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Leitfaden zur Forstlichen
Bodenschutzkalkung in Sachsen
Vollständig überarbeitete Auflage 2020

Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
1
Leitfaden zur Forstlichen Bodenschutzkalkung
in Sachsen
(Kalkungsleitfaden)
Vollständig überarbeitete Auflage 2020
Schriftenreihe, Heft 31
Autoren:
Dr. Henning Andreae, Rainer Gemballa, Frank Jacob
Sachsenforst, Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft
Referat Standortserkundung, Bodenmonitoring, Labor

2
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Vorwort ........................................................................................................................................................................................................
I Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven.....................................................................................................6
1 Prozesse und Ursachen von Bodenversauerung............................................................................................................6
1.1 Natürliche Prozesse der Säureproduktion in Böden..............................................................................................6
1.1.1 Einfluss der Kohlensäure.......................................................................................................................................6
1.1.2 Einfluss des Nährstoffkreislaufs.........................................................................................................................7
1.1.3 Podsolierung..............................................................................................................................................................8
1.2 Anthropogene Komponenten der Bodenversauerung.........................................................................................8
1.2.1 Waldnutzung.............................................................................................................................................................8
1.2.2 Deposition von Säurebildnern..........................................................................................................................11
2 Immissionsbedingte Schadsituation in Sachsen...........................................................................................................13
2.1 Prädisponierende Standortsbedingungen.............................................................................................................13
2.2 Schädigungen durch Emissionen von 1850 bis 1950.......................................................................................13
2.3 Waldschadensgebiete zwischen 1950 und 1990.................................................................................................15
2.4 Forstliches Umweltmonitoring....................................................................................................................................17
2.5 Konsequenzen aus der Umweltüberwachung.......................................................................................................19
3 Bemessung, Kontrolle und Bewertung der Kalkung....................................................................................................22
3.1 Dokumentation des Kalkungsvollzugs seit 1986.................................................................................................23
3.2 Flussbilanzen als Werkzeug der Kalkungsbewertung (Level II)......................................................................25
3.3 Kalkung und Bodenchemie (BZE 1 und 2)..............................................................................................................30
3.3.1 Auswirkungen der Kalkungen auf die Basensättigung.........................................................................31
3.3.2 Auswirkungen der Kalkungen auf den pH-Wert......................................................................................32
3.3.3 Auswirkungen der Kalkungen auf die Austauschkapazitäten...........................................................32
3.4 Kalkung und Bodenbiologie (BZE 2)..........................................................................................................................33
3.5 Kalkung und Waldernährung (BZE 2)......................................................................................................................35
3.5.1 Regelmäßiger Check Up der Waldbäume..................................................................................................35
3.5.2 Nadelspiegelwerte - Blutbild des Baumes.................................................................................................35
3.5.3 Die Wahl geeigneter Probanden....................................................................................................................36
3.5.4 Kalkungserfolge nur bedingt erkennbar.....................................................................................................37
3.6 Kalkung und Vegetation (BZE 2).................................................................................................................................39
3.6.1 Was passiert innerhalb der Krautschicht?...............................................................................................39
3.6.2 Was passiert innerhalb der Moosschicht?.................................................................................................40
3.7 Kalkung und Quellwasserchemie (Level II)...........................................................................................................41
3.7.1 Was sagt die Literatur zur Nitratproblematik?........................................................................................42
II Technischer Teil: Planung - Leistungsvergabe - Kalkausbringung...............................................................................44
4 Organisatorische Rahmenbedingungen........................................................................................................................44
5 Planung der Bodenschutzkalkung...................................................................................................................................44
5.1 Grundsätze zur Auswahl der Kalkungsflächen..................................................................................................44
5.1.1 Ausweisung der Kalkungskulisse.................................................................................................................44
5.1.2 Bewertungsgrundsätze zur Kalkungseignung.........................................................................................46
5.1.3 Abstimmung mit Wasser- und Naturschutzbehörden........................................................................49
5.1.4 Berücksichtigung der Waldbesitzerinteressen........................................................................................49
5.2 Abgrenzung und Arrondierung der Kalkungsflächen.......................................................................................50
Inhalt

Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
3
6 Leistungsbeschreibung und Vergabe...............................................................................................................................52
6.1 Einzusetzende Kalke.........................................................................................................................................................52
6.1.1 Mindestgehalte an basisch wirksamen Bestandteilen..........................................................................52
6.1.2 Aufmahlung und Feuchte der Kalke..............................................................................................................52
6.1.3 Reaktivität der Kalke.....................................................................................................................................................53
6.1.4 Schwermetallgehalte der Kalke....................................................................................................................53
6.2 Anforderungen im Vergabeverfahren.......................................................................................................................53
6.2.1 Allgemeine fachliche Kriterien im Vergabeverfahren.............................................................................53
6.2.2 Deklaration der Kalke/Analysenattest...........................................................................................................53
6.2.3 Angebote mit mehreren Kalken für ein Los................................................................................................54
6.2.4 Aufwandmengen...................................................................................................................................................55
6.2.5 Umschlag und Ausbringung des Kalkes.......................................................................................................55
6.2.5.1 Subunternehmer, Logistikkonzept, Umschlag...........................................................................55
6.2.5.2 Ausbringungstechnik...........................................................................................................................55
6.2.5.3 Anforderungen für den Einsatz von GPS......................................................................................55
6.2.6 Ausführungsfristen.............................................................................................................................................56
6.2.7 Kriterien für die Auftragserteilung................................................................................................................56
7 Durchführung und Dokumentation der Kalkung.......................................................................................................57
7.1 Grundsätzliches zur Durchführung.............................................................................................................................57
7.1.1 Aufgaben der Forstbezirke bei der Kalkungsdurchführung..............................................................57
7.1.2 Pflichten der Auftragnehmer bei der Kalkungsdurchführung............................................................58
7.2 Dosierung und Wiederholungszeiträume.............................................................................................................59
7.3 Ausbringverfahren und -geräte..................................................................................................................................59
7.4 Ausbringgenauigkeit.......................................................................................................................................................60
7.5 Arbeitsnachweise des Auftragnehmers..................................................................................................................60
7.6 Dokumentation der Kalkung........................................................................................................................................61
8 Qualitätssicherung und Rückforderungen bei Abweichungen vom Vertrag.....................................................62
8.1 Kontrollen..............................................................................................................................................................................62
8.1.1 Kontrolle der Kalkmengen..................................................................................................................................62
8.1.2 Kontrolle der Kalkqualität.................................................................................................................................62
8.1.3 Kontrolle der GPS-gestützten Kalkausbringung......................................................................................63
8.2 Toleranzen und Rückforderungen bei Abweichungen vom Vertrag............................................................63
8.2.1 Nichteinhaltung der Kalkmengen...................................................................................................................63
8.2.2 Nichteinhaltung der Kalkeigenschaften.......................................................................................................64
8.2.2.1 Gehalte an basenwirksamen Bestandteilen (bwB) auf Basis CaCO
3
und an Magnesiumkarbonat (MgC0
3
)...........................................................................................64
8.2.2.2 Reaktivität.................................................................................................................................................66
8.2.2.3 Kornspektrum und Feuchtegehalt..................................................................................................66
8.2.2.4 Schwermetallgehalte...........................................................................................................................67
8.2.3 Nichteinhaltung der Kalkverteilung................................................................................................................68
8.2.4 Nichteinhaltung der Ausführungsfrist.........................................................................................................68
8.2.5 Nichteinhaltung der zugesagten ausreichenden deutschen Sprachkenntnisse
des eingesetzten Personals.................................................................................................................................68
III Literatur.................................................................................................................................................................................................69
IV Kalkungskonzepte und -anweisungen anderer Bundesländer.......................................................................................74

4
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
V Abkürzungsverzeichnis....................................................................................................................................................................75
VI (9) Anhang...........................................................................................................................................................................................77
9.1
Zeitplan für Planung und Durchführung einer Bodenschutzkalkung.......................................................78
9.2 Ablauf- und Entscheidungsschema zur Auswahl der Kalkungsflächen...................................................79
9.3
Workflow des Kalkungsplanungsmoduls in FGIS_online................................................................................85
9.4 Feinplanung.......................................................................................................................................................................87
9.5
Maximale Schwermetallgehalte................................................................................................................................88
9.6 Angebot/Leistungsverzeichnis zur Bodenschutzkalkung (Beispiel)............................................................89
9.7 Interne Dokumentation von Kontrollen (Beispiel).............................................................................................90
9.8 GPS-Befliegungskarten (Ausschnitte)....................................................................................................................91
9.9 Tabellarischer Nachweis zu den gekalkten Flächen (Beispiel)......................................................................92
9.10 Einschätzung der Bodenschutzkalkung durch den Forstbezirk (Beispiel)...............................................93
9.11 Anleitung zur Entnahme von Kalkproben für deren analytische Kontrolle...........................................94
9.12 Etikett für die Kalkproben............................................................................................................................................97
9.13 Protokoll der Kalkprobennahme ..............................................................................................................................98
9.14 Protokoll zur Kontrolle der GPS-Befliegungskarten (Beispiel).....................................................................99

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Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
5
Wälder nehmen in Sachsen etwa 28 % der Landes-
fläche ein und prägen im besonderen Maße unsere
Umwelt. Sie sind Ort der Holzproduktion, Lebens-
raum für Pflanzen und Tiere, beliebte Erholungsstätte
des Menschen und wirken durch ihre Langlebigkeit,
Struktur und vergleichsweise extensive Bewirtschaf-
tung regulierend bzw. schützend auf das Klima, den
Wasserhaushalt und die Böden einer Landschaft ein.
Dem Boden kommt im Ökosystem Wald eine Schlüs-
selrolle zu. Er ist nicht allein Wurzelraum der Bestände
und ihrer Begleitflora, sondern zugleich Reaktionsort
der Stoffkreisläufe (Mineralisation, Nährstoffaufnah-
me), mit ineinander verwobenen Puffer-, Filter- und
Speicherfunktionen für Nähr- und Schadstoffe sowie
Wasser. Er ist Entstehungsort für waldbürtige Wässer,
aber auch eine effektive Senke für Luftschadstoffe.
Der Schutz des Waldes einschließlich der Güte-
sicherung der Gewässer muss deshalb zwangs-
läufig beim Schutz der Waldböden beginnen. Nur
gesunde Waldböden sind ein Garant für nachhal-
tig intakte Waldökosysteme und sauberes Wasser.
Die Ergebnisse der Bodenzustandserhebungen und
die kontinuierlichen Untersuchungen an acht forst-
lichen Dauerbeobachtungsflächen zeigen, dass die
sächsischen Waldböden auf großer Fläche tief rei-
chend versauert sind und - trotz der nicht mehr er-
folgenden Schwefelbelastung - noch immer zu hohen
Nährstoffausträgen unterliegen. Zudem stellen die
nach wie vor zu hohen Stickstoffeinträge und die im
System bereits gespeicherten Stickstoffvorräte ein
weiteres Versauerungspotenzial dar.
Um einer weiteren Nährstoffverarmung entgegenzu-
wirken und für künftige Generationen die Multifunk-
tionalität der Waldökosysteme nachhaltig zu sichern,
kommt neben der naturnahen Bewirtschaftung der
Wälder und dem langfristigen Umbau von Nadelholz-
forsten in standortsgerechte, klimaplastische Misch-
wälder auch der Bodenschutzkalkung eine Schlüs-
selrolle zu.
Bodenschutzkalkungen erfordern eine fachlich fun-
dierte forstliche Planung, klare vertragliche Rege-
lungen für ihre sorgfältige Durchführung durch
sachkundige Service-Unternehmen sowie eine konti-
nuierliche Kontrolle durch den Auftraggeber. Nur so
ist gesichert, dass ihre Ziele optimal erreicht, Risiken
vermieden und Fördergelder zweckentsprechend ein-
gesetzt werden.
Der vorliegende, aktualisierte Leitfaden zur Forst-
lichen Bodenschutzkalkung in Sachsen basiert
auf dem von Dr. Frieder Leube verfassten Leitfa-
den aus dem Jahr 2000. Die Neufassung beinhal-
tet ergänzende Literaturrecherchen zum Thema,
Ergebnisse des Forstlichen Umweltmonitorings in
Sachsen und berücksichtigt verfahrenstechnische Er-
fahrungen aus 18 Jahren Anwendung dieses Leitfa-
dens und aus 28 Jahren Kalkung im Freistaat Sachsen.
Utz Hempfling
Landesforstpräsident
Vorwort

6
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Ökologische Grundlagen, Geschichte und
Perspektiven
I
1 Prozesse und Ursachen von Bodenver-
sauerung
Die Bodenschutzkalkung im Wald als Maßnahme ge-
gen anthropogen, durch langjährige Deposition von
Luftschadstoffen verursachte Bodenversauerung und
damit Bodendegradierung ist im Kontext mit natürli-
cher, ökosysteminterner oder nutzungsbedingter Säu-
rebelastung zu betrachten (z. B.
Krug & FinK
1983;
Kli-
mo
et al. 2006). Im Folgenden wird daher versucht, den
insbesondere im Zuge der Waldschadensforschung
seit 1979 erarbeiteten Stand des Wissens noch ein-
mal darzustellen. Eine umfassende Übersicht über
alle quantitativ bedeutsamen, säurebildenden Pro-
zesse und Pufferreaktionen in (Wald-) Böden geben
van Breemen
et al. (1983),
ulrich
(1985),
reuss & Johnson
(1986),
Bredemeier
(1987),
matzner
(1988) und
ulrich &
sumner
(1991).
1.1 Natürliche Prozesse der Säureproduktion
in Böden
In gemäßigt- bis kühlhumiden Klimaten mit entspre-
chender Sickerwasserbildung sind Versauerungspro-
zesse und damit verbundene Nährstoffverluste natür-
licher Bestandteil der langfristigen Bodenentwicklung
(v
eerhoFF
et al. 1996;
godBold
, 2003;
matzner & davis
1996). Prinzipiell gilt, dass Bodenversauerung dort
stattfindet, wo durch äußere Einflüsse oder ökosys-
teminterne Prozesse den Böden mehr Protonen (H
+
)
zugeführt werden als diese durch Kationenaus-
tausch und Verwitterung von Mineralen neutralisie-
ren (= Säureneutralisationskapazität [SNK]). In dem
Maße, wie SNK verbraucht wird, erwirbt der Boden
dann spiegelbildlich die Fähigkeit, Basen zu neutra-
lisieren (Basenneutralisationskapazität [BNK];
Blume
et al. 2010).
Diese Neutralisations- beziehungsweise Transfor-
mationsreaktionen sind auch unter dem Begriff der
Pufferung bekannt
(ulrich
1981). Voraussetzung für
Versauerung ist, dass die basischen Produkte der Neu-
tralisation aus dem Boden ausgewaschen werden.
Ökosysteminterne Säuregenerierung ist überwiegend
Resultat zeitlich und räumlich entkoppelter Prozesse
des Stoffumsatzes bzw. des Nährstoffkreislaufes. Die-
sen Kreislauf kann man vereinfacht mit den Begriffen
Photosynthese und Ionenaufnahme (Primärprodukti-
on) versus Atmung und Mineralisierung (Sekundär-
produktion) umschreiben. Sind die Raten der Hinre-
aktion gleich denen der Rückreaktion, so kann nach
ulrich
(1987) von einem Fließgleichgewicht oder dem
stofflich stationären Zustand des Waldökosystems
ausgegangen werden. Die Ionenaufnahme und die
Mineralisierung sind dabei die gegenläufigen Prozesse
im Säurehaushalt (s. u.).
1.1.1
Einfluss der Kohlensäure
Schon der pH-Wert des Regenwassers ist im Gleich-
gewicht mit dem Kohlendioxidgehalt der Luft durch
die Dissoziation der gebildeten Kohlensäure (H
2
CO
3
)
natürlicherweise leicht sauer (pH 5,6), während reines
Wasser mit einem pH-Wert von 7 neutral wäre.
matz-
ner & davi
s (1996) untersuchten in Neuseeland ent-
legene Waldböden auf Granit und Grauwacke unter
Nothofagus-Beständen (Scheinbuche) und fanden in
tieferen Bodenschichten eine ähnlich geringe Basen-
sättigung (= Anteil der Nährstoffe Ca, Mg, K und Na
an den für die Pflanzen leicht verfügbaren austausch-
baren Kationen) wie in Deutschland, aber vergleichs-
weise höhere pH-Werte vor. Sie schrieben diese un-
abhängig von der Nutzung oder sauren Depositionen
gefundenen Resultate den hohen Niederschlags- und
damit Sickerwasserraten in Kombination mit einem
starken Eintrag an Kohlensäure zu (Niederschlag 1.600
bis 2.500 Liter pro Jahr). Aufgrund des Elektroneutra-
litätsprinzips von Lösungen wird das Hydrogenkarbo-
nat (Anion) aus der Kohlensäure durch entsprechende
Auswaschung von in diesem Falle Nährstoffkationen
(Ca, Mg, K) begleitet, was langfristig (in der Nacheis-
zeit) zur Basenverarmung dieser Standorte führte.
Stärker als dieser sehr langfristig wirkende Effekt
niederschlagsbürtiger Kohlensäure ist der beacht-
liche, bodenintern aus der Wurzel- und Zersetzer-
atmung im Boden generierte Versauerungsanteil zu
berücksichtigen. Der Kohlendioxidgehalt der Boden-
luft kann zwischen dem 6- bis 100-fachen (B
lume
et

image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
7
Abbildung I-1: Schematischer Nährstoffkreislauf eines Waldökosystems
al. 2010,
Bredemeier
1987) über dem der Atmosphä-
re liegen. Nach
Blume
et al. (2010) „steigt [entspre-
chend] die Konzentration des gelösten CO
2
- bzw.
oberhalb von pH 5 - der Kohlensäure“. Bei pH 5 lie-
gen bereits 95 % der Kohlensäure in undissoziierter
Form (H
2
CO
3
) vor. Das heißt, Kohlensäure kann durch
die chemische Begrenzung der Dissoziation in Proto-
nen und Hydrogenkarbonat (HCO
3
-) keine pH-Werte
unter 5 in der Bodenlösung des Wurzelraums und
damit unter mitteleuropäischen Versickerungsbe-
dingungen nur geringe Säurebelastungsraten erzeu-
gen (B
redemeier
1987).
1.1.2
Einfluss des Nährstoffkreislaufs
Intensiver als der oben beschriebene Prozess wirkt
in terrestrischen Ökosystemen die Nährstoffaufnah-
me durch die Vegetation im Zuge der Primärproduk-
tion und damit in die Nahrungskette. Zur Erhaltung
der elektrischen Neutralität in der Pflanze erfolgt die
Aufnahme der oberflächlich an den Bodenteilchen
(z. B. Tonminerale) gebundenen Nährstoffkationen
unter gleichzeitiger Abgabe gleichwertiger (äquiva-
lenter) Wasserstoffmengen aus der Wurzel. Bei einer
Aufnahme von Nährstoffen in anionischer Form (Ni-
trat, Sulfat) wird hingegen OH
-
abgegeben, der Wur-
zelraum wird alkalischer. Werden mehr Kationen als
Anionen aufgenommen, z. B. bei vorwiegender Am-
monium (NH
4
+
)-Ernährung, führt dies zu einer Ver-
sauerung des Wurzelraums (Rhizosphäre). Erst wenn
die aufgebaute Biomasse abstirbt und wieder zersetzt
und schließlich mineralisiert wird (aus Streu wird
Humus), kehrt sich der Vorgang um und die Säure-
Basen-Bilanz gleicht sich zeitlich entkoppelt aus.
van
Breemen
(1995) sah daher aufwachsende Wälder selbst
als Quelle von Versauerung. Bei einem Ökosystem, das
sich im sogenannten stationären (stabilen) Zustand
befindet, kompensieren sich langfristig säurebildende
und -zehrende Prozesse (u
lrich
1987), der Stoff- und
Ionenkreislauf ist geschlossen.

8
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Allerdings reichern sich abgestorbene organische
Substanzen und damit auch die Nährstoffe zunächst
nur an der Bodenoberfläche an („Basenpumpe“ nach
hartmann
&
von Wilpert
2016), während der Mineralbo-
den an Nährstoffen verarmt. Es liegt somit auch eine
räumliche Entkoppelung des Protonen- und Basen-
kreislaufs im Ökosystem vor. Die Nährstoffe können
langfristig bei weiterer Umsetzung durch Bodenlebe-
wesen (Bioturbation), durch Wurzelstreu und mit dem
Sickerwasserstrom wieder im ganzen Wurzelraum
verteilt werden.
Ein weiterer natürlicher Faktor für den Nährstoffexport
kann in bestimmten Entwicklungsphasen der Öko-
systeme die periodische Entkopplung des Stickstoff-
kreislaufs darstellen. Eine temporäre ökosystemare
Störung in diesem Sinne ist zum Beispiel die erhöhte
Mineralisation von Auflagehumus nach Freilage (p
aa-
v
olainen & smolander
1998) z. B. nach dem Absterben
von Beständen (Schädlingsbefall, Windwurf). Dabei
werden die durch die Nitrifikation (mikrobielle Pro-
duktion von Salpetersäure, HNO
3
) erzeugten Protonen
nicht komplett gepuffert, sondern reagieren mit dem
Boden und setzen dort Nährstoffkationen frei. Diese
werden dann zusammen mit überschüssigem Nitrat
ausgewaschen. Nitrat fungiert als „Kationenschlep-
per“ im Sickerwasserstrom, somit verliert der Boden
tief reichend Säureneutralisationskapazität.
Die Bodenvegetation kann auf kleineren Bestandes-
lücken - unter günstigeren Licht-, Nährstoff- und
Wasserbedingungen als im geschlossenen Bestand -
Stoffausträgen aus dem System in gewissem Maße
entgegenwirken (K
lincK
2010).
1.1.3 Podsolierung
Podsolierung ist die abwärts gerichtete Umlagerung
gelöster organischer Säuren, oft zusammen mit Alu-
minium und Eisen (u
golini & dahlgren
1987). Podsole
entwickeln sich im humiden Klimabereich bevorzugt
unter Auflagehumus in allen basenarmen Oberböden
ohne längerfristigen Wasserüberschuss (aK
stand-
ortsKartierung
2016). Im weiteren Sinne ist Podsolie-
rung ein Sonderfall der räumlichen Entkopplung der
Nährstoffverteilung ärmerer Bodensubstrate, die vor
allem unter Koniferen (Fichten, Kiefern) und Heide-
vegetation stattfindet. Die starke Akkumulation der
schwer zersetzbaren, nährstoffarmen Streu dieser
Pflanzen in organischen Auflagen verstärkt - wie oben
beschrieben - stark saure Verhältnisse im Mineralbo-
den.
Nährstoffmangel hemmt den mikrobiellen Abbau or-
ganischer Komplexbildner ebenso wie ein kühl-feuch-
tes Klima, das auch die Organismentätigkeit bremst
und die Podsolierung fördert (B
lume
et al. 2010). Podsole
sind stets gekennzeichnet durch einen stark sauren,
gebleichten Auswaschungs- und einen gut erkenn-
baren Anreicherungshorizont der verlagerten Humin-
stoffe. Wesentlicher Faktor für deren Anreicherung
sind höhere pH-Werte und Ca-Sättigung im Unterbo-
den, weil dies zu einem Zerfall der organischen Kom-
plexe, deren Polymerisation und Ausflockung führt.
Unterhalb dieses Horizonts ist eine Versauerung in
natürlichen Systemen wiederum nur durch Kohlen-
säure möglich (u
golini & dahlgren
1987;
ulrich
1995).
In Sachsen findet man deutlich ausgebildete Podsole
auf den Waldstandorten über armen Grundgesteinen
wie Kreidesandstein, Quarzporphyren, Erzgebirgsgra-
niten und altpleistozänen Reinsanden. Diese Podsole
sind das Ergebnis zeitlich langer Bodenbildungspro-
zesse, die häufig im Periglazial begonnen haben und
bis heute andauern.
1.2 Anthropogene Komponenten der
Bodenversauerung
1.2.1 Waldnutzung
Ein entscheidender Einfluss auf die Degradation der
Waldböden und die Vorschädigung hinsichtlich der
Empfindlichkeit gegenüber sauren Niederschlägen ist
auch die teils Jahrtausende währende Nutzung der
Wälder: Zum einen durch den Nährstoffexport über
den Holzeinschlag für Bau- und vor allem den Energie-
bedarf (t
homasius
1995), durch Rodung und Streunut-
zung, durch die Waldweide, aber auch durch Änderung
der Nutzungsart (Hochwald- in Niederwaldbewirt-
schaftung); zum anderen durch Verschiebung der
Baumartenzusammensetzung, insbesondere in Rich-
tung auf nicht standortgerechte Nadelwälder (u
lrich
1980). Alle Nutzungen greifen mehr oder weniger stark
in den Nährstoffkreislauf der Waldökosysteme ein, weil
nicht nur im Erntegut gespeicherte Nährstoffe entzo-
gen, sondern auch ökosysteminterne Versauerungspro-
zesse verstärkt werden. Bereits vor und in der Bronze-
zeit geht
ulrich
(1995) von anthropogenen Eingriffen
in die Wälder aus, die Humusabbau förderten und über
die Bildung starker Säuren (Salpetersäure) zu einer ge-
ringfügigen Abnahme der Basensättigung führten. Bis
zur Zeitenwende seien Wachstum und Produktivität der
Wälder hauptsächlich durch diese nutzungsbedingten

image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
9
Entkoppelungen des N-Kreislaufs begrenzt gewesen.
Das Erzgebirge prägten vor dessen Besiedlung herzy-
nische Tannen-Buchen-Fichten-Wälder (m
elzer
2010;
Wendel
2017). Insbesondere mit den Bergbauaktivitä-
ten, die im Erzgebirge ab 1168 bei Freiberg begannen
und in der zweiten Bergbauperiode ab dem 14. Jahr-
hundert durch den Stollenbau intensiviert wurden,
griff der Mensch dann massiv in den Nährstoffkreis-
lauf der Wälder ein. Bereits im ausgehenden Mittelal-
ter waren größere Gebiete entwaldet und ein weitver-
zweigtes Transportsystem (Flößerei, Straßen) führte
zur Erschöpfung selbst kammnaher Wälder (h
empel
2009). Für das Rösten (Entschwefeln) von einer Tonne
sulfidischer Blei- und Kupfererze wurden zum Beispiel
zwei Raummeter Holz und für das Ausschmelzen der
gleichen Menge eine Tonne Holzkohle benötigt, die
wiederum aus sieben Raummetern Holz gewonnen
wurde. Nach
WilsdorF
et al. (1960) mussten 1556 aus
dem mittleren Erzgebirge in einem Vierteljahr 5.377
Wagen Holzkohle nach Freiberg geliefert werden; auf
das ganze Jahr umgerechnet war das ein Holzver-
brauch von 160.000 Festmetern. Technische Entwick-
lungen führten zudem dazu, dass Holzkohle verlust-
frei über weite Strecken angefahren werden konnte
(vgl.
meyer
1989 zur Entwicklung im Harzer Bergbau).
Der Brennholz- bzw. Holzkohlebedarf zur Raseneisen-
erzverhüttung und Glasfabrikation führte auch im
Oberlausitzer Tiefland zur Übernutzung und Waldver-
nichtung. Nach
hempel
[2009] ist „für die Eisenhütte
in Bernsdorf […] für das Ende des 18. Jahrhunderts
der Verbrauch von 1.600 bis 2.500 Klafter (etwa 6.000
Festmeter) Holzkohle pro Jahr belegt“.
Außerdem erfolgte die selektive Nutzung einzelner
Baumarten: Eibe für Bogenbau, Linde für Transport-
behälter aus Bast bzw. Schnitzwaren, Weide für Korb-
waren, Eiche für Lohgerberei, Buche für Pottasche-
Gewinnung etc.
Somit erfolgte die sukzessive Umwandlung der Misch-
wälder in Reinbestände aus Fichte (K
limo
et al. 2006)
und/oder Buche (m
eyer
1989).
Klimo
et al. (2006) geben
für die Tschechische Republik folgende Istzustände
und Veränderungen der Baumartenzusammenset-
zung allein für die letzten 200 Jahre an:
Durch Streurechen, d. h. Export von Nährstoffen auf die
Äcker, durch direkte Verwendung des Laubs als Dünger
oder über die Einstreu des Viehs, wurden den Wäldern
überdies enorme Mengen Nährstoffe entzogen (s
töcK-
hardt
1863/64 für die damaligen Forstreviere Reudnitz
und Wermsdorf).
stöcKhardt
(1863) stellt zum Streure-
chen fest:
„Bei diesem Verfahren wird der Waldboden
endlich ruiniert und der Feldboden doch nicht nachhaltig
gekräftigt.“
Bei den von
turner & lamBert
(2011) über 16 Jahre unter-
suchten jungen Kiefernbeständen entzog Streuentfer-
nung so viel Nährstoffe wie vier normale Sägeholz- oder
eine Vollbaumernte. Eine mengenmäßige Abschätzung
des Beitrags unterschiedlicher Nutzungen und Nähr-
stoffentzüge auf die Versauerung von Waldböden gibt
Abbildung I-2 (aK
standortsKartierung
2016).
Baumartenanteil
Fichte
Tanne
Kiefer
Lärche
Buche
Eiche
Ist [%]
54,2
0,9
17,6
3,7
5,9
6,3
Veränderung [%]
+43
-17
+12
± 0
-32
-11
Tabelle I-1:
Veränderung der Baumartenzusammensetzung in der Tschechischen Republik im 19./20. Jahrhundert
1
Ein Kilomol entsprechen nach Beese, F.; Meiwes, K.-J. (1995): 10 Jahre Waldkal-
kung - Stand und Perspektiven. AFZ (17), S. 946-949 etwa 50 Kilogramm kohlen-
saurem Magnesiumkalk
Abbildung I-2: Beitrag unterschiedlicher Nutzungsformen im Wald zur Boden-
versauerung, hier als Verlust von Ca, Mg und K in Kilomol Ladungsäquivalent
(kmol
c
)
1
pro Hektar und Jahr (Quelle: AK STANDORTSKARTIERUNG 2016)

image
10
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Es gilt: Je höher der Anteil an Rinde, Reisig und Blät-
tern/Nadeln an der Erntemasse, desto stärker ist der
Nährstoffentzug. Aktuelle Analysen des Staatsbetriebs
Sachsenforst zur kompartimentweisen Nährstoff-
speicherung eines 80- bzw. 90-jährigen Kiefern- und
Fichtenbestands in Laußnitz und Altenberg belegen
dies (Abbildung I-3).
Abbildung I-3: Baumbezogene Nährstoff- und Biomassevorräte an zwei Level-II-Stationen in Sachsen (Erhebung 2015;
JacoB
, unveröffentlicht)
Es wird deutlich, dass das Derbholz (Durchmesser
> 7 cm) zwar den größten Anteil an der aufgebau-
ten Biomasse hat (Kiefer 83 %; Fichte 68 %), die
Nährstoffe aber zu einem Großteil in den anderen
Baumkompartimenten festgelegt sind. Bei einer
Vollbaumnutzung gegenüber der konventionellen
Derbholznutzung würde man dem Standort bei der
Nutzung von Kiefern 119 % bzw. bei der Fichte 250 %
mehr Calcium entziehen. Bei Phosphor lägen die Ver-
luste bei 179 % beziehungsweise 340 %.
ulrich
(1995) kommt zu dem Schluss, dass in der
nacheiszeitlichen Entwicklung der Waldböden in
lehmigen und schluffigen Substraten etwa 8.000 Ki-
lomol (kmol) basisch wirkende Kationen pro Hektar
und einem Meter Tiefe verloren gegangen sind.
Die Pufferung der Säurebildung sei dabei
durch Tonminerale des Ausgangsmaterials
(Verwitterung; 1.500 kmol),
durch neu gebildete, sekundäre Tonminerale
(1.000 kmol),
durch organische Substanz (500 kmol) und
durch Auswaschung (5.000 kmol)
erfolgt. Zu Beginn der Industrialisierung ab Anfang
des 19. Jahrhunderts geht
ulrich
(1995) auf besagten
Standorten von Nährstoffvorräten in Höhe von 100
bis 300 kmol pro Hektar bei einer Basensättigung
von 30 % und mehr aus.

