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Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
Untersuchungen zur Auswirkung unterschiedlicher Futterrationen
auf den Ertrag in der Milch-, Fleisch- und Eierproduktion
im ökologischen Betrieb
Abschlussbericht zum Forschungsprojekt

 
1
1. Einleitung und Zielstellung
Im ökologischen Landbau wird die hofeigene Versorgung mit Futtermitteln
angestrebt. Zur Sicherstellung des Energie- und Nährstoffbedarfes der Tiere stehen
daher - in Abhängigkeit von den natürlichen Standort- und Vermarktungs-
bedingungen - nur ausgewählte Rationskomponenten zur Verfügung.
Zusätzlich regeln rechtliche Grundlagen (EU-Verordnung, Verbandsrichtlinien) den
Futtermitteleinsatz. So dürfen laut EU-Verordnung vom 19.07.1999 zur Einbeziehung
der tierischen Erzeugung in den Geltungsbereich der Verordnung über den
ökologischen Landbau und die entsprechende Kennzeichnung der
landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Lebensmittel folgende Futtermittel bzw.
Futterzusatzstoffe im ökologischen Betrieb bei allen Tierarten nicht eingesetzt
werden:
- Futtermittel tierischer Herkunft (außer Milch und Milchprodukte sowie Fisch,
andere Meerestiere, deren Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse)
-
Antibiotika, Kokzidiostatika und andere Arzneimittel
-
Wachstumsförderer oder sonstige Stoffe zur Wachstums- und Leistungsförderung
-
gentechnisch veränderte Futtermittel (GVO)
- Futtermittel, die unter Verwendung chemischer Lösungsmittel hergestellt oder
zubereitet wurden (Extraktionsschrote)
-
synthetische Futterstoffe (außer Vitaminen)
Weiterhin gilt:
Die Ernährung von jungen Säugetieren erfolgt auf der Grundlage von natürlicher
Milch, vorzugsweise Milch der Muttertiere. Der Mindestzeitraum für die
Milchtränke beträgt:
- Rinder und Pferde: 3 Monate
- Schafe und Ziegen: 45 Tage
-
Schweine: 40 Tage
Pflanzenfressern ist ein Maximum an Weidegang zu gewähren. Mindestens 60 %
der Trockenmasse in der Tagesration muß aus frischem, getrocknetem oder
siliertem Rauhfutter bestehen. Den Rationen für Schweinen und Geflügel ist
ebenfalls frisches, getrocknetes oder siliertes Rauhfutter beizugeben.
Bei Geflügel besteht das im Maststadium verabreichte Futter aus mindestens
65% Getreide.
Die Beimischung von Umstellungsfuttermitteln ist im Durchschnitt bis zu maximal
30 % der Ration zulässig. Stammen diese Umstellungsfuttermittel aus einer
Einheit des eigenen Betriebs, kann dieser Satz 60 % betragen
Während einer Übergangszeit bis zum 24.08.2005 dürfen konventionelle
Futtermittel in begrenztem Umfang verwendet werden, wenn eine ausschließliche
Versorgung mit Futtermitteln aus dem ökologischen Landbau nicht möglich ist.
Der zulässige Höchstanteil beträgt bei Pflanzenfressern 10 % und bei anderen
Arten 20 % an der jährlichen Futteraufnahme (% der Trockenmasse).
Die ökologischen Verbände haben eigene, darüber hinausgehende Regelungen
(Verbandsrichtlinien) getroffen. Allgemein gestatten die meisten Verbände z.B. bei
der Schweinefütterung nur 15 % zugekaufte konventionelle Futtermittel. Die Palette
dieser konventionellen Futtermittel ist von Verband zu Verband unterschiedlich und
für die einzelnen Tierarten speziell geregelt.
Die Anforderungen an die Ernährung der landwirtschaftlichen Nutztiere sind sowohl
in der konventionellen als auch in der ökologischen Tierhaltung gleich. In beiden
Fällen wird der Grad der Bedarfsdeckung über die Leistung der Tiere entscheiden.

2
Nach STEINHÖFEL (2000) ergeben sich jedoch Unterschiede durch die
verschiedenen Möglichkeiten der Bedarfsdeckung, d. h. durch den begrenzten
Futtermitteleinsatz.
Außerdem treten aufgrund der Besonderheiten in der Bewirtschaftung der
Futterfläche im Öko-Betrieb Abweichungen im Futterwert der Futterkulturen auf
(AHRENS et al. 1999, MEIXNER 1999). Gegenwärtig fehlen ausreichend Laborer-
gebnisse zu Futterwerten von Ökofuttermitteln. Dieses Projekt wird dazu beitragen,
die Datensammlung über den Futterwert von ökologisch erzeugten Futtermitteln zu
erweitern. Mit einem repräsentativen Datenpool könnte dann eine Tabellierung von
Futterwerten für Futtermitteln aus Ökobetrieben erfolgen. Diese Problematik ist
bundesweit von zunehmendem Interesse. So ist unter Federführung der DLG der
Aufbau einer Datenbank zu Ökofuttermitteln geplant (ALERT, 2001). Auch an der
GhK Witzenhausen (TREI, 2001) beschäftigt man sich mit der Sammlung von
Inhaltstoffdaten ökologisch erzeugter Futtermittel.
Insbesondere auf dem Gebiet der Schweinemast sind im Rahmen von
Untersuchungen in Haus Düsse (HOPPENBROCK 2002, HOPPENBROCK et al.
2000, HAUS DÜSSE 1998) aber auch bei anderen Quellen
(LANDWIRTSCHAFTSKAMMER RHEINLAND 1995, AHRENS und EBERT 1992)
Anstrengungen unternommen worden, die Ration bedarfsgerecht, kostensparend
und effektiv zu gestalten. Forschungsvorhaben an der Sächsischen Landesanstalt für
Landwirtschaft in Köllitsch hatten ebenfalls die Fütterung von Mastschweinen unter
den Bedingungen des ökologischen Landbaus zum Gegenstand (KRÜGER 2000;
2001). Es läßt sich feststellen, daß unter Einbeziehung zugelassener konventioneller
Futtermittel (Kartoffeleiweiß, Magermilchpulver, ...), einer angepassten
Fütterungsstrategie (Phasenmast) und geeigneter genetischer Voraussetzungen der
Tiere eine ökologische Schweinemast mit positivem Ergebnis realisierbar ist.
Ähnliches gilt für die Legehennenfütterung. Durch den Einsatz von einheimischen
Leguminosen, Grünmehl, Ölzusatz und konventionellen Futterstoffen (Maiskleber,
Kartoffeleiweiß) kann überwiegend eine bedarfsdeckende Nährstoffversorgung
gewährleistet werden. (STROBEL et al. 1998, JEROCH und STROBEL, 1999,
DEERBERG 2000, MEYER 2001). Es gilt, die Leistungserwartung den
Fütterungsmöglichkeiten anzupassen (DAMME 1999).
Nicht nur bei der Mast von Schweinen und der Legehennenhaltung auch bei der
Milcherzeugung ist das Ergebnis stark vom erzielten Erlös abhängig. Hier sind
insbesondere bei der Milchvermarktung große Reserven zu erschließen, da in
Sachsen die überwiegende Anzahl Milcherzeuger konventionell (kein Ökozuschlag)
vermarkten muß (SMUL 2001). Deshalb ist eine tiergerechte und kostengünstige
Fütterung auf der Grundlage von gutem Rauhfutter von großer Wichtigkeit. Die EU-
Verordnung und die Richtlinien der Verbände begrenzen den Kraftfuttereinsatz auf
40 % (max. 50 % bei hochlaktierenden Milchkühen für max. 3 Monate mit
Genehmigung der Kontrollstelle). Damit gewinnt die Qualität des Grundfutters
zusätzlich an Bedeutung. Die herausragende Stellung des Grundfutters in der
allgemeinen Wiederkäuerfütterung wird durch eine gezielte Datenerfassung u.a. im
„Futterqualitätsprogramm des Freistaates Sachsen“ gestützt.
Die Zielstellung des Forschungsvorhabens: „Untersuchungen zur Auswirkung
unterschiedlicher Futterrationen auf den Ertrag in der Milch-, Fleisch- und
Eierproduktion im ökologischen Betrieb“ besteht darin, einen Überblick über den
Stand der Tierfütterung in Ökobetrieben Sachsens zu gewinnen. Dabei sollen unter
besonderer Beachtung der betrieblichen (vorhandene Futtermittel, Tierhaltung,...)
und rechtlichen Rahmenbedingungen (EU-Verordnung, Verbandsrichtlinien) die
eingesetzten ökologischen Futterrationen auf ihren Futterwert und ihre Eignung

image
3
hinsichtlich der Bedarfsdeckung untersucht werden. Gleichzeitig geben die u.a. für
Rationsberechnungen notwendigen Futteranalysen Hinweise darauf, ob und
welchem Ausmaß sich die Rohnährstoffgehalte und damit der Futterwert ökologisch
erzeugter Futtermittel von konventionellen Durchschnittswerten („Futterwerttabellen“)
unterscheiden.
Auf der Grundlage der Ergebnisse des vorliegenden Projektes sollen neben
Hinweisen und Empfehlungen für die Praxis (Öko-Berater, Umstellungsplanung)
auch Vorschläge für eine notwendige wissenschaftliche Begleitung der weiteren
Entwicklung der ökologischen Tierhaltung im Freistaat Sachsen abgeleitet werden
können.
2. Realisierung
2.1. Betriebe und Datenerfassung
Die Abbildung 1 zeigt die territoriale Verteilung der Betriebe, von denen
Futterproben, Angaben zur tierischen Leistungen u.a. Daten erfasst wurden. Es
handelte sich teilweise um Kooperationsbetriebe, in denen eine ausführliche Analyse
des Betriebes und eine Zusammenarbeit mit der Landesanstalt bereits bestand. Die
Auswahl der Betriebe erfolgte in Zusammenarbeit mit den verantwortlichen
Ökoberatern Frau Streubel, Herrn Kunze und Herrn Schubert bei den Ämtern für
Landwirtschaft. In einem persönlichen Gespräch mit den Betriebsleitern wurde deren
Bereitschaft eingeholt, im Projekt mitzuwirken. Bei der Betriebsauswahl sollte
weitestgehend die Struktur (Größe der Bestände, territoriale Konzentration) der
Ökotierhaltung Sachsens berücksichtigt werden.
Abb. 1: Verteilung der in das Projekt einbezogenen Betriebe

4
Die Untersuchungsbetriebe mit detaillierter Erfassung der tierischen Leistungen
werden durch die folgenden Aussagen näher charakterisiert:
- Die Flächenausstattung beträgt durchschnittlich 189 ha, wobei der kleinste
Betrieb 18 ha und der größte ca. 700 ha bewirtschaften.
- Die Betriebe werden in der Regel bereits mehr als fünf Jahre ökologisch
bewirtschaftet (kein Umstellungsbetrieb).
- Die Mehrzahl der ausgewerteten Betriebe befinden sich im Wirtschaftsgebiet des
Sächsischen Lößgebietes, daher ist z.B. auch Maisanbau standortbedingt wie in
einem der Milchviehbetriebe möglich. Etwas unterrepräsentiert ist das Sächsische
Mittelgebirge und Vorland. Hier ist in größerem Umfang die Rinderhaltung
(insbes. Mutterkuhhaltung) vorzufinden. Ein Milchviehbetrieb konnte für die
Erfassungen der Futterrationen und Milchleistungen gewonnen werden. Kleegras
bildet in diesem und zwei weiteren Milchviehbetrieben eine wesentliche
Rationskomponente, was als typisch für die ökologische Tierhaltung
herausgestellt werden kann.
- Der Tierbestand lag in den analysierten vier Milchviehbetrieben zwischen 40 und
80 Kühen, deren Milch (zweimalige Melken/Tag) teilweise selbst verarbeitet, aber
zum überwiegenden Teil konventionell vermarktet wird. Die konventionelle
Vermarktung der Milch ist ebenfalls Merkmal für die Öko-Milchviehbetriebe
Sachsens.
- Ausschließlich ökologische Vermarktung erfolgt in den beteiligten drei
Legehennenbetrieben, deren Bestände 40% der Gesamt-Ökolegehennen
Sachsens verkörpern (120 – 7500 Legehennen/Betrieb). Standortschwerpunkt ist
ebenfalls das Sächsische Lößgebiet.
- Gleiches gilt für die Schweinemast. Zu Beginn des Projektes war hier zunächst
nur ein Betrieb in die Auswertung einbezogen. Bedingt durch die steigende
Nachfrage nach ökologisch erzeugtem Schweinefleisch war eine Ausdehnung der
Produktionskapazitäten zu beobachten. So konnten zwei weitere Betriebe für die
Projektmitarbeit gewonnen werden, die zwar bereits ökologischen Landbau
betrieben, aber neu in die ökologische Schweinemast einstiegen und ein starkes
Interesse am Erkenntnisgewinn aus der Zusammenarbeit hatten. Die
Bestandesgröße liegt hier zwischen 250 und 1000 Mastplätzen jedoch
gegenwärtig noch ohne Auslauf.
Die Erfassung der eingesetzten Futtermengen und -arten lagen in der Regel beim
den Betriebsleitern bzw. verantwortlichen Mitarbeitern. Sie bildeten im
Zusammenhang mit den jeweiligen Analysen die Grundlagen für die
Rationsberechnungen.
Angaben zu den jeweiligen tierischen Leistungen wurden zum einen aus den
betrieblichen Unterlagen (Stallbücher, Abrechnungsbögen) durch den Projekt-
mitarbeiter entnommen bzw. als Kopie (Abrechnung-Schlachthof, Ergebnisse der
Milchleistungsprüfung) durch die Betriebleiter zur Verfügung gestellt.
2.2. Proben
Insgesamt wurden 295 Futterproben gezogen, die nahezu vollständig durch den
FB 10 analysiert wurden. Die Verteilung auf die einzelne Futtermittelgruppen zeigt
Tabelle 1.

