image
image
image
image
image
image
Projektmappe
NABU
1 |7
Zukunftsgärtner(n) in Gnandorf 2.0
Der NABU ist den meisten für seine Naturschutzaktionen bekannt: schwindende Lebensräume
schützen, Amphibienwanderungen begleiten oder Schmetterlingswiesen anlegen. Mit dem Projekt
„Zukunftsgärtner(n) in Gnandorf“ wagte sich der NABU Sachsen 2018 erstmals an soziale Themen:
Das Mitmachprojekt lädt seitdem als Stadtteiltreff die Menschen vor Ort ein, in Kontakt miteinander
und mit der Natur zu treten.
Das gemeinnützige Projekt wird durch den
Europäischen Sozialfonds (ESF), den Freistaat
Sachsen und die Große Kreisstadt Borna gefördert.
Auf der 2.400 Quadratmeter großen Rückbaufläche
der Bornaer Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft in
Borna-Gnandorf haben die Zukunftsgärtnerinnen
gemeinsam mit Anrainern jeden Alters einen
naturnahen Garten mit Hochbeeten, Wildgehölz-
und Totholzhecke, Beerennaschgarten sowie einer
Kräuterschnecke angelegt. Zudem befinden sich
zahlreiche Nisthilfen für verschiedene Tiere auf der
Fläche.
Zukunftsgärtner(n) in Gnandorf ist ein gemeinnütziges Projekt des NABU-Landesverbandes Sachsen e. V. und wird gefördert
durch den Europäischen Sozialfonds, den Freistaat Sachsen und die Große Kreisstadt Borna.
Die Zukunftsgärtnerinnen Vera Hickethier und Katrin
Schroeder. Foto: Andrea Zücker
Es blüht und grünt im Zukunftsgarten: Das Projekt des NABU Sachsen wird vorrausichtlich bis Juni 2022 verlängert. Foto:
Vera Hickethier

image
Projektmappe
NABU
2 |7
Projektziele und Bildungsauftrag
Es geht nicht nur ums Gärtnern: Der rote Bauwagen ist für die Menschen aus unterschiedlichen
Milieus, Herkunftsländern und Altersgruppen ein offener Ort für ein Miteinander, für Begegnung und
Kommunikation.
Der Zukunftsgarten fördert die Lebensqualität im Quartier und bei seinen Bewohnerinnen
und Bewohnern.
Der Garten ist jederzeit frei zugänglich. Schilder und
Informationstafeln dienen der Aufklärung der
Besucherinnen und Besucher, auch außerhalb der
regulären Öffnungszeiten.
Die Teilnehmenden treffen sich auf der Wiese am
roten Bauwagen, um sich kennenzulernen und
auszutauschen, sie erfahren Unterstützung und
schätzen den Garten zudem als Ort der
Entspannung und der Bildung.
1.500 Quadratmeter der Projektfläche werden als
insektenfreundliche Blühwiese im Rahmen des
Projekts
„Puppenstuben gesucht – Blühende
Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“
gepflegt.
Annett R. (Anwohnerin und feste Teilnehmerin):
„Ich liebe die Ruhe und die Verbundenheit zur Natur. Für mich ist das hier wie ein kleines Paradies.“
Im Handlungsfeld „Bürgerbildung und Lebenslanges Lernen“ ist das Projekt Teil des ESF-
Programms „Nachhaltige Stadtentwicklung zur Gebietsförderung der Großen Kreisstadt Borna“.
Ziele sind die Förderung der Teilhabe der Bewohner am Stadtleben und das Schaffen von Mitmach-
Angeboten sowie die Etablierung eines Stadtteiltreffs. So soll der soziale Zusammenhalt der Bornaer
Stadtbevölkerung gestärkt werden.
Die Angebote des Zukunftsgartens aus dem Umwelt- und Naturschutzbereich und aus der
Nachhaltigkeitsbildung werden mit dem Lebensalltag in Verbindung gebracht und erlebbar
gemacht. Im Mittelpunkt stehen:
die Entwicklung eines naturnahen Gartens
die Pflege der Schmetterlingswiese
regelmäßige Umweltbildungsangebote im Rahmen von Thementagen zu Natur- und
Umweltschutzfragen
die Mitmachküche
Das Vorhaben setzt unmittelbar an der Alltagswelt an und bietet naturnahe Betätigungen zur
sinnvollen Freizeitgestaltung. Hier kann jede Person ihre Fähigkeiten einbringen.
