine
Sägespäne, Kohlen, Gestäube von gebrannten Kohlen oder Meilern, noch Kalk, und andere
schädliche Sachen, wovon die Fische sterben, hinein geschüttet werden. Das Abschlagen
und Abdämmen des Wassers ist nicht zu gestatten; wenn die Unterthanen die Wiesen
wässern, muß es nur zu solchen Zeiten geschehen, wenn die Fische nicht steigen, und auch
alsdenn müssen sie die Wässerung dergestalt einrichten, daß sie dem Steigen der Fische
nicht hinderlich sey, und den Bächen durch große Gräben nicht allzuviel Wasser entziehen;
und wenn ein kleiner Damm oder Wehr zu legen nöthig, und das Wasser sonst auf die
Wiesen nicht zu bringen ist, müssen sie solches vorher an gehörigem Orte anzeigen, und
Erlaubniß dazu einhohlen; denn Strauchwehre, Schleusen und Dämme zu machen, oder die
Bäche mit Reisern zu verhauen, oder auf andere Art das Steigen der Fische zu verhindern,
pflegt scharf bestraft zu werden. Die zahmen sowohl als wilden Gänse und Aenten sind den
Fischen sehr gefährlich, so wie die Reiher, Störche und andere Raubvögel; diese Thiere sind
daher auf und bey den Fischwassern nicht zu dulden. Die Fischdieberey aber muß scharf
und nachdrücklich bestrafet werden.
Hausgenossen, Gesellen, und anderes müßiges Gesinde aber, sollen sich alles Fischens
enthalten.
Allein, diese wenige Maßregeln und Anstalten sind bey weitem nicht hinreichend, um bey
den Bauern eine ordentliche und nützliche Fischereywirthschaft zu Stande zu bringen. Denn
es werden, solcher Verordnungen ungeachtet, die Bäche und Ströhme durch das allgemeine
Fischen gemeiniglich von aller Brut entblößet, und liederliche Wirthe zum Müßiggange
verführet, den wenigsten Einwohnern aber bleibt ein wahrer Nutzen dabey übrig.
Ferner trifft man in den Fischarten, so die Gewässer bey sich führen, eine große
Mannigfaltigkeit an, indem eine vor der andern nicht allein einen leichtern Absatz findet,
sondern auch in dem Preise einen großen Vorzug hat.
Der Ertrag der Fischerey kann überdem deshalb nicht überall gleich geschätzt werden, weil
der Absatz und die Verlosung der Fische an einem Orte schwerer, als an dem andern, fällt.
Bey landesherrlichen Fischereyen, zumahl, wenn dieselben groß und von Wichtigkeit sind,
ist die Verpachtung derselben allemahl der Administration vorzuziehen. Man macht dadurch
die Einkünfte davon nicht nur gewiß, sondern vermehret auch dieselben; da hingegen bey
der eigenen Verwaltung nicht alle Fische, welche gefangen werden, der Herrschaft zu
Nutzen kommen, wenn auch noch so gute Aufsicht dabey gebraucht wird. Die Verpachtung
der herrschaftlichen Landseen, und derjenigen Theile von den Ströhmen und Flüssen,
welche nicht bereits an Städte und Vasallen erblich überlaßen sind, geschieht bey der
Kammer auf die gewöhnliche Art durch eine öffentliche Licitation an den Meistbiethenden auf
6 oder 9 Jahre. Es ist vortheilhaft, dergleichen Fischereyen an solche Leute zu verpachten,
die vom Fisch=Fang Gewerbe machen. Die Pachtbedingungen kommen hauptsächlich auf
eine pflegliche, ordentliche und regelmäßige Fischereywirthschaft und genaue Beobachtung
der Fischordnungen an, wozu der Pachter ernstlich angewiesen wird.

erstellt von Matthias Pfeifer
86
Der Kalifornische Lachs, Schriftensammlung Max von dem Borne
Im Bibliotheksbestand des Referats Fischerei der Sächsische Landesanstalt für
Landwirtschaft befindet sich ein Büchlein mit Aufsätzen aus den Jahren 1890 bis 1892 von
dem seinerzeit berühmten und heute als Altmeister der Fischzucht geltenden Max von dem
Borne aus Berneuchen in der Neumark (heute Polen). Dieser kleine Band enthält die
Beschreibungen von 11 Fischarten, die damals aus Nordamerika nach Europa eingeführt
wurden. Veröffentlicht wurden die Aufsätze bei dem renommierten Verlag J.Neumann,
Neudamm. Es dürfte sich um die ersten deutschen Monografien dieser Fische handeln. Be-
schrieben werden sechs Salmoniden, und zwar der Kalifornische Lachs, die Kalifornische
Regenbogenforelle, der Bachsaibling, der Amerikanische Binnenlachs, die Amerikanische
Seeforelle (Namaycush) sowie die Amerikanische Große Maräne, des Weiteren der
Amerikanische Hundsfisch, der Schwarzbarsch und der Forellenbarsch und letztlich der
Zwergwels und der Fleckenwels.
Es mag aus heutiger Sicht erstaunlich sein, dass gerade Ausgang des 19. Jahrhunderts so
viele nicht heimische Fischarten das Interesse der Fischzucht fanden. Neben den
Fortschritten auf diesem Gebiet, die den Import auch von befruchteten Eier möglich machten,
gibt uns Max von dem Borne selbst die Antwort: „Die fortschreitende Kultur, welche die
Wälder und Sümpfe beseitigt und in den Flüssen Wehre und Schleusen entstehen läßt,
macht die Lebens-Bedingungen für unsere edelsten Fischarten, namentlich für Lachse,
Forellen und Äschen, mehr und mehr ungünstig. Durch Verunreinigungen des Wassers aus
Städten und Fabriken werden viele Flüsse, die sich bisher vortrefflich für Salmoniden
eigneten, für dieselben unbewohnbar gemacht. Einen Ersatz hierfür versprechen,
wenigstens einigermaßen, zwei edle amerikanische Fische, der Schwarzbarsch und der
Forellenbarsch, zu gewähren, weil sie gegen die durch die Kultur herbeigeführten
Schädigungen der Gewässer viel weniger empfindlich sind wie die Salmoniden.“
Max von dem Borne (1826-1894) wird in der Literatur ja auch immer als der Pionier bei der
Einführung neuer Fischarten beschrieben. In einem kurzen Vorwort schreibt er jedoch selbst,
dass die Einführung amerikanischer Salmoniden hauptsächlich zwei Männern zu verdan-ken
wäre, nämlich Professor Dr. Spencer F. Baird, Leiter der Fischerei-Kommission in
Washington, und dem Vorsitzenden des Deutschen Fischereivereins, dem königlichen
Kammerherrn Herrn Dr. Friedrich Karl Gustav Felix von Behr (1821-1892). Die enge
Freundschaft zwischen diesen beiden Männern machte den Import der amerikanischen
Fische möglich. Als Gegenleistung erhielt Nordamerika den Karpfen und die Bachforelle aus
Deutschland. Max v.d. Borne aber kommt das Verdienst zu, dass er auf seinen Besitzungen
in Berneuchen die neuen Fischarten in der Praxis testete und sie einem großen Publikum
bekannt machte. Die Beschreibungen der einzelnen Fischarten enthalten neben vielen
Informationen auch einige journalistische Kostbarkeiten und sind deshalb sehr amüsant zu
lesen. In dieser und den nächsten Ausgaben sollen diese Fischarten auszugsweise ebenso
wie die Geschichte ihrer Einführung in die Fischerei Deutschlands respektive Europas
vorgestellt und nötigenfalls ergänzt und kommentiert werden.
