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Schweineproduktion
Managementunterlage
(3. vollständig überarbeitete Auflage)

Kapitelverzeichnis
1
Stand und Entwicklung der Schweineproduktion auf dem
EU - Markt, in Deutschland und Sachsen
2
Markt- und Preisentwicklung
3
Produktions- und Reproduktionsorganisation
4 Tierzucht und Zuchtorganisation
5 Fütterung
6 Verfahrensgestaltung
7
Sicherung der Tiergesundheit
8 Wirtschaftlichkeit
9 Energiemanagement
10 Betriebszweigabrechnung
11
Finanzierung, Liquidität und Fördermöglichkeiten
12 Motivation und Entlohnung
13 Versicherungen
14 Gesetzliche Grundlagen
15
Einsatz von Schweinegülle
16 Ökologische Schweineproduktion
17
Planungsinstrumente im Ländlichen Raum

1
Stand und Entwicklung der Schweineproduktion auf dem
EU - Markt, in Deutschland und Sachsen
Seite
1.1
Entwicklung der Schweinebestände weltweit, in der EU und
in Deutschland als Rahmenbedingung für
die sächsische Schweineproduktion
1
1.1.1 Schweinebestände in der EU und ausgewählten anderen Regionen
1
1.1.2 Entwicklung der Schweinebestände in der Bundesrepublik Deutschland
2
1.2
Entwicklung der Schweineproduktion in Sachsen
4
1.2.1 Tierbestände und ihre territoriale Verteilung
4
1.2.2 Größenstruktur der Schweinebestände nach Rechtsformen innerhalb Sachsens
9
Bearbeiter:
Dipl.Agr.Ing. Ute Schmidt
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
Fachbereich Ländlicher Raum, Betriebswirtschaft und Landtechnik
Leipziger Straße 200, 04178 Leipzig
Tel. 0341-44720
Fax: 0341-4472314
E-Mail: Ute.Schmidt@fb03.lfl.smul.sachsen.de

 
1
Stand und Entwicklung der Schweineproduktion auf dem
EU - Markt, in Deutschland und Sachsen
1.1
Entwicklung der Schweinebestände weltweit, in der EU und in Deutschland als
Rahmenbedingung für die sächsische Schweineproduktion
1.1.1 Schweinebestände in der EU und ausgewählten anderen Regionen
Weltweit
sind die Schweinebestände innerhalb des letzten Jahrzehnts kontinuierlich ange-
stiegen, um im Jahr 1998 ihren bisher absoluten Höchststand zu erreichen. Einen großen An-
teil an dieser Steigerung hatte der asiatische Raum, hier insbesondere China. Ebenfalls ausge-
weitet wurden die Bestände in der stark exportorientierten US-amerikanischen Schweine-
haltung, die zeitweise sogar Dänemark als wichtigsten Lieferanten für Japan vom führenden
Platz verdrängte. Auf dem für Europa potentiell wichtigen osteuropäischen Markt wurden bis
1998 die Bestände fast um die Hälfte reduziert, hier besonders in Russland und in der
Ukraine. Im Augenblick scheinen sich die Bestände in dieser Region aber zu stabilisieren, in
Polen und Tschechien stiegen sie wieder.
In der
EU-15
wurden im November 1999 rund 124 Mio. Schweine, das sind 1,8 % weniger
als im Vorjahr, gezählt. Bis 1998 waren die Bestände in der EU ständig gestiegen, brachen
aber auf Grund des Preisverfalls am Schweinemarkt im Jahre 1998 wieder etwas ein. Inwie-
weit sich die derzeitige BSE-Krise auf den Schweinebestand auswirken wird, bleibt abzu-
warten. Es wird aber von einer wieder leicht steigenden Nachfrage nach Schweinefleisch aus-
gegangen. Inwieweit auch Russland als größerer Importeur wieder eine Rolle spielen wird, ist
bei der jetzigen Finanzlage weiter unklar. In der Tabelle 1.1.1 ist die Entwicklung der
Schweinebestände für die wichtigsten Länder der Schweineproduktion in der EU, für die
USA, Osteuropa und die Welt insgesamt dargestellt.
Tabelle 1.1.1 Entwicklung der Schweinebestände in der EU, Osteuropa, der USA und
der Welt (in Mio. Stück)
B/L DK
D
E F NL EU-15 Osteu-
ropa
USA
Welt
1989
6,5
9,1
34,2
16,9
12,3
13,6
121,3
113,0
53,79
1990
6,5
9,3
30,8
15,9
12,0
13,8
116,9
109,0
54,42
1991
6,6
9,8
26,1
17,2
12,1
13,7
113,6
102,2
57,65
1992
7,3
10,4
26,5
18,2
12,6
13,7
116,9
94,3
58,2
1993
6,9
10,9
26,1
18,2
13,4
14,0
118,3
85,2
57,9
733,9
1994
6,9
10,9
24,7
18,3
13,5
13,9
116,3
80,4
59,99
737,6
1995
7,2
10,7
23,7
18,1
14,5
13,9
115,9
80,2
58,2
763,6
1996
7,2
11,1
24,3
18,6
15,0
14,2
118,5
75,5
56,12
785,5
1997
7,4
11,5
24,8
19,5
15,5
11,4
118,9
70,1
61,16
824,8
1998
7,6
12,0
26,3
21,6
15,9
13,4
125,3
65,9
62,21
957,0
1999
7,5
11,9
25,8
22,6
16,0
13,1
124,3
66,5
59,51
912,7
2000
7,3
11,7
25,7
22,1
15,9
13,1
Quelle: ZMP 1995 und 2000
Innerhalb der EU werden in Deutschland die meisten Schweine produziert. Allerdings sind
die Bestände hier bis 1995 sehr stark abgebaut worden und die Aufstockung in der Hochpreis-
phase 1996/97 war nicht so deutlich wie in anderen EU-Staaten. In den Benelux-Staaten, die
als die klassischen schweinehaltenden Länder innerhalb der EU gelten, wurden in den letzten
10 Jahren die Bestände stetig erweitert. Selbst in den 1997 von der Schweinepest stark
betroffenen Niederlanden wurden die dadurch entstandenen Verluste sehr schnell wieder
ausgeglichen. Zu beachten ist auch die kontinuierliche Erhöhung der Schweinebestände in
Spanien.

 
2
Betrachtet man neben den absoluten Zahlen den Schweinebesatz je 100 ha LF, so ist dieser in
den einzelnen Ländern der EU sehr unterschiedlich. Aus Tabelle 1.1.2 geht hervor, dass
Deutschland mit einem Besatz von 148 Schweinen je 100 ha LF über dem Durchschnitt der
EU liegt. Den höchsten Schweinebesatz hatten im Jahr 2000 die Niederlande mit 666
Schweinen sowie Belgien und Dänemark mit 487 bzw. 431 Schweinen/100 ha LF.
Tabelle 1.1.2 Entwicklung des Schweinebesatzes in einigen Ländern der EU
(Schweine/100 ha LF)
B/L
DK
D
GR
E
F
IR
I
NL
P
UK
A
FIN
S
EU-
15
1989
435
336
197
22
56
41
25
55
692
66
47
110
53
62
87
1990
434
342
178
22
53
40
28
53
700
68
47
107
51
66
84
1991
441
360
150
19
57
40
31
51
697
65
47
106
54
64
82
1992
485
381
153
21
60
42
32
49
696
65
49
108
52
66
84
1993
464
400
150
22
60
45
34
50
711
68
50
111
52
66
85
1994
464
400
142
22
61
45
34
48
708
62
48
109
51
68
83
1995
483
394
137
18
60
48
35
48
708
61
46
108
55
67
83
1996
481
408
140
18
61
50
38
48
724
60
49
107
56
67
85
1997
496
423
143
18
64
52
39
49
581
60
51
107
57
68
85
1998
510
442
152
18
71
53
41
49
681
60
48
111
61
68
90
1999
498
439
149
18
75
53
40
50
667
59
44
100
59
59
89
2000
487
431
148
73
53
40
50
666
41
Quelle: ZMP 1995 und 2000
1.1.2 Entwicklung der Schweinebestände in der Bundesrepublik Deutschland
In der
BRD
sind die Schweinebestände seit 1989, wie bereits erwähnt, absolut um rund 25 %
gesunken. Zwar hat sich die Anzahl der gehaltenen Schweine in den Jahren 1996 bis 1998
wieder etwas erhöht, liegt aber noch um gut 10 Mio. Stück unter dem Bestand von 1989.
Anfang November 2000 wurden nach vorläufigen Ergebnissen 25,7 Mio. Schweine gezählt,
das sind 0,23 Mio. Stück weniger als im Jahr zuvor. Potentiell wäre eine Aufstockung des
Bestandes noch möglich, da Deutschland ca. 20 % seines Schweinefleischverbrauches aus
Importen decken muss.
Betrachtet man die Entwicklung der Struktur der Schweinehaltung in der Bundesrepublik,
lässt sich ein Trend zur Konzentration der Tierbestände bei immer weniger Haltern feststellen.
In den alten Bundesländern hat sich deren Anzahl von ca. 318.000 im Jahr 1993 auf rund
180.000 im Jahr 2000 fast halbiert, in den neuen Ländern gab es 1993 noch 33.000 Schweine-
halter, 2000 existierten nur noch 9.000, also weniger als ein Drittel. In der Regel gaben vor
allem Halter kleiner Bestände auf (Tabelle 1.1.3).
Demgegenüber erhöhten sich jedoch die durchschnittlichen Bestandsgrößen zum Vorjahr. Da-
raus ist erkennbar, dass die verbleibenden Betriebe bestrebt sind, noch leistungsfähigere Be-
standsgrößen aufzubauen. Durch diese Konzentrationsbestrebungen ist in den alten Bundes-
ländern die Zahl der Tiere je Halter in den letzten 10 Jahren auf das Doppelte angestiegen,
jedoch ist die Schweinehaltung in den alten Bundesländern gegenüber den neuen Bundes-
ländern und wichtigen Zufuhrländern für Schweine immer noch verhältnismäßig kleinstruk-
turiert. Durchschnittlich 124 Schweine je Halter standen in den alten BL im November 1999
in den Ställen, gegenüber 406 in den neuen Bundesländern.

3
Tabelle 1.1.3 Entwicklung der Schweinebestände in Deutschland (Mio. Stück)
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
Alte Bundesländer
Ferkel
5,745
5,819
5,81
5,46
5,155
5,311
5,395
5,815
5,737
5,68
Jungschweine
unter 50 kg
5,357
5,499
5,596
5,287
5,123
5,352
5,575
5,775
5,485
5,499
Mastschweine
7,836
8,301
8,312
8,311
8,05
8,195
8,247
8,829
8,926
8,889
Zuchtschweine
über 50 kg
2,424
2,496
2,384
2,276
2,195
2,203
2,26
2,93
2,203
2,148
Schweine
gesamt
21,362
22,115
22,102
21,334
20,523
21,061
21,477
22,712
22,351
22,217
Halter Schweine
(1.000 Stück)
234
216
193,6
186,2
173,2
170,9
132
Halter Sauen
(1.000 Stück)
84
74
66,5
61,8
59,2
56,5
48
Neue Bundesländer
Ferkel
0,98
0,934
0,839
0,692
0,649
0,708
0,754
0,759
0,782
0,788
Jungschweine
unter 50 kg
1,432
1,355
1,242
1,066
1,009
0,997
1,024
1,133
1,197
1,081
Mastschweine
1,698
1,52
1,379
1,187
1,095
1,098
1,116
1,254
1,229
1,249
Zuchtschweine
über 50 kg
0,592
0,591
0,515
0,423
0,411
0,418
0,432
0,437
0,443
0,438
Schweine
gesamt
4,702
4,4
3,975
3,368
3,164
3,221
3,326
3,583
3,651
3,556
Halter Schweine
(1.000 Stück)
29
23
20,9
19,3
19,1
15,8
7
Halter Sauen
(1.000 Stück)
4
3
2,8
2,9
2,6
2,6
2
Deutschland gesamt
Ferkel
6,725
6,753
6,649
6,152
5,804
6,019
6,149
6,574
6,519
6,468
Jungschweine
unter 50 kg
6,789
6,854
6,838
6,353
6,132
6,349
6,599
6,908
6682
6,581
Mastschweine
9,534
9,821
9,691
9,498
9,145
9,293
9,363
10,083
10,155
10,138
Zuchtschweine
über 50 kg
3,016
3,087
2,899
2,699
2,606
2,621
2,692
2,73
2,646
2,586
Schweine
gesamt
26,064
26,515
26,077
24,702
23,687
24,282
24,803
26,295
26,002
25,774
Halter Schweine
(1.000 Stück)
263
239
214,5
205,5
192,3
186,7
139
Halter Sauen
(1.000 Stück)
88
77
69,3
64,7
61,8
59,1
50
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen, Statistische Jahrbücher
Für die
neuen Bundesländer
ist allgemein folgender Trend festzustellen. Nach dem die
Schweinebestände nach der Wende sehr stark abgebaut wurden und 1995 einen absoluten
Tiefstand erreichten, war danach wieder eine leichte Ausweitung zu verzeichnen. Allerdings
kam diese mit dem extremen Preisverfall 1998/99 wieder ins Stocken, die Bestände gingen,
mit Ausnahme Thüringens, wieder zurück. Dieser Rückgang an Schweinen gegenüber dem
Vorjahr fiel besonders deutlich in den Ländern Sachsen-Anhalt und Sachsen aus. Der Anteil
der neuen Länder am gesamtdeutschen Mastschweinebestand stieg von 12,1 % im November
1999 auf 12,3 % im November 2000. Bei den einzelnen Tiergruppen blieben die Verhältnisse
fast konstant. Im Flächenbesatz liegen die neuen Bundesländer sehr deutlich unter dem
Durchschnitt der BRD von derzeit 148 Schweinen je 100 ha LF. In den alten Bundesländern
wurden im Jahr 2000 rund 189 Schweine je 100 ha LF gehalten (Abbildung 1.1.1).

 
4
Abbildung 1.1.1
Entwicklung des Flächenbesatzes bei Schweinen in den neuen
Bundesländern von 1993 bis 2000
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen, Statistische Jahrbücher,
(Balken stehen von links nach rechts für die Jahre 1993 bis 2000)
1.2
Entwicklung der Schweineproduktion in Sachsen
1.2.1 Tierbestände und ihre territoriale Verteilung
Im Freistaat Sachsen werden zur Zeit
600.000 Schweine gehalten (∼ 2,3 % der Schweine in
Deutschland insgesamt). Das sind noch 30 % des Gesamtbestandes von 1989. Bei den Mast-
schweinen werden nur noch 25,9 % der Bestände von 1989 gehalten und bei den Zucht-
schweinen noch 36,8 %.
Ursachen für den Bestandsrückgang in den Jahren 1989 bis 1995 waren vor allem die Schlie-
ßung bzw. die Bestandsreduzierung in größeren Anlagen sowie die Aufgabe von Kleinbestän-
den aus wirtschaftlichen oder umweltrechtlichen Gründen.
1996 kam der dramatische Abbau der Schweinebestände zum Stillstand und wurde bis 1998
auf über 630.000 Tiere ausgedehnt. Ursache hierfür waren die extrem hohen Preise für Mast-
schweine und Ferkel 1996 und 1997. Der leichte Anstieg der Sauenbestände seit 1995 ist
außerdem durch verstärkte Rekonstruktionsmaßnahmen, die teilweise mit Bestandserwei-
terungen verbunden sind, begründet.
Infolge des sehr hohen Angebotes an Schlachttieren und Ferkeln fielen 1999 die Preise auf
einen absoluten Tiefstwert (vgl. Kap. 2). Auf diesen Preisverfall reagierten besonders Mast-
betriebe mit wesentlich geringeren Aufstallungen. Für die Ferkelerzeuger brachte dieser Zu-
sammenbruch der Nachfrage hohe Verluste, es wurden in der Folge die Bestände weniger
remontiert und der Bestand an Altsauen verringert. Im Jahr 2000 stabilisierten sich die Preise
am Schweinemarkt wieder. Dies führte in Sachsen zu einer Erweiterung der Zuchtbestände,
so dass von einer Stabilität der Tierbestände für 2001 ausgegangen werden kann (Tabelle
1.2.1).
Die vorgenannten Aussagen werden durch Abbildung 1.2.1 zur Entwicklung des Schweine-
besatzes in Sachsen unterstützt. Bis 1995 gingen die Bestände z. T. extrem zurück, danach ist
eine relative Stabilität zu verzeichnen.
MV
BB
ST
TH
SN NBL ABL
Stück je 100 ha LF
200
180
160
140
120
100
80
60
40
20
0
Schweine
gesam t
d a ru n te r
M astschweine

 
5
Tabelle 1.2.1 Entwicklung der Schweinebestände in Sachsen von 1989 bis 2000 nach
Tiergruppen
Tiergruppen
Okt 89
Aug 91 Aug 92 Aug 93 Dez 95 Aug 96 Dez 97 Nov 98 Nov 99 Nov 00
Ferkel
373.734 225.703 195.400 168.714 132.191 163.690 163.104 162.389 179.526 156.444
Jungschweine unter 50 kg
671.774 292.840 223.221 186.138 172.298 153.146 157.137 182.128 179.143 177.453
Mastschweine
714.311 336.036 261.646 216.760 184.308 174.517 182.385 207.591 193.554 184.914
50 - 80 kg
297.071 170.721 134.804 117.025
86.641
93.719
94.287
98.303
89.430
87.458
80 - 110 kg
143.553 112.835
87.986
76.956
68.864
73.397
86.811
84.277
75.402
> 110 kg
417.240
21.762
14.007
11.749
20.711
11.934
14.701
22.477
19.847
22.054
Zuchtschweine über 50 kg
218.178 109.256
94.853
83.721
73.773
77.681
79.142
81.634
80.575
80.322
dar. Eber
2.722
1.363
1.486
1.330
923
959
1.137
1.181
879
963
Jungsauen erstmals trächtig
30.433
17.560
14.783
12.536
10.329
11.019
11.122
10.678
10.607
11.554
Jungsauen noch nicht trächtig
69.530
17.638
17.027
13.280
14.510
17.025
16.015
15255
14.029
15.585
andere trächtige Sauen
56.879
46.462
44.344
38.551
38.911
40.722
44.126
44.909
43.021
andere nichtträchtige Sauen
115.493
15.816
15.095
12.231
9.460
9.767
10.146
10.394
10.151
9.199
Schweine gesamt
1.977.997 963.835 775.120 655.333 562.570 569.034 581.768 633.742 632.798 599.133
Veränderung
zur Vorperiode %
- 51,3
- 19,6
- 15,5
- 14,2
+ 1,2
+ 2,2
+ 8,9
- 0,2
- 5,3
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen, Statistische Jahrbücher
Abbildung 1.2.1
Entwicklung des Schweinebesatzes je 100 ha LF in Sachsen
1989 bis 2000
0,0
20,0
40,0
60,0
80,0
100,0
120,0
140,0
160,0
180,0
200,0
1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000
Schweine je 100 ha LF
0,0
2,0
4,0
6,0
8,0
10,0
12,0
14,0
16,0
18,0
Sauen je 100 ha LF
Schweine
Zuchtsauen (ab EB)
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen, Statistische Jahrbücher
Betrachtet man die territoriale Verteilung der Schweinebestände in Sachsen, so ist eine immer
stärkere Anpassung an die natürlichen Produktionsbedingungen festzustellen (Tabelle 1.2.2).
Bei den Daten ist zu beachten, dass in dieser Darstellung nur die Bestände erscheinen, die im
Datenfonds der Agrarförderung enthalten sind. Dies betrifft nur rund 76 % der sächsischen
Schweine (vgl. auch Tabelle 1.2.4 mit Erläuterungen).

 
6
Tabelle 1.2.2 Schweinebesatz in den Agrarstrukturgebieten
(ohne Schweinehaltung in flächenlosen Betrieben)
Schweine gesamt (ohne Ferkel)
Sauen ab 1. Belegung
Stück/100 ha LF
Stück/100 ha LF
Agrar-
struktur-
gebiet
1989
1994
1995
2000
1989
1994
1995
2000
I
227
79
72
55
14
8
8
5
II
146
38
29
28
12
7
6
5
III
236
65
54
34
19
8
8
6
IV
159
49
44
32
11
9
8
6
V
116
20
32
13
8
2
2
1
Quelle: Datenbank LFN für 1989, Datenbank Agrarförderung Sachsen 1994, 1995 und 2000
Eine Analyse nach den 5 Agrarstrukturgebieten zeigt, dass der schon herkömmlich niedrige
Schweinebesatz je ha LF in den Gebieten II, IV und V wiederum stark gesunken ist. Das Ge-
biet V (Erzgebirgskamm) mit dem niedrigsten Ausgangsniveau weist auch den stärksten Ab-
bau auf, 1995 erfolgte eine kurzzeitige Erhöhung des Besatzes, der danach wieder weiter ab-
sank. Die Ackerebenen im Lößgürtel (I) und im sächsischen Heidegebiet (III) sind als Stand-
orte des Getreideanbaus auch die prädestinierten Standorte der Veredlungswirtschaft. Die
territoriale Lage und die natürlichen Standortbedingungen der Agrarstrukturgebiete, ihre
Größe und Grad der Einstufung in benachteiligte Gebiete sind Tabelle 1.2.3 und Abbildung
1.2.2 zu entnehmen.
Abbildung 1.2.2
Territoriale Lage der sächsischen Agrarstrukturgebiete
I
Sächsische Heidegebiete, Riesaer-Torgauer Elbtal
II Oberlausitz, Sächsische Schweiz
III Mittelsächsisches Lößgebiet
IV
Erzgebirgsvorland, Vogtland, Elsterbergland
V Erzgebirgskamm

 
7
Tabelle 1.2.3 Natürliche Standortvoraussetzungen nach Agrarstrukturgebieten
Agrarstrukturgebiete
LF
(ha)
dav. benach-
teiligte
Gebiete
(%)
Höhe
(m über NN)
Jahres-
nieder-
schläge
(mm)
Jahresdurch-
schnitts-
temperatur
(°C)
I
Sächsische Heidegebiete,
Riesaer-Torgauer Elbtal
199.801
65
134
628
8,3
II
Oberlausitz, Sächsische Schweiz
180.667
3
264
763
7,4
III Mittelsächsisches Lößgebiet
426.357
0,1
199
668
8,0
IV Erzgebirgsvorland, Vogtland,
Elsterbergland
215.377
67
418
798
6,4
V
Erzgebirgskamm
73.032
98
621
942
5,5
Quelle: Datenbank GEMDAT, LfL
Betrachtet man die Schweinehaltung in den
Amtsbereichen
, bezogen auf die LF, weist diese
erhebliche Unterschiede auf (Abbildung 1.2.3). Während in einigen Bereichen (AfL Großen-
hain, Mittweida, Mockrehna und Plauen) ca. 60 bis 80 Tiere je 100 ha gehalten werden, wie-
sen andere (Stolpen, Niesky) einen Besatz von unter 20 Schweinen auf. Der sächsische
Durchschnitt liegt bei ca. 50 Tieren je 100 ha LF. In der Abbildung 1.2.3 erscheinen aller-
dings nur die im Datenfonds der Agrarförderung enthaltenen Tierbestände. Dies betrifft, wie
bereits erwähnt, nur rund 76 % der sächsischen Schweine (vgl. Tabelle 1.2.4 mit Erläuterun-
gen).
Abbildung 1.2.3
Schweinebesatz nach Amtsbereichen
(ohne Schweinehaltung in flächenlosen Betrieben)
Quelle: Datenbank Agrarförderung Sachsen, Säulen entsprechen von links nach rechts den Jahren 1994, 1996, 1998, 2000
In den Amtsbereichen ist jeweils die Zahl der Halter zurückgegangen, während sich die An-
zahl der gehaltenen Tiere z. T. erhöhte (Abbildung 1.2.4). Auch hier lässt sich wieder der
Trend zur Konzentration in der Schweineproduktion erkennen. Da die Zuordnung der ein-
zelnen Betriebe zu den Ämtern von Jahr zu Jahr variieren kann, ist die Aussagekraft der
Zahlen eingeschränkt. Für die Datengrundlage gilt ebenfalls die bereits für Abbildung 1.2.3
gemachte Einschränkung.
Sachsen
Zwönitz
Zwickau
Zug
Wurzen
Stolpen
Rötha
Plauen
Niesky
Mockrehna
Mittweida
Löbau
Kamenz
Großenhain
Döbeln
Stück je 100 ha LF
120
100
80
60
40
20
0
Schweine
gesamt
darunter
Mastschweine