image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
11
1.2.2
Deposition von Säurebildnern
Mit Rauch und Staub verursacht der Mensch Luft-
verunreinigungen, seit er den Gebrauch des Feuers
gelernt hat und Ackerbau betreibt. Aber erst die Ver-
hüttung von Erzen und besonders die Verbrennung
fossiler Rohstoffe ab Anfang des 19. Jahrhunderts er-
zeugte Gase und Aerosole, die ein hohes Verdriftungs-
und Schadpotenzial besitzen (u
lrich
1981b). Anthro-
pogene Säurebildner entstehen aus den verbrannten
Materialien selbst, als Begleiterscheinungen der Erz-
verhüttung (Sulfidoxidation; vgl.
zieger
1956/57) oder
Verbrennungsprozessen in Kraftfahrzeugen (Oxidation
elementaren Luftstickstoffs) sowie durch Umsetzung
des vorwiegend aus der Tierhaltung (Stallanlagen, or-
ganische Düngung) freigesetzten Ammoniaks (B
öttger
et al. 1978;
Janssen-schmidt
et al. 1981). Abbildung I-4
zeigt exemplarisch die Entwicklung der europäischen
Emissionen der Säurebildner seit 1880.
Klimo
et al. (2006) schätzen, dass in Tschechien seit
1880 die durchschnittliche Schwefeldeposition pro
Hektar Landesfläche acht Tonnen betrug, was allein
einer kumulativen Belastung mit 500 kmol Säure
entspricht.
vasat
et al. (2015) beschreiben für die
Tschechische Republik eine Säurebelastung, die in
den 1970er- und 1980er-Jahren mit 14 kmol Ionen-
äquivalenten pro Hektar und Jahr Schwefeldioxid
und 4 kmol reaktiven Stickverbindungen (NO
x
/NH
y
)
kulminierte. Diese massive Emissionsperiode fiel mit
weitflächigen Waldschäden in Berglagen Nordböh-
mens (Isergebirge) zusammen, weil dort aufgrund
der Kraftwerksdichte und meteorologischen Bedin-
gungen die Belastung 10 bis 15 mal höher war als
im Durchschnitt des Landes.
Kulhavy
(2002) zitiert für
die 1990er Jahre Ergebnisse von
zapletal
(1997) mit
einer Deposition von noch 1 bis 7 kmol Säureäqui-
valenten pro Hektar und Jahr, wobei er eine beson-
dere Gefährdung der Wälder in den Grenzgebirgen
Tschechiens einschließlich der Mährisch-Schlesi-
schen Beskiden konstatiert.
materna
(1962) berich-
tet aus seinen Untersuchungen für das Erzgebirge,
dass „im Durchschnitt des ganzen Gebietes etwa 30
bis 40 kg Schwefel pro Hektar in den Boden gelan-
gen. Unter den Fichtenbeständen steigt dieser Wert
aber beträchtlich und erreicht 130 kg pro Hektar.“
maran
(1960) stellte ergänzend schon für Anfang
der 1950er Jahre fest, dass sich vom südwestlichen
Rand des Erzgebirges bis zur Elbe ein großes Wald-
rauchschadengebiet von beinahe 50.000 ha Größe
erstrecke, in dem hauptsächlich die Fichte leide.
Abbildung I-4: Zeitliche Entwicklung der europäischen Emissionen von Schwefeldioxid (SO
2
, braun ), Stickoxiden (NOx, blau) und Ammoniak (NH
3
, grün) in Millionen
Tonnen pro Jahr (Zeitraum 1880 bis 2030) nach
schöpp
et al. (2003)

image
12
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Bei der Schadwirkung auf Wälder ist die direkte Be-
einträchtigung (Verätzung) der Blattorgane (letale,
akute Rauchschäden) von solchen zu unterscheiden,
die durch Speicherung von eingetragenen Luftverun-
reinigungen im Boden für lange Zeit subletal schwä-
chend auf die Wälder wirken können.
So stellte bereits
Wieler
(1912) nach Untersuchungen
im Oberharz fest: „Meine experimentellen Untersu-
chungen über die Einwirkung der schwefligen Säu-
re auf die Pflanzen und die Erfahrungen, welche ich
in Rauchschadengebieten zu sammeln Gelegenheit
hatte, machten es mir sehr wahrscheinlich, daß die
Rauchschäden nicht lediglich durch eine Beschädi-
gung der Blattorgane mit ihren Folgewirkungen zu-
stande kommen, sondern daß noch ein anderer ge-
wichtiger Faktor dabei im Spiele ist, der Boden.“
Im Gegensatz zu den in den vorigen Kapiteln behan-
delten Versauerungsursachen führt der Eintrag star-
ker mineralischer Säuren (Schwefel-/Salpetersäure)
oder auch nur der Anionen derselben (Konzept mobi-
ler Anionen:
christ
et al. 1999) in Waldökosystemen zu
tief reichender Bodendegradation mit einem entspre-
chenden Verlust von Nährstoffen im ganzen Boden-
körper bei gleichzeitig tiefen pH-Werten.
Abbildung I-5: Bodenversauerung durch Luftschadstoffe
nach
Brümmer
(1987)
Werden Säuren oder Säurebildner (SO
2
, NO
2
) über den
Regen (nass), den Nebel (feucht) oder als Gas bzw.
Staub (trocken) im Kronendach des Waldes abgelagert
(deponiert), so unterliegen sie einem Kronenraumaus-
tausch, sie werden gepuffert. Das heißt, hier versu-
chen die Pflanzen, den pH-Wert im Blattinneren kon-
stant und damit die Zellen funktionstüchtig zu halten.
Die Protonen werden dabei ausgetauscht gegen Nähr-
stoffe wie Kalium (Quelle: Schließzellen der Spaltöff-
nungen), Kalzium (Quelle: Zellwände) und Magnesium
(Quelle: Chlorophyll). Diese werden zusammen mit
den im Niederschlag vorhandenen Anionen (z. B. SO
4
,
NO
3
) aus dem Blatt ausgewaschen. Der Verlust kann
Störungen im Wasserhaushalt, der Zellwandstabilität
und der Kohlenstoffaufnahme (Energiegewinnung)
nach sich ziehen. Um die Blatt- und letztlich ihre Ge-
samtfunktion aufrechtzuerhalten, muss die Pflanze
versuchen, die Nährstoffverluste durch die erneute
Aufnahme der Nährelemente aus der Bodenlösung
auszugleichen („Nachladen des Blattpuffers“ = Ver-
sauerung des Bodens).
Nach
ulrich
(1995) lag als Folge des Säureeintrags die
Basensättigung daher für zwei Drittel der deutschen
Waldböden - selbst in 30 bis 60 cm Tiefe unter Flur
- bei unter 15 %. Noch im Zuge der zweiten bundes-
weiten Bodenzustandserhebung (2006-2009) wurde
in dieser Tiefenstufe eine mittlere Basensättigung von
nur 16 % ermittelt (W
ellBrocK
et al. 2016).
Aus der Auswaschung der Nährelemente und der pH-
Absenkung ergibt sich eine steigende Dominanz von
Aluminium in der Bodenlösung, denn Aluminium wird
im Zuge der Säurepufferung mit sinkendem pH-Wert
zunehmend aus den Silikatgittern der Minerale frei-
gesetzt (Austauscher-/Aluminiumpufferbereich nach
ulrich
1981a). Dieser Prozess verändert über Ladungs-
änderungen zuerst die Speichereigenschaften der Mi-
nerale; die Silikate verwittern. Aus geogenen primären
Mineralen bilden sich anfangs sekundäre Tonmine-
rale im Boden. Weitere Aluminiumfreisetzung kann
letztlich zu deren Zerstörung führen (v
eerhoFF
1992).
Aluminiumfreisetzung führt zu Wurzelschäden und
das Zersetzungsmilieu für die Bodenlebewesen wird
ebenfalls verändert. Die Einmischung des Humus in
den Mineralboden wird unterbrochen. Die Verhält-
nisse der Nährelemente zueinander geraten ins Un-
gleichgewicht; sie werden disharmonisch.

image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
13
2
Immissionsbedingte Schadsituation
in Sachsen
2.1
Prädisponierende Standortsbedingungen
Die Landnutzungsansprüche der Gesellschaft hat-
ten bis zur frühen Neuzeit überall den Wald auf
schwer zu bewirtschaftende, klimatisch ungünstige
Standorte zurückgedrängt. In der Regel sind dies
gleichzeitig nährstoffarme und steinreiche Böden.
Das ist in Sachsen von besonderer Bedeutung, weil
die Grundgesteine der forstlichen Bodenbildung im
deutschlandweiten Vergleich als nährstoffärmer und
damit anfälliger für Bodenversauerung eingestuft
werden können (m
aterna
1962b).
Die ungeregelte Waldnutzung führte im 18. Jahrhun-
dert zu einer »Holznot«, auf die von
carloWitz
(1713)
mit seinem Buch „Sylvicultura oeconomica“ reagier-
te und seitdem als gedanklicher Vater „nachhaltiger
Forstwirtschaft“ gilt (h
amBerger
et al. 2013). Zu Be-
ginn des 19. Jahrhunderts erfolgte dann unter Lei-
tung Heinrich Cottas die Einführung einer geregelten
Forstwirtschaft; Altersklassenwälder wurden in wei-
ten Teilen des Landes prägend. Die Anwendung ratio-
neller Aufforstungsverfahren und die Orientierung an
der Holzverwendung bewirkten zudem die verstärkte
Hinwendung zum Nadelholz. Dies hatte eine deutliche
Erhöhung des Fichtenanteils im Gebirge und im Löss-
hügelland zur Folge. Demgegenüber reduzierte sich
zum Beispiel die Fläche von Buchen und Hartlaubholz
im Marienberger Forstbezirk von 60 % (1500), 50 %
(1600), 35 % (1700), 20 % (1800) auf <10 % (1900)
(m
üller
1935 zitiert in
gemBalla
2017). Fichtenbestän-
de erwiesen sich im Gebirge als besonders produktiv,
zumal nur sie die Kahlschlagwirtschaft dauerhaft ver-
trugen (W
endel
2017). Im Tiefland entstanden gleich-
zeitig reine Kiefernforste. Diese Nadelbestände sind
durch die potenziell ganzjährig aktiven Blattoberflä-
chen aber besonders effiziente Filter für Schadstoffe
und damit sehr exponiert gegenüber Luftbelastungen.
2.2
Schädigungen durch Emissionen
1850 bis 1950
Als weitere Reaktion auf den Holzmangel erließ der
sächsische Herrscher 1743 das „Mandat wegen Ent-
deckung derer im Lande befindlicher Steinkohlenbrü-
che und wie sich bei deren Aufnahme und Fortbau
zu verhalten“ mit dem Zweck, den Grundeigentümer-
bergbau von Steinkohlen zu forcieren und die Ener-
gieversorgung zu verbessern (s. Abbildung I-6). Stein-
kohlenvorkommen waren z. B. im späteren Zwickau-
er, im Lugau-Oelsnitzer und im Döhlener Revier lange
bekannt (10. bis 16. Jahrhundert), wurden aber erst
zwischen 1806 (Königliches Steinkohlenwerk Zau-
ckerode), 1830 (Zwickau) bzw. 1844 (Lugau-Oelsnitz)
auf Basis des oben genannten Mandats bergmännisch
abgebaut.
Die Forschung zu immissionsbedingten Waldschäden
hat ihren Ursprung in Sachsen (F
ranKe
&
maier
1962;
Wentzel
1997; vertiefend
andersen
1996 zur „Hütten-
rauchdebatte“, S. 51ff).
Im Jahre 1849 wurde Adolph Stöckhardt, Professor
für Agrikulturchemie an der Akademie für Forst- und
Landwirte zu Tharandt, „amtlich beauftragt, […] nähe-
re Untersuchungen über die Art und Größe der schäd-
lichen Einwirkung, welche der Rauch der Freiberger
Hüttenwerke auf die Vegetation der den letztern nahe
liegenden Feld-, Wald- und Wiesenstücke ausübe, an-
zustellen.“
Abbildung I-6: Steinkohlenmandat

image
14
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Abbildung I-7:
stöcKhardt
(vor 1886,
daher gemeinfrei, Autor: unbekannt)
Tabelle I-2: Kohlefördermenge im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier (Quelle: DEBRIV) und daraus berechnete Schwefelemissionen nach
zieger
(1956/57)
stöcKhardt
beschrieb 1850 den Zustand der Gehölze in
der Halsbrücker Flur:
„die Bäume und Hecken haben
nicht das lebhafte Grün und erschienen namentlich
auf der dem Hüttenwerk zugekehrten Seite wie ver-
welkt und vertrocknet“
(S. 33). Als Wirkungsweise der
in Halsbrücke freigesetzten
Substanzen seien
„zwei
spezifisch verschiedene
Fälle zu unterscheiden,
nämlich die directe oder
acute Vergiftung der Pflan-
zen durch die mit ihnen
in Berührung kommenden
gas- oder dampfförmigen
Säuren, und eine indirec-
te oder chronische Vergif-
tung, welche den Erdboden,
auf dem die Pflanzen wach-
sen, durch lang fortgesetzte
Zuführung von metallischen
Dämpfen erfährt“
(s
töcKhardt
1850, S. 34). Die Versau-
erung des Bodens durch die eingetragene schweflige
Säure blieb von ihm unbeachtet. Durch Beräuche-
rungsversuche an Pflanzen führte er 1871 als ers-
ter Deutscher die vorgefundenen Schäden auf eine
direkte Einwirkung der in den Hütten freigesetzten
schwefligen Säure zurück. Diese verursachte selbst in
einer Verdünnung von 1:1 Million langfristig Schaden.
Doch schon 20 Jahre zuvor wurden Ergebnisse von
Begasungsversuchen zur Wirkungsabschätzung der
Schwefelemission aus Sodafabriken publiziert (t
urner
& christison
1828; Ergebnisse zitiert in
stöcKhardt
1850,
S. 34; s. a.
andersen
1996).
stöcKhardt
beschreibt auch
erstmalig akute Schäden, die durch verfeuerte Stein-
1.560.864.000
18.730.000
Lausitzer Revier
Mitteldeutsches Revier
5.079.138.00
25.396.00
4.917.154.00
59.006.00
Förderung (t)
Emission Schwefel (t)
1900 - 1949
1950 - 1990
Förderung (t)
Emission Schwefel (t)
908.931.000
4.545.000
2
https://de.wikipedia.org/wiki/Zwickauer_Steinkohlenrevier
3
https://de.wikipedia.org/wiki/Lugau-Oelsnitzer_Steinkohlenrevier
4
https://kohlenstatistik.de/filesw/foerder.xlsx
kohle im Raum Leipzig (Eythra/Zwenkau) und im Plau-
enschen Grund bei Dresden entstanden. Denn: „Selbst
der gewöhnliche Steinkohlenrauch, der meist etwas
schweflige Säure, aber ungleich weniger enthält als
der Hüttenrauch, kann durch diesen Gehalt nachthei-
lig auf das Pflanzenwachsthum einwirken“ (s
töcKhardt
1850, S. 34/35). Weiter heißt es: „Nun enthalten aber
die Zwickauer Steinkohlen […] nur 1/8 bis höchstens
11/2 Proc. Schwefel, während [..] das Hauptmaterial
für die Halsbrücker Hütten bildenden Schwefelmetal-
le der Bleiglanz über 13 Proc., der Schwefelkies aber
über 50 Proc. Schwefel enthält“ (S. 35).
zieger
(1956/1957) gibt demgegenüber Schwefelgehalte
für Zwickau/Oelsnitzer Steinkohle von 1,0 bis 1,5 %, für
Lausitzer Braunkohle von 0,5 bis 0,8 % und für die mittel-
deutschen Lagerstätten von 1,2 bis 2,0 % (Braunkohlen-
schwelkoks) an.
Sachsen entwickelte sich zur Mitte des 19. Jahrhunderts
in eine Industrieregion par excellence mit Chemnitz als
deutschlandweitem Zentrum der Industrialisierung und
des Maschinenbaus. Die gleichzeitig aufgebauten Schie-
nennetze beschleunigten die Entwicklung und damit den
Energiebedarf sowie die Emissionen exponenziell.
Allein die Fördermengen des Zwickauer (230 Mio. Tonnen
²
)
und Lugau-Oelsnitzer Reviers (140 Mio. Tonnen
³
) dürften
- nach obigen Gehaltsangaben - bis zum Ende der Stein-
kohlennutzung in den 1970er- Jahren etwa 5,6 Mio. Ton-
nen Schwefel freigesetzt haben. Die im Mitteldeutschen
und Lausitzer Revier ab etwa 1900 großtechnisch im Ta-
gebau abgebaute Braunkohle hatte bis 1990 bei Einsatz
der minimalen Zieger‘schen Schwefelgehalte und den
durch den Bundesverband Braunkohle
4
veröffentlichten
Fördermengen folgende Emissionen zur Folge:

image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
15
Bis 1950 wurden somit in beiden Revieren bei der -
meist im Umfeld der Tagebaue durchgeführten - Ver-
stromung der Kohle 23 Mio. Tonnen Schwefel emit-
tiert. Bis 1990 kamen noch weitere 84 Mio. Tonnen
hinzu. Wäre diese Emission allein auf der Landesfläche
Sachsens niedergegan-
gen, so wären 58 Tonnen
Schwefel pro Hektar de-
poniert worden: Fast an-
derthalb LKW-Züge!
Auch wenn
schröter
(1908),
zitiert in
elling
et al.
(2007), in den Kammla-
gen des Erzgebirges eine
„beginnende
lästige Ein-
wirkung des Rauches
aus dem südlich be-
nachbarten Braunkoh-
lengebiete mit seinen
zahlreichen Schächten
und reger Industrie bei
Teplitz, Dux, Brüx“ und ebenso durch die aus den
Kohlengebieten des Egertales (Schlackenwerth-Karls-
bad-Falkenauer Becken) ankommenden, schon durch
den Geruch bemerkbaren Rauchschwaden, die „böh-
mischen Nebel“, als Verursacher von Waldschäden
sieht, ist die aus deutschen bzw. sächsischen Quellen
stammende Belastung nicht vernachlässigbar. Dies
belegen auch Schröters Kartierungen zu Rauchscha-
densflächen in Sachsen (s
chröter
1907). Nach
lieBold
& drechsler
(1991) bestimmten im Erzgebirgsvorland
„bis heute zahlreiche Emittenten die Luftbelastung,
die schon im 19. Jahrhundert Schadverursacher wa-
ren.“
elling
et al.
(2007)
sehen daher besonders im mittleren
und östlichen Erzgebirge ein Lehrbeispiel der emissi-
onsbedingten Waldschäden, weil
„es wesentlich frü-
her und weit stärker großflächig durch Luftschadstof-
fe - vor allem Schwefeldioxid - getroffen [wurde] als
irgend ein anderes Gebirge Mitteleuropas“.
2.3
Waldschadensgebiete zwischen
1950 und 1990
1954 wurde die Rauchschadensforschung durch
Prof. Dr. Zieger in Tharandt nach 20 Jahren wieder
zum Gegenstand von Lehre und Forschung (l
ampadi-
us
1962b). Zieger gelang ein statistischer Nachweis,
dass die Schwefeldioxidbelastung der Luft und der
Abbildung I-8: Titelblatt „Die Rauchquel-
len im Königreich Sachsen“ von
e. schröter
(1908)
sanitäre Zustand des Waldes miteinander korrelierten
und die Schadwirkungen der Abgase wesentlich wei-
ter reichten als bisher vermutet worden war.
Während der Sitzung „Die Landschaft und der In-
dustrierauch“ am 20. September 1955 traf Zieger mit
Reinhold Lingner, dem Initiator der „Landschaftsdia-
gnose der Deutschen Demokratischen Republik“ zu-
sammen. In dem Projekt ging es um die Abgrenzung
von Luftverunreinigungsgebieten und -zonen z. B. im
Raum Wolfen/Bitterfeld (h
uFF
2014). Hieraus entwi-
ckelte Zieger das Konzept der forstlichen Großraum-
Schaddiagnose. Nach
lux
(1962) wurden in dem Kom-
binationsverfahren Daten zur Höhe der Emissionen
(Umfrage), der Immissionen (Luftanalyse) und auf
Weiserflächen Daten zum Gesundheitszustand, in die-
sem Falle der Kiefer (okulare Taxation der Kronenver-
lichtung, Anzahl Nadeljahrgänge, Nadellänge sowie
Nadel- und Stammanalysen), erhoben. Die erste der-
artige Erhebung erfolgte 1960 in Nordwestsachsen.
Seit 1977 erfassten kontinuierliche Befliegungen
mit speziellen Infrarotfilmen (Spektrozonalfilm SNG-
M) die Entwicklung der Schäden (l
ieBold & drechsler
1991). In der bestandesweisen Ansprache wurden drei
Schadstufen ausgewiesen (Abbildung I-9):
SCHADSTUFE I
- überwiegend starke bis katastrophale Schäden
SCHADSTUFE II
- überwiegend mäßige Schäden
SCHADSTUFE III
- überwiegend leichte Schäden
Insgesamt umfasste die Schadflächenentwicklung
zum 01.01.1991 mehr als 280.000 Hektar d .h. knapp
zwei Drittel der Waldfläche Sachsens lagen in Immissi-
onsschadgebieten. Davon entfielen 38.000 Hektar auf
die Schadzone I (siehe Tabelle in Abbildung I-9) und
von dieser wiederum zirka 6.000 Hektar auf Standorte
mit überwiegend katastrophalen Schäden.

image
image
image
16
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Abbildung I-9: Verteilung der Immissionsschadzonen im Freistaat Sachsen 1960 bis 1990 (aus: Sächsischer Waldschadensbericht, SMLEF 1994; verändert nach
lieBold & drechsler
1991)
Extrem geschädigte Waldgebiete lagen vor allem in
den Hoch- und Kammlagen des Erzgebirges wie dem
Kahleberggebiet (Osterzgebirge), Deutscheinsiedel
und Seiffen (mittleres Erzgebirge), Abbildung 1-10.
Waldgebiete mit starken Schäden zogen sich vom
Aschberg im Westerzgebirge fast den gesamten Erz-
gebirgskamm entlang bis in das westelbische Elb-
sandsteingebiet. In Ostsachsen sind Teile des Zittauer
Gebirges und Ostritz an der Grenze zu Polen zu erken-
nen. Starke Schäden traten auch im Umfeld der Kraft-
werke südlich von Leipzig, mäßige Schäden in weiten
Teilen des Erzgebirges, des Elbsandsteingebietes und
Abbildung I-10: Blick auf den Kahleberg (Osterzgebirge) in den 1980er- Jahren (Fotos: A. Geschu)

image
image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
17
des Lausitzer Berglandes sowie im Lee der Industrie-
region Halle-Leipzig auf.
Obwohl die kartierten Schäden mit teils großflächig
abgestorbenen Beständen (K
luge
1993) auf die aku-
te Einwirkung schadstoffbefrachteter Luftmassen auf
die Blattorgane zurückzuführen waren (Nadelverluste,
Nadelvergilbungen, Frostschäden), ist unleugbar, dass
über die Filterleistung der Bestände auch eine immen-
se Belastung der Böden mit schwefelsauren Verbin-
dungen verursacht wurde.
lieBold & drechsler
(1991)
fassten die Situation - stellvertretend für das Osterz-
gebirge und dessen Vorland - wie folgt zusammen:
„Diese seit Jahrzehnten anhaltende Deposition von
Säuren führte in den Fichtenökosystemen zur nicht
mehr kompensierbaren Freisetzung toxischer Metalle
und zu Nährstoffungleichgewichten.“
Die Säure- und Schwefelbelastung wirkt je nach Spei-
cherpotenzial der Bodensubstrate bis heute auf die
Nährstoffversorgung und destabilisiert die Waldöko-
systeme dauerhaft.
2.4
Forstliches Umweltmonitoring
Die großflächigen Schadansprachen der forstlichen
Großraum-Schaddiagnose wurden 1969 an die AG
„Schadenserhebung Immissionsschäden in den Wäl-
dern der DDR“ des VEB Forstprojektierung Potsdam
abgegeben (veB
ForstproJeKtierung
1989). Anfang der
1980er- Jahre entstand das Bedürfnis der Praxis und
der Wirtschaftszweigleitung nach flächendeckenden
Informationen zum Gesundheitszustand der Wäl-
der der DDR zu einem einheitlichen Termin. Deshalb
entwickelte man beim VEB Forstprojektierung das
mehrstufige Inventursystem der ökologischen Wald-
zustandskontrolle (ÖWK) mit 2.500 permanenten Pro-
beflächen im Raster 5x5 km. In Abbildung I-11 ist eine
regionalisierte Auswertung zur Schwefelbelastung der
Wälder in der DDR mittels Borkenanalysen und Kro-
nenzustand dargestellt (aus
KallWeit
2016). Die extre-
me Belastungssituation im Süden der DDR und insbe-
sondere im heutigen Sachsen wird deutlich.
Als zweite Säule der Technikfolgenabschätzung wurde
Ende 1961 in Tharandt unter Leitung von Prof. Däßler
die Arbeitsgruppe "Rauchschadenforschung" gebildet
und das Immissionsprüffeld im Tharandter Wald ein-
gerichtet. Die AG untersetzte das in Zusammenarbeit
mit den Bezirks-Hygieneinstituten und dem Meteo-
rologischen Dienst eingerichtete Messnetz zur Über-
wachung der SO
2
-Belastung (l
ieBold & drechsler
1991).
1983/84 wurde dann die Waldmessstation Oberbä-
renburg aufgebaut, um in der Nähe des Erzgebirgs-
kamms die Stoffeinträge zu messen (W
ienhaus &
dässler
1991).
SO
4
- Konzentration in Borke ÖWK-Netz (g
usKe
1988 IFE)
Anteil starker Schäden im Kronenzustand im ÖWK-Netz1986-1990
Abbildung I-11: SO
4
- Konzentration in wässrigen Borkenextrakten und
Anteile starker Schäden im Kronenzustand (aus
KallWeit
2016)

image
18
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Abbildung I-12 zeigt, beispielhaft für die von
zimmer-
mann & aBiy
(2005) publizierten Ergebnisse, die Ent-
wicklung der Schwefeleinträge in Tharandt und Ober-
bärenburg von 1985 bis 2003. Im Mittel der ersten
fünf Jahre (1985-1989) wurden über die Kronentrau-
fe unter den Fichten in Tharandt 121 und in Ober-
bärenburg 104 kg Schwefel eingetragen. Im Freiland,
ohne die auskämmende Wirkung der Fichtenkronen,
wurden rund 30 kg deponiert. Dies entspricht noch
den Angaben von
materna
(1962a) und belegt die sehr
intensiv und lang andauernde Immissionsbelastung
der Region.
Nach der politischen Wende wurde in Sachsen die
großräumige Schadensermittlung der ÖWK von der
rasterbasierten Wald- und Bodenzustandserhebung
(WZE/BZE, in Europa Intensitätsstufe I = Level I) und
die intensiven Untersuchungen wie in Tharandt und
Oberbärenburg durch Flächen der intensiven Forstli-
chen Dauerbeobachtung (europäisch: Level II) abge-
löst (Abbildung I-13). Diese Erhebungen werden seit
1991 - in Nachfolge zweier Vorläuferinstitutionen -
durch das Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirt-
schaft bei Sachsenforst koordiniert und durchgeführt.
Sie sind Teil bundes- und europaweiter Überwachungs-
systeme im Rahmen der Genfer Luftreinhaltekonventi-
on der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen
(c
lrtap un-ece; Bolte
et al. 2008;
smul
2009).
Insgesamt werden derzeit zur Überwachung des che-
misch-ökologischen Umweltzustands 285 Flächen der
BZE/WZE und acht Stationen des intensiven forstli-
chen Umweltmonitorings beobachtet, beprobt und
betrieben. Zusätzlich sind in repräsentativen sächsi-
schen Waldgebieten Waldklimastationen im Bestand
und auf der Freifläche eingerichtet, auch um über
Wasserhaushaltsmodelle eine Berechnung der Boden-
wasserflüsse und damit Flussbilanzen zu ermöglichen.
Abbildung I-12: Schwefeleinträge im Osterzgebirge (Oberbärenburg) und Tharandter Wald, Messergebnisse der Technischen Universität Dresden

image
image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
19
Abbildung I-14: Übersicht über die in den Bezirken der DDR gedüngten Waldflächen 1986-1988; gegliedert nach Düngerart, Düngermasse und Ausbringungs-
technologie (Auszug)
2.5
Konsequenzen aus der Umweltüber-
wachung
Bereits Mitte der 1980er- Jahre wurde neben dem An-
bau spezieller rauchharter Gehölze und züchterischer
Bemühungen in den Immissionsschadzonen der DDR -
vor allem der Mittelgebirge und Gebirgsvorländer - mit
dem Schutz des Waldbodens und einer Verbesserung der
Abbildung I-13: Messnetze zum Forstlichen Umweltmonitoring in Sachsen (Level I, Level II, Waldklimastationen WKS)
in der Nadelvergilbung sichtbaren, schlechten Magnesi-
umversorgung der Nadelwaldbestände begonnen. Über
die vorhandenen Agrarflieger und zum Teil mit sowjeti-
scher Unterstützung wurden in den betroffenen Bezir-
ken kohlensaure Magnesiumkalke („Kamsdorfer Mergel“)
und Magnesiumchelat als Blattdünger über den Wäldern
ausgebracht. Die Dosierung betrug pro Hektar 2,5 bis 3
Tonnen Kalk und etwa 300 kg Chelat (Abbildung I-14).