Kalifornischer Lachs Salmo Quinnat (RICHARDS), Onchorynchus Quinnat (GÜNTHER).
Heute wird die Art im Englischen als King Sal-mon, Spring Salmon oder Chinook bezeichnet,
im Deutschen Königslachs. Die momentan gültige wissenschaftliche Bezeichnung lautet
Onchorynchus tshawytscha (WALBAUM, 1792).
„Der kalifornische Lachs bewohnt den Stillen Ozean an der Küste von Nord-Amerika, südlich
von ST. Francisko vom 36. Breitengrade bis Aljaska, und die asiatischen Küsten bis
Kamschatka und geht in die dort einmündenden Flüsse in ungeheuren Schwärmen, um zu
laichen. Wie groß die Zahl der Fische ist, geht daraus hervor, daß im Jahre 1880 vom April
bis Juli im Columbia-Flusse 1½ Millionen Lachse gefangen wurden. Der kalifornische Lachs
wird 60 bis 90 Pfund schwer, sein mittleres Gewicht ist im Columbia-Flusse 25 Pfund, im
Sacramento 16 Pfund, von 4 Pfund Schwere an ist er fortpflanzungsfähig. … Er ist an
Wohlgeschmack dem atlantischen Lachs vollkom-men gleichwertig. Da letzterer in den
Flüssen des östlichen Nordamerika um so mehr an Zahl abnahm, je größere Fortschritte dort
die Kultur machte, so beschloss die Fischerei-Kommission … im Jahre 1872, den pacifischen

erstellt von Matthias Pfeifer
87
Lachs zu züchten und eine möglichst große Menge Eier dieses Fisches zur Bevölkerung der
atlantischen Flüsse und des Mississippi zu verwenden. Der rühmlichst bekannte Fisch-
züchter Mr. Livingston Stone erhielt den Auftrag, diesen Beschluß möglichst bald in
Kalifornien auszuführen, und begab sich deshalb im August 1872 dorthin, um sich mit den
Verhältnissen bekannt zu machen; er ermittelte, daß der Mc. Cloud River, im Flussgebiet des
Sacramento, von sehr vielen Lachsen besucht werde, welche dort von den Indianern in
großer Menge auf den Laichplätzen gestochen wurden, und fand den Fluß zur Anlage einer
Fischzuchtanstalt vortrefflich geeignet. Sowohl der Sacramento wie der Mc. Cloud River
entspringen an dem 14440 Fuß hohen Mount Shasta. Der Mc. Cloud River entströmt einer
Riesenquelle und fließt in einem wilden, höchst ro-mantischen Gebirgsthal mit den
großartigsten Landschaftsbildern. Steile, oft senkrechte, meist unersteigliche Felswände von
mehreren tausend Fuß Höhe steigen oft unmittelbar aus dem Wasser auf, und in seinem
mittleren Laufe schäumt der Fluß in einem engen, ganz unzu-gänglichen Kanon dahin. …
Nur ein Indianerpfad gestattet den Zugang; derselbe ist schmal und führt oft so nahe an
Abgründen dahin, daß er bei Neigung zu Schwindel nicht ohne Gefahr betreten werden
kann. Das Thal war nur von Indianern bewohnt, welche Anfang der siebziger Jahre einen
weißen Ansiedler Georg Crooks erschlugen, weil sie behaupteten, daß ihnen das Land
gehöre. Wegen der in den Bergen hausenden Bären und Panther und wegen zahlreicher
giftiger Skorpione, Taranteln und Klapperschlangen war Vorsicht geboten. … Die
Fischzuchtanstalt wurde nicht weit von der Mündung des Mc. Cloud River erbaut und durch
ein Schöpfrad mit Wasser versorgt; der Fluß wurde durch einen hölzernen Rechen so
gesperrt, daß die Lachse nicht weiter aufsteigen konnten. Von 1872 bis 1884 wurden
71.890.000 Lachseier gewonnen, bis zum Sichtbarwerden der Augenpunkte angebrütet und
dann zum größten Teil versandt, zum kleineren Teil ausgebrütet, um die Lachsbrut im
Flußgebiet des Sacramento auszusetzen. Zur Versendung embryonierter Fischeier, lebender
Fischbrut und größerer Fische benutzt die Fischerei-Kommission Eisenbahn-Transportwagen
von 200 Zentner Tragfähigkeit. Die Eier werden durch Eis kalt gehalten und die Fische
werden mit laufendem Wasser versorgt, dem Luft eingeblasen wird. Pumpen und Gebläse
werden mittels Friktionsrollen durch die Räder des Wagens bewegt. die Begleiter haben im
Wagen bequeme Sitze, Betten, eine Küche und ein Bureau.“
Neben großen Mengen für die Ostküste, Kanada und sogar Neuseeland erhielten in Europa
England, Schottland, Frankreich, Holland und Deutschland Augenpunkteier. Von den in
diesem Zeitraum nach Deutschland gelieferten 830.000 Eiern, gingen sogar mehrere
Tausend in Elbzuflüsse wie die Wesenitz und den Näschützbach. Die Schlupf-rate in der
Fischzuchtanstalt Coßmannsdorf bei Tharandt erreichte im ersten Jahr 1878/79 immerhin
rund 54 Prozent, was nach dem langen Transport per Schiff nicht als schlecht anzusehen ist.