 
8
Abbildung 1.2.4
Entwicklung der Anzahl schweinehaltender Betriebe nach AfL
(ohne Schweinehaltung in flächenlosen Betrieben)
Quelle: Datenbank Agrarförderung Sachsen
Wie schon erwähnt, werden im Rahmen der Agrarförderung nicht alle Schweinebestände er-
fasst. Tabelle 1.2.4 zeigt den Bestand der in gewerblichen Betrieben bzw. Betrieben ohne Flä-
che gehaltenen Tiere auf der Grundlage von freiwilligen Erhebungen in den AfL. Es wurden
hier nur Anlagen erfasst, die Tiere in einem nennenswerten Umfang hielten (i.d.R. ab 100
Zuchtsauen oder 500 Mastschweinen). Aus den Zahlen geht hervor, dass von den knapp
600.000 Schweinen in Sachsen rund 24 % in gewerblichen bzw. in Betrieben ohne Flächen
gehalten werden.
Tabelle1.2.4 Schweinebestand in Betrieben ohne LF im Jahr 2000 (Stück)
Amt für Landwirtschaft
Mastschweine
Sauen
Döbeln
13.333
17.625
Großenhain
17.000
4.300
Kamenz
3.000
1.400
Löbau
21.500
0
Mittweida
0
0
Mockrehna
17.400
3.000
Niesky
4.200
0
Plauen
0
1.830
Rötha
5.300
750
Stolpen
0
0
Wurzen
14.500
100
Zug
8.000
0
Zwickau
0
5.000
Zwönitz
2.150
640
gesamt
106.383
34.645
Quelle: Angaben der AfL, 2000
Die
regionale Verteilung
der Schweinebestände nach Schweinehaltern und Kreisen bzw. Re-
gierungsbezirken in Sachsen wird in der folgenden Tabelle 1.2.5 dargestellt. Auf die Dar-
stellung einer zeitlichen Entwicklung wurde verzichtet, da sich im Zuge der Kreisreform seit
1996 Verschiebungen in der Zuordnung der Flächen zu den einzelnen Kreisgebieten ergeben.
0
50
100
150
200
250
300
Döbeln
Großenhain
Kamenz
Löbau
Mittweida
Mockrehna
Niesky
Plauen
Rötha
Stolpen
Wurzen
Zug
Zwickau
Zwönitz
1994
1996
1998
2000

 
9
Durch die Bildung von Großkreisen, wie z. B. dem Vogtlandkreis, ist der Aussagewert der
Absolutzahlen eingeschränkt. Eher zu vergleichen sind die Besatzdichten. Hier weisen die
Kreise Riesa-Großenhain, Bautzen, Chemnitzer Land und Delitzsch die höchsten Werte auf.
Diese Kreise liegen mit dem Hauptteil ihrer Flächen in den Agrarstrukturgebieten I und III,
also in den für die Schweinehaltung prädestinierten Regionen.
Tabelle 1.2.5 Schweinehalter und Schweinebestände 1999 nach Landkreisen
Kreis bzw. Regierungsbezirk
Anzahl schweine-
Schweine
Sauen
haltende
Betriebe
Anzahl
Tiere pro
100 ha LF
Anzahl
Tiere pro
100 ha LF
Chemnitz, Stadt
24
2.055
28
187
3
Plauen, Stadt
15
2.023
50
191
5
Zwickau, Stadt
13
6
Annaberg
38
508
4
Chemnitzer Land
76
17.390
95
3.029
17
Freiberg
77
45.441
80
7.091
13
Vogtlandkreis
177
35.243
67
4.883
9
Mittlerer Erzgebirgskreis
52
13.170
53
1.064
4
Mittweida
127
39.368
73
6.458
12
Stollberg
61
6.904
49
1.205
9
Aue-Schwarzenberg
46
1.607
15
69
1
Zwickauer Land
118
23.347
70
4.143
12
Regierungsbezirk Chemnitz
824
189.526
65
28.834
10
Dresden, Stadt
11
457
10
Görlitz, Stadt
2
Hoyerswerda, Stadt
5
Bautzen
52
59.293
117
4.812
9
Meißen
47
10.494
26
134
0
Niederschl. Oberlausitzkreis
25
7.845
17
1.280
3
Riesa-Großenhain
106
91.144
173
10.816
21
Löbau-Zittau
37
17.539
43
2.278
6
Sächsische Schweiz
70
6.230
16
730
2
Weißeritzkreis
58
6.517
16
1.426
3
Kamenz
64
34.627
71
6.531
13
Regierungsbezirk Dresden
477
240.637
66
29.369
8
Leipzig, Stadt
9
1.924
18
343
3
Delitzsch
54
50.314
91
7.576
14
Döbeln
32
15.534
52
3.666
12
Leipziger Land
119
19.689
49
2.076
5
Muldentalkreis
91
40.466
75
3.932
7
Torgau-Oschatz
63
54.521
76
5.277
7
Regierungsbezirk Leipzig
368
182.448
70
22.870
9
Sachsen
1.669
612.611
67
81.073
9
Quelle: Statistisches Jahrbuch Sachsen 2000
1.2.2 Größenstruktur der Schweinebestände nach Rechtsformen innerhalb Sachsens
Rund
82 % des Schweinebestandes Sachsens
befindet sich in Betrieben
juristischer Per-
sonen
. Im Durchschnitt werden von diesen über 2.200 Mastschweine bzw. 400 Sauen je Be-
trieb gehalten, in Haupterwerbsbetrieben dagegen sind es nur rund 80 Mastschweine bzw. 30
Sauen. Die Zahl der schweinehaltenden Personengesellschaften ist sehr gering, die Bestände
je Betrieb liegen relativ hoch (Tabelle 1.2.6). Die sehr geringen Schweinebestände in den 807
Nebenerwerbsbetrieben mit Schweinehaltung drücken die Durchschnittsbestände aller Be-
triebe, so dass insgesamt je Betrieb in Sachsen etwa 315 Schweine gehalten werden.
Der allgemeine Trend geht über alle Rechtsformen hin zu immer weniger Haltern mit
größeren Tierbeständen.

10
Die Tabellen 1.2.7 und 1.2.8 geben einen Überblick zu den Schweine- und Sauenbeständen
nach Rechtsformen, unterteilt nach Größengruppen. In Sachsen werden fast 90 % aller
Schweine in Anlagen mit über 1.000 Tieren gehalten. Seit 1998 stieg der Anteil der in diesen
Betrieben gehaltenen Schweine um 7,3 %. Bei den juristischen Personen ist der Anteil Be-
triebe mit über 1.000 Schweinen am höchsten. Hier werden rund 77 % aller Schweine in
Sachsen gehalten. Bei den meisten anderen Rechtsformen werden im Großteil der Betriebe
weniger als 20 Schweine je Betrieb gehalten, bei Nebenerwerbsbetrieben sind es 93,5 % mit
unter 20 Schweinen je Betrieb. Allerdings ist der Anteil dieser kleinen Halter am Gesamt-
schweinebestand sehr gering, nur 1,5 % des sächsischen Schweinebestandes stehen in Betrie-
ben mit weniger als 50 Tieren. Bei allen Rechtsformen ist die Besatzstärke in großen Betrie-
ben am höchsten. Die flächengebundene Tierproduktion ist damit bei hohen Tierkonzentra-
tionen noch nicht ausreichend gegeben, aber zumindest durch Verträge geregelt. Die ange-
gebenen Daten basieren ebenfalls auf den in der Agrarförderung enthaltenen Betrieben.
Tabelle 1.2.6 Entwicklung der Durchschnittsbestände der schweinehaltenden Betriebe
Sachsens
(ohne Schweinehaltung in flächenlosen Betrieben)
Schweinehaltende
Durchschnitt je Betrieb
Betriebe gesamt
Schweine gesamt
Sauen
*
übrige Schweine
**
Sachsen
1995
2.022
300
32
193
1996
1.643
382
27
171
1997
1.679
258
28
158
1998
1.574
210
31
180
1999
1.552
305
33
187
2000
1.451
314
33
187
dar. Haupterwerb
1995
476
85
33
52
1996
419
51
30
41
1997
430
84
32
48
1998
422
62
31
52
1999
436
83
32
45
2000
413
79
30
44
dar. Juristische Personen
1995
209
2.467
409
1.597
1996
170
1.529
337
1.327
1997
159
2.169
386
1.384
1998
163
1.668
397
1.442
1999
173
2.230
437
1.431
2000
165
2.261
441
1.392
dar. Nebenerwerb
1995
1.278
7
3
5
1996
1.005
7
4
6
1997
1.029
8
4
6
1998
924
6
3
5
1999
870
7
3
5
2000
807
8
3
6
dar. Personengesellschaft
1995
59
717
198
440
1996
49
761
245
650
1997
61
726
286
310
1998
65
426
306
322
1999
73
618
333
260
2000
66
655
295
273
*) Sauen je sauenhaltender Betrieb **) ohne Ferkel
Quelle: Datenbanken Agrarförderung Sachsen

Tabelle 1.2.7 Schweinebestände nach Rechtsformen der Halter und nach Größengruppen
(ohne Schweinehaltung in flächenlosen Betrieben)
Größengruppe
1998 1999 2000
1998
1999
2000
1998
1999
2000
1998
1999
2000 1998 1999 2000
Einzelunternehmen Haupterwerb
1-<20
329
334
314
79,3
77,5
77,0
1.498
1.619
1.522
6,2
4,6
4,7
5
5
5
20-<50
25
27
33
6,0
6,3
8,1
773
792
984
3,2
2,2
3,0
31
29
30
50-<500
47
54
49
11,3
12,5
12,0
7.963
10.317
10.208
33,0
29,2
31,4
169
191
208
500-<1000
10
7
5
2,4
1,6
1,2
6.790
5.080
3.532
28,1
14,4
10,9
679
726
706
1000-<5000
4
9
7
1,0
2,1
1,7
7.113
17.572
16.290
29,5
49,7
50,1 1.778 1.952 2.327
5000 und mehr
Einzelunternehmen Nebenerwerb
1-<20
873
804
746
95,4
93,3
93,5
3.205
3.018
2.769
58,1
48,3
44,3
4
4
4
20-<50
28
36
33
3,1
4,2
4,1
771
1.074
983
14,0
17,2
15,7
28
30
30
50-<500
13
22
18
1,4
2,6
2,3
999
2.159
1.948
18,1
34,5
31,1
77
98
108
500-<1000
1
1
0,1
0,1
542
556
9,8
8,9
542
556
1000-<5000
5000 und mehr
Personengesellschaften
1-<20
44
50
44
69,8
69,4
66,7
208
222
206
0,8
0,5
0,5
5
4
5
20-<50
3
5
4
4,8
6,9
6,1
110
164
126
0,4
0,4
0,3
37
33
32
50-<500
4
5
5
6,3
6,9
7,6
1.153
724
1.460
4,2
1,6
3,4
288
145
292
500-<1000
3
2
3
4,8
2,8
4,5
2.601
1.521
2.431
9,5
3,4
5,6
867
761
810
1000-<5000
9
6
7
14,3
8,3
10,6
23.275
13.938
17.976
85,1
31,2
41,6 2.586 2.323 2.568
5000 und mehr
4
3
5,6
4,5
28.164
21.030
63,0
48,6
7.041 7.010
Juristische Personen
1-<20
11
12
12
6,8
7,0
7,3
88
95
91
0,0
0,0
0,0
8
8
8
20-<50
4
3
7
2,5
1,8
4,3
167
99
236
0,1
0,0
0,1
42
33
34
50-<500
27
22
12
16,7
12,9
7,3
8.464
4.671
2.906
3,1
1,2
0,8
313
212
242
500-<1000
34
28
28
21,0
16,4
17,1
25.304
19.870
20.632
9,3
5,2
5,5
744
710
737
1000-<5000
76
87
85
46,9
50,9
51,8 162.502 208.576 197.397
59,8
54,3
53,0 2.138 2.397 2.322
5000 und mehr
10
19
20
6,2
11,1
12,2
75.170 150.806 151.148
27,7
39,3
40,6 7.517 7.937 7.557
Sachsen gesamt
1-<20
1.257 1.200 1.116
80,8
78,1
77,7
4.999
4.954
4.588
1,5
1,1
1,0
4
4
4
20-<50
60
71
77
3,9
4,6
5,4
1.821
2.129
2.329
0,6
0,5
0,5
30
30
30
50-<500
91
103
84
5,9
6,7
5,8
18.579
17.871
16.522
5,7
3,8
3,6
204
174
197
500-<1000
48
37
37
3,1
2,4
2,6
35.237
26.471
27.151
10,7
5,6
6,0
734
715
734
1000-<5000
89
102
99
5,7
6,6
6,9 192.890 240.086 231.663
58,7
51,0
51,0 2.167 2.354 2.340
5000 und mehr
10
23
23
0,6
1,5
1,6
75.170 178.970 172.178
22,9
38,0
37,9 7.517 7.781 7.486
Quelle: Datenbanken Agrarförderung Sachsen
schweinehaltende Betriebe
Schweine
Schweine je Betrieb
Anzahl
%
Stück
Anteil Tiere %

2
Tabelle 1.2.8 Sauenbestände nach Rechtsform der Halter und nach Größengruppen
(ohne Schweinehaltung in flächenlosen Betrieben)
1998
1999
2000
1998
1999
2000
1998
1999
2000
1998
1999
2000
1998
1999
2000
Größengruppe
Einzelunternehmen Haupterwerb
1-<20 95 97 97 71,4 73,5 78,9 333 321 355 8,0 7,4 9,5 4 3 4
20-<50
20
16
10
15,0
12,1
8,1
624
505
313
15,0
11,7
8,4
31
32
31
50-<500
18
18
15
13,5
13,6
12,2
3.207
2.925
2.485
77,0
67,8
66,5
178
163
166
500-<1000
1
1
0,8
0,8
566
585
13,1
15,7
566
585
Einzelunternehmen Nebenerwerb
1-<20 185 160 130 98,4 97,6 97,0 498 407 317 84,0 74,7 73,5 3 3 2
20-<50
3
3
4
1,6
1,8
3,0
95
88
114
16,0
16,1
26,5
32
29
29
50-<500
1
0,6
50
9,2
50
Personengesellschaften
1-<20 10 8 8 45,5 44,4 40,0 22 13 21 0,3 0,2 0,4 2 2 3
20-<50
1
1
1
4,5
5,6
5,0
28
38
38
0,4
0,6
0,6
28
38
38
50-<500
6
4
7
27,3
22,2
35,0
1.333
848
1.866
19,8
14,1
31,5
222
212
267
500-<1000
2
2
2
9,1
11,1
10,0
1.301
1.098
1.246
19,3
18,3
21,0
651
549
623
1000-<5000
3
3
2
13,6
16,7
10,0
4.058
3.996
2.754
60,2
66,7
46,5
1.353
1.332
1.377
Juristische Personen
1-<20 6 5 7 6,5 5,6 8,1 27 17 30 0,1 0,0 0,1 5 3 4
20-<50
1
2
3
1,1
2,2
3,5
46
89
128
0,1
0,2
0,3
46
45
43
50-<500
67
59
51
72,8
65,6
59,3
17.898
14.913
12.492
48,6
37,3
32,6
267
253
245
500-<1000
11
14
13
12,0
15,6
15,1
7.780
10.043
9.205
21,1
25,2
24,0
707
717
708
1000-<5000
7
10
12
7,6
11,1
14,0
11.101
14.870
16.480
30,1
37,2
43,0
1.586
1.487
1.373
Sachsen insgesamt
1-<20 296 270 242 68,0 66,8 66,7 880 758 723 1,8 1,5 1,5 3 3 3
20-<50
25
22
18
5,7
5,4
5,0
793
720
593
1,6
1,4
1,2
32
33
33
50-<500
91
82
73
20,9
20,3
20,1
22.438
18.736
16.843
46,4
36,9
34,8
247
228
231
500-<1000
13
17
16
3,0
4,2
4,4
9.081
11.707
11.036
18,8
23,1
22,8
699
689
690
1000-<5000
10
13
14
2,3
3,2
3,9
15.159
18.866
19.234
31,4
37,1
39,7
1.516
1.451
1.374
Quelle: Datenbanken Agrarförderung Sachsen
sauenhaltende Betriebe
Sauen
Sauen je Betrieb
Anzahl
%
Stück
Anteil Tiere %

2
Markt- und Preisentwicklung
Seite
2.1
EU - Marktordnung für Schweinefleisch
1
2.1.1 Regelungen des EU-Binnenmarktes
1
2.1.2 Regelungen des EU-Außenhandels
2
2.2
Markt- und Preisentwicklung in der Welt und in der EU
3
2.3
Markt- und Preisentwicklung in der BRD
6
2.4
Markt- und Preisentwicklung im Freistaat Sachsen
11
2.5
Perspektiven für die Preisentwicklung durch AGENDA 2000
und BSE-Krise
16
2.5.1
AGENDA 2000 - Reform des Getreide-, Rindfleisch- und Milchmarktes
16
2.5.2
BSE - Verfütterungsverbot von Tiermehl und Tierfett
18
2.6 Absatzfördernde Maßnahmen
18
2.6.1 Erzeugergemeinschaften
19
2.6.2 Qualitätsprogramme
21
2.6.3 Direktvermarktung
22
Bearbeiter:
Dipl.Landwirt D. Auerbach (Kapitel 2.1 - 2.4)
Dipl.Ing. Catrina Kober (Kapitel 2.6)
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
Fachbereich Markt und Ernährung
Voßstraße 1, 01219 Dresden
Tel. 03541-47710
Fax: 0351-4771144
E-Mail: Dieter.Auerbach@fb09.lfl.smul.sachsen.de
E-Mail: Catrina.Kober@fb09.lfl.smul.sachsen.de
Bearbeiter:
Dipl.Agr.Ing. C. Pohler (Kapitel 2.5)
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
Fachbereich Ländlicher Raum, Betriebswirtschaft und Landtechnik
Leipziger Straße 200, 04178 Leipzig
Tel. 0341-44720
Fax: 0341-4472314
E-Mail: Clemens.Pohler@fb03.lfl.smul.sachsen.de

 
2
Markt- und Preisentwicklung
2.1
EU – Marktordnung für Schweinefleisch
2.1.1 Regelungen des EU-Binnenmarktes
Seit Juli 1967 besteht in der EU ein gemeinsamer Markt für Schweinefleisch. Zusammen-
fassende Grundlage für die erlassenen Regelungen im gemeinsamen Markt für Schweine-
fleisch ist die Verordnung des Ministerrats (EWG) Nr. 2759/75, zuletzt geändert durch die
Verordnung (EG) Nr. 3290/94. Sie enthält Regelungen u. a. zu Beihilfen der privaten Lager-
haltung und zu Staatlichen Interventionskäufen.
Der
Markt für Schweinefleisch
wird durch diese Regelung jedoch
weitgehend dem freien Spiel
der Kräfte überlassen
. Sowohl die Marktordnung für Schweine an sich als auch ihre Anwen-
dung durch die EU-Kommission läßt dem Wirken von Angebot und Nachfrage innerhalb der
Gemeinschaft einen weiten Spielraum. An
Interventionsmaßnahmen
sieht die Marktord-
nung für extreme Marktlagen Beihilfen für die private Lagerhaltung und Aufkäufe durch die
Interventionsstellen vor. Diese Interventionsmaßnahmen treten aber nicht automatisch ein,
sondern müssen von der Kommission beschlossen werden, wenn der Marktpreis auf dem Ge-
meinschaftsmarkt für geschlachtete Schweine unter den Grundpreis, d. h. unter die
Gestehungskosten sinkt. Von den Möglichkeiten der Aufkäufe durch die Interventionsstellen
ist jedoch bisher nie Gebrauch gemacht worden, obwohl der Marktpreis im Jahr 1988 zeit-
weise nur 54,5 % des Grundpreises erreicht hatte.
Beihilfen zur privaten Lagerhaltung
wurden in der Vergangenheit häufiger eingesetzt, um
Marktschwankungen auszugleichen. In der Regel wird die Beihilfehöhe pauschal im Voraus
festgesetzt, sie kann aber auch auf dem Wege der Ausschreibung ermittelt werden. Grund-
sätzlich darf diese Beihilfe jedoch die Kosten nicht überschreiten, die bei einer Einlagerung
im Rahmen öffentlicher Interventionen entstehen würden.
Werden Maßnahmen zur Bekämpfung von Tierseuchen angewandt, durch die der freie Wa-
renverkehr in der Gemeinschaft eingeschränkt wird, können von der Kommission Sonder-
maßnahmen zur Stützung des von diesen Beschränkungen betroffenen Marktes getroffen
werden.
Administrative Preise der EU
a) Grundpreis
Der Grundpreis wird für Schweinefleischhälften, welche einer Standardqualität entsprechen,
jährlich festgesetzt und gilt ab 1. Juli eines Jahres. Die Standardqualität entspricht seit 95/96
der Handelsklasse E (Schlachtkörper mit einem Gewicht von 60 bis 120 kg). Der Grundpreis
gibt den Gleichgewichtspreis an, der zur Preisstabilisierung auf den Märkten beiträgt, ohne zu
strukturellen Überschüssen in der EU zu führen. Konkreter Anwendungszweck des Grund-
preises ist die Auslösung des Mechanismus für mögliche Beihilfen zur privaten Lagerhaltung.
b) Kaufpreis
Der Kaufpreis für geschlachtete Schweine (
Interventionspreis
) der Standardqualität muss
zwischen 78 und 92 % des Grundpreises liegen. Staatliche Käufe sind grundsätzlich auf
Schweinehälften beschränkt und können nur ausnahmsweise auf Bauch- und Rückenspeck
ausgedehnt werden.

 
2
2.1.2 Regelungen des EU-Außenhandels
Sowohl für Ein- als auch für Ausfuhren von Schweinefleisch kann die Vorlage einer Lizenz
gefordert werden, die bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in
60322 Frankfurt a. M., Adickesallee 40, beantragt werden kann und an die Stellung von
Sicherheiten gebunden ist. Die Einhaltung mengenmäßiger Beschränkungen bei Ausfuhren
wird auf der Grundlage dieser Lizenzen gewährleistet.
Einfuhren
werden gemäß GATT-Übereinkommen seit 1. Juli 1995 durch feste Zollsätze des
gemeinsamen Zolltarifs belastet. Die Zollsätze müssen ausgehend von dem auf Basis der
Jahre 1986 bis 1988 ermittelten Tarifäquivalent innerhalb von sechs Jahren um insgesamt
36 % abgebaut werden. Falls auf dem Markt der Gemeinschaft ein spürbarer Anstieg der
Preise, der nach genau vorgegebener Definition festzustellen ist, andauert und der Markt
dadurch gestört zu werden droht, können die Einfuhrzölle ausgesetzt werden.
Abweichend von der allgemeinen Einfuhrregelung gibt es verschiedene
Einfuhrkontingente
zu
Sonderkonditionen. Diese beruhen entweder auf der in den GATT-Verhandlungen ein-
gegangenen Verpflichtung zur Eröffnung eines
Mindestmarktzugangs
oder auf
Handelsab-
kommen der EU
mit bestimmten Drittländern. Im Vordergrund stehen hierbei Einfuhren aus
den mittel- und osteuropäischen Reformstaaten (MOEL).
Um die
Ausfuhr
von Schweinefleisch aus der Gemeinschaft zu ermöglichen, können für be-
grenzte Mengen
Ausfuhrerstattungen
gewährt werden. Erstattungen werden nur auf Antrag
und nach Vorlage einer gültigen Ausfuhrlizenz gewährt. Bei der Berechnung der Ausfuhr-
erstattungen wird neben den Weltmarktpreisen und den Preisen in der Gemeinschaft die
Futtergetreidemenge, die in der Gemeinschaft für die Produktion des Schweinefleischs not-
wendig ist, berücksichtigt. Mit Hilfe von Umrechnungskoeffizienten werden für Teilstücke
bzw. andere Erzeugnisse aus Schweinefleisch oder für lebende Schweine die entsprechenden
Erstattungen festgesetzt. Die Höhe der Erstattungen sind für alle Länder der Gemeinschaft
gleich.
Durch die GATT-Beschlüsse wurden die subventionierten Schweinefleischexporte sowohl in
mengenmäßiger als auch in finanzieller Hinsicht begrenzt. Jeweils innerhalb von sechs Jahren
müssen die Haushaltausgaben für Exportsubventionen (Erstattungen) um 36 % und die sub-
ventionierten Exportmengen um 21 % verringert werden (Tabelle 2.1.1).
Tabelle 2.1.1
GATT-bedingte Begrenzung der EU-Schweinefleischexporte
Zeitraum
Mengenplafonds
(1.000 t)
Mittelplafonds
(Mio. ECU/EUR)
Basisgröße
561,4
298,9
1995/1996
541,8
288,8
1996/1997
522,1
269,3
1997/1998
502,5
249,8
1998/1999
482,8
230,3
1999/2000
463,2
210,8
2000/2001
443,5
191,3
Quelle: Unterlagen für EU-Kommission