image
20
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Nach einem Aussetzen zwischen 1989 und 1990
wurde in Sachsen im Jahre 1991 die Kalkung in Regie
der Forstdirektionen wieder aufgenommen. Die Bo-
denschutzkalkung mit kohlensauren Magnesiumkal-
ken hatte bis Ende der 1990er-Jahre vorrangig das
Ziel, die Böden vor weiterer Versauerung durch die
aktuell eingetragenen Säurebildner zu schützen und
die Kronenraumpufferung zu verbessern. Großräu-
mige Bodenanalysen lagen anfangs nicht vor, weil
das ÖWK-Basisnetz mit 98 Standorten auf sächsi-
schem Territorium zwar ab 1986 eingerichtet, aber
nicht mehr ausgewertet wurde. Einen ersten Ein-
druck über die gravierende Versauerungssituation in
Sachsen gewann man mit Durchführung der bundes-
weiten Bodenzustandserhebung 1992 (N = 77) und
vor allem mit deren regionaler Verdichtung 1996/97
auf rund 280 Standorte des Waldzustandserhebungs-
netzes (4x4 km Netz) (r
aBen
et al. 2000a;
raBen
et al.
2004). Nachfolgende Karte (Abbildung I-15) zu den
Ergebnissen der BZE 1 in 10 bis 30 Zentimeter Bo-
dentiefe belegt den besorgniserregenden Zustand der
Basenversorgung.
Unterstützt wurden die Messergebnisse durch Unter-
suchungen zur natürlichen Pufferfähigkeit sächsischer
Waldböden aus der Mineralverwitterung, die zur Ermitt-
lung der standortspezifischen Kritischen Belastungsra-
ten (engl. Critical Load) für versauernde Stoffeinträ-
ge genutzt wurde (B
ecKer
2000;
BmelF
2000). Nach
thalheim & Fiedler
(1990) kann in kalkfreien Böden die
Sililkatverwitterung langfristig etwa 0,1 bis 1,1 kmol
H
+
ha
-1
a
-1
puffern. In Sachsen ergaben sich anhand
von über 256 Standorten Verwitterungsraten (oder
Pufferraten) von 0,2 bis 2,6 kmol ha
-1
a
-1
(Mittelwert:
0,5) (B
ecKer
2004).
Mit der Digitalisierung der forstlichen Standortskarte
Sachsens 2006, in Kombination mit digitalen Gelän-
demodellen (Geländeausprägung, Höhenlage - z. B.
Kammlagen - und Exposition) sowie geologischen In-
formationen, eröffneten sich neue Möglichkeiten zur
geostatistischen Auswertung und vor allem Regionali-
sierung der vorhandenen Waldzustandsdaten. Aufbau-
end auf Arbeiten für die Forstliche Versuchsanstalt in
Freiburg konnte eine neuartige Zonierung des Waldzu-
stands abgeleitet werden (Abbildung I-17). Diese be-
stätigte auf standörtlicher Grundlage und für die Jahre
1991 bis 2003 die in der DDR ausgewiesene Immissi-
onsschadzone im Erzgebirge (s
mul
2006;
zirleWagen
et
al. 2007).
Abbildung I-15: Basensättigung sächsischer Waldböden, Tiefenstufe 10 – 30 Zentimeter; 1. Bodenzustandserhebung in Sachsen 1992-1997

image
image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
21
Abbildung I-17: Neuabgrenzung der Immissionsschadzone aus Ergebnissen der Wald- und Bodenzustandserhebungen 1991-2003 (aus:
smul
2006)
Abbildung I-16: Standorte der Bodenzustandsüberwachung in Sachsen (BZE, Level II) mit vorliegenden quantitativen Mineralanalysen zur Abschätzung der
Basenverwitterung (= sog. nachschaffende Kraft),
BecKer
2004

22
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Ziel der seit den 2000er-Jahren vermehrt auf die
Regeneration der versauerten Böden setzenden Kal-
kung in Sachsen ist es, auf mittleren Standorten in
einer Bodentiefe bis 30 cm eine Basensättigung von
mindestens 15 % und hilfsweise einen pH-Wert ge-
messen in Wasser von 4,2 bzw. 3,8 gemessen in Ka-
liumchlorid zu erreichen. Dies entspricht - wie oben
beschrieben - dem „potenziellen natürlichen Boden-
zustand“ vor den Immissionen und rechnet nicht mit
dem von
ulrich
(1995) postulierten Bedarf der Bau-
marten Buche, Eiche, Fichte, Tanne, Douglasie und
Kiefer von 30 % Basensättigung.
Dieses Vorgehen folgt neben den waldökologischen
Erfordernissen auch der Verpflichtung nach § 16 des
Sächsischen Waldgesetzes (SächsWaldG), den Wald
gesund, leistungsfähig und stabil zu erhalten, zu sa-
nieren und vor Schäden zu bewahren. Außerdem dient es
der Umsetzung der Forderungen von § 4 Abs. 3 Bundes-
bodenschutzgesetz (BBodSchG), schädliche Bodenver-
änderungen zu sanieren oder entsprechende Schutz-
und Beschränkungsmaßnahmen durchzuführen. Die
Bodenschutzkalkung im Wald ist auch der Weltkom-
mission für Umwelt und Entwicklung (Brundlandt-Be-
richt,
hauFF
1987) in ihrer Definition der dauerhaften
(nachhaltigen) Entwicklung verpflichtet, die die Be-
dürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren,
dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse
nicht befriedigen können.
Die Aufbringung natürlichen Kalk-/Gesteinsmehls
zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit ist zudem
eine auch im ökologischen Landbau gängige und
akzeptierte Praxis.
5
Dieser versucht ebenso wie
nachhaltige Forstwirtschaft, weitgehend angenä-
hert an natürliche Ökosysteme, mit langfristig ge-
schlossenen Nährstoffkreisläufen zu arbeiten.
Die potenzielle Kalkungskulisse umfasst die Gebiete,
in denen in der Vergangenheit die größten Säure-
frachten zur Deposition kamen und die bereits von
ihrer Geologie relativ basenarm sind - die Standort-
region Bergland, Teile des Erzgebirgsvorlandes und
der Ostlausitzer Vorberge. Diese Kulisse reicht von
den Kammlagen bis zum Unteren Bergland bzw. dem
Gebirgsvorland im Hügelland (Abbildung II-1). Die
unteren Lagen und das Tiefland wurden bisher in
die Kalkung nicht einbezogen. Grund hierfür ist ein
teilweise vorangegangener Eintrag von Flugasche,
die damit geringere atmosphärische Säurebelastung
und das tonmineralarme Bodenausgangsmaterial,
insbesondere pleistozäne Sande.
3
Bemessung, Kontrolle und Bewertung
der Kalkung
Das Hauptaugenmerk bei der Erfolgskontrolle der Kal-
kung liegt auf den Wirkungen im Boden (Humus und
Mineralboden). Hierbei spielen die Anhebung der Ba-
sensättigung und des pH-Werts die entscheidende Rol-
le. Aus dem Vergleich des Ist-Zustands mit den oben
definierten bodenökologischen Zielgrößen, wird bei
Zielerreichung mindestens ein zeitweises Aussetzen der
Kalkung ableitbar.
Grundlegende Voraussetzung für die umfassende Be-
wertung und weitere Steuerung von Kalkungsmaßnah-
men ist die eigentumsunabhängige Kenntnis darüber,
auf welchen Waldflächen bereits gekalkt worden ist.
Zusätzliche Angaben über die ausgebrachte Tonnage,
die Qualität der ausgebrachten Kalke (Nähr- und Schad-
stoffgehalte) und die eingesetzte Ausbringtechnik sind
für eine Bewertung ebenfalls unerlässlich (Kapitel 3.1).
Gleichzeitig werden regelmäßige, flächenrepräsentati-
ve Erhebungen zum Boden- und Vegetationszustand
(siehe
Baumann
et al. 2002;
conrad
et al. 2002) benötigt
(Kapitel 3.3), die mit Ergebnissen aus Stoffbilanzstatio-
nen (Level II-Programm) zur Überwachung der Belas-
tungssituation (r
aBen
et al. 1998;
raBen
et al. 2000b)
ergänzt werden (Kapitel 3.2). In Spezialstudien wurde
zudem die Wirkung der Kalkung auf die Struktur und
Stabilität von Tonmineralen bearbeitet.
Als biotische Indikatoren der Wirkungen wurden die
Ernährungssituation der Waldbäume, die Reaktion der
Bodenvegetation (Kraut- und Moosschicht) und die
Wiederansiedlung größerer Bodenorganismen (Rund-
würmer) zur Humuseinarbeitung betrachtet.
Der Einfluss der Kalkung auf die Chemie des Boden-
sickerwassers ist zentrales Thema der Dauerbeob-
achtungsflächen (Stichwort Stoffbilanzen). In deren
Umfeld wird auch die Zusammensetzung von Quell-
wässern und Oberflächengewässern untersucht. Auf
Landschaftsebene werden dann die integrierenden
Oberflächenwasser-Messnetze der Landestalsperren-
verwaltung bzw. des Landesamtes für Umwelt, Land-
wirtschaft und Geologie mit einbezogen.
Die Zusammenführung der Ergebnisse aus allen Mo-
nitoringnetzen erlaubt eine gesamtökosystemare Be-
trachtung der Versauerungssituation (Abbildung I-18).
5
https://www.oekolandbau.de/bio-im-alltag/bio-fuer-die-umwelt/pflanzenbau/
duengung-im-oekologischen-landbau/

image
image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
23
Abbildung I-18: Untersuchungspuzzle für die ökosystemare Gesamtbewertung der Bodenschutzkalkung in Sachsen
3.1
Dokumentation des Kalkungsvollzugs seit
1986
Der Kalkungsvollzug wurde seit 1986 von den zu-
ständigen Stellen der Forstbehörden in analoger
Form archiviert. Zum Archivmaterial gehören neben
überregionalen Statistiken (Abbildung I-14), Ver-
tragsunterlagen, kolorierte Karten, Durchführungs-
nachweise, Kalk-Lieferscheine und Labor-Prüfbe-
richte zu Kalkproben.
Aufbauend auf einer Arbeit zu den Wirkungen der
Bodenschutzkalkung auf Humus und Mineralboden,
Fichtenbestockung sowie Bodenvegetation wurde
von
Franz
(2004) eine digitale Dokumentation der
bisherigen Kalkungskampagnen im damaligen Forst-
amt Klingenthal erarbeitet. Dazu wurde in Koopera-
tion mit den Fachbereichen IT und Kartografie eine
zentrale relationale Datenbank für die Sachinfor-
mationen und eine Geodatenverwaltung in ArcGIS®
entwickelt. Zu den jahresweise abgelegten Kalkungs-
flächen-Polygonen wurden die Waldeigentumsarten,
die Kalksorte und Dosis, die Applikationstechnologie
und der Zeitraum der Kalkung im Jahr erfasst (Ab-
bildung I-19). Über den Polygon-Identifikator (KVZ_
ADR) werden GIS und Datenbank miteinander ver-
knüpft.
Zum 1. Januar 2003 verschmolzen die Forstdirektio-
nen Bautzen und Chemnitz mit der Landesanstalt für
Forsten zum Landesforstpräsidium (LFP). Damit wur-
de die landesweite Planung und Kontrolle der Bo-
Abbildung I-19: Dokumentation des Kalkungsvollzugs an der Dauerbeobach-
tungsfläche Altenberg 1988 - Kalkungspolygon 19881500 mit Auszug aus der
Attributtabelle zu: Ausbringtechnik (HS = Hubschrauber), Dosis, Kurzbezeich-
nung des Kalks (KAM 80 = Kamsdorfer 80 % Karbonat) und Ausbringungszeit-
raum
denschutzkalkung im Referat Standortserkundung/
Bodenmonitoring des LFP gebündelt.
Ab dem Jahr 2004 erfolgte die digitale Dokumenta-

image
24
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Abbildung I-20: Anzahl der Kalkungen zwischen 1986 und 2018 innerhalb der Kalkungskulisse (J
acoB & andreae
2018)
tion der laufenden Kalkungskampagnen. Seit 2005
sind die ausführenden Firmen zudem verpflichtet,
in ihren Luftfahrzeugen Navigationssysteme zur Auf-
zeichnung der Streuvorgänge einzusetzen (vgl. Kapitel
6.2.5). Dazu werden für die Kalkungsflächen die re-
levanten digitalen topografischen Informationen zum
Einladen in das Navigationssystem zur Verfügung ge-
stellt.
Im Zeitraum von 2004 bis 2009 wurde die digitale
Kalkungserfassung und -dokumentation für die Ge-
samtheit der Forstämter in der Kalkungskulisse vor-
angetrieben. Hierzu wurden die Kalkungsvollzugsda-
ten in den Archiven der damaligen Forstämter, der
Forstdirektionen und des Sächsischen Staatsarchivs
recherchiert. Seit 2010 ist eine lückenlose digitale
Dokumentation aller flächenmäßig bedeutsamen Kal-
kungen verfügbar, die jedes Jahr fortgeschrieben wird.
Abbildung I-20 stellt die Ergebnisse des dokumen-
tierten Kalkungsvollzugs in einer Karte zur regionalen
Intensität der Kalkung dar. Demnach wurden inner-
halb der Kalkungskulisse (Definition s. Kapitel 5.2.1)
zwischen 1986 und 2018 etwa 392.000 ha Waldfläche
gekalkt. Davon sind mehr als 50.000 ha einfach, 60.000
ha zweifach, 40.000 ha dreifach und knapp 20.000 ha
vierfach behandelt worden. Im Durchschnitt kann in
der Kalkungskulisse von einer zweimaligen Befliegung
mit zirka sieben Tonnen Kalk pro Hektar ausgegangen
werden. Im Bereich des Kahleberges (Osterzgebirge,
Forstbezirk Bärenfels) existieren kleinere Flächen,
die auf Grund versehentlicher Überschneidungen
auf den handgezeichneten Planungskarten zwischen
1990 und 2000 sogar sechs- bis neunmal gekalkt
wurden.
Zusätzlich zu den derzeit etwa 7.700 Kalkungspoly-
gonen werden in der Datenbank die Ergebnisse von
mehr als 1.300 Kalkkontrollanalysen verwaltet. Diese
werden zum Beleg der einzuhaltenden und von den
Unternehmen deklarierten chemisch-physikalischen
Eigenschaften während der Kampagne von den Kal-
kungsverantwortlichen gezogen (Kapitel 8.1.2). Die
Analysen werden aktuell in Amtshilfe durch die Be-
triebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft
(BfUL) in Nossen durchgeführt. Bis zu deren Gründung
war die Landwirtschaftliche Untersuchungs- und For-
schungsanstalt (LUFA) Leipzig-Möckern zuständig.
Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft „Operative Bo-
denschutzkalkung“ der Bundesländer wurde durch

image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
25
Abbildung I-21: Kalkungsfläche der Bundesländer zwischen 1980 und 2016 (a
ndreae, h.; JacoB, F. (2018):
Die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpom-
mern, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein kalken nicht. Die Farben im Diagramm entsprechen den Farben in der Deutschlandkarte rechts oben.
Sachsenforst die bundesweite Entwicklung der Kal-
kungsflächen von 1980 bis 2016 zusammengestellt
(Abbildung I-21). Insgesamt wurden in der Zeitspanne
3,6 Millionen Hektar Wald gekalkt. Dabei sind Wieder-
holungskalkungen eingeschlossen. Das Maximum der
Flächenleistung wurde 1991 mit rund 190.000 Hektar
bundesweit erreicht.
3.2
Flussbilanzen als Werkzeug der
Kalkungsbewertung (Level II)
Jede Tonne des aus der Verbrennung freigesetzten
oxidierten Schwefels (SO
2
) erzeugt nach Reaktion
mit Wasserdampf in der Atmosphäre ein Äquivalent
Schwefelsäure (H
2
SO
4
) oder zwei Äquivalente säu-
rewirksame Protonen (H
+
). Diese wurden entweder
durch emittierte basische Ascheanteile (Flugasche)
oder erst im Ökosystem neutralisiert und gepuffert
(Kapitel 1.2).
leuBe
(2000) schätzte dazu den Kalkbedarf
in Beispielrechnungen mit kohlensaurem Dolomitkalk
als Puffersubstanz. Zur Neutralisation von 1 kg (oder
chemisch exakter kmol) Protonen sind je nach Zu-
sammensetzung etwa 50 kg (46-55 kg) Dolomit nötig.
Für die Ermittlung des Neutralisationsbedarfs im Öko-
system muss der externe, atmosphärische Gesamt-
eintrag von den internen Nährstoffkreisläufen über
eine Kronenraumbilanz unterschieden werden (u
lrich
1991,1994;
smul
2006; s. Kap. 1.2.2). Durch eine Bund-
Länder-Arbeitsgruppe wurde die Vorgehensweise ge-
prüft, harmonisiert und als Auswertungsstandard
festgelegt (g
ehrmann
2000;
Bmvel
2001).
In einem zweiten Schritt sind die Stoffumsätze im
und Elementausträge aus dem Boden unterhalb des
Hauptwurzelraumes (Grenze des terrestrischen Öko-
systems zur Hydrosphäre, konventionell bei 1 m Tie-
fe verortet) in eine Boden- und Ökosystembilanz von
Säuren und Basen zu überführen (B
redemeier
1987).
Die effektive Gesamtsäurebelastung setzt sich dem-
nach aus folgenden Teilprozessen zusammen:
Akkumulation eingetragener Säure im Ökosystem
= Summe der positiven Ökosystembilanzen (Ge-
samtdeposition minus Sickerwasseraustrag an der
Ökosystembasis in 1 m Tiefe) von H
+
, NH
4+
, Mn
2+
,
Fe
2+
und Al
3+
Akkumulation von eingetragenen basischen (Mb)
Kationen im Ökosystem. Das entspricht der Sum-
me der positiven Ökosystembilanzen von Na
+
, K
+
,
Mg
2+
und Ca
2+
, abzüglich der Mb-Mengen, die auf
Neutralsalzakkumulationen (MbCl) zurückzufüh-
ren sind (positive Chlorid-Ökobilanz). Die Gleich-
setzung der akkumulierten Mb-Kationen mit äqui-
valenten Säureeinträgen beruht auf dem Postulat,
dass die eingetragenen Mb-Kationen an saure
Gruppen unter Verdrängung und damit Freiset-
zung von Protonen und Kationsäuren gebunden
werden.

image
26
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
In Sachsen wurden derartige Bilanzen erstmals durch
langusch
(1995) und
lauterBach
(2000) für Waldöko-
systeme im Osterzgebirge (Rotherdbach, Werners-
bach, Pöbelbach) durchgeführt.
Im Folgenden soll anhand der ehemals am höchsten
säurebelasteten Dauerbeobachtungsfläche Olbernhau
gezeigt werden, welche Rückschlüsse sich aus Stoff-
bilanzen und -austrägen auf die Kalkung ziehen las-
sen (vgl.
menzer & andreae
2013). Abbildung I-22 zeigt
eingangs die Schwefelein- und -austräge in Kilo-
gramm pro Hektar und Jahr (kg ha
-1
a
-1
) beginnend
1995 bis zum Jahr 2017. Die Jahre, in denen eine Kal-
kung der Fläche erfolgte (1996, 2001, 2011), sind in
den Grafiken markiert.
Es ist ein deutlicher Rückgang der Einträge seit Be-
ginn der Messungen von 76 auf aktuell 10 kg ha
-1
a
-1
festzustellen. Ursache für den Rückgang der Einträ-
ge ist die Stilllegung zahlreicher Industriebetriebe in
Sachsen nach 1990 und bilaterale umweltpolitische
Verhandlungen mit der Tschechischen Republik zur
Minderung der Schwefeldioxidemissionen nach der
letzten Extrembelastung im mittleren Erzgebirge im
Winter 1995/96 (s
mleF
1996;
der spiegel
1997; Š
rámeK
2014).
Abbildung I-22: Entwicklung der jährlichen Schwefelbilanzen auf der Dauerbeobachtungsfläche Olbernhau 1995-2017 in kg/ha
Bezüglich des Schwefelaustrages ist in Olbernhau
seit Beginn der Bilanzierung 1997, wie auch auf den
anderen Flächen, ein leichter Rückgang festzustellen.
In der ersten Dekade wurden 48, in der zweiten bis
2016 im Mittel etwa 32 kg ha
-1
a
-1
ausgetragen. Die
Schwefelbilanz ist aber mit 25 bzw. 17 kg weiter nega-
tiv. Dies weist auf einen noch immer großen gespei-
cherten Sulfatvorrat im Boden hin (W
underlich & raBen
2006). Eine enge statistische Beziehung des Austrags
besteht zur Sickerwassermenge, während sich ein
Effekt der Kalkung auf die Sulfatmobilisierung nicht
nachweisen lässt.
Es wird bei der Kalkung diskutiert, dass es durch die
Anregung der Stoffumsätze im Humus und oberen
Mineralboden zu einem Anstieg der Nitratfreisetzung
kommen könne, was gleichbedeutend wäre mit einer
weiteren Versauerung des Bodens durch Überschuss-
nitrifikation und damit einhergehenden Gewässer-
belastung. Abbildung I-23 zeigt die Stickstoffbilan-
zen der Fläche Olbernhau. Dies ist im betrachteten
Zeitraum nicht der Fall und zeigt sich auch nicht in
den Nitratgehalten der Oberflächengewässer in der
Kalkungskulisse (s. Kap. 3.7;
Franz
2004;
Keitel
2014).
Vielmehr wird der deponierte Stickstoff (641 kg insge-
samt oder 32 kg pro Jahr) zu fast 90 % im Ökosystem
gehalten. Dies ist an allen Level II-Stationen bisher der
Fall. Eine Gesamtanalyse des Stickstoffstatus sächsi-
scher Wälder ist
andreae & JacoB
(2017) zu entnehmen.
Ökosysteminterne Freisetzung von Protonsäuren
(Ma). Sie kann aus der Summe der negativen Öko-
systembilanzen der Anionen SO
4
2-
, NO
3-
, HCO
3-
und
R-
COO- (organische Anionen) geschätzt werden.

image
image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
27
Abbildung I-24: Entwicklung der jährlichen Säureeinträge über Gesamtdeposition (GD) und Bestandsniederschlag (BN) in kmol/ha auf der Dauerbeob-
achtungsfläche Olbernhau 1995-2017
Abbildung I-23: Entwicklung der jährlichen Stickstoffbilanzen auf der Dauerbeobachtungsfläche Olbernhau 1995-2017 in kg/ha
Die Abschätzung der tatsächlich über die Filterwir-
kung der Baumkronen eingetragenen Säuremenge ist
ein zentrales Anliegen der Kronenraumbilanz. Misst
man den pH-Wert in dem Wasser, das das Kronendach
verlässt (Bestandsniederschlag oder Kronentraufe)
oder am Stamm abläuft (wichtig nur bei Buchen), so
bestimmt man die aktuelle Säurestärke, die sich nach
den Austauschprozessen mit den Vegetationsoberflä-
chen eingestellt hat. Sie wird als sog. „freie Säure“ be-
zeichnet. Ist man aber an der Menge der insgesamt im
Kronenraum wirkenden Säure (Gesamtsäure) inte-
ressiert, so kann man diese nur rechnerisch aus der
gemessenen freien Säure im Bestandsniederschlag
und der Menge der im Zuge der Kronenraumpuffe-
rung aus dem Blätterdach freigesetzten Nährstoffe
abschätzen. In Abbildung I-24 wird deutlich, wie stark
Gesamtdeposition
Bestandsniederschlag

image
28
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
sich die Säureeinträge über die Flüsse Gesamtdepo-
sition (GD) und Bestandsniederschlag (BN) in Olbern-
hau voneinander unterscheiden.
Die Einträge an Säure über die Gesamtdeposition
nahmen in den zwei Bilanzintervallen von 24 auf 16
kg ab. Die Belastung entsprach von 1997 bis 2006 ei-
nem Äquivalent von 1.200 kg Dolomit, in der zweiten
Dekade von 2007 bis 2016 ergibt sich für die Kro-
nenraumpufferung noch ein Bedarf von 800 kg in 10
Jahren pro Hektar. Überführt man entsprechend die
zur Abbildung I-12 gehörenden Daten aus
zimmer-
mann & aBiy
(2005) für Tharandt bzw. Oberbärenburg
in eine Kronenraumbilanz, so ergibt sich allein für
den Fünf-Jahreszeitraum vor der politischen Wende
eine zur Pufferung erforderliche Kalkdosis von 1,3
bzw. 1,4 Tonnen pro Hektar. Die in Sachsen seit 2012
flächendeckend geltende Dosis ist auf 3 Tonnen pro
Hektar, der Wiederholungsturnus ist auf minimal 10
Jahre festgesetzt.
Als natürliche Pufferungsgröße muss der Eintrag an
basischen Kationen über die Deposition ermittelt und
dann den Nährstoffausträgen mit dem Sickerwasser
gegenübergestellt werden (Abbildung I-25).
Abbildung I-25: Entwicklung der jährlichen Basenbilanzen (Ca, Mg, K) in kg/ha auf der Dauerbeobachtungsfläche Olbernhau1995-2017
Die Kalkungsmaßnahmen 2001 und 2011 sind im
Eintrag deutlich zu erkennen. Die Austräge sind un-
abhängig von den Einträgen und sehr ungeregelt. Es
besteht aber ein positiver korrelativer Zusammenhang
(r = 0,797) zwischen Schwefel- und Basenaustrag.
Normiert man die Flüsse auf molare Größen, die den
Protonen entsprechen, so ergeben sich Baseneinträ-
ge von 1,0 bzw. 0,8 kmol pro Hektar und Jahr in den
Bilanzdekaden, denen Austräge von jeweils 1,1 kmol
gegenüber stehen. Einträge und Austräge heben sich
auf, so dass der Basenhaushalt des Bodens sich nicht
regenerieren kann. Besonders prekär ist die Situation
bei Magnesium, wo in der ersten Dekade Einträge von
24,9 kg/ha und Austräge in Höhe von 39,2 kg/ha zu
verzeichnen waren. In der zweiten Dekade standen
15,3 kg/ha im Eintrag 63,6 kg/ha Austrag gegenüber:
Der Boden verarmt weiter an diesem essenziellen
Nährstoff.
Die Umwandlung von Protonen in bodenbürtige Kat-
ionsäuren bei der Passage sauren Sickerwassers im
Boden erfolgt in der Bilanztiefe von 100 Zentimetern
ausschließlich durch Aluminiumfreisetzung (92 %)
und Protonen (7 %). Mangan und Eisenfreisetzung
sind nicht sichtbar darzustellen (Abbildung I-26).