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5
Tabelle 1: Verteilung und Analysenstand der Futtermittelproben
Futtermittel Proben analysiert
Futtermischungen
1
50
Legemehl 19
Weizen 30
Gerste 15
Triticale 17
Roggen 15
Hafer 15
Heu 30
Silagen 35
Erbsen 16
Sonstiges
2
53
Insgesamt 295
1
umfaßt betriebliche Futtermischungen - teils Mischanbau (Hafer-Erbsen-Gerste), teils
Hofmischungen (Getreide, Legemehl, Öl....)
2 umfaßt verschiedene Futterstoffe mit geringer Häufigkeit bzw. konventioneller Herkunft
2.3. Qualitätsparameter tierischer Produkte
Die Parameter der Milch (Milchfett, Milcheiweiß, Zellzahl, Harnstoffgehalt) wurden
den monatlichen MLP entnommen und daher durch den LKV Sachsen analytisch
bearbeitet.
Als Kriterium für die erzielte „Fleischqualität“ im Mastschweinebereich wurde der
Magerfleischanteil aus den Abrechnungsunterlagen vom Schlachthof einbezogen.
Zusätzlich wurden von einem Mastdurchgang der Betriebe B und L die
Schlachtkörperbefunde im Schlachthof Altenburg erhoben, um Einblick in den
Gesundheitsstatus und damit die Leistungsfähigkeit der Tiere zu erhalten. Die
Erhebung wurde durch die Mitarbeiter des Veterinär- und Lebensmittel-
überwachungsamtes Altenburg (Herrn Dr. Domel und Herrn Drechsler)
freundlicherweise durchgeführt.
Außerdem sollten im Projekt auch Eiqualitätsparameter (Dotterfärbung,
Eischalenstabilität) bestimmt werden. Die Erfassung der Schalenstabilität erfolgte als
direkte Messung der Bruchfestigkeit mit Hilfe einer gezielten Kraft (Bruchkraft), die
mittels eines Spezialgerätes (s. Abb. 2) auf das Ei ausgeübt wird. Mit einem
Farbfächer wird die Farbtiefe der Dotter ermittelt (s. Abb. 3).
Abb. 2: Meßgerät zur Bestimmung der
Eischalenstabilität
Abb. 3: Farbfächer zur Bestimmung der
Dotterfärbung

6
3. Ergebnisse
3.1. Futtermittel
3.1.1. Getreide
Die Tabelle 2 gibt eine Übersicht über die ermittelten Nährstoffgehalte und deren
Schwankungen.
Tab. 2: Übersicht – Rohnährstoffgehalte und Futterwert von Getreide
Rohnährstoffe (% bei 88%TS)
Energie ME MJ/kg
Ra Rfa Rfe Rp StärkeZuckerSchwein Geflügel Rind
Weizen Mittelwert 1,71 3,12 2,5410,48 59,44 2,64 14,06 12,8211,46
n=28 min. 1,12 2,06 1,82 8,24 57,20 1,75 13,71 12,4711,38
max.
4,53
4,75
3,65 12,28
61,68
3,61
14,55
13,34 11,53
Stabw.
0,61
0,55
0,39
0,99
1,23
0,44
0,25
0,22
0,10
Stabw.%
35,89 17,48 15,28
9,45
2,07
16,69
1,76
1,74
0,91
Gerste Mittelwert 2,29 5,82 2,95 8,22 52,77 1,94 12,60 11,32
n=13 min. 2,02 4,36 2,38 6,40 51,29 0,36 12,23 10,95
max.
2,58
7,83
3,32 11,30
54,02
3,13
13,23
11,93
Stabw.
0,14
1,07
0,30
1,58
0,89
0,88
0,32
0,32
Stabw.%
6,16 18,35 10,02 19,25
1,69
45,49
2,56
2,84
Triticale Mittelwert 1,96 3,35 2,32 8,87 59,38 3,55 13,67 12,48 11,57
n=16 min. 1,51 2,53 1,72 7,37 56,07 2,69 13,16 12,1611,57
max.
4,37
5,79
2,71 11,92
63,43
4,74
13,97
13,05 11,57
Stabw.
0,70
0,86
0,29
1,29
2,12
0,55
0,24
0,28
Stabw.%
35,69 25,55 12,47 14,58
3,58
15,56
1,76
2,24
Roggen Mittelwert 1,68 3,34 2,14 7,64 54,38 6,31 13,25 11,77 11,67
n=15 min. 1,50 2,07 1,76 6,08 52,68 5,56 11,84 11,4411,46
max.
2,17 10,10
2,90 10,17
55,57
7,56
13,58
12,18 12,04
Stabw.
0,18
1,91
0,31
1,14
0,85
0,66
0,44
0,21
0,32
Stabw.%
10,55 57,21 14,52 14,95
1,56
10,47
3,35
1,77
2,75
Hafer Mittelwert 2,84 10,57 4,9110,60 40,67 1,27 11,54 10,3611,22
n=15 min. 2,04 5,37 3,17 8,31 31,91 0,21 9,67 8,7011,01
max.
4,81 15,74
6,83 14,13
51,34
2,83
13,09
11,91 11,52
Stabw.
0,66
3,05
0,99
1,50
7,17
0,71
1,12
1,08
0,23
Stabw.%
23,26 28,87 20,23 14,14
17,63
56,34
9,72
10,41
2,09
Tab. 3: Übersicht – Aminosäuregehalte von Getreide
Aminosäuren ( % bei 88% TS)
Lysin Methionin Cystin Threonin
Weizen Mittelwert 0,30 0,18 0,27 0,32
n=28 min. 0,25 0,14 0,22 0,26
max. 0,38 0,25 0,31 0,36
Stabw. 0,03 0,02 0,03 0,03
Stabw.%
10,22
11,87
10,52
9,38
Gerste Mittelwert 0,34 0,15 0,19 0,30
n=13 min. 0,28 0,12 0,18 0,26
max. 0,42 0,21 0,20 0,40
Stabw. 0,05 0,03 0,01 0,06
Stabw.% 15,37 19,87 3,64 18,93
Triticale Mittelwert 0,33 0,16 0,23 0,29
n=16 min. 0,27 0,13 0,19 0,25
max. 0,43 0,20 0,28 0,33
Stabw. 0,04 0,02 0,03 0,03
Stabw.%
12,27
11,84
11,80
9,45

7
Aminosäuren ( % bei 88% TS)
Lysin Methionin Cystin Threonin
Roggen Mittelwert 0,31 0,13 0,20 0,27
n=15 min. 0,28 0,12 0,18 0,24
max. 0,34 0,17 0,23 0,29
Stabw. 0,02 0,01 0,02 0,02
Stabw.% 6,08 9,27 9,31 6,65
Hafer Mittelwert 0,43 0,18 0,34 0,37
n=15 min. 0,36 0,15 0,30 0,33
max. 0,54 0,21 0,39 0,42
Stabw. 0,05 0,02 0,03 0,03
Stabw.%
12,17
10,99
9,72
8,13
3.1.2. Körnerleguminosen
Tab. 4: Übersicht – Rohnährstoffgehalte und Futterwert von Körnerleguminosen
Rohnährstoffe (% bei 88%TS)
Energie ME MJ/kg
Ra Rfa Rfe Rp StärkeZuckerSchwein Geflügel Rind
Erbsen Mittelwert 2,97 6,77 2,7421,04 46,27 4,82 13,99 12,64
n=16 min. 2,49 5,11 1,5819,11 43,23 3,74 13,59 12,06
max.
3,55 11,50
6,42 23,98
52,38
7,02
15,20
13,96
Stabw.
0,30
1,40
1,42
1,38
2,79
1,00
0,51
0,63
Stabw.%
10,28 20,63 51,77
6,57
6,02
20,73
3,68
4,99
Lupinen Mittelwert 3,28 15,26 5,4029,03 11,67 4,69 11,33 8,9212,32
n=6 min. 3,12 13,53 4,0127,19 10,17 4,07 11,05 8,7412,32
max.
3,52 17,58
5,95 29,91
13,59
5,40
11,75
9,15 12,32
Stabw.
0,15
1,46
0,70
1,08
1,40
0,57
0,30
0,17
Stabw.%
4,46
9,55 13,04
3,72
11,98
12,23
2,66
1,95
Tab. 5: Übersicht – Aminosäuregehalte von Körnerleguminosen
Aminosäuren ( % bei 88% TS)
Lysin Methionin Cystin Threonin
Erbsen Mittelwert 1,57 0,19 0,34 0,81
n=16 min. 1,34 0,16 0,31 0,72
max. 1,73 0,25 0,36 0,88
Stabw. 0,10 0,02 0,02 0,06
Stabw.%
6,68
11,32
4,95
6,86
Lupinen Mittelwert 1,31 0,16 0,41 0,96
n=6 min. 1,22 0,15 0,41 0,89
max. 1,38 0,18 0,41 1,03
Stabw. 0,06 0,01 0,00 0,05
Stabw.% 4,24 8,19 0,65 5,02
3.1.3. Auswertung der Analysen zu Getreide und Körnerleguminosen
Änderungen der Inhaltsstoffe und des Futterwertes werden häufig bei Futtermitteln
im Ökolandbau angenommen. Die folgende Tabelle 6 verdeutlicht die prozentualen
Abweichungen zu den Standardwerten (DLG - Futterwerttabellen).
Es ist festzustellen, daß nicht bei allen Inhaltsstoffen und nicht bei allen
Getreidearten bzw. Körnerleguminosen gleichermaßen Differenzen auftraten.

8
Tab. 6: Vergleich mittlerer Analysenwerte von Ökofuttermitteln und Werten aus
Futtermitteltabellen
Rohnährstoffe (g/kg TS)
Aminosäuren ( g/kg TS)
Ra
Rfa
Rfe
Rp
Stärke Zucker Lysin Methionin Cystin Threonin
Weizen
LfL 2002
19
35
29
119
675
30
3,5
2,0
3,1
3,6
*
19
29
20
138
662
33
3,9
2,3
3,1
4,2
Gerste
LfL 2002
26
66
34
93
600
22
3,8
1,8
2,1
3,4
*
27
57
27
124
599
18
4,3
2,0
2,8
4,1
Triticale
LfL 2002
22
38
26
101
675
40
3,7
1,8
2,6
3,3
*
22
28
18
145
640
40
4,8
2,4
3,2
4,4
Roggen
LfL 2002
19
38
24
87
618
72
3,5
1,5
2,2
3,0
*
21
27
18
112
632
68
4,4
1,9
2,9
3,9
Hafer
LfL 2002
32
120
56
120
462
14
4,9
2,0
3,9
4,3
*
33
116
53
121
452
16
6,0
2,5
4,0
5,0
Erbsen
LfL 2002
34
77
31
239
526
55
17,9
2,2
3,9
9,2
*
34
67
15
251
478
61
17,0
2,4
3,5
8,9
Lupinen
LfL 2002
37
173
61
330
133
53
14,9
1,8
4,6
10,9
*
49
168
57
438
49
64
17,5
3,1
5,8
13,6
* Ernährung landwirtschaftlicher Nutztiere (1999)
Bei grün unterlegten Felder wichen die Projektdaten kaum (<10%) von den
Vergleichswerten ab. Dies traf für die Rohasche und die Stärke mit Ausnahme der
Lupinen zu. Auch die analysierten Zuckergehalte entsprachen weitestgehend den
bekannten Daten. Vereinzelt traten Schwankungen bis zu 20% (gelber Hintergrund)
auf. Die stärksten Unterschiede (rötlicher – roter Hintergrund) waren für die Rohfaser,
das Rohfett und erwartungsgemäß beim Rohprotein zu registrieren. Der erhöhte
Rohfettgehalt wird auch von anderen Quellen bestätigt. So stellte MEIXNER (1999)
bei einem Vergleich von Winterweizen in beiden Erhebungsjahren (1996/97) einen
höheren Rohfettgehalt bei ökologischer Landbauform fest. Eine These für diesen
beobachteten Nebeneffekt könnte der Rückgang des sonst massemäßig
dominierenden Mehlkörperanteils gegenüber dem fettreichen Keimlings bei kleineren
Körnern sein. Ermittlungen der TKM bestätigten diese Vermutung jedoch nicht, so
MEIXNER. Höhere Rohfettgehalte bei Ökoweizen und -Hafer fanden auch AHRENS
et al. (1999) bei ihren Untersuchungen zu futterwertbestimmenden Inhaltstoffen.
Im Gegensatz zu den Untersuchungen von MEIXNER sowie AHRENS et al. lagen
die Rohfasergehalte im vorliegenden Projekt über den konventionellen Gehalten.
Dies ist möglicherweise auf die Jahreswitterung und die damit verbundene
Kornfüllung zurückzuführen und kein generelles Merkmal.
Die Schwankungen im Rohproteingehalt fielen recht unterschiedlich aus. Beim Hafer
konnten im Durchschnitt aller Proben keine Differenzen festgestellt werden. Hier
kann das genetische Leistungspotential anscheinend auch im ökologischen Landbau
abgeschöpft werden. Mit 119 g/kg TS wich der Rohproteingehalt beim Weizen nicht
stark vom konventionellen Vergleichswert (138 g/kg TS) ab. Dies ist vermutlich auf
die gute Fruchtfolgestellung des Weizens (Leguminosen als Vorfrucht) bzw. eine
teilweise realisierte Kopfdüngung zurückzuführen, da sein Anbau in erster Linie der
Markt- und nicht der Futterproduktion dient. Auch ist der Weizenanbau auf besseren
Böden etabliert, wo das endogene Nachlieferungspotential häufig günstiger ist.
Dies trifft für den Anbau von Gerste, Roggen und Triticale in der Regel nicht zu. Ihr
Anbau konzentriert sich auf den leichteren Standorten und ihre Verwertung erfolgt
nahezu ausschließlich über die Verfütterung. Daher sind die Unterschiede im
Rohproteingehalt weitaus größer als beim Weizen und betragen bis zu 40%. Es
erscheint daher dringend angeraten, vor dem Einsatz in der Fütterung den
Rohproteingehalt analytisch bestimmen zu lassen. Dabei ist zu berücksichtigen, in

9
wie weit die Partien einheitlich sind. Aufgrund der fehlenden „Pufferwirkung“ der
synthetischen Stickstoffdünger, treten standortspezifische Unterschiede auf den
Schlägen (Senken, Kuppen ) und Vorfruchtwirkung stärker in den Vordergrund. Es
wäre daher sicher wünschenswert, bereits die Bestandesentwicklung zu beobachten,
um eine gezielte Probenahme durchzuführen.
Sortenspezifische Unterschiede hinsichtlich des Rohproteingehaltes konnten
insbesondere beim Weizen ebenfalls bestätigt werden (s. Abb. 4). Ebenso ist der
Rohfasergehalt bei Hafer (Spelzanteil) eine sortenspezifische Eigenschaft, die auch
bei ökologischem Anbau erhalten bleibt.
Der energetische Futterwert von ökologisch erzeugtem Getreide und Erbsen
unterscheidet sich kaum von konventionellem, da der höher Rohfettgehalt die
niedrigeren Proteingehalte rechnerisch aufwiegt (Schätzformeln für Alleinfuttermittel
für Schweine bzw. Geflügel).
Abb. 4: Rohproteingehalt in %/kg TS
In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Verbraucherschutz Brandenburg wurden
auch aus dortigen Öko-Betrieben gezielt Proben (HAGEMANN; 2002) analysiert, um
die Aussagefähigkeit insbesondere bei den Futtergetreiden zu erhöhen. Die bereits
getroffenen Feststellungen zu den Rohnährstoffen bestätigten sich im Wesentlichen.
Besondere Bedeutung beim Einsatz von Getreide in der Öko-Fütterung kommt dem
Rohprotein- und den Aminosäurengehalten zu, da weder synthetischen Aminosäuren
noch Sojaschrot die Ration ergänzen dürfen.
Bei einer fachlich fundierten und ökonomisch sinnvollen Fütterungsgestaltung ist eine
Rationsberechnung anhand aktueller Futtermittelanalysen anzustreben. Die
Bestimmung der Rohnährstoffe und die Berechnung des Energiegehaltes sind relativ
preiswert realisierbar. Die Analyse der Aminosäuren gestaltet sich aber langwierig
und teuer. Daher ist es gängige Praxis, deren Gehalte anhand von
Regressionsgleichungen zu schätzen. Die folgende Tabelle enthält die aktuellen
Gleichungen von DEGUSSA (2001) und eigene Berechnungen auf der Grundlage
des Öko-Datenmaterials aus Sachsen und Brandenburg. Dabei wurden Weizen,
Roggen und Triticale mit jeweils 30 Stichproben sowie Erbsen mit 18 Analysenwerten
einbezogen.
Beim Vergleich der Projekt-Regressionsgleichungen mit denen von DEGUSSA kann
teilweise eine sehr gute Übereinstimmung z.B. Lysingehalt bei Weizen und Triticale
festgestellt werden. Etwas größere Abweichungen existieren insbesondere beim
Roggen, was vermutlich auf die geringen Stichprobenumfänge zurückzuführen ist.
Die folgenden Abbildungen verdeutlichen, in wie weit mittels der Regressions-
gleichungen von DEGUSSA die analytisch ermittelten Werte geschätzt wurden.
11,40
11,60
11,80
12,00
12,20
12,40
12,60
Alidos
Bussard
Batis
Borenos
RP (%)