Im Jahr 1879/80 wurden von 10.000 Eiern sogar 9.500 Eier zum Schlupf gebracht, die
Brütlinge gelangten allesamt in die Wesenitz. Auch andere Fischzuchtanstalten erhielten Eier
des Kalifornischen Lachses und konnten die Fische mehrer Jahre in Hältern am Leben
erhalten, aber nach drei bis vier Jahren gingen die Kalifornischen Lachse ein. Auch in Frank-
reich wurde kein durchschlagender Erfolg erzielt, so dass die Zucht und Aussatz der
Königslachse zum Erliegen kam. Eine erfolgreiche Ansiedlung des Königslachses mit
natürlicher Reproduktion gelang zur damaligen Zeit nur in Neuseeland. In jüngerer
Vergangenheit gelangen außerhalb seines natürlichen Verbreitungsgebietes Ansiedlungen in
Australien und in Chile. Dagegen steigt seit zwanzig Jahren seine Produktion in
Aquakulturanlagen steil an und beträgt etwa 25.000 t gegenüber einem Fang von rund
15.000 t.

erstellt von Matthias Pfeifer
88
Regenbogenforelle und Bachsaibling
Fortsetzung der Beschreibung eingeführter nordamerikanischer Fischarten von Max von dem
Borne (Einleitung siehe Heft 2/2008).
Die kalifornische Regenbogenforelle, Salmo Irideus; Rain-bow Trout; Red-sided Trout; Red-
banded Trout, Golden Trout.
Heute wird die Regenbogenforelle den pazifischen Lachsen zugeord-net. Ihr lange Zeit
geltender wissenschaftlicher Name Salmo gairdneri (Richardson 1836) wurde deshalb durch
Oncorhynchus mykiss (Wal-baum, 1792) ersetzt.
„Die Regenbogenforelle ist in den Flüssen westlich von der Sierra Nevada vom 33. bis zum
56. Breitengrade zu Hause und besonders häufig im Gebiet des Sacramento. In kurzen
Küstenflüssen geht sie in brackiges Wasser, was ihr Wachstum befördert, so daß sie dort bis
14 Pfund schwer wird, während sie im Sacramento selten mehr wie 6 Pfund Gewicht
erreicht. Sie frißt animalische Kost, wie Krustaceen, Insekten und deren Larven, Muscheln,
Schnecken und andere kleine Wassertiere; sie sucht ihre Nahrung hauptsächlich am
Grunde, weniger an der Oberfläche. Im Mc. Cloud River frißt sie viel Lachseier.
Kannibalismus ist kaum merklich vorhanden, so daß man Regenbogenforellen von 2 Pfund
und ⅓ Pfund Schwere ohne Gefahr zusam-men halten kann. Livingston Stone fütterte in der
Fischzuchtanstalt am Mc. Cloud River seine Regenbogenforellen, die er zur Gewinnung von
Eiern gefangen hielt, mit sterilen Eiern vom Lachs und gehacktem Fleisch vom Hirsch. Sie
fraßen in einem Jahre das Fünffache ihres Körpergewichts an Fleisch und wurden dabei
doppelt so schwer, so daß 5 Pfund Fleischfutter 1 Pfund Gewichtszunahme hervorbrachte.
Sie fressen sehr gut in der Gefangenschaft, sind nicht scheu und wer-den leicht zahm. Man
kann sie sogar mit Brot füttern, welches sie gern nehmen. Sie sind viel schnellwüchsiger wie
unsere Bachforellen. In Ober-Bayern wurden sie im dritten Jahre häufig 1½ bis 2 Pfund
schwer.
Die Regenbogenforelle hat eine größere Widerstandskraft gegen hohe Temperaturen des
Wassers wie unsere Bachforelle und erträgt 25 bis 26 °C Wärme sehr gut; auch die Brut ist
gegen warmes Wasser durchaus nicht empfindlich und befindet sich, bald nachdem sie
ausgeschlüpft ist, bei + 20 °C vollkommen wohl. Die Regenbogenforelle ist sehr zählebig und
erträgt weite Transporte in wenigem Wasser besser wie ander Forellenarten. Sie ist sehr
gesund, widersteht den meisten Krankheiten mit Erfolg und Wunden heilen leicht. Sie ist
durch große Lebhaftigkeit und Beweglichkeit ausgezeichnet. Die Region, welche die
Regenbogenforelle in Flüssen und Seen bewohnt, deckt sich nicht mit der unserer
Bachforelle, sondern reicht bis in die Bleiregion hinein. Sie gedeiht sehr gut in eigentlichen
Karpfenteichen, welche zur Zucht unserer Bachforelle nicht mehr geeignet sind.
Wenn auch das Fleisch der Regenbogenforelle vielleicht weniger wohlschmeckend und
trockener ist wie das der kleinen Gebirgsforelle, so wird es doch sehr hoch geschätzt. Wegen
ihrer Zählebigkeit, Schnellwüchsigkeit und Unempfindlichkeit gegen hohe Temperaturen
verdient sie den Vorzug vor allen anderen Forellenarten; sie ist mehr wie jede andere
geeignet, ein Volksnahrungsmittel zu werden.
Die Regenbogenforelle laicht in schnellfließendem Wasser auf Steinen, sowohl in großen
Flüssen wie in kleinen Bächen. Die Laichzeit hängt wie bei unserer Bachforelle, von der
Temperatur des Wassers ab, in dem sie lebt.“
1877 wurden schon Eier der Regenbogenforelle nach Japan geliefert. 1882 gelangte die Art
nach Deutschland. Max v.d. Borne schreibt, dass in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in
Frankreich und Spanien die Regenbogenforelle bald der Liebling der Fischzüchter gewor-den
ist. 1903 schreiben E. Leonhardt und K. Schwarze, dass sie wildlebend zur Fortpflanzung
schreitet und in mehreren Flüssen Sachsens heimisch geworden ist. Die Regenbogenforelle
ist heute über alle geeigneten Klimate der ganzen Welt verbreitet und eines der wichtigsten
Objekte der Aquakultur. Ihre Einführung in andere Gebiete ist als genauso große Kulturtat zu
werten, wie die Ansiedlung landwirtschaftlicher Kulturpflanzen zu Ernährungszwecken und
kann nicht hoch genug gewürdigt werden.

erstellt von Matthias Pfeifer
89
Der Bachsaibling Salmo fontinalis, Günther, Brook Trout, Speckeled Trout.
Die aktuelle wissenschaftliche Bezeichnung lautet Salvelinus fontinalis (Mitchell, 1815).