image
image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
29
Abbildung I-26: Entwicklung der jährlichen Säurebilanzen (ohne Fe, Mn) in kg/ha auf der Dauerbeobachtungsfläche Olbernhau1995-2017
Eine einfache statistische Bewertung über die Pearson-
Korrelation zwischen Schwefel- und Aluminium-Aus-
trägen ergibt - wie auch an den Grafiken erkennbar -
erwartungsgemäß einen engeren Zusammenhang als
bei den Basen (r = 0,979). Das Anion Schwefel steuert
massiv den Stoffhaushalt und insbesondere den Ele-
mentaustrag. Der sehr hohe Aluminiumaustrag belegt
zudem, dass die Bodensilikate (primäre Minerale und
Tonminerale) einem Angriff ihrer Gitterstrukturen un-
terliegen, die nachhaltig die Nährstoffspeicherung und
die nachschaffende Kraft vermindern dürfte.
menzer & andreae
(2013) führten für die Jahre 1997 bis
2011 die dargestellten Teilbilanzen in einer Ökosystem-
bilanz zusammen. Die nach
ulrich
(1991) berechnete Ge-
samtprotonenbelastung des Ökosystems ist in Abbildung
I-27 dargestellt. Es handelt sich dabei sowohl um die ak-
tuell über die Gesamtdeposition eingetragene Protonen-
menge als auch um gespeicherte Säure bzw. Protonen
im Boden und Protonen, die sich aus Umwandlungs-
prozessen, z. B. an der Wurzeloberfläche, generieren. Der
Eintrag stellt dabei im Mittel weniger als die Hälfte der
Gesamtbelastung dar.
Abbildung I-27: Entwicklung der ökosytemaren Säurebelastung bezogen auf Protonen in kmol/ha auf der Dauerbeobachtungsfläche Olbernhau 1997-2011
(m
enzer
&
andreae
2013)

image
30
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Geht man davon aus, dass 50 kg Kalk 1 kmol Säure
puffert (l
euBe
2000), kann man die zur Pufferung nöti-
ge Kalkdosis pro Hektar und Jahr bzw. im Kalkungstur-
nus z. B. von 10 Jahren berechnen. Wollte man in Ol-
bernhau nur den aktuellen Eintrag puffern, wurde von
1997 bis 2016 lediglich eine Kalkmenge von etwa 1,0
t/ha in zehn Jahren benötigt. Zur Pufferung der Öko-
systemgesamtbelastung für den Zeitraum 1997-2011
waren allerdings 2,7 t/ha in zehn Jahren erforderlich.
Die entsprechenden Werte für alle fünf sächsischen
Level II-Flächen innerhalb der Kalkungskulisse variier-
ten dabei zwischen 1,7 und 2,9 t/ha in zehn Jahren
(m
enzer & andreae
2013).
3.3
Kalkung und Bodenchemie
(BZE 1 und 2)
Aufgrund der geologischen Ausstattung sächsischer
Waldstandorte (zumeist pleistozäne Sande und mag-
matische bzw. metamorphe Gesteine) liegen die pH-
Werte der daraus entstandenen Böden - meist podso-
lige Braunerden und Podsole - von Natur aus im leicht
sauren Milieu. Vor allem die Hauptnährelemente wie
Magnesium und Calcium stehen dem aufstockenden
Bestand nur in eingeschränktem Maße zur Verfügung.
Davon betroffen sind z. B. die Wuchsgebiete im säch-
sischen Mittelgebirge wie das Erzgebirge oder das
Vogtland bzw. das Lausitzer Lösshügelland.
raBen
et al.
(2000a/2004) konnten aufgrund der ersten flächen-
deckenden Bodenzustandserhebung im sächsischen
Wald in den 1990er-Jahren die tief reichende
Ver-
sauerung der Böden und damit den Kalkungsbedarf
belegen.
Im Jahre 2012 wurde in der Kalkungskulisse in Er-
gänzung der 2006 erfolgten Bundeserhebung (h
eint-
ze & andreae
2012) erneut der Bodenzustand ermit-
telt. Beispielhaft zeigt Abbildung I-28 die Lage der
BZE-Punkte innerhalb der sächsischen Kalkungsku-
lisse und deren Kalkungshäufigkeit bis zur zweiten
BZE-Probenahme (J
acoB & andreae
2018). Von den
279 BZE 2-Punkten liegen 162 Punkte innerhalb
der Kalkungskulisse. Davon wiederum wurden rund
63 % (n=102) seit Beginn der Kalkungsmaßnahmen
(1986) bis zur Entnahme von Bodenproben (2006,
2012 und 2014) für die BZE 2 zwischen ein- bis vier-
mal gekalkt (1x: 32 %; 2x: 43 %; 3x: 15 %; 4x: 10 %).
Auch im Vergleich mit den Kalkungshäufigkeiten für
alle Flächen liegt der Schwerpunkt auf den zweimal
Abbildung I-28: Anzahl der Kalkungen an BZE-Punkten bis zum Zeitpunkt der BZE 2-Beprobung. Weiße Punkte - ohne Kalkung innerhalb der Kalkungskulisse.
Grüne Punkte (ohne Kalkung) liegen außerhalb der Kalkungskulisse (Tiefland, teilweise Hügelland).

image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
31
gekalkten Flächen, gefolgt von den einmal gekalkten.
Je nach Lage der Standorte innerhalb der Kalkungs-
kulisse und dem Zeitpunkt der Kalkung wurden durch
einmalige Kalkungen 3,0 bis 4,5 t/ha ausgebracht.
Für die Bewertung der Kalkungswirkung wurde das
gesamte Stichprobenkollektiv in Punkte innerhalb
(Bergland/Vorbergland) und außerhalb (Tief-/Hügel-
land) der Kalkungskulisse unterteilt (Abbildung I-28).
Aus dieser wiederum wurden nur Standorte einbezo-
gen, die nach
leuBe
(2000) effektiv gekalkt werden dür-
fen (z. B. ohne Nass-Standorte, Moore, reiche und kräfti-
ge Standorte). Punkte innerhalb der Kulisse wurden
wiederum in ungekalkte (ohne Kalkung) und ein-bis
viermal gekalkte Punkte eingeteilt. Zusätzlich wurden
im Jahr 2012 fünf Punkte außerhalb des BZE-Rasters
in der Nähe des Kahleberges (Osterzgebirge) beprobt,
die laut digitalem Kalkungsvollzug, eine sechs- bis
achtmalige Kalkung aufwiesen. Zur Darstellung der
Auswirkung von Kalkungen auf bodenchemische Pa-
rameter wurden neben der Humusauflage auch die
Mineralbodentiefenstufen 0-5, 5-10, 10-30 und 30-
60 cm untersucht.
3.3.1
Auswirkungen der Kalkungen auf die Basen-
sättigung
Grundsätzlich zeigen, wie in Abbildung I-29 zu sehen
ist, die Standorte im sächsischen Tief- und Hügelland
(grün) eine höhere Basensättigung als alle ungekalk-
ten Standorte innerhalb der Kalkungskulisse (weiß).
Bereits durch ein- und zweimalige Kalkung steigt die
Basensättigung (BS) in der Humusauflage im Ver-
gleich zu den ungekalkten Standorten signifikant an.
Kalkungen darüber hinaus führen zu einer maximalen
BS in allen Humushorizonten.
Eine Tiefenwirkung durch die Zugabe von Magnesi-
um und Calcium in den mineralischen Oberboden ist
lediglich bis 10 cm Tiefe nachweisbar. In der sich an-
schließenden Tiefenstufe (10-30 cm) sind die Reaktio-
nen nur marginal ausgeprägt und nur nach sechs- bis
achtmaligen Kalkungen sichtbar (höhere Spannbreite).
In 30-60 cm Tiefe verringern sich die Unterschiede zwi-
schen Standorten des Tief- und Hügellandes gegenüber
ungekalkten und gekalkten Punkten deutlich.
Ungekalkte Standorte innerhalb der Kalkungskulisse
haben zwischen beiden Inventuren in den Tiefenstu-
fen 0 bis 60 cm etwa 3 % BS verloren. Die stärksten
Rückgänge zeigen sich in der Tiefe 30-60 cm, gefolgt
von der Tiefenstufe 5-10 cm und 0-5 cm.
Ähnliche Tendenzen, aber auf einem doppelt so ho-
hen Niveau, lassen sich für die ungekalkten Tieflands-
standorte beobachten: Rückgänge um mehr als 7 %
BS in den Tiefenstufen 0-5 und 30-60 cm. Vor allem
rückläufige Einträge von Flugasche (basische Staubein-
träge) nach der politischen Wende können hierfür ver-
antwortlich gemacht werden (vgl.
rieK & russ
, 2015).
Nach dem Kalkungsleitfaden von
leuBe
(2000) wird
im mineralischen Oberboden bis 30 cm eine BS von
15 % angestrebt. Dies wird in 0-5 cm nach zwei-
maliger Kalkung, in 5-10 cm nach viermaliger Kal-
kung und in 10-30 cm nach sechs- bis achtmaliger
Kalkung erreicht (siehe Schwellenwert in Abbildung
I-29).
Abbildung I-29: Tiefenverläufe der Basensättigung [%] im Humus und Mineral-
boden bis 60 cm für BZE-Punkte mit unterschiedlicher Kalkzugabe und außer-
halb der Kalkungskulisse (Tief- und Hügelland, grün). Ziel der Bodenschutzkal-
kung in Sachsen sind 15 % Basensättigung (rote gestrichelte Linie).
Auf den gekalkten BZE-Punkten (ein- bis viermal)
zeigt sich zwischen beiden Inventuren die stärkste
Zunahme in 0-5 cm Tiefe (plus 9 % BS) gefolgt von
der Tiefenstufe 5-10 cm (plus 3 % BS). Geringe bis
keine Veränderungen der BS sind zwischen BZE 1
und BZE 2 in 10-30 cm bzw. 30-60 cm zu beobach-
ten.

image
image
32
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
3.3.2
Auswirkungen der Kalkungen auf den pH-Wert
Ungekalkte Standorte innerhalb der Kalkungskulisse
weisen sowohl in der Humusauflage als auch im Mi-
neralboden einen niedrigeren pH-Wert auf als unge-
kalkte Standorte des Tieflandes (Abbildung I-30). Be-
reits durch eine einmalige Kalkung steigt der pH-Wert
auf das Niveau der BZE-Punkte im Tiefland.
In beiden untersuchten Humushorizonten (L/Of und
Oh) innerhalb der Kalkungskulisse nimmt der pH-Wert
linear mit der Anzahl der Kalkung zu. Der Median
steigt nach sechs- bis achtmaliger Kalkung auf über
pH 5,5. Im Vergleich dazu zeigen ungekalkte Standor-
te innerhalb der Kalkungskulisse einen pH-Wert in der
Humusauflage zwischen 3,5 und 4,0.
Im Mineralboden sind die Auswirkungen der Kalkung
auf den pH-Wert besonders deutlich in 0-5 cm Tiefe
zu sehen. Darunter sind die Veränderungen nur mar-
ginal und werden vor allem durch das geologische
Ausgangssubstrat überprägt und dominiert.
Überschreitungen des pH-Schwellenwertes von 4,2
nach
leuBe
(2000) (Übergang vom Aluminiumpuffer-
Abbildung I-30: Tiefenverläufe der pH-Werte im Humus und Mineralboden
bis 60 cm für BZE-Punkte mit unterschiedlicher Kalkgabe und außerhalb der
Kalkungskulisse (Tief- und Hügelland, grün). Ziel-pH-Wert in Sachsen liegt bei
4,2 (rote gestrichelte Linie).
bereich zum Austauscherpufferbereich) erfolgen in
der ersten Mineralbodentiefenstufe ab viermaliger
Kalkung und in 5-10 cm erst durch sechs- bis achtma-
lige Kalkungen. In den darauffolgenden Tiefenstufen
(10-30 und 30-60 cm) überwiegt größtenteils der Ein-
fluss des Ausgangssubstrates und Kalkungswirkungen
sind nur bedingt sichtbar: auch ohne Kalkung liegen
die pH-Werte über dem Schwellenwert.
3.3.3
Auswirkungen der Kalkungen auf die Aus-
tauschkapazität
Tieflandsstandorte weisen in allen Mineralbodentiefen-
stufen eine deutlich geringere effektive Austauschka-
pazität (AKe) auf als ungekalkte und gekalkte Stand-
orte der Kalkungskulisse. Im Humus liegen sie in etwa
gleichauf mit ungekalkten Standorten der Festgesteins-
böden (Abbildung I-31).
Die deutlichsten Anstiege der AKe zeigen sich infol-
ge der Kalkung in den Humusauflagen. Während die
AKe der ungekalkten Punkte bei 200 bis 230 µmolc/g
Abbildung I-31: Tiefenverläufe der Austauschkapazität [µmolc/g] im Humus und
Mineralboden bis 60 cm für BZE-Punkte mit unterschiedlicher Kalkgabe und
außerhalb der Kalkungskulisse (Tief- und Hügelland, grün).

Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
33
3.4
Kalkung und Bodenbiologie (BZE 2)
Böden sind für eine Vielzahl unterschiedlicher Lebe-
wesen wichtiger Lebensraum. Angefangen von der
Klasse der Bakterien und Pilze, über kleinere und mitt-
lere Tiere wie Asseln, Milben, Springschwänze, Tau-
sendfüßer und Spinnen bis hin zu den größeren Tieren
wie Regenwürmern ist die Bodenlebewelt sehr vielfäl-
tig und wird noch ergänzt durch zahlreiche Wirbeltie-
re wie Mäuse und Maulwürfe.
Weil Regenwürmer eine herausragende Rolle im
Nährstoffkreislauf von Böden erfüllen, ist deren Re-
aktion bzw. Ausbreitungsgeschwindigkeit nach lang-
jährigen Kalkungsmaßnahmen ein weiteres Puzzleteil
bei der Bewertung von Bodenschutzkalkungen (J
acoB
et al. 2017).
Im April 2018 wurden acht BZE-Punkte im sächsischen
Vogtland und Westerzgebirge unter Federführung und
Anleitung von Dr. Otto Ehrmann beprobt und ausge-
wertet (Abbildung I-32). Ausgangspunkt sind vier Punk-
tepärchen mit jeweils gleicher Standortausstattung
(Lokalbodenform), aber unterschiedlicher Kalkgabe:
liegt, steigt diese bereits durch einmalige Kalkgabe
auf über 300 µmolc/g an. Maximalwerte von über
900 µmolc/g finden sich auf viermal gekalkten
Standorten.
Innerhalb des oberen Mineralbodens (0-10 cm) sind
die Anstiege durch die Kalkung nicht so deutlich
wie im Humus. Die Anstiege mit zunehmender Kal-
kung sind nicht linear und eher ungerichtet. Le-
diglich ein- und zweimalige Kalkungen zeigen eine
Veränderung an, während durch höhere Kalkgaben
keine AKe-Anstiege eintreten. Es ist davon aus-
zugehen, dass eine Verringerung der AKe infolge
der historischen und aktuellen Bodenversauerung
durch Kalkungen verhindert werden kann (v
eerhoFF
et al. 1996). Im Unterboden sind, vor allem in 30-60
cm, keine Unterschiede in der AKe zwischen unge-
kalkten und gekalkten Standorten der Kalkungsku-
lisse zu beobachten.
Eibenstocker Granit-Braunpodsol
(ohne Kal-
kung (205)/mit viermaliger Kalkung (212))
Rothenthaler Gneis-Braunerde
(ohne Kalkung
(168)/mit viermaliger Kalkung (166))
Oelsengrunder Gneis-Braunerde
(ohne
Kalkung
(177)/mit
dreimaliger
Kalkung
(187))
Sohler Phyllit-Braunerde
(ohne Kalkung (192)/
mit dreimaliger Kalkung (232))
Es konnten insgesamt vier Arten nachgewiesen wer-
den
(Dendrobaena rubida, Dendrobaena octaedra,
Lumbricus rubellus und Octalasion lacteum), von de-
nen die ersten drei vor allem die Humusauflage besie-
deln. Es handelte sich vorwiegend um juvenile Tiere.
Lediglich die letzte Art ist auch im Mineralboden an-
zutreffen (endogäisch). Tiefgrabende Arten (anezisch)
fehlten auf allen acht Standorten.
Die Abundanz auf den vier ungekalkten BZE-Punkten
schwankte zwischen null bis acht Individuen pro m²
(siehe Abbildung I-33), auf den gekalkten Standorten
hingegen zwischen 48 bis 202 pro m² (Median: 117).
Während die Humus-pH-Werte auf den ungekalkten
Punkten im Mittel bei 3,5 lagen, stiegen diese durch
die langjährige Kalkung auf pH 4,7 an. Ein direkter Zu-
sammenhang zur Regenwurmdichte ist ableitbar.
Parallel zur Abundanz stieg die Biomasse der Boden-
wühler von 9 kg pro ha (ungekalkt) auf im Mittel rund
135 kg pro ha (gekalkt) an (siehe Abbildung I-34).
Dies hat ebenso Auswirkungen auf die Morphologie
der Humusauflage (biologischer Streuabbau) sowie
die im Klimawandel besonders bedeutsame Wasser-
haltekapazität von Waldböden. Eine ausführliche Dar-
stellung der Ergebnisse findet sich in
patzelt
(2019).

image
image
image
34
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Abbildung I-32: Lage der BZE-Punkte in Südwestsachsen zur Beprobung der Regenwurmfauna
Abbildung I-34: Veränderung der Regenwurmbiomasse im Zuge der Kalkung
auf acht sächsischen Waldstandorten
Abbildung I-33: Veränderung der Regenwurmanzahl im Zuge der Kalkung auf
acht sächsischen Waldstandorten

image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
35
3.5
Kalkung und Waldernährung (BZE 2)
3.5.1
Regelmäßiger Check Up der Waldbäume
Während die Waldzustandserhebung (WZE) flächen-
deckend in jedem Jahr durch die Ansprache der Kro-
nenverlichtung gewissermaßen den Puls der Wald-
bäume fühlt, wird im forstlichen Umweltmonitoring
seit 1995 durch die Analyse von Nadel- und Blattspie-
gelwerten ein „Check Up mit großem Blutbild“ zur Ge-
sundheitsbeurteilung der Bäume durchgeführt.
Auf acht intensiven Dauerbeobachtungsflächen (DBF;
EU: Level II) werden alle zwei Jahre an jeweils neun
Bäumen einer Baumart Blatt- und Nadelproben aus
der besonnten Oberkrone gewonnen. Als Reihenun-
tersuchung können die entsprechenden Untersu-
chungen auf den Punkten der Bodenzustandserhe-
bung (BZE) - welche weitgehend mit denen der WZE
identisch sind - angesehen werden. Aufgrund des
Aufwands erfolgen sie in größeren zeitlichen Abstän-
den (ca. aller 15 Jahre), aber dafür an einer großen
Zahl von „Patienten".
Am jeweiligen Aufnahmepunkt werden dabei mindes-
tens drei Bäume je Hauptbaumart beprobt, die füh-
rend am Kronendach beteiligt sind. Entsprechend der
Abbildung I-35: Schematische Darstellung eines Probekreises (Radius: 30 m) um das Bodenprofil des BZE-Punktes mit Angabe der vier Baumkollektive für
die 6-Baum-Stichprobe der WZE und der drei Erntebäume für die BZE (J
acoB
&
andreae
2018)
Abbildung I-35 wird natürlich darauf geachtet, den
Bäumen der WZE keine künstlichen Blatt- bzw. Nadel-
verluste zuzufügen.
3.5.2
Nadelspiegelwerte - Blutbild des Baumes
Die Bewertung des Ernährungszustandes von Bäu-
men anhand von Nadel- bzw. Blattspiegelwerten
ist eine seit Jahrzehnten gängige und auch diag-
nostisch notwendige Praxis in Forstwirtschaft und
Forstwissenschaft. Der Ernährungszustand stellt eine
integrierende Größe bei der Beurteilung von Stand-
ortsbedingungen und Umwelteinflüssen (z. B. Boden-
versauerung, Schwefel- und Stickstoffbelastung, Kli-
mawandel) sowie von Bodenschutzmaßnahmen wie
der Bodenschutzkalkung dar.
Die Gewinnung von geeignetem Material aus der obe-
ren Lichtkrone der Bäume erfolgt mit Hilfe von Zap-
fenpflückern von Sachsenforst (Abbildung I-36).
Dabei werden die Gehalte einzelner Nähr- und Schad-
stoffe bzw. deren Verhältnis zueinander untersucht.
Ziel der Kalkung ist zum Beispiel, die ausreichende
Versorgung der Bäume mit Magnesium sicherzustel-
len. Besonders in jungen, effizienten Blättern wird es

image
36
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Abbildung I-36: Im Sommer und Herbst 2012 wurden Zweig- bzw. Nadelproben
von 540 Bäumen gewonnen. Neben Fichte, Kiefer, Buche und Eiche wurde auch
Lärche, Ahorn, Esche, Hainbuche, Birke und Douglasie beprobt. (Foto: F. Jacob).
Tabelle I-3: Schadsymptome an Waldbäumen durch Nährstoffmangel (d
anneBerg
et al. 2001)
3.5.3
Die Wahl geeigneter Probanden
Im Jahr 2006 wurde die bundesweite Bodenzu-
standserhebung zum zweiten Mal auf sächsischen
Waldflächen durchgeführt (8x8 km-Raster). In den
Jahren 2012 und 2014 wurde das Raster auf 4x4 km
verdichtet. Der Vergleich mit der Erstaufnahme aus den
Jahren 1992-1995 erfolgte mit bundesweit einheitli-
chem Versuchsdesign und war darüber hinaus auch in
das europäische Waldmonitoring (EU-Projekt BioSoil
im Level I-Netz) eingebettet.
Dabei steht nicht allein die Charakterisierung des che-
mischen Bodenzustandes (z. B. pH-Wert, Kohlenstoff-
vorrat, Basensättigung) im Fokus. Erst die Verknüp-
fung mit den Daten zu Bestockung und Vegetation
ermöglicht die integrative Beurteilung des Waldzu-
als entscheidender Baustein für die Umwandlung von
Licht in chemische Energie (Fotosynthese) benötigt.
Kalium sorgt andererseits für die Regulation der Blatt-
atmung an den Spaltöffnungen der Blätter. Mangelt es
an Kalium, können diese nicht geschlossen werden und
die Pflanzen vertrocknen (Tabelle I-3). Dieser Effekt kann
auch, als negative Begleiterscheinung von Kalkungs-
maßnahmen, durch eine erhöhte Calciumzufuhr ausge-
löst werden (Calcium-Kalium-Antagonismus).
Bei Fehlen bzw. geringerer Versorgung wichtiger Ma-
kronährelemente sind nachfolgende Symptome an
Nadeln bzw. Blättern zu beobachten:
Ursache
Symptome
Magnesiummangel
Gelbspitzigkeit älterer Nadeln, Gelbverfärbung der Blätter zwischen den
Blattnerven - vorwiegend an der Oberseite der Nadeln oder Blätter;
besonders ausgeprägt im zeitigen Frühjahr
Kaliummangel
Gelbgrüne, schmutzig grüne Verfärbung an Nadelspitzen und Blatträndern
beginnend, Absterben der Nadeln von der Spitze her
Stickstoffmangel
Gelbgrüne, fahle Verfärbung der Blätter oder Nadeln, Blattorgane und
Triebe kurz
Phosphormangel
Rotviolette, graugrüne Verfärbung der Nadeln oder Blätter, Wuchshemmung
Manganmangel
Blassgrüne, ockergelbe Verfärbung jüngerer und neu ausgetriebener Nadeln

image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
37
standes. Ein wichtiger Pfeiler ist dabei auch die Er-
fassung des Ernährungszustandes der aufstockenden
Waldbäume.
Entsprechend dem „Leitfaden für forstliche Boden-
schutzkalkung“ (l
euBe
2000) wurde in den immissions-
belasteten Waldgebieten Sachsens auf einer Fläche
von etwa 120.000 Hektar magnesiumreicher Kalk aus-
gebracht. Die Bodenzustandserhebung ermöglicht es
nunmehr, die Effekte der Kalkung, auch hinsichtlich des
Ernährungszustandes, zu beurteilen.
Aus der Karte der 147 BZE-Punkte mit Fichtenbesto-
ckung ist ersichtlich, dass ein Großteil der Punkte in-
nerhalb der sogenannten Kalkungskulisse liegt (Abbil-
dung I-37).
Auf insgesamt 90 dieser Bestände wurde bis zum
jeweiligen Beprobungsjahr mindestens einmal, aber
maximal viermal Kalk ausgebracht. Die mittlere Ge-
samtgabe liegt bei 7,2 t/ha. Datenquelle hierfür ist
die flächendeckend vorliegende digitale Kalkungsvoll-
zugskarte (vgl. Kapitel 2.3.1) in Auswertung von 1986
bis 2014.
Abbildung I-37: Auswahl der BZE-Punkte mit Fichtenbestockung außerhalb und innerhalb der Kalkungskulisse mit unterschiedlichen Kalkungsintensitäten.
3.5.4
Kalkungserfolge nur bedingt erkennbar
Ziel der Kalkungsmaßnahmen war und ist eine Ver-
besserung der Basensättigung im Oberboden. Diese
sollte die vielfältigen negativen Effekte der anhalten-
den Überforderung der Pufferkapazität abmildern. In
Bezug auf eine harmonische Ernährung der Waldbäu-
me stehen vor allem Magnesium und Calcium im Vor-
dergrund der Betrachtungen.
Weil die Elementgehalte allein wenig Aussagekraft
haben, wird ein Bewertungsrahmen (Referenz) heran-
gezogen, der Aussagen über den allgemeinen Zustand
der beprobten Fichtenbestände ermöglicht. Verwen-
det werden die in Abbildung I-38 dargestellten Ernäh-
rungsstufen nach
göttlein
et al. (2011). Zur Aufstellung
des Bewertungsrahmens wurden europaweit ernäh-
rungskundliche Daten mit wachstumskundlichen Er-
hebungen verknüpft.

image
image
image
38
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Abbildung I-38: Im Rahmen einer europäischen Datensammlung wurden die Nadelspiegelwerte entsprechend der Häufigkeit ihres Auftretens in der Natur in Berei-
che gegliedert. Hier ist der Bewertungsrahmen nach
göttlein
et al. (2011) für Magnesium und Calcium für die Fichte dargestellt.
Die mittlere Magnesiumversorgung der Fichten auf
den Tieflands- und Hügellandsstandorten entspricht
in etwa dem Niveau der ungekalkten Fichten inner-
halb der Kalkungskulisse (Abbildung I-39). Infolge
der ansteigenden Kalkausbringung (ein bis viermal)
nimmt die Magnesiumversorgung der Fichtennadeln
kontinuierlich zu. Im Vergleich mit dem Bewertungs-
rahmen nach
göttlein
et al. (2011) liegen alle Stand-
orte im mittleren Normal- bis Überschussbereich.
Eine Mangelernährung (<0,9 mg
.
g
-1
) liegt nur für
wenige BZE-Punkte (n=11) vor.
Abbildung I-39: Magnesiumversorgung des aktuellen Nadeljahrganges der Fich-
te im Tiefl- und Hügelland sowie auf ungekalkten und ein bis viermal gekalkten
Standorten innerhalb der Kalkungskulisse zum Zeitpunkt der BZE 2.
Abbildung I-40: Calciumversorgung des aktuellen Nadeljahrganges der Fichte
im Tiefl- und Hügelland sowie auf ungekalkten und ein bis viermal gekalkten
Standorten innerhalb der Kalkungskulisse zum Zeitpunkt der BZE 2.
Die Calciumversorgung der Fichtenbestände außer-
halb der Kalkungskulisse (Tiefland) zeigt eine große
Spannbreite (2 bis 8 mg.g
-1
). Die Bestände sind man-
gelhaft über normal bis luxuriös mit Calcium ver-
sorgt. Infolge der Kalkausbringung steigen auch hier,
vergleichbar wie beim Magnesium, die Ca-Gehalte
im aktuellen Nadeljahrgang kontinuierlich an (Abbil-
dung I-40).