 
3
2.2
Markt- und Preisentwicklung in der Welt und in der EU
Der
Weltmarkt für Schweinefleisch
zeigte sich im Jahr 2000 sehr uneinheitlich. Insgesamt
wurden gegenüber dem Vorjahreszeitraum ca. 1,5 % mehr Schweinefleisch (= 1,3 Mio. t SG)
erzeugt (Tabelle 2.2.1). Der Anstieg ist gegenüber 1999 jedoch geringer (2,1 %).
In fast allen wichtigen Produktionsländern für Schweinefleisch hat sich die Erzeugung ver-
ringert. Der Anstieg ist durch die Ausweitung der Produktion in der VR China und teilweise
auch in Südamerika begründet. In den Ländern der ehemaligen UdSSR konnte die Produktion
stabilisiert werden, so dass der Rückgang der Produktion in den letzten Jahren aufgehalten
wurde.
Tabelle 2.2.1 Schweinefleischerzeugung in wichtigen Erzeugerländern
(in Tt SG)
1996
1997
1998
1999
2000
*
Welt
78.575
82.300
87.510
89.385
90.700
USA
7.590
7.640
8.400
8.550
8.360
Taiwan
1.270
1.030
892
822
895
China
31.725
36.100
38.968
40.193
41.730
ehemalige UdSSR
3.210
2.980
2.900
2.800
2.800
EU - 15
16.368
16.278
17.588
17.930
17.750
Quelle: FAO Rom, EUROSTAT, ZMP Agrarmärkte in Zahlen 2000; * vorläufig
Die Bruttoeigenerzeugung an
Schweinefleisch in der EU
erreichte 2000 nicht mehr das Er-
gebnis des Vorjahres. Es wurden rund 17,75 Mio. t Schweinefleisch erzeugt, das sind 188 Tt
bzw. 1,1 % weniger als 1999. Überdurchschnittliche Produktionseinschränkungen sind in
Deutschland, dem Vereinigten Königreich und in den Niederlanden festzustellen. In Spanien
und in Italien wurde dagegen wiederum mehr Schweinefleisch erzeugt (Tabelle 2.2.2).
Tabelle 2.2.2 Bruttoeigenerzeugung von Schweinefleisch in den EU-Staaten
(in Tt SG)
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
*
Anteil in
EU (%)
Belgien-Luxemburg
992
1.029
1.050
1.042
1.095
1.054
1.080
6,1
Dänemark
1.539
1.517
1.527
1.574
1.698
1.700
1.715
9,7
Deutschland
3.462
3.430
3.435
3.505
3.745
3.980
3.850
21,7
Griechenland
142
144
141
144
150
145
140
0,8
Spanien (einschl. Kanaren)
2.197
2.252
2.361
2.421
2.650
2.780
2.980
16,8
Frankreich
2.117
2.140
2.149
2.228
2.333
2.375
2.340
13,2
Irland
207
207
221
240
260
265
245
1,4
Italien
1.295
1.276
1.349
1.355
1.330
1.375
1.410
7,9
Niederlande
1.927
1.885
1.895
1.402
1.826
1.850
1.800
10,1
Portugal
301
284
292
307
331
345
325
1,8
Vereinigtes Königreich
1.054
1.010
993
1.083
1.150
1.044
935
5,3
Finnland
171
168
172
180
185
182
175
1,0
Schweden
308
311
321
332
345
335
280
1,6
Österreich
473
454
462
465
490
500
475
2,6
EU - 15
16.185
16.107
16.368
16.278
17.588
17.930
17.750
Quelle: ZMP Bilanz Vieh und Fleisch 2000, * geschätzt

4
Der Export an Schweinefleisch verringerte sich in der EU gegenüber dem Vorjahreszeitraum
um rund 5 % auf 1,475 Mio. t. Im 5. GATT-Jahr 1999/2000 wurde die Quote der subventio-
nierten Exporte um 20 Tt auf 463 Tt gekürzt. Diese Menge wurde durch nicht in Anspruch
genommene Exportlizenzen der Vorjahre fast um das Doppelte aufgestockt. Die Quote wurde
mit ca. 80 % ausgeschöpft.
Die Exporterstattung war infolge steigender Preise bereits im April 2000 um 10 Euro je 100
kg Schlachtkörper gekürzt worden, per 17. Mai um weitere 10 Euro, ab 15. Juni nur noch für
Teilstücke und ab 5. Juli auch für diese nicht mehr gewährt worden.
Die BRD ist weiter mit Abstand der größte Schweineproduzent in der EU (ca. 21,7 %). Den
zweiten Platz nimmt seit dem vergangenen Jahr Spanien mit 16,8 % vor Frankreich mit
13,2 % ein.
Der
Verbrauch an Schweinefleisch
schwankt in den Mitgliedsstaaten der EU sehr stark
(Tabelle 2.2.3). Regionale Einflüsse wie Schweinepest und BSE beeinflussen das Verbrauchs-
verhalten sehr stark.
Tabelle 2.2.3 Entwicklung des Verbrauches an Schweinefleisch in den EU-Staaten
(in 1.000 t SG)
1994
1995
1996
1997
1998
1999
Belgien-Luxemburg
514
491
496
454
489
475
Dänemark
329
335
340
301
334
350
Deutschland
4.520
4.482
4.483
4.413
4.598
4.662
Griechenland
236
259
258
260
275
275
Spanien (einschl. Kanaren)
2.124
2.161
2.199
2.236
2.556
2.650
Frankreich
2.089
2.083
2.079
2.071
2.235
2.247
Irland
132
136
137
140
137
140
Italien
1.899
1.894
2.006
1.978
2.122
2.175
Niederlande
681
714
755
634
668
670
Portugal
345
344
378
389
429
440
Vereinigtes Königreich
1.386
1.353
1.390
1.374
1.425
1.370
Finnland
152
164
170
166
175
180
Schweden
298
318
315
319
346
355
Österreich
449
457
461
451
464
470
EU - 15
15.154
15.191
15.467
15.186
16.253
16.459
Quelle: ZMP-Bilanz Vieh und Fleisch 2000
Der
Pro-Kopf-Verbrauch
an Schweinefleisch ist ebenfalls sehr unterschiedlich und liegt in
den einzelnen Mitgliedsländern der EU zwischen 23,1 kg im Vereinigten Königreich und 67,2
kg in Spanien. Im Durchschnitt der EU lag der Verbrauch von Schweinefleisch 1999 bei 43,8
kg pro Kopf und Jahr, das waren 0,5 kg mehr als 1998 (+ 1,1 %). Der Selbstversorgungsgrad
liegt im Mittel (+ 1 %) bei 109 % (Tabelle 2.2.4).

5
Tabelle 2.2.4
Entwicklung des Pro-Kopf-Verbrauches an Schweinefleisch in den
EU-Staaten
(in kg)
.
1994
1995
1996
1997
1998
1999
Belgien-Luxemburg
48,9
46,6
46,9
42,8
46,0
44,6
Dänemark
63,2
64,1
64,6
57,0
63,0
65,8
Deutschland
55,5
54,9
54,7
53,8
56,1
56,8
Griechenland
22,6
24,8
24,7
24,7
26,0
25,9
Spanien (einschl. Kanaren)
54,3
55,1
56,0
56,9
64,9
67,2
Frankreich
36,1
35,8
35,6
35,3
38,0
38,0
Irland
51,0
37,8
37,8
38,2
37,0
37,4
Italien
33,2
33,1
34,9
34,4
36,8
37,7
Niederlande
44,3
46,2
48,6
40,6
42,6
42,5
Portugal
35,1
34,9
38,3
39,4
43,4
44,5
Vereinigtes Königreich
23,7
23,1
23,6
23,3
24,1
23,1
Finnland
29,9
32,1
33,2
32,3
33,9
34,8
Schweden
33,9
35,9
35,6
36,1
39,1
40,1
Österreich
55,9
56,8
57,2
55,9
57,4
58,2
EU - 15
41,0
40,8
41,5
40,6
43,3
43,8
Quelle: ZMP-Bilanz Vieh und Fleisch 2000
Einen überdurchschnittlich hohen
Selbstversorgungsgrad
an Schweinefleisch weisen nach
wie vor Dänemark mit 486 % und die Niederlande mit 276 % auf, wobei die Niederlande die
absolut größten Exportüberschüsse haben. Alle anderen EU-Staaten haben einen mehr oder
minder großen Zufuhrbedarf. Den absolut höchsten Importbedarf haben Griechenland, Italien
und auch die Bundesrepublik Deutschland (Tabelle 2.2.5).
Tabelle 2.2.5 Entwicklung des Selbstversorgungsgrades in den EU-Staaten
(in %)
1994
1995
1996
1997
1998
1999
Belgien-Luxemburg
193
210
212
230
224
222
Dänemark
468
453
449
523
508
486
Deutschland
77
77
77
79
81
85
Griechenland
60
56
55
55
55
53
Spanien (einschl. Kanaren)
103
104
107
108
104
105
Frankreich
101
103
103
108
104
106
Irland
157
152
161
171
190
189
Italien 68 67 67 69 63 63
Niederlande
283
264
251
221
273
276
Portugal 87 83 77 79 77 78
Vereinigtes Königreich
76
75
71
79
81
76
Finnland
113
102
101
108
106
101
Schweden
103
98
102
104
100
94
Österreich
105
99
100
103
106
106
EU - 15
107
106
106
107
108
109
Quelle: ZMP-Bilanz Vieh und Fleisch 2000
Der
Schweinepreis
für Standardqualität in der EU-15 lag 1999 im Durchschnitt bei 228,84
DM je 100 kg SG und damit um 7,5 % unter dem auch nicht guten Vorjahreswert. Im ersten
Halbjahr 2000 konnten sich die Schlachtschweinepreise in der EU weiter befestigen und über-
trafen die Vorjahreslinie deutlich. Ausschlaggebend für den Anstieg der Schlachtschweine-
notierungen waren im wesentlichen die rückläufigen Schlachtzahlen und damit der geringere
Schweinefleischanfall sowie gestiegene Exportmöglichkeiten in Drittländer.

 
6
Bei den Marktpreisen für Schweine gibt es nach wie vor erhebliche Unterschiede zwischen
den Mitgliedsstaaten. Deutschland liegt etwa im Mittelfeld. In den Hauptschweineländern wie
z. B. Dänemark und Niederlande, die in größeren Mengen exportieren, wurde ein Preis erzielt,
der unter dem Durchschnitt liegt (Tabelle 2.2.6).
Tabelle 2.2.6 Entwicklung der Marktpreise für Schlachtschweine in der EU
(nach Kassakursen¹)
(Preise für Standardqualität, DM je 100 kg Schlachtgewicht, kalt)
1994
1995
1996
1997
1998
1999
Belgien
275,75
281,33
321,73
336,44
234,85
197,96
Luxemburg
291,71
306,80
357,16
396,97
293,60
273,72
Dänemark
236,17
255,49
292,59
302,58
216,18
203,00
Deutschland
253,21
279,21
332,23
346,15
241,08
222,67
Griechenland
284,11
297,88
356,48
361,55
280,32
289,49
Spanien
257,13
276,30
316,98
329,47
241,18
218,24
Frankreich
245,17
265,45
312,96
316,40
238,71
222,04
Irland
243,69
251,45
303,39
293,52
226,14
201,72
Italien
265,06
282,46
319,81
333,12
281,33
256,63
Niederlande
223,64
242,69
292,33
302,89
199,07
182,11
Österreich
-
279,24
337,97
336,24
243,61
224,53
Portugal
262,69
285,07
333,66
334,08
255,43
233,89
Finnland
-
272,11
277,46
291,31
260,52
231,21
Schweden
-
244,89
285,57
306,32
257,92
238,24
Vereinigtes Königreich
237,16
266,15
326,70
319,77
240,95
237,18
EU - 15
256,29
272,43
317,80
327,12
247,39
228,84
1) zeitgewogene Jahresmittel
Quelle: ZMP nach EU-Kommission und Deutscher Bundesbank
2.3
Markt- und Preisentwicklung in der BRD
Die
Bruttoeigenerzeugung an Schweinefleisch in Deutschland
betrug im Jahre 2000 ca.
3,85 Mio. t. Das sind rund 3,7 % weniger als im Vorjahr. Bei der Einschätzung dieser Zahlen
ist zu beachten, dass 1999 eine außergewöhnlich hohe Produktion erzielt wurde (vgl. Tabelle
2.2.3).
Betrachtet man die Schlachtungen seit 1991 (Tabelle 2.3.1), so zeigt sich, dass 1999 der
größte Umfang dieses Zeitraumes erreicht wurde.
Tabelle 2.3.1
Entwicklung der Schweineschlachtungen in der BRD
(in 1.000 Stück)
Jahr
Hausschlachtung
gewerbliche Schlachtung
gesamt
1991
1.458
42.121
43.579
1992
1.227
39.544
40.771
1993
1.268
39.790
41.068
1994
1.148
38.940
40.088
1995
1.002
38.359
39.361
1996
900
38.659
39.559
1997
851
37.692
38.543
1998
838
40.528
41.366
1999
711
43.969
44.680
Quelle: Statistisches Monatsheft des BML

7
Die Verzehrsgewohnheiten in Deutschland haben sich seit 1989 zu ungunsten des Schweine-
fleisches verändert (Abbildung 2.3.1). Nach zwischenzeitlich geringem Anstieg 1998 und 99
senkte sich der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr 2000 erneut auf rund 55,8 kg. Diese Verbrauchs-
zahlen werden sich durch das Auftreten der ersten BSE-Fälle in Deutschland im Jahr 2001 er-
neut verändern.
Abbildung 2.3.1
Entwicklung des Pro-Kopf-Verbrauches an Schweinefleisch
in der BRD seit 1989
50
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
1989
1990
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000*
kg/Kopf
Quelle: CMA, *geschätzt
Am
Schlachtschweinemarkt
treten im zeitlichen Ablauf aufgrund bestimmter Gesetzmäßig-
keiten
typische Preis- und Mengenschwankungen
auf, die sich in zyklische und in saisonale
Marktbewegungen unterteilen lassen:
Die
zyklischen
Bewegungen am Schweinemarkt sind durch regelmäßig wiederkehrende
Preishochs und -tiefs gekennzeichnet. In Deutschland hatte man sich auf einen zwei- bis drei-
jährigen Rhythmus eingestellt. In den letzten Jahren haben sich diese Schwankungen jedoch
auf einen größeren Zeitabstand eingestellt. Grundsätzlich sind die zyklischen Schwankungen
auf eine zu starke Reaktion der Produzenten auf Preisänderungen zurückzuführen. Die Gefahr
einer zu starken Angebotsreaktion auf Preisänderungen ist immer dann besonders gegeben,
wenn sich die Erzeuger aufgrund ihres marginalen Anteils am Gesamtangebot als "Mengen-
anpasser" verhalten und die Produktionsmenge relativ elastisch ist, d. h. verhältnismäßig
leicht verändert werden kann. Das bedeutet, dass hohe Preise bzw. günstige Preis-/Kosten-
relationen zu Produktionsanreizen führen und damit eine Produktionsausdehnung erfolgt. Da-
bei berücksichtigen die Erzeuger nicht, dass die Erhöhung des Angebots unter sonst gleich-
bleibenden Bedingungen zur Preissenkung führen muss. Sinkt der Preis, nachdem die zuvor
übermäßig stark eingeleitete Produktion auf den Markt kommt, so wird die Produktion wieder
eingeschränkt. Durch die Verknappung des Angebots wird am Markt eine erneute Phase
höherer Preise eingeleitet. Die zyklischen Erscheinungen können jedoch durch Ereignisse
zeitweise überlagert werden, so z. B. Rückgang bzw. Anstieg des Verbrauches infolge von
Seuchenausbrüchen in einzelnen Regionen, zusätzliche Ex- und Importaktivitäten.
Unter den
saisonalen
Schwankungen sind die regelmäßig wiederkehrenden Bewegungen
innerhalb eines Jahres zu verstehen. Im Jahresverlauf ist regelmäßig im Frühjahr eine Tief-
preisphase und im Herbst eine Zeitspanne hoher Schlachtschweinepreise zu beobachten. Vom
Spätherbst an beginnen die Preise zu fallen, erreichen im März oder April i. d. R. ihren
Tiefpunkt.

 
8
Diese saisonalen Preisbewegungen werden hauptsächlich von einem überdurchschnittlich
hohen Frühjahrs- und einem relativ geringen Herbstangebot an Schlachtschweinen verursacht.
Hinzu kommen die jahreszeitlichen Unterschiede des Verbrauchsverhaltens der Bevölkerung.
Die saisonalen und zyklischen Schwankungen können sich bei gegenläufiger Entwicklung
abschwächen und bei gleichlaufender Entwicklung verstärken, so dass die einzelnen
Bewegungen aus dem tatsächlichen Preisverlauf nicht immer klar ersichtlich sind.
Schweinehälften, die gewerblich in den Verkehr gebracht werden, müssen in
Handelsklassen
eingeteilt werden. Dies sind im Bundesgebiet ca. 97 % der verkauften Tiere. Seit 1.4.1987 er-
folgt die Feststellung und Einteilung der Schlachtschweinehälften nach der Handelsklassen-
verordnung der Europäischen Gemeinschaft. Danach muss die Eingruppierung unmittelbar
nach der Schlachtung mit Hilfe zugelassener Klassifizierungsgeräte erfolgen. Danach werden
alle Schweinehälften mit einem Schlachtgewicht von 50 - 120 kg entsprechend des MF-
Anteils in 5 Handelsklassen eingestuft (Tabelle 2.3.2).
Tabelle 2.3.2
Handelsklassenschema für Schweinehälften
Handelsklasse
Muskelfleisch in % -
Schlachtkörper von 50 - 120 kg
E
55 und mehr
U
50 und mehr, jedoch weniger als 55
R
45 und mehr, jedoch weniger als 50
0
40 und mehr, jedoch weniger als 45
P
weniger als 40
M 1, M 2
Schlachtkörper von vollfleischigen (1) und anderen Sauen (2)
V
Schlachtkörper von Ebern und Altschneidern
Quelle: AID Heft 187/1992
Eine Ausrichtung der Bezahlung erfolgt in der Regel nicht nach Handelsklassen, sondern ba-
siert zumindest in größeren Schlachtunternehmen auf den beiden Größen Magerfleischanteil
und Gewicht. Die Schlachtbetriebe können noch weitere Kriterien für die Abrechnung einbe-
ziehen. Da diese Kriterien nicht allgemein verbindlich geregelt sind und auch bezüglich des
Muskelfleischanteils weder die Preisbasis noch die Höhe und Staffelung der Zu- und Ab-
schläge vorgeschrieben ist, besteht eine Vielzahl von Abrechnungsvarianten.
Die
Preismasken
zur Abrechnung von Schlachtschweinen unterscheiden sich zwischen den
einzelnen Schlachtunternehmen in den Zu- und Abschlägen für den Muskelfleischanteil sowie
den Abzügen für Schlachtgewicht außerhalb eines bestimmten Gewichtskorridors (Beispiele
verschiedener Preismasken siehe Tabelle 2.3.3).
Tabelle 2.3.3
Beispiele von zwei Preismasken für Schweinefleisch
Alte Maske
Neue Maske (ab Mitte 2000)
Systemgrenzen
50-82 kg SG
82-120 kg SG
45-56 % MFA
45-60 % MFA
50-82 kg SG
82-120 kg SG
45-56 % MFA
45-58 % MFA
Zu- und Abschläge
je %
45-52 % MFA
52-56 % MFA
56-58 % MFA
58-60 % MFA
- 8 Pf.
- 5 Pf.
+ 5 Pf.
+ 2 Pf.
45-52 % MFA
52-56 % MFA
56-58 % MFA
- 8 Pf.
- 5 Pf.
+ 3 Pf.
SG Abzüge je kg
50-73 kg SG
73-82 kg SG
100-110 kg SG
110-120 kg SG
- 6 Pf.
- 2 Pf.
- 2 Pf.
- 4 Pf.
50-73 kg SG
73-82 kg SG
100-120 kg SG
- 6 Pf.
- 2 Pf.
- 3 Pf.
Quelle: Bauernzeitung 29/2000

image
image
9
Insgesamt betrachtet wurde durch die einheitliche Messung die Klassifizierung und durch die
einheitliche Schnittführung die Vermarktung - wie beabsichtigt - objektiver, aber auch
vielfältiger und anspruchsvoller. In der Regel lohnt es sich für die Mäster jetzt noch mehr, die
Tiere für den abnehmenden Schlachthof entsprechend der jeweils gültigen Abrechnungsmaske
zu sortieren. Wichtig dürfte auch die enge Beziehung zum Schlachtunternehmen sein, damit
man schnell auf die Wünsche der weiterverarbeitenden Industrie eingehen kann.
Gegenwärtig werden vor allem folgende Verfahren zur
Muskelfleischfeststellung
und
Klassifizierung
angewandt:
a) FOM-Messung mit dem Sondengerät
b) 2-Punkt-Messverfahren
c) Ultraschallmessung mit dem AutoFOM
d) Messverfahren auf Videobasis (in Erprobung)
a)
FOM-Messung mit dem Sondengerät
Bis 31.12.1990 waren je nach verwendetem Gerät unterschiedliche Messpunkte und Schätz-
formeln möglich, was zu Verzerrungen zwischen den einzelnen Verfahren führt. Ein Preisver-
gleich auf der Grundlage des Muskelfleischanteils bei unterschiedlichen Messverfahren war
dadurch erschwert. Um diesen Mißstand zu beseitigen, ist (seit 1.1.1991 für Schlachtunter-
nehmen mit einer Kapazität von mehr als 200 Schweinen pro Woche) zur Einteilung der
Schlachtschweinehälften in Handelsklassen nur noch eine Messstelle mit der entsprechenden
Schätzformel zugelassen.
Abb. 2.3.2
Messlinie im 1-Punkt-
Abb. 2.3.3
Messstellen beim 2-
Messverfahren
Punkt-Messverfahren
Quelle: AID Heft 1187/1992
Beim 1-Punkt-Messverfahren (Abbildung 2.3.2) werden die Speck- (S) und Muskeldicke (F)
7 cm seitlich der Rückenmitte in Höhe der zweit-/drittletzten Rippe mit einem zugelassenen
Gerät gemessen. Die Messstelle ist einheitlich für alle Geräte festgelegt, die Messstrecke ist
genau definiert. Die Messergebnisse werden in eine Schätzformel eingesetzt, die bundesein-
heitlich für alle Geräte gilt.

10
Formel zur Berechnung des Muskelfleischanteilsbei der FOM-Messung:
MFA % = 58,6688 - 0,82809 (S) + 0,18306 (F)
Der Aufbau der Formel zeigt, warum die Speckmaße in der Schweinemast so bedeutend sind.
Bei vergleichbarer Streuung werden Steigerungen der Speckmaße etwa 4,5 mal so stark be-
straft, wie entsprechende Steigerungen bei den Fleischmaßen belohnt werden.
b)
2-Punkt-Messverfahren
Das 2-Punkt-Messverfahren (Abbildung 2.3.3) ist ein Handmessverfahren, bei dem mit einem
Lineal oder einer Schablone die Speck- und Muskeldicke festgestellt werden. Das System
kann in kleineren Schlachtunternehmen zur Anwendung kommen. Die Speckdicke (S) wird an
der dünnsten Stelle des Speckes (einschließlich der Schwarte) über dem Muskel glutaeus
medius (in Millimeter) gemessen. Das Fleischmaß (F) wird über die Stärke des Lendenmus-
kels als kürzeste Verbindung des vorderen (cranialen) Endes des Muskels glutaeus medius zur
oberen (dorsalen) Kante des Wirbelkanals (in Millimeter) ermittelt.
Formel zur Berechnung des Muskelfleischanteils beim 2-Punkt-Messverfahren:
MFA % = 47,978 + (26,0429 x S : F) + (4,5154 x
F) - (2,5018 x lg S) - (8,4212 x
S)
c)
Ultraschallmessung mit dem AutoFOM
Im Jahr 2000 wurde in Deutschland das neue Klassifizierungsgerät AutoFOM eingeführt. Es
werden damit Werte auf der Basis von Ultraschallmessungen über den gesamten Schlacht-
körper ermittelt und ausgewertet. Für die neue Abrechnung werden Teilstückgewichte vom
Schinken schier, Lachs, Schulter schier und Bauch mit unterschiedlich hohen Punktzahlen
bewertet. Der Muskelfleischanteil im Gesamtschlachtkörper und das Schlachtgewicht haben
nur noch indirekte Bedeutung, da sich beide Größen über die Teilstückgewichte ergeben.
Bewertungsmethode (System Westfleisch):
Ausgehend von einer Grundpunktzahl von 3,45 Punkten je kg für den Lachs wird jedes kg
Schinken mit 2,15 Punkten, jedes kg Schulter mit 1,7 Punkten und jedes kg Bauch mit einem
Punkt multipliziert. Die Relation dieser Einzelpunkte zueinander ergibt sich aus der entspre-
chenden Relation der Verkaufspreise für die jeweiligen Teilstücke (langjährige Mittelwerte)
und liegt etwa bei 100 : 70 : 50 : 30. Abgeleitet aus dem Verkauf sind für den Lachs und den
Schinken „Normgewichte“ festgelegt worden. Liegt das Teilstückgewicht über oder unterhalb
dieser Standardgewichte, wird die Punktzahl je kg entsprechend verringert, weil auch im Ver-
kauf mit geringeren Erlösen pro kg kalkuliert werden muss. Erstmals wird in ein Bezahlungs-
system auch die Bauch-Qualität einbezogen. Magere Bäuche, mit einem Fleischanteil über
50 %, erhalten die volle Punktzahl. Fette Bäuche mit einem Fleischanteil von unter 45 %,
erhalten dagegen nur die halbe Punktzahl. Aber gerade die Bauchbewertung ist momentan in
einer intensiven Diskussion und wird von anderen Unternehmen anders vorgenommen. Nach
diesem Modell bewertet, liegen die durchschnittlichen Indexpunkte je Schwein bei 89,5
Punkten mit einer Schwankung zwischen 55 und 110 Punkten. Für die Erlösberechnung wird
die für jedes Schwein individuell ermittelte Indexpunktzahl mit einem Preisfaktor multipli-
ziert (siehe Beispielpreismaske, Tabelle 2.3.4).