10
Tab. 7: Übersicht - Regressionsgleichungen zur Berechnung von Aminosäure-
gehalten
Projekt DEGUSSA 2001
Weizen
Lysin
Lys (%) = 0,0145Rp (%) + 0,1566
r=0,43 (n=30)
Lys (%) = 0,0143Rp (%) + 0,158
r=0,75 (n=548)
Methionin Met (%) = 0,0125Rp (%) + 0,0495
r=0,57 (n=30)
Met (%) = 0,0133Rp (%) + 0,027
r=0,92 (n=548)
Roggen
Lysin
Lys (%) = 0,0154Rp (%) + 0,1867
r=0,66 (n=30)
Lys (%) = 0,0294Rp (%) + 0,073
r=0,75 (n=48)
Methionin Met (%) = 0,0102Rp (%) + 0,054
r=0,58 (n=30)
Met (%) = 0,0172Rp (%) - 0,009
r=0,84 (n=48)
Triticale
Lysin
Lys (%) = 0,0217Rp (%) + 0,124
r=0,77 (n=30)
Lys (%) = 0,0215Rp (%) + 0,129
r=0,83 (n=119)
Methionin Met (%) = 0,0134Rp (%) + 0,036
r=0,92 (n=30)
Met (%) = 0,0137Rp (%) + 0,029
r=0,93 (n=119)
Erbsen
Lysin
Lys (%) = 0,0312Rp (%) + 0,894
r=0,42 (n=18)
Lys (%) = 0,0486Rp (%) + 0,514
r=0,77 (n=103)
Methionin Met (%) = 0,0037Rp (%) + 0,115
r=0,27 (n=18)
-
Ob spezifische Gleichungen für ökologisch erzeugtes Getreide oder spezielle
Regionen sinnvoll sind, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abschließend
geklärt werden (Umfang des ausgewerteten Datenmaterials). Aufgrund der weiten
Verbreitung und der allgemeinen Akzeptanz sowie der vorhandenen mehr (Triticale)
oder weniger guten (Erbse) Übereinstimmung und der großen Schwankungsbreite in
der Praxis ist die Verwendung der DEGUSSA-Gleichungen in Kombination mit der
Analyse des Rohproteingehaltes unbedingt zu empfehlen.
Für den Methioningehalt bei Erbsen ist keine Regressionsgleichung vorgesehen. Die
aus dem Projekt und aus Brandenburg vorliegenden Daten zeigen keine
Abhängigkeit des Methioningehaltes vom ermittelten Rohprotein.
0,00
0,20
0,40
0,60
0,80
1,00
1,20
1,40
1,60
1,80
2,00
18,00
19,00
20,00
21,00
22,00
23,00
24,00
25,00
RP (%)
Aminosäure (%)
Lysin
Methionin
Lys (%) = 0,0486Rp (%) +
0,514
Erbse
Abb. 5: Analytisch ermittelte Aminosäuregehalte und Regressionsgleichungen für Erbsen

11
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
0,45
8,00
9,00
10,00
11,00
12,00
13,00
14,00
Rp (%)
Aminosäure (%)
Lysin
Methionin
Lys (%) = 0,0143Rp (%) +
0,158
Met (%) = 0,0133Rp (%) +
0,027
Weizen
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
5,00
6,00
7,00
8,00
9,00
10,00
11,00
Rp (%)
Aminosäure (%)
Lysin
Methionin
Lys (%) = 0,0294Rp (%) + 0,073
Met (%) = 0,0172Rp (%) - 0,009
Roggen
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
0,45
0,50
7,00
9,00
11,00
13,00
15,00
Rp (%)
Aminosäure (%)
Lysin
Methionin
Lys (%) = 0,0215Rp (%) + 0,129
Met (%) = 0,0137Rp (%) + 0,029
Triticale
Abb. 6: Analytisch ermittelte Aminosäuregehalte und Regressionsgleichungen für Weizen, Roggen
und Triticale

image
image
image
image
image
image
image
image
image
12
Die untersuchten Getreide und Körnerleguminosen waren überwiegend frei von
Besatz und optisch erkennbarem Pilzbefall. Fusariumbefall tritt eher in geringerem
Umfang als bei getreidebetonten Fruchtfolgen auf. Im Untersuchungszeitraum wurde
auch kein Befall mit Steinbrand festgestellt, der aufgrund eingeschränkter
Beizmöglichkeiten durchaus für den ökologischen Landbau problematisch sein kann.
Es war im Rahmen des Projektes jedoch feststellbar, das die Lagerung des
Getreides eine wesentliche Schwachstelle ist. Eine zu hohe Kornfeuchte bei der
Einlagerung durch Beimengungen bzw. ungünstige Erntebedingungen ohne
Trocknungsmöglichkeiten vergrößerte das Risiko von Lagerpilzen und damit
Toxinbildung. Aufgrund der betrieblichen Gegebenheiten (provisorische
Lagermöglichkeiten) in Verbindung mit dem eingeschränkten Mitteleinsatzes bei der
Lagerreinigung wurden auch verstärkt tierische Schädlinge (Kornkäfer, Mäuse)
beobachtet, die den Wert des Futtergetreides mindern.
Auch bei den Erbsen waren ähnliche Probleme nachweisbar. Hier erwies sich
besonders der Besatz mit anderen Samen und Pflanzenteilen (bis zu 30%) als
nachteilig. Außerdem stellt der Befall der Bestände mit dem Erbsenwickler eine
erhebliche Schwierigkeit im Öko-Landbau dar. Hier ist mit einem geringeren
Futterwert zu rechnen.
Während die Probleme beim Getreide überwiegend durch das betriebliche
Management beinflussbar sind, gestaltet sich die Lösung beim Erbsenanbau
wesentlich komplizierter. Fehlende Bekämpfungsmöglichkeiten (auch für den
konventionellen Bereich) und eine erhebliche Anbaukonzentration (wichtige
Leguminose in der Fruchtfolge, Haupt-Eiweißfuttermittel) in den Betrieben erfordern,
nach neuen Wegen zu suchen (Forschung, Züchtung?).
Abb. 7. Erbsenprobe mit deutlichem Erbsenwicklerfraß

13
3.1.4. Silagen, Heu und Trockengrün
Die Qualität des Grundfutters ist entscheidende Basis für eine gute tierische Leistung
im Rinderbereich ohne bzw. mit begrenztem Einsatz von Kraftfutter. Die Tabellen
stellen die wesentlichen Kriterien für Silagen , Heu und Trockengrün dar. Es sind die
Mittelwerte ausgewiesen und teilweise Einzelproben unterschiedlicher Qualität.
Tab. 8: Übersicht – Rohnährstoffgehalte und Futterwert von Silagen
TS RA RP URP NRP RNB RFA NEL
g/kg TS
%
g/kg TS
MJ/kg TS
GPS n=4 313 81 116 20 115 0 291 4,9
Maissilage n=8 329 40 78 25 130 -9 200 6,5
Kleegrassilage n=11 378 96 161 15 127 6 305 5,8
1.Schnitt 673 68 110 15 113 0 362 5,4
2.Schnitt
339
101
152
15
114
6
356
5,1
3. Schnitt
256
94
176
15
132
7
275
6,1
Luzgrassil. n=4 418 99 170 15 128 6 304 4,8
1.Schnitt 438 107 214 20 149 10 237 5,6
2.Schnitt 606 85 147 15 116 5 349 3,8
Wiesengrassil. n=7 342 97 154 15 130 4 305 5,7
1.Schnitt 609 97 165 15 130 6 290 5,6
2.Schnitt 235 85 171 15 139 5 281 6,0
Tab. 9: Übersicht – Rohnährstoffgehalte und Futterwert von Heu und Trockengrün
TS RA RP URP NRP RNB RFA NEL
g/kg TS
%
g/kg TS
MJ/kg TS
Wiesenheu
n=12
876
77
116
25
118
0
317
4,8
1.Schnitt
Früh
875
79
132
25
131
0
280
5,6
Spät
933
66
79
25
105
-4
339
4,7
2.Schnitt 867 125 188 25 139 8 290 4,8
3.Schnitt 875 67 95 25 108 -2 330 4,3
Luzerneheu* n=4 882 78 124 25 114 2 334 4,5
Kleegrasheu* n=5 867 77 106 25 119 -2 336 5,5
Trockengrün n=6 912 112 190 40 171 3 250 5,9
Luzerne
898
94
190
45
169
3
269
5,3
Kleegras
906
123
190
40
171
3
240
6,0
* überwiegend 2.Schnitt
3.1.5. Auswertung und Diskussion der Analysenergebnisse von Silagen, Trockengrün
und Heu
Der Trockensubstanzgehalt der Silagen war stark schwankend. Der niedrigste TS-
Gehalt lag bei 14%, der Maximalwert bei 79% (Halbheu). Der angestrebte
Optimalbereich von ca. 30-40% wurde nur bei 20% der Proben erreicht. Mehr als die
Hälfte der Proben lag unter diesem Bereich, 30% der Proben wiesen mehr als 40%
TS auf. Kritisch zu betrachten sind insbesondere die sehr feuchten Silagen
(11 Proben unter 25% TS), wo erhebliche Silierverluste (Sickersaft) und
unbefriedigende Silagequalitäten auftraten. Unter ungünstigen Witterungs-
bedingungen (Niederschläge) sind die leguminosenreichen Ackerfutter bzw. Wiesen
kaum erfolgreich zu silieren. Die folgende Tabelle soll dies an Proben aus dem
Projekt belegen.

14
Tab. 10: Vergleich - Siliergut und Silage
Datum TS RA RFA RP ph NH
3
KE* Protein-
abbau
NEL
% g/kg TS %RP MJ/kg
TS
Wiesengrassilage
Siliergut
28. Mai 01
147
100
259
137
7,0
Silage
23. Jan 02
132
61
327
139
4,6
5,3
schlecht
Keiner
5,7
Kleegrassilage
Siliergut
28. Mai 01
143
111
201
242
7,5
Silage
23. Jan 02
136
96
295
216
4,8
11,7 sehr schlecht Geringer
6,4
* Konservierungserfolg (mod. DLG)
Die Proben vom Siliergut wurden nach 48h Welkdauer (überwiegend Regen!)
gezogen (Schwad). Aufgrund der Verfügbarkeit der Technik (Lohnunternehmen)
wurde mit der Silierung begonnen, wegen schlechter Befahrbarkeit der Flächen diese
aber später wieder eingestellt. Der ermittelte Z/PK-Quotient als Maß für die
Vergärbarkeit betrug bei dem Wiesengras 2,5 und hätte einen
Mindesttrockensubstanzgehalt von 25% erfordert. Wesentlich problematischer ist das
Rotkleegras zu silieren. Bedingt durch den hohen PK (65 g Milchsäure/kg TS) lag der
Z/PK-Quotient nur bei 1,2 und eine Trockensubstanz von 35% wäre für eine
erfolgreiche Silierung notwendig gewesen. Bedingt durch die schlechten
Ausgangsbedingungen (Witterung, Siliergut, kein Siliermitteleinsatz, Technik..) war
eine ungenügende Silagequalität vorhersehbar. Die Analysen der beiden Silagen
bestätigten diesen Sachverhalt.
Die Anwendung von Silierhilfsmitteln ist im Öko-Landbau auf den Einsatz von
Milchsäurebakterien und Melasse beschränkt. Siliermittel der Wirkungsrichtung 1a
(DLG-Gütezeichen) stehen nicht zur Verfügung. Man kann davon ausgehen, dass in
Ökobetrieben in beschränktem Umfang Siliermittel genutzt werden, aber
Unsicherheiten bei der Silierung auftreten, die im Einzelfall bis zur völligen
Verwerfung der Silagen führen (Viehsalz als Siliermittel).
Als problematisch erwies sich auch der sehr hohe TS-Gehalt (Halbheu). Infolge
mangelnder Verdichtung traten hier bevorzugt Schimmelnester insbesondere bei den
Ballensilagen auf. In der Regel waren die notwendigen pH-Werte für die
Lagerstabilität nicht gegeben (bei TS >45% pH-Wert <4,7 für max Punktzahl
entsprechend DLG-Schlüssel)
Tab. 11: Übersicht Trockensubstanz und pH-Wert
Silageprobe* Nr. TS pH-Wert
GPS 53 479 4,5
Kleegrassilage
629
518
5,6
Luzernegrassilage 598 606 5,6
Grassilage 198 609 6,1
Kleegrassilage (S) 200234 673 5,6
Kleegrassilage (S) 658 723 5,7
Wiesengras 11 799 5,6
* mit Ausnahme der GPS alles Ballensilage
(s) Schimmelnester
Bei einer längeren Zwischenlagerung bzw. ungenügendem Silovorschub (bei
kleineren Tierbeständen und mangelnder Technisierung häufig) kann
Nacherwärmung den Futterwert reduzieren und die Tiergesundheit bei der
Verfütterung unnötig belastet werden.