image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
39
3.6
Kalkung und Vegetation (BZE 2)
Im Rahmen einer Studie wurde auf 116 BZE-Punkten
innerhalb der Kalkungskulisse die Wirkung der Bo-
denschutzkalkung auf die Bodenvegetation mittels
multivariater Statistik geprüft (W
ecKesser & Kompa
2013). Im Mittelpunkt stand der Vergleich von ge-
kalkten und ungekalkten Flächen unter verschiedenen
Standortsbedingungen (Abbildung I-41). Neben den
Deckungsgraden der Vegetationsaufnahmen wurden
bodenchemische Kennwerte der BZE (pH-Wert, Ba-
sensättigung, C/N-Verhältnis) und Standortsparame-
ter (Trophie, Wasserrangfolgeziffer, Kalkungsanzahl,
Stickstoffdeposition) als Umweltvariablen in die Aus-
wertung einbezogen.
Zur Wirkung von Kalkungen auf die Bodenvegetation
liegen einige Untersuchungen vor (s
chlüter
1966,
ro-
denKirchen
1986,
immer
1993,
macKeschin & rodenKirchen
1994), die jedoch aufgrund des geringen Stichproben-
umfangs keine flächigen Aussagen zulassen.
Abbildung I-41: Lage der verwendeten 116 BZE-Punkte (mit und ohne Kalkung) innerhalb der Kalkungskulisse für die Vegetationsauswertung
vonW
ecKesser & Kompa
(2013)
3.6.1
Was passiert innerhalb der Krautschicht?
Die mittlere Artenzahl steigt durch Kalkung an. Auf
gekalkten Flächen liegen die Werte knapp doppelt so
hoch wie auf ungekalkten Flächen.
Die Störzeigergruppe (Calamagrostis epigejos, Di-
gitalis purpurea, Epilobium angustifolium, Galium
aparine, Juncus effusus, Urtica dioica) zeigt generell
keinen gleichgerichteten Deckungsgradanstieg mit
zunehmender Kalkungsanzahl, jedoch sind in man-
chen Straten die Störzeiger auf gekalkten Flächen
deckungsstärker vertreten als auf ungekalkten.
Innerhalb der typischen Waldartengruppe gehören
Calamagrostis villosa, Oxalis acetosella und die Bu-
chenverjüngung (Fagus sylvatica) zu den Profiteuren
der Kalkung, während Deschampisa flexuosa und
Fichtenverjüngung (Picea abies) mit zunehmender
Kalkungsintensität deckungsschwächer werden (sie-
he Tabelle I-4). Diesen Sachverhalt bestätigen auch
schmidt
(2002) und
KraFt
(2003).

image
40
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Arten / Artengruppe
0 x gekalkt
1-2 x gekalkt
3 x und mehr gekalkt
(n=7) (n=14) (n=2)
Störzeiger
11,0 (± 19,1)
14,4 (± 17,6)
6,4 (± 2,7)
Calamagrostis villosa
0 (± 0)
7,2 (± 13,2)
1,1 (± 0,9)
Deschampsia flexuosa
16,2 (± 22,6)
4,0 (± 18,6)
4,4 (± 4,4)
Buchen-Verjüngung
0,1 (± 0,1)
0,1 (± 0,1)
4,4 (± 4,4)
Oxalis acetosella
0,1 (± 0,1)
4,5 (± 10,3)
0 (± 0)
Fichten-Verjüngung
17,3 (± 22,6)
7,7 (± 13,2)
1,0 (± 1,0)
Vaccinium myrtillus
0,4 (± 0,7)
4,6 (± 10,3)
9,5 (± 9,3)
Tabelle I-4: Deckungsgrade (± Standardabweichung) von Arten und Artengruppen der Krautschicht in Abhängigkeit zur Kalkungsanzahl, Deckungsgradsumme
der Baumschichten (Weiser für Belichtung) 0-60 % (n=23); aus:
WecKesser & Kompa
(2013)
Eine fördernde bzw. schädigende Wirkung der Kalkung
lässt sich entlang ökologischer Faktoren wie Wald-
bindung oder Säure- und Basenzeigereigenschaften
generell nicht festmachen. Vertreter unterschiedlicher
Standortsansprüche profitieren von Kalkung bzw. von
Nichtkalkung. Maßgeblich verantwortlich sind ver-
besserte Mineralisierungsbedingungen nach Kalkung
(W
ecKesser & Kompa
2013).
schmidt
(2002) konnte bei einem Kalkungsvergleich in
Niedersachsen feststellen, dass Wiederholungskal-
kungen nicht zu einer Verstärkung von Veränderun-
gen in der Bodenvegetation führen, sondern vielmehr
die bereits nach der Erstkalkung herbeigeführten Ver-
änderungen vom Niveau her bestehen bleiben. Eine
ähnliche Entwicklung wurde auch anhand der 116
BZE-Punkte in Sachsen bestätigt (W
ecKesser & Kompa
2013).
Die nicht gekalkten Flächen werden durch keine einzi-
ge Art positiv gegenüber den gekalkten Flächen cha-
rakterisiert, während auf den gekalkten Flächen einige
Arten einen deutlichen Schwerpunkt aufweisen. Auf-
fällige Unterschiede zwischen den ein- bis zweimal
und den drei- und mehrfach gekalkten Flächen kön-
nen nicht belegt werden (W
ecKesser & Kompa
2013).
3.6.2
Was passiert innerhalb der Moosschicht?
Hinsichtlich der Artenzusammensetzung weist ein
großer Teil der ein- bis zweimal gekalkten Fläche kei-
ne Unterschiede zu den ungekalkten Flächen auf. Die
Unterschiede im Aufbau der Moosschicht bestehen
überwiegend in Häufigkeits- bzw. Deckungsgradun-
terschieden und weniger in einem tatsächlichen Ar-
tenwechsel (Abbildung I-42).
Arten wie
Brachythecium rutabulum (Gemeines
Kurzbüchsenmoos), B. velutinum (Samt-Kurzbüch-
senmoos) und Eurhynchium striatum (Spitzblätt-
riges Schönschnabelmoos) reagieren positiv auf
eine Kalkung und profitieren von der erhöhten
Nährstofffreisetzung. Keine dieser Arten fehlt je-
doch auf den nicht gekalkten Flächen völlig, weil es
sich um Ubiquisten handelt, die sich in den letzten
Jahrzehnten vor allem auch aufgrund der erhöhten
Stickstoffeinträge ausgebreitet haben (W
ecKesser &
Kompa
2013).
Abbildung I-42: Absolute Artenzahlen in der Moosschicht der von der Fichte ge-
prägten BZE-Punkte in Beziehung zur Anzahl der Kalkungen und zum Wasser-
haushalt; aus:
WecKesser & Kompa
(2013)

image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
41
3.7
Kalkung und Quellwasserchemie
(Level II)
Seit 1993 werden Dauerbeobachtungsflächen (Le-
vel II-Flächen) in repräsentativen Waldökosystemen
durch Sachsenforst betrieben. An vier der acht Mo-
nitoringflächen werden, neben dem Freiland- und
Bestandsniederschlag sowie der Bodenlösung, ins-
gesamt sieben Quellbäche in bewaldeten Einzugs-
gebieten beprobt und analysiert. Diese Erhebungen
ergänzen den sächsischen Teil des internationalen
Kooperativprogramms "Bewertung und Überwachung
der Wirkung von Luftverunreinigungen auf Flüsse und
Seen" (ICP Waters) im Rahmen der Genfer Luftrein-
haltekonvention der Wirtschaftskommission für Eu-
ropa der Vereinten Nationen (s. a. Kap. 2.4, vgl. Keitel
2013).Gerade Quellwässer eignen sich gut als sensiti-
ves Indikationssystem zur Beschreibung des ökoche-
mischen Zustandes von Waldeinzugsgebieten und des
Abbildung I-43: Zeitlicher Verlauf der pH-Werte in den sieben Quellen von vier sächsischen Level II-Flächen
Stoffhaushaltes von Waldökosystemen (B
eier-Kuhnlein
et al. 1999), weil die Veränderungen des terrestrischen
Ökosystems über das Bodensickerwasser zeitversetzt
einen direkten Einfluss auf die Grund- und Quellwas-
serchemie haben
(Bache
1980;
matschullat
et al. 1992).
Zur Bewertung von Kalkungsmaßnahmen auf die
Gewässerchemie ist eine Betrachtung des pH-Wer-
tes und der Nitratkonzentration notwendig. Ein ge-
wünschter positiver Effekt der Kalkung ist ein allmäh-
licher Anstieg des pH-Wertes in der Bodenlösung und
zeitversetzt auch in den Quellen der unmittelbaren
Umgebung. Gleichzeitig wird nach Kalkungen durch
die Anregung der biologischen Prozesse in Humus
und Mineralboden als negativer Effekt eine Erhöhung
der Nitratkonzentration befürchtet.
Nachfolgende Tabelle gibt Auskunft über die Kalkungs-
maßnahmen im Umfeld der jeweiligen Level II-Flächen.
Tabelle I-5: Zeitpunkt der Kalkung im unmittelbaren Einzugsgebiet der Level II-Flächen
Level II-Fläche
1. Kalkung
2. Kalkung
3. Kalkung
4. Kalkung
Klingenthal
1991
1996
2002
-
Olbernhau
1989
1996
2001
-
Cunnersdorf
-
-
-
-
Altenberg
1988
1994
2001
2011

image
42
I
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
Die pH-Werte der Quellwässer steigen bei allen vier
Stationen kontinuierlich an, zeigen aber eine unge-
richtete Reaktion auf die durchgeführten Kalkungen
im Einzugsgebiet. Zeitverzögert steigt der pH-Wert in
Olbernhau als Folge der Kalkung 1996 zwischen 1997
und 1998 deutlich an. Eine ähnliche Reaktion ist 2012
in Altenberg als Folge der Kalkung 2011 sichtbar. Im
Gegensatz dazu hatte die Kalkung 1996 in Klingenthal
keine Auswirkung auf den pH-Wert.
Im zeitlichen Verlauf ist auf allen vier Stationen ein
Rückgang der Nitratkonzentrationen (NO
3
) in den
Quellwässern erkennbar. Der stärkste Rückgang zwi-
schen den beiden Perioden 1995-1999 (hohe Immissi-
onsbelastung) und 2011-2015 (moderate Immissions-
belastung) zeigt sich in Cunnersdorf und Klingenthal.
Während die aktuellen NO
3
-Konzentrationen in Klin-
genthal, Cunnersdorf und Altenberg unter 3 mg/l lie-
gen, ist der Gehalt in Olbernhau mit 7,7 mg/l höher.
Anstiege der Nitratkonzentrationen infolge von Kal-
kungen sind bei allen drei gekalkten Stationen nicht
belegbar. Die Anstiege in den Jahren 2000 und 2004
in Klingenthal könnten ggf. als versetzte Reaktion
des Ökosystems auf die Kalkungen 1996 und 2002
interpretiert werden (Peaks bis 8 mg/l). Jedoch fallen
die NO
3
-Konzentrationen hier wieder schnell auf das
Ausgangsniveau zurück bzw. liegen darunter. Für die
Stationen Olbernhau und Altenberg konnten derarti-
ge Reaktionen nicht beobachtet werden (Abbildung
I-44).
Abbildung I-44: Zeitlicher Verlauf der Nitratkonzentrationen in den sieben Quellen von vier sächsischen Level II-Flächen
3.7.1
Was sagt die Literatur zur Nitratproblematik?
armBruster
et al. (2000) konnten nach einmaliger Aus-
bringung von 4 t Kalk pro ha im Einzugsgebiet des
Schluchsees nur geringe Auswirkungen auf die che-
mische Zusammensetzung der Gewässer finden. Ins-
besondere eine Erhöhung der Nitratkonzentration
konnte nicht festgestellt werden. Es wurde lediglich
ein Nitratanstieg im Sickerwasser des oberen Mine-
ralbodens in den ersten drei Jahren nach Kalkausbrin-
gung beobachtet (B
rahmer
1994;
armBruster & Feger
1998). Eine Reaktion des gesamten Einzugsgebietes
ist nicht erfolgt.
Weitere Untersuchungen von
armBruster
et al. (2004)
im Einzugsgebiet des Rotherdbachs (Osterzgebirge)
zeigten keine Effekte der Kalkung auf den Nitratge-
halt. Kurzzeitige Effekte auf pH-Wert, Al-, Ca- und
Mg-Konzentration waren nach 2,5 Jahren wieder
an die Ausgangswerte angeglichen. Langfristige Ef-
fekte wie eine Abnahme der Protonen-, Sulfat- und
Aluminiumkonzentrationen konnten vor allem den
Eintragsrückgängen mit der Deposition zugeordnet
werden, weil dieser Trend bereits vor der Kalkgabe
erkennbar war. Überwachungsdaten der Landes-
talsperrenverwaltung zeigen für bewaldete Trink-
wassereinzugsgebiete spätestens seit 1985 abneh-
mende Nitrat-Konzentrationen (Abbildung I-45 auf
nachfolgender Seite).

image
Ökologische Grundlagen, Geschichte und Perspektiven
I
43
Abbildung I-45: Jahresmittelwert der Nitratkonzentration (NO
3
) in ausgewählten sächsischen Trinkwassertalsperre mit überwiegend forstwirtschaftlicher
Nutzung im Einzugsgebiet (Quelle: Landestalsperrenverwaltung Sachsen, 2020)

44
I
Technischer Teil: Planung - Leistungsvergabe - Kalkausbringung
Technischer Teil:
Planung - Leistungsvergabe - Kalkausbringung
II
4
Organisatorische Rahmen-
bedingungen
Die forstliche Bodenschutzkalkung im Wald wird
durch den Staatsbetrieb Sachsenforst durchgeführt.
Strategische und haushaltsrechtliche Grundlagen für
die Durchführung der Bodenschutzkalkung sind:
Fachpolitische
Programme,
Förderprogramme
und
Förderrichtlinien
Verfahrensvorschriften des Fachministeriums zu
Maßnahmen der Waldkalkung im Freistaat
Sachsen
Bewilligungsbescheide zur Förderung der Boden-
schutzkalkung bzw. planmäßige Haushaltsmittel
zur Durchführung der Bodenschutzkalkung
Die
Forstbezirke
sind verantwortlich für die primäre
Flächenplanung, die administrative Vorbereitung und
Begleitung der Bodenschutzkalkung, die Kontrollen zur
Qualitätssicherung und die Prüfung der Rechnungen
zu den Kalkungsmaßnahmen. Dazu zählen insbeson-
dere die Kontrolle der ausgebrachten Mengen sowie
der Ausbringungs- und Kalkqualität über definierte Ar-
beitsnachweise und Probenahmen.
Das
Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirt-
schaft
(KWuF) erstellt Flächenverzeichnisse für die Kal-
kungsmaßnahmen auf Basis der Flächenplanungen der
Forstbezirke. Gemeinsam mit der
Vergabestelle
führt
es die Ausschreibung und die Vergabe der Leistungen
durch. Dem KWuF obliegt die Koordination der Quali-
tätssicherung bei der Durchführung der Bodenschutz-
kalkung. Bei vollständigem und beanstandungsfreiem
Vorliegen der zahlungsbegründenden Unterlagen er-
folgt durch das KWuF die Anordnung der Rechnungs-
beträge für die erbrachten Leistungen.
Der
Zeitplan
für Planung und Durchführung sowie die
grundsätzlichen Verantwortlichkeiten sind aus Anhang
9.1 ersichtlich. Weil die Bodenschutzkalkungen in Sach-
sen wegen der vorangehenden Brut- und Setzzeiten
und der im Herbst zunehmend ungünstiger werdenden
Witterungsverhältnisse in der Zeit von Anfang Juli bis
Ende Oktober durchgeführt werden, muss spätestens
im September des Jahres vor der Kalkungsmaßnahme
mit den Planungen begonnen werden.
5
Planung der Bodenschutzkalkung
5.1
Grundsätze zur Auswahl der
Kalkungsflächen
Voraussetzung für den Erfolg von Bodenschutzkal-
kungen und die Minimierung unerwünschter Ne-
benwirkungen ist eine sorgfältige Auswahl der Be-
handlungsflächen. Diese hat durch fachkompetente
Forstbedienstete mit sicheren Kenntnissen über die
Standorts- und Bestockungsverhältnisse sowie die
Naturausstattung des Planungsgebietes anhand der
nachfolgenden
Bewertungsgrundsätze zur Kal-
kungseignung
zu erfolgen.
Als Entscheidungsgrundlagen werden verwendet:
die Forstgrundkarte mit Informationen über voran-
gegangene Kalkungsmaßnahmen
die forstliche Standortskartierung
Ergebnisse des forstlichen Monitorings zum Ober-
bodenzustand
die Waldfunktionenkartierung
die Biotopkartierung
Bestandesinformationen aus dem Waldinforma-
tionssystem
naturschutzfachliche Planungen
Zur langfristigen Beweissicherung und für wissen-
schaftliche Untersuchungen sollten „Nullflächen“ in
der Größe von etwa ein bis drei Abteilungen mit ge-
bietstypischer Standortsausstattung dauerhaft von
Kalkungen ausgeschlossen werden.
Die ausgewählten Kalkungsflächen sind zu praktikab-
len Behandlungseinheiten zu arrondieren.
Die nachfolgenden textlichen Ausführungen werden
ergänzt durch das
Ablauf- und Entscheidungs-
schema zur Auswahl der Kalkungsflächen
in An-
hang 9.2 mit der flussschematischen Darstellung der
wesentlichen Planungsschritte.
5.1.1
Ausweisung der Kalkungskulisse
Anfang der 1990er Jahre lagen ca. zwei Drittel der
Waldfläche Sachsens in damals aufgrund großflächig
aufgetretener Waldschäden ausgeschiedenen Im-

image
Technischer Teil: Planung - Leistungsvergabe - Kalkausbringung
I
45
missionsschadzonen (vgl. Kapitel 2.3). Die pozentielle
Kalkungskulisse umfasst die Gebiete, in denen in der
Vergangenheit die größten Säurefrachten zur Deposi-
tion kamen und die bereits von ihrer Geologie relativ
basenarm sind - die Standortsregion Bergland sowie
Teile des Erzgebirgsvorlandes und der Ostlausitzer
Vorberge. Diese Kulisse reicht von den Kammlagen bis
zu dem Unteren Bergland bzw. dem Gebirgsvorland
im Hügelland (Abbildung II-1).
Abbildung II-1: Potenzielle Kalkungskulisse zur Kompensation von Basenverlusten durch Versauerung infolge extremer Sulfateinträge, abgleitet aus den
Wuchsgebieten und (Teil-)Wuchsbezirken
Im Kalkungsleitfaden (l
euBe
2000) wurde diese Kulisse durch die damals gültigen forstlichen Klimastufen Kf, Hf, Mf, Mm, Uff,
Uf und Uk umrissen. Aufgrund des bereits messbaren Klimawandels wurde diese (statische) Klimagliederung durch die aktuell
gültige Dynamische Forstliche Klimagliederung abgelöst. Wegen ihres klimadynamischen Ansatzes ist die Bindung der Kal-
kungskulisse an Einheiten der aktuellen Klimagliederung nicht sinnvoll. Deshalb wird die potenzielle Kalkungskulisse jetzt mit
Hilfe der relativ unveränderlichen Abgrenzungen der forstlichen Naturräume beschrieben.
Die potenzielle Kalkungskulisse beinhaltet folgende forstliche Naturräume:
• Wuchsgebiet 44
Vogtland
• Wuchsgebiet 45
Erzgebirge
• Wuchsgebiet 46
Elbsandsteingebirge
• Wuchsgebiet 47
Oberlausitzer Bergland
• Wuchsgebiet 48
Zittauer Gebirge
• Wuchsbezirk 2602
Westlausitzer Erzgebirgsbecken,
(nur der Teil des Lungwitzer Rotliegend-Mosaikbereiches)
• Wuchsbezirk 2603
Östliches Erzgebirgsbecken,
(ohne Mosaikbereich Chemnitzer Rotliegend-Becken)
• Wuchsbezirk 2604
Rabensteiner Schiefer-Höhenzug
• Wuchsbezirk 2605
Südliches Mulde-Löss-Hügelland
• Wuchsbezirk 2801
Nordwestlausitzer Löss-Hügelland
(nur der Teil der Luchsenburger Makroklimaform)
• Wuchsbezirk 2802
Westlausitzer Löss-Hügelland
• Wuchsbezirk 2803
Westlausitzer Vorberge
• Wuchsbezirk 2805
Ostlausitzer Vorberge
(ohne die Exklaven im Tiefland [Dubrauer Gesteins-Mosaikbereich, Kollmer
Gesteins-Mosaikbereich], ohne Görlitzer Makroklimaform)

46
I
Technischer Teil: Planung - Leistungsvergabe - Kalkausbringung
5.1.2
Bewertungsgrundsätze zur Kalkungseignung
A) Entscheidungskriterium Kalkungsdokumentation
Datenquelle:
Dokumentationen der vorangegan-
genen Kalkungen
Grundsatz:
Ausschluss aller Flächen mit kürzer als
zehn Jahre zurückliegenden Kalkungen
Nachdem die meisten Waldflächen mit stark versau-
erten Böden in der Kalkungskulisse bis 2006 in hö-
henstufenabhängigen Intervallen von fünf bis neun
Jahren bereits zwei- bis dreimal gekalkt worden sind,
war die Umkehr des Trends einer fortschreitenden
Versauerung der Waldböden erfolgreich eingeleitet.
Gleichzeitig waren insbesondere die Schwefelsäu-
reeinträge mit den Maßnahmen zur Luftreinhaltung
deutlich zurückgegangen. Zur Pufferung der verrin-
gerten atmosphärischen Säureeinträge genügte ein
längeres Wiederholungsintervall. Deshalb sollten ab
2007 auf bereits gekalkten Flächen erneute Boden-
schutzkalkungen frühestens zehn Jahre nach der
letzten Kalkung erfolgen.
B) Standortskundliche Entscheidungskriterien
Datenquelle:
Forstliche Standortskarte
B.1. Merkmal Standortsinformation
Grundsatz:
Ausschluss von Waldflächen ohne
Standortsinformationen
Um die Bodenschutzkalkung sachgerecht durchfüh-
ren zu können und um nachteilige Beeinflussungen
sensibler Standorte zu vermeiden, sind Standortsin-
formationen notwendig. Ohne Kenntnis der Stand-
ortsverhältnisse einer Waldfläche muss eine Kalkung
unterbleiben.
B.2. Merkmal Bodenfeuchtegruppe
Hydromorphe Standorte
Grundsatz:
Ausschluss von hydromorphen Stand-
orten
Organische und mineralische Nass-Standorte haben
bedeutsame wasserwirtschaftliche, ökologische und
naturschutzfachliche Funktionen in der Landschaft.
Eine Kalkung kann diese Funktionen nachteilig beein-
flussen.
Bachtälchen und aueartige Überflutungsstandorte
sind nicht kalkungsbedürftig.
Die wechselfeuchten Standorte (mit stärker ausge-
prägtem Wechsel von Nass- und Trockenphasen) sind
durch die Ungunst der bodenphysikalischen Faktoren
dominiert. Eine Bodenschutzkalkung bewirkt keine
Abhilfe.
Auf den vorstehend aufgeführten Standorten sind
durch lateralen Wasserzug bzw. mögliche Abschwem-
mungen keine flächenscharfen Kalkwirkungen zu er-
warten, jedoch können angrenzende Flächen nachtei-
lig beeinflusst werden.
O
Organische Nass-Standorte
ausschließen
N
Mineralische Nass-Standorte
ausschließen
B
Bachtälchen-Standorte
ausschließen
Ü
Auenartige Überflutungsstandorte
ausschließen
W1
Wechselfeuchte Standorte
ausschließen
W2/W3
Wechselfrische bzw.
wechseltrockene Standorte
... mit Fichtenbeständen (Wurfgefahr!)
ausschließen
... mit Laubholz-, Lärchen- und Kiefernbestockungen
können einbezogen werden, wenn Bestand und Mik-
rorelief für eine Kalkung sprechen.
Anhydromorphe Standorte
Grundsatz:
Ausschluss von stark exponierten oder
stark geneigten Standorten
Auf schluchtwaldähnlichen Standorten (Schluchten,
schluchtähnliche Gräben, Rinnen) und auf Steilhän-
gen sind durch lateralen Wasserzug und Abschwem-
mungen bei stärkeren Niederschlägen keine flächen-
scharfen Kalkwirkungen zu erwarten, jedoch können
angrenzende Flächen nachteilig beeinflusst werden.
Für die spezifischen Standortsverhältnisse von expo-
nierten Trockenstandorten bewirken Bodenschutzkal-
kungen keine positiven Effekte. Auch hier würden Ab-
schwemmungen ggf. angrenzende Flächen nachteilig
beeinträchtigen.
F
Schluchtwaldähnliche Standorte
ausschließen
S
Steilhang-Komplexstandorte
ausschließen
X
Schutzwaldartige, trockene Standorte
ausschließen

Technischer Teil: Planung - Leistungsvergabe - Kalkausbringung
I
47
Zielwerte zu prüfen. Sind die Zielwerte erreicht, soll
keine Kalkung erfolgen, um eine Aufbesserung der
Standorte über das natürliche Potenzial hinaus zu
vermeiden.
pH (H2O)
4,2
ausschließen
pH (KCl)
3,8
ausschließen
BS
15 %
ausschließen
Arme Standorte (Podsole):
pH (H2O)
3,8
ausschließen
pH (KCl)
3,3
ausschließen
BS
10 %
ausschließen
C.2. Auflagehumus
Grundsatz:
Wenn Analysedaten bzw. repräsentative
Regionalisierungen der C/N- und C/P-Verhältnisse im
Auflagehumus vorliegen, ist die Kalkungswürdigkeit
anhand der Zielwerte zu prüfen. Sind die Zielwerte
erreicht, soll keine Kalkung erfolgen, um eine Aufbes-
serung der Standorte über das natürliche Potenzial
hinaus zu vermeiden.
Beide Quotienten geben Aufschluss über den Hu-
muszustand. Enge Verhältnisse weisen auf eine gute
Bodenfruchtbarkeit und intensive mikrobielle Umset-
zungsprozesse hin.
C/N-Verhältnis
20
ausschließen
C/P-Verhältnis
250
ausschließen
C.3. Morphologische Humusform
Grundsatz:
Bei Vorliegen von Kartierungen bzw. re-
präsentativen Regionalisierungen der morphologi-
schen Humusform sind Waldflächen mit Mull oder
mullartigen Humusformen von der Kalkung auszu-
schließen, um eine Aufbesserung der Standorte über
das natürliche Potenzial hinaus zu vermeiden.
Es gilt:
Je biologisch inaktiver die Humusform, desto
größer die Kalkungswürdigkeit (Rohhumus > rohhu-
musartiger Moder > Moder).
Standorte mit der Humusform Moderhumus und
gleichzeitigem Vorkommen von Stickstoffzeigern
(Springkraut, Brennnessel, Holunder etc.) sind von der
Bodenschutzkalkung auszuschließen.
Mull
ausschließen
Mullartiger Moder
ausschließen
B.3. Merkmal Hangneigung
Grundsatz:
Ausschluss von Steilhanglagen
Auf Steilhang-Standorten (Neigung >25°) sind durch
Abschwemmungen bei stärkeren Niederschlägen kei-
ne flächenscharfen Kalkwirkungen zu erwarten, je-
doch können angrenzende Flächen nachteilig beein-
flusst werden.
H
Steilhang-Standorte*
ausschließen
*) Standorte mit normaler Bodenbildung, sonst als Steilhangkomplex kartiert
Die auszuschließenden Bereiche mit Steilhang-Stand-
orten können auch mittels eines Digitalen Gelände-
modells (DGM) identifiziert und abgegrenzt werden.
B.4. Merkmal Nährkraftstufe
Kräftige bzw. reiche Standorte
Grundsatz:
Ausschluss von Standorten mit kräftiger
oder reicher Stammnährkraft
K
Standorte mit Nährkraftstufe kräftig
ausschließen
R
Standorte mit Nährkraftstufe reich
ausschließen
Ausnahmsweise können kräftige oder reiche Stand-
orte in die Kalkung einbezogen werden, wenn für die
oberen 30 cm des Mineralbodens Basensättigungen
<15 % festgestellt wurden.
Arme Standorte
Grundsatz:
Ausschluss von Standorten mit armer
Stammnährkraft, die mit trophisch an-
spruchslosen Zielbaumarten bestockt sind.
A
Standorte mit Nährkraftstufe arm
... mit Kiefernbeständen
ausschließen
C) Entscheidungskriterium Standortszustand
Datenquelle:
Analysen/Erhebungen und deren Regio-
nalisierungen von Standortszustandsei-
genschaften (soweit vorhanden)
C.1. Mineralboden (0-30 cm Tiefe)
Grundsatz:
Wenn Analysedaten bzw. repräsentative
Regionalisierungen der pH-Werte und Basensättigung
(BS) vorliegen, ist die Kalkungswürdigkeit anhand der