 
11
Die Teilstückgewichte steigen mit dem Schlachtgewicht und dem Fleischanteil im Gesamt-
schlachtkörper an. Dementsprechend steigen auch die für den Erlös Ausschlag gebenden
Indexpunkte. Dies allerdings nur so lange, wie die Teilstückobergrenzen nicht überschritten
werden oder sich die Fleischanteile im Bauch nicht verschlechtern durch zu hohe Schlacht-
gewichte. Daher sollten die Schlachtschweine nicht grundsätzlich schwerer gemästet oder
fleischbetontere Herkünfte eingesetzt werden. Wichtiger ist es, viele Schweine mit Teilstück-
gewichten abzuliefern, die mit der höchsten Punktzahl bewertet werden.
Eine völlige Umkehr bisheriger Beratungsempfehlungen ist nicht notwendig. Für viele Be-
triebe ergibt sich jedoch die Chance, durch die Verbesserung von Nuancen über dieses markt-
gerechte Bezahlungssystem die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast weiter zu optimieren.
Tabelle 2.3.4 Beispiel Preismaske für AutoFOM nach dem Modell Westfleisch
Teilstück
Normgrenzen in kg
Punkte/kg
Schinken schier
14 – 19
< 14
> 19 – 20
> 20
2,40
2,15
2,15
1,90
Lachs
> 6,2
< 6,2
3,45
2,80
Schulter schier
ohne Begrenzung
1,70
Bauch*
über 50 % Bauch MFA %
45 - 50 % Bauch MFA %
unter 45 % Bauch MFA %
1,0
0,8
0,5
Beispielrechnung
:
Berechnung des Gesamtindex:
Schinkengewicht 18,5 kg x 2,4 Punkte + Lachsgewicht 7,2 kg x 3,45 Punkte +
Schultergewicht 8,3 kg x 1,7 Punkte + Bauchgewicht (54 % MFA) 14,7 kg x 1,0 Punkt =
Gesamtindex 98,05 Punkte
Endpreis: Gesamtindex 98,05 Punkte x Basispreis 2,55 DM = 250,02 DM/Schwein
Quelle: Westfleisch e.G., *Punkte bis max. 16 kg Bauchgewicht
2.4
Markt- und Preisentwicklung im Freistaat Sachsen
Im
Freistaat Sachsen
wurden im Jahr 2000
513.023 Schweine
geschlachtet, das sind 46,4 %
weniger als im Jahr 1999 (Tabelle 2.4.1). Der Anteil der Hausschlachtungen lag bei 3,5 %.
Die überdurchschnittliche Verringerung der Schlachtzahlen ist mit der Schließung einer
Schlachtstätte begründet. Die Hausschlachtungen haben weiter abgenommen.
Tabelle 2.4.1 Entwicklung der Schweineschlachtungen im Freistaat Sachsen
(in Stück)
Jahr
gewerbliche Schlachtungen
Hausschlachtungen
gesamt
1990
1.639.199
96.585
1.735.784
1991
911.639
62.950
974.589
1992
793.449
42.070
835.519
1993
843.781
46.117
889.898
1994
753.112
42.286
795.398
1995
772.850
30.272
803.122
1996
822.884
23.162
846.046
1997
740.032
22.206
762.238
1998
815.474
21.301
836.775
1999
937.069
20.156
957.225
2000*
494.980
18.043
513.023
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen, * vorläufig

 
12
Dies führte dazu, dass ein großer Teil der in Sachsen produzierten Schweine ab 2000 in
andere Bundesländer verkauft werden mußten.
Abbildung 2.4.1
Jahreszeitliche Entwicklung der gewerblichen Schweine-
schlachtung im Freistaat Sachsen (1998 – 2000)
0
10000
20000
30000
40000
50000
60000
70000
80000
90000
100000
Jan.
Feb.
März
April
Mai
Juni
Juli
Aug.
Sept.
Okt.
Nov.
Dez.
Stück
1998
1999
2000*
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen; LfL, Fachbereich ME
Die
Qualitätsentwicklung
ist in der Tabelle 2.4.2 dargestellt. Daraus geht hervor, dass der
Anteil Tiere in der HKl. E bis 1998 anstieg und ab 1999 eine rückläufige Tendenz zu er-
kennen ist.
Der Anteil Schweine in der HKl. E liegt inzwischen unter dem Mittel der nBL und der aBL,
was sich auf die nachhaltige Preisentwicklung negativ auswirken wird.
Tabelle 2.4.2
Qualitätsentwicklung der geschlachteten Schweine in Sachsen im
Vergleich zu den nBL und aBL nach Handelsklassen (in %)
Handels-
Sachsen
neue BL
alte BL
klasse
1996
1997
1998
1999
2000*
1999
1999
E
46,8
49,91
51,66
49,9
45,0
50,8
61,6
U
37,5
30,33
30,12
30,5
31,7
30,0
26,2
E-P
93,6
89,25
90,61
89,5
86,1
88,3
92,6
M1
0,8
2,37
1,48
2,2
2,7
0,6
2,5
Quelle: BLE Frankfurt; LfL, FB ME
Bei der
Entwicklung der Erzeugerpreise
ist zu unterscheiden in:
Basispreis und
Auszahlungspreis.
Der
Basispreis
ist der Preis, den die Schlachtunternehmen für 56 % Muskelfleisch unter Be-
achtung des jeweiligen Preisniveaus 1-2 x wöchentlich neu festlegen.
Der
Auszahlungspreis
errechnet sich auf der Grundlage des Basispreises durch Zu- und Ab-
schläge für den jeweiligen MF-Anteil und für das Schlachtgewicht. Er stellt einen Bruttopreis
dar, der noch um die Vorkosten der Schlachtunternehmen vermindert wird.

 
13
Innerhalb der Regionen Deutschlands und sogar zwischen den Schlachtunternehmen sind so-
wohl der Basis- als auch der Auszahlungspreis und die Vorkosten unterschiedlich hoch. Um
dies transparenter zu gestalten, führt die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle seit 1997 in
Zusammenarbeit mit dem Erzeugerring Westfalen einen Vergleich von Auszahlungsbe-
dingungen (Preismasken, Vorkosten u. a.) für Schlachtschweine auf Bundesebene durch.
Dabei werden drei Regionen gebildet. Die Region Nordwest mit den Ländern Schleswig-
Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland,
die Region Süd mit den Ländern Baden-Württemberg und Bayern und die Region Ost mit
allen neuen Bundesländern. Nach der Auswertung von jeweils mehr als 2.000 Schlacht-
abrechnungen im Jahre 2000 ergab sich, dass im
Basispreis
die Region Nordwest 2 Pf./kg SG
unter dem Bundesdurchschnitt, die Region Süd genau im Durchschnitt und die Region Ost
2 Pf./kg SG über dem Bundsdurchschnitt lagen.
Da die
Vorkosten
für die Vermarktung sehr wichtig sind, wurden diese ebenfalls in den glei-
chen Regionen ermittelt. Im Bundesdurchschnitt müssen die Erzeuger 8,14 DM je Schlacht-
schwein ausgeben. In der Region Nordwest 8,69 DM/Tier (1 - 24,85 DM), in der Region Süd
10,45 DM/Tier (1 - 27,70 DM) und in der Region Ost 6,06 DM/Tier (1,60 - 10,80 DM). Die
Analyse der Ergebnisse machen deutlich, dass sich die Vermarktungsbedingungen in der
Region Ost in den letzten Jahren merklich verbessert haben. Diese Entwicklung steht offen-
sichtlich in engem Zusammenhang mit der Struktur der Schweinehaltung in dieser Region.
Die sächsischen Schlachtunternehmen richten sich bei der Festlegung des Basispreises i.d.R.
nach dem Preis der Region Nordwest. Dieser kann ständig abgerufen werden bei:
Interessengemeinschaft der Schweinehalter Nord-Westdeutschland e.V. (ISN)
Postfach 1117, 49394 Damme, Tel.: 0190/190700; Fax: 0190/192700
Die Preisentwicklung für Schlachtschweine seit 1993 im Vergleich zwischen den alten und
neuen BL enthält Tabelle 2.4.3. Daraus ist zu erkennen, dass diese sich im Laufe der Jahre
weitgehend ausgeglichen haben, obwohl der MF-anteil in den alten BL noch um 1 - 2 % höher
ist.
Tabelle 2.4.3 Entwicklung des durchschnittlichen Auszahlungspreises in den alten und
neuen Bundesländern (Ø HKl. E – P)
(in DM/kg SG)
Jahr
alte Länder
neue Länder
1993
2,50
2,41
1994
2,70
2,66
1995
2,76
2,73
1996
3,14
3,13
1997
2,88
2,89
1998
2,22
2,23
1999
2,10
2,08
Quelle: BLE - Jahresberichte
Die Entwicklung der Auszahlungspreise für Schlachtprodukte und Ferkel in Sachsen enthält
Tabelle 2.4.4. Daraus ist zu ersehen, dass 1996 und 1997 Hoch- und 1998 und 1999 Tief-
preisjahre waren. 2000 ist wieder ein Anstieg der Preise zu verzeichnen, der gegenwärtig be-
dingt durch die BSE-Krise und die guten Exportchancen anhält. Aufgrund der Überhitzung
der Preissituation ist jedoch ein kommendes Preistief vorprogrammiert.

14
Tabelle 2.4.4 Entwicklung der Auszahlungspreise für Schlachtprodukte und Ferkel
in Sachsen von 1995 - 2000
ME
1995
1996
1997
1998
1999
2000
Mittel
1995-99
Ferkel (10 kg)
DM/Stück
64,84
80,08
88,45
45,10
36,52
62,56
62,92
Ferkel (20 kg)
DM/Stück
81,96
98,45
109,99
61,77
48,31
73,79
79,05
Ferkel (25 kg)
DM/Stück
91,85
109,66 121,47
73,53
60,39
87,72
90,77
Schlachtschwein E-P
DM/kg SG
2,76
3,15
3,28
2,26
2,09
2,63
2,69
Schlachtschwein E
DM/kg SG
2,92
3,31
3,44
2,40
2,22
2,77
2,84
Schlachtschwein U
DM/kg SG
2,68
3,08
3,22
2,19
2,03
2,57
2,63
Altsau M1
DM/kg SG
2,41
2,56
2,68
1,67
1,72
2,18
2,20
MFA E-P
%
57,54
54,88
55,34
55,19
54,87
55,57
Erhebliche jahreszeitliche Schwankungen im Auszahlungspreis für Schlachtschweine sowie
im Erzeugerpreis für Ferkel in Sachsen zeigen die Abbildungen 2.4.2 und 2.4.3 für die Jahre
1998 - 2000. Zwischen den Jahren ist jedoch keine einheitliche Tendenz zu erkennnen.
Abbildung 2.4.2
Jahreszeitliche Entwicklung der Erzeugerpreise
*
für Schlacht-
schweine im Freistaat Sachsen seit 1998
1,30
1,50
1,70
1,90
2,10
2,30
2,50
2,70
2,90
3,10
3,30
1
3
5
7
9
11
13
15
17
19
21
23
25
27
29
31
33
35
37
39
41
43
45
47
49
51
M onate
DM/Kg SG
1998
1999
2000*
Quelle: LfL, FB ME, * Auszahlungspreise brutto ohne Abzug der Vorkosten
Abbildung 2.4.3
Jahreszeitliche Entwicklung der Erzeugerpreise für Ferkel
*
im
Freistaat Sachsen seit 1998
0,00
20,00
40,00
60,00
80,00
100,00
120,00
140,00
1.
4.
7.
10.
13.
16.
19.
22.
25.
28.
31.
34.
37.
40.
43.
46.
49.
52.
Woche
DM/Stück
1998
1999
2000
Quelle: LfL, FB ME, * 25 kg, ab Hof, ohne MwSt.

15
Die starken Schwankungen der Erzeugerpreise wurden in den letzten Jahren nicht unmittelbar
bei den Verbraucherpreisen sichtbar. Jedoch erhöht und verringert sich auch hier das Preis-
niveau in Abhängigkeit von der Marktsituation (Abbildung 2.4.4).
Abbildung 2.4.4
Jahreszeitliche Höhe der Verbraucherpreise für Schnitzelfleisch
in der BRD seit 1998
Quelle: ZMP Marktinfos Verbraucher
Die Entwicklung der
Preise für ausgewählte Futtermittel
enthält Tabelle 2.4.5. Daraus ist
zu erkennen, dass die Futtermittelpreise bei sinkender Tendenz zwischen den einzelnen Jah-
ren unterschiedlich hoch sind. Hauptursache dafür sind die zyklischen Bewegungen des
Schlachtschweinepreises. In Tiefpreisjahren werden die Futtermittelbetriebe durch die
Schweineproduzenten stark unter Druck gesetzt, wodurch es zu Preisnachlässen kommt. In
Perioden höherer Schweinepreise wird dies i. d. R. wieder ausgeglichen. Außerdem hat die
Preisentwicklung auf dem internationalen Sojamarkt starken Einfluss auf die Futtermittel-
preisentwicklung. Die Preise für andere Eiweißträger entwickeln sich in Anlehnung an den
Sojapreis.
Tabelle 2.4.5 Entwicklung ausgewählter Futtermittelpreise von 1995 - 2000
ME
1995
1996
1997
1998
1999
2000
Mittel
1995-99
Ferkelaufzuchtfutter
DM/dt
42,54
43,55
43,84
40,68
38,21
44,55
42,23
Alleinfutter MS > 50 % Getreide
DM/dt
36,20
37,12
37,40
33,78
30,83
33,14
34,75
Ergänzungsfutter MS
DM/dt
41,82
42,15
44,33
42,74
40,42
42,89
42,39
Eiweißkonzentrat Schweine
DM/dt
54,58
66,75
71,62
68,59
58,05
63,00
63,76
Soja (Hamburg)
DM/dt
46,46
57,48
35,51
30,65
42,87
42,59
Die jahreszeitliche Entwicklung der Mischfutterpreise am Beispiel des Alleinfutters für Mast-
schweine zeigt Abbildung 2.4.5.
12,00
12,50
13,00
13,50
14,00
14,50
15,00
15,50
16,00
1 2345 6 789 10 11 12
Monat
DM/kg
1998
1999
2000

 
16
Abbildung 2.4.5
Jahreszeitliche Entwicklung der Abgabepreise –
Alleinfutter für Mastschweine im Freistaat Sachsen seit 1998
28,00
30,00
32,00
34,00
36,00
38,00
Jan.
Febr.
März
April
Mai
Juni
Juli
Aug.
Sep.
Okt.
Nov.
Dez.
Monat
DM/dt
1998
1999
2000
Quelle: ZMP Marktberichtstelle Berlin
2.5
Perspektiven für die Preisentwicklung durch AGENDA 2000 und BSE-Krise
2.5.1 AGENDA 2000 - Reform des Getreide-, Rindfleisch- und Milchmarktes
Die Agrarpolitik der Europäischen Union steht zu Beginn des neuen Jahrtausends vor großen
Herausforderungen. Die bevorstehende Integration von Staaten Mittel- und Osteuropas in die
Europäische Gemeinschaft sowie die infolge der WTO-Agrarverhandlungen bestehende Not-
wendigkeit zum weiteren Abbau von Importschutz und Exportbeihilfen zwingen zu einer Ver-
änderung der bisherigen Agrarpolitik.
Die ursprünglich auf den Binnenmarkt einer aus 12 Ländern bestehenden EG ausgerichtete
Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ist in einer erweiterten Union und unter dem zunehmenden
Druck zur Liberalisierung des Agrarhandels immer schwieriger zu finanzieren und aufrecht-
zuerhalten.
Mit der Ende März 1999 auf dem EU-Gipfel in Berlin verabschiedeten AGENDA 2000 be-
gann eine der grundlegendsten Reformen in der Geschichte der GAP.
Die für den Bereich der Agrarmarkt- und Preispolitik gefassten Beschlüsse bauen auf dem
Ansatz der 92er Agrarreform auf, das heißt einer Abkehr von der bisherigen Preisstützungs-
politik und einer Hinwendung zur direkten Einkommensübertragung.
Erklärtes Ziel der EU- Kommission ist eine marktorientierte Agrarreform, die die EU-Agrar-
märkte wettbewerbsfähig auf den voraussichtlich stärker expandierenden Weltmärkten
machen soll.
So erfolgt eine weitere Senkung der internen Marktstützung:
-
bei Getreide um 15 % in
2 Schritten ab dem 1.7.2000
1
-
bei Rindfleisch um 20 % in
3 Schritten ab dem 1.7.2000
2
-
bei Milch um 15 % in
3 Schritten ab dem 1.7.2005
3
1
Siehe VO (EG) Nr. 1253/1999 vom 17.5.1999
2
Siehe VO (EG) Nr. 1254/1999 vom 17.5.1999
3
Siehe VO (EG) Nr. 1255/1999 vom 17.5.1999

 
17
Zum Ausgleich der preissenkungsbedingten Einkommensausfälle werden die Tier- und
Flächenprämien erhöht, jedoch nicht mehr in dem Umfang, dass die Stützpreissenkungen voll
ausgeglichen werden. Die Maßnahmen im Bereich Marktfruchtbau enthält Tabelle 2.5.1 sowie
weitere Details sind in der LfL-Ausarbeitung „Betrieb 2000“ enthalten.
Tabelle 2.5.1
Reformmaßnahmen - Bereich Marktfruchtbau -
AGENDA 2000
1999/2000
2000/2001
2001/2002
2002/2003
Interventionspreis
Getreide [DM/dt]
23,31
21,56
(- 1,75 DM/dt)
19,81
(- 3,50 DM/dt)
Flächenprämien [DM/ha]
Getreide
662
715
(+ 0,85 DM/dt)
768
(+ 1,70 DM/dt)
Stilllegung
839
715
768
Eiweißpflanzen
956
883
(- 73 DM/ha)
➔➔
Ölsaaten
1.063
923
(- 140 DM/ha)
817
(- 246 DM/ha)
768
(- 295 DM/ha)
Öllein
1.281
1.075
(- 206 DM/ha)
922
(- 359 DM/ha)
768
(- 513 DM/ha)
Der
Betriebszweig Schweineproduktion
wird von den agrarpolitischen Reforminhalten der
AGENDA 2000
nicht direkt betroffen
. Hier kommt wiedereinmal der Vorteil des relativ
politikunabhängigen Schweinefleischmarktes zum Ausdruck.
Seit 1971 werden im Rahmen der Schweinefleischmarktordnung keine staatlichen Inter-
ventionsankäufe durchgeführt. Somit erfolgt die Preisbildung vorrangig über den Markt. Nur
in Extremsituationen werden die Marktordnungsinstrumente Ausfuhrerstattungen und Bei-
hilfen für die private Lagerhaltung eingesetzt.
Eine
indirekte Beeinflussung
der Schweineproduktion erfolgt voraussichtlich durch
fallende
Mischfutterpreise
, bedingt durch die Getreidepreissenkung sowie einen erhöhten Marktpreis-
druck infolge einer Ausweitung der Schweinebestände als Anpassungsreaktion auf die
reformbedingt sinkenden Rindfleischpreise, falls das Unternehmen über die entsprechenden
Möglichkeiten verfügt.
Ob in Zukunft landwirtschaftliche Betriebe Neu- oder Erweiterungsinvestitionen in diesem
von der Agrarpolitik relativ unabhängigen, aber von großen Marktschwankungen geprägten
Bereich durchführen, bleibt vorerst abzuwarten.
Man geht allgemein davon aus, dass die Agenda 2000 durch die Rückführung des Inter-
ventionspreises für Getreide mittelfristig Auswirkungen auf die Futtermittelpreise haben wird,
die aus Sicht der Schweineproduktion positiv anzusehen sind.
Nimmt man den Rückgang des Interventionspreises für Getreide als Maßstab, so können fol-
gende Annahmen zur Preisentwicklung getroffen werden:
Futtergetreide
./. 15 %,
Mischfutter
./. 7,5 %.
Diese Preisvorteile werden jedoch voraussichtlich durch eine weitere Verringerung des
Schweinepreises nicht wirksam.
Durch die Regulierungen über den Markt, dies zeigten die Erfahrungen der 92-er Agrarre-
form, wird es voraussichtlich mittel- bis langfristig im direkten Zusammenhang mit der
AGENDA-Agrarreform keine Einkommensverluste für die Schweineproduktion geben.

 
18
Die Beibehaltung der Schweineproduktion ist demzufolge in Zeiten einer schwer kalkulierba-
ren EU-Agrarpolitik als weiteres Standbein für Betriebe mit dem entsprechenden know how
besonders anzuraten.
Die hier vorgenommene Betrachtung zur perspektivischen Entwicklung der Schweineproduk-
tion unter Beachtung der AGENDA 2000 verliert aus Sicht der momentanen BSE-Krise
sicherlich kurzfristig an Bedeutung. Mittel- bis langfristig wird aber insbesondere die Ent-
wicklung der Futtermittelpreise sicherlich wieder stärker durch die agrarpolitischen
AGENDA-Inhalte geprägt sein.
2.5.2 BSE - Verfütterungsverbot von Tiermehl und Tierfett
Das seit dem 1.1.2001 in Deutschland geltende, BSE-bedingte generelle Verbot der Ver-
fütterung protein-, energie- und mineralstoffhaltiger Futtermittel tierischer Herkunft und die
damit im Zusammenhang stehenden zeitweisen Preissteigerungen für pflanzliches Eiweiß
sowie Energie- und Eiweißfuttermittel, werden die Schweineproduktion voraussichtlich
mittelfristig mit erhöhten Futtermittelkosten belasten.
Die Vorteile des bisher im Mischfutter von Schweinen und Geflügel verwendeten Tier-
körpermehls bestanden in deutlichen Preisvorteilen gegenüber anderen Futtermitteln sowie
einer günstigen Aminosäurenzusammensetzung.
Engpässe bei der Versorgung mit eiweißhaltigen Futtermitteln werden nicht erwartet, denn
pflanzliche Ersatzfuttermittel stehen in ausreichendem Umfang zur Verfügung. Allerdings
wird insbesondere für den Bereich der tierischen Veredlung die Versorgung mit bestimmten
limitierenden Aminosäuren sowie Phosphor vorübergehend als problematisch angesehen.
Wegen der gestiegenen Nachfrage zeichnen sich hier Preissteigerungen ab.
Soja ist zwar ein pflanzliches Futtermittel mit einer hohen Proteinqualität, allerdings ist es
auch ein sehr stark vom Dollarkurs bestimmtes Importfuttermittel (Hauptanbieter: USA,
Brasilien).
Steigende Sojaschrotpreise verbessern die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Öl- und Ei-
weißpflanzen, so dass wir bei diesen Kulturen mittelfristig von steigenden Preisen ausgehen.
Derzeitige Erzeugerpreisentwicklungen bei Ackerbohnen und Erbsen deuten darauf hin, dass
für die pflanzlichen Eiweißfuttermittel mit einer mittelfristigen Preissteigerung von bis zu
20 % gerechnet werden kann. Kurz- und mittelfristig kann es durch das Tiermehlverbot zu
einem Preisanstieg bei Mischfutter von 5 – 15 % kommen.
Während das Tiermehlverbot auch für die Schweinehalter infolge erhöhter Futtermittelkosten
(erwarteter Preisanstieg bei Mischfuttermitteln: 5 – 15 %) erhebliche Nachteile mit sich
bringt, wirkt dagegen eine BSE-bedingt sinkende Rindfleischnachfrage preissteigernd auf den
Schweinefleischmarkt. Die momentane Entwicklung gibt zu der Prognose Anlass, dass der
Rindfleischverzehr auch längerfristig zurückgehen wird und man die Verarbeitung von Rind-
fleisch zunehmend durch Schweinefleisch ersetzt.
2.6
Absatzfördernde Maßnahmen
Dieser Abschnitt enthält Ausführungen zu
Erzeugergemeinschaften,
Qualitätsprogrammen und
Direktvermarktung.

 
19
Diese sind aber nicht losgelöst von einem entsprechenden Marketingkonzept zu sehen, das
u. a. die potentiellen Kunden, den Verwendungsbereich, die Verfügbarkeit und die zu
erzielenden Erlöse berücksichtigt.
Marketing
bedeutet für den Unternehmer, seine Aktivitäten konsequent am Markt auszu-
richten, d. h. Schlachtvieh, Fleischwaren und Wurst entsprechend den Kundenwünschen zu
produzieren und zu vermarkten. Es gilt, mit den Möglichkeiten des jeweiligen landwirtschaft-
lichen Betriebes Kundenwünsche zu erfüllen.
Kunden können je nach Vermarktungsstrategie und Absatzweg u. a. Viehhändler, Verarbeiter
(Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe, Fleischerhandwerk), Gastronomiebetriebe und/oder der
Endverbraucher sein.
Der Fleischmarkt wird aus Sicht des Landwirtes geprägt durch:
-
die reglementierenden außer- und innerstaatlichen Rahmenbedingungen,
-
die starken Schwankungen der Erzeugerpreise (sogenannter „Schweinezyklus“),
- die starke Konkurrenz aus anderen Ländern (vor allem im Bereich der Kostenführer-
schaft),
- die Konzentration im Verarbeitungsbereich auf wenige große Schlacht- und Verarbei-
tungsbetriebe,
- die Verunsicherung der Verbraucher (z. B. Skandale um Tiertransporte, Diskussionen zu
Haltungsmethoden und Gabe von Leistungsförderern, Schweinepest und BSE) und
- das steigende Gesundheits- und Umweltbewusstsein (Tiertransporte, Tierschutz) der
Verbraucher.
2.6.1 Erzeugergemeinschaften
Das Ungleichgewicht zwischen zersplittertem Angebot auf der landwirtschaftlichen Erzeuger-
stufe und der zunehmenden Konzentration im nachgelagerten Bereich erfordert eine Bünde-
lung des Angebotes auf der Anbieterseite. Dies wird erreicht, indem sich die landwirtschaft-
lichen Erzeuger zu Erzeugergemeinschaften zusammenschließen.
Zusammenschlüsse zwischen landwirtschaftlichen Betrieben in EZG bieten u. a. folgende
Vorteile
:
-
bessere Einflussmöglichkeiten gegenüber den großen Schlacht- und
Verarbeitungsbetrieben (Erzeugergemeinschaften für Schlachtvieh),
-
Nutzen von Serviceleistungen der Erzeugergemeinschaft (z. B. Betriebsmitteleinkauf,
Spezialberatung, Veterinärprogramme, Organisation der Vermarktung),
-
gemeinsame Produktpolitik,
-
Zusammenstellen und Distribution nachfrageorientierter Mengen,
-
stabile und gesicherte Absatzmöglichkeiten sowie
-
organisatorische, personelle und vertragliche Voraussetzungen für die Entwicklung von
Spezialprogrammen (z. B. Qualitätsprogramme) sowie die Implementierung von
Qualitäts- und Umweltmanagementsystemen.
In der BRD können Erzeugergemeinschaften auf Grund des Marktstrukturgesetzes (MStrG -
Gesetz zur Anpassung der landwirtschaftlichen Erzeugung an die Erfordernisse des Marktes
in der Fassung vom 26.9.1990 (BGBl. I S. 2134), zuletzt geändert am 5.11.1997 (BGBl. I S.
2642) gebildet werden.