Die Kräuterschnecke mit Infotafel über ihre Funktion in
einem naturnahen Garten. Foto: Vera Hickethier

image
image
Projektmappe
NABU
3 |7
Mitmach-Angebote im Zukunftsgarten
Der Zukunftsgarten befindet sich in Borna-Gnandorf. Dem Standort sowie der ökonomischen Lage
geschuldet, bestand hier ein hoher Bedarf an Angeboten zur sozialen Teilhabe. Das Projekt reagierte
darauf mit niedrigschwelligen und kostenfreien Mitmach-Angeboten für jedermann unter der
Prämisse von Chancengleichheit und Nichtdiskriminierung sowie einem Thema, das jeden berührt:
die Natur.
Im Rahmen des
freien Gärtnerns,
bei dem jeden
Dienstag und Donnerstag die
Entwicklung des
naturnahen Gartens
vorangetrieben wird, erfolgt
Umweltbildung
zum
Anfassen.
Es
wird
umweltschonend und überwiegend barrierefrei in
Hochbeeten gegärtnert, die Schmetterlingswiese
gepflegt und von Müll befreit, Tiere und Pflanzen sowie
Naturkreisläufe werden kennengelernt und beobachtet,
oder Traditionen wie das Sensen und Heumachen an
Interessierte weitergegeben.
Zusätzlich werden ein- bis zweiwöchentlich
Veranstaltungen zu Natur- und Umweltschutzfragen
angeboten. Dabei geht es zum einen um klassische NABU-Themen wie Insekten, Vögel und
Fledermäuse, aber auch Umweltexperimente, kreative Angebote aus oder mit der Natur, bewusstes
Konsumverhalten oder andere Bildungsthemen für nachhaltige Entwicklung werden aufgegriffen.
Ines F. (Anwohnerin und feste Teilnehmerin):
„Ich gärtnere und werkel‘ hier sehr gerne. Für Kinder ist es toll, da ihnen auf diese Weise Natur- und
Umweltschutzthemen nähergebracht werden.“
Bei der
Mitmachküche,
jeden letzten Donnerstag im
Monat, wird im Garten zusammen geerntet, gekocht
und gegessen. Der Speiseplan wird gemeinsam
erstellt und dokumentiert. Es gibt ganz klassische
und einfache Gerichte wie Kartoffel-Eintopf oder
auch interkulturelle Gerichte wie Kürbiscurry und
Mangold arabischer Art. Bei der interkulturellen
Küche führt das gemeinsame Zubereiten
landestypischer Speisen nicht nur zu Begegnung und
sprachlichem Austausch, sondern auch dazu,
vorurteilsfrei Neues oder bisher Ungewohntes zu
entdecken und zu verstehen.
Jamie (Anwohner und fester Teilnehmer, 8 Jahre):
„Ich komme gerne zur Mitmachküche. Wir ernten das Gemüse und kochen dann gemeinsam was
daraus. Das schmeckt lecker und macht Spaß.“
Auf ungezwungene Weise erleben die Projektteilnehmer die wertvolle Erfahrung, eigenes Gemüse
anzubauen, zu ernten und dieses zu verzehren oder haltbar zu machen. Die Besucherinnen und
Besucher wissen außerdem die positiven und
gesundheitlichen Aspekte
des
Nachbarschaftsgartens zu schätzen: Hier kommt fast ausschließlich regionales Gemüse, das
Hagebuttentee, Wildkräutersalz oder Löwenzahnhonig
– die Mitmachküche bringt Abwechslung in den
Speiseplan. Foto: Katrin Schroeder
Sensenworkshop auf der Projektwiese des NABU-
Zukunftsgartens. Foto: Vera Hickethier

image
image
Projektmappe
NABU
4 |7
pestizidfrei und direkt vor der Haustür angebaut wurde, auf den Tisch. Die Zukunftsgarten-
Rezeptsammlung ist auch auf der Homepage des Projekts nachzulesen.
Simone Luedtke (Oberbürgermeisterin der Stadt Borna):
„Die Zukunftsgärtner sind eine echte Bereicherung für unseren Stadtteil Gnandorf. Dabei geht es
nicht nur um bloßen Zeitvertreib, sondern die Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer lernen die
Natur und den Garten aus einer neuen Perspektive kennen. Dazu gehört vor allem auch ein Gefühl
für den Wert unserer Lebensmittel und das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung. Der
Zukunftsgarten ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie in einem urbanen Wohnumfeld durch
gemeinsames Gärtnern neue soziale Kontakte entstehen und bestehende nachhaltig gefestigt
werden können.“
Für die Schulen und Kindergärten Bornas kann der
Garten als
grünes Klassenzimmer
genutzt
werden, um die Lebensräume und -bedingungen
von Tieren und Pflanzen zu untersuchen oder auch
um Spiel- und Entspannungsangebote in der Natur
durchzuführen.