15
Dem Management der Silagebereitung muss verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt
werden. Im Vergleich zum Durchschnitt der sächsischen Betriebe (Sächsisches
Futterqualitätsprogramm 2001) zeichnete sich folgender Schwerpunkt ab:
Mit Ausnahme der Maissilage weisen die Silageproben aus Ökobetrieben im
Durchschnitt einen höheren Rohfasergehalt auf. Nur ca. 50 % der im Rahmen des
Projektes gezogen Proben weist einen Rohfasergehalt von <280 g/kg TS auf.
Tab. 12: Vergleich - Futtermittelanalysen aus Projekt und Sächsischem Futter-
qualitätsprogramm
TM Roh- Roh- Roh- NEL Cal- Phos-
asche protein faser Cium phor
n
g/kg
g/kg TS
g/kg TS
g/kg TS
MJ
g/kg TS
g/kg TS
GP-Silagen öko 4 313 81 116 291 4,9 7,2 2,5
konv. 67 366 68 104 251 5,5 4,2 2,8
Grassilagen öko 7 342 97 154 305 5,7 6,4 2,8
konv. 1111 359 101 162 264 6,0 6,1 3,7
Kleegras- öko 11 378 96 161 305 5,8 9,1 2,8
silagen konv. 57 327 102 162 270 5,9 7,2 3,7
Maissilagen öko 8 329 40 78 200 6,5 2,6 2,4
konv. 522 320 40 83 192 6,6 2,3 2,3
Wiesenheu öko 12 876 77 116 317 4,8 4,3 2,5
konv. 17 846 72 112 314 5,1 3,7 2,9
Vergleichende Untersuchungen von RUTZMOSER und ENZLER (2002) zwischen
Ökobetrieben und Daten des LKV Bayern zur Grundfutterqualität stellten trotz
durchschnittlich 10 Tage späteren Schnittzeitpunktes einen etwas geringeren
Rohfasergehalt fest, was sogar zu leicht höheren Energiegehalten führte. Die
Autoren begründeten diese Tatsache mit einer höheren Nutzungselastizität der
ökologischen Grünlandflächen infolge eines höheren Anteils an Leguminosen und
Kräutern. Die berücksichtigte Probenanzahl war weitaus höher als im vorliegenden
Projekt, da Futteruntersuchungen von 5 Jahren in die Auswertung einbezogen
wurde. Die aus dem sächsischen Grundfutterqualitätsprogramm zu entnehmenden
Analysen aus Ökobetrieben sind derzeitig noch gering, da verhältnismäßig wenig
Proben durch die Betriebe zu Untersuchung gegeben werden bzw. nur die
Serviceleistung vom Mineralfutterlieferanten in Anspruch genommen wurde.
Ähnliches trifft für Heu zu. Auch hier wurden hohe Rohfasergehalte vorgefunden (s.
Tabelle 12). Hier ist der Unterschied zu den konventionellen Futterproben nicht so
hoch, da die Bedeutung und damit das Probenaufkommen im konventionellen
Bereich gering ist.
Positiv ist das erreichte Qualitätsniveau des Trockengrüns zu beurteilen. Bedingt
durch Beihilfen ist es ökonomisch durchaus eine preiswertes Futtermittel (18€/dt),
deren Einsatz bei allen Tierarten erfolgt.
Insgesamt ist festzustellen, daß die erreichte Qualität schwankt, im Durchschnitt aber
nicht befriedigen kann. Der besonderen Rolle des Grundfutters im ökologischen
Betrieb kann die Mehrzahl der im Projekt beteiligten Betriebe im Untersuchungs-
zeitraum nicht gerecht werden.

16
3.1.6. Einsatz konventioneller Zukauffuttermittel
Entsprechend der EU-Verordnung dürfen während einer Übergangszeit, die am
24.8.2005 abläuft, konventionelle Futtermittel in begrenztem Umfang verwendet
werden, wenn dem Landwirt eine ausschließliche Versorgung mit Futtermitteln aus
dem ökologischen Landbau nicht möglich ist. Der zulässige Höchstanteil beträgt bei
Pflanzenfressern 10% und bei anderen Arten 20% im Jahr. Diese Prozentsätze
beziehen sich auf die Trockenmasse der Futtermittel landwirtschaftlicher Herkunft
und werden jährlich berechnet (EU-Verordnung, Anhang I Teil B Abschnitt 4.8)
Spätestens bis zum 24.8.2003 wird der Anhang II Teil C Abschnitt 1,2 und 3 mit dem
Ziel geprüft, insbesondere konventionelle Futtermittel-Ausgangserzeugnisse
landwirtschaftlichen Ursprungs, die in der Gemeinschaft in ausreichender Menge im
ökologischen Landbau erzeugt werden, zu streichen. Um einen Überblick zu
erhalten, welche Futtermittel für welche Tierart und in welchen Mengen zugekauft
werden, konnte im Rahmen des Projektes mit freundlicher Unterstützung einer
Kontrollstelle in Sachsen eine orientierende Erhebung gemacht werden.
Von 85 tierhaltenden Betrieben (>5 Tiere im Bestand), die ausgewertet wurden
kauften ca. 50% der Betriebe konventionelles Futter zu.
Die meisten Zukäufe wurden bei rinderhaltenden Betrieben registriert (22 Zukäufe
von 16 Betrieben). Für Schweine wurden von 8 Betrieben 10 Zukäufe getätigt. 9-mal
wurde für Puten in 4 Betrieben Futter zugekauft, während 8 Zukäufe auf 6 Betriebe
mit Legehennen entfielen. Der Schwerpunkt der Zukäufe in Betrieben mit Geflügel
und Schweinen lag erwartungsgemäß bei Kartoffeleiweiß (8 Betriebe mit insgesamt
40t) und Maiskleber mit insgesamt 33t für 5 Betriebe. Rapskuchen und Leinsamen/-
kuchen stellen die häufigsten Zukauffuttermittel für Rinder dar. Bei Rapskuchen
wurden von insgesamt 253t 15t in zwei schweinehaltenden Betrieben eingesetzt,
während 272t Leinprodukte auf 7 Betrieben (267t in Rinderbetrieben) verfüttert
wurden. Geringer scheint die Bedeutung von Trebern in der Rinderfütterung auf Öko-
Betrieben zu sein. Hier wurden nur in zwei Betrieben insgesamt 20t in die Fütterung
einbezogen.
Überraschend war das Ergebnis bezüglich des Zukaufes von Getreide und dessen
Verarbeitungsprodukten. Mit 176t Getreidezukauf durch 10 Betriebe und 200t
Weizenkleie in 7 weiteren Betrieben nahm dieser Bereich doch im Jahr 2001 einen
beträchtlichen Umfang ein. Die Weizenkleie wurde ausschließlich und auch das
Getreide mit 150t überwiegend in der Rinderfütterung eingesetzt.
Die Auswertung trägt nur informativen Charakter (Stichprobenumfang) und erfolgte
anonym, daher können keine direkten Rückschlüsse auf die Ursachen für den Zukauf
gezogen werden. Es bestätigt sich jedoch ein Bedarf an Eiweißfuttermitteln für
Betriebe mit Geflügel und Schweinen, da der Bedarf der Tiere an Rohprotein und
Aminosäuren mit vorhandenen Futtermitteln nicht ausreichend gedeckt werden kann.
Aus diesem Grund wird gegenwärtig sogar die Zulassung von synthetischem
Methionin für Geflügel geprüft.
Es ist aber zu berücksichtigen, daß für Legehennen in der Regel Legemehl
zugekauft wird, wo Maiskleber und Kartoffeleiweiß enthalten sind. Diese Anteile
werden aber vermutlich bei der Kontrolle in den Betrieben nicht einzeln als Zukauf
ausgewiesen.
Für eine genauere Erfassung der eingesetzten Futtermittel und deren Mengen wäre
ein Erweiterung auf die Verarbeiter (Futtermittelhersteller) notwendig.
Die hohe Anzahl an Zukäufen für den Rinderbereich deutet auf allgemeine
Unzulänglichkeiten in der Futterplanung (Bestand, Ertragsrückgang) und der

17
Futterqualität (Grundfutter) hin, wenn spekulative Käufe (Preisunterschied öko-
konventionelles Getreide) ausgeschlossen würden.
Eine langfristige Einbeziehung der Kontrollstellen und ihrer Informationen sollte bei
der Bearbeitung von Projekten in größerem Umfang als bisher in Betracht gezogen
werden.

18
3.2. Fütterung und tierische Leistung
3.2.1. Milchvieh
Die in das Projekt einbezogen Milchviehbetriebe entsprachen der vorherrschenden
Betriebsgröße (40-80 Tiere) für ökologische Betriebe in Sachsen.
Tab. 13: Charakterisierung der Milchviehbetriebe anhand des Jahresabschlusses der
MLP (1.10.2000 – 30.9.2001)
Sachsen
Betrieb JP Betrieb HM Betrieb WZ Betrieb PT
Rasse (SBT) SBT FL SBT SBT
Milchtage 314 272 287 306 308
Milch (kg) 7629 5266 4438 6468 6059
Fett (%) 4,26 4,35 3,99 4,10 3,99
Eiweiß (%) 3,47 3,25 3,45 3,25 3,32
EKA (Mon.) 27,9 37,0 30,9 28,0 25,9
Kalberate (%) 78,6 89,3 67,4 82,7 68,3
ZKZ (Tage) 395 385 404 414 396
Alter Bestand 4,4 6,5 6,2 4,8 4,9
Alter Abgänge 4,9 7,7 5,8 6,2 5,9
alles A+B-Kühe
Die Rasse beeinflusst das Leistungsvermögen erheblich, dennoch sind Unterschiede
zwischen den Betrieben vorhanden. Alle Betriebe liegen unter dem sächsischen
Durchschnitt bezüglich der Milchleistung und dem Eiweißgehalt. Die reproduktiven
Leistungen werden in ökologischen Betrieben zudem stark durch die
Verbandszugehörigkeit (Lebensphilosophie) geprägt.
Die Fütterung der Milchkühe (Laufstallhaltung) erfolgt während der Winterperiode in
der Regel zweimal täglich im Anschluss an das Melken. Um eine gewisse
Futteraufnahme zu gewährleisten und ein Hinlegen nach dem Melken zu vermeiden,
sind die Tiere in dieser Zeit im Fressgitter arretiert. In allen Betrieben war auch
während der Sommermonate eine Fütterung im Stall zu beobachten, da teilweise nur
nachts geweidet bzw. kein Weidegang durchgeführt wurde. Heu stand den Tieren
stets ad libitum zur Verfügung. Auch nach der unmittelbaren Fütterungsphase
wurden Tiere noch bei der Aufnahme der Grundration beobachtet. Futterreste
wurden teilweise an die Trockensteher oder Färsen weitergereicht. So ist die
tatsächlich aufgenommene Futtermenge tierindividuell und im Rahmen des Projektes
nicht bestimmbar. Die den Berechnungen zugrundegelegten Mengen ergeben sich
aus den vorgelegten, in den Stall eingebrachten Futtermassen.
Die im folgenden aufgeführten Rationen beschränken sich auf die Stallfütterung. Die
Kraftfuttergaben erfolgten in drei der vier Betriebe per Hand mit „individueller“
Bemessung (3-5kg). Leistungsgruppen gibt es nicht (Tierzahl!). Lediglich die
Trockensteher erhalten anderes Futter (Reste!). Ein Betrieb verfügt über eine
Transponderfütterung. Hier war festzustellen, daß die Regulierungsmöglichkeiten, die
durch ein solches System geboten werden, nicht hinreichend genutzt wurden. Die
max. Kraftfuttergabe wird – nach Aussage des Betriebsleiters- anhand des
Kalbedatums (Laktationstage) bestimmt. Eine Stichprobe im August ergab, daß am
Vortag die Tiere kaum die Menge abgefordert hatten, die ihnen zugestanden hätten.
Da eine direkte Datenübernahme nicht möglich war, notierte der Betriebsleiter an drei
weiteren Terminen der MLP die theoretische und die tatsächliche Menge des
aufgenommenen Kraftfutters. Hier wurde bis auf wenige Ausnahmen 90-100% (?)
abgerufen. Bedingt durch die Notierung erkannte der Betriebsleiter, daß u.a. eine der

 
19
Erstkalbinen nicht die Transponderfütterung nutzte, da es für sie unbekannt war. Bei
fehlender Kontrolle (PC, MLP-Daten) und daraus resultierenden
Korrekturmaßnahmen ist eine bedarfsgerechte Fütterung nicht möglich.
Außerdem ist zu prüfen, inwiefern bei Kraftfutterabrufmöglichkeiten von 8-9 kg die
max. Grenze von 40% Kraftfuttertrockenmasse in der Öko-Ration gewährleistet
bleibt. Bei der im Betrieb ermittelten Futterqualität würden diese Mengen schon ca.
50 % der aufgenommenen Trockenmasse entsprechen (konventionelle
Milchleistungsgrenze). Dafür ist eine Ausnahmegenehmigung - den Zeitraum
3 Monate nach Abkalbung betreffend - zu stellen (EU-Verordnung). Es ist angeraten,
zur Absicherung der Nährstoffansprüche und Gewährleistung der Tiergesundheit zu
Laktationsbeginn in Öko-Betrieben mit hohem Milchpotential diese Ausnahme in
Anspruch zu nehmen.
Die Qualität der eingesetzten Futtermittel (Silagen, Heu, Trockengrün, Getreide)
wurde in Abschnitten 3.1.4. bzw. 3.1.5. bereits vorgestellt. Im folgenden sollen einige
Beispielsrationen vorgestellt werden, die in den Betrieben im Verlaufe des
Erhebungszeitraumes (Jan. 2001 – Dez. 2002) verfüttert wurden.
Die Übersichten (s. Anhang) enthalten die eingesetzten Futtermittel mit
entsprechender Nährstoffanalyse und die daraus theoretisch resultierende Nährstoff-
und Energieversorgung. Ausgehend von den Rationen wurden die jeweiligen
Grenzen der Milchleistung bei Beibehaltung der Futtermittel berechnet. Die Grenze
für die ökologischen Betriebe ergab sich aus der entsprechenden Festlegung der
EU-Verordnung bezüglich des Einsatzes von mindestens 60 % der Trockenmasse
der Tagesration aus frischem, getrocknetem oder siliertem Raufutter.
Die "Konventionellen" füttern bis an die ernährungsphysiologische Grenze von
mindestens 0,4 kg strukturwirksame Rohfaser je 100 kg Körpermasse. Die
Ökolandwirte dürfen einen Mindestanteil an strukturwirksamem Grundfutter in den
Milchkuhrationen nicht unterschreiten. Was auf den ersten Blick wie ein geringfügiger
Eingriff in die Fütterung der Milchrinder aussieht, hat starken Einfluss auf die
Leistungsfähigkeit von Milchviehherden in Ökobetrieben.
Tab. 14: Fütterungsbedingte Leistungsgrenze
Mittlerer
Fütterungsbedingte Leistungsgrenze
Futterwert des
Konventionell
ökologisch
Grundfutters
Maximal mögliche ...
Maximal mögliche ...
Rohfaser- Kraftfutter- Milch- Rohfaser- Kraftfutter- Milch-
Rohfaser NEL Aufnahme Aufnahme leistung aufnahme aufnahme leistung
Kg / 100 kg
kg / 100 kg
g / kg TM
MJ / kg
TM
Körpermasse
Kg / Kuh und Tag
Körpermasse
kg / Kuh und Tag
300 5,5 0,4 10,0 24 0,46 6,3 18
280 5,8 0,4 10,6 27 0,46 6,2 19
260 6,1 0,4 11,7 31 0,46 7,2 24
240 6,4 0,4 12,7 35 0,45 8,0 28
220 6,6 0,4 13,3 39 0,45 8,5 32
200 6,8 0,4 14,2 44 0,45 9,8 38
Pansenphysiologisch
EU-Verordnung
Mind. 0,4 kg str. Rohfaser / 100 kg KM
mind. 60 % Raufutter in der TM