 
20
Es ist im wesentlichen mit dem Ziel geschaffen worden, den landwirtschaftlichen Betrieben
die Möglichkeit zu geben, ihre Produktion quantitativ und qualitativ den Erfordernissen des
Marktes anzupassen, um so ihre Erlössituation zu stabilisieren und zu verbessern.
Zur Zeit sind folgende Erzeugergemeinschaften nach dem Marktstrukturgesetz im Bereich
„Schwein“ in Sachsen durch das Regierungspräsidium Chemnitz anerkannt (Tabelle 2.6.1).
Tabelle 2.6.1 Erzeugergemeinschaften für Schweine in Sachsen
Name
Ansprechpartner
Anschrift
Telefon/Fax
EZG Qualitätsfleisch
Sachsen w.V.
Johannes
Mauersberger
Neudorfer Straße 2 01609
Wülknitz
035265/6450
035265/64550
EZG Qualitätsfleisch
w.V.
Eberhard Nicklisch
Ortsteil Ullendorf
01665 Taubenheim
035245/70253
035245/70255
EZG Vogtländisches
Qualitätsfleisch w.V.
Karl-Heinz Stiller
Schlachthofstraße 1 08525
Plauen
03741/595784
EZG für Qualitätsfleisch
Chemnitz w.V.
Rolf Eichler
Th.-Müntzer-Str. 24L
09244 Niederlichtenau
037206/2518
037206/2519
Stand: März 2001
Die Erzeugergemeinschaften können im Rahmen der Richtlinie 20 „Förderung aufgrund des
Marktstrukturgesetzes“ Start- und Investitionsbeihilfen erhalten.
Ansprechpartner hierfür sind:
- die Staatlichen Ämter für Landwirtschaft (Startbeihilfen) und
- die Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Fachbereich Markt und Ernährung
(Investitionsbeihilfen).
Seit dem 30.11.1995 gibt es den
Verein
„Interessengemeinschaft der Erzeugerzusammen-
schlüsse in Sachsen e.V.“ (IGE)
, dessen Ausgangspunkt die o.g. Arbeitsgruppe war.
Die IGE ist die erste Dachorganisation für Erzeugerzusammenschlüsse auf Länderebene in der
BRD. Sie ist die Nachfolgeorganisation der seit dem 3.11.1993 bestehenden Arbeitsgruppe
„Interessengemeinschaft der Erzeugergemeinschaften in Sachsen“.
Ziel der IGE ist es, die Erzeugerzusammenschlüsse zu unterstützen bei:
-
der Schaffung einer Lobby,
-
der Entwicklung einer Marktposition sowie
-
der organisatorischen und geschäftlichen Profilierung.
Die Anschrift der IGE lautet:
Interessengemeinschaft der Erzeugerzusammenschlüsse
in Sachsen e.V., Geschäftsstelle
Forststraße 16
09130 Chemnitz
Tel.:
0371 / 4028068
Fax:
0371 / 4028069

 
21
2.6.2
Qualitätsprogramme
Der Verbraucherwunsch nach gesicherter Herkunft und Qualität sowie die damit verbundene
Forderung nach Transparenz bilden den Ausgangspunkt für Qualitätsprogramme.
Charakteristisch
für ein Qualitätsprogramm sind die folgenden Aspekte:
-
der vertikale Verbund auf vertraglicher Basis von der Erzeugung über die Verarbeitung bis
hin zur Vermarktung,
-
durchgängige neutrale Kontrollen auf allen Stufen,
-
Produktion nach relevanten Qualitätskriterien für die Produkte in jeder Stufe,
-
gemeinsames Management und Marketing der Programmpartner.
Grundlage für die Arbeit nach Qualitätsprogrammen bilden Marketingkonzepte.
Bei der Entwicklung und Umsetzung von Qualitätsprogrammen im Fleischbereich ist u. a.
folgendes zu beachten:
- Beim tatsächlichen Kauf setzt der Verbraucher i.d.R. voraus, dass die Qualität (im allge-
meinen Sinne) des Fleisches stimmt. Die besonderen Vorzüge bzw. der Zusatznutzen des
Fleisches aus dem Qualitätsprogramm (siehe oben) müssen ihm im Rahmen eines geeig-
neten Kommunikationskonzeptes transparent gemacht werden. Dementsprechend müssen
auch ausreichend Finanzmittel für Werbung und Verkaufsförderung zur Verfügung stehen.
- Frischfleisch ist für den Verbraucher ein „anonymes“ Produkt. Eine spezielle „gehobene“
Qualität muss dem Verbraucher gezielt erklärt werden (Packungsgestaltung, Verkaufsge-
spräch, Informationsmaterial, evt. ausschließliches Angebot an Programmfleisch).
-
Es muss genügend Tiermaterial in der erforderlichen Qualität zur Verfügung stehen.
- Das Engagement aller Programmbeteiligten bei der konsequenten Umsetzung des
Marketingkonzeptes ist für den Erfolg des Programmes eine Grundvoraussetzung.
Die Qualitätsprogramme können in der Start- und Anlaufphase auf Grundlage der Richtlinie
78/97 „Richtlinie zur Gewährung von Zuwendungen für absatz- und qualitätsfördernde Maß-
nahmen in der sächsischen Land- und Ernährungswirtschaf vom 8.4.1999“ durch das Land
Sachsen und die CMA unterstützt werden. Dies betrifft u.a.:
-
die Marktanalysen,
- die Planungs- und Koordinierungskosten (z. B. Erarbeiten von Marketingkonzeptionen,
Projektkoordination),
-
den eventuellen Mehraufwand wegen zusätzlicher Kontrollen,
- die Maßnahmen zur Umsetzung von Marketingkonzeptionen (z. B. Werbebroschüren,
Anzeigenschaltung, Verkaufsförderungsaktionen).
Die Finanzierung der förderfähigen Kosten erfolgt in der Regel zu 25 % durch das Land
Sachsen, zu 25 % durch die CMA und zu 50 % durch den Projektträger (z. B. Verarbeitungs-
unternehmen, Vereine, Erzeugergemeinschaften). Für einzelne Maßnahmen sind Förder-
höchstsätze festgelegt.
Ansprechpartner für diesen Förderbereich:
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft,
Fachbereich Markt und Ernährung
Telefon
0351 / 47710

 
22
Qualitätsprogramme im Bereich „Schwein“ wurden in Sachsen bisher mit unterschiedlichem
Erfolg realisiert. Aus Tabelle 2.6.2 geht hervor, dass von 3 organisierten Programmen nur
noch 1 existiert. Die beiden anderen Programme wurden im wesentlichen aus ökonomischen
Gründen eingestellt.
Tabelle 2.6.2 Qualitätsprogramme für Schweinefleisch in Sachsen
Name des
Programmes
Beteiligte
Inhalt/Ziel
Bemerkungen
SACHSEN
ART
Qualitäts-
schweine-
fleisch
1993 - 1996
-
Fördergemein-
schaft
Qualitätsfleisch
e.V.
-
Fleischver-
sorgung
Chemnitz
GmbH
-
Schweinefrischfleisch
nach CMA-Prüfsiegel-
bestimmungen
-
Belieferung von
Fleischerfachge-
schäften im west- und
mittelsächsischen
Raum
Eingestellt, da die Mehrkosten
auf Grund der geringen
Beteiligung (1996 nur noch 10
Fleischer, davon 5 Filialen des
Schlachthofes) nicht gedeckt
waren; Auflösung der
Fördergemeinschaft; derzeit
Beratungen unter Regie des
AfL Mittweida über Neu-
auflage
Oberlausitzer
Fleisch- und
Wurstwaren
seit 1995
-
Landfleischerei
und
Lebensmittel-
handel
Schwarzadler
GmbH
-
Agrargenossen-
schaft Sohland
e.G.
-
Regionale Fleisch- und
Wurstwaren mit
CMA-Gütezeichen
(v.a. Schweinefleisch)
-
Verkauf von Fleisch-
und Wurstwaren mit
Herkunft Oberlausitz
in einer geschlossenen
Produktionskette in
den Filialen der
Landfleischerei
Schwarzadler
Ziel wurde bisher erreicht, aber
Konzept kaum direkt
übertragbar auf andere
Programme
-
regionale Beschränkung auf
sehr kleines Absatzgebiet
-
regionaler
Bekanntheitsgrad der
Unternehmen als
Erfolgsfaktor
-
kein wesentlicher
Preisunterschied zu
„Standardfleisch“
Prima Fleisch
1998 - 2000
-
Löblein
Dresdner Land
GmbH
-
EZG „Qualitäts-
fleisch Sachsen"
w.V.
-
Frisches Rind- und
Schweinefleisch aus
Sachsen nach CMA-
Prüfsiegel-
bestimmungen
-
Belieferung von
Fleischerfachge-
schäften und Lebens-
mitteleinzelhandel
Eingestellt, da die Maßnahmen
lt. Produktkonzept durch
Löblein Dresdner Land GmbH
nur teilweise umgesetzt werden
konnten
-
Lebensmitteleinzelhandel
akzeptierte
Preisvorstellungen nicht
-
Fleischerhandwerk zeigte
kein Interesse
Stand: März 2001
2.6.3 Direktvermarktung
Unter
Direktvermarktung
wird heute die (ursprüngliche) direkte Abgabe eigener landwirt-
schaftlicher Produkte durch den Erzeuger auf dem Hof, dem Markt, an der Tür oder über
eigene Läden an den Verbraucher verstanden, wobei der sammelnde und verteilende Groß-
handel (die Zwischenstufe also) ausgeschlossen ist. Verbraucher sind diejenigen, die die
Lebensmittel im eigenen Haushalt verwenden, aber auch Gaststätten, Hotels, Großküchen,
Kantinen und Heime.

 
23
Die verschiedenen Formen der Direktvermarktung (z. B. Ab-Hof-Verkauf, Fahrverkauf,
Bauern- und Wochenmärkte) gewinnen weiter an Bedeutung.
Ursachen hierfür sind u. a. die folgenden Präferenzen der Verbraucher:
-
transparente Herkunft der Produkte, Regionalität, Heimatverbundenheit,
-
Frische und Geschmack der Produkte,
-
Verkaufserlebnis, persönlicher Kontakt,
-
Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein und
-
der Wunsch nach Unterstützung der heimischen Landwirte.
Die
Vorteile
der Direktvermarktung für den Landwirt liegen in der Ausschaltung von Zwi-
schenstufen (u. a. des sogenannten „Flaschenhalses“) sowie der Profilierung und der Image-
verbesserung gegenüber dem Verbraucher. Ein weiterer Vorteil kann bei entsprechenden
Wettbewerbsverhältnissen (begrenzte Anbieterzahl, beste Produktqualitäten, großes Kunden-
potential) im größeren Preisspielraum liegen, wodurch letztendlich höhere Renditen erzielt
werden.
Nachteile
der Direktvermarktung von Fleischwaren und Wurst sind:
-
der Arbeitsaufwand im Unternehmen steigt,
-
hohe Hygieneanforderungen sind zu beachten,
- Investitionen werden nötig (z. B. eigene Schlachtung, Lagerung, Kühlung, Verkaufsfahr-
zeug), die vom gewählten Absatzweg und der Organisation abhängig sind,
-
Kenntnisse im Marketing müssen erschlossen werden und
- Managementfähigkeiten werden gefordert (z. B. Markterschließung, Aufbau eines Kun-
denstammes, Verkaufsplanung und -organisation).
Es ist sorgfältig zu prüfen, wie sich Erlös und Aufwand gegenüberstehen und ob ein Gewinn
mit der Direktvermarktung erwirtschaftet wird. Das Kuratorium für Technik und Bauwesen in
der Landwirtschaft (KTBL) bietet als Hilfe zur Überprüfung der Wirtschaftlichkeit der Direk-
tvermarktung einen Formularsatz und eine Datensammlung an.
KTBL 1997: Ist Ihre Direktvermarktung wirtschaftlich? KTBL-Formularsatz. Bestell-
adresse: aid, Konstantinstraße 124, 53179 Bonn.
KTBL 1997: Direktvermarktung. Datensammlung. Überarbeitete Auflage.
Bestelladresse: KTBL-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag GmbH,
Postfach 480249, 48079 Münster.
Bei der Direktvermarktung sind eine Vielzahl von Rechtsvorschriften zu beachten (Tabelle
2.6.3). Inhaltliche Schwerpunkte zu den einzelnen Vorschriften enthält das Kapitel 14.

 
24
Tabelle 2.6.3 Zu beachtende Rechtsvorschriften bei der Direktvermarktung
Allgemeine Rechtsvorschriften
Spezifische Rechtsvorschriften
Gewerbeordnung
Handwerksordnung
Steuerrecht
Bauordnung
Straßenverkehrsordnung
Ladenschlussgesetz
Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb
Produkthaftungsgesetz
Bundesseuchengesetz
Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz
Gaststättengesetz
Eichgesetz
EU-Recht zur Kennzeichnung von Produkten
aus dem ökologischen Landbau
Handelsklassengesetz
Lebensmittelkennzeichnungsverordnung
Preisangabeverordnung
Tierschutzgesetz
Viehverkehrsordnung
Gesetz und Verordnung über das Schlachten
von Tieren
Verordnung über den Umgang mit
Lebensmitteln tierischer Herkunft
Fleischhygienegesetz
Fleischhygieneverordnung
Hackfleischverordnung
Fleischverordnung
Verordnungen über die gesetzlichen
Handelsklassen für Schweinefleisch
Verordnung über die Zulassung von Nitrit und
Nitrat in Lebensmitteln
Entsprechende Informationen zu den verschiedenen Rechtsvorschriften erhält man bei den
zuständigen Behörden, wie z. B. dem Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt.
Für die Direktvermarktung an sich gibt es keine spezielle Richtlinie. Jedoch bieten sich in
verschiedensten Bereichen Fördermöglichkeiten an. Einige zeigt die folgende Tabelle 2.6.4.
Tabelle 2.6.4 Fördermöglichkeiten für die Direktvermarktung
Förderbereich
Fördergegenstand
Ansprechpartner
Absatz- und
qualitätsfördernde
Maßnahmen in der
sächsischen Land- und
Ernährungswirtschaft
z. B. Messen, Märkte, Werbung,
Seminare und Fortbildungsver-
anstaltungen, Durchführung von
Studien zur Marktsituation
LfL, FB LB,
Bewilligungsstelle
Agrarinvestitionsförder-
programm
Staatlicher Ämter für
Landwirtschaft
Entwicklung des
ländlichen Raumes
z. B. Umnutzung, Umbau und
Außensanierung von
landwirtschaftlicher Bausubstanz
Staatliche Ämter für Ländliche
Neuordnung
Gemeinschaftsinitiative
n der Europäischen
Union (z. B. LEADER,
INTERREG)
z.B. gemeinschaftliche
Vermarktungseinrichtungen
(Beispiel: Sächsisch-böhmischer
Bauernmarkt)
SMUL, Staatliche Ämter für
Ländliche Neuordnung
Als Dachverband der sächsischen Landwirtschaftsbetriebe, welche sich mit der Vermarktung
der von ihnen produzierten Erzeugnisse befassen, versteht sich der Verein
„Direktver-
marktung in Sachsen“ e.V.
(189 Mitgliedsbetriebe per 1.11.2000).

25
Er bietet seinen Mitgliedern eine umfangreiche Palette von Leistungen an, wie z. B.:
-
die Organisation und Durchführung von Bauern- und Naturmärkten,
-
Unterstützung gemeinschaftlicher Verkaufseinrichtungen,
-
Unterstützung von Hoffesten,
-
Schulungen für die verschiedensten Bereiche (Verkauf, Marketing, Lebensmittelrecht,
Steuerrecht usw.),
-
Herausgabe einer Anbieterbroschüre für die Verbraucher,
-
Herausgabe eines Informationsblattes (vierteljährlich),
-
Bereitstellung von Werbematerialien und Verkaufsausrüstungen.
Des weiteren verleiht der Verein im Namen und im Auftrag des Sächsischen Staats-
ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft das Dachzeichen „Spezialitäten aus Sachsen -
Direkt vom Hof“.
Die Anschrift des Vereins lautet:
Direktvermarktung in Sachsen e.V.
Geschäftsstelle in Großenhain
PF 187, Am Cottbuser Bahnhof
01553 Großenhain
Telefon:
03522-501023
Fax:
03522-501027
Internet:
http://www.direktvermarktung-sachsen.de

3
Produktions- und Reproduktionsorganisation
Seite
3.1 Gestaltung des Produktionsablaufes
1
3.1.1
Strukturierung der Schweineproduktion
1
3.1.1.1 Gliederung nach biologischen Gegebenheiten
1
3.1.1.2 Produktions- und Betriebsformen
3
3.1.2
Organisation des Produktionsablaufes
4
3.1.2.1 Grundsätze
4
3.1.2.2 Methoden zur Ausarbeitung von Produktionszyklogrammen
5
3.1.2.3 Grundlagen zur Ausarbeitung von Produktionszyklogrammen
7
3.1.2.4 Reproduktionsplanung
11
3.1.2.5 Organisation der Multisite-Produktion
14
3.2 Organisation der Reproduktion
16
3.2.1 Grundsätze und Ziele der Reproduktion
16
3.2.2 Organisation der Fortpflanzung
18
3
.2.2.1 Biologische Grundlagen der Fortpflanzungsvorgänge 18
3.2.2.2 Fortpflanzungssteuerung
18
3.2.2.3 Belegungsverfahren der Sauen
21
3.2.2.4 Dokumentation und Fruchtbarkeitsrichtwerte
22
3.3 Ausarbeitung von Arbeitsablaufplänen
23
Bearbeiter:
Dr. K. Hörügel
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
Fachbereich Tierzucht, Fischerei und Grünland
Am Park 3, 04886 Köllitsch
Tel. 034222-460
Fax: 034222-46109
E-Mail: Klaus.Hoeruegel@fb08.lfl.smul.sachsen.de

 
3
Produktions- und Reproduktionsorganisation
3.1
Gestaltung des Produktionsablaufes
3.1.1
Strukturierung der Schweineproduktion
Die Schweineproduktion wird strukturiert nach:
biologischen Gegebenheiten und
Produktions- bzw. Betriebformen.
3.1.1.1
Gliederung nach biologischen Gegebenheiten
Der Gesamtprozess der Schweineproduktion wird in seinem Ablauf von den biologischen Ge-
gebenheiten bestimmt und in Produktionsabschnitte oder -stufen bzw. Haltungsabschnitte
oder -stufen unterteilt. Die einzelnen
Produktions- bzw. Haltungsstufen
sind durch die auf-
einanderfolgenden Lebensabschnitte und daran angepasste Haltungsformen sowie einen
unterschiedlichen biologischen Entwicklungsstand charakterisiert. Die Verknüpfung zwischen
den Produktions- und Haltungsstufen ist in Tabelle 3.1 zusammengestellt.
Tabelle 3.1 Produktionsstufen, Haltungsstufen und Stallbezeichnungen in der
Schweineproduktion
Produktionsstufe
Haltungsstufe
Stallbezeichnung
Fortpflanzung
güste Jung- und Altsauen
tragende Jung- und Altsauen
Jungsauenvorbereitungsstall,
Besamungsstall/Deckzentrum
Wartestall
Ferkelproduktion
hochtragende und säugende Sauen
Saugferkel
Abferkelstall
Läuferproduktion
Absetzferkelaufzucht
Läuferaufzuchtstall
Zuchtschweine-
produktion
Jungsauenaufzucht
Jungsauenaufzuchtstall
Mastschweineproduktion
Vormast, Mittelmast, Endmast
Maststall
Spermaproduktion
Zuchteberhaltung
Spermastation o. ä.
Die
Haltungs- bzw. Belegungsdauer
in den einzelnen Haltungsstufen ist durch den biolo-
gischen Reproduktionszyklus der Sau, ökonomische und technologische Aspekte sowie
Marktanforderungen fest vorgegeben, kann aber an verschiedenen Stellen variiert werden
(Tabelle 3.2). Die veränderbaren Haltungszeiten sollen so kurz wie biologisch möglich bzw.
entsprechend der Schweinehaltungsverordnung (Säugezeit) zulässig sein, um eine optimale
Auslastung der Tierplätze zu gewährleisten.
Hinweise und Definition der Zeitabschnitte
:
In den
Jungsauenvorbereitungsstall
kommen die Jungsauen mit einem Alter von ca. 190 Ta-
gen und werden auf die Besamung vorbereitet. Dies kann durch zootechnische Maßnahmen
mit und ohne Biotechnik erfolgen. Mit einem Lebensalter von 210 bis 240 Tagen kommen die
Tiere in Synchronisationsstände bzw. in die Besamungsbuchten.
Die
Güstzeit
, das ist der Zeitraum vom Absetzen der Ferkel bis zur erneuten erfolgreichen Be-
legung, beträgt mindestens
5 bis 7 Tage
.