In den Sommermonaten können Vereine und
Gruppen die Infrastruktur des Gartens nutzen, um
Treffen im Freien abzuhalten.
Das Projekt erfreut sich hoher Akzeptanz im Viertel und hat sich über drei Jahre Laufzeit
etabliert.
Seit Beginn des Projekts im April 2018
sind die Besucher- und Teilnehmer-
zahlen stetig gewachsen: Das Projekt ist
im Viertel angekommen.
Das Gartenprojekt erzielt außerdem
eine
hohe
Reichweite,
denn
Besucherinnen und Besucher kommen
nicht nur aus der Stadt Borna, sondern
auch aus Leipzig, Altenburg und
Dresden, um an Veranstaltungen
teilzunehmen.
Lily (Besucherin, 9 Jahre alt):
„Ich komme gerne hierher und genieße die frische Luft und die Beete. Ich gieße gerne! Hier kann
ich nicht nur Pflanzen erforschen, wir basteln zum Beispiel auch coole Sachen aus Kastanien.“
Besucher-und Teilnehmerzahlen von April 2018 bis Dezember 2020, zur
besseren Vergleichbarkeit immer ab Start der Gartensaison im April.
Grafik: Katrin Schroeder
0
100
200
300
400
500
600
700
April-Dezember
2018
April-Dezember
2019
April-Dezember
2020
Teilnehmerzahlen im Zukunftsgarten-Projekt
2018-2020
Mehrsprachige Pflanzenschilder. Gestaltet mit der
Frauengruppe des Vereins BonCourage. Foto: Vera
Hickethier

image
Projektmappe
NABU
5 |7
Projektpartnerschaften
Die Zukunftsgärtner arbeiten regelmäßig mit anderen Institutionen und Projekten aus der Region
zusammen und führen Veranstaltungen gemeinsam durch. Durch diese Kollaborationen festigt und
verwurzelt sich das Projekt in der Stadt und erweitert die Angebote für die Anwohnerinnen und
Anwohner in Borna-Gnandorf um ein Vielfaches.
Wir arbeiten zusammen mit:
BonCourage e. V.
Bornaer Wohnbau und Siedlungsgesellschaft mbH (BWS)
„buggyFit“ Borna
Kindertagesstätte Regenbogenland
Kinder- und Jugendhaus Borna-Gnandorf
Kinder- und Jugendparlament Borna (KIJUPA)
Mediothek Borna
Mit.Mach.Laden Borna
Ökologische Station Borna-Birkenhain e. V.
Teichhaus Eschefeld
Volkssolidarität e. V.
Gymnasium „Am Breiten Teich“
Grundschule Borna West
Grünflächenamt der Stadt Borna
Kinder- und Jugendparlament Borna (KIJUPA)
„Nach vorsichtigem Herantasten und heißen Sommern wird der Treffpunkt in Borna-Gnandorf als
solcher wahrgenommen und genutzt. Dort besteht eine große Vielfalt an Angeboten
mit umweltrelevanten Themen, greifbarem Erleben und Erlernen. Zum Thema ‚Müll‘ gab es
gemeinsam mit der Stadt und uns, dem Kinder- und Jugendparlament, die Müllsammelaktion „Who
kehrs? We care!“ Hier wird es eine kooperative Fortsetzung geben. Passend dazu sind die
zunehmende Akzeptanz und Nutzung der Tausch- und Schenkbörse am roten Bauwagen zu
erwähnen, womit das Thema Nachhaltigkeit und Mehrwert befördert werden. Wir begrüßen sehr,
dass es in Borna ein solches Projekt wie den NABU-Zukunftsgarten gibt, hoffen auf dessen
Fortwirken und freuen uns auf weitere Begegnungen und gemeinsame Aktionen.“
Seit Sommer 2020 steht eine frei zugängliche
Tausch- und
Schenkbörse
am roten Bauwagen, die sehr gut
angenommen wird.
Durch das Leihen, Tauschen und Schenken von Dingen im
und am NABU-Zukunftsgarten wird die Gemeinschaft und
der gegenseitige Austausch im Wohnviertel gestärkt.
Außerdem werden Ressourcen geschont und Energie
gespart. Damit und mit einer Vielzahl an passenden
Umweltbildungsangeboten werden Wege in eine
zukunftsfähige Welt diskutiert und ausprobiert.
Tausch- und Schenkbörse am roten Bauwagen.