48
I
Technischer Teil: Planung - Leistungsvergabe - Kalkausbringung
E) Entscheidungskriterium Bestockung
Datenquelle:
Waldinformationssystem (WIS),
Fernerkundungsauswertungen,
örtliche Sachkenntnis
E.1. Merkmal Baumart
Grundsatz:
Ausschluss von Edellaubholzbeständen
Kalkungseignung:
Nadelholz (Fichte, Lärche, Kiefer, Sonstige)
vor
Laubholz (Rotbuche, Eiche, Birke, Aspe, Salweide, Eberesche)
Nadelhölzer
rangieren wegen des höheren Auskämm-
effektes ihres Kronendaches, ihrer schwer abbaubaren
Streu (und insbesondere bei Fichten des zersetzungs-
hemmenden Bestandesinnenklimas) in der Kalkungs-
bedürftigkeit vor Laubhölzern.
Laubhölzer
profitieren wegen ihres höheren Nähr-
stoffbedarfs (die Weichlaubholzarten Salweide, Aspe,
Birke aufgrund des außerordentlichen Calcium- und
Magnesium-Aufnahmevermögens) in besonderem
Maße von Kalkungen. Mit ihrer erd-alkali- und ei-
weißreichen, leicht zersetzlichen Streu (Stickstoff,
Phosphor) fördern sie die Bildung günstiger Humus-
formen und geschlossener Stoffkreisläufe. Deshalb
sollte durch eine gezielte waldbauliche Förderung der
Pionierbaumarten die Kalkung biologisch stabilisiert
werden! In die Kalkungen einzubeziehen sind Rein-
und Mischbestände der o. g. Baumarten ohne und mit
Unter-/Voranbauten bzw. Naturverjüngungen.
Unter Edellaubholzbeständen sind zumeist günstige,
biologisch aktive Humusformen vorherrschend, wes-
halb sie keiner Kalkung bedürfen. In Ausnahmefällen
können Bestände, die von Hainbuche, Linde, Ahorn
oder Ulme dominiert werden, in die Kalkung mit ein-
bezogen werden, wenn dort Moder oder schlechtere
Humusformen ausgebildet sind.
E.2. Merkmal Kronenschlussgrad
Grundsatz:
Ausschluss von einschichtigen Bestän-
den mit Kronenschlussgrad
0,6
Auf Freiflächen können Kalkungen durch sehr rasche
Umsetzung verstärkten Humusabbau mit Freisetzung
und Auswaschung von Nitrat bewirken. Freiflächen
und Bestände, die innerhalb der kommenden zwei
Jahre zum flächigen Abtrieb vorgesehen sind sowie
auch einschichtige Bestände mit einem derzeitigen
oder zu erwartenden Kronenschlussgrad (KSG)
0,6
sind nicht zu kalken.
Andererseits sind Bestände mit einem KSG
0,6 und
gleichzeitigen Unter-/Voranbauten bzw. Naturver-
jüngungen, die die zugeführten und mineralisierten
Nährstoffe zu nutzen vermögen, mit in die Kalkung
einzubeziehen.
E.3. Merkmal Wuchsklasse
Grundsatz:
Ausschluss von Kulturen auf Freiflächen
Kulturen auf Freiflächen sind wegen verstärkter Mine-
ralisation und der Gefahr von Nitratauswaschungen
von Bodenschutzkalkungen auszuschließen.
Jungwüchse und Stangenhölzer sind dagegen wegen
ihres hohen internen Versauerungsdruckes bevorzugt
einzubeziehen.
F) Entscheidungskriterium Waldfunktionen
Datenquelle:
Waldfunktionenkarte,wasserwirtschaft-
liche bzw. naturschutzfachliche Kar-
ten bzw. GIS-Daten
F.1.
Waldfunktionen, die generellen Kalkungsausschluss
erfordern
Grundsatz:
Ausschluss von Flächen, die aufgrund
ihres rechtlichen Status, ihrer Schutzfunktion, ihrer
funktionellen Bestimmung oder wegen ihrer ökologi-
schen Sensibilität nicht gekalkt werden dürfen.
D) Entscheidungskriterium Nullflächen
Datenquelle:
Layer „Nullflächen“ im FGIS
Grundsatz:
Ausschluss aller als Nullflächen gekenn-
zeichneten Areale
Zur langfristigen Beweissicherung und für wissen-
schaftliche Untersuchungen werden „Nullflächen“ in
der Größe von etwa ein bis drei Abteilungen mit ge-
bietstypischer Standortsausstattung dauerhaft von
Kalkungen ausgeschlossen. Ihre Auswahl erfolgt durch
das Referat Standortserkundung, Bodenmonitoring,
Labor am Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirt-
schaft.

Technischer Teil: Planung - Leistungsvergabe - Kalkausbringung
I
49
So sind generell auszuschließen:
Flächen im
Nationalpark
Flächen in der
Biosphärenreservats-Kernzone
(Zone I)
Flächen der
Schutzzone I in Wasserschutzge-
bieten
Flächen der
Schutzzone I in Heilquellenschutz-
gebieten
Flächen in
Überschwemmungsgebieten
Naturwaldzellen
Kalkungsempfindliche FFH-Lebensraumtypen
(FFH-LRT) [laut Referenzliste kalkungsempfindlicher
FFH-LRT des Referates Naturschutz im Wald]
Kalkungsempfindliche Biotoptypen
[laut Referenzliste kalkungsempfindlicher Biotope des
Referates Naturschutz im Wald]
F.2. Zulässigkeitsprüfung
Grundsatz:
Ausschluss von Flächen, wenn die objek-
tive Besorgnis besteht, dass Kalkungen nicht mit den
Waldfunktionen bzw. Schutzzielen vereinbar sind
Waldflächen mit den unten aufgezählten Funktio-
nen unterliegen einem konkreten Rechtsschutz oder
Forschungsziel. Ihre Einbeziehung in Kalkungen ist
anhand vorhandener Rechtsnormen, Pflege- und Ent-
wicklungspläne, Satzungen und Forschungskonzepti-
onen sowie auf Basis der Orts- und Fachkenntnisse der
Kalkungsverantwortlichen und Revierleiter zu prüfen.
Es ist so zu entscheiden, dass eine Gefährdung der
Schutzziele/Waldfunktionen durch die Durchführung
der Kalkung einerseits, aber auch durch deren Unter-
lassung andererseits, sicher ausgeschlossen wird.
Zu beachtende Waldfunktionen/Schutzkategorien:
Wasserschutzgebiet
Heilquellenschutzgebiet
Wasserschutzwald
Wald mit besonderer Wasserschutzfunktion
FFH-Gebiet
Vogelschutzgebiet (SPA)
Naturschutzgebiet
Naturdenkmal
Schutzwald im Schutzgebiet
Wildschutzgebiet
geschütztes Biotop
Wald mit besonderer Biotopschutzfunktion
Wald für Forschung und Lehre
Landschaftsschutzgebiet
Biosphärenreservat
5.1.3
Abstimmung mit Wasser- und Natur-
schutzbehörden
Die zur Kalkung ausgewählten Flächen sind mit den
örtlich zuständigen Wasser- und Naturschutzbehör-
den abzustimmen.
Sich aus der Abstimmung ergebende notwendige Än-
derungen sind in die Kalkungsplanung einzuarbeiten.
5.1.4
Berücksichtigung der Waldbesitzer-
interessen
Die langfristige Minderung der Bodenversauerung in
den Wäldern durch Bodenschutzkalkungen zur Stabi-
lisierung der Waldökosysteme dient der Erhaltung des
Waldes aus Gründen der Daseinsvorsorge und des All-
gemeinwohls. Deshalb sind Bodenschutzkalkungen als
förderfähige Maßnahme in Förderprogrammen der EU,
des Bundes oder auf Landesebene ausgewiesen wor-
den.
Werden durch die Förderung 100 % der Kosten der Kal-
kung für Waldflächen, die nicht im Eigentum des Frei-
staates Sachsen stehen, abgedeckt, so ist Sachsenforst
gehalten, die Kalkungsplanung von Beginn an für alle
durch das Förderprogramm begünstigten Waldeigen-
tumsarten durchzuführen. Bei den zur Kalkung ausge-
wählten Waldflächen, die sich nicht im Eigentum des
Freistaates Sachsen befinden, ist deren Eigentümern
die Möglichkeit einzuräumen, innerhalb einer ange-
messenen Frist zu erklären, dass ihre Flächen nicht ge-
kalkt werden sollen. Die Information der betroffenen
Waldbesitzer kann durch ortsübliche, öffentliche Be-
kanntmachungen oder in anderer geeigneter Weise er-
folgen. Erklärt ein Waldbesitzer, dass seine Waldflächen
nicht gekalkt werden sollen, sind diese aus der Planung
herauszunehmen.
In Fällen, in denen die geplanten Kalkungsmaßnahmen
mit Kosten für die Waldbesitzer verbunden sein wer-
den, ist der Eigentümerwille bereits zu Beginn der Pla-
nungen zu berücksichtigen.

50
I
Technischer Teil: Planung - Leistungsvergabe - Kalkausbringung
5.2
Abgrenzung und Arrondierung der
Kalkungsflächen
Die Auswahl der zu kalkenden Waldflächen erfolgt
durch die Forstbezirke ab September des Jahres, das
der Kalkungsmaßnahme vorausgeht. Sie geschieht
in enger Abstimmung mit dem zuständigen Referat
am KWuF entsprechend der Vorgaben des Leitfadens
Forstliche Bodenschutzkalkung in Sachsen.
Im Fokus stehen die für das entsprechende Jahr vor-
gesehenen Planungsgebiete, die sogenannten Kal-
kungsdistrikte. Kalkungsdistrikte sind verbindliche
jahresweise Kulissen der Planungen und Maßnah-
mendurchführung. Diese konkreten Gebiete wurden
2013/14 unter Beachtung bisheriger Kalkungen zwi-
schen den Forstbezirken und dem KWuF abgestimmt
und festgelegt. Sie sind die Grundlage für mittelfris-
tige sachsenweite Grobplanungen. Gleichzeitig haben
die Forstbezirke, Forstbetriebe, Waldbesitzer sowie die
Verantwortlichen für den Tourismus und andere evtl.
indirekt Betroffene langfristig Kenntnis zu Jahr und
Gebiet von Bodenschutzkalkungen und können sich
so frühzeitig darauf einstellen.
Die Kalkungsplanung erfolgt digital mit dem Kal-
kungsplanungsmodul in FGIS_online. Hier stehen alle
für die Flächenauswahl notwendigen Informationen
aus dem Forstlichen Geografischen Informationssys-
tem (FGIS), dem Waldinformationssystem einschließ-
lich der aktuellen forstlichen Standortskarte und auf-
bereitete Daten des forstlichen Umweltmonitorings
zur Verfügung. Das web-basierte Planungsmodul er-
möglicht es allen Beteiligten, in Echtzeit entsprechend
ihrer Nutzerrechte auf die aktuellen Planungsstände
zuzugreifen und miteinander zu kommunizieren.
Die Abarbeitung der Planungsschritte im Kalkungspla-
nungsmodul ist mit Statuswechseln im Workflow ver-
bunden (Anhang 9.3). Das koordinierende KWuF prüft
die Planungsstände und Arbeitsergebnisse stichpro-
benartig und kann über die Freigabe bestimmter Sta-
tus auf die Einhaltung der Bewertungsgrundsätze zur
Kalkungseignung hinwirken.
Flächen, die nach dem „Leitfaden Forstliche Boden-
schutzkalkung in Sachsen“ generell von der Kalkung
auszuschließen sind, werden durch das Planungs-
modul entsprechend der Vorgaben aus Kapitel 5.1.2
bereits als „automatische Ausschlussflächen“ vorpro-
zessiert.
Dies betrifft alle Flächen,
deren letzte Kalkung kürzer als 10 Jahre zurückliegt,
die kein Holzboden bzw. nicht Wald sind,
zu denen keine Standortsinformationen vorliegen,
mit den Bodenfeuchtegruppen bzw. -stufen O, N,
B, Ü, W1, F, S, X,
mit dem Merkmal „Steilhanglage“ (H) in der forst-
lichen Standortskarte bzw. durch digitale Gelände-
modelle ausgegrenzte Steilhänge,
mit kräftiger oder reicher Nährkraftstufe,
mit durch Regionalisierungen des forstlichen
Monitorings ausgewiesenen günstigen Oberboden-
zuständen (siehe 5.1.2 C),
die als Nullflächen festgelegt wurden,
in Wasserschutz- bzw. Heilquellenschutzgebieten
der Zone I und in Überschwemmungsgebieten,
in Naturwaldzellen,
mit
kalkungsempfindlichen
FFH-Lebensraum
bzw.
Biotoptypen (laut Referenzliste des Referates Na-
turschutz im Wald)
sowie Kleinstflächen (Waldflächen mit technologisch
oder wirtschaftlich ungeeigneten Zuschnitten) und
Flächen, die aus sonstigen wichtigen Gründen dauer-
haft von einer Kalkung ausgeschlossen werden sollen.
Die hochsensiblen Standorte (Bodenfeuchtegruppe O,
N, B, Ü, F, S, X), die Nullflächen, Wasserschutzgebiete
und Naturwaldzellen erhalten während der Berech-
nung der automatischen Ausschlussflächen einen
Puffer von 40 m. Die W1-Standorte, Steilhanglagen
(H), kräftige und reiche Standorte, Biotope und Le-
bensraumtypen sind mit 25 m sowie Überschwem-
mungsgebiete mit 20 m gepuffert.
Im Fortgang der Planung steht die Prüfung der Kal-
kungseignung der nicht automatisch ausgeschlosse-
nen Waldflächen im Mittelpunkt. Dazu werden die ent-
sprechenden Waldflächen durch die Bearbeiter in den
Forstbezirken anhand der Kriterien der Bewertungs-
grundsätze zur Kalkungseignung (siehe Kapitel 5.1.2),
die nicht bereits zu einem automatischen Ausschluss
geführt haben, bewertet. Diese Kriterien stehen dem
Bearbeiter als visualisierbare Themen im Planungs-
modul zur Verfügung. Im Zuge der Prüfung werden
weitere Ausschlussflächen durch die Kalkungsverant-
wortlichen editiert. Hier fließen die vor Ort vorhande-
nen, vertieften Kenntnisse zu Bestockungsverhältnis-
sen, Naturschutzobjekten, Wasserschutzgebieten u. a.

Technischer Teil: Planung - Leistungsvergabe - Kalkausbringung
I
51
ein. Außerdem sind Ausschlussflächen als Puffer um
Straßen, Eisenbahnlinien, Stromtrassen, Wohngebiete
und andere Objekte zu editieren.
Im Ergebnis der Editierung sind alle nicht ausge-
schlossenen Waldflächen des Kalkungsdistrikts die
Kalkungsflächen der aktuellen Planung.
Am Ende steht die Arrondierung der vorliegenden Kal-
kungskulisse. Hier sind vor allem ungünstig zu beflie-
gende, schmale oder spitz zulaufende Flächenformen
von der Kalkung auszunehmen. Die Kalkung isoliert
liegender, kleinerer Flächen ist wegen der deutlich
weiteren Flugstrecken unwirtschaftlich. Deshalb soll-
te aus wirtschaftlichen Gründen die Flächensumme
relativ zusammenhängender, benachbarter Kalkungs-
flächen nicht kleiner als 15 Hektar sein, sodass die
Kalkmenge von wenigstens zwei Lastzügen von einem
nahe gelegenen Kalkumschlagplatz rationell ausge-
bracht werden kann.
Nachdem der Kalkungsverantwortliche die Prüfung
der Kalkungseignung für den Kalkungsdistrikt abge-
schlossen hat, erfolgt eine Zuleitung des Arbeitsstan-
des an die zuständigen unteren Naturschutz- und
Wasserbehörden, um die Planung mit diesen abzu-
stimmen. Außerdem werden die nichtstaatlichen
Waldbesitzer zu den geplanten Kalkungen ihrer Wald-
flächen über ortsübliche öffentliche Bekanntmachun-
gen beteiligt und können der Kalkung ihres Waldes
widersprechen. Den Naturschutz- und Wasserbehör-
den und den Waldbesitzern ist eine ausreichende Frist
zur Rückäußerung einzuräumen. Die sich aus den Ab-
stimmungen mit den beteiligten Fachbehörden und
Waldbesitzern ergebenden Änderungen werden in die
Planungsdaten eingearbeitet.
Die Ausschlussflächen enthalten somit vier Kategori-
en:
a)
Flächen, die aufgrund der Bewertungsgrund-
sätze zur Kalkungseignung oder weiterer wichtiger
Aspekte nicht zu kalken sind;
b)
Pufferbereiche, die
bewirken sollen, dass über eventuelle Verdriftungen
kein Kalk auf vorgenannte Flächen gelangt;
c)
Flä-
chen, deren Eigentümer eine Kalkung ablehnen und
d)
Bereiche, die im Zuge der Arrondierungen ausge-
schlossen wurden.
Am Beginn des Kalkungsjahres soll für die jeweils zu
bearbeitenden Kalkungsdistrikte eine fachlich ein-
wandfreie und aus wirtschaftlich-technologischer
Sicht sinnvolle Kalkungsplanung vorliegen. Im KWuF
werden diese im Zuge der Feinplanung mit den Abtei-
lungen und Waldeigentumsformen verschnitten und
Flächengrößen sowie Kalkaufwandsmengen berech-
net und Lose für das Vergabeverfahren gebildet (An-
hang 9.4). Diese digitalen Kalkungsprojekte sind die
Grundlage für das folgende Vergabeverfahren und die
eigentliche Kalkausbringung.

52
I
Leistungsbeschreibung und Vergabe
6 Leistungsbeschreibung und Vergabe
6.1
Einzusetzende Kalke
Zum Einsatz kommen kohlensaure Magnesiumkalke
(aufgemahlene Lagerstättenkalke) mit nachstehen-
den speziellen Anforderungen. Kohlensaure Kalke mit
Zusätzen von Magnesit und/oder Holzasche,
Brannt-
und Löschkalke
sowie andere Materialien mit Antei-
len von oxidisch und hydroxidisch gebundenem Calci-
um und Magnesium
dürfen nicht eingesetzt werden
.
6.1.1
Mindestgehalte an basisch wirksamen
Bestandteilen
Die eingesetzten Kalke müssen folgende Mindestge-
halte an basisch wirksamen Bestandteilen aufweisen:
Angebote mit Kalken, die diese Mindestgehalte un-
terschreiten, werden bei der Zuschlagserteilung nicht
berücksichtigt.
6.1.2
Aufmahlung und Feuchte der Kalke
Die Aufmahlung des Kalkes hat Einfluss auf die Tie-
fenwirkung und die zeitliche Umsetzung. Je feiner die
Kalke aufgemahlen sind, umso rascher und tief rei-
chender wirken sie. Sie sind dann allerdings wegen
ihres hohen Staubanteiles oft schwierig flächengenau
zu applizieren, können Insekten schädigen und sind
nur kurzfristig, aber intensiver wirksam. Eine abge-
stufte Mischung aus Feinstkorn und gröberen Korn-
größen vermeidet diese technologischen sowie öko-
logischen Nachteile und ist zugleich ein Kompromiss
hinsichtlich der erwünschten Kombination aus sofort
einsetzender und gleichzeitig möglichst lang anhal-
tender, moderater Wirkung.
Granulatkalke sind trotz sehr feiner Primärkorn-
Aufmahlung genau und staubarm auszubringen. Sie
müssen transportstabil sein, aber bei Feuchtigkeits-
einfluss zerfallen. Sie sind wie gemahlene Kalke ein-
setzbar, wegen des deutlich höheren Preises und dem
erforderlichen Witterungsschutz bis zum Ausbring-
gerät bei der forstlichen Bodenschutzkalkung aber in
Sachsen bisher nicht zur Anwendung gekommen.
Der Feuchtegehalt des Kalkes beeinflusst die Staub-
entwicklung und das Ausfließen aus den Ausstreube-
hältern.
Die eingesetzten Lagerstätten-Kalke müssen in ihrer
Aufmahlung und in ihrem Feuchtegehalt nachstehen-
de Mindestforderungen erfüllen:
Übersteigt der Siebdurchgang in der Korngrößenstufe
0,09 mm den Anteil von 40 Masse-%, muss der Feuch-
tegehalt mindestens 6 % betragen.
Der Anteil des Siebdurchganges in der Korngrößenstufe
0,09 mm darf 50 Masse-% nicht übersteigen.
3,15 mm
2,0 mm
1,0 mm
0,09 mm
Feuchte
Mindest-Siebdurchgang [Masse-%]
[Masse-%]
97
90
70
33
3 - 8
Tabelle: II-1: Mindestaufmahlung und Feuchtegehalte der eingesetzten Kalke
Mindest-
CaCO
³
&
MgCO
³
MgCO
³
Nährstoffgehalte
[Masse-%]
80
25

Leistungsbeschreibung und Vergabe
I
53
schlag und Streu) nicht zur „Besorgnis“ einer schädli-
chen Bodenveränderung führen (Anhang 9.5).
6.2
Anforderungen im Vergabeverfahren
6.2.1
Allgemeine fachliche Kriterien im
Vergabeverfahren
Der Anbieter muss die einzusetzenden Kalke im An-
gebot deklarieren. Er hat die von ihm angewandten
Verfahren zum Kalkumschlag und zur Kalkausbrin-
gung inklusive der eingesetzten Geräte zu beschrei-
ben. Setzt er für diese Arbeiten einen Unterauftrag-
nehmer ein, ist dieser zu benennen. Die Angaben in
Anhang 9.6 sind zwingend. Sie werden durch weitere
Angaben in der Eigenerklärung (z. B. Referenzen, Ver-
sicherungsnachweise, luftverkehrsrechtliche Geneh-
migungen) ergänzt.
6.2.2
Deklaration der Kalke/Analysenattest
Der Anbieter muss die einzusetzenden Kalke im Ange-
bot deklarieren nach ihrer Herkunft (Kalkwerk), ihren
CaCO
3
- und MgCO
3
-Gehalten (gestaffelt mindestens
nach 5%-Stufen, höchstens nach 1%-Stufen), ihrem
Kornspektrum sowie ihrer Reaktivität. Zudem muss
der Anbieter die Einhaltung der maximalen Schwer-
metall-Grenzwerte (siehe Kapitel 6.1.4) garantieren.
Angebote mit Kalken, die nicht den geforderten Ei-
genschaften entsprechen, werden bei der Zuschlags-
erteilung nicht berücksichtigt.
Die Qualität der angebotenen Kalke ist im Angebot durch
ein Analysenattest (nicht älter als 12 Monate) von einem
anerkannten, unabhängigen Labor nachzuweisen (s. Tab.
II-3). Die fachliche Kompetenz des Prüflabors ist durch
Beifügen der Akkreditierungsurkunde nach DIN EN ISO/
ISC 17025 zu belegen.
Element
As
Cd
Cr-total
Hg
Ni
Pb
Tl
Cu
Zn
Richtwert
20
1
150
0,5
10
125
1
35
200
[mg/kg Trockenmasse]
6.1.3
Reaktivität der Kalke
Die Reaktivität von kohlensauren Kalken ist ein kon-
ventionelles Maß für ihre Umsetzungsgeschwindig-
keit. In Verbindung mit der abgestuften Aufmahlung
beeinflusst sie die Kombination aus sofort einsetzen-
der und gleichzeitig möglichst lang anhaltender, mo-
derater Kalkwirkung. Die Magnesiumverfügbarkeit im
Wurzelraum ist für die Stabilität der Waldökosyste-
me von hoher Bedeutung. Grundsätzlich müsste bei
geringerem
MgCO
3
-Anteil die Reaktivität höher sein
(beispielsweise wäre bei Kalk mit < 25 % MgCO3 eine
Reaktivität von 30 % zu verlangen).
Für die in Sachsen ausgeschriebenen Kalke mit
25 % MgCO3 wird eine Mindestreaktivität von
10 % gefordert.
Angebote mit Kalken, die diese Mindestreaktivität un-
terschreiten, werden bei der Zuschlagserteilung nicht
berücksichtigt.
6.1.4
Schwermetallgehalte der Kalke
Bodenschutzkalkungen mindern die Azidität in Hu-
mus und Boden und damit die Gefahr, dass die in den
Humusauflagen akkumulierten Schwermetalle mobi-
lisiert und über das Sickerwasser in die Hydrosphäre
eingetragen werden. Andererseits enthalten auch Kal-
ke Schwermetalle in unterschiedlichen Konzentratio-
nen. Die eingesetzten Kalke sollen möglichst arm an
Schwermetallen sein und dürfen die nachgenannten
Richtwerte [mg Element pro kg Trockenmasse] ma-
ximal um 20 % (analytischer Toleranzbereich) über-
schreiten. (Tab. II-2).
Angebote mit Kalken, die diese Richtwerte bereits in
der Deklaration (Analysezertifikat) überschreiten, wer-
den bei der Zuschlagserteilung nicht berücksichtigt.
Damit wird im Sinne eines vorbeugenden Boden-
schutzes sichergestellt, dass die durchschnittlichen
jährlichen Elementeinträge aus gezielter Kalkung und
forstlich nicht beeinflussbarer Deposition (Nieder-
Tabelle II-2: Richtwerte maximal zulässiger Schwermetallgehalte für eingesetzte Kalke

54
I
Leistungsbeschreibung und Vergabe
Das Analysenattest muss folgende Angaben enthalten:
Angebote ohne ein solches, vollständiges und aktuel-
les Analysenzertifikat werden bei der Zuschlagsertei-
lung nicht berücksichtigt.
6.2.3
Angebote mit mehreren Kalken für ein Los
Der Bewerber kann bei begrenzter Lieferkapazität ei-
nes Kalkwerkes mehrere, qualitativ vergleichbare Kal-
ke wahlweise zum Einsatz anbieten. Die Entscheidung
Parameter
Hinweise
Aktuelle Methode nach*
Wassergehalt
gravimetrisch bestimmt
VDLUFA Methodenbuch
nach Trocknung bei 115° C
DIN ISO
Siebdurchgang nach
Siebweiten:
VDLUFA Methodenbuch
dem Nassverfahren
3,15 mm; 2,0 mm;
1,0 mm; 0,09 mm
Reaktivität
Methode nach
sauerBecK
&
tietz
VDLUFA Methodenbuch
basisch wirksame
Neutralisation des Säureüber-
VDLUFA Methodenbuch
Bestandteile
schusses
Gesamtgehalt
Berechnet als CaCO
3
und MgCO
3
,
VDLUFA Methodenbuch
an Ca und Mg
Aufschluss:
VDLUFA Methoden-
buch II.1 2004 6.1.1*
Gesamtgehalt an As
Aufschluss:
DIN EN 13346 2001-4*
DIN EN
DIN ISO
Gesamtgehalt an
Aufschluss:
DIN EN 13346 2001-4*
DIN EN
Cd, Cr-total, Ni, Pb, Cu, Zn
Gesamtgehalt an Hg
Aufschluss:
DIN EN 13346 2001-4*
DIN EN ISO
Gesamtgehalt an Tl
Aufschluss:
DIN EN 13346 2001-4*
DIN
VDLUFA Methodenbuch
*) Die jeweils gültige aktuelle Methodenvorschrift wird fortlaufend mit dem zuständigen Labor bei der Staatlichen Betriebs-
gesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) abgestimmt und in die Vergabeunterlagen übernommen.
Tabelle II-3: Deklaration der eingesetzten Kalke durch Analyseattest
Laboranschrift
mit Geschäftsführer oder Labor-
leiter
Methoden
, die dem Analysenergebnis zu Grunde
liegen
darüber bleibt dem Auftraggeber vorbehalten und
wird vertraglich vereinbart.
Die wahlweise angebotenen Kalke sollen sich in ihrem
MgCO
3
-Gehalt nicht um mehr als 1 Masse-% (abso-
lut) unterscheiden. Ihre preisliche Bewertung erfolgt
dann einheitlich anhand des Kalkes mit dem niedrigs-
ten Gehalt (Masse-%) an basenwirksamen Bestand-
teilen (bwB) auf der Basis von CaCO
3
(Berechnung:
Kapitel 6.2.7).
Werden wahlweise Kalke angeboten, die sich in ih-
rem MgCO
3
-Gehalt um mehr als 1 Masse-% (abso-
lut) unterscheiden, hat der Bewerber seinem Angebot
(Sonderblatt) eine vergleichende Preis-Bilanzrech-
nung beizulegen, aus der für die angebotenen Kalke
zweifelsfrei die Preise in
€/t
% bwB auf der Basis von
CaCO
3
hervorgehen.