 
2
Sie verlängert sich bei den aus der Erstbesamung nicht tragend gewordenen Sauen um den
Zeitraum bis zur erfolgreichen Umrauscherbesamung bzw. bis zu dem Ausscheiden wegen
Nichtträchtigkeit. 10 bis 12 Tage mittlere Güstzeit sind auf der Basis sehr guter Fruchtbar-
keitsleistungen anzustreben, bedingt beeinflussbar durch zoo- und biotechnische Verfahren
der Fortpflanzungssteuerung.
Die
Trächtigkeitsdauer
der Sauen ist im Mittel mit
115 Tagen
(113 – 117 Tage) feststehend.
Die
Säugezeit
ist variierbar und muss in Deutschland lt. Schweinehaltungsverordnung
mindestens 21 Tage und sollte nicht mehr als 28 Tage betragen.
Eine kurze Säugedauer und niedrige Güstzeiten verkürzen den Reproduktionszyklus der
Sauen und erhöhen die Anzahl an Würfen je Sau und Jahr und damit die Wirtschaftlichkeit
der Ferkelproduktion insgesamt
.
Die Dauer der
Absetzferkel- und Läuferperiode
ist variierbar und wird durch die täglichen
Zunahmen und das zu erreichende Endgewicht bestimmt. Im Allgemeinen ist eine Haltungs-
dauer von 8 Wochen üblich.
Die
Jungsauen
sollten in einem Alter von 190 Lebenstagen ca. 95 bis 100 kg Lebendmasse
erzielt haben. Sie kommen danach bei Eigenreproduktion in den Jungsauenvorbereitungs-
abschnitt bzw. zum Verkauf.
Die
Mastschweine
sollten spätestens in einem Alter von 180 Tagen das Schlachtgewicht von
115 - 120 kg erreicht haben. Die Mastdauer wird vom Einstallgewicht der Mastläufer, der
Höhe der Masttagszunahmen und der angestrebten Mastendmasse beeinflusst und beträgt
ca. 3 - 4 Monate. Bedingt durch den unterschiedlichen Platzanspruch in den verschiedenen
Gewichtsabschnitten und die Anforderungen an die Fütterung, wird in Vor-, Mittel- und End-
mast unterschieden. Aufgrund der Vermeidung vom Umstallstress wird empfohlen, die
Schweine in Einphasenmast aufzustallen; der Platzbedarf richtet sich dabei nach den Ansprü-
chen in der Endmastphase.
Tabelle 3.2
Belegungsdauer in den verschiedenen Haltungsstufen
Stallbezeichnung
Belegungsdauer
Wochen
Jungsauenvorbereitungsstall
Besamungsstall/
Deckzentrum
21 - 42 Tage
5 - 7 Tage Güstzeit
1. - 35. Trächtigkeitstag
2 Reinigungstage
42 Tage
3 - 6
6
Wartestall
36. - ca. 110. Trächtigkeitstag
2 Reinigungstage
77 Tage
11
Abferkelstall
110. - 115. Trächtigkeitstag
21
oder
28
oder
35
Tage Säugezeit
2 Reinigungstage
28
35
42 Tage
4
5
6
Läuferaufzuchtstall
54 Tage
2 Reinigungstage
56 Tage
8
Jungsauenaufzuchtstall
Läufer bis geschlechtsreife Jungsau
von ca. 100 kg LM
105 - 115 Tage
15 - 16
Maststall
Läufer bis Schlachtschwein
110 - 120 Masttage
2 - 7 Reinigungstage
110 - 130 Tage
15 - 19

 
3
3.1.1.2
Produktions- und Betriebsformen
Die Stufenproduktion lässt sich in verschiedenen Organisationsformen gestalten, woraus sich
folgende Produktions- und Betriebsformen ergeben:
spezialisierte Zuchtschweineproduktion
spezialisierte Babyferkel- oder Läuferproduktion
Variante 1: Eigenreproduktion der Sauen
Variante 2: Zukaufsreproduktion der Sauen
spezialisierte Läuferaufzucht (Babyferkelaufzucht)
spezialisierte Schweinemast
Eberstationen
Produktion im geschlossenen System mit allen Produktionsstufen
Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Betriebs- bzw. Organisationsformen sind in Ta-
belle 3.3 zusammengestellt.
Tabelle 3.3
Vor- und Nachteile der verschiedenen Betriebs- bzw. Organisationsformen
Prinzip
Vorteile
Nachteile
Spezialisierte Babyferkel- oder Läufererzeuger, für alle Bestandsgrößen geeignet
Erzeugung von Absetzferkeln oder
Mastläufern für den Verkauf in
Aufzucht- oder Mastbetriebe.
- Spezialisierung möglich
- Bereitstellung größerer Tierpartien
- erhöhte Abhängigkeit vom
Läuferpreis
Variante 1: Produktion mit Jungsauenzukauf
- Jungsauen für die Bestands-
reproduktion werden zugekauft
- aufwendige Eigenreproduktion
entfällt
- alle Ferkel sind Endprodukte mit
guter Schlachtkörperqualität
- züchterischer Fortschritt über
Zukauf
- Gefahr der Krankheits-
einschleppung erhöht
- züchterische Einflussnahme
geringer
Variante 2: Reproduktion des eigenen Bestandes
- Jungsauen werden im Betrieb
nachgezogen
- eventuell Verkauf von Zuchttieren
- züchterische Einflussnahme
möglich
- keine Einschleppung von
Krankheiten
- Anfall von Reinzuchttieren mit
geringerem Schlachtkörperwert
- nur in größeren Beständen gute
Zuchtarbeit möglich
Spezialisierter Läuferaufzucht- oder Mastbetrieb, für alle Bestandsgrößen geeignet
- Zukauf von Absetzferkeln oder
Mastläufern
- Verkauf von Mastläufern oder
Mastschweinen
- Spezialisierung im kleinen Betrieb
möglich
- Aufwand für arbeitsintensive
Zucht und Ferkelerzeugung entfällt
- erhöhtes Risiko der Krankheits-
einschleppung
- Absetzferkelaufzucht risikoreich
- Abhängigkeit vom Absetzferkel-
bzw. Läufer- und Mastschweinepreis
Produktion im geschlossenen System
- alle Produktionsstufen in einem
Betrieb, Endprodukt Mastschwein
- Eigenreproduktion - kein
Tierzukauf
- verringerte Gefahr der
Krankheitseinschleppung
- ausgeglichener Gesundheitsstatus
- züchterische Einflussnahme und
Qualitätssicherung durchgängig
möglich
- Eigenreproduktion ist aufwendig
- Koppelprodukte mit geringerer
Schlachtkörperqualität
Die Ausrichtung des gesamten Bestandes auf ein Produktionsziel hat die Vorteile, dass die
leistungsfördernden Effekte der Spezialisierung in vollem Umfang ausgeschöpft sowie grö-
ßere und ausgeglichenere Tierpartien erzeugt werden können. Mit zunehmender Bestands-
größe ist aus tiergesundheitlicher Sicht dem geschlossenen System ohne Tierzuführung aus
anderen Beständen der Vorzug zu geben. Dabei sollten sich jedoch die Sauen, Läufer und
Mastschweine an getrennten Standorten befinden (Multisite-Produktion; Kapitel 3.1.2.5).

 
4
3.1.2
Organisation des Produktionsablaufes
3.1.2.1
Grundsätze
Der Produktionsablauf kann in der Schweineproduktion kontinuierlich oder rhythmisch er-
folgen (Tabelle 3.4).
Tabelle 3.4
Varianten des Produktionsverfahren
Prinzip
Vorteile
Nachteile
kontinuierliche Produktion bis max. 50 - 100 Sauen bzw. 200 Mastschweine Bestandsgröße zu empfehlen
Die Tiere der verschiedenen
Produktions- und Haltungsstufen
werden nicht in getrennten
Stallabteilen oder Gruppen
gehalten. Es erfolgen laufend
Tierzu- und -abgänge.
- Anwendung in kleinen
Beständen möglich, ohne dass
deutliche Leistungseinbußen
entstehen
- bauliche Aufwendungen für die
Schaffung getrennter Stallabteile
entfallen
- Arbeitsablauf unregelmäßig
- Mechanisierungsmöglichkeiten
eingeschränkt
- Sicherung optimaler Haltungs- und
Klimabedingungen erschwert
- regelmäßige Reinigung und
Desinfektion ganzer Stallabteile nicht
möglich - erhöhtes Krankheitsrisiko
rhythmische Produktion
Der Tierbestand ist in Gruppen
entsprechend dem Alter oder der
Nutzung aufgeteilt. Die Tiere einer
Gruppe durchlaufen gleichzeitig in
sich regelmäßig wiederholendem
Rhythmus die verschiedenen
Produktions- und Haltungsstufen.
Die rhythmische Produktion ist
Voraussetzung für die Anwendung
des Rein-Raus-Prinzips.
- Rein-Raus-Prinzip mit Service-
periode möglich - Verluste
sinken und Leistungen steigen
- optimale Arbeitsorganisation
nach vorgegebenem
Zyklogramm möglich
- altersgerechte optimale
Haltungs- und Klimagestaltung
möglich
- komplexe Mechanisierung
möglich
- höherer baulicher Aufwand
- erhöhter Wasserbedarf und Gülleanfall
durch regelmäßige Reinigung und
Desinfektion
Bei der
kontinuierlichen Belegung
werden die Tierplätze oder Stallbuchten sofort nach der
Ausstallung der Tiere und nachfolgender Zwischenreinigung und -desinfektion wieder mit
nachrückenden Tieren belegt. In einem Stallabteil befinden deshalb gleichzeitig Tiere ver-
schiedener Haltungs- und Altersgruppen. Das sind begünstigende Bedingungen für Infek-
tionskrankheiten. Zu befürworten ist deshalb eine kontinuierliche Belegung nur in den
Haltungsstufen, bei denen infektiöse Faktorenkrankheiten eine untergeordnete Bedeutung
haben, so zum Beispiel in den Haltungsstufen güste und tragende Sauen.
Zur Sicherung des Rein-Raus-Prinzips ist die
rhythmische, zyklogrammgesteuerte Pro-
duktion
ein entscheidender Bestandteil moderner und effizienter Schweinehaltung. Die rhyth-
mische Produktion ermöglicht und erfordert die Aufgliederung des Tierbestandes in Tier-
gruppen gleichen Alters bzw. Reproduktionsstadiums und schafft damit die Voraussetzungen
für eine exakte bauliche Trennung der verschiedenen Haltungsstufen und deren optimale tech-
nologische Gestaltung. Die Stallausrüstungen einschließlich der Klimagestaltung und die Füt-
terung lassen sich besser an die Bedürfnisse der Tiere anpassen.
Die Hauptvorteile der rhythmischen Produktion sind:
die Möglichkeit zur Erhöhung der Effektivität der tierischen Leistungen, bedingt durch ein
wirksameres Management,
die vereinfachte und planbarere Arbeitsorganisation; störende Arbeitsspitzen lassen sich
vermeiden bzw. minimieren,
die Möglichkeit zur Anwendung des Rein-Raus-Prinzips.

 
5
Formen des Rein-Raus-Prinzips sind:
a) Geschlossene Ein- und Ausstallung sowie Desinfektion kompletter Stalleinheiten
innerhalb einer Anlage.
Dieses System ist in Sachsen in den meisten Anlagen in den Haltungsstufen Abferkelung
,
Jungtieraufzucht und Mast verbreitet und bildet eine entscheidende Voraussetzung für die
Sicherung eines hohen Tiergesundheitsniveaus. Nur damit ist es möglich, Infektionsketten
zu unterbrechen bzw. den Erregerdruck regelmäßig zu senken.
b) Geschlossene Ein- und Ausstallung sowie Desinfektion kompletter Anlagen
.
Dieses System ist am wirksamsten für eine sichere Unterbrechung der Erregerkette, da sich
die Tiere der aufeinanderfolgenden Belegungen nicht begegnen (Prinzip der Multisite-
Produktion; vgl. Kapitel 7).
Gute Erfahrungen wurden mit dieser Organisationsform in den USA gesammelt. In
Sachsen gibt es nur erste Anfänge hinsichtlich der Organisation nach dem System der
Multisite-Produktion.
3.1.2.2
Methoden zur Ausarbeitung von Produktionszyklogrammen
Grundlage für die Steuerung des Ablaufes einer rhythmischen Produktion sind
Produktions-
zyklogramme.
Mit ihrer Hilfe werden der Produktionsrhythmus, die Anzahl der Stallabteile
und der Tierplätze je Sauengruppe sowie die notwendigen Umstallungen in Übereinstimmung
gebracht. Sie enthalten die Festlegungen zum Zeitpunkt und zur regelmäßigen Wiederkehr
von biologischen und technologischen Abläufen und Ereignissen und bringen diese in die
erforderliche Übereinstimmung. Sie müssen vor der Projektierung einer Schweineproduk-
tionsanlage erarbeitet werden, denn der gewünschte Produktionsablauf bestimmt z. B. die
Anzahl und Größe der Tiergruppen und damit der Ställe bzw. Stallabteile in den verschie-
denen Haltungsstufen.
Die Ausarbeitung der Produktionszyklogramme kann per Hand bzw. mit dem PC-Projekt
„Tipla“ erfolgen. Es ermöglicht in kürzester Zeit die Berechnung und den Ausdruck wesent-
licher Daten zum Produktionszyklogramm (Tabelle 3.5).
Das PC-Programm kann über die Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft,
Fachbereich Ländlicher Raum, Betriebswirtschaft und Landtechnik,
Leipziger Str. 200 in 04178 Leipzig bezogen werden.

6
Tabelle 3.5
Tierbestands- und Tierplatzkalkulation Schweineproduktion
Betrieb:
Testbetrieb
V ariante:
1
08.01.01
Tierbestands- und Tierplatzkalkulation Schweineproduktion
Ausgangsbedingungen:
s
Anz. prod. Sauen = S
Läufer/Prod.-rhyth.= L
Abferkelplätze= A
Anzahl produkt. Sauen:
945 Stück
Abferkelrate AS
85 %
Durchschnittsbest. S auen
1000 Stück
Abferkelrate J S
75 %
S äugezeit:
28
Tage
Reproduktionsrate
23 %
Produktionsrhythmus:
7
Tage
Wurfabstand
147
Tage
nicht normger. Mastl.
1,0 %
leb. geb. Ferkel/W urf
10,5 Stück
Verl. u. Selekt. J S
3 %
Verkaufsmasse Läufer
30 kg
Verluste Ferkel
11 %
LMZ Ferkel:
420 g/Tier* d
V erluste Läufer
3 %
eigene Reproduktion J /N?:
j
Verkauf von J ungsauen J /N ?:
n
25
LMZ L1 bei LM kg
50
580 g/Tier* d
Verluste L1
1 %
LMZ L2 bei LM kg
95
700 g/Tier* d
Verluste L2
1 %
Selektion L1
15 %
Selektion L2
20 %
eigene Mast J/N?:
j
Ausstallungmasse:
115 kg
Verendungen:
2 %
Masttagszunahme: 700g Notschlachtungen: 3 %
Ergebnisse:
Produkt. -
Produk-
Prozeß-
Tierbestand (Stück)
S tall-
Tierplätze (S tück)
abschnitt
tionszeit
zeit
gesamt
je Einheit
einheiten
gesamt
je Einheit
J ungsauen(S0) 26 28 53 14
4 60 15
Deckbereich (S1)
40 42 312 55
6 330 41
AS
Eberplätze
9
14
JS
12
3 Res.
W artebereich
74
77
476
45
11
495
35
AS
(S2)
11
JS
22
2 Res.
Abferkelber.(S3)
33 35 212 45
5 225 45
15
3Res.
Ferkel (F)
28
1786
447
Läufer (LM0)
53
56
3136
414
8
3360
421
eigene Reproduktion :
Jungschw. (L1)
34 35 105 21
5 110 22
Jungschw. (L2)
64
70
164
18
10
190
19
bei eigener Mast:
Mastschweine
121
126
6490
374
18
6948
386
190 empfohlene Res.
J ahresproduktion:
prod. Mastläufer/ Prod.-rhythmus
382 selektierte Jungschweine L1 zur Mast:
167
verkaufsfähige Mastläufer/J ahr:
0 selektierte Jungsauen aus L2:
187
produzierte J ungsauen/J ahr:
746
produzierte S chlachtschweine/J ahr:
19221 nicht normgerechte Mastläufer:
213
gemerzte S auen:
720 Notschlachtungen aus Mast:
604
Entwickler: MLU, LaFa, A. Rudovsky; LfL, FB LB, Th. Heidenreich

 
7
3.1.2.3
Grundlagen zur Ausarbeitung von Produktionszyklogrammen
Erforderlich für die rhythmische Produktion mit Tiergruppen ist, dass die Stalleinheiten und
die Tierplätze je Stall auf den Gesamtbestand an Sauen bzw. Schweinen insgesamt abge-
stimmt sein müssen. Dabei sind in der Sauenhaltung und Ferkelerzeugung verschiedene Va-
riable in Übereinstimmung zu bringen. Das sind der Produktionsrhythmus, die Dauer der Säu-
gezeit, die Gruppengröße sowie die Zahl der Abferkeleinheiten und -ställe sowie deren Tier-
platzkapazität, die sich untereinander bedingen (Tabelle 3.6). Unter Abferkeleinheiten ist
dabei die Gesamtheit aller Abferkelplätze und -ställe zu verstehen, die von einer Sauengruppe
belegt werden. Eine Abferkeleinheit kann also aus mehreren Abferkelställen bestehen, z. B.
bei Kammaufstallung mit kleineren Stallabteilen.
Darüber hinaus sind weitere Beziehungen zu beachten, auf die nachfolgend eingegangen
wird:
Tabelle 3.6
Beziehungen zwischen Produktionsrhythmus, Dauer der Säugezeit,
Anzahl der Sauengruppen und Anzahl der Abferkeleinheiten
Rhythmus
(Tage)
Säugezeit
(Tage)
Anzahl der
Sauengruppen
Korrektur
Anzahl
Abferkel-
einheiten
7
21
20
-
4
28
21
-
5
35
22
-
6
14
21
10
-
2
28
(10,6)
nach 10 Gruppen 1 x 7 Tage
3
35
11
-
3
28
7
-
2
35
(7,4)
nach 7 Gruppen 1 x 28 Tage
2
28
21
5
-
1
35
21
4
-
1
28
4
nach 3 Gruppen 1 x 42 Tage
1
Handlungsempfehlungen zur Ausarbeitung der Produktionszyklogramme
a) Auswahl des Produktionsrhythmus
Der Produktionsrhythmus bestimmt den zeitlichen Abstand zwischen zwei wiederkehrenden
biologischen oder technologischen Ereignissen. Der zweckmäßige Rhythmus ist in Abhängig-
keit von den konkreten betrieblichen Bedingungen bzw. den Anforderungen innerhalb einer
Anlage bzw. Erzeugerkette zu wählen. Bewährt haben sich Wochenrhythmen, bei denen die
Hauptaktivitäten immer an den gleichen Wochentagen stattfinden. In sehr großen Beständen
empfiehlt es sich, auch auf kürzere Rhythmen zurückzugreifen, wie z. B. den ¾-Tage-Rhyth-
mus. Dadurch können die Sauengruppen in ihrer Größe überschaubarer gehalten werden.
Bei der Gestaltung des Produktionsrhythmus bildet die Summe der Tage des biologischen Re-
produktionszyklus der Sauen (Zeit zwischen zwei Abferkelungen) mit seinen Teilzeiten - ca.
5 Tage zwischen Absetzen und Erstbesamung, Trächtigkeitsdauer 114 Tage, Säugezeit
variabel 21, 28 oder 35 Tage - eine wichtige Ausgangsposition.
Diese Zeitsumme sollte durch die Wochenzahl des Produktionsrhythmus ganzzahlig teilbar
sein. Bei 21-tägiger Säugezeit beträgt der Reproduktionszyklus z. B. 140 Tage. Demzufolge
ist für diese Säugezeit ein 7-, 14-, 28- oder 35-Tage-Rhythmus geeignet. Ein kurzer Produk-
tionsrhythmus empfiehlt sich für große Sauenbestände, während längere Rhythmen für
kleinere Bestände besser geeignet sind.

8
Bewährt haben sich folgende Kombinationen von Produktionsrhythmus und Säugezeiten
:
7-Tage-Rhythmus mit 21, 28 oder 35 Tagen Säugzeit
Bei einem Wochenrhythmus sind alle Säugzeiten möglich. Er ist in Beständen ab ca. 500
Sauen zu empfehlen. Die erforderlichen Betreuungsaktivitäten können gleichmäßig über die
Woche verteilt werden. An jedem Wochentag finden immer die gleichen Arbeiten statt. Das
ist sehr günstig für eine effektive Arbeitsorganisation.
14-Tage-Rhythmus mit 21 oder 35 Tagen Säugezeit
Dieser Rhythmus kann aus arbeitsorganisatorischen Gründen oder zur optimalen Auslastung
der Abferkelplätze günstig sein. Er ist mit dem prinzipiellen Nachteil verbunden, dass die
zyklischen Umrauscher in der besamungsfreien Woche anfallen und sich deshalb schlecht in
die Gruppenabferkelung beim Rein-Raus-Prinzip im Abferkelstall einordnen lassen.
21-Tage-Rhythmus mit 28 Tagen Säugezeit
Der 21-Tage-Rhythmus entspricht dem Sexualzyklus der Sau. Zyklische Umrauscher ordnen
sich damit gut in die nachfolgenden Sauengruppen ein und die störenden Abferkelungen
außerhalb der Hauptabferkelperiode werden minimiert. Besonders geeignet ist eine Säugezeit
von 28 Tagen. Diese Kombination ist für Bestände mit weniger als 500 Sauen besonders zu
empfehlen.
28-Tage-Rhythmus mit 21 Tagen Säugzeit
Diese bislang ungewöhnliche Kombination ist eine Alternative für die Anwendung des Prin-
zips der Multisite-Produktion. Sie ermöglicht auch in kleineren Beständen die Erzeugung
größerer Tiergruppen, die für die isolierte Aufzucht und Mast erforderlich sind. Ein wesent-
licher Vorteil gegenüber den anderen Kombinationen ist, dass im Bestand immer nur eine Ab-
ferkelgruppe gehalten wird. Infektionsketten werden damit auch bei den Saugferkeln unter-
brochen.
Neben diesen Kombinationen sind aber, wenn aus betrieblichen Gründen erforderlich, auch
der 14-Tage-Rhythmus mit einer 28-tägigen Säugezeit oder der 21-Tage-Rhythmus mit einer
35-tägigen Säugezeit zu kombinieren. Das führt dazu, dass nach dem Ablauf eines Reproduk-
tionszyklus eine Korrektur erforderlich wird und sich der Rhythmus einmalig um 7 Tage ver-
längert bzw. verkürzt. Bei einem 21-Tage-Rhythmus, kombiniert mit 35 Tagen Säugezeit,
bedeutet das z. B., dass nach 7 Gruppendurchgängen die Sauen der nachfolgenden Gruppe
erst 28 Tage Säugezeit absolviert haben. Es muss also noch eine Woche bis zum Absetzen
gewartet werden, so dass sich auch die Besamung um eine Woche verschiebt und sich damit
einmalig ein 28-Tage-Abstand ergibt. Das wiederholt sich dann regelmäßig nach dem Ablauf
von sieben Gruppen. Es können also alle Rhythmen mit allen Säugezeiten kombiniert werden.
Diese Rhythmusänderungen erscheinen kompliziert, sind aber in der Praxis problemlos
durchzuführen. Sie müssen bei der Ablaufplanung bezüglich der Bereitstellung und Syn-
chronisation der zutretenden Jungsauen sowie der weiteren Produktion bis zum Mastschwein
beachtet werden.
b) Festlegung der Säugezeit
Impulsgeber für den Rhythmus ist der Belegungsablauf des Abferkelbereiches, der vor allem
von der Dauer der Säugezeit bestimmt wird. Es werden kurze Säugezeiten angestrebt, weil
sich damit die Dauer des Reproduktionszyklus der Sauen verkürzen lässt und eine produk-
tionsorganisatorische Voraussetzung für die Erhöhung der Anzahl der Würfe je Sau und Jahr
geschaffen wird. Außerdem können dadurch teurere Abferkelplätze eingespart werden. Die
Beziehungen zwischen Säugezeit, Dauer des Reproduktionszyklus und Gruppendurchlauf
sind in Tabelle 3.7 zusammengestellt.

9
Der Gruppendurchlauf gibt an, wie oft eine Sauengruppe im Jahr die Haltungsstufen durch-
läuft und zur Abferkelung kommt. Er ist nicht gleichzusetzen mit der „Anzahl an Würfen je
Sau und Jahr“, da nicht alle Sauen aus der Erstbesamung trächtig werden und sich damit die
Zwischenwurfzeit erhöht. Dies führt dazu, dass der Gruppendurchlauf einen höheren Wert
ausweist als die „Anzahl an Würfen je Sau und Jahr“. Der Gruppendurchlauf ist nur bei den
Sauen mit der „Anzahl an Würfen je Sau und Jahr“ identisch, die aus der Erstbesamung tra-
gend werden.
Tabelle 3.7 Beziehungen zwischen Säugezeit, Dauer des Reproduktionszyklus und
Gruppendurchlauf
Säugezeit
35
28
21
Güstzeit
()
555
Trächtigkeitsdauer
()
115
115
115
Reproduktionszyklus
()
155
148
141
Reproduktionszyklus
22
21
20
Gruppendurchlauf je
2,35
2,47
2,59
Zu beachten ist, dass eine 3-wöchige Säugezeit optimale Aufzuchtbedingungen für die Ab-
setzferkel erfordert. Sind diese nicht vorhanden, ist davon abzuraten. Eine Verkürzung der
Säugezeit erfordert des Weiteren eine Intensivierung im Fruchtbarkeitsmanagement, um nicht
nur den Gruppendurchlauf, sondern auch die Anzahl Würfe je Sau und Jahr zu erhöhen.
c) Bestimmung der Anzahl und Größe der Sauengruppen
Für die rhythmische Produktion ist die Ordnung des Sauenbestandes in
Sauengruppen
er-
forderlich. Die Gruppenbildung erfolgt mit dem gleichzeitigen Absetzen der Altsauen. Ent-
sprechend der festgelegten Anzahl der erforderlichen Sauen je Gruppe sind die ausgeschie-
denen Altsauen durch Jungsauen zu ersetzen. Alt- und Jungsauen werden gleichzeitig besamt,
so dass eine Gruppe von Sauen mit gleichem Reproduktionsstadium entsteht. Aus dieser
Gruppe scheiden Sauen als Umrauscher oder wegen Nichtträchtigkeit oder sonstiger Abgänge
aus. Es treten aber auch tragende Sauen aus Umrauscherbesamung vorhergehender Gruppen
zu. Diese Veränderungen sind bei der Planung des Produktionsablaufes auf der Basis der
betrieblichen Gegebenheiten zu berücksichtigen.
Zu beachten ist, dass die Rhythmusdauer und die Länge der Säugezeit die Anzahl der im Be-
stand rotierenden Sauengruppen und damit die Anzahl an Sauen pro Gruppe bestimmen. Aus
der Dauer des Reproduktionszyklus, geteilt durch die Rhythmusdauer, errechnet sich die
Anzahl der Sauengruppen. Bei 21-tägiger Säugezeit mit einem 7-Tage-Rhythmus teilt sich der
Sauenbestand z. B. in 20 Gruppen, bei 28-Tage-Rhythmus aber nur noch in 5 Gruppen. Bei
gleicher Bestandsgröße bedeutet das, dass sich die Gruppengrößen mit einer Verlängerung
des Produktionsrhythmus entsprechend vergrößern, im Beispiel also vervierfachen. Die Ver-
längerung des Rhythmus ermöglicht deshalb auch in kleineren Beständen die Bereitstellung
größerer Partien an Tieren.
d) Bestimmung der Anzahl Abferkeleinheiten
Der Produktionsrhythmus und die Säugezeit bestimmen die Anzahl der erforderlichen, im
Rein-Raus-Prinzip isoliert zu bewirtschaftenden Abferkeleinheiten.
Als Grundprinzip gilt:
kurze Produktionsrhythmen erfordern mehr Abferkeleinheiten sowie
kurze Säugezeiten bedingen weniger Abferkeleinheiten.