„Der Bachsaibling ist mit dem Saibling näher verwandt wie mit unserer Bachforelle. Er variiert
in den Formen des Körpers und der Färbung der Haut und des Fleisches gar sehr. Der
Bachsaibling ist in Nord-Amerika zwischen dem 32½ und 55. Breitengrade zu Hause und
bewohnt kalte, schnellfließende Bäche und Flüsse mit steinigem Grunde und Seen, soweit
dieselben dem Gebiet des Atlantischen Ozeans angehören. … Er ist in der oberen Forellen-
Region zu Hause, und kalte Gebirgsbäche sind für ihn am besten geeignet. Er lebt weniger
in Verstecken wie unserer Bachforelle und schwärmt mehr wie diese umher; beide
Fischarten haben etwas verschiedene Bedürfnisse, deshalb wird die Produktivität eines
Flusses erhöht werden, wenn er neben Bachforellen auch Bachsaiblinge beherbergt. Der
Bachsaibling ist empfindlicher gegen hohe Temperaturen des Wassers wie unsere
Bachforelle; er kann in starker Strömung höhere Temperaturen ertragen wie in stillem
Wasser. Im Freien findet er sich nur da, wo das Wasser nicht wärmer wird wie +19 °C. … er
fühlt sich unbehaglich und hört auf zu fressen, wenn die Wärme bis über 21 °C steigt; je
mehr diese Temperatur überschritten wird, um so mehr Gefahren entstehen, bei 24 °C ist die
Lage gefährlich und es tritt größere Sterblichkeit ein.
Der Bachsaibling nimmt nur animalische Kost, er lebt von Wasserinsekten, Krustaceen,
Muscheln und Schnecken, Fliegen und kleinen Fischen; er verschont auch seinesgleichen
nicht, was er davon zu verschlingen vermag. Er kann in zwei Jahren ein Pfund schwer wer-
den und erreicht ein Gewicht von 3-17 Pfund. Er übertrifft unsere Bachforelle an
Schnellwüchsigkeit. In Oberbayern wurde er im dritten Jahre ¾ bis 1 Pfund schwer.
Das Fleisch ist teils weiß, teils rötlich oder lachsfarbig, ist fester und trockener wie das
unserer Bachforelle, schmeckt dem des Lachses ähnlich, hat aber ein etwas anderes
angenehmes Aroma. Der wirtschaftliche Wert des Bachsaibling ist dem der Bachforelle sehr
ähnlich, beide sind mehr für die Tafel der Reichen geeignet wie für die der Massen. Unsere
Forelle hat ein zäheres Leben, ist weniger empfindlich gegen hohe Temperatur und leichter
zu halten wie der Bachsaibling.
Der Bachsaibling laicht von Mitte Oktober bis zum März in flachem, stark strömendem
Wasser auf Steinen, und das Weibchen giebt pro 1 Pfund Körpergewicht in Amerika 400 bis
800, in Deutschland 1000 bis 1500 Eier. Die Laichzeit ist von der Temperatur des Wassers
abhängig, und ist in Quellwasser mit konstanter Temperatur später wie in Flußwasser mit
veränderlicher Temperatur. Die Eier sind kleiner wie die unserer Bachforelle. Der Fisch wird
in Nordamerika seit längerer Zeit künstlich gezüchtet.“
Als Jahr der Einführung in Deutschland durch Friedrich von Behr gilt 1878. Der Bachsaibling
ist damit vier Jahre vor der Regenbogenforelle eingeführt worden. Neben der baldigen
erfolgreichen Nachzucht kamen weiterhin Eier aus den USA nach Europa und Deutschland.
Max von dem Borne schreibt 1892, dass der Bachsaibling in Europa mit Erfolg weiter
gezüchtet worden ist und als eingebürgert betrachtet werden kann. Von 1884 bis 1890
wurden 390.000 Bachsaiblingeier in Deutschland gewonnen. Zum Zeitpunkt der Drucklegung
dieses Aufsatzes gab er die jährliche Menge schon mit ca. 750.000 Eiern an. 1889/90 erhielt
Deutschland von 726.000 aus den USA in das Ausland versandten Eiern den Löwenanteil mit
620.000 Eiern. Auch die Kreuzung von Bachsaibling mit dem heimischen Seesaibling der
Alpen-seen wurde für die Mästung in Teichen als besonders geeignet gelobt. In Sachsen
sind Besatzmaßnahmen aus dem Jahr 1891 in Röder und Nebenbächen von Spree und
Mandau beschrieben worden. 1903 wurde er als sehr feiner Speisefisch für verschiedene
Bäche in Sachsen neben der Bachforelle erwähnt. Gegenwärtig liegen aus Sachsen
Nachweise aus 132 Gewässern vor.

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Amerikanischer Binnenlachs, Amerikanische Seeforelle und Große Maräne
Fortsetzung der Beschreibung eingeführter nordamerikanischer Fischarten nach Max von
dem Borne (Teil 1 siehe Heft 2/2008).
Der Amerikanische Binnenlachs, Salmo salar, Schoodic Salmon, Sebago Salmon, Glover´s
Salmon.
Anmerkung: Nicht seewärts abwandernde Binnenformen, kommt außer in Nordamerika noch
in Russland, Finnland, Schweden und Norwegen vor.
„Der Binnenlachs bewohnt ungefähr zwanzig Seen im Staate Maine der Vereinigten Staaten
von Nord-Amerika, … . Er kommt in mehreren Provinzen von Canada vor, namentlich in
New-Brunswick und Nova Skotia. Ein ähnlicher Fisch war früher im Ontario und Eriesee sehr
häufig; er ist aber vom Binnenlachs dadurch verschieden, daß er zur Laichzeit in Zuflüssen
zu den Seen aufsteigt, während er aus den vorher erwähnten Seen im Abflusse
stromabwärts schwimmt, um zu laichen. Die Seen im Staate Maine liegen in einer nicht
bergigen Gegend, sie sind größtenteils über 30 m tief, indessen kommt der Binnenlachs
auch in weniger tiefen Seen vor. Der Binnenlachs ist dem Lachs sehr ähnlich, er ist eine
Zwergform desselben und wegen seines wohlschmeckenden Fleisches hoch geschätzt.
Während der Lachs im Meere lebt und in den Flüssen stromauf geht, um zu laichen, lebt der
Binnenlachs in Seen und schwimmt in dem Abflusse stromaufwärts zu den Laichplätzen;
ferner gehen die jungen Lachse stromabwärts zum Meere, die jungen Binnenlachse
stromaufwärts in den See.