20
Die mögliche Untergrenze für die Aufnahme an strukturwirksamer Rohfaser wird
durch die Raufutter-Richtlinie im Ökobetrieb auf ca. 0,45 kg je 100 kg Körpermasse
erhöht. Bei gleicher Grundfutterqualität erreicht damit der Ökolandwirt ca. 6 bis 8
Liter je Kuh und Tag geringere Milchleistungen (Tabelle 14).
Dies entspricht immerhin einer geringeren Jahresleistung von 1400 bis 1900 kg Milch
je Kuh. Bei gleicher Leistungserwartung, müsste das Grundfutter im Ökobetrieb 20
bis 40 g weniger Rohfaser bzw. 0,3 bis 0,5 MJ NEL mehr Energie je kg
Trockenmasse aufweisen.
Für die folgenden in den Ökobetrieben eingesetzten Rationen wird das durch die
errechneten „Öko“ und die „konventionelle“ Milchleistungsgrenzen bei unterstellter
gleicher Futterqualität belegt (s. Anhang).
Winterfutterration mit Maissilage
Bei sehr geringem Kraftfuttereinsatz werden die Tiere entsprechend ihrer Leistung
(MLP-Daten) weitestgehend ausreichend gefüttert. Einige Tiere mit mehr als 200
Laktationstagen weisen ein Energieüberschuss auf, während die Tiere mit einem
Energiedefizit insbesondere in den Gruppen mit weniger als 200 Laktationstagen
vorzufinden war. Bedingt durch den betrieblich angestrebten geringen
Kraftfuttereinsatz können die Tiere ihren Energiebedarf bei höheren Milchleistungen
nicht decken. Der relativ hohe Eiweißgehalt des Kraftfutters führt u.U. trotz der
Maissilage zu einem Eiweißüberhang, da das vorgelegte Futter (Ration) ja nicht dem
aufgenommenen entspricht (Futterreste).
Winterfutterration mit Ganzpflanzensilage
Auch diese Ration deckt den Bedarf der Tiere bei ca. 20kg Milch. Bei der
vorliegenden Futterqualität von Grund- und Kraftfutter ist die maximale Öko-
Milchmenge fast erreicht. Für Tiere, die im ersten Laktationsdrittel ja mehr Milch
geben (hier im Durchschnitt 24 kg, Einzeltiere über 30 kg) kann vor allem nicht genug
Energie bereitgestellt werden. Tiere mit weniger als 10 kg Milch erhielten wiederum
zu viel Energie (hier bis zu 2,6kg Kraftfutter).
Winterfutterration mit Hackfrüchten
Der Einsatz von Hackfrüchten (hier Futterrüben und Kartoffeln) sollte sehr vorsichtig
gehandhabt werden. Die schnell zur Verfügung stehende Energie kann bei
ungenügender Aufnahme strukturwirksamer Rationsbestandteile zu Acidose führen.
Es werden daher Höchstmengen empfohlen (Arbeitskreis Futter und Fütterung im
Freistatt Sachsen, 2001): Futterrüben 3,35 kg/100 kg Lebendmasse
Kartoffeln, roh 1,5 kg/100 kg Lebendmasse
Diese Höchstmengen wurden in der vorliegenden Ration nicht überschritten,
dennoch wies ein erheblicher Anteil Tiere einen Energieüberschuss auf. Der sehr
hohe Rohfasergehalt minderte die Qualität der Silagen beträchtlich, so daß die Öko-
Milchmenge auf etwa 14 kg begrenzt und daher schon ausgeschöpft ist.
Winterfutterration mit Biertreber
Als konventionelles Zukauffuttermittel spielt entsprechend den Angaben im Abschnitt
3.1.6. der Rapskuchen eine große Rolle. In den vier Projektbetrieben wurde aber im
Untersuchungszeitraum kein Rapskuchen eingesetzt. Es wurde als Zukauffuttermittel
u.a. Biertreber in die Rationen integriert. Da die Konservierung während der
Sommermonate von den Betrieben als problematisch empfunden wird, erfolgt die
Verfütterung bevorzugt in den Wintermonaten. Der Einsatz sollte auf 2 kg/100 kg
Lebendmasse beschränkt bleiben, was in der vorgestellten Ration auch erfolgte.
Die fehlende Differenzierung in Leistungsgruppen erwies sich auch bei dieser Ration
als Nachteil. Tiere mit weniger als 10 kg Milch wurden überversorgt, Tiere mit
höheren Leistungen fielen überwiegend in die Harnstoffbewertungsklasse 2.

21
Übergangsfutterration mit Leinkuchen
Neben Biertreber ist Leinkuchen ein übliches Futtermittel für Milchkühe, wobei der
Einsatz speziell der Proteinlieferung in der Ration dient. Dies ist aber nicht generell
nötig, wie das hier vorgestellte Beispiel nachweist. Es handelt sich hierbei um eine
Übergansration d.h. es wurde Frischfutter bzw. Weide angeboten. Die Mengen
konnten nur abgeschätzt werden. Es wurden auch keine Futterproben von
Weidebeständen im Rahmen des Projektes gezogen. Es muß jedoch von einem
proteinreichen Pflanzenbestand ausgegangen werden, da die Daten der
entsprechenden Milchleistungsprüfung einen Eiweißüberschuss belegen. Tiere am
Ende der Laktation wiesen erneut auch einen Energieüberschuss auf, so daß nur
relativ wenig Tiere entsprechend ihrem Bedarf gefüttert wurden, was auch einen
hohen Gehalt an Zellzahlen zur Folge hat. Eine Unausgewogenheit der Fütterung
belastet den Stoffwechsel der Tiere und erhöht die Mastitisanfälligkeit SPRANGER
2002).
Übergangsfutterration mit Maissilage und Luzerne
In Ackerbaustandorten mit Möglichkeiten des Maisanbaus ist oftmals auch die
Luzerne in die Fruchtfolge einbezogen. Die Kombination beider Futterarten erweist
sich als sehr positiv, da sie sich gegenseitig ergänzen (Protein-Energie). Bei der
vorliegenden Beispielration begrenzt der Kraftfuttereinsatz die Milchleistung bei
ausgeschöpfter Grundfutteraufnahme (gute Futterqualität). Die gleiche Ration für alle
Tiere führt zu den bereits mehrfach aufgeführten Problemen bei den Tieren mit
geringerer Milchleistung durch Überschuss, während Tiere mit höheren
Milchleistungen durch eine nur geringfügig höhere Kraftfuttergabe ( 3 kg, max. 4 kg)
auch nicht ausreichend versorgt werden.
Übergangsfutterration mit Kleegras
Das Kleegras spielt im ökologischen Landbau eine außerordentlich große Rolle, da
es wesentlicher Bestandteil der Fruchtfolge ist. Eine sinnvolle Verwertung als
Futtermittel erscheint daher wünschenswert. In der Beispielration wurde eine
Verfütterung von Kleegras im Stall unter Einbeziehung einer minderwertigen
Kleegrassilage und etwas Heu berücksichtigt. Die Aufnahme wurde durch die hohen
Rohfasergehalte begrenzt. So könnte die Milchleistung auch durch mehr Kraftfutter
nur unwesentlich gesteigert werden.
Die vorgestellten Beispiele belegen, daß eine bedarfsgerechte Fütterung im
ökologischen Landbau prinzipiell möglich ist, wenn bestimmte allgemeingültige
Grundsätze eingehalten werden:
gute bis sehr gute Futterqualitäten (Rohfaser)
allmählicher Futterwechsel (keine „Blitzaktionen“ zur Verwertung von
Restbeständen insbesondere Futterrüben, dgl. gilt für Frischfutter, Weide)
leistungsbezogene Kraftfuttergabe erfordert regelmäßige Kontrolle der
Milchleistung (Leistungsgruppen)
bedarfsgerechte Rationsgestaltung auf der Grundlage aktueller Futter-
mittelanalysen (NIRS-Analyse preiswert realisierbar)
Teilweise unzureichende Futterqualitäten (auch durch Zwischenlagerung!) und/oder
nicht angepasster Kraftfuttereinsatz stellten in den untersuchten Betrieben die
wesentlichen Hemmfaktoren für eine effektive und ausgeglichene (Tiergesundheit)
Milchkuhfütterung dar.

 
22
3.2.2. Mastschweine
Der Ökoschweinebestand befindet sich in Sachsen auf einem sehr niedrigen Niveau.
Entsprechend den Angaben des Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und
Landwirtschaft (2001) werden nur 0,2% der Schweine unter ökologischen
Bedingungen gehalten.
Tab. 15: Schweinebestände in Sachsen 2001
Öko-Betriebe
Agrarförderung
Stück
Stück/100 ha
gesamt
Stück/100 ha
Schweine gesamt *)
927
6,1
442.262
48,7
dar. Zuchtsauen
33
0,2
47.301
5,2
dar. Ferkel
82
0,5
125.457
13,8
dar. übrige Schweine
812
5,4
269.504
29,7
*) ohne gewerbliche Veredlung
Quelle: Agrarförderung 2001; LfL FB 3 Arp, Hofmann
Die eingeleiteten politischen Veränderungen führten nur zu einer geringen Zunahme
auf diesem Sektor, da zahlreiche Faktoren (Futterpreise, Emissionen, Erlöse,
Verarbeitungsstruktur...) die ökologische Schweinemast deutschlandweit an einer
Expansion hindern.
Die meisten Betrieben (81%) in Sachsen nutzen die ökologische Schweinemast nur
zur „Eigenversorgung“ bzw. minimaler Direktvermarktung In diesen Beständen
(Bestandesgröße <10Tiere) finden sich etwa 16% der Ökomastschweine. Auf
größere Schweinebestände (Bestandesgröße <20Tiere) entfallen 73% der Tiere in
einer kleinen Anzahl Betriebe (6% der Betriebe). Damit wird verständlich, daß eine
Erfassung von Futterrationen und eingesetzten Futtermitteln in diesem Bereich nur
eingeschränkt möglich ist. Die folgenden Angaben können sich daher lediglich auf
den Gehalte an Nährstoffen in den Futtermischungen beziehen, ohne verlässliche
Daten über die Futteraufnahme und Futterverwertung, die aber eine wesentliche
Voraussetzung für eine Aussage hinsichtlich der Effektivität der Produktion
darstellen.
Tab. 16: Beispiele für Futtermischungen in Ökoschweinemastbetrieben
Futtermittel
Betrieb B
Betrieb L
Betrieb F
< 70kg
ab 70kg
<60 kg
60-80 kg > 80 kg
<40 kg
40-85 kg > 85 kg
Gerste 30,0 30,0 - - - 15,0 15,0 15,0
Weizen 25,0 26,5 - - - - - -
Triticale - - 70,0 65,0 65,0 54,5 57,5 61,0
Erbsen 27,0 23,0 17,5 22,0 20,5 20,0 20,0 20,0
Rapskuchen 10,0 5,0 - - - - - -
Kartoffeleiweiß 4,5 3,0 7,0 4,0 2,5 6,5 4,0 1,5
Luz.Kobs/Grünmehl - 10,0 3,0 6,5 10,0 - - -
Sblöl. 1,0 0,5 - - - 1,0 1,0 0,5
Mineralfutter 2,5 2,0 2,5 2,5 2,0 3,0 2,5 2,0
Die eingesetzten Futtermittel und deren Anteile in den einzelnen Mischungen
veranschaulicht die Tabelle 16. Die Auswahl der Futtermittel erfolgt in erster Linie
nach betrieblichen Belangen (Was steht zur Verfügung?) und ökonomischen
Gesichtspunkten (Einsatz von Umstellungsware?). Dann erst erfolgt - nur mit
Unterstützung von Beratern (Mineralfutterhersteller, Verband, AfL) - eine Anpassung
an die Bedürfnisse der Tiere.

23
Der rechnerische Energie- und Nährstoffgehalt der Rationen wird aber aus
verschiedensten Gründen (keine Analysen der Einzelfutter, keine Berücksichtigung
von veränderten Gehalten in Ökofuttermitteln durch die verwendeten PC-
Kalkulationen, Schwankungen in der Qualität der Futtermittel, Mischgenauigkeit)
nicht im Mischfutter wiedergefunden, wie die Tabellen belegen:
Tab. 17: Vergleich - Energie-, Protein- und Aminosäuregehalte Soll-Ist im Betrieb B
Betrieb B
< 70kg
ab 70kg
88%TS Soll Ist Soll Ist
Energie MJ/kg Futter 12,9 13,9 12,5 12,4
Rohprotein g/kg Futter 180 168 161 130
Lysin g/kg Futter 10,5 9,5 8,8 7,1
Met+Cys g/kg Futter 6,3 5,9 5,4 4,6
Lys:Met/Cys 1: 0,60 0,62 0,61 0,65
Lys:Energie g/MJ ME 0,81 0,68 0,70 0,57
Tab. 18: Vergleich - Energie-, Protein- und Aminosäuregehalte Soll-Ist im Betrieb L
Betrieb L
<60 kg
60-80 kg
> 80 kg
88%TS Soll Ist Soll Ist Soll Ist
Energie MJ/kg Futter 13,3 13,5 13 13 12,8 12,5
Rohprotein g/kg Futter 182 166 171 148 163 150
Lysin g/kg Futter 10,2 9,2 9,1 8,8 8,3 8,2
Met+Cys g/kg Futter 6,8 5,7 6,1 5,3 5,8 5,3
Lys:Met/Cys 1: 0,67 0,62 0,67 0,60 0,70 0,65
Lys:Energie g/MJ ME 0,77 0,68 0,70 0,68 0,65 0,66
Tab. 19: Vergleich - Energie-, Protein- und Aminosäuregehalte Soll-Ist im Betrieb F
Betrieb F
<40 kg
40-85 kg
> 85 kg
88%TS Soll Ist Soll Ist Soll Ist
Energie MJ/kg Futter 13,4 - 13,4 13,9 13 13,8
Rohprotein g/kg Futter 178 - 163 147 158 126
Lysin g/kg Futter 10,5 - 9,1 7,8 8,0 6,2
Met+Cys g/kg Futter 6,6 - 6 5,0 5,7 4,5
Lys:Met/Cys 1: 0,63 - 0,66 0,64 0,71 0,72
Lys:Energie g/MJ ME 0,78 - 0,68 0,56 0,62 0,45
Die Differenzen traten überwiegend im Bereich der Rohprotein-Aminosäuren auf,
während die Energiebereitstellung weitestgehend realisiert wurde. Dadurch ergeben
sich teilweise ungünstige Lysin-Energie-Verhältnisse wie im Futter vom Betrieb B
analysiert. Die angestrebte Relation von Lysin zu Methionin+Cystin von 1:0,6 konnte
praktisch teilweise besser umgesetzt werden als in den rechnerischen Rationen.
Nicht berücksichtigt sind hierbei unterschiedliche Verdaulichkeiten für die
Aminosäuren bei den einzelnen eingesetzten Futtemitteln.
Untersuchungen aus Österreich (WAGNER et al. 2000; ZOLLITSCH et al. 2000;
WURZINGER, 1999) bestätigen die Feststellung, daß eine optimale Rohprotein- und
Aminosäurenversorgung in den meisten Biobetrieben nicht gewährleistet ist. Von 25
berücksichtigten Futterrationen lagen 40% unter dem dort angestrebten Sollwert von
17% Rp, 0,9% Lysin und 0,54% Met+Cys. Hinsichtlich dieser Parameter waren auch
die größten Schwankungen zu verzeichnen, wie die Tabelle 20 verdeutlicht.