 
10
Beim 7-Tage-Rhythmus verringert sich z. B. mit der Reduzierung der Säugezeit um eine Wo-
che die Zahl der Abferkeleinheiten um eine Einheit und damit auch die Anzahl der insgesamt
benötigten Abferkelplätze. Ungünstig sind die Kombinationen von 14-Tage-Rhythmus mit 28
Tagen Säugezeit oder 21-Tage-Rhythmus mit 21 Tagen Säugezeit, da die Auslastung der
kostenintensiven Abferkelplätze dann nicht optimal ist. In beiden Fällen beträgt die Bele-
gungsdauer einer Abferkeleinheit 42 Tage. Es wären aber nur 35 bzw. 28 Tage (2 Tage Ser-
viceperiode + 5 Tage Vorbereitungszeit der Sauen bis zur Geburt + 28 bzw. 21 Tage Säuge-
zeit) erforderlich. Die hochtragenden Sauen können aber zeitiger in den Abferkelstall umge-
setzt werden und es sind dann entsprechend weniger Stallplätze im Wartebereich erforderlich.
e) Einfluss der Sägezeit und des Produktionsrhythmus auf den Tierplatzbedarf für Sauen
Die Anzahl an Sauenplätzen insgesamt sowie der erforderliche Anteil an Abferkelplätzen
wird durch den Produktionsrhythmus und die Dauer der Säugezeit bestimmt. Mit einer
Ver-
kürzung der Säugezeit
reduziert sich die Anzahl der erforderlichen Abferkelplätze. Dafür
sind mehr Plätze im Besamungs- und Wartebereich sowie für die Läuferaufzucht erforderlich.
Mit der
Verlängerung des Produktionsrhythmus
erhöht sich der Sauenplatzbedarf ins-
gesamt. Das resultiert daraus, dass sich die Gruppengrößen erhöhen und eine entsprechende
Anzahl an Reserveplätzen erforderlich ist. Deren Anzahl muss so groß sein wie die Zahl der
Abferkelplätze einer Abferkeleinheit, denn in der Serviceperiode zwischen den Belegungen
ist die Abferkeleinheit leer und die Sauen müssen außerhalb der Abferkelställe im Repro-
duktionsbereich aufgestallt werden. Die Beziehungen zwischen Produktionsrhythmus und
Tierplatzbedarf bei 3 Wochen Säugezeit sind am Beispiel eines Bestandes mit 400 Sauen in
Tabelle 3.8 zusammengestellt. Mit Verlängerung des Produktionsrhythmus um eine Woche
erhöht sich die Anzahl an benötigten Sauenplätzen insgesamt um 5 %.
Tabelle 3.8 Sauenplatzbedarf für einen Bestand mit 400 Sauen bei 3 Wochen Säuge-
zeit (% zum Sauenbestand)
Sauenplätze
gesamt
Abferkelplätze
Besamungs-
und Wartestall
7-Tage-Rhythmus
420
105
4 x 20
20
340
85
14-Tage-Rhythmus
440
110
2 x 40
20
360
90
21-Tage-Rhythmus
460
115
2 x 60
30
340
85
28-Tage-Rhythmus
480
120
1 x 80
20
400
100
35-Tage-Rhythmus
500
125
1 x 100
25
400
100
f) Beziehungen zwischen Produktionsrhythmus, Belegungsdauer und Tierplatzbedarf in
der Aufzucht und Mast
Der Impulsgeber für den Produktionsrhythmus in der Aufzucht und Mast ist im geschlossenen
System der Rhythmus im Sauenbestand. Die Anzahl Stalleinheiten und deren Größe sind
darauf abzustimmen (Beispiel Tabelle 3.9).
Bei zwischenbetrieblicher Organisation der Stufenproduktion gelten die gleichen Beziehun-
gen. Die Dimensionen sind so abzustimmen, dass nach Möglichkeit das geschlossene Rein-
Raus-Prinzip umgesetzt werden kann.

 
11
Tabelle 3.9
Stalleinheiten und Tierplätze in der Läuferaufzucht und Mast in Abhäng-
igkeit vom Produktionsrhythmus für einen Sauenbestand mit 1.000 Sauen
Produktionsrhythmus
7 Tage
14 Tage
21 Tage
28 Tage
Belegungsdauer (Tage)
56
56
63
56
Anzahl Aufzuchteinheiten
8
4
3
2
Tierplätze/Stall
500
1.000
1.500
2.000
Aufzuchtplätze gesamt
4.000
4.000
4.500
4.000
Belegungsdauer (Tage)
112
112
105
112
Anzahl Masteinheiten
16
8
5
4
3.1.2.4
Reproduktionsplanung
Von besonderer Bedeutung für einen reibungslosen Produktionsablauf ist die genaue
Reproduktionsplanung. Dabei haben sich folgende zwei Grundvarianten bewährt:
die Planung der Sauenreproduktion und
die Reproduktionsplanung des Gesamtprozesses.
a) Planung der Sauenreproduktion
Für eine reibungslose planmäßige Reproduktion in Sauenanlagen sind deren Planung und das
sofortige Reagieren auf Abweichungen von großer Wichtigkeit. Bewährt hat sich die
Erarbeitung von
Reproduktionszyklogrammen
, die unter Beachtung der jeweils konkreten
Situation ständig zu vervollkommnen sind. In ihnen wird festgelegt, wieviel Sauen je Gruppe
besamt werden müssen, um die benötigte Zahl an Abferkelungen zu sichern. Dabei ist von
betriebsspezifischen Fruchtbarkeitsleistungen auszugehen. Die Sicherung der Anzahl an
abferkelnden Sauen ist durch angepasste Zuführung von Jungsauen möglich.
In Tabelle 3.10 ist ein Beispiel eines Reproduktionszyklogrammes mit zwei 2 Varianten für
ein mittleres und ein sehr gutes Leistungsniveau gegenübergestellt.
Zielstellung ist in beiden Varianten die Bereitstellung von 25 abferkelnden Sauen/Gruppe. Bei
einem hohen Niveau der Fruchtbarkeitsleistungen (Variante 2) mit 85 % Abferkelrate bei den
Altsauen, 80 % bei Jungsauen und 75 % bei Umrauschern sind dafür weniger Sauen insge-
samt als bei Variante 1 erforderlich. Es müssen weniger Sauen wegen Nichtträchtigkeit selek-
tiert werden. Das hat entscheidenden Einfluss auf die Remontierungsrate, also den Anteil an
jährlich ausscheidenden und wieder über Jungsauen zugeführten Sauen, bezogen auf den
Gesamtbestand. Es ist ein erheblicher wirtschaftlicher Vorteil, wenn - wie bei Variante 2 - nur
50 % des Bestandes jährlich umgeschlagen werden müssen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich
auf der Basis hoher Reproduktionsleistungen auch die mittlere Nutzungsdauer der Sauen ver-
längert. Bei 50 % Remontierungsrate (Variante 2) liegt die mittlere Lebensreproduktions-
leistung der Sauen bei ca. 4,5 Würfen, bei 75 % aber nur bei ca. 3,0. Damit verändert sich
auch die Altersstruktur des Sauenbestandes, d. h., es verringert sich der Anteil an Sauen mit
den leistungsstarken 3. bis 6. Würfen.

12
Tabelle 3.10 Planung der Sauenbestandsreproduktion mit einem Reproduktions-
zyklogramm (Beispiel)
Bestand 180 Sauen, 21-Tage-Rhythmus, Zielstellung: 25 Abferkelungen/Gruppe
Variante 1
mittleres Leistungsniveau
Variante 2
hohes Leistungsniveau
abgesetzte
Altsauen
Jung-
sauen
abgesetzte
Altsauen
Jung-
sauen
Erstbesamungen
21
8
22
5
Abferkelrate
80 %
60 %
85 %
80 %
tragende Sauen aus EB
17
5
19
4
Umrauscher
4
3
3
1
Abferkelrate Umrauscher
60 %
75 %
tragende Umrauscher
4
3
tragende Sauen insgesamt
26
26
Gesamtbesamungen
36
31
Abgänge tragender Sauen
1
1
Wurfrate
86,2
92,6
abferkelnde Sauen
d Slki
25
4
25
3
Sauen zur Mast gesamt
8
5
Mastsauen / Jahr
140
90
Zukauf Jungsauen
140
90
Remontierungsrate
75 %
50 %
Hinweise zu Erarbeitung des Reproduktionszyklogrammes für Sauen:
Voraussetzung für eine hohe Kontinuität der Produktion ist die
Sicherung einer kontinuier-
lichen Reproduktion.
In die biologischen Abläufe des Fruchtbarkeitsgeschehens kann nicht
an jeder Stelle regulierend eingegriffen werden. Es ist z. B. nicht vorauszusehen, wie viele
Sauen umrauschen, wann die Umrausche erfolgt, wie hoch die Wurfgrößen sein werden oder
ob Sauen aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden. Die Sicherung der Anzahl an
vorgesehenen Erstbesamungen ist die einzige Möglichkeit, aktiv auf die Kontinuität der
Reproduktion einzuwirken. Nach dem Abferkeln ist zu entscheiden, wie viele Sauen aus der
Gruppe nach dem Absetzen wieder zur Besamung bereitgestellt werden sollen. Die Differenz
zu der Anzahl an planmäßig vorgesehenen Erstbesamungen ist durch Jungsauen zu ergänzen.
Diese Entscheidung kann so zeitig getroffen werden, dass noch eine medikamentöse
Synchronisation der Jungsauen erfolgen kann.
Über die Steuerung der Anzahl der Erstbesamungen können auch vorhersehbare Depressionen
in den Fruchtbarkeitsleistungen abgefangen werden. Es empfiehlt sich zum Beispiel, in den
warmen Sommermonaten durch erhöhte Zuführung von Jungsauen die Anzahl an
Erstbesamungen je Gruppe zu erhöhen, um die erforderliche Anzahl an abferkelnden Sauen
und aufzuchtfähigen Ferkeln zu sichern.
Ein aussagefähiger Parameter für die Bewertung der Effektivität der Reproduktion ist die
Wurfrate
. Sie sagt aus, wie viele Sauen, die eine Erstbesamung erhalten haben, nach dieser
Erstbesamung oder nachfolgenden Umrauscherbesamungen überhaupt einen Wurf gebracht
haben und nicht ausgeschieden sind. Die Wurfrate errechnet sich:
Anzahl der Würfe aus den Gesamtbesamungen x 100
Anzahl an Erstbesamungen

13
Wurfraten von über 90 % sind als „gut“ zu bewerten. Eine hohe Wurfrate, d. h. ein geringer
Anteil an Sauen, die nach der Besamung wegen Unfruchtbarkeit oder Gesundheitsstörungen
ausfallen, erhöht die Möglichkeit, eine aktive Leistungsselektion nach der Säugezeit
vorzunehmen.
Erfolgreiche Besamungen, also eine hohe Abferkelrate sowohl nach Erstbesamung als auch
Umrauscherbesamung, sind eine entscheidende Voraussetzung für eine hohe Produktivität des
Sauenbestandes.
Eine weitere Anforderung im Reproduktionsmanagement ist das frühzeitige Erkennen nicht
tragender Sauen -
Trächtigkeitsdiagnose
-, denn jeder Leertag verursacht ca. 5 DM ergebnis-
lose Kosten. Die beste Umrauscherkontrolle ist die ordentliche Brunstkontrolle mit dem Eber.
Vorzüglich geeignet sind die bildgebenden Verfahren der Ultraschall-Sonographie. Aus den
Befunden der Ovariuntersuchung lassen sich Maßnahmen zur Wiedereingliederung der nicht
tragenden Sauen ableiten.
b) Reproduktionsplanung des Gesamtprozesses
Mit der Reproduktionsplanung des Gesamtprozesses werden die Aktivitäten festgelegt, wie die
erforderliche Zahl an Läufern in einem Bestand, der nach dem geschlossenen System bewirt-
schaftet wird, produziert werden sollen. Dafür ist die Kenntnis der betriebsspezifischen
Leistungsdaten unabdingbare Voraussetzung.
Ein Beispiel für einen Betrieb mit 175 Sauen bei einem Produktionsrhythmus von 21 Tagen
und der Zielstellung, 3.500 Schlachtschweine im Jahr zu erzeugen, ist in Tabelle 3.11 darge-
stellt. Für den Start einer neuen Sauengruppe sind 25 Erstbesamungen (18 abgesetzte Alt-, 7
Jungsauen) erforderlich, aus denen sich bei 80 % Abferkelrate und drei aus Umrauscherbe-
samungen zutretenden tragenden Sauen insgesamt 23 Würfe ergeben. Bei den angegebenen
Wurfgrößen und Verlusten werden 20 Mastschweine je Sau und Jahr und damit 3.500 Mast-
schweine/Jahr erzeugt. Das unterstellte Leistungsniveau ist mit 20 erzeugten Mastschweinen je
Sau und Jahr gut. Von 11,5 insgesamt geborenen Ferkeln erreichen 8,7 als Schlachtschweine
den Schlachthof. Das entspricht einschließlich der Totgeburten insgesamt ca. 25 % Verlusten.
Das ist eine reale Größe, die in nicht wenigen Betrieben leider noch überboten wird
.
Tabelle 3.11 Reproduktionsplanung für einen Bestand mit 175 Sauen, 3-Wochen-
rhythmus, Zielstellung: 3.500 Mastschweine/Jahr
25 EB/Gruppe
(18 AS, 7 JS)
23 Würfe
(20 aus EB, 3 aus UR)
265 IGF
11,5 IGF/Wurf
0,6 TGF/ Wurf
250 LGF
10,9 LGF/Wurf
0,8 NAFF/ Wurf
232 AFF
10,1 AFF/Wurf
0,8 Verluste/ Wurf
212 AGF
9,3 AGF/Wurf
3 % Verluste
206 Mastläufer
9,0 Mastläufer/Wurf
3 % Verluste
200 Mastschweine
8,7 Mastschweine/Wurf
8,0 Mastschweine/EB
20,0 Mastschweine je Sau und Jahr
3.500 Mastschweine je Jahr

 
14
3.1.2.5
Organisation der Multisite-Produktion
Die bewährten taktischen Maßnahmen zur Verbesserung der Tiergesundheit wie Rein-Raus-
Prinzip, Immunisierungen, gezielter Medikamenteneinsatz usw. reichen nicht aus, um die
Tiergesundheit nachhaltig auf hohem Niveau zu stabilisieren. Es sind strategische Konzepte
umzusetzen, die vom Ferkel bis zum Mastschwein einen geringen Infektionsdruck und damit
eine geringe Erkrankungshäufigkeit bei mildem Verlauf sichern.
Ein
produktionsorganisatorisches Verfahren
zur Sicherung eines hohen Tiergesundheits-
niveaus ist die sogenannte
Multisite-Produktion
. Die Wirksamkeit dieses Verfahrens beruht
darauf, dass durch die entsprechende Organisation der Stufenproduktion vom Ferkel über die
Aufzucht und die Mast gesichert werden muss, dass sich die Tiere zeitlebens nur mit den
Erkrankungserregern auseinandersetzen müssen, mit denen sie sich im Abferkelstall unver-
meidbar infiziert haben. Deshalb sind die Absetzferkel in isolierten Aufzuchtställen, die im
geschlossenen Rein-Raus-Prinzip bewirtschaftet werden, aufzuziehen und nachfolgend in
ebenfalls isolierten Mastställen bis zum Schlachten zu führen. Damit wird verhindert, dass
sich die Tiere mit „Hauskeimen“ des Flatdecks bzw. Maststalles auseinandersetzen müssen.
Dieser Erregerdruck ist in der konventionell geführten Produktion eine Hauptursache für
Leistungsminderungen, gehäufte Erkrankungen und Verluste.
Im Ergebnis der Pilotversuche (vgl. Kapitel 7) ist abzuleiten, dass die isolierte Haltung die
höhere Bedeutung als das Alter beim Separieren aus dem Zuchtbestand hat. Das Verfahren ist
deshalb auch in Deutschland bei Einhaltung der Forderung der Schweinehaltungs-Verordnung
nach einem Mindestalter beim Absetzen der Ferkel von 21 Tagen anwendbar.
Das Prinzip der Multisite-Produktion ist also nicht starr, sondern elastisch an die verschiede-
nen Bedingungen und Voraussetzungen anpassbar. Es eröffnet die Möglichkeit, mit produk-
tionsorganisatorischen Maßnahmen die Tiergesundheit und die Leistungsfähigkeit in der
Schweineerzeugung auf hohem Niveau dauerhaft zu sichern, da sich das Prinzip selbständig
neu reproduziert.
Eine entscheidende Voraussetzung für die Anwendung des Verfahrens ist die Erzeugung grö-
ßerer Partien gleich alter Schweine, die die Kapazitäten der isolierten Aufzucht- und Mastbe-
stände auslasten. Dafür bietet sich der Zusammenschluss mehrerer Ferkelerzeuger mit nach-
folgender gemeinsamer isolierter Babyferkelaufzucht und Mast an.
Eine weitere Möglichkeit, das Verfahren auch in kleineren Dimensionen umzusetzen, ist die
Verlängerung des Produktionsrhythmus in der Ferkelerzeugung auf einen bislang ungewöhn-
lichen
4-
oder gar
5-Wochen-Rhythmus
. Dafür empfiehlt sich die Anwendung des
1-2-3-4-
5-Systemes
(Tabelle 3.12).
Tabelle 3.12 Grundprinzipien bei der Anwendung der Multisite-Produktion nach dem
1-2-3-4-5-System
Variante 1
4-Wochen-Rhythmus
Variante 2
5-Wochen-Rhythmus
1
1 Abferkelstall
1 Abferkelstall
2
2 Ferkelaufzuchtställe
2 Ferkelaufzuchtställe
3
3 Wochen Säugezeit
3 Mastställe
4
4-Wochen-Rhythmus
4 (3) Wochen Säugezeit
4 Sauengruppen
5
5 Mastställe / 5 Sauengruppen
5-Wochen-Rhythmus
In beiden Varianten werden alle im Bestand vorhandenen Abferkelplätze von den Sauen einer
Gruppe belegt. Nach drei- bzw. beim 5-Wochen-Rhythmus auch vierwöchiger Säugezeit wer-
den die Ferkel abgesetzt und in die isolierte Aufzucht verbracht.

 
15
Es erfolgt die Reinigung und Desinfektion der Abferkelställe und anschließend die Ein-
stallung der hochtragenden Sauen der nachfolgenden Gruppe, die dann ca. eine Woche nach
dem Ausstallen der Absetzferkel des vorhergehenden Durchganges abferkeln. Es wird also im
Bestand immer nur eine Saugferkelgruppe gehalten und damit das Prinzip der Unterbrechung
der Infektionsketten auf die Saugferkel und säugenden Sauen erweitert und ein niedriges
Erkrankungs- und Verlustniveau im Abferkelstall besonders bei den infektiösen Saug-
ferkeldurchfällen sowie den Puerperalerkrankungen der Sauen gesichert.
Nachfolgend sind bei beiden Varianten zwei isolierte Aufzuchtbestände erforderlich, die ab-
wechselnd belegt werden. Für die Mast sind beim 5-Wochen-Rhythmus drei und beim 4-
Wochen-Rhythmus fünf, bei hohen Masttagszunahmen vielleicht auch nur vier voneinander
isolierte Masteinheiten erforderlich.
Das Prinzip einschließlich des Alters der Tiere bei den Umstallungen bzw. der Schlachtung ist
in Abbildung 3.1 dargestellt.
Abbildung 3.1
Ablaufprinzip der Multisite-Produktion bei 4- bzw. 5-Wochen-
Rhythmus
4-Wochen-Rhythmus
3 Wochen Säugezeit
5-Wochen-Rhythmus
3 oder 4 Wochen Säugezeit
Abferkelstall
Abferkelstall
Alter
20 Tage
20 Tage
Ferkel-
aufzucht
Ferkel-
aufzucht
Ferkel-
aufzucht
Ferkel-
aufzucht
Alter
73 Tage
87 / 94 Tage
Mast
Mast
Mast
Mast
Mast
Mast
Mast
Mast
Alter
210 Tage
190 / 197 Tage
Beim 5-Wochen-Rhythmus mit 4-wöchiger Säugezeit verlängert sich der Rhythmus nach Ab-
lauf eines Reproduktionszyklus von 147 Tagen einmalig auf sechs Wochen.
Die durch die Verlängerung des Produktionsrhythmus zu erzielenden Gruppenstärken sind
beispielhaft für einen Bestand mit 500 Sauen in Tabelle 3.13 zusammengestellt.
Mit diesen Partiegrößen bei den Mastläufern lässt sich das exakte Rein-Raus-Prinzip mit seu-
chenhygienischer Trennung zwischen den Gruppen z. B. in einer Mastanlage mit 3.000 Mast-
plätzen absichern.

 
16
Das Weiterführen der isolierten Ferkelaufzucht über eine isolierte Mast bis zur Schlachtung
ist eine weitere Anforderung des Prinzips, die unbedingt gesichert werden muss. Sehr günstig
wären Masteinheiten, die auch im geschlossenen Rein-Raus-Prinzip bewirtschaftet werden.
Tabelle 3.13 Eckzahlen bei 3 Wochen Säugezeit und 1-, 4- bzw. 5-Wochenrhythmus,
9,0 abgesetzte Ferkel/Wurf
Wochen-
Rhythmus
4-Wochen-
Rhythmus
5-Wochen-
Rhythmus
Bestand
500 Sauen
Anzahl Sauengruppen
20
5
4
Sauen/Gruppe
25
100
125
Abferkelplätze
100
100
125
Absetzferkel/Gruppe
225
900
1.125
Gruppen/Jahr
52
13
10,4
Den erläuterten Vorteilen der Verlängerung des Produktionsrhythmus stehen auch Nachteile
gegenüber. Entsprechend den höheren Gruppengrößen werden insgesamt mehr Stallplätze für
die Sauen benötigt, da sich der Anteil an Reserveplätzen im Wartebereich zur Sicherung des
Rein-Raus-Prinzips im Abferkelstall erhöht. Außerdem ordnen sich die zyklischen Umrau-
scher schlecht in den 4- bzw. 5-Wochen-Rhythmus ein. Dafür sind betriebliche Lösungen zu
finden.
Die Umstellung des Sauenbestandes auf einen längeren Produktionsrhythmus kann durch eine
künstliche Verlängerung der Laktationsanöstrie bei den abgesetzten Sauen durch eine
Regumate-Verabreichung bis zum vorgesehenen Besamungstermin vereinfacht werden. Eine
Verlängerung der Säugezeit mit Blockierung des Abferkelplatzes ist damit vermeidbar.
Es bestehen also vielfältige Möglichkeiten, ein 1-2-3-4-5-System in bestehenden Konstella-
tionen umzusetzen. Dafür sind keine bestimmten Größenordnungen erforderlich. Wichtig ist,
die Grundsätze des Prinzips der Multisite-Produktion, angepasst an die konkreten Bedingun-
gen, sinnvoll und konsequent umzusetzen. Die Multisite-Produktion ist die Alternative zur
häufig unbefriedigenden Situation, dass aufwendige hygienische, medikamentelle und/oder
immunprophylaktische Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen.
Es ist den Schweineproduzenten dringend anzuraten, die Möglichkeiten der Anwendung des
Verfahrens der Multisite-Produktion intensiv zu prüfen und es dort, wo es sich organisieren
lässt, unverzüglich umzusetzen.
3.2
Organisation der Reproduktion
3.2.1 Grundsätze und Ziele der Reproduktion
Unter Reproduktion ist die ständige Erneuerung und kontinuierliche Wiederholung des Produk-
tionsprozesses zu verstehen. Schweineerzeugung ist deshalb immer gleichzeitig auch Re-
produktion, denn das Endziel der Schweinehaltung ist die Erzeugung von Schlachtschweinen,
verbunden mit dem Abgang von Tieren, die als Ferkel wieder reproduziert werden müssen. Die
Sauenhaltung ist dafür als Reproduktionsbasis unabdingbares Mittel zum Zweck.
Zwischen den verschiedenen Leistungskomplexen im Reproduktionsprozess in den Sauen-
anlagen bestehen Zusammenhänge, die in Abbildung 3.2 dargestellt sind.