Im Sebago-See wird der Binnenlachs 8 bis 10 Pfund, selten 15 bis 20 Pfund schwer, im
Grand Lake ist er im Durchschnitt 2½ Pfund und wird selten über 6 Pfund schwer. In Teichen
wächst der Binnenlachs langsamer wie der Bachsaibling. Der Binnenlachs beißt sehr gut an
der Angel und wird viel mit künstlichen Fliegen, Fischchen und mit Schweinsschwarte
gefangen. Die Laichzeit ist im November und hat in der Regel am 20. November ihr Ende
erreicht. Die Laichfische schwimmen in dem Flusse, welcher aus dem See ausfließt, hinab
und laichen in schnell fließendem Wasser auf Steinen. Sie gehen erst in den Fluss, wenn sie
fast reif sind, laichen nahe am See, bleiben nur kurze Zeit und gehen schnell in den See
zurück.
Professor Spencer F. Baird ließ 1874 am Grande Lake-Fluß eine Fischzucht-Anstalt
errichten, welche von Mr. Charles G. Atkin geleitet wurde und die zur Züchtung des
Binnenlachses bestimmt ist. Von 1875 bis 1886 wurden in dieser Weise 14.550.000 Eier des
Binnelachses gesammelt;…“
Auch Deutschland erhielt 318.600 Eier. Wie auch in Deutschland konnten in England,
Schottland und Frankreich zur Zeit der Drucklegung dieses Aufsatzes nach Kenntnis v.d.
Bornes noch keine Eier gewonnen werden, obwohl sich die Fische in mehreren
Fischzuchtanstalten gut halten, weshalb die Versuche fortgesetzt werden sollten. In Amerika
selbst führten die Brutaussetzungen zu einer nachweislichen Steigerung der Fangmenge.
Die Einführung dieser Lachsrasse in Europa ist allerdings gescheitert.
Die Amerikanische Seeforelle, Namaycush, Salvelinus Namaycush, Br. Goode; Salmo
Namaycush, Günther; Lake Trout
Anmerkung: Der gegenwärtig gültige wissenschaftliche Name lautet Salvelinus namaycush
(Walbaum, 1792). Sie ist zwar bei uns auch unter Amerikanische Seeforelle bekannt, sollte
aber zur klareren und eindeutigen Abgrenzung als Amerikanischer Seesaibling oder aber
auch als Namaycush bezeichnet werden.
„Die Amerikanische Seeforelle gehört nach Günther zu den lachsartigen Fischen, nach B.
Goode zum Geschlecht der Saiblinge, hat starke Zähne, variiert sehr in Gestalt und Farbe
von einem See zum anderen, ist bald lang und schlank, bald kurz und dick. Farbe braun oder
grau mit gleichfarbigen Flecken oder schwarz mit roten Flecken. Fleisch weiß bis lachsfarbig.
Der Namaycush bewohnt die großen Seen, den Lake Chaplan und viele kleine Seen in Nord-
Amerika. Erhält sich in sehr tiefem Wasser auf, von 15 bis 50 m und größerer Tiefe; im fla-
chem Wasser findet er sich nur verirrt, Flüsse besucht er nicht, auch nicht in der Laichzeit.
Die Seeforellen folgen den Coregonenschwärmen und leben hauptsächlich von diesen

erstellt von Matthias Pfeifer
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Fischen; … sie sind sehr gefräßig, fressen Fische, welche fast so groß sind wie sie selbst,
und da sie stets nahrhafte Speise im Überfluß haben, so wachsen sie schnell und werden
sehr groß; sie sind außer den Stören die größten Fische der großen Seen. Seeforellen von
15 Pfund Schwere sind häufig, von 35 bis 50 Pfund nicht selten, und sie werden bisweilen 80
bis 90 Pfund schwer. Der Namaycush ist nach dem White-Fisch der wichtigste Fisch der
großen Seen, er ist aber nicht überall gleich häufig;…Er wird hauptsächlich mit
Kiemennetzen gefangen … Ein Gegenstand für den Sport ist die Seeforelle nicht, weil sie in
zu großer Tiefe lebt. Seit 1881 läßt die Fischerei-Kommission der Vereinigten Staaten auf
den Fischzucht-Anstalten zu Northville und Alpena Eier des Fisches sammeln und versendet
sie in alle Welt. … Ob es gelingen wird, die Amerikanische Seeforelle in Europa heimisch zu
machen, wird die Zukunft entscheiden. Die meiste Aussicht auf Erfolg bieten meines
Erachtens tiefe Seen mit steinigen Grunde, z.B. die der Voralpen.“
Heute muss man konstatieren, dass es nicht gelang, den Amerikanischen Seesaibling in
Deutschland zu etablieren, dagegen ist er in einigen Kantonen der Schweiz erfolgreich
eingeführt worden, ebenso in Argentinien und Chile.
Die amerikanische große Maräne, Coregonus Albus, Günther; Coregonus Clupeiformis, Br.
Goode; White Fish
Anmerkung: Im Amerikanischen wird die Art heute als Lake Whitefish bezeichnet. Sie trägt
den wissenschaftlichen Namen Coregonus clupeaformis (Mitchill, 1818)
Der White-Fisch ist in den großen und mehreren kleinen Seen Nord-Amerikas zu hause.
Seine Nahrung besteht in kleinen Crustaceen und Mollusken; er ist gewöhnlich unter 6 Pfund
schwer, bei Grand Island ist er im Mittel 14 Pfund, selten unter 10 Pfund, er erreicht 23 bis 25
Pfund Körpergewicht. Der White-Fisch lebt in sehr tiefem Wasser und macht von dort
zweimal im Jahr regelmäßige Wanderungen in flaches Wasser, wobei er in großer Menge
gefangen wird; zuerst im Juni und Juli und dann zum Laichen im Oktober und November.
Der White-Fisch ist sehr häufig, er hat ein vorzügliches, wohlschmeckendes Fleisch von
weißer Farbe und ist der wichtigste Speisefisch der großen Seen. Auf seinen Wanderungen
wird er in flachem Wasser in großer Menge in Bundgarnen und Kiemennetzen gefangen. die
Zahl der Fische hat sich durch Sägespon (?), Schiffahrt und zu starken Fang merklich
vermindert. Er wird sowohl frisch, wie gesalzen und geräuchert verkauft.
Den ersten Versuch, den White-Fisch zu züchten, machten 1857 Mr. Carl Müller in New-York
und Mr. Henry Brown in New-Haven. Seit 1876 wurde im Auftrag der Fischerei-Kommission
der Vereinigten Staaten von Mr. Frank N. Clark die Zucht des Fisches in großem Maßstabe
zu Northville in Michigan und seit 1882 auch zu Alpena am Huron-See betrieben. Von 1880
bis 1886 wurden 643.280.000 Eier befruchtet, zum Teil embryoniert versandt und zum Teil
benutzt, um Brut zur Besetzung der Seen zu gewinnen.