image
24
Tab. 20: Schwankungen in Schweinemastfutter (Österreich)
88%TS Mittelwert Min Max
Energie MJ/kg Futter
12,97
12,37
13,73
Rohprotein %
16,77
12,22
19,72
Lysin %
0,94
0,53
1,27
Met+Cys %
0,57
0,40
0,75
(Quelle: Wagner et al. 2000)
Abb. 8: Futterplatz im Ökoschweinestall
In allen drei Betrieben wurden die entsprechenden Mischungen aus betriebseigenen
Komponenten (Getreide, Erbsen) und Zukauffuttermitteln (Kartoffeleiweiß,
Rapskuchen) in stationären bzw. mobilen Mischanlagen vor Ort hergestellt. Das
Futter wurde den Tieren schrotförmig angeboten. In zwei Betrieben sind
Trockenfutterautomaten im Einsatz, ein Betrieb füttert manuell zweimal täglich in den
Trog. Die 2- bzw. 3-Phasenmast bei ad-libitum Futterangebot orientiert sich an
konventioneller Mast. Die Bemühungen, das Futter den Bedürfnissen der Tiere
anzupassen, ist positiv einzuschätzen. Sie ergibt sich aber auch aus ökonomischen
Zwängen heraus. In allen Betrieben wird der Anteil Kartoffeleiweiß mehr oder
weniger stark im Mastverlauf reduziert. Auch der Einsatz von Rapskuchen ist
überwiegend ökonomisch motiviert.
Tab.21: Übersicht Futtermittelpreise (Quelle: Ebert, Bioland Tagung 2002)
ökologische Herkunft
€/dt
konventionelle Herkunft
€/dt
Erbsen 30,65 Kartoffeleiweiß 106,76
Ackerbohnen 29,54 Magermilchpulver 130,48
Grünmehl 17,79 Rapskuchen 22,54
Der Einsatz von Öko-Grünmehl speziell in der Endmast dient der Sättigung der Tiere
ohne eine Verfettung zu fördern. Der direkte Einsatz von Raufutter zu Fütterung
wurde in keinem der Betriebe praktiziert. Diese Form der Fütterung beschränkt sich
in erster Linie auf die Kleinstbestände, obwohl beispielsweise bei der Verfütterung
von Maissilage sehr gute Ergebnisse erzielt wurden (HOPPENBROCK, 2002. In
größeren Einheiten – wie hier vorliegend – spielt Stroh eine wesentliche Rolle. Es
dient als Einstreu, Beschäftigungsmaterial und Futtermittel. Daher muss es sorgfältig
geborgen und trocken gelagert werden. Eine mögliche Mykotoxinbelastung ist in
Problemjahren zu berücksichtigen. Eine Untersuchung des Strohs aus dem Betrieb B
fiel diesbezüglich negativ aus. Dennoch stellt Staub (mehlförmiges Futter, Stroh) eine
gesundheitliche Belastung dar. Eine stichprobenartige Erfassung der
Schlachtkörperbefunde (s. Tabelle 22) aus zwei Betrieben (jeweils kompletter
Mastdurchgang) zeigte, daß nahezu die Hälfte der Tiere Lungen- bzw. Leberbefunde
aufwies, obwohl im Rein-Raus-Verfahren gewirtschaftet wird.

25
Tab. 22: Übersicht Schlachtkörperbefunde
Befund bei % d. Tiere
Betrieb B
Betrieb L
Pneumonie
+
15,4
7,8
++
11,1
7,2
+++
22,8
25,0
Hepatitis parasitarica
20,8
7,8
dav. Verwurf
7,0
42,2
Gesamtverwachsung 0,3 15,6
Niereninfarkte und –cysten
21,1
25,0
Eine gesundheitliche Beeinträchtigung hemmt die Entwicklung der Tiere und mindert
deren Leistungsfähigkeit (Zunahmen, MFA).
Tab. 23: Mastleistungen der Projektbetriebe
Betrieb B
Betrieb L
Betrieb F
Masttage* 125-160 140-157 133
Mastzunahme g*
619-695
550-650
k.A.
Schlachtgewicht kg
95-102
84,7
94
MFA %
53,6
54,5
53,0
Erlös €/Tier
227
188
182
* abhängig vom tatsächlichen Einstallungsgewicht
k.A. – keine Angabe
Alle drei Betriebe veräußern ihre Tiere über Vermarktungsgesellschaften. Je nach
Marktsituation erfolgte eine drei- bis viermalige Absortierung (Zeitraum 4-6 Wochen!).
Teilweise traten Abnahmeverzögerungen auf, die die Betriebe zwang, die Tiere
länger zu füttern als nötig mit allen negativen Konsequenzen. Die Schlachtung
erfolgte überwiegend im Schlachthof Altenburg.
Tab. 24: Beispiel-Konditionen für Vermarktung von Schlachtschweinen (Schlacht-
gewicht 85-100kg)
Handelsklasse E U R O P
€/kg 2,405 2,303 2,201 2,047 1,945
Erhebungen von Bauer (2000) zeigen folgende Ergebnisse hinsichtlich der
Wirtschaftlichkeit von Bioschweinen
Tab.25: Wirtschaftlichkeit von Bioland-Schweinen (Quelle: BAUER 2000)
weniger erfolgreiche Durchschnitt erfolgreiche
Anzahl der Betriebe/
Mastschweine
6/442 6/850
Mastendgewicht (kg)
108
111
112
Zuwachs (kg)
86,5
85
84
Masttage 157,5 132 118
Tägl. Zunahmen (g)
555 (490-598)
649
698 (654-785)
Futterverwertung
1: 4,52 (4,13-4,91)
3,55
3,10 (2,81-3,42)
Verluste (%)
1,6
2,6
3,1
MFA (%)* 53 55,9 58
* Basis 5800 Schlachtkörper
Leider konnten keine weiteren Informationen (Tiergenetik, Futterqualität, Aufstallung,
Schlachthof) gewonnen werden. Die in der Tabelle enthalten MFA müssen in
Anbetracht der sächsischen Praxis und den im LVG Köllitsch durchgeführten
Ökomastversuchen angezweifelt werden. Selbst unter Versuchsbedingungen

26
erreichte die beste Öko-Versuchsgruppe (Pietrainanpaarung) nur 54,3 % bei einer
Futterverwertung von 1:3,41.
Insgesamt ist festzustellen, daß in den drei untersuchten Betrieben wichtige
Grundlagen für eine erfolgreiche Schweinemast vorhanden sind (Rein-Raus-Prinzip,
Phasenmast). Probleme bestehen bei der Schaffung der notwendigen
Auslaufbedingungen entsprechend der EU-Verordnung (Genehmigungsverfahren,
Kosten). Analysen von Futtermitteln unabhängig vom vorliegenden Projekt und eine
gewissenhafte Auswertung des Futteraufwandes bezogen auf die Mastergebnisse
sind noch entwicklungsfähig. Die Effektivität des Zweiges Schweinemast
innerbetrieblich zu prüfen, ist notwendig, insbesondere ab 2004, wenn die
Ausnahmegenehmigung zur Einstallung von konventionellen Läufern bzw. ab 2005
für konventionelle Zukauffuttermittel abläuft.

image
27
3.2.3. Legehennen
Für die Untersuchungen zum Einfluss der Fütterung auf die Leistung von
Legehennen standen drei Betriebe zur Verfügung, in denen ca. 40 % der gesamten
sächsischen Ökohennen gehalten werden. Die ermittelten Legeleistungen
veranschaulicht die folgende Grafik.
Wichtig für die Einschätzung der Legeleistung ist u.a. die Herkunft der Legehennen.
Während in den Betrieben SG und SL ausschließlich Braunleger (LohmannTradition,
LohmannBrown und LohmannSilver) gehalten werden, sind im Betrieb RG sowohl
rebhuhnfarbige Italiener als auch weißes Leghorn im Bestand vorzufinden. Hier
werden regelmäßig Junghennen zugekauft und Althennen aus dem gemischten
Bestand genommen.
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
Jan Feb Mrz Apr Mai Jun
Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Betrieb SG
Betrieb SL
Betrieb RG
%
Abb. 9:Legeleistung in % je Durchschnittshenne) der drei Betriebe
Abb. 10 : Legehennen im Betrieb RG

image
28
Die Legeleistung in den drei Betrieben ist befriedigend bis ungenügend und weist auf
Optimierungsmöglichkeiten hin.
Der negative Leistungstrend im Betrieb SL war mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die
Fütterung zurückzuführen. Es war festzustellen, dass zunehmend Triticale eingesetzt
wurde. Die Nährstoffanalysen (s.Tabelle 27) veranschaulichen nicht deutlich die
Ursachen, aber steigende Anteile an NSP-Verbindungen ( lösl. Pentosane) könnten
die Verdauung und Resorption und damit das Leistungsvermögen beeinträchtigen.
Ein Vergleich zwischen den Mischungen der Betriebe SL und SG, des Weizens aus
RG sowie Literaturangaben wies folgende Daten aus:
Tab. 26: Gehalte an NSP Verbindungen
%TS
NSP total
NSP löslich
Pentosane total Pentosane löslich
SL 13,2 6,02 6,76 2,49
SG 9,36 2,54 5,14 1,46
RG 7,85 1,35 5,07 0,83
Weizen *
11,23
4,23
5,98
1,14
* Ahrens et al.1999
Um die negativen Auswirkungen zu minimieren, wird empfohlen Roggen zu max.
20% oder Triticale zu max. 30% in Legehennenmischungen einzusetzen. Diese
futtermittelspezifischen Restriktionen sollten unbedingt auch im Ökolandbau beachtet
werden.
Im Betrieb SG werden mehrere Stalleinheiten getrennt bewirtschaftet. Die
Schwankungen in der Leistungskurve (Legeleistung je Durchschnittshenne im
Bestand) sind bedingt durch die Einstallung von Jungtieren und deren langsamer
Legebeginn. Teilweise traten auch andere Faktoren auf, die sich negativ auf die
Legeleistung auswirken (Kannibalismus in Junghennenherde aus Ökoherkunft,
Futtereinflüsse durch Mykotoxine und Fettoxydation).
In keinem der Betriebe war es möglich, eine zuverlässige Aussage über den
tatsächlichen Futterverbrauch zu ermitteln. Die Werte lagen teilweise über 200g /Tier
und Tag, was als unrealistisch einzuschätzen ist.
Abb. 11: Legehennen im Auslauf des Betriebes SG

29
Der Betrieb SG füttert seine Legehennen mit einer Hofmischung auf der Basis von
eigenem Getreide und Erbsen mit Ergänzung durch ein eiweißreiches Legemehl.
Ähnlich ist die Vorgehensweise im Betrieb SL, der das gleiche Legemehl einsetzt wie
der Betrieb RG. Im Betrieb RG kommt das Legemehl aber getrennt vom
betriebseigenem Getreide (unvermahlen) zur Verfütterung. Ergänzt wird hier die
Ration zusätzlich durch Einsatz von Rote Beete-Mus mit Kartoffeleieweiß bzw.
gedämpften Kartoffeln und Grünabfällen aus der Gemüseproduktion.
Tab. 27: Übersicht – Rohnährstoffgehalte und Futterwert von Legehennenmischfutter
Angaben bei Mon.
TS
Rohasche Rohfaser Rohfett Rohprotein Energie
Lysin
Methionin
88%TS % % % % % MJ/kg % %
Betrieb SG Jan 90,6 17,7 3,89 2,81 17,87 9,91 0,71 0,25
März 88,4 5,76 4,19 3,22 16,92 12,14 0,74 0,28
Mai 90,0 6,38 3,69 3,45 18,19 11,93 0,75 0,36
Aug 89,4 10,53 3,75 3,89 16,79 11,48 0,69 0,33
Sept 88,5 6,79 3,55 2,09 15,11 9,94 0,63 0,29
Dez 90,6 10,55 4,36 4,79 15,71 11,70 0,65 0,33
Mittelwert n=11 10,04 4,00 3,85 16,48 11,38 0,68 0,32
Betrieb SL
Jan
88,4
9,40
6,44
4,21
13,34
10,95
0,73
0,26
März 89,5 10,13
6,72
4,55
12,98
11,31 0,51
0,25
Mai 90,5 10,50 5,76 2,23 12,64 11,18 0,48 0,23
Aug 90,1 9,41 7,12 5,72 11,52 10,26 0,47 0,21
Sep 89,0 9,32 5,68 4,06 12,65 10,87 0,49 0,23
Dez 89,8 12,64 6,18 4,06 11,96 10,78 0,43 0,21
Mittelwert n=7 10,10 6,23 3,85 12,53 10,89 0,51 0,23
Tab. 28: Übersicht – Rohnährstoffgehalte und Futterwert vom Legehennenfutter im
Betrieb RG
Betrieb RG
Rohasche Rohfaser Rohfett Rohprotein Energie
Lysin
Methionin
% % % % MJ/kg % %
Ist-Theorie 6,13 5,52 3,12 14,76 11,81 0,52 0,24
50% Legemehl
10,76
6,88
4,42
14,08
11,01
0,51
0,26
Die Rationsberechnung für den Betrieb RG ergab unter Annahme einer Aufnahme
von ca. 10% Rote Beete-Kartoffeleiweiß-Gemisch, 20% Legemehl- und 70%
Weizenaufnahme die in Tabelle dargestellten Ist-Gehalte des aufgenommenen
Futters. Da alle drei Bestandteile getrennt angeboten wurden, errechnete sich nur ein
theoretischer Wert aus der Relation der verbrauchten Futtermengen. Es bestätigte
sich, daß die Hühner ihr Futter gezielt auswählen. So wurden die Weizenkörner
bevorzugt, das Rote Beete-Kartoffeleiweiß-Gemisch (restriktiv angeboten) maximal
ausgeschöpft und das mehlförmige Ergänzerfutter nur in geringerem Umfang
aufgenommen. Würde das Legemehl wie vorgesehen mit ca. 50% geschrotetem
Weizen vermischt den Tieren angeboten, ergäbe sich keine Verbesserung Das
selektive Fressen der drei angebotenen Komponenten begrenzte die
Leistungsfähigkeit in diesem Betrieb nicht, da im Durchschnitt aller Tiere das
vorhandene Futter optimal genutzt wurde.
Es wird aber auch deutlich, daß die Qualität des Ergänzers (Legemehl) wesentlich
zum Fütterungserfolg beiträgt.
Die Legemehle wurden im Projekt auch einzeln untersucht und die Differenzen zur
Deklaration überprüft. Das Legemehl der Betriebe SL und RG wies theoretisch stark
unterschiedliche Gehalte (Anpassung an verfügbare Rohstoffe) auf. So lag der
Rohproteingehalt zwischen 17,0 und 21,5%, der Lysingehalt wurde mit 1,0-1,2%
angegeben. Analysiert wurden aber in der Regel weitaus geringere Werte.