Leistungsbeschreibung und Vergabe
I
55
Wird nur ein Kalk angeboten, so ist er zwingend ein-
zusetzen. Ein Wechsel des Kalkes bedarf dann der vor-
herigen schriftlichen Zustimmung des Auftraggebers,
dem eine vergleichende Preis-Bilanzrechnung recht-
zeitig zur Entscheidungsfindung vorzulegen ist.
6.2.4 Aufwandmengen
Die kohlensauren Magnesiumkalke (aufgemahlene
Lagerstättenkalke) sind in einer
Aufwandmenge
von
3,0 t/ha
auszubringen. Die Gesamtaufwandmenge
ergibt sich aus der Multiplikation mit der Kalkungs-
fläche.
6.2.5
Umschlag und Ausbringung des Kalkes
6.2.5.1
Subunternehmer, Logistikkonzept, Umschlag
In seinem Angebot hat der Bieter die von ihm angewand-
ten Verfahren zum Kalkumschlag und zur Kalkausbrin-
gung sowie etwaige damit betraute Subunternehmer zu
benennen.
Mit dem Angebot hat der Bieter ein zwischen ihm und
dem jeweiligen Forstbezirk abgestimmtes Projekt zur
Kalkausbringung (Logistikkonzept) vorzulegen. Hierfür
vereinbart der Forstbezirk während des Vergabeverfah-
rens mit dem Bieter auf dessen Nachfrage einen Besich-
tigungstermin. Der Forstbezirk wirkt im Rahmen seiner
Möglichkeiten unterstützend bei der Auswahl poten-
zieller Kalkumschlags- und Arbeitsflugplätze sowie bei
der Festlegung der An- und Abfahrtswege als Basis für
das durch die Bieter zu erstellende Logistikkonzept mit.
Soweit ihm bekannt, benennt der Forstbezirk Ansprech-
partner für die Einholung von Genehmigungen zur Be-
fahrung privater oder kommunaler Wege und zur Nut-
zung privater oder kommunaler Wege oder Grundstücke
als Lager-, Umschlag- und Arbeitsflugplätze durch den
Bieter.
Bei der Besichtigung erhalten die Bieter vom Forstbezirk
eine Übersichtskarte des Kalkungsobjekts mit allen Kal-
kungs- und Ausschlussflächen im Maßstab 1 : 25.000
(Kalkungskarte; Beispiel siehe Anhang 9.4). Die Besich-
tigung wird durch den Forstbezirk protokolliert. Das
Protokoll ist dem Bewerber auszuhändigen. Eine Kopie
verbleibt im Forstbezirk.
Auf Grundlage der Ortsbesichtigung erarbeiten die
Bewerber das Projekt (Logistikkonzept) zur Kalkaus-
bringung mit Angaben zu eingesetzten Fluggeräten,
ausgewählten Flugplätzen und Logistik des Kalktrans-
portes sowie des Kalkumschlages. Bei der Auswahl
der Flug- und Umschlagplätze und bei der Kalkaus-
bringung sind ausreichende Abstandsflächen zu
Siedlungs- und Gewerbegebieten einzuhalten. Die
Beschreibungen und Eintragungen erfolgen auf der
Kalkungskarte.
Der Kalkumschlag und die Lastaufnahme der Flugge-
räte haben zwingend innerhalb des Territoriums der
Bundesrepublik Deutschland zu erfolgen.
Beim Umschlag des Kalkes sind Technologien anzu-
wenden, die eine Abdrift in das Umfeld des Umschlag-
platzes weitestgehend ausschließen.
Bei der Nutzung der Lager-, Umschlag- und Arbeits-
flugplätze sind die naturschutzrechtlichen Belange zu
beachten. Vor der Nutzung privater und kommunaler
Grundstücke hat der Bieter/Auftragnehmer hierzu die
erforderlichen Genehmigungen einzuholen und ggf.
die zuständigen unteren Naturschutzbehörden einzu-
beziehen.
6.2.5.2 Ausbringungstechnik
Die Ausbringung der Kalke erfolgt mit dafür geeig-
neten Helikoptern und/oder Starrflüglern. Bei Heli-
koptern muss die Außenlasttragfähigkeit mindestens
650 kg betragen und ihr Rotordurchmesser darf 15 m
nicht überschreiten. Flugzeuge müssen ein Mindest-
zuladungsvolumen von 1.500 kg vorweisen.
6.2.5.3 Anforderungen für den Einsatz von GPS
Das Luftfahrzeug muss mit einem satellitengestützten
Navigationssystem ausgerüstet sein, das Positions-
und Zeitinformationen erfassen kann. Es wird ver-
langt, dass die dynamischen Messungen des Naviga-
tionssystems mindestens im Sekundentakt erfolgen.
Die jeweiligen
Positionen des Luftfahrzeuges
müs-
sen mit einer Lagegenauigkeit von < 5 m erfasst und
aufgezeichnet werden. Die eingesetzte Technik muss
gewährleisten, dass die Positionsdaten
während der
einzelnen Kalkapplikationen von deren jeweiligem
Start
(Anfang Streuen)
bis zu deren Ende
(Ende Streu-
en) eindeutig und nachvollziehbar aufgezeichnet wer-
den.
Die Flugbewegungen sind permanent über Mess-
punkte mit Position (X-, Y-, Z-Koordinaten) und GPS-
Zeit signalgesteuert und positionsbezogen in einem
Bordrechner aufzuzeichnen.
Dabei müssen Flug-
bewegungen mit Kalkausbringung und sonstige
Flugbewegungen eindeutig unterscheidbar aufge-
zeichnet werden.

56
I
Leistungsbeschreibung und Vergabe
Die Vertragsbedingungen bestimmen, dass bei Aus-
fällen des Datenaufzeichnungssystems von mehr als
drei Arbeitstagen der Auftraggeber berechtigt ist, das
entsprechende Luftfahrzeug bis zur Wiederherstel-
lung der Funktionstüchtigkeit des Systems (Reparatur,
Austausch) von der Kalkung auszuschließen.
Mit seinem Angebot muss der Bewerber Nachweise
über die Ausrüstung seiner Fluggeräte mit GPS zum
Zwecke der Orientierung und zur Aufzeichnung der
Flugbahnen während der Kalkapplikation einreichen.
Außerdem ist ein reales Dokumentationsbeispiel von
den zum Einsatz kommenden Flug- und Aufzeich-
nungsgeräten beizubringen. Angebote ohne diese
Nachweise werden bei der Zuschlagserteilung nicht
berücksichtigt.
6.2.6 Ausführungsfristen
Die Bodenschutzkalkung ist in den Monaten
Juli bis
Oktober
durchzuführen.
Maßgeblich ist der in der Leistungsbeschreibung an-
gegebene Zeitraum.
Der Bieter ist verpflichtet, die Lage und typischen
Witterungsverhältnisse der zu kalkenden Waldgebiete
- insbesondere frühe Wintereinbrüche in den Kamm-
und Hochlagen der sächsischen Mittelgebirge - und
entsprechende Hinweise des Forstbezirkes bei der Ab-
gabe seines Angebotes und bei der Durchführung der
Kalkung zu beachten.
Generell ist die Kalkung im Arbeitsgebiet einzustellen
bei:
einer
geschlossenen
Schneedecke
ab
1
0
cm
in
hängi-
gem Gelände (Neigung > 5°) bzw.
einer geschlossenen Schneedecke ab 20 cm in ebe-
nem Gelände.
6.2.7
Kriterien für die Auftragserteilung
Maßgebend für den Zuschlag ist der auf den Gehalt
an basisch wirksamen Bestandteilen (bwB) [auf der
Basis % CaCO
³
] bezogene Preis (€/t bwB CaCO
³
) für
die Gesamtmaßnahme.
Der Gehalt an basisch wirksamen Bestandteilen er-
rechnet sich als Summe aus den Gehalten an bwB von
Calciumkarbonat und dem stöchiometrisch umge-
rechneten Magnesiumcarbonatanteil:
bwB
(CaCO
³
) [%] = CaCO
³
[%] + (MgCO
³
[%]
*
1,19)
Bewertungspreis:
bwB
[€/t]
=
Kalk
[€/t]*100
bwB
(CaCO
³
) [%]

Durchführung und Dokumentation der Kalkung
I
57
7 Durchführung und Dokumentation der Kalkung
7.1
Grundsätzliches zur Durchführung
Die Bodenschutzkalkung wird wegen der vorange-
henden Brut- und Setzzeit nicht vor Juli begonnen.
Sie ist bis Ende Oktober abzuschließen, weil die im
Herbst einsetzenden ungünstigen Witterungsverhält-
nisse (häufige Nebel, Stürme, längere Niederschlags-
ereignisse) die aviotechnische Ausbringung behindern
bzw. zum Teil unmöglich machen. Zudem würden
Wintereinbrüche mit geschlossenen Schneedecken in
der Regel wegen der Abschwemmung des Kalkes in
der Tauperiode zum Abbruch der Kalkung führen (Ka-
pitel 6.2.6).
Die Koordinierung und Kontrolle der Kalkungsdurch-
führung vor Ort obliegt den Forstbezirken. Die kon-
kreten Einsatztermine werden nach Auftragserteilung
zwischen den Auftragnehmern und den Forstbezirken
abgestimmt, ebenso nicht witterungsbedingte Unter-
brechungen der Arbeit.
Die Forstbezirke weisen die Piloten und Beauftragten
des Auftragnehmers vor Beginn der Kalkausbringung
in die Behandlungseinheiten ein und machen sie auf
Ausschlussflächen sowie Mindestabstände aufmerk-
sam. Für Kalkungsflächen in Nachbarschaft von be-
sonders sensiblen Objekten (z. B. stark befahrene
Straßen, touristische Einrichtungen, Siedlungen, be-
sondere Biotope und Habitate sowie Naturschutzge-
biete) sind Einzelheiten nach den konkreten örtlichen
und zeitlichen Bedingungen durch den Forstbezirk
und Auftragnehmer gemeinsam so festzulegen, dass
das entsprechende Objekt durch die Kalkausbringung
(Transport, Umschlag, Abdrift, Lärm, Überfliegen etc.)
nicht beeinträchtigt wird. Die Einweisung ist unter-
schriftlich durch den Auftragnehmer zu bestätigen.
Die Kalkungsverantwortlichen der Forstbezirke als
Vertreter des Auftraggebers sind beauftragt, durch
regelmäßige Waldfahrten/-gänge über die Kalkaus-
bringung zu wachen und auf die Durchführung der
Maßnahme in hoher Qualität hinzuwirken. Außerdem
prüfen sie die Arbeitsnachweise der Auftragnehmer.
Durch die Entnahme von Kalkproben und ihre an-
schließende Analyse in der BfUL ist die Kontrolle der
Kalkqualität sichergestellt.
Die vertraglich fixierten Eigenschaften der Kalke hat der
Auftragnehmer für die komplette Ware zum Ausbrin-
gungstermin im Wald, also bei praxisüblichen Feuch-
tegehalten, zu garantieren. Mischungen verschiedener
Kalkqualitäten gleicher oder unterschiedlicher Herkunft
auf den Umschlagplätzen sind nicht zulässig, weil sie
die erforderliche Homogenität der Ware nicht gewähr-
leisten.
Transport und Umschlag haben durch den Auftrag-
nehmer verlustarm so zu erfolgen, dass der Kalk in
der erforderlichen Qualität ausgebracht werden kann
und keine Schäden an Wegen, Brücken und Beständen
entstehen.
7.1.1
Aufgaben der Forstbezirke bei der
Kalkungsdurchführung
Der örtlich zuständige Forstbezirk ist verantwortlich
für
die Information der Bevölkerung (Öffentlichkeits -
arbeit), der Erholungseinrichtungen und Akteure
im Tourismus,
die Sperrung der Landeswaldgebiete während der
Ausbringung des Kalkes,
die Bereitstellung der erforderlichen Unterlagen im
Bereich des Privat- und Körperschaftswaldes als
Grundlage von Waldsperrungen durch untere
Forstbehörden und Waldbesitzer während der Aus-
bringung des Kalkes bzw. die Sperrung im Auftrag
der Waldbesitzer,
die Einweisung des Auftragnehmers in das Arbeits-
gebiet zu Beginn der Kalkung mit Hinweisen zu
Gefahrenpunkten, nicht zu überfliegenden Gebie-
ten, Mindestabständen zu Kalkungs-Ausschluss-
flächen und der Tragfähigkeit von Anfuhrwegen
und Brücken,
die Benennung eines Ansprechpartners,
regelmäßige
Kontrollfahrten/-gänge
während
der
Kalkausbringung.
Der Forstbezirk ist verpflichtet, Erkenntnisse aus Kon-
trollen und Beobachtungen über Qualitätsmängel
bzw. Gefahren bei der Durchführung der Kalkung dem
Auftragnehmer unverzüglich schriftlich per E-Mail
oder Fax mitzuteilen und so an einer Begrenzung
möglicher Schäden - insbesondere an Wegen und Be-
ständen - mitzuwirken.

58
I
Durchführung und Dokumentation der Kalkung
Der örtlich zuständige Forstbezirk ist während der
Kalkungsdurchführung mit folgenden Tätigkeiten be-
auftragt:
Kontrolle der ausgebrachten Kalkmengen (tabel-
larische Nachweise/Zusammenstellung der gekalk-
ten Flächen in Verbindung mit den Lieferscheinen,
Umschlagplätzen; siehe Kapitel 8.1.1),
Kontrolle der Kalkqualität (Probenahmen zur
Kalkanalyse; siehe Kapitel 8.1.2),
Kontrolle der Kalkausbringung (Sichtkontrollen
vor Ort, Kontrolle der Ausdrucke der GPS-Beflie-
gungskarten; siehe Kapitel 8.1.3),
Kontrolle etwaiger im Vollzug der Kalkung durch
den Auftragnehmer verursachter Schäden.
Die Kalkungsverantwortlichen dokumentieren ihre
Aktivitäten zur Sicherung einer ordnungsgemäßen
Kalkungsdurchführung in einem von ihnen geführten
Nachweis (Beispiel siehe Anhang 9.7).
Im Zuge der Rechnungstellung durch den Auftrag-
nehmer prüft der Forstbezirk die Arbeitsnachweise
(siehe Kapitel 7.5) anhand der Rechnung. Sind diese
sachlich und rechnerisch richtig, bestätigt er dies und
leitet die zugehörigen Unterlagen im Original (Rech-
nung, tabellarische Zusammenstellung der gekalkten
Flächen, Lieferscheine, GPS-Befliegungskarten) an
das Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirtschaft
(KWuF) weiter. Dort werden die Unterlagen auf ihre
Vollständigkeit geprüft. Wenn keine Beanstandungen
vorliegen, veranlasst das KWuF die Bezahlung der
Rechnung.
7.1.2
Pflichten der Auftragnehmer bei der
Kalkungsdurchführung
Der Auftragnehmer ist verantwortlich für die
Anordnungen des Auftraggebers bzw. seiner Be-
auftragten zu befolgen, die im Interesse der Scho-
nung des Waldes, des Forst-und Jagdschutzes, aus
forstbetrieblichen Gründen oder in besonderen
Fällen mit Rücksicht auf die Erholungsfunktion
und Tourismus erteilt werden;
abzusichern, dass die Gesamtmasse eines Kalk-
transportfahrzeuges 40 t bzw. dessen Achslast
10 t nicht überschreitet und den besonderen
Bedingungen der Waldwege (in der Regel keine
öffentlichen Wege und Tragschichtdimensionie-
rung für eine gelegentliche Nutzung ausgelegt)
Rechnung getragen wird, insbesondere aber,
dass Wege mit beschränkter Tragfähigkeit, auf
die der Forstbezirk bei der Einweisung in das Ar-
beitsgebiet hingewiesen hat, nur mit der zuläs-
sigen Last befahren werden;
einen aussagekräftigen und kontrollfähigen Ar-
beitsnachweis zu führen;
mindestens einen Landeplatz zum Zwecke der Kon-
trolle im Freistaat Sachsen nachzuweisen;
dem Beauftragten des Forstbezirkes Einsicht in
die Daten zur GPS-gestützten Kalkausbringung im
Bordcomputer zu gewähren;
den Ausfall des Datenaufzeichnungssystems in
einem Luftfahrzeug sofort dem Auftraggeber zu
melden;
rechtzeitige Einholung aller für den Flugbetrieb
erforderlichen luftfahrt- und arbeitsrechtlichen
Genehmigungen und Nachweise,
gesamte Durchführung der Kalkung einschließlich
Vorbereitungen und Einholung aller seine Technik
betreffenden erforderlichen Genehmigungen,
termin- und qualitätsgerechte Kalkbereitstellung
an den Lastaufnahmeplätzen,
die Einholung der Genehmigungen zur Befahrung
privater oder kommunaler Wege und zur Nutzung
privater oder kommunaler Lager-, Umschlag- und
Arbeitsflugplätze,
die Festlegung der Lastaufnahmeplätze im Einver-
nehmen mit dem Forstbezirk,
Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen und
Forderung der Wasserbehörden beim Umgang mit
Wasserschadstoffen, insbesondere für
die Betankung der Fluggeräte außerhalb von
Trinkwasserschutzzonen,
das Überfliegungsverbot für Trinkwassertalsper
ren,
die Bereithaltung von Gegenmitteln bei Havarien,
die
Information
der
W
asserbehörde
und
des
Forst-
bezirkes bei eingetretenen Havarien,
Einhaltung naturschutzrechtlicher Belange bei der
Nutzung der Lager-, Umschlag- und Arbeitsflug-
plätze,
Überwachung der Fluggeräte, der Belade- und Bo-
dentechnik sowie des zwischengelagerten Kalkes,
schriftliche Benennung eines vor Ort verantwort-
lichen Beauftragten des Auftragnehmers.
Die Durchführung der Kalkungsmaßnahmen kann
erst beginnen, wenn dem Forstbezirk die Mittei-
lung über den Beauftragten vorliegt.
Der Auftragnehmer, seine Beauftragten und Subun-
ternehmer sind darüber hinaus verpflichtet,

Durchführung und Dokumentation der Kalkung
I
59
7.3
Ausbringverfahren und -geräte
Eine Kalkausbringung durch bodengebundene Technik
kommt im Auftrag von Sachsenforst nicht (mehr) zur
Anwendung. Der Einsatz von Verblase- und Streuge-
räten ist grundsätzlich nur von Straßen, Wegen oder
ebenen Rückegassen möglich. Aufgrund der kaum zu
beeinflussenden, mangelhaften Ausbringgenauigkeit
im Bestandesinneren sind Streugeräte technologisch
ungeeignet. Sie wurden in Sachsen bei der Kalkung
von Beständen bisher nicht eingesetzt und auch zu-
künftig sollte auf sie verzichtet werden. Kalkverbla-
segeräte stellen hinsichtlich einer gleichmäßigen
und genauen Ausbringung keine Alternative zur avi-
otechnischen Applikation dar. Mit ihnen können nur
trockene, fein gemahlene Kalke ausgebracht werden.
Zu den mit erheblicher Staubentwicklung verbunde-
nen Nachteilen käme das Ausbleiben einer möglichst
lang anhaltenden moderaten Wirkung aufgrund der
schnellen Kalkumsetzung.
Der Einsatz von Helikoptern oder Starrflüglern ermög-
licht eine gleichmäßige, genaue Kalkapplikation und
ist den Geländebedingungen im Mittelgebirge optimal
angepasst. Starrflügler setzen im stärkeren Maße als
Helikopter arrondierte Arbeitsflächen und möglichst
lange Durchfluglängen voraus. Insbesondere bei
kleinteiligen Behandlungseinheiten mit vielen Aus-
schlussflächen erweisen sich Helikopter als eine sehr
genau arbeitende, geeignete Technologie.
Die Lande-/Umschlagplätze müssen auch bei feuch-
tem Wetter tragfähig, befahrbar, ausreichend groß
und frei von Flughindernissen (Lichtleitungen usw.)
sein. Beim Helikopter-Einsatz liegen die Umschlag-/
Landeplätze (ca. 25 x 30 m) inmitten der Kalkungsflä-
chen im Wald bzw. in deren unmittelbarer Nähe. Sie
werden vom Piloten gemeinsam mit dem Forstbezirk
unter Berücksichtigung des vorhandenen Wegenetzes
für den Kalktransport und der Flugsicherheit festge-
legt (siehe Kapitel 4.2.5.1). Starrflügler erfordern einen
größeren Feldflugplatz (z. B. Wiese, ca. 30 m x 600
m), der nicht weiter als 5 bis 10 km vom Zentrum der
Kalkungsflächen entfernt sein darf.
Die Kalktransport-Fahrzeuge (ca. 16 m lang, 3 m
breit, 4 m hoch, bis 40 t schwer) erfordern entspre-
chend ausgebaute Straßen inklusive Brücken (Trag-
fähigkeit, lichte Höhe).
Die im Bordrechner gesammelten Daten der Flugbe-
wegungen sind unmittelbar nach Beendigung der Kal-
kungsmaßnahme eines Loses an das KWuF als digitale
Vektordaten in dem vertraglich vereinbarten Format
sowie zusätzlich als unveränderter ASCII-Datensatz
des GPS-Systems, getrennt nach vollständigen Flug-
bewegungen und Flugbewegungen mit Kalkapplikation
zu übergeben. Die vollständige digitale GPS-Dokumen-
tation ist Bestandteil der Kalkungsmaßnahme.
7.2
Dosierung und Wiederholungs-
zeiträume
Bei der forstlichen Bodenschutzkalkung werden kohlen-
saure Magnesiumkalke (aufgemahlene Lagerstättenkal-
ke) mit einer Applikationsdosis von 3,0 t/ha ausgebracht.
Die erneute Kalkung von bereits gekalkten Waldflächen
ist unter Beachtung der Bewertungsgrundsätze zur Kal-
kungseignung (siehe Kapitel 5.2.1) frühestens nach Ab-
lauf von 10 Jahren möglich.
zu gewährleisten, dass der Beauftragte des Forst-
bezirkes seine Kontrolltätigkeit (siehe Kapitel 8.1)
ordnungsgemäß durchführen kann. Der dem
Forstbezirk schriftlich benannte Beauftragte des
Auftragnehmers vor Ort hat die ordnungsgemäße
Durchführung von Kalkprobenahmen und die Kon-
trollprotokolle der GPS-Befliegungskarten unter-
schriftlich zu bestätigen;
die arbeitsschutz- und luftverkehrsrechtlichen
Vorschriften zu beachten und in alleiniger Verant-
wortung einzuhalten sowie sich über die maßgeb-
lichen Vorschriften rechtzeitig zu vergewissern;
den Flugbetrieb und die Kalkausbringung zu unter-
brechen, wenn Gefährdungen nicht ausgeschlos-
sen werden können oder aufgrund von Wind bzw.
Thermik eine Abdrift des Kalkes auf nicht zu kal-
kende Flächen hervorgerufen wird;
nach Durchführung der Kalkung die Arbeitsorte
unaufgefordert sauber und in beanstandungs-
freiem Zustand zu verlassen. (Hierzu zählt die
Abfall- und Betriebsmittelbeseitigung, ggf. der
Abtransport von nicht ausgebrachtem, zwischen-
gelagertem Kalk sowie die Wiederherrichtung der
Anfuhrwege, Brücken und Zwischenlagerplätze, so-
weit diese nachweislich durch die Abwicklung der
Kalkung beschädigt worden sind.)

60
I
Durchführung und Dokumentation der Kalkung
7.4 Ausbringgenauigkeit
Der Kalk ist in der geforderten Dosis gleichmäßig auf
den zu bearbeitenden Flächen auszubringen. Um un-
vertretbar hohe partielle Über- und Unterdosierungen
einzugrenzen, dürfen die ausgebrachten Kalkmengen
auf den behandelten Flächen maximal ± 30 % um
die Sollmenge schwanken. Unterdosierungen dürfen
nicht planmäßig ausgenutzt werden.
Der Auftragnehmer verwendet bei der Befliegung
die vom Auftraggeber gelieferten Geodaten (digita-
le Kalkungsprojekte), um über das bordeigene GPS
die vorgegebenen Kalkungs- und Ausschlussflächen
möglichst genau orten zu können. Dafür werden ihm
durch das Kompetenzzentrum für Wald und Forst-
wirtschaft bei Zuschlagserteilung die notwendigen
digitalen Daten (Gesamtplanungslayer mit Kalkungs-
flächen, Ausschlussflächen, Waldeinteilung der Forst-
grundkarte etc.) zur Verfügung gestellt.
Der Auftragnehmer muss gewährleisten, dass nicht zu
kalkende Flächen von der Kalkung ausgespart bleiben.
Dazu hat er einen witterungsabhängigen Mindestab-
stand (Beachtung von Wind und Thermik) von ca. 25
bis 50 m zu allen Ausschlussflächen einzuhalten. Für
den Fall einer unsachgemäßen Kalkausbringung ist ver-
traglich zu vereinbaren, dass der Auftragnehmer für die
Kosten privat- oder öffentlich-rechtlicher Inanspruch-
nahmen eintreten muss.
Die Überprüfung der gleichmäßigen Ausbringung er-
folgt durch die Kalkungsverantwortlichen der Forst-
bezirke mittels Sichtkontrollen während der Kalkung
und anhand von Karten mit Ausdrucken der GPS-
Aufzeichnungen der Flugbewegungen mit Kalkappli-
kation (siehe Abschnitt 8.1.3 und Beispiel in Anhang
9.8). Fällt das Datenaufzeichnungssystem in einem
Luftfahrzeug aus, ist der Auftragnehmer verpflichtet,
dies sofort dem Auftraggeber zu melden. Für Ausfälle
von mehr als drei Arbeitstagen ist vertraglich zu ver-
einbaren, dass der Auftraggeber dieses Luftfahrzeug
bis zur Wiederherstellung der Funktionstüchtigkeit
des Systems (Reparatur, Austausch) von der Kalkung
ausschließen kann.
Die Ausdrucke der GPS-Befliegungskarten müssen
mindestens die Waldeinteilung bis zur Abteilungsebe-
ne mit den zu kalkenden Flächen und die punkt- oder
linienhafte Darstellung der Flugbahnen mit Kalkaus-
bringung enthalten. Sie werden durch den Auftrag-
nehmer im Vorfeld jeder Rechnungslegung an den
Forstbezirk übergeben. Die Beauftragten des Forstbe-
zirkes bewerten die GPS-Befliegungskarten gutach-
terlich. Auf jeder vorgelegten GPS- Befliegungskarte
muss die gekalkte Fläche in den Abteilungen eine min-
destens 90 %ige gleichmäßige Abdeckung aufweisen.
Bei Unterschreitung der Toleranz um mehr als 30 %
zur Sollmenge gilt die Fläche als mangelhaft bearbei-
tet. Sollten sich aus den Sichtkontrollen im Gelände
und der Begutachtung der GPS-Befliegungskarte An-
haltspunkte ergeben, dass die ausgebrachten Kalk-
mengen um mehr als ±30 % von der Sollmenge ab-
weichen, kann sich eine intensivere Auswertung der
vom Auftraggeber zu übergebenden GPS-Daten im
Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirtschaft an-
schließen.
7.5
Arbeitsnachweise des Auftragnehmers
tabellarischen Nachweisen zu den gekalkten Flä-
chen (siehe Beispiel Anhang 9.9),
den zugehörigen Kalklieferscheinen im Original,
sowie entsprechenden Ausdrucken der GPS-Be-
fliegungskarten im Maßstab 1 : 10.000 (siehe Bei-
spiel Anhang 9.8).
Der Auftragnehmer hat die ordnungsgemäße, flä-
chenbezogene Kalkausbringung in der vertraglich ver-
einbarten Form durch Arbeitsnachweise zu dokumen-
tieren. Die Arbeitsnachweise sind von ihm oder durch
seinen vor Ort verantwortlichen und von ihm benann-
ten Ansprechpartner zu unterzeichnen. Sie sind Vor-
aussetzung und Grundlage seiner Rechnungslegung.
Der Arbeitsnachweis besteht mindestens aus:
Der Arbeitsnachweis hat zu gewährleisten, dass
zweifelsfrei kontrollfähig ausgewiesen werden und
dass eventuelle aus Qualitätsmängeln resultierende
Forderungen des Auftraggebers örtlich und zeitlich
eingrenzbar sind.
die bearbeitete Fläche (Forstbezirk, Revier, Wald-
teil, Abteilung, Waldeigentumsform),
der ausgebrachte Kalk nach Herkunft und
Menge (Lieferscheine mit Nummer, Datum, Kalk-
werk, flächenbezogene Gesamt-Kalkmenge),
der Zeitpunkt der Kalkausbringung (Datum),
die je Abteilung und Waldeigentumsform vorge-
sehene Sollmenge [t]

Durchführung und Dokumentation der Kalkung
I
61
7.6
Dokumentation der Kalkung
Alle im Rahmen der Vorbereitung, Durchführung und
Kontrolle der Kalkung erstellten Unterlagen tragen den
Charakter von Dokumenten. Sie sind entsprechend
der förderrechtlichen bzw. verwaltungsinternen Vor-
schriften aufzubewahren. Dazu zählen Unterlagen zur
Planung, zur Finanzmittelbeantragung, aus dem Ver-
gabeverfahren (Ausschreibung, Angebote, Zuschlag),
die abgeschlossenen Verträge, die Protokolle der Kalk-
probenahmen, die Ergebnisse der Kalkanalysen sowie
alle Abrechnungsunterlagen und internen Notizen zur
Vertragsabwicklung.
Auch die Aufzeichnungen der Kalkungsverantwortli-
chen über ihre Aktivitäten zur Sicherung einer ord-
nungsgemäßen Kalkungsdurchführung (Beispiel siehe
Anhang 9.7) und deren Gesamteinschätzung (Beispiel
siehe Anhang 9.10) werden am Ende der Kalkungs-
maßnahmen im KWuF zusammengefasst und ausge-
wertet. Aus der Rückschau notwendige Anpassungen
bei der Umsetzung der Maßnahme, der Vertragsge-
staltung bzw. bei der Zusammenarbeit mit den aus-
führenden Unternehmen werden in den folgenden
Kampagnen berücksichtigt.
Alle forstlichen Bodenschutzkalkungen werden beim
KWuF im Forstlichen Geographischen Informations-
system (FGIS) und einer dazu gehörigen Sachdaten-
bank dokumentiert. Hierfür werden die von den Auf-
tragnehmern übergebenen digitalen Vektordaten der
Flugbewegungen mit Kalkapplikation entsprechend
aufbereitet.
Die so aufbereiteten Kalkungsvollzüge liegen im KWuF
für den Zeitraum ab 1986 für alle Bodenschutzkalkun-
gen in Sachsen vor. Sie umfassen die Lageparameter
aller Kalkungsflächen sowie Informationen zu Aus-
bringungstechnologie, Kalkungsjahr, Kalksorte, Kalk-
eigenschaften (Ergebnisse der Kontrollanalysen zur
Zusammensetzung, Aufmahlung, Reaktivität, Feuchte,
Schwermetallgehalten), Kalkdosis, Flächengrößen und
Besitzformen.