Ins Ausland wurden folgende Mengen embryonierter White-Fisch-Eier versandt: von 1881 bis
1889 nach Deutschland 6.620.000 Eier … Im Ammersee Ober-Bayerns wurden 1885
ungefähr 25 White-Fische von 25 cm Länge mit deutlich entwickelten
Fortpflanzungsprodukten gefangen. Zu Wittingau (heute Třeboň, Südböhmen) haben sich die
amerikanischen Maränen in Karpfenteichen sehr gut entwickelt; da der Güterdirektor Herr
Susta es unternommen hat; ihren wirtschaftlichen Wert mit dem verschiedener europäischer
Coregonenarten ver-gleichend zu prüfen, so können wir sicher sein, nach einigen Jahren zu
wissen, ob und welche Vorzüge die amerikanische vor den einheimischen Maränenarten
besitzt.“
Kenntnisse von erfolgreichen Einführungen liegen nur von einigen hoch gelegenen
Andenseen in Südamerika vor. Die Bemühungen waren somit in Deutschland und auch in
anderen Ländern Europas gescheitert.

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Hundsfisch, Zwergwels und Gabelschwanz
Fortsetzung der Beschreibung eingeführter nordamerikanischer Fischarten nach Max von
dem Borne (Teil 1 siehe Heft 2/2008).
Der amerikanische Hundsfisch oder Schlammfisch.
Amia calva L., Bowfin, Dogfish,
Mudfish, Sawyer, Johnny Grinder.)
Anmerkung: Die Bezeichnung Hundsfisch ist irreführend, da er mit dieser Familie nicht
verwandt ist. Der fälschliche Name beruht sicherlich auf den großen Fangzähnen
(Hundszähne) dieser Fische. Im Deutschen wird er heute treffender Kahlhecht oder
Schlammfisch genannt. Die wissenschaftliche Bezeichnung Amia calva Linne 1766 ist nach
wie vor aktuell. Der Kahlhecht gehört einer stammesgeschichtlich sehr alten Ordnung an und
ist ein Zeitgenosse der Störe. Er ist der einzige noch lebende Vertreter seiner Ordnung.
Kahlhechte sind Raubfische, die noch einige primitive Merkmale aufweisen und durch eine
besonderer Gestaltung der Schwimmblase in der Lage sind, Luft zu atmen, um
Sauerstoffmangel im Gewässer überleben zu können.
„Die Farbe ist oben dunkel olivengrün und schwärzlich, unten blasser; auf den Seiten sind
Spuren netzförmiger Maschen. Die untere Kinnlade und die Halsplatteoft mit runden
schwarzen Flecken, Flossen meist dunkel gefärbt, bisweilen gefleckt. W
ILDE beobachtete die
Atmung des Fisches: er erhebt sich an die Oberfläche, öffnet, ohne eine Luftblase
auszustoßen, die Kiemen weit und verschluckt offenbar eine große Menge Luft. Die Atmung
wird häufiger ausgeführt, wenn das Wasser faul ist und nicht gewechselt wurde, und man
kaum zweifeln kann, daß so ein Austausch von Sauerstoff und Kohlensäure bewirkt wird wie
in den Lungen von Luft atmenden Wirbeltieren.
Der Hundsfisch ist in vielen der süßen Gewässer der Vereinigten Staaten nicht selten. Er ist
heimisch in den großen Seen, in den Flüssen des westlichen Vermont, in den atlantischen
Küstenflüssen von Neuse südlich im Mississippi-Thal überall und in den kleinen Zufüssen
des Mexikanischen Meerbusens. Der Hundsfisch frißt kleine Fische, Frösche und
Wassertiere aller Art; er ist sehr gefräßig und wächst schnell; er wird 2 Fuß lang und bis 25
Pfund schwer. Sein Fleisch wird in den nördlichen Staaten wenig geschätzt, dagegen im
Süden von den Negern für eine große Delikatesse gehalten. In den großen Seen springen
die Hundsfische sehr viel aus dem Wasser. An manchen Tagen sieht man überall ihre
Luftsprünge; er wird deshalb Jumper (Springer) genannt.
Der Hundsfisch hat ein außerordentlich zähes Leben. 100 junge Fische leben ohne
Waserwechsel in einer Regentonne einen ganzen Sommer. Sie ertragen weite Reise sehr
gut und sind ausgezeichnete Aquarienfische. Die Hundsfische laichen im Mai und Juni
zwischen Wasserpflanzen. Die Brut schlüpft nach 8 bis 10 Tagen aus den Eiern und bleibt 2
bis 3 Wochen bei den Eltern. Dr. Estes teilte mit, daß in der Zeit, wo die Eltern ihre Jungen
bewachen, bei herannahender Gefahr der große Fisch den Rachen öffnet, daß die Jungen
hineinschlüpfen und von dem Alten in Sicherheit gebracht werden.
Einführung in Deutschland. Im November 1891 brachte meine Sohn zwei große Hundsfische
von New York nach Berneuchen, die er zu diesem Zwecke von Mr. Mc. Donald, dem U.S.
Comissioner of Fisheries und Mr. Fred Mather erhalten hatte. Die Fische haben den Winter
gut überstanden und mir im Frühjahr 1892 zahlreiche Nachkommenschaft gebracht. Leider
ist im Sommer der männliche Fisch gestorben.“
Damit dürften im Wesentlichen auch die Bemühungen zur Ansiedlung dieser Art gescheitert
sein, denn spätere Nachrichten lassen sich nicht finden. Gelegentliche Nachrichten über
Amerikanische Hundsfische beziehen sich auf andere Arten, die zu den Hechten zählen und
als nicht übermäßig große Aquarienfische gehalten werden. Durch Aussatz gibt es einige
wenige Gewässer in Deutschland, in den sie nachgewiesen werden, ohne dass eine
Tendenz der Ausbreitung zu beobachtet wäre.
Der Zwergwels,
Small Cat-Fish, Amiurus Nebulosus,
„ist ursprünglich zu Hause in den Gebieten der Großen Seen und des Mississippi bis zum
amerikanischen Meerbusen und kommt dort fast in jedem See und Fluß vor. Er lebt in

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fließendem und stehendem Wasser, auf Schlammgrund, zwischen Wasserpflanzen und
bevorzugt ruhiges Wasser und schattige Plätze, im Bereich des Frosches, der
Sumpfschildkröte, der Mokassinschlange und des Alligators. Er ist überall friedfertig und
anderen Fischarten nicht gefährlich. In Forellengewässern kommt er nicht vor. Der
Zwergwels ist der zählebigste Fisch, den es in den Vereinigten Staaten gibt. Seine Nahrung
besteht in Pflanzen und Tieren. Er wird selten schwerer wie 3 bis 4 Pfund, ist gewöhnlich
kleiner, in der Regel nur 1½ Pfund schwer, wird bis 30 cm lang. Er beißt sehr gut an der
Angel, besonders bei Nacht, und ist ein beliebter Sportfisch der Damen und Kinder.