 
30
Tab. 29: Übersicht eingesetzte Legemehle
Legemehl Betrieb SG
30% Ergänzer
Legemehl Betrieb SL u. RG
50% Ergänzer
Komponenten 33%Maiskleber
28% Kalksteinchen
11% Luzernegrünmehl
8% Sonnenbl.kuchen
5% Kartoffeleiweiß
5% Weizengrießkleie
3% Dicalciumphosphat
2% Melasse
1% Sonneblumenöl
offene Deklaration
20% Erbsen
20% Maiskleber
20% Sonnenbl.kuchen
10% Grünmehl
10% Weizen
10% Mais
10% Mineralstoff und Kalk
halboffene Deklaration
(% auf Anfrage beim Hersteller,
starke Veränderungen)
Einsatzempfehlung
Mischung zu 53% Weizen, 15%
Erbsen und 2% Pflanzenöl
Nur mit mindestens 50%
wirtschaftseigenem Kraftfutter
verabreichen!
Tab. 30: Vergleich mittlere Analysenwerte im Projekt und ausgewiesene Deklaration
P K Ca Mg Na RA RFA RFE RP ME Lys Met
% % % % % % % % MJ/kg % %
SG 0,99 0,66
11,18
0,21 0,49
31,95 6,77
3,99 29,47 6,87 1,14 0,73
Deklaration 0,91 0,6 12,6 0,55 37,1 5,6 4,6 28,7 7,7 1,0 0,81
SL/RG 0,61 0,79 4,38 0,30
0,17
14,27 8,21 6,72
16,62
10,00
0,66
0,32
Deklaration 0,65-
1,2
4,0-
4,8
0,55-
3,5
12-16 10,24-
11,1
5,4-
6,4
17-
21,5
10 1,0-
1,2
0,3-
0,6
Das Legemehl im Betrieb SG lag im Untersuchungszeitraum bei etwas erhöhtem
Rohfasergehalt und vermindertem Ca- und RA-Gehalt in den Eiweißparametern im
ausgewiesenen Bereich. Das zweite Legemehl wies Defizite bei der Versorgung mit
Na, Rohprotein, Lysin und Methionin auf, die das Leistungsniveau in den beiden
Betrieben SL und RG mit beeinflussten. Bei Verfütterung entsprechend den
Einsatzempfehlungen mit durchschnittlichem Ökoweizen bzw. Erbsen ergibt sich
folgendes Bild. Ein Vergleich der realisierten Futtermischungen in den Betrieben
zeigt die Vorteile des Betriebes SG
Tab. 31: Vergleich Legehennenfutter in Projektbetrieben mit Empfehlungen
RohascheRohfaserRohfettRohprotein Energie Lysin Methionin
% % % % MJ/kg % %
SL-Soll 7,99 5,67 4,63 13,55 11,41 0,48 0,25
SL-Ist 10,10 6,23 3,85 12,53 10,89 0,51 0,23
SG-Soll 10,94 4,70 4,71 17,55 11,38 0,74 0,34
SG-Ist 10,04 4,00 3,85 16,48 11,38 0,68 0,32
RG-Ist 6,13 5,52 3,12 14,76 11,81 0,52 0,24
Jeroch et al. 1999
Alleinfutter I (55g tägl. Eimasse, 127g Futter mittelschwer) 16 11,4 0,64 0,31
Alleinfutter II (50g tägl. Eimasse, 132g Futter mittelschwer) 15 10,6 0,57 0,28
Deerberg 2000
Legewoche 1-22./24.
16-18
11-11,5 0,75-0,8 0,32-0,35
Legewoche ab 23./25.
14,5-16,5
11-11,5
0,6-0,7
0,3-0,32
Damme 2000
18 11,4-11,8 0,7-0,760,37-0,42

 
31
Energetisch scheint die Versorgung in allen drei Betrieben gesichert zu sein.
Erwartungsgemäß stellt die Proteinversorgung den Problembereich dar. Der Gehalt
an Rohprotein lag unter bzw. gerade im angestrebten Bereich. Gleiches galt für die
Aminosäuren Lysin und Methionin. Das Futter im Betrieb SG entspricht am ehesten
den Empfehlungen, die von DEERBERG (2000) speziell für den Ökobereich
herausgegeben wurden. Es wird aber im Betrieb keine Unterteilung zwischen
Legebeginn und zweite Legehälfte vorgenommen. In der Regel erhalten alle Tiere
das gleiche Futter.
Nicht erfasst wurde die Menge an Haferkörnern, die in den Betrieben frei in die
Einstreu verteilt wurde und in erster Linie der Beschäftigung diente und weniger der
Futterbereitstellung. Dennoch sollte möglicherweise der unterschiedliche
Bespelzungsgrad der einzelnen Hafersorten beim Einsatz beachtet werden. Hier
ergeben sich beträchtliche Unterschiede in den Rohfasergehalten von 5,4% Sorte
Lutz und >14% bei der Sorte Alf besonders bei ungünstigen Bedingungen.
Die Gabe von Raufutter entsprechend der EU-Verordnung wurde in allen Betrieben
mehr oder weniger sporadisch umgesetzt. Art und Menge bzw. Dauer konnte aber
nicht detailliert erfasst werden. Zum Einsatz kamen vorzugsweise Restmengen aus
der Gemüseproduktion.
Wichtig für eine gesunde Legehenne mit guter Legeleistung ist auch die
Bereitstellung von Mineralstoffen. Die Analysen der Futtermischungen bzw. Ration
ergab folgendes.
Tab. 32: Mittlere Mineralstoffgehalte der Futtermischungen in den Projektbetrieben
im Vergleich zu Empfehlungen
P
%
K
%
Ca
%
Mg
%
Na
%
Betrieb RG 0,43 0,51 1,69 0,19 0,09
Betrieb SG 0,52 0,52 3,22 0,15 0,12
Betrieb SL 0,50 0,65 3,03 0,22 0,09
Jeroch et al. 1999
Alleinfutter I (55g tägl. Eimasse,
127g Futter mittelschwer)
0,5-0,8 0,15 3,4-4,0 0,04 0,12-0,25
Alleinfutter II (50g tägl. Eimasse,
132g Futter mittelschwer)
0,45-0,60 0,14 3,5-4,5 0,04 0,12-0,25
Deerberg 2000
Legewoche 1-22./24. 0,55-0,65 3,5-3,7 0,15-0,2
Legewoche ab 23./25.
0,5-0,55
3,5-3,7
0,15-0,2
Damme 2000
0,5-0,6 3,5-3,7 0,15-0,17
Die mangelnde Kalkversorgung, die rein rechnerisch in Betrieb RG ausgewiesen ist,
spiegelt die betriebliche Praxis nicht richtig wieder. Die Tiere können zusätzlich Kalk
aufnehmen und die Werte für die Schalenstabilität der Eier bestätigten eine
ausreichende Ca-Versorgung bei allen drei Betrieben. Defizite zeigen sich aber in der
Na-versorgung. Ein niedriger NaCl-Gehalt wird oft im Zusammenhang mit
Kannibalismus beobachtet. In den untersuchten Betrieben wurde ebenfalls die
Erfahrung gemacht, daß die Darbietung von Kochsalzlösung diese Probleme lindert,
wobei die eigentlichen Ursachen von Kannibalismus (Genetik, Haltung, Fütterung,
Mykotoxin?) weitaus komplexer und noch nicht endgültig geklärt sind.

image
32
Nicht direkt Gegenstand der Untersuchungen war
die Versorgung mit Vitaminen. Eine untersuchte
Stichprobe in den Betrieben SL und SG bestätigte
eine ausreichende Versorgung. Besondere
Bedeutung hat das Vitamin E als natürliches
Antioxidans, das in den vorliegenden Analysen,
doppelt so hoch wie empfohlen vorhanden war.
In der ökologischen Tierhaltung sind keine
synthetischen Antioxidantien und
Konservierungsmittel wie Calciumpropionat und
BHT zulässig. Untersuchungen von DÄNNER
(2000) belegen, daß diese Tatsache an sich keine
Auswirkungen auf die Leistungsmerkmale der
Hennen hat. Voraussetzung ist aber eine optimale
Futterlagerung (kühl, trocken) mit begrenzten
Lagerzeiten (<12 Wochen) und hervorragende
Hygiene (Reinigung der Vorratsbehälter). Fehlen
diese Grundlagen ergeben sich unter Umständen
negative Auswirkungen auf die Futteraufnahme und die Legeleistung. Der übliche
Zusatz von Pflanzenölen zur Staubbindung und Energielieferung in
Legehennenmischfuttermittel erfordert im ökologischen Landbau besondere Sorgfalt.
So ist z.B. Leinöl durch seine hohe Anzahl ungesättigter Fettsäuren ein sehr leicht zu
oxydierendes Öl, wobei die eingesetzten Mineralstoffe katalysierend wirken.
Ist das Futter speziell in den Sommermonaten längere Zeit im Außensilo, so wird das
Futter „ranzig“. Bei großen Temperaturunterschieden kann Kondenswasser sich an
den Wänden niederschlagen und die Futterpartien befeuchten. Dies kann die
Ursache für mikrobielle Verderbnisprozesse sein, in deren Folge z. B. Mykotoxine
eine Gefahr für die Gesundheit der Tiere darstellen.
Die Parameter zur Erfassung der Eiqualität enthält die Tabelle. Die ausgewiesenen
Eigewichte dienen lediglich zur Charakterisierung der untersuchten Eier. Die Proben
wurden stets von frischen Eiern (<3Tage) teilweise aus vorsortierten (L-Größe,
verkaufsfähige) Gebinden, aber immer zufällig verteilt entnommen.
Tab. 33: Übersicht Parameter Eiqualität
Betrieb Probe Eigewicht Eifarbe Eistabilität
g Fächerwert N
SG 22.03.01 68,7 7,3 42,4
23.05.01 66,7 7,9 34,5
28.09.01 61,6 7,4 38,6
n=150 Insgesamt 65,7 7,5 38,5
SL 22.03.01 66,0 3,9 42,4
23.05.01 62,0 5,6 36,0
28.09.01 57,4 5,1 39,9
n=90 Insgesamt 61,8 4,8 39,4
RG 22.03.01 63,5 3,2 36,6
23.05.01 57,8 3,5 37,0
28.09.01 59,2 4,5 36,2
n=60 Insgesamt 60,2 3,7 36,6
Die Daten der Eischalenstabilität bestätigen eine ausreichende Kalkversorgung der
Legehennen. Die Schalenstabilität wird in der Einheit N = Newton angegeben. Nach
TERNER et al. (1994) wird der übliche Durchschnittswert mit 32 N angeben. Ein
Abb. 12: Silo für Geflügelfutter

image
33
altersbedingtes Nachlassen der Schalenstabilität ist normal und dokumentierte sich
hier durch die Verringerung der Werte vom 22.3. zum 28.9.2001, (s. Tabelle 34) da
es sich um dieselben Stalleinheiten im Betrieb SG (Halle 3, Lohmann Tradition,
Legebeginn 11/2000; Halle 1: Lohmann Brown, Legebeginn 3/2000) handelte.
Tab. 34: Ergebnisse zur Eiqualität aus dem Betrieb SG
Probe Alter Eigewicht Eifarbe Eistabilität
g Fächerwert N
22.03.01 Halle 1 69,7 7,0 38,7
Halle 3 67,7 7,7 46,0
23.05.01 Halle 1 65,9 8,0 28,0
Halle 3 67,6 7,6 40,9
28.09.01 Halle 3 67,7 7,6 36,7
Halle 4 55,6 7,2 40,4
Insgesamt Halle 1(n=50)
67,8
7,5
33,4
Halle 3(n=75) 67,7 7,6 41,2
Halle 4(n=25) 55,6 7,2 40,4
Die Dotterfarbe spielt bei der Verwertung der Eier eine beachtliche Rolle, obwohl der
Nährwert nicht beeinflusst wird.
Die Unterteilung des Farbfächers bewertet die Dotterfarbe von 1-15, wobei die 1 eine
hellgelbe und die 15 eine rotorange Dotterfärbung beschreibt.
Ein scheinbar positiver Effekt auf die Dotterfärbung ist durch den Vegetationsbeginn
und die verstärkte Nutzung des Auslaufs (Mai) zwischen den Terminen festzustellen
(Anstieg des Fächerwertes). Das insgesamt hohe Niveau vom Betrieb SG wird
dadurch eher weniger beeinflußt, während beim Betrieb SL der Fächerwert von 3,9
auf 5,6 bzw. 5,1 doch beträchtlich anstieg. Dieser Trend war auch beim Betrieb RG
zu beobachten (3,2; 3,5; 4,5) Mit 3,7 weist der Betrieb RG die hellste Dotterfärbung
auf, was aber nach Aussage des Betriebsleiters keine negativen Auswirkungen auf
den Absatz der Eier hat.
Die folgende Abbildung (Abb. 13) soll die einzelnen Fächerwerte, wie sie in den
Betrieben vorgefunden wurden, veranschaulichen. So ist auf der rechten Seite ein
Eidotter konventioneller Herkunft (Fächerwert 14). In der Mitte oben entspricht das
Dotter etwa einem Fächerwert von 5, während das untere nur mit 1 eingeschätzt
wurde. Ganz rechts außen befindet sich ein Dotter mit dem Fächerwert 9.
Abb. 13: Vergleich verschiedener
Dotterfärbungen
Im konventionellen Bereich werden Fächerwerte von 13 -14 angestrebt. Da im
ökologischen Landbau der Einsatz synthetischer Farbstoffe (Carotinoide) nicht
gestattet ist, fällt der Erwartungswert für die Dotterfärbung entsprechend niedriger
aus. Als durchaus befriedigend kann ein Fächerwert von etwa 7-8 angesehen

34
werden, wobei die Dotterfärbung ein subjektives Merkmal darstellt und keinerlei
Einfluß auf den Nährwert des Eies hat.
Natürliche Farbstoffquellen sind Luzernegrünmehl, Maiskleber, Karotten, Mais,
Paprika, Tagetes u.a. .
Eine direkte Bestimmung der Carotinoide - der färbenden Bestandteile im Legemehl
– ergab folgende Analysenwerte bzw. in Klammern die rechnerische Bereitstellung
von färbenden Verbindungen bei empfohlener Einsatzmenge.
Tab. 35: Carotinoidgehalt der eingesetzten Legemehle
Legemehl SL u. RG
Legemehl SG
Gesamtxanthophyll (o. Carotin)
Trans Lutein
Zeaxanthin
Capsanthin
Sonstige
mg/kg
Futter
24,4 (12,2)
12,6 (6,3)
6,4 (3,2)
0,2 (0,1)
5,2 (2,6)
81,4 (24,4)
31,2 (9,4)
28,3 (8,5)
2,8 (0,8)
19,1 (5,7)
β-Carotin mg/kg
Futter
5,5 (2,75)
6,5 (2,0)
Dabei wird deutlich, daß das Legemehl aus dem Betrieb SG das höhere Potential an
„Farbstoffen“ aufwies und die erzielte Dotterfärbung mit den eingesetzten
Bestandteilen zusammenhängt. Insbesondere der höhere Gehalt an Zeaxanthin
(gelb/orange) aus Maiskleber trug zum höheren Fächerwert bei. Der Gehalt an Rot-
Orange (Capsanthin) war bei beiden Proben vergleichsweise gering und ein Effekt
nicht zu erwarten.
Gras aus Auslaufhaltung trägt nach Aussage von SEEMANN (2001) nur
unwesentlich zur Fächerwertsteigerung bei. Erstens werden nur kleine Mengen
aufgenommen und zweitens enthält Gras das rein gelb wirkende Lutein. So war der
Anstieg des Fächerwertes zwischen beiden ersten Terminen möglicherweise eher
auf eine Rezepturveränderung beim Legemehl (Betriebe RG und SL)
zurückzuführen. Dem eingesetzten Legemehl (50 % Ergänzer) wurde Rapsöl
zugesetzt. Damit steigt der Fettgehalt im Legemehl um 1 %, was eine Resorption der
Carotinoide begünstigt (JEROCH, 2001).
3.2.4. Mastgeflügel
Die Haltung von Mastgeflügel unter ökologischen Bedingungen nimmt an Bedeutung
zu. Allgemein kann gesagt werden, daß auch in diesem Bereich die
Eiweißversorgung ein erhebliches Problem der Fütterung darstellt. Lösungsansätze
wurden in einem gemeinsamen Versuch mit der LVS Kitzingen gesucht. Der
Versuchsbericht hierzu ist im Anhang enthalten.
An dieser Stelle seien einige Ergebnisse aus zwei Betrieben aufgeführt, die sich mit
der Putenmast beschäftigen.
Es ist festzustellen, daß die hohen Bedürfnisse der Puten insbesondere an S-
haltigen Aminosäuren mit dem verfügbaren Futtermitteln nur schwer gedeckt werden
können. Gegenwärtig wird sogar darüber diskutiert, ob für die ökologische
Geflügelhaltung ein Einsatz von synthetischem Methionin zugelassen werden sollte,
spätestens nach Ablauf der Übergangsfrist für konventionelle Zukauffuttermittel 2005.
Außerdem wird auch um die Zulassung von Bierhefe als Futtermittel gerungen, da
diese einen wichtigen Lieferanten von Aminosäuren (Lysin), Mineralstoffen,
Vitaminen und Spurenelementen darstellte, bis die EU-Verordnung den Einsatz in