17
Abbildung 3.2
Beziehungen zwischen Fruchtbarkeits-, Wurf- und Aufzuchtleistungen
in Sauenanlagen
Reproduktionsleistung
Fruchtbarkeits-
leistung
Wurfleistung
Aufzuchtleistung
besamte Sauen
Wurfgröße
Wurfmasse
aufzuchtfähige
Ferkel
./. Umrauscher
insgesamt geborene
: geborene
./. Erdrückungen
Ferkel
Ferkel
gesunder Ferkel
./. nicht tragende Sauen ./. Totgeburten
./. Abgänge
./. Verferkelungen
lebend geborene Ferkel
erkrankter Ferkel
./. Abgänge
./. Tiere mit Untergewicht
(< 800 g)
./. Spreizer
./. Missbildungen
= abferkelnde Sauen
= aufzuchtfähige Ferkel
= mittlere Ferkel-
geburtsmasse
= abgesetzte Ferkel
=
Abferkelrate
Ferkelindex
Voraussetzungen für eine
hohe Reproduktionsleistung
des Sauenbestandes sind eine hohe
Fruchtbarkeitsleistung der Sauen, d. h. die Erzeugung der Würfe in der biologisch möglichen
kürzesten Zeit, hohe Geburtswurfleistungen in der Einheit von Anzahl und Gewicht der Nach-
kommen sowie hohe Aufzuchtleistungen mit geringen Verlusten und optimalen Absetzge-
wichten der Ferkel. In der nachfolgenden Aufzucht und Mast sind hohe Haltungstagszunah-
men bei niedrigem Futterverbrauch und geringen direkten und indirekten Verlusten erforder-
lich, die einen schnellen Umschlag des Aufzucht- und Mastbestandes ermöglichen.
Aus der Sicht der
Sicherung der Wirtschaftlichkeit
der Schweineerzeugung sind mindestens
drei Grundanforderungen optimal miteinander zu verknüpfen (Abbildung 3.3).
Abbildung 3.3
Anforderungen an das Reproduktionsmanagement
Hohe Anzahl
verkaufter Schweine in der Produktionseinheit je Zeitabschnitt
sichern
Optimale
Fruchtbarkeits- und
Aufzuchtleistungen
sichern
Auslastung der
Stallplatzkapazitäten
sichern

 
18
Unbedingt abzusichern ist eine hohe Anzahl der verkauften Schweine in der Produktionseinheit
je Zeitabschnitt, denn dadurch können die für eine Wirtschaftlichkeit notwendigen Erlöse mit
möglichst niedrigen Stückkosten erzielt werden (Kapitel 8). Dazu ist eine hohe Zahl produ-
zierter Ferkel je Sau und Jahr erforderlich, d. h. es sind hohe Fruchtbarkeits-, Wurf- und Auf-
zuchtleistungen zu erreichen. Außerdem müssen die Investitionen in Form der Stallplätze opti-
mal ausgelastet werden, wozu eine hohe Kontinuität der Reproduktion und Produktion erfor-
derlich ist.
3.2.2
Organisation der Fortpflanzung
3.2.2.1
Biologische Grundlagen der Fortpflanzungsvorgänge
Die
Jungsauen
werden im Alter von 6 bis 8 Monaten geschlechtsreif. Äußeres Anzeichen ist
das Einsetzen der ersten Rausche, bezeichnet als Pubertätsrausche. Zur ersten Zuchtbenutzung
sollten die Jungsauen ein Alter von 210 bis 240 Tagen sowie ein Gewicht von 120 bis 140 kg
und mindestens schon einmal gerauscht haben.
Die
Rausche
der Jung- und Altsauen verläuft in den drei Phasen Vor-, Haupt- und Nach-
brunst. Wesentliches Ereignis ist der Beginn der Duldung, denn damit werden die Besa-
mungstermine bestimmt. Die
erste Besamung (KB 1)
sollte 24 Stunden nach Beginn der Dul-
dung des Ebers bzw. 8 bis 12 Stunden nach Beginn der Duldung des Reittestes des Besamers
erfolgen, die
KB 2
ca. 12 Stunden nach der KB 1.
Die
Frühträchtigkeit
ist gegenüber Störungen besonders anfällig. Es kann zu Frühaborten
oder auch zu totaler oder teilweiser Fruchtresorption kommen. Deshalb sollten die Sauen zur
Besamung und in den ersten 5 Wochen der Trächtigkeit in Einzelständen gehalten werden.
Dort kann auch ab etwa 28. Trächtigkeitstag der Frühträchtigkeitsnachweis mit einem Ultra-
schallgerät durchgeführt werden.
Tragende Sauen sollen dann entsprechend der Schweinehaltungsverordnung bis zur Hoch-
trächtigkeit in Gruppen aufgestallt werden.
Die
Einstallung in den Abferkelstall
soll mit ca. 110 Trächtigkeitstagen erfolgen, um den
Sauen eine ausreichende Vorbereitungszeit auf die Geburt einzuräumen. Die Abferkelung
erfolgt im Mittel nach 115 Trächtigkeitstagen. Die Säugezeit sollte nicht unter 21 Tagen
liegen, denn die Gebärmutterschleimhaut hat erst ca. 4 Wochen nach der Geburt wieder ihre
volle Funktionsfähigkeit für die Aufnahme der Embryonen erreicht.
Während der Säugezeit ruht der
Brunstzyklus der Sau
. Erst nach dem Absetzen der Ferkel
läuft er wieder an, die Sauen kommen nach 4 bis 8 Tagen wieder in die Rausche und können
erfolgreich besamt werden.
3.2.2.2
Fortpflanzungssteuerung
Voraussetzung für eine planmäßige Ferkelproduktion ist die Steuerung der Fortpflanzungs-
vorgänge der Sauen. Sie ist eine unabdingbare Notwendigkeit für die rhythmische Produktion
und die Einhaltung der Zyklogramme und somit für den gesamten Betriebsablauf.
Die Fortpflanzungssteuerung kann
mit
bzw.
ohne biotechnische Maßnahmen
erfolgen. Es ist
anzustreben, die biotechnischen Maßnahmen unter Beachtung der bestandsspezifischen
Fruchtbarkeitssituation auf das mögliche Minimum zu reduzieren.

19
Hauptunterscheidungskriterien sind:
Fortpflanzungssteuerung ohne Biotechnik
Es werden die physiologischen Abläufe des Fortpflanzungsgeschehens durch zootechnische
Maßnahmen ohne Einsatz von Biotechnik so stimuliert, dass hohe und stabile Leistungen ge-
sichert werden (Tabelle 3.14).
Fortpflanzungssteuerung mit Biotechnik
Der gezielte Einsatz von Sexualhormonen zur Unterstützung der physiologischen Abläufe er-
möglicht eine terminliche Steuerung der Fortpflanzungsereignisse.
Es werden dabei nur solche Hormone eingesetzt, die von den Sauen ohnehin selbst zur Steu-
erung des Sexualzyklus, der Gravidität und der Geburt gebildet werden. Eine Rückstands-
problematik entsteht deshalb bei Anwendung der zugelassenen Biotechnik nicht.
Biotechnik kann und soll die zootechnischen Maßnahmen nicht ersetzen. Diese müssen trotz-
dem intensiv realisiert werden. Den zeitlichen Ablauf der Fortpflanzung mit Biotechnik zeigt
Abbildung 3.4. am Beispiel mit dreiwöchiger Säugezeit. Die dort enthaltenen Daten können
als Empfehlung betrachtet werden. Sie sind jedoch den konkreten betrieblichen Bedingungen
anzupassen. Von besonderer Wichtigkeit ist dabei die Länge der Säugezeit. Bei kürzeren
Säugezeiten läuft der Zyklus der Sauen verzögert an. Deshalb ist der Abstand zwischen der
Prolosangabe und der Ovulationsinduktion mit GnRH oder HCG auf bis zu 80 Stunden zu
verlängern, d. h. wenn die gleichen Besamungstermine beibehalten werden sollen, müssen die
Sauen früher abgesetzt werden.
Abbildung 3.4
Ablauf der biotechnischen Maßnahmen in einer Sauenanlage mit
3-wöchiger Säugezeit
Mi. 7.00
Do. 7.00
So.
14.00
Mo.
16.00
Die.
6.00
JS
15 Tage
Regumate
(4 ml/Tag)
letzte
Regumate-
gabe
24 h
PMSG
(750-1000 IE)
79 h
26 h
14 h
Mi. 13.00
Do. 13.00
AS
Säugezeit
3 Wochen
Absetzen
der Sauen
24 h
PMSG
(1000 IE)
73-79 h
GnRH
(1 ml)
KB 1
KB 2
40 h

 
20
Tabelle 3.14 Maßnahmen zur Fortpflanzungssteuerung mit bzw. ohne Biotechnik
Fortpflanzungssteuerung ohne Biotechnik
Fortpflanzungssteuerung mit Biotechnik
Sicherung eines frühen Pubertätseintrittes
- Umstallung der Jungsauen im rhythmischen
Abstand von 3 Wochen mit Buchtenpartnerwechsel
und Eberkontakt
Brunststimulation
- Einrichtung eines Deckzentrums oder Eroscenters
- intensiver Eberkontakt
- intensive Duldungskontrolle durch den Besamer
Flushingfütterung
- hohe Energie- und Proteinversorgung vor der
Besamung unterstützt Follikelbildung und
Gebärmutterschleimhaut
Pubertätsinduktion
und Nutzung des 2. Östrus zur Besamung
- Vorverlegung des Erstbesamungsalters und
Zyklussynchronisation
Brunstsynchronisation
Gleichschaltung der Brunsteintritte in einer
Sauengruppe
- Jungsauen: Verabreichung eines Zyklushemmers
- Altsauen: gleichzeitiges Absetzen
Brunststimulation – duldungsorientierte
Besamung
- Anregung der Eireifung nach Brunstsynchronisation
durch PMSG-Präparate
- Besamung duldungsorientiert nach Rauscheverlauf
Ovulationssynchronisation – terminorientierte
Besamung
- zeitgleiche Auslösung des Eisprunges bei den
brunststimulierten Sauen einer Gruppe durch HCG-
oder GnRH-Präparate
- gleichzeitige terminlich festgelegte Besamung bei
allen Sauen einer Gruppe
Geburtssynchronisation
- Auslösung der Geburt bei allen Sauen einer Gruppe
am 114. oder 115. Trächtigkeitstag mit
Prostaglandinpräparaten
- Verdichtung des Abferkelzeitraumes einer
Sauengruppe auf ca. 36 Stunden möglich
Vorteile
- entspricht Verbraucherwünschen
- keine Präparatekosten
- individuelle Fruchtbarkeitsleistungen werden
unbeeinflusst erkennbar
- biotechnische Maßnahmen unterstützen und
stabilisieren die Fruchtbarkeitsleistungen
- Zyklogramme können exakt eingehalten werden
- Arbeitsorganisation wird vereinfacht
- Wurfausgleich besser möglich
- in Beständen, in denen das "goldene Händchen"
des Betreuungspersonals fehlt, sind Ergebnisver-
besserungen der Fruchtbarkeitsleistungen möglich
Nachteile
- zyklogrammgebundene rhythmische Produktion
schwieriger zu steuern
- Arbeitsorganisation komplizierter
- Wochenarbeitsplan schwer einzuhalten
- größere Schwankungen im Betriebsablauf möglich
- es werden Hormone eingesetzt, die aber nicht
rückstandsrelevant sind
- Preis für die Medikamente (ca. 30 DM/Wurf für
Jungsauen-, Ovulations- und Geburtensynchroni-
sation) verteuert das Gesamtverfahren
- es ist möglich, dass die natürliche Auslese bezüglich
der Fruchtbarkeit überdeckt wird

 
21
3.2.2.3
Belegungsverfahren der Sauen
Jung- und Altsauen können durch natürliche Bedeckung oder künstliche Besamung (KB)
belegt werden:
a) natürliche Bedeckung
Vom Decken mit dem Eber sollte nur in Ausnahmefällen Gebrauch gemacht werden, wobei
möglichst die Sucheber einzusetzen sind.
Gründe für die Bedeckung mit Eber können sein:
- Jungsauen, wenn nur zootechnische Maßnahmen angewendet werden,
- umrauschende Sauen,
- Kleinbestände.
In Kleinbeständen mit 20 bis 25 Sauen und kontinuierlicher Produktion können alle erforder-
lichen Belegungen mit dem Eber erfolgen. Der Tierhalter muss trotzdem die KB beherrschen,
um bei Eberausfall oder erhöhtem Anfall an rauschenden Sauen darauf zurückgreifen zu
können.
b) künstliche Besamung (KB)
Die künstliche Besamung ist die Methode der Wahl, mit der gesichert werden kann:
- breite Umsetzung des züchterischen Fortschritts,
- erhebliche Verringerung des erforderlichen Eberbestandes und damit intensive Selektions-
möglichkeit,
- Nutzung zuchtwertgeprüfter Eber, unabhängig vom Standort,
- gleichzeitige Besamung von Sauengruppen als Voraussetzung für die rhythmische
Produktion,
- stabile und hohe Fruchtbarkeitsleistungen,
- Verringerung der Kosten (Kapitel 8).
Möglichkeiten der Spermabeschaffung
Zukauf von der Besamungsstation
Diese Organisationsform hat sich bewährt und wird in der Mehrzahl der Sauenanlagen
angewendet. Sie sichert den Zuchtfortschritt und garantiert die termin- und portionsgerechte
Bereitstellung des benötigten Spermas. Adressen siehe Kapitel 4, Tabelle 4.1.
Samen für die KB darf von den Besamungsstationen an Eigenbestandsbesamer nur abgegeben
werden, wenn diese an einem Besamungslehrgang mit Erfolg teilgenommen haben.
Möglichkeiten dazu bietet die LfL im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch.
Adresse:
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
Fachbereich Tierzucht, Fischerei und Grünland
Am Park 3
04886 Köllitsch
034222/460
Gewinnung und Versamung von Frischsperma im Betrieb
Das Verfahren ist möglich, senkt die Anzahl der benötigten Eber im Vergleich zum natür-
lichen Bedecken und ermöglicht die gleichzeitige Besamung von Sauengruppen. Die Aufwen-
dungen sind hoch und erfordern fundierte Kenntnisse des Betriebsleiters. Die Kosten können
aber insgesamt niedriger sein als bei Spermazukauf.

 
22
3.2.2.4
Dokumentation und Fruchtbarkeitsrichtwerte
Zur Steuerung der Fortpflanzung in Sauenanlagen ist die Erfassung und Auswertung von
Fruchtbarkeitsdaten
erforderlich. Dabei ist zu beachten, dass die Erfassung möglichst un-
mittelbar nach dem Ereignis im Stall und die Auswertung in regelmäßigen Zeitabständen
erfolgt. Dafür sind verschiedene PC-Programme anwendbar. Diese erfordern unterschiedliche
Primärdaten und ermöglichen verschiedene Auswertungsvarianten.
In Sachsen haben sich vor allem folgende Programme durchgesetzt (vgl. Kap. 4, Tabelle 4.1):
Sauenplaner KW-Supersau 6
Ansprechpartner:
agrocom.Systempartner GmbH, Köthener Str. 8, 06188 Landsberg
Tel.: 034602/45520
PIG Datendienst
Ansprechpartner:
PIG Datendienst, Mügelner Landstraße 1, 04703 Görnitz
Tel.: 034321/6440
Wichtige, ausgewählte Parameter und Richtwerte, die für ein sehr gutes Niveau der
Fruchtbarkeits-, Wurf- und Aufzuchtleistungen erreicht werden müssen, enthält Tabelle 3.15.
Tabelle 3.15 Ausgewählte Fruchtbarkeitsparameter und Zielstellung
Zielstellung
Jungsauen
Altsauen
Wurfgröße IGF = Anzahl der insgesamt geborenen Ferkel/Wurf
12,0
13,0 - 14,0
Totgeburten in Stück
0,5
0,5 - 0,7
Wurfgröße LGF = Anzahl der lebend geborenen Ferkel/Wurf
11,5
12,5 - 13,3
Merzungen nach der Geburt wegen Untergewichtes, Spreizens und
Missbildungen (Anzahl)
1,0
1,0 - 1,3
Wurfgröße AFF = Anzahl der aufzuchtfähig geborenen Ferkel/Wurf
10,5
11,5 - 12,0
Wurfmasse (Kontrolle zu empfehlen) in kg
über 13
über 15
Verluste aufzuchtfähiger Ferkel (Anzahl)
0,5 - 1,0
0,5 - 1,0
abgesetzte Ferkel/Wurf
9,5 - 10,0
10,5 - 11,5
Östrusrate 1-10 - prozentualer Anteil an zur Besamung aufgestellter
Sauen, die innerhalb der ersten 10 Tage nach dem Absetzen brünstig
geworden sind
90 %
95 %
Trächtigkeitsrate - prozentualer Anteil an trächtigen Sauen bezogen auf
die besamten Sauen
80 %
90 %
Abferkelrate - prozentualer Anteil an abferkelnden Sauen bezogen auf
die zur Besamung bereitgestellten Sauen
75 %
85 %
Die Auswertungen sollten bei rhythmischer Produktion und entsprechenden Gruppengrößen
für jede Sauengruppe vorgenommen und zu Monats- und Jahresabschlüssen zusammengefasst
werden. Im Bedarfsfall lassen sich mit diesen Daten weitere Auswertungen vornehmen.
Für die
Dokumentation des Duldungsverhaltens
und der Besamung/Bedeckung ist ein
Brunstkalender zu führen. Die Auswertung des Duldungsverhaltens ist auch bei der
terminorientierten Besamung erforderlich, da sich daraus Hinweise auf die geeignete
terminliche Abstimmung zwischen den Zeitabständen der biotechnischen Maßnahmen und
der KB ableiten lassen. Bewährt haben sich folgende Aufzeichnungen:
- DV 0 = keine Duldung zu beiden Besamungen (möglich bei terminorientierter Besamung)
- DV 1 = Duldung nur bei KB 1
- DV 2 = Duldung nur bei KB 2
- DV 3 = Duldung zu beiden Besamungen

 
23
3.3
Ausarbeitung von Arbeitsablaufplänen
In größeren Anlagen sind Arbeitsablaufpläne eine wichtige Grundlage für eine effektive
Organisation des Arbeitsablaufes. In ihnen wird festgelegt, an welchem Tag der Woche regel-
mäßig wiederkehrende Arbeiten durchgeführt werden müssen und wie viele Arbeitskräfte
dazu erforderlich sind. Grundlage für deren Ausarbeitung bilden die Festlegungen im Produk-
tionszyklogramm sowie für die Bestimmung des Arbeitskräftebedarfes Arbeitszeitrichtwerte
(Kapital 6.8).
Als Beispiel für einen 7-Tage-Rhythmus zeigt Tabelle 3.16 den
Wochenarbeitsplan
in einem
kombinierten Zucht-Mast-Betrieb. Bei 14- bzw. 21-Tage-Rhythmus verteilen sich die ein-
zelnen Aktivitäten auf die verschiedenen Wochen.
Tabelle 3.16 Beispiel für einen Wochenarbeitsplan in einem kombinierten Zucht-/
Mastbetrieb bei 7-Tage-Rhythmus
Abferkelstall
Besamungsstall
Wartestall
Läuferstall
Maststall
Montag
hochtragende
Sauen aus
Wartestall
einstallen
Eisenversorgung
der Ferkel
Besamung
hochtragende
Sauen in
Abferkelstall
umstallen
Reinigung und
Desinfektion
Dienstag
Ferkel kastrieren
Besamung
Läufer in
Maststall
umstallen
Läufer aus
Maststall
einstallen
Mittwoch
Besamung
Sauen in
Wartestall
umstallen
Sauen aus
Besamungs-
stall einstallen
Reinigung
und
Desinfektion
Mastschweine-
verkauf
Donnerstag
Sauen in Be-
samungsstall
ausstallen
Ferkel in Läufer-
stall ausstallen
Abferkelung
Sauen aus
Abferkelstall
einstallen
Ferkel aus
Abferkel-
stall
einstallen
Freitag
Wurf-
dokumentation
Tätowieren
Wurfausgleich
Reinigung und
Desinfektion
Trächtigkeits-
untersuchung
Sonnabend
Sonntag
Grundversorgung
in allen Bereichen

4
Tierzucht und Zuchtorganisation
Seite
4.1 Organisationen in der Schweinezucht
1
4.1.1
Organisationen in der Schweinezucht im Überblick
1
4.1.2
Aufgaben der Organisationen und Einrichtungen in der sächsischen
Schweinezucht
3
4.2
Zuchtprogramm des Mitteldeutschen Schweinezuchtverbandes e. V.
5
4.2.1 Reinzucht
5
4.2.2 Kreuzungszucht
6
4.2.2.1 Einfachkreuzung
7
4.2.2.2 Dreirassenkreuzung
8
4.2.2.3 Vierrassenkreuzung
8
4.3 Leistungsprüfung und Zuchtwertfeststellung
9
4.3.1 Zuständigkeiten
9
4.3.2 Zuchtleistungsprüfung
9
4.3.2.1 Zuchtleistungsprüfung nach Zuchtbuchordnung
9
4.3.2.2 Zuchtleistungsprüfung im Stichprobentest
11
4.3.3 Eigenleistungsprüfung
11
4.3.3.1 Eigenleistungsprüfung auf Fleischleistung im Feld
11
4.3.3.2 Eigenleistungsprüfung auf Fleischleistung in Prüfstationen
12
4.3.4 Geschwister- und Nachkommenprüfung
12
4.3.4.1 Mast- und Schlachtleistungsprüfung auf Station
12
4.3.4.2 Stichprobentest auf Fleischleistung in Station
13
4.3.4.3 Nachkommenschaftsprüfung auf Fleischleistung im Feld
14
4.3.5
Bewertung von Jungsauen und Jungebern
14
4.3.5.1 Feststellung der äußeren Erscheinung von Zuchttieren
14
4.3.5.2 Bewertungskriterien für Jungsauen und Jungeber
14
4.3.6 Feststellung der Stressempfindlichkeit
15

4.4 Zuchtwertschätzung
16
4.4.1 Zuchtwertschätzung für Reinzucht
17
4.4.2 Zuchtwertschätzung Feldtest
18
4.4.3 Zuchtwertschätzung Fruchtbarkeit
20
4.5
Herdenführung mit PC sowie Definitionen
von Zucht- und Leistungskennzahlen
21
4.5.1
Herdenführung mit dem Sauenplaner von Klöpper und Wiege
21
4.5.1.1 Datenerfassung (PC-Programm Supersau von KW)
21
4.5.1.2 Auswertung (PC-Programm Supersau von KW)
21
4.5.2
Definitionen von Zucht- und Leistungskennzahlen
22
4.5.2.1 Merkmale der Fruchtbarkeit
22
4.5.2.2 Merkmale der Mastleistung, des Schlachtkörperwertes
und der Fleischqualität
26
4.6
Staatliche Fördermaßnahmen für die Schweinehaltung
29
4.7
Leistungsdaten der Zucht- und Ferkelerzeugerbetriebe
30
Bearbeiter:
Dipl.Agr.Ing. Felicitas Gschwender
Dipl.Landwirt S. Eckert
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
Fachbereich Tierzucht, Fischerei und Grünland
Lausicker Straße 26, 04668 Grimma
Tel. 03437-925350
E-Mail: Felicitas.Gschwender@fb082.lfl.smul.sachsen.de
E-Mail: Siegfried.Eckert@fb082.lfl.smul.sachsen.de

 
4
Tierzucht und Zuchtorganisation
4.1
Organisationen in der Schweinezucht
4.1.1 Organisationen in der Schweinezucht im Überblick
Auf dem sächsischen Markt sind u. a. folgende Organisationen vertreten (Tabelle 4.1):
Tabelle 4.1
Übersicht über Zuchtorganisationen und Anbieter von Herden-
managementprogrammen auf dem sächsischen Markt
Name
Anschrift
Mitteldeutscher Schweinezuchtverband e. V.
Pornitzstraße 3a
09009 Chemnitz
0371/36779-0
0371/36779-10
E-Mail
info@MSZV.de
- Eberstation Grimma
Lausicker Straße 26
04668 Grimma
03437/762003
03437/763174
- Eberstation Kamenz
Wiesaer Kirchweg 70
01917 Kamenz
03578/300438
03578/300439
Internet
www.mszv.de
PIC - Deutschland GmbH
(Pig-Improvement Deutschland GmbH)
Ratsteich 31
24837 Schleswig
04621/5430
04621/54336
E-Mail
PIC@de.pig.co.uk
Internet
www.PIC.com
- Eberstation Stockhausen
Teichstraße
04720 Stockhausen
03431/5001
03431/2295
Züchtungszentrale Deutsches Hybridschwein
GmbH (BHZP)
Stadtkoppel 6
21337 Lüneburg
04131/70070
04131/700715
E-Mail
zz-Lueneburg@BHZP.de
Internet
www.BHZP.de
Schaumann-Besitz
Hülsenberger GmbH & Co. KG
An der Mühlenau 4
25421 Pinneberg
04101/2180
04101/218318
E-Mail
info@Hülsenberger-
Zuchtschweine.de
Internet
www.Hülsenberger-
Zuchtschweine.de
Agrocom.Systempartner GmbH
(Sauenplaner KW)
Regionalbüro
Landsberg
Köthener Straße 8
06188 Landsberg
034602-45520
034602-45555
E-Mail
landsberg@agrocom-
systempartner.de
PIG Datendienst GmbH
Mügelner Landstraße 1
04703 Görnitz
034321-64413
034321-64415
E-Mail PIG-Datendienst@
t-online.de

 
2
Die Zuchtorganisationen sind in folgenden nationalen und internationalen Organisationen
zusammengeschlossen:
Tabelle 4.2
Übersicht über die nationalen und internationalen Organisationen
Nationale Organisationen
Internationale Organisationen
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tierzüchter e.V. (ADT)
Adenauerallee 174
D - 53113 Bonn
0228-91447-0
0228-91447-11
E-Mail info@adt.de
Welttierzuchtvereinigung
World Association for Animal Production = WAAP;
Via Nomentana 134, Villa del Ragno
I - 00161 Rom
0039-06-86329141
0039-06-86329263
E-Mail
J.Boyazoglu@rmnet.it
Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion e.V.
(ZDS)
Adenauerallee 174
D - 53113 Bonn
0228-91447-40
0228-91447-45
E-Mail
info@zds-bonn.de
Internet
www.zds-bonn.de
Europäische Vereinigung für Tierproduktion = EVT;
European Association for Animal Production (EAAP)
Via Nomentana 134, Villa del Ragno
I - 00161 Rom
0039-06-86329141
0039-06-86329263
E-Mail
J.Boyazoglu@rmnet.it
Vereinigung Europäischer Schweinezüchter und
Schweineproduzenten;
European Pig Selection and Production Association
(EPSPA),
Hoofdweg 2
NL - 7382 BH-Klarenbeek
003155-3011977
003155-3012249
E-Mail
TOPIGS.Noord@planet.nl
Vereinigung Europäischer Schweineproduzenten;
European PIG Producers (EPP),
c/o German Agricultural Society (DLG)
Christin Scharlau
Eschborner Landstrasse 122
D - 60489 Frankfurt/Main
0049-69-24788-325
0049-69-24788-114
E-Mail
C.Scharlau@DLG-Frankfurt.de
Internet
www.pigproducer.net</