62
I
Qualitätssicherung und Rückforderungen bei Abweichungen vom Vertrag
8.1.2
Kontrolle der Kalkqualität
(siehe auch Anhang 9.11)
(1)
(2)
(3)
(4)
(5)
(6)
(7)
(8)
8.1 Kontrollen
Abweichungen von der vertraglich vereinbarten Kalk-
und Ausbringqualität können den Erfolg der Boden-
schutzkalkung mindern und zu Umweltrisiken führen.
Deshalb muss die ordnungs- und vertragsgemäße
Durchführung durch den Forstbezirk überwacht wer-
den, damit
notwendige Korrekturen eingeleitet,
eine ordnungsgemäße Verwendung der Haushalts-
mittel garantiert und
nötigenfalls
Schadenersatzforderungen
gegenüber
dem Auftragnehmer durchgesetzt werden können.
Dazu führen die Kalkungsverantwortlichen bzw. sie
unterstützende Kollegen neben okularen Prüfungen
während der Kalkausbringung vor Ort die nachfol-
gend beschriebenen Kontrollen durch.
Art und Umfang der Kontrollen sind in den Ausschrei-
bungen anzukündigen und vertraglich zu fixieren. Sie
sind gewissenhaft und mit größter Sorgfalt durchzu-
führen. Nur so können Vertragsverletzungen nötigen-
falls „gerichtsfest“ bewiesen werden.
8.1.1
Kontrolle der Kalkmengen
Die Kontrolle der angelieferten bzw. ausgebrachten
Kalkmengen durch den Forstbezirk erfolgt permanent
durch
(1)
(2)
(3)
8 Qualitätssicherung und Rückforderungen bei Abweichungen vom Vertrag
Gegenzeichnung der Lieferscheine bzw. Wiege-
karten des gelieferten Kalkes durch den Auftrag-
nehmer
und
den Beauftragten des Forstbezirkes
sowie die Aubewahrung einer Kopie im Forstbe-
zirk,
Kontrolle der Kalkumschlagplätze auf nicht aus-
gebrachte Kalkmengen,
Prüfung der vom Auftragnehmer mit dem Ar-
beitsnachweis (Kapitel 7.5) vorgelegten tabellari-
schen Nachweise zu den gekalkten Flächen in Ver-
bindung mit den dazugehörigen Lieferscheinen.
Die Kontrolle des angelieferten Kalkes erfolgt
stichprobenartig durch den Forstbezirk. In der Re-
gel erfolgen
eine Probenahme
(= Erstellung von
drei Endproben: A, B, C)
je 1.000 t auszubrin-
genden Kalkes
, mindestens
aber zwei Bepro-
bungen je Los.
Bei bisher noch nicht in Sach-
sen eingesetzten Kalken kann die Probenahme
verdichtet werden. Die erste Beprobung erfolgt
innerhalb von fünf Arbeitstagen nach Beginn der
Kalkung.
Die Probenahme des gelieferten Kalkes erfolgt im
Anhalt an die Bestimmungen der „Düngemittel-,
Probenahme- und Analysenverordnung“ vom 27.
Juli 2006 (BGBl I S.1822) in der zuletzt gültigen
Fassung.
Die Probenahme erfolgt auf den Kalkumschlag-
bzw. Lastaufnahmeplätzen aus dem ruhenden Gut
(Haufwerk) mittels geeigneter Probenahmewerk-
zeuge in der Art, dass die Partie repräsentativ er-
fasst wird.
Dabei soll auch die Art des Kalkumschlags dokumen-
tiert werden. Ein geschlossener Umschlag liegt
vor, wenn der Kalk von der Werksauslieferung
bis zur Ausbringung abgedeckt transportiert und
gelagert wird. Bei offenem Umschlag hingegen
liegt der Kalk am Umschlagplatz zwischenzeitlich
frei, ist also der Witterung ausgesetzt (Anfeuch-
tung, Austrocknung, Verwehung).
Bei jeder Probenahme werden die
Einzelproben
von je ca. 200 g nach dem Zufallsprinzip ent-
nommen, auf einer Gewebeplane gesammelt und
zu einer Mischprobe
vereinigt.
Aus der gut durchmischten
Probe
werden mit ei-
ner Kunststoffmessschaufel zufällig Teilmengen
entnommen, aus denen
drei Endproben
(A, B, C)
von
jeweils mindestens 500 g
gebildet werden,
die in Probenbeutel überführt werden.
Zu jeder Endprobe gehört ein „Etikett für Kalk-
probenahme“ (2-fach) mit folgenden An-gaben:
Forstbezirk, Revier, Datum, Probenehmer, Plom-
ben-Nr., Kalktyp und Lieferwerk (siehe Anhang
9.12).
Ein Etikett wird direkt in den Probebeutel, das an-
dere in den darüber gezogenen Beutel eingelegt
(doppelte Verpackung).

Qualitätssicherung und Rückforderungen bei Abweichungen vom Vertrag
I
63
(6)
Jede
der drei Endproben wird mit einer
numme-
rierten Plombe
verschlossen und gesichert.
Jede Probenahme wird auf dem Formular „Protokoll
zur Probenahme“ protokolliert (siehe Anhang 9.13)
und vom Auftraggeber sowie einem Beauftragten
des Auftragnehmers unterschrieben. Kommt dieser
der Aufforderung des Auftraggebers zur gemeinsa-
men Probenahme nicht nach, wird diese seitens des
Auftraggebers allein durchgeführt und die Weige-
rung im Protokoll vermerkt.
Zwei Endproben
werden vom Forstbezirk
un-
verzüglich nach der Probenahme
zusammen
mit den Kopien der Probenahmeprotokolle an
das landwirtschaftliche Labor der BfUL zur Ana-
lyse übersandt.
Eine Endprobe
jeder Probenahme verbleibt zu-
sammen mit dem Original des Protokolls zur
Kalkprobenahme beim Kalkungsverantwortlichen
im Forstbezirk.
(9)
(10)
(11)
(12)
8.1.3
Kontrolle der GPS-gestützten Kalkausbrin-
gung
Der Einsatz von GPS in Luftfahrzeugen zu elek-
tronischen Aufzeichnung und Kontrolle der-
Kalkausbringung ist zwingend.
Mit dem Auftragnehmer ist vertraglich zu ver-
einbaren, dass der Beauftragte des Forstbezir-
kes dazu berechtigt ist, jederzeit Einsicht in die
Daten zur GPS-gestützten Kalkausbringung im
Bordcomputer zu nehmen.
Der Auftragnehmer liefert mit jeder Rech-
nungslegung eine GPS-Befliegungskarte im
Maßstab 1 : 10.000 an den Forstbezirk.
Die
GPS-Befliegungskarte muss mindestens die
Waldeinteilung bis zur Abteilungsebene mit den
zu kalkenden Flächen sowie die punkt- oder li-
nienhafte Darstellung der Flugbahnen mit
Kalkausbringung auf Basis der GPS-Aufzeich-
nungen enthalten (Beispiel siehe Anhang 9.8).
Der Kalkungsverantwortliche des Forstbezir-
kes bewertet gutachterlich die Aufzeichnung
der Flugbahnen, wobei auf
jeder
vorgelegten
GPS- Befliegungskarte eine mindestens 90 %ige
gleichmäßige Abdeckung der gekalkten Fläche
gewährleistet sein muss. Bezugseinheiten sind
die zur Kalkung vorgesehenen und tatsächlich
bearbeiteten Flächen der jeweiligen Abteilungen.
Das Ergebnis wird protokolliert und von dem
(1)
(2)
(3)
(4)
(5)
Kalkungsverantwortlichen des Forstbezirkes so-
wie dem vor Ort verantwortlichen Beauftragten
des Auftragnehmers unterschriftlich bestätigt
(Beispiel siehe Anhang 9.14). Der Auftragnehmer
erhält eine Kopie des Protokolls mit den sich ggf.
daraus ableitenden Folgerungen/Forderungen
des Auftraggebers.
Bei Ausfall des Datenaufzeichnungssystems in
einem Luftfahrzeug ist der Auftragnehmer ver-
pflichtet, dies sofort dem Auftraggeber zu mel-
den. Für Ausfälle von mehr als drei Arbeitstagen
ist vertraglich zu vereinbaren, dass der Auftrag-
geber dieses Luftfahrzeug bis zur Wiederher-
stellung der Funktionstüchtigkeit des Systems
(Reparatur, Austausch) von der Kalkung aus-
schließen kann.
8.2
Toleranzen und Rückforderungen bei
Abweichungen vom Vertrag
Die Verträge mit den die Bodenschutzkalkung ausfüh-
renden Unternehmen sind so zu gestalten, dass bei
Abweichungen von der vereinbarten Kalk- und Aus-
bringqualität, die den Erfolg der Bodenschutzkalkung
mindern oder Umweltrisiken in sich bergen, Rückfor-
derungen gegenüber dem Auftragnehmer geltend ge-
macht werden können. Damit wird das Interesse der
beauftragten Unternehmen an einer ordnungsgemä-
ßen Kalkungsdurchführung in hoher Qualität geför-
dert. Die nachfolgenden Toleranzen und Rückforde-
rungsmöglichkeiten geben die in Sachsen von 1991
bis 2019 gewachsene Praxis wieder.
8.2.1
Nichteinhaltung der Kalkmengen
(1)
(2)
Wird vom Auftragnehmer die aus Kalkungsfläche
[ha] und Kalkdosis [t/ha] resultierende, im Leistungs-
verzeichnis bezifferte Gesamtkalkmenge [t] nicht
vollständig angeliefert (Lieferscheinkontrolle) bzw.
ausgebracht (Restmengen auf Umschlagplätzen),
so ist der Auftraggeber berechtigt, nach erfolglosem
Ablauf einer von ihm zur Nacherfüllung bestimmten
Frist auf Rechnung des Auftragnehmers nachzubes-
sern. Eine Unterschreitung von maximal 3 % wird
toleriert.
Bei einer Überlieferung bezogen auf die Gesamtkalk-
menge [t] pro Los über 3 % hinaus erfolgt keine Ver-
gütung für den Anteil oberhalb der Toleranzgrenze.

64
I
Qualitätssicherung und Rückforderungen bei Abweichungen vom Vertrag
8.2.2
Nichteinhaltung der Kalkeigenschaften
PMbwB = (PKbwB +PAbwB)
*
LM
bet
PMbwB = Preisminderung [€]
PKbwB = Kontrollprobenpreis [€/t % bwB auf Basis CaCO
3
]
PAbwB = Angebotspreis [€/t % bwB auf Basis CaCO
3
]
LMbet = betroffene Liefermenge [t]
Beispiel:
181,20
= (67,92
€/t
- 64,18
€/t)
*
48,5 t
PMbwB = 181,20
PKbwB = 67,92
€/t
PAbwB = 64,18
€/t
LMbet = 48,5 t
Abweichungen von den vertraglich vereinbarten
Kalkeigenschaften berechtigen den Auftraggeber
zum Nachbesserungsverlangen und in nachfol-
genden Fällen auch zur Preisminderung bzw. zur
Nachbesserung auf Rechnung des Auftragnehmers.
Grundlage der Forderungen sind die Analyse-
ergebnisse der Staatlichen Betriebsgesellschaft
für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) von den
während der Kalkung auf den Umschlagplätzen
entnommenen Kalkproben (Kapitel 8.1.2).
Der Umfang der Forderung bezieht sich auf die
durch die Probenahme repräsentierte Liefermen-
ge (Lieferscheinkontrolle und Kontrolle des Pro-
tokolls der Kalkprobenahme).
Preisminderungen für mehrere Qualitätsmerk-
male werden addiert.
Hält der angelieferte Kalk die zugesagten Quali-
tätseigenschaften
in mehreren Merkmalen oder mehrfach bei ei-
nem bestimmten Merkmal nicht ein, so kann
dieser Kalk von künftigen Ausschreibungen aus-
geschlossen werden;
in einem oder mehreren Merkmal(en) bei allen
Probenahmen in dem betreffenden Los nicht
ein,
so
ist
der
Auftraggeber
berechtigt,
die
geltend
gemachte Forderung auf die gelieferte Gesamt-
kalkmenge des Loses zu beziehen.
(1)
(2)
(3)
(4)
(5)
8.2.2.1
Gehalte an basenwirksamen Bestandteilen (bwB) auf
Basis CaCO3 und an Magnesiumkarbonat (MgCO3)
Die vertraglich vereinbarten Gehalte an bwB (auf
Basis CaCO
3
) und an MgCO
3
dürfen im Vollzug der
Kalkung einzelfallweise
bei bwB
(errechnet auf Basis CaCO
3
) um maximal 3,0
Gewichts-% absolut
bei MgCO
3
um maximal 1,0 Gewichts-% absolut
unterschritten werden.
(1)
Eine Überschreitung der unter (1) genannten To-
leranzgrenzen berechtigt den Auftraggeber zur
Preisminderung.
Die Preisminderung für nicht tolerierbare
Unter-
schreitungen des Gehaltes an bwB
[% errechnet
auf Basis CaCO
3
] berechnet sich als Produkt aus
der Abweichung des Kontrollproben-Preises [€/t
% bwB als CaCO
3
] zum Angebotspreis [€/t % bwB
als CaCO
3
] und der betroffenen Liefermenge [t]:
Die Preisminderung für nicht tolerierbare
Unter-
schreitungen des Gehaltes an MgCO
3
[%] berech-
net sich aus
der Abweichung zwischen dem Mg-bürtigen
Anteil am vereinbarten Preis [a] „
/t % bwB
auf Basis CaCO
3
verrechnet
mit
einer
eventuellen
positiven
Ab-
weichung [b] zwischen dem vereinbarten Preis
/t % bwB auf Basis CaCO
3
“ insgesamt
multipliziert mit der betroffenen Liefermenge [c]
(3)
(3.1)
(3.2)
% bwB
auf
Basis CaCO
3
=
% CaCO
3
+
(% MgCO
3
* 1,19)
Beispiel:
bwB = 94,65 %
=
53,0
+
(35,0% * 1,19)
Die planmäßige Ausnutzung dieser Toleranzen ist
nicht gestattet.
Der Gehalt an basisch wirksamen Bestandteilen
auf der Basis CaCO
3
errechnet sich stöchiome-
trisch aus den Gehalten [%] an CaCO
3
und an
MgCO
3
wie folgt:
(2)

Qualitätssicherung und Rückforderungen bei Abweichungen vom Vertrag
I
65
∆P
bwB = PAbwB - PKbwB
∆P
MgCO
3
= PKMgCO
3
- PAMgCO
3
PM
MgCO
3
= (∆PMgCO
3
+ ∆PbwB)
*
LMbet
[a]
∆PMgCO3 = Preisabweichung Mg-Anteil
[€/t % bwB auf Basis CaCO
3
]
PKMgCO3 = Mg-bürtiger Kontrollprobenpreis
[€/t % bwB auf Basis CaCO
3
]
PAMgCO3 = Mg-bürtiger Angebotspreis
[€/t % bwB auf Basis CaCO
3
]
[b]
nur berücksichtigen, wenn Ergebnis positiv
∆PbwB = Preisabweichung für alle bwB
[€/t % bwB auf Basis CaCO
3
]
PAbwB = Angebotspreis für alle bwB
[€/t % bwB auf Basis CaCO
3
]
PKbwB = Kontrollprobenpreis für alle bwB
[€/t % bwB auf Basis CaCO
3
]
[c]
PMMgCO
3
= Preisminderung [€]
LMbet = betroffene Liefermenge [t]
∆P
MgCO
3
= PKMgCO
3
- PAMgCO
3
∆PMgCO3 = 21,8
€/t
- 30,52
€/t
∆PMgCO3 =
- 8,72
€/t
∆PbwB = 69,36
€/t
- 67,86
€/t
∆PbwB =
+ 1,5
€/t
[ positives Ergebnis]
PMMgCO
3
= (-8,72
€/t
+ 1,50
€/t)
*
48,45 t
PMMgCO
3
=
-349,81
Für das Beispiel ergibt sich eine Preisminderung von
349,81
für die angegebene Liefermenge.
∆P
bwB = PAbwB - PKbwB
PM
MgCO
3
= (∆PMgCO
3
+ ∆PbwB)
*
LMbet
Angebot/
vertragl.
vereinbart
Spalte
Angebot/
vertragl.
vereinbart
Variable
Kontrollprobe
Spalte
Kontrollprobe
Variable
Preis
Ware
[€/t]
(1)
65,65
Preis
Ware
[€/t]
(10)
65,65
CaCO
3
[%]
(2)
53
CaCO
3
[%]
(11)
67
MgCO
3
[%]
(3)
35
MgCO
3
[%]
(12)
25
bwB
CaCO
3
[%]
(4)=(2)
53,00
bwB
CaCO
3
[%]
(13=(11)
67,00
bwB
MgCO
3
[%]
(5)=
(3)*1, 19
41,65
bwB
MgCO
3
[%]
(14)=
(12)*1, 19
29,75
bwB
[%]
(6)=
(4)+(5)
94,65
bwB
[%]
(15)=
(13)+(14)
96,75
Preis
bwB
[€/t]
(7)=
(1):(6)*100
PA
bwB
69,36
Preis
bwB
[€/t]
(16)=
(10):(15)* 100
PK
bwB
67,86
Anteil
MgCO
3
an
bwB [%]
(8)=
(5):(6)*100
44,00
Anteil
MgCO
3
an
bwB [%]
(17)=
(14):(15)* 100
31,43
Mg-bür.
Preis
[€/t]
(9)=
(7)*(8):100
PA
Mg
CO3
30,52
Mg-bür.
Preis
im Bezug
zu Ange-
botspreis
[€/t]
(18)=
(7)
*(17): 100
PK
MgCO
3
21,80
Beispiel:
Sollgehalte: Kalk mit 53 % CaCO
3
und 35 % MgCO
3
;
(Preis 65,65
€/t
Ware)
Kontroll-
ergebnis:
Kalk mit 67 % CaCO
3
und 25 % MgCO
3
;
Preis 65,65
€/t
Ware
nicht tolerierbare Unterschreitung des
MgCO
3
-Gehaltes
betroffene Liefermenge: 48,45 t

66
I
Qualitätssicherung und Rückforderungen bei Abweichungen vom Vertrag
PM_Sieb = P_Ware
*
LM_bet
*
Red
[€]
[€/t der Ware]
[t]
8.2.2.3
Kornspektrum und Feuchtegehalte
Kalk
Mindest-Siebdurchgang [Masse-%]
3,15 mm
2,0 mm
1,0 mm
0,09 mm
gemahlen
97
90
70
33
bei Abweichung
Verminderung des Angebotspreises [€/t Ware]
vom Soll um
mit folgenden Reduktionsfaktoren
≤1 % absolut
0
0
0
0
1,1 - 3,0 %
0,005
0,01
0,02
0,04
3,1 - 6,0 %
0,01
0,02
0,04
0,08
6,1 - 9,0 %
0,02
0,04
0,08
0,16
>9,0 %
0,04
0,08
0,16
0,32
Bei Überschreitung der Toleranzgrenzen für den
Gehalt an bwB (auf Basis CaCO
3
) und an MgCO
3
werden die berechneten Preisminderungen ad-
diert
(4)
Der Auftragnehmer hat auf den betroffenen Flä-
chen, denen die Liefermenge mit unterschritte-
ner Mindestreaktivität zuzuordnen ist, auf eigene
Rechnung Nachbesserung mit einem anderen
Kalk in einer Dosierung von 1,5 t je ha innerhalb
einer angemessenen, vom Auftraggeber be-
stimmten Frist zu leisten.
8.2.2.2
Reaktivität
Kommt der Auftragnehmer der Nachbesserungs-
pflicht innerhalb der hierfür gesetzten Frist nicht
nach, so entfällt die Vergütung für die betroffene
Liefermenge.
(2)
Werden die im Leistungsverzeichnis genannten
Mindestaufmahlungen um mehr als 1 % abso-
lut unterschritten, so kann der Auftraggeber den
Angebotspreis mindern.
Die Preisminderung errechnet sich als Produkt
aus dem Angebotspreis [
/t Ware] der betrof-
fenen Liefermenge [t] und Reduktionsfaktoren.
Werden die geforderten Mindest-Feuchtegehalte
(vgl. Abschnitt 6.1.2) um mehr als 0,5 % absolut un-
terschritten, so mindert sich bei der betroffenen
Liefermenge der Angebotspreis für den Anteil
der Korngrößenstufe 0,09 mm entsprechend der
nachfolgenden Reduktionsfaktoren (s. Tab. II-5).
(1)
(2)
(4)
(1)
Die Reduktionsfaktoren sind nach den Korngrö-
ßenstufen wie folgt gestaffelt; gleichzeitige Ab-
weichungen in mehreren Korngrößenstufen wer-
den addiert.
(3)
PM_Sieb = Preisminderung Siebanteil
P_Ware = Angebotspreis der Ware [€
/t]
LM_bet = betroffene Liefermenge [t]
Red
= Reduktionsfaktor
Wird der festgelegte Maximalanteil der Korn-
größenstufe 0,09 mm (vgl. Abschnitt 6.1.2)
überschritten, so mindert sich bei der betroffe-
nen Liefermenge der Angebotspreis für den über
der Begrenzung liegenden Anteil der Korngröße
0,09 mm um 50 %. Für den über der Begrenzung
liegenden Anteil der Korngrößenstufe 0,09 mm
findet (4) keine Anwendung.
(5)
Tabelle II-4: Reduktionsfaktoren bei Unterschreitung der Mindestforderungen zum Siebdurchgang

Qualitätssicherung und Rückforderungen bei Abweichungen vom Vertrag
I
67
Element
Richtwert
As
20
Cd
1
Cr-total
150
Toleranz
absolut
Hg
0,5
Ni
10
Pb
125
Tl
1
Cu
35
Zn
200
[mg/kg Trockenmasse]
4
0,2
30
0,1
2
25
0,2
7
40
Feuchtegehalt
unterhalb der geforderten Mindestfeuchte
von 6 %
[bei einem Anteil der Korngrößenstufe
0,09 mm >40 %]
5,0 - 5,4 %
4,5 - 4,9 %
4,0 - 4,4 %
3,5 - 3,9 %
3,0 - 3,4 %
2,5 - 2,9 %
Feuchtegehalt
< 2,5 %
Reduktionsfaktoren
für den 40 % übersteigenden Teil der
Korngrößenstufe 0,09 mm
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
Reduktionsfaktor
für den gesamten Anteil der Korngrößen-
stufe 0,09 mm
0,8
8.2.2.4
Schwermetallgehalte
Die im Leistungsverzeichnis geforderten maxima-
len Schwermetallgehalte dürfen um höchstens
20 % überschritten werden (Toleranzgrenze).
(1)
Werden die geforderten maximalen Schwerme-
tallgehalte um mehr als 20 % überschritten, ist
der Auftraggeber zur Preisminderung berechtigt.
Die Preisminderung errechnet sich als Produkt
aus dem Angebotspreis [€/t Ware] der betrof-
fenen Liefermenge [t] und Reduktionsfaktoren.
(2)
Tabelle II-5: Reduktionsfaktoren bei Unterschreitung der Mindestfeuchte in Abhängigkeit vom Aufmahlungsgrad
Tabelle II-6: Richt- und Toleranzwerte maximal zulässiger Schwermetallgehalte für eingesetzte Kalke

68
I
Qualitätssicherung und Rückforderungen bei Abweichungen vom Vertrag
Preisminderung = Angebotspreis
*
betroffene Liefermenge
*
Reduktionsfaktor
[€]
[€/t
der Ware]
[t]
Überschreitung der maximal zulässigen Schwermetallgehalte um
21–25 %
26–30 %
31-35 %
36 %
0.1
0,2
0,3
0,5
Verminderung Angebotspreis [
/t Ware] mit folgenden Reduktionsfaktoren
8.2.4
Nichteinhaltung der Ausführungsfrist
Sofern der Auftragnehmer aus von ihm zu vertreten-
den Gründen mit der Ausführung und dem Abschluss
der Kalkung in Verzug gerät, kann der Auftraggeber
Die Reduktionsfaktoren sind nach dem Grad der
Überschreitung der maximal zulässigen Schwer-
metallgehalte gestaffelt; gleichzeitige Über-
schreitungen bei mehreren Elementen werden
addiert:
(3)
Bei Unterschreitung der vertraglich vereinbarten
flächenbezogenen Ausbringmenge (Solldosis) um
mehr als -30 % (vgl. Toleranzgrenze Kapitel 7.4)
ist der Auftraggeber berechtigt, nach erfolglo-
sem Ablauf einer von ihm gegenüber dem Auf-
tragnehmer zur Nacherfüllung bestimmten Frist,
auf dessen Rechnung nachzubessern. Die Nach-
besserungen beziehen sich auf Flächen bzw. aus-
gebrachte Kalkmengen, bei denen die über die
Toleranzgrenze reichenden Unterschreitungen
anhand der Arbeitsnachweise (vgl. Kapitel 7.5) oder
GPS-Daten der Kalkapplikation bzw. bei Vor-Ort-
Kontrollen festgestellt wurden.
Bei Überschreitung der vertraglich vereinbarten-
flächenbezogenen Ausbringmenge (Solldosis) um
mehr als +30 % (vgl. Toleranzgrenze Kapitel7.4)
erfolgt für die entsprechenden Kalkmengen, die
über der Toleranzgrenze liegen, keine Vergütung.
Für auf nicht zu kalkenden Flächen ausgebrachten
Kalk hat der Auftragnehmer keinen Anspruch auf
Vergütung.
vom Vertrag zurücktreten und die Restarbeiten
einem Dritten übertragen; die Kostendifferenz
hat der schuldhaft in Verzug geratene Erstanbie-
ter zu tragen,
vom schuldhaft in Verzug geratenen Erstanbieter
eine Konventionalstrafe in Höhe von 10 % des
Geldwertes der nicht termingerecht erbrachten
Leistung verlangen.
die Kalkung abbrechen,
vom Vertrag zurücktreten und die Kalkung ins-
gesamt bzw. Restarbeiten einem Dritten übertra-
gen; die Kostendifferenz hat der Erstanbieter zu
tragen,
vom Erstanbieter eine Konventionalstrafe in Höhe
von 10 % des Geldwertes der nicht erbrachten Leis-
tung verlangen.
(1)
(2)
(3)
(1)
(2)
(1)
(2)
(3)
8.2.3
Nichteinhaltung der Kalkverteilung
8.2.5
Nichteinhaltung der zugesagten ausreichen
den deutschen Sprachkenntnisse des einge-
setzten Personals
Sofern der Auftragnehmer Personal ohne ausreichen-
de deutsche Sprachkenntnisse einsetzt, dadurch keine
zweifelsfreien Absprachen zwischen diesem und den
Beauftragten der Forstbezirke möglich sind und die
ordnungsgemäße Durchführung der Kalkung nicht
gewährleistet ist, kann der Auftraggeber nach einer
Abmahnung

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69
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