Sein Fleisch ist orangefarbig, süß, sehr wohlschmeckend und nahrhaft. Die Haut ist mit
einem dunkelfarbigen Schleim bedeckt, der vor dem Kochen entfernt werden muß, weil der
Fisch sonst ungenießbar ist. Er ist sowohl gekocht wie gebacken sehr geschätzt.
Die Laichzeit ist im Frühjahr. Nach Garlick gräbt das Weibchen ein Nest an alten Wurzeln
oder unter dem Ufer, bewacht die Eier und behütet und verteidigt die Brut, indem es dieselbe
bei herannahender Gefahr in tiefes Wasser treibt. Die Züchtung in Teichen wir dadurch
erschwert, daß die Fische beim Trockenlegen nicht gut dem abfließenden Wasser folgen,
sondern im Schlamme liegen bleiben und dort schwer aufzufinden sind. Ferner ist die Brut in
der ersten Zeit nach dem Ausschlüpfen schwer zu beobachten, noch schwerer zu fangen
und deshalb nicht leicht in andere, größere fischleere Streckteich zu versetzen. Trotzdem
wird es gelingen, den Zwergwels in geeigneten Gewässern heimisch zu machen, weil dies
dadurch erreicht werden kann, daß man eine Anzahl laichfähiger Fische einsetzt.
Im Sommer 1885 erhielt der Ausschuß des Deutschen Fischerei-Vereins von dem Professor
Specer F. Baird in Washington 50 junge Cat-Fische, die mir zur Pflege übergeben wurden.
Dieselben haben sich bei mir in einem Teiche mit schlammigem Grunde, in dem viel
Wasserpest wächst, in ca. 2 m tiefem Wasser gut gehalten und auch vermehrt. Da sowohl
von den aus Amerika eingeführten wie von den hier gezüchteten Fischen an andere
Fischzüchter abgegeben worden ist, so glaube ich, daß wir den Zwergwels jetzt als einen in
Deutschland eingebürgerten Fisch betrachten können.
Von 1887 bis 1890 habe ich 2225 einsömmrige Zwergwelse gezüchtet, 300 in einen See
gesetzt, 10 laichfähige und 665 einsömmrige Fische an andere Fischzüchter und an
Aquarien gegeben, und besitze jetzt 325 Zwergwelse, die größtenteils laichfähig sind.“
Heutiger wissenschaftl. Name: Ameiurus nebulosus (Lesueur, 1819). In der Oberlausitz
dürften die ersten Fische in die Jahmener Teiche bei Klitten noch vor 1900 ausgesetzt
worden sein. Von dort wurden sie mit Fischbesatz weiter verbreitet. In der Elbe und in
weiteren Flüssen ist er gegenwärtig in teilweise starken Beständen nachzuweisen. Der
Zwergwels ist heute ein fest etabliertes Faunenelement, das flächendeckend nicht mehr
ausgelöscht werden kann.
Der Fleckenwels oder Gabelschwanz
, Spotted Cat-Fish, Amiurus Caudafurcatus „ist in den
den südlichen und westlichen Staaten der Amerikanischen Union, namentlich in Ohio,
Missouri, Arkansas und im St. Johns River in Florida, wo er in der Regel häufig in der
Stromrinne großer Flüsse vorkommt. Er ist gewöhnlich 5 bis 10 Pfund, bisweilen 20 bis 25
Pfund schwer. Wegen seines sehr wohlschmeckenden Fleisches ist er hoch geschätzt. Mr.
Fred Mather sandte mir im Auftrage der Fischerei-Kommission im Dezember 1888 eine
Anzahl Fleckenwelse aus dem Ohioflusse, von denen 18 wohlbehalten in Berneuchen
anlangten und im Frühjahr 1891 noch 16 Fische lebten. Sie haben noch nicht gelaicht,
obgleich sie schon 1890 fortpflanzungsfähig waren.“
Die Einführung dieser Art ist nicht gelungen. Der wissenschaftliche Name lautet heute
Ictalurus furcatus (Valenciennes, 1840), umgangssprachlich wird er Blue Catfish genannt.

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Der Schwarzbarsch und der Forellenbarsch
In diesem Heft soll die Beschreibung eingeführter nordamerikanischer Fischarten nach Max
von dem Borne (Teil 1 siehe Heft 2/2008) abgeschlossen werden. Bei den vorgestellten elf
Arten handelt es sich keinesfalls um alle zur damaligen Zeit eingeführten Fischarten. Es gab
darüber hinaus Bemühungen noch andere Vertreter aus der Familie der Sonnenbarsche wie
den Silberbarsch (Calicobarsch), den Steinbarsch, den Sonnenfisch und den Mondfisch in
Europa bzw. Deutschland heimisch zu machen. Ökologische Überlegungen wurden damals
kaum angestellt. Auf eine Kommentierung in diesem Sinne soll hier ausdrücklich verzichtet
werden. Erst in letzter Zeit sind weltweite oder EU-weite Regelungen verabschiedet worden,
die den Umgang mit gebietsfremden Tierarten regeln.
Der Schwarzbarsch und der Forellenbarsch
Heutige wissenschaftliche Benennung: Schwarzbarsch Micropterus dolomieu Lacepède,
1802, Forellenbarsch Micropterus salmoides Lacepède, 1802
Insgesamt 44 Seiten widmet Max v.d. Borne diesen zwei Arten, die er sehr ausführlich
beschreibt. Gleich am Anfang weist er auf die Namensvielfalt hin, mit der die beiden
Fischarten in Nordamerika bedacht werden. Dies gilt auch für die wissenschaftliche
Bezeichnung.