Foto: Katrin Schroeder

image
image
image
image
image
image
image
image
Projektmappe
NABU
6 |7
Aus dem Terminkalender 2020
Trotz der Corona-Situation, aufgrund welcher der
Zukunftsgarten phasenweise alle Veranstaltungen
absagen musste, bestand eine Bandbreite an
Alternativangeboten,
um im Austausch zu bleiben,
informiert und aktiv zu werden.
Neben einem regelmäßigen virtuellen Picknick und
dem Austausch von Rezept- und Bastelideen wurden
unter
anderem
regelmäßig
saisontypische
Bastelpakete und praktische Gartenideen für zu Hause
kontaktlos im Garten bereitgestellt.
Auswahl an Veranstaltungen von Juli bis Oktober 2020:
27.10.2020
Hochbeetbau und Siebdruck gemeinsam mit dem Mit.Mach.Laden am Kinder-und
Jugendhaus Borna-Gnandorf
29.09.2020
Interkulturelle Mitmachküche in Kooperation mit Lokale Partnerschaft für
Demokratie im Landkreis Leipzig und dem Bornaer Verein BonCourage e. V.
12.09.2020
„Who kehrs? We care!“ - Müllsammelaktion in Borna-Gnandorf in Zusammenarbeit
mit dem Kinder- und Jugendparlament Borna
05.09.2020
NABU-Fledermausnacht
06.08.2020
NABU-Insektensommer mit Bau von Insekten-Nisthilfen und Insektenzählung
20.08.2020
Musikinstrumentenbau aus Naturmaterialien
09.07.2020
Schmetterlingen auf der Spur
02.07.2020
Workshop: Herstellung von Kräuterölen und Kaltauszügen
Über alle natur- und umweltpädagogischen sowie Nachbarschafts-Veranstaltungen wird
über die Homepage, die sozialen Medien und die lokale Presse informiert.
Kontakt:
Zukunftsgärtner(n) in Borna Gnandorf 2.0
Projektmitarbeiterinnen:
Katrin Schroeder und Vera Hickethier
Vor Ort:
Roter Bauwagen, An der Aue 35, 04552 Borna (keine Postadresse!)
Telefon:
0176 12333-144
Homepage:
www.NABU-Zukunftsgarten.de
Facebook:
www.facebook.com/nabuzukunftsgaertnerningnandorf
Instagram:
www.instagram.com/nabuzukunftsgarten
Interkulturelle Mitmachküche im September 2020. Foto:
Vera Hickethier

image
image
Projektmappe
NABU
7 |7
Der Träger:
NABU-Landesverband Sachsen e. V.
Der NABU ist einer der größten Naturschutzverbände Deutschlands – und zugleich der älteste. Vor
über 120 Jahren wurde der NABU unter dem Namen „Bund für Vogelschutz“ gegründet.
Der NABU möchte Menschen dafür begeistern, sich durch gemeinschaftliches Handeln für die
Natur einzusetzen. Wir wollen, dass auch kommende Generationen eine Erde vorfinden, die
lebenswert ist, die über eine große Vielfalt an Lebensräumen und Arten sowie über gute Luft,
sauberes Wasser, gesunde Böden und ein Höchstmaß an endlichen Ressourcen verfügt.
Deshalb lautet unser Motto:
„Für Mensch und Natur“.
Der NABU Sachsen steht für praktische Naturschutzarbeit vor Ort sowie Lobbyarbeit auf
landespolitischer Ebene. In Sachsen ist er mit nahezu 70 Gruppen flächendeckend für die Natur im
Einsatz. Die Landesgeschäftsstelle hat ihren Sitz am Gründungsort des NABU Sachsen in Leipzig
und fungiert als Schnittstelle zwischen dem Bundesverband und den regionalen NABU-Gruppen.
Fachlich interessierte Naturfreunde finden sich in Fachgruppen oder Fachausschüssen zusammen.
Unsere NABU-Naturschutzstationen und unsere Naturschutzjugend, die NAJU, bieten
Naturführungen, Naturerlebnisse und Fortbildungen an. Im Mitglieder-Magazin „naturnah"
berichten wir zweimal im Jahr über aktuelle NABU-Aktivitäten.
NABU (Naturschutzbund Deutschland) Landesverband Sachsen e. V.
Löbauer Straße 68
04347 Leipzig
Telefon: 0341 337415-0
Fax: 0341 337415-13
E-Mail: landesverband@NABU-Sachsen.de
Landschaftsschutzgebiet Limbacher Teichgebiet. Foto: Ulrich Schuster