35
Ökofuttermischungen verbot. Erwogen wird auch eine Zulassung von Eiprodukten,
da in Ökobetrieben teilweise innerbetrieblich eine Verwendung von „Resteiern“ mit
gutem Erfolg praktiziert wird.
Das Putenfutter wurde in den beiden untersuchten Betrieben als Fertigfuttermischung
bezogen. Die vorliegenden Deklarationen wiesen in verschiedenen Anteilen (je nach
Mastabschnitt) folgende Zusammensetzung auf:
Öko-Getreide (Weizen, Mais, Triticale, Gerste, Hafer, Roggen) Öko-Sojabohnen,
Öko-Erbsen, Maiskleber, Öko-Luzernegrünmehl, Sonnenblumenkuchen/Leinkuchen,
Öko-Weizenkleie, Weizenkeime, Kartoffeleiweiß, Mineral und Wirkstoffvormischung
z.T. Kräuterzusätze
Der Einsatz von Sojabohnen (getoastet) dient der Bereitstellung des hohen
Aminosäurenbedarfes insbesondere bei geringerem Lebensalter. BELLOF (2002),
der in seinen Untersuchungen weitere hochwertige Eiweißfuttermittel (Casein,
Magermilchpulver) für Puten testete, bekräftigte die zentrale Bedeutung der
Aminosäuren (Verdaulichkeiten) für mögliche Wachstumsleistungen.
Im Gegensatz zu der an sich im Ökolandbau wenig üblichen Pelletierung von
Futtermitteln wurde in den Untersuchungsbetrieben auf pelletierte bzw. gekrümelte
Fertigmischungen für die Putenmast zurückgegriffen, was sicher zu einer
gleichmäßigeren Nährstoffaufnahme beiträgt, da eine Entmischung verhindert wird.
Die Aufzucht erfolgt in spezialisierten Betrieben wie z.B. der FreilandPuten
Fahrenzhausen GmbH. Die Mast in den Betrieben beginnt in der Regel mit der 4.-6.
Lebenswoche und erstreckt sich je nach Vermarktungsmöglichkeit bis zur
24. Lebenswoche (Hennen 18-20 Wochen, Hähne 22-24 Wochen). Der Besatz
richtet sich nach den vorgeschriebenen Haltungsbedingungen
(< 21kg Lebendgewicht/m
2
Stallfläche, 10m
2
Auslauffläche/Tier), wobei auch hier das
Genehmigungsverfahren für die Ausläufe einen entwicklungshemmenden Faktor
darstellt.
Eine Gegenüberstellung der deklarierten Rohprotein-, Methionin- und Energiegehalte
beider Futtermischungen für die einzelnen Lebensabschnitte und den Empfehlungen
der DLG-Mischfutterstandards für Putenalleinfutter vermitteln die Abbildungen 14-16.
Es wird deutlich, daß der Trend bei den Gehalten an Rohprotein und Methionin mehr
oder weniger stark angepasst, aber in die gleiche Richtung läuft. Der Energiegehalt
hingegen, der aufgrund des steigenden Erhaltungsbedarfes bei den DLG-
Empfehlungen zunimmt, sinkt bei der Öko-Mischung S von einem sehr hohen Niveau
mit zunehmender Mastdauer.
Stichproben bei den eingesetzten Futtermitteln (erst ab 5.Woche) bestätigten im
Rahmen der zulässigen Abweichungen die ausgewiesenen Gehalte. Wesentlich für
hohe tägliche Zunahmen ist der Methioningehalt. Defizite in der Versorgung
insbesondere bis zur 9. Woche reduzieren die Zunahmen, wobei ein gewisses
kompensatorisches Wachstum beobachtet werden konnte (MÜLLER 2001 bei
STOY 2002). Die ökonomische Bilanz wird durch die hohen Futterkosten von
38-53€/dt enorm belastet. Das ist etwa doppelt so hoch wie im konventionellen
Bereich.
Eine genauere Analyse der ökologischen Putenproduktion erscheint aufgrund des
Wachstumspotentials einerseits und bestehender Probleme (Auslauf, Fütterung)
andererseits durchaus interessant.

36
10
10,5
11
11,5
12
12,5
13
1 4 7 10 13 16 19 22
Lebenswoche
Energie ME/kg
Standard
Ö-Futter S
Ö-Futter R
Abb. 14: Energiegehalt von
Putenfutter im Vergleich
10
15
20
25
30
1 4 7 10 13 16 19 22
Lebenswoche
RP (%)
Standard
Ö-Futter S
Ö-Futter R
Abb. 15: Rohproteingehalt von
Putenfutter im Vergleich
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1 4 7 10 13 16 19 22
Lebenswoche
Methionin (%)
Standard
Ö-Futter S
Ö-Futter R
Abb. 16: Methioningehalt von
Putenfutter im Vergleich

37
4. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse und praktischen Erfahrungen im Rahmen des Projektes:
„Untersuchungen zur Auswirkung unterschiedlicher Futterrationen auf den Ertrag in
der Milch-, Fleisch- und Eierproduktion in sächsischen Ökobetrieben“ zeigten:
Die natürlichen Standortbedingungen, Sortenwahl, Witterung, Fruchtfolgestellung
und Schädlingsbefall beeinflussen die Bestände im ökologischen Landbau sehr
individuell und in größerem Ausmaß als im konventionellen Bereich. Daher
ändern sich Rohnährstoffgehalte und Futterwerte von Getreide und
Körnerleguminosen nicht schematisch.. So war der Rohproteingehalt
erwartungsgemäß mit Ausnahme der Erbsen (Leguminose!) niedriger, bei Stärke
und Zucker gab es kaum Abweichungen von Tabellenwerten. Ökologisch
erzeugter Hafer unterschied sich im Mittel kaum von konventionellem Hafer. Im
Erhebungszeitraum wiesen Gerste, Triticale und Roggen größere Differenzen im
Rohprotein und Aminosäuregehalt auf als Weizen bei Vergleich mit den jeweiligen
konventionellen Standardwerten (DLG Futterwerttabellen). Bei Einsatz als
Futtermittel sind daher Rohnärstoffanalysen anzustreben. Zur Ermittlung der
Aminosäurengehalte erwiesen sich die derzeitig angewendeten Schätzformeln
von DEGUSSA als hinreichend genau.
Silagen, Heu und Trockengrün wiesen teilweise unbefriedigende Qualitäten (zu
hohe Rohfasergehalte, Schimmelbildung) auf. Der grundlegenden Bedeutung
dieser Futtermittel im Ökolandbau wurde nicht ausreichend Beachtung
(Silagemanagement) geschenkt und eine bedarfsgerechte Fütterung erschwert.
Eine gezielte Rationsbetrachtung und eine Einflussnahme auf die Effektivität der
Fütterung war nur in einem geringen Teil der Betriebe festzustellen. Oftmals
überwiegt der betriebliche Kreislaufgedanken (Verwertung, „Grasfresser“) bzw. es
existieren technisch-technologische Hindernisse (begrenzte Lagerkapazität,
verfügbare Technik, fehlende Tieridentifikation). Bedarfs- oder leistungsgerechte
Fütterung ist so nicht realisierbar, insbesondere auf dem Gebiet der
Milchkuhfütterung.
Ökologische Futtermittel sind teuerer als konventionelle. Durch das Einsatzverbot
von Tiermehl sind aber auch die Preise der gestatteten konventionellen Zukauf-
futtermittel (z. B. Kartoffeleiweiß) aufgrund der gestiegenen Nachfrage unter
Druck geraten. Damit gewinnt der effektive Einsatz insbesondere bei der Jungtier-
fütterung von Monogastriden an Bedeutung. Bei der Mastschweinefütterung war
durch 2-3-Phasenmast eine gezielte Anpassung an den Bedarf und eine mögliche
Einsparung an Zukauffuttermitteln zu beobachten.
Teilweise unzureichende Futterqualitäten (auch durch Zwischenlagerung!)
und/oder nicht angepasster Kraftfuttereinsatz (fehlende Leistungsgruppen,
Wirtschaftsprinzip) stellten in den untersuchten Betrieben die wesentlichen
Hemmfaktoren für eine effektive und ausgeglichene Milchkuhfütterung dar. Es ist
angeraten, zur Absicherung der Nährstoffansprüche und Gewährleistung der
Tiergesundheit zu Laktationsbeginn in Öko-Betrieben mit hohem Milchpotential
die Ausnahmegenehmigung durch die EU-Verordnung bezüglich eines 50%
Kraftfutteranteils in den ersten drei Monaten in Anspruch zu nehmen.

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Es war festzustellen, daß in den untersuchten Betrieben wichtige Grundlagen für
eine erfolgreiche Schweinemast vorhanden sind (Rein-Raus-Prinzip,
Phasenmast). Probleme bestehen bei der Schaffung der notwendigen
Auslaufbedingungen entsprechend der EU-Verordnung (Genehmigungsverfahren,
Kosten). Es bestätigten sich, Defizite in der Aminosäureversorgung im Verhältnis
zur Energiebereitstellung. Hier lag vermutlich die wesentliche Ursache für die
erzielten Magerfleischanteile.
Die Legehennenfütterung wurde durch das eingesetzte Legemehl stark geprägt.
Schwankungen in dessen Qualität beeinträchtigten die Legeleistung in gleichem
Maße wie der Einsatz von Triticale (NSP-Gehalt?) als betriebseigene
Futterkomponente. Die Qualität der erzeugten Eier entsprach den Anforderungen.
Die für den ökologischen Landbau typische hellere Dotterfärbung stellt keine
Qualitätsminderung dar.
Restriktionen bedingt durch spezifische Eigenschaften der Futtermittel (z.B.
unerwünschte Inhaltsstoffe) gelten auch unter ökologischen Bedingungen und
sind bei der Gestaltung der Rationen entsprechend zu berücksichtigen. Es ist
aber generell zu prüfen, inwiefern diese Einsatzbeschränkungen durch
Zuchtfortschritt (z.B. Alkaloidgehalt bei Lupinen) noch zutreffend sind.
Der Fütterung von Mastgeflügelbeständen ist zukünftig mehr Beachtung zu
schenken, da ein zunehmendes Interesse an diesem Marksegment zu
beobachten ist.
Die Fütterung der Tierbestände erfordert unter ökologischen Bedingungen eine
höhere Qualität der Futtermittel (Milchkuhfütterung) und die Einbeziehung aktueller
Futtermittelanalysen (mind. Hauptkomponenten bzw. wirtschaftseigene Futtermittel).
Wesentlichen Grundlagen wie z. B. dem Silagemanagement und der Lagerungs-
hygiene gilt es vor allem
im ökologischen Bereich mehr Aufmerksamkeit zu widmen.
Darauf sollte in Publikationen und anderen Arbeitsmaterialien für die Berater und
Multiplikatoren konsequent verwiesen werden.
Die Wechselbeziehungen Futter - Leistung – Tiergesundheit werden noch nicht in
genügendem Maße (fehlendes Fachwissen, arbeitsseitige Überlastung) beachtet. So
werden z.B. die Futterreste (bis drei Tage nach Siloentnahme) teilweise an die
Trockensteher verfüttert (Futterwert durch Nährstoffabbau verringert, Keimbelastung
erhöht). Auch die Verfütterung von Rüben oder Kartoffeln ohne Umstellungsphase
beeinträchtigt die Tiergesundheit (Acidosegefahr). Eine zu geringe Energieaufnahme
bei Laktationsbeginn (Kraftfuttermenge!) führt zu einer sehr starken Mobilisierung der
Körperreserven, die im weiteren Verlauf der Laktation nicht wieder aufgefüllt werden
können (Futterqualität!). Eine gezielte Heranführung der Landwirte an eine
selbständige und regelmäßige Kontrolle des Fütterungsstatus durch eine
Konditionsbewertung ihrer Tiere und eine fachliche Interpretation der MLP-
Ergebnisse werden als erforderlich angesehen.
Mit dem angestrebten, steigenden Anteil des Ökolandbaus wächst die Verarbeitung
ökologisch erzeugter Produkte. Es wird zukünftig auch ein ökologischer
Futtermittelmarkt – in begrenztem Umfang - entstehen. Hier sind rechtzeitig
Einsatzempfehlungen zu erarbeiten bzw. Erfahrungen vom konventionellen Bereich
anzupassen.

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Prinzipiell ist eine bedarfsgerechte, der Leistung angepasste Fütterung realisierbar,
vorausgesetzt die Leistung wird kontinuierlich ausgewertet. Diese Aussage kann nur
unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen getroffen werden. Wenn die
Ausnahmegenehmigungen zur Einstallung von konventionellen Jungtieren ab 2004
bzw. ab 2005 für konventionelle Zukauffuttermittel ablaufen, wird sich Situation mit
großer Wahrscheinlichkeit weitaus komplizierter gestalten, insbesondere für die
Monogastriden. Ohne Einsatz von Futtermitteln wie Maiskleber, Kartoffeleiweiß oder
die gegenwärtig nicht zugelassene Bierhefe ist eine bedarfs- und damit effiziente
Fütterung nicht möglich.
Insgesamt ist festzustellen, daß die Thematik des Projektes sehr komplex ist. Eine
abschließende, allgemeingültige Bewertung ist auch am Ende der Laufzeit daher
nicht möglich. Nur eine langfristige, kontinuierliche Arbeit kann umfassende
Aussagen zu der sich in der Entwicklung befindlichen ökologischen Tierhaltung und –
fütterung treffen.

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Impressum
Herausgeber:
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
August-Böckstiegel-Straße 1
D-01326 Dresden
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Redaktion:
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Fachbereich Tierzucht, Fischerei und Grünland
Am Park 3
04886 Köllitsch
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Fax.: 034222 / 46-109
Redaktionsschluss:
Juni 2002