„Der Name Micropterus ist dadurch entstanden, daß ein verstümmelter Fisch untersucht und
beschrieben wurde, deshalb will ich hier die von Günther gewählten Namen annehmen. Wir
unterscheiden demnach:
1. den Schwarzbarsch, Small Mouthed Black Bass, Grystes Nigricans;
2. den Forellenbarsch, Big Mouthed Black Bass, Grystes Salmoides
In Nordamerika gilt der Black Bass ganz allgemein für einen der wertvollsten Fische. In den
Vereinigten Staaten Michigan und Ohio ist er neben dem White Fish für die Volksernährung
der wichtigste Süßwasserfisch. Über den relativen Wert von Schwarzbarsch und Forel-
lenbarsch sind die Urteile in Amerika geteilt, indem manche den Schwarzbarsch höher
schätzen und andere beide Fischarten für gleich wertvoll halten. Das Fleisch ist blätterig,
weiß, zart, wenig grätig und sehr wohlschmeckend. Um das Urteil eines hervorragenden
Sachverständigen zu erhalten, sandte ich einige Fische, teils lebend, teils geschlachtet, an
den Hoflieferanten Kommerzienrat Herrn Borchardt in Berlin und erhielt folgende Auskunft:
Das Fleisch ist vorzüglich und dem der Bachforelle an Wohlgeschmack gleich, es ist bei dem
Schwarzbarsche zarter und bei dem Forellenbarsche derber wie bei der Bachforelle. Der
Forellenbarsch ist so widerstandfähig, daß er geschlachtet weithin verschickt werden kann,
während der Schwarzbarsch lebend in die Küche kommen muß, wenn sein Fleisch volle
Würdigung finden soll. Herr Borchard hat die Fische gebacken und blau gekocht, gekostet
und giebt ihnen in letzterer Form zubereitet den Vorzug. Er empfiehlt, den Fisch blau zu
kochen wie die Gebirgsforelle und ihn mit frischer Butter oder Sauce Vinaigrette oder Sauce
Béarnaise anzurichten.
Die Nahrung besteht in Tieren aller Art, namentlich Infusorien, Würmern, Muscheln,
Schnecken, Krebstieren, Insekten, Wasserkäfern und Larven, Fröschen, Froschlarven und
Fischen. Der Forellenbarsch wird im kalten Norden 6 bis 8 Pfund und im warmen Süden 20
bis 25 Pfund schwer. In großen, tiefen Gewässern wachsen die Black Bass schneller und
werden größer wie in kleinen, flachem Wasser. Bei mir werden diese Fische in Teichen in 6
Monaten 5 bis 14 cm und in 18 Monaten 20 bis 30 cm lang und erreichen in 5 bis 6 Jahren
ein Gewicht von 1½ bis 2½ Pfund.
Der Black Bass hat ein zähes Leben und kann leicht weithin versandt werden, er hält sich im
Fischkasten sehr gut, und zwar der Schwarzbarsch besser wie der Forellenbarsch. Beide
sind härter wie Barsch und Zander, aber nicht so ausdauernd wie der Karpfen. Gegen Ver-
unreinigungen des Wassers durch Fabriken und Spüljauche der Städte ist der Black Bass
auffallend wenig empfindlich. Er gedeiht vortrefflich in dickem, schlammigem Wasser, in
flachen torfigen Teichen und bei üppiger Vegetation grüner Algen. Wenn im

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Überwinterungsteich die Fische durch Schimmelpilze leiden, so sterben mehr
Forellenbarsche wie Schwarzbarsche.
Der Schwarzbarsch und der Forellenbarsch kommen an vielen Orten zusammen vor, sie
bewohnen sowohl Seen, wie Flüsse. Der Forellenbarsch liebt ruhige Strömungen und das
brackige Wasser der Flussmündungen; der Schwarzbarsch liebt schnelle Strömungen und
klares Wasser.
Einführung in Deutschland. Im Jahre 1883 sandte mir Prof. Spencer F. Baird in Washington
durch Vermittelung von Mr. Fred Mather in New York 7 Schwarzbarsche und 45
Forellenbarsche aus dem Greenwoodlake bei New York. Sie kamen zwar alle lebend hier an,
infolge der langen Reise starben aber in kurzer Zeit die meisten, so daß ich nur 3
Schwarzbarsche und 10 Forellenbarsche übrig behielt. Die Forellenbarsche waren 2-3 cm
lang, als ich sie erhielt, wurden im Jahre 1885 geschlechtsreif und laichten. Ich erhielt von
1885 bis 1890 von diesen Fischen 140.651 einsömmrige Forellenbarsche und versandte
davon 1483 laichfähige, 884 zweisömmrige und 7430 einsömmrige Fische an zahlreiche
Fischzüchter in Deutschland, Österreich-Ungarn, der Schweiz, Belgien, Holland, Frankreich,
England, Schweden, Norwegen, Rußland und Italien. Die von den Empfängern gemachten
Erfahrungen sind zum Teil günstig, zum Teil ungünstig gewesen.
Der Güterdirektor Herr Susta; Leiter der großen Karpfenteichwirtschaft des Fürsten
Schwarzenberg zu Wittingau in Böhmen, schreibt mir: »Die von Berneuchen bezogenen
Forellenbarsche lieferten 1889 sehr zahlreiche und sehr kräftige Nachkommenschaft; ihr
Wachstum ist sehr befriedigend. Der Besitz dieses Fisches ist für die Teichwirtschaft zu
Wittingau dauernd gesichert; er ist auf der Tafel des Fürsten Schwarzenberg erschienen,
sein Geschmack ist vorzüglich und sein qualitativer Wert außerordentlich groß. Der Fisch
wird in einigen Jahren die Reinerträge der Teichwirtschaft von Wittingau wesentlich erhöhen,
und es dürfte 1891 eine größere Menge Forellenbarsche zu Markte gebracht werden
können.«
Die Schwarzbarsche waren fingerlang, als ich sie erhielt, und die drei Fische welche am
Leben blieben, laichten 1884 zum ersten male. Ich habe von 1884 bis 1890 von diesen drei
Fischen 40.789 einsömmrige Schwarzbarsche und davon nach den Ländern, die oben
erwähnt sind, versandt: 666 laichfähige, 832 zweisömmrige und 3790 einsömmrige
Schwarzbarsche. Es hat sich gezeigt, daß der Fisch leicht in Teichen vermehrt werden kann,
wenn er Steinbetten vorfindet, um zu laichen, daß er aber in Karpfenteichen nicht so leicht
gezüchtet werden kann wie der Forellenbarsch.
Kein anderer Fisch übertrifft den Black Bass an Kühnheit beim Anbeißen und an Energie, mit
der er sich wehrt, wenn er gehakt ist. Er hat die pfeilschnelle Bewegung der Forelle, die
Unermüdlichkeit und die kühnen Luftsprünge des Lachses und außerdem eine ihm ganz
eigentümliche Fechtweise. Er nimmt die künstliche Fliege ausgezeichnet und kann